23.12.2009, 15:37
Mehrere Tage waren vergangen, die Wunden des Körpers verheilt, doch die Opfer nicht vergessen. Nygero blieb in den Köpfen der Wölfe und auch der beinahe Tod Acollons ließ sie nicht los. Die Sonne brannte mit unbarmherziger Hitze vom Himmel, die Bäume, die beim Erdbeben rausgerissen worden waren, waren noch lange nicht nachgewachsen und Schatten war spärlich vorhanden. Oft suchten die Wölfe ihr Wohl im See, der einzige Ort, indem Kühle herrschte. Eine neue Höhle hatten sie bis jetzt noch nicht gefunden, doch bei dieser Hitze wurde es immer nötiger. Das Rudel lag am Seeufer, ein paar waren im See, andere suchten Schutz im Schatten der wenigen Bäume dort.
Banshee stand hechelnd im See, die Hitze machte sie schier verrückt, dabei konnte sie glücklich sein, dass sie weiß war. Ihr Blick glitt in die Ferne und wünschte sich Nyota her. Sie hatte ihre Schwester lange nicht gesehen, hatte das Erdbeben, den Verlust Nygeros, die ganzen neuen Wölfe und die Angst um Acollon alleine bestehen müssen. Jetzt fühlte sie sich zwar stärker, doch sie vermisste die Fröhlichkeit Nyotas. Noch dazu mussten sie bald eine neue Höhle finden, die Hitze wurde unerträglich und ohne die Aktivität ihrer Schwester würde sie wohl noch länger lieber im See bleiben, wo es schön kühl war ...
Sehr vieles war geschehen, seit Nyota sich zurück gezogen hatte, und sie war unsicher ob es nicht ein Fehler war, Banshee das Rudel zu überlassen... Selbst im Gebirge, wo sie gewesen war, hatte es ein Erdbeben gegeben, und nur knapp war die Schwarze dem Steinschlag entgangen, oder hatte sich retten können, als unter ihr die Berge einzustürzen schienen. Den ganzen Tag lief sie schon, und dass bei sengender Hitze, gestern hatte sie kaum geschlafen, in ihrer Sorge, besonders um Banshee, aber genauso um Ayala, und ja, sogar um Acollon hatte sie sich gesorgt, und um Sayo und Kamui mit Kaya... Ihre Angst war nicht gerade getilgt worden, als sie in ihren ehemaligen Wäldern ankam, eine regelrechte Rodung schien stattgefunden zu haben, und nun mehr springend als laufend, bewegte sie sich durch dass Labyrinth aus umgerissenen Bäumen...
Einige Zeit war verstrichen, und endlich erkannte sie am See die Gestalten von Wölfen, und auch jene, in strahlendes Weiß getauchte, ihrer schönen Schwester. Halb auf einem Baumstamm stehend verkündete sie freudig jaulend ihre Rückkehr, übersprang dann den Baum, und lief den Wölfen entgegen. Die Hitze war kurz davor sie umzubringen, mit ihrem schwarzen Fell und nach all diesen Anstrengungen, doch sie rannte so schnell sie nur konnte! Banshee lebte!
Banshee schrak auf, als sie das Heulen hörte ... ihre Schwester! Schon kurz darauf sah sie, wie das Schwarz ihres Fells auftauchte und auf sie zugeschossen kam. Mit weiten Sprüngen jagte sie nun selbst aus dem Wasser auf Nyota zu. Bei ihr angekommen, wurde sie wedelnd umkreist, dann vergrub Banshee ihre Schnauze in dem aufgeheizten Pelz und murmelte glücklich:
"Gerade hab ich an dich gedacht ... ich hab dich vermisst ..."
Banshee kam ihr entgegen, und als sie auf einander stießen begann ein Farbentanz aus Schwarz und Weiß, in dem sich die beiden Schwestern freudig umsprangen. Von der Sonne zur Besinnung gebracht, legte Nyota de Kopf gegen Banshees Schulter, und schloss die Augen.
"Ich dachte den ganzen Tag an dich."
lächelte sie, und fuhr leiser fort.
"Ist ... wie geht s Moon, und Acollon, und Kamui und Ayala...und Dayon..und..."
zögernd brachte sie den letzten Namen heraus, sie hatte ihm schon damals misstraut, als er und Acollon sich über ihre Worte zu stellen versucht hatten.
"... Nygero?"
Wieder eine kurze Pause, ihr Fell schien bald anzusengen, würde sie keinen Schatten finden...
"Gab es Verletzte...?"
Banshee, noch immer an ihre Schwester gedrückt, stutzte bei Nyotas Frage nach Nygero. Langsam löste sie sich von ihrer Schwester und sah zu Boden.
"Nygero ... ist tot. Er wurde von einem Steinregen in der Höhle erschlagen ..."
Kurz schwieg sie und erinnerte sich an den Moment, wo er sie hinausgezogen hatte ... wo er für sie gestorben war. Schnell drückte sie sich wieder in das Fell der Schwester, damit diese ihre Tränen nicht sah. Mit erstickter Stimme fuhr sie fort:
"Es sind viele Neue gekommen. Varloc ... eine Werwölfin, Falk, ein freundlicher Rüde, Vilcene, eine Fähe und Diablo ... ein ..."
Wieder stockte sie und ihre Stimme wurde wütender.
"... ein Rüde."
Besorgt des veränderten Verhaltens ihrer Schwester wegen warf Nyota einen Blick in die Richtung in der einst die Höhle gestanden hatte, ein Geröllhaufen war übrig geblieben...
Immer noch war ihr Banshees Verhalten ein Rätsel, doch sie legte die Pfote an Banshees Seite, als ihre Stimme gedämpft in Nyotas schwarzes Fell gemurmelt wurde. Es musste schreckliches geschehen sein, heute Nacht würde sie Acoloon befragen, und Ayala... Ihre Sorge erstickte die Freude über die Ankunft weiterer Rüden sofort, zumal ihr Bild des männlichen Geschlechts sich sowieso stetig verschlechterte, dachte man zum Beispiel Nygero... Das Banshee seinen Tod ausgesprochen hatte, konnte Nyota nicht berühren... Er war in ihren Augen kein Rudelmitglied, sondern einfach nur ein Rüde der sich ihr zu widersetzen wagte und den Frieden störte!
"Diablo...? Ist er auch so...lästig? Oder wieso bist du so sauer?"
fragte sie mit, auf den Unbekannten bezogenem, Misstrauen in der Stimme. Hatte er es gewagt ihre Schwester zu verletzen?
Ayala döste im spärlichen Schatten eines Baumes unweit vom See. Die warme Sonne streichelte anfangs ihr Fell, doch bald wurde die Hitze unerträglich, sie rückte noch weiter in den Schatten. Die Fähe schloss ihre Augen und dachte an die vergangene Zeit. Dachte an Nygero, der sein Leben für Banshee gegeben hatte. Sie seufzte schwer, dachte an Yakatavo, der sie verlassen hatte. Kurz darauf war dieses Erdbeben geschehen - lebte er noch? Nein, sie musste aufhören an ihn zu denken - er war nun fort, musste aus ihrem Leben gestrichen werden.
Plötzlich hörte sie Banshees Stimme vom Wasser her - und noch jemanden, der ihr allzu bekannt vorkam. Sofort richtete sie sich auf. Schnell rannte sie aufs Ufer zu - hatte sie wirklich Nyota gehört? So lange war sie schon weg gewesen ... Ayala lief freudig kläffend - wie ein Welpe auf Nyota zu, stupste sie freundschaftlich in die Seite und schleckte ihr übers Gesicht. Erst jetzt merkte sie, dass sie in eine Unterhaltung geplatzt war und setzte sich ein paar Schritte weiter entschuldigend hin. Die beiden Schwestern hatten sich sicher viel zu erzählen...
Banshee schenkte Ayala ein kurzes Lächeln und warf dann einen Blick zu Diablo, ihre Miene verfinsterte sich.
"Er ist ... er hat Grenzen überschritten, die er nicht hätte überschreiten dürfen und ich habe gleichzeitig meine Grenze überschritten."
Ihre Stimme klang gedämpft, sie hatte einen Fehler begangen, doch er war nicht rückholbar. All die Aufregung, Trauer, Sorgen und Schmerzen hatten sich zusammen geballt und waren schließlich explodiert. Leicht senkte sie den Kopf.
Die Sonne hatte Falks Kopf dösig gemacht und keine frische Brise vermochte Erholung zu schaffen. Selbst hier, am See, wo man eigentlich erwarten konnte, dass ein leiser Wind den Kopf kühlte, lastete die Hitze.
Falks Maul stand offen und müde hechelte er um sich einigermaßen Erleichterung zu verschaffen. Seine Tatzen hingen im seichten Wasser. Immer noch fehlte dem Rudel die neue Höhle und Falk begann sich allmählich zu sorgen. Was, wenn sich keine neue Höhle finden ließ? Die drückende Hitze, die jeden Grashalm, der es doch wagte, mutig den grünen Kopf aus der Erde zu schieben mit hellem Hohn erblassen und verkümmern ließ war jetzt schon unerträglich und würde noch unerträglicher werden. Schlaff sank sein Kopf auf den Boden und Falk gähnte müde.
Plötzliches Freudengekläff bahnte sich einen Weg in seine Gedankengänge und ließ ihn den Kopf heben. Banshee, die weiße Alphafähe stand bei einem schwarzen Wolf, den Falk bereits gesehen hatte. Müde versuchte er das bekannte Bild einzuordnen. Seit er sich endgültig entschieden hatte, sich dem Rudel anzuschließen, war bereits eine gewisse Zeit vergangen. Die anderen Wölfe waren ihm vertrauter geworden und allmählich hatte Falk begonnen, seine Distanz abzubauen. Er war offener geworden und hatte auch über persönliche Dinge gesprochen. Lediglich seine Vergangenheit als bestialisch mordender Wolf lastete noch auf ihm.
Falk entschied, dass er zu der schwarzen Wölfin gehen und sie begrüßen sollte. Sie schien doch ein weiteres Mitglied zu sein und die Freunde der anderen sollten auch seine Freunde sein.
Auf dem Weg zu der kleinen Gruppe, zu der sich inzwischen auch Ayala gefunden hatte, fiel ihm ein, woher er die Fähe kannte. Es war jener schwarze Wolf, der ihn vor einer Weile als Erstes aus dem Rudel begrüßt hatte. In einem gewissen Höflichkeitsradius blieb Falk stehen um sich nicht ungehobelt in das Gespräch einzumischen.
Die Sonne schien auf Acollons schwarzes Fell und schien ihn förmlich erschlagen zu wollen. Doch der Rüde blieb regungslos sitzen und ließ seinen Blick auf dem See liegen. Es war nicht lange her, dass er beinahe gestorben wäre. Doch nun lebte er und wusste nicht recht ob er es auch wirklich wollte.
Schatten gab es nur wenig, doch Acollon hatte das Glück ein Fleckchen davon gefunden zu haben. Träumerisch döste er vor sich hin, als er Nyotas Heulen und Banshees Stimme hörte zuckten seine Ohren kurz, aber keine weiteren Reaktionen waren möglich, wie gebannt saß er da und starrte auf den See.
Er dachte kurz zurück, an sein leben für diesem Rudel. Es war einsam gewesen und er war ein reueloser und arroganter Wolf. Auch als er Nyota und Banshee das erste Mal getroffen hatte, war er so, er hatte sie immer für dumm und unschätzbar gehalten. Doch seine Gedanken waren nur Schutz, Schutz der sich jahrelang bewehrt hatte. Vielleicht war auch Diablo so?!
Dieser Rüde hatte für Acollon die Götter gerufen, er war in Stande so ein Werk zu vollbringen, mit größter Sicherheit war er dieser Kunst gelehrt.
Und Falk? Auch er hatte Acollon geholfen. Er hatte ihm zur Seite gestanden und ihm aus dem Schlimmsten befreit, hatte sich alle Mühe gegeben, und auch Varloc hatte ihm versucht zu helfen. Ayala hatte in dieser Zeit bei ihm gestanden…
War es das, was Acollon so glücklich machte? War es auch die Tatsache, dass er Banshee um sich hatte? Hatte ihr Liebesbeweis die Treue und Liebe verstärkt?
Der schwarze Rüde seufzte leise. Es war so viel passiert. Und er hatte gelernt zu lieben.
Langsam erhob sich Acollon und schritt stolz auf das Wasser zu. Durch seine Macht wäre Acollon benahe gestorben, doch jetzt lag es friedlich da und rührte sich nicht. Ins Wasser würde sich der schwarze Rüde nicht wagen. Seine Scheu vor dieser Gewalt war enorm, es war keine Angst, nur Respekt. Einst wurde er mit diesem Element verglichen… Stille Wasser sind oft tief. Ja, dieser Satz, diese Weissagung hatte zu ihm gepasst, doch nun war sein Schleier davon geflogen und zurück blieb ein Wolf der lieben konnte!
Wollte Acollon das überhaupt?
Grinsend begrüßte Nyota Ayala, die ihr übers Gesicht schleckte und schlug spielerisch mit der Pfote nach ihr. Es war gut sie zu sehen zu wissen dass sie lebten...und wieder unter ihnen zu sein. Nach Banshees Worten wurde ihr Blick wieder ernster, ein Schatten zog über ihre Mine.
"Deine Grenzen reichen bis zum Horizont, Banshee, niemand außer Engaya kann sie dir auferlegen. Wie also könntest du sie übertreten? Ich werde ihn mir bei Gelegenheit ansehen"
Ihr Blick glitt zu Falk herüber, musternd, forschend geradezu, aber doch mit einer gewissen Freundlichkeit, und wieder die Freude Leben statt Tod vorzufinden.
"Grüße"
lächelte sie.
Banshee lauschte den Worten Nyotas und ein Lächeln begann auf ihren Lefzen zu tanzen, doch war es eher traurig.
"Doch eigene Grenzen, die man sich selbst auferlegt sollte man nie überschreiten ..."
Erst als Nyota zu Falk ging und auch Banshee sich ihm zuwandte wurde der Tanz fröhlicher. Sie ließ ihren Blick über die Wölfe gleiten und hielt Ausschau nach Varloc, Diablo und Vilcene. Um Vilcene machte sie sich Sorgen, seit dem Erdbeben war sie verschwunden ... sie würden nach ihr suchen müssen, wenn sie nicht auftauchte. Auch die anderen beiden Wölfe konnte sie nicht sehen, doch hoffte sie, dass sie bald kommen würden und ihre zweite Alpha kennen lernen.
Hopsend, als würde im die Hitze nicht das geringste ausmachen, sprang Sayo über einige Bäume, bis er den See erreichte und wedelnd auf die Alphawölfinnen zutrat. Er schleckte beiden begrüßend über die Schnauze und hopste dann weiter ins Wasser, wo er sich ein kühlendes Bad gönnte um erfrischt und voller neuer Energie wieder auf die beiden Fähen zuzuhopsen und sich an Banshee zu kuscheln.
"Schön dich wieder bei uns zu haben, Nyota."
Sprach er und lächelte sie freundlich an.
Falk bemerkte den Gruß der schwarzen Alphafähe nicht sofort, er war wieder in Gedanken versunken.
In der letzten Zeit waren die Folgen des Erdbebens immer wieder Thema gewesen, der Tod Nygeros, die eingestürzte Höhle, die verschwundene Vilcene, eine Fähe, an die Falk praktisch keine Erinnerungen hatte, Acollons Kampf mit dem Tod, den er letztlich gewonnen hatte und so vieles mehr...
Falk hatte sich seine eigenen Gedanken zu dem Erdbeben gemacht. Einerseits empfand er Furcht, Angst vor einem weiteren Beben, vor erneuter Zerstörung und Gewalt, doch andererseits... Andererseits war da noch Faszination. Falk bewunderte die Mächte der Natur, ihre Unberechenbarkeit und ihre ungeheure Kraft. Solche Kräfte selbst zu besitzen oder zu beherrschen wäre traumhaft.
Allmählich wanderte die Information, die der Gruß Nyotas in seinem Gehörgang hinterlassen hatte durch seinen Kopf, wurde von seinem Gehirn verarbeitet und realisiert. Er hielt inne, lächelte und senkte den Kopf.
"Gruß auch Euch."
Kurz bedachte er die Schwarze mit einem durchdringenden Blick aus seinen nachtschwarzen Augen, ganz als wollte er ihre Gedanken ergründen. Und vielleicht stimmte das sogar. Falk hatte eigentlich herzlich wenig für Überraschungen jeglicher Art über, vielleicht weil er selbst relativ einfach zu durchschauen war. Das war auch ein Grund, warum er sich immer noch nur mit Bedacht Chyran näherte - seine plötzlichen Charakterwechsel gestalteten den Umgang mit ihm nicht ganz einfach.
Lächelnd lies Nyota sich von Sayo abschleckten, und stupste ihn zur Begrüßung freundlich an, Banshees Worte merkte sie sich, für den Abend... Viele Gespräche müsste sie führen, heute und auch Morgen...
"Hallochen! Ihr glaubt ja gar nicht wie schön es ist wieder hier zu sein!"
Ihr Blick suchte Acollon, fand ihn auch, und mit einem Lächeln, dass nun gar nicht zu dem matten, von Hitze erschwerten, Gang passte, erschien sie kurz darauf bei ihm.
"Hallo mein Lieblingsfeind."
scherzte sie, und lies sich ins Wasser kippen.
Sayo saß kaum einen Augenblick später auf Nyota drauf und hopste dann über die hinweg ins tiefere Wasser. Er kläffte einmal und paddelte dann wieder zum Ufer, wo er zwischen Banshee und Nyota hin und her wuselte. Badefreuden und ein Welpe im falschen Körper. Als hätte es nie irgendwelche Probleme gegeben, sprang der junge Rüde umher. Seine Augen hatten wieder jenes welpische Glitzern und er schenkte jedem der Anwesenden ein warmes, freundliches und völlig unschuldiges Lächeln.
Als Varloc erwachte war es heller Tag. Sie wusste nicht, wie lange sie bereits hier war. Wie lange hatte sie geübt? Und wie lange geschlafen? Sie wusste es nicht. Aber ihr Schlaf musste sehr lange gewährt haben, denn sie fühlte sich ausgeruht und frisch. Nur Durst hatte sie. Aber hatte sie wirklich ihre Heilkräfte jetzt im Griff? Einmal musste sie es noch probieren. Wieder riss sie sich einen vorderen Luaf mit der anderen Pranke auf und bereits in Sekunden war die Wunde verheilt. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie eine gut sichtbare Narbe am Lauf hatte. Kein Wunder nach dem was sie alles damit gemacht hatte. Aber das würde sicher Fragen geben.
Seufzend aber doch glücklich erhob sie sich und lief zurück zum See und zum Rudel. Ihr Durst wurde unerträglich. Schnell lief sie durch den Wald und erreichte schnell den See. Dort sah sie eine Fähe, die sie noch nicht kannte, die aber freudig von allen begrüßt wurde. Wer war das? Ein wenig abseits blieb sie stehen und beobachtete das Rudel.
Warum war Acollon bloß so unerträglich müde? Warum hatte er den Drang zu schlafen, für immer? Er hatte diese Gedanken seit er wusste was geschehen war. Er war der Mörder der unzähligen Wölfe. Ohne Reue hatte er sie getötet. Aber war es nicht der Lauf der Dinge? War es nicht das Schicksal eines jeden Lebewesens? Das Wasser war kühl und erfrischend, doch Acollon kam es vor wie Glut die ihn entzünden würde. Hass und Wut stieg in ihm auf, gleich mit der Trauer und der Verzweiflung.
Warum hatte er es tun müssen? Warum die kleinen Welpen? Vielleicht weil sie selbst später zu Mördern geworden wären? Und trotzdem, warum gerade er, Acollon?
„Stell dich endlich deiner Aufgabe.“
sagte er trotzig zu sich selbst. Er schüttelte den Kopf und knurrte sein Spiegelbild im Wasser an. Dort am Ufer waren die zwei Wölfe die er über alles liebte. Banshee und Sayo! Er durfte kein schlechter Wolf sein. Doch Aufgabe war Aufgabe! Verzweifelt sah er in den Himmel.
“Fenris, warum nur?“
Doch er wartete gar nicht auf eine Antwort. Er kannte sie nur zu gut.
Doch Zeit zum Denken hatte Acollon nun nicht mehr Nyota war vor ihm verschienen. Schwerlich ließ er ein Lächeln über seine Lefzen huschen und sagte:
"Du hast den Weg hierher wieder gefunden?"
Diese Sticheleien waren nicht sehr ernsthaft, und das wusste Nyota auch.
Falk war den anderen Wölfen wieder hinunter zum See gefolgt, hatte sich in den weichen, von Wasser umspülten Sand im Uferbereich fallen lassen und seinen Kopf auf die Pfoten gelegt. Noch einmal wandte er sich um, sah vom Wald her eine bekannte Gestalt sich nahen.
“Varloc!“
Falk überlegte, wann er Varloc zuletzt gesehen hatte, er meinte einmal bei der Jagd im Wald zufällig ihr Bild erhascht zu haben. Seit Acollon nach dem Beben beinahe gestorben war, hatte sie sich zurückgezogen um ihre Heilkräfte zu trainieren.
Jetzt, wo er sie aus dem Wald kommen und in Richtung See laufen sah, spürte er, dass sie ihm gefehlt hatte.
Lange ,lange spazierte Rykia herum , ohne auch nur einen Pfotenabdruck von irgendeinem Wolf zu sehen. Ihre Hoffnung schwankte und ihre Zielstrebigkeit lies nach. Ohne festen Gedanken streunte sie herum und summte leise ein Lied vor sich hin.
" Der Teufelsengel waaaaartet , hier und da! Der Teufelsengel sträubt sein Fell. Doch Engaya besiegt ihn ... Sie schenkt ihm neues Leben und führt ihn sicher nach Hause. Immer wieder trifft man sie in einer schönen Gestaaaalt ..."
Das Lied hatte sie erfunden, und genau so klang es. Trotz ihrer schönen Stimme, es reimte sich nicht wirklich.
Als Banshee Varloc erblickte begann ein Lächeln auf ihren Lefzen zu tanzen. Erfreut über ihr auftauchen und die glücklichen Augenblicke im Kreis des Rudels sprang sie zu Sayo und happste nach seiner Rute, auch zu Acollon setzte sie zum Sprung an, doch hielt mitten darin inne. Wie so oft in letzter Zeit wurde ihr ein neuer Geruch zugetragen, sie richtete sich langsam auf und warf Nyota einen Blick zu. Die verlorenen waren bis jetzt noch nicht zurückgekehrt, doch Neue fanden zu ihnen, einen winzigen Moment huschten ihre Gedanken zu Nygero, doch bald schon lief sie los, der Fremden entgegen.
Acollon war aufgesprungen und lief seiner Fähe hinterher. Es war stetig seine Aufgabe bei ihr zu sein. Er würde sie nicht mehr aus den Augen lassen. Er musste Banshee in Sicherheit wissen. Schnell hatte er sie eingeholt, sah sie jedoch nicht an, sondern lief in die Richtung des fremden Geruches. Er als Epsilon würde nichts sagen dürfen, und doch hatte er sich unter den anderen schon behaupten können. Acollon schloss für einen kurzen Augenblick die Augen.
Ein schlecht gezielter Tatzenhieb erwischte Acollons Ohr, und lächelnd antwortete Nyota, in fortwährend ironischem Tonfall.
"Nun, es war nicht einfach, aber weil du mir damals so eine schöne Fährte gelegt hast, ist es mir doch gelungen euch zu finden..."
grinste sie, und sah ihm dann nach, wie er zu Banshee lief. Auch sie hatte einen Unbekannten Geruch wahrgenommen, doch sie war viel zu ausgelaugt um den Fremden Wolf zu begrüßen, stattdessen lies sie sich ins Wasser sinken, und sah sich um. Kein Baum stand mehr beim See, zum trocknen bräuchte sie dann einen schattigen Ort, oder ihr Fell würde in Flammen aufgehen...
Sayo regte den Kopf in die Höhe und sah Acollon und Banshee nach, Hilfe, man ließ ihn einfach allein! Er sah auf Nyota und grinste, ein bisschen schadenfroh schon, aber nicht bösartig. Seine Augen veränderten sich mit einem mal und auch das Grinsen verschwand im selben Augenblick. Kamui betrachtete Nyota, um festzustellen, ob sie die Veränderung wahrgenommen, oder ob sie es gar nicht registriert hatte.
Die plötzliche Bewegung, die in das Rudel kam, schreckte Falk auf. Noch ehe für sich begreifen konnte, was da vor sich ging, kurz bevor er seinen Kopf wieder faul auf die Pfoten sinken lassen konnte, witterte er es auch: Ein fremder Geruch lag in der Luft, herangetragen von den heißen Wirbeln der flirrenden Sommerluft.
In der letzten Zeit, als er sich entschieden hatte, sich diesem so ungewöhnlichen Rudel anzuschließen, hatte er sich bemüht, sein Misstrauen gegenüber anderen Wölfen abzulegen. Es war ihm halbwegs gelungen. Zumindest was das Rudel anbelangte - doch dieser fremde Geruch versetzte ihn erneut in Alarmbereitschaft. Ein fremder Wolf... Bedeutete er eine Gefahr?
Gespannt bis aufs Äußerste wie ein Bogen, dessen Sehne im nächsten Moment den angriffslustigen Pfeil in die Freiheit entlassen würde sprang Falk auf und folgte schwarz-weißen Pärchen in gebührendem Abstand, wie es sich für einen rangniedrigeren Wolf gehörte. Er könnte unterwegs Varloc abfangen. Mit dem Werwolf an ihrer Seite würde ihnen auf keinen Fall etwas geschehen.
Lilo war mal wieder alleine und tapste verloren durch einen Wald, es interessierte sie nicht, dass es ein Revier war oder ob hier andere Wölfe lebten, sie wollte nur mal wieder etwas zu fressen. Eine Maus, ein Frosch, egal was, Hauptsache etwas zu essen. Sie heulte einmal auf um zu sehen, ob andere Wölfe in der Nähe waren
Banshee lief entspannt weiter, Acollon an ihrer Seite zu wissen machte sie glücklich, auch wenn eine Fremde zu begrüßen etwas anderes war, als einen Fremden. Noch während ihre Gedanken erneut zu Nygero abdrifteten und sie an die erste Begegnung dachte, in der Acollon und Nygero sich beinahe angefallen hätten, vernahm sie ein zweites Heulen, diesmal leiser und offensichtlich von einem Welpen. Sie stoppte, sah sich nach Nyota um, doch ihre Schwester schien ihr die fremde Fähe alleine überlassen zu haben. Kurz zögerte sie, dann sagte sie zu Acollon:
"Geh du bitte weiter zu der fremden Fähe, ich werde bald folgen."
Sie drehte leicht nach Westen ab und lief etwas schneller, einen Welpen alleine zu wissen beunruhigte sie jedes Mal. Schon bald fand sie einen kleinen schwarzen Fellballen, der alleine im Wald lag.
"Hallo, Kleine."
sagte sie mit sanfter Stimme und einem warmen Lächeln.
Lilo schreckte hoch und schaute die weiße Wölfin argwöhnisch an.
"Hallo! Wer bist du denn? Ich bin Lilo"
sagte sie fröhlich.
Banshee legte leicht den Kopf schräg und streckte die Schnauze vor.
"Hallo, Lilo. Ich bin Banshee, du bist gerade in mein Revier hinein geraten. Weißt du, wo deine Eltern sind?"
Sie witterte kurz in den Wind, aber außer der anderen, fremden Fähe war kein Wolf in ihrer Nähe. Konnte die Fremde die Mutter des Welpen sein? Aber wie wurden diese dann getrennt? Langsam setzte sie sich und sah die Kleine fragend an.
Acollon tat ihm wie geheißen. Das Heulen konnte nur das, eines Welpen zu sein und was würde ein Welpe anrichten können? Seine Schritte wurden schneller und schließlich traf er auf die fremde Fähe. Eigentlich war es nicht Acollons Art sich präsent zu zeigen, doch nun hatte er die Aufgabe eines Betas übernommen. Und es sollte sich nicht bewehren, dass er Fremde vom Rudel vertrieb.
„Fremde, Ihr befindet Euch im Revier der Sternenwind Wölfe. Mein Name ist Acollon, Beta dieses Rudels. Wie lautet Euer Name?“
sagte er annährend sachlich.
„Und was erhofft Ihr in diesem Revier?“
Gerade lies die Schwarze den Kopf wieder ins Wasser sinken, als Nyota weitere Blicke auf sich spürte. Sofort hob sie den Kopf wieder, stellte die Ohren auf, und fing schließlich Sayos Blick auf...oder zumindest war das Lächeln noch das Sayos, doch es schien mit ihm zu schwinden, und fragend hob sie eine Braue. Das konnte nur Kamui sein, bei Kaya würde sie es schon merken...
Grinsend lies sie sich zurück ins Wasser platschen, hier war die Hitze immerhin noch erträglich.
Ayala gesellte sich zu Nyota ins Wasser, das kühlende Nass erfrischte sie sofort. Dir Hitze machte ihr zu schaffen, jedoch war es im Wasser wesentlich angenehmer. Fröhlich planschte sie etwas herum, dann fing sie an in einem unerwarteten Moment an Nyo von hinten voll zu spritzen. Sie ließ ihre Pfotenballen wieder und wieder übers Wasser gleiten, sodass es hoch spritzte. Dann wich sie so schnell sie konnte, Nyota aus und raste übers Wasser.
Kamui legte sich ins Wasser, so das sein Fell vom kühlen Nass umspült wurde. Er stillte seinen Durst und schleckte sich noch einmal um die Schnauze, ehe er zu Nyota sah.
"Wenn das mit dem Wetter den ganzen Sommer so weiter geht, werde ich hier im Wasser das fischen lernen müssen."
Scherzte er und sah die schwarze Alpha freundlich, wenn auch nicht wirklich lächelnd an.
Grinsend lies Nyota den Regenschauer made by Ayala über sich ergehen, ehe sie den Kopf hob und ihr nachsah.
"Warte du nur bis ich wieder genug Kraft habe..."
lachte sie, und entspannte sich wieder völlig. Da erklang die Stimme Kamuis, ganz in ihrer Nähe...
"Wieso auch nicht..."
grinste sie,
"Ich mochte Wassersport schon immer...und Fische sind mal etwas Abwechslung"
überlegte sie gespielt und schenkte dem Rüden ein Lächeln.
Nicht ein Fremder, gleich zwei Fremde waren in das Revier des Rudels eingedrungen. Die eine davon bereits erwachsen, die andere... Ein Welpe?
Falk war unschlüssig. Er überlegte, dass Banshee mit dem Fellknäuel gut alleine klarkommen würde. So ein Welpchen konnte keine Bedrohung für ein Rudel sein. Dagegen die fremde Fähe?
Auch mit ihr würde Acollon wohl alleine zurechtkommen. Doch Falk erinnerte sich daran, wie bereitwillig er und auch Diablo - bei dem Gedanken an den unsympathischen Rüden musste Falk unvermittelt knurren - in das Rudel aufgenommen worden waren. Mit der Fähe würde es sich wohl kaum anders verhalten, es sei denn, sie war tatsächlich nur auf der Durchreise.
Dennoch - Falk wählte den sichereren Weg und entschied sich dafür, die fremde Fähe kennen lernen zu wollen. Es war ihm wohler dabei, wenn er fremde Wölfe kannte und einschätzen konnte.
Im Vorbeigehen stupste er kurz Varloc an, dann holte er Acollon ein.
"Mein Name ist Falk von Scharf-" Er verschluckte den langen Nachnamen. "Falk, Gamma dieses Rudels."
Den Rest konnte gut und gerne Acollon übernehmen. Falk unterdrückte ein Gähnen und dachte wieder einmal daran, dass sie sich endlich auf die Suche nach einer neuen Höhle machen sollten.
Kamui konnte nur schmunzeln, über die Worte der Alphawölfin, dann schnappte er blitzschnell nach einem kleinen Fisch und deutete an, das Nyota ihn doch nehmen sollte, er selbst mochte nämlich keinen. Das klitschige Tier zappelte in seinem Maul und schlug um sich so das Kamui die Nase rümpfte und ein ernst - beleidigtes Gesicht machte.
Banshee sah die Kleine noch eine ganze Weile lang an, doch da diese nicht mehr antwortete nahm sie sie vorsichtig im Nackenfell und nahm sie mit zur der anderen Fremden. Sie konnte einen Welpen unmöglich alleine im Wald lassen und noch dazu könnte es sein, dass die Fähe ihre Mutter war. Schon kurze Zeit darauf fand sie Acollon und auch Falk bei der fremden Fähe. Behutsam setzte sie den Welpen ab und sah zwischen den drei Wölfen hin und her, fragend verweilte ihr Blick schließlich auf Acollon.
Acollon hatte geduldig auf Antwort oder Reaktion gewartet. Doch als diese nicht kam, knurrte er etwas herrschend. Er mochte es nicht, wenn Wölfe kein Wort sprachen und ihr Gegenüber schweigend im Ahnungslosen ließen.
“Schweigen ist eine tolle Eigenschaft, aber hier ist etwas gefragt worden, und eine Antwort wäre schon hilfreich.“
sagte Acollon etwas lauter als beabsichtigt und sah zu Banshee die mit einem Welpen in der Schnauze zu ihnen kam. Falks Auftreten war Acollon etwas lästig und störend gewesen. Traute dieser Rüde Acollon etwa keine Betapflichten und Verantwortung zu?
„Schweigend wie ein Grab.“
nickte Acollon zu der Fähe und verdrehte die Augen. Ihm war es wirklich nicht angenehm. Er blickte noch kurz zu der fremden Fähe, dann stellte er sich neben Banshee.
Diablo hatte sich in den letzten Tagen von den anderen Wölfen distanziert. Er war deren Anwesenheit nicht genehm. Sie hegten einen Groll gegen ihn. Was aber auch nicht weiter störend war. Er hasste jeglichen Zusammenhalt der Gesellschaft, doch wollte er dieses wunderbare Revier nicht verlassen. Es war wunderschön und hatte viele Arten der Beute. Auch gab es eine Wölfin die ihn interessierte. Ayala, so war ihr Name. Sie machte einen traurigen und oft sehr schwachen Eindruck, bei ihrem Anblick wurde Diablo schwach und still. Oft hasste er sich selbst, dafür dass er so grob und arrogant war.
Doch Selbsthass führte zu nichts.
„Na mal sehen“
sagte der schwarze Rüde leise und trabte am Uferrand entlang. Er erblickte die anderen Wölfe, nicht alle, Banshee, Acollon und Falk waren nicht anwesend. Er sah eine neue und ihm fremde schwarze Fähe.
„Scheint aber schon bekannt zu sein“
murmelte er leise und nährte sich den anderen.
Banshee musterte die Fähe eine ganze Zeit lang und schüttelte dann leicht den Kopf.
"Seltsam ..."
Ihr Blick wanderte wieder zu ihrem Beta und ihrem Gamma, ein Lächeln begann auf ihren Lefzen zu tanzen, sie war froh die beiden an ihrer Seite zu haben. Sanft schleckte sie Acollon über die Schnauze und lächelte Falk zu. Gleichzeitig lag jedoch noch immer eine Frage in ihrem Blick, was sollten sie nun mit der Fähe tun? Wie sie so schweigsam und unbeweglich da stand.
Lilo schaute verängstigt zu den ganzen anderen Wölfen hoch. Und winselte leise.
„Hallo?! Ich bin auch noch hier!"
sagte sie und schaute die anderen an.
Das Schweigen der fremden Wölfin befremdete Falk und brachte nach und nach sämtliche Alarmglocken in seinem Körper zum Klingeln. Wenn diese fremde Wölfin nicht antwortete, konnte das eigentlich nicht mehr als Sympathie oder der Bitte auf Aufnahme in das Rudel oder was auch immer gedeutet werden.
Falk straffte seinen Körper und ließ Acollon beim Sprechen den Vortritt. Er war der Beta und Falk wollte nicht vorlaut werden geschweige denn Acollons Fähigkeiten herabwürdigen. Zur Zeit konnte er mit seiner Position als Gamma ganz hervorragend leben. Und wenn die Zeit gekommen war, würde vielleicht auch er in den Rang eines Betas erhoben. Jedenfalls wenn er sich respektvoll den Rangoberen verhielt. Nein, niemals hätte er Acollon jetzt ans Bein pissen wollen, er kannte den Rang des Betas, hatte ihn selbst innegehabt und hatte sich in ihm nie wirklich wohl gefühlt. Einerseits war man über das übrige Rudel erhoben und hatte somit eine gewisse Distanz, andererseits musste man sich den Alphas immer noch unterordnen.
Beim aufmerksamen Betrachten Acollons aus den Augenwinkeln hatte Falk festgestellt, dass sich Acollon nicht besser in dieser Situation fühlte als Falk. Da die Wölfin immer noch nicht reagierte, aber auch keinen Angriff unternahm, entspannte sich Falk. Wie sollte er das Schweigen der Fremden werten? Vielleicht Schüchternheit, Angst? Oder Arroganz?
Aus dem Hintergrund registrierten Falks Ohren ein Geräusch und er wandte sich um. Banshee kam auf sie zu, einen Welpen mit sich tragend. Dann war womöglich die Fremde die Mutter das Welpen und sagte tatsächlich aus Angst nichts.
Falk überlegte, ob er diese Frage der Fremden stellen sollte oder ob sich Acollon, der den Rang des Betas nicht länger als Falk den des Gammas hatte von ihm herabgesetzt fühlen würde. Er beschloss, das Sprechen immer noch seiner Alpha und seinem Beta zu überlassen und schob sich unauffällig etwas in den Hintergrund.
Lilo schaute die Wölfin an, und schüttelte den Kopf
„Nein das ist nicht meine Mutter! Meine ... meine... meine Mutter ist tot!“
Lilo schaute zu den Wolf der sich im Hintergrund hielt an, und kleine Tränen kullerten ihr die Wangen hinunter.
.oO(Wenn doch nur meine Mum noch leben würde!)
dachte sie traurig.
Acollon sah nun etwas genervt zu der fremden Wölfin. Schweigen würde ihr Urteil sein. Kurz schweifte sein Blick auf den Welpen. Er hatte seine Mutter verloren. Hatte er, Acollon sie getötet? Wer wusste es schon? Der schwarze Rüde ließ seinen Blick kurz von der Fremden an und sah zu Banshee:
“Banshee, ich würde vorschlagen wir kehren zum Rudel zurück und …“
Acollon wandte seinen Blick wieder zu der Fähe. Seine Haltung war distanziert und abweisend, doch als er sprach war seine Stimme neutral:
“… ihr könnt nachkommen, wenn es Euch beliebt. Doch vergesst nicht, in welchem Revier Ihr Euch befindet.“
Der Betawolf verhielt sich so gut es ging. Die Aufgabe als Beta nahm er ernst und versuchte auch den Ansprüchen gerecht zu werden.
Lilo tapste zu dem schwarzen Rüden hin und schaute ihn mit ihren kleinen Welpenknopfaugen an.
"Kann ich mitkommen?"
fragte sie hoffnungsvoll. Sie schaute wieder zu Boden.
"Ich will nicht mehr alleine sein!"
Die Worte des kleinen Welpen ließen Falk wieder etwas nervöser werden. Wenn die Fähe nicht die Mutter der Kleinen war, wer war sie dann und was wollte sie hier?
Der Blick des Fellknäuels kreuzte den Falks. Von ihm getroffen spürte Falk einen kurzen Stich in sein Herz. Ihre Mutter war tot?
.oO(Und wenn ich...?)
Mit starrem Blick erwiderte Falk den Blick des Welpchens. Er ließ sich nichts anmerken, nicht die vielen Alpträume von vergangenen Kämpfen, die seine Nachruhe zerstörten, nicht die Verzweiflung, die ihn ereilte, wenn er an all die toten Körper dachte, die Blutspur, die er in seinem Hass hinter sich hergezogen hatte.
Acollon wollte zurück zum Rudel gehen, schlug der Fremden vor zu folgen. Falk überlegte, ob er dem Beta und seiner Alpha folgen sollte. Er mochte die Fremde nicht so recht aus den Augen lassen, das Erdbeben vor einer Weile hatte sie genug Energie gekostet. Und vielleicht war er auch ihr etwas schuldig, wer wusste das schon...
Mit einem energischen Kopfschütteln vertrieb Falk die Gedanken und entschied sich, zum See zurückzugehen. Varloc würde dort sein, ebenso Ayala.
Falk war Diablos Interesse an der weißen Fähe aufgefallen und sie hatten ihn gestört. Nicht nur, dass Diablo seine Sympathien immer noch nicht hatte, so war es außerdem so, dass... Nur mit Mühe hatte es sich Falk eingestehen können. Ayala war ihm wichtig geworden, sie hatte sein Interesse geweckt. Sie war Leah so ähnlich, nein, Leah war sie nicht, sie war so ganz und gar Ayala und genau diese Ayala sog Falk magisch an, er genoss ihre Nähe.
Doch ob er sie würde erobern können? Falk wusste es nicht. Zwar war er in relativ kurzer Zeit bereits zum Gamma ernannt worden, dennoch sah er sich immer noch als eine Art "Frischling" im Rudel. Zu stark war der Zusammenhalt in seinem Geburtsrudel gewesen, zu stark war sein Vertrauen in andere gestört worden. Ohne etwas dagegen tun zu können wehrte sich Falks Inneres immer noch gegen zu große Nähe anderer. Ja, die Gegenwehr war schwächer geworden, doch war sie schwach genug?
Banshee starrte eine Zeit lang nur die fremde Fähe an, doch diese reagierte in keinster Weise, mit einem leisen Grollen drehte sie sich um und nickte Acollon zu, langsam setzte sie sich in Bewegung, da rannte plötzlich die kleine Lilo los. Sie schien Falk zu fragen, ob sie mitkommen dürfe, sanft nickte Banshee Falk zu. Mit einem Lächeln wandte sie sich wieder Acollon zu, sollte die fremde Fähe Ärger machen, würden sie sie in die Flucht schlagen, doch so schien sie nur weit weit fort.
Lachend beobachtete sie Kamuis Reaktion, bevor sie ihm den Fisch aus dem Maul nahm, wobei sich ihre Schnauzen so nah waren, dass sie seinen warmen Atem spüren konnte, und im stummes Lächeln gehüllt, verschlang sie ihren Fisch.
"... Danke ..."
sagte sie, etwas leiser als gewöhnlich...und lächelte nur vor sich hin.
Die Sonne nahm ihren Lauf sehr schnell, Lilo erreichte mit Banshee und Acollon die als Rudelplatz fungierende Lichtung, und Nyota und Kamui verharrten in stummen Blickgesprächen im Wasser, bis der erste Sternwind unweit der Beiden im Wasser versank ...
Acollon sah sich suchend um, nach einem hübschen Plätzchen, wo hätten Banshee und er die Sterne beobachten können. Doch alles was er fand, war Diablo, der schwarze Rüde, der sich nicht weit entfernt der anderen Wölfe aufhielt. Still verharrte der Fenrissohn, wartete gar auf einen Angriff, seine Haltung verriet nichts und fast gelassen kühl sah er dem Rüden in die Augen.
„Banshee, dort hinten könnten wir die Sterne beobachten.“
sagte Acollon träumerisch und deutete auf einen Felsen.
Banshee folgte Acollons Blick, leicht zuckten ihre Lefzen bei dem Anblick Diablos, doch blieb sie stumm und bedachte den Rüden nur kurz mit einem fast warnenden Blick. Dann wanderten ihre Augen zu Acollon und sofort schienen sie zu leuchten.
"Komm ..."
Sagte sie sanft und ging auf leichten Pfoten zu dem kleinen Felsen. Einmal warf sie einen Blick zurück, lächelte und ließ den Wind leicht in ihrem Fell spielen, bevor sie sich wieder umwandte, Diablo beachtete sie nicht mehr.
Lilo tapste etwas wackelig auf den Rüden zu und schaute ihn mit ihrem besten Welpenblick an. Dann plumpste sie vor seine Pfoten und schaute zu ihm hoch. Dann ließ sie ein vorsichtiges Lächeln sehen und wartete auf Antwort.
Der Nachmittag hatte sich hingezogen, langsam, tropfend, schwerfällig, gleich einem zähflüssigen Brei, wie das goldbraune Harz, dass Falk manchmal aus der verwundeten Rinde der Bäume laufen sah. Seine Lefzen kräuselten sich zu einem ironischen Lächeln als er an seine frühe Kindheit dachte - er, der kleine Welpe, berührte neugierig mit seiner Schnauze die leuchtende Masse, die seine Zunge nach der klebrigen Erfahrung zunächst nicht mehr zu entfernen vermochte.
Falk hatte den ganzen Nachmittag gewacht ob die fremde Fähe es wagen würde, sich dem Rudel zu nähern oder es anzugreifen. Nichts dergleichen war passiert.
.oO(Vielleicht war sie schlicht und ergreifend eine fremde Wölfin auf Durchreise oder sie hatte sich verirrt, vielleicht auch ist sie so wie ich war, stets auf Distanz zu fremden Wölfen, immer auf der Hut, einsam im Innersten...)
Aus einiger Entfernung sah Falk Banshee und Acollon. Sie würden den Sternenwinden nachschauen wie er es auch tat, jeden Abend. Falk drehte sich um, wanderte langsam zur eingestürzten Höhle. Von dem etwas erhöhten Berg aus Geröll und Felsbrocken hatte er die beste Sicht. In der Regel ließen die anderen Wölfe ihn hier des Abends in Ruhe und er konnte seinen Gedanken nachhängen. Noch einen Grund gab es heute dafür, dass er sich zu dem erhöhten Platz begab - er konnte das Rudel im Auge behalten und würde sofort helfen können, falls die fremde Fähe doch noch einen Angriff wagen sollte.
Falks Blick suchte Ayala und Varloc, leise lächelte er, sämtliche Sinne nun völlig nach innen gerichtet...
...bis ihn plötzlich der Blick der Welpin in seiner Ruhe störte. Falk betrachtete das schwarze Fellknäuel mit einem sarkastischen Blick und brummte dann:
"Nun komm schon mit... Kannst mir Gesellschaft leisten."
Sein Blick wanderte wieder zurück, blieb auf Ayala liegen.
Ayala hatte im Schatten eines Baumes geruht und stand nun auf. Sie gähnte langsam, streckte sich, ließ ihre Ohren sanft vom Wind streicheln und blickte sich um. Nicht unweit von ihr entfernt, sah sie Acollon und Banshee den Abendhimmel beobachten. Diese Zweisamkeit berührte sie auf eine seltsame Weise. Sie sah verträumt auf die Silhouette der beiden, wie sie dicht nebeneinander lagen, Acos schwarzes Fell schien mit Banshees weißem zu verschmelzen - es schien, nichts könnte die beiden stören, sie waren eins mit sich und der Natur...
Ayala spürte wie sie Tränen in den Augen hatte, sie dachte für einen Bruchteil an Yakatavo, der freie Wege gegangen war, doch sie verwarf den Gedanken an ihn sofort wieder. Von einer plötzlichen Welle der Gefühle überrollt fing sie an zu heulen, ein trauriges, einsames Lied an den Mond, jedoch zugleich auch befreiend. Dann rannte sie los, fühlte die Kraft des Windes und die Macht der Natur, spürte wie ihr Herzschlag mit dem des Waldes verschmolz. Sie genoss, wie ihr Fell wehte, ihre Pfoten das Gras unter sich spürten, liebte diese befreiende Luft. Plötzlich aber stieß sie gegen jemanden - Ayala erschrak, hatte sie die fremde Wölfin denn völlig vergessen? Sie hob ihren Blick und traf den von Falk.
In Gedanken war Falk wieder bei Ayala, Leah, Ayala, der fremden Wölfin, Ayala, dem Welpen, den er nun erstmal am Hals hatte und Ayala... Kurz seufzte er auf und blieb kurz stehen um auf den Welpen zu warten, der mit seinen kleinen Beinen Mühe hatte, Falks weit ausschreitendem Gang zu folgen.
"Sag mal, du kleines schwarzes Etwas, wie heißt du denn eigentlich? Und wie kommt es, dass du alleine durch die Wälder strolchst?"
Falk konnte ein lang gezogenes Gähnen kaum vermeiden. Ihm gefiel es nicht, dass er jetzt den Welpensitter spielen musste, während alle anderen ihren Spaß hatten.
"Weißt du, Kleines, das ist eine gefährliche Welt da draußen... Ich habe das selbst erlebt-"
In diesem Moment prallte etwas Warmes, Weiches gegen den riesenhaften Körper Falks und riss ihn beinahe von den Pfoten. Ein Laut des Schreckens entfuhr seiner Kehle, sofort war Falk bereit zum Angriff - die fremde Wölfin, er hatte sie gerade erst aus seinen Gedanken vertrieben - als er das schneeweiße Fell erkannte.
"Ayala..."
Falk versuchte sich zu sammeln und verfluchte die Tatsache, dass dieser gottverdammte kleine Welpe bei ihnen war...
Alles, was er hatte sagen wollen, war plötzlich wie weggeblasen aus seinem Gehirn. Falk atmete langsam ein und aus.
"Ayala, hast du... Hättest du vielleicht Lust, mich... Würdest du mich begleiten? Wir...wir könnten gemeinsam die...die Sternenwinde betrachten?"
Dayon lag stumpf und abwesend unter einem der wenigen Bäume am Ufer des Sees. Die Sonne war unter gegangen, die Hitze war nicht mehr ganz so drückend, doch litt er noch immer unter ihr. Alle Rudelmitglieder schienen etwas zu tun zu haben, die Alphas unterhielten sich beide, Ayala und dieser neue Rüde, den er noch immer nicht kannte mit einem kleinen Welpen schienen gerade zu gehen. Dayons Augen wurden trüb und erneut sah er ins Nichts, suchten mit den Augen nach Jahlay, doch wie immer war sie nicht da.
.oO(Dayon, reiß dich zusammen, geh zu den drei Wölfen und stell dich den zwei vor, du kennst sie noch immer nicht.)
Langsam erhob er sich und tappte auf schwachen Pfoten zu Ayala und den beiden anderen.
"Hallo, ich bin Dayon ..."
Seine Stimme klang schwach und fast uninteressiert, den Rüden hatte er schon beim Erdbeben getroffen, doch wusste er den Namen noch immer nicht. Oder hatte er ihn nur wieder vergessen?
Rykia saß lange auf einem großen Stein. Sie wusste, dass hier ein Rudel war, aber ihre Augen wollten sie lieber von der Ferne sehen. Nicht einmal ihre Füße bewegten sich in die Richtung. Aber schließlich überwund sie sich und stand auf, streckte sich und lief im schnellen gehen hinunter. Vor ihr waren lauter Bäume. Sie sah sich um, wollte sie entdeckt werden? Noch bevor sie es wollte dachte sie:
.oO(Und wenn ich schon entdeckt bin?)
Verzweifelt ging sie weiter. Mit geducktem Körper und gespitzten Ohren lies sie ihre Füße weiter gehen. Dann Sah sie das Rudel von nah und zögerte lange bevor sie den ersten Schritt wagte. Sie sah die Wölfe erwartungsvoll an und ging zu ihnen.
“Seid gegrüßt, ich bin Rykia. Wer seid ihr?“
Ihr geduckter schlanker Körper wandte sich zart als sie ihre Worte aussprach. Sie fühlte sich eingeengt, wie als ein Eindringling. Was sie auch war. Gespannt wartete sie ab.
Banshee fuhr herum, die Fähe war wieder da. Mit einem bedauernden Blick zu Acollon trat sie zu der fremden Fähe legte leicht den Kopf schräg un musterte sie.
"Ich bin Banshee, Alpha dieses Rudels."
Abwartend schwieg sie, was wollte diese Fähe bei ihnen und warum hatte sie vorher nichts gesagt?
Lilo schaute den Wolf vor ihr neugierig an
"Ich heiße Lilo! Und wie heißt du?"
Die kleine Welpin schaute ihn an und bemerkte wie seine Haltung und sein Verhalten sich veränderten als diese Fähe zu ihnen kam. Also tapste Lilo weiter an dem Rüden vorbei, zu der Fähe die sie hier her gebracht hatte
"Was macht ihr jetzt?"
Eine andere Fähe trat näher. Rykia lächelte mit den Augen. Sie öffnete ihr Maul und wollte sprechen.
"Sei auch du gegrüßt, Banshee! Es ist ein Wunder für mich wieder Wölfe zu treffen! Und noch mehr eine Freude wieder ein Rudel zu sehen ... Ich suche schon lange und hoffe mein Aufenthalt stört euch nicht"
Schließlich schwieg Rykia und senkte die Rute wie es sich gehörte. Sie versuchte alles um nicht aufdringlich zu wirken. Denn selbst sie selber wusste, dass sie ins Rudel wollte. Die Bäume raschelten und der Wind fuhr sanft über ihren Körper ... Stille, überall war Stille. Rykia hatte früher die Stille gemocht doch jetzt suchte sie Gesellschaft ... nach langer Zeit wieder Gesellschaft!
Als Dayon zu der kleinen Gruppe um Falk trat, hätte der Grauwolf ihm am liebsten den Hals umgedreht. Nicht genug damit, dass er schon diesen Moppel von einem Welpen am Hals hatte, nein, jetzt tauchte auch noch Dayon auf, der so weggetreten war, dass er nach dem zehnten Mal immer noch Falks Namen vergessen hatte und immer depressiv herumhing, wenn Falk ihm begegnete.
Das Rudel hatte ihn aufgeklärt - Dayon hatte seine Gefährtin verloren und hatten den Verlust bis heute nicht vollständig überwunden.
.oO(Nun, meine Gefährtin habe ich auch verloren... Mache ich darum so einen Aufstand? Ich kann meine Gefühle sehr gut verstecken... Und mir wäre sehr damit gedient, wenn dieser Idiot das auch könnte...)
In diesem Moment zog der kleine Welpe ab und Falk sah ihm mit einem erleichterten Seufzen hinterher. Wenigstens die eine Nervensäge war er los. Vielleicht konnte er Dayon auch noch irgendwie abhängen und hätte Ayala dann endlich einmal für sich allein ... Bei diesem Gedanken wurde Falks Herzschlag schneller und eine prickelnde Freude stieg in ihm hoch, die beim Anblick Dayons sofort wieder abflachte.
"Ja also hallo, Dayon... Ich bin immer noch Falk, wie die ganzen Wochen zuvor auch... Vielleicht kannst du es dir diesmal merken..."
Falk überlegte, dass das nun doch zu fies wäre, Dayon derart abzufertigen. Die Situation war nur gerade absolut unpassend - zu beinahe jeder anderen Zeit hätte sich Falk Dayons eventuell eher angenommen und sich von dessen Problemen berichten lassen... Nur warum tauchte Dayon auch gerade jetzt auf...?
"Also, Dayon, ich habe Ayala gerade vorgeschlagen, dass wir gemeinsam die Sternenwinde betrachten könnten... Wenn du Lust hast, kannst du gerne mitkommen..."
Er bemühte sich um Freundlichkeit, doch sie klang nicht ganz ernst gemeint und sein Lächeln wirkte eher entnervt als leicht. Falk hoffte, dass Dayon die Situation verstand und die patzige Reaktion nicht auf sich bezog.
Acollon blieb ruhig an Banshees Seite. Er hatte die Ohren gespitzt und beobachtete das Treiben der anderen, die fremde Fähe ignorierte er. Doch war er auf jede Reaktion gefasst. Provozierend schleckte Acollon Banshee über die Lefzen, genoss es und guckte hämisch, fast auffordernd, zu der Fremden.
Er hatte Diablo wieder mal nicht beachtet, er erinnerte Acollon an Nygero. Sie waren verschiedene Wölfe, doch ihr Innerstes glich sich ziemlich. Etwas was Acollon nie begreifen konnte, war diese falsche Distanz, dieser Zurückhalt, der zu nichts führte.
Der schwarze Rüde ließ seine blitzenden Augen über die anderen Wölfe gleiten, schon wieder fast provozierend, leckte immer wieder über Banshees Lefzen.
"Die Sterne sind nichts im Vergleich zu deiner Schönheit."
flüsterte er ihr ins Ohr und biss sie zärtlich in die Schnauze.
Banshee lächelte der fremden Fähe zu und nickte leicht.
"Willkommen Rykia. Wenn du dich meinem Rudel anschließen willst, so kannst du das jederzeit tun.“
Erneut lächelte sie, dann warf sie Acollon einen liebevollen Blick zu und flüsterte leise in sein Ohr:
"Gleich bin ich für dich da."
Erneut spielte ein Lächeln auf ihren Lefzen uns sie küsste ihn sanft auf die Schnauze. Langsam wandte sie sich wieder Rykia zu und wartete, ob sie noch etwas sagen wollte.
Selbst durch den trüben Schleier, der über Dayons Sinnen lag, konnte er die Haltung Falks erkennen. Seine Stimme war nicht freundlich, seine Worte ebenso. Das Angebot Sternenwinde zu betrachten, ließ ihn fast zusammen zucken. Er konnte diese kleinen Sterne nicht betrachten ... seine Augen wollten sie nicht fassen ... und selbst wenn wären dann da doch nur Falk und Ayala ... und er ohne Jahlay. Langsam nickte er.
"Danke, aber ich werde wohl lieber gehen."
Er wandte sich fast hastig um und tappte davon. Die kleine Welpin, Lilo, stand alleine herum, so ging er langsam zu ihr.
"Na du?"
Falk sah Dayon davongehen und sein Gewissen meldete sich mit Nachdruck. Ihm war unbehaglich zumute, er hatten den traurigen Rüden nicht wegjagen wollen, nun ja, in gewisser Hinsicht wollte er ihn schon loswerden, aber so...?
"Dayon! Jetzt lauf doch bitte nicht sofort weg! Wir könnten auch einfach nur...reden?"
Der Hüne wandte sich um, blickte Ayala an und seufzte.
"Das wäre doch schön, wenn man die traurigen Erinnerungen, das ganze Leid einfach aus dem Kopf reißen könnte... Nun, leider kann das nur der Betroffene selbst, wenn sein Leid es ihm nicht verbietet..."
Würde Dayon zurückkommen? Falk wusste es nicht. Er war sich auch nicht sicher, ob er das wollte. Einerseits tat ihm Dayon leid, andererseits - andererseits war da etwas in Falk, dass sich dagegen wehrte, sich näher mit Dayon zu beschäftigen, womöglich aus der Angst heraus, alte Wunden seiner nicht allzu fernen Vergangenheit könnten aufgerissen werden ... Wie sah überhaupt Ayalas Vergangenheit aus?
Dayon lauschte auf, als Falk ihn zurück rief ... wollte er tatsächlich mit ihm sprechen? Mit ihm? Dayon, der Zurückgezogene? Und dann über .... über Jahlay? Und all seine Welpen? Langsam drehte er den Kopf zu ihm, seine Augen waren wieder mit dem Schleier der Trauer verhüllt, doch vielleicht konnte man dahinter ein Glitzern erkennen? Dayon schüttelte langsam den Kopf.
"Ich will euch nicht zur Last fallen ..."
.oO(... doch klingt das Angebot so warm und weich ...)
Es war wohl das erste Mal, dass Dayon mit anderen Wölfen sprechen wollte ... es war ein seltsames Gefühl und irgendwie holte es ihn wieder näher zum Leben zurück, zur Realität.
Ayala blickte Falk liebevoll an, am liebsten hätte auch sie diesen Augenblick nur mit ihm alleine verbracht - doch sie spürte, dass Engaya etwas anderes für diesen Moment vorgesehen hatte. Um ihm ihre Gedanken begreifbar zu machen, berührte sie leicht sein warmes Fell und zeigte ihm ihr Lächeln, das sich in seinen Augen widerspiegelte.
Dann wandte sie sich an Dayon, der gerade gehen wollte. Seit er hier war, hatte sie ihn oft beobachtet und angesprochen, jedoch war er nie darauf eingegangen. Jetzt wuchs in ihr die Hoffnung, dass er ihr heute zuhören und sehen würde, dass er -trotz dem großen Verlust, trotz seinem Leid- Freunde und Lebenswille haben konnte, dass er trotz allem jeden Tag genießen sollte, den ihm Engaya schenkte. Sie setze sich vor Dayon, um ihn am Gehen zu hindern und fing einfach an zu erzählen, ihre dunklen Augen zum Himmel gerichtet, den Sternen nahe:
"Einst habe auch ich diejenigen verloren, die mir wichtig waren und meinen einzigen Halt darstellten. Doch sie wurden mir genommen...mein Bruder Faro, der immer für mich da gewesen war und...mein geliebter Gefährte...der mir wichtiger war als alles andere dieser Welt."
Ayala brach kurz ab, sie musste sich sammeln, sie hätte nicht gedacht, dass es ihr so schwer fallen würde, über ihn zu reden, es war doch schon so lange her...doch sie spürte immer noch diesen tiefen Schmerz.
"Nun...ich wollte auch sterben, wollte mich ihnen aufopfern und begriff nicht, dass ich sie nicht zurückholen konnte - ich fiel mir selbst zur Last, begann mich zu hassen - warum hatte ich überlebt, warum hatte auch ich denen vertraut, die jetzt meine Familie umgebracht hatten? Ich glaube, ich war kein richtiges Wesen mehr, vielmehr eine Seele, die sich nur eines wünschte - den Tod. Doch dies sollte mir nicht zuteil werden, öfters versuchte ich auch Anschluss zu finden, doch zu sehr hatte ich mich entfernt von den einstigen Gesetzen der Natur, zu sehr hatte ich nur das Leid und mein Selbstmitleid gefühlt. Ich wandelte durch meine eigenen Welten aus Qual und Verzweiflung, vergaß all das Schöne, das Lebenswerte, als hätte es dies nie gegeben. ich weiß nicht, wie lange es dauerte, ich hatte keinerlei Zeitgefühl, ich weiß nur, dass ich an einem Morgen, der mir noch grauer als sonst erschien, in dieses hübsche Tal hier kam. Irgendetwas weckte meine Neugierde, löste in mir das Gefühl nach Geborgenheit und Gemeinsamkeit aus. Kurz darauf entdeckte mich Ban - mit ihrer scheinbar unerlöschenden Kraft und Weisheit. Sie nahm sich meiner an, war die erste seit Monaten, die mich nicht wie eine Ausgestoßene behandelte."
Ayala hatte Tränen in den Augen - sie dachte an diesen Tag zurück, an diesen Tag, der alles verändert hatte - der ihr von Engaya geschenkt worden war. Während sie für kurze Zeit ihren Blick senkte, spürte sie die Anwesenheit eines anderen Wolfes. Sie wusste sofort, dass es Varloc sein musste. Sie nickte in die Richtung, in der Varloc wohl stand und hoffte, dass diese die Aufforderung verstand, dazuzukommen - sie gehörte dazu, wie alle anderen auch. Dann sah Ayala Dayon direkt in die Augen.
"Dayon, ich kann dich sehr gut verstehen, ich kenne diesen Schmerz - aber wenn du dich weiter verschließt, niemanden an dich heran lässt, nicht einmal mehr das Gefühl des Lebens...dann lässt es nie nach. Gib uns die Chance, dein Freund zu werden, dich zu unterstützen, dir wenigstens wieder ein bisschen zu zeigen, was es heißt, zu lieben..."
Die Fähe brach ab, sie war sich nicht sichre, ob sie Dayon auf diesem Weg erreichen konnte, aber sie hatte ihr bestes gegeben und hoffte darauf, dass er auch sie verstand.
Varloc starrte das Rudel an, ihr Blick blieb schließlich auf Ayala hängen, die sich um den anscheinend sehr traurigen Dayon kümmerte. Sie starrte sie regelrecht an, ohne den Blick ein einziges Mal von ihr abzuwenden. Sie versuchte etwas zu verstehen, es gelang ihr. Ayalas Geschichte erinnerte sie an sich selbst, nachdem sie von den Wargen verbannt worden war. Sie hatte sich auch einsam gefühlt und hatte nicht mehr gewollt, sich nur den Tod gewünscht... Als Ayala sie ansah wollte sie erst einem Impuls folgend einfach gehen, doch dann setzte sie sich in Bewegung und stellte sich in die Nähe der beiden, lauschte Ayalas letzten Worten und nickte unbewusst.
Die Berührung Ayalas hatte Falks zunächst irritiert, dann hatte sich sein Fell unter wohligen Wärmeschauern aufgestellt. Nur zu gerne war er ihr gefolgt, als sie sich an Dayon gewandt hatte.
Als sie erzählte, was ihr widerfahren war in nicht allzu ferner Vergangenheit, hatte Falk schlucken müssen und hatte den Kloß, der sich in seinem Hals bildete, doch nicht vertreiben können...
"Falk! Oh Gott, Falk!"
"Leah!"
Der kräftige Rüde fuhr herum als das schmerzerfüllte Heulen seiner Gefährtin in seinem Kopf hallte. Die sandfarbene Fähe war in äußerste Bedrängnis geraten, Blanca versuchte zu ihr zu gelangen, allein...
Falks Kehle entfuhr ein Heulen, erfüllt von Wut, Aggressionen, verzweifelter Liebe-
Er warf die Wölfe um sich herum zur Seite wie Sandsäcke, erreichte die panisch kämpfende Fähe und - kam gerade noch rechtzeitig um zu sehen, wie Fiorentes, ein kräftiger, schneeweißer Rüde seiner geliebten Gefährtin die Kehle durchbeißt, wie ihr entsetzter, schmerzerfüllter Blick bricht und die warmen, klaren Augen stumpf werden.
"LEAH!"
Da war auch über allen Gipfeln keine Ruh' mehr, in allen Wipfel tobte das, was einmal kaum ein Hauch war und auch die Vögelein schwiegen nicht mehr im Walde - denn die Stille wurde in diesem Moment so laut, dass sie Falk ins Gesicht schrie und in seinem Schädel brauste-
Ayala hatte geendet. Falk wollte etwas dazu sagen, wollte, dass die anderen Wölfe wussten, wie gut er sie verstand... Aber er konnte es nicht. Sein Blick fiel kurz auf Varloc, die sich genähert hatte, würde auch sie erzählen, was ihr passiert war?
Rykia lächelte dankbar und nickte höflich ...
"Danke!"
Dann wandte Rykia sich ab. Was hatte denn der Rüde? Gedanken irrten in ihrem Kopf und sie suchte etwas ruhe um sie wieder zu ordnen. Da fiel ihr blick auf einem Rüden und einem Welpen. Sie lächelte blieb stehen und schaute ihnen eine Weile zu. Dann ging sie weiter. sie suchte nun nicht mehr länger ein Rudel. Nach einiger Zeit legte sie sich hinter einem Baum. Sie lehnte den Kopf gegen den stamm und lies einen tiefen Seufzer los.
23.12.2009, 15:38
Lilo tapste mal wieder verloren rum, keiner Kümmerte sich um sie, das war ja normal, sie konnte damit sehr gut leben! Sie fiepte leise vor sich hin und setzte sich auf einen Felsen, dort sah sie und schaute sich den Himmel an. Wenn doch nur ihre Mutter noch leben würde ...
Rykia stand wieder auf und tapste herum. Ihr Blick schweifte über eine kleine Fähe. Lächelnd beobachtete sie die Welpin. Sie ging zu ihr und sagte.
"Hallo du .... Ich bin Rykia und wer bist du wenn ich fragen darf?"
Es zog die Nacht herein. Ein Gewitter würde vielleicht bald kommen, aber Rykia wusste es ja nicht genau. Sie setzte sich neben die Wölfin und folgte ihrem Blick.
Banshee sah der Fähe nach, schüttelte leicht den Kopf, noch immer etwas verwundert von der Wölfin, dann wandte sie sich ganz Acollon zu.
"Nun sind wir ungestört. Komm."
Sie lächelte leicht und lief auf gleitenden Schritten zu dem niedrigen Felsen, den sie schon vorher angepeilt hatte. Wieder sah sie sich nach Acollon um.
Dayon hatte sich hingesetzt, sein Blick war stumpf auf den Boden gerichtet, doch freute er sich als Ayala begann zu erzählen ... und zum ersten Mal nach langer Zeit hörte er wieder zu, ließ die Worte nicht an sich vorbei gleiten, sondern versuchte alles zu verstehen, was aus der Kehle der Wölfin kam. Die Geschichte war so traurig und ergreifend, doch konnte Dayon sie nicht festhalten, immer mehr vergaß er in so kurzer Zeit, dass wieder nur ein Gedanke in seinem Kopf herrschte.
Jahlay
Seine Läufe begannen wieder leicht zu zittern, auch Falk schien an etwas anderes zu denken ... hatte nicht auch er seine Gefährtin verloren? War es ihm genauso ergangen wie Dayon? Zum ersten Mal schienen auch seine Augen Interesse zu zeigen, wenn man tief hinsah so konnte man ein kleines Glitzern sehen, doch wurde es von dichten Nebenschwaden fast verdeckt.
Lilo schaut die fremde Fähe interessiert an.
"Ich heiße Lilo, und du?"
Die kleine Welpin schaute wieder in den Himmel, sie liebte die Sterne, den Mond, und die Nacht. Ihr Element war aber das Wasser.
Falk spürte den Blick Dayons und sah schnell weg. Er fühlte sich merkwürdig, begann wie interessiert seine Tatzen zu betrachten als ob es dort etwas Spannendes zu sehen gäbe. Fieberhaft überlegte er, ob Dayon seine Unruhe richtig deutete und ob ihm das nun gefiel oder nicht.
.oO(Irgendwann muss alles einmal aus einem raus... Man fühlt sich danach auch leichter...)
Hatte er dem Rudel schon einmal etwas über seine Vergangenheit erzählt? Er dachte angestrengt nach. Doch, Acollon gegenüber war ihm etwas rausgerutscht als er gerade zum Rudel gestoßen war. Und zu anderer Gelegenheit meinte er einmal Leah erwähnt zu haben - aber er war sich nicht sicher.
.oO(Und letztlich ist es auch egal... Ich sollte trotzdem vielleicht endlich mit offenen Karten spielen... Mein grausamer Ruf wird mich schon bald eingeholt haben... Und überhaupt, was, wenn eine der verschwundenen Fähen mich kennt?)
Wieder versuchte Falk, etwas zu sagen, zu zeigen, dass es ihm genauso ging, dass er beide, Ayala und Dayon, verstehen konnte.
"Ich...ich kann dich sehr...sehr gut verstehen, Ayala... Ich...ich... Mir... Ich..."
Er konnte nicht weiter sprechen. Falk befand sich in einer heiklen Stimmung. Überwältigt von den langen Schatten seiner Vergangenheit hätte ihn nur ein falsches Wort in Raserei versetzt und für die Folgen hätte der Hüne nicht mehr garantieren können.
Dayons Blick lag noch immer auf Falk ... dachte er wirklich an seine Gefährtin? Es schien fast, als wäre er verlegen, als er dann etwas sagte ... wohl nur als "etwas" zu bezeichnen. Als Dayon dann auch selbst die Stimme erhob klang sie wohl zum ersten Mal nicht desinteressiert und weit fort.
"Falk ... hast nicht auch du deine Gefährtin verloren?"
Dayon wusste nicht, ob er damit Falk verletzen würde, doch schien noch nicht genug Lebenssaft durch seine Adern zu fließen, um dieses Feingefühl zu entwickeln.
"Ich bin Rykia, du kannst mich gerne Rya nennen!"
Rykia sah auch zum Himmel, die Sterne funkelten und die Fähe lies einen sanften Seufzer aus. Ein Stern funkelte ganz besonders hell, sie nannte ihn Kenas él Batra was hieß: „Anmutiger Stern“ Ihre Augen starrten in die Ferne dann wendete sie den Blick zu der kleinen Fähe.
"Wieso bist du so alleine hier draußen, Lilo?"
Rya lächelte lieb mit den Augen, dann streckte sie ihren schlanken Körper und schüttelte ihr Fell.
Kurz knurrte Falk auf, als er Dayons Worte vernahm, dann ließ er seinen Kopf wieder sinken. Er spürte eine große Leere in seiner Brust, ganz so, als würde in ihrer Mitte irgendetwas Wichtiges fehlen... In seinem Magen entstand ein elendes Gefühl, doch plötzlich kamen die Wörter leichter, es schien gar nicht mehr so schwer...
"Ja, Dayon... Auch meine Gefährtin kam ums Leben... Ich...ich wollte ihr helfen, doch ich kam zu spät... Ich kam einfach zu spät..."
Er atmete kurz ein und aus, versuchte, gegen die unendliche Traurigkeit anzukämpfen, die sich in seinem Geist ausbreitete und mit ihrem finsteren Schatten eisige Kälte in seine Gedanken stach.
"Meine Geschwister - Blanca und Aldaran... Sie kamen in demselben Kampf ums Leben... Ein Kampf, der sich eigentlich hauptsächlich um mich drehte..."
Dann war der Moment wieder vorbei, Falk fehlten die Worte. So leer, so leer... Und leichter fühlte er sich auch noch nicht. Im Gegenteil, eher schien es ihm, als würde eine unbändige Macht ihn zu Boden drücken.
Acollon knurrte leise, niemand würde so unfreundlich mit Banshee, seiner Fähe, seiner Gefährtin umgehen. Einen Moment lang, war er drauf und dran die fremde Fähe anzugreifen, ließ es aber. Seine Aufgabe war es nicht, für Gerechtigkeit und Ordnung zu sorgen, er war lediglich ein Gehilfe Banshees und Nyotas. So lächelte er Banshee leicht an und drückte sich an sie. Ihm waren andere Wölfe egal. Banshee und Sayo waren die Wölfe für Acollons Leben. Er würde sie um jeden Preis beschützen und vor Unheil bewahren.
„Banshee.“
flüsterte Acollon in die flauschigen Ohren seiner Gefährtin.
“Willst du… meine Gefährtin auf Ewig sein?“
fragte der Rüde leise und drückte sich fester an Banshee.
Banshee ließ sich langsam neben Acollon auf den flachen Felsen nieder gleiten. Die Worte, die er sanft in ihr Ohr hauchte strichen warm um ihr Herz wie der Frühlingswind, der den frischen Duft neuen Lebens durch die Welt trug. Ein Sternenwind flog über ihnen dahin, erlosch im ewigen Schwarz der Nacht und ließ nur noch kleine Lichtpunkte am Himmel tanzen. Banshees Blick wanderte über den See, in dem der Mond sich voll und klar widerspiegelte. Über den Wald, der, so kahl er nun auch war, leise im Wind flüsterte. Und blieb schließlich in den Augen Acollons gefangen.
"Bevor du zu mir kamst war ich nur ein Geist. Ich wanderte umher, redete und lebte, doch ich war nur ein Geist ..."
Sie lies die Worte im Windeshauch spielen, flüsterte sie in den warmen nächtlichen Duft und spielte mit ihnen in den Tiefen des Himmels.
"Acollon, alles was ich will, ist bei dir sein ... auf ewig und weiter. Lauf mit mir in die Unendlichkeit und lass mich nie wieder los."
Sie verlor sich in seinem Blick, blieb hängen im Glitzern der Sterne, im Leuchten des Mondes und in der Tiefe der Zweisamkeit. Ganz leise hauchte sie in sein Ohr, so dass es fast nur ein Flüstern im Sturm war.
"Ja, ich will."
Ayala hatte stumm zugehört, hatte die Traurigkeit Dayons in seinen Augen lesen können - doch sie war abgelenkt, abgelenkt von Falk, dessen Herz sie in ihrem eigenen Leib zu spüren schien. Sie litt mit ihm, konnte auch in der Dunkelheit seinen verzweifelten Gesichtsausdruck wahrnehmen. Leise stand sie auf, ging an Dayon vorbei, zeigte ihm aber mit ihrem Blick Dankbarkeit, Dankbarkeit dafür, sich ihnen endlich geöffnet zu haben, mit ihnen gesprochen zu haben, ihnen zu vertrauen. Auch wenn er nicht viel gesagt hatte, wusste Ayala, dass es immerhin ein Anfang war. Dann trat sie weiter vor, zu Falk - sie wusste nicht recht, wie sie mit ihm umgehen sollte, ob er ihre Nähe jetzt brauchte, oder ob er alleine in seinen Gedanken an seine frühere Gefährtin war. Schließlich setzte sie sich neben ihn und lehnte ihren Kopf leicht an seine Schulter. Machte sie ihm seine Last nur noch schwerer? Er schien so unglücklich...so...einsam.
Noch immer lag Nyota reglos da, das Wasser spülte sanft durch ihr Fell, und hin und wieder konnte sie die Berührung eines Fisches spüren. Doch ihre Augen lagen weiterhin in denen Kamuis. Sie lächelte, doch sie war unsicher...da war...etwas. Sie konnte es sich nicht erklären, es brannte und es stach, doch die Schmerzen hatten einen angenehmen Nachgeschmack... so sanft wie streichelnder Wind, so süß wie Süßholz, aber vor allem so fremd, so neu... Es war nicht stark genug um es wirklich fassen, richtig spüren zu können, doch es war da...irgendetwas...
Dayon hörte Falk stumm zu, schmerzhaft dachte er dabei an den Tag des Todes für Jahlay ... für sein Rudel. Wieder begann die Welt sich in Nebel aufzulösen, Schatten wanderten umher, die zierliche Gestalt Jahlays war zu erkennen, auch seine Welpen, hilflos. Doch der Nebel wallte unruhig, verschwand, Falk und Ayala waren wieder da, nein, er war nicht alleine, da waren zwei Wölfe, die bei ihm waren. Mit seltsam rauer Stimme sagte er leise:
"Ich kann dich so gut verstehen ... auch meine Gefährtin wurde getötet ..."
Er sah den Rüden, der ihm gegenüber saß mit traurigem Blick an, so gut konnte er ihn verstehen ... die Nacht, als seine Gefährtin starb ...
Falk spürte Ayala leicht an seiner Schulter. Er war ihr dankbar für diese Berührung, dankbar für ihr Verständnis, dass sie ihm ohne große Worte zu zeigen vermochte. Kurz leckte er ihr über die Schnauze - das erste Mal, dass er in diesem Rudel seinen Dank durch eine solche Geste zu äußern vermochte - und spürte, wie das Gefühl von Wärme sich in ihm ausbreitete und die Traurigkeit nicht fortspülte, nein, das nicht, aber doch immerhin milderte, erträglich machte. War das die berühmte Last, die einem abgenommen wurde?
.oO(Leah... Ich liebe dich... Aber es ist vorbei... Es ist vorbei... Danke, Leah, danke für alles, es ist vorbei... Trotzdem, ich werde dich nie vergessen, nie...)
Und in diesem Moment schoss eine besonders helle Sternschnuppe über das dunkelblaue Firmament, direkt aus dem ewigen Licht schien sie zu kommen und Falk dachte, dass diese Sternschnuppe nur für ihn hell aufgeglommen war. Er lächelte sanft.
.oO(Ja, Leah... Ich dich auch, ich dich auch...)
Er drehte sich wieder zu den anderen Wölfen, sein Blick glitt über Varloc, die sich in der Nähe der drei Wölfe aufhielt, weiter über Dayon, streichelte Ayala und blieb wieder an Dayon hängen.
"Ich habe mich für ihren Verlust furchtbar gerächt... Habe jeden getötet, der sich mir in den Weg stellte. Doch das soll jetzt vorbei sein - für immer."
Acollon betrachtete den dunkeln See, in dem sich der Mond hell widerspiegelte. Es war eine klare, doch auch leicht frische Nacht, es schien die Luft wie nach einem Gewitter, keine Schwüle. Der Wind war sanft und warm, er strich dem schwarzen Rüden durch das Fell. Als Banshee ihn ansah, musste er schmunzeln. Der Glanz der Sterne hatte gegen die Schönheit seiner Fähe keine Chance.
„Ich habe nur gelebt, um zu wissen, ob es auch ein leben ohne dauerhaften Tod gibt. Ich wollte wissen was Liebe ist.“
Er machte eine kurze Pause und seufzte leise auf. Sein Körper war seltsam kräftiger und fülliger geworden, zwar nicht wohlgenährt, aber scheinbar gesünder. Auch sein Fell hatte einen hübschen und strahlenden Glanz.
„Du gabst mir mehr als nur Liebe. Du hast mir mein Leben gegeben.“
Acollon schmiegte sich fest an seine Fähe. Sie war jetzt seine Gefährtin. Eine Art Zeremonie würden sie zwar nicht brauchen, aber er würde es für sie wollen. Einen Tag für Banshee ganz alleine. Wo es bekannt gemacht wurde, dass er sie bis ans Ende seiner Tage lieben würde.
Banshee lächelte, ihre Augen, noch immer in Acollons versunken, bekamen einen goldenen Glanz, sanft rieb sie ihre Schnauze an seiner.
"So werden wir von nun an gemeinsam leben, bleib bei mir und verlass mich nie ..."
Ihre Stimme wurde leiser, tanzte wieder im Windesspiel.
"... denn ohne dich kann ich nicht mehr leben."
Sie schloss die Augen, spürte den warmen Körper Acollons eng neben sich und wünschte sich nichts mehr, als dass die Zeit stehen bleiben würde und sie für immer so daliegen durften. Sie dachte an eine Zeremonie ... nur für ihn und sie. Langsam schlug sie die Augen wieder auf und sah in seine tiefen Augen, fragend.
Moon tapste etwas gelangweilt durch die Gegend. Einerseits mochte er es, für sich alleine zu sein und über alles Mögliche nachzugrübeln, eigentlich mochte er es mehr als mit anderen Welpen zu spielen oder sich zu raufen - doch so langsam wurde es selbst ihm zu langweilig. Wie so oft sehnte er sich wieder an die Tage zurück, an denen noch seine Mutter gelebt hatte. Sie hatte immer gewusst, nach was er sich sehnte, was er brauchte. Doch jetzt war sie weg... Plötzlich hörte Moon eine helle Stimme nicht weit von ihm entfernt. Interessiert kam er näher und blickte überrascht die zwei Welpen an, die sich wohl gerade unterhielten.
Etwas verlegen begann er:
"Hallo...ich...ich bin Moon - und wer seid ihr?"
Acollon sah Banshee lächelnd an, dieses lächeln war sanft und warm und das erste Mal konnte er sich ganz fallen lassen. Er liebte diese Fähe, Überhalles. Er liebte sie so sehr, dass er für sie sterben würde.
“Banshee, ich werde dich nicht alleine lassen, ich kann es nicht.“
wisperte er es ihr ins Ohr. Ihre Augen waren fragend. Worüber dachte sie nach? Was war ihr Wunsch?
„Was wünscht du dir?“
fragte er leise und sah auf den See. Die Sterne versunken in der ewigen Schwärze des Wasser. Tiefer und tiefer.
„Eine Zeremonie?“
Das Lächeln Banshees wurde wärmer, ihre Augen glänzten noch strahlender. Leise wisperte sie in Acollons Ohr:
"Wenn du willst, so können wir das Ritual der Liebe für uns halten lassen. Nur für uns alleine ..."
Sie lehnte sich leicht an ihren Gefährten und sah in den Himmel, erneut zog ein Sternenwind seine Bahn am Firmament.
"Lass mich dein sein für die Ewigkeit und länger."
Der warme Wind strich sanft durch das Fell der Wölfe.
Rykia sah noch einen Welpen. Sie lächelte warm und herzlich.
“Hallo Moon , ich bin Rykia , kannst mich Rya nennen. Geselle dich doch zu uns.“
Ihre Stimme klang einladend und freundlich.
Dayon lächelte zum ersten Mal, doch sein Lächeln war bitter und schmerzerfüllt.
"Würde ich mich rächen, so würde mich die Alpha verbannen ..."
Er hob den Kopf, sah zu dem Felsen, auf dem Banshee und Acollon lagen ... sie würde ihn jagen bis ans Ende der Welt ... wenn er sich rächen würde. Doch warum rächen? Für was? Jahlay war tot, ob nun ihr Mörder und der Mörder ihrer Welpen tot war oder nicht, würde nichts an ihr ändern. Nur einen weiteren Wolf würde es so schmerzhaft treffen wie es ihn getroffen hatte ...
Falk spürte, wie die Kälte aus dem Boden in seinen Körper kroch und ihn mit eisiger Faust drückte. Ihn schauderte es und er kuschelte sich dicht an Ayala. Jemand läuft über mein Grab... So würde er diese Vorahnung beschreiben.
Warum würde die Alpha ihn verbannen? Er folgte Dayons Blick, sah Acollon und Banshee in vertrauter Eintracht beieinander. Wieso sollte Banshee, die friedliche, freundlich Banshee...
Falk stellten sich die Nackenhaare auf. Acollon, es musste um Acollon gehen. Bruchstückhaft kamen Erinnerungen zurück, Erinnerungen an Acollon und sein Auftreten Falk gegenüber, Erinnerungen an den Tag des Erdwütens...
.oO(Acollon ist der Mörder von Dayons Gefährtin!)
Diese Erkenntnis traf Falk mit ganzer Wucht, raubte ihm für kurze Zeit den Atem. Erst als er seine Lungen schmerzhaft spürte, merkte er, dass er die Luft angehalten hatte und begann vorsichtig ein- und auszuatmen.
"Dayon... Ist das die Wahrheit, was du sagst? Acollon ... Acollon ist der Mörder deiner Gefährtin?"
Obwohl Ayala sich wieder schmerzhaft an ihre alte Zeit zurückerinnerte, die nie mehr zurückkehren würde, fühlte sie sich durch Falks Anwesenheit wohler, er zeigte ihr durch seinen Blick, wie sich Wärme anfühlte, ohne berührt zu werden, streichelte sie nahezu. Sie rückte noch ein Stückchen näher zu ihm.
Dann erst fiel ihr auf, dass Dayon lächelte - doch es war ein Lächeln voll Bitterkeit und Qual. Sie lauschte, was folgen würde. Sie nahm seinen Satz auf, doch er erschien keinen Sinn zu ergeben, sie drehte und wendete ihn, doch das Labyrinth in ihrem Kopf wurde nur noch größer...oder wollte sie ihn gar nicht verstehen? Hatte sie zu große Angst, längst zu wissen, was er meinte? Genau als ihr das klar wurde, sprach Falk genau das aus, was sie schon länger befürchtet hatte. Und doch zuckte sie bei seinen Worten zusammen - sie wollte es nicht wahrhaben. Was mussten das für Qualen für Dayon bedeuten, auch noch mit ihm...dem...Mörder seiner Gefährtin und seiner Welpen? ... in einem Rudel zu leben? Dann dachte sie an Moon, er war Acollon schon von Anfang an so feindselig gegenüber gestanden...jetzt ergab alles einen Sinn. Der arme Kleine...was er alles durchmachen musste! Sie würde ihm so gerne das geben, wonach er sich sehnte, für ihn da sein, ihm zeigen, dass er Freunde hatte.
Dayon ließ den Blick gesenkt, schien keine Antwort auf Falks Frage zu geben, nur sein Fang zitterte leicht. Eine ganze Weile stand er so unbeweglich da, dann sah er kurz auf.
"Hat das Bedeutung? Ich will nicht, dass ihr ihn hassen werdet, wenn er es war und ich es euch erzähle. Er scheint anders geworden zu sein ..."
Dayon schwieg, bitter warf er einen erneuten Blick auf Acollon. Er wusste, dass er etwas gesagt hatte, dass er selbst nicht meinte, doch was sollte er sonst sagen? Er fragte sich, wieso er hier blieb, wieso er nicht fort ging, was bedeutete ihm dieses Rudel schon? Aber etwas hielt ihn fest, ließ ihn Acollon nicht alleine lassen, als müsste er ihn überwachen, wenn er schon nicht tot war.
Falk spürte die Unruhe Ayalas, er wusste, dass auch sie wusste, was er wusste, noch bevor er diesen Satz ausgesprochen hatte, diesen Satz, der sein Verhältnis zu Acollon in tiefen Zwiespalt stürzte.
.oO(Aber wieso eigentlich? War ich denn besser? Hab ich nicht auch ganze Familien ausgerottet, habe ich nicht eine Blutspur, die keinen Vergleich zulässt, hinter mir hergezogen? Wie sollte ich dann Acollon hassen, wie? Dann müsste ich mich zunächst selbst hassen, zunächst an mir Rechenschaft üben...)Oo.
Er blickte Dayon scharf an, er konnte es in seinen Augen, den Spiegeln seiner Seele lesen, dass Dayon log. Dass Dayon sehr wohl ein Problem damit hatte, dass Acollon im Rudel war.
"Du lügst. Und außerdem lügst du schlecht. Aber was macht das schon... Wäre ich an deiner Stelle, Acollon wäre tot, so kann und will ich ihn auch nicht hassen, auch wenn seine Tat unverzeihlich sein mag, aber genauso gut hätte ich an seiner Stelle sein können und hätte nun deine Gefährtin auf dem Gewissen."
Falk senkte den Kopf und überlegte, dass es wohl besser war, wenn er dem Thema eine neue Wendung geben würde. Mein Gott, er hatte sich die Sternenwinde angucken wollen, allein, ganz in Ruhe und nun lag er hier bei einer Gruppe anderer Wölfe und sezierte ihrer aller Vergangenheit!
Wieder wanderten Falks Gedanken zurück zu der Problematik Acollon/Dayon. Langsam verstand er einige Dinge besser, die Feindseligkeit etwa, mit der Moon stets Acollon begegnet war... Er schloss kurz die Augen.
"Deine Gefährtin, Dayon... Erzähl mir von ihr! Wie war sie? Natürlich nur, wenn...wenn du möchtest..."
Lilo schaute sich um, da gerade keiner aufpasste ging sie einfach mal los, sie wollte das Revier erkunden, die kleine Welpin lief munter drauf los und drehte sich nicht einmal um. Sie war zwar traurig über ihre Familie aber hier gefiel es ihr irgendwie.
Jorun schaute sich um, wo war sie denn jetzt schon wieder gelandet. Schon wieder hatte sie sich verirrt, immer auf der Suche nach einem neuen Rudel, streunte sie unentschlossen herum. Doch jetzt spürte sie ein vertrauter Duft, der duft der Wölfe. Nervös lief die Jungwölfin auf und ab.
"Soll ich nun die Wölfe dieses Reviers aufsuchen oder nicht?"
fragte sie sich. Nach einer Weile, stampfte sie entschlossen auf. Sie will jetzt endlich die Nähe dieser Wölfe spüren.
Sie hob die Schnauze in die Luft und heulte stark und frei auf.
" Ich komme in Frieden, bitte lasst mich euch ansehen und euer Revier betreten."
hieß es. Dann wartete sie gespannt auf die Antwort. Wie viele es waren? Diese Wölfe? fragte sie sich in der Zwischenzeit.
Rya sah sich um, sie vernahm ein Heulen und erkannte an der Stimme das es eine Fähe war. Die Wölfin stand aufgeregt auf und lächelte freudig mit den Augen. Ob diese Fähe nett war? Sie hob den kopf sah in den Himmel und ging im Revier herum.
"Wer war die Fremde? Sie kommt in Frieden ..."
Gedanken huschten an ihrem Kopf vorbei und verstärkten die Neugier. Langsam trugen sie ihre Pfoten zum Fluss, sie senkte die Nase und trank. Sie sah nach einer Weile Wölfe, sie waren bestimmt im Rudel. Aber sie sahen aus als hätten sie etwas Wichtiges zu besprechen, also wagte die Wölfin nicht sie zu stören.
Jorun wartete, doch irgendwann wurde ihre Neugier einfach zu stark und sie trabte vorsichtig in das Revier hinein. Dort schaute sich die Jungwölfin bewundern um und staunte nicht schlecht. dann hörte sie plötzlich Schritte einer Wölfin (Rykia) die zu einem See trabte, vorsichtig trabte sie ihr nach und fragte schwanzwedelnd und mit demütiger Haltung:
" Bist du auch von diesem Rudel?"
Falk hatte seine Frage kaum gestellt, als er das Heulen aus der Nähe vernahm. Er kniff die Augen zusammen, bis sie nur noch schmale schwarze Striche waren und nahm Witterung auf. Eine fremde Fähe, sie hatte die Grenzen des Reviers überschritten. Jäh sprang er auf.
"Entschuldigung. Eine Fremde ist da."
Kurz sah er sich, da war die Fremde schon da, näherte sich der Fremden, die sich nun doch aus dem Wald zum Rudel bewegt hatte, die sich vom Rudel bis jetzt eher distanziert und nun auch noch Moon sitzen gelassen hatte. Falk war sie nicht sonderlich sympathisch, zudem war sie ihm nicht ganz geheuer. Er vertraute ihr nicht. Und womöglich kannte die Fremde die schweigsame fremde Fähe, eventuell gehörte auch noch Diablo...
Nein, das war nun doch etwas paranoid. Falk schüttelte kurz den Dreck von seinem Fell, das vom Liegen auf dem staubigen Boden in seinem hellen Pelz auch der Bauchseite hängen geblieben war und fragte sich:
"Soll ich jetzt hingehen und die Fremde begrüßen? Oder machen das Nyota und Banshee, beziehungsweise Acollon? Nachher fühlt der sich nur angegriffen, weil ich mich immer vordrängele..."
Unschlüssig blieb Falk stehen wo er war und sah zwischen der Gruppe Wölfe, die sich um ihn gescharrt hatte und der Fremden hin und her, beobachtete dabei die Alphas und den Beta aus den Augenwinkeln. Würden sie reagieren?
Jorun sah auf, das sah sie eine Gruppe Wölfe, einer dieser Wölfe starrte sie fast ein wenig feindselig an. Es lief ihr kalt den Rücken hinunter. Sie fing an zu zittern, sie hatte Angst. Sie wusste nur zu gut, was passierte wenn ein Wolfsrudel feindselig war. Doch es war zu spät, sie war schon hineingelaufen. Unsicher schaute sie die fremde Fähe an, doch irgendwie schien sie nicht dazuzugehören. Zögernd machte sie einen Schritt zurück, die Ohren an den Kopf gepresst, die Rute eingezogen.
"Nein, ich bin schon hinein gelaufen, ich muss jetzt da durch."
ermahnte sie sich und machte wieder einen Schritt nach vorne. Ängstlich schaute sie den Wolf an, doch auch er zögerte. Doch dann fasste sie allen ihren Mut zusammen und ging langsam zu dem Wolf. Sie war nun immer näher gekommen es trennten sie nur noch 10 Meter und dort machte sie die unterwürfige Geste, rollte sich am Boden auf den Rücken und winselte leise, so wie die Welpen. Sie war schließlich auch noch eine Jungwölfin.
Und dann hörte sie selber ihre Pipsstimme die zu dem fremden Wolf sagte:
"Es tut mir Leid, ich weiß, ich bin zu voreilig gewesen, bitte tut mir nichts, ich war doch nur so neugierig und fasziniert von eurem Rudel."
stammelte sie. Sie zitterte nun nur noch fester und insgeheim verdammte sie sich diesen Fehler begonnen zu haben, den Fehler einfach ein Revier zu betreten ohne dieses Rudel zu fragen.
Banshee schrak auf, als eine Fremde ihr Heulen in das Tal schickte. Kurze Zeit blieb sie liegen, dann küsste sie Acollon auf die Schnauze und stand auf. Federnd sprang sie von dem Felsen und wollte sich auf den Weg zur Reviergrenze machen, als ihr der scharfe Geruch der Fremden ganz aus der Nähe zu getragen wurde. Sie fuhr herum und sah sie mit Rykia am See stehen, ihre Augen wurden starrer, doch war sie innen eher etwas verwundert. Eilig trugen ihre Pfoten sie zu der Fremden, aufgerichtet trat sie zu ihr.
"Ich bin Banshee, Alpha dieses Rudels. Sag mir, wieso heulst du und kommst doch sofort zu uns ohne auf Erlaubnis zu warten?"
Banshee war nicht verärgert, die Fremde schien friedlich, ihre Worte waren eher belehrend.
Jorun schrak zusammen als noch eine 2. Wölfin zu ihr kam, die Alpha. Doch langsam zitterte sie nicht mehr so fest, blieb jedoch trotzdem am Boden liegen und winselte obwohl die Wölfin ihr sehr freundlich vorkam.
"Es tut mir Leid, aber meine Neugier hatte mich dazu gezwungen in euer Revier hinein zu gehen, bitte verzeiht mir, ich war nur so überglücklich. So glücklich endlich ein Rudel gefunden zu haben, in dem ich mich wohl fühlen kann, ich weiß auch nicht, aber ihr kamt mir so sympathisch vor."
Jorun schaute die Alpha an, sie sprühte kraft und Treue aus so dass es ihr richtig wohl wurde, fast so wie früher, doch an früher wollte sie nicht denken, noch nicht.
Banshee lächelte, sie freute sich über die Jungwölfin vor ihr, sie schien noch so jung und glücklich, wie wohl auch viele andere einst waren.
"Nun gut, es freut mich, dass du zu uns gefunden hast. Sag mir, wie ist dein Name? Und willst du bei uns weilen?"
Langsam ließ sie sich auf die Hinterpfoten gleiten und musterte die Fähe. Sie schien so fröhlich und alle Strenge war aus Banshees Gesicht gewichen, falls vorher etwas ihr Gemüt überschattet haben sollte.
Plötzlich verließ die Angst Jorun und sie wurde wieder fröhlich und munter wie immer. Die Alpha war ihr irgendwie so vertraut. Langsam stand sie auf, jedoch schaute sie sehr auf ihre demütige Haltung. Alles leben war in Jorun zurückgekehrt und Jorun trotzte nur so vor Freude. Endlich Wölfe.
" Ich heiße Jorun, aus dem isländischen und bin eine Jungwölfin, ich hatte mein Rudel verlassen einerseits aus Neugier, anderseits aus Trauer, Trauer weil ich nie beachtet worden war, niemand hatte mich gerne, es war ein Rudel der Trauer. Ich würde gerne bei euch verweilen, falls ich als Rudelmitglied angesehen werden würde."
Hoffnungsvoll schaute sie die Alpha an, sie hoffte sehr auf eine positive Antwort
"Und wenn ich fragen darf, wer bist du?"
Die Augen Banshees lagen warm auf der Wölfin vor ihr, ihre Freude steckte auch die Alpha an, ihre Rute wischte glücklich durch das wehende Gras.
"Willkommen Jorun, natürlich wist du bei uns bleiben können. Ich hoffe, wir können dir eine schönere Zeit gewähren, als dein vorheriges Rudel."
Sie schwieg kurz und warf einen Blick über die Schulter zu dem Rest ihres Rudels, alles schien friedlich.
"Wie ich schon sagte, ich bin Banshee, dies ist mein Rudel und unser Revier ist das Tal der Sternenwinde ..."
Mit der Schnauze deutete sie nach oben.
"... was man wohl an den vielen Sternenwinden erkennen kann."
Fast stolz sah sie nach oben, die Boten Engayas huschten ruhelos über den Himmel, Banshees Augen strahlten.
Jorun strahlte Banshee glücklich an, sie war sich sicher dass es ihr hier gefallen würde. Sie richtete ihre Augen zum Himmel und staunte nicht schlecht. Langsam sank ihr blich wieder und blieb bei Banshee hängen, die stolz hinaufschaute. Sie war sicher eine tolle Alpha.
"Ja, ich bleibe natürlich gerne hier."
Verspielt wedelte sie mit der Rute und schlabberte vorsichtig mit ihrer Zunge über Banshees Schnauze.
Banshee stand langsam auf, stupste Jorun freundlich an und ging dann auf die anderen zu, zu Jorun sagt sie lächelnd:
"Komm, lerne nur einmal die anderen kennen."
Sie schlenderte zu Falk, Ayala und Dayon, blieb neben ihnen stehen und stupste auch sie an. Wedelnd sah sie zwischen de vieren hin und her.
Fröhlich trabte sie Banshee nach. sie war so glücklich endlich in einem Rudel zu sein.
Wie die anderen Wohl waren? Wenn sie so wie banshee waren würde sie sie sicher lieben. Bei den anderen 4 angekommen stellte sie sich fröhlich vor:
"Hallo, ich bin Jorun und hoffe sehr in eurem Rudel gut aufgenommen zu werden, da ich ja noch neu bin"
Schwanzwedelnd stupste sie die anderen vorsichtig an. Bei Falk war sie aber besonders vorsichtig, da er sie so misstrauisch angeschaut hatte.
Dayon beobachtete Falk, was dachte er? Was bedeutete für ihn die soeben gewonnene Erkenntnis? Kurz wanderte sein Blick auch zu Ayala, was dachte sie darüber? Beide schienen nachdenklich, Dayon begann seine Worte zu bereuen. Er zuckte zusammen, als hätte ihn jemand ins Gesicht geschlagen, kniff die Augen zusammen und zitterte fast. Dann entspannte er sich wieder, sah auf und schüttelte den Kopf, er wollte etwas sagen, doch wusste er nicht was. Als Falk seine Frage stellte war Dayon fast erleichtert das Schweigen überbrückt zu haben, doch bevor er antworten konnte tauchte erneut eine Fremde auf. Zwar erhob sich Falk nicht, doch schwieg Dayon ... es freute ihn nicht, dass ihr Gespräch unterbrochen wurde, er hatte erstmals das Gefühl entdeckt, wie es war, dass sich jemand um ihn kümmerte und ihm zuhörte. Als dann auch noch Banshee mit der Fremden zu ihnen kam lächelte Dayon nur schwach und sagte mit der zurückgekehrten schwachen und weit entfernten Stimme:
"Willkommen Jorun, ich bin Dayon ... freut mich dich kennen zu lernen."
Sein Blick wanderte wieder zu Falk und Ayala dann zurück zu Jorun. Sie schien so freundlich und glücklich, fast sehnte er sich genauso sein zu können.
Kamui sah Nyota an, er registrierte das Lächeln und wusste, das er es noch nie zu vor an ihr gesehen hatte. Es galt ihm, sie sah ihn so an, wie er noch nie angesehen wurde und er wurde sichtlich nervös. Sein Herz schlug schneller, er spürte wie sie, das da etwas war, zwischen ihnen beiden, das die Wölfin mehr für ihn war, als nur die Alpha des Rudels. Sie bedeutete mehr als die anderen Wölfinnen und er konnte nicht ergründen, seit wann er dies so sah. Doch jetzt, in diesem Augenblick wurde es ihm klar wie nie. Er kannte sie kaum, wusste so wenig über sie und er wollte alles wissen, alles.
"Seit wann lebt ihr hier? Du und Banshee? Seit wann existiert dieses Rudel?"
Jorun schaute zu Dayon als sie seine Stimme hörte. Er schien unglücklich und ungeheuer weit entfernt aber irgendwie war er ihr so vertraut. Seine Stimme zeigte Trauer und Jorun tat es nur schon weh dass zu hören. Sie schlabberte ihm sanft über die Schnauze.
"Hallo, freut mich auch."
Nochmals schaute die Jungwölfin ihn seine Augen, irgendetwas Flehendes las sie darin ab, doch auch etwas genervtes, trauriges. Sie wollte ihn deshalb lieber nicht stören und wandte sich wieder den anderen zu.
"Und, wie lange seid ihr schon in diesem Rudel?"
fragte sie in der Hoffnung die Wölfe besser kennen zu lernen.
Lilo wurde so langsam echt langweilig deswegen ging sie zurück zum Rudel als sie dort angekommen war ging sie sofort zu der Alpha
"Duhu? Ich habe grooooooooßen Hunger!"
sagte sie.
Banshee sah zu Lilo und nickte dann langsam.
"Wir werden bald jagen gehen, erst müssen sich die Neuen einfinden, dann können wir unseren Hunger stillen. Wenn du willst kann aber auch einer von uns dir Jagen lehren."
Sie legte leicht den Kopf schräg und lächelte die Welpin vor ihr an. Dann glitt ihr Blick über die anderen Wölfe, vielleicht wollte einer von ihnen sich der Welpin annehmen?
Ayala war weit entfernt von ihrer eigentlichen Anwesenheit. Sie war richtig vertieft in diese quälenden Gedanken vergangener Zeiten - als sie noch so naiv war, nur an das Gute glaubte und einfach nur lebte, ohne Sorgen, ohne Ängste. Einen Moment lang bemerkte sie das Geschehen um sie gar nicht mehr - bis sie aus ihrer Gedankenwelt gerissen wurde. Ihr vorher ernster Gesichtsausdruck wurde gleich weicher, als sie sah, dass Banshee mit einem scheinbar neuen Mitglied aufgetaucht war. Freundlich ging sie auf die beiden zu.
"Hallo...ich bin Ayala, Gamma dieses Rudels. Herzlich Willkommen!"
zuerst wartete sie, hatte sich die fremde Fähe schon vorgestellt, als sie es nicht mitbekommen hatte?
"Tut mir leid, ich war gerade etwas...abwesend...wie heißt du?"
freundlich lächelte sie die andere an.
Falk musterte diese Jorun, die es gewagt hatte, in ihr Rudel einzudringen. Er schätzte sie ab, sie war ängstlich und schien insgesamt eher vom harmloseren Schlage zu sein. Unter anderen Umständen wäre er jetzt sicherlich freundlicher zu ihr gewesen, doch das Gespräch war hauptsächlich durch sie gestört worden, gerade in dem Moment, in dem sowohl er als auch Dayon sich zu öffnen begannen...
"Ich bin Falk von Scharfenberg und der andere Gamma hier... Willkommen also - und ach ja, ich bin seit diesem Frühjahr hier im Rudel."
Falk richtete sich in voller Größe auf. Er überragte jeden in der kleinen Runde, was aber auch nicht weiter verwunderlich war, aufgrund seiner Verwandtschaft mit Werwölfen. Er wollte dieser fremden Fähe gleich deutlich machen, dass es besser war, ihm mit dem nötigen Respekt zu begegnen - allerdings würde er wohl mit ihr auskommen, sie wirkte nicht unsympathisch, lediglich etwas zu ängstlich.
Er warf Dayon und Ayala einen kurzen Blick zu und überlegte, wie er Banshee bedeuten konnte, dass ihre Anwesenheit hier gerade etwas störend war.
"Wenn Jorun bleiben will, könntet ihr sie doch erstmal etwas im Revier herumführen... Vielleicht tut sich ja eine neue Höhle auf gleichzeitig?"
Er blickte Banshee fest in die Augen, nickte kurz zu Dayon, sah Banshee wieder an und lächelte freundlich. Hoffentlich verstand sie, worum er sie bat...
Banshee nahm den Blick Falks auf, flüchtig streiften ihre Gedanken sich, lächelnd nickte sie. Jedem von den dreien wurde ein weiterer, sanfte Blick zu geworfen, dann schob sie Lilo vor sich her zu Jorun, stupste diese an und zeigte lächelnd mit der Schnauze in den Wald.
"Komm, wenn du willst, können wir Lilo zusammen das jagen lehren."
Den Gedanken der gemeinsamen Jagd hatte sie zunächst verlegt, Ayala, Falk und Dayon schienen wichtiges zu besprechen, nicht für die Ohren von noch Fremden bestimmt, wohl auch nicht für ihre. Schwanzwedelnd tauchte sie in den Wald ein und drehte sich dann zu Jorun um.
Das Lächelnd auf den Lefzen des Schatten blieb...oder...? Nein, ein zweites Gefühl hatte sich auf Nyotas Zügen eingeschlichen, versuchte sich zu verbergen, und schaffte es doch nicht.
"Seit einigen Monaten leben wir wieder hier...dies war auch früher unsere Heimat, doch wir mussten sie verlassen...und nun sind wir wieder da..."
Ihre Stimme schwankte, wurde leiser...nein, gerade jetzt? Gerade jetzt, wo sie einen weiteren Grund zum Bleiben gefunden hatte, wo langsam Harmonie einkehren sollte, ohne in Ruhe zu verfallen...
Stumm erwiderte sie Kamuis Blick, noch nicht...nicht jetzt, es wäre zu früh...nein...
Ihre Gedanken verliefen sich im Sand, und ihr Bewusstsein kehrte zurück, zurück in den Moment, den Moment in dem sie, von kühlem Wasser umgeben, bei Kamui lag, und ihn sanft anlächelte...
Jorun war verwundert über Falk, wieso konnte sie nicht beschreiben, jedoch merkte sie, dass sie ihm Zeit lassen musste, sie würden sicherlich noch besser miteinander auskommen. Dachte sie, hoffte sie. Freundlich musterte sie Ayala und wedelte freundlich mit der Rute.
" Ich bin Jorun, entschuldige aber ich muss gehen, wir lernen uns sicher noch besser kennen."
Sie lächelte noch einmal freundlich und wandte sich dann ab. Mit einem stürmischen Galopp rannte sie zu Banshee und Lilo wo sie einen Vollstopp vollendete.
" Also, auf was warten wir, los geht’s."
Und schon trabte sie wieder an.
Falk warf Banshee einen dankbaren Blick zu und hoffte, dass der Moment, dieser kostbare Moment, nicht durch die kurze Unterbrechung zerbrochen worden war. Sein Blick streifte Dayon und streichelte den Blick Ayalas, dann sah er Banshee, Jorun und der kleinen Lilo hinterher.
"Bis später, Banshee! Und Jorun, wir werden uns sicher noch kennen lernen - zu einer späteren Gelegenheit."
Er hatte seiner Stimme einen freundlichen Klang verliehen. Sein erster Eindruck schien sich zu bestätigen, diese Fähe war freundlich und harmlos, lediglich nur ein bisschen schüchtern, sagte sich Falk und nickte zufrieden.
Sein Blick blieb auf der verschwindenden Gruppe liegen und begleitete sie kurz, wanderte dann nach oben und verfolgte die Sternenwinde, fand schließlich bei Dayon und Ayala wieder sein Ziel. Varloc schien sich entfernt zu haben.
Ayala blickte Ban und Jorun nach...die noch sehr junge Fähe schien freundlich und offen zu sein. Mit einem Lächeln dachte sie an Bans mütterliche Art, mit der sie einst auch sie aufgenommen hatte. Sie dankte ihr für ihr Verständnis, mit der sie sich nun Lilo und Jorun angenommen hatte. Manchmal hatte Ayala das Gefühl, Banshee sei ein Geschöpf, das Engaya selbst verkörperte - ihre Güte und ihre innere Kraft schienen oft unerschöpflich.
Ayala spürte, wie der Blick Falks auf ihr ruhte. Sie begegnete ihm mit einem freundlichen, vielsagenden Lächeln. Dann schloss sie für kurze zeit ihre Augen, sammelte sich und ihre Gedanken und blickte Dayon an - sie hoffte so sehr, er würde weiterreden, ebenso wie Falk - sie war so froh, dass sie schon so weit gekommen waren, sie wusste selber wie gut es tat, sich auszusprechen, auch wenn man im ersten Moment nur eine große, scheinbar unendliche Leere verspürte.
Dayon verfolgte Lilo, Jorun und Banshee mit seinem Blick und nahm sich vor der Alpha später zu danken. Fast glücklich war er in diesem Moment, wo er seinen Blick erneut auf Ayala und Falk richten durfte. Beide sahen sie ihn an, doch wusste er nicht, wie er beginnen sollte. Was wollte er eigentlich erzählen? Von Jahlay ... von der Geburt ihrer Welpen ... von dem Gefühl Vater zu sein und zusammen mit der wahrhaft besten Wölfin ein Rudel zu führen? Sein Blick wurde unsicherer, huschte zwischen den beiden so seltsam vertraut gewordenen Wölfen hin und her.
"Ich ... ich ... was wollt ihr über Jahlay wissen?"
Die Frage war nur unsicher in den Wind gehaucht, die Unterbrechung hatte ihn verwirrt, wusste nicht, ob die beiden Wölfe wirklich seine ganze Geschichte hören wollten, wusste nicht, was er sagen sollte.
Ayala musterte Dayon sanft mit ihren dunklen Augen. Gerne hätte sie gelächelt über seine etwas unbeholfene Unsicherheit, doch nun lächelte sie aus Freude und Dankbarkeit, dass er ihnen scheinbar vertraute. Sie lächelte in sich hinein, ihr vorhin noch so frierender Körper wurde wärmer, erfüllt von innerer Zufriedenheit. Nach außen hin aber gab sie sich ernst - sie blickte Dayon nochmals an, dachte über seine Frage nach...was sollte sie antworten? Das, was sie wirklich dachte - sollte er am liebsten alles erzählen? Alles, was er erlebt hatte, was ihm widerfahren war? Alles, wofür es sich gelohnt hatte zu leben?
"Dayon...erzähle uns das, was du uns anvertrauen willst."
Ihre Augen schienen ihn beinahe anzulächeln, auffordernd, aber nicht drängend. Sie würde warten, wenn es sein musste lange, sie würde warten, bis er von sich aus das Bedürfnis hatte, anzufangen. Dann blickte sie zu Falk...würde auch er beginnen zu erzählen?
Moon war Lilo gefolgt, nachdem sie ihn einfach stehen gelassen hatte. Nun versuchte er ihre Fährte aufzunehmen, da er nicht schnell genug gewesen und sie ihm davon gerannt war. Nun suchte er mit der Schnauze am Boden und merkte erst zu spät, dass er an etwas stieß. Als er sich etwas beschämt aufrichtete, fand er sich an Banshees weichem, weiß glänzenden Fell wieder.
"Oooops...Entschuldigung..."
mit seinen großen Augen blickte er Banshee reumütig an und erblickte dann Lilo.
"Ach, Lilo, Jìaye..."
Jorun schaute amüsiert zu als der kleine Welpe in Banshee hineinlief.
"Jìaye du kleiner Welpe. Ich bin Jorun und erst gerade neu in dieses Rudel gekommen. Und wer bist du?"
Sie lächelte dem kleinen zu und schaute dann zu Banshee.
Falk hatte befürchtet, dass der Moment durch die Unterbrechung zerstört würde und zumindest ihn hatte eine innere Unruhe gepackt, als er sich zu entspannen versuchte. In seinem Kopf spukte das Bild von Leah herum, Leah, immer wieder Leah, Leahs warmer, rehbrauner Blick, Leah im Schnee der Alpen, Leah schlafend, Leah wachend, Leah jagend, laufend, kämpfend, heulend, sterbend...
Unwillig schloss Falk mehrmals die Augen, drückte sich an Ayala, vergrub seine Schnauze in ihrem Fell und hoffte, dass sie es verstehen möge... Er wollte in ihrer Nähe sein...
.oO(Du würdest mir Leah nicht ersetzen können... Das sollst du auch nicht... Niemals sollst du wie Leah sein, nie...)Oo.
Ein sanfter Wind fuhr Falk um den Kopf, streichelte ihn zärtlicher, fuhr etwas ungestüm zwischen seinen Ohren hindurch...
Falk stutzte. Seine Ohren, sein Ohr, sein rechtes Ohr... Er versuchte sich zu erinnern, aber... Es war lange her, das sein Ohr das letzte Mal vor Aufregung oder Nervosität gezuckt hatte... Bedeutete das nun, dass er endlich, endlich...angekommen war...? Eine Welle von Glück überrollte ihn, machte ihn ganz benommen...
Banshee fuhr erschrocken herum, als plötzlich etwas gegen ihr Bein knallte, im ersten Moment war sie verwirrt, dann entdeckte sie Moon, der verdattert schauend neben ihrem Lauf lag.
"Na Moon, willst du mit uns gehen?"
Sie lächelte Jorun zu, sie schien gut mit Welpen umgehen zu können, es schien eine gute Entscheidung sie mitzunehmen. Einmal warf sie noch einen Blick zurück, Dayon war bei Ayala und Falk, sicher würde er ihnen erlauben seinen Sohn mitzunehmen, Banshee wollte sie nicht noch einmal unterbrechen.
Jorun sah Banshees Blick zurück und verstand.
"Na los, kommt doch, wir können uns ja auch noch auf dem Weg kennen lernen oder?"
Sachte stupste sie die beiden Welpen einwenig an und stieß sie nach vorne. Selber trabte sie verspielt voraus und rief laut:
"Fangt mich doch, wenn ihr könnt!"
Ayala haftete mit ihrem Blick immer noch auf Dayon, als sie plötzlich Falks feuchte Schnauze in ihrem Fell spürte. Erst jetzt wurde ihr klar, wie viel ihm das Ganze zu schaffen machte. Sie drückte sich näher an ihn, als wollte sie ihn wärmen. Sie wusste an was er dachte, wie sehr er sie vermisste, er musste ihr nichts erzählen, sie konnte es spüren. Leise hauchte sie ihm ins rechte Ohr, das leicht zuckte:
„Ich werde immer für dich da sein, Falk, egal was noch passiert!“
Dann durchfuhr sie ein Gefühl der Vertrautheit, der Verbundenheit. Egal, was er erzählen würde, sie würde zu ihm halten, das wusste sie sicher.
Moon lächelte Jorun an, die ihn so freundlich begrüßt hatte:
"Jiaye, Jorun! Ich bin Moon, Sohn von...Dayon"
Bei diesem Namen durchfuhr Moons Herz jedes Mal ein kleiner Stich - früher hatte "Dayon" so fröhlich und lebhaft geklungen, jetzt hatte er an Klang und Farbe verloren, klang nach Mutlosigkeit und Trauer. Moon wandte sich an Banshee, die ihn wie so oft mit ihrem freundlichen Lächeln anblickte.
"Sehr gerne, Banshee le Fay!"
Dann stolperte er übermütig Jorun hinterher, eine Art, die er selten besaß.
Acollon atmete lange und gleichmäßig. Seine Brust hob und senkte sich. Sein Körper wurde immer ruhiger und sanfter. Seine Augenlider wurden schwer und müde. Etwas hatte ihn gepackt. Diese Ruhe, diese Stille. Er hatte sein Glück gefunden, es war hier. Bei Banshee. Mit geschlossenen Augen murmelte er leise:
„Banshee, ich liebe dich.“
Doch dann schlief er ein, und glitt in einen leichten traumlosen Schlaf.
Banshee lief etwas gemütlicher den dreien hinter her, sie hatte es nicht eilig, überlegte sich eher gerade, wie sie die Jagdstunde der Kleinen gestalten sollte, als sie plötzlich etwas stutzen ließ. Es war ihr, als könnte sie Acollons Stimme hören, doch wusste sie, dass er noch immer auf dem Felsen lag, wo sie ihn zurück gelassen hatte.
Banshee, ich liebe dich
Schien der Wind ihr zu zu flüstern. Eine Sekunden lag blieb sie stumm stehen dann flüsterte sie ebenso leise mit dem Wissen, dass der Wind auch ihre Worte zu Acollon tragen würde.
"Ich liebe dich auch, Acollon, bald werden wir wieder zusammen sein."
Langsam wandte sie sich um, die drei Wölfe waren schon weiter vorne, nun beschleunigte sie ihren Schritt etwas und rief schließlich nach ihnen.
"Nicht so schnell, wollt ihr nicht etwas lernen?"
Sie lächelte leicht, doch ihre Gedanken verweilten noch immer bei Acollon.
Dayon beobachtete die beiden und entschloss sich nach einer Weile doch wohl lieber zu gehen, hätte nicht er das gleiche gewollt? Lautlos erhob er sich, wandte sich um und ging auf den See zu, mitten im Laufen hielt er an, drehte wieder um um sich der Gruppe Banshees anzuschließen. Die Tatsache, dass er so erneut an Ayala und Falk vorbeilaufen musste verursachte ein Gefühl des Unwohlseins, doch ließ es sich wohl nicht vermeiden. Als er endlich in den Wald eingetaucht war, überrollte ihn eine Welle der Erleichterung, das Gefühl konnte er sich selbst nicht so ganz erklären. Unbeweglich blieb er stehen und suchte mit den Augen nach Banshees weißem Fell, Moons kleinem braunen Körper und der sich ewig bewegenden Jorun, nichts konnte er entdecken.
Leé trottete durch den sonnigen Wald. Es sah wunderschön aus, wie die Sonne durch die Stämme der Bäume leuchtete. Doch Leé sah nichts von dem. Ihr wurde abwechslungsweise schwarz und rötlich vor den Augen und sie wankte, als drohe sie gleich umzufallen.
Doch sie trieb sich innerlich an.
.oO(Weiter.....weiter...immer weiter....)
In der Ferne sah sie einen silbernen Schimmer und neuen Lebenswillen wuchs in ihr. Wasser, endlich Wasser!
Leé ließ sich erschöpft vor dem kleinen Bächlein sinken und trank gierig von dem klaren und kühlen Wasser des Bächleins. Als die kleine Fähe endlich den furchtbaren und quälenden Durst gestillt hatte stand sie müde auf und schlurfte unter einen dichten Busch, den sie als gutes und sicheres Versteck entdeck hatte.
Unter dem dichten Busch ließ Leé sich müde plumpsen und fiel zwischen den Blättern, im Schatten, in einen tiefen und ruhigen Schlaf.
Falk hatte nicht bemerkt, wie Dayon aufgestanden und gegangen war, er hatte Ayalas Worten nachgelauscht. Sie würde zu ihm stehen. Sie würde bei ihm sein. Eine tiefe Ruhe ergriff Falk. Er wusste, dass er Ayala vertrauen konnte. Sie und Dayon, sie beide, sollten es nun erfahren, sollten alles wissen und dann über ihn urteilen, aber wenn auch nur Ayala weiterhin zu ihm hielt, würde Falk dies schon mehr bedeutet als vieles anderes.
Kurz suchten seine Augen Diablo. Er hatte keine Lust, dass dieser Idiot ihn jetzt störte... Dieser Augenblick gehörte nur ihm, Ayala und Dayon. Niemals wollte er ihn mit jemandem wie Diablo teilen.
"Es ist lange Zeit her"
begann Falk,
"da lebte ich in einem Rudel, das groß und mächtig war. Es war eine Ehre, wenn man sich überhaupt zu diesem Rudel zählen konnte und ich konnte es, oh ja, ich, ich konnte es auch. Und nicht nur das, ich war nicht nur Bestandteil dieses Rudels, ich war viel mehr... Ich war Beta, unterstand direkt den Alphas und war ihr engster Berater. Das war so, weil ich nicht nur größer als alle normalen Wölfe war, stärker als die meisten und ein hervorragender, wendiger Jäger, nein, ich hatte den geeigneten Charakter, ich war, ich war...ich war die Verbindung zwischen den Alphas und dem Rudel, ich..."
Er besann sich kurz, schloss die Augen für einen Moment und erzählte dann weiter.
"Ich hatte eine Gefährtin. Leah war ihr Name und sie war so ziemlich das genaue Gegenteil von mir, aber ich wollte, ich wollte... Ich wollte, dass sie die Mutter meiner Welpen wird, dass sie mit mir den Rest meines Lebens verbringt, doch dazu...dazu sollte es nicht kommen."
Falk schüttelte kurz den Kopf.
"Es gab Wölfe, die mochten mich nicht, waren neidisch. Ja, das waren sie wohl, neidisch, und sie griffen mich an und Leah und...und meine Geschwister und... Jedenfalls... Ich war am Kämpfen und hörte Leah, sie rief meinen Namen. Ich bin zu ihr hin, aber... Ayala, ich..."
Wieder schloss er die Augen, öffnete sie nicht mehr.
"Ich war zu spät, ich war einfach zu spät. Ich musste hilflos mit ansehen, wie vor meinen Augen erst Leah und dann meine Geschwister dahingerafft wurden. Ich habe mich gerächt, blutig...blutig gerächt..."
Er öffnete die schwarzen Augen wieder, keine Regung war in ihnen zu erkennen, bis er plötzlich scheinbar aufwachte und sich umsah.
"Dayon, wo ist Dayon?"
Jorun lächelte den kleinen Moon liebevoll an.
" Na kleiner Moon, was willst du denn genau jagen?"
Sie zupfte Moon sanft an der Rute und zog ihn ein wenig zurück, denn sie hatte Banshees Worte gehört und fand es besser nicht einfach davon zu rennen.
" Und Banshee, was willst du den kleinen hier als erstes beibringen?"
Bei diesen Worten zupfte sie Moon frech am Ohr "du Kleiner" schien sie lautlos zu sagen und gestattete sich ein Grinsen. Suchend schaute sie sich nach Lilo um.
"Lilo, wo ist denn Lilo?"
Leé erwachte, doch sie öffnete ihre Augen nicht. Sie hörte das beruhigende Plätschern des Bächleins. Langsam öffnete Leé ihre gelben Augen.
"Mama, ich..."
begann sie. Doch Leé verstummte schnell. Sie war nicht zuhause. Ihr Rudel gab es nicht mehr.
Leé schüttelte ihren Kopf heftig, als wolle sie die Gedanken aus ihrem Kopf herausschütteln. Schnell und mit neuen Kräften machte sie sich auf die Suche nach einer neuen Familie. Als sie elegant und Gemächlich durch den Wald schritt, roch sie andere Wölfe. Die kleine Leé konnte sich ein erfreutes und erleichtertes Kläffen nicht verbeißen, so erfreut war sie. Doch bald wusste sie wieder, dass sie vielleicht nicht in dieses Rudel aufgenommen würde und sie schaute nachdenklich in den Himmel, wo die Sonne nach wie vor auf die Erde nieder brannte. Die braune begann zu rennen. Blitzschnell und doch leise flitzte sie durch den Wald, bis sie auf eine Grosse Lichtung kam auf der ein See lag. Im See und auf der Wiese lagen oder standen viele Wölfe.
Wieder konnte Leé das hohe und erfreute kläffen nicht zurückhalten und sie war bis über den See zu hören.
Erschrocken über ihr kläffen versteckte sich Leé schnell im nahen Gebüsch. Zwei ängstliche und doch neugierige Augen starrten nun aus dem Gebüsch auf das Rudel.
Die Jungwölfin schaute erstaunt auf als sie das Gefühl hatte ein kleines Kläffen zu hören, sie spitze die Ohren. Nein ... da war ja gar nichts ... doch jetzt hatte sie es wirklich gehört, Jorun war sich ganz sicher.
"Entschuldige, aber ich glaub ich hab was gehört."
murmelte sie Banshee und Moon zu und trabte dann zurück Richtung See. Jetzt schon wieder dieses kleine Kläffen, es hörte sich an wie ein Welpe. Jorun witterte. Ja, da war was ... ein kleiner Geruch ... oder war es jemand vom Rudel der sie nicht kannte? Entschlossen trabte sie weiter, dem Geruch nach. Am Waldrand, bewegte sich da nicht etwas? Vorsichtig ging sie näher, steuerte ein kleines Gebüsch an... ja, jetzt konnte sie eindeutig was sehen, etwas Braunes. Jorun blieb stehen und spähte durch das Gebüsch hindurch … ein Welpe.
"Jiaye, fremder Welpe. Du musst dich nicht verstecken, komm doch hervor, wir machen dir nichts, komm."
Jorun gab sich mühe ihre Stimme verlockend klingen zu lassen, sie war ja selbst so neugierig und nervös...
Ayala hörte Falk ruhig zu, sie ließ ihn ausreden, unterbrach ihn nicht, obwohl sie viele Fragen hatte. Doch er war so versunken in seinen Erinnerungen, so verzweifelt so... geschwächt im Innern. Sie spürte seine Verzweiflung, konnte seinen Schmerz fühlen, unerträglich und quälend.
Die Worte, die langsam aus ihm heraus brachen, erinnerten sie an ihre eigene Vergangenheit, das viele Leid...nun schloss auch sie die Augen, lauschte seinem Klang der Worte, die sich in ihrem Kopf sammelten, stauten und wie das Rauschen eines reißenden Flusses wieder verschwanden.
Lange Zeit saßen sie so da, verbunden durch Erinnerungen und Schmerz. Doch zugleich regte sich in Ayala etwas anderes, der tiefe Drang ein neues Leben zu beginnen, zusammen mit ihm, mit Falk. Bisher hatten sie nicht viel Zeit miteinander verbracht -und doch waren ihre innere Verbundenheit und das Vertrauen schon so groß...
Gerade wollte die weiße Fähe ansetzen, als Falks Stimme einen anderen Klang annahm. Ayala wurde plötzlich wieder in ihre normale Verfassung zurückgeholt. Was hatte er gefragt? Dayon...sofort richtete sie sich auf, wo war er? Warum war er gegangen? Fragend blickte sie in Falks dunkle Augen - sollten sie ihn suchen gehen? Ihn zurückrufen?
Dayon setzte sich langsam, er konnte die Gruppe Banshees nicht erspähen und der Wind strich über seinen Rücken von ihm weg. Unschlüssig was er nun tun sollte blieb er einfach dort, wo er nun war. Er hätte gerne mit Falk und Ayala weiter geredet, doch diese innige Zweisamkeit die so offensichtlich herrschte wollte er niemals durchbrechen. Zu genau wusste er, wie dies war, schließlich hatte er selbst schon Welpen gehabt. Einen kurzen Moment schien er belustigt über seinen eigenen Vergleich mit einem Welpen, doch schnell verging das schwache Lächeln. Er sehnte sich nach Moon, doch war er sicher bei Banshee, sie würde auf ihn aufpassen ... Verloren blieb er noch immer am selben Fleck, begann langsam wieder in die Sehnsucht abzutreiben, spürte wieder den warmen Schleier der Teilnahmslosigkeit über sich schweben.
Leé sah erschrocken, dass sich eine Wölfin direkt auf ihr Gebüsch zu bewegte. Doch die Stimme der fremden Wölfin klang so verlockend und hatte eine verblüffende Ähnlichkeit mit der Stimme ihrer Mutter. Leé hatte plötzlich keine Angst mehr ihr Versteck zu verlassen und so kam sie aus ihrem Gebüsch heraus. Vorsichtig lugte Leé die fremde Wölfin von unten her an und sagte:
"Ich...ich bin Leé. Und wer bist d...du?"
Ängstlich lehnte sich Leé ein wenig zurück und sie blickte sich nervös um.
Jorun war erfreut darüber dass sich die Welpin getraut hatte hervorzukommen, jedoch war sie noch ein wenig ängstlich, aber das war ja fast jeder am Anfang, auch sie....
"Ich bin Jorun und gehöre erst seid kurzem zu diesem Rudel, besser gesagt erst gerade."
Sie lächelte die Welpin an die sie ängstlich anschaute. Vorsichtig ging sie ein bisschen näher zu der Welpin und schleckte ihr freundlich über die Schnauze.
"Ich nehme an, du bist ganz alleine, denn du siehst erschöpft aus, komm ich bring dich zum Rudel, die werden dir sicher nichts tun, es sind freundliche Wölfe, komm."
Jorun zupfte der kleinen Fähe sanft am Nacken was heißen sollte 'komm mit'.
Zuerst erschrak Leé, als Jorun ihr über die Schnauze leckte. Doch als Jorun sie aufforderte mitzukommen ließ sie wieder ihr freudiges Kläffen ertönen. Leé wedelte leicht mit ihrer Rute und lief elegant und gemächlich neben Jorun her und versuchte, so gut es ging, ihre Schritte nachzuahmen.
Leé beobachtete im gehen die anderen Wölfe, die um den See standen. Dann entdeckte sie eine große Wölfin, die vermutlich dir Alpha war und fürchtete sich vor ihr. Leé schluckte einmal und nahm ihren ganzen Mut zusammen.
Die Jungwölfin schaute erfreut auf die kleine Fähe herab, sie war echt süß, und sie versuchte zu lernen so gut es ging, Jorun gefiel die Welpin sehr. Doch plötzlich blieb die Kleine stehen und Angst zeigte sich in ihren Augen, doch sofort verschwand sie wieder. Jorun schaute dorthin, wo sie Leés Blick abgefangen hatte, zu den Rudelmitgliedern ...
" Komm, es passiert dir doch nichts, dass ist nur unsere Alpha Banshee, aber ist ganz lieb und mag Welpen, komm, sie tut dir nichts und ich bin ja auch noch bei dir, komm ..."
Jorun stupste die Kleine sanft an und versuchte ihr Mut zumachen, weiterzugehen. Sie war ja auch bei der Welpin. Ein angenehmes aber auch unheimliches Gefühl überkam sie ... das Gefühl der Beschützung ...
Sie machte einen kleinen Schritt weiter, und stupste die Fähe noch einmal lieb an.
"Komm, komm ..."
23.12.2009, 15:38
Banshee, die stehen geblieben war und nun auf die Rückkehr oder wenigstens ein Zeichen der anderen wartete, sah Jorun und einen Welpen auftauchen. Im ersten Moment dachte sie, es wäre Moon, doch dann erkannte sie einen neuen Geruch. Lächelnd trat sie einige Schritte auf die beiden zu und senkt langsam ihre Schnauze zu dem Welpen.
"Jìaye, kleine Welpin. Ich bin Banshee."
Schon wieder ein Welpe ohne Eltern, Banshees Herz wurde schwer, wenn sie sich Wölfe vorstellte, die ihre Welpen herzlos zurück lassen. Oder hatten sie sie gar nicht zurückgelassen? Waren noch fremde Wölfe im Revier? Aufmerksam sah sie sich um, entdeckte jedoch weiter nichts und sah wieder lächelnd zu dem Welpen.
Leé hob neugierig den Kopf und schaute die Alphawölfin ein wenig ängstlich an. Sie war sehr froh, das Jorun ihr mut machte, und es klappte auch. Jetzt nahm Leé ihren ganzen Mut zusammen und sagte zu der Wölfin:
"Hallo, ich bin Leé, und habe einen langen Weg hinter mir, um eine neue Familie zu finden."
Leé war stolz auf sich, dass sie es ohne stottern geschafft hatte. Leé konnte ihre Erregung und Freude nicht verbergen und sie wedelte heftig mit ihrer Rute.
"Ähm ... darf ich hier bleiben? Ich währe auch sehr froh darüber!"
fragte Leé Banshee. Leé blickte einmal kurz zu Jorun hinauf und dann wieder zu Banshee. Die kleine Wölfin schluckte einmal und blickte Banshee erwartungsvoll an.
Jorun sah Leé sanft an, ihr Blick sagte: 'Das hast du ganz gut gemacht, ich bin stolz auf dich, kleine Leé' Sie wedelte mit der Rute und stupste die Kleine freudig an. Dann schaute sie zu Banshee und machte extra große Augen, die die Alpha bettelnd anschauten. Sie wartete ab und schaute abwechselnd zwischen den beiden hin und her.
"Jaaa, Banshee, bitte darf sie bleiben..."
Banshee lächelte dem Welpen zu und legte sich dann langsam hin.
"Natürlich darfst du bleiben, keinen Wolf und ganz besonders keine Welpen würde ich fort schicken. Aber sag mir, warum bist du alleine? Was ist mit deinen Eltern?"
Sie hoffte damit bei Leé nicht eine Wunde aufgekratzt zu haben. Sie wollte nur wissen, ob die Wölfe vielleicht noch im Revier waren ... oder warum sie sie verlassen hatten.
Falk war ratlos, er wusste nicht, warum Dayon gegangen war. Hatte er das Gefühl, überflüssig zu sein, die traute Zweisamkeit von Ayala und ihm zu stören?
Das Gespräch war gerade so intensiv geworden und Falk hatte das Gefühl gehabt, dass es auch Dayon etwas gegeben hatte, dass es ihm geholfen hatte etwas aus sich herauszukommen, wieder zu leben...
Falk sah Ayala an. Sollten sie ihm hinterher, ihn suchen? Natürlich war das die optimale Gelegenheit, den Abend allein mit Ayala zu verbringen, jedoch störte Falk das Verschwinden Dayons schon in gewissem Maße, er hatte ein schlechtes Gewissen.
"Wollen wir ihn suchen gehen, Ayala? Wird er dann wiederkommen? Und meinst du, wir sollten ihn besser nicht stören?"
Er sah sich suchend um, sein Blick streifte wieder den Himmel, der unter dem hellen Feuer der Sternenwinde warm zu glühen schien. Von Banshee hatte er von Engaya erfahren, jener Göttin, die das Rudel schützte und ihnen die Sternenwinde sandte. Noch immer brauchte er ein Zeichen von ihr, konnte noch nicht richtig an ihre Existenz glauben - auch wenn er es gerne wollte.
"Wenn wir ihn nicht finden, dann...dann können wir immer noch zur eingestürzten Höhle gehen und von dort die Sternenwinde betrachten und auch weiterreden..."
Leé kläffte zweimal voller Freude und sprang hoch und wedelte heftig mit ihrer kleinen Rute.
"Oh, ich danke ihnen!"
sagte Leé und sie schaute kurz zu Jorun. Dann beruhigte sie sich und erzählte von ihren Eltern, die nun nur noch in ihrem Herzen lebten.
"Mein Rudel wurde von einem furchtbaren Feuer heimgesucht. Nur weil ich mich beim spielen von meinen Eltern und dem Rudel entfernt hatte, habe ich überlebt. Das ganze Rudel samt Mami und Papi wurde von dem Feuer eingeschlossen und ich konnte nichts tun. Ich hatte große Angst, und habe mich allein auf den Weg gemacht. Ich bin wirklich froh, dieses Rudel gefunden zu haben!"
Als Leé zu ende gesprochen hatte, fühlte sie sich leichter und glücklicher. Ihre Eltern waren nun nicht mehr da, aber sie hatte Jorun gefunden.
Jorun wedelte wild mit der Rute und schaute immer noch zwischen beiden hin und her, wobei ihr Blick bei Banshee hängen blieb. Immer noch stand sie so ruhig da, sie war eine sehr gute Alpha, viel besser als eine andere ...
.oO(Nein, nein ich will jetzt nicht an die Vergangenheit denken.)
ermahnte sie sich und riss ihr Blick zu Leé, die ruhig erzählte, Leé war eine starke Fähe, Jorun bewunderte ihr Kampfgeist ...
" Schön, dich hier in unserem Rudel gefunden zu haben."
Ihre Schnauze suchte Leés Körper und wuschelte ihr leicht durchs Fell.
Ayala verstand Falks Zwiespalt - ihr ging es genauso. Was sollten sie nun tun? Einerseits schmeichelte es sie, dass Falk wohl auch gerne alleine mit ihr die sternenklare Nacht verbringen würde - andererseits war nun Dayon alleine ... Wo war er bloß? Hatte er sich nun unter den Sternenhimmel gesetzt und sinnte einsam seiner Vergangenheit nach? Wollte er alleine sein oder zog er sich dann in Zukunft nur noch mehr zurück? Jetzt hatten sie doch endlich einen Anfang gewagt...jetzt waren sie doch schon so weit gekommen...
"Ja, Falk...ich glaube, du hast Recht. Wir sollten ihn suchen gehen, ich mache mir Sorgen um ihn. Wenn er jetzt alleine herumirrt...lass uns losgehen!"
Bei diesen Worten schleckte sie ihn liebevoll über die Schnauze - sicher würden sie auch noch Zeit für sich alleine finden...
Banshee senkte ihre Schnauze zu Leé und stupste sie zärtlich an.
"Sag du zu mir. Wir sind ja ein Rudel. Hier brauchst du keine Angst mehr zu haben."
Sie richtete sich wieder auf, lächelte den beiden zu und ließ dann ihren Blick durch den Wald streifen. Moon und Lilo ... ihre Augen huschten zurück zu Jorun.
"Wo sind Moon und Lilo? wir müssen sie sofort suchen, du hättest sie nicht alleine lassen sollen."
Ihr Blick wurde besorgt, sie sollten die zwei finden. Sie beide waren ja noch Welpen ...
Moon hopste zufrieden durchs Gebüsch. Schon lange hatte er niemanden mehr zum Spielen und Toben gehabt, endlich hatte er für ein paar Minuten seine erwachsene Hülle abstreifen können, die ihn oft zu erdrücken drohte. Fröhlich und ausgelassen tollte er nun herum, ohne mehr darauf zu achten, wo er war, er hüpfte und hüpfte, bis seine Pfoten langsam schmerzten. Dann hielt er kurz inne und drehte sich um, um auf Jorun zu warten, die wohl etwas langsamer gemacht hatte. Er wartete lange...linste durch die Büsche, um die anderen wildem Gekläffe zu erschrecken - doch nichts. Niemand kam...Moon wurde langsam unruhig - wo waren die anderen bloß?
Jorun sah ein wenig beleidigt und schuldbewusst zu Boden
" Ich dachte, du weißt wo sie sind ... Aber ich geh ja schon, tut mir ja Leid ... Passt du auf Leé auf oder soll sie mitkommen?"
Murmelte sie unverständlich und stupste Leé sanft an. Sie schaute Banshee an und ihr Blick blieb an ihr hängen und wollte sagen ' Es tut mir ja Leid, aber ich musste mich einfach umschauen! Was sollen wir jetzt tun?'
"Moon, Lilo, seid ihr da? Bitte versteckt euch nicht, falls ihr das vorhattet ..."
Joruns Stimme wurde leiser und unsicherer, aber sich horchte trotzdem wachsam mit gespitzten Ohren
Banshee machte eine fast energische Geste mit dem Kopf.
"Wir suchen sie nun einfach. Wir nicht schwer sein, wenn sie nicht davon gelaufen sind."
Sie trabte voraus, während sie Leé leicht anstupste.
"Komm auch du mit."
Der Wind strich über ihren Rücken, unmöglich war es, die Welpen z wittern, nur der schwache Geruch Dayons wurde ihr zugetragen, hatte er vielleicht Moon gefunden? Noch bevor sich darüber nachdenken konnte, nahm sie am Moos haftend die Spur Moons auf, Lilo war nicht zu entdecken.
"Kommt, Moon muss ganz in der Nähe sein."
Schwanzwedelnd hüpfte Leé den beiden Großen nach. Sie stupste mehrmals Jorun freundlich an. Leé war sehr aufgeregt, denn Banshee und Jorun redeten von Welpen. Leé konnte es kaum erwarten, andere Welpen zu sehen. So lange konnte Leé nur mit sich selbst spielen. Jetzt würde sie bald andere Welpen kennen lernen. Bewundert schaute sie Banshee an und Leé wünschte sich, einmal genauso groß und stark zu werden.
"Wer sind Lilo und Moon?“
fragte Leé plötzlich. Fragend schaute sie Banshee und Jorun an und dachte an ihre Geschwister, die Lara und Mirror hießen und rief ihre Gesichter wieder in Erinnerung. Lara war ebenso braun wie sie aber ein bisschen kleiner. Mirror dagegen war schwarz und hatte die Figur eines Alphas. Leé hörte plötzlich ein leises Kläffen, welches ähnlich wie ihres tönte. Leé gab Antwort und fragte die Großen:
"Habt ihr das auch gehört?"
Leé schaute die Großen nicht an, sondern blickte nur angestrengt durchs Gestrüpp, in der Hoffnung etwas zu finden.
Jorun sah Leé an, die aufgeregt hin- und herschaute. Sie war wohl ein wenig nervös wegen den gleichaltrigen Welpen, die sie nun sehen würde.
" Mhmmm....ich kenn sie auch nicht wirklich gut, da musst du schon Banshee fragen ... naja, auf jeden Fall kann ich dir versichern dass es ganz liebe Welpis sind, du wirst dich sicher mit ihnen anfreunden."
Sie lächelte Leé an und wandte sich an Banshee
" Ich geh am Besten mal, Moon suchen, der war ja mit mir gerannt, und naja, ich hab ihn einfach stehen lassen...Geh du doch mal Lilo suchen, die war ja eher bei dir und nicht bei mir..."
Ein wenig beschämt schaute sie zu Boden. Plötzlich hörte sie ein leises, ganz leises Kläffen, zuerst dachte sie, sie habe sich das eingebildet, doch Leé bestätigte ihre Vermutung. Schnell rannte sie ihn die Richtung, aus der sie das Kläffen vernommen hatte, es war sinnlos etwas zu wittern, der Wind wehte ihr entgegen. Es war ungefähr die Richtung aus der sie gekommen war.
" Moon, wo bist du?"
Sie rief mehrmals nach Moon, schließlich war sie an dem Punkt angekommen, wo sie zurückgegangen war. 'Jetzt muss ich ja nur noch die Spur finden' dachte sie ein wenig erfreut und schnupperte den Boden ab.
"Moooooon ... Moooon!!!!"
Sie rief laut nach dem kleinen Welpen, fast heulte sie.
Falk erwiderte Ayalas Geste der Zuneigung, indem er ihr seinerseits kurz über die Schnauze schleckte und nahm dann Witterung auf. Der Wind stand ungünstig, Falk konnte keine noch so kleine Spur von Dayon ausmachen.
"Vielleicht ist er in den Wald gegangen, vielleicht wollte er sich Banshee, Jorun und den Welpen anschließen und jagen gehen..."
Falk wusste zwar nicht, was Dayon dazu bewogen haben könnte, da er in der Regel die Einsamkeit vorzog, aber es war zumindest ein Ziel, dass er sich setzen konnte, besser als ziellos durch die Landschaft irren.
"Und wenn wir ihn nicht finden - vielleicht finden wir dann ja eine neue Höhle oder kriegen auch etwas von der Beute ab..."
Falk feixte. Eine neue Höhle wäre zumindest für Stunden der flirrenden Hitze eine echte Wohltat, die lauen Sommernächte waren draußen fast schöner, den Blick auf den Himmel unversperrt und ungemindert. Und etwas zum Fressen täte in diesem Moment auch ganz gut...
Ayala musste zugeben, sie hatte auch Hunger - und mit Falk in eine kühlende Höhle zu liegen...aber trotzdem würden sie jetzt erst nach Dayon suchen...und zwar lange, wenn es sein musste. Waren nicht sie Schuld, dass er jetzt weg war?
"Wo kann er nur sein? Aber du hast Recht, gehen wir erstmal zu Banshee und den anderen."
Langsam begann sie in die Richtung zu laufen, in die die anderen fort gegangen waren. Sie drehte sich nach Falk um, ob er ihr folgte. Als er näher kam, wartete sie, bis er ganz nahe bei ihr war und rieb ihren Kopf an seinem weichen Fell.
"Wir werden ihn sicher bald finden, du wirst sehen...und dann können wir an den See oder zur Höhle, die Sternenwinde betrachten - nur wir beide."
Falk berührte Ayalas Schnauze kurz mit der seinen und lief dann weiter, weiter in eine unbestimmte Richtung, in der sich Banshee und die anderen Wölfe befinden konnte, die anderen und vielleicht auch Dayon. Dann könnten sie sozusagen mehrere Fliegen mit einer Klatsche schlagen; Dayon finden, etwas fressen und dann eventuell auch die Nacht gemeinsam verbringen. Und selbst wenn es dazu nicht mehr kommen sollte, Falk spürte, dass ihn von Ayala nichts mehr so schnell trennen würde.
"Du hast Recht, wahrscheinlich ist es unsere Schuld, er wird sich ausgegrenzt gefühlt haben... Dabei lief doch alles so gut mit ihm, er hat sich uns weiter geöffnet als jemals zuvor! Vielleicht hat er jetzt auch Angst, dass wir Acollon jetzt hassen - Ayala, glaubst du, Banshee weiß, was Acollon Dayon angetan hat?"
Falk beobachtete seine Tatzen, wie sie sich über den Boden bewegten im wiegenden Schritt. Kurz achtete er darauf, nichts weiter als den Boden zu berühren, keinen Zweig und keinen Stein, dann ließ er es wieder bleiben.
"Also, ich persönlich - unter anderen Umständen würde ich Acollon vielleicht hassen, aber ich war selbst nicht besser... Insofern kann ich ihn nicht hassen und es wird keine Feindschaft zwischen ihm und mir geben. Das ist mein Standpunkt."
Falk schaute Ayala kurz an und lief gleichmäßig weiter, stets bemüht, dass er mit seinem weit ausschreitenden Schritt stets neben Ayala blieb.
Ayala versuchte sich zu erinnern - wie war es am Anfang gewesen? Als Acollon gerade erst auf sie gestoßen war - als sie noch gar kein richtiges Rudel waren, noch ganz am Anfang standen...
"Ich weiß es nicht Falk, ich weiß es nicht...aber ich glaube, Banshee spürt mehr als wir glauben, auch wenn er es nie ausgesprochen hat, kennt sie ihn vielleicht besser, als er sich selbst. Sie weiß um seine Vergangenheit...aber sie weiß auch, warum er solch Leid verbreitet hat, welch Leid er selbst erlebt haben muss."
Sie schaute kurz zu Falk, ob er irgendeine Reaktion zeigte, ob er dasselbe glaubte.
"Ich selbst hasse Acollon nicht. Ich würde sagen, ich habe ihn zu schätzen gelernt, wie jeden anderen hier. Und ich weiß viel zu wenig von ihm, um über ihn ein Urteil fällen zu können - dieses Recht hat nur der, der ihn von allen Seiten kennt."
Moon war inzwischen aufgelöst, er hatte Angst. Angst, allein gelassen zu werden. Angst, noch einmal all das durchzumachen...Wo war Dayon? Moon hatte plötzlich das Gefühl von allen verlassen worden zu sein - wie weit entfernt war er? Wieso waren sie ihm nicht gefolgt? Hatten sie ihn vergessen? Unruhig rannte er von Busch zu Busch, versuchte seine Fährte aufzunehmen. Aus welcher Richtung war er gekommen? Doch er war viel zu aufgelöst, um seinen Geruch wieder aufzunehmen. Viel zu viele Gedanken huschten ihm durch den kleinen Kopf. Verzweifelt rannte er immer weiter geradeaus - wohin wusste er nicht.
Falk dachte kurz über Ayalas Worte nach und verlangsamte seinen Schritt noch ein bisschen, was bewirkte, dass er kurz hinter Ayala zurückblieb und auf sie aufholen musste.
Was war das nur für eine Nacht? Eigentlich hatte er nur auf seinen Felsen sitzen wollen, die Nacht genießen und ein bisschen Bilder aus seiner Vergangenheit vor seinem inneren Auge vorüberziehen lassen wollen, so als eine Art Therapie und was war daraus geworden? Aber letztlich war es doch nicht schlecht, oder?
"Ich würde gerne wissen, wieviel Banshee weiß...und ich würde auch gerne wissen, ob Acollon es bereut... Aber selbst wenn ich es nie erfahren würde, es geht mich nichts an, es wäre nicht recht sich einzumischen. Und ich glaube außerdem, dass Banshee die Einzige hier ist, die es sich anmaßen dürfte, irgendein Urteil über Acollon zu fällen - aber das würde sie nicht tun, niemals, und niemals leichtfertig. Urteilen heißt doch auch nicht zu denken. Ich werde auch nicht urteilen, auch wenn ich weiß, dass es mich beschäftigen wird, spätestens dann, wenn ich Acollon das nächste Mal gegenüber trete."
Falk sah Ayala fest an und senkte dann wieder den Kopf.
"Entschuldige. Ich bin ziemlich durcheinander und denke, dass ich erst eine Nacht über alles schlafen muss. Ich hasse Acollon jedenfalls auch nicht."
Er lächelte kurz, dann versuchte er wieder eine Witterung von Dayon aufzunehmen.
"Ich kann Dayon immer noch nicht wittern - du?"
Ayala musste über Falks Worte leicht schmunzeln - plötzlich schien er ihr wie ein kleiner Welpe, unsicher und zugleich wissbegierig. Sie blickte ihn liebevoll an und schien ihm zuzunicken, stupste ihn zärtlich an.
"Mir geht es doch genauso, Falk, auch ich bin durcheinander und verwirrt. ich weiß nicht, wie lange diese Nacht noch andauern wird - und mit ihr die Verwirrung. Aber ich glaube fest daran, dass uns diese Nacht etwas Wichtiges zeigen wird, alles hat seine Bedeutung... "
Bei diesen Worten hielt sie inne, erschrak über sich selbst - hatte sie dies selbst gesprochen? Es war einfach so aus ihr herausgerutscht...was wollte sie damit überhaupt sagen? Ja, verwirrt war auch sie zweifellos...
"Nein, ich weiß auch nicht, wo er steckt...Aber ich weiß ja nicht einmal, ob er überhaupt in diese Richtung davongelaufen ist..."
Falk musterte Ayala aufmerksam. Sie glaubte, dass ihnen die Nacht etwas Wichtiges zeigen würde? Was denn? Zwar war vieles gesagt worden und geschehen, was Falks Sicht der Welt gründlich durcheinandergewirbelt hatte, aber dennoch... Was konnte denn geschehen?
.oO(Aber wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann wäre es, dass ich mit meiner Vergangenheit abschließen kann, dass ich mit Ayala zusammen bleiben darf und dass...dass ich erfahre, ob Engaya existiert...)Oo.
Auch in Falks altem Rudel hatte es Götter gegeben. Falk selbst hatte sich nie sehr um den Götterkult gekümmert, für ihn war es verständlich, dass dies die Priester taten. Für ihn war ein Gott jemand, den man in einer Notsituation anrufen konnte und der dann etwas tat oder es bleiben ließ - auch darum kümmerten sich hauptsächlich die Priester. Nun war er selbst Priester - und sehnte sich nach einem letzten Beweis, dass Engaya existierte... Doch was sollte darauf hindeuten?
"Ayala, was meinst du damit? Was wird die Nacht uns zeigen?"
Aber vielleicht wusste Ayala das selbst nicht. Eines war ohne Zweifel klar, diese Nacht war etwas Besonderes, wie man es auch drehen und wenden mochte.
Banshee sah Jorun und Leé nach, leicht schüttelte sie den Kopf. Andere Alphas wären wohl böse geworden, doch sie blieb ganz ruhig. Jorun schien noch nie etwas von einer organisierten Suche gehört zu haben, doch Banshee verzieh ihr das, sie war schließlich noch eine Jungwölfin. Alleine trabte die Alpha so langsam weiter, der Fährte nach, die sie gefunden hatte. Ein einer Stelle wurde sie erschreckend stark, scheinbar war Moon mehrmals hin und her gelaufen. Nun begann sich Banshee Sorgen zu machen.
"Moon?"
Noch einmal rief sie nach ihm, dann folgte sie wieder der Spur, nach immer wieder auftauchenden Schlenkern führte sie plötzlich geradeaus. Banshee war es ein leichtes ihr zu folgen und endlich erkannte sie Moons hellbraunen Körper in der Dunkelheit.
"Moon, hier bin ich, hab keine Angst."
Sie trat neben ihn und fuhr ihm sanft mit der Zunge über sein Fell.
Tja, was meinte Ayala damit? Sie wusste es selbst nicht, war sich gar nicht ihrer Worte bewusst gewesen, als sie diese ausgesprochen hatte. War denn nicht alles vorherbestimmt, wachte Engaya nicht über das Schicksal aller? Wachte sie nicht über jedem Einzelnen, lenkte ihn mehr oder weniger auf den richtigen Pfad? Sicher würde sich auch in dieser Nacht für alle der richtige Weg zeigen, die Bestimmung ...
Ayala wurde jäh aus ihrem Tagtraum geweckt, als sie beinahe über einen großen Stein gestolpert wäre. Schnell normalisierte sich ihr Gang allerdings wieder und sie versank erneut in ihre Traumwelt.
.oO(Wohin führen mich diese Gedanken? Was ist nur los heute Nacht?)
Plötzlich begann Ayala zu zittern, ihr wurde schlagartig kalt und sie blieb stehen. Sie drückte sich eng an Falk, der ebenfalls stehen geblieben war.
Ein Geräusch drang in Moons Ohr, das ihn aufhorchen ließ. War dies nicht Banshees sanfte Stimme gewesen, die ihn gerufen hatte? Hastig drehte er sich um - doch die Dunkelheit schien alles zu verdecken. Würde er hier für immer allein bleiben müssen - würde er nie wieder zurückfinden? Erschrocken japste er, als ihn etwas von hinten berührte. Er dachte an den Albtraum, den er vor ein paar Monaten erlebt hatte, zurück. Sah seine Mutter, die ihm einen letzten Blick voll Liebe und Wärme zuwarf, bevor ihr die Kehle aufgerissen wurde. Dann schob sich das traurige Gesicht Dayons vor sie wie ein Schleier, der alles umhüllte, alles noch dunkler werden ließ.
Er hörte die beruhigenden Worte nicht mehr, die ihm zugesprochen wurden, spürte nur noch die sanfte Zunge Banshees auf seinem Fell, die ihn so sehr an seine Mutter erinnerte. Dann begann er hemmungslos zu schluchzen.
Banshee hörte Moons leises Schluchzen und sank langsam zu Boden, sanft fuhr sie ihm immer wieder durch das Fell, flüsterte leise:
"Moon, es wird alles gut ... beruhige dich. Ich bin jetzt da."
Immer wieder wiederholte sie die Worte, wärmte den kleinen Körper Moons und wünschte sich gleichzeitig, dass Dayon zwischen den Bäumen auftauchen würde. Sie wusste nicht, ob sie den Welpen trösten konnte, doch würde es Dayon am besten können. Sie wollte nur, dass Moon einmal lachte, einmal glücklich war ... sein leben sollte nicht mit dem Tod seiner Mutter gestorben sein ... er war noch so jung.
Falk schleckte Ayala kurz über die Schnauze und begriff, dass Ayala selbst auch nicht genau wusste, was sie mit ihren Worten gemeint hatte. Aber war das nicht egal? Vielleicht war es vielmehr so, dass Ayala die Worte sozusagen in den Mund gelegt bekommen hatte...
Falk schüttelte den Kopf. Das wäre nun doch zu unrealistisch... Er stupste Ayala kurz mit der Schnauze an um ihr zu bedeuten, dass sie weitergehen sollten. Banshee war sicherlich ganz in der Nähe und bestimmt auch Dayon.
Er reckte sich und nahm Witterung auf. Es war mehr ein Gefühl, eine Ahnung statt Sicherheit, aber Falk glaubte, Banshee gewittert zu haben und ebenso Moon.
"Lass uns weitergehen, ich habe Banshee und Moon gewittert... Vielleicht können wir dann ja gemeinsam weitersuchen."
Nun nahm auch Ayala den wohl vertrauten Geruch Banshees und Moons auf.
"Ja, Falk, lass uns der Spur folgen..."
Mit der Schnauze am Boden trippelte sie ihm hinterher. Am Anfang folgte sie ihm noch über den normalen Pfad, später quer durchs Gebüsch - die Spur führte hin und her. Durch die grünen Büsche, die im Dunkel der Nacht nur noch schwarz waren, vorbei an den hohen Eichen, die Ayala so sehr liebte. Nun mussten sie mitten im Dickicht sein ... Verwirrt blieb Ayala stehen, was war denn los? Warum waren die beiden scheinbar orientierungslos durch die Gegend gehastet? Fragend blickte sie zu Falk.
Falk achtete nicht darauf, wo er hinlief, er konzentrierte sich die gesamte Zeit darauf, nicht die sich verflüchtigende Spur von Banshee und Moon zu verlieren. Als er bemerkte, dass Ayala ihm nicht mehr folgte, blieb er stehen und drehte sich um. Ihr fragender Blick verwunderte ihn.
"Ayala? Was ist los? Ist alles klar bei dir?"
Er ging eine Schritte auf sie zu, wandte sich dann um, reckte sich und spähte in den Wald hinein. Von Banshee und Moon war nichts zu sehen, geschweige denn von Dayon oder irgendeinem anderen Mitglied des Rudels.
"Varloc ist auch schon eine ganze Weile weg, hast du eine Ahnung, warum sie gegangen ist?"
Das war von Falks Seite eher eine rhetorische Frage gewesen. Er glaubte zu wissen, warum Varloc gegangen war, nein, er glaubte es nicht nur, er war sich fast sicher, dass es so war, wie er dachte, dass es war.
Wie um seine Meinung zu dem Thema zu unterstreichen näherte er sich Ayala bis auf wenige Zentimeter und fuhr ihr kurz beruhigend mit der Zunge über die Schnauze.
Varloc kauerte im Wald verborgen unter einem Baum und versuchte ihren Gedanken nicht nachzuhängen. Für kurze Zeit hatte ihr das Beisammensein mit den anderen Wölfen - Ayala, Falk und Dayon - gut getan, sie hatte sich bei dem Gespräch wohl gefühlt, dann schlug die Stimmung in eine Richtung um, die Varloc wütend gemacht und in den Wald getrieben hatte.
Sie war wütend, so wütend auf Falk, weil sie sich in ihm getäuscht hatte, weil er sie enttäuscht hatte. Varloc hatte gespürt, dass sie etwas mit Falk verband, mehr noch als die Tatsache, dass auch er etwas von einem Werwolf hatte. Es war eher etwas Inneres, etwas, dass sie wie zu Geschwistern im Geiste machte. Aber Varloc wollte mehr als das und sie war sich so sicher gewesen, dass es Falk genauso ergangen war.
Und eben, vor kurzer Zeit war diese Sicherheit in sich zusammengefallen in genau dem Augenblick, in dem Varloc die Nähe zwischen Ayala und Falk gespürt hatte. Es hatte sie wie ein Faustschlag getroffen, dass Falk sie als Freundin vielleicht gesehen hatte, aber er dieses Mehr, das Varloc gespürt hatte, ganz offensichtlich nicht erwidert hatte...
Ayala wusste ebenfalls, warum Varloc gegangen war, doch bis zu eben jenem Moment, hatte sie nicht wirklich verstanden, was es für sie bedeuten musste...wenn Falk auch für sie SO wichtig geworden war ... Für einen kurzen Augenblick wurde Ayala von einer Welle der Angst gepackt - vielleicht ging es auch Falk so, vielleicht hatte er sich noch lange nicht entschieden...vielleicht...Ayala hatte ja gar keine Ahnung, was zwischen Falk und Varloc für eine Verbindung herrschte. Vielleicht würde er sie vergessen, wenn Varloc wieder aufgetaucht war ... Plötzlich war sie unendlich müde, erschöpft, die ganze Welt schien in dieser Nacht verkehrt - nichts war, wie es sein sollte.
Doch dann spürte die weiße Fähe, dass sich Falk ihr näherte und er beruhigte sie mit seiner bloßen Anwesenheit. Als er ihr liebevoll über die Schnauze schleckte, wurden ihre Bedenken weggewischt. Wie hatte sie nur so an iohm zweifeln können? Oder lag es einfach daran, dass sie zu oft enttäuscht worden war?
"Glaubst du wir sollten auch nach ihr suchen? Ich...ich weiß nicht, ob sie nicht lieber alleine sein will.
Ich werde aus den Spuren Bans und Moons einfach nicht schlau...es scheint, sie seien wirr durch die Gegend gehastet. Verstehst du das?"
Moon atmete immer noch unkontrolliert und hastig. All das Leid schien aus ihm mit den Tränen heraus zu fließen, wurde wie Gift aus seinem Körper hinweggespült.
Lange Zeit lag er so auf dem Waldboden da, umhüllt von Banshees weichem Fell und ihren beruhigenden Worten. Sie erinnerte ihn so sehr an seine Mutter ... für einen Moment war es wie früher, als er unter dem Mondenschein ihren langen Geschichten zugehört hatte, danach war er eingekuschelt in ihrem Bauchfell eingeschlafen. Er wünschte sich so sehr diese Zeit zurück, er sehnte sich nach einer liebevollen Person, die er auch wirklich "Mama" nennen durfte. Würde er jemals wieder so leben können? Sicher erst, wenn auch sein Vater wieder lebte, er würde so lange einsam sein, wie dessen Herz eingefroren war, das wusste er.
Falk erkannte aus Ayalas Reaktion, dass auch sie verstanden hatte, was mit Varloc los war und warum sie gegangen war. Und er hoffte, dass Ayala genauso seine Geste der Zuneigung richtig verstanden hatte. Er mochte Varloc als gute Freundin, doch das war auch alles. Wenn sie sich Hoffnungen auf mehr gemacht hatte, so würde Falk diese Hoffnung nicht erfüllen können, auch wenn ihm klar war, dass er dadurch die Freundschaft zu Varloc belastete. Er wollte sie nicht verlieren, nein. Aber er konnte ihr auch nicht geben, was sie von ihm wollte.
"Wahrscheinlich hast du Recht, Ayala... Lassen wir ihr die Zeit, die sie braucht! Die Chance, dass sie zu Schaden kommen könnte, ist durch den Umstand, dass sie sich in einen zwei Meter hohen Werwolf verwandeln kann zum Glück sehr begrenzt... Und was Banshee und Moon anbelangt - jetzt wo du es sagst, fällt es mir auch auf... Vielleicht haben sie etwas gejagt oder sie wurden gejagt... Oder sie suchen einfach nur etwas... Ich weiß es nicht..."
.oO(...und wir werden es auch nur herausfinden, wenn wir weitergehen... Hoffentlich wird das keine böse Überraschung...)Oo.
Ayala spürte, dass Falk weitergehen wollte, nachsehen, was hier los war. Mit ihm an ihrer Seite fühlte sie sich sicherer, sie hatte ein seltsames Gefühl, doch sie setzte sich in Bewegung und stupste beim Vorbeigehen Falk sanft an, um ihm zu bedeuten, weiterzugehen.
Konzentriert folgte sie der Fährte, die immer tiefer in den Wald hineinführte, ihr fiel auf, dass sie selbst bis jetzt selten hier gewesen war...sie kannte sich kaum aus. Das Gebüsch wurde immer dichter und ähnelte immer mehr einem undurchdringbaren Dickicht. Vorsichtig setzte sie Pfote vor Pfote, blickte sich ab und zu nach Falk um, ob er ihr folgte und bahnte weiter einen Weg durchs Gestrüpp. Bald nahm sie Banshees Stimme in der Ferne auf, erleichtert lief sie weiter - doch dann mischte sich diese mit einem Klang der Trauer und der Verzweiflung - der Sehnsucht? Was war da bloß los? Ratlos schaute sie zu Falk - sollten sie hingehen, oder warten, bis sie wussten, ob ihre Anwesenheit hier erwünscht war? Und wo war bloß Jorun, war sie nicht mit Banshee mitgegangen?
Banshee hörte nur das gleichmäßig traurige Schluchzen Moons in der Stille der Nacht. Wo auch immer Jorun und Leé verschwunden waren, sie kamen nicht wieder. Ob sie noch immer nach Moon suchten? Banshee schüttelte leicht den Kopf, die beiden hätten auf sie hören sollen. Nun wandte sie ihre gesamte Aufmerksamkeit wieder Moon zu.
"Moon, willst du mir von deiner Mutter erzählen, von deinen Geschwistern?"
Ihre Stimme war sanft, nicht fordernd, sie wollte nicht, dass er weiter allein in seinen Gedanken versunken war.
Leé sah verwundert zurück und merkte, dass Banshee nicht mehr da war. Ängstlich wandte sie sich Jorun zu.
"Jorun, wo ist Banshee?"
Verdutzt schaute sie sich nach allen Seiten um. Da! Sie hörte Banshee. Sie sprach mit jemandem.
Schnell drehte sich Leé um und lief in die Richtung, wo sie Banshee vermutete.
"Schnell, komm mit! Ich habe sie gehört!"
rief sie Jorun zu. Dann flitzte sie schon durch die Büsche los. Ein herrliches Gefühl war das! Plötzlich hielt sie inne. Leé sah Banshee mit einem Welpen. Vorsichtig kroch sie aus dem Gestrüpp hervor, doch sie sagte nichts.
Gähnend erwachte Acollon. Wie lange hatte er wohl geschlafen? Es schien wie eine Ewigkeit gewesen zu sein und als er seinen Blick zur Seite warf, konnte er Banshee nicht mehr entdecken. Ein kurzes Gefühl der Einsamkeit überfiel ihn, er war ein wenig sauer auf sich selbst, dass er eingeschlafen war. Es war vielleicht aber auch mal nicht schlecht, sich einfach auszuruhen. Es war immerhin so stressig in den letzten Tagen gewesen. Doch wo war seine Fähe? Und auch die anderen? Wo um Himmelwillen waren sie? Etwas beleidigt, dass man ihn einfach da auf diesem Felsen hatte liegen lassen, erhob sich der schwarze Wolf und streckte sich ausgiebig. Acollon schüttelte sich kurz und sträubte sein Nackenfell, knurrte etwas und gähnte herzhaft. Etwas unbeteiligt sah er in Richtung See. Es waren fremde Wölfe in diesem Revier. Fast gelangweilt sprang er hinunter und heulte leise nach Banshee auf.
Falk war Ayala durch das Gestrüpp gefolgt, hatte ihr die Führung durch das Dickicht überlassen und hatte sich einfach nur darauf konzentriert, ihren weißen Rücken nicht aus den Augen zu verlieren. Keinen Blick hatte er nach links oder rechts geworfen, doch Falk wusste auch so, dass er sich in diesem Teil des Waldes nur noch schlecht auskannte.
Als er die Stimme Banshees hörte, war er zunächst erleichtert, dann befiel ihn eine dunkle Ahnung... Hatte er Jorun letzten Endes doch nicht durchschaut und sie hatte Banshee, Moon und womöglich auch Dayon angegriffen? Vielleicht waren sie vor ihr geflohen und Banshee hatte es dann doch noch geschafft, Jorun zu überwältigen und aus dem Revier zu vertreiben...
"Ayala, glaubst du, dass Jorun Banshee in eine Falle locken wollte? Vielleicht hat sie die beiden gejagt... Ist nur eine Vermutung, aber es würde erklären, warum Banshee weg ist..."
In diesem Moment nahm Falk die Witterung von einem weiteren Wolf auf, einem fremden Wolf, den der Hüne nicht kannte... Eine neue Bedrohung?
"Hier ist noch ein Fremder..."
Als Falk seine Ahnung ausgesprochen hatte, wurde Ayala noch unruhiger. Was, wenn er recht hatte? Was, wenn Banshee verletzt war?
"Ja, du könntest Recht haben! Lass uns schnell hingehen, wir müssen helfen, falls etwas passiert sein sollte! Glaubst du, Jorun hat vielleicht andere Fremde in unser Gebiet geführt?"
Unsicher blickte sie Falk an, vielleicht sollten sie auch Acollon suchen, falls wirklich Fremde hier waren, waren sie zu zweit nicht sehr stark...
Banshee sah auf, als Leé plötzlich auftauchte, lächelnd nickte sie ihr zu und bedeutet ihr näher zu kommen. Moon lag noch immer schluchzend zwischen ihren Pfoten.
"Schau mal, Moon, dass ist Leé. Auch sie hat keine Eltern mehr."
Gerade wollte sie etwas zu Leé sagen, als ein heulen ertönte, Acollon. Am liebsten wäre sie sofort aufgesprungen und zum ihm gerannt, er hatte lange geschlafen, doch waren hier diese zwei Welpen und Jorun fehlte.
"Leé, weißt du, wo Jorun ist?"
Sie spürte wie sie ihre Muskeln anspannte, als wollte sie sofort aufspringen, alles in ihr sehnte sich nach Acollon, doch blieb sie liegen.
Moon setzte gerade an, hob für einen kurzen Augenblick seinen Kopf, wollte sprechen, alles loswerden, seine ganze Vergangenheit. Er fühlte sich sehr wohl bei Banshee, er wollte ihr gerne alles anvertrauen...er wollte jemanden, dem er wichtig war, der ihn liebte... Er kuschelte sich näher an sie, wollte ihr zeigen, dass er ihr vertraute, sie sehr mochte.
Dann hörte er etwas im Gebüsch rascheln, sofort war sein Körper bis zum letzten Muskel wieder angespannt. Leé kam auf die beiden zu gekrochen, scheinbar war Jorun verschwunden. Moon hörte sofort auf mit den Gedanken, Banshee etwas zu erzählen, er mochte Leé, aber er kannte sie nicht genug, niemals würde er in ihrer Anwesenheit so etwas erzählen. Er wollte nicht unhöflich sein, blickte sie kurz freundlich an, vergrub dann aber sein Gesicht schnell wieder in Banshees weichem Fell, er schämte sich für seine Schwäche. Dann hörte er, wie sie sagte, Leé hätte auch keine Eltern mehr...dieser Satz war wie ein Stoß in sein Herz - wie konnte ihn Banshee ihn so verraten? Er hatte sehr wohl einen Vater, zwar wusste er, dass er eher mit einer leeren Hülle verglichen werden konnte, aber es verletzte ihn umso mehr. In seinen Ohren klang das alles, als sei sein Schicksal normal. Doch nichts wussten sie, niemand wusste, was ihm widerfahren war, niemand würde es je erfahren! Er sprang auf, wollte davonrennen in die Dunkelheit, nie mehr zurückkommen.
Aber nach wenigen Metern blieb er stehen, er bewegte sich nicht, stand einfach nur so da. Er wusste, wie Banshee es gemeint hatte, wusste dass sie das Gegenteil hatte erreichen wollen - plötzlich wich sein Zorn wieder dem erwachsenen Moon, der vertrauenswürdige, aufrichtige Moon, der alles verstand, er war nun wieder verschlossen und still... Er wusste, dass Acollon auf seine Fähe wartete, er drehte sich um und schritt langsam zur Lichtung zurück.
Acollon hatte auf ein antwortendes Heulen oder mit Banshee persönlich gerechnet. Etwas verwirrt, dass nicht mal ein anderer Wolf geantwortet hatte, machte sich ein komisches Gefühl in ihm breit. Waren sie vielleicht angegriffen wurden, und ging es Banshee vielleicht schlecht? Aber im gleichen Moment warf der schwarze Rüde diese Gedanken beiseite. Würden hier andere Wölfe sein, hätte er es längst gewittert. Und auch wenn Sternenwind Wölfe nicht mehr hier wären, hätte er das sicherlich wittern können. Etwas sauer auf sich selbst, dass er so lange geschlafen hatte, machte er sich auf den Weg. Wo hin, wusste er selbst nicht. Banshee war kaum zu wittern.
„Verflucht, alter Junge, was ist mit dir los?“
fragte er sich selbst. Seine Sinne schienen immer noch zu schlafen, oder immer schwächer und dumpfer zu werden. Tatsächlich war Acollon nicht mehr so jung. Mittlerweile hatte er beinahe das 5. Lebensjahr erreicht. Natürlich, sein Aussehen hatte sich kaum geändert vom 3. Jahr an, doch sein Denken und sein Handeln hatten schon eine andere Form der Vernunft angenommen, auch wenn oft seine Arroganz und Überheblichkeit regierten. Es war ihm jedoch gegönnt anderen Kämpfen und Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Acollon seufzte. Auch er würde mal alt werden. Und sein jetziges Gemüt ließ es sogar zu, dass er seelenruhig weiter schritt ohne Eile oder Hetze. Würde es Banshee schlecht gehen, so würde er ihr helfen, doch ohne eine Ahnung wo sie war, konnte er nicht viel tun und würde einfach abwarten müssen. Und wenn ihr doch jetzt etwas passiert wäre? Der schwarze Rüde zog sein tempo an, lief vorbei an alten Orten die viele Erinnerungen in ihm weckten. Dort hinten, bei einer Lichtung hatte er Nygero das erste Mal gesehen und hatte sich auch gleich mit ihm angelegt. Er hatte ihn verachtet, weil er so verwirrend war, weil er etwas zu wissen schien, was für andere verborgen blieb. Außerdem hatte Nygero wohl gefallen an Acollons Gefährten gefunden. Und wenn es einen eifersüchtigen Wolf geben würde, dann wäre es mit Sicherheit Acollon. Und dort, dort hatte er Banshee das erste Mal getroffen. Sie war die stolze und liebenswerte Alphawölfin und er ein Störenfried der in ihr Revier eingedrungen war. Und nur langsam hatte er begriffen, dass eigentlich einer von ihnen sterben musste. Entweder die Tochter Engayas oder der Sohn Fenris, doch anstatt sich zu hassen, liebten sie sich. Ja, Acollon, der doch eigentlich alle anderen Wölfe hasste und verachtete, liebte Banshee. Diese reine Fähe.
„Tja, das Schicksal ist wohl doch nicht immer die Zukunft.“
sagte er und lachte frech in den Himmel. Fast wohlwollig zog er eine Lefze hoch und gähnte nochmals ausgiebig. Es war wirklich schon verrückt. Nun war er fast ein ganzes Jahr hier, in dem Revier der Sternenwind Wölfe, und ohne es bestreiten zu können, war er ein Rudelmitglied, sogar Beta. Seine Pflicht war eindeutig. Welch Ironie. Der Wolf der vorher getötet hatte, ohne Skrupel, musste anderen Wölfen jetzt freundlich oder zumindest neutral entgegenkommen. Doch soviel wie er schon mit diesem Rudel durchgemacht hatte, würde er dies auch gerne machen.
„Banshee, Chyron, Nyota, Ayala, Falk, Moon, Dayon, Nygero, Varloc, Lagoon und Diablo.“
murmelte Acollon. Widerwillig musste er sagen, dass er diese Wölfe mochte. Und mit ihnen einen wichtigen Abschnitt seines Lebens durch macht hatte. Yakatavo hatte er mit Absicht ausgelassen, denn wie sehr Ayala, seine Gefährtin, verletzt hatte, war kaum zu ertragen und dafür hätte Acollon ihn am liebsten in Stücke gerissen. Und Moon, dieser Welpe. Er war unheimlich schlau für sein Alter und sein Erscheinen. Doch, so wusste Acollon, würde dieser Welpe niemals Acollon, dem Mörder so vieler Wölfe, vertrauen. Verständlicherweise, immerhin hatte der Fenrissohn seine Mutter getötet. Ob Acollon es jetzt bereute wusste er selbst nicht.
Nochmals heulte Acollon laut auf.
Banshee sah in Moons große Augen, er schien anzusetzen etwas zu sagen, doch dann war der Zauber wieder verschwunden. Der Welpe sprang auf, rannte davon und ließ sie erschrocken zurück. Zuerst verstand sie nicht, was sie falsch gemacht hatte, ob es wohl an Leé lag? Doch dann wurden ihre Worte ihr erst richtig bewusst. Wie hatte sie nur so gedankenlos sein können, die Tatsache, dass Acollon wach war hatte sie weit fort getrieben von den beiden Welpen. Sie erhob sich langsam, sah Leé traurig an, schüttelte den Kopf und schritt langsam den Weg Moons nach. Währenddessen musste sie immer wieder an Acollon denken, sicher wartet er auf sie. Moon kam bald in Sicht, er schien wieder zurück zu laufen, kam auf sie zu.
"Moon ... es tut mir leid."
Erneut ging ein Schauer durch ihren Körper, als das zweite Heulen Acollons ertönte. Wieder wollte sie losrennen, doch blieb sie stehen.
"Vergiss meine Worte, wollen wir nach deinem Vater suchen? Sein Geruch liegt in der Luft, er kann nicht weit entfernt sein."
Bei ihren eigenen Worten wurde ihr auch bewusst, dass der Geruch ihres Gefährten genauso im Wind spielte ... wenn sie zu Dayon gingen, vielleicht würden sie da auch Acollon treffen.
Moon nahm Banshees Worte kaum wahr. Er hatte ihr bereits verziehen, als er umgekehrt war, jedoch blieb der Schmerz, das zerstörte Vertrauen.
"Nein, Banshee, ich werde auch alleine zu Dayon finden."
erwiderte er mit einer ungewohnten Kälte in seiner Stimme - es fiel ihm auf, dass er Dayon selten "Vater" nannte. Dann blickte er auf, sah Banshee an und sprach etwas sanfter weiter.
"Ist schon gut...ich weiß, dass du zu...Acollon willst, nun, geh, ich komme gut alleine zurecht, wenn du willst, werde ich auf Leé aufpassen."
Sofort senkte er wieder seinen Kopf - dieser Name – Acollon - verursachte ihm Übelkeit, er wagte ihn kaum auszusprechen, er hatte ihn mehr gekeucht. Er brachte es nicht übers Herz, Banshees Sehnsucht war ihr in die Augen geschrieben - warum sollte sie für dessen Taten büßen? Warum sollte sie nicht zu ihm gehen? Er brauchte sie schließlich.
Banshee beobachtete Moon mit wachsendem Schmerz. Aus den Augen des Kleinen konnte man all seine Trauer, seine verletzte Seele sehen. Sie wollte ihn nicht alleine lassen, doch war sie hin und her gerissen, sie sehnte sich nach Acollon, doch Moon war noch immer ein Welpe.
"Nein, Moon, ich kann dich nicht alleine durch den Wald gehen lassen. Komm, wir werden ihn schnell finden."
Moons Reaktion auf Acollons Name stach Banshee in ihr Herz. Wenn es wahr war, was sie vermutete, wusste sie nichts darauf zu sagen. Doch es war Vergangenheit, jetzt war alles anders.
Falk sah Ayala mit einem beruhigenden Blick fest in die Augen und hoffte, dass dieser Blick ihr die Angst nehmen würde und sie ihm ihr Vertrauen schenken könnte an Stelle dieser. Sein rechtes Ohr zuckte kurz zur Seite, als er Acollons Heulen vernahm. Nein, die Wunde war noch zu frisch, noch konnte Falk Acollon nicht unter die Augen treten, nicht mit dem neuen Wissen, dass er hatte. Aber antworten könnte er trotzdem, da Banshee dies aus Gründen, die Falk nicht kannte, nicht tat.
Er warf den Kopf in den Nacken und antwortete Acollon mit einem lang gezogenen Heulen wo ungefähr sich Banshee, er selbst, Ayala und Moon befanden und signalisierte gleichzeitig, dass eventuell Gefahr drohte. Dann drehte sich Falk wieder zu Ayala.
"Wenn man vom Teufel spricht, was? Aber vertrau mir, Ayala... Ich bin schon mit ganzen Horden von Wölfen fertig geworden... Außerdem ist auch Banshee da, wir sind also schon zu dritt. Komm, gehen wir erstmal zu Banshee und klären, was überhaupt los ist."
Er hauchte ihr einen kleinen Kuss auf die Schnauze, sah ihr noch einmal tief in die Augen und stupste sie dann an um ihr zu bedeuten, dass sie ihm folgen sollte. Falk hatte keine Angst, selbst wenn Jorun fremde Wölfe in das Revier gebracht haben sollte, Falk war sich seiner kämpferischen Fähigkeiten sehr sicher.
Als Acollon endlich eine Antwort bekam, doch nicht wie er hoffte von Banshee sondern, sondern von Falk, lief er genau in die Richtung aus welcher es kam. Er trabte schnell und elegant, fast so, als hätte er alles was er brauchte. Es schien fast, als wäre er wieder kühl, die Gedanken könnten sich nicht spiegeln. Als er Banshee dann endlich hinter einigen Bäumen entdeckte, lief er los. Seine Pfoten trommelten über den Boden und er wirbelte Laub und Dreck auf. Ihr schimmerndes Fell, ihr Anblick und ihre Anwesenheit waren einfach vollkommen, doch bevor er sie erreichen konnte, entdeckte er einen Welpen, den er als Moon erkannte. Sofort hielt er an. Sein Blick huschte von Banshee zu Moon. Ein leises Grollen entfuhr seiner Kehle. Nicht welpisch, nicht lächerlich aggressiv, sondern eher als würdige Warnung. Sein Blick wurde kalt, fast unbeteiligt als er den Welpen sah.
„Pech oder Schicksal?!“
fragte sich der schwarze Rüde selbst und dann fiel ihm ein, dass Banshee ihm nicht geantwortet hatte. Aus Liebe zu Moon? Wenn dieser Welpe ihr so viel bedeutete, dass er ihr nicht antworten konnte, war ihm das völlig gleich. Langsam schritt er an den beiden vorbei und sagte:
“Hallo“
Doch er blieb nicht stehen, sondern schritt an den beiden vorbei, mit einem eiskalten Blick für den Welpen. Nun schritt er etwas weiter und sah Falk. Er schien verletzt und Ayala und eine fremde Fähe (Jorun) schienen auch dabei zu sein. Etwas fragend sah er den Gammawolf an:
“Ich muss lange geschlafen haben. Was ist hier passiert?“
Falk hatte die Gruppe um Banshee gemeinsam mit Ayala beinahe erreicht als plötzlich Acollon auftauchte. Beim Anblick des Schwarzen zuckte Falk innerlich etwas zusammen, während er krampfhaft versuchte, die Ruhe zu bewahren. Vielleicht würde er mit Acollon noch über Dayon und Moon sprechen, aber garantiert nicht jetzt. Immerhin war von Jorun keine Spur, aber das bedeutete nichts. Auf der Suche nach einem Ruhepunkt, an dem sich Falk mit den Augen festhalten konnte, drehte sich der Hüne mit einer leichten Bewegung zu Ayala um.
"Tja, Aco, also verpasst hast du bis jetzt eigentlich nicht viel... Scheinbar haben wir ein neues Rudelmitglied..."
Falk lächelte nervös und nickte hinüber zu dem kleinen Welpen, der sich in einiger Distanz zu Banshee und Moon befand; kurz streifte sein Blick den Acollons, dann sah er wieder zu Ayala.
"Wir hatten uns unterhalten und dann fiel uns plötzlich auf, dass Dayon fehlt... Ebenso Varloc... Du hast nicht zufällig einen von beiden gesehen? Jedenfalls dachten wir dann, wir suchen Banshee, vielleicht ist Dayon bei ihr... Vorher war ja noch Jorun, diese fremde Fähe aufgetaucht und weil Banshee und Moon sich in so merkwürdigen Schlangenlinien durch den Wald bewegt haben, befürchteten wir, dass Jorun uns vielleicht eine Falle gestellt hatte - und da wären wir jetzt."
Falk sah sich hektisch um. Er konnte seine Erregung und Nervosität kaum unterdrücken. Acollon musste ja misstrauisch werden durch sein chaotisches Geplapper. Und Falk hätte es ihm nicht verwehren können.
"Nun, in Gefahr sind wir zumindest wohl gerade nicht, denn Jorun ist weg."
Er nickte Acollon kurz zu und trat dann einen Schritt auf Ayala zu um sich an sie zu kuscheln in der Hoffnung, dass ihre Körperwärme ihn beruhigen möge.
Banshee sah auf, als Acollon durch die Bäume auf sie zu kam, ihre Rute begann zu wedeln, ein Lächeln tanzte wild auf ihren Lefzen. Doch als Acollon einfach an ihnen vorbei schritt und sie stehen ließ, brach fast eine Welt zusammen. Was war los? Lag es an Moon? Hilflos sah sie ihren Gefährten zwischen den Bäumen verschwinden, ihre Rute hing schlaff herab. Moon stehen lassen war noch immer unmöglich und Acollon hinterher zu laufen wäre jetzt auch seltsam. Mutlos sah sie wieder zu Moon, versuchte sich nichts anmerken zu lassen und brachte sogar ein Lächeln zustande. In Gedanken hing sie bei Acollon und seinem Gesichtsausdruck, als er vorbei an ihr und Moon geschritten war ...
23.12.2009, 15:39
Während Falk redete wurde Acollons Gesichtsausdruck immer ungläubiger und fast höhnisch. Es lag nicht an der Art wie es Falk sagte, sondern wie seine Worte waren. Der schwarze Rüde hatte alle Mühe etwas zu verstehen und es dauerte lange, bevor etwas sagte. Seine Gedanken waren zweifellos eigentlich bei Banshee, doch um alles in der Welt wollte er Moon nicht in die Quere kommen. Mochte vielleicht lächerlich klingen, und Angst hatte er auch nicht vor dem Welpen, doch immerhin reichte seine Anwesenheit, dass Acollon speiübel wurde.
„Ah ja. Ich schätze mal, ihr seid mir nicht böse, wenn ich mir jetzt keine Sorge um irgendeinen Wolf mache, der vielleicht das Rudel in eine Falle locken könnte.“
diese Worte waren sehr zuversichtlich und sicher. Es war Acollon gleich, wenn ein Wolf versuchen wollte, das Rudel in Gefahr zu bringen… es gab immer Lebensmüde Wölfe! Viel mehr machte er sich Sorgen um Banshee und diesem Welpen. Warum zog sie dieses Bündel vor ihren Gefährten. Acollon war an ihnen vorbei gegangen, aus zwei Gründen. Der erste war, er wollte Moon meiden, der zweite war, wenn Banshee schon nicht auf sein Heulen antworten wollte, war dieses Gespräch wohl mehr als wichtig.
„Und Falk, altes Haus, wie geht es dir?“
sein Blick huschte zu Ayala und dann zu Falk. Skeptisch zog er eine Augenbraue hoch und musste sich mit aller Mühe ein Lächeln unterdrücken.
„Eine Familie?“
Leé schaute verwundert den kleinen Welpen an, der doch so erwachsen auf sie wirkte. Als Banshee sagte, dass Moon ebenfalls keine Mutter mehr hatte, fühlte sie einen Stich im Herzen und sie senkte, fast ein bisschen beschämt, ihren Kopf. Sie hatte den Tod ihrer Eltern mehr oder weniger verkraftet und sie war fest entschlossen ein neues Leben anzufangen. Hier! Doch Moon dagegen schien sehr darunter zu leiden.
Sie verstand nicht, warum der Welpe weglief. Ein bisschen enttäuscht war sie über den Welpen. Natürlich hatte sie sich einen glücklichen und verspielten Kameraden gewünscht, doch Moon war das nicht. Plötzlich sah sie einen dunklen Rüden aus dem Gebüsch kommen. Leé hörte, das Banshee ihn Acollon nannte. Leé sah dem dunklen Wolf misstrauisch nach. Sie fand den dunklen Rüden irgendwie anziehend, doch er beachtete sie keineswegs. Wenn Leé eines hasste, dann war es nicht beachtet zu werden. Ein leises wütendes Knurren drang aus ihrer Kehle. Sie kam ein wenig näher an die redenden Wölfe heran und hörte ihnen zu. Es ging um Jorun.
"Ich weiss, wo Jorun ist!"
mischte sich Leé ein. Leé wunderte sich selbst, das sie den erwachsenen gegenüber keine Angst empfand. Sie erhob sich stolz und schaute in die Runde. Kurz schaute sie zurück zu Banshee, die immer noch am selben Ort stand.
Es gab wohl kaum etwas, das Falk besser beruhigen konnte als ein Wolf, von dem sich Falk - um es mal salopp auszudrücken - verarscht fühlte und genau das fühlte sich Falk bei Acollons Antwort. Natürlich gab es offenbar keinen Grund zur Sorge mehr, aber ein bisschen Respekt konnte Acollon ihm ja wohl zuteil werden lassen, oder etwa nicht? Nur weil er hier der Beta war, musste er sich nicht vor Falk aufspielen.
"Joah, Aco, wie ich gerade sagte, oder? Ich schätze mal, dass gerade keine Gefahr für das Rudel besteht - so überhaupt eine bestand. Wolf macht sich Gedanken, das ist alles... Wie auch immer, mir geht's gut, die Nacht ist nur etwas eigenartig."
Über Acollons Anspielung oder was immer es sein mochte, ging Falk wie nebenbei hinweg. Dafür dachte er sich seinen Teil, warum Acollon so einfach an Banshee vorbeimarschiert war. Das konnte doch auch nur etwas mit Moon zu tun haben.
.oO(Oder ich bin in der Hinsicht etwas zu sensibel geworden... Nein, es muss etwas mit Moon zu tun haben.)Oo.
"Na ja, denn... Da die Kleine hier offenbar weiß, wo Jorun ist, könnten wir sie kurz aufsammeln und dann zurück zum See gehen oder so... Eventuell sollten wir vielleicht noch nach Dayon und Var- Also, nach Dayon sollten wir vielleicht noch gucken, ja."
Acollons Blick schweifte zu einer kleinen Welpin, die etwas abseits der erwachsenen Wölfe stand. Der Rüde schenkte ihr nur einen kühlen Blick und ein höhnisches Lächeln, dann wandte er sich wieder Falk zu. Hatte er etwa einen leichten Unterton aus Falks Stimme heraus gehört? Es schien doch wohl nicht, dass Falk etwas beleidigt war, auf Acollons Worte?
„Macht was ihr wollt.“
wisperte Acollon und sah sich um. Plötzlich hatte ihn ein mörderischer Gedanke erfasst und er mühte sich, ruhig zu bleiben. Lange hatte er keine Knochen mehr unter seinen Zähnen zerspringen gespürt. Und das warme Blut das an seinen Lefzen herunter lief und… Acollon , ermahnte er sich selbst und knurrte innerlich über seine erneuten Gedanken des Mordes. Er brauchte Banshee und ihre Nähe, Wärme und Berührung. Doch solange der Welpe bei ihr war, würde er nicht zu ihnen kommen. Wahrhaft, ein Welpe verursachte, dass ihm speiübel wurde.
„Meine Anwesenheit ist wohl mal wieder überflüssig geworden… ob es wohl Zeit ist, weiter zu ziehen?“
diese Frage stellte er nicht Falk, sondern sich selbst, sich und seine Aufgabe, seine Gefühle. Es würde wohl der bessere Weg sein. Ohne eine Antwort schritt er an Falk, der Welpin und Ayala vorbei. In eine Richtung die unbestimmt war. Wieder alleine.
Ayala hatte alles still mitverfolgt. Es war mehr oder weniger eine Unterhaltung zwischen Acollon und Falk gewesen - wenn auch eine ziemlich eigenartige. Sie blieb neben Falk stehen, fühlte, dass er aufgebracht war...dass Acollons Worte seine Würde angegriffen hatten. Sie rieb ihren Kopf leicht an seiner Flanke, dann blickte sie schweigend Acollon hinterher. Dieser Hohn, diese Kälte, der Hass, der aus ihm gesprochen hatte, machte sie unfähig, etwas dagegenzusetzen. Was war ihm widerfahren, so zu sein? Was war mit ihm los? Lag es an Moon und Banshee?
"Falk, lass uns Leé mitnehmen und zu Banshee gehen...ich glaube ihr geht es nicht so gut."
Sie sah den Rüden, der neben ihr stand eindringlich an - sicher verstand er sie.
"Wir nehmen Moon ebenso mit und werden dann Dayon...und...auch Varloc suchen - wer weiß, was mit ihr los ist. Banshee sollte vielleicht etwas mehr Zeit für Acollon und sich haben."
Beim Loslaufen schleckte sie Falk noch einmal sanft über die Schnauze, er würde ihren Entschluss verstehen, diese Nacht war schon längst nicht mehr für sie alleine geschaffen, nun würden sie sich eben u die anderen kümmern. Sie stupste Leé freundlich an und bedeutete ihr, ihnen zu folgen.
Moon erschrak, als plötzlich der schwarze Rüde vor ihnen auftauchte. Er verzog zwar keine Miene, niemals hätte er ihm seine Angst gezeigt, doch ihm wurde unwohl - was würde Acollon jetzt tun? Banshee war zwar hier, doch gerade das machte ihn unsicher - Banshee war bei ihm, nicht bei Acollon ...
Dann blickte er in die kalten, ausdruckslosen Augen, er wusste, was dieser Blick für ihn zu bedeuten hatte, er kannte ihn, er würde ihn niemals vergessen. Doch jetzt wuchs sein Hass umso mehr...seine Mutter...er hatte sie auf dem Gewissen! Wie konnte er noch lebendig durch die Welt laufen, wenn seine Mutter tot war - sie, die für ihn alles Gute, Reine verkörpert hatte. Wo blieb die Gerechtigkeit?
Doch es geschah etwas, womit Moon nicht gerechnet hatte, Acollon lief einfach weiter. Ließ ihn stehen...aber auch Banshee. Moon drückte sich entschuldigend an ihren warmen Körper - er wusste, dass es an ihm lag. Wie konnte Acollon Banshee nur so strafen, was hatte sie ihm getan? Erneut bekam er das Gefühl, es wäre für alle anderen besser, er, Moon, sei nie geboren worden, er hätte diesen Schmerz nicht spüren müssen, hätte alles nicht erlebt...plötzlich begann er seinen Vater zu verstehen und auch bei ihm wurden alle Sinne taub.
Falk warf den Kopf noch einmal herum und rief Acollon voller Stolz und mit blitzenden Augen hinterher:
"Geh vielleicht besser noch was schlafen, Aco, dann sehen wir uns in besserer Verfassung wieder! Nacht, Sonnyboy!"
Jetzt, wo er das dunkle Geheimnis von Acollons Vergangenheit kannte, hatte der Hüne jeglichen Respekt vor dem Beta verloren, wenn auch vielleicht nur für den Augenblick. Wenn Falk sich erst einmal beruhigt hatte, würde er sich wieder in die Rangfolge fügen - schon allein, weil er Banshee nicht verletzen wollte, Acollon musste ihr eben erst ziemlich wehgetan haben indem er die weiße Fähe ignoriert hatte.
Noch einmal sah Falk Acollon mit feurigem Blick hinterher, dann stapfte er Ayala nach. Sie hatte Recht, Acollon und Banshee mussten sich jetzt erst wieder vertragen und dafür brauchten sie Zeit. Dass Acollon jetzt einen auf lonely rider machte, war kein gutes Zeichen. Normalerweise blieb er stets etwas auf Distanz zum übrigen Rudel, aber nie so sehr.
"Du hast Recht, Ayala... Sammeln wir die Welpen ein und suchen dann Dayon und Varloc... Für diese Nacht reicht es mir an Unvorhergesehenem und Aufregendem..."
Acollon sah nicht einmal mehr Falk um, als er diese lächerlichen und doch eigentlich recht netten Worte vernahm, er würgte lediglich nur ein
“Wie du meinst.“
heraus. Seine Pfoten setzten langsam voreinander und er schritt ins Ungewisse. Es war nicht seine Art sich vor allem zurück zu ziehen. Doch seine Vergangenheit war einfach zu schwer. Er hatte getötet, doch irgendwie war es ihm plötzlich wieder gleich. Es schien als ob es keine Gefühle mehr geben würde, er hätte Banshee gebraucht, doch plötzlich schien Banshees Zuneigung zu Moon wie ein Verrat und Acollon konnte sich nur schwer beherrschen. Er knurrte leise und fletschte die Zähne. Sein Tempo wurde wieder schneller, ein innerer Kampf entfachte. Zwischen gut und böse, zwischen Acollon selbst und dem Fernissohn, wohl gewiss, Acollon hatte kaum Macht gegen diesen Impuls von Mord anzukämpfen. Er sah sich um. Beute, jagen … Er rannte los. Lief und sprang über tote Baumstämme, große Baumwurzeln und kleinere Felsen. Er sah sich, während er rannte, um. Wo war etwas? Wo würde er töten können ohne Verlust? Da… Eine Rehkuh samt Kitz. Er hetzte, rannte, sprang. Achtete nicht auf seinen Weg, tiefe Schnitte zogen sich an seinem Körper lang. Doch diese Blutgier musste gestoppt werden. Hastig, fast gierig sprang er auf den Rücken der Mutter und riss sie zu Boden, das Kitz wurde kurz von dem Gewicht der eigenen Mutter begraben, wollte wieder aufstehen, aber hatte sich wohl das Genick verrenkt, und schrie vor Schmerz auf. Es war jammervoll. Und es hallte durch das ganze Revier der Sternenwind Wölfe. Es rief nach Hilfe. Nach Erlösung. Nach seiner Mutter am Boden, die nur noch zuckte. Acollon stand wie angefroren da. Würde es doch bloß aufhören zu schreien. Es tat weh… es war so laut und verzweifelt.
“Hör auf.“
wisperte Acollon leise und sah das Rehkitz an, wie es mit schiefem Kopf auf die Knie fiel und seine Mutter beschrie. Es schrie immer lauter. Der schwarze Rüde heulte auf und fletschte die Zähne. Doch das Kitz schrie immer weiter, es sah aus seinen schwarzen runden Augen zu Acollon hoch. Der schwarze Rüde riss seinen Körper herum, versuchte zu fliehen. Erneut heulte er auf. Dann sprang er mit einem Satz auf das Rehkitz zu, die Knochen knirschten und splitterten unter den Kiefer des Rüden. Das Blut spritzte über Acollon und benetzte sein Fell. Das Leben pulsierte noch einen Herzschlag im Körper des Jungtieres, dann war es tot. Acollon rührte sich nicht. Bilder schossen auf ihn ein …
Die dunkle und schwarze Gestallt die über etwas gebeugt fraß und dabei so ein komisches ekeliges Geräusch machte, das Rehkitz mit seinem schiefen Kopf, die Rehkuh sprang frei über eine Wiese, sie stolperte über ihr eigenes Kind. Die schwarze Gestalt tauchte wieder auf, sie hob den Kopf an und sah zu Acollon. Das Blut tropfte zu Boden, der schwarze Rüde erkannte was die Gestalt gefressen hatte, einen Welpen. „Nein“, schrie Acollon „Nein“. Die Gestalt begann zu lachen, höhnisch, kalt, leblos. Er war diese Gestalt. „Nein“…
„Hört auf.“
flüsterte der Rüde und warf sie selbst gegen einen Baum, wollte spürenden Schmerz empfinden, musste diese Qual beenden. Eigenes Blut sickerte aus einer Platzwunde am Kopf. Alles wurde wieder ruhiger und leise. Das Schreien hörte auf, der Blutimpuls ebenso. Alles ebbte ab und schien wieder Farbe zu bekommen. Doch der Rüde war erstarrt. Die Augen trüb ins Nichts gerichtet. Gefangen in seinem eigenen Herz.
Banshee spürte, wie ihr alles entglitt, sie hörte die Worte von Falk, Ayala und Acollon nicht, doch trug der Wind ihre Stimmen zu ihr herüber, undeutlich, schemenhaft. Leé nickte sie schwach zu, wenn sie ehrlich war, war es ihr gerade egal, wo Jorun war, auch wenn das wohl das Unverantwortlichste war, was sie tun konnte. Aber nun schossen ihr immer wieder nur die Bilder von Acollon durch den Kopf, wieder einmal sehnte sie sich nach Nyota, die stets alles im Griff hatte ... oder jedenfalls so schien. Als Acollon erneut kalt an ihnen vorüber ging, war es für sie wie ein Schlag ins Gesicht. Fast meinte sie den schnellen Luftzug und danach die Taubheit zu spüren, eine kleine Träne, die Sofort im Weißen Meer verschwand, bildete sich, doch unsichtbar für andere. Sie nahm Moon im Nacken, hörte es nicht, falls er etwas sagte und trug ihn wenige Schritte zu Falk und Ayala. Wortlos warf sie ihnen einen Blick zu, zumindest Ayala würde es verstehen. Kurz senkte sie ihre Schnauze zu Boden, nahm die Spur Acollons auf und folgte ihr mehr betäubt als die Welt um sich herum wahrzunehmen. Sie hörte dumpf Schreie eines Rehs, doch ging es an ihr vorbei, tief im Inneren ahnte sie, was dies alles hieß.
"Acollon ..."
Ihre Stimme war tot, nur ein leises Flüstern kam aus ihrer Kehle, wurde vom Wind aufgenommen und verlor sich im Wald. Sie nahm einen Blutgeruch auf, das Schreien hatte aufgehört.
"Zu spät ... zu spät."
Wieder nicht mehr, als ein Flüstern. Sie trat aus dem Wald auf eine Lichtung, im silbrigen Mondlicht stand da Acollon, neben sich ein totes Kitz, die Kuh nicht weit entfernt.
"Acollon ..."
Obwohl die Worte noch leise waren, als zuvor, wusste sie, dass er es gehört hatte. Schweigend blieb sie stehen.
Acollon blieb still, sah immer noch ins Leere. Seine Gefühle schwanden, nur eines blieb dort, Schmerz. Warum wurde er für etwas bestraft, was er doch gar nicht wollte. Seine Muskeln verkrampften sich, und er legte seine Ohren flach am Kopf. Erst als er langsam zu Banshee sah, wurde sein Blick durchsichtiger, eine Mischung aus Freunde, Begierde, Liebe, wiederum auf der anderen Seite Angst, Abneigung und Misstrauen. Er liebte diese Fähe, kein Zweifel, doch er musste sie schützen vor sich selbst. Wieder hatte er nur diese Gier gespürt und nicht nachgedacht.
„Komm mir nicht zu nahe, Banshee, ich warne dich.“
knurrte Acollon abwesend, es hörte sich eher gezwungen und fast dumpf an. Seine Augen waren immer noch glanzlos, und trotzdem versuchte er endlich wieder Verstand zu bekommen. Er wollte greifen können.
„Es hatte nichts mit dir zu tun. Dieser Welpe, bei seinem Anblick wird mir speiübel. Es kommen unzählige schreckliche Erinnerungen hoch. Ich bin ein Mörder, zweifle nicht länger, du musst Abstand zu mir gewinnen. Ich bin absolut gefährlich in solchen Fasen. Aber eins darfst du nicht vergessen.“
Acollon lächelte leicht.
„Ich liebe dich.“
Ayala sah, wie Banshee auf sie zukam, mit Moon. Sie verstand sofort, übernahm Moon, hätte Banshee so gerne getröstet...mit ihr geredet, doch sie wusste, dass sie dies nun selbst mit Acollon ausmachen musste. Sie sah Falk liebevoll an, dann schaute sie zu Moon, der traurig und müde aussah.
"Ich glaube, das Ganze war zuviel für ihn. Wie wäre es, ich kümmere mich um ihn und du suchst nach Dayon - und Varloc?"
Sie stupste ihn aufmunternd an und verschwand mit Moon im Gebüsch, suchte einen ruhigeren Platz. Einerseits war sie froh, wenn er alleine nach Varloc schaute, sie wusste, sie würde stören, sie gehörte nicht dazu...andererseits, nein, sie vertraute ihm, sie brauchte sich keine sorgen zu machen, das wusste sie. Mir einem Lächeln trug sie Moon vor sich her.
Banshees Lefzen zitterten leicht, als sie Acollon alleine im Mondlicht auf der Lichtung stehen sah. Sie schüttelte den Kopf und antwortete mit leiser Stimme:
"Dich jetzt alleine lassen? Wir werden das zusammen durchstehen, kein Welpe wird uns trennen können. Vergiss Moon, er ist ein Welpe, der noch nicht versteht."
Sie kam näher, trat aus dem Wald, wurde vom hellen, silbrig-weißen Mondlicht empfangen. Zögernd blieb sie einige Schritte vor ihm wieder stehen, das Kitz zu seinen Pfoten beachtete sie nicht.
"Ich bin für dich da."
Mit ruhigen Schritten trat sie neben ihn, drückte sich an ihn, vergrub ihre Schnauze in seinem Fell und schloss die Augen.
Falk nickte kurz, er würde sich kümmern und mit Varloc alles klären, außerdem würde er Dayon suchen gehen. Mit den Augen versuchte er Ayala zu beruhigen, sie konnte ihm vertrauen, es würde nichts geschehen, was Ayala nicht gefallen könnte. Er würde lediglich versuchen, die Freundschaft zu Varloc zu retten, das gute Verhältnis zu kitten.
.oO(Es wird schon gut werden, da bin ich mir sicher... Und wenn es nicht gut wird, wenn Varloc und ich miteinander die Geschichte nicht klären können - dann hat es halt nicht so sein sollen.)Oo.
Noch einmal drehte sich Falk um, sah Ayala hinterher und entfernte sich in eine andere Richtung in den Wald, in der Hoffnung, eine Witterung von Varloc zu bekommen, sie bald zu finden.
„Banshee“
flüsterte Acollon leise. Zu gerne wäre er ihr jetzt entgegengekommen, hätte sich an sie gekuschelt und sie nie wieder gehen lassen, doch er hatte das Gefühl, der Blutrausch war noch nicht ganz vorbei. Das Mondlicht ließ die beiden Wolfgestalten hell leuchten und sie wie Geister erscheinen. Es war eine kühle und recht klare Nacht, eigentlich sehr schön und ruhig, hätte sich Acollon etwas besser im Zaum gehabt.
“Ah, es tut mir einfach leid. Jetzt ist mit mir wieder dieser Impuls durchgegangen.“
als jedoch Banshee sich an ihn drückte, verstummte er und schmiegte sich fest an seine Gefährtin. Durchfuhr mit seiner Schnauze, dass schneeweiße Fell Banshees, und zog den Geruch des Lebens und des Glücks ein. Sie war bei ihm. Langsam flaute jedes schreckliche Gefühl ab und alles wurde wie immer. Kein Pochen mehr, keine Schreie mehr.
“Ich sollte mich als dein Beta zusammenreißen, mein Kleines.“
er schleckte ihr über die Schnauze und flüsterte zärtlich leise in ihr Ohr:
“Und ich werde dich niemals gehen lassen, auch ein Welpe kann uns nicht trennen, dafür würde ich sorgen, denn ohne dich bleibt mein Leben stehen und bricht zusammen.“
Banshee spürte Acollons auf ihrer Haut und entspannte sich, es war wieder alles gut. Eine Zeit lang drückte sie sich einfach nur an ihn, genoss seine Anwesenheit und sog seinen beruhigenden Duft ein. Mehrere Sternschnuppen fanden ihren Weg am Himmel über ihnen. Langsam erglomm der östliche Horizont, nur ein winziger Vorbote.
"Wir schaffen das zusammen ..."
Leicht lächelte sie ihn an und schnappte dann sanft nach seinem Ohr.
"Nenn mich nicht Kleines."
Sie begann zu grinsen und schmiegte sich erneut an den Rüden. Seine nächsten Worte stimmten sie nachdenklich, sie mochte Moon, doch die Tatsache, dass er Acollon hasste konnte sie weder ignorieren noch akzeptieren.
"Moon wird uns nichts anhaben können ... er ist nur ein Welpe. Und ich liebe dich. Vergiss das nie."
Die scharfe Silhouette des überdurchschnittlich großen Rüden mit dem schwarzen Rückenfell, der Falk von Scharfenberg hieß, hob sich in dem vom einfallenden Mondlicht und von Sternenwinden, die den nachtschwarzen Himmel eigentümlich erhellten schwach beleuchteten Wald kaum von der Umgebung - Bäume, Büsche, von verrottetem Moos und Laub bedecktem Boden - ab. Der kräftige Rüde war stehen geblieben um diese ungewöhnliche Nacht Revue passieren zu lassen.
.oO(Mein Gott)
dachte Falk bei sich,
.oO(was ist das nur für eine Nacht... Eigentlich wollte ich nur die Sternenwinde betrachten, nur für mich...)Oo.
Die Ereignisse hatten sich überschlagen, zu schnell den für den erfahrenen Rüden, der eine Situation gerne genau durchdachte und im Griff hatte. In Falks Kopf herrschte ein kaum zu überschauendes Chaos, das nach Ordnung verlangte. Da war einerseits Dayon, der Rüde, den Falk bis jetzt kaum beachtet hatte; plötzlich war er in Falks Wahrnehmungskreis getreten, er begann für den Grauwolf zu existieren, mehr noch, Falk spürte, dass er zarte Sympathien für Dayon hatte und ihm helfen wollte. Dann war da Acollon, den Falk respektierte und mit seiner etwas eigenwilligen Art sogar ein wenig ins Herz geschlossen hatte, doch der Umstand, dass Acollon an Dayons Seelenzustand schuld sein sollte, warf in Falk viele Fragen auf, insbesondere die eine Frage nach Schuld; konnte er, Falk, der vielfache Mörder unschuldiger Wölfe, Acollon für etwas verurteilen, dessen Falk sich selbst auch schuldig gemacht hatte? Und wenn er selbst kein Mörder gewesen wäre, dürfte er es dann?
Ärgerlich schob Falk den Gedanken an Acollon und seine eigene Vergangenheit, die mit der neuen Sesshaftigkeit nun immer stärker an die Oberfläche drängte beiseite und dachte an Ayala, den schönsten Aspekt dieser wirren Sommernacht. Ayala, die weiße Fähe, die Falk mit ihrem Liebreiz, ihrer Sanftmut und ihrem Verständnis beeindruckt und in ihren Bann gezogen hatte, Ayala...
Und diese Ayala führte unweigerlich zu Varloc, der Werwölfin, die ebenfalls die Sympathien des Grauwolfes hatte und die sich mit jedem Recht als seine Freundin bezeichnen durfte... Wie sollte sich Falk ihr erklären? Mutlos senkte der Hüne den Kopf und versuchte halbherzig eine Witterung von Varloc aufzunehmen.
Leé trabte langsam durch den Wald und suchte Jorun. Sie trat unvermittelt auf die Lichtung auf welcher Acollon und Banshee standen. Ohne zu überlegen rannte Leé zu Banshee.
"Banshee! Ich suche schon die ganze Zeit nach Jorun, aber dort wo ich sie vermutet habe, ist sie nicht! Weisst du wo sie steckt?"
Gleich nachdem sie mit ihrer Frage heraus geplatzt war, zuckte sie zurück und wich hinter Banshee. Ihre ängstliche Blicke galten Acollon. Und obwohl sie diesen Rüden verehrte, glaubte sie seinen Hass auf sie zu spüren. Leé merkte, dass sie äußerst ungelegen kam, doch sie wollte wissen, ob Banshee etwas über Jorun wusste.
Rauschende Blätter im sanften Wind, einige einsame Eulenschreie, ansonsten Stille ... Stille, die Ayala die letzte Nacht nicht erlebt hatte, soviel war passiert, soviel Schlechtes, aber auch Schönes ... Ihre Lefzen kräuselten sich leicht zu einem Lächeln...wieder dachte sie an Falk von Scharfenberg, diesen außergewöhnlichen Rüden, kräftig - und doch so sanft. Eigentlich hatten sie die Sternenwinde betrachten wollen, alleine für sich - und nun waren ihnen beiden andere Aufgaben auferlegt worden - Engaya hatte etwas anderes mit ihnen im Sinne gehabt. Ayala schloss die Augen, lauschte nur noch dem Wind und dem ungleichmäßigen Atmen des immer noch aufgelösten Moon. Er war viel zu erschöpft gewesen, um mit ihr reden zu wollen, er hatte noch eine zeitlang geschluchzt, sein Leid fließen lassen, dann war er eingeschlafen. Es war aber nur ein leichter, unruhiger Schlaf - dennoch schien er zu träumen. Er winselte mehrere Male - ein klägliches eingeschüchtertes Heulen. Als er sich beruhigt hatte, stand Ayala wieder auf, ging ein paar Schritte weiter, sie konnte ihre innere Ruhe noch nicht finden, setzte sich auf einen erhöhten Stein und betrachtete den Mond, der seinen Glanz über das Land erstreckte.
Varloc hatte Falks Anwesenheit schon seit einer ganzen Weile bemerkt, jedoch nichts unternommen, ihn auf sich aufmerksam zu machen. Warum tauchte er jetzt überhaupt hier auf? Was wollte er klären, wo doch bereits alles klar war? Die Unsicherheit des Rüden hatte auch Varloc bemerkt, doch warum sollte Varloc Falk jetzt helfen? Er würde ihr auch nicht helfen, würde ihr wohl nur sagen, dass er für sie, Varloc, nichts empfand als Freundschaft und auch weiterhin mit ihr befreundet bleiben wollte.
.oO(Wenn er das sagt, bringe ich ihn um! Vielleicht hätte ich ihm bei dem Beben damals nicht das Leben retten sollen... Nein, das ist zu hart, aber wenn er das sagt, bringe ich ihn um!)Oo.
Falk hatte Varloc immer noch nicht bemerkt und ging mit steifem Schritt weiter. Varloc schob sich aus dem Gebüsch und lief hinter Falk hinterher. Als er ihre Gegenwart immer noch nicht registrierte, baute sie sich nur wenige Meter hinter ihm auf und sagte:
"Hey, Falk..."
Falk hielt inne, schrak zusammen. Sein ganzer Körper, jeder Muskel schien sich zusammenzuziehen und nur mühsam gelang es dem Rüden, sich aus der eigenen Umklammerung zu befreien. Er hatte die Stimme Varlocs erkannt, diese Stimme, die immer eine schmerzliche Saite tief in seinem Inneren zum Klingen brachte, die Dinge aus seinem Unterbewusstsein hervorlockte, die Falk vergessen wollte. Ein Schauer von Kälte ließ den kräftigen Körper erzittern und mit steifen Schritten drehte Falk sich um und ließ den Blick auf der Gestalt ruhen, welche die Werwölfin Varloc war.
"Varloc, ich hab dich gesucht... Ich hab mir Sorgen um dich gemacht, du warst plötzlich weg, warum bist du so einfach abgehauen?"
Falk glaubte nicht ernsthaft daran, dass Varloc ihm abnahm, dass er das nicht längst verstanden hatte, doch er wollte Varloc die Chance geben, ihn zu beschimpfen, ihren ganzen Zorn an ihm auszulassen, denn er war sicherlich auch schuld an der ganzen Misere, weil er nicht gleich klare Verhältnisse geschaffen hatte...