23.12.2009, 16:37
Einige Tage waren vergangen seit jener Nacht, in der Nyota und Lagoon fort gezogen waren, das Rudel hatte sich verstreut, nur Banshee und Acollon standen zusammen am Rudelplatz am See, Leé saß bei ihnen. Die drückende Hitze lastete schwer auf ihren Schultern und über ihnen türmten sich die Wolken am Himmel auf. Dunkel, erhaben und bedrohlich, es sah nach einem Gewitter aus.
Banshee atmete tief die stickige Luft ein, bei jedem Atemzug berührte ihre Flanke die Acollons. Es war eine schwere Zeit für sie gewesen, Nyota hatte sie alleine gelassen und die Verantwortung für das Rudel hatte nun sie alleine. Und nun wusste sie nicht wo das Rudel war, nur Acollon stand warm an ihrer Seite, es war Zeit alles neu zu ordnen. Langsam hob sie die Schnauze und stimmte ein Heulen an, rief das Rudel, hoffte, dass sie kommen würden. Als sie verstummte und die Schnauze sinken ließ wanderte ihr Blick kurz zu Acollon, sie lächelte leicht, war dankbar, dass er noch bei ihr war und setzte sich dann langsam. Kurz ruhten ihre Augen auf Leé, den kleinen Welpen hatte sie kaum kennengelernt, dann sah sie wieder zum Wald.
Der mischfarbene Rüde Reiyn streifte durch den Wald. Er gähnte ausgiebig und setzte gelangweilt die Pfoten auf den trockenen Waldboden. Es hatte sich mit den Tagen eine enorme Hitze angestaut. Mittlerweile war die Luft schon so stickig, dass es schwer fiel zu atmen und zu einer Zumutung geworden war, mehr als einen kleinen Pfotenmarsch auf der Tagesordnung stehen zu haben. Doch die dunklen Wolken am Himmel weckten in ihm die Hoffnung, dass ein kräftiges Sommergewitter die Hitzewelle noch gegen Abend beenden würde.
Reiyn seufzte und sog anschließend tief die schwere Luft ein.
.oO(Wie schön, einmal einen Atemzug tun zu können, ohne gleich den Geruch dieser Saubande in der Nase stehen zu haben.)
dachte er grimmig und ging zwischen einigen niedrigen Büschen hindurch. Schon seit Reiyn den Wald betreten hatte, lag der Geruch eines fremden Rudels in der Luft und auch, wenn er nicht wusste, was er von den Wölfen hier zu erwarten hatte, fühlte er sich das erste Mal seit langer Zeit leicht im Innern. Weg von dieser Drecksbande.
Der Geruch der fremden Wölfe war mittlerweile so intensiv geworden, dass sie nicht mehr weit entfernt sein konnten. Reiyn überlegte, wie er wohl reagieren würde, wenn er ihnen begegnete, doch bevor er sich ernsthaft Gedanken darüber machen konnte, lenkte ihn ein erfrischender Duft ab. Der Duft von kühlem Nass.
.oO(Eine Abkühlung wäre jetzt genau das Richtige.)
dachte er und sog das bisschen Frische gierig auf. Er begann zu rennen. Beinahe beflügelt wetzte er durch den sich lichtenden Wald. Die Bäume wichen und zum Vorschein kam ein See. Nicht irgendein See. Ein See, wie man ihn sich in seinen Träumen nur vorstellen konnte. Kühl und weit und nass und ... Reiyn bremste ruckartig. Fast direkt neben ihm saßen drei Wölfe beisammen. Ein großer schwarzer Rüde, eine weiße Fähe und ein Welpe. Reiyn stand regungslos da und starrte sie an.
„Ich ...“, sagte er. „Ähm ... Tag.“
Falk saß - aller Hitze zum Trotze - auf den Trümmern der zerstörten Höhle und ließ die Sonne auf das dunkle Fell auf dem Rücken brennen. Zunächst reagierte er nicht auf den Ruf Banshees, zur Zeit brauchte der Grauwolf erst einmal Ruhe, denn in den letzten Tagen fühlte er sich schwach und kränklich und außerdem war zu viel passiert, als dass man einfach darüber hinwegsehen konnte. Ohne große Überraschung registrierte der Hüne die Wolkenberge, die sich am Horizont und über ihm aufzutürmen begannen und vertrieb mit dem linken Ohr eine allzu lästige Fliege.
Der Fortgang Nyotas und Lagoons hatte auf ihn, Falk, vom Gefühl her kaum Veränderungen mit sich gebracht. Er hatte die beiden Fähen praktisch nicht kennengelernt und konnte somit sagen, dass es für ihn nichts bedeutete ob sie nun da waren oder nicht. Lediglich was die Rangfolge im Rudel anbelangte hatte der Fortzug der beiden Wölfinnen auch seine Spuren bei Falk hinterlassen, es gab nun nur noch eine Alpha und wenn nun Acollon diesen Posten erhalten würde, wäre es nur logisch, dass er, Falk auf den Beta-Rang nachrückte, immerhin war er dafür sozusagen prädestiniert.
Erst das Auftauchen des fremden Rüden riss Falk aus den Gedanken und er rappelte sich auf um zu den anderen Rudelmitgliedern zu stoßen und den Fremden zu begrüßen - oder fortzujagen, je nachdem. Zumindest sein Auftreten konnte den Fremden einfach nicht unbeeindruckt lassen, dachte Falk mit einer gewissen Befriedigung bei sich, war er doch um einiges größer als sogar ungewöhnlich große Rüden.
Banshee sah auf, als plötzlich ein fremder Rüde auftauchte, doch anstatt sich zu ärgern oder sonst eine Reaktion zu zeigen, blieb sie sitzen, gab sich nicht als Alphawölfin zu erkennen. Fast erwartete sie, dass Nyota aus dem Wald gestürmt kam und den Rüden freundlich begrüßte, so wie sie es immer getan hatte, aber natürlich blieb alles still, nur der mischfarbene Rüde stand da vor ihnen und schien eine Antwort zu erwarten. Sie ließ noch ein wenig Zeit verstreichen, bereitete sich darauf vor wieder Leitwölfin zu sein, wieder ein Rudel zu führen und erhob sich dann langsam. Fast zögernd stellte sie die Rute auf und richtete sich ganz auf, verharrte wieder einige Herzschläge lang, doch gab sich schließlich einen Ruck. Schon viel sicherer trat sie auf den Rüden zu und lächelte ihn an.
"Willkommen, Fremder, ich bin Banshee, Leitwölfin dieses kleinen Rudels und was führt dich zu uns?"
Dayon lag alleine unter einer noch jungen Weide. Die Hitze schien ihn schier zu erdrücken, auch wenn die Wolkenberge die Sonne verdeckten. Er dachte nach, über Falk und Ayala, die beiden Wölfe mit denen er so gerne wieder reden würde, die ihm Erleichterung verschafft hatten und das Gefühl verstanden zu werden, ja, Falk verstand ihn, er hatte seine Gefährtin genauso verloren wie er selbst. Auch sehnte er sich nach Moon, er wusste, er war ein schlechter Vater, wollte immer wieder aufstehen und nach ihm suchen, doch wusste er auch, dass Banshee sicher auf ihn aufpassen würde. Oder Ayala, sie hätte Moon verdient, sie hätte es verdient einen kleinen Welpen zu haben, zu umsorgen, ihren Welpen zu nennen. Er seufzte leise schloss die Augen, fragte sich, ob er schlafen könnte ohne von Jahlay zu träumen. Doch bevor er einnickte erscholl ein Heulen, ein Ruf sich zu sammeln, Banshee. Er hob den Kopf, zögerte kurz, stand dann aber auf und schlug den Weg zum Rudelplatz ein. Er hatte es mitbekommen, nur flüchtig, Nyota hatte das Revier verlassen, die Alpha und Schwester Banshees. Dayon hatte sie nicht gekannt, wusste nichts über sie und vermisste sie so kaum, nur Banshee schien es hart getroffen zu haben. Auch Lagoon, eine geheimnisvolle Fähe, de er nie gesehen hatte sollte gegangen sein, doch konnte es auch nur eine Geschichte sein, vielleicht gab es diese Fähe überhaupt nicht. Noch während er nachdachte stieg ihm der Geruch eines Fremden in die Nase und er trat auf den Rudelplatz am See hinaus. Noch nicht viele schienen versammelt, lediglich Falk, Banshee, Acollon und ein ihm noch fremder Welpe saßen da vor dem unbekannten Rüden. Lautlos trat er hinzu und ließ sich neben Falk nieder.
Als Banshees Ruf erklang, durchfuhr Ayala eine Welle von Freude. Vielleicht würde nun der alte Zusammenhalt des Rudels erweckt, vielleicht würden sie Dayon wiederfinden...sie dachte an jene Nacht zurück, in der sie mit Moon weggegangen war, ihm die Geborgenheit gegeben hatte, die ihm sonst fehlte. Und wie die davor zusammen mit Falk bei Dayon saß, ihm zuhörte, ihn immer besser verstand. Seither war Moon kaum von ihrer Seite gewichen, hatte ihre Einsamkeit mit seiner Lebendigkeit schöner, erträglicher gemacht. Und doch hatte sie sich zurück gewünscht, zu den anderen...zu Banshee...zu Falk. Sie vermisste sie, doch bis zu eben diesem Moment hatte sie nicht zurückgehen können, hatte Zeit für sich gebraucht. Die weiße Fähe betrachtete den kleinen Moon, der in der Mittagshitze döste. Sie erhob sich langsam und stupste ihn sanft an - er vermisste seinen Vater sicherlich auch...
"Moon, lass uns zurückgehen."
Mehr brauchte sie nicht zu sagen, schaute Moon auffordernd an, drehte sich um und lief los.
Moon spürte die nasse Schnauze Ayalas in seinem dichten Fell. Er hob seine Lider und blinzelte sie an - warum weckte sie ihn? Er vernahm ihre sanfte Stimme...sie wollte zurück zum Rudelplatz. Zurück zu Acollon. Ein Zittern durchfuhr seinen kleinen Körper, überwältigte ihn, machte ihn zum Knecht der Angst. Er folgte Ayala lautlos, ohne Widerspruch, er wusste, wie gerne sie zurückwollte, wie sehr sie die anderen vermisste. Am liebsten wäre er für immer hier geblieben, alleine mit jemandem, der ihm Liebe und Geborgenheit vermittelte, dem er wichtig war...er sah in seinen Gedanken plötzlich Dayon vor sich...war er nicht ungerecht - natürlich liebte ihn auch sein Vater, er wollte bestimmt für ihn da sein, ihn bedingungslos annehmen - doch er konnte es nicht. Er konnte ihm nicht zeigen, was er fühlte.
Lange hatte der Sohn Fenris´ geschwiegen und dem leichten Atem Banshees gelauscht. Es war nun so passiert, dass Nyota, die feurige Wölfin und Alpha, das Rudel gemeinsam mit Lagoon verlassen hatte. Dem schwarzen Rüden war es eigentlich so ziemlich egal, wer nun ging und wer nun kam. Doch Nyota hatte Wirkung auf ihn, Acollon, hinterlassen, es war so, dass der schwarze Rüde glaubte, er müsse das Rudel verteidigen, er müsse nun alleine auf Banshee achten, sie beschützen! Und das würde er tun, zweifelfrei auch ohne Nyotas Abgang. Als Banshee sich erhob und die anderen Wölfe zusammen rief, sah er nur matt, wie seine Gefährtin sich bewegte, er würde aus dem Hintergrund der Dunkelheit alles beobachten, schließlich war seine Fähe Alpha und musste nun das Rudel über den verbleibenden Fortlauf informieren, und er würde darauf achten, dass Banshee Gehör bekam.
Erst als ein mischfarbener Rüde auf der Lichtung so plötzlich auftauchte, wagte Acollon die Ohren zu spitzen und sich ruckartig zu erheben. Er hielt Abstand, erst als Banshee auf den Fremden zuging, trat auch Acollon aus dem Schatten und stolzierte auf den Fremden zu, nicht mit erhobener Rute sondern nur mit deutlicher Warnung in seinem ganzen Erscheinen.
.oO(Nicht schon wieder ein Wolf der kein Zuhause mehr hat und sich ins Rudel stielt. Nur ruhig Blut, alter Junge, du wirst schon frühzeitig eingreifen, wenn es Banshee zuviel wird.)
Und obwohl Acollon auch wusste, dass Basnhee eine starke und kluge Persönlichkeit hatte, machte er sich Sorgen. Es war auch nicht gerade ungewöhnlich, Nyota war erst vor kurzem gegangen, und sonst war es doch die schwarze Fähe die dominierend und immer kampfbereit war, und Banshee eher sanft und freundlich auf andere zuging.
Die weiße Fähe neben Reiyn hatte sich erhoben und als Alphawölfin zu erkennen gegeben. Sie wollte um seine Gründe wissen, die ihn hierher führten. Reiyn öffnete die Schnauze; wollte gerade antworten, als sein Blick zu dem gewaltigen, schwarzen Rüden, der sich an die Seite der Leitwölfin gestellt hatte, glitt. Er schaute ihn auf eine Weise an, die Reiyn gar nicht gefiel. Er war auf ihn zugekommen und seine gesamte Körperhaltung brachte ihm Abneigung entgegen. Reiyns Schnauze klappte abrupt wieder zu. Der erwartungsvolle Ausdruck in seinen gelben Augen veränderte sich, wurde kälter. Ganz genau wie sie ... Er warf dem schwarzen Rüden einen letzten, unergründlichen und doch abgeneigten Blick zu und wandte sich dann wieder an die weiße Fähe.
"Seid gegrüßt, Alphawölfin. Mein Name ist Reiyn und ... ich ... bin auf Wanderschaft. Ich wäre Euch dankbar, wenn ich ... wenn ich einige Zeit in diesem Revier bleiben dürfte."
Reiyn war sich nicht so sicher, was er eigentlich wollte. Er hatte sich nie überlegt, wie es wäre, ob es möglich wäre, in einem anderen Rudel zu leben, als in ... jenem. Oder ob er es überhaupt wollte.
Reiyn hatte aus dem Augenwinkel gesehen, wie einige Wölfe aus dem Wald auftauchten. Doch er drehte sich nicht um. Erst wollte er eine Antwort.
Banshees Blick zuckte kurz zu Acollon, sie konnte an seinem Gesichtsausdruck ablesen was er dachte, leise lächelte sie und berührte ihn kurz an der Schnauze. Dann wandte sie sich wieder zu dem Fremden.
"Willkommen Reiyn, bleibe so lange in diesem Revier, wie es dir beliebt. Du bist immer willkommen."
Wieder lächelte sie, dann setzte sie sich zu ihrem Gefährten und suchte mit den Augen andere Wölfe. Falk, Dayon, Ayala und Moon waren gekommen, jedem schenkte sie ein dankbares Lächeln, doch fragte sie sich auch, was aus Varloc, Jorun, den Welpen und all den anderen geworden war.
Der graue Rüde stand auf einem kleinen Felsen und sah in die Ferne. Sein Atem war immer noch leicht keuchend, er wusste zwar, dass seine Weggefährtin ihm bald folgen würde, und doch waren seine Sorgen groß. Shion war sicherlich kein Rüde der einfach aufgab und sich zurück zog, doch sie hatte Recht, er war zu rasend, als dass er die Provokationen über sich ergehen lassen könnte, ohne sie nicht zu beachten. Immer noch waren Lefzen blutverschmiert und eine war sogar angerissen. Aus seinen Ohren sickerte das rote Lebenselixier, auch seine Pfoten waren noch blutig. Es war nicht zu übersehen, dass er gerade gekämpft hatte. Und die Lust weiter zu machen, war groß.
Shion stemmte seinen schmalen Körper auf und heulte kräftig, es war der Schlachtruf zu einem Kampf. Es war das Zeichen für alle Wölfe, dass er, Shion, und seine Weggefährtin den Kampf bestanden hatten und immer wieder bereit waren, erneut zuzuschlagen. Ja, er war stolz auf seine Taten.
“Leyla, du wirst es schaffen, ich bin mir sicher. Du brauchst kein Glück und auch keine Hilfe, du weißt, dass dein Können, besser als das manch anderer ist! Du und ich, wir haben es geschafft. Wir beide haben mehr bewiesen, als manch anderer, haben uns dem Tod gestellt! Haben ihn besiegt! Fenris sei Dank!“
Der graue Shion lachte fast noch in demselben Augenblick, wie er heulte. Ja, er hatte es zusammen mit Leyla geschafft! Seine geliebte Leyla. Nur langsam bemerkte er den Geruch der anderen Wölfe. In einem geduckten Gang, der fortwährend schnell war, sprang er vorwärts und geriet in wenigen Sekunden auf eine Lichtung, auf der andere Wölfe standen. Sofort hob Shion seine Rute an und knurrte verwerfend.
“Ich sage nur eins, Feindlichkeit bringt euch gar nichts.“
sagte er als Warnung, auch wenn ihm bewusst war, dass er feindlich den anderen gegenüber gesinnt war. Seine Haltung sprach eindeutig für einen Kampf, und das Blut an seinem Körper, machte es nicht gerade zu einem schönen Anblick. Doch der graue Rüde konnte diesen Blutrausch noch nicht ganz überwinden und stand fast wartend auf einen Angriff da. Doch der Schein und der Begriff der Realität hämmerten nun fast auf ihn an. Jedoch beließ er es bei seiner Haltung sagte dann so beiläufig wie es ging.
„Mein Name ist Shion, Wolf der Zeit.“
Seine Augen wanderten kurz zu einer weißen Fähe, sie schien Alpha zu sein, daneben ein, Shion stockte kurz, da war ein schwarzer großer Rüde, der so aussah, als würde er mit jedem gleich den kurzen Prozess machen. Der Jungrüde war keineswegs ängstlich, doch schenkte er diesem Rüden jetzt schon Respekt, doch so selbstsicher, wie er zu Anfang war sagte er kalt: „Meine Weggefährtin wird auch bald eintreffen“, sein Augenmerk glitt zu einem Mischfarbenen Rüden, dann zu den anderen Wölfen ringsum. Nur langsam konnte Shion begreifen, dass er es war, der unterlegen war. Aber er scheute nicht davor zurück, seine selbstsichere Haltung zu Arroganz werden zu lassen. Manch Wolf konnte nicht mit dieser Art umgehen.
„Euer Revier?“
fragte der graue Rüde und sah die weiße Fähe an, sie hatte so ziemlich das gegenteilige Gesicht zu Leyla. Sie war geschmeidig und weiß, schien freundlich und adrett. Der Rüde schmunzelte, Leyla war ein Wildfang, der die Freiheit liebte, und kein Blatt vor die Schnauze nahm. Sie sagte offenkundig ihre Meinung und zeigte nur selten Schwäche, jedoch oft Gefühle. Oft war seine Weggefährtin dabei ihn zu schelten und ihn zu Recht zu weisen, und Anfangs hatte sie ihn sogar gehasst und verachtet, doch in Laufe der Zeit wurden sie Freunde, ja, der Wolf der Zeit hatte die Wölfin mit den smaragdgrünen Augen lieb gewonnen und ihr Vertrauen geschenkt, und sie hatte ihn akzeptiert, hatte ihn oft beschützt und zeigte sich immer erkenntlich, wenn er bei ihr war. Und wahrlich, wenn man die beiden betrachtete, bekam die Liebe eine neue Bedeutung. Sie waren keine Gefährten, nur Weggefährten, sie waren Freunde, die einander das Leben schenkten. Sie hatte ihn immer auf Abstand gehalten, aus Angst er würde eines Tages über sie herfallen, Shion hatte sich immer geduldig gezeigt und war auch auf Abstand gegangen, nur als sie drohte ihr Leben wegzuwerfen, war er ihr zur Stelle, hatte mit ihr gekämpft, hatte ihr eine Pfote geboten, die sie aufhalten sollte, wenn sie zu fallen drohte. Ja, er hatte sein Leben für sie gedreht und gewendet, hatte sich seiner eigentlichen Abneigung gegen den Kampf gestellt und hatte für sie erlernt, wie man siegt. Niemals hatte Leyla diese Bedingung gestellt, hatte ihn sogar davon abgehalten, doch er war ein Rüde und keinesfalls dumm oder naiv. Er wusste was er wollte, und auch, wie er es bekam.
Zwar musste er jetzt gegen seinen Willen Leyla gehen lassen, sie mussten verhandeln, musste ihr Volk, oder auch ihr Rudel retten, musste es im Sicheren wissen, dann würde sie ihm folgen! Sie war stark und hatte immer Treue zu sich selbst bewiesen. Sie hatte trotz großer Probleme kühl und loyal immer Haltung bewahrt.
Sie war die perfekte Gefährtin, sie war ein Wesen mit unheimlichen Fähigkeiten, die einen immer wieder zu staunen bringen! Sie war einzigartig in ihrer ganzen Art.
Falk schenkte Dayon ein Lächeln, als dieser sich neben ihn setzte und als er spürte, dass auch Ayala sich näherte, gelang es dem Rüden nur schwer, die Unruhe zu unterdrücken. Er wusste es nicht genau, war jetzt alles sicher zwischen ihnen, sah auch Ayala ihn als den Rüden, mit dem sie ihr weiteres Leben verbringen wollte, so wie Falk sie als die neue Fähe an seiner Seite sah?
Seit jener Nacht, in der sich zwischen ihm und Ayala so vieles geändert hatte, hatte Falk praktisch nicht mehr an Leah gedacht, nur in einigen schweren Träumen hatte er wieder ihr Gesicht gesehen und erlöschenden Augen. Und dann war da noch die Geschichte mit Varloc... Falk kam ein Gedanke; ob er Ayala bitten könnte, gemeinsam mit ihm klare Verhältnisse mit der Werwölfin zu schaffen? Kurz drehte er sich um, schenkte der Weißen ein Lächeln und wandte sich dann diplomatisch an den fremden Rüden:
"Auch mir sollst du willkommen sein, Reiyn, wenn du den Frieden mit dir bringst und achtest. Mein Name ist Falk und an mir soll dein Aufenthalt in unserem Revier vorerst nicht scheitern."
Durch die freundliche Stimme des Rüden schwang die Spur der Warnung hindurch, die Reiyn nicht verärgern sollte, sondern lediglich signalisieren, dass auch er seinen Beitrag zu einem harmonischen Miteinander leisten sollte. Er musterte den Fremden genauer und befand, dass vorerst keine Gefahr von ihm ausgehen würde. Und solange es ihn, Falk, gab, würde sich das nicht ändern, dachte Falk bei sich und erhob sich zu seiner vollen Größe von 105cm...
In diesem Moment erkannte Falk, dass es vermutlich gut gewesen war sich direkt aufzubauen, denn der andere Rüde, der zum Rudel gestoßen war, ein grauer Wolf, wirkte alles andere als friedlich gesinnt.
"Schon so manchen hat seine Arroganz den Kopf gekostet und so manches erhitzte Blut floß dann doch in meinen Rachen, Fremder... Verhalte dich ruhig und dir wird es nicht genau so ergehen. Drohungen sind völlig fehl am Platze, denn ja, dies ist unser Revier."
Falk warf Acollon einen kurzen Blick zu und fragte sich, was der wohl denken mochte von den Fremden. Betont gelassen schlenkerte er mit der Rute und beobachtete Ayala aus den Augenwinkeln.
Banshee lächelte, Falk hatte den Rüden nun auch begrüßt, nur noch Acollon, dann würde sie vielleicht die Versammlung abhalten können. Varloc vermisste sie, wünschte sich, dass sie in ihren Kreisen weilen würde, doch noch war keine Spur von ihr. Sie wollte sich gerade zu Falk drehen und sich erkundigen, ob er sie vielleicht gesehen hätte, als ein heulen erklang, doch keines Falls ein friedliches, um Einlass bittendes. Nein, ein aggressiver, zum Kampf schreiender Ruf. Sofort war sie auf ihre Pfoten, die Ohren aufgestellt, das Nackenfell leicht gesträubt. Wenige Herzschläge nach dem heulen trat dann ein fremder Rüde aus dem Wald auf die Lichtung hinaus und kam aus sie zu. Blut klebte an seinen Körper, überall war es verteilt, der Rüde sah schrecklich aus. Doch schon nach kurzer Zeit entspannte sich Banshee, der Fremde schien zwar nicht gerade freundlich, doch stellte er sich vor und redete etwas von eine Weggefährtin. Mittlerweile huschte wieder ein Lächeln über ihre Schnauze, hier schien eher ein verwirrter Jungwolf vor ihr zu sitzen, doch sie ließ sich nichts anmerken.
"Jìaye Shion, ich bin Banshee und du bist hier in meinem Revier bei meinem Rudel."
Ihre Augen versuchten jede Reaktion des Rüden zu bemerken.
"Ich denke nicht, dass wir feindlich sind, eher umgekehrt kommt es mir vor. So sage mir, was suchst du hier?"
Sie warf Falk einen Blick zu, zwar verstand sie, warum er so reagierte, doch wünschte sie sich auch, dass er versuchen würde unter die Fassade zu blicken und vielleicht dann die Gründe für das Handeln eines jeden Wolfes zu sehen. Dieser Jungwolf schien nicht wirklich aggressiv, doch was er war, konnte auch sie noch nicht sagen.
Der Sohn Fenris´ zog die Augenbraue hoch, der mischfarbene Rüde war im Ernsten Moment seiner Besinnung als der andere Fremde kam, nicht mehr so wichtig. Sein Blut begann zu kochen, ein heller Piepton hämmerte gegen Acollons Trommelfell. Die Augen des schwarzen Rüden verengten sich und er fletschte die Zähne.
“Weißt du, ich habe Verständnis für geistig behinderte Wölfe, jedoch nicht für Wölfe die dumm und gleichzeitig auch noch frech sind. Aber weil mein Gemüt ja so groß ist, gebe dir meinen Segen für deinen weiteren Weg, der dich sicherlich wieder aus unserem Revier führen wird.“
Gab er kalt von sich und schritt nun völlig aus dem Schatten Banshees. Seine Erscheinung war nicht mehr bedrohlich, sondern gefährlich und ernst zu nehmen.
„Ich weiß ja nicht, was dir in den Schädel hämmert, dass du einen Kampf gewonnen hast und deshalb gleich so stark bist, dass du nichts mehr zu befürchten hast. Diese Wölfe stehen unter meinen Schutz und ich werde mit Sicherheit deine dreckige Anwesenheit nicht dulden, solange du so ein scheiß Verhalten an den Tag legst. Kommst hier in unser Revier, tust so, als ob du unnahbar wärst und beleidigst dabei meine Ohren, du Drecksrüde.“
knurrte Acollon lautstark und schritt weiter auf den jungen Rüden zu. Er war beträchtlich schwächer als er, Acollon. Was den schwarzen Rüden so sauer machte, wusste er selbst nicht, doch er konnte diesem grauen Fleck Schande nur wünschen, dass er Acollon nicht weiter reizte, denn selbst dann könnte ihn niemand mehr aufhalten ihn eine Rutenlänge zu kürzen. Nein, er würde eine Strafe anwenden, die jedem kenntlich zeigte, dass er ein Schwätzer war, er würde ihm ein Ohr zerfetzen. Der schwarze Rüde sah zwischen den beiden Ohren hin und her, entschied sich für das linke und schnappte zu, augenblicklich sickerte Blut auf das Fell das grauen Wolfes, das ohnehin schon verschmutzt mit Blut war.
„Meine Warnung war deutlich, noch ein falsches Wort und du bist dein Ohr ganz los.“
Reiyn blieb stumm, als er die Worte Banshees vernahm. Auch sein Gesichtsausdruck verriet nichts, war starr. Doch in seinem Innern wurde es ihm unangenehm heiß. Er fühlte sich, als lägen glühende Kohlen in seinem Magen. Reiyn wusste immer zu reagieren, wenn er angegriffen wurde, aber nun war alles so freundlich, dass ihm einfach nur unbehaglich zu Mute war. Zum Glück lag in der Stimme des nächsten, der ihn ansprach, etwas mehr Schärfe. Reiyn drehte sich um und fand sich im Angesicht eines Hünen wieder. Sein eines Auge zuckte kurz und verdächtig. Gegen diesen Rüden kam Reiyn mit seinen schon für normale Fälle recht kleinen 75 cm Schulterhöhe nicht an. Doch der grau, schwarze Rüde vor ihm war für Reiyn geheurer, als diese Banshee, die so herzlich war, dass er nichts zu sagen wusste.
„Tag, Falk. Freut mich.“
brachte Reiyn heraus und hob kurz und grüßend die Pfote vom Boden.
„Wer ich bin, weißt du ja schon.“
Reiyn überlegte und hatte gerade beschlossen, sich doch noch einmal an Banshee zu wenden, um sich bei ihr für die Gastfreundschaft zu bedanken. Auch, wenn man ein „Dankeschön“ eher selten aus seinem Mund zu hören bekam. Doch bevor es dazu kommen konnte, ertönte ein Kamfesruf und schon kurz darauf, spürte Reiyn, wie jemand auf die Lichtung gerannt kam und sich mit seinem ersten Satz unbeliebt bei ihm machte. Er drehte langsam den Kopf zur Seite und sein Blick traf scharf in die Augen des Fremden. Er war grau, doch davon sah man wenig, da sein Fell zum Großteil blutgetränkt war. Dem schwarzen Rüden, der an der Seite der weißen und allzu freundlichen Banshee gestanden hatte, schien sein Auftreten auch nicht zu gefallen, genauso wenig wie dem Hünen Falk. Beide hatten ihn zurechtgewiesen, doch der Schwarze hatte gleich zugelangt und dem Fremden mit einem Biss das Ohr zerfetzt. Reiyn zuckte kurz zurück, das waren selbst für ihn raue Sitten.
Leé lugte nervös hinter Banshee hervor. Sie sah den fremden Rüden, doch eigentlich fürchtete sie sich nicht vor ihm. Solange er ihr nicht zu nahe kam. Sie tritt hinter Banshee hervor und schlich ganz langsam hinter Acollon um sich den neuen Mal von der nähe anzusehen. Der Fremde war nichts Besonderes in den Augen Leé's, doch das interessante war, dass Acollon ihn als Bedrohung darstellte. Aco sagte etwas von beschützen und Leé war ein bisschen geschmeichelt, dass sie so ohne weiteres aufgenommen wurde. Leé stand aufrecht möglich imposant da und schaute mit ihren klugen gelben Augen neugierig von Acollon zu dem neuen. Wie hieß der Neue? Leé wollte es unbedingt wissen und am liebsten wäre sie sofort vor ihn hin gestanden und ihn gefragt. Doch sie nahm sich zusammen und beschloss damit zu warten, denn so wie es im Moment aussah, würde Acollon entscheiden ob der Fremde hier bleiben darf.
Falk nickte kurz und befriedigt. Acollon fackelte nicht lange und das gefiel dem Gamma; ein Rüde mit Tatkraft, der ohne lange Reden zu schwingen sofort deutlich machte, wie die Machtverhältnisse im Rudel waren. Sicherlich, dem Fremden, welcher noch dazu verletzt war direkt ins Ohr zu beißen war eine harte Reaktion, aber dennoch: Der Fremde hatte das Rudel bedroht, insbesondere wegen der Gefahr für die Welpen war die Strafe angemessen und sinnvoll.
"Schön ..."
sagte der Rüde mit etwas frostiger Stimme,
"… nachdem nun auch die letzten Störungen beseitigt sein dürften …"
Er warf dem fremden Grauwolf einen scharfen Blick zu und sah dann hastig zu Ayala,
"… können wir nun vielleicht zur Tagesordnung zurückkehren, oder, Banshee, Aco?"
Um seinen Respekt zu verdeutlichen zog der Hüne die Schultern etwas ein und trat zurück zu Dayon, ohne dabei den unfreundlichen Fremdling aus den Augen zu lassen. Was ließ den Rüden agieren wie ein Wahnsinniger? Mit den Verletzungen und im Angesicht solcher Gegner konnte kein Wolf, der nicht halbwegs lebensmüde war, so auftreten, oder? Was bewegte ihn? Was war ihm geschehen?
Ayala war inzwischen, dicht gefolgt von Moon, bei den anderen angelangt. Sie verhielt sich im Moment ruhig, wollte nicht ins etwas angespannte Gespräch mit den beiden Fremden hineinplatzen.
In Wirklichkeit konnte sie es allerdings kaum abwarten, zu Falk zu gehen, seine Wärme zu spüren...sie hatte viel über ihn und sich nachgedacht, hatte einen Entschluss getroffen ... Auch mit Ban, ihrer Schwester im Geiste, und Acollon, dem treuen Rudelmitglied, der kurz nach ihr dazugestoßen war, als sie noch gar kein richtiges Rudel waren, hatte sie so lange nicht mehr geredet ... Sie hatte das dringende Bedürfnis alle herzlich zu begrüßen, allen ihre Dankbarkeit zu zeigen, sie war so froh, sie zu haben ... Gerade jetzt, als Nyota und Lagoon gegangen waren, schien alles so fremd, so neu - und doch waren sie alle immer noch die einstige eingeschworene Gemeinschaft.
Der Rüde sah verdutzt auf, er hatte wirklich nicht mit einer solchen Tatkraft gerechnet. Der graue Shion war von so einer geballten Ladung Aggressivität überwältigt, doch er nahm keineswegs nun ein Blatt vor die Schnauze, er grinste frech und sagte leise.
„Passend zu meinem Aussehen, findest du nicht? Schwarzes Übel?!“
Er lachte grollend auf und stellte sich aufrechter. Sein Blick glitt zu der weißen Wölfin.
“Schöne Banshee, ich werde nur auf meine Weggefährtin warten und dann verschwinde ich aus eurem Revier.“
Erst hatte der Wolf der Zeit überlegen müssen was ein Revier war, er hatte nie so was wie eine Familie oder ein Zuhause gehabt. Ihm war so was auch nicht wichtig. Er wollte erstmal diesen Rüden auf dem Weg gehen, er war mehr als gefährlich! Langsam setzte sich der Rüde in Bewegung und entfernte sich von der Gruppe Wölfen.
Banshee beobachtete schweigend Acollons Reaktion, sie kannte ihn, sie hatte gewusst, dass er so reagieren würde, doch hatte sie gehofft, ihre Worte würden ihn besänftigen. Seufzend sah sie dem nun verschwindenden Rüden nach, er hatte nicht mehr aggressiv reagiert, er war nur ein Jungwolf ... Kurz blieb ihr Blick an Leé hängen, sie war neugierig und aufgeweckt, schon fast eine Jungwölfin, vielleicht würde sie den Rüden besänftigen können. Sie schien interessiert und aufgeregt.
"Wenn du willst und vorsichtig bist, kannst du ihm vielleicht nach gehen, er scheint mir einsam und verwirrt."
Sie lächelte Leé zu, war sich sicher, dass sie sich um sie keine Sorgen machen musste, Shion würde ihr nichts tun, und wandte sich dann zum Rudel. Ihre Augen glitten über Ayala und Dayon und blieben an Moon hängen.
"Habt ihr euch schon Reiyn vorgestellt? Er wird wohl einige Zeit bei uns bleiben."
Sie lächelte in seine Richtung, dann blieb ihr Blick mit einer undefinierbaren Miene an Acollon hängen.
Dayon beobachtete die Begrüßung der Fremden schweigend und desinteressiert. Der Jungwolf, Shion, schien seltsam ... aber Dayon sah das Gleiche wie Banshee zu sehen schien, seine Aggressivität war nicht wahr. Aber was interessierte es ihn? Ayala war wieder da und da ... da lief Moon. Langsam stand er auf und kam wedelnd auf seinen Welpen zu, küsste ihn auf die Storn, fuhr mit seiner Zunge über sein Fell. Als Banshee von Begrüßung sprach hob er kurz den Kopf und nickte Reiyn, dem neuen Rüden zu.
"Ich bin Dayon."
Doch schon wandte er seien Blick wieder auf Moon, fast schuldbewusst, ihn alleine gelassen zu haben.
Leé hörte Banshee schwanzwedelnd zu und nickte eifrig. Sie durfte den neuen kennen lernen. Leé warf kurz einen Blick auf Acollon. Sie war sich nicht sicher, wie er reagieren würde, doch sie hatte keine Angst, solange Banshee in der Nähe Acollons ist. Nun schritt leé weiter nach vorn und stand auch schon fast vor dem Jungwolf und musterte ihn genau, bevor sie ihn ansprach.
"Hallo! Ich heiße Leé, und wer bist du?"
fragte Leé und versuchte nicht aufgeregt zu klingen. Und wirklich, man merkte ihr fast nichts an, dass sie aufgeregt war. Leé legte abwartend den Kopf schief und schaute und die Augen des Rüden. Schnell schaute sie wieder weg und schaute sich nach den anderen um, die ihr zuschauten. Banshee hatte gesagt, sie dürfe den neuen begleiten. Aber wohin? Eigentlich war das Leé schnuppe, denn sie hätte den Jungwolf am liebsten mit Fragen zugedeckt.
Reiyn nickte Dayon nur kurz zu - er schien mit den Gedanken sowieso woanders zu sein- und wandte sich stumm von der Gruppe ab. Die anderen wollten ... oder vielmehr sollten ihn noch begrüßen, aber Reiyn fühlte sich dadurch nur bedrängt. Etwas steif ging er fort und setzte sich unter die Bäume in den Schatten. Er hatte sich noch bedanken wollen, aber irgendwie wollte ihm sein Mund nicht gehorchen und er brachte nichts heraus. Das Abkühlen hatte er sich vorläufig auch abgeschminkt ... es kam ihm unpassend vor und beobachtet werden wollte er auch nicht. Reiyn seufzte. Es war schwierig auf einmal wieder in eine Gesellschaft zu kommen und dazu noch in eine, in der man seinen Tätigkeiten nicht ignoriert nachgehen konnte. In gewisser Weise war er froh, dass um sein Auftreten nicht allzu viel Tamtam gemacht wurde. Reiyns Blick schweifte über die trockene Erde und wanderte zu seiner Pfote. Wenn man genau hinsah konnte man viele kleine Narben erkennen. Etwas schräg lächelnd dachte er an den schwarzen Rüden und konnte sich schon vorstellen, dass ein Zusammenleben mit ihm nicht immer reibungslos ablaufen würde.
.oO(Verdammt! Da versucht man die Initiative zu ergreifen, alles zum Guten zu wenden, braucht alle mögliche Kraft, um diese Provokationen zu überhören. Und dann greift das eigene Rudel an, jetzt hab ich wirklich nichts Besseres zu tun, als alle 27 Wölfe zusammen zu suchen. Aber nicht mit mir, das war das letzte Mal. Ich suche am besten Shion und wir gehen Richtung Norden.)
Die graue Fähe setzte sich in einem schnellen und sehr seichten Gang fort. Der Gedanke daran, dass sie wohlmöglich versagt hatte, rief in ihr ein tiefes Knurren hervor. Sie hatte nun wirklich ihre Pfote ins Feuer gelegt, und hatte dann so etwas zu erwarten, nein, darauf konnte sie gut verzichten. Leyla war nun schon fast zwei Tage unterwegs und Shions Fährte gefolgt, eins musste man dem Wolf mit den langen Beinen lassen, wenn man ihm sagte, er solle bloß Weitweg laufen, dann tat er dies auch, und wie. Leyla hatte Mühe ihm zu folgen. Die Fährte wurde immer undeutlicher und die graue Fähe erschöpfte unter diesen Bedingungen, die um sie herrschten. Würde Shion weiterlaufen, so konnte ihm Leyla nicht mehr folgen. Sie seufzte, ja, sie hatte einen Narren an diesen Wolf gefressen. Die stolze einsame Wölfin hatte jemanden lieb gewonnen, grausamer Gedanke. Als die Wölfin an einer Lichtung vorbei huschte, erhaschte sie einen Blick auf Wölfe. Sie standen in einem Zirkel und schienen miteinander zu reden. Belanglos für Leyla, doch als sie den starken Geruch des Blutes von Shion bei einem der Wölfe aufnahm, sie blieb ruckartig stehen.
.oO(Na, aufmerksam sind die nicht gerade. Haben mich nicht einmal bemerkt. Der eine, der Schwarze, hat Shions Geruch an sich.)
Und Tatsache, der schwarze große Rüde hatte Shions Blut an einer Lefze hängen. Zorn entbrannt huschte Leyla weiter durch das Unterholz, lautlos an den Wölfen vorbei und folgte Shions Geruch.
.oO(Dieser verdammte Dummkopf. Wenn er mit diesem Wölfen geredet hat, bring ich ihn um!)
Und als Leyla ihren Weggefährten sah, zusammen mit einer Welpin kochte in ihr die Wut hoch.
„Du elendes Stück Dreck, du elender Mistwolf. Hab ich dir nicht gesagt du sollst mit niemanden reden. Du sollst niemand eine Antwort geben? Du solltest jeden Wolf meiden, und du widersetzt dich meinen Anweisungen, du verdammter dummer Wolf? Ich weiß gar nicht warum ich dir gefolgt bin.“
Leyla hatte nicht geschrieen, doch so eindringlich gezischt, dass die Worte fast die doppelte Wirkung hatten. Ihre Augen waren nur noch Schlitze in ihrem grauen Fell und ihre Strenge schien sich auf ihren ganzen Körper auszubreiten. Sie sprang auf ihn zu, warf ihn zu Boden und biss ihm in die Kehle. Zerrte daran und knurrte eindringlich. Als sie jedoch das zerfetzte Ohr sah, huschte ein schneller Anflug von Besorgnis über ihr Gesicht.
„Wer war das?“
fragte sie scharf und wartete auf eine Antwort, ging wieder von Shion herunter und sah ihn an.
Als Leé eine Wölfin, die so plötzlich vor ihnen stand und den neuen anzischte, wurde sie wütend. Leé sprang zurück und knurrte wild und duckte sich leicht hinunter. Leé wollte zeigen, dass sie nicht mehr ein kleiner Unschuldswelpe war. Leé spürte eine wut in sich aufsteigen, denn schließlich wollte sie schließlich den neuen ausfragen und nun kam diese komische Wölfin daher, die Leé noch nie gesehen hatte. Doch Leé merkte auch das es hier um etwas anderes als sie bisher gedacht hatte ging. Jetzt verstand Leé überhaupt nichts mehr. Wer war der Neue? Wer diese Wölfin und von wem sprach sie noch?
Entsetzt, immer noch knurrend beobachtete sie, wie die Wölfin den neuen anfiel und ihn sogleich wieder losließ.
Falk fuhr herum, er hatte den Geruch der Fremden sehr wohl aufgenommen und reagierte dementsprechend. Heute war scheinbar wieder einer dieser chaotischen Tage, an denen Dutzende von fremden Wölfen aufliefen und Ärger machen mussten. Nur zu gut erinnerte sich der Hüne an Diablo und den Konflikt, den er mit ihm gehabt hatte.
"Obacht! Noch ein Fremdling hat das Revier betreten, diesmal eine Fähe... Sollten wir nicht vielleicht eingreifen? Wer weiß, wen uns diese Fremden noch anschleppen ..."
Er ließ einen besorgten Blick über Ayala wandern. Egal was passierte, er würde sie beschützen. Nie mehr würde ihm derselbe Fehler unterlaufen wie damals, mit Leah. Ayala sollte leben, musste leben, solange auch er, Falk, lebte. Er war bereit, sein Leben für diese weiße Fähe aufs Spiel zu setzen, auch wenn er sich seiner Sache bei ihr noch nicht ganz sicher war. Fühlte sie für ihn tatsächlich genauso?
Noch ein anderer Gedanke kam Falk, Varloc war noch nicht wieder aufgetaucht seit er im Unfrieden mit ihr auseinander gegangen war. Doch um sie machte sich Falk keine großen Sorgen, Varloc war stark und hatte ihre Werwolfsgestalt, sie konnte für sich sorgen.
Nun tat er es doch, trat auf Ayala zu und fuhr ihr kurz mit der Zunge über die Schnauze, ohne dabei an Achtsamkeit zu verlieren.
Shion erschrak zutiefst, als erst die Welpin zu ihm sprach und dann eine altbekannte Stimme begann zu zischen. Leyla. Die stolze einjährige Wölfin stand mehr oder weniger auf ihm und beschimpfte ihn. Für den grauen Rüden war dies nichts außergewöhnliches, natürlich machte er andauernd Fehler. Aber vielleicht auch deswegen um nachzuprüfen ob sie auch noch wirklich für ihn Gefühl hegte, oder ihn gar beachtete. Als er jedoch die Besorgnis in ihrem Gesicht sah, wusste er genau, dass diese Fehler sinnlos waren, natürlich sorgte sie sich um ihn, auf eine andere, ganz spezielle Weise.
„Dies war ein schwarzer Rüde, Liebes. Nicht weiter wild, interessiert mich nicht sonderlich. Schließlich ist es nur mein Körper, es sagt nichts aus, wer ich bin oder was ich kann, oder?“
Er sie seine Weggefährtin an. Sie kannte die Wahrheit, ihre Wahrheit. Sie kannte um das schlimme Geheimnis das beide mit sich trugen, sie war streng, streng zu sich selbst und zu ihm, aus Angst, Gefühle könnten sie niederschlagen, eine verbotene Liebe, würde sie schellten.
Langsam wandte der Rüde seinen Blick auf die Welpin, die noch zuvor ihn angesprochen hatte. Ein leichter Anflug eines Lächelns huschte über seine Lefzen.
Die graue Fähe knurrte tief und schaute wieder wütend drein, ihr Blick lag auf der kleinen Welpin, sie sah sie gerade so an, als ob sie es gewesen sei, die Shion verletzt hatte.
.oO(Wenn ich diesen schwarzen Rüden erwische, mach ich Hackfleisch aus ihm. Der kann sich wundern und sich wünschen er sei nie geboren. Den werde ich eins verpulen. So eine Frechheit.)
Leyla hatte sich zu voller Größe aufgerichtet, und es war erstaunlich wie groß und imposant sie aussah, dafür dass sie nicht einmal das zweite Lebensjahr überschritten hatte. Sie war es, die meist die Autorität hatte und sagte, wo lang es ging. Sie zischte dem kleinen Welpen zu.
„Wehe du kommst Shion zu Nahe!“
Dann lief sie zurück zu der Lichtung, auf der sie die Wölfe entdeckt hatte, und ihr fiel ein, dass sie auf dem Weg hierher, einen schwarzen Rüden mit Shions Geruch gesehen hatte. Sofort als sie die Wölfe entdeckte legte sie wieder ihr stolzes und sehr selbstbewusstes, jedoch auch sehr temperamentvolles Verhalten auf.
„Du warst es der Shion das Ohr fast abgerissen hat? Was glaubst du eigentlich wer du bist, einfach einem Jungwolf so was anzutun, hast du schon mal von einem Welpenschutzgesetz gehört? Nein? Dann wird ich dir jetzt mal auf die Schnute binden, dass man keinem Wolf unter 2 Jahren die Strafe verpassen darf. Shion ist zwei. So was Verantwortungsloses hab i …“
Sie verstummte und wurde peinlich berührt. Dieser schwarze Rüde war wunderschön und erinnerte sie an ihren Bruder. Sie schluckte schwer und brauchte etwas um die Fassung wieder zu bekommen, in einem leicht ruhigeren Ton, bemüht wieder sehr autoritär zu wirken sprach sie weiter.
„Mein Name ist Leyla, geboren der Symphonie und des Aryons. Entschuldigt Fremde für unser plötzliches Auftreten, doch wir waren auf Durchreise, ich hatte noch etwas zu erledigen, deswegen hatte ich Shion vorgeschickt. Na ja, jetzt werden wir euer Revier verlassen.“
Sie versuchte ihre Pfoten zu verdecken, um ja zu verbergen, dass sie vielleicht eine Pause brauchte.
„Und trotzdem hättet ihr etwas freundlicher mit ihm umgehen können!“
Leé verstand wieder etwas mehr. Diese Wölfin war die Gefährtin von Shion. Leé war empört, wie sie mit ihrem Gefährten umging. Zuerst greift sie ihn an, dann läuft sie weg und will dann Acollon angiften. Die kleine Welpin fand das, was Acollon Shion angetan hatte ja auch nicht in Ordnung.
Leé konnte das nicht begreifen, doch vielleicht sollte sie das auch noch nicht. Schließlich war sie ja noch ein Welpe. Als die Fremde Leé angegiftet hatte, senkte Le betrübt den Kopf und lief an Shion vorbei, schaute noch kurz zurück, dann setzte sie sich, ein bisschen weiter entfernt von Shion unter einen Busch und legte sich dort hin. Immer wieder schielte sie zu ihm hinüber und murmelte:
"So heißt er also ... Shion."
Eigentlich wollte sie ihn ja selber fragen, doch jetzt hatte sie schon mitbekommen wie er hieß. Warum sollte sie eigentlich von Shion weg bleiben? Sie tat ihm ja nichts. Auch das verstand sie nicht richtig.
Leé wäre gerne wieder aufgestanden und zurück zu ihm gelaufen und hätte ihn mit Fragen bombardiert, doch sie hatte Angst, dass seine Gefährtin wiederkam.
Banshee beobachtete die ganze Situation mit Misstrauen und leichter Verwirrung. Diese beiden Wölfe waren alles andere als normal ... Um genau zu sein schienen sie ziemlich seltsam und verwirrt. Und ebenso hatten sie seltsam schnelle Stimmungsumschwünge ... zuerst dieser Shion, so aggressiv und dann so klein und danach diese Leyla, die scheinbare Weggefährtin, zuerst ebenfalls aggressiv und plötzlich erklärte sie. Banshee erhob sich und stellte sich neben Acollon, nun hoch aufgerichtet, sie war nicht wütend, viel eher sah sie die Situation ausarten, was sie verhindern musste.
"Willkommen Leyla, wir haben bereits Shion kennen gelernt. Ihr sollte beide Mal etwas von Respekt lernen und wenn ihr das Revier verlassen wollt so tut dies schnell und verschwindet für immer."
Sie hatte ganz ruhig gesprochen, ihre Augen brannten sich in die der fremden Fähe, ein Lächeln lag auf ihren Lefzen. Ihre Flanke berührte bei jedem Atemzug die Acollons, schien ihn besänftigen zu wollen, zu zeigen, dass sie auch da war und dass sie die Situation in den Pfoten hatte.
Der schwarze Rüde verkannte keineswegs die Situation, doch als die Fähe, die ihn eben noch sie angeschnauzt hatte, ruhiger wurde, hob Acollon nun noch mehr seinen Kopf und sah sie herblassend, gar uninteressiert an. Jedoch sah er sie an, er hörte ihr zu, ohne ihr gleich das Wort abzuschneiden, großer Fortschritt in kleinen Zügen. Acollon war gerade ganz und gar danach auch diese junge Fähe zu Recht zu weisen, auch Banshees Berührungen trugen dazu bei, dass er ruhig blieb. Die junge Fähe schien trotz ihres jungen Daseins sehr Autoritär, und eins musste er dieser Leyla lassen, sie hatte ein respektheischendes Auftreten, doch nur leider sollte sie dieses Verhalten bei den richtigen Wölfen anlegen. Fenris´ Sohn hatte auch Leé hinterher gesehen, hatte fast dadurch seine ganzen Bemühungen aufgeben müssen, seine Beherrschung zu behalten. Doch es war ihm gleich, was andere Welpen taten. Was sie für richtig hielten, man konnte sie in diesem Alter sowieso nicht, für eine ganze Stimme in der Rudelgemeinschaft zählen, doch Acollon passte sich an …
„Und nicht nur Respekt solltet ihr lernen, Leyla, wie wäre es mal mit der Achtung vor den Wölfen selbst, hm?“
fragte der schwarze Rüde leicht gereizt. Doch sie hatte auch mit ihrem unbeholfenen, wenn auch sehr sicherem Auftreten bewiesen, dass sie noch zu unerfahren war.
Der graue Shion neigte den Kopf leicht zu der Welpin herüber um sie besser sehen zu können, auf seinen Lefzen lag ein Lächeln. Das Blut an seinem Ohr war getrocknet und passte sich den anderen Wunden an. Im Gegensatz zu Leyla hatte es ihn richtig erwischt. Er war immer zwischen die kämpfenden Wölfe gesprungen und hatte zugebissen.
„Leé?“
fragte der Rüde leise und wollte wissen, ob dies wirklich der Name der Welpin war. Sie war hübsch und schien auch nicht mehr unter dem gänzlichen Schutz stehen zu müssen. Er verfolgte eine Weile jede Bewegung Leés erhob sich schließlich und schritt zu der Welpin herüber.
„Darf ich?“
Er deutete auf den Platz neben der Welpin, es war eine unausgesprochene Frage ob er sich setzen durfte. Seine unruhigen Augen lagen auf Leé.
Ayala betrachtete das Geschehen erschrocken und zugleich verwirrt. Was war hier plötzlich los? Die einstige Ruhe schien wohl eindeutig gewichen zu sein... Sie blieb neben Moon sitzen, sie spürte seine Angespanntheit und Angst - gerade jetzt wurde er wieder direkt mit Acollons Art "konfrontiert". Sie schleckte ihm beruhigend und zugleich beschützend über den Kopf. Aus den Augenwinkeln konnte sie erkennen, dass sich Dayon näherte. Sie lächelte ihm freundlich zu und wich etwas zur Seite - sie wollte Moon mit seinem Vater alleine lassen, sie hatten sich so lange nicht mehr gesehen...und sie wollte nicht den Eindruck erwecken, als sei sie jetzt Moons neue Bezugsperson - das war schließlich immer noch Dayon und sie wollte ihn nicht von seinem Platz verdrängen.
Sie ließ den Blick zu dem Neuen, Reiyn schweifen und wollte sich ihm gerade vorstellen, als Falks Blick sie traf...ihr wurde zugleich warm uns kalt - sie hatte die letzten Tage solche Sehnsucht nach ihm die gehabt...
Er trat auf sie zu und begrüßte sie liebevoll - jedoch konnte sie seine Angespanntheit deutlich spüren. Ayala schmiegte sich an ihn, wollte ihm auch ihre Freude über das längst überfällige Wiedersehen vermitteln. Sie blickte ihm tief in die Augen - sie beide wussten, dass der Moment der Aussprache noch nicht gekommen war...sie mussten wohl noch warten. Vielleicht würde es ja heute Nacht ruhiger werden, und dann, dann würde sie nichts trennen können, das schwor sich Ayala - diesmal würde nichts zwischen ihre Zweisamkeit kommen!
Plötzlich musste sie an Dayon denken, sie schaute kurz zu ihm herüber, dann ließ sie wieder ihren Blick sinken, er schien immer so alleine, so abwesend...auch wenn Moon bei ihm war. Oder sollten Falk und sie sich heute noch einmal um die beiden kümmern? Ayala sah ihre Chancen auf eine ruhige Nacht schon wieder schwinden...allerdings mochte sie Dayon, er sollte sich nicht wieder wie das dritte Rad am Wagen fühlen! Sie musste unbedingt mit Falk sprechen, später, wenn ihre "Pflichten!" erledigt waren - sicher dachte er genauso. Sie schleckte ihm noch einmal vielsagend über die Schnauze und suchte mit ihrem Blick wieder nach Reiyn - sie hatte ihn noch immer nicht begrüßt...aber wo war er bloß? Die Fähe sichtete ihn kurz danach im Schatten einiger Bäume, die nicht unweit entfernt von ihr standen. Sie lief darauf zu, schaute noch einmal Falk über die Schulter an, streichelte ihn mit ihrem Blick, und gelangte schließlich bei Reiyn an. Sie musterte ihn leicht und lächelte ihm freundlich zu.
"Hallo Reiyn, herzlich Willkommen! Ich bin Ayala, Gammafähe dieses Rudels...ich hätte mich gerne schon vorher bei dir vorgestellt und dich begrüßt, allerdings geht hier im Moment alles drunter und drüber, wie du vielleicht schon bemerkt hast ..."
Sie hielt kurz inne, überlegte, was er vorher Banshee erzählt hatte, woher er kam...
"... Du sagtest, du seist auf Wanderschaft...wo warst du denn zuletzt - und wie hast du zu uns gefunden?"
Sie wollte ihm nicht zu nahe treten, ihn lediglich in ein Gespräch einbinden, er schien ihr zwar etwas abweisend, aber vielleicht war er ja ganz anders.
Moon wollte nichts mehr hören, sehen ... Er konnte dieses Wirrwarr nicht mehr zuordnen, waren doch die letzten tage im Wald so ruhig und harmonisch gewesen. Er nahm die beruhigenden Gesten Ayalas nicht wahr, seine Sinne waren wie versteinert, nur seine Gedanken waren auf Hochtouren. Er steigerte sich in seine Angst hinein, wurde zum Opfer seiner selbst. Er war kurz davor wegzulaufen, dorthin, wo ER nicht da war. Dorthin, wo er die Vergangenheit vergessen konnte. Erst als Dayon ihn liebevoll berührte, wurde er wieder wachgerüttelt. Der Schleier schien sich in Nebel - und schließlich in Nichts aufzulösen. Moon schmiegte sich eng an seinen Vater, erst jetzt wurde ihm klar, wie sehr er ihn vermisst hatte. Jetzt wünschte er sich nur noch Eines: von ihr fortzugehen ... zusammen mit ihm - und vielleicht noch mit Ayala, Banshee und Falk, die alle nett zu ihm gewesen waren, denen er vertraute. Wobei er sich bei Banshee nicht mehr sicher war, schließlich liebte sie Acollon, würde wahrscheinlich alles für ihn tun.
Moon wollte mit Dayon reden, ihm zeigen, wie wichtig er ihm war. Zugleich hatte er aber Angst, sein Vater würde in die alte Trance verfallen, die ihn hilflos machte.
Reiyn hatte gedankenversunken versucht, die einzelnen Narben ihren Zwischenfällen zuzuordnen, als er einen weiteren Schatten auf sich niederfallen spürte. Er blickte auf und sah eine weiße und zierliche Fähe direkt vor sich stehen. Als sein Blick in ihre grünen Augen traf, erschrak er innerlich ein wenig. Erst in diesem Moment wurde Reiyn ihre Anwesenheit wirklich bewusst. Er drehte schnell seine Pfote um und setzte sich ein wenig aufrechter hin. Wie er eben erfahren hatte, hieß sein Gegenüber Ayala.
"Ähm, hallo, Ayala! Freut mich."
Reiyn schloss kurz die Augen und biss die Zähne zusammen, weil er so einen Stuss redete. Es war natürlich angemessen, diese Fähe zu begrüßen, die sich doch so freundlich vorgestellt hatte, aber Reiyn war es einfach nicht mehr gewöhnt mit anderen Wölfen groß zu sprechen oder friedliche Bekanntschaften zu schließen und fühlte sich ziemlich blöd, weil er so herumstammelte. Er holte tief Luft und versuchte sich zusammenzureißen ... Wie blöd musst du jetzt auf sie wirken?
"Ja ... mh, richtig. Ich war auf Wanderschaft. Von den Bergen im Süden aus sind mir jede Nacht die vielen Sternschnuppen aufgefallen, die über eurem Tal niederfallen und da ich eh weiter gen Norden wollte ... Ach, genau, was hat das überhaupt mit den Sternschnuppen auf sich?"
Reiyns Neugier war wieder geweckt. Während der Hitze der letzten Tage hatte er ganz vergessen, was ihn auf diesen Ort aufmerksam gemacht hatte. Erwartungsvoll und schon gespannt auf die erneute Sichtung der hellen Schweife am Himmel diese Nacht blickte er seinem Gegenüber in die Augen.
Leyla hob empört den Kopf und setzte wieder eine strenge und kritische Miene auf. Sie hasste Kritik, wenn sie auf sich selbst angewandt wurde, schließlich versuchte die graue Wölfin immer alles in die eigene Pfote zu nehmen und zu regeln, dass dabei ihre Welpenzeit verloren ging, bemerkte die Wölfin gar nicht.
„Entschuldigt mal, was erwartet ihr? Eine höfliche Anfrage auf ein Bleiben in eurem so genannten Revier? Hey, wir haben uns durch das Leben gekämpft; wirklich gekämpft; und dann sollen wir von einem auf den anderen Schlag uns total ändern? No way. So läuft das nicht! Außerdem habe ich mich doch nun wirklich zusammengerissen, sei froh, schwarzer Wolf, ich hätte dir am liebsten den Kopf abgebissen. Aber gut, wir werden bei Andacht der Nacht hier verschwunden sein, wenn euch unser Bleiben so unangenehm ist.“
zischte die Wölfin und sah schließlich in die Ferne, um ja den Anblick des Schwarzen zu vermeiden.
.oO(Meine Pfoten werden einen weiteren Marsch nicht aushalten, außerdem habe ich einen solchen Hunger, dass ich Shion die Ohren gänzlich abkauen könnte. Und verdammt, warum sieht dieser Rüde bloß so gut aus. Argh, ich könnte die Krise kriegen, wenn ich nicht genau wüsste, dass es jetzt an dieser Situation nichts ändern wird. Verdammt, verdammt, verdammt!)
Leé lächelte freudig, als sie sah, dass Shion auf sie zukam. Sie musterte jede seiner Bewegungen genau. Shion gefiel ihr außerordentlich gut. Er war groß, war bestimmt stark und hatte schöne Augen. Doch die vielen Wunden, sahen schlimm aus. Leé nickte und sagte:
"Natürlich darfst du dich setzten!"
Leé's Mundwinkel verzogen sich zu einem breiten Grinsen. Schnell rückte sie ein bisschen beiseite und wartete bis er sich setzte. Vor lauter Freude vergaß sie auch ganz ihre Angst vor der Gefährtin Shions.
"Woher kommst du eigentlich und was machst du hier?"
fragte Leé vorsichtig. Beiläufig leckte sie sich die Pfoten sauber, um ihre Nervosität zu verstecken. Leés Ohren spielten nervös nach hinten und wieder nach vorne. Leé schaute Shion erwartungsvoll an und wedelte leicht mit ihrer Rute.
Ayala lächelte Reiyn an - er schien etwas durcheinander zu sein, was ihn jedoch sympathisch machte. Sie hob ihren Blick zum Himmel, was sie dort sah war allerdings Sonne, die aggressiv und grell blendete.
"Die Sternschnuppen? Nun ja, wir nennen sie hier Sternenwinde, da sie so zahlreich erscheinen. Sie sind ein Geschenk Engayas, der vollkommene Göttin, die zusammen mit Fenris über uns herrscht..."
Ayala blickte Reiyn abschätzend an, wie würde er über die Rituale und den Glauben dieses Rudels denken?
Sie blickte ihn weiterhin ab und wartete auf eine Reaktion seinerseits.
Der graue Shion legte sich vorsichtig hin, um ja nicht die Schmerzen, die in seiner Magengegend herrschten, zu verstärken. Als er neben Leé lag und wieder zur Ruhe kam, lächelte er die Welpin an, und beantwortete ihre Frage mit einem leichten Lachen: „Nun ja, ich komme von überall, mein Zuhause ist dort, wo man meinen Namen kennt. Auf einer Durchreise von einem fern gelegenen riesigen Tal, habe ich Leyla kennen gelernt, seit daher sind unsere Wege die gleichen“. Er hatte das leichte Gefühle, dass die Welpin nervös war und versuchte diese, zu verstecken. Ein leichtes Interesse schwoll den Rüden in der Brust auf. Wie alt war diese Welpin? Sie wirkte reif, jedoch noch nicht ganz erwachsen.
„Darf ich fragen, wie alt du bist, Leé?“
Ihren Namen sprach er vorsichtig aus, so als könnte er ihn falsch aussprechen. Seine unruhigen und seltsam funkelnden Augen folgten jeder Bewegung der braunen Welpin. Er hatte lange keine Welpen mehr gesehen, auch wenn er fast selbst noch einer war, denn mit seinen knapp zwei Jahren, konnte man ihn noch längst nicht ausgewachsen nennen.
„Und wo sind deine Eltern? War einer der Fähen von dort drüben, deine Mutter? Und wenn, haben sie keine Angst, ihre außerordentlich hübsche Tochter zu einem solch ungehobelten Rüden, wie mir, gehen zu lassen?“
Diese Frage stellte er leicht sarkastisch, doch der ernste Unterton ließ seine Autorität wieder entflammen.
Banshees Ohren schnippten leicht, die junge Fähe vor ihr schien noch vieles lernen zu müssen. Die Welt der Wölfe kannte Regeln und egal wie leidend der Weg eines Wolfes war, man musste sich an sie halten, sonst würde die Welt zerbrechen.
"Leyla, es gibt Regeln, an die sich jeder halten muss, selbst wenn ihr weg so schwer war, wie der deine wohl gewesen sein musste. Und dazu gehört nun mal die Regel, dass es Reviere gibt die jedem Rudel Schutz geben und jeder Wolf verteidigt sein Revier. So ist es unser Recht euch zu verscheuchen oder sogar zu töten."
Sie hielt inne. Sie wusste nicht, wie alt die Fähe vor ihr war, jedoch schien es noch eine Jungwölfin zu sein, ja, ihr Verhalten war seltsam unerfahren bis welpisch.
"Doch werden wir das nicht tun, so lange ihr wieder verschwindet und uns in Ruhe lasst oder sonst eure Wünsche vortragt. Anders kann die Welt nicht funktionieren."
Alles andere überließ sie Acollon, sie wusste, dass er noch einiges zu sagen hatte. Die beiden Wölfe brachten ihn auf und noch immer hatte sie ihre Entscheidung nicht dem Rudle verkünden können. Die Entscheidung, welche so klar und eindeutig war und jetzt, wo er hier neben ihr stand und sie zusammen die Fremden begrüßten und verscheuchten, da war es klar, was sie vorgesehen hatte. Mit einem Lächeln lehnte sie sich leicht an ihn, selbst die beiden Jungwölfe machten sie auf eine seltsame Art glücklich.
Der schwarze Rüde verengte kaum merkbar die Augen und betrachtete die Fähe vor ihm. Als Banshee sich leicht an ihn lehnte, wurde Acollons Herzschlag wieder etwas ruhiger. Seine Augen schlossen sich kurz vor Entspannung und als er die nächsten Worte aussprach, klangen sie nicht mehr ganz so hart, nicht mehr ganz so schneidend, doch seine Autorität stach sehr hervor, er würde Banshee helfen dieses Rudel aufrecht zu halten, dass war ihr Wunsch, ihre Aufgabe, ihr Lebensweg. Hier waren ihre Freunde zu hause, auch ihre Familie. Und unwillkürlich musste er zugeben, er gehörte dazu.
„Junge Fähe, wie meine Gefährtin schon sagte, es preist nicht das Leben sich durch einen Kampf geschlagen zu haben, es gibt keinen Wolf mehr Respekt oder Privileg. In deinem Alter habe ich auch so gedacht, doch schmerzlich musste ich erkennen, dass die Welt anders ist. Und so lass dir von mir sagen, dein Verhalten jetzt, könnte dich noch etwas kosten, mag es vielleicht dein Augenlicht, dein Weggefährte oder dein Leben sein. Akzeptiere einfach den Packt der Wölfe.“
sagte Acollon seltsam ruhig und klar. Seine Haltung war zwar undefinierbar, doch man erkannte seine Mühe, sich im Zaum zu halten. Seine Rute legte er über die Banshees. Sein Herz schlug nun wieder ruhiger, seine Aufregung und Wut schwoll ab. Es hätte sowieso nichts gebracht auch die Fähe ein Ohr kürzer zu machen.
„Und jetzt frag ich noch mal klar und deutlich, und ich möchte eine ebenso klare Antwort: Gedachtet ihr, du und dein Weggefährte, hier zu bleiben?“
Diese Frage stellte Acollon bewusst. Er hatte gesehen wie geschwächt die Fähe war. Und er wusste sicherlich auch, dass ihr Stolz es nicht erlauben würde, zu fragen ob sie bleiben dürfe, was sicherlich ihr Tod bedeuten würde. Der schwarze Rüde sorgte sich wohl kaum um das Wohl der Wölfin. Ihn interessierte es auch nicht, ob die Wölfin nun starb oder nicht, sie war ihm egal, genau wie dieser Shion, nur Banshee hatte Lebenssinn. Und das wusste seine Gefährtin nur allzu gut. Er wollte sie bei Nachtanbruch etwas fragen, hatte etwas im Sinn.
23.12.2009, 16:38
„Engaya?“
Reiyn runzelte die Stirn. Er meinte sich vage zu erinnern, diesen Namen schon einmal gehört zu haben. Fenris, so wusste er aus den Geschichten der geheimnisvollen Altwölfe, die früher hin und wieder im schwarzen Wald gerastet haben, war symbolisierend für den Tod. In dem Rudel seiner Eltern hatte man nicht viel für Glauben übrig gehabt, doch Reiyn, auch wenn er sich bisher ruhigen Gewissens noch keinem Glauben anschließen konnte, lauschte den Geschichten gebannt. Er hatte sich hinter die umgefallenen und moosbewachsenen Baumstämme gekauert und angestrengt die Ohren aufgestellt, um auch ja alles mitzubekommen. Kurz bevor die Fremden wieder fort gegangen waren, hatte eine besonders alte Fähe mit trüben, blauen Augen, Reiyn aufgesucht. Sie sagte ihm, er sei etwas besonderes, viel hellsichtiger als die anderen Rüden und Fähen im Rudel und irgendwann würde auch er ihr begegnen, da sei sie sich ganz sicher. Reiyn hatte damals ebenfalls nur die Stirn gerunzelt. Er war sich da nicht ganz so sicher. Reiyn blickte nachdenklich auf den staubigen Boden.
„Wenn Fenris der Tod ist ... dann ist Engaya demnach das Leben, nicht?“
Er schaute wieder auf und in die Augen Ayalas.
„Mir gefällt das Wort „herrschen“ zwar nicht, aber in dem Fall würde es ja stimmen. Ich bin kein Anhänger eines Glaubens, aber ich respektiere es, wenn andere das sind. Und auch ich habe meine Prinzipien, ich achte die Natur und nehme mir nur, was mir zusteht ... reicht das, um in diesem Revier verweilen zu dürfen?“
Reiyns Blick war fragend und ernst.
Ayala ließ sich etwas zeit, ihre Worte zurechtzulegen, bevor sie antwortete.
"Ja, Engaya verkörpert in gewissem Maße das Leben - doch zum Leben gehört auch der Tod. Deshalb sind Fenris und Engaya unwiderruflich miteinander verbunden, durch ein unsichtbares Band, geknüpft vom Leben unsereins ..."
Ayalas Stimme brach kurz ab - konnte man das so sagen? Verurteilte sie die Götter vielleicht fälschlicherweise und hatte keine Ahnung von der Wirklichkeit? Gleichzeitig fühlte sie die Bestätigung ihres Glaubens, der Grund ihres Daseins...
"Reiyn,"
Ayala blickte ihm fest in seine Augen
"Um auf deine Frage zurückzukommen: Ob du hier verweilen darfst? Oder ob du unseren Glauben annehmen musst? Reiyn, ich schätze deine Ehrlichkeit. Sie ist wichtiger, als falscher Gaube in eine Sache, für die du nicht stehst. Jeder hat eine andere Auffassung der Natur, seiner Existenz und seiner Bestimmung. Solange du dir selbst treu bist und dich nicht verstellst, bist du der Reiyn, den wir vorhin begrüßt und angenommen haben...natürlich bist du hier willkommen!"
Sie stupste den Rüden lächelnd an. Sie glaubte genügend Weisheiten von sich gegeben zu haben, das Gespräch wurde zu ernst. Schließlich war Reiyn gerade erst hier angekommen, kannte sie kaum, er sollte sie nicht gleich als Richterin oder dergleichen abstempeln.
Leé hörte ihm Interessiert zu. Sie stellte sich das Leben als Wanderer wunderbar vor. Es musste aber auch irgendwie traurig sein, sich nirgends und doch überall zuhause zu fühlen. Leé selbst war auch lange gewandert.
"Ich bin jetzt fast ein Jahr alt! Und du?"
sagte Leé stolz. Auf die Frage, ob eine der Fähen ihre Mutter sei lächelte sie und freute sich über sein Kompliment.
"Nein, meine Mutter ist nicht hier .Meine Mutter lebt nicht mehr... Aber ich fühle mich hier geborgen und willkommen."
Als Leé so über ihre Mutter sprach wurde sie traurig. Sie schluckte kurz und nahm sich zusammen. Sie erinnerte sich an den Tag, der so schön begann und mit dem Tod des ganzen Rudels aufhörte. Leé begann zu erzählen:
"An dem Tag durfte ich zum ersten Mal alleine weg von meinen Eltern und dem Rudel. Auch meine drei Brüder kamen auch nicht mit und passten auf mich auf. Ich entfernte mich immer weiter weg von unserem Welpenplatz. Ich rannte den wunderschönen Schmetterlingen hinterher und planschte ganz alleine und vergnügt in einem Bächlein, das man lieber Rinnsal nennen sollte. Gleich bei meinem ersten Ausflug brach ein großes Feuer los. Menschen hatten es gelegt um das Rudel auszulöschen, denn in den Augen der Menschen waren wir eine Gefahr für ihre Schafe und Kühe. Sie legten einen Ring um das Rudel und das Feuer umringte sie. Meine Eltern und die anderen konnten nicht mehr fliehen. Es war zu spät. Wenn ich nicht alleine losgegangen wäre, wenn ich bei meinen Eltern geblieben wäre, hätten mich die Menschen auch in den Tod gerissen. Als ich den Rauch sah, rannte ich zurück und stieß auf jene Menschen die das Feuer gelegt hatten. Sie wollten mich fangen, doch ich konnte ihnen entwischen. Danach lief ich verwirrt irgendwohin und versuchte alles zu vergessen. Dann bin ich auf dieses Rudel gestoßen. Jorun hatte mich sozusagen aufgenommen, doch Jorun verließ vor kurzem das Rudel. Jetzt bin ich eigentlich auf mich alleingestellt."
Leé schaute Shion offen an. Sie würde ihm alles erzählen was er wissen wollte.
Der Rüde hörte der Welpin aufmerksam zu, und empfand aufrichtiges Mitleid, seine Augen funkelten mitfühlend und seine Stimme klang leicht belegt und traurig: „Tut mir leid, dass mit deinen Eltern. Ich finde es bewundernswert, dass du dich so tapfer durch das Leben beißt, und trotz des Geschehens keine Rachegedanken hegst, es beweist große Stärke“. Der graue Shion sah lange in die Ferne, dachte an damals, was er so durchmachen musste, was sein Schicksal gewesen war. Und fühlte angesichts Leés etwas Reue, eine unerklärliche Schuld. Als ob er bei ihr bleiben müsste, um sie vor weitere schlimmen Schicksalsschlägen in Schutz nehmen müsste.
„Ich bin fast 2 Jahre alt.“
Als der Rüde wieder sein Augenmerk auf die Welpin richtete, schätzte er kurz ab. So jung war sie gar nicht, auch nicht dumm, und sicherlich würde sie später eine prächtige Fähe werden.
„Wenn du möchtest, könnten wir zusammen bleiben.“
wisperte Shion. Seine unruhigen Augen fingen wieder an zu flackern, als ob das Spiegelbild der Sterne, die im Wasser tanzten, in seinen Augen einen Platz gefunden hatte.
„Du hast keine Angehörigen, wie es scheint, aber hast großen Anhang hier im Sternenwinds Tal gefunden. Ich hätte dich sonst gefragt ob du mit Leyla und mir fort ziehen würdest und später meine Fähe werden würdest, aber ich kann das schlecht verantworten, es wäre zu gefährlich. Außerdem habe ich noch nicht genug Erfahrungen gesammelt um dich durchs Leben bringen zu können.“
Als Shion wieder sprach, sah er in die Ferne. Seine Pfote berührte kurz, die der Welpin, doch er zog sie gleich wieder weg, falls der Welpin es unangenehm wäre.
Leé lächelte ihn an und dachte daran wie es wäre mit ihm mitzugehen und bei ihm zu bleiben. Doch Leé konnte und wollte nicht weg von den Sternenwinden. In ihnen hatte sie eine Familie wieder gefunden, die sie verloren hatte. Sie überlegte kurz, dann fragte sie Shion:
"Warum kannst du nicht hier bleiben? Wohin willst du überhaupt? Hat deine Reise ein Ziel oder bist du sozusagen ziellos?"
Leé war aufgeregt. Sie wollte nicht, dass er wieder wegging. Als Shion sie mit seiner Pfote berührte, wurde sie gleich ein bisschen ruhiger. Sie schaute in die Ferne, als suche sie dort eine Lösung.
"Was ist mit dieser Leyla? Was spielt sie in deinem Leben für eine Rolle? Ich habe Angst vor ihr...was sagt sie wenn sie dich bei mir sieht? Sie sagte doch ich soll nicht in deine Nähe kommen. Warum?"
Leé schaute verwirrt zu Boden und überlegte. Sie ließ alles vor sich abspielen.
Shion schüttelte leicht den Kopf und streckte sich etwas, wobei er wieder leicht die Welpin berührte. Warum er nicht bleiben konnte? Es gab viele Antworten, aber keine umschrieb das Gefühl, was in seiner Brust saß. Er hätte seine Reise aufgeben können, hätte rasten können, doch es bedeutete auch von Leyla loslassen zu müssen, es würde bedeuten, seine Familie ziehen lassen zu müssen. Außerdem, wenn er bleiben würde, müsste er sich beschränken und er hatte Angst, die Vergangenheit würde ihn wieder einholen.
„Weißt du Leé, es ist gar nicht so leicht zu erklären, warum ich nicht bleiben kann. Es ist der Fluch des Wanderers, man findet keine Rast, wenn man nicht seiner Vergangenheit den Rücken kehren kann. Weißt du, die meisten Wölfe die wandern und nicht an einem Ort bleiben können, haben eine tiefe Sehnsucht und Unruhe im Herzen sitzen, sie laufen nicht weg, doch sie haben Angst, dass, wenn sie sich zur Ruhe legen, ihre Vergangenheit sie wieder einholen könnte. Wenn ich jetzt hier bleiben würde, müsste ich Leyla, meine neu gewonnene Familie, weiterziehen lassen. Ich hänge an ihr, sie war diejenige, die meinem Leben wieder einen Sinn gegeben hat, ich möchte sie nicht unbedingt wieder verlieren. Sie ersetzt für mich niemanden, aber sie zeigt sich, wie eine Schwester. Sie ist willensstark und zielstrebig, man braucht vor ihr keine Angst haben, meist ist es nur Fassade, die sie umgibt! Sie ist ein herzensguter Wolf, auch wenn sie sich selbst immer leicht überschätzt und sich zuviel aufhalst. Sie würde nichts dazu sagen, wenn sie dich bei mir sieht, vielleicht anfangs würde sie etwas Aufstand machen, aber sie würde es akzeptieren. Na ja, unser gemeinsames Ziel ist eigentlich nicht bekannt, wir wollen einfach nur das Paradies finden.“
Als der graue Rüde beendet hatte, sah er wieder zu der Welpin. Seine Augen wurden noch ein Stück unruhiger.
Nur ein kurzer Blick von Ayala hatte gereicht und als sie losrannte und Reiyn folgte, dem neuen Wolf, mit dem sie sich so angeregt unterhalten hatte, dass Falk fast eifersüchtig wurde hatte er nicht lange gezögert und war den beiden gefolgt. Er wusste nicht, worum es ging, hatte die Geschehnisse nicht näher verfolgt und eigentlich nur dem Gespräch Ayalas und Reiyns gelauscht.
Während er Ayala verfolgte, glitten seine Gedanken immer noch ab und nach einer Weile hob Falk den Blick und hatte Ayala aus den Augen verloren. Verwundert blinzelte er und senkte dann den Kopf um Ayalas Fährte aufzunehmen, doch so sehr er auch suchte, er fand keine Spur von ihr und gab die Suche schließlich nach kurzer Zeit auf. Zögernd sah er sich um. Sollte er zum Rudel zurückkehren oder erstmal abwarten? Falk entschied sich zu warten.
Acollon war das lange Warten auf eine Antwort satt und er knurrte leicht, sagte nur schnarrend: „Überleg´ s dir“, und kehrte dann der Fähe den Rücken zu. Sein Blick glitt zu Banshee. Er zuckte kurz und unschuldig mit den Schultern und schritt zu einem Baum, legte sich dort hinunter und schloss die Augen. Er würde Banshees Worten lauschen, würde sie befolgen. Doch er behielt die Augen geschlossen, gar so, als ob er schliefe.
Das Fell des Rüden wog leicht im Wind hin und her. Das Rauschen im Blätterdach erschuf eine leichte Melodie.
Der Fenrissohn zeigte ein leichtes und kaum merkliches Lächeln.
Leé lauschte Shions Erzählung und wurde traurig. Sie wollte nicht, dass der Rüde und seine Fähe wieder gingen. Sie hatte Shion in ihr Herz geschlossen und würde ihn nie vergessen, wenn er ginge. Doch jetzt wollte sie alles daran geben, ihn hier zu behalten. Oder es einfach nur genießen, solange er und Leyla hier bleiben würden. Doch Leé verstand nicht, warum sie das Paradies finden wollten. Nach Leés denken gab es das Paradies nicht. Sie fand es hier wunderschön und konnte sich nicht einen schöneren Ort vorstellen. Leé schaute Shion musternd an und überlegte.
"Ich bin meiner Vergangenheit auch davongelaufen, habe den Drang immer weiter wegzulaufen auch gespürt, als ich dem Tod entgangen bin. Der Drang kann nur etwas beseitigen. Nämlich wieder eine Familie zu finden. Doch du hast deine Familie in Leyla gefunden ..."
murmelte Leé leise. Leé senkte betrübt den Kopf. Sie hatte keine Ahnung, was sie tun sollte. Ihre Gedanken wirbelten durch ihren Kopf. Einerseits hätte sie Shion überredet, hier zu bleiben. Andererseits, wollte sie ihn selbst entscheiden lassen. Leé schaute auf ihre Pfoten.
.oO(Wie klein sie noch sind.)
fand Leé. Sie schaute auf Shions Pfoten, die viel größer waren.
Lange hatte Hanako nur eine elende Stille um sich herum gespürt, doch langsam erwachte sie aus einem scheinbar unendlichen Traum und sie hob langsam ihr Haupt. Sie war gereist, lange und ohne ein Ende, doch sie wusste nicht wohin. Um sie herum waren nur Bäume und einige Vögel, die zwitscherten. Sie seufzte leise in sich hinein, stellte sich langsam auf ihre Pfoten und ging mit gesenktem Haupt weiter. Wo war sie nur gelandet? Sie wusste es nicht, doch vielleicht sollte sie sich endlich bemerkbar machen? Unsicherheit machte sich in ihr breit, nicht noch einmal wollte sie alles verlieren, was man ihr geschenkt hatte. Einen einzigen Blick warf sie in den Himmel hinauf, was sie wohl getan hatte um hier zu landen? Was wohl nun mit ihr passieren würde? War hier ein Rudel? Wenn ja, welches? Sie schüttelte sanft den Kopf und hatte ein fieses Lächeln aufgesetzt, welches sich gegen ihre eigene Gestalt richtete.
.oO(Wer bin ich schon für diese Wölfe?!)
dachte Hanako. Wahrscheinlich ein Niemand, wie überall auch. Sie war niemand gewesen und deswegen wurden sowohl ihr damaliger Gefährte, wie auch ihre kleine Tochter getötet. Sie hob das Haupt erneut weit in die Höhe, ihre Nase versuchte Fährten zu fangen, was ihr nur schwer gelang und sie entschied sich dazu, einen Ruf hinaus zu senden, um die Wölfe, die hier vielleicht hausten und ihr Helfen konnten, zu rufen. Was sollte sie sagen oder fragen?
.oO(Mach dir nicht zu viele Gedanken, verdammt, Ruf sie!)
dachte sie wieder nur und kniff die Augen zusammen. Dann sandte sie ein Heulen raus, welches nach einem Platz für Hanako fragte, ob sie zu dem Rudel kommen durfte und ob sie mit einen der Alpha reden durfte. Hoffentlich würde man ihr eine Antwort schenken und sie durfte kommen...
Banshee hatte eine lange Zeit gewartete, hatte Leyla nicht aus den Augen gelassen, war auch stehen geblieben, als Acollon fort ging und sich unter einen Baum legte. Entschieden, doch immer freundlich hatte sie zeigen wollen, dass alles weiter gehen würde, doch die Fähe vor ihr hatte geschwiegen. Unbewegt, kein Laut mehr von sich gegeben, Ayala und Reiyn waren verschwunden, in den Wald gerannt, Falk hatte sich länger nicht mehr blicken lassen. Das war es gewesen, mit ihrer Versammlung, mit ihrer Verkündung von allem neuen ... wieder zerstreuten sie sich, nur noch Dayon und Moon saßen brav auf der Lichtung. Während sie noch überlegte, was sie nun tun sollte, wieder alle zusammen rufen, dem ganzen Chaos, insbesondere mit Leyla und Shion ein Ende setzen, doch ein Heulen unterbrach sie. Fast war sie ein wenig erleichtert, eine Fremde, aber sie war nicht wie Leyla, sie fragte und sie schien freundlich. Das Gefühl wegzulaufen packte sie erneut, doch nun hatte sie einen Grund. Acollon, lag unter dem Baum, würde sich Leyla wieder regen, wäre er da, so hob sie die Schnauze und antwortete der Fremden, sie würde kommen und sie empfangen. Mit schnellen Schritten lief sie in den wald, ließ die Lichtung und den See hinter sich, ließ sich glücklich den warmen Nachtwind um die Schnauze streichen. Nicht lange und sie konnte die Fremde wittern, auch darin lag nichts Bedrohliches. Schließlich war es leicht das weiße Fell durch die Bäume schimmern zu sehen, leichtfüßig legte sie die letzten Wolfslängen zu der Fremden zurück und blieb leicht lächelnd vor ihr stehen.
"Jìjaye, Fremde ... ich bin Banshee, Leitwölfin dieses Rudels."
Sie war froh kurz fort von den anderen zu sein, begegnete der Neuen somit freundlich, vielleicht zu freundlich für den Umstand und musterte sie lächelnd.
Spannung machte sich in mir deutlich, als ich voller Hoffnung und mit einem Gefühl der Erleichterung das Heulen einer Fremden hörte. Sie wollte vorbei kommen? Ich war überrascht, was würde nun wohl passieren und wie würde es dann weitergehen? Hanako hoffte, dass sie endlich ein neues Leben beginnen konnte, genau das war nämlich ihr Ziel gewesen. Kurz legte sie sich auf den Boden und wartete, wie lange würde es wohl dauern, bis der Wolf, der sie gerufen hatte, durch die Bäume und Büsche brechen würde und sie empfangen würde? So, wie sie sah, war es keine lange Zeit, denn schon nach wenigen Minuten erkannte sie das Fell der Fremden und richtete sich gleich wieder auf ihre Pfoten.
.oO(Das wird sie sein...)
dachte Hanako. Sie räusperte sich kurz und lauschte der Fähe, es wäre unhöflich gewesen, ihr ins Wort zu fallen und sie wollte keinen schlechten Eindruck so früh machen. Dann beendete die Fähe ihre Sätze und Hanako hob ihr Haupt wieder etwas an.
"Ich danke für die Begrüßung. Mein Name ist Hanako, ich bin eine einsame Wölfin und mehr als erfreut, endlich andere hier anzutreffen. Sag mir, du bist die Leitwölfin? Also gibt es hier ein Rudel, ja? Darf ich dich zu diesem begleiten? Ich wäre mehr als erfreut, wenn ich endlich eine Begleitung hätte ..."
Sie stoppte kurz und blickte die Fähe an, dann schwieg sie eine Zeit, sollte sie sich wieder zurück ziehen oder tat Hanako hier wirklich das Richtige?
.oO(Es wird schon richtig sein, ich darf nur nicht aufgeben....)
Banshees Augen wurden wärmer, ihre Freundlichkeit war gerechtfertigt gewesen, diese Fähe schien Geborgenheit zu suchen und gerne gab die Leitwölfin dies in dieser Nacht. Die Geborgenheit eines Rudels, die sie vielleicht mit der Hilfe dieser Fähe auf die anderen übertragen konnte.
"Es ist mir eine Freude dich, Hanako, zu meinem Rudel zu bringen, auf dass du die anderen kennen lernst und vielleicht auch bleiben willst."
Kurz sprangen ihre Gedanken zu Leyla und Shion, die noch immer am Rudelplatz saßen und diese Geborgenheit so einfach zerstörten, doch vielleicht hatte sich auch alles nach ihrem Fortgang geändert. Sie versuchte die Gedanken abzuschütteln und sah wieder lächelnd zu Hanako.
"Folge mir, es ist nicht weit bis zum Rudelplatz."
Bevor sie loslief zögerte sie kurz, hob dann die Schnauze und rief mit einem kräftigen heulen alle zurück zum Rudelplatz. Es war Zeit, das Chaos aufzuheben ...
Hanako blickte Banshee lächelnd und dankend zugleich an, sie konnte es kaum glauben, dass sie wirklich mitkommen durfte und sie war gespannt, ob sie dort neue Freunde finden würde. Vielleicht ja sogar eine neue Familie. Hanako seufzte innerlich, ihre Familie vermisste ich zu sehr, doch es war einiges schief gegangen und noch heute kann sie es kaum glauben, dass es der Realität wirklich entspricht.
Nachdem Banshee den Ruf beendet hatte, folgte sie ihr mit einiger Sicherheit, Hanako fühlte sich nicht unbedingt besser, wenn sie mit anderen Wölfen zusammen war, jedoch war es allein für sie nun zu gefährlich. Sie hatte Angst, dass ihr Vater auch sie töten würde. Und wenn sie damit dieses Rudel hier in Gefahr brachte? Nachdenklich blickte sie die Alphafähe vor sich an, sie wollte niemanden etwas Böses tun und sie hoffte auch, dass ihre Gedanken niemals der Wahrheit entsprechen würden.
"Ich muss dir aber etwas sagen, Banshee, was mich doch sehr bedrückt. Ich habe Angst, dass mein Vater hier auftauchen wird und er ist bösartig. Ich will euch keinen unnötigen Ärger machen, doch alleine kann ich einfach nicht mehr durchhalten. Meine Hoffnung besteht nur darin, dass ihr mir vielleicht helfen würdet, wenn etwas passiert."
Hanako seufzte und sah Banshee entschuldigend an, natürlich hoffte sie, dass es niemals soweit kommen würde.
Banshees Gedanken lagen noch immer beim Rudel, sie fragte sich, ob sie alle kommen würden und wie Leyla und Shion darauf reagieren würden. Als Hanako wieder anfing zu sprechen war es fast eine Erlösung ... jetzt, wo sie alleine Leitwölfin war, wurde ihr erst klar, was dieser Rang bedeutete. Die Worte Hanakos wurden ihr nur langsam bewusst, doch betrübte sie es weniger, als die Neue zu glauben schien.
"Hab keine Angst, hier bist du sicher und selbst wenn dein Vater kommen sollte ... Acollon ist bei uns und gegen ihn hat niemand eine Chance ... und nicht zu letzt steht Engaya hinter uns."
Sie lächelte beruhigend und dachte dann eine Zeit lang über diesen seltsamen Vater nach.
"Wieso sollte dein Vater eigentlich kommen und uns bedrohen ... er ist doch ... dein Vater?"
Natürlich lebten sich Kinder von ihren Eltern fort, aber doch nicht auf so eine eigenartige Art und Weise ... Banshee war erstaunt, so etwas hatte sie noch nicht erlebt, dass jemand vor seinem eigenen Vater geflohen war.
Hanako sah dankend zu Banshee, es war eine richtige Stütze für sie, dass die Wölfe hinter ihr stehen würden. Sie musste wohl nur daran glauben und ihnen die Kraft schenken, die sie benötigten, damit sie auch dasselbe zurückbekam. Doch Hanakos Gedanken wurden schnell wieder in die Negative Lebensseite gewirbelt, denn Banshee sprach sie auf ihren Vater an. Natürlich konnte die Leitfähe nicht wissen, was los war, aber Hanako schwieg erst eine Weile. Sollte sie es sagen? Unsicherheit warf sich über Hanako, dann ergriff sie zitternd und mit einer einzigen Träne in den Augen das Wort:
"Nun, ich denke, dass viele Wölfe, vielleicht auch du, ihre Eltern lieben und sie respektieren. Früher hatte auch ich ein wundervolles Familienleben und meine Mutter liebe ich heute noch. Leider ist sie verschwunden, vielleicht auch tot. Abgesehen davon ist mein Vater nicht mehr das, was er früher einmal war. Er war liebevoll und durch ihn habe ich sehr vieles gelernt, jedoch ... hat er sich verändert. Er hat mein Leben zu einem einzigen Zeitpunkt zerstört und nicht davon zurück geschreckt, es ein zweites Mal zu tun. Er ist ein Mörder und er hat mir meine Familie genommen ... meine kleine Familie...ich rede so ungern darüber, Banshee, aber wenn du möchtest und ich dich besser kenne...erzähle ich es dir. Aber nur dir..."
Hanako versuchte der Fähe viel Vertrauen zu schenken, damit sie sich von Anfang an wohl fühlen würde. Und wenn sie jemanden hatte, der sie verstand, dann würde es kein Problem sein, dass das ganze Rudel bei ihr war.
Banshee hörte Hanako schweigend zu, jedes Wort von ihr schmerzte sie, denn auf eigenartige Weise verstand sie den Schmerz der Fähe fast als ihren eigenen, wenn die Familie einem genommen wurde, brach alles zusammen ...
“Ich verstehe dich gut, erzähle mir nichts, was du noch nicht bereit bist herzugeben. Der Schmerz sitzt noch tief in deinen Gliedern, doch vielleicht schaffst du es mit neuen Freunden ein wenig zu vergessen ..."
Sie lächelte warm, Hanako erinnerte sie ein wenig an Dayon, genauso verloren, ohne Bezug zu der Welt nur nicht ganz so abgeschottet, noch nicht ganz im Nebel verirrt ... dabei hatte er doch sogar noch seinen Sohn ... Sie schüttelte die Gedanken ab, Dayon hatte Freunde gefunden, Ayala und Falk, die drei waren Geschwister im Geiste geworden, bald auch mit Engayas Zeichen, auch Hanako würde von nun n unter den Sternenwinden Engayas stehen und ihre Hand sie warm umschließen.
Dayon hatte sich schweigend um Moon gerollt, um ihm zu zeigen, dass er bei ihm war, dass er sein Vater war und immer für ihn da war. Nach einander rannten alle Wölfe weg, zuerst Leé, dann Acollon und schließlich auch noch Banshee. Alleine mit der Fremden Wölfin auf der Lichtung zu sein gefiel ihm dann aber überhaupt nicht. Während er nach dachte, was er tun sollte, erklang ein Heulen, die beiden vorherigen waren nicht zu ihm durchgedrungen, von Banshee, sie sollten sich wieder sammeln, am Rudelplatz, also sollte er doch bleiben. Ohne eine Gefühlsregung legte er wieder den Kopf auf die Pfoten. Was würde jetzt kommen? Wieder eine Versammlung an deren Anfang er alleine mit Moon und der Fremden auf der Lichtung lag? Er schloss die Augen und drehte sein Schnauze zu Moon, dachte an Jahlay ...
Hanako warf Banshee ein Lächeln zu und ging ein wenig schneller, um neben ihr laufen zu können, dann beobachtete sie den Boden unter ihren Pfoten. Ob sie es wirklich jemals preis geben konnte, dass ihr Vater so ein Biest war? Würden sie überhaupt verstehen, was vorgefallen war oder würde man ihr die Schuld für alles geben?
.oO(Ich geb mir selbst doch schon genug Schuld...)
Ein innerliches Kopfschütteln verriet ihr, dass sie dieses Thema für heute vergessen musste, es gab gerade wirklich wichtigeres. Eine neue Familie, neue Freunde, sie würde neu beginnen.
"Ich danke dir, Banshee. Ich werde sicherlich in deinem Rudel endlich meinen inneren Frieden finden und aus der Vergangenheit hervorkommen können. Nur vergessen kann ich sie nicht, mir hängt zuviel an denen, die mich in der Vergangenheit verließen. Ich hoffe, du verstehst es. Wie lange wandern wir eigentlich noch? Ich bin ziemlich aufgeregt ..."
Ja, Hanako war aufgeregt, dass bemerkte sie an ihrem leichten Zittern, sie war es nicht gewohnt, so plötzlich auf so viele Wölfe zu treffen.
Banshee nickte sanft, langsam dämmerte es im Osten, die Sonne wollte einen neuen Tag verkünden, mit dem die Hitze kommen würde, sie beschleunigte ihren Schritt etwas.
"Niemals sollst du vergessen, doch vielleicht hilft es dir schon, wenn du vergisst, dass du es nie vergessen wirst."
Ein Lächeln begann auf ihren Lefzen zu tanzen, sie liebte diese Worte, hatte sie nicht einst ihre Mutter zu ihr gesagt ... ihre Mutter, die Fee, ihr Vorbild und wohl einzige, die sie verstanden hatte. Seltsam ... wie kam sie jetzt auf diese Gedanken, so lange hatte sie nicht mehr an ihre Familie gedacht ... vielleicht lag es daran, dass Nyota sie verlassen hatten ...
"Wir müssten sehr bald da sein ... hoffen wir, dass auch die anderen kommen."
Hanako sah Banshee einige Zeit nur ratlos an und dachte über ihre Worte nach. Sie lösten ein seltsames Gefühl in ihr aus und eine Anregung zum Nachdenken machte sich breit. Sie senkte ihr Haupt und versuchte, es zu verdrängen, doch die Worte tanzten ihr ununterbrochen vor den Augen herum und sie schüttelte sich. Warum nur? Traurig war Hanakos Blick in die Ferne gerichtet und auch sie bemerkte, dass die Sonne langsam wieder Wärme und Helligkeit verschenken wollte. Es machte ihr Mut und sie war froh, dass sie bald da sein würden. Wie würden die fremden Wölfe auf sie reagieren? Nachdenklich blickte sie zur Leitfähe neben sich. Sie war überaus freundlich und Hanako schenkte ihr eine Menge Vertrauen und Respekt. Noch nie zuvor hatte sie jemand fremdes so freundlich begrüßt und gleich so aufgenommen. Und vor allem...akzeptiert. Zum ersten Mal akzeptierte man sie. Ihre Blickrichtung änderte sich nicht, noch immer starrte sie in die Ferne und vor ihren Augen erschien das alt gewohnte Bild ihrer kleinen Familie, wie glücklich sie gewesen waren. Hanako traten Tränen in die Augen und sie blieb kurz stehen. Das Bild fesselte sie und sie wünschte sich nichts anderes mehr, als die zwei Liebsten wieder bei sich zu haben. Hanako schüttelte den Kopf und ging wieder zu Banshee, sie wollte keine Zeit verlieren.
"Entschuldige, ich hing etwas in meinen Gedanken ..."
Banshee beobachtete Hanako schweigend, so versank auch sie langsam in ihren Gedanken an Nyota, die wohl für immer verschwunden war ... Jäh wurde sie aus ihren Bildern gerissen, als Hanako Tränen in die Augen traten ... sie blieb ebenfalls stehen und berührte die Fähe sanft an der Schnauze, sagte kein Wort, versuchte sie nicht aufzuhalten, egal bei was, denn das musste sie alleine durchstehen. Als sie wieder weiter gingen glitten ihre Augen immer wieder zu Hanako, langsam nickte sie.
"Uns beide beschäftigen Gedanken ... wir müssen verarbeiten, so ist das Leben."
Schwach versuchte sie zu lächeln und sah dann schon die Lichtung des Rudelplatzes vor sich zwischen den Bäumen hervor schimmern.
Als Banshee Hanako so sanft berührte, bekam ihre Haut unter ihrem Fell eine Gänsehaut und sie hatte sich erst sehr erschrocken. Lange hatte sie dieses Gefühl nicht mehr gespürt, aber jetzt war es so plötzlich da. Hanako versuchte ebenfalls schmal zu Banshee zu lächeln, wenn sie etwas Zeit hatte, dann würde sie versuchen, die Situation irgendwie zu akzeptieren. Anscheinend litt auch Banshee unter einer schweren Familiensituation, aber sobald sie bereit war, Hanako zu vertrauen, würde sie sich sicherlich dazu äußern.
"Ich fühle mich bisher in deiner Nähe sehr wohl und ich will dir hier schon jetzt danken, dass du mich nicht dort hat stehen lassen und dir das alles hier antust und anhörst. Ich habe schon lange keinen Wolf mehr gekannt, der mir so half."
Hanako lächelte wieder etwas und dankte der Fähe weiterhin mit ihrem Blick. Auch sie bemerkte, dass der Ort vor ihr anscheinend der Rudelplatz war und ihre Nervosität stieg.
Banshee lächelte warm, doch gleichzeitig schüttelte sie sanft den Kopf.
"Vieles ist schwer für mich in letzter Zeit und ich war froh, als du kamst und mich kurz aus den erdrückenden Gedanken holtest. Dass dann auch noch so eine nette Fähe warten würde habe ich nicht gedacht, doch bin ich dir sehr dankbar dafür."
Kurz sah sie Hanako noch lächelnd an, dann wandte sie sich wieder der Lichtung zu, auf die sie nun hinaus traten. Einzig Dayon und Moon lagen verlassen da, Banshee schluckte.
Hanako lächelte stark und freute sich sehr über die Worte der Leitwölfin. Wie sehr hatte sie sich danach gesehnt, welche Ängste hatte sie durchbrochen um der Welt ihre Wünsche mitzuteilen und was gab es nicht noch alles, was sie verpasst hatte? Allein nur für solche Worte. Dankbar war sie, mehr nicht und sie konnte auch für einige Sekunden keinen Ton sagen, es stockte ihr vor Freude jedes Wort im Hals und erschwerte das Atmen.
"Vielen Dank, Banshee. Diese Worte machen mich richtig traurig, ich bin so gerührt. Hoffentlich sind auch die anderen Wölfe deiner Meinung, dann kann ich mich ja fast wie zu Hause fühlen und mein Leben von vorne wieder leben lassen."
Ich dankte ihr noch einmal, sah dann auch voraus und war erstaunt, als ich tatsächlich die ersten Wölfe wahrnahm. Nun würde es also losgehen, was würde mich nur erwarten, wie würden meine Gefühle den Wölfen überlassen werden? Wie nur.
Leé starrte Shion ängstlich an. warum sagte er nichts? Ohne etwas zu sagen stand leé auf und lief traurig und mit eingezogener Rute davon. Leé schaute immer wieder zurück, doch lief immer weiter. Leé hörte die Stimme Banshees und begann zu rennen. Sie lief, bis sie Banshee, zusammen mit einer Fähe, reden sah. Leé winselte leise, und trottete zu Banshee. Beim Anblick der fremden weißen Fähe, begann Leé wieder mit der Rute zu wedeln. Sie musterte die Weiße.
"Ha...hallo! Wer bist du denn?“
fragte Leé ein wenig scheu. Ihr Blick schweifte kurz zu Banshee, doch dann schaute sie wieder die Neue an.
Hanako war überrascht, als eine kleine Welpe auf sie zu trat und sie betrachtete sie lächelnd. Sie war wirklich niedlich und Hanako fand es sehr schön, dass sie von dieser gleich begrüßt wurde. Jedoch löste der Anblick einer Welpe in ihr schwere Erinnerungen aus und sie schluckte erst, bevor sie die Kleine liebevoll anstupste und mit großer Beherrschung sagte:
"Ich bin Hanako, ich bin neu in diesem Revier und würde mich gerne in diesem Rudel hier einleben. Und wie heißt du, meine Kleine?"
Hanako lächelte schwach und merkte, dass ihre Stimme etwas gezittert hatte, aber sie würde ab jetzt mit solchen Situationen leben müssen, es war in diesem Rudel sicherlich normal, das Welpen kamen und gingen.
"Du brauchst keine Angst haben, ich tu dir nichts..."
Hanako fügte dies nur hinzu, um der Kleinen schnell klar zu machen, dass sie in Frieden hier wahr.
Der schwarze Rüde gähnte innerlich und ließ seine Ohren im Wind spielen. Es war ein grauer Tag. Man spürte den Herbst, der langsam kam. Ein neuer Wolf war aufgetaucht, man roch es deutlich. Doch Acollon blieb liegen, zeigte keine Regung. Eisiger Wind zerrte an seinem Fell. Im tiefen Wald hörte man einige Vögel aufstoben. Wie lange war Acollon nicht mehr gelaufen? Hatte seinem Verlangen nachgegeben. Später, ja, er würde später seiner Gefährtin die Treue schwören, würde sie überraschen wollen.
.oO(Banshee, immer bin ich bei dir, auch wenn ich nicht neben dir stehe. Ich kann dich riechen, spüren dein Fell im Wind. Kann dein Herz hören, wie es klopft, höre das Knistern der Blätter unter deinen Pfoten, die sanft aufsetzen. Mein Körper spürt jede Veränderung. Ich kann diesem Drang nach dir, nicht widerstehen. Wir sind eins, du und ich. Ich hoffe meine Leidenschaft wird auch dich erfüllen.)
Der Sohn Fenris´ erhob sich mit geschlossenen Augen, streckte seine Schnauze in die klare kalte Luft. Sog sie ein. Genoss die Stille, die Friedfertigkeit. Niemand würde diese Ruhe stören können, ohne mit ihm zu rechnen.
Ein leises Heulen erstreckte sich aus seiner Kehle. Es hatte nicht viel zu bedeuten, es zeigte nur jedem fremden Wolf, welch Bereitschaft er hegte, dieses Revier zu verteidigen. Sein Heulen zog mit dem Wind mit, verebbte im Geäst der umliegenden Bäume.
.oO(Wie lange verweile ich schon hier? Wie lange habe ich versucht mich gegen meine Gefühle und Bestimmung zu stellen. Hatte andere gemieden, weil es besser so war. Das hat mich geprägt. Stolz auf meine Arroganz, oder meine Gewaltbereitschaft bin ich nicht, doch ändern werde ich es wohl nicht.)
Acollon sah in den grauen Himmel, der verschleierte Wolken weiterziehen ließ. Wo war eigentlich Chyran, sein Sohn? Was tat er, dass es ihn nicht wieder hierher zog?
.oO(Ich hoffe du wirst wieder zurück finden, mein Sohn.)
Der Wind wurde eisiger und frischte auf. Leichter Nieselregen fiel auf den großen See. Acollon seufzte kurz und öffnete seine Augen. Herrlich, wie der Wald in einen schwachen Nebel gehüllt war. Als seine Gedanken wieder gefangen waren, verblasste sein kurzweiliges Lächeln, das auf seinen Lefzen gelegen hatte. Es wich einem gefühllosen und kalten Ausdruck.
Banshee lächelte Hanako warm zu. Sie konnte nicht viel mehr dazu sagen, nur ihre Augen strahlten Dankbarkeit und Freude aus. Noch während sie sich langsam auf der Lichtung umsah, tauchte Leé auf. Auch ihr wurde ein warmer Blick und ein freundliches Lächeln geschenkt, dann ließ sie die beiden sich kennen lernen, der erste Schritt ... Etwas abgelenkt betrachtete sie die Lichtung, doch noch immer war da nur Dayon mit Moon ... die beiden schienen zu schlafen, jedenfalls regten sie sich nicht. Dann durchdrang plötzlich ein Heulen die Morgenluft ... Acollon. Sie lauschte erstaunt, fragte sich, wo er war und was er dort tat. Langsam hob sie ihrerseits die Schnauze und rief ihn leise, bat ihn her zu kommen. Als sie verstummte blickte sie wieder zu Dayon und Moon, jetzt würde sie warten müssen ...
Kurz lauschte Acollon in die Morgendliche Stille hinein. Seine Gefährtin rief ihn leise, bat ihn zu kommen und er kam dieser Bitte nach. Langsam setzte er eine Pfote vor die andere. Ein innerlicher Drang loszulaufen überwältigte den schwarzen Rüden. Er spitzte kurz die Ohren, versuchte die anderen Wölfe ausfindig zu machen. Seine Schritte wurden schneller und gingen in riesige Sprünge über. Das Geäst wirbelte unter seinen Pfoten auf. Das Trommeln seiner Pfoten schien wie ein Gewitter. Kurz bevor er die anderen erreichte verlangsamte er. Seine Lefzen zuckten leicht beim Anblick der Fremden. Doch zielstrebig schritt er näher zu den Wölfen. Mit einem großen Abstand setzte er sich und sah seine Fähe aufmerksam an.
Sein ernster, fast kalter Blick glitt zu der Fremden, ein leichtes Nicken zeigte seine Begrüßung.
Banshee stand eine ganze Weile unbewegt da, die Augen geschlossen lauschte sie nach ihrem Gefährten. Der Wind, der ihr um die Ohren strich und jedes Geräusch, das die flüsternden Bäume hergaben auffing, trug ihr schon bald trommelnde Schritte zu, Pfoten die sich schnell und geschickt durch den Wald bewegten. Als sie die Augen langsam wieder öffnete brach Acollon durchs Gebüsch und tauchte vor ihnen auf, sein Blick lag auf ihr, nur ein Nicken galt Hanako, als er sich langsam setzte, viele Pfotenlängen entfernt von ihr. Einen kurzen Moment lang lächelte sie noch zu Hanako und Leé, fast entschuldigend, dass sie sie nun verließ und erhob sich dann um mit weichen und schwingenden Schritten zu ihrem Gefährten zu kommen. Sie berührte kurz seine Schnauze, drückte ihren Kopf sanft an seine Schulter und ließ sich dann langsam neben ihm nieder. Eine ganze Zeit lang genoss sie das Gefühl neben ihm sitzen zu dürfen, die Ruhe und die Stille, die Gemeinsamkeit und das Gefühl jemanden für immer bei sich zu haben. Schließlich durchbrach sie das Schweigen, fast widerwillig, doch sich bewusst darüber, dass es wichtig war.
"Das Rudel verstreut sich wieder ... ich bin es müde, sie alleine zusammen zu halten, hilfst du mir, Acollon, an meiner Seite, so lang Engaya uns tragen will?"
Sie flüsterte die Worte eher, schenkte sie Acollon und hoffte mehr, als alles andere, dass er sie annehmen würde, dass er als ihr Gefährte bei ihr sein würde und mit seiner starken Pfote das Rudel leiten würde ...
23.12.2009, 16:38
Dayons Atem ging ruhig und gleichmäßig, er war im Halbschlaf, fühlte sich seltsam wohl, hier, mit Moon in seinen Pfoten und Jahlay in Gedanken. Doch jäh wurde er aus der Ruhe gerissen, er hörte Stimmen, Banshee, Leé und eine neue Fähe redeten. Eher widerwillig schlug er die Augen auf, hob den Kopf und entdeckte die drei zusammen stehen, kurz danach tauchte Acollon auf, Banshee ging zu ihm und schließlich entschloss auf Dayon sich, sich zu erheben, ins Leben zu gehen. Sanft stupste er Moon an.
"Komm, begrüßen wir die Neue."
Leicht wankend, noch von der Müdigkeit und dem Schlafen gekennzeichnet tappte er zu den beiden Fähen. Einmal blinzelte er und lächelte dann leicht, dabei schossen ihm spontan seltsame Gedanken durch den Kopf. Bevor er Ayala und Falk kennen gelernt hatte ... da wäre er nun liegen geblieben oder weggerannt ... sie hatten ihm sein leben wieder eingehaucht ... aber Jahlay würde er nie vergesse; sein Blick wurde etwas trüber.
"Jìaye ... ich bin Dayon."
Seine Stimme war noch leise und rau, hustend räusperte er sich.
Reiyn neigte den Kopf, zuerst noch mit einem ernsteren Ausdruck in den Augen, der dann allerdings einem für ihn erstaunlich weichen, aufgetauten Lächeln wich. Er atmete zischelnd aus und erhob sich etwas müde.
"In Ordnung."
sagte er und blickte auf. Reiyn hatte es vorher gar nicht wahrgenommen, aber die aufgestaute Wärme der letzten Tage hatte sich langsam verzogen und leichter Nieselregen benetzte sein Fell mit klaren Wassertropfen. Er tat einen tiefen Atemzug und nahm die angenehme Frische in sich auf. Die Sonne, die sich hinter grauen Wolkenvorhängen versteckte, erhellte den Himmel im Osten trübe. Dieser vertraute Geruch; der morgendliche Nebel, der zwischen den Bäumen hing; die schillernde Nässe auf den Blättern ... es war unerwartet Herbst geworden und Reiyn lächelte innerlich. Seine Lieblingszeit. Allerdings schlich sich bei ihm auch das Bedürfnis von Ruhe und Alleinsein ein. Es fühlte sich nicht richtig an, in der Gegenwart anderer Wölfe plötzlich so anders zu werden. Reiyns Blick schweifte über das Wasser des Sees in diesem ihm so unbekannten Revier. Die Regentropfen schienen ganz ihm Tanz auf der tiefblauen Oberfläche versunken und Reiyn bemerkte plötzlich die Gegenwart einer neuen Wölfin. Er schaute etwas verwundert. Die Neue hatte weißes Fell, genauso wie die für Reiyn so geheimnisvolle Leitwölfin Banshee und in der Trübe des Morgens gab dies ... einen merkwürdigen Anblick. Reiyn schüttelte den Kopf und blickte zu Ayala.
"Ich glaube, wir sollten zu den anderen. Jemand Neues ist hinzugestoßen."
Seine sonst so wortkarge Art war ihm wieder eingeflossen und eine graue Nachdenklichkeit hatte ihn überfallen. So schritt Reiyn langsam zu der Ansammlung von Wölfen über das feuchte Gras.
Kurz war Hanakos Blick noch auf die kleine Welpin vor ihr gerichtet, dann sah sie, wie ein Rüde zum Rudel stieß, anscheinend das zweite Leittier hier. Erst überlegte sie, sich ihm vorzustellen, doch dieser abweisende Blick und das Nicken, welches keinerlei Überzeugung zeigte, ließ Hanako an diesem Ort stehen und sie blickte traurig weg, es würde noch sehr schwer werden, bis sie den Weg hier gefunden hatte. Würde man sie überhaupt akzeptieren? Sie ignorierte den Blick von Banshee, dieser nützte ihr wohl nun wenig, sie musste das später klären. Wenn heute noch alles so einfach wäre, wie früher, dann hätte sie sicherlich nicht ihren Gefährten und ihre Tochter verloren, aber die Welt hatte sich sehr verändert. Seufzend blickte Hanako auf, als jemand weiteres vor ihr stand und sie grüßte. Hanako zwang sich ein leichtes Lächeln auf und sah den Rüden kurz an, dann flüsterte sie:
"Mein Name ist Hanako, ich bin neu hier."
Ihre knappe Antwort sollte nicht abweisend oder verletzend wirken, aber sie wusste nicht wirklich, wo sie anfangen sollte und sie sah den Rüden erst einmal nur an.
Über das Warten war allmählich die Zeit vergangen, in ihrem steten Fluss war sie einfach weitergelaufen ohne an den hünenhaften Rüden im Wald zu denken, der sich auf dem Boden ausgestreckt und den Kopf, der gedankenschwer war, auf die Tatzen gelegt hatte. Die Augen hatte er halb geschlossen und während die Gedanken in rascher Folge durch seinen Kopf tanzten und dem Rüden die Sinne vernebelten hatte er vergessen, warum er sich eigentlich hier im Wald aufhielt.
Die ersten Sonnenstrahlen kitzelten das dunkle Fell auf dem Rücken des Hünen und zwangen ihn dazu seine Umgebung wahrzunehmen. Tannennadeln kitzelten den Bauch, kleine Zweige und Kiesel zwickten ihn in denselben und das Fell war feucht vom aus dem Boden steigenden frühen Tau. Das junge Sonnenlicht schob mit den hellen Finger die Blätter der Bäume beiseite und betastete den Rüden neugierig. Der gähnte.
.oO(Komm, Falk, genug geruht, es hat jetzt keinen Sinn mehr hier liegen zu bleiben.)Oo.
Gehorsam stand der so von sich selbst Angesprochene auf, streckte sich, krallte die Tatzen in den Boden, gähnte noch einmal und schüttelte das Fell aus. Dann überlegte er, was er nun tun sollte - zum Rudel zurück? In das ganze Chaos hinein mit den neuen Wölfen? Außerdem, konnte er sicher sein, dass Ayala dort war?
Ein fernes Knacken - wie als wenn jemand auf einen trockenen Zweig tritt - riss den Hünen aus den Gedanken. Varloc! Sie war immer noch im Wald und hatte sich weiterhin nicht beim Rudel blicken lassen. Ob es ihr gut ging? Aus einem inneren Reflex heraus begann Falk in die Richtung zu laufen aus der er das Geräusch wahrgenommen hatte...
Als der schwarze Rüde aufsah und seine grauen Augen auf seine Gefährtin richtete, fiel ihm auf, wie hübsch sie doch war. Wie sie da saß, stolz, doch gutmütig und klug. Erfrischend wie das Leben und geduldig wie die Zeit. Kurz schien die Kälte aus seinen Augen zu verschwinden und sie wurden ehrlich und treu. Er nickte kurz, besann sich anders und sagte:
„Es wäre mir eine Ehre, wenn ich dieses Amt für mich behaupten könnte. Nachdem traurigen Abschied von Nyota, kann ich verstehen, wenn du Hilfe brauchst. Und mein verspreche gilt immer noch, ich bleibe bei dir, werde dich beschützen und dir helfen wo ich kann.“
Diese Worte sagte er leise, er hatte fast geflüstert. Unwillkürlich trat ein Lächeln auf seine Lefzen auf. Lange hatte er nicht in der Gegenwart anderer Wölfe gelacht oder gar gelächelt.
„Banshee …“
wisperte er nun.
„Ich wollte dich etwas fragen.“
Banshee atmete den beruhigenden Duft Acollons ein, spürte seine Wärme und vergrub langsam ihre Schnauze in seinem Nackenfell.
"Danke."
Sie genoss die wenige Zeit, die sie so verharren durfte, spürte schon die ersten Sonnestrahlen auf ihrem Fell, als Acollon leise weitere Worte flüsterte. Sie löste ihre Schnauze aus seinem Fell und lächelte ihn sanft an. Ihre Augen fragten nicht, drängten nicht, warteten nur geduldig auf weitere Worte, die ihr Ohr streicheln würden, wenn es sein musste, bis in die Ewigkeit. Solange sie nur hier bei ihm sitzen durfte.
Ayala nickte Reiyn zu, er hatte Recht, sie sollten zum Rudel zurückkehren. Sie lächelte ihm freundlich zu, es gefiel ihr, dass er bereits eine gewisse Verantwortung übernahm, obwohl er gerade erst zu ihnen hinzugestoßen war.
Sie lief los, beobachtete im Gehen seinen weichen Gang. Ihre Gedanken wanderten zu Falk...wieder hatten sie nicht miteinander reden können, wieder war etwas dazwischen gekommen. Er war ihnen nicht mehr gefolgt...warum? Brauchte er Zeit für sich alleine? Oder war er gar zu dem Entschluss gekommen, dass...dass...Ayala schüttelte sich, ignorierte ihre Gedanken so gut es ging und trabte los - hoffentlich war er am Rudelplatz. Wenn sie nicht bald den männlichen Duft seine Fells, seine Wärme in sich einsaugen konnte, würde sie verrückt werden! Er war nicht da...
Am Rudelplatz angekommen, erblickte Ayala Acollon und Banshee, Dayon, Moon, Leé, die neu angekommene Wölfin...aber keinen Falk von Scharfenberg. Sie blieb regungslos stehen, versuchte sich zu beruhigen - er würde sicher bald auftauchen... -atmete tief durch und kam der Fremden entgegen.
"Sei gegrüßt ... ich bin Ayala."
erwiderte sie und rang sich ein Lächeln ab. Ihre Begrüßung war nicht so frendlich und offen wie sonst angekommen - doch sie hatte jetzt keine Geduld dafür - sie würde sich später der Neuen widmen. Ihre Aufmerksamkeit galt Dayon, der neben der weißen Fähe saß.
"Dayon - hast du Falk gesehen - weißt du, wo er...hingegangen sein könnte?"
Sie kam sich so lächerlich vor...Falk konnte gut auf sich selbst aufpassen - und doch hatte sie ein ungutes Gefühl.
Dayon dachte an Jahlay und dämmerte ein wenig vor sich hin, bis ihn plötzlich die Fähe ansprach. Fast verwirrt udn etwas verständnislos sah er sie an, dann wurde ihm klar, wo er war und er lächelte leicht.
"Willkommen im Tal der Sternenwinde, Hanako."
Er merkte nicht mal richtig, den seltsamen Blick und die komische Stimme der Neuen, seine Gedanken waren schon wieder bei Moon und Jahlay. Er wollte sich gerade umdrehen, als Ayala ihn ansprach, sie musste wohl dazugetreten sein.
"Falk? Nein ... er ist vorhin gegangen, glaube ich ..."
Seine Aufmerksamkeit wurde ein wenig abgelenkt von der Vergangenheit, Falk war fort ... ob wohl etwas passiert war? Sein Blick glitt über den Waldrand, auch wenn es eher desinteressiert aussah, war es das erste Mal, dass er sich wirklich für etwas interessierte.
"Willst du ..."
doch schwarze Rüde unterbrach sich und sah sich mit einem launischen Grummeln um. Seine tiefen und recht kühlen Augen huschten von Wolf zu Wolf.
"Gehst du mit mir spazieren?"
formulierte er seine Frage um. Er hatte Zeit um diese Frage zu stellen, denn wenn Banshee "Ja" sagte, waren sie ein Teil der Ewigkeit. Der neu ernannte Alpha richtetet sich etwas auf, stolz darauf, dass er neben seiner Fähe sitzen konnte. Sein Atem verriet seine Ruhe. Man könnte meinen er wäre alt geworden. Er hätte schon viel erlebt. Nein, man könnte es nicht nur sagen, es war so. Doch schließlich war seine Vergangenheit als Mörder abgeschlossen. Er hatte Wichtigeres gefunden. Hatte schon lange einen neuen Sinn. Mit Ayala war er eine der ersten Wölfe hier im Sternenwind Tal gewesen. Nyota und Banshee hatten zusammen mit Ayala und ihm ein Rudel aufgebracht. Schwierigkeiten hatte es schon immer gegeben, doch Acollon war sich sicher, dass sie sogar gut für den Zusammenhalt waren. Seine Augen sahen wieder auf Banshee. Es fiel ihm immer noch nach wie vor schwer, seine Kühle und herablassende Art abzulegen. Ein ehrliches Lächeln war zu sehen, auch wenn es nur schwach und matt war.
Hanako blickte Ayala kurz an, nickte ihr freundlich und dankend zu und wendete auch noch einmal kurz den Blick auf den Rüden. Ihr Blick ruhte auf dem Rüden und sie dachte sich innerlich nur, ob es hier wirklich ein guter Neuanfang war. Seufzend wendete sie ihren Blick ab und wandte sich von den Wölfen ab. Wie sollte es nun weitergehen? Nur wenige wendeten ihre Aufmerksamkeit auf Hanako, vielleicht sollte sie sich selbst erst einmal zu Recht finden? Seufzend legte Hanako sich auf dem Boden nieder, den Kopf platzierte sie auf den Pfoten und ihre Gedanken schweiften etwas ab. Immer wieder tauchte das mörderische Bild vor ihren Augen auf, wie ihr Vater ihren Gefährten nieder gebissen hatte, wie er lachte, bedrohlich lachte und immer wieder geschworen hatte, dass er wiederkommen würde. Und wo war ihre Mutter nur? Sie hatte sie bei der Flucht verloren, einzig ihre Tochter war ihr in diesem Moment geblieben und doch...sie hatte auch diese verloren. Hanako schluckte schwer, was war ihr von ihrer Familie überhaupt geblieben? Ihr Vater hatte sich so verändert, sodass sie auch ihn innerlich verloren hatte. Würde er wohl noch leben? Warum ahnte sie nur, dass er wiederkommen würde? Hanako seufzte leise und erhob sich leicht zittrig, dann wendete sie ihren Blick immer wieder besorgt in alle Richtungen, irgendetwas war nicht mehr wie vorher, nur was? Sie schüttelte den Kopf und sah die vereinzelten Wölfe nachdenklich an.
Reiyn hatte mit gewohnt leisen Pfoten die nasse Wiese überschritten und stand nun vor der neuen Fähe. Die gewaltige Wolkendecke hatte sich etwas gelockert und einzelne goldene Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg zur Erde, fielen auf die Tau- und Regentropfen, ließen sie aufblitzen. Reiyn nahm den Blick von seinen Pfoten und schaute nun die weiße Fähe vor sich mit ruhigem Blick an. Seine Haltung war aufrecht, wie immer.
"Schnauze recken, Ohren aufrecht ... es gibt immer einen Weg. Was machst du für ein trauriges Gesicht?"
sagte Reiyn leise zu der Neuen, damit nicht jeder seine wohl recht seltsamen Worte mitbekam. Die weiße Fähe machte keinen glücklichen Eindruck auf ihn.
"Ich bin Reiyn. Freut mich."
Hanako sah den Rüden vor sich an und überlegte erst einmal, was überhaupt geschehen war in den letzten Sekunden, dann zwang sie sich ein leichtes Lächeln auf und seufzte innerlich.
"Danke. Ich bin Hanako, es freut mich auch. Nun, ich bin wohl etwas mit meinen Gedanken in meine Vergangenheit geschritten, aber es ist alles in Ordnung, keine Sorge."
Sie musste ihn nicht anlügen, denn es war wirklich alles in Ordnung. Natürlich war sie immer noch etwas verletzt, aber das zerstörte sie nicht gleich, denn hier hatte sie etwas gefunden, was sie gesucht hatte. Ein Rudel, vielleicht auch Freunde und eine Familie...
"Und Danke für den Tipp, ich werd mich daran halten, die Ohren aufrecht zu halten."
Hanako musste leicht grinsen, hatte aber auch leise gesprochen, so wie Reiyn es tat. Sie betrachtete ihn eine Weile und lächelte wieder, wie unglücklich sie kurz zuvor noch schien und nun? Es musste wie Magie sein, sie fühlte sich einfach nur wohl.
"Ihr lebt wirklich in einem wundervollen Tal ..."
Warum sie es ihm ausgerechnet sagte, wusste Hanako nicht, aber sie freute sich, vielleicht mit jemanden Reden zu können.
Banshee zögerte kurz, sah wieder zu Hanako, um die sich langsam das Rudel versammelte. Sie suchte kurz den Blick der Fähe, wollte ihr zweigen, dass sie wieder kommen würde, dass sie die anderen kennen lernen sollte. Wieder begann ihr Blick unruhig umher zu wandeln, aber sie konnte Falk nicht entdecken, gefasst blickte sie daraufhin zu Ayala, nickte ihr zu, übergab ihr die Verantwortung und hoffte auf die Kraft der doch noch so jungen Fähe. Kurz entspannte sie ihre Augen in der aufgehenden Sonne, deren Licht noch nicht blendete und lächelte dann zu Acollon.
"Bis in die Ewigkeit ... lass uns gehen."
Sie erhob sich langsam, machte jedoch nur wenige Schritte, wartete, bis Acollonan ihrer Seite war und sich ihre Schritte zu einem gleichmäßigen Gang vereinten.
Als Acollon den Blick von Banshee zu Hanako sah, verstand er und nickte entschlossen.
"Liebste, bleib ruhig bei ihr. Ich werde als neuer Alpha erstmal das Revier abgehen, werde meine Warnung hinterlassen. Und ich glaube, das sollte ich allein machen. Aber wenn ich wiederkomme, und das werde ich, dann musst du mir ein Versprechen geben, sowie ich dir auch meines gebe. Nimm mich zu deinem Wolf. Liebe mich für die Ewigkeit, sei bei mir, egal was passiert. Ich werde deine Liebe erwidern, ich werde jeden Tag neben dir aufwachen und jeden dieser Tage schätzen und Engaya dankbar dafür sein. Banshee, ich liebe dich. Ich kannte dieses Gefühl nicht, ich habe zuvor nur Hass und Abneigung gekannt! Ich will mich sogar für dich ändern, will versuchen den anderen ein netterer Wolf zu sein, doch Freunde werden sie nicht. Gib mir dein Versprechen."
sagte der schwarze Sohn des Todesgottes. Doch bevor er eine Antwort abwartete, erhob er sich und heulte laut auf.
“Ich werde nun das Revier absuchen, werde es neu markieren, werde eine eindeutige Botschaft für Feinde hinterlassen. So passt auf euch auf. Falk, ich vertraue dir an, dass du auf unsere Welpen und Fähen aufpasst.“
Dann lief der Schwarze los, in den Schatten der Bäume, ohne von einem Sonnenstrahl berührt zu werden.
Banshee stand erstarrte in der Bewegung, sah verwirrt und doch noch immer glücklich lächelnd zu ihrem Gefährten. Während er langsam im Wald verschwand, bis sein schwarzes Fell selbst im hellen Licht der aufgehenden Sonne nicht mehr zu erkennen war. Leise flüsterte sie in den schwach aufkommenden Wind, Worte die nur für Acollon bestimmt waren und vielleicht würde der Wind sie zu ihm tragen, wie weit er nun auch schon entfernt sein mochte.
"Nichts lieber, als das, Acollon, ich werde nicht mehr von dir gehen können, mein Herz hat bereits seine Fäden mit deinem verwoben ... auf dass sie nie reißen werden."
Kurz sah sie noch auf die Stelle, an der Acollon verschwunden war, dann drehte sie sich langsam um und trat zurück zu der kleinen Ansammlung um Hanako ... Falk schien auch von Ayala und Dayon vermisst zu werden. Er wurde Hanako ein Lächeln geschenkt, eine sanfte Schnauzenberührung, dann wandte sie sich an Ayala.
"Wann hast du Falk das letzte mal gesehen ... und wie erschien er dir da?"
Sie versuchte ruhig und gefasst zu sein, ihre Miene war noch immer entspannt und freundlich, Falk würde sicher wieder auftauchen, er war ein erwachsener Wolf, noch dazu ein großer und nicht umsonst Gamma.
Der frühe Wind blies spielerisch um Reiyns Ohren und durchfuhr sein Fell. Es wurde zusehends heller und immer mehr Sonnenstrahlen fielen auf die Ansammlung von Wölfen hinunter, bei denen eine merkwürdige Aufbruchsstimmung zu herrschen schien. Alles wirkte etwas zusammen gewürfelt und unvollständig. Reiyn schüttelte leicht seinen Pelz und summte zustimmend.
"Da muss ich dir Recht geben, aber ich selbst bin auch erst letzte Nacht hinzu gestoßen, du bist also nicht allein als Neuling."
sagte er und legte den Kopf kurz in den Nacken. Vielleicht würde das der Fähe namens Hanako das Herz etwas leichter machen, denn es schien, als sei sie lange allein gewesen und ... schwach. Reiyn runzelte die Stirn. Schwach konnte man nicht sagen, eher zart, verletzlich. Er selbst hatte für sich zu anderen Wölfen eine gewisse Schutzmauer gezogen, die niemand übertreten konnte, solange er sie aufrechterhielt. Das schützte ihn, aber es verhinderte tiefere Beziehungen zu anderen und darüber war sich Reiyn bewusst.
Hanako nickte dem Rüden zu und lächelte wieder leicht. Er war wirklich nett zu ihr und das erleichterte ihr ein wenig die Situation. Er war also auch noch neu und wusste wahrscheinlich auch noch nicht sehr viel. Dann würde sie sich ja nicht so allein fühlen. Ihr Blick ging etwas umher, immer wieder blieb er irgendwo hängen und sie freute sich etwas, als Banshee auf sie zu kam und sie kurz zur Begrüßung berührte. Hanako blickte wieder zu dem Rüden, hatte sich mit etwas zittrigen Pfoten aufgestellt und vertrat sich kurz die Pfoten. Dann dachte sie wieder an Reiyn. Wieso fesselten ihre Gedanken so sehr an ihm? Sie seufzte leise und versuchte wieder normal zu lächeln.
"Bisher fühle ich mich sehr wohl hier..."
Warum sollte sie es nicht zugeben? Es war doch so und vor allem in der Anwesenheit dieser beiden Wölfe vernahm sie ein vertrautes Gefühl...sie war wie ein anderes Wesen...
Ayala erschrak, als sie plötzlich von Banshee angesprochen wurde, obwohl der Wind nur diese sanfte, warme Stimme zu ihr trug.
"Banshee ..."
Ayalas verhärteter Blick vom konzentrierten Nachdenken wurde weicher, eigentlich freute sie sich, endlich mal wieder Zeit mit Banshee zu verbringen - wäre da nicht die Sorge um Falk ...
"Wann ich ihn zuletzt gesehen habe? Vorhin, bevor Reiyn und ich zum Fluss gelaufen sind ... ich dachte, er würde uns folgen, aber ..."
Ayala schüttelte ihren zierlichen Kopf - sie verstand sich selbst nicht - warum machte sie sich solche Sorgen? Das Einzige war dieses drückende Gefühl in der Magengrube, das sie ansonsten nie im Stich ließ, aber ...
"Wir waren uns zurzeit so fern...und doch so nah - ich weiß nicht wo er sein könnte, ich habe jede Intuition verloren."
Ayalas Blick schweifte ab - sie fürchtete, Banshee ihr ganzes Herz auszuschütten, doch sie wollte sich zusammenreißen.
Dayon merkte, dass Ayala abgelenkt war von ihren Sorgen, außerdem würde Banshee ihr sicher besser helfen können. So wandte er sich langsam ab und wollte schon wieder zu Hanako gehen, sich unterhalten, zeigen, dass er auch lebte, aber da stand schon Reiyn und er beschloss die beiden lieber alleine zu lassen. Dann blieb nur noch Moon übrig, sein Sohn lag noch immer alleine schlafend da. Langsam kam Dayon wieder zu ihm, setzte sich neben ihn und stupste ihn sachte an.
"Moon, mein Kleiner, wach auf, die Sonne geht auf."
Er ließ seinen Blick zu dem roten Feuerball huschen, genoss das noch sanfte Licht, ließ sich den Pelz bescheinen und dachte, wie so oft, an Jahlay. Er hatte gehofft, dass er vielleicht mehr vergessen könnte, seit er mit Falk und Ayala geredet hatte, doch seit Falk verschwunden war und er selbst die meiste Zeit alleine am Fluss gelegen war, bekam er seine Gedanken nicht mehr von Jahlay los. Auch jetzt sehnte er sich wieder nach ihrer schönen Gestalt ... gedankenverloren versank er im Anblick der aufgehenden Sonne.
Banshee lauschte Ayala angespannter, ihre Augen huschten über die junge Fähe, sie schien verwirrt und aufgewühlt, was war geschehen? Kurz irrten ihre Gedanken zu Falk, er war älter als Ayala und Banshee wusste nicht, wie er die junge Fähe behandelte, doch die Gedanken verscheuchte sie schnell wieder, sie vertraute ihrem Gamma, sie wusste, warum sie diese Entscheidung einst gefällt hatte und bald eine noch größere fällen würde. Trotzdem blieb sie unruhig. Sie wusste auch nicht, was sie Ayala sagen sollte, ihre Blutsschwester schien vieles auf dem Herzen zu liegen, doch gleichzeitig schien sie zu zögern. Banshee suchte nach den richtigen Worten, schon lange hatte sie sich nicht mehr so schwer getan, aber die Sorge um Ayala und auch die Verwirrung über den plötzlichen Gefühlsausbruch der Fähe, lasteten auf ihren Schultern.
"Keine Angst, Falk wird sicher bald wieder auftauchen ... aber was betrübt dich, Ayala?"
Ihre Augen suchten nach dem Blick der anderen Fähe, sie wollte nicht forschend oder neugierig wirken, viel eher wollte sie ihre Hilfe anbieten, die ebenso gut abgelehnt werden konnte.
Immer noch den Blick in die Ferne gerichtet, begann Ayala:
"Alles hat sich so schnell verändert...wir hatten gar keine richtige Zeit, uns kennenzulernen. ich habe einfach Angst, dass...ich kenne ihn nicht so gut, wie ich dachte, ich habe einfach Angst, ihn zu verlieren...
Was, wenn er dasselbe von mir denkt? Wenn auch er denkt, ich habe meine Entscheidung getroffen und bin deshalb distanziert zu ihm? Wir hatten noch keine Zeit uns auszusprechen, ich muss ihm etwas Wichtiges sagen, jetzt, sofort! Und er ist weg, einfach unauffindbar..."
Die weiße Fähe seufzte und plötzlich wurde ihr bewusst, was gerade aus ihr herausgesprudelt war.
"Entschuldige, Banshee - meine Nerven sind scheinbar etwas angegriffen."
Sie rang sich ein unechtes Lächeln ab und senkte den Kopf. Sie vertraute ihrer Blutsschwester zweifellos, aber sie wollte sie nicht mit ihren Problemen belasten. Es verwirrte Ayala selbst, dass sie eben so viel von sich preisgegeben hatte, normalerweise focht sie alles mit sich selbst aus, war ruhig, hörte lieber zu.
Immer noch neben Hanako stand verlor ihre Angst vor der Neuen und wedelte freudig mit ihrer Rute. Dann antwortete sie freundlich:
"Ich heiße Leé."
Die Welpin sah, zu Acollon herauf und lächelte. Sie hatte den Rüden zwar nie lange gesehen, doch sie hatte, bei ihrer Ankunft als erstes Jorun, Banshee und auch Acollon kennen gelernt. Acollon war lange weg, fand Leé. Sie schaute wieder zu Hanako, die ihr sehr sympathisch war.
"Woher kommst du eigentlich Hanako?"
fragte Leé, ohne zu überlegen. Ihr war aufgefallen, dass die Fähe ziemlich unsicher aussah. warum musste sie auch immer gleich Fragen stellen...Leé war eben neugierig wie kein anderer Welpe. Leés Blick haftete auf Hanako, und die kleine Fähe setzte sich neben sie hin und wartete.
Als die kleine Welpe Hanako eine Antwort und etwas Aufmerksamkeit schenkte, musste sie gleich wieder hinunter blicken und sie anlächeln. Wo sie her kam? Die Geschichte war lang und kompliziert...Hanako hatte sich nie lange irgendwo aufgehalten, seit sie geflohen war. Sie seufzte leise, einer kleinen Welpe so etwas zu erklären war sicherlich etwas schwierig, aber Hanako war es aus ihrer Mutterzeit noch gewohnt.
"Weißt du, Kleines, ich habe nie einen festen Wohnsitz gehabt. Nachdem das Rudel, in dem ich aufgewachsen war, zerstört war, bin ich weggerannt, weit weg. Nie habe ich mich lange aufgehalten irgendwo. Als ich noch einen Gefährten und ein Kind hatte, lebten wir inmitten dieses wundervollen Waldes, doch danach bin ich wieder nur geflohen. Ich kenne mich hier dafür ziemlich gut aus, aber deine Frage wird wohl nie eine klare Antwort bekommen. Es ist viel passiert, ich wünsche dir nur, dass du niemals etwas Derartiges durchmachen musst, wie ich, Kleine. Liebe deine Eltern und höre auf sie, sie sind das Wichtigste, was du bekommen kannst und wenn du sie verlierst, wird es sehr schwer in deinem Leben!"
Hanako nickte innerlich, diese Worte waren die Richtigen und die Letzten beschrieben ihre Lage vollkommen. Ihr Leben war schwer gewesen, als sie ihren Vater verloren hatte, aber bis an das Ende würde sie sich durchkämpfen. Und diesem Rudel schenkte sie deshalb auch eine Menge Kraft und Respekt.
Banshee lächelte warm, mehr denn je kam ihr die junge Fähe vor ihr wie ein hilfloser Welpe vor, der beschützt werden musste und dessen Welt noch viel größer werden würde, wenn er nur artig lernte und aufpasste. Freundlich ließ sie ihre Gedanken nicht heraus und versuchte Ayala wie eine erwachsene Fähe zu behandeln und sie nicht durch ein Von-Oben-Herabblicken zu kränken.
"Weißt du, Ayala ... manchmal ist es besser einfach nicht nachzudenken, sich treiben zu lassen, auf sein herz zu hören. Bald wird Falk wiederkehren, davon bin ich überzeugt und dann seit wieder bei einander, ihr beide könnt mit dem Herzen ebenso gut sehen wie mit den Augen."
Sie machte eine erneut schwingende Bewegung und drehte sich dann leicht zum Rudel.
"Die Sonne ist aufgegangen, wir sollten uns zusammen finden und über die Zukunft reden ... vieles hat sich verändert."
Noch einmal hob sie die Schnauze zum Himmel und rief nach Falk und Varlock ... vielleicht würden sie diesmal hören.
Leé lächelte, sie fand Hanako sehr nett. Die Welpin fühlte sich wohl in ihrer Umgebung. Als Hanako ihr ihre Geschichte erzählte wurde sie traurig. Sie war sich sicher, dass sie, wie Shion wieder abreisen würde. Doch sie lauschte gespannt ihrer kurzen Erzählung. Als die Fähe geendet hatte, blickte Leé traurig zu Boden.
"Ich bin auch lange gereist. ich habe meine Eltern, meine Geschwister und das ganze Rudel verlosen...bei einem großen Feuer."
sagte Leé leise. Wie sehr sehnte sich Leé nach ihren Eltern. Die wärme und Geborgenheit die sie von ihrer Mutter bekommen hatte, fand sie hier im Rudel nicht richtig, doch sie fühlte sich hier trotzdem geborgen und sicher vor allen Gefahren.
Leicht seufzte Hanako und sie stupste die kleine Welpin liebevoll an. Es tat ihr weh, zu hören, dass die Welpin ihre Familie und ihr zu Hause verloren hatte. Vor allem in so jungen Jahren musste es unwahrscheinlich schwer sein, wieder Fuß zu fassen. Dann spielte ein Lächeln auf ihren Lefzen.
"Mach dir keine Gedanken, wenn du jemanden zum Reden brauchst, bin ich gerne für dich da. Ich kann mir vorstellen, wie schwer es für dich gewesen sein muss damals und der Schmerz sitzt sicherlich noch etwas in dir. Nun...ich bin mir sicher, wir werden mal ganz dicke Freunde!"
Mit einem leichten Grinsen schleckte sie der Kleinen über die Schnauze, sie war noch gar nicht so lange hier, doch schon fühlte Hanako sich äußerst wohl.
.oO(So schnell werde ich nicht mehr gehen...dass verspreche ich euch...)
Leés trauriges Gesicht verwandelte sich in ein breites glückliches Grinsen.
Dicke Freundinnen sein mit Hanako hörte sich gut an. Leé dachte eine Weile nach und seufzte dann. Ihre Familie fehlte ihr und der Schmerz kehrte immer dann zurück, wenn sie Welpen mit ihren Eltern sah, doch inzwischen war Leé viel glücklicher geworden. In diesem Rudel. Dann wanderten ihre Gedanken zu Moon. Diesen Welpen hatte sie bei ihrer Ankunft in diesem Tal kennen gelernt und ihn danach nie wieder gesehen.
"Kennst du Moon? Hast du ihn vielleicht schon mal gesehen? Er ist ein kleiner Welpe, den ich bei meiner Ankunft kennengelernt habe."
fragte Leé plötzlich. Leé lächelte Hanako an und wedelte leicht mit ihrer kleinen Rute. Wie sehr freute sie sich über die Bekanntschaft mit Hanako!
Hanako hatte wieder ein Lächeln auf den Lefzen und sah sich etwas um. Von einem Welpen namens Moon hatte sie bisher noch nichts gehört, ob dieser auch Neu hier war? Neugierig streckte sie den Kopf etwas in die Höhe und blickte sich um, ob sie irgendetwas entdecken würde, doch dem war nicht so, also legte sie sich auf dem Boden, um ungefähr in gleicher Höhe mit der kleinen Welpe vor ihr zu sein. Sie stupste diese wieder freundlich an und schenkte ihr einen Blick.
"Nein, bisher habe ich keinen anderen Welpen kennen gelernt außer dich. Vielleicht taucht er oder sie ja bald noch mal auf und stellt sich auch vor oder ich entdecke ihn und stelle mich vor. Du bist bisher die einzige, mit der ich mich so gut verstehe und schon so viele Wörter gewechselt hatte."
Hanako grinste leicht und schleckte ihr wieder über die Schnauze, dann wanderte ihr Blick etwas über das Rudel und sie versuchte, jemanden ausfindig zu machen.
"Hast du hier denn eine Familie?"
Ein lauer Wind strömte durch das Geäst der nun herbstlich bunten Bäume. Leichter Nebel senkte sich über den Waldboden. Die Waldbewohner bereiteten sich auf den Winter vor. Die Bäume stellten sich auf einen langen Schlaf ein.
Der schwarze Rüde ging gemäßigten Schrittes voran, hatte nun das Tal der Sternenwinde vollkommen abgesichert und markiert. Doch wenn er ehrlich zu sich selbst war, zweifelte er an sich, ob diese Aufgabe das Richtige für ihn sei. Immerhin war er ein Mörder, und sein Temperament war unvoraussichtlich und damit lebensgefährlich. Sicherlich, seine Stärke und Kraft war von Nutzen, doch würde er niemals die geduld aufbringen können, zu anderen fremden Wölfen „nett“ zu sein, da einige Fremde auch meist eine riesige Klappe hatten, würde es Acollons Gemüt hart auf die Probe stellen. Die grauen Augen des Rüden schweiften ruhig über das Revier, er hielt an, stand vor dem großen See. Spürte den Wind um sich herum, wie sein Fell rhythmisch den Bewegungen nachgab. Genüsslich schloss er die Augen. Eine neue Zeit würde anbrechen. Würde neues mit sich bringen und Acollon wieder vor vielen Wahlen stellen. Und immer würde er den Weg seiner Gefährtin einschlagen, nicht, weil er nicht fähig wäre ein eigenes Leben zu führen, lediglich aus ihrem Schutz und seiner Liebe zu ihr.
Acollon streckte seine Schnauze in die Luft, sog die frische Luft ein, richtete sich auf und heulte nach seiner Gefährtin, Banshee. Als er abbrach konnte man das Echo seines Heulens hören.
“Banshee, wo bist du und das Rudel?“
Leé wedelte heftig und freute sich, dass sie sich mit Hanako so gut verstand. Auf die Frage mit der Familie schüttelte sie nur den Kopf.
"Nein, in diesem Rudel habe ich keine Familie. Anfangs habe ich mich Jorun angeschlossen, oder Banshee, doch Jorun ist weggegangen. Dann habe ich Shion kennen gelernt, doch auch der ist weiter gezogen."
sagte Leé leise. Leé lächelte wieder und schaute sich dann um. Niemand war zu sehen. Sie hörte auch niemand, doch sie fühlte sich beobachtet.
Banshee schrak auf, als das Heulen Acollons durch die Morgenluft zitterte, er war zurückgekehrt. Ihre Rute begann leicht über den Boden zu wischen, die Ohren zuckten glücklich. Kurz warf sie einen Blick zu Ayala, die Weiße hatte ihr noch immer nicht geantwortet ... doch vielleicht wollte sie auch nachdenken, Banshee ließ der jungen Fähe Zeit. Langsam erhob sie sich und streckte die Schnauze zum grauen Morgenhimmel, der Tag würde windig und regnerisch werden, nun also war der Sommer vertrieben worden.
"Wir sind beim Rudelplatz am See."
Als sie verstummte sah sie sich um, noch immer fehlten Falk und Varloc, alle anderen unterhielten sich. Sie seufze leise und wandte den Blick zum Wald, wo Acollon bald auftauchen musste.