Daylight
21.06.2012, 21:34

Geduckt, mit gespitzten Ohren und weit geöffneten Augen, die rauen Pfotenballen tief in die staubige Erde gegraben und in gespannter Haltung, verharrte Daylight im hohen Gras – lauerte, wartete reglos. Nur wenige Wolfslängen entfernt auf einem Stein, der aus dem Wasser ragte, thronte sie, ihre Beute: Eine riesige, fette Gans, die sich gelassen mit dem Schnabel durch das zerzauste Gefieder fuhr. Ein triumphales Grinsen zierte Daylights Lefzen als sie sich tiefer kauerte, ein kühler Abendwind strich ihr entgegen und pures Adrenalin schoss durch ihre Adern. Sie war bereit für den alles entscheidenen Sprung.
Daylight war schon immer eine ganz passable Jägerin gewesen – ihre wendige Statur bot gute Voraussetzungen für die Jagd auf vor allem kleinere Beutetiere, sie war flink auf den Pfoten, besaß ein hervorragendes Reaktionsvermögen und war geduldig. All diese Eigenschaften waren ihr auf ihrer Reise zugute gekommen und hatten sich mit zunehmendem Training verbessert, sodass aus der leicht schlaksigen Jungwölfin eine sehnig-muskulöse Fähe herangewachsen war – immer noch zierlich, aber längst nicht mehr schwach. Außerdem liebte Daylight die Jagd, den Nervenkitzel, das Adrenalin, das durch ihren Körper pulsierte und sie alles andere vergessen ließ. Sie mochte nicht daran denken in welcher aussichtslosen Situation sich das Rudel möglicherweise befand – die verkehrten Jahreszeiten, die Erdbeben, der Mord an Tascurio, der Zwietracht zwischen Tyraleen und Averic und sie selbst – Daylight – die nicht wusste, wie sie sich am besten verhalten sollte. Sie bereute es nicht, zurückgekehrt zu sein, es fühlte sich immer noch richtig an, auch wenn das Tal nicht mehr das war, was sie einst verlassen hatte; es war immer noch genauso schön, wie Daylight es in Erinnerung gehabt hatte und es fühlte sich immer noch genauso an – wie zu Hause.


(Ich hab' deine Gans-Idee mal aufgenommen. *lach* Ich hoffe, es passt dir so... ziemlich viel Blabla, aber vielleicht hat Samir ja den gleichen Einfall wie Dayli?! :>)

Samirez
22.06.2012, 14:55

Sanft strich der leichte Abendwind dem cremefarbenen Rüden durch das seidene Fell. Die bernsteinfarbenen Seelenspiegel waren aufmerksam auf ihr Ziel gerichtet. Die Jagd kitzelte ihm unter den Ballen, unter dem Fell, jeder Zentimeter seines Körpers schien von Nerven und Muskeln gespannt. Dieser Abend schien ihm die perfekte Gelegenheit und sein Ziel war bereits auserkoren. Eine Gans, aufrecht, beinahe thronend stand sie da, das perfekte Zeichen von Futter. Er hatte sie von einem kleinen Teich in der Nähe bis hierher verfolgt. Nun lag er hier im Gras, das markante Haupt auf die Pfoten gesenkt, den Blick nicht von dem fetten Federvieh abwendend.

Einzig und Allein ein anderer Geruch störte ihn. Ein Geruch der nur allzu deutlich nicht von Beutetier herrührte, sondern ganz eindeutig der Spezies Wolf zugeordnet werden konnte. Samirez störte es ein wenig, dass ihm anscheinend ein anderes Rudelmitglied seine Beute streitig machen wollte. Er hatte vor gehabt sich für die Aufnahme im Rudel erkenntlich zu zeigen und den Leitwölfen diese fette Gans als Geschenk darzubieten, nun musste er anscheinend mit einer ganz anderen Komplikation vorlieb nehmen.
Mit einem dumpfen Seufzen, ganz leise nur, damit ihm das Geflügel nichts davon mitbekam, setzte sich der Polarwolf wieder in Bewegung. Den geschmeidigen Leib eng an Erde und Gras geschmiegt und langsam und vorsichtig vorwärts robbend. Die großen Ohren spielten neugierig, während die Nase weiterhin dem wölfischen Duft folgte, der sich nun in schier greifbarer Nähe befinden musste. Und tatsächlich, keine drei Wolfslängen vor ihm schimmerte es weißlich zwischen den Gräsern auf. Überrascht über diese fremde Begegnung lehnte der Rüde den Kopf schräg?

“Akhuna?“

Wisperte er zweifelnd in die friedvolle Stille hinein und wandte gleichzeitig den Kopf herum um zu schauen, ob er mit seinem ungewollten Ausruf die Gans erschreckt hatte. Doch diese thronte weiterhin auf ihrem Felsen, allen Zweifeln erhaben. Sogleich senkte der Jäger das Haupt wieder, blinzelte der weißen Gestalt entgegen und robbte weiter vorwärts, näher an den fremden Wolf heran, der ihn unweigerlich irgendwie an Akhuna erinnerte. Erst beim näher kommen bemerkte er, dass es sich hier zwar um eine Wölfin, jedoch keinesfalls um die ihm bekannte Fähe handelte. Verlegen lehnte Samirez die Ohren zurück.

“Tschuldigung, Verwechslung.“

Flüsterte er wieder, peinlich berührt und gleichsam neugierig, wen er denn nun wieder vor sich hatte. Dieses Rudel überraschte ihn immer wieder mit Begegnungen zu den unmöglichsten Augenblicken.

Daylight
25.06.2012, 18:06

Daylights Kopf fuhr herum. Sie war so vertieft darin gewesen, jede Bewegung der Gans aufs Genauste zu studieren, dass sie das Auftauchen des jungen Rüdens erst bemerkte, als dieser bereits das Wort erhoben hatte. Akhuna? Offenbar hielt er sie für ihre zwei Jahre jüngere Nichte – sollte ihr das etwa schmeicheln? Doch noch ehe sie ihn auf die Verwechslung hinweisen konnte, bemerkte er seinen Fehler selbst und legte reumütig die Ohren an, was Daylight wiederum ein fast amüsiertes Lächeln entlockte. Immer noch tief ins hohe Gras gekauert und bedacht darauf ihre Beute nicht auf sich aufmerksam zu machen, wandte sie sich ihm zu und musterte ihn kurz und eindringlich.

„Muss dir doch nicht peinlich sein...! Bei so vielen Wölfen passiert es leicht, dass man jemanden für einen anderen hält!“, erwiderte sie schließlich flüsternd und mit einem freundlichen Lächeln auf den dunklen Lefzen, „Ich bin Daylight und Akhuna ist meine Nichte, das erklärt dann wohl auch die Ähnlichkeit“, fügte sie noch hinzu und neigte leicht den Kopf auf die Seite, eines ihrer Ohren noch immer der Gans zugewandt. „Und du? Du bist noch nicht lange hier, oder?“

Der junge Rüde gehörte wohl zu denen, die sich dem Rudel während ihrer Abwesenheit angeschlossen hatten. Es war ein eigenartiges Gefühl für die Weiße einen Fremden im eigenen Revier anzutreffen, doch sie ließ sich ihre Unsicherheit nicht anmerken, sondern begegnete ihm mit jener Freundlichkeit, mit der sie jeden Neuling im Rudel begrüßt hätte – auch wenn sie für ihn der Neuling im Rudel sein musste; welch verkehrte Welt.
Außerdem bot der junge Rüde die perfekte Gelegenheit für eine gemeinsame Jagd und gegen ein wenig Gesellschaft hatte Daylight noch nie etwas einzuwenden gehabt. Genau genommen hatte sie sich seit ihrer Rückkehr ins Tal sogar ein wenig einsam zwischen den Reihen gefühlt – klar, das hier war ihre Familie und natürlich gehörte sie nach wie vor dazu und trotzdem hatte Daylight ein wenig der Anschluss gefehlt. Dabei war die Weiße nie eine Einzelgängerin gewesen, ganz im Gegenteil, sie mochte es andere Wölfe um sich zu haben und so kam ihr die neue Bekanntschaft in Form des fremden Rüden gerade recht.

Samirez
13.07.2012, 12:40

Er hatte in seiner Bewegung inne gehalten, als er nur noch wenige Wolfslängen von der Weißen entfernt war. Sie sah freundlich aus, doch ihre Augen hatten die Farbe von Bernstein, kein himmlisches Blau, wie die Spiegel Akhunas. Peinlich berührt druckste der Rüde einige Augenblicke lang herum. Wandte den Blick immer wieder ab und richtete ihn erneut auf die Fremde, solang, bis diese schließlich zu sprechen begann und von ihrem Verwandtschaftsgrad zu Akhuna berichtete. So war das also. Kaum hatte er mitgeteilt bekommen, dass seine Verwechslung gar nicht so verkehrt war, kehrte die alte Zuversicht in den Rüden zurück. Er richtete sich etwas mehr auf und schenkte der Fremden, die sich als Daylight vorgestellt hatte ein freundliches Lächeln.

“Man nennt mich Samirez und nein, ich bin noch nicht lange hier. Gerade Mal eine Woche. Deshalb scheint mich das Rudel mit seiner Größe auch noch so leicht erschlagen zu können, schätze ich“, er zuckte frech mit den Ohren und lehnte den Kopf auf die Vorderläufe.

Die Ohren waren, wie auch Daylights, noch immer in Richtung des fetten Federviehs gerichtet um ja jede Regung des Geschöpfes mit zu bekommen. Nur, was machten sie nun? Sollte er ihr die Gans überlassen? Sie sich selber schnappen? Nein, das wäre unhöflich und sie hatte hier definitiv den Heimvorteil. Also anders denken. Denn so einfach wollte er auf seine Beute nun auch wieder nicht verzichten.

“Nun, da wir uns nun eh schon die selbe Beute ausgeguckt haben. Darf ich dich zu einer kleinen Jagd einladen, Daylight?“

Die Frage kam charmant über seine Lefzen und er wippte leicht mit dem cremefarbenen Haupt. Er wollte nur freundlich sein. Zudem würde dieses Angebot ihn sicherlich auch in ein angenehmeres Licht rücken, denn Samir hielt viel auf sein Ansehen nach Aussehen. Zudem würde es einfach Spaß machen und die Helle kam ihm nun nicht gerade wie ein Kind von Traurigkeit vor. Mit ihr konnte man sicherlich Spaß haben, so hoffte es der Rüde jedenfalls.

Daylight
22.08.2012, 21:39

„Samirez, also“, erwiderte Daylight sofort und schenkte dem jungen Rüden ein halb amüsiert, halb verschmitztes Grinsen, „dein Ruf ist dir quasi vorausgeeilt“, erklärte sie nach einer kurzen Pause ihre plötzliche Heiterkeit. „Du bist also der, der meiner Nicht nachstellt?“

Sie versuchte streng zu klingen, schafft es allerdings nicht das leise Kichern zu unterdrücken, das ihr bereits in der Kehle saß. Sie musterte ihn eindringlich, und reagierte auf sein Angebot mit gespielt verlegener Miene, indem sie kurz mit den Ohren spielte und ihm schließlich einen unsicheren Blick schenkte, gleich darauf aber wieder grinste. Daylights Jagdlust war zurückgekehrt und sie wandte sich endlich von Samirez ab und wieder der Gans zu, die noch immer auf dem Stein hockte, ohne einen von ihnen bemerkt zu haben. Aus den Augenwinkeln beobachtete sie den jungen Rüden, der neben ihr im Gras kauerte.

„Mit Vergnügen, werter Herr“, scherzte sie vergnügt und fuhr sich mit der Zunge über die Lefzen, als konnte sie es kaum erwarten sich auf die Beute zu stürzen, „Was schlagt Ihr vor, wie wir das Untier am besten erlegen?“

Es sah ganz danach aus, als würde dieser Tag nicht ganz so trostlos enden, wie die vorherigen.

Samirez
07.01.2013, 20:04

Ihre Reaktion warf ihn sofort aus der Bahn. Ein verwirrter, skeptischer Ausdruck legte sich in die Bernsteinaugen und das Fang öffnete sich sogleich um ihr eine passende Antwort zuzuwerfen, die ihm allerdings irgendwie gerade nicht in die Gedanken kommen wollte.

“Nachstellen? Ich, also, ähm... ich würde nie... das ist..“, stammelte er daher nur zusammenhaltlos und klappte schließlich einfach das Maul wieder zu um es nicht noch peinlicher werden zu lassen. Ihr Kichern irritierte ihn jedoch einfach nur noch mehr. Sodass er Daylight einfach nur noch anstarrte und tatsächlich um Worte verlegen war. Das musste man sich mal vorstellen, er und um Worte verlegen! Was stellte dieses Rudel nur mit ihm an und besonders was tat ihm diese verdammte Fähe nur an!

Endlich wandte sich die Weiße ab und Samirez atmete erleichtert aus. Sie würde ihn also hoffentlich nicht weiter in die Mangel nehmen. Tatsächlich wandte er sich selbst auch mehr schlecht als Recht der anstehenden Gänsejagd zu, wenngleich seine Gedanken immer wieder abdrifteten und sich einfach nicht bändigen ließen. Als sie ihm eine so alltägliche Frage, wie der besten Art eine Gans zu erlegen fragte, brauchte er einige Sekunden um die Antwort in seinem überfüllten Gehirn zu finden.

“Ich würde sagen, du postierst dich hier, nahe am Fels und ich schleiche mich zur anderen Seite. Und dann nehmen wir sie gemeinsam in die Mangel?“

In seiner Heimat hatte es keine Gänse gegeben und somit erschien ihm seine Taktik selbst ein wenig seltsam.

“Oder vielleicht hast du eine bessere Taktik?“

Fragte er daher vorsichtig. Es fiel ihm immer noch schwer, nach dem peinlichen Thema von vorhin einfach dort weiter zu machen, wo sie begonnen hatten. Er war Daylight nicht böse, jedoch wusste er nicht, wie er mit ihrer offenkundigen Belustigung über seine 'Beziehung' halten sollte. Und vor allem wusste er nicht, wie viel Akhuna ihr eigentlich erzählt hatte. Vermutlich standen ihm noch einige peinliche Stunden bevor.