18.05.2013, 09:44
Chanuka hatte sich soweit schon wieder etwas eingefunden und sich auch schon bei seiner Mutter angekündigt. Die größte Hürde stand für ihn allerdings noch bevor. Er freute sich wirklich sehr darauf Liel endlich wiederzusehen beziehungsweise mit ihr zu reden, einfach bei ihr zu sein und die Zweisamkeit genießen zu können. Worte waren immerhin nicht zwangsweise notwendig dafür, dass die beiden sich gut verstanden. Allerdings hatte er sich damals bei ihr genauso wenig verabschiedet, wie er sich bei jedem anderen verabschiedet hatte. Wenn er jetzt so im Nachhinein darüber nachdachte schmerzte ihm das wirklich sehr, besonders weil er wusste wie es Liel wohl geschmerzt hatte. Sie hatten wirklich immer über alles unterhalten, jedes noch so verzwickte Problem das sie hatten versucht aus der Welt zu schaffen. Aber dann, bei so etwas Großem, bei einer Sache wo Chanuka nicht gewusst hatte wann und ob man sich wieder sehen würde – man wusste ja nie was passieren konnte – hatte er ihr nicht einmal ein kurzes Tschüß gegeben. Abschied war nie einfach. Sich aber gar nicht zu verabschieden wenn man einfach nicht wusste, wann man sich wiedersehen würde? Im Moment wirkten die damaligen Ansichten und Beweggründe für sein Handeln, sprich das es beispielsweise einfacher war wenn man sich am Besten gar nicht verabschiedete, sehr merkwürdig und unverständlich für den Rüden. Was er sich damals wohl dabei gedacht hatte? Unzufrieden grummelte er in sich hinein, setzte weiter Pfote vor Pfote in die Richtung, in der er Liel vermutete. Als er dann für einen Moment aufsah und sie in gar nicht mal so weiter Entfernung ausmachen konnte blieb er schlagartig stehen.
Ob sie ihn überhaupt noch bei sich haben wollte? Ob sie wohl verzeihen würde und Verständnis dafür haben würde, was er getan hatte und wie er es getan hatte? Chanuka war wirklich unwahrscheinlich unwohl bei der Sache, vor allem weil er sie wirklich nach wie vor und eigentlich immer als seine beste Freundin angesehen hatte. Er wusste einfach nicht ob sie das noch genauso sah. Sicherlich hätte er sich so etwas zusprechen können wie „beste Freunde haben Verständnis für so etwas“, irgendwie versuchte er das auch. Die Wirkung war aber unwahrscheinlich schwach. Sein Herz fing langsam an ziemlich wild in seiner Brust zu hämmern, seine Rute wollte ihm nicht mehr so richtig gehorchen. Sie pendelte verhältnismäßig stark, verständlich bei dem was jetzt bevorstand. Da ihm aber so unsicher war was geschehen würde wusste er gar nicht ob ein vorzeitiges Zeichen von Freude überhaupt so richtig war. Er hatte ein paar letzte Schritte gemacht und blieb nun einige Meter von ihr entfernt stehen, hoffend das sie ihn schon irgendwie bemerkt hatte um sie nicht zu erschrecken, da sie sich mit dem Rücken zu ihm befand.
“Hallo Liel“, erklang es dann wenige Sekunden später mit der besten Tonlage, die er unter all seinen Gedanken aufbringen konnte.
Nun würde sich herausstellen wie sie reagieren würde, ein richtiges Handeln sagte mehr aus als jede Spekulation.
25.05.2013, 21:22
Etwas abseits des Rudels stand die grau gefärbte Fähe. Sie hatte keine Lust gehabt sich unter die anderen Wölfe zu mischen. Ehrlich gesagt hätte sie auch gar nicht gewusst, zu wem sie sich gesellen könnte. Seitdem Hiryoga zurückgekehrt war, wollte sie Shani nicht aufsuchen, die beiden hatten sicherlich einiges zu klären. Zu Krolock wollte sie nicht - dieser blut- und machtgeile Jungrüde raubte ihr noch den letzten Nerv. Sie wusste nicht, wie sie mit ihm umgehen konnte und sollte. So hatte sie beschlossen ihm aus dem Weg zu gehen bzw. ihn nicht bewusst aufzusuchen. Vor allem weil sie sich nicht sicher war, ob er ihre Anwesenheit überhaupt zu schätzen wusste - sie überhaupt um sich herum haben wollte. Und auch von Cirádan hatte sie lange nichts mehr gehört, anscheinend war sie für ihre Brüder uninteressant. Anders als ihre Brüder für sie. Immer mehr wurde der jungen Fähe bewusst, dass ihre Familie zerbrochen war, als ihre Eltern starben. Sie waren einfach noch zu jung gewesen um angemessen damit umgehen zu können. Aber jetzt musste sie damit leben und das würde sie.
Sie hatte sich geschworen niemals eine von den Wölfen zu werden, die völlig verbittert und enttäuscht vom Leben an allem herumjammerten und nicht wussten, warum sie überhaupt noch lebten. Dafür war das Leben nämlich einfach zu schön. Zumindest eigentlich.
Als sie herausgefunden hatte, dass Chanuka einfach fort gegangen war, ohne ihr oder irgendjemand anderem etwas zu sagen, war ihre Lebenslust und die Liebe zu Chanuka ordentlich ins Wanken gekommen.
Über all dies sann die Fähe nun nach, als ihr ein bekannter und lang vermisster Geruch in die Schnauze stieg. Sie sog die Luft nochmal tiefer ein um sich zu vergwissern. Doch wenn ihre Sinne ihr nun nicht auch noch einen Streich spielten, dann war das Chanuka. Und er musste in der Nähe sein.
Gerade wollte Liel sich umdrehen, da vernahm sie seine zaghafte und verunsicherte Stimme, die sie begrüßte. Wie versteinert blieb sie in ihrer Bewegung stecken, kein Muskel bewegte sich, auch kein Haar schien sich im Wind zu bewegen. Zumindest für einige Sekunden.
Dann wirbelte sie herum, ein wundervolles, zauberhaftes und berauschendes Lächeln hatte sich auf ihre Lefzen und in ihre Augen gelegt. Sie bellte leise und unendlich fröhlich, aber auch überrascht auf und sprang Chanuka den letzten Schritt der sie noch trennte entgegen. Da war er wieder, ihr Chanuka. Der Sinn in ihrem Leben wurde ihr plötzlich wieder so bewusst, wie lange nicht mehr.
Liebevoll berührte sie den zurückgekehrten Rüden mit der Schnauze an der seinen, ehe sie ihm zärtlich darüber leckte.
"Chanuka..." seufzte sie.
28.05.2013, 19:14
Fast alle Zweifel die Chanuka zuvor noch gehabt hatte waren innerhalb dieses kurzen Moments, dieser paar Sekunden beseitigt worden. Seine Rute pendelte nun nicht mehr nur leicht und unwirklich hin und her – anfangs hatte er es ja als weniger richtig empfunden – sondern hatte deutlich angefangen zu wedeln. Das Lächeln, das in Liel's Gesicht entstanden war, spiegelte sich nun und breitete sich auch in dem Gesicht ihres Freundes aus. Sichtlich erfreut und ebenso hastig wie vorsichtig schleckte er ihr kurz über den Fang und erwiderte dann das liebliche Tippen mit der Schnauze. Es fühlte sich so lange an.. wie war er damals nur auf diese blöde Idee gekommen fort zu gehen? Der Zweifel und zeitgleich auch die Einsicht, dass es anders gegangen wäre und das es vielleicht nicht notwendig gewesen war, zu gehen, um nun dort zu sein, wo er eben war, belastete ihn zunehmend. Er hatte nur noch die Suche nach Nerúi an der er sich festklammern konnte um seine damaligen Beweggründe ein wenig für sich selbst zu rechtfertigen. Der Harken an der Sache war nur, dass diese Sache erst im Laufe der Zeit dazu kam. So richtig nachvollziehbar machte es sein Fortgehen demnach nicht wirklich. Bevor er sich nun aber wieder den Kopf darüber zerbrach und seiner Freundin mehr nachdenklich als alles andere entgegnete, selbst wenn sie das ja von ihm kannte, erhob er seine Stimme. Parallel dazu legten sich die Lauscher etwas an seinem Kopf an.
“Liel.. es tut mir wirklich Leid. Ich.. ach, ich weiß nicht wieso ich damals gegangen bin.“
Umso eindringlicher er Liel anblickte, desto mehr wurde ihm bewusst, wie sehr er doch an ihr hing. Er konnte sich gar nicht richtig daran erinnern wie er es damals überwinden konnte diesen Schritt zu gehen. Wehgetan hatte der Abstand zu seiner Familie und seinen Freunden ja auch im Nachhinein, besonders wenn er an Liel gedacht hatte. Das war kein „Klick“ gewesen und alles hatte sich Abschalten lassen, viel mehr war es ein „Autsch“ gewesen und es hatte immer mehr weh getan. Natürlich hatte er wirklich an jeden gedacht der ihm etwas bedeutete, vielleicht auch an jene, die ihm weniger bedeuteten, vor allem aber an jene gute, beste Freundin. An Liel eben. Wenn er versuchen würde zu deuten, wie er sich im Moment bezogen auf sie fühlte, würde er wohl nicht die richtigen Worte finden können. Sie waren irgendwie immer schon sehr gute Freunde gewesen und all das hatte sich für Chanuka irgendwie noch vertieft, das Band verstärkt, als er fort gewesen war. Selbst der Gedanke das sie wohl ganz anders denken könnte, wenn er erst einmal wieder da war, hatte ihn nicht davon abgeschreckt sich in diese Richtung zu bewegen.
“Kannst du mir verzeihen?“
Obwohl er sie so gut kannte, wenn nicht sogar derjenige war, der sie am Besten kannte, wusste er wirklich nicht wie sie antworten würde. Er hatte eine Ahnung wie sie darunter gelitten haben musste das er auf einmal nicht mehr dagewesen war und das ihr freundschaftliches Band eher überstrapaziert wurde, ganz im Gegenteil also wie es bei Chanuka der Fall war. Seine Lauscher hatten sich jedenfalls wieder etwas nach vorne gerichtet um jedes Wort von ihr laut, deutlich und ohne Einschränkung vernehmen zu können. Was wenn sie nein sagen würde?
30.05.2013, 19:20
Erleichterung überrollte die graue Jungfähe. Sie nahm das freudige Wedeln des Rüden ihr gegenüber wahr, sie sah sein herzliches Lächeln und spürte die erregte Schnauze die sie liebevoll berührte. Ja, er war wirklich wieder gekommen und freute sich auch sie wieder zu sehen. Es hätte schließlich auch anders sein können. Es hätte ja sein können, dass er zwar wieder gekommen ist, aber es gar nichts mit ihr zu tun hatte – er sie über seine Reise hinweg vergessen hatte oder zumindest seine Zuneigung zu ihr verschwunden war. Doch seinem Verhalten nach zu urteilen war das nicht der Fall und die Glückseligkeit breitete sich in Liel aus.
Ein freudiges Quietschen entfuhr ihrem Fang und erneut warf sie sich ungestüm an die Brust ihres Lieblingswolfes. Erst als sie einen Schritt nach hinten trat, bemerkte sie, dass seine Ohren unsicher zur Seite gefallen waren – wollte er ihr nun doch etwas Schlechtes überbringen? Ein wenig verunsichert ließ Liel sich auf ihr Hinterteil sinken, die Rute strich unruhig über den Boden…
…Bis Chanuka endlich sprach.
Wie von einer Wespe gestochen sprang Liel auf und hüpfte einmal um den Rüden herum. Dabei vergewisserte sie sich, dass er wirklich heile und vollständig, mit allen vier Pfoten, seiner Rute und, und, und, wieder da war. Und das war er, er stand leibhaftig vor ihr und entschuldigte sich für sein Fortgehen. Welches scheinbar grundlos war. Na, das konnte sie ihm zwar nicht ganz glauben, aber wenn er ihr weiteres anvertrauen wollte, würde er das schon tun. Was zählte war, dass er nun vor ihr stand.
„Chaaaa-nuuu-kaaaa ist wieder daaaaa. Chaaa-nuuu-kaaaa…“
Prustend kam sie wieder vor ihm zum Stehen, ihre Rute drehte sich wie ein Propeller und es schien, als ob sie nicht knapp 2 Jahre alt war, sondern ein kleiner, junger und tapsiger Welpe. Wieder stieg dieses freudige Lachen in ihr hoch und glockenhell brach es schon aus ihrer Schnauze. Sie konnte ihr Glück kaum fassen – selten hatte sie wirkliches Glück erfahren. Dies war ein Moment in ihrem Leben, den sie nicht mehr vergessen würde.
Chanukas Frage unterbrach ihren Freudengesang und sie trat ganz dicht an ihn heran. So dicht, dass sie ihre Schnauze sachte an sein Ohr halten konnte, um ihm, nur ihm, ihre Antwort zu schenken.
„Ob ich Dir verzeihen kann? Ich würde Dir auch verzeihen, wenn Du mit einer Fähe an Deiner Seite und viiielen, viiiielen Welpen zurückkommen würdest! Solange Du zurückkommst. Solange du zurückkommst, zählt nicht warum Du gegangen bist. Das wird seinen Grund haben. Aber Du bist zurück, das zählt!“
Innerlich heulte sie auf, sie fände es wirklich, wirklich blöd, wenn er mit einer Fähe und Welpen zurückkommen würde. Wirklich ganz und gar blöd. Aber sie würde ihm trotzdem verzeihen. Denn er war ihr bester Freund. Ihr Chanuka.
01.06.2013, 11:32
Der Rüde wusste gar nicht richtig wie ihm geschah als Liel zu ihrer Freudensbekennung und dem damit verbundenen Tänzchen ansetzte. Ein Lächeln zog sich nun schon wieder seine Lefzen hinauf und seine Rute fing wieder an zu pendeln. Sie hatte bis jetzt noch nicht gesagt, dass sie ihm verzeihen würde, allerdings übertrug sich die Stimmung seiner Freundin irgendwie automatisch auf ihn – er empfand es fast schon als absehbar wie sie antworten würde. Die Sicherung dafür erfolgte dann in Form von weiteren Worten, die seinen Lauscher auf diese Art und Weise niemals hätten verfehlen können. Aufmerksam zuckte sein Lauscher kurz und drehte sich etwas in ihre Richtung. Wenige Sekunden später, als Liel dann ausgesprochen hatte, wurde eine unglaublich große Erleichterung freigesetzt. So als ob eine schwere Last – wenn nicht sogar die Schwerste – endlich von seinen Schultern gefallen wäre. Während er sich nun also noch einmal ihr Tänzchen vor seinem gesitlichen Auge vorführte, vor sich auch in der Realität genau sehen konnte wie Liel sich freute, auch wenn ihr Köpfchen noch sehr nah an dem seinen war, kam ein Verlangen in ihm auf, dass sehr dringend und schnell gestillt werden musste. Chanuka neigte seinen Kopf etwas nach unten und drückte ihn eng an das Schulterfell seiner Freundin, vergrub teilweise auch seine Schnauze in ihrem Fell. Auch das goldgelbe Augenpaar hatte sich bei dieser Geste geschlossen. In dieser Position verharrte er dann auch erst einmal.
“Ich könnte gar nicht mit einer anderen Fähe, gar mit Welpen wiederkommen. Ich.. ich glaube das.."
Der Schwarze war zögerlich, musste eine Pause einlegen. Er hatte ja vorhin schon einmal darüber nachgedacht das all der Abstand das Band verstärkt hatte. Aber war es denn richtig und waren die Empfindungen und Gefühle die er bezogen auf Liel hatte wahr und deutete er sie richtig? Vielleicht war das auch einfach der falsche Zeitpunkt um das vertiefen zu wollen. Die Beiden waren schon immer Freunde gewesen, die besten Freunde. Da war es wohl einfach üblich das man so sehr aufeinander fixiert war.. glaubte er zumindest jetzt einfach mal.
Letztendlich entschied er sich dann dafür seinen Ansatz einfach so stehen zu lassen und wo anders anzufangen. Selbst wenn er relativ früh abgebrochen hatte würde seine Freundin sich vielleicht erschließen können, worauf er hinaus wollte, vielleicht spielte das für sie jetzt aber auch keine Rolle – oder sie wollte es genau wissen.
“Es ist schön wieder da zu sein und es ist schön das du noch da bist. Ich hab dich wirklich vermisst Liel. Du würdest gar nicht glauben wie sehr sogar. Und bleiben werde ich! Darauf hast du mein Wort.“
Mit Abschluss dieses Satzes öffnete er dann zumindest schon einmal wieder seine Augen. Was seinen Kopf betraf drückte er sich noch einmal etwas enger an Liel heran. Es fühlte sich so lange an seitdem er das letzte Mal bei ihr gewesen war, ihre Nähe auch richtig spüren konnte. So wie jetzt eben.
04.06.2013, 19:04
Sie verharrte in der Position, welche sie eingenommen hatte um ihm ihre Antwort zu schenken. Trotzdem bekam sie mit, dass seine Rute wieder anfing zu pendeln und das Zucken seiner Lefzen verriet ihr, dass er erneut lächelte. Wie wunderschön sich das anfühlte.
Tief inhalierte sie den Duft, den sein Fell ausstrahlte. Wie gut er roch. Nach Geborgenheit, nach tiefer Freundschaft, nach Familie. Und ein winziges bisschen auch nach der Ferne. Dem Unbekannten, dem Weg den er ohne sie gegangen war. Natürlich hätte sie sich gewünscht, ihn begleiten zu können. Zumindest Bescheid sagen wäre nett gewesen. Aber sie war – konnte es wahrscheinlich auch gar nicht – nicht böse auf ihn.
Gerade wollte sie ihre Schnauze noch tiefer in seinem Fell vergraben, da ging ein kleiner Ruck durch seinen Körper und als hätte er ihre Gedanken gelesen, spürte sie seine Schnauze an ihrer Brust. Sie hielt ganz still, spürte dem warmen Kribbeln nach, welches sich in ihrem Körper ausbreitete. Genau von dem Punkt aus, an welchem er seine Schnauze hatte. Sie bemerkte, wie ihr Fell sich leicht bewegte wenn er ein- und ausatmete. Spürte die warme Luft die seinem Fang entfloh und sich in ihrem Pelz verhing. Seufzend ließ sie ihren Kopf ein wenig sinken um ihn somit zwischen seinem Kopf und dem Rücken zu platzieren. Verträumt schloss sie die Augen.
Erst als sich seine Stimme erhob, ohne jedoch seine Position aufzugeben, spitzten sich ihre Ohren wieder. Vorher hatten sie entspannt zur Seite gehangen. Jetzt fingen sie an wild zu schnipsen. Sie freute sich so unglaublich über seine Worte. Er würde niemals nie mit einer anderen Fähe nach Hause kommen. Niemals nie mit Welpen…
Wieder entstand eine kurze Pause, ein Moment der Stille zwischen ihnen. Liel war, als ob er einen Gedanken hatte, den er aber nicht weiter ausführen mochte. Er hatte doch nicht wohl jemanden kennen gelernt auf seine Reise und traute es sich jetzt nicht ihr das zu gestehen? Nein, so war ihr Chanuka nicht. Zufrieden kuschelte sie sich noch ein wenig fester an den dunklen Rüden, ehe sie seine Stimme erneut vernahm.
„Wenn Du mich wenigstens so sehr vermisst hast, wie ich Dich, kann ich mir ein Bild davon machen…“ Sie hob ihren Kopf leicht an und fuhr dem Rüden zaghaft über das Nackenfell. Dann flüsterte sie: „Deine Worte als Versprechen. Deine Worte in meinem Kopf. Und in meinem Herzen.“
Damit stupste sie ihn leicht an und trat einen Schritt zurück. Glückseligkeit lag in ihren Augen und sie machte es sich auf ihrem Hinterteil bequem. Puh, das waren ganz schön viele Gefühle auf einmal gewesen. Und sie wirbelten noch immer in ihr umher. Zeit für ein etwas neutraleres Thema.
„Wissen die anderen auch schon, dass Du zurück bist? Tyraleen…?“
07.06.2013, 18:28
Die letzten paar Sekunden in denen die Beiden noch in dieser Position verweilten nutzte Chanuka sehr gezielt. Er nahm noch einen weiteren tiefen Atemzug, sog Liel's Duft förmlich auf und erfreute sich einfach nur daran – wie konnte er auch anders? - was ihm dieses Wiedersehen, sprich ihre Präsens und dieser innige Kontakt, brachte. Ihr Duft spielte da nämlich auch eine sehr große Rolle. Bei ihren geflüsterten Worten konnte nun auch das Lächeln seine Lefzen gar nicht mehr verlassen, die Rute nicht stillhalten. Er schätzte es wirklich sehr was und wie sie es sagte und wie sie reagierte. Besonders weil sie wohl verstanden zu haben schien, worauf der Rüde hinaus wollte, er war sich da sogar ziemlich sicher. Falls nicht – Chanuka konnte einfach nicht anders als das in Betracht zu ziehen – würde man wohl ohnehin bald wieder darauf zu sprechen kommen. Es war ja nicht so das man jene Empfindungen einfach abstellen konnte. Klick, aus, anders fühlen und anders denken.. so einfach war es dann eben doch nicht. Vorausgesetzt es war nicht nur die Freude über dieses längst überfällige Wiedersehen gewesen.
Nachdem die Fähe sich dann selbst schon ein Stück entfernt hatte um sich auf ihr Hinterteil niederzulassen und andere Themen anzupeilen, tat Chanuka es ihr gleich und ließ sich ebenfalls auf seine Hinterläufe nieder. Immer noch über das ganze Gesicht strahlend blickte er ihr nun in die Augen, während die Lauscher sich aufmerksam in ihre Richtung drehten. Tyraleen? Sicher, das hatte er schon längst abgehakt!
“Bei Tyraleen war ich schon, ja. Ich hab es für wichtig gehalten mich möglichst früh bei ihr zu melden, da sie mich wahrscheinlich schon erwartet hatte. Nachdem ich zuerst auf Amúr etwas abseits des Rudels gestoßen war bin ich sofort zu ihr gegangen. Weißt du, ich war zwischenzeitlich kurz im Tal um sie darüber aufzuklären, dass ich wiederkommen werde. Ich habe darüber nachgedacht auch die anderen und dich wiederzutreffen, allerdings dachte ich das es zu schwer sein würde. Wenn ich mich an dem Tag von allen hätte verabschieden müssen, nachdem wohl der ein oder andere und ich selbst auch von Freude geblendet gewesen wäre.. ich weiß nicht. Ich glaube ich hätte nicht gehen können. Ab dem Zeitpunkt ging es nämlich nicht mehr nur um mich, sondern auch um Nerúi. Ich hatte eine Spur von ihr gefunden und bin dieser dann gefolgt. Vielleicht wäre ich unter anderen Umständen wieder früher dagewesen, aber jetzt noch darüber nachzudenken bringt glaube ich nichts. Ich brauchte etwas Zeit für mich. Zeit zum nachdenken, Zeit dafür sehr weit in mich zu gehen um festzustellen, wie ich überhaupt zu Allem stehe und wie ich das ein oder andere durch positivere Dinge austauschen kann. Darunter fallen auch bereits vergangene Dinge. Ich bin mir aber eben nach wie vor nicht sicher, ob es nicht auch anders gegangen wäre.. vielleicht war es aber auch ganz gut das ich weg war, weil ich schließlich etwas von Nerúi gefunden habe. Zumindest eine Spur von ihr.“
Der Rüde holte hier erst einmal tief Luft. Hoffentlich würde Liel sich hier nicht total überrumpelt fühlen, irgendwie war er ja doch ein wenig von der eigentlichen Frage abgeschweift. Letztendlich wäre aber auch das wohl etwas gewesen, was er ihr früher oder später ohnehin erzählt hätte. Es war wichtig, wichtig für ihn und somit auch wichtig, dass sie es erfuhr.
29.06.2013, 16:33
Liel beobachtete wie Chanuka es ihr gleich tat und sich auf seine Hinterläufe sinken ließ. Dabei erfreute sie sich an seiner Anmut, an seinem freudig strahlendem Lächeln welches seine Lefzen schmückte. Nur schwer konnte sich sie davon zurückhalten, gleich wieder aufzuspringen um ihn erneut zu liebkosen. Aber sie hatte ihm eine Frage gestellt und war nicht minder gespannt auf seine Antwort. Diese folgte auch prompt, sodass sie sich innerlich seufzend zurücklehnen konnte.
Mit aufmerksam gespitzten Ohren lauschte sie den Worten des Rüden – dabei wurde sie ein wenig nachdenklich ob der Worte die sie erreichten.
„Tyraleen hat sich bestimmt sehr gefreut…!?“
Liel war sich nicht sicher, wie es aktuell um die Beziehung der beiden stand. Ein Mutter-Sohn Verhältnis hatte es in dem Sinne früher nicht zwischen ihnen gegeben. Schließlich war Chanuka an Banshees Seite aufgewachsen. Aber scheinbar hatte Chanuka sie als seine leibliche Mutter annehmen können. Sonst wäre er sicherlich nicht als einziger zu ihr zurückgekehrt um ihr mitzuteilen, dass er nach einiger Zeit wieder ganz zum Rudel kommen würde. Oder? Tyraleen war immerhin auch die Alphafähe des Rudels.
Sie verstand, warum er nicht zu ihnen allen gekommen war – sie konnte nicht sagen, ob sie ihn ein weiteres Mal alleine davonziehen lassen können. Und sie verstand, dass er der Spur von Neruí nachgehen wollte. Doch warum er zuvor davongezogen war, darüber ließ er kein Wort verlauten, außer seinem „Ich weiß nicht warum ich damals gegangen bin“. Liel war sich ein wenig unsicher, ob sie den Rüden fragen sollte, was ihn davon getrieben hatte. Vielleicht wollte er es ihr nicht erzählen. Vielleicht wusste er es aber wirklich nicht mehr. Manchmal waren die Wege des Lebens unergründlich. Wusste Krolock wohl, warum er sich ständig und immer wieder so daneben benahm?
Sie lächelte wehmütig, als sie an die Zeit zurückdachte, als ihre Brüder beide noch – wie man so schön sagte – normal gehandelt hatten. Als ihre Eltern noch lebten, die Sonne über dem Tal schien, welches sie nun hatten verlassen müssen. Doch sie war kein Kind der ewigen Vergangenheit – auch wenn sie die Zeit niemals vergessen würde.
Schon stand ihr wieder die Freude über den gegenwärtigen Moment im Gesicht geschrieben und sie schlug sachte mit der Rute auf den Boden.
„Ich bin mir sicher, dass Deine Reise Dir viele neue und wertvolle Erfahrungen gebracht hat!“ Kurz ließ sie ihren Blick in die Ferne gleiten. Irgendwann würde sie auch mal auf Reisen gehen – zum Meer wollte sie. Mama-Kaede hatte ihr so wunderschöne Bilder davon in den Kopf gesetzt. Dann blickte sie wieder Chanuka an. „Aber außer der Spur hast Du nichts über Neruí herausgefunden? Was genau war denn das für eine Spur? Ein Hinweis darauf, wohin sie gegangen ist?“
Er war während seiner Reise erwachsener geworden und strahlte fast noch ein wenig mehr Ruhe, Stärke und Sicherheit aus, als zuvor. Hatte sie sich wohl auch weiterentwickelt oder war sie die kleine, naive und hüpfende Fähe geblieben, die sie zuvor auch schon gewesen war?
Sie lachte kurz und hell auf. Und wenn schon – sie war richtig so, wie sie war.
18.08.2013, 14:10
Chanuka konnte die ganze Zeit doch auch gar nicht anders, als durchaus freudig und über das ganze Gesicht strahlend zu lächeln. Einmal weil er eben wieder da war und dann hatte er Liel, also eine Wölfin die ihm wichtig, wenn nicht sogar die Wichtigste war endlich wiedergetroffen. Außerdem war sie dann noch kaum weniger am strahlen als er selbst auch. Das ganze hatte also so eine Art Spiegeleffekt! Sie ließ aber auch kaum Zeit verweilen, da stellte sie ihm schon die nächste Frage. Ob sie von dem Zwischenfall vorhin schon Wind bekommen hatte? Sicherlich hatte sich Tyraleen gefreut, den Umständen entsprechend war aber etwas wenig Zeit dafür gewesen die Begrüßungsgesten sonderlich ausarten zu lassen.
“Ja, klar! Tyraleen hat sich gefreut und ich natürlich auch. Wir hatten aber nicht sonderlich viel Zeit um uns näher entgegenzukommen oder uns zu unterhalten. Da kam die Sache mit Caylee und so dazwischen..“
Das Thema brauchte er wohl nur knapp erwähnen. Man würde im Laufe der Zeit wohl noch darauf zu sprechen kommen, insbesondere weil Krolock auch dort war. Viel Spielraum um ausführlicher zu antworten gab es dann ohnehin nicht. Auf die erstere Frage von seiner Freundin folgte noch ein Anhang bezüglich dem, was er selbst gesagt hatte und dann noch eine weitere Frage. Chanuka reagierte aber gar nicht abgeneigt darauf, ganz im Gegenteil. Er fand es außerordentlich schön das die Beiden sich mal wieder richtig unterhalten konnten. Wegen der Sache mit den Erfahrungen nickte er dann nur hastig. Die Reise hatte definitiv neue Erfahrungen und Erkenntnisse mit sich gebracht, vor allem auch welche die sehr wichtig für den Rüden selbst waren. Bei seinem Abgang war für ihn besonders die Ruhe, die er haben würde, wenn er alleine unterwegs war, wichtig gewesen. Weil er aber eben unter anderem auch daran angefangen hatte zu zweifeln, behauptete er derweil auch das er nicht mehr recht wusste, warum er damals gegangen war.
Jetzt aber schon wieder darüber nachzudenken musste nicht sein, vor allem weil da noch eine Frage von Liel offenstand. Äh.. Neruí, genau.
“Ich habe für einen gewissen Zeitraum ihre Fährte aufnehmen können. Anfangs war ich erst etwas skeptisch, dann war ich mir aber sicher das es die von Neruí sein musste. Ich bin der Fährte westlich aus dem Tal raus gefolgt, also in Richtung Meer. Im Laufe der Zeit ist sie aber immer blasser geworden. Irgendwann war sie dann ganz verschwunden.“
Der Schwarze konnte sich immer noch darüber ärgern.. wobei ärgern wirklich minder ausgedrückt war. Wenn es um das Verschwinden eines der Familienmitglieder ging – das Rudel war für ihn immerhin wie eine große Familie – gab es nichts zu spaßen. Auch nicht in Anbetracht der Tatsache das Neruí und Chanuka nicht unbedingt so etwas wie Freunde gewesen waren. Allerdings wollte er auch in diesen Bereich nicht wieder gedanklich abschweifen. Das er sich das kurz vor sein innerliches Auge rufen musste, um es wiedergeben zu können war klar, im Mittelpunkt stand zur Zeit aber Liel. Und nur Liel. Sie war erwachsener geworden und noch anziehender, als sie es vorher schon für ihn gewesen war. Ihm war vorhin ja schon durch den Kopf gegangen das sich das Band zwischen den Beiden zumindest für ihn selbst einfach noch verstärkt hatte. Wobei man eines sagen musste – an ihrer verspielten, vielleicht sogar etwas naiven Art hatte sich nichts geändert. Auch nicht wie sie das rüber brachte. Ein Beispiel dafür wäre ja die Begrüßung der beiden gewesen, obwohl das in Chanukas Augen mehr als gerechtfertigt war. Aber ganz ehrlich? Er fand es gut das sich manche Dinge nicht änderten. Er mochte Liel so wie sie war, vielleicht sogar unter anderem auch grade wegen dieser Art und Weise.