Turién
27.03.2013, 02:07

Wenigestens eine Last war dem Silberprinzen vom Rücken gefallen, als sie wieder auf Averic gestoßen waren und er ihn wieder in den sicheren Händen des Rudels wusste. Alles fühlte sich behütet an und von aller Gefahr beschützt - nur durch das Wissen, dass sein Vater da war. Und obwohl er natürlich wusste, dass das nicht der Wahrheit entsprach weigerte er sich seinem Verstand glauben zu schenken. Er wusste den Dunklen in Sicherheit. Es fehlte nur noch eine. Nerúi. Kurz nachdem sie Averic gefunden hatte, war er sich überglücklich so sicher, dass sie kurz darauf auch seine beste Freundin finden würden. Tage später war die Euphorie verflogen und der Missmut wieder da, wenn er an sie dachte. All die anderen hatten sie vergessen. Er war sich sicher. Aszrem vielleicht noch nicht. Aber sie beide waren die einzigen, die sie vermissten. Und mit diesem Gedanken stieg wieder Groll in ihm auf, den er nicht fühlen wollte.

Er trabte etwas abseits vom Rudel, mit gesenktem Kopf die Nase im Wind, stetig mit der Hoffnung den so vertrauten Geruch Nerúis vielleicht doch noch irgendwann zu bemerken. Dabei schaltete er die immer lauter werdende Stimme in seinem Kopf ab, die ihm sagte, dass es sinnlos sei.

Kursaí
28.03.2013, 11:33

Während sie mit dem Rudel immer weiter lief, waren auch ihre Gedanken unterwegs. Schwer auf der Seele lag ihr ja der Spalt, welcher in ihrer Familie entstanden war. Auch wenn Kursaí scheinbar an diesem kaum etwas ändern konnte, wollte sie es nicht klaglos akzeptieren. Jedoch egal was sie tat, was sie sagte, es änderte kaum etwas an der Situation, besonders daran, dass ihre Mutter scheinbar verschwunden war. Die Fähe wusste, dass sie noch da war, dennoch versteckte sie sich ziemlich gut. Ihr Bruder war zwar immer da, und sie war auch schon mehrfach geneigt dazu, ein ernsthaftes Wort mit ihm zu reden. Jedoch schob sie es immer wieder vor sich hin, und so auch in diesem Moment. Wieder einmal schien es so, als ob dieser beschäftigt war. Sie nahm sich die Aussprache fest vor, und dennoch fürchtete sie sich davor, hatte die Angst vielleicht noch mehr zu zerstören, und nicht zu retten.
Durch diese Gedanken bewegt, ließ sie sich etwas zurückfallen. Dadurch war sie auch schon bald an den Rand des Rudels gelangt, wo sie sich zunächst einmal etwas aufmerksamer umschaute. Da sie auf andere Gedanken kommen wollte, sah sie sich nach möglichen Gesprächspartnern um, und da entdeckte sie Turién am Rande des Rudels laufen. Auch dieser schien ziemlich beschäftigt zu sein, jedoch konnte sie dies nicht mit Gewissheit sagen. Kursaí grübelte einfach nicht lange darüber nach und lenkte ihre Schritte in seine Richtung. Als sie dann bei ihm angelangt war, nickte sie ihm kurz, aber freundlich zu, sagte zunächst aber erst einmal nichts. Stattdessen ließ sie ein paar Herzschläge vergehen, in denen sie weiter ihren Weg mit dem Rudel beschritten, bevor sie ihre Schnauze öffnete, um den Rüden anzusprechen:

"Ist dies nicht ein schöner, alter Wald? So völlig anders als der zuvor?"

Noch nicht lange war es her, da hatten sich die Bäume um sie herum gewandelt, waren merklich älter geworden. Vor wie langer Zeit diese Bäume auf dem Antlitz dieser Erde wohl erschienen sind?

Turién
29.03.2013, 04:23

Der silberne Rüde war so sehr in trübe Gedanken versunken, dass er erst gar nicht bemerkt, dass er Gesellschaft bekam. Etwas verblüfft hob er den Kopf und erwiederte den stummen Gruß. Es war Kursaí.

„Das... Ja. Stimmt.“

Ehrlich gesagt war ihm die Erkenntnis der Fähe noch gar nicht wirklich bewusst geworden. Mit ihren Worten erst hob er den Blick, sah sich um und musste ihr stumm Recht geben.
Er war der Fähe einen Seitenblick zu - sie war Shanis Tochter. Die Tochter seiner Patin. Auch bei ihnen in der Familie gab es einige Probleme sofern er es mitbekommen hatte. Was genau los war konnte er allerdings nicht sagen - dazu wusste er viel zu wenig. Ob er es wagen sollte zu fragen? Er war neugierig, aber besaß dennoch Anstand und Taktgefühl.

„ Wie geht es dir?“

Das war eine sehr persönliche Frage für jemanden mit dem er kaum Kontakt pflegte, dass musste sich der Rüde eingestehen. Vielleicht würde sie es nur als nettes Geplauder auffassen - wobei es ihn diesmal wirklich interessierte.

Kursaí
01.04.2013, 11:53

Kursaí bemerkte, dass der andere wohl in seinen Gedanken richtig versunken gewesen war. Zumindest schien es so, als ob sie ihn aus diesen gerissen hätte. Für einen Moment hoffte sie, dass dieser es ihr nicht übel nahm. Doch diese Befürchtung wurde schon bald wieder entkräftet, da Turién nicht wirklich wütend aussah. Stattdessen bestätigte er ihre Beobachtung. Kursaí hegte die Vermutung, dass der Rüde bis jetzt nur eine Pfote vor die andere gesetzt hatte, viel zu in Gedanken, um die Veränderungen um sich herum richtig mit zu bekommen. Dies warf sie Turién aber nicht vor. Sie alle hatten zur Zeit worüber es nachzudenken gab, was sie beschäftigte. Was ihn wohl am meisten beschäftigte? Sie konnte es nicht sagen, doch das fröhlichste konnte es wohl nicht sein.
Nun hatte er seine Schnauze aber auch schon wieder geöffnet, und so wandte sie ihre Seelenspiegel in seine Richtung. Ja, wie ging es ihr, dass war eine gute Frage. In ihrem Innersten war sie noch ruhig, doch das war nicht alles. Vielmehr war sie überhaupt nicht zufrieden mit der Situation. Sie fragte sich kurz, wie viel Turién davon mitbekommen hatte, was rund um die Rückkehr ihres Vaters geschehen war. Ihre Gedanken ließ sie aber nicht zu lange kreisen, vielmehr öffnete sie ihre Schnauze:

"Es könnte wohl wirklich besser sein, bei dir wohl aber auch, oder?"


Sie wusste nicht, was ihn beschäftigte, doch das es etwas gab, dass war offensichtlich. Sollte sie wissen was es war?

Turién
06.04.2013, 18:04

Ein kaum hörbares Schnaufen war zu hören, nachdem Kursái den Prinzen selbst dannach gefragt hatte, wie es ihm ging. Er war kurz geneigt in voller Ironie "Ohhh, wunderbar." zu antworten, aber der Jungrüde riss sich zusammen. Anstatt das Gespräch hier abzubrechen, weil er wirklich nicht über Nerúi reden wollte und erst recht nicht mit Kursaí, die er kaum kannte, nickte er nur und meinte

" Hmm..."

Wieder drohte Wut in ihm aufzusteigen, bei dem Gedanken, dass es Kursaí wahrscheinlich genauso egal war, dass Nerúi fort war, wie dem Rest des Packs - aber dann besinnte er sich wieder. Kursaí war wahrscheinlich in der gleichen Situation - nur, dass es bei ihr um ihren Vater ging. Sein Vater war durch einen unglaublichen Wink des Schicksals wieder bei ihnen. So wie ihrer. Er hatte nie mit Shani über Hiryoga gesprochen. Er hatte auch kaum Kontakt zu ihren Kindern. Sollte er sich schlecht fühlen? Er war ihr Patenkind. Vielleicht ging es nicht nur darum, dass Shani sich seiner annahm, sondern dass er sich auch für sie verantwortlich fühlte in solchen Situationen?

"Was... was genau ist passiert bei euch. Also. Du weißt schon. Mit Hiryoga und so... ist alles in Ordnung?"

Kursaí
12.04.2013, 14:17

Anscheinend schien ihre Frage auf nicht allzu viel Gegenliebe zu stoßen. Dabei war es ja mehr eine Feststellung gewesen, als eine richtige Frage. Doch seinen Seufzer bezog sie vielleicht auch darauf, dass auch ihn etwas belastete. Was dies wohl war? Bei ihr selber war es wohl offensichtlich, doch bei Turién war sich Kursaí nicht so sicher. Eigentlich sollte er sich doch freuen, war doch sein Vater wieder da.
Jedoch schon als Kursaí dachte, dass der andere nun pampig werden würde, da nickte dieser und machte ein vielsagendes 'Hmmm...' Es schien wohl wirklich kein sonderlich gutes Thema zu sein, und so ließ sie es auch ruhen. Da sie ja auch keine richtige Frage gestellt hatte, ließ sie sich auch nicht anmerken, dass sie vielleicht doch ein wenig mehr als Antwort erwartet hatte. Was dem anderen auf der Seele lag, würde sie vielleicht noch erfahren, oder auch nicht. Sie musste es nicht unbedingt wissen, war es doch seine Sache, ob er es ihr erzählen wollte.
Vielmehr lenkte ihr Gegenüber das Gespräch wieder auf ihre Familie. Kurz schwieg sie, musste sich sammeln. Ein wenig unangenehm war ihr das Thema schon, und so sah sie kurz weg, zum Rudel, bevor sie sich wieder Turién zuwendete. Es war nur ein kurzer Moment gewesen, doch hatte er gereicht damit sie sich sammeln konnte. So versuchte sie die Frage freundlich zu beantworten, und doch wollte sie auch nicht zu viel sagen:

"Nicht alle konnten sich so recht über seine Rückkehr freuen, und so ist wohl ein Spalt in unsrer Familie entstanden, weshalb Mutter wie verschwunden ist. Und auch Vater scheint nicht so gut damit zurecht zu kommen wieder hier zu sein. Es scheint fast so, als ob seine Rückkehr auch große Verluste mit sich gebracht hat."

Es musste wohl schwer sein wieder da zu sein, nachdem man im Nichts war, oder vielleicht war es das auch gar nicht, wenn nicht sein Sohn einem sein Leben vorwirft.
Ihre Worte hatte sie recht ruhig vorgebracht, doch in ihr drin wirbelte wieder ein Sturm, das Feuer versuchte sie in Brand zu setzen. Jedoch sie versuchte die Flammen zu überschwemmen, damit diese sie nicht verbrannten.