Tyraleen
08.08.2012, 23:18

DAS ENDE EINER WELT ... UND DER ANBEGINN EINER NEUEN.



Es war eine Flucht gewesen. Kaum hatte die Erde wieder stillgestanden und das Rudel sich in Angst und Verwirrung zusammengefunden, wurde zum Aufbruch gerufen. Ob das Erdbeben im Zusammenhang mit den seltsamen Vorgängen im Sumpf stand und wie es sein konnte, dass sich die Erde unter ihren Pfoten gegen sie erhob, blieb den Wölfen ein Rätsel. Doch nun war der zuvor beinahe vergnügte Sumpfsuchspaß zu einer ernsthaften Angelegenheit geworden. Durch umfallende Bäume wäre beinahe ein Welpe gestorben und andere Wölfe hatten sich beim Stürzen verletzt. Dem Rudel drohte Gefahr, doch wie so oft im Tal der Sternenwinde, war ihr Ausmaß und ihre Art selbst den Leitwölfen unbekannt. Sie suchten ihr Heil in der sofortigen Rückkehr zum Rudelplatz, vielleicht getrieben von der Hoffnung, dort würde die Erde nicht beben.

Es war ein anstrengender und von Eile und Sorge angetriebener Lauf. Sie rasteten nur, wenn die Welpen zu erschöpft zum Weiterlaufen waren und doch sank die Hoffnung mit jedem Stück des Weges, den sie hinter sich brachten. Denn auch jetzt hörten die Beben nicht auf, keines von ihnen war so stark wie das Erste und doch so deutlich spürbar, dass der unmittelbare Zusammenhang mit dem Sumpfgebiet verworfen werden musste. Ihr Tal erhob sich gegen sie und mehr als je zuvor war der Grund dafür nicht zu erkennen. Nach fünf Tagen erreichten sie schließlich den Rudelplatz, der ihnen Zuflucht hatte bieten sollen, aber auch hier bebte die Erde und die umgestürzten Bäume zeugten davon, dass sie es nicht zum ersten Mal tat. Nun breitete sich Ratlosigkeit aus, war doch vollkommen unklar, ob bald alles besser oder doch noch schlimmer werden sollte. Immer wieder von leichten Beben geschüttelt blieb das Rudel wo es war, abwartend, unruhig, hilflos.

In dieser schweren Zeit musste dann ein weiterer harter Schicksalsschlag erfolgen. Acht Tage nach dem Tag im Sumpf erklang der Ruf Fenris‘ für seinen Sohn Averic und der schwarze Rüde musste aufbrechen, sein Versprechen zu halten. Ihm ward befohlen ins Tal der Raben zu kommen und um das Leben seines Sohnes ebenso wie um dies seiner Gefährtin und auch sein eigenes, musste er sich beugen. In einer kalten Nacht nahm er Abschied von seiner Familie, ließ sie alle noch mutloser zurück und nahm der Gemeinschaft eine weitere wichtige Stütze. Der Winter, der in dieser Nacht das Tal endgültig umklammert hatte, ließ die Verzweiflung in Kristallen aus Schmerz erstarren und das Rudel verharrte in stummer Mutlosigkeit, bis der Morgen dämmerte. Ein weiteres Beben rüttelte die Wölfe aus dem Schlaf und ihnen blieb nichts anderes übrig, als sich einem neuen Tag zu stellen.

Ein eiskalter Morgen bricht an, die schwache Sonne schickt bereits ihre ersten, kaum wärmenden Strahlen über das Tal. Nur wenige Wolken hängen am Himmel, ein klirrend kalter Wind weht aus Südosten und lässt die Luft bei jedem Atemzug in den Lungen brennen. Es hat etwa -15 °Celsius und am Ufer des Sees haben sich bereits Eisplatten gebildet. Das Rudel liegt am Waldrand des Rudelplatzes, es ist vollzählig bis auf Averic. Der vor etwa fünf Stunden verabschiedete Beta des Rudels befindet sich auf dem Weg nach Norden und hat das Revier bereits verlassen.

Seit dem letzten Plot sind 9 Tage vergangen.
Der ausgespielte Abschied Averics ist [hier] zu finden.

Atalya
08.08.2012, 23:53

Atalya hatte eine grausame Nacht hinter sich. Es war nur wenige Stunden her, dass sie ihren Vater hatte verabschieden müssen, und dieser Abschied lastete schwer auf den Schultern der jungen Wölfin. Er war fort, genau wie ihr Pate. Und auch, wenn es bei ihrem Vater sinniger schien, im Gegensatz zum Verschwinden ihres geliebten Paten, so schmerzte dieser Abschied nicht weniger. Die ganze Nacht war sie auf den Läufen gewesen, hatte nicht geschlafen und war fast wahnsinnig geworden. Die Graue hatte nicht einmal versucht, sich hinzulegen, wußte sie doch, dass die Unruhe sie nur wieder auf die Läufe jagen würde, sie nur Ruhe in der Ziellosigkeit finden konnte – wenn man es so nennen konnte. So oft hatte sie den Gedanken verfolgt, ihrem Vater zu folgen, dieses Tal hinter sich zu lassen. Aber sie konnte nicht, sie konnte dem Rest ihrer Familie nicht de Rücken kehren, sie allein lassen. Der Optimismus der Nacht, der die junge Fähe für einige Momente ergriffen hatte, war mit dem kalten Wind davon geweht worden. Erst das Beben, welches die Erde am Morgen erschüttert hatte, hatte sie ein wenig aus den trüben Gedanken gerissen, der Sehnsucht, die sie nach einer heilen Welt verspürte. Hatte sie diese nun für immer loslassen müssen – war mit dem Abschied von ihrem Vater ihre Welt zerbrochen? Sie konnte es nicht genau sagen, und doch kam es ihr in diesem Moment genau so vor. Und Liam war nicht da, um ihr beizustehen. Er war fort, irgendwo dort draußen. Er war nicht einmal hier, um ihr den Winter schön zu reden, der langsam in ihrem Tal Einzug hielt. Atalya mochte den Winter nicht, mochte nicht die Kälte, die von außen auf sie einwirkte. Aber in diesem Moment war es ihr egal, ob die Sonne schien, oder ob sie in einer Schicht aus Schnee versanken. Vielleicht bildete sie sich ein, dass ihr jeder Knochen weh tat, aber auch dies schien so unglaublich fern. Die Graue nahm nicht einmal die Blicke der anderen war, wenn sie an ihnen vorbei lief. Sie wollte ihnen nicht in die Augen sehen, nicht, dass sie ihre Schwäche sahen. Obwohl sie wußte, dass ihnen in diesem Moment kein anderes Urteil zu bilden blieb. Sie war schwach, und wäre sie nicht auf den Pfoten gewesen, so glaubte sie nicht die Kraft gehabt zu haben, um aufzustehen.
Alles, was sie nun wahrnahm, war die steigende Müdigkeit ihres Körpers, ihre Läufe, die immer wieder unter ihrem Körper weg knickten und drohten, sie auf den Boden aufschlagen zu lassen. Ein leises Wimmern verließ ihren Fang, ohne dass sie aufgeben wollte. In manchen Momenten glaubte sie, dass die Welt sich viel zu schnell drehte, in anderen schien sie still zu stehen. Die junge Wölfin taumelte, kniff die Augen zusammen. Und als sie diese wieder aufschlug, blickte sie in vertraute, gelbe Augen. Sie hatte nicht auf ihren Weg, auf ihre Umwelt, geachtet. So hatte sie nicht einmal den Geruch ihres Bruders wahrgenommen, der sich nun in ihrem Weg befand. Erneut drang ein leises Fiepen aus ihrem Fang, als sie der Schwäche nachgab, sich auf den Boden sinken ließ. Sie konnte keine Stärke vorspielen, es schien als hätte man ihr all ihre Kraft genommen. Einen Moment schloß sie die Augen, atmete dann tief durch und richtete die Seelenspiegel schließlich auf ihren silbernen Bruder.

Turi... Glaubst du, er wird wiederkommen?“

Nur eine leise geflüsterte Frage, ohne wirkliche Hoffnung in der Stimme. In dieser Nacht war ein weiteres Stück aus ihrer Welt heraus gebrochen, und sie hatte das Gefühl, nur Trost in der Nähe ihrer Familie finden zu können. Madoc schien so fern wie ihr Pate, und so war sie froh darüber, dass Turién nun hier war... selbst wenn noch die Möglichkeit bestand, dass er nun gehen würde. Aber darüber dachte die Graue nicht nach, auch wenn es nur ein kleiner Funke war, der beinah erlosch, so blieb noch ein winziger Anteil Hoffnung zurück. Und hatten sie nicht immer zusammen halten können?


[Rudelplatz – Turién]

Kisha
09.08.2012, 00:21

Kisha lag ruhig da, den Blick in Richtung des Sees gewandt, der still in ihrer Nähe ruhte. Die Kälte kroch langsam in ihr Fell, aber sie störte sich daran nicht. Der Winter war normal, und die dunkle Wölfin freute sich über jeden „normalen“ Funken, der in diesem Tal vor sich ging. Viel mehr setzte ihr da das Beben zu, welches sie am Morgen aus dem Schlaf gerissen hatte, ihr Herz erneut für einige Momente hatte schneller schlagen lassen. Die Sorge um das Rudel, um ihre Familie, hatte sie aufspringen lassen, aber dieses Mal schien niemand verwundet, wobei diese Beben an diesem Ort nicht mit dem am Sumpf zu vergleichen waren. Die Anstrengung der Wanderung zurück zum Rudelplatz war vergessen, zurück blieb die Angst vor den Beben, vor dem Ungewohnten. Aber es blieb ihnen Nichts anderes übrig, als zu warten, zu hoffen. Und genau dies traf auch auf den Abschied von ihrem Bruder zu. Es war erst wenige Stunden her, dass sich Averic von seiner Familie, vom Rudel, verabschiedet hatte, ehe er aufgebrochen war, um Fenris Willen zu folgen. Die Schwarze hatte nie ein sonderlich gutes Verhältnis zu ihrem Bruder gehabt, und dennoch bedauerte sie diesen Verlust. Er würde ein Loch im Rudel hinterlassen, und gerade für seine Kinder war es sicher nicht leicht, mit dieser Situation umzugehen. Und wie war es erst für Tyraleen? Ein leichtes Schaudern durchfuhr den Körper der Fähe bei diesem Gedanken, als sie den Blick schweifen ließ, nach ihrer weißen Schwester Ausschau hielt. Wie weit verkraftete sie diesen Abschied? Mit einem leisen Seufzen, welches nun folgte, wandte Kisha sich jedoch wieder herum, schloß einen Moment die Augen und lauschte der Stille des Winters. Bald würde der Schnee kommen, und vielleicht fand‘ der ein oder andere Wolf darin ein wenig Trost, so spürte man noch immer förmlich die Unsicherheit gegenüber der Beben, die die meisten von ihnen nicht kannten. Sie selbst hatte nur schwache erlebt, fern von diesem Ort, aber auch diese Erinnerung verblasste mit jedem neuen Morgen, an dem sie die Augen aufschlug. So konnte sie sich auf die Sorge um dieses – um ihr –Rudel konzentrieren. Selbst, wenn diese Sorge immer weiter abschwächte. Seit dem ersten Beben am Sumpf war niemand mehr verletzt worden, und selbst, wenn es bei manchen vielleicht knapp gewesen war, so hatten sie an diesem Tag keinen Verlust zu bedauern. Ein Grund für die dunkle Fähe, aufzuatmen. Und Averic... es war natürlich ein schwerer Verlust, jedoch verdrängte Kisha den Gedanken an ihren Bruder. Sie hatten alle genug Last zu tragen, sodass sie bemührt darum war, weitere Sorgen in den Hintergrund zu drängen.
So lag sie einige Minuten ruhig da, schien noch zu schlafen, obwohl ihr Geist schon so viele Gedanken durcharbeitete. Erst nach weiteren Minuten der Stille hob die Schwarze den Kopf, blinzelte und richtete den Blick dann neben sich, wo ihre Stütze der gestrigen Nacht noch lag. Kurz schnippten Kishas Ohren durch die kälter werdende Luft, ein prüfender Blick galt dem bunten Rüden, ehe sie den Kopf herum wandte, über das Rudel schweifen ließ.

Man spürt beinah die Angst, die über den meisten von uns lastet.“ Sie schluckte, sprach nicht wirklich laut, um erst einmal sicher zu gehen, dass der noch recht neue Rüde nicht noch schlief. „Oder bilde ich mir das nur ein?“


[Rudelplatz – Chivan]

Chivan
09.08.2012, 02:30

Noch war es vollkommen unbekannt, welch Veränderung der Abschied des Betas tatsächlich für das Rudel bedeutete, doch dass es unmöglich etwas Angenehmes sein konnte, war wohl selbst dem letzten Wolf dieses Rudels klar. Es war eine schwierige Zeit, die sie allesamt in Ungewissheit und Angst wiegte, der sie unmöglich entfliehen konnten. Averic war eine Stütze gewesen, ein wichtiger Bestandteil der Gemeinschaft, der nun von jetzt auf gleich einfach wegfiel. Chivan hatte das Szenario um den dunklen Wolf lediglich aus der Ferne beobachtet, doch die Auswirkungen waren dennoch zu deutlich gewesen. Der Bunte war sich sicher, dass es nicht nur eine Familie war, die um ihren Vater und Gefährten trauerte, sondern zugleich ein ganzes Rudel, welches in schwerer, drückender Hilflosigkeit zurückgelassen worden war. Es war ein weiterer Schlag, von dem abzuwarten blieb, wie gut er verkraftet werden würde, sobald wirklich das ganze Rudel realisiert hatte, was die Nacht geschehen war. Der Wölfin an seiner Seite schien es leicht anzusehen zu sein, dass sie um den verschwundenen Beta trauerte, obschon sie nicht sonderlich vertraut miteinander wirkten, immerhin hätte sie es sich sonst doch sicherlich nicht nehmen lassen, ihn persönlich zu verabschieden, statt lediglich aus der Ferne zuzusehen. Allerdings waren die Verhältnisse und Beziehungen der Jäger um ihn herum im Augenblick eines der letzten Dinge, die ihn bewegten. Es gab Wichtigeres, viel Wichtigeres und besonders jetzt mussten alle zusammenhalten. Allerdings fehlte ihm bisher noch immer die Kenntnis über all die verschiedenen Charaktere, um wirklich darauf zu vertrauen, dass die Lücke, die Averic hinterließ, nicht zu groß und niederschmetternd war. Tatsächlich blieb ihm nach der Woche, die er nun bereits bei diesem Rudel verweilte, nicht mehr, als abzuwarten, was geschehen würde und zu hoffen, dass sich alles zum Guten wenden würde.

Die Kälte, die in dieser Nacht fast wie ein Unheilbote noch tiefer in das Tal gekrochen war, hatte es nicht geschafft, ihn davon abzuhalten, trotz der unruhigen Zeiten etwas Schlaf zu finden. Der Winterpelz erledigte seine Aufgabe und auch seine dunkle Nase entging der kalten Winterluft dadurch, dass er sich zusammengerollt und sie unter der Rute verborgen hatte. Doch seit dem Erdbeben am frühen Morgen war es ihm dann doch verwehrt geblieben, erneut Ruhe zu finden. Stattdessen döste er, hielt die Seelenspiegel fest geschlossen, während seine Sinne allerdings bereits munter zu arbeiten schienen. Seine Ohren zuckten hin und wieder, wenn sie ein Geräusch vernahmen, doch es war weitestgehend still. Nur hin und wieder hörte man ein leises Rauschen, wenn der Atem des Winters zwischen den Bäumen hindurch wehte und die kahlen Äste zum Zittern brachte. Ein schwerer Atemzug brachte seinen Brustkorb dazu, sich stärker zu weiten als zuvor, als er ein leises Geräusch neben sich vernahm und vermutete, dass die Wölfin neben ihm bereits erwacht war. Kurz darauf auch schon erklang ihre Stimme – leise und beunruhigt, wie er fand, doch wer konnte ihr das groß verübeln. Chivan hob den Kopf, sah ihr kurz entgegen und ließ dann seinerseits den Blick über das Rudel schweifen. Ein tonloses Seufzen beendete diese Geste und seine Seelenspiegel kamen mit einer unzufriedenen Zustimmung wieder bei Kisha zur Ruhe.

„Nein. Es liegt deutlich in der Luft.“, stimmte er ihr zu und legte die Ohren besorgt gen Hinterkopf. „Und die Kälte lässt die Luft fast so starr werden, dass man das Gefühl hat, sie jeden Augenblick zerbrechen zu können.“

Es war keine angenehme Kälte, wie er fand und üblicher Weise hatte er eigentlich nichts dagegen einzuwenden. Doch diese war mehr als störend, beengend und nahm einem die Freiheit zu atmen. Ein weiteres Gefühl, was einen beunruhigte, zumindest psychisch, wenn jeder Atemzug zu schmerzen schien.

„Es scheint fast so, als wäre die Zeit stehen geblieben, findest du nicht?“

Es war ein unwirkliches, blasses Licht, was den Platz erhellte und man glaubte fast, es zu sehen, da die wenig wärmenden Strahlen sich eisern ihren Weg durch die klirrende Kälte kämpften.



{ rudelplatz | kisha }

Kisha
09.08.2012, 03:01

Kisha war dankbar dafür, dass sie diesen eigentlich noch unbekannten Wolf an diesem Morgen an ihrer Seite wußte. Averics Abschied in der Nacht hatte sie sehr mitgenommen, wenn vielleicht auch nicht ganz so wie die Wölfe, die ihm näher standen, als sie es wohl je tun würde. Aber in diesem Moment war Chivan da gewesen, und er war es immer noch. Abgesehen davon, dass die Schwarze nie gern allein war, so war sie jetzt noch glücklicher, dass er bunte Rüde noch nicht von ihrer Seite gewichen war, auch wenn er die Möglichkeit dazu hatte. Sie selbst wäre vielleicht nur unruhig umher gestrifen, auf der Suche nach Ablenkung, die sie nun jedoch in der Gesellschaft des Rüden fand. Und vielleicht hätte sie auch keine bessere finden können, wer wußte das schon.
Mit einem kurzen Schnippen ihrer Ohren nahm sie aus den Augenwinkeln wahr, dass eben dieser Wolf nun den Kopf hob, den Blick seinerseits schweifen ließ. Sie fühlte sich nicht ganz sicher bei den Äußerungen ihrer Angst, bei dem, was sie fühlte. Aber dieses Gespräch mit Chivan in der Nacht hatte gezeigt, dass er es verstand, und niemand war, der über die Ängste von anderen lachte, sie zu Boden schlug. Und so war es auch in diesem Moment, als er seinen kleinen Rundblick mit einem Seufzen beendete und schließlich zu einer Antwort ansetzte, die Kisha nachdenklich den Blick gen Boden richten ließ. Sie nickte, als der Bunte geendet hatte, seufzte dann ihrerseits.

Irgendwie ironisch, dass zu solchen Zeiten nun auch noch der Winter hinzu kommt. In diesen Momenten wünscht man sich die wärmenden Strahlen der Sonne nur noch sehnlicher herbei... selbst wenn ich den Winter sonst mag.“

Die dunkle Fähe ließ den Blick auf den Boden gerichtet, sprach mit leiser Stimme – wie schon zuvor – weiter zu dem großen Rüden. Aber sie verstand, was er mit seinen Worten meinte, was in seinem Kopf vorgehen musste – und sie konnte es nur nachempfinden. Diese Kälte lastete nun zusätzlich auf ihnen, selbst für die Wölfe, die sonst keinerlei Probleme mit diesem Wetter hatten. Es war einfach zu viel auf einmal, der Verlust des Betas, die merkwürdigen Geschehnisse am Sumpf, die Erdbeben. Chivans erneute Frage ließ die Fähe nun endlich den Kopf heben, den Rüden direkt anblicken. Die Zeit, die still stand, und sich dafür keinen schlechteren Zeitpunkt hatte aussuchen können.

Ja, schon... aber ich hoffe, das ist nur eine Phase und geht schnell vorbei. Es ist genug, was Rudel ertragen muss.“

Mit einem leisen Schnaufen atmete die dunkle Fähe aus, schüttelte dabei sachte den Kopf. Dann ließ sie den Kopf zurück auf den Boden sinken, schloß noch einen Moment die dunklen Seelenspiegel.

Ich wünsche mir Nichts mehr, als das hier endlich wieder Ruhe herrscht, damit wir alle zu Kräften kommen können.


[Rudelplatz – Chivan]

Turién
09.08.2012, 06:19

Alles hatte sich geändert. Alles war anders geworden. Soviele Wölfe hatten ihm gesagt, dass Veränderung gut sei, dass es etwas Neues bedeutete. Leben hieß Veränderung. Es ging nicht ohne. Aber in den Augen des silbernen Rüden hatten sie alle Unrecht. Sie lagen alle so falsch. Veränderung war schlecht. Es hieß geliebte Wölfe zu verlieren und alleine voranschreiten zu müssen. Oh, wieviele Wölfe hatte er schon gehen sehen? Zuviele für sein junges Alter. Und es hörte nicht auf.

Er hatte Nerúi nicht mehr finden können. Auch sie war nun fort. Die Spuren des Kampfes mit Krolock waren noch nicht verheilt – waren es doch nur knapp drei Wochen seit dem Vorfall, der Turién scheinbar von Grundauf verändert hatte. Er war stiller geworden. Hatte sich von den anderen Wölfen ferngehalten. Mit Nerúis Verschwinden schien auch ein Stück von ihm verschwunden zu sein.

Und in dieser Nacht war schlussendlich auch sein Vater aufgebrochen. Fort. Ein bitteres Lächeln zierte für einen kurzen Moment seine Lefzen. Oh, welch Ironie. Es war so Unwirklich. Es war kaum ein paar Stunden her, dass er die Verabschiedung seines Vater vom Abseits aus beobachtet hatte. Er ertrug nicht mehr. Er machte sich nichts mehr vor. Sie würden alle gehen. All die Versprechen waren leere Worte ohne Sinn.

Das Erdbeben am Morgen hatte ihn wieder daran erinnert, wie kaputt die Welt war. Wie kaputt alles war. Und wie sehr er sich wünschte wieder ein Welpe zu sein. Ahnungslos. Voller Freude und Zuversicht, dass alles schön war und auch so bleiben würde. Turién lag am Rande des Rudelplatzes, wach. Er hatte nich schlafen können – nicht, nach dieser Verabschiedung. Und auch seine linke Schulter, mit den tiefen Bisswunden, die Krolock ihm zugefügt hatte, hielt ihn wach – weil sie anfing zu heilen und nicht aufhören wollte zu jucken. Die kleinen Kratzer und Bisse am Rest seines Körpers waren verheilt – es musste nur noch das Fell zurückkehren, während seine Schulter ein anderes Lied sang. Sie war wieder blutig, weil er die Wunde im Juckreiz wieder aufgekratzt hatte. Er wusste, dass er es nicht tun sollte. Dass es nur noch schlimmer werden würde, wenn die neue, offene Wunde wieder anfangen müsste zu heilen. Aber dieser kurze Moment, von Genugtuung und Schmerz befriedigte ihn auf eine bestialische Art.

Sein Blick glitt zur Seite, als eine bekannte Gestalt sich ihm näherte und erst im letzten Moment aufblickte. Seine sonnengelben Augen starrten direkt in die von Atalya, er blieb stum und blinzelte nicht. Sie sah traurig aus. Seine Schwester ließ sich mit einem leisen Fiepsen neben ihm nieder, offenbar genauso Antriebslos, wie er sich schon seit drei Wochen fühlte. Jetzt sogar noch mehr, auch wenn er gedacht hatte, das sei nicht möglich.
Kalte Dampfwolken verließen Atalyas Fang, als sie sprach. Oh, er hätte sich so für den heißen Atem begeistert, wäre er noch der kleine Turién – doch nun hatte alles seinen Zauber verloren, war glanz und farblos in dieser trostlosen Welt.

„Nein.“

Er hatte nicht die Kraft zu trösten, noch hatte er Lust. Und auch Atalya schien nicht sonderlich hoffnungsvoll. Und doch kam ihm, kaum ausgesprochen seine Antwort lieblos und kalt vor – also beugte er sich ächzend zu ihr rüber und schleckte ihr einmal über die Stirn. Einfach so. Damit sie nicht so alleine war. Er wünschte Nerúi wäre hier.

„Machen wir uns nichts vor. Es ist besser davon auszugehen, dass er nicht wiederkommt – erspart uns viel an Wehmut und Trauer. Abschied für Immer. Ende...“ er beugte sich wieder zurück, bevor er weitersprach „Und wenn er doch wiederkommt – was ich leider stark bezweifel – na dann, ist es doch umso schöner. Aber wir sollten keine all zu hohen Erwartungen haben.“

Es gab keinen optimistischen Turién mehr. Alle gingen fort oder starben. Er band sich am besten an keinen Wolf mehr, sie würden ihn doch eh alle nur alleine lassen.


[Rudelplatz – Atalya]

Chivan
09.08.2012, 12:26

Sie mussten durchhalten. Wenn sie nun aufgaben, niedergeschmettert von dem Abschied ihres Betas, gab es nur wenig, was sie noch tun konnten. Sie mussten den Kopf erhoben lassen und sich alle dem stellen. So beängstigend auch jedes der Beben war, es bestand noch immer Hoffnung, immerhin war keines mehr so stark gewesen wie das, als er sich noch außerhalb des Reviers aufgehalten hatte. Sie wurden schwächer und die Hoffnung, das Zittern der Erde würde bald vollkommen versiegen, brachte Mut. Mut, all das durchzustehen und auf bessere Zeiten zu hoffen, auf Hilfe und Gnade von Seiten der Götter, wenn sie zeigten, dass sie dieser Prüfung standhielten und zusammenrückten. Angst zu zeigen in unbekannten, fremden Situationen war vollkommen normal. Es ging hier nicht darum, all das Unliebsame und Furchterregende zu verlachen, sondern es anzunehmen und sich dem entgegenzustellen. Es war kein Mut, keine Furcht zu zeigen – es war Mut, sie zuzulassen und dennoch nicht zu Boden zu gehen. Doch er wusste genauso, dass in diesem Augenblick besonders eine standfeste und hoffnungsvolle Leitung von Nöten war. Es brauchte jemanden, der allen zeigte, dass es Sinn machte, weiterzumachen, dass es Sinn machte, sich alledem in den Weg zu stellen und die Hoffnung nicht zu verlieren. Unauffällig huschten seine Seelenspiegel ein weiteres Mal über den Platz, doch er fand sie nicht, bevor er sich wieder Kisha zuwandte und ihr ein sachtes Lächeln schenkte.

„Wir können froh sein, dass sie überhaupt zu sehen ist. So kann sie zumindest unsere Gemüter erwärmen.“, besann er sich auf die positiven Dinge des Moments. „Allerdings wäre für eure jüngsten Mitglieder ohne Frage ein milder Winter erstrebenswert gewesen, aber dieses Glück scheint uns nicht gegeben. Es wird eine harte Probe für sie, doch wenn sie es überstehen, sind sie für den Rest ihres Lebens ohne Frage gestärkt.“

Es klang keinerlei Zweifel durch. Auch, wenn er die Welpen noch nicht persönlich kennengelernt hatte, so hatten sie doch trotz der bereits niedrigen Temperaturen einen fitten und aktiven Eindruck gemacht. Sie sahen nicht so aus, als würden sie sich davon groß unterkriegen lassen, doch diese Stärke brauchten sie auch, immerhin waren sie zu einer ungünstigen Zeit auf die Welt gekommen. Ein Welpe brauchte Licht und Wärme, um zu wachsen, diese hier mussten allerdings mit so wenig wie möglich zurechtkommen. Dennoch sprach er zuversichtlich, während er Kisha bedachte, die deutlich unter all dem zu leiden schien. Besorgt spielte er mit den Ohren und ihm wurde schwer ums Herz, denn wirklich eine der Sorgen nehmen konnte er keinem hier. Er konnte ihnen bloß Mut zusprechen und hoffen, dass er seinen eigenen aufrecht erhalten konnte. Zumindest äußerlich.

„Bestimmt. Wenn es vorher nicht so war, gibt es auch keinen Grund, warum es in Zukunft so sein sollte. Wir müssen auf die Götter vertrauen und dürfen die Hoffnung nicht verlieren. Dann wird sich sicherlich alles zum Guten wenden.“

Ein ehrliches Lächeln trat auf seine Lefzen und ein hoffnungsvoller Schimmer in seine hellen Seelenspiegel.



{ rudelplatz | kisha }

Atalya
09.08.2012, 14:26

Atalya wußte nicht, was sie erwartete. Jetzt, wo sie die Gedanken auf ihren Bruder konzentrieren konnte, konnte sie sich auch erinnern, dass es Turién nicht anders erging als ihr selbst. Auch er hatte so viele Wölfe verloren, litt unter den Wölfen, die ihn allein gelassen hatten. Es konnte ihrem Bruder also kaum besser gehen als ihr, zumal auch der Silberne an ihrem Vater gehangen hatte. Aber musste sie deswegen erwarten, dass er sich von dieser Schwäche einnehmen ließ, so wie sie in diesem Moment? Sie fand‘ nicht die Kraft für aufrichtige Hoffnung, aber vielleicht lief es bei ihm besser? Auch wenn er nicht danach aussah, und ihn umgab auch noch die Luft, die nach Blut roch. Kurz ließ die Graue den Blick zu ihrem Bruder herüber gleiten, betrachtete kurz die Wunde an seiner Schulter. Krolock, dieser Idiot. Ein leises Seufzen folgte, ehe die Fähe den Blick wieder abwandte, ihn ziellos nach vorn wandte. Als der Silberne nun mit einem kühlen, einfachen Wort antwortete, wußte Atalya, was sie zu erwarten hatte, was ihr eigentlich die ganze Zeit bewußt gewesen war. Die Hoffnung, die sie ihrem Vater in dieser Nacht noch entgegen gebracht hatte, erlosch allmählich immer mehr. Atalya schluckte, kniff dann einen Moment die Augen zusammen,. Sie war nicht in der Hoffnung auf Trost hierher gekommen, vielleicht brauchte sie in diesem Moment einfach Jemand, der sie verstand. Und ihr Bruder wußte wohl mit am besten, wie es ihr ging.
Als ihr Bruder nun kurz mit der Zunge über ihre Stirn fuhr, hob Atalya den Kopf, blickte ihn ruhig an. Sie lächelte nicht, trotzdem sprach sanfter Dank aus den hellen Augen, auch wenn sie ihn nicht aussprach. Und auch während seiner nächsten Worte blickte die Graue ihn still an, senkte nur einen Moment die Lider und seufzte leise. In den Worten ihres Bruders lag so viel Wahrheit, so viel, was ihr bewußt war, und was sie dennoch verdrängt hatte. Nun biß sie die Fänge fest aufeinander, schüttelte dann den Kopf, ehe sich die hellen Augen wieder auf den silbernen Rüden wandten, ihn mutlos anblickten.

Es wird immer kälter.“

Sie ließ nun offen, ob sie über das Wetter sprach, oder ob sie anderes meinte. Der Winter kam zum falschen Zeitpunkt, so passte sich das Wetter ihrer Stimmung an, und nicht einmal die Sonne brachte genug Kraft auf, sie wenigstens von außen zu wärmen. Kurz reckte die Graue die Nase zur Schnauze ihres Bruders, berührte ihr als kleinen Dank für seine vergangene Geste, auch wenn sie dabei kaum anwesend wirkte.


[Rudelplatz – Turién]

Kisha
09.08.2012, 14:26

Kisha ließ den Blick schweifen, dabei fiel ihr nur ein weiteres Mal auf, dass diese Welt irgendwie mit jedem Moment trostloser wurde. Es lag nicht an dem Winter, der langsam über sie herein brach, es waren viel mehr die Stimmungen der Wölfe, die Hoffnungslosigkeit, die immer zunehmender zu spüren war. Man konnte sie fast in der frischen Winterluft wittern, nur Chivan, der direkt neben ihr lag, schien eine Ausnahme zu sein. Er hatte noch nicht all zu viel mit diesem Rudel zu tun, er hatte nicht erlebt, welche Tiefen sie alle in den letzten Wochen und Monaten durchlebt hatten. Und still fragte die Schwarze sich, ob er doch von diesen Geschehnissen wußte, ob ihm jemand davon erzählt hatte. Aber selbst wenn, Kisha vertrat noch immer die Meinung, dass man das alles nur verstehen konnte, wenn man es selbst erlebt hatte. Urteilen konnte jeder, jedoch konnte niemand, der ihr Leben durchlebte, eine wirkliche Meinung darüber bilden. Und als dieser besagte Rüde nun antwortete, richteten sich die braunen Augen der Fähe wieder herum, musterten den bunten Rüden mit sachter Miene.

Für manchen Wolf reicht das vielleicht nicht aus... in diesen Tagen scheint jedes Gemüt dem Wetter angepasst...“ Die Erwähnung der Welpen ließ die Schwarze kurz mit den Ohren schnippen, ein tonloses Seufzen folgte, als sich ein müdes, und dennoch ehrliches Lächeln auf die Lefzen der dunklen Fähe schlich. „Wenn man es ganz genau nimmt, ist es nicht ihr erster Winter. Als sie geboren wurden, herrschte hier schon Chaos, es gab keinen wirklichen Sommer, statt dessen lag hier Schnee. Erst mit der Geburt der Welpen hat sich das langsam wieder ein gependelt... Und sie sind stark, sie schaffen das schon.“

Damit ließ sie den Blick schweifen, suchte auch kurz nach ihrem kleinen Patensohn. Sie brauchte sich keine Sorgen um ihn machen, Isaí gab‘ sicher nicht auf, nur weil das Wetter ein wenig umschwang. Und notfalls waren sie alle noch hier, niemand von ihnen würde einen der Welpen allein lassen, dessen war sich die dunkle Wölfin sicher. Dennoch bewunderte die Schwarze ihn für seinen Optimismus, und bei seinen nächsten Worten nickte sie sachte, auch wenn ihre Hoffnung ein wenig schwand.

Wir haben hier schon andere Tiefs überlebt, da schaffen wir sicher auch das. Auch... wenn es jetzt nicht danach aussieht. Aber danke, Chivan. In solchen Tagen brauchen wir Nichts mehr als jemanden, der noch voller Hoffnung ist. Und die Götter sind bei uns, das weiß ich.“

Kurz richtete sie die braunen Augen zum Himmel, schloß die Augen und atmete die frische Winterluft ein. Sie spürte Engaya bei sich, ganz nah. Und das allein verschaffte der Fähe genug Wärme, in all diesen dunklen Stunden.

Wir wissen kaum etwas von dir, woher kommst du, Chivan?“

Ihre Stimme wurde leiser, hoffte sie, dem Rüden damit nicht zu nah zu treten.


[Rudelplatz – Chivan]

Chivan
09.08.2012, 16:06

Es war alles weitaus erträglicher, wenn man sich für den Moment einfach mal die Freiheit nahm, das zu genießen, was es zu genießen gab. Und tatsächlich – ließ man für den Augenblick außer Acht, welch Furcht von ihren Herzen Besitz genommen hatte, so hatte der Anblick des fahlen Sonnenlichts in dieser Eiseskälte doch neben dem unangenehmen Gefühl in Kehle und Lunge, auch etwas Zauberhaftes. Funkelnde Eiskristalle hatten sich am Boden gesammelt und glitzerten nun wie zahlreiche Sterne am Grund im weißen Licht des Winters. Doch tatsächlich trübte das Wissen um das herrschende Elend und die Angst dieses Bild und gab ihm etwas Grausiges und Einschüchterndes zugleich, ganz davon abgesehen, dass man innerlich trotz der vielen, stetigen Wiederholungen eines Erdzitterns das Gefühl nicht los wurde, dass der Grund noch immer zu wanken schien. Das beklemmende Gefühl wollte nicht von ihm ablassen, dass etwas Schauriges in der Luft lag, doch er schob es ohne große Zweifel der Angst zu, die deutlich in der Luft lag. Es machte ihn nervös, so wie es alle nervös zu machen schien und keiner von dem Gefühl verschont blieb, dass es keine Rettung gab. Es wusste niemand wirklich, was vor sich ging und diese Erkenntnis ließ sie allesamt gemeinsam die Hilflosigkeit und Ratlosigkeit spüren, die deutlich in der Luft lag. Daher konnte er den Einwurf der dunklen Fähe auch nur zu gut verstehen. Es war nicht leicht, in solch einer schwierigen Zeit Freude an etwas zu finden, während das eigene Revier sie jede Sekunde wieder in Angst und Schrecken versetzen konnte, andererseits aber war diese Gabe unheimlich befreiend und gesund für das eigene Gemüt, so viel Überwindung es auch kostete. Doch es gab einem Sicherheit, die unweigerlich auf die anderen abfärben konnte. Dennoch musste Chivan der dunklen Fähe mit einem knappen Nicken Recht geben, ehe er sie bei ihren nächsten Worten beobachtete und ihm die Sorge um die Jüngsten des Rudels kaum entgehen konnte.

„Schnee im Sommer? Ist das auch der Grund, weshalb ihr Welpen beherbergt?“, fragte er mit zurückhaltendem Erstaunen.

Es war nicht das erste Mal, dass er sich wunderte, dass das Rudel Welpen beherbergte, doch bisher hatte er nicht danach gefragt. Das Ende eines Winters allerdings bedeutete stets die Ranz, weswegen es ihm ab diesem Augenblick auch nicht mehr wirklich rätselhaft schien – die Tatsache allerdings, dass es im Sommer so kalt gewesen war, dass es geschneit hatte im Gegensatz schon, doch er bezweifelte, dass sie darauf mehr Antworten hatten, als auf die Geschehnisse, die sich auf diese Erdbeben bezogen. Dennoch galt Kisha ein ermunterndes Lächeln. Wenn sie bereits zu früheren Zeiten ihres Lebens einen Winter (oder etwas ähnliches) überstanden hatten, sollte dies hoffentlich kein Problem für sie werden, solange das Leben über sie wachte. Und wie entehrend würde es sein, wenn das Leben selbst es zuließ, dass solch hoffnungsvollen Welpen etwas Grausames zustieß? Chivan neigte den Kopf leicht zur Seite, als Kisha fortfuhr und sich offenbar alle Mühe gab, sich seiner Hoffnung anzuschließen. Seine Ohren schnippten beunruhigt, ehe er sie wieder aufmerksam stellte und schließlich ein schwaches geehrtes Lächeln auf seinen Lefzen Platz fand.

„Es gibt keinen Grund mir zu danken, Kisha. Es ist selbstverständlich für mich, euch beizustehen, solange ich dazu in der Lage bin.“, versicherte er ihr und sein Blick glitt kurz unauffällig an ihr vorbei, als suche er jemanden Bestimmtes.

Die nächste Frage ihrerseits erstaunte ihn dann allerdings doch. Es stimmte, bisher hatte er nicht wirklich viel von sich berichtet, doch es war nicht so, dass es auch groß etwas zu berichten gab. Der Blick des Bunten wanderte kurz zum See hinüber, dessen Uferbereich sachte funkelte und glänzte und das Eis vermuten ließ, welches sich gebildet hatte. Es war ihm keineswegs unangenehm danach gefragt zu werden, das sah man ihm auch an, dennoch entstand eine kleine Pause, bis der Rüde eine seiner Vorderläufe über den anderen legte und wieder zu der Fähe an seiner Seite sah.

„Es gibt nichts wirklich erwähnenswertes darüber zu sagen. Das Rudel, in das ich mit meiner Schwester und meinem Bruder hineingeboren wurde, war nicht wirklich groß. Wir lebten in den Bergen unzählige Tagesmärsche von hier entfernt. Dort wurden uns auch die Legenden der Götter gelehrt, wobei längst nicht mit solcher Hingabe, wie es hier der Fall zu sein scheint. Als mein zweiter Winter geendet hatte, entschloss ich mich, fortzuziehen und lebe seither im Grunde als Wanderer. Zwar habe ich zwischenzeitlich auch mal ein Rudel eine Zeit lang begleitet, doch lange hat es mich nie wirklich dort gehalten. Es gibt nicht viele Wölfe, die sind, wie ihr hier.“

Und er sagte es mit tiefem Respekt und neigte kurz die Schnauze nach unten.



{ rudelplatz | kisha }

Tyraleen
09.08.2012, 18:54

Es war wie ein düsterer Traum, der Tyraleen gefangen hielt. Immer wieder meinte sie zu schlafen, aber wie schon in so vielen Nächten zuvor fand sie keine Ruhe und heute hatte sich zur Schlaflosigkeit ein Alptraum gesellt. Sie hatte es schon viele Sonnen lang gewusst, dass Averic gehen würde, doch ihr Kopf hatte sich mit aller Macht dagegen gewehrt, die Konsequenzen dieses Abschiedes einzugestehen. Nun war es so weit und mit einem Mal prasselte all die Verzweiflung auf sie ein und drohte sie zu ertränken. Die Nacht hatte sie noch tiefer fallen lassen, auch wenn es am Ende einen besseren Ausgang genommen hatte, als zunächst abzusehen war, so war doch etwas in ihr zerbrochen, das sich nicht mehr zusammenflicken ließ. Ihr Töchter hatten in Hass miteinander gerungen, wieder einmal hatte ihre Familie bewiesen, dass sie im schlimmsten Fall doch nicht zueinander hielt und nun war Averic einfach fort, würde die Wunden nicht heilen können. Kurz hatten sie, die Zurückgelassenen noch beieinander gesessen, doch dann hatte sich jeder in seine Verzweiflung zurückgezogen. Tyraleen war bewusst, dass sie ihren Kindern hätte Kraft geben müssen, aber es war so wenig Mut und so viel Verzweiflung in ihr gewesen, dass sie nur noch für ein vergleichsweise leicht zu handhabendes Wölfchen wie Isaí sorgen konnte. Und auch die Aufmerksamkeit dem Welpen gegenüber beschränkte sich auf ein Minimum, viel zu fern war sie mit ihren Gedanken. Nun brach ein neuer Tag an, wieder schickte die Sonne ihre schwachen Strahlen über ihr seltsames Tal und ein weiteres Beben erinnerte die weiße Leitwölfin daran, dass sie versagte. Sie konnte ihrem Rudel weder Schutz noch Antworten bieten und versank in so tiefer Verzweiflung, dass sie sich unmöglich von selbst daraus befreien konnte. Wieder kamen ihr die Gedanken, fortzugehen – so wie Averic – ihm möglicherweise zu folgen, die nicht mehr zu ertragende und stets enttäuschte Verantwortung einfach hinter sich zu lassen. Aber sie wusste, dass Averic ihr Vorwürfe machen würde, selbst wenn er sich über ihre Begleitung freuen sollte und wenn sie dann den Welpen zwischen ihrer Vorderläufen betrachtete, wurde ihr bewusst, dass sie es sich nie verzeihen könnte, Isaí und seine Geschwister im Stich zu lassen. Dieser kleine Wolf hatte ihr versprochen immer weiter zu laufen, komme was wolle, immer weiter und weiter. Wenn er, der er gerade einmal 9 Wochen alt war, sich dies zutraute, wie konnte sie dann an dieser Aufgabe verzweifeln? Auch sie musste nur immer weiter und weiter, den anderen beweisen, dass es weiter ging. Kurz schien so etwas wie Kraft in ihren Augen aufzuglimmen, dann sah sie auf und wie von selbst glitt ihr Blick nach Norden, wo irgendwo, schon unzählbar viele Schritte entfernt von ihnen, Averic seinen Weg suchte. Aller Mut fiel von ihr ab, eine heftige, unbezwingbare Sehnsucht ließ sie erzittern und ihr Fang öffnete sich, als wollte sie den Schwarzen rufen. Doch kein Laut kam aus ihrer Kehle, nur der Schmerz hing unausgesprochen in der Luft.

[ Rudelplatz | Isaí ]

Isaí Caiyé
09.08.2012, 20:04

Irgendwie sah die Welt auch nicht anders aus, nachdem man darüber geschlafen hatte. Naja, was hieß schon geschlafen – wirklich Ruhe hatte er nicht gefunden, doch er war fest entschlossen gewesen, die Augen bis zum Morgen nicht mehr zu öffnen und der Realität zu entfliehen. Er fühlte sich noch immer so unendlich klein und nutzlos, hilflos und endlos mit der gesamten Situation überfordert. Er hatte gehofft, dass am nächsten Morgen einfach alles beim Alten wäre und er vom Abschied des Betas lediglich geträumt hatte. Doch er spürte, dass er es sich nicht bloß eingebildet hatte – immerhin war die Hilflosigkeit viel zu deutlich und erdrückend, als dass sie auf einem schlechten Traum beruhen konnte. Die Seelenspiegel fest geschlossen also dachte er zurück an den Abschied des Betas und all die Gesichter der Wölfe, die sich in dieser Runde befunden hatten. Er wusste nicht recht, ob es doch besser gewesen wäre, ihnen fernzubleiben, doch auch dann hätte er bezüglich Tyraleen ein schlechtes Gewissen gehabt. Er wollte für sie da sein, wollte sie nicht so traurig und niedergeschlagen sehen und so wusste er zumindest, was los war. Zwar hatte er sich nicht wirklich als Stütze und Hilfe erwiesen, aber er hatte einen Anhaltspunkt, was er nun besser vermied zu sagen. Isaí hatte sich die Nacht über nicht von Tyraleen entfernt. Stumm war er dicht bei ihr geblieben und hatte sich schließlich in ihrem Brustfell vergraben, als sie zur Ruhe gekommen waren. Seine Mutter konnte ihn für diese Nacht sicherlich entbehren.

Weder die Kälte, die die Nacht über zwischen den Bäumen herausgekrochen war, noch das morgendliche Erdbeben hatten ihn groß von seinem Vorhaben abbringen können, so lange wie möglich so zu tun, als würde er einfach nichts mitkriegen. Er fühlte sich so unheimlich schwer und alles, was er hättet tun können, wäre ihm falsch und sinnlos vorgekommen. Es gab nur eines, was er tun wollte, doch um Tyraleen irgendwie aufzuheitern, fehlte ihm die zündende Idee und dank all den Zweifeln, die in seinem Kopf hin und her jagten und ihn davon überzeugen wollten, dass er es ohnehin nicht schaffen würde, kam er sowieso zu keinem klaren Gedanken. Irgendwann hatte er die Läufe dichter an den kleinen Körper gezogen, um sich doch enger an die Leitwölfin zu drücken und der Kälte zu entfliehen. Diese Nacht hatte er keine Bedenken, sie zu wecken – er glaubte nicht daran, dass sie mehr Schlaf fand als er selbst. Nach einer weiteren Ewigkeit, wie er glaubte, blinzelte er dann doch vorsichtig in den Wintermorgen hinaus. Ein tiefes Seufzen bezeugte, dass er schließlich vollends wach war und auch nicht mehr gewillt, weiter so zu tun, als würde dösen. Bereits kurz nach dem Abschied Averics hatte sich in seinen Gedanken ein Ort als Zuflucht aufgetan – er hatte nicht unbedingt zu seiner Mutter fliehen wollen, als er der Situation hatte entkommen wollen, sondern ein anderes Ziel vor Augen gehabt, das im Laufe der Nacht deutlicher und deutlicher geworden war. Er wollte zu ihr, wollte vergessen und neuen Mut schöpfen und irgendetwas überzeugte ihn davon, dass Banshee dafür die beste Anlaufstelle war. Es war ein merkwürdiges Verhältnis, welches ihn mit seiner verstorbenen Urgroßmutter verband, von dem nicht ganz sicher war, ob es nur auf seiner Fantasie beruhte, oder tatsächlich bestand. Und plötzlich kam ihm – nachdem er die ganze Nacht versucht hatte, diese Idee zu verwerfen – die Überzeugung, dass das vielleicht nicht nur ihm helfen würde. Vielleicht war das die Idee, nach der er gesucht hatte. Er fasste neuen Mut und hob schließlich den Kopf, um sich mit einem welpischen Lächeln an Tyraleen zu wenden, doch ihr Anblick machte es unheimlich schwer, dieses auch aufrecht zu erhalten. Er zögerte kurz, zupfte ihr dann aber ganz vorsichtig am Fell, was bedeuten sollte, dass es ihn unheimlich traurig machte, sie so zu sehen.

„Er kommt doch ganz bestimmt wieder. Er ist doch ein Sternenwind…“, versuchte er leise, sie von seinen Worten zu überzeugen.

Und noch ehe sein Mut weiter sinken konnte, erhob er sich, schüttelte den fuchsfarbenen Pelz und setzte sich wieder vor sie.

„Komm, wir gucken uns was an.“

Er klang hoffnungsvoll und daraus, dass er ihr nicht sagte, wo ihr Ziel liegen sollte, erhoffte er sich noch eine größere Chance, sie aufzuheitern. Immerhin mochte doch jeder Überraschungen!



{ rudelplatz | tyraleen }

Kisha
09.08.2012, 23:09

Die dunkle Wölfin neigte für einen Moment die Ohren an den Hinterkopf, ließ den Blick dabei ohne Ziel schweifen. Sie war glücklich über die Gesellschaft des bunten Rüden, hielt er ihre verworrenen Gedanken doch wenigstens ein wenig in Zaum, zeigte ihr den Weg, den sie nehmen konnten. Es war eine schwierige Zeit, nicht für Kisha selbst. Es sollte mehr Wölfe wie diesen geben, der ihnen allen deutlich machte, dass auch diese kalte Zeit überstanden werden würde, auch wenn es so aussah, als läge in diesem Moment nur Dunkelheit vor ihnen. Nur aus den Augenwinkeln sah sie nun das Nicken des besagten Rüden, und seine Frage war nur berichtigt, und eine weitere Merkwürdigkeit, die ihm serviert wurde. Was hatte er wohl schon alles von diesem Tal erfahren? Nun war es an ihr, sachte zu nicken und den Blick schließlich wieder auf den Rüden zu richten.

Ganz genau. Das ist eines der Dinge, die hier in letzter Zeit für Chaos gesorgt haben. Es ist nie wirklich Sommer geworden, und erst mit den Welpen, die du nun hier siehst, ist der Schnee geschmolzen. Wie du siehst, ist hier Nichts so, wie es sein sollte.“

Mit einem sachten Lächeln, wenn auch ein wenig zurückhaltend, betrachtete die dunkle Wölfin den Rüden, der noch immer ruhig neben ihr lag. Wenn er lange genug bei ihnen blieb, nicht so verschwand, wie viele andere Wölfe, würde er sehen, was sie meinte. Sie selbst hatte dieses Tal verlassen, auch wenn sie sich nur noch dunkel daran erinnerte. Aber die Welt da draußen, das, was sie fern von diesem Rudel kennen gelernt hatte, es schien so fern. In diesem Tal war Alles anders, das hatte die Fähe ab dem ersten Tag ihrer Rückkehr verstanden. Und das musste wohl auch jeder Neuankömmling lernen. Und wie mit diesen Beben schienen die neuen Erlebnisse für dieses Rudel nie abzubrechen. Umso dankbar konnten sie sein, dass die Götter solch einen Wolf wie Chivan zu ihnen geführt hatte. Sie konnte sein Lächeln erwidern, auch wenn es noch immer fast ein wenig schüchtern wirken musste. Es war schwierig, in diesen Tagen nach vorn zu sehen, und sich nicht auf die Spuren zu konzentrieren, die hinter einem lagen. Dabei war sie sehr weit vorn, was das Vergessen anging. Wenn auch ungewollt. Bei den weiteren Worten des Rüden schüttelte die Dunkle nun leicht den Blick, nahm den Blick an ihr vorbei nur mit einem leichten Zucken ihrer Ohren wahr.

Für dich mag das selbstverständlich sein, aber da gibt es auch ganz andere Wölfe. Und Dank ist das einzige, was ich dir zurück geben kann.“

Sie berührte den Wolf kurz mit der Nase an seiner Schulter, sah ihm nun die erste Verwirrung über ihre Frage an. Zuerst fürchtete die dunkle Fähe, ihm wirklich zu nah getreten zu sein, die kleine Pause verunsicherte Kisha. Jedoch konnte sie bei genauerem Hinsehen Nichts erkennen, was für ihre Gedanken sprach, was ihre Unsicherheit bestätigte. So kreuzte er nach dem kurzen Schweigen die Pfoten übereinander, begann schließlich zu sprechen und Kisha lauschte aufmerksam seiner Erzählung. Ein Wanderer, der die Geschichte der Götter mit sich trug. Die Dunkle lächelte bei seinen abschließenden Worten, senkte ihrerseits leicht den Kopf.

Ich weiß, wovon du sprichst. Ich war selbst einige Zeit nicht bei diesem Rudel, und wenn man hierher kommt, als Fremder... es ist etwas Besonderes.“

Ein weiterer Blick in seine blauen Augen, ehe sie den Blick über das Rudel, ihre Familie schweifen ließ.


[Rudelplatz – Chivan]

Chivan
10.08.2012, 01:44

„Für Chaos…“, wiederholte er nachdenklich und sein Blick glitt langsam von Kishas Antlitz zurück zum Seeufer.

Ein weiteres Mal versank er in Schweigen und dachte stumm über die Worte nach, die Kisha an ihn gerichtet hatte. Kurz nur warf er einen Blick übe die Schulter in die Richtung, die ihm in seiner momentanen Position, noch so ersichtlich war. Doch auch hinter ihnen konnte er keinen der Welpen ausmachen, um sich für den Augenblick von ihrer Vitalität zu überzeugen. Doch er besann sich wieder, schüttelte kurz den Kopf und wandte sich mit einem weitaus sorgloseren Ausdruck wieder zurück an Kisha, um sie nicht zu beunruhigen. Es war nicht seine Aufgabe, sich darum Gedanken zu machen und falsche Schlüsse zu ziehen, immerhin kannten sie sich weitaus besser mit all diesen Angelegenheiten aus und konnten richtig urteilen. Auch der Umstand dieses Wintersommers schien ihnen schwer zugesetzt zu haben – das glaubte er ihr anzuhören – aber sie hatten es überstanden und nicht aufgegeben. Und genau dieses Durchhaltevermögen mussten sie auch nun wieder an den Tag legen. Er ahnte in diesem Augenblick nicht, wie viel Hoffnung Kisha in ihn zu legen schien, genau, wie es Tyraleen vor ihr getan hatte. Doch noch immer ließ ihn das Gefühl nicht los, dass es richtig war, dass er hier war. Unschlüssig spielte er mit den Ohren bei dem Gedanken an die vergangenen Gespräche mit der Leitwölfin und fühlte sich immer mehr dazu gedrängt, doch ein weiteres Mal darüber nachzudenken. Doch nicht jetzt – jetzt, wo er eine Gesprächspartnerin hatte. Er spürte die Götter nah bei sich und hatte noch immer dieses unergründliche Gefühl, dass man ihm irgendetwas zeigen wollte. Irgendetwas, was er noch leugnete; etwas, wozu er noch nicht bereit schien. Ein dankbarer Ausdruck trat bei ihren nächsten Worten in seine Seelenspiegel. Er wusste, dass sie recht hatte und so konnte er auch nichts mehr dagegen sagen.

„Dann danke ich dir für den Dank, den du mir entgegenbringst. Das ist nämlich auch nicht selbstverständlich.“, meinte er lächelnd.

Seine Ohren zuckten bei ihrer Berührung leicht und das Lächeln verblasste in dem Augenblick, in dem Kisha es unmöglich sehen konnte, leicht verwirrt, doch er erlangte schnell seine Fassung wieder und sah ihr wieder mit einem Lächeln entgegen. Schließlich lauschte er ihren Worten interessiert und seine Lefzen zogen sich bei ihren letzten Worten noch ein Stück nach hinten.

„Du kamst als Fremder zurück?“, wiederholte er keineswegs boswillig und hielt es im ersten Augenblick lediglich für einen verwirrenden Ausdruck.

Er ahnte nicht, dass an diesem vermeintlichen Versprecher mehr dran war, ansonsten hätte er wohl nicht danach gefragt. Er vermied es, Wölfen zu nahe zu treten und wissentlich nach Dingen zu fragen, die zurücklagen. Mehr bot er sich als freiwilligen Zuhörer an, der lauschte, wenn es was zu sagen gab, allerdings auch keinen Groll hegte, wenn etwas nicht gesagt wurde. Er folgte ihrem Blick zum Rudel und ließ – ganz gleich wie sie – kurz die Seelenspiegel über die anderen Wölfe wandern, die zeitlos in diesem unwirklichen Licht lagen.

„Aber du hast Recht. Es ist etwas… Besonderes. Wobei ich bezweifle, dass wirklich jeder Wolf dazu in der Lage ist, das festzustellen.“



{ rudelplatz | kisha }

Averic
10.08.2012, 13:24

Er war lange gerannt. Hatte ein Wettrennen gegen sich und den rumorenden Schmerz in seinem Inneren bestritten und verloren. Seine Läufe weigerten sich inzwischen auf eine höhere Geschwindigkeit, als einen raschen Trab zu beschleunigen und obwohl die Pfotenballen bald wundgelaufen sein mussten, dachte der pechschwarze Hüne nicht einmal daran innezuhalten. Es war ein ablenkendes Gefühl, ein Schmerz den Averic gerne gegen den in seinem Herzen tauschte.
Er war bereits ziemlich weit gekommen, denn alles in ihm zog und drängte ihn fort von seiner Heimat. Zu unerträglich wurde es mit jeder verstreichenden Sekunde, noch etwas Vertrautes um sich zu haben und doch zu wissen, dass er es zurückließ. Dass er auf ganzer Linie gescheitert war. So weit war er gegangen, auf einem Pfad, der ihn niemals das selbstgesetzte Ziel hätte erreichen lassen. Stattdessen hatte er sich zwar eine Weile in überlegener Sicherheit gewogen, aber dann musste Fenris den Boden unter seinen Pfoten unweigerlich einstürzen lassen und ihn hinabschleudern, auf den Weg, um den er einen so großen Bogen geschlagen hatte. Man gewann eben nicht gegen einen Gott. Und Averic konnte ihn nicht mal dafür hassen, denn es war schließlich seine Bestimmung. Der junge Todessohn hatte lange Zeit den Rebellen spielen können, dafür war der Fall in die Wirklichkeit umso heftiger gewesen. Er fühlte sich verspottet, aber Ungerechtigkeit konnte ihn nicht trösten, denn die eigene Schuld brannte tief in seiner Seele. Es war gekommen, was kommen musste, egal wie sehr er sich davor verschlossen und dagegen gewehrt hatte. Unbarmherzig hatte ihn Fenris den Weg bestreiten lassen, um ihm zu zeigen, dass jener in keinster Weise besser war als der seines Vaters, so wie Averic sich das immer eingeredet hatte. Acollons Weg mochte der Einfachere und Feigere gewesen sein, dafür hatte sein Sohn aber letztendlich viel mehr Schaden angerichtet. Genau das, was er doch hatte vermeiden wollen. Er musste seine Familie im Stich lassen, obwohl sie ihn mehr brauchten, als Acollon je von seinen Kindern gebraucht worden war. Der vergangene Todessohn hatte schließlich erst gar keine Abhängigkeit heraufbeschworen. Nur kurze Zeit war Averic noch vergönnt gewesen, in der er sich absichtlich in den Hintergrund zurückgezogen und vom Treiben des Rudellebens abgesondert hatte. Auch wenn es praktisch Selbstverletzung gewesen war, aber seine Liebsten durften sich nicht mehr auf ihn verlassen, denn er würde nicht mehr da sein, um ihnen in Zukunft beizustehen. Das war der Hintergedanke gewesen. Der Pechschwarze fühlte sich elend, weil er eine zerrüttete Familie zurück ließ und er nicht wusste, ob sie zusammenhalten würde, oder ob sie wegen ihm ganz zerbrach. Und an Tyraleen zu denken; seine Liebe, seine Sehnsucht, seine Pein; jede schleichend immer wiederkehrende, klammernde Erinnerung war eine derartige Qual und löste einen so verzehrenden Hass gegen sich selbst aus, dass er mit aller Macht versuchen musste, einfach jeden Gedanken auszulöschen. Seine größte und wichtigste Aufgabe stand ihm bevor und er würde kläglich scheitern, wenn er nicht loslassen konnte.
Die eisige Kälte um Averic herum hatte etwas bitter wohltuendes an sich. Sie half ihm dabei taub zu werden und wenn sein Herz erst erstarrt war, dann würde es auch endlich aufhören, ihn zu plagen. Der große Rüde musste sich nicht auf den unbekannten Weg konzentrieren, er lief ihn einfach. Hin und wieder tanzten vereinzelt schwarze, rauchige Schatten vor ihm auf dem gefrorenen Boden, wie dampfende Pfotenabdrücke. Sie wiesen ihm die Richtung. Fenris würde ihn nicht umherirren lassen, sein Ziel stand fest. Den Wald hatte er längst hinter sich gelassen und die Hochebene führte ihn in das bergige Gebiet; die Ausläufer welche das hohe Gebirge im Osten umgaben. Jedes Mal, wenn sich sein Blick zu den bekannten Bergen verirrte, kamen sie ihm wie ein Mahnmal vor. Starr fixierten seine dunklen Augen also nur noch den felsigen, teils sehr steilen Weg vor sich. Jedes Gefühl war inzwischen aus ihnen hinaus gewichen und nur Kälte war zurückgeblieben, wie es für den Sohn des Todes angemessen war.



[ Fern des Sternenwindreviers | allein ]

Caitír Ayân
10.08.2012, 15:23

Caitír hatte schon lange den Sinn für die Zeit verloren, die verging während er wanderte. Tage, Wochen und Monate hatten an Bedeutung verloren und er machte sich nicht einmal mehr die Mühe hinauf zum Sternenhimmel zu blicken um nachzusehen wie weit der Mondzyklus voran geschritten war. Was würde dies ihm auch bringen? Fortschritte in seinem Leben hatten keinen Sinn während er auf der Wanderung war und so würde seine Geschichte auch erst dann weitergehen sobald er sein Ziel erreicht hatte; Das Tale Engayas. Er wusste weder wie nah er sich von jenem Orte befand, noch wie weit er von seinem Ziel entfernt war. Wenn er ankam dann würde er ankommen, dies hatte er sich vorgenommen. Jeder Tag auf der Wanderung glich einem anderen. Pfote vor Pfote. Immer der Nase nach und nur der stetige Geschnatter der Vögel welcher ihn begleitete. Manche würden es wohl Gesang nennen, obwohl es für ihn nur endloses Geschnatter darstellte, für ihn, der inzwischen die Sprache der gefiederten Waldbewohner verstand, sie jedoch nicht selbst sprechen konnte. Ebenso wie er nun die Vögel verstand vernahm er auch die Gespräche der Ameisen die ihn umgaben, jeder noch so kleine Käfer schien ihm seine Geschichte erzählen zu wollen, doch der Melierte konnte nicht rasten, nicht ruhen. Er musste sein Ziel erreichen. Doch nun war auch der Gesang der Voegel verstummt, denn erbefand sich auf einer kargen Ebene und man konnte nur Berge vereinzelt im Hintergrund erkennen. Er konnte nicht wissen, dass es genauso einem anderen Rüden erging der sich nun auf dem Weg dorthin machte, woher er selbst gekommen war. So kam es, dass sich auch ihre Wege kreuzten. Man nenne es Ironie des Schicksals, dass er nun kurz vor seinem Ziel jemanden treffen solle der seine Reise erst begann. Doch vielleicht sollte es auch zum Besten aller sein. Caitír, dessen Pfoten sich schon an das tägliche schnelle Tempo gewöhnt hatten trugen ihn sicher durch den Wald und schon bald konnte der Rüde das Knacken des Schnees unter fremden Pfoten hören, als ein anderer Wolf auf ihn zugelaufen kam.

Als er dem Fremden immer näher kam verlangsamte er seine Schritte und blieb Letztendlich stehen. Er hatte die Ohren neugierig aufgestellt, unsicher was sich seinen Weg zu ihm bahnte. Doch der Geruch des Fremden verriet ihm, dass es sich um einen Artgenossen handelte. Mehr konnte er jedoch nicht auf die Distanz hin erkennen. Bald kam der Fremde in Sichtweite und dem Melierten fiel so gleich das pechschwarze Fellkleid des Hünen auf. Auf den ersten Blick dachte Caitír seinen eigenen Vater in jenem wieder zu erkennen und der Schock fuhr ihm durch die Glieder, doch zugleich fiel ihm auf, dass es sich nicht um jenen handelte. Glücklicher Weise. Der erste Blick hatte unfreundliche Gedanken in den Kopf des Rüden gerufen, doch er vertrieb sie zugleich mit einem kräftigen Schütteln seines Hauptes. Diese Zeiten gehörten der Vergangenheit an und das würde auch so bleiben. Noch immer stand Caitír dort, doch auf den Gedanken hin, wie komisch das wohl wirken musste setzte er sich erneut in Bewegung, wenn auch deutlich langsamer.

„Guten Morgen..“ Begrüßte er den Fremden.

Erst jetzt viel ihm auf wie lange er nicht mehr gesprochen haben musste, denn er wusste nicht recht, welche Worte wohl dieser Situation angemessen waren. Selbst in seinen eigenen Ohren klang seine Stimme nun rau und unsicher. Wie sie wohl auf den Fremden wirken musste?


[Trifft auf Averic / Außerhalb des Sternenwinden Reviers]

Kursaí
10.08.2012, 18:08

Kaum hatte sie zur Ruhe gefunden, da wurde sie wieder aufgeschreckt. So zumindest kam es der grauen Fähe vor. In Wirklichkeit war es nicht so, doch die Realität hatte wie so oft mehrere Seiten. Tags zuvor war Averic gegangen, hatte sein Rudel verlassen. Schlaflos hatte sie das zwar nicht gehalten, und doch belastete sie es genauso wie das ganze Rudel, war dieser Rüde doch ein fester Bestandteil ihres Rudels, ihrer Familie. Doch nun war er weg und besonders für seine Kinder konnte sie nur hoffen, dass er seinen Weg wieder zu ihnen fand, den Weg dieses Rudel wieder teilen würde.
Doch dies war nicht, was sie geweckt hatte. Nein, es war das Beben gewesen. Noch immer war es ein Schrecken für sie, und doch nicht mehr das scheinbar Unvermeidliche, das von Grund auf zu fürchtende. Nein, das Rudel rettete sie davor ihren Verstand, ihren Kopf zu verlieren. Doch fast noch wichtiger war dafür ihr Glaube. Dieser hatte ihr schon zuvor geholfen und auch wenn sie ihn beinahe verloren hätte, wurde sie aus der Gefahr nur stärker. Dies hieß aber nicht, dass die Beben sie nicht beunruhigten. In der Fähe bestand der dringende Wunsch, dass diese bald aufhörten, dass sie wieder in Ruhe leben konnten, und zumindest der Boden das hielt, was er verspricht, nämlich stabil zu sein. Wie durch ein Wunder lebten sie noch alle, und doch schien es kein Wunder zu sein, sondern Engayas Werk. Immer öfter beschlich die Fähe die Vermutung, dass die Göttin sie vor etwas warnen wollte, doch sie ahnte nicht vor was. Sie kam nicht darauf, auch wenn sie angestrengt darüber nachdachte. Wovor könnte die bebende Erde warnen? Würde es erst aufhören, wenn sie dieses Rätsel gelöst hätten? Oder war die Göttin nicht allein die Macht, welche die Beben verursachte, sondern nur ein Teil des Puzzles?
Auf all diese Fragen hatte die Graue keine Antworten, auch wenn sie nach diesen suchte. Vielleicht kam ja jemand anderes auf die Lösung. Jedoch wusste sie nicht, wen sie fragen sollte, und doch behielt sie es im Hinterkopf.
Dieses letzte Beben, dieses welches sie geweckt hatte, war nicht so schlimm gewesen, wie das Erste. Keines hatte diese Stärke erreicht und dennoch waren sie deutlich spürbar gewesen. Deutlich genug damit die Unruhe im Rudel blieb, wozu der Weggang von dem Schwarzen Rüden gewiss auch beitrug. Und auch stark genug, damit die Beunruhigung nicht völlig schwinden konnte, auch wenn Kursaís Glaube verhinderte, dass sie zerbrach. Und auf eine irrationale Art glaubte sie auch, dass er sie vor Unheil schützte.
Und so stand die Fähe auf, war sie sich doch sicher, dass sie nach diesem Beben gewiss nicht mehr zur Ruhe finden sollte. So sah sie sich erst einmal um, und überlegte, ob sie vielleicht mit jemanden ihre Gedanken teilen könnte, und wenn ja mit wem.



[am Rudelplatz, noch kein Playpartner]

Kisha
10.08.2012, 22:37

Kisha konnte ein leichtes Schmunzeln nicht unterdrücken, als der bunte Rüde erneut ihre Worte wiederholte, dabei ein wenig ungläubig klang. Dann nickte sie nur leicht, beließ es jedoch bei diesem kurzen Schweigen zwischen ihnen. Sie hätte ihm nun alles erzählen können, was in den letzten Wochen in diesem Tal geschehen war, aber sie tat es nicht. Sie wollte niemanden als Sündenbock darstellen, wollte niemanden in ein falsches Licht rücken. Wenn er das alles erfahren sollte, dann würde die Zeit allein dafür sorgen, das ihm die Geschichte ihres Rudels zugetragen wurde. Und wenn er zu den Wanderern gehörte, die dieses Tal wieder verlassen wollten, so war es sowieso nicht für seine Ohren bestimmt. Aber es beruhigte die dunkle Fähe, dass er nicht weiter darauf einging, so musste sie ihm nicht ihre Ansicht erklären, und es konnte nicht nach einer Ausrede klingen, einer Lüge, die sie ihm auftischte. So genoß sie diesen kurzen Moment Stille, der angenehmer war als die, die sie in der letzten Zeit verfolgt hatten. So nahm ihr der bunte Rüde wenigstens eine kleine Last, einfach indem er ihr zuhörte.
Nun wandte sie sich Chivan wieder zu, als auch sie seinen Blick auf sich ruhen spürte, und bei seinen Worten nickte die dunkle Wölfin sachte. Ohne Umwege glaubte sie dem Rüden diese Worte, er ließ nicht einmal einen kleinen Raum für Zweifel offen. Dass sein Lächeln jedoch verblasste, als sie ihn kurz berührte, nahm sie nicht wahr, und als sich ihre braunen Augen wieder auf ihn richteten, war es schon wieder zurück gekehrt, so dass ihr dies vollkommen verborgen blieb. Dann jedoch stellte er eine Frage, die im ersten Moment schlucken ließ, jedoch war es ihr nicht unangenehm. Sie wußte schlichtweg nicht, wie sie es dem doch so fremden Wolf verständlich erklären konnte. Sie wog kurz den Kopf, richtete diesen dann in die Richtung des Himmels, ehe sie ihre eigene, kleine Geschichte zu erzählen begann.

Ich wurde in diesem Tal geboren, als Tochter von Banshee und Acollon. Aber ich habe keinerlei Erinnerung daran... vor einigen Monaten verließ ich dieses Tal, wie ich vermute aus Abenteuerlust. Hier war wohl immer meine Familie, aber ich wollte etwas neues erleben. Alles, was ich noch weiß ist, dass ich mich einem Rudel anschloß, und dort von einer kleinen Schlucht gestürzt bin... zusammen mit einer anderen Wölfin. Sie starb, während ich leben durfte. Dafür verlor ich mein Gedächtnis und alle Erinnerungen, die ich bis dahin gesammelt hatte. Ich weiß nicht wieso, aber das Rudel dort erklärte mir, dass ich einer von ihnen war, sie gaben mir die Persönlichkeit der Fähe, die an meiner Seite gestorben war. Ich wußte nicht, wer ich bin, wo ich herkam, und was mein Weg war. Also glaubte ich ihnen jedes Wort, ich glaubte ihnen, dass ich eine Wölfin namens Aceysha war. Aber auch in diesem Rudel hielt es mich nicht lange, eine unbekannte Unruhe durchfuhr mich immer wieder. Es ist schwer zu erklären... aber irgendetwas zog mich von dort fort. Heute glaube ich, dass es Engaya war, die mir den richtigen Weg, im richtigen Moment zeigen wollte. Ich verließ dieses Rudel wieder, machte mich auf den Weg zu einem Ort, der mein Herz mit Freude erfüllte, ohne dass mein Verstand mir sagen konnte, wieso. Deswegen kam ich als Fremde in dieses Tal, weil ich auf meine Geschwister, auf meine Mutter, stieß – sie aber nicht erkannte. Nicht mit den Augen. Aber ich glaube, mein Herz wußte es vom ersten Moment an. Kurz nachdem ich dieses Tal erreicht hatte, verstarben meine Eltern... und ich bin froh, dass ich im letzten Moment bei ihnen war, dass Engaya mir die Kraft gab, sie zu erkennen und zu verabschieden.“

Die Schwarze machte eine kurze Pause, wandte bei dieser den Blick zu Chivan herum, und fuhr sich dabei kurz mit der Zunge über die Lefze. Es klang nicht wie ihre Geschichte, nicht wie ihr Leben. Es schien so fern, so unwirklich. Und dennoch setzte sie wieder an, sprach weiter, um dieses Mal kein langes Schweigen entstehen zu lassen.

Ab diesem Moment verstand ich, wieso ich hierher kommen musste, wieso mich meine Pfoten diesen Weg entlang geführt hatten. Ich konnte es lange nicht glauben, konnte mir das alles nicht erklären. Aber ich verstand, wer ich war, wo ich hin gehörte. Und auch, wenn meine Geschwister mir oft sagen, dass ich nicht mehr die selbe bin, so weiß ich doch, dass ich nie an einem anderen Ort sein will. Ich kann nur hier glücklich sein.“

Nun endete die Schwarze, warf dem Rüden jedoch ein sachtes Lächeln zu. Er hatte ihr seine Geschichte erzählt, und so war es für Kisha nur verständlich, dass auch er etwas von ihr erfuhr, zumal sie Nichts zu verbergen hatte. Und manchmal half das, um sein Gegenüber nur noch besser zu verstehen. Bei seinen nächsten Worten folgte ein fast trauriges Nicken.

Genau wie es Wölfe gibt, die die Existenz unserer Götter anzweifeln. Aber das kann vielleicht nur ein Wolf sagen, der Engayas Wärme noch nie gespürt hat, und nie zuordnen konnte, was der kalte Wind ist, der einem durch das Fell streicht, wenn man Abschied nimmt.“


[Rudelplatz – Chivan]

Malik Hikaji
11.08.2012, 10:50

Malik hatte keine Vorstellung, wann ihm jemals so kalt gewesen war - ob ihm überhaupt jemals so kalt gewesen war. Während der Wanderung zurück zum Rudelplatz war es zwar auch nicht warm gewesen, aber durch die Anstrengung hatten sie sich alle gut warm halten können. Jetzt waren sie zurück – und die winterlichen Temperaturen für den Herbstwelpen eindeutig zu niedrig. In der Nacht hatte er sich eng an den Leib seiner Mutter gekuschelt und durch seine Geschwister ringsherum auch schlafen können, ohne die ganze Zeit zu zittern. Aber jetzt war der Tag angebrochen, viele Wölfe wollten besprechen, was zuletzt geschehen war. Nicht mehr die Beben waren nun das Hauptthema, sondern Averics Weggang. Malik hatte nicht verstanden, wieso der große Rüde gehen musste und seine Familie zurückließ. Aber er hinterfragte nicht, was die Götter ihnen auferlegten. Die allgemeine Trauer und Bestürzung darüber, die sich im Rudel ausgebreitet hatte, teilte er allerdings nicht. Für ihn war Averic ein Rudelmitglied wie jedes andere auch und er hatte schon einige kommen und gehen sehen. Selten war so ein Aufheben um einen einzelnen Wolf gemacht worden und er hatte nicht vor, sich dem anzuschließen, dafür kannte er Averic einfach viel zu wenig. Tyraleen tat ihm Leid und Averics Welpen waren auch geknickt, das verstand er auch. Würde Jakash plötzlich gehen, ginge es ihm wohl ähnlich. Avendal tat ihm Leid, sogar Atalya war nicht so miesepetrig wie sonst, sondern traurig. Aber Malik hatte im Augenblick eigene Probleme. Er war vielleicht nicht der schmächtigste des Wurfes, das war immer noch Linalee. Aber von Statur und Kraft her waren sie sich fast ebenbürtig, kein Vergleich zu Isaí. Und auch Taleesha war mittlerweile etwas größer und kräftiger als die beiden jüngsten Welpen. Die Kälte griff sie damit umso stärker an.

Am ganzen Körper zitternd trat der Weiße nun aus der Höhle und blinzelte in die matt scheinende Sonne, die zumindest seine schwarze Nase ein klitzekleines bisschen wärmte. Vor seinem Fang formten sich frostige Atemwölkchen und das Luftholen schmerzte schon fast. Sein noch zu dünnes Welpenfell hatte er so gut aufgeschüttelt und geplustert wie es ging, aber viel half es trotzdem nicht. Zitternd wie Espenlaub ging er nun ein wenig steifbeinig den Hügel hinab und auf dne Rudelplatz, auf dem einige Wölfe verteilt lagen, standen und saßen, meist zu zweit oder zu dritt. Viele unterhielten sich leise, er konnte aus allen Ecken Wortfetzen hören. Der Name Averic fiel nicht, aber ihm war klar, dass sie über den Schwarzen sprachen, jedenfalls die meisten. Nun brauchte er jemanden, der ihn wärmte und der mit ihm nicht über Averic reden wollte. Suchend sah er sich nach einem Wolf um, der allein herumlag. Erst glaubte er Tyraleen wäre allein, doch dann bemerkte er seinen Bruder an ihrer Seite. Doch ihm war viel zu kalt, um sich damit nun großartig zu beschäftigen und so verharrte der Blick seiner onyxschwarzen Augen nur kurz bei den beiden.
Vielversprechender erschien ihm eine schwarze Gestalt, die am Rand des Rudelplatzes in der Sonne lag und ganz offensichtlich allein war. Die Miene des verfrorenen Welpen hellte sich etwas auf, dann stakste er los. Er mied heute die Mitte und umrundete den Platz in für ihn untypisch langsamem Tempo, so dass es einige Minuten dauerte, bis er den Wolf erreichte. Die Kälte schien auf alle Gerüche zu erfrieren, jedenfalls musste er sehr nah herangehen, um endlich zu erkennen, wer da mit dem Rücken zu ihm lag. Tante Amáya, das war gut. So viel hatte er noch nicht mit ihr zu tun gehabt, aber grundsätzlich hatte er sie einfach gern. Ohne viel nachzudenken ging er um sie herum und schmiegte sich dann zitternd an ihr schwarzes Fell, das von der Sonne besser gewärmt wurde als seines.

„Hallo T – t - tante Amáya.“, bibberte er und lächelte matt.



{ Rand des Rudelplatzes in der Sonne :: Amáya }

Kirov
11.08.2012, 15:44

Es war ein kalter Morgen. Selbst für ihn, der eigentlich von Mutter Natur mit einem sehr dicken Pelz beschenkt worden war, fror ein wenig. Vielleicht war es aber auch die Angst, die noch in seinen Knochen saß und ihn von innen heraus kühlte. Schon wieder hatte es ein Erdbeben gegeben, nicht so stark wie das letzte, aber es war definitiv eines gewesen. Es war beunruhigend, immer diese Gefahr zu spüren und zu wissen, dass man nichts dagegen tun konnte. Auch Weglaufen hatte nichts gebracht, denn das Beben hatte sie auch hier heimgesucht. Kirov seufzte und blickte sich um. Es war still. Der Winter hatte immer diese unheimliche Ruhe und diese schien wohl auch auf das Rudel übergegangen zu sein. Vielleicht lag es aber auch daran, dass einer der Wölfe sich verabschiedet hatte. Kirov wusste nicht einmal, wie er hieß, aber er schien wichtig zu sein und sein Abschied hatte einige Wölfe in tiefe Trauer gestürzt. Außer ihn. Er war nicht dabei gewesen, als der Schwarze verabschiedet wurde und er hatte ihn auch zuvor weder gekannt noch oft gesehen. Er spürte also keinen Verlust, wie all die anderen. Er spürte nur die Kälte des Winters und die Angst vor den Erdbeben. Es wäre ein Leichtes, einfach das Rudel zu verlassen und wieder eigene Wege zu gehen, aber wenn Kirov weiter darüber nachdachte … kam es ihm falsch vor. Er wollte nicht gehen, auch wenn er immer die Gelegenheit dazu hatte. Mittlerweile war er an dieses außergewöhnliche Rudel gebunden und vor allem an Amáya. Automatisch blickte er sich um, in der Hoffnung, die Regennacht irgendwo zu sehen. Doch stattdessen fiel ihm jemand anderes in den Blickwinkel. Eine graue Fähe war aufgestanden und blickte sich um. Kirov zögerte nicht lange und erhob sich ebenfalls. Seine Beine fühlten sich etwas taub an, vom langen liegen, aber trotzdem hatte er die Graue schnell erreicht. Er nickte ihr freundlich zu.

„Hallo. Du bist Kursaí, oder?“

Seine Stimme war leise und angenehm und Kirov war froh darüber, dass sie nicht so eingerostet klang, wie er gedacht hatte. Ob sie wirklich Kursaí hieß, konnte er nicht hundertprozentig sagen, aber er war sich doch sehr sicher, ihren Namen vom Hören zu kennen. Geredet hatte er bisher wohl noch nie mit ihr. Manchmal war es schon komisch, so viele Wölfe noch überhaupt nicht zu kennen, obwohl er nun schon eine ganze Weile im Rudel vertreten war. Aber es war dennoch schön, sich mit anderen anzufreunden. Merkwürdigerweise hatte er bisher nur mit Fähen Kontakt gehabt. Himmel. Er hoffte, dass die anderen nicht sonst was von ihm dachten. Er verscheuchte jene Gedanken und blickte Kursaí sanft lächelnd in die blauen Augen.


[Rudelplatz | Kursaí]

Amáya
11.08.2012, 17:36

Der Winter ihres Herzens schien hinaus in die Welt gezogen zu sein und strafte sie nun auch von Außen. Das Fell sorgfältig aufgeplustert hatte sie sich einen vergleichsweise weichen Platz in der Sonne ausgesucht. Die spärlichen Strahlen der lustlosen Wintersonne versanken in ihr Fell und gaben ihre eine milde Linderung der allgegenwärtigen Kälte. Es war doch irgendwie praktisch, so ein dunkles Fellkleid zu besitzen, auch wenn es für sie ungewohnt war, es so zerstrubbelt und zerzaust zu tragen, wie heute. Sonst hatte es die seltsame Angwohnheit, sich eng an ihren Körper zu schmiegen und den Linien und Kurven geduldig zu folgen. Heute tat sie jedoch alles dafür, es so warm wie möglich zu haben und sie bezweifelte, das jemand aus dem Rudel es anders tat. Es war nur typisch für Amáya selbst den Morgen mit trägem Herumliegen zu verbringen. Es war schon eine Weile her seitdem sie aufgewacht war, doch ihre Aktivität an dem heutigen Tag begrenzte sich bis jetzt nur auf das Suchen dieses Fleckchen Sonnenscheins. Doch was sollte man denn bitteschön an so einem brutalen Wintermorgen schon tun? Amáya sah für den Moment keinen Grund dafür, sich unter die Leute zu mischen. Selbst ihr Atem ging eher flach, so beißend kalt war die Luft, welche der gnadenlose Südostwind über die Pässe in ihr Tal jagte. Ihre Augen nur zu zwei regenfarbenen Schlitzen geöffnet beobachtete sie das halbwache Rudel, welches bereits jetzt tratschte, scheinbar ungeachtet den Wetterbedingungen. Nun, wenn jemand sie vermissen sollte - was sie streng bezweifelte - dann würde er sie schon finden. Wegschicken würde sie denjenigen bestimmt nicht - aber das auch nur, weil die Aussicht, einander zu wärmen so verlockend war.

Es war ein Jammer. Seit jenem verhängnissvollen Tag im Sumpf, hatten die Beben nicht aufgehört. Ihrer Meinung nach wäre es besser gewesen, sie wären in jenem Stinkesumpf geblieben, egal wie sehr die Wölfe ihre Schnauzen verzogen hatten. Diese Kälte war mörderisch und auch wenn sie damit klarkommen würde, insgeheim machte sie sich Sorgen um die Welpen. Sie waren noch nicht groß genug, um sich so einem Winter wiedersetzen zu können. Die Regentochter fragte sich, wie viele es bis zum Frühling schaffen würden. Ihr Blick blieb beim unablässigen Wandern über die Reihe von Rudelwölfen schließlich auf Kirov hängen. Der Rüde mit der außergewöhnlich hübschen Fellmelierung stakste gerade auf eine Fähe zu, die nach einem genaueren Blick von Amáya als ihre Nichte Kursaí eingereiht wurde. Ein kleiner Stich der Eifersucht, über den sie nicht einmal wirklich weiter nachdenken wollte, durchfuhr sie und sie wandte sich mit einem leichten Anflug der Frustration über sich selbst von der Szene ab. Kirov war ihr ein Mysterium. Ein solches, welches ihm so Nahe gekommen war, das sie kaum mehr als eine dünne Hautschicht trennte. Im Moment fühlte sie sich jedoch so überhaupt nicht dazu bereit über Kirov und ihre eigene Mickrigkeit nachzudenken ( das war in der Regel der Fall ) und deswegen beließ sie es erst mal damit. Stattdessen bemerkte sie mit wohlwollender Überraschung, dass sich eine dürre Fellkugel zitternd und offensichtlich halb zu Tode erfroren an sie drückte. Besänftigt langte sie mit der Schnauze nach dem weißen, ähnlich aufgeplusterten Fell des Welpen und zog ihn näher an sich. An ihrem Bauch platziert, der wahrscheinlich der wärmste Teil ihres Körpers war ließ sie ihn zufrieden los und pustete ihm leicht über das Fell. Sie hoffte, dass ihr Atem, warme Luft in den innersten Gefilden ihres Körpers angewärmt, dem Kleinen das Eis aus seinen Gliedern trieb.

"Du siehst aus wie ein Eiszapfen.", lächelte sie matt und es überraschte sie, dass es sie nicht mal überraschte.

Sie wusste nicht wieso, aber diese Welpen hatten ihr Herz erobert. Besonders dieses Exemplar hier hatte es ihr angetan, aber mit den Anderen hatte sie ja auch noch kaum Interaktion gehabt. Irgendetwas sagte ihr, dass an all dem nur Kirov schuld sein konnte, aber für den Moment war es ihr egal. Es war ja nicht so, dass sie jetzt mit jedem auf Kuschelkurs gehen würde.

"Wenn du nicht aufpasst frierst du mir noch am Boden fest.", setzte sie hinzu und bließ dem Weißpelz neckend die Stirnhärchen hoch, sodass sie hoch zum unfreundlichen Winterhimmel standen. Er hatte tiefschwarze Äuglein, wie sie es noch bei niemanden im Rudel gesehen hatte und sein Fell schien unerwartet hell zu sein. Sie konnte sich erinnern, dass Daylight als Welpe erst bräunliches Fell gehabt hatte, bevor sie weiß wurde.


{ Malik | Rand des Rudelplatzes }

Krolock
12.08.2012, 00:49

Ach du schöne heile Welt, wie wunderbar es doch war, wenn diese Art stiller Ratlosigkeit über dem Rudel hing. Gelassen zog der rastlose Rüde seine Kreise um den Rudelplatz, bewegte sich mal weiter mal weniger weit von diesem fort und kehrte dann gelegentlich zurück, um sich an den gequälten Gesichtern zu ergötzen. Bei dieser Gelegenheit hielt er mehr oder weniger automatisch Ausschau nach einem weißen Fleck und empfand es als störend, wenn ihm das andere Gesocks ins Auge sprang, dass lästigerweise dieselbe Fellfarbe hatte.
Die letzten Tage hatten halbwegs ausgereicht, um die Schmerzen seiner Knochen wieder ins Lot zu bringen, aber wenn die Erde bebte und er sich gerade ungünstig bewegte, blieb ihm fast die Luft zum Atmen weg. Irgendwie gefiel ihm das.
Es gab eigentlich nur Grund zu guter Laune. Die Götter spielten offensichtlich mal wieder verrückt, oder zumindest die Welt, über die diese wachten. In regelmäßigen Zyklen wurde es dramatisch. Was ihn als Welpe schon nicht erschreckt hatte, interessierte ihn auch jetzt relativ wenig. Panik würde man jedenfalls vergeblich in ihm suchen. Für ihn war das nur der ganz normale Wahnsinn seines Lebens. Ob sie nun vor zitternder Erde davon liefen, oder vor einem alles umschließenden Nebel, in dem sich so mancher Wolf verlor – oder hinaus hüpfte – war ihm einerlei.
Rücksichtslos setzte er seine Pfoten voreinander, trampelte kleine Äste nieder und trat schließlich auf den Rudelplatz hinaus, um diesen zum wiederholten Male zu überqueren. Er tat es in Abständen, die nicht allzu klein waren, aber man hatte ihn schon öfter ruhelos herum streifen sehen. Nicht unruhig, wie jemand, der sich große Sorgen machte, sondern eher wie ein Wolf, der aufgeregt war, was als nächstes tolles passieren würde. Zudem war ein ziemlich nerviger Rüde nicht mehr da, was ihn geradezu beflügelte. Ein paar Wölfe sahen deshalb noch blöder aus dem Fell als sonst.
Aus den Gesprächen der nervigen Gemeinschaft hatte er mitbekommen, dass einer der Welpen beinahe erschlagen worden war. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte im Sumpf auch ein bisschen mehr passieren können. Leider waren sie ansonsten immer noch in gleicher Anzahl vorhanden.
Während er herumstolzierte beobachtete er Caylee beiläufig.


[Rudelplatz - beobachtet Caylee]

Parveen
12.08.2012, 11:20

Parveen hielt die Augen noch fest geschlossen. Wach war sie bereits seit dem letzten Beben, das sie unsanft aus dem ohnehin schwachen Schlaf gerissen hatte. Komische Träume hatten die Wölfin geplagt. Wirre Spiele aus Farben, Rufen und Silhouetten… Nichts Bestimmtes oder Greifbares und umso mehr sie darüber nachdachte, umso mehr verschwamm alles zu einem undeutlichen Geflecht. Anfangs hatte sie sich noch gefragt, woher diese Eindrücke kamen – Warum sie sich so erschlagen fühlte, aber nach wenigen Augenblicken strömten die Ereignisse der vergangenen Nacht mit aller Macht auf sie ein. Der anfangs noch so ruhige Abend. Das Gespräch mit Kursaí, bei dem sie dabei war, ihren Glauben an die Götter wieder zu finden. Dann der Stoß in den Rücken, als Caylee aufgelöst zu ihnen kam und diese eine Nachricht mitbrachte, die die Schönheit der bis dahin so ruhigen Nacht zu nichte machte. Averic ging fort. In diesem Moment musste er bereits viele Meilen entfernt sein. Das Verhältnis zu ihrem Bruder war nie gut gewesen. Zumindest nicht in der nahen Vergangenheit und selbst als sie beide Welpen waren, konnte sie sich an kein vergnügliches Spiel zwischen ihnen erinnern. Nichts, was andere Welpen miteinander taten – Wie Geschwister miteinander umgangen. Im Grunde waren sie sich fremd. Waren es gewesen und jetzt hatten sie sich als Fremde getrennt und wer wusste schon, ob sie sich jemals wieder sahen. Der Umstand, dass sie sich nie richtig kennen gelernt hatten, betrübte Parveen fast am Meisten. Schuldbewusst dachte sie dann aber wieder an jene Wölfe, die ihm viel näher gestanden hatten. Tyraleen… Seine Welpen und besonders Caylee…
Pav schmiegte sich noch enger an die weiße Wölfin, bettete den Kopf dicht an ihren Hals und versuchte die Kälte zu vertreiben. Bis jetzt war ihr nicht aufgefallen, wie kalt es war. Ihr Winterpelz und die Wärme ihres Körpers und der von Caylee, hatten es sie vergessen lassen.
Mit einem leichten Seufzen öffnete sie die blauen Augen. Anfangs musste sie blinzeln, um die Augen nicht gleich wieder schließen zu müssen. Ein Sonnenstrahl blendete sie. Wärme brachte er dabei aber nicht mit. Das Wetter schien perfekt zu der Stimmung im Rudel zu passen. Alles wirkte ein wenig wie erstarrt.

Sie konnte nicht sagen, ob die Fähe vor ihr immer noch schlief, oder nicht. Ihr Atem ging gleichmäßig und ruhig. Das Bild, wie die beiden Wölfinnen dort ineinander geschlungen lagen – sich gegenseitig wärmten und sich Schutz und Beruhigung spendeten, schien sich seit dem Abend kaum verändert zu haben. Ein leichtes Lächeln konnte die Schwarze nicht verhindern. Ihr kam es unsinnig vor, an einem solchen Morgen zu lächeln, aber sie hielt es nicht auf, als es sich seinen Weg bahnte. Auch wenn das Ereignis des letzten Abends ein harter Schlag für die Wölfe des Rudels war… Parveen konnte von sich das erste Mal wieder behaupten, dass sie ein Teil davon war und einen Wolf gefunden hatte, den sie als Freund bezeichnen konnte.
Verschlafen und den Kopf nicht hebend schaute sich Parveen ein wenig um. Alles war noch wie durch einen Schleier zu sehen. Das Blasse Morgenlicht erhellte zwar die Gegend, aber ein strahlender Tag schien dies nicht zu werden. Bestimmte Wölfe fasste die Fähe nichts ins Auge. Vielmehr ließ sie den Blick schweifen. Über die kleinen Gruppen oder einzelnen Wölfe.


{Rudelplatz | bei Caylee}

Kursaí
12.08.2012, 14:18

Der Tag war noch nicht alt, das ließ sich nicht leugnen. Und doch waren wohl die meisten schon wach. Wer konnte schon ein Beben verschlafen. Es gab wohl auch einige, die durch den Abschied des schwarzen Rüden noch sehr durchgerüttelt waren und so auch keine Ruhe fanden. Und so war manch anderes nicht mehr so wichtig, nicht mehr so präsent. Wie auch, war doch die vermeintlich nahe Gefahr wichtiger, der kürzliche Verlust schmerzlicher.
Ihre Gedanken jedoch wollten geteilt werden, sie wollte jemanden um Rat fragen und so schweifte ihr Blick über das Rudel. Kursaí überlegte, wen sie sich anvertrauen sollte. Die Welpen sollte sie wohl nicht mit ihren Gedanken belasten. Sollte sie wohl lieber zu Ahkuna, ihrer Schwester gehen? Oder zu ihrer Mutter? Mit ihren Augen suchte sie die beiden und währenddessen überlegte sie, ob vielleicht auch Tyraleen eine gute Gesprächspartnerin wäre. Die Alphafähe schien auf vieles eine Antwort zu haben, und selbst wenn sie die Fragen nicht beantworten könnte, könnte sie ihr vielleicht weiterhelfen und so weitete sie ihren Blick auch noch auf die Weiße aus. Jedoch bevor sie sich für eine der Fähen entscheiden konnte, bemerkte sie, dass ganz wer anders auf sie zu kam. Ein grauer Rüde und sie musste zweimal hinsehen, um ihn wieder zu erkennen. Wie hieß dieser Rüde noch einmal? Sie dachte nach, während er auf sie zukam. Zunächst einmal erwiderte sie seine freundliche Begrüßung, und dann fiel ihr zum Glück sein Name auch wieder ein.

"Hallo, das stimmt. Und du warst Kirov, wenn ich mich recht erinnere."

Sie hatte noch nicht weiter mit diesem Rüden zu tun gehabt, doch Kursaí meinte sich sicher erinnern zu können, dass dieser so hieß. Wenigstens hatte sie so seinen Namen gewusst, auch wenn sie nicht viel mehr über ihn zu sagen vermag. Was für ein Wolf steckte wohl hinter diesem Pelz? Würde dieser eine Diskussion, wie sie sie wollte führen wollen? Es schien zumindest so, als ob hinter diesen Augen nicht ein allzu unfreundliches Wesen stecken konnte, oder es versteckte sich sehr gut. Dies jedoch glaubte Kursaí nicht wirklich und so blickten ihre Seelenspiegel auch freundlich zu ihn hinüber, erwiderten seinen Blick. Und in diesem Moment entschloss sie sich auch das Thema anzupacken, jedoch nicht gleich mit dem Stein drauf zu werfen, sondern vielmehr erst einmal darauf hin zu arbeiten und so sagte sie:

"Auch du bist vom Beben erwacht?"

Die Frage war wohl mehr eine Feststellung und doch wollte sie so feststellen, ob der andere bereit war über dieses Thema zu reden. Wer weiß, vielleicht bereiteten ihm ja die Erdbeben solches Unbehagen, dass er nicht darüber reden wollte und dann wäre er gänzlich ungeeignet für ihre philosophischen Ergüsse oder was auch immer es werden würde.


[Rudelplatz/ Kirov]

Tyraleen
12.08.2012, 15:04

Viele Atemzüge lang verharrte Tyraleen in dieser wehmütigen Geste, Averic so fern wie nie zuvor wissend. Vielleicht wären ihr Tränen in die Augen getreten, doch als sich etwas in ihrem Brustfell regte und Isaís Gesicht neben ihrem Fang auftauchte, ließ sie die Gedanken los und wandte den Blick von dem noch von Schatten durchtränkten Wald ab. Der Welpe hatte sein überzeugendstes Lächeln aufgelegt, was die Leitwölfin zwar nicht unbedingt glücklicher stimmte, sie aber ebenfalls lächeln ließ, so eindeutig war es, dass Isaí alles versuchte um sie aufzuheitern. Ganz leicht zupfte er sie am Fell, es kam ihr fast ein bisschen wie eine Bitte vor, doch nicht mehr so traurig zu sein. Es war ihr schon vorher stets schwergefallen, dem kleinen Roten gegenüber die stets souveräne und kompetente Leitwölfin zu spielen, aber jetzt konnte sie einfach nicht so tun, als wäre nichts passiert. Immerhin wäre das wohl so oder so nicht die ideale Verhaltensweise, schließlich war Isaí beim Abschied Averics dabei gewesen und wusste nun wohl selbst nicht so ganz, wie er damit umgehen sollte. Averic war ihm nicht sehr nahe gestanden, zumindest hatte er nie etwas davon erzählt, aber vielleicht wusste der Kleine auch deshalb nicht, ob er nun traurig sein und wie er mit ihrer Trauer umgehen sollte. Zudem kamen dann noch der Streit von Caylee und Amúr und der Tumult danach, der Isaí wohl nur noch mehr aus dem Konzept gebracht hatte. Vielleicht hatte er Fragen, aber Tyraleen war sich nicht sicher, ob sie genug Kraft haben würde, über die Vorkommnisse nachzudenken und zu sprechen, weshalb sie den Welpen nicht zum Fragen animieren würde. Er versuchte sich daran, sie zu trösten, was sie erneut berührte, aber nur wenig echten Trost spendete. Sie ging davon aus, dass er irgendwann wiederkommen würde, so wie Acollon auch, aber wann das sein würde, wie er sich dann verändert hatte und ob er nicht bald darauf schon wieder gehen müsste … das waren Fragen, auf die sie so entmutigende Antworten fand, dass sie sie nicht stellen wollte.

“Ja, er kommt bestimmt … irgendwann …“

Sie schluckte, nahm den Blick aber nicht von dem Welpen, der sich nun erhoben und vor sie gesetzt hatte. Es musste ein wenig seltsam aussehen, wie dort dieser kleine rote Welpe vor der zusammengesunkenen, großen Fähe hockte und sich eine Aufmunterungsstrategie ausdachte. Seine Aufforderung war in etwa genauso seltsam – was sollten sie sich denn angucken? Es gab hier nicht wirklich viel zu sehen und für eine welpische Erkundungstour des winterlichen Reviers fehlte ihr heute jegliche Begeisterung. Sie wollte schon den Kopf schütteln, aber dann wurde ihr der hoffnungsvolle, beinahe bittende Ton Isaís bewusst und die Tatsache, dass er den Vorschlag weniger für sich als viel mehr für sie gebracht hatte. Er wollte sie ablenken und aufheitern und auch wenn sie sich wenig Freude beim „was angucken“ vorstellen konnte, erhob sie sich doch schwerfällig und brachte sogar ein weiteres Lächeln zustande.

“Was möchtest du dir denn ansehen?“


[ Rudelplatz | Isaí ]

Chivan
12.08.2012, 17:03

Es war ein schmaler Grad zwischen Unaufrichtigkeit und Wahrheit, doch Chivan verschwendete nicht einen Gedanken daran, dass ein anderer seine Aussage über das, was hinter ihm lag, vielleicht als unaufrichtig gesehen hätte. Er zweifelte daran, dass die dunkle Wölfin tatsächlich interessiert war an den verzwickten Familienangelegenheiten, die sich immer mehr zugespitzt hatten, ganz davon abgesehen, dass er das ehrlose Verhalten seines Bruders dann doch lieber für sich behielt. Besonders hier, besonders an einem Ort, wo der Glaube an die Götter noch so lebendig und deutlich war, dass jegliches ketzerisches Wort gegen ihre Existenz unverständlich und böswillig schien. Ohnehin lag all das bereits in unerreichbarer Ferne. Es war vorbei und auch, wenn Chivan zum einen gestehen musste, dass ihn das Ende dieser Zwist unheimlich beruhigte, so trauerte doch gleichzeitig um einen Bruder, so distanziert sie sich auch gegenüber gestanden hatten. Allerdings blieb die Trauer um den verlorenen Bruder weit hinter der zurück, die dem gleichzeitigen Tod seiner Schwester zuteilwurde, die er an seiner Seite ihrem Unheil entgegenlaufen gesehen hatte. Der Unterschied war nur, dass ihn irgendetwas gerettet hatte, während sie unaufhaltsam verloren gewesen war. Dennoch verlor er sich nicht in Sehnsucht oder ähnlichem. Er dachte mit Vergnügen an die Zeiten zurück, die sie gemeinsam gehabt hatten. Es war ein unheimlicher Trost, nun zu wissen, dass sie an der Seite der Götter lebte, der sie zu ihren Lebzeiten all ihren Glauben zugewendet hatte. Fast fühlte er sich schuldig, dass er Kisha das gute Wesen dieser Fähe vorenthielt, doch wenn es sein sollte, so würde gewiss noch ein Moment kommen, der ihm die Möglichkeit dazu geben würde. Irgendwann, falls das Rudel tatsächlich zu einer neuen Heimat werden würde, denn einen Fremden ging all das gewiss nichts an. Vielleicht verspürte er aus diesem Grund auch sogleich ein schlechtes Gewissen, als er erkannte, dass die Worte der Dunklen doch mehr Wahrheit entsprachen, als er geglaubt hatte. Er ließ sich nichts anmerken, stellte die Ohren auf und lauschte schließlich ihrer Geschichte, die – gewiss – keine einfache war, wie er fand.

„Ich wollte dir nicht zu nahe treten, Kisha.“, sagte er schließlich und wollte sich so für seine – wie er fand - unangemessene Aussage vor ihrer Erzählung entschuldigen. „Es freut mich für dich, dass du dennoch – obwohl man dir eine falsche Persönlichkeit vorgespielt hat – letztendlich doch nach Hause geführt worden bist, um zu erfahren, wer du wirklich bist.“

Er kannte dieses Gefühl nur zu gut, vom Herz geleitet letztendlich dort zu landen, wo man sein sollte. Auch, wenn der Bunte bisher nicht in den Genuss gekommen war, diesem wirklich zu trauen. Das erste Mal, als er gedacht hatte, am Ende seiner Reise angekommen zu sein, hatte es sich als falsch herausgestellt. Und das zweite Mal – nun befand er sich hier, spürte es deutlicher und überzeugender als je zuvor, doch er weigerte sich, sich dem wirklich hinzugeben, obschon er merkte, dass ihm die Göttin irgendetwas klar zu machen versuchte. Bloß war es ihm noch nicht vergönnt, zu erfahren, was es wirklich war. Er sah es nicht, so sehr er sich auch bemühte, so dass ihm bislang nichts weiter übrig blieb, als darauf zu hoffen, dass er es früh genug erkennen würde. Er erwiderte den Blick der Wölfin mit einem verständnisvollen Ausdruck in den Seelenspiegeln, während er sich schließlich auf die Hinterläufe erhob und einen besseren Blick über die Wölfe hier hatte. Nun erblickte er auch einen der Welpen bei einer dunklen Wölfin und schließlich auch die Leitwölfin und einen weiteren der Jüngeren. Doch ihr sollte nun in diesem Augenblick nicht viel Aufmerksamkeit zukommen – es wäre in jeglicher Hinsicht der falsche Moment für einen Fremden wie ihn gewesen und außerdem hatte er nicht vor, Kisha nun zurückzulassen. Dazu war das Gespräch mit ihr zu willkommen.

„Es ist nicht jeder dazu in der Lage, über den Horizont hinauszublicken, das stimmt. Aber trotzdem stehen die Götter auch diesen Wölfen bei. Ich glaube, jeder Wolf kennt diesen Wind, diesen göttlichen Wind, doch sie gestehen sich nicht ein, dass er etwas Besonders, etwas Übermächtiges an sich hat. Auch mich hat er damals begleitet, als ich mit einer Fähe fortzog, die als Wanderer zu uns kam und schließlich wieder den Weg nach Hause antrat.“



{ rudelplatz | kisha }

Kirov
13.08.2012, 02:22

Dem Augenschein nach, schien Kursaí wirklich nett zu sein, wie Kirov feststellte. Bisher waren alle seine Bekanntschaften immer freundlich und redselig gewesen, wenn man Amáya ausschloss. Die negativen Seiten dieses Rudels hatte er tatsächlich noch nicht kennen gelernt. Doch er wusste, dass es die gab, diese so genannten „Fenris Wölfe“. Doch wenn sie alle so waren wie seine Regennacht, dann wunderte es ihn auch nicht, dass die Dunkelgläubigen wohl eher unter sich blieben und er mit ihnen bisher nicht Kontakt hatte. Eigentlich konnte Kirov über seine eigenen Gedanken nur seufzen. Das war doch alles Humbug, was diese Wölfe sich einredeten und dass sie sich von solchen Hirngespinsten so in Besitz nehmen ließen. Eigentlich fast schon traurig. Er weigerte sich noch immer strikt dagegen, den Göttern dieses Rudels Glauben zu schenken, auch wenn er versuchte, seine Gedanken nicht so nach außen zu tragen. Er wollte kein Aufsehen erwecken mit seiner Ungläubigkeit und dann noch Abneigung auf sich ziehen.

„Genau. Schön dich kennen zu lernen, Kursaí.“

Erneut umspielte ein sanftes Lächeln seine Lefzen. Es herrschte nicht lange Schweigen zwischen ihnen, was Kirov erleichterte, denn Kursaí begann sofort mit dem Thema, was Kirov schon die ganze Zeit durch den Kopf geisterte. Ja, das Erdbeben. Er konnte ein Schaudern unterdrücken, als er daran zurückdachte, wie es das erste Mal vor Tagen angefangen hatte. In diesem Moment der Angst hätte er wohl alles getan, dem Himmel entgegen gerufen, dass er doch gläubig war und den Göttern gehuldigt. Die Angst vor dieser Kraft und dem unsichtbaren Gegner war größer, als er es erwartet hätte. Kirov blickte Kursaí wieder in die Augen und das Lächeln auf seinen Lefzen verschwand. Stattdessen trat ein ernster Ausdruck auf sein Gesicht.

„Ja. Du bist schon sehr viel länger hier als ich … gab diese Erdbeben schon vorher?“,

fragte er und klappte ein Ohr nach hinten. Die Fähe sah noch sehr jung aus, aber sie gehörte bestimmt zu der Familie, von der Ahkuna ihm erzählt hatte. Hier war schließlich so gut wie jeder mit jedem verwandt. Wieder war da dieser bittere Gedanke daran, dass er nicht dazugehörte. Er war kein Teil von jener Familie, sondern nur ein einfaches Mitglied. Es war verwirrend für ihn, so zu denken, obwohl sein Wille sagte, dass er nur „einfach“ sein wollte. Himmel war das alles kompliziert.
Er zwang sich, diese Gedanken zu vertreiben und sich wieder auf die graue Fähe vor ihm zu konzentrieren.


[Kursaí | Rudelplatz]

Caylee
13.08.2012, 11:04

Wie wohl die meisten Wölfe, die in der Nacht das letzte Mal an Averics Seite gewesen waren, hatte auch Caylee keinen Schlaf mehr gefunden. Ihre Schulter schmerzte, aber noch mehr hatte sich das Bild von Amúr – zunächst einschmeichelnd freundlich und dann falsch und hinterlistig – eingebrannt und je länger sie stumm darüber nachdachte, desto mehr begann der Hass auf ihre Schwester zu lodern. Es war eine ungünstige Kombination, die Trauer um Averic und die Wut auf Amúr, die zwangsläufig zu diesem extremen Verhalten führen musste, erst Recht bei einer Wölfin wie Caylee. Schon begann sie vor ihrem inneren Auge Amúr doch noch nieder zu werfen und zu besiegen, wenn niemand dabei war, der entsetzt sein oder sie kindisch nennen würde, nur weil sie etwas klären musste. Dass man ihr gegenüber diese falsche, hinterlistige, heuchlerische Engayaliebe nicht zeigen und dann auch noch gleich im nächsten Moment wieder ablegen durfte, dass man sich ihr gegenüber so nicht verhielt. Ihr war es egal, was ihre Familie sagte, früher oder später würde sie Amúr in aller Deutlichkeit zeigen, was sie davon hielt. Aber zunächst sollte ihre Schulter heilen, die in der letzten Nacht eher Rück- als Fortschritte gemacht hatte. Jetzt pochte ein dumpfer Schmerz in ihr, schon weitaus besser, als noch vor einigen Stunden und doch unangenehm und zusätzlich reizend. Sicher hätte Wut, Enttäuschung und Bitterkeit Caylee normalerweise dazu angetrieben, alleine im Wald herumzustromern, ihren Hass in sich hineinfressend und ihre Familie mehr denn je verachtend. Aber ein kleiner, eigentlich für sie so nebensächlicher und doch heute eine Welt bedeutender Umstand, ließ sie im kalten Gras liegen und ruhig die Morgenluft einatmen: Ein warmer Körper an ihrer Seite, ein Kopf, der sich an ihren Hals geschmiegt hatte. Parveens Nähe war für Caylee plötzlich fast notwendig, ihre ruhige Intelligenz stützte die ungestüme Weiße und wenn auch ihre gesamte Familie falsch und verlogen war, so hatte Parveen doch bewiesen, Caylee nicht fallen zu lassen. Die vergangene Nacht hatte die schwarze und die weiße Wölfin zusammengeschweißt, jede sonst nur allzu deutlich propagierte Abneigung gegen ihre Familie, spielte bei Parveen keine Rolle. Die Wölfin mit den Sternenaugen konnte nicht sagen, was ihre Tante an sich hatte, dass sie ihr so plötzlich und so bedingungslos vertraute. Vielleicht war es auch einfach nur Zufall gewesen, Parveen war zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen, hatte sich genau richtig verhalten und zufällig war es auch Parveen gewesen, mit der sich Caylee erst vor wenigen Tagen im Sumpf so erstaunlich gut verstanden hatte. Wieder fiel ihr das Bild der beiden Fähen, stolz nebeneinander stehen, dem gemeinsamen Feind furchtlos entgegenblickend, ein und nun war es noch sehr viel bedeutsamer für sie. Parveen war nicht ihre Tante, Parveen war in Wirklichkeit ihre Schwester, mehr als irgendeine ihrer Schwestern es je sein könnten. Dumpf meldete sich Protest gegen diese Behauptung, war doch Avendal ihr ebenfalls erst vor kurzem wieder ein wenig näher gekommen, aber für diese Überlegung hatte Caylee nun keinen Gedanken übrig. Es war viel zu schön, Parveens Nähe und ihren Zusammenhalt zu spüren, einfach nicht alleine zu sein.
Das Beben hatte die Weiße aus ihren verworrenen Gedanken aufschrecken lassen und auch wenn es erneut zu schwach war, um sie neben Parveen liegend irgendwie aus dem Gleichgewicht bringen zu können, erinnerte er sie doch wieder an anderes und ließ sie zudem merken, dass sie lange genug versucht hatte einzuschlafen. Auch der Kopf ihrer Tante löste sich von ihrer Schulter und vermutlich sah sie sich im ersten Morgenlicht um. Langsam öffnete Caylee die Augen, noch ohne sich weiter zu bewegen wanderte ihr Blick über den Rudelplatz, die bekannten und doch entfremdeten Gesichter musterten. Dann hob sie den Kopf leicht an, war froh, Amúr nirgendwo zu sehen und entdeckte dafür Krolock. Ihre Ohren drehten sich leicht zurück, sah sie doch sofort, dass auch er sie unauffällig auffällig beobachtete. Was hatte er von der vergangenen Nacht mitbekommen? Was dachte er wohl von Parveen? Und warum interessierte sie das? Sie wandte den Blick ab und sah lieber ihre Tante an. Sie wollte irgendetwas sagen, aber ihr fiel es schwer, die richtigen Worte zu finden. Ein Danke würde ihr kaum über die Lefzen kommen, außerdem würde das sowieso fehl am Platze wirken. Wirkliche Dankbarkeit empfand sie auch nicht, es war eher diese Verbundenheit – die Freude darüber, jemanden gefunden zu haben, der für sie da war. Jemand, der sie von den hassgetränkten Gedanken an Amúr ablenkte. Und jemand, den sie ansehen konnte, wenn sie nicht zu Krolock blicken wollte. Aber sie fand keine Worte, sah Parveen nur an und vermutlich hatte sich doch eine ganze Menge Dankbarkeit in ihren Blick geschlichen.


[ Rudelplatz | Parveen, Krolock in der Nähe ]

Kursaí
13.08.2012, 15:19

Kursaí erwiderte das freundliche Lächeln des Rüden. Sie hatte wohl richtig gelegen, hatte wie vermutet den aufgeschnappten Namen mit dem richtigen Wolf in Verbindung gebracht. Wirklich daran gezweifelt hatte die Graue sicher nicht mehr und doch war die Bestätigung mehr als nur die Vermutung von ihr, war die endgültige Sicherheit. Und so flappte sie nur noch einmal bestätigend mit den Ohren auf die Worte des Grauen. Es schien wirklich schön zu sein, diesen Rüden kennen gelernt zu haben, auch wenn sie noch nicht allzu viel über ihn wusste. Doch das wichtigste hatte sie schon in Erfahrung gebracht: Er gehörte zum Rudel und er schien äußerst freundlich.
Jedoch nun war dies nicht mehr das wichtige, nun war das wirkliche Thema wichtig. Sogleich hatte sich auch die Mimik des anderen verändert, was nicht gerade verwunderlich war. Gewiss empfand kaum einer diese Beben als angenehm, und so war der freundliche, ja fast amüsierte Ton bei ihnen verschwunden. Nein, dafür war ihr Thema viel zu ernst, viel zu brisant. Und wie nicht anders zu erwarten war, hatte auch den Rüden das Beben um den Schlaf gebracht. Doch wahrscheinlich weniger als der fehlende Schlaf sondern vielmehr die Ungewissheit und die Sorge war das zermürbende. Fast unerwartet gab der Rüde ihrem gerade erst entstandenen Gespräch eine Wendung und so antwortete die Fähe ehrlich:

"Früher gab es diese Beben hier nicht. Ich war zwar vor nicht allzu langer Zeit eine ganze Zeit lang nicht hier, jedoch glaube ich nicht, dass die Beben schon einmal dar waren, ansonsten hätte wohl jemand dies erwähnt. Es begann wohl, als wir im Sumpf waren."

Und hoffentlich war das auch der Höhepunkt, dies dachte sie sich bei sich selber. Ob dies wirklich so war, dies konnte wohl nur die Götter wissen. Dennoch sprach dafür, das keines der folgenden Beben die Stärke des ersten erreicht hatte.
Nun jedoch ergriff Kursaí erst einmal die Möglichkeit ihre Gedanken mit dem Rüden auszutauschen und so kamen diese Worte heraus als sie ihren Fang öffnete:

"Was denkst du zu den Beben? Vielleicht bedeuten sie ja etwas. Wer weiß, ob sie vielleicht nicht sogar eine Warnung sind, doch vor was sollten sie warnen?"

Kirov sahen zwei ehrliche Augen an, welche auf der Suche nach Antworten, oder zumindest Ideen waren. Ihr kam nicht in den Sinn, dass der Rüde vielleicht gar nicht an Götter glauben könnte, und so dies vielleicht für Humbug halten könnte.



[Rudelplatz/ Kirov]

Averic
13.08.2012, 18:58

I drift on a silent sea
the cold night surrounds me
black ice forms beneath
the waves of a childhood dream
the mists rise blinding me
I can't find a way out of here


Es war ein ewiger Teufelskreis daran zu denken, dass man an nichts denken wollte. So konnte es nämlich niemals funktionieren. Irgendwann ging Averic dazu über seinem eigenen Atem zu lauschen und dem geringen Geräusch, dass seine federnden Schritte verursachten. Der felsige Untergrund war eiskalt und hart, hin und wieder bohrten sich spitze Steine in die Ballen der Pfoten, die seit Stunden nicht ruhen wollten. Es störte ihn nicht, das leichte Brennen gab ihm nur Ablenkung, auf die er sich konzentrieren konnte. Und je länger der große Schwarze nur einfachen Geräuschen lauschte, desto eindringlicher wurde ein ganz leises Summen in seinen Ohren. Ihm war, als hörte er aus weiter, weiter Ferne eine Melodie, die ihm irgendwie bekannt war, aber nicht laut genug, um sie zu identifizieren. Ganz automatisch fixierte er sich darauf, sie zu erkennen und sie schließlich mit einem Zusammenkrampfen in seinem Brustkorb wieder wegschieben zu wollen. Dieses Spiel würde schwer werden. Sein ganzes Leben hatte er in dem Tal verbracht, das er bereits hinter sich gelassen hatte. Die Ankunft jedes einzelnen Rudelmitglieds, das die Sternenwinde heute zählte, hatte er miterlebt. Er war immer da gewesen, länger als die anderen. Ein Geist, der so voll von diesen Erlebnissen war, ließ sich einfach nicht so schnell leeren, wie es ihm recht gewesen wäre. Wie es ihm den meisten Schmerz erspart hätte. Es war wie das Kämpfen gegen einen unerschütterlichen Feind, der immer wieder auftauchte. Gerade hatte man ihn abgerungen, sich befreit, dann sprang er einen schon wieder an und biss sich im Nacken fest. Hin und wieder verspürte er fast das Bedürfnis zu knurren, oder sich dem unsichtbaren Angreifer an die Kehle zu werfen. Aber natürlich war da nichts. Nichts und niemand, an dem er seinen Schmerz über den Verlust von allem was er hatte auslassen konnte.
Eine weitere Weile lief er einfach dahin, bis eine farblose Gestalt in seinem Blickwinkel auftauchte. Der klirrend kalte Wind stieß ihn unsanft in den Rücken, sodass er die Witterung des Wolfes zuerst nicht aufnehmen konnte. Als dieser direkt auf ihn zusteuerte und besser erkennbar wurde, meinte Averic zu spüren, wie sein Herz kurz aussetzte. Er blieb stehen und starrte den Wolf an, ihn im ersten Moment mit seiner Tochter Amúr verwechselnd. Hatte sie sich ihm wirklich widersetzt und war ihm gefolgt? Noch bevor er sich aber mit dem Gedanken auseinandersetzen musste, was er in dem Fall tat und wie er sie wieder vertrieb, erkannte er, dass es sich nicht um Amúr, sondern einen fremden Rüden handelte, der nur eine gewisse Ähnlichkeit mit seiner Tochter hatte. Da es in Averics Welt keine Farben gab, konnte er nicht wissen, dass dieser Fremde eine gänzlich andere Fellfarbe hatte, als die graue Tochter. Die Miene sofort wieder versteinernd kalt bohrten sich seine dunklen Augen kurz in den Gegenüber, der ihn tatsächlich mit einem in seinem Kopf sadistisch klingenden ‚Guten Morgen’ begrüßte. Wenn es etwas gab, was ihn im Moment überhaupt nicht interessierte, dann war es ein anderer Wolf und schon gar kein lästiger Smalltalk. Abgesehen davon gab es für ihn weder einen Grund, noch hatte er die Zeit ihn zu beachten. Er war jetzt kein Rudelwolf, kein Beta mehr und niemandem höflichen Respekt schuldig. Es kümmerte ihn einen Dreck, wer dieser Rüde war und solange Fenris ihm nicht befiel ihn zu töten, brauchte er sich ihm auch nicht zuwenden. Der kurze, automatische Blick genügte um ihn als potentielle Gefahr für seine Familie auszuschließen. Sollte er also weitergehen. Der Todessohn brach den Augenkontakt ab, wandte sich wieder nach vorne und setzte sich wieder in Bewegung.



[ Außerhalb des Sternenwindreviers | Caitír ]

Isaí Caiyé
13.08.2012, 23:13

YOU KNOW THERE WILL BE DAYS WHEN YOU'RE SO TIRED THAT YOU CAN'T TAKE ANOTHER STEP
THE NIGHT WILL HAVE NO STARS AND YOU'LL THINK YOU'VE GONE AS FAR AS YOU WILL EVER GET


Vielleicht war es ein Glück, dass das Vorhaben, Tyraleen irgendwie wieder aufzumuntern, ihn davon abhielt, sich wirklich all der Ausmaße bewusst zu werden. Er war zu jung und sein welpenhafter Realismus überzeugte ihn schlichtweg davon, dass Averic zurückkommen würde. Alleinseinwolf hin, Alleinseinwolf her – hier war er zu Hause und so wenig, wie sich Isaí vorstellen konnte, je von seinen Eltern und all den Wölfen hier wegzugehen, so konnte er sich auch nicht vorstellen, dass es ein anderer aus dem Rudel lange schaffen konnte. In seinem Kopf machte das alles schlichtweg Sinn (vielleicht auch, weil er einfach wollte, dass es so war) und somit gab es nichts auf der Welt, was ihn in diesem Glauben erschütterte. Umso entschlossener war er, auch Tyraleen davon zu überzeugen und ihr somit die Trauer zu nehmen, die ihr eindeutig ins Gesicht geschrieben stand. Außerdem sah er in diesem Versuch die einzige Möglichkeit irgendwie mit dem schwerfälligen, niederschmetternden Gefühl umzugehen, was er noch nicht als Hilflosigkeit benennen konnte, doch eindeutig so fühlte. Es zerrte an ihm und seinem jungen Herz und wollte ihn dazu bringen, das Lächeln abzulegen, was er so mutig versuchte, aufrecht zu erhalten. Auch der geknickte Eindruck der Leitwölfin machte es ihm schwer, sich selbst irgendwie von seinen Hoffnungen, nein, von seinem Wissen(!) zu überzeugen. So verblasste tatsächlich etwas, als er die unglaubhaften Worte der hellen Wölfin vernahm und ließ die großen Ohren hängen. Er wusste es doch, da musste Tyraleen doch auch wissen, dass es so war, doch er wusste wirklich nicht, wie er sie davon überzeugen sollte. Kurz wirkte es, als schnappte er nach Worten, um es ihr ein weiteres Mal zu versichern, doch er blieb stumm und legte schließlich all seine Hoffnungen in Urgroßoma Banshee, die sicherlich wusste, was zu tun war. Sie wusste, wie sie Tyraleen aufheitern konnte und das reichte ihm, um selbst wieder heiterer zu werden. Er hoffte nämlich, dass dann dieses schwerfällige, fremde Gefühl schlichtweg verschwand.

Umso entschlossener klang also seine Information, dass sie sich etwas ansehen würden – Information, genau, weil er gewiss nicht zugelassen hätte, dass sie absagte. Ohnehin hatte er am Anfang gar nicht an die Möglichkeit gedacht, dass Tyraleen nicht mitkommen wollte. Es war entschieden gewesen und er hatte die Ohren wieder aufgestellt, allerdings war er mit einem Mal dann doch nicht mehr ganz so überzeugt, dass es ein leichtes Unterfangen wurde. Beruhigt war er, als sich die helle Fähe dann aber doch erhob und ein kleines Steinchen fiel ihm vom Herzen, als er einen Sprung zurückmachte und zaghaft mit der Rute pendelnd zu der Wölfin hinaufsah. Mit einem blassen, aber erfreuten Lächeln nahm er das schwache Lächeln auf ihren Zügen wahr und wandte sich sogleich zielstrebig um.

„Das ist eine Überraschung.“, verkündete er leise und marschierte schließlich einmal um die Wölfin herum, um an ihrer Seite zu laufen.

Doch er wollte nun kein Schweigen aufkommen lassen, suchte nach etwas, was er ansprechen konnte und erkannte schließlich das schwache Glänzen am Ufer des Sees.

„Guck mal, wie schön das funkelt, Tyraleen.“, machte er sie fast sanft darauf aufmerksam und spähte zu ihr hinauf. Das musste sie doch irgendwie ablenken. So schön, wie es war. Die Kälte war ihm noch gar nicht so bewusst, dazu war er viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt.


AND YOU AND ME WALK ON, WALK ON, WALK ON
'CAUSE YOU CAN'T GO BACK NOW


{ rudelplatz | tyraleen }

Kirov
14.08.2012, 01:30

Vielleicht war es die allgemeine Stimmung im Rudel, die auch ihm ein unangenehmes, niederdrückendes Gefühl gab. Vielleicht lag es ach daran, dass Kirov sich nun mit der ihm gegenüberstehenden Fähe über Erdbeben austauschte. Alleine schon, daran zu denken gab ihm ein Gefühl von Angst. Auch seine Köperhaltung war nicht so aufrecht und herzlich wie sonst, stattdessen war er etwas eingesunken, was ihn ein ganzes Stück kleiner aussehen ließ. Auch Kursaí sah nicht gerade fröhlich aus, aber das war bei einem solchen Thema wohl nachvollziehbar. Dass sie trotzdem sie ungezwungen freundlich war, überraschte ihn. Er selber hatte wieder seine Maske aus Freundlichkeit aufgesetzt, wohl nur deshalb, weil er seine Angst vor dem unsichtbaren und viel größeren Gegner verstecken musste.
Als Kursaí meinte, dass es jene Beben hier vorher noch nicht gegeben hatte, zuckten seine Ohren bei dieser Information und in seinem Oberstübchen setzte sich ein unangenehmer Gedanke fest. Nicht wirklich unangenehm für andere, aber für ihn. Was wäre, wenn es doch an den so genannten Göttern lag? Himmel. Das war unmöglich. Vielleicht waren diese Beben einfach nur eine ganz normale Naturkatastrophe, die bald aufhören würde. Erneut zuckten seine Ohren, als Kursaí ihn nach seiner Meinung fragte. Er blickte sie an und versuchte möglichst neutral auszusehen.

„Naja … es kann schon sein, dass sie etwas bedeuten. Aber ich kann deine Frage nur widerholen: vor was sollen sie dann warnen? Zumal man uns eher vor diesen Erdbeben hätte warnen müssen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber wenn du mich so fragst, wäre mein erster Gedanke, dass es einfach nur eine … Naturkatastrophe ist und sie vielleicht auch die Erste und letzte war. Jedenfalls hoffe ich das. “

Es war ein schlechtes Gefühl, ihr keine direkte Antwort geben zu können, zumal sie ihn so aufrichtig und ernst ansah, dass es sogar ihm schwerfiel, seine Worte ordentlich zu verpacken, so dass man nicht direkt raus hörte, dass er ein Ungläubiger war. Er fragte sich, wie lange es wohl dauerte, dass er nicht direkt zu „ihnen“ gehörte. Vermutlich dämmerte es ihr jetzt schon, denn er hatte in seinen sanft gesprochenen Sätzen nicht einmal die Götter erwähnt. Er blickte in ihre stahlblauen Seelenspiegel und erkannte seine eigene Sorge darin wieder.


[Rudelplatz | Kursaí]

Tyraleen
14.08.2012, 15:23

Bei Averic und Caitír Ayân:

Das felsige Gebiet, in dem Averic und Caitír sich aufhielten, gehörte zu einem kleinen Ausläufer des großen Gebirges des Sternensees und war unter den ansässigen Tierarten als besonders steil, gefährlich und unberechenbar bekannt. Davon wussten die beiden Rüden natürlich nichts und so hatten sie auch nicht gezögert, den steilen, von zahlreichen Steinen übersäten Abhang hinaufzulaufen, der weit über ihnen in einigen felsigen Scharten mit schmalen Durchgängen mündete. Genau dort oben löste sich nun, durch den Flügelschlag eines kleinen Vogels ausgelöst, ein Stein, der gegen einen anderen Stein prallte und der wiederrum einen weiteren Stein mit sich schob. Es dauerte nur einen weiteren Flügelschlag und schon befand sich das gesamte, am Fuße der senkrechten Felswand angesammelte Geröll in Bewegung und begann unaufhaltsam in Richtung des Hochplateaus und der sich dazwischen befindlichen Felsscharten zu bewegen. Die beiden Wölfe konnten nur noch für einen Herzschlag lang der Gerölllawine entgegensehen, schon hatte sie sie erfasst. Es war ihr Glück, dass der Abhang nicht groß und sie bereits relativ weit oben waren, sodass keine Steine über sie hinwegprasselten, sondern lediglich jene, auf denen sie selbst standen ruckartig in Bewegung gesetzt wurden. Es musste beinahe ein komisches Bild abgeben, wie diese zwei stolzen Rüden mühsam das Gleichgewicht haltend und es schließlich verlierend mit einer kleinen, aber dichten Schicht Geröll gen Tal rutschten. Hätte die Lawine sie direkt auf das Hochplateau geschoben, wären beide Wölfe vermutlich mit einem kleinen Schrecken und um eine Erfahrung reicher davongekommen, aber zu ihrem Pech wartete eine zerklüftete und von Nischen und großen Felsen durchzogene Gesteinhalde auf sie. Genau dorthinein wurden die zwei hilflosen Rüden nun geschleudert, prallten gleichermaßen gegen einen aufragenden Felsen und bekamen nun auch das Geröll zu spüren, dass sich von oben nachkommend gegen sie drückte. Sie würden zunächst ihre Sinne wieder zusammensammeln und verstehen müssen, was passiert war – aber dann würden sie entdecken, dass das Geröll sie verschüttet hatte und sie zwischen einem großen Felsen, an dessen Rand nur ein schmaler Spalt den Blick auf das Gebirge des Sternensees zuließ, und der gesamten Steinlawine eingesperrt waren. Nur mit Glück hatte sich keiner der beiden ernsthafte Verletzungen zugezogen und auch dass das Geröll sie nicht komplett begraben hatte, verdankten sie nur dem sie einkesselnden Felsen, der mit einem Überhang ausgestattet war, der die Lawine stark abgebremst hatte.

Chardim
14.08.2012, 15:28

Chardím schlug die Augen auf und es rann ihm eiskalt den Rücken hinab. Ja, im Gegensatz zu den meisten anderen wohl, hatte es der schwarzweiße Jungwolf tatsächlich geschafft ein wenig zu schlafen. Doch hätte er gewusst, was für ein furchtbarer Traum ihn dann ereilen würde, hätte er vermutlich zu keiner Sekunde überhaupt an Schlaf gedacht. Schwer atmend starrte er auf seine Pfoten, während ihm irgendwas die Kehle zuzuschnüren schien. Nein, das war nicht nur ein Traum gewesen. Träume waren surrealistisch, verzerrten die Wirklichkeit und hatten keine Logik. Das eben war anders gewesen. Stechend scharf und so plausibel, dass sein Herz weh tat. Und kaum wieder richtig wach, übermannte ihn eine so schwere Müdigkeit, dass er sich ganz sicher sein konnte. Ein erholsames Nickerchen war das nicht gewesen. Chardím hob den Blick und hektisch suchte er kurz nach Jakash. Eine Weile starrte er seinen Paten und Freund an, dann suchte er weiter und fand, was er suchte. Nämlich niemanden. Sein Vater war immer noch weg und die teils blanken, teils trauernden Mienen seiner Familie verrieten ihm, dass es immer noch wahr war. Also ... war das wirklich seine Schuld? Der Schwarzweiße schluckte und erhob sich langsam. Einige Herzschläge lang verharrte er so stehend, nicht wissend, was er nun tun sollte. Noch einmal wanderten die zweifarbigen Augen umher, dieses Mal ohne jedoch jemanden Bestimmtes zu suchen. Aber wieder fand er etwas – sein Patenkind lag unweit entfernt von ihm. Erst jetzt wurde Chardím auch die bittere Kälte gewahr, die sie umgab und den Boden mit Frost überzogen hatte. Dass die Erde noch mal gebebt hatte, war von seinem Bewusstsein komplett ausgeblendet worden, so gefangen genommen hatte ihn dieser ‚Traum’.
Ohne noch weiter nachzudenken wandte sich der junge Wolf zu Tinca – oder besser Linalee, wie sie jetzt genannt werden wollte. Langsamen Schrittes lief er zu der Welpin hinüber und ließ sich so nah bei ihr wieder auf den Boden sinken, den Körper halb um sie rollend, dass sie nun an seinem Bauchfell saß.

Hey, Linalee. Wie geht es dir?“,

fragte er und musste feststellen, dass er sehr müde klang und in seiner Stimme eine leise Betrübtheit mitschwang.



[ Rudelplatz | Linalee ]

Caitír Ayân
14.08.2012, 17:53

Caitír hatte voll und ganz verstanden wieso der Fremde ihn nahezu ignorierte, denn wer mochte schon Unterhaltungen? Besonders auf Reisen und jetzt wo dem Melierten der Ausdruck in den Augen des Schwarzen auffiel fand er es fast kindisch ihn angesprochen zu haben. Doch er konnte daran jetzt nichts ändern und machte sich bereit seinen weg über die steinerne Ebene fortzusetzten, als er das Rollen von Gestein bemerkte. Zwar hatte sich die Lawine damit angekündigt, aber helfen tat dies nicht, denn schon als Caitír den Kopf umwand um nach zu sehen was diesen Tumult verursachte wurde er mitgerissen. Dann ging alles ganz schnell, so schnell, dass er nicht einmal merkte ob der Fremde nun auch mit ihm in die tiefe verfrachtet wurde, dennoch ging er davon aus. Wie sollte jemand bitte so etwas entkommen, außer er besäße die Kraft eines Gottes? Als er nun auf allen vieren den Abhang hinunter rollte betete er zu Engaya und hoffte, dass ihm nichts geschehen würde, er fühlte wie nah er seinem Ziel gekommen war. Doch auch sein stilles Gebet brachte den Schwung Steine nicht zum stehen und ehe er sich versah hatte er das Gleichgewicht verloren und auch bald die Besinnung, obwohl ihm nur für wenige Minuten schwarz vor Augen wurde eher sich dies wieder legte, schien der kleine ‚Blackout‘ doch etwas länger gewesen zu sein, denn als er die Augen wieder öffnete befand er sich verschüttet, nur von einem Felsvorsprung geschützt, welcher selbst nur einen Spalt offen besaß, welcher jedoch keinen Platz für einen ausgewachsenen Wolfskörper ließ. Er selbst brauchte einige Minuten um sich zu orientieren, denn alles schien drunter und drüber. Er bemerkte auch erst nach einigen Minuten, dass er nicht alleine war, der Fremde war nicht weit von ihm in einer ähnlich verzwickten Lage gelandet. Letzten Endes waren sie doch durch das Schicksal zusammen geführt worden. An Zufälle glaubte Caitír nicht, diesen Glauben hatte er schon als Jungwolf abgelegt und jener hatte sich nun tief in ihm verankert. Langsam begann er sich zu regen, zu testen ob er zwischen Steinen fest geklemmt war oder nicht. Zu seinem Glück tat er dies nicht und so hatte er sich schon kurz darauf befreit und stand nun auf dem wackeligen Untergrund. Er würde erst einmal warten und überlegen was er nun tun sollte, vielleicht hatte der Fremde ja auch eine Idee, jetzt wo sie schon einmal zusammen in der Klappe steckten sollten sie sich auch zusammen reißen können und zusammen arbeiten. Seine blauen Augen huschten zu der schwarzen Gestalt und dann wieder auf den unebenen Boden. Momentan konnte er sich keinen Ausweg aus dieser misslichen Lage vorstellen, doch es musste einen geben, was würde denn sonst aus ihnen werden?


{ bei AVERIC - Steinlawine}

Kursaí
15.08.2012, 22:30

Kursaí bemerkte wie sich die Haltung des Rüden deutlich veränderte, war es doch offensichtlich. Es war ja auch nicht wirklich verwunderlich, konnten diese Beben einen wirklich das Fürchten lehren. Nein, dies war wirklich nichts unerwartetes. Auch sie hatte sich wohl offensichtlich verändert, und doch nicht so stark wie Kirov. Der Glaube hielt sie aufrecht, verhinderte, dass sie mutlos wurde, oder gar hoffnungslos. Jedoch was er nicht verhindern konnte, war, dass auch sie die Angst spürte, auch sie sich unwohl fühlte.
Als sie nun verkündete, dass es die ersten Beben waren, da zuckten nur seine Ohren. Was hätte er auch sagen sollen? Doch auf ihre Frage, da wusste er Worte, auch wenn sie keine richtige Antwort waren. Es war schon schwer, konnte er mit ihren Gedanken auch nicht wirklich weiterhelfen. Ja, es könnte einen Warnen, doch wovor? Hatte er doch nur die selbe Frage wie sie selber auch schon, und so neigte sie leicht denk Kopf. Kursaí wusste es ja auch nicht. Vielleicht war ja wirklich eine Warnung mittels eines Bebens keine gute Idee und doch durfte sie die Möglichkeit nicht ausschließen. Die Wege der Götter waren unergründlich. Und die manch eines Wolfes wohl auch. Diese Worte: 'nur eine Naturkatastrophe'. Sie wirkten so falsch und sie konnte es nicht glauben. Auch wenn sie es gerne tun würde. Wie kam der Fremde darauf? Da kam ihr zum ersten Mal der Gedanke, dass sein Weltbild vielleicht ein anderes sein könnte, nicht mit ihrem vergleichbar war. Zunächst sagte sie nur:

"Dies kann ich nicht glauben... Es klingt nicht richtig."

Sie vermutete, dass Kirov diese Worte nicht als sonderlich überzeugend finden würde und so sah sie ihn beinahe entschuldigend an. Auch sie wusste nicht, ob die Götter der Ursprung waren, ob sie die Beben geschaffen haben, jedoch irgendwie damit zu tun hatten sie gewiss. Dieses Beben war gewiss nicht einfach "nur". Und so sagte sie noch:

"Glaubst du nicht, dass die Götter etwas damit zu tun haben?"

Das sie damit im übertragenen Sinne in den Bienenstock stach, wusste sie nicht, auch wenn sie es vielleicht tief in sich ahnte.


[Rudelplatz/ Kirov]

Krolock
15.08.2012, 23:33

Krolock hielt stur den Blick auf Caylee gerichtet, als diese ihn ansah. Es gab keinen Grund wegzusehen, vor allem aber widerstand er einfach diesem Impuls. Er wollte sich nicht ertappt fühlen, weil er nichts Verbotenes machte. Er zog nur seine ewig ruhelosen Kreise und behielt dabei eine einzelne Wölfin im Auge. So oder so ähnlich hatte er das immer gemacht, obwohl es Zeiten gab, in denen er sich weitaus häufiger sehr weit vom Rudel entfernt hatte. Im Augenblick waren alle versammelt, mit ihren bescheuerten Gefühlen von Angst und Verzweiflung, diese Energie musste man zwangsläufig auftanken. All das war schließlich die unumstößliche Bestätigung, dass er Recht hatte. In allem was er tat und dachte. In seiner kranken Logik ergab all das wirklich Sinn.
Die weiße Gleichaltrige wandte den Blick wieder ab und er wusste nicht, was er damit jetzt anfangen sollte. Er wollte auch gar nicht darüber nachdenken, also näherte er sich und ignorierte dabei gekonnt, dass eine nervige Störquelle bei Caylee lag. Name hatte er vergessen. Pavan oder so. Nicht ganz. Störquelle passte als Beschreibung auch ganz gut und in Gedanken würde er immer wissen, wer damit gemeint war. Vor einigen Tagen im Sumpf war diese Fähe auch da gewesen. Zusammen mit der nervigen Kreatur, die gestern abgezogen wurde – von irgendwelchen toten Spinnern.

„Ausgeschlafen?“

Der Abstand, den er zu den Wölfinnen hielt, war nahezu interessant, aber ihn schien das nicht weiter zu kümmern. Er brachte wohl kaum Teil des Gutwolfbildes werden, oder? Die Frage richtete sich ausschließlich an Caylee und er sah auch nur diese an. Von Höflichkeit hatte er höchstens einmal entfernt gehört und das Thema in Welpentagen als unwichtig abgetan. Die Worte hörten sich dazu nach dem Trampel an, der er eben war. Er kam nicht einmal im entferntesten auf die Idee, dass es mit Schlaf nicht weither gewesen war, für Wölfe, die dazu in der Lage waren, sich um jemanden zu Sorgen und diese Persönlichkeit zu vermissen. Das Theater der vergangenen Nacht hatte ihn wenig interessiert, weshalb er umher gewandert war und nicht wirklich etwas mitbekam von dem, was andere berührt hatte und ihn völlig kalt ließ. Das letzte Mal, als er mit Caylee geredet hatte, war diese ziemlich verletzt gewesen, nach dem die Erde gezittert hatte. Ob sie davon noch etwas spürte? Die erste kluge Schlussfolgerung, die Krolock an diesem Tag zustande brachte war, dass seine Rippen noch schmerzten, also durchaus die Möglichkeit bestand, dass es der weißen Wölfin ähnlich ging.

„Kannst du wieder normal laufen und so?“

Wenn ja könnten wir doch die Störquelle hier liegen lassen und irgendwelchen lustigen Schabernack im Wald treiben? Ob es Intelligenz war, die ihn davon abhielt, die Frage laut auszusprechen, war bei ihm schwer zu sagen.


[Rudelplatz - Caylee und Parveen]

Tyraleen
16.08.2012, 12:57

Dass Isaí von Tyraleens wenig überzeugter Zustimmung zu Averics Rückkehr kurz einen geknickten Eindruck machte, hätte die Weiße erwarten können, trotzdem hatte sie ein schlechtes Gewissen, als sie sah, wie ihre Worte auf den Roten wirkten. Zum wiederholten Mal hätte sie sich am liebsten auf die Zunge gebissen und tadelte sich eine schlechte Leitwölfin und eine noch schlechtere Mutter – auch wenn Isaí ja nicht ihr eigener Welpe war – aber heute hatte das noch weniger Auswirkungen auf ihr Verhalten. Heute hatte sie kapituliert und akzeptiert, konnte sich nicht ändern. In einem kleinen Aufbegehren fuhr sie Isaí wenigstens mit der Zunge über die Ohren, einmal von links nach rechts, sodass die für den kleinen Kopf viel zu groß wirkenden Lauscher aus ihrer unglücklich hängenden Position gebracht wurden. Vermutlich war es aber weniger diese liebevolle Geste, als ihre Bereitschaft, sich auf dieses kleine Spiel einzulassen, die Isaí zum Weiterlächeln animierte. Ein Spiel war es ganz offensichtlich, denn er wollte ihr nicht verraten, wo es hingehen sollte und auch sein sonstiges Verhalten kam ihr ein wenig seltsam vor – als würde der Welpe etwas im Schilde führen. Oder wollte er sie weiterhin einfach nur ablenken und aufheitern? Seiner Aufforderung, das Eis am Seeufer zu betrachten, kam sie ein klein wenig misstrauisch aber schon etwas beschwingter nach und trat einige Schritte darauf zu. Isaí hatte Recht, es funkelte wirklich wunderschön in den ersten Sonnenstrahlen … aber es erinnerte sie auch daran, dass der See möglicherweise bald ganz zugefroren sein würde und das war das deutlichste Zeichen für die Wölfe, zu ihren unermüdlichen Streifzügen aufbrechen zu müssen. Sie schluckte, versuchte sich wieder ganz auf die Schönheit zu konzentrieren und nickte.

“Weißt du, dass du darauf rutschen kannst, als würdest du fliegen? Mich wird es noch nicht tragen, dafür ist es zu dünn, aber du könntest es versuchen …“

Aber da war ja noch diese Überraschung. Tyraleen war sich immer noch nicht sicher, ob sie sie wirklich sehen wollte oder ob sie überhaupt existierte. Vielleicht war Isaí ja auch ganz froh, wenn er noch etwas Zeit zum darüber Nachdenken hatte, wo er sie hinführen könnte.

“… deine Überraschung läuft doch nicht weg, oder?“

Der weißen Leitwölfin war ist nicht bewusst, aber ihr Großneffe hatte es bereits geschafft, sie abzulenken, dachte sie doch nun über die Dicke des Eises nach und über Isaís Überraschung, ob sie nun existierte oder nicht. Was für ein Glück hatte sie doch, einen zwar noch kleinen, aber geistig schon so großen Wolf an ihrer Seite zu haben, dessen Freundschaft schon jetzt so viel wert war. Das war ihr in diesem Moment zwar kaum bewusst, dennoch lag ihr Blick liebevoll auf dem kleinen Roten und sie wünschte sich, er würde die Dunkelheit der Welt niemals kennenlernen.


[ Rudelplatz | Isaí ]

Parveen
18.08.2012, 13:03

Parveen ließ weiter den Blick schweifen und blieb an einem schwarzen Rüden hängen, der auch sie beobachtete. Oder besser: Caylee unauffällig ansah. Es war der Wolf, der auch vor ein paar Tagen bei ihnen war und für die verletzte Wölfin einen sicheren Platz gesucht hatte. Bei dem Gedanken und der Tatsache, dass sich der Schwarze langsam auf den Weg zu ihnen machte, stellten sich Parveens Ohren interessiert nach vorne. Noch war er ein gutes Stück entfernt und da auch Caylee den Kopf gehoben hatten und sie ihren Blick spürte, wandte sie den Kopf zu ihrer Nichte. Diesen Ausdruck in den Sternenaugen hatte sie noch nie gesehen und das Band, welches sich langsam zwischen den beiden Fähen spannte, zog sich noch stärker und wurde dicker. Es wurde mit jeder Geste und jedem Blick beständiger, auch wenn keiner der beiden etwas sagte. Auch in Parveens blauen Augen flackerte die Dankbarkeit auf. Allein durch die Anwesenheit der jungen Fähe, fühlte sich die Wölfin dazugehörig. Noch vor so kurzer Zeit, war sie selbst eine Fremde, eine Gestalt am Rande des Rudelplatztes und nicht mehr als eine schattenhafte Erinnerung in den Gedanken der Wölfe. Jetzt gab es jemanden, den sie 'Freund' nennen konnte und der sie vielleicht auch so bezeichnete. Ein Wesen, mit dem sie Zeit verbringen konnte und mit dem sie reden und sich anvertrauen würde. Bei den ersten Worten, die beide während der Unterrichtsstunde gewechselt hatten, hätte sie diesen Verlauf ihrer Beziehung nicht vorher sehen können und sicherlich ging es der Weißen nicht anders.

Krolocks Worte ließen Parveen wieder in der Gegenwart denken und sie drehte das Haupt ihm entgegen. Leicht verengte sie die Augen, als sie ihn ansah. Es war keine Abneigung oder ähnliches, sondern vielmehr versuchte sie den jungen Rüden zu durchschauen. Der Blick von ihm war nur auf Caylee gerichtet, die Wölfin an ihrer Seite beachtete er überhaupt nicht. Es versetzte Pav einen leichten Stich. Auch vor einigen Tagen war es nicht anders gewesen. Dort vielleicht mit dem Unterschied, dass die Abscheu gegen Averic wie Blei in der Luft lag. Gegen sie schien er nichts als Gleichgültigkeit zu empfinden. Als wäre sie Luft, als wäre sie nicht hier.
Die gutmütige Wölfin wollte ihn nicht ebenso behandeln. Sie kannte Krolock nur vom Sehen, hatte sich kein Bild von ihm gemacht und von irgendwelchem Gerede hatte sie sich noch nie beeinflussen lassen. Nach dem jetzigen Stand würde sie sagen, dass er ein unhöflicher Jungwolf war, dem die anderen bis auf eine Ausnahme egal waren und womöglich traf auch genau das zu. Aber es war diese Ausnahme, die sie hoffen ließ. Zu Caylee war er anders. Er sah sie mit einem Ausdruck in den Augen an, der nicht auf Gleichgültigkeit oder Abneigung, sondern dem Gegenteil beruhte.
Die Worte zeugten nicht unbedingt von Sorge. Eher schien als, als sollte nur die Stille damit gefüllt werden. Trotzdem versuchte sich Parveen davon zu überzeugen, dass sich der Rüde Gedanken über das Wohlergehen eines anderen Wolfes machte.
Das Laufen schien ihrer Nichte zumindest gestern wieder leichter gefallen zu sein, auch wenn sie immer noch hinkte. Über mögliche Schmerzen hatte sie nicht gesprochen und auch gegenüber Krolock würde sie gewiss keine Worte darüber verlieren. Die Kälte machte der erwachsenen Wölfin allerdings Sorgen. Gerade bei Verletzungen, lähmten die Minusgrade oft die Glieder und für die Heilung waren sie mehr als hinderlich. Sie überließ Caylee die Antwort und hielt sich selbst zurück. Vielleicht würde sie so etwas genaueres über die Beziehung der beiden heraus finden. Zu gern hätte sie gewusst, wie die beiden Jungwölfe zueinander standen.


{Rudelplatz | Caylee und Krolock}

Malik Hikaji
18.08.2012, 19:03

Er hatte mit irgendeiner Reaktion gerechnet, aber irgendwie nicht mit dieser. So entwich dem Welpen ein überraschtes Japsen, als Amáya ihn sanft mit den Zähnen im Nacken packte und zu sich heran zog. So etwas machte sonst nur seine Mama und das auch nicht mehr oft, seit er und seine Geschwister aus der Höhle heraus waren. Um sie wirklich herumzutragen, waren sie einfach zu schwer geworden. Aber Amáya hatte nicht vor, ihn wirklich anzuheben und er hatte keine Zeit für eine Abwehrreaktion, die er sonst gezeigt hätte. Ehe er es sich versah, saß er mit großen Augen am schwarz befellten Bauch der Wölfin, die ihn direkt darauf auch noch anpustete. Über all diese überraschenden Dinge hatte er glatt vergessen, sich mit Gezitter und Gebibber warm zu halten. Das fiel ihm nun wieder ein und er begann wieder, leicht zu beben und schmiegte sich vorsichtig an den ihm dargebotenen Bauch, der wirklich um einiges wärmer war, als der Rücken der Schwarzen. Bei ihren Worten huschte ein schüchternes Lächeln über sein Gesicht und er stupste ihr dankbar und in unterwürfiger Welpenmanier gegen die Lefzen.

„Wann wird es denn wieder wärmer, Tante Amáya?“

Ein hoffnungsvoller Blick huschte zur Sonne, dann fasste er das Gesicht der Schwarzen wieder ins Auge. Bisher hatte die Sonne die Kälte immer wieder vertrieben und sie war erst in den Nächten zurückgekehrt. Aber schon gestern hatte es der Leuchteball am Himmel nicht mehr wirklich geschafft, das Frösteln der Wölfe zu mindern. Malik glaubte tapfer daran, dass sich das bald wieder ändern würde. Vielleicht war die Sonne einfach müde, obwohl sie nun schon eher schlafen ging als sonst und viel später aufstand. Ob sie krank war? Nun blickte er doch wieder zum Himmel und legte die Ohren sorgenvoll zurück. Das waren sicherlich keine guten Zeichen und er überlegte, seine Tante danach zu fragen. Doch im nächsten Moment brachte sie ihn direkt auf andere Gedanken und wieder sah er sie mit großen Augen an. Festfrieren? Entsetzt hob er eine Pfote, dann die andere, dann eine Hinterpfote, dann wieder eine vordere und schließlich die letzte hintere. Noch waren sie nicht angefroren, aber wenn doch … spontan entschied er, dass der Körper seiner Tante ein besser Platz zum Liegen war als der Erdboden und machte einen Satz auf ihren Rücken, der ihr bei seinem Gewicht wohl zumindest ein Ächzen entlocken dürfte. Er war schwer geworden in den letzten Wochen und schnell gewachsen, aber immer noch klein im Vergleich zu Isaí und mutete fast zart an. Aber wenn ein sieben Kilogramm schwerer Brocken mit Schwung auf einen seitlich liegenden ausgewachsenen Wolf hüpfte, hatte das nichts mehr vom lustigen Spiel federleichter Welpen. Daran dachte Malik aber im Moment nicht, er wollte nur um Engayas Willen nicht festfrieren.
Weil er auf Haut, Muskeln und Fell aber keinen Halt zum Stehen fand, legte er sich sofort hin, bettete den Kopf auf den schwarzen Pelz seiner Tante und beobachtete den Erdboden misstrauisch von oben, als könnte er sich nach ihm strecken.

„Und du? Frierst du nicht fest?“, fragte er und ernsthafte Besorgnis schwang in seiner Stimme mit. Aber seine Tante war ja sooo warm! Wahrscheinlich war sie sogar zu warm, um anzufrieren.
„Wie machst du das denn? Du bist wärmer als die Sonne! Meine Sonnentante.“

Nun strahlte er und schmiegte den Kopf ins kuschelige Fell der Schwarzen. Er hatte einen sonnenwarme Tante, eine Sonnenamáya. Mit der Wärme, die in seinen Körper zurückkroch und die Kälte aus den Gliedern vertrieb, kehrte auch etwas mehr Ruhe zu Malik zurück und ließ ihn nun fast entspannt auf dem Rücken der Fähe liegen, die vier Läufe zu den beiden Seiten herabhängend. Ja, so ließ es sich doch aushalten.


{ Rand des Rudelplatzes :: auf Amáyas Rücken }

Taleesha
20.08.2012, 01:58

Die Nacht war traumlos vorüber gegangen. Taleesha hatte aber auch kaum schlafen können. Sie befand sich in einem schlafend-wachen Zustand, hielt die Augen geschlossen und hatte ihre Ohren für allerlei Geräusche weit geöffnet. Tatsächlich versuchte sie sich von ihren immer wiederkehrenden, rastlos kreisenden Gedanken abzulenken. Sie kamen immer und immer wieder, diese bohrenden Fragen nach dem Warum. Es war in letzter Zeit so vieles passiert, das sie nicht verstehen konnte. Was war geschehen, dass die vertraute, sichere Welt so aus dem Lot gekommen war? Wann würde die Erde unter ihr erneut beben? Wann würden die schwarzen, stinkenden Wassermassen sie wieder verschlingen? Und wer würde das Rudel als nächstes verlassen? Weshalb war plötzlich alles so dunkel und bedrohlich? Und wie lange würde diese starre Kälte andauern?

Als Taleeshas Gedanken die Geräusche um sie her übertönten, entschloss sie sich, einen anderen Weg zur Ablenkung zu suchen. Um sie herum war es ja auch sehr still, es schliefen doch fast alle. Oder? Sie blinzelte kurz und gähnte aus Gewohnheit. So war es wohl, wenn man aufwachte. Selbst, wenn man nicht geschlafen hatte. Dann sah sie sich mit halb zusammen gekniffenen Augen um. Tinca lag nicht weit von ihr. Vorhin hatte sie sich noch an Taleesha gekuschelt. Zuerst hatte jene es genossen, noch dazu wärmte es wunderbar. Doch irgendwann war ihr die Nähe zu viel gewesen und sie rückte Stück für Stück von ihrer schlafenden Schwester ab. Sie wollte ein bisschen mehr für sich sein und weitergrübeln. Sie hoffte schon seit Tagen, in ihrem Träumen die wunderschöne weiße Fähe zu sehen, die ihr begegnet war, als die Wassermassen sie beinahe verschlungen hatten. Taleesha wusste ganz sicher, dass sie ihr noch etwas hatte sagen wollen. Und außerdem konnte sie sich nur noch sehr schlecht an diesen Traum erinnern. War es überhaupt ein Traum gewesen? Es war so wirklich gewesen …

Vielleicht sollte sie mal mit ihrem Bruder reden. Der war schließlich bei ihr gewesen, bevor sie wieder aufgewacht war. Bestimmt konnte er ihr sagen, wie sie reagiert hatte; ob sie im Traum gesprochen hatte oder ob sie danach etwas Wichtiges zu ihm gesagt hatte. Sie selbst wusste es einfach nicht mehr!

Leise erhob sie sich und schlich zum Höhlenausgang. Da ihr rechter Hinterlauf beim Aufprall verletzt worden war, zog sie das unbewegliche Bein ein wenig nach. Sie brauchte nicht lange, bis sie Isaí bei Tyraleen entdeckt hatte und hinkte auf die beiden zu.


[zuerst in der Höhle, dann auf dem Rudelplatz| geht zu Tyraleen und Isaí]

Amúr
20.08.2012, 15:20

Kalt. Es war so kalt. Alle Muskeln schienen einzufrieren. Jegliche Regung wurde im Keim erstickt. Alles schmerzte. Alles wehrte sich dagegen, sich zu bewegen. Auch hatte die graue Fähe nicht den Willen dazu, etwas dagegen zu tun. Sie könnte herum laufen, um diese Kälte zu vertreiben, doch fühlte sie sich zu schwach dafür. Viel zu leer war sie im inneren, als das sie die kriechende Kälte aufhalten wollte. Sie lag nun schon seit Stunden auf der Seite und wehrte sich gegen die Bewegungen, die ihr Körper doch von ihr forderte. Ihre vereisten Muskeln schrien danach, die Position zu ändern. Und doch, bewegte sich nichts. Amúrs Augen waren fest geschlossen, auch wenn sie wach war. Hellwach. Sie konnte nicht schlafen. Nicht jetzt. Nicht, wo sie doch immer wieder diesen Albtraum erleben musste. Das Verschwinden ihres Vaters. Immer und immer wieder sah sie, wie er ging. Sie einfach zurückließ. War er nicht immer der gewesen, der alle besiegen konnte? Der Wolf, den nichts zu Fall bringen konnte? Und nun hatte er sie alle zurückgelassen.
Vielleicht hatten sie ja alle versagt. Für Armúr war es nicht mal mehr ein „vielleicht“. Es stand für sie fest. Hätten sie alle mehr darauf gehofft. Mehr gekämpft. Sie hätten ihm alle folgen können. Hätten alle dort ein neues Leben angefangen. In einem Tal, dass nicht unter ihren Füßen zusammen zu brechen drohte. Wie es wohl dort aussah? Ob dort auch Wölfe lebten, wie sie? Zu gerne würde sie hinterher laufen. Ihrem Vater bei diesem schweren Weg helfen. Aber wie sollte sie dies hinbekommen, wenn sie nicht mal sich selbst helfen konnte? Wollte sie nicht immer stark für die anderen sein? Wollte sie nicht, dass die anderen sich an sie lehnen konnten? Aber was hatte sie getan? Ihre eigene Schwester angegriffen, in einem Moment der überfließenden Gefühle. Sie war einfach geplatzt. Wie irrational von ihr. Es war dumm von ihr, zu glauben, dass sie jetzt schon stark genug für sie alle war. Sie musste ihre Gefühle in den Griff bekommen. Musste sie wegschließen. Alle Emotionen dort verschließen, wo es nun so leer war. Ja. Dann würde es nicht mehr weh tun. Würde sie nicht mehr verzehren. Es würde angenehmer werden. Wie damals mit den Stimmen. Sie waren alle weg und es war angenehmer. Auch wenn sie sie immer noch hören konnte, wenn sie wollte. Dies würde sie auch mit ihren Gefühlen hinkriegen. Nie wieder wollte sie jemandem weh tun. Sie sollten alle sicher vor ihren Emotionen sein.

Amúr öffnete ihre Augen. Dieser Entschluss stand nun fest. Tief atmete sie die Luft des Winters ein und ließ die Kälte durch ihren Körper fließen. Die Rauchwolken, die sie wieder auspustete waren größer, als sie sie in Erinnerung hatte. Auch wunderte sie, dass sie überhaupt noch heraus kamen. War sie nicht schon kalt genug? Egal. Die Augen der Grauen wanderten über den Rudelplatz. Sie waren alle so tief gesunken. Die Atmosphäre schien sie alle zu erdrücken. Wie schwach das Rudel doch geworden war.
Die Fähe drehte sich auf den Bauch und versuchte aufzustehen. Doch alles schmerzte. Ihre Muskeln verweigerten den Befehl der Bewegung. Sie waren alle so verkrampft. Trotzdem musste Amúr aufstehen. Musste sich dazu zwingen, weiter zu machen. Auch wenn es wie Blitze durch sie hindurch schoss. Ihre Beine zitterten vor Schmerz und Anstrengung, während sie sich weiter nach oben kämpfte. Wenn sie dies hier schaffte, würde sie sicher auch das mit ihren Gefühlen hinbekommen!
Wo wollte sie eigentlich hin? Ihr Blick war fest auf den Boden gerichtet. Denn sie hatte keine Ahnung. Sie war einfach aufgestanden. Erst als sie wirklich mit allen vier Pfoten den Boden berührte und festen Halt hatte, sah sie sich um. Wohin sollte sie gehen? Eine schwarze Gestalt hielt ihre Augen fest. Malicia. Ihre Tante. Schwermütig schüttelte sich Amúr, ehe sie ehe Beine dazu nötigte, sich zu bewegen. Wie ihre Tante wohl über das Verschwinden Averics denken würde?

„Malicia…“

Amúrs Stimme war eingerostet und zu einem flüstern mutiert, während sie weiter auf die schwarze Gestalt zu trat. Leicht wedelte sie mit ihrer Rute und senkte den Kopf. Amúr wollte ihre Gefühle abschalten, nicht den Respekt vor den Älteren.

„Wie geht es dir?“


[Rudelplatz l Malicia]

Linalee
20.08.2012, 23:39

Sie wollte jemanden, der ihr sagte, dass alles wieder gut werden würde. Und sie wollte ihn jetzt. Linalee war kalt, sie war unausgeglichen, sie konnte nicht schlafen, sie hatte Angst. Stundenlang hatte sie schon hier gelegen, alle möglichen Positionen ausprobiert, versucht, Sternenbilder im Kopf aufzusagen, hatte die Haare an ihrer rechten Vorderpfote gezählt und war irgendwann durcheinander gekommen, hatte von vorne angefangen und war an die Grenzen ihres Zahlenvermögens gekommen. Schniefend hatte die Dunkle ein paar Kiesel über den Boden geschoben, als hatte sie irgendein Muster legen wollen – doch ihr war keines eingefallen, und so hatte sie, enttäuscht von sich selbst, die Steinchen aus ihrer Reichweite gefegt. Mit einem Pfotenschlag. Einfach so weg.
Dass die Erde wieder gezittert hatte, half der Bernsteinäugigen nicht besonders. Sie fürchtete sich davor, wenn Mutter Natur plötzlich beschloss, sich aufzubäumen – so von dem einen auf den anderen Moment. Das war nicht richtig, es gefiel ihr nicht. Es kam ihr falsch vor, irgendwie feindselig, ganz, als wollte man sie loswerden.
Und Linalee wollte nicht losgeworden werden.
Sie wollte lieb gehabt werden, von allen, auch von dem Boden!

Langsam schlugen Pfotenballen nah des kleinen Körpers auf den Erdboden, sie hob den Kopf mit den fledermausartigen Ohren, die müden kleinen Augen nur zu Schlitzen geöffnet. Eine Woge der Erleichterung durchfuhr sie, als sie erkannte, dass es keiner der großen Wölfe war, die sie fürchtete. Nein, es war nur der zweifarbige Chardím, ihr Pate – und vor dem hatte nicht einmal die feige Linalee Angst.
Tatsächlich überkam sie gleich eine Woge von Beruhigung, als er bei ihr ankam und ihren Namen – ihren wunderbaren, neuen Namen! – aussprach. Oh, wenn er nur gewusst hätte, wie sehr sie ihn genau jetzt brauchte! Endlich musste sie nicht mehr neidisch auf Malik sein, weil sein Madoc das letzte Mal bei ihm gewesen war – endlich kam ihr Pate, ihrer, ihr ganz eigener, auch mal wieder zu ihr!

“Chardím“, flüsterte sie durch die Nacht, die Stimme nur das wie das Klingen eines leicht wehmütigen Glöckchens, “ich – ich… glaube, besser.“

Gerade noch hatte sie sich zurückhalten können, nicht wieder die verräterischen drei Worte zu benutzen. Sie hatten ihr schon auf der kleinen, hellen Zunge gelegen, mundgerecht abgepackt, fertig, dass sie sie aussprechen konnte. „Ich habe Angst“ – etwas, das Linalee viel zu oft sagte. Zwar hatte sich die Sheenatochter vorgenommen, es nicht mehr zu sagen – nie wieder! – doch erst jetzt bemerkte sie, wie schwierig das war. Ach, sie war ein hoffnungsloses Hasenherzchen.

“Du… du siehst erschöpft aus.“

Das war eine Feststellung, keine Frage – die Stimme der Unschuld hatte gesprochen. Und doch blickten die Bernsteinaugen, die so müde und matt glommen, nun um einen Funken heller. Sie wollte gern wissen, was ihren Paten so bedrückte – wenn er es ihr denn sagen wollte. Einen Moment kämpfte sie mit sich, dann rutschte das Knäuel in einem Anflug von leichtsinnigem Muteswahnsinn näher an den Zweifarbigen heran. Konnte nur schief gehen oder gelingen. . .


[Quält sich mit der Nacht || erkennt erfreut Chardím]

Amáya
21.08.2012, 12:37

Eigentlich nahm sie den Wechsel der Jahreszeiten einfach so hin. Sie wusste gar nicht, wieso sie das 'eigentlich' überhaupt eingefügt hatte. Jede Jahreszeit hatte seine Tücken, doch war der gefährlichste wohl der Winter. Sie konnte sich erinnern, wie zerfroren Daylight damals gewesen war, als sie sich in den Bergen um sie gekümmert hatte. Fenris, war das lange her. Fast, als wäre es in einem anderen Leben geschehen, als wäre nicht sie es gewesen, die sich rührend um ihre weiße Schwester gekümmert hatte. Ihr Blick verweilte kurz auf den fernen Gipfeln der Berge, kühl und nachdenklich, bevor sie sich wiederwillig von ihrem schneebedeckten Anlitz abwandte. Stattdessen blinzelte ihr Malik etwas verblüfft, wie es schien entgegen, worüber sich Amáya kaum wunderte. Welpe war zwar Welpe, aber sie waren schließlich auch nicht dumm. Jeder Rudelwolf wäre wohl überrascht gewesen, aber sie glaubte auch kaum, dass sie zum Beispiel Averic so zu sich gezogen hätte.
Ein feiner Schmerz durchstach ihre Brust und sie zuckte ein bisschen zusammen. Es würde noch etwas dauern, um sich daran zu gewöhnen, dass Averic weg war. Weg, ohne das Amáya all das geklärt haben könnte, was zwischen ihnen stand. Sie wusste, dass das halbe Rudel betäubt von seinem Fortgang war. Schließlich hatte er, wenn sie sich richtig erinnerte, das Rudel nie verlassen. Für seine Kinder war es bestimmt hart. Doch sie selbst war schließlich auch größtenteils ohne ihren Vater aufgewachsen. Sie mussten einfach ihre Zähne zusammenbeißen und da durch. Da half kein Wimmern, wie die Regennacht dachte. Dankbar, dass Malik sie ablenkte blickte sie wieder zu dem Reinweißen hinab und überlegte kurz, die leftzen dabei leicht verschoben.

"Weisst du Malik, wenn du genau aufpasst, dann kannst du vielleicht merken, dass die Tage immer kürzer werden und die Nächte länger.", fing sie an, nicht sicher, ob sie das so einem kleinen Welpenkopf anständig erklären konnte. "Doch es kommt ein Tag, an dem die Nacht am längsten sein wird und nach diesem Tag werden die Tage wieder länger und die Sonne scheint länger und kräftiger." Für einen Welpen war das vielleicht noch eine Spur zu kompliziert. Sie war nicht gut da drin. Die Stirn runzelnd furh sie fort. "Dann dauert es auch nicht mehr gan so lange, bis es langsam wieder wärmer wird."

Sie blickte den Zwerg prüfend an und musterte seine jungen Züge nach verräterischen Anzeichen seiner Reaktionen. Wahrscheinlich brauchte er erstmal ein wenig Zeit um die Wucht an Information zu verarbeiten, im Moment sah er nämlich eher besorgt aus. Kein Wunder, selbst ihr machte dieser hässlich kalte Wind Sorgen. Wenigstens ein bisschen, eigentlich nur wegen den Welpen. Die Miene ihres Großneffens verwandelte sich plötzlich in eine Maske des Entsetzens und kaum konnte die Regentochter einen anständingen Gedanken fassen, als mit einer ziemlichen Wucht schon eine schwere Masse an Knochen, Fell und Fleisch ihr die Luft abschnürte. Ihr Brustkorb ätzte leicht vor der Last und Amáya sah für eine kurze Weile nur noch Sternchen, dank des Sauerstoffmangels. Angestrengt und ein wenig ärgerlich wandte sie ihren schmalen Kopf zu dem Welpen. Sie war zwar ziemlich muskulös und nicht gerade zerbrechlich, trotzdem war der Welpe ja schon ein ganzes Stück schwer und wenn so einer mit vollem Karacho in sie hineinsprang... Kurz musterte sie ihn noch vorwurfsvoll und schüttelte ihren Kopf tadelnd.

"Deine Großtante zu erdrosseln, also wirklich...", murmelte sie ein wenig grimmig, konnte aber nicht lange böse auf den Kleinen sein. Wahrscheinlich hatte sie ihn ein wenig verschreckt, denn sein volles Misstrauen galt nun der Erde unter ihnen. Zum Glück legte sich Malik hin und verteilte sein Gewicht wenigstens ein bisschen. Erneut ächtzend schob sie sich in eine stabilere Position, ohne Malik dabei niederzuschubsen. "Nein, nein. Ich doch nicht.", antwortete sie ihm ruhig und hoffte, ihn damit von dem größten Teil seiner Sorgen - unnötigen Sorgen - zu befreien.

Das was danach kam, traf sie dann doch noch unerwarteter, als der Hechtsprung auf ihren Körper. Einige Herzschläge lang, schaute sie völlig perplex auf den Weißen, dann wandte sie ihr Haupt schnell ab. Gerührt blinzelte sie ein paar Tränen weg, die ihr in die Augen geschlossen waren und atmete laut ein um sich zu beruhigen. Das war für ihr verdorbenes Herz zu viel. Sie glaubte, sie müsse sterben. Die kleinen Pfoten kitzelten ihre Flanken und sie spürte, wie ein kleines Köpchen mitsamt Schnauze durch ihr Fell flauschte. Malik hatte wahrscheinlich keine Ahnung, dass er seine Sonnentante da gerade ziemlich verlegen gemacht hatte. Sie dagegen versuchte inständig, ihre Maske zu kontrollieren und ihre Aufgelöstheit aus ihren Zügen zu vertreiben. Sonnentante? Sie blickte warm auf ihren Großneffen herab. Dankbarkeit erfüllte sie, schließlich war sie ja eigentlich als Regentochter bekannt. Sonne, Regen. Es hätte keinen größeren Unterschied geben können. Sie fuhr dem Kleinen etwas verlegen durch sein plüschiges Fell, während sie sich plötzlich daran erinnerte, dass sie ja eigentlich auch etwas auf seine Frage erwiedern sollte. Schnell kramte sie in dem Schubfach namens 'Phantasie', der sie sich unbewusst ziemlich oft bediente ( in ihrem Kopf spielten sich fast ständig bizarre Vergleiche ab ).

"Ühm... Weißt du, so genau weiß selbst ich das nicht. Ich glaube mein Fell fängt die Sonnenstrahlen und hält sie ein wenig gefangen um sie dann zu benutzen, wenn ein bibbernder Welpe angetapst kommt."

Wunderbar. Sie setzte dem Welpen wahrscheinlich eine Menge Flausen in den Kopf. Hoffentlich bekam er jetzt keine Festfrier-Paranoia oder versuchte, selbst Sonnenstrahlen zu fangen. Manchmal wollte sie sich selbst liebend gerne einen Stein an dewn Kopf hauen. Fenris schien es nämlich bei dem einen Mal belassen wollen, von der sie freilich immer noch eine Narbe an der Schläfe hatte. Andererseits war es einfach ihre Art, so zu sein. Natürlich, auch erst seit Kürzestem.


{ Malik | erklärt ihm ne Menge | halb erdrosselt | gerührt }

Malicia
21.08.2012, 13:29

Die schwarze Fähe träumte, die Augen unter ihren weißen Lidern zuckten unruhig, drehten sich und kamen nur selten wirklich zur Ruhe. Keiner der Umstehenden konnte ahnen was sich gerade in ihrem Kopf abspielte, welche Träume ihren Geist beunruhigten und welche Gedanken ihr einen ruhigen Schlaf verwehrten. Das ein oder andere Mal zuckten sogar ihre Läufe als würde sie sich vor etwas erschrecken, oder gar vor etwas weglaufen. Auch ihre Ohren zeugen von einem unruhigen Schlaf, sie bewegten sich unruhig zu allen Seiten, fingen jedes Geräusch auf und erlösten die Fähe dennoch nicht aus ihrem Traum, der für sie mehr und mehr zum Albtraum zu werden schien. Die Fähe jagte nicht, auch wurde sie nicht von etwas verfolgt, zumindest nicht bildlich betrachtet. In ihrem Traum befindet sie sich mit ihren Geschwistern auf einer Lichtung. Die älteren Wölfe dösen irgendwo am Waldrand. Die Welpen toben ausgelassen, sind unbeschwert. Wohlmöglich spielen sie Fangen und dennoch scheint etwas in der Luft zu liegen. Schwarze Wolken ziehen sich am Himmel zusammen, es beginnt zu donnern. Blitze erhellen den Himmel und blenden die jungen Wölfe am Boden. Dann plötzlich erscheint eine schwarze Gestalt am Himmel. Ein riesiger schwarzer Wolf mit ebenso riesigen Augen, sie starren die Welpen an. Und obwohl sie alle eben noch beieinander gewesen waren, fehlte im nächsten Moment jegliche Spur von ihnen. Nicht nur ihre Geschwister waren fort, auch die Erwachsenen. So stand sie dort, allein auf der Lichtung….verlassen.

Mit einem leisen Keuchen erwachte die Schwarze und hektisch huschte ihr Blick durch die Reihen der Wölfe. Es waren alle noch da… sie waren noch hier. Ihr Herz schlug hart gegen ihre Brust und bereitete ihr einige Schmerzen, dennoch zwang sie sich zur Ruhe. Es war nur ein Traum gewesen und mal davon abgesehen, dass Averic das Rudel verlassen hatte waren wirklich noch alle beisammen. Kurz vergewisserte sie sich, dass auch die Welpen auf dem Rudelplatz waren, dann bettete sie ihren Kopf auf ihren Vorderpfoten. Ein leises Seufzen schlich sich über ihre Lefzen als sie die Augen schloss. Es war zwar kalt, aber sie hatte schon schlimmere Temperaturen erleben müssen. Außerdem waren heiße Sommertage manchmal schlimmer als ein paar Wochen im Minus. Wozu hatten sie denn ihre dicken Pelze, ganz sicher nicht um sie zur Schau zu stellen. Trotz ihrer geschlossenen Augen entging ihr nichts, hin und wieder zuckten ihre Ohren unruhig in dem Glauben etwas gehört zu haben. Die ersten Male lag sie damit falsch, aber dieses Mal hatte sie Recht. Für einen Moment hielt sie die Augen noch geschlossen, sie wollte sich selbst auf die Probe stellen und die Stimme einem Wolf zuordnen. Es fiel ihr nicht leicht und sie brauchte eine Weile, doch dann war sie sich ziemlich sicher.

“Amúr..“, sagte sie leise noch während sie ihre Augen öffnete und den Blick zu dem Gesicht der grauen Wölfin hob. Sie bemerkte ihre respektvolle Geste, war sich jedoch nicht sicher wie viel sie davon halten sollte. Den Kopf leicht schief gelegt musterte sie die junge Wölfin für einen Moment und erhob sich dann, um mit ihr auf gleicher Höhe zu sein. Ihre Glieder schmerzten, es fühlte sich an als hätte sie sie seit Wochen nicht mehr gebraucht und dabei sollten sie eigentlich auf Hochtouren laufen. Die schwarze Fähe seufzte und ihre Ohren zuckten leicht, als die leise Stimme ihrer Nichte erneut zu ihr durchdrang. Wie es ihr ging? Eine wahrlich interessante Frage. Ihr Bruder war weg…. fort und sie wusste nicht ob er je zurückkehren würde. Aber sollte sie darüber traurig sein? In letzter Zeit hatte sie nicht mehr sonderlich viel mit ihm zutun gehabt, hatte sich sogar eher von ihren Geschwistern abgewendet. Das war allerdings wohl nicht die Antwort, die Amúr nun hören wollte.

"Ich würde es mal.. 'den Umständen entsprechend' nennen., erwiderte sie kühl und wandte ihren Blick von der grauen Fähe ab, ließ ihn erneut über die anderen Rudelmitglieder wandern. "Du vermisst ihn, oder?" Eigentlich kannte sie die Antwort schon, wollte es dennoch aus dem Fang ihrer Verwandten hören. Averic war ihr Vater, wie könnte es anders sein. Aus den Augenwinkeln betrachtete sie die Reaktion ihrer neuen Gesprächspartnerin, auch wenn sie bezweifelte, dass sie eine passende Frage für diese Konversation gestellt hatte.


{ Amúr | Rudelplatz }

Daylight
22.08.2012, 21:16

Es dämmerte erst, als ein leichtes Beben Daylight aus einem traumlosen Schlaf schüttelte. Der Morgen war eiskalt, doch es fiel kein Schnee, zudem war es ungewöhnlich still, obwohl fast das gesamte Rudel anwesend war – bis auf einen. Averic hatte sich vor fünf Stunden von ihnen verabschiedet und war zu eine mysteriöse Mission gen Norden aufgebrochen. Daylight hatte der Zeremonie recht teilnahmslos beigewohnt, anders, als man es wohl von ihr erwartet hätte, hatte sie nicht versucht ihren großen Bruder und Beta des Rudels zum Bleiben zu überreden. Sie hatte Averic immer geliebt, auch wenn der ihr nie mehr als Abneigung oder Gleichgültigkeit entgegen gebracht hatte, sie hatte versucht seine Sympathie zu gewinnen und war ein ums andere Mal kläglich gescheitert. Ihre Gefühle ihm gegenüber hatte das nie geändert und trotzdem hatte sie keinen weiteren Versuch unternommen seine Freundschaft zu gewinnen. Sie wäre nicht Daylight, hätte sie Averic vollständig aufgegeben, aber auch sie war älter geworden, hatte Erfahrungen gemacht und gelernt den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Sie würde später genug Gelegenheit haben ihn von ihren Qualitäten als Freundin zu überzeugen – später, wenn Averic von seiner Reise zurückgekehrt und alles wieder gut war.
Die Hoffnungslosigkeit der anderen Wölfe aus ihrem Kopf verbannend, erhob Daylight sich von ihrem Schlafplatz, ließ ihren Blick über die Menge schweifen und nicht weit entfernt entdeckte sie Samirez.
Seit der Gänsejagd hatten sie und der Nicht-ganz-Gefährte ihrer Nichte Freundschaft geschlossen und Daylight gefiel es Zeit mit Samir zu verbringen. Der junge Rüde strahlte eine Unbeschwertheit aus, die unter den anderen Wölfen nur noch selten zu finden war, und die sie brauchte, um nicht im Pessimismus ihrer Rudelgefährten unter zu gehen.
Mit einem unbestimmtem Lächeln auf den Lefzen näherte Daylight sich ihrem neuen Freund und ließ sich stumm neben ihm nieder. Die klirrende Kälte war allgegenwärtig, aber es war nicht nur die Temperatur, die sie frieren ließ, es war auch die Ungewissheit. Allein Engaya wusste, was als nächstes geschehen würde, welche Naturkatastrophen noch aus standen, oder wann Averic zurückkehren würde.

„Schon komisch“, sinnierte Daylight schließlich laut, „Eigentlich dürfte es gar nicht auffallen, dass Averic nicht mehr da ist, der Gesprächigste war er schließlich nie. Aber kaum ist er weg, ist die Stille fast nicht auszuhalten.“

Sie sprach die Worte nicht direkt an Samir gewandt, blickte ihm dann aber in die Augen, als erwartete sie eine Antwort auf ihr mehr oder weniger Selbstgespräch.
Natürlich war es nur so daher gesagt, aber es war genau das, was Daylight gerade brauchte – ein belangloses Gespräch, das sie vom Ernst der Lage ablenken würde, auch wenn es eigentlich genau darauf zu steuerte.
Sie lächelte ein wenig mehr, während sie den jungen Rüden kurz musterte. Ahkuna sollte sich bloß nicht zu viel Zeit lassen aus ihrem Fast-Gefährten einen Ganz-Gefährten zu machen, nicht, dass sie selbst – Daylight – interessiert gewesen wäre, aber es gab bestimmt einige Wölfinnen im Rudel, die Gefallen an einem hübschen, charmanten Rüden wie Samir, fanden.

{bei Samirez am Rande des Rudelplatzes}

Kisha
23.08.2012, 15:04

((Rock your Body right! x) ))

Fast ein wenig abwesend ließ Kisha den Blick schweifen, verdrehte dabei leicht die Ohren. Sie hatte keinerlei Probleme damit, diesem Rüden ihre Geschichte zu erzählen, keinen Grund sich dafür zu schämen. Manch ein Wolf wollte etwas verheimlichen, wollte nicht, dass alte Wunden wieder aufgerissen wurden. Aber für sie... es war in Ordnung. Sie hatte jetzt ihr richtiges Leben wieder gefunden, hatte den Ort gefunden, an den sie gehörte, die Familie, die ihre war. Und so ruhten die braunen Augen auf dem bunten Rüden, betrachteten ruhig seine Reaktion. Bei seinen Worten wurde das Lächeln auf ihren Lefzen ein wenig wärmer, und sie schüttelte leicht den Kopf. Da gab es nichts zu entschuldigen.

Keine Sorge. Ich hätte dir das nicht erzählen müssen, wenn ich nicht gewollt hätte. Du musst dir keine Gedanken darum machen. Aber ich bin genauso glücklich darüber, meine wahre Bestimmung gefunden zu haben. Bei meiner Familie. Meine richtige Familie.“

Die letzten Worte wurden von einem leisen, zufriedenen Seufzen begleitet, war es doch das, wonach sie sich so lange gesehnt hatte. Selbst, wenn sie für einige Zeit nicht genau hatte sagen können, wonach ihr Herz geschrien hatte. Aber so beruhigte es die schwarze Fähe, keine Abneigung in den blauen Augen Chivans zu erkennen, kein verurteilender Blick. Sie selbst hatte sich mit ihrer eigenen Geschichte abgefunden, akzeptierte es so, wie es war. Aber für manch einen Wolf schien das alles so unglaublich, so fern. Aber ebenso schien der bunte Rüde ein guter Gesprächspartner für eben dieses Thema zu sein. Er schien sich wirklich gut mit den Göttern auszukennen, und die Ruhe, die er in diesem Moment ausstrahlte, schien auch auf die dunkle Wölfin überzugehen. Chivan selbst erhob sich nun, ließ sich auf die Hinterläufe sinken und ließ den Blick schweifen. Kishas helle Augen folgten seinen, jedoch ohne Ziel und festen Ort. Schließlich musterte sie wieder den Bunten, bis sein Blick den ihren traf. Mit dem nächsten Atemzug griff er wieder das Thema der Götter auf, ließ Kisha damit noch einmal ruhig nicken. Für sie war es so unvorstellbar, die Existenz der Götter anzuzweifeln. Für sie waren sie eine Zuflucht, etwas, an das sie immer glauben konnte.

Kannst du dir vorstellen, wie es war, bevor die Götter da waren? Ich habe oft darüber nachgedacht, wie die Welt war, bevor es Leben und Tod gab‘. Aber trotzdem ist es irgendwie... unvorstellbar.“


[Rudelplatz – Chivan]

Turién
24.08.2012, 22:25

Es wird immer kälter.

Die Worte seiner grauen Schwester hallten in seinem Kopf nach. Wie Recht sie doch hatte. In jeder Art, die man diese Worte auffassen konnte.
Er beobchtete die warme Atemwolke, als er ausatmete. Es war kalt. Überall. Draußen und innen. Tief in seinem Innersten. Wo war der Frühling, die Freude und die wärmende Sonne, wenn man sie brauchte? Doch, wenn er ehrlich zu sich selbst war, hatte er kaum Hoffnung, dass der Frühling die Kälte in seinem Herzen zum Schmelzen bringen konnte. Er bemerkte kaum die Berührung Atalyas, völlig in Gedanken versunken, und sie im letzten Moment verwirrt anstarrend, bevor er realisierte, dass alles in Ordnung war. Oh, wo war er nur mit seinen Gedanken.

Sein Blick wanderte kurz über den Rudelplatz - um nur trostlose Gestalten zu erkennen. Sie waren allesamt erbärmlich, er selbst eingeschlossen. Antriebslos und schwach. Ach, wie stolz er war ein Wolf zu sein...

"Meinst du ich kann verschwinden, ohne dass irgend jemand sich aufregt?"

Er wusste nicht, ob Tyraleen wohl etwas dagegebn haben würde, wenn das Rudel sich wieder spaltete... es war eine seltsame Situation, und so wie er die Sache einschätze, waren sie immer noch alle beisammen... er wusste nichts mit sich anzufangen. Trost spenden konnte er nicht, jagen konnte er nicht, Nerúi suchen konnte er nicht... und all diese deprimierten Gesichter zu sehen machte es auch nicht besser. Zu verschwinden schien ziemlich verlockend. Doch antriebslos wie er war, erschien ihm der weite Weg zu seinem geliebten Himmelsfelsen auch nicht sonderlich einladend.


[Rudelplatz – Atalya]

Isaí Caiyé
25.08.2012, 21:08

Wie einfach es für ihn doch war, das Gefühl von Hilflosigkeit und Nutzlosigkeit zu verdrängen, nun, wo er wieder in dem Glauben war, etwas bewirken zu können. Er gab sich alle Mühe, irgendwie wieder ein Lächeln auf ihre Züge zu zaubern und ihr die Sorgen zu nehmen, die auf ihr lasteten und die er sicherlich nur in einem geringsten Teil wirklich verstehen konnte. Wobei er nicht wirklich davon überzeugt war, dass er ein ehrliches Lächeln auf ihren Lefzen sehen würde – er hoffte da viel mehr auf seine Urgroßmutter und so lange, bis sie ihm zur Hilfe kommen konnte, lag es eben an ihm, sie solange zumindest nicht allein zu lassen. So überzeugt er sonst auch von sich war – in diesem Fall wollte er sich kein bisschen auf sich selbst verlassen und war froh, dass er sich sicher sein konnte, Banshee würde ihm helfen. Oh ja, die Geschehnisse der Nacht hatten an seinem Selbstbewusstsein genagt, doch Isaí war zu ehrgeizig, um sich davon in die Knie zwingen zu lassen. Und wenn seine Aufgabe nur darin bestand, sich um Hilfe zu kümmern und nicht selbst zu helfen. Der Gedanke an eine glücklichere Tyraleen tat auch seinem Seelenheil gut und würde ausreichen, den jungen Wolf wieder beruhigter und sicherer zu stimmen. Denn im Augenblick überspielte er tatsächlich ein klein wenig die zurückgebliebene Unsicherheit. Er wollte so schnell wie möglich zu seiner Urgroßmutter – doch die Worte der hellen Leitwölfin führten ihn dann doch in Versuchung.

Er blieb stehen und reckte neugierig die Nase in die Richtung des glitzernden Eises am Ufer des Sees. Zögernd wog er ab, ob es nun besser war, weiter ihres Weges zu laufen, oder ob sie nicht doch Zeit hatten, sich das Ganze mal näher anzusehen – denn der Gedanke, auf dem Wasser stehen zu können, weil es glitzerte, war unheimlich verlockend. Und dazu sollte es sich noch anfühlen, als würde man gleich einem Vogel fliegen! Nein, ganz ehrlich, welcher Welpe hätte bei solch einem Angebot widerstehen können? Obwohl er sich innerlich also eigentlich schon längst entschieden hatte, spähte er prüfend zu Tyraleen auf, um zu sehen, ob sie nicht doch eher so wirkte, als wolle sie nun direkt seine ‚Überraschung‘ sehen. Allerdings – als hätte sie es geahnt – folgte schon sogleich ihre Nachfrage und sein Welpenverstand schloss, dass es okay war, wenn sie das Ganze etwas nach hinten verschoben.

„Ein bisschen kann sie wohl warten.“, stimmte er ihr dann mit einem zaghaften Lächeln zu und schnippte mit einem Ohr, ehe er sich gänzlich dem Eis in Ufernähe zuwandte. „Und du glaubst wirklich, dass ich darauf stehen kann?“

Vielleicht hätte es unsicher gewirkt, hätte er nicht zeitgleich schon die letzen Wolfslängen zum Seeufer überwunden und vorsichtig eine Pfote darauf gesetzt. Es musste merkwürdig aussehen, wie sich der kleine Welpenkörper nach hinten neigte, um sein Gewicht nach hinten zu verlagern, während er die Pfote prüfend auf der Eisfläche aufsetzte. Und kaum stand sie, folgte auf die zweite Pfote – den Vorderkörper Richtung Boden gedrückt und den Hinterleib höher als der Rest. Leise knackte es unter ihm, doch alles in allem schien nichts darauf hinzuweisen, dass es nachgeben wollte. Isaí traute der ganzen Sache dennoch noch nicht ganz, immerhin war es unvorstellbar für ihn, warum der See plötzlich so stabil war, dass er ihn tragen würde. Und schließlich folgte auch der erste Hinterlauf ganz vorsichtig, ehe er auch die letzte Pfote weitaus sicherer nachsetzen wollte, doch da geschah das, was Tyraleen wohl angedeutet hatte. Seine Vorderläufe rutschten weg und kaum hatte sich der rote Wolf versehen, lag er bäuchlings auf der Eisfläche. Einen Herzschlag lang blinzelte er irritiert, bis er den Kopf zu der Leitwölfin herumwandte und ihr grinsend entgegensah, bevor er sich an den Versuch machte, sich wieder auf die Läufe zu kämpfen. Und in just diesem Moment erkannte er weiter hinten die Gestalt einer Schwester auf sie zulaufen. Ha! Wenn sie ihm nicht helfen konnte, Tyraleen aufzuheitern oder zumindest zu Oma Banshee zu bringen, wer dann?

„Jetzt weiß ich, warum wir nicht zum Fliegen gemacht sind!“, verkündete er und seine Pfoten rutschten wieder etwas weg, bis er wackelig wieder auf allen Vieren stand.



{ rudelplatz | tyraleen und taleesha in sicht}

Chivan
25.08.2012, 21:50

Es ging ihm hierbei nicht um irgendwelche Wunden – es ging ihm schlicht um die eigene Überzeugung, dass eine Geschichte, dass die Herkunft und alles, was damit zusammenhing, nicht unbedingt für jederwolfs Ohren gedacht war. Es war etwas Persönliches und dies setzte zwangsläufig eine unsichtbare Grenze voraus, die ein Fremder in seinen Augen nicht achtlos übertreten durfte. Chivan war kein Wolf, der anderen zu nahe treten wollte. Er blieb meist auf Abstand – innerlich, sowie bei jeglichem, was mit privaten Dingen zu tun hatte, eben um genau diese Grenze nicht zu überschreiten. Doch Kisha war abermals ein Wolf, der bewies, dass jedes Individuum eine eigene Grenze setzte und die Dunkle schien unheimlich offen diesbezüglich. Sie hatte bereits vorher den Eindruck gemacht, doch bloß, weil sie es für kein Vergehen hielt, hielt es ihn nicht davon ab, sich dafür zu entschuldigen. Er sah es nicht als selbstverständlich an, dass sie ihm so offen gegenüberstand und das war etwas, was sie ruhig wissen konnte. Interessiert lagen seine hellen Seelenspiegel auf ihrem Antlitz, als er den Kopf leicht zur Seite neigte und sich wieder ein deutliches Lächeln auf seine Lefzen stahl.

„Aber manchmal ist Blut doch nicht dicker als Wasser.“, warf er abschließend ein und ließ offen, was genau er damit meinte.

Es war gewiss keine abwertende Aussage gegenüber ihrer Familie – er betrachtete schlicht seine eigene Lage. Die dunkle Fähe konnte sich glücklich schätzen, solch eine große, verlässliche und offenherzige Familie zu besitzen, wie sie Chivan nur selten begegnet waren. Sie konnte sich glücklich schätzen, keinen Zwist in den eigenen Reihen zu haben und offenbar an jeder Ecke auf Unterstützung zu treffen, wo man sie brauchte. Er hegte keinen Zweifel daran, dass Kisha dies gewiss zu schätzen wusste und er gönnte es ihr auch von ganzem Herzen – sie gehörte ohne Frage zu der Art Wolf, die so etwas verdient hatten und es niemals mit Pfoten treten würden. Sie wusste, dass es nicht selbstverständlich war und das zeichnete sie hoch aus. Er beneidete sie nicht um den Umstand, dass sie ihren Platz in dieser Welt gefunden hatte, während etliche noch danach suchten – sie war schlicht eine Wölfin der Sorte, der man es einfach gönnte. Umso erfreuter war er, sie in diesem Augenblick etwas von ihren Sorgen ablenken zu können durch dieses interessante Gespräch über die Götter, welches sie kurz darauf wieder aufnahm. Die Augen des Hünen folgten kurz den Gestalten eines der Welpen und Tyraleens, die sich inzwischen erhoben und gen See bewegt hatten, ehe er sich wieder vollends an Kisha wandte.

„Ich denke, es war ziemlich… chaotisch.“ Er schenkte ihr ein Grinsen, ehe er den Pelz sitzend kurz schüttelte und sie dann wieder anblickte. „Nein, ehrlich, ich weiß es nicht. Ohne den Tod würde uns jegliches Gefühl von Furcht fehlen. Es gäbe nichts zu fürchten, immerhin gäbe es nichts, was enden könnte, wenn du verstehst, was ich meine. Und ein Wesen ohne Furcht, weiß in meinen Augen auch nicht, was ehrliches Glück ist, was Mut ist und was es heißt, Stolz zu empfinden, weil man sich einer Angst entgegengestellt hat.“



{ rudelplatz | kisha }

Averic
27.08.2012, 16:22

In dem Moment, als die Steinlawine losbrach, versuchte Averic noch, sich mit einem Sprung in Sicherheit zu bringen, aber da war nichts, was ihm Sicherheit hätte bieten können. Der Boden wurde unter seinen Pfoten weggerissen, ganz ähnlich, wie es damals schon bei dem Erdbeben der Fall gewesen war. Nur, dass er jetzt nicht einfach liegen blieb und dessen Ende abwarten konnte, nein, er wurde erbarmungslos mitgerissen. Wenige Herzschläge lang war der pechschwarze Rüde noch dazu in der Lage sich mit angespannten Gliedern und Pfoten festzuhalten, aber er konnte keinen Halt finden. Das wäre niemandem möglich gewesen.
Während der wenigen Sekunden verspürte der Todessohn keinerlei Furcht, oder Schrecken. Kalte Wut kribbelte ihm im Nacken ob dieses lästigen Ereignisses. Er befürchtete keine Sekunde lang, dass hier das Ende auf ihn warten würde, dazu war Averic viel zu sehr davon überzeugt, dass Fenris das nicht zulassen würde. Es sei denn, er hatte ihm eine Falle gestellt, aber das machte einfach keinen Sinn. Er war einer Naturgewalt ausgeliefert, keinem göttlichen Hinterhalt. Mit den Vorderpfoten versuchte er etwas Stabiles, unbewegliches zu ergreifen, aber es gelang ihm nicht. Der reißende Steinstrom warf ihn letztendlich gegen einen großen Felsen und ließ weiteres Geröll nachkommen. Spitze Kanten ratschten an seinem Fell entlang und hinterließen kleine Kratzer an seiner Schnauze, oder prallten schmerzhaft gegen seine Schulter, aber irgendwann gesellte sich kein neuer Druck mehr dazu. Nach dem Donner folgte die Stille und man hörte nur noch leise, wie kleine Steine über andere Steine hinweg rollten. Averic öffnete langsam die Augen wieder, die er schützend geschlossen hatte. Zuerst sah er nichts, konnte nur das Gestein spüren, welches sich gegen seinen Körper drückte. Ein dumpfes Grollen verließ die Kehle des Pechschwarzen und zunächst versuchte er herauszufinden, wie weit er sich bewegen konnte. Er zog sich mit den Vorderpfoten nach vorne, drückte die Hinterhand hoch und schob ein paar der Felsen weg, die ihn stellenweise begruben. Und nun? Da vorne war ein kleiner Spalt hellen Lichtes. Mühsam, versuchte er sich vorzuarbeiten und musste schließlich feststellen, dass auch der andere Wolf hier unten mit ihm eingesperrt war. Wunderbar. Ein Übel kam selten allein. Und der Spalt war nur ein lachhaft winziges Loch. Stummes Zähnefletschen, dann wandte er den Blick ab und in die Dunkelheit. Seine Augen mussten sich daran gewöhnen, er musste die Felsen sehen können. Irgend eine Möglichkeit musste es geben, sich hier wieder heraus zu schaffen und sich dabei nicht noch tiefer ins eigene Grab zu schaufeln.



[ Verschüttet | Cairtír ]

Chardim
27.08.2012, 16:44

Den Kopf auf dem kalten Boden gebettet drehte er die Ohren seiner kleinen Patenwelpin zu, auch wenn die zweifarbigen Augen vorerst nur leer ins Nichts führten. Er fühlte sich endlos müde und erschöpft. Aber wenigstens milderte die Gesellschaft der Kleinen und die Nähe ihres warmen Körpers ein bisschen das wehe Pochen in seiner Brust. Erst als Linalee auf seine Frage reagierte, schielte er aus den Augenwinkeln zu ihr hinüber. Schwerfällig hob er dann den Kopf, um sie direkt ansehen zu können. Sie sah wie immer etwas unsicher aus und Chardím war sich auch nicht sicher, wie überzeugt die Welpin von ihren eigenen Worten war. Aber in dieser Situation war der schwarzweißgefärbte Jungwolf nicht in der Lage den Unterschied zu erkennen.

Das finde ich schön.“,

antwortete er und meinte es wirklich so. Wenn es irgend einem nach all den Ereignissen besser gehen konnte, dann war das schon viel wert. Nur ihm, ihm und seiner Familie ... ihnen ging es eindeutig schlechter. Und nach diesem Traum – er fühlte sich elend. Und scheinbar so furchtbar elend, dass es sogar Linalee auffiel. Wenn selbst ein Welpe die Erschöpfung in ihm erkannte, dann musste er wirklich nicht in Ordnung sein. Chardím seufzte und ließ den Kopf wieder sinken, nun auf eine seiner großen Pfoten, so seiner Patenwelpin immer noch zugewandt.

Naja ... ich habe ziemlich mies geschlafen. Und dass mein Papa weg ist, macht mich traurig.“

Zuerst wollte er es nur bei dem ersten Satz belassen und Linalee nicht damit belasten, dass er traurig war, aber dann war der zweite Satz einfach schon ausgesprochen, ohne dass er großartig Kontrolle darüber gehabt hätte.



[ Rudelplatz | Linalee ]

Atalya
28.08.2012, 13:12

Atalya blickte ihren Bruder still an, erkannte in den Augen des Silbernen den selben Schmerz, der in ihrem Inneren wütete. Zuerst reagierte er nicht einmal auf ihre Berührung, starrte sie dann nur überrascht und in Gedanken versunken an. Was war bloß geschehen, dass sie so leiden mussten? Was war aus den sorglosen Welpen geworden, die an ihre Eltern gekuschelt aufwachten, und den Tag hatten genießen können, ohne dieses erdrückende Gefühl von Leid. Es schien, als seie davon Nichts mehr übrig, als hätte man sie alle in die Dunkelheit gestoßen und ohne Hilfe zurück gelassen. Und die Welt wirkte, als könne sie nicht dunkler werden.
Als Turién den Blick nun schweifen ließ, folgte auch seine Schwester diesem Blick, betrachtete die anderen Wölfe, in deren Gesichtern die selbe Hoffnungslosigkeit lag. Es war ein grausames Bild und es hatte Nichts mehr von dem Glück, an das sie sich erinnerte, wenn sie an ihre Welpenzeit zurück dachte. Automatisch suchte der helle Blick nach Madoc, einem ihrer letzten Lichter in diese Dunkelheit, die sich immer mehr wie eine Schlinge um ihren Hals legte. Von den Worten ihres Bruders aufgeschreckt wandte die Graue schließlich den Kopf herum, betrachtete ihren hellen Bruder ruhig. Ob es auffiel, wenn er verschwand? Die rötlichen Augen der Fähe senkten sich auf den Boden, ein leises Seufzen entfloh ihrem Fang.

Wohin willst du gehen? Meinst du, es hilft, wegzulaufen?“

Ihre Stimme blieb ruhig, und einen Moment dachte sie noch nach, ehe sie schließlich auf seine Frage antwortete.

Ich glaube nicht... es wird langsam alles egal.“

Damit atmete die Graue tief durch, ließ den Blick noch einige Momente auf dem Silbernen ruhen, ehe sie den Kopf abwandte, den Blick ziellos schweifen ließ. Es fühlte sich wirklich so an, als könne es in diesem Moment nicht mehr schmerzhafter werden.


[Rudelplatz – Turién]

Malik Hikaji
28.08.2012, 23:28

Malik lächelte nun ununterbrochen, auch wenn Amáya nicht die Begeisterung an den Tag legte, die er von den anderen Wölfen gewöhnt war. Abgesehen mal von Atalya. Alle Wölfe waren hier auf ihre Art und Weise nett und lieb zu ihnen, er kannte es nicht anders. Und für ihn war es eine willkommende Abwechslung, dass die Schwarze nicht übersprühte vor Freude, Begeisterung und Energie wie Avendal letztens oder seine Oma. Mit ihrer ruhigen Art erinnerte sie ihn an Madoc. Die Ohren des Welpen zuckten ruhelos nach hinten, nach vorn und wieder zurück, als würde er ständig Geräusche hören, die er nicht verpassen durfte. So vollkommen und ganz war er also noch nicht auf Amáya fixiert, aber vielleicht war das ihr Glück. Der kleine Weiße wusste, wie man jemandem sehr lange, sehr ausdauernd und sehr intensiv auf die Nerven ging. Zwar tat er das nicht aus böser Absicht oder wirklich bewusst, aber er hatte eine gewisse Hartnäckigkeit entwickelt, wenn er denn wollte. Ebenso aber konnte es nerven, wenn er so unglaublich sprunghaft war und kaum stillsitzen oder zuhören wollte. Im Augenblick war ihm aber zu kalt, um in eines der beiden Extreme zu schlagen. Er spitzte interessiert die Ohren, als Amáya ihm seine Frage beantwortete und dazu noch etwas erklärte, das er nicht verstand.

„Warum?“, gurrte er sofort glücklich, ohne eine der unterschiedlichen Antworten speziell zu meinen. Warum das alles? Er wollte es erklärt haben, auch wenn er es gar nicht verstand.

Trotzdem musste er sich anschließend auf seine Tante stürzen, weil die ihm doch Angst einjagte mit ihrer „Drohung“. Sein eigenes Gewicht einzuschätzen war nichts, was der Welpe schon beherrschte, dafür war er einfach bisher zu klein gewesen. Er war der Zwerg, der Winzling, das Leichtgewicht, das sich über so etwas keine Gedanken machen brauchte. Die Erwachsenen spielten mit ihnen, hoben sie hoch und trugen sie von Gefahren und unerlaubten Orten fort, man durfte über sie klettern und an ihnen ziehen so wie man Lust hatte, wieso also sollte es seiner Tante weh tun, wenn er auf ihren Rücken sprang? Ihren vorwurfsvollen Blick verstand er deshalb überhaupt nicht und erwiderte ihn nur mit einem ganz leicht verwunderten, aber doch sehr unschuldigen Lächeln. Ihre Versicherung sorgte schließlich dafür, dass er erleichtert schnaufte, den Boden aber nicht aus den Augen ließ. Er konnte Amáya ja trotzdem noch anfallen, wenn sie beide nicht Acht gaben. Und er sah es nun als seine Pflicht an, seine hilfsbereite Tante vor so bösen Dingen zu beschützen. Es wackelte kurz, als sie sich unter ihm bewegte und er gluckste amüsiert. Fast wäre er wieder aufgestanden, nur weil es dann mehr geschaukelt hätte. Aber er besann sich doch noch darauf, dass er dann womöglich herunterfiel und der Boden sich auf ihn stürzte.
Ihm entging nicht, dass Amáya ein bisschen komisch reagierte, als er weitersprach und sie nach ihrer Wärmespeichergabe fragte. Doch er blinzelte nur, als sie den Kopf wegdrehte und so den Blickkontakt zu ihm für einen Moment unterbrach. Schnell wurde dieser aber wieder hergestellt und es gab keinen Grund mehr für ihn, verwundert zu sein. Stattdessen löste die Schwarze mit ihrer kleinen, ausgedachten Theorie echtes Staunen bei dem Welpen aus, der vermutlich zum ersten Mal in seinem doch bisher kurzen Leben bedauerte, kein schwarzes Fell zu haben. Wobei er vorrangig daran dachte, dass Amáyas Fell einfach ein ganz besonderes war. Ein Sonnenstrahlenfangfell. Er nahm es behutsam ins Maul und zupfte vorsichtig an einigen Strähnen, um sie nicht kaputt zu machen. Auch diese wenigen Haare waren warm und dufteten nach Erde, Regen und Zuhause. Gar nicht nach Sumpf, wie sein eigenes Fell vor einigen Tagen noch. Glücklich schmiegte er sich an Amáya und sah sie zufrieden von oben an.

„Dann bleibe ich jetzt bei dir“, legte er zufrieden fest, schloss die Äuglein und seufzte tief.

Er würde nicht mehr von seiner Tante heruntergehen, bis sie ihn abschüttelte oder ihm zu warm wurde. Dass sie Ersteres tat, konnte er sich nicht vorstellen, Zweiteres aber im Augenblick auch nicht. Zwar wärmten der Körper und das Fell der Schwarzen den durchgefrorenen Welpen auf, aber bis ihm wirklich richtig heiß war, würde es noch lange dauern. Bei den niedrigen Temperaturen der sie umgebenden Luft war es wahrscheinlicher, dass das heute nicht mehr geschah.

„Wieso bist du denn hier allein gewesen?“, fragte er und öffnete die schwarzen Augen wieder, nur um Amáya gutherzig und neugierig anzublinzeln.


{ Amáya :: Rand des Rudelplatzes }

Amúr
29.08.2012, 05:10

Die Kälte war kriechend. Langsam und so unscheinlich. Doch wenn man nicht aufpasste, konnte es einen umbringen. Schneller als man es merkte. Erst würde es die Beine treffen und die Ohren. Die Rute ebenfalls. Alles würde wegfrieren. Das Leben aus den Knochen treiben und jeglichen Atem auslöschen. Aber dieser Gedanke sollte vertrieben werden. Er war so… ermüdend, wenn man drüber nachdachte, dass es schon länger kalt war. Außer im Sumpf. Das Wasser dort war so warm gewesen. Irgendwie sehnte sie sich nach dieser Wärme. Vielleicht sollte Amúr sich an einen anderen Wolf kuscheln? Docht, wollten diese das? Wollte Amúr die anderen mit ihren unwichtigen belangen wirklich nerven?
Es war wohl das Beste, aufzustehen und zu gehen. Wie Averic. Nur ohne solch tiefe Bestimmung. Und ohne Ort, wo sie wirklich gebraucht wird. Dafür konnte sie aber trotzdem hier ein wenig Glück schenken. Auch wenn sie selbst dieses nicht verspürte. Sie selbst war eher leer, als glücklich. Selbst die Stimmen der anderen Tiere schienen verstummt zu sein. Waren sie alle am trauern? Oder war Amúr nur taub für ihre Rufe? Ihre Geschichten über riesige Schatten die sie umbringen wollten und roten Beeren, die besser als das göttliche Ambrosium schmecken sollen.

Malicia schien eine perfekte Ablenkung zu sein. Auch wenn diese wohl keinerlei Lust verspürte auf einen Welpen aufzupassen. Die Graue war immerhin noch so jung und hilflos. Auch wenn man das „Hilflos“ weglassen könnte. Amúr könnte gut auf sich selbst aufpassen. Wenn sie nur nicht so weich vom psychischen wäre. Vielleicht hätte sie dann auch die Kraft, Caylee anzusprechen und sich zu entschuldigen. Doch bis dahin… Sie seufzte und richtete ihre ganze Aufmerksamkeit auf Malicia. Diese hatte sich nun dazu entschieden, ebenfalls aufzustehen. Nun musste Amúr nach oben sehen. Ihre Tante war so viel größer als sie selbst. Es war schon merkwürdig. Ihre Familie war in größenfragen so unterschiedlich. So riesig. Oder so klein.

Malicia schien es also auch nicht so gut zu gehen. Das interpretierte Amúr einfach so herein. Den Umständen entsprechend war schlimm. Mehr als schlimm. Unbeschreiblich schlimm. Kurz sah die Graue ihre schwarze Tante bedauernd an. Irgendwie fühlte Amúr mit ihr und es war angenehm. Jemanden da zu haben, der genauso fühlte wie sie. Das war so… Es gab das Gefühl von Geborgenheit. Sie gehörte dazu. Zu den Wölfen, die sich schlecht fühlte. War ein Teil der Masse. Egal wie sie aussah. Egal wie sie sprach. Egal wie sie mit anderen umging. Unbemerkt und verschwindend. Dieser Gedanke war für sie angenehm.
Die nächste Frage von Malicia erwischte sie kalt. Ihr Fell stellte sich auf und der Unglauben legte sich in die Augen von Amúr. Wollte ihre Tante dies wirklich wissen? Sah man es ihr nicht an, wie sehr sie damit kämpfte? Wie kraftlos Amúr doch geworden war? Machte sich die Schwarze etwa über sie lustig? Auch wenn dies wohl sehr unwahrscheinlich war.

„Soll das ein Scherz sein?“

Amúr war sauer. Sie schüttelte den Kopf und schnaufte.

„Ich habe gerade meinen Vater verloren. Den wichtigsten Wolf in meinem Leben. Glaubst du, dass ich ihn nun vollkommen aus meiner Welt gestrichen habe?“

Sie dämpfte ihre Stimme und entschloss sich dann, ihrer Tante direkt in die Augen zu sehen.

„Ich bin nicht so herzlos wie manch anderer.“

Sie selbst war überrascht, wie viel Verachtung in ihrer Stimme lag. Wie erniedrigend Worte sein konnten. Ohne Vorwarnung trat sie näher und drückte ihren Kopf in das Halsfell ihrer Tante. Ihr Körper bebte, so sehr strengte sich Amúr an, stark zu bleiben.

„Oh Engaya…Er wird nie wiederkommen. Oder? Vermisst du ihn nicht? Dein eigener Bruder ist gegangen.“


[Rudelplatz l Malicia]


(ooc: NICHT auf die Uhrzeit schauen. Und wenn du mich nun nicht lieb hast, weiß ich auch nichts mehr v.v)

Yjel
29.08.2012, 16:17


Die große Gruppe seiner Artgenossen, immer noch fremd und ungekannt, hatte sich aus dem ungemütlichen Sumpf zurückgezogen. Beiläufig erhaschte der Rüde aus einem Gespräch, dass sich das ganze Rudel zum Rudelplatz begeben sollte. Wo genau dieser sich befand, wusste er natürlich nicht. Ihm war die Gegend und das Tal völlig fremd. Ansem zog sich allerdings zurück, anstatt dem Rudel zu folgen. Er hielt es für unangebracht sich ihnen so arrogant aufzuzwängen, als sei es selbstverständlich ihn in ihren Reihen zu akzeptieren. Außerdem sträubte sich etwas in ihm, bei dem Gedanken wieder einem Rudel beizutreten. So war er doch eigentlich aus anderen Gründen hier. Das Leben als Einzelgänger konnte wahrlich nicht als leicht bezeichnet werden, darin hatte der Hüne schon seine Erfahrung gesammelt, aber er hatte sich irgendwie daran gewöhnt - oder abgefunden.

Es waren neun Tage vergangen seit dem der Weiße sich von der Truppe abgewandt und zurück an die Grenze des Territoriums begeben hatte. Diesmal trugen ihn seine Pfoten weiter südlich durch die Berge, die sich am Rand des Tals aus dem Boden stemmten. Imposant und majestätisch ragten sie in den Himmel. Wenn man hoch oben auf ihren Spitzen stand, konnte man das berauschende Gefühl verspüren, den Himmel berühren zu können. Dem Weißen jedoch genügte es ihr Ausmaß von mittlerer Höhe zu genießen.

In der vergangenen Nacht drang ein Heulen an die empfindlichen Ohren des Hünen und er war sich ziemlich sicher es Averic zuordnen zu können. Er war den Spuren des Schwarzen weiter in die Berge hinein gefolgt. Ansem erinnerte sich an die Worte des Todessohnes: Zufälliger Weise hat mir Fenris aufgetragen, diesen Ort in nächster Zeit aufzusuchen. Das Tal der Raben. War es nun soweit?

Ein schallendes Grollen riss ihn aus seinen Gedanken. Erst dröhnen laut, dann schwächer werdend und schließlich wieder verstummend. Es hörte sich an wie Donner, der durch den Himmel fuhr, nur war kein Gewitter in Sicht. Ansem konnte mit großer Sicherheit sagen, dass es aus der Richtung kam in der er den schwarzen Wolf vermutete. Die empfindsame Nase in den Wind streckend, suchte er nach Anhaltspunkten. Seine Ohren zuckten leicht, während er erleichtert feststellte kein Blut zu riechen. Das musste nicht unbedingt etwas heißen, vielleicht war der Rüde auch einfach noch zu weit entfernt von Averic. Ohne weitere Sekunden zu verschwenden setzte der Weiße sich in Bewegung. Er steuerte auf höhere Ebenen zu, denn hier unten sah es nicht nach einer Steinlawine aus – die er vermutete. Weiterhin seiner Nase folgend, überwand er einige größere Felsbrocken, auf denen er bedenkenlos den Berg erklimmen konnte. Wirkliche Bedenken, Averic könne nicht am Leben sein, hatte er nicht. Dafür war er zu sehr an Fenris gebunden, der keine Zweifel zuließ. Dennoch sputete der Hüne sich. Ihm war nicht klar warum, aber er fühlte sich irgendwie dazu verpflichtet.

Nach einer Weile tauchten unzählige Felsscharten vor ihm auf und überall lag Geröll. Ansem schaufte. Wenn der Schwarze hier wirklich von einer Steinlawine erfasst wurde, konnte es ein sehr schwieriges Unterfangen werden ihn ausfindig zu machen.


[Außerhalb des Sternenwindreviers | ganz nah irgendwo Averic und Caitír]

Kirov
30.08.2012, 14:10

Der Gemusterte war ein wenig in seiner Gestalt eingesunken. Er war müde und fühlte sich schrecklich ausgelaugt und zudem fand er einfach nicht die richtigen Wörter, um dieser gläubigen Fähe etwas Mut zu machen. Sein Kopf war wie leergefegt, was mit Sicherheit damit zu tun hatte, dass sein Schlafkonsum in den letzten Tagen erheblich abgenommen hatte. Und so schien die Graue bei seinen Worten nur noch nachdenklicher und ihre darauffolgenden Worten, verstärkten seine Gedanken nur – gleich wusste sie, dass er ungläubig war. Kirov hatte nie mit jemanden groß darüber gesprochen. Vor Daylight hatte er es kurz erwähnt, doch die Fähe war nicht darauf eingegangen. Ansonsten wusste es wohl keiner und so war es ihm auch recht. Wenn keiner es wusste, interessierte sich auch keiner für ihn und damit kam er wunderbar zurecht. Zudem wollte er sich seinen Platz im Rudel nicht streitig machen. Doch langsam begann sein Herz ein wenig schneller zu schlagen. Vielleicht aus Angst vor Kursaís Reaktion? Fast wäre ihm ein frustrierter Laut aus dem Fang geglitten, doch dann fiel sein Blick wieder auf Kursaí. Auf ihre nächste Frage hin, hätte er am liebsten wieder einmal gelogen und das Blaue vom Himmel runtergeleiert – wie sehr er die freundliche Göttin doch ehrte und das es bestimmt der Todesgott war, der da seine Pfoten im Spiel hatte. Doch er fühlte bereits jetzt die Gewissensbisse und er hatte sich vorgenommen, die Ehrlichkeit mehr zu schätzen. Also seufzte er nur, bevor er damit begann, die Wahrheit zu Tage zu führen.

„Unser Glaube unterscheidet sich, Kursaí. Meine Meinung zu euren Göttern ist so viel anders als die von euch. Ich bin nicht in diesem Rudel aufgewachsen, also kann ich nicht sagen, dass mir eure Götter etwas bedeuten. Und um deine Frage korrekt zu beantworten: Nein, ich glaube nicht. Doch das ist nur meine Meinung.“,

Er zuckte ein wenig mit den Ohren und seine himmelblauen Seelenspiegel blickten etwas besorgt in die ebenso blauen von der Grauen. Kursaí wirkte so offenherzig und freundlich und das machte es ihm schwerer, so ehrlich zu ihr zu sein. Er hoffte, dass er sie nicht enttäuscht hatte, obwohl er sich doch ziemlich sicher war, dass sie es die ganze Zeit geahnt hatte. Abermals zuckten seine Ohren und er beschloss, wieder das Erdbeben-Thema in Vordergrund zu rücken. Der unsichtbare Feind konnte jederzeit wiederkommen und es war irgendwie beruhigend, mit jemanden darüber zu reden, der wahrscheinlich genauso viel Angst hatte wie er.

„Denkst du es werden noch mehr von solchen … Dingen passieren? Nur viel schlimmer?“


[Kursaí | Rudelplatz]

Malicia
31.08.2012, 09:19

Da war sie wieder, die altbekannte Verwirrung. Sie hörte die Worte ihrer Nichte und wusste auch, dass diese nicht freundlich gemeint waren, aber sie passten einfach nicht mehr zu ihren eigenen. Hatte sie sich nicht gerade nach dem Wohl ihrer Verwandten erkundigt, gefragt ob sie ihren Vater vermisste? Wieso also sollte sie ihre Frage nur als Scherz gemeint haben? Seit wann war die Schwarze zu Scherzen aufgelegt? Sie dachte wirklich, dass ihre Familie sie inzwischen besser kannte. Mit einem leisen Seufzen schüttelte die Schwarze den Kopf und versuche somit gleichzeitig die Kälte aus ihren Gedanken zu vertreiben. Denn als sie die Wut in Amúrs Stimme vernommen hatte, war auch die eigene zurückgekehrt und hatte sich Platz in ihren Gedanken verschafft. Das Rudel konnte froh sein, dass sie nicht miterleben mussten, welch Durcheinander in ihrem Kopf und Körper herrschte. Wirklich verstehen würden sie es so oder so nicht. Da sie nun allerdings mit ansehen zu müssen wie ihre reservierte Antwort ihre Nichte dermaßen zu treffen schien, begann sie noch einmal über ihre Worte nachzudenken. Sie mussten sich schrecklich angehört haben für einen Wolf, der sich mehr aus der Gesellschaft von Artgenossen machte. Für Amúr war ihr Vater der wichtigste Wolf in ihrem Leben, das hatte sie selbst gesagt. Für Malicia jedoch war Averic nicht mehr als ein Mitglied des Rudels. Nicht mehr und nicht weniger. Die einst so wundervolle Beziehung der beiden war nicht mehr und sollte wohlmöglich auch nie wieder so werden. Sie brauchte gar nicht darüber nachzudenken wer Schuld war, jedoch war es in diesem Fall ausnahmsweise mal nicht nur ihre eigene. Sie hatten sich beide verändert und das wahrscheinlich nicht zum Guten, so viel war zumindest ihr klar. Aber niemand konnte ihr einen Vorwurf machen; niemand der nicht um ihre unbändige Liebe zu ihren Eltern wusste. Jemand der davon weiß, würde ihr auch nie einen Vorwurf machen. Das war eine Logik, die nur die wenigsten verstehen konnten.

Den Blick weiterhin auf ihre Nichte gerichtet seufzte die Schwarze erneut und versuchte hinter den Schmerz in den Augen Amúrs zu blicken. Sie wollte ihr nicht wehtun. Sie wollte niemandem wehtun, warum verstand das denn keiner! "Nein Amúr, aber nicht jeder hat so an deinem Vater gehangen wie du es vielleicht tust.." Eine ehrliche Antwort, mit der sie vielleicht nicht würde umgehen können. Malicias Blick blieb kühl, auch wenn ihre Stimme sanfter und mitfühlender klang als noch zuvor. "Niemand verlangt von dir, dass du ihn aufgibst. Das weißt du hoffentlich..", sagte sie leise und legte leicht den Kopf schief als Amúr ihr beinahe stechend direkt in die Augen sah, dennoch ließ ihr Kommentar sie kalt.

Sollte sie das nun als eine Bestätigung sehen? War sie herzlos und berührten die harten Worte sie deshalb nicht? Normalerweise hätte die Verachtung in der Stimme der grauen Wölfin ihr einen Schauer über den Rücken jagen können, sie hätte vor Reue erzittern können oder gar im Erdboden versinken, weil sie sich schämte. Aber das tat sie nicht. Weder versank sie im Erdboden, noch jagten ihr die Worte einen Schauer über den Rücken. Weit mehr noch verwirrte sie dann jedoch Amúrs nächster Schritt. Sie hätte mit einer weiteren Anklage gerechnet, mit einem strafenden Blick oder sonst etwas in der Art; aber mit Sicherheit nicht, dass sie sich wärmesuchend an ihren Körper presste. Ebenso verwirrt war wohl auch ihr Gesichtsausdruck für einen Moment, wenngleich sie sofort wieder versuchte sich zu ordnen. Den anderen Wolfskörper so an sich zu spüren war ein ungewohntes Gefühl, zu lange hatte sie sich von ihren Artgenossen abgeschottet und ihre Nähe verweigert. Nun da sie sich gar nicht erst dagegen wehren konnte musste sie sich eingestehen, dass es sich gar nicht so schlecht anfühlte. Malicia verharrte einfach ganz still und lauschte dem wilden Herzschlag der jüngeren Fähe ehe sie ihren Kopf auf deren Nacken ablegte und schwer seufzte.

"Das ist schwer zu erklären. Unsere Beziehung hat sich in den letzten Jahren stark verändert." gab sie leise zur Antwort und begann abermals in Erinnerungen zu schwelgen. Zum Glück konnte Amúr ihren Blick jetzt nicht sehen, wie ihre Augen glasig wurden und die Kälte aus ihren Zügen wich. Doch diese Veränderung hielt nur für einige Sekunden an. "Gib ihn nicht auf Amúr, vielleicht kommt er wieder." Sie ließ ihren Kopf auf dem Nacken ihrer Nichte ruhen und schloss für einen Moment die Augen. Ja..vielleicht kommt er wieder..



{ Amúr | Rudelplatz }

Linalee
03.09.2012, 00:10

Er sah müde aus, endlos müde. Linalee kniff die kleinen, bernsteinfarbenen Augen für einen Moment zusammen – hoffend, dass er, sobald sie sie wieder öffnete anders aussah. Doch nein, an Chardíms Zustand schien sich nicht rütteln zu lassen, er wirkte ausgelaugt und seltsam unglücklich. Dass es ihrem Paten so schlecht ging, schüchterte die Kleine sichtlich ein. Sie sah sich kurz um, nicht aufmerksam genug um irgendwas zu erkennen, doch immerhin mit dem guten Gedanken, das auszumachen, das ihm so zuzusetzen schien. Wenn es Chardím so schlecht ging, warum fühlte dann nicht auch sie sich angegriffen? So verletzlich war er eigentlich nicht, zumindest nicht, dass sie wüsste – nein, sie hielt ihn für einen großartigen, zähen Rüden. So, wie die Großen eben waren – sie konnten dieses Erdzittern wegstecken. Sie nicht, dachte Linalee und schluckte beklommen, sie zitterte eher mit.
Dem direkten Augenkontakt zu den zweifarbigen Seelentoren wich sie vorerst aus, doch als sie die ehrlichen Worte des zweifarbigen hörte, konnte sie nicht anders, als sich für einen Moment lang in seinem Blick zu verlieren. Dann huschte der Schwarzen ein kleiner Schauer über den Rücken, sie verzog die Lefzen zu einem kurzen, schüchternen Lächeln, und betrachtete leicht beschämt den Boden.
Ja, es ging ihr besser, eindeutig besser, solange er da war.

Seine nächsten Worte betrübten Linalee, auch wenn sie einen Augenblick lang brauchte, um zu begreifen. Langsam aber sicher wurde ihr klarer, warum Chardím in letzter Zeit so wenig bei ihr hatte sein können – weil er seiner Familie beistehen musste. Sie selbst war ja bei ihrem Bruder und dessen Patenonkel gewesen, als Averic verkündet hatte, dass er das Tal verlassen müsste. Zwar hatte sie ihm nie einen Vorwurf gemacht – weder laut noch leise – aber nun Gewissheit zu haben, fühlte sich besser an. Und schrecklicher: nun wurde ihr bewusst, dass seine Qual nicht so einfach zu nehmen war.
Sie beobachtete ihn einen Moment lang, mit ihren großen, klugen und leider leicht wässrigen Augen, dann nickte Linalee leicht.

“Kann ich… verstehen…“, murmelte sie und blickte Chardím traurig an. "W-wird er… also… kommt… mh…?“

Nein, das konnte sie nicht fragen – sie konnte nicht fragen, ob Averic wohl nie wieder kommen würde! Beklommen starrte sie auf die großen Pfoten des Rüden vor ihr und traute sich nicht, ihre Frage zu stellen. Ach, sie würde die Antwort vielleicht nicht ertragen – und Chardím auch nicht, wenn er es erst einmal aussprechen musste. . .



[versteht Chardím || traut sich nicht nach Averic zu fragen]

Amáya
03.09.2012, 22:10

Ganz so schwer war der Sohn von Jakash dann natürlich auch nicht. Nachdem sie den ersten Schock überwunden hatte störte sie der knochige Körper des Winzlings kaum mehr. Seine kleinen Pfoten streiften ihre Rippen und ausnahmsweise musste sie sich nicht zurückhalten vor einer Berührung zu flüchten. Sie wusste auch nicht wieso, doch mit Welpen war alles irgendwie anders. Mit Welpen konnte sie viel sozialer umgehen, bei ihnen konnte sie sich etwas freier bewegen. Sie unterdrückte ein kleines Seuftzen und ihre dunkelblauen augen glitten über die Vielzahl bibbernder Körper, ohne sie wirklich zu bemerken. Was rätselte sie überhaupt hier herum? Es war jetzt eben so und Schluss. Im Moment hatte sie kaum Lust und Ausdauer, nach irgendwelchen Ursachen zu suchen. Sie bezweifelte, ob sie je wieder den Elan dazu haben würde. Sie atmete ihren angewärmten Atem in den eisigen Wind und beobachtete den feuchten Dunst, wie er in einem weißen Wölkchen davonschwebte und sich irgendwo zwischen Himmel und Erde in Nichts auflöste. Wenn sie ihren Kopf nur ein bisschen zur Seite wandte, konnte sie Maliks strahlendes Lächeln und seine fortwährend aufmerksame Miene. Wenn sie die Welpen heute so ansah, wusste sie inzwischen, was sie damals alles verpasst hatte. Natürlich, sie hatte schon andere Würfe aufwachsen sehen, doch damals war sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt und ignorant gewesen um so feine Dinge zu bemerken. Ehrlich gesagt schämte sie sich oft dafür, wie sie sich früher verhalten hatte. Klar, heute war sie wahrscheinlich keinen Deut besser. Doch sie wusste wenigstens, wenn sie etwas falsch machte. Für andere mochte das vielleicht nicht viel ausmachen, doch für eine so fragile Seele wie sie, war dieses Detail von bedeutender Wichtigkeit. In einer so engen und doch so weiten Welten wie die ihre, mit Winkeln, über die ihre Verwandten nicht einmal zu träumen wagten, war jedes kleine Detail heraustretend und alles was durch die Glaswand drang ein weiterer Tropfen Realität, der sehnsüchtig aufgeschlürft wurde, bis nichts mehr übrig war.

So schnippte ihr schmales Haupt zurück zu dem Schneeweißen und sie nickte sanft. So wie er dreinblickte, hatte er wohl nichts davon verstanden, was sie umständlich erklärt hatte. Nun, sei es drum. Sie runzelte die Stirn und hoffte, sie machte die Dinge nicht noch komplizierter. "Hmm. Schau mal, du musst doch auch nachts schlafen, weil du durch all das Spielen und Toben am Tag müde wirst.", fing sie in einem freundlichen Ton an und sprach bedacht leise. Sie hoffte, er folgte ihren Worten auch wirklich, auch wenn es sie nicht sehr kümmerte, falls ihre Erklärungen für die Katz waren. Sie holte tief Luft und fuhr fort. "Weisst du, die Sonne und die Bäume, sie brauchen auch Zeit um sich zu erholen. Im Moment schlafen sie, alls die Blumen und Bäume. Aber wenn es wärmer wird, werden sie erwachen und quick und munter sein." Erst nachdem sie zuende gesprochen hatte, erinnerte sie sich, dass der Welpe vielleicht noch nie lebendige Pflanzen gesehen hatte. Schließlich war der Sommer eine Art Winter gewesen, wenn sie ihrer Schwester Worte trauen konnte. Sie strich dem Welpen kurz gedankenverloren über den Kopf. Aber anders konnte sie es wirklich nicht erklären. Er würde es eh noch früh genug erfahren, hoffentlich. Sie erwiederte den Blick der kleinem, schwarzen Knopfäuglein und fragte sich, was für ein Wolf später aus ihm werden würde. Doch es war zu früh um so etwas zu fragen und im Gegensatz zu den meisten Welpen hatte sie früh gelernt, dass es nicht für alle Fragen jemanden gab, der sie beantworten würde. Sie beäuge ihn leicht misstrauisch-neugierig, als er an ihrem dunklen Fell zu zupfen begann.

"Denk gar nicht darüber nach, sie zu klauen. Dann verlieren sie nämlich ihre Kräfte.", scherzte sie wieder etwas besser gelaunt und fuhr ihr mit der Schnauze leicht durch das Flankenfell, während er sich noch enger an sie schmiegte. Es war für sie eine seltsame Erfahrung, dass jemand so selbstverständlich mit ihr umging. Ohne Gezwungenes, ohne Hintergedanken. Einfach eine unschuldige, kleine Seele. Etwas, was sie nie gewesen war. Sie kämpfte die Bitterkeit, die in ihr aufstieg nieder und unterdrückte abermals ein Seuftzen. Sie war doch schon längst darüber hinweggekommen, oder? Sie wusste es selbst nicht. Solche Dinge kehrten einfach immer wieder zu ihr zurück und auch wenn sie es längst akzeptiert hatte, machte es sie immer noch traurig. Die Regentochter zuckte leicht mit den Schultern, doch nur so weit, dass sie Malik höchstens ein bisschen dabei kitzelte.

"Weisst du Malik, ich bin oft alleine. Das heißt, es ist völlig normal für mich und es gibt keinen wirklichen Grund.", erklärte sie leise und musterte den Kleinen dabei ein wenig, bevor sie wieder schmunzelte.

Tyraleen
04.09.2012, 18:11

Es machte Tyraleen beinahe ein bisschen stolz, dass sie es in ihrem vernebelten und in Unglück versunkenem Zustand tatsächlich geschafft hatte, Isaí vom Ablenken abzulenken. Der kleine Rote wirkte zwar noch ein bisschen unentschlossen, ob er sich tatsächlich so leicht von seinem edelmütigen Vorhaben abbringen lassen sollte, aber vielleicht überzeugte ihn ja die tatsächlich etwas aufgehellte Miene Tyraleens, der Versuchung nachzugeben und ihrem Vorschlag zu folgen. Er räumte ein, dass die Überraschung durchaus geduldig war – ob nun bereits existent oder nicht – und hatte sich dann bereits ganz dem Eis zugewandt, mit angebrachtem Respekt und unwiderstehlicher Neugierde. Tatsächlich war Tyraleen nicht komplett überzeugt von der Tragkraft des Eises und hätte Isaí sicher nicht darauf laufen lassen, wäre es nicht in so unmittelbarer Ufernähe, dass der Welpe selbst bei einem Einbruch mit seinen langen, schlaksigen Läufen den Boden berühren und somit mit einem gehörigen Schreck davon kommen würde. Sie tappte dem Kleinen einige Schritte hinterher und blieb dann neben ihm am Ufer stehen, seine Verrenkungen schmunzelnd betrachtend. Wie könnte man sich bei solchen Gebärden auch nicht freuen können?

“Vielleicht ist das Eis an manchen Stellen zu dünn, da könntest du einbrechen; aber keine Sorge, dann wird es nur ein bisschen kalt und solange du in Ufernähe bleibst, kann dir nichts passieren.“

Weiter raus auf den See könnte Isaí sowieso nicht, denn die Eisdecke endete relativ früh – es gab also keinerlei Gründe sich zu sorgen. Eine sehr angenehme Abwechslung. So konnte sie dem Welpen schmunzelnd zusehen, wie er eine Pfote nach der anderen auf das rutschige Eis stellte und schnell lernte, dass das Fliegen gelernt sein musste. Die Weiße konnte ein leises, beinahe vergnügtes Auflachen nicht unterdrücken, als sich Isaís Vorderläufe selbstständig machten und den Roten auf den Bauch beförderten. Der sah kurz etwas irritiert aus, ließ sich aber vom Eis nicht unterkriegen, sodass Tyraleen keinerlei Veranlassung sah, einzugreifen.

“Auch Vögel müssen das Fliegen erst lernen. Am Anfang hilft alles Flügelschlagen nichts und doch werden sie früher oder später vom Wind getragen. Du musst nur ein bisschen üben. Versuche dich ganz langsam und fließend zu bewegen und lass die Pfoten immer auf dem Eis stehen.“

Schon ahmte Tyraleen am Ufer die Bewegungen nach, die sie ausführen würde, könnte sie mit Isaí auf dem Eis stehen. Sachte schob sie eine Pfote nach der anderen durch das spärliche Gras und störte sich nicht daran, dass sie vermutlich etwas seltsam dabei aussah. Erst danach fiel ihr auf, dass sich ihnen eine kleine Gestalt näherte und möglicherweise mitspielen wollte. Lächelnd sah sie Taleesha entgegen, mit den Gedanken einmal nicht bei Averic weilend.


[ Rudelplatz | Isaí und Taleesha ]

Caylee
05.09.2012, 12:17

Obwohl Caylee irgendwo spürte, dass Krolock nun auf sie zusteuerte, nahm sie den Blick nicht von ihrer Tante; nicht nur, weil sie nicht gewusst hätte, wie sie dem schwarzen Rüden entgegenblicken sollte. Parveen hatte sich ihr nun ebenfalls zugewandt und auch wenn sie den Ausdruck in den hellen Augen zunächst schwer deuten und dann nicht verstehen konnte, genoss sie den kurzen Moment. Es war Dankbarkeit, die im Blick der Schwarzen ganz deutlich stand, nur verstand Caylee nicht, für was. Warum sollte Parveen ihr dankbar sein? War es nicht allein die Schwarze gewesen, die sich für ihre Nichte eingesetzt hatte und nicht von ihrer Seite gewichen war? Die Wölfin mit den Sternenaugen hatte wenig zu diese Beziehung beigetragen, war zunächst wenig freundlich und danach eher jammernd anhänglich gewesen. Ihr kam nicht in den Sinn, wie viel Parveen der Anschluss an ihre Familie und eine gewonnene Freundschaft bedeuten konnte, allerdings hatte sie auch nicht allzu viel Zeit, darüber nachzudenken. Krolock hatte sich ihnen nun wirklich genähert, sodass Caylee nichts anderes übrig blieb, als ihm doch wieder ihre Blicke zu schenken – jedoch nicht ohne zuvor Parveen kurz an der Lefze zu berühren; eine kleine, zärtliche Geste, möglicherweise normal für viele Wölfe und doch für sie beide so besonders. Dann drehte sie ihren Kopf zu dem unwillkommen willkommenen Besucher und konnte nicht verhindern, dass sein unverwandter Blick ihr gefiel.

“Ja.“,

log sie zunächst reichlich lahm und ärgerte sich sofort, dass ihr Kopf viel zu voll mit Gedanken war, um eine schnippisch gute Antwort hervorzuzaubern. Zum Glück bot ihr Krolock noch eine zweite Möglichkeit, die sie ganz bestimmt nicht verpassen würde.

“Geht so, sicher gut genug, um meine Bekanntschaft mit den Bäumen zu erneuern.“

Sie bleckte grinsend die Zähne, ließ die Lefzen aber bald wieder fallen und ärgerte sich stumm darüber, dass sie Krolock nur zu gerne nach Averic fragen würde. Es war vollkommen klar, dass er ihren Vater nicht ausstehen konnte, aber hieß das automatisch, dass er sich mit allen einhergehenden Konsequenzen über sein Fortgehen freute? Und hatte er nun das Drama in dieser Nacht mitbekommen? Hatte er Amúr gehört? Jetzt loderten die Neugierde und auch der Wunsch, ihre Wut mit jemandem zu teilen, so richtig auf. Wer, wenn nicht Krolock, würde nachvollziehen können, was sie bei dem Gedanken an Amúr empfand? War nicht der Vorfall zwischen den zwei Schwestern eine Art Beweis für Krolocks Thesen? Ihre Ohren drehten sich ganz leicht zurück, nur um sofort wieder nach vorne zu schnippen und schließlich riss sie sich zusammen.

“Warst du heute Nacht in der Nähe?“

Ein erstes, vorsichtiges Austesten. Sie hatte ihn nicht bemerkt, aber das musste überhaupt nichts heißen. Eigentlich schon ab dem Punkt, an dem Amúr ihr ihre Liebe beteuert hatte, war Caylee so fixiert auf einige wenige Wölfe in ihrer Nähe und ihre eigenen Gedanken, dass wohl ein zum Himmel stinkender Varg im Wald hätte hocken können, ohne dass die Weiße etwas davon mitbekommen hätte. Auch jetzt begann ihr Sichtfeld wieder sehr klein zu werden, wollte sie doch den Blick nicht mehr von Krolock nehmen. Parveen neben ihr sagte gar nichts, allerdings wurde sie auch von niemandem beachtet. Wusste sie überhaupt, wer Krolock war? Seinen Namen hatte sie wohl am Tag des großen Erdbebens aufschnappen können, aber welche Rolle er in ihrem Leben spielte, konnte sie wohl kaum erahnen. Nur leider war es Caylee nun nicht möglich, ihr irgendetwas zu erklären, dabei spürte sie schon wie bei Avendal den unterdrückten Wunsch nach einer Vertrauten. Der musste vorerst unterdrückt bleiben und auch sonst sah die Weiße keine Möglichkeit ihre Tante in das Gespräch einzubeziehen – allzu viele Gedanken machte sie sich darüber allerdings auch nicht.


[ Rudelplatz | Parveen und Krolock ]

Tyraleen
05.09.2012, 15:16

SL für Caitír bei Averic und Ansem:

Der graue Rüde Caitír war in etwa genauso hilflos wie Averic, jedoch ohne ein festes Ziel, sodass er weniger grimmig und verärgert, als viel eher nachdenklich und ein wenig unglücklich war. Schweigend beobachtete er den Schwarzen, der sich nun zu einem Felsspalt zwängte, den Caitír selbst zuvor gar nicht wahrgenommen hatte. Kurz machte sein Herz einen Hüpfer, doch die Hoffnung erlosch, kaum dass sich der andere Rüde zähnefletschend abgewandt hatte. Jetzt musterte er ihr steinernes Grab und überlegte sich wohl, was er tun könnte, um zu entfliehen. Dabei hatte er keinen einzigen Blick für Caitír übrig, was den nicht direkt ärgerte, aber stumm dachte er sich, dass sie durch Zusammenarbeit mit Sicherheit mehr Erfolg hätten. Nur weil dieser Schwarze dazu nicht bereit war, würde er sich nicht mit den daraus resultierenden schlechteren Chancen zufrieden geben.

“Wenn wir gemeinsam einen Plan überlegen und strategisch vorgehen, könnten wir es vielleicht durch Graben hier raus schaffen.“

Das war ein recht schwammiger Vorschlag, aber auf die Schnelle fiel ihm auch nichts Besseres ein. Außerdem drückte die Luft in ihrem kleinen Gefängnis und Caitír hatte das Gefühl, eine ganze Menge Staub eingeatmet zu haben. Stumm erhob er sich, drückte sich an dem Schwarzen und den Steinen vorbei und reckte die Schnauze durch die kleine Felsspalte ins Freie. Immerhin etwas Luft zum Atmen. Zwei Dinge fielen ihm dabei auch noch auf: Erstens hatten sie eine wahrhaft wunderschöne Aussicht auf ein im Morgendunst schwebendes Gebirge – dafür hatte der Schwarze kein Auge gehabt – und zweitens lag die Witterung eines Wolfes, der nur noch wenige Wolfslängen von ihnen entfernt sein konnte, in der Luft.

“Da draußen ist jemand.“,

stellte er fest, vielleicht mit etwas Hoffnung auf Hilfe in der Stimme.

Chardim
06.09.2012, 21:21

Die Gedanken und Gefühle klebten an ihm, wie eine lästige, blutsaugende Zecke. Nichts ließ sich abschütteln, egal was er tat. Es überforderte den schwarzweißen, jungen Rüden maßlos. Normalerweise war Chardím für seinen kühlen Kopf in jeder Situation bekannt, eigentlich war ihm eine gewisse Distanz zu heftigen Emotionen eigen, die man hin und wieder fast als Gefühlskälte hätte beschreiben können. Als Welpe noch, da war es manchmal so gewesen, dass er von einen Moment auf den anderen extrem verstimmt und griesgrämig war und schon im nächsten fröhlich jauchzend und gut gelaunt umher sprang. Das war dieser soliden Schicht gewichen. Doch nun war es komplett anders, jetzt war er traurig und unglücklich, ein Gefühl, das ihm praktisch vollkommen fremd war. Mochte in seinem noch nicht allzu langen Leben viel Schlimmes passiert sein, ihm selbst war Trauer immer weitestgehend fern geblieben. Er hatte sie bei den anderen gesehen und sie bedauert. Aber nun betraf es ihn so direkt, jetzt war er zu einem großen Teil Schuld am Leid anderer. Sodenn man einem solchen Traum Glauben schenken wollte, aber ihm blieb im Augenblick gar nichts anderes übrig. Er konnte nicht anders.
Um sich mit irgend etwas abzulenken, entgegnete Chardím Linalees Blick und konzentrierte sich darauf, die Kleine zu betrachten. Obwohl sie gesagt hatte, dass es ihr besser ging, sah sie nicht einmal annähernd glücklich aus. Kurz fragte er sich, ob das nun auch daran lag, dass er traurig war. Vielleicht hätte er es ihr doch nicht sagen sollen. War er als ihr Pate nicht dazu verpflichtet gute Miene zum bösen Spiel zu machen? Sonst wäre ihm das doch auch mit Leichtigkeit geglückt. Der Blick der zweifarbigen Augen rutschte vom Gesicht der Welpin zu Boden, als sie eine unvollständige Frage stellte und die Ohren drehten sich leicht zurück.

Ich weiß es nicht.“ Er sah wieder auf, die Ohren wieder nach vorne drehend. Zusammenreißen, Chardím. „Er hat eine sehr wichtige Aufgabe, weißt du? Wichtiger, als alles andere. Und er ... erfüllt sie auch uns zuliebe.“

Oder viel mehr, wegen mir. Und weil er keine andere Wahl hat.



[ Rudelplatz | Linalee ]

Kisha
08.09.2012, 12:19

Kisha schloß einen Moment die Augen, atmete die kalte Luft ein. Sie war dem Rüden dankbar, dass er sie ein wenig von diesen tristen Gedanken ablenkte, obwohl sie hier doch eigentlich allgegenwärtig waren. Bei den Worten, die Chivan jedoch mit einem Lächeln an sie richtete, wog die Schwarze leicht den Kopf zur Seite, wandte die braunen Augen dann wieder herum, um den bunten Rüden anzublicken. Sie ließ die Ohren kurz durch die Luft schwingen, verstand nicht ganz, was er nun mit seinen Worten bezwecken wollte.

Hast du es anders erlebt?“

Nun neigte die Schwarze die Ohren leicht an den Hinterkopf, die Augen jedoch noch immer fragend auf den Rüden gewandt. Sie wußte, dass sie beinah stolz auf ihre Familie sein konnte, auch wenn in diesem Tal schon Dinge geschehen waren, bei denen sie bezweifelte, dass andere Familien sich mit so etwas herum schlagen mussten. Sie hatte zwar schon von vielen Wölfen Geschichten von ihren Familien erzählt bekommen, und auch davon hatten einige sie zum grübeln gebracht. Aber sie hier lebten in Engayas Tal, die Anwesenheit der Götter war zu spüren – das allein machte sie schon zu etwas Besonderem. Und auch, wenn es bei ihnen schwarze Schafe gab, die dunkle Wölfin bezweifelte, dass es diese nicht in jeder Familie, in jedem Rudel gab. Es gab natürlich an manchen Stellen Streit, und manch einer hielt nicht zu seiner Familie. Aber... hielt der Großteil nicht zusammen?
Ihre Gedanken wurden jedoch wieder von den Worten über die Götter abgelenkt, die Chivan nun an sie richtete. Sie erwiderte sein Grinsen mit einem sachten Lächeln, nickte bei seinen Worten ruhig. Aber auch in seiner kurzen Pause, in der er kurz seinen bunten Pelz schüttelte, sprach die Dunkle nicht. Chaos. Dieses Wort beschrieb es wohl am besten. Wölfe, die nicht sterben konnten, die keine Liebe empfinden konnten. Jetzt, als der Rüde geendet hatte, wandte Kisha den Blick erneut über das Rudel, ehe er bei Chivan wieder inne hielt.

Ich denke, du hast Recht. Es muss grausam gewesen sein, ein Leben, was sich heute niemand wünschen würde. Nur ein weiterer Grund, wieso wir den Göttern dankbar sein können.“

Mit einem weiteren Lächeln betrachtete sie den Rüden, wandte den braunen Blick dann zum Himmel. Und wer wußte schon, was sie nicht noch alles für sie im Kopf hatten?


[Rudelplatz - Chivan]

Kursaí
08.09.2012, 12:26

Kursaí wartete geduldig die Antwort des Rüdens ab. Es erschien ihr so, als ob es ihm nicht einfach fallen würde, und dennoch rückte er nach einem Moment mit der Sprache heraus rückte. Sie war gespannt, was kommen würde, auch wenn sie es wohl schon ein wenig geahnt hatte. Sie wollte es nicht wahr haben wollen, und dennoch war es so, dass Kirov Engaya und Fenris nicht als seine Götter ansah. Wie war es wohl ohne die Götter in seinem Leben zu leben? Kursaí war total baff und dennoch musste sie es schon geahnt haben, hatten die vorhergehenden Antworten des Rüden doch eigentlich keinen anderen Schluss zugelassen. Die führte sie zu einer ganz anderen Frage: Konnten die Götter eigentlich auf Ungläubige wie Kirov groß Einfluss nehmen, oder war der Glaube eine Grundvoraussetzung für ihre Handlungsmöglichkeiten? Diese Frage konnte sie sich aber sogleich auch selber beantworten: Natürlich konnten sie Einfluss nehmen, betraf doch auch den grauen Rüden die Beben, waren sie auch für ihn eine potenzielle Gefahr. Und war für ihn die Gefahr nicht vielleicht sogar größer, da er nicht unter dem Schutz der Götter stand? Sie begann den Rüden ein wenig zu bemitleiden, war es doch gewiss krass im Tal der Göttin ohne den Glauben an sie zu leben. Das führte sie zu einer ganz anderen Frage:

"Wie ist es für dich als einzelner nicht an die Götter zu glauben, wo es die anderen alle tun? Das muss doch bestimmt schwer sein."

Sie verurteilte ihn gewiss nicht dafür, dass er nicht glaubte, war dies doch nur ihr Weg zu leben, und der ihrer Familie. Es gab gewiss noch andere und nur weil es nicht ihr eigener war, mussten sie nicht falsch sein.
So gleich wandte sich das Gespräch wieder dem Beben zu und auf die Frage des Antworten wusste sie nur zu sagen:

"Wer weiß das schon, und wenn können wir wohl nichts daran ändern. Jedoch hoffe ich, dass wir demnächst erst einmal ein wenig Ruhe geschenkt bekommen."

Wenn sie nur wissen würden, was die Zukunft bringen würde, wären solche Fragen nicht nötig und dennoch glaubte sie, dass es ein Gutes hatte, das sie solch eine Fähigkeit nicht besaßen. Es würde nur Gram bringen, würden sie von zukünftigen Katastrophen wissen würden, ohne handeln zu können.


[Rudelplatz - Kirov]

Averic
12.09.2012, 15:22

Averic wandte den Kopf herum und als seine Augen in der grauen, dunklen Masse die vage Form des anderen Wolfes erkannten, musterten sie ihn abschätzig und desinteressiert. Der pechschwarze Todessohn wusste sofort, was für eine Art Wolf hier unbeabsichtigter Weise mit ihm eingesperrt wurde. Ein naiver Engayawolf, auf nichts anderes ließ sein Vorschlag schließen, nichts anderes ging von ihm aus. Aber da er sein Leben lang mit Wölfen wie ihm zutun gehabt hatte, mit ihm eingesperrt wurde. Ein naiver Engayawolf, auf nichts anderes ließ sein Vorschlag schließen, nichts anderes ging von ihm aus. Das trug nicht unbedingt zu einer Verbesserung der Situation bei, allerdings hätte Averic auch nicht sagen können, dass ihm ein nerviger Möchtegern-Fenriswolf lieber gewesen wäre.
Den Rüden vorerst noch weiter ignorierend, analysierte er weitestgehend, wie das Geröll um sie herum verteilt war. Es war eng, staubig und es war wichtig zu wissen, welche Steine andere Steine festhielten. Den falschen Stein zu bewegen, könnte sie entgültig das Leben kosten, wenn dadurch eine größere Masse auf sie herab stürzte.

Es bleiben wohl nicht viele Optionen, als die Steine hier um das Loch wegzuräumen.“,

erklang erstmals für den fremden Wolf Averics dunkle und leicht raue Stimme. Er fixierte das Loch, ließ den Blick weiterwandern. Während sich der Rüde an ihm vorbei quetschte, kletterte er in die entgegengesetzte Richtung, um zu überprüfen, wie viel Bewegungsmöglichkeiten sie in diesem Gefängnis hatten. Ob vielleicht noch an einer anderen Stelle ein Luftzug zu wittern war, wo die Felsenschicht möglicherweise nur leicht auflag.
Der Pechschwarze kam nicht besonders weit, sehen konnte er das andere Ende des Hohlraums schon, aber eine herannahende Präsenz ließ ihn innehalten. Eine, die er schon kannte. Konnte das wirklich er sein? Hier? Jetzt? Averic zwängte sich wieder herum und schob sich neben den kleineren Wolf wieder an das Loch und streckte die Schnauze heraus. Er konnte zwar weiterhin nicht mehr sehen, als die Aussicht vor ihm, aber die Witterung stieg auch in seine Nase und bestätigte nur, was er schon gespürt hatte.

Ansem!“,

rief er den Namen des weißen Wolfes mit Nachdruck hinaus. Doch trotz seiner misslichen Lage war sein Ton ohne Beunruhigung.



[ Verschüttet | Caitír, in der Nähe Ansem ]

Amúr
12.09.2012, 21:10

Sauer stieß es in ihr auf. Die Worte ihrer Tante hatten sie verletzt. Ihr Herz angeritzt und das Blut vergossen, als wäre es Wasser. Warum wurde sie etwas gefragt, wenn die Antwort doch so klar war? Wer vermisste schon seinen Vater nicht? ‘Verlass mich nicht…‘ Ihr Unterbewusstsein flüsterte leise, wie ein Mantra diese Worte. Immer und wieder. Die letzte Nacht hatte sich Amúr oft gefragt, ob sie wohl zu weich war. Vielleicht hätte sie ja mitkommen können. ‘Du bist nicht gut genug‘ Rau. Wie die Worte ihres Vaters, die er doch nie ausgesprochen hatte. Vielleicht hatte er sie ja gedacht. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Sie durfte sich nicht so sehr von dieser Verzweiflung zerfressen lassen. Ihre Seele würde sonst leiden und dann würde sie keinem mehr helfen können.

„Aber er hat sein bestes gegeben… wenigstens für uns Welpen. Er hätte sein Leben gegeben… Ganz sicher.“

Sie klang so heiser. Irgendwie war ihre Aussage viel Schwächer geworden, als sie hätte sein sollen. Sie wollte stark klingen. Wollte zeigen, wie kraftvoll ihre Worte waren, doch das einzige, was heraus kam waren diese einfachen Worte der Hoffnungslosigkeit. Verdammt, war sie arm. Aber wahrscheinlich würde sie mit dem Alter auch stärker werden. Aber warum war dann Caylee schon so stark, auch wenn sie gleichalt waren? Amúr musste an sich arbeiten. Selbstbewusster werden. In diesem Moment jedoch… war sie schwach. Ihr Herz war zerfetzt. Ihr Geist zerrissen und ihre Seele schrie. Erst musste sie heilen, bevor sie anderen ihren Schmerz nehmen konnte.
Oder in dem Fall von Malicia: Sie würde versuchen, ihr die Gefühle wiederzubringen. Viel zu sehr hatte ihre Tante sich abgeschottet. Auch wenn Amúr wohl nichts in dieser Angelegenheit zu tun hatte. Es war um einiges einfacher, sich den Schmerzen der anderen anzunehmen, als die eigenen Wunden zu lecken.
Für diese Sekunden jedoch, nahm Amúr sich das Recht heraus, Malicia mit ihren Sorgen zu belasten. Es war sicherlich nicht unbedingt ihr Vorhaben gewesen, als die Graue hier hergelaufen war, jedoch konnte sie nun nichts mehr daran ändern. Der Geruch ihrer Tante war so beruhigend. Als würde er sie umhüllen und für kurze Zeit beschützen. Kurz darauf spürte sie auch schon den Kopf der Schwarzen auf dem ihren. Da hatte sich die Graue so sehr aus dem Fenster gelehnt, ihre distanzierte Tante praktisch in ihrem persönlichen Bereich gestört. Genauso gut, hätte Malicia ihr weh tun können.

„Was ist passiert? Ihr hättet sicher über alles reden können.“

Vielleicht war ja das gleiche wie mit ihr und ihrer Schwester passiert? Caylee und Amúr… Vielleicht war es einfach nicht gewollt. Vielleicht, sollte die beiden Schwestern nicht mehr vereinen als das Band des Blutes?

„Könntest du ihm verzeihen?“

Könnten wir wieder eine große glückliche Familie werden? Unausgesprochene Worte eines Welpen, der doch nie erwachsen wurde oder es sogar niemals werden würde. War es nicht der Wille eines jeden Wolfes, dass die Familie für immer zusammenbleiben könnte? Keine Tode, die ihre Kerben durch das Land zogen. Keine Auseinandersetzungen, die die wertvollsten Verbindungen zerbrachen. Aber wahrscheinlich, war dies alles teil des großen Komplexes, der sich Leben nennt. Ob Engaya dies wohl alles geplant hatte?

„Glaubst du, wir sind alle dazu geboren, uns zu streiten?“


[Rudelplatz l Malicia]

Krolock
12.09.2012, 22:01

Krolock passte es nicht, das er von Parveen gemustert wurde. Sie sollte damit aufhören. Soviel sagte auch ein Blick, den er ihr beiläufig zuwarf. Er machte kein Geheimnis daraus, dass er keinerlei Bedarf für die Fähe hatte und sie ohnehin augenblicklich störte. Aber da sie nun einmal lag, wo sie eben lag, konnte er nicht viel tun, als sie zu ignorieren. Oder dumm anmachen, aber ihm schien, als wäre die Wölfin irgendwie... wichtig. Wichtig für Caylee. Also hielt er die Klappe. Ausnahmsweise. Wirklich nur ausnahmsweise. Weil die weiße Gleichaltrige sich verletzt hatte. Oder so. Und weil er einen guten Tag hatte. Dunkle Wolken – symbolisch gesprochen – waren über dem Rudel aufgezogen. Beinahe hätte ihn der Gedanke zum Lachen gebracht.
Seine Selbstbeherrschung schien an diesem wunderschönen Tag aber so gut, wie seine Laune zu sein, weshalb er sich gerade noch zurück hielt. Caylee antwortete ihm einsilbig, aber seine Frage hatte schließlich auch nur aus einem Wort bestanden. Über das, was hinter Worten streckte, machte sich Krolock niemals Gedanken. Die Weiße antwortete mit einem einfachen 'ja' und er nahm die Antwort so an. Ja, Caylee hatte ausgeschlafen. Es war irgendwie ohnehin eine nicht besonders wichtige Information, die wohl auf die dämliche Frage zurückzuführen war, die – niemand anderer als er – gestellt hatte. Lächerlich.

„Da würde ich ja beinahe ein Wettrennen vorschlagen...“

Aber eben nur beinahe. Warum er darauf gerade keine Lust hatte, hätte er selbst nicht erklären können. Man hörte jedenfalls heraus, das er den Vorschlag nicht ernst meinte. Seine schmerzenden Rippen hätten ihn nicht davon abgehalten, soviel stand fest. Noch während er überlegte, stellte ihm Caylee eine Frage, die ihn kurz irritierte.

„In der Nähe... ja. Aber weit genug weg... um ungestört zu sein. Manchmal auch näher... in der Nähe unterwegs.“

Was sollte das denn nun bedeuten? Er wusste es nicht. Und er überließ es anderen, zu interpretieren. Krolock hatte die Frage beantwortet, die ihm gestellt worden war. Genauso wage, wie Caylee sie formuliert hatte. Worauf sie hinaus wollte, konnte er nicht erfassen und ohne Nachbohren, würde er auch ziemlich schnell wieder andere Gedanken verfolgen. Trotz allem kam er nicht umhin, kurz über ein mögliches 'Warum' zu sinnieren. Ein Seitenblick wurde Parveen geschenkt, um kurz heraus zu finden, was die Wölfin machte. Eine Bewegung hätte er aus den Augenwinkeln bestimmt wahrgenommen, aber er wollte wissen, ob die Fähe ihn immer noch anstarrte, oder ob sie das Gespräch gar nicht interessierte. Jedenfalls war sie kein Teil davon. Daran würde er nichts ändern und Caylee vielleicht auch nicht. Das war irgendwie fast lustig. Wenn sie nun aber zu dritt über die vergangene Nacht plaudern sollten, hätte er nur spärliche Informationen zum Besten zu geben.


[Bei Caylee und Parveen]

Linalee
13.09.2012, 00:39

Oh, sie würde eine Menge dafür tun, damit er wieder glücklicher aussah. Unzufrieden musterten die Bernsteinaugen der kleinen Fähe mit den großen Ohren das Gesicht des Zweifarbigen, sie schniefte leise und schien angestrengt zu überlegen, was sie dafür tun konnte, damit es Chardím besser erging. Der Unterschied zu dem Rüden, den sie eigentlich kannte – oder zu kennen hoffte – war überdeutlich. Sie schämte sich ihrer unausgesprochenen Frage wegen, fürchtete sich, dass sie ihn damit verärgert hatte. Oder noch unglücklicher gemacht hatte, als ohnehin schon. Sie war auch zu nichts gut! Sie sollte ihn aufbauen, ihm helfen, irgendwie dafür sorgen, dass sein Gesicht wieder unbekümmert und fröhlich aussah, die zweifarbigen Augen freundlich und überlegen aufblitzten.
Stattdessen glitt der Blick des Schwarz- Weißen zu Boden, wirkte gebrochen und kraftlos. Einen Moment lang hoffte die Kleine noch, er hätte ihre geflüsterten Worte überhaupt nicht gehört. Oder würde so tun, als wären sie an ihm vorbei geschwebt, als hätte die Nacht die leise Frage, die keine richtige gewesen war, davon getragen.

Doch Chardím wäre nicht ihr Pate, wenn er einfach ignorieren würde, was Linalee auf dem kleinen, reuevoll pochenden Herzen lag. Seine Antwort ließ der Schwarzen einen Schauer über den Rücken kriechen, sie verzog unglücklich die Schnute. das war die wohl schlimmste Antwort von allen – dass er die Antwort nicht wusste. Diese Ungewissheit musste an ihm nagen und… nein, sie wollte gar nicht weiter darüber nachdenken.
Sekundenlang starrten die hellen Augen entsetzt in die Leere, die von Chardím ausging – dann sprach sie in zittrigem Flüsterton aus, was sie dachte:

“Aber was… was kann denn wichtiger sein als… du, Chardím?“

Immerhin war er Averics Sohn! Sie war sich sicher, dass es für Sheena auch nichts wichtigeres als Malik und Isaí gab. Und dass sie ihre Söhne nicht einfach so allin lassen würde! Die Augen der Kleinen weiteten sich, sie wandte den Kopf herum und sah nach, ob sich ihre Mutter hier irgendwo befand. Sie würde doch nicht einfach so weggehen – ohne - . . . ?


[leidet mit Chardím ]

Jakash Caiyé
13.09.2012, 09:11

Jakash lag am Waldrand und ließ den Blick immer wieder zwischen seinen Welpen hin und her pendeln. Beinahe wäre es einer weniger gewesen, und manchmal kroch der Schrecken jener Stunde wieder in seine Glieder zurück, wenn sich jene Bilder wieder vor sein inneres Auge hoben. Fast hätte er eine Tochter verloren. Aber nur fast – Engaya hatte Taleesha zurück geschickt. So dankbar Jakash der Göttin dafür auch so, so wütend war er jedoch auch, dass es überhaupt zu diesem Unglück gekommen war. Hätte Engaya das Beben nicht verhindern müssen? Es war IHR Tal! Engaya war geschwächt gewesen, ja, und dadurch war der Wintersommer gekommen und der Varg. Aber war das nicht inzwischen Vergangenheit? Hätte nicht alles wieder normal sein sollen? Und nun die seltsamen Veränderungen im Sumpf, und nun die Beben. Als erhöbe sich das Tal gegen sie. Aber wenn es Engayas Tal war, bedeutete das nicht auch, dass Engaya sich gegen sie wandte? Oder war Fenris inzwischen so mächtig geworden, dass er jetzt das Tal selbst angriff? Jakashs Blick suchte seinen Patensohn Chardím, der sich bei Tinca befand – oder Linalee, wie sie jetzt genannt werden wollte. Jakash verstand nicht, was das sollte, aber er fügte sich dem Wunsch seiner Tochter. Sie hatte erklärt, dass das helfen würde, wobei er nicht wusste, wobei oder wogegen sie dieser Hilfe bedurfte. Konnten Welpen an… an Identitätskrisen leiden? Es schien ja mehr hinter dem Namenswechsel zu stecken als ein simples Den-mag-ich-lieber-als-Tinca. Aber nein, das war absurd. Seine Tochter war noch viel zu jung, um auch nur die Zweifel daran zu entwickeln, wer sie war.

‚Zumindest haben wir ihr den richtigen Paten zugewiesen‘,

dachte er, während er die beiden beobachtete. Linalee schien sich gut mit Chardím zu verstehen, und das bedeutete bei seiner überschüchternen Tochter schon sehr viel.
Jakash ließ den Blick weiter schweifen, dann erhob er sich ruckartig. Er hatte kein Ziel, aber er musste sich einfach die Beine vertreten. Unruhe schwelte in ihm. Jeden Moment konnte die Erde wieder zu Beben anfangen, denn gewiss war es noch nicht vorbei. Das war aber auch das Einzige, was ihm sicher schien, alles andere lag im Ungewissen und das nagte an ihm. Konnten sie etwas tun? Er hatte keine Ahnung. Würden sie es zumindest versuchen? Nun, das lag bei den Alphas, und Jakash hoffte arg, dass Tyraleen und Aszrem an einem Plan arbeiteten. Dieses Nichtstun war zermürbend.
Sein Atem kondensierte als weiße Wolke vor seinem Maul, und der Schwarze schnappte missgelaunt danach. Seine Augen suchten nach seiner Gefährtin – er brauchte jetzt einen Ruhepol – fanden jedoch seine Mutter. Wie sie da so allein lag, schien sie Gesellschaft gebrauchen zu können. Jakash war nicht sicher, ob er mi seiner momentanen Laune der Richtige dafür war, andererseits hatte er das Gefühl, mehr für den Zusammenhalt seiner Familie tun zu müssen. Also wandte er sich in ihre Richtung, und setzte sich neben sie. Wortlos noch, denn eigentlich war ihm nicht sonderlich nach Reden zumute. Er wollte etwas tun, und Worte genügten einfach nicht.


[beim Rudel | Shani]

Taleesha
13.09.2012, 09:28

Was machte denn ihr Bruder da? Wie immer war Isaí für eine Überraschung gut, dieses Mal indem er einen verrückt-witzigen Tanz vollführte und letztendlich auf die Schnauze plumpste. Taleesha hinkte mit belustigter Miene näher und war durchaus neugierig, wie Isaí es schaffte, so leicht die Füße zu heben. Er hatte sich teilweise so schnell bewegt, dass Taleesha klar war: er konnte nicht auf normalem Erdboden stehen. Es musste wohl irgendetwas mit dem See zu tun haben, bei dem sich Tyraleen und Isaí befanden.
Und tatsächlich! Als Taleesha bei den beiden angelangt war, sah sie, dass Isaí auf dem See tanzte! Sie schaute ihn verdutzt an, dann blickte sie zu Tyraleen. Wie war das möglich, dass er nicht ins Wasser fiel? Wäre da nicht noch eine gewisse Abneigung gegenüber Wasser verschiedenster Art, hätte Taleesha sich wohl auch getraut, die gefrorene Oberfläche vorsichtig zu "begreifen". So aber blieb sie misstrauisch stehen und sah ihren Bruder leicht vorwurfsvoll an.

"Was machst du da? Woher willst du wissen, dass das Wasser sich nicht sofort wieder ändert und du hinein fällst?"

Für Taleesha hatten inzwischen sämtliche Naturgegebenheiten ihre Launen und vor allem würde sie so etwas tückischem wie Wasser bestimmt nie wieder trauen! Wie konnte ihr Bruder nur so naiv sein? Eigentlich hatte sie sagen wollen: Woher willst du wissen, dass diese bösen Ungeheuer, die im Wasser sind, nicht gleich wieder auftauchen und dich verschlingen?
Während sie dies dachte, wich ihr Ärger einem hilflosen Gefühl der Angst. Was, wenn ihm wirklich etwas passierte? Und sie es hatte kommen sehen? Sie musste doch ihren Bruder beschützen! Und was war mit Tyraleen? Wieso machte sie nichts? Sie musste doch sehen, dass Isaí in Gefahr war!
Doch als Taleesha ihre Patin ansah, überkam sie ein seltsam aufwühlendes Gefühl, welches sie so noch gar nicht kannte. Plötzlich war alle Kraft von ihr gewichen. Sie fühlte sich wie eine leere Hülle und um sie herum war alles noch ein bisschen dunkler als vorher. Es war, als sei alles dumpf und farblos und obwohl sie neben Tyraleen und in der Nähe von Isaí stand, fühlte sie sich auf einmal ganz einsam. Sie schloss kurz die Augen, um zu überlegen.

Der Welpin fiel auf, dass sie Tyraleen gar nicht wie sonst begrüßt hatte. Sie war so abgelenkt gewesen von der Aktion ihres Bruders. War Tyraleen jetzt böse auf sie? Warum fühlte sich Taleesha plötzlich so traurig? So sehr, dass sie glaubte, es könne nie mehr gut werden, wenn sie nicht etwas fand, das ihr half. Aber was finden? Und wieso überhaupt? Was war …? Hin und hergerissen zwischen der Verantwortung gegenüber Isaí und den überfordernden Emotionen, die auf sie einmal überwältigten, blickte Taleesha noch einmal hilfesuchend zu ihrer Patin und piepste mit unnatürlich hoher Stimme:

„Was ist denn los? Was ist passiert?“



[Rudelplatz | Isaí und Tyraleen]

Aszrem
13.09.2012, 11:28

‚Ich werde alt‘,

dachte Aszrem, als er früher als ursprünglich beabsichtigt von seinem Lauf zurückkehrte. Das Stechen in seiner Flanke und seinen Eingeweiden ließ zwar bereits nach, aber er zweifelte dennoch nicht daran, dass der Schmerz beim nächsten Mal wiederkehren würde. Nunja, er hatte ohnehin nicht beabsichtigt gehabt, lange fort zu bleiben, und weit weg war er sowieso nicht gewesen, gerademal ein wenig außer Sichtweite. Das Laufen hatte ihm stets beim Nachdenken geholfen, und es gab viel zu Grübeln. Es sah jedoch so aus, als müsste er sich zukünftig etwas zurück nehmen – mit Schmerzen dachte es sich einfach nicht gut, was dem Sinn seiner Ausflüge zuwider lief.
Die Luft war so kalt, dass sie selbst bei Schrittgeschwindigkeit beinahe schon im Rachen schnitt, von der beschleunigten Atmung beim Laufen ganz zu schweigen. Aber das war der Schwarzbraune gewohnt, sodass ihn das nicht störte. Dass seine Kondition offenbar zu leiden begann, wurmte ihn dagegen schon mehr. So leicht würde er sich jedoch nicht einschränken lassen, Alter hin oder her. Die Grenzen seiner körperlichen Leistungsfähigkeit verschoben sich zwar, aber das bedeutete nur, sich darauf einstellen zu müssen, statt auf seine Gewohnheiten zu verzichten.
Apropos sich einstellen müssen: Aszrem konnte die anhaltende Unruhe des Rudels regelrecht in der Luft spüren. Niemand wusste, ob das Erdrütteln nun endlich aufgehört hatte, oder ob ihnen weitere, vielleicht noch schlimmere Beben bevorstanden. Wie lange konnten sie es sich noch leisten, abzuwarten? War es vielleicht unvermeidlich, das Tal zu verlassen? Und wenn ja, wohin sollten sie sich wenden?
Sein Blick suchte nach Tyraleen. Es wurde Zeit, dass sie auch diese Möglichkeit besprachen, selbst wenn sie beide hofften, dass es dazu nicht kommen musste. Es war besser, einen Plan zu haben, bevor etwas geschah, das sie zum plötzlichen Handeln zwang. Er fand seine Mitalpha am Seeufer, zusammen mit Isaí und Taleesha. Er steuerte auf sie zu und setzte sich dann in einer Entfernung von zehn oder mehr Wolfslängen nieder. So, wie er ihr zugewandt saß, würde sie verstehen, dass er mit ihr reden wollte, aber dass er sie nicht gleich ansprach und zur Seite bat, würde sie wissen lassen, dass er bereit war zu warten, bis die Gelegenheit günstiger war. Die Welpen sollten nicht ohne eine Aufsicht bleiben, die sich voll auf sie konzentrieren konnte, wenn sie das Eis erkundeten.


[See | in der Nähe Tyraleen, Isaí, Taleesha]

Tyraleen
13.09.2012, 12:56

SL für ALLE:

Unbemerkt hatte die Erde wieder begonnen, sich zu bewegen. So leicht und sanft, dass zunächst kein Lebewesen davon Notiz nahm; vielleicht auch, weil sie durch all die vorangegangenen Erschütterungen schon beinahe abgestumpft waren. Doch nun nahm das Beben ganz allmählich und schleichend zu. Zunächst war es wie sanftes Wiegen, dann schwoll es an zu einem Rütteln und schließlich bebte die Erde wie zuvor, doch diesmal nahmen die Erschütterungen nicht wieder ab, viel eher schienen sie sich nur immer weiter zu steigern, würden bald so stark sein wie das erste Beben im Sumpf oder möglicherweise noch schlimmer. Dazu hatte sich ein dunkles Grollen gesellt, so tief und dumpf, dass es nur aus tiefsten Erdschichten stammen konnte.

Shani Caiyé
13.09.2012, 19:18

Shani hatte ruhig schlafen können, ignorierte mittlerweile fast stoisch die immer wiederkehrenden Erdbeben und wollte nur ihre Liebsten in Sicherheit wissen. Nach dem Schock über Taleeshas Verletzung und Maliks beinahe-unter-dem-Baum-begraben-Werden, war sie froh, dass nun alle mit Argusaugen über die Welpen wachten und hatte sich immer wieder vergewissert, dass ihre Enkel auch in dieser Nacht gut aufgehoben waren. Auch jetzt achteten erwachsene Wölfe auf sie – wobei Isaí sich auf das Eis hinauswagte und Shani hoffte schwer, dass Tyraleen die Situation im Griff hatte – sodass sich die tannengrünen Augen der Weißen wieder geschlossen hatten und sie ein wenig vor sich hin döste. Nicht, dass sie von den Erdbeben nicht ebenso beunruhigt gewesen wäre, aber sie hatte vollstes Vertrauen in ihre Leitwölfe – sie würden eine Lösung finden. Bis dahin blieb Shani auch nichts anderes übrig, als zu warten und das tat sie.
Die sich nähernden Schritte bemerkte sie erst, als sie bereits relativ nahe bei ihr waren. Jakash erkannte sie sofort und als sie die Augen öffnete sah sie ihrem nicht gerade glücklich wirkenden Sohn entgegen. Er kam einigermaßen grummelig zu ihr, setzte sich neben sie und schwieg. Aufmerksam und ein klein bisschen fragend betrachtete sie den Schwarzen, wie er alles andere als kommunikativ neben ihr saß und sie unsicher werden ließ, ob er überhaupt etwas von ihr hören wollte. Aber dass Schweigen noch nie ihre Stärke gewesen war, musste ihr Sohn wissen.

“Was guckst du denn so?“,

fragte sie schließlich, liebevoll mütterlich besorgt, sich aber bereits auf eine abwehrende Antwort einstellend. Als dann zum ersten Mal dieses dumpfe Grollen an ihre Ohren drang, dachte sie zunächst, es käme von Jakash. Die Ohren leicht zurückdrehend fragte sie sich, warum er so unfreundlich auf sie reagieren musste – er war ja zu ihr gekommen. Doch als sie dann das Erdbeben zu spüren begann und das Grollen anschwoll, wurde ihr klar, dass nicht ihr Sohn, sondern die Erde sie anknurrte. Das änderte zwar die Situation, aber es machte sie keines Falls angenehmer. Jetzt legten sich die Ohren eng an ihren Kopf und sie wich vor der Welt zu ihrem Sohn zurück. Mittlerweile bebte die Erde stark, schon spürte sie sich gegen Jakash kippend, ihr Gleichgewicht bereits verlierend. Irgendetwas war an diesem Beben anders, es wurde nicht schwächer, es schien viel eher immer stärker zu rütteln. Und dieses Grollen, so tief, als würde ein Wolf weit unter der Erde gefangen sein. Die Furcht griff nun nach ihrem Herz und schon huschte ihr Blick eilig über den Rudelplatz, ihre Enkel suchend.


[ Rudelplatz | Jakash ]

Isaí Caiyé
13.09.2012, 19:37

Letztendlich hatte ihm das sachte Lächeln auf ihren Zügen, welches er mit den Seelenspiegeln hatte erhaschen können, als er sich rückversichernd zu ihr umgewandt hatte, während er die ersten Versuche auf der Eisfläche machte und sie instinktiv auf ihre Stabilität überprüfte, gereicht, um festzustellen, dass das hier keine Pause sondern nur ein anderer Plan war, um sie abzulenken und aufzumuntern. Und das ließ ihn schon gleich viel mehr bei der Sache sein, immerhin wusste er, dass er sich dabei keine Sorgen mehr machen musste und – sobald sie bei seiner ‚Überraschung‘ angekommen waren - Banshee sicherlich den Rest erledigen würde. Er bestand darauf, dass sie der Leitwölfin ebenso ein warmes Gefühl mit ihrer Anwesenheit verlieh wie ihm selbst und wie sehr er darauf vertraute, zeigte sich wohl darin, dass er sich bei diesem Plan fast sicher war. Seine Ohren schnippten aufmerksam bei Tyraleens Worten, während er sich langsam aber stetig immer weiter vorwagte und schließlich gänzlich auf der eisigen Fläche stand. Die Warnung nahm er zur Kenntnis, doch viele Sorgen machte er sich nicht – immerhin hatte ihm sein Vater ja gezeigt, wie man schwamm und seitdem war der See nichts mehr, wovor er sich fürchtete. Die Sache mit der Kälte allerdings nahm er nicht ganz so ernst, denn das Eis unter seinen Pfoten fühlte sich zwar ziemlich kalt an, doch er ahnte nicht, dass die Wasseroberfläche eine ähnliche Temperatur hatte und seit seinem letzten Versuch noch etwas abgekühlt war. Und dann war da ja auch noch das warme Wasser des Sumpfes, was dazu verlockte, falsche Vermutungen anzustellen. Aber an und für sich hatte er ja eh nicht vor, einzubrechen. Okay, eigentlich hatte er auch nicht vorgehabt, mit dem nackten Bauch und der Nase festzustellen, wie kalt der Boden unter ihm tatsächlich war, aber das musste ja niemand wissen. Er versuchte, sich wieder auf die Läufe zu kämpfen, sah einen Augenblick etwas säuerlich aus, als er vernahm, dass Tyraleen zu lachen begonnen hatte, doch innerhalb eines Sekundenbruchteils wurde ihm wieder bewusst, dass das genau das war, was er erreichen wollte. So wechselte der Ausdruck, wurde verbissener, aber dennoch amüsiert, bis er sich schließlich tatsächlich wieder breitbeinig aufgekämpft hatte und darauf achtete, sich nicht zu bewegen und wieder zu rutschen, während er mit einem skeptischen Ausdruck die Vorführung der hellen Alpha verfolgte. Na, das sagte sich so leicht auf festem Boden! Dennoch versuchte er, es nachzuahmen, kam allerdings nicht weit, denn schon war auch Taleesha anwesend.

Seine Rute pendelte begrüßend, doch um ihr wirklich einen Blick zuzuwerfen, war seine Konzentration gerade zu sehr woanders gefragt. Vorsichtig schob er eine Pfote etwas zurück, dann die Hinterpfote ein Stück vor und bald schon hatte er endlich wieder einen ‚festen‘ Stand, sodass er – kaum hatte seine Schwester sich ein klein wenig tadelnd an ihn gewandt – mit einem selbstsicheren Lächeln zu ihr blicken konnte. Er verstand ihre Angst, fand sie hier allerdings unbegründet.

„Aber Taleesha. Das ist doch unser See und nicht der stinkende Sumpf. Und unser See tut uns nichts. Da leben auch keine komischen Tiere in Knochen.“, erklärte er ihr vollkommen überzeugt und lächelte ihr beruhigend entgegen.

Er versuchte sich erneut an einer Bewegung, die der, die Tyraleen vorgemacht hatte, nahekommen sollte und so entging ihm der angsteinflößende Ausdruck, der kurz danach seine Schwester heimzusuchen schien. Es fiel ihm zu spät auf, sodass er auch zu spät dazu ansetzen konnte, der Schwarzen unauffällig klar zu machen, dass sie nicht danach fragen durfte. Eine hastige Bewegung folgte, die das Ziel haben sollte, seine Schwester noch rechtzeitig zu erreichen und umzuwerfen, bevor sie sprechen konnte, doch da hatte er die Rechnung ohne das Eis gemacht. Abermals rutschten seine Vorderläufe weg, beförderten ihn mit der Nase aufs Eis, während die Hinterpfoten noch fest standen und dem Roten blieb nichts anderes übrig, als mit einer unbegeisterten Miene die besorgte Stimme Taleeshas zu vernehmen. Einen Augenblick später kippten seine Ohren nach hinten. Ein Geräusch, ein Grollen, so tief und bedrohlich, dass es ihn vollkommen vergessen ließ, dass er noch immer halb auf dem Eis lag. Ein ungutes Gefühl machte sich in ihm breit, ohne, dass er Zeit hatte, wirklich zu verstehen, was es gewesen war und woher es kam. Der Boden begann ein weiteres Mal zu Beben und die Augen des Welpen weiteten sich, als er spürte, wie das Eis unter seinen Pfoten zu knacken und bald auch zu brechen begann. Panik erfüllte ihn. Hastig versuchte er, sich ans Ufer zu kämpfen, sich zu seiner Schwester und Tyraleen zu kämpfen, doch durch die fehlende Ruhe schaffte er es nicht und rutschte immer wieder weg, bis er schließlich halb im Wasser landete. Voller Angst paddelte er mit den Hinterpfoten und wollte sich zurück auf das Eis schieben, welches allerdings auch wieder nachgab, doch schließlich hatte er sich auf diese unelegante Weise ans Ufer gekämpft, bis es richtig loszugehen schien. Schwankend und stolpernd eilte er zwischen die Läufe der Leitwölfin, die Rute eingeklemmt und die Ohren dicht an den Hinterkopf gepresst. Er kauerte sich mit einem angstvollen Winseln auf den bebenden Boden, der damit aber seinem tiefen Grollen nach zu urteilen nicht sehr zufrieden schien. Er wollte etwas sagen, wollte wissen, warum der Boden knurrte, doch statt eines Wortes verließ nur ein ängstliches Winseln seinen Fang. Es war keines dieser Beben wie in der Nacht – das hier war schlimmer, es war anders, wenn er es auch nicht wirklich benennen konnte. Und dieses Mal schien es einfach nicht aufhören zu wollen.



{ rudelplatz | tyraleen und taleesha, nähe aszrem}

Chivan
13.09.2012, 20:38

Er hatte mit dieser Frage gerechnet, denn alles andere hätte entweder bedeutet, dass sie seine Aussage auf sich bezog oder, dass sie ihm keinerlei Interesse entgegenbrachte. Es war eine offene Formulierung gewesen und hätte er nicht damit gerechnet, dass sie nachharkte, hätte er ihr Unrecht getan. Nach all dem, was sie bisher miteinander gesprochen hatten, hatte sich Kisha als eine ehrliche, offenherzige und sympathische Wölfin erwiesen, was den Bunten wohl auch dazu getrieben hatte, die Gefahr einzugehen, eine Gegenfrage gestellt zu bekommen. Und dieses Mal hatte er gar kein Problem damit, ihr ebenfalls offen zu begegnen und nach einer kurzen Pause, in der er ihren Blick ruhig erwidert hatte, auch zu einer Antwort anzusetzen.

„Ich hatte einst eine gute Freundin, die mir mehr Schwester war, als mein Bruder ein Bruder für mich.“

Ein sachtes Lächeln lag auf seinen Lefzen, welches deutlich zeigte, dass er damit gar kein Problem hatte. Seatân war so oder so kein Wolf gewesen, den man irgendjemandem in die Familie wünschte – Vyaali dabei umso mehr. Es gab nichts, worum er zu trauern hatte, zumindest nicht, was die Zeit betraf, in der sie noch beisammen gewesen waren. Das Lächeln auf seinen Zügen verblasste einen kurzen Augenblick und Chivan schloss für einen Herzschlag die hellen Seelenspiegel, ehe er die dunkle Wölfin wieder fixierte und beschloss, ihr noch mehr zu erzählen, um nicht so zu wirken, als müsste man ihm jegliche Information aus der Nase ziehen, die er ohnehin nur ungern weitergab. Seine Ohren schnippten kurz, doch er wirkte wieder heiterer, denn er genoss jegliche Erinnerungen an Maekyth und Vyaali, auch, wenn sie bereits in den ewigen Hallen weilten und ihn nur noch in seinem Herzen begleiteten.

„Allerdings starben sie gemeinsam mit meiner Schwester bei einer Lawine.“

Er trauerte dem Tod seiner (Seelen-)Schwestern nicht mehr nach. Natürlich vermisste er sie, doch er ließ sich nicht von trüben Gedanken einnehmen und hielt sich an die Gewissheit, sie – sobald die Zeit reif war – in den ewigen Hallen wiederzutreffen. Daher auch klang er zwar liebevoll, als er von den beiden Wölfinnen sprach, doch keineswegs wahrlich traurig. Er vertraute auf die Götter und darauf, dass sie wussten, was sie taten, sodass man zwar trauern konnte, es aber dennoch alles einen Sinn hatte und geschehen musste. Er glaubte an das Schicksal und was man nicht ändern konnte, musste man sich so drehen, dass man weitermachen konnte, ohne den Kopf zu senken. Diese Überzeugung war einer der wichtigsten Gründe, weshalb es ihm so leicht fiel, so hoffnungsvoll der Gefahr entgegenzublicken. Und doch mischte sich allmählich wieder ein unwohles Gefühl in seine Glieder. Unauffällig schüttelte er den Kopf und versuchte, diese innerliche Unruhe auszublenden und sich ganz auf die Worte Kishas zu konzentrieren, denen er unweigerlich zustimmen musste. Er öffnete den Fang, um etwas zu entgegnen, doch statt Worten ertönte ein tiefes Grollen, welches nicht aus seiner Richtung kam. Er blinzelte, sah verwirrt zu Kisha und schon im nächsten Moment schien das Grollen anzuschwellen und die Erde wütender denn je zu beben.

„Was zum - ?!“, entfuhr es ihm, als er sich auf wackeligen Beinen erhob und versuchte, das Gleichgewicht zu halten. „Bei den Göttern! Kisha, weg von den Bäumen!“

Taumelnd versuchte er an der Seite der Fähe gegen den wütenden Boden des Rudelplatzes anzukämpfen und sich in die Mitte zu schieben, um zumindest aus der Reichweite umstürzender Bäume zu sein. Gleichzeitig wanderte sein Blick voller Hast über den Platz und versuchte, die Lage zu analysieren, sie zu realisieren und zu verstehen, was vor sich ging. Versteift versuchte er, die Krallen in den Boden zu drücken und somit irgendwie einen besseren Halt zu haben, aber dennoch verlor er das Gleichgewicht und taumelte zur Seite. Die Ohren dicht an den Hinterkopf geschmiegt sah er sich um – erst nach Tyraleen, dann suchten seine Seelenspiegel nach Atalya, nach Avendal – irgendeinem bekannten Gesicht, bis sie letztlich wieder ernst und voller Sorge zu Kisha glitten.



{ rudelplatz | kisha }

Invidia
13.09.2012, 21:09

Wie viel Zeit war vergangen, seitdem ihre Schwestern getötet worden waren? Wie viel Zeit war vergangen, seitdem sie sich nun Fenris angeschlossen hatte? Wie viel Zeit war vergangen, seitdem sie diesen Auftrag von dem Gott erhalten hatte? Und wie lange war sie überhaupt gewandert. Es war viel zu viel Zeit vergangen. Und es hatte sich viel zu viel Hass in der Fähe aufgestaut. Sie hatte viel zu viele Fassaden aufgebaut und fühlte sich gerüstet für die Aufgabe, die vor ihr lag. Ohja, das würde vielleicht ein Schauspiel werden. Es würde wahrscheinlich das größte Stück werden, dass sie bisher hatte spielen dürfen. Und in diesem Fall war sie natürlich einmal wieder die Hauptfigur. Wie hätte denn auch bitteschön die Todsünde nur eine Nebenrolle spielen können? Das war ja schon fast lachhaft. Ja, darüber hätte sie wahrscheinlich wirklich lauthals lachen können. Auf jeden Fall war sie schon gefühlte Ewigkeiten unterwegs um dieses andere Tal zu erreichen. Das Tal der Sternenwinde, oder wie auch immer Fenris es bezeichnet hatte. Aber eigentlich war Invidia das auch ziemlich egal gewesen. Hauptsache sie hatte so etwas wie eine Aufgabe, nachdem sie alles verloren hatte. Und so hatte sie vor Monaten das Tal der Raben verlassen. Auf der Suche nach einem Wolf. Einem Rüden. Einem Fenriswolf, der sich wirklich interessant angehört hatte. Die Todsünde wusste zwar nicht genau, wie dieser Rüde aussehen sollte. Aber sie hatte einen Namen. Und sie hatte eine Aufgabe. Und ach du meine Güte, sie hatte so viele gute Ideen. So viele schöne Rollen. Alle auf die sie von nun an treffen würde, würden sich freuen können. Denn ein neues Theaterstück hatte begonnen. Eine neue Zeit, die wohl so einiges mit sich bringen würde. Und das war wohl nichts wirklich Gutes. Jedenfalls wenn es nach Invidia ging.

Gerade an dem heutigen Tag hatte die Fähe anscheinend fast das Tal der Sternenwinde erreicht. Das glaubte sie jedenfalls. Und so hatte sie sich doch noch eine kleine Pause gönnen können oder nicht? Aber wer hätte denn auch ahnen können, dass ihr gleich ein paar Opfer in die Fänge laufen würden. Während sie auf einem Gebirgsausläufer Rast gemacht hatte, waren da doch wirklich zwei Wölfe aufgetaucht!? Ein Engayawolf, wie sie es beurteilen konnte und ein Fenriswolf. Jedenfalls wenn sie rein nach den Äußerlichkeiten ging. Aber ob das jetzt nun so genau stimmte, wusste sie nicht. Auf jeden Fall hatte sie sie den Tag über verfolgt, hatte gehofft irgendeine Information aufschnappen zu können, die ihr irgendwie weiterhelfen würde. Bisher ohne Erfolg, aber dennoch hatten sie zu ihrer Belustigung beigetragen. Die beiden waren nämlich von einer Steinlawine erfasst und verschüttet worden. Oh Gott, wie sie gelacht hatte. Das war einfach nur zu köstlich gewesen. Es hatte sich eindeutig gelohnt sie zu verfolgen. Sie wäre zwar auch fast mit erfasst worden, aber hey, sie war Invidia und wesentlich schlauer als diese beiden Trottel. Und dennoch war es einfach lustig gewesen. Viel lustiger war eigentlich noch, dass die beiden nur noch ein kleines Loch zur Außenwelt hatten, durch die sie nur ihre Schnauze stecken konnten. Die Fähe war ja schon drauf und dran gewesen, jedes Mal, wenn einer der beiden seine Schnauze durch das Loch steckte diesem mit ihrer Pfote draufzuhauen. Aber das wäre wohl doch ein wenig kindisch und naja albern gewesen. Und Die Todsünde war ja schließlich eine charmante und wohlerzogene junge Dame. Da würde sie doch nicht zu solchen Kindereien neigen. Also hatte sie sich einfach in geeigneter Entfernung niedergelassen, sodass ihr Geruch nicht in die Richtung der Fremden wehte und hatte sich genüsslich an dem Leid der beiden gelabt. Hachja, so ein Tag lohnte sich doch zwischendurch wirklich einmal!

Erst aufgeschreckt war die Fähe, als sie einen Namen vernahm, den anscheinend der Fenriswolf genannt hatte. Der stechende Geruch des Genannten trat ihr kurze Zeit später in die Nase.

“Ansem.“

Knurrte sie leise vor sich hin. Der Wolf dessen Bruder ihre Schwestern auf dem Gewissen hatte. Dass sie ihn noch einmal wiedersehen würde, hätte sie nie gedacht. Er war derjenige gewesen, der sie gesehen hatte, als sie am schwächsten war. Als sie keine ihrer Masken hatte tragen können. Er hatte sie in ihrem schwächsten Moment getroffen. Und sie hatte gehofft ihm niemals wieder begegnen zu müssen. Warum musste er denn ausgerechnet jetzt aufkreuzen müssen? Noch ein Knurren entdrang ihrer Kehle und langsam erhob sich die Schwarzweiße und trat einige Schritte auf Ansem zu, der nur etwas schräg neben ihr war. Der Wind hatte wirklich günstig stehen müssen, wenn er sie bisher noch nicht wahrgenommen hatte. Aber dann war spätestens jetzt der Moment dafür gekommen. Das war ihr Auftritt. Ihre Show würde nun beginnen. Sie ging soweit, dass sie vor dem Loch der Verschütteten stand. Sie baute sich auf und drehte sich so, dass Ansem auf ihre schwarze Seite blicken konnte. Mit dem Auge, auf dem sich der Blitz befand sah sie ihn vorwurfsvoll an. Innerlich hatte sie irgendwie Angst und wäre sie inzwischen nicht wieder stark genug gewesen ihre Masken zu tragen, hätten wahrscheinlich ihre Läufe gezittert. Doch diese Zeit war vorbei. Diese Zeit war lange vorbei. Und so versuchte sie so stolz und erhaben auszusehen, wie sie nur konnte.

“Hallo Ansem. Lange nicht gesehen.“

Ihr Stimme war tiefer als die, die er bei ihrem letzten Treffen hatte vernehmen können. Sie klang auch ein wenig gefährlicher, aber auch viel reizvoller und stärker als noch vor einem Jahr. Ob er sich an die Fähe erinnerte? Aber das tat er ganz bestimmt. Niemand vergaß die Todsünde. Niemand vergaß Invidia. Sie würde zu einer lebenden Legende werden.


{ Außerhalb des Sternenwindreviers || aufgebaut vor Ansem}

Jakash Caiyé
14.09.2012, 14:33

Er fühlte den fragenden Blick seiner Mutter auf sich ruhen und war plötzlich nicht mehr sicher, wer von ihnen beiden eigentlich eher die Gesellschaft des anderen brauchte. Wahrscheinlich war sie es ganz zufrieden gewesen, für den Moment ungestört zu sein, immerhin war Shani eher kein Kind von Traurigkeit und suchte sich schon Gesellschaft, wenn sie welche wollte. Ha, hatte er sich also selbst überlistet, indem er sich einredete, dass SIE es war, die jetzt nicht länger allein sein wollte. Es war zwar nicht so, dass Jakash sich einsam fühlte - nicht bei seiner wunderbaren Familie! - trotzdem ließ die Nähe seiner Mutter sich ihn ein wenig besser fühlen. Vermutlich, weil sie sein ganzes Leben lang für ihn dagewesen war, Pol der Ruhe und Gewissheit, und damit die Verkörperung genau dessen, was er jetzt brauchte.
Dennoch fiel es ihm schwer, eine Antwort auf ihre Frage zu formulieren. 'Was guckst du denn so?' war nur ein anderer Ausdruck für 'Was hast du?', aber obwohl ihm die Antwort auf der Zunge lag, brachte er sie nicht gleich heraus. beinahe hätte Jakash den Kopf über sich selbst geschüttelt, unterließ diese Geste dann aber. Seine Mutter hätte sie nur falsch gedeutet, nämlich, dass er nicht reden wollte. Und das stimmte nicht, es war nur so, dass -
Sein Blick zuckte zu seinen Vorderpfoten, als seine Ballen Signale empfingen, die er in letzter zeit zu fürchten gelernt hatte. Unter ihm begann die Erde zu vibrieren. Erneut.
Jakash sprang auf, als das Beben schnell stärker wurde. Es grollte dumpf, ganz so als schicke der Boden sich an, aufzureißen wie ein zahnbesetzter Fang und nach den Wölfen zu schnappen. Instinktiv spreizte er die Läufer weiter auseinander für einen sichereren Stand, gerade rechtzeitig, bevor seine Mutter gegen ihn fiel. Der Aufprall ließ seine Beine etwas einknicken, aber Jakash gelang es, nicht ebenfalls zu fallen. Er stemmte sich hoch, seiner Mutter damit auf die Beine helfen, und suchte ihren Blick.

"Hilf mir, meine Welpen zu sammeln!",

forderte er sie so besorgt wie bestimmend auf, und lief dann los. Die Erde bebte inwzischen noch heftiger, und es schien kein schnelles Ende nehmen zu wollen.

"Isaí! Malik! Taleesha, Tin- Linalee!",

brüllte er über den Platz und erhaschte einen Blick auf zwei kleine Körper am See, bei Tyraleen und Aszrem. Gut. Malik entdeckte er auf die schnelle nicht, dafür trugen ihn seine Pfoten zu seinem Patensohn und seiner Tochter.

"Linalee, Chardím! Alles in Ordnung soweit? Kommt mit zu den anderen!"

Er berührte seine Tochter mit der Schnauze kurz an der Wange und sah dann den Schwarzweißen, bevor er mit dem Kopf in Richtung des Sees wies.

"Sheena!",

rief er dann, konnte er seine Gefährtin in dem Getümmel nicht sofort entdecken. Anschließend drängte er die beiden mit Stupsern zur Eile.Jakash wollte seine Familie vereint wissen, damit niemand vor Panik verloren ging und noch ein Unglück geschah.Das war vermutlich aber leichter gesagt, als getan - es fiel ihm ja selbst schwer, auf den Beinen zu bleiben.


[beim Rudel | erst Shani, dann Chardím und Linalee]

Chardim
17.09.2012, 18:22

Chardíms zweifarbige Augen weiteten sich ein wenig, als Linalee schließlich fragte, was denn wichtiger sein könnte, als er. Es bohrte sich tief in ihn hinein und ließ das Gefühl der Schuld wieder hoch schwappen. Das ist es doch, Linalee, das ist es doch., dachte er und biss sich auf die Zunge, um zu verhindern, dass er aussprach, warum er sich schuldig fühlte. Das war nicht für ihre großen Welpenohren bestimmt. Das war sein Laster. Und schließlich war da auch immer noch die Frage, ob es der Wirklichkeit entsprach. Chardím besaß ein seltsames Verständnis über die Götter, das dem seiner Geschwister voraus war. Ohne, dass ihm jemand mehr darüber erzählt hatte ... es war einfach da. Und er hatte ihre Macht selbst schon gefühlt und war fast daran gestorben. Er wusste, dass es das Leben nicht ohne den Tod gab und es andersherum genau so war. Und, dass sie ihre Aufgaben erfüllen mussten, um das Gleichgewicht der Welt zu wahren. Taten sie das nicht, geschahen furchtbare Dinge. Ausgerechnet sein Patenkind war ein Erzeugnis dieses Ungleichgewichts. Sie war im Herbst geboren worden, völlig unnormal, weil aufgrund dieses Ungleichgewichts bereits im Sommer der Winter eingesetzt hatte.

Mein Leben und das meiner Familie. Er ist gegangen, weil er es nur so beschützen kann.“

Das würde sie nicht verstehen. Aber es erschien ihm als die einzig richtige Antwort. Das war es, was ihm Fenris im Traum gesagt hatte. Er ging, um sein Leben zu schützen. Ebenso sein eigenes und damit verbunden das seiner Familie. Seiner Mutter.
Zuerst dachte Chardím, es wäre das Beben in seinem Inneren, was plötzlich anschwoll. Aber dann fingen auch die kleinen Kieselsteinchen neben ihm am Boden an leicht zu hüpfen. Es wurde heftiger. Und lauter. Erschrocken wandte der zweifarbige Jungrüde den Kopf hin und her. Die Erde bebte wieder. Aber dieses Mal, schien sie wieder wütender zu sein, als bei den leichten Beben, die sie nach dem Sumpfbeben immer wieder geschüttelt hatten. Jetzt hatte es den Anschein, als wäre die Erde wieder genau so aufgebracht, wie damals im Sumpf. Automatisch legte Chardím den Kopf über sein junges Patenkind und spannte den Körper an. Ein paar Herzschläge später ertönte allerdings eine wohlbekannte Stimme neben ihnen und der Schwarzweiße sah Jakash auf sich und Linalee zukommen. Chardím nickte ihm nach seiner Aufforderung zu und versuchte mühselig sich zu erheben und dabei einen festen Stand zu behalten. Sein Blick ließ dabei nicht von Linalee ab.

Das schaffst du, oder? Wir gehen zu deiner Familie.“

Vorerst blieb er schützend über ihr stehen, bis sie sich selbst erhoben hatte, auch wenn sein Patenonkel bereits mit weiteren Stupsern zur Eile drängte.



[ Rudelplatz | Linalee, Jakash ]

Tyraleen
18.09.2012, 14:55



Weder das Beben noch das Grollen schwoll wieder ab, vielmehr gesellte sich nun ein Naturphänomen, das keiner der Wölfe aus dem Tal kannte dazu. Im Osten des Reviers, über dem toten Land thronend, hatte seit hunderten von Jahren ein Vulkan geschlummert. Heute war der Tag, an dem er erwachen wollte. In einer, selbst auf dem Rudelplatz ohrenbetäubenden Explosion brach die Lava aus seinem Inneren an die Oberfläche und sprühte in den von Asche bereits schwarz gefärbten Himmel. Viel weiter im Westen, wo das Rudel lagerte, konnte die Lava die Wölfe nicht erreichen, doch auch ihre Sonne wurde verdunkelt und sie sahen den Feuersturm über ihrem Gebirge. Das Beben war mittlerweile stärker, als das erste im Sumpf und die Erde grollte noch immer so laut, dass kein Wort zu verstehen war. Erst als sich nach einer Ewigkeit keine Lava mehr über dem Berg auftürmte, kam auch die Erde wieder zur Ruhe und das Grollen verstummte. Nur tief schwarzer, jedes Licht verschluckender Rauch quoll weiterhin aus der Spitze des Vulkans und verbarg die an seinem Rand hinablaufende Lava vor den Augen der Wölfe. Der Wind trug Hitze herbei und hüllte sie in Asche.

Averic und Caitír in ihrem Steingefängnis und Ansem und Invidia davor spürten nur ein leichtes Beben, hörten die Explosion jedoch sehr deutlich und konnten weit im Südosten den wütenden Berg erkennen.

Tyraleen
18.09.2012, 19:15

Die herannahende Taleesha hatte wenig Augen für Tyraleen, was diese ganz kurz etwas kränkte, dann aber freute sie sich über die offensichtliche Sorge der Kleinen um ihren Bruder. Der verdutzte Blick hatte sich schnell in eine sorgenvolle und beinahe misstrauische Miene verwandelt, die Schwarze traute seit ihrem Erlebnis im Sumpf wohl keinem Wasser mehr über den Weg. Sie klang ein klein bisschen nach einer Spielverderberin, wie die weiße Leitwölfin etwas verwundert feststellte. Dass sie irgendwann mal jemanden als Spielverderber bezeichnen würde, wäre ihr nie in den Sinn gekommen. Vermutlich hatte sie aber auch eine leicht unterschiedliche Auffassung der Bedeutung dieses Wortes. Denn sie fand Taleesha in diesem Moment äußerst liebenswert, wie sie so ernst und besorgt Isaí vom Eis locken wollte. Der ließ sich zudem den Spaß sowieso nicht verderben, denn seine ganze Konzentration war für das Fliegen von Nöten. Das, was er da auf dem Eis tat, konnte man zwar noch nicht unbedingt so bezeichnen, aber immerhin stand er wieder und konnte sich ein wenig bewegen, ohne erneut auszurutschen. Er fühlte sich wohl sogar sicher genug um seine Schwester zu beruhigen und was Tyraleen betraf – die hatte nicht das Gefühl, sich einmischen zu sollen. Lieber betrachtete sie die beiden Welpen und ließ sich von ihnen ablenken. Aber Taleesha hatte mittlerweile ihren Blick zu ihrer Patin gewandt und jetzt veränderte sich ihr Gesichtsausdruck. Plötzlich war sie nicht mehr besorgt und ein wenig ungehalten, sondern traurig, beinahe verzweifelt, mut- und hoffnungslos. Irritiert trat Tyraleen einen Schritt auf ihren Patenwelpen zu, wurde dann kurz von einer hastigen Bewegung Isaís abgelenkt, der aber wieder nur ausgerutscht und mit dem Vorderkörper auf dem Eis gelandet war und vernahm dann die leise, piepsige Stimme Taleeshas. Hatte sich Tyraleen irgendetwas anmerken lassen? Sie war doch ganz ruhig gewesen, hatte sogar gelächelt, hatte sich tatsächlich sogar ein bisschen besser gefühlt. Ein bisschen. Und jetzt plötzlich fragte die kleine Schwarze danach, was passiert war. Oder meinte sie irgendetwas anderes? Ging es ihr nicht gut? Einmal schluckend senkte die Leitwölfin ihre Nase zu Taleesha und fuhr ihr beruhigend mit der Zunge über den Pelz.

“Was ist denn? Geht es dir nicht gut?“

Genau in diesem Moment begann Tyraleen das Beben zu spüren. Es war zunächst so schwach, dass sie sich keine Sorgen machte, nicht einmal um Isaí auf dem Eis. Aber dann vernahm sie das Grollen, konnte zuerst nicht begreifen, woher es kam und stellte dann mit einem Frösteln fest, dass die Erde zu ihnen sprach. Schon wurde das Beben stärker und jetzt huschte ihr Blick doch besorgt zu Isaí, der sich bereits in ihre Richtung bewegte. Als sie das Eis knacken hörte, wollte sie schon losspringen, hielt sich dann aber noch im letzten Moment zurück, denn vermutlich hätte sie alles nur noch schlimmer gemacht. Und nach wie vor war es ja einfach nur ein Erdbeben, nicht zu stark. Sie versuchte sich selbst zu beruhigen, war aber heilfroh, als Isaí sie erreichte und sich unter ihr verkroch. Mit einem Winseln machte er ihr seine Angst klar und als das Grollen nur noch lauter wurde, begann die Furcht auch nach Tyraleen zu greifen. Abwechselnd fuhr sie jetzt Isaí und Taleesha mit der Zunge über den Kopf, versuchte sie und sich einzureden, dass es nur ein weiteres Beben war und hielt tapfer dem immer stärker werdenden Rütteln stand. Bis es plötzlich so ohrenbetäubend knallte, dass sie beinahe das Gleichgewicht verloren hätte. Zu Tode erschrocken wollte ihr Instinkt sie zur Flucht zwingen, aber das Beben hielt sie davon ab, stürzte sie zu Boden, bevor sie aufjaulen konnte und dann sah sie es. Auf der anderen Seite des Sternensees, in ihrem geliebten Gebirge kam Feuer aus einem Berg. Es erhob sich in den plötzlich nachtschwarzen Himmel, verbrannte die Welt um sich herum und stürzte dann nieder um auch noch die Erde zu verschlingen. Fast besinnungslos vor Angst und Hilflosigkeit konnte sie nur einen Namen in das tosende Grollen schreien:

“AVERIC!“

Und auch wenn das Donnern der Erde um sie herum jeden Laut von ihr verschlang, so hallte ihr Ruf doch weit fort von ihr in einem kleinen Gefängnis aus Geröll nach. Bei Tyraleen selbst änderte sich nichts, das Feuer strömte weiter, verschlang die Sonne durch seine Dunkelheit, ließ Nacht über das Tal kommen und plötzlich weinte die Weiße. Während die Tränen über ihre Wangen strömten, kämpfte sie sich kriechend zu den beiden Welpen, versuchte verzweifelt sich um sie herum zu schlingen und schaffte es schließlich, sie in einem Kreis aus weißem Fell zu bergen. Das eigene Gesicht ebenfalls darin vergrabend, ganz nahe an Taleesha und Isaí und noch immer vom Beben hin und her gerüttelt werdend, erwartete sie das Ende der Welt und bat Engaya in einem letzten verzweifelten Aufbegehren, dass die beiden Welpen in ihrem Fell keine Schmerzen würden ertragen müssen.


[ Rudelplatz | Isaí und Taleesha ]

Parveen
18.09.2012, 20:51

Parveen wusste nicht recht wie sie sich verhalten, oder was sie sagen sollte. Ein wenig fehl am Platz, wie sie dort lag und den schwarzen Jungwolf nicht wirklich einschätzen konnte. Wo er sie anfangs noch vollkommen ignorierte, warf er ihr nur zumindest einen Blick zu. Die blauen Augen waren kalt und hatten nichts freundliches an sich. Als würden sie schreien: 'verschwinde von hier'. Aber die ältere Fähe blieb wo sie war. Auch wenn sie es nun vermied, Krolock offen an zu schauen. Ungehobeltes Verhalten würde sie sich nicht gefallen lassen und durch einen Blick würde er sie bestimmt nicht verscheuchen, auch wenn er sie zum wegschauen brachte. Für ihn bestimmt ein Erfolg.
Sie wandte den Kopf ein wenig, als würde sie versuchen nicht zu lauschen, aber natürlich bekam sie jedes Wort und jede Regung ganz genau mit. Durch ihre derzeitige Position wäre das auch nicht zu vermeiden gewesen. Das Thema war… logisch… Die vergangene Nacht, Averics Abschied. Was gäbe es auch im Moment, das dieses Ereignis in den Schatten stellen würde. Das Gespräch musste sich in diese Richtung drehen. Es stimmte Parveen nicht gerade froh. Vielmehr hatte sie einen Klos im Hals, als sie an die vergangenen Stunden dachte. Caylee musste es noch schlimmer dabei gehen und Krolock… Dem schien es ziemlich gleich zu sein, oder nicht?

"Ungestört sein? Ungestört von Averics Abschied?"

Sie verengte leicht die Augen. Dieser Wolf mochte ihren Bruder nicht, mochte den Vater von Caylee nicht. So viel hatte Pav bereits bei dem letzten Zusammentreffen mitbekommen. Aber, bewegte ihn dieses Schlüsselereignis des Rudels gar nicht?
Mit einem ganz leisen Seufzen richtete sich die Schwarze auf. Wahrscheinlich war es für sie nicht gut, hier zu sein. Sie wollte keinen Streit herauf beschwören, wo keiner sein musste. Ihr Gegenüber hatte andere Ansichten und im Normalfall versuchte sie solche zu akzeptieren, aber im Moment war alles einfach noch zu frisch. Frisch wie eine aufgerissene Wunde, die erst verheilen musste.

"Caylee, ich…"

Gerade wollte sie sie sich abwenden, Caylee noch einen Gruß schenken und gehen, als ein Rucken sie inne halten ließ. Sie stockte mitten im Satz und jeder Muskel in ihrem Körper war plötzlich gespannt. Die Erde hatte erneut begonnen, sich zu bewegen. Sie hatte es Anfangs kaum wahr genommen, aber nun war es nicht mehr zu missachten. Die blauen Augen waren im Schreck geweitet, als ein erneutes Aufbäumen der Erde sie fast aus dem Gleichgewicht brachte. Den ersten Blick warf sie zu Caylee und Krolock, der zweite glitt nach oben. Nach oben, zu den Bäumen.

"Caylee, Krolock, weg von den Bäumen! Los!"

Es hörte nicht auf, die Erde setzte sich nicht, wie in den vergangenen Stunden, wieder zur Ruhe. Ein Grollen, als würde es von Fenris selbst stammen, brüllte unter der Erde. Sie ging, torkelte fast, ein paar Schritte voraus. Sie wollte sich zu den beiden Wölfen umwenden, aber konnte den eisblauen Blick nicht mehr von dem Bild wenden, das sie gefangen hielt. Der Berg brannte. Blutrote Flammen türmten sich weit auf und erstickten mit schwarzem Rauch den Himmel. Parveen wollte laufen, sich bewegen und dieses Szenario hinter sich lassen, aber sie war wie aus Stein. Der Gipfel begann zu bluten. Wenn man nun in die Augen der Wölfin schaute, musste man den Spiegel des Berges darin sehen, anders konnte es nicht sein. Das Blau musste zu staubigem Schwarz werden. Der wütende Berg fraß jeden Sonnenstrahl, in dessen Licht die Wölfin vor noch so wenigen Herzschlägen erwacht war. Die grollende Erde verzehrte jeden Ton, außer den Urgeräuschen der Erde selbst. Nur ein Ton drang an ihre angelegten Ohren. Ein Schrei, der aber so schnell wieder verklang und sich Parveen nicht sicher war, dass ihr Geist ihr keinen Streich spielte. Einen bitteren, makaberen Streich. Dies alles konnte nur ein Traum sein… Ein schrecklicher Albtraum, nicht mehr, aber Parveen wachte einfach nicht auf.


{Rudelplatz | Hintergrund Caylee und Krolock}

Shani Caiyé
18.09.2012, 21:22

Shani war in dem ewigen Zwiespalt einer kleinen, schwächlichen Fähe, deren Mutter- und mittlerweile auch Großmutterliebe alle Grenzen überwand. Einerseits hatte sie das dringende Bedürfnis, sich weit weg von allen Bäumen flach auf den Boden zu legen und dieses Beben so wie alle anderen stoisch durchzuhalten. Andererseits gab es Welpen, die jetzt sie oder irgendeine andere Hilfe dringend brauchten und deren Sicherheit sie über alles stellte. Und dann war da noch Jakash, jetzt selber Vater, der noch viel klarer sah, was er tun musste. Ohne Umschweife forderte er sie trotz grollender und bebender Erde auf, seine Welpen einzusammeln und es kam Shani nicht in den Sinn, sich dieser Bitte zu erwehren. Zwar hatte sie nach wie vor Mühe, das Gleichgewicht zu behalten, erst Recht wo Jakash sich nun von ihrer Seite gelöst hatte, aber sie vermutete auch, dass man im Rennen weniger leicht hinfallen konnte. Man musste nur schnell genug sein. Darin versuchte sich Shani, nur wenige Herzschläge Zeit habend, die Lage zu sondieren. Taleesha und Isaí waren bei Tyraleen, mittlerweile auch nicht mehr auf dem Eis. Ihr Sohn hatte sich für Linalee entschieden und sie schon fast erreicht … fehlte Malik. Schon stürmte die Weiße los und hatte pures Glück, dass sie in die richtige Richtung gelaufen war, denn bald erkannte sie am Waldrand Amáya und Malik. Die Sorge wegen des Erdbebens ließ ihre Sorge angesichts einer solchen Kombination – sie wusste sehr genau, was Amáya getan hatte und normalerweise hätte ihr Herz bei dem Anblick von ihrem Enkel mit der Schwarzen wohl kurzzeitig ausgesetzt – gänzlich nebensächlich sein und sie war einfach nur heilfroh, dass sie den kleinen Weißen gefunden hatte.

“Geht weg von den Bäumen, schnell!“,

rief sie noch einige Wolfslängen von den beiden entfernt. Mittlerweile war das Beben so stark, dass sie wohl wirklich das Gleichgewicht verlieren würde, wenn sie anhielt. Aber sie musste es versuchen, sie musste Jakash zeigen, dass mit seiner Familie alles in Ordnung war. Und Malik sollte nicht noch einmal von einem Baum begraben werden. Noch nicht ganz bei ihnen angekommen, ergänzte sie ihre erstaunlich autoritär klingende Anweisung.

“Malik, komm mit, wir müssen sofort zu deinem Vater.“

Damit hatte sie sie erreicht und wie vorhergesehen, kippte sie um, kaum dass sie nicht mehr in schnellen Sprint über das Gras flog. Selbst zwei Ausfallschritte konnten sie nicht retten und schon lag sie vor ihrem Enkel und der seltsamen Schwester Hiryogas. Das Erdbeben musste noch viel stärker geworden sein, denn mittlerweile rüttelte es unter ihr so schwer, dass sie nicht mehr aufstehen konnte. Auch das Grollen war lauter geworden, mittlerweile schluckte es jedes andere Geräusch. Und dann explodierte es - so laut, so furchtbar laut, dass Shani schwarz vor Augen wurde. Sie wäre winselnd davongerannt, hätte sie sich erheben können, aber so lag sie mit eng an den Kopf gepressten Ohren auf der bebenden Erde und rührte sich nicht. Erst nachdem sie den ersten Schock überwunden hatte, riss sie die Augen wieder auf, vom anhaltenden Grollen halb taub und doch noch immer voll von Sorge um Malik. Aber bevor sie ihren Enkel sah, fiel ihr Blick auf das Gebirge im Osten. Es brannte. Nein, das war nicht das richtige Wort … es spuckte Flammen, es setzte sich selbst in Brand und dabei spuckte es Wolken so dunkel wie der Tod. Jedes einzelne Härchen in Shanis Fell sträubte sich vor Entsetzen und hätte die Erde nicht weiter wie ein tollwütiger Wolf unter ihr getobt, so hätte sie wohl alles andere vergessen und wäre n Panik geflohen. Doch so konnte sie nur dort liegen, das Gebirge anstarren, die Dunkelheit aufziehen sehen, sich plötzlich in der Nacht wiederfinden und mit einem Mal zu fürchten, dass sie nun sterben würden. Der Wind blies Hitze und Asche in ihr Gesicht und sie verlor die Orientierung.


[ Am Rande des Rudelplatzes | Malik und Amáya ]

Malik Hikaji
19.09.2012, 19:47

Es gefiel Malik gut bei seiner Tante. Sie erklärte zwar nicht so gut wie Isaí, aber sie gab sich so viel Mühe und außerdem war es spannend, ihr beim Sprechen zuzuhören. Und sie war warm wie die Sonne. Glücklich lauschend plüschte er sich ins nachtschwarze Fell der Fähe und atmete dessen Geruch tief ein, der ihn wohlig daran erinnerte, dass er zuhause war. Der Duft seiner Familie umgab ihn hier überall und obwohl jeder Wolf einen ganz eigenen, speziellen hatte, trugen sie alle auch den Familienduft an sich. Fremde Wölfe bekamen den erst nach und nach, wenn sie eine Weile beim Rudel waren. Kirov zum Beispiel hatte am Anfang gar nicht nach Familie gerochen, aber inzwischen hatte sich das geändert. Sie waren immer alle zusammen und alle hatten sich gern, das war Maliks Überzeugung. Deswegen verwirrte es ihn, als Amáya erzählte, sie wäre oft allein. In seinen schwarzen Augen sah man Unverständnis und Mitgefühl gleichermaßen, als seine Tante davon sprach und er leckte ihr kurz über die Nase. Es war seine Art ihr zu sagen, dass sie von nun an nicht mehr allein sein würde. Er war ja nun da und hatte sie gefunden. Und er würde sie für sich haben, seine Sonnentante. Das Lächeln auf seinem Gesicht hielt auch noch, als ein erneuter Erdstoß alles zum Wackeln brachte. Der Welpe lachte sogar und vergessen war die Angst, der Boden könnte ihn festfrieren wollen, als er nun Mühe hatte, sich auf Amáya zu halten. Er sah es als Spiel, sich gegen die seltsame Laune der Natur, mit der er nun beinahe aufgewachsen war, zu behaupten und durchzusetzen.
Aber diesmal wurde das beben nicht schwächer wie sonst, sondern nahm immer weiter an Intensität zu. Maliks Stirn legte sich in angestrengte Falten, als er immer mehr darum kämpfen musste, nicht herunter zu fallen. Das Rudel reagierte wieder aufgeregt und schließlich purzelte auch er hinab, weil alles zu sehr schwankte und zitterte. Doch statt selbst nervös zu werden, legte der Welpe nur ärgerlich die Ohren an und versuchte dann, ein neues Spiel mit dem Boden zu erfinden. Da er immer heftiger bebte, wurde es nun knifflig genug, auf allen Vieren stehen zu bleiben. Er taumelte hin und her und stolperte, schaffte es aber, nicht gänzlich hinzufallen. Aber er musste sich so sehr konzentrieren, dass er nicht gucken konnte, wie Amáya sich anstellte.

Plötzlich gab es einen so gewaltigen Knall, dass es den Welpen von den Beinen riss. Er schrie auf, sein Herz setzte einige Augenblicke aus vor Schreck, dann raste es weiter, als müsste es den Rückstand wieder aufholen. Nun wimmernd presste er sich auf den Boden, die Augen zusammengekniffen wie beim ersten heftigen Erdbeben und vor Angst gelähmt. Das war kein Spiel mehr und auch wenn er mit dem beben der Erde inzwischen leben konnte, DAS übertraf alle Dimensionen. Er vergaß alles um sich herum, hörte nur diesen furchtbar lauten Knall und das Donnern und Grollen, was darauf nun folgte. Auch seine Oma hätte er nicht wahrgenommen, wenn sie nicht, direkt vor seiner Nase gestürzt wäre. So blinzelte er kurz verängstigt, riss dann die Augen auf und starrte sie an, als wäre sie die Ursache für das alles. In seinem Rücken geschah das, was die Weiße sehen konnte – die wirkliche Ursache. Er spürte nur die Wärme und roch Gestank, der ihn an den Sumpf erinnerte. Das es Schwefel war, der mit der Lava in den Himmel geschleudert wurde, konnte Malik nicht wissen – und es war auch nicht wichtig. Es war ein Gestank, der zur Fürchterlichkeit dieser Ereignisse passte. Voller Angst kroch er auf dem Bauch liegend vorwärts, schob seinen Kopf bis zum Hals seiner Oma vor und schloss die Augen wieder. Es hörte nicht auf zu Donnern.

„Jetzt kommt Fenris uns besuchen“, vermutete er flüsternd, dann verkroch er sich am Körper der Wölfin, die ihn mit ihrem Familienduft vor dem Gestank um sie herum beschützte.

Genau in diesem Moment endete das Zittern unter ihnen und auch das Grollen verstummte. Malik traute sich dennoch nicht hervor.

„Oma?“, fragte er kläglich. Doch mehr brachte er nicht heraus. Er hatte zum ersten Mal keine Frage, er wollte nur wissen, ob sie noch bei ihm war. Er spürte sie doch … es gab zu viele Fragen und er ahnte, dass auch sie dafür keine Antworten haben würde. Was geschah mit seinem Zuhause? Und was geschah dann mit seiner Familie wenn etwas mit seinem Zuhause geschah, das nicht gut war?



{ Amáya und Shani :: Rudelplatz Waldrand}

Ahkuna Caiyé
19.09.2012, 20:50

Misstrauen lag in ihren himmelsblauen Augen. Man konnte schon fast die sprühenden Funken erkennen, die hell aufleuchteten. Ahkuna war unsicher. Das Beben verunsicherte sie. Auch wenn dieses unschöne Ereignis bereits Monde zurücklag, so waren die hinterlassenen Narben immer noch frisch. Mit Angst und Furcht dachte man zurück und die Sorge schwebte vor einem wie ein elender Fluch.
Mittlerweile hatte das Rudel eine ordentliche Strecke zurücklegen können. Doch eine wirkliche Bestätigung, dass man nun in Sicherheit war, bekam man dadurch nicht.
Die junge Caiyé ließ ihren Blick über die Trauerklöße wandern. Averics Abgang saß bei einigen noch tief in den Knochen. Ihr war etwas mulmig dabei, dass der Beta das Rudel in so einer hitzigen Situation verlassen musste. Ihr Tiefpunkt der Gefühle war erreicht.
Ahkuna hob ihr Haupt an und nahm einen tiefen Atemzug. Die klirrendkalte Luft schmerzte in ihren Lungen und sie stieß sie wieder mit einem zischen aus. Langsam setzte sie eine Pfote vor die Andere und drehte eine kleine Runde, um sich einen kleinen Überblick zu verschaffen. Das leichte Beben unter ihren Pfotenballen ignorierte Ahkuna schon fast. Auch das Grollen wurde zum Ersatz vom lieblichen Vogelgesang. Viel zu lange waren sie diesen Umständen ausgesetzt, deswegen versuchte die Fähe darauf gar nicht mehr einzugehen. Ihre Ohren schnippten nach vorne und sie visierte Tyraleen an. Sie war sich unsicher, ob sie auf die Alphafähe zugehen sollte oder nicht. Schließlich hatte sie momentan andere Dinge in ihren Gedanken rumschwirren. Ein langgedehntes Seufzen wich aus ihrem Fang, bevor dieser Laut erstickte und Ahkuna erschrocken nach Luft schnappte.

Ein lautes Geräusch hallte durch die Luft. So laut, dass sie ihren panischen Aufschrei nicht hörte. Diese Explosion übertönte alles. Das Beben nahm zu und Ahkuna konnte sich mit letzter Kraft auf ihren Läufen halten. Sie schwankte gefährlich, trotzdem schaffte sie es dieses Mal ihr Gleichgewicht zu halten. Ihr Körper zitterte wie Espenlaub. Ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen und panischer Angst. Das Beben gab langsam nach … Ihr Körper war angespannt und sie wagte nicht sich zu rühren. Erst als das Kribbeln unter ihren Pfotenballen nachgab, ging sie vorsichtig einen Schritt nach vorne. Ihre Haltung war geduckt, wie das einer hungrigen Hyäne. Der einzige Unterschied war jedoch, dass sie nicht auf der Suche nach Aas war, sondern vorbereitet war auf ein Nachbeben. Ohne wirklich zu reagieren war sie an einem Wolf vorbei gegangen. Nach einigen Metern blieben ihre Läufe stehen und sie drehte sich langsam um. Es war der Wolf, der während ihrer kleinen Abenteuerreise auf das Rudel gestoßen war. Wie war noch gleich sein Name? Chim, Chiran, Chitan? Ahkuna kam nicht drauf. Sie wollte sich umdrehen und weiter gehen, doch als sich ihre Blicke trafen, wusste sie, dass sie ihn zulange beobachtet hatte.

„Geht es dir gut?“, fragte sie das, was in diesem Moment wohl am natürlichsten klang. Ihre Stimme war leise, trotzdem war sie sich sicher, dass er sie gehört hatte.


{ Rudelplatz | Chivan }

Amáya
19.09.2012, 23:04

Es gab in ihrem Leben nur seltsam Momente, die sie ruhig auskosten konnte. Momente, in denen sie nicht irgendwelchen verbitterten Gedankengängen und düsteren Vergleichen nachhing. Seltsamerweise war genau dieser Wintermorgen ein solcher Moment, in dem sie sich für einige Herzschläge lang fälschlich frei fühlte. Diese Sorglosigkeit war nur eine Illusion, die an jedem Splitter dieser Welt zerschettern konnte, dass wusste sie nur zu genau. Genau dieser Gedanke war es, der nun ihr Gemüt wieder trübte. Doch sie war sich sicher, dass Malik sie lange genug mit pfiffigen Fragen abgelenkt halten konnte. Die Gestalt des fragilen Welpen spiegelte sich sanft in dem Blau ihrer Seelenspiegel als sie ihren Blick zu ihm senkte. Er hatte keine Ahnung davon, wie viel ihr so ein simpler Moment bedeuten konnte und es war tausendmal besser so. Doch vielleicht würde auch er irgendwann zu dem Schluss kommen, dass genau die natürlichsten und einfachsten Situationen die Schönsten und Wertvollsten waren. Von Überkomplexität hatte Amáya in ihrem Leben schon mehr als genug gehabt. Ehrlich gesagt überraschte es sie, dass sie nicht schon längst an einer Überdosis verreckt war. Aber nun, schließlich sah sie sich selbst ja auch nicht wirklich als 'lebend' an. Ein blasser Ausdruck huschte über die feminen Linien ihres Gesichts. Ein Schatten, der nur ein wenig traurig, gleichzeitig aber auch auf eine seltsame art glücklich wirkte. Bittersüß. Natürlich verschwand er schnell, so wie alles Flüchtige in diesem Leben.

Die Nachtschwarze spürte das kleine Herz ihres Großneffen gegen ihre Rippen klopfen. Während sich der Besitzer dieses noch gesunden und lebensfrohen Muskels glücklich in ihr dunkles Fell kuschelte, schweifte Amáyas Blick kurz nachdenklich über das Rudel, ohne sie wirklich anzublicken. Hätte sie sich als sie vor einiger Zeit zurückgekehrt war, je vorstellen können, einmal so mit einem ihrer kleinen Verwandten zu plaudern? Das ein Welpe praktisch auf ihr thronte und sie ihm versuchte, die Welt zu erklären? Sie wusste nicht, in wie weit diese Veränderungen dauerhaft oder gar wichtig waren. Doch es gab diese Veränderungen. Minimal, kaum bemerkbar. Sie hatte seit dem sie begonnen hatten chronische Angst vor ihnen, ja fast so schlimm wie vor Mayhem. Ein Schauder durchfuhr die junge Fähe - denn im Gegensatz zu Amúr zählte sie sich ja doch noch in die Kategorie 'jung' - als sie an ihre verstorbene Zwillingsschwester dachte. Die Regentochter hatte sie schon lange nicht mehr so nah gespürt, wie an jenem verhängnissvollen Tag an dem sie Caleb und Minylala angegriffen hatte. Diese Distanz war auch nicht viel angenehmer, denn sie hatte mehr und mehr das Gefühl, dass wenn die Zeit kam alles nur noch umso schlimmer werden würde. Seuftzend schob sie dieses Problem beiseite. An diesem Morgen war nicht die Zeit um darüber nachzudenken. Sie tat ja sonst nie etwas anderes als Nachdenken. Ein flüchtiges Lächeln huschte ihr über die Leftzenwinkel, als sie die kleine, feuchte Zunge an ihrer Schnauze spürte. Er war ein kleiner Engel.

Als der erste Erdstoß kam, beunruhigte das die Tochter Acollons und Banshees noch nicht im Mindesten. Schließlich war seit jenem Tag im Sumpf schon fast alltäglich geworden, dass die Erde sich zwischen ihren Pfoten wand. Also dachte sich Amáya bei dem Gerummel im Erdreich erstmal nicht, genauso wenig wie den kleinen Schneepelz der immer noch auf ihrem Rücken trohnte. Nun, das war vielleicht nicht mehr ganz so der passende Begriff. Das Rütteln der Erde wurde nämlich zunehmend stärker und wenn Malik erstmal leicht gewackelt hatte, so war es ein Wunder, dass er es so lange ohne hinzufallen auf Amáya ausgehalten hatte. Nachdem er einige beeindruckende Balanceakte dargeboten hatte plumpste der helle Welpe dann doch zur Erde. Mittlerweile hatte sich doch leise Besorgnis in das Herz der Fenrisgläubigen geschlichen. Leicht stirnrunzelnd und so kühl und berechnend wie eh und je blickte sie von rechts nach links. Ihre Rudelkameraden begannen ebenfalls unruhig zu werden. Dieses Erdbeben wurde immer stärker. Der Boden vibrierte nicht nur, er schleuderte sie sogar einige Millimeter vom Grund in die Luft. Mit vorsichtigen Bewegungen, stets darauf bedacht, nicht umzukippen, drückte sie sich in eine halb stehende Position. Das Regenblau ihrer Augen strahlte mittlerweile pure Wachsamkeit aus, doch ihr muskulöser Körper schwankte gefährlich. Es war nicht leicht die Situation zu bemessen und gleichzeitig das Gleichgewicht zu halten.

Ein trommelfellzerreißender Knall ließ sie halb in die Höhe springen. Panik rutschte in ihr hoch, der angeborene Instinkt zu flüchten. Stattdessen war sie fast wie gelähmt, als ihre vier schmalen Pfoten wieder den Boden berührten. Als wären sie am Boden festgefroren bemächtigte sich ein schwaches Zittern ihrer glieder. Mit geweiteten Augen schob sie sich langsam aber mit kraftvollen und bestimmten Bewegungen über die an den Boden gepresste Gestalt Maliks. Instinktiv, auch wenn sie keine Ahnung hatte, wie sie ihn beschützen könnte. Sie fiel ja schon fast um, wenn sie sich bewegte. Das war nicht nur ein Beben - das war eine Katastrophe! Es hätte sie nicht mal gewundert, wenn das der Untergang der Welt gewesen wäre. Sie senkte ihren Körper so weit, dass ihr warmer Bauch fast Maliks Rücken streifte, doch sie stand immer noch. Ihr Blick fand dagegen eine bedrohlich glühende Form weit im Westen, dort, wo das tote Land liegen musste. Ihr krankes Herz blieb ihr fast stehen, doch stattdessen pumpte es nun lächerlich laut das Blut durch ihre Venen. Der Berg, der schon seit Ewigkeiten dort gewesen war glühte in Rot und Gelb wie Feuer. Es krachte und grollte immer noch bedrohlich, doch das war nichts gegen dieses Spektakel des Grauens, welches sich über den Bergen abspielte. Genau dieses Grauen kroch langsam ihren Rücken entlang, bis es in das Innerste ihrer Knochen eingedrungen war. Der Himmel hatte auf einmal gar nichts mehr von einem blassen und eiskalten Wintermorgen, ja selbst der Wind hatte sich plötzlich entschieden, statt tödlicher Kälte eine Hitze ähnlich der vom Sumpf ihnen zu bringen. Das Himmelszelt über ihnen nahm mehr und mehr den Ton bedrohender Schwärze an. Instinktiv blickte Amáya besorgt zu Malik hinab, der vor sich hin wimmerte. Ihre Kehle schien wie zugeschnürt, doch sie presste doch noch einige Töne hervor.

"Schhhh.", machte sie in der beruhigendsten Stimmlage, die sie im Momen hervorbringen konnte, doch wegen dem ständigen Grollen war es wohl nicht zu hören. Plötzlich stürzte eine weiße Gestalt wankend auf sie beide zu und viel direkt vor ihnen glatt auf die Schnauze. Amáya stubste Malik ein letztes Mal besorgt an, bevor er zu der hellen Fähe kroch und sich bei ihr anschmiegte. Da die Regentochter in diesem Moment fast umviel und unsunft gegen einen Baumstumpf knallte, brauchte sie einige Zeit, bis sie registrierte, dass es Shani Caiyé war, ihre Schwägerin. Sie nickte der Gefährtin ihres verstorbenen Bruders zu, wobei sie schon fast ausdruckslos erschien, wenn man von der allgemeinen Verwirrtheit und der plötzlichen Härte in ihren Zügen mal absah, natürlich. Ein kurzer, leicht entsetzter Blick galt dem flammenüberzogenen Berg. Erneut griff das Grauen mit eisernen Krallen nach ihrem Herz und es fiel ihr sehr schwer, sich von dem schockierenden Anblick zu lösen. Sie spürte den beißenden Geruch von Rauch und Asche und schielte angestrengt zu Shani und Malik. Plötzliche Ungeduld ergriff sie und sie schnaubte leicht auf.

"Nun los, steht auf. Wir müssen zu Jakash, nicht? Nicht, Shani?", rief sie laut und eisern gegen das Grollen an, welches ihr fast den Schädel spalten wollen schien. Sie schlingerte leicht und konnte sich nur schwer vor einem weiteren Fall bewahren. In ihren Zügen lag strenge Ungeduld. Dann - urplötzlich - wich das Grollen und Beben einer Grabesstille, wie sie die Regentochter noch nie erlebt hatte. Verblüfft schnippte sie ihren Kopf hoch und spähte mit zu Schlitzen verengten Augen gegen Asche und Hitze an. So still. Es war genauso wie bei Mayhem. Diese schweigende Ungewissheit machte sie vielleicht noch mehr fertig als alles andere. Die Leftzen zu einer schmalen Linie gepresst flackerte ihr Blick unruhig hin und her, dabei immer wieder Shani und Malik betrachtend. Sie hatte Angst. Sie hatten alle Angst.


{ Malik Hikaji & Shani Caiyé | am Rande des Rudelplatzes }

Isaí Caiyé
20.09.2012, 16:40

Normal wollte er sich stark geben, furchtlos und stark, doch so souverän er auch die letzten, schwächeren Erdbeben überstanden hatte – da hatte der Boden sie noch nicht zornig rumort und ihnen – wie er fand – deutlich klar gemacht, dass er sie nicht auf sich haben wollte. Er verstand nicht, warum der Boden wackelte, doch damit hatte er sich inzwischen abgefunden. Es war einfach so, so, wie der Schnee gefallen war und es nun wieder kälter wurde. Man hatte sich daran gewöhnen müssen und so viel Angst einem dieses eigenartige Ereignis auch einjagte – den Welpen war es wahrscheinlich bei weitem einfacher gefallen, es einfach hinzunehmen. Sie waren zu jung, als dass sie sich bereits so sehr an etwas gewöhnt haben konnten, um es als ‚Normal‘ zu betrachten und wenn der Boden eben wackeln wollte, sollte er es tun, solange niemandem dabei etwas geschah. Zwar hatte ihn die Unsicherheit der Erwachsenen ebenso verunsichert, doch ganz konnte er ihre Sorge einfach nicht verstehen. Zumindest bei den letzten, schwächeren Beben, bei denen selbst er sich gut auf den Läufen halten konnte. Das hier war anders. Es war zorniger, lauter, heftiger und schien einfach nicht enden zu wollen. Er war heilfroh, als er das Ufer erreicht und sich unter der hellen Wölfin hatte verkriechen können, jedenfalls für den Moment, in dem dieser vermeintliche Schutz seine Angst etwas beschwichtigen konnte, doch lange hielt es nicht an. Auch Taleesha hatte sich zu ihm geflüchtet und der junge Rüde drückte sich mit noch immer angelegten Ohren dicht an sie heran, während sein Blick hastig herumfuhr. Er sah die anderen Wölfe, witterte sie und ihre Angst, ihre Unsicherheit, hätte aber keinem in all dieser Panik ein Gesicht geben können. Es war seine Familie, allesamt und er fürchtete um jeden einzelnen von ihnen – er fürchtete um alles, um was er im Augenblick fürchten konnte. Auch die tröstende, beruhigende Berührung Tyraleens wollte sein rasendes Herz nicht wirklich beruhigen können. Von irgendwo her hörte er die vertraute Stimme seines Vaters den Namen seiner Geschwister, Taleeshas und seinen Namen rufen, doch seine von Angst getränkten Sinne machten es ihm unmöglich, auszumachen, woher sie kam oder auch nur zu antworten. Ohnehin lag es ihm fern, nun aus dieser Deckung zu gehen, denn einen sichereren Ort wollte es im Augenblick nicht geben.

Allmählich verabschiedete sich seine Hoffnung, dass es nachlassen würde. Die letzten Beben waren immer schnell verblasst, dieses allerdings schien schlimmer und schlimmer zu werden, was ihn zunehmend verunsicherte. Er konnte es nicht verstehen und kaum hatte er die Augen zugekniffen, als wünschte er, dann würde es einfach schneller vorbei gehen, ließ ihn ein ohrenbetäubender Knall abermals zusammenzucken. Er spürte, wie ihr Schutz über ihnen verschwand, wie Tyraleen fiel und der junge Wolf riss die Augen abermals auf. Noch immer dröhnte der Knall in seinen Ohren, doch das war nicht weiter wichtig. Der widerliche Geruch, den sie vom Sumpf her kannten, mischte sich allmählich in die Witterungen seiner Familie und es wurde dunkler. Das jedoch bemerkte er erst wirklich, als sein Blick auf der Suche nach Tyraleen, die dicht bei ihnen gestürzt war, über die andere Uferseite des Sees wanderte und wie erstarrt daran hängen blieb. Er kauerte sich zusammen und verfolgte wie gebannt das Schauspiel, was sich ihm bot, was ihm noch mehr Angst einjagte, als er ohnehin schon hatte, ohne auch nur ansatzweise verstehen zu können, was dort vor sich ging. Er kannte kein Feuer, keine Flammen und keinen Rauch. Alles, worauf er sich im Augenblick verlassen konnte, war sein Instinkt, der ihm eindeutig sagte, dass es nichts Gutes war. Er wollte fort von hier, so weit weg wie möglich, doch stattdessen kroch er bloß von Angst geblendet in die Richtung der Wölfin, deren Nähe er spüren wollte, deren Sicherheit er sich in diesem Moment am aller meisten wünschte. Ein undeutbares Rufen hatte er aus ihrer Richtung vernommen, hatte allerdings kein Wort verstanden. Er hatte bloß ihre Stimme irgendwo verloren zwischen all dem Grollen und Dröhnen gehört. Angstvoll winselnd rief er nach ihr, als sie es ihm gleich tat und weitaus leichter voranzukommen schien. Kaum hatte sie sie erreicht drückte sich Isaí so dicht in ihr Fell, wie es ihm möglich war. Am liebsten wäre er einfach darin versunken, aufgewacht und hätte festgestellt, dass es bloß ein böser Traum gewesen war, den ihnen Fenris geschickt hatte. Schließlich spürte er Tyraleen um sich herum, um Taleesha herum und drückte den Kopf so fest er konnte mit zusammengekniffenen Augen gegen das, was er erreichen konnte. Den zitternden Leib seiner Schwester spürte er ebenfalls dicht bei sich, wobei er nicht unterscheiden konnte, ob sie es war oder er, der so von Angst gefüllt zitterte. Und schließlich blieb ihm nichts anderes mehr übrig, als einfach regungslos abzuwarten, was passierte. Er wagte es nicht, sich zu bewegen und bekam vor Furcht nicht einmal mit, dass der Boden aufhörte, zu rütteln. Geborgen im Pelz der Wölfin blieb ihm die Hitze vorerst verborgen, genau wie der Rauch, der finster und unaufhörlich in den Himmel stieg und sie vor jedem Strahl der Sonne abschirmte. Was übrig blieb war das Bild des blutenden Berges, welches er nur zu flüchtig gesehen hatte, als dass er es für die Realität halten konnte.



{ rudelplatz | tyraleen und taleesha, nähe aszrem}

Chivan
20.09.2012, 22:33

Breitbeinig versuchte der Bunte, sich bei der Erderschütterung auf den Läufen zu halten und so nicht gänzlich zu einem Spielball der Natur zu werden, die ihnen irgendetwas mitteilen wollte. Leider Gottes schien allerdings keiner recht zu verstehen, woraus diese Mitteilung bestand. So sehr sich Chivan auch bemühte, noch immer daran festzuhalten, dass es besser wurde – dieses Beben zerschlug all seine Hoffnungen, auf die er eben bei Kisha noch so viel gesetzt hatte. Es ließ nicht nach, schien nur noch wütender zu werden, noch grollender und zorniger, dass es für den Moment tatsächlich so schien, als würde es gar nicht mehr aufhören wollen. Mit zurückgelegten Ohren wandte er sich herum, suchte nach den Wölfen, die ihm in dieser kurzen Zeit bereits bekannt waren, doch in all dem Durcheinander war es schwer, tatsächlich einen auszumachen. Und noch schwerer wäre es gewesen, sich dann tatsächlich dorthin zu bewegen, glich doch bereits der normale Stand einem anstrengenden Akt, bei dem jeglicher Verlust eines Funken Konzentration bereits mit einem schmerzhaften Fall bestraft wurde. Umso angestrengter musste der Rüde auch wirken, als er den Kopf herum warf und sich nach Kisha umsah, die – zu seiner Beruhigung – ebenfalls so gut wie möglich vom Waldrand entkommen war und sich nun gänzlich dem Versuch hingab, sich auf den Läufen zu halten – ganz ähnlich den anderen Wölfen, während die Namen der Welpen an seine Ohren drangen, die der besorgte Vater bei sich wissen wollte. Instinktiv wandte er den Blick wieder in die Richtung, in der er eben noch zumindest zwei der jungen Seelen bei der Leitwölfin gesehen hatte, zumindest hatte er es vor gehabt, doch ein zerschmetternder Knall brachte ihn gänzlich davon ab. Mit dröhnenden Ohren sah er sich nach der Ursache um, denn dieses Mal schien es nicht von unter ihren Pfoten gekommen zu sein, obschon die Erde noch immer munter vor sich hin grollte. Es dauerte nicht lange, bis der Rüde mit aufgerissenen Augen Zeuge eines Schauspieles wurde, von dem er bisher lediglich geträumt hatte – und selbst das lag – so kam es ihm vor – Ewigkeiten zurück.

Mit Schrecken verfolgten die blauen Seelenspiegel die Flammen, die der Berg auf der anderen Seite des Sees in die Luft schleuderte. Mit einem Mal lag ein unangenehmer, schwefeliger Geruch in der staubigen, trockenen Luft und unaufhörlich schien sich das Feuer umhüllt von dunklem, schwerem Rauch über dem Gipfel aufzutürmen. Er glaubte seinen Augen nicht, stolperte und taumelte schließlich zur Seite, wodurch er gezwungen war, den Blick abzuwenden. Doch kaum hatte er wieder einen vermeintlich festen Stand, schon starrte er wieder hinauf. Er warf den Blick umher, musste allerdings feststellen, dass es von Mal zu Mal dunkler wurde, bis die Sonne schließlich fast gänzlich vom Rauch verschluckt worden war. Die Luft begann, unangenehm in seinen Lungen zu brennen, während der Wind den Geruch des Feuers mit sich brachte und alle Instinkte in ihm dazu veranlagten, auf ‚Flucht‘ zu schalten. Doch er rührte sich nicht, starrte schließlich lediglich zum Himmel hinauf, als es wirkte, als würde es zu schneien beginnen – keine weißen, klaren Flocken, sondern schwere, dunkle Asche, die fast schon friedlich zu Boden rieselte, je weiter die Wolke, die der Berg in die Luft gespien hatte, vom Wind in ihre Richtung getragen wurde. Welch Ironie. Erst, als er eine Gestalt wahrnahm, die nicht weit von ihm über den bebenden Boden schlich, wurde seine Aufmerksamkeit abgelenkt. Leicht abwesend folgte sein Blick der Gestalt, die schließlich stehen blieb und sich umwandte. Er kannte ihren Namen nicht, doch dies war im Augenblick auch das letzte, wonach er in seinem Gedächtnis kramte. Ein Name war in diesem Augenblick eine Kleinigkeit, so unbedeutend wie das Wetter dort, wo er einst geboren worden war. Nur dumpf drangen ihre Worte an seine noch immer vom Lärm betäubten Ohren und er brauchte einen Moment, in dem er sie entgeistert ansah, ehe er die Wortfetzen, die tatsächlich durchgedrungen waren, zusammengesetzt hatte, was bei dem eingesetzten Piepen nicht unbedingt die leichteste Übung war, obschon das Grollen unter ihnen allmählich nachließ.

„Das spielt nun keine Rolle mehr.“, murmelte er mit festem Blick auf die helle Fähe, ehe er den Blick abermals zu der aufsteigenden Glut richtete. Es sprach für sich.

Und tatsächlich – erstmals war deutliche Unsicherheit in seinem Blick zu sehen; Unsicherheit und Sorge. Er schluckte und sein Stand entspannte sich gering, als das Beben schließlich nachließ.

„Was ist mit dir? Bist du unverletzt?“, erkundigte er sich schließlich ebenfalls.

Von ‚gut gehen‘ konnte nun keine Rede mehr sein. Chivan ahnte, dass es schwer werden würde, die Antwort der Wölfin wahrzunehmen, immerhin schien sich die Taubheit nicht wirklich bessern zu wollen, doch wenn er genau hinhörte, würde es wohl auch trotz dumpfer Stimmen gelingen, zumindest den Sinn zu verstehen. Sein Blick wanderte zögerlich über den Platz. Überall konnte man die Wölfe erkennen, die sich zusammengekauert hatten und nun mit deutlichem Grauen auf den Zügen den Berg beobachteten, der den Himmel in Brand gesetzt hatte. Nur ein ‚Haufen‘ schien sich nicht rühren zu wollen und Chivan brauchte nicht lange, bis er wusste, wem der helle Pelz gehörte.

„Tyraleen! Schnell!“, rief er der hellen Namenlosen zu und setzte sich mit noch immer unsicheren Schritten in Bewegung.

Ein kurzer Blick galt dem Leitwolf in ihrer Nähe, hilfesuchend und voller Besorgnis, ehe unsicher den Schritt verlangsamte und zögerlich die Schnauze in ihre Richtung reckte. Zwischen ihrem Pelz konnte er nun auch rotes und schwarzes Fell ausmachen, welches – bei genauerem Hinsehen – zitterte, was zumindest schon einmal ein geringer Trost war.

„Tyraleen…“

Flüsternd bedachte er sie einen Moment reglos, ehe er den Kopf zu Ahkuna wandte, doch im Augenblick waren sie wohl alle auf gleiche Weise vollkommen hilflos.



{ rudelplatz | ahkuna caiyé - tyraleen, isaí caiyé, taleesha; nähe aszrem }

Caylee
21.09.2012, 11:49

Die Situation um Caylee herum begann der weißen Fähe schleichend unangenehm zu werden. Zuerst hatte sie es eigentlich noch gefreut – uneingestanden – dass Krolock zu ihnen gekommen war. Aber sein Verhalten gegenüber Parveen konnte sie nicht ignorieren, denn auch wenn er sie hauptsächlich missachtete, war der Weißen doch bewusst, dass ihre Tante in Krolocks Universum ungefähr so viel wie die Grashalme unter seinen Pfoten zählte. Außerdem mochte sie es nicht wie ein Krüppel vor ihm zu liegen und sein zwar ironisch vorgeschlagenes Wettrennen unter keinen Umständen bestreiten konnte. Und das zweite Thema – Averics Abschied – war ihr an sich unangenehm, auch wenn sie es angesprochen hatte und auch wenn sie wissen wollte, was Krolock darüber dachte, aber vielleicht war genau sein offensichtliches Desinteresse auch das Problem. Wenn er etwas mitbekommen hatte, dann nichts für ihn Interessantes und ihm nun die gesamte Amúr-Geschichte zu erzählen, war vollkommen ausgeschlossen. Sie waren ja keine Freunde, die untereinander ihre Gedanken austauschten. Also begann Caylee sich zu wünschen, Krolock wäre gar nicht erst zu ihnen gekommen oder irgendein Umstand – vielleicht Averics plötzliches und überraschendes Auftauchen – würde ihn wieder verscheuchen. Natürlich geschah nichts dergleichen, nur Parveen ließ zum ersten Mal etwas von sich hören, offensichtlich unzufrieden mit Krolocks Wortwahl. Was ihre Tante daran störte, konnte die Weiße zwar irgendwo nachvollziehen, aber sie hätte dem Jungwolf keinen Vorwurf daraus gemacht. Er hasste Averic und das Rudel interessierte ihn auch nicht – da war sein Verhalten nur verständlich. Aber Parveen kannte Krolock nicht und vermutlich hatte sich jetzt auch in ihrem Kopf ein negatives Bild von ihm geprägt. Daran war Caylee gewöhnt, das konnte ihr nichts mehr ausmachen. Theoretisch. Mittlerweile eine etwas verbissene Miene im Gesicht tragend, versuchte sie mit ihrer Antwort von ihrer Tante abzulenken und dabei dennoch irgendetwas Sinnvolles von sich zu geben.

“Achso … dann hast du wohl nicht mitbekommen, wie Engaya wieder zugeschlagen hat.“

Das war das Erstbeste, was ihr eingefallen war. Etwas zwischen Krolock und ihr, was Parveen wahrscheinlich nicht verstehen würde und dennoch – oder vielleicht gerade deshalb - war die Weiße froh, dass sich ihre Tante genau in diesem Moment erhob und so hoffentlich nicht ganz so viel über ihre Worte nachdenken würde. Offensichtlich wollte sie gehen, setzte auch schon dazu an, sich zu verabschieden, aber etwas ließ sie innehalten. Im nächsten Moment spürte auch Caylee das Beben und hörte dieses seltsam dumpfe Grollen. Ihre Ohren drehten sich zurück und die Erinnerung, dass sie bei ihrem letzten Beben zum Krüppel gemacht worden war, ließ sie augenblicklich sich mit drei Beinen nach vorne arbeiten. Sie versuchte gar nicht erst, sich aufzurichten, das war für sie jetzt unmöglich. Aber sie schob sich erstaunlich schnell auf Krolock zu, wollte auf seiner Höhe eigentlich nicht innehalten und wurde doch von dem immer stärkeren Beben schließlich daran gehindert, sich weiter fortzubewegen. Parveens besorgter Aufforderung konnte sie also auch nicht nachgehen und wollte in absolut gespielter Jungwolfgelassenheit trocken darauf hinweisen, als das Grollen so laut und das Beben so über die Maßen stark wurde, dass ihr jedes Wort im Hals stecken blieb. Nun packte sie doch die Angst, auch wenn sie wohl weit genug von einem Baumstamm entfernt war, konnte er noch immer zu ihr stürzen. Als dann der ohrenbetäubende Knall ertönte, wurde diese Überlegung vollkommen nebensächlich, hatte Caylee doch genauso wie ihre Tante einen großartigen Blick auf den Berg im Osten, der mit einem Mal die Hölle hervorspie. Dunkelrot wie Blut quoll Feuer aus der Erde und rann dann den Berg hinab, es sah so unwirklich und fremd aus, dass die Weiße es nicht begreifen konnte. Dazu wurde alles um ihn herum dunkel, dichter Rauch wie schwarze Höllenwolken umhüllte den Berg und trieb unglaublich schnell auch auf sie zu. Schon war jeder Sonnenstrahl verschluckt und plötzlich wurde es dunkel. Dazu bebte die Erde noch immer und das Grollen hatte nicht aufgehört. Jede ausgesetzte Coolness vergessend, drückte sich Caylee winselnd in das welke Gras und wollte um Hilfe rufen, bekam aber noch immer kein Wort heraus. Irgendwann kniff sie die Augen zu, auch weil etwas sie zu reizen begann. Schier endlos lange lag sie so da und erst als sie ihr eigenes Zittern spürte, wurde ihr bewusst, dass es vorbei war. Das Beben hatte aufgehört, das Grollen war verstummt und mit geschlossenen Augen fühlte sich die aufziehende Wärme gut an, beinahe könnte man denken, dass das alles nur ein böser Traum gewesen war. Doch kaum öffnete die Weiße die Augen, sah sie ganz deutlich, dass nichts gut war, denn mittlerweile war es so dunkel, dass sie kaum mehr ihre Umgebung sehen konnte. Nur im Osten glühte etwas dunkelrot und fast glaubte sie, Fenris Augen darin zu sehen. Der Gott, dem sie sich doch eigentlich so nahe zu fühlen meinte, jagte ihr panische Angst ein.

“Parveen … Krolock …?“,

wimmerte sie in die Finsternis hinein und wagte sich kaum zu bewegen. Ihre Schulter schmerzte wieder so stark, dass sie wohl sowieso nicht hätte aufstehen können und ihre Läufe hatten noch nicht aufgehört zu zittern.


[ Rudelplatz | Parveen und Krolock ]

Linalee
21.09.2012, 12:12

“Chhhhtch!“, entfuhr es der kleinen Fähe voll Schreck.

Die Erde – die Erde! – sie zitterte schon wieder! Augenblicklich war Linalee auf den kleinen, kurzen Beinen, die großen Augen panisch aufgerissen, umherstarrend – als könnte sie die Ursache dessen, dass die Erde zu ihren Pfotenballen bebte, irgendwo dran erkennen. Die fledermausartigen Ohren der kleinen gestalt zuckten heftig in alle Richtungen, sie warf einen Blick über die Schulter, dann zu Chardím. Die Worte dessen, was er gerade gesagt hatte, hallten in ihrem Herzen wider. Averic konnte seine Familie nur beschützen, indem er nicht bei ihnen war? Das machte für Linalee keinen Sinn – aber konzentrieren konnte sie sich jetzt ohnehin nicht mehr.
Auch der Zweifarbige schien das Beben der Erde jetzt zu bemerken, und ihr Blick flackerte automatisch über seine Mimik, versuchte, Angst, Schmerz oder einfach nur Entschlossenheit voneinander zu trennen – Gefühle, die sie alle in seinen bunten Augen zu lesen, aber weniger zu bestimmen wusste. Dann trat er den rettenden Schritt zu ihr und legte seinen kopf so über ihren ebenfalls zitternden Körper, dass sie ein wenig von der wütenden Welt abgeschirmt wurde. Selbst die Angst, die Linalee normalerweise bei Körperkontakt verspürte, war nicht stärker als die Furcht vor dem Zorn der Erde. Was hatten sie, die Wölfe des Tals, denn nur getan? Waren sie Schuld daran, dass die Erde sich ihrer entledigen – sie gar von ihrem Rücken abschütteln wollte? Und dazu kamen die Probleme von Chardím, der so unglücklich war, und Averic, dessen Tun sie noch immer nicht nachvollziehen konnte. Einen Moment lang kniff sie die Augen zusammen, atmete stoßartig aus und drückte ihr kleines Gesicht an das Kragenfell ihres Paten.
Chardím war da. Er würde ihr helfen, und oh, selbst wenn sie normalerweise eher Angst vor so viel Nähe hatte – in diesem Moment war es gut, dass der Zweifarbige da war. Sie brauchte ihn wirklich, und es übertraf ihre Vorstellungen, wie schrecklich schmerzhaft es für ihn sein musste, sich nicht an seinen Vater drücken und hinter ihm verstecken zu können, wenn er die Wut der Welt fürchtete.

Eine Stimme riss die Kleine mit den Bernsteinaugen aus ihrer Starre, die Ohren stellten sich hoffnungsvoll auf. Die Erde bebte noch immer, doch was sie gehört hatte, nahm ihr für einen Moment jede Sorge – es war die Stimme ihres Vaters! Der sanfte klang dieser dunklen Zunge würde ihr für immer im Gedächtnis bleiben. Sie suchte ihn mit seinem Blick, doch sah zuerst nur Finsternis. So, dachte sich Linalee stumm, musste sich Chardím fühlen. Wenn der eigene Vater fort war und nichts als Dunkelheit hinterlassen hatte. Doch dann schälte sich die schwarze gestalt Jakaschs aus den Schatten, die Kleine atmete tief durch.

“Papa!“, rief sie angsterfüllt und gleichzeitig etwas beruhigter, rappelte sich wieder auf die kleinen Pfoten, als sie das drängende Stupsens Chardíms gewahr wurde. Auch ihr Vater berührte sie kurz am Kopf, wandte sich dann aber gleich wieder ab, um den Rest der Familie zusammen zu trommeln. Linalee sah sich wieder zu ihrem Paten herum und blickte in die Vielfarbigkeit seiner Seelentore. “J-ja…Wir schaffen das… mit u-unserer Familie.“

Denn dazu gehörte er auch.

In diesem Moment schien alles gut zu werden. Ihr Vater war da, er rief nach der Mutter, und oh, Chardím war auch bei ihr. Eigentlich musste alles gut werden – es gab keinen anderen Ausgang dieses Szenarios. Und dann… dann brach plötzlich ein Feuer aus. Der Himmel wurde noch dunkler, wen möglich, durchsetzt von weißen… Tränen? Flocken? Was genau war das? Ängstlich quietschend machte Linalee zwei Schritte zurück und rasselte wieder rückwärts in ihren Paten hinein. Er war noch hinter ihr gewesen, während sie langsam ihrem Vater hatte folgen wollen. Zu ihrer Familie, dass hatten sie gesagt.
Und was war das jetzt? Panisch und ungläubig blickte Linalee gen Horizont.

“D-der H- hi- himmel brennt“, brachte sie voller Grauen hervor. . .


[glaubt mit Chardím und Jakasch sicher zu sein, wird dann eines besseren belehrt ]

Krolock
25.09.2012, 21:30

Krolock spitzte reflexartig seine Ohren, als sich die Wölfin, die gar nicht Teil des Gesprächs war, plötzlich einklinkte. Niemand hatte ihr die Erlaubnis erteilt, zu sprechen. Innerlich lachte der schwarze Rüde trocken. Es wäre lustig gewesen, wenn sie wirklich um sein Einverständnis gebeten hätte, aber so absurd waren seine Gedanken auch wieder nicht, als dass er so etwas erwartet hätte. Hochmütig sah er zu ihr hinüber, als wäre es eine Ehre, dass er überhaupt reagierte und in Erwägung zog, zu antworten. Hatte er ungestört sein wollen, von Averics Abschied? Was ging ihn das Prozedere des Rudels an?

"Ungestört von Gutwolfgeschwafel..."

Und allem, was Gutwölfe eben so mochten, machten und dachten. Nicht dass er die Gedanken hätte hören können, so viel Erbarmen schienen die Götter noch mit ihm gehabt zu haben, nein, manchmal stand dem Pack schon ins Gesicht geschrieben, was in ihren Schmalspurhirnen vor sich ging. Beispielsweise schien sich gerade in das Bewusstsein der Fähe zu schleichen, dass es klug war, das Weite zu suchen. Rücksichtsvoll. Genau das war doch das Problem, das die Wölfe hier hatten. Alles nur Show. Lieber nicht den niederen Impulsen nachgeben, erhaben sein über sich selbst und dann doch wieder austicken. Blabla. Da konnte man auch gleich wie ein Idiot durch die Gegend laufen.
Man sollte kaum meinen, dass er gleichzeitig noch mitbekommen hatte, was Caylee zu ihm sagte. Vielleicht ablenkend, aber von dieser Absicht nahm er keine Notiz. Im Grunde musste man beinahe stolz auf ihn sein, dass er Parveen so artig geantwortet hatte. Das war ein seltenes Privileg und hatte ganz bestimmt nichts mit Sympathie für die Störquelle zu tun. Sie war aber eben da - auch wenn sie nun gehen wollte - also reagierte er, irgendwie. Dass er lieber auf die Weiße einging, war offensichtlich, obwohl man nicht gerade behaupten konnte, dass seine Augen plötzlich sanft und liebevoll wurden. Sie blieben kalt, der Farbe entsprechend. Ein kaltes Blau, wie der Himmel im Winter, wenn die Sonne langsam ihren Rückzug antrat.

"Die Göttin des Lebens schlägt um sich?", fragte er belustigt, einfach nur über die Vorstellung. Er fand das treffend, während die meisten anderen Wölfe des Rudels Engaya nun eher verteidigt hätten. "Aber... äh, ich habe wohl nichts mitbekommen...?"

Die letzte Aussage war - der Situation entsprechend - tatsächlich eher wieder von Ernst geprägt und vielleicht doch von Neugierde. Man könnte sagen, dass er wirklich hören wollte, was Caylee zum Vorabend zu sagen hatte. Natürlich wollte er nichts davon wissen, wenn beispielsweise Parveen etwas dazu sagte. Es ging ausschließlich um die gleichaltrige, weiße Fähe. Was meinte sie mit... zugeschlagen?
Das Gespräch fand jedoch ein jähes Ende, als die Welt begann, unterzugehen. Eine kleine Vorliebe für Dramatik durfte man Krolock schon zuschreiben, aber so etwas hatte er selbst noch nie erlebt. Vielleicht in seltsamen, verworrenen Träumen. Woher er die Gewissheit nahm, dass er sich gerade im wachen Zustand befand, hätte er nicht sagen können. Vielleicht, weil seine Rippen schmerzten, sodass es ihm ein paar Herzschläge lang den Verstand zu rauben schien. Ein bedrohliches, rotes Flackern klomm in seinen Augen auf, als würde sich der brennende Himmel darin widerspiegeln. Wo steckte Nihil eigentlich? Den Wurm hatte er seit einer halben Ewigkeit nicht gesehen.
Caylee kroch auf ihn zu und mit gesträubtem Fell machte er zwei Schritte, sodass er über ihr stand. Es schien, als würde sich in seinem Kopf der wahnwitzige Gedanke einschleichen, dass er mit bloßer Willensstärke jeden umstürzenden Baum abfangen konnte, um die weiße Wölfin zu beschützen. Tatsächlich war es mehr ein Reflex. Er konnte zwar nüchtern verarbeiten, was die nervige, störende Wölfin ihnen zurief, fand aber keine Energie, sich wirklich in Bewegung zu setzen. Das Beben unter seinen Pfoten schien seine Beine nutzlos zu machen, als würden sie ihm nicht gehorchen. Es gelang ihm gerade so, stehen zu bleiben.
Regungslos stand der schwarze, eigentlich nur mittelgroße Rüde über Caylee. Er berührte sie nicht, nicht einmal die Spitzen seines Fells hatten Kontakt zu denen der Wölfin. Vielleicht rief sie deshalb nach ihm, als wäre er weit entfernt.

"Ich glaube, du solltest aufstehen."

Er hauchte ihr die Worte ins Ohr, hatte dafür sogar den Kopf gesenkt, den er nun wieder hob, um sich ein Bild von der Situation zu verschaffen. Irgendwie fühlte sich diese fremde, düstere Welt an, als wäre er endlich nach Hause gekommen. In dieser Hölle ließ sich leicht vergessen, dass Gutwölfe um ihn herum waren und sich ängstigten. Verzweiflung schwebte einmal mehr über dem Rudel und zumindest er - vielleicht als einziger - stand wie ein Sieger über Caylee und fand, dass er die Welt immer richtig betrachtet hatte. Als hätte er immer gewusst, dass sie eines Tages so vor seinen Augen verenden würde. Angst spürte er keine. Seine trockene Analyse brachte hervor, dass das Schlimmste, was ihm passieren konnte, war, sich weiter Gutwolfgeschwätz anzuhören. Sterben stand auch auf der imaginären Liste, die er in seinem Kopf machte, aber daran fand er nichts unheimliches. Er hatte nicht viel zu fürchten.
Krolock gab Caylee frei, in dem er neben sie trat, statt über ihr zu stehen. Wie es ihr ging konnte er nicht abschätzen, wenn sie Hilfe brauchte, würde sie das wohl in Worte fassen müssen. In Unmissverständliche, sonst raffte der Schwarze gar nichts.



[Caylee und Parveen]

Aszrem
26.09.2012, 15:06

Aszrems Blick glitt über das Rudel, als er das Beben zu spüren begann. Erst war es so schwach, dass er es kaum bewusst wahrnahm und nur eine aufkeimende Unruhe in sich spürte. Es dauerte einen Moment, bis Aszrem begriff, dass ein seltsames Vibrieren durch seine Pfotenballen in sein Zwerchfell gekrochen war und immer mehr zunahm. Dann vernahm er das Grollen der Erde, und der Alpha sprang auf. Von da an ging alles irgendwie sehr schnell, und gleichzeitig dauerte jeder einzelne Augenblick eine Ewigkeit.
Aszrem hob den Kopf, um das Rudel von den Bäumen fort zu rufen, aber seine Stimme brach ab, als ihn das Beben unvermittelt straucheln ließ. Aszrem versuchte in einer schnellen Bewegung, sein Gleichgewicht zu bewahren, und spürte einen plötzlichen stechenden Schmerz in der rechten Flanke. Zischend sog er Luft in die Lungen und knickte ein. Der Schwarzbraune verkrampfte sich schier, als er darum kämpfte nicht vollends umgeworfen zu werden. Sein Blick suchte die Welpen bei Tyraleen. Isaí musste vom Eis herunter! Der rote Sohn Sheenas und Jakashs war jedoch schon eingebrochen, und Aszrem versuchte schwankend und halb kriechend, sich in Bewegung zu setzen. Zum Glück konnte der junge Rüde sich jedoch aus eigener Kraft ans Ufer retten – Aszrem war nicht sicher, ob er ihn sonst rechtzeitig erreicht hätte.
Dann krachte es plötzlich ohrenbetäubend und ließ den Alpha fast schon schmerzhaft zusammenzucken. Mit einem Mal waren alle Geräusche nur noch dumpf, wie durch dicken Nebel zu hören. Ein monotones Piepen bohrte sich ihm schier in die Ohren, und nur allmählich wich der schrille Ton und nahm auch die dumpfe Taubheit mit sich. Aszrem vermochte nicht zu sagen, wie lange die Erde noch bebte, aber als es endlich zu verebben begann und der Schwarzbraune sich umsah, war es der Anblick des brennenden Berges, der ihn neuerlich lähmte. Etwas Derartiges hatte er noch nie gesehen. Die Berghänge waren mit Linien aus Rot und Gold überzogen, als blute das Gebirge Feuer. Schwarzer Qualm stieg von der Spitze auf, die wie geborsten wirkte, und verdunkelte bereits den gesamten Himmel. Ascheflocken fielen vom Himmel.
Nur mühsam konnte Aszrem den Blick von diesem entsetzlichen Spektakel abwenden. Seine Läufe fühlten sich wie aus Blei an, als er leicht humpelnd zu Tyraleen, den Welpen und Chivan trat. Der Bunte schien nach Hilfe zu suchen, Aszrem fing einen entsprechenden Blick auf, aber Aszrem wusste nicht, welche Hilfe er ihm hätte gewähren können. Er fühlte sich gelähmt, machtlos, und es brauchte ein paar Momente inneren Sammelns, bis der Alpha es vermochte seine Gestalt halbwegs zu straffen und einen Gesichtsausdruck aufzusetzen, der entschlossener und selbstsicherer war als er sich fühlte. Aber das Rudel brauchte jetzt Führung, und er durfte nicht schwanken. Er trat neben seine Mitalpha und berührte sie mit der Nase leicht an der Stirn.

„Tyraleen“,

versuchte er ihre Aufmerksamkeit zu wecken, und wäre seine Stimme nicht so belegt gewesen, hätte die Sanftheit seines Tonfalls niemals erkennen lassen, dass gerade etwas Schreckliches geschehen war. Und noch geschah.

„Tyraleen, komm, steh auf… das Rudel braucht deine Hilfe…“

Sein Blick fiel auf die beiden Fellbündel, die dicht an sie gedrängt waren.

„Und deine Kinder brauchen dich auch.“


[am See | Tyraleen, Isaí, Taleesha, Chivan]

(öhm, falls Aszrem und Chivan kennen sich aber schon irgendwie, oder? ^^")

Kirov
29.09.2012, 01:40

Abwartend huschte der himmelblaue Blick des gemusterten Rüden über Kursaís Mimik. Sie sah am Anfang so aus, als hätte sie so etwas noch nie gehört. Ein Wolf, der nicht an die Götter glaubt. Doch er ließ sich von ihr nicht verunsichern, auch wenn er damit rechnete, dass sie ihn nun abwies. Er war einfach kein fester Bestandteil der Gruppe. Vielleicht war er auch der Einzige, der keinen Glauben hatte. Kursaís Reaktion nach zu urteilen scheinbar schon. Doch wie er erleichtert feststellte, schien sie eher neugierig zu sein statt sauer. Seine Lefzen zuckten ein wenig zu einem kurzen Lächeln und er schnippte beiläufig mit den Ohren, als hätte er nie so recht darüber nachgedacht, wies es für ihn war, ein ewiger Alleingänger zu sein – obwohl er sich in einem so großen Rudel mit total verschiedenen Wölfen war, wo er eigentlich kaum weiter auffiel, war er doch ganz anders. Er atmete schwer aus und blickte der Grauen wieder in die Augen.

„Es ist natürlich ein komisches Gefühl, zu wissen, dass man ganz anders ist. Ich kann damit umgehen, schließlich weiß es auch noch keiner, außer dir, Daylight und Amáya. Ich möchte es lieber im Geheimen halten, bevor klar wird, dass ich nicht richtig zu euch gehöre, wenn du verstehst was ich meine.“,

sagte er leise und sah dieses Thema damit für beendet an. Kursaí sah vertrauenswürdig aus und sie schien scheinbar an die gute Göttin zu glauben. Sie würde bestimmt nichts erzählen, da war er sich ziemlich sicher.
Kirov nickte nachdrücklich, als Kursaí auf seine andere Frage antwortete.


„Ja. Das hoffe ich auch. Es ist nicht schön, von einer Katastrophe in die nächste zu laufen.“

Der Rüde runzelte ein wenig die Stirn und sein Blick fiel auf die anderen Wölfe, die ebenfalls redeten oder traurig herumlagen. Er selber konnte ihre Trauer nicht nachvollziehen, schließlich hatte er jenen Wolf nicht gekannt, dem sie so nachweinten. Dennoch befand er es für besser, sich fröhliche und wärmende Gedanken zu verbieten, einfach nur der Höflichkeit halber. Er schenkte ihnen mitleidige Blicke, aber eigentlich … spürte er das Mitleid gar nicht. Wie immer. Manchmal war es wirklich schwer, neutral und freundlich zu sein, wenn man innerlich ganz anders fühlte. Aber immerhin hatte er es geschafft, einem relativ fremden Wolf die Wahrheit zu sagen. Natürlich war da noch Amáya, der er sich schon offenbart hatte und die schon so viel über ihn wusste, dass er sich vollkommen maskenlos fühlte. Aber gerade jetzt, in dieser Sekunde, war seine schöne Fassade wieder da, der immer lächelnde Wolf, der keine Probleme hatte. Dabei gab es noch so viel zu klären, vor allem zwischen ihm und Amáya. Aber das alles hatte Zeit. Dachte er zumindest, denn dann fing der Boden wieder an zu beben.

Kirov blieb vor Schreck fast das Herz stehen und binnen Sekunden stand er mit aufgestelltem Nackenhaar auf allen Vieren und starrte mit großen Augen auf den Erdboden. Seine Muskeln waren zum Zerreißen gespannt und ein Zittern fuhr über sein Rückgrat. Sein Feind war wieder da, der körperlose Gegner der seine größte Angst darstellen sollte. Ohja, er hatte Angst, unendlich viel. Er verabscheute diese Erdbeben, die dieses Rudel scheinbar heimsuchten, so abgrundtief, dass es schon kein Wort mehr dafür gab. Kirov hasste es. Gedanken schlugen sich in seinem Kopf übereinander, doch es ergab nichts Sinnvolles. Er stand einfach weiter da, starrte den Boden an und erwartete jeden Moment, dass er sich auftat und ihn verschlang. Erst der starke Geruch von Feuer und Asche brachte ihn dazu, aufzusehen und seine vor Schreck geweiteten Augen faden die von Kursaí. Er zitterte und brachte keinen logischen Gedanken zum Vorschein. Er konnte und wollte sich nicht bewegen, aus Angst, dass die Erde dann noch mehr schaukelte, wenn er nur einen Schritt nach vorne tat. Aber etwas war ganz anders als beim letzten Mal. Es roch so eigenartig, als würde es über ihnen brennen. Und tatsächlich war es auf einmal ganz dunkel. Mühselig hob er den Kopf und sah in einen schwarzen Himmel. Ascheflocken tanzten auf ihn nieder und suchten sich ihren Weg durch seine Atemgänge in die Lunge. Er spürte die Hitze und kniff ein wenig die Augen zusammen. Es glühte förmlich, doch seine Orientierung war noch zu angeschlagen. Erneut blickte er die graue Fähe an.

„Kursaí … was passiert hier?“,

hauchte er tonlos und legte die Ohren flach an den Hinterkopf, was auch nur gut war, denn Sekunden später gab es einen lauten Knall, bei dem er die Augen zusammenkniff. Er fühlte sich hilflos. Der Gegner ohne Körper, der so viel stärker war, würde sie alle vernichten.


[Kursaí || Rudelplatz]

Kursaí
29.09.2012, 11:45

Neugierig wartete Kursaí auf eine Antwort des anderen. Sie war gespannt darauf zu hören, was Kirov so antrieb, wie er war. Und sie wurde auch nicht enttäuscht, gewährte der Graue doch Einblicke in sich selber. Verständlicher Weise konnte Kursaí es natürlich nicht vollständig nachempfinden, war sie doch die meiste Zeit ihres Lebens in ihrer Familie gewesen und auch sonst war sie kaum anders gewesen als die Anderen, die sie umgaben. Dennoch begann sie ihn zu verstehen und konnte es nachvollziehen, dass er nicht laut allen sagen wollte, dass er ihre Götter nicht verstand. Wenn sie so nachdachte, dann fiel ihr schon so manch ein Wolf ein, der den "Fremden" wegen seines Unglaubens schiel angucken würde. Und so nickte sei verständnisvoll. Die Fähe fühlte sich auch ein wenig geehrt, dass sie als eine der wenigen um seinen Glauben, oder eher nicht-Glauben wusste, schien es doch wenn nicht ihm so doch zumindest hier wichtig zu sein. Und so sagte sie:

"Wenn es dir nicht recht ist, so werde ich nicht darüber reden."

Sie vermutete, dass es das war, was der Rüde brauchte. So konnte er das Geheimnis für sich behalten, bis er so weit war, es den anderen zu erzählen. Sie glaubte daran, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis es die meisten wissen würden, von Kirov erzählt bekamen. Jedoch dafür war er wohl noch zu einsam im Rudel. Allein in der Gruppe. Wobei ganz allein war er wohl auch nicht, da waren wohl Daylight und Amáya. Und auch ihr selber schien er zumindest soweit zu vertrauen, dass er ihr sein Geheimnis anvertraute.
Eigentlich wunderte es Kursaí nicht, dass der Rüde zustimmte, müsste man doch sadistisch sein, um dagegen zu sein. Sie konnte ihn zwar nicht sonderlich gut einschätzen und doch glaubte sie nicht, dass er so war. Auf seine Bestätigung erwiderte sie nichts weiter, sondern genoss die Ruhe, die zumindest für einen Moment einkehrte. Nicht dass sie das Gespräch als lästig empfinden würde, und doch waren auch Pausen etwas schönes. Und doch war es wohl schwer dies wirklich zu geniesen, herrschte doch eine alles andere als entspannte Stimmung im Rudel. Es schien gar so, als ob verständlicher Weise Averics Abgang die Beben fast völlig überschattete. Ein wenig war sie froh, dass sie mit dem Alpharüden kaum etwas zu tun gehabt hatte, so traf sie sein Abgang weniger hart.
Das Beben war so schleichend gekommen, dass es einen Moment gedauert hatte, bis sie es bemerkte. Anscheindend gönnten die Götter ihnen noch keine Verschnaufpause. Sie hoffte nur, dass Engaya wusste, was sie tat, und so lag sie zu Anfang noch fast entspannt da. Doch dies hielt nicht lange an, denn als das Beben immer stärker wurde, da zog sich alles in ihr zusammen, wurde sie ganz flach, als ob sie versuchen würde sich in Luft aufzulösen, nicht mehr da zu sein. Und so wirkte sie klein, lag flach auf den Boden, alles war angezogen, von den Beinen über den Schwanz als auch die Ohren. Inzwischen war das Beben auch wirklich stark geworden, und ihr Blick kreuzte kurz den von Kirov, und sie sah seine unendliche Angst. Auch sie hatte Angst und doch schien ihn seine zu verschlingen, als würde er sich selber verlieren. Sie hoffte, dass sie ihr Eindruck täuschte, auch er sich an etwas festhalten konnte, wie sie an ihrem Glauben. Jedoch hatte sie keine Ahnung, was es bei dem Rüden sein könnte, hatte er doch den Glauben nicht.
Jedoch wesentlich länger konnte sie nicht mehr über ihn nachdenken, überwältigten sie doch die Eindrücke, die nun kamen. Zum einen war da dieser Knall, der sie zusammenzucken ließ, und doch war viel beängstigender dieser Geruch, der alles in ihr zur Flucht treiben wollte. Dennoch traute sie sich durch das Beben nicht aufzustehen. Und dann kam auch noch die Dunkelheit dazu. Es war so, als ob die Sonne von etwas erstickt wurde, und stattdessen eine Zweite auf die Erde gefallen wäre, oder was war das Helle da in der Ferne? Sie wusste es nicht, und auch sehen konnte sie es nicht lange. War diese Zweite Sonne auf der Erde erloschen? Jedoch schien es so, als ob die Hitze der zweiten Sonne noch da war und nun sie völlig überwältigte, gleich neben dieser Dunkelheit und dieses Geruches. Es dauerte noch einen Moment, da verstand ihr verschreckter Geist, dass es nach Feuer, nach Asche roch und sie von Niesen musste. Nicht dass es davon besser würde, kamen doch immer neue Teilchen in ihre Nase.
Plötzlich ging ihr auf, dass Kirov sie vor dem Knall etwas gefragt hatte. Doch sie wusste keine Antwort, war von den Eindrücken zu überwältigt gewesen, um antworten zu können. Jedoch jetzt, wo der aller erste Schock vorbei ist - oder war sie noch mitten drin? - sagte sie:

"Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es etwas sehr großes sein muss!"

Auch ihre Stimme war tonlos, ja beinahe emotionslos, waren tief in ihr drin begraben, um diese Katastrophe zu überstehen.


[Kirov - Rudelplatz]

Parveen
30.09.2012, 11:46

Parveen überkam eine fürchterliche Angst. Keine Angst, die man vor einem Misserfolg bei der Jagd hatte. Es war eine Angst vor dem Sterben. Angst, vor dem Tod, dem Untergang des Rudels und der Welt selbst. Der Himmel war in Schwarz getaucht. Ja, ihre gesamte Umgebung wurde von dem stechenden Rauch verschluckt, als wollte er jedes Lebewesen niederwerfen und mit sich nehmen. Die Wölfin spürte die Wärme und es erinnerte sie mit Grauen an den Sumpf und die Ereignisse dort. Alles schien zusammen zu gehören und hatte nun den Höhepunkt erreicht. Weiße Flocken fielen auf den Pelz der Schwarzen. Beinahe dachte sie, es wäre Schnee und ihr Herz machte einen Hüpfer über die Banalität eines solchen Naturereignisses. Etwas normales… Aber sehr bald merkte sie, dass es kein Schnee war. Die blauen Augen waren geweitet und suchten in der Dunkelheit ihre Rudelkameraden. Hektisch schaute sie sich um, aber fand niemanden vor sich. Leise Stimmen schienen zu ihr zu dringen. Vielleicht standen diese Wölfe auch ganz in ihrer Nähe, aber sie vermochte es nicht zu sagen. Parveen war, als wäre sie weit entfernt, vollkommen allein.
Wahrscheinlich war der Ruf von Caylee das Einzige, was sie aus ihrer Starre befreien konnte. Mit hämmernden Herzen versuchte sich die Wölfin zu straffen, für einen Moment zu vergessen, was vor sich ging. Eine Stimme in ihrem Kopf rief immer noch die schreckliche Nachricht, dass dies das Ende der Welt war, aber Parveen schüttelte nur gedankenverloren den Kopf. So lang es noch den Hauch einer Hoffnung gab, durfte sie nicht aufgeben, durfte keiner aufgeben! Stand sie nicht immer noch auf ihren Läufen? Spürte sie nichts, hörte nichts? Nein! Sie lebte und die junge Wölfin brauchte sie. Halb taumelnd lief die Fähe ein paar Schritte zurück. Das Beben war abgeflacht oder sogar vollkommen verschwunden. Ihre Körper vermochte es in diesem Moment nicht zu sagen. Ihr war, als würde der Boden immer noch mit aller Macht schwanken.
Sie hatte sich nie weit entfernt gehabt, auch wenn es ihr anders vorgekommen war. Die beiden Wölfe konnte sie im Dunst des brennenden Berges nur schwer ausmachen. Krolock war fast vollkommen verschwunden und nur noch schwache Schemen machten ihn für Parveen sichtbar. Die am Boden liegende Caylee war dank ihres hellen Fells leichter zu sehen und fast wie eine besorgte Mutter senkte die Schwarze den Kopf und berührte ihre Nichte kurz an der Seite ihres Kopfes und schmiegte sich liebkosend an die angsterfüllte Wölfin.
Sie wollte irgendetwas sagen. Etwas wie, 'alles wird wieder gut, hab keine Angst', aber sie brachte diese Worte nicht hervor, wusste sie doch nicht, ob es eine Lüge war.

"Wir sind hier Caylee, ganz nah bei dir."

Ja, sie und Krolock. Zwei Wölfe, die jetzt irgendwie verbunden schienen. Allein durch die Wölfin, neben der Parveen halb kauernd stand und Krolock sie allein durch seine Gestalt vor jedem Unheil zu beschützen schien. Besorgt warf die Fähe dem Rüden einen Blick zu und wanderte mit den Augen dann weiter über und hinter ihn, wo irgendwo die Baumgrenze sein musste. War es nun sicher, oder liefen sie immer noch Gefahr, von stürzenden Bäumen erschlagen zu werden? Sie konnte es nicht sagen, aber Caylee schien nicht in der Lage zu sein, sich aufzurichten. Womöglich nur mit der Hilfe der beiden Wölfe.
Parveens Gedanken – immer noch halb bei dem Schauspiel, dass sich ihr dargeboten hatte – wurde wieder klarer. Es war zu gefährlich, hier zu bleiben. Auch wenn das Beben vorbei war, könnten die Bäume noch immer stürzen und selbst Krolock würde sie nicht aufhalten können, sondern mit der Wölfin den Tod finden.

"Krolock hat recht, wir müssen von hier weg. Weg von der Baumgrenze. Zumindest ein kleines Stück, Caylee. Bitte versuch es."

Die Stimme der Fähe war leise, aber bestimmt. Sie ließ nicht viel von ihrer Anspannung erkennen. Vielmehr versuchte Pav alles von ihrer verbliebenen Ruhe nach außen zu tragen.
Auch wenn sie von diesem Ort fort wollte, ließ sie sich halb neben ihrer Nichte nieder. Wenn es nötig war, würde sie auch hier bei ihr bleiben. Wenn sie schon sterben würde, dann hier. Hier bei ihrer Nichte und einem Wolf, den sie kaum kannte und der sie wahrscheinlich nicht einmal kennen lernen wollte. Zu gern hätte die Schwarze etwas gesagt, hätte die anderen gefragt, was hier passiert. Auch, wenn sie es gar nicht wussten, denn woher hätten sie auch eine Ahnung haben sollen, was hier geschah…


{Rudelplatz | Caylee und Krolock}

Shani Caiyé
02.10.2012, 14:16

Shani harrte regungslos aus, gelähmt vor Angst und Schrecken, blind vom Rauch und absolut ahnungslos, was sie nun tun sollte. Irgendetwas hatte ihr immer gesagt, wie sie vorgehen sollte; ihre Erfahrung, ihr Instinkt, ihre Eltern, ihr Gefährte – aber niemand hatte ihr erzählt, was man tat, wenn Dunkelheit die Sonne verbarg und ein Berg begann, Feuer zu speien. Ihr Instinkt hatte ihr zur Flucht geraten, aber jetzt schwieg er, ließ sie in die Nachtschwärze starren und eine nicht zu findende Antwort abwarten. Irgendwann begannen ihre Augen zu tränen, der Rauch reizte sie und ihre Starre hatte sie wenig blinzeln lassen. Sie kniff sie zusammen und als sie sie wieder öffnete, erkannte sie erstmals Malik, der auf sie zugekrochen kam. Sie hatte ihn beinahe vergessen, was ihr augenblicklich ein schlechtes Gewissen machte und sie damit fast erleichterte. Es war ein Gefühl, das sie kannte, mit dem sie umgehen konnte. Ihr Enkel verkroch sich in ihrem Fell, seine flüsternde Vermutung hatte sie nicht gehört und das Beben und Grollen verstummte. Es war ganz still, als hätte die Welt den Atem angehalten, in ängstlicher Erwartung ihres Untergangs. Wieder musste Shani mehrmals blinzeln, der Rauch war mittlerweile so dicht, dass sie nur ein paar Wolfslängen weit etwas erkennen konnte. Nur das Feuer aus dem Inneren des Berges glomm durch die Dunkelheit. Wieder griff die Furcht nach Shani, jetzt versuchte sie sich dagegen zu wehren. Ein kleiner Welpe hatte sich in ihrem Fell versteckt, sie musste ihn beruhigen. Sich mechanisch von ihrem Mutterinstinkt leiten lassend, begann sie ihm mit der Zunge über das weiße Fell zu fahren und brachte schließlich mit zittriger Stimme ein paar Worte hervor.

“Keine Angst, Malik … das … wir werden … es wird schon alles gut.“

Ihr war bewusst, dass sie nicht unbedingt überzeugend klang, aber es gab keine Worte, die die Situation richtig hätten beschreiben können, zumindest nicht positiv formuliert. Während ihr langsam wieder einfiel, warum sie hier lag, registrierte sie auch, dass Amáya noch immer bei ihnen war und ihr jetzt zunickte. Sie schien weit aus gefasster, als Malik oder Shani selbst, aber die Geruch von Angst lag zu deutlich in der rauchgeschwängerten Luft, als dass die Schwarze vollkommene Gelassenheit hätte vorgaukeln können. Aus irgendeinem Grund beruhigte Shani die Erkenntnis, dass auch diese Wölfin nicht vollkommen gleichgültig war. Sie war bereits im Begriff sich zu erheben, als Amáya sie genau dazu aufforderte und ihr erneut Jakashs Wunsch, seine Familie bei sich zu haben, ins Gedächtnis rief. Wieder setzte ihr Herz einen kleinen Moment lang aus, brach doch nun die Sorge um ihre Kinder und Enkel ungebremst über ihr ein. Sie mussten sofort zu ihm! Schon stand sie auf ihren noch immer leicht zitternden Läufen und ihre Schnauze stupste Malik leicht an.

“Malik, kannst du laufen? Komm schnell, dein Vater wartet auf dich, er macht sich bestimmt furchtbare Sorgen.“

Sie sah wieder auf, blieb mit dem Blick zum wiederholten Male an dem flammenden Berg hängen, spürte eine jähe Lähmung in ihren Läufen und wandte sich dann mit einem fast trotzigen Blick an Amáya.

“Kommst du mit?“

Beinahe verbissen wirkte sie jetzt, als wolle sie sich unter gar keinen Umständen von dieser fremden und so offensichtlich gefährlichen Macht unterkriegen lassen. Sie setzte erste vorsichtige Schritte in die Richtung, aus der sie gekommen war. Eine Wand aus undurchdringlicher Schwärze schien sich ihr entgegenzuwölben und beinahe hätte sie wieder gezögert. Doch dann schritt sie entschlossener aus, wartete nur auf Malik an ihrer Seite um ihrem Sohn seinen Sohn zu bringen.


[ Am Rande des Rudelplatzes | Malik und Amáya ]

Taleesha
02.10.2012, 15:11


Es fühlte sich so gut an, als Tyraleen die kleine Welpin beruhigend an der Stirn berührte. Taleesha schloss für einen Moment die Augen und genoss die Liebkosung, bevor sie über Tyraleens Frage nachdachte. Was los war, wusste die Schwarze selbst nicht, aber dass es ihr nicht gut ging, ja, das stimmte. Sie empfand ein solches Unbehagen, dass sie bei der Berührung Tyraleens nicht entspannt und innerlich losgelassen hatte, sondern immer noch Trauer und unendliche Hilflosigkeit verspürte. Sie konnte es weder artikulieren, noch loswerden. Es war einfach da und legte sich wie ein dichter Nebel über sie. Es sollte nicht lange dauern, bis sich zu ihrer Depression auch noch unbändige Angst gesellte, denn bevor Taleesha antworten konnte, geschah es:

Die kleine Schwarze schaute gerade zu ihrem noch immer fliegen wollenden Bruder und versuchte zu akzeptieren, dass schon nichts passieren würde. Schließlich hatte Tyraleen ihn ja nicht vom Eis geholt. So schlimm konnte es also nicht sein, oder? Während sie ihn also betrachtete und überlegte, ob es vielleicht an der Angst um ihn liegen könnte, dass sie sich so traurig fühlte, verzerrte sich ihr Sichtfeld. Taleesha blinzelte und glaubte, ihren Augen nicht trauen zu können, doch da spürte sie, dass auch der Boden unter ihr zu beben begann. Zuerst war es nur ein leises, schwaches Zittern, dann wurde es immer größer und lauter, dehnte sich aus und brach wie eine dunkle Welle hervor. Es umschlang sie alle und es wollte sie auseinander reißen. Taleesha drängte sich voller Angst an Tyraleen und war heilfroh, als die Isaís zitternden Körper neben sich spüren konnte. Sie hatte es so sehr gehofft, dass er es irgendwie zu ihnen schaffen würde, hatte sich jedoch nicht getraut, die Augen zu öffnen. Wie bei ihrem letzten traumatischen Erlebnis hatte sie ihre Augen fest zusammengekniffen und wollte sie erst wieder öffnen, wenn es vorbei war. Diesmal war es jedoch schlimmer. Es war nicht mehr eine bloße Drohung, ein aggressives Grollen, das anschwoll und wieder zurückging – nein, es war, als hätte es vorher noch nie Stille gegeben und als würde dieses entsetzlich laute Gebaren tief aus der Erde für immer anhalten. Die Welt wankte und kehrte das Unterste nach Oben, das Helle ins Dunkle und ließ nichts als Entsetzen zurück.

Nach einem erneuten, noch stärkeren Beben konnte Taleesha ihre Patin plötzlich nicht mehr neben sich spüren. Sie selbst hätte bei der Wucht des Zusammenstoßes tief unter ihr fast das Gleichgewicht verloren. Ihre Gliedmaßen waren jedoch so mit denen Isaís verschlungen, dass sie durch ihn Halt fand. Es fühlte sich an, als wären sie für immer eins und ein Anflug inniger Geschwisterliebe überkam sie inmitten dieses furchtbaren Chaos‘. Im selben Moment überkam sie eine Welle der Panik. Wo war Tyraleen? Was war mit ihr geschehen? Brauchte sie Hilfe? Wann kam sie wieder? Was sollten sie jetzt tun? Taleesha atmete in sehr kurzen Abständen und begann, noch mehr zu zittern. Als Isaí sich schließlich von ihr löste, um zu Tyraleen zu gelangen, stieß Taleesha einen kläglichen Hilferuf aus. Es war ein schriller, hoher Ton, doch er war in diesem Meer des Grollens, Lärmens und Wütens um sie herum kaum zu vernehmen. Mit einem Mal fühlte sie sich so allein, dass sie es nicht aushielt, ihre Augen weiter verschlossen zu halten. Sie überwand sich und öffnete sie ganz langsam. Dann erstarrte sie.

Es war tiefschwarze Dunkelheit um sie herum. Erst jetzt nahm sie den beißenden Geruch des schwarzen Nebels wahr. Alles war eingehüllt in dieses staubige Schwarz. Und hoch oben thronte ein leuchtendes Blutrot, das sich Stück für Stück einen Weg nach unten fraß. Es breitete sich langsam aus und erstickte das Schwarz. Taleesha dachte, dass es fast wunderschön aussah. Und gleichzeitig wusste sie instinktiv, dass es Bedrohlicher war als alles, was sie in ihrem kurzen Leben bisher gesehen hatte. Um sie herum war es ganz still. Nicht, weil der Lärm aufgehört hatte, sondern weil sie ihn nicht mehr wahrnahm. Sie stand angelegten Ohren und wackligen Läufen einfach nur da und starrte in das Rot, das immer näher kam. Als sie irgendwann Tyraleen und Isaí um sich herum spürte, ließ sie ihren Blick nicht davon ab. Sie spürte nur die warmen Körper derer, die sie liebte, um sich und ließ ihre Angst einfach los.


[am See | Tyraleen, Isaí, Chivan, Aszrem]

Caylee
02.10.2012, 15:49

Caylee hatte den Kopf flach auf den Boden gedrückt und schloss aufgrund des dichten Rauchs immer wieder die Augen. Sie sah sowieso kaum etwas, konnte Krolock und Parveen mit ihrem schwarzen Pelz nicht entdecken und roch nur noch beißenden Gestank, der in ihrem Hals kratzte. Dass sich Krolock über sie gestellt hatte, merkte sie erst, als das Beben ganz vorbei und seine Nähe spürbar war, auch wenn er sie nicht berührte. Sie hob den Blick ganz leicht an und sah einige Momente irgendwie ratlos in das schwarze Fell des Jungwolfs, sich auf merkwürdige Art und Weise sicher fühlend. Jetzt senkte er seinen Kopf zu ihr und flüsterte ihr wenige Worte zu. Ihr Inhalt war nicht weiter besonders, aber die Art und Weise, wie er zu ihr sprach, ließ sie beinahe ihre Angst vergessen. Er war nur ein Jungwolf und nicht einmal ein sonderlich Großer, aber er strahlte unerschütterliche Sicherheit und stets das Gegenteil von Angst aus. In einem kurzen, klaren Moment war sich die Weiße sicher, dass sie Krolock um diese Eigenschaft beneidete. Dann entdeckte sie Parveen, die auf sie zugewankt kam und der Moment war vorbei. Krolock stand bereits wieder neben und nicht mehr über ihr und im Rücken ihrer Tante erkannte sie weiterhin das Blut des Berges, trotzdem wirkte die Weiße jetzt sehr viel gefasster. Die Schwarze erreichte sie, senkte ebenfalls den Kopf zu ihr und sprach beruhigende Worte, vielleicht auch, um sich selbst zu beruhigen. Caylee schaffte es sogar, ihr ein leicht schiefes Lächeln zu schenken und war doch froh, als sie Parveens Schnauze an ihrer spürte. In diesem Moment wurde ihr auch wieder bewusst, dass ihre Tante immerhin drei Jahre älter war als sie und somit eine nicht zu ignorierende Wahrscheinlichkeit bestand, dass sie wusste, was hier geschah.

“Pav … was war … ist das?“

Ihr Blick huschte wieder zu dem nach wie vor rot glimmenden Berg, dessen Blut jedoch immer mehr vom dunklen Rauch verschluckt wurde. Schon wurde sie wieder etwas ängstlicher, schien doch die Dunkelheit nur noch zuzunehmen. Sie war froh, als Parveen erneut zu sprechen begann und sie daran erinnerte, dass schon Krolock sie zum Aufstehen aufgefordert hatte. Etwas verloren wirkend nickte die Weiße und spürte doch, dass ihre Schulter von diesem Vorhaben weniger begeistert sein würde. Aber ihre Tante war so fürsorglich wie immer, ließ sich neben ihr nieder und mit einem dankbaren Blick lehnte sich Caylee an sie, während ihre restlichen drei Läufe ihren Körper ein wenig zittrig aber entschlossen nach oben drückten. Als sie stand, konnte sie feststellen, dass es sich auf dem Boden schlimmer angefühlt hatte, ihr linker Lauf ließ sich sogar ein wenig belasten. Sie warf Krolock einen schnellen Blick zu, dann irrten ihre Augen haltlos durch die Dunkelheit.

“Wohin?“

Ihr schien es eine gute Idee, Tyraleen zu suchen, aber sie hatte keine Ahnung, wo ihre Mutter sein könnte und der Rauch ließ kein Wittern zu. Zögernd trat sie zwei Schritte nach vorne, probierte dabei ihre Schulter aus und stellte erleichtert fest, dass sie tatsächlich ohne Hilfe würde laufen können. Nicht schnell, aber immerhin.


[ Rudelplatz | Parveen und Krolock ]

Krolock
03.10.2012, 15:32

Reflexartig schnappte Krolock nach der schwarzen Fähe, als diese näher trat und brummte dann kurz unwillig, aber resignierend. Miststück. Hätte die nicht weg bleiben können? Der junge Rüde thronte neben Caylee und wartete dann einfach nur ab, als hätten sie alle Zeit der Welt. Wachsam schweifte sein Blick über die düster gewordene Umgebung. Das zähe Glühen zog ihn eine Weile in seinen Bann. Nie hatte er Vergleichbares gesehen. Am beißenden Rauch störte er sich nicht wirklich, obwohl er mit jedem Atemzug einen unangenehmen Reiz in der Lunge spürte und sein Kopf zu schmerzen begann. Dumpf, kaum wahrnehmbar im Vergleich zum Stechen seiner Rippen.

„Nicht nur ein kleines Stück. Wir müssen hier ganz weg.“

Er sah zu, wie die Schwarze Caylee beim Aufstehen half und ließ die beiden Fähen machen. Distanziert zu all dem, was um ihm herum geschah, waren seine Worte einfach nur eine nüchterne Feststellung. Kein Zweifel lag in seiner Aussage und er hatte keine Lust, mit irgendwelchen Wiederworten konfrontiert zu werden.

„Wir folgen dem Fluss.“

Entschied er dann für die kleine Gruppe und setzte sich zielsicher in Bewegung. Viel mehr als die Anderen konnte er nicht sehen und auch nicht wittern, aber er hatte die Orientierung nicht verloren. Ein Anflug wilder Panik war bei ihm ausgeblieben, sodass er gut rekonstruieren konnte, wie er sich bewegt hatte und welche Örtlichkeit sich in welcher Richtung befand. Es war auch nicht besonders schwer, einen geeigneten Weg zu finden. Fort von der Hitze, die sie alle umwaberte, wie vor einigen Tagen im Sumpf. Der Unterschied lag einzig und allein in der bissigen Intensität.
Ein triumphierendes Grinsen huschte über seine Züge, aber im Rauch würde auch dieses untergehen. Sein Blick flog gelassen zu den Wölfinnen zurück, ob diese ihm folgten. Mögliches Theater würde er mit Nichtachtung strafen. Es war ihm völlig egal, was aus dem Rest des Rudels wurde und ob jemand Hilfe brauche. Wenn das Pack klug war, setzte es sich in Bewegung und wenn nicht, war es kaum ein Verlust, sie hier zurück zu lassen.

„Sofort.“

Schob er eindringlich an. Jeder Wolf der bei klarem Verstand war, würde dasselbe tun. Aufbrechen. Leider würde es ihn nicht überraschen, wenn die Vernunftbegabung wie so oft außen vor blieb.


[Rudelplatz Richtung Westen verlassend]

Tyraleen
04.10.2012, 09:59

SL für Ansem:

Für den weißen Rüden geschah ziemlich viel auf einmal. Zunächst wurde er gerufen und konnte so auch schnell zwei Wolfsfänge aus einer Felsspalte hinausspähend erkennen. Im gleichen Moment tauchte jedoch eine weitere Protagonistin dieses Schauspiels auf und Ansem fiel es nicht schwer, sie augenblicklich als Invidia zu identifizieren. Bedauerlicherweise schien sie seine Aufmerksamkeit ebenso fordern zu wollen, näherte sie sich ihm doch mit einem vorwurfsvollen Blick. Und dann wäre da noch der Vulkanausbruch. Normalerweise zeigte sich Ansem von Naturereignissen wenig beeindruckt, doch als das Grollen ungewöhnlich laut wurde und die Erde zumindest ein wenig unter seinen Pfoten bebte, musste er doch Averic, den Fremden und Invidia sich selbst überlassen und das Schauspiel betrachten. Es hatte etwas Schönes. Es kam ihm vor wie eine Ewigkeit, während der der Vulkan unablässig Feuer in den Himmel spie und von ihrem wunderbaren Aussichtspunkt konnte man erkennen, wie der schwarze Rauch hinab ins Tal der Sternenwinde zog. Einige Momente betrachtete er noch fasziniert, wie der Berg wieder zur Ruhe kam, dann wandte er sich zu Invidia.

“Wohl nicht lange genug. Verschwinde.“

Damit ließ er sie stehen und verschwand im Felsenlabyrinth. Vermutlich hatten Averic und der Fremde auf seine Hilfe gehofft, denn offensichtlich waren sie von der Steinlawine verschüttet worden, aber Ansem hatte nicht die Absicht zu helfen. Auch wenn Averics Lage durchaus misslich war, wenn er sich daraus nicht alleine würde befreien können, hatte er den Titel Sohn des Todes auch nicht verdient. Ansem würde ihn weiter im Auge behalten, aber bei dieser Invidia musste er nun wirklich nicht bleiben. Er würde sich zunächst zurückziehen.

Kirov
04.10.2012, 17:05

Kirovs Verzweiflung trat dem inneren Abgrund immer näher. Er wusste nicht wohin mit sich, konnte keinen klaren Gedanken fassen. Als er atmete, konnte er nichts riechen, außer Rauch und Asche. Unbeholfen blickte er um sich und erkannte nur schwer die Schemen der fliehenden Wölfe, die zuvor noch ruhig und schlaflos miteinander geredet hatten, so wie er und Kursaí. Zu früh hatte die Ruhe, die ihm wenigstens für einen Augenblick etwas Geborgenheit geschenkt hatte geendet. Seine Furcht war wieder da, noch schlimmer als zuvor und diesmal hörte die Erde nicht sofort auf zu Beben. Zumindest kam es ihm so vor, als würde der ganze Boden schwanken wie das Wasser des Sees in einem Unwetter. Womöglich bildete er es sich aber auch nur ein. Angst konnte grausam sein. Doch der starke Geruch nach Asche und Rauch war nicht unreal. Er war da und in der Ferne glühte etwas, dass der untergehenden Sonne gleichkam und sie noch in Längen übertraf. Verwirrt davon, richtete Kirov seinen Blick in die Ferne und erkannte wie flüssiges Feuer einen Berg herunter kroch. Wie nannte man es noch? Glut? Lava? Ihm fiel das richtige Wort einfach nicht ein. Doch je länger er zu dem Feuer speienden Berg starrte und in die Flammen, die in den Himmel züngelten, desto mehr konzentrierte er sich wieder auf seine Umgebung. Der Boden schwankte nicht mehr all zu sehr und endlich nahm er wahr, dass seine Nase voller eingeatmeter Asche war. Er nieste reflexartig und wandte sich endlich wieder Kursaí zu. Sie schien ebenso fiel Angst zu haben wie er und er trat einen Schritt auf sie zu.

„Wir müssen hier weg. Den anderen hinterher.“

Seine Stimme klang ungewohnt rau von der Asche und er räusperte sich mehrmals. Seine himmelsblauen Seelenspiegel fixierten die ebenso blauen von der Grauen und er blickte sie eindringlich an. Er durfte sie nicht hierlassen. Wenn ihr etwas passierte, war es seine Schuld und sie war einfach viel zu gutmütig. Wäre er alleine gewesen, wäre er wohl einfach gerannt, ohne auf sein Rudel zu achten, hätte sich selber einen Unterschlupf gesucht und wäre dort verharrt, bis alles wieder in Ordnung war. Doch die Zeit, in der er nur an sich selber denken musste war vorbei. Schon als er nur einen Schritt auf die Alphafähe zugemacht hatte, die ihn gutherzig wie sie war, in das Rudel aufgenommen hatte, da war sein Egoismus schon zerplatzt.

„Komm, Kursaí. Wir müssen sie einholen, bevor alle weg sind. Es ist zu gefährlich hier“,

sprach er weiter und trat noch weiter auf sie zu um auffordernd die Schnauze in das Fell ihrer Halsbeuge zu stecken, das ebenfalls schon mit Ascheflocken bedeckt war. Bedrohlich stand der Feuer spuckende Berg da, so weit entfernt und doch viel zu nah. Kirov meinte bereits, die Hitze des Feuers auf seiner Haut zu spüren. Scheinbar starb ihnen die Welt unter den Pfoten weg und riss die unschuldigen Wölfe des Rudels gleich mit. Er konnte all dies trotz allem, was Kursaí ihm zuvor erzählt hatte, nicht mit den Göttern in Verbindung bringen. Wieso sollten diese so etwas auch tun? Aus Rache? Hass? Liebe? Er würde die Gedankengänge dieses gläubigen Rudels einfach nie verstehen lernen. Dies war wohl einfach das Ende der Welt, wie es aussah. Überall Feuer, Chaos, Zerstörung. Wie man sich einen Weltuntergang auch immer vorstellte. Der Gemusterte schüttelte ein letztes Mal seinen Pelz, um ihn von der Asche zu befreien und legte die Ohren flach an den Hinterkopf. Die Muskeln in seinen Beinen waren zum Zerreißen gespannt, um gleich so schnell wie möglich die Rudelmitglieder einzuholen, die scheinbar in alle Himmelsrichtungen geflohen waren, um dem Chaos zu entkommen.


[Kursaí || Rudelplatz]

Atalya
06.10.2012, 14:18

Während Atalya den Blick über das Rudel schweifen ließ, dachte sie noch einmal über Turiéns Frage nach. Würde es auffallen, wenn er verschwand? Oder wenn sie fort ging, wohin auch immer? Vielleicht würde es niemand merken, andere vielleicht würden einfach nicht reagieren. Dieses drückende Gefühl lag über ihnen allen, Atalya selbst konnte sich in diesem Moment nicht ausschließen. Und was zählte schon ein Wolf in diesem Moment, wenn die Hoffnungslosigkeit sie alle schon ergriffen hatte? Atalya seufzte leise, ließ den Kopf dann wieder auf die Pfoten sinken und blickte still nach vorn, ein Ohr jedoch zu ihrem Bruder gewandt. Einen Moment schloß die Graue die Augen, dann spürte sie es. Ganz leicht begann die Erde unter ihren Pfoten sich zu regen, zu beben, wie sie es die letzten Tage schon oft getan hatte. Jedoch war es dieses Mal anders. Es wurde nicht schwächer, im Gegenteil. Die junge Wölfin hob den Kopf, blickte kurz zu ihrem Bruder. Die Erde schien sich nicht beruhigen zu wollen, statt dessen spürte die Graue immer mehr, wie sie sich bewegte, wie es immer stärker wurde. Die Lefzen leicht verziehend blickte Atalya kurz zum Rudel zurück, drückte sich jedoch leicht auf den Boden, die Ohren jetzt an den Hinterkopf geneigt. Sie erinnerte sich in diesem Moment an das erste Beben, unten am Sumpf. Und mit jedem schnellen Herzschlag wurde dieses Beben schlimmer, es schien sich nicht wieder beruhigen zu wollen. Ein leises Grollen verließ den Fang der Fähe, als sie den Kopf noch ein wenig senkte, darauf hoffte, dass die Erde sich jeden Moment wieder beruhigen würde. Aber es dem sachten Wanken wurde nun immer mehr ein grollendes Beben, sodass die Graue den Kopf noch ein wenig weiter senkte, die Ohren enger an den Hinterkopf pressend.
Der Knall, der dann das Grollen der Erde durchbrach, ließ selbst die junge Fähe zusammen zucken, während die Erde unter ihrem Körper weiter bebte, sich mit dem Grollen, welches nun hinzukam, vermischte. Einen Moment hatte der Körper der Grauen zu zittern begonnen, als sie den Blick zum Himmel hob, der nun schwarz gefärbt war, die Sonnenstrahlen verdeckten. Atalyas Fang öffnete sich leicht, während sie sich noch ein wenig weiter nach unten beugte, einen kurzen Blick zu Turién warf. Ihrem Bruder schien es nicht anders zu ergehen, und jetzt warf die Graue doch noch einen besorgten, beinah panischen Blick über das Rudel. Es schien niemand verletzt, nur die Angst war beinah zwischen dem Geruch der Asche, die auch in ihren Augen brannte, zu wittern. Atalyas Augen suchten automatisch nach ihrer Familie, und es setzte sich ein dicker Kloß im Hals der Jungwölfin fest, als sie ein Gesicht nicht unter denen des Rudels erkennen konnte. Vollkommen konzentriert hatte die Graue nicht einmal bemerkt, dass das Erdbeben wieder verstummte, dass der Lärm vorbei war, und dass nur noch die dunkle Asche ihren Himmel verdeckte. Sie lag einfach da, starrte über das Rudel, suchte den vertrauten, weißen Pelz. Sie hatte den Rüden mit den roten Augen die ganze Zeit nicht gesehen, sie konnte sich nur daran erinnern, dass sie in kurz gesehen hatte, als ihr Vater verschwunden war. Dann war auch er gegangen, und mit diesem Gedanken keimte ein grausamer Gedanke im jungen Herzen der Fähe auf. Mit einem Mal stand sie auf den Läufen, warf nicht einmal mehr ihrem Bruder einen Blick zu, als sie mit panisch rasendem Herzen los lief. Nicht langsam, suchend. Sie lief einfach los, streckte die Nase in die Luft, um zwischen diesem verbrannten Geruch irgendetwas zu erkennen. Aber Madoc schien fort, sein Geruch lag nicht in der Luft, und auch jetzt, wo sie sich dem Rudel näherte, konnte sie ihn auch nicht erkennen. Nur einmal blieb sie stehen, suchte den Platz nach ihrem Freund ab. Aber er war nicht hier, und ein weiterer Blick zu dem Berg, der eben noch Feuer und Asche gespuckt hatte, hinterließen einen grausamen Nachgeschmack auf der Zunge. Er durfte nicht dort sein. Er musste hier sein, in ihrer Nähe. Und ohne zu zögern rannte die Graue wieder los, hustend von der Asche, die sie einatmete. Die Jungwölfin wandte den Blick zu allen Seiten, sah ihre Mutter bei Aszrem und den Welpen, all die anderen Wölfe. Nur von Madoc fehlte jede Spur. Sie beachtete nicht, was vor ihr lag, und diesen Fehler bereute sie wenige schnelle Sätze später.
Sie sah noch den weißen Pelz, dem sie sich näherte, aber als sie den Blick herum wandte, war es zu spät, um noch zu reagieren. Ungebremst rammte sie den Körper Daylights, jedoch verspürte sie in diesem Moment keinerlei Schmerzen. Voller Sorge schloß sie nur die Augen, spürte als nächstes, wie sie hart auf den Boden aufschlug. Und die Welt drehte sich einen Moment schneller, sodass die Graue das Gefühl hatte, sich nicht regen zu können. Die Augen noch immer geschlossen, biss sie die Fänge fester aufeinander, unterdrückte so den Schmerz, der nun doch langsam in einen ihrer Vorderläufe zog. Es schien eine Ewigkeit vergangen zu sein, als sie die Augen langsam öffnete, mit einem tiefen Atemzug zu viel Asche einatmete, die sie wieder zum husten brachte. Einen Moment verharrend drehte sich die Graue auf den Bauch, wandte den Kopf dann zu Daylight herum, die Lefzen zu einem unbegeisterten Knurren verzogen, jedoch verließ kein Ton ihren Fang. Aber es brauchte noch einen Moment, bis sie versuchte, sich langsam zu erheben. Und trotzdem konnten ihre Gedanken nur um das Gesicht kreisen, welches sie hier am Rudelplatz nicht entdecken konnte.


[Rudelplatz - Daylight]

Kursaí
10.10.2012, 16:00

[[Sorry, dass jetzt erst eine Antwort kommt...]]

Kursaí war einfach nur überwältigt. Zum einen wusste sie gar nicht, was sie tun sollte. Jedoch stellte sie sich dabei erst gar nicht die Frage, ob sie denn überhaupt etwas tun könnte. Vielleicht war es ja so, dass sie gerade einfach nur machtlos war, und nur hoffen konnte. Dies glaubte sie aber nicht und so versuchte sie ihren Geist ein wenig zu klären, zu enträuchern. Auch wenn sie schon herausgefunden hatte, dass es nicht sonderlich viel brachte, musste sie immer mal wieder Niesen, war doch die Asche zu stark , steckte sie richtig in ihrer Nase fest. Was geschah nur mit ihrem Tal, mit ihrer Heimat? Konnte Engaya sie alle nicht mehr so gut schützen? War der Göttin etwas geschehen? Konnte einer Göttin überhaupt etwas geschehen? Sie glaubte nicht, dass dies Engayas Werk war, wenn überhaupt dann eher Fenris - passte dieser Rauch, diese Dunkelheit und Untergangsstimmung doch zu diesem. Wo sie grad so dachte, manifestierte der Gedanke sich in ihr: Fenris hatte gewiss seine Pfoten im Spiel. Dies brachte sie aber natürlich noch nicht weiter, bebte doch noch immer die Erde, neben dem Qualm und des Lichtes in der Ferne. Auch wenn die Asche und inzwischen sogar auch die Beben ihr bekannt waren, so konnte sie dieses Licht überhaupt nicht einschätzen. War dies Feuer? Wo Asche war, war auch Feuer. Jedoch ein Berg konnte doch nicht brennen, oder? Der Wald brannte, aber die Erde nicht! Es war zwar weit weg, und sie konnte es nicht so gut erkennen, und doch das was sie erkannte sah überhaupt nicht nach Feuer aus, sondern eher wie ... - sie fand einfach keine Worte dafür. Sie wusste nur, dass sie es auch nicht herausfinden wollte, zumindest nicht aus der Nähe. Ihre Rücken- und Nackenhaare stellten sich davon leicht auf, lief es ihr doch kalt den Rücken herunter. Was auch immer es sein musste, es musste sehr mächtig sein. Auch wenn es paradox erschien glaubte sie dennoch daran, dass ihr Rudel von Engaya noch beschützt wurde und das war auch einer der Gründe warum sie sich ein wenig entspannen konnte. Dies hieß natürlich nicht, dass sie sonderlich entspannt war, oder dass sie gar wirklich beruhigt war. Auch wenn die Erde noch bebte, so war es doch in den letzten Momenten, welche für sie wie eine halbe Ewigkeit vorkamen, nicht schlimmer geworden. Innerlich wurde sie wieder ruhig, fand sich selber im Chaos wieder. Dies sah man wohl auch so langsam an ihrer Haltung, hob sie doch langsam den Kopf wieder, und zog auch sonst nicht mehr alle Körperteile krampfhaft an ihren Rumpf.
Nun wanderte ihr Blick auch wieder ein wenig, besonders in ihrer näheren Umgebung. Dort bemerkte sie plötzlich, dass die anderen flohen, den Rudelplatz verließen. Und auch in diesem Moment wendete sich Kirov wieder ihr zu. Es war so, als ob dieser ganz plötzlich wieder in ihr Bewusstsein trat, war es doch für die letzten Momente so gewesen als wär sie ganz allein, auch wenn alle anderen auch auf dem Rudelplatz gewesen waren. Als er nun sagte, was sie sah, schien es klar. Sie nickte nur leicht und machte sich dran sich auf die Beine zu rappeln. Auch wenn sie nicht mehr ein Häufchen Elend war, kostete es doch beachtliche Überwindung sich wieder aufzustellen, sträubte sich doch alles in ihr dagegen sich bei dem Beben verletzbar zu machen. Sie sah aber auch ein, dass sie nicht alleine hier bleiben konnten, dass sie dem Rudel folgen mussten.
Als sie nun den Blick von dem Rüden erwiderte, bemerkte sie die Aufforderung neben der Angst. Sie wusste nicht, was größer war, und doch war sie froh, dass der Graue sie zur Eile drängte, schien es doch so, als ob diese wirklich nötig war. Nun setzte er seine Worte auch noch fort, und berührte sie auffordernd. Sie erwiderte, während sie sich vollständig aufraffte:

„Sofort!“

Nun stand sie wieder, war wieder auf allen Vieren. Sie machte einen Schritt in Richtung der anderen, da sagte sie zu Kirov noch, während sie seinen Blick direkt erwidert:

„Wir können los. Nichts wie hinterher.“

Wahrscheinlich erhoffte sie sich auch ein wenig, dass sie durch das Rudel ein wenig Schutz erhalten würden, wie dies bei dieser monströsen Kraft sein sollte, das wusste sie nicht, und darüber dachte sie auch nicht wirklich nach. Stattdessen viel ihr auf, dass ihre Stimme ziemlich kratzig gewesen war und es noch viel mehr in ihrem Maul kratzte. Mit einem Mal fiel ihr auf, dass es dem anderen auch so ergangen war, hatte sich doch seine Stimme ein klein wenig verändert. Dies war aber wahrscheinlich bei der ganzen Asche nicht verwunderlich, schien es doch so, als ob das ganze Tal mit dieser überzogen werden würde. Und so machten ihre Beine sich daran, den anderen zu folgen, in der Hoffnung nicht zu stürzen. Noch immer fiel es ihr schwer, sich viel Freiraum in der Bewegung zu geben, wäre sie dann doch instabiler. Gleichzeitig schaute sie aber auch, dass Kirov neben ihr war, jedoch hatte es ja eher so gewirkt, als ob sie sich darum wohl keine Sorgen machen müsste.



[Kirov - Rudelplatz]

Tyraleen
11.10.2012, 11:26

Die zitternden Körper der zwei Welpen, die Tyraleen geschworen hatte zu schützen, gaben der Weißen den letzten Anhaltspunkt, die letzte Hoffnung auf Engaya und das Leben. Ihr Zittern hieß zwar, dass sie schreckliche Angst hatten, aber es bedeutete auch, dass sie lebten, dass sie atmeten, dass es noch nicht vorbei war. An diesen Gedanken klammerte sich die helle Wölfin und ließ ihn erst zögerlich los, als sich tiefe Stille um sie herum ausbreitete und die Erde mit einem Mal innehielt. Einige Atemzüge blieb Tyraleen regungslos liegen, konnte nicht glauben, dass sie wirklich noch lebte und dass es einfach plötzlich vorbei war. Doch dann öffnete sie ganz vorsichtig die Augen, blinzelte in stickige Schwärze und sah den feuerroten Berg still über dem See thronen. Keine Flammen loderten mehr über seinem Gipfel, doch das Feuer schien sich nun Richtung See zu fressen. Wie eine gefährliche Schlange wandt es sich den Berg hinab und aus irgendeinem Grund fürchtete Tyraleen das Zusammentreffen von Wasser und Feuer. Sie wandte den Blick ab und legte ihn auf die Welpen, Isaí hatte sich tief in ihrem Fell verkrochen und regte sich nicht, Taleesha dagegen starrte mit weit aufgerissenen Augen auf den Berg und wirkte seltsam starr, als hätte der Anblick sie gelähmt. Der Weißen war das Geschehen selbst viel zu fremd und angsteinflößend, als dass sie diese Reaktion nicht ebenso gut nachvollziehen konnte wie die Isaís. Verängstigt und hilflos regte sie sich erst wieder, als jemand ihren Namen flüsterte und sie den Kopf umwenden musste. Es war Chivan. Sein Anblick gab ihr mit einem Mal so viel Sicherheit und Stärke, dass der schwarze Rauch und das wandernde Feuer in den Hintergrund rückten. Die hellen Augen des Bunten erinnerten sie daran, was sie zu tun hatte und seine ruhige Stimme sagte ihr, dass sie es konnte. So war sie bereits im Begriff sich zu erheben, als Aszrem sie erreichte und sie mit ungewohnt sanfter Stimme zum Aufstehen bewegen wollte. Sie warf ihm einen kurzen Blick zu, der ihn vielleicht davon überzeugen sollte, dass sie sich nicht gehen lassen würde, dass sie wusste, dass sie nicht in der Position war, sich einzurollen und auf das Ende zu warten. Es gab kein Ende, denn was auch immer auf diesen furchtbaren Tag folgen würde, sterben würden sie nicht. Ihre Läufe zitterten noch immer leicht, als sie schließlich auf ihnen stand, aber sie trugen ihren leicht mager gewordenen Körper und würden sie kein zweites Mal im Stich lassen. Als sie den Kopf zu den Welpen senkte, schwindelte sie leicht, aber ihr Gesichtsfeld begann sich zu verengen, dass bald nur noch das Starksein eine Rolle spielen würde.

“Isaí, Taleesha …“, flüsterte sie leise und fuhr beiden Welpen so beruhigend es ihr nur möglich war mit der Zunge über die Stirn. “Fürchtet euch nicht, das Feuer wird euch nicht erreichen. Geht mit Ahkuna zu eurem Vater, er sucht euch.“

Zumindest meinte sie ihn rufen gehört zu haben, aber selbst wenn nicht, sicher machte er sich jetzt um nichts anderes Sorgen, als um seine Welpen. Und Tyraleens Welpen? Die Weiße konnte nur hoffen, dass es ihnen gut ging. Vielleicht würden sie ja zu ihr kommen … vielleicht. Nach ihnen suchen konnte sie jetzt nicht. Sie hob den Kopf und nickte Ahkuna, die Chivan gefolgt war, zu.

“Bringst du sie zu Jakash.“

Sie hatte ihre Worte wie eine Frage formuliert, aber am Ende stand kein Fragezeichen. Ihr Blick huschte wieder zu Aszrem – nicht ohne Chivan gestreift zu haben – und hängt sich in seinen. Sie mussten etwas tun, irgendetwas … nur was? Die Antwort hatte sich bereits irgendwo tief in ihr geformt und jetzt drängte sie ganz langsam an die Oberfläche. Aber Tyraleen fürchtete sie, ebenso wie ihr Herz bei diesem Gedanken einen Sprung machte. Hinter ihr hatte ein Berg Feuer in den Himmel geschossen, das sich nun auf den Weg in ihre Richtung gemacht hatte. Und dazu war ein schwarzer Rauch aus dem Innersten der Erde aufgestiegen und hatte ihnen die Sonne gestohlen. Am helllichten Tag war es tiefste Nacht geworden und das Atmen fiel immer schwerer. Hier war kein Ort zum Leben.

“Müssen wir … fort.“

Wieder im Wortlaut eine Frage, wieder hob sie ihre Stimme am Ende nicht an. Sie fragte nicht, sie wusste. Und sie wusste auch, wohin. Immer den Spuren des Wolfes nach, von dem sie meinte, ihn für eine unendliche Ewigkeit verloren zu haben.


[ Rudelplatz | Aszrem und Chivan; Ahkuna mit Isaí und Taleesha fortschickend ]

Isaí Caiyé
11.10.2012, 12:48

Es war ihm egal, dass er kaum Luft bekam, so dicht, wie er die Nase zwischen Taleeshas und Tyraleens Pelz gesteckt hatte. Und noch ahnte er nicht, dass das immer noch besser war, als nun den Kopf zu heben und die stickige, raue und schmerzende Luft einzuatmen, die sie inzwischen umgab. Insgesamt rechnete er noch nicht damit, dass es nicht viel heller werden würde, würde er die Augen aufschlagen und sich abermals mit der gesamten Situation konfrontiert fühlen. Im Augenblick noch beruhigte ihn die Schwärze um ihn herum zumindest in Ansätzen. Die Augen fest geschlossen und verborgen in dem Pelz, der Sicherheit bedeutete – so entging ihm der gesamte Trubel um ihn herum und er wünschte sich in diesem Augenblick, es würde einfach so lange anhalten, bis alles wieder gut war. Allmählich lag neben der Furcht, die er trotz der günstigen Position nur zu gut wittern konnte, auch etwas anderes in der Luft, was er zwar nicht kannte, doch sein Instinkt sagte ihm, dass es nichts Gutes war. Und so konnte er sich auch wieder von der kindlichen Hoffnung verabschieden, dass alles wieder gut war, wenn er die Augen aufschlagen würde. Er spürte, wie die Wölfin sich bewegte und wagte es einen unangenehmen Atemzug später ebenfalls, die Augen zu öffnen. Langsam und mit angewinkelten Ohren hob er den Kopf und blickte erst zu Taleesha, die bereits aufgesehen hatte und merkwürdig furchtlos wirkte. Er schluckte trocken und beobachtete sprachlos das Bild, welches sich undeutlich in ihren braunen Seelenspiegeln spiegelte, ehe auch er den Kopf herum wandte und nun der dritte Wolf im Bunde war, der dieses eigenartige Schauspiel unschlüssig beobachtete. Er wusste nicht, was er davon halten sollte. Weiterhin fürchtete er den eigenartigen Berg, fürchtete sich, weil sich die anderen fürchteten und weil sein Instinkt ihm sagte, dass er sich zu fürchten hatte, doch auf der anderen Seite schien der Berg so unheimlich weit weg, dass er sich sicher fühlte. Etwas zumindest, denn der Boden unter ihren Pfoten war wieder ruhig und das war doch in erster Linie das gewesen, was sie zu fürchten gehabt hatten, oder? Doch die Sonne war verschwunden und die Nacht so schnell über sie gekommen wie noch nie. Dieses Mal allerdings dunkler und dichter, als er es je gesehen hatte. Doch er bekam den Blick nicht wirklich vom blutenden Berg abgewendet, solange er die beiden Wölfe dicht bei sich spürte, die bei ihm waren.

„Ist das Nécar?“, flüsterte er fast tonlos und wandte den Blick zögernd von seinem Antlitz ab, um zu Tyraleen aufzublicken.

Dann erst fiel ihm auf, dass sie gar nicht mehr alleine waren. Seine Tante war da, doch er war nicht in der Lage, ihr ein Lächeln zu schenken. Seine Tante und dieser fremde Wolf, der erst seit kurzem bei ihnen war. Der Berg hatte ihn so in seinen Bann gezogen, dass ihm gar nicht aufgefallen war, dass sie zu ihnen gekommen waren und so verstummte er schnell wieder und erwartete gar keine Antwort, weil es außer Taleesha wohl ohnehin niemand mitbekommen hatte, so leise, wie er geflüstert hatte. Kurz huschte sein Blick über die anderen Wölfe, blieb dann unschlüssig an seiner Schwester hängen. Auch Aszrem galt nur ein kurzer Blick, bis seine Seelenspiegel fast von alleine wieder zum Berg huschen wollten, doch Tyraleen kam ihnen zuvor. Aufmerksam und mit immer noch angelegten Ohren sah er zu ihr auf und hörte ganz genau zu, was sie zu sagen hatte. Er spürte ihre Berührung und hob selbst kurz darauf die Schnauze, um sie gegen den Fang der Leitwölfin zu drücken. Dann nickte er stumm, sah zu Ahkuna und spähte schließlich in die Finsternis hinein, die sie umgeben hatte. Er wollte nicht von hier weg, wollte nicht in diese Dunkelheit laufen, doch andererseits wollte er tun, was Tyraleen ihm aufgetragen hatte. Da spielte seine Angst keine Rolle. Es würde schon gut gehen, sie vertraute ihm doch. Glücklicher Weise gingen in diesem Gedankengang die Worte, die die Helle an seine Tante richtete vollkommen unter. Taleesha und er würden Ahkuna mit zu ihrem Vater nehmen – nicht Ahkuna die Welpen. Isaí schluckte und sah dann Bestätigung suchend zu seiner Schwester hinüber. Ein zögerliches Nicken galt ihr, um ihr zu bedeuten, dass er bereit war, hinaus in die Finsternis zu laufen, die ihnen die Sicht und die Luft nahm, ehe er sich zögerlich von Tyraleen entfernte und sich mit einem Mal unheimlich allein in der Schwarze fühlte, obwohl es nur eine Wolfslänge war, die ihn von seiner Schwester trennte.

„Tyraleen, du kommst aber auch gleich, oder?“, murmelte er fragend und blickte zu ihr auf, ehe er - wie geheißen – die Richtung ausmachen wollte, in der sein Vater auf sie wartete. „Paaaaapa!“

Und schon machte er sich mit unsicheren Schritten und sich dicht an Taleesha und Ahkuna haltend auf, um ihn zu suchen und bei ihm auf Tyraleen, Aszrem und den Fremden zu warten.

„Hast du so etwas schon mal gesehen, Tante Ahkuna?“, hauchte er schließlich an sie gewandt in den nachtdunklen Tag hinein und spähte zu ihr auf.



{ rudelplatz | taleesha und ahkuna caiyé; tyraleen, aszrem und chivan gen jakash verlassend}

Chivan
11.10.2012, 15:55

Kurz huschte sein Blick über die beiden Welpen. Taleesha beobachtete erstaunt das Spektakel, welches sich ihnen bot und auch Isaí hob schließlich langsam den Kopf und spähte in die Richtung des brennenden Berges. Chivans Blick hatte ihn nur kurz gestreift, bis er sich besorgt, aber dennoch ruhig an Tyraleen gewandt hatte, die ebenso eingenommen schien wie die beiden Welpen und etliche andere Wölfe, die solch ein Geschehnis wohl zum aller ersten Mal in ihrem Leben sahen. Die Hauptsache war, dass bisher niemand verletzt zu sein schien. Und das war bereits ein großes Geschenk der Götter. Er begegnete dem Blick der Hellen mit aller Ruhe, die er im Augenblick aufbringen konnte und wenn er sich nicht vollkommen irrte, schien sie allmählich wieder zur Besinnung zu kommen. Sie schien zumindest die Angst etwas abschütteln zu können und erhob sich. Auch Aszrem kam dazu, berührte die Alpha sanft an der Stirn und sprach ihr gut zu. Instinktiv machte der Bunte einen respektvollen Schritt zurück, warf einen kurzen Blick zurück zu Ahkuna und schließlich zu den beiden Welpen, die sich allmählich ebenfalls vom Anblick des Berges lösten. Doch ihnen schien es soweit gut zu gehen, obschon die Angst deutlich zu spüren war und so wandte er sich wieder an die drei erwachsenen Wölfe, obschon Ahkuna erstaunlich ruhig geworden war. Seine Läufe fühlten sich noch immer unsicher an, als würde der Boden weiterhin unter ihnen unruhig grollen und sich bewegen. Vielleicht war es die Unruhe, es würde gleich wieder von vorn beginnen, die es seinem Verstand nicht möglich machte, tatsächlich zu glauben, dass sie wieder auf festem, stabilen Boden standen. Still verfolgte er die Bitte an Ahkuna, die Welpen zu ihrem Vater zu geleiten. Währenddessen wanderte sein Blick doch ein weiteres Mal zum brennenden Berg und beobachtete, wie sich das Feuer hinunterfraß. Es schien der fernste Punkt zu sein, den sie sehen konnten. Die Luft brannte unangenehm in seinen Lungen, in seinen Augen, während sich die Schwärze immer fester über sie zu legen schien. Seine Züge wurden etwas fester, seine Ohren drehten sich leicht zurück, ehe er die leiste Stimme des Roten vernahm, der sich offensichtlich um die Alpha zu sorgen schien. Kurz huschten seine blauen Seelenspiegel zu seiner Gestalt hinab, ehe die kleine Gruppe sich auf machte, Jakash im Ascheregen zu finden.

So wendete sich seine Aufmerksamkeit wieder den beiden Leitwölfen zu. Fest fing er den kurzen Blick Tyraleens auf, spähte dann seinerseits zu Aszrem, an den sie ihre Worte zwischen Frage und Gewissheit stellte. Er ahnte, dass es ihr nicht leicht fiel, diesen Entschluss zu fassen und doch wusste sie, dass es richtig war. Sie hatten keine Wahl, sie mussten handeln, schnell. Zwar lag noch immer der See zwischen dem Feuer und ihnen, doch der Rauch umgab sie bereits jetzt und machte es ihnen schwer, zu atmen. Und wenn es ihnen bereits schwer fiel, wenn er sie bereits durcheinander brachte – wie lange würde es dann dauern, bis es für die Welpen unerträglich wurde?

„So schnell wie möglich.“, richtete er sein Wort schließlich an die beiden Wölfe und sein Blick huschte von Aszrem zurück zu Tyraleen.

Er senkte den Kopf ein Stück, machte aber zeitgleich wieder den Schritt nach vorne, den er eben zurückgetreten war, als sich Aszrem der Leitwölfin genährt hatte. Er kannte seine Position, doch er war nicht die Art Wolf, die sich das Wort verbieten ließ. Er mochte noch ein Fremder in den Reihen dieser Wölfe sein, doch hier ging es ihm schlicht um die Sicherheit eben dieser Wölfe. Es ging insgesamt um die Sicherheit all dieser Wölfe. Aszrem wirkte gefasster als Tyraleen, doch vielleicht lag dies auch schlicht daran, dass er die Leitwölfin in den letzten Tagen weitaus besser kennengelernt hatte als den Leitrüden. Ernst lag im Blick des Bunten und doch war es ihm möglich, an seiner Ruhe festzuhalten. Er vertraute auf die Götter, vertraute auf sich selbst, vertraute auf diese Gemeinschaft. Sie durften sich nicht von der Angst in die Enge treiben lassen und mussten Herr ihrer Selbst bleiben.



{ rudelplatz | tyraleen und aszrem }

Chardim
14.10.2012, 22:25

Das Gespräch von eben war nicht mehr wichtig. Was er heute Nacht im Traum erfahren hatte, war nicht mehr wichtig. Es hatte in diesem Augenblick auch keinerlei Bedeutung, wie furchtbar schlecht er sich fühlte, wie ihn Gewissensbisse schmerzten, obwohl er ja gar nichts geahnt hatte. Es war egal. Denn die Welt um sie herum hatte sich wie eine mörderische Bestie aufgebäumt und schien mit schmetterndem Getöse zerfallen zu wollen. Das Beben war so heftig geworden, dass sich Chardím kaum noch auf den Beinen halten konnte, das Bild vor seinen Augen verschwamm und vibrierte geschüttelt. Panik kroch ganz instinktiv durch seine Glieder und musste jetzt wohl selbst den mutigsten Wolf befallen, denn ohne jede Vorwarnung schien das Ende plötzlich nah zu sein. Der Schwarzweiße wollte nach seinem Patenkind haschen, sie wieder zu sich zurück ziehen. Dann zerschnitt ein so donnerlautes Geräusch die Luft, dass er meinte es hätte sein Trommelfell zerschmettert. Der Explosion folgte ein lautes, anhaltendes Piepen in seinen Ohren und alles andere wurde dumpf. Chardím hörte nicht mal mehr seinen eigenen Atem, oder seinen Herzschlag. Automatisch wirbelte er mit dem Kopf herum und die Augen fixierten einen Punkt in der Ferne. Der Himmel war schwarz geworden, ohne dass er junge Wolf verstehen konnte, warum. Es war schließlich eben noch hell gewesen. Aber das war nicht mal beunruhigend im Angesicht dessen, was dort in den Himmel spie. Chardím kannte Feuer nicht, viel mehr wusste er instinktiv, dass der rote Strahl, den der Berg in die Luft schleuderte, verheerend und tödlich war, würde er sie erreichen. Der Jungwolf war so entsetzt und gleichzeitig so gefangen von diesem Anblick, dass er das Ende des Bebens nicht einmal wahrnahm. Erst, als das Piepen in seinen Ohren nachließ und er die Geräusche um ihn herum wieder zu ihm drangen, fand er in die Realität zurück. In der jetzt alles drunter und drüber ging. Pure Angst war in der Luft zu wittern, neben einem anderen widerwärtigen Geruch, der zwar noch schwach war, ihn aber an den Sumpf erinnerte. Chardím sah nach unten zu seinen Pfoten. Er hatte nicht gemerkt, dass Linalee wieder zurück und gegen ihn gestolpert war, genau so wenig wie er gemerkt hatte, dass er seinen Körper wieder automatisch ein wenig über sie geschoben und sie zwischen seinen Vorderläufen abgesichert hatte. Er hatte nicht gehört, was sie gesagt hatte.

K-komm Linalee. Schnell zu deinem Vater!“,

rang er schließlich hervor und warf noch einmal einen Blick zu dem feuerspeienden Berg. Dann setzte er ein paar Schritte vorwärts, zu Jakash hinüber, dabei aber über Linalee bleibend.



[ Rudelplatz | Linalee, Richtung Jakash ]

Daylight
15.10.2012, 21:08

Ihr Blick ruhte noch auf Samirez als die Erde erneut zu beben begann, erst zaghaft, dann immer heftiger und schließlich so stark, dass es Daylight nur mit größter Mühe gelang auf den Pfoten zu bleiben und nicht augenblicklich das Gleichgewicht zu verlieren. Ihr Nasenrücken kräuselte sich vor Anstrengung, ein Gefühl der Verzweiflung stieg in ihr auf, wuchs mit jedem Beben, das ihren Körper erzittern ließ. Sie öffnete den Fang, um Samirez etwas zuzurufen, eine Warnung, irgendetwas – dann färbte sich der Himmel schwarz. Und ein ohrenbetäubender Knall ließ die Welt für einen Augenblick verstummen. Daylight wandte den Kopf, und sah, dass die Bergspitze in Flammen stand. Dichte Rauchwolken senkten sich über das Tal und grauer Ascheregen brannte in Lungen und Augen und machte es nur schwer möglich noch irgendetwas, oder irgendjemanden zu erkennen. Daylight schnappte nach Luft, hustete. Panik schnürte ihr die Kehle zu.

„Samirez?“,

krächzte sie, und taumelte zur Seite, dann traf sie ein Schlag ungehemmt an der Flanke und riss sie zu Boden. Sie presste die Augenlider zusammen, einen Moment lang zu benommen um sich zu regen, dann richtete sie sich auf, öffnete die Augen einen Spalt breit und erkannte ihre Nichte. Atalya schien sich nur langsam von dem Zusammenstoß zu erholen und trotzdem gelang ihr ein gewohnt abweisendes Gesicht zu machen, während Daylight, wieder auf allen vier Pfoten, zu ihr herübereilte.

„Atalya!?“,

brachte sie hastig hervor, die Augen dunkel von Besorgnis. Ihr Kopf schmerzte, ihre Gedanken rasten. Und die Hitze, die sich ganz allmählich im Tal auszubreiten schien, setzte ihr zu.

„Alles in Ordnung bei dir?“

Natürlich war nichts in Ordnung. Das wussten sie alle – auch Daylight. Und diesmal gelang ihr nur ein verzerrtes Abbild von einem Lächeln. Sie drückte die Ohren dicht an den Kopf, ihr sonst strahlend weißer Pelz war grau vom Ascheregen.


{am Rudelplatz bei Atalya}

Sheena
15.10.2012, 21:18

Die Kälte die über das Tal gekommen war, nachdem Averic das Tal verlassen hatte, ließ auch die weiße Fähe mit ihrem dicken Pelz erschaudern. Aber vielleicht lag das einfach an ihrer Statur, an den löchrigen Stellen in ihrem Pelz. Unruhig war sie auf und ab gelaufen, hatte den Rudelplatz sorgsam bewacht, auf dass ihr niemand verloren gehen konnte. So war ihr auf das sanfte Beben entgangen, welches sich langsam eingestellt hatte. Wahrscheinlich waren die vorhergehenden Beben so stark und häufig gewesen, dass sie das leichte Rütteln nicht mehr wahrnahm.
Ihre Welpen hatte sie stets im Blick behalten, alle waren sie in guter Begleitung. In Sicherheit – so dachte sie. Bis sich die Erde aufbäumte. Noch stärker und grausamer als zuvor. Das Grollen war ohrenbetäubend, das Speien des Vulkans gab ihr keine Möglichkeit mehr, sich zu verständigen und die Asche die durch das herausspritzende Lava in die Luft geschleudert wurde, nahm ihr jegliche Orientierung. Nur noch schwach konnte sie das Rudel erkennen, die einzelnen Wölfe. Auch auf ihre Nase war kein Verlass mehr, alles stank verbrannt und das Beben erforderte ihre volle Konzentration. Sonst hätte sie sich nicht mehr auf den Beinen halten können. Und dennoch musste sie los, laufen, zu ihrer Familie. Oder zu Tyraleen?
Sie war verunsichert, überlagerte die Position als Beta ihre Mutterrolle? Sie fing an zu laufen, Tyraleen konnte sie zusammen mit Aszrem ausmachen. Keuchend kam sie bei den beiden zum Stehen, gerade noch konnte sie sehen, wie Ahkuna mit zwei ihrer Kleinen davonlief. Hoffentlich zu Jakash. Ahkuna! Das war jetzt auch egal…

„Tyraleen! Darf ich zu meinen Welpen oder soll ich bei dir bleiben?“

Sie wollte ihr Alphatier nicht im Stich lassen, doch genauso wenig wollte sie ihre Welpen alleine lassen. Sollte ihnen nun etwas passieren – oder Jakash – sie würde es sich nicht verzeihen können, wenn sie nicht zur Stelle war um eventuell Hilfe zu leisten. Sie hatte doch gerade erst fast ihre Tochter verloren. Einige Tage war es erst her und doch schien es plötzlich so fern.
Das Grollen verstummte, die Erde beruhigte sich wieder. Doch nun konnte sie auch das Lava nicht mehr ausmachen, welches feuerrot aus dem Vulkan geschossen war. Der schwere Rauch umnebelte ihre Sicht. Was, wenn sich das Lava nun unbemerkt seinen Weg zu ihnen bahnte? Würden sie rechtzeitig davon kommen? Würden sie überhaupt irgendwie an einen sicheren Ort gelangen? Wer vermochte ihnen zu sagen, dass dies der einzige Ausbruch blieb? Unsicher blickte sie von Aszrem zu Tyraleen. Ihre Welpen waren sicher bei Jakash, ein Heulen in die Richtung in welche Ahkuna mit zweien ihrer Schätze verschwunden war, sollte ihrer Familie versichern, dass es ihr gut ging.
Und dann erreichte sie die Hitzewelle, so sehr sie vorher noch unter der Kälte gelitten hatte, sosehr wünschte die Weiße sie jetzt zurück. Die heiße Luft schien ihr Fell zu versenken und hätte sie nicht sowieso schon so viele Löcher im Pelz gehabt, wären spätestens jetzt sicherlich welche da gewesen. Sie schnappte nach Luft, es brannte in der Lunge. Doch nun lag es nicht mehr an der Eisluft, welche sie vorher noch eingeatmet hatte. Die Lunge protestierte, ein solcher Wechsel war sie nicht gewappnet. Schwer keuchend hustete die Fähe, bis sich ihr Körper schüttelte. Sie war nicht mehr die Jüngste, sie brauchte dringend eine Zeit die erstens der Jahreszeit angemessen war und zweitens der völligen Entspannung diente. Es konnte doch nicht der Ernst ihrer Götter sein, sie einer Prüfung nach der Anderen zu unterziehen…


[Rudelplatz - Chivan, Tyraleen& Aszrem | Ruft ihrer Familie zu]

Atalya
16.10.2012, 18:47

((In Absprache mit Tyra.))

Atalya spürte, wie ihr Herz wild gegen ihre Brust schlug, wie es sie antreiben wollte, sofort aufzuspringen, weiter zu laufen und Madoc zu suchen. Doch etwas hielt zu zurück, es schien wie ein unsichtbares Band, das sich um ihre Läufe gelegt hatte, sie daran hinderte, sich zu bewegen. War es vielleicht die dunkle Vorahnung? Vielleicht wußte ihr Unterbewußtsein mehr, als ihr klar war? Und was war, wenn Madoc wirklich in der Nähe des Berges war, der Feuer spuckte? Wenn sie ihm hätte helfen können, sich aber nicht regte, sich nicht bewegen konnte? In ihrem Kopf hallte ihre eigene Stimme immer wieder, wie sie sich selbst anschrie, sie solle sich doch bewegen. Sie musste ihm helfen, irgendwie. Aber immer wieder musste sie blinzeln, die Augen von Asche befreien, die weiter auf sie hinab fiel. Und was war, wenn es schon zu spät war?
Daylights Stimme ließ sie zusammen zucken, aus den Gedanken gerissen warf sie den Kopf herum, um die weiße Fähe mit erhobenen Lefzen anzublicken. Ihre Tante war mit wenigen Schritten bei ihr, und schließlich verließ doch ein leises Grollen den Fang der grauen Fähe. Sie wollte Daylight jetzt nicht sehen, wollte nicht hören, wie sie ihren Namen nannte. Sie wollte nur nach Madoc suchen, mit eigenen Augen sehen, dass er in Ordnung war. Es dauerte noch einen Moment, bis sie sich erhoben hatte, als die Weiße bei ihr zum stehen kam, sich mit heiseren Worten und einem gezwungenen Lächeln auf den Lefzen fragte, ob alles in Ordnung sei.

Natürlich NICHT!“

Sie fuhr die Weiße mit drohender Stimme an, die Rute nun in die Luft erhoben. Was sollte schon in Ordnung sein?! Nichts war in Ordnung, gar Nichts! Und sie spürte wieder die Wut in sich aufsteigen, die die Angst unterdrückte, sie verschwinden ließ. Die Graue schnaufte erneut, befreite ihren Fang damit von der Asche, die in ihre Atemwege eindrang. Ihre dunklen Augen funkelten Daylight entgegen, als seie sie die Schuldige. Als hätte sie Madoc fort geschickt. Fort in den sicheren Tod, der am Fuße dieses Berges auf sie wartete. Sie warf der Weißen noch einen kurzen Blick zu, ehe sie sich abwandte, die Kette an ihren Läufen loswerden wollte, um nach ihrem Freund zu suchen.


Und plötzlich stand ihre Welt in Flammen. Aus dem zuerst leichten Beben war eines geworden, dass das erste am Sumpf deutlich überstieg. Und dann kamen die Asche und die Hitze, die der Berg in ihren vorher winterlichen Himmel vollkommen verdunkelte. Die schwarze Fähe hatte nicht einmal bemerkt, wie Chivan schließlich von ihrer Seite gewichen war, zu anderen Rudelmitgliedern geflohen war. Diese Momente waren so unsagbar schnell an ihr vorbei gezogen, dass sie es nicht einmal bemerkte, wie sie sich selbst erhob, zu den nächsten Wölfen eilte, die sie erblickte. Getrieben von Angst und Atemlosigkeit hatte sie schnell ihre weiße Schwester und ihre Nichte erreicht. Die Erde bebte nicht mehr, das Chaos blieb wie beim ersten Mal auch zurück. Und nun konnte sie sehen, wie Atalya sich von Daylight entfernen wollte, wie sie sich abwandte, um ihrem eigenen Weg zu folgen. Ohne wirklich darüber nachzudenken erhöhte die schwarze Fähe kurz ihr Tempo, hatte Atalya schnell eingeholt. Es gab nur einen Grund, wieso sie diesen Weg gehen wollte. Mit einem schnellen Blick suchte Kisha den Rudelplatz ab, konnte den Freund der jungen Fähe jedoch nirgends ausmachen. Und damit lag es so deutlich vor. Mit einem weiteren Satz stellte sie sich Atalya in den Weg, welche noch immer die Rute erhoben hatte und nun auch ihr deutlich zeigte, dass sie sich nicht aufhalten lassen wollte.

Du bleibst beim Rudel, verstanden? Ich gehe nach ihm suchen.“

Die braunen Augen ruhten kurz auf denen der Jungwölfin, ehe sie sich an ihre eigene Schwester wandte.

Pass auf sie auf.“

Dabei ließ sie ihre Ohren kurz durch die warme Luft zucken, ehe sie sich abwandte, nicht zu den beiden Wölfen zurück blickte und somit auch nicht sah, welchen Blick Atalya ihr nachwarf.


In blinder Wut hatte Atalya ihre zweite Tante nicht kommen sehen, war zusammen gefahren, als sie plötzlich mit einem Satz in ihrem Weg stand. Auch Kisha galt die selbe Haltung wie zuvor Daylight, aber es kam ihr in keinem Moment der Gedanke, einfach um Kisha herum zu laufen. Ehe sie sich versehen hatte, hatten die Ketten sich wieder um ihren Körper geschlungen, hielten sie nun fester als zuvor. Und dieses Mal gab es für sie kein Entkommen. Sie musste Kisha ziehen lassen, dorthin, wo ihr Weg sie hatte führen sollen. Aber sie konnte nicht anders als der schwarzen Fähe hinterher zu starren, zu allen Göttern zu flehen, dass sie nicht allein zurück kommen würde.

[Rudelplatz – Daylight / Kurz Kisha]

Parveen
16.10.2012, 19:59

Parveen zog zur Antwort auf Krolocks Verhalten leicht die Lefzen nach oben. Nur ganz leicht, sodass man die Fänge gerade erkennen konnte. Sie wollte keinen Kampf in dieser Situation. So etwas wäre mehr als unnötig und nichts anderes als dumm. Die Schwarze war ohnehin keine Wölfin, die den Streit suchte. Ihr war eine friedliche Lösung immer lieber, Wörter und Körpersprache waren ihr Zeichen für andere – keine blitzenden Zähne. Für jene, die sie als 'Feinde' bezeichnen würde, kannte sie auch andere Maßnahmen, aber diese hatte sie schon lange nicht mehr ergriffen. Für den jungen Rüden hatte sie deswegen nicht viel mehr als einen abschätzenden Blick übrig, bevor sie sich wieder ihrer Nichte zuwandte. Wegen so einem Jungspund würde sie nicht aus der Haut fahren. Er war nicht ihr Feind, sondern ein Mitglied des Rudels. Ein eigensinniges und unhöfliches Mitglied, aber dennoch ein Weggefährte und für ihre Nichte schien er noch einiges mehr zu sein. Behutsam half sie Caylee, sich aufzurichten und atmete bei ihrer Frage resigniert aus. Am liebsten hätte sie gesagt, dass sie so etwas schon einmal erlebt hatte. Nicht, weil ein solches Ereignis für ein Wolfsleben nicht genug wäre… Aber dann hätte sie zumindest gewusst, dass es vorüber gehen würde. Dass sie alle es überstehen würden und die Gefahr, die Dunkelheit und das Chaos verschwinden würden, wie ein böser Traum.

"Nein… So etwas habe ich noch nie erlebt. Es gab immer wieder Ereignisse in diesem Tal und sie alle haben wir überstanden. So wird es auch dieses mal sein."

So würde es sein, oder nicht? Parveen ließ den Blick schweifen, aber sah kaum einen ihrer Rudelgefährten. Die Wölfe waren nicht viel mehr als Schemen in Rauch und Asche. Würde alles je wieder so wie früher werden? Es war keine Zeit, in der Vergangenheit zu schwelgen und deswegen tat sie dies auch nicht, aber eine Schwermut legte sich trotzdem auf ihr Herz. Ihre Heimat würden sie nicht leichtfertig verlassen und selbst wenn eine Flucht für den Moment ihre Sicherheit bedeutete, dieses Gebiet würden sie nicht kampflos aufgeben. Die Schwarze atmete schwer aus und hustete leicht. Die stinkende Luft reizte zunehmend ihre Lungen und mit etwas kratzigerer Stimme sprach sie weiter, während sie schon auf dem Weg waren, dem Rüden zu folgen.

"Vertraust du ihm?"

Ganz leise richtete sie die Frage an die weiße Wölfin neben sich. Den Kopf im Dunkel nach vorne reckend, konnte sie die Gestalt vor sich kaum noch ausmachen. Viel mehr folgte sie seiner Fährte, auch wenn der beißende Rauch diese fort zu wischen schien, obwohl Krolock nicht weit entfernt war. Der Tonfall von Pav ließ kein Anzeichen auf eventuelle Vorurteile und im Grunde hatte sie sich in ihrem Kopf auch noch kein genaues Bild über diesen Rüden gemacht. Vielmehr konnte sie ihn nicht einschätzen, oder wollte nicht wahr haben, dass ein so junger Wolf eine solch düstere Vorstellung von der Welt haben konnte.
Der Aufbruch war die richtige Entscheidung. Das schrie ihr Instinkt ihr entgegen. Sie mussten fort aus der Dunkelheit und der Hitze entfliehen. Dennoch, das Rudel konnte sie nicht ohne Sorge hinter sich lassen. Was, wenn sie sich nicht auf den Weg machten? Wenn der Weg des Schwarzen nicht der Richtige war? Um sich herum spürte Parveen die Anwesenheit des Rudels und es schien in Bewegung zu kommen, was sie beruhigte, aber das Misstrauen über den Weg ihres Führers blieb. Caylee kannte den Rüden wahrscheinlich besser als jede andere Seele des Rudels und wenn sie ihm vertraute, musste hinter dem nachtschwarzen Pelz noch etwas anderes stecken, als er jedem zeigte. Vielleicht bildete sich das die Schwarze auch nur ein und dort war nichts außer Dunkelheit, aber solche Gedanken ließen zumindest einen Lichtstreif in ihre Gedanken, auch wenn ihr der Dunst des Berges trotzdem jede Sicht raubte.


{Rudelplatz | Caylee und Krolock}

Linalee
16.10.2012, 23:24

Der Himmel brannte wirklich. Die schreckgeweiteten Augen wurden immer größer und runder, falls das irgendwie möglich war. Voller Entsetzen starrte das Bernstein ihrer aufgerissenen Seelentore in den grauen Himmel, über dem rot, schwarz und gelb sich einen Kampf lieferten. Wahrscheinlich hätte sie ewig so dort gehockt und gestarrt, den Blick nicht losreißen können, wenn in diesem Moment nicht ein Ascheflocke in ihr rechtes Auge gefallen wäre. Sofort senkte Linalee den Kopf, kniff die Äuglein zusammen und versuchte schleunigst, sich den Fremdkörper mit der Pfote raus zu holen. Dabei keuchte sie ein bisschen vor sich hin, doch um wirklich Schmerzen auszudrücken – etwas wie „Aua, Auauauauaua!“, das ihr schon auf der Zunge lag – fehlte es ihr einfach an Luft. Sie atmete so flach, weil ihr herz so rasend schnell gegen ihre Rippen schlug. Oh, dieses kleine, feige Hasenherz.

„Ch- hardím!“, war alles, was sie als Antwort hervor brachte.

Bei Engaya, diese Aufregung würde noch ihr herz zerbrechen lassen, vor so viel pochen in rasender Geschwindigkeit! Sie hechelte ein bisschen, doch atmete gleichzeitig aufkommenden Rauch ein, hustete. Die kleinen Augen – jetzt so eng zusammengekniffen, wie es ging, ohne sie völlig zu schließen – tränten vor der plötzlichen Trockenheit. Ihre größte Angst allerdings war, dass die Erde wieder anfangen würde, sich unter ihren Pfötchen aufzubäumen. Sie hatte der Erde doch nichts getan, sie waren doch jetzt schon eine ganze weile gut miteinander ausgekommen – warum wollte sie Linalee und die anderen auf ein Mal loswerden? Die kleine Schwarze verstand es nicht.
Nicht einmal der enge Körperkontakt mit Chardím bereitete ihr gerade Probleme, sie war einfach nur froh, dass es zwischen seinen Pfoten einigermaßen geschützt war. Schrittchen um Schrittchen wagten die beiden sich gemeinsam bis zu Jakash vor.

„P-p-p-papa!“, stieß Linalee hervor und kuschelte sich an Chardíms eines Bein.

Sie wollte zu ihrem Vater, doch gleichzeitig wollte sie den zweifarbigen nicht allein lassen. Sein Papa war ja nicht da. . .


[erreicht mit Chardím ihren Paps Jakash, bleibt aber bei ihrem Paten ]

Daylight
17.10.2012, 11:27

Sie schüttelte sich die Asche aus dem Pelz und das Lächeln von den Lefzen – was blieb war ein sorgenvoller Ausdruck vermischt mit Angst und Zweifeln. Am liebsten hätte Daylight Atalya einfach gepackt, zu Boden gedrückt und so zum Bleiben gezwungen, doch ihre Nichte würde sich vermutlich einfach frei kämpfen – sie war schon jetzt größer als ihre Tante. Also blieben Daylight nur die Worte, nichts als Worte.

„Atalya, hör mal... wir sollten zusammen bleiben... es ist zu gefährlich allein dort raus zu rennen... wir können gemeinsam warten bis es vorbei ist...“ falls es das jemals sein würde „... ich mag vielleicht nicht die perfekte Gesellschaft sein, aber bitte lass es uns doch noch einmal miteinander versuchen... ich helfe dir dann auch suchen... nach wem auch immer du suchst“,

selbst in Daylights eigenen Ohren klangen ihre Worte lahm und sie ließ den Kopf hängen, schenkte Atalya nur einen flehenden Blick und wieder wurde ihr klar, dass sie rein gar nichts über ihre Nichte wusste – sie kannte weder ihre Freunde, noch wusste sie von Atalyas Vorlieben oder Abneigungen und ihr kamen Zweifel, dass sie die verlorene Zeit mit ihrer Familie jemals würde aufholen können. Averic war verschwunden... und würde vielleicht niemals zurückkehren, Aléya war fort, Banshee war fort, Banshee, die sie so gern um Rat gefragt hätte – und dann war Kisha da. Kisha, ihre geliebte große Schwester und Patin, Kisha mit der sie seit einem kurzen Treffen kaum mehr ein Wort gewechselt hatte, und die jetzt das tat wozu Daylight selbst nicht in der Lage gewesen war. Und es blieb ihr nichts anderes übrig als verwundert zu nicken. Da war ungewohnte Entschlossenheit in Kishas Worten, Strenge, die sie nie zuvor von ihr gekannt hatte.
Daylight trat an Atalyas Seite, die Jungwölfin hatte aus irgendeinem Grund aufgegeben sich dem feuerspeienden Berg zu nähern zu wollen.

„Sei vorsichtig“,

flüsterte sie Kisha noch zu, ehe diese in den Rauchschwaden verschwand. Dann wandte sie sich wieder ihrer Nichte zu, angespannt und noch immer jeden Moment bereit ihr nach zusetzen sollte sie erneut versuchen einfach davon zu rennen.

„Du hast sie gehört“, murmelte Daylight, die sich gezwungen fühlte irgendetwas zu sagen und die Stille nicht länger aushielt, „du bleibst bei mir. Hier bist du in Sicherheit. Kisha wird ihn schon finden, sie ist exzellent wenn es darum geht andere aufzuspüren, damals als wir verstecken gespielt haben, hat sie mich immer gefunden...“, sie verstummte kurz, versuchte gar nicht erst zu lächeln, und blickte Atalya nur fest in die Augen, ihre Stimme war jetzt sanfter geworden, „... magst du mir erzählen, wer dir so wichtig ist, dass du dort hinein rennen willst?“


{bei Atalya, kurz Kisha, am Rudelplatz}

Atalya
17.10.2012, 12:40

Ohne eine große Regung in den dunklen Augen verlagerte Atalya ihr Gewicht auf die leicht schmerzende Pfote. Nur aus den Augenwinkeln blickte sie zu ihrer weißen Tante, ließ die Ohren dabei eng an den Hinterkopf geneigt. Sie schnaufte leise, wandte den Blick dann aber herum, als Daylight zu sprechen begann. Die Graue verzog nur noch einmal die Lefzen. Was glaubte sie denn? Dass es sicherer war, wenn sie zu zweit nach Madoc suchten? Als wenn sie Angst vor dem hätte, was dort war. Und Madoc... er war auch allein gewesen. Kurz kniff Atalya die Augen zusammen, schüttelte im nächsten Moment kräftig den Kopf, wandte sich dann zu Daylight herum.

Wenigstens hast du Recht, dass du nicht die perfekte Gesellschaft bist.“

Sie sah hier nicht den richtigen Moment, um irgendwas mit irgendwem zu versuchen, es gab Dinge, die wichtiger waren. Die Graue unterdrückte ein weiteres Knurren, biß nur die Fänge fest aufeinander, als ihre Tante den Kopf hängen ließ, sie nur mit diesem flehenden Blick ansah.
Und dann war Kisha da, die sich ihr in den Weg stellte, sie aufhielt. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass ein weiterer Wolf sich ihr in den Weg stellen würde, dass sie nun überhaupt Jemand aufhalten würde. Und vor allem nicht von dieser Fähe. Aber ehe sie noch weiter reagieren konnte, war sie schon wieder fort, würde nun an ihrer Stelle nach Madoc suchen gehen. Daylight leise Worte an Kisha nahm die Graue kaum wahr, starrte der schwarzen Tante nur weiter nach. Nirgends war ein weißer Pelz zu erkennen, nicht die roten Augen. Eiseskälte griff nach der jungen Wölfin, die Ketten schienen sich fest um ihren Hals gelegt zu haben – nahmen ihr die Luft, je fester sie sich zogen. Und dann drang wider die Stimme ihrer Tante zu ihr durch, die sie wieder den Blick herum reißen ließ. Die Rute noch immer erhoben starrte sie nun ihre Tante an, verengte dabei leicht die Augen. Diese sprach nun von Kishas und ihrer Vergangenheit. Jetzt konnte Atalya das Knurren nicht mehr unterdrücken, wenn es auch nicht laut aus ihrem Fang drang. Auch die Stimmlage der Weißen beruhigte die junge Wölfin nicht. Wenigstens lag in diesem Moment kein falsches Lächeln auf ihren Zügen.

Und das willst du VERGLEICHEN?!“

Atalya verzog die Lefzen zu einem Knurren, in diesem Moment war es ihr vollkommen egal, wenn sie vor sich hatte. Die Wut und all der Zorn hatte die Trauer wieder verdrängt, ihr Denken hatte vollkommen ausgesetzt.

Du kannst dich gern in deiner Angst verkriechen. ICH werde nicht einfach rumstehen!“

Sie ignorierte Daylights Frage, nach wem sie suchte. Sie konnte von selbst auf die Lösung kommen, und Atalya war nicht danach, sich jetzt damit zu beschäftigen. Sie biß erneut die Fänge aufeinander, wandte sich schließlich mit einem letzten Blick zu ihrer Tante ab. Sie wollte nicht aufgeben, keine Ketten der Welt sollten sie aufhalten. Sie bewegte sich vorwärts, zögernd. Trotz ihrer Entschlossenheit schien sie noch immer etwas zurück zu halten. Und nur noch einmal mehr wünschte sie sich ihren Vater zurück. Und noch viel mehr wünschte sie sich wieder der Welpe zu sein, der ohne Sorgen durch die Welt lief. Gemeinsam mit Madoc und Liam, die beide nicht ferner zu sein scheinen konnten.


[Rudelplatz - Daylight]

Daylight
17.10.2012, 22:07

Daylight zuckte zurück – Atalyas Reaktion erinnerte sie nur allzu gut an ihre Begegnung mit Averic in den Bergen zwei Winter zuvor. Bist du noch zu retten?! Sei still und verzieh dich! Sie sah ihn vor sich, als wäre es gestern gewesen, die Fänge gebleckt, die blauen Augen hasserfüllt. Und sie selbst? Sie hatte einfach nur nett sein wollen. Hatte einfach nur gemocht werden wollen.
Sie schaute Atalya an und zögerte nicht länger; mit wenigen Sätzen hatte sie ihre Nichte eingeholt und stellte sich ihr in den Weg. Sie war die ältere, sie musste etwas tun, sie musste Atalya beschützen, wie Kisha es ihr aufgetragen hatte, sie musste handeln. Entschlossenheit loderte in Daylights Augen, ihre Lefzen kräuselten sich, und ihr Pelz sträubte sich. Sie blickte ihrer Nichte geradewegs in die Augen.

„Du bleibst hier und hörst mir zu. Glaubst du etwa irgendjemanden ist geholfen, wenn du jetzt in die Flammen rennst? Glaubst du dein Vater, oder deine Mutter, oder Liam würden wollen, dass du stirbst für nichts und wieder nichts?! Nenn mich ängstlich, wenn du willst, aber glaub mir eins – mir fällt es ebenso schwer wie dir, nicht einfach kopflos davon zu rennen und nach denen zu suchen, die ich liebe. Aber es nützt keinem, wenn wir alle wild durch einander laufen und gegenseitig in Gefahr bringen. Und Kisha weiß was sie tut, sie wird deinen Freund finden... da bin ich sicher.“


Daylight sprach die Worte mit Nachdruck und einer Strenge, die man von ihr ebenso wenig gewohnt war, wie von Kisha. Ihre Aufgabe war es um ihr Rudel zu kämpfen, mit ihrem Rudel zu kämpfen, selbst wenn ihr Gegner die Natur, oder die Götter oder wer-wusste-schon-wer waren. Sie würde Atalya beschützen, und das konnte sie nur, wenn sie sie mit allen ihr zu Verfügung stehenden Mitteln hier behielt. Sie bleckte die Zähne, ihr Blick wurde eine Spur grimmiger.

„Wenn du dennoch gehen willst, dann kämpfe. An mir kommst du jedenfalls nicht so leicht vorbei.“

Damit machte sie sich bereit, duckte sich, als wolle sie einen Hirsch anspringen und wartete ab. Daylight hatte keinen blassen Schimmer ob sie das Richtige tat – aber solange sie nur irgendetwas tat, um Atalya vor dem sicheren Tod zu bewahren, konnte es nicht falsch sein. Sie konnte nur hoffen, dass Kisha heile zurückkam...


{bei Atalya am Rudelplatz}

Averic
17.10.2012, 23:34

Der pechschwarze Todessohn hatte eindeutig Pech. Und wären seine Gleichgültigkeit was andere über ihn dachten und sein Stolz nicht unermesslich gewesen, hätte ihn diese missliche Lage vermutlich ziemlich gekränkt. Aber Averic behielt einen kühlen Kopf und er kümmerte sich auch nicht groß darum, dass langsam noch eine weitere Witterung zu ihnen in ihr Gefängnis wehte. Es war eine Fähe und während sich der eingesperrte Fenriserbe damit beschäftigte die Felsformation um das kleine Loch zu analysieren und mit den großen Pfoten erste kleinere Steine aus dem Weg räumte, wandte jene sich plötzlich an Ansem. Sie kannte ihn. Nun doch hellhörig geworden hielt Averic inne und blickte wieder aus dem Loch hinaus. Es war eine weiße Wölfin, die sich dort in seinem Blickfeld präsentierte und wohl in die Richtung blickte, in der Ansem stand. Er konnte den Weißen nicht sehen und aus irgend einem Grund machte sich jener weder die Mühe näher zu kommen, noch der Fähe sofort zu antworten. Der Pechschwarze verengte leicht die Augen und seufzte innerlich entnervt über das sich mit Sicherheit anbahnende Theater, dem er weder ausweichen, noch es stoppen konnte.
Weitere Gedanken daran verschwenden, ob die Fremde wohl genau so wie Ansem aus dem Tal der Raben stammte, wollte und konnte er in diesem Moment nicht. Zuerst war es Averic entgangen, aber als dann winzige Kieselsteine, Dreck und Staub auf sie hinab rieselten, bemerkte der Todessohn das leichte Beben. Sofort läuteten alle Alarmglocken bei dem großen Rüden; sollte jetzt ein heftiger werdendes Beben die Erde erschüttern, könnte das ihr Gefängnis zum Einstürzen bringen und ihnen ein für alle Mal den Gar aus machen. Dieser Gedanke verflüchtigte sich schnell wieder, nein, die plötzliche Anspannung hatte nichts mit seiner eigenen Situation zutun. Die dunkelblauen Augen sahen über die weiße Wölfin hinweg zum Tal, das er hinter sich gelassen hatte. Das Beben hier wurde nicht stärker, aber was war ...
Ein ohrenbetäubender Donner zerriss die Stille und eine Druckwelle rollte über den Himmel hinweg. Genau dort, wo Averics Blick hingeführt hatte, schien der große Berg des Sternenwindgebirges plötzlich lebendig geworden zu sein. Er spie mit der Macht, die der Pechschwarze nur einem Gott zutrauen würde, einen hellen, breiten Strahl in die Luft und schwarze Wolken vermischten sich damit, ließen die Welt augenblicklich nachtdunkel werden. Bis auf die Lichtsäule. Averics farbenblinde Augen weiteten sich, während er diesem Schauspiel zusehen musste und es fühlte sich an, als hätte jener ohrenbetäubende Donner einen elektrischen Schlag durch seinen Körper gestoßen. Das lange, zerzauste Fell sträubte sich augenblicklich himmelwärts und seine gesamte Muskulatur spannte sich an.

Nein.“, verließ es ungewollt und leise seinen Fang. Was auch immer gerade passiert war, Averic, der keine Ahnung davon hatte, was ein Vulkan war, kam es dem Untergang der Götter gleich. Als hätten Fenris und Engaya in diesem Moment aufgehört zu existieren und ihr Fall würde die Erde zerreißen und verschlingen. Natürlich musste ihm klar sein, dass das nicht sein konnte solange er noch lebte, aber es fühlte sich so an. Seine Krallen drückten sich fester gegen das Gestein, während ein weiteres, ungutes Gefühl in ihm aufstieg und mit einem lauten Schrei zerbarst. Es war nicht sein Schrei – es war der Tyraleens, in seinem Kopf genau so laut wie die Eruption des Berges. Das Siegel seiner Starre brach in Tausend Stücke.

TYRALEEN!“

Ohne weiter darüber nachdenken zu können, wie sinnlos das war machte Averic einen Satz zurück und katapultierte seinen Körper mit nach vorne gerichteter Schulter gegen die Wand aus Stein. Schmerz erblühte dort, wo Fels gegen Knochen schmetterte, aber der Todessohn spürte ihn nicht. Kleine Steinchen und Staub rieselten durch die Erschütterung erneut herunter und tatsächlich bewegte sich auch etwas, aber lange nicht genug um sie zu befreien. Averic holte gleich wieder aus, bäumte sich auf und schleuderte seine Vorderpfoten gegen den obersten Stein, hinter dem sich das kleine Loch verbarg. Zuerst tat sich nicht viel, aber der Adrenalin in seinem Körper, die Wut darüber gefangen und hilflos zu sein, der Hass gegen sich selbst, weil er jetzt nicht bei seiner Familie war, seine Kinder und Tyraleen nicht beschützen konnte, steigerten seine Kräfte übernatürlich. Die Fangzähne rieben so fest aufeinander, dass er einen metallischen Geschmack auf der Zunge schmeckte und dann splitterte der Stein. Brockenweise fiel er auf der anderen Seite der Mauer hinunter und vergrößerten das Loch minimal. Schwer atmend ließ Averic ab, betrachtete sein Werk. Es hatte keinen Zweck. Selbst unter größtem Kraftaufwand würde es Stunden dauern hier heraus zu kommen. Ein Knurren rang sich aus seiner Kehle und schwoll zu einem lauten, zornigen Grollen an.



[ Steingefängnis | Caitír, Invidia, (Ansem) ]

Caitír Ayân
18.10.2012, 04:13

Also sehr redselig schien der Schwarze nicht zu sein, dass hatte Caitír schon bei ihrem Aufeinandertreffen bemerkt. Aber übel nehmen tat der Graue ihm das nicht, wieso auch? Jeder war so wie er nun einmal war. Natürlich hätte ein freundlicherer Artgenosse eine bessere Gesellschaft abgegeben, aber jeder hatte seine eigenen Vorteile. Nachdenklich schaute sich der Graumelierte nun um, damit er sich der Lage besser bewusst machen konnte. Er achtete vor allem auf Steine, die sich vielleicht bewegen lassen konnten, oder andere Wege um sich aus dem engen Gefängnis befreien zu können. Er nahm die Worte des Schwarzen mit einem Nicken zur Kenntnis und als jener nach dem anderen Fremden ausrief sah er sich um und versuchte einen kurzen Blick auf den neu dazu gestoßenen Wolf zu erhaschen. Vergebens, nur eine deutliche Geruchspur lag in der Luft. Doch dies genügte ihm um ihn als Rüden zu identifizieren und sogar noch einen weiteren Artgenossen heraus zu filtern, hierbei handelte es sich jedoch um eine Wölfin. Doch beide waren dem Rüden komplett fremd, nun es wäre wohl ein Wunder wenn er in dieser Einöde jemandem bekannten ueber den Weg laufen würde, vor allem da jeder den er je wirklich gekannt hatte mittlerweile gestorben war und nun im Himmel verweilte. Seine Ohren zuckten kurz als erstmals die Stimme des Fremden erklang im Gegenteil zu ihm kannte jener wohl den Fremden und hatte ihm wohl auch erfolgreich einen Namen zugeordnet. Ansem, so hieß er wohl. Doch anstatt darauf einzugehen antwortete er auf seine da vorig gestellte Aussage.

„Hast wohl Recht.

Langsam zog er nun seine Nase aus der schmalen Öffnung und wich ein Stück zurück. Was sollte er denn jetzt tun?

„Na klasse, dass wird ja eine Ewigkeit dauern.“

Er war nicht gerade in Eile, aber er hatte auch nicht gerade viel Lust darauf Stunden in so einem kleinen Raum eingesperrt zu sein, man weiß ja nie was in dieser Zeit alles passieren kann. Noch einmal fing er damit an den Höhlen Ausgang zu begutachten, doch schon nach einigen Sekunden wurden seine Überlegungen von einem in die Knochen fahrendem Grollen unterbrochen. Er konnte nicht fassen was geschah in ihrem steinernem Gefängnis konnte man leider nichts von dem Schreckensgeschehen sehen, jedoch schmeckte man die Asche in der Luft und das laute Poltern echote durch die kalte Luft. Der Rüde war wie zu Stein erstarrt und auch wenn das Krachen schon längst verklungen war schien es immer noch in seinem Kopf nachzuklingen. Als dann der Ruf des Schwarzen erklang sprang er herum um zu sehen was dem Rüden widerfahren war. Doch er schien unverletzt und auch die Höhle um sie herum schwieg, bis der Schwarze einen Satz nach vorne tat und sich mit voller Kraft gegen den Steinhufen war, der den Ausgang versperrt, natürlich vergebens.

„Ähh..-„

Kurz bevor er etwas sagen konnte hielt er sich lieber zurück der Fremde war momentan unberechenbar, er schien regelrecht verzweifelt. Das musste wohl mit dem Ereignis zusammenhängen und mit dem entfernten Jaulen, was er selbst kaum wahrgenommen hatte. Doch er konnte nur geahnte Schlüsse ziehen und bis sich der Schwarze erklärte würde es wohl noch einige Zeit dauern, wenn er dies überhaupt je tun würde. Nun hieß es erst mal langsam der Sache auf den Grund gehen, denn bevor sie sich genauer mit dem erschreckenden Naturschauspiel beschäftigen konnten musste sie erst mal hier heraus kommen. Es blieb ihnen wohl keine andere Möglichkeit als die Steine, die ihren Weg versperrten, wegzuräumen. So machte sich der Rüde nun ohne Worte an die Arbeit und ließ den Schwarzen seinen eigenen Kampf mit sich selbst fechten. In sowas sollte man sich nämlich lieber nicht einmischen.


(Ich hoffe das geht so, wenns wegen der Reiehnfolge doof ist, stellt euch einfach vor, dass der Post vor Averics steht und nur schon auf die Dinge in Averics post eingeht, haha :'DD sorry T_T)

Cirádan
20.10.2012, 15:31


Für Cirádan war der Sumpf ein wirklicher Segen gewesen, zumindest bis die Erde zu beben begonnen hatte.
Die Wärme und die Stille die über dem Sumpf war hatte einerseits etwas beklemmendes, aber andererseits auch etwas beruhigendes an sich gehabt.
War der Sumpf nicht ein Teil ihres Reviers gewesen, der nicht vom Nichts verschluckt worden war? Also gehörte der Sumpf doch immer noch zur alten Welt, oder etwa nicht?
Oder erinnerte sich der junge Wolf vielleicht falsch. Doch wie dem auch war, Cirádan mochte den Sumpf.
Als die Erde jedoch begonnen hatte zu Beben, verlor er die anderen und verkroch sich in den Sümpfen. In den warmen Gefielden. Nichts davon hatte er mitbekommen, was die anderen erlebt hatten. Nur das die Erde sie alle zu verschlucken gedroht hatte, das wusste der Graue.
Und als das Beben sich beruhigt hatte, glich er einem Sumpfmonster und fühlte sich wie der letzte Wolf auf Erden. Niemand mehr war da gewesen und für Tage glaubte der Jungwolf der Sumpf hätte tatsächlich seine ganze Familie verschluckt. Kein Wolf war mehr über geblieben und auch auf sein Rufen hatte niemand geantwortet.
Und als die Erde um weitere Male erzittert war, half es nicht gerade dabei seine Panik in den Griff zu bekommen.
Nur knapp war er dem gierigen Sumpffontänen und Strudeln und umkippenden Bäumen entkommen und irgendwann hatte sogar Cirádan die Idee gehabt, das sein Rudel vielleicht zurück gegangen war. Zurück zum See, zum Rudelplatz.
Nachdem er zu dieser späten Erkentnis gelangt war, suchte er mühsam seinen Weg aus dem Sumpf, bis er endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Die Beben wurden nicht weniger, als er dem Heimatplatz entgegen lief.
Etwa kurz bevor er das Rudel wieder erreicht hatte, ereignete sich ein weiteres Mal das unheimliche Beben und er spürte es stärker als er es im Sumpf getan hatte. Wimmernd und winselnd drückte sich der jünge Rüde flach auf den Boden und betete das es aufhören möge. Der Himmel verfinsterte sich und Cirádan dachte jetzt tatsächlich das die Welt untergeht. Keine Bewegung mehr, er war nicht einmal mehr fähig zu atmen und versuchte er aufzustehen, so zwangen ihn seine zitternden Knie und der Boden sofort wieder zurück. Dies war das Ende, da war er sich sicher.

Doch die Welt war noch nicht untergegangen als das starke Beben vorbei war. Sie war noch da. Noch! Vielleicht war sie ja gerade dabei unterzugehen. Das konnte der Jungwolf nicht genau sagen.
Vorsichtig konnte er dennoch wieder aufstehen und mit zittrigen Beinen weiter gehen. Zuerst ganz langsam, dann wieder schneller werdend. Der helle Morgen hatte sich je verdunkelt und über dem Himmel hingen schwarze Wolken. Irgendwo in der Ferne entdeckte er ein rotes Schimmern, doch wusste nichts damit anzufangen.
Cirádan hoffte im Moment einfach darauf, das irgend ein Wolf noch am Rudelplatz war. Das der Sumpf nicht alle verschluckt hatte oder das Erdbeben oder was auch immer.
Oder der nun rote Berg mit der zum Himmel herauf ragendenden schwarzen Haube!
Es war so dunkel geworden, das Cirádan kaum noch was sehen konnte. Aber er kannte mittlerweile die Wege. Wusse wohin er seine Schritte lenken musste um am Rudelplatz anzukommen. Und auch wenn viele Bäume dachten, sich könnten seinen Weg verhindern indem sie lagen und nicht mehr standen, schaffte er es dennoch da anzukommen wo er hinwollte.
Daheim!

Die Freude war schon beinahe absurd, als er die ganzen Wölfe zwischen den Bäumen erkennen konnte. Mehr oder weniger klar, eigentlich sah er nur Schatten von Wölfen. Ihre Angst und die Panik die sie wohl empfanden nahm er jedoch deutlich wahr, doch Cirádan war einfach nur froh. Froh das die Wölfe da waren .... hoffentlich war es kein Traum?
Erschrocken über diesen Gedanken blieb er stehen und sah zum rot-spuckenden Berg in der Ferne. Das war doch kein Traum, oder? Vielleicht war er im Sumpf untergegangen und sie alle waren nun irgendwo im Reich von Fenris. Aufgrund der ganzen Schatten konnte das vielleicht sogar stimmen.
Doch es war kein Traum. Seine Glieder schmerzten und er zitterte. Und Schnee fiel auf seinen Pelz. Warmer Schnee?
Sowas hatte er noch nie erlebt, aber im Moment war es auch nicht wichtig. Es war nämlich einfach nur toll die ganzen Wölfe zu sehen, so das es ihm egal war, das es Dunkel, Warm und eigentlich völlig beängstigend war. Besonders er musste sich doch jetzt wieder fürchten und winselnd in ein Loch kriechen. Aber das tat Cirádan nicht. Diesmal nicht.
Viel eher schwankte er auf die Gestalten zu. Vorsichtig versuchte er im Dunkel auszumachen ob es wirklich sein Rudel war. Denn selbst wenn er doch gestorben sein sollte und sie nun alle irgendwo in der Hölle waren oder so. Wenn die anderen auch hier waren, so waren sie zumindest beisammen. Und wenn es ganz gut lief, würde er sogar seine Mutter wieder finden.

Ob nun Glück oder Unglück. Seine Mutter fand Cirádan nicht. Viel eher erkannte er einen weißen Pelz. Zwar auch verschmutzt, aber wesentlich heller als sein von Sumpfschmutz getrocknete Pelz der nun auch mit Ruß gezeichnet wurde.
Zwar brannten seine Augen, doch je näher er kam, desto deutlicher erkannte der Jungrüde das dieser weiße Schatten mehr als nur ein Schatten war. Es war sogar ein recht lebedinges Wesen. Und noch etwas konnte er asbald feststellen. Sein Bruder war bei ihr. Und ein anderer schwarzer Wolf, den bzw. die er im Moment nicht zuordnen konnte. Zum einen weil er nichts riechen konnte. Zum anderen, weil Cirádan nicht eimal wusste ob er diesen anderen Wolf überhaupt kannte.
Aber das war nicht wichtig. Wichtig war jetzt das sie lebten und er freute sich wahnsinnig darüber das Caylee hier war. Und auch über Krolock freute er sich.

Da sie gerade dabei waren irgendwohin zu gehen, wohin auch immer, musste er schnell handeln.

"Caylee! Krolock! Ihr wurdet doch nicht von der Erde verschluckt!",

wuffte er freudig und strahlte dabei über die ganze Schnauze. Es musste bizarr aussehen. Er war verdreckt und schmutzig. Der Rauch verschluckte ihn dazu noch beinahe und er lächelte und wedelte mit der Rute, während er mit zittrigen Beinen immer noch halb schwankend auf dem ebenso leicht zitternden Boden stand.
Er schloss auf zu den drei Wölfen und sah Caylee glücklich an.

"Wohin geht ihr und was ist passiert?", wollte der Jungwolf wissen und klang dabei immer noch seltsam fröhlich.



[bei Caylee, Parveen und Krolock]



(ich hoffe es passt so =O )

Kirov
25.10.2012, 14:38

Atmen fiel schwerer, riechen fiel schwerer, sehen fiel schwerer. Kirov verlor die Orientierung über seine Sinne. Dennoch stellte er erleichtert fest, dass Kursaí sich aufraffte und sofort bereit war, los zulaufen. Ein Stein der Erleichterung viel ihm vom Herzen. Was wäre passiert, wenn Kursaí sich verletzt hätte oder vor Angst nicht mehr laufen konnte oder wollte? Er konnte niemanden mehr zurücklassen. Aber Kursaís schnelle Auffassung brachte ihn gänzlicher wieder auf den sicheren Grund der Realität zurück und ließ ihn mehrmals durch den Ascheregen blinzeln. Er nickte ihr zu und begab sich an ihre Seite, so dass er sie nicht aus den Augen verlieren und ihre Nähe mit Gewissheit spüren konnte. Seine Lungen verlangten immer mehr Sauerstoff, mehr, als er durch die Asche einatmen konnte. Schon bald fing er an zu husten, was kaum verwunderlich war.

„Es wird immer schlimmer“,

krächzte er mit ungewohnter Stimme hervor und beschleunigte seinen Schritt etwas. Der himmelblaue Blick glitt hinauf zum Horizont, wo sich ein Meisterwerk der Farben abspielte. Das Feuer schoss zum Himmel empor und malte mit blutroter Farbe seine Geschichte an ihn, die niemand entziffern konnte. Die Farbe lief hinab, verbreitete sich, zerstörte alles, was sich ihr in den Weg stellte. Es war so faszinierend und zugleich auch so beängstigend zu beobachten, wie schnell alles Feuer fing und anfing zu brennen, dass Kirovs Nackenhaare sich noch weiter aufstellten. Er schmeckte die Asche im Maul, hatte den Rauch und den Geruch von verbranntem in der Nase. Er beschloss, sich all dies gut einzuprägen. Wenn er irgendwann einmal weiterzog, wollte er davon erzählen. Wenn er überhaupt überlebte. Wenn er ehrlich war, sahen die Chancen gerade nicht sehr gut aus, doch das verschwieg er Kursaí natürlich. Er wollte nicht, dass sie schlecht von ihm dachte. Zumindest nicht jetzt, in diesem Moment voller Angst und Verzweiflung, die von Schritt zu Schritt schlimmer wurde. Immer wieder blickte er zur Seite, um sich zu vergewissern, dass Kursaí noch da war. Und das war sie, direkt neben ihm und ebenso voller Angst wie er. Doch er hatte seine Angst herunter gekämpft und die geliebte Maske der Ausdruckslosigkeit aufgesetzt. Angst zu haben bewies Schwäche. Er durfte keine Schwäche zeigen, nicht jetzt, nicht hier, am besten gar nicht mehr. Er keuchte kurz, um ein Husten zu unterdrücken, als die Ascheflocken sich in seiner Lunge festsetzten. Doch dann sah er in der Ferne ein paar laufender Wölfe und er ließ einen kurzen, erleichterten Seufzer hören. Das Rudel war noch gar nicht so weit weg, wie er angenommen hatte.

„Wenigstens haben wir das Rudel eingeholt“,

meinte er mit leiser Stimme zu Kursaí. Doch ein weiterer Blick nach vorne verriet ihm, dass es nur drei Wölfe waren, die er selber beim Namen nicht kannte. Da sie noch zu weit weg waren konnte er nicht einmal richtig feststellen, ob er sie überhaupt schon mal gesehen hatte. Aber wo war dann der Rest des Rudels? Wo war Amáya? Sein Blick verdunkelte sich und eine Hand quetschte sein Herz ein. Was, wenn ihr etwas passiert wäre? Er wusste das Amáya schlau war und sich nicht so leicht unterkriegen ließ, aber sie war eben auch nicht unbesiegbar. Keiner war das. Er musste wissen wo sie war. Er musste sie finden. Erneut flog sein Blick zu Kursaí und er blickte sie einige Sekunden lang nachdenklich an. Er konnte sie nicht alleine lassen und auch wenn weiter vorne ein kleiner Teil des Rudels war, bei dem er sie lassen konnte. Es kam ihm falsch vor und er fühlte sich unwohl bei diesen Gedanken. Es war einfach zu viel in diesem Moment.


[Bei Kursaí]

Invidia
26.10.2012, 19:41

Anmutig hatte die Schwarzweiße vor Ansem gestanden. Sie hatten sich damals vor gut einem Jahr im Tal der Raben gesehen. Er hatte sie gesehen, als sie am schwächsten gewesen war, doch inzwischen war sie nicht mehr schwach. Nein, Invidia war stärker geworden. Sie würde leben. Und sie würde spielen. Sie war schon vor dem Tod ihrer Schwestern eine Schauspielerin gewesen, doch nun hatte sie diese Kunst zur Vollendung gebracht. So viele Masken wie sie würde niemand besitzen. Viele Wölfe meinten, sie würden sich der Situation anpassen und niemand würde jemals zu ihrem wahren Wesen durchdringen können, doch Invidia wusste, wovon sie sprach, sie hatte sich selbst schließlich inzwischen in all diesen Rollen verloren. Sie hatte keine Ahnung mehr, wer sie eigentlich einmal wirklich gewesen war und wie sie gewesen war. Sie wusste nur, dass sie alle daran büßen lassen würde, was ihr geschehen war. Sie hatte so sehr gelitten, nun sollten alle anderen leiden. Sie liebte es Zwietracht und Eifersucht zu streuen. Es war ja wirklich so spannend dabei zuzusehen, wie Beziehungen zerbrachen und man wirklich alle gegeneinander ausspielen konnte. Es war einfach ein Genuss. So als würde ein zartes Stück Fleisch einfach auf ihrer Zunge zerfließen. Es schmeckte einfach köstlich und ließ sie jedes Mal aufs Neue immer wieder auflachen. Dennoch hatte sie die Begrüßung von Ansem eigentlich anders erwartet, schließlich hatte er vor einem Jahr eine ganz andere Fähe kennengelernt. Sie hatte so etwas wie Verwunderung erwartet, aber wahrscheinlich hatte sie das alles ganz falsch eingeschätzt. Auf jeden Fall war der Weiße inzwischen fortgegangen, wonach auch immer er suchte und hatte seine lieben Freunde in der Grube einfach so sitzen lassen. Ach die Armen, würden sie da wohl noch ein wenig länger festsitzen bleiben. Aber sie wollte ja mal nicht so sein. Ihren Spaß würde sie zwar haben und sterben lassen, wäre ja wohl viiiiel zu langweilig gewesen, oder etwa nicht? Aber sie würde das alles ja noch ein wenig herauszögern können. Und außerdem hatte sie die beiden Wölfe in der Höhle da ja auch noch gar nicht gesehen, vielleicht war da ja ein Schmucker Bursche mit dabei, der es Wert war, dass man ihn ein wenig irre führte. Und so drehte sich die Schwarzweiße um und ging langsamen Schrittes auf die Grube zu.

“Na, da hat euch euer lieber Freund aber ganz schön im Stich gelassen.“ Sagte sie mit leicht überheblicher Stimme und legte sich dann vor das Loch, dass den einzigen Kontakt zur Außenwelt für die beiden Gefangenen darstellte. “Aber seht das mal als gar nicht so schlecht an, so könnt ihr jetzt mit meiner Gesellschaft Vorlieb nehmen. Ist doch sowieso viel angenehmer, oder etwa nicht?“

Natürlich bemerkte Invidia die verzweifelten Fluchtversuche der beiden, aber es war noch zu früh zu helfen. Das wäre ja viel zu langweilig gewesen, wenn sie sich jetzt schon körperlich betätigt hätte, um die beiden da raus zu holen. Es war doch viel interessanter seine Opfer leiden zu sehen. Naja, es waren nicht ihre Opfer, aber so etwas in der Art eben. Doch dann geschah etwas, das sie in ihrer Strategie so nicht mit eingeplant hatte. Die Erde begann zu beben und kurze Zeit später stank die Luft grauenvoll nach Asche und Staub. Langsam drehte Invidia ihren Kopf nach hinten, in die Richtung aus der das Beben gekommen war. Und was sie dort sah war auf der einen Seite wirklich schrecklich, ein Berg spie schließlich Feuer und jede Menge Asche, aber auf der anderen Seite war es doch ein wundervolles Naturschauspiel! Und wenn sie dann auch noch daran dachte, dass in dem Tal dort Wölfe lebten, na dann um so besser! Schade dass sie da jetzt nicht mit zwischen stecken konnte. Aber sie hatte hier ja noch ein viel spannenderes Schauspiel. Der eine Wolf, der dort unten nämlich gefangen war, schrie aus vollem Leib einen Namen. Den Namen hatte Invidia bisher noch nicht gehört. Aber es reichte ihr, dass dieser weiblich war und dem Rüden anscheinend jede Menge zu bedeuten schien. Vielleicht war es ja sogar seine Gefährtin. Oh, was ein herrliches Schauspiel. Er hier gefangen und seine Geliebte dem Tod nahe. Hach, wie das der Todsünde doch das Herz aufging. Langsam erhob sich die Fähe und machte sich dann doch an die Arbeit Steine, die nicht die ganze Höhle zum Einsturz bringen würden, aus dem Weg zu räumen. Sie war ja schließlich nicht körperlich schwach! Und das schaffte sie auch noch gerade so. Nach ein paar Minuten hatte sie so schon zwei Steine aus dem Weg räumen könnten, die jedoch das Loch noch nicht viel größer gemacht hatten. Wäre sonst ja auch langweilig gewesen. Vielleicht würde der schwarze Rüde ja auch noch anfangen zu weinen. Welch ein Schauspiel! Welch ein wunderbares Schauspiel!

“Ich will euch ja keine Hoffnungen machen, aber ihr habt Glück, dass ihr hier seid. Sonst wärt ihr jetzt ganz gewiss nur noch ein Häufchen Asche. So wie wahrscheinlich die anderen da unten in dem Tal. Also seid froh, dass ihr weiterleben dürft!“

Wäre Invidia alleine gewesen, so hätte sie ganz gewiss lauthals angefangen loszulachen und zu klatschen. Das war ja heute wirklich alles viel zu amüsant. Einfach herrlich dieses Leben, wenn man es einfach einmal ganz anders betrachtete.


[außerhalb des Tals || Averic && Caitír Ayân]
Danke an Atalya.

Atalya
27.10.2012, 12:24

((Invidia, die Ortangaben! ;) ))

Auf Atalyas Lefzen schlich sich – eigentlich kaum merkbar – ein kurzes Grinsen, als Daylight zurück zuckte. Davon ließ sie sich jedoch nicht aufhalten, warf der weißen Fähe nicht einmal mehr einen Blick zu. Sie hatte wirklich keine Lust, sich von ihrer Tante ablenken zu lassen... dazu zählte jede Sekunde zu viel. Erst, als Daylight sie einholte, sich ihr in den Weg stellte, mit einem Mal verändert schien, hielt Atalya inne, die Rute wieder erhoben und die Lefzen ebenso zu einem Knurren verzogen. Die Graue verengte bei den Worten ihrer Tante leicht die Augen, gab ein leieses Knurren von sich. Die Erwähnung ließ ihr Knurren einen Moment ansteigen, sie biß die Fänge dabei fest aufeinander. Dieser Verlust schmerzte noch immer, und die Erwähnung des bunten Rüden ließ wieder die Trauer in der grauen Jungwölfin aufsteigen, die sie mit einem lauten Grollen fort jagte. Dafür war jetzt nicht der richtige Moment. Atalya schüttelte ausholend den Kopf, richtete den dunklen Blick dann wieder auf ihre Tante, die noch immer ihren Weg blockierte. Die meisten Worte der Weißen hatte Atalya kaum gehört, zu konzentriert war sie auf ihr Ziel. Sie schrie nicht, als sie der Weißen antwortete, viel mehr lag eine schneidende Ruhe in der Stimme Atalyas.

Wieso sollte ICH sterben, und Kisha kommt glücklich und wohlauf wieder?! Hast du Mal darüber nachgedacht, dass SIE sterben könnte?“

Sie grollte erneut auf, als nun auch Daylight die Lefzen deutlicher verzog und im nächsten Moment erneut zu sprechen begann, sich dann duckte, als erwartete sie förmlich, dass sie sie angreifen würde. Ihre Tante schien alles tun zu wollen, um sie aufzuhalten, aber auch darin sah die Graue kein Hindernis, welches sich nicht überwinden ließ. So zögerte die Jungwölfin nicht lang, setzte sich mit einem Satz nach vorn, den Fang aufgerissen, Zorn in den rötlichen Augen. Jedoch hielt sie nicht frontal auf Daylight zu, sprang mit einem schnellen Sprung an die Seite der Weißen um dort nach ihr zu schnappen. Sie knurrte, hielt jedoch nicht inne und warf sich ein zweites Mal mit aufgerissenem Fang auf die weiße Wölfin. Sie hoffte, diesen Moment nutzen zu können, so ließ sie keinen weiteren Moment verstreichen, wandte sich mit dem Schwung des Sprunges noch um, um ihren Weg wieder aufzunehmen. Sie hatte schon viel zu viel Zeit hier verschwendet, und die kalte Vorahnung legte sich ihr immer mehr wie eine Schlinge um den Hals, drohte sie zu ersticken.


[Rudelplatz - Daylight]

Jakash Caiyé
29.10.2012, 09:56

Ein donnernder Knall, und plötzlich stand die Welt in Flammen. Nun, eigentlich brannte nur das Gebirge in Richtung der Einöde, aber bei diesem Anblick hatte Jakash das Gefühl, dass 'nur' nicht ganz zutreffend war. 'Derzeit' schien da angemessener. Der Schwarze starrte wie gebannt auf das flüssige Feuer, dass zäh die Steinhänge hinabfloss, dann hob sich sein Blick weiter gen Himmel. Der Rauch, der aus dem Berg aufstieg, verdunkelte bereits den Himmel und Asche rieselte auf sie herab. Für Jakash sah es aus, als würde die Sonne von einem Schatten verschlungen werden, und die Gedanken des Schwarzen glitten unweigerlich zu Fenris.
Sie hatten sich geirrt, als sie geglaubt hatten, Engayas Macht würde wieder erstarken, und Fenris' Treiben in diesem Tal endlich wiede ein Ende finden. Die Veränderungen des Sumpfes und die Beben hätten ihnen eigentlich bereits vor Augen führen müssen, dass dem nicht so war. Fenris hatte sie verspottet, hinters Licht geführt, und jetzt brach er sich ungezügelt Bahn und nahm sich Engayas Tal. Ein bitterer Geschmack legte sich auf Jakashs Zunge. Er war zornig, er war verzweifelt, aber er fand nicht einmal Worte, die er dem dunklen Gott - SEINEM Gott - hätte entgegen speien können.
Die Nähe Chardíms und Linalees riss ihn aus seinen düsteren Gedanken. Er strich seiner Tochter nocheinmal mit der Nase über ihren kleinen Kopf.

"Kommt, wir müssen deine Geschwister und deine Mutter finden."

Wie auf's Stichwort erklang Sheenas Stimme, und Jakashs Ohren drehten sich hin und her, um entsprechende die Richtung zu ermitteln.

"Hier entlang",

fügte er hinzu und setzte sich in Bewegung. Ahkuna kam ihnen mit Isaí und Taleesha bereits entgegen, und als er sie sah, beschleunigte der Schwarze seinen Schritt.

"Isaí, Taleesha, geht es euch gut?",

fragte er besorgt und berührte beide an Wange und Hals. Erst dann hob er den Kopf, um Ahkuna anzusehen.

"Danke, Ahkuna. Wo ist Sheena, ist sie in Ordnung? Hast du Malik gesehen?"


[Rudelplatz | Chardím, Linalee, Ahkuna, Isaí, Taleesha]

(Wenn ich etwas oder wen vergessen haben sollte, meckert mit mir! XD)

Aszrem
29.10.2012, 10:18

Aszrem beobachtete Tyraleen, wie sie sich langsam sammelte und doch noch nicht ganz aus ihrer Apathie herausfand. Es wunderte ihn nicht, dass sie unter Schock stand. Mehr und mehr hatte sich das Tal Engayas, das Tal ihrer Göttin, in einen unberechenbaren, gefährlichen Ort verwandelt, den es nun letztendlich zu zerreißen schien. Sie hatten so sehr gehofft, dass Engayas Kraft wieder zunehmen würde und hatten ihre Hoffnungen schon erfüllt gewähnt, und nun schien es, als hätten sie sich grundlegend geirrt. Aszrem wusste, dass Tyraleen eine besondere Verbindung zu Engaya besaß - wieviel mehr mochte sie also jetzt fühlen? Welche Eindrücke sandte ihr die Göttin des Lebens jetzt, da ihr Tal im Sterben lag?
Der Alpha nickte Ahkuna zu, als sie Sheenas und Jakashs Welpen mit sich nahm, dann glitt sein Blick kurz zu Chivan. Ihm war die kurze Respektsbezeugung nicht entgangen, und so steß es ihm auch nicht auf, als der Rüde eilig auf Tyraleens Frage antwortete. Eine Frage, in der Furcht und Gewissheit gleichermaßen steckte, und die auch genauso klang.

"Uns bleibt keine andere Wahl",

erwiderte er, sowohl mit Bedauern als auch mit Nachdruck in der Stimme.
Sheena kam zu ihnen gelaufen, von Sorge um ihre Familie gezeichnet, und trotzdem um ihre Pflichten als Beta bemüht. Aszrem hätte sie gern an Tyraleens Seite gelassen, auf dass seine Mitalpha Kraft aus der Nähe ihrer Priesterinnenschwester zog, aber sie mussten jetzt handeln.

"Geh ruhig zu deiner Familie, Sheena, aber dann finde heraus, ob jemand verletzt worden ist oder fehlt",

trug er ihr auf und wandte sich dann wieder an Tyraleen.

"Chivan hat Recht, wir dürfen keine Zeit verlieren."


[Rudelplatz am See | Tyraleen, Chivan, Sheena]

Kursaí
29.10.2012, 20:06

Es schien so, als ob ihr Begleiter recht hatte. Auch wenn sie es bis jetzt nicht wirklich wahrhaben wollte, musste sie sich eingestehen, dass das Luftholen schwer wurde. Immer rauer wurde ihre Lunge, immer weniger Sauerstoff gelangte in sie hinein. Mussten sie alle ersticken? Nein, das glaubte sie nicht! Sie würden alle wieder normal atmen können, nachdem dieser Horror überstanden war.
Und so versuchte sie bestmöglich die schlechte Luft zu ignorieren und nicht allzu tief zu atmen. Währenddessen beschleunigte auch sie weiter ihre Schritte, nur in der Hoffnung, dadurch ein wenig Sicherheit zu gewinnen. Die Aussicht in der Mitte des Rudels eintauchen zu können, war natürlich auch allzu verlockend. Überdeutlich wurde ihr auch bewusst, wie sich Kirov an ihre Seite gesellte. Zum einen war sie einfach nur froh ihn als Anlehnung zu haben, zum anderen wusste sie so, dass er nicht verloren ging. Auch wenn sie nicht allzu viel über ihn wusste, und wohl auch nicht allzu viel mit ihm verband, gehörte er doch zum Rudel und außerdem erwies er sich als außerordentlich freundlich. Die alles war aber eigentlich gar nicht so wichtig, war es doch einfach nur eine sichere Schulter, die an ihrer Seite ging. Das auch der andere angeschlagen war, dies hatte sie natürlich mitbekommen. Und sie hatte sogar das Gefühl, dass er fast noch mehr verängstigt wurde und selber viel halt brauchte. Diesen wollte sie ihm gerne geben.
Nachdem sie einmal von der Asche husten musste, blickte sie einmal mehr zur Seite. Sie bemerkte, wie sich die Haltung des Rüden deutlich verändert hatte. Es schien gerade so, als ob er beinahe völlig ruhig geworden war. So schnell konnte er doch dies alles nicht schlucken, oder? Hatte er eine so gute Fassade, oder war seine unendliche Angst von gerade eben einfach so gewichen? Sie glaubte es nicht wirklich, würde ihn aber gewiss nicht darauf ansprechen, oder sonstwie darauf aufmerksam machen. Für ihn war es gewiss wichtig, dass er sicher wirkte, ansonsten wäre wohl die Fassade nicht so gut, nicht so glaubwürdig. Sie hätte sie ihm ja auch abgenommen, hätte sie zuvor nicht den Ausdruck in seinen Seelenspiegeln gesehen. Dieser war zu stark, konnte nicht einfach so schnell revidiert werden.
Inzwischen hatte ihr Begleiter aber die anderen entdeckt, und so folgte sie seinem Blick. Seine Worte klangen so erfreulich und es erwies sich auch als war: Da vorne waren einige aus ihrem Rudel, jedoch nicht alle. Hatten sie nur ein kleines Grüppchen gefunden? Sie versuchte herauszufinden, um wen es sich handelte, jedoch war dies in dieser äschernen Luft nicht allzu einfach. Dennoch schaffte sie es ihre Tante Parveen mit Krolock und Caylee zu entdecken. Und so sagte sie, erleichtert und dennoch unschlüssig:

"Schön, und doch sind es nur drei. Wo der Rest wohl ist?"

Kursaí wusste nicht, was sie davon halten sollte. War wem etwas geschehen? Hatte sich wer verletzt?
Plötzlich bemerkte sie, wie der Blick des Rüden wieder auf ihr lag. Kirov sah sie lange und nachdenklich an. Was er wohl dachte? Sie wusste es nicht, konnte es nicht wissen. Ihr vor ihnen stand ein kleiner Teil ihres Rudels, doch ein noch viel größerer musste hier in der Nähe irgendwo sein. Die Frage war nur wo? In dem Moment kehrten ihre Gedanken zu den Welpen zurück. Für diese musste das alles umso mehr schrecklich sein. Sie hoffte nur, dass ihnen, wie auch allen anderen, nichts geschehen war.
Langsam dämmerte ihr auch, weshalb der Rüde sie so angesehen haben könnte. Ihren Gedanken fortfahrend fragte sie Kirov vorsichtig:

"Was hast du nun vor?"


[[Bei Kirov// in der Nähe von Caylee, Krolock, Parveen]]

Tyraleen
31.10.2012, 11:18

Mittlerweile lag der flammende Berg in Tyraleens Rücken und doch meinte die Weiße das glutrote Feuer weiterhin zu sehen und seine Hitze noch immer in ihrem Gesicht zu spüren. Gleichzeitig hatte sie der schwarze Rauch so undurchdringlich eingehüllt, dass die Welt nur noch aus den wenigen Wolfsaugen um sie herum zu bestehen schien. Ihr eigenen schmerzten, die Asche reizte sie und die Dunkelheit war so überraschend über den Tag hergefallen, dass sich selbst ihr Sehsinn überfordert fühlte. Ganz abgesehen von ihrem Kopf. Der kam noch immer nicht hinter all den Ereignissen her, war schon ganz zu Anfang, als das Grollen aus der Erde erklungen war, ausgestiegen und musste doch jetzt funktionieren, um zu entscheiden, was nun zu tun war. Der kleine Isaí zwischen ihren Pfoten, den sie doch eigentlich gerade fortgeschickt hatte, schien dagegen ein wenig schneller zu sein. Seine geflüsterte Frage ließ die Weiße stutzen, fast irritiert sah sie den Welpen an und erinnerte sich dann an die so oft erzählte Legende. Der Berg Nécar, der in manchen Nächten Feuer speit. Mit einem Mal rann ein Schauer ihren Rücken hinab und sie hob den Blick zu diesem feindlichen roten Glimmen auf der anderen Seite des Sees. Es konnte nicht Nécar sein, die Legende erzählte, dass er irgendwo zwischen dem Tal der Sternenwinde und dem Tal der Raben lag – und Averic war nach Norden aufgebrochen, nicht nach Osten – aber offensichtlich war ein Berg, der Feuer speien konnte, ein Berg der Götter. Auch wenn in diesem Moment alles lebensfeindlich und furchteinflößend war … vielleicht lag etwas dahinter, das sie nun noch nicht sehen konnten. Für den Bruchteil einer Sekunde huschte der Ansatz eines Lächelns über ihre Lefzen, dann senkte sie den Blick wieder zu Isaí und schüttelte ganz leicht den Kopf.

“Nein, Isaí, das ich nicht Nécar. Aber vielleicht ist er auch … ein Berg der Götter.“

Gerne wäre sie diesem Gedanken nachgehangen, hätte sich an ihm Mut geschöpft und wäre seiner Logik gefolgt. Aber dafür war nun keine Zeit. Wie göttlich der Feuerberg auch sein mochte, er hatte ihr Tal zu einem lebensfeindlichen Gebiet ohne Sonne, ohne Luft und ohne Ruhe gemacht. Er vertrieb sie von hier. Sie sah wieder zu ihren beiden Gesprächspartnern, Aszrem und Chivan schienen sich in diesem Moment sehr ähnlich zu sein, auch wenn sie wünschte, dass Aszrem ihr gegenüber weniger fürsorglich wäre. Natürlich meinte er es mehr als gut, aber jetzt hatte sie fast das Gefühl, mit einem strengen, unerbittlichen Mitalpha besser umgehen zu können. Er hatte sie oft hart getroffen und seinen Gesichtsausdruck nach ihrem Mordgeständnis würde sie nie vergessen, aber er hatte ihr auch immer klar gezeigt, was von ihr verlangt wurde. Das hatte ihr auf seine Art Kraft gegeben. Jetzt wollte sie ihm erneut ein flüchtiges Lächeln schenken, um ihm klar zu machen, dass er sich bei Engaya nicht um sie sorgen sollte, aber Isaí lenkte sie erneut ab. Mittlerweile war er ihrer Aufforderung gefolgt und wagte es doch noch nicht endgültig in die Dunkelheit zu schlüpfen.

“Gleich werden wir alle zusammen laufen, ja. Aber jetzt schnell zu deinem Vater, er macht sich furchtbare Sorgen.“

Das war eine Unterstellung, aber sie war sich relativ sicher, die Wahrheit gut getroffen zu haben. Und Isaí und Taleesha sollten nicht länger zögern, nun war es wichtig, die Rudelmitglieder in Gruppen zu bringen. So würden sie niemanden vergessen können … bei ihrem Aufbruch. Sie wandte sich wieder zu Aszrem und Chivan und empfing ihre Bestätigungen. Zunächst nickte sie darauf noch etwas zögernd, aber dann wurde ihr Blick fester und die Gewissheit, Averic schon so bald wieder zu sehen, gab ihr neue Kraft. In diesem Moment kam Sheena zu ihnen gestürzt und wirkte so wie sie sich selbst noch eben gefühlt hatte. Ihre Frage rührte sie, sprach sie doch von unerschütterlicher Treue und der Absicht, das Rudel über alles andere zu stellen. Etwas, das Tyraleen wohl nicht getan hätte. Aszrem schickte Sheena gleich wieder fort und Tyraleen stimmte nickend sofort mit ein.

“Geh, Sheena, aber stell dich darauf ein, dass wir gleich aufbrechen werden.“

Sie lächelte ihr noch aufmunternd zu und sah sie dann ebenso wie Isaí, Taleesha und Ahkuna im schwarzen Rauch verschwinden. Wieder alleine mit ihren beiden beratenden Stützen nickte sie auch bemüht entschlossen auf Aszrems Aufruf zur Eile. Sie mussten das Rudel rufen und ihnen allen klarmachen, dass ihre Heimat nicht länger ein Zuhause war. Manche von ihnen hatten noch nie dieses Tal verlassen … Tyraleen eingerechnet. Als eine der Ängstlichen, die nicht wussten, was dort draußen auf sie warten würde, musste sie ihnen eine Führerin sein. Sie wusste schon jetzt, dass sie sich an Averics Pfotenabdrücke klammern würde. Sie waren fürs Erste ihr einziger Weg.

“Lass uns das Rudel zusammenrufen. Ich denke, jeder wird uns zustimmen, dann können wir sofort aufbrechen.

Sie hatte zu Aszrem gesprochen, warf aber auch einen kurzen Blick zu Chivan, der ihm verdeutlichte, dass er gerne mit einstimmen durfte. Je stärker und klarer ihr Ruf klingen würde, desto sicherer würden die Wölfe verstehen, dass kein Weg an dieser Entscheidung vorbeiführte.

Sie hob ihren Fang in die stickige, düstere Luft und begann mit so fester Stimme wie es ihr nur möglich war, das Rudel zu sich zu rufen. Gleichzeitig stand in ihrem Gesang, dass sie aufbrechen würden, dieses Tal hinter sich lassen mussten und eine neue Heimat suchen würden …

Zumindest so lange wie der Rauch und das Feuer ihnen ihr Zuhause stahlen.


[ Rudelplatz | Aszrem und Chivan; das Rudel rufend ]

Caylee
31.10.2012, 12:10

Caylee war heilfroh, dass sie Parveen dicht an ihrer Seite hatte, auch wenn sie theoretisch alleine laufen konnte. In dieser verwirrenden Situation brauchte sie nun einen Stütze, nicht etwa für ihre verletzte Schulter, sondern für ihren hilflosen Geist. Das Geschehene nicht begreifend und vor dem nun Zutuenden zurückschreckend stand die Weiße verloren im stickigen Rauch und hätte sich gerne in dem schwarzen Pelz an ihrer Seite versteckt. Das kam nur leider nicht in Frage. Zudem war Parveen zwar eine vernünftig denkende, verlässliche Wölfin, aber sie wusste auch nicht, was hier geschehen war und musste der Situation mit einer ähnlichen Unsicherheit entgegenstehen. Sie fand zwar beruhigende Worte und tatsächlich hatten sie ja sogar das Nichts überlebt, aber leider hatte Caylee dennoch das Gefühl, dass dieser feuerspeiende Berg doch etwas ganze anderes war. Auch ihr wurde immer klarer, dass sie hier nicht bleiben konnten, nicht hier auf diesem Flecken Gras, nicht hier auf dem Rudelplatz und nicht hier in diesem Tal. Ein eiskalter Hauch umschloss ihr Herz und ihr wurde bewusst, dass sie noch nie außerhalb dieses Tals gewesen war. Manchmal an seinem äußersten Rand und manchmal hatte sie sich darüber hinaus gewünscht, aber … sie hätte nie gedacht, dass sie nun dazu gezwungen werden würde. Was wartete dort draußen auf sie? War die Welt überall so wie hier oder gab es nur im Tal der Sternenwinde einen See, einen tiefen, undurchdringlichen Wald und einen großen Fluss, der in die Ewigkeit zog? Ihre Ohren hatten sich leicht zurückgelegt, da erklang Krolocks feste Stimme, die sie dazu anhielt, eben jenem Fluss zu folgen. Sofort. Caylee sah dem schwarzen Wolf nach, der sich sofort erhoben hatte und ganz instinktiv rief sie ihm

“Krolock, warte!“

nach, auch wenn sie noch nicht darüber nachgedacht hatte, ob es ein guter Weg war, den der schwarze Rüde eingeschlagen hatte. Parveen neben ihr flüsterte ihr nun eine leise Frage zu und die weiße Jungwölfin fühlte sich überfordert. Krolock vertrauen? Eigentlich nicht … und doch irgendwie schon. Er würde sie in Sicherheit führen, da war sie sich sicher. Aber er führte sie doch auch fort vom Rudel. Sie konnten nicht einfach gehen, Caylee musste ihre Schwestern und ihre Mutter holen! Verwirrt und unglücklich starrte sie ihre Tante an, schüttelte den Kopf und nickte doch gleichzeitig und hob dann vollkommen unschlüssig eine Pfote an.

“Nein, ja, nein, meine Mutter … und Avendal. Und …“

Ganz offensichtlich war Caylee absolut unfähig, mit der Situation umzugehen. So war es vielleicht nicht erstaunlich, dass sie ein jähes Glücksgefühl empfand, als plötzlich eine Gestalt aus dem Rauch auftauchte und auf sie zusteuerte. Zuerst konnte sie sie nicht erkennen, merkte nur, dass sie klein und reichlich verdreckt aussah. Dann bemerkte sie das breite Strahlen auf ihrem Gesicht und schließlich erkannte sie Cirádan. Ci! Wo kam er denn her? Seit den Erlebnissen im Sumpf hatte sie ihn nicht mehr gesehen, war allerdings auch schwer mit sich selbst beschäftigt gewesen. Er schien sich wirklich zu freuen, sie zu sehen und auch Caylee war erleichtert, ihn wohlauf anzutreffen. Und zudem riss er sie aus dieser unmöglichen Entscheidungssituation.

“Ci, da bist du ja. Krolock will dem Fluss aus dem Tal folgen, aber … Der Berg hat Flammen gespuckt. Es ist so dunkel, wir können hier nicht bleiben.“

Sie bemerkte kaum, wie wirr sie eigentlich sprach. Aber ihre Ohren hatten sich wieder nach vorne gedreht und sie schnappte erleichtert nach Cirádans Backenpelz. Ihr kleiner Jugendfreund war zwar alles andere als eine autoritäre Führungspersönlichkeit, aber er würde Krolock bestimmt kurz innehalten lassen. Der hasste ihn viel zu sehr, um ihn komplett ignorieren zu können. Hoffentlich. Und dann erklang der Ruf ihrer Mutter. Er hörte sich ein bisschen dumpf an, als würde sie mit Moos vor dem Fang heulen, aber er war ganz deutlich vernehmbar. Sie rief das Rudel zusammen und sie machte deutlich, dass sie gehen würden. Gemeinsam.

“Krolock!“,

rief Caylee erneut, jetzt immerhin ein wenig bestimmter. Er würde sich dem Ruf der Leitwölfe doch nicht widersetzen, sie schienen ja auch einen Plan zu haben.


[ Rudelplatz | Parveen, Cirádan und Krolock ]

Chardim
03.11.2012, 22:42

Chardím musste sich zwingen nicht immer wieder zum feuerspeienden Berg hinauf zu schauen. Und er musste sich daran erinnern seine Pfoten in Bewegung zu halten. Aber der Anblick dieser unbekannten, bedrohlichen Naturgewalt hatte etwas so anziehendes an sich, dass es ihm mehr als schwer viel. Und seine Läufe fühlten sich aus irgend einem Grund so furchtbar bleiern an. Linalees jammerndes Ausrufen seines Namens half ihm dabei sich auf sie zu konzentrieren. Sie schien etwas von dem schwarzen, trockenen Regen, der auf sie herabrieselte, in die Augen bekommen zu haben. Der Schwarzweiße versuchte die kleine Welpin zwischen seinen Pfoten zu lotsen, sie schien etwas orientierungslos und zudem noch duzende Male verängstigter als er.
Als sie wieder auf einer Höhe mit Jakash standen und sein Pate sich wieder seiner Tochter widmete, schien sich auch Chardím daran zu erinnern, dass er seine eigene Familie hatte. Prompt hob er den Kopf und sah sich um, die zweifarbigen Augen hielten nach einem strahlend weißen Pelz Ausschau. Erneut fühlte er ein würgendes Gefühl, dass seine Eingeweide zusammendrückte. Sein Vater hatte ihn gebeten, auf die Familie aufzupassen. Da hatte er noch keine Ahnung gehabt, Averic schon.
Es war nicht richtig jetzt bei seiner Patentochter zu bleiben, denn sie hatte ihre Eltern, ihre Geschwister und war bei ihnen gut aufgehoben. Wichtiger war, dass er zu seiner Mutter ging. Noch während er diese Entscheidung fällte, war der schwarzweiße Jungwolf bereits stehen geblieben und richtete nun seinen Blick hinab zu Linalee.

Linalee, ich muss zu meiner Mutter. Deine Eltern und deine Geschwister hier passen gut auf dich auf, ich muss jetzt auf meine Familie aufpassen.“

Chardím stupste sie sanft nach vorne, damit sie den letzten Meter zu ihren Geschwistern überwand. Dann wandte er sich um und lief auf seine Mutter zu, die in diesem Moment sowieso anfing das Rudel zusammen zu rufen.
Sie würden also gehen, das Tal der Sternenwinde verlassen. Zwischen all der Verwirrung und dem Geruch von Angst konnte er diese Nachricht nur zur Kenntnis nehmen, aber weder verstehen, noch verarbeiten, was das bedeuten würde.



[ Rudelplatz | zuerst Linalee, Jakash, und co. dann auf dem Weg zu Tyraleen und co. ]

Malik Hikaji
04.11.2012, 18:23

Malik wollte sich nicht bewegen, obwohl die Erde inzwischen nicht mehr wackelte. Alles war still, doch die Luft war noch immer erfüllt von beißendem Gestank, der ihn beim Einatmen zum Husten brachte. Nein, Malik wollte hier liegen bleiben und die Augen erst wieder öffnen, wenn wirklich wieder alles in Ordnung war. Er ahnte, dass das nicht passieren würde, aber darauf hoffen konnte er trotzdem. Und so lange seine Oma bei ihm war und ihm Schutz gab, konnte doch nichts passieren. Oder? Nein.
Doch plötzlich fühlte der Welpe, wie das Fell, die Wärme von seiner Seite verschwanden. Seine Oma stand auf und … im nächsten Moment hörte er ihre Stimme, als er gerade protestierend den Kopf hob und sie aus seinen schwarzen Augen heraus verängstigt ansah. Es dauerte kurz, bis er verstanden hatte, was seine Oma von ihm erwartete, was sie sich wünschte. Doch dann nickte er kurz und kämpfte sich auf seine wackeligen Beine, die ihm vorgaukelten, die Erde würde noch immer beben. Seine Augen weiteten sich, als sein Blick auf eine riesige schwarze Wand fiel, die sich unaufhaltsam auf sie zubewegte. Den feuerspuckenden Berg sah er nicht mehr, er musste hinter der Schwärze sein. Was war das nur? Was ging hier vor sich?

Schnell huschte er an die Seite seiner Großmutter, Amáya war auch noch bei ihnen. Zwischen den beiden großen Fähen fühlte er sich halbwegs geborgen und beeilte sich, nicht zurückzufallen. Den Ruf seines Vaters hatte er vorhin gar nicht gehört, alles war ein einziges Durcheinander. Wieder und wieder musste er husten und die stinkende Luft ließ seine Augen tränen und wie Feuer brennen. Die schwarze Wand hatte sie eingeholt und umgab sie nun, mit einem Schlag war es dunkel geworden. Der Welpe konnte kaum weiter als eine Wolfslänge sehen, war froh, dass seine Oma und seine Tante noch bei ihm waren. Ringsherum waren Stimmen zu hören, die gehetzt sprachen oder nach jemandem riefen, aber er konnte sie niemandem zuordnen. Alles war wirr, alles durcheinander. Malik winselte, blinzelte krampfhaft und schnappte sacht nach den etwas längeren Haaren an der Flanke seiner Großmutter, um sie im Laufen nicht zu verlieren. Aber so richtig festhalten konnte er sich so auch nicht.

Inzwischen war sein eigenes Fell nicht mehr weiß, sondern aschfahl und grau. Und als sich endlich Gestalten aus der unnatürlichen Dunkelheit schälten, die ihm bekannt vorkamen, ließ er seine Oma vor Erleichterung los und lief zu seinen Geschwistern und seinem Vater. Eine ebenso ergraute Fähe stand auch bei ihnen, deren Namen er nicht sagen konnte, denn weder erkannte er sie am Aussehen, noch am Geruch. Man konnte nichts riechen außer Feuer und Verbranntem – als er dennoch zu wittern versuchte, wurde er mit Husten dafür belohnt.

„Papa, was ist das denn?“, fragte er heiser und sah sich ängstlich um. Dann drängte er sich zwischen seine Geschwister, suchte deren Nähe und Wärme und vergaß alle Vorbehalte, die er ihnen gegenüber je gehabt hatte. Nun zählte nur, dass sie alle da waren und es ihnen gut ging.


{erst Shani & Amáya :: dann bei Jakash, Isaí, Taleesha, Linalee und Ahkuna }

Averic
06.11.2012, 19:17

Tief durchatmen. Der Zorn eines Wolfes wie ihm hätte bekannter Weise Berge versetzen können, aber in diesem Fall würde er ihm doch nicht helfen schnell genug ans Ziel zu kommen. Er musste einen kühlen Kopf bewahren, selbst in einer Situation wie dieser. Solange er lebte wusste Averic, dass auch Tyraleen lebte. Die Götter würden nicht einfach so ihre Kinder opfern, seine eigene augenblickliche Situation war der beste Beweis dafür. An diesem Glauben musste er jetzt festhalten, wenn er sich nicht selbst schaden wollte. Sie würde verstört und verängstigt sein. Vielleicht würde sie unter der Befürchtungl, dass dies das Ende war in die Knie gehen und von Verzweifelung durchflutet werden, weil sich ihr Tal in Schutt und Asche zerlegte, aber sie lebte. Und sich selbst hassend, weil er ihr nicht beistehen konnte wusste der Todessohn: Sie würde sich nicht kauernd ergeben, sondern das Beste daraus machen. Und seine Kinder ... er würde es wissen, wenn es schlecht um sie stände, nicht? Er müsste es fühlen, oder? Er war der Erbe Fenris; mit dem Tod verbunden. Averic wusste, wann ein Wolf starb. Aber auch über diese Distanz hinweg?
In seine Gedanken mischte sich die lästigen Geräusche der plappernden Fähe vor ihrem Gefängnis. Was gerade geschehen war schien sie nicht verschreckt zu haben, im Gegenteil hatte es den Anschein als würde ihr die Vorstellung gefallen, wie es bei den Wölfen im Tal gerade zugehen musste. Sie betitelte sie bereits als Verlorene. Mit einem kurzen Grollen drehte sich Averic von der Lücke im Geröll weg und wandte sich der Finsternis hinter sich zu.
Fenris!
Der Schwarze wusste, dass sein Gott ihn hören konnte. Er zweifelte zwar daran, dass ihm Beachtung geschenkt werden würde, aber er musste es wissen. Und zu seinem Erstaunen dauerte es nicht lang, da flackerten – nur für ihn sichtbar, für den Fremden dürfte die Präsenz nur als kalter Hauch zu spüren sein – zwei blutfarben glühende Augen in der Dunkelheit auf. Averics Muskeln spannten sich an und irgend etwas in ihm wusste bereits, warum Fenris so schnell erschienen war. Er war auf dem Weg. Dem Todessohn wurde kalt.
Sag es.
Ihm war klar, dass der Schatten gehässig grinste. Er genoss Schmerz, Verzweifelung, das Gemisch dieser Ungewissheit und labte sich daran. Sicher hätte Fenris mit Vorliebe darauf verzichtet ihm zu antworten, aber das wäre wohl kontraproduktiv gewesen. Niemand aus deiner Familie. Vergiss deinen Auftrag nicht.
Hätte Averic annehmen müssen, dass jemand aus seiner Familie dem Tode nah war, so hätte ihn nichts auf der Welt daran hindern können zurück zu laufen. Oder er hätte sich völlig an dem Versuch verbraucht so schnell wie möglich hier aus diesem steinernen Gefängnis zu kommen. Solange er aber wusste, dass seine Kinder nicht in Lebensgefahr waren, konnte er weitermachen.
Das rote Glühen verschwand und auch Averic schloss kurz die Augen. Durchatmen. Fenris war auf dem Weg ins Tal, aber er würde niemanden mitnehmen, um den es ihm Leid getan hätte. Der Pechschwarze wandte sich wieder dem Loch zu und nahm die Arbeit an seiner Vergrößerung wieder auf. Nun gezielt und beherrscht rüttelte er mit den Pfoten an einzelnen Steinen. Die Fähe draußen, die es sich ihrerseits wohl zur Aufgabe gemacht hatte sie zu nerven und nutzlos zu sein, beachtete er nicht weiter.



[ Steingefängnis | Caitír | Invidia ]

Malicia
07.11.2012, 13:23

Bei all der Asche, Hektik und dem Durcheinander war es kein Wunder, dass die schwarze Fähe schon bald selbst den Überblick verloren hatte. Ihre Gesprächspartnerin war von den Aschewolken verschluckt worden, ihre Rudelgefährten konnte sie nur gerade so durch ihre Stimmen erahnen. Die Fähe kniff ihre Augen zusammen um überhaupt jemanden in ihrer Umgebung zu erkennen, aber bis auf ein paar undeutliche Schemen und Schatten konnte sie nichts erkennen. Als die Erde erneut zu beben begonnen hatte traf es das Rudel zwar weniger überraschend und dennoch wünschten sie sich wohl, dass das Unglück endlich ein Ende fand. Malicia war zu dem Zeitpunkt des neuen Bebens bereits wieder allein gewesen. Ihr Gespräch mit Amur hatte sie nicht zu Ende führen können..auch wenn ihre Cousine ihre Nähe wahrscheinlich gebraucht hätte. Doch dieses Gefühl von Geborgenheit konnte sie ihr nicht geben. Wie sollte sie auch Wärme verschenken können, wenn sie sie doch selbst nicht mal akzeptierte. Noch immer fragte die Schwarze sich, warum die graue Jungwölfin sich ausgerechnet sie als Gesprächspartnerin gesucht hatte. Amur wusste doch, wie schlecht sie auf gefühlsduselige Unterhaltungen zu sprechen war. Im Grunde musste sie sich jedoch keine weiteren Gedanken darüber machen, das Gespräch war vorbei und die Schwarze bezweifelte, dass ihre Verwandte sich ihr so schnell wieder nähern würde.

Nun, da das Rütteln wieder nachließ fand die Fähe sich etwas abseits der anderen wieder. Ihre Rudelmitglieder schienen sich während des Bebens zusammengerauft zu haben, denn in ihrer unmittelbaren Nähe war niemand mehr. Ein Seufzen verließ die Lefzen der Fähe als sie sich umsah und versuche zu erkennen wo der Großteil des Rudels sich befand. Es dauerte eine Weile, bis Malicia meinte zwei Wölfe –ein gutes Stück vor ihr- erkennen zu können. Wenn sie sich nicht irrte eine dunkle und eine helle Gestalt; doch in diesem Rudel befanden sich zu viele schwarze und weiße Wölfe, als dass sie die beiden bei diesen Sichtverhältnissen hätte erkennen können. Die Augen auf den Boden gerichtet näherte sich die Wölfin den anderen, das letzte was ihr nun fehlte war eine Verletzung weil sie einen Riss im Boden oder einen großen Gesteinsbrocken übersehen hatte. Als die Stimmen, gedämpft von Rauchschwaden und Ascheregen, der beiden zu ihr durchdrangen spitze die Fähe die Ohren. Zweier Sachen war sie sich nun sicher. Erstens: Sie kannte die beiden.. und zweitens: ein freundliches Gespräch war es mit Sicherheit nicht. Daylight und Atalya schienen zumindest verschiedene Meinungen zu haben was das weitere Vorgehen betraf, es war mehr als deutlich, dass Daylight Atalya zum Bleiben bewegen wollte, diese scheinbar jedoch nicht vorhatte sich etwas von ihrer Schwester sagen zu lassen.

“Meint ihr es tut uns gut wenn ihr euch in dieser Situation noch gegenseitig an die Gurgel geht?“, fragte sie mit ihrer typisch kühlen Stimme als sie aus dem Rauch trat und neben den beiden stehen blieb.

Ihr ausdrucksloser Blick huschte zwischen den beiden hin und her, sie wusste nicht genau warum dieses Gespräch so ausgeartet war, wollte jedoch auch nicht unbedingt nachfragen. Im nächsten Moment drang an Heulen an ihr Gehör und die schwarze Wölfin lauschte angestrengt. Eine Versammlung? Aufbruch?

“Lasst es gut sein… Kommt ihr mit zu Tyraleen oder wollt ihr hier bleiben?“

Die Wölfin machte einen Schritt vorwärts und bliikte den beiden erwartungsvoll entgegen.. Sie würden schon vernünftig sein..

{ erst allein | dann Atalya und Daylight }

Krolock
07.11.2012, 14:24

Sollte er einfach weiter gehen? Es schien irgendwie verlockend zu sein, das dämliche Geheul der Alpha interessierte ihn nicht. Krolocks Nackenfell stellte sich auf, während er stehen blieb und sich umblickte. Mürrisch wartete er er auf Caylee und Parveen, vermutete aber, dass diese verfluchten Gutwölfe nun wieder Herdenanschluss suchen würden. Der schwarze Rüde legte zornig die Ohren an. Sein dummer Bruder musste natürlich auch gleich noch auftauchen.
Mit ein paar kurzen Sprüngen legte er den Weg zurück, den er gekommen war und rammte dabei unnötigerweise gegen Cirádan, um diesen zu ärgern und seine Wut an ihm auszulassen. Das der bekloppte Rüde unzurechnungsfähig war, hatte er immer gewusst, aber die Show, die er nun hier abzog, die stellte alles andere wirklich in den Schatten!

„Und selbst wenn es euer Verderben ist... tut nie etwas ohne Erlaubnis!“

Verächtlich betrachtete er die drei unfähigen Gestalten und schloss keinen aus. Die Worte waren spitz – messerscharf – und zeugten von einer anderen Unfreundlichkeit, als man im Allgemeinen von ihm gewohnt war. Die Wut, die jetzt in ihnen mitschwang war gezielt und begründet, letztlich aber doch resigniert.

„Immer entsprechend der Norm... los, meine lieben Sklaven eurer Selbst, folgen wir ohne Sinn und Verstand.“

Er verhöhnte die drei Wölfe, ehe er sich aufmachte, um dem Ruf der Leitfähe zu folgen. Mit Gehorsam hatte das wenig zu tun, eher mit völliger, schicksalsergebener Gleichgültigkeit. Vielleicht bot die Panik dieser Nullchecker ein bisschen gute Unterhaltung, denn die konnte er nun wirklich gebrauchen. Wieso hatte dieses flammende Inferno nicht hier stattfinden können? Die Welt wäre so unglaublich viel besser, ohne dieses Trauertal von Rudel.


[Erst gewillt, der Gefahr zu entkommen... dann bei Caylee, Parveen und Ciradan... schließlich auf dem Weg zu Tyraleen]

Chivan
08.11.2012, 15:39

Im Grunde hatten die beiden Welpen ehrlichen Respekt verdient, dass sie sich trotz der Tatsache, dass es soeben am hellsten Tag düster geworden und ein Berg mit einem Male in Flammen stand, trauten, sich in die Dunkelheit hinauszubegeben. Sie waren nicht allein, ohne Zweifel, doch Chivan zweifelte allein aufgrund der Sorge, die der kleine Rote deutlich an den Tag legte, dass Ahkuna für ihn ähnlich viel Sicherheit bedeutete wie Tyraleen. Und auch Taleesha, die geschützt vom Leib der Wölfin eben noch das Spektakel beobachtet hatte, schien eine weitaus bessere Bindung zur Leitwölfin als zu der Weißen zu haben, an deren Seite sie nun im düsteren Nebel verschwanden. Chivan warf ihnen einen Blick nach, nachdem sie sich tatsächlich von der Gruppe gelöst hatten, um ihre Eltern und Geschwister in diesem Durcheinander zu finden, ehe er wieder fest zurück zu Azsrem und Tyraleen sah, die nun im Zwang der Entscheidung standen. Sein Körper strafte sich einen kurzen Augenblick, in dem er versuchte, die Furcht, die ihn beschleichen wollte, abzuschütteln, doch die Angst der anderen lag nur zu deutlich in der Luft, als dass man vollkommen unberührt von ihr bleiben konnte. Dennoch bemühte sich der Rüde weiterhin um eine ruhige Ausstrahlung, ebenso, wie er sich bemühte, nicht zu vergessen, dass sie diese Prüfung nicht allein bestehen mussten. Sie mussten handeln – ohne Frage – doch die Götter standen ihnen dennoch bei, selbst, wenn diese Dunkelheit, dieser Gestank, der unmöglich von dieser Welt sein konnte und der dichte Nebel, der einem das Atmen erschwerte, es schwer machte, wirklich darauf zu vertrauen. Die blauen Seelenspiegel des Bunten huschten zu Aszrem, der die Worte Tyraleens bestätigte, doch ehe weitere Worte folgten, stürzte eine weitere helle – inzwischen von der Asche leicht angegraute – Wölfin zu ihnen. Chivan konnte ihrem Verantwortungsbewusstsein in diesem Augenblick keinen Respekt zollen, dazu war die Lage viel zu ernst, zu bedrohlich und zu bedrängend, doch es war keine Frage, dass nicht jede Rangwölfin das Wohl des Rudels und die Aufgaben ihres Ranges über die Sicherheit und Sorge ihrer eigenen Familie stellen würde – besonders nicht als frische Mutter vierer Welpen, doch Sheena bewies, dass dies nicht auf alle zutraf. Die beiden Leitwölfe aber schickten sie zu ihrer Familie, um sich ihrer Unversehrtheit zu versichern. Der Bunte schwieg, folgte dem Spektakel nur mit dem Blick, bis auch diese Fähe in der Düsternis verschwand.

Und kaum war sie verschwunden, sprach Tyraleen die einzige Entscheidung aus, die sie in diesem Moment hätte treffen können. Man sah ihr an, dass es ihr nicht leicht fiel, doch einen anderen Weg gab es für sie alle nicht. Sie mussten hier fort, das sagte ihnen nicht zuletzt ihr Instinkt. Chivan nickte schwach, auch, wenn er wusste, dass sie in erster Linie ihren Mitleitwolf angesprochen hatte. Es zeugte mehr von eigener Zustimmung ihm gegenüber und war eine Handlung, die automatisch gefolgt war. Den bernsteinfarbene Blick erwiderte er, glaubte zu verstehen und wartete schließlich, bis sie den Fang zum brennenden Himmel gehoben hatte, um das Rudel zusammenzurufen. Erst, als Azsrem es ihr gleichgetan hatte und in das einsame Geheul miteingestimmt war, hob auch er schließlich den Kopf in den Nacken, richtete den Fang zum Himmel und leistete den Stimmen der beiden Alphas mit seinem klaren Ton Gesellschaft. Und schließlich richtete sich sein Blick auf ihre Umgebung, die ihm nicht allzu viel Einblick gewährte, abwartend, Gestalten aus dem Dunst heraustreten zu sehen. Seine Ohren spielten kurz unruhig. Er fühlte die Bedrängnis, die innere Unruhe, so schnell wie möglich einen Weg aus dem Tal zu suchen.



{ rudelplatz | tyraleen und aszrem, ebenfalls einstimmend}

Taleesha
09.11.2012, 11:32

Es war entsetzlich, es war einzigartig und es war von solch roher Gewalt, dass Taleesha nur weiter staunend diesem unglaublichen Naturschauspiel zusehen konnte. Sie blickte wie gebannt auf die Lavamassen und spürte neben der Angst, die allgegenwärtig war, eine unheimliche Faszination. Ihr war bewusst, dass dieses Dunkle, Zerstörerische, auf das sie blickte, durch nichts aufgehalten werden konnte und für alle, die es erreichte, erbarmungslos und vernichtend sein musste – aber dennoch war da etwas, das sie fesselte und das sie unglaublich schön fand.

"Isaí, sieh doch nur …"

Sie wusste nicht, ob ihr Bruder sie in diesem lärmenden, dunklen Brausen um sie her wirklich hatte hören können. Sie löste für einen kurzen Moment ihren Blick von dem dunklen Rot und drehte den Kopf zu ihrem Bruder, der immer noch dicht neben ihr saß und sich an sie kuschelte. Sie drückte sich noch ein wenig stärker an ihn und hatte das Gefühl, dass er auf irgendeine Erwiderung von ihr warte. Hatte er etwas zu ihr gesagt? Leider hatte sie nicht vernommen – ganz versunken in diesen Zustand – und schleckte ihm nun tröstend über die Schnauze. Sein Fell schmeckte nicht mehr nach Isaí, es war überzogen von dunklem Staub. Taleesha nahm den pelzigen Geschmack auf ihrer Zunge wahr und merkte, dass der Staub auch bereits in ihrer Nase war und ihr das Atmen schwerer fiel als sonst. Die Angst kroch noch ein wenig näher zu ihr und sie fiepte ihrem Bruder orientierungslos zu. Sie spürte, dass er auf sie aufpassen würde, egal was kommen sollte. Sie war in diesem Moment so froh, einen fürsorglichen, verantwortungsbewussten und starken Bruder zu haben, in dessen Schatten sie sonst oft stand. Sie drückte sich noch mehr an ihn und nahm sich vor, nie mehr eifersüchtig auf ihn zu sein. Sie würde ihn nie mehr beleidigt anschauen, nie mehr besserwissen, sich nie mehr über ihn ärgern. Nie, nie, nie, wenn die Welt um sie her doch nur aufhörte zu beben und zu toben.

Als sie aufbrechen musste, da Tyraleen sie weggeschickt hatte, war sie froh, nicht allein gehen zu müssen. Sie blickte noch einmal zurück zu ihrer Patentante und übersandte ihr all die Energie, alle Träume, alle guten Gedanken, die sie noch hatte. Sie wollte gerne bei ihr bleiben und ihr beistehen. Zwar wusste Taleesha nicht, was ihre Alpha nun entscheiden oder tun musste, aber sie spürte, dass eine große Last auf ihr lag. Schweren Herzens ging sie neben Isaí und Ahkuna her und versuchte sich zu sagen, dass schon alles wieder gut werden würde.

Es dauerte nicht lange, bis sie ihren Vater erreichten. Die Dunkelheit um sie herum hatte es schwer gemacht, schnell voran zu kommen, aber Jakash war nicht weit entfernt gewesen. So sehr Taleesha sich eben noch gewünscht hatte, bei Tyraleen zu bleiben, freute sie sich jetzt, als sie auf ihren Vater und ihre Schwester zusprang.

„Paaaapaaa! Linaleeee!“

Das dumpfe Grollen schluckte ihr lautes Rufen, sodass es mehr einem kurzen Ausspruch entsprach, aber sie drängte sich so eng an IsaÍ und die beiden, dass es keinen Zweifel geben konnte, wie froh und erleichtert sie war, an diesem Nachttag ihre Familie um sich zu haben.
Dennoch fehlten zwei ganz wichtige Mitglieder. Wo waren ihre Mutter und Malik? Was war mit ihnen? Kamen sie gleich oder war ihnen etwas passiert? Taleesha musste plötzlich daran denken, wie sie sich vorhin Sorgen gemacht hatte, als sie Isaí auf dem See beim Tanzen zugesehen hatte. Wie schön es da noch gewesen war. Eigentlich war alles gut gewesen und trotzdem hatte sie schon große Sorge gefühlt.

Die Ankunft Maliks lenkte sie von ihren sich drehenden Gedanken ab. Sie machte ihm sofort Platz und strich ihm liebevoll mit der Zunge übers Fell. Zwar nur kurz – bis sie wieder die bittere Asche schmeckte, die sich auch auf sein Fell gelegt hatte – und dann kuschelte sie sich an ihn und schloss die Augen. Es würde doch alles gut werden, oder?

{erst mit Isaí bei Tyraleen | dann bei Jakash, Isaí, Malik, Linalee und Ahkuna }

Amúr
10.11.2012, 10:59

Das Wasser in ihren Augen schien sich im grellen Orange der Lava zu ergeben. Traurig blickten ihre Iriden über den weichen Fluss aus brennendem Schicksal, welches durch die Hand eines Todesengel ausgelöst worden war. Nervös und in tiefer Trance der Trauer, zitterten ihre jungen Pfoten auf dem von Asche übersäten Boden, welcher dem Kleid des Winters hässliche Farben zugeeignet hatte. Amúr sah darin das bitter schmeckende Ende, denn ihr Leben hatte die Brücken durch mächtige Hände einstürzen lassen. Alles was sie sich je aufgebaut hatte, war entweder in den Fäden Fenris gefangen oder ruhte nun auf ewig unter der Decke aus heißer Asche. Noch immer spiegelte sich die Farbe der heißen Glut in ihrer Seele und ließ es auch an diesem Ort wahrlich brennen. Was war hier nur geschehen? Dies war eine Heimat gewesen, ein sicherer Ort für das Leben solch junger Wölfe. Hatte einst einer den Götzen gedient, oder wieso wurden sie so bestraft- wieso wurde das Tal bestraft und, dank des Schauspiels der Natur, mit seinen Tieren in den schwarzen Tod gerissen? Manchmal gab es eben Fragen, die sich keine Seele beantworten durfte-es beziehungsweise nicht konnte. Hier waren sie verloren und genau diese Schlussfolgerung ließ ihr Herz an Ort und Stelle bluten.

Mit einem schweren Gefühl im Magen, hob sie ihren zarten Kopf in die Höhe und schmeckte die kühle Luft, welche sich durch den Himmel treiben ließ und von schwarzen Schneeflocken geziert war. Es schien vorbei, doch all dies was übrig blieb, strömte wie eine heiße Welle gegen ihre Ohren und brach mit einem finsteren Rauschen ab. Sie hatte solch schöne Erinnerungen an diesen Ort und niemals hatte sich ihre Existenz dafür vorbereitet diese einst zu verlieren, zumindest nicht auf solch einem Weg. Ihre Iriden glitten in die Ferne, während der kalte Wind sich durch ihr dichtes Fell kämmte und sie trotz der warmen Lava an den Winter erinnern wollte. Sollte sie sich setzen? Sollte sie sich in den letzten Schnee legen, wessen Substanz dieses Ereignis überstanden hatte? Zu gern wollte sie ihre Schnauze tief in das gefrorene Wasser stecken und das Gefühl von Taubheit über sich ergehen lassen. Einfach nichts mehr spüren. Sie wollte vollendet werden und noch tiefer in die bereits entstandene Trance fallen, damit diese sie in eine ganz andere Welt tragen konnte. Weit weg von all dem Schmerz.

''Ach Vater...wäre ich doch nur mit dir gegangen. Du hättest mich nur lassen müssen...'', perlte es flüsternd von ihrem Fang, als Amúr mit ihrem Kopf tief nach unten ging. Er wirkte so schwer, so schwer wie all die andere Last auf ihren Schultern. Wahrlich. Ihr Vater hätte die Kraft gehabt all dies verschwinden zu lassen, doch er fühlte sich in diesen Wegen wohl nicht zumutbar. Er hatte seine eigenen Probleme erschaffen bekommen und die Fähe drängte es dadurch umso mehr ihren Vater an ihrer Seite wissen zu können.

Ein helles Heulen läutete die Realität wieder ein und entspannte für einen Moment das zierliche Muskelspiel unter ihrer Haut. Amúr blickte auf und richtete ihre feinen Ohren in die Richtung des Gesangs. Es war ihre Mutter, ihre Mutter die alle zu sich rief und Amúr ein unbehagtes Gefühl in den Magen schlug. Der Geist der Fähe wollte schon Widerstand erteilen, doch ihr Über-Ich entschloss sich der Moral zu folgen und die Quelle des Rufes aufzusuchen. Mit Vorsicht tanzten ihre Pfoten über den schwarzen Boden, welcher im matten Licht der Morgensonne kaum seine Erleuchtung fand. Auch das Tal schien zu trauern und dies in seiner verletzten Vollkommenheit zu zeigen. Das Schleichen der Pfoten dirigierte sich mittlerweile zu einem zügigen Trab und ließ die junge Fähe somit zu ihrer Mutter finden, welche in Mitten des Rudels stand und des Ausdruck gewahr eine wichtige Botschaft zu übermitteln. Auch ihr konnte man das Leid in ihren Seelenspiegeln zuordnen, doch Amúr wagte es nicht sie darauf anzusprechen. Das Wort lag nun auf ihrer Zunge, die Ohren waren gespitzt.
''Mutter.'', sprach sie schon mehr zu sich selbst und widmete auch ihr keine anders wirkende Mimik. Der Tag glühte schwach, das Wetter gemischt von Hitze und Kälte-unerträglich. Und weit hinten....sang ein Vogel ihren Namen. Krächzend, klagend, sterbend...


[tief in gedanken // trauert über das ereignis // folgt dem ruf ihrer mutter // ist nun bei ihr]

Amáya
11.11.2012, 17:02

Die dunkle Masse die dem riesigen Berg entsprungen war breitete sich auf dem Himmel aus und Dunkelheit senkte sich auf sie herab. Diese Finsternis legte sich wie ein feines Tuch über ihre Leiber und Sinne, drang schließlich in ihr Innerstes herein, so dass sie heftig husten musste. Die Panik, die eben noch ihr Herz wie wild hämmern gelassen hatte, war nun abgeflaut. Stattdessen war der Ausdruck auf ihren Gesichtszügen viel härter als sonst sowieso. Fast wie aus schwarz glänzenden Eisen, eine Maske des Krieges. Der Ruß klebte kratzig in ihrer Kehle fest und sie hustete erneut, zwang ihre Augen sich zu Schlitzen zu verengen. Überall war dieser stechende Geruch. Durch all die Düsternis schielte sie abermals nach oben, dort wo einmal ein Himmel gewesen war. Die Schwärze besaß ganz weit entfernt, wo früher der Berg zu sehen gewesen war, einen leicht rötlichen Schimmer. Erschrocken schnappte sie nach Luft, bekam aber nur wieder Rauch und Rußpartikel in die Lunge. Für einen eisigen Herzschlag hatte sie gedacht, sie hätte in Mayhems Augen geblickt. Sie zwang sich den Blick von dem Glühen abzuwenden und zögerlich in dem Durcheinander nach ihrem Großneffen Aussschau zu halten. Natürlich machte sie sich Sorgen um ihn. Eigentlich machte sie sich Sorgen um alle. Und Kirov... Oh, wo war Kirov? Sie schluckte, aber es verminderte das Kratzen nicht. Wegen dem irritierenden Rauch, fingen ihre Augen leicht an zu tränen und sie musste blinzeln.
Wenn sie sich um irgendwen keine Sorgen machte, dann war es sie selbst, ja der Gedanke tauchte nicht einmal in ihrem Geist auf, dass sie sterben könnte. Sterben war für sie eh nichts gewesen, vor dem man Angst haben musste. Was Amáya fürchtete, war das Leben. Jeder verdammte Atemzug. Ironischerweise hatte sich diese Vorstellung just in diesem Moment verwirklicht, wo jedes Atemholen in der Kehle brannte. So gesehen war es aber gar nicht mal so schlimm. Es gab schlimmere Leiden auf dieser Welt.

Endlich fanden die Seelenspiegel durch die Ascheflocken hindurch das Tannengrün von ihrer Schwägerin und langsam wurde auch der zierliche und magere Körper der Weißen sichtbar. Etwas beruhigt nahm sie wahr, dass der kleine Malik immer noch bei ihr war. Verdammt, der Welpe hatte es ihr wirklich angetan. Vielleicht wäre es besser gewesen, sich von ihm fern zu halten. Sie wollte nicht einem weiteren so lieblichen Wesen weh tun. Shani antwortete ihr nun ehrlich und irgendwie war Amáya im ersten Augenblick verblüfft sie so trotzig und verbissen zu hören. Fast herausfordernd funkelte die ältere Fähe sie an und sie blickte mit leicht schief gelegten Kopf zurück. Dann erinnerte sie sich an alle ihre Sünden und senkte langsam ihren Blick in die Richtung ihrer Pfoten. Natürlich starrte man sie so an. Schließlich wusste Shani sehr gut, was für Taten sie als die Närrin die sie war begangen hatte. Wie ihre Pfoten von dunklen Blut verklebt waren und wie viele Wölfe sie verletzt und vernachlässigt hatte. Sie lag im Recht und nur weil Malik sie für eine kurze Weile lang vergessen hatte lassen, welche Stellung sie in diesem Rudel hatte, war das keine Ausrede, nicht mal in dieser Ausnahmesituation. Denn sie, Amáya, war eine verdammte Außenseiterin.

"Natürlich komme ich mit.", presste sie eiseskalt zwischen marmornen Lefzen hervor. Jegliche Hoffnung, welche ihr Kirov gegeben hatte schien für diesen Moment vergessen wenn nicht zerstört. Die kalte Regennacht folgte mit vorsichtigen Schritten der mit Asche bedeckten Gestalt, während sich Bitternis und Sorge tiefer als in all den vergangenen Tagen in ihr Glasherz fraßen. Sie pochte gegen die Türen des Kerkers, rüttelte an allen Ketten, aber sie öffneten nicht. Sie hatte die Schlüssel in den Fluss geworfen, vor so langer langer Zeit. Unbewusst suchte ihr müder Blick den einzigen Stück Himmel, der noch für sie übrig geblieben war. Doch sie fanden die Gestalt Kirovs nicht.
Sie fühlte sich krank und sie wusste nicht, ob es an der bedrückenden Düsternis und dem blutenden Berg lag oder daran, dass sie wieder in die alte Hoffnugnslosigkeit zurückzufallen schien. Das Einzige, was sie ihren Kopf heben ließ, während ihre Läufe wie mechanisch dem Weg Shani Caiyés folgten, war die Stimme ihrer Schwester. Das Heulen Tyraleens drang durch jede einzelner ihrer Zellen und erfüllte Amáya. Sie würden also flüchten. Ganz sachlich nahm sie diese Information auf, wie ein Steinchen, der gegen eine dicke Eiswand prallt. Endlich schälten sich Gestalten aus der Finsternis des Rauches, doch keine von ihnen war Kirov. Kein Stückchen Himmelblau weit und breit an dem fernen Firmament. Hinter sich konnte sie Mayhems Atem rasseln hören, aber sie drehte sich nicht um. Wie benommen trat sie näher an die Gruppe, überholte Shani, von der sich Malik schon längst gelöst hatte um zu seiner Familie zu rennen. Nicht nach hinten blicken. Dabei rief sie doch nach ihr, lockte sie, mit einer Stimme, die keine Stimme war. Die Regentochter unterdrückte ein Schaudern, suchte stattdessen das nächste Paar Augen. Grün. Jakash?

"Malik ist jetzt da, Jakash.", begrüßte sie ihm blass und völlig unnötigerweise. "Schau, Shani auch." Sie deutete mit ihrer schmalen Schnauze über ihre Schulter, schloss dabei aber ihre Augen fest. Nicht nach hinten blicken! Stattdessen starrte sie weiterhin wie betäubt zu Jakash, schon vielleicht eine Spur besänftigter als vorher. Sie hatte den Schwarzen immer schon gemocht, trotzdem war er einer der Weiteren, die sie auf schrecklichste Art betrogen hatte. Gesagt, sie würde ihn von Fenris beschützen, pah... Sie verspürte das heftige Verlangen sich umzudrehen und in Mayhems Fängen zu versinken. "Sie sind alle da... alle..." Die Schatten begannen um sie herum zu wirbelm und die rote Glut zerstreute sich über die Dunkelheit. Tausende rote Augen blinzelten zu ihr hinab, aus jeder Richtung. In ihnen spiegelte sich ihr eigener Wahn, ihre Krankheit. Blutbefleckte Spiegel, anklagend, anklagend auf sie deutend. Wissend. "Sie weiß alles." Fieberhaft stierte sie in das Nirgendwo. Keine Sünde war verdeckt. Sie würden mit scharfen Fängen jeden Fehler in ihr Fleisch eingravieren. Doch nichts, nichts konnte mehr schmerzen, als das Wissen, diese Fehler und Sünden wirklich begangen zu haben. Nichts schmerzte mehr als zu wissen, dass man sich nicht verbessern konnte. Nichts schmerzte mehr, als die Hoffnung, die man nicht mehr wiederfinden konnte. Zwischen all dem Rot... Wo war das rettende Blau?


{ Malik & Shani & Jakash & Taleesha & Linalee & Isaí & Ahkuna }

Tyraleen
11.11.2012, 23:28

5-STUNDEN SPÄTER



Und wieder mussten sie fliehen. Doch jetzt war es keine Flucht aus einem gewohnten Gebiet in ein anderes. Jetzt verließen sie ihr Revier und für so viele von ihnen war es das erste Mal. Noch nie hatten sie ein anderes Land betreten, sie wussten nicht, was dort draußen auf sie wartete und ob es ihnen freundlich gesinnt sein würde. Aber es war auch klar, dass sie in ihrer bisherigen Welt nicht mehr bleiben konnten. In der kurzen Zeit, die das Rudel gebraucht hatte um sich zu versammeln, war es schließlich so dunkel geworden, dass niemand mehr sehen konnte. Das Atmen war immer mühsamer geworden und die Wölfe hatten sich zusammenhaltsuchend aneinander gedrängt. Schließlich waren sie aufgebrochen, hatten nicht mehr zurückblicken können, waren der Spur des Wolfes gefolgt, den sie zuvor noch für eine Ewigkeit verabschiedet hatten.

Doch drei Wölfe des Rudels befanden sich nicht in dieser fortziehenden Gemeinschaft. Einer von ihnen war Nihilus, der das Rudel längst verlassen hatte und den Tod suchte. Er wollte zurück ins Nichts, doch nirgendwo war auch nur noch ein Flecken von ihm zu finden. Somit beschloss der weiße Jungwolf, seinem Leben auf andere Art und Weise ein Ende zu setzen. Auf dieser Welt wollte er nicht mehr bleiben. Er starb bei einem Sprung in die Tiefe, sein zerschmetterter Körper sollte nie gefunden werden. Zur gleichen Zeit, da der Wolf aus dem Nichts, dem ein Leben geschenkt wurde, eben jenes Leben aufgab, musste ein anderer Wolf, dem das Leben durch das Nichts genommen wurde, zurückkehren. So fand sich Hiryoga, der einst ins Nichts gestürzt war, plötzlich an der Stelle wieder, wo er vor fast zwei Jahren von dieser Welt verschwunden war.

Die anderen zwei abwesenden Wölfe waren Madoc und Kisha. Die Fähe war auf der Suche nach dem Rüden. Und sie fand ihn in eben jenem Moment, in dem sie ihm nicht mehr helfen konnte. Was mit dem Weißen passiert war, sodass er zwischen die Lava und ihren Weg hinab zu See geraten war, würde später niemand mehr sagen können. Kisha sah nur, wie Madoc in wildem Galopp den Berghang hinabstürzte und die Lava doch zu schnell für ihn war. Er fiel, als sie seine Hinterpfoten versengte und der Anblick, der sich danach der schwarzen Fähe bot, war zu monströs um ihn zu beschreiben. Kisha floh sofort, doch was dieser Moment in ihrem Geist zerstört hatte, würde sie nicht hinter sich lassen können.

Seit fünf Stunden war das Rudel nun unterwegs. Der stetige Kurs nach Norden hatte sie auf eine Hochebene geführt, die immer wieder von aufragenden Gesteinsformationen und Geröllhalden unterbrochen wurde. Eine lange Zeit hatte der Rauch sie begleitet, doch mittlerweile war der hellblaue Himmel wieder zu sehen. Keinem Wolf waren sie auf ihrem Weg begegnet, auch wenn sie abgesehen von der Spur Averics auch immer wieder andere Witterungen aufgenommen hatten. Mittlerweile waren sie verflogen und das Rudel spürte, dass es in einer Art Niemandsland unterwegs war. Die Wölfe selbst sahen mitgenommen aus, müde und voller Asche, aber noch nicht erschöpft. Es schien allen klar zu sein, dass sie zumindest so lange wandern würden, bis sie Averic eingeholt hatten. Der stetige Wind aus Süden machte es ihnen jedoch unmöglich, festzustellen wie nahe sie dem ahnungslosen Fenrissohn bereits gekommen waren.

Eben jener saß noch immer mit seinem unfreiwilligen Mitgefangenen Caítir im Gefängnis aus Stein und Geröll fest. Doch die stetige Arbeit zeigte deutliche Wirkungen, es würden nur noch wenige Steine von den blutiggerissenen Pfoten der beiden Rüden bewegt werden müssen. Wenn sie dann wieder an der frischen Luft und aus ihrer kleinen Höhle befreit stehen würden, würde ihnen unmöglich der Geruch des in Asche getauchten Rudels entgehen können.

Es sind fünf Stunden vergangen. Das Rudel befindet sich komplett bis auf Kisha auf einer Art Hochebene (siehe Bild), die sich in einem Ausläufer des Gebirges der Sternenwinde befindet. Es herrschen -15° Celsius und die gesamte Umgebung wirkt verlassen und lebensfeindlich. Noch immer fällt das Atmen einigen Wölfen schwer, haben sie doch große Mengen Asche eingeatmet. Insbesondere Amáya, Jakash und Krolock geht es nicht sehr gut – alle drei haben leichte Kreislaufprobleme, verspüren starke Kopfschmerzen und eine lähmende Müdigkeit. Auch den Welpen geht es etwas schlechter.
Außerdem befinden sich Tyraleen, Sheena, Jakash, Atalya, Turién, Chardím, Chanuka, Caylee, Avendal, Cirádan, Krolock, Liel, Isaí, Malik, Linalee und Taleesha zum ersten Mal in ihrem Leben außerhalb ihres Geburtstals.

Cirádan
11.11.2012, 23:56


Pure Lebensfreude. Das Gefühl welches Cirádan bekommen hatte, als er die anderen Wölfe wieder gesehen hatte erfühlte ihn immer noch. Vielleicht war es der Schock, das Adrenalin. Die Flucht. Die Asche. Der schwarze Himmel. Oder vielleicht doch die Neugier und das Neue und der blaue Himmel nun über ihnen?
Doch egal was es war. Cirádan fand es toll!

Jetzt im Moment lief er durch die Mengen der Wölfe. Sein Rudel uns hielt Ausschau nach Nihil, den er jedoch nirgends entdecken konnte. Ob die Erde ihn wohl verschluckt hatte? Ein wenig fürchtete Cirádan das er vielleicht einen Freund verloren hatte. Doch richtig trüben konnte es ihn auch nicht.

Er war zusammen mit Caylee und Krolock und einer anderen Wölfe dem Ruf von Tyraleen gefolgt und dort hatten sie recht schnell beschlossen das sie fliehen mussten. Aus dem Tal. Und irgendwie war Averic fort und den suchten sie nun. Oder so ähnlich. Viel verstanden hatte Cirádan nicht. Er wusste nur, das er all das Geröll aufregend fand.

Selbst der Miesmut und die Schickanen seines Bruders machten ihm im Moment nichts aus!
Ob wohl Liel hier irgendwo war?
Und dann war da doch noch eine Wölfin, er hatte vergessen wie sie hieß, aber die hatte ebenso wie er nur ein Auge.
Vielleicht würde er eine von diesen zwei Fähen finden und sehen, ob sie noch hier waren und wie sie auf das reagierten was jetzt kam.
Neue, fremde Welt!

Nicht einmal die Zeit hatte er gefunden um sich darüber Gedanken zu machen, das Krolock ihn angerempelt hatte oder über seine Worte, denen er vielleicht das erste Mal überhaupt keine Bedeutung schenkte.
Der Jungwolf wünschte sich wirklich, das dieser Zustand ewig anhalten würde.

Mit der Nase teilweise am Boden und teilweise hoch in der Luft lief er durch das Rudel, bis er wieder abseits war und dann doch wieder hinein. Immer wieder. Bestimmt ging er damit einigen Wölfen auf die Nerven mit seinem aufgeregtem Hin und Her lauf.

Bei einem dieser Läufe passierte dann etwas, was Cirádans Zustand normalerweise sofort wieder gekippt hätte.
Er lief in einen anderen Wolf rein. Nicht ganz, im Grunde rempelte er sie nur. Und das obwohl er niemandem sonst ausweichen musste außer ihr. Immerhin ging sie ziemlich abseits und weit hinten.
Doch er rempelte sie an.

"Tut mir Leid.",

entschuldigte er sich höfflich bei ihr. Es fehlte die Angst in der Stimme. Doch Cirádan selbst merkte nur, das er anders klang ... doch sofort war der Gedanke wieder verschwunden.

"Findest du das ganze nicht auch aufregen und einfach toll und neu und ... naja, neu!"

wollte er von der Wölfin wissen und blieb neben ihr stehen. Versperrte ihr den Weg am Weiter gehen.
Offen sah er sie an, lächelnd und ziemlich ... hibbelig.

Wer war diese Wölfin eigentlich? ... Cirádan wusste im Moment nicht einmal den Namen der Wölfin, auch wenn er sie schon mal gesehen hatte und wusste das sie im gleichen Alter waren. So entschied er sich einfach mal so zu tun, als würde er sie kennen. Den Namen konnte er später immer noch herraus finden.



[im moment allein inmitten des Rudels und dann bei Atalya]

Linalee
12.11.2012, 01:15

Es erschütterte Linalee ein wenig, dass auch die Erwachsenen so überrascht von den Geschehnissen waren. Als sie ihren Blick von dem brennenden Himmel losreißen konnte und damit gerade so verhinderte, noch eine Ascheflocke in ihr glänzendes Auge zu bekommen, erhaschte sie einen Blick auf ihren Vater, der vollkommen entsetzt das geschehen betrachtete. Wenn die Großen schon so erschüttert waren, wie konnten sie dieser Wut der Erde dann stand halten? Unsicher fiepend drückte sich die kleine Schwarze gegen ihren Paten, Chardím, der bestimmt genau so viel Angst hatte, wie sie, und trotzdem stark war. Er war so mutig, dass sie sich wünschte, sie könnte ihn dabei irgendwie unterstützen… oder, ganz egoistisch gedacht, wenigstens ein bisschen so sein, wie er. Als sich Jakash an sie wandte, rieb sie ihren kleinen Kopf ein letztes Mal an dem Bein des Zweifarbigen und stolperte dann zu ihrem Vater herüber, um sich bei diesem zu verkriechen. Er wirkte so groß gegenüber ihr, doch der Zusammenbruch des Berges wirkte so groß gegenüber ihm. Welchen Gewalten waren sie ausgesetzt, und schlimmer noch, wieso konnten sie nichts dagegen tun? Die Stimme ihrer Mutter hörte die junge Linalee nicht einmal, so laut war das Ächzen und Spucken des Berges, der beschlossen hatte, sich einen Krieg mit der Erde zu liefern. Ein eiskalter Schauer lief ihr über den schmächtigen Rücken und sie presste sich an Jakash, als dieser seinen Weg zu ihren Geschwistern und ihrer Mutter antrat.

“Je-ja, mach d-das, Chardím“, antwortete sie ihrem Paten noch schnell. Sie sah ihn einen Moment zu lange an und stolperte in wenig, ehe sie ihren letzten, verbliebenen Mut zusammen nahm und etwas lauter und mit zitternder Stimme noch zu ihm rief: “P-pass auf dich auf! Bitte pass auf!“

Sie starrte Chardím so lange hinterher, bis sie bei Ahkuna, Isaí und Taleesha angekommen waren. Sofort fragte sie sich, wo ihre Mutter war, genau wie Jakash. Ihr Herz schlug atemberaubend schnell gegen ihre Brust, doch als sie nach Luft schnappte, fing sie kaum Sauerstoff, sondern nur Rauch auf. Die Kleine hustete ein wenig, doch sie bemühte sich, dies so leise und unauffällig wie möglich zu tun – sie wollte keine Aufmerksamkeit erregen. Eng kuschelte sie sich an Taleesha, ohne ein Wort zu verlieren. Sie schloss die Bernsteinaugen und atmete den Geruch ihrer Schwester ein, doch selbst dieser wurde übertüncht von dem Gestank des Rauches. Sie wollte nur, dass alles wieder gut wurde, dass sich die Erde mit ihrer Familie wieder vertrug und dass der Berg aufhörte, wütend sein Feuer in den Himmel zu spucken. Blinzelnd sah sie zu diesem herüber, doch durch den Ascheregen konnte sie kaum etwas erkennen.
Als dann plötzlich Tyraleens Ruf durch das Tal hallte, zuckte die Kleine mit den Fledermausohren deutlich zusammen. Gut, dass in diesem Moment auch noch das letzte ihrer Geschwisterkinder kam – Malik. Linalee drängte sich eng zwischen ihn und ihren großen Bruder, versuchte, sich zu beruhigen und gleichzeitig so wenig Angst wie möglich zu haben. Es war ihr ewiges Mantra: „Du musst mutig sein“. Aber wie, wenn selbst der mutige Malik eine von Panik verzerrter Stimme hatte und der große Isaí unbehaglich in die Gegend spähte? Hier ging eine Veränderung vor – und Linalee hasste es, wenn sich Dinge veränderten. Das stellte sie vor neue Aufgaben – Aufgaben, denen sie nicht gewachsen war. Sie warf einen Blick zu Taleesha, doch selbst diese hatte ihre Äuglein zugemacht und schien auf ein Wunder zu warten, dass sie von diesem Grauen befreien würde. Nur wann würde das sein?


[ruft Chardím nach || dann bei Jakash, Ahkuna, Tyraleen, Isaí und Malik]


* * * * *


Der Himmel hatte aufgehört, zu brennen. Und hier endeten alle guten Nachrichten. Linalee hustete ein bisschen, kniff das rechte Auge zusammen. Die hübschen Bersteinspiegel brannten unangenehm, den ganzen Rauch und die Asche, die sie ab und an mal zwischen die Wimpern bekommen hatte, waren ihnen nicht gut bekommen. Zumindest waren ihr alle Knochen heil geblieben, und dennoch zitterte ihr Körper ab und an unkontrolliert. Sie biss die kleinen Zähnchen zusammen und drängte sich vorwärts, doch ihre Pfoten schmerzten so sehr. Nach und nach wurde sie immer langsamer, dann dachte sie daran, dass sie stark und mutig sein wollte, dachte an Chardím und an ihre Eltern, und wurde wieder schneller, um mit dem Rest mitzuhalten.
Wo ihr vor ein paar Stunden noch kochend heiß gewesen war, kroch ihr jetzt eine stetige Kälte über den dunklen Pelz. Sie kuschelte sich etwas fester an Taleesha, eben so gut, wie das im Gehen möglich war, und versuchte, ihre Äuglein offen zu halten.

“Nicht mehr lange, und ich schlafe im Laufen ein“, murmelte sie mit kratzender Stimme, die ebenfalls von dem Rauch angegriffen war, und so leise, dass si vermutlich nur ihr direktes Umfeld hatte verstehen können.

Linalee war müde, ihr war kalt, ihre Pfoten schmerzten, ihre Augen brannten und jedes Mal, wenn sie einatmete, hatte sie das Gefühl, eine Grille würde in ihrer Kehle zirpen. Sie sehnte sich nach der Höhle und nach dem kuscheligen Fell ihrer Mutter, einer guten Geschichte, einem sanften Blick von Chardím, einen aufmunternden Stupser ihres Vaters, ein zu laut gesprochenes Wort von Isaí, einer Angeberei von Malik, …irgendwas, das ihr ihren Alltag wiedergeben würde. . .


[erschöpft inmitten des Rudels, am dichtesten bei Taleesha & Tyraleen]

Hiryoga
12.11.2012, 20:49

Nichts um ihn. Er spürte nichts. Er roch nichts. Er sah nichts. Es war so, als würde ein Schleier über seinem Blick liegen, als wäre sein Körper schwerelos, seine Gedanken nicht existent. Nichts existierte mehr für ihn, weder das Rudel, noch seine Familie, noch seine Gefährtin und auch der Streit mit Shani, der ihn ins nichts getrieben hatte, war verschwunden aus seinem Kopf, so als ob es ihn nie gegeben hätte.

Plötzlich wurde es hell um ihn, automatisch kniff er seine Augen zusammen, sein Körper fiel hart zu Boden, Lärm toste um ihn herum und quälte seine Gehörgänge und seine Nase wurde von den stechenden Gerüchen so überfordert, dass es schmerzte. Es dauerte einige Minuten, bis Hiyo sich nicht mehr völlig von den Geräuschen und Gerüchen überfordert fühlte und anfangen konnte, die einzelnen Laute und Düfte zu differenzieren. Noch wagte er es nicht die Augen zu öffnen, aber unter den Pfoten spürte er Moos, Steinchen, Äste. Der Wind wehte ihm den bekannten Geruch von Sträuchern und Bäumen, Gräsern und Wasser zu. Zumindest war es das, was er im ersten Moment glaubte zu riechen. Denn endlich merkte er, dass der stechende, schmerzende Geruch von Rauch und Asche kam. Er riss die smaragdgrünen Augen auf und sah verwirrt um sich. Aber alles was er sah war Rauch und Asche. Erst als sich seine Augen an das Brennen gewöhnt hatten, nahm er vage Umrisse von der Umgebung war, die sich um ihn herum befand. Erst jetzt bemerkte er die Kälte, die hier herrschte und jetzt, nach etlichen Minuten merkte er, dass er wieder da war. Er war Zuhause. Er spürte, konnte denken, sehen, riechen und tasten. All seine Sinne funktionierten wieder! Was auch immer es war, es hatte ihn gehen lassen. Langsam kamen die Erinnerungen wieder zurück, lückenhafte Erinnerungen quollen in ihm hoch, mit Schatten überzogen und doch fiel ihm wieder ein, was passiert war. Er war im Nichts verschwunden. Hatte es nicht mehr verhindern können. Sein Körper begann zu zittern, noch war er nicht in der Lage sich aufzurichten, viel zu mächtig war die Erkenntnis, viel zu schmerzhaft die Erinnerungen.
Doch etwas durchzuckte seinen Körper, zwang ihn dazu, die Augen aufzureißen und sich zu erheben. Sein Überlebensinstinkt zwang ihn hierzu. Und erst jetzt dachte Hiyo genauer über den Rauch und die Asche nach und kam endlich zu dem Schluss, dass etwas Schreckliches sein Tal heimsuchte und er fliehen musste. Was war nur geschehen? Plötzlich ergriff den noch schwachen, überforderten und verwirrten Rüden Angst und Panik und brachten ihn dazu Richtung Norden los zu laufen. Instinktiv lief er genau in die richtige Richtung, weg vom Rauch, weg vom Tod. An einer hohen, lichten Stelle blieb er stehen und sah sich um. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er den Rudelplatz und das Tal hinter sich gelassen hatte und sich im nördlichen Wald befand. Und während seine Augen das Tal absuchten, sah er etwas rot-orangenes, loderndes auf den See zurollen. Ein starkes Zittern ergriff erneut seinen Körper, was war hier los? Wie lange war er weg gewesen? Wenige Minuten, einige Stunden? Wie konnte dies so plötzlich passieren?! Oder…oder hatte er es vergessen? Ja vielleicht erinnerte er sich nur nicht mehr daran. Hiryoga war verwirrt, sein Kopf schmerzte, seine Läufe waren steif und sein Körper zog sich unter ihm zusammen.
Wo war das Rudel? Wo waren seine Mutter, seine Gefährtin und seine Welpen?! Er musste sie finden, aber wie? Der Rüde schüttelte den Kopf, seine Mutter hatte das Rudel bestimmt schon längst aus dem Tal in Sicherheit geführt. Ja, bestimmt. Immer noch orientierungslos und völlig überfordert von der Situation lief Hiryoga los und drehte dem Tal seinen Rücken zu. Immer wieder sog er die Luft intensiv ein, suchte nach bekannten Gerüchen, nach seiner Familie, seinem Rudel. Doch nur sehr vage kam ihm der eine oder andere Duft bekannt vor, nie wirklich stark genug um ihnen zu folgen. In Panik irrte er umher, immer noch verwirrt und orientierungslos, ohne ein Anzeichen vom Rudel. Manchmal lief er zwei, drei sogar viermal dieselbe Stelle ab, ohne es wirklich zu registrieren. Der braune Körper taumelte zwischen Felsen umher, er konnte die Tatsache, dass er wieder da war, nicht im Geringsten genießen. In seiner Verzweiflung gaben auch noch seine Läufe nach und er sank zu Boden. Ein leises Wimmern entkam seiner Kehle, er schloss die Augen und wollte nicht weiter. Eben war NICHTS um ihn, plötzlich war er wieder da und die Welt um ihn herum ging unter!
Doch dann, als die Hoffnungslosigkeit ihn zu übermannen drohte, roch er es, das Rudel. Es war ein sehr schwacher Duft, denn der Rauch war auch hier oben immer noch sehr durchdringend, aber er konnte den Geruch doch deutlich wahrnehmen.
Endlich! Hiryoga hatte das Rudel gefunden. Mühselig zog er sich auf die schlanken Läufe und taumelte dem Geruch des Rudels nach. Er musste unbedingt Shani finden und sich bei ihr entschuldigen, sie war bestimmt noch sauer…sauer…wegen was? Worum ging es in ihrem Streit? Hiyo konnte sich nicht mehr erinnern, doch Shani wusste es bestimmt noch, immerhin war es nur wenige Stunden her. Angetrieben von der Freude seine Gefährtin und ihre gemeinsamen Welpen zu sehen, verfiel er in einen schnellen Schritt. Der Geruch des Rudels wurde immer deutlicher und der Rauch und die Asche wurden zunehmend weniger. Sie konnten nicht mehr weit von ihm weg sein, denn er konnte sie deutlich riechen.
Von seiner Hoffnung angetrieben preschte er los und meinte in der Ferne Schatten auszumachen, Schatten von schnellen Läufern und das von sehr vielen. Seine Schritte verlangsamten sich, er hatte sie nun fast eingeholt und sollte ein wenig Energie sparen. Erst jetzt fiel dem Braunen auf, wie sehr sich die Landschaft verändert hatte. Sie wirkte alles andere als lebensfreundlich, der Stein war kalt und schien erbarmungslos. Mittlerweile war der Geruch des Rudels so intensiv, dass ein Kribbeln den Körper des Rüden durchzog und dort, beim Geröll, konnte er auch einen kleinen Wolf ausmachen. War das einer seiner Welpen? Nein, das konnte nicht sein. Aber wer war das dann? Zielstrebig ging der Rüde auf ihn zu und beäugte ihn.

„Wer bist du?“

Seine smaragdfarbenen Augen musterten den Welpen vor ihm, seine Ohren waren aufmerksam nach vorne gespitzt und die Rute schwang sanft hin und her.


[Mit Isaí, direkt beim Rudel, jedoch ein wenig versteckt vor den Blicken aller]

Isaí Caiyé
12.11.2012, 21:07

Er konnte sich ungemein glücklich schätzen, dass Taleesha in diesem Augenblick bei ihm gewesen war. Sie war wohl ebenso eine Stütze für ihn gewesen, wie er für sie und so hatte er sich in keinem Moment verkneifen müssen, zuzugeben, dass auch ihm die ganze Sache nicht geheuer war. Er hatte nicht den Starken mimen müssen, damit die Jüngeren keine Angst hatten, hatte ebenso bei seiner Schwester Halt suchen können, wie sie ihn gesucht hatte, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Bei Linalee oder Malik wäre es ihm deutlich unbehaglicher gewesen, zu zeigen, dass auch er Angst hatte – aber Taleesha war ebenso eine Caiyé, wie Isaí es sein musste. Ob sie den Namen trug oder nicht, sie war seine Caiyé und in diesem Moment, wo der Himmel und der Berg in Flammen stand, der Tag sich verdunkelte und sie sich von Tyraleen, Aszrem und dem Neuling trennen mussten, nicht wegzudenken. Er hatte die Antwort Tyraleens noch mitbekommen, doch sein Geist reichte weit genug, als dass er verstand, dass jetzt nicht der rechte Zeitpunkt war, weiter nachzufragen. Kurz ließ er sich von seiner Schwester ablenken, folgte ihrem Blick, als sie ihn auf die Flammen aufmerksam machen wollte und legte unbehaglich die Ohren zurück, ehe er abermals Tyraleen lauschte, nickte und sich mit dem beruhigenden Wissen, dass sie gleich nachkommen würde, dicht an Taleesha gedrängt auf die Suche nach seinen Geschwistern und seinen Eltern machte. Ahkuna schien zu gebannt von dem Spektakel zu sein, sodass sie sich lediglich stumm dazu bereit erklärte, die beiden Welpen zu begleiten, doch sie schwieg und so bekam der Rote auch keine Antwort auf seine Frage. Er war sich aber auch zu schade, ein weiteres Mal nachzufragen, weshalb er es bei einem fragenden Blick gen Taleesha beließ. Doch als das wohlbekannte Wuffen ihrer Mutter zu ihnen herüberdrang, wirbelte der Fuchs herum, wuffte aufgeregt zurück und musste mit ansehen, wie sie sich dennoch gen Tyraleen bewegte und abermals in der Dunkelheit verschwand. Mit einem Hauch Enttäuschung klappten die großen Lauscher nach hinten, doch im nächsten Moment schon hörte er die Stimme seines Vaters und erkannte, dass sie ihn erreicht hatten. Seine Rute pendelte freudig durch die Luft, während er die Schnauze reckte und versuchte, dem dunklen beruhigt über die Lefzen zu lecken. Auch Linalee war bereits vor Ort, wurde kurz beschnuppert und als auch Malik mit Oma Shani und Tante Amáya, drängte er sich ebenfalls dicht an seine Geschwister, um ihre Nähe und Sicherheit zu genießen. Ein letzter, dankbarer Blick galt der dunklen, älteren Schwester, die ihm zurück zu seiner bemüht mutigen Ausstrahlung half, die er nun wieder vor ihren jüngeren Geschwistern zeigen musste. Kaum erklang der Ruf Tyraleens, sprang er auf, stellte die Ohren und die Rute ein Stück und sah hinauf zu Jakash.

„Schnell, wir müssen zu Tyraleen. Mama ist auch da. Taleesha und ich haben sie eben gesehen.“, fühlte er sich dazu verpflichtet, die Erwachsenen zu drängen und blickte einmal durch die Runde. Doch dazu, sich allein in Bewegung zu setzten – dazu fehlte ihm dann doch der Mut. Aber das überspielte er schon wie ein Großer!



{ rudelplatz | taleesha, linalee, malik, jakash caiyé, shani caiyé, ahkuna caiyé und amáya zu tyraleen drängend }

* * * * * *



Und kaum hatten sie Tyraleen erreicht gehabt, waren sie auch schon aufgebrochen. Isaí hatte augenblicklich verstanden, dass er ab diesem Moment dazu verpflichtet gewesen war, sein Versprechen einzuhalten. Er musste laufen, laufen, bis Tyraleen stehen blieb – egal, wie lange es dauern würde. Und alle, die zu müde waren, um weiterzulaufen, mussten sie antreiben, mussten ihnen Mut machen und sie ebenso davon überzeugen, dass sie nicht aufhören durften, zu laufen. Sie hatten den brennenden Berg in ihrem Rücken gelassen, doch der Tag war weiterhin verfinstert geblieben – darauf schob er auch, dass er weitaus schneller müde wurde, als er es eigentlich von sich gewohnt war. Er fühlte sich matt, hatte manchmal sogar Probleme und bildete sich ein, dass sich die Erde wieder bewegte. Sie rüttelte nicht und versuchte so, sie abzuschütteln – nein, in seinem Kopf drehte sie sich leicht, doch er hatte etwas, was ihm half, darüber hinwegzusehen. Voller Entschlossenheit ging er an seine Aufgabe heran und versuchte, gänzlich zu ignorieren, dass ihm selbst die Läufe schmerzten und er Schritt für Schritt müder zu werden schien – da half es auch nichts, dass der Tag endlich – Endlich! – wieder hell wurde. Er atmete etwas schwerer als sonst, wollte das aber ebenso nicht wahrhaben – nicht zuletzt, weil er gemerkt hatte, dass es seinem Vater weitaus schlechter zu gehen schien. Da wollte er nicht, dass er sich auch noch Sorgen um ihn machte. Besorgt war er ein ganzes Stück an seiner Seite gelaufen und hatte das Rudel im Blick behalten, um die erkennen zu können, die schlapp machten. Doch im Augenblick noch schienen sie alle zu laufen, was ihm die Zeit verschaffte, sich voll darauf konzentrieren zu können, sich Sorgen um seinen Vater zu machen – ebenso wie um Kisha, die noch immer nicht aufgetaucht war. Doch er vertraute nicht nur Tyraleens Entschluss, ohne sie aufzubrechen, sondern auch seiner Patin blind. Sie würde ihn nicht allein lassen. Da war er sich vollkommen sicher. Dennoch wanderte sein Blick immer wieder zurück in der Hoffnung, ihre Gestalt zu erkennen – immer wieder endete es in Enttäuschung, die sein kleines Herz schmerzhaft zusammenzog.

„Papa, du musst immer weiter laufen, ja?“, meldete er sich schließlich leise von der Seite und vergrub seine Nase kurz in seinem aschigen Fell, ehe er sich mit einem überzeugten Lächeln von ihm abkapselte und in der Menge des Rudels verschwand.

Er hatte die leisen Worte seiner Schwester aufgeschnappt, war ein Stück nach vorne getrabt und hatte sie von hinten etwas angestubst. Noch immer lag der entschlossene Ausdruck auf seinen Zügen, mit dem er kurz seine beiden Schwestern bedachte und schließlich zu Tyraleen hinüberspähte, die unweit entfernt war.

„Nicht schlapp machen! Wir müssen weiter!“, ermutigte er sie und ließ sich kurz danach auch schon wieder nach hinten fallen, um dort besser im Blick haben zu können, wer etwas Motivation gebrauchen konnte.

Eine Zeit lang trabte er am Ende des Rudels hinter dem Rest her, warf einen weiteren besorgten Blick zu seinem Vater, ehe sein Blick kurz an Atalya hängenblieb, die etwas abseits lief. Doch sie lief und so war er nicht gezwungen, ihr Gesellschaft zu leisten, selbst, wenn sie unheimlich niedergeschlagen aussah. Aber Kisha würde Madoc bestimmt finden. Wieder schnippten seine Ohren bei dem Gedanken an seine Patin nach hinten und der kleine rote Kopf sank etwas zu Boden – bis ihn plötzlich ein Geräusch hinter ihm herumschnellen ließ. Seine Ohren schnellten nach vorne und er blinzelte aufmerksam in die Richtung, aus der sie kamen und in der man noch immer den Rauch erkennen konnte. Da waren doch eindeutig Schritte zu hören! Hatte er sich etwa verhört? Keiner der anderen schien Notiz genommen zu haben, doch Isaí war sich sicher, dass dort etwas war – dass dort jemand war. Kisha! Seine Rute begann zu pendeln, doch er wusste, dass Tyraleen nicht erlauben würde, dass er zurückging. Und vor allem würde ihm der Neuling sicherlich den Weg versperren. Die Augen des Jungspundes verengten sich etwas und die Vorfreude, Kisha wiederzusehen, überwog dem Drang, sich dicht beim Rudel zu halten. Er sah sich kurz um, huschte schließlich unauffällig hinter ein bisschen Geröll und wartete dort, bis das Ende des Rudels an ihm vorbeigezogen war. Ein vorsichtiger Blick nach hinten ehe er – anfangs leise und das Schwindelgefühl ignorierend – zurücklief. Sein Lauf endete schließlich in einem aufgeregten Hüpfen, um eine Ecke noch und schon würde er seine Kisha wiedersehen! Er hatte bereits ein freudiges Quietschen auf der Zunge, doch es blieb ihm im Halse stecken, als er um die Ecke preschte und abrupt stoppte, um nicht in den fremden Wolf hineinzustolpern, der ganz gewiss nicht Kisha war. Seine Rute sank mit einem Hauch zwischen Enttäuschung und Schock und er blieb wie angewurzelt stehen. Einen Herzschlag lang starrte er dem Fremden regungslos ins Gesicht. Seine Rute stoppte unschlüssig etwas über dem Rücken – er war fest überzeugt, dass ihn jemand gesehen hatte und ihm zur Hilfe kommen würde. Wie sehr er sich damit doch täuschte! Bis diese Erkenntnis aber einsetzen würde, blieb ihm nichts anderes übrig, als sich an der Begegnung zwischen Tyraleen und Kirov zu orientieren und das Beste daraus zu machen. Dennoch hatte sich ein unsicheres Knurren über seine Lefzen geschlichen, welches er dem braunen Wolf nun entgegenbrummelte – mal ehrlich, angsteinflößend war das nicht wirklich. Aber ein guter Versuch, das musste man ihm lassen. Das Pendeln der Rute des Fremden nahm ihm ein klein wenig die Angst, die er zu verstecken versuchte, doch als er auf ihn zukam, wurde das Brummeln noch etwas deutlicher – allerdings verklang es, als der Erwachsene seine Stimme erhob und hinterließ lediglich einen skeptischen Blick.

Du bist nicht Kisha.“, sprach er seine Erkenntnis schließlich im gleichen Wortlaut aus und bemühte sich, dem Blick des Älteren fest standzuhalten. Inzwischen war ihm auch sein Geruch in die Nase gestiegen – das zeigte sich auch auf seinen Zügen, die nun deutlich eine Spur von Verwirrung annahmen. „Du gehörst nicht zu meiner Familie?“

Isaí blinzelte. Er kannte den Geruch dieses Wolfs. Zumindest roch er nach seiner Familie. Etwas. Nicht ganz. Er überging die Frage des Erwachsenen in seiner Verwirrung, hörte man ihm doch deutlich an, dass er eigentlich von seinen Worten überzeugt war, doch seine Nase wollte ihn von etwas gänzlich anderem überzeugen. Doch nun überwog die Neugier der Angst, der Fremde würde ihm etwas tun – selbst wenn! Sein Rudel war direkt um die Ecke und schneller da, als der da die Fänge zeigen konnte! Er neigte den Kopf etwas zur Seite, spielte abermals skeptisch mit den Ohren und musterte den Wolf eindringlicher.

„Wer bist du? Wieso folgst du uns?“

Man sagte Fremden nicht seinen Namen, wenn sie einfach hinter einem herschlichen. Man ging auch nicht einfach mit Fremden mit, vertraute ihnen nicht blind und wollte immer erst wissen, was sie hier suchten. (Außerdem nahm man keine Süßigkeiten von ihnen an. So sah’s aus.)


{ etwas abseits | erst jakash caiyé, kurz linalee und letztendlich nur noch hiryoga }

Daylight
13.11.2012, 20:57

Atalyas Grinsen verunsicherte sie nicht, diesmal nicht. Diesmal wollte Daylight nicht nur hilflos zusehen, wie Mitglieder ihrer Familie starben, sie wollte etwas tun, sie wollte handeln. Und das tat sie. Sie zuckte nicht zurück, und ignorierte die schleichende Panik, die sie bei dem Gedanken an Kisha befiel. Kisha. Die neben Amáya eine der wenigen ihrer Geschwister, die ihr wirklich nahe stand, oder gestanden hatte, bevor Daylight das Tal verlassen hatte. Sie schüttelte energisch den Kopf, schüttelte die rührseligen Gedanken ab und konzentrierte sich mit allen fünf Sinnen auf ihre Nichte. Daylight hatte nie zuvor gekämpft, also blieb ihr nichts anderes übrig als sich auf ihre Reflexe zu verlassen und so reagierte sie eine Spur zu langsam als Atalya sie ansprang. Der gebleckte Fang ihrer Nichte streifte sie an der Flanke, sie wurde zur Seite gestoßen und im gleichen Moment wurde ihr klar, was die Graue mit ihrem Angriff bezweckt hatte. Daylight fuhr blitzschnell herum, Asche wirbelte unter ihren Pfoten auf als sie Atalya blind nachsetzte und sich ohne zu zögern auf ihre Nichte stürzte. Instinktiv grub sie die Zähne in ihren Nacken und rang die Jüngere mit vollem Körpereinsatz zu Boden.

„Du. Wirst. Nicht. Gehen“, knurrte Daylight mit Nachdruck, das Maul voller Fell, „Ich werde nicht zulassen, dass Tyraleen ein weiteres ihrer Kinder an Fenris verliert.“

Sie sah keinen Grund darin sich weiter zu rechtfertigen, stattdessen verharrte sie nur in ihrer Position, und ließ erst allmählich von Atalya ab, als in unmittelbarer Nähe erst Schritte und schließlich eine bekannte Stimme erklangen. Daylights Gesicht hellte sich auf und sie wandte das Gesicht ihrer Schwester zu, aber nicht ohne ihre Nichte auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen und jeder Zeit bereit ein weiteres Mal auf sie zu werfen, sollte sie es wagen sich auch nur von der Stelle rühren.

„Malicia“,

grüßte sie die Ältere freudig, froh nicht länger allein mit der aufmümpfigen Jungwölfin zu sein. Doch ehe sie noch etwas hinzufügen konnte, erscholl von weiter weg Tyraleens Heulen, das sie zum Aufbruch rief. Daylight blickte von Malicia zu Atalya und nickte ihrer älteren Schwester zu, ehe sie, nun sanfter, an Atalyas Fell zupfte.

„Komm“, sagte sie mit rauer Stimme, „wir gehen zu deiner Mutter. Vielleicht ist dein Freund bereits dort...?“

Daylight, bemühte sich jetzt einen aufmunternden Tonfall anzuschlagen, doch es gelang ihr nicht so recht. Sie neigte den Kopf, ein ehrliches halb amüsiertes, halb trauriges Lächeln auf den Lefzen, von der vorherigen Härte war nicht mehr viel übrig. Alle Spannung war aus ihren Gliedern gewichen. Sie hatte die Berge immer vermisst, hatte sich stets nach den Wolken gesehnt, trotzdem würde sie nicht ohne Bedauern fortgehen. Abwartend ruhten ihr Blick auf ihrer Nichte, der sie mit einem Wink ihrer Schnauze bedeutete den ersten Schritt zu machen.


{bei Atalya und Malicia am Rudelplatz}


(Ich editiere, wenn klar ist, mit wem ich nach dem Aufbruch playe, ok?)

Hiryoga
14.11.2012, 10:46

Einen ganzen Moment lang betrachtete Hiryoga den kleinen Rüden vor ihm und musste letztendlich über sein Knurren und seinen Mut schmunzeln. So war er als Welpe nie gewesen, draufgängerisch, selbstsicher und mutig. Da war der kleine Rote vor ihm schon fast zu beneiden. Als er zu sprechen begann, spitzten sich die Ohren von Hiyo auffällig, hatte er da grade Kisha gesagt? Tatsächlich, er schien auf seine Schwester zu warten…aber was hatte sie mit diesem neuen Welpen zu tun? Erst jetzt sog er den Geruch seines gegenüber ein und musste mit Erschrecken feststellen, dass er sehr nach Familie roch, mehr als es ihm lieb war. In ihm vereinten sich die Gerüche von seiner Gefährtin, seinem Sohn, aber auch von Sheena. Skeptisch betrachtete der Braune den Rüden und legte die Ohren leicht nach hinten.
Auf die unsichere Frage des Roten hin hörte seine Rute auf zu pendeln und sein Blick wurde fester, aber nicht weniger freundlich.

„Ich? Ich bin ein Sohn dieses Rudels, dem Rudel aus dem Sternenwindtal. Ich bin hier geboren und aufgewachsen. So wie Kisha, von der du sprichst.“

Seine Stimme verstummte wieder, wer war dieser Welpe? Wieso roch er so stark nach seiner Familie, was ging hier vor sich? All die Freude auf seine Familie verblasste, Unsicherheit machte sich in ihm breit. Dass seine Frage unbeantwortet blieb, verübelte er dem kleinen Rüden vor sich nicht, immerhin war er noch jung, höchst wahrscheinlich verunsichert durch ihn, einem Fremden, der zwar nicht einmal einer Fliege was antun könnte, aber das wusste er ja nicht.

„Und ich folge euch, um den Anschluss zu meinem Rudel wieder zu gewinnen…aber das ist eine etwas längere Geschichte.“

Ja, jetzt vom Nichts zu sprechen war wohl weniger sinnig, vor allem zu einem fremden und doch nicht fremden Welpen. Hiryogas Nackenpelz sträubte sich leicht, erst jetzt machte sich der Gedanke in ihm breit, dass er vielleicht länger weg war, als er dachte…aber wenn dies tatsächlich wahr war, wie lange war er fort und wessen Welpe war dies? Nein, das konnte doch nicht sein…oder doch? Man sah es dem Braunen deutlich an, dass er nachdachte, doch mit einem fast unsichtbaren Kopfschütteln holte er sich in die Realität zurück. Diese Fragen würde er sich gleich beantworten.


„Und du, kleiner Rüde, wer bist du? Woher kommst du?“


Langsam übermannte ihn wieder das Gefühl, dass seine Läufe ihn nicht mehr halten konnten und er ließ sich zu Boden sinken, sodass er ungefähr auf Augenhöhe mit dem Welpen vor ihm war. Wieder begann er das Gesicht vor ihm zu mustern, die blauen Augen mit dem bernsteinstich. Wer war er?



[mit Isaí, abseits vom Rudel]

Tyraleen
14.11.2012, 13:40

Tyraleens Ruf war schneller verklungen als sonst, viel zu sehr schienen ihre Stimmbänder von der schwarzen Asche angegriffen worden zu sein. Ihr Hals hatte geschmerzt und das Luftholen war ihr schwergefallen. So war es gut gewesen, dass auch Chivan in ihren Ruf mit eingefallen war. Vielleicht war es ungewöhnlich gewesen, dass ein noch relativ fremder Wolf gleich eine solche Verbindung mit der Führungsspitze des Rudels demonstriert hatte, aber Chivan hatte von Anfang an ohne zu zögern Verantwortung übernommen. Er war zweifellos ein Wolf, auf den man sich verlassen konnte und wann, wenn nicht in einer solch verstörend endgültigen Situation, sollte man diese Hilfe annehmen? Die Weiße hatte dem Bunten einen langen, freundschaftlich zärtlichen Blick zugeworfen und war sich darüber klar geworden, wie froh sie über seine Anwesenheit war. Dann hatten ihre Kinder ihre Aufmerksamkeit eingenommen. Als erstes waren Chardím und Amúr zu ihr geeilt. Ihr schwarz-weißer Sohn hatte relativ gefasst gewirkt und auch ihre Tochter hatte Ruhe ausgestrahlt. Das eine Wort, das sie an sie gerichtet hatte, war ohne viele Emotionen ausgesprochen worden, dennoch hatte sich die Weiße an ihre Tochter gewandt und sie zärtlich an der Stirn berührt.

“Jetzt muss er uns doch nicht verlassen.“

Sie war sich sicher gewesen, Amúr nicht erklären zu müssen, von wem sie sprach. Averic würde bald wieder bei ihnen sein. Die Beziehung zwischen ihm und seiner Tochter hatte Tyraleen zwar nicht vollkommen verstanden, aber es war eindeutig, dass die Graue sich darüber freuen würde.

Und dann hatte die Wanderung begonnen. Zunächst durch ewige Dunkelheit, kaum den Wald, durch den sie zogen, vor Augen sehend. Chivan hatte sich ans Ende des Rudels zurückfallen lassen, sodass er sofort erkennen würde, wenn jemand nicht mehr weiterlaufen konnte. Aszrem und sie bildeten die Spitze, das Leitwolfpaar, das sicher voranzog. Doch so fühlte sich die Weiße ganz und gar nicht. Als sie ihre Pfote zum ersten Mal außerhalb des Reviers gesetzt hatte, wollte alles in ihr zurückweichen. Dies war ihr Land, ihre Heimat, ihre Sicherheit … fast vier lange Jahre war sie wie automatisch vor der Reviergrenze zurückgewichen und hatte ihre Pfoten in eine andere Richtung gelenkt, kaum dass sie sie erreicht hatte. Diese einfache, von Kindheit an erlernte Regel musste sie nun missachten und mit einer durch und durch geheuchelten Selbstsicherheit in die Fremde ziehen. Es sah außerhalb ihres Revieres nicht anders aus, der Wald war genauso dicht und auch hier verdunkelte die Asche die Strahlen der Sonne … und doch war er so unglaublich fremd, so feindlich, so bedrohlich. Er sagte ihr, dass sie nicht hier sein sollte. So fühlte es sich also an, ein Wanderer zu sein.

Mittlerweile waren sie dem Rauch endlich entkommen. Die Sonne schien wieder und sie hatten den Wald verlassen. Die felsige Region, in die sie eingetaucht waren, erinnerte Tyraleen an ihre Zeit in den Bergen und ihr Herz hatte etwas schneller geschlagen, doch die Freude hielt nicht zu lange an. Dafür waren sie alle zu mitgenommen von ihrer Flucht und der eingeatmeten Asche. Das weiße Fell der Leitwölfin war aschgrau und ihr Blick ungewöhnlich trüb. Sie fühlte sich müder, als sonst nach einem solchen Lauf und wenn sie sich umsah, so musste sie feststellen, dass es den Mitgliedern ihres Rudels eher noch schlechter ging. Möglicherweise müssten sie schon bald eine Pause einlegen, aber hier schien kein guter Ort zum rasten. Weder die Witterung von Beute noch von Wasser hingen in der Luft und die vielen felsigen Scharten und das Geröll unter ihren Pfoten wirkten nicht sehr einladend. Ihr Blick huscht zu Aszrem, der ganz in ihrer Nähe lief, wurde dann aber von einem Welpen abgelenkt. Linalee schleppte sich nur wenige Schritte schräg hinter ihr über den steinigen Boden und sah nicht gut aus. Sie hatte etwas gemurmelt, was Tyraleen nur zur Hälfte verstanden hatte, aber es hatte von Schlafen gehandelt. Ein tief besorgter Ausdruck erschien in den Augen der Weißen und nur ein herannahender Isaí hielt sie davon ab, sich sofort zurückfallen zu lassen. Der kleine rote Held hielt sein Versprechen, obwohl es eindeutig war, dass auch er immer müder wurde. Die Weiße betrachtete ihn, wie er neben seiner Schwester lief und sie motivierte und fragte sich, ob sie ihm zu viel zumutete. Durfte sie diese Stärke von ihm verlangen? Damals, als sie ihm von den langen Wanderungen erzählt und ihn beinahe angefleht hatte, immer weiter zu laufen, hätte sie nie mit einer solchen Wendung des Schicksals gerechnet. Anstrengende Wanderungen durch das Revier auf der Suche nach Beute waren eine Sache … aber die Flucht aus ihrer Heimat und das Irren ins Unbekannte eine ganz andere. Sie musste mit ihm reden, ihn nicht entmutigen, aber ihm auch klarmachen, dass er ihr nichts beweisen musste. Und doch, trotz dieser Gedanken, war sie unglaublich stolz und zeigte das auch, als Isaí ihr einen kurzen Blick zuwarf und dann wieder zwischen den Wölfen verschwand. Er war ein ganz besonderer kleiner Wolf.

Trotz des Zuspruchs ihres Bruders, wurden Tyraleens gleichmäßige Schritte kurz ein wenig langsamer, um sie neben Linalee zu bringen. Die kleine Fähe wirkte so erschöpft und kraftlos, dass ein kurzes Anschieben wohl nicht ausreichen würde. Allerdings war sich die Weiße nicht sicher, ob sie viel würde ausrichten können, war Linalee doch keine gewöhnliche Fähe. Voller Angst hatte sie als Tinca noch kaum ein Wort hervorgebracht; seit sie Linalee genannt wurde, hatte es sich gebessert, aber noch immer fiel es Tyraleen schwer, den richtigen Draht zu ihr zu finden.

“Geht es dir nicht gut, Linalee? Ich weiß, es ist sehr anstrengend, auch mich erschöpft das lange Laufen.“

Sie berührte die Kleine vorsichtig an den jungwölfisch großen Ohren und versuchte eine Art aufmunterndes Lächeln, das wohl etwas missglückte. Ihr war alles andere als nach Lächeln zumute. Sollte Linalee gleich nicht mehr weiter laufen, würde ihnen nichts anderes übrig bleiben, als eine Pause einzulegen. Zum Tragen waren die Welpen mittlerweile viel zu groß und selbst wenn nicht … vermutlich hatte kaum jemand mehr die Kraft, das Gewicht eines weiteren Wolfs durch dieses Felsenmeer zu schleppen.


[ an der Spitze des Rudels | direkt bei Linalee, Aszrem in der Nähe ]

Isaí Caiyé
14.11.2012, 19:37

Die Ohren des Roten zuckten ein Stück zurück, als er die Veränderung auf den Lefzen des Fremden erkannte, doch mehr Skepsis konnte sich kaum noch in die mischfarbigen Augen legen. Isaí zog den Fang etwas zurück zur Brust, während er dem Blick des Größeren standhielt und die Rute etwas senkte, als er abermals zu sprechen begann. Dennoch wich er kaum merklich einen Schritt zurück, als die Rute des anderen aufhörte, zu pendeln. Reine Vorsichtsmaßnahme, verstand sich. Er hatte keine Angst. Zumindest kaum, denn er durfte keine Angst haben. Er musste doch sein Rudel beschützen. Aber diese Absicht rückte nach und nach in den Hintergrund – immerhin witterte er deutlich die Verbindung, das Vertraute, welches im Duft seiner Familie lag, doch den Braunen konnte er schlicht nicht einordnen. Er kannte ihn nicht – da war er sich vollkommen sicher – und doch sagte er, er wäre ein Sternenwind, ein Teil des Rudels. Im Kopf des Roten passte es einfach nicht zusammen (und er ahnte nicht, dass der fremde Duft, der ebenfalls in seinem Pelz hing zu seiner verstorbenen Großmutter Banshee, sowie Acollon und anderen vergessenen Angehörigen gehörte). Die Skepsis wich Neugier, als er von seiner Patin sprach, als ob er sie kannte und er reckte neugierig das Kinn in die Richtung des Fremden.

„Du kennst Kisha? Hast du sie gesehen?“, fragte er schnell nach, ehe er sich wieder fing und feststellte, dass der Wolf, dem er gegenüberstand nachwievor vollkommen fremd war und ihm auch was vom Baum erzählen konnte. „Und du bist auch ein Sternenwind?“

Dieses Mal lag wieder mehr Skepsis in seiner Stimme, aber allmählich hörte man ihm an, dass nicht mehr der Unglaube, sondern mehr die Verwirrung überwog. Wieso kannte er ihn nicht, wenn er doch einer von ihnen war? Und dass er einer von ihnen war – Isaí hatte gelernt, seiner Nase mehr als seinen Augen zu trauen. Und die sagte ihm deutlich, dass er – wie auch immer – ein Sternenwind war. Seine Ohren schnippten unschlüssig durch die Luft, seine Rute hatte sich inzwischen aber wieder auf Normalhöhe gesenkt, als hätte er vergessen, dass er vorhin noch – törichter Weise – sein Rudel hatte verteidigen wollen, bis Hilfe kam. Nun aber hatte er auch vergessen, dass er Hilfe erwartete, dazu war ihm der Fremde dann doch zu… familiär. Bei der nächsten Antwort runzelte der junge Wolf kurz die Stirn, dann aber zeichnete sich ein Lächeln auf seinen Lefzen ab.

„Du hast wohl auch etwas länger gebraucht, um den Anschluss wiederzufinden. Funktioniert deine Nase nicht so gut?“

Das war keineswegs bös gemeint, das hörte und sah man ihm auch an. Er legte den Kopf leicht schräg und sah dem Grünauge interessiert entgegen, bis er wieder aufmerksam aufschreckte – doch der gestäubte Pelz schien nicht ihm zu gelten, dazu sah der Braune viel zu in sich gekehrt aus. Es missfiel ihm etwas, dass er mit einem Mal nicht mehr in erster Linie mit ihm beschäftigt war, doch noch bevor er den Entschluss fassen konnte, sich die Aufmerksamkeit wieder zu versichern, ließ sich der Ältere nieder und schenkte seine Aufmerksamkeit wieder dem wichtigen Teil dieser Situation. Isaí schüttelte sich kurz, um die Unsicherheit loszuwerden und spürte, wie sich kurz darauf die Welt wieder zu drehen begann, weshalb er die Seelenspiegel einen Atemzug lang geschlossen hielt. Dann baute er sich auf, hob den Kopf stolz an und spähte zu dem Braunen ‚hinunter‘.

„Mein Name lautet Isaiah Caiyé und ich bin ein Sternenwind.“, verkündete er und stellte die Ohren.

Ha. Auch, wenn die meisten ihn Isaí nannten – das wollte er dem Fremden nicht gleich einräumen. Dazu war ihm die ganze Sache doch noch zu suspekt.

„Und du, Sternenwind mit der schlechten Nase und dem schlechten Orientierungssinn?“


{ etwas abseits | opa hiryoga }

Hiryoga
14.11.2012, 21:15

Interessiert blickten die smaragdfarbenen Augen den jungen Rüden an, nahmen wahr, wie er einen winzigen Schritt zurück wich, wie seine Worte ihn wohl ins Grübeln brachten. Und während der Kleine sich seinen Augenblick an Zeit ließ, schwirrten Hiryogas Gedanken schon wieder davon. Der bekannte Geruch des Rüden schlich sich wieder in seine Gedankenwelt und er konnte sich diese Tatsache einfach nicht erklären. Im Nichts war die Zeit für ihn nicht vergangen bzw. er konnte es schlecht sagen, aber es dürfte sich doch nur maximal um ein paar Stunden, vielleicht auch Tage handeln? Doch dann riss ihn wieder die helle Stimme des Welpen aus seinen Gedanken.
Kisha? Nein, Kisha hatte er seit jenem verhängnisvollen Tag nicht mehr gesehen…wie es seiner Schwester wohl erging? Hiryoga seufzte, sobald er heraus gefunden hatte, wer dieser Welpe war, würde er seine Familie suchen.

„Ich kenne Kisha. Immerhin sind wir zusammen aufgewachsen. Sie ist meine Schwester.“

Er verstummte kurz. Es schien so, als würde der Kleine auf sie warten und sie sehen wollen, doch leider musste er sie enttäuschen.

„Es tut mir leid, ich habe sie nicht gesehen.“

Kurz sanken die Ohren des Braunen, ehe er über die erneute Frage des Welpen schmunzeln musste und ihn sanft an der Schnauze berührte, so eine Art anstupsen, nur sehr sanft.

"Um einiges länger als du.“

Sagte er mit einem sanften Lächeln und schwang beschwichtigend die Rute. Natürlich wollte er den Roten nicht ärgern, aber ein bisschen necken war in solch einer Zeit wohl erlaubt. Unglaublich, so jung war er noch und geriet doch schon in so eine Situation, ähnlich wie seine Welpen damals…
Aufmerksam betrachtete er, wie der kleine Rüde wohl etwas verwirrt schien, aber ihm ging es da ja nicht anders, diese Begegnung, so schön sie auch war…war irgendwie gruselig. Aber trotz allem schien der Rüde sehr aufgeweckt und munter geblieben zu sein.

“So in der Art…“ Er schmunzelte und sprach weiter:“Doch eigentlich schon…aber naja…es ist wie schon gesagt, eine lange Geschichte und schwer zu erklären…ich erzähl sie dir ein anderes Mal, ja?“
Und wieder beobachtete er eine Veränderung des Roten. Dieses Mal schien er einen Moment zu brauchen, bevor er sich gefangen hatte und dann stolz seinen Kopf anhob und eine Botschaft überbrachte, die Hiyo erschrocken auffahren ließ, sodass er auf seinem Hinterteil saß und die Vorderläufe fest gegen den Boden gestemmt hatte. Seine Ohren legten sich an den Kopf, die Rute hatte er fest um den Körper geschlungen, die smaragdgrünen Augen verengten sich und musterten den Rüden.

“Caiyé? So wie Sha…Shani…Caiyé? U-u-und Jakash…Caiyé?“

Hiyos Stimme brach ab und er musste sich einen Moment fassen, bevor er wieder weiter sprechen konnte, doch seine Stimme zitterte immer noch.

“Das kann doch nicht möglich sein…du…du…und Shani? Deine Mutter…?

Nun schlich sich ein entsetzter Ausdruck über sein Gesicht…wie lange war er fort? Wie konnte Shani nur…was war hier los? Der braune Rüde verstand die Welt nicht mehr. Wieder überkam ihn ein Gefühl der Schwäche und er ließ sich zu Boden fallen. Die letzte Frage des Roten vernahm er schon gar nicht mehr, viel zu sehr hatte ihn diese Botschaft geschockt, viel zu sehr verletzt.



[mit Isi etwas abseits vom Rudel]

Isaí Caiyé
15.11.2012, 11:59

Das wurde ja immer besser. Allmählich wusste er wirklich nicht mehr, ob er dem Braunen trauen konnte oder nicht – aber es klang so logisch, woher sonst hätte er Kisha kennen können und überhaupt? Jegliche Skepsis, die er eigentlich zeigen wollte, löste sich in Luft auf, während die Verwirrung nicht nur innerlich überhand gewann, sondern auch zu deutlich auf seinen Zügen zu erkennen war. Seine Seelenspiegel weiteten sich, als der Fremde auch noch behauptete, ein Bruder von seiner Patin zu sein, während sich ein Ohr nach vorne, eins sich nach hinten drehte und man ihm deutlich ansehen konnte, wie sich die kleinen Rädchen drehten und sein Kopf versuchte, einen Zusammenhang herzustellen. Das war doch eigentlich gar nicht…? Isaí versuchte, innerlich einen Überblick über Kishas Geschwister zu bekommen, doch dazu war sein Bewusstsein im Augenblick schlicht zu träge und müde. Da war Averic, Amáya, Malicia und Kisha, wenn er sich nicht täuschte. Und wer war da noch?

„Ein Bruder von Kisha?“, wiederholte er langsam und starrte den Braunen noch immer voller Irritation an.

Da war die Tatsache, dass er sie nicht gesehen hatte, fast schon wieder vergessen – für den Moment verdrängt zumindest, denn der fremde Sternenwind, der sich immer mehr als Familie herausstellte, gewann immer mehr an Interesse. Da vergaß der junge Fuchs auch schnell, dass das Rudel wohl noch immer nichts von seiner Abwesenheit mitbekommen hatte und somit auch nicht auf ihn warten würde. Er dachte gar nicht daran, dass es sich immer weiter von ihm entfernte, während er hier munter eine neue Bekanntschaft schloss, die ihm bisher wohl verwehrt geblieben war – dabei gehörte er doch zur Familie und Kisha würde sich ganz sicher freuen, ihren Bruder wieder zu sehen. Allerdings war der Braune wohl nicht die beste Gesellschaft, um den Anschluss zum Rudel zu suchen, wenn sie es wirklich verloren – immerhin hatte er ziemlich lange gebraucht, um es jetzt wieder zu finden… Aber nun hatte er ja die Hilfe des kleinen Roten – Isaí also wäre ohnehin fest davon überzeugt gewesen, dass sie das Rudel mit seiner Hilfe wiederfinden würden. Er würde dem Großen, mit einem schlechten Orientierungssinn beschenktem Bruder von Kisha schon den Weg zeigen. Seine Nase funktionierte nämlich einwandfrei! Isaí zog den Fang kurz zurück, als der Ältere ihn sanft an eben dieser einwandfrei funktionierenden Nase berührte – mehr aber aus Reflex als aus sonstigen Gründen, denn der Braune hatte sich jetzt schon in sein Herz geschlichen. Er mochte ihn – fremd oder nicht – und wie sich herausstellte, gehörte er ohnehin zu seiner Familie. So absurd es auch war, hier in dieser Einöde einen vollkommen fremden Sternenwind zu treffen – er machte sich keine Gedanken drum, freute sich schlicht darüber und pfotete schließlich verstrauensseelig nach dem Fang des Größeren, der wohl oder übel Recht hatte – aber das machte ihn noch lange nicht zu einem besseren Sternenwind! Auch die Rute des Welpen pendelte nun freundlich über den kargen Boden und das anfängliche Misstrauen war im Grunde verschwunden. Dazu war die neue Bekanntschaft viel zu nett.

„Versprochen?“, wollte er sichergehen, dass der Bruder von Kisha es nicht vergessen würde, ihm die Geschichte zu erzählen.

Er freute sich jetzt schon darauf, die Abenteuer zu hören, die dieser Wolf auf seiner langen Suche nach ihnen erlebt hatte – was hatte ihn eigentlich fortgeführt? Neugierig reckte er den Hals, die Pfote noch immer auf dem Fang seines Gegenüber ruhend und berührte schließlich selbst die größere Nase mit der eigenen – ganz ähnlich, wie er es damals bei seiner ersten Begegnung mit Kisha gemacht hatte, als sie die Welpenhöhle das erste Mal hatten verlassen dürfen. Eigentlich hätte er nun am liebsten direkt all seine Fragen gestellt, auf die sich der Braune einstellen konnte, wenn er seine Geschichten (ja, jetzt war’s schon die Mehrzahl. Da draußen musste es einfach unglaublich spannend sein!) erzählte, doch all diese Fragen entfielen ihm augenblicklich, als der verwirrte Zug nun auf den Älteren überzugehen schien. Isaí spielte mit den Ohren, zog Fang und Pfote zurück und ließ sich mit schiefgelegtem Kopf und einem besorgten Ausdruck in den Augen auf den Hinterläufen nieder. Hatte er etwas Falsches gesagt? Was war so schlimm daran, dass er ein Caiyé war? Er war stolz darauf, ein Caiyé zu sein, egal, was ihm der Braune nun erzählen würde. Dennoch folgte das Nicken zur Bestätigung etwas zögerlich, während der Große verstummte und schließlich wieder ansetzte – zitternd, als würde ihn diese Nachricht vollkommen schockieren, was Isaí einfach nicht einleuchten wollte. Doch als er seine Oma für seine Mutter hielt, schüttelte er mit einem Lächeln auf den Lefzen den Kopf.

„Neeeeeein, du Dummbatz. Shani ist nicht meine Mutter. Shani ist die beste Oma der Welt. Von ihr hab‘ ich das Caiyé-sein. So wie mein Vater.“, klärte er ihn auf und überging, dass der Braune gar keine Ahnung haben konnte. „Aber jetzt bist du dran. Wer bist du, Onkel Bruder von Kisha? Und wie kommst du auf die Idee, dass Oma Shani meine Mutter ist?“

Wieder pendelte seine Rute über den Boden, der Kopf noch immer schiefgelegt.


{ etwas abseits | opa hiryoga }

Hiryoga
15.11.2012, 17:05

Was war hier los? Wie lange war er tatsächlich weg gewesen? Das Nichts hatte sich so kurz angefühlt, wie lange musste er verschwunden sein, damit Jakash, sein noch so junger Sohn, jetzt schon Welpen hatte? Wie lange hatte ihn das Nichts tatsächlich in seiner Gewalt gehabt? Entsetzen machte sich in Hiryoga breit, aber nicht nur das, sondern auch Ungewissheit und ein schlechtes Gewissen. Er hatte seine Familie im Stich gelassen, schon wieder. Und dieses Mal schien der Zeitraum aber deutlich größer zu sein, viel größer…wenn Jakash der Vater war, dann war der kleine Welpe hier vor ihm, Isaiah, sein Enkel.
Die smaragdfarbenen Augen richteten sich sofort auf das Gesicht des Roten. Er war Shanis Enkel, sein Enkel. Einerseits war Hiyo beruhigt, immerhin war er nicht Shanis Sohn, andererseits ließ es ihm bewusst werden, dass er länger weg war, als er dachte und außerdem schloss dies nicht die Tatsache aus, dass Shani vielleicht schon einen neuen…Gefährten hatte. Ein stechender Schmerz machte sich in ihm breit, sein Kopf schmerzte und sein Magen zog sich zusammen. Er musste zu Shani, er musste Gewissheit haben, er…er musste sich dem allen stellen. Er wollte die Wahrheit wissen.
Hiyo rappelte sich auf, richtete die Ohren nach vorne, schluckte seine Verunsicherung runter und versuchte wieder ruhiger und freundlicher zu sein, Isaiah konnte nichts für all das hier und immerhin…er war sein Enkel! Nachdem Hiryoga noch keine Frage beantwortet hatte, überging er das meiste und konzentrierte sich auf das wesentliche.

“Versprochen. Aber erstmal muss ich einiges klären und wir sollten dem Rudel folgen. Wenn meine schlechte Nase…“, er zwinkerte dem Roten zu “noch funktioniert, dann bewegt sich das Rudel von uns weg und wir sollten jetzt bloß nicht den Anschluss verlieren, okay?“

Der Graue lächelte dem Welpen freundlich zu, seine Rute schwang sanft hin und her. Er stupste seinen Enkelsohn erneut an und begann los zu traben. Dabei schien all die Anstrengung vergessen und seine Kraft wieder voll da zu sein, denn alles in ihm, trieb ihn nun zu seiner Gefährtin und der Wahrheit.

“Los komm, mein kleiner Sternenwind…“ , sprach er und richtete den Blick auf seinen Enkel, “sobald wir bei Shani sind, wirst du deine Antworten auf die Fragen bekommen, in Ordnung?“

Erst wollte er mit Shani sprechen, bevor Isaiah erfur, wer er war, erst wollte er es aus ihrem Fang hören…es konnte einfach nicht sein…



[Mit Isi auf dem Weg zum Rudel bzw. zu Shani]

Malicia
15.11.2012, 17:52

Sie erwiderte nichts als Daylight sie freudig begrüßte; warum auch schließlich hatte sie nichts weiter gesagt als ihren Namen…von dem Ton und der Erleichterung die in ihrer Stimme mitschwang mal abgesehen. Die Schwarze seufzte und lauschte mehr abwesend als anwesend den Worten ihrer Verwandten. Zumindest Daylight schien so vernünftig dem Ruf von Tyraleen Folge zu leisten.. ob Atalya sich allerdings so leicht fügen würde bezweifelte die Wölfin. Sie hob leicht die Braue als ihre Schwester Atalya leicht am Fell berührte und sie zum Gehen bewegen wollte. Ein liebevoller Ausdruck schlich sich auf ihr Gesicht.. sie wusste warum Daylight ihr noch immer eine der liebsten war. "Kommt schon..", abwartend ließ sie ihren Blick auf den beiden ruhen, machte dann allerdings den ersten Schritt und folgte der Aufforderung von ihrer jüngeren Schwester. Es würde schon einen triftigen Grund geben, wenn Tyraleen das gesamte Rudel zusammenrief. Ein Seufzen verließ ihren Fang als sie sich auf den Weg machte…

{ bei Atalya und Daylight | auf dem Weg zu Tyra }


Wahrscheinlich hätte sie damit rechnen müssen, dass sie das Revier hinter sich lassen würden. Bei all den Geschehnissen… der Zerstörung und den schrecklichen Erinnerungen der vergangen Tagen und Wochen war es einfach an der Zeit ein neues Kapitel aufzuschlagen. Vor ihnen lag eine unbeschriebene Seite und nun hatte das Rudel die Chance sie selbst neu zu schreiben. Vielleicht würden schöne Erinnerungen folgen… vielleicht bot sich ihnen so die Möglichkeit einen Teil der Vergangenheit zu vergessen. Zumindest den Geschwistern konnte es helfen über ihren Verlust hinwegzublicken. Ob sie sich verändern würde blieb abzuwarten. Nun jedenfalls war das Rudel auf Wanderung.. ein unbeschriebener Pfad lag vor ihnen doch noch wusste niemand wohin es so genau gehen sollte. Die schwarze Wölfin lief am Ende des Zuges, so konnte sie alles im Auge behalten und hatte zudem ihre Ruhe vor verzweifelten und am Boden zerstörten Artgenossen. Es gab mit Sicherheit Wölfe die diese Veränderung weniger begrüßten als sie. Was hatte sie denn im Tal der Sternenwinde das sie dort hielt… was gab es dort denn für Erinnerungen die es nicht zu vergessen galt… keine. Daher trat sie dieser Wanderung offen entgegen… sie würde schon sehen ob sie sich als positiv oder negativ erwies. Neben sich nahm sie nun jedenfalls wieder Bewegungen war und ihr Blick wanderte zu den Wölfen vor ihr… ihre Lunge schmerzte und das Atmen fiel ihr zunehmend schwerer. Viele der anderen schienen weniger Probleme zu haben, doch die Schwarze hatte zu viel des schwarzen Staubs eingeatmet. Es brannte, schnürte ihr die Kehle zu und ließ ihren Körper in regelmäßigen Abständen erzittern. Es war offensichtlich dass es der Wölfin nicht gut ging, dennoch trugen ihre Läufe sie weiter, hielten sich wacker, sodass sie zumindest den Anschluss nicht verlor. Ab und zu verschwammen die Gestalten vor ihr, ihr wurde schwindelig und sie stoppte für ein paar Sekunden ehe sie sich wieder gefasst hatte. Sie wusste, dass immer noch Wölfe neben ihr liefen, aber nur weil sie sie hören konnte. Ihren Augen konnte sie momentan einfach nicht mehr trauen. Insgeheim hoffte sie, dass das Rudel irgendwann in der nächsten Zeit eine Pause einlegen würde.. lange würden ihre Beine sie nicht mehr tragen, wenn sie sich nicht bald einmal ausruhen durften. Die schwarze Fähe senkte den Kopf und trottete langsam vor sich hin… sie wollte den Kopf nicht mehr oben tragen und für den Moment war es ihr auch egal was für einen Eindruck sie so auf die anderen machte. Wahrscheinlich würde es nicht einmal jemand bemerken...

{ am Ende der Gruppe | in der Nähe von Chivan }

Isaí Caiyé
15.11.2012, 18:53

Er wusste nicht recht, was der Braune hatte. Er wirkte so… nachdenklich, so besorgt und ein Hauch von Unglücklichkeit glaubte der Rote ebenfalls hin und wieder auf seinen Zügen zu erkennen, was er ganz und gar nicht nachvollziehen konnte. Er haderte zwischen ignorieren, überspielen oder einfach direkt nachzufragen, aber in erster Linie wäre es ihm doch am liebsten gewesen, wenn er seinen neugefundenen Onkel hätte aufmuntern können. Dabei gab es doch gar keinen Grund zum Unglücklichsein, immerhin hatte er doch endlich zurück zum Rudel gefunden. Innerlich schüttelte Isaí den Kopf darüber, dass der Braune solch einen Grund zur Freude wohl einfach überging, aber er ahnte nicht, wie viel wirklich dahinter steckte. Er hatte keine Ahnung und selbst, wenn man versucht hätte, es ihm zu erklären, wäre es ihm wohl deutlich schwer gefallen, wirklich zu folgen und dieses gesamte Ausmaß wirklich zu erfassen. Er ahnte nicht im Entferntesten, dass der Wolf hier, den er vor sich hatte, nicht nur Kisha (davon ging er einfach aus!) sondern auch seine Oma voraussichtlich unheimlich glücklich machen würde, genauso wenig, wie er ahnte, dass er keinen Onkel seiner selbst, sondern seinen eigenen, vermissten Opa vor sich hatte. Seine Ohren stellten sich auf, als der Braune sein Versprechen besiegelte und ein erfreutes Lächeln zeichnete sich auf seinen Zügen ab, bis es ebenso schnell erstarrte und der Rote mit einem Sprung wieder auf allen vier Läufen stand. Das Rudel, natürlich! Es lief weiter und hatte – dank seiner einmaligen Schleichfähigkeiten natürlich… - nichts von seiner Abwesenheit bemerkt. Und Isaí hatte vollkommen vergessen, dass er auch wieder zurück musste, um den Anschluss nicht zu verlieren, zu sehr hatte ihn die Anwesenheit eines vermeintlich fremden Wolfs davon abgelengt. Animiert von dem Drängen seines ‚Onkels‘ wirbelte er herum und trabte neben ihm her, um das Geröll herum und erkannte, dass sie bereits eine ziemlich bemerkenswerte Strecke aufzuholen hatten.

„Du kannst wohl unbesorgt sein. Deine Nase ist wohl doch nicht ganz so schlecht.“, gestand er dem Größeren grinsend ein und spähte zu ihm hinauf, während er versuchte, Schritt zu halten.

Normal fiel ihm das weniger schwer, doch seit dem brennenden Berg hatte er das Gefühl, dass er viel, viel schneller außer Puste war als davor. Und je schneller er lief, desto mehr schien sich zeitweise die Welt in seinem Kopf zu drehen, sodass er dem braunen Wolf kurz zwischen die Pfoten lief und ihm kurz darauf einen entschuldigenden Blick zuwarf. Er war doch ein Sternenwind – das hatte sein Jetzt-Onkel so toll betont! – da musste er dem doch auch gerecht werden und durfte nicht schlapp machen. Nicht zuletzt, weil er es Tyraleen versprochen hatte. Ha! Die würde bestimmt auch ganz stolz auf ihn sein, wenn er einem verlorenen Wolf den Weg zurück zum Rudel gewiesen hatte! Aber zuerst sollte ihn sein Weg zu Shani führen, die er – als sie sich dem Rudel wieder soweit genährt hatten – recht schnell weiter hinten erkannte. Er beschleunigte seinen Schritt etwas, hüpfte voraus und bereute es schließlich doch wieder, sodass er im Endeffekt doch in einem langsamen Trab bei seiner Oma ankam.

„Shani, Shani! Guck mal, wen ich gefunden habe! Das ist ein Bruder von Kisha! Der hat den Anschluss zum Rudel gesucht. “, erzählte er ihr bereits von etwas weiter weg und sprang schließlich kurz an ihr hoch, ehe er neben stehen blieb und zu seinem Jetzt-Onkel spähte. „JETZT bekomme ich aber meine Antworten.“

Noch bevor Shani irgendwie hatte reagieren können, erinnerte er den braunen Wolf daran, was er gesagt hatte. Er hatte seinen Teil eingelöst, jetzt war er dran! Jetzt aber erinnerte sich der kleine Rote aber auch daran, dass seine Läufe eigentlich tierisch müde waren und war froh, dass sie das Rudel bereits eingeholt hatten. Er hechelte, gab aber weiterhin alles dafür, einfach weiterzulaufen.


{ weiter hinten im rudel | shani caiyé, hiryoga }

Chivan
15.11.2012, 20:08

Er wusste, dass er sich unweigerlich auf einem schmalen Grad befinden musste. Doch so fern ihm die Absicht auch lag, irgendjemandem den Rang streitig zu machen, so sehr war er gleichzeitig doch bemüht, den Wölfen in solch einer schweren Zeit beizustehen und sie zu unterstützen. Im Nachhinein ging er davon aus, auch Aszrem gegenüber deutlich genug klar gemacht zu haben, dass er lediglich das Ziel, zu helfen, verfolgte und es ihm fern lag, sich irgendetwas zueigen zu machen. Bei Tyraleen war er sich sicher, dass sie seine Absicht verstanden hatte, nicht zuletzt, da ihm der dankbare Blick nicht entgangen war, ehe sie sich dem Rudel und ihren Nachkommen hatte widmen müssen und er sich zurückgezogen hatte, um dem Entschluss der Leitwölfe zu lauschen. Schließlich hatte er sich als Schlusslicht angeboten, um Aszrem diese Verantwortung abzunehmen und ihm zu ermöglichen, an der Seite der weißen Fähe zu bleiben, denn ihr konnte er in diesem Augenblick wohl weitaus besser beistehen, wie es dem Bunten möglich gewesen wäre. Zu seiner Beruhigung hatten sie seinen Vorschlag angenommen und Chivan wusste, dass dieses Vertrauen, welches sie ihm – einem fast noch vollkommen Fremden – entgegenbrachten, nicht selbstverständlich war. Er wusste es zu schätzen und so war er schließlich auch seiner Aufgabe nachgegangen und hatte sich erst in Bewegung gesetzt, als die Spitze bereits in der Finsternis verschwunden und der Rest auf dem besten Weg dorthin gewesen war.

Mittlerweile waren sie bereits geraume Zeit gelaufen und hatten schließlich – nach einer gefühlten Ewigkeit – das in Rauch getauchte Tal hinter sich gelassen. Er konnte sich vorstellen, dass es gerade den Wölfen nicht leicht fiel, die nichts anderes als dieses Tal kannten und einem Leben als Wanderer nicht freiwillig entgegen gesehen hatten. Doch nun wurden sie dazu gedrängt und gemeinsam galt es, das Beste aus der Situation zu machen. Dennoch konnte man sehen, dass der dunkle, stickige Qualm und die vom Himmel regnende Asche ihnen allen zugesetzt hatte. Das Atmen schmerzte noch immer in der Kehle und auch, wenn die Luft hier inzwischen wieder klar und bitterlich kalt war, wagte es der Bunte noch nicht, tief Luft zu holen. Sein Blick glitt kurz über das Rudel und besonders den Welpen musste man in dieser Situation abermals Bewunderung entgegenbringen. Um sie hatten sie sich am meisten Sorgen machen müssen, doch sie schienen es allesamt gut überstanden zu haben. Sie waren müde, klar, doch ihnen schien es besser zu gehen als manch anderem Wolf, der dennoch tapfer mithielt. Unschlüssig drehten sich die Ohren des Bunten nach hinten, während sein Blick weiter über die Leiber wanderte und er schließlich stehen blieb, um sich nach hinten umzuwenden. Man sah den Rauch auch aus der Ferne und irgendwo in der Dunkelheit ließ sich ebenso das Glimmen des Feuers erahnen. Der Blick des Rüden wurde fester, während er es einen kurzen Augenblick nur musterte. Er kannte es, auch, wenn er noch nie in seinem Leben einen brennenden Berg gesehen hatte. Er kannte es aus Träumen, die ihn nachts heimgesucht hatten – Träume, die mehr zu bedeuten hatten als einfache, nächtliche Bilder. Ebenso deutlich war damit das Gefühl geworden, welches ihn dazu brachte, dem Rudel zu folgen – es war nicht sein Instinkt, es war eine stärkere Kraft, die ihm sagte, dass das, was er tat, das Richtige war. Er schnaufte kurz durch und setzte sich wieder in Bewegung, während seine Seelenspiegel fast automatisch zu der Leitwölfin an der Spitze wanderten und ihm klar wurde, dass er mit ihr reden musste. Später, irgendwann, wenn sich ihre Situation entschärft hatte. Dann, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen war.

Kurz zuckten seine Ohren, denn er glaubte, etwas gehört zu haben, doch noch ehe er sich besser darauf konzentrieren konnte, zog etwas anderes seine Aufmerksamkeit auf sich. Die dunkle Wölfin, die bereits längere Zeit gar nicht mal so fern von ihm gelaufen war, schien in weniger guter Verfassung zu sein. Er beobachtete sie einen Moment mit besorgt angewinkelten Ohren, ehe er die wenigen Wolfslängen überbrückte, die zwischen ihnen lagen. Vorsichtig hob der Bunte den Kopf und berührte den dunklen Pelz der Wölfin sanft mit dem Fang an der Flanke, um sie auf ihn aufmerksam zu machen und sie nicht aus freiem Himmel heraus anzusprechen.

„Alles in Ordnung?“, fragte er und seine blauen Seelenspiegel lagen auf ihrem Antlitz. „Bald dürften wir einen Platz für eine Rast finden.“

Er schenkte ihr ein kurzes, zuversichtliches Lächeln und versuchte, ihr gut zuzusprechen, ehe sein Blick sich wieder auf dem Weg vor ihnen verlor. Sie waren alle müde und dennoch durften sie nicht stehenbleiben.


{ schlusslicht | malicia }

Daylight
15.11.2012, 21:53

Sie liefen bereits seit mehreren Stunden, waren der Asche und dem brennenden Berg entkommen und hatten die Reviergrenzen bereits überschritten und Daylight fühlte sich immer mehr an ihre Kindheit erinnert, immer wenn sie einen der Welpen erblickte, sah sie sich selbst, wie sie erschöpft, aber neugierig einem der älteren Wölfe nachlief. Und sie spürte ihr Herz unweigerlich schneller schlagen, als ihre Pfoten auf immer felsigeren Untergrund trafen, und sie vergaß sogar ganz ihre Sorge um Kisha als vor ihr im Sonnenlicht endlich die ersten Berge auftauchten. Mit neu erwachten Lebensgeistern löste sich Daylight aus ihrer Position am Rande der Formation (von wo sie Atalya gut im Blick gehabt hatte) und holte, mit neuem Elan, an die Spitze der Gruppe auf, um sich zu Tyraleen zu gesellen. Ihre Nichte würde nicht mehr versuchen davonzuschleichen und außerdem hatte, wie Daylight beobachtet hatte, Cirádan nun ein Auge auf sie. Der graue Rüde war vielleicht nicht älter als Atalya, aber zumindest schätze Daylight ihn wesentlich vernünftiger ein. Es würde schon gut gehen. Noch immer voller Asche, doch mit einem ermunternden Lächeln auf den Lefzen erreichte Daylight ihre gleichaltrige Schwester und bemerkte erst jetzt, das ein Welpe bei ihr war, den sie bald als Linalee erkannte. Tyraleen schien erschöpft, wie ein Großteil des Rudels, aber selbst müde und mit von Asche ergrautem Fell, erschien sie immer noch beherrscht und würdevoll, ganz anders als Daylight selbst, die mit zerzaustem Pelz und vor Aufregung leuchtenden Augen eher den Eindruck einer verspielten Jungwölfin machte und das, obwohl die Schwestern, wenn man einmal von der Größe absah, sich auf dem ersten Blick so ähnlich waren. Daylight bewunderte Tyraleen, sie war die perfekte Leitwölfin, ganz wie ihre Mutter Banshee.

„Hallo Tyraleen, hallo Linalee, ich dachte, ich laufe ein wenig mit euch, wenn es euch recht ist?“
,

begrüßte sie die beiden freudig, und schenkte ihrer Schwester über Linalee hinweg ein Strahlen. Seit ihrer Rückkehr und Tascurios Tod waren sie und Tyraleen sich näher als je zuvor, und Daylight bedauerte es, dass sie trotzdem nur so selten miteinander redeten. Und sie nahm sich vor das zu ändern, Tyraleen konnte jetzt allen Zuspruch und alle Aufmunterung brauchen, die sie bekommen konnte. Und jede Art von Unterstützung, deshalb wandte sie sich nun gleich an die kleine Linalee, der jeden Schritt merklich schwer fiel und Daylight konnte es ihr nicht verdenken.

„Wenn du gar nicht mehr kannst, Linalee, dann kann ich dich tragen, bis wir rasten und du dich ausruhen kannst... ich bin kein bisschen müde! Es ist so aufregend endlich wieder in den Bergen zu sein!“,

sie hielt den Kopf leicht gesenkt, als sie mit Linalee sprach, doch die letzten Worte galten ihrer Schwester. Und obgleich der vielen Sorgen, die nicht nur Tyraleen bedrückten, wurde ihr Lächeln breiter und eine Spur verträumt als ihr Blick zu den grauen, zerklüfteten Bergspitzen hinüberglitt und an ihnen haften blieb.


{bei Tyraleen und Linalee an der Spitze der Prozession}

Linalee
16.11.2012, 01:21

Mit einem müden Blick gen ihren großen Bruder begann es, dass Linalee sich unselbstständiger denn je vorzukommen schien. Auch Isaí wirkte erschöpft, aber nicht vollkommen aufgegeben, wie sie. Woher nahm der kleine Rote nur die Kraft, mit dieser Motivation durch seine eigenen Reihen zu laufen? Sie sah ihm nach, ein kleines, schüchternes Lächeln auf den Lefzen. Er war immer so gut zu ihr, dabei machte sie gar nichts, um sich das zu verdienen. Stattdessen schleppte sie sich hier mehr schlecht als Recht vorwärts, wartete nur darauf, dass Tyraleen eine Rast ausrief. Sie würde auf der Stelle einschlafen, das schwor sich die Kleine mit den Bernsteinaugen, und keine Sekunde mehr der Höhle oder dem alten Tal nachweinen. Nein, zumindest hinsichtlich dessen musste sie jetzt stark sein – wenn sie es doch sonst schon nicht schaffte! Die kleine Nase kraus gezogen überlegte sie, wie sie denn nur endlich an den Mut kommen konnte, den sie sich schon so lange wünschte. Es konnte doch nicht so schwer sein, ein bisschen von Isaís Enthusiasmus ab zu zweigen und für ihre Zwecke zu nutzen? Doch bevor sie ihren Bruder fragen könnte, ob er ihr eventuell ein bisschen davon abgeben würde, war dieser auch schon wieder verschwunden. Seufzend wandte sie sich nach vorne und stolperte leicht über einen kleinen Erdhügel am Boden.
Abgesehen von dieser Unebenheit war die Gegend hier auffällig ruhig. Während sich Linalee umsah, konnte sie absolut keine Anzeichen der bebenden Erde oder des Feuerspuckerberges entdecken. Etwas ratlos überlegte sie, ob die Erde vielleicht nur im Tal gezittert hatte. Ob sie sie, die Sternenwinde, loswerden wollte? Nun, das hatte sie jetzt ja geschafft.

Als auf einmal Tyraleen direkt neben ihr lief, schreckte die Schwarze etwas auf. Ihre Fledermausohren pendelten unkoordiniert hin und her, bis sie vorsichtig einen Blick aus den Bernsteinaugen auf Tyraleens weißes Gesicht werfen konnte. Die normalerweise so strahlend weiße Fähe war noch leicht gräulich gefärbt von den Ascheflocken, die sich in ihrem herrlichen Pelz eingenistet hatten – und trotzdem sah die Mutter ihres Paten unfassbar strahlend schön aus. Linalees Herz pochte unregelmäßig gegen ihre schmächtige Brust, sie schnappte nach Luft und schüttelte ihren Kopf, sodass die großen Ohren wild schlackerten, außerstande, etwas darauf zu antworten. Der gütige Blick der Fähe ließ sie sich ganz warm fühlen, doch vor Aufregung vergaß sie ganz, dass sie auch etwas antworten sollte. Als Tyraleen ihre Ohren aufmunternd anstupste, zuckte sie ein bisschen zusammen, doch gleich darauf breitete sich ein ehrliches, schüchternes Lächeln auf ihre Lefzen aus. Wie aus dem Nichts war ihr wieder ich alltägliches Mantra in den Kopf gesprungen: Mutig werden. Mutig werden. Mutig werden.

“E-es geht sch-schon“, stotterte sie und senkte kurz darauf beschämt ihren Blick.

Diese ewige Stotterei konnte sie einfach nicht ablegen! Gegenüber ihren Geschwistern und Eltern war es fast vorbei, und auch mit Chardím konnte sie einigermaßen vernünftig reden – nur wenn sie so aufgeregt war, wie jetzt, brachte sie kaum ein anständiges Wort über die Lefzen. Etwas gutes hatte dieser ganze Aufruhr allerdings – Linalee fühlte sich gleich sehr viel wacher und schaffte es sogar, mit dem Schritttempo der Älteren Wölfe mitzukommen, obwohl ihre Pfoten schon schmerzten. Dass sie eben gerade an Chardím hatte denken müssen, beruhigte das Hasenherz der Jungfähe ebenfalls ein wenig, und plötzlich fühlte sie wieder die beklemmende Sorge um ihren Paten, der so traurig ausgesehen hatte. Sie musterte Tyraleen vorsichtig, traute sich nicht, ihre Frage laut auszusprechen. Sie wüsste ja auch gar nicht, ob sie das Recht hatte, danach zu fragen, und sie wollte die Alpha ja auch nicht traurig machen, und überhaupt, wo sollte sie anfangen, wo aufhören…?
Ehe Linalee zu einer Entscheidung gekommen war, schloss Daylight, Chardíms Tante, zu ihnen auf. Sie wirkte vollkommen aufgekratzt, und die erste Reaktion der Schwarzen war es, den Kopf ein Stück einzuziehen. Beinahe automatisch schreckte sie von dem unerklärlichen Enthusiasmus der Fähe zurück – und außerdem sah sie irgendwie… wild aus. Sie brachte selbstverständlich kein Wort heraus, und anstatt zu nicken, blickte sie mit großen Augen zu Tyraleen herüber. Es war uns doch Recht, nicht wahr? Oder nicht? Unsicher wandte sie sich wieder an Daylight, dann erinnerte sie sich, darauf zu achten, wohin ihre Pfoten traten, und starrte rasch wieder schnell auf den unebenen Untergrund.

Während sie sich anfangs noch ein wenig vor Daylight gefürchtet hatte, kam Linalee nicht umhin, Tyraleens Schwester kurz darauf zu bewundern. Sie schien so unberührt von all dem schlechten, das hier geschah – von der Flucht, dem Erdezittern und dem Feuerspuckerberg. Das war auf seine ganz eigene Weise beeindruckend – und ein bisschen neidisch war sie auch darauf, dass die Ältere das alles mit so viel Optimismus sehen konnte. Und natürlich darauf, dass sie absolut nicht müde schien! Als die Weiße ihr Wort plötzlich an die sehr viel jüngere Fähe wandte, starrte diese einen Moment lang nur mit offenem Mäulchen zurück und bekam nicht ein Ton aus ihrer verflixten Kehle. Die Vorstellung, auf Daylights Rücken getragen zu werden, war… beängstigen. Sehr. Beängstigend. Sie kniff die Äuglein zusammen und schüttelte schnell den Kopf, dann griff sie nach ihrer Stimme und versuchte, sie irgendwie zu benutzen.

“De…d-dass ist n-nett, Daylight, w-wirkl-lich, aber… aber, ehm, a-also, i-ich…“, brachte sie stockend hervor und warf einen leicht verzweifelten Blick zu Tyraleen herüber, ehe sie deren Schwester dann wieder anstarrte, wie ein Kaninchen einen Falken, und ihre Stimme wurde fast ein Flüstern, als sie fortfuhr, “…i-ich, eh, m-m-muss doch st-stark sein… .“

Und mutig. Mutig! Nur dass sie es sein musste, bedeutete ja nicht, dass sie es war. . .


[inmitten des Rudels bei Tyraleen & Daylight || will es alleine packen]

Aszrem
16.11.2012, 10:39

Es hatte keiner weiteren Worte mehr bedurft, außer denen, die er in das Heulen Tyraleens mit einwob, und der verkündung des Aufbruchs. Seither hatte er sich mit Tyraleen nur noch gelegentlich über die Richtung verständigt, die sie halten wollten, oder welcher Weg sie am besten an einer Felsformation vorbei führte, die ihnen den Pfad versperrte.
Es war ihm nicht entgangen, wie schwer es der Weißen fiel, die Reviergrenze zu überschreiten. Aszrem selbst war dieser Schritt nur in sofern schwer gefallen, dass der Gedanke, Nerúi werde sie wieder finden, noch einmal in ihm empor stieg. Er hatte diesen Gedanken nicht abschütteln können, aber er ließ sich auch nicht anmerken, welche seelischen Schmerzen ihm dieser Schritt bereitete. Die Hoffnung, seine Tochter jemals wieder zu sehen, starb mit jedem weiteren Schritt, den er tat. Ihre Trennung war nun endgültig, und er konnte nur zu Engaya und Nyota beten, dass sie auch Nerúi Acht geben mochten.

So lief er nun stumm neben Tyraleen her und versuchte ihr die Stütze zu sein, die sie nun brauchte. Sie war Alphafähe und durfte sich nicht hängen lassen, sonst würde auch das Rudel Stück für Stück verzweifeln. Sein Gang war aufrecht und selbstsicher, und auch wenn er früher niemals mit einem so großen Rudel gereist war, so kam doch mehr und mehr das Gefühl früherer Wanderungen in ihm auf. Unbekanntes Gebiet zu betreten war ihm nicht fremd, und er wusste, auf welche Zeichen der Natur er achten musste und wie sie zu deuten waren. Das war nicht schwer zu lernen, aber solange in den Köpfen des Rudels der Verlust über die Heimat noch so vorherrschend war, würde er verstärkt darauf achten müssen. Da war es auch kein Problem, dass Tyraleens vorranggigstes Anliegen war, Averic zu finden. Jede Richtung war im Moment so gut wie die andere, und gerade Aszrem würde ihr den Versuch, ihren Gefährten zu finde, nicht verweigern.
Neben ihm ließ sich die Weiße ein wenig zurück fallen, um sich um Linalee zu kümmern. Aszrem dagegen beschleunigte sogar noch ein wenig seinen Schritt, um ein wenig die Rolle der Vorhut zu übernehmen. Da das Tempo des Rudel nicht allzu schnell war, waren seine Läufe noch nicht müde und auch das Seitenstechen, dass er sonst schon von seinen schnelleren Läufen kannte, hatte noch nicht eingesetzt. Nur sein Atem ging noch etwas schwerer als sonst, von all dem Ruß, der in der Luft gelegen hatte.


[Rudelspitze | etwas hinter sich Tyraleen und Linalee]

Krolock
16.11.2012, 13:21

Keuchend und hustend – er hörte fast nicht mehr damit auf – folgte er dem Rudel. Wie ein artiges Schaf, nur dass er eben keines war. Er war der Wolf unter den zahmen Herdentieren. Eigentlich war seine Existenz schon eine Bedrohung für sich, für jedes Schaf, das den anderen Schafen folgte. Aber der Rüde war nicht nur der Jäger seiner Beute, er war auch der Henker seiner Artgenossen. Und die waren Schafe und Wölfe und doch wieder nur Schafe.
Seine Pfoten hatten ihn langsam an den Rand der Gruppe getragen, je größer die Distanz zu einem einzigen, kleinen Leben wurde. Das war okay, Krolock war gut darin, diesen Abstand zu ignorieren. Womit er nicht rechnete, war, das die Verbindung abriss. Ein bedrohliches Grollen drang aus seinem Fang und ging vermutlich unter, zwischen all den schwerfälligen Schritten. Eine naive Frage schlich sich in seinen Kopf: Was hatte Nihil nun wieder angestellt?
Der Rest in ihm und von ihm kannte die Antwort längst. Der schwarze Rüde blieb stehen, hustete noch einmal und wandte den Blick ab, obwohl ihn vermutlich keiner beobachtete. Nicht so abseits, wie er lief. Ein Zittern ging durch den sonst so hart gewordenen Körper, der Tag ein Tag aus nur danach gestrebt hatte, stählern und unbesiegbar zu werden. Wie dumm. Er hätte sich besser gezwungen, nur liegen zu bleiben... nein, falsch, er hätte das Revier verlassen sollen, als er noch nicht dazu gezwungen war.
Die Augen loderten gleich der Flammen des feuerspeienden Berges auf. Das Blau machte einem dunklen Rot platz, als hätte sich Blut hinein gemischt und würde es nun ausfüllen. Der schwarze Rüde richtete sich auf und ließ den getrübten Blick schweifen, als hätte jemand ihm einen einzelnen Befehl erteilt.
Und schon stürzte er los. Seine Pfoten wussten, wohin sie treten mussten und wohin sie den Rüden tragen mussten. Sie wussten es, weil er wusste, wo die weiße Wölfin lief, auch wenn er ihren Schritt nicht überwacht hatte. Wohlweislich war er ihr eher ausgewichten, was untypisch war. Dennoch war ihre Gegenwart in seinem Unterbewusstsein tief verankert.
Mit ausladenden Sprüngen und ganz gleich, wer ihm unwahrscheinlicherweise in den Weg kam, preschte er auf Caylee zu. Als er sie entdeckte - mit den Augen erfasste - bremste er nicht, stürzte nur sogleich in vollem Lauf auf sie zu, um seine Zähne irgendwo in ihr Fleisch zu schlagen. In diesem Augenblick flog er direkt auf ihre Schulter zu.


[Erst allein, dann im Sturzflug auf Caylee]

Shani Caiyé
17.11.2012, 11:36

Das Tal der Sternenwinde zu verlassen war für Shani wie das Zurücklassen der Vergangenheit. Dieses Tal war immer Hiryogas Tal gewesen, hier hatte seine Familie gelebt und auch wenn sich die Weiße mit ihren gemeinsamen Welpen einen Platz darin geschaffen hatte, so war es doch immer Hiryogas Familie geblieben. Hiryogas Tal, Hiryogas Familie, Hiryogas Leben … das sie nicht mehr teilen konnten, weil er tot war. Jetzt ließ sie all das zurück und einerseits spürte sie die leise, hoffnungsfrohe Energie des Neubeginns, andererseits war da diese tiefe Trauer. Jede Erinnerung an ihren ehemaligen Gefährten würde zurückbleiben, lediglich in seinen Kindern und Enkelkindern blieb er weiter existent, aber erstere dachten wohl kaum mehr an ihn und zweitere kannten nicht einmal seinen Namen. Es war allein Shani, die ihn nie losgelassen hatte. Bis jetzt. Vielleicht würde jetzt alles anders werden, vielleicht würde ein neues Leben beginnen können. So wie Jumaana es wohl geschafft hatte, zumindest wünschte Shani es ihr so sehr, dass es der Weißen gar nicht schlecht gehen konnte. Sie hatte in der Fremde ein neues Leben begonnen und das würde Shani nun ebenfalls versuchen. Mit dem gleichen Rudel, sicherlich, das war etwas anderes, aber anders als Jumaana hatte sie noch ihre eigenen Kinder und Enkelkinder, die sie nicht einfach im Stich lassen konnte. Gerade jetzt, wo sie diese anstrengende Wanderung überstehen mussten. Wäre Shani nicht selbst so erschöpft, hätte sie sich sicherlich auf die Suche nach einem der Kleinen gemacht, so aber schleppte sie sich noch mit gesenktem Kopf und schweren Atemzügen voran. Vieles lastete in diesen Momenten auf ihrer Schulter, nicht nur die Anstrengung und die eingeatmete Asche, sondern auch die vielen Bilder von Hiryoga, die sie manchmal dazu bringen wollten, einfach umzukehren und zurück zu stürmen. Dieses neue Leben klang verlockend, aber es bedeutete auch, den Braunen zurückzulassen und das brachte sie kaum übers Herz.
Wie könnte es auch anders sein, dass ihr gerade jetzt wieder der Geruch von Hiryoga so deutlich in der Nase lag? Schon so oft hatte sie ihn an den unmöglichsten Stellen gerochen, hatte manchmal unauffällig nach ihm Ausschau gehalten um sich dann zu schämen, nachdem seine Witterung genauso schnell wieder verflogen wie sie aufgekommen war. Dass er sie nun begleitete, schien nur richtig und doch schmerzte es die Weiße. Er roch süßlich und vertraut, auch wenn einige seltsame, neue Nuancen mitschwangen und etwas fehlte. Er war nicht der Geruch, den sie so gut kannte – er war etwas verändert, irgendwie neu … realistischer. Shani hob den Kopf und sah sich unsicher und irritiert um. Die anderen Wölfe schienen nichts zu merken und kümmerten sich auch nicht um sie. Noch einmal sog sie die eiskalte Luft tief ein und jetzt wurde ihr fast ein wenig schwindelig. Seine Witterung war so deutlich, lag überall um sie herum in der Luft und doch war es nicht ihre Erinnerungswitterung. Jetzt blieb die Weiße stehen und wandte sich um – in die Richtung, aus der Hiryogas Geruch zu ihr geweht wurde. Einige Wölfe zogen an ihr vorbei und dann sah sie mit einem Mal Isaí auftauchen, der ganz eindeutig auf sie zusteuerte. Er strahlte und hinter ihm lief … Shani verbot sich den Gedanken. Das konnte nicht sein, das konnte einfach nicht … Hiryoga sein. Aber alles an diesem Wolf war wie in ihrer Erinnerung. Die grünen Augen, die nur einige Nuancen heller waren, als ihre eigenen. Das wild gemusterte Fell aus Braun, Weiß und Schwarz. Und die Art wie sein Blick auf ihr lag, wie nur er sie angesehen hatte. Auch wenn jetzt viele Fragen in diesen grünen Augen standen und einige Bewegungen von ihm fremd wirkten. Das war Hiryoga und doch konnte er es nicht sein.
Isaí hatte sie mittlerweile fast erreicht, rief ihr fröhlich entgegen, erzählte von einem Bruder von Kisha und sprang kurz an ihr hoch. Shani war so schwindelig geworden, dass sie dieser liebevollen Begrüßung kaum standhalten konnte, musste einen raschen Ausfallschritt nach links machen, um nicht zu stürzen. Und sie konnte den Welpen nicht beachten, konnte ihren Blick nicht von dem Wolf nehmen, der Hiryoga zu sein schien. Der Bruder von Kisha … aber es konnte nicht sein, es konnte einfach nicht sein. Sie hatte gesehen, wie er ins Nichts gestürzt war, vor unsagbar langer Zeit.

“H … Hi … Hir …“

Sie stotterte unverständlich, konnte den Namen nicht aussprechen, in der wahnsinnigen Angst, dass das dieser gerade angefangene, kaum mögliche Traum zerplatzen würde. Er konnte es einfach nicht sein, er war tot. Und doch wollte ihr Herz zerbersten und ihr Körper ihm entgegenstürzen, um sich an ihn zu drängen und alles in ihm aufzusaugen, um ihn nie wieder hergeben zu müssen.


[ am Ende des Zuges | Isaí und Hiryoga ]

Caylee
17.11.2012, 11:58

Caylee war ein bisschen schlecht und sie hatte noch viel schlechtere Laune. Ihre Schulter schmerzte von dem langen Laufen, ihre Lungen schmerzten von dem vielen Atmen und ihr Herz schmerzte von dem Wissen, ihre Heimat zu verlassen. Die Fremde, die sie empfangen hatte, war nicht direkt unfreundlich gewesen, aber Caylee hatte das Tal selbst verlassen wollen – nicht im Zwang und mit dem gesamten Rudel. Sie hatte oft genug davon geträumt, Neruí suchen zu gehen, aber jetzt liefen sie in die vollkommen falsche Richtung und in dem üblichen Haufen aus wenigen tollen und vielen ätzenden Wölfen. Da wäre sie doch lieber geblieben, in ihrem vertrauten Heim, in dem sie sich ihre Rückzugspunkte suchen konnte. Hier mussten sie zusammen bleiben, den Anschluss nicht verlieren. Ihr kam nicht in den Sinn, dass sie auch einfach umkehren und nach Süden laufen könnte … aber das war typisch Caylee. Sie würde es nicht übers Herz bringen, Parveen, Avendal, Cirádan und auch ihre Mutter und … Krolock … zu verlassen. So rebellisch und wütend sie auch dachte, ihr Herz war an diese Familie gekettet, sie war ein Sternenwind.
Unglücklich, missmutig und mit gesenktem Kopf stapfte sie vor sich hin. Sie hatte alle ihre vorherigen Begleiter verlassen oder sich verlassen lassen. Krolock war irgendwann abgedampft, von Parveen und Cirádan hatte sich die Weiße in ihrer schlechten Laune entfernt und war nun wieder so unwillig mürrisch, dass sie sich nicht einmal umsehen wollte um zu sehen, wo die beiden denn liefen. Sie war wieder in ihrer eigenen, kleinen, einsamen Welt aus schlechter Laune und unausgeführter Rebellion. Trotzdem fiel es ihr auf, dass sich ein ganz besonderer Geruch rasch näherte und bald war das Geräusch von schweren Pfoten auf Stein nicht mehr zu überhören. Sie hob leicht den Kopf und sah sich um, erkannte Krolock ziemlich schnell wie er mit einem eigenartigen Gesichtsausdruck auf sie zu kam. Vieles daran war merkwürdig. Zunächst natürlich sein Blick, wobei sie erst einige Sekunden später registrierte, dass etwas mit seiner Augenfarbe nicht stimmte. Dann seine Bewegungen, die zwar so aussahen wie die üblichen wahnsinnig schnellen und gezielten Sprünge des Schwarzen, jedoch scheinbar in Zeitlupe ausgeführt wurden. Und ein wenig taumelnd waren sie auch. Fast hatte sie den Eindruck, eine Krolockparodie vor sich zu haben. Nur fehlte der Witz. Vor allem, weil der Schwarze nun sein Maul aufriss und mit seinen nicht unbeeindruckenden Reißzähnen auf ihre Schulter zielte. Caylee hatte dank der unüblich langsamen Bewegungen keinerlei Probleme auszuweichen und ließ den Schwarzen ins Leere springen – vermutlich hätte er ihre Schulter sowieso verfehlt, denn sein Sprung war doch deutlich nach links abgedriftet, als würde der Schwarze in der Luft schwanken. Die Weiße musterte ihren Antifreund skeptisch und ziemlich abschätzig, hob dann eine Lefze und brummte übellaunig:

“Was soll der Quatsch, Krolock? Geht’s dir gut? Du wirkst merkwürdig. Hast du eine Wurzel gefressen?“

Sie erinnerte sich an den Vorfall mit der Wurzel nur noch ziemlich dumpf, war sie doch damals noch ein Welpe gewesen und abgesehen davon hatte das alles sowieso wie ein Traum gewirkt. Aber als sie die Wurzel angeknabbert hatte, waren merkwürdige Wölfe um sie herum gesprungen, sie hatte sich nicht mehr richtig bewegen können und oben war unten und links war rechts gewesen. Ein bisschen so wirkte Krolock jetzt auch. Nur dass er sie hatte anfallen wollen, darauf wäre sie damals ganz bestimmt nicht gekommen. Sie war allerdings auch nicht Krolock.


[ am seitlichen Rand des Rudels | Krolock ]

Krolock
17.11.2012, 12:35

Der Sprung des schwarzen Rüden ging ins Leere. Warum war schwer zu sagen, aber daran wurde auch kein Gedanke verschwendet. Er wirbelte herum, um sein Opfer erneut anzuvisieren. Die Lefzen entblößten die Zähne gänzlich, sodass es schwer fallen würde, den Angriff als Ausbruch schlechter Laune abzutun. Sein Gesicht war zu einer dämonischen Maske verzerrt und die roten Augen lagen ohne jede Gemütsregung auf der weißen Wölfin. Zwischen ein drohendes Knurren mischten sich ein paar Atemzüge der Schweratmigkeit, aber das schien ihn nicht daran zu hindern, nach dem Fleisch und dem Blut der jungen Fähe zu gieren.
Geifer tropfte aus seinem Maul, während er neuerlich eine taumelnde Bewegung auf sie zu machte. Mit jedem Schritt wurde sein Lauf zielsicherer, als gäbe es nichts wichtigeres, als sein Opfer so schnell wie möglich in Stücke zu reißen.
Grollend riss er neuerlich seinen Fang auf, um sein Werk zu vollenden. Er wollte die Kehle und er wollte das Blut schmecken, das warm und saftig über seine Zunge laufen würde. Der Puls würde in seinem Griff schwächer werden und ihm den Sieg bringen. Sein Opfer wehrte sich nicht, hatte sogar den Nerv, etwas zu sagen, statt davon zu laufen. Störte ihn nicht, so ging es schneller.
Seine Zähne zielten dieses Mal auf den Hals, wieso auch die Schulter? Er brauchte das Subjekt nicht mit Schmerzen lähmen, er musste es einfach nur ausschalten. Warum sein Angriff wieder daneben ging, verstand er nicht. Es trieb ihn nur zu noch größerer Raserei an. Auf merkwürdige Weise schien der mittelgroße Rüde ein bisschen zu wachsen – oder vielleicht auch nur sich aufzurichten, zu einer Größe, die ihn eigentlich ausmachte. Der Blick wirkte seelenlos, wie tot. Kein Gefühl neben dem Zorn über die Wendigkeit der Wölfin, nichts außer blanker Wut gegen alles.
Er startete einen erneuten Angriff und dieses mal war es ihm egal, wohin er traf, solange er nur Fleisch zu fassen bekam und Blut schmecken konnte. War die Wunde groß genug, die er reißen konnte, reichte das schließlich auch, um das Leben auszulöschen.


[Bei Caylee, Rand des Rudels]

Malik Hikaji
17.11.2012, 14:29

Vorhin war es doch noch so heiß gewesen. Das Feuer des Berges lag nun längst hinter ihnen und auch der Rauch hatte sich verzogen. Dennoch war Malik noch immer eher aschfarben als weiß. Es verwunderte niemanden, dass ihm das im Augenblick mehr als gleichgültig war, doch wenn der kleine, sehr auf sein Aussehen fixierte Rüde nicht mehr darauf achtete, dass sein Fell schön weiß war, stimmte etwas ganz gewaltig nicht. Und so war es auch. Es war nicht das Verlassen ihres Zuhauses, das ihn so mitnahm. Im Normalfall wäre er aufgeregt gewesen und hätte sich über die Neuerungen gefreut, ein riesiges Abenteuer! Aber nun flohen sie aus ihrem Tal der Sternenwinde, weil es nicht mehr das war, als das sie es kannten. Es war zu einer gefährlichen, lebensfeindlichen und kahlen Ebene geworden, in der sie nicht bleiben konnten. Also wanderten sie, für Malik gefühlt schon seit einer kleinen Ewigkeit, durch raues Gestein und unfreundlich aussehende Berglandschaften, die ihm nicht so vorkamen, als würden sie ein schöneres Zuhause abgeben als das nun zerstörte Tal. Es war unwirtlich, eisekalt und ohne Leben. Zitternd setzte der Welpe eine Pfote vor die andere und blickte apathisch zu Boden. Immer wieder hustete er leise, der Rauch schien immer noch in ihm zu stecken und seinen Hals rau zu machen. Kopf und Läufe schmerzten ihn und er war entsetzlich müde. Aber das war ja kein Wunder, so lange wie sie schon liefen. Dazu kam die beißende Kälte, mit der sein Körper nicht umgehen konnte. Langsam machte sich bemerkbar, dass sie Herbstwelpen waren, viel zu spät geboren und in eine Zeit hinein, die ihnen keine Chance geben wollte. Malik war nicht klapperdürr, aber in den letzten Wochen war er merklich langsamer gewachsen als seine Geschwister. Er war kleiner, weniger kräftig und bemuskelt, weniger widerstandsfähig. Keine tollen Voraussetzungen, um jetzt mit dem ganzen Rudel ein neues Zuhause zu suchen. Gerade jetzt, wo der Winter über sie hereinbrach und mit aller Macht zeigte, warum er die meist gefürchtetste Jahreszeit war.

Dennoch war Malik entschlossen, durchzuhalten, bis sie alle eine Pause einlegten. Woher er diese Entschlossenheit nahm, wusste nicht einmal er selbst, zumal ihm ein Verlust schwer zu schaffen machte. Madoc hatte das Rudel nicht begleitet, er wusste nicht, wo sein Pate war. Und als wäre es ein Omen, hatte er es nicht mehr geschafft, seine Muschel vor dem wütenden Berg zu retten. Patengeschenk und Pate waren zurückgeblieben. Und damit auch sein kleiner weißer Freund in der Muschel, der nun den Flammen zum Opfer fallen würde. Malik schluckte und senkte die Schnauze noch weiter zu Boden, wimmerte kaum hörbar. Doch er war zu erschöpft, um über das Schicksal seiner beiden verlorenen Freunde nachzudenken, zu müde um sich bewusst zu werden, dass sie beide zu Sternen werden würden. Das würde später kommen, wenn er Zeit hatte, um sich ein wenig zu erholen. Nun konnte er nicht einmal sagen, welche Wölfe in seiner unmittelbaren Nähe liefen, ob er sich am Anfang, der Mitte oder dem Ende seiner Familie befand und ob sonst noch jemand fehlte. Im Moment taumelte er einfach vorwärts, weil alle das taten. Weil sie alle von ihrer Heimat weg strebten und er folgen musste, um sie nicht zu verlieren.


{ allein irgendwo zwischen den Anderen }

Hiryoga
17.11.2012, 16:40

In einem zügigen Trab liefen sie los, auch wenn dies für Isaíah ein wenig zu schnell war, so wollte Hiryoga doch möglichst schnell zu Shani und endlich mit ihr reden, außerdem mussten sie das Rudel einholen. Deutlich konnte er seine Gefährtin riechen, immerhin waren sie hier lang gekommen und mit jedem Schritt den er machte, wurde dieser intensiver, süßlicher, vertrauter. Ohne es zu merken beschleunigte er ein wenig, ganz besonders als sein Enkel losstürmte.
Schon als das Rudel in seinem Blickfeld aufgetaucht war, hatte er Shani direkt ausgemacht, ihre schlanke und schmale Gestalt war in dem Rudel der Hünen nun einmal schnell gefunden. Unmerklich wurde sein Schritt langsamer, sein Herz begann lautstark in seiner Brust zu pochen und er spürte das Blut in seinen Adern fließen. Da war sie, seine wunderschöne, liebevolle Gefährtin, die er anscheinend eine ganze Zeit lang nicht mehr gesehen hatte. Sein Blick ruhte nur auf ihr, dem weißen, dichten Pelz und ihrem Gesicht mit den tannengrünen Augen. All die Fragen waren für einen Moment vergessen, die Hoffnungslosigkeit existierte jetzt nicht mehr, all die Angst und Fragen waren verschwunden, Shani hatte ihn wieder voll im Bann.
Der Braune blieb ungefähr zehn Wolfslängen von ihr entfernt stehen und betrachtete sie weiterhin. Sie schien fassungslos, aber wer konnte ihr das verübeln? Sein Körper schien all den Schmerz vergessen zu haben und Hiyo stürmte auf sie zu und blieb direkt vor ihr stehen. Seine smaragdfarbenen Augen fixierten ihre tannengrünen Augen. Die Ohren waren an den Kopf gelegt und seine buschige Rute pendelte freudig hin und her. Jetzt wo er vor ihr stand, merkte er wieder, wie klein sie wirklich war und wie zierlich. Er drückte seine Schnauze in ihr weißes Fell, sog den lieblichen Geruch auf und schob seine Schnauze durch ihr Fell hinauf zu ihrem Gesicht und begann ihr über die Schnauze zu lecken. Ein sachtes Fiepen verließ seine Kehle und er konnte seine Freude einfach nicht im Zaum halten, wie sehr sie ihm doch gefehlt hatte! All die Wölfe um sie herum waren vergessen und selbst den kleinen Roten neben ihnen hatte er für einen Moment unbeachtet gelassen.
Erst nach der sehr innigen Begrüßung ließ er von Shani ab und sah zu Isaíah. Er lächelte, senkte seinen Kopf und schleckte auch ihm einmal über das Gesicht.

„ Du bist wirklich ungeduldig!“, Hiryoga lachte und stupste Isaíah mit der Nase in die Seite, ehe er sich wieder Shani widmete und seinen Kopf an ihren drückte.

„Shani…ich…“, doch er wusste nicht, was er ihr sagen sollte, da war viel zu viel, was gesagt und gefragt werden musste, doch all das würde nur den Moment zerstören, einen Moment, den er am liebsten nie enden lassen würde.



[Mit Isi und Shani, am Ende des Rudels]

Isaí Caiyé
18.11.2012, 12:06

Nur kurz huschte ein besorgter Ausdruck über seine Züge, als Shani zur Seite stolperte, als er an ihr hochsprang, doch im nächsten Moment hatte sie sich wieder gefangen, wennschon es dem Kleinen widerstrebte, dass sie seine Begrüßung so ganz und gar nicht erwiderte. Doch um tatsächlich gekränkt zu sein, war er viel zu aufgeregt wegen des neu aufgetauchten Onkels, den er ganz allein gefunden hatte. Und außerdem wusste er ebenso gut, dass sie alle müde waren, denn auch seine neu gefundene Kraft aufgrund der Aufregung erstarb allmählich und machten seinen Kopf wieder frei für die schmerzenden und müden Läufe, die er so gut es ging verdrängen musste. Ebenso wie das Drehgefühl in seinem Kopf, welches selbstverständlicher Weise nach dem kleinen Sprint und dem Hüpfer wieder zugenommen hatte. Doch auch dieses Gefühl beschränkte sich nach einem kurzen Moment mit geschlossenen Seelenspiegeln wieder auf ein leichtes Schwindeln, das er wunderbar ignorieren konnte. Sein Blick taumelte von seiner Oma Shani hin zu dem braunen Wolf, während seine Rute leicht pendelte und er sich neben seiner Oma so ausrichtete, dass er dem Fremden entgegensehen konnte, während er ein paar Wolfslängen entfernt stehen blieb. Zumindest schien er nicht gelogen zu haben, denn nach Shanis Reaktion zu urteilen, erkannte sie ihn tatsächlich, wenn sie der ganzen Sache wohl auch nicht trauen wollte. Fragend schielte er zu ihr hoch, legte den Kopf leicht schief und spähte dann ein weiteres Mal an dem Braunen vorbei, während seine Ohren sich nach hinten drehten. Kisha hätte sich sicherlich auch gefreut, ihren Bruder wieder zu sehen. Doch von ihr war weit und breit keine Spur. Doch Shanis leise Stimme riss ihn aus diesen Gedanken und er warf das Haupt schleunigst herum, als hätte man ihn fast bei etwas Verbotenem erwischt. Er wusste nicht genau, weshalb sie so verwirrt schien, so ungläubig und spielte unsicher mit den Ohren.

„Ja, hier. Er sagte, er hätte den Anschluss verpasst und wäre uns gefolgt.“, erzählte er ein weiteres Mal und schenkte ihr ein Lächeln.

Und schließlich änderte sich die Situation und der Rote machte einen Satz zurück, als der Braune plötzlich auf sie zugestürmt kam. Irritiert beobachtete er die Begrüßung zwischen Shani und ihm, die eben noch so distanziert gewirkt, nun aber mehr an seine Eltern erinnerte. Er blinzelte, zögerte und drängte sich schließlich wieder an Shanis Läufe heran. Er wusste, dass man andere nicht unterbrach, weil es unhöflich war, doch den stummen Protest fand er dann doch angebracht, um sie daran zu erinnern, dass er auch noch da war. Er drängte sich nicht zwischen sie, so weit ging er nicht und auch sah er davon ab, sein Tun wirklich als ‚unterbrechen‘ zu sehen. Die großen Lauscher schnippten unschlüssig, als der Braune sich wieder kurz an ihn wandte, doch er schwieg und beobachtete weiterhin das Szenario, bis sein Blick den vorbeilaufenden Wölfen folgte.

„Wir dürfen nicht stehen bleiben…“, erinnerte er seine Oma schließlich und berührte sie drängend an der Schulter. Fremder hin, Fremder her! Nicht stehen bleiben, so lautete sein Versprechen.


{ weiter hinten im rudel | shani caiyé, hiryoga }

Sheena
18.11.2012, 21:32

Dankbar hatte die weiße Fähe ihren Alphas ein Lächeln zugeworfen, ehe sie sich umdrehte. Die dichten Rauchwolken erschwerten ihr die Sicht und ließen ihre Augen tränen. Wohlwissend, dass der Rauch ihr schwer schaden konnte – einmal hatte sie tief eingeatmet und es bitterlich bereut – atmete sie möglichst flach und so wenig wie möglich. Langsam ließ sie in Richtung ihrer Familie, sehen konnte sie keinen ihrer Liebsten. Riechen auch nicht. So dauerte es einige Zeit, bis sie sich orientiert hatte, doch schließlich war sie sich sicher, dass sie auf dem richtigen Weg war. Abgelenkt durch ein Gefühl welches in ihr aufbrandete, blieb sie stehen und änderte ihre Richtung. Irgendetwas war geschehen. Sie war sich sicher, auch wenn sie nicht sagen konnte was es war. So kam sie nicht bei ihrer Familie an, irrte durch die Rauchschwaden in der Hoffnung eine Antwort auf ihre Sinnesempfindung zu finden. Lange Zeit irrte sie über den Rudelplatz und die nähere Umgebung. Erst später sollte sie erfahren, dass Nihilius nicht mehr unter ihnen weilte und Hiryoga zurückgekehrt war. Vorerst konnte sie sich ihre impulsive Handlung nicht erklären. Nach einigen Stunden beschloss sie ihre Suche zu beenden um zu ihrer Familie zu schauen. Gerade auf dem Rückweg erklang Tyraleens Ruf, sie würden aufbrechen.
Erschrocken blieb Sheena wie angewurzelt stehen. Wohin sollten sie denn gehen? Sie war noch niemals außerhalb des Tals gewesen, außerhalb dieses Reviers. Tyraleen ebenso wenig. Wie sollten sie als Alpha und Beta ihr Rudel führen, wenn sie sich dort draußen in der fremden Welt kein bisschen auskannten?! Wehmütig erinnerte sie sich an die Betafähe vor ihr. Kaede die ihr immer so weise erschienen war. Zwar war die Fähe blind gewesen, aber das hatte sie nicht davon abgehalten die Betaposition im Rudel zu übernehmen. Außerdem war die graue Fähe sehr weit rumgekommen. Sie hätte sich nun viel besser in dieser Position gemacht, hätte sie an ihrer Weisheit teilhaben lassen können. Andererseits gab es genügend Wölfe die nicht schon immer im Tal der Sternenwinde lebten. Oder musste sie sagen, gelebt hatten?! Dennoch war Tyraleen mit Aszrem zusammen für das Rudel verantwortlich. Und auch sie in der Position des Beta trug einen Teil der Verantwortung auf ihrer Schultern. Ein Schauer durchlief das aschebedeckte Fell der Weißen. Langsam erst fand sie die Kraft um ihre Pfoten wieder voreinander zu reihen und zu dem sich versammelnden Rudel zu laufen. Tyraleen und Aszrem setzten sich an die Spitze, die Wölfe reihten sich in Grüppchen dahinter. Sie versuchte einen Blick auf ihre Familie zu erhaschen, ihre Welpen, ihren Geliebten. Doch sie konnte sie im Dunst des Rauches nicht ausmachen. Verzweiflung überrollte sie und sie tat sich schwer damit abzuwarten. Sie hatte beschlossen sich ans Ende des Rudels zu gesellen. So konnte sie etwaige Nachzügler antreiben oder sie unterstützen, wenn sie nicht mehr weiter können zu glaubten. Es sollte niemand zurückfallen. Gleichzeitig wollte sie die Ränder der Gruppe beaufsichtigen. Eine große Last die sie sich nun aufgeladen hatte!
Mit einem kurzen Heulen teilte sie Tyraleen und Aszrem mit, dass sie sich am Ende positioniert hatte. Nun lief auch sie wieder, schräg hinter Chivan und Malicia. Doch sie bekam nichts von deren Gespräch mit, viel zu sehr war sie damit beschäftigt auf das Rudel zu achten. Vielleicht würde Jakash ja zu ihr stoßen, er wusste nun schließlich wo sie war. Und je weiter sie liefen, desto klarer wurde der Himmel und desto deutlicher war zu riechen, dass sie der Fährte Averics folgten. Doch ihn würden sie gewiss nicht einholen können. Ein einzelner Wolf war um einiges schneller als ein Rudel dem auch noch kleine Welpen beiwohnten. Und welches sichtlich geschwächt von den Strapazen der letzten Stunde und Tage war. Sicherlich hatte der Rauch einigen Wölfen schwer zu schaffen gemacht. Sie konnte nur hoffen, dass es niemanden allzu schlimm erwischt hatte. Dankbar wand sie den Blick gen Himmel. Das Blau erschien ihr so klar und so eisig zugleich, dass sie sich nicht sicher war, ob sie dies als gutes Zeichen deuten konnte. Doch sie dankte Engaya dennoch für das großartige Rudel in welches sie hineingeboren wurde. Sie war sich sicher, dass ihre Paten und auch der Rest der Großfamilie welche ihr von Jakashs Seite aus mitgegeben worden war, gut auf ihre Welpen aufpassen würden. Und bis jetzt war auch noch niemand zurückgefallen. Überraschenderweise war auch Sheena noch nicht erschöpft. Zumindest nicht körperlich. Nur geistig schien sie ein wenig überfordert zu sein. Doch dieses Gefühl trug sie nicht nach außen. Sie gab sich als selbstbewusst und sicher, das Rudel sollte nicht merken, was für eine Angst ihr die Ungewissheit einjagte.



[Am Ende des Rudels.]

Malicia
19.11.2012, 18:46

Alles flog wie in einem Sog an ihr vorbei. Die Stimmen um sie herum verschmolzen zu einem einzigen, leisen Geflüster… die Landschaft schien immer gleich auszusehen, egal wie weit sie nun schon gewandert waren. Im Grunde gab es daran auch nichts auszusetzen, aber es war ein wahnsinnig lästiges Gefühl nicht zu wissen worüber sich gerade unterhalten wurde oder wie weit sie schon gekommen waren. Ab und zu versuchte die schwarze Wölfin den Kopf zu heben und etwas aus den Konversationen aufzuschnappen, gab jedoch meistens nach einigen Minuten wieder auf. Scheinbar wollte ihr Kopf ihr diesen Gefallen heute nicht tun und so lief sie weiter stumm vor sich hin, folgte den dunklen Silhouetten vor sich. Nur vereinzelt konnte sie Stimmen aus dem Wirrwarr an Lauten erkennen, wusste aber selbst dann nicht, wie weit dieser Artgenosse von ihr entfernt war. Es war ein schreckliches Gefühl sich nicht mehr auf seine Sinne verlassen zu können, so viel stand selbst für die Wölfin fest. Als sie dann auch noch völlig überraschend von der Seite berührt und angesprochen wurde war die Verwirrung komplett. Die Fähe zuckte merklich zusammen, zog ihre Lefzen leicht nach oben und ließ ein Knurren in ihrer Kehle aufsteigen; gleichzeitig machte sie einen Schritt zur Seite, verlor dabei aber beinahe das Gleichgewicht. Die Tatsache, dass ihr Körper sie dermaßen im Stich ließ machte die Tatsache nicht gerade besser, dass sie soeben von einem Artgenossen in dieser Art und Weise überrumpelt wurde. Ihre blauen Seelenspiegel huschten zu dem Fremden der es gewagt hatte die Barriere um ihren Körper zu durchbrechen. Blau traf auf blau und für einen Moment starrte sie den grauen Rüden einfach nur an, ehe sie die Ohren etwas unsicher flach an ihren Kopf legte.

“Mir geht es gut..“, log sie und nahm sich fest vor sich bei ihrer Stimme im Nachhinein dafür zu bedanken, dass sie sie in diesem Fall einmal nicht im Stich gelassen hatte.

Trotzdem spürte sie das Kratzen in ihrem Hals und den Schmerz, den ihr das Schlucken bescherte. Nein. Ihr ging es gar nicht gut, aber wer war dieser Rüde, dass ihn das überhaupt interessierte? Neugierig wanderte ihr Blick über den grauen Pelz des Rüden, sie hatte seine Stimme bereits an den ersten Tönen erkannt. Vor ihrem Aufbruch hatte er zusammen mit Tyraleen nach den Rudelmitgliedern gerufen. Warum hatte dieser Fremde schon nach so kurzer Zeit so guten Kontakt zu der Alphawölfin, denn dass er ein Neuling war stand außer Zweifel.

“Wer bist du?“

Ihre Stimme war kühl und tonlos, so wie es jeder von ihr gewohnt war, doch der Rüde konnte sich eine eigene Meinung bilden. Er selbst jedenfalls hatte sich nicht besonders beliebt bei ihr gemacht.. so einfach ihre Barriere mit einer leichtfertigen Berührung zu durchbrechen.. dabei wirkte er doch gar nicht wie ein Wolf der sich so etwas nicht zu Herzen nahm.. im Gegenteil. Sie seufzte und entschied sich dafür ihm eine Chance zu geben, schließlich war seine Absicht nur gut gewesen… woher sollte er denn wissen, dass sie von Berührungen nicht allzu viel hielt. Ihre eisblauen Augen ruhten für einen Moment auf seinem Antlitz, doch als er den Blick abwandte tat sie es ihm gleich. Er war seit langem der erste Wolf der sie mit seiner Statur überragte… schon allein diese Tatsache verleitete sie dazu immer mal wieder einen Blick auf ihn zu werfen..

“Ich hoffe es… ich weiß nicht wie lange mich meine Läufe noch tragen können..“

Bisher hatte sie sich noch nie einen anderen Körper gewünscht, ihre stattliche Größe brachte einiges an Vorteilen mit sich.. aber in Situationen wie diesen musste sie sich eingestehen, dass ein kleinerer und zierlicherer Körper kräftesparender wäre, denn obwohl sie nicht besonders schwer war, so kostete es ihr Herz doch mehr Kraft ihren gesamten Körper mit Sauerstoff und Blut zu versorgen... und ersteres fehlte ihr momentan in rauen Mengen. Die schwarze Wölfin schüttelte den Kopf, ihre wirren Gedanken hatten sie fortgetragen; sie musste sich konzentrieren..


{ Schlusslicht | Chivan }

Atalya
19.11.2012, 21:13

Atalya wußte nicht, was sie nun von ihrer Tante erwarten sollte. Was würde sie tun – wie würde sie sich verhalten, nachdem Atalya angedeutet hatte, sie anzugreifen? Sie selbst hatte keinerlei Kampferfahrung, wußte nicht, wie es da bei Daylight aussah. Jedoch schien ihre Schnelligkeit gereicht zu haben, so spürte sie den leichten Widerstand, sah noch, wie die Weiße kurz zurück taumelte. Aber schon im nächsten Augenblick beachtete die Graue ihre Tante nicht mehr, konzentrierte sich auf das Ziel, wegen dem sie nun in dieser Situation war. Selbst die Bewegung hinter ihr erging der jungen Wölfen, und genau das wurde ihr für den Moment zum Verhängnis. Sie spürte das Gewicht, welches auf einmal zusätzlich auf ihr lastete, wie ihre Pfoten diesem zusätzlichen Gewicht nachgaben, und sie im nächsten Moment fest im Nacken gepackt wurde. Grollend versuchte Atalya den Kopf herum zu reißen, mit dieser Bewegung noch blinder vor Wut, als zuvor schon. Sie knurrte, wandte sich herum, fletschte die Zähne, bereit für weitere Angriffe. Aber Daylight hatte sie fest genug gepackt, jedoch drangen die Worte der Weißen nicht mehr zu Atalya durch. Sie wirkten verschwommen, nicht wirklich real. Vollkommen in rage versuchte die Graue weiter, sich zu befreien, wollte den Moment nutzen, als ihre Tante locker ließ, wollte aufspringen, als ein weiterer Wolf vor ihr stand, mit altklugen Worten um sich schmiß, die Atalya in diesem Moment nicht hören wollte. Sie wollte von Niemandem etwas hören – alles was sie wollte, war ihrem Freund helfen. Ihn irgendwie davor zu bewahren, in den sicheren Tod zu laufen. Sie konnte sich nicht auf Kisha verlassen.
Auch Malicia, die sie für den Augenblick nicht als ihre Tante wahrnahm, bekam ein feindseliges Grollen zu hören, die Ohren der jungen Wölfen noch immer an den Hinterkopf geneigt. Vielleicht hätte sie es mit Daylight aufnehmen können, sie besiegen können. Die dunkle Wölfin, die nun bei ihnen stand, war jedoch größer. Atalya wußte nicht, wie sie war... und in diesem Moment konnte es der jungen Fähe egal sein. Es war unwichtig, genau wie Daylights Drang, sie beschützen zu wollen. Sie brauchte keinen Schutz, aber vielleicht brauchte Madoc in diesem Moment ihre Hilfe. Das leichte Zupfen an ihrem Fell ließ Atalya den Kopf herum reißen, Daylight ein tiefes Grollen entgegen schleudernd. Was bildete sich dieses Vieh ein?! Wollte sie sich nun wieder versöhnen und auf eine heile Familie machen? Atalya hob erneut die Rute, trat einen drohenden Schritt auf ihre Tante zu, ehe die Stimme ihrer Mutter an ihre Ohren drang. Sie rief sie zu sich – alle. Und man musste wohl kein Genie sein, um zu wissen, worum es gehen würde. Kurz richtete Atalya den Blick auf ihre Tanten, ehe sie sich abwandte, die Ohren weiterhin an den Hinterkopf geneigt, die Rute erhoben und die Zähne gefletscht. Sie sollten sie in Ruhe lassen – sie hatte kein Lust auf altkluge Räte ihrer Familie. So ließ sie ihre beiden Tanten mit einem weiteren, droheden Knurren zurück, achtete nicht mehr auf ihre Worte, auf ihre Gesten. Sie waren ihr so egal wie die Asche, die in ihrem grauen Pelz klebte.

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Eine bittere Kälte hatte die Überhand gewonnen. Der Ruf ihrer Mutter war das einzige gewesen, was sie nun hatte zurück halten können, was sie davon abgehalten hatte, nach Madoc zu suchen. Auch wenn die Hoffnung, den weißen Rüden wieder zu sehen, allmählich immer weiter schwand. Und nun, wo sie nicht zu ihm geeilt war, machte sich nur noch mehr das schlechte Gewissen in der Grauen breit. Sie wußte nicht, was sie hoffen, denken und fühlen sollte. Es schien, als würde jeder Gedanke einfach verschluckt werden, wie damals das Nichts, dass ihr aller Leben gefährdet hatte. Ohne es wirklich zu wollen, schweiften die Gedanken der jungen Fähe zu dieser Zeit zurück... jedoch konnte sie sich in diesem Moment nicht daran erinnern, dass jemand, der ihr etwas bedeutet hatte, damals sein Ende in dieser stillen Gewalt gefunden hatte. Wie wäre sie wohl damals mit solch einem Verlust umgegangen? Sie wußte es nicht, und so gut es ging, lenkte die Fähe die Gedanken wieder um, auch wenn der zentrale Gedanke blieb. Es ließ sich nicht verhindern, dass sie immer wieder an Madoc dachte, an Kisha, die noch nicht zurück war. Und mit jedem Schritt, den sich das Rudel von ihrer Heimat entfernte, schien auch sie sich von ihrem besten Freund zu entfernen. Es erdrückte sie, darüber nachzudenken, ihr blieb nicht einmal der Raum, um darüber nachzudenken, dass sie nun ihre Heimat, das Tal, in dem sie ihr Leben bisher gelebt hatte, verlassen muste. Würden sie wieder kommen? Oder würde sie vielleicht all diese Erinnerung mit diesem Tag hinter sich lassen können? Sie wußte, dass es vor allem Liam und Madoc gegenüber nicht fair war, aber es schien einfach so zu sein... dass Nichts wirklich fair war. Sie wußte nicht mehr, was sie noch in diesem Tal halten sollte. Immer wieder verloren Wölfe ihr Leben, hinterließen Lücken, die niemand wieder schließen konnte. Und Madoc schien ein weiteres Kapitel in ihrem Leben zu sein, welches sie schließen musste. Vielleicht sahen sie sich wieder... aber der stechende Schmerz in Atalyas Brust verriet ihr, dass jeder noch so kleine Funke Hoffnung in Asche erstickt werden würde. Es blieb ihr Nichts anderes übrig, als zu laufen. Egal wie lang, egal wie weit. Wenn sie all dies hinter sich ließ... vielleicht konnte sie dann vergessen?
Und so lief Atalya abseits, die Ohren eng an den Hinterkopf geneigt und den hellen Blick starr nach vorn gewandt. Sie wollte keine Gesellschaft, sie wollte keine Wölfe um sich herum haben, die ihren Schmerz sahen, ihre Zerrissenheit. Die Ungewißtheit, was nun noch geschehen würde. Und das machte sie nur zu deutlich klar. Sie hörte die Stimmen der Anderen, hatte ihre Gerüche in der Nase. Das reichte ihr. Sie wollte mit niemandem reden, irgendwie kam das Thema doch wieder auf Unangenehmes. Sie hatte kein Problem damit, allein zu sein. Vielleicht war es auch einfach besser für sie alle. Den Kopf hängen lassend blinzelte die Graue nicht einmal in die Richtung ihres Rudels, scherte sich nicht um das Gerede der anderen Wölfe. Es konnte ihr so egal sein... Erst, als sich ihr Schritte nährten, hob die Graue den Kopf an, legte die Ohren noch weiter zurück, die Lefzen zu einem stummen Knurren verzogen. Jedoch war es in diesem Moment jedoch schon zu spät, um wirklich reagieren zu können. Ein anderer Wolf – den sie zuerst nicht zuordnen konnte – rempelte sie an, entschuldigte sich fast mit dem selben Atemzug und fand dann noch weitere Luft für eine Frage, die der Grauen doch ein leises Grollen aus dem Fang entlockte. Ihr Nackenfell stellte sich automatisch auf, als der junge Rüde sich ihr in den Weg stellte, sodass sie ebenso stehen bleiben musste – jedoch erst, nachdem sie einen drohenden Schritt auf den Grauen zu getreten war.

Neu, TOLL und AUFREGEND?!“

Ein weiteres Grollen drang aus ihrer Kehle. Wie kam er auf SOLCH eine Idee?! Was war daran toll, dass sie ihre Heimat zurück lassen mussten, dass ein Feuer spuckender Berg ihnen Alles nahm? Woran fand er da etwas TOLLES?! Ein tiefer, zorniger Blick galt dem Rüden, der ihr noch immer im Weg stand. Sie kannte ihn, das wußte sie. Aber in diesem Moment machte sich die Graue keinerlei Mühe, ihn, seine Stimme und seinen Geruch zu erkennen.

Was ist hieran TOLL?! Geh mir aus dem Weg!“

Nicht, dass sie eine Antwort erwartete, denn schon im nächsten Moment bewegte sich die Wölfin einfach an dem Anderen vorbei, ohne ihn noch eines Blickes zu würdigen. Sie wußte, dass sie den selben Weg nehmen mussten – und sie rechnete fast damit, dass der helle Rüde ihr nun folgen würden. Aber es war ihr so egal, was er nun tat. Sie wünschte sich bloß eine Stille herbei, die ewig dauern sollte.


[Abseits des Rudels - Cirádan]

Amáya
20.11.2012, 21:07

Weiter stolperten sie nach Norden. Zwar wusste Amáya vom Rest des Rudels nicht viel, da sie im Moment nur sehr wenig Zeit fand sich mit ihrem Umfeld näher zu beschäftigen, doch sie stolperte fast alle Nase lang über Geröll oder ihre eigenen Pfoten. Und das sollte die sonst so unantastbar und vollkommen reserviert erscheinende Regentochter sein? Im Moment hatte sie keine Kraft und auch keinen Willen, eine Maske aufrecht zu erhalten. Es war nicht so, dass sie zerbröckelt war. Eher hatte die Tochter von Banshee und Acollon sie sanft abgenommen und mit einem müden Seufzen in die Ecke gelegt. Ihr Zeitgefühl hatte sich irgendwo im endlosen Schneckengewinde des Schwindels und des Wahnsinns verloren. Der rußige Atem des Feuerberges hatte sich tief ihren Hals hinab in ihre Lungen gequetscht. Sie fühlte sich wie gelähmt. Jedes Mal kostete es sie mehr Anstrengung die Pfote zu heben und ihren schlanken Leib, der nun von Asche verklebt war nach vorn zu hieven. Dabei musste sie mit dem Rudel mithalten. Sie durfte nicht alleine bleiben. Denn wenn sie zurückblieb, dann wäre das ihr Ende. Allein bei diesem blassen Gedanken griff schrecklichstes Grauen an ihr Herz und die regenblauen Seelenspiegel weiteten sich kurz panisch. Schon setzte sie ihre ziemlich wagen Schritte schneller auf den Grund dieser trostlosen Landschaft. Den Blikc starr geradeaus gerichtet blickte sie durch all ihre Familien- und Rudelmitglieder hindurch ins Nirgendwo. Bloß nicht zur Seite blicken und wenn auch alles andere dann auf keinen Fall hinter sich! Sie wünschte sich so gerne, einen warmen und ruhigen Ort zum Schlafen, aber es war verboten, sie verbat es sich strengstens diesem Wunsch nachzugeben! Wenn sie schlief, war sie so verwundbar. Weiter, weiter, weiter. Nicht zurückbleiben, sondern flüchten. Ihre Welt war in dämmrig rotes Licht getaucht, das wusste sie, auch wenn sie es nicht sah ( weil sie ihre Augen ja nicht von dem fiktiven Punkt in der Ferne abwandte, logisch ). Doch aus den Augenwinkeln erreichten Reize ihr vergiftetes Hirn, welche sie von der Schädeldecke bis zu der Rutenspitze erschaudern ließen. Glimmend rote Augen, wachsam und verzehrend auf sie gerichtet. Leises geflüster, wie eine undurchdringbare Wand des Rauschens erfüllte ihre Ohren und brachte ihr einen so schneidenden Schmerz in den Kopf, dass sie glaubte, jemand hätte ihren schmalen Schädel gespalten. Sie wollte nicht zuhören, aber sie konnte es nicht abstellen. Unaufhörlich, unerträglich, ohne Ende, schon so lange. Was war das für ein Knirschen in ihrem Kopf? Wenn sie die Worte verstehen würde, war sie sich sicher, würde es auch ihr Herz zerreissen. Jenes ausgeleierte, müde und abgekapselte Herz, welches so schlaff an den Arterien hing und kraftlos pumpte.

Nicht der Rauch allein war Grund ihrer misslichen Lage, auch wenn er sie anfällig gemacht hatte. Die Angst und der Schrecken, der sie erfüllte, wenn sie ihre tote Zwillingsschwester bei sich spürte war zurückgekommen, urplötzlich und so stark, wie schon seit einiger Zeit mehr. Das letzte Mal hatte es fast verheerende Folgen mit sich gebracht und sie hatte zwei junge Wölfe angegriffen. Im Moment konnte sie sich noch beherrschen, hielt sich davon ab, sich den verlockenden Rufen von Mayhem hinzugeben. Sie würde dieses Mal nicht so schnell aufgeben. Das Befremdendste und am meisten Selbstkontrolle Erfordendste war dabei, dass sie den kalten Atem ihrer Schwester direkt in ihrem Nacken spüren konnte. Eisig kalt brannte es da, vielleicht war dies sogar der Ursprung für diese schneidenden Kopfschmerzen? Solche Schwäche. Aber sie konnte dieses Mal ihrer Familie und sich selbst nur schlecht etwas vorspielen.

Ihre rechte Pfote blieb an einem größeren Stein hängen und sie taumelte unbeholfen kurz nach hinten. Ehe sie sich fangen konnte war sie in Sheena hineingestolpert. Verwirrt fasste sie den Boden fester unter ihre Pfoten und ihr Blick schwirrte zur Seite. Weißes Fell. Einige wenigen Sekunden der Panik in der sich die Seelenspiegel der Dreijährigen so beängstigend weitigten, dass man schong lauben musste, ihre Augeäpfel würden jeden Moment munter heruasspringen und zwischen den Felsbrocken davonkullern. Reflexartig zogen sich ihre Lefzen hoch und entblößten eine Reihe makellos scharfer Fänge. Ein Knurren bahnte sich seinen Weg ihre ascheverklebte Kehle hoch. Mayhem! Es hätte nicht wenig gebraucht und Amáya hätte die helle Fähe angegriffen, da sie nicht in der Lage war an eine andere mögliche Reaktion zu denken. Doch dann, als sie schon glaubte in die gefürchteten, blutroten Seelenspiegel blicken zu müssen, erstarrte sie und langsam erschlaffte ihr agressives Mienenspiel. Sie wirkte nur noch müde und verständnislos. Goldene Augen, nicht rote. Nicht Mayhem, aber auch nicht Tyraleen. Die einzigen Gedanken, die sie bei den erneut schneidend aufblitzenden Kopfschmerzen fassen konnte. Das Adrenalin hatte nur eine kurze Weile geholfen. Für einen Augenblick war sie stehengeblieben, ganz aus ihrem Verfolgungwahn und den Fluchtgedanken gerissen. Auch wenn der Gedanke an Mayhems Nähe ihr immer noch unerträglich nahe im Nacken hockte.


{ Sheena | Ende des Rudels }

Shani Caiyé
20.11.2012, 23:05

Als sich die Pfoten des bunt gemusterten Rüden zu bewegen begannen und schließlich auf Shani zu stürmten, konnte auch ihr eigener Körper plötzlich nicht mehr still stehen. Wie von selbst begann ihre Rute wild hin und her zu wedeln und ihre Läufe setzen zu einem kleinen Sprung an, den sie kaum ausführen konnte, so schnell war dieser Rüde, der Hiryoga war und nicht sein konnte, bei ihr. Seine Schnauze in ihrem Fell, die zärtlichen Berührungen, seine Zunge an ihren Lefzen … auch wenn es nicht sein konnte, er war es. Er war Hiryoga. Erst in diesem Moment schien Shani diese Tatsache endlich zu verstehen und zu akzeptieren, ließ Fragen und Unsicherheiten fallen und wurde zu der jungen Wölfin, die sie seit dem scheinbaren Tod ihres Gefährten für immer vergessen hatte. Ganz automatisch senkte sich ihr Vorderkörper nach unten, die Läufe leicht gespreizt, die schräg stehenden Tannenaugen wie zwei junge Keimlinge glitzernd. Sie forderte ihn zum Spiel auf, wartete aber nicht auf eine Erwiderung oder Bestätigung, sondern sprang den wunderbaren Rüden vor ihr frontal an, schlang ihm ihre Läufe um den Hals, hing halb auf seinem Rücken, zog ihn an beiden Ohren, gleichzeitig und nacheinander, strampelte mit den Hinterläufen, sodass sie schließlich über seine Schultern kullerte, vergrub sich in seiner Halskrause, landete vor ihm auf dem Rücken, robbte sich in welpischen Bewegungen an ihn heran, schnappte liebevoll nach jedem Fellbüschel, der in ihrer Reichweite war und ließ keine Sekunde ihren Blick und ihre Haut von ihm. Zwischendrin fiepte sie vor Freude und musste immer wieder mit der Nase und der Zunge in Hiryogas Gesicht landen, sog ihn auf wie ein vertrockneter Schwamm und blieb schließlich wie ein weißer Knäuel an und um ihn herum liegen.
Erst danach gestattete sie ihm Kopf wieder nachzudenken. Hiryoga hatte angesetzt etwas zu sagen, aber vielleicht hatte er keine Worte für diesen Moment gefunden. Auch sie selbst wusste nicht, ob es irgendetwas zu sagen gab. Natürlich würde sie irgendwann wissen wollen, wie er aus dem Nichts wieder auftauchen konnte, was in diesen endlosen zwei Jahren geschehen war, ob er wusste, wie sich die Welt verändert hatte. Aber jetzt war das noch nicht wichtig. Und außerdem … jetzt erst erinnert sich Shani auch wieder an Isaí. Ob er sich wohl fragte, was in seine Oma gefahren war? So benahm man sich wohl nicht als Oma. Aber sie war lange genug diese stets leicht deprimierte Fähe gewesen – jetzt erinnerte sie sich endlich wieder, wie sie wirklich war. Die Trauer hatte sie ernst werden lassen, ohne dass sie Ernsthaftigkeit je gekannt hatte.
Aber zurück zu Isaí – wie leicht sie sich plötzlich ablenken ließ – der arme Welpe hatte etwas zu ihr gesagt und danach hatte sie ihn ganz eindeutig an ihren Läufen gespürt und doch hatte sie das alles missachtet – missachten müssen! – denn ein unglaubliches Wunder war geschehen. Jetzt tat es ihr ein wenig Leid, sicher war Isaí so ein Verhalten von seiner Oma nicht gewohnt. Und außerdem wirkte er nun besorgt, erinnerte sie sogar daran, nicht stehenbleiben zu dürfen. Aber das hier war eine Ausnahme, eine unglaubliche Ausnahme. Sie streckte sich etwas nach vorne, sodass sie ihren Enkel an der Nase berühren konnte und strahlte ihn dabei mit einem Lächeln an, das sie seit zwei Jahren nicht mehr gelächelt hatte.

“Wir laufen gleich weiter, keiner Sorge, mein Liebling. Aber jetzt musst du jemanden kennenlernen, jemanden sehr wichtigen. Er hat dir verraten, dass er der Bruder von Kisha ist … aber hat er dir auch gesagt, dass er dein Opa ist? Hiryoga, dein Opa, der Papa von deinem Papa.“

Und das Strahlen wurde noch leuchtender, das Glitzern in ihren Augen wild und voller Freude. Sie wandte ihren Blick zu ihrem Gefährten, sah ihn von unten herauf an, musste lachen, einfach nur so, weil sie so glücklich war und haschte nach seinem linken Ohr.

“Hiryoga … du.“,

wisperte sie dann in sein Fell, als eine mögliche Antwort auf seine eigenen, wenigen Worte und als reine Feststellung. Das war Hiryoga. Er war Hiryoga. Hiryoga war wieder da.


[ am Ende des Zuges | Isaí und Hiryoga ]

Caylee
20.11.2012, 23:23

Langsam begann die schlechte Laune Caylees einer Verblüffung und anschwellenden Angst zu weichen. Krolock war ganz und gar nicht wie Krolock sonst war. Sonst war er nämlich ganz und gar nicht wild geifernd auf ihr Blut aus. Zuerst hatte sie es doch für einen Scherz gehalten, gerade weil er sich so unglaublich langsam und unkoordiniert bewegte, aber die absolute Ernsthaftigkeit war ihm noch deutlich, als sein Wahnsinn anzumerken. Seine wild gebleckten Zähne und die Wut, mit der er sich – wenn auch sehr langsam – auf sie stürzte, war gleichzeitig absurd und beängstigend. Sie hatte keinerlei Mühe ihm auch bei seinem zweiten Angriff auszuweichen, aber ihr war nicht entgangen, dass er auf ihre Kehle gezielt hatte. Wollte er sie töten? Das musste ein Scherz sein! Er befand sich in einem Wurzelrausch, anders ließ sich sein Verhalten einfach nicht erklären. Denn witzig war hier gar nichts mehr.

“Krolock!“

Jetzt klang ihre Stimme etwas schriller und sie versuchte wie ein autoritärer Leitwolf zu klingen, der einen Welpen zur Disziplin aufrief. Sie hörte selbst, dass es ihr kaum gelang. Und schon wieder kam er auf sie zu, seine Augen verstörten sie dabei fast am meisten, konnte man doch fast den Eindruck gewinnen, dass sie voller Blut waren. Zum dritten Mal sprang die Weiße zur Seite – jetzt spürte sie ein sehr unangenehmes Ziehen in ihrer Schulter – und zum dritten Mal lief Krolocks Versuch, seine Zähne in ihr Fleisch zu schlagen ins Leere. Aber das fühlte sich nicht befriedigend an. Sollte sie weglaufen? Sie wagte es nicht, dem Schwarzen den Rücken zu zudrehen und selbst wenn … er wirkte vollkommen weggetreten, er würde ihr nur hinterher rennen. Aber vielleicht konnte sie sich zwischen die anderen Wölfe retten? Zwischen zwei große, starke Rüden, die Krolock ohne weiteres bezwingen konnten? Das klang nach einer guten Idee … aber wie kam sie an diese großen, starken Rüden?

“Hilfe!“, versuchte sie es zaghaft, sich noch deutlich unwohl mit diesem Wort fühlend. Doch angesichts Krolocks Verhaltens, wurde sie schnell lauter. “Hilfe!“

Hoffentlich würde irgendjemand kommen. Aber wer interessierte sich schon für den Lieblingssündenbock Krolock und sein neuester Anhang Caylee? Vielleicht hofften sie ja, dass sie sich gegenseitig umbringen würden? Die Weiße schluckte diese Gedanken schnell runter und beschloss dann, sich doch noch näher an die anderen Wölfe heran zu manövrieren. Krolock nicht aus den Augen lassend schob sie sich nach hinten, jederzeit bereit, ihm erneut auszuweichen. Das funktionierte richtig gut … bis ein Stein unter die Pfote mit der verletzten Schulter geriet. Der Lauf rutschte ihr weg, schon spürte sie sich fallen und ein neuerlicher Schmerz durch ihre Schulter pulsieren. Schon als sie auf dem bröckeligen Boden aufkam, wurde ihr klar, dass sie einen großen Fehler gemacht hatte.

"Hilfe", krächzte sie noch.


[ am seitlichen Rand des Rudels | Krolock - HILFE!]

Tyraleen
21.11.2012, 00:10

Die Reaktion der kleinen Fähe brachte eine beträchtliche Menge Licht in die momentan doch ziemlich dunkle Welt Tyraleens. Es war ihr zwar ein vollkommenes Rätsel, was in dem Kopf Linalees vorging, aber so wie sie sich verhielt, musste einem das Herz aufgehen. Der schüchterne Blick aus bernsteinernen Augen, der Tyraleen gleichermaßen an Sheena und an Banshee erinnerte, auch wenn er ihr aus schwarzem Fell wie zwei Sterne in dunkler Nacht entgegenstrahlte; die großen Ohren, die manchmal wirkten, als würden sie sich ganz unabhängig von ihrer Trägerin bewegen und das kleine Mäulchen, das allzu häufig offen stand und vornehmlich aus irgendwelchen Gründen nach Luft schnappte, als wäre gerade etwas ganz und gar Unglaubliches geschehen. In diesen Momenten regte sich der Mutterinstinkt der Weißen besonders stark und am liebsten würde sie dann Linalee an sich ziehen und mit der Zunge über ihr Fell fahren, unermüdlich immer und immer wieder wie bei einem kleinen Welpen. Aber ihr war wohl bewusst, dass sie damit der kleinen Schwarzen wohl den Schock ihres Lebens verpassen und sie vermutlich nur deshalb nicht fliehen würde, weil ihre Läufe ihr nicht mehr gehorchten. Das war nicht unbedingt eine schöne Vorstellung. Deshalb berührte Tyraleen die kleine Fähe auch jetzt nicht, sondern wartete nur geduldig ab, bis Linalee genug Luft in ihre Lungen gesogen und sich ans Antworten erinnert hatte. Das kurze Zurückzucken war ihr dabei nicht entgangen, allerdings begann die Schwarze danach ein wenig schüchtern aber immerhin zu lächeln. Zumindest wirkte sie nicht, als würde sie sich von Herzen wünschen, dass Tyraleen wieder neben Aszrem und nicht bei ihr laufen würde. Ihre Antwort klang ein wenig von Isaí angesteckt, was einerseits sicher nicht schlecht war, andererseits aber auch gefährlich werden konnte. Sie hatte weder die Stärke, noch den Willen Isaís, nie wäre Tyraleen auf die Idee gekommen, ihr irgendein Versprechen abzunehmen. Vielleicht wäre es gut, wenn sie Linalee irgendwie erklären konnte, dass sie ihrem Bruder nicht nacheifern musste?
Bevor sie jedoch auch nur ansatzweise eine Idee hatte, wie sie das anstellen konnte, tauchte neben ihnen Daylight auf. Sofort schwang Tyraleens Rute freudig hin und her und sie reckte die Nase zu ihrer Schwester, um sie zu begrüßen. Wie immer wirkte die Weiße wie ein einziger großer Lichtpunkt aus Hoffnung und Zuversicht. Ihre Augen leuchteten beinahe vergnügt, ihre Bewegungen wirkten leichtfüßig und mühelos und ihre Gesten sagten, dass alles in bester Ordnung war. Woher nahm sie diese ewige Fröhlichkeit? Wie konnte es sein, dass sie nicht einmal in diesen Momenten auch nur ansatzweise entmutigt wirkte? Wie so oft war Daylight für ihre wenige Minuten ältere Schwester ein kleines Rätsel, aber ein fantastisches. Ein kleines Wunder. So war es nicht weiter erstaunlich, dass Tyraleens Blick warm auf der Weißen lag und sie nicht umhinkam, Daylight zu bewundern. Könnte sie ihr doch nur ein wenig von ihrer ewigen Zuversicht abgeben.
Einen Blick zu Linalee riskierend, bemerkte die Weiße dann, dass ihre kleine Begleiterin ihre Großtante wohl weniger bewundernswert fand. Offensichtlich überforderte die strahlende Präsenz Daylights den Welpen ein wenig. Es musste Linalee genauso schwer fallen wie Tyraleen selbst zu verstehen, wie man jetzt noch immer so lächeln konnte. Über diesen Gedanken musste die Leitwölfin leicht schmunzeln und wandte sich dann an ihre Schwester.

“Wie könnte es uns nicht Recht sein, ein wenig Hoffnung und Freude tanken zu dürfen?“, wieder berührte sie ihre Schwester mit der Nase. “Wo findest du nur immer dein Lächeln?“

Als sich Daylight direkt an Linalee wandte, lag Tyraleens Blick wieder aufmerksam auf der Kleinen, die sich jetzt wohl ein wenig gefangen hatte. Der Vorschlag der Weißen war rührend, auch wenn sich die Leitwölfin selbst nicht so sicher war, ob er in die Tat umzusetzen wäre. Einen Versuch könnte man aber durchaus machen … die weiteren Worte ihrer Schwester erhaschte sie lächelnd, auch wenn ein Zug Traurigkeit darin lag. Ja, die Berge waren wundervoll. Aber Averic hatte ihr damals versprochen, dass sie gemeinsam zurückkehren würden, in die ewigen Weiten aus Schnee und Eis. Hastig verscheuchte sie die Gedanken und wandte sich Linalee zu, die nun schließlich doch Worte für Daylight gefunden hatte. Wieder solche, die das Herz erblühen ließen. Aber auch Tyraleens Sorgen auf den Plan riefen. Sie beugte sich wieder zu der kleinen Schwarzen und nickte dabei bedächtig.

“Starksein ist sehr wichtig, da hast du vollkommen Recht. Aber es ist auch sehr wichtig, dass man weiß, wo seine eigenen Grenzen liegen, die zu überschreiten einem nicht gut tut. Es ist auch stark, die Hilfe anderer anzunehmen, wenn man selbst nicht weiter kann.“

Vielleicht sollte sie diese oder so ähnliche Worte auch noch an Isaí richten. Manchmal wirkte der Rote, als würde es für ihn keine Grenzen geben, dabei war er noch ein Welpe und als solcher existierten in seiner Welt Unmengen von Grenzen. Wie lange er noch so weiterlaufen konnte wie bisher, würde sich noch zeigen. Doch die Rast, über die Tyraleen noch nachgedacht hatte, wurde unwahrscheinlicher mit jedem zügigen, kurz sogar etwas beschleunigendem Schritt Aszrems, der unermüdlich und zielstrebig an der Spitze lief. Auch ihn bewunderte die Weiße, dafür, dass er unbeirrt diesen Weg weiter lief und damit niemanden daran zweifeln ließ, dass sie genau das Richtige taten.


[ an der Spitze des Rudels | direkt bei Linalee und Daylight, Aszrem in der Nähe ]

Amúr
21.11.2012, 14:59

Amúrs Geist schien sich langsam von den Geschichten des verlassenen Tales zu lösen. Er blutete sanft, denn ein Riss musste erst einige Zeit gewahren, bis er sich vollkommen verschließen konnte. Dafür musste sie ihr schwaches Verständnis auftragen.
Abwesend strichen ihre Pfoten über den harten Boden des versteinerten Weges und folgten der Anleitung ihrer Mutter. Tief im Inneren stand sie sich im Zwiespalt, wusste nicht ob sie diese Entscheidung auf ewig prägen würde, oder ob der Schmerz durch den sanften Geruch der verfolgten Fährte davongetragen wurde.
Sie kannte diese Richtung und sie dichtete sich ein Vorhaben ihrer Mutter darauf, doch sie wollte nicht weiter daran denken. Es würde nur eine Enttäuschung geben.

Nicht anders zu erwarten lief sie alleine, recht mittig des Rudels, doch nicht allzu weit von ihrer Mutter entfernt, sodass sie leise ausgetauschte Worte mitverfolgen konnte. Nichts was sie verstand. Wirklich nichts. Doch es war einfach die sanftmütige Beruhigung, dass es jemanden gab der in leisen und ruhigen Worten sprach. So musste sie nicht auf die Schreie ihres Verstandes hören, so war sie abgelenkt.

Der perfide Geruch von Asche lag noch in der Luft, doch Amúr wusste, dass sich jener in dem Fell so mancher Wölfe verfangen hatte und diese noch auf ihre Reise begleiten würde. Ach' das Tal war zerstört, das Tal war zerstört und die Fähe schloss ihre wasserfarbenen Augen und entriss sich jener Schreie.

Doch da war er wieder. Ein Schrei. Diesmal umso lauter, dass er fast schon real in ihre Ohren drang und die junge Fähe aufhorchen ließ. Angespannt stellten sich ihre Ohren nach oben und die Wölfin öffnete ihre unsicheren Seelenspiegel. War das soeben real gewesen, oder doch ein weiterer Schrei ihres unterdrückten Ichs? Hilfe!, schrillte es nun lauter an ihren Ohren vorbei. Es schien so, als hätte der Wind diese Worte mit Absicht zu ihr getragen und die junge Fähe blieb abrupt stehen.

Der Zug der Karawane schreitete an ihr vorbei und ließ das junge Tier abseits existieren. Sie waren zu sehr mit sich und anderen Wölfen beschäftigt, teilten Gedanken miteinander, oder schwebten in eigens erschaffener Trance. Doch Amúr war erwacht, erwacht durch den Schrei ihrer eigenen Schwester, die inmitten der Aschen um ihr Leben klagte. Die Graue versuchte sich nach dem Schall zu orientieren und trabte mit festen und willigen Schritten zu der Richtung, aus welcher sie bereits gekommen war. Wie ein lebendiger Fisch, schwamm sie dem Strom entgegen und legte dabei ihre Ohren an.

Ihr war bewusst gewesen, um wen es sich hier handelt, doch dieser Schrei klang beängstigend und Amúr wollte niemals ein solches Risiko eingehen. Auch für Caylee nicht. Und da war es. Aus Stimmen formten sich zwei Körper .Einer in aggressiver Haltung und ein weiterer kümmerlich am Boden liegend. Aus dem Trab der Fähe formte sich ein kurzer Sprint, während sich ihre Lefzen bedrohlich nach oben zogen und aus dem verschwommenem Bild eine gänzliche Situation geformt war. Was ging hier nur vor sich? Krolok stand wie ein hitziger schwarzer Schatten über dem hellen Licht ihrer Schwester und Amúr fürchtete das Schlimmste. Nun waren sie zu dritt. Sie war alleine in mitten zweier Wölfe, die ihr nicht friedlich gesinnt waren, doch keiner verdiente den Tod oder sonstiges.
''Hör sofort auf!'', perlte es im festen Ton von ihren Lefzen. Ein für sie ungewöhnliches Knurren geleitete beschützend über ihre Schwester und sie trat mit ihren kalten Pfoten vor die weiße Wölfin. Sie selbst war keine Freundin des Kampfes, der Auseinandersetzung. Nichts dergleichen! Aber hier lag ihre Familie auf dem Boden. Amúr stellte ihre Rute nach oben und zeigte dem Schatten ihren weißen Fang, über welchen sie kurz bleckte. Ihre Pfoten schienen sie unsicher am Boden zu halten, doch Amúrs Maske durfte jetzt nicht abfallen, sie durfte nicht bröckeln...sie musste fest sitzen. Scharf analysierten ihre Augen die seinen...sie musste doch irgendetwas darin finden, aber was?
''Geh!'' Ihr Fang schnappte nach seiner Gegenwart, ohne den Willen den Rüden wirklich zu beißen. Sie wollte ihm nur das Geräusch aufeinander schlagender Zähne geben. Doch das war nicht ihr Mut. Das war nur ihr Helfersyndrom, welches stark in ihrer Brust pochte. Würde er nur ein erwägendes Wort sagen, sie niedermachen, sie angreifen...Amúr wüsste sich kaum zu helfen, aber natürlich. Die Maske musste sitzen. Für sie. Für ihre Schwester.

[in der nähe von tyraleen // hört caylee // eilt zur hilfe // versucht krolok einzuschüchtern]


Jakash Caiyé
21.11.2012, 16:33

Jakash hatte schon etliche Kämpfe mit und gegen sich selbst ausfechten müssen, aber so hatte er sich noch nie gefühlt. Seine Glieder schmerzten zwar nicht, aber das würde vermutlich früher kommen als er es gewohnt war, so schwer wie sie sich jetzt schon anfühlten. Schwerer noch, als wäre sein Fell voller Wasser, dabei war es nur grau von Asche, aber etwa so schwer, wie sich das Atmen anfühlte. So weit er das sagen konnte, litt niemand so sehr an Atemnot wie er, obgleich ihm gar nicht bewusst gewesen war, mehr Asche eingeatmet zu haben als de Rest. Vielleicht irrte er sich aber auch, und er war gar nicht allein mit diesem Problem - vielleicht bekam er es von den anderen nur deshalb nicht so mit, weil er sich kaum konzentrieren konnte. Sein Kopf schmerzte - nein, vielmehr schmerzte ihm direkt sein Hirn - als hätte jemand seine Zähne hinein geschlagen und kaute nun genüßlich darauf herum.
Kurz: es ging ihm mies, und seine Laune war auf einem Tiefpunkt für Ärger über seinen Zustand. Als Daylight an ihm vorbeigetänzelt kam wie ein verspieltes Kitz auf einer Blumenwiese, hätte er beinahe nach ihr geschnappt - einfach, damit es ihr anschließend schlechter ging. Es gelang ihm auch nur für einen Moment, den Impuls zu unterdrücken, aber dieser Moment reichte schon, um Daylight aus seiner Reichweite zu bringen, und er hatte dann doch nicht genug Elan, um ihr nachzusetzen.
Immerhin musste er sich schon auf seine Schritte konzentrieren, da ihm ab und an schwindelig wurde und er vermeiden wollte, dass Gleichgewicht zu verlieren und zu stürzen. Schritte, die ihn immer weiter von seiner Heimat weg trugen, aber daran dachte der Schwarze kaum. Seine Heimat war, wo seine Familie war, und seine Familie war wohlauf und in der Nähe. Kaum war der Gedanke gedacht, erschien Isaí an seiner Seite, sprach ihm gut zu und verschwand sogleich wieder. Ha, der Sohn, der seinen Vater ermahnte durchzuhalten! Jakash hätte darüber gelacht, wenn die Sache nicht so verdammt ernst gewesen wäre. Wo seine Töchter waren, konte er nicht sagen, aber irgendjemand gab sicherlich auf sie Acht. Vielleicht waren sie auch bei ihrer Mutter - wenn Sheena schon nicht zu ihnen gekommen war, so waren sie vielleicht zu ihr gelaufen. Er wusste, wo sie war, aber er fragt sich dennoch, warum sie nicht einmal bei ihm und ihren Welpen vorbei geschaut hatte, bevor sie aufgebrochen waren. Nicht, dass er jetzt groß Worte mit ihr gewechselt hätte, und - bei Fenris! - er wollte auch nicht von ihr bedauert werden, aber er hätte sie jetzt trotzdem gern in seiner Nähe gehabt. Dafür war Malik nah bei ihm, wie er feststellte, also ließ er sich ein wenig zu seinem Sohn zurück fallen. Das zumindest fiel ihm nicht schwer.

"Alles in Ordnung bei dir, Sohn?",

erkundigte er sich bei dem kleinen Weißen, der ihm in der fellfarbe nun mehr ähnelte als jemals zuvor, und versuchte zu verbergen, wie erschöpft er selbst war. Es gelang ihm nicht sonderlich gut.
Weiter vorn entstand irgendein Tumult und jemand rief etwas, aber Jakash hatte nicht die Muße, zu erkunden, was da genau los war...


[weiter hinten im Rudel | Malik]

Chivan
22.11.2012, 21:29

Er musste gestehen, dass er mit einer ähnlichen Reaktion gerechnet hatte. Sie waren alle eingeschränkt in ihren Sinnen und während der wohl unwichtigste Sinn – die Augen – mit Ausnahme eines leichten Brennens vielleicht fast einwandfrei funktionierten und nur von der allgemeinen Müdigkeit beeinträchtigt wurden, schienen Ohren und Nase weitaus betroffener. Wobei Chivan gestehen musste, dass er weitaus weniger von all den Nachwirkungen mitbekam, als es bei anderen der Fall war. Viele hatten den Kopf gesenkt und wirkten, als schleppten sie sich mit letzter Kraft voran – immer vorwärts, ohne wirklich auf den Weg zu achten, der vor ihnen lag. Vielleicht zeigte sich hier der Unterschied zwischen denen, die es gewohnt waren, ein Revier zu bewohnen und denen, die ein Leben als Wanderer kannten. Seine Läufe waren noch lange nicht müde, mehr erholt von seinem ‚kurzen‘ Aufenthalt im Tal, bis der Vulkan sie alle vertrieben hatte. Und so fand er doch zurück zu seinem alten Leben, zu seinem vielleicht rastlosem Leben, doch dieses Mal geleitete er ein Rudel eben diesen Weg, welchen er bislang bestritten hatte – den Weg, der im Ungewissen endete. Doch es fühlte sich richtig an und – auch da musst er ehrlich sein – gemeinsam mit anderen Wölfen an seiner Seite fühlte sich dieses Leben, auf das viele von ihnen wohl das erste Mal zusteuerten, gleich viel angenehmer an. Im Moment zumindest noch, wer wusste, was die Zeit mit sich brachte – im Augenblick aber gefiel ihm der Gedanke, dass zumindest der Großteil dieser Wölfe ihre Heimat stets an ihrer Seite hatten. Sie waren nicht allein und würden wahrscheinlich nicht einmal in ihrem Leben die Erfahrung machen, wie es war, allein zu sein.

Mit einem festen Blick, leicht besorgt, erwiderte er den blauen Blick der Fähe, die ihm unmissverständlich zeigte, dass auch ihre Sinne im Augenblick nicht ganz auf der Höhe waren. Doch der Bunte ließ sich davon nicht wirklich begeistern, schnippte lediglich mit den Ohren und beließ es dabei, den Blick schließlich wieder nach vorne zu wenden. Auch ihre Antwort verwunderte ihn nicht groß, doch auch, wenn es nicht schwer war, ihre Worte als einfache Phrase zu entlarven, so blieb ihm nichts anderes übrig, als es hinzunehmen – ach, selbst wenn sie ehrlich zu ihm gewesen wäre, es hätte nichts an dieser Situation geändert. So empfand er es als weitaus besser, ihr zumindest das Gefühl zu geben, er würde ihr glauben und ihr zu zeigen, dass sie keine weitere Nachfrage zu befürchten hatte. Erst, als ihre durchaus angebrachte Frage erklang, wandte er das Haupt wieder herum – nur kurz von Isaí abgelenkt, der rufend von hinten an ihnen vorbei zog und auf Shani zusteuerte, doch nach einem kurzen Blick nach hinten erkannte er, dass auch Sheena das Ende im Auge hatte – und schenkte ihr einen freundlichen, wenn auch ernsten und von der Lage her noch immer angespannten Blick. Die Kühle in ihrer Stimme überging er, er hatte ohnehin nicht den Kopf dazu, sich groß Gedanken darüber zu machen.

„Mein Name lautet Chivan.“, erklärte er so knapp, wie ihn der desinteressiert wirkende Ton der Fähe dazu animierte. Er schwieg einen Moment, richtete den Blick wieder nach vorne und ließ die Seelenspiegel über die anderen Gestalten huschen. „Ich war ein Wanderer, aber nun scheinen uns unsere Wege wohl erstmal zu überschneiden.“

Seine Stimme klang neutral, nicht wirklich übereifrig an einem Gespräch interessiert, aber auch nicht vollkommen desinteressiert. Er hatte nicht das Gefühl, dass die Dunkle groß daran interessiert war, sich mit ihm zu unterhalten und er war der letzte, der ihr das Gefühl gegeben hätte, dass es ihr leidtun musste. Es stand ihr offen, weiterzusprechen, doch genauso hätte er es akzeptiert, wenn sie wieder angefangen hätte, zu schweigen. Doch die nächsten Worte klangen zumindest in seinen Ohren weitaus offener als zuvor noch. Ein flüchtiges Lächeln huschte über seine Züge, als er den Blick abermals auf ihr Antlitz richtete.

„Mit der Zeit wird es einfacher. Irgendwann scheint einem jede Strecke nichtig, die man zurücklegt. Aber ihr seid es nicht gewohnt, da ist es nur verständlich. Nicht zuletzt, da ihr auch Welpen in euren Reihen habt. Es ist erstaunlich, wie lange sie durchhalten. Besonders unter diesen Umständen.“


{ schlusslicht | malicia | nähe sheena und amayá }

Hiryoga
22.11.2012, 23:35

Hiryoga war überwältigt von der Freude und der Lieblichkeit seiner Fähe. Er genoss jede ihrer Berührungen, egal wie stürmisch oder welpenhaft sie auch war. Immer wieder schleckte er ihr durchs Fell, drückte seinen Körper an ihren und sog ihren süßlichen Duft ein. Es war wie ein Wunder, ein herrliches Wunder. Ihre Fröhlichkeit und Ausgelassenheit übertrug sich auch auf ihn und er schnappte nach ihren Ohren, lief einmal um sie herum (so gut es Shani zumindest zuließ), haschte nach ihrer Rute, ehe er wieder vor ihr stand und ihr über die Lefzen leckte. Ein Lächeln zog sich über seine Lefzen, durch das Nichts hatte er glatt vergessen, wie wundervoll seine Gefährtin war und wie sehr sie ihm doch gefehlt hatte. Ein zufriedener Seufzer verließ seine Kehle, als er seinen Kopf an ihren drückte.

Erst jetzt, wo Shani sich zu Isaíah gedreht hatte, merkte er, dass er den Roten völlig vergessen hatte, in seiner Ausgelassenheit und seinem Freudentaumel. Der Braune ließ sich auf die Hinterläufe nieder und versuchte sich zu beruhigen, seinen Herzschlag wieder zu normalisieren und sich auf seinen Enkel zu konzentrieren. Als er sah, wie Shani seine Nase berührte, ihn anstrahlte und mit ihm sprach, spürte er ein Kribbeln in seinem Bauch. Es schien ihr zu gefallen, Oma zu sein, wieder Welpen um sich herum zu haben…aber wer mochte denn schon keine Welpen? Hiryoga schüttelte unmerklich seinen Kopf, er sollte sich doch konzentrieren und nicht schon wieder gedanklich abschweifen!
Interessiert neigte er den Kopf und lauschte Shanis Worten. Erst jetzt, wenige Augenblicke nachdem sie gesprochen hatte, realisierte er, was sie genau gesagt hatte. Nun hatte er die Bestätigung bekommen, vor der er sich schon fast ein wenig gefürchtet hatte. Der kleine Rüde war sein Enkelsohn, er war also tatsächlich schon Opa und anscheinend, war er länger als nur ein paar Stunden abwesend gewesen (ganz besonders nach Shanis Begrüßung zu urteilen). Hiyo musste schlucken, was sollte er nun dazu sagen? Wie sollte er ihnen das alles erklären, wenn er es selbst noch nicht einmal wirklich verstand?
Er konnte sich noch genau den Tag erinnern, an dem er in das Nichts gelaufen war, nicht absichtlich, sondern aus Versehen. Wie konnte er nun hier sein? Wie lange hatte er sie tatsächlich im Stich gelassen? Diese Gedanken versetzten ihm einen Stich, ob es nun die Magengegend oder das Herz war, hätte er nicht sagen können, denn der stechende Schmerz zog sich durch seinen ganzen Körper. Seine Ohren senkten sich zu seinem Kopf, seine Rute verharrte und das Lächeln war von seinem Gesicht verschwunden. Er wirkte nachdenklich, ernst.


“Shani…“, doch Hiryoga endete abrupt, als er das Strahlen in den tannengrünen Augen seiner Gefährtin sah. Ein Seufzen entfloh seiner Kehle, er schüttelte seinen Kopf, wischte mit der buschigen Rute über den Boden, ehe er seinen Kopf wieder an ihren drückte und versuchte, all die schlechten Gedanken zu vertreiben.
Einen Moment verharrte er so, ehe er sich zu Isaíah wandte und sich zu Boden gleiten ließ. Er sah dem Welpen in die Augen und versuchte zu erkennen, was in ihm vorging, immerhin trifft man nicht täglich seinen Opa! Bekräftigend nickte er, um so Shanis Worte zu unterstützen.


“Opa…ja. Ich bin dein Opa. Ich war…wie es scheint…lange weg…“


[Mit Isaí und Shani am Ende des Rudels]

Caitír Ayân
23.11.2012, 03:00

Zeit verlor an Bedeutung während Caitír schweigend seine Arbeit fortsetzte, wenn der Fremde nicht reden wollte, so würde er dies auch nicht. Auch wenn es vielleicht etwas interessant gewesen wäre herauszufinden was den Rüden hierher verschlug. Die Präsenz Fenris bemerkte er nicht einmal, denn er schloss den Temperaturwechsel als normal ab, da sich offensichtlich draußen etwas abspielte was zu unwirklich schien um natürlich verursacht worden zu sein. Ein Werk der Götter, in der Tat. Nun waren fünf Stunden vergangen und das schwere Atmen des Rüden zeigte sich durch gräuliche Wolken, die man jedoch nur schwer erkennen konnte in ihrem Steingefängnis. Auch sowohl der Durst als auch Hunger nagten mittlerweile an ihm und der Staub verklebte ihm unangenehm die Nase. All dies hatte ihm gerade noch gefehlt, denn auf Essen konnte er sich für die nächsten Tage eh keine Hoffnung machen. Nun gut, ändern konnte man daran jetzt sowieso nichts, und mit diesem Gedanken machte er sich wieder daran die Steine aus dem Ausgang zu räumen, mittlerweile hatten sie es schon fast geschafft. Doch was würde danach geschehen? Der Schwarze würde sich bestimmt wieder auf seinen Kreuzzug begeben und er selbst würde das Tale Engayas suchen, ob er es je finden würde stand in den Sternen.

„Schon mal was von dem Tale Engayas gehört? “ Fragte er vorsichtig, da er nicht wissen konnte wie der Fremde zu dem Götterpaar stand. Doch irgendwie musste man sich die Zeit ja vertreiben, nur herum räumen hatte ja wirklich nichts an sich. So konnte er vielleicht noch etwas ueber sein Ziel lernen, der Fremde schien schon viel von dieser Welt gesehen zu haben. Caitír wusste nicht wieso Averic diesen Eindruck machte, aber er hatte es im Gefühl, ob dies nun stimmte oder nicht. Er hoffte wirklich, dass er so wenigstens erneut ein Wort aus dem Rüden herausquetschen konnte, er schien sich selbst so unangenehm auszugrenzen. Auch wenn sich der Melierte nun irgendwie nervig vorkam. Aber ändern würde es sowieso nichts, und so konnten sie wenigstens etwas der verbleibenden Zeit todschlagen. Er ignorierte die Fremde Fähe weitgehend, sie schien sich an diesem Grauenspiel nur Freude zu machen, so etwas sollte man nicht unterstützten. Denn was sich dort unten abspielte, war wirklich nur ein Schauspiel des Grauens, und alles Lebe wurde von einer grauen Aschebelegt, die das Land in den Schatten des Todes legte. Leben konnte dort unten nun niemand mehr.


[Steingefaengnis / mit Averic/ Invidia draussen]

Ich hab jetzt versucht irgendetwas zusammen zu schreiben, aber irgendwie ist die Situation gerade extrem schwierig. :'D

Isaí Caiyé
24.11.2012, 12:16

Für den nächsten Augenblick gab es eigentlich gar keine Beschreibung für den jungen Rüden mit Ausnahme eines gedehnten ‚Hä’s‘. Da war auch schnell vergessen, dass sein Versuch, die beiden Erwachsenen wieder darauf aufmerksam zu machen, dass (er auch noch da war) sie weiterlaufen mussten, vollkommen übergangen wurde. Eben noch hatte er Shani dicht bei sich gespürt, hatte sich an ihre Läufe gedrängt und so gehofft, ihre Aufmerksamkeit zu erhaschen, denn alles weitere konnte man sicherlich auch noch unterwegs bereden. Doch noch bevor ihm der Umstand wirklich bewusst wurde, dass der warme, gräuliche Pelz seiner Oma gar nicht mehr an seiner Seite war, sah er sie schon auf den Fremden zustürmen und sich im wahrsten Sinne aufführen wie ein junger Welpe. Isaís Ohren klappten zurück, während er mit leicht geöffnetem Fang das Schauspiel beobachtete, was ihm wohl selbst in einem Traum, in dem bekanntlich alles möglich war, unheimlich befremdlich vorgekommen wäre. Sein Gesichtsausdruck sagte wohl eindeutig, dass sein Kopf noch immer mit dem ‚Hä‘ beschäftigt war, was dennoch nicht laut über seine Lefzen kam. Doch die ausgelassenen und freudigen Gesten brachten auch ihn dazu, schließlich mit der Rute zu pendeln und auch seine Ohren zuckten immer wieder nach vorne, als würde er jeden Moment losstürmen und sich ebenfalls in den Freudentaumel werfen, dessen Hintergrund er noch nicht ganz verstanden hatte. Doch Freude steckte an, wenn sie in diesem Fall auch nicht stark genug war, schlichtweg zu übersehen, dass irgendetwas nicht stimmen konnte. So zögerte er doch, blieb an Ort und Stelle stehen und schnippte unschlüssig mit den Ohren, während der Ausdruck auf seinen Lefzen zwischen einem breiten Lächeln und skeptischer Irritation wechselte. Aber er kam nicht umhin, Gefallen an diesem Verhalten seiner Oma zu finden. Das war doch viel besser als das Übliche!

Als Shani sich dann doch nach einer gefühlten Ewigkeit wieder zu ihm wandte, entwich ihm ein leises, erleichtertes Winseln und er nutzte den kurzen Moment, in dem ihr Fang tatsächlich erreichbar war, um kurz mit der Zunge darüber zu fahren. Und glücklicher Weise hatte sie auch sein Drängen nicht überhört, während dem Jungspund allmählich bewusst wurde, dass es tatsächlich eine dumme Idee gewesen war, stehenzubleiben. Denn so fanden seine Läufe Zeit, sich daran zu erinnern, dass sie unheimlich müde waren und am liebsten noch eine Ewigkeit hier zurückgeblieben wären, aber das war unmöglich. Doch schließlich übertönte die Aussage Shanis jeden Gedankengang, den er im Augenblick gehabt hatte. Seine Seelenspiegel ruhten einen Moment auf ihrem Antlitz, ehe sie zu dem Braunen wanderten und ihn ansahen, als hätte sich herausgestellt, dass er ein alter Bekannter war.

„Hiryoga? … Opa Hiryoga?“, wiederholte er langsam und blinzelte.

Es dauerte, bis er das gesamte Ausmaß erkannte, bis er all die Zusammenhänge erkannte und verstand, warum seine Oma mit einem Mal so unheimlich fröhlich war, dass es schwer war, in ihrer Nähe nicht ebenfalls über beide Ohren zu strahlen. Sie lachte und es war schwer zu übersehen, dass die Gesellschaft, in der er sich im Augenblick verstand, offenbar aus dem puren Glück bestand, sodass sich auch auf seinen Lefzen wieder ein Strahlen abzeichnete und seine Rute noch heftiger zu pendeln begann. Das hier war sein Opa. Seine Familie und der Vater seines Vaters, auf dessen Freude er sich jetzt schon freute. Schließlich drängte er sich doch dazu, sprang mit einem kleinen Satz auch an seinem Opa hoch und drückte seine Nase in den braunen, aschigen und teils fremdriechenden Pelz, ehe er zu seinen beiden Großeltern aufsah.

„Du hast aber wirklich ziemlich lange gebraucht, uns wiederzufinden.“, stellte er mit einem Lächeln fest. „Aber jetzt bist du wieder da. Opa ist wieder da. Und er kennt bestimmt ganz viele spannende Geschichten von den Abenteuern auf der Suche nach uns.“

Da war Vorfreude doch vorprogrammiert!


{ weiter hinten im rudel | shani caiyé, hiryoga }

Krolock
25.11.2012, 00:04

Krolocks Kopf zuckte kurz zur Seite, aber die roten Augen wichen nicht von seinem Opfer. Sie stürzte. Oh, die arme, kleine Caylee stürzte, wie überaus tragisch! Sie bot sich ihm regelrecht an, wollte gebissen werden. Wollte sterben. Wie gerne würde er ihr nun endlich diesen Wunsch erfüllen. Endlich! Lange genug hatte er gelauert und gewartet und war in Schach gehalten worden. Wie hilfreich, wenn sich dämliche Kreaturen ihres Lebens entledigten.
Der Körper des schwarzen Rüden zappelte in der Luft, als er auf die weiße, junge Wölfin zustürzen wollte. Dann versperrte ihm etwas die Sicht. Krolock riss den Kopf zurück und bremste und nahm dann eine abwehrende, drohende Haltung ein. Die Zähne waren immer noch blank gelegt, die Lefzen bis zum Anschlag nach oben gezogen. Der Spinner, der normalerweise seine Witze mit der Blödheit der Gutwölfe machte, schien nicht anwesend zu sein. Es gab auch nichts zu sagen. Kein höhnisches Gelächter, oder dämonisches Grinsen, einfach nur Aggression und Hass. Ein Hass der keinen Nährboden brauchte, um zu wachsen, der nicht aus verletzten Gefühlen resultierte, oder aus tiefen Ängsten. Er war einfach da und flammte durch die dunklen, blutgleichen Augen.
Das Schnappen der Fähe – selbst wenn Krolock halbwegs bei Verstand gewesen wäre, hätte er den Namen vermutlich nicht gekannt – wirkte einfach nur lächerlich auf ihn. Nervig wie eine Fliege, die ihm ständig um den Kopf surrte. Dennoch hatte es ihn aufgehalten. Es hatte ihn aus dem Fluss seines Angriffs gebracht, der bereits ein Kampf zu sein schien, ohne dass dieser begonnen hatte. Das Opfer das jetzt vor ihm stand, konnte nicht mit derselben Gnade rechnen. Ein Hustenanfall schüttelte den Rüden und ließ ihn keuchen, ohne dass er sich neuerlich von seinem Angriff ablenken ließ. Er sprang ab, knurrte und seine Lunge machte dabei pfeifend, rasselnde Geräusche. Als sein Fang auf ihren Hals zuflog, war da keinerlei Zögern.


[Bei Caylee und Amur]

Averic
26.11.2012, 00:18

Glücklicher Weise hatte der unbekannte Rüde keine Versuche mehr gestartet ein Gespräch mit ihm zu führen. Abgesehen davon, dass Averic weit davon entfernt war Nerven für Smalltalk zu haben, hätte es sie sowieso nur gestört. Man konnte dem Wolf also zugute halten, dass ihm ein Leben lieb war und er es nicht im Angesicht ihrer misslichen Lage gleich aufgegeben hatte. Er machte sich halbwegs nützlich, wenn auch nicht mit dem gleichen Körpereinsatz, den Averic an den Tag gelegt hatte.
Es war eine mühselige Aufgabe und wurde sehr schnell sehr unangenehm. Der Staub, der durch ihr permanentes Felsenschieben aufgewirbelt wurde verätzte ihre Lungen, klebte in ihren Augen und die Pfoten wurden weher und weher. All diese Unannehmlichkeiten waren Averic aber durch und durch egal. Er blendete sie einfach aus und hielt nur dann inne, wenn ihn ein Husten schüttelte, oder die Pfoten so sehr brannten, dass er mit ihnen keinen noch so kleinen Stein mehr berühren konnte. Zwischendurch zwang er sich dazu eine kurze Pause einzulegen, in denen der große Wolf seine blutigen Pfoten mit der Zunge bearbeitete. Auch seine Schulter sah nicht besonders gut aus, denn er hatte sie noch öfter dazu benutzt, um größere Brocken in Bewegung zu setzen. Und weil zwei verletzte Schultern weitaus unpraktischer gewesen wären, hatte er sich darauf beschränkt nur mit der rechten Schulter gegen die Felsen zu rammen.
Inzwischen wusste er nicht mehr, wie lange er nun schon in diesem dunklen Gefängnis saß und daran arbeitete wieder hinaus zu kommen. Er war nur darauf fixiert, dass das Loch größer wurde. Averic fragte sich nicht mal, warum die nervige Fähe draußen ihnen dabei half, oder wo Ansem hinverschwunden war. Selbst das Verlangen nach etwas Wasser wurde ignoriert. Hechelnd sah der Pechschwarze auf und betrachtete, was er und der Fremde bisher geleistet hatten. Das Loch war deutlich größer geworden. So groß, dass sie sich nun fast durchzwängen konnten. Averic stemmte sich mit den Vorderpfoten gegen den letzten, großen Brocken, der ihren Weg noch versperrte und schob sich mit aller Macht dagegen. Im selben Moment fragte der Rüde etwas, was vielleicht zu seiner Belustigung hätte beitragen können, wäre Averic nicht Averic gewesen. Das musste jetzt warten, es gab Wichtigeres zutun, oder hatte er nun etwa doch aufgegeben? So kurz vor dem Ziel?

Zur Seite.“,

sagte Averic nur kurz mit rauer, kratziger Stimme, ließ von dem Felsbrocken ab und trat ein paar Schritte zurück. Auf ein Letztes. Mit nach vorne geschobener rechter Schulter und abgewandtem Kopf schmetterte er sich mit vollem Körpereinsatz gegen das Bruchstück und fiel mitsamt dem Ding halb durch das Loch. Schmerz und Schwindel erblühte, gleichzeitig schlug ihm aber endlich kalte, klare Luft entgegen. Mühselig rappelte sich der große Rüde auf, zog auch noch seine Hinterläufe aus dem Gefängnis und kletterte vorsichtig über den Felsschutt, bis er wieder festen Boden unter den wunden Pfoten hatte. Das jetzt recht grelle Licht brannte ins einen Augen und nach ein paar tieferen Atemzügen hustete er noch ein paar Mal. Averic schüttelte sich einmal kräftig, um Staub und Schutt aus seinem Pelz zu befördern, dann musste er sich auf die Hinterläufe sinken lassen. Die dunkelblauen Augen sahen zurück zu dem Loch, aus dem der fremde Rüde gleich nachkommen würde.

Du hast nach Engayas Tal gefragt.“

Mit einer Schnauzenbewegung deutete er in die Richtung, aus der er gekommen war. Dort hin, wo sie vor einigen Stunden diese unglaubliche Naturgewalt beobachtet hatten. Der Berg spie zwar nichts Glühendes mehr in die Luft, aber immer noch war der Himmel über dem fernen Tal in tiefste Dunkelheit gehüllt. Es schien, als würde es nicht mehr zu dieser Welt gehören, als hätten es die Schatten verschluckt. Ein Geschmack bitterer als Galle lag auf seiner Zunge. Ein Geschmack, der nichts mehr mit dem Staub und dem Dreck zutun hatte, den er über die letzten Stunden in die Atemwege bekommen hatte.

Das ist Engayas Tal.“

Vorsichtig ließ sich Averic auf den Bauch sinken. Er musste einen Moment lang ruhen, die schmerzenden Pfoten und die Schulter entlasten. Seine Nase war augenblicklich noch zu verklebt, um die Witterung des Rudels wahrzunehmen, der schwach zu ihnen hinüber wehte. Der Pechschwarze fuhr sich mit der Zunge über die Schnauze, dann über die Pfotenballen. Die stundenlange schwere körperliche Betätigung hatte zwangsläufig auch einen so kräftigen Rüden wie ihn ziemlich geschafft. Es war ziemlich frustrierend, dass ausgerechnet ihm so was passieren musste. Er hätte längst viel weiter sein können. Nur kurz warf er einen halbherzigen Blick zu der Fähe, zur Kenntnis nehmend, dass sie immer noch da war, sich aber nicht im Mindesten dafür interessierend.


[ Vor dem Steingefängnis | Caitír, Invidia ]

Malik Hikaji
27.11.2012, 20:50

Malik schlurfte relativ lange allein zwischen all den Wölfen vorwärts, viele überholten ihn. Da er den Blick auf den Weg gesenkt hatte, hätte er später nicht mehr sagen können, ob ihn überhaupt jemand wahrgenommen hatte. Der Welpe war versunken in Traurigkeit und Erschöpfung und hätte ohne die Unterbrechung durch seinen Vater wohl bald mit der Nase auf dem Boden geschleift. Nun aber hob er den Kopf verwirrt, obwohl er sich nicht sicher war, ob wirklich er gemeint gewesen war. Die Bezeichnung „Sohn“ verunsicherte ihn in diesem Augenblick, ohne dass er sagen konnte, weshalb das so war. Als er jedoch seinen Vater erblickte, huschte ein dünnes Lächeln über sein Gesicht und er schob ihm in einer zaghaften Geste die Schnauze ins Fell seiner Flanke. Dass Jakash ebenfalls erschöpft war, konnte Malik sehen, doch er erkannte darin nichts Ungewöhnliches. Er selbst fühlte sich so, wie sein Vater wirkte und vom Rest der Wölfe hatte er nichts mitbekommen. Doch er ging davon aus, dass sie alle kurz vor einer Zwangspause standen. Das war es, was ihn zum Weiterlaufen motivierte, nicht wie bei Isaí ein Versprechen oder das Bewusstsein für die Gefahr hinter ihnen. Für Malik war der Berg schon sehr weit weg und keine direkte Bedrohung mehr, während seine müden Beine ihn viel mehr beschäftigten. Trotzdem beklagte er sich nicht, denn auch der Berg war nicht ungefährlich, daran erinnerte ihn das Zurückbleiben seines kleinen Freundes. Er seufzte und die eingeatmete Asche bestrafte diese Mehrbeanspruchung seiner Lungen direkt mit einem kleinen Hustenanfall. In seinem Blickfeld tanzten Sterne auf und ab und verschwanden erst wieder, als er heftig blinzelte und zitternd ein- und ausatmete. Erst dann wandte er sich wieder Jakash zu.

„Papa? Kommt Madoc wieder zurück?“, fragte er leise, was diesmal nicht nur an seiner Heiserkeit lag.

Sein Kopf schien auf einmal viel mehr zu wiegen als sonst und er senkte ihn wieder, ging mit zwei Schritten näher an seinen Vater heran, so dass sich die längsten Haare ihrer Pelze bereits berührten und verfiel wieder in Schweigen. Die Körperwärme des älteren Wolfs erreichte ihn so nicht und auch die Bewegung seiner eigenen Muskeln wollte nicht ausreichen, um den zerbrechlichen Körper des Welpen vollständig aufzuwärmen. Und dennoch liefen sie immer weiter in eisige Höhen hinauf, wo der Wind um sie herum pfiff, als wollte er sie zurück in ihr Tal pusten, das nun zerstört hinter ihnen lag. Ob sie nun in den bergen leben mussten, von denen seine Oma ihm vor einer Weile erzählt hatte? Sie hatte die Zeit als sehr hart beschrieben, was Maliks Zuversicht nicht gerade steigerte. Beinahe hätte er erneut geseufzt, doch ihm war noch in Erinnerung geblieben, was das zuvor ausgelöst hatte, also riss er sich zusammen.
Nur dumpf und verspätet drangen Knurren und Hilferufe zu ihm durch und es dauerte einige Augenblicke, bis er begriff, dass sie ernst waren. Langsam und mit trübem Blick hob er den Kopf und schaute verwirrt nach vorn, suchte den Ursprung der seltsamen Geräusche. Einen Kampf innerhalb des Rudels hatte er noch nie erlebt – auch nicht, dass überhaupt ein Rudelmitglied in akuter Gefahr war. Dass es nun so war – und auch noch eine Bedrohung durch ein weiteres Mitglied der Wölfe der Sternenwinde, ließ Malik nur tatenlos und irritiert nach vorn starren und zusehen. Er hielt nicht einmal an, sein Tempo war ohnehin kaum als solches zu bezeichnen, sondern lief langsam weiter. Wer da kämpfte, konnte er weder erkennen noch wittern, seine Nase war verklebt und roch nur Asche. Auch seine Augen waren mitgenommen und wollten ihm nicht klar zeigen, wer da vorn in Gefahr war. Hinzu kamen einige Wolfskörper, die den Blick verstellten. Müde und apathisch schwenkte er den Kopf zu beiden Seiten und stupste Jakash dann erneut an.

„Kämpfen sie, weil sie traurig sind?“

Egal wer es war. Kämpfen kam ihm nicht richtig vor, nicht in diesem Moment, in dem sie zusammen ihr Tal hinter sich ließen. Vielleicht war jemand auch traurig, dass Madoc nicht hier war und wollte umkehren, um ihn zu holen. Vielleicht wollte jemand Tyraleens Markierrang und nutzte die Situation? Der Welpe erhaschte einen Blick auf einen weißen Wolf, der von einem schwarzen angesprungen und bedrängt wurde, doch das machte ihn nicht schlauer. Einschreiten oder sich hinzustellen wollte er gar nicht, ihm fehlte vollkommen der Antrieb, irgendetwas zu tun außer stur weiter zu laufen oder sich niederzulegen und zu schlafen. Wenn die Gruppe jetzt zum Stillstand kam, würde er schlafen. Wenn sie es nicht tat, würde er laufen. Aber etwas dazwischen gab es nicht.


{ Jakash :: bemerkt den Kampf zwischen Caylee und Krolock }

Caylee
29.11.2012, 15:57

Caylees Herz schlug plötzlich so hart in ihrer Brust, dass es mehr schmerzte, als die erneut strapazierte Schulter. Sie konnte förmlich sehen, wie Krolock ihren Sturz aufnahm und ihm klar wurde, dass sein Opfer hiermit erledigt war. Gleichzeitig sah sie in diesem Wolf mit den rot glühenden Augen nicht mehr ihren Freund oder Antifreund Krolock, sondern eine verzerrt, bösartige Parodie, die nichts mit dem normalen Krolock zu tun hatte. Der normale Krolock würde sie niemals angreifen, niemals. Aber leider war hier nichts normal und auch wenn sie es noch sehr kaum glauben konnte – Krolock sprang los um sie zu töten. Ihr Blick wich nicht von seinen roten Augen, folgte dem schwankenden Sprung, kam noch immer nicht auf die Idee, ihrerseits die Zähne zu zeigen und … sah plötzlich graues Fell. Etwas hatte sich zwischen sie und den Schwarzen geschoben und Caylee brauchte einen Herzschlag, bis sie den Wolf erkannte. Amúr. Eine heiße Welle von Wut rollte über sie hinweg, aber verebbte genauso schnell wie sie gekommen war. Ihre Schwester hatte ihr den Rücken zugewandt, drohte Krolock und machte ganz unmissverständlich klar, dass sie Caylee verteidigte. Wieder kochten Gefühle in der Weißen hoch, doch diesmal von so unterschiedlicher Natur, dass sie sie selbst kaum definieren konnte. Amúr hatte ihren Hilferuf gehört und war herbeigekommen. Als einziges. Ausgerechnet Amúr. Lange konnte sich Caylee aber nicht mit ihren Gedanken beschäftigen; Krolock hatte abgebremst und schien ebenso überrascht wie sein Opfer. Das war jedoch abgesehen von der schmerzenden Schulter sehr viel fitter und rappelte sich im Schutz ihrer Schwester bereits wieder auf, während der Schwarze noch von einem Hustenanfall geschüttelt wurde. Auch das war so ein kleines Detail, das diese ganze Szene zu einer verzerrten Parodie der Realität werden ließ. Aber Caylee hatte nicht vor, ihre soeben aufgetauchte Chance durch weiteres Abstreiten der Ernsthaftigkeit der Situation zu verspielen. Sie wäre am liebsten geflohen, in die schützenden Reihen des Rudels eingetaucht, aber nun schien sich Krolock ein neues Opfer ausgesucht zu haben und sprang schon wieder los – direkt auf Amúrs Kehle zielend. Und tatsächlich wurde Caylee jetzt zum ersten Mal bewusst, dass auch sie Zähne besaß. Dass sie größer war als Krolock. Und definitiv nicht wirr von einer Wurzel. Ein flüchtiger Blick galt dem Rudel, aber es war kein Zögern an ihr zu bemerken, als sie sich abwandte, zwei schnelle Schritte an Amúr vorbei trat und dann schräg in Krolocks Sprung hineinsprang. Es würde ihr nicht schwerfallen, den halb benommenen Wolf am Boden zu halten, davon war sie einigermaßen überzeugt. Erst Recht nicht mit Amúrs Hilfe, auf die sie plötzlich vertraute. Gemeinsam mit dem Schwarzen polterte sie zu Boden, warf sich jedoch sofort über Krolock, die Zähne gebleckt und nach seinem Maul schnappend, um es festzuhalten und an jedem weiteren Angriff zu hindern.

[ am seitlichen Rand des Rudels | Amúr und Krolock ]

Sheena
29.11.2012, 16:27

Mit ihren Gedanken und dem Versuch den Überblick zu behalten war Sheena mehr als beschäftigt. So nahm sie die Bewegung neben ihr nicht einmal aus dem Augenwinkel wahr. Und konnte der stolpernden Fähe nicht mehr ausweichen. Sie spürte wie die Schwarze sie rammte, sie selber das Gleichgewicht verlor. Der steinige Boden erschwerte es ihr, sich schnell wieder zu fangen und so taumelte sie einige Schritte weit. Dennoch entgingen ihr nicht die weitaufgerissenen Augen der Fähe die ihr nun gegenüberstand und für einen kurzen Moment ihre spitzen Zähne entblößte. Das tiefe, kehlige Knurren verstummte zwar rasch wieder, doch in Sheena schien es gerade erst zu beginnen. Die tiefblauen Augen dieser Fähe. Schon lange hatte sie sie nicht mehr gesehen. Nicht mehr sehen wollen. Amáya. Die Mörderin ihres Ziehvaters.

~Wie Tyraleen…~

Ihr Unterbewusstsein drängte sich an die Oberfläche. Nicht nur Amáya hatte getötet. Auch ihre Alphafähe, ihre Freundin, ihre Priesterschwester hatte getötet. Doch der Gedanke war nicht schnell genug. Und noch nicht so nah, als dass sie ihn hätte richtig erfassen können. Schon war ihr Nackenfell aufgestellt, ihre Muskeln spannten sich zu einem Sprung und ein bedrohliches Knurren ertönte aus ihrer Kehle. Was bildete sich dieses schwarze Monster ein!? Einfach aufzutauchen, sie anzurempeln und ihr dann auch noch zu drohen. Ihr, der Beta. Ihr, der Ziehtochter ihres Paten.

„…den Du getötet hast.“

Die Worte kamen zischend aus dem Fang der Weißen. Die zusammengebissenen Zähne erschwerten die Verständlichkeit ihrer Worte.
Und dann sah sie die Fähe an, die ihr gegenüberstand. Mittlerweile waren ihre Muskeln erschlafft, sie schien schwach. Ein wirrer Ausdruck stand in ihren Augen. War sie sich überhaupt bewusst gewesen was sie getan hatte? War diese Verrückte überhaupt noch in der Lage auch nur einen einzigen klaren Gedanken zu fassen? Sheena hatte nie verstanden, warum Amáya im Rudel geduldet wurde. Eine Gefahr für alle – eine Gefahr für ihre Welpen? Wütend bellte die Weiße auf. Eine Warnung, würde Amáya nur einen falschen Schritt tun, wäre es um die Beherrschung der Fähe geschehen. Nichts würde ihre Familie noch einmal zerstören. Erst recht nicht die Fähe, die es bereits einmal getan hatte.
Ruhe, Ruhe. Besinnung.
Langsam beruhigte sich der Atem wieder. Ihre Muskeln aber nicht. Sie blieb in angespannter Haltung, das Rudel war nicht so schnell, als dass sie es nicht einholen könne. Aber konnte Amáya es auch? Sie erschien unwahrscheinlich kraftlos! Und jetzt, jetzt konnte sie den Gedanken zu fassen bekommen. Auch Tyraleen hatte bereits getötet. Ihren eigenen Sohn. Und war Amáya vielleicht so umnebelt, dass sie sie gar nicht hatte angreifen wollen? Aber wie war ihre Aktion sonst zu erklären? Die Gedanken wirbelten ihr durch den Kopf, sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Wie Amáya?!

„Amáya.“

Kühle, wieder sehr gefasste Worte. Ein knappes Nicken zur Begrüßung. Vielleicht würde ihr die Fähe ja erklären, was das eben sollte. Zumindest schwang die Aufforderung in ihrer Stimme mit. Eine Aufforderung zu erklären, zu rechtfertigen und zu entschuldigen. Es ging nicht an, dass sich jemand ihr gegenüber so benahm. Wären sie nicht gerade auf dem Weg ihr Tal zu verlassen, auf dem Weg ins Unbekannte hätte sie Tyraleen sofort dazu gerufen. Diese Fähe gehörte ausgeschlossen, diese Fähe gehörte verbannt.
Oder?


[Am Ende des Rudels - Amáya]

Samirez
30.11.2012, 13:37

Alles war furchtbar schnell gegangen. Von einem Moment auf den Anderen hatte sich die Welt die er kannte, vollkommen verändert. Das Beben war vielleicht nicht gerade unerwartet, jedoch plötzlich gekommen und hatte den jungen Rüden gleichsam aus der Bahn geworfen. Wie auch bei den letzten Beben hatte sich der Helle aufgerichtet und war stolpernd und wirr einige Schritte zu laufen um Akhuna zu finden. Er musste sehen ob es ihr gut ging. Zu seinem Schreck hatte er jedoch genau in diesem Moment begriffen, dass auch Daylight quasi verschwunden war, oder besser, er sich wohl zu weit entfernt hatte ohne es wirklich zu merken. Das Herz des Jägers beschleunigte seine Schläge, während die Angst sich seinem Kopf bemächtigte. Panisch hörte er seine eigene Stimme nach Akhuna und Daylight rufen, dann jedoch riss es ihn von den Pfoten. Es war nicht unbedingt ein starkes Beben gewesen, sondern wahrscheinlich viel eher seine Unachtsamkeit, die ihn jetzt zu Boden war und seinen Kopf hart gegen einen Felsblock scheppern ließ. Benommen blieb Samirez einen Moment liegen, jedoch nur so lange, bis neue, panische Laute an seinem empfindlichen Ohren drang. Er hatte sich aufgerichtet, als er bemerkte das das Beben nachgelassen hatte, doch nun zerriss ein glühender Himmel den Horizont und der Weiße erkannte schnell, dass dies kein normaler Sonnenuntergang war. Der Himmel, so schien es, brannte. Sein Kopf pochte unangenehm und aus der Wunde auf seiner Stirn sickerte ein dünnes Rinnsal Blut. Der ehemalige Alphasohn biss die Fänge hart aufeinander und begann wieder mit seiner, bei dem nun aufwallenden Rauch jedoch schwierige, Suche. Tyraleens Heulen, welches das Rudel zusammen rief, war wie ein rettender Anker und somit steuerte der Rüde rasch auf den Ursprungsort ihrer Stimme zu. Daylight und Akhuna mussten einfach dort sein. Es würde ihnen gut gehen. Es musste. Die Entscheidung das Revier zu verlassen traf den Rüden wahrscheinlich weniger hart, als die hier geborenen Wölfe. Schweigend hatte er die Entscheidung hingenommen und war dem Knäuel verschiedener Pelze gefolgt, die ihr angestammtes Tal verließen, hinein in eine ungewisse Zukunft.




Stunden waren vergangen, doch die Laune des Rüdens hatte sich lediglich verschlechtert. Ohne selbst nach Akhuna gesprochen zu haben, hatte es der Weiße hingenommen, dass wohl alle bis auf einige wenige Wölfe (die er nicht kannte) da waren. Nun trabte der Wolf inmitten des Rudels düster vor sich hin. Das Blut aus seiner Stirnwunde war inzwischen getrocknet und klebte als dunkler Streifen am Haupt des Hellen. Er hatte noch nicht die Möglichkeit gefunden es weg zu putzen, genauso wenig all den Staub und die Asche, die seinen Pelz verdunkelten. Es wurmte den sonst so eitlen und reinlichen Rüden, so schmutzig herum zu laufen, doch dies war nur ein Teil seiner düsteren Stimmung. Der Großteil seiner Gedanken lag bei dieser Reise die sie nun auf sich nahmen. Wäre er daheim geblieben, in seinem Zuhause, dann hätte er jetzt in Ruhe irgendwo auf einer Lichtung liegen können und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Doch hier? Hier war kaum ein Tag nicht durchsetzt vor neuen Katastrophen, er hätte Reißaus nehmen sollen , als er noch die Chance dazu hatte. Dieses Rudel hier schien seltsam, hätte er an solchen Aberglauben geglaubt, hätte er wohl gesagt. Nun jedoch war der Wolf in den Brunnen gefallen und er durfte es auslöffeln. Nach Hause konnte er nicht mehr. Sein Vater würde ihn gewiss nicht mit offenen Armen empfangen, im Gegenteil, fortjagen würde er ihn. Doch hier? Wo sollten sie nun hin? Ihr Tal war jetzt vermutlich in eine glühende Masse voller Schutt verwandelt wurden. Diesen Wölfen hier war ein ganz tolles Leben als Wanderer vorbehalten. Geniale Sache. Düster zog sich die Stirn des Rüden in Falten und von der Wunde her kam ein stechender Schmerz, den er jedoch ignorierte. Er war so ein Dummkopf gewesen, ein totaler Narr. Und jetzt hatte er alles verloren.
Kurz wandte er den Blick umher, ließ ihn von Wolf zu Wolf schweifen ohne einen von ihnen wirklich anzublicken. Jetzt war er einer von ihnen, heimatlos. Ganz große Klasse. Wirklich, er konnte sich nichts Schöneres vorstellen. Und bitter wandte er den Blick wieder nach vorn und folgte dem Rudel in eine ungewisse Zukunft.


{Inmitten des Rudels | Allein | Anspielbar}

Amáya
30.11.2012, 16:42

Sie war krank. Verblüffend nüchternd bildete sich dieser Gedanke in ihrem vor Schmerz pochenden Kopf und begann endlose Schleifen zu ziehen. Nicht krank, im körperlichen Sinne, nein. Ihre Seele war krankhaft, besudelt vom eigenen stinkenden Blut und dem Blut jener, die sie im Laufe ihres Lebens verletzt hatte. Durch ihre Arroganz, ihre Sturheit und ihren Stolz. Zum Teufel mit dem Stolz! Sie hatte sich bis heute daran geklammert, als wäre es das Letzte, was ihr noch geblieben war. Doch war es denn noch wert, an diesem festzuhalten? Sie hatte nichts auf das sie stolz sein konnte. Nicht auf ihre Taten, nicht auf ihr Wesen, nicht auf ihre Worte. Sie tat nur so, als wäre sie die steinerne Aristokratin. Ein Schauspiel, doch für welchen Preis? Es strengte sie an, ihre Familie anzulügen. Doch sie log ja schon, wenn sie das Wort 'Familie' ins Maul nahm. Ihr Blick wurde eine Nuance stumpfer, während Bitterkeit in ihr hochstieg und vermischt mit Angst und Verwirrung ein quälendes Gefühl in ihrer Brust erzeugte. Sie hatte dieser Familie nie angehört. So früh hatte sie es schon bemerkt, als sie noch das kleine, unauffällige und unfähige Regenkind gewesen war, unsicher und zurückgezogen. In gewissen Sinne war sie immer noch die Selbe, wie damals, auch wenn sie es vor einem Jahr vielleicht nicht hätte zugeben wollen. Oh, sie war so dumm gewesen und so hochnäsig. Sie schämte sich schrecklich dafür, für alles. Dazu brauchte sie keine Mayhem, die ihr das alles unter die Nase rieb durch ihre bloße Anwesenheit. Eine erneute Welle der Angst und auch diese überlebte sie. Die Schuld die ihre Weste befleckte wurde immer schwerer und schwerer, je mehr Zeit verging. Mit jedem Atemzug. Der kleine Unterschied war, dass sie nicht mal unschuldig auf die Welt gekommen war. Sie hatte schon im Mutterleib gesündigt und es war kein Spiel des Zufalls, dass sie es ihr ganzes Leben lang noch tun sollte. Der Schwindel, in dem sich die üblichen Gedanken versammelten und trichterförmig zirkulierten ließ sie für eine kurze Zeit Sheena vergessen. Ja selbst den Vulkan und das sie auf der Flucht waren. Nun, eine andere Flucht hatte sie natürlich nicht vergessen. Eine Flucht, die schon ihr halbes Leben geprägt hatte. Wie konnte man seine eigene Zwillingsschwester vergessen, wenn sie überall war? In den Ohren, in den Augenwinkeln, im Nacken... In ihrem Kopf. Das war ihre Krankheit, nicht wahr? Ihr erster Fehler war ihre Strafe geworden, an dem Tag an dem sie selbstsüchtig einen Unschuldigen geopfert hatte.

Erschrocken fuhr sie aus ihrer schlaffen, desorientierten Starre heraus. Im ersten Augenblick nahm sie an, dass das statische Flüstern in ihren Augen sich endlich - wollte sie denn nun wissen was es war, oder nicht?! - geklärt hatte, denn die Worte fügten sich perfekt in ihren Gedankengang ein. Sie war wirklich in ihrem Kopf, sie war selbst dorthin eingedrungen! Wohin sollte sie denn nun fliehen, wenn sie in ihrem eigenen Glasschneckenhaus auch nicht mehr sicher war? Unbewusst brach sie ihre eigenen Regeln, als ihre Augen erschrocken nach links und rechts flatterten, auf der Suche nach einem Ausweg aus ihrem eigenen Geist, ein Vorhaben schon vom Anfang an zum Scheitern bestimmt. Aber was sollte sie anderes tun, so vergiftet und dämmerig wie sie im Moment war? Es war überhaupt verwunderlich, dass sie bis jetzt halbwegs Kontrolle über sich hatte behalten können. Nicht so, wie das letzte Mal. Doch sobald ihre Kopf sich zur Seite wandte, geschah das, was sie schon die ganze Zeit gewusst hatte. Dort hinter dem unförmigen Felsen flackerte eine blendend helle Gestalt. So hell, dass es eher verschwommene Umrisse waren. Grauen erfasste sie und Übelkeit stieg in ihr auf. Sie versuchte zurückzuweichen, doch wusste nicht wohin. Jede Richtung sah genauso aus, führte zum selben Ende, in die Arme ihrer verstorbenen Zwillingsschwester, ihrem Wunsch und ihrem Fluch. Sie wollte die Worte nicht hören, die sie für sie bereit hatte. Sie hatte Angst, so schrecklich Angst, ja, sie war feige. War es schon immer gewesen. Wenn sie nicht flüchten konnte, sollte sie dann nicht besser angreifen?! Sie zerstören, als letzte Notwehr? Doch wartet! Da, zu ihrer rechten, da war doch etwas! Sie wand ihren schmalen, ascheverklebten Kopf um und blinzelte das zweite Mal zu Sheena, ohne sie wirklich zu erkennen. Langsam kroch die Erinnerung in ihren Kopf. Genau. Ein letztes Stück Realität, ein Wink hinter dem Schleier. Sie war noch nicht ganz verloren. Zögerlich wollte sie die Schnauze nach den Fähe ausstrecken, ja sie schien schon fast zaghaft. Doch sie erstarrte jäh einige Zentimeter von dem weißen Pelz der Rettung entfernt, als die Erkenntnis sie traf. Die Worte stammten nicht von Mayhem, sie stammten von ihr... der Fähe. Sheena, so hieß sie doch. Sie senkte ihre Schnauze und ihr Blick verdüsterte sich, auch wenn er klarer geworden war.

"Den ich ermordet habe.", ein feiner Unterschied, aber für sie entscheidend. Es war das Brandzeichen, dass sie sich selbst aufgedrückt hatte in all ihrer Dummheit und Naivität. Wie sie es so aussprach, klang es unendlich müde und man konnte auch eine Spur des Bedauerns in ihren Worten erkennen. Sie tat etwas, was sie schon lange nicht getan hatte : Sie kapitulierte vor einem Rudelmitglied. Den Kopf gesenkt fixierte sie das helle Fell der Fähe vor ihr, versuchte sich jedes einzelne Härchen einzuprägen, bis das Bild vor ihr verschwamm und erneut rote Lichtblitze vor ihrem Auge aufzuckten. Hörte es denn nie auf? Sie hatte genug. Wenn sie jedem doch nur ein Dorn im Auge war, wieso war es ihr dann nicht erlaubt zu gehen? Doch Mayhem würde es nicht erlauben. Sie fesselte sie, engte sie ein, bis sie sich ihrem Willen fügte. Aber Amáya wollte das nicht. Sie war vielleicht die niederste Kreatur auf Erden, doch sie wollte die Freiheit haben, zu entscheiden. Dieses Rudel, diese Familie war zu gut für sie. Sie konnte nicht in den Kreis der Lebenden treten, doch weder konnte sie sich in den Tod flüchten. Verdammt und eingepresst zwischen Begriffen die ihr den Verstand raubten. Sie hatte es satt allen weh zu tun. Und der Gedanke, sie hätte diese Fähe vor ihr eben fast angefallen, machte sie krank und wiederte sie an. Was, wenn sie erneut gemordet hätte? Was, wenn sie heute noch jemanden die Kehle zerfleischen würde? Wozu würde ihr Fluch sie denn noch treiben? Wie lange würde sie es aushalten. Ihre Lefzen bewegten sich leicht, aber ohne jegliche Stimme. Sie wollte der Fähe etwas sagen. Sie war ihr irgendwie dankbar, dass sie in diesem Moment da war, auch wenn sie nicht viel tat. Nein, ihre Worte waren sogar feindselig. Worüber hatte sie noch einmal gesprochen? Ein kurzes Runzeln der dunklen Stirn, man konnte erkennen, dass sie sich ein Stück weit in die reale Welt zurückbegab. Ach, ja. Ihre größte Sünde, wie hatte er noch mal gehießen? Zack. Nur über ihn konnte die Fähe sprechen. Fähe? Sheena. Was hatte Sheena noch mal zu Zack verbunden? Sie hatte keine Ahnung mehr. Ihre Familie war ihr schon immer so fremd gewesen, dass sie solche Dinge kaum mehr wusste. Sie ließ ihren Kopf leicht hochschnippen, als ihre Ohren ein wütendes Bellen vernahmen, welches das Rauschen unterbrach. Die regenblauen Seelenspiegel blickten kurz in Augen voller Zorn und Verachtung. Defensiv flachte Amáya ihre Ohren leicht an ihrem Kopf an.

"Ich... Mir...", fing sie ganz rau und leise an, doch es folgten keine Worte in ihrem Kopf. Als wäre da ein pulsierendes Loch, dass sie verschlang, sobald sie gebildet wurden. Was konnte sie Sheena denn schon sagen? Das es ihr leid tat?! Lächerlich. "Es gibt keine Entschuldigung.", sagte sie schließlich matt und senkte wieder ihren Blick, auch wenn ihr Kopf in der gleichen Stellung blieb.

Sie erwartete von Niemanden ihr zu vergeben. Eher sollten sie sie von sich stoßen, vertreiben, nach ihr schnappen. Doch die Meisten waren so stur und weigerten sich, sie auszugrenzen. Und deswegen hatte diese fälschliche, himmelblauäugige Hoffnung Besitz von ihr ergriffen. Welcher Fehler, oh, welch ein Fehler. Sie würde Kirov auch nur weh tun. Verdammt. Das war ein Schmerz, der viel stärker war als jeglicher, den der Rauch oder Fänge ihr zusetzen konnten. Es war ein Schmerz, den sie tief im Herz verspürte und den sie vielleicht noch nie vorher gespürt hatte.
Wie auf Befehl wanderten ihre Seelenspiegel zu dem Gesicht Sheenas, als sie ihren Namen vernahm. Amáya, die Regennacht. Das war sie, oder? War sie das wirklich? Irgendwo vermeinte sie, in der Ferne Glocken zu hören. Doch anstatt dass es sie wie sonst besänftigte, schnürte es sie nur noch enger zu.

"... und ich will nicht mehr sein als Amáya. Aber wie? Wie kappt man diese Bande, Bande des Bluts, Bande der Schuld...", ihre Stimme wurde fester, doch selbst sie wusste nicht, wem sie diese Fragen stellte. Sie schüttelte ihern Kopf ganz sacht, doch es war ihr, als würde er Tonnen wiegen. Da war zu viel in den Windungen und Falten ihrer Gehirnrinde zusammengepresst, mehr als ein Sterblicher je begreifen könnte. Sie schien verletzlich in diesem Moment. Die Wahrheit, so war sie schon immer gewesen. Sie hatte sich jahrelang hinter Eisenpanzern versteckt, mit Masken gespielt und sich selbst damit gequält. Die Kanten der Rüstungen hatten ihr tief ins Fleisch geschniten und sie war blind gewesen, denn die falschen Gesichter hatten keine Sehschlitze. Doch sie hatte nie gedacht, dass alles einmal so eskalieren würde, wie es in letzter Zeit tat. Sie hatte gedacht, sie könnte weiter im Stillen vor sich hin bußen und auf den Tag warten, an dem Fenris sie endlich mitnahm. Doch nein, sie hatte der Süßen Verlockung der Hoffnung nachgegeben. Sie hatte nach dem Leben gegriffen, als es sich ihr schillernd dargeboten hatte, doch Mayhem würde das nicht zulassen. Ein weiterer Fehler auf jener endlos langen Liste und das Schlimmste war, sie lernte nie aus ihnen. Ihre Lefzen verzogen sich bitter und dieses düstere Lächeln war einzig an Mayhem gerichtet und natürlich an sich selbst. O, welch Ekel sie auf ihrer Zunge verspürte und das gewiss nicht wegen Rauch und Asche!

Amúr
01.12.2012, 16:23

Dieses Verhalten. Dieses Auftreten. Bei den Göttern, es machte ihr Angst. Amúrs Nackenfell schien sich zu sträuben, doch mehr an die Anzeichen gerichtet, dass sie sich nun in Unsicherheit wog. Der Rüde schien durch ihr Auftreten kurz geblendet zu sein. Verharrte. Genoss die tickenden Sekunden auf seiner feuchten Zunge und starrte sie mit seinen intensiven Iriden an, als wäre sie die neue Beute selbst. Ihre Krallen, bohrten sich in den Boden, um dort einen Halt für ihre unsicheren und dünnen Beine zu suchen. Wäre jener Halt nicht da. Ja...sie wäre wohl vor Angst umgefallen. Niemals hatte sie sich erträumt einst ihren zarten Körper in ein solches Gefecht zu stürzen und dabei noch die wehleidige Seele ihrer Schwester zu verteidigen. Kurz unterbrach sie den Blickkontakt. Welch Fehler. Sie hatte somit verloren. Ihre strengen Augen wurden weich und sahen nach hinten, um nach ihrer gestürzten Schwester zu sehen. Es sah schlimm aus, sie musste sich irgendwo verletzt haben und jenes Urteil hatte sie nicht mal ihr gegönnt.

Ein heiseres Knurren richtete sich in die Richtung der Grauen und Amúr hörte wie der schwarze Wolf zu husten begann. Es klang nach einer herrschenden Tonverschleierung. Hinterlegte etwas böses und doch die Tatsache, dass jener Rüde nicht mit seinem eigenen Willen handelte. Sofort hatte er wieder Amúrs vollkommene Aufmerksamkeit und sie erkannte wie seine weißen Fänge im Kontrast zu seinem Fell im Schneetanz der Asche zu funkeln schienen. Das war nicht das Wesen eines Wolfes. Nicht das Wesen eines Wolfes, welcher in den hütenden Truppen ihrer Mutter einen Platz gefunden hatte. Etwas war hier faul, doch ihre Sinne wollte nicht darauf kommen was in den schwarzen Schatten gefahren war.

Ihre Rute war weiterhin nach oben gerichtet und auch Amúr versuchte sein Knurren zu erwidern, doch er sprach es nicht nur als Warnung aus, er setzte Taten ein, die mit Blut beschert werden sollten.

Wie eine gierige Krähe sprang er auf, seine Augen und seinen Fang auf sie gerichtet. Amúr stand in der Enge. Wie sollte sie nur reagieren? Ihre Worte hatten keine Bereicherung für ihn erbracht, doch einen Kampf starten? War sie wahrlich das Wesen dafür? Nein. Niemals. Aber über den Schatten springen...ging das nicht? Niemals. Nein. Nicht für sowas. Nicht hier. Nicht...

Die Sekunden ihrer Gedanken schienen mehr Zeit in Anspruch genommen zu haben, als sie dachte. Es gab einen dumpfen Aufrpall und als sie ihre Augen wieder auf die Realität richtete, erkannte sie ihre Schwester, wie sie den schwarzen Rüden von der Grauen abgehalten hatte. Aber wieso? Ihre Verletzung. ''Caylee!'', rief sie zur Hilfe eilend und nahm sich ihr Herz. Sie musste etwas tun. Verzweifelt legte sich ihr Blick auf das ziehende Rudel. Waren sie blind von der Asche? Bekam denn keiner etwas mit? Innerhalb von weiteren, laut schlagenden Sekunden, krümmte sie ihr Kreuz und hob ihren Fang in die Höhe. Amúr heulte, betete, brachte ihre Stimmbänder zum schmerzen und erhoffte sich Unterstützung. Wie wollte sowas jemals nur in guten Sinnen enden?

Reines Blau sah wieder zu dem Geschehen und die Graue wusste, dass sie nun wohl wirklich einschreiten musste. Noch stand sie da wie eine Salzsäule, doch im nächsten Moment stürmte sie auf den Schatten los, sucht mit ihrem Fang nach seinem Fleisch und versuchte mit aller Kraft den Rüden mit der Hilfe ihrer Schwester auf dem Boden zu halten. Starke, sich wehende Pfoten kämpften wütend gegen ihren Körper, ließen sie sogar kurz aufjaulen. Amúr ließ los, doch packte sich dann wieder seinen Kragen und versuchte ihn wieder nach unten zu zerren. Zu zweit mussten sie es doch schaffen ihn zu fixieren?! Beängstigt suchten ihre Augen jene von Caylee, doch sie trafen sich nicht. Wollten sich nicht treffen, denn auch sie schien noch so erfüllt von lauter Panik und Unwissen.


[seitlich des rudels / caylee und krolock. {heult um hilfe.}]

Chardim
02.12.2012, 16:07

Den Blick starr und doch nichts sehend auf die Pfoten gerichtet trottete Chardím seitlich außen mit dem Rudel mit. Die in Finsternis gehüllte Heimat ließen sie hinter sich und liefen fort ins Ungewisse. Sie folgten zwar den Spuren seines Vaters, aber wer wusste schon, ob sie ihn einholen würden? Das Rudel war erschöpft, müde, manche sogar ziemlich angeschlagen von dem ganzen Qualm. Und die Welpen im Schlepptau verringerten auch ihre Geschwindigkeit. Averic hingegen hatte sie gesund und wach verlassen und ein großer, kräftiger Wolf wie er es war, würde sicherlich schnell voran kommen. Sollten sie es durch irgend ein Wunder schaffen und ihn einholen ... was dann? Sein Vater war auf dem Weg ins Tal der Raben, in Fenris’ Tal. Würde er wirklich das Rudel Engayas dorthin mitnehmen? Es zog in seiner Magengegend, wenn Chardím an seinen Vater dachte. Er konnte diese seltsam befremdliche Niedergeschlagenheit nicht abschütteln, dieses Schuldigsein. Auch wenn der Schwarzweiße gleichzeitig versuchte sich immer und immer wieder zu sagen, dass das albern war. Irgendwas mit ihm war anders und das wurde er nicht los. Er hatte keine Lust sich mit einem Wolf zu befassen, nicht mal Linalee. Sie würde sich nur weiter Sorgen um ihn machen. Und er wollte einfach nur ein bisschen Luft zum atmen. Allein. Er überlegte sogar, ob er den Abstand zum Rudel noch weiter vergrößern sollte, bis er sich gefangen hatte, tat diese Idee aber als dumm ab.
So in Gedanken versunken bekam der Schwarzweiße nicht viel davon mit, was sich beim Rudel abspielte. Einmal meinte er ein Rufen gehört zu haben, aber als er nach vorne sah, lief das Rudel immer noch unbeirrt geradeaus. Vielleicht hatte er sich das nur eingebildet. Es wäre nicht das erste Mal, dass er irgendwelche Stimmen hörte. Chardím richtete den zweifarbigen Blick wieder auf den kalten, steinigen Boden. Aber kaum, dass er noch ein paar Schritte gemacht hatte, war da wieder ein Rufen. Dieses Mal von jemand anderem. Jetzt konnte er auch zuordnen, von wo es kam. Von hinten. Der Schwarzweiße holte seine Gedanken in die Wirklichkeit zurück und drehte den Kopf nach hinten, stehen bleibend. Das war doch Amúr gewesen, oder? Und sie rief um Hilfe? Die blaubernsteinfarbenen Augen suchten die Umgebung ab, dann fand er ein Knäuel von Gestalten weiter hinter sich. Da waren seine graue, aber auch seine weiße Schwester und – Krolock. Von seiner Position aus, sah die Szenerie wie ein bizarrer Tanz aus. Dieser dumme Wolf, hatte er denn nichts als Ärger im Kopf? Doch der Geruch von Gefahr wehte scharf zu ihm hinüber, mit dem Hilferuf seiner Schwester. Etwas schien eskaliert zu sein. Pass auf sie auf.
Chardím machte auf dem Absatz kehrt und rannte auf die Dreiergruppe zu. Als Bruder von Caylee und Amúr war es seine Pflicht sie zu beschützen! Die Zwei schienen derweil zu versuchen einen wildgewordenen Krolock am Boden zu halten; was war nur wieder in diesen Trottel gefahren? Etwas ging von ihm aus, was ihm das Fell zu Berge stehen ließ. Mit gefletschten Zähnen stürmte der schwarzweißgefärbte Wolf herbei und versuchte ebenfalls nach dem schwarzen Wolf zu fassen und zu Boden zu drücken.



[ Seitlich des Rudels | allein, dann Caylee, Amúr, Krolock ]

Atalya
02.12.2012, 17:27

Atalya kniff einen Moment die Augen zusammen, wandte sich jedoch nicht zurück zu Cirádan, den sie hinter sich gelassen hatte. Der Wolf interessierte sie nicht – und er sollte sie in Ruhe lassen. Sie war froh, wenn er einfach zurück blieb, sich einen anderen Wolf suchte, dem er auf die Nerven gehen konnte. So lief sie einfach weiter, öffnete die Augen erst einige Atemzüge später erst wieder, den Blick jedoch still nach vorn gewandt. Vielleicht hätte sie Ablenkung gebrauchen können, vielleicht wäre Gesellschaft nun genau das, was sie brauchte. Aber sie wollte keinen dieser Wölfe um sich herum haben, und selbst ihrer Familie stand sie zögerlich gegenüber. Atalya brauchte Ruhe, Zeit für sich. Vielleicht würde sich dann alles wieder von allein ergeben, alles seine Ordnung finden, in diesen Momenten, in denen ihr Leben ihr selbst so fern erschien. Egal an was sie dachte, ihre Gedanken kreisten immer um diesen einen Gedanken, um diesen einen Wolf, den sie nun lieber als jeden anderen an ihrer Seite gewußt hätte. Aber die Hoffnung darauf war so kalt wie der eisigste Winterwind. Und mit jedem Schritt, den die Graue tat, schien sie weiter zu erlischen. Nur kurz ließ die Fähe den Blick schweifen, sah jedoch niemanden wirklich an. Sie schluckte, wandte den Blick dann wieder nach vorn, lief weiter still neben dem Rudel her, ohne groß auf sich aufmerksam zu machen. Und die Ruhe, die sie nun umgab, ließ die Wut sinken, machte der Trauer und der Verzweiflung Platz, die sie in so vielen Momenten zu unterdrücken versuchte. Es schien, als wäre sie nicht zu erreichen, beinah, als wäre sie vollkommen abwesend.
Und doch ließ sie ein lauter Ruf hellhörig werden, den Kopf in die Luft reißen. Ein Hilferuf – und die Sinne der jungen Wölfin spielten ihr einen Streich, ließen die Stimme anders klingen. Es war nicht ihr bester Freund... er war zu weit fort. Und doch hatte sich eben diese Hilfe rufende Stimme im ersten Moment so angehört. Mit einem leisen Grollen biß Atalya die Fänge aufeinander, schüttelte kräftig den Kopf, vertrieb diesen Gedanken um klar denken zu können. Sie musste warten – und vielleicht wurden ihre Erwartungen übertroffen. Es war nicht Madocs Stimme gewesen... aber der Ruf war da gewesen, und allmählich lichtete sich auch, zu wem diese Stimme gehört hatte. Es wurde so deutlich, dass die Graue nicht lang brauchte, um zu reagieren. Der Feigling, der sie eben noch angerempelt hatte, war vergessen, jetzt zählte die Stimme ihrer Schwester, die nach Hilfe gerufen hatte – selbst wenn sie zu Amúr vielleicht nie das Beste Verhältnis gehabt hatte. Ohne zu zögern, ohne noch einen Moment nachzudenken, setzte die Graue zum Sprung an, wartete nicht lang, bis sie mit schnellen Sätzen durch das Rudel eilte, dem Geruch ihrer grauen Schwester folgend – und den Gerüchen, die deutlich ebenso nah waren, wie der von Amúr. Nur wenige Schritte waren nötig, um das Ziel zu erreichen, um zu sehen, wieso sie nach Hilfe gerufen hatte. In diesem Moment tauchte auch ihr Bruder auf, stürzte sich zu Caylee und Amúr, die deutlich einen anderen Wolf zu Boden drückten. Und es war nicht schwer, zu erkennen, wer dieser Wolf sein musste. Atalya hielt nicht inne, sie lief weiter, bis sie springen konnte, bis sie neben Amúr zum Stillstand kam und einen Moment später – ebenso wie ihre Geschwister – mit einem tiefen Grollen nach Krolock fasste, keine Rücksicht darauf nahm, ob sie dem schwarzen Rüden Schmerzen zufügte. Sie sah seine Augen nicht, verbiss sich nur in seinem Fleisch, um ihn zum stillhalten zu bringen. Amúr hatte sicher nicht umsonst um Hilfe gerufen – und an was sollte Atalya sich noch halten – wenn nicht an ihre Familie?


[Rudel – Caylee, Amúr, Chardím & Krolock]

Krolock
02.12.2012, 22:57

Krolock spürte den Aufprall, ehe seine Zähne sich in das Fleisch der dämlichen, grauen Wölfin schlagen konnten. Ein Funkeln lag in seinen Augen, das wohl niemand sehen konnte, weil er in diesem Moment zu Boden gerammt wurde. Der schwarze Rüde rang keuchend nach Luft, von der er ohnehin nicht ausreichend zu bekommen schien, seit der Berg in Flammen aufgegangen war. Er grinste dämlich und wehrte sich unter Caylee. Zu spät. Nun wurde der geschwächte Körper von zwei Wölfen nieder gedrückt. Egal. Herausforderungen waren reizvoll, also begann er sich heftigst zu wehren. Wie eine Schlange, die man mit einem Stock zu Boden zu drücken versuchte. Oder ein Wurm, der kämpfte, obwohl er dabei in zwei Teile geteilt werden konnte. Haha.
Wer war da nun alles? Irgendwer war noch zu ihnen getreten. Oh nein! Das Idiotenpaar von Caylees Geschwistern. Atalya und Chardím. Also hätte er nicht schon mehr als genug mit den beiden Trotteln zu tun gehabt. Moment? Irritiert kämpfte Krolock weiter, um sich loszureißen. Jemand hatte ihn gebissen. Atalya dieses Biest! In einer Verrenkung sah er sie an, versuchte los zu kommen, aber vier Wölfe hielten ihn davon ab. Der Schwarze machte einfach weiter, wie ein Wahnsinniger. War er ja auch, wenn man es genau nahm. Sollten sie doch versuchen, ihn am Boden zu halten, dazu reichte es nicht, ihn nur nach unten zu drücken und ein bisschen an ihm herum zu knabbern. Los! Blut! Blut! Und wenn es sein Eigenes war!
Dennoch versuchte er permanent alle, die nun um ihn standen und auf ihm lagen anzureißen. Seine Zähne durch ihr Fell in das Fleisch zu rammen. Vielleicht erwischte er den ein oder anderen Wolf. In seinen hektischen, kämpferischen Bewegungen, realisierte er es kaum. Wie schön es doch wäre, wenn sein Körper nicht derart gehandicapt wäre.
Die wilden Bewegungen beschworen nach einer Weile einen ziemlich heftigen Hustenanfall herauf, dennoch hörte der Wahnsinnige nicht auf, sondern machte weiter, auch als die Atemzüge nicht mehr mehr wahren, als ein gieriges Pfeifen. Das ging kurze Zeit so weiter, bis der Sauerstoffmangel sich bemerkbar machte und der schwarze Rüde ganz plötzlich in einer aufbegehrenden Bewegung innehielt und sein Kopf zu Boden sank, als hätte man bei einem elektrischen Gerät den Stecker gezogen. Kein Strom mehr.


[Unter Caylee, Amur, Atalya und Chardim]

Daylight
03.12.2012, 13:53

Daylight ließ verlegen die Ohren schnacken und schenkte Tyraleen ihr strahlendstes Lächeln. Ihre leuchtende Erscheinung wirkte Angesicht der vielen gequälten Mienen gleichzeitig grotesk und erfrischend.

„Gegenfrage“, erwiderte sie amüsiert, das Gesicht ihrer Schwester zugewandt, „Wann bist du zu einer so wundervollen Leitwölfin geworden?“

Im Grunde war es von Anfang an klar gewesen, dass Tyraleen Banshees Nachfolgerin werden würde, auch wenn niemand es ausgesprochen hatte, hatten es alle geahnt – auch Daylight hatte es immer gewusst und trotzdem hatte sie sich früher manchmal ausgemalt, wie es wäre, wenn sie selbst eines Tages als Leitwölfin vor einem Rudel stehen würde, einen starken Rüden an ihrer Seite. Sie hätte beides haben können, mit Amir, hätte im nächsten Frühjahr vielleicht seine Welpen zur Welt gebracht, doch sie hatte sich dagegen entschieden. Sie war keine Leitwölfin, so wie Tyraleen, sie konnte nicht für das Wohl eines Rudels sorgen, sie konnte nicht stark sein, wie ihre Schwester. Daylight konnte lächeln, andere ermuntern, aber sie konnte nicht führen, keiner würde ihr auch nur halb so vertrauensvoll folgen, wie Tyraleen. Eine Zeit lang hatte sie ihre Schwester beneidet, bis sie irgendwann verstanden hatte, dass auch sie ein Teil eines Ganzen war, der seine ganz persönliche und nicht weniger wichtige Aufgabe zu erfüllen hatte. Tyraleens Kompliment bedeutete Daylight viel und gab ihr die Gewissheit ihre Aufgabe gefunden zu haben und ihrer Bestimmung gerecht zu werden. Aufmerksam lauschte sie Linalees Worten, und musste unweigerlich ein wenig breiter Lächeln. Eigentlich hatte sie mit Tyraleen über Kishas und Madocs Verschwinden sprechen wollen, aber im Beisein der Kleinen wollte sie ein solch düsteres Thema lieber vermeiden. Also wartete sie Tyraleens Antwort ab und gab ihr zustimmendes Nicken.

„Deine Tante hat Recht. Außerdem gibt es noch viele andere Dinge, die sehr wichtig sind. Intelligenz zum Beispiel. Jeder Wolf hat seinen Platz im Rudel, manche sind mutig, manche stark, manche schlau und alle sind gleich wichtig füreinander. Du musst nicht traurig sein, wenn du vielleicht nicht ganz so stark bist, wie deine Brüder, dafür bist du dann vielleicht schlauer, oder kannst schneller laufen. Das ist ganz unterschiedlich“,

äußerte Daylight ihre Gedanken schließlich und schaute Linalee aufmunternd an, die Ohren wieder nach von gerichtet,

„Du wirst schon bald erkennen, was deine Stärken sind, da bin ich mir sicher.“


{bei Tyraleen und Linalee an der Spitze des Rudels}

Shani Caiyé
05.12.2012, 16:10

Hiryogas zahlreiche zärtliche Erwiderungen ihrer eigenen Liebkosungen lösten in Shani eine tiefe, alles überstrahlende Freude aus. Er war zwei Jahre fort gewesen, aber er liebte sie noch genauso sehr wie sie ihn und als wären sie nie getrennt worden. Während sie zwei Jahre in diesem Rudel ohne ihn gelebt hatte, musste sich einiges an ihr verändert haben – nicht zuletzt durch die schweren Zeiten, die sie hier erlebt hatte. Hiryoga dagegen wirkte komplett unverändert, nur hier und dort schien irgendetwas zu fehlen. Aber hinzugekommen war nichts. Er war ihr Hiryoga, als wären es keine zwei Jahre gewesen. Es gab nichts Schöneres und Berauschenderes, als sich in sein Fell zu kuscheln und er ließ diese kalte, triste Umgebung plötzlich leuchten.
Ob Isaí davon genauso überzeugt war wie sie, ließ sich nicht ganz so leicht feststellen, wirkte der Welpe doch vor allem verwirrt. Offensichtlich ließ er sich aber auch von ihrer Freude anstecken, zumindest musste er immer wieder lächeln und mehr als ein Mal wirkte er, als würde er sich am liebsten zu ihnen kuscheln. Als sie sich ihm schließlich zuwandte, war da aber auch viel Erleichterung, keine Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen war gar nichts für Welpen und noch weniger für Isaí. Die kleine Zunge, die beinahe eilig über ihre Nase fuhr kommentierte sie mit einem weiteren Strahlen und dann war sie gespannt auf die Reaktion ihres Enkels. Immerhin traf er gerade zum aller ersten Mal seinen Opa. Das war schon etwas Besonderes. Isaí wirkte auch im angemessenen Maße verblüfft und wiederholte zunächst ungläubig ihre Worte. Die Weiße grinste dabei über beide Ohren und freute sich so, ihrem Enkel seinen Opa vorstellen zu dürfen, dass ihre Rute unablässig hin und her schwang. Sie betrachtete überglücklich wie Isaí schließlich ebenfalls zu strahlen begann und begrüßend an seinem Opa hochsprang. Mit kindlicher Überzeugung stellte er fest, dass Hiryogas Suche lange gedauert hatte und wollte natürlich gleich Geschichten hören. Das Lächeln Shanis wurde für einen kurzen Moment ein wenig schief, fürchtete sie doch plötzlich die Erzählung, die Hiryoga beginnen könnte. Immerhin wusste sie, wo er ansetzen würde … beim Sturz ins Nichts, provoziert durch einen furchtbar unnötigen Streit. Weder wollte sie, dass Isaí vom Nichts erfuhr, noch sollten sie beide sich wieder an die vielen schlimmen Worte erinnern, die sie sich gegenseitig an den Kopf geworfen hatten. Und dann hing auch noch Hiryogas letzter Satz in der Luft, der so verwundert geklungen hatte, als wären für ihn diese zwei Jahre eine viel kürzere Zeit gewesen. Aber wer wusste schon, was Zeit im Nichts bedeutete? Ein wenig krampfte sich Shanis Herz zusammen und am liebsten hätte sie zunächst alleine mit ihrem Gefährten gesprochen. Aber sie konnte Isaí jetzt nicht fortschicken, zudem hatten seine Geschwister und vor allem auch ihre eigenen Kinder das Recht dazu, ihren Vater zu begrüßen. Und Shani wollte unbedingt ihre Freude sehen.
Mit einem leisen Wuffen erhob sie sich, vergrub noch einmal ihren Fang in Hiryogas Nackenpelz, zog ihm dann mit einem schelmischen Grinsen am Ohr und stupste schließlich ihn und seinen Enkel auffordernd an.

“Kommt, lasst uns zum Rudel gehen und deine Geschwister und die Schwestern von deinem Papa suchen. Wenn du ihnen sagst, dass du ihren Vater gefunden hast, können sie es bestimmt kaum glauben.“

Dann legte sich ihr Blick auf Hiryoga und erstmals war so etwas wie Ernst in ihrem Gesicht zu erkennen. Sie mussten über all das reden, was geschehen war, aber sie fürchtete sich auch davor und wollte nicht, dass ihre Enkel von einigen traurigen Geschehnissen erfuhren. Jetzt gerade hatten sie es doch schon schwer genug, immerhin mussten sie in diesem Alter ihr Geburtstal verlassen und lange Strecken laufen.

“Wo du gewesen bist, war es dort schlimm? Und … weißt du, dass du fast zwei Jahre fort gewesen bist?“

Sie schluckte und drückte ihre Stirn wieder gegen seinen Hals. Noch immer war sie sich nicht sicher, ob sie die Antworten hören wollte, aber es führte wohl kein Weg daran vorbei. Engaya hatte ihr ihren Gefährten zurückgeschenkt, das war nun die Hauptsache, alles andere würde ihre Freude nicht trüben können. So strahlte sie auch weiterhin.


[ am Ende des Zuges | Isaí und Hiryoga ]

Caylee
05.12.2012, 16:11

Caylee sah nichts mehr, dafür war sie viel zu tief in Krolocks schwarzem Pelz vergraben. Sie spürte lediglich, wie er immer wieder nach ihr schnappte, ebenso wie sie es tat, nachdem sie seinen Fang nicht erwischt hatte, konzentrierte sie sich nun auf seinen Hals, den sie mit aller Macht zu Boden drückte. Dann war jemand an ihrer Seite, Amúr war zu ihr getreten, nachdem sie noch einmal um Hilfe gerufen hatte. Auch sie versuchte nun Krolock im Zaum zu halten und kurz hob die Weiße ihren Blick aus dem dichten Pelz des Rüden. Es war ein merkwürdiges Gefühl, mit ihrer Schwester gemeinsam gegen den einzigen Wolf zu kämpfen, dem sie sich noch wirklich nahe fühlte. Und dann kamen plötzlich noch zwei weitere Geschwister. Chardím und Atalya standen wie aus dem Nichts bei ihnen, beide stürzten sich ohne zu zögern auf Krolock. Caylees Blick verschwamm etwas, die Präsenz drei ihrer Geschwister, die sie allesamt erst vor wenigen Stunden verdammt hatte, ließ sie schwindeln. Sie alle waren gekommen, um ihr zu helfen. War sie zu voreilig in ihrer Verurteilung gewesen? Waren sie nicht doch da, wenn man sie wirklich brauchte? Caylees Blick lag zweifelnd aber ungewöhnlich warm auf Amúr, Chardím und Atalya und ließ damit Krolock definitiv zu lange aus den Augen. Der schwarze Rüde wehrte sich noch immer wie ein Berserker und auch wenn mittlerweile vier Jungwölfe über ihm standen, erwischten seine Zähne das Fleisch einer Unaufmerksamen. Das war in diesem Fall Caylee und schon spürte sie das Blut, das ihr über die Lefzen lief. Krolock hatte sie am Fang erwischt. Vom Schmerz wieder geweckt, knurrte die Weiße unwillig und wollte erneut nach dem Schwarzen schnappen, da sah sie wie Krolocks Bewegungen immer langsamer wurden. Er begann trocken zu husten und die Angriffsversuche, die er zwischendurch startete, waren nur noch müde Bewegungen. Schließlich hielt er plötzlich in einer Bewegung inne und fiel dann zurück, als hätte man ihm die Kehle aufgerissen. Regungslos lag er jetzt unter ihnen auf dem kalten Stein.
Caylee starrte ihn an, fürchtete fast, er wäre tot. Aber er konnte unmöglich an den wenigen kleinen Wunden, die sie und ihre Geschwister ihm zugefügt hatten, sterben. Mit leicht zitternden Läufen trat sie zwei Schritte zurück, sodass der schwarze Körper nunmehr vor und nicht mehr unter ihr lag und suchte nach dem Heben und Senken seines Brustkorbs. Er atmete noch. Vielleicht war es ja jetzt vorbei? Vielleicht war er jetzt wieder der normale Krolock? Unsicher und mit dem Blut, das ihr den Schnauzenrücken hinablief sicherlich auch etwas verstört aussehenden, ließ sie ihren Blick zwischen ihren Geschwister hin und her wandern.

“Er … ist er … was ist mit ihm?“

Sie wusste selbst nicht so genau, was sie fragen wollte. Keiner der drei würde ihr beantworten können, warum Krolock sie hatte angreifen … töten wollen. Und ob er nun wieder normal werden würde oder sie lediglich müde gemacht hatten, konnten sie auch nicht wissen. Aber sie hatten es gemeinsam geschafft, diese bestialische Parodie Krolocks auszuschalten. Als Geschwister.

“Danke.“,

nuschelte sie und sah jetzt weder Chardím, noch Atalya, noch Amúr an. Auch wenn ihr Bruder und ihre dunkelgraue Schwester erst hinzugekommen waren, als Krolock es schon auf Amúr abgesehen hatte, waren alle drei Geschwister doch nur wegen ihr hier. Der schwarze Jungwolf hatte sie angreifen wollen, ihre Schwester war nur in seine Schussbahn gelangt, weil sie sich zwischen ihn und sein Opfer gestellt hatte. Das Herz der Weißen pochte so heftig, als würde sie noch immer gegen Krolock kämpfen. Fast war da so etwas wie Scham.


[ am seitlichen Rand des Rudels | Amúr, Chardím, Atalya und Krolock ]

Linalee
06.12.2012, 01:43

Es war ein befremdliches Gefühl für die kleine Linalee zwischen diesen beiden großen, wunderschön weißen Fähen zu laufen. Wenn sie sich nicht so darauf hätte konzentrieren müssen, dass sie nicht über ihre kleinen Pfoten stolperte, hätte sie vermutlich nur die ganze Zeit fasziniert von einer zur anderen gestarrt. Beide von den Schwestern strahlten so ungeheuer viel Kraft aus, Mut, Leidenschaft, Willensstärke – alles Dinge, die er Schwarzen noch fehlten (und vielleicht immer fehlen würden). Ihre Fledermausohren schlackerten unkontrolliert hin und her, während sie versuchte, den Worten zu folgen, die Tyraleen und Daylight untereinander wechselten. Während die eine sehr kontrolliert schien, wartete Linalee bei der anderen nur darauf, dass sie jeden Moment lossprintete. Im Gegensatz zu dem Rest des Rudels – mit wenigen Ausnahmen, wie ihrem Bruder – wirkte Daylight taufrisch, wie jüngst aus dem Blatt geschält und bereit, es mit der Welt aufzunehmen. Linalee blinzelte sie verwundert an, hin- und her gerissen zwischen leichter Furcht und maßloser Bewunderung. Obwohl Daylight genau so unbrechbar schien, wie es die Kleine immer hatte sein wollen, fürchtete sie die leidenschaftliche Emotionalität der Fähe, ihre für Linalee schwer fassbare Unberechenbarkeit. Sie schluckte leicht und probierte, auf das breite Lächeln der Leitwolfsschwester zu antworten. Es gelang ihr nur mittelmäßig und sah wahrscheinlich eher nach einem missglückten Zähnefletschen aus, aber es war besser als nichts. Das kleine Hasenherz in ihrer Brust wurde langsam wieder ruhiger, die jähe Kraft, die sie – angetrieben durch ihre Feigheit, selbstverständlich – eben noch verspürt hatte, ebbte langsam aber sicher wieder ab.

Plötzlich war Tyraleens Kopf dicht an ihrem. Überrascht ruckte die Sheenatochter mit ihrem eigenen zurück, geriet ein wenig außer Balance und torkelte gegen Daylight, von welcher sie ebenfalls sofort zurückzuckte. Es fehlte nicht mehr viel, und sie landete bäuchlings auf dem Boden – doch das war wenigstens eine der Situationen, die Linalee nicht mehr komplett überforderten. Sie hatte schon so oft beinahe im Dreck gelegen, dass sie Übung darin hatte, ihr Gleichgewicht wieder zu finden. Hastig atmend – von wegen, ihr Herz beruhigte sich! – kniff sie die Äuglein zusammen und machte den Rücken gerade. Da dauerte es nur ein, zwei qualvolle Sekunden, bis sie wieder einigermaßen aufrecht war und weiterstraucheln konnte.

“I-ich-…“, brachte die Kleine schließlich atemlos hervor und wusste nicht Recht, wie sie weiter machen sollte.

War das jetzt ein Ratschlag gewesen – oder eine versteckte Kritik? Sie musterte die freundlichen Augen der Alphafähe zutiefst besorgt, schluckte, probierte ein Nicken. Wenn die Weiße es so sagte, dann fühlte sich Linalee noch schwächer, als es ohnehin schon der Fall war. Wie konnte sie denn mutiger werden, wenn sie den anderen immer nur ein Klotz am Bein war? Unsicher warf sie ihren Blick zur anderen Seite, zu Daylight, doch die schien vollstens Tyraleens Meinung zu sein. Dann war die vielleicht die richtige, und Linalee selbst lag falsch…? Was war denn überhaupt ihr Wort gegen das der erwachsenen Leitfähe? Sie nickte, dieses Mal ein bisschen überzeugter.
Doch Daylights weiteren Worte machten sie schon ein bisschen nachdenklich. Wenn sie kaum Mut besaß – geschweige denn Durchhaltevermögen – was dann? Mutig nicht, schlau auch nicht besonders, stark ohnehin nicht – dafür musste man sich die schmächtige Gestalt der jungen Fähe nur ansehen.

“I-ich wüsste nichts“, flüsterte sie schließlich betrübt und blickte zu Boden, “…was ich g-gut kann.“

Außer Stottern vielleicht. Linalee schluckte und versuchte anschließend, ihre Niedergeschlagenheit etwas vor den Erwachsenen zu verstecken. Sie wussten, dass sie die Schwache war, aber nicht, dass sie die Sheenatochter jetzt auch noch für einen Trauerkloß hielten. Nein, nein! Es war schon in Ordnung, dass die zierliche Kleine sonst nichts konnte, se hatte sich ja bereits damit abgefunden. Um mit den beiden weißen Schwestern nicht mehr über das Thema sprechen zu müssen, versuchte sie, es wenig gekonnt zu wechseln.

“T-Tyraleen…?“, fragte sie zögernd und blickte zu der Leitfähe auf, nur um dann ganz schnell wieder zu Boden zu blicken.
Das ganze war ihr ziemlich peinlich, und es machte sie ganz unaufmerksam, auch nur darüber nachzudenken. Ach, hätte sie nur nicht angefangen – jetzt bereute sie es, die Große überhaupt angesprochen zu haben! Ihr Herz hämmerte wie verrückt, während sie sich dazu überwand, weiter zu sprechen. Oh, Hasenherz, du sollst doch Mut fassen!
“I-i-ich hab m-mich ge-…fragt… also… er schläft n-nicht mehr gut.“ Sie blickte rasch zu der Alpha auf, in ihrem Blick lag plötzlich eine Prise von Selbstvertrauen. Oder war es einfach nur das Vertrauen in denjenigen, dessen Namen sie anschließend aussprach? “Chardím.“

Ihr Pate, der vor einer Weile noch bei ihr gewesen war. Linalee bemerkte gar nicht, wie ihre Lebensgeister erwachten, als sie den Namen des Zweifarbigen aussprach. Er war wie ein Mantra für sie, ein einziges Wort, das ihr mit der plötzlichen Gewalt eines hereinbrechenden Gewitters etwas mehr Kraft und Stärke verlieh. Sie ließ sich sogar zu einem kurzen Lächeln hinreißen, das beinahe ungesehen über ihre jungen Lefzen huschte, doch es hatte etwas Mitleidiges, Trauriges. Und jetzt, wo sie einmal angefangen hatte, der Weißen über ihre Befürchtungen zu erzählen, konnte sie auch nicht mehr aufhören – so groß waren die Gedanken um den Rüden, der sie während des Erdenzitterns beschützt hatte. Linalee hoffte, dass sie ihm hiermit ein bisschen etwas zurückgeben konnte.

“Ich glaube, er denkt, er ist… u-unwichtig“, flüsterte sie heftig mitgenommen und hatte das plötzliche Bedürfnis, Chardím zu rufen und ihm von Tyraleen sagen zu lassen, dass alles wieder gut gehen würde. Sofort.

Beinahe hoffnungsvoll blickte sie auf, konnte ihren Paten aber nicht entdecken. Also richtete sich der Blick aus den scheuen Bernsteinaugen auf Daylight, in Erwartung, ein aufmunterndes Lächeln von ihrer Tante geschenkt zu bekommen. Dadurch würde sie sich doch hoffentlich wieder ein bisschen besser fühlen… oder? Ehe dieser Fall eintrat, hörte sie das Heulen Ámurs. Die Schwarze zuckte zusammen und blieb wie angewurzelt stehen, dann riss sie den Kopf herum und starrte an Tyraleen vorbei in die Richtung, aus der der panische Heuler gekommen war. Da sie am Kopfe des Rudels gelaufen waren, konnte die Miniaturfähe ziemlich gut zu dem Spektakel herüberblicken, das sich an dessen Rand abspielte. Sofort lösten sich ein paar Wölfe aus den laufenden Reihen der Sternenwinde und eilten Ámur zu Hilfe. Sie unterstützen sie bei… ja, was genau? Die Atmung der Kleinen wurde unkontrollierter, als ihr gewahr wurde, dass sie miteinander kämpften. Hier. Direkt hier! Vier Wölfe stürzten sich auf einen Fünften und – ohgott! Das Hasenherz setzte für wenige Momente aus. Unter den vieren war ihr Chardím!

“Chardím!“, flüsterte sie entsetzt. Sie wollte zu ihm laufen, doch in ihrer elenden Feigheit bewegte sie sich nicht einen Millimeter. Stattdessen fingen ihre Beine an, unter dem dürren Körper nachzugeben. Auch das noch! “Chardím, n-nicht…! T-t-tyral-leen!“ Nun unternahm doch jemand etwas!

. . .


[Rudelspitze mit Tyraleen & Daylight || hört Ámur || bleibt stehen || sorgt sich um Chardím]

ooc. ich war mal so frei, den Krolockvorfall nicht zu ignorieren. Wäre schön, wenn trotzdem wenigstens einer bei ihr bleibt <3

Liel
06.12.2012, 11:17

Liel war gemeinsam, aber dennoch einsam, mit dem Rudel gelaufen. Sie hatte keinerlei Lust sich mit irgendwem zu unterhalten. Lieber wollte sie das Geschehen von der rüttelnden Erde und dem Feuer spuckenden Berg noch einmal überdenken. Wie kamen die Götter auf solche Ideen? Und vor allem warum? Vielleicht war ihnen langweilig gewesen, vielleicht spielten sie mit ihnen, wie sie es als Welpe gerne mit Mäusen, Schmetterlingen und Stöcken getan hatte. Vielleicht war das alles nur ein großes Spiel mit dem sich die Götter ihre Zeit vertrieben. Schnell hatte sie sich vorgenommen nie mehr mit irgendeinem Lebewesen zu spielen, was nicht mit ihr kommunizieren konnte. Wie gemein sie gewesen war! Wenn ihre Spielzeuge genauso viel Angst und Unsicherheit verspürt hatten wie sie jetzt, fühlte sie sich sehr, sehr schlecht. Waren die Mäuse und Schmetterlinge wohl auch vor ihr geflüchtet, so wie sie jetzt flüchteten. Aber flüchteten sie vor ihren Göttern? Eigentlich doch nicht! Sie flüchteten vor dem spuckenden Berg, der ihr Tal mit flüssigem Feuer und dunklem Rauch überschwemmt hatte. Oder? Vielleicht gehörten die Götter auch zu diesem Tal. Waren sie dann gottlos? Oder wurden ihnen neue Götter zugeteilt, wenn sie ein anderes Tal betreten würden? Vielleicht sollte sie sich mal an Tyraleen oder Sheena wenden. Die beiden würden ihr ihre Fragen bestimmt beantworten können, sie kannten sich schließlich gut mit Göttern aus! Gab es hier im Rudel eigentlich Wölfe, die zu anderen Göttern gehörten? Sie war sich nicht so sicher, noch nie hatte sie wirklich mit jemandem gesprochen, der nicht ursprünglich aus diesem Tal stammte. Vielleicht konnte ihr dann auch jemand von außerhalb ihre Fragen beantworten.
Die Gedanken über Götterzugehörigkeiten wurden unterbrochen, als sie einen lauten, gellenden und um Hilfe bittenden Ruf vernahm. Ihre Ohren spitzten sich, Amúr. Eigentlich hatte sie nicht viel mit ihr zu tun, aber irgendetwas in ihr drängte sie, den Ruf zu befolgen. Sie scherte aus dem Rudel seitlich aus, damit sie schneller laufen konnte. Ihre Pfoten trommelten nun wild über den steinigen Boden, doch sie geriet nicht ins Stolpern. Ihr Herzschlag beschleunigte sich, irgendwie wusste sie, dass ihr Bruder etwas mit dem Ruf zu tun hatte. Woher diese Eingebung kam, konnte sie nicht sagen, doch als sie die Gruppe um Amúr herum erreicht hatte, wurde sie in ihrer Annahme bestätigt.
Das Bild, was sich ihr nun bot, war alles andere als schön. Ihr Bruder tobte wie ein Irrer und wurde dabei von mehreren Wölfen zu Boden gedrückt. Ihre Augen verengten sich, sie konnte die Wölfe nicht mehr ausmachen, die um ihn herum waren, nur ihn sah sie gestochen scharf. Sein Aufbegehren um sich aus ihren Griffen zu befreien. Was war denn bloß geschehen, dass es so weit gekommen war? Panik ergriff sie, als Krolock versuchte sich mit kraftvollen Bewegungen zu befreien und dann anschließend auf den Boden sank. Kraftlos. Sein Atem war kaum mehr als ein Pfeifen gewesen und dann bewegte er sich nicht mehr.

„KROOOOOO…“

Angst erstickte ihre Stimme und doch war ihr Ruf laut, bittend und gleichzeitig fordernd. Er war doch nicht tot?! Sie hatten ihn doch nicht getötet? Was war geschehen? Mit einem kräftigen Satz sprang sie zwischen die Wölfe, ihre Schnauze suchte die seine. Sie konnte sie nicht finden, ihre Zunge fuhr zärtlich über die Stirn des irren Schwarzen. Aber dennoch war er ihr Bruder. Ihre Familie. In ihr keimte unendliche Wut auf. Was hatten diese Wölfe mit ihm gemacht? Am liebsten hätte sie gebrüllt, all ihre Wut hinausgeheult. Sie wollte die Wölfe vertreiben, sie verletzen, so wie sie ihren Bruder verletzt hatten. Und doch hielt sie etwas zurück. Denn sie wusste, dass sie ihn nicht einfach so zu Boden gezwungen hatten. Doch warum dann? Ihr Tunnelblick klärte sich, sie blickte in die Runde. Caylee, Amúr, Atalya und Chardím.
Eine letzte begehrliche Berührung. Er sollte ihr zeigen, dass er am Leben war!
Dann trat sie einen kleinen Schritt zurück. Ihre Augen waren umschattet und doch hatten sich ihre Gedanken wieder geklärt. Sie musste vernünftig bleiben, egal was ihre Brüder taten. Sie wollte leben! Doch warum machte ihr das Leben diesen Wunsch so schwer?

„Was ist geschehen?“


[ Krolock, Atalya, Chardím, Caylee und Amúr. ]

Kursaí
06.12.2012, 19:20

Kurz nachdem sie nun mit Kirov gemeinsam die drei anderen gefunden hatten, war auch schon Tyraleens Ruf erschollen, welcher sie alle zusammen rief. Es schien so, als ob ihre Leitfähe nicht weit weg war, und es stellte sich auch heraus, dass es wirklich so war. Sie hatten sie nur nicht sehen, nicht riechen können. Deswegen hatte es so gewirkt, als ob die Fähe nicht mehr da wäre, obwohl sie nicht viele Sprünge entfernt gestanden hatte und wahrscheinlich auch ihr Rudel gesucht hatte. In der ganzen Verwirrung durch die Asche und die Beben konnte man ja auch schnell den Überblick verlieren. Auch die anderen hatten sich bei der weißen Fähe gesammelt und Kursaí atmete auf, als sie bemerkte, dass es den meisten gut, oder zumindest den Umständen entsprechend ging. Als sie nun die anderen erreicht hatten, trennte sich Kirov von ihr. Dieser meinte, dass er nach jemanden sehen wollte. So stand sie nun alleine, dar und fühlte sich dennoch nicht alleine. Auch wenn die Asche noch immer in ihrer Nase kratzte und ihre das Atmen schwer machte, schien es doch so, als ob der Schutz des Rudels sie nun vor dem meisten schützen konnte. Dennoch entstand ein stechender Schmerz in ihr, der nichts mit ihrer Lunge zu tun hatte. Vielmehr war es ihre Seele, die getroffen schien, aufgrund der Botschaft, welche Tyraleen noch verkündet hatte. Sie sollten das Tal verlassen - für immer?
Schon einmal war sie gegangen, jedoch hatte sie immer gewusst, dass sie zurück in ihre Heimat konnte, dass es hier immer einen Ort geben würde, wo sie aufgehoben und beschützt wäre. Nun erschien es ihr grausam, dass sie unter diesen völlig anderen Vorzeichen ein zweites Mal ihre Heimat verlassen sollte. Nun, da sie erkannte, wie sehr sie hier hin gehörte, sich hier Engaya so nahe fühlte. Gab es denn keine andere Möglichkeit? Gleichzeitig konnte sie Tyraleen diese Entscheidung nicht übel nehmen, konnte nicht behaupten, dass ihre Leitfähe unrecht hatte. Hier konnten sie nicht leben, zumindest nicht im Moment. Ganz tief in ihr herrschte der Wunsch, die Hoffnung, irgendwann hierher zurückkehren zu können. Und so dachte sie über die Wege nach, die das Rudel nun lief, und nach einer Weile merkte sie, wie das Atmen wieder merklich einfacher wurde, wie auch ihre ganze Umgebung wieder freundlicher, auch wenn sie mitten innerhalb einer Felsenlandschaft waren. Kursaí hoffte, das ihr Weg sie an einen guten Ort führen würde, dass das Rudel eine gute Stelle zum Verweilen und sich zu regenerieren finden würde. Denn noch immer hoffte sie danach wieder zurückkehren zu können. Gleichzeitig war ihr bewusst, dass dies noch dauern konnte. Wie lange würde ihre Heimat, ihre nun verlorene Heimat von Asche beherrscht sein? Wie lange würden sie dort nicht leben können?
Die meiste Zeit des Weges ging sie inmitten des Rudels und doch alleine, in ihre Gedanken versunken. Nach einer Weile hörte sie plötzlich, wie Amúr nach Hilfe rief. Abrupt wandte sie sich um und suchte mit ihren Seelenspiegel die Fähe. Es dauerte auch nicht lange, bis sie diese entdeckte. Was war denn da los? Um dies herauszufinden machte sie einige Schritte auf diese und die sie umgebenden zu. Zu gleich bemerkte sie, wie auch andere auf die drei zugingen und sich ihnen an nahmen. So wurde ihr Schritt zögernder, etwas abwartender, und ihr Seelenspiegel wanderte einmal über das Rudel, als sie etwas erblickten, was sie überrascht: Es schien so, als ob Isaí gerade wieder zum Rudel zurückgekehrt wäre. Was hatte der Kleine denn gefunden? Immer wieder war es spannend, was die Welpen fanden, was sie machten. Sie könnte ihnen den ganzen Tag zu sehen. Jedoch was sie sah, war nicht irgend eine Belanglosigkeit. Ein weiterer Rüde folgte ihrem Neffen und ihrer Mutter, welche bei Isaí war. Der Fremde erinnerte sie sofort an ihren Vater, jedoch konnte dies einfach nicht sein. Leidlich hatte sie erfahren, als sie zurück zum Rudel kam, zurück ins Tal, dass ihr Vater nicht mehr war, dass er nun bei Engaya war, und diese nun auf ihn aufpasste. Wie konnte dies also nur sein? So war ihr Blick starr und ungläubig auf den Fremden und doch so vertrauten Rüden gerichtet, welcher doch nur ihr Vater sein konnte.
Als sie es schaffte, sich aus ihrer Erstarrung zu lösen, lief sie los, den dreien entgegen, ihrem Vater entgegen. Es dauerte nicht lange, bis sie diese erreichte und ungläubig fragte:

"Vater?"

Auch wenn alles so wirkte, als ob er es wirklich war, so konnte sie es einfach nicht glauben. Gleichzeitig beachtete sie ihre Mutter und ihren Neffen kaum, war doch alles von ihrem Vater überdeckt, und in einem plötzlichen Aufwallen ihrer Gefühle, da rannte sie die letzte Länge auf ihn zu, musste ihn berühren, um zu begreifen, dass er real war, und so rief sie nun an seiner Seite begeistert:

"Papa!"

Soviele Sachen gingen ihr durch den Kopf, sodass sie nicht in der Lage war etwas zu sagen. Stattdessen stand sie bei ihm, sog seinen Geruch ein und wünschte, dass der Augenblick ewig währen würde. Das Gespräch hatte die Fähe kaum mitbekommen, erschien es ihr jedoch auch nicht wichtig.



[[ nun am ende //Bei Hiragayo, Isaí und Shani]]

Amúr
08.12.2012, 19:12

Die Stimmung schien sich zuzuspitzen, denn Amúr wurde sich erst jetzt im Sinnen was sie eigentlich angerichtet hatte und es gehrte sich ein bitteres Gefühl in ihrem Magen zusammen. Sie war kein Wolf der Gewalt, sie war ein Tier der Hoffnung. Sie wollte doch nur helfen, doch auch die Krähen schienen schon ihren Namen zu schreien. Sie lachten sie aus, schrien ihr zu, sie solle sich beruhigen. Aber nein. Es ging kaum. Amúr hatte Angst, denn durch ihren Ruf kamen weitere Wölfe hinzu und drückten den schwarzen Schatten zu Boden, welcher immer dunkler wütete und sich gegen die Bissen der anderen wehrte. Schien Amúr das Blut zu riechen? Das Blut, welches durch sein Fell träufelte und den Schnee in eine drohende Farbe kolorierte? Bildete sie es sich dies etwa ein? Sie wusste es nicht und ihr Drang aufzuhören wurde stärker, als jener sich wie ein Schutzgeist vor ihre Schwester zu stellen. Alles war gut. Alles war in reinster Ordnung. Die anderen hatten es im Griff. Sie würden ihn aufhalten, ihn beruhigen. Das eisige Blau ihrer Iriden schien sich zu weiten und Amúr ging einige Schritte zurück. Was hatte sie eigentlich getan? Zu was war sie nur im Stande gewesen? Das Bild vor ihren Augen schien sich zu wandeln. Alles wirkte so, als wäre es aus schwacher Farbe, welche mit Wasser beträufelt wurde und verlief...
Sie war erschüttert. Was hatte sie nur getan? Ihr Fang öffnete sich leicht und sie erkannte den fremden Geschmack auf ihrer Zunge. Schwarzes Fell klebte daran. Schwarzes Fell der Schuld. Was hatte sie nur getan? Der schwarze Körper des Wolfes schien unter den Bissen zu erschlaffen. Er hustete, hörte sich an wie ein sterbender Phönix. Dann atmete er nur noch ganz leise....dann schwieg er. Was hast du nur getan, Amúr?

Ihre Beine wollten sie schon gar nicht mehr halten, zitterten. War er tot? Lebte er? Sie sah entsetzt zu den hechelnden Gesichtern. Da war ihr Bruder Chardím, welcher den größten Zorn auf den schwarzen Rüden gehabt hatte, Atalya die nun direkt neben ihr stand und Liel....Liel. Die besorgte Liel, welche ihrem Bruder die letzte Ehre zu geben schien, indem sie ihm vorsichtig über sein schwarzes und zerzaustes Fell leckte. Es war eine Art der Trauer, die die junge Fähe überkam. Sie fühlte mit ihr. Sie fühlte sich schuldig. Amúr hat doch gerufen. Sie hatte all dies ausgelöst. War er wirklich tot? Nein. Nein. Nein.

Die Fähe schluckte, ging einen vorsichtigen Schritt auf die zwei Wölfe zu und lehnte ihre Ohren schuldbewusst an. Ihre Rute hing taub an ihr herunter und zeichnete die Sprache der Schuld.

''Liel. Ich...'' Ihr Blick glitt zu ihrer umsorgten Schwester, die immer noch nicht fassen konnte was soeben passiert war. Amúr ebenso wenig. Dann wieder zu Liel. ''Ich weiß nicht was passiert ist. Er schien völlig durch den Wind...er hat Caylee angegriffen. Sie rief um Hilfe...was auch immer passiert war...etwas stimmte nicht. Er wollte sie...uns...töten...er gab einfach nicht auf...'' Den Rest ihrer Worte schluckte sie runter. Sie wollte nicht weiter darüber reden. Sie fühlte sich so schuldig. So vertieft in...eiskalter Schuld.


[seitlich des rudels / caylee, krolock, liel, chardím und atalya]

Parveen
09.12.2012, 15:24

Parveen trottete zwischen den anderen Wölfen, aber bemerkte dabei kaum, dass sie da waren. Sie lief allein in der Masse, hatte die Augen im Tunnelblick gerade aus gerichtet, oder starrte auf ihre Pfoten, sie sich unausweichlich ihren Weg suchten. Einen Weg, der sie weit fort von ihrer Heimat tragen würde. Die Schwarze hatte gehofft, dass sie nie wieder die Pfoten über die Reviergrenze würde setzen müssen, aber nun… Sie erhöhten mit jedem Schritt die Distanz zum Tal, zu dem Ort, an dem sie geboren wurde, zu dem lebensfeindlichen Ort, den Ache und Feuer haben entstehen lassen. In ihrem Antlitz loderte kurz der Zorn auf und sie blickte sich fast automatisch um. Dorthin, wo ihre Reise begonnen hatte, auch wenn sie durch die schwebende Finsternis der Asche nichts genaues sehen konnte. Wie es dort jetzt wohl aussah? In was hatte der Berg den Rudelplatz verwandelt? Würden sie den Trauerweidenhain wieder erkennen, sollten sie jemals zurück kehrten? In die wütenden Augen mischte sich Trauer. Wie konnten ihre Götter dies zulassen? Mehr denn je fühlte sich Parveen in ihrem Glauben zerrissen. Alles Böse, die Trauer und die Pein, schienen ihr so mächtig. Mächtiger als das Gute in der Welt. Wie konnten sie, Leben und Tod gleichermaßen, nur zulassen, dass sie ihr zu Hause vielleicht nie wieder sehen würden… Auch in der tiefsten Dunkelheit gab es immer ein Licht, aber die Schwarze vermochte dieses nicht zu sehen. Alles geschah aus einem bestimmten Grund, aber ihr Herz schenkte ihr keine Antwort. Zumindest nicht jetzt. Nicht in diesem Trott aus traurigen Gedanken und ängstlichen wie müden Gesichtern gleichermaßen.

Ein Ruf, ein Hilfeschrei, riss sie aus den Gedanken. Eher in Trance als in willentlichem Bewusstsein, drehte sie den Kopf und setzte sich ein wenig schneller in Bewegung. Es war Amúr, oder? Ihre Nichte und das Heulen ließ keinen Zweifel an der Dringlichkeit. Sie trabte bis eine Gruppe von Wölfen in Sicht kam. Sie erkannte neben der Urheberin des Geräusches auch Caylee und weitere ihrer Geschwister. Der liegende Krolock war durch die Körper der anderen vor ihr verborgen. Pav war zu weit entfernt um genaueres zu erkennen, aber was auch immer dort vorgefallen war, die Geschwister schienen es gelöst zu haben. Aufmerksam ruhten die blauen Seelenspiegel einige weitere Herzschläge auf dem Szenario, aber die Hilfe von weiteren Wölfen schien im Moment nicht benötigt zu werden. Sie würde zu einem späteren Zeitpunkt Gelegenheit haben zu erfahren, was dort geschehen war.

Parveen war müde. Mehr seelisch, als körperlich. Auch die Wanderung zehrte an ihren Kräften, aber es war vielmehr die Ungewissheit über ihr Ziel und die drohende Gefahr in ihrem Rücken. Mit einem kurzen Schütteln des Pelzes verscheuchte sie ein wenig Asche aus dem schwarzen Haar, aber es brauchte nicht sonderlich viel. Das Fell war grau, stumpf und dreckig. Der Gestank würde wahrscheinlich noch lange darin hängen, aber da ging es den anderen nicht besser als ihr. Überall sah man geschwärzte Gestalten, auch wenn die Wölfe vorher weiß waren und der typische Rudelgeruch mischte sich mit dem nach Rauch, der allen anhaftete.

Als sie sich wieder in die Bewegung setzte, die sie bereits seit Stunden inne hatte, fiel ihr ein Wolf ins Auge, der nun in ihrer Nähe lief. Sie versuchte sich an seinen Namen zu erinnern, aber ihr Kopf wollte ihr einfach keine Antwort liefern. Der Rüde hatte weißen Pelz, oder zumindest glaubte sie, dass er einmal weiß gewesen war. Zu viel Ruß und Asche hatten sich darin verfangen um das mit Gewissheit zu sagen. Aber es war nicht der Schmutz der ihr Interesse erregt hatte. Diesen hatten immerhin alle an sich. Vielleicht war Interesse auch zu viel gesagt, aber zumindest ihren Blick angezogen, denn das Blut an der Stirn des Wolfes war kaum zu übersehen. Zu genau wusste sie, dass auch scheinbar kleine Wunden große Probleme verursachen konnten. Gerade am Kopf und verbunden mit körperlicher Anstrengung. Parveen wusste nicht recht, wie lange sie noch so weiter laufen würden, oder ob eine Pause geplant war. Ihre Scheu beiseite schiebend, steuerte sie auf den ihr fremden Rüden zu. Der vorhin in ihren Augen aufgeflammte Zorn war verschwunden. Vielmehr zeichnete sich Müdigkeit und nun auch Sorge in ihnen ab. Parveen sprach für gewöhnlich ungern mit ihr Unbekannten, aber als sie neben dem Hellen lief und den düsteren Blick in den bernsteinfarbenen Augen sah, sprach sie ihn doch an. Sie konnte ihm den Gesichtsausdruck nicht verübeln… Wer konnte nun auch fröhlich sein. Sie zumindest vermochte dieses Kunststück nicht zu erreichen.

"Ein verwundeter Soldat? Nun, man kann es wohl kaum so bezeichnen, weil wir gegen den Gegner nicht kämpfen konnten, aber eine Wunde hast du dennoch davon getragen. Ich hoffe, sie ist nicht tief?"

Die Wölfin blickte ihn freundlich an und hatte dabei keine Ahnung, wie er sie empfangen würde. Um sie herum gab es wahrscheinlich einige Wölfe, die lieber ungestört ihren Weg gehen wollten, aber ihr gutmütiges Herz befahl ihr praktisch, sich nach dem Wohlbefinden von anderen zu erkundigen wenn es ihnen sichtbar nicht gut ging. Erst als die Worte ausgesprochen waren viel ihr auf, wie ernüchtert der Teil mit dem Feind klang… Ja, aber so war es… Ein übermächtiger Feind der sie vertrieben hatte und niemand hätte ihn aufhalten können. Erneut kam ihr das Bild des Feuers in den Sinn, aber sie versuchte es zu verdrängen und sich auf das hier und jetzt zu konzentrieren. Da erst fiel ihr auf, dass sie sich nicht vorgestellt hatte. Bestimmt hatte der Wolf keine Ahnung, wer sie überhaupt war.

"Wir hatten noch nicht das Vergnügen. Mein Name ist Parveen."


{Rudelmitte | Samirez}

Malicia
09.12.2012, 21:53

Er war ein Wanderer, auch er hatte die Welt dort draußen kennengelernt. Die wenigsten aus diesem Rudel hatten je eine Pfote außerhalb des Reviers gesetzt und nun wurden sie so plötzlich aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen. Sie wusste was sie erwartete, aber konnten ihre Weggefährten sich vorstellen was nun vor ihnen lag? Wahrscheinlich freuten sich sogar die meisten endlich etwas mehr von dieser noch unentdeckten Welt kennen zu lernen und im Grunde war ihnen das wichtigste geblieben. Ihre Familie. Die schwarze Wölfin kannte den Unterschied zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft nur zu gut, nicht ohne Grund hatte sie sich letzten Endes wieder für das Rudel entschieden und war zu ihm zurückgekehrt. Das Tal der Sternenwinde war eben doch ihr Zuhause gewesen und mit ihm die Wölfe die dort lebten. Warum es ihr nun genommen werden musste wollte sie nicht verstehen. Wollte… und konnte sie auch nicht. Nun galt es nach vorne zu blicken und sich auf die Veränderungen die ihnen bevorstanden einzulassen. Aber warum zog der graue Rüde nun die Gemeinschaft des Rudels vor, wenn er doch sonst als Wanderer lebte. Hatte er gar eine ähnliche Vergangenheit hinter sich wie sie selbst? Ihr Blick huschte neugierig zu dem Rüden neben sich und ließ ihn über seinen Körper wandern. Er hatte einfach ihre Barriere durchbrochen, hatte sie berührt.. und dennoch nahm sie es ihm nicht übel. Warum? Erneut ließ sie den Blick über den Körper ihres Artgenossen wandern. Die Antwort war ziemlich einfach.. auch wenn die Wölfin sich über diese Feststellung nicht sonderlich freute. Es war sein Auftreten. Die Ruhe mit der er sich bewegte und die Art und Weise wie er sich anpasste. Das alles machte es sehr schwer ihm überhaupt etwas übel zu nehmen.

“Malicia..“, erwiderte sie leise und wandte schließlich den Blick wieder ab um ihn auf ihren Weg zu richten. Chivan also. Wie alt mochte dieser Wolf sein, dass er so viel Ruhe .. so viel Gelassenheit ausstrahlte. Für die Wölfin war es jedenfalls angenehm sich in Gegenwart eines anderen Wolfes nicht unwohl fühlen zu müssen, denn der Graue gab ihr zumindest das Gefühl, dass sie nicht reden musste wenn sie es nicht wollte. “Wie kommt es, dass du das Vertrauen meiner Schwester so schnell gewinnen konntest?“ Es war offensichtlich, dass Tyraleen ihm zumindest etwas Vertrauen entgegen brachte. Warum sonst hätte er auch zusammen mit ihr heulen sollen. Im Grunde ging es sie nichts an, aber wenn sie sich schon mit ihm unterhielt, dann konnte sie doch auch ihre Neugier stillen. Ihr kühler Blick ruhte noch für einen Moment auf seinem Antlitz ehe sie ihn von ihm löste und sich wieder auf ihren Weg konzentrierte. Der Rüde war tatsächlich eine annehmbare Gesellschaft; für den Moment zumindest war sie sogar dankbar für seine Anwesenheit, so wurde sie jedenfalls von den Schmerzen in ihrem Hals und ihren ermüdenden Läufen abgelenkt. Jeder Schritt fühlte sich schwerer an als der vorherige.. als wären Gewichte an ihre Beine gebunden.

“Das wage ich noch zu bezweifeln.“ Sie hob den Blick und betrachtete ihn mit einem müden Lächeln das ihre Augen nicht erreichte. “Die Welpen sind stark.. stärker als viele erwarten..“ Die Wölfin seufzte und legte sich die nächsten Worte gut zurecht. “Wahrscheinlich ist die freudige Erwartung auf was kommt größer als die traurige Erinnerung an die letzten Wochen. Sie haben das Tal noch nie verlassen, für sie ist es ein Abenteuer.“ Es blieb abzuwarten ob ihre Erwartungen sich bestätigen.


{ Schlusslicht | Chivan }

Chardim
10.12.2012, 13:16

Die noch wenigen intakten Sicherungen in Krolocks Gehirn mussten völlig durchgebrannt sein. Kaum dass Chardím bei seinen Schwestern und Krolock angekommen war, um ihnen zu helfen den wildgewordenen Schwarzen im Zaum zu halten, war auch Atalya da gewesen. Zu Viert hielten sie den Jungwolf nun am Boden, der sich wehrte als wollten sie ihn gerade umbringen. Dabei schien er es zu sein, der hauptsächlich darauf aus war einfach nur irgendwen mit seinen Zähnen zu erwischen und zu verletzen. Während die Geschwister ihn mit ihren Pfoten und ihrem Gewicht zu Boden drückten, schnappten sie abwechselnd nach Krolocks Schnauze, oder seinen zappelnden Läufen, um ihn endlich ruhig zu halten. Dabei mussten sie selbst immer wieder aufpassen, denn seine Zähne schlugen orientierungslos einfach überall hin.
Irgendwann dann fing der durchgedrehte Rüde an zu husten und zu röcheln, dann erschlafften seine Bewegungen. Der Schwarzweiße traute dem Frieden noch nicht so ganz, es wäre Krolock absolut zuzutrauen, dass er damit nur eine neue Taktik ausprobierte, die sie dazu bringen würde unaufmerksam zu werden. Deshalb ließ Chardím den Schwarzen auch erst dann los, als Liel bereits zu ihnen gerannt kam und Caylee stotternd fragte, was mit Krolock war. Beziehungsweise, ob er wohl tot war. Aber nein, der Schwarzweiße hatte den Gleichaltrigen an der Brust gepackt gehabt und spürte seinen Herzschlag. Einfach so zu sterben, diesen Gefallen würde Krolock sicher niemandem tun, da war er sich sicher.
Chardím hob den Kopf und warf Caylee zuerst ein kleines, aber ehrliches Lächeln zu, als sie sich bedankte.

Alles in Ordnung bei euch?“,

konnte er gerade noch antworten, dann legte plötzlich Amúr los, wie eine Angeklagte und durchaus Schuldige. Liel hatte sicher auch anklagend geklungen, als sie fragte was los war. Dazu hatte sie als Schwester die sah, wie vier Wölfe ihren Bruder zu Boden drückten auch Grund. Andererseits sollte die Graue so realitätsnah sein und wissen, was für ein gehässiger Störenfried ihr Bruder war. Und jetzt war da noch etwas anderes ... er wusste es nur nicht genau zu benennen. Caylee war doch von ihnen diejenige, die mit Krolock auskam und hin und wieder in seiner Nähe war. Warum griff er also ausgerechnet sie an, wie ein Berserker? Wenn er diese Handlung wirklich mit voller Absicht und klarem Verstand ausgeführt hatte, dann war er ein noch schlechterer und falscherer und widerwärtigerer Wolf, als er so schon gedacht hatte. Er hätte es wirklich verdient vom ganzen Rudel verjagt zu werden.

Beruhige dich, Amúr. Krolock lebt und wenn wir Pech haben, legt er nach einer kurzen Verschnaufpause gleich wieder los.“

Ungerührt sah er auf den am Boden liegenden Krolock hinab. Eines seiner Ohren drehte sich unschlüssig zur Seite und nach hinten.

Sagt mal ... hat er eben rote Augen gehabt?“



[ Seitlich des Rudels | Caylee, Atalya, Krolock, Amúr, Liel ]

Samirez
10.12.2012, 14:50

Leicht hob der Rüde den Kopf an und wandte ihm um, als ein Heulen die Luft zerschnitt, recht nah. Für einen Moment fühlte sich der Weiße im Recht zu helfen, doch als er die große Zahl Wölfe sah, die bereits auf den Ursprung zuströmten, verdrängte der Schönling den Gedanken rasch. Da wurde er somit ganz sicher nicht mehr gebraucht und wenn er es ehrlich sah, hatte er sowieso wenig Lust gehabt den Samariter zu spielen. Samirez, Samariter, hah, das er nicht lachte. Mürrisch ließ er den Blick wieder nach vorner wandern und setzte sich wieder in Bewegung, sollten sie doch was auch immer machen, ihm konnte es gerad so ziemlich egal sein.
Er sah aus wie eine Pottsau und überhaupt brummte ihm der Schädel.

In seinem Augenwinkel nahm er eine Bewegung war und leicht neigte er das geschundene Haupt zur Seite um die Wölfin ins Auge zu fassen. Normalerweise hätte ihn weibliche Gesellschaft wohl aufgeheitert, es gab nur drei kleine Punkte die dagegen sprachen. Erstens: Er sah aus wie ein Schwein. Zweitens: Sie war wesentlich älter als er selbst. Und drittens: machte sie ganz eindeutig den Eindruck von Sorge und was Samirez nun so gar nicht gebrauchen konnte, war eine Fähe die ihn bemutterte. Und tatsächlich. Im nächsten Augenblick bezeichnete sie ihn als verwundeten Soldat und erkundigte sich nach seiner Wunde. Beinahe hätte der Helle wohl die Augen verdreht, konnte sich jedoch gerade noch seiner guten Manieren entsinnen und schaffte es damit die Bewegung gerade so in Schütteln des Kopfes umzuwandeln.

“Ich werds überleben.“

Brummte er daher nur leise und nutze den Augenblick um die Fähe etwas genauer in Augenschein zu nehmen. Sie war von schwarzer Farbe, mit leichten hellen Abschweifungen am markanten Haupt, am sonderbarsten jedoch war wohl das sternförmige Abzeichen auf ihrer Stirn. Kurz wandte er den Blick ab um nicht unhöflich zu wirken, dann blickte er einen Moment lang in die tiefen, hellblauen Augen und fühlte sich ein weiteres Mal unweigerlich an Akhuna erinnert. Ob wohl auch diese Wölfin mit ihr verwandt war? So wie Daylight es war? Schon wollte Samirez den Mund öffnen um sie danach zu fragen, hielt allerdings im letzten Moment inne. Hallo, wie wollte er denn bitte dastehen wenn er alle Welt nach Akhuna befragte? Nein, dass würde er irgendwie anders angehen müssen.
Als sie wieder sprach und ihren Namen nannte, war er gerade dabei zu entscheiden, wie er nun mit ihr umgehen sollte. Allerdings war sie nett zu ihm und er war eigentlich nicht der Wolf der unhöflich erscheinen wollte. Und somit nickte er nun leicht und öffnete den Fang zu einer hoffentlich akzeptablen Antwort.

“Man nennt mich Samirez. Ich bin noch nicht allzu lange bei diesem Rudel, somit ist es wohl nicht verwunderlich, dass wir uns noch nicht kennen gelernt haben. Die Umstände hier machen es einem ja auch nicht gerade einfach neue Kontakte zu knüpfen.“

Es sollte nicht feindselig oder bedrückt klingen. Allerdings konnte er nicht ganz darüber weg sehen, dass er wegen Akhuna und diesem Rudel nun wohl alles verloren hatte. Jetzt hatte er sogar noch seine neue Heimat verloren. Wie sollte man da nur bei guter Laune bleiben?


|Inmitten des Rudels | Parveen ]

Atalya
11.12.2012, 20:17

(Sami, Ortsangaben! :) )

Während Atalya versuchte, den Schwarzen am Boden zu halten, gemeinsam mit ihren Geschwistern dafür zu sorgen, dass er keinem von Ihnen Leid antat, fragte sich die Graue, wieso dieser Wolf überhaupt noch unter ihnen war. Er hatte schon so oft für Tumult gesorgt – und trotzdem wurde er noch immer in Ihren Reihen geduldet. Aber in diesem Moment blieb der jungen Wölfin keine Zeit, um darüber nachzudenken, denn unter ihnen tobte noch immer der schwarze Rüde. Ihr blieb nicht einmal ein Moment, um wirklich zu sehen, was ihre drei Geschwister taten, aber sie war sich sicher, dass sie ihr Möglichstes taten. Krolock schien jedoch nicht zur Ruhe zu kommen – vorerst. Er tobte weiter, und für einen Moment hob die Graue den Blick, traf dabei den des schwarzen Wolfes und erkannte, was sie zuvor erst einmal gesehen hatte. Das eigentliche Blau, dass die Augen des jungen Rüden färbten, war gewichen. Statt dessen leuchteten sie beinah rot, und sofort erinnerte Atalya sich an diesen Moment, als sie dies das erste Mal gesehen hatte. Damals, als der Bär am Rudelplatz erschienen war. Kurz kniff die Jungwölfin die Augen zusammen, lockerte dabei jedoch nicht den Griff um den Schwarzen, dazu war er in diesem Zustand zu gefährlich. Erst, als ein Husten an ihre Ohren drang, öffnete sie wieder die Seelenspiegel, die Ohren eng an den Hinterkopf geneigt. Seine Bewegungen waren langsamer geworden, und mit einem Mal schien er still zu werden. Er tobte nicht mehr, biß nicht mehr wie vollkommen bescheuert um sich, sondern sackte einfach zu Boden – einen kurzen Herzschlag glaubte die Graue, er würde tot aus ihren Umklammerungen zu Boden sinken. Erst mit dem zweiten Gedanken verwarf sie eben diesen – Krolock doch nicht. Sie schnaufte leise, hob den Kopf dann an, ohne den Blick von diesem Wolf abzuwenden. Sie kannte ihn nicht besonders gut, aber dennoch gut genug um zu wissen, dass sie ihm alles zutrauen würde. Den Kopf leicht anhebend blickte sie dann doch zu ihren Geschwistern, erkannte keine größeren Wunden und atmete tonlos ein. Caylee wich zurück, fragte stotternd, was nun mit Krolock geschehen war. Der rötliche Blick Atalyas senkte sich wieder, ein Moment Stille verging, während sie beobachtete, dass Krolock atmete. Sie hatte es doch gewußt – dieser Wolf würde nicht einfach so sterben, da musste wohl jemand nachhelfen. Die Graue unterdrückte ein Knurren, nickte Chardím dann auf seine Frage hin ruhig zu. Sie hatte keinerlei Verletzungen, und auf den zweiten Blick schienen auch Amúr und Caylee wohlauf zu sein. Wenigstens hatte dieser dumme Wolf es nicht geschafft, einem von Ihnen größeren Schaden zu zufügen. Auf Caylees Dank hin deuteten die Lefzen der grauen Jungwölfin ein sachtes Lächeln an, jedoch blieb es nicht lang erhalten, denn schon im nächsten Moment wurde Atalya abgelenkt.
Als ein weiterer Wolf voller Angst zu ihnen stieß, sich sofort erkundigte, was mit ihrem Bruder geschehen war, sich dabei aber auch dem leblosen Wolf am Boden zuwandte, hob Atalya leicht eine Augenbraue. Es sorgte sich wirklich Jemand um den Schwarzen – es erstaunte sie immer wieder. Liel war kaum bei Ihnen, als Amúr stotternd zu erzählen begann, was geschehen war. Sie hatte dem Nichts hinzu zufügen, zumindest Nichts, was Liel wohl in diesem Moment hatte hören wollen. Sie folgte also kurz Chardíms Blick, als dieser zu dem Schwarzen hinab sah, richtete die Augen dann direkt auf den zweifarbigen Bruder, konnte ohne zu überlegen auf seine Frage antworten, unterstützt von einem kurzen Nicken.

Genau wie damals, als der tote Bär Nihilus unter sich begraben hat.“

Sie verdrehte noch einmal leicht die Ohren, blickte dann erneut zu den anderen Jungwölfen, dabei jedoch immer darauf achtend, dass Krolock niemanden von ihnen aus einem Hinterhalt attackieren konnte, sollte es noch einmal von vorn anfangen.


[Chardím, Caylee, Amúr & Liel]

Hiryoga
12.12.2012, 23:18

Hiryoga betrachtete den Welpen eindringlich. Immerhin hatte man ihm grade gesagt, dass sein vor langer Zeit verschwundener Opa wieder da war. Ein leichtes Zittern schlich sich in ihm hoch, denn er fürchtete, dass der junge Sternenwind sich vielleicht doch nicht so sehr freute, wie Shani. Doch seine Zweifel waren unbegründet und Isaíah schien sich darüber beinahe genauso zu freuen, wie seine Großeltern selbst. Zuerst schaute er etwas überrascht drein, doch das wunderte ihn nicht. Die Worte 'Opa' aus dem Maul seines Enkels zu hören war zwar komisch, so wie er es vermutet hatte, aber auch irgendwie schön und man konnte sich daran gewöhnen. Ein Schmunzeln fuhr über seine Lefzen. Vergessen war das Tal, das mittlerweile von der Lava überrollt worden war, vergessen war für einen Moment, dass er so ewig lange weg gewesen war. Doch dann sah er das Strahlen auf dem Lefzen des Roten und seine freudig wedelnde Rute. Und als er dann auch noch seine Nase in seinen Pelz drückte, konnte Hiryoga nicht anders, als seinem Enkel einmal mit der langen Zunge über die Schnauze und das Gesicht zu fahren.
Nicht lange dauerte es, bis er wieder auf den Boden der Tatsachen geholt wurde. 'Lange' hatte er gebraucht. Ja, so schien es, denn immerhin hatte er schon Enkel. Es grauste ihm davor seiner Familie zu erzählen, dass er so lange im Nichts gewesen war und...nichts gespürt und gemerkt hatte. Für sie alle musste diese Zeit grausam gewesen sein und er hatte noch nicht einmal etwas davon mitbekommen.
Sein Blick huschte wieder zu Shani, seiner wunderschönen Gefährtin, die über beide Ohren strahlte. Obwohl sie ihn nun immer und immer wieder berührte, konnte er doch nicht genug davon bekommen und suchte immer wieder mit seiner Nase, seiner Schnauze und seinem Körper ihre Nähe und berührte sie Mal an der Schnauze, mal an der Schulter. Neugierig lauschte der Braune den Worten und seufzte leise. Wie würden sie wohl alle reagieren? Seine Geschwister, seine Kinder und seine Enkelkinder? Teilweise kannten sie ihn ja noch nicht einmal! Ihm wurde bang, nicht jeder würde so freudig wie Shani und Isaíah reagieren.
Erst der ernste Blick von Shani riss ihn aus seinen Gedanken. Seine smaragdfarbenen Augen betrachteten sie eindringlich, so als ob er wüsste, dass nun etwas Schlimmes folgen würde. Und obwohl er wusste, dass etwas Schlimmes kommen würde, hatte er doch nicht damit gerechnet, dass es so schlimm würde. Zwei Jahre. Zwei ganze, verdammte Jahre war er weg gewesen. Zwei Jahre hatte er seine Gefährtin allein gelassen. Hatte zwei Jahre lang seine Welpen nicht gesehen. Zwei Jahre. Ein leises entsetztes Jaulen entfuhr ihm. Er sah zu seinem Enkel und dann zu seiner Gefährtin. Ein schmerzverzerrter Ausdruck legte sich auf sein Gesicht und die smaragdfarbenen Augen waren von tiefer Trauer ergriffen.

"Zwei Jahre...?", wisperte er leise.

Der Braune spürte, wie sich seine Gefährtin an ihn drückte, er schluckte nur, schob seine Nase in ihren Pelz und wünschte sich, dass dieser Moment einfach nur vergehen würde, dass er aufwachen würde aus einem irren Traum und seine Welpen noch klein waren und sie im Tal lagen. Doch es war die Realität und Shani hatte ein Recht darauf zu erfahren, wo er gewesen war und wie es dort war.
Hiryoga hob seinen Kopf, er schaute kurz zu beiden, ehe er im Augenwinkel einen Wolf auf sie zu laufen sah.

"Nein...nicht wirklich schlimm...es war...einfach...nichts..."

Er blickte kurz in die tannengrünen Augen seiner Gefährtin, leckte ihr über die Schnauze und hob seinen Blick wieder, um einen bekannten Wolf ausmachen. Es war Kursaí. Ein leichtes Lächeln legte sich über seine Lefzen und seine Rute schwang erfreut hin und her. Als sie vor ihm stand und zu ihm sprach, konnte er nicht anders, als ein leises Fiepen erklingen zu lassen, seine Schnauze durch ihren Pelz zu schieben und ihr übers Gesicht zu lecken.

"Ja Kursaí...ich bin es, ich bin wieder da."

Da stand er nun, seinen Enkel, seine Tochter und seine Gefährtin bei sich. Ja zwei Jahre waren vergangen, aber immerhin freuten sich diese drei ihn zu sehen.



[Mit Isaíah, Shani und Kursaí hinter dem Rudel zurückliegend]

Parveen
13.12.2012, 20:29

Parveen konnte spüren, dass fast ein Lächeln auf ihre Lefzen getreten war. Die Antwort des Rüden war so… vorhersehbar. Was hatte sie auch anderes erwartet? Sie kannten sich nicht und ihre allgemeine Stimmung spornte nicht gerade zu einem Gespräch an. Er antwortet also etwas, ohne dabei aber etwas zu sagen. Einer von diesen Sätzen, die nichts preis gaben und man sie deswegen nur allzu gerne gebrauchte.

"Das will ich hoffen."

Wäre sie in der rechten Stimmung gewesen hätte sie versucht heraus zu finden, ob es dem Wolf neben ihr wirklich gut ging, oder er das Thema nur umgehen wollte. Wo oft hörte man die Worte "Es geht mir gut", aber das meist nur solange, wie es der Stolz erlaubte.
Die Wölfin merke, wie der Helle sie musterte und tat es ihm aus den Augenwinkeln gleich. Er war ein wenig größer als sie selbst und um einiges jünger. Kein Wunder, dass er vor ihr nicht wie ein Schwächling da stehen wollte. Jetzt trat das Lächeln wirklich kurz auf ihr Gesicht.
Als er zu einer längeren Antwort ansetzte, spitzte Pav aufmerksam die Ohren. Samirez war also sein Name und sie hatte sich nicht getäuscht, er war wirklich erst seit kurzem bei ihnen. Diese Tatsache erfreute sie. Es gab zu viele Wölfe, die schon ihr halbes Leben an ihrer Seite lebten, aber sie bisher kaum ein Wort mit ihnen gesprochen hatte. Zumindest bei diesem Rüden war es also anders. Andere Situationen verlangen auch nach anderem Verhalten – Welch merkwürdiger Zufall. Aber irgendwie auch erfrischend und dieses Gespräch zerrte Parveen zumindest ein wenig aus der Tristes der Wanderung. Nicht nur eine Pfote vor die andere, nicht zurück, nur nach vorne, sondern auch eine andere Seele neben sich wissen und das Gefühl haben, dass man nicht mit dem Wahnsinn des Lebens alleine ist.

"Wie wahr… Aber trotzdem ergibt sich selbst jetzt die Gelegenheit."

Die Schwarze wollte aufmunternd klingen. Der Sinn ihrer Worte und vorherigen Gedanken war es auch gewesen, aber die Worte hatten trotzdem einen ernüchterten Tonfall und als die dies merkte wurde auch der Glanz der blauen Augen ein wenig schwächer. Neue Bekanntschaften mit dem Tod in ihrem Rücken und die Heimat verlassend… Wie so oft an diesem Tag blickte sie sich wie im Traum um und als sie das furchtbare Bild erneut vor Augen hatte, ruckte ihr Kopf wieder nach vorne.

"Es macht nichts einfach… Dieser Berg, er zerstört nur. Das Revier, unsere Heimat. Nichts als Wanderer sind wir jetzt und nur Averics Fährte weist uns den Weg…"

Pav hasste den Gedanken, heimatlos zu sein. Sie war es schon einmal gewesen und wünschte sich das Gefühl nicht zurück. Sie wusste nicht, wie es weiter gehen sollte. Was, wenn sie ihren Bruder nicht einmal fanden. Und wenn doch, was dann? In ihrem Kopf schwirrte es und als sie den Blick kurz schweifen lies, fasste sie einzelne Gruppen ins Auge.

"Wir haben nur noch uns als Rudel. Vielleicht es nun gut, wenn man besonders neue Bekanntschaften knüpft."

War das ihr Lichtblick, den sie suchte? Das Gute an dieser verfluchten Situation? Das Rudel würde sich nun beweisen müssen. Näher zusammen rücken oder heimatlos zerbrechen. Parveen hoffte das erste, auch wenn sich positive Gedanken in ihrem Hirn nur schwer zu formen schienen.


{Rudelmitte | Samirez}

Ahkuna Caiyé
13.12.2012, 23:00

Mit trägen Schritten zog sie sich weiter voran. Immer weiter, nicht nachlassend. Sie hatte sich einen Platz weiter vorne ergattert und lief nun mit den ersten mit. Dennoch war es ihr herzlich egal, ob sie nun an vorderster Front war oder das Schlusslicht des Rudels bilden sollte. Schon fast mechanisch bewegten sich ihre Läufe im sanften Trapp. Über Stock und über Stein, ja so ist es fein. Die Ohren waren spitz nach vorne gestellt und ihr Blick wirkte schon fast lauernd. Trotzdem achtete sie kein Stück auf die Wölfe, die in ihrer Nähe waren. Überall wildes Gerede. War sie die Einzige, die so einsam war? Ahkuna wandte ihren Kopf nicht umher. - Und wenn schon. Es würde ihr letztendlich auch nichts bringen, wenn sie eine Antwort auf ihre unausgesprochene Frage hätte.
Ein kalter Schauer lief ihr den Rücken runter. Tief zog sie die Luft ein und schloss für einen Moment die eisblauen Augen. Wann hatte sie es geschafft, sich so zu verändern? Es war erschreckend und gleichzeitig spürte sie eine Abneigung gegen diese neue ‚Ist-mir-doch-egal‘-Seite. Obwohl sie es war, die sie erschaffen hatte. Ahkuna hatte den verdorbenen Kern mit Wasser versorgt, sodass eine dunkle Blüte entstanden war. Die Caiyé schüttelte empört ihren Kopf, wobei es für Andere aussehen müsste, als ob sie versuchen würde die kleinen Schlammreste aus ihrem weißen Fell zu lösen. Ein schwerfälliges Schnauben wich aus ihrem schmalen Fang und sie drehte ihre Ohren unweigerlich zurück. Apropos: Wie sie Wölfe mit dunklem Fell momentan doch beneidete!
Erneut nahm sie einen tiefen Atemzug. Sie hasste diese Gegend hier. Sie fühlte sich unwohl und beobachtet. Sie konnte den Tod riechen. Ein eisiger Luftzug erwischte sie und sie bekam augenblicklich das Gefühl, dass jegliches Leben von ihr gewichen war. Ihr wurde schlagartig kalt. Extreme Wetterschwankungen? Die Fähe drehte ihren Kopf, nach einer Bestätigung suchend, zur Seite. Doch auf den Gesichtern der Anderen konnte sie keine Änderungen erkennen. Merkte denn niemand, dass die Luft klirrend kalt war? Ahkuna schluckte und hob zögernd ihre Schnauze. Lediglich ein Hauch von dem Duft und trotzdem wurde ihr nicht wohl dabei. Wie denn auch?! War hier wirklich der Tod oder bildete sie sich diesen Geruch einfach nur ein? Eine dämliche Einbildung? Ahkuna brauchte Gewissheit. Die Fähe blieb stehen und drehte sich um. Die vorbeilaufenden Wölfe mussten die Stehengebliebene umgehen.
Suchend hielt sie Ausschau nach einem richtigen Wolf, der ihre Frage beantworten konnte. Dabei würde es nicht so schwierig werden, schließlich suchte sie nach einem Familienmitglied und fast das ganze Rudel bestand aus ihrer Familie. Für einen Moment lag ihr verblüffter Blick auf Samir. Sie kniff ihre Augen minimal zusammen. War das Blut auf seiner Stirn oder einfach nur Dreck? Bevor sie sich sicher war, traf sein Blick auf den ihren und eilig wendete sie ihren Kopf ab. Ihre Augen fingen Parveen ein. Nanu, die Beiden kannten sich? Zum einen, weil sie sich Sorgen um Samirez machte (diesen Gedanken würde sie dennoch nicht lautaussprechen, besonders nicht in seiner Anwesenheit) und zum anderen, weil Parveen ihre Frage beantworten konnte. Sie musste es einfach.

„Parveen, Samir.“, begrüßte sie die Beiden mit einem sanften Kopfnicken. „Ich hoffe ich störe nicht.“ Ein unsicheres Schlucken und ein leichtes Lächeln erhellte ihre Lefzen, welches geplagt von Sorgen war.


{ Mitte | Samirez && Parveen }

Sheena
14.12.2012, 22:44

Amáya war dicht an sie heran getreten. Sheena hatte leicht verwundert die Stirn gerunzelt es aber dabei belassen. Sie wollte wissen, was die Fähe als nächstes tun würde. Kein Stück weit konnte Sheena die Schwarze einschätzen. Es schien ihr, als hätte Amáya einen inneren Kampf, eine Diskussion in ihrem Kopf. Worum mochte es gehen?
Einen kurzen Augenblick war Sheena versucht mit dieser merkwürdigen Fähe in Kontakt zu treten, Engaya dabei um Hilfe zu bitten um die Fähe besser verstehen zu können. Doch genauso schnell wie der Gedanke gekommen war, schreckte sie wieder vor ihm zurück. Wahrscheinlich würde die Fähe ohne jegliche Kontrolle auf sie stürzen. Oder würde sie es gar nicht bemerken? Und was würde Sheena dort erwarten, nachher würde sie mit einem solchen Schwall an Gefühlen und Gedanken überrollt werden, dass sie selber so wurde wie Amáya? Dieses Risiko konnte und durfte sie nicht eingehen. Sie würde Amáya erst fragen müssen, bevor sie so etwas tat. Dadurch könnte der Kontakt natürlich erschwert werden, die Fähe würde sich durch das Wissen blockieren und schützen können. Aber das konnte ihr auch passieren, wenn sie ohne ihr Wissen eine Verbindung aufbauen würde.
Und außerdem! Warum wollte sie überhaupt etwas über diese Fähe herausfinden?
Die Schwarze sprang mittlerweile zurück, blickte in der Gegend umher und Sheena war sich sicher, dass sie nichts von dem was wirklich um sie herum war, wahrnahm. Plötzlich kam sie wieder auf sie zu. Berührte sie schon fast mit der Schnauze, ehe sie jäh innehielt. Was nun?

Ermordet. Bei dem Wort lachte Sheena laut auf. Ermordet! Nun, wenn sie sich diesen Stempel unbedingt aufdrücken wollte. Gerne, dagegen hatte sie nichts einzuwenden. Nur würde sie nie diesen Begriff in den Fang nehmen. Ermordet hätte Amáya ihn, wenn sie ihn bis in den Tod gebissen hätte. Aber sie hatte vorher aufgehört, hatte ihn an seinen Verletzungen sterben lassen. Nein, nein. Das war definitiv keine Ermordung sondern nur eine jämmerliche Tötung. Denn zu mehr war die Schwarze nicht in der Lage gewesen. Mit ihrem schwachen Wesen. Abschaum.

Und wieder schien die Fähe ins Schwimmen zu geraten. Ihr Blick wurde wieder fahrig, die Seelenspiegel verschleierten sich. Sheena nutze die Gelegenheit und trat einen Schritt nach hinten. Sie wollte der Schwarzen nicht so nahe sein, wie sie an sie heran getreten war. Sie hatte verdammt nochmal ihren Ziehvater getötet.
Einen Moment später klärte sich der Blick Amáyas. Die Augen verdunkelt, doch anscheinend wieder voll bei ihr. Ja, ihr Gestammel zeugte davon. Doch was wollte sie ihr erklären? Warum sie ihn getötet hatte? Warum sie so war wie sie war? Oder wollte sie sich nur… Tatsächlich. Sie hatte wohl vorgehabt sich zu entschuldigen. Immerhin war das Dummerchen noch selbst auf die Idee gekommen, dass es keine Entschuldigung für ihr Vergehen gab. Sheena biss sich kurz auf die Zunge um sich ein Kommentar zu unterdrücken. Warum sollte sie sich auf das Niveau dieser um den Verstand gebrachten Fähe herablassen?

Vielleicht um ihr zu helfen!?

Gedankenblitze in ihrem Kopf. Doch ehe sie sich darum kümmern konnte, sprach Amáya wirres Zeug. Darauf erwartete sie von Sheena doch wohl keine Antwort? Das bittere Lächeln auf den Lefzen gab ihr eine Antwort ohne Worte. Amáya war erneut in ihrem Inneren angekommen. Langsam trat die Weiße einen Schritt auf sie zu.
Schwarz und Weiß. Und alles dazwischen. Es gab immer ein Ende und ein Anfang. Und etwas dazwischen.
Plötzlich wurden Sheenas Züge weicher, sie konnte der Fähe ihr Verhalten nicht verzeihen. Oder doch?

„Amáya… Hast Du eine Idee, wie ich Dich unterstützen kann?“

Ekel stieg in ihr hoch. Das waren ihre Worte gewesen? Wie wollte diese Fähe unterstützen? Bei was denn um Engayas Willen. Bei was denn?
Angespannt verharrte sie in ihrer Position, doch ihr Kopf war der Fähe zugewandt. Ihre Mimik war freundlich, wenn auch leicht irritiert und sehr, sehr wachsam.



[Am Ende des Rudels. Amáya.]

Tyraleen
15.12.2012, 12:57

Nie hatte Tyraleen jemanden getroffen, dessen Name so unwiderlegbar zu seinem ganzen Wesen passte wie Daylight. Wie hatte ihre gemeinsame Mutter damals gewusst, dass aus dem kleinen, etwas dreckig weißen Welpen einmal eine solch strahlende, Licht und Liebe verteilende Wölfin werden würde? So hell und rein, dass eine Priesterinnenausbildung ihr Leuchten eher gedämpft, als verstärkt hätte. Daylight war keine Priesterin, Daylight war keine nachdenkliche, predigende Wölfin … Daylight war das Sonnenlicht. Und wieder einmal strahlte es ohne eine einzige Wolke auf Tyraleen und wärmte ihren von Asche verrußten Pelz.

“Möglicherweise in der Zeit, in der du der Sonne einen Lichtstrahl gestohlen und in dir verwahrt hast, sodass er mit jedem Tag heller wird.“

Es waren keine Schmeicheleien, die die beiden Fähen austauschten, sondern insbesondere für Tyraleen wichtige Wahrheiten, die sie ihren Rudelmitgliedern und vor allem ihren Schwestern viel zu selten sagte. Im Chaos aus Erdbeben, feuerspeienden Bergen und der Flucht vor immer neuen Gefahren fand sie viel zu selten Zeit und Gedanken um Daylight und so vielen anderen zu sagen, was sie über sie dachte. Wie gut, dass wenn sie schon nicht zu ihnen ging, ihre Schwestern dann eben zu ihr kamen. Wieder einmal musste die Weiße feststellen, dass sie trotzallem eine wunderbare Familie hatte. Zu der auch Linalee gehörte, die zumindest ihren Teil zur Vielfalt und Herzensreinheit der Gemeinschaft beitrug, denn ihr sonderlich nahe stand sie wohl ganz und gar nicht. Auch wenn Tyraleen mittlerweile begriffen hatte, dass sie sie nicht berühren sollte, schien das an Abstand noch nicht genug zu sein. Sie hatte ihren Fang lediglich in die Nähe des kleinen Kopfes mit den großen Ohren gebracht, da zuckte die Kleine schon wieder zurück, diesmal sogar aus dem Gleichgewicht geratend, gegen Daylight stolpernd und dort genauso erschrocken zurückprallend. Sie wirkte ein bisschen so, als wäre sie von Feinden umgeben. Ein klein wenig zog sich Tyraleens Herz zusammen, als sie ihren Kopf schnell wieder in eine aufrechte Position brachte und unauffällig zwei weitere Pfotenlängen zwischen Linalee und sich brachte. Sie wollte sich der Kleinen ganz bestimmt nicht aufdrängen.
Daylight lenkte sie mit ihrer Ergänzung und Erklärung ein wenig ab und Tyraleen war ihrer Schwester dankbar, dass sie den zumindest für die Weiße unangenehmen Moment überbrückte. Sie begann selbst darüber nachzudenken, welche Dinge Linalee wohl besser konnte als ihre Geschwister. Sie war so schüchtern und ängstlich, dass man kaum eine Aussage darüber treffen konnte. Ob die kleine Schwarze intelligent war, ließ sich bei den wenigen Worten, die sie über die Lefzen brachte kaum beurteilen und ob sie schnell rennen konnte, ließ sich nur sagen, wenn sie den Mut zum wilden Sprint finden würde. Aber sie war noch so jung, es würde genug Zeit bleiben, um die Angst zu vergessen und zu zeigen, wer Linalee wirklich war. Wie als hätte die Kleinen einen Teil ihrer Gedanken im Laufen erhascht, sprach sie jetzt stotternd ihre Bedenken bezüglich Daylights Worten aus. Noch gab es für sie nichts, das sie gut konnte. Ein unschöner Gedanke und entsprechend unglücklich sah die Schwarze auch aus. Tyraleen hätte beinahe wieder den Kopf gesenkt, um die Kleine tröstend an der Stirn zu berühren, konnte sich aber im letzten Moment zurückhalten.

“Du bist noch sehr jung, es braucht ein bisschen Zeit, bis man seine Stärken erkennt. Manche Stärken sind offensichtlich, zum Beispiel Kraft, aber gerade so wichtige Eigenschaften wie Intelligenz, Fürsorglichkeit und Empathie werden erst deutlich, wenn du etwas älter und länger ein Teil unserer Gemeinschaft bist.“ Tyraleen zweifelte nicht daran, dass Linalee beispielsweise eine gute Mutter werden könnte, wenn sie einmal ihre Angst abgelegt hatte. “Du und wir müssen dich ja erst einmal kennenlernen.“, fügte sie noch mit einem Lächeln hinzu.

Ihr Blick wanderte zu Daylight und fragte sich aus irgendeinem Grund, ob ihre Schwester wohl eine gute Mutter wäre. Wären ihre Welpen die glücklichsten Wölfe auf dieser Erde oder würde ihr Licht die Kleinen blenden so wie Linalee? Gerne hätte sie es herausgefunden, war sie doch bisher nur ein Mal Tante geworden und das zu einer Zeit, in der sie selbst noch ein Welpe gewesen war. Während sie sich vorstellte, wie vier kleine, strahlende Daylighttöchter um sie herumsprangen, wurde sie unerwartet von einer anderen Welpenstimme angesprochen. Linalee hatte sie zum ersten Mal ganz bewusst angesprochen, zumindest ihren Namen fragend in die kalte Bergluft gehaucht. Tyraleens Blick huschte wieder zu der Kleinen und blieb fragend auf ihr liegen, während die Schwarze wohl wieder einmal mit den richtigen Worten kämpfte. Stotternd brachte sie schließlich einen ersten Halbsatz hervor, der ihr verriet, dass sie sich etwas fragte, dann einen zweiten, der von jemanden handelte, der nicht gut schlief. Von diesem Themenwechsel etwas erstaunt und ahnungslos, von wem Linalee sprach, blinzelte Tyraleen etwas verwirrt und legte den Kopf leicht schräg. Wieder traf sie der Blick der Kleinen für einen kurzen Moment, ein wenig sicherer diesmal und mit dem Namen des schlecht Schlafenden. Chardím. Jetzt krampfte sich das Herz der Weißen wirklich zusammen, wusste doch ihr Sohn, dass sein Vater nur für ihn ins Tal der Raben zog. Zwar mussten sie ihm jetzt so oder so folgen, aber das hatte sich erst vor fünf Stunden entschieden. Wie viele Tage vorher hatte Chardím voller Sorge wachgelegen und sich Vorwürfe gemacht? Auch als Averic dann gegangen war, hatte sie ihren schwarz-weißen Sohn nicht beruhigt und ihm nicht gesagt, dass es nicht seine Schuld war. Das hätte sie tun sollen.

“Weißt du, Linalee … es ist sehr schwer für ihn momentan. Sein Vater Averic musste gehen und bis vor wenigen Stunden dachten wir alle noch, dass wir ihn eine lange Zeit nicht wiedersehen würden. Chardím hat das besonders viel ausgemacht, weil er eine gewisse Rolle spielt. Vielleicht fragst du ihn selbst, was ich damit meine und wenn du ein bisschen für ihn da sein willst, kannst du ihm sagen, dass er keine Schuld trägt.“ Es war schwierig, eine gute Antwort zu finden und gleichzeitig nichts zu sagen, das Chardím seinem Patenwelpen eher selbst erzählen sollte. Auf Linalees Ergänzung krauste sich die Stirn der Weißen leicht und sie fügte noch hinzu: “Was meinst du mit unwichtig?“

Das passte nicht ganz zu der Situation, außer im Kopf ihres Sohnes hatten sich Gedankenzusammenhänge gefunden, die Tyraleen selbst nicht gekommen waren. Trotzdem klang es irgendwie unpassend, war Chardím doch sogar außerordentlich wichtig, wenn man es aus der Perspektive betrachten wollte, dass Averic nur wegen ihm hatte gehen müssen. Aber vielleicht hatte Linalee einfach etwas falsch verstanden? Das war nicht auszuschließen, auch wenn der Weißen nun vollkommen klar war, dass sie mit ihrem Sohn über dieses Thema reden würde – auch über seine Wichtigkeit oder Unwichtigkeit.
Das Heulen Amúrs unterbrach Tyraleens Gedanken und ebenso wie Linalee blieb sie abrupt stehen. Ihr Blick hatte den Ort des Geschehens schnell erfasst und was sie dort sah, ließ sie erstarren. Caylee und Amúr kämpften mit Krolock, rasch unterstützt von Atalya und Chardím. Was ging dort vor? Was war schon wieder in diesen unberechenbaren und nie mit dem Ärgermachen aufhörenden Wolf gefahren? Linalees Wimmern hörte die Weiße noch, dann war sie aufgesprungen um zu ihren Kindern zu eilen.


[ an der Spitze des Rudels | Linalee und Daylight verlassend ]

Isaí Caiyé
16.12.2012, 13:44

Tatsächlich war die Trauer darüber, dass sie ihr Zuhause in der Zerstörung, der Hitze und dem Feuer hatten zurücklassen müssen, nun überschattet von der Freude, die Shani nur zu deutlich im Gesicht stand und die inzwischen auch in ähnlicher Intensivität auf den jungen Rüden übergegangen war. Für ihn war der Braune ein Fremder, ein unbekanntes Gesicht und doch spielte es keinerlei Rolle. Er gehörte zu seiner Familie, egal, wie lange er fortgewesen war und welche Gründe er dafür gehabt hatte. Er war sein Opa, der Gefährte seiner Oma und der Bruder seiner Patin Kisha – er war ein Teil dieses Rudels, dieser Gemeinschaft, auch wenn er ein wenig anders roch, als es der Rote gewohnt war. Es waren nicht nur fremde Witterungen, die er mit sich trug, es waren Vergangene, von denen Isaí wohl niemals begreifen würde, dass sie längst im Beisein Engayas ruhten und zu ihnen hinabsahen. Nicht einmal im Entferntesten konnte er sich vorstellen, dass die leicht unbekannte Note seines Geruchs beispielsweise zu seiner Urgroßmutter gehörte – zu Banshee, die sie ebenfalls in der Düsternis hatten ‚zurücklassen‘ müssen. Doch auch, wenn er ihr im Hain stets hatte nahe sein können, so wusste er doch, dass sie das Rudel sicherlich nicht alleine ziehen lassen würde. Sie alle trugen sie mit sich, gemeinsam mit Acollon und so war seine Familie doch immer komplett. Egal wo sie sich befanden und egal, wie weit sie von ihrem Tal entfernt waren – Heimat war, wo seine Familie war. Und die war soeben um eins bereichert worden und zog von dannen.

Das Strahlen seiner Großmutter ließ ihn noch immer die Müdigkeit seiner Läufe vergessen. Es befreite ihn auf merkwürdige Art und Weise und machte ihn schlicht glücklich, obschon mittlerweile auch die Sorge um Kisha zurückkehrte, die nachwievor fehlte. Er hob den Kopf, als sie ebenfalls dazu aufforderte, den Anschluss nicht zu verpassen und nickte ihr mit einem fröhlichen Ausdruck zu. Dennoch wanderte sein Blick einen kurzen Augenblick an Hiryoga vorbei, ebenso an den anderen Wölfen, die sich noch hinter ihnen befanden, doch dort war keine Gestalt, die ihn auf seine Patin hoffen ließ. Sie war nicht da und dem jungen Sternenwind blieb nichts, als stumm zu hoffen, dass es ihr gut ging. Das Lächeln auf seinen Zügen wurde etwas blasser, enttäuschter, doch er wollte damit nicht die Freude über seinen Opa zerstören. So setzte er wieder einen fröhlicheren Ausdruck auf seine Lefzen, wandte sich um und blickte seinen Großeltern entgegen.

„Papa wird sich bestimmt tierisch freuen.“, vermutete er und wollte sich gerade in Bewegung setzen, als eine Stimme von der Seite erklang.

Kursaí kam auf sie zu – perplex und deutlich ungläubig – doch auch diese Scheu schien kurz darauf vergessen. Isaí machte ein paar Schritte zurück, um Kursaí Platz zu machen und wandte sich stattdessen an seine Oma. Ihre Worte waren ihm – hatte er auch ein wenig abgelenkt gewirkt – nicht entgangen und die Antwort Hiryogas hatte ihn schlicht verwirrt. Es war nichts. Das konnte doch gar nicht sein. Es war doch immer irgendetwas. Besorgt legte sich einer seiner etwas zu großen Lauscher nach hinten und legte den Kopf etwas in die Schräge.

„Wieso vermutest du denn, dass es dort, wo er war, schlimm war?“

Und warum sein Opa selbst nicht die Zeit gemerkt hatte, die er fortgewesen war, war ihm auch ein Rätsel. Aber das war weniger wichtig. Etwas anderes aber schien immer mehr an Wichtigkeit zu gewinnen.

„Oma Shani? Denkst du, wir machen bald mal eine Pause? Ich meine… Es werden sich doch sicher alle freuen, dass Opa wieder da ist und er ist sicher auch müde, nachdem er uns so lange gesucht hat.“

Er sollte immer weiterlaufen. Wahrscheinlich war es nur allzu deutlich, dass er inzwischen unglaublich müde war, doch er wollte nicht, dass man bloß wegen ihm eine Pause machte. Nein, er würde weiterlaufen. Weiterlaufen, weiterlaufen. Aber wie sah das bei dem Rest aus? Bei Engaya, er hoffte, dass sie wegen irgendjemandem eine Pause machen mussten…


{ weiter hinten im rudel | shani caiyé, hiryoga, kursaí }

Samirez
17.12.2012, 15:50

Bereits jetzt ging ihm diese Wanderung gehörig auf den Keks. Vom künftigen Alphasohn zum heimatlosen Wanderer. Wie konnte man eigentlich so tief sinken? Parveen zeigte er natürlich von diesen Gedanken nichts, sie sollte ruhig denken, dass seine mürrische Miene von seiner Verletzung her rührte, dass war immer noch besser als komische Fragen zu beantworten. Somit lauschte er mit zur Seite neigten Ohrmuscheln ihren Worten und nicht einmal kurz. Ja tatsächlich hatte er in all dem Chaos der letzten Wochen sogar einige interessante Bekanntschaften gemacht. Daylight zum Beispiel war eine wahre Bereicherung gewesen, die er nicht wieder missen wollte. Atalya dagegen hatte er seither kalt ignoriert, so wie sie es mit ihm tat. Und Amáya war sicherlich eine interessante Bekanntschaft gewesen. Von Akhuna ganz zu schweigen.

“Ja, in der Tat.“

Steuerte er daher nüchtern, aber in einem freundlichen Tonfall bei und beobachtete die Schwarze einen Moment lang. Wie es schien war auch so ein wenig in ihren Gedanken versunken, doch Samirez war nicht so tollkühn danach zu fragen. Im Gegenteil, wenn er ihr ihre Gedankenfreiheit ließ, würde ihm seinem vermutlich genauso gewährt.
Als sie auf Averic zu sprechen kam zuckten die Ohren des Jägers sanft. Er kannte den schwarzen Rüden nicht persönlich und daher war es ihm voll kaum zu verdenken, dass er Zweifel an dieser Sache hatte. Wer wusste denn, wohin dieser Averic sie insgeheim führte und überhaupt, wer war er, dass dieses Rudel ihm wie selbstverständlich folgte?

“Ich hoffe mal, es ist eine gute Idee ihm zu folgen. Immerhin ist er doch zuvor nicht ohne Grund allein losgezogen, oder? Was ist wenn wir ihn finden, er uns aber gar nicht bei was auch immer gebrauchen kann?“

Machte er seinen Gedanken vorsichtig Luft und warf gleichsam einen wachsamen Blick auf Parveen. Sollte er sie verstimmt haben, würde er es vermutlich gleich zu spüren bekommen. Ja, sie hatten nur noch diese Gemeinschaft und die vage Hoffnung irgendwo anzukommen. Wenn dieser Averic sie nun also zufällig in den nächsten Abgrund führte, hätten sie vermutlich wenigstens einen Sündenbock. Ein bitterer Gedanke, aber zumindest irgendwie hilfreich.

Als eine weitere Stimme direkt neben ihnen ertönte, zuckte Sams leicht zusammen. Er hatte die Stimme natürlich gleich erkannt und bemühte sich nun darum, interessiert die Erde unter seinen Pfoten zu betrachten. Er hatte nicht gemerkt, dass sich Akhuna hatte zurückfallen lassen und nun hatte er den Schlamassel den er nicht gewollt hatte. Wenn sie bemerkte, dass er verletzt war, würde sie vermutlich aus allen Wolken fallen. Somit empfand er es persönlich als eine gute Idee, die Weiße gar nicht erst anzublicken.

“Ähm, nein du störst nicht, wir haben uns nur gerade... über das Rudel unterhalten.“

Erklärte er somit seinen eigenen Pfoten und hoffte insgeheim, dass Parveen den Blickteil dieser Unterhaltung übernehmen würde.


Mitte des Rudels | Parveen & Akhuna

Chivan
17.12.2012, 16:52

So ganz wusste er die Fähe, die im Augenblick an seiner Seite lief, nicht wirklich einzuschätzen. Sie wirkte verschlossen, in sich gekehrt und in ihren Seelenspiegeln schien etwas zu ruhen, was eindeutig von Einsamkeit sprach. Der helle Blick des Bunten ruhte nicht lange auf ihrem Antlitz, glaubte er doch, dass ihr dabei nicht unbedingt wohl war. Ihre momentane Lage brachte wohl ausreichend Gründe mit sich, sich an zig Orte zu wünschen, wo es besser war, sodass ein einfacher Blick die Verfassung der Fähe nicht noch weiter hinunter ziehen musste. Sie wirkte ja nicht einmal an einem Gespräch interessiert, was der Rüde ihr kein bisschen übel nahm. Sie waren müde, ließen den Ort zurück, der ihnen jahrelang eine Heimat gewesen war und wanderten in eine ungewisse Zukunft. Es war nicht unbedingt eine Situation, die dazu anregte, munter miteinander zu plaudern, obschon die Distanz in ihren hellen, kühlen Seelenspiegeln schon für sich aussagte, dass sie wohl auch sonst keine Wölfin war, die Anekdoten erzählte. Letztendlich aber entpuppte sie sich doch als nicht ganz so abgeneigt, wie Chivan es anfangs vermutet hatte, obschon ihr im Laufe des Gesprächs generell mehr die weniger aktive Rolle zukam – zumindest was das Sprechen betraf, doch damit hatte er gewiss keine Probleme. Es war ein angenehmes Gefühl, Kontakte zu diesen Wölfen zu knüpfen, sie kennenzulernen und ihnen in dieser schweren Zeit beizustehen. Es war verblüffend – gerade rechtzeitig schien ihn sein Weg hierher geführt haben. Und das Bild des feuerspeienden Berges wollte ihm auch nicht mehr aus dem Kopf gehen. Dazu war es zu bekannt und zu befremdlich zugleich; zu furchterregend und gleichzeitig doch all die Jahre auf eine eigenartige Weise von ihm gesucht und letztlich gefunden.

„Freut mich, dich kennenzulernen.“, entgegnete er schließlich mit einem kurzen Blick in ihre Richtung und einem freundlichen Lächeln.

Mit ihren nächsten Worten bekam er gleich wieder einen tieferen Einblick in all die Beziehungen, die Verwandtschaften und Bindungen, die dieses Rudel auszumachen schienen. Sie waren nicht bloß ein Zusammenschluss, sie waren tatsächlich eine Familie, eine Einheit, die zusammengehörte – ganz gleich, ob man nun nach der Blutlinie oder etwas anderem ging. Es war eine Seltenheit, solch ein großes Rudel anzutreffen, solch einen großen Verband, der funktionierte, ohne dass jemand versuchte, nach der Macht zu greifen oder andere zu untergraben. Sie hatten allesamt ihren Platz in diesem Gefüge, welcher zur Funktionstüchtigkeit beitrug. Sie alle waren wichtig für das Überleben ihres Nebenmannes, waren ein Teil der Geschichte dieses Rudels, ihrer Götter und nicht zuletzt der gesamten Wolfheit. Ein ehrliches Lächeln huschte über die Lefzen des Hünen, doch er wendete den Blick dieses Mal nicht von ihrem Weg ab, während er antwortete.

„Ich weiß es nicht.“

Seine Worte verließen seinen Fang mit einer unglaublichen Einfachheit. Vertrauen war nichts Vorbestimmtes, nichts Erklärbares. Es konnte Wölfe geben, die einem ein Leben lang bewiesen, dass sie es wert waren, Vertrauen entgegengebracht zu bekommen und dennoch hieß es nicht automatisch, dass man ihnen tatsächlich vertraute. Andererseits ließ man sich in manchen Fällen auch wieder und wieder auf Enttäuschungen ein, bloß weil man nicht aufhören konnte, einem Freund mit diesen Erwartungen entgegenzutreten. Vertrauen war etwas subjektives, etwas, was passierte oder nicht, etwas, wozu man in der Lage war oder nicht. Und Chivan musste gestehen, dass er der Hellen tatsächlich vertraute. Üblicherweise war auch er ein Wolf, der Fremden mit einem gesunden Misstrauen begegnete, doch Tyraleen war anders. Das Band war anders als er es bisher je verspürt hatte. Es war fremd und so bekannt zugleich – doch ja, er vertraute ihr, so, wie er ihr zutraute, ihr Rudel mit der Kraft und dem Mut einer Leitwölfin zu führen.

„Aber ich kann dir versichern, dass es auf Gegenseitigkeit beruht.“

Dadurch, dass Malicia so schwer einzuschätzen war, wusste er nicht recht, ob es Sorge um ihre Schwester war, die aus ihrer Frage sprach. Er wandte den Kopf herum, sah sie an, als erhoffte er sich die Antwort auf diese stumme Frage aus ihrer Reaktion, aus ihrer Mimik. Er selbst fand es eigenartig, dass ein Fremder so schnell Kontakte zur Führung knüpfte, so vertraut wirkte, doch er konnte nichts daran ändern. Es war wie es war und er war der Letzte, der sich verstellen würde, um etwas an sich doch so Wunderbares zu leugnen. Allmählich schien auch das Gespräch zwischen den beiden ins Rollen zu kommen. Er erwiderte ihr müdes Lächeln auf ihre Worte hin und schnippte kurz mit den Ohren, als ein Heulen an seine Ohren dran. Es dauerte einen Moment, bis er die Ursache etliche Wolfslängen weiter vorne erkannt hatte. Es waren bereits einige zur Hilfe geeilt, drückten einen weiteren Wolf zu Boden, der sich zu wehren schien und schließlich aufgab. Der Hüne hob den Kopf, spitzte die Ohren, verließ seinen Platz allerdings nicht. Stattdessen versuchte er, die Situation so gut es ging zu beobachten. Es brachte nichts, wenn nun das gesamte Rudel hinstürzte. Und er bezweifelte, dass Tyraleen oder Aszrem nicht umkehren und nach dem Rechten sehen würden. Seine Aufgabe fand hier statt – hier, knapp vor der Betafähe am Ende des Rudels, solange seine Hilfe nicht benötigt wurde. Und bisher sah es so aus, als hätten die Jungwölfe die Sache gut im Griff. Sie waren angespannt, gestresst und versuchten irgendwie, mit ihrer misslichen Lage klarzukommen. Chivans Augen ruhten einen Augenblick auf der grauen Gestalt Atalyas, doch er blieb, wo er war und wandte sich schließlich zumindest halb wieder dem Gespräch mit Malicia zu, der der Zwischenfall sicherlich nicht entgangen war.

„Wieso siehst du es nicht als Abenteuer?“, fragte er schließlich und warf ihr einen kurzen Blick zu. „Verstehe mich nicht falsch. Ich kann mir vorstellen, wie wichtig euch euer Tal gewesen sein muss. Aber ist es nicht schon viel wert, dass ihr alle unverletzt und zusammen seid? Trauer macht jeden Schritt bloß noch schwerer.“


{ schlusslicht | malicia | etwas vor sheena und amayá }

Aszrem
20.12.2012, 11:35

Aszrems Augen glitten über die Umgebung vor ihnen. An so vielen Stellen war der Boden nicht mehr als nackter Stein. Es grenzte an ein Wunder, dass sie Averics Fährte hier und da immer mal aufschnappen konnte um sicher sein zu können, nicht völlig in die falsche Richtung zu laufen. Viel mehr sagte ihnen das aber nicht. Die Luft bewegt sich ständig, auch bei Windstille, und verzerrte jede Witterung. Es mocht sein, dass sie zwar der kalten Witterung des Todessohnes folgte und trotzdem fehl gingen. Wenn die Götter ihnen nicht halfen, konnt es sein, dass sie ihn nie fanden.
Konnte das Fenris' Wille sein? Zwang er deshalb erst den Todessohn fort und zerstörte dann das Tal, damit das Rudel fortziehen musste? Und wo war Engaya, dass sie so machtlos zu sein schien?
Hinter ihm erklangen Rufe. Aszrem hielt inne und wandte sich um, um nach dem Rudel zu sehen. Er hatt gerade einen Felsvorsprung erklommen um sich eine bessere Übersicht über die Gegend verschaffen zu können, und so bot sich ihm nun auch ein recht guter Blick über den langen Tross des Rudels. Relativ in der Mitte, aber etwas neben dem Zug, hatte sich eine Gruppe Jungwölfe versammelt. Aszrem erkannte Chardím - der Schwarzweiße war immer leicht zu erkennen - war auf diese Entfernung aber unschlüssig, wer die anderen waren. Die Gruppe wich ein wenig auseinander und gab den Blick auf einen am Bode liegenden, schwarzen Wolf frei. Verdammt, was war da nur passiert? Aszrem hoffte, dass es den Schwarzen lediglich aus Erschöpfung nicht mehr auf den Beinen hielt. Sein Blick suchte Tyraleen, aber sene Mitalpha hatte ihren Platz an der Spitze des Zuges bereits verlassen und nächerte sich dem Geschehen.
Später war Aszrem geneigt zu glauben, dass es der Atem Engayas war, der ihn in diesem Augenblick streifte. Der Schwarzbraune wollte gerade den Felsvorsprung verlassen, um sich ebenfalls zum Ort des Geschehens zu begeben, als ihn für einen kurzen Moment eine leichte Brise streifte und eben jenen Geruch mit sich trug, dem sie nun seit Stunden folgten. Aszrem erstarrte und wandte den Kopf in die entsprechende Richtung, aber die Brise hatte sich bereits wieder gelegt. Hatte er sich die Witterung nur eingebildet? Nein, sie war klar gewesen, klar und frisch. Aszrem sah zum Rudel zurück, aber tyraleen wurde dort gebraucht, und er würde sie nicht von dort wegrufen, solange er sich nicht sicher war. Der Schwarzbraune wandte sich um, verließ den Felsvorsprung und lief eiligen Schrittes in die Richtung, aus der die Brise gekommen war. Er erklomm einen Geröllhang und umrundete einen Felsgrat, hielt inne. Seine bernsteinfarbenen Augen suchte die Umgebung ab, die Ohren waren lauschend aufgestellt. Aszrem witterte, suchte den Boden ab. Da, tatsächlich!

"Averic!",

rief er und setzte eilig den Weg fort, den die Fährte ihm wies. Tatsächlich dauerte es nicht mehr lange, da entdeckt er den Todessohn. Staub und Dreck hing ihm im Fell, als wäre auch er durch de Ascheregen gewandert, und ein leichter Geruch von Blut mischte sich jetzt in die Witterung. Averic war jedoch nicht allein - in der Nähe stand eine Fähe, die allein aufgrund ihres seltsamen Äußeren seinen Blick für einen Moment einfing, und eine weitere Fährte lag noch in der Luft, aber den zugehörigen Rüden konnte Aszrem nicht entdecken. Der Schwarzbraune schätzte knapp die Situation ein und kam zu dem Schluss, dass Averic nicht angegriffen worden war, und damit war die Fähe vorerst von nur geringem Interesse.

"Averic! Wir fürchteten schon, wir würden deine Spur verlieren",

rief er dem Schwarzen schon entgegen, während er näher kam, und obgleich er froh war, den Todessohn endlich gefunden zu haben, zeigte sich in seiner Miene nur Ernst.


[außer Sichtweite des Rudels | Averic, Invidia, Caitír]

Parveen
20.12.2012, 21:13

Die Schwarze war froh, dass sie sich zu Samirez gesellt hatte. Eigentlich war es hauptsächlich das verklebte Blut in dem hellen Pelz gewesen, das sie angelockt hatte, aber da er dieses Thema beiseite geschoben hatte, tat sie es ihm gleich. Sie war selten ein Wolf, der andere mit der Nase auf etwas stieß und damit allein den eigenen Willen durchzusetzen versuchte. Natürlich, wenn es nötig war, aber sonst vermied sie es. Ihr gefiel die ruhige Art des Rüden, auch wenn sie vermutete, dass er ohne die finsteren Aschewolken ein noch helleres Gemüt hatte. In einer solchen Situation konnte man viele in Kategorien einteilen. Samirez war wahrscheinlich von der Sorte, dass er die Situation zwar verwünschte, aber es andere nicht spüren lassen wollte. 'Ein wenig wie ich, auch wenn ich nicht sagen kann, ob bei ihm die Gedanken ebenso wenig heller werden wollen, wie bei mir'. Wie zur Bestätigung, dass auch der Helle seine Zweifel hatte, setzte er bei Pavs Worten über Averic an. Neugierig über das was er zu sagen hatte, stellte sie das ihm zugewandte Ohr leicht schräg.

"Wir können nur hoffen, dass es eine gute und die richtige Entscheidung war. Es gab nur die Gefahr in unserem Rücken und Averics Fährte in die vermeidliche Sicherheit."

Ein leichtes Seufzen kam aus ihrem Fang. Sie musste zugeben, ihr war das Thema ein wenig unangenehm. Irgendwie hatte sie das Gefühl, ein wenig Hoffnung zu schenken und nichts von den Zweifeln nach außen dringen zu lassen. Erwartete man so etwas nicht von der Schwester des Wolfes, dem sie hier folgten? Natürlich hatte sie sich auch schon etliche Male gefragt, ob die Entscheidung über ihren Weg wirklich die Richtige gewesen war, aber wollte sie die Entscheidung nicht in Frage stellen. Im Moment des Aufbruchs kam es ihr nur logisch vor und sie war ohne Zweifel Tyraleen und den anderen gefolgt, aber genau das, was der Rüde neben ihr eben ausgesprochen hatte, spukte auch Parveen immer öfter im Kopf umher. Womöglich würden sie ihn nicht einmal finden. Wenn doch, wie würde es weiter gehen? Es stimmte, er hatte das Rudel, seine Familie, nicht ohne Grund zurück gelassen und es war für die Schwarze mehr als fraglich, ob sie ihn auf seinem Weg würden begleiten können. Fast hätte sie wieder geseufzt, aber sie brachte ein mehr trauriges als ermutigendes Lächeln zustande und blickte Samirez offen an.

"Wenn es wirklich so kommt, sind wir noch heimatloser als jetzt schon. Aber wenn die Götter wirklich noch über uns wachen, müssen wir einen neuen Weg finden."

Wollte sie sich selbst Hoffnung machen? Oder eine Lösung herauf beschwören, falls sie in der unbekannten Wildnis keinen Ort fanden, an den sie gehen konnten? Wenn alles anders kommt, würden sie wirklich einen neuen Weg finden müssen. Fast wie aus dem Nichts, obwohl er die ganze Zeit um sie herum war, schlich sich ein Geruch in ihr Bewusstsein. Die schwarzen Ohren drehten sich in Richtung ihrer weißen Nichte. Pav begrüßte sie mit einem Kopfnicken und ihre Mundwinkel verzogen sich zu einem freundlichen Lächeln.

"Du störst nicht. Natürlich nicht."

Sie schaute kurz zwischen den beiden jungen Wölfen umher, aber Sami erwiderte ihren Blick nicht. Er hatte offenbar eine plötzliche Begeisterung für die Steine zu seinen Pfoten entdeckt. An einem anderen Ort, an einem anderen Tag, hätte sich der Schalk in die blauen Augen geschlichen, aber nun fesselte sie die Sorge in Ahkunas Gesicht. Ob sie nur von der allgemeinen Stimmung stammte, konnte sie nicht sagen. Den Kopf ein wenig gesenkt, blickte sie fragend zu der jungen Wölfin.


{Rudelmitte | Ahkuna & Samirez}

Amáya
21.12.2012, 13:11

Waren da noch andere Wölfe ausser Sheena? Was war mit dem Rudel? Kraftlos schwenkte Amáya leicht ihren Kopf herum, traute sich aber nicht, sich wirklich umzusehen. Alles drohte vor ihren Augen zu verschwimmen und sich umzuformen, zu Fantasien, an denen sie kläglich zu Boden gehen würde. Sie presste die Augenlider protestierend zusammen, sog die schwere Winterluft in ihre Lungen. Hinter den Vorhängen blieben Abdrücke des Blutrots. Die Linie tiefschwarzer Lefzen gegen schneeweißes Fell, spöttisch zu einem feinen Lächeln gezogen. Ein kurzes Zittern und ihr Magen protestierte heftig, wand sich ungeduldig in ihrem Inneren, als würde er sich gleich ausstülpen. Ein Keuchen entsprang ihrem Fang, als der grelle Abdrück langsam von den Lefzen nach oben wanderte. Nein, nicht die Augen. Bloß nicht dieser anklagende Blick von blutrot! Sie riss die eigenen Seelenspiegel auf und bohrte ihr Pfoten fest in den steinigen Grund, sodass kleine spitze Kiesel ihre Ballen aufrissen. Doch nicht einmal der Schmerz konnte sie jetzt mehr abblenken. Ihr Atem ging immer nich angestrengt und unregelmäßig, war klar zu hören.
Sie zuckte leicht zusammen, als ein kaltes Lachen direkt neben ihren empfindlichen und vor Schmerz säuselnden Ohren explodierte. Entgeistert wirbelte sie herum und starrte wieder in die Züge Sheenas. Wieder hatte sie ihre Schwägerin fast mit Mayhem verwechselt. Konnte das Zufall sein? Sie bekam kaum Luft, so eng klammerte sich die Angst um ihren Hals. Konnte sie Sheena denn wirklich vertrauen? Dieses Lachen sendete ihr Schauer den Rücken hinunter, es kribbelte leicht hysterisch in jeder Zelle ihres Körpers. Sie schluckte. Gab es überhaupt jemanden, dem sie noch trauen konnte? Sollte sie nicht lieber laufen? Nein, nein, nein. Sie wollte nicht allein mit ihrer Zwillingsschwester bleiben, das war das Schlimmste, was ihr passieren konnte. Sie fixierte die Weiße mit einem Gemisch aus Hoffnung und Furcht. Sie war ihre Rettung und gleichzeitig ihr Verderben. Sie fühlte sich so schwach in diesem Moment. So unendlich schwach und ausgelaugt. Und immer weiter zehrte es an ihr, jene weiße Lichtgestalt die in ihren Augenwinkeln huschte saugte ihr immer mehr an Kraft ab. Ihre Augen weiteten sich erschrocken und bekamen für eine kurze Zeit einen bittenden Ausdruck, als die weiße Fähe zurückwich.

"Nein... Nicht...", murmelte sie drängend, angestrengt und folgte ihr automatisch, mit einem panischen Blick über ihre Schulter. Sie starrte mit geweiteten Pfützenaugen in das starre und bittere Lächeln ihres Gegenübers. Sie antwortete ihr nicht. Unsicher verharrte sie, ihre Ohren winkelten sich nach hinten, bis sie sich fest an ihren schmalen Schädel pressten. Der bittende Blick verwandelte sich in puren Unglauben, Schrecken. Sie stolperte wich zurück. Hatte sie ein rotes Flackern in den Augen der Weißen gesehen? War ihr Fell nicht eine Spur strahlender geworden? Das war doch nicht Sheena, oder...?
"Was ist das für ein krankes Spiel...", die Worte kamen leise, aber fester als vorher aus ihrem Maul, unterstütz durch die Kraft der Verzweiflung. Etwas Wildes blitzte in ihren Zügen auf und sie richtete ihr Haupt langsam auf. Wie die Ironie des Lebens so war, drehte sich der Spieß nun. Denn jetzt trat Sheena wieder auf sie zu, während sie mit verhasteter Bewegung einen Schritt zurückwich.

"Wer... Wer bist du wirklich?", hauchte sie misstrauisch, voller Widerstand. Da, die Augen waren doch garantiert gerade rot aufgeblitzt? So rot, wie nur Blut sein kann? Und dieses Lächeln, das kalte Lachen eben... Beweise, Beweise. "Du kannst mich nicht reinlegen." Etwas Wahnwitziges trat in ihre Stimme und Augen während sie mit einem grimassenhaften Grinsen ihren Kopf heftig schüttelte. Langsam richtete sich das Fell an ihrem Nacken ein wenig auf. Sie schien verwirrt und etwas wahnsinnig. Selbst sie selbst war sich gar nicht mal sicher, wo sie sich gerade mit den Gedanken befand. Sie war nicht in ihrer Wahnwelt und gleichzeitig auch nicht ganz in der Realität. Ihre Muskeln zitterten leicht vor Anstrengung. Mit hämmernden Kopf starrte sie misstrauisch auf die Weiße.

"Du willst mir doch gar nicht helfen."

Sie verengte ihre Seelenspiegel, die etwas zwischen klar und verschwommen hin und herschwangen. Ihre Läufe waren leicht eingeknickt, sodass ihre Kopf, ihr Rücken und ihre Rute eine diagonale Linie bildete, dessen höchster Punkt ihre Schnauzenspitze war, deren Haut leicht zuckte, als wolle sie sich jeden Moment runzeln. Sie ähnelte am ehesten einem verletzten Tier, welches in die Ecke gedrängt eine defensive Haltung eingenommen hatte. Das Freundliche in dem Blick der Fähe irriterte sie. Ihr ganzes Verhalten war eine einzige große Verwirrung, einfach zu viel für ihren geschwächsten und paranoiden Geist.


{ Sheena | das Ende des Rudels }

Caylee
23.12.2012, 22:19

Caylee war so gefangen in ihrem eigenen Schrecken und den wirren Gefühlen, die durch ihren Kopf waberten, dass sie Liel erst bemerkte, als diese besorgt zu ihrem Bruder gestürzt war und die vier Geschwister gleich darauf beinahe anklagend gemustert hatte. Eine diffuse Abneigung kroch die Kehle der Weißen hinauf und kurz verspürte sie den Wunsch, die Wut, die sich Krolocks wegen angestaut hatte, an Liel auszulassen. Aber der Moment des gemeinsamen Kampfes gegen die Gefahr hatte Caylee zu sehr gepackt, als dass sie jetzt aus den Reihen ausscheren und der merkwürdigen Schwester Krolocks am besten gleich die Schuld am Geschehenen geben wollte. Und auch wenn Liels Blick etwas Feindliches an sich gehabt hatte, so war ihre Frage im Endeffekt ganz neutral gewesen. Merkwürdig unneutral, wenn nicht extrem schuldig begann Amúr dann aber herumzustottern und sogleich wich Caylees beschämter Blick einem leichten Stirnrunzeln. Aber sie riss sich zusammen, es wäre nicht fair gewesen, Amúr jetzt ins Wort zu fallen. Sie hatte sie gerettet. Sie hatte ihr möglicherweise wirklich das Leben gerettet. So fing sie lieber das leise Lächeln Chardíms auf, das sie jedoch aus verschiedenen Gründen nicht erwidern konnte. Zum einen war ihr beim besten Willen einfach nicht zum Lächeln zumute. Und zum anderen wusste Chardím ebenso gut wie sie, was sie noch vor wenigen Stunden ihnen allen an den Kopf geworfen hatte und irgendwie war dieses Wissen ganz bestimmt nicht belächelnswert. Auf seine Frage nickte sie fahrig, fuhr sich mit der Zunge erneut über die Lefzen und erreichte so doch nicht die kleine Wunde auf dem Schnauzenrücken, die nicht aufhören wollte zu bluten. Der metallische Geschmack in ihrem Mund war schwer. Dennoch hatte sie das Gefühl, auch etwas sagen zu müssen, immerhin hatte bei ihr alles seinen Anfang genommen. Und womöglich war sie die einzige gewesen, die bemerkt hatte, dass Krolock nur noch eine Parodie seiner selbst gewesen war.

“Krolock war auch …“ Sie musste sich räuspern, ihre Stimme klang dennoch belegt und wenig selbstsicher. “… anders als sonst. Er wirkte wie eine Krolock-Parodie. Viel langsamer, ungenau, als hätte er eine Wurzel gefressen oder so. Er kam auf mich zugerannt, wollte mich angreifen, aber ich hatte kein Problem, ihm auszuweichen. Wäre ich nicht umgeknickt, hätte ich ihm auch locker entkommen können.“ Sie schwieg wieder kurz und nickte dann bestätigend zu Chardíms Frage. “Genau, seine Augen waren außerdem rot. Als wäre er gar nicht Krolock gewesen.“

Sie hatte Liel nicht direkt angesehen, als würde sie nicht ihre Frage beantworten. Lieber hatte sie wieder den Schwarzen gemustert, wie er dort am Boden lag, bewegungslos aber nach Aussage der anderen nicht tot. Keiner schien erleichtert über diese Aussage und wieder zog sich ein Kribbeln durch Caylees Körper. Sie vergaß es jedoch, als Atalya plötzlich mit einer neuen Erkenntnis herausrückte. Bär, Nihilus, begraben? Caylee erinnerte sich nur ganz dumpf, dass ihr diese Episode erzählt worden war, sie selbst hatte sich bei Aszrem und Nerúi fernab vom Rudelplatz aufgehalten. Niemand hatte etwas von roten Augen oder einem durchgedrehten Krolock erwähnt. Jetzt hob sich Caylees Kopf und sie trat einen Schritt auf Atalya zu, das Fell leicht gesträubt.

“Was war damals? Ist er da auch so durchgedreht? War er auch nicht mehr wirklich Krolock?“

Wobei die letzte Frage vermutlich schwer zu beantworten war, zumindest für Atalya, die ja noch nie einen Hehl daraus gemacht hatte, dass sie Krolock nicht leiden konnte. Für sie war Krolock wohl auch mit roten Augen und vollkommen ausrastend genauso wie sonst. Caylee schluckte.


[ am seitlichen Rand des Rudels | Amúr, Chardím, Atalya, Liel und Krolock ]

Ahkuna Caiyé
23.12.2012, 23:24

Ihr Blick pendelte von der interessant gemusterten Fähe zu dem weißen Rüden, dessen Fell mit Schlamm verdreckt war. Länger als beabsichtigt blieb ihr Blick an dem Gleichaltrigen haften. Zu behaupten sie wäre aus allen Wolken gefallen, wäre übertrieben, doch sein Verhalten irritierte sie. Kaum war sie gekommen, hatte er augenblicklich seinen Kopf gesenkt und sie keines Blickes gewürdigt. Seine Worte waren abweisend und wenn Ahkuna es nicht besser wüsste, dann würde sie sagen, dass sie kein Stück erwünscht war. Auch dieses Stocken bei Nennung des Themas, wo sie gerade hereingeplatzt war, war für die Fähe ein weiteres Zeichen, dass ihre Anwesenheit bloß störte. Doch die junge Weiße ließ sich nicht anmerken, dass sie gekränkt war. Auch ignorierte sie den intensiven Geruch vom getrockneten Blut, welches deutlich von Samirez ausging.

„Es wird auch nicht lange Zeit beanspruchen.“

Versicherte sie dem Rüden prompt. Die Ohren legten sich an ihren Hinterkopf und ein mulmiges Gefühl machte sich in ihrer Bauchgegend breit. Sie konnte das Gefühl nicht einschätzen und erstrecht nicht in eine Schublade einordnen. Doch lange Zeit zum Schlüsse ziehen blieb ihr nicht, deswegen hakte sie das erdrückende Gefühl einfach als Wut ab. Wahrscheinlich war sie nur etwas stinkig, dass Samir sie ohne jeglichen Grund ignorierte.
Parveens Begrüßung dagegen war herzlicher. Doch ihre Tante wurde schon immer für ihre ruhige, freundliche Art im Rudel geschätzt. Bei ihr hatte man das Gefühl sich fallen lassen zu können. Ohne Sorgen irgendwann mit dem Kopf auf den steinigen Boden zu stürzen. Genau das brauchte Ahkuna jetzt: Sich einfach fallen lassen zu können.

„Ich … ich mache mir Sorgen.“

Die Ohren drehten sich unschlüssig und legten sich schließlich seitlich an. Sie unterdrückte ein Seufzen, welches ihre Kehle empor gestiegen war und senkte bloß ihre Augenlider um den Blick ebenfalls an den Boden zu fesseln. Es war wahrscheinlich nicht schwer zu erkennen, dass Ahkuna nicht so recht wusste, wie sie sich ausdrücken sollte und deswegen unnötig herum druckste. Die Fähe holte tief Luft und ließ diese gleich mit einem Stoß aus dem Maul. Ihr klarer Blick legte sich auf Parveen.

„Kann man sich den Geruch von Wölfen, die längst aus unser Leben gegangen sind, so stark einbilden, dass man glaubt sie wären tatsächlich da?“

Ahkuna konnte sich nur zu gut vorstellen, wie dumm und naiv ihre Frage doch klingen musste. Sie musste es sich selbst auch eingestehen, andererseits wusste sie nicht weiter. Wieso meinte sie ganz plötzlich seinen Geruch vernommen zu haben? Sie hatte keinen Gedanken an ihren Vater verloren, keinen einzigen, warum hatte sie sich das trotzdem eingebildet?


{ Rudelmitte – Samirez && Parveen }

Invidia
02.01.2013, 13:20

Eifrig hatte die Fähe mitgeholfen die beiden Gefangenen auszubuddeln, aber eigentlich nur, weil sie nichts zu tun hatte. Die beiden da in dem kleinen Gefängnis hatten es anscheinend so eilig daraus zu kommen, na da konnte sie doch wenigstens ein wenig mithelfen. Auch wenn sich das schwieriger gestaltete als gedacht. Schließlich waren die Felsbrocken ziemlich groß und schwer und sie musste auch noch aufpasse, dass die Höhle nicht zusammenbrach, weil sie einen falschen Stein beiseite schaffte. Nebenbei betrachtete sie immer noch einmal das Naturschauspiel, dass sich dort in dem Tal vor ihnen bot. Sie ergötzte sich daran und hoffte ja schon fast, dass dort unten vielleicht wenigstens jemand starb. Wäre sonst ja wirklich langweilig gewesen, oder etwa nicht? Irgendwie ergötzte sie sich ja schon fast an dem Leid, dass der eine der beiden Gefangenen dort unten zu verspüren schien. Hatte er etwa Familie, die dort in diesem Tal gelebt hatte? Aber konnte ihm das nicht eigentlich ziemlich egal sein? Schließlich schien er sich doch von dem Tal wegbewegt zu haben. Er sollte also mal nicht so scheinheilig tun. Invidia wusste nicht, wie viel Zeit inzwischen vergangen war, aber ihre Pfoten taten ihr weh, waren teilweise sogar wund und ihr Fell war inzwischen wahrscheinlich auf beiden Seiten grau und nicht mehr schwarz und weiß. Warum überhaupt hatte sie sich überhaupt die Pfoten dreckig gemacht? Das war doch sonst überhaupt nicht ihre Art. Aber hier war ja auch niemand. Hier gabs nur Einöde und die beiden Gefangenen. Wollte sie also Spaß haben, würden sie wohl endlich einmal daraus kommen müssen. Auch hatte sie den kurzen kalten Luftzug gemerkt, der sich anscheinend in die Höhle begeben hatte. Sie kannte dieses Gefühl, hatte irgendwo schon einmal gefühlt, jedoch konnte sie es im Moment nicht zuordnen und hatte es erst einmal ignoriert. Als sich dann jedoch plötzlich mit Macht ein Stein bewegte und darauf ein schwarzer Rüde aus dem Gefängnis gekommen war, war Invidia ein Stück zurückgewichen. Sie betrachtete den Schwarzen, der eindeutig ein Anhänger Fenris sein musste. Außerdem sah er echt nicht schlecht aus und dumm schien er auch nicht zu sein, auch wenn Invidia nicht verstehen konnte, wie er so sehr an etwas wie Familie hängen konnte. Invidia hatte keine Familie mehr. Sie war ihr genommen worden und seitdem hatte sie gelernt, wie man alleine am besten klarkam. Und wie man am besten andere benutzen konnte. Vielleicht würde es mit dem Schwarzen hier ja besonders spaßig werden!? Na mal sehen. Sie würde wohl erst einmal an seiner Seite bleiben.

Die Brise trug einen anderen Geruch herbei, den die Fähe nicht kannte, als jedoch plötzlich ein Wolf um die Ecke schoss und fast schon euphorisch den schwarzen Schönling begrüßte, konnte Invidia nicht anders als die Augen zu verdrehen. Sie hatte bemerkt, wie der Fremde sie gemustert hatte. Es war ein gutes Gefühl gewesen, sie liebte es die Blicke anderer auf sich zu ziehen, schließlich war sie ja auch wunderschön. Dennoch war sie es nicht gewohnt, dass sie so gekonnt ignoriert wurde, wie die beiden es hier gerade taten. Dieser Gedanke verärgerte sie etwas und dennoch regte sie sich nicht weiter darüber auf. Schließlich würde sie ihre Aufmerksamkeit schon noch einfordern. Und da hatte sie auch schon eine Idee. Sie sprang zurück auf den Steinhaufen, der immer noch einen Teil der Höhle bedeckte und löste ein paar Steine, sodass diese das Loch, durch das der andere Rüde, der sich noch nicht aus der Höhle begeben hatte, wieder zu einem Teil bedeckten. Der würde da jetzt wohl nicht mehr so einfach herauskommen. Natürlich hatte sie aufgepasst, dass niemand sie sehen würde und so war sie leise und elegant wieder von dem Haufen gesprungen und starrte nun mit gespielter Nervosität und Erschrockenheit auf das Loch.

“Oh nein, als du das Loch vorhin geöffnet hast, musst du das ganze Konstrukt irgendwie ziemlich beschädigt haben, sodass sich gerade wieder ein paar Steine gelöst haben.“

Sie ging ein paar Schritte auf die beiden eigentlich Fremden zu und blickte dann kurz einmal böse zu Averic, der ja scheinbar Schuld daran war, dass der andere Rüde immer noch verschüttet war und sah dann hilfesuchend zu dem Fremden, der gerade zu ihnen gestoßen war. “Da drin ist noch jemand verschüttet. Wir haben Stunden gebraucht, bis der Schwarze - wie hattest du ihn genannt Averic? – endlich frei war. Jetzt können wir wieder von vorne anfangen.“ Ihre Stimme klang lieb und verletzlich. So wie, wenn man sie denn kannte, sie eigentlich niemals einschätzen würde. Aber hier kannte sie niemand und wahrscheinlich würde sie auch alles tun, damit das nicht so schnell passieren würde. Denn nur solange konnte sie spielen. Nur solange konnte sie eine Schauspielerin sein. Sie trat ein paar Schritte von den beiden weg und sah sie verzweifelt an, so als würde sie armes kleines Mädchen nicht wissen, was sie machen sollte.


{Steingefängnis || Averic, Caitír Ayân, Azrem}

Averic
02.01.2013, 14:56

Jetzt, wo er nicht mehr in ihrem Steingefängnis daran arbeitete Steine aus dem Weg zu räumen, sondern befreit draußen lag und sich um seine Wunden kümmerte, übermannten Averic, zu seinem großen Ärger, auch langsam die Schmerzen. Die Pfoten brannten, die Muskeln litten unter Überstrapazierung und von seiner aufgeschrammten, blutenden Schulter brauchte man gar nicht erst anfangen. Davon konnte er sich nun wirklich nicht einschränken lassen. Der Pechschwarze würde sich ein wenig ausruhen und dann weiterziehen. Vielleicht war es auch nur eine Prüfung Fenris’, um seine Willenstärke und auch die Kraft seines Körpers zu testen. Averic hatte nicht die leiseste Ahnung vom Tal der Raben, aber es war wohl nicht verkehrt anzunehmen, dass es ein schwacher Wolf nicht weit bringen würde. Doch der Todessohn war zäh, er hatte als Jungwolf selbst in eisiger Kälte und der schwindelerregenden Höhe der Berge überlebt. Von so einer Lappalie würde er sich nicht unterkriegen lassen.
Nachdem Averic seine Pfoten von Blut und gröbstem Dreck befreit hatte, drehte er den Kopf und versuchte seine Schulter zu erreichen. Wie ein Blitz durchzuckte ein Stechen seine Schulter und auch wenn er den Schmerz ignorierte konnte er seine Wunde leider kaum erreichen. Ein Knurren grollte in seinem Rachen und der Pechschwarze ließ davon ab. Er würde nach einer Wasserstelle suchen und sich dann darum kümmern. An die zwei anderen Wölfe verschwendete er keinen Gedanken. Sein Ziel war klar, er konnte sich daher nicht länger mit den beiden aufhalten. Und mitnehmen würde er sie ganz gewiss nicht. Widerwillig ließ Averic den großen Kopf auf den kalten Boden sinken. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als sich jetzt ein bisschen auszuruhen.
Nur ein paar Minuten verstrichen so, dann hob der Fenrissohn den Kopf wieder, die Ohren aufmerksam nach vorne gerichtet. Sein Gespür und sein Gehör verrieten ihm, dass jemand näher kam. Der Wind wehte ungünstig, daher konnte er den Herannahenden nicht wittern. War es Ansem, der aus irgendwelchen Gründen nun doch zurück kam? Schließlich hörte der große Rüde, wie sein Name in der Ferne gerufen wurde. Sein Fell sträubte sich leicht – das war doch ...
Und dann erschien auch schon ein dunkler Wolf zwischen den zerklüfteten Felsen. Aszrem. Warum der Leitwolf seines Rudels nun hier auftauchte, ließ nur wenige Schlüsse zu. Averic richtete sich wieder auf, denn vor dem Gefährten seiner verstorbenen Tante wollte er nicht kläglich und zerzaust im Staub liegen. Pfoten und Schulter protestierten zwar, wurden aber eiskalt ignoriert. Dennoch stützte sich der Schwarze etwas mehr auf die linke Seite, um den rechten Vorderlauf zu entlasten.

Aszrem.“,

grüßte er den Dunklen, während sich ein kompliziertes und recht widersprüchliches Gefühl in seiner Brust ausbreitete, bestärkt durch die Worte des Leitwolfs. Wenn Aszrem hier war, musste das zwangsläufig bedeuten, dass der Rest des Rudels auch in der Nähe war. Averic konnte sich jedenfalls kaum vorstellen, dass der alte Wolf den ganzen Weg hergekommen war, um ihn zurück zu holen. Außerdem hatte er von ‚wir’ gesprochen. Das ganze Rudel musste also seiner Spur gefolgt sein. Und nun war dem Todessohn nicht klar, wie er dazu stehen sollte. Einerseits wollte er sofort aufspringen und sich von Aszrem zu Tyraleen und seinen Kindern führen lassen, einerseits tat es sogar gut den dunklen Rüden vor sich zu sehen. Er hatte sich während seines Befreiungsakts keine Gedanken zu der Katastrophe im Tal mehr erlaubt. Fenris hatte ihm gesagt, dass keines seiner Familienmitglieder sterben würde und das war Wissen genug. Natürlich war ihm dann irgendwo bewusst gewesen, dass das Rudel nicht im Tal der Sternenwinde bleiben würde und ja, vielleicht hatte er auch irgendwo gehofft, dass sie ihm nachgehen würden. Aber war das gut, oder war das entsetzlich schlecht? Er war immer noch auf dem Weg ins Tal der Raben, einem Ort von dem er nicht wusste, ob er irgendwen dahin mitnehmen wollte.

Ein lästiger Zwischenfall hat mich aufgehalten, wohl zu eurem Glück.“

Er musterte Aszrem einen kurzen Augenblick mit einem undefinierbaren, etwas kühlen Blick. Wäre er nicht durch den Erdrutsch aufgehalten worden, hätten sie ihn niemals eingeholt. Als Rudel, noch dazu mit Welpen im Anhang waren sie langsam – deutlich langsamer als er. Ihm zu folgen war nicht übermäßig klug gewesen, wenn man es mal nur rational betrachtete. Nur, übermäßig rational konnte nach all dem, was passiert war, wohl niemand mehr sein. Auch der Todessohn nicht. Die Kühle aus seinem Blick verschwand und er setzte einen Schritt nach vorne, die Schmerzen weiterhin ausblendend.

Wie geht es dem Rudel? Tyraleen, meinen Kindern?“ Er hatte gerade noch genug Anstand besessen, das Rudel zuerst zu erwähnen, auch wenn es ihn nicht halb so sehr interessierte, wie der Zustand seiner Kinder und seiner Schwester. „Wer fehlt?“, fragte er schließlich noch. Das irgendjemand gestorben sein musste, war unumgänglich. Fenris war im Tal gewesen.
Averic Ohren nahmen das Rauschen von herabfallenden Steinen wahr und er drehte rasch den Kopf herum. Er befürchtete schon einen neuen Felsschlag der größeren Sorte und spannte die widersprechenden Muskeln an, aber letztendlich waren es nur ein paar Steine, die wieder vor das Loch gefallen waren, welches er in Stundenlanger Arbeit in den Schutt gegraben hatte. Averic zog eine Lefze leicht hoch, blitzende Zähne kamen darunter zum Vorschein.

Er hat lange genug Zeit gehabt, um mir durch das Loch zu folgen. Wenn er es nicht tut, gefällt es ihm vielleicht da drinnen? Wenn er doch noch raus will, darf er jetzt selbst graben. Du kannst ihm ja helfen, eingesperrte Wölfe scheinen es dir doch angetan zu haben.“



[ Vor dem Steingefängnis | Aszrem, Invidia, Caitír ]

Shani Caiyé
05.01.2013, 12:07

Wären da nicht die immer wieder kommenden, zärtlichen, sie umschließenden Berührungen Hiryogas gewesen, hätte Shani wohl geglaubt, langsam aus einem schönen Traum zu erwachen. Sie lief so federleicht, als hätte sie nicht schon eine lange Wanderung hinter sich und die Euphorie begann langsam zu verblassen, wurde abgelöst von schwermütigen Gedanken über das Nichts. Aber Hiryoga war da, seine Nase in ihrem Fell, seine Schulter an ihrer, seine Zunge auf ihrer Stirn. So blieb das Strahlen, blieb das Glück, auch wenn sie nun zu dem weniger schönen Teil eines Wiedersehens nach langer Zeit kamen und auch wenn ihr Gefährte über die Nachricht der Dauer seiner Abwesenheit so geschockt war, dass er ein leises Jaulen nicht zurückhalten konnte. Shanis Ohren drehten sich leicht zurück und eine Sorgenfalte begann sich in ihre Stirn zu graben, versuchte sie sich doch darüber klar zu werden, was es bedeutete, 2 Jahre seines Lebens zu verlieren und zu glauben, es wären nur wenige Monde oder gar noch weniger gewesen. Fast die Hälfte seines Lebens hatte Hiryoga im Nichts verbracht, hatte seine Welpen nicht aufwachsen sehen und seine Enkel nie begrüßt. Und für ihn war alles zu einer Zeit stehengeblieben, wo noch alles ganz anders war. Seine Mutter … seine Mutter hatte noch gelebt! Banshee und Nyota mussten für Hiryoga weiterhin am Leben sein. Er wusste nicht, wie sie das Nichts besiegt hatten. Er wusste nichts von ihrem neuen Revier. Er kannte nicht Tyraleens Mord an Tascurio, nicht den schrecklichen Wintersommer und nicht die Varge. Wusste er überhaupt, warum sie aus dem Tal geflohen waren? Oh, es gab so viel zu erzählen, aber Shani scheute sich davor; wollte nicht diejenige sein, die einem Sohn den Tod seiner Eltern verkünden musste. Ihr Herz zog sich noch mehr zusammen und noch rutschte ihr das Strahlen doch von ihrem hübschen Gesicht und Niedergeschlagenheit und Kummer blieb darauf zurück, während sie Hiryoga ansah.

“Ich muss dir so vieles erzählen …“ Aber nicht jetzt, sah sie doch Kursaí herbeieilen und wollte ihrer Tochter die gleiche Freude gönnen wie sich selbst, ganz ohne einen Vater, der verstand, was er alles verpasst hatte. “Wenn nichts nicht schlimm war, so hoffe ich, dass du nicht gelitten hast. Sag mir, dass du kein Leid ertragen musstest, dann bin ich still.“

Sie schluckte, klaubte dann vom Boden ihr Lächeln auf und wandte sich ihrer Tochter zu. Kursaí schien vor allem ungläubig – ebenso wie Shani selbst – rief dann aber begeistert ihren Vater und schmiegte sich an ihn. Nun lächelte Shani doch ganz ohne sich bemühen zu müssen und einen Moment lang genoss sie den Anblick ihrer Familie – ja, ihre Familie war wieder vereint, es war alles wieder gut. Aber Isaí riss sie aus ihrer Betrachtung - in diesem Trubel aus Gefühlen und Gedanken vergaß sie den Kleinen immer wieder, was ihr ein schlechtes Gewissen machte. Seine Frage trug auch nicht gerade zu ihrem Vergnügen bei und so verblasste das Lächeln wieder und sie versuchte sich rasch eine gute Antwort auszudenken, ohne viel erklären zu müssen.

“Als er damals verschwand, ist er in ein tiefes Loch gefallen und ich dachte, er würde nie wieder hinausfinden. Aber es ist wohl doch nicht unmöglich, von dort wiederzukommen und es ist nicht so schlimm, wie es sich jemand vorstellt, der noch nie dort war.“

Sie konnte nur hoffen, dass Isaí nicht nachfragen würde, zumindest nicht jetzt sofort. Irgendwann, wenn sie in Ruhe beieinander lagen und viel Zeit hatten, würde sie ihm auch vom Nichts erzählen, aber nicht jetzt, nicht hier. Wie gut, dass den Kleinen wohl etwas anderes noch sehr viel mehr beschäftigte und auch wenn Shani selbst sich nicht müde fühlte, so ging es einigen anderen wohl wie Isaí. Die Weiße versuchte nach vorne, an die Spitze des Rudels zu spähen, aber es liefen zu viele Wölfe zwischen ihnen und den Leittieren.

“Ich weiß es nicht, Isaí … versuch noch weiter zu laufen, solange es geht. Tyraleen und Aszrem werden darauf achten, eine Pause einzulegen, wenn jemand zurückbleibt, aber jetzt müssen wir alle versuchen, weiterzulaufen.“


[ am Ende des Zuges | Isaí, Kursaí und Hiryoga ]

Kursaí
05.01.2013, 13:49

Noch immer konnte sie kaum glauben, was ihre Augen sahen, was ihre Nase roch und was ihre Ohren hörten. Diese Rückkehr sie schien so unmöglich, und doch stand hier ihr Vater wieder vor ihr. Es erschien ihr wie ein Geschenk Engayas, wie zum Ausgleich dafür, dass sie nun das Tal verlassen mussten, und es erfüllte sie eine neue Form von Hoffnung. Vielleicht war ja auch der Verlust des Tales nicht von Dauer, und es würde wieder ihres werden, wie auch ihr Vater wieder zu ihnen zurückgekehrt ist, um wieder mit ihnen zu leben. Sie konnte sich in diesem Moment nichts schöneres vorstellen, und so hoffte sie, dass ihr Vater sie nicht so bald wieder verlassen würde.
Inzwischen hatte er sich zu ihr gewandt und auch seine Schnauze durch ihr Pelz geschoben, wie auch sie es tat. Damit verschwand auch jeder noch so kleine Zweifel irgendwo in den letzten Ecken ihres Verstandes, denn Hiryoga, ihr Vater, war zurückgekehrt, und so freuten sie sich alle zusammen. Wie auch den anderen, sah man der grauweißen Fähe ihre Freude deutlich an, genoss sie doch schwanzwedelnd die Liebkosung ihres Vaters und freute sich über seine Bestätigung. Und so sagte sie glücklich, aber auch leise, fast flüsternd und dennoch deutlich:

"Das ist schön - du hast mir, uns, gefehlt!"

Kursaí glaubte, dass recht zu haben, zu verallgemeinern. Denn ihre Geschwister würden sich gewiss genauso über seine Rückkunft freuen, wie auch der Rest des Rudels. So langsam begann sie auch wieder mehr ihre Mutter und Neffen wahrzunehmen, die auch mit dabei standen. Und diese schienen auch eine lebende Bestätigung ihrer Worte zu sein, denn selbst Isaí, der Hiryoga das erste mal in seinem erst so kurzem Leben sah, freute sich außerordentlich über seine Rückkehr.
Jedoch schien es so, als ob ein Bruch in der guten Stimmung stattfand. Der Grund war ersichtlich, hatte doch Isaí eine eher nicht so heitere Frage gestellt. Selbst wenn der Welpe nicht direkt Shani angesprochen hätte, so hätte Kursaí das Antworten auch nicht übernommen, war sie doch nicht dabei gewesen, als ihr Vater sie verlassen hatte, war dass doch zu der Zeit gewesen, als sie ihren eigenen Wegen gefolgt ist. Jedoch dauerte es auch nicht lange, bis sich ihre Mutter daran machte, eine Antwort zu finden und so lauschte auch Kursaí ihr. Gleichzeitig fand sie darin für sich nichts Neues, jedoch für den Kleinen musste das Ganze noch schwerer zu begreifen sein, als für sie selber. Schien dies alles doch so völlig unmöglich, und doch schien es mit der Gnade Engayas eine Lösung für dieses Rätsel zu geben.
Bis jetzt hatte sie dem Laufen nicht allzu viel Beachtung geschenkt, war es doch anstrengend, aber dennoch nicht so, als ob sie gleich kraftlos und übermüdet wäre. Dem Kleinen ging es wohl anders, und sie konnte es ihm nicht verübeln. Er hatte ja bis jetzt noch nie das Tal verlassen, war noch nie lange gelaufen. Gleichzeitig musste er natürlich um seine Größe auszugleichen auf der gleichen Strecke mehr leisten, und so erbrachte er, wie wohl auch seine Geschwister, eine deutlich größere Leistung als all die Erwachsenen. Und so folgte der Blick der Fähe, dem ihrer Mutter nach vorne. Jedoch sah man nicht viel, oder zumindest nichts aufschlussreiches, sodass sie wohl nur weiter konnten, und hofften, dass alle noch eine Weile durchhalten würden. Wie lange wird sich Isaí wohl noch auf den Beinen halten können, fragte sie sich, während sie eine Pfote vor die andere setzte.
Ihre nächsten Worte richtete sie an ihren Vater, wie um zu vermitteln. Sie wollte dem Welpen die Illusion lassen, dass nicht er es war, der hier am schwächsten aussah, und der die Pause wohl am dringendsten brauchte.

"Brauchst du denn eine Pause? War die Reise zurück zu uns erschöpfend?"


[[Am Ende des Rudels //Bei Hiragayo, Isaí und Shani]]

Amúr
05.01.2013, 23:42

Chardím hatte Recht und Amúr tat, wie ihr geheißen, einem Atemzug zwischen ihre wirr gewählten Worte. Ihre Körper schien sich wieder aus der Spannung zu kurieren und ihre Augen tasteten langsam die Seelenspiegel der anderen an. Die Luft, entkommend aus ihrer Schnauze, tänzelte unsichtbar davon und verschrieb sich als verbraucht. Doch es war schon längst nicht mehr Krolock, oder gar Liel gewesen welche sie mit sachtenden Blicken streifte, sondern ihre Schwester, welche sich wohl mit den Worten der Fähe nicht anfreunden konnte. Amúr verstand ihr Verhalten, denn der Konflikt trug sich somit nicht auf seidenen Tüchern davon-er war stets noch vorhanden und in ihre Seele gemeißelt wie Stein. Langsam senkte sie ihren Kopf und leckte sich feinfühlig über jene Pfote mit welcher sie Krolock berührt hatte. Die Pfote mit welcher sie sich für ihre weiße Schwester eingesetzt hatte, doch es schien wohl vergeblich. Sie redete sich ja raus, sie hätte es alleine geschafft. Genau-sicher. Amúr sah schon die Bilder des roten Trankes auf dem reinlichen Fell der Fähe und sie versuchte nicht weiter in dem Weiß zu versinken.

Interessiert an der Außenwelt, Caylees Präsenz ausweichend, blickte sie sich um und schnippte einmal kurz mir ihren kleinen Ohren. Doch war es nicht grade ihre Mutter, welche mit besorgter Miene zu der kleinen Gruppe fand? Amúrs Heulen hatte wohl wahrlich mehr ausgelöst, als von sich selbst verstanden.

''Mutter.'', strich ihre Stimme leicht über den Wind. Amúr versuchte sich als unschuldig zu bestätigen, denn mittlerweile trat sie in den Zweifel überhaupt das Richtige getan zu haben. Aber moment...das hatte sie doch. Nur waren die Reaktionen von Caylee wohl nicht in den Zügen wie ihre. Traurig ließ sie ihren Kopf hängen und erwartete Tyraleens Ankunft.


[am seitlichen rand des rudels // Chardím, Atalya, Liel, Krolock, Caylee und Tyraleen.]


occ: tut mir leid für den minipost, aber ich wusste kaum was zu tippen. ._.

Jakash Caiyé
07.01.2013, 13:53

Sein Sohn wirkte für einen Moment etwas verwirrt oder unsicher, als er den Blick zu dem Schwarzen hob, aber dann zeichnete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht ab. Malik berührte ihn sacht an der Flanke, und über Jakashs Gesicht huschte ein Lächeln - das erste seit sie aufgebrochen waren. Er erwiderte die Geste sanft und beobachtete Maliks Hustenanfall kritisch. Er konnte nur hoffen, dass seine Welpen nicht noch mehr unter dem Ascheregen leiden mussten, von der langen ungewohnten Belastung ganz zu schweigen. Dann fragte sein Sohn nach seinem Paten, und Jakash musste sich arg bemühen, das Lächeln noch ein wenig zu halten.

"Bestimmt. Er war schonmal fort und ist wieder gekommen. Außerdem wird er dich ja nicht allein lassen wollen",

erwiderte er und hoffte, dass Madoc wirklich bald wieder auftauchen würde. Was auch immer den Weißen aufgehalten hatte, mit jedem weiteren Schritt entfernten sie sich weiter vom Tal und machte es Madoc vermutlich schwerer, zu ihnen zu stoßen...
Jakash hob den Blick, als sein Sohn ihn auf das gerangel weiter vorn hinwies. Etliche Wölfe vor ihm versperrten ihm die Sicht, aber er erhaschte einen Blick auf Krolock. Jakash schnaubte abfällig. Das war ja wieder typisch. Gerade wenn das Rudel litt, musste dieser Unwolf noch einen drauf setzen. Einige Wölfe eilten bereits herbei und nach kurzer Zeit erstarb der Kampf, den Geräuschen nach zu urteilen.

"Ja, vielleicht. Manche Wölfe werden sehr reizbar, wenn sie traurig sind. Dann reicht manchmal schon ein falsches Wort um einen Kampf zu beginnen",

erklärte er auf Maliks Frage hin. Inzwischen waren sie etwas näher heran gekommen, und Jakash erkannte in den anderen Beteiligten des Konflikts Chardím, Caylee, Liel... Krolock lag am Boden und schien bewusstlos. Ah, und da eilte auch schon Tyraleen herbei. Wenn sie jetzt keine Pause machten, dann nie.

"Gut, Tyraleen ist gleich hier. Lass uns eine Pause machen, Malik, das Rudel hält bestimmt gleich an",

fügte er nach einem kurzen Moment hinzu und trat auch sogleich ein wenig an den Rand ihres Pfades, um sich erst zu setzen und dann auf den Bauch nieder zu legen. Sein Kopf pochte pulsierend, und eine Pause konnte er genauso gut gebrauchen wie sein Sohn und vermutlich auch der Großteil des Rudels.


[am Rand des Rudels | Malik, in der Nähe Tyraleen, Chardím, Atalya, Liel, Krolock, Caylee, Amúr]

Samirez
07.01.2013, 19:49

Es war ungewohnt einfach sich mit der schwarzen Fähe zu unterhalten. Sie bohrte nicht nach, als er ihre Frage so einfach ausschlug, sondern ließ es dabei bewenden und ging dafür auf seine leisen zweifel ein. Ihr gefiel ihre Art, es machte ihn gleichzeitig auch ruhiger, wo er doch eben noch Gott und die Welt verflucht hatte. Er war schon ein seltsamer Kerl, doch bei der Dunklen fiel es ihm leichter, nicht er selbst zu sein, sondern sich zusammen zu reißen. Immerhin ein kleiner Lichtblick am Horizont, hurra. Doch auch ihre Worte schafften es nicht, die Bedenken des Hellen zu zerstreuen, stattdessen verzog sich die wohlgeformte Schnauze zu einem verdrießlichem Ausdruck, was er sogleich bereite. Ein stechender Schmerz schoss durch seine Stirnwunde und brachten den Jäger dazu, kurz die Augen zusammen zu kneifen um sie zu ertragen. Er war nicght der wehleidige Wolf, zumindest nicht, wenn es einen Ruf zu erhalten gab und er wollte vor Parveen sicherlich nicht als Memme dastehen.

“Das klingt ein wenig so, als würdest du das alles schon kennen.“

Bemerkte er kurz, als die Sternenwölfin das Thema so sachlich darlegte und musterte sie mit neugierigem Blick. Sie war älter als er, vielleicht war es da also gut möglich, dass sie bereits auf Wanderung gewesen war? Von seiner kleinen Wanderung konnte man immerhin nicht sonderlich reden. Er war nur simpel einer Fährte gefolgt. Apropos Fährte.
Nach einer Weile hatte er wieder einen Blick nach oben gewagt und es leider sogleich bereut. Akhunas Gesicht war eine verschlossene Maske und Samirez kam so überhaupt nicht darauf, was er denn jetzt schon wieder falsch gemacht hatte. Es war zum Mäuse melken mit dieser Fähe! Ihre Worte hatten den kühlen Unterton, welchen er bereits kannte, an den er sich aber wohl niemals gewöhnen würde. Ein tonloses Seufzen drang aus der Kehle des weißen Rüden, er biss die Fänge hart aufeinander (was ihm prompt wieder einen stechenden Schmerz in die Stirn trieb, den er jedoch geflissentlich ignorierte) und betrachtete Akhuna, die sich jedoch lieber Parveen umwandte, anstatt ihm noch weitere Worte zu würdigen.

Bei ihrer Frage jedoch, öffnete sich das Maul des Pelzträgers einen Spalt breit, obwohl er gar nichts sagen wollte. Verwirrt blickte er in die blauen Augen, nein, eigentlich war das schon ein Starren. Schnell ertappte er sich dabei und wandte den Blick wieder ab, worauf er pendelt zwischen der Schwarzen und der Weißen hängen blieb. Er wusste wirklich nicht, was er darauf sagen sollte, er selbst hatte keinen Schimmer von was sie da eigentlich sprach. Er schüttelte nur leicht den Kopf, was ihm Schmerzenstränen in die Augen trieb und wandte daraufhin den Blick gänzlich ab. Was war das für ein komisches Gefühl? Machte er sich Sorgen? Um was? Um sie? Ich werd verrückt, dachte er sich bitter und suchte dann doch wieder den Blick der abweisenden Weißen. Wie konnte das alles hier nur so schrecklich kompliziert sein?


{ Rudelmitte | Akhuna & Parveen }

Aszrem
08.01.2013, 08:45

Averic erhob sich, als er des Schwarzbraunen gewahr wurde. Der Todessohn wirkte reichlich mitgenommen und auch der Blutgeruch wurde stärker, aber nach seinen Bewegungen zu schließen verfügte der Schwarze noch über weit mehr Kraftreserven, als ihm anzusehen war. Oder zumindest über einen eisernen Willen, was in dieser Situation auf das Gleiche hinauslief.
Wenn Averic überrascht war ihn zu sehen, so ließ er es sich jedenfalls nicht anmerken. Angesichts der Ereignisse wirkte es fast ein bisschen grotesk, wie emotionslos ihrer beider Auftreten scheinbar war. Aber Gefühlsausbrüche konnte sie sich beide nicht leisten, weder er selbst als Alpha noch Averic als Vertreter Fenris' auf Erden. Es galt, einen kühlen Kopf zu bewahre und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Der nüchterne Kommentar Averics wirkte da regelrecht komisch, und unter weniger ernsten Umständen hätte er Aszrem ein Schmunzeln entlockt. So wanderte der Blick des Alphas nur zu dem Loch in dem Geröllhaufen hinter dem Todessohn und wieder zu dem Schwarzen zurück.

"Offenbar",

meinte er schlicht. Averics Blick schien schließlich etwas weicher zu werden, als er sich nach dem Rudel und seiner Familie erkundigte.

"Es geht ihnen den Umstände entsprechend - sie sind alle sehr erschöpft, und jeder geht anders mit dieser Katastrophe um. Als ich deine Spur fand, brach gerade die erste Beißerei los. Das Tal ist zerstört... Ich glaube, die meisten haben noch nicht mal richtig begriffen, was das bedeutet-"

Er brach ab, als Averic eine kurze Frage hinterher schob. Für einen Moment sah er den Todessohn nur an, aber er sparte sich die Frage, woher der Schwarze das wusste, letztendlich doch.

"Wir vermissen Nihil, Madoc und Kisha."

Sein Blick ruhte weiter auf seinem Gegenüber, stumm die eine Frage stellend, ob alle drei tot waren. Immerin war diese Erklärung naheliegend, wenn der Todessohn wusste, dass jemand 'fehlte'.
Aszrem blickte auf und an dem Schwarzen vorbei, als er das Fallen von Steinen vernahm. Die Fähe - ihre Fellfärbung war in gewisser Weise noch abnormaler als Chardíms - begann zu klagen und trat dann mit hilfesuchendem Blick an ihn heran. Averics Erwiderung auf ihre Worte standen in seltsamen Gegensatz zu ihren Behauptungen, sodass Aszrem nicht genau nachvollziehen konnte, was genau sich bei diesem 'lästigen Zwischenfall' zugetragen hatte.

"Aber er lebt noch, ja? Ist er verletzt?",

hakte er nach, abwechselnd Averic und die Fähe anschauend, bevor er sich wieder länger dem Todessohn zuwandte.

"Wir sollten zum Rudel zurück kehren, die anderen brauchen dringend eine Rast. Ich nehme mit, wer noch genügend Kraft hat, und dann helfen wir dir, den Verschütteten zu befreien",

sagte er, die letzten Worte wieder an die schwarz-weiße Fähe richtend. Es lag ihm fern, dem fremden Rüde Hilfe zu verweigern, aber das Rudel hatte einfach Vorrang.


[Steingefängnis | Averic, Invidia, Caitír]

Chardim
08.01.2013, 16:59

Chardím sah Atalya an und kräuselte leicht die Stirn. Bär? Nur sehr vage und dumpf schleierte eine Erinnerung an ein Ereignis mit einem Bären in seinem Gedächtnis ... wie, als wäre sie nur einem Traum entsprungen und nicht in der Realität geboren. Aber wenn es schon länger her war, war es gut möglich, dass sich dieses Ereignis abgespielt hatte, als es ihm selbst sehr schlecht ging. Eine Zeit lang war es ihm damals sehr schwer gefallen, seine Umwelt überhaupt noch wahr zu nehmen.
Allerdings war das nun auch nicht relevant, ob er sich daran erinnerte, oder nicht. Interessant war, was sich aus Atalyas Aussage herausfiltern ließ. Krolocks Augen waren rot gewesen, als ein Bär Nihilus begraben hatte. Also wegen Nihilus. Wegen der Gefahr, der er ausgesetzt gewesen war? Dazu kam auch Caylees Erklärung über Krolocks Zustand. Wie eine Parodie sollte er gewirkt haben, langsam, ungenau und der schwarzweiße Bruder erinnerte sich daran, wie Krolock von einem Husten geschüttelt worden war, bevor er das Bewusstsein verloren hatte. In Gedanken versunken wog Chardím den Kopf hin und her.

Ob ihn vielleicht der schwarze, staubige Regen im Tal krank gemacht hat?“

Dann befragte Caylee Atalya zu der Sache mit dem Bären. Der junge Rüde war sich recht sicher, dass Krolock bei der Sache damals auch verrückt gespielt haben musste. Ihre Aussage musste sich nicht zwangsläufig nur auf die roten Augen beziehen. Und das war etwas, das vermutlich nicht unbedingt mit krank-sein zutun hatte ... deshalb wechselten Iriden nicht zu roter Farbe. Es hatte bei manchen etwas mit dem Gemüt zutun ... jedenfalls war das bei ihm so. Auch, wenn er bisher geglaubt hatte, dass das nur bei ihm so war. Chardím hatte es festgestellt, wenn er im See sein Spiegelbild betrachtete. Manchmal waren seine Augen blauer, manchmal mehr bernsteinfarben. Und damals waren sie eine Zeit lang ja sogar ganz bernsteinfarben gewesen, als er sich wegen Jakash Engaya zugewandt hatte. Unsicher spielte der Schwarzweiße mit den Ohren und sah sich um. Nihilus war ein unscheinbarer Wolf. Und seine Verbindung zu Krolock hatte auch nicht gerade dazu beigetragen, dass sich Chardím je für den weißen Jungwolf interessiert hätte. Nun, wo er nach ihm Ausschau hielt, konnte er ihn aber auch nicht finden.

Wo ist überhaupt Nihilus?“

Noch während er fragte, trafen seine Augen Tyraleen, die zu ihnen hinüber geeilt kam. Da Chardím nicht das Gefühl hatte, irgendetwas falsch gemacht zu haben, als er seinen Geschwistern zur Hilfe eilte, besorgte ihn ihr Anblick nicht. Im Gegenteil, er war froh das sie kam, dass sie mitbekommen hatte, dass hier etwas nicht in Ordnung war. Er drehte nur ein wenig die Ohren zur Seite und pendelte kurz ganz leicht mit der Schwanzspitze der locker herabhängenden Rute, um auf Wolfsart seine Mutter und Leitwölfin zu begrüßen. Sagen tat er vorerst nichts, Zeit zu Antworten war dann, wenn eine Frage gestellt wurde.



[ Am Rand des Rudels | Caylee, Atalya, Amúr, Krolock, Liel, nahe Tyraleen ]

Hiryoga
08.01.2013, 23:09

Sein Magen zog sich zusammen, wie sehr hatte er sich doch vor diesem Moment gefürchtet – und nun war er vorüber. Die Wahrheit hatte ihn ereilt, sie hatte ihn aus der Bahn geworfen, doch nun war nicht die Zeit dafür, sie mussten weiterlaufen, verzweifeln konnte er noch zu einem anderen Zeitpunkt, an einem anderen Ort, wenn er alleine war.
Shanis Worte trafen ihn abermals so hart, dass er das Gefühl hatte, den Boden unter den Pfoten zu verlieren. Sein Blick senkte sich und er spannte den ganzen Körper an, um ja nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Ob es nun tatsächlich ihre Worte waren, die so eine Auswirkung gehabt hatten, oder dies nur eine Nachwirkung des Nichts war, konnte er nicht sagen. Der Braune schaffte es nicht, seiner Gefährtin zu Antworten, bevor Kursaí bei ihnen war. Er raffte sich auf und genoss ihre freundliche Begrüßung und ihre sanften Worte, die ihm zumindest etwas Freude schenkten, jedoch fand er nicht die Kraft, ihr im Moment dasselbe zu sagen, auch wenn er es gerne getan hätte.
Doch all sein Bemühen schien sinnlos, immer wieder erinnerte ihn etwas daran, wie lang er weg gewesen war. War es die lieb gemeinte Aussage seines Enkels, dass sein Vater Jakash sich freuen würde, ihn zu treffen, war es der Versuch seiner Gefährtin, Isaíah zu erklären, was es mit dem Nichts auf sich hatte, alle Wege führten doch zu einem Ziel. Hiyo meinte spüren zu können, wie sich sein Herz in der Brust verkrampfte.

„Eine Pause? Ja…nein…ich weiß nicht…obwohl ich nicht weit gelaufen bin…fühlen sich meine Läufe so schwer an…es ist noch zu ungewohnt…alles schmerzt…“

Ein tiefer Seufzer entrann seiner Kehle, er legte die Ohren an den Kopf und blickte über seine drei Familienmitglieder hinweg zum Rest des Rudels. Für seinen Enkel musste das Laufen noch wesentlich schlimmer sein als für ihn, von daher war es gut, wenn Isaíah wusste, dass es nicht nur er war, der eine Pause benötigte.

„Aber noch müssen wir weiter…ich mein, immerhin sind wir Sternenwinde.“

Sein Blick lag auf dem Roten, er versuchte zu Lächeln und stupste ihn mit der Schnauze an, seine Rute leicht hin und her pendelnd. Jetzt war nicht die Zeit für sein Trauerspiel, dafür würde es noch genug Zeit geben. Der Rüde trat an seine Gefährtin heran, schleckte ihr übers Ohr und sprach sehr leise zu ihr.

„Im nichts habe ich nicht gelitten…“ .oO( …aber jetzt, wo ich die Wahrheit weiß, leide ich..)Oo.

Nur in Gedanken beendete er den Satz, sie musste nicht wissen, wie elendig ihm zu Mute war.


[Mit Isaí, Kursai und Shani am Ende des Rudels]

Sheena
11.01.2013, 12:43

Ganz sicher war sich die weiße Fähe nicht was sie nun tun wollte. War es pure Zeitverschwendung hier bei der Schwarzen zu stehen oder lohnte es sich vielleicht doch ein wenig der kostbaren Zeit in sie zu investieren? Zeit, die sie ja eigentlich beide gar nicht hatten, das Rudel zog zwar langsam weiter, aber es entfernte sich dennoch immer mehr.
Sie beschloss, dass sie die Fähe beobachten würde. Wie würde sie auf ihre Worte reagieren? Danach konnte sie sich noch immer entscheiden. Doch Amáya machte ihr die Entscheidung nicht leicht. Wieder legte sich dieser verwirrte und leicht irre Blick in ihre Augen und bei ihrem Schritt nach vorne, war es nun die Schwarze die zurück wich und in eine defensive Pose verfiel. Dabei sprach sie vor sich hin. Oder zu ihr? Sheena war unsicher. Von was für einem Spiel redete Amáya? Was sollte sie nicht tun? Und was um alles im Tal meinte sie mit der Frage: „Wer bist Du wirklich?“?
Sie sah, wie sich die Pfoten der Schwarzen um die losen Steine klammerten, sie registrierte die Angespanntheit der Fähe. Scheinbar wusste sie genauso wenig wie Sheena selbst, was sie mit der Situation anfangen sollte. Dazu kam nur, dass sie vermutlich zwischen zwei Welten schwebte und im Gegensatz zu ihr selbst nicht sicher war, was Realität und was Fiktion war. Und wollte sie ihr wirklich helfen? Amáya wiederholte nur ihre eigene Frage, die sie nicht laut ausgesprochen hatte. Aber nun war es an der Zeit sich entweder dafür oder dagegen zu entscheiden. Sie wollte die Fähe nicht noch weiter verwirren.
Ihr Blick ging in Richtung des davon ziehenden Rudels. Hoffentlich war da vorne alles in Ordnung! Aber Tyraleen würde sie hoffentlich rufen, wenn sie Hilfe benötigte.

„Amáya.“ Ihre Worte kamen leise, aber sehr fest. „Amáya. Ich bin Sheena, die Betafähe dieses Rudels. Des Rudels der Sternenwinde. Und ich bin Priesterin Engayas. Nicht mehr und nicht weniger. Und auch wenn mir die Entscheidung nicht leicht fiel, ich möchte Dir wirklich helfen. Wenn dies auch Dein Wunsch ist!“

Sie würde nichts über den Kopf dieser Fähe hinweg entscheiden. Das würde auch gar keinen Sinn machen. Die Schwarze konnte sich auf ihr Angebot einlassen oder eben auch nicht. Aber wenn sie es ablehnen würde, würde Sheena dem Rudel weiter folgen und keinen einzigen Gedanken mehr an die Schwarze verschwenden. Denn genug zu tun hatte sie so oder so. Aber vielleicht würde Amáya interessieren, wie sie sich ihre Unterstützung vorstellte.

„Ich habe das Gefühl, dass es Dir gar nicht gut geht. Es kommt mir vor, als ob Dein Geist zwischen Wirklichkeit und Gedankenspiel festhängt. Bitte korrigier mich, wenn ich das falsch beobachtet habe!“

Sie schenkte der Fähe ein Lächeln, welches nicht nur von ihren Lefzen wiedergegeben wurde. Auch ihre Augen spiegelten die ehrlich gemeinte Freundlichkeit wieder, indem die goldenen Sprenkel in ihren Augen aufleuchteten und den Braunton wie flüssiges Gold durchzogen. Um ihre Geste zu unterstützen, gab sie jegliche Anspannung in ihrem Körper auf und ließ ihre Rute leicht von rechts nach links pendeln. Nein, von ihrer Gestalt ging nun keinerlei Gefahr mehr aus.
Und warum hatte sie sich dafür entschieden, der Fähe zu helfen? Weil sie mittlerweile zu dem Entschluss gekommen war, dass es gut wäre der Fähe wenigstens das Angebot zu machen. Außerdem war es ihre Pflicht sich um die Rudelmitglieder zu kümmern. Sowohl als Betafähe als auch als Priesterin. Und es war ein weiterer Schritt in die Richtung Engayas. Sie tat etwas so selbstloses, dass sie es selber kaum glauben konnte. Aber instinktiv spürte sie, dass es die richtige Entscheidung gewesen war. Und vielleicht konnte sie die Fähe ja wirklich unterstützen. Sicher wäre auch Banshee sehr stolz auf sie und Tyraleen würde sich freuen, wenn es Amáya wieder besser gehen würde. Außerdem bekam sie so die Chance sich wieder aktiv in das Rudel einzugliedern. Lebte sie momentan doch eher am Rande und wurde nur geduldet, weil die Leitwölfin sie nicht verbannen mochte.

„Meine Idee ist, dass wir langsam dem Rudel folgen und Du mir in der Zwischenzeit erzählen kannst, was Dir auf dem Herzen liegt. Und wenn wir eine längere Rast einlegen oder irgendwo angekommen sind, wo wir verweilen können, würde ich gerne versuchen nach meinen Möglichkeiten Dir einen Weg zu eröffnen, der Dir vielleicht zu mehr Klarheit verhilft. Ich habe diesbezüglich noch keine genauen Vorstellungen, aber vielleicht kommen uns beiden ja mit der Zeit Ideen, wie wir das anstellen können.“

Sie legte großen Wert darauf, dass Amáya bewusst wurde, dass sie nichts gegen ihren Willen tun würde und hoffte, dass ihre Worte auch genauso bei der Fähe ankamen.
Vertrauensvoll blickte sie in die verstörten Augen der Schwarzen, vorbei an deren zuckender Schnauze und der ängstlichen Körperhaltung.


[Am Ende des Rudels mit Amáya]

Isaí Caiyé
13.01.2013, 13:37

So ganz glaubhaft fand er die Worte seine Großmutter nicht. Unschlüssig spielte er mit den großen Ohren und blickte zu Shani auf. Nur kurz huschten seine Seelenspiegel zu dem Bild von Kursaí, die sich verständlicher Weise tierisch über ihren wieder aufgetauchten Vater freute, ehe sie wieder auf dem Antlitz seiner Oma lagen. Er wog ab, ob es etwas bringen würde, nachzufragen, doch ein leises Gefühl in seiner Magengegend wollte ihn davon überzeugen, dass das nicht der richtige Zeitpunkt war. Er wollte zwar nicht glauben, dass das Rudel Hiryoga einfach zurückgelassen hatte, nachdem er in dieses Loch gefallen war, aber auf der anderen Seite konnte er sich auch kein Loch vorstellen, welches so tief war, dass man den Glauben verlor, je wieder herauszufinden. Doch Isaí setzte mit dem Augenblick, seine Fragen auf später zu verschieben, gleich wieder das Lächeln auf und der Unglaube verschwand aus seinen bunten Seelenspiegeln. Er nickte, als Zeichen, dass dieses Thema für ihn abgeschlossen war und beobachtete wieder das Wiedersehen von Tochter und Vater, was ihn selbst mit unglaublicher Freude erfüllte, die ihm dabei half, seine Müdigkeit beiseite zu schieben und nicht groß darauf zu achten. Aber trotzdem meldeten sich seine Läufe mit einem leicht tauben Gefühl und das langsame Drehen in seinem Kopf war auch noch da, obwohl er es nicht wahrhaben wollte. Aber das gehörte wohl zu dieser Erschöpfung dazu, die er zum ersten Mal in seinem kurzen Leben zu spüren bekam. Aber sie sollte ihn nicht außer Gefecht setzen, das stand außer Frage. Dennoch machte er sich Sorgen um seine Geschwister – ihnen würde es sicherlich nicht groß anders gehen und auch sein Vater hatte mehr ein elendes Bild gemacht. Ein kurzes Nicken galt Shani bei ihren Worten, dass sie weiterlaufen musste und er sah darüber hinweg, dass sie seinen Plan doch durchschaut hatte. Zumindest Kursaí aber schien nicht den Verdacht zu schöpfen, nicht öffentlich zumindest, was dem Kleinen wirklich viel bedeutete. Shani kannte ihn eben doch noch besser als seine Tante, aber so behielt er seinen starken Eindruck zumindest bei seinem Opa. Besorgt ruhten seine Seelenspiegel kurz auf ihm, als er zugab, dass eine Pause wohl nicht verkehrt war, doch Shanis Worten nach würden sie darauf wohl noch warten müssen, bis – Moment?

„Wieso bleiben sie denn stehen?“, fragte er und hielt in seinen eigenen Bewegungen inne.

Sein Blick fiel auf Jakash, der sich etwas entfernt am Rande des Rudels niedergelassen hatte. Unruhig spielte er mit den Ohren. War seine Verfassung etwa noch schlechter geworden? Doch er lief nicht los, erkannte die Gestalt seines Bruders bei seinem Vater und suchte die Reihen lieber nach Tyraleen ab, um sicherzugehen, dass es ihr aufgefallen war. Kurz sah er sie sogar zwischen den anderen Wolfsleibern, doch obwohl er sich zur Seite neigte und versuchte, im Blick zu behalten, wohin sie lief, war sie gleich auch schon wieder aus seinem Blickfeld verschwunden. Auch nach kurzem Suchen sah er sie nicht bei der Traube um Krolock, Atalya, Amúr, Chardím und den Rest, sodass er sich doch wieder auf seinen Vater einige Wolfslängen entfernt konzentrierte.

„Papa geht es nicht gut.“, murmelte er leise den anderen zu und legte die Ohren besorgt zurück. „Hat der schwarze Schnee ihn krank gemacht?“


{ weiter hinten im rudel | shani caiyé, hiryoga, kursaí }

Parveen
13.01.2013, 14:26

Als Samirez unbewusst ihre bereits lang verstrichene Wanderung ansprach, musste Parveen zwangsweise zurück denken. Ja, ich habe bereits etwas ähnliche erlebt, aber damals wurde ich nicht vertrieben, sondern bin gegangen, auch wenn es nicht weniger bitter war, dachte die Fähe und wurde sich bewusst, dass sie ihrem Gesprächspartner eine Antwort schuldig war.

"Ich habe das Revier bereits einmal verlassen, aber damals allein. Mit dem Rudel zu ziehen ist einfacher und gleichzeitig viel schwerer."

Und es war so, oder? Jemanden bei sich zu wissen, war mehr als beruhigend und wenn es sich um das gesamte Rudel handelte war es fast, als würden sie einen Teil der Heimat mit sich nehmen. Dennoch… Es war auch um so vieles schwerer, als sich einfach allein in aller Stille zwischen den Bäumen zu verlieren. Allein die Gründe machten diese Reise dunkler.

Parveens Blick blieb, nachdem er zwischen den beiden jüngeren Wölfen hin und her gependelt war, an ihrer Nichte hängen. Das Gespräch zwischen den Beiden konnte man wirklich nicht als herzlich betrachten. Samirez starrte nach unten, Ahkuna funkelte ihn an. Die Situation wäre fast komisch gewesen, wenn sich Parveen der Beziehung zwischen den Beiden nur sicher wäre. Vielleicht würde sie noch mehr erfahren, aber im Moment schien es kaum möglich, dass die Zweijährigen mehr Worte wechseln würden. Es nicht leicht, mit einer Fähe um zu gehen… Die Schwarze neigte den Kopf leicht zur Seite, als sich die weiße Wölfin schließlich ganz ihr zuwandte. Es war nicht verwunderlich, dass sie sich Sorgen machte… Es ging ihnen allen so und dies aus den verschiedensten und doch gleichen Gründen. Auch Parveen sorgte sich. Um das Rudel, die Zukunft, die Sicherheit ihrer Familie, aber von dem Satz ihrer Nichte allein konnte sie nicht einschätzten, was genau sie beschäftigte. Wenn sich Parveen ihr Gegenüber betrachtete, dann sprach noch mehr als Sorge aus ihr, aber sie konnte nicht genau sagen, was es war. Verwirrung? Furcht? Unschlüssigkeit? Pav rechnete damit, dass das Unglück Ahkuna beschäftigte. Feuer, Angst und Verlust waren genug Dinge, über die man sich nicht schlüssig sein konnte und deswegen andere aufsuchte, aber als sie schließlich wieder aufblickte und ihrer Tante die Frage stellte, wurde sie eines anderen belehrt. Unschlüssig öffnete sie kurz den Fang, aber schloss ihn schließlich wieder, als ihr nicht sofort eine Antwort einfiel und dachte darüber nach. War es möglich, dass man sich etwas derart stark einbildete, dass man es für die Wirklichkeit hielt?

"Ich denke… es könnte möglich sein, ja. Manchmal, wenn man sich an jemanden erinnert, dann kann man das Gefühl bekommen, dass man nicht allein ist, sondern dieser Wolf wieder an seiner Seite ist."

Oft hatte sie sich an ihre Eltern erinnert und sich gewünscht, dass sie wieder bei ihr wären, aber nie hatte sich dieser Wunsch erfüllt. Trotzdem fühlte es sich so an, als wären sie niemals vollkommen verschwunden. Manchmal war das Gefühl stärker, manchmal schwächer. Ihre Nichte aber meinte etwas anderes. Dass sie glaubte einen Geruch zu vernehmen machte Parveen stutzig.

"Aber der Geruch… An wen erinnert er dich?"

Die junge Wölfin wirkte verwirrt, aber dennoch überzeugt von ihren Worten. Selbst wenn sie sich irrte, ausgedacht hatte sie sich diese Geschichte nicht. Sie waren von ihrer Familie umgeben und die Wölfe, auch wenn man sie alle unterscheiden konnte, trugen alle den Geruch des Rudels an sich. Womöglich hatte sich ihre Nichte getäuscht und der scheinbar verlorene Geruch stammte von einem Wolf, der nie verschwunden war. Wie um den Geruch zu suchen, sog sie selbst die Luft ein, aber die Asche überlagert alles, was sie aufnahm. Es war ihr fast, als würden sich die Flocken nicht nur auf ihrem Fell befinden, sondern auch in ihr. Sie unterdrückte ein Niesen und gab es auf.


{Rudelmitte | Ahkuna & Samirez}

Malik Hikaji
14.01.2013, 20:38

Erstaunt weiteten sich Maliks Augen, als sein Vater erwähnte, dass Madoc schon einmal fort gewesen war. Das hatte der ihm gar nicht erzählt … der weiße Welpe wartete nun darauf, dass Jakash ins Detail ging und erklärte, wie es damals gewesen war, doch er begründete nur, weshalb Madoc ganz bestimmt zurückkommen würde. Malik ließ sich beruhigen und nickte schließlich, aber so vollkommen überzeugt schien er nicht zu sein. Was, wenn Madoc etwas passierte und er zu einem Stern wurde? Wenn der feuerspuckende Berg sein Feuer auf ihn spuckte? Und dann hatte er einen so weiten Weg vor sich, um sie einzuholen … wie sollte er das schaffen, ganz allein? Malik wandte den Kopf um und sah zweifelnd zurück, entdeckte aber nur Wölfe des Rudels, nicht seinen Paten, an dem er trotz der kurzen zeit die sie sich kannten unglaublich hang.

„Vielleicht passt er auf meinen Freund auf und bringt ihn mit“, hauchte er zaghaft und rieb sich verlegen mit der Vorderpfote über den Fang. Niemand wusste von seinem kleinen Wolf; niemand außer Madoc.

Es folgte ein zögerlicher Blick zu seinem Vater hinauf. Wäre er nun böse auf ihn, dass er den Muschelwolf zurückgelassen hatte? Würde er ihn gar zurückschicken? Malik legte verschüchtert die Ohren an und warf noch einen Blick über die Schulter, aber da sein Freund die Muschel nicht verlassen konnte, konnte er ihnen unmöglich folgen. Malik hätte sie sofort holen sollen, als Tyraleen zum Aufbruch gerufen hatte. Aber niemand hatte ihm erlaubt, sich von der Gruppe zu entfernen, er konnte also eigentlich nichts dafür … und trotzdem fühlte er sich schuldig. Da konnte ihn auch der Tumult weiter vorn nicht so richtig ablenken, jedenfalls nicht auf Dauer. Zwar zuckten seine Ohren wieder nach vorn und er hörte auf, die Rute einzuziehen, aber Unsicherheit lag noch immer in seinem Blick. Was da vorn vorging, verstand er nicht – auch nicht, als Jakash ihn wage bestätigte.

„Das ist dumm“, murmelte er leise und war sich nicht sicher, ob er so etwas sagen durfte. Immerhin war da vorn plötzlich auch Tyraleen. Ob sie mitgemacht und er sie zuvor übersehen hatte, konnte er aber nicht erkennen. „Stell dir mal vor ich würde jetzt zu Isaí gehen und ihn schubsen.“ Mit gerunzelter Stirn schüttelte er den Kopf über die Vorstellung. „Das ist genauso dumm.“

Er hustete noch einmal leise und nickte dann erleichtert, als Jakash ihm eine Pause anbot. Zwar erstaunte es ihn, dass das trotz der überstürzten Flucht in ordnung zu sein schien, denn irgendwie liefen trotzdem noch alle Wölfe. Aber wenn sein Vater das sagte, musste es stimmen und konnte gar kein Problem sein. Trotzdem verharrte er zögernd, bis Jakash sich hinlegte, ehe er ebenfalls beiseite trat und sich gut zehn Zentimeter von ihm entfernt langsam niederlegte. Er war ershcöpft, aber warum war sein Vater auch erschöpft? Den anderen Wölfen ging es prima und wenn er zurückschaute, schien es auch Isaí gut zu gehen, Linalee war auch weiter vorn und putzmunter … was also war mit ihnen beiden? Er fühlte sich ausgelaugt, seine Lunge brannte als hätte er das fliegende Feuer des Berges eingeatmet und vor seinen Augen tanzten immer wieder Lichtpunkte, die erst bei starkem Blinzeln wieder verschwanden. Dass in seinem Kopf ein Gewitter zu toben schien, daran hatte er sich fast schon gewöhnt. Als wieder einer dieser „Blitze“ einschlug und ihm einen stechenden Schmerz durch Kopf und Nacken sandte, winselte er leise und kroch zu Jakash, schmiegte sich an ihn. Die Wärme seines Vaters war beruhigend und seine Atmung verlangsamte sich etwas. Matt legte er den Kopf auf die Vorderpfoten und sah abwechselnd zu Jakashs Gesicht hinauf und zu der Gruppe weiter vorn, die immer noch ein wildes Knäuel bildete, doch der Kampf schien vorbei zu sein. War das Atalya da bei denen? Sein Nasenrücken kräuselte sich etwas, aber er dachte dann doch nicht darüber nach, ob das zu ihr passen würde oder nicht. Stattdessen schloss er die Augen und gönnte sich einen vollkommen ruhigen Moment an der Seite seines Vaters, in dessen schwarzes Fell er sich Geborgenheit suchend kuschelte.

{ Jakash :: am Rand der Route, von der Höhe her irgendwo mittig des Rudels }

Atalya
15.01.2013, 20:08

Atalya seufzte lautlos, während ihr rötlicher Blick abwechselnd auf den Geschwistern ruhte, die nun auch kurz zu ihr blickten. Zuerst reagierte Caylee, auf deren Gesicht nun Atalyas Blick ruhte, während sie ihnen erklärte, wie Krolock sich verhalten hatte, dass er nicht er selbst gewesen war. Und so wie es klang, hatten sie Glück gehabt, dass Amúr so schnell bei den beiden gewesen war – wer wußte schon, wie weit Krolock sonst gegangen wäre? Dieser Wolf war vielleicht ziemlich berechenbar, aber selbst, wenn er mehr oder weniger bei klarem Verstand war, war er nicht zu unterschätzen. Als nun Chardíms ruhige Frage an ihre Ohren drang, verdrehte die Graue leicht die Ohren, wandte die Augen dann auf den zweifarbigen Bruder, dachte kurz über seine Worte nach. Er hatte – kurz bevor er das Bewußtsein verloren hatte – angefangen zu husten. Und der schwarze Regen schien dafür eine passende Erklärung zu sein – immerhin hatte sie selbst auch mit jedem Atemzug ein Kratzen im Hals gespürt, welches erst jetzt langsam verschwand, wo die Luft wieder reiner wurde.

Hat sonst noch jemand so gehustet, oder war er der einzige?“

Fragend blickte sie ihre Geschwister an, vielleicht wußte jemand von ihnen etwas davon – sie selbst war mit den Gedanken nicht ganz bei sich gewesen, und auch jetzt war si froh, dass Caylee eine Frage an sie richtete. Jedoch trat die Weiße näher an sie heran, stellte das Nackenfell auf, was Atalya leicht die Augen verengen ließ. Sie wußte, dass ihre helle Schwester oft mit dem Schwarzen zu tun hatte – vielleicht betitelte sie ihn auch als so etwas wie einen Freund, jedoch nun einen, der ihr ziemlich deutlich Leid hatte zufügen wollen – dennoch sah Atalya keinen Grund darin, dass die Helle ihr so gegenüber trat. Sie schnaufte leise, verzog kurz die Lefzen, ehe sich die rötlichen Augen fest auf die Weiße richteten. Sie musste einen kurzen Moment überlegen, musste an diesen Tag zurück denken, als sie und ihre Geschwister das erste Mal Schnee zu Gesicht bekommen hatten. Als der Bär auf den Rudelplatz brach...

Damals hat Takashi noch gelebt, er war bei Cirádan. Ein verletzter Bär ist auf dem Rudelplatz aufgetaucht, ich weiß nicht wie, aber Nihilus war auch da – und der Bär hat ihn unter sich begraben. Krolock war... er kam angerannt, bevor ich da war, er hat geknurrt und gedroht. Aber...“ Noch einmal ließ die Graue den Blick auf dem schwarzen Jungwolf ruhen, ehe sie wieder ihrer Schwester in die Augen blickte, während Amúr nur herum stand. „... es war nicht wie heute. Er war endlos wütend, vielleicht hätte er einen von uns auch angegriffen, wäre Nihilus nicht in Gefahr, oder gar tot gewesen. Aber... er war ansprechbar, schien wenigstens noch ein wenig Selbstkontrolle zu besitzen.“

Sie hob erneut die Lefzen, schüttelte dann aber den Kopf. Es war nicht so wie jetzt gewesen, niemand hatte ihn zu Boden drücken müssen, sie hatte ihm damals den Rücken zuwenden können, ohne dass er sich auf sie gestürzt hätte. Kurz schloß Atalya die Augen, als schon Chardíms nächste Frage an ihre Ohren drang. Nihilus. Das Verschwinden ihres besten Freundes hatte die meisten anderen Rudelmitglieder in den Schatten gestellt, und erst jetzt, wo der zweifarbige Rüde nach ihm fragte, wurde der jungen Wölfin bewußt, dass er nicht hier war. Sie schluckte trocken.

Kisha und Madoc fehlen auch – vielleicht kommt er mit ihnen zurück?“

Nun drang doch – wenn auch nur für ein Wort – Amúrs Stimme an Atalyas Ohren, und sie wandte den Kopf, um zu sehen, ob die Graue wirklich Recht hatte. Die weiße Silhouette ihrer Mutter eilte auf sie zu, Chardím begrüßte sie, und auch Atalya richtete den Blick auf die weiße Fähe, den Kopf jedoch gesenkt, um Krolock wenigstens aus den Augenwinkeln beobachten zu können, ihrer Mutter galt ein erschöpftes Lächeln.


[Rand des Rudels - Amúr, Liel, Krolock, Caylee, Chardím – in der Nähe Tyraleen, Malik & Jakash]

Jakash Caiyé
16.01.2013, 08:36

Seine Muskeln dankten ihm die Pause ebenso wie seine Lunge. Die Schmerzen verschwanden nicht völlig, wurden aber dumpfer, und auch das Atmen viel ihm immerhin ein wenig leichter. Am liebsten hätte er sich lang auf der Seite liegend ausgestreckt, damit sein Gewicht nicht wie jetzt auf Brust und Bauch ruhte, aber SO schwach wollte er dann doch nicht wirken. Sein Sohn wirkte indes noch ein wenig unschlüssig, was er tun sollte. Jakash schloss für einen Moment die Augen, in der schwachen Hoffnung seine Kopfschmerzen würden sich dann lindern, aber seine zuckenden Ohren verrieten, dass er Malik noch immer ausmerksam lauschte.

"Dein Freund?",

hakte er nach und öffnete wieder die Augen. fehlte noch jemand, außer Madoc? Jakash hatte keine Übersicht über das Rudel, aber es war ihm auch egal gewesen, solang er seine Familie vollständig wusste, inklusive seines Patensohnes. Erst jetzt wurde ihm so richtig bewusst, dass für seine Gefährtin und seine Kinder noch eine Menge anderer Wölfe sehr wichtig waren. Beste Freunde. Geschwister im Geiste. Für Jakash schien so etwas lange her zu sein. Wen hatte er noch? Seine Tante war tot, und von Chardím abgesehen, war da immer nur Madoc gewesen. Und selbst diese Freundschaft war mit der Zeit immer mehr ausgedünnt, was einer der Gründe gewesen war, warum er Madoc als Paten eines seiner Welpen hatte haben wollen - um eben das Band der Freundschaft auch zwischen ihnen wieder mehr zu festigen.
Derartig in Gedanken versunken, bemerkte er zu spät, dass sein Sohn bereits wieder redete. Hatte er jetzt die Antwort verpasst? Malik redete weiter, den Blick dorthin gerichtet, wo der Kampf stattgefunden hatte. Jakash stellte erleichtert fest, dass er scheinbar ohne Probleme an das Gespräch anknüpfen konnte. Er schmunzelte kurz.

"Ja, das wäre nicht nett von dir. Aber stell dir mal vor, es geht dir nicht gut und Isaí oder jemand anderes geht dir auf die Nerven, und obwohl du ihn mehrfach bittest dich in Ruhe zu lassen, hört derjenige nicht auf oder macht es noch schlimmer. Würdest du ihn dann schubsen? Ich denke, soetwas in der Art ist hier passiert, verstehst du? Wobei... Krolock ist darin involviert, also könnte es durchaus genauso dumm abgelaufen sein, wie du gesagt hast."

Jakash ahnte nicht, wie richtig dieser Gedanke trotz falscher Annahmen war. Sein Blick kehrte zu senem Sohn zurück, der sich inzwischen ebenfalls niedergelassen hatte. Plötzlich winselte Malik und kroch dann zu dem Schwarzen herüber, um sich an dessen Brust zu schmiegen. Sanft berührte Jakash mit der Schnauze seinen Sohn an der Stirn.

"Geht es dir nicht gut?"


[am Rand der Route | Malik; in der Nähe Tyraleen und Jungwolfgruppe]

Hilel
17.01.2013, 13:21

Die schwarze Fähe lief mit unter den anderen Rudelmitgliedern. Fremd fühlte sie sich in der dichten Gemeinschaft, fremd und fehl am Platze. Nie war sie so in ihrer Gesellschaft gefangen gewesen, wie eine Kette gesellten sich die einzelnen Glieder in Reihe und sie war mitten unter ihnen. Hinter ihr und vor ihr, manchmal gar an der Seite fand sie Gesichter der Wölfe, mit denen sie eigentlich schon eine lange Zeit zusammen lebte und dennoch kamen ihr viele davon gar unbekannt vor. Nie zuvor hatte sie so ein großes Rudel gesehen, nie davor so viele verschiedene Charaktere aus der Ferne kennen gelernte. Immer wieder ließ sie ihren Blick über die Wölfe wandern, abschätzend und misstrauisch betrachtete sie ihre Artgenossen. Jeder von ihnen hing seinen Gedanken nach, führte Gespräche, verfolgt von der Trauer, den Bedenken. Die meisten verloren ihre Heimat, ihren Geburtsort. Immer wieder fing sie Gesprächsfetzen auf, über Götter, fehlende Wölfe, über den qualmenden Berg. Doch was verlor sie? Sie konnte sich an nichts entsinnen. Auch wenn sie mittlerweile dieses Tal kannte und jede Ecke eine faszinierende Seite zu haben schien, wusste Hilel nicht was sie mit dieser Flucht verlieren sollte. Immer wieder hatte sie erkennen müssen, dass der Ort von dem sie alle aufgebrochen waren etwas in sich trug, welches sie sich nicht zu erklären vermochte. Etwas düsteres. Es war gleich ob es um die Geschichten des Nichts gingen welche Nihilus ihr erzählt hatte, in denen Wölfe verschlungen wurden und ganze Gebiete in Grau verschwanden oder ob es nur die beinahe alltäglichen Wettervorkommnisse waren. Schnee im Sommer, blutrünstige Monster, die Wölfe zerfleischten. Ihre Eintrittskarte in dieses Rudel. Erde die bebte, Feuer welches aus Bergen in den Himmel aufstieg oder ein Sumpf der sie alle verschlingen wollte. Was sollte man dort schon vermissen? Einen Wald, ein Flüsschen und das Getier, welches zu ihrer Beute zählte, gab es so gut wie überall. Vielleicht würden die unzähligen Geschichten über vermeintliche Götter nun auch versiegen. Da sie erkannten, sie waren alle auf sich selbst gestellt. Dort gab es keinen Stern der sie führte, keine Götter die ihre Pfoten schützend über diese Bande legte.

Widerwillig warf sie den Kopf nach links und rechts, verlor dabei ein wüstes Schnauben. Ihre Läufe schmerzten ihr, obgleich sie dem Wandern sonst mächtig war. Ihre Schritte waren langsam. Immer weiter ließ sie sich zurück fallen, weiter fort von der Spitze des Rudels, von den großen Gruppen. Weiter weg von Isaí. Sie hatten den rötlichen Pelz genau im Blick. Lange hatte sie mit dem Welpen nicht mehr gesprochen. Nachdem Geschehen im Sumpf, den ersten Beben, welches sie Panik empfinden ließ, als sie den Kleinen nicht wieder finden konnte. Da hatten sie sich noch einmal gesehen, einmal im Wald getollt und so erkennte die Dunkle es musste wohl ein Ende nehmen. Eigentlich wollte sie keine zu enge Bindung an den Jüngling aufbauen, sie wusste jenes Blatt konnte sich schnell zum Nachteil wenden. Leider hatte sie die Gewissheit bereits vor langer Zeit empfunden, dass es schon zu spät war. Spätestens in dem bebenden Morast war ihr dies bewusst gewesen. Die Besorgnis über den kleinen Leib stieß ihr mit grausamer Deutlichkeit gegen den Kopf. Sie mochte diesen widerlich freundlichen und munteren Kerl viel zu sehr. Der Gedanke sie könne ihn nicht beschützen, hatte sie wahnsinnig gemacht und hatte etwas in ihr bröckeln lassen, was sie nicht als Wahrhaftigkeit glauben konnte. Mit wehmütigen Blick schaute sie ihm hinter her. Der Rote entfernte sich mehr und mehr - wurde ein Jungwolf. Sie ließ sich gegen die Strömung zurücktreiben, unauffällig und vorsichtig. Bedacht darauf an keinen zustoßen, kein Aufsehen zu erregen.

Hilel wusste, es würde keiner bemerken, wenn sie verschwinden würde. Sie würde weg sein, einfach so und es würde keiner bedauern. Ein schielender Blick nach hinten und sie erkennte, dass nur noch zwei Pärchen hinter ihr gingen. Aber was dann? Sie wäre in diesem verfluchten Tal allein. Allein bei irgendwelchen wahnsinnigen Göttern und einem Berg bebend und wütend. Verbittert verzog sie die Miene. Erstmal würde sie auf dieser Höhe bleiben, ihr Gang war nicht ganz so federnd wie vor dem letzten Beben, als das Feuer vom Himmel kam. Nur mit Not hatte sie sich vor einem einstürzenden Baum retten können. Die Schramme die sie nun an der Hüfte trug war kaum zu vermeiden gewesen und auch aus jener Einsicht schien sie auf das Rudel angewiesen zu sein. Eine Wanderung in der Gemeinschaft war besser, dies erkannte ihre Logik sofort. Ihr Blick glitt wieder nach vorne, suchte kurz den Fuchs. Er war verschwunden, anderer Körper hatten sich davor geschoben. Sollte sie gehen, sollte er es nicht bemerken. Einerlei, der junge Rüde war der Einzige mit dem sie noch knappen Kontakt gehabt hatte, wahrscheinlich je richtig geführt hatte. Wieder wurde sie etwas langsamer, beinahe blieb sie stehen. Ließ ihr kaltes Auge noch mal nach hinten wandern, wie weit war der Weg. Wie weit waren sie bereits gegangen, aus diesem Höllenort entkommen? Plötzlich erklang ein lautes Heulen, nun kam ihr Gang gänzlich zum Ruhen. Ohne einen Gedanken an ihren Hintermann zu verschwenden, warf sie ihre Aufmerksamkeit dem Ruf zu. Durch ihren Körper huschte kein Zucken, keine Regung der Hilfsbereitschaft, als sie sah was geschah. Nur knapp konnte sie den Bilderausschnitt erkennen, dennoch erspähte sie, dass genug der Hilfstätigen hineilten.


[erst etwas weiter vorne, dann direkt vor Chivan & Malicia | bleibt einfach stehen ]

Ahkuna Caiyé
18.01.2013, 16:57

Für Ahkuna war die Stille stets etwas Angenehmes gewesen. Oft hatte sie sich von den anderen getrennt, um Zeit für sich zu bekommen. Sie konnte ungestört über alles und jeden nachdenken. Niemand war da, um ihre Gedanken durcheinander zu bringen oder sie abzulenken. Es hatte ihr gut getan. Doch wo war diese beruhigende Stille hin? Wo waren die schönen Momente, die sie für sich nehmen konnte? Weg. Stillheimlich war sie ihr entwischt und Ahkuna konnte nicht sagen, wo man sie wieder finden konnte. Ihr Leben war ein Chaos. Durcheinander gewürfelt durch einen Tornado der Gefühle und Ereignisse. Wie sollte sie das jemals wieder in Ordnung bekommen?
Solange die junge Fähe auf eine Antwort hoffte, hatte diese Stille die Möglichkeit ihr unangenehm gegen die Brust zu drücken und ihr Herz mit scharfen Krallen zu umgreifen. Dieses Schweigen war ihr unangenehm. Nervös und ungeduldig schlug ihre Rute sacht gegen die Läufe, beim wedeln. Der hellblaue Blick wanderte, mit einem leisen Hoffnungsschimmer, immer wieder zu Parveen. Von ihrer Tante blickte sie dann wiederum nach vorne und starrte Löcher in die Luft. Als sie wieder einen Blick in die Richtung der schwarzen Fähe werfen wollte, streifte ihr Blick zwei goldene Augenpaare. Überrascht blieben sie Seelenspiegel an Samirs Gesicht hängen. Sie spürte, wie die Erleichterung sich in ihr breit machte, dass sie weder Wut noch Spott in seinen Augen erkennen konnte. Ihr Herz machte sogar einen freudigen Tanz. Andererseits konnte sie seinen Blick nicht durchschauen. War er verwirrt? Was er wohl über sie dachte, nach der Frage? Die Ohren drehten langsam zur Seite. Samir wendete seinen Kopf von ihr ab und brach den Blickkontakt abrupt. Irritiert lagen die hellblauen Eiskristalle weiter auf dem Gesicht des Gleichaltrigen.

„Tut es sehr weh?“

Sie selbst konnte ihre Stimme schlecht einordnen. Zum einen war sie immer noch etwas angesäuert, dass er sie so ignorierte, andererseits wollte sie keinen Streit anzetteln. Sie hatte, kurz bevor Samir wieder wegsah, seine Wunde bemerkt und eine Welle der Sorge fiel über Ahkuna zusammen. Die weißen Ohren legten sich unschlüssig an den Hinterkopf und sie hoffte, dass er erneut zu ihr sehen würde. Ihr Haupt hob sich, als eine Stimme an sie drang. Doch es war nicht Samir, der zu ihr sprach, sondern Parveen. Die Augenlider senkten sich und ein leises Seufzen drang aus ihrer schmalen Schnauze.

„Aber ich hab nicht an ihn gedacht.“, flüsterte Ahkuna leise.

Beschämt und fragend. Sie hatte ihn nicht vergessen, nie würde sie ihn vergessen können. Trotzdem musste sie sich eingestehen, dass sie in dem vergangenen Jahr sehr selten sein Gesicht in ihre Erinnerungen gerufen hatte. Warum also gerade jetzt? Warum erinnerte sie sich in so einer schwierigen Situation an ihn?

„An meinen Vater.“

Ihre Augenlider flatterten hoch und kurz blickte sie zu den beiden Wölfen. Ein schwaches, zerbrechliches Lächeln huschte über ihre Lefzen, dass trotz aller Mühe ihre Augen nicht erreichen wollte. Als sie dies bemerkte, senkte sie wieder den Blick und sah auf ihre dunklen Pfoten.


{ Samirez && Parveen - Rudelmitte }

Malik Hikaji
19.01.2013, 15:07

Nun war er unschlüssig, ob er seinem Vater von seinem Freund erzählen sollte. Würde er das denn verstehen oder wurde er ihn auslachen, ihm nicht glauben? Statt einer Antwort schwieg der Welpe und schob sich dicht an den Schwarzen heran. Vielleicht würde er ihm dann später von der Muschel und dem Wolf in ihr erzählen, vielleicht in ein paar Tagen ... vielleicht nie. Ablenkend nahm er die längeren Fellsträhnen am Hals seines Vaters zwischen die kleinen Milchzähne und zupfte sacht an ihnen. Es war kein wirklich überzeugender Spielversuch und er wollte gar nicht, dass Jakash darauf einging. Er wollte ablenken, vor allem auch sich selbst. Diese kurze Pause tat ihm zwar gut, doch kamen nun zur kriechenden Kälte auch die deprimierenden Gedanken und Erinnerungen zurück, die der gleichmäßige Trott verdrängt hatte. Es überstieg seine Vorstellungskraft, was Madoc zustoßen könnte, aber trotzdem ahnte er, dass es etwas Schreckliches sein konnte. Der Tod war noch ziemlich abstrakt für ihn, aber nicht unbekannt. Durch das Gespräch mit Isaí konnte er sich sicher sein, dass sein Bruder niemals starb – hätte er nur auch Madoc dieses Versprechen abverlangt! Er wollte doch nicht, dass er zu einem Stern wurde.
Glücklicherweise lenkte ihn das Gespräch mit seinem Vater tatsächlich ab und er runzelte die Stirn. So wie er es sagte, klang es tatsächlich ganz und gar logisch, wenn auch nicht nett. Ob jemand Krolock genervt hatte? Oder hatte Krolock jemanden genervt? Vielleicht Atalya? Und dann mussten die anderen alle dazukommen, damit es nicht schlimmer wurde. Nachdenklich sah er nach vorn und legte die Ohren ein wenig an. Es machte ihn traurig, dass sich die Erwachsenen so verhielten ... so wie es sonst doch höchstens Welpen tun würden. Wieder kuschelte er sich enger an seinen Vater und machte ein undefinierbar unzufriedenes Geräusch.

„Man ärgert niemanden, dem es nicht gut geht“, war alles, was er dazu sagte.

Isaí würde ihn zumindest nicht ärgern, da war er sich sicher. Bei Krolock und Atalya konnte er sich so doofes Verhalten allerdings schon vorstellen. Warum nur musste es Wölfe geben, die fies zu anderen waren? Dabei kannte er Krolock nicht einmal, aber er hatte eine ganze Menge unfreundlicher Sachen über ihn gehört. Malik verstand nicht, warum Tyraleen Krolock und Atalya erlaubte, böse zu sein, eigentlich hätte sie sie ja auch bestrafen oder sogar wegschicken können. Vielleicht würde sie das jetzt machen, so lange sie sich noch ausruhten. Der Welpe beschloss, es erst mal dabei zu belassen und schloss erschöpft die Augen.

Die Frage seines Vaters ließ ihn jedoch wieder aufschrecken und ihn von unten herauf ansehen. Erst erwog er, ihm zu erklären, dass ihm der Kopf wehtat und das Atmen anstrengender war als sonst. Aber was würde das bringen, außer dass sich Jakash Sorgen um ihn machte? Sie mussten ja doch weiter und tragen konnte sein Vater ihn unmöglich, zumal Malik wusste, dass es ihm auch nicht gut ging. Es machte dem Welpen Angst, dass sich sein Vater, sein starker, großer, beschützender Vater, auf den Boden legen musste, während alle anderen weiterliefen. Er versuchte ein beruhigendes Lächeln und schüttelte den Kopf.

„Alles gut.“

Dann lehnte er sich wieder an und wünschte sich, er könnte seinem Vater irgendwie helfen. Und wenn auch nur ein bisschen, damit dieser aufstehen konnte. Aber wenn es dieser Moment der Ruhe schon tat, wollte er ihn einfach möglichst nicht stören, auch wenn die winterliche Kälte seine erschöpften Glieder schmerzen ließ und er ein Zittern irgendwann nicht mehr unterdrücken konnte. Hauptsache seinem Vater ging es gut.



{ Jakash :: Rand des Rudes }

Tyraleen
19.01.2013, 15:22

Bei [COLOR=darkred]Jakash Caiyé und Malik Hikaji:

Liebevoll an seinen Vater geschmiegt und mit dem Wunsch, ihm zu helfen, trafen die mit einem plötzlichen Stich auftretenden Kopfschmerzen den kleinen Malik Hikaji vollkommen unvorbereitet. Er hatte schon einmal Kopfschmerzen gehabt, aber diese waren anders, ganz tief drinnen und scharf wie die Dornen von Büschen. Zudem nahm die Müdigkeit in seinen Läufen plötzlich zu, dabei hatten sie doch endlich eine Pause gemacht. Und sein Atem ging schwerer, beinahe klang es nach Röcheln.
Jakash Caiyé dagegen ging es mit einem Mal deutlich besser. Das Hämmernde der Kopfschmerzen hatte abgenommen und war nur noch ein konstanter, dumpfer Schmerz. Auch schienen sich seine Läufe jetzt ganz entspannt zu haben und das Atmen fiel ihm fast so leicht wie sonst.[/COLOR]

Amáya
20.01.2013, 23:26

Sie war so müde und ihr Kopf dröhnte vor Schmerz. Sie hatte wirklich gedacht, es würde besser werden. Verdammt dumme Hoffnung. Sie war wie Unkraut, so oft man sein Herz auch jätete, sie erblühte erneut und ihre Schönheit machte einen Blind für ihr wahres Wesen der Zerstörung. Wieso, oh wieso nur hatte sie sich auf Kirov eingelassen? Wenn sie jetzt an ihn dachte, erwachten nur neue frische Wunden. Sie war so endlos enttäuscht von sich selbst. Ihr schwerer, etwas rasselnder Atem stoppte für eine Sekunde, dann schnappte sie drängend nach Luft. Der graue Schnee und der schwarze dicke Wind waren ihr in den Rachen gedrungen. War dieser stinkende Atem des Berges an dem Schmerz schuld? An ihrer Lage? Oder war sie es selbst, wieder mal sie selbst? "Ich habe es so satt...", hustete sie rau dem Boden entgegen, immer noch in ihrer defensiven und doch irgendwie unterwürfigen Haltung vereist. Diesen Moment der Klarheit würde die nächste Welle des Wahnsinns wieder weit hinaus in die nebeligen Weiten spülen. Sie fixierte die zitternde, aschebedeckte Pfote unter ihr. Wohin stolperten sie überhaupt?! "Ich... Ich will zurück zum Tal... zum Sternensee...", flüsterte sie leise. Ob es zu sich selbst war, zu Sheena, oder gar an die ganze Welt gerichtet - es kümmerte sie nicht. Sie schüttelte träge ihren Kopf. Sie konnten nicht mehr dahin zurück, aber wieso, hatte sie vergessen. Die Spuren der Erinnerungen an die letzten Geschehnisse verwischten sich.

Sie hob ihr schmales Haupt augenblicklich an, als ihr Name ertönte. Als wäre es ein Befehl, dem sie Folge leisten musste. Eine leise Stimme, ein heller Pelz. Wieder Unruhe und Angst in ihrem Herzen. Aber bevor sich das in erneute Panik verwandeln konnte, sprach das Wesen weiter. Die Worte beruhigten Amáya ein wenig. Das war nicht Mayhem. Es war Sheena. Sheena? Ja, ja. Sheena. Ein kurzes, unsicheres Lächeln. "Sheena!", wiederholte sie erleichtert. Fenris sei Dank. Oder sollte sie Engaya danken, weil Sheena ihre Priesterin war? Kurze Verwirrung, doch sie blieb letztenendes bei Fernis. Sie brauchte einen letzten Funken Sicherheit. Folgsam nickte die Dreijährige, als Sheena geendet hatte. Sie schien in diesem Moment fast wie ein ahnungsloser Welpe, der nach Worten dürstete. Da sprach die Priesterin und all der falsche Stolz, an den sie sich sonst so krampfhaft klammerte, war weit in die Ferne gerückt. Das Spiel war einfach - Zuhören und Antworten. Wenn sie nur Sheena brav antwortete, dann würde Mayhem sie nicht holen können.

"Ich kann mich an keinen Moment erinnern, in dem es mir wirklich gut ging.", kam ihre ehrliche, auch wenn etwas düster gehaltene Antwort. Sie schien zwar durch Sheena durchzustarren, doch ihre Worte waren nicht getrübt. Es zählte nicht, dass sie sich nicht erinnern konnte, wer Sheena eigentlich war. Sie wusste nur das, was sie ihr die Stimme der Priesterin erzählt hatte. Da! Sie ertönte erneut! "Die Welten verschwimmen. Die Stimmen. Die Bilder. Die Gedanken. Alles verschwimmt.", meinte sie mit etwas stärkerer Stimme und nickte dazu bekräftigend. Ja ja, die Priesterin hatte Recht. Woher wusste sie das nur alles? Blickte sie in ihren Kopf? Das Lächeln nahm sie nicht wahr - Sheena war im Augenblick nur als Stimme für Amáya existent. Die Angst von vorhin hatte sich zerstreut - sie verteidigte sich nun nicht mehr. Ihr Rute baumelte zwar noch immer am Boden und ihre Ohren hingen schlaff herab, jedoch schien sie fast wie hypnotisiert.
Die Wahrheit war, dass sie die Hilfe wirklich brauchte - nur hätte sie unter normalen Umständen sich nie dazu durchringen können genau zu Sheena so zu sprechen und ihre Gedanken vor ihr auszuschütten. Sie versteckte sich schon lange hinter falschen Stärke.

"Du hast Recht. Bloß nicht stehen bleiben! Nie!" Ein leichter Schauer durchfuhr sie. Nachdem ihre bedrückte Stimme verklungen war, warf sie einen misstrauischen Blick über ihre Schulter, dann stolperte sie weiter über das Geröll instinktiv dem Rudel folgend. Wieder nickte sie eifrig wie ein Kind bei Sheenas Worten. Sie vertraute sprichwörtlich blind. Nach ein paar weiteren gezwungenen Schritten, erinnerte sie sich dämmernd daran, dass da wohl noch eine verstecke Aufforderung in den Worten gelegen hatte. ,"Ich weiß nicht wo ich anfangen soll. Ich glaube ich erzähle dir ein bisschen... Und du fragst! Auf Fragen kann ich antworten." Durch den wirren, treuen Blick glänzte etwas wie Begeisterung auf und ihre Ohren schnippten gut gelaunt nach vorne, nur um einige Herzschläge später wieder zu hängen. Die Falten auf ihrer dunklen, von Asche verklebten Stirn zeugten von Konzentration. "Mayhem ist hier. Sie ist mir gefolgt, als ich zum Rudel zurückkehrte. Ich hoffte, es würde aufhören, wenn ich wieder hier war. Lächerlich." Ein bitterer, spöttischer Lachton entwich ihrer trockenen Kehle und ihr Blick sank in unbekannte Tiefen der Düsternis. "Eine Zeit lang ging es gut. Sie blieb auf Distanz und meine Angst blieb in einem tolerierbaren Bereich. Ich knüpfte sogar einige Kontakte... Ich dachte, ich wäre auf dem Weg der Besserung. Ich dachte da wäre noch etwas, was ich finden könnte, erreichen... aber..." Es lag etwas Schmerzvolles und Verächtliches in ihren Zügen. "... aber Mayhem ließe das nicht zu." Sie stockte, hatte sich irgendwo auf dem Weg verloren und schwieg. Langsam setzte sie eine weitere Pfote vor die andere. Nur nicht stehen bleiben.


{ Sheena | Schlusslicht }

Jakash Caiyé
23.01.2013, 08:46

Jakash entging nicht, dass sein Sohn seine Frage nach diesem 'Freund' nicht beantwortete, aber er beließ es dabei und fragte nicht noch einmal nach. Malik machte einen grübelnden Eindruck, und vermutlich hatte er die Frage seines Vaters schlicht vergessen, so sehr wie ihn der ausgebrochene Kampf der Jungwölfe beschäftigte. Jakashs Kehle entrang sich ein belustigtes Schnauben, das von seinem schmerzenden Hals und seiner Lunge sofort mit einem kurzen Hustenanfall quittiert wurde. Das anschließende Kratzen und Pieksen in seinem Hals zwang der Schwarze mit einem Räuspern nieder.

"Stimmt, das tut man nicht",

bestätigte er Maliks Worte und verzichtete darauf ihm zu erzählen, dass manche Wölfe gerade dann jemanden 'ärgerten', wenn dieser geschwächt war. Dass manche Wölfe dabei Freude empfanden, wenn andere litten oder sie ihnen noch mehr Leid zufügen konnten. Dass nicht jeder einen liebenden Vater und eine liebende Mutter hatte oder Geschwister, die einem beistanden. Einiges oder gar Vieles davon mochte Malik irgendwann selbst erleben, und vielleicht wäre es ratsam ihm zu erzählen, wie die Welt sein konnte. Nicht jetzt, und vermutlich auch noch nicht morgen. Aber irgendwann, wenn die Zeit reif war.
Als der Schwarze seinen Sohn nach seinem Befinden fragte und dieser ihm tapfer erklärte, dass alles gut sei, gelang es Jakash endlich, sich zu entspannen. Wie nötig er diese Pause tatsächlich gehabt hatte, bemerkt er erst, als die Schwiere von seinen Pfoten abfiel und das Atmen endlich - ja von einem Moment zum anderen regelrecht - leichter wurde. Und wie sehr Malik eine Rast brauchte, wurde jetzt ebenfalls deutlich. Sein Sohn zuckte an der Brust des Schwarzen plötzlich einmal mehr zusammen und winselte kläglicher noch als zuvor, und sein Atem klang noch schwerer und heiserer als zuvor. Jakash blickte voller Sorge auf seinen zusammengerollten Sohn herab.

"Malik? Du musst völlig fertig sein, es wird ja immer schlimmer. Komm, streck dich aus, krümm dich nicht so zusammen, das macht das Atmen nur noch schwerer..."

Jakash erhob sich halb und stupste seinen Sohn an, zwang mit der Schnauze die Kugel auseinander, zu der Malik sich zusammengekrümmt hatte.

"Streck dich lang aus und versuch ganz ruhig und tief zu atmen, ja? Entspann dich und konzentrier dich nur auf das Atmen. Hast du Schmerzen?"

Der Schwarze ließ sich wieder zu seinem Sohn nieder, um ihm das Gefühl von Sicherheit und Trost zu geben. Seine grünen Augen suchten nach Tyraleen, die sich aber noch mit den Jungwölfen befasste, und weiter nach Sheena, die er jedoch noch immer nicht entdecken konnte. Wenn Maliks Zustand noch schlimmer wurde, würde er nach beiden Priesterinnen rufen müssen. Tyraleen, weil sie offenbar näher dran war, und Sheena verstand sich von selbst.


[Rand des Rudels | Malik; in der Nähe Tyraleen und Jungwölfe]

Samirez
23.01.2013, 16:53

Das merkwürdige, wirre Gefühl wollte nicht aus seinen Gedanken weichen. Wie viel mühe er sich auch gab, die Bilder in seinem Kopf trudelten immer wieder auf einen einzigen Angelpunkt zu, Akhuna. Als würde sich sein ganzes Universum in diesem Moment um sie drehen. Aber was war es? Er hatte nicht verstanden, was sie mit ihren Worten gemeint hatte, sie waren komplett falsch an seine Ohren gedrungen. Es war nicht einmal so, dass er sich sorgen um ihren Geisteszustand machte, nein, tatsächlich hielt er gerade den ziemlich klar. Aber was war es dann? Eine Welle der Fürsorge durch schwappte ihn, einen kurzen Moment wollte er ihr zur Seite springen und sie trösten, ihr sagen das sie nicht allein war. Aber der Gedanke wurde recht schnell als Blödsinn abgestempelt. Was für ein Quatsch, sie hatte hier mehr als genug Familie, als wenn sie da gerade jemanden wie ihn gebrauchen konnte. Er war hier der Einsame, aber sie. Sie hatte doch ziemlich viel. Dennoch wollte das Gefühl nicht weichen.

Er versuchte sich auf die Worte der Schwarzen zu konzentrieren, doch sie striffen ihn nur ganz sanft, wie die Flügelspitzen eines Vogels. Es blieb nichts in seinen Gedanken zurück. Er konnte sich somit nur mit Akhuna ablenken und das war sicherlich eine denkbar schlechte Idee. Beinahe hätte er wieder geseufzt, doch er versteifte sich leicht und zwang sich dazu den Blick nach vorn und nur nach vorn zu wenden. Er konnte nicht riskieren, soviel von seiner verwirrten Seele zu zeigen, wo er doch nicht einmal wusste, was genau jetzt eigentlich sein Problem war. Vielleicht wollte er das Problem auch ganz einfach nicht sehen. Ja, das war einfacher. Damit konnte er sicherlich leben.
Und gerade als er sich wieder einigermaßen gefangen hatte, drangen die Worte der Blauäugigen an seine Ohren und machte die hart umkämpfte Selbstbeherrschung wieder zunichte. Am liebsten hätte er es einfach wie bei Parveen zuvor gemacht und sie mit einer sarkastischen Bemerkung abgefertigt, aber er war sich ziemlich sicher, dass dies bei der Hellen wohl kaum funktionieren würde. Am liebsten hätte er den Kopf für einen Moment lang gegen den Stamm des nächstbesten Baumes gehämmert. Aber er wusste, dass dann der Schmerz sicherlich so ziemlich unerträglich werden würden. Verdammt.
Wieder versuchte er sich die Worte zurück in sein Gedächtnis zu rufen, Worte die die Schwarze gesagt hatte, Worte die doch irgendwas bedeuten mussten. Die Verunsicherung war ein wirklich nerviger Begleiter. Akhunas Stimme, sicherlich wäre es ein guter Anker gewesen, wenn das Meer nicht gerade mit ihren Worten über ihn hinein gebrochen wäre. Zum verrückt werden. Dieses Rudel machte ihn echt fertig, nein, sie machte ihn fertig. Und sie hatte an ihren Vater gedacht? Mit einer seltsamen Gewissheit dachte er plötzlich daran, dass Akhuna ja keinen Vater mehr hatte. Das er verschwunden war. Wie manch anderer aus ihrer Familie. Auf einmal kam sie ihm gar nicht mehr so behütet vor. Tatsächlich war es ganz deutlich, dass sie tatsächlich nicht ganz vollkommen war. Das da immer noch Seelen waren, die sie sicherlich vermissen konnte. Was war er nur egoistisch gewesen, es zu ignorieren. Der Druck in seinem Kopf verwandelte sich wie von selbst in Schuldgefühle.

Leicht hob er den Bersteinblick und ließ ihn wieder auf der Fähe verharren. Und plötzlich schien es richtig, der Druck lichtete sich. Sobald er sich seiner Schuld eingestanden hatte, sobald er sah wie sie litt, wie verunsichert sie war. Und mit einer langsamen, fließenden Bewegung trat er ein wenig näher an sie heran und lächelte schwach.

“Vielleicht ist er zurück?“

Fragte er leise. Vielleicht war es genau das Falsche. Vielleicht war ihr Vater tot und Samirez trat genau jetzt wieder in dieses Fettnäpfchen. Doch vielleicht, vielleicht konnte Akhuna diese Hoffnung empfinden, vielleicht konnte er ihr beistehen. Seltsamerweise wünschte er sich in diesem Moment genau das.

“Und wegen meinem Kopf, nicht der Rede wert. Ich überlebs schon.“

Kam er auf ihre Frage zurück und versuchte ihr im gleichen Atemzug die Sorgen nehmen zu wollen. Ein entschuldigender Blick striff Parveen. Was sie nun nur denken musste. Doch eigentlich war es egal. Es konnte anders sein. Er konnte anders sein. Vielleicht wollte er genau das. Für sie.


{Rudelmitte | Parveen & Akhuna}

Malik Hikaji
24.01.2013, 23:12

Malik wusste nicht, wodurch es ausgelöst wurde, doch plötzlich war es, als würde mitten in seinem Kopf etwas platzen. Die Schmerzen und die Erschöpfung, die durch die Pause eigentlich nachlassen sollten, wurden mit einem Mal viel viel stärker. Der Welpe zuckte fürchterlich zusammen, als der Stich ihn wie aus heiterem Himmel traf und konnte diesmal unmöglich verhindern, dass ein kläglicher Ton seinen Fang verließ. Für einen Moment waren seine Gedanken wie gelähmt und drehten sich nicht mehr darum, dass sich sein Vater keine Sorgen um ihn machen sollte, weil er das schon schaffte. Für diesen einen Moment hatte er einfach nur Angst – eine ganz andere Angst als die, als der Vulkan ausgebrochen war. Wimmernd rollte er sich zusammen, zog die Pfoten an den Körper und drängte die Schnauze irgendwie dazwischen, als könnte er den Schmerzen so ausweichen, die ihn unentwegt malträtierten. Dass er auch wieder schwerer Luft bekam und seine Läufe vor Erschöpfung zitterten, obwohl er sie kaum weiter beansprucht hatte, merkte er dabei erst einmal gar nicht. Alles übertreffend war der hämmernde Schmerz in seinem Kopf. Er war mindestens doppelt so stark wie der, den er noch vor ein paar Minuten beim Laufen gehabt hatte.

Zuerst wehrte er sich gegen die Stupser seines Vaters, doch als seine Stimme dazu erklang und ihm erklärte, warum er sich nicht zusammenrollen sollte, gab er nach und strengte sich an, nicht wieder so sehr zu verkrampfen. Nur die Augen kniff er fest zusammen, jeder Lichtschein stach noch zusätzlich. Mit einem leisen Keuchen ließ er sich auseinanderollen und blieb ausgestreckt auf dem Bauch liegen. Tatsächlich rasselte sein Atem, aber seine Lunge schien nicht mehr zu schmerzen – alles hatte sich in seinem Kopf versammelt. Immer noch in Panik drückte der Welpe einen Lauf über die eigene Schnauze und suchte Halt bei seinem Vater, als er sich wieder zu ihm legte. Der Druck gegen den Kopf half nicht wirklich, aber er gab dem weißen Welpen das Gefühl, etwas tun zu können. Irgendetwas, das gegen diese ziellosen Schmerzen wirkte. Zitternd presste er den Schädel gegen Jakashs Brust, noch immer eine Pfote darüber gelegt.

„In meinem Kopf ...“, wisperte er tonlos ins Fell des Schwarzen hinein.

Der Welpe verstand die Welt nicht mehr. Ruhten sie sich nicht aus, damit die Kräfte sammeln konnten? Wohin schwanden seine? Woher kam das Gewitter in seinem Kopf so plötzlich? Ob es besser wurde, wenn sie weiterliefen? Vielleicht war die Pause ja ein Fehler gewesen. Aber er traute seinen zitternden Läufen nicht zu, dass sie ihn jetzt trugen, sie fühlten sich so müde an. Viel müder als noch beim Laufen selbst. Das war alles verkehrt herum. Vielleicht musste er nur aufstehen und schon wurde es wieder besser. Aber er konnte sich nicht überwinden, es zu versuchen. Zu tröstlich war die Wärme und der Schutz seines Vaters, der doch irgendwie gerade nichts weiter tun konnte, als da zu sein. Doch Malik war schon allein darüber froh.

„Vielleicht wenn wir … weitergehen ...“, deutete er seine Vermutung kaum hörbar an und hörte auf, sich mit aller Kraft gegen den Brustkorb seines Vaters zu drücken.

Sie konnten ja auch nicht ewig liegen, was wenn es schon weiterging? Zwar zog das Gewitter nicht ab, aber er erschrak nicht mehr vor jedem Blitzeinschlag so mörderisch wie beim ersten Mal. Noch immer verkrampften sich seine Muskeln jedes Mal und er hielt die Luft an, doch es wurde etwas, das Malik bewältigen konnte, weil es mit System kam. In Wellen, die kurz aufeinander folgten, aber eben auch winzige Pausen ließen. Und die vielleicht irgendwann größer und länger wurden.


{ Jakash :: Rand des Rudes }

Avendal
27.01.2013, 13:34

Mit einem leisen Schnaufen begann sie energisch den Kopf zu schütteln, als sie erneut ein unangenehmes keuchendes Husten schüttelte. Eine ganze Weile war sie nun allein irgendwo in der Mitte des Rudels gelaufen, ohne, dass sich jemand zu ihr gesellt hätte und obwohl es der hellen Fähe nicht ähnlich sah, war sie ihnen dankbar dafür. Verwirrung hatte sich in ihrem Inneren breitgemacht und einzig der eisige Wind, der um ihre Läufe strich, fremde Gerüche und Geschichten aus fernen und ihr völlig unbekannten Gegenden mit sich trug, spendete ihr ein wenig Gesellschaft und Trost.

Sie hatte das Gefühl, dass ihre Welt kurz davor stand auseinander zu brechen und hatte sich in den letzten Stunden in die Tiefen ihrer Gedankenwege zurückgezogen, um zu versuchen zu begreifen, wie es nur so weit hatte kommen können. Seit Averic sie verlassen hatte, schien ihre Welt vollkommen über das Ufer getreten zu sein. Angefangen hatte es bereits davor, das Erdrütteln zum Beispiel, doch mit ihrem Vater an ihrer Seite hatte sie sich stets sicher gefühlt und einen Augenblick lang dachte sie an den Nebeltag kurz vor seinem Aufbruch zurück – eine kurze und eher unbedeutende Begegnung, aber es war die letzte gemeinsame Erinnerung, die sie an ihn hatte, in der sie ihn allein hatte sprechen können und sie erinnerte sich daran, genau in diesem stillen Moment das Gefühl der Sicherheit verspürt zu haben. Doch Averic war fort, und obgleich sie ihm natürlich keine Vorwürfe machte, vermisste sie ihn doch schmerzlich und der Einzige, der ihr ein annähernd ähnliches Gefühl gegeben hatte, schien so unerreichbar und fern, wie es ihr ein anderer Wolf bereits einmal erschienen war. Ihre Gedanken flogen weiter zu Madoc und ihr Herz wurde nur noch schwerer, während sie ein stummes Gebet in den Wind atmete, ihn zu beschützen, wo auch immer seine Pfoten ihn gerade tragen mochten. Eine Katastrophe jagte die nächste, wobei es keine Rolle spielte, ob es sich dabei um das Rudel oder ihre Umgebung handelte, alles schien uneins miteinander und Avendal vermochte nicht zu sagen, ob sie nicht auch eine gewisse Schuld daran trug. Was hätte sie tun können, um dem entgegen zu wirken? Sie hatte versucht mit Caylee zu sprechen, sie hatte versucht Atalya vor ihren düsteren Gedanken zu bewahren und sie hatte das Gefühl an beiden Fähen gescheitert zu sein und diese nagende Emotion verunsicherte sie. Wenn sie nur mit jemandem darüber gesprochen hätte, hätte sie sich vielleicht ein wenig leichter gefühlt, doch sie wagte es nicht ihre Befürchtungen zu offenbaren, nicht einmal Daylight, die zu ihrer großen Freude wieder zu ihnen gestoßen war – ja das war wirklich ein Lichtschein in all dem Dunkel. Doch die Welt war dennoch uneins mit sich selbst, ebenso wie ihre Liebsten und das drohte nun auch Avendal aus ihrer inneren Mitte zu drängen, so sehr sie sich auch dagegen sträubte.

Erschöpft hob sie den Blick vom Boden, der sich unter ihren Pfoten stetig verändert hatte, um ihre Umgebung zu betrachten. Niemals hatte sie ihr Geburtsttal verlassen, obwohl sie sicher als Welpe das ein oder andere Mal davon geträumt hatte, die Welt zu erkunden, hatte sie doch immer geglaubt ihr Leben in diesem Tal zu verbringen. Nie wäre ihr in den Sinn gekommen, dass sie einst dazu gezwungen sein würden zu fliehen und auch dieser Verlust schmerzte sie, vielleicht sogar am meisten von all denen, die auch sie in der letzten Zeit erfahren hatte. Einer jedoch, der ihres Vaters, rückte seit Stunden nun stetig in den Vordergrund, denn hatten sie zwar geglaubt den schwarzen Rüden nie wieder zu sehen, schien diese Möglichkeit nun in greifbare Nähe zu rücken und der Gedanke daran, die Nase bald wieder in Averics Fell vergraben zu können, sei es auch nur für einen Augenblick des Wiedersehens, füllte sie mit Sehnsucht und Hoffnung, die ihr gefährlich schien. Sie wusste nicht, ob es klug war, auf Hoffnung zu setzen, wo ihre Lage doch so verzweifelt schien und das Leben sich langsam aber sicher einen Spaß daraus zu machen schien ihr das vor die Nase zu setzen, was sie sich wünschte und ihr dann genau das wieder weg zu nehmen oder in unerreichbare Entfernung zu rücken, sei es nun in ihrem Kopf, Herzen oder tatsächlich körperlich.

Schwer seufzend stieß sie rasselnd ihren Atem aus und hüstelte trocken, wobei sie erneut irritiert den Kopf schüttelte. Die helle Fähe hatte das Gefühl, als würde ihr der Staub in der Nase und im Rachen kleben, versuchte ihn herauszuschütteln, doch die beißende Asche hatte sich in ihre Lunge gefressen und würde sie wohl noch eine Weile beschäftigen, egal wie oft sie sich schüttelte. Erschöpft betrachtete sie ihre Umgebung nun genauer und ein Anflug ihres alten Interesses breitete sich über den düsteren Wegen ihrer Gedanken aus, fegte sie für einen kurzen Augenblick fort und erlaubte dem Windfang über die Gesteinsformationen und Geröllhalden zu staunen, die hin und wieder die Hochebene unterbrachen, die sie durchquerten und die, wie stumme erstarrte Steinriesen über ihren Weg wachten. Ehrfurcht ergriff sie und leise schlich sich Angst in ihr Herz, Angst vor dem Unbekannten – nicht nur vor dieser fremden Umgebung, sondern auch vor dem, was ihr Verstand nicht zu erfassen wagte. Stets hatte sie geglaubt, dass das Tal alles war, was sie brauchte und je brauchen würde, dass Engaya und Fenris und ihre Legenden und Geschichten alles waren, doch was würde nun geschehen? Wie viel würde sich noch verändern und vor wie viele Prüfungen würde das Rudel noch gestellt – aber vor allem wie viele konnte es noch bestehen?

Ihr Blick fiel auf etwas Kleines vor sich auf dem Boden, ähnlich grau, nur dunkler und nicht von derselben Struktur – ein Welpe. Sorge flackerte in ihren hellen blauen Augen auf und sie beschleunigte ihre Schritte, bis sie rasch zu dem kleineren Fellbündel aufgeholt hatte, welches sich als Taleesha herausstellte. Sanft drückte die schlanke Fähe ihrer kleinen entfernten Verwandten die Nase in das dunkle Fell und schnaufte ermutigend.

„Wie geht es dir, Taleesha? Kannst du noch laufen?“

Eingehend musterte sie den kleineren Körper, der ihr gerade in dieser schweren Zeit so schutzlos und zerbrechlich vorkam, dass es ihr das Herz zerriss, die Welpen so früh vor eine so schwere Zeit gestellt zu sehen – und sie hatte nichts Besseres zu tun, als zu zweifeln und zu grübeln. Etwas erstaunt über ihren sanften Argwohns ich selbst gegenüber ließ sie den Blick auf dem Schlappohr ruhen und zügelte ihre langen Schritte, damit die kleine Fähe auch mithalten konnte, ohne sich gleich wieder ganz zu verausgaben. Sie hatte schon immer eine Schwäche für Welpen gehabt und sie alle schnell ins Herz geschlossen, einzig zu Linalee hatte sie noch keine feste Bindung aufbauen können, doch bei ihrem zarten Charakter und all den Schicksalsschlägen, die sie bereits in so jungen Jahren erfahren hatte, empfand Avendal es nur als ganz natürlich, dass sie etwas mehr Zeit brauchen würde, weshalb sie den kleinen Dunkelfang bereits jetzt insgeheim noch mehr ins Herz schloss. Nun jedoch neigte sie den Kopf zur Schwester des ängstlicheren Welpen und schenkte ihr ein gütiges Lächeln.



[ Taleesha - Stück hinter Daylight und Linalee ]

Jakash Caiyé
30.01.2013, 08:55

Jakashs Ratschlag war immerhin von einem gewissen Erfolg gekrönt. Maliks Atmung verbesserte sich etwas, aber das war nur ein Teil der Leiden seines Sohnes. Der Schwarze stupste die Flanke des Weißen mehrmals vorsichtig mit der Nase an, dann erhöhte er den Druck und zwang damit den kleinen Körper sich von der Bauchlage auf die Seite zu drehen, sodass Maliks Eigengewicht nicht länger auf seinem Zwerchfell und seinen Lungen lastete. Das sollte ihm helfen, noch etwas leichter zu atmen.
Derweil rieb sich sein Sohn immer wieder mit der Pfote über Stirn und Gesicht, als wolle er etwas aus seinem Schädel kratzen. Dort saß der größte Schmerz, wie Malik ihm gleich darauf mit leiser Stimme zu verstehen gab. Jakashs eigene Kopfschmerzen waren zum Glück verschwunden. Gerade rechtzeitig, sozusagen, um seinem Sohn helfen zu können. Ein schlechter Witz, über den Jakash nicht lachen konnte.
Was genau den Weißen dazu veranlasste vorzuschlagen, dass sie weitergehen sollte, wusste der Schwarze nicht, aber ein kurzer Blick auf Maliks zitternde Pfoten genügten Jakash, um diese Idee sogleich zu verwerfen. So würde sein Sohn kaum aufstehen können, geschweige denn weiterlaufen.

"Schon gut, Malik, mach dir jetzt keine Gedanken um irgendetwas",

versucht er seinen Sohn zu beschwichtigen. Er sprach leise, damit seine Stimme nicht in den Ohren seines Sohnes stach. Ein dunkles Flüstern.

"Malik, du kannst die Schmerzen in deinem Kopf verlagern, indem du dir in die Pfote beißt. Hab keine Angst - beiß nur so fest zu, dass es weh tut, und du wirst merken, dass der andere Schmerz nachlässt. Vertrau mir, ich kenne das",

raunte er ihm leise zu. Sheena würde ihn vermutlich dafür tadeln, aber es gab mehr Möglichkeiten sich Linderung zu verschaffen als immer gleich nach einer Priesterin zu rufen. Wenn es Malik nicht in Kürze besser ging, würde er natürlich Sheena rufen oder Tyraleen. Jakash hob den Kopf und sah sich noch einmal suchend um. Die weiße Alpha war noch immer in der Nähe, und Sheena nach wie vor nicht zu entdecken.


[Rand des Rudels | Malik, in der Nähe Tyraleen und Jungwölfe]

Tyraleen
30.01.2013, 19:28

SL für Krolock, Liel, Caylee, Atalya, Chardím, Tyraleen und Hilel
zudem für Averic, Aszrem und Invidia:

Der Trubel um Krolock herum löste sich langsam auf. Nachdem Tyraleen erfahren hatte, was geschehen war, inspizierte sie den schwarzen Jungwolf noch einmal sehr genau, aber er war weder tot noch ansprechbar. Möglicherweise in eine Art Ohnmacht gefallen. Nach einem kurzen Blick über das Rudel war zudem festzustellen, dass einige Wölfe längst stehengeblieben oder sogar zu Boden gesunken waren - an ein Weiterkommen war nicht mehr zu denken. So scheuchte sie Caylee, Amúr, Atalya und Chardím fort und ließ Liel nur dank der Proteste der Grauen bei ihrem Bruder. Sie sollte auf ihn Acht geben und sofort rufen, wenn er wieder erwachte. Außerdem wollte Tyraleen sehen, ob sie noch einen erwachsenen Wolf an ihre Seite schicken konnte, sodass von Krolock wirklich keine Gefahr mehr ausgehen würde. Die Leitfähe traf auf ihrem Weg durch das Rudel Hilel, die für diese Aufgabe die Richtige zu sein schien. Also wurde die schwarze Fähe zu Krolock und Liel geschickt und Tyraleen versuchte Aszrem zu entdecken.

Derweil hatten sich Averic und der Leitwolf gefolgt von Invidia aufgemacht und waren der Spur Aszrems zurück zum Rudel gefolgt. Der zurückgelassene Caitír hatte kaum Mühe sich selbst zu befreien, schüttelte voller Unverständnis über diesen Wolf, mit dem er sein Steingefängnis geteilt hatte, den Kopf und zog dann wortlos von dannen. Mit diesem Rudel, dessen Geruch in der Luft lag und zu dem der Schwarze eindeutig gehörte, wollte er nichts zu tun haben.

So erreichte Tyraleen gerade wieder Linalee und Daylight, als Averic, Aszrem und Invidia hinter einer Felsnadel hervortraten und nur noch wenige Schritte vom Rudel entfernt waren.


Caylee, Chardím und Atalya können sich neu verteilen oder zusammenbleiben.
Hilel ist bei Krolock und Liel!

Tyraleen
30.01.2013, 20:02

In Tyraleens Kopf rumorte es, waren doch die eben vergangenen Minuten alles andere als erleichternd gewesen. Da war zunächst einmal Krolock, der durchdrehte ohne Grund … oder vielleicht auch mit Grund, das ließ sich nicht recht sagen. Atalya hatte auch davon gesprochen, dass Nihilus fehlte, zudem waren auch von Madoc und vor allem Kisha keine Spur zu finden. Außerdem die vielen schwachen Wölfe, sie hatte Jakash mit Malik daliegen sehen und die Angst vor dem Verlust eines Welpen hatte wieder nach ihrem Herz gegriffen. Weniger unangenehm aber im höchsten Maße verwirrend, war der Geruch Hiryogas, der dumpf in der Luft hing und der sie mehr als irritierte. Gerne wäre sie ihm gefolgt, irgendwo am Ende des Zuges hatten sich auch tatsächlich einige Wölfe versammelt, aber es gab ganz einfach Wichtigeres zu tun. Außerdem traute sie ihrer eigenen Nase längst nicht mehr, sicherlich bildete sie sich nur irgendetwas ein, was bei der Menge von Asche, die sie eingeatmet hatte nicht einmal unwahrscheinlich klang. Diese Gedanken waren aber schnell vergessen, das sie partout Aszrem nicht finden konnte, dabei hatte der ganz und gar nicht so gewirkt, als würde er eine Pause jetzt billigen. Angesichts der Tatsache, dass einige Rudelmitglieder einfach nicht mehr aufstanden, würde er zwar auch nichts gegen diese Rast unternehmen können, aber aus irgendeinem Grund hatte sie nun ein schlechtes Gewissen, als hätte sie Krolock gesagt, dass er dort liegenbleiben sollte.
Als sie Linalee und Daylight erreichte, schenkte sie beiden ein mehr als schiefes Lächeln und hoffte, dennoch nicht zu beunruhigt auszusehen. Sie hatten sicher auch schon gemerkt, dass niemand mehr weiterlief und darüber würde zumindest die kleine Tochter Sheenas bestimmt froh sein. Gerade wollte sie sich an die Schwarze wenden, um ihr mehr oder weniger zu erlauben, sich hinzulegen, da tauchten unvermittelt drei Gestalten auf. Als erstes entdeckte sie Aszrem und war erleichtert, dass er sich offensichtlich einfach nur kurz entfernt hatte. Dann aber erkannte sie den schwarzen Rüden neben ihm, erstarrte und übersah dabei praktisch gänzlich die fremde Fähe, die hinter den beiden Rüden hertrabte. Averic … Aszrem hatte Averic geholt. Das Gefühl, das nun in Tyraleen aufflammte, als sie ihren Bruder nach nicht einmal einem Tag und doch mit so vielen schrecklichen Minuten seit seinem Abschied wiedersah, ließ sich kaum beschreiben. Sie hatte ihn in dem Wissen gehen lassen, dass sie sich viele Monate nicht mehr sehen würden und jetzt … war er einfach wieder da. Und selten war sie so glücklich gewesen, jemanden nach so wenigen Stunden wiederzusehen. Sie trat an Linalee und Daylight vorbei, drei Schritte Averic entgegen, trotz allem lächelnd und die Rute sacht hin und her pendelnd.

“Da sind wir wieder.“ Jetzt kam auch die Erleichterung, dass sie es so schnell und beinahe mühelos geschafft hatten, Averic einzuholen. “Wir haben es ohne dich einfach nicht ausgehalten.

, scherzte sie beinahe und wurde sich dann der nächsten Tatsache bewusst - Averic sah erbärmlich aus. Sein Fell war so staubig wie ihres, auch wenn er nicht nach Asche roch und seine Pfoten hinterließen blutige Tapser auf dem Fels. Das Lächeln glitt ihr von den Lefzen und ihr Blick huschte zu Aszrem, als ob er dieses Aussehen erklären könnte.

“Was ist passiert?


[ an der Spitze des Rudels | Averic, Aszrem und Invidia entgegen, Daylight und Linalee bei ihr ]

Parveen
30.01.2013, 20:43

Parveen senkte den Kopf ein wenig, als die Worte ihrer Nichte sie erreichten. Nachdenklich blickte sie aus den Augenwinkeln kurz zu ihr hinüber, aber es schien fast so, als wollten ihr einfach keine Worte in den Sinn kommen, die angemessen wären. An ihn hatte sie also gedacht… An ihren Vater. 'Hiryoga, meinen Bruder…' Die Schwarze rief sich wie selbstverständlich den Rüden ins Gedächtnis, der sie von ihrem ersten Tag auf dieser Welt begleitet hatte. Begleitet, bis sie als junge Wölfin das Revier verlassen hatte. Seit diesem Abwenden hatte sich so viel geändert und sie hatte es nie wieder geschafft ihrem Bruder nahe zu kommen. 'Er wurde aus dem Leben gerissen. Ist ins Nichts gefallen. Verloren.' Dieses Ereignis hatte die Wölfin geprägt und ihr die dunklen Seiten des Lebens noch einmal vor Augen geführt. Wie auf einmal von tiefer Erschöpfung erfüllt, hob Parveen das Haupt ein wenig und konnte die Trauer in den blauen Seelenspiegeln nicht verbergen. Sie versuchte die Gefühle zu unterdrücken, aber wie ihrer Nichte wollte es auch ihr nicht gelingen. Was sollte sie antworten? Sie brachte es nicht übers Herz zu sagen, was ihr sofort einfiel, als sie den Namen ihres Bruders gehört hatte. 'Nein Ahkuna, du bildest es dir nur ein. Nein, er wird nicht zurück kehren.' Sie wollte diese Worte nicht benutzen und die Trauer ihrer Nichte sehen und gleichzeitig wollte sie es nicht aussprechen um es damit nicht unwiderruflich zur Wahrheit zu machen. Die Wölfin war froh, dass Samirez zuerst das Wort ergriff, auch wenn sie nicht sagen konnte ob es besser war, was er nun sagte. Es war unmöglich, nichts als Wunschdenken und dennoch wünschte sie sich, dass der Helle die Wahrheit sprach. Dennoch würde es die Trauer nicht lindern, wenn man sich auf Wünsche und Träume verlies, die immer genau dies bleiben würden. War es dadurch nicht sogar schlimmer? Pav fasste die beiden jüngeren Wölfe ins Auge und schüttelte wie für sich selbst den Kopf, auch wenn sie lieber zustimmend genickt hätte.

"Es ist bereits fast zwei Jahre her, seit ihr Vater dem Rudel genommen wurde."

War es falsch das Wort tot zu verwenden? War er denn tot? Parveen vermied es selbst daran zu denken, auch wenn sie sich nicht vorstellen konnte, was er stattdessen sein könnte. Das Nichts hatte Hiryoga verschlungen. Es waren nicht die Zähne eines Feindes oder eine Krankheit, die ihn aus dem Leben gezerrt hatten… Sie hatte ihn nicht sterben sehen, seinen versiegenden Herzschlag nicht gehört und auch nicht den erkalteten Leib gesehen. Sie konnte es nicht einfach abtun und vergessen, oder es gar als Geschwätz einer jungen Fähe abtun, was Ahkuna über den Geruch gesagt hatte, der ihn an ihren Vater erinnert hatte. Der Ausdruck in den Augen der Weißen hatten nichts von einer flüchtigen Einbildung gehabt. Sie hatte ihn wirklich gerochen, oder es zumindest geglaubt. Woher aber sollte diese Einbildung gekommen sein, wo sie nicht einmal an ihn gedacht hatte? Parveen betrachtete den Weg vor ihren Pfoten und sprach halb zu sich selbst.

"Manche würden sagen, dass man sich mehr auf seine Nase, als auf seine Augen verlassen soll…" Sie schaute die andere Fähe nun direkt an. "Ich würde noch mehr sagen, dass es auf den Instinkt ankommt. Was sagt er dir Akhuna? Was sagt dir dein Gefühl, dein Herz?"

Schleichend, wie wabernder Nebel, stahlen sich Gedanken in ihren Kopf mit einem lebenden anstatt eines toten Bruders und auch wenn sie nicht wagte es als mögliche Wahrheit zu bezeichnen, war es doch schön. Beinahe stahl sich ein Lächeln wegen dieses Bildes auf ihre Lefzen und als das Gespräch kurz zurück zu der Wunde am Kopf des Rüden gelenkt wurde, brach es tatsächlich schwach hervor. 'Fast die selben Antwort, aber wie anders sie nun klingt.' Sie quittierte den entschuldigenden Blick mit einem wissenden Lächeln und schaute dann wieder nach vorne. Sie konnte noch nicht recht erkennen warum, aber das Rudel schien endlich eine Pause einzulegen. Die erschöpften Wölfe nahmen es erleichtert auf und so auch Parveen, die sich am liebsten sofort niedergelegt hätte. Nur eine Kleinigkeit hielt sie auf den müden Pfoten, die sie trotz eines verwirrten Kopfschüttelns nicht loswerden konnte. 'Ein Geruch… Es ist nur ein Geruch…'


{Rudelmitte | Ahkuna & Samirez}

Invidia
30.01.2013, 20:47

Eigentlich war Invidia dieser ganze Scheiß, der hier vor sich ging ziemlich egal. Es nervte sie eigentlich sogar ziemlich. Niemand beachtete sie. Hallo? Was bildeten die sich überhaupt ein? Sie war nicht irgendwer. Na die würden ja noch sehen, was sie davon haben würden. Vor allem dieser komische Averic, der da aus dem Loch gekommen war und sie seitdem eigentlich keines einziges Blickes gewürdigt hatte. Was dachte der eigentlich, wen er vor sich stehen hatte? Invidia war nicht irgendwer. Sie war eine Todsünde und einer Todsünde würde man nicht widerstehen können, schon gar nicht als Anhänger Fenris, der dieser komische Kauz ganz bestimmt war, so wie er sich benahm. Sie hätte gehen können, sie hätte sich einfach umdrehen und weggehen können, aber dafür war sie zu neugierig geworden, denn die beiden Rüden hatten von einem Rudel geredet. Wahrscheinlich waren das die, nach denen Averic noch in der Höhle gerufen hatte. Seine geliebte kleine Familie, hach wie herzzerreißend das doch klang, da wurde Invidia ja glatt warm ums Herz. Oder auch nicht. Sie hatte nur den Kopf über sich selbst geschüttelt. Sie hätte einfach gehen sollen und diese eingebildeten Rüden sich selbst überlassen sollen. Aber dann hätte die Fähe ja irgendetwas verpassen können und das wäre dann ja schon wieder echt zu schade gewesen. Und vielleicht sah es in dem Rudel ja doch ganz interessant aus!? Es war schon ziemlich langweilig alleine durch die Wälder zu streifen, wenn niemand da war, mit dem man einfach mal ein bisschen spielen konnte. Also spielen im Sinne von mit seinen Gefühlen machen, was man wollte. Aber das war ja eigentlich auch richtig so, schließlich war die Welt mit ihr umgegangen, wie sie es wollte und so würde sie jetzt mit allen anderen so umgehen, wie sie es denn wollte. An sie heran kam sowieso niemand mehr. Die einzigen, für die sie sich aufgeopfert hätte, wären ihre Schwester gewesen. Aber die waren ihr ja einfach genommen worden. Man hatte sie einfach vor ihren Augen zerfleischt. Man hatte sie ihr einfach entrissen. Dafür konnten die Wölfe hier zwar nichts, aber Invidia würde sie trotzdem dafür büßen lassen. Diese Welt war grausam, warum also sollte sie nicht auch grausam sein dürfen? Schließlich war sie ein Teil dieser verdammten Welt! Und so war die Schwarz-Weiße den beiden Rüden gefolgt. Sie hatte geschwiegen und lieber aufmerksam den Gesprächen der beiden gelauscht, auch wenn es davon nicht gerade viele gegeben hatte. Invidia war hinter den beiden geblieben und hatte sie immer wieder mit wachem Auge beobachtet. Hatte ihre Bewegung, vor allem die Averics. Irgendwie hasste sie diesen Rüden jetzt schon abgrundtief und dennoch zog er ein riesiges Interesse ihrerseits auf sich.

Sie erinnerte sich an das, was Fenris ihr damals gesagt hatte. Aber viel anfangen konnte sie damit bisher immer noch nicht. Sie hatte aber irgendwie das Gefühl, dass es mit diesem Schwarzen zusammenhängen würde. Verachtend hatte sie den Kopf wieder geschüttelt. Ach sie war wahrscheinlich nur ein wenig verwirrt. Und dennoch war sie den beiden bis zu diesem besagten Rudel gefolgt. Spätestens als sie in Sichtweite gerieten, hatte Invidia wieder Haltung angenommen. Nicht ganz so elegant und königlich wie noch vor einigen Stunden, als sie Ansem gegenüber getreten war, aber immer noch straff genug, damit die Weiße, auf die sie zusteuerten, sehen würde, dass sie nicht das kleine schüchterne Wölfchen aus dem Wald von nebenan war. Vielleicht würde sie vor jemand anderem diese Maske auflegen, aber keinesfalls vor dieser Weißen, die sich anscheinend riesig freute die beiden Rüden wiederzusehen. Sie sollte sehen, wer dort vor ihr stand und dass sie es nicht leicht mit ihr haben würde. Sie würde nicht auf die Knie fallen, um sie darum anzuflehen in dem Rudel aufgenommen werden, oder irgendwie so etwas. Wenn sie das erwartete, dann hatte sie sich in der Fähe getäuscht. Und um diesen wundervollen Wiedersehensmoment wenigstens ein wenig zu zerstören, antwortete sie für den Angesprochenen, was denn geschehen war. Sonst würden sie hier ja niemals aus dem Knick kommen und Invidia würde wahrscheinlich vor Langeweile noch einschlafen. Stattdessen drängelte sie sich an Azrem und Averic vorbei und baute sich vor der Weißen auf.

“Du willst wissen, was geschehen ist? Na ganz einfach, Averic und irgendso ein anderer kleiner Wolf haben nicht wirklich aufgepasst und wurden dann unter ein paar Steinen begraben. So in einer kleinen Höhle, da haben sie es sich ganz kuschelig gemacht. Hat ihnen da unten ganz bestimmt ganz toll gefallen.“ Sie zwinkerte der Weißen zu. “Aber natürlich hatten sie Glück, dass ich gerade vorbei kam und fast wie selbstverständlich mitgeholfen habe sie aus diesem Gefängnis zu befreien, während ein Berg auf einmal anfing Feuer zu spucken. Hach Gott, ist das nicht furchtbar schrecklich? Naja, dann ist der Schwarze hier toooootal in Panik geraten und als dann endlich das Loch groß genug war, kam er aus der Höhle gesprungen und dann war auch schon unser Schätzchen Azrem da. So wars doch, oder?“

Sie drehte sich keck zu den beiden Rüden um, bevor sie wieder zu der Weißen vor sich sah. Ein Lachen musste sie sich ernsthaft verkneifen bei all dem Hohn und dem Spott, den sie gerade ihrer Gegenüber vermittelt hatte. In welch wunderbar herrlicher Welt sie doch alle lebten.


{an der Spitze des Rudels | Averic, Aszrem und Tyraleen, (Daylight und Linalee)}

Hilel
31.01.2013, 20:10

Noch immer stand Hilel beobachtend da. Der Berg aus Wölfen löste sich auf und gaben den Schwarzen unter ihrer Last wieder frei. Er lag bewegungslos auf dem Boden, zerdrückt wie ein Grashalm unter ihren Pfoten. Beinahe wäre ihr entgangen, welcher weißer Schemen sich in ihre Richtung bewegte, aber auch nur beinahe. Ihr gesundes Auge riss weit auf. Sie war geneigt sich umzublicken, den Wolf hinter ihrem Rücken zu finden, der angepeilt wurde, aber bevor auch nur ihrem Kopf ein Zucken durchfuhr wusste sie bereits, dass es unnötig war. Die Fähe ging gradlinig auf sie zu, als hätte sie die fehlende Ambitionen irgendwem zu helfen in Hilel aufgespürt. Wieso keiner der andern 10 oder 20 Wölfe? Sie standen alle hier. Nein, die Wahl der Alpha hatte sie getroffen. Selbst wenn Hilel widerspenstig sein konnte, so zollte sie der Fähe den Rezept der ihr bedarf und neigte sich ihrer Aufforderung. Dennoch, sie fühlte sich wie ein getadelter Welpe, als ihre humpelnden Schritten sie auf den schwarzen Haufen zu bewegten. Der graue Schatten neben ihm ging beinahe in den hektischen Blicken unter, die immer wieder über das Rudel huschten. Eigentlich war ihr Ziel gewesen nicht aufzufallen, nun schien sie der Mittelpunkt all jener Aufmerksamkeit zu sein, die sie verhasste. Widerwillig folgte sie dennoch ihrer Aufgabe und gesellte sich zu den beiden. Aus der Nähe konnte sie das Heben und Senken des Brustkorbes erkennen. Er lebte, auch wenn die Atmung flach schien. Was hatten sie dem Rüden angetan? Ihn gedemütigt und nieder gerissen, vielleicht gar den Kopf getroffen bei ihrem Akt der Überwältigung. Ein tadelnder Blick glitt über ihre grimmige Miene. Noch nie hatte sie mit dem Ohnmächtigen gesprochen, nur wenige Fetzen seiner Art aufgefasst, dennoch wusste sie um das Misstrauen ihm gegenüber. So war doch die Frage, sollte sie ihn beschützen oder ihn bewachen? Als wolle sie die Antwort in den Gesichtern der Anderen lesen, ließ sie ihr Auge wandern, bis sie sich stumm auf die Hinterläufe niederließ. Wenigstens hatte sie so wieder eine Rast und konnte sich ausruhen. Gar neidisch war sie auf den Gesellen an ihrer Seite, seelenruhig schlief er oder was auch immer. Jedenfalls sah es entspannend aus. Langsam wich ihr Groll, er konnte sie wenigstens nicht mit unnötigen Worten nerven und bislang hatte auch die graue Fähe keine Anstalten gemacht. Ruhig bettete sie sich gen Boden und legte den Kopf auf den Pfoten ab. Wieso behielten sie diesen Rüden im Rudel, wenn sie solch Furcht gegen ihn schürten? Der Gestank von Angst senkte sich wie ein Vorhang hinab. Er begann zu verebben, aber noch strömte er seinen widerlichen Geruch von der Stelle aus. Abgesehen von ihrer Ahnungslosigkeit, welch Vorfall solchen Zorn in dem Schwarzen erweckt hatte, musste sie darüber nachdenken, dass sie ihn verstehen konnte. Aus der Ferne hatte sie gesehen, wie sich dieses abscheulich arrogante Wesen abgewendet hatte, welches sie damals beim Rudel empfangen hatte. Ja, ihr würde sie auch gerne die Zähne in den Leib rammen, aber Hilel bezweifelte das sie so ein Anrecht hatte wie Krolock, er wurde noch nicht mal verbannt als Omega leben zu müssen, sie selbst würden sie wahrscheinlich alle samt töten. Ein müdes Seufzen entglitt ihr, welches schwer durch ihre Lungen pfiff. Der Nebel des Berges hing noch immer tief in ihrem Körper, aber auch seine Erinnerung würde verblassen.

[bei Krolock und Liel]

Daylight
31.01.2013, 22:00

Daylight lachte – ein klares, ehrliches Lachen, keines, das ihre Verlegenheit verbarg, sondern eines, das wahre Freude verriet. Es erinnerte ein wenig an den ersten Gesang der Vögel im Frühling. Es war ein angenehmes, lebendiges Lachen.

„Ich wünschte, ich hätte ein paar Sonnenstrahlen mehr stehlen können“, sagte sie, das Lachen noch in der Stimme, „Es sieht nämlich ganz so aus, als könnten einige von euch ein wenig Sonne gut gebrauchen.“

Sie meinte niemanden Bestimmtes, aber warf noch während sie sprach einen Blick über die Schulter, auf die gänzlich rußbedeckten, von Erschöpfung gezeichneten Wölfe und wünschte sich, sie könnte ihre Kräfte mit jedem von ihnen teilen.
Seit der Sekunde ihrer Geburt war dieses Rudel ihre Familie, diese Wölfe hatten für sie gesorgt, hatten sie vor Gefahren beschützt und sie zu der gemacht, die sie heute war. Erst sie brachten ihre innere Sonne zum Strahlen und Daylight hoffte schon lange, ihnen eines Tages all das zurückgeben zu können. Sie musterte ihre Schwester von der Seite – auch Tyraleen sah aus, als könnten ihr einige Sonnenstrahlen nicht schaden. Daylight lächelte wieder und blickte kurz überrascht drein, als die kleine Linalee plötzlich unerwartet gegen sie stolperte. Gerne hätte sie der Kleinen etwas Halt gegeben, allerdings befürchtete sie, dass eine solche Geste nur noch mehr Panik in ihr heraufbeschworen hätte. Also tat Daylight als wäre nichts gewesen, und achtete sorgfältig darauf Linalee nicht zu Nahe zu kommen, als sie ihre nächsten Worte wieder an sie richtete.

„Wenn du magst, kann ihr dir dabei helfen nach deinen Stärken zu suchen, was meinst du?“,

bot sie in einem ermunternden Tonfall an. Sie war sich vollkommen sicher, das irgendwo in diesem zierlichen Welpenkörper eine geheime Stärke schlummerte, die nur darauf wartete entdeckt zu werden.
Als Linalee jedoch gleich darauf umgehend das Thema wechselte, hielt Daylight sich zurück. Sie kannte Chardím nicht persönlich, denn obwohl er ihr Neffe war, hatte sie nie wirklich mit ihm zu tun gehabt. Sie bereute es, nicht nur, weil sie an dem Gespräch zwischen Tyraleen und Linalee nichts beizutragen hatte, sondern hauptsächlich deshalb, weil es ihr zeigte, wie wenig sie nur noch über ihre eigene Familie wusste. Sie lächelte trotzdem weiter, in der Hoffnung Linalee damit ein wenig ihrer Angst um ihren Paten zu nehmen.

Als Daylight dann Amúrs Heulen vernahm, war sie einen kurzen Augenblick unentschlossen, wollte Tyraleen erst nachsetzen, und bemerkte dann das Linalee noch bei ihr war – zitternd und vollkommen verängstigt. Sie warf noch einen kurzen Blick auf den Tumult, der sich scheinbar um Krolock und Caylee gebildet hatte, dann hatte sie auch schon entschieden, was zu tun war. Vorsichtig, um die Kleine nicht zu verschrecken, beugte sie sich zu Linalee hinab. Das gesamte Rudel war jetzt stehen geblieben.

„Am besten wir halten hier vorne die Stellung“, verkündete sie der Kleinen und ließ es wie eine wichtige Aufgabe klingen, „deine Tante kriegt das auch ohne uns hin.“

Sie dachte an ihre Begegnung mit Atalya nur Stunden zuvor und war ein wenig froh, nicht erneut in eine solche Situation verwickelt worden zu sein. Sie fragte sich wo Kisha jetzt war, und ob es ihr gelungen war Atalyas Freund zu finden, während sie auf Tyraleens Rückkehr wartete und das beste hoffte.

Als Tyraleen zurückkehrte, bemerkte Daylight gleich, das etwas nicht stimmte. Sie spürte die Besorgnis ihrer Schwester, erwiderte das schiefe Lächeln jedoch, weil sie Linalee nicht beunruhigen wollte.
Gerade als sie dazu ansetzen wollte Tyraleen zu fragen, ob das Rudel nun offiziell eine Pause machte, entdeckte auch sie die drei Gestalten, die sich ihnen von vorn näherten und identifizierte sie als Aszrem, Averic und... jemand, den sie nicht kannte. Eine fremde, weiße Fähe. Tyraleen schien zu sehr von der Rückkehr ihres Bruders eingenommen zu sein, sodass ihr die Fremde wohl nicht gleich auffiel und auch Daylight war mehr als glücklich Averic wiederzusehen. Sie hatte das Gefühl, das wenn Tyraleen und Averic wieder vereint waren, alles gut werden würde. Trotzdem drängte sie sich nicht gleich an die Spitze, um ihn zu begrüßen, sondern blickte stattdessen fragend Linalee an.

„Wollen wir gucken gehen, wen Averic und Aszrem da aufgegabelt haben, oder magst du lieber hier bleiben und ein wenig rasten?“,

fragte Daylight freundlich und beobachtete gleichzeitig aus den Augenwinkeln, wie sich die fremde Fähe nach vorn drängelte und irgendetwas von einer Höhle und Steinen erzählte, hörte aber nicht genau hin, weil sie all ihre Aufmerksamkeit auf Linalee gerichtet hatte.


{bei Linalee an der Spitze des Rudels, etwas hinter Tyraleen, Aszrem, Averic und Invidia}

Malik Hikaji
03.02.2013, 20:45

Ob es seine Gedanken waren, die so stachen? Tatsächlich gab sich der Welpe nun Mühe, an absolut nichts Kompliziertes zu denken, aber schon allein das war nicht einfach umzusetzen. Als könnten sie ihm helfen, starrte er die Steine vor seiner Nase an und gab sich größte Mühe, über nichts nachzudenken. Doch darauf musste er sich so stark konzentrieren, dass sich seine Absicht ins Gegenteil umkehrte und die Kopfschmerzen scheinbar zunahmen. Er biss die Zähne zusammen und schloss die Augen, um sich zumindest vor dem – wenn auch recht trüben – Licht zu schützen. Derweil spürte er wieder die Schnauze seines Vaters an seiner Flanke, die ihn mit wenig Druck auf die Seite rollte. Diesmal wehrte er sich nicht und stemmte sich nur im ersten Schreckmoment ganz kurz dagegen, ließ sich schließlich aber einfach fallen. Er musste ein ziemlich erbärmliches Bild abgeben: auf der Seite liegend, schwer atmend, das Fell mehr dunkelgrau als weiß, die Augen nun wieder weit geöffnet. Nicht einmal richtig zittern wollte er jetzt noch, durch den zarten Welpenkörper lief vielmehr ein anhaltendes Beben. Mit jeder Welle wurde es etwas stärker, dann wieder schwächer. Sehen konnte man es nur manchmal an seinen Läufen oder den langen Tasthaaren rund um die schwarze Nase. Aber je länger er so lag und sich aufs Ein- und Ausatmen konzentrierte, desto ruhiger wurde er. Auch wenn es ihn in der Brust stach und es sich so anfühlte, als hätte er etwas im Hals, das ihn nicht atmen lassen wollte, funktionierte es doch. Und weil die Angst, keine Luft mehr zu bekommen nun endlich nachließ, fiel ihm das Atmen gleichzeitig leichter. Nur der Kopfschmerz blieb.

Der Vorschlag seines Vaters ließ den Welpen den Kopf einige Zentimeter heben, damit er ihn ansehen konnte. Meinte er das wirklich so, wie er es sagte? Doch er ließ sich nicht lange Zeit, um die Möglichkeiten abzuwägen, hob die rechte Pfote bis an seinen Fang und nahm sie zwischen die Zähne. Dann drückte er erst vorsichtig, dann immer stärker beide Kiefer aufeinander, vor allem als er spürte, dass Jakash Recht hatte. Der Tumult in seinem Kopf wurde nicht direkt schwächer, aber von dem in seinem Lauf überlagert. Malik wusste, dass der Kopfschmerz noch da war, aber er spürte ihn nicht mehr so. Nur wie sollte er denn mit der Pfote im Maul weiterlaufen? Etwas hilflos sah er zu seinem Vater auf und nickte kurz, um ihm zu zeigen, dass der Trick funktionierte. Es war echt nicht angenehm, sich die eigene Pfote zu zerbeißen und er war sich nicht ganz sicher, was sich unangenehmer angefühlt hatte. Aber so verteilten sich leichter Kopfschmerz und Schmerzen im Lauf und waren nicht mehr so stark wie allein. Doch als er Blut schmeckte, löste der Welpe den Druck auf seinen Lauf erschrocken und streckte ihn wieder aus. Nur ein paar kleine, rot gefärbte Löcher im Fell zeigten, was er gerade gemacht hatte – und augenblicklich begann das Gewitter in seinem Kopf wieder.

„Vielleicht kannst du mich beißen, dann können wir weiterlaufen?“, schlug er vor.

Es schien schwächer geworden zu sein, oder bildete er sich das ein? Jedenfalls konnte er das Stechen in seiner Stirn ertragen, wenn er die Zähne aufeinanderpresste und so Gegendruck erzeugte.



{ Jakash :: Rand des Rudes }

Atalya
03.02.2013, 21:43

In gewisser Weise war Atalya froh darüber, dass der Trouble um Krolock vorbei war. Sie hatten ihrer Mutter erklärt, was geschehen war, und schließlich war nur Liel bei ihrem Bruder geblieben. Atalya selbst war auch nicht nach der Gesellschaft des schwarzen Rüden – ob er nun atmete und stand oder wie tot am Boden lag. Die Graue war also nur kurz bei ihren Geschwistern geblieben, ehe sie sich entschied, sich doch einen Moment Zeit für sich allein zu nehmen. So, wie es eigentlich geplant gewesen war, bevor Cirádan in sie hinein gerannt war, und ehe Krolock entschieden hatte, ihre Schwester töten zu wollen. Sie brauchte die Ruhe, diese Momente für sich, denn jetzt, wo sie sich nicht mehr auf die Geschichte mit Krolock konzentrieren konnte, fluteten wieder die schwarzen Gedanken ihr Herz, erfüllten sie von Innen mit panischer Kälte. Sie waren nun schon einige Zeit unterwegs – und trotzdem wußten sie Nichts von den dreien, die zurück geblieben waren. Kisha hatte Madoc suchen wollen, hatte versprochen mit ihm zurück zu kommen. Aber mit jedem Moment, der voran strich, glaubte sie weniger an die Rückkehr auch nur einer der beiden Wölfe. Aber das Rudel schien eine Pause zu machen – auch wenn Atalya Nichts lieber gewesen wäre, als einfach weiter zu laufen, die Angst und die Kälte hinter sich lassend.
Die junge Wölfin bewegte sich einige Schritte vom Rudel fort, die Ohren leicht nach hinten geneigt, den Kopf gesenkt. Hier schien niemand zu sein, niemand, der sich zu ihr bewegen konnte um sie in dieser kurzen Pause zu stören. Es war ihr nur Recht so, als sie sich mit einem tiefen Seufzen unter einen Baum sinken ließ, den Kopf zwischen den Pfoten gebettet und den rötlcihen Blick still nach vorn gewandt. Einige Momente rang sie sich dadurch, die Seelenspiegel zu schließen, zu lauschen, ob sie Gespräche vom Rudel wahrnehmen konnte. Jedoch kamen nicht mehr als Bruchstücke bei der Grauen an, sodass sie die Augen wieder aufschlug, vorsichtig mit einer Pfote die Erde unter sich bewegte, und im nächsten Moment doch wieder auf den Läufen stand, zu unruhig, um sich selbst einen Moment Ruhe zu gönnen. Sie war zu weit entfernt, um zu bemerken, dass ihr Vater zurück zum Rudel kam, und selbst wenn... sie wußte nicht, wie sie reagiert hätte. Ob sie zu ihm gegangen wäre, um ihn zu begrüßen... oder ob sie hier geblieben wäre, dem ängstlichen Herzschlag lauschend. So setzte sich die Graue nur langsam in Bewegung, den Kopf noch immer gesenkt. Sie wußte nicht, was sie tun sollte, was sie denken sollte. Aber wenigstens war sie allein, fern von neugierigen, verurteilenden Blicken. Fern von Fragen, die ihr das Herz zerreißen konnten.


[Allein – Fernab vom Rudel]

Linalee
03.02.2013, 23:40

Sie brauchte Zeit und Geduld. Ja, ja, das klang, als wäre es vernünftig. Und trotzdem war sie unglücklich damit! Warum konnte sie nicht jetzt schon eine Stärke finden? Konnte Tyraleen ihr nicht einfach eine geben? Der Blick aus den scheuen Bernsteinaugen huschte zu Daylight, die von ihrer Schwester so sehr gelobt wurde. Ja, die jüngere der hellen Fähen hatte etwas, das sie gut konnte, und sie wurde dafür von anderen gelobt und bewundert. Zwar schämte sich die kleine Schwarze ein bisschen für ihre Ungeduld, aber sie wünschte sich innig, sie könnte auch durch irgendetwas unersetzlich werden. Was hatten ihre Geschwister denn von ihr, so wie Tyraleen etwas an Daylight hatte? Nicht besonders viel. Sie versuchte, ihre Enttäuschung zu verstecken, indem sie auf den Boden zu ihren Pfoten blickte und sich befahl, die müden Glieder weiter zu bewegen, obwohl sie immer langsamer wurde, weil sie kaum mehr laufen konnte.
Sie hörte der Alpha zu, während sie versuchte, ihr gut zuzureden, und ein bisschen gelang das der Weißen auch. Trotzdem stolperte Linalee gedanklich über das Wort Empathie, und sie brauchte einen Moment, bis sie verstanden hatte, was die Erwachsene ihr sagen wollte. Schließlich nickte sie, leicht und unsicher, aber zumindest ein wenig überzeugt. Sie musste also Geduld haben – man konnte nicht von jetzt auf hier ein Löwenherz bekommen. das klang so logisch, dass es ihr noch ein wenig mehr peinlich war, wie sie sich benommen hatte. Als könnte sie erwarten, den Mut, den sie so gerne hätte, ohne Preis zu erlangen!

Plötzlich kamen wieder Worte von der anderen Seite, und sie wandte den Kopf herum, um Daylight anzusehen. Die strahlende Fähe lächelte noch immer, und es hatte etwas magisches, dieses Lächeln. Irgendwie schien es der Schwarzen, als würde die Schwester der Alphafähe über all dem stehen, als würde sie, unberührt auf ihrer Wolke von Freiheit und Glück, durch all die Probleme schweben, unangetastet und frei. Selbstverständlich war es nur das Licht Daylights, das dies Linalee vorgaukelte, denn sicher kannte auch sie Kummer und Sorgen – doch es war etwas, das der schwächlichen Fähe mit den Fledermausohren ein wenig Hoffnung gab. Man konnte sicher aus dem Strudel dieser ganzen finsteren Gedanken und Ereignisse ausbrechen, wenn man nur ein bisschen so wie Daylight war. Es stellte für Linalee also ein mehr als wundervolles Angebot dar, gerade Hilfe von dieser Fähe angeboten zu bekommen, und sie nickte zaghaft.

“Geht das d-denn…?“, wollte sie zögerlich wissen, und schluckte – sie wollte nicht, dass Daylight dachte, sie würde ihre Hilfe nicht annehmen wollen, aber… es ging doch um Linalees Schwächen, oder? Zweifelnd blickte sie an der Weißen hoch. “I-ich meine, …gern, aber… macht es m-mich nicht… n-naja, noch schw-wächer, mir auf der Suche nach meinem… meinen Stärken, ähm, h-helfen zu lassen…?“

Verstand man, was sie sagen wollte? Sie wollte ihre Stärken finden, natürlich, aber was war denn ihre Stärke an etwas, bei dem sie sich helfen lassen musste? Die Bernsteinaugen blinzelten, blickten fragend zu der weißen Fähe auf. Dann war es doch nicht mehr ihr Verdienst, sondern… wieder nur etwas, das sie nicht ohne Hilfe geschafft hat. Natürlich wollte sich Linalee gerne helfen lassen, wenn sie so schneller zu Mut kam – denn sie ging davon aus, das Mut eines der Dinge war, die sie auf jeden Fall noch brauchte – aber wirkte es nicht schrecklich unmutig, sich auf der Suche nach Mut helfen zu lassen? Zu viele Fragen, auf die sie absolut keine Antwort wusste oder finden konnte. Es war schlichtweg zum Verzweifeln.

Vielleicht war es gut, dass sie dann anfingen, über Chardím zu reden – und nicht mehr über sie. Irgendwie war das Linalee doch schon ziemlich an den Pelz gekrochen. Auf der anderen Seite sagte sich die Fähe, dass dieses Thema auch nicht gerade besser war. Es erforderte eine Menge Stärke von ihr, jetzt nicht sofort zu ihrem Paten zu laufen und ihm das zu sagen, was Tyraleen ihr gesagt hatte – dass er keine Schuld trug. Das wusste der Zweifarbige doch, oder? Oder nicht? Wie konnte er so etwas Wichtiges nicht wissen – wieso hatte es ihm niemand gesagt?
Sie wollte der Alphafähe antworten, wollte ihr sagen, warum Chardím sich so verlassen und einsam fühlte. Er hatte es seiner Patennichte durch die Blume mitgeteilt, und sie meinte, ihn verstanden zu haben: Averic musste gehen, weil es etwas Wichtigeres gab. Etwas Wichtigeres, als seinen Sohn, als seine Familie, als sein Rudel. Ein furchtbarer Gedanke, den Linalee ihm gegenüber auch hatte anzweifeln können. Aber ihn für Tyraleen wiederholen? Das war, als würde sie das Unglück herbei beschwören!
Bevor sie ihr kleines Maul öffnen konnte, die Worte auszuspucken, die die Alpha zu hören verlangte, entdeckte sie Chardím. Und dass er in Gefahr war. Und dann ging alles so fürchterlich schnell – plötzlich war die Weiße auf und davon, und Linalee, die einfach nicht mehr länger laufen konnte, und auch gar nicht wollte, solange ihr Patenonkel dort hinten in Gefahr war, blieb einfach stehen und ließ sich auf die dünnen Hinterbeine sinken. Sie war erschöpft, vollkommen erschöpft. Dass Daylight sagte, sie sollten hier die Stellung halten, überhörte Linalee beinahe – was man anhand ihrer großen Ohren kaum für möglich gehalten hatte. Sie schluckte und versuchte, aufrecht sitzen zu bleiben, obwohl sie am liebsten schlafen würde. Ihre Beine fühlten sich so schwer an, und ihr Nacken tat weh von dem vielen Umherschauen und Kopf- hoch- halten. Aber das machte man doch so, nicht? Man musste seinen Kopf hoch halten. Das sagten die Erwachsenen immer.
Kopf hoch, Linalee!

Es zog alles stumm an ihr vorbei, als sie einfach nur da saß und verschnaufte – obwohl sie sich solche Sorgen um Chardím machte! Schließlich kehrte Tyraleen wieder zurück, was wohl hieß, dass die Situation entschärft worden war. Erst ein bisschen nach Daylight bemerkte die Schwarze, dass ein großer, dunkler Wolf mit hellen Strichen unter seinen blauen Augen zurück gekehrt war. Averic! Averic war wieder da! Hoffnungsvoll sah sich Linalee nach ihrem Patenonkel um. Sah er ihm, sah er seinen Vater? Konnte er ihn sehen, ja, konnte er sehen, dass er Averic doch nicht gleichgültig war, sondern dass der Rüde sich für seine Familie entschieden hatte?
Die kleine Fähe mit den Bernsteinaugen blickte auf und in Daylights fragende Miene.

“Verschnaufen… bitte“, murmelte sie und zerrte ihren Körper ein bisschen in Daylight Nähe – wagte aber nicht, sich anzulehnen. Obwohl Daylight so stark und beständig auf sie wirkte, dass es sie bestimmt nicht stören würde, oder? Einen Augenblick lang starrte Linalee hin und her gerissen zu der Weißen hinauf, doch dann konnte sie sich nicht überwinden, nach Erlaubnis zu fragen. Stattdessen blickte sie sich wieder nach Chardím um. Schließlich erhob sie doch ihre dünne, flüsternde Stimme. “Glaubst du, … glaubst du, jetzt wird alles wieder… n-naja, …g-gut?“

. . .


[Rudelspitze mit Daylight || anfangs noch + Tyraleen || verschnauft || nähe Tyraleen, Averic, Aszrem, Invidia || sieht sich nach Chardím um]

Liel
04.02.2013, 17:18

Liel lauschte den Antworten der anderen Wölfe mit höchster Aufmerksamkeit. Er war nicht er selbst gewesen, soll rote Augen gehabt haben. War das bei ihrem Papa nicht auch so gewesen? Urion, der hatte doch auch hin und wieder so komische rote Augen gehabt. Und war da nicht auch die Rede davon gewesen, dass er nicht er selbst war. Zumindest nicht immer? Aber Liel war zu dem Zeitpunkt noch viel zu jung gewesen, sie konnte sich nicht mehr daran erinnern. Aber vielleicht sollte die dazu mal Tyraleen befragen. Oder Sheena, die ja so etwas wie ihre Halbschwester war. Weil Urion war ihr Papa. Zumindest ihr Möchtegern- Papa. So richtig hatte Liel das nicht verstanden. Aber letztendlich war jetzt ja auch nur wichtig, dass es Krolock gut ging und er wieder aufwachte. Oder war es besser wenn er schlief? Wahrscheinlich.
Der Trubel legte sich, als Tyraleen dazu kam, sich alles anhörte und die Wölfe dann fortschickte. Nur sie durfte bei ihrem Bruder bleiben. Diesem Irren. Aber sie hatte die Aufgabe, die Alphafähe zu rufen, wenn er wieder aufwachen sollte. Außerdem kam kurz nachdem alle anderen sich wieder verstreut hatten, eine schwarze Fähe auf sie zu und setzte sich wortlos neben Krolock. Wahrscheinlich sollte sie darauf aufpassen, dass er, wenn er erwachte, nicht gleich wieder in eine solche Raserei verfiel. Doch sie schien nicht sonderlich angetan von dieser Aufgabe. Das konnte Liel verstehen. Sie würde auch lieber zu Chanuka zum Beispiel, statt hier neben ihrem blöden Bruder zu sitzen, der in ihrem Herzen nur noch einen Platz hatte, weil sie mit ihm verwandt war.
Da die Schwarze anscheinend keine Lust auf eine Kommunikation hatte, war auch Liel wenig gewillt zu ihr zu sprechen. Dennoch konnte sie sich einige Worte nicht verkneifen. Doch sie waren nicht an die Schwarze gerichtet, es waren eher zu Worten gewordene Gedanken.

„Wie Papa… Rote Augen und verflucht.“

Das war es! Bei Urion war immer die Rede von einem Fluch gewesen. Daran meinte sie sich erinnern zu können. Ein Fluch, ein Fluch. Fielen ihr vielleicht noch mehr Details ein? Und… wenn ihr Vater es in all den Jahren nicht unter Kontrolle bekommen hatte, wie würde ihr Bruder dann enden? War es dann überhaupt richtig, ihn weiter in diesem Rudel zu dulden?
Ihr Blick strich über die fast reglose Gestalt Krolocks. So friedlich sah er jetzt aus, sein Atem ging flach, aber regelmäßig. Was würde passieren, wenn er wieder die Augen aufschlagen würde?
Weiter glitt ihr Blick über das Rudel, mittlerweile waren immer mehr Wölfe zum Stehen gekommen. Wahrscheinlich würden sie jetzt eine Verschnaufpause einlegen. Viele Wölfe schienen erschöpft und die Pause würde allen gut tun. Liel beruhigte sich, ein wenig hatte sie sich schon gesorgt, dass sie einfach zurückgelassen werden würde. Doch so war Tyraleen doch nicht. Oder?
Ein kurzer Blick zu der Fähe neben ihr. Sie kannte nicht einmal ihren Namen. Bis jetzt hatte sie so wenig Kontakt zu den anderen Rudelmitgliedern gehabt. Und es waren so viele! Doch vielleicht würde sich das auf der Reise ja ändern. Schließlich hatte man jetzt viel Zeit die man mit den anderen zusammen verbrachte. Nicht wie im Tal, wo meist jeder irgendwo unterwegs gewesen war. In kleinen Grüppchen verstreut.
Und wo war eigentlich Chanuka? Oder Shani, auch ihre Anwesenheit könnte sie jetzt gut gebrauchen.



[Hilel und Krolock]

Chivan
04.02.2013, 20:11

Zu gerne hätte er sich lediglich auf Malicia konzentriert, doch es war einfacher gesagt als getan. Er bezweifelte nicht, dass die Wölfe, die sich bereits zu einer unruhigen Traube zusammengerafft hatten, den Konflikt lösen könnten und doch spürte auch er die Unruhe in seinen Gliedern. Er konnte den Blick nicht dauerhaft von dem Geschehen vor ihm abwenden, aber auch Malicia schien leicht abgelenkt. Chivans Ohren schnippten kurz durch die eisige Luft, als er im nächsten Moment auch schon Tyraleen heraneilen sah, womit bei ihm auch der letzte Zweifel verschwand. Der Haufen aus Jungwölfen entwirrte sich allmählich, brach in verschiedene Richtungen auf, während der dunkle Körper des Verursachers weiterhin reglos am Boden liegen blieb. Die Leitwölfin rief eine Fähe zu sich, die nicht unweit von Mali und ihm entfernt gewesen war und beauftragte sie damit, die Situation etwas zu überwachen. Wachsam folgten seine blauen Seelenspiegel den verschiedenen Bewegungen, seine Ohren zuckten, als er wahrnahm, dass der kleine Zwischenfall bei manchen eine willkommene Pause bedeutete und ließ sich selbst auf der Hinterhand nieder, als wolle er der Dunklen an seiner Seite bedeuten, dass die langersehnte Pause wohl endlich eingetroffen war. Die Leitwölfin entfernte sich wieder und verschwand zwischen den Leibern der verschiedenen Wölfe. Der Bunte schüttelte leicht den ergrauten Pelz, warf einen weiteren Blick gen Malicia, um das Gespräch erneut aufzunehmen, doch eine weitere Bewegung lenkte ihn abermals ab. Schnell hatte er die graue Gestalt Atalyas ausgemacht, die sich nach einem kurzen Wortwechsel wie es schien von den anderen Jungwölfen entfernte. Mit leichter Sorge beobachtete er, wie die junge Fähe das Rudel in ihrem Rücken ließ, bis sie schließlich aus seinem Sichtfeld verschwand. Nicht viele Sekunden später schon war sein Beschluss gefasst. Die Ohren drehten sich kurz ein Stück nach hinten, ehe er die Schnauze herumwandte und Malicia einen entschuldigenden Blick zuwarf.

„Entschuldige mich.“, sprach er leise – ihr war das Verschwinden der Jungwölfin sicherlich nicht entgangen. Mit der Schnauze wies er ihr kurz an, dass er auch nichts einzuwenden gehabt hätte, wenn sie ihn begleitet hätte. Er wusste nicht viel über die Beziehungen im Rudel und der Gedanke, dass Malicia Atalya weitaus besser kannte als er, lag gar nicht mal fern.

Der Hüne setzte sich in Bewegung und steuerte die Richtung an, in der Atalya verschwunden war. Kurz suchte er den Blick der Beta, die unweit von ihnen entfernt gewesen war, um ihr zu bedeuten, dass er sich um die graue Fähe kümmern würde und sie sich weiterhin ihrem Gespräch widmen konnte. Zielsicher bewegte er sich durch die anderen, bis auch er schließlich aus ihrem Sichtfeld verschwand und seinen Gang verlangsamte. So entging aber auch ihm die Rückkehr Averics – doch das war für ihn im Augenblick ohnehin nur zweitrangig. Atalya bewegte sich ruhelos, legte sich, stand wieder auf und schien ihn auch nicht im ersten Augenblick zu bemerken.

„Atalya.“

Er sprach leise, doch sein Blick lag ruhig auf der jungen Wölfin. Er war einige Wolfslängen von ihr entfernt stehen geblieben, sah sie mit leichter Sorge in den blauen Seelenspiegeln an und wollte ihr die Freiheit lassen, selbst zu entscheiden, ob sie auf diese Distanz bestand.

„Was war mit dem dunklen Rüden?“

Das war nicht wirklich das, was er wissen wollte, denn die junge Fähe schien schon die ganze Zeit, die sie nun wanderten, ziemlich niedergeschlagen. Er schnupperte kurz, um sich zu vergewissern, dass sie unverletzt war, doch auch, wenn ein leichter Ton von Blut in der Luft lag, war er zu weit entfernt, als dass er von Atalya hätte stammen können.


{ etwas abseits | erst malicia, dann atalya | kurzer sichtkontakt mit sheena }

Atalya
04.02.2013, 21:38

Nur wenige Schritte folgten, nachdem Atalya nur kurz da gelegen hatte, ohne wirklich Ruhe zu finden. Sie hatte nicht zum Rudel zurück geblickt, nicht zu ihren Geschwistern und auch nicht zu Liel und Krolock. Niemand, der ihr wichtig war, war direkt bei dem schwarzen Rüden, es lohnte sich also nicht wirklich, zurück zu blicken. Sie blieb also erneut stehen, starrte still auf den Boden unter ihren Läufen, dann richteten sich die rötlichen Augen zum Himmel, ohne wirklich ein Ziel zu erkennen. Es gab hier keine Ablenkung, selbst Krolocks plötzliche Mordlust hatte das Stechen in ihrem Inneren nur kurz unterdrücken können. Jetzt war es wieder da, schmerzender als zuvor, kälter. Aber es blieb ihr Nichts anderes übrig, als weiter zu gehen. Egal, was sie erwartete. Und egal, wer sie auf diesem Weg begleitete.
Als dann doch Schritte auf sie zu zukommen schienen, schnellte der Kopf der Grauen herum, die Lefzen zu einem abwehrenden Kurren verzogen, ohne dass ein Ton ihren Fang verließ. Sie erkannte Chivan, der in einiger Entfernung stehen geblieben war und ihren Namen nannte. Die Graue ließ die Ohren zurück geneigt, den hellen Blick auf den bunten Rüden gerichtet. Sie hatte Nichts gegen diesen Wolf, der erst vor einigen Tagen zu ihnen gestoßen war. Sie erinnerte sich einen Moment an diesen Tag, an dem sie den Rüden kennen gelernt hatte. Aber auch dies zählte in diesem Moment nicht. Nicht hier, nicht jetzt. Sie wollte allein sein. Als der Ältere nun eine Frage an sie wandte, blickte sie doch kurz an ihm vorbei, blinzelte in die Richtung des Rudels, ohne wirklich etwas zu erkennen. Sie war doch weiter entfernt als sie geglaubt hatte. Einige Momente verstrichen, ehe die Lefzen wieder die Fänge der jungen Wölfin bedeckten, der Blick ruhte nun wieder auf Chivan. Er hatte sich nach eben jenem schwarzen Wolf erkundigt, der eben ihre Schwester angegriffen hatte, und dann plötzlich in hustende Ohnmacht gefallen war und sich bisher wohl auch nicht wieder erhoben hatte.

Er wollte Caylee töten.“

Fast nüchtern verließen diese Worte ihren Fang, ohne dass sie den Blick dabei von dem Bunten abwandte. Sie hatten Caylee gerettet, alles andere war unwichtig. Vermutlich hatte er selbst schon mitbekomme, was vorgefallen war, und er wollte eine ausführlichere Antwort. Jedoch war der Grauen nicht nach einem Gespräch – selbst wenn sie diesen Rüden nicht sofort fort gewünscht hätte. Aber jetzt war es anders, in ihrem Inneren war ein Sturm, und sie glaubte, dass sie diesen nicht mehr all zu lang kontrollieren konnte.


[Fern vom Rudel – Chivan]

Chivan
05.02.2013, 14:12

Im Augenblick schien die Jungwölfin, die er vor wenigen Tagen erst näher kennengelernt hatte, unglaublich fern. Statt der zwar ziemlich stillen, aber doch aufgeweckten Fähe, spähte sie ihm im ersten Moment, in dem sie seine Anwesenheit bemerkte, fast schon feindseelig entgegen, auch wenn kein Grollen ihren Fang verließ. Doch davon ließ sich der Graue nicht wirklich beeindrucken. Es verwunderte ihn nicht wirklich, wenn er ehrlich war - nicht nachdem er sie die ganze Zeit über schon niedergeschlagen hatte beobachten können. Und auch, wenn sie zielsicher den Abstand gesucht hatte, glaubte er - wie bei ihrer ersten Begegnug - dass sie sich schlichtweg allein fühlte in der Menge, die im Moment in eine ungewisse Zukunft lief. Und doch waren sie nicht komplett, die genauen Verhältnisse, wie die Fehlenden zu den anderen standen, waren ihm aber unbekannt. Sein Blick lag ruhig aber fest auf dem Antlitz der Jungwölfin, die zwar nur knapp antwortete, aber mehr hatte er auch gar nicht erwartet, gar nicht wissen wollen. Atalya war kein Wolf der vielen Worte, aber manchmal half auch die Aussprache von Kleinigkeiten, sich Last von der Schulter zu laden. Er wollte sie nicht dazu drängen, ganz gewiss nicht, weshalb er auch mit einem kurzen Nicken abtat und ihr bedeutete, dass es nicht mehr Informationen bedurfte. Tyraleen hatte sich darum gekümmert - an Aszrem und ihr hing die Entscheidung, was für Konsequenzen es nach sich zog. Und die genauen Hintergründe interessierten im Augenblick nicht.

"Seid ihr alle unverletzt?" 

Eine einfache Ja-Nein-Frage, kein Versuch, den Vorfall weiter auszuleuchten, denn Ruhe würde das gewiss nicht bringen. Sie mussten die Pause nutzen, denn es war ungewiss, wann ihre Läufe erneut die Möglichkeit bekamen, still liegen zu können. Für ihn war es noch immer, als wäre er nach einer kurzen Pause zu seinem alten Leben zurückgekehrt - gespickt von ewigen Wanderungen und Pausen, die zwar willkommen, aber nur von kurzer Dauer waren, selbst wenn man kein Ziel vor Augen hatte. 

"Wir sollten die Pause nutzen, um wenigstens wieder etwas zu Kräften zu kommen.", schlug er schließlich vor, ohne den Blick von Atalya abzuwenden. "Und... Scheu dich nicht zu mir zu kommen, wenn etwas sein sollte."

Es war kein Lächeln, welches auf seinen Lefzen lag und trotzdem zeugte der Ausdruck auf seinen Zügen von Ehrlichkeit, Sorge und Ernst. Ein paar Herzschläge später wandte er sich langsam herum, um ein'ge Wolfslängen zurück zum Rudel zurückzulegen - gerade so, dass er sie im Blick hatte, ohne selbst in ihr Sichtfeld zu gelangen. Dort ließ er sich nieder Atalya selbst überlassend, was sie tun wollte. Denn der Abstand, den er eingenommen hatte, war gerade soweit, dass ein Schritt vor seine Gesellschaft bedeutet hätte und einer zurück Ruhe und Einsamkeit. Der bunte Rüde bettete den Kopf auf den Vorderläufen, die Ohren aber waren leicht in Atalyas Richtung gedreht.


{ etwas abseits | atalya }

Atalya
05.02.2013, 21:37

Chivan wich nicht zurück, er zeigte in ihren Augen überhaupt kaum eine Regung. Atalya selbst blickte ihn ebenso still an, fixierte seine Bewegung, als erwartete sie förmlich, dass er näher kam. Sie wäre darauf vorbereitet gewesen, und selbst wenn sie gegen den Bunten wohl kaum eine Chance gehabt hätte, verteidigen konnte sie sich trotzdem. Die Graue stand still da, noch immer die abwehrende Haltung inne habend. Der Rüde ging kaum auf ihre Worte ein, erkundigte sich nur, ob einer von ihnen verletzt worden war woraufhin Atalyas Ohren nur einen kurzen Moment durch die winterliche Luft schnippten. Er hatte sie nicht erwischt, und auch die Anderen waren unversehrt. Das würde Chivan selbst sehen, wenn er zurück zum Rudel ging, wenn er genau aufpasste. Sie antwortete ihm in diesem Moment jedoch nicht, jede Antwort konnte nur eine weitere Frage mit sich führen, bei der die junge Wölfin nicht wirklich Lust hatte, sie zu beantworten. Sie blickte den Rüden also nur weiter an, ohne eine Regung auf den Zügen. Es vergingen einige Momente, ehe Chivan wieder zu sprechen begann, sodass Atalya leicht die Augen verengte, mit einem tiefen Atemzug ein leises Schnaufen von sich gab, den rötlichen Blick dabei nicht von dem Älteren abwendend. Eine Pause. Für ihn schön und gut, wenn er Ruhe finden konnte, seine Pfoten für einige Momente entlasten konnte. Sie wußte, dass sie es nicht konnte, so sehr sie vielleicht eine Pause nötig hatte. Zu aufgewühlt war ihr Inneres, zu viel Unruhe spürte sie in den eigenen Läufen, in jedem Winkel ihres Körpers. Die Graue schluckte trocken, als Chivan ihr anbot, jeder Zeit zu ihm kommen zu können, und ohne noch einen Moment zu warten, wandte die Graue den Blick ab. Sie hatte seine Hilfe nicht nötig, er kannte sie doch nicht einmal wirklich. Und wenn er sich das einbildete, konnte er der jungen Wölfin nur Leid tun.
Aus den Augenwinkeln konnte sie sehen, wie er sich abwandte, und sich schließlich wenige Schritte weiter auf den Boden sinken ließ. Natürlich konnte er in diesem Moment nicht nachempfinden, was in ihr vorging – wie hätte er auch. Und trotzdem rief dieses Angebot ein undefinierbares Gefühl in ihrem Inneren hervor, ließ sie einen Moment wanken. Jedoch geschah dies alles in nur wenigen Herzschlägen, die die Graue zuerst verstreichen ließ, ehe sie sich ohne weiter zu zögern abwandte. Sie hatte kein Ziel, keinen Ort, an den sie flüchten konnte. Aber in diesem Moment war ihr jeder Ort Recht, an dem sie einfach allein sein konnte. Ohne ein Rudel, in dem man nie ungesehen blieb, ohne Chivan, der auf sie achtete, obwohl sie allein sein wollte. Sie schloß die Augen für einige Momente, ehe sie den Blick ziellos schweifen ließ, mit dem Rücken zu Chivan gewandt. Sie hoffte nur, dass sie bald weiter gingen, dass diese Pause endlich vorüber ging und sie sich mehr auf den Schmez in den Pfoten konzentrieren konnte, um wenigstens in diesen Momenten klarer denken zu können.


[Nicht-Wald - Chivan]

Sheena
06.02.2013, 09:56

Amáya hustete und es klang sehr qualvoll. Wahrscheinlich hatte sie viel zu viel von dem Ascherauch eingeatmet, der sich nun in ihren Lungen festgesetzt hatte. Aber der würde mit der Zeit wieder verschwinden. Wenn es nicht schlimmer wurde, drohte keine Gefahr von dieser Seite aus. Zudem konnte Sheena den Wunsch der Fähe, ins Tal zurück zu kehren, nur zu gut nachvollziehen. Zumindest wenn dort nicht der spuckende Berg und der ganze Rauch auf sie warten würden. So fiel es Sheena wenigstens etwas leichter dem Tal den Rücken zuzuwenden und voller Hoffnung auf ein neues Revier hinfort ziehen.

Eine Bewegung am Rande des Rudels zog sie kurzzeitig in ihren Bann. Atalya schien ruhelos und entfernte sich vom Rudel. Doch bevor sie noch darüber nachdenken konnte, ob sie ihr folgen sollte und musste, trat ein Rüde in ihr Blickfeld und gab ihr zu verstehen, dass er sich um sie kümmern würde. Gut, dann konnte sie bei Amáya bleiben. Dennoch würde sie die beiden aus dem Augenwinkel hinaus beobachten. Nicht, dass die beiden zu weit von den Anderen liefen und sie womöglich verloren gingen. Das würde sie sich nicht verzeihen können.

Amáya hatte indes wieder zu sprechen begonnen. Auch wenn die Schwarze sie selbst nicht anschaute, konnte Sheena ihrer klaren Stimme entnehmen, dass ihre Worte zu ihr durchgedrungen waren und ihre Antworten ehrlich waren. Und nicht getrübt durch die ganzen Wirrungen in ihrem Kopf, die Amáya ihr bestätigte. Kurz darauf stolperte sie auch schon weiter, mit den Worten „Bloß nicht stehen bleiben“. Allerdings bemerkte Sheena genau in dem Augenblick, dass weiter vorne im Rudel einige Wölfe stehen geblieben waren, sich sogar hingelegt hatten. Vielleicht hatte Tyraleen das veranlasst? Wahrscheinlich ging es einigen Wölfen wie Amáya – hatten zu viel Rauch eingeatmet und so nun Probleme genügend Luft zu bekommen beziehungsweise wurden dadurch einfach sehr geschwächt. Nun, sie beide hatten noch ein paar Schritte bis zum Rudel, ein kleines Stück konnten sie also noch laufen.
Ein kurzes Heulen ließ sie dennoch aus ihrer Kehle frei.

„Tyraleen! Legen wir eine kurze Rast ein?“

Wenn, sollten schließlich alle Rudelmitglieder davon profitieren. Außerdem hatte Jakash so die Chance Gewissheit zu bekommen, dass sie unter den ganzen Wölfen noch anwesend war. Und auch ihre Kinder würden wissen, dass sie da war. Hoffentlich ging es ihren Schätzen gut. Unmittelbar bei dem Gedanken an ihre Liebsten, spürte sie einen kurzen, aber sehr stechenden Schmerz in ihrem Kopf. Sie schüttelte sich kurz, schon war er wieder verschwunden, aber ein ungutes Gefühl blieb. Ging es ihren Welpen doch nicht so gut, wie sie hoffte?
Sorgenvoll legte sich ihre Stirn in Falten, genau in dem Moment, in dem Amáyas Ohren sich freudig nach vorne wandten und Sheena war sich sicher, dass ihre Augen ein wenig fröhlicher aufblitzten. Doch genauso schnell, wie diese freundliche Mimik aufgetreten war, verschwand sie auch wieder. Dennoch erzählte Amáya weiter. „Mayhem“. Wer war das? Schon hatte sie ihre erste Frage. Wie praktisch, hatte die Schwarze sie doch gebeten Fragen zu stellen. Natürlich, es war einfacher zu antworten, also all das Geschehene zu durchforsten und überlegen zu müssen, was man erzählte.

„Es freut mich, dass Du darüber sprechen magst, Amáya.!“ Sanft lächelte sie ihrer Weggefährtin zu. „Wer ist diese Mayhem, Amáya? Wo genau warst Du, von wo aus ist sie Dir gefolgt? Und warum meinst Du, macht sie Dir das Leben schwer?“

Sie seufzte kurz. Alles, was damals mit Amáyas Rückkehr zu tun hatte, hatte sie ausgeblendet. Es hatte sie nicht interessiert, jetzt bereute sie dies. Wenn sie bereits mehr über die Fähe wissen würde, wäre es sicherlich einfach. Außerdem schien ja gerade diese Mayhem ihr Angst zu bereiten. Ihr Pein zuzufügen. Und dann so viele Fragen zu ihr. Aber vielleicht, hoffentlich, stärkte es sie, darüber zu sprechen. Und Mayhem, wer oder was auch immer, würde sehen, dass Amáya über sie sprach. Würde mitbekommen, dass Amáya nicht mehr die Einzige war, die von ihr wusste. Das würde sie schwächen, da war Sheena sich ganz sicher.



[Am Rudelende mit Amaya - kurzer Blickkontakt zu Chivan - Frage an Tyraleen]

Averic
06.02.2013, 17:25

Kisha wird am Leben sein. Für die anderen beiden kann ich nicht sprechen.“,

war das Einzige, was Averic noch sagte, bevor er und Aszrem sich auf dem Weg zum Rudel machten. Es interessierte ihn nicht mehr, was der andere Rüde tun würde. Es waren nur ein paar Steine vor das Loch gefallen, dass sie über die letzten Stunden gegraben hatten. Er würde sich auch selbst befreien können. Hätte der Wolf alleine keine Chance gehabt, hätte sich der Schwarze erneut dazu herabgelassen ihm zu helfen – ihn so zurück zu lassen hätte er nicht mit seiner Ehre vereinbaren können – aber da dies nicht der Fall war, hatte er keinerlei Bedeutung mehr für ihn.
Er humpelte neben Aszrem her, versuchend die Seite mit der verletzten Schulter nicht übermäßig zu belasten. Wie sehr seine aufgerissenen Pfoten bei jedem Schritt brannten, blendete der Pechschwarze aus. Obwohl er sich noch nicht im Klaren war, was er darüber denken sollte, dass das Rudel ihm so unvorsichtig gefolgt war, wollte er schnell bei ihnen sein. Bei Tyraleen und seinen Kindern. Averic beschloss einfach nicht ins Grübeln zu kommen, ob es nun gut, oder schlecht war. Das die seltsame, nervige Fähe ihnen nachlief hatte er grimmig zur Kenntnis genommen und ignorierte sie.
Als sie die letzten Felsen passiert hatten und das Rudel sichtbar wurde, suchten Averics dunkle Augen automatisch nach dem hellsten Pelz. Kaum hatte er ihn entdeckt, steuerte er direkt auf Tyraleen zu. Er war so sicher gewesen, sie eine Ewigkeit nicht mehr sehen zu können. Nach seinem Aufbruch hatte sich das Innere des Pechschwarzen kalt und taub angefühlt, er hatte sich nicht mehr gestattet zu trauern, über sein Schicksal zu wüten, oder an Vorwürfen zu ersticken. Die eisige Kälte des harten, gefrorenen Untergrunds, über den er gewandert war, hatte sich seine Pfoten hinauf geschlungen, ihn fest ergriffen und ihn kühl und berechnend nach vorne sehen lassen. Aber seit Averic sein Tal wegen dieses hellen Lichtes in die Dunkelheit hatte stürzen sehen, bröckelte diese Fassade auch schon wieder. Und jetzt, wo er auch Tyraleen wieder sehen konnte, war diese brennende, die Kälte zernagende Sehnsucht wieder da. Averic stockte kurz in seinen Bewegungen, als die weiße Wölfin zu ihm herüber sah und ihn erkannte. Dann trat sie auf ihn zu und strahlte ihn an. Wie sie lächelte und zur Begrüßung scherzte, das Fell zerzaust und staubig, ihr Tal vermutlich in Schutt und Asche – auf den Schwarzen wirkte es sehr bizarr, aber wenn er es genau bedachte, war eigentlich alles irgendwie bizarr und absurd gewesen, seit er das Tal verlassen hatte. In der reglosen Miene des schwarzen Todessohns erschien ein kleines, irgendwo erleichtertes Lächeln. Gefühlt war es das erste Lächeln, dass er seit viel zu langer Zeit lächeln konnte. So grotesk war das alles. Vielleicht waren sie inzwischen ja an einem Punkt angekommen, an dem sie jede neue Katastrophe nur noch mit einem Schulternzucken hinnehmen konnten. Was sollten sie auch anderes tun? Jetzt hatte Averic jedenfalls keine Lust sich zu sorgen, er war zu erschöpft um einen Gedanken daran zu verschwenden, was jetzt aus ihnen allen wurde. Er war sogar versucht einen ähnlich unernsten Kommentar zurück zu geben. In dem Augenblick verschwand nur das Lächeln seiner Schwester und mit schmerzenden Gliedern erinnerte sich der Pechschwarze daran, wie er aussehen musste. Bevor er aber zu einer Erklärung ansetzen konnte, drängte sich eine Wölfin zwischen sie. Bei Fenris, diese nervige Fähe war ja immer noch da! Ein tiefes Grollen verließ Averics Kehle, ob der Dreistigkeit, die sich diese Gestalt heraus nahm. Kaum hatte die Schwarzweiße ihre theatralische Erklärung beendet und sich kurz zu ihm und Aszrem umgedreht, schoss der Fang des Pechschwarzen nach vorne, packte ihre Schnauze und drückte ihren Kopf hinunter. Er biss nicht zu, wies sie aber – wie auf Wolfsart üblich – mit Nachdruck in die Schranken und ließ wieder los.

Zügele deine Zunge, Fähe, oder ich beiße sie dir ab. Vielleicht magst du ja nun endlich verschwinden und jemand anderem auf die Nerven gehen?“,

zischte er ihr zu, hinkte einen Schritt vorwärts, sodass er nun wieder vor Tyraleen stand und schob die Zweifarbige dabei zur Seite.

Ein Erdrutsch hat mich überrascht. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich befreien konnte. Irgendwer da oben wollte euch wohl einen Gefallen tun, damit ihr es schafft mich einzuholen.“

Ein Lächeln erschien zwar nicht mehr auf seinen Lefzen, trotzdem war sein Blick wieder etwas weicher geworden, kaum dass er sich von der lästigen Fähe wieder auf seine Schwester richtete.


[ an der Spitze des Rudels | Tyraleen, Invidia und Aszrem, nahe Daylight und Linalee ]

Jakash Caiyé
07.02.2013, 09:18

Der Schwarze beobachtete, wie Malik seinen Rat trotz anfänglicher Zweifel befolgte. Es war seinem Sohn nicht anzusehen, ob das Selbstbeißen ihm insgesamt Linderung verschaffte, aber da der kleine Weiße nicht sofort wieder von seiner Pfote abließ und sich beschwerte, musst es wohl wie erwartet funktionieren. Jakash war zufrieden, aber seinen Sohn plagten noch andere Sorgen als nur die Schmerzen. Der Schwarze schnaubte belustigt.

"Gut gedacht, aber das würde leider nicht funktionieren. Der, der die Schmerzen hat, muss sich schon selbst beißen, weil nur er selbst merkt, wann der Druck zu schwach oder zu stark ist. Es fühlt sich auch anders an, ob man sich selbst beißt oder von einem anderen gebissen wird. Letzteres hilft nicht so gut",

führte er aus und leckte seinem Sohn liebevoll über die Stirn.

"Und mach dir keine Sorgen, die anderen laufen uns nicht weg. Es geht dir nicht gut, also streich für einen Moment mal ruhig alles andere aus deinem Kopf."

Sein Blick wanderte einmal mehr zu Tyraleen, die sich offenbar selbst gerade einen Überblick über das Rudel verschaffte und dann wieder an die Spitze des Zuges eilte. Hoffentlich um die Vorauslaufenden zu stoppen, denn wenn nicht bald ganz offiziell eine Rast ausgerufen wurde, würde er eben nach einer verlangen müssen-
Kaum gedacht, erklang vom anderen Ende des Zuges Sheenas Stimme und bat um eine Pause. Ah, dort war sie also, endlich.

"Möchtest du, dass ich deine Mutter rufe, Malik?",

wandte er sich an seinen Sohn. Es mochte gut sein, dass der Weiße jetzt lieber nicht so von seiner Mutter gesehen werden wollte, andererseits sehnte er sich aber vielleicht auch gerade jetzt nach ihrer Fürsorge.


[Rand des Rudels | Malik]

Daylight
07.02.2013, 22:13

Eine behagliche Wärme breitete sich in Daylights Inneren aus, während sie Linalee aufmerksam betrachtete. Sie hatte das Gefühl für die Kleine verantwortlich zu sein, es tat gut verantwortlich zu sein – verantwortlich zu sein hieß eine Aufgabe zu haben. Daylight hatte es schon immer gemocht anderen zu helfen, nicht etwa, weil sie eine Gegenleistung erwartete, sondern weil sie es einfach liebte andere lächeln zu sehen. Und sie wünschte sich nichts mehr als Linalees Lächeln, als sie sich neben ihr auf dem staubigen Erdboden ausstreckte und den Kopf auf die langen Läufe stützte.

„In Ordnung“,

stimmte sie zu, die wachen, hellen Augen geradewegs auf Linalees kleine Gestalt gerichtet. Nur eines ihrer Ohren war leicht zur Seite gerichtet und versuchte gespannt das Gesagte der drei Neuankömmlinge zu erhaschen. Sie musste leicht kichern, als sie hörte, wie Averic die fremde Fähe, die sich so dreist in den Mittelpunkt gedrängt hatte, in genervten Tonfall zurecht wies. Immerhin, einige Dinge würden sich nie ändern – Averic war nach wie vor der griesgrämige, allzeit schlecht gelaunte, ältere Bruder, als den sie ihn kannte. Erleichtert über diese Feststellung richtete sie ihre ungeteilte Aufmerksamkeit jetzt wieder auf Linalee und erwischte die kleine Fähe dabei, wie sie sich fast ein wenig vestohlen näher an sie heranschob und dann suchend nach jemandem umsah. Daylight glaubte zu wissen nach wem die Kleine Ausschau hielt, schwieg jedoch vorerst und verlagerte nur das Gewicht auf ihre Linalee-abgewandte Seite.

„Es ist ziemlich kalt hier oben, findest du nicht? Also... wenn du magst... komm ruhig her, ich könnte ein wenig Wärme gut gebrauchen“,

sagte sie leise und ließ es so klingen, als wäre sie auf Linalee angewiesen und nicht umgekehrt – und vielleicht stimmte das ja auch irgendwie. Es war lange her, dass Daylight das tröstliche Gefühl eines warmen, atmenden Körpers an ihrer Seite hatte spüren dürfen und in gewisser Weise sehnte sie sich tatsächlich nach ein wenig Wärme.

„Ja“, gab sie schließlich ohne zu zögern auf die geflüsterte Frage der Kleinen zurück, „natürlich wird alles wieder gut. Schon Tyraleen allein ist eine wunderbare Leitwölfin, und mit Averic an ihrer Seite kann gar nichts mehr schief gehen, meinst du nicht auch? Schau nur, wie groß und stark die beiden sind und wie perfekt für einander.“

Die Bewunderung sprach so deutlich aus ihremiTonfall, dass der Anflug von Eifersucht, den Daylight für einen kurzen Moment empfand, fast gänzlich ungehört blieb. Sie lächelte das abscheuliche Gefühl einfach fort und fügte fast träumerisch hinzu:

„Sie sind wie Engaya und Fenris.“


{bei Tyraleen an der Spitze des Rudels, etwas abseits von Averic, Aszrem, Invidia und Tyraleen}

Aszrem
11.02.2013, 08:54

Aszrems Blick ruhte noch einen Augenblick auf dem Schwarzen, bevor auch er sich umwandte um zum Rudel zurück zu kehren. Er fragte jedoch nicht nach, wie Averic sich so sicher sein konnte, dass Kisha nichts zugestoßen war - Aszrem zweifelte nicht daran, dass dem Todessohn Wissen zugänglich war, das keinem gewöhnlichen Wolf je offen stehen würde. Und so bestimmt, wie Averics Stimme bei seinen Worten gewesen war, traf das wohl auch in diesem Fall zu. Blieb nur zu hoffen, dass auch die anderen beiden Vermissten wohlauf waren.
Als sie das Rudel erreichten, beobachtete der Schwarzbraune mit einem leichten Lächeln die Wiedervereinigung Tyraleens und Averics. Wenigstens ein Gutes hatte diese ansonsten furchtbare Situation: ein Gefährte und Vater war wieder zurück, und die Familie der Götterkinder - von Kishas Fehlen einmal abgesehen - war wieder vereint.
Unwillkürlich glitten Aszrems Gedanken zu seiner verlorenen Tochter, und sogleich schob er sie wieder beiseite. Diese Gedanken konnten nur Trauer mit sich bringen, und im Moment konnte er sich diese Ablenkung nicht leisten.
Derweil hatte Tyraleen besorgt Averics geschundenes Äußeres inspiziert und wandte sich nun an Aszrem, als könne er bessere Auskunft geben als der Schwarze selbst. Es war jedoch die fremde, zweifarbige Fähe, die sich plötzlich in das Gespräch einmischte. Aszrems Blick wurde hart, als er sich zu der Schwarzweißen umwandte, aber der Todessohn war noch schneller und schnappte ihr über den Fang.

"Danke, Averic",

kommentierte der Alpha das Geschehen, bevor er sich demonstrativ von der Fremden abwandte. Natürlich hätte Averic für sein Verhalten weder Erlaubnis noch einer Billigung bedurft - aber das konnte die Fähe ja nicht wissen, und so galten Aszrems Worte vielmerh der Fähe, um die Zurechtweisung durch den Todessohn noch zu unterstreichen.
Der Schwarzbraune wandte sich wieder Tyraleen zu, denn es gab weit Wichtigeres zu besprechen. Entscheidungen mussten gefällt werden, aber zunächst einmal kamen sie um eine Rast wohl nicht herum. Aszrems Ohren hatten Sheenas Ruf vernommen, und ein Blick über die Wölfe in der Nähe vermittelte ihm einen Eindruck davon, wie nötig das gesamte Rudel eine Pause hatte.

Nach einem kurzen Blick zu Tyraleen trat der Alpha einen Schritt zur Seite und schickte sodann ein Heulen gen Himmel, das dem Rudel Averics Rückkehr sowie eine sofortige Rast verkündete.

Anschließend wandt er sich wieder Tyraleen zu.

"Was war das für ein Tumult zwischen den Jungwölfen vorhin?"


[Rudelspitze | Tyraleen, Averic, Invidia, in der Nähe Daylight und Linalee | Verkündet Averics Rückkehr und eine Rast]

Chivan
11.02.2013, 14:33

Was auch immer es wirklich war, was Atalya in diesem Augenblick so sehr beschäftigte, dass sie in jedem anderen einen Feind zu sehen schien – er wusste es nicht. Aber wie hätte er auch? Drei Tage reichten bei weitem nicht, sich in ein gut verbundenes Geflecht aus Wölfen einzugliedern und bei all den Verbindungen wirklich im Bilde zu sein. Er wusste nicht, wie welcher Wolf zum nächsten stand; genauso wenig war ihm bekannt, welche Bindung Atalya zu den Fehlenden hatte und unbegründete Vermutungen lagen ihm ziemlich fern. Man sah ihr an, dass diese gesamte Situation sie zu überfordern schien, doch dem konnte keiner hier Abhilfe verschaffen, wenn sie nicht den ersten Schritt machte. Chivan war niemand, der seine Hilfe aufdrängte und dass die Graue lieber alleine gegen den Sturm ankämpfen wollte, der in ihr zu toben schien, war mittlerweile wohl mehr als deutlich. Er hatte ihr angeboten, ihr Gesellschaft zu leisten, ihr zuzuhören, wenn sie denn nur hätte reden wollen und auch, wenn sowohl Frage als auch Antwort mehr oder minder unausgesprochen waren, wussten sie wohl beide, was der andere zu sagen hatte. Sie antwortete nicht einmal mehr auf seine Frage, schien sich stattdessen lieber in ihrer Schweigsamkeit zu versteifen, woran Chivan sie nicht hindern wollte. Er schüttelte kurz den Kopf, ehe er sich abwandte und ihr ans Herz legte, die Pause zu nutzen. Noch schätzte er sie vernünftig genug ein, selbst zu wissen, wie wichtig es war und dass es ungewiss war, wann sie erneut rasten würden.

So wandte er sich ab und ließ sich an einer Stelle nieder, wo er das Rudel im Blick hatte, gleichzeitig jedoch unauffällig jedes Geräusch wahrnehmen konnte, welches von Atalya ausging. Ein leises Schnaufen verließ seinen Fang, als er den Kopf auf die leicht ergrauten Vorderläufe bettete und seine blauen Seelenspiegel kurz über die Gestalten huschten, die eben noch in den kleinen Tumult verwickelt gewesen waren. Schließlich erspähte er zwei der Welpen, die sichtlich erleichtert schienen, als sie sich endlich hinlegen durften, bis sein Blick vor zur Spitze des Rudels glitt. Dort war der dritte Welpe des Wurfs gemeinsam mit einer hellen Wölfin und knapp dahinter schien Aszrem wieder angekommen zu sein. Tyraleen steuerte wieder auf die Spitze zu und der Bunte hob den Kopf, als hinter Aszrem zwei weitere Wölfe folgten.

„Averic.“, sagte er mehr zu sich selbst, doch laut genug, dass Atalya es hätte hören können, als er den dunklen Wolf erkannte.

Erleichterung trat auf seine Züge, während er still beobachtete, was vorne vor sich ging. Kurz lag sein Augenmerk auf der zweiten Gestalt hinter den beiden Rüden, doch er erinnerte sich nicht daran, sie je gesehen oder gewittert zu haben. Kurz darauf dran auch schon der Ruf Aszrems, der bestätigte, was der Hüne eben schon festgestellt hatte. Chivan erhob sich auf die Hinterläufe, machte aber keine Anstalten, sich wirklich vom Fleck zu bewegen. Stattdessen drehte er den Kopf ein weiteres Mal in die Richtung Atalyas – Ihr Vater war zurück beim Rudel, doch er war sich nicht sicher, ob die Graue diesen Lichtblick zu schätzen wusste.


{ etwas abseits | atalya }

Linalee
14.02.2013, 00:31

Es tat gut, einfach nur zu sitzen und zu verschnaufen, nichts zu sagen, nichts zu bewegen, nur sitzen, atmen, und fühlen, wie der Schmerz in ihren Pfoten nach ließ. Mit einem konnte Linalee allerdings nicht aufhören – mit denken. Sie dachte an alles Mögliche – an Empathie, an Tyraleens Worte, an ihre Stärken, die sie nicht finden konnte, und an Chardím, und daran, was da hinten passiert war, und überhaupt, an diese ganze Reise. Plötzlich kam sie sich seltsam klein vor, viel winziger als zuvor, eben vollkommen ausgeliefert. Dieses Rudel war groß, das wusste sie, und das Revier, in dem es gelebt hatte, war größer. Aber jetzt? Machten sie sich auf, in Regionen, die noch viel weiter entfernt waren, und sie würden Orte sehen, die so weit weg von ihrer Heimathöhle waren, dass man die Entfernung kaum würde in Worte fassen können. Der Gedanke an diese unendliche Weite machte Linalee Angst, ehrfürchtige Angst zwar, aber noch immer etwas, das sie davon abhielt, sich ganz und gar zu entspannen. Ihr Blick huschte unsicher an der hellen Gestalt Daylights hinauf, die mit einem zufriedenen Ausdruck in den selbstsicheren Augen das Geschehen um sie herum musterte. Eine wie sie behielt immer den Überblick, oder? Bestimmt freute sie sich auf das neue, bestimmt fürchtete sie sich nicht – aber sie hatte ja auch kein so kleines, schwaches Herz, wie die Dunkle, und dort, wo Linalee ihr Hasenherz hatte, besaß Daylight sicher einen warmen Kristall gleißenden Lichts.
Erst jetzt bemerkte sie, dass auch Daylight zu ihr sah, und sie senkte schleunigst den Kopf. Blickkontakt war etwas, dem man besser auswich, das hatte sich Linalee so weit beigebracht. Er erzählte viel zu viel über ihre Gedanken, und die einzigen Wölfe, mit denen sie die gerne teilte, waren Chardím und Isaí. Apropos, wo war ihr aufgeschlossener Bruder eigentlich abgeblieben? Bestimmt spazierte er wie der König der Welt zwischen den Läufen der Erwachsenen umher und grinste dabei von einem Ohr zum anderen, als hätte er dafür gesorgt, dass Averic und Tyraleen wieder zueinander gefunden hatten. Sie hoffte nur, dass ihr Pate schnell erkennen würde, welcher schwarze Rüde da zurück zu seinen Wurzeln gefunden hatte – denn das würde Chardím bestimmt endlich alle Angst nehmen.

“Kalt?!“, wiederholte Linalee ein bisschen abwesend, und sie musste blinzeln, ehe sie den Kopf herum wandte und bei Gedanken wieder bei der Weißen war, die neben ihr lag.

Oh, tatsächlich, es war kalt! So versunken in all die Zweifel und Sorgen, die viel zu sehr das junge Gemüt der Kleinen überschatteten, hatte sie gar nicht gemerkt, dass der dünne Körper angefangen hatte, zu zittern. Sie hob den Blick zu Daylights Augen, doch ganz im Gegenteil zu dem Großteil der anderen Wölfe konnte sie keine Gedanken lesen, und damit nicht die Absichten der Älteren erkennen. Sollte sie auf dieses Angebot eingehen, oder es lieber bleiben lassen? Linalee wirkte unschlüssig. Doch schließlich überwog der Wunsch, der Weißen zu helfen, und sie kroch zu deren Körper hinüber. Obwohl sie am Anfang noch ein wenig verspannt da lag und unsicher schnaufte, hatte sie sich nach wenigen Minuten an die Nähe gewöhnt und rutschte sogar ein bisschen dichter und kuschelte sich leicht in das dichte Fell. Sie konnte sich auch einfach vorstellen, Daylight wäre Sheena, aber… es war auch mal ganz nett, sich nicht nur an ihre Mutter zu halten. Immerhin sollte sie mutig werden, genau!
Als Daylight ihr ohne zu zögern, ohne zu zweifeln, ohne auch nur zu überlegen, versprach, dass alles wieder gut werden würde, huschte der Blick aus den Bernsteinaugen zu Tyraleen und Averic hinüber. Es sah wirklich so aus, wie die Schwester der Leitfähe gesagt hatte, oder? Aber konnte man der Ruhe trauen – Daylight hatte nicht einmal überlegt, vielleicht sah sie das alles ein wenig zu optimistisch? Wer konnte denn sagen, dass Averic nicht eines Tages wieder fort musste und die Wanderung und die Herzen der Sternenwinde wieder schwerer werden würde? Sie schluckte, und versuchte, sich ihre bösen Ahnungen nicht anmerken zu lassen. Sie wollte ja auch, dass alles wieder gut werden würde, sie… konnte es nur eben nicht einfach so schnell glauben!

“Aber… ist… ist Fenris nicht b-böse?“, murmelte Linalee mehr für sich, als für Daylight. dann huschte ihr Blick zu der Älteren hinauf, Zweifel in den hellen Augen. “Averic… sieht für mich… gar nicht böse aus.“

Und er war doch Chardíms Papa! Und damit eindeutig zum nicht- böse- sein vorherbestimmt, nicht wahr? Niemand konnte ihr sagen, dass ihr Pate böse wäre, oh, sie würde es nicht glauben, nicht mal, wenn es Jakash oder Sheena sagten. Die Kleine zog ihren Kopf ein wenig zurück und robbte ein bisschen nach vorne, um näher an Daylights Flanke zu liegen. Ihr Stottern hatte so weit nachgelassen, obwohl ihr Hasenherz noch immer vor Aufregung bebte. Es half, hier zu liegen, zu verschnaufen, warm zu werden und dabei nicht laufen zu müssen. Außerdem sprachen sie beiden ganz leise miteinander, das half ihr, die richtigen Worte zustande zu bringen. . .


[Rudelspitze mit Daylight || liegend || nähe Tyraleen, Averic, Aszrem, Invidia]

Taleesha
16.02.2013, 00:43

Weiter, immer weiter. Dorthin, wo der Himmel nicht mehr brennen würde und die Luft nicht mehr schwarz war. Weiter, zum neuen Zuhause. Weiter, immer Linalee nach. Einfach weiter und weiter …

Dieses Mantra murmelte Taleesha schon eine ganze Weile gedanklich vor sich hin. Sie waren überstürzt aufgebrochen und in diesem bohrenden Angstzustand hatte Taleesha versucht, mit allen Schritt zu halten. Sie konnte schnell laufen und war auch ziemlich ausdauernd, aber sie hatte eben doch noch kurze Welpenbeine und war schnell müde geworden. Anfangs war sie so konzentriert und angespannt gewesen, dass sie gar nichts um sich herum wahrgenommen hatte. Sie war froh, dass keiner sie angesprochen hatte, um sie zu fragen, wie es ihr ging. Sie hätte sicher nicht gewusst, was sie darauf hätte antworten sollen. Sie war verwirrt und ängstlich und unendlich erschöpft gewesen. Irgendwann hatte sie aber das Bedürfnis verspürt, sich in irgendeiner Weise auszutauschen. Sie musste mit irgendwem sprechen, um wach zu bleiben, um nicht mitten im Laufen umzufallen und einzuschlafen. Doch wenn sie sich umgesehen hatte, hatten ihr nur müde Augen entgegengeblickt. Jeder hatte mit sich zu kämpfen und versuchte sich irgendwie weiterzuschleppen. Also hatte Taleesha sich ihr eigenes Motivationsprogramm eröffnet, hatte eine Art Mantra entwickelt und sich so immer und immer wieder ermutigt, weiterzulaufen. Das ging schon ziemlich lange so; ihr war noch nicht mal aufgefallen, dass der Himmel inzwischen wieder ein ruhiges Blau angenommen hatte und das Atmen leichter fiel. Taleesha war so erschöpft, dass alles anstrengend und mühsam war, auch das Atmen. Als Avendal sich zu ihr gesellte, brauchte Taleesha einen kurzen Moment, um zu verstehen, dass jemand mit ihr sprach. Sie drehte ihr Köpfchen mit den müden, dunklen Augen zu der Jungwölfin neben ihr und versuchte ihr ein Lächeln zu schenken. Sie hatte mit Avendal bisher nicht viel gesprochen, aber sie hatte sie oft gesehen und deren silberweißes Fell bewundert. Es war schön, nun ihre sanfte, klare Stimme zu hören.

"Hallo, Avendal. Es geht mir … gut. Aber ich bin müde und ich weiß nicht, wie lange meine Läufe mich noch tragen wollen."

Es war ungewöhnlich, dass Taleesha sich so ehrlich ihre Schwäche eingestand. Sie hatte sich aber auch noch nie so schlecht gefühlt. Zumindest vermochte sie es nicht, sich momentan daran zu erinnern. Ob Avendal vielleicht wusste, wie lange sie noch würde laufen müssen?

"Weißt du denn, wie weit es noch ist, bis …?"

Während sie fragte, wurde der kleinen Fähe klar, dass sie gar nicht wusste, wohin es ging. Wusste denn Tyraleen, wo sie hingingen? Kannte sie den genauen Weg? Leicht verunsichert blickte Taleesha zu ihrer Patin, die sich bei ihrer Schwester, direkt vor ihr, befand. Die Welpin merkte erst jetzt, als sie die beiden beobachtete, dass alle – auch sie selbst – aufgehört hatten zu laufen. Was war geschehen? Waren sie schon da?

Ganz egal, was der Grund war, Taleesha schaute erleichtert hinauf zu Avendal und ließ sich energielos gegen deren rechten Vorderlauf sinken. Als die unerwartete Begegnung Tyraleens mit Averic stattfand, hatte Taleesha kaum mehr die Augen offen.


[bei Avendal, in der Nähe von Tyraleen, Averic, Daylight und Linalee]

Ahkuna Caiyé
16.02.2013, 22:01

Ahkuna konnte ihre tobenden Gefühle nicht beschreiben, geschweige denn diese versuchen zu zähmen. Es stand alles auf dem Kopf und die sonst so gefasste Fähe, die stets Ordnung in ihrem Inneren hatte, war überfordert von dem Chaos. Es war ein erdrückendes Gefühl, dass auf ihr lastete. Es nahm ihr die Luft zum Atmen und schnurrte ihr regelrecht die Kehle zu. Diese Schnur wurde noch enger um ihren Hals, als sie in die überraschten Augen von Parveen sah, die in den nächsten Sekunden einen traurigen Glanz bekamen. Für einen Moment bereute Ahkuna es, dass sie es nicht für sich behalten hatte. Sie hätte schweigen können, niemand müsste wissen, dass die Fähe den Geruch ihres verschollenen Vaters gerochen hatte. Denn dann müsste sie sich nicht mit dem elendigen Gefühl der Schuld herum schlagen. Doch genauso gut wusste Ahkuna auch, dass sie es jemanden anderen anvertrauen würde. Wenn würde sie dann einen Stich ins Herz verpassen? Ihrer Mutter Shani? Ihrem Bruder Jakash? Ihrer Tante Tyraleen? Egal wie sie auch versuchte das Blatt zu drehen, letztendlich waren sie doch alle betroffen. Schließlich waren sie eine Familie. Das plötzliche Fehlen ihres Vaters war für niemanden ein Fall gewesen, denn man schnell vergessen konnte.

Samirs Worte ließen sie kurz hochschauen, doch der aufgebaute Blickkontakt hielt nur wenige Sekunden, bevor sie die Augenlider wieder senkte. Sie versuchte zu lächeln, sie versuchte ihm ein Lächeln zu schenken. Doch sie merkte nicht wie es ihr misslang. Sie schätzte ihn wirklich sehr dafür, dass er auch ihn aussichtslosen oder in unmöglichen Situationen seinen Optimismus behielt. Aber es war nun mal wie Parveen es sagte. Es lag schon fast 2 Jahre zurück. Es füllte das zarte Herz mit Traurigkeit, da sie nur wenige Momente mit ihrem Vater verbringen konnte. Ihre Mutter hatte zwar versucht es den Welpen so leicht zu machen wie möglich, doch diese Lücke, die man hinterlassen hatte, die konnte man nicht füllen. Mit einem leisen Seufzer lehnte sie sich an den warmen Körper neben sich. Ihr war es nicht entgangen, dass der Rüde näher getreten war. Ob es vielleicht auch nicht gewollt war, so konnte die Weiße sich nicht davon abbringen sich leicht anzuschmiegen.

„Das Nichts ist nicht gnädig. Es gibt nichts zurück, es nimmt sich nur.“, sagte sie leise.

Die starke Schulter die ihr Samirez bot tat so gut, dass sie einen wichtigen Teil vergaß. Der weiße Rüde konnte mit dem Nichts wahrscheinlich nichts anfangen. Jedenfalls nicht in dem Sinne, dass das Rudel kennen lernen musste. Die trüben Gedanken legten sich jedoch etwas, als er auf ihre Frage nach seiner Verletzung zu sprechen kam. Es war eine zufriedenstellende Antwort, die es schaffte ihre besorgte Miene zu lichten.

„Ich hätte es besser wissen müssen. Schließlich bist du doch immer hart im Nehmen.“, erwiderte sie und schaffte sogar ein kleines Lächeln auf ihre Lefzen zu zaubern.

Die weißen Ohren der Fähe spitzten sich nach vorne und die schmale Schnauze streckte sich etwas in die Höhe, um über Samir zu sehen und zu Parveen blicken zu können. Der direkte Blick traf Ahkuna so plötzlich, dass sie es nicht wagte ihren abzuwenden. Sie lauschte aufmerksam den Worten und hatte bei der anschließenden Stille genügend Zeit nachzudenken. Ruhig atmete Ahkuna aus und horchte in ihr Inneres. Ihr Verstand verbot es ihr daran zu glauben, dass ihr Vater tatsächlich anwesend sein konnte. Denn ihr Wissen nährte sie mit genug Fakten um es zu beweisen. Denn dem Nichts konnte niemand entkommen. Wer dahin gerät, der war auf ewig verloren. Ihr Herz jedoch weigerte sich mit Händen und Füßen dem zuzustimmen. Das Rudel hatte seinen Tod nicht gesehen. Vielleicht war das Nichts einfach ein Loch, aus dem man raus kommen konnte? Dieser Gedanke war voller Hoffnungen.

„Ich kann es nicht genau sagen.“, gab Ahkuna langsam zu. „Einerseits weiß ich, dass es fast unmöglich ist. Trotzdem war dieses Gefühl, als ich den Geruch gerochen hab, einfach überwältigend. Ich habe mich in meine Kindheit zurückgesetzt gefühlt. Es ist zwar schon lange her, trotzdem würde ich nie die Gerüche von den Wölfen vergessen, die mir sehr am Herzen liegen. Ich will daran glauben, dass er da ist, doch die Tatsache lässt sich nun mal nicht abstreiten. Ich weiß einfach nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich weiß nicht was ich denken soll.“


{ Samirez ; Parveen - Rudelmitte }

Avendal
19.02.2013, 14:00

Einen Augenblick hob die Silberfähe den Kopf, denn vor ihnen tat sich etwas, der entstandene Knoten um Krolock löste sich auf und ihre Augen folgten Atalya, die sich vom Rudel entfernte. Augenblicklich drängte es sie nach ihr zu sehen, doch da war der Welpe an ihrer Seite und sogleich schälte sich auch noch eine zweite Gestalt aus dem Rudel, die ihrer Schwester folgte und sogleich verspürte die junge Fähe einen Stich in ihrer Brust und wandte den Blick ab. Schon wieder...

Erstaunt über diese Gefühlsregung horchte sie einen Moment in sich hinein, schob sie dann jedoch beiseite, als der kleine Schattenwelpe ihre Aufmerksamkeit wieder auf sich zog – ihre Worte ließen ihr sanftes Herz beben und etwas schien sich eng um ihre Brust zu schnüren. Es war nicht fair die Welpen so früh so sehr leiden zu lassen. Was bei allen Himmeln war nur mit ihrer heilen Welt geschehen, in der Welpen auf Wiesen herumtollten und sich gegenseitig Streiche spielten, den Ausgewachsenen auf die Nerven gingen und nicht wie Linalee und Taleesha solche Ängste ausstehen und solche Kraftanstrengung aufbringen mussten? Ein leises aufmunterndes Wiefen verließ den Fang der größeren Fähe, als sie Leesha mit der Schnauze etwas stützend vor sich her schob.

„Ich weiß es leider auch nicht, kleine tapfere Pfote“, so sehr sie auch wünschte sie hätte ihr eine befriedigendere Antwort geben können.

Doch in diesem Augenblick tat sich erneut etwas an der nicht weit entfernten Spitze und Avendal verlangsamte ihre Schritte, so dass sie kaum merklich hinter dem Welpen zurück blieb, während sie ihre Mutter beobachtete. Und da war er... Averic. Ihr Herz drohte zu zerspringen, oder aus ihrer Kehle zu hüpfen und gleich hier an Ort und Stelle einen Freudentanz aufzuführen, doch es blieb an seiner Stelle und hämmerte fröhlich gegen ihren Brustkorb, während sie ihre Eltern betrachtete. Averic war wieder da! So sehr es sie auch antrieb sofort zu ihm zu stürzen und ihn zu begrüßen, war sie sich erneut des Welpen vor sich bewusst und vielleicht sollten sie generell Tyraleen und ihrem Bruder einen Augenblick der – nunja beinahe – Zweisamkeit gönnen, bevor ihre Kinder den Vater beanspruchten, den sie für längere Zeit verloren glaubten.

Also beließ es die Windfähe bei einem leisen Winseln, trabte nun vorwärts, um wieder zu Taleesha aufzuschließen und schließlich blieb auch sie an Ort und Stelle stehen, nicht weit entfernt von Daylight und Linalee. Ihr Blick flog hinab zu der kleinen Seele, die sich nun an ihre Vorderpfote drängte, so klein und so verletzlich, dass ihr Herz nun wieder ruhiger schlug in Sorge um das Fellknäul. Ein beruhigendes Lächeln zierte ihre Lefzen, als sie sich neben der kleinen Fähe niederließ und mit ihrem Körper einen schützenden Kreis um den des winzigen Welpen beschrieb. Sie schien erschöpft und müde und während Avendal ihr sanft mit der Nase durch das Fell fuhr überlegte sie, wie sie der tapferen kleinen Fähe am besten zum Schlaf verhelfen konnte.

„Möchtest du vielleicht eine Geschichte hören, tapfere Nachtpfote?“

Sie hatte keine genaue Vorstellung davon, welche Geschichten der Welpe mochte, doch sie kannte viele und irgendeine würde sich schon finden lassen, wenn sie eine hören wollte, oder vielleicht ein Lied? Irgendetwas auf jeden Fall, dass die kleine beruhigen würde.



[ Taleesha - Stück hinter Daylight und Linalee ]

Atalya
21.02.2013, 19:57

Jetzt, wo Atalya mit dem Rücken zu Chivan stand, die hellen Augen noch immer ziellos umher wanderten, trat wieder etwas in ihren Blick, was sie nur noch mehr verunsicherte. Sie spürte die Angst, die Furcht vor dem, was sie eigentlich schon zu wissen glaubte. Aber den Rüden ging dieses Durcheinander Nichts an, das Gefühl der Zerrissenheit. Hin und her gerissen zwischen zwei Gedanken, hoffnungslos und trotzdem um ein Wunder flehend. Wobei ihr Glaube an Wunder schon vor langer Zeit von ihr abgefallen war. Sie wandte den Kopf nicht zurück, spürte sie doch Chivans Blick auf sich ruhen, sodass sie nicht nachzusehen brauchte, ob er noch am selben Ort lag, wie wenige Herzschläge zuvor. Ein tonloses Seufzen verließ den Fang der jungen Wölfin, jedoch regte sie sich nicht weiter, als den Blick auf den Boden vor ihren Pfoten zu richten. Sie hatte Nichts gegen den bunten Rüden – im Gegenteil. Erneut sprangen ihre Gedanken zu dem Tag, an dem sie ihn kennen gelernt hatte. Er war einfach nicht so aufdringlich, nicht so nervtötend wie manch anderer Wolf, der sich an einen klebte und nicht von einem wich. Aber in diesem Moment wollte sie ihre Ruhe, wollte allein sein um nachdenken zu können. Sie dankte Chivan sein Angebot, auch wenn sie es vielleicht nicht direkt zeigen konnte. Aber sie wollte nicht reden, nicht jetzt, nicht hier. Sie versuchte einfach, zu vergessen, irgendwie auf andere Gedanken zu kommen, um nicht in der bitteren Kälte umher irren zu müssen. Dass Chivan ihr vielleicht damit hätte helfen können, einfach indem sie über etwas Anderes sprachen, ließ die junge Graue außen vor. Sie wollte es allein schaffen, immerhin bestand bei jedem Wolf – egal, wie wichtig er ihr war – das Risiko, dass er einfach verschwand. Dass sie eines Morgens aufwachte und wußte, dass sie nie wieder einen Moment mit diesem Wolf teilen können würde. Nie wieder.
Chivans Stimme durchschnitt die wirren Gedanken, und auch wenn er nur ein einfaches Wort, einen so vertrauten Namen aussprach, so griff er damit doch die Mauer an, hinter der Atalya sich versteckte. Kaum war seine Stimme verklungen, hallte auch Aszrems Ruf über den Platz, und das erste Mal stellten sich die Ohren der jungen Wölfin auf, auch wenn sie in diesem Moment wieder glaubte, den Blick des Bunten auf sich zu spüren. Automatisch hatte ihr Herz begonnen, schneller zu schlagen, und nach wenigen Atemzügen wandte sie schließlich auch den Kopf herum, musste nicht lang suchen, bis sie den bekannten, dunklen Pelz erkannte. Die Graue schluckte, zögerte einen Herzschlag, ehe sie sich doch in Bewegung setzte, als würden ihre Pfoten für sie entscheiden, was nun richtig war. Jedoch blieb sie nach wenigen Schritten stehen, als sie Chivan erreicht hatte. Die rötlichen Augen lagen einen Moment auf dem Bunten, die Ohren unsicher zurück drehend. Eine offene Einladung, ehe die junge Fähe sich wieder nach vorn wandte, mit eilenden Schritten auf ihren Vater zu lief.
Kein Lächeln lag auf Atalyas Lefzen, und trotzdem konnte man es ihr ansehen, dass sie überglücklich war, Averic hier wieder zu sehen. Mit einem Schaudern erinnerte sie sich an das Gefühl des Abschiedes, an den Gedanken, ihren Vater nie wieder zu sehen. Und dass er nun doch hier war, dass er wirklich wieder bei ihnen war, schien wie die letzte Hoffnung in dieser Welt, die allmählich immer mehr in die Dunkelheit hinab rutschte. Er war der Funke Hoffnung, den sie genau in diesem Moment brauchte. Ihre Rute schwang kurz durch die Luft, jedoch blieb sie nur einen Herzschlag später stehen, erschrocken über den Anblick, der sie nun erwartete. Die andere Wölfin, die kurz zuvor von Averic in ihre Grenzen gewiesen wurde, ignorierte die junge Fähe, sie schien mehr als unwichtig in diesem Moment. Dennoch schlich sich Sorge in die Augen der Grauen, in denen trotz allem noch das Glück über dieses Wiedersehen zu erkennen war. Kurze Blicke galten auch Aszrem und ihrer Mutter, die ebenso bei ihnen standen. Auf Tyraleen ruhten die Augen wenige Herzschläge länger, und erneut ließ die Wölfin die Rute durch die Luft schwingen, den Blick schließlich wieder auf Averic richtend, der furchtbar mitgenommen aussah. Er hatte Blut an den Pfoten, sein Pelz war vollkommen zerzaust. Atalya schluckte, verwarf jedoch jeden Zweifel und trat die letzten Schritte auf ihren Vater zu, berührte kurz seine Wange mit der Nase, ehe sie ihr Gesicht vorsichtig gegen den Hals ihres Vaters lehnte, als könne sie sich so vor der Welt verstecken, die in dieser Zeit nur Schmerz für sie bereit zu halten schien. Bis auf diesen kleinen Funken der Hoffnung.


[Erst Chivan - dann Averic, Tyraleen, Aszrem & Invidia]

Malik Hikaji
21.02.2013, 19:59

Die Worte seines Vaters klangen ganz plausibel und Malik nickte langsam, aber ein wenig enttäuscht. Er wollte doch weiter, wollte niemanden aufhalten und befürchtete insgeheim immer noch, dass er Kopfschmerzen hatte, weil sie eine Pause eingelegt hatten, obwohl Tyraleen es nicht erlaubt hatte. Vielleicht hatte Fenris ihn deswegen damit bestraft. Aber wenn sein Vater das immer wieder sagte, hatte er wahrscheinlich Recht und es war unnötig, dass er ständig versuchte, weiterzulaufen. Dennoch wollte er die Pause nicht verlängern, weil er sich nicht gut fühlte – denn dann hatte er das Gefühl, seine Probleme wären noch um einiges schlimmer. Nichts wünschte er sich gerade sehnlicher als Normalität, aber wie sollte das schon gehen, wenn sie alle vor einem feuerspuckenden Berg davonliefen, hinein ins Unbekannte? Der Welpe atmete tief durch – kein richtiges Seufzen und kein Schnaufen, irgendetwas dazwischen wohl eher – und schmiegte sich wieder an seinen Vater. Erst als ein Ruf ertönte und dem Rudel verkündete, dass eine Pause eingelegt wurde, konnte sich Malik halbwegs entspannen. Hauptsache er hielt niemanden auf oder sie verloren die Anderen.

Als er Sheenas Stimme hörte, stellten sich seine Ohren auf und er hob den Kopf etwas, obwohl er ihm mächtig schwer erschien. Ob sie auch müde war und deshalb eine Pause wollte? Sie hatte danach gefragt, also ging es ihr vielleicht nicht so gut … Besorgnis mischte sich in den Blick des Welpen und er erwog kurz, zu ihr zu gehen. Dann jedoch schlug Jakash etwas anderes vor. Zuerst sah er den Schwarzen überlegend an und zögerte, sofort „Ja“ zu sagen. Wenn es seiner Mama nicht gut ging, sollte sie nicht erst noch bis hierher laufen und sich um ihn kümmern müssen. Andererseits wollte er sie bei sich haben, wollte sich an sie kuscheln und die vollkommene Geborgenheit genießen, von beiden Eltern umgeben zu sein. Nur für einen Moment, nur ganz kurz. Ja, er wollte, dass seine Mutter bei ihm war. Also nickte er kleinlaut und vergrub dann die Schnauze wieder im schwarzen, nach Papa duftenden Fell.

Inzwischen waren die Schmerzen wieder zu einem dumpfen Pochen geworden, das dem ähnelte, das er vorhin die ganze Zeit beim Laufen schon im Kopf gehabt hatte. Als würde ein Specht hinter seiner Stirn sitzen und immer mal wieder von innen anklopfen. Hoffentlich hämmerte er ihm kein Loch hinein. Malik hatte die Augen wieder geschlossen und genoss die Wärme, die vom Körper seines Vaters ausging. Wenn es nach ihm ging, konnten sie jetzt ewig hier bleiben. Der Berg war weit genug entfernt und auch wenn die Gegend nicht so hübsch war, so ließ es sich aushalten.

„Wann müssen wir denn weiter, Papa?“, fragte er ins Fell hinein und wusste nicht, ob sein Vater das überhaupt gehört hatte.

Eigentlich war er sich bewusst, dass Jakash ihm das nicht sagen konnte. Vermutlich ging es weiter, wenn Aszrem ausgeruht war und er mit Averic geklärt hatte, was es zu klären gab. Malik verstand ohnehin nicht, wie es sein konnte, dass Onkel Averic schon wieder da war. War er zurückgekommen, als er das Feuer auf dem Berg gesehen hatte? Doch da der Welpe nicht wirklich wusste, warum Averic überhaupt gegangen war, interessierte ihn das nicht so richtig. Es war nur schön, wenn sie alle zusammen, alle Sternenwinde, weiterziehen konnten. Schließlich waren sie eine große Familie und gehörten zusammen.



{ Jakash :: Rand des Rudes }

Amáya
21.02.2013, 22:25

Amáya merkte, wie die Aufmerksamkeit Sheenas für eine kurze Zeit von etwas anderem auf sich gezogen wurde. Es stimmte sie unruhig und so flachten sich ihre weichen Ohren an den schmerzenden Schädel. Sie fühlte sich so unendlich verletzlich und unsicher. Sie zuckte leicht zusammen, als die Weiß neben ihr die Stimme zu einem melodischen Heulen anhob. Eine Rast? Die regenblauen Augen weiteten sich leicht panisch.

"Nein, wir dürfen nicht rasten, nein, nein...", flüsterte sie ängstlich und schwenkte ihren Kopf hin und her.

Doch wenn Tyraleen wirklich entschied stehen zu bleiben, dann hatte sie keine Wahl. Sie würde den sicheren Kreis des Rudels nicht verlassen, nein! Die Gefahr saß ihr nicht nur im Nacken sie lauerte um jeder Ecke, um die sie flüchten wollte. Wieder warf Amáya ihren Kopf ruckartig hoch um nervös über ihre Schulter zu starren. Die quälende Unruhe versiegte nur als Sheena sich wieder ihr zuwandte, nach einer Zeitspanne die sich wie eine halbe Ewigkeit anfühlte. War da nicht etwa eine weitere Gefahr, die die Weiße entdeckt hatte und sie war deswegen si abgelenkt gewesen? Nein, nein. Wenn da eine Gefahr wäre, dann hätte sich Sheena längst drum gekümmert. Und Tyraleen auch, sie durfte ihre Schwester nicht vergessen.

"Mayhem ist meine Zwillingsschwester. Sie starb schon im Bauch meiner Mutter. Wegen mir... Sie starb für mich und doch wegen mir." Die Sanftheit der Fähe neben ihr beruhigte sie schließlich doch. Sie ließ ihren Kopf leich hängen und winselte leise. Die erste Last, die ihr so früh in ihrem Leben aufgebürdet worden war und unter der sie zusammengeklappt war und angefangen hatte die Fehler zu häufen. "Ich habe immer gespürt, dass da etwas fehlte, dass ich dadurch unvollständig war... Mutter hat mir auch erzählt, dass ein toter Welpe im Wurf gewesen war, ja..." Sie schüttelte ihren Kopf und ihr Blick schien irgendwo in die Ferne zu starren. Sie hatte sich wirklich entschlossen, all ihr Vertrauen in diese Fähe zu setzen. Genau Sheena, der sie doch solches Unrecht getan hatte in ihrer jugendlichen Dummheit. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr. Sie hatte keine wirkliche Kontrolle mehr über sich. Alles floss raus, als hätte man einen Stöpsel gezogen. Wahrscheinlich war all der Druck einfach zu viel gewesen. Es war naiv von ihr gewesen zu glauben, sie könnte für immer so weiterleben. Die Frage war nun natürlich, ob sich überhaupt etwas dadurch ändern würde, wenn sie Sheena alles erzählte. Doch ihr Kopf schmerzte zu sehr, als sie sich mit solchen Gedanken noch belasten würde. Das Denken überließ sie der Weißen.

"Ich habe mich schlecht gefühlt und war ein sehr stiller und wahrscheinlich auch einsamer Welpe. Nachdem ich von dem fremden Rudel damals verschleppt wurde, kehrte ich gefüllt mit falschen Vorstellungen zurück. Ich dachte, ich hätte Stärke erlangt." Sie schüttelte angewidert das schmale Haupt. "Ich begang in meiner Arroganz und Dummheit einen schrecklichen Fehler. Ich dachte, wenn ich Fenris ein Opfer bringe, würde er meinen Wunsch erhören... Ein Leben für ein Anderes, ein Tausch..." Sie zog die Stirn in Falten und ihren dunklen Leib schüttelte ein weiterer Hustenanfall. "So einfältig zu glauben, ich könnte schlauer sein als die Götter. Kein Wunder das alles nach hinten losging. Ich griff Zack an und er starb. Erst passierte nichts. Ich wurde mehr und mehr zu jemanden, für das ich mich heute schrecklich schäme. Ich habe viele verletzt und doch hat Mutter mich trotz all meiner Sünden beim Rudel bleiben lassen. Bei der Begegnung mit dem Nichts bewies ich jedoch abermals meine Feigheit. Ich ging, dachte, woanders würde es mir besser gehen. Außerdem war ich wütend, dass es kein Zeichen von Mayhem gab." Klare Selbstverachtung stand in ihrem Blick, ihre stimme wurde lauter und zorniger. "Aber nicht lange sollte es so bleiben. Erst spürte ich nur ihre Anwesenheit, sah sie nur in der Entfernung in den Schatten huschen. Ihre roten Augen, den weißen Pelz. Ich hörte ihre Stimme, auch wenn ich ihre Worte nicht ausmachen konnte. Ich hatte so schrecklich Angst. So lange lief ich durch die Wälder, versuchte zu entkommen, dabei wurde alles nur noch schlimmer. Ich entschied mich zurückzukehren, weil dies der einzige Ort war, an dem ich mich halbwegs sicher fühlen konnte. Mayhem ist zu meinem Fluch geworden. Sie lebt nicht doch sie ist auch nicht tot. Niemand kann sich vorstellen wie grässlich diese Angst ist. Einmal kam sie mir so nahe, dass ich gänzlich Kontrolle verlor und..." Mit geweiteten Augen und zitternd brach sie ab. Erneut blitzten die Bilder von dem Tag in ihr auf. Wie hatte sie das nur tun können? Sie hatte schon wieder Unschuldige angegriffen.
"Mayhem ist meine Strafe. Aber ist das gerecht? Ist es gerecht, wenn ich dabei auch dazu getrieben werde, anderen weh zu tun?", fauchte sie und ein aufbegehrendes Feuer schien in den sonst so regentrüben Augen zu brennen.


[ Sheena | Schlusslicht ]

Taleesha
22.02.2013, 10:13

Irgendetwas Aufregendes geschah um sie herum, das spürte sie noch. Taleesha war zwar willens, zu erfahren, welche Neuigkeiten es gab, aber ihr Körper hatte entschieden, sich zuerst eine Pause zu nehmen. Und sie versuchte gar nicht erst, einen Aufrappel-und-weitergeh-Versuch zu starten. Sie ließ sich mit geschlossenen Augen in diesen wattig-weichen Zustand sinken und hatte schon fast vergessen, wo sie überhaupt war, als die schöne weiße Fähe, die auf dem letzten Stück des Weges ihre Gefährtin gewesen war, sich schützend um sie legte und ihr ein wohlig aufkommendes Gefühl der Geborgenheit gab. Taleesha kuschelte sich in das weiche Fell Avendals und stieß einen leisen, hohen Seufzer aus. Auch wenn sie noch nicht da waren, irgendwie fühlte es sich jetzt so an und sie konnte ein wenig ausruhen.

Doch es gab so viele Stimmen um sie herum, so viel aufgeregte und aufregende Laute und Geräusche, dass Taleesha es nicht vermochte, wirklich wegzudämmern. Ihre Augen hatten sich für eine kurze Weile von dieser Welt verabschiedet, doch ihre Ohren vermochten es nicht, sich einfach zuzuklappen. Sie war so verzweifelt müde, dass sie dies sogar für einen Moment probierte, doch sie erreichte nur ein nervöses Hin- und Herschnippen ihres rechten Ohres. Eigentlich war es in diesem Fall gar nicht so unpraktisch ein Hängeohr auf der linken Seite zu haben, dort war es ein kleines bisschen leiser. Sie drehte ihren Kopf so, dass nun das linke Ohr oben war und das rechte von ihrem Kopf vor zu lauten Geräuschen geschützt wurde. So war es etwas besser … oder?

Taleesha war so erschöpft und gleichzeitig war ihr Verstand so wach, dass es nur schwierig bleiben konnte. Sie wollte doch un-be-dingt schlafen, wollte das wirklich. Aber jetzt drehte sie sich gedanklich im Kreis und hatte sowieso Angst, zu verpassen, was um sie herum passierte. Andererseits war Avendal ja bei ihr und war nicht plötzlich aufgesprungen, dann konnte es nichts sooo Wichtiges geben, oder? … und wenn doch?

Als die helle Flüsterstimme an Taleeshas Knickohr erklang, spürte Taleesha, wie sie ruhig, aber bestimmt aus ihrem Gedankenchaos gezogen wurde. Sie lauschte den Worten Avendals und öffnete nun doch für einen ganz kurzen Moment die Augen – nur so weit es nötig war – und schenkte Avendal ein Lächeln.

Tapfere Nachtpfote … ja, das gefiel ihr.

"Oh ja … eine Gesch… ichte … …. … … … von … Eng … a … ya?"

Taleesha hatte es noch nie so viel Kraft gekostet zu sprechen und sie hoffte, Avendal hatte ihr leises Raunen hören können.


[ Avendal - Stück hinter Daylight und Linalee ]

Tyraleen
28.02.2013, 13:38

Das Lächeln Averics schien der Weißen sagen zu wollen, dass nun alles gut werden würde. In seinem Gesicht wirkte es ebenso bizarr wie in ihrem eigenen und doch sah Tyraleen vor allem das Glück und die Hoffnung darin. Ihre Familie war wieder vollständig, ihre Welpen standen Seite an Seite und das Rudel war der Dunkelheit der Zerstörung entflohen. Heute war ein guter Tag. Gerade wollte sie sich wieder in Bewegung setzen und in Averics Fell schnuppern, um zu erfahren, welcher Staub ihn bedeckte, da drängte sich plötzlich eine Fähe zwischen sie, die von der Weißen zuvor nicht wahrgenommen worden war. Merkwürdig sah sie aus; die eine Seite schwarz, die andere weiß mit einem gezackten Muster um das rechte Auge. Kalt und stolz war ihr Blick und hoch aufgerichtet stand sie so nun vor Tyraleen, die sich fragte, ob Fenris ihre Freude ein bisschen zu weit gegangen war, weshalb sie nun diese Fähe geschickt hatte. Ihre Worte sprudelten aus ihr hervor, als wäre sie zu einem lockeren Plausch eingeladen und auch wenn sie durchaus Informationen enthielten, so irritierten sie vor allem. Ein Steinrutsch, eine Höhle, noch ein Fremder und dann sie, diese Fähe ohne Namen, die sich ihrer annahm? Auch diese Geschichte klang nach einer großen Portion Götterwille, aber wie es schien, war die Fähe dabei wohl doch eher von Engaya geschickt worden, auch wenn sie sich jetzt nicht gerade höflich verhielt. Diese Meinung schien Averic zu teilen und ließ keinen Zweifel daran. Die Zurechtweisung der Fähe ließ Tyraleen wortlos geschehen, auch wenn sie eine Spur Dankbarkeit für die Schwarz-Weiße empfand. Doch nicht nur die Rangordnung, auch ihre eigenen Gefühle geboten ihr, sich zuerst ihrem Bruder zuzuwenden, der ihr nun wieder gegenüberstand. Er bestätigte die Worte der Fähe und ergänzte sie um die Gedanken, die ihr auch schon gekommen waren.

“Engaya ist bei uns, trotz allem.“ Jetzt lächelte sie wieder. “Wir kommen mit dir, Averic. Wir kommen mit in das Tal der Raben.“

Das hatte sie nicht mit Aszrem abgesprochen, das hatte sie nicht einmal mit sich selbst abgesprochen. Aber womöglich war es bereits beschlossen gewesen, als sie das Tal der Sternenwinde Richtung Norden verlassen hatten. Es gab keinen anderen Ort, den sie nun noch aufsuchen konnten und wenn der Sohn des Todes so lange im Tal der Sternenwinde hat leben können, so gab es keinen Grund daran zu zweifeln, dass die Tochter des Lebens im Tal der Raben glücklich werden konnte. Sie berührte den Schwarzen an der Nase und wurde in diesem Moment durch einen Ruf Sheenas in die Wirklichkeit ihres müden Rudels zurückgeholt. Natürlich, niemand hatte eine Rast ausgerufen, auch wenn kaum ein Wolf sich mehr vorwärts bewegen wollte. Ganz automatisch glitt ihr Blick zu Aszrem, der sich bisher im Hintergrund gehalten hatte und nickte ihm zu. Er konnte antworten, solange würde sie sich dieser Fähe zuwenden.

“Willkommen, Fremde, ich bin Tyraleen, Leitwölfin des Rudels aus dem Tal der Sternenwinde. Ich danke dir für deine Hilfe bei der Rettung meines Bruders und Betas. Wie darf ich dich nennen?“

Averic hatte sie bereits in ihre Schranken gewiesen, Tyraleen sah keinen Grund, ihr nun unhöflich zu begegnen. Die Frage nach dem fremden Rüden, der nun nicht mehr bei ihnen war, schob sie in den Hintergrund - vermutlich war es ein Wanderer, der sich nach seiner Befreiung wieder verabschiedet hatte. Zudem trat Aszrem nun wieder auf sie zu und stellte eine Frage zu einem Ereignisse, das die Weiße schon beinahe wieder vergessen hatte. Nun holte der Schwarze es unangenehm deutlich wieder zurück, war es doch durchaus eine erstzunehmende Gefahr. Nun zogen Sorgen in ihr Gesicht.

“Krolock ist verrückt geworden. Er hat Caylee angegriffen, als Amúr ihr zu Hilfe kam, auch sie. Mit Atalya und Chardím haben sie ihn dann zu Boden werfen können, wo er nun wie tot liegt. Aber er lebt, spricht nur nicht und erklärt auch nichts. Liel ist bei ihm und ich habe Hilel als Wache dazugeschickt. Aber wir müssen ihn im Auge behalten und herausfinden, was in ihn gefahren ist. Caylee sagt, dass er nicht kämpfen wollte … sie sagt, er hatte sie töten wollen.“

Und tatsächlich konnte sich Tyraleen gut vorstellen, dass ihre Tochter die volle Wahrheit sprach. Aber Krolock konnte nicht bei Sinnen gewesen sein, sonst hätte er sich nicht gerade seine einzige Freundin angegriffen. Die Weiße erschauderte und legte ihren sorgenschweren Blick nun auch auf Averic, bis er von Atalya abgelenkt wurde. Ihre Tochter war zu ihnen getreten und sah nun ebenso erstaunt, glücklich und besorgt zu ihrem Vater wie Tyraleen zuvor. Ein leichtes Lächeln erschien auf den Lefzen der Weißen.


[ an der Spitze des Rudels | Averic, Aszrem, Atalya und Invidia ]

Sheena
06.04.2013, 17:34

Mit gespitzten Ohren vernahm sie die Antwort Aszrems. Er verkündete dem Rudel eine Rast – und die Rückkehr Averics. Erleichtert pendelte ihre Rute von einer Seite zur anderen. Die Wölfe – vor allem ihre Welpen – konnten eine Rast sicher gut gebrauchen. Allerdings schien ihr Gegenüber – Amáya – davon gar nicht angetan. Sie hatte gehofft, es würde ihr ebenfalls gefallen und gut tun. Sie sah sehr erschöpft aus. Aber anscheinend machte ihr eine Rast Angst. Wahrscheinlich weil sie befürchtete, dass Mayhem – wer auch immer das war würde sie hoffentlich noch erfahren – sie einholen würde, sobald sie ihre Pfoten ruhen ließ. Doch sobald Sheena sich ihr wieder voll zugewandt hatte, bemerkte sie, dass Amáya sich sichtlich entspannte. Welch Glück – so hatte ihr Körper die Gelegenheit sich auszuruhen. Die Schwarze schien ihr wirklich zu vertrauen. Das war ein riesen großes Kompliment für die weiße Fähe. Schließlich waren die zwei gar nicht gut aufeinander zu sprechen gewesen.

Nach einem kurzen Moment der Stille, schien Amáya sich so weit gefasst zu haben, dass sie erzählen konnte. Erst zögerlich begann sie Sheena zu erzählen wer Mayhem war. Ihre verstorbene Zwillingsschwester. Bereits im Bauch gestorben. Wegen ihr. Für sie. Sheena wusste nicht, wie sie das verstehen sollte. Das würde sie noch nachfragen. Das war sicher eine wichtige Information! Doch bevor sie ihren Fang öffnen konnte, um eine Frage zu stellen, sprudelten die Worte nur so aus der Schwarzen heraus. Sheena war überrascht, doch der ungläubige Ausdruck in ihren Augen währte nicht lange, sondern wandelte sich rasch in Freude und auch Erleichterung. Sie war sehr froh, dass Amáya all ihre Zurückhaltung aufgegeben hatte und sich ihr nun gänzlich öffnete. Auch wenn es hart war die Schwarze über die Tötung Zacks reden zu hören. Fast hätte Sheena kurz geknurrt, doch sie konnte ihren Groll gerade noch unterdrücken. Sie durfte und wollte das Vertrauen nicht wieder kaputt machen, welches sie gerade mühsam aufgebaut hatten.

Nachdem die Schwarze geendet hatte, schwieg Sheena noch eine Weile. Sie wollte die vielen Informationen erst überdenken und den Zusammenhang richtig erfassen. Doch damit Amáya nicht beunruhigt wurde, lächelte sie ihr freundlich und dankbar zu.
Dann trat sie einen Schritt auf die Schwarze zu, in der Hoffnung sie würde nicht wieder zurückweichen und ihre Schnauze näherte sich sanft der Stirn Amáyas. Kurz berührte sie die Fähe, ehe sie wieder einen Schritt nach hinten trat und ihren Fang endlich zu einer Klärung öffnete.

„Amáya, ich danke Dir für Deine Offenheit und Ehrlichkeit!“ wieder schenkte sie der schwarzen Fähe ein aufrichtiges Lächeln, welches sogar ihre Augen zum Leuchten brachte. „Es freut mich wirklich sehr, dass Du es geschafft hast Dich Deiner Angst zu stellen. Das ist der erste Schritt zur Besserung, da bin ich mir ganz sicher. Allerdings habe ich noch einige Fragen bezüglich Mayhem an Dich.“ Sie hoffte und vertraute darauf, dass Amáya noch weiter zu ihr sprechen würde. „Weißt Du warum Mayhem gestorben ist? Du sagtest für und wegen Dir. Hätte Deine Mutter nicht genügend Kraft gehabt um Euch beide großzuziehen? Oder warum musste sie Dich sonst schon so früh verlassen?“

Sheena war sich bewusst, dass dies eine schwierige Frage war. Es würde Amáya bestimmt nicht leicht fallen darüber zu sprechen. Und sicher würde der Schmerz von damals wieder aufwallen und die Fähe überwältigen. Aber Sheena würde ihr zur Seite stehen, ihr einen Teil ihrer Kraft abgeben falls es nötig werden sollte. Aber vielleicht schaffte Amáya es auch so. Sheena wusste, wie wichtig es war sich mir alten Wunden auseinander zu setzen. Und mal wieder war sie sehr froh, dass Banshee ihr damals das Schweigegelübde abgenommen hatte. Sonst wäre sie jetzt nicht so weit, wie sie es war. Und lange nicht so stark. Zumindest nicht so stark und voll mit positiver Kraft.

„Liebe Amáya. Ich würde auch gerne wissen, wie es dazu gekommen ist, dass Mayhem zu Dir zurückgekehrt ist. Zwar nicht körperlich, aber doch so, dass Du sie bemerkst und spürst. Du hast es Dir gewünscht – meinst Du deshalb ist sie zurückgekommen? Doch warum war und ist sie dann so gemein zu Dir? Kannst Du Dir und mir das erklären?“

Sie ließ ihr Hinterteil auf den Boden sinken und versuchte es sich möglichst bequem auf dem steinigen Boden zu machen. Sie war bereit die Zeit für und mit dieser Fähe zu nutzen und ihr soweit möglich zur Seite zu stehen.


[Amáya]

Amáya
17.04.2013, 20:07

Aufgewühlt stierte sie in die Luft, ohne das ihre Augen etwas bewusst wahrnahmen. Sie hatte Angst und doch verspürte sie Ruhe, wenn sie neben Sheena war. Dies kam ihr seltsam vor, aber sie schaffte es nicht mehr, sich an den Grund zu erinnern. Überhaupt war es anstrengend zu denken, auch wenn das Reden überraschenderweise so leicht wie Atmen erschien. Ja, es war sogar als wäre es gar nicht sie, die da sprach. Als hätten die Sätze einen eigenen Willen und flossen ihr zwischen den Fängen hervor. Sheena hörte ihr zu. Sie hörte ihr zu. Ihr Körper entspannte sich weiter und sie nahm die Stille gar nicht wahr die nun zwischen ihnen schwebte. Überhaupt schien es ihr unmöglich, sich überhaupt auf etwas eingehend zu konzentrieren. Trotzdem nahm sie das freundliche Lächeln ihrer Schwägerin wahr und auch wenn sie es nicht unbedingt zeigte, sie verspürte eine Welle der Dankbarkeit. Das sie hierblieb und ihr zuhörte, trotz allem was Amáya ihr angetan hatte... So nobel hatte sie nicht mal im Traum gewagt sein zu wollen. Die Nachtschwarze zuckte leicht erschrocken zusammen, als Sheena sie an der Stirn berührte, doch sie wich nicht zurück. Berührung war für sie meist eher ungewohnt.
Das Strahlen, dass von ihr auszugehen schien, gab ihr neue Energie um kurz und schmerzhaft über ihre Frage nachzudenken.

"Ich denke schon. Es war so wie du es sagst... Ich weiß es. Sie musste sterben... Das ist eine Verbindung die niemand verstehen könnte, daher weiß ich es, wusste es schon immer.", murmelte sie angestrengt, ihre Stirn in tiefe Falten gelegt, hinter denen der Schmerz pulsierte. Sie hatte ihr Schwester geliebt. Sie liebte Mayhem immer noch, aber sie war dieses Spieles müde, welches sie sich selbst aufgeladen hatte und die ewige Angst erschöpfte sie. Man musste nur mal besser hingucken und schon sah man, wo Amáya mittlerweile gelandet war. Oh, sie schämte sich so unheimlich sehr... Ja, das war sie ; eine schande für das Rudel der Sternenwinde. Ihr Name erklang und sie hob leicht den Kopf, der ihr so schwer erschien.

"Mayhem ist zurückgekehrt, als Bestrafung für meine dreiste Leichtsinnigkeit. Ich glaube nicht, dass sie hier sein will. Mein Wunsch wurde erfüllt, aber es war nicht sie, die ihn erhört hat...Wann hat man bitte von Toten gehört, die zurückkehren?", ein kurzes hysterisches Lachen, ganz leise. "Gemein ist falsch. Sie ist nicht gemein. Ich habe einfach Angst, ich drehe durch, es macht mich krank..." Ihre Worte verloren sich, wurden wirr und sie schüttelte angestrengt den Kopf. Es war der pure Wahnsinn!


{ Sheena }

Sheena
21.05.2013, 18:14

Ihre Fragen mussten der schwarzen Fähe eine Menge abverlangen. Dennoch hoffte Sheena auf eine Antwort, möglichst klar und präzise. Sonst würde sie womöglich nochmals nachfragen wollen – um mehr Klarheit zu erlangen, um Licht ins Dunkle zu bringen.
Sie spürte die Angst der Fähe. Sie lag in der Luft, schwang in jedem Atemzug den die Schwarze tat und hing über ihnen fest, wie eine dunkle Gewitterwolke. Doch gleichzeitig merkte sie, wie Amáya sich immer noch ein bisschen mehr lockerte und entspannte. Und das war wunderbar. Nur so war es ihr überhaupt möglich die Fähe zu unterstützen, mit ihr zu sprechen und ihre Hilfe anzubieten. Als Amáya dann noch ihre Berührung zuließ, zwar zusammenzuckte, nicht aber zurückwich, war sie vollends zufrieden und sehr glücklich. Das war vermutlich ein großes Kompliment und ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.
Als Amáya dann anfing zu sprechen, wusste Sheena sofort, dass ihre Hoffnung auf eine eindeutige Antwort nicht erfüllt werden würde. Die Stimme der Dunklen klang gepresst, angestrengt. Die Stirn hatte sich in Falten gelegt, so als ob sie größte Mühe hätte ihre Gedanken in Worte zu formulieren, ehe sie wieder in die Tiefen des Unbewussten glitten und sie dort ungesehen weiter piesacken konnten. Aber Sheena wollte nicht das Negative sehen, immerhin sprach Amáya mit ihr und auch wenn die Worte ein wenig konfus und zusammenhangslos waren, konnte Sheena etwas mit ihnen anfangen. Und Amáya konnte etwas loslassen. All die Anspannung die sie durch diese Gedanken aufgebaut hatte, konnte hoffentlich durch die Aussprache ein bisschen aufgelockert werden.

„Amáya“ Sie empfand es als wichtig die Fähe mit ihrem Namen anzusprechen. So wurde sie aus ihrer eigenen, für Sheena noch unerreichbaren, Gedankenwelt gerissen. „Amáya, warum hast Du Angst, warum macht es Dich krank, wenn Mayhem Dir nichts tut? Weil sie eigentlich nicht da sein dürfte, weil sie tot ist?“

Das wäre eine Erklärung, doch eigentlich konnte Sheena sich das nicht vorstellen. Natürlich war es schwer, wenn ein toter Wolf einen gedanklich begleitete. Aber war es nicht auch tröstlich, wenn er einem nichts Böses wollte? Sie würde weiter darüber nachdenken, sie wollte versuchen sich in diese Position hineinzuversetzen. Ganz überzeugt war sie nämlich nicht von ihrer Annahme, dass es nicht belastend war. Wenn sie sich vorstellte, dass ein verstorbener Wolf ständig bei ihr war. Wie würde sie reagieren? Sicher wäre es schön um jemandem um Rat fragen zu können, wenn sonst gerade niemand da war. Aber wahrscheinlich würde sich der tote Wolf auch ungefragt einmischen. Das wäre dann sicherlich sehr anstrengend und Kräfte zehrend. Und wahrscheinlich würde es einem dann immer schwerer fallen zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. Oder?

„Amáya… Hast Du Mayhem bereits erlaubt zu gehen?“

Das war ihre andere Idee. Vielleicht hatte Mayhem gar nicht die Möglichkeit in die Welt der Toten zurückzukehren, weil Amáya sich wie wahnsinnig an ihr festklammerte. Obwohl sie das eigentlich auch nicht wollte. Manchmal tat der Geist Dinge, die der Körper gar nicht wollte. Oder anders herum. Oder. Was sonst? Vielleicht waren es zwei Geiste die gegeneinander ankämpften. Der der Vernunft, des Verstandes. Und dann der des Herzens, der Sehnsucht. Der, der an geliebten Wölfen festhielt und klammerte und ihnen so keine Möglichkeit gab zu gehen.



[Amáya]

Amáya
19.08.2013, 16:15

Allein die Präsenz Sheenas linderte schon ein wenig die Verwirrung und Übelkeit der Fähe, auch wenn sie noch lange nicht so weit war, klar denken zu können. Die ganze Welt schien ihr auf einmal so bedrohlich und es war, als wäre Sheena das einzig Sichere, das einzig Schützende. Sie schnappte flach nach Luft, ein Versuch sich selbst weiter zu beruhigen. Sie konnte sich gar nicht mehr richtig erinnern, was eben passiert war und wo sie gerade war und wieso - das war alles sehr beängstigend und darüber nachzudenken schmerzte ihrem Kopf. Würde er wirklich nicht entzweispringen? Sie war sich nicht sicher, sie hatte Angst. Die Dunkle kaute unsicher auf den Lefzen herum, wartete darauf, dass Sheena ihr den Weg wies. Fragen! Genau, sie spielten Frage und Antwort. Sheena würde fragen und Amáya würde antworten, so einfach war das. Abermals atmete sie durch, nun nicht mehr ganz so hektisch. Dann erklang ihr Name - sie erschauerte leicht bei diesem Klang, wurde aber merkbat hellhörig. Sie hob ihren Kopf leicht, ohne wirklich zu sehen und nickte zaghaft.

"Ja. Mayhem ist tot und dennoch ist sie jetzt hier, weil ich Zack getötet habe.", antwortete sie mit schwacher Stimme. Im Moment konnte ihr Geist nicht mal die Verbindung zwischen Sheena und Zack rekonstruiren. "Ich wollte sie zurück - aber nicht so. Sie soll wieder weg, sie macht mir Angst, ich verstehe nicht was sie will... Was sie von mir will!" Ihre Worte wurden wirr und ihre Stimme etwas schriller. Sie schüttelte leicht ihren Kopf und wich einen Schritt zurück, wollte fliehen... bis wieder die besänftigende, rettende Stimme kam. Sie erstarrte, wurde still und starrte vor sich hin auf den felsigen Boden. Dann ganz langsam, zuckte sie mit den Schultern. "Ich weiß es nicht. " Sie hörte sich an wie ein Welpe, schuldbewusst und verschreckt. "Aber ich verstehe nicht, was sie von mir will, ich kann nicht hören was sie sagt... aber sie spricht, sie flüstert, es rauscht selbst jetzt in meinen Ohren..." Ihre Strimme wurde immer leiser und kraftloser und sie schloss leicht die Augen, während der Schwindel sie umfing und an ihr zerrte. "Ich greife Wölfe an, wenn ich in diesem Zustand bin, Sheena. Ich will niemanden mehr weh tun. Ich hab so Angst... so Angst...." Sie schwankte leicht in ihrem Stand und zitterte... zitterte.


{ Sheena }