Chivan
16.05.2013, 13:23

Noch immer stieg hinter den Gipfeln der Berge unheilvoll der dunkle Rauch in die Höhe und erinnerte die Wölfe daran, dass sie nicht alle Zeit der Welt hatten. Und doch schien der Tod fürs erste außer Reichweite zu sein, sodass ihnen doch ein kurzer Moment der Ruhe gegönnt sein sollte, nachdem Averic zurück zum Rudel gestoßen war – und das schien nicht nur für die Welpen eine willkommene Abwechslung zu sein, die, kaum war die Pause indirekt verkündet worden, kraftlos zu Boden gesunken waren. Chivan konnte nicht anders, als den jungen Geschöpfen seinen Respekt entgegenzubringen. Es war eine beachtliche Leistung, die sie hier an den Tag legten und das, obwohl sie nur wenige Stunden zuvor das Ende einer Welt hatten mitansehen müssen. Der Rauch und die (einst) glühende Asche, die vom Himmel gerieselt brannten dem Hünen noch immer etwas in Nase und Augen, doch er konnte sich wohl glücklich schätzen, dass es ihm weitaus besser ging als anderen Wölfen des Rudels. Kurz suchte sein Blick die Gestalt Atalyas, die allerdings nun, wo der dunkle Rüde zurückgekehrt war, gefasster wirkte als eben noch. Nachdenklich drehte der Rüde die Ohren nach hinten, bis sein Blick abermals auf die dunkle Wolke fiel, die trotz der Strecke, die sie zurückgelegt hatten, noch immer ihre Klauen nach ihnen auszustrecken schien. Chivan verstand nicht ganz, was die Götter damit hatten bezwecken wollen – vor allem wollte ihm nicht ganz einleuchten, weshalb er nur so kurze Zeit vorher hierher geführt worden war. Er kannte dieses Bild irgendwoher. Es glich einem Déjà-vu, das ihn heimsuchte, sobald er sich umwandte und zurückblickte. Doch was auch immer die Höchsten ihnen sagen wollten; was auch immer ihr Beweggrund war – ihnen blieb nichts anderes, als ihnen zu vertrauen. Und das tat sehr, selbst wenn es nicht immer so einfach war, wie er es sich wünschte.

Mit einem sachten Kopfschütteln wandte er sich ab und bewegte sich mit langsamen Schritten zwischen den rastenden Wölfen hindurch auf einen kleinen Abhang zu. Das Bergplateau, auf dem sie sich befanden, fiel zur Seite hin ab, doch mehr als Geröll und Stein war auch hier nicht zu sehen. Flüchtig glitten die blauen Seelenspiegel des Wolfs über den Hang und gerade, als er sich wieder umwenden wollte, glaubte er ein leises Geräusch zu vernehmen. Seine Ohren zuckten kurz und tatsächlich – er schien es sich nicht nur eingebildet zu haben, selbst wenn er die Herkunft des leisen Rauschens nicht ausmachen konnte. Ohne lange zu zögern machte er sich schließlich vorsichtig an den Abstieg, rutschte ein Stück auf den losen Steinen und erblickte nach kurzem Orten mit den Ohren auch ein kleines Rinnsal, welches sich, mickrig wie es war, ehrgeizig den Weg hinab bahnte. Sein Blick folgte dem unscheinbaren Lauf einen Herzschlag lang. Hier oben konnte die kleine Quelle noch nicht viel ausrichten, doch wer wusste schon – dort unten am Fuße des Gebirges wurde sie vielleicht gemeinsam mit anderen, unscheinbaren Wasserquellen zu einem reißenden Fluss, der viele Seelen ihr Leben kostete. Der Bunte schnupperte kurz, nährte sich dann dem Wasserlauf und senkte den Kopf – es mochte nicht viel sein, doch es reichte, um dem Kratzen im Hals zumindest zu etwas Linderung zu verhelfen. Ein Geräusch hinter ihm ließ ihn aufmerksam werden, doch er drehte lediglich die Ohren aufmerksam nach hinten.

Samirez
18.05.2013, 17:43

Mürrisch, ja eigentlich war mürrisch so gar nicht der richtige Ausdruck, eher... griesgrämig, ja das passte doch schon viel besser, schlich der helle Rüde wie ein Schatten um die Rudelgesellschaft herum. Es gab in diesen Tagen wohl einiges zu feiern, aber auch genauso viel zu betrauern. Schön war wohl, dass sich seine 'Beziehung' zu Akhuna sich ein wenig gebessert hatte und es ihm nun wesentlich leichter fiel, überhaupt mit ihr umzugehen. Auf der Schattenseite lag dann aber doch diese elendige Wanderung, die dem Rüden so gar nicht gefallen mochte. Er war kein Wanderer. Er wollte an einem fest Platz verweilen, einem Revier das ihnen gehörte und nicht wie dreckige Nomaden durch die Gegend ziehen. Allerdings war das Revier durch den Vulkanausbruch so ziemlich unbrauchbar geworden, sodass Samirez sich wohl oder übel damit abfinden musste, ein Umstand der ihn nur noch grimmiger werden ließ. Nun rastete das Rudel zwar, aber doch nur um in wenigen Stunden wieder aufzubrechen. All das ging ihm wirklich auf die Nerven. Ein tiefes Seufzen drang aus der Kehle des Schönlings, ehe er die Muskeln dehnte und die lange Läufe ein wenig ausstreckte. Gerade wollte er sich wieder hinlegen, als ein Schatten sich vom Rudel entfernte, an den steilen Hängen wanderte und urplötzlich begann daran herunter zu klettern. War der denn von allen guten Geistern verlassen?! Er würde sich sämtliche Knochen im Leib brechen. Die Schnauze des Rüden verzog sich angesäuert, was ihm einen stechenden Schmerz in der Stirn einbrachte. Ja natürlich, er hatte sich den Kopf angeschlagen und die Wunde war noch nicht verheilt. Verdammter Mist.

Mit dem vagen Gedanken dann nun mal den Helden spielen zu gehen ( er war verdammt noch mal doch keiner!) trottete er dem Schatten nach. Der war allerdings bereits unten angekommen, schien noch alle Pfoten dran zu haben und auch sonst ziemlich unbeschädigt zu sein. Wenn der Kerl somit nicht gerade fliegen konnte, schien der Weg begehbar. Und was tat er nun da? Samirez konnte es nicht recht erkennen, doch die Neugier in ihm siegte, sodass er entgegen aller Vernunft bereits die eigenen Pfoten auf den schmalen Pfad setze und den holprigen Abstieg begann. Schon nach wenigen Metern schrie alles in ihm nach umkehren, doch bei so was kannte er sich selbst zu gut, er konnte den Wolf da unten doch nicht ganz seinem Schicksal überlassen und wenn er irgendetwas interessantes fand so konnte er vielleicht etwas von den Lorbeeren einstreichen. So kam auch der weiße Rüde heil auf dem Boden der Schlucht an, die Ohren zuckten hin und her, doch das leichte Plätschern schien unverkennbar. Ein Bachlauf! Das war doch mal eine Entdeckung. Wenige Meter entfernt entdeckte er auch den Pelzträger der sich als Chivan herausstellte. Er hatte mit dem Rüden noch keine eigenen Worte gewechselt, doch inzwischen bemühte sich Samir regelrecht, die Namen der Wölfe zu kennen mit denen er lebte.

“Na, dass ist doch mal 'ne Entdeckung.“

Hob er die eigene, reichlich kratzige Stimme an und senkte sie im nächsten Augenblick bereits zum Bachlauf um die eigene Kehle zu benetzen, so wie es der Buntpelz vorgemacht hatte. Erst als er seinen Durst gestillt und die Nase in den Wind gehoben hatte (der hier unten reichlich spärlich vorhanden war) sprach er weiter.

“Erst dachte ich, du würdest dir sämtliche Knochen im Leib brechen, als ich dich hier runter klettern sah, aber du scheinst ja noch heil zu sein.“

Er grinste leicht. Samirez hatte es nicht sonderlich mit fremder Höflichkeit. Natürlich hätte er den anderen Rüden jetzt wie einen Fremden ansprechen können, aber immerhin gehörten sie zum selben Rudel und daher war es doch bescheuert.

“Ich bin übrigens Samirez“, fügte er hinzu, da er nicht ganz sicher war, ob Chivan ihm sein Name ebenfalls geläufig war und diese Höflichkeit konnte ja doch ganz nützlich sein. “Wollen wir mal schauen wohin der führt?“ Ergänzte er noch mit einem Nicken in Richtung Bachlauf und neigte den Kopf leicht schräg.

Kursaí
22.05.2013, 13:59

Zunächst hatte sich Kursaí im Rudel hin gelegt. Zwar war sie wohl im Vergleich zu manch anderem Rudelmitglied recht glimpflich davon gekommen, doch auch sie war erschöpft von dem Laufen. Außerdem war es ja noch nicht allzu lange her, da war sie selber noch auf Reisen gewesen, hatte fern von dem Rudel, ihrer Familie gelebt. Doch diese Erfahrung hatten wohl die meisten ihrer Familie noch nie gemacht, und wie mussten sich da erst die Welpen fühlen? Es war einfach zu früh für solch eine Reise für die Kleinen. Es schien ihr so, als ob sie noch nicht genug darauf vorbereitet waren.
Es gab da aber noch etwas, was ihre Gedanken fesselte - ihre Familie. Hatte sich doch Engayas Geschenk nicht nur als solches gezeigt. Für sie war es klar, und würde es auch bleiben. Doch die Rückkehr ihres Vaters hatte ihre Familie nicht vereint, sondern vielmehr gespalten. Dennoch gab sie die Hoffnung noch nicht völlig auf, sondern vertraute auf die Zukunft. Es war ja auch wieder Averic bei ihnen, und es fühlte sich so an, so das Rudel wieder vollständiger war, wie schon lange nicht mehr. In diesen Momenten der Pause, sammelten alle neue Kräfte für ihre Flucht aus der Heimat. Wie sie nun so da saß, suchte sie mit ihrem Blick all die Wölfe auf, die ihr etwas bedeuteten. Ihre Pfoten lenkte sie aber zu keinem von diesen, hatte sie doch das Gefühl, ihnen die Verschnaupfpause gönnen zu müssen.
Dennoch konnte sie sich nicht lange mehr halten, und stand so doch auf. Ihre Pfoten trugen sie durch das Rudel, ohne auf einen bestimmten Wolf zu zusteuern, als sie bemerkte, wie zwei Rüden einen Abhang hinunter liefen. Zunächst dachte sie sich nicht allzu viel bei, doch dann trieben ihre Pfoten sie zu dem Plateau. Von dort schaute sie zu den Beiden hinunter und stellte fest, dass es doch ganz schön steil war. Was hatte sie nach da unten gelockt? So spitzte sie ihre Ohren und hielt nach etwas ungewöhnlichem Ausschau, dennoch dauerte es einige Momente, bis sie das Wasser vernahm. Als sie dies realisierte, verstand sie, warum die Beiden den steilen Weg auf sich genommen hatten. Auch sie reizte der Gedanke an frisches Wasser. Und so stand sie nur noch einen Moment unschlüssig auf dem Plateau.
Danach machte sie sich auch sogleich an den Abstieg. Eigentlich hatte sie dabei die beiden Rüden noch einmal näher mustern wollen, doch sie musste sich auf all ihre 4 Pfoten konzentrieren, damit sie nicht als Kugel unten ankam. So kam ihr Blick erst auf den beiden Rüden zu ruhen, als sie unten war. Beide gehörten nicht zur eigentlichen Familie und waren auch noch nicht allzu lange beim Rudel. Dennoch war ihr bewusst wer die beiden waren - Chivan der bunte, und Samirez der weiße. So nickte sie beiden freundlich zu:

"Ihr beiden habt ja was schönes gefunden."

Mit diesen Worten machte sie sich auch an den Rand des Rinnsales auf, und benetzte ihre Kehle. Denn auch wenn sie es schon davor gespürt hatte, hatten die Worte doch deutlich die ganze Asche in ihrem Maul spürbar gemacht. So war sie froh, dass sie diese herunter spülen konnte, bevor sie sich den beiden Rüden wieder zu wandte.


Chivan
23.05.2013, 18:03

Der Hüne ließ es sich nicht nehmen, in aller Seelenruhe zu Ende zu trinken. Einzig und allein das Rudel saß ihm im Nacken, welches ihm nun bereits ein paar Tage ein Zuhause bot. Alles andere wäre seiner Nase entgangen und das war in dieser spärlichen Gegend dann doch etwas zu unwahrscheinlich. Eine Fährte wäre hier draußen aufgefallen wie ein Baum, der eine ihm vollkommen fremde Farbe trug, was es auch so einfach gemacht hatte, der Spur Averics zu folgen, den es allerdings letztlich zu ihnen getrieben hatte. Und tatsächlich – seine Vermutung bestätigte sich, als er den Kopf herumwandte und den Jüngling erblickte, der ihm hinterher den Abhang bezwang und dabei ein wenig steif wirkte. Der Bunte unterdrückte ein Schmunzeln bei diesem Anblick, immerhin schien es der Helle auch durchaus zu verstehen, das anfängliche Unbehagen binnen eines Sekundenbruchteils verschwinden zu lassen. Während er also bei seinem Abstieg selbst ein wenig unbegeistert von seiner Idee gewirkt hatte, war davon nun rein gar nichts mehr zu sehen. Er tat so, als wäre ihm jeglicher Anflug von etwas anderem als Neugier entgangen und erwiderte den Blick des Jüngeren mit einem freundlichen Ausdruck auf den Zügen. Persönlich hatte er bisher noch nicht allzu viel mit dem hellen Jungwolf zu tun gehabt, allerdings hatte ihm dazu bisher auch die Zeit gefehlt. Die Begeisterung ob des kleinen Bachlaufs schien er zu teilen, was Chivan nur allzu gut verstand. Damit ließ sich zumindest etwas dieses kratzige und unangenehme Gefühl in der Kehle vergessen, welches sie alle seit dem schwarzen Ascheregen begleitete. Kurz hob er den Blick, doch von hier unten war die unheilvolle Wolke von den Gipfeln der Berge verdeckt – vergessen war sie ebenfalls, als der Jüngling abermals seine Stimme erhob und dem Bunten nun ein ehrliches Schmunzeln entlockte.

„Ich mag vielleicht ein paar Jährchen mehr als du auf dem Buckel haben, aber das hier bekomme ich gerade noch hin. Aber beruhigend, zu wissen, dass du mich sonst heldenhaft gerettet hättest.“

Chivan wunderte sich nicht groß über die Art, die der Helle zutage brachte. Bereits der erste Eindruck ließ vermuten, dass es sich bei dem jungen Erwachsenen um einen nicht allzu schüchternen und zurückhaltenden Wolf handelte, was im Zusammenspiel mit Respekt allerdings nichts schlimmes war. Zumindest fügte der junge Rüde noch eine kurze Vorstellung hinzu, die die Vermutung des Hünen bestätigte – selbst, wenn man persönlich noch nicht allzu viel miteinander am Hut gehabt hatte, so schnappte man doch hier und da die verschiedenen Namen auf, würfelte sie andererseits aber auch hier und da noch etwas durcheinander. Nun jedenfalls hatte er die Gewissheit, dass es sich bei dem weißen Jäger um Samirez handelte und konnte sich das innerliche Rätseln sparen.

„Chivan.“, entgegnete er mit einem Nicken, ehe er sich dran machen wollte, den Vorschlag des Jungspundes zu beantworten.

Doch ein Geräusch kam ihm zuvor und ließ ihn abermals den Blick hinauf zu dem Ort wenden, an dem sie beide ihren Abstieg begonnen hatten. Eine weitere, junge Wölfin war an der Kante erschienen und kaum, dass Chivan den Blick gehoben hatte, machte auch sie sich auf den Weg nach unten – und wirkte dabei ebenso steif und unheimlich konzentriert wie Samirez zuvor.

„Wie es scheint, bleibt unsere Entdeckung nicht lange geheim.“, lächelte er Samirez mit einem Seitenblick entgegen, als die Graue auch schon auf ihrer Höhe angekommen war.

Anscheinend waren nicht alle ganz so erschöpft von der bisherigen Reise, wie er angenommen hatte. Auch die Fähe schien durchaus erfreut über den Fund zu sein. Abwarten, wie viele ihnen noch folgen würden. Nachdem er ihrer knappen Begrüßung mit einem freundlichen Blick begegnet war, ruhten seine hellen Augen wieder auf dem Antlitz des Hellen.

„Dir scheint das Abenteuer hier nicht zu reichen, mh?“, fragte er, klang dabei aber so ganz und gar nicht, als würde ihn etwas daran stören. Es war bemerkenswert, wie leicht er offenbar mit den Geschehnissen umgehen konnte. Erfrischend, immerhin hatte er bereits die Gegensätze dazu gesehen. „Also ich hätte nichts gegen eine kleine Erkundung einzuwenden. Willst du uns begleiten?“

Damit wandte er sich an die junge Fähe, die er in etwa auf das gleiche Alter schätzte wie Samirez. Solange sie sich nicht zu weit vom rastenden Rudel entfernten, sprach nichts dagegen, etwas für Ablenkung zu sorgen – wobei zumindest der Helle das nicht wirklich nötig zu haben schien.

Samirez
04.06.2013, 16:27

Geduldig wartete der junge Rüde auf die Antworten des Älteren, wobei Geduld nicht einmal sonderlich zu seinen Stärken gehörte. Dennoch wollte er Chivan nicht hetzen, während dieser gelassen seinen Durst stillte und anscheinend seine Worte sehr sorgsam wählte. Irgendwie erinnerte ihn der Bunte schon jetzt an seinen Vater. Seine Haltung, seine Art, wie er gleichsam locker wie auch stolz dort stand, als hätte er schon viel von der Welt gesehen, und Samir nahm es ihm vollkommen ab. Ja, dieser Wolf würde ihm vielleicht noch das eine oder anderen zeigen oder sagen können, was in den Untiefen des wachen Geistes herumspukte und er würde ihm zuhören und lernen. Vielleicht kam er nicht gerade als der beste Zuhörer herüber, doch das war er, wenn man zumindest nicht so genau kam.
Bei der Erwiderung des andern amüsierte den Hellen, sodass er mit einem leisen Lachen in das Schmunzeln einstimmte.

“Aber sicher doch, heldenhaft und mit den Schwingen der Hoffnung.“

Die Augen funkelten noch amüsiert, als Chivan seinen Namen bestätigte, dann jedoch von einem erneuten Knacken am Hang abgelenkt wurde. Der Jungspund folgte seinem Blick und beobachtete, wie ein weiterer Wolf den schmalen Weg entlang kletterte, welcher sie beide hier herunter gebracht hatte. Aus der Ferne konnte Samirez nicht erkennen, um welches Rudelmitglied es sich handelte konnte er aus dieser Entfernung nicht erkennen, erst als die Gestalt an ihre Seite getreten war, erkannte er, dass es sich um Kursaí handeln musste. Auch diese Wölfin kannte er nicht sonderlich gut, wie so viele in diesem Rudel dieser Umstand entlockte ihm ein verhaltenes, tonloses Seufzen, doch Chivan lenkte ihn erneut mit freundlichen Worten ab, was der Helle dankend annahm.

“Wölfische Neugier ist eben stark“, seine Ohren zuckten leicht, während er die graue Fähe mit einem kurzen Schwenken der Rute begrüßte.

Wie er selbst musste die erst einmal ihren Durst stillen und hatte somit nur wenige Worte für sie über, doch Samirez verstand sie nur zu gut. Es war störend mit einer staubtrockenen Kehle zu reden. Als Chivan erneut das Wort an ihn wandte nickte der Jüngling zuversichtlich.

“In meinen Augen kann man nie genug von Abenteuern bekommen, wenn du dich also wirklich nicht zu alt dafür fühlst“, neckte er den Älteren frech, “dann los.“

Natürlich hatte er nicht vergessen, dass sich der Bunte auch an Kursaí gewandt hatte und so blickte auch er die Fähe mit leicht schräg geneigtem Kopf an. Er war gespannt aus welchem Holz die Graue so geschnitzt worden war.

Kursaí
17.06.2013, 18:38

Sorry, dass ihr so lange warten musstet ._.

Dieser kleine Bachlauf war eine schöne Erfrischung, besonders für ihre geschundenen Mäuler. Kurz überlegte sie, ob sie nicht gleich, dass ganze Rudel rufen sollten, doch dann kam ihr der Gedanke, dass sie zunächst den Weg nach oben hinter sich bringen sollten. So nahm sie sich vor, dass sie oben angekommen Tyraleen von dem Wasser erzählen wollte. Der Fähe war nämlich klar, dass alle Wölfe ihres Rudels vor der Weiterreise eine Erfrischung gut tun würde.
Nun wurde ihr bewusst, dass sie sich gar nicht sicher war, ob die Beiden wussten, wer sie war. Sicher, sie wusste es von den beiden Rüden genau, jedoch sie waren noch nicht lange hier und die Familie war ja doch groß. So schob sie nach dem Trinken noch eine Vorstellung hinterher:

"Falls ihr es noch nicht wissen solltet, bei mir handelt es sich um Kursaí."

Nun stellte sie fest, dass die Beiden mehr vorhatten. Anscheinend reichte ihnen das Wasser an Entdeckung nicht. Kurz überlegte sie, ob sie nicht lieber gleich zu den Anderen umkehren sollte, um ihnen das Wasser zu zeigen. Jedoch aus zwei Gründen entschied sie sich dagegen. Zunächst erst einmal war ihr natürlich aufgefallen, wie fertig die meisten von der Asche und dem Lauf waren. Somit würde es nicht schaden, wenn sie noch ein wenig ruhen würden, bevor sie sich an diesen Abstieg machten. Nicht, dass er wirklich gefährlich wäre, jedoch musste man doch sich stark konzentrieren, musste jeden Schritt planen. So würde sie sich diesem Abenteuer anschließen, vielleicht auch, um die Beiden ein wenig zu bremsen. Das dies wirklich nötig sein würde, dass glaubte sie eigentlich nicht. Doch schaden könnte es auch nicht. Besonders Chivan erschien ihr als ein vernünftiger Wolf, was neben seiner Ausstrahlung vielleicht auch mit dem Alter zusammen hing. Doch bei Samirez war sie sich da nicht ganz so sicher. Da war sie auch schon bei dem zweiten Punkt. Dies war eine gute Gelegenheit um diese beiden neuen Rüden näher kennen zu lernen.
So erwiderte sie Richtung Chivan:

"Ich würde euch gerne begleiten."

Mit diesen Worten schloss sie zu den beiden Rüden auf.

Chivan
07.07.2013, 19:13

Chivan konnte nicht anders, als sich einzugestehen, dass ihm der Helle durchaus gefiel. Er war ganz offensichtlich nicht auf den Fang gefallen und schien sich auch für einen Spaß nicht zu schade, den der Gegenüber durchaus auch in den falschen Hals bekommen konnte. Bisher konnte der Hüne nicht einschätzen, ob sich der Jungspund schlicht viel zu sicher in seiner eigenen Sache war, oder durchaus verstand, wie man seinem Gegenüber ansah, ob er ein Kandidat für solche Albereien war. Er kam ihm keineswegs respektlos vor, aber vielleicht war er dafür auch einfach viel zu locker, was das anbelangte. Nichtsdestotrotz – die Art des Jünglings war erfrischend, besonders jetzt, wo die Dunkelheit sie zu verfolgen schien und sich einem dunklen, belastenden Schleier gleich auf die Seelen der Wölfe gelegt hatte. Dem Hellen galt ein verschmitztes Grinsen, als er sich auch nicht zu schade für eine weitere Antwort diesbezüglich war, ehe sie Zuwachs bekamen und sich eine weitere Jungwölfin zu ihnen gesellte. Sie schien ebenso erfreut über die – wenn auch kleine – Wasserquelle. Chivan bezweifelte nicht, dass sie früher oder später auch den Rest anlocken würde, weshalb er noch davon absah, groß auf sie aufmerksam zu machen. Spätestens beim Aufbruch würde sich herausstellen, ob die übrigen das wenige Wasser gefunden hatten – und wer wusste schon? Nach den Plänen, die die drei Wölfe bereits schmiedeten, konnte es ebenso gut sein, dass sie bereits eine größere Quelle gefunden hatten, die ihnen allen problemlos genug Flüssigkeit spenden würde. Solange aber schienen sie eine kleine Runde zu bleiben. Die junge Wölfin stellte sich vor und bestätigte eine ferne Annahme des Hünen, der sogleich kurz mit der Schnauze zu Samirez zeigte und sie schließlich wieder auf die Fähe richtete.

„Samirez und mein Name lautet Chivan. Für den Fall.“, nahm er ihre Wortwahl auf und schenkte ihr ein freundliches Zwinkern.

Er hatte ihren Namen zwar bereits irgendwo aufgeschnappt, aber man konnte nie wissen – wobei es Kursaí ohne Zweifel einfacher hatte als der Jüngling oder er, immerhin hatte sie sich weitaus weniger neue Namen zu merken. Aber das Thema schien soweit geklärt, als ihre kleine Abenteuerrunde auch sogleich ein weiteres Mitglied bekam, was der Bunte nur begrüßte. Nicht nur, weil ein Abenteuer mit mehr Abenteurern weitaus lustiger war – er glaubte auch fest daran, dass die kleine Erkundung den beiden Jungwölfen etwas willkommene Abwechslung bringen würde, weshalb es keine Frage für ihn war, ob er sie begleiten würde. Nicht, dass er es für nötig hielt, einen Aufpasser für sie bereitzustellen – wobei, bei Samirezs Übermut landete er noch irgendwo in einem Graben. Aber selbst das – so nahm er kann – konnte den Hellen wirklich bremsen. Chivan hob den Kopf und kräuselte ohne wirklichen Ernst auf die kleine Neckerei leicht den Nasenrücken, ohne, dass das Lächeln auf seinen Lefzen wirklich darunter litt.

„Dann führe uns mal an, junger Held.“, meinte er erwartungsvoll und setzte sich ebenso in Bewegung. „Vorausgesetzt, du kannst mit meinen alten Läufen mithalten.“

Selbstverständlich machte sich Chivan weitaus älter als er wirklich war – geschweigedenn als er sich wirklich fühlte. Samirez aber schien man mit Herausforderungen gut locken zu können und auch bei Kursaí glaubte er daran, dass sie so auf andere Gedanken kommen würde. Mit ein, zwei Sätzen bewegte er sich den Hang, den sie eben noch herabgestiegen waren, an den beiden Jungwölfen vorbei wieder nach oben, während das gelockerte Geröll unter seinen Pfoten die andere Richtung nahm.

Samirez
12.09.2013, 12:51

Vorsichtig trabte der Jäger den steinigen Hang entlang. Beinahe hätte er seine Gefährten vergessen können, wäre da nicht das Geräusch ihrer Schritte gewesen. Vom Wassertösen sicherlich ein wenig überdeckt und doch spürte er ihre Gegenwart hinter sich. Erst als er der Meinung war zu weit voraus zu laufen hielt der Weiße inne und warf einen Blick zurück, erfasste Chivan mit einem Schmunzeln und Kursaí mit einem neugierigen Mustern. Er hatte sich die Fähe vorher nie wirklich angeguckt, doch war sie hübsch mit ihren beinahe türkisblauen Augen. Samirez war zu sehr Charmeur um ihre Schönheit zu übersehen. Chivan kletterte nicht weniger behände hinauf.

“Wir hätten auch am Wasser gehen können“, bemerkte er leichthin.

Vielleicht hätten sie sich ein paar nasse Pfoten geholt. Aber vielleicht gab es auch einen weiteren Weg nach unten, an einer anderen Stelle, die vielleicht sogar leichter passierbar für das Rudel war. Immerhin hatte sie auch Jungtiere und Greise in ihren Reihen, was der Helle nicht vergessen durfte. In seiner Heimat hatte es weniger Klippen und Berge gewesen. Ja, eigentlich hatte alles nur aus Wald bestanden. Doch er beschwerte sich nicht. Die Reise war etwas Neues und wenngleich er sich anfänglich dagegen gesträubt hatte begann sie nun endlich ein wenig Spaß zu machen.

“Chivan, möchtest du uns nicht mit ein paar Geschichten die Zeit vertreiben?“ So als Märchenopa würde er sich sicherlich gut machen und tatsächlich war der nächtliche Aufstieg wirklich langweilig. “Oder hast du vielleicht eine auf Lager, Kursaí ?“

Die Ohren wippten amüsiert, während die Steine unter ihm in die Tiefe kollerten.

Kursaí
30.09.2013, 14:02

Kursaí musste bei der Vorstellung von dem Rüden mit dem Namen Chivan grinsen. Die Worte waren ihre gewesen, die Namen aber der beiden Rüden. Dies wussten sie beide, und zeigten es auch. Das Zwinkern des anderen wäre dafür gar nicht nötig gewesen. Nicht für den Inhalt der Worte war es nötig gewesen, und doch machte es die Aussage des Älteren nicht unnötig.
Die Fähe folgte den beiden Rüden. Sie war gespannt, was dieses Abenteuer bringen würde. Wirklich viel erwartete sie nicht, und sie hatte auch nicht vor, sich mit einem der Beiden zu messen. Wobei dafür wohl eher Samirez zu haben war. Diesem überließ sie aber gerne die Spitze und wenn er sich wohl mit jemanden messen würde, dann wohl eher mit Chivan. Schien es doch so, als ob die Beiden es darauf abgesehen hatten. Jedoch wie ernst sie es jeweils meinten, dass war ihr noch nicht ganz klar. In dieser Hinsicht würde das Abenteuer auf jeden Fall etwas Neues bringen, lohnend sein. Die zwei noch sehr fremden Rüden, die sich dem Rudel angeschlossen hatten, könnte sie dann besser einschätzen.
Den Worten des Weißen konnte sie nur zustimmen. Leichter wäre es am Wasser alle Male, doch so gingen sie den Weg über das Geröll. Der Weiße voran und sie zusammen mit dem Bunten hinterher. Gleichzeitig sollte dies ja aber ein Abenteuer sein, und so konnte die Graue es sich nicht verkneifen, zu sagen:

"Dies soll doch ein Abenteuer werden. Was für ein Abenteuer wäre es denn, ganz ohne Schwierigkeiten?"

Bei dieser neckischen Aussage ignorierte sie zwar, dass das Erkunden des Unbekannten immer ein Abenteuer war. Jedoch darum ging es doch auch eigentlich gar nicht. Auch wenn der Weg über das Geröll mit mehr Aufwand verbunden war, und natürlich auch ein gewisses Risiko barg, war es weder für sie selber, noch für die beiden anderen eine echte Herausforderung.
Es dauerte nur einen Moment, da kam Samirez eine neue Idee, die ihr gut gefiel. Geschichten waren etwas schönes, und auch äußerst informatives. Samirez hatte aber nicht nur den Bunten sondern auch sie angesprochen und so überlegte sie kurz. Die beiden waren nicht aus ihrem Rudel, somit kam sie auf etwas:

"Ihr habt bestimmt schon von Engaya und Fenris gehört. Ist der Glaube an sie, da wo ihr herkommt, auch beheimatet? Wenn nicht, könnte ich euch von der Göttin des Lebens und dem Gott des Todes erzählen."

Damit würde sie auch die Brücke zu diesem Rudel für die Beiden aufbauen. Denn mindestens so wichtig wie die Wölfe, war auch der Glaube für dieses Rudel. Doch sie war auch gespannt, was für Geschichten Chivan zu erzählen hatte. Vielleicht hatte auch Samirez etwas spannendes zu erzählen, doch zunächst sah sie erwartungsvoll zu dem Älteren.