27.09.2013, 16:17

Die neuen Freunde, die Parveen, Kursaí und Daylight kennengelernt hatten, hielten Wort. Kurz nachdem sich der Tumult um Malik und Krolock aufgelöst hatte, erreichten der junge Goldspecht Tarakarax und sein älterer Bruder Rakataro das Rudel und stellten sich auch den Leitwölfen vor. Nach der anfänglichen Verwirrung waren bald alle froh, eine große Hilfe auf ihrer noch langen und beschwerlichen Wanderung erhalten zu haben - die vier Augen der geflügelten Freunde würden sehr viel mehr und sehr viel schneller sehen, was das Rudel sonst mühsam und durch viele Schritte erkunden müsste. Doch der nun erwartete, schnelle Aufbruch verzögerte sich erheblich durch die Verletzung Maliks. Nachdem der junge Wolf eingeschlafen war, beschlossen seine Eltern gemeinsam mit den Leitwölfen, dass sie noch mindestens einen Tag im Wald verbringen würden. Am Ende waren es zwei Tage und zwei Nächte geworden, bevor sie endlich aufbrechen konnten. Die Verletzung des Welpen war zwar nicht so schwer wie im ersten Schrecken erwartet und begann dank Sheenas Zuwendung bereits zu heilen, dennoch dauerte es etwas, bevor Malik wieder richtig laufen konnte. In dieser Zeit war das Rudel ungeduldig geworden, umso erleichterte waren alle, als es endlich losging. Bald hatten sie den alten Wald mit seinen Bewohnern hinter sich gelassen und tauchten wieder in die bekannte Welt aus Wäldern, Hügeln, Seen und Flüssen ein. Die Reviermarkierungen wurden wieder zahlreicher und der Schnee immer tiefer, dennoch blieb das Glück auf der Seite der Wölfe. Immer ließ sich irgendwo der Kadaver eines verendeten Beutetieres finden, sodass der Hunger nicht zu unbarmherzig nach ihnen greifen konnte. Dafür wurde die Silhouette einer Bergkette vor ihnen immer deutlicher, bis sie ihnen schließlich unübersehbar den Weg nach Norden versperrte. Jetzt wurden Tarakarax und Rakataro zum ersten Mal wirklich gebraucht, man schickte sie an den Spitzen und Schrofen der Berge entlang, in der Hoffnung, sie würden einen passierbaren Pfad für das Rudel finden. Etwa zu dieser Zeit begann langsam die Ranz der Wölfe. Die Fähen verströmten verführerische Düfte und den Rüden wurde es schwer gemacht, sich auf den vor ihnen liegenden Weg zu konzentrieren. Doch Tyraleen zeigte jeder Wölfin unmissverständlich, was ohnehin klar war: Welpen waren niemandem - nicht einmal ihr selbst - gestattet. Sie hatten großes Glück, dass Isaí, Malik, Taleesha und Linalee so gut mithalten konnten und waren dank ihnen dennoch langsamer, als ohne sie. Nun noch einmal neues Leben in ihre unsichere Lage und als wochenlange Verzögerung zu gebären, wäre ein Verrat am Rudel. Nach drei langen Tagen, in denen sich die Wölfe die ersten Berghänge hinaufarbeiteten, kamen beide Vögel mit schlechten Nachrichten zurück: Es gab keinen Weg über die hohen Wände und spitzen Kanten der Gipfel dieser Gebirgskette, Eis und Schnee versperrten turmhoch jede Felsspalte und waren unpassierbar für Wolfspfoten. Und nach Westen und Osten zogen sich die Berge endlos hin, sie zu umgehen würde Monate dauern. Doch es gab einen Lichtblick und die Möglichkeit, die auch Acollon genutzt haben musste: Ein Felsgang führte in den Berg hinein; Karatarax hatte ihn nicht zu weit erkunden können - in Dunkelheit und Fels war es gefährlich für einen Vogel - aber er schien zuversichtlich, dass er sie unter den höchsten Gipfeln und unpassierbarsten Gletschern hindurch führen würde. Einen Tagesmarsch lief das Rudel zu dem gähnenden Maul des Berges, das sie aus ihrer Misere befreien sollte, dann fiel die Entscheidung, dass es keinen Weg daran vorbei gab. Das Rudel würde in die Dunkelheit gehen müssen. Die Wölfe befinden sich auf einer Hochebene, direkt vor ihnen liegt der in etwa zwei Wolfslängen hohe Eingang in den Berg. Die ersten Wölfe betreten nun die Dunkelheit und lassen somit den in dieser Höhe festgefrorenen Schnee hinter sich. Im Inneren des Berges ist es um wenige Grade wärmer, als draußen, in etwa -30°C, doch da der eisige Wind wegfällt, kommt es den Wölfen vor wie der Schritt in den Frühling. Sie verlassen damit auch das dämmrige Licht eines wolkenverhangenen Winternachmittags, das ihnen von nun an fehlen würde. Vielleicht würde ihnen dafür auffallen, dass an einigen scharfkantigen Felsvorsprüngen im Inneren der Ganges und auf seinem kalten Steinboden der schwache Duft von Wölfen hing. Seit dem letzten Plot sind 14 Tage vergangen. Die Welpen sind knapp 3 ½ Monate alt. |
27.09.2013, 17:46
Eigentlich war also alles ziemlich gut und Tyraleen könnte sich auf ein bevorstehendes Abenteuer freuen. Aber dem war nicht so. Zu viele Sorgen hatten sich schon wieder auf ihre Schultern gelegt und in manchen stillen Momenten war sie sich nicht sicher, ob sie diese durch eine so fremde Welt tragen konnte. Malik konnte zwar wieder laufen, aber er schwieg seit Krolocks Attacke. Caylee und Averic hingen nun an Krolock und ließen ihn nicht mehr aus den Augen. Und ihre ständige Aufmerksamkeit war gefragt, um jeder Fähe notfalls mit Zähnen klar zu machen, dass niemand in diesem Rudel Welpen bekommen durfte. Die eigene Läufigkeit ließ sie noch angespannter werden und in ihren Träumen sah sie manchmal ihre Kinder, insbesondere Tascurio, als Welpen. Es waren warme, schöne Träume, die das Aufwachen umso härter werden ließen. Lieber hätte sie von Eis und Schnee und Kälte geträumt, aber davon gab es wohl schon genug um sie herum. Es blieb stets nur das wunderbare Gefühl der Geborgenheit und Liebe zurück, das in der Realität von einer ewigen Wanderung durch die Kälte in weite Ferne vertrieben worden war.
Die weiße Leitwölfin schluckte und setzte eisern Pfote vor Pfote. Das Licht wurde bereits weniger, aber zu sehen gab es hier ohnehin nicht viel. Steinwände, teilweise scharfkantig aber nicht zu gefährlich, ein leicht ansteigender Felsboden und Dunkelheit vor ihr. Das Rudel in ihrem Rücken folgte ihr, vermutlich vor allem deshalb lief sie immer weiter.
"Kommt, wir haben einen richtigen Gang vor uns, lasst uns sehen, wohin er uns führen wird!",
Sie rief über die Schulter, ohne einen Wolf direkt anzusprechen und versuchte damit den anderen Mut zu machen und sich selbst an die Neugierde zu erinnern, die sie sonst bei diesem Abenteuer empfunden hätte. Sogar ihre Rute pendelte ein wenig stärker hin und her und ein verbissen entschlossener Ausdruck fand sich auf ihrem Gesicht ein. Sie tat das Richtige - es gab ja auch gar keine andere Möglichkeit - und sie würden nach einem wunderlichen Weg durch das Innere dieses uralten Berges auf der anderen Seite ins Tageslicht laufen und gemeinsam über das Erlebte lachen. Ja, das klang schön.
27.09.2013, 18:27
Aszrem war dankbar für die Höhle. Nicht etwa, weil er nun erst einmal nicht mehr durch den Schnee stapfen musste, sondern auf hartem Untergrundlaufen konnte, und auch nicht, weil durch das Fehlen des Windes die gefühlte Temperatur nun wärmer war als zuvor. Nein, Aszrem war dankbar, weil er nicht über diese verdammten Berge würde kraxeln müssen. Er hatte Berge immer gemocht - mit dem Erklimmen der Grenzberge seiner Heimat und der phänomenalen Aussicht, die sich ihm von den Gipfeln aus geboten hatte, hatte einst seine lange Reise begonnen. Aber diesmal hate ihn die Aussicht auf eine lange Klettertour ihn gegraust. Der Schwarzbraune hatte die Gebirgskette betrachtet und in sich hinein gehorcht, und dabei den leisen Zweifel in sich gespürt, ob er eine Kletterpartie überstehen würde. Nur ein kleiner Zweifel zwar, aber er war da, und er blieb beständig. Schon vor der Flucht aus Engayas Tal hatte er gespürt, wie sein Körper an Leistungskraft verlor, aber inzwischen hatte er das Gefühl, dass ihn das Alter schneller und schneller einholte. Aszrem war schon vielen alten Wölfen begegnet und hegte den vagen Verdacht, dass eine derartige Beschleunigung nicht ganz normal war... aber was, bitte schön, war es dann? Nein, vermutlich grübelte er unbegründet darüber nach. Er musste sich einfach endlich damit abfinde, dass er inzwischen ein Altwolf war, und dass die Kraft und Agilität seiner Jugendjahre der Vergangenheit angehörte. Nicht mehr, und nicht weniger.
Trotzdem verbot sein Stolz ihm, das auch so offensichtlich zu zeigen, und mühte sich daher nach Leibeskräften, sich nichts anmerken zu lassen. Er hatte ein Rudel zuführen, und die Rudelmitglieder verließen sich auf ihn. Etwas anderes als Stärke zu zeigen, kam schlicht nicht in Frage. Aber im Stillen konnte er sich den Luxus gönnen, dankbar für diesen Weg durch den Berg zu sein. Mochten die Götter ihnen gnädig sein und bewirken, dass er keine Sackgasse war.
Tyraleen lief voran, und Aszrem blieb nur einen halben Schritt hinter ihr.
"Bleibt dich zusammen!",
rief er nach hinten, Tyraleens Worte ergänzend. Das fehlte ihnen noch, dass jemand zurückblieb und im Dunkeln verloren ging.
[Rudelspitze, bei Tyraleen]
27.09.2013, 18:53
Die Fähe hob ihr schmales Haupt zu Richtung Winterhimmel und starrte die graue Felswand an, die sich über dem dunkel gähnenden Gang im Berg aufbaute. Seitdem sie das Hochplateau betreten und ihrem Ziel näher gekommen war, hatte Amáya ein unruhiges Gefühl gepiesakt, welches aber nicht unangenehm war. Erst jetzt fiel ihr wirklich auf, woran sie diese frostigen Höhen erinnerten. Der Winter, den sie damals mit dem Rudel als Vertriebene in den Bergen verbracht hatten, ja. Sie gab den Gipfeln mit ihren Wolkenfetzen einen kurzen. nachdenklichen Blick, bevor sie sich wieder den Wölfen um sich herum zuwandte. Vor ihr, ganz an der Spitze, lief ihre Schwester. Ihr Blick versank im makellos weißen Fell der Leitwölfin und sie lächelte etwas traurig in sich hinein.
Sie waren alle noch Jährlinge gewesen, damals in jenem Winter auf dem Berg. Doch das war lange her und noch bevor man sie aus dem Rudel gerissen hatte. Das Lächeln verschwand und ihr Blick verdüsterte sich leicht. Zu jenen Tagen könnte sie nie wieder zurückkehren, doch ehrlich gesagt war es auch unmöglich sich das zu wünschen. Da lag zu viel zwischen dem Jährling von damals und der Amáya heute. Chivan hatte ihr gesagt, sie solle stolz auf sich sein. Sie wusste immer noch nicht recht, ob sie das wirklich sein konnte, ob ihr das überhaupt erlaubt war. Trotzdem hatte sie in den letzten zwei Wochen zumindest versucht, sich nicht der wirbelnden Kluft in sich selbst hinzugeben. Sie musste da irgendwie raus, das war ihr klar. Ein kleiner Seufzer erntwich ihrem Fang und sie beschleunigte ihre Schritte, als sie ihre Schwester den Startschuss geben hörte. Mit leisen Schritten glitt sie in den Schlund des Berges hinein und warf noch einen letzten Blick über die Schulter zu dem dämmrigen Winterlicht. Zumindest gab es hier keinen Wind, der an ihren Gesichtern riss und drohte, ihnen bei lebendigen Leibe das Fell abzureißen. Sie spürte förmlich, wie sich die Masse an Fels auf den Tunnel drückte und es war ihr wieder, als würde sie ein seltsames Klingeln in den Ohren vernehmen, wie damals, als sie mti Kirov am Sternensee gestanden hatte. Das beunruhigte sie ein wenig, aber sie wusste sehr wohl, dass diese Unruhe schnell in Panik umschlagen konnte und das musste sie sofort unterdrücken. Andererseits war es auch nicht gut an Kirov zu denken. Im Moment war es wohl am Besten sie schlug sich alle Gedanken an Rüden aus dem Kopf. Schlimm genug, dass der Wunsch nach Welpen so innig in ihr brannte. Dabei war sie wohl als Letztes für welche geeignet. So schloss sie also mit entschlossenen Schritten zu ihrer hellen Wurfschwester auf.
"Denkst du Vater ist damals auch durch diesen Gang gelaufen?, fragte sie leise, ihren Kopf zu ihr gewandt.
Es war eher selten, dass sie die Alpha von sich aus aufsuchte oder ansprach. Eigentlich suchte sie fast nie jemanden bewusst auf, doch mit Tyraleen hatte sie in letzter Zeit eher weniger gesprochen. Es war gewiss nicht leicht ein Rudel zu leiten und Amáya hatte irgendwie großen Respekt davor. Sie kam ja nicht mal mit ihrem eigenen Leben klar, da war es undenkbar, für das Leben eines ganzen Rudels verantwortlich zu sein. Wenn sie Tyraleen anblickte, sah sie immer wieder Banshee in ihr, so sehr sie es sich auch abgewöhnen wollte. Vielleicht fühlte sie sich auch deswegen manchmal so unsicher in ihrer Gegenwart. Sie drehte ihren Kopf leicht und nickte auch Aszrem zu, der weitere Anweisungen gab. Den schwarzen Rüden kannte sie ehrlich gesagt kaum und hatte auch nie wirklich Interesse an ihm gehabt. Vielleicht auch weil sie Tante Nyota nie wirklich lieben gelernt hatte.
27.09.2013, 22:31
Was bisher geschah...
Niedergestreckt, benommen, stumm. Er war gefallen.
Jemand hatte das Licht aus der Umgebung gesaugt. Sanfter, grauer Staub legte sich wie ein dünnes Tuch über ihn. Der Wald sah aus wie eine andere Welt auf einem vergessenen Dachboden, die man nach einem Jahrhundert wiederentdeckt hatte. Sie brauchte jemanden der mit einer raschen Geste den Schmutz wegfegte, damit das Leben wieder atmen konnte.
Aber nichts geschah. Die einzige Bewegung in der Luft blieben feine Ascheflocken, die wie Laub auf die Erde rieselten. Sie machten Ciradan darauf aufmerksam, das die Zeit nicht stehen geblieben war.
Der Jungwolf lag auf der Seite und hörte seinem Herzschlag zu. Er konnte nicht mehr sagen, ob sein Sturz eine Minute, eine Stunde oder einen Tag alt war. Das Geräusch dieses pochenden Dings zwischen seinen Rippen war der einzige Hinweis noch am Leben zu sein. Grauer Schnee belegte seine Lunge und verstopfte seine Ohren, doch er war nicht kalt und er schmolz auch nicht. Ciras verbliebenes Auge brannte und produzierte tapfer Tränenflüssigkeit, bis sich die Tropfen am Unterlid brachen und eine dunkle Spur in seinem Fell hinterließen. Auch wenn der Verstand ihm sagte dass er hier nicht liegenbleiben durfte, schaffte sein Wille es nicht den Körper zum aufstehen zu bewegen. Wozu auch? Er war allein, an einem Ort der in einer Schneekugel gefangen schien. Das Rudel schien unendlich weit weg zu sein. Die Gerüche fehlten. Von Parveen, Krolock, Caylee.
Caylee.
Sie würde ihn sicherlich auslachen, wenn sie ihn so sehen würde. Und sein verhasster Bruder würde wieder auf seinem Recht pochen es sowieso schon immer gewusst zu haben, das Ciradan ein Schwächling war und als solcher sterben würde. Bei dem Gedanken an Krolock keimte doch noch so etwas wie Kampfgeist in Ci auf. Diesen stillen Triumph wollte er ihm nicht erlauben, auch wenn die bleierne Schwere immer verlockender wurde. Der letzte Schritt zur Bewusstlosigkeit wurde immer kleiner, doch der Jährling zwang sich zu einem Weg in entgegen gesetzte Richtung. Nur mühsam drehte die Welt sich wieder in ihren Ursprungszustand zurück, zog unscharfe Linien nach sich offenbarte einen nicht zu unterschätzenden Nebeneffekt:
Realität tat weh.
Sein Kopf pochte dumpf vor sich hin, während er sich schleppend auf die Pfoten hocharbeitete. Er musste aussehen wie ein Welpe bei den ersten Gehversuchen, zitternd und mit der Angst, gleich wieder hinzufallen. Hustenreiz kratzte im Hals herum, doch das Maul war zu trocken etwas dagegen tun zu können. Ciradan fühlte sich wie eine ins Baumharz gefallene Mücke. Äußerlich wie innerlich mit Staub ausgekleidet. Asche in den Adern statt Blut, langsames Rieseln statt leichten Fließens. Scharfkantiger Sand in der Luftröhre, die Lungen waren zu Stundengläsern geworden. Er sah nach oben, aber da war kein Himmel. Nur fossilengleiche Blässe. Wieder nach unten. Dort das gleiche Bild. Die Sichtweite betrug vielleicht ein oder zwei Wolfslängen, und alles roch nach verbranntem Holz.
Es dauerte eine ganze Weile, bis sich sein Blick ein wenig geklärt und sein Gehirn die verschiedenen Ebenen der Realität richtig übereinandergelegt hatte.
Es dauerte genauso lange, bis er den Wolf sah, der am anderen Ende des Waldes auf ihn wartete. Man konnte nur anhand der Konturen erkennen, dass es ein Wolf war. Ein dunkler Schatten ohne Gesicht und Geruch. Einem Körper der jedem gehören könnte. Aber er war da und er sah genau in Ciradans Richtung.
„Hey!“ Rief der Jährling, oder versuchte es zumindest. Seine Stimme klang schrecklich verzerrt, als würde sie nicht zu ihm gehören. Der Schatten bewegte sich nicht. Regungslos stand er im blassen Nebel und rührte sich auch dann nicht, als Ci die ersten zögerlichen Schritte auf ihn zu machte. Vielleicht war der Fremde auch nur ein Produkt seiner übergeschnappten Fantasie. Je weiter Ciradan kam, umso mehr wünschte er sich das diese Vermutung zutraf. Unsicher fuhr er sich mit der Zunge über die Schnauze. Kein Ton, keine Fährte und immer noch nichts anderes außer sanft fallenden Flocken aus Asche. Sein Herz schlug schneller, ein Umstand den er begrüßte. Denn dann fühlte er sich nicht so alleine.
Der Waldboden federte unter jedem Schritt, und sobald er seine Pfote anhob wirbelte der Staub darunter jedes Mal wie ein Miniatursturm nach oben. Normalerweise hätte Ci das reichlich spannend gefunden, wahrscheinlich sogar lustig, aber er wünschte sich grade nichts sehnlicher als aus diesem Wald raus zukommen. Ganz kurz verfolgte er den Weg der kleinen Staubwolke, dann richtete sich sein Blick wieder nach vorne und er lief weiter. Je näher er dem Schattenwolf kam, umso schwieriger wurde das vorwärtskommen. Das lag nicht am Gelände oder am immer noch unwirklichen Wetter…das lag an ihm.
Es kostete immer größere Anstrengung, bis seine Muskeln den Befehl zum weitergehen umsetzten. Das letzte bisschen Luft, was sich noch in der Atmosphäre befand ereichte seine Lungen kaum. Ihm wurde wieder schwindelig, die ganze Szenerie, die Erde, die Bäume und der Schattenwolf verschwammen wie ein zu nass gemaltes Bild und kippten grotesk langsam auf die Seite. Mit einem Ausfallschritt rette Ciradan sich vor dem Fall, aber es war nur ein kurzer Sieg über seinen Körper. Mit aufgerissenen Augen starrte er eine gefühlte Ewigkeit auf seine Pfoten hinab und versuchte sich zu konzentrieren. Aufs Atmen, auf den Herzschlag, aufs weitergehen. Aber sein eigener Körper entglitt ihm immer mehr, und er spürte dass er nichts dagegen tun konnte. Die Panik fraß sich ihre Bahn durch sein Gehirn wie bei einem ertrinkenden, dem sein Schicksal bewusst wurde. Ciradan zwang sich gequält dazu, den Kopf anzuheben, obwohl grade jemand einen unsichtbaren Felsbrocken daran festgebunden hatte. Der schwarze Wolf stand immer noch genauso da, als würde Ci ihn das erste Mal sehen. Er war kein Stück näher gekommen.
In diesem Moment Begriff der Jungwolf etwas. Eine Erkenntnis, die ihm eigentlich Angst bis ins letzte Rutenhaar einjagen müsste. Aber zu seiner eigenen Überraschung war es plötzlich unheimlich still in ihm geworden. Die Wellen der Furcht hatten sich geglättet. Kein rasender Herzschlag, kein Adrenalin mehr in der Blutbahn. Kein Kopfschmerz mehr. Kein unbekanntes Stechen in der Brust. Übrig blieb nur sanfte Akzeptanz.
Ciradan nahm es billigend in Kauf, wieder auf die Seite zu fallen. Der Aschestaub stob in alle Richtungen davon, als wolle er ihm ausweichen. Er duldete es, auf seiner sehenden Gesichtshälfte zu liegen und somit blind geworden zu sein. Mit jedem, tiefen Atemzug entfernte er sich mehr von sich. Nie war ihm etwas so egal, denn er wusste dass er sowieso nichts mehr daran ändern konnte. Ein leichtes, bitteres Gefühl des Bedauerns machte sich kurz bemerkbar. Caylee. Er würde sie vermissen.
Sein Herzschlag war schon verkümmert und machte nur noch rudimentär auf sich aufmerksam, da fegte eine Woge aus glasklarer Luft zwischen die Bäume hindurch. Wie der Luftstoß eines großen, unsichtbaren Tieres löste der Wind die gefallene Asche vom Boden und riss sie nach oben. Er wühlte sich durch das Fell des aufgegebenen Jungrüden und zerrte daran. Wie Eiswasser flutete purer Sauerstoff Ciradans Lungen, die gierig einatmeten und nach mehr verlangten. Er drehte seinen Kopf ein kleines Stück um zu sehen. Direkt vor ihm schaute eine Schlüsselblume aus der Erde. Sie roch grün und gelb. Er richtete sich ein kleines Stück auf und blinzelte, weil ihn das Licht blendete.
Licht?
Aus der Himmelsrichtung die den Windstoss geschickt hatte sickerten dünne Sonnenstrahlen durch den Nebel. Ciradan stand auf und schüttelte sich den letzten Schmutz aus dem Fell. Er wusste nicht, ob der schwarze Wolf immer noch da war, doch es interessierte ihn nicht. Ohne sich umzudrehen lenkte er seinen Körper dorthin, wo der Wind herkam.
________________________________________
Laufen.
Das Gehirn arbeitete auf Autopilot, aber dafür erstaunlich zuverlässig. Eine Pfote setzte es vor die andere, bis die Farben zurück in die Umgebung sickerten. Eigentlich hatte er nicht mehr daran geglaubt, aus dem grauen Wald je rauszukommen. Wäre er nicht so müde gewesen hätte Ciradan sich bestimmt darüber gefreut.
Irgendwann hatte ihn seine Nase zu einem Bach geführt, der nicht ganz zugefroren war und er sich ausruhen konnte. Nach einem traumlosen Schlaf der nach fünf Minuten oder fünf Tagen endete, fühlte er sich tatsächlich ein wenig besser. Das Blei in seinen Gelenken war ein bisschen leichter geworden und auch sein Kopf war nicht mehr auf die nötigsten Gedanken beschränkt. Jetzt, da seine Nase wieder Gerüche aus der Luft filtern konnte versuchte Ciradan irgendwie das Rudel wieder zu finden. Sein Kopf drehte sich mit dem Wind, seine Nase tastete über den Boden, entlang an wolfshohen Büschen. Er fand versprengte Gerüche hier und dort, zerfetzte, schwache Spuren die er versuchte sinnvoll zusammenzusetzen. Mal führten ihn die Fährten im Kreis, mal verschwanden sie im Nichts. Trotzdem hielt er an ihnen fest wie ein Blinder an einer Schnur und lief, bis er vor Müdigkeit nicht mehr weiterkonnte und sich meisten an Ort und Stelle zusammenrollte. Schlaf gönnte er sich wenig. Er wollte sie wiederfinden. Unbedingt. Dann wäre alles andere egal, die Erschöpfung, der Hunger, die Angst.
Die Kälte.
Es war schon so unheimlich kalt, aber ohne die Körperwärme der anderen schien ihm der Winter noch härter zuzusetzen als sowieso schon. Nach jeder kurzen Schlafphase fiel ihm das aufstehen schwerer. Wieder entglitt die Zeit seinem Verständnis. Da war nur noch laufen, schlafen, aufstehen, laufen, frieren, Fährten suchen, schlafen, aufstehen, laufen…
Der Wald wurde zur Ebene, die Ebene zur Hochebene, aber Ciradan bekam es nur halb mit. Seine Läufe stoppten das erste Mal an diesem Tag, als sein Kopf ihm eine wichtige Mittelung machte.
Er hatte das Rudel gefunden. Nur durch den Schleier aus Erschöpfung und Hunger hätte er diese Tatsache beinahe hingenommen, ohne ihr weiter Beachtung zu schenken. Wahrscheinlich wäre er mit gesenktem Haupt einfach tonlos an allen vorbeigelaufen ohne sie wirklich zu registrieren. Zwar waren sie noch nicht in Sichtweite, doch er spürte es in jeder Faser seines Fells, das sie nicht mehr weit entfernt waren. Ciradans Herz schlug schneller und erinnerte den Jungwolf daran, das er noch lebte. Mit großer Mühe kratzte er alle verbliebenen Kraftreserven zusammen und sprang los, in weitem, ausgestrecktem Lauf den anderen entgegen. Er hatte Caylees Geruch in der Nase und hielt sich daran fest, wie ein Ertrinkender an einem Stück Treibgut. Dann sah er sie, sie war wirklich da und nicht bloß ein Produkt seiner verzweifelten Phantasie. Er wollte sie rufen, aber es fehlte die Luft in seinen Lungen dafür, also lief er einfach weiter, ehe sein Körper ihm einen Strich durch die Rechnung machte. Durch die massive Erleichterung fiel nicht nur jede Anspannung von ihm ab, der pure Wille, der ihn noch auf den Beinen gehalten hatte verschwand. Und es war, als riss ihn jemand von den Pfoten. Ciradan konnte nicht sich nicht abfangen, selbst wenn er gewollt hätte. Der Länge nach fiel er hin und spürte, wie seine Kiefer unsanft aufeinanderschlugen. Das Bild von Caylee war eben noch da und stürzte dann mit ihm auf die Seite.
(Beim Rudel, in der Nähe von Caylee)
28.09.2013, 01:01
In den letzten Stunden war sie eher für sich gewandert, stumm hinter den anderen her, irgendwo inmitten der anderen Wölfe. Früher, erinnerte sich Linalee, hatte sie sich vor den ganzen Erwachsenen sehr gefürchtet. Mittlerweile gefiel es ihr, in der Masse der sich fortbewegenden Körper unter zu gehen – wenn niemand auf sie achtete, niemand großartig Notiz von ihr nahm. Sie fühlte sich so sicherer, die Anonymität des Großen und Ganzen, welches durch das Rudel ausgemacht wurde, genießend.
Als sie allerdings bemerkte, dass sich an der Spitze des langen Zugs etwas tat – und dass es so komisch zu riechen begonnen hatte – suchte der helle Blick der Kleinen den weißen, flauschigen Körper ihrer Mutter. Tatsächlich entdeckte sie Sheena innerhalb von Sekunden, daneben ihren Bruder. Der stumme Malik, wie sie ihn gedanklich getauft hatte. Denn Malik sagte nichts mehr. Gar nichts mehr. Und das tat ihr sehr weh.
Nicht, dass sie sich davon persönlich angegriffen fühlte – ganz im Gegenteil, sie konnte es gut nachvollziehen. Noch immer wünschte sich Linalee, dass sie vor zwei Wochen nicht auf ihn gehört hätte, ihn nicht alleine mit dem armen Krolock und der weißen Hexe zurück gelassen hatte. Sie glaubte nicht, dass es Krolock gewesen war, der Malik gebissen hatte – nein, das war ganz und gar unmöglich. Krolock, der war viel zu erschöpft gewesen, viel zu durcheinander, weil Caylee ihn gequält hatte. Bestimmt hatte sie Malik verzaubert, damit er so etwas erzählte. Oder auch eben nicht erzählte.
Linalee hatte schon mehrmals versucht, Malik auf das Geschehnis anzusprechen – aber am Ende hatte ihr immer der Mut gefehlt. Sie fühlte sich schuldig, und schlimmer noch, sie wusste nicht, wie sie es wieder gut machen sollte. Vielleicht war das sogar letztenendes der Grund dafür gewesen, warum sie begonnen hatte, alleine in der Masse des Rudels zu laufen.
Mit einer erstaunlichen Leichtigkeit huschte Linalee zu Sheena und ihrem Bruder herüber. Nicht, dass das besonders elegant aussah – die Schwarze hielt sich stets etwas geduckt, und ihre großen Ohren schlackerten bei jedem Satz – aber es war schnell, und jemand, der so klein und dünn war, wie sie, besaß eben eine daraus resultierende Leichtpfotigkeit. Jetzt fiel ihr auch auf, warum das Rudel ins Stocken geraten war – eine große Höhle, direkt vor ihnen. Die Sheenatochter unterdrückte ein leichtes Zittern – es war immer noch sehr kalt – und stupste ihre Mutter ganz leicht und sehr sanft in die Seite, um ihr ohne viele Worte zu sagen, dass sie hier war. Dann wandte sie den Blick zu ihrem Bruder. Ein schüchternes Fragezeichen in ihrer Mimik drückte wahrscheinlich am Besten aus, dass sie nicht wusste, ob sie ihn genau so stupsen durfte. Schließlich probierte sie es mit einem zaghaften Lächeln, ehe sie den verschiedenfarbigen Blick mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Furcht gen Höhleneingang schweifen ließ. . .
28.09.2013, 13:12
Bisher hatte er mit niemandem darüber gesprochen, was er gehört hatte – wenn es so gewesen war, hätte das Rudel davon sicherlich auch gewusst, doch der junge Rote war niemand, der hinter dem Rücken anderer redete. Er wollte die Geschichte aus ihrem Fang hören, wissen, woher die Gerüchte kamen – alles andere kam ihm unheimlich unfair vor. Die letzten Tage also war er ziemlich still gewesen, was die meisten aber wahrscheinlich auf die Sorge um seinen Bruder schoben. Das war gut für ihn, denn so entging er unangenehmen Fragen, was ihn denn belastete. Die großen Ohren zuckten etwas nach hinten, als die Leitwölfin schließlich den Aufbruch in die Dunkelheit bekannt gab. Er zögerte einen Augenblick, musterte mit einem unguten Gefühl die Höhle, die sie auf die andere Seite des Berges bringen sollte und seufzte, ehe er sich in das Rudel einreihte. Es gab keinen Grund, den beiden Vögeln nicht zu trauen – wenn sie also sagten, dass kein Weg drumherum führte, bezweifelte der Jungwolf diese Aussage nicht. Das aber änderte nichts daran, dass sie keine Kreaturen der Dunkelheit waren. Ihm missviel das wenige Licht und die Enge, die ihn förmlich dazu zwang, die direktere Nähe zu einem der Artgenossen zu suchen, die er sonst so sehr bevorzugte. Ohne wirklich darauf zu achten, reihte er sich recht dicht bei dem Sohn Tyraleens ein, der vor kurzem erst wieder auf das Rudel getroffen war. Der Fuchs schielte kurz zu ihm hoch, seufzte ein weiteres Mal innerlich und trabte still neben ihm her.
„Warst du schon mal in so einer Höhle? Als du weg warst, meine ich. Hast du vieles gesehen, Chanuka?“, flüsterte er schließlich in das monotone Geräusch ihrer Pfoten auf dem felsigen Boden hinein.
Es kam sich schlecht dabei vor, den Dunklen anzuschweigen. Er hatte nichts gegen ihn und er konnte auch nichts dafür, dass der Jüngling im Augenblick so sehr mit seinen eigenen Gedanken abgelenkt war. Aber das Interesse an seiner Wanderroute war echt. Er war gespannt, was er alles zu erzählen hatte. Vielleicht würde ihn das ja von der Dunkelheit, dieser Enge und vor allem der Unsicherheit bezüglich Tyraleens ablenken.
28.09.2013, 14:21
Etwas anders aber stach ihm ebenfalls unangenehm in die Flanke und erinnerte ihn daran, dass er unbedingt mit der Leitwölfin sprechen wollte. Beunruhigt glitt sein Blick immer wieder über die verschneiten Berggipfel, zu denen sie sich hinaufkämpften, um letztlich die Höhle zu finden, von der ihre neuen Begleiter gesprochen hatte. Seit dem damaligen Vorfall waren ihm diese Schneemassen nicht mehr wirklich sympathisch, sodass er fast zu versteift auf jedes Geräusch zu lauern schien, was ihnen zum Verhängnis werden könnte. Bis dato war ihm diese Furcht nicht bewusst gewesen, doch jetzt, wo sie sich wieder unmittelbar in seiner Nähe befand, konnte er es gar nicht mehr bestreiten. Seine Ohren drehten sich leicht nervös, während seine Augen immer wieder über die Hänge streiften. Als sie schließlich die Höhle gefunden hatten, ließ er sich für einen Augenblick auf dem Hochplateau nieder, um zumindest etwas Ruhe zu finden. Das Wissen, dass ihr Weg sie in die Berge hinein führen würde, sorgte zumindest für etwas Erleichterung – dort waren sie – vorerst – vor jeglicher Lawine geschützt. Etwas Gutes aber hatte diese Angst ebenfalls. Bereits seit dem Aufbruch aus dem Revier waren seine Gedanken immer wieder zurück zu dem Gespräch mit Tyraleen gewandert; zurück zu der Frage, ob die Götter ihn geschickt hatten. Bisher war er davon überzeugt gewesen, nichts weiter als ein gewöhnlicher Wolf zu sein; ein Wolf, der sein Herz an die Götter gegeben hatte, um ihren Pfaden zu folgen. In Wahrheit aber war er bereits an Fenris Seite gelaufen und hatte die Gnade der Höchsten erhalten. Als Tyraleens Stimme erklang, ruhte er noch einen Moment, bis er sich wieder aufstemmte und kurz schüttelte. Er hechelte bei all den Witterungen, die versuchten, ihm den Verstand zu rauben, wogegen er sich aber zu wehren versuchte, ehe er sich – mit einem weiteren, leicht nervösen Blick gen Gipfel – dran machte, den übrigen Wölfen in die Finsternis zu folgen.
28.09.2013, 15:52
Während Averic Tyraleen und Aszrem in die Höhle folgte, sah er unweit von sich Chivan gehen. Der Rüde strahlte unverkennbar Nervosität aus, was den Todessohn dazu brachte ihn ein wenig länger zu taxieren. Dann wurde ihm bewusst, dass sein Blick – den aktuellen Gegebenheiten verschuldet – wohl ein wenig einschüchternd wirken musste und er versuchte es abzustellen. Averic hatte bemerkt, dass neben Aszrem auch der Hellere seine Augen und Ohren auf Krolock gerichtet hielt und der Pechschwarze begrüßte dies. Es war gut, wenn er diese lästige Schmeißfliege nicht alle Tages- und Nachtstunden an der Backe haben musste, sondern ihn auch andere bewachten. Nicht nur für Averic, sondern auch für Krolock selbst. Denn so ätzend wie dieser war, wusste Averic nicht, wann er doch einmal die Beherrschung verlieren würde. Vor allem im Moment.
Der Sohn des Todes wandte den Blick wieder nach vorne, ging nun fast neben dem nervös hechelnden Chivan.
„Angst vor der Dunkelheit?“,
fragte Averic wie beiläufig und ohne besonderen Ausdruck in der Stimme.
[ Auf dem Weg in die Höhle | Chivan, Krolock nie zu weit weg ]
28.09.2013, 16:59
Sowieso war er in letzter Zeit gereizt gewesen, sehr gereizt um es genau zu sagen. Die Ranz hatte begonnen und den weißen Rüden beinahe wahnsinnig gemacht. Die Leitwölfin hatte ganz klar gezeigt, dass es keine Welpen geben durfte und dies hatte dem Krieger gar nicht geschmeckt. Er hatte zwar gerade erst seine... Bindung zu Akhuna offenbart, doch ging an ihm kaum der verlockende Duft der Ranz vorüber. In seinen Pfoten kribbelte es und die Nase musste er immer häufiger abwenden. Dies war auch der Grund, warum er einen so großen Abstand zu seiner Geliebten hielt. Er wollte nicht noch mehr in Versuchung kommen, als er es eh schon war. Im Grunde hatte Tyraleen sicherlich recht und doch schmeckte die Wahrheit dem Hellen kein bisschen.
Er hatte erwartet der Letzte zu sein, der die Höhle betrat und so überraschte es ihn, als einige weitere Wölfe die Pfoten plötzlich still hielten und vor ihr verweilten.Er erkannte Chivan und erfreute sich einen kurzen Moment, ein nicht ganz so fremdes Gesicht zu sehen. Wenngleich er sich wirklich Mühe gab, die Rudelgemeinschaft kennen zu lernen, schreckte er doch noch manchmal vor der riesigen Familie Akhunas zurück. Als die Stimme des schwarzen Schattens auf der anderen Seite des Braunen erschallte, hob Samir den Kopf um über den Rücken Chivans zu schauen. Averic. Er kannte den Dunklen nur flüchtig, jedoch gut genug um seinen Namen zu erkennen. war auch er ein Verwandter seiner Geliebten? Er wusste es nicht mehr genau.
“Eher davor, was nach ihr kommt“, klinkte er sich frei heraus ein und drehte die Ohren leicht seitwärts.
Wieso eigentlich auch nicht. Vielleicht konnte ein Gespräch die Sorgen und die Nervosität totschlagen, die in seinem Leib spielte. Vielleicht aber auch nicht. Samirez biss sich auf die Lefzen und schärfte sich ein, nicht an Akhuna zu denken, nicht an die Ranz zu denken und am besten auch nicht an die Höhle zu denken.
28.09.2013, 18:03
Seine Schulter war gut verheilt. Am Anfang hatte ihm das Laufen noch Schmerzen bereitet, aber inzwischen hatte sich sein Körper daran gewöhnt und er entlastete den rechten Vorderlauf eher aus Gewohnheit. Zwar sah die Verletzung immer noch gruselig aus, zumindest schloss er das aus den Blicken der anderen Wölfe. Er selbst konnte nur das unterste Ende der entstehenden Narbe sehen, die sich fleischig-rosa zwischen den inzwischen wieder makellos weißen Haaren seines Pelzes verschloss. Seine Mutter hatte ihm gesagt, dass man sie schon bald nicht mehr sehen würde, wenn sein Fell rings um die Verletzung lang genug gewachsen war. Er hatte sie angesehen und genickt, hatte nie danach gefragt. Das war es auch nicht, was ihm noch immer Angst einjagte. Es war so schwer, nicht nur Caylee und Krolock im Auge zu behalten, sondern auch Sheena, Jakash, Isaí, Linalee und Taleesha. Also hatte er beschlossen, dass es reichen musste, die Gefahrenquelle zu beobachten, dann konnte er vielleicht gerade noch rechtzeitig eingreifen. Aber von Sheenas Seite wich er trotzdem nicht. Sie zumindest gab ihm das Gefühl von ein wenig Schutz und Geborgenheit, egal was um ihn herum sonst noch geschah.
Als sie nun anhielten und Aszrems Stimme von den Bergwänden widerhallte, reckte der Welpe den Kopf ein wenig und starrte wortlos das schwarze Loch an, das sich vor ihnen auftat. Dort hinein sollten sie gehen? Dann würde er den Sternenhimmel nicht mehr sehen können, das war gewiss. Und er konnte unmöglich den nachtschwarzen Krolock weiter beobachten. Seine Nackenhaare stellten sich auf und er versteifte sich, wollte dem Aufruf des Leitwolfs nur ungern folgen. Aber sie waren ein Wesen. Wenn Aszrem ging, gingen sie alle. Die vom Fell geschützten Ohren legten sich an den Kopf des Welpen und er drängte sich etwas näher an Sheena heran, als er bemerkte, dass er bei ihr nicht mehr allein war. Genau in dem Moment gesellte sich Linalee zu ihnen. Der Weiße zuckte überrascht zusammen und sah seine Schwester mit großen Augen an. Seit dem Vorfall im Wald hatten sie nicht mehr miteinander gesprochen … hatte sie nicht einmal mehr versucht, ihn etwas zu fragen oder ihm etwas zu erzählen. Ihren fragenden Blick nahm er zur Kenntnis und erwiderte ihn ausdruckslos, einzig seine Ohren blieben angelegt und verrieten seine unbestimmte Angst. Linalee gegenüber empfand er weder Groll, Ablehnung noch direkte Angst. Er warf ihr nichts vor. Vor allem nicht, dass sie seit zwei Wochen keinen Kontakt zu ihm gesucht hatte, darüber war er nur froh. Aber nun änderte er nichts an seinem bisherigen Verhalten und begrüßte sie weder durch Gesten noch durch Worte.
28.09.2013, 18:14
Samirez schien einer von denen zu sein, die nicht sonderlich begeistert über ihren momentanen Aufenthaltsort waren. Wer konnte es ihm verübeln? Wölfe waren nicht dazu gemacht, in dunklen Höhlen zu Hausen, doch wenigstens hatten sie dank ihrer Nasen noch die Möglichkeit, sich verhältnismäßig gut orientieren zu können. Zwar war ihr Lauf mit einem Mal deutlich unsicherer und vorsichtiger, doch – anders als die beiden Vögel – mussten sie sich nicht auf ihre Augen verlassen, die sie nun im Stich ließen. Chivan ließ sich ein Stück zurückfallen, um nicht wie eine Barriere für den Blick des Hellen gen Averic zu fungieren, ehe er selbst zu dem dunklen Rüden hinübersah.
„In meinem Fall wünschte ich, es wäre so.“
Und das war nicht einmal gelogen. Die Angst vor der Dunkelheit wäre irrational gewesen – er hätte gewusst, dass es nichts zu fürchten gab. Doch das, was ihn plagte, war gegenwärtiger, greifbarer, tödlicher. Die Ohren des Bunten drehten sich kurz zurück, ehe er sich wieder bewusst machte, dass sie fürs erste außer Reichweite waren. Von dem Gedanken, die Höhle könne einstützen blieb er allerdings merkwürdiger Weise verschont. Gedanklich wägte er kurz ab, ob nicht auch Averic ein Ansprechpartner für sein Anliegen gewesen wäre, aber nun, wo Samirez sich ihnen angeschlossen hatte, musste es trotzdem verschoben werden.
„Fenris scheint den Sohn des Todes nicht das erste Mal hier entlang zu führen. Der einzige Unterschied wird sein, dass er dieses Mal nicht allein ist.“, wollte er Samirez die Sorge nehmen.
Und was Acollon allein geschafft hatte, würden sie als Rudel mit Sicherheit bestehen. Zudem war es wirklich beruhigend, zu wissen, dass es einen Ausgang geben musste. Alles andere jagte ihm dann nämlich doch einen Schauder über den Rücken.
28.09.2013, 21:53
Unüblicher Weise waren die letzten paar Tage für Chanuka eine Zeit gewesen, in der er sich nicht über alles und jeden den Kopf zerbrochen hatte. Natürlich war er ab und an mal mit seinen Gedanken in die Richtung aktueller Geschehnisse gependelt, Geschehnisse, die den Trubel um seine Rückkehr recht kurz gehalten hatten. Allerdings war seine eigene Freude über seine Rückkehr viel zu groß als das er jene Gedanken wirklich hatte vertiefen können. Da konnte man mal sehen was das Wiedersehen mit seiner Familie, mit Liel und all den anderen ausmachen konnte. Fakt war jedenfalls, selbst wenn es gar nicht so lang gewesen war, dass unwahrscheinlich viele Dinge in dieser Zeit passiert waren. Die Tatsache das sie vermutlich nicht nach Hause zurückkehren konnten war da zum Beispiel ein guter Anfang.
Von ihren neuen gefiederten Begleitern hatten sie erfahren, dass die Bergkette nicht wirklich passierbar war und das der einzige Weg durch eine Höhle führte. Auf dem Weg zu eben dieser Höhle war er überwiegend ohne direkte Begleitung unterwegs gewesen. Auch nachdem die ersten Wölfe – darunter auch Chanuka – die Höhle bereits betreten hatten, schien es nicht so als ob sich ziemlich bald etwas daran ändern würde. Kurz: es hatte genug Zeit gegeben, um wieder mit der Denkerei anzufangen.
Der Wechsel von Licht zu Dunkelheit und von Kälte zu Wärme wollte grade Einfluss auf die Bereiche nehmen, über die der Rüde nachdachte, als er neben sich eine kindliche Stimme vernahm. Seine Lauscher zuckten in die Richtung der Geräuschquelle und seine Augen folgten jener Bewegung. Wenig später breitete sich ein schmales Lächeln auf seinen Lefzen aus. Es war Isaí. Die beiden hatten sich seit dem Vorfall mit seinem Bruder gar nicht mehr richtig unterhalten, selbst wenn es zu diesem Zeitpunkt so ausgesehen hatte als ob sie durchaus ein interessantes Gespräch miteinander hätten führen können. Soweit sich Chanuka erinnerte war er recht früh gegangen um ihm und seiner Familie ihre Ruhe zu lassen. An den Folgetagen hatte sich ein richtiges Aufeinandertreffen dann einfach nicht ergeben. Diese Phase schien nun wohl zu Ende zu sein. Schön, dass sich dann also doch noch etwas zu ergeben schien.
“Hallo Isaí.“, legte er kurz vorweg ehe er einige Sekunden über die Frage nachdachte um dann eine gerechte Antwort geben zu können. “Hm.. ich war in einer ähnlichen Höhle. Sie war zwar nicht so schmal, dafür aber noch umso dunkler. An der Decke waren einige kleine Löcher durch die vereinzelnd Lichtstrahlen durchgedrungen sind, das wars dann aber auch. Ich musste mich mehr auf meine Nase verlassen als auf meine Augen.“ Er legte hier eine kleine Pause ein und setzte dann fort. “Und Isaí, was sagt dir deine Nase hier wenn du dich auf sie verlässt?“
Ihm schien als wäre es nicht verkehrt die ein oder andere Möglichkeit zu nutzen um Isaí etwas abzulenken. Das war auch der Grund warum er den letzten Teil seiner Worte, die Frage ob er vieles gesehen hatte, offen ließ. Darauf kam man später bestimmt noch zu sprechen. Chanuka hatte ihn in den vergangen Tagen ab und an mal etwas beobachten können und die ein oder andere nachdenkliche Art und Weise von sich selbst wiedererkannt. Er vermutete das die Sache mit seinem Bruder dem jungen Rotpelz Kopfzerbrechen bescherte, das war aber eben nur so eine Vermutung.
29.09.2013, 11:03
Der Zorn der sonst so friedfertigen Wölfin war inzwischen weitgehend verklungen und hatte einem Tal der Enttäuschung Platz gemacht. Tief, einsam und leer war es, wie der Schlund der Höhle, der nun vor ihr lag. Parveen beobachtete, wie die Ersten die Pfoten hinein setzen und ließ den Blick über die Leiber der Wölfe vor ihr schweifen. Er blieb an einem pechschwarzen Pelz hängen, wie so oft in den letzten Tagen und die Fähe presste die Kiefer aufeinander, dass es beinahe schmerzte. War sie zornig auf diesen Wolf, oder sich selbst? Beides und die Grenzen zwischen diesen Gründen verschwommen ineinander und wurden eins. Dieser dumme, dumme Wolf! Die Fähe senkte den Kopf und betrachtete ihre Pfoten im zertrampelten Schnee. Sie ach so dumme, nutzlose Wölfin! Eine Aufgabe hatte sie erhalten. Einen einzigen Auftrag und anstatt ihn zu erfüllen, hatte sie Krolock aus den Augen gelassen. Was wurde ihr gesagt, was sie zu tun hatte? Als verlässliches Rudelmitglied sollte sie auf ihn achten und doch hatte sie es nicht getan. Sie war in dieser Nacht ihre eigenen Wege gegangen und Malik, der arme Malik… Parveen schluckte schwer beim Gedanken an das Ereignis. Wäre sie nur da gewesen…
Wie früher so oft, hatte sie in den letzten Tagen die Abgeschiedenheit gesucht und versucht die Schuldgefühle zu verdrängen, was ihr aber nicht gelang. Sie hatte nicht oft den Kontakt zu den anderen gesucht und war mit sich und ihren Gedanken alleine geblieben. Was ihr selbst die schlimmste und eigens zugeteilte Strafe war. Den schwarzen Jungwolf, auch wenn der Platz der Beschützer inzwischen von anderen eingenommen wurde, hatte sie trotzdem weiter im Blick gehabt. Es war unnötig angesichts der vielen Rudelmitglieder, die ihn inzwischen beobachteten, aber man hatte ihr nicht gesagt, sie solle ihre Aufgabe fallen lassen und so hielt sie auch weiter daran fest. Pav wäre es lieb gewesen, wenn die Leitwölfe sie auf ihren Fehler gestoßen hätten, aber bisher war kaum etwas dergleichen geschehen. Enttäuschte Blicke, oder hatte sie da nur ihr eigenes Spiegelbild vor Augen?
Die Schwarze schüttelte das Haupt und setzte sich zögernd in Bewegung, als Aszrems und Tyraleens Stimmen zu ihr herüber schwebten. Mit einem zu der Höhle passenden Tunnelblick und gesenktem Kopf, als könnte ihr die Decke auf den Kopf fallen, betrat sie die Dunkelheit. Schwarz umflutete sie und für den Moment sah sie gar nichts. Sie fühlte allein den rauen Stein unter den Pfoten, der den Schnee ersetzte und als der eisige Wind der Hochebene verstummt war, umfing die Wölfin die Illusion von Wärme. Wie auf Kommando flog ein Satz durch ihre Gedanken. 'Höhlen mit Augen, sie bergen keine Gefahr.' Ein paar Worte von denen, die Xykotokax Daylight, Kursaí und ihr zugerufen hatte, bevor er sich verabschiedet hatte. Wie ein Mantra hatte Parveen sie wiederholt. Immer und immer wieder, um den Sinn darin zu erkennen. Um etwas in ihnen zu finden, was rechtfertigen würde, dass sie ihren Posten verlassen hatte. Nichts dergleichen war ihr zugeflogen. Es waren Worte. Vielleicht hatte sich der Vogel einen Scherz erlaubt, vielleicht waren die Worte bedeutungsloses Gerede, die er einmal gehört hatte und weil sie ihm gut gefielen, weitergab. Die drei Fähen wollten Tyraleen davon erzählen, aber sie hatten es nicht getan. Als sie die Leitwölfe erreichten, hatten sie gesehen, was dort in dem anderen Teil des Waldes passiert war und hatten geschwiegen. Ihre eigene Neuigkeit war zumindest Pav in diesem Moment nicht als Wichtig genug vorgekommen, um noch mehr Unruhe zu sähen. Und so hatte sie die Worte weit nach hinten in ihr Gedächtnis geschobenen und nicht mehr hervor geholt.
Auch wenn sie von den anderen umgeben war, Stimmen hörte und die Körper der Wölfe ganz nah erahnen konnte, fühlte sich die Schwarze seltsam allein. In der Finsternis verschwamm sie mit dem Schwarz und sie konnte nicht sagen, dass es nicht passend war. Parveeen hätte ihre derzeitigen Gefühle auch gerne auf die in ihr aufsteigenden Hormone geschoben, aber sie verbot sich diesen Gedanken. Genauso wie in den Worten von Xykotokax nach einer Bedeutung zu suchen, würde ihr das eine Ausrede sein. Trotzdem verstärkte es unbestreitbar ihr Gefühl der Einsamkeit.
29.09.2013, 15:29
„Was hat dich hinein geführt?“, erkundigte er sich neugierig und reckte kurz den Kopf in die Richtung Chanukas.
Seit sie die Höhle betreten hatten und dank all dem Trubel um Krolock war ihm mit der Nachricht um den bevorstehenden Weg ein Bild im Kopf geblieben – das Bild der Höhle, in der das Böse lebte; das Bild aus der Geschichte, die Krolock Turién und ihm einst erzählt hatte. Aber die Götter würden sie mit Sicherheit nicht in die Tiefe dieses Berges führen, wenn darin etwas derartiges lauerte, oder? Sowieso konnte er sich nur schwer vorstellen, dass hier irgendetwas hausen konnte. Es war dunkel, eng und alles andere als lebensbejahend. Sich selbst von diesem Gedanken überzeugend schüttelte er kurz den Kopf, ließ den Blick zu Chanuka schweifen und stellte kurz darauf die Ohren etwas auf. Dass sie mit den Augen nicht weit kommen würden, war ihm auch bereits gekommen, doch seine Gedanken hatten ihn bisher so weit abgelenkt gehabt, dass er nicht auf die Idee gekommen war, das Offensichtlichste zu tun – wobei, vielleicht hatte er auch einfach vollkommen die Neugier verdrängt gehabt, die der Dunkle nun wieder ans Tageslicht befördert hatte. Der Rotpelz witterte, doch wie erwartet, war das Penetranteste, was es zu riechen gab, die Eigenwitterung des Rudels und seiner Mitglieder. Nur dunkel glaubte er, noch etwas anderes wittern zu können. Fährten, Spuren, die von anderen Tieren stammten, was ihn dazu brachte, den Kopf etwas schief zu legen.
„Glaubst du wirklich, dass hier vor uns schon Wölfe durch sind? Außer Urgroßvater Acollon?“, fragte er unschlüssig und spielte mit den Ohren. „Was sagt dir deine Nase? Werden wir lange hier durchlaufen müssen?“
Er ging davon aus, dass Chanuka es auch vernommen hätte, wenn er es sich nicht nur einbildete. Doch im Augenblick wusste der Jüngling sowieso nicht wirklich, was er glauben sollte. Ihm selbst war diese Unsicherheit gar nicht so bewusst – Chanuka wahrscheinlich auch nicht, immerhin kannte er ihn nicht als den selbstbewussten, sicheren Jungwolf, der er eigentlich war.
29.09.2013, 20:29
Chanuka selbst war mit der zunehmenden Dunkelheit ebenfalls wesentlich vorsichtiger bei seinen Schritten geworden. Seine vorherige Behauptung bezüglich der Dunkelheit in der anderen Höhle war eventuell etwas voreilig getroffen. Auch wenn das hier mittlerweile konkurrenzfähig wurde ließ er sich davon aber nicht wirklich beunruhigen. Abgesehen davon das er sehr zuversichtlich war, dass der Weg durch die Höhle der Richtige war, waren neben den Augen noch Lauscher und Nase da um die Wölfe zu führen – und auf seinen Hör- und Geruchssinn konnte er sich ebenso gut verlassen wie auf seine Augen. Wie der schwarze Rüde wenig später feststellte war der junge Rotpelz aber ohnehin schon früher zu dieser Erkenntnis gekommen. Das er nebenher nicht dazu im Stande war konstant Blickkontakt aufzubauen während die Beiden miteinander sprachen war für Chanuka nicht sonderlich verwunderlich, folglich nahm er es auch ebenso wenig als unhöflich auf. Bei dem bisschen was man noch sehen konnte war es wohl besser wenn man sich vorwiegend auf den Boden zu seinen Pfoten konzentrierte, nicht das man noch in ein Loch im Fels trat. Außerdem reichte es unter diesen Umständen doch auch, wenn die Blicke sich immer mal wieder kurz kreuzten. Das Lächeln auf den Lefzen des Rüden war im Übrigen nicht gewichen. Es sollte wohl mittlerweile auch etwas ermutigend gemeint sein.
Bevor er nun wieder anfing zu sprechen blickte er dann auch wieder kurz zu Isaí runter.
“Du weißt es sicherlich noch nicht, aber während ich fort war hatte ich eine Spur von Nerúi entdeckt. Die Spur führte mich an viele Orte und eben auch in die Höhle hinein.“
Tatsächlich gab es dazu wirklich kaum mehr zu sagen. Die dunkle Unterkunft war stetig so eintönig geblieben, wie er es vorhin beschrieben hatte. Wie so oft stellte sich dann im Nachhinein heraus das die Spur verwischt war und er woanders wieder ansetzen musste. Das Ganze war schon eine Art Teufelskreis gewesen. Später hatte sich alles als vergeblich herausgestellt und Nerúi hatte er demnach nicht finden können.
Wie erhofft und erwartet war Isaí auf etwas gestoßen, dass Chanuka schon einige Momente früher bemerkt hatte. Neben dem Rudel lag da nämlich noch ein anderer Geruch in der Luft. Also.. von dem verführerischen Duft der Fähen zu dieser Zeit mal abgesehen. Es war der Geruch von anderen Wölfen. Nicht sehr klar und schon etwas verblasst, dennoch war er da. Da es teilweise schon etwas schwierig war das überhaupt zu bemerken freute Chanuka sich innerlich sogar etwas für Isaí. In seinen Augen war es eine tolle Leistung das dem Rotpelz das aufgefallen war. Die Lauscher des Rüden zuckten in die Richtung des Jüngeren und nachdem dieser ihm weitere Fragen zu dem Thema gestellt hatte, in das er so gesagt eingelenkt hatte, witterte er selbst noch ein mal etwas genauer.
“Ich bin mir sogar ziemlich sicher das hier neben Großvater Acollon bereits einige Wölfe durchgegangen sind. Ich weiß nur nicht genau wie lange es dauern wird. Vielleicht wird es auch gar nicht so dunkel und eintönig bleiben und wir sehen noch etwas interessantes. Ich jedenfalls bin da neugierig. Wie ist es denn bei dir Isaí? Glaubst du denn, dass vor uns schon andere Wölfe hier durchgegangen sind?“
Welpen oder allgemein junge Wölfe – auch wenn Chanuka sich selbst echt noch nicht aus dieser Kategorie ausschließen wollte – hatten eigentlich immer sehr fantasievolle und interessante Vorstellungen. Ob das bei Isaí auch so war? Vielleicht wurde ja langsam eine Abenteuerlust in ihm geweckt. In Anbetracht aller Dinge die passiert waren und erst vor kurzem passiert sind wäre das doch sicherlich mal eine nette Abwechslung.
29.09.2013, 21:14
„Nihilus fehlt auch. Vielleicht holt er uns ja irgendwann mit Nerúi zusammen ein, so wie du und Opa Hiryoga.“, wollte er ihm gut zureden und schenkte ihm ein bemüht zuversichtliches Lächeln, selbst wenn die Hoffnung, dass Nihil wirklich noch zu ihnen aufschließen würde, immer mehr schwand.
Er wollte darüber gar nicht weiter nachdenken. Selbst, wenn er nicht kommen würde, dann würde er bei Banshee, Acollon und all den anderen auf sie warten. Isaí schüttelte sich kurz, um den Gedanken zu vertreiben. Auch, wenn Nihilus nicht direkt mit ihm verwandt gewesen war, so war auch er ein Teil seiner Familie gewesen, ein Freund, den er vermisste. Er ahnte nicht, dass er eine weitaus größere Rolle in der Sache um Krolock spielte, als er es für möglich hielt. Doch das alles gehörte zu dem Thema, von dem Chanuka ihn gerade so wunderbar ablenkte. Aufmerksam trabte der junge Rote neben dem Größeren her und lauschte gespannt der Antwort, die er für sich nur bestätigen konnte. Wahrscheinlich war hier tatsächlich schon der ein oder andere Wolf durchgelaufen, selbst wenn er sich nicht ganz beantworten konnte, was ihn dazu gebracht hatte. Er wusste nicht zu beantworten, ob er von selbst auch auf die Idee gekommen wäre, diesen Weg durch die Dunkelheit zu nehmen, statt nach einem anderen Pfad zu suchen. So eine Hilfe wie Tarakarax und Rakataro hatten sie sicherlich nicht auch gehabt, das wäre zu viel des Zufalls gewesen. Auf Chanukas Abenteuerlust schließlich neigte er den Kopf etwas zur Seite. Wer wusste schon, was auf sie wartete – da hatte er durchaus recht, selbst wenn ihm da die Geschichte wieder in den Sinn kam.
„Abwarten, ja.“, stimmte er ihm weitaus neugieriger zu als eben noch. „Ich kann mir zwar nicht vorstellen, warum man freiwillig diesen Weg wählt – wir haben es immerhin eilig! - aber anscheinend sind wir nicht die ersten Verrückten.“
Ein welpisches Grinsen galt dem Älteren nun, ehe er wieder nach vorne blickte.
„Weißt du, Krolock hat Turién und mir mal eine Geschichte über so eine Höhle erzählt.“, begann er schließlich. „Es soll eine Höhle geben, die kein Wolf je betreten sollte. Eine Höhle, so finster wie der Himmel, wenn kein Stern und kein Mond zu sehen sind und unheimlicher als ein Varg. In ihr drin ist es so kalt, dass einen kein noch so dicker Pelz wärmen kann und das Atmen wehtut. Das liegt daran, dass in ihrem Inneren das Urböse gehaust hat. Zumindest, bis ein junger Wolf es ungeachtet ans Tageslicht brachte und es damit aus dieser Höhle befreite.“
Das war zumindest der Anfang in Kurzform, wenn er sich recht erinnerte.
29.09.2013, 23:38
“Ich weiß nicht … es ist lange her, dass er den Weg ins Tal der Raben angetreten ist, vielleicht gab es da noch ganz andere Pfade über dieses Gebirge. Oder vielleicht gibt es noch mehr Gänge in dieser Art ...“ Sie sog die kühle Luft tief in sich ein, fand aber nicht den Hauch eines Duftmoleküls ihres Vaters … dafür aber … sie senkte die Nase zu den Steinen und fuhr im Laufen ganz nahe darüber. “Es deutet zwar nichts auf ihn hin, aber … da ist ein anderer Geruch. Ganz schwach, als würde ich ihn mir einbilden … fremde Wölfe. Als wäre hier schon einmal ein Rudel entlang gelaufen. Oder bilde ich mir das ein?“
Ein wenig irritiert sah sie zu ihrer Schwester, aus irgendeinem Grund war es für sie ausgeschlossen, dass ein anderes Rudel den gleichen Weg wie ihres nun einst hatte nehmen müssen. Wo hätte es denn auch hingewollt? Wer, außer der Sohn des Todes könnte durch einen Berg gehen, nur um auf die andere Seite der Gebirgskette und damit näher an das Tal der Raben zu kommen? Vielleicht hatte hier aber auch nur ein ansässiges Rudel Schutz gesucht, vor so langer Zeit, dass außerhalb der Höhle alle Duftspuren längst verschwunden waren. Das klang nach einer einfacheren Erklärung, dennoch blieb Tyraleen ein wenig beunruhigt. Da sich nun ohnehin nichts mehr an ihrem Weg ändern ließ, versuchte sie über etwas anderes nachzudenken und wandte sich erneut an ihre Schwester.
“Ist bei dir alles in Ordnung?“
Sie versuchte nicht nur höflich zu sein, sondern war wirklich interessiert an dem Leben Amáyas und was sie gerade beschäftigte. Vielleicht würde sie auch so wieder mehr Bezug zu ihrer Schwester finden, die ihr in der Vergangenheit doch oft fremd vorkam.
30.09.2013, 00:09
“Ci, Ci, du bist wieder da!“, leitete sie ganz ungerührt von seinem am Boden Liegen ein. Schnuppernd kam sie wieder näher und fuhr ihm mit der Nase durchs Fell. “Wo bist du denn gewesen? Ich hatte wirklich gedacht, du hättest keine Lust mehr auf uns! Das habe ich dir übrigens übel genommen, aber so wie es aussieht, muss ich das zurücknehmen, mh?“
Sie grinste schief und betrachtete den Grauen dann etwas genauer. Irgendwie sah er nicht gut aus. Ziemlich erschöpft und noch hagerer als sonst und sein Fell war zerzaust und ein bisschen schmutzig.
“Was hast du denn gemacht? Alles okay?“, fragte sie etwas vorsichtiger und zupfte dann auffällig sanft an seinem Ohr.
30.09.2013, 01:23
Daylight brannte. Seit Beginn der Ranz trieb sie sich am Rand des Rudels herum, lief immer wieder auf und ab und war weder auf Nähe noch auf Abstand aus. Sie war aufgewühlt, rastlos und – ganz untypisch für sie – ausgesprochen launisch. Sie war wie eine zwar kleine und deshalb ungefährliche, aber beständig flackernde, ab und zu auflodernde, leicht bissige Flamme. Und der einzige, der von ihren grauenhaften Launen verschont blieb war Tarakarax. Der junge Goldspecht hatte sein Versprechen gehalten und hielt sich fortan in ihrer Nähe und, wenn er sich gerade von einem seiner Erkundungsflüge erholte, mit Vorliebe auf ihrem Rücken auf. Daylight hatte Gefallen an der Gesellschaft des Vogels gefunden; Tarakarax war ein ungezwungener Zeitgenosse, der liebend gern vor sich hin plapperte und ihr bereitwillig die Geschichten und Legenden seiner Art erzählte – im Gegenzug teilte Daylight ihr Wissen über Engaya und Fenris mit ihm. Sie sprachen auch übers Fliegen und mehr als einmal wünschte Daylight sich, Tarakarax wäre tatsächlich groß und kräftig genug um sie mit sich in die Lüfte zu nehmen. Sie wünschte sich, sie könnte, wie er, scheinbar mühelos über die Köpfe der anderen Wölfe hinweggleiten, Distanz zu ihnen gewinnen, besonders jetzt wo die Anziehungskraft ihrer männlichen Rudelgefährten sich ins Unermessliche gesteigert zu haben schien. Doch natürlich war das unmöglich, Daylight konnte nicht fliegen und so fiel es ihr von Tag zu Tag schwerer der wachsende Sehnsucht nach Nähe und Zuneigung zu widerstehen. Dies waren auch die Momente, in denen sie sich, zum ersten Mal seit ihrer Rückkehr ins Tal der Sternenwinde, zu Amir zurückwünschte, Amir, der groß und stark und beständig war und an den sie sich ohne schlechtes Gewissen hätte schmiegen können. Doch hier gab es keinen Amir, nur unwirtliche Landschaft, hohe Berge und Eiseskälte und Tyraleens Verbot Welpen zu zeugen – und Tarakarax, den Goldspecht auf ihrem Rücken, dessen Geplapper all das zumindest ein bisschen besser machte.
Und auch als die Wölfe die Hochebene erreicht hatten und der Beschluss feststand, dass ihr Weg, statt wie geplant über den Berg, nun durch den Berg hindurch führen sollte, hatte Daylights Laune sich kaum gebessert. Ihr gefiel diese Idee nicht und allein der Anblick des zwei Wolfslängen hohen, tiefschwarzen Einschnitts in den Fels behagte ihr überhaupt nicht. Doch Tarakarax, der die Höhle als erster entdeckt hatte, zeigte sich zuversichtlich und auch Tyraleen hatte ihre Zustimmung gegeben und Daylight vertraute ihnen beiden – außerdem wäre sie die letzte, die jetzt, wo die Stimmung durch den ungeklärten Zwischenfall mit Malik, Krolock und Caylee ohnehin gedrückt war, einen Streit vom Zaun brechen würde. Also postierte sie sich am Höhleneingang, um gemeinsam mit Tarakarax auf ihrem Rücken als Nachhut zu fungieren und beobachtete unbehaglich wie ein Wolf nach dem anderen von der Dunkelheit verschluckt wurde.
Irgendwann waren nur noch Caylee und Ciradan übrig, von dem es Letzterem irgendwie gelungen war, in seiner Eile zum Rudel aufzuschließen, über seine eigenen Pfoten zu stolpern und mit dem Gesicht voran auf dem Boden zu landen.
Daylight beobachtete die zwei Jungewölfe aus den Augenwinkeln, während sie gleichzeitig die Hochebene nach weiteren Nachzüglern absuchte, nachdem sie niemanden mehr entdecken konnte, trottete sie gemächlich zu den beiden hinüber.
„Hast du dich verletzt, Ciradan?“, fragte sie ohne Umschweife, bemüht einen freundlichen Tonfall anzuschlagen, und wandte sich dann mit besorgter Miene an Tarakarax, „Kannst du nach weiteren Nachzüglern Ausschau halten? Es wäre besser nicht den Anschluss zu verlieren.“
(bei Caylee und Ciradan, Tarakarax auf dem Rücken, Höhleneingang, bildet die Nachhut)
30.09.2013, 10:33

Tarakarax
Tarakarax war ein Goldspecht und damit ein Vogel, der am Tag und bei Licht flog und bei Nacht und Dunkelheit am liebsten schlief, außer natürlich unbekannte Gäste trieben sich in seinem Wald herum. Jetzt aber behagte ihm die Vorstellung, in tiefste Dunkelheit hinabzutauchen überhaupt nicht. Vermutlich würde er sich nicht mehr von Daylights Rücken wagen aus Angst, sich die Flügel an unsichtbaren Felsvorsprüngen zu brechen. Mit diesen unangenehmen Gedanken beschäftigt, schwieg er ausnahmsweise einmal und war froh, dass auch seine Trägerin offensichtlich keine Lust auf eine enge dunkle Höhle hatte und deshalb etwas trödelte. Und auch als zwei Wölfe sie aufhielten, weil einer von ihnen diese vier langen, ziemlich kompliziert aussehenden Beine nicht unter Kontrolle hatte, wollte er sich nicht beschweren. Es sah sogar ziemlich witzig aus, sodass er sich eine Salve Wicka-Wicka-Wicka nicht verkneifen konnte. Seine gehobene Laune wurde auch von Daylights Aufforderung nicht getrübt - noch etwas mehr Aufschub konnte nicht schaden.
"Aber natürlich Daaaayliiiight, aber gerne, aber immer!", piepte er mit den Flügeln flatternd. "Ihr Wölfe seid soooo langsam! Außer du Daaaayliiight, du bist genau richtig schnell!"
Mit einem Wicka-Wicka-Wicka schwang er sich in die Lüfte und flatterte wieder raus aus der Höhle zu einem langen Gleitflug über das Hochplateau.
30.09.2013, 22:12
Viele die damals noch da gewesen waren, als Chanuka noch so alt gewesen war wie Isaí, waren jetzt weg. Nerúi zählte auch dazu, allerdings war es nicht so das er großartig mit ihr befreundet gewesen war. Der schwarze Rüde vertrat da wohl eine ähnliche Ansicht wie Isaí. Selbst, wenn man mit jemanden nicht richtig zu tun gehabt hatte oder ihn vielleicht gar nicht so sehr mochte, hatte das nicht zu bedeuten, dass er nicht auch zur Familie gehörte, und wenn jemand zur Familie gehörte hieß das, dass er fehlen würde, wenn er nicht da war. Bei Chanuka selbst war es ja auch gar nicht so gewesen, dass er für immer weggehen wollte. Von vorne rein war es zumindest für ihn selbst klar gewesen, dass er wiederkommen würde, lediglich der Zeitpunkt lag noch nicht fest als er gegangen war. In solch einer Situation würde Zusprache dem jungen Rotpelz also wohl eher gut tun, als er sie nun an Chanuka gewandt hatte. Wenn man sich von einem Wolf verabschiedete oder er spurlos verschwand mochte es oftmals schon von vorne rein klar sein das er nicht wiederkommen würde. Solang man aber nicht die Hoffnung aufgab ihn irgendwann wiedersehen zu können oder zumindest die Erinnerungen an ihn behielt, hatte das schon sehr viel Bedeutung – für einen selbst und vielleicht auch für denjenigen, der an einen selbst dachte wenn man an ihn dachte. Ehe er sich nun den weiteren Themen widmete, auf die die beiden langsam aber sicher zu sprechen kamen, erwiderte er das zuversichtliche Lächeln des Jüngeren und ergänzte noch etwas zu seiner Aussage.
“Solange du die Hoffnung nicht aufgibst ihn irgendwann wiedersehen zu können und die Erinnerungen an ihn sowohl im Kopf als auch im Herzen behältst, bist du ganz bestimmt auf der sicheren Seite. Ich kann dir zwar nicht versprechen das er wiederkommen wird aber er würde sich sicherlich freuen, egal wo er jetzt ist, wenn er wüsste, dass hier immer noch Freunde sind die an ihn denken.“
Nach der Sache die er Caylee versprochen hatte war er sehr vorsichtig mit solchen Aussagen geworden. Wären die Umstände anders gewesen, hätte er jetzt grade wohl auch etwas anderes gesagt, wobei er für sich die Perspektive nicht ausschloss das Caylee mindestens ebenso schuldig war wie er selbst, dass sich alles nicht so hin gedreht hatte wie sie es sich damals vorgestellt hatten. Dieses Thema grade eben in seinem Kopf ausgebuddelt grub er es aber auch wieder ein. Genauso wie er im Moment versuchte Isaí auf andere Gedanken zu bringen, sollte er seine eigenen ebenso im Zaum halten.
Als die junge Stimme an seiner Seite nach einem etwas längeren Abschnitt verstummte, machte Chanuka für einige Sekunden einen etwas nachdenklichen Eindruck. Ihm machte die Geschichte keine Sorgen, nicht das man etwas Falsches dachte, trotzdem fragte er sich grade in welchem Zusammenhang und mit welchem Hintergrundgedanken Krolock diese Geschichte erzählt hatte. Ein positives Ende hatte dieser Teil in den Augen des schwarzen Rüden ja schon irgendwie, tatsächlich brauchte er aber seine Zeit ehe er alles richtig deuten konnte. Bevor er nun wieder das Wort erhob drehte er kurz seine Lauscher in unterschiedliche Richtungen, schnupperte ein weiteres Mal in der Luft herum und überzeugte sich mit einer etwas merkwürdig aussehenden Geste davon, dass ihm definitiv nicht kalt war. Ihm schien als würde Isaí diese Höhle auf irgendeine Weise mit der Geschichte in Verbindung bringen und bevor ihn das Ganze noch unruhig oder ängstlich machte, wollte Chanuka sehr übertrieben darstellen, dass es kein Grund gab sich Sorgen zu machen. Wobei es natürlich auch sein konnte das er da falsch gedacht hatte.
“Also ich finde das die Luft hier eigentlich recht angenehm ist. Dazu kommt das ich glaube das es sogar wärmer geworden ist seitdem wir die Höhle betreten haben.. aber du warst sicherlich noch nicht fertig, oder?“
Die letzteren Worte dienten eher einer Rettung aus einer misslichen Lage falls er das Thema jetzt falsch gedeutet haben sollte, machten aber eher den Eindruck als würden sie alles nochmal etwas nett abrunden. Sollte die Geschichte also noch weiter gehen war Chanuka daran interessiert ihre Fortsetzung zu erfahren und falls nicht, hatte er hoffentlich mindesten einen kleinen Teil der Gedanken von der Geschichte zum jetzt beseitigen können
02.10.2013, 14:49
Kursaí fragte sich wo die Höhle vor ihnen je enden würde und was an diesem Ende sein würde. Wo sie wieder den Himmel erblicken würden, wieder die frische Luft um ihre Nase spüren könnten. Ihre Reise bis hierher fühlte sich nun sicherer an, hatten sie doch nun zwei Kundschafter. Jedoch diese Höhle konnten sie nicht für sie auskundschaften. Nun würden sie wieder voran gehen müssen, ohne zu wissen, was sie erwarten würde. Auch wo die Höhle endete, dass hatten die Spechte ihnen nicht verraten können. Dennoch hatten die Vögel ihnen sehr gute Dienste geleistet und mit jedem Tag mehr, freute sie sich über solch gute Verbündete. Nicht zu vergessen war da natürlich auch Tarakarax feste Bindung zu Daylight, wie sie von Anfang an bestanden hatte. So war der junge Vogel auch in diesem Moment bei der Fähe und ließ sich von ihr tragen. Etwas verwunderlich fand sie, dass er scheinbar vorhatte, sich von ihr in die Höhle tragen zu lassen. Die Höhle schien nicht der Beste Ort für Wölfe zu sein, doch für einen Vogel, wie es Tarakarax war, schien es ein völlig falscher Ort zu sein. Sie gehörten in die Luft an den Himmel, und nicht unter die Erde. Gleichzeitig hieß dies wohl auch, dass er inzwischen Daylight wirklich blind - demnächst im wörtlichen Sinne - vertraute.
Doch die Gedanken der graumelierten Fähe waren nicht nur bei der Höhle, sondern hatte sie sich vielmehr über noch etwas ganz anderes zuvor Gedanken gemacht. Sie hatte sich gefragt, wie es wohl war selber Welpen zu haben. Es würde wohl niemanden verwundern, dass sie gerade jetzt auf solche Gedanken kam. Wann, wenn nicht im tiefsten Winter sollte sie der Gedanken an Welpen befallen. Gleichzeitig war ihr klar, dass der Gedanke nicht umgesetzt werden konnte, nicht durfte. Egal ob sie wollte oder nicht. Ihre Alpha war eindeutig gewesen, es würde keine Welpen geben, nicht einmal von ihr selber. Selbst wenn sie noch in ihrem Revier gewesen wären, wäre sie nicht die, welche Welpen bekommen sollte. Hier im Nirgendwo, ohne Heimat unterwegs, war es keine Option, und doch ließ sie die Frage nicht los, wie es wäre wenn. Neues Leben musste das Beste sein, was einer Fähe geschehen konnte. Sie dachte an all die Mütter, die sie kannte und deren Liebe für ihre Kinder. Gleichzeitig war das neue Leben auch so bedroht. Sie musste unweigerlich an Malik denken. Zwar war er nicht mehr in Gefahr, war auf dem besten Wege der Besserung. Und doch war er in Gefahr gewesen, durch sein eigenes Rudel. Sie musterte einen kurzen Moment Krolock misstrauisch, bis ihr Blick zu Malik weiter wanderte. Der Kleine konnte zwar schon wieder gut laufen, und doch sah man die Spuren des Angriffs noch sehr deutlich. Es sah grausam aus, wie die riesige Narbe über die Seite des Kleinen Körpers lief. Gleichzeitig fragte sie sich, ob nicht noch mehr geschehen war, etwas was man nicht sehen konnte. Es war merkwürdig, dass der Kleine kein Wort mehr sprach. Das er Angst hatte, konnte sie nur zu gut verstehen. Jedoch sie hätte gedacht, dass es ihm wieder besser gehen würde, im Gleichen Maße wie auch seine Wunde heilen würde. Doch wie es schien brauchte der kleine Rüde dafür noch mehr Zeit und Geborgenheit. Diese schien ihm auch zuteil zu werden, hatte sie ihn in letzter Zeit meistens bei seiner Mutter gesehen.
Genau in diesem Moment verkündete Tyraleen ihrer aller Aufbruch in die Dunkelheit. Die Höhle würde sie nun verschlucken, hatten sie doch keinen anderen Weg über die Berge. Wieso sollten sie auch noch lange hadern, hatten Rakataro und Tarakarax ihnen schon gesagt, dass es nicht möglich war einen anderen Weg zu wählen. Und auch Aszrem verstärkte Worte von Tyraleen. Zunächst sah Kursaí nur einen Moment zu, wie die Ersten in der Höhle verschwanden, dann machte auch sie selber sich auf die ersten Schritte in die Dunkelheit zu setzen. Auch wenn die Höhle bedrückend war, so war sie doch angenehm in dem Sinne, dass der eiskalte Wind sie nicht mehr zerzauste und der feste Boden unter ihren Pfoten. So schritt sie voran und gewöhnte sich langsam an die Dunkelheit, und fragte sich, was für ein Weg sie in dieser Höhle erwarten würde. Nach einer Weile, blickte - oder vielmehr roch und hörte - sie sich bei den Wölfen in ihrer unmittelbaren Umgebung um. Aszrem hätte ihnen den Befehl zu zusammen bleiben wahrscheinlich gar nicht geben müssen, war es hier doch recht eng und sie alle nahe beisammen. Direkt neben ihr nahm sie die Fähe Parveen war, und blickte zu ihr herüber. Sie schien in Gedanken zu sein, und doch erhob Kursaí ihre Stimme zu ihrer Tante:
"Was hältst du von dieser Höhle? Ich frage mich, wo wir raus kommen werden."
Ihre Worte wurden von einem freundlichen Blick zu der dunklen Fähe begleitet, doch so genau konnte sie nicht sagen, ob diese ihn auch voll sehen konnte. Sie fragte sich, was die andere wohl gerade dachte. Machte sie sich nur Gedanken über die Höhle, oder war sie mit ihren Gedanken weit fort?
[[neben Parveen, Anfang der Höhle]]
03.10.2013, 10:59
Es kam ihr vor als würde die Dunkelheit der Höhle sich wärmend an sie schmiegen und sie hieß dieses Gefühl willkommen. Seltsamerweise schien es ihr Sicherheit zu geben und das konnte die Fähe im Moment wirklich brauchen. Sie hatte zwar die Überzeugung aufrecht erhalten können, zu der Chivan ihr vor zwei Wochen verholfen hatte, aber sie fühlte sich immer noch seltsam verwundbar. Als könnte plötzlich eine eisige Böe die Entschlossenheit etwas zu ändern fortwehen. Sie war sich nicht mal sicher, ob sie das Ganze überhaupt durchziehen konnte, aber wenn sie Schritt für Schritt ging, vielleicht dann. Ein erster Schritt war wohl, auf Tyraleen zuzugehen. Mit jedem Schritt sah man weniger und so würden sie sich bald alle mehr auf ihre sonstigen Sinne verlassen müssen. Zum Glück konnte sie das leichte Lächeln ihrer Schwester jedoch noch sehen und erwiederte es ein wenig, während sie nickte.
"Ja. Trotzdem wäre es irgendwie schön, wenn es so wäre."
Sie hatte irgendwie immer an ihrem Vater gehangen. Nun, wirklich viel hatte sie nicht mit ihm interagiert, nein. Eher hatte sie ihn aus der Ferne bewundert. Sie wusste es ehrlich gesagt selbst nicht so richtig, aber von Zeit zu Zeit dachte sie noch an den schwarzen Wolf des Todes. Natürlich war es nicht sonderlich wichtig, ob Acollon diesen Weg genommen hatte oder nicht solange dieser auch wirklich dorthin führte, wohin sie wollten. Es gab einem trotzdem etwas Sicherheit, wenn man sich vorstellte das ein alter Verwandter mal über die selben Steinchen gestolpert war wie man selbst. Amáya konnte die leichte Irritation in Tyraleens Stimme hören und wurde aufmerksam. Sie prüfte ebenfalls die Luft und tatsächlich vermeinte sie die verstaubte Duftspur unbekannter Wölfe zu erkennen.
"Ich spüre es auch. Es muss aber schon einige Zeit zurückliegen."
Es war nicht wirklich ein Wunder, dass in einer solchen Höhle wie dieser Fährten lange erhalten blieben. Vor allem da sie nicht glaubte, dass sie so oft genutzt wurde. Etwas überrascht blickte sie dann aus diesen Gedanken auf, als die Frage ihrer Schwester sie erreichte. Kurz rang sie mit sich selbst, nicht ganz sicher wie sie antworten sollte. Ja, wie ging es ihr denn? Sie war sich selbst nicht ganz so sicher. Sie wollte Tyraleen ja auch nicht mit mehr Dingen belasten.
"Chivan hat mir sehr geholfen. Vielleicht kriege ich mein Leben endlich mal in den Griff.", antwortete sie also nur mit einem leichten Schulterucken, während sie mit ihrer Schwester Schritt hielt. "Ich glaube er ist wirklich ein Gewinn für das Rudel."
Sie zumindest schätzte ihn sehr, auch wenn sie ihn gar nicht so lange kannte. Gleichzeitig war sie dem Kern der Frage vielleicht auch ein wenig ausgewichen, aber sie war sich immer noch nicht ganz sicher, wie sie jetzt eigentlich zu der Weißen stand. Außerdem hatte sie Angst ihr von Mayhem zu erzählen. Sie hatte Angst, mit Misstrauen betrachtet zu werden. Vielleicht hatte Sheena aber schon etwas davon weitererzählt? Unruhe erwachte in ihr. So angenehm die Dunkelheit auch schien, Amáya spürte das da etwas hinter ihr lauerte. Dabei wusste sie genau, was es war, wer SIE war. Nein. Ihr Herz verkrampfte sich leicht und sie schluckte, während sie ihre Gedanken in eine andere Richtung trieb. Sie war mit dem Rudel zusammen und nichts konnte ihr passieren. Tyraleen war neben ihr und sie würden dieses dumme Höhle auch gemeinsam verlassen. Mit einem plötzlichen Schauder wurde ihr nun der weiße Pelz Tyraleens bewusst und sie unterdrückte ein Fluchen. Was wenn sie Mayhem doch nicht stand halten konnte und wieder durchdrehte? Sie wollte nicht so angesehen werden, wie dieser Krolock. Sie wollte nicht wieder mit einem nervigen Aufpasser an den Fersen herumlaufen. Gleichzeitig wusste sie nun, dass sie auch nicht weglaufen durfte. Sie musste sich ihrer Angst endlich stellen. Sie wandte sich zurück an Tyraleen und zwang sich, ihre Stimme wieder zu erheben, hoffend, dass sie ihr nicht versagte.
"Es ist schon irgendwie seltsam... Mein Aufpasser war Urion und nun ist sein eigener Sohn in der selben Situation wie ich damals." Sie hatte heimlich aus dem Augenwinkel immer wieder einen Blick auf den schwarzen Jungwolf geworfen, ebenso wie auf Malik. Der kleine Rüde war ihr ans Herz gewachsen und es hatte sie richtig geschockt, zu erfahren, was passiert war.
04.10.2013, 12:15
Yjels eigene Turbulenzen hatten sich beruhigt. Er fühlte sich nicht mehr so stark überrollt von den Ereignissen, die auf ihn eingeprasselt waren. Oftmals hatte er sich vom Rudel entfernt und von Weitem die Wölfe der Sternenwinde gemustert. In den Tagen, an denen sie rasteten, wegen irgendeiner Welpen-Verletzungs-Geschichte, war Yjel darum bemüht, mit niemanden in Kontakt zu kommen. Averic konnte ihm gestohlen bleiben, und die Sache mit seinem Bruder Ayar Ravac, der aus dem Tal der Raben zu ihm gefunden hatte, musste Yjel überdenken. Die Worte des Rüden Averic hallten in seinen Ohren und die Gedanken an Fenris wurden unerträglich. Was hatte er mit Yjel vor? Das Schielauge fühlte sich geplagt, unwissend, wie der dumme, kleine Welpe, der er einmal gewesen war. Und er befürchtete, dass er mit diesem Gefühl nicht alleine war. Immer, wenn er sich als einer der letzten an Kadaver schlich, um seinen Hunger zu stillen, konnte er Blicke auffangen, die auch von Unwissenheit sangen. Keiner der Sternenwindwölfe, außer er, Invidia und Ayar, waren bisher im Tal der Raben gewesen. Doch zogen sie voller Hoffnung dorthin ... auf der Suche nach etwas, von dem sie nicht wussten, was es war. Der Graue schalt sie oft Narren, doch beruhigte er damit nur sein eigenes Gewissen. Ungewöhnlich still ertrug er die Spannungen, die ihn und das Rudel umgaben. Auch wenn die Ranz stattfand, war scheinbar keiner darum bemüht, Nachfahren in die Welt zu setzen. Umso besser..., dachte Yjel, ...sonst würden wir Monate hier fest sitzen.
Schweigend war er hinter dem Rudel hergezogen, hatte nur hier und dort mit einem ihm unbekannten Wolf geredet, einen Kommentar abgelassen und hatte sich doch wieder verzogen, sodass er als einer der letzten den Wölfen zu der Gebirgskette folgte. Die fliegenden Häppchen, wie Yjel die Vögel seit jeher nannte, hatten einen Eingang in den Berg entdeckt, durch die das Rudel gehen wollte, um die scheinbar unüberwindbare Wand aus Stein zu umgehen. Enge, Kälte, Nähe...allein bei dem Gedanken an das Kommende sträubten sich des Grauen Nackenhaare. Doch da er so und so kein Stimmrecht im Rudel hatte und alle besessen schienen, sein Heimatland aufzusuchen, koste es, was es wolle, wollte er sie nicht aufhalten, ins Tal der Raben zu ziehen. Sie würden schon sehen, dass die Götter übellaunig waren...Fenris hatte es auf Yjel abgesehen, er würde sein Unheil magisch anziehen. In dem Loch zu sterben, wäre für Yjel zumindest ein Ausweg aus seinen Gedankenschleifen. Und aus dem Druck, zu erfahren, was der Todesgott mit ihm vorhatte. Das einzig positive daran war, dass es Windstille im Inneren des Berges gab. Der schneidende Atem der Götter durchfuhr das Fell Yjels wie Klauen und ließ Yjel auf der Reise oftmals stolpern. Knurrend war er weiter gegangen, den Wind hassend, den Wind verachtend, aber wissend, das er dagegen nichts tun konnte. Der Schnee stand so hoch, wie es der Graue noch nie in seinem Leben gesehen hatte. Generell schien der Winter dieses Jahres tödlicher, als Yjel es kannte. Zwar hatte er die dunkle Jahreszeit immer mehr gemocht, aber diese Extrema verabscheute selbst er. Gut daran war nur, das einige Beutetiere deswegen verendet waren, weswegen der ein oder andere Kadaver immer zur Verfügung stand um das riesige Sternenwindrudel zu sättigen.
Langsam ging er in das gähnende Maul des Berges, blickte zurück und schluckte schwer.
[allein, Anfang der Höhle]
Ich sollte aufmerksamer sein -.- Trottel Yjel
04.10.2013, 23:06
Ciradan hörte wie Caylee näher kam. Ihre Pfoten machten raschelnde Geräusche auf dem Boden, dem er unfreiwillig schon wieder näher war als gewollt. Mühsam drehte er sich ein Stück auf die Seite, während die Zunge schlaff aus dem Fang heraus baumelte. Die Welt war mal wieder gekippt, es gab mehr Erde als Himmel, und alles war in Schräglage und auf dem Kopf. Aber da war diese weiße Fähe, die ihn begrüßte und dabei klang, als wäre er nicht länger als einen Nachmittag weg gewesen.
Ciradan rang sich zu seinem schwachen Lächeln durch und lies seine Rute den Staub ein bisschen durcheinanderwirbeln. Eigentlich wollte er viel mehr zeigen, wie sehr er sich freute, doch dafür fehlte ihm die Kraft. Alles, was er grade im Stande war zu empfinden war reinste Erleichterung. Aber sie machte aus seinen Beinen auch Pudding und aus seinen Gedanken einen unkontrollierten Flusslauf. Als Caylee ihn berührte pfotete der Jungrüde nach ihr wie ein Welpe. Er wollte was sagen, aber die Worte fanden keinen Weg aus ihm heraus. Das seine Freundin anders roch als sonst wäre ihm vielleicht unter normalen Umständen aufgefallen, aber jetzt war es für ihn einfach der typische Cayleegeruch an den er sich unter anderem geklammert hatte, um sein Rudel wiederzufinden. Auch dass Krolocks Gestank an ihr klebte nahm er erstmal so hin. Mehr war da einfach nicht drin.
Kurz wurde es still, und Ci drehte noch mal den Kopf um nach ihr zu sehen. Ihr Blick hatte sich verändert. Offenbar konnte man ihm die vierzehntägige Odyssee doch ansehen.
Etwas zog an seinem Ohr, was ihn dazu veranlasste sich wieder auf den Bauch zu rollen. Sein Kreislauf kam nicht so schnell hinterher, kurz wurde ihm schwarz vor Augen, dann tanzten bunte Sterne auf der Netzhaut herum. Aha, das war auch mal was Neues. Seine Nase stupste kurz gegen ihre. Es sollte eine Geste der Aufmunterung sein, dabei sah er sie danach überraschend ernst an und spielte unruhig mit den Ohren hin und her. Er musste nicht mehr hecheln, aber sein Brustkorb hob und senkte sich noch immer mit maximaler Anstrengung.
„Ich hatte euch verloren…“
Das, was aus Ciradan herauskam konnte man nur mit wohlwollen als Stimme bezeichnen. Sie klang brüchig wie ein morscher Baum und war kaum lauter als ein Flüstern. Verunsichert von sich selbst sank er etwas in sich zusammen und glitt mit dem Blick weg von Caylee, hin zum Rest des Rudels. Erst jetzt sah er, was sie hier taten. Mitten in dem gigantischen Berg klaffte ein Loch. Eine Höhle, durch das die meisten nun hindurchgingen. Viel Zeit sich Gedanken darüber zu machen blieb nicht, denn ein weiterer Wolf schob sich in sein Blickfeld. Fähe. Auch hell. Daylight. Auch ihre Fährte war irgendwie anders. Sie war immer noch eindeutig Daylights Fährte, aber da war noch mehr. Nur was überforderte den jungen Rüden. Unsicher legte er die Ohren an und antwortete mit einem angedeuteten Kopfschütteln auf ihre Frage. Es gab ungefähr keinen Muskel, der ihm nicht weh tat. Doch angesichts seiner Erlebnisse in den letzten Tagen war dieser Sturz dagegen mehr als lächerlich.
Plötzlich bewegte sich etwas auf dem Rücken von Caylees Tante. Ciradan lehnte sich verwirrt etwas zur Seite um besser sehen zu können, da zwitscherte auch schon etwas kleines, federtragendes zwischen Daylights Schulterblättern herum und flatterte dann wie ein schwarzer Ball Richtung Himmel.
Okay. Vielleicht war er doch länger weg gewesen als gedacht. Oder der Sturz hatte irreparable Schäden angerichtet. Nur mit Mühe konnte er sich vom Anblick des Himmels losreißen, landete dann bei Caylee, wieder bei Daylight und zurück und stellte eine längst überfällige Frage.
„Wo geht ihr hin?“
Beinahe unbewusst hatte er eine Formulierung gewählt, die ihn selbst ausschloss. Soviel wirkte in so kurzer Zeit so fremd, das er sich nicht damit identifizieren konnte oder wollte. Die Vorstellung, den anderen in die körperlose Finsternis zu folgen, insbesondere in seinem Zustand, gefiel ihm jedenfalls gar nicht.
[ bei Daylight und Caylee ]
05.10.2013, 15:35
((Yjel, Averic ist kein Leitwolf ;) ))
Atalya war am Anfang der Höhle stehen geblieben, die hellen Augen blickten zuerst in die Dunkelheit, ehe sie den Kopf herum wandte und die Wölfe betrachtete, die mit unterschiedlichsten Mienen die Höhle betraten. Sie selbst betrachtete die Dunkelheit, die vor ihnen lag, skeptischer. Nicht aus Angst, viel eher lag es an den Zweifeln was die Vögel anging. Ihr war es nicht geheuer, wobei sie einfach nicht wußte, welchen Grund sie haben sollten, ihnen zu helfen. Jedoch war die Dunkle einfach nur froh, dass sie bisher ohne einen Zwischenfall hatten weiter wandern können. Die Tage, die sie wegen des Welpen gerastet hatten, waren lang genug gewesen. Und auch, wenn der Schnee hier noch höher war und ihr noch weniger gefiel, so kamen sie dem Ziel wenigstens näher.
Automatisch suchten die Augen der jungen Wölfen kurz ihren Vater, konnte gerade noch Krolock erkennen, auch wenn die Dunkelheit die beiden Wölfe beinah schon verschluckt hatte. Und auch, wenn es nicht ihre Aufgabe war, auf den schwarzen Jungwolf aufzupassen, so erwischte sich die graue selbst immer wieder dabei, wie sie auf ihn Acht gab, ihn unbewußt im Auge behielt. Er hatte versucht, Caylee zu töten... und womöglich hätte er Malik getötet. Sie traute diesem Wolf nicht, und auch wenn ihre Mutter es wohl nur gut mit diesem Vieh meinte, so war Atalya sich sicher, dass sie ohne ihn besser dran gewesen wären. Er war ja schon widerlich, wenn seine Augen seine normale Farbe hatten... wenn der Fluch jedoch durchkam, war er eine Gefahr für jeden Wolf. Es blieb ihr also weiterhin ein Rätsel, wie ihre Mutter die Sicherheit des Rudels hinter die eines einzelnen Iren stellen konnte. Aber Averic achtete auf ihn, und die Graue trautem keinem Wolf wie ihrem Vater. Und auch, wenn er sicherlich besseres zu erledigen hatte, so wußte Atalya, dass niemand diese Aufgabe so gut wie der Schwarze übernehmen konnte.
Gerade wollte auch Atalya dem Rudel folgen, die Dunkelheit vor sich betreten, als ihr ein einzelner Rüde auffiel, der zwar in den letzten Tagen immer in der Nähe des Rudels gewesen war, sich jedoch nicht oft gezeigt hatte. Die junge Fähe drehte leicht die Ohren, beobachtete das kurze Zögern des grauen Wolfes.
„Angst?“
Ein kurzer Atemzug, ehe sie sich weiter vorwärts bewegte, dem schielenden Wolf jedoch noch einen kurzen Blick zuwarf.
[Höhle - Yjel]
06.10.2013, 22:14
Nach der Anschuldigung gegenüber Caylee hatte Sheena sich nicht mehr öffentlich zu dem Thema geäußert. Für sich alleine versuchte sie jedoch weiter nachzuvollziehen, warum sie sich anfangs so sicher gewesen war. Doch letztendlich überwog auch in ihr der Gedanke, dass es unwahrscheinlich war, dass Tyraleens Tochter ihren Sohn so zugerichtet hatte. Außerdem war sie zu dem Entschluss gekommen, dass sowieso nur Malik, Caylee und Krolock die Wahrheit wussten und solange keiner von den dreien etwas Gegenteiliges behaupten würde, würde Krolock auch immer der Schuldige bleiben. Somit hatte sie beschlossen sich wieder mit anderen Themen zu beschäftigen. Doch unterbewusst kreisten ihre Gedanken weiter um den Angriff. Malik hatte seitdem kein Wort mehr gesprochen. Immerhin hatte er sich relativ schnell erholt, sodass das ganze Rudel weiterziehen konnte. Er blieb stets dicht neben ihr. Darüber war sie sehr froh, so konnte sie ihn wenigstens in Sicherheit wissen.
Ihre Ohren schnippten aufgeregt nach vorn, als sie Tyraleens und danach Azrems Stimme vernahm. Sie würden also unter dem Berg herziehen. Eine leichte Unruhe breitete sich in ihr aus, war ihr aber nicht anzusehen. Noch befand sie sich nicht in der Höhle. Wenn Tyraleen und Aszrem vorne liefen, würde sie versuchen die Nachhut zu bilden, damit kein Wolf verloren ging. So hatte sie sich mit Malik so posiert, dass die anderen Wölfe vor ihr in den dunklen Tunnel eintauchen konnten. Immerhin würde der Wind nicht mehr so stark in ihr Fell fahren. Er zerrte schon sehr stark und etwas unangenehm an ihr. Auch wenn sie nicht fror, war es eine Wohltat ihm zu entkommen.
Gerade wollte sie ihre Schnauze beruhigend auf Malik senken, da kam ihre Tochter Linalee zu ihnen gelaufen. Sie schlängelte sich gekonnt und sehr flink durch die vielen Wölfe die verteilt standen und umherliefen. Sie lächelte leicht und die sanfte Begrüßung der Dunklen erwiderte sie sogleich sehr liebevoll.
„Hallo mein kleiner Schatz. Leistest Du uns Gesellschaft auf unserem Weg durch die Dunkelheit?“
Ihre Schnauze fuhr sanft durch das Nackenfell. Wenn es nach ihr ging, würde sie all ihre Welpen um sich herum versammeln – dann wusste sie immerhin, dass ihnen nichts passieren würde.
Sie beobachtete, wie die ersten Wölfe in dem Berg verschwanden und hoffte, dass die anderen nicht lange zögern würden zu folgen. Wo war Jakash? Vielleicht würde er sich auch noch zu ihnen gesellen. Wobei es ihm sicher nicht leicht fallen würde ruhig und konzentriert an ihrer Seite zu laufen. Die Ranz hatte eingesetzt und alle Fähen im Rudel verströmten einen köstlichen Duft – außer sie. Er könnte an ihrer Seite sicher mehr klare Gedanken fassen, als irgendwo anders. Allerdings war sie wahrscheinlich so gar keine Verlockung für ihn. Tja, er würde schon sehen, was passieren würde, wenn er sich auf eine andere Fähe einlassen würde... Andererseits hatte sie ihre kleinen Schätze um sich und war froh, wenn sie alle vier den Weg bis aus dem Berg unbeschadet überstehen würden. Alles andere, eventuelle Eifersucht oder Wut, musste sowieso warten, bis ihre Babys in Sicherheit waren.
„Wir werden das Ende unseres Rudels bilden und aufpassen, dass wir niemanden verlieren.“ richtete sie die Worte an ihre beiden Kinder. Dann etwas lauter, sodass auch Tyraleen sie würde hören können „Wir bilden die Nachhut! Seht zu, dass ihr alle in den Berg kommt…!“
Sie lächelte ihren beiden Welpen zu. Das war doch eine schöne und spannende Aufgabe für die beiden. Vielleicht würde ihnen selbige den Weg durch den Berg etwas verkürzen. Doch wo waren Caylee und Krolock? Hoffentlich liefen sie dann nicht direkt vor ihnen. Es würde ihr für Malik leidtun, wenn er direkt hinter ihnen laufen musste. Andererseits würde er sich bestimmt sicherer fühlen, als sie hinter sich zu wissen.
[Am Rande - wartet, dass die Wölfe an ihr vorbeiziehen - mit Malik und Linalee]
07.10.2013, 00:19
Wenn Malik ihr erzählen würde, was hinter dem Hügel passiert war, hätte sie bestimmt noch viel mehr Angst, als vor dieser Höhle. Sie versuchte, irgendwie Kraft oder Mut aus diesem Gedanken zu schöpfen, aber es ging nicht. Ganz im Gegenteil – sie fühlte sich nur noch verwundbarer. Allein die Vorstellung, zu erfahren, wer wann wie und warum ihren Bruder angegriffen hatte, fühlte sich ganz gruslig an. Sie würde wahrscheinlich jedes ihr zur Verfügung stehende Mittel ergreifen, um es nicht zu wissen.
Auf Sheenas Worte hin sah sie zu ihrer sehr weichen, weißen Mama und lächelte sie schüchtern an, ehe sie nickte. Ach, was musste die Fähe mit den goldgelben Augen nur denken – ein Sohn, der gar nicht mehr sprach, und eine Tochter, die es irgendwie auch vermied. Ob sich Sheena oft Gedanken darüber machte? Und ob sie jetzt vorsichtiger war, was ihre Kinder anging? Nicht, dass Linalee ihr etwas vorwarf – ihre Mutter war praktisch wie eine Heilige für sie, und sie konnte sich beim besten Willen nicht erklären, wie man Sheena auch nur einen Ansatz an Schuld zuschieben konnte, was die ganze Sache hinter dem Hügel betraf. Etwas neugieriger sah sich die Schwarze um, konnte aber weder Taleesha, noch Isaí irgendwo sehen. Na, dann eben nicht.
Als Sheena etwas sagte, richteten sich die großen Ohren der kleinen Fähe wieder in ihre Richtung, und sie wirkte für einen Herzschlag sehr konzentriert, als müsste sie alle Sinne auf ihre Mutter richten, um zu verstehen, was diese meinte. Und damit lag man vielleicht gar nicht so falsch; in letzter Zeit fiel es Linalee tatsächlich schwerer, sich zu konzentrieren. Ihre Gedanken schienen auf ganz anderen Bahnen zu laufen, als früher, viel zerstreuter, viel unruhiger. Das konnte doch nicht alles an Maliks Unglück liegen?
Malik. Wieder sah sie zu ihm, um zu sehen, wie er auf Sheenas Vorschlag reagierte. Aber Malik sah nur in den Himmel. Linalee, der langsam eine Idee gekommen war, versuchte, sich an ihren losen Gedanken ein Beispiel zu nehmen. Mit ein bisschen mehr Mut wäre es bestimmt viel leichter, den Weißen anzusprechen! Sie sammelte sich, folgte dem schwarzen Blick nach oben und gab sich schließlich einen Ruck.
“W-wenn wir da reingehen s-sehen wir die Sterne gar nicht mehr“, murmelte sie, laut genug, dass beide Verwandte sie verstehen würde. Fragend und schüchtern sah sie zu ihrem Bruder. “Ge-glaubst du, d-die merken das? Dass… dass wir sie nicht mehr ansehen?“
Oh, nicht gut. Bei einer Ja oder Nein Frage konnte der stumme Malik immer noch einfach Nicken oder den Kopf schütteln. Linalee ärgerte sich ein bisschen, dass sie ein paar Worte für so einen Fehlschlag verbraucht hatte, und zwang sich, noch irgendwas anderes zu sagen. Warum konnte ihr Mundwerk nicht so lose wie ihre Gedankenströme sein?
“Wie viele… wie viele Sterne gibt es, Malik? D-du guckst so oft da hoch. Ste-…stehen sie immer gleich?“ Sie wandte den Kopf zu Sheena, in ihren Augen lag sogar ein Hauch von Verzweiflung. Sie plapperte – wie unähnlich ihr das sah, und wie komisch es sich anfühlte! Aber man musste Malik wieder zum Sprechen bringen. Und er mochte den Nachthimmel, das wusste sie. Das wussten doch alle. “He-hören die St-sterne auf zu l-leuchten, wenn sie m-merken, dass… d-dass niemand ihnen zusieht, Mami?“
. . .
07.10.2013, 20:28
Die Schwarz-weiße hatte sich mal wieder an die Pfoten der Alphatiere geheftet. Und hatte zu Aszrem aufgeschlossen. Der Name des Schwarzen erinnerte sie immer wieder an Ansem, was sie wiederum an ihre toten Schwestern erinnerte und jedes Mal ziemlich verbittern ließ. Sie wusste nicht so genau, warum sie zu dem älteren aufgeschlossen hatte, schließlich hatte sie noch nicht einmal den Hauch einer Ahnung, worüber sie mit ihm reden sollte, vor allem solange Tyraleen vor ihr ging. So würde sie auch wieder aufpassen müssen, was sie ihm erzählte. Aber nebenbei würde sie auch auf das Gespräch, dass sie scheinbar mit ihrer Schwester hielt verfolgen können und so mehr über dieses verdammte Rudel herausfinden können, das ziemlich läufig war, soweit sie es mitbekommen hatte. Aber Welpen waren jetzt natürlich durchaus unpraktisch. Invidia verspürte jedoch nach alledem kein wirkliches Bedürfnis, natürlich lag es in der Natur eines jeden Wolfes sich reproduzieren zu wollen, aber die Fähe hatte sich durchaus im Griff und konnte sich zusammenreißen. Aber vielleicht würde sie ja Aszrem doch ein wenig umwerben können, einfach so zum Spaß. Vielleicht würde sie dann doch auch so einiges herausbekommen, was sie noch nicht wusste. Sei es über das Rudel, den ganzen Werdegang oder sonst irgendetwas. Jedes kleine Detail würde ihr irgendwann einmal nützlich sein können, egal wie winzig und unscheinbar es war. Ein Schauspieler musste alles über seine Rolle wissen, um sie auch glaubwürdig rüberbringen zu können.
Aszrem hatte sie erreicht, kurz nachdem dieser sich an das Rudel gewandt hatte. Auf Invidias Lefzen lag ein Lächeln, das wirklich schön aussah. Sie war ja schließlich auch keine hässliche Fähe. Sie war etwas ganz besonderes. Und das wusste sie auch. Und sie wusste auch, wie sie damit umgehen musste, um das zu bekommen, was sie wollte. Sie wollte nicht Aszrem. Sie wollte nur sein Vertrauen und schließlich Informationen haben. Sobald sie das hatte, würde ihr auch egal sein, was er danach über sie dachte. Aber Invidia würde bekommen, was sie wollte. Sie bekam immer, was sie wollte.
“Gut gebrüllt, Löwe.“ sagte sie mit zwinkerndem Auge. “Na, glaubst du, der Weg durch die Höhle wird endlich einmal ohne irgendwelche Zwischenfälle verlaufen? Also, ich liebe ja die Gefahr, aber irgendwann reicht es ja wirklich und man wünscht sich endlich mal ein wenig Ruhe in seinem Leben, oder etwa nicht?“
08.10.2013, 09:23
Der Leitwolf wandte sich um, als jemand zu ihnen aufschloss. Wie eine Wolke schob sich die Witterung der Fähe vor ihr her, süß und verführerisch für jede Rüdennase. Aszrem erblickte schwarzes Fell und für einen kurzen, aber intensiven Augenblick sah er Nyota auf sich zu kommen, das Lächeln herausfordernd und die Augen glühend, wie es dereinst vor zwei Jahren gewesen war. Aber diese Augen waren keine glühenden Sonnen, sondern tiefblaue, eiskalte Seen. Die Illusion zerplatzte, und Amáya trat an ihm vorbei zu Tyraleen. Aszrem wandte den Kopf zur anderen Seite, um seine Gedanken zu klären, was nicht ganz einfach war bei zwei läufigen Fähen in seiner unmittelbaren Nähe. Es half, dass er kein wirkliches Interesse an ihnen hegte, aber das änderte nichts daran, dass sein Körper ihn immer wieder daran erinnerte, dass er zwar alt wurde, aber nicht ZU alt…
Seine Lefzen zuckte einen kurzen Moment lang, verärgert über diese Ablenkungen, die momentan niemand im Rudel gebrauchen konnte. Sie hatten einen beschwerlichen Weg vor sich, der sich nunmal nicht von alleine ging, fliegende Helfer hin oder her.
Manchmal argwöhnte er jedoch, dass sich die Fähen einen Spass daraus machten die Köpfe aller Rüden zu verdrehen – warum sonst wohl schloss wohl noch eine verlockende Duftwolke zu ihnen auf? Eine, die es diesmal tatsächlich auf ihn statt auf Tyraleen abgesehen hatte. Aszrem warf Invidia einen kurzen Blick zu und konzentrierte sich dann wieder auf die Dunkelheit vor ihm, während er es der Schwarzweißen überließ, ihr Anliegen vorzutragen. Derweil senkte auch er die Nase zum Boden, witternd nach den fremden Wolfsfährten, über die Tyraleen und Amaya sich unterhielten. Er hatte sie vorher nicht wahrgenommen – aber wie auch, mit all den Lockstoffen der Fähen in der Luft?
„Löwe?“,
wandte er sich anschließend fragend an Invidia. Aszrem war weit herum gekommen, aber das Wort ‚Löwe‘ sagte ihm nichts.
„Aufregung genießt man besser in Maßen. Alles darüber hinaus können wir derzeit nicht gebrauchen“,
erwiderte er anschließend schlicht.
[Rudelspitze | Invidia, nahebei Tyraleen und Amáya]
08.10.2013, 11:26
“Vermisst du ihn auch manchmal?“,
fragte sie jetzt mit gedämpfter, ein wenig rauer Stimme. ‘Manchmal‘ war zwar untertrieben, aber schon die Bestätigung dieser schwächeren Form der Sehnsucht nach dem Wolf, der sich so selten um sie gekümmert hatte, würde Tyraleen erstaunen. Aus irgendeinem Grund hatte sie erwartete, dass sich Averic und Amáya im Bezug auf Acollon sehr viel näher waren, als Amáya und sie. Diese Ablenkung, die diese Gedanken mit sich brachten, ebenso wie die entspannte Reaktion ihrer Schwester beruhigten auch ihre aufkommenden Sorgen wegen des fremden Rudels, das vor langer Zeit schwache Duftmarken hinterlassen hatte. Es gab wirklich keinen Grund, sich darüber Gedanken zu machen … also ließ Tyraleen jede Überlegung über mögliche Absichten dieser fremden Wölfe fallen und konzentrierte sich lieber auf die Antwort ihrer Schwester. Mittlerweile konnte sie ihre Reaktion nicht mehr erkennen - das störte allerdings nicht sonderlich, denn der reine Wortlaut ihrer Antwort ließ schon genug Gedanken aufkommen. Sie hatte also tatsächlich ein längeres Gespräch mit Chivan geführt und auf irgendeine Art und Weise hatte er dabei Zugang zu ihr gefunden; genug, um ihr helfen zu können. Ja, das passte zu dem bunten Rüden. Er war einfühlsam und ein guter Zuhörer, stets bestrebt zu helfen. Was Tyraleen dagegen mehr erstaunte, war die Aussage, dass Amáya versuchte, ihr Leben in den Griff zu bekommen. So halt- und richtungslos war ihr das Leben ihrer Schwester nie vorgekommen … allerdings wusste sie auch nicht gerade viel darüber. Zu gerne wäre sie bei diesem Gespräch dabei gewesen.
“Wobei hat er dir geholfen?“
Sie stellte die Frage einfach in den Raum, ohne mit einer wirklichen Antwort zu rechnen. Amáya hatte ihr selten Antworten auf die wirklich interessanten Fragen gegeben … was bei ihrer kühlen, verschlossenen Art vermutlich nicht weiter verwunderlich war. Aber jetzt hatte sie das Gespräch mit Tyraleen gesucht, also gab es für die Weiße keinen Grund, ihr Interesse zurückzuhalten. Auf Chivan ging sie nicht weiter ein, sie schätzte den Rüden, aber ganz sicher war sie ihm gegenüber nicht. Von den unruhigen Gedanken ihrer Schwester bekam sie nichts mit, war nur erstaunt, als Amáya einen - in ihren Augen - rasanten Themenwechsel hinlegte. Zunächst verstand sie auch gar nicht, was Urion nun mit der momentanen Gesamtsituation zu tun hatte, fand dann aber die Abbiegung zu ihm als Vater Krolocks, der nun wiederrum eine ganze Bagage an Aufpassern hinter sich her zog. Für sie sprach das vor allem dafür, dass sie Banshees Weg folgte und ein verlorenes Kind wie Amáya oder Krolock nicht verstieß, sondern versuchte, ihm zu helfen. Und wenn sie nun zur Seite blickte und in der Dunkelheit die Umrisse ihrer einst von so vielen verachteten Schwester sah, so sah sie vor allem, dass Banshee Recht behalten hatte. Amáya war nicht so verloren, wie es den Anschein gehabt hatte.
“Nicht ganz in der selben … was du und ich getan haben, konnte nur Banshee wirklich verzeihen. Ich glaube, ich hätte Krolock in Wut und Verständnislosigkeit vertrieben, hätte er Malik getötet.“ Ja, das hätte sie. Dafür war ihr dieser Wolf viel zu widerwärtig, um eine solche Tat verzeihen zu können. “Aber ich bin froh, dass sich die Geschichte auf diese Art und Weise wiederholt. Es wird immer Wölfe geben, die wüten und Unruhe stiften und dass ich mit ihnen umgehe wie unsere Mutter es getan hat … erleichtert mich.“
Ja, Erleichterung war tatsächlich das richtige Wort. Von dieser Erkenntnis ein wenig aufgeheitert, erschien sogar wieder ein Lächeln auf ihren Lefzen, das leider von der Dunkelheit verschluckt wurde. Es blieb auch noch, als Sheenas Ruf von Eingang der Höhle erklang und sie ankündigte, die Nachhut zu bilden - wie gut, dass sie sich auf die Weiße verlassen konnte, gerade nach der angespannten Situation um Malik. Das Lächeln verblasste erst wieder, als sich Invidia an Aszrems Seite gesellte und ihre schneidende Stimme von Gefahr und Zwischenfällen sprach. Tyraleens Abneigung gegen die Schwarz-Weiße wallte wieder auf und gerne hätte sie den Kopf zu ihr gewandt und sie aufgefordert, sich Ruhe fernab des Rudels zu suchen, aber natürlich tat sie das nicht. Aszrem konnte alleine antworten und gewiss besser, als sie. Aszrem fand fast immer die richtigen Worte.
08.10.2013, 16:00
“Ja Löwe. Keine Ahnung, was das ist. Ich habe das irgendwann auf meinen Reisen mal aufgeschnappt. Hörte sich ganz witzig an, finde ich.“
Oh Gott, hoffentlich ging der Schwarze da nicht weiter drauf ein. Invidia hatte wirklich keine Ahnung, was ein Löwe war. Und eigentlich war auch die Begründung. . . ziemlich. . . naja, sagen wir mal dürftig. Aber vielleicht würde der alte Leitwolf darüber hinwegsehen. Mal abgesehen davon, dass er nicht so amüsiert darüber war, dass Invidia nun bei ihm war. Genauso wenig wie Tyraleen. Diese schien eine herbe Abneigung gegen die Schwarzweiße zu hegen. Wieso mussten diese Wölfe auch so feinfühlig sein? Normalerweise wurde ihr nicht so schnell misstraut. Aber naja, sie würde schon noch irgendeinen Weg finden. Wenn sie sich vielleicht ein wenig im Hintergrund hielt und ein wenig auf liebes Mädchen machte!? Naja, so überzeugt war sie davon nicht. Aber wenn sie ihre so schadenfreudige Seite nicht so oft durchblitzen ließ, würde sich das vielleicht alles besser entwickeln als im Moment. Das war zwar eine ziemlich langweilige Rolle. Aber manchmal mussten Schauspieler auch diese übernehmen.
“Ja, die Spannungen im Moment scheinen ziemlich groß. Das kann man sogar als weiter außenstehender wahrnehmen. Aber vielleicht wird die Reise ja doch ein wenig ruhiger. Eine Pause von diesen Adrenalintreibenden Turbulenzen scheinen alle endlich einmal brauchen zu können. Geht es in eurem Rudel immer so zu sich, oder kommt im Moment einfach nur alles Schlag auf Schlag?“
Invidia klang interessiert und ziemlich ruhig. Es sollte nicht zu aufdringlich wirken, denn ansonsten würde sie keine Antworten bekommen. Ansonsten würde sie als zu neugierig abgestempelt werden. Und dann wäre Aszrem ziemlich schnell genervt, jedenfalls würde sie das so logisch schlussfolgern. Außerdem musste sie aufpassen, wie sie sich verhielt, denn Tyraleen vor ihr, würde sich auch schnell mal einschalten können, wenn ihr das alles hier zu weit ging. Invidia musste also doppelt aufpassen. Man machte es ihr aber auch nicht durchaus einfach.
08.10.2013, 16:43
Averic regte keine Miene ob Chivans Antwort, dennoch ruhte sein dunkler Blick weiterhin fest auf ihm, um deutlich zu machen, dass er auch weiterhin zuhören würde, wenn sich der Helle dazu entschloss weiter zu reden. Wenn er es besser fände Angst vor der Dunkelheit zu haben, was war dann das andere? Das, was nach Chivans Definition wohl schlimmer war als Angst vor der Dunkelheit? Averic hätte weiter darüber nachdenken können und ihm lag eine durchaus provokante, gleichzeitig aber auch warnende Gegenfrage auf der Zunge, doch in diesem Moment gesellte sich ein weiterer Wolf ungefragt zu ihnen. Der große Hüne wandte den Kopf etwas seitlich, um Samirez kurz zu mustern. Alles, was er über den Weißen wusste war, dass er ständig bei Ahkuna hockte. Allerdings glänzte Averic generell nicht damit, sich für besonders viele Rudelmitglieder zu interessieren. Genauer gesagt empfand er nicht, dass es viele von ihnen wert waren, sich für sie zu interessieren.
„Ich gehe von noch mehr Gestein, Fels, Wald und Ebenen aus.“,
entgegnete Averic trocken. Vermutlich stellten sich die meisten von ihnen einen Ort voller Schrecken vor, wenn sie an das Tal der Raben dachten. Im Kopf des Fenrissohns war es stets nur ein leeres, ödes Tal voller schroffer Klippen gewesen, denn in Träumen über seinen Gott hatte ihn immer eine solche Atmosphäre umgeben. Yjel hatte ihm jedoch den Eindruck vermittelt, dass auch das Tal der Raben nicht ungewöhnlicher wirkte, als andere Täler. Und im Prinzip war das nicht weiter verwunderlich, sondern nachvollziehbar. Leben und Tod wurden oft mit Metaphern gemalt, die in den Köpfen irgend welcher sterblichen Kreaturen entstanden waren. Sie hatten nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Das Tal der Raben würde wie das Tal der Sternenwinde äußerlich unscheinbar sein und seine wahre Natur für das unsehende Auge verstecken.
Als sich Chivan zu Wort meldete, blickte Averic wieder nach vorne in die Dunkelheit. Mit den Ohren bei dem Hellen, sah der Schwarze einige Momente lang geistesabwesend zu Tyraleen und Amáya hinüber, bevor sich seine Augen wieder auf Chivan richteten. Dessen Worte begleitete ein für ihn seltsamer Geschmack, den er nicht zu deuten wusste. Vielleicht wäre er das besser, ging Averic durch den Kopf. Es wäre mit Sicherheit ein Leichtes gewesen die Bedeutung von Chivans Worten herum zu drehen, und Samirez damit Angst zu machen. So verführerisch der Gedanke auch war, er ließ es bleiben. Denn es könnte sich im unangenehmsten Fall als Wahrheit heraus stellen.
„Acollon wird diesen Weg mehrfach gegangen sein, ohne dass es ihn umgebracht hat.“,
stellte er stattdessen nüchtern fest. Die Dunkelheit hier fühlte sich nicht gefährlich an.
08.10.2013, 20:24
Als sie erklärte, was sie vorhatte – am Ende des Rudels zu bleiben und aufzupassen, dass sie niemanden einbüßten – zuckte zumindest eines seiner Ohren nach vorn und er schnaufte leise. Und wenn sie Krolock verloren? Oder Caylee? Wieder glitt sein Blick zur Seite. Würde nur er es merken, würde er nicht reagieren. Verloren sie sie in der Höhle, verschwand mit ihnen auch die Gefahr für seine Familie. Nach einem sozialeren Kompromiss suchte er gar nicht erst, für ihn erschien das wie die beste Lösung. Wenn die beiden starben, starb auch die Gefahr. Noch war er nicht in der Lage, aktiv etwas zu tun. Aber irgendwann wäre es soweit. Er musste sich nur so lange ruhig verhalten, bis er die Gefahr für seine Familie auslöschen konnte. Es ging ihm nicht um Rache für den Biss, auch wenn er selbst wohl noch zu jung war, um seine Empfindungen und Gedanken hinterfragen zu können. Das was er wollte, war Sicherheit. Absolute, endgültige Sicherheit.
Als sie stehen blieben, wandte er den Blick wieder ab und blinzelte ein paar aufgewirbelte Schneeflocken fort. Der Sturm zerrte gewaltig an seinem Fell, seinen Läufen und ließ Nase und Ohrenspitzen eisig werden. Die Fellsträhnen rund um seinen Fang waren gefroren. Er war trotzdem nicht froh darüber, in die Höhle gehen. Die Finsternis machte ihm Angst und er fürchtete sich davor, nicht mehr alle sehen zu können, die er unbedingt sehen musste. Aber was blieb ihm schon übrig, als sich zu fügen? Dass ihm auch wörtlicher Protest nichts gebracht hätte, hatte er in den letzten Wochen einfach oft genug begriffen. Sie waren ein Rudel. Was der einzelne wollte, interessierte die Gruppe nicht. Das aufgestellte Ohr klappte wieder nach hinten und sein Blick verabschiedete sich noch einmal vom Himmel, von den Sternen. Bis Linalee ihn plötzlich ansprach. Der Kopf des Welpen ruckte zur Seite und sein Blick begegnete ihrem. Etwas regte sich in ihm, in seinen nachtschwarzen Augen. Was hatte seine Schwester mit den Sternen zu schaffen? Es machte ihn wütend, dass sie ihn danach fragte. Nach etwas, auf das er sich selbst Antworten wünschte. Nach etwas, das sie nichts anging. Oder war das ungerecht von ihm? Die Sterne gehörten ihm ja nicht und Linalee hatte ein Recht darauf, sich ebenso zu ihnen hingezogen zu fühlen. Die angespannten Lefzen lösten sich wieder und die Wut wich aus seinem Blick. Sie konnte nichts dafür, wahrscheinlich wollte sie nur mit ihm sprechen. Er schnaufte wieder und wandte sich ab, aber die Schwarze schien noch nicht fertig zu sein. Noch nie hatte sie in seiner Gegenwart so viel geredet. Seine Ohren zuckten, eines stellte sich schließlich wieder auf. Und auch sein Blick traf wieder auf ihren. Doch dann schüttelte er nur den Kopf. Nicht alle Sterne sahen gleich aus. Madocs Stern war rot. Und mal war er da, dann lange nicht. Wenn er da war, sah er ihn immer an einem anderen Ort. Madoc war auch nicht immer da, aber manchmal. Die anderen Sterne wanderten immer mit ihnen zusammen. Und auch sie schienen zusammen die Plätze zu tauschen. Sicherlich war es auch für Sternenwölfe langweilig, immer da zu bleiben, wo man sein sollte.
Nochmal bewegte er den schlanken Kopf hin und her und sah seine Schwester schon nicht mehr an. Die Flanke seiner Mutter berührte er kurz mit der Schnauze, dann sah er wieder zu Caylee hinüber und wartete unruhig darauf, dass sie mit den Anderen in die Höhle ging.
10.10.2013, 08:34
Aszrem ließ die Löwengeschichte wortlos auf sich beruhen, da Invidia offenbar selbst nicht ganz gewusst hatte, wovon sie da sprach und daher auch jede weitere Frage dazu unbeantwortet bleiben musste.
Auch Invidia ließ das Thema sogleich fallen und stellte stattdessen Fragen zur Rudelgeschichte. Der Schwarzbraune nahm sich einen Moment Zeit, seine Worte abzuwegen. Erstens stand ihm beileibe nicht der Sinn danach, eine lange Erzählung zu beginnen, und zweitens wog er ab, wieviel er dieser Fähe erzählen wollte. Tyraleen und er hatte sich bereits über die Schwarzweiße verständigt und waren sich einig darin gewesen, dass ihnen diese Engaya-Gesandte seltsam vorkam. Andererseits schien es auch keinen direkten Grund zu geben ihr zu misstrauen, erst Recht wenn sie wirklich von Engaya geschickt worden war. Aber genau das war der Punkt, nicht wahr? Aszrem bedauerte sehr, dass es bereits zu dunkel um sie herum geworden war, als dass er Invidias Mimik erkannt hätte. Zu gern hätte sie beobachtet um zu sehen, ob ihre Worte und Tonfall auch mit ihrem Gesichtsausdruck übereinstimmte.
"Die Ranz sorgt immer für Spannungen, und diesmal insbesondere, da wir einander nicht aus dem Weg gehen können, um Konflikte zu vermeiden. Ich hoffe sehr, dass sich alle genug im Griff haben um diese Zeit ohne Kämpfe hinter uns zu bringen. Was die restlichen 'Turbulenzen' angeht, so hatten wir früher schon Schicksalsschläge zu erdulden, aber es gab immer auch gute, ruhigere Zeiten",
erwiderte er schließlich, ließ das Gespräch aber gerade lange genug ruhen, um anschließend eine Gegenfrage zu stellen.
"Tyraleen hat mir erzählt, dass du eine Gesandte Engayas bist. Ist es also der Wille der Göttin, dass du uns begleitest, oder ist es dein eigener Wunsch?"
Es klang neugierig. Und es war durchaus Absicht, dass er nicht fragte, ob sie die Frage 'gestattete'.
[Rudelspitze | Invidia, nahebei Tyraleen und Amáya]
10.10.2013, 14:14
“Hey, Glückwunsch, du hast uns wiedergefunden! Das heißt, du hast dieses Problem ganz alleine gelöst, Ci, du bist ja ein richtiger Held!“ Ihr letzter Kommentar war natürlich ironisch gemeint, aber sie hatte nur wenig Spott in ihre Stimme gelegt.
Mit einem entnervenden Gegacker näherte sich nach ihren Worten leider noch eine Gestalt. Eigentlich mochte Caylee Daylight ganz gerne … also für ihre Verhältnisse eben. Aber dieser komische Vogel auf ihrem Rücken war wirklich ein Nervbolzen. Die ganze Zeit gab er diese keckernden Töne von sich und wirkte dabei immer noch so aufgedreht, als hätte er an einigen Wurzeln geknabbert. Deshalb traf ihn nun ein wenig freundlicher Blick von der Weißen, der erst entspannter wurde, als Daylight ihr neues Anhängsel fortschickte. Sie verfolgte seinen Flug mit den Augen, verdrehte dann eben diese und sah wieder zu ihrer Tante.
“Was findest du nur an diesem Haufen gackernder Federn? Eine Nervensäge ersten Grades, da können nicht einmal die Welpen mithalten.“
Sie hatte ihr zwar eine Frage gestellt, aber so richtig interessiert war sie an der Antwort nicht. Daylight war so ein sonniges Gemüt, dass sie vermutlich gar nichts nerven konnte. Vielleicht hatte sie auch deshalb ein paar kleine Sympathiepunkte bei ihrer Nichte - sie ließ sich von ihren oftmals nicht wirklich freundlichen Worten selten aus der Ruhe und entspannten Fröhlichkeit bringen. Diese lag jetzt aber genauso wenig im Interessensbereich Caylees, ihr Blick hatte sich längst wieder auf Ciradan gelegt, der ein bisschen verwirrt schien. Ja, so ein komischer Vogel konnte einen schon mal aus dem Konzept bringen, was vermutlich auch der Grund war, warum Ci auch nicht auf Daylights Frage antwortete, sondern lieber selbst fragte.
“Wir müssen in diesen Berg rein und hoffen, dass wir auf der anderen Seite wieder rauskommen.“ Sie machte ein unzufriedenes Gesicht, sie konnte sich schöneres vorstellen, als mit dem Rudel auf engstem Raum durch die Dunkelheit zu latschen. “Und ich glaube, wir sollten uns ein bisschen beeilen, Sheena macht schon wieder Stress. Komm, steh auf, oder müssen wir dich mitschleifen?“
Sie grinste den Grauen keck an und schnappte wieder nach seinem Ohr, an dem sie diesmal länger zog und keine Anstalten machte, es wieder loszulassen.
10.10.2013, 18:27
“Ich hoffe, die ruhigen Zeiten kommen bald wieder für euch, auch wenn diese Reise anstrengend sein wird.“
Sie meinte das ernst. Naja, eigentlich nicht, aber es hörte sich auf jeden Fall so an. Ihre Stimme war für den Moment sehr sanft. Nicht aufsässig. Es war, als wäre die schwarzweiße ganz normal. Als hätte sie niemals die Alpha angeknurrt. Als würde sie hier irgendwie dazugehören, nachdem sie frisch dazugekommen war. Jetzt blieb nur noch abzuwarten, ob man ihr das ganze auch wirklich abkaufte. Umso mehr erfreute die Fähe die Frage von Aszrem. Anscheinend hatte er sich schon mit Tyraleen ausgetauscht, über das Gespräch, dass sie unter den Bäumen geführt hatten. Dieses Gespräch, das total unter Spannungen gestanden hatte. Und Invidia doch so viel Spaß bereitet hatte. Sie erinnerte sich daran zurück, was sie der Weißen an diesem Tag erzählt hatte, um sich nicht in irgendwelche Stränge zu verzwicken und jedem etwas unterschiedliches zu erzählen. Denn das wäre ihr Aus gewesen. Sie ließ eine kleine Kunstpause, bevor sie auf die Frage des Rüden antwortete.
“Ja, das hat sie dir richtig erzählt. Ich soll die Tochter des Lebens vor einem schweren Schicksalsschlag bewahren. Doch dafür muss ich diese zunächst einmal finden. Engaya hat mir keine Hinweise gegeben, wie ich sie finden oder erkennen kann. Aber sie meinte, dass ich das Richtige tun würde, wenn es an der Zeit war. Und nachdem ich Ewigkeiten alleine unterwegs war, war euer Rudel der erste Hinweis, den ich erhalten konnte. Deswegen denke ich, dass mich euch anzuschließen der richtige Weg ist. Denn der Wunsch Engayas ist auch mein Wunsch.“
Sie endete. Die Neugier des Altwolfes überraschte die Todsünde ein wenig, hatte sie doch vor allem mit einer solchen Frage gar nicht gerechnet. Doch nun war sie auf seine Reaktion gespannt. Hatte sie richtig geantwortet?
10.10.2013, 21:55
Chardím versuchte sich auf das Gefühl in seinen Ohren zu konzentrieren. Oder besser - wieder Gefühl in seine Ohren zu bekommen. Momentan hatte er nämlich eher das Gefühl, sie sprängen in tausende Eissplitter, stößen sie gegen irgendetwas Hartes.
Wahrscheinlich hatte das Blut einfach angefangen langsamer zu fließen in ihnen und würde irgendwann gänzlich aufhören. Das Ohren aber auch derartig weit vom Kopf abstehen mussten! Natürlich froren sie dann ein, schließlich waren sie nicht halb so buschig wie seine schwarz-weiß gemusterte Rute.
Der junge Rüde blickte um sich auf die anderen Wölfe seiner Familie. Vor einiger Zeit hatten die beiden Vögel, welche sich ihnen vor einigen Wochen in den Wäldern angeschlossen hatten, berichtet sie hätten einen Tunnel durch die Bergkette gefunden. Daraufhin hatte seine Mutter nicht lange überlegt und führte das Rudel nun den ganzen Berg weiter hinauf.
Ein weiterer eisiger Windstoß kam auf und der zweigeteilte Wolf drückte seine Ohren in den Nacken – stapfte weiter den Berg hinauf.
Mit Freude hatte Chardím die Worte der Alphatiere vernommen. Das stumpfe hinter einander her Tapsen tat keinem der Wölfe gut und der Wind bließ mittlerweile so eisig, dass er tatsächlich um ihrer aller Ohren bangte.
Froh um die Abwechslung ertastete er den felsigen Untergrund unter seinen Ballen – der erste Schritt in die Höhle, welche schon jetzt Dunkelheit versprach.
Der Schwarz-Weiße war relativ mittig gelaufen, hatte kaum auf sein Tempo geachtet. Vor und hinter ihm hörte er das leise Wispern der anderen Wölfe. Linalee hatte er bei ihrem Bruder gesehen, wo er sie sicher wähnte. Sein Patenkind hatte sich in den zwei Wochen erstaunlich verändert. Ihre Läufe waren kräftiger geworden, ihr Pelz schwärzer und in ihr eines Auge hatte begonnen sich grün zu färben. Die Farbe ihres Vaters war wie von oben herunter gelaufen und füllte jetzt die Hälfte des Auges, vermischte sich mit dem warmen gelb und erinnerte ihn immer wieder an seinen eigenen Paten.
Sie sprach noch seltener als sowieso schon seit dem Geschehnis mit Malik, so als wolle sie ihrem Bruder Gesellschaft leisten in seiner eigenen Stummheit. Er selbst hatte nicht so recht zu deuten gewusst was die Götter ihnen mit dieser Tat hatten sagen wollen. Dass die beiden Jungwölfe den Welpen überfallen hatten, beinahe ums Leben brachten … Es war ihm noch ein Rätsel. Und trotzdem gab er niemandem die Schuld an dem Vorkommiss. Es war so gewollt gewesen und obwohl er ungern einen Welpen so verletzt sah, kam kein Wort des Beileids über seine Lefzen. Auch wenn es ihn schmerzte die Welpen so verstört zu sehen – alles hatte seinen Grund.
Aus irgendeinem Grund hatte Chardím seine Schritte beschleunigt und fand sich nun direkt hinter seiner grauen Schwester wieder.
Er schloss endgültig zu Amúr auf und streifte sie dabei, um sich anzukündigen und sie gleichzeitig zu begrüßen.
„Es kommt einem vor als sei hier drinnen plötzlich der Frühling angebrochen.“
er redete nach vorne und wandte den Blick seiner wabernden Augen erst nachdem er abgeschlossen hatte zu ihr. Er und die Stille hatten kaum je miteinander gesprochen, teilten nur wenig – aber wieso diesen Zustand nicht ändern? Sie war ihm nicht groß negativ aufgefallen und Familienbande zu pflegen konnte eigentlich nie schlecht sein.
11.10.2013, 11:30
Daylight schenkte ihrem geflügelten Freund ein flüchtiges Lächeln und lauschte dem vertrauten, immer leiser werdenden Wicka-Wicka-Wicka, als der Vogel sich von ihr entfernte. Kurz ertappte sie sich bei dem Wunsch, dass sie ihm so liebend gern folgen würde, weit fort von dem unheilverkündenden schwarzen Loch in dem der Großteil ihrer Rudelgefährten bereits verschwunden war, fort von zwei komplizierten Jungwölfen, von denen der eine immer noch keinerlei Anstalten gemacht hatte aufzustehen, fort von all dem. Wenn auch nur für den Moment, zurück zu Amir, vielleicht – Sie schüttelte heftig den Kopf um ihn von der derlei Gedanken zu befreien – nichts als Hirngespinste, Daylight. Konzentier dich auf's Wesentliche – und richtete ihr volle Aufmerksamkeit auf Ciradan, der immer noch auf dem Boden kauerte.
„Kannst du laufen?“, es klang eine Spur harscher als beabsichtigt und Daylight zwang sich einen Moment die Augen zu schließen und tief- ein und auszuatmen, ehe sie in einem ruhigeren Ton fortfuhr, „Wenn ja, kann ich dich stützen und wir bitten Tyraleen um eine Pause, sobald wir die Höhle durchquert haben.“
Wenn nein, dann...hast du auch keine Ahnung, Daylight. Sie musterte Ciradan eindringlich mit ernstem Gesichtsausdruck und verengte sogleich die Augen, als sich Caylee wieder zu Wort meldete. An jedem anderen Tag hätte sie die gehässige Bemerkung der Jungwölfin mit einem geduldigen Lächeln abgetan, aber nicht heute – sie zog die Lefzen hoch, zu alles anderen als einem Lächeln.
„Diesem Haufen gackernder Federn ist es zu verdanken, dass wir in so kurzer Zeit überhaupt so weit gekommen sind“, knurre sie und starrte ihrer Nichte dabei geradewegs in ihre Sternenaugen. „Du tätest gut daran etwas Respekt zu zeigen, Caylee.“
Wow, Daylight, Averic würde dir jetzt gratulieren. Oder die Kehle aufreißen, dafür, wie sie mit seinen Töchtern umsprang. Daylight dachte an Atalya und wünschte sich Kisha her, als sie dann mit einem knappen Nicken Caylees Erklärung beipflichtete und sich suchend nach Sheena umschaute, die sich tatsächlich gemeinsam mit Linalee und Malik in einiger Entfernung am Höhleneingang postiert hatte und offenbar ebenfalls darauf wartete das Schlusslicht bilden zu können. Daylight warf ihr einen kurzen Blick zu und wandte sich an Ciradan.
„Steh auf. Wir dürfen keine Zeit verlieren. Sobald Tarakarax zurückgekehrt ist gehen wir los“, entgegnete sie ungeduldig und hielt Ausschau nach dem Geflügelten. Sie wäre jetzt wirklich gerne bei Kisha – sie sehnte sich nach etwas guter Laune, etwas Beistand, etwas, das das brodelnde Feuer in ihr dämmte, aber das konnten sie wohl alle gebrauchen.
(bei Caylee und Ciradan, Höhleneingang, Sheena, Linalee und Malik in unmittelbarer Nähe)
11.10.2013, 16:35
„Das glaube ich auch.“, stimmte er ihm zu und blickte dann wieder nach vorne.
Die Dunkelheit der Höhle hatte ihn letztendlich dazu gebracht, doch an die Geschichte Krolocks zurückzudenken. Er war das erste Mal in solch einer echten Höhle, was ihm das, was er sich damals nicht wirklich hatte vorstellen konnte, erstaunlich lebendiger näher brachte. Er glaubte nicht, dass sie bei all den Höhlen, die es auf dieser Welt gab, ausgerechnet diese eine erwischt hatten, aber die Atmosphäre gefiel ihm, um die Geschichte weiterzugeben. Außerdem lenkte sie nicht nur ihn sondern auch Chanuka ab, wie er hoffte. Das Schweigen, welches kurz darauf zwischen ihnen eintrat, gab ihm diesbezüglich ein gutes Gefühl, ehe der Ältere darauf zu sprechen kam, dass diese Höhle nicht ganz der in der Erzählung gleich kam. Ein kurzes Lächeln huschte über seine Züge, doch sein Blick blieb sturr geradeaus gerichtet, jetzt, wo jegliches Licht hinter ihnen lag.
„Wir wissen ja nicht, was uns weiter unten erwartet.“, gab er geheimnisvoll zu bedenken, doch seine Stimme klang viel zu gefasst, als dass man ihm abgekauft hätte, dass er das wirklich befürchtete. Schließlich kam er der Aufforderung nach, die Geschichte weiterzuerzählen.
„Nunja. Jeder Wolf fürchtete die Höhle, die Kälte und natürlich das Böse, was darin hausen sollte. Irgendwann aber war ein junger Wolf mutig genug, sie zu betreten. Er wagte sich tief hinein, bis Fenris' Finsternis selbst ihn verschlang und erst am nächsten Morgen wieder gehen ließ. Ohne, dass er es bemerkt hatte, hatte er das Böse aus der Dunkelheit befreit und in die Welt hinausgetragen. Bei seinem Rudel angekommen, erzählte er, dass es in der Höhle nichts gegeben hatte, was er gefürchtet hatte. Er fühlte sich gut, weil er so mutig gewesen war und die Angst, die er eigentlich gehabt hatte, verschwieg er geflissentlich. Ein paar Tage später aber hatte er einen schrecklichen Albtraum, der so finster, kalt und angsteinflößend wie die Höhle selbst gewesen war. Selbst, als er wieder daraus erwachte, ließ ihn von da an die Furcht nicht mehr los. Selbst sein Bruder schaffte es nicht, die Angst zu vertreiben. Und mit der Zeit verstand er, dass nicht umsonst alle Wölfe diese Höhle gefürchtet hatten. Doch das, was es zu fürchten gegeben hatte, war nun bei ihm und brachte sein Herz zum Frieren.“
Abermals legte er eine gewichtige Pause an und versuchte sich darin, die Geschichte ähnlich schaurig zu betonen, wie es Krolock gelungen war.
11.10.2013, 18:27
Sie fühlte sich seltsam in ihrem eigenen Pelz, ein Gefühl, dass sie nicht sonderlich oft heimsuchte. Dieses ganze Gespräch war einfach seltsam, oder lag es daran, dass es so untypisch für sie war? Ihr Gesicht spiegelte die Irritation die sie erfüllte, doch sie war sich sicher, dass man mittlerweile kein Mienenspiel mehr erkennen konnte. Auch wenn ihre Augen gut waren, die Finsternis wurde immer dichter. Vielleicht fühlte es sich deshalb so seltsam an, so zu plaudern, weil das einfach nicht Amáya sein konnte. Amáya ging nicht zu ihrer Schwester und sprach sie auf ihren gemeinsamen Vater an und lächelte auf diese ekelhafte Weise. Zumindest bis jetzt nicht. Zugegeben, es hatte ihr einiges an Überwindung gekostet, sich zu der Weißen zu gesellen. Alles in allem konnte es natürlich nicht falsch sein, aber sie konnte dieses leichte Kribbeln auf der Haut nicht bannen. Stattdessen machte sie sich eine Weile lang Gedanken um Tyraleens Frage, aus dessen herausging, dass die Alpha wohl ähnlich empfand wie sie.
"Es hätte vielleicht gut getan, etwas mehr Zeit mit ihm zu verbringen.", stimmte sie ihr leise zu.
Sie hatten einen Vater gehabt, aber war er das nicht nur im Namen gewesen? Amáya hatte nur wenige Erinnerungen an Acollon und diese waren auch mehr aus der Sicht eines Beobachters. Sie wusste nicht, wie es um den ersten Wurf ihrer Eltern gestanden hatte, ob ihr Vater je wirklich nahe zu einem seiner Kinder gestanden hatte... Sie wusste viel zu wenig über ihre Familie, hatte sich doch lange Zeit sogar geweigert, sich als einen Teil davon zu sehen. Die nächste Frage kam von der Seite heran. Etwas nervös zuckten ihre dunkelblauen Augen und sie gab sich wieder etwas Zeit zum Antworten, wobei sie auf das leise Gemurmel der Wölfe hinter ihnen achtete. Natürlich konnte Tyraleen nicht wissen, was sie alles beunruhigt hatte in letzter Zeit. Ihr ganzes Leben war ein großer Misthaufen, den sie selbst geschissen hatte. Düster zog sie leicht die Nase kraus. Nein, das konnte sie ihrer Schwester so nicht auftischen. Schließlich hatte sie selbst ja eine Menge durchmachen müssen. Zwar war Amáya zud er Zeit nicht dagewesen, aber die Ermordung Tascurios muss wohl schwere Einschnitte in dem Vertrauen des Rudels beteutet haben. Sie wollte es gar nicht ausmalen, wie schmerzhaft es sein musste, Einen seines eigenen Blutes zu töten. In Gedanken verweilte sie kurz an dem hellen Jüngling, ihrem kleinen Patensohn, den sie ebenfalls nicht hatte beschützen können. Vielleicht hätte sie ihn mitzerren sollen, als sie feige das Tal damals verlassen hatte.
"Er hat mir etwas Kämpferwillen zurückgegeben. Ich muss mich den Geistern stellen, die mich umschleichen." Dieser bestimmte Geist flüsterte auch, selbst in diesem Moment konnte sie die Stimme hören. Aus der Dunkelheit kamen sie angetrippelt mit kleinen Füßen, schwirrten um ihre Läufe und warfen Fetzen der Worte in ihre Ohren. Sie hoffte, das würde ihrer Schwester als Antwort genügen. Sie hatte bereits oft genug über Mayhem gesprochen und in der Dunkelheit der Höhle wollte sie sie lieber nicht erwähnen, auch wenn sie ohne Frage da war.
"Geschichten wiederholen sich tatsächlich.", nickte Amáya zustimmend, auch wenn etwas abwesend auf die Worte ihrer Schwester. Was Amáya und Tyraleen getan haben? Sie konnte es immer noch nicht ganz akzeptieren, dass ihre Schwester sich in dem Fall auf eine Ebene mit ihr begab. Aber was wusste die Regentochter schon? "Du bist wahrlich ihre Tochter.", meinte sie dann etwas nachdrücklicher als vorhin und hoffte, dass sie damit so bestätigend klang, wie sie es gerne hätte sein wollen. Doch wenn Tyraleen und Daylight die Töchter Banshees waren, wer war sie dann? Zwischen ihrer Mutter und ihr lagen Meilen und auch wenn sie sie geliebt hatte, sie hatte sich trotzdem immer etwas fremd von ihr gefühlt. Acollon vermisste sie zwar, aber sie glaubte nicht, dass es da große Parallelen gab außer Fenris und der Fellfarbe. Sie brütete ein wenig, bis sie die Gedanken verwarf. Sie war die Regentochter und damit sollte sie sich begnügen. Leider schneite es im Winter eher als es regnete und in der Höhle konnte sie wohl noch weniger mit Regenwolken rechnen.
12.10.2013, 12:52
Kisha fühlte sich wie neu geboren, wen sie durch den Schnee sprang, die Flocken packte, die von den Bäumen fielen. Ab und zu hatte sich de dunkle Fähe auch einfach um sich selbst gedreht, um mit ihren Pfoten einen Kreis im Schnee zu hinterlassen. Den hatte sie dann mit einem zufriedenen Grinsen beobachtet, ehe sie weiter gesprungen war. Die zwei Vögel, die sie nun schon seit einiger Zeit begleiteten, hatten ihr Interesse geweckt, der eine schien ziemlich an Daylight zu kleben – so würde sie sicher an sie heran kommen, indem sie einfach Daylight belagerte! Jetzt schien es aber erst einmal in diese Höhle hinein zu gehen, auch wenn Kisha zugeben musste, dass es ihr ein wenig unwohl dabei war. Sie konnte es kaum erwarten, zu sehen, was in der Dunkelheit auf sie wartete, aber trotzdem war sie sich unsicher. Vielleicht ein letzter Funken Verstand. So jedoch ließ sich die dunkle Fähe nicht aufhalten, trabte Mal ein wenig vor – jedoch nie vor Tyraleen – und ließ sich dann etwas zurück fallen, um im nächsten Moment wieder nach vorn zu sprinten. Es war angenehm in der Höhle – kein Wind und kein Schnee. Auch wenn der ihr ehrlich gesagt fehlte. Dennoch zuckten die Ohren der Fähe munter amüsiert durch die kühle Höhlenluft, lauschte den Gesprächsfetzen der Wölfe, an denen sie vorbei sprang. Isaí hatte sie auch kurz bei Chanuka gesehen, jedoch hatte sie die beiden Wölfe nicht stören wollen, war also weiter gelaufen, nach einem Opfer für ihren nächsten Anschlag suchend. Es gab doch sonst immer einen Wolf, der allein war... aber dieses Mal brauchten die braunen Augen einen Moment länger, um den Gesuchten ausfindig zu machen. Aber dann erkannte sie schwarzen Pelz – und niemand war bei ihm! Hah, das war ihre Chance!
Mit einem leisen Auffiepen setzte Kisha einige Sprünge zur Seite, zielte dann genau auf Ayar zu, verfiel mit einem kurzen Stolpern neben ihm dann in sein Tempo und grinste ihm breit entgegen. Ein vielsagender Blick.
„Naaaa? Freust du dich auf ein kleines Abenteuer?!“
Um ihre Worte quasi zu untermalen blickte die Dunkle kurz nach vorn, zuckte mit den Ohren und machte einen kurzen Sprung nach vorn, ehe sie sich wieder der Geschwindigkeit von Ayar anpasste.
„Vielleicht ist am Ende der Höhle ein Paradies oder so!“
Sie lachte bei ihren eigenen Worten, betrachtete dann aber wieder den schwarzen Rüden.
[Höhle - Ayar]
12.10.2013, 18:56
Parveen setze vorsichtig die Pfoten voreinander und versuchte blinzelnd den Weg vor sich zu erkennen. Das Licht des Eingangs war die einzige Lichtquelle und diese verblasste immer mehr in der Ferne. Mit jedem Schritt, mit jedem Meter wurde es dunkler. Bald auch würde dieser Lichtschein verschwinden und das Rudel in Schwärze zurück lassen. Es war nicht ungewohnt für Parveen sich anhand ihrer anderen Sinne zurecht zu finden. Auch in der Nacht war es dunkel, aber am Tag den Weg in ein Steinmassiv zu suchen, war etwas anderes. Sie hatte deswegen keine Sorge plötzlich vor eine Felswand zu laufen, aber trotzdem fühlte sich alles andere als wohl, wenn sie an die Enge des Tunnels dachte. Allerdings blieb ihnen jetzt keine andere Wahl als dies hier. Besser als am Hang des Berges nach einem Übergang zu suchen und in dieser unbekannten Gegend im Schnee umzukommen. Oder Meilenweit einen Umweg zu suchen. Die Schwarze seufzte und lenkte ihre Aufmerksamkeit auf die Wölfe in ihrer Nähe. Spätestens als ihre Nichte sie ansprach, erkannte sie Kursaí. Sie freute sich, dass die jüngere Wölfin den Weg zu ihr gesucht hatte. Sie mochte die freundliche Fähe und auch sie war damals dabei gewesen, als sie die Goldspechte für ihre Reise als Wegbegleiter gewonnen hatten. Genau genommen war es sogar Kursaís Idee gewesen.
"Wölfe gehören nicht unter die Erde… Diese Höhle, nun, ich würde lügen wenn ich sagen würde, dass ich mich hier wohl fühle."
Pav grinste schief und schaute ihre Nichte an. Was hielt sie davon? Auch wenn die Enge und die Finsternis nichts für sie selbst waren, konnte sie sich durchaus vorstellen, dass andere diesen Weg als Abenteuer sahen.
"Das ist die Frage. Wo werden wir wieder Tageslicht sehen und vor allem wann."
Ihre Sorge, dass sie ewig hier festsitzen können, womöglich in eine Sackgasse laufen könnten, ließ sie unausgesprochen. Es reichte schon, wenn sie sich über so etwas Gedanken machte. Aber es war doch unbegründet. Acollon war diesen Weg gegangen und hatte ihn überwunden ohne in dieser Höhle den Ausweg nicht mehr zu finden.
13.10.2013, 01:38
Caylee nahm ihn nicht ernst.
Aber das war nicht schlimm, weil Ciradan es nicht anders gewohnt war. Würde er verblutend vor ihr zusammenbrechen, wäre wohl ihre einzige Sorge dass ihr weißer Pelz nicht beschmutzt wurde.
Jeden anderen würde das kränken, aber Ci war das egal. Ein wenig Aufmerksamkeit war immer noch wertvoller als gar keine. Auf ihren Sarkasmus konnte er nur schief grinsen und seufzen. Ob er ihr von dem Aschewald und seiner Begegnung mit dem schwarzen Wolf erzählen sollte? Irgendwann mal, vielleicht. Jetzt würde sie es ihm eh nicht glauben.
Daylights Stimme erklang wieder. Sie stellte eine Frage, die eigentlich nur eine Antwort zuließ. Das Rudel setzte sein Vorhaben, in den Berg zugehen in die Tat um und niemand hatte Lust, wegen ihm und seinen Wehwehchen eine Pause einzulegen. Was er erlebt hatte galt nicht als Entschuldigung, den gesamten Betrieb aufhalten zu dürfen. Niemand sprach es aus, doch er wusste dass es so war. Das letzte was er wollte war anderen Umstände bereiten, wenn…ja wenn sich das Aufstehen nicht wie ein unmöglicher Kraftakt anfühlte. Er war so müde und wünschte sich eigentlich nur Schlaf. Am liebsten eine Woche lang ohne Pause und danach die Schnauze in den warmen Bauch irgendeiner Hirschkuh stecken und so lange fressen, bis er platzte.
So die Wunschvorstellung. Die Realität war leider einige Grade kühler und weniger geduldig. Ciradan nickte abgehackt in Daylight Richtung.
Er hatte keine andere Wahl, wenn er nicht hier liegen bleiben und das Rudel erneut verlieren wollte. Fast alle Wölfe waren bereits in der Höhle, nur etwas Abseits standen Sheena, Linalee und Malik und schienen bereits auf sie zu warten. Irgendwas war auch an diesem Bild seltsam, aber wieder konnte er nicht greifen, was es war. Caylee bestätigte seine Gedanken jedenfalls. Ci lächelte entschuldigend in Sheenas Richtung und beeilte sich auf die Pfoten zu kommen. Seine Muskeln zitterten unter Protest, hievten ihn aber dann doch nach oben. Wo er dann gleich Zeuge des Wortgefechtes zwischen Caylee und ihrer Tante wurde. Meine Güte, war etwa doch -so- lange weg gewesen? Alles fühlte sich zwar immer noch vertraut an, wie das bei dem eigenem Rudel so üblich war….aber dann war doch wieder alles anders und seltsam. Wie ein See, zugefroren vom Eis das Ci nicht auf den Grund blicken lies. Das schlimmste was passieren konnte war, das die Zickereien der beiden Fähen noch in einem handfesten Streit mündeten. Schwankend, aber bemüht selbständig zu gehen führte er seinen Körper langsam an Caylee vorbei, absichtlich so dass er sich zwischen sie und Daylight schob. Letztere machte aus ihrer Ungeduld auch keinen Hehl mehr, weshalb er sich bemühte keinen Anlass für weiteren Ärger zu geben.
Während sich sein Körper wieder darauf fokussierte, eine Pfote korrekt vor die andere zu setzen, versuchte Ci seine Gedanken zu ordnen. Dieser Federball war offenbar wichtig. Denn er hatte einen Namen und war ihnen auch so eine Hilfe. Caylee mochte ihn nicht, Daylight schon. Warum sie nun durch diese dunkle, enge Höhle mussten begriff Ciradan immer noch nicht, aber er gab es auf danach zu fragen, waren die Gemüter doch schon erhitzt genug. Er wiederholte Daylight Worte in seinem Kopf. Das es eine Pause gab, wenn er nur durch diesen Berg durchkam. Na, im Gegensatz zu den letzten Tagen würde das ja wohl das geringste Problem sein. Ciradan hätte am liebsten leise gelacht, als er spürte dass seine eigenen Motivationsversuche kläglich scheiterten. Kurz vergaßen seine Beine wieder, wie das mit Laufen noch mal ging und er musste einen schnellen Ausfallschritt zur Seite machen, um nicht wieder hinzufallen.
(bei Caylee und Daylight, Höhleneingang, Sheena, Linalee und Malik in unmittelbarer Nähe)
14.10.2013, 09:04
Sheena schätzte die Verfassung ihres Gefährten schon ganz richtig ein. Der lockende Duft der anderen Fähen war allgegenwärtig und alles anderes als unangenehm. Das war mit ein Grund, warum er gerade nicht bei seiner Gefährtin war. Er musste sich keine Sorgen darum machen, dass andere Rüden um Sheena buhlen würden. Gleichzeitig fühlte es sich seltsam befremdlich und falsch an, neben ihr zu laufen uns dem verführerischen Duft naher Fähen nachzuwittern, während der Geruch der Weißen dagegen blass und fade wirkte.
Ein anderer Grund, warum Jakash nicht bei seiner Liebsten weilte - der offizielle Grund, sozusagen - war der, dass er Krolock näher im Auge behalten wollte. Er traute dieser Made nicht weiter, als er spucken konnte: nämlich gar nicht. Und sollte er einem seiner Kinder auch nur ein bisschen zu nahe kommen...
Von weiter vorne erklangen die Rufe Tyraleens und Aszrem vor dem Höhlenschlund. Jakash zögerte einen Moment, dann blieb er stehen um sich nach Sheena und seinen Welpen umzusehen, als schon ihr Heulen erklang. Der Schwarze trat noch ein paar Schritte in das Dunkel der Höhle, dann hielt er jedoch erneut inne und kehrte zum Höhleneingang zurück. Diesen Weg wollte er doch lieber mit seiner Familie durchschreiten um sicherzugehen, dass seine Kinder nicht verloren gingen. Zufrieden stellte er fest, dass Malik und Linalee bei Sheena versammelt waren. Isaí lief weiter vorne mit, wie er wusste, nur von Taleesha erinnerte er sich nicht, bei wem sie gewesen war. Sheena und er würden besondere Aufmerksamkeit darauf legen müssen, ob diese beiden in der Dunkelheit der Höhle noch zu ihnen stoßen würden oder nicht.
Zunächst jedoch gab es Nachzügler - Jakash traute fast seinen Augen nicht, als er bei Caylee und Daylight Ciradan erblickte. Er trat an Sheenas Seite, seine Kinder wie auch seine Gefährtin durch kurze Berührungen mit der Nase grüßend. Derweil kam der Graue langsam wieder auf die Pfoten und versuchte sich dem Höhleneingang zu nähern, während die beiden weißen Fähen sich wegen irgendetwas stritten. Jakash versuchte gar nicht erst, die Situation zu verstehen. Ciradan war wieder da, und er war offenbar total fertig. Mehr gab es da nicht festzustellen.
"Engaya muss dir wahrlich gewogen sein, Ciradan. Wir haben dich für tot gehalten",
stellte er fest, nicht unfreundlich zwar, aber Euphorie brach nun nicht aus ihm heraus. Nun waren schon zwei vermisste wiedergekehrt. Alle außer Madoc. Jakash sah seitlich auf seinen weißen Sohn herab. Armer Malik.
[Höhleneingang | Sheena, Linalee, Malik; nahebei Ciradan, Caylee, Daylight]
14.10.2013, 18:07
Zu gerne wüsste Sheena was in dem Kopf ihrer Babys vorging. Doch sie konnte ihnen nicht in den Kopf schauen. Nur davor. Und beobachten. Die Mimik, ihre Bewegungen, ihre Worte. Und daraus konnte sie Schlüsse ziehen. Aber sie konnte nicht sicher sein, dass das, was sie vermutete, auch wirklich zutraf.
Gerade überlegte sie, was Linalee wohl denken mochte. Ihr schüchternes Lächeln und das knappe Nicken schien unter schwermütigen Gedanken begraben. Es schien sie sehr zu treffen, dass Malik nicht mehr sprach. Auch wenn er natürlich nicht nur mit ihr nicht sprach, sondern mit niemandem. Vielleicht überlegte sie auch, wie es gekommen wäre, wenn sie den Ort des Geschehens nicht verlassen hätte. Hielt sie sich für schuldig an dem Unglück? Hoffentlich nicht. Aber sie wollte das Thema jetzt nicht ansprechen, es war bestimmt schon aufregend genug, dass sie gleich die dunkle Höhle bzw. den Höhlengang betreten würden.
Allerdings kam ihr die Idee, dass sie ihren Welpen davon erzählen konnte, dass auch sie eine lange Zeit geschwiegen hatte.
Doch bevor sie noch zum Sprechen ansetzen konnte, begann Linalee mit zitternder und sehr leiser Stimme zu sprechen. Dabei blickte sie kurz in den Himmel, genau wie Malik es so häufig machte. Zu ihrer Verwunderung hörte Linalee – für ihre Verhältnisse – gar nicht mehr auf zu reden. Sie stellte Malik eine Frage nach der anderen. Sie schien wirklich zu hoffen, dass er ihr antworten würde. Aber Sheena hatte das Gefühl, dass Malik sich auch Linalee zu liebe nicht wörtlich äußern würde. Das tat der weißen Fähe Leid. Für beide. Die letzte Frage galt dann ihr selbst. Sie schreckte ein wenig auf, waren ihre Gedanken doch schon wieder auf anderen Wegen gewesen.
Zärtlich fuhr sie Linalee mit der Zunge über das Fell. „Keine Sorge Linalee. Die Sterne werden auf uns warten und wenn wir wieder aus der Höhle treten genauso schön leuchten wie jetzt auch. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr, um uns eine Freude zu machen!“
Sie lächelte leicht. Irgendwann würde sie ihren Welpen auch die Sternenwinde zeigen können. Irgendwann, wenn wieder Ruhe und Entspannung in das Rudel eingekehrt war.
Währenddessen war ihr Blick zu Malik gehuscht. Erst als sie vorhin zu sprechen begonnen hatte, war sein Blick zu ihr gependelt. Vorher hatte er das Grüppchen um Caylee – oder nur Caylee? – beobachtet. Ein weiteres Indiz? Sie schüttelte kurz den Kopf. Quatsch! Wahrscheinlich blickte er zu ihr, weil er ihr dankbar war, dass sie sich um ihn gekümmert hatte und Krolock davon abgehalten hatte, ihm noch mehr Übel zuzufügen. Aber eigentlich sprach sein Blick andere Bände…
Er blickte wieder zu den Sternen, bis Linalee sprach zumindest. Und wie sie es sich schon gedacht hatte, antwortete er ihr nicht. Er schüttelte nur den Kopf. Kurz war eine Spur der Wut auf seinen Gesichtszügen zu sehen. Was verstimmte ihn so sehr?
Seine kurze Berührung an ihrer Seite, erwiderte sie sogleich sehr zärtlich. Sie fuhr ihm langsam mit der Schnauze über den Kopf und den Rücken entlang. Sein Kopf pendelte schon wieder zu der Gruppierung um Caylee. Daylight und Cirádan waren bei ihr. Wahrscheinlich wartete er – ebenso wie sie – darauf, dass die drei sich in Bewegung setzen würden, damit sie die Nachhut bilden konnten.
„Weißt Du was Malik?“ Sie lächelte Jakash zu, der soeben zu ihnen getreten war und fuhr ihm mit der Zunge über die Schnauze. Wie schön, sie freute sich wirklich sehr, dass er zu seiner Familie kam. Obwohl alle Fähen viel leckerer rochen als sie. „Ich habe, wie Du jetzt, auch einmal eine lange, lange Zeit geschwiegen.“ Den Grund verriet sie nicht. Wenn sie jemand danach fragen würde, würde sie bereitwillig Auskunft geben, aber sie erachtete es in dieser Situation als nicht so wichtig. „Es kann dabei helfen die Gedanken zu sortieren. Es hilft dabei alles intensiver wahrzunehmen…“ Sie stupste den hellen Welpen noch einmal liebevoll an. Er würde schon wissen, was momentan das Beste für ihn war.
Anschließend glitt ihr Blick wieder zu dem Grüppchen, Jakash hatte Cirádan mittlerweile schon angesprochen. Er sah wahrlich nicht gut aus, hoffentlich würde er den langen Marsch durchhalten. Der graue Rüde hatte sich aufgerappelt und sich mit einem entschuldigenden Lächeln an sie gewandt auf den Weg zum Tunneleingang begeben. Dann würden Daylight und Caylee hoffentlich bald folgen. Vermutlich warteten sie auf den Vogel – dessen Namen sie sich einfach nicht merken konnte. Wahrscheinlich war es gar nicht verkehrt, wenn Cirádan knapp vor ihnen laufen würde. Dann konnten sie ihm helfen, konnte sie ihm helfen, wenn er Hilfe benötigte. Schließlich war er - das konnte sie nur sehr zähneknirschend zugeben, denn es traf für Krolock ebenso zu – irgendwo ein Halbbruder für sie. Wenn auch keine Blutsverwandtschaft vorhanden war.
[Am Rande des Tunnels mit Malik, Linalee und Jakash. Nah bei Daylight, Cirádan und Caylee.]
14.10.2013, 20:07
“Hallo Hallo, Daylight 2.0, jetzt neu mit dem ultimativen Erziehungsgen. Ist allerdings noch das Betamodell, muss wohl nochmal getestet werden, ist ein bisschen zu zickig eingestellt.“
Jetzt grinste sie ihrer Tante wieder entgegen, nicht weiter auf die Sache mit dem Vogel eingehend. Immerhin wurde ihr auch nicht gesagt, warum Daylight nun eigentlich nicht von ihm genervt war - denn nerven konnte man sie seit Neuestem offensichtlich ja doch. Sie rechnete allerdings genauso wenig mit einer Antwort darauf wie mit einer entspannten Reaktion auf ihre nicht gerade respektvolles Kontra, weshalb sie sich lieber wieder Ci zuwandte. Daylight hatte ihm auch nicht gerade viel Freundlichkeit oder Geduld entgegengebracht, was Caylee jetzt fast ein wenig Leid tat. Ihr kleiner Freund sah doch reichlich jämmerlich aus und vielleicht brauchte er etwas Zuwendung. Interessanterweise rappelte er sich aber auch ohne sie mühsam auf und schob sich zwischen seine Freundin und deren Tante. Es sah anstrengend aus und sein Schweigen verstärkte diesen Eindruck nur noch. Caylee beschloss - mehr unterbewusst - auch einmal nett zu sein. Wieder haschte ihre Schnauze nach seinem Ohr, diesmal aber auf eine ungewöhnlich sanfte Art und während es wieder aus ihrem Maul glitt, knabberte sie liebevoll daran.
“Du kannst dich an mich lehnen, ich stütz dich.“
Das hatte sie relativ leise gesagt, musste ja niemand sonst mitbekommen - erst Recht nicht der Sheena-Familienhaufen, an dem sie nun vorbeizogen. Jakash, den sie erst jetzt bemerkte - oder war er vorher gar nicht dagewesen? - sprach Ciradan sogar an, was Caylee missfiel; hoffentlich kamen die jetzt nicht auf die Idee, sich auch noch Daylight und ihr mit ihrem auf wackligen Läufen stehenden Sorgenkind anzuschließen. Auch um diese Möglichkeit nicht noch zu unterstützen, ignorierte die Weiße den Kommentar des Rüden. Sie wusste ohnehin nicht mehr, wie sie mit Jakash umgehen sollte. Früher, als Bruder von Rakshee, hatte sie ihn immer sehr gerne gemocht, doch seit ihre Patin fort und Jakash Vater geworden war, hatte sich alles geändert. Sie mied den Schwarzen, erst Recht nach dem Vorfall mit Malik. Also stapfte sie stumm an der Familie vorbei und sah voraus in die Dunkelheit. Das würde ja ein Spaß werden. Nicht.
14.10.2013, 20:20

Tarakarax
Nach einem langen Gleitflug über die Hochebene und einigen Blicken ins Tal kam Tarakarax flatternd zu der Höhle zurück, piepte unglücklich vor sich hin und landete etwas unsanft auf Daylights Rücken.
“Kein einziges Langbein, nicht einmal ein Kurzbein, eigentlich überhaupt kein Lebewesen mit Köpfchen treibt sich noch da draußen herum. Naja, hier drinnen ja auch nicht.“
Wicka-Wicka-Wicka. Aber das Lachen verging ihm bald und er machte es sich mit einem griesgrämigen Gesichtsausdruck - was Wölfe wohl nur schwer würden erkennen können - im dichten Winterpelz der Weißen gemütlich.
15.10.2013, 19:51
Den Schritten des Rudels hatte sich Amúr vorerst alleine angeknüpft. Flüsternde Stimmen mied sie und selbst Chanuka schien unter den anderen Wölfen verschwunden zu sein und somit hüllte sie sich alleine in die dunklen Begebenheiten der Höhle. Schwarze Schatten verdrängten das Licht, doch für einen Wolf war das nicht gleich ein Problem – vielleicht sogar ein Wink der den Schleier von ihren anderen Instinkten nahm und sie schärfte. Der Boden, den die Dunkelheit schon förmlich verschluckte, griff mit kalten Berührungen nach ihr, doch Amúrs Pfoten waren den Winter bereits gewohnt und selbst das dichte Fell sträubte sich gegen den Eiswind, der ihr draußen noch unbarmherzig durch die Glieder strich. Die Fähe musste niesen, als der Staub der Zeit sich auf ihrer Schnauze niederließ, und Amúr schüttelte dabei nur erregt den Kopf. Allein sein ist toll. Allein sein verletzt mich nicht. Ein Gedanke, der sie schon oft heimgesucht hatte, doch sie hoffte auf Änderung, auf neue Umstellungen und starke Stützen durch ihren Vater, Bruder...und gar vielleicht auch durch ihre Schwester, deren sie ihr Vertrauen und Wort gegeben hatte. Hmpf. Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen. Was war das schon noch? In diesem Rudel ging viel vor sich, vor allem hatte die Wanderung einiges in ihnen ausgelöst und braute in ihr ein Gefühl zusammen, dass sich nicht wirklich mit Freude gleichsetzen konnte. Eher komplementär. Eher – unwohl.
Ihre Pfoten fanden weiter ihren Weg, blieben hinter Ruten und schnüffelnden Gesten, verrieten ihre Anwesenheit und selbst hinter ihr konnte sie Wölfe spüren, die sich für den Weg in den Frühling entschieden hatte. Dunkelheit war nicht jedem seine Sache, viele bevorzugten wahrscheinlich das Licht. Doch hier konnte man Gedanken reden hören – sie kommunizierten miteinander und schon fast hätte sie Chardíms Stimme mit eben solch einer Theorie verwechselt. Doch seine Berührung ließ sie aufmerksam werden und mit einer freundlichen Geste stupste sie ihm die Schnauze in das Mosaikfell.
„Chardím.“
Kaum hätte sie erwartet, dass grade er ihre Nähe suchen würde, doch eine andere Seele würde ihr wohl nicht schaden.
„Vielleicht wartet er ja am Ende auf uns? Ich wäre nicht davon abgeneigt und hoffentlich hat diese Höhle auch einen Ausgang.“
Sie schnippte mit den Ohren in die Richtung der anderen Wölfe, was ihre Aufmerksamkeit förmlich verteilte. Reden, Aufschließen, Flüstern, Bergen, Kommunizieren. Manchmal viel es ihr schon schwer, vor allem nach den letzten Tagen. Krolock schüchterte sie mehr denn je ein und selbst die Sorge um Malik war da nur eher ein Nebenpol, der mehr ihre Angst anzog. Was wäre, wenn etwas schlimmeres passieren würde? Ein Vorfall – hier in dieser Höhle? Oh sie sollten bloß ihre Augen auf diesen irren Teufel setzen, vielleicht rutschte er ja ab...ein Unfall, oder sowas.
16.10.2013, 15:53
“Das stimmt, darüber hätte sich wohl jeder gefreut. Aber heute können wir daran nichts mehr ändern, wir können ihn nur in guter oder in schlechter Erinnerung behalten. Wie sind deine an ihn?“
So leicht würde sie ihr nicht davonkommen. Wenn sie Tyraleen gegenüber Acollon ansprach, dann musste sie schon damit rechnen, das Thema nicht einfach wieder beenden zu können - erst Recht nicht mit so einer abgehalfterten Phrase. Bisher hatte immer nur Averic das Vergnügen gehabt, sich ihre Gedanken und Gefühle über ihren gemeinsamen Vater anhören zu müssen … sollte wider Erwarten Amáya doch ähnlich denken, würde die Weiße nicht zulassen, diese Gemeinsamkeit zwischen ihnen fallenzulassen.
Auch im Bezug auf ihr eigenes Leben blieb Amáya erwartungsgemäß verschlossen und sprach nur von einem wiedergefundenen Kämpferwillen und sie umschwirrenden Geistern. Interessante Formulierungen und wieder einmal nur ein kleiner Happen der Gedanken, die hinter der schwarzen Stirn herumirren mussten. Wollte Amáya nicht, dass ihre Schwester mehr erfuhr oder hätte sie gar nichts dagegen, würde die Weiße nachfragen? Das war die gleiche Überlegung wie immer, wenn Tyraleen mit ihrer Schwester sprach. Aber wie schon zuvor sah die Leitwölfin es nicht ein, ihr Interesse zu unterdrücken, wenn Amáya doch zu ihr gekommen war und das Gespräch mit ihr gesucht hatte.
“Was für Geister umschleichen dich?“,
fragte sie nun also mehr als direkt und rechnete doch schon wie zuvor nicht damit, auch eine direkte Antwort zu erhalten. Vermutlich würde sie wie auch schon damals, als ihre Schwester zurückgekehrt war, sich mit einer Vertröstung auf ein Später, das es wohl nie geben würde, zufrieden geben müssen. So war ihre Beziehung, damit hatte sich die Weiße abgefunden. Ein bisschen schade war es dennoch. Umso mehr freute sie sich, als Amáya ihr ein Kompliment machte, dass diese womöglich nicht einmal so gemeint hatte. Tatsächlich gab es wenig, was Tyraleen mehr hätte freuen können, als die Bestätigung, tatsächlich wie Banshee zu handeln und zu sein. Ein Lächeln breitete sich auf ihren Lefzen aus und jetzt fand sie es schade, dass Amáya es in der Dunkelheit wohl nicht sehen würde.
“Ich bin froh, dass du das sagst.“ Ihr Blick legte sich auf den dunklen Umriss ihrer Schwester. “Und auch du bist es mehr, als du denkst.“
In jedem von ihnen schlug Banshee durch, auch wenn die Schwarze auf den ersten Blick so gar nichts mit ihrer Mutter gemein zu haben schien. Lächelnd fragte sich die Weiße, ob ihre Schwester sich wohl über dieses Kompliment freuen würde und wenn ja, ob sie es ihr dann auch zeigen konnte.
Auch wenn die letzten Nachzügler erst die Höhle betreten hatten, so war die Rudelspitze bereits recht tief ins Innere des Berges vorgedrungen. Mehrere hundert Meter trennte sie vom Höhleneingang und kein Licht drang mehr von dort zu ihnen vor. Dennoch ließ sich nun in der Dunkelheit vor ihnen ein ganz schwacher Lichtschimmer erahnen und je näher sie kamen, desto deutlicher zeichnete sich eine Art Tor vor ihnen ab - nur erkennbar, weil dahinter eine große Kammer liegen musste, die von irgendwoher mit einem ganz schwachen, bläulichen Licht gespeist wurde. Wenn die Wölfe durch diesen Eingang treten würden, könnten sie sodann im spärlichen Lichtschein und einige Schritte weiter im Inneren der Kammer eine Ansammlung merkwürdig geformter Felsblöcke erkennen. Sie sind nur schemenhaft wahrnehmbar, aber im Näherkommen wäre sicher irgendwann festzustellen, dass sie wie schlafende Wölfe aussahen. Einige lagen zusammengerollt, die Nase unter der Rutenspitze versteckt, andere ausgestreckt und fast wie tot. Und alle sind aus glattem, eiskaltem Stein. Die diffuse Witterung von Wölfen war zudem stärker geworden und vor allem ein Geruch - stach nun deutlicher hervor, auch wenn er dem Rudel fremd war.
In der Kammer herrschen Lichtverhältnisse wie in einer mondlosen aber sternklaren Nacht. Die Kammer muss sehr hoch sein, mindestens so hoch wie eine ausgewachsene Kiefer - von dort oben kommt das bläuliche Licht. Es ist totenstill.
16.10.2013, 19:31
Es dauerte nicht allzu lange, bis Kursaí kaum noch etwas sehen konnte. Das Licht vom Eingang her wurde immer schwächer und drang kaum noch bis zu ihnen vor. Ihr Blick kehrte kurz zum Eingang zurück, ein wenig sehnsüchtig. Auch wenn sie keine großen Vorbehalte gegen die Höhle hatte, wäre sie doch gerne umgekehrt. Jedocdies würde sie nicht tun und so wanderte ihr Blick wieder nach vorne in die Dunkelheit. Nun redete auch die von ihr angesprochene. Sie konnte die Worte Parveens gut nachvollziehen. Die Welt unter der Erde war wirklich nicht ihr Leben. Gewiss hatten sie auch Höhlen, jedoch nicht um sie zu durchwandern. So nickte sie leicht bei den Worten, bis ihr wieder einfiel, dass dies die andere Fähe vielleicht nicht sehen konnte. Ach wie unpraktisch diese Dunkelheit doch sein konnte. Wenigstens schien es ihre Tante nicht zu sehr zu betrüben. Zumindest vermeinte sie dies aus ihren Worten heraus zu hören.
Jedoch bevor Kursaí etwas auf die Worte der anderen erwidern konnte, da hatte diese ihren Fang schon wieder geöffnet. So hörte sie aufmerksam zu, und es kam ein wesentlicher Aspekt zu ihrer Frage hinzu, worüber sie noch gar nicht sosehr nachgedacht hatte. Was wäre wenn diese Höhle sie nie wieder frei lassen würde, wenn sie für immer in dieser Finsternis bleiben müssten? Hatte die Schwarze solche Befürchtungen? Kursaí hoffte nicht, denn wenn solch Befürchtungen ernsthaft sein sollten, müssten sie äußerst beunruhigend sein. Doch auch so stellte sich die Frage, wie lange sie in der Dunkelheit und auf beengten Raum wandern müssen, und so sagte sie:
„Das stimmt, doch dies werden wir wohl erst wissen, wenn wir am anderen Ende des Weges angekommen sind. Vielleicht ist der Berg, oder auch die Götter uns gnädig gestimmt.“
Die letzten Worte sagte sie mit einem gewissen inneren Grinsen, denn so wirklich ernst war es ihr nicht. Der Weg war so lang, wie er wohl war, und daran würde es nichts ändern. Dennoch würden sie vielleicht unter der Gnade der Höheren schneller hindurch kommen. Und somit waren die Worte gewiss nicht als leere Floskel gemeint.
Sie beide waren weiter in die Höhle hinein geschritten und so sah sie inzwischen gar nichts mehr. Ihre Augen fanden nichts, an was sie sich festhalten konnten, und so suchten sie etwas verirrt umher. Doch nach einigen Momenten und Schritten fiel ihr etwas ungewöhnliches auf. Zunächst wusste sie nicht, was los war, konnte es nicht einordnen. Es dauerte noch eine ganze Weile bis es ihr wirklich bewusst war und es auch so deutlich war, dass sie überrascht aussagte:
„Ich sehe Tyraleen.“
Ihr war erst bewusst geworden, dass sie es gesagt hatte, nachdem die Worte sie verlassen hatte. Und so blickte sie fast ein wenig entschuldigend zu Parveen hinüber, bis ihr wieder einfiel, dass diese davon ja gar nichts hatte. Es würde noch eine Weile dauern, bis sie sich an die Dunkelheit gewöhnen würde. Oder war dies gar nicht nötig? Denn davorne schien es ja Licht zu geben, und dass sie die Alphafähe als erste wirklich wahrnehmen konnte, war ja bei dem weißen Fell dieser nicht verwunderlich. Doch das führte sie zu der Frage, was das für ein Licht war. War der Ausgang schon in Reichweite? Doch es dauerte nicht allzu lang, bis sie das Gefühl hatte, das es dies nicht war. Dafür war das Licht falsch.
[noch vor dem „Torbogen“; Parveen]
18.10.2013, 08:45
Aszrem lauschte in der Dunkelheit auf Invidias Worte und erwiderte sie mit einem Nicken, bis ihm bewusst wurde, dass sie diese Geste kaum würde sehen können. Er musste seine Zustimmung zu ihrer Hoffnung schon in Worte kleiden, wenn sie nicht denken sollte, dass er ihre Worte absichtlich ignorierte.
"Das wünschen wir uns ebenso. Wir werden sehen, was uns im Tal der Raben erwartet",
entgegnete er also und starrte weiter geradeaus in die Dunkelheit, während er gleichzeitig der Schwarzweißen sowie dem leisen Gespräch der beiden Fähen vor ihm lauschte. Und täuschten ihn seine Augen, oder war die Finsternis davorn gar nicht mehr so finster? manchmal spielten einem die Augen in der Dunkelheit Streiche...
"Und was das für ein schwerer Schicksalsschlag sein soll, hat sie dir nicht verraten?"
Es klang bitter, vielleicht auch sarkastisch.
"Typisch Götter. Aber wenn sie direkt und ausführlich sagen würden, was sie von uns erwarten, würden wir vermutlich alle nur herum sitzen und darauf warten, dass Engaya oder Fenris zu uns flüstern."
Aszrem glaubte an die Götter und zweifelte auch nicht an ihrer Macht, aber manchmal wünschte er sich, sie würden sich entweder direkter einmischen, oder besser gar nicht.
Der Alpha hatte noch mehr Fragen an Invidia, aber er kam nicht dazu sie zu stellen, als voraus ersichtlich wurde, dass seine Augen ihn doch nicht getäuscht hatten. Er fing Tyraleens Blick auf, was deutlich genug Auskunft über die veränderten Lichtverhältnisse gab, und sah dann auf zu dem Torbogenartigen Ende des Tunnels. Dahinter musste sich ein wesentlich größerer Freiraum befinden, und tatsächlich betraten sie nun eine Höhle, deren decke sich weit über ihnen wölbte. Tyraleen war stehen geblieben, und Aszrem ließ Invidia hinter sich, um neben seine Mitalpha zu treten. Sein Blick glitt über die seltsam geformten Steine, und seine Nase prüfte die Witterungen. Er war nicht sicher, was er von der Szenerie halten sollten, aber er verspürte ein Gefühl von Unbehagen. Sein Blick wanderte zu Tyraleen, dann trat er vorsichtig ein paar weitere Schritte vor und zu dem nächstgelegenen Stein hin. Die Konturen wirkten wölfisch, und Aszrem senkte witternd den Kopf, ohne die schlafende Statue jedoch zu berühren. Der Geruch des fremden Rudels und kalter Stein. Sehr seltsam. Ein neuer Streich der Götter? Behutsam trat Aszrem zu einem anderen Stein...
[Höhle | erst Invidia, dann Tyraleen, dann ein wenig voraus]
18.10.2013, 17:04
Als Chivan auf die Geschichte mit dem Sohn des Todes und dem ganzen drum und dran zu sprechen kam, neigte der Prinz den Kopf leicht schräg. Er hatte ja bereits davon gehört, hier im Rudel schien jeder daran zu glauben und so, aber für ihn klang es immer noch ziemlich seltsam. Wie sollte denn der Tod einen Sohn haben? Für jemanden der ohne wirklichen Glauben an die Götter aufgezogen war, erschien das einfach total dämlich. Allerdings hütete sich der Jäger davor, diese Zweifel auszusprechen, schnell hatte er gemerkt, dass die Wölfe hier ziemlich stark an ihrem Glauben hingen. Er hatte ja versucht da irgendwie durchzublicken, aber war kläglich gescheitert, ein weiterer Punkt den er niemals zugegeben hätte.
Immerhin nahmen die beiden älteren Rüden ihm die Sorge, am Ende vor einer Mauer zu stehen. Es schien also ganz sicher einen Ausgang zu geben, der nicht nur begehbar, sondern vielleicht sogar bejagbar war. Das war immerhin ein Lichtblick.
“Acollon?“, warf er schließlich ein wenig irritiert ein, als Averic dieses Wort aussprach. Er konnte sich nicht erinnern jemals davon gehört zu haben.
Die Dunkelheit verschluckte sie bereits mit Haut und Haar und es wollte dem Krieger einfach nicht gefallen. Am liebsten hätte er kehrt gemacht und Akhuna gesucht, allerdings hätte er sich damit auch gleich das Weichei-Schild umhängen können. Nein, dass ging ganz einfach nicht. Er würde bei diesen beiden hier bleiben und seine Sorgen begraben. Es waren schon Wölfe hier durch gekommen, somit würde die Höhle sicher sein. So sicher wie Höhlen eben sein konnten.
Die waren da, hatte ne Klammer vergessen xD
20.10.2013, 14:57
Alle Wölfe waren in die Höhle eingedrungen, selbst die letzten, die zuvor noch hinter Yjel und der Anderen waren. Eine lange Reihe der Sternenwindwölfe bahnte sich den Weg durch den Durchgang, und auch wenn es der Graue ungern zugeben wollte, am liebsten hätte er kehrt gemacht. Dies hätte womöglich bedeutet, irgendwann in der eisigen Kälte des Winters zu erfrieren, aber besser als wie ein Wurm zu kriechen. Der Berg strahlte dieselbe Kälte aus wie der Boden voller Schnee und Yjel lief ein Schauer über den Rücken. Er stellte sich lebhaft vor, wie ein Knacken durch das Gestein drang, die Felsen sich lösten und das Rudel verschütteten. Wie sie abgeschottet wurden von dem Eingang, zerdrückt, keine Luft mehr atmen konnten und erstickten. Neben der jungen Grauwölfin konnte er sich solche Gefühle nicht erlauben. Er war viel zu stolz, es selbst zu akzeptieren. Vor allem, da ihre Augen vor Schalk glänzten, als sie ihn darauf ansprach. Er wand seinen schielenden Blick von den Wölfen vor ihm ab und blickte sie eindringlich an.
"Ich fürchte, du solltest viel mehr vor alten, schielenden Wölfen Angst haben, als vor Bergen und Höhlen. Die können nicht beißen."
Yjel kannte die Kleine nicht weiter. Sie war eine Tochter seines ganz besonderen Freundes Averic, ein Jungspund, einen feurigen Blick, rot-brauner Seelenspiegel. Was ihr auffiel, war die Selbstsicherheit, die sie ausstrahlte. Das gefiel Yjel, sie war trotz ihrer jungen Jahre nicht verweichlicht und verzogen, wie so viele Welpen und Jungwölfe es waren. Das musste er ihr zusprechen.
"Kennst du mich überhaupt? Ist ja wohl mehr als frech, alte Wölfe einfach so zu überraschen. Hat dir dein Herr Papa das nicht gelernt?" Yjel lief in seinem Trott weiter und folgte den restlichen Wölfen. Er atmete tief durch, als er sah, dass von einem Tor aus bläuliches Licht auf die Karawane fiel. Bedeute das, das der Ausgang in Sicht war? Nach so wenigen Schritten? Aufregung breitete sich in Yjel aus und er hoffte, es möge so sein, auch wenn sein Glaube daran nicht besonders stark war. Das wäre tatsächlich zu ungewöhnlich. Beinahe drängelte er seinen Vordermann, gespannt darauf, was sich vor ihm auftun würde. Doch je näher sie kamen, desto desillusionierter war der Graue. Es war kein Ausgang, nur eine Art Höhle, die etwas größer war als der Gang, durch den sie gelaufen waren. Doch schien er beleuchtet zu sein. Ohne noch einmal seinen Blick auf die Graue zu richten, lief er stur weiter. Die Dunkelheit schien sich zu lichten und die ersten Wölfe waren in die Höhle getreten. Ungeduld erfasste Yjel und er wurde missmutig, dass er noch nicht die Kammer erreicht hatte. "Was geht denn da schon wieder vor sich!", sagte er mehr zu sich selbst.
[noch vor der Kammer | Atalya]
20.10.2013, 23:20
Linalee wollte in etwas gut sein. Sie setzte es auf ihre gedankliche Liste – erstens: mutig werden. Zweitens: Chardím beschützen. Drittens: Krolock beschützen. Viertens: in etwas besonders gut werden. Dass sie Malik vielleicht nicht ganz richtig, aber zumindest etwas mehr als manch anderer verstand, ja, sogar nachvollziehen konnte, auf welche erdrückende, dumpfe und stille Art er fühlte, nahm sie gar nicht als solches wahr. Denn sie waren ja Geschwister, und außerdem die beiden Welpen, die von der ganzen Geschichte am Hügel am meisten betroffen gewesen waren. Obwohl Linalee ja davon gerannt war, als es wirklich ernst wurde.
Sie schluckte ihre Schuldgefühle herunter und musterte ihren Bruder von der Seite, der misstrauisch um sich blickte, scheinbar mit der Aufgabe, etwas nicht aus den Augen zu verlieren. Die Schwarze machte sich ein bisschen kleiner und kniff ihre Rute zwischen die dürren Beinchen, blickte zu Sheena und wieder zu Malik.
Ihre Mami schien in Gedanken versunken gewesen zu sein, aber im Gegensatz zu Linalees Bruder antwortete sie rasch. Linalee schrumpfte ein bisschen in sich zusammen, als die flauschige weiße Fähe ihre Zunge über den Körper ihrer Tochter gleiten ließ – nicht, weil sie die Berührung an sich als unangenehm empfand, sondern weil sie einfach fürchterlich empfindlich war, was so etwas betraf. Sie mochte es einfach nicht so gerne, berührt zu werden – zumindest nicht von anderen heraus. Da es ihr fast schon wieder Leid tat, was für ein ängstliches Wesen sie doch war, schmiegte sie sich wie als Entschuldigung an ein Bein ihrer Mutter, während die von den Sternen redete. Dass sie ihre Frage gar nicht richtig beantwortete, störte Linalee nicht weiter – sie hatte ohnehin eher darauf gehofft, dass Malik etwas sagte. Doch das tat er nicht. das Hasenherz der Kleinen schlug etwas heftiger, jetzt schämte sie sich richtig dafür, überhaupt den Mund aufgemacht zu haben. Betreten sah sie zu Boden, verglich gedanklich die kleinen, hellen Pfoten ihres Bruders mit den vergleichsweise großen Pranken Sheenas. Dann folgte sie Maliks Blick zu der anderen Gruppe, zu der auch die weiße Hexe gehörte. Unwillkürlich erschauderte sie, kniff die Äuglein zusammen, machte eine bemüht ausdruckslose Miene. Oh, wie sie Caylee doch fürchtete!
Es lenkte die kleine Fähe mit den Fledermausohren etwas ab, dass Jakash zu ihnen gekommen war. Obwohl er kein Wort an sie richtete, tappte Linalee zu ihrem Vater herüber und stupste ihm kurz, und sachte wie ein Windhauch, mit der kleinen Nase in das schwarze Fell seines Kragens. Es war, als würde ihr Papi ihr wieder ein bisschen Kraft verleihen, Kraft, die sie gut brauchen konnte, wenn sie mit Malik reden wollte. Aber musste sie denn unbedingt mit ihrem Bruder reden? Scheu beobachtete sie den Schwarzäugigen. Reden war nicht ihre Stärke. Sie war nicht gut genug darin. Langsam trat sie auf Malik zu und postierte sich neben ihm. Ihr Hasenherz schlug schnell, flatterte förmlich in der schmächtigen Brust. Aber jetzt schwieg sie – blickte Sheena nur mit ihren zweifarbigen Augen an, groß und rund, erstaunt über die Geschichte.
Aber sie sagte nichts – Linalee wollte schweigen wie ihr Bruder es tat – und sie fragte sich, ob es schwer sein, ob es ihre Mami traurig machen würde. . .
24.10.2013, 15:32
Tatsächlich lenkten die Gesprächsthemen der Beiden Chanuka so weit ab, dass er es nicht einmal in Betracht zog über das nachzudenken, von dem er sich versuchte abzulenken. Darüber das er abgelenkt war dachte er aber logischerweise auch nicht nach – wäre ja blöd. Würde er jetzt darüber nachdenken, dass er abgelenkt war, würde er wohl reflexartig an die Sache denken, von der er sich zusammen mit, und wohl auch durch Isaí versuchte abzulenken. Für ihn hatte es nur Bedeutung, dass er es schaffte Isaí auf andere Gedanken zu bringen. Dass sie sich dadurch irgendwie etwas näher kamen war ein sehr netter Beigeschmack, dem er sich allerdings erst etwas später bewusst wurde. Bevor der Fuchs noch seine letzte „Bestätigung“ zu der Sache mit den Freunden äußerte, zuckte Chanukas Lauscher aufmerksam in seine Richtung. Er bemerkte durch die Veränderung der Lautstärke, dass Isaí ihn grade wohl anschaute, konnte aber logischerweise sein Lächeln nicht sehen. Ehrlich gesagt war das aber auch nicht weiter nötig. Der Schwarze meinte einen Unterton in der Stimme des Jüngeren deuten zu können, der ihm seine Gemütslage auch ohne Blickkontakt näher brachte. So viel aber nur zu der Aussprache der Worte.. oder sagen wir das, was er meinte daraus deuten zu können. Viel mehr Bedeutung hatte einfach schlicht und weg das, was der Jüngere gesagt hatte. Chanuka musste in diesem Moment selbst wieder lächeln, seine Rute fing sachte an zu pendeln. Es freute ihn das die Beiden auch diese Ansicht teilten. Wenig später hieß es dann aber wieder: zuhören und verstehen.
Während Isaí erzählte blickte Chanuka in der Dunkelheit immer mal wieder zu ihm rüber. Man konnte deutlich hören, dass er sich richtig Mühe beim betonen gab, leider hatte das nur keinen wirklichen Effekt auf die Vorstellungskraft seitens Chanuka. Wäre er nicht so ein Buntdenker gewesen, für den etwas das Böse ist als solches gar nicht so richtig existierte, hätte er bestimmt richtig mitgefiebert. Hierbei musste es aber reichen, wenn er lediglich versuchte es sich derartig vorzustellen und auch versuchte, den Kern der Geschichte, den Hintergrund und die Folgen zu verstehen. Nachdem er durch den Versuch der Betonung also erst noch amüsiert war, wurde er kurz darauf etwas nachdenklicher und fand es dann schon fast etwas traurig, welches Schicksal dem eigentlich so mutigen Wolf im Nachhinein geblüht hatte.
“Am Ende hat ihn sein Mut ins Verderben getrieben. Obwohl er sich für sein Rudel eingesetzt hat und das vermeintliche „Böse“ vertrieben hat, oder sagen wir bei sich eingeschlossen hat, wurde er nicht dafür entlohnt. Wobei ich finde das es auch sehr ehrenwert ist. Wenn ich dich richtig verstanden habe hat er zwar seine eigene Freude aufgegeben, dafür aber sehr vielen anderen gleichzeitig Leid erspart. Wärst du bereit so etwas für deine Freunde zu tun, Isaí?“
Er hatte wohl irgendwie die Angewohnheit jemanden anzugucken während er mit ihm sprach, ganz gleich ob er ihn nun sehen konnte oder ob nicht. Kurz nachdem er also ausgesprochen hatte und eigentlich wieder nach vorne gucken wollte, bemerkte er wie er sehr langsam den roten Jüngling neben sich wahrnehmen konnte. Gut.. so richtig rot war er jetzt in diesem Moment nicht, irgendwie eher blau. Verwundert blickte er also wieder nach vorne und beobachtete wie die vorderste Gruppe eine Art Tor passierte, hinter dem ein bläuliches Licht, umso näher sie dem Tor kamen, den Gang um die Wölfe herum erhellte. Chanuka wurde neugierig.
“Wir wissen nicht was uns erwartet, da hattest du wohl Recht.“
25.10.2013, 09:55
Daylight betrachtete Caylees trotziges Gesicht für einen Augenblick mit grimmiger Miene und wollte schon zu einer genauso patzigen Erwiderung ansetzen, als – das bist nicht du, Daylight – nein, das war sie nicht und obgleich sie nicht im Klaren darüber sein mochte wer sie sonst war, sie war sich sicher, dass sie niemals diese Fähe sein wollte, die wegen Nichtigkeiten und schlechter Laune auf ihre Nichte losging.
„Vermutlich hast du recht“, seufzte sie also ergeben und zog eine Grimasse, „ich werde Averic um Unterricht bitten müssen... oder was meinst du? Habe ich überhaupt eine Chance?“
Sie grinste Caylee verschmitzt zu und wandte sich dann an Ciradan, der sich – etwas umständlich zwar – auf seine vier Pfoten hievte und endlich Anstalten machte sich in Bewegung zu setzen. Auch für ihn hatte sie wieder ein aufmunterndes Lächeln übrig, für Jakash nur ein Nicken. Ihr Neffe schien nicht wirklich begeistert von Ciradans Rückkehr zu sein, aber Daylight hinterfragte ihn nicht. Jakash war ohnehin nie ein besonders fröhlicher Zeitgenosse gewesen – zumindest hatte Daylight ihn nie so erlebt – und seit Malik verletzt worden war konnte sie ihm dafür auch keinen Vorwurf machen. Sie waren alle gereizt in letzter Zeit. Der viel zu früh einsetzende Winter, dann der Vulkanausbruch, die lange ermüdende Reise und jetzt auch noch die Ranz – es war wirklich kein Wunder, dass das Rudel nicht bester Laune war.
Und ehe sie noch die Möglichkeit hatte etwas zu Jakash zu sagen, war auch Tarakarax zurück gekehrt und brachte die ersten guten Nachrichten des Tages: Kein Langbein mehr in Sicht. Immerhin, sie waren vollzählig und niemand war noch weiter zurückgefallen. Bis auf Madoc. Atalyas Freund und Maliks Pate, der seit dem Feuer im Tal spurlos verschwunden war. Und sie hatte Atalya versprochen, dass Kisha ihn finden würde. Du solltest vorsichtiger mit deinen Versprechen sein, Daylight.
Sie lächelte traurig während sie den Vogel dabei beobachtete wie er es sich wieder in ihrem Fell bequem machte. Der junge Goldspecht hatte sich wirklich seine Pause verdient – wie sie alle. Doch Daylight verstand Tyraleens Drängen. Sie mussten das Tal der Raben so schnell wie möglich finden und auf Antworten hoffen – worauf, nun das wusste Daylight selbst auch nicht so genau und sie zwang sich nicht weiter darüber nachzugrübeln, als sie neben Ciradan die Höhle betrat. Die Götter würden es schon wissen.
Das Gefühl des glatten Steins war Daylights Pfoten vertraut und bot eine angenehme Abwechslung zu dem ewig kalten, festgefrorenen Schneemassen und trotzdem reichte es nicht aus um das ungute Gefühl vollständig auszulöschen, das sich mit jedem Schritt weiter in ihr ausbreitete. Je tiefer sie sich in die schwarze Dunkelheit wagten desto größer wurden ihre Zweifel und sie war froh Tarakarax auf sich und Ciradan neben sich zu haben, allein wäre sie sicher längst umgekehrt.
Und dann, als sich ihre Augen endlich an das schwarze Nichts-sehen gewohnt hatten war plötzlich Licht da und Daylight glaubte für keinen Moment, dass es sich um den Ausgang handelte – stattdessen steigerte sich ihr Unbehagen noch und ihr kam auf einmal wieder etwas in den Sinn, etwas, das sie in dem ganzen Trubel um Malik fast vergessen zu hatte. Die Worte des alten Xytokokax. Mondlose Nächte ohne Sterne, vertraut nicht dem Licht. Höhlen mit Augen, sie bergen keine Gefahr. Blut des Todes auf dem Altar, die Erlösung wird kommen. Vertraut nicht dem Licht. Sie hielt inne.
„Tarakarax“, fragte sie nervös und wandte den Kopf um den Vogel auf ihrem Rücken anzusehen, aufsteigende Panik spiegelte sich in ihren Augen, „sag, euer Ältester, Xytokokax, gibt der des Öfteren solche... Prophezeiungen von sich? Und haben die sich bisher schon mal als wahr erwiesen?“
Sie musste mit Tyraleen sprechen. Jetzt sofort. Vielleicht konnte sie das Unheil noch abwenden. Aber dafür musste sie sich zuerst an all diesen Wölfen vorbei durch den engen Gang quetschen und vielleicht würde sie dann nicht mehr rechtzeitig sein – rechtzeitig um was-auch-immer zu verhindern. Denk nach, tu etwas, Daylight!
"STOPP!"
(bei Tarakarax, Ciradan und Caylee auf dem Weg durch die Höhle, dahinter Jakash, Sheena, Linalee und Malik)
25.10.2013, 16:31
Der Rüde stand unverkennbar abseits des Rudels, hatte bislang mit niemanden wirklich ein Wort gewechselt. Eigentlich war er ganz froh darüber. Hier und da lauschte er den Gesprächen der anderen Wölfe, aber normal ging er nie wirklich zu ihnen hin, um mitzureden. Als Welpe war er ein Plappermaul, der scheinbar nicht mal atmen musste zum Reden, so kam es einem damals vor. Aber nach dem Feuer war der Rüde sehr schweigsam geworden. Kontakt mit anderen hatte er selten gehabt, und ehrlich gesagt, war er seit damals nicht in der Nähe von so vielen Wölfen gewesen wie in den vergangenen Tagen. Daran musste er sich erstmal gewöhnen. Und das ging nicht einfach von heute auf morgen. Wenn man dann noch bedenkt, dass er sich nicht mal traut, selbst auf andere zuzugehen ... Nun, den Gedanken sollte man am besten nicht weiter ausführen.
Ayar sah sich um, wollte nicht unbedingt in die Höhle hinein, doch folgte er denn anderen, auch wenn sich in seinem Magen ein ungutes Gefühl einnistete und seine Ohren nervös spielten. Oh ja, er wollte wahrlich nicht dort hinein, doch was sollte er machen? Alleine draußen bleiben? Wohl kaum. Der Wind und die Kälte machten ihm zwar nichts aus, aber er konnte sich bessere Dinge vorstellen, als hier zu versauern.
Als Ayar weiterlief, sah er aus den Augenwinkeln einen dunklen Schatten auf ihn zuspringend und wich leicht zur Seite aus, um nicht mit der Fähe zusammenzustoßen, die aussah, als wäre er ein gefundenes Fressen für. Bei ihrem Grinsen flackerte ein leichtes Gefühl des Grusels in ihm auf, die Wölfin war irgendwie unheimlich. Unheimlich gut gelaunt, ums genauer auszudrücken. Was irgendwie süß wirkte, wenn er ehrlich zu sich war. Aber vermutlich würde so mancher sie genervt fühlen von ihr.
,,Also ein Abenteuer scheint mir das nicht zu sein, aber wenn du meinst ..."
Der Rüde musste einen Moment lang überlegen, da ihm der Name der Fähe entfallen war.
,,Dein Name war Kisha, oder?"
Er war sich nicht ganz sicher, daher wollte er sie erstmal fragen.
Je näher sie nun der Höhle kamen, desto mulmiger wurde ihm. Es war keine Angst, die er verspürte, aber seiner innere Unruhe ließ sich nicht einfach vertreiben. Der Schwarze sah zur Fähe und betrachtete sie kurz, bevor er wieder nach vorne sah. Er sah, wie sie einen kleinen Satz nach vorne machte, sich dann aber wieder seinem Tempo anpasste. Und man kann nicht sagen, dass er lahm war, er lief recht flott. Mittlerweile wurde es immer dunkler, aber Ayar war mehr oder minder darauf trainiert, sich zu orientieren und zu bewegen, ohne Gebrauch von seinen Augen zu machen. Dank der Geschwindigkeit, die er hinlegte, war er mehr bei den Wölfen vorne gelandet, auch wenn er so nicht sagen konnte, um welche es sich handelte, er hatte sich nur wenige Namen eingeprägt.
Nach einer recht schweigsamen Weile, erkannte er ihn der Ferne einen schwachen Lichtschein, der an eine art Tor erinnerte.
,,Ich glaube nicht, dass am Ende dieser Höhle ein Paradies oder sowas in der Richtung sein wird, aber das ist nur meine eigenen Meinung."
Ungemein neugierig geworden, wurde er schneller, wollte sehen, was da vorne war. Ein paar Wölfe waren anscheinend schon an der Quelle des Lichtscheines angelangt, zumindest sah es so aus.
Es sah aus, als wäre vor ihnen eine Kammer, doch bevor er dazu kam, weiterzugehen, ließ ihn das laute Stopp einer weißen Fähe ein Stück vor ihm den Schwarzen innehalten, während das Wort immer noch als Echo zu hören war. Er wüsste zu gerne, was los war, doch er fragte nicht, sondern blickte sich nach den anderen Wölfen um, auch nach Kisha.
26.10.2013, 19:11
Der trockene aber harte Fels unter ihren Pfoten war eine angenehme Abwechslung zu dem nassen Schnee, der sich in die Ballen biss. An schlechten Tagen hatte sie nach langem Laufen durch die eisigen Lande ihre Pfoten gar nicht mehr gespürt. Nun drückten sich nur hier und da kleine Steinchen in die Ballen, was ihr weitaus mehr willkommen war. Dies lenkte sie für einen Moment von dem eigentlichen Thema ab, auch wenn Tyraleen hartnäckig daran beharrte. Amáya merkte oft selbst nicht mal, wie vaage Antworten sie gab. Ihre Zunge war sozusagen schon darauf trainiert in dieser Weise zu sprechen.
"Gut."
So antwortete sie, leise und knapp. Was war da auch mehr zu sagen? Sie alle hätten einen Vater gut gebrauchen können, da hatte Tyraleen Recht. Aber bei so vielen Kindern wäre es eh sehr schwer gewesen. Wenn sie es richtig bedachte, hatte sie ja auch nicht viel von ihrer Mutter abbekommen. Nun, das hing auch damit zusammen, dass sie ein ziemlich zurückgezogener Welpe gewesen war. In gewisser Weise war sie ja das die ganze Zeit über geblieben. Mal mehr, mal weniger, mal auf die eine und dann auf die andere Weise, aber im Grune hatte sich nicht viel verändert, auch wenn so viel passiert war. Ihr Zwilling war genauso tot wie am Anfang. Sie war genauso verloren wie immer schon. Trotzdem musste sie halt ein paar Missverständnisse aussortieren, sie hatte bereits zu viel Zeit verschwendet. Langsam fragte sie sich, ob es wirklich eine gute Idee gewesen war, zu Tyraleen zu kommen. Da war es wieder. Kaum öffnete sie sich ein wenig, versuchte ihre Schwester sie weiter aufzuzwingen, was sie dazu brachte, zurückzuweichen und die Türen heftig zu schließen. Sie verweilte ine Weile lang in Widerwille und Zweifeln, wollte aber nicht alleine mit ihren Gedanken verweilen und ihre Schwester enttäuschen, also zwang sie sich dazu, ihr doch zu antworten. Sie konnte nicht ewig alles verschleiern.
"Wir hatten eine totgeborene Schwester. Wenn wir 'umschleichen' konkret nehmen.", zwang sie sich zu sagen und man konnte an ihrer Stimme merken, dass es ihr nicht leicht fiel.
Plötzlich erschien ihr die Dunkelheit um sie herum nass und glitschig, wie voller unbekannter Ekel, die jede Sekunde nach ihr greifen könnten. Aber für den Moment waren nirgendwo rote Augen zu sehen, erinnerte sie sich selbst, und so gedacht war es halb so schlimm. Die freundliche Stimme ihrer weißen Schwester erreichte sie wieder, von irgendwo aus dem tiefen Schwarz, welches auf sie alle niederdrückte.
"Es ist nett von dir, das zu sagen."
Nett. Ja, ihre Schwester war nett zu ihr. Trotzdem wusste sie nicht so ganz, ob sie ihre Aussage so akzeptieren konnte. Banshees Tochter zu sein - sie hatte einfach nicht verdient, so angesehen zu werden. Auch wenn Chivan über Stolz sprach und so weiter, diese Einstellung hatte sich so tief in ihre Knochen gefressen, dass es schwer war, sie abzuschütteln. Trotzdem wusste sie, dass Tyraleen es nicht einfach so dahin sagte. Sie meinte es bestimmt auch so, auch wenn Amáya nicht ganz verstehen konnte wie. Wenn sie sich selbst betrachtete, sah sie nichts was Banshee je gewesen war.
"Danke..."
Murmelte sie also leise und meinte es auch so. Vielleicht hatte sie ja in irgendeiner Weise doch Recht und sie musste einfach noch daran arbeiten, um aus dem Blickwinkel Tyraleens sehen zu können. Überraschenderweise schien die Finsternis der Höhle zu weichen und ein schwacher Schimmer von Licht tauchte vor ihnen auf. Verblüfft wurden die Schritte der Regentochter etwas zögerlicher, sodass sie ein wenig hinter Tyraleen zurück blieb. Das Licht schien nicht von dieser Welt und machte sie etwas unruhig. Sie konnte nun den Umriss ihrer Schwester vor sich sehen und folgte ihr etwas zügiger durch das Tor hindurch. Als erstes hob sie ihren Kopf zu der hohen Decke der Kammer, doch konnte sie nicht klar erkennen, woher dieses seltsam bläuliche Licht entsprang. Aus dem Augenwinkel sah sie Aszrem das Tor passieren und an einem der vielen Felsbrocken schnuppern. Auch sie prüfte die Höhlenluft und war überrascht festzustellen, dass es nun eindeutig und ziemlich markant nach Wolf roch. Die Ohren leicht an den Kopf geschmiegt trat sie näher zu Aszrem, nur um zu erkennen, dass der Steinbrocken eine verdächtig wölfische Form hatte. Der dunkelblaue Blick zuckte weiter - wenn man lange genug schaute, dann sah auch der andere so aus wie ein Wolf.
"Das gefällt mir gar nicht.", murmelte sie in Richtung Aszrem und Tyraleen. Im nächsten Moment durchstach ein schrilles Jaulen ihre Ohren und sie wirbelte alarmiert zum Tor herum, in die Dunkelheit aus der die Rudelwölfe kamen. Sorge dominierte ihre Züge. "Das war Daylight.", sagte sie mit einem nervösen Blick zu den beiden Leitwölfen. Was war passiert, dass Daylight die ganze Kollone zum Halt bringen wollte? Entweder irgendetwas in dem Gang oder es hing mit dieser seltsamen Kammer zusammen. Unruhig spielten ihre Ohren während sie immer wieder zu den seltsam geformten Steinen schielte. Bei diesen Lichtverhältnissen dachte sie ständig, sie würden sich bewegen. Zum Glück war es jedoch Stein und nicht Schneehaufen.
27.10.2013, 11:50
Parveen schritt einen Moment stumm neben ihrer Nichte her und wandte den Kopf immer wieder zu der jüngeren Fähe. Auch wenn sie ebenso auf ihre Befürchtungen einging, wann diese Höhle wohl ein Ende finden würde, war ihre Zuversicht deutlich zu spüren. Sie sagte nichts davon, dass die Höhle vielleicht kein Ende haben würde, sondern nur, dass es womöglich einfach ein wenig länger dauern würde, dieses zu erreichen. Pav lächelte in sich hinein. Kursaí war wahrlich eine Wölfin des Lichts und hatte die Gabe in einer Situation das Gute zu sehen. Die Schwarze bewunderte sie dafür und außerdem für ihren Glauben an die Götter. Würde eine höhere Macht sie wirklich unbeschadet hier hindurch führen?
"Ich hoffe es wirklich. Vielleicht senden sie uns ein Licht, das uns den Weg weist."
Sie meinte es im Scherz und kicherte fast bei den Worten. Aber dann sagte Kursaí etwas merkwürdiges und Pav schaute suchend nach vorne. Sie sah Tyraleen? Die Sternenwölfin blinzelte überrascht und legte unweigerlich den Kopf leicht zur Seite.
"Ich auch…", sprach sie ganz leise ihren Gedanken direkt aus und schaute fragend zu Kursaí. Dass auch sie zu ihr schaute, nahm sie nicht richtig wahr, aber es war offensichtlich, dass die beiden Fähen etwas ähnliches dachten. "Das kann nicht der Ausgang sein."
Ihre Ohren drehten sich neugierig nach vorne und sie setzte die Pfoten wie automatisch voreinander. Auffordernd schaute sie zu der Jüngeren und dieses Mal konnte sie es wohl auch sehen. Der weiße Pelz Tyraleens wies ihnen den Weg in eine Kammer, erleuchtet von blauem Licht und die Enge des Tunnels verschwand nach dem Durchschreiten eines Art Torbogens. Ein wenig klappte ihr Maul auf, als sie fragend nach oben schaute und versuchte den Ursprung des Lichts auszumachen. Anfangs hatte sie mit einem Durchbruch an die Oberfläche gerechnet, aber sie sah nichts. Außerdem dieses gespenstig blaue Licht… Sie kniff die Seelenspiegel ein wenig zusammen, als sie durch die Kammer spähte und noch ein wenig weiter ging. Dort vorne schienen Felsblöcke und große Steine zu liegen. Gerade wollte sie ihre Nichte fragen, was sie davon hielt und weiter in den Raum schreiten, als ein Jaulen sie herum fahren ließ.
"Daylight", stellte sie fest und blieb mit dem Kopf zu dem hinter ihr liegenden Tunnel stehen. Was war los? Wie so oft stahl sich das Rätsel in ihren Kopf, aber wieder nur die bloßen Worte, die umher wirbelten und keinen Sinn ergeben wollten. Sie wiederholte alles erneut und konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass ihr eine Lösung direkt vor den Pfoten lag, aber sie die Puzzleteilchen nicht zusammen fügen konnte.
"Vertraut nicht dem Licht…" flüstere sie wie in Trance und nur so laut, dass Kursaí sie verstehen konnte. Mit einer Spur Angst blickte sie erneut nach oben. Aber was sollte ihnen dieses Licht schon anhaben? Und was sollte es heißen, dass sie ihm nicht vertrauen durften? Es gab keinen anderen Weg und sie wären zwangsweise in dieser Kammer gelandet. Vielleicht hatte auch etwas vollkommen anderes zu diesem Ausruf geführt und etwas in dem Gang lief nicht nach Plan.
27.10.2013, 19:46
Mit der Wärme in der Höhle, ging auch eine hohe Luftfeuchte einher. Feuchtigkeit hatte sich an den Felswänden, am Boden und an der Decke gesammelt, von welcher sie nun in regelmässigen Abständen herunter zu tropfen pflegte. Chardím spürte das Auftreffen des Wassers auf seinem Rücken und musste leise Niesen, als ein Tropfen direkt auf seiner Nase landete.
So ganz Recht hatte er mit seiner Behauptung, der Frühling sei hier drin angebrochen, jedenfalls nicht – der Frühling pflegte stets keine derartig unangenehme Luft mit sich zu bringen. Soweit er das mit seiner vergleichsweise geringen Lebenserfahrung sagen konnte.
Der Jungrüde hatte leicht geschmunzelt über die Überraschung in der Stimme seiner Schwester, als diese seinen Namen aussprach. Nun nickte er aber zustimmend, abgeneigt wäre er gegen den Eintritt des Frühlings auch nicht. So richtig mochte er aber nicht daran glauben. Dafür saß ihm die Kälte des Aufstiegs noch zu sehr in den Knochen.
„Wenn nicht müsste dieser verschüttet worden sein, schließlich muss Großvater Acollon auch irgendwo durchgekommen sein, als er in Engayas Tal kam. Und ich kann mir nicht vorstellen dass er über die Bergkette geflogen ist – das wäre sicherlich auch ziemlich kalt geworden.“
Mit einem Grinsen gedachte er die Bedenken seiner Schwester zu zerstreuen, wobei ihm nicht so ganz klar war, wo plötzlich der in seinem Nacken sitzende Schalk hergekommen war. Vielleicht kamen derartige Kommentare davon, wenn man so lange unterwegs war. Zumindest die Selbstbeherrschung hatte doch sicherlich unter derartigen Miseren zu leiden.
Chardím hatte seine Schwester auf eine Reaktion beobachtet, als sein Blick für einen kurzen Moment nach vorne huschte. Wie zunächst geplant wanderte er wieder zurück zu Amúr, sprang dann jedoch abermals in Richtung der Alphatiere – hatte er da ein blaues Blitze ausgemacht? Ein wenig wie in einer Nacht mit rundem Mond, erschien ihm das Licht dort vorn und neugierig streckte er seine Schnauze aus, in der Hoffnung sie von frischer Luft umschmeicheln lassen zu können.
Er sollte aber enttäuscht werden. Es roch genauso wie die ganze Zeit vorher, nur das der unterschwellige Geruch fremder Wölfe zugenommen hatte. Der Schwarzweiße schnippte mit einem Ohr.
„Riechst du das au...“
wollte er der Grauen zu murmeln, als er von einem jähen Jaulen unterbrochen wurde und reflexartig dem Aufschrei Stehen zu bleiben Folge leistete. Daylight und somit die Urheberin des Jaulens kämpfte sich an ihnen vorbei nach vorn, dorthin wo das Licht heller und der Geruch stärker wurde.
Der Jungrüde legte seinen Kopf in eine leichte Schräglage, typisch für ihn, wenn er sich über etwas wunderte, was er versuchte zu klären. Wieso wollte die Weiße dass sie alle nicht weiter auf die Lichtquelle zugingen?
27.10.2013, 22:49
Was sollte sie mit der Aussage von ihrer Tante anfangen? So wie es klang, sollte es ein Scherz sein. Als solchen wollte es Kursaí aber nicht so einfach hinnehmen. Ihrer Tante fiel dies bestimmt einfach, war ihr Glaube doch nicht so stark. Nicht, als ob sie dies nicht nachvollziehen könnte, jedoch so war sie nicht mehr. Vielmehr wünschte sie sich, dass in den Worten der anderen mehr Wahres drin steckte, als die andere vermutete.
Lange dachte sie jedoch nicht darüber nach, denn wie als hätte jemand oder etwas den Witz der Fähe neben ihr allzu ernst genommen, war Licht vor ihnen aufgetaucht. Es hatte etwas gedauert, bis sie es verstanden hatte. Dies war wohl nicht wirklich verwunderlich. Noch hatte sie nicht mit Licht gerechnet. Sie waren gerade erst in den Berg eingedrungen und die andere Seite musste noch weit entfernt liegen. Als sie nun zu der noch nicht sichtbaren Parveen herüber sah, bestätigte diese ihre Wahrnehmung. Kursaí hatte nicht geglaubt, dass ihre Sinne sie täuschten, und doch hatte es diese Möglichkeit gegeben. Jedoch gab es da dann noch die Frage, was für ein Licht dies war. Es wirkte so fremd, so blau. Auf die zweite Aussage von der Dunklen konnte sie nur Nicken, auch wenn diese dies wohl nicht sehen konnte. Noch waren sie zu weit von dieser Lichtquelle entfernt. sie machte sich aber nicht die Mühe ihre Zustimmung noch einmal in Worte zu kleiden, schien es doch so, als ob der Anderen ihre Zustimmung schon bewusst war.
So verweilte sie ein wenig, etwas unschlüssig. Sie hatte sich noch nach vorne bewegt, doch ihre Schritte waren zögerlicher geworden, hatten nicht mehr den automatisierten, sicheren Gang von zuvor. Vielmehr schien es ein wenig so, als ob sie sich überwinden müsste einen Lauf vor den anderen zu setzen. Dieses Licht kam ihr nicht nur fremd, sondern auch falsch vor, so im kompletten Gegensatz zu dem "versprochenen Licht", von welchem die Andere Fähe gesprochen hatte, auch wenn diese es nicht ernst gemeint hatte.
Plötzlich wurde ihr bewusst, dass sie die Dunkle neben sich leicht wahr nehmen konnte und wie diese sie aufmunternd ansah. Anscheinend teilte sie nicht ihre vagen Befürchtungen. Ein wenig bestärkt wurden die Schritte der Jüngeren wieder kräftiger, wieder ein wenig zielstrebiger auch wenn sie das schlechte Gefühl nicht vollständig hatte abschütteln können. Und so machte sie sich mit ihrer Tante durch den Bogen in die Kammer hinein. Nun standen auch sie beide im Licht, wie auch einige der anderen Wölfe des Rudels.
Kursaís Blick folgte dem der Älteren nach oben. Von dort Oben irgend woher kam das Licht, jedoch mehr konnte sie nicht feststellen. Sie sah weder den Ursprung noch konnte sie eine Öffnung in der Decke sehen. Diese Halle erschien ihr sonderbar, fremd. Das Gefühl von zuvor meldete sich wieder, und sogar noch stärker und deutlicher. Sie hatte das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmen konnte, dies nicht der richtige Ort für sie war. Dieses Licht schien nicht von dieser Welt zu kommen, und dies beruhigte sie keineswegs. Stattdessen machte es sie unruhig und sie senkte wieder ihren Blick. Auch ihre Haltung war wieder ein wenig in sich zusammengesunken. Man sah ihr an, dass sie sich nicht ganz wohl fühlte. Ihre Seelenspiegel wanderten nervös in der Kammer herum und suchten etwas, was ihre Beunruhigung erklären könnte. Während sie so versuchte, ihre Lage zu überblicken wurde ihr plötzlich klar, was ihr zuvor schon aufgefallen war. Der Geruch anderer Wölfe hatte sich verfestigt, so als ob die anderen, die Fremden hier länger gewesen waren. Nun waren sie aber nicht mehr hier und so waren sie kein Grund zur Besorgnis. Noch als sie sich darüber klar wurde, fiel ihr Blick auf die Felsblöcke in der Halle.
Plötzlich zuckte sie zusammen. Nicht weil ihr etwa eingefallen war, warum ihr dies alles so verdammt falsch vor kam, sondern weil ein Jaulen von Hinten erklungen war. Zunächst konnte sie es nicht zuordnen, und sie erstarrte vor Schreck. Doch im gleichen Moment, wie ihre Tante es sagte, wurde ihr klar, dass es Daylight gewesen war. Die Graue war froh, dass die Fähe sie alle anhalten ließ, wollte sie doch eigentlich nicht weiter in die Halle hinein. Gleichzeitig schämte sie sich ein wenig dafür, wusste sie doch nicht warum. Doch war dies wirklich so? Denn es war nicht nur irgend ein Wolf aus dem Rudel, sondern ausgerechnet die Freundin des Spechtes. Und damit kam eine Erinnerung in ihr Gedächtnis. Es schien ihr als ob es da mehr gab.
Bevor ihre Gedanken des Rätsels Lösung finden konnten, fing die Wölfin neben ihr an zu flüstern. Auf einmal fiel es ihr wieder wie Schuppen von den Augen. Die Worte des alten Vogels waren ihr nicht mehr präsent gewesen, jedoch schien es, als ob sie tiefer in ihr gewesen waren, als sie vermutet hätte. In gleicher Stimmlage setzte sie die Worte der anderen fort:
"Höhlen mit Augen, sie bergen keine Gefahr."
Es entstand eine kurze Pause. Nicht nur zwischen den beiden Fähen, sondern auch in den Gedanken der Grauen, bevor diese weiter rasten. Dieses Licht war eine Gefahr, Nun wusste sie, warum es ihr widerstrebte weiter in diese Höhle hinein zu gehen. Doch wo war die Höhle mit Augen? Wo mussten sie lang? Sie sah zu Parveen rüber, fragte sich, ob diese auf die alles entscheidende Frage eine Antwort wusste.
Nun war auch klar, was Daylight wollte. Sie musste verhindern, dass sie in dieser Kammer verloren gingen. Kursaí wurde klar, dass sie einen Fehler begangen hatten. Es war klar, dass die Prophezeiung im Wald der Spechte hatte warten müssen, jedoch hätten sie sie weiter geben müssen. Hätten sie teilen müssen. So hatten sie sie wohl nur für eine Weile vergessen, und vielleicht gehofft, dass eine der anderen beiden Fähen sie Tyraleen mitteilte.
Bestimmt war dies der anderen Fähe schon klar, doch Kursaí sagte nun mit sicherer Stimme zu Parveen:
"Wir dürfen diesen Weg nicht einfach fortsetzen!"
Sollten sie auch nach vorne gehen und Daylight unterstützen? Dies wäre wohl das richtige, und doch zögerte Kursai einen Moment. So blickte sie fragend zu Parveen.
[[in der Kammer // Parveen]]
28.10.2013, 18:43
Sheenas Worte, die an Linalee gerichtet waren, rissen ihn aus seinen Gedanken. Er blickte zu seiner Mutter auf und schien sie prüfend zu mustern, als wollte er sich vergewissern, dass sie das nicht nur so daher sagte. Das taten erwachsene Wölfe manchmal. Aber der Weiße vertraute seiner Mutter wie keinem anderen Wolf und glaubte ihr, dass die Sterne auf sie warten würden. Beruhigt senkte er den Kopf wieder etwas und beobachtete abwartend die Gruppe um Caylee, die sich mit dem Fremden abmühte. Sie sollten endlich weiter gehen. Der Sturm zerrte an seinem dichten Fell und er fröstelte aufgrund der Pause nun doch langsam. Die fehlende Bewegung machte sich auf ungeschützten Flächen sehr schnell bemerkbar, trotz ihres inzwischen sehr dichten Fells.
Wieder war es Sheena, die seine Aufmerksamkeit auf sich lenkte und er hob er erneut den Kopf, als sie seinen Namen nannte, eingebunden in eine Frage – wenn auch eine rhetorische. Der Welpe legte den Kopf leicht schief und erwiderte den liebevollen Blick seiner Mutter mit Interesse. Wollte sie ihn auf dem Weg der Neugier zum Reden bringen? Wenn es so war, würde es nicht funktionieren. Der schmächtige Weiße wartete still und ließ sich nur kurz davon ablenken, dass sein Vater sich zu ihnen gesellte. Kurz huschten die schwarzen Augen zur Seite und fixierten Jakash, dann lag seine Aufmerksamkeit wieder bei Sheena. Sie wollte ihn zu nichts überreden. Sie verstand ihn. Überraschung mischte sich in seinen Gesichtsausdruck, auch wenn man aus seinen dunklen Augen nur schwer herauslesen konnte, was ihn beschäftigte. Doch seine Ohren stellten sich ungewollt auf und er hörte angespannt zu. Schließlich breitete sich ein Lächeln auf seinen Lefzen aus und er schmiegte sich an die Seite seiner Mutter. Sein Grund war zwar ein anderer, aber es beruhigte ihn, dass sie akzeptierte, dass er nicht sprach. Sie wollte ihm nicht zu verstehen geben, dass er eine unhöfliche Gesellschaft für andere Wölfe war, oder vielleicht verrückt, seltsam, ein bisschen geisteskrank. Sie hatte auch geschwiegen und sie verurteilte ihn nicht dafür. Es mochte Malik nicht schwer fallen, zu schweigen, aber das bedeutete nicht, dass er sich keine Gedanken darum machte, was die anderen Rudelmitglieder deshalb dachten. Dass seine Mutter es akzeptierte, beruhigte ihn unwahrscheinlich. Schließlich schenkte er auch Linalee einen kurzen, freundlichen Blick, wie um ihr zu verstehen zu geben, dass Sheena Recht hatte und sie sich keine Gedanken machen sollte. Er wollte nicht überredet werden, sein Schweigen zu brechen.
Das allgemeine Schweigen dagegen wurde von Daylight beendet, die sich nach vorn drängte und irgendwen – möglicherweise alle – aufforderte, anzuhalten. Malik spitzte die Ohren und blickte alarmiert nach vorn, konnte aber durch die dicht stehenden Wölfe und die Finsternis in der Höhle, die noch zu stark im Kontrast zum hellen Schnee um ihn herum stand, nichts erkennen. Daylight dagegen schien etwas bemerkt zu haben. Noch einen Augenblick beobachtete der Welpe den Wolfsstau und die kleine Gruppe, die Daylight zurückgelassen hatte, dann ging er wortlos vor. Vielleicht kam er besser hindurch und konnte sehen, was passiert war, was Daylight eingefallen war. Jedenfalls wollte er nicht warten, bis Caylee und der Fremde sich auch noch in der Höhle sammelten. Nur … konnte er Sheena und Linalee auch nicht in ihrer Nähe allein lassen. Als ihm das einfiel, blieb er stehen und drehte den Kopf, legte die Ohren an und wartete, dass sie ihm folgten.
29.10.2013, 20:16
Averics Antwort ließ ihn abermals kurz Schmunzeln, doch er sah davon ab, zustimmend zu nicken. Ihre Pelze waren ohnehin bereits gänzlich in Dunkelheit gehüllt, sodass es meist nur noch ein Erahnen der Züge der Gesprächspartner war. Er bezweifelte, dass Samirez wirklich etwas mit den Worten des Todessohnes anfangen konnte – was sonst nämlich sollte sie erwarten als die Natur mit all ihren Wundern und Gefahren? Im Gegensatz zu vielen des Rudels hatte der Hüne gar keine konkrete Vorstellung von ihrem Ziel. Er ließ sich leiten, wie er sich auch zum Tal der Sternenwinde hatte leiten lassen und ließ auf sich zukommen, was die Götter für sie bereithielten. Auch Averic unterstützte diese Ansicht, schien Samirez mit dem Namen 'Acollon' allerdings etwas zu überfordern. Chivan schnippte mit den Ohren, schwieg aber und überließ dem Dunklen das Reden – immerhin hatte er den Rüden nie persönlich kennengelernt. Gleichzeitig war er ebenso gespannt darauf, was der Todessohn über seinen Vorgänger zu erzählen wusste – zumindest so lange, bis sich vor ihnen an der Spitze ihres Konvois allmählich wieder Licht erschien. Seine Züge verhärteten sich etwas, während sein Instinkt ihm keine Sekunde später sagen konnte, dass es mit Sicherheit kein Tageslicht war, welches sich vor ihnen erstreckte. Die ersten Wölfe bogen bereits um die Biegung der Höhle mitten in das unwirklich wirkende Licht hinein, als plötzlich nicht allzu weit hinter ihnen ein Ruf erklang, der Chivan augenblicklich zum Stehen brachte. Irritiert wandte er sich herum, drehte die Ohren, um sich ein besseres Bild von seiner Umgebung zu machen und spähte in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war. Gefahr schien keine zu herrschen, ebenso, wie sich nichts ereignet haben konnte, denn dazu waren die Schritte der Wölfe hinter ihnen zu ruhig.
„Ist etwas passiert?“, erklang dennoch seine tiefe Stimme während er an Averics und Samirezs Seite verweilte.
Den Gedanken, dass es etwas mit den Wölfen vorne zu tun hatte, fasste er gar nicht. In erster Linie befürchtete er irgendetwas um Krolock, der ebenfalls irgendwo knapp hinter ihnen gewesen war, wenn er sich recht entsann.
02.11.2013, 17:50
Ci hatte es geschafft, nicht erneut hinzufallen. Wie, das wusste er nicht so recht. Aber nun stand er mit grotesk gestreckten Vorderpfoten da und erinnerte an einen Baum, kurz bevor er vom Sturm umgepustet wurde.
Sein Blick wanderte erneut nach oben, als er eine neue Stimme hörte die sich offenbar an ihn wandte. Jedenfalls sagte sie seinen Namen. Die Stimme gehörte Jakash, der vermutlich gekommen war um zu sehen warum sie hier herumtrödelten. Auf die Feststellung des schwarzen musste Ciradan nur schwach grinsen. Für tot, haha...ja, ich mich auch, dachte er zynisch. Caylee sagte wieder was zu Daylight, was er nur registrierte aber nicht aktiv versuchte zu verstehen. Es sah zumindest nicht mehr so aus, als wollten sich die beiden Fähen ans Fell gehen, was er nur schweigend befürwortete.
Wieder landete sein Ohr in Caylees Maul, allerdings fühlte es sich nicht mehr an als wolle sie es abreißen. Ciradan neigte dennoch umständlich den Kopf in ihre Richtung und hielt dann kurz inne, als er ihr Angebot vernahm. Sie klang sehr leise, obwohl sich ihre Schnauze direkt neben seinen Ohren befand, als wolle sie von keinem anderen gehört werden. Schämte sie sich etwa dafür, nett zu ihm zu sein? Er war zu schwach und seine Gedanken zu blockiert, als dass er sich darüber tiefgründige Sorgen machen konnte. Ci beließ es zunächst dabei und lächelte verlegen, ehe er sich sanft gegen Caylee lehnte und den Höhleneingang ansteuerte. Ein wenig unangenehm war es schon, ein solch jämmerliches Bild abzugeben. Kurz hatte er sich nach Krolock umgesehen, seinen Bruder aber glücklicherweise nirgens ausmachen können. Vielleicht war er ja weg? Ach nein, dazu roch Caylee noch viel zu stark nach ihm...Jedenfalls hoffte Ci inständig das sich erst begegneten, wenn er sich wieder in einem akzeptablen Zustand befand.
Sein Kreislauf indes begrüßte die leichte, regelmäßige Bewegung und so gerieten seine Läufe bald wieder in einen gleichmäßigen Takt. Zwar sah man ihm die Strapazen der letzten Tage immer noch deutlich an, aber als der Berg sich langsam über ihn schob drohte er zumindest nicht mehr bei jedem zweiten Schritt hinzufallen. Trotzdem genoss er es, sich weiter an Caylee kuscheln zu können. Die Höhle machte ihm Angst, sodass er für ihre Nähe gleich doppelt dankbar war.
Das zwitschernde Federvieh war inzwischen zurückgekehrt und wieder auf Daylight gelandet. Ciradan beobachtete, wie es sich im Fell der weißen gemütlich machte. Verrückt. Was bringt einen Vogel dazu, sich einem Wolfsrudel anzuschließen...und dann auch noch mit ihm unter die Erde zu gehen? Auch Caylees Tante fühlte sich nicht all zu wohl in ihrer Haut. Keiner tat das, da war sich Ci sicher. Sie gehörten einfach nicht hierher. Fast schon paranoid warf er einen Blick zurück über die Schulter, weil er sich sicher war dort den schwarzen Wolf aus dem Aschewald zu sehen. Natürlich war da nichts und niemand. Nervös fuhr er sich mit der Zunge über seine Nase. Albern. Reiß dich zusammen. Die anderen...
Er stoppte mitten in der Bewegung, als sein Blick erneut auf Daylight fiel. Hinter ihrer Stirn arbeitete es sichtbar. Sie begann den Piepmatz Dinge zu fragen, die für Ciradan alle keinen Sinn ergaben, sodass er nur einen verständnislosen Blick mit Caylee tauschte. Was er aber verstand war die Panik, die sich plötzlich im Gesicht der weißen abzeichnete. Sogar in diesem düsteren Zwielicht gut erkennbar. Aber warum?
Vor ihnen, bereits deutlich weiter vorgedrungen waren die anderen. Und ganz schwach sickerte Licht durch den Gang zu ihnen. Tageslicht konnte es nicht sein...durch einen derartig großen Berg konnte keine solch lächerlich kurze Höhle führen. Außerdem fehlte der Geruch der kalten Winterluft komplett. Man konnte die Unruhe spüren, die nach Daylights Ruf durch das Rudel ging. Bereits nach kurzer Zeit erklang eine Antwort. Die Stimme gehörte weder Averic noch Tyraleen. Ci kannte ihren Besitzer, konnte ohne ein Gesicht aber keinen Namen zuordnen. Er wünschte sich einen der Leitwölfe herbei, oder das Daylight nach vorne ging und klarstellte, was hier eigentlich los war. Je länger diese Situation andauerte, desto unwohler fühlte er sich. Noch einmal sah er zurück zum Ausgang, dann drückte sich seine Schulter fast unabsichtlich noch stärker in Caylees Fell. Wie bei einem Welpen, der Schutz bei seiner Mutter suchte.
(bei Tarakarax, Daylight und Caylee auf dem Weg durch die Höhle, dahinter Jakash, Sheena, Linalee und Malik)
03.11.2013, 12:08
Ein Band des Verständnisses entstand zwischen den beiden Fähen. Spätestens, als Kursaí eine weitere Zeile des Rätsels zitierte. Höhlen mit Augen. Was sollte das bedeuten? Hier hatten sie kein Lebewesen ausmachen können. Niemanden, der Augen hatte und somit die Sicherheit garantieren konnte, von der die Reime sprachen. Im Kopf der Schwarzen hatte das Rauschen nicht aufgehört und besorgt ließ sie einmal mehr den Blick schweifen. Durch die Kammer, zurück zu dem steinernen Gang. Er glitt an dem gespenstigen Licht vorüber und blieb schließlich an einem Steinblock unweit der Wölfinnen hängen. Fragend legte sich ihr Kopf ein Stück zu Seite. Es war ihr vorher nicht aufgefallen. Zu flüchtig hatte sie die Steine betrachtet. Es schien ihr beinahe, als hätte dieses leblose Stück Felsen das Aussehen eines zusammengerollten Wolfs… 'Unsinn, Parveen. Eine Laune der Natur, oder dein Geist spielt dir einen Streich.' Und während sie den Felsen betrachtete, stieg ihr fremder Wolfsgeruch in die Nase. War er vorher schon da gewesen und sie war sosehr mit anderem beschäftigt gewesen, dass sie es nicht bemerkte? Oder vielmehr hatte sie es bemerkt und es verdrängt? Sie rümpfte kurz die Nase.
Sie schüttelte kurz das Haupt und fasste ihre Nichte wieder ins Auge. Das Bild des Steinwolfs verschwand beinahe aus ihren Gedanken, aber der Geruch blieb. Zustimmend nickte sie, aber gleichzeitig stiegen viele Fragen in ihr auf.
"Wenn dieser Ort wirklich eine Gefahr birgt, müssen wir die anderen warnen. Aber welchen Weg sollen wir nehmen, wenn nicht diesen?"
Gab es überhaupt eine Alternative?
"Und wenn wir uns dies alles nur einbilden, Kursaí? Alles was wir haben, sind die rätselhaften Worte von Xytokokax. Es könnten einfach nur Worte sein. Oder aber einen anderen Ort betreffen und gar nicht diesen."
Das war der entscheidende Punkt, nicht wahr? Deswegen hatte sie damals die Zähne aufeinander gehalten und nichts erzählt. Es konnten Worte sein, nichts als Worte. Das Rudel hatte genug sorgen, auch ohne sich von den Rätseln eines Goldspechts die Köpfe zu zerbrechen. Den Funken an Angst hatte Parveen versucht zu ersticken und auch die Vermutung, dass es tatsächlich eine Gefahr für sie gab. Daylight hatte diesen Funken nun wieder zum Glühen gebracht. Was immer im Kopf der Weißen vorging. Sie hatte Angst um das Rudel und hatte in den Worten vielleicht etwas gefunden, was Parveen verborgen blieb.
"Komm, Kursaí."
Entschlossen straffte die sich und nachdem sie suchend nach Tyraleen oder Aszrem den Blick schweifen ließ, setzte sie sich gemeinsam mit ihrer Nichte in Bewegung.
"Vielleicht vermuten wir eine Gefahr, die nicht da ist. Aber das haben nicht wir zu entscheiden."
Sie sollten nicht dem Licht vertrauen… Mehr wussten sie nicht und es war wahrlich nicht viele Argumente, die sie für eine mögliche Gefahr hatten. Dennoch hatte Daylight nun den Anstoß gegeben, nicht mehr länger zu schweigen. Immer noch wollte Pav ungern dort Angst streuen, wo keine sein musste. Das Rudel fühlte sich auch ohne ihre rätselhaften Worte sicherlich alles andere als wohl im Inneren dieses Berges. Aber nur weil einige ihre Gedanken bald teilten, hieß is nicht, dass sie allen diese Bürde auferlegen mussten. Es gab bereits genug Wölfe, die sich die Köpfe zerbrachen.
03.11.2013, 14:01
Sie waren bereits ein paar Wolfslängen gegangen, als ein fahles Licht die Dunkelheit der Höhle zerfließen ließ und an Amúrs Aufmerksamkeit zog. Interessiert schnippten ihre Ohren nach vorne, ehe sie dem schwarzen Bruder einen Blick schenkte der über seine weiße Melierungen glitt.
„Naja scheinbar hast du Recht. Das Licht da vorne kann ja nicht einfach von irgendwoher kommen, aber die Logik mit dem fliegenden Wolf...na ich weiß ja nicht so.“, gluckste sie etwas erheitert und konnte sich das Bild vor dem inneren Auge nicht entgehen lassen.
Ihre Rute pendelte leicht, zuckte kurz und blieb dann wieder stehen. Der Silberfang war sich unsicher, wusste das Licht nicht einzuordnen und ihm eine Quelle zu geben. Doch irgendwoher mussten sich die Strahlen doch in die Höhle gekratzt haben und Amúr zog die Schnauze nach oben, um vielleicht die frischen Zug eines Windes zu kosten. Nichts, doch war da etwas anderes was um ihre Sinne schlich und Chardím schien es wohl genauso bemerkt zu haben wie seine Schwester die ihm nur trocken zunickte. Das Ganze erschien ihr etwas ominös und selbst die Silhouetten der anderen Wölfe tauchten mit erdrückender Stille in das Licht.
„Hier riecht es nach Wo...“ , wollte sie selbst noch in die angebrochenen Silben des Bruders mischen, doch...
Ein lauter Schrei durchriss die Stille und zog an den beiden Wölfen vorbei. Die weiße Fähe – Daylight – untermalte ihr Rufen mit einem schweren Hecheln, das von Panik ergriffen in Amúrs Ohren hallte und die Mondtochter aufschrecken ließ. Ein helles Winseln fiepte erschrocken durch ihren Fang und ihre Rute klemmte sich besorgniserregend an ihre Hinterhand.
„Wa...Was...
...okaaay.“
Der Glanz in ihren Augen wurde durch das Licht stärker und ihre Koloriten rasteten auf dem Körper, der vorne bei ihrer Mutter zu halten schien. Was hatte sie denn nur? Hatte dies etwa mit dem Geruch der Wölfe zu tun, oder schienen die Vögel sich an den Ohren der Wölfin gelabt zu haben? Wie Chardím eben auch, neigte die Wölfin den Kopf und sah dann zu ihrem bunten Bruder auf.
„Was meinst du was sie gesehen hat? Scheint ja ziemlich..dringend zu sein.“, brummelte es diesmal wieder etwas entspannter aus ihrer Kehle.
Amúrs Haltung lockerte sich mittlerweile wieder, auch wenn ihre die Höhle ein Unbehagen hervorrief. Opa Acollon an der Seite zu wissen wäre vielleicht kein Schaden und doch blieb die Silberne stehen und wartete auf ein Reaktion der Leitwölfin.
04.11.2013, 20:34
Das Rudel war auf Wanderschaft, um ihn herum passierte so viel, doch Hiryoga schien all dies nicht wahr zu nehmen. Immer wieder „wachte er auf“, ein Stück entfernt vom Rudel und wusste nicht, wie er hier hin gekommen war. War er eben auf dem Weg zu seinem Enkel Isaí, so schien er doch nie dort anzukommen. Er fand keine Erklärung für diese Geschehnisse, er wusste nur, dass etwas nicht mit ihm stimmte, nur was es war, konnte der Rüde nicht erklären.
Es war bitterkalt, der Weg durch die verschneite Landschaft schwer, vor kurzem war er erst zurück gekehrt, sein Körper war hieran nicht gewöhnt. Obwohl ihn ein ungutes Gefühl in diese Höhle begleitete – es war immerhin ein dunkler, unerforschter Ort -, war er doch froh den Schnee und den Wind hinter sich zu lassen. Doch schon bald traf ihn erneut etwas unerwartetes…Acollon. Sein Geruch haftete hier überall, wenn auch nur schwach, doch deutlich genug für seinen Sohn. Das Nackenfell des langsam ergrauten Wolfes sträubte sich, am liebsten wäre er umgedreht und hätte dieser Höhle den Rücken gekehrt. Einen Vorteil hatte der Gedanke an seinen verstorbenen Vater, er löschte die Angst vor der Dunkelheit und dem Unbekannten in ihm aus.
Doch je mehr sich Hiyo in seine Vergangenheit und seine Erinnerungen an seinen Vater hinein steigerte, desto kühler schien ihm diese Höhle vor zu kommen und diese Kälte ergriff seinen ganzen Körper. Da war es wieder, dieses Gefühl des…Egalseins. Nichts war mehr wichtig. Es war dunkel, eng, hier konnte er sich nur auf seine Nase und seine Ohren verlassen - seine Augen taugten hier nichts. Vor ihm, sowie hinter ihm Wölfe. Unwichtig. Der Rüde beschleunigte seine Schritte und zwängte sich so gut es ging an allen Wölfen vor ihm vorbei, ohne Rücksicht auf Verluste. Zum Glück war er recht weit vorne gelaufen, sodass er nicht viele überholen musste, ehe er zu den anderen in eine große Kammer stieß. Doch nichts hieran interessierte ihn, auch nicht die seltsamen Felsbrocken, die hier überall verteilt lagen. Er musste weiter, wo ging es weiter?
Schon machte sich der helle Rüde auf den Weg weiter zu laufen, wohin ihn seine Nase auch führen würde, als ein Geheul seine Gedanken durchbrach und er wieder zu sich kam. Im ersten Moment verunsichert legte Hiryoga die Ohren an den Kopf und zog die Rute etwas ein. Erst jetzt bemerkte er, welch seltsame Atmosphäre hier herrschte und welch stechender Geruch in der Luft lag. Zu überwältigt war er von dieser großen Kammer, als das er noch einen Gedanken daran verschwendete, wie er hier in diese Kammer so schnell kam.
Der Rüde beruhigte sich langsam, schob die Ohren nach vorne und erkannte nicht weit von ihm entfernt seinen Enkel und seinen Neffen. Hiryoga zwang seinen Körper zur Entspannung und schaffte es tatsächlich, relativ entspannt neben die beiden zu treten. Mit seiner Schnauze fuhr er Isaí sachte durch das Fell an seinem Hals und stellte sich zu den beiden.
„Endlich habe ich euch beide eingeholt.“
Hiyo pustete Luft aus seinem Maul, so als sei er erschöpft vom Folgen, auch wenn diese Geste nicht gespielt war, so galt sie mehr der Beruhigung seiner selbst.
„Er ist ein echter Sternenwind, nicht?“
Mit einem stolzen Lächeln, welches die beiden wohl nur schwer erahnen konnten, sah er zu Isaí, ehe er wieder zu Chanuka blickte und die Ohren zur Seite schob.
„Eine seltsame Höhle, findet ihr nicht auch? Und dieser Geruch, was das wohl ist?“
Aufmerksam sog er die Luft ein, doch er konnte den Geruch nicht zu ordnen, immerhin übertünchte er Acollons Duft.
06.11.2013, 09:50
Kursaí spürte, wie die Gedanken der andere Fähe bei dem Gleichen weilte. Auch sie war in Gedanken bei dem alten Vogel und den merkwürdigen Worten von ihm. Doch wohin sollten sie jetzt gehen, wenn doch scheinbar nach vorne nicht die Lösung war? Auch wenn Kursaí diese Worte nun wieder so gekommen waren, sie sich wieder bewusst an sie erinnerte, und sie die Lösung versprachen, fiel ihr sie nicht ein. Was brachte einem eine Warnung, die man nicht zu deuten wusste? Da wäre es doch besser, wenn man ohne weiter ginge. Vielleicht hätte sie dann von Anfang an nicht so ein schlechtes Gefühl bei dieser Höhle gehabt.
Noch während sie so in Gedanken merkte, sah die graue Fähe, wie die andere Fähe sich umsah. Zunächst war sie noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, dann folgte sie ihrem Blick. Zunächst war es der vermeintliche Weg nach vorne. Diese Höhle war in zweierlei Hinsicht merkwürdig. Da war nicht nur das Licht, sondern auch diese Felsformationen. Zunächst waren diese ihr nicht so sehr in den Blick gefallen, vielmehr war ihr Blick an dem Licht hängen geblieben. Jedoch diese Felsen waren mindestens genauso merkwürdig. Es wirkte so als ob der Stein Struktur hätte, doch sie brauchte eine ganze Weile, bis sie erkannte, was es war. Es erinnerte an ihre Art, es wirkte so, als ob der Fels sich wie ein Wolf, oder eher gesagt, wie viele Wölfe formte. Jedoch noch solange sie an diesen Gedanken war, hatte ihre Tante ihre Schnauze geöffnet, und die nächsten Worte verkündet.
Der erste Teil war einfach, doch was sollten sie sonst tun. Ihr Blick kehrte zu der schwarzen Fähe zurück und sie nickte augenblicklich zu den ersten Worten. Sie hatte ihre Zustimmung. Das machte es aber nicht einfacher auf den zweiten Teil ihrer Begriffe zu antworten. So sah sie Parveen erst einmal einen kurzen Moment ein wenig ratlos an. Bevor sie antworten konnte, kamen aber auch schon die nächsten Worte. Kurz war sie etwas verunsichert. Sie hatte die Worte ja auch vergessen gehabt, auch wenn sie so eindringlich geklungen haben. Dann fasst sie aber wieder Vertrauen zu Xytokotax. Sie hatte diesen Vogel als vertrauenswürdig betrachtet, und somit waren es auch seine Worte. Er hätte ihnen dies nicht mit auf den Weg gegeben, wenn es eine Bedeutung hätte. So sagte sie:
"Ich denke nicht, dass es nur Worte sind. Ich denke der alte Goldspecht wollte uns etwas mitgeben, und uns nicht irre leiten. Die Frage ist wohl wirklich eher, ob wir sie richtig deuten und ob dies wirklich der Ort für diese Prophezeiung."
Welche Gefahr wartete auf sie? Auf sie alle. Sie mussten etwas gegen tun, konnten nicht einfach so weiter. Hatte Daylight nähere Ideen? Vielleicht wusste ja auch der junge Tarakarax etwas hilfreiches. Eigentlich glaubte sie es nicht, war dieser doch auch noch jung. Er war ein super Kundschafter, und ein guter Wegbegleiter. Auch ein Freund vom Rudel war er geworden, doch hatte er nicht die Weisheit und Erfahrung des älteren Vogel.
Als gerade Parveen sie aufforderte zu kommen, hatte sich Kursaí gerade ein nächstes Mal umgesehen. Einen Moment blieb sie noch stehen, denn ihr Blick hing gerade an dem Steingang, wo sie hergekommen waren. Noch immer war dort ein großer Teil des Rudels, und sie hatte plötzlich das Gefühl etwas wichtiges zu sehen. So blieb sie einen längeren Moment starr stehen, bis ihr aufging, wohin ihre Gedanken getrieben sind. Ihre Rudelgefährten sah sie fast gar nicht, stand sie doch im Licht. Doch was sie sah, waren die reflektierenden Augen - die Augen waren das einzige, was sie in der Höhle sah.
Als sie nun zu Parveen umdrehte, rief sie begeistert aus:
"Ich habs! Ich weiß, wo wir lang müssen!"
Diese Worte waren nun lauter als zu vor. Sie war zu aufgeregt, um ihre Stimme zu dämpfen. So würden wohl auch die Rudelmitglieder in ihrer unmittelbaren umgeben ihre Wörter mitbekommen können.
Mit dieser Feststellung schloss sie erst einmal zu der dunkleren Fähe auf, und lief zielstrebig nach vorne. Sie musste ihr Wissen teilen. Dies waren auch die Worte der anderen Fähe. Zwar waren sie es nicht, die es entscheiden würde, doch sie mussten gemeinsam mit Daylight ihr Wissen teilen, hätten es wahrscheinlich schon früher tun müssen. Ein gewisses Schuldgefühl durch fuhr sie, doch sie hatte vor es wieder gut zu machen.
Es dauerte nur einen kurzen Moment, bis sie Tyraleen und Aszrem am Beginn des Rudels. Auf diese Beiden steuerte sie nun gemeinsam mit ihrer Tante zu.
06.11.2013, 19:58
Atalya blickte den grauen Rüden mit leicht gehobener Augenbraue an, wog dabei kurz den Kopf zur Seite. Bei seinen Worten verließ zuerst nur ein leises Schnaufen ihren Fang, mit dem sie dem Grauen einen vielsagenden Blick zuwarf. Er war nun wirklich der Inbegriff von dem, was ihr Angst machte. Und auch bei seinen nächsten Worten zuckte die graue Fähe kurz mit den Ohren, blickte kurz nach vorn zu den anderen Wölfen, ehe sie sich wieder zu dem Älteren herum wandte.
„Ich kenne deinen Namen, das reicht mir. Und wenn du hättest beißen wollen, hättest du das schon getan. Aber da du meinen Vater kennst, weißt du vermutlich auch, wie er darauf reagieren würde.“
Erneut wog Atalya den Kopf leicht zur Seite, musterte Yjel einen Moment, ohne dabei inne zu halten. Darauf, was ihr Vater ihr beigebracht haben sollte, ging die junge Wölfin nicht ein, sie hatte sich selbst beigebracht, bei jedem Wolf aufmerksam zu sein. Das war das einzig richtige. Und damit wandte sich Atalya schließlich wieder nach vorn, gerade, als Yjel wohl auch das Licht vor ihnen erkannte, auf welches sie zu steuerten. Einen Herzschlag neigte die Graue die Ohren an den Hinterkopf, lief dann aber unbeirrt weiter. Mit ruhigen Schritten näherte sie sich dem merkwürdigen Licht, und wie es schien, wurden auch die Gerüche, die in dieser Höhle hingen, stärker. Es roch eindeutig nach Wölfen... und irgendetwas unbekanntem. Prüfend ließ die junge Fähe den Blick noch einmal über das Rudel schweifen, musterte vereinzelte Wölfe, ehe sie sich wieder auf den Weg nach vorn konzentrierte, Yjels Worte dabei noch gut hörend. Jedoch ging sie nicht wirklich darauf ein, des gab nur einen Weg, es heraus zu finden. Und somit steuerte die Fähe weiter nach vorn, näherte sich dem Licht, bis eine bekannte Stimme durch die Höhle hallte. Kurz zuckten Atalyas Ohren, als sie den Blick zu Daylight herum wandte, die sie alle zum stehen bleiben aufforderte. Skeptisch ruhten die hellen Augen auf dem Vogel, der bei ihrer weißen Tante war, und einen Moment zögerte die Wölfin. Ein eindringlicher Blick galt Daylight, ehe sie sich wieder in Bewegung setzte, dem Rüden bei sich ebenso einen kurzen Blick zuwerfend. Einige der anderen Wölfe hatten sich schon zu dem Licht begeben, und der Geruch von Wölfen lockte Atalya nur noch mehr an. Automatisch war ihr Schritt ein wenig schneller geworden, trotz der Warnung, die wohl von Daylight ausging. Und so warf die Graue noch einen interessierten Blick zu Yjel, um zu sehen, ob er nun dabei blieb, dass er keine Angst hatte, oder ob er sich zu den Wölfen am Ende des Rudels gesellte. Dabei hielt sie aber trotzdem beinah selbstverständlich auf das Licht und die steinernen Figuren zu, die hier verstreut lagen. Und je näher sie kam, desto mehr glaubte sie, dass diese Steine bekannte Formen hatten.
[Yjel – Vor der Kammer ]
12.11.2013, 20:44
Averic nahm Samirez verwirrte Frage ohne großes Interesse auf. Es gab solche Wölfe, die sich für ihr neues Rudel interessierten und ihren Geschichten lauschten; die sie entweder glaubten oder anzweifelten und solche, die einfach alles an sich vorbei prasseln ließen und ihnen gar kein Gehör schenkten. Die sich genau so wenig dafür interessierten, wie Averic für ihr Unwissen. Er hatte auch keine große Lust einer der zu sein, die eine Diskussion über die Existenz der Götter führen mussten, oder zu verteidigen, dass sie keine übergeschnappte Sekte waren. Der Pechschwarze glaubte nicht an Fenris, genau so wenig wie er an Engaya glaubte. Es war eine ganz simple Tatsache, dass es sie gab und es daher nichts zu glauben gab. Es war Wissen. Punkt. Sie waren da, sie spielten mit ihnen, beeinflussten ihre Existenz und kannten selten Gnade. Die einen waren davon mehr betroffen, wie zum Beispiel er als irdischer Vertreter Fenris' und die anderen weniger.
Averics Antwort fiel knapp aus und er machte sich nicht die Mühe sie auszuführen.
„Acollon war ein Fenrissohn und mein Vater.“
Abgesehen davon war der Pechschwarze nicht unbedingt der geeignetste Gesprächspartner, wenn man etwas über Acollon erfahren wollte. Es gab nur wenig, was er objektiv von ihm erzählen konnte und alles andere war persönlich. Was Averic über seinen Vater dachte, hatte sich in der letzten Zeit zwar stark geändert und einiges war ihm klarer geworden, trotzdem blieb sein Gedankengut stark behütet. Es war kompliziert und zu intim. Irgend einen dahergelaufenen Wolf hatte es nicht zu interessieren hatten.
Chivan schwieg und der Todessohn wandte die Augen zur Seite, um vielleicht eine Regung bezüglich dieses Themas zu erhaschen. Aufgrund des mangelnden Lichts gab es allerdings wenig zu sehen und kurz darauf fing sowieso etwas anderes seine Aufmerksamkeit auf. Das Licht, das an ihrer Position fehlte, wurde allmählich vor ihnen sichtbar. Einige Meter vor ihnen wurde es heller. Averic spitzte die Ohren und reckte den Kopf nach vorne. Licht? Er wollte nicht glauben, dass sie schon am Ende waren, dafür hatte der Berg zu massiv ausgesehen – es sei denn, er spuckte sie in einem freien Kessel wieder aus. Aber es fehlte das Geräusch vom Wind draußen und kein Luftzug war zu spüren. Um sie herum gab es nur müde Grabesstille. Einige Wölfe waren bereits durch den Torbogen, der offen vor ihnen in das Gestein gemeißelt war, gegangen. Averic verengte die Augen und beschleunigte seine Schritte, um ihnen zu folgen. Kaum hatte er ihn passiert und einen kurzen Blick auf die verstreut liegenden Steine erhascht, die nun von den anderen unter die Lupe genommen worden, da rief Daylight hinter ihnen, dass sie anhalten sollten. Averic drehte augenblicklich den Kopf wieder herum, die Haltung alarmiert und gespannt. Kurz prüfte sein dunkler Blick, dass Krolock noch dort war, wo er hingehörte und keinen Blödsinn anstellte. Er hörte Chivan fragen, was denn los war und kurz darauf irgend einen schrägen Kommentar Kursaís, die scheinbar begriffen hatte, dass sie der Weg geradeaus durch die Höhle führen würde. Mit gerunzelter Stirn wandte sich Averic wieder um, seine Augen fielen dabei auf einen länglichen, großen Stein neben sich. Er sah aus wie ein Wolf und roch ganz schwach auch danach. Aber wie sollte das möglich sein?
[ Höhle, ein paar Schritte in die große Kammer hinein, kurz vor dem Torbogen | nahe Chivan, Samirez ]
13.11.2013, 08:25
Seine Bemerkung hatte nichts humorvolles gehabt, trotzdem empfand Jakash das leichte Grinsen Ciradans als eine durchaus passende Reaktion. Einen gewissen Sinn für Humor - und sei es nur Galgenhumor - hatte der Graue sich trotz aller widrigen Umstände offenbar bewahrt, was eigentlich nur als gutes Zeichen gewertet werden konnte, wie er fand. Da spielte es auch keine Rolle, dass der graue Jüngling nichts erwiderte. Jakash trat zur Seite, als Ciradan mit Caylees Hilfe an ihnen vorbei trat und in die Höhle hinein. Sein Blick wanderte dabei von dem jungen Rüden zu der Weißen. Von ihr hatte er kein Schweigen erwartet, eher schon ein spitzes Kommentar. Nun, er würde nicht bedauern, dass sie die Gelegenheit nicht wahrnahm.
Linalee kam zu ihm und begrüßte ihn mit einer sachten Geste, die er sanft erwiderte. Kurz warf er einen Blick zu Sheena, die begonnen hatte Malik von ihrer einstigen Schweigezeit zu erzählen, dann stieß er seine beiden Kinder leicht mit der Nase an.
"Und weiter geht's. Bleibt dicht bei uns, und vertraut auf eure Ohren und Nasen",
mahnte er seine Welpen, dann tauchten sie auch schon ins Zwielicht der Höhle ein. Schritt für Schritt wurde es immer dunkler, aber Jakash hatte das Gefühl, noch nicht weit gekommen zu sein, als es weiter vorn schon wieder etwas heller zu werden schien. Der Schwarze runzelte verwundert die Stirn und suchte dann Sheenas Blick, konnte neben sich aber gerademal ihre Gestalt erkennen. Sie konnten unmöglich schon durch den Berg hindurch sein... aber vielleicht gab es eine tiefe Felsspalte oder dergleichen, durch die Tageslicht herab fiel?
Plötzlich brüllte Daylight vor ihnen nach Halt und eilte prompt weiter nach vorn. Der Schwarze rollte mit den Augen und seufzte hörbar.
"Bei Fenris, was ist denn JETZT schon wieder?!",
knurrte er genervt.
[ganz hinten | Sheena, Malik, Linalee]
13.11.2013, 16:25
Aber wenigstens bekam er eine, wenn auch dürftige, Antwort auf seine Frage. Acollon war also Averics Vater und noch dazu ein Fenrissohn. Klar. Es war nicht so, dass Samir dem Dunkelfang seine Worte nicht abnahm, allerdings hatte er einfach keinerlei Interesse an den Göttern und dem ganzen drum herum. Er war einfach ohne sie aufgewachsen, in der Gewissheit, dass über ihm nur seine Eltern standen und nicht irgendeine himmlische Licht oder Schattengestalt. Allerdings sparte er sich sämtliche weiteren Worte auf, wollte sich lieber nicht mit dem kräftigen Hünen anlegen, der ihn vermutlich innerhalb von Sekunden in beträchtlich kleine Häppchen zerlegt hätte. Er hatte seine Antwort immerhin erhalten und Averic schien auch nicht erpicht darauf zu sein, weitere Antworten zu geben. Wie passend. Somit zeigte er nur ein kurzes Nicken und ließ sich dann, wie die beiden älteren Rüden auf die neugewonnene Ablenkung in Form von Daylight ein. Samirez hatte die weiße Wölfin kennen gelernt und mit ihr eine erfolgreiche Jagd veranstaltet, sie war so etwas wie eine Freundin, er mochte sie.
Da erst wicht sein Blick etwas ab. War das etwa Licht vor ihnen? Hatten sie diese schrecklich dunkle Höhle etwa schon durchquert? Was für ein Segen das gewesen wäre. Doch in Hinsicht des massiven Berges vor dem sie gestanden hätten und dem kurzen Weg den sie hinter sich gebracht hatten, war das doch unmöglich. Es musste einen anderen Grund haben. Irritiert ließ der Jäger seinen Bernsteinblick noch etwas weiter Streifen und nahm die nähere Umgebung etwas mehr in Betracht. Diese Steinen, sie waren irgendwie seltsam. Die Ohren zuckten, während er die Schnauze leicht zur Seite streckte. Sie rochen nach Wolf? Beinahe war Daylight vergessen, allerdings noch nicht gänzlich. Die Häärchen auf dem Rücken des Jägers richteten sich leicht auf. Sie sahen ja sogar aus wie Wölfe!
“Habt ihr schon mal Steine gesehen, die nach Wolf rochen?“, fragte er mit gesenkter Stimme an seine zwei Begleiter.
Dann packt sich der Jungspund ein Herz und trat etwas näher an den ihm am nächsten liegenden Steinwolf heran. Die Schnauze senkte sich herab, fuhr leicht über die kühle, glatte Oberfläche. Etwas ließ ihn Schaudern.
“Sie sind nicht mal warm“, dass wäre wenigstens eine Erklärung gewesen.
Wenn ein Wolf sich hier ausgeruht hatte... oder ein ganzes Rudel, wie nach den Gerüchen zu urteilen. Aber nein. Sie waren kalt, die Luft um sie herum beinahe totenstill. Der Weiße schluckte und trat einen Schritt zurück. Daylight. Daylight... wusste sie etwas darüber? Sie hatte sie immerhin zum anhalten aufgefordert.
13.11.2013, 19:05
Aufgeregt trat Kisha von einer Pfote auf die andere, ließ den hellen Blick dabei zwischen Ayar und dem was vor ihnen lag schweifen. Der Schwarze war zuerst zurück gewichen, aber immerhin schien er nicht vor ihr flüchten zu wollen – was er sich wohl eingestehen musste, dass es unmöglich war, hier unten vor ihr zu flüchten. Bei seinen Worten schließlich verzog die Fähe leicht die Lefzen und wog den Kopf zur Seite. Kein Abenteuer? Kisha schnaufte leise, bemühte sich dann um einen möglichst verschwörerischen Blick.
„Was meinst du dann, was uns da hinten unten erwartet?“
Sie war wirklich auf seine Antwort gespannt – oder eher auf das, was sie wirklich erwartete. Sie konnte es nicht sehen, aber wenn sie dem Geruch Glauben schenkte, dann trafen sie andere Wölfe auf ihrem Weg durch diesen Berg. Und das musste auch Ayar zugeben – das wäre wirklich ein Abenteuer! Vielleicht war es ja ein anderes Rudel – ein Rudel aus dem Tal der Raben. Und sie waren auf dem Weg ins Tal der Sternenwinde. Und... vielleicht war dies genau die Mitte der Reise. Wie wunderbar wäre es, wenn sie sich genau in der Mitte treffen würden... fasziniert von diesem Gedanken hob die dunkle Fähe den Blick kurz durch die Dunkelheit, blickte zur Decke, ehe der Schwarze ihre Aufmerksamkeit wieder auf sich zog. Bei seiner Frage nickte Kisha mit einem Grinsen, ließ dabei die Rute durch die kühle Höhlenluft schwingen.
„Kisha, genau. Und du bist Ayar. Und wenn nicht, dann vertausche ich dich.“
Munter richtete sich ihr brauner Blick wieder nach vorn, und nach einigen Momenten, die sie schweigend neben dem dunklen Rüden herlief, konnte auch die Fähe das spärliche Licht erkennen, welches die Wölfe magisch anzuziehen schien. Die Ohren der Schwarzen zuckten, jedoch mischte sich keine Angst dazu. Eher wurde sie noch aufgeregter, was sie einen weiteren, ungeduldigen Blick zu Ayar werfen ließ. Auch wenn dieser schon so schnell lief, dass sie glaubte, er hätte einen Geruch erkannt, der hier in der Luft hing. Sie betrachtete den Rüden also prüfend, und als er auf ihre letzten Worte antwortete blickte sie ihm empört – aber trotzdem noch lächelnd – entgegen. Pah!
„Du musst deine Fantasie benutzen!“
Kisha reckte den Kopf, nickte dann, um ihre eigenen Worte zu untermalen. Sie hielt sich an das Tempo des dunklen Wolfes, blickte dabei weiter zwischen ihm und dem fremden Licht hin und her. Gerade wollte sie sich erneut an Ayar wenden, als eine vertraute Stimme durch die Höhle hallte, die nicht nur den Rüden dazu brachte, inne zu halten. Suchend ließ Kisha den Blick schweifen, zuckte mit den Ohren, als sie die weiße Schwester erkannte hatte, die auch von anderen Wölfen belagert wurde. Sie brauchte sich also nicht erkundigen, was los war. Sie brauchte nur auf Antworten warten, während sich die braunen Augen wieder fragend auf den Rüden legten. Grinsend.
„Siehst du. Vielleicht bekomme ich doch noch mein Abenteuer.“
[Höhle beim Rudel - Ayar]
18.11.2013, 21:11
Die Vorderbeine abstrus von sich gestreckt, stand Ciradan – noch immer – auf seinen vier Pfoten. Der Wind zerrte mächtig an ihrem Fell und so würde er auch an dem seinen reißen. Hoffentlich blieb er stehen! Sie wollte nicht noch länger hier in der bissigen Kälte stehen, nicht nur ihrer Welpen zuliebe, sondern auch, weil das restliche Rudel mittlerweile kaum noch zu sehen war. Nur noch wenige Wölfe konnte sie schemenhaft erahnen. Sie mussten wirklich los, wenn sie den Anschluss nicht verlieren wollten.
Als ob Caylee und Daylight ihre Gedanken gehört hätten, positionierten sie sich rechts und links des schwachen Rüden und halfen ihm so vorwärts zu kommen. Endlich, endlich. Sheena hatte sich schon selbst an der Seite ihres Halbbruders gesehen und das wäre ihr nicht so richtig gelegen gekommen. Denn sie wollte viel lieber bei ihren Welpen bleiben um darauf Acht geben zu können, dass diesen nichts geschah.
Als die drei an ihnen vorbeigezogen waren, war es Malik, der sie noch kurz innehalten ließ. Zuvor schon hatte sich Linalee kurz aber sehr liebevoll an ihr Bein gedrückt. Sie schätzte diese Geste sehr, wusste sie doch, wie selten die junge Fähe solche Liebesbeweise austeilte. Danach war sie kurz zu ihrem Vater gestapft und hatte auch ihn mit einer zärtlichen Berührung begrüßt. Ein verliebtes Lächeln legte sich auf die Lefzen der Weißen.
Warum Linalee wieder zurück zu ihrem Bruder trat und wieso sie nun auch keinen Ton mehr von sich gab, war Sheena ein Rätsel. Doch weiterführende Gedanken wurden von Malik unterbrochen, der sich wie als Antwort auf ihre vorhergehenden Worte an ihre Seite schmiegte. Sie hatte bemerkt, dass er ihr aufmerksam und wahrscheinlich auch ein bisschen neugierig gelauscht hatte, aber mit einer solchen Reaktion hatte sie nicht gerechnet. Am liebsten hätte sie ausgiebiger mit ihm gekuschelt und ihn verwöhnt, doch dafür blieb jetzt wirklich keine Zeit mehr.
„Alle da!“
Ließ sie knapp verlauten und setzte schließlich auch eine Pfote vorwärts. Doch kaum hatte sie den Tunneleingang erreicht, schallte ein gellender Ruf durch die Dunkelheit. Er ging von Daylight aus, zerbrach die Stille, die sich um sie gelegt hatte und fuhr in Mark und Bein. Und ehe der Ruf noch verstummt war verließ Daylight die Position neben Ciradan und eilte nach vorne. Schnell war sie außerhalb Sheenas Sichtweite. Was nicht schwer war, kaum hatte man ein paar Schritte in den Tunnel getan, sah man nicht mehr weit. Nur kurz nach dem Ruf eilte auch Malik voraus, gerade wollte sie ihm besorgt nachrufen, da blieb er wieder stehen. Nur noch als Schatten zu erahnen und nach wenigen weiteren Schritten von ihr, konnte sie auch Jakash neben sich kaum noch erkennen. Sie schob Linalee mit ihrer Pfote schräg vor sich, sodass die Kleine sich bei drohender Gefahr sofort zwischen sie und Jakash zurückziehen konnte.
Und dann sah auch Sheena, was Daylight zu ihrem Ruf veranlasst haben musste. Sie atmete hörbar scharf aus. Noch ehe sie das Wort ergreifen konnte, erklang schon die knurrige Stimme ihres Gefährten. Ja, was war da los?
Das Licht welches sie nur sehr, sehr entfernt wahrnehmen konnte, flimmerte vor ihren Augen. Zu finster war es um sie herum. Sie schüttelte leicht den Kopf, es wurde dennoch nicht besser. Leicht bläulich und so weit weg, dass sie, wenn sie alleine unterwegs gewesen wäre, an ihrem Verstand gezweifelt hätte. Noch ein paar Schritte weiter, dann hatte sie Malik wieder erreicht. Linalee und Jakash würden ihr hoffentlich folgen. Es war nun sicher noch wichtiger als zuvor schon, den Kontakt zum Rudel nicht zu verlieren. Und die wenigen Schritte reichten bereits um ihr einen nie gerochenen Wolfsgeruch in die empfindliche Nase zu treiben.
„Engaya, steh uns bei“ murmelte sie und klang damit wie ein Pendant zu Jakash, der eben noch mit Fenris Namen geflucht hatte.
[Jakash, Linalee und Malik, direkt hinter Caylee und Ciradan - Tunnel]
Wenn was fehlt - Avantasias neues Album ist Schuld xD
19.11.2013, 16:07
“Wir … wir hatten eine totgeborene Schwester?“, echote sie zunächst noch immer irritiert und plötzlich verunsichert. “Das habe ich nicht gewusst … das habe ich wirklich nicht gewusst …“
Über diese Tatsache so verwirrt und beinahe traurig, vergaß sie ganz, Amáya noch weiter zu löchern und ihr mehr über dieses Umschleichen zu entlocken. Sie lief nur Schritt für Schritt weiter und fragte sich, warum ihr das nie erzählt worden war und woher Amáya das eigentlich wusste. Ihr war es allerdings nicht vergönnt, sich über diese Gedanken und ihre Irritation den Kopf zu zerbrechen - die Höhle im Inneren des Berges forderte ihre gesamt Aufmerksamkeit und ließ sie auch beinahe den kurzen Dank ihrer Schwester überhören. Nur am Rande dachte sie sich flüchtig, dass sie der Schwarzen mit dieser Aussage also wohl doch eine Freude hatte machen können. Leider musste diese Erkenntnis eine Nebensache bleiben, denn mittlerweile hatte sich Aszrem an ihre Seite gesellt und schien ebenfalls der Meinung zu sein, dass hier etwas nicht stimmte. Sie folgte seinen Schritten mit ihrem Blick und erwartete beinahe, dass sich der Stein zu seinen Pfoten bei der Nähe seiner witternden Nase bewegen würde. Aber sie blieb starr. Amáya war mittlerweile zu ihr getreten und sprach als erste aus, was sich beide Leitwölfe wohl dachten: So richtig schön war diese Szene nicht. Etwas stimmte nicht und noch konnten sie nicht beurteilen, ob das auch Gefahr bedeutete. Gerade wollte sich Tyraleen in Bewegung setzen und ebenfalls zu einem dieser steinernen Wölfe treten, da erklang von hinten ein lautes Jaulen, das von einem eindringlich verzweifelten “STOP“ begleitet wurde. Sofort schnellten Tyraleens Ohren zurück und ihr Kopf ruckte nach hinten. Wieder brachte Amáya es auf den Punkt: Daylight hatte gerufen und schien der Meinung zu sein, dass sie auf gar keinen Fall weitergehen sollten. Tiefe Furchen bildeten sich nun auf der Stirn der Weißen und sie wandte sich langsam um.
“Daylight, was ist?“,
rief sie in den dunklen Gang und hoffte, dass ihre Schwester bereits auf dem Weg zu ihnen war. Was hatte sie gesehen oder gehört, was ihnen anderen entgangen war? Und was sie so sicher machte, dass sie derart laut und energisch alle zum Anhalten bringen wollte? Noch während sich die Weiße das fragte, sah sie zwei dunklere Gestalten auf sich zukommen, nicht Daylight, aber ihre ältere Schwester Parveen in Begleitung Kursaís. Auch sie schienen aufgeregt und die jüngere Nichte der Leitwölfin sprach laut genug, um auch von der Weißen verstanden zu werden. Sie wusste, wo sie lang mussten? Was ging denn hier vor? Tyraleen kam überhaupt nicht mehr mit.
“Was geht hier vor, Parveen, Kursaí?“
Ihre Stimme klang angespannt und ein wenig ungehalten - ihr gefiel es nicht, dass offensichtlich alle möglichen Wölfe irgendetwas wussten, was sie selbst nicht mitbekommen hatte. Gleichzeitig hoffte sie darauf, dass eine der Fähen aus welchem Grund auch immer etwas über diese Wolfssteine sagen konnte und damit möglicherweise auch dieses seltsam drückende Gefühl erklärte. Sollte wirklich Gefahr drohen, wäre es aber gut, wenn sie so schnell es ging erfuhr, was das alles zu bedeuten hatte.
19.11.2013, 19:59
Das bedeutete aber nicht, dass sie den nicht auch lieb hatte. Langsam blieb sie stehen, streckte ihre dünnen Läufe etwas aus und wechselte einen kurzen Blick mit ihrem hellen Bruder, ehe sie zu Jakash schaute. Dass er genervt von den ständigen Ansagen von vorne war, konnte sie nicht nachempfinden, aber zumindest besaß sie so etwas wie ein Grundverständnis dafür. Für die Erwachsenen war das alles hier auch nicht gerade einfach.
Er hatte gesagt, sie sollten dicht bei ihm bleiben, also nahm sich die Kleine vor, genau das zu tun. Unbeholfen stolperte sie neben dem tiefschwarzen Rüden her und blieb dicht bei seinen langen, dunklen Läufen, allerdings ohne diese nochmals zu berühren. Ihre ganze Familie wusste, dass Linalee zwar eine enge Bindung zu den einzelnen Mitgliedern dieser besaß und sie auch gerne mochte, aber Körperkontakt in allem Übermaße war einfach nicht ihr Ding.
Sie blieb also bei ihrem Bruder und ihren aufgeriebenen Eltern und wartete darauf, dass Daylight helle Stimme nochmals durch die Höhle schallte. Was auch immer hier gerade geschah, sie musste ihm mit einer Art von Gelassenheit begegnen, die sie noch nicht beherrschte. Das kleine Herz der Sheenatochter schlug schneller in ihrer Brust, als sie das Murmeln ihrer Mutter horchte und die genervte Aufregung ihres Vaters neben sich spürte. Sie spielte verwirrt mit den großen Ohren, sagte aber nichts, konnte sich vor Aufregung auch nicht entschließen, sich zu setzen. Also blieb sie stehen, im Dunkel, fast ihren Vater berührend – achja, und schweigend. . .