Isaí Caiyé
16.05.2012, 21:54

Es ist eine mondlose Nacht, das Rudel hält sich noch immer in der Nähe des Wasserfalls auf. Wie als würden tausende Sterne die Wölfe locken wollen, zieht es das Rudel auf den Himmelsfelsen, Engaya viel näher, als irgendwo sonst.

Tyraleen fühlte sich federleicht, während sie die letzten Schritte bis zur Kante des in der Nacht beinahe schwarzen Felsens trat, schloss sie die Augen und sog die kühle Nachtluft ein. Doch schnell huschte ihr Blick wieder in den Nachthimmel, der heute von tausenden Sternen übersäht war und dann und wann flammte ein Sternenwind auf. Schön war es hier.

Kursai saß mit ihrer Familie auf dem Himmelsfelsen. Sie wünschte dieser Moment würde ewig dauern, hier in der Nähe von Engaya und im Kreise ihrer Familie. Ihr Blick lag eine ganze Weile nur im Himmel, in den Sternen. Zur Hälfte wünschte sie sich dort oben sein zu können, in dieser Pracht zu leben. Zum anderen fand sie es aber auch richtig bei ihrer Familie wieder zu sein. So glitt ihr Blick wieder zu den Wölfen, die sie umgaben.

Amur sah einen Moment zum Himmel hinauf. Wie manch andere zog es sie diese Nacht zum Himmelsfelsen. Vielleicht würde sie etwas Ablenkung finden. Jetzt wo sie sich langsam zu fragen begann wie sie wieder zu ihrer Familie finden sollte. Es gab viele die sie gar nicht kannte, doch auch diejenigen die sie kannte hatten sich verändert. So musste man alles neu kennen lernen. Also setzte sie eine Pfote vor die andere, ihren Weg zum Himmelsfelsen fortsetzend. Dort wo man dem Himmel so nah war. Diese Nacht war wundervoll und Amúr atmete einmal tief durch.

Averic mochte vielleicht unempfänglich für Engayas Ausstrahlung sein - wobei er sowieso eher fand, dass die Nacht das Element Fenris' war - dennoch war auch der pechschwarze Rüde mit den einigen anderen auf den Himmelsfelsen gestiegen. Der schwarze und dennoch sternenübersähte Himmel aus der Sicht des hohen Felsens erinnerte ihn viel mehr an die Zeit in den Bergen. Es war schön sich vorzustellen wieder dort oben zu sein. Außerdem, obwohl er nicht besonders gesellig wirken mochte, jetzt wo Averic wusste, dass er bald nichts von all dem haben würde, wollte er noch einmal unbemerkt die seltene Atmosphäre spüren, die sich ergab wenn sie alle zusammen den Sternenwinden zuschauen konnten.

Tyraleen spürte sofort, dass Averic in ihrer Nähe war, auch wenn sein Geruch nicht direkt aus dem Duft ihrer ganzen Familie herauszuschmecken war. Sie wandte den Blick wieder ab von den Sternen und suchte die dunklen Augen ihres Bruders. Zwischen den anderen Wölfen hindurch lächelte sie ihm zu.

Kursai s Blick war auf keinen bestimmten Wolf gerichtet, wandert vielmehr durch ihre ganze, große Familie. Den einen kannte sie besser, den anderen schlechter und zu manch einem konnte sie kaum etwas sagen. Dies fand sie etwas schade. Es stimmte zwar, dass sie länger weg war und dennoch sollte sie doch ihre Familie kennen, genauso wie sie diesen Himmel über sich kannte, sich insgeheim nach ihm gesehnt hatte. So begann sie auf eine der Fähe zuzugehen, welche sie kaum kannte. Ihre Schritte waren nicht sonderlich bestimmt, und dennoch dauerte es nicht lange, bis sie bei dieser angekommen war.

Amur blickte die anwesenden Wölfe an. So richtete sie ihren Blick zunächst auf ihre Eltern, die man wohl am besten erkannte, ehe sie ihre Geschwister anblickte. Doch schnell ließ sie es wieder bleiben, sie würde schon irgendjemandem zum reden finden. Sie konnte sich sowieso nicht recht entscheiden zu wem genau sie denn nun gehen sollte. Dann sah sie eine Fähe auf sich zukommen und lächelte matt. "Hallo ich bin Amúr", sagte sie, weil die Fähe vor ihr genau so aussah wie sie selbst bestimmt. Nämlich unwissend wem sie da als Gegenüber hatte.

Kursai erwiderte das Lächeln der anderen. Amúr war der Name der anderen, und auch so gab sie ihren Preis. "Hallo, Kursaí werde ich genannt." Dann überließ sie sich und die andere wieder der schönen Stille der Nacht. Es war nicht so, als ob sie etwas dagegen gehabt hätte, dass diese wieder unterbrochen würde, genauso wenig empfand sie diese als störend.

Amur sah zu Kursai und nickte. Sie schwieg auch einen Moment und ihr Blick glitt erneut zu den Sternen. Seitdem sie hier war und seitdem die anfängliche Euphorie hinter der sie ihre wahren Gefühle verborgen hatte vergangen war, dachte sie öfters wieder an Banshee. Ob sie Amúr hätte helfen können, bei all ihren Fragen. Sie murmelte gedankenverloren los "Die Sterne sind wunderschön. So funkelnd und strahlend wie sie am Himmel stehen. ich weiß das es welche gibt die von dort auf uns hinter blicken, wie meine Oma zum Beispiel." sie blickte entschuldigend zu Kursai "Ich klinge wie ein kleiner Welpe, entschuldige." murmelte sie dann und lächelte sachte. ließ ihren Blick einen Moment auf Kursai liegen.

Averic trat langsam zwischen den Wölfen hindurch, die allesamt mit sich selbst und den Sternen beschäftigt waren. Sein dunkler Blick striff kurz seine Tochter Amúr, eher er den von Tyraleen auffing. Ihr Lächeln zu sehen löste ein unbestimmtes Gefühl in ihm aus; nicht ganz eindeutig ob es eher bitter war, oder gut. Innerlich seufzend beschloss Averic das Lächeln als Einladung zu sehen und schritt ebenfalls bis an den Rand des Felsens, neben seine Schwester. "Wir haben schon lange keine Sternenwinde mehr gesehen."

Tyraleen freute sich auf diese unbestimmte, leise Art, die Averic in letzter Zeit so oft auslöste, als ihr Bruder ihr Lächeln auffing und seine Schritte dann zu ihr lenkte. Seine Worte lösten dann wieder die ebenso vertraute Unsicherheit aus, die sie daran erinnerte, dass zwischen ihnen nichts klar war. "Ich hoffe so sehr, dass es ein gutes Zeichen ist, sie heute über den Himmel ziehen zu sehen. Hier, bei unserer Familie."

Kursai nahm das Nicken wahr. Und auch ihr Blick glitt wieder zu den Sternen hinauf. Sie hatte das Gefühl, dass sie stundenlang diesen funkelnden Wundern und den Winden dazwischen hätte zusehen können, und wahrscheinlich würde sie dies auch diese Nacht noch tun. Dann bemerkte sie die Worte der anderen Fähe, hörte ihnen zu und empfand sie als richtig. Und so fand sie die Entschuldigung der anderen auch als falsch, weshalb sie diese ansah und sagte: "Nein, es ist doch war. Es ist wunderschön, atemberaubend. Und gewiss werden wir beobachtet."

Ama stand am Rande des Himmelsfelsens nur einige Schritte von dem Abgrund entfernt und doch in der Nähe ihrer Familie. Ihr graziler und doch kräftiger Körper wurde gänzlich von den Schatten verschluckt und nur das Licht der fernen Sternenwinde spiegelte sich dann und wann im tiefen Blau ihrer Augen. Es war lange her, dass einen Blick auf die Benenner ihres Tals hatte werfen können, viel zu lange. Irgendwie stimmte ihr Anblick sie friedlich, so ähnlich wie es der Regen vollbrachte. Ganz in ihrer Nähe erklangen plötzlich Stimmen, vielleicht gerade mal zwei Wolfslängen von ihr entfernt. Sie wandte ihren edel geformten Kopf in ihre Richtung, unterbrach so den Kontakt zu den Himmelbildnissen. Sie konnte zwei Gestalten erkennen und ihre leisen Stimmen hören. Mit langsamen Schritten trat sie näher, wechselte aus dem Schatten des Felsens in das spärliche Licht der Nacht. "Das ist es wohl. Ein Anblick, der einem Frieden bringt."

Amur lächelte. "Ich vermisse sie manchmal sehr. Immerhin war sie eine ganz besondere Wölfin" murmelte sie dann weiter. "Kursai, du vermisst doch bestimmt auch jemanden der auf uns niederblickt oder?" fragte sie dann vorsichtig. Sie wollte nicht zu privat werden, doch trieben ihre Gedanken gerade um dieses Thema so, dass sie offen ihre Frage stellte, wenn auch vorsichtig

Averic empfand nun doch einen eher bitteren Geschmack auf der Zunge. Ein gutes Zeichen? Vielleicht war es auch ein letzter Abschiedsgruß an ihn. Doch diesen fast zynisch anmutenden Gedanken behielt der Pechschwarze für sich, nur die Schnauze senkte er ein wenig, den Blick von den Sternen hinunter ins Tal wandern lassend. Auch wenn dort jetzt nichts mehr zu sehen war, abgesehen von der Schwärze. "Das hoffe ich auch.", entgegnete er also. Dem direkten Blick zu seiner Schwester mied er bisher und so hätte man es als Glück bezeichnen können, dass eine ablenkende Stimme von der Seite her an sie heran klang. Obwohl er trotzdem irgendwo in sich kurze Verärgerung über die Störung empfand. Sein dunkler Blick traf Amáya, die etwas verklärt in den Nachthimmel starrte und etwas von Frieden faselte. "Frieden.", widerholte er, als sei er nicht sicher, was dieses Wort für ihn bedeutete.

Kursai hörte der anderen Fähe zu. Auch wenn ihr Thema nicht mehr so hundertprozentig fröhlich war, wirkte die Andere nicht direkt traurig. Und dann ging es wieder um sie selber. Ein Teil, ein großer Teil ihres alten Lebens hatte sie verloren. Auch wenn sie inzwischen nicht mehr vor Trauer fast zusammenbrach, durchzuckte sie der Schmerz bei den Gedanken an ihren Gefährten und ihren Vater wieder. Dennoch antwortete sie offen, und freundlich: "Oh, ja. Auch meine Liebe hat Engaya zu sich genommen, dort oben wartet sie." Ja, ihre Liebe war es, und doch empfand sie inzwischen fast mehr Liebe als zuvor. Zuvor waren einige in ihrem Leben, die ihr ganzes stürmisches Herz bekam. Nun jedoch war es mehr, durch Engaya.

Tyraleen spürte, dass ihre friedliche, federleichte Stimmung sich nicht auf Averic übertrug. Sein Herz war schwer und egal was passieren würde, sie konnte es nicht leichter machen. Das konnte nur Fenris. Ob seine Antwort soetwas wie hoffnungsfroh oder doch eher nur abspeisend war, konnte sie nicht beruteilen, aber es blieb auch keine Zeit dafür. Aus der Dunkelheit und den anderen Wölfen löste sich eine schwarze Gestalt und plötzlich stand Amáya neben ihnen. Ein wenig irritiert, vor allem über ihre Worte, blinzelte die Weiße zu ihrer Schwester und wusste auch mit dem Echo Averics nichts anzufangen. "Mir wäre Liebe lieber.", antwortete sie vor allem, weil sie nicht wusste, was sie sonst sagen sollte.

Amur sah zu Kursai und lächelte halb entschuldigend halb abwesend. "Ich weiß das es nichts bringt wenn man sich eine Seele zurückwünscht die nicht mehr unter uns weilt. und doch glaube ich das Banshee mir bestimmt helfen können würde." Dass sie nun Banshee anstatt Oma gesagt hatte, hatte sie nicht bemerkt und dann sah sie zu Kursai. "Du wirst bestimmt wieder Liebe finden, Kursai. So wie ich Antworten suchen werde bis ich sie finde." sagte sie dann, das funkeln der Sterne spiegelte sich in ihren Augen. "Stört dich dieses Thema?" fragte sie schließlich, wollte sie Kursai doch nicht vergraulen

Ama ließ sich neben ihren beiden Geschwistern auf die Hinterläufe nieder und richtete ihren regenblauen Blick nun eher auf die in Düsternis getauchte Szenerie und den Himmel auf einmal. Sie fühlte sich ein wenig verplant, umgekrempelt und seltsam. Irgendetwas schien vor kurzem geschehen zu sein, dessen Wichtigkeit sie scheinbar nicht erkannte. Aber sie hatte noch nie das Wesentliche in etwas erkannt, damit sollte sie sich langsam zufrieden geben. Ihre Seelenspiegel kreuzten kurz die ihres älteren Bruders, die von einer Spur lebendigerem Blau waren, dann glitten sie wieder weiter. Sie zuckte kurz mit den Schultern auf seine Wiederholung ihrer Worte, als könnte sie selbst nicht so richtig etwas damit anfangen, was sie da gesagt hatte. Als die Stimme ihrer Wurfsschwester ertönte schüttelte sie langsam, die Leftzenwinkel ein wenig nach oben gebogen den Kopf. "Liebe oder Frieden, dass ist hier die Frage.", murmelte sie nachdenklich. Liebe war fast soetwas wie ein Gegensatz zu Frieden. Wo es Liebe gab, würde es immer Wiederstände geben. Nicht, als ob sie von wirklicher Liebe eine Ahnung gehabt hätte, nein.

Kursai fand es einfach nur entspannend mit den Sternen über sich. So war sie sogar nur noch mehr entspannt als normalerweise. "Wünschen kann man es sich wohl, wobei man es wohl kaum bekommen wird." Bei diesen Worten ließ Kursaí bewusst offen, ob es nun flasch, oder schlecht war dies zu tun. "Die wirst du gewiss finden, die Antworten. Und um mein Herz musst du dir wohl eher weniger Sorgen machen. Dies hat sein zu Hause, sein Heim bei Engaya gefunden. Und wohl auch bei Banshee." Die letzte Frage irritierte Kursaí ein wenig. Zunächst ließ sie sie unbeantwortet zwischen ihnen stehen, während sie ein weiteres Mal nach oben blickte, dann wandte sie den Blick zurück und sagte: "So würde ich es nicht nennen, auch wenn ich es wohl von alleine nicht angesprochen hätte."

Averic musste nun doch leicht über die Worte Tyraleens schmunzeln. Das Lächeln mochte vielleicht ein wenig freudlos wirken, aber es war ehrlich. So typisch diese Antwort für seine Schwester auch war, genau so hätte es auch noch jemand anderes ausgedrückt. Banshee. Ob sie sich dessen bewusst war? Früher hätte sie dieser Vergleich sicher verärgert. Amáyas schon wieder etwas verklärte Erwiderung hingegen war etwas irriterend. Er runzelte die Stirn. "Wieso sollte das eine denn das andere ausschließen?"

Tyraleen blinzelte zum zweiten Mal irritiert zu ihrer Schwester, als diese eine irgendwie seltsam sinnlose Antwort gab. War es hier die Frage, ob Frieden oder Liebe besser war? Im Prinzip ähnelten sich diese zwei Ideale sowieso und darüber zu diskutieren, welches besser oder wünschenswerter wäre, schien der Weißen ausgesprochen sinnlos. Sie war froh, dass Averic in dieses Gespräch involviert war, denn er sprach in etwa aus, was sie dachte. In etwa. Einen Ausschluss hatte sie eigentlich nicht gehört. "Ich finde, wir haben ganz andere Fragen, aber wenn du dich damit auseinander setzt, ob dir Liebe oder Frieden lieber ist, scheint mir das ein Fortschritt." Sie versuchte es mit Humor.

Amur sagte "Das stimmt.“ an Kursai gewandt. Dann hörte sie ihr zu. "Engaya" murmelte sie sachte. "Ich bin gewiss das sich dein Herz in wunderbaren liebevollen Händen aufhält" sprach sie dann leise. Bei der Antwort von Kursai neigte sie leicht den Kopf zur Seite "Ja ,ich sprach so aus meinen Gedanken. Ich bin manchmal traurig das sie fort ist doch es wird irgendwo auch richtig sein, hoffe ich zumindest." dann schüttelte sie sich kurz und meinte dann "Wie eine Nacht so viele Wölfe hier hoch treiben kann, erstaunlich oder?"

Ama wusste nicht recht, was in ihrem Kopf so vorging. Seit dem Zwischenfall mit Mayhem, als sie auf jene zwei Wölfe losgegangen war, war alles ziemlich seltsam geworden. "Ich meine ja nicht, dass sie sich ausschließen. Sie harmonieren nur nicht immer. Aber davon habe ich ja eigentlich gar keine Ahnung.", fuhr sie fort, in ihrer gewohnten, angenehm monotonen Tonlage. Sie blickte kurz zu Averic und ärgerte sich eigentlich selbst darüber, was für einen Unsinn sie da faselte. "Fortschritte, hm? Na, das ist mal schön zu hören." Sie streckte ihre Vorderläufe leicht und kahm sich ziemlich fehl am Platz vor. Aber das war normal, so war es immer schon gewesen. "Es gibt so viele Antworten und viel zu wenig Fragen."

Kursai hatte das Gefühl der anderen Fähe ganz Nahe zu sein. Auch wenn sie vor dem heutigen Tage nicht einmal ihren Namen gewusst hatte, so waren sie doch in gewisser Weise nun im Geiste nahe, und nicht nur rein materiell. Diese Nacht schien wirklich etwas besonderes zu sein, und dies lag ihrer Meinung nach nicht nur an dem Ort und dem Himmelszelt. Als nun eine unerwartete Frage kam, musste sie zunächst grinsen. Eigentlich war dies erstaunlich, doch... "Und doch ist diese Nacht wohl etwas besonderes. Meinst du nicht? Die Sternenwinde wehen und die Nacht ist schwarz und doch so hell, dass es einfach wunderbar ist."


Averic hatte noch nie besonders viel von Amáya gehalten, aber seit sie wieder zurück war, kam sie ihm zunehmend schräger vor, wann immer er irgendwie mit ihr in Kontakt kam. Der Pechschwarze konnte nicht anders, als Tyraleen einen kurzen Blick zuzuwerfen, der seine Gedanken in etwa ausdrückte. Und da die Weiße es schon mit Humor versuchte, widerstand er knapp der Versuchung direkt nachzufragen, ob Amáya wohl ein Stein auf den Kopf gefallen war. "Was für Fragen hättest du denn gerne noch, wenn du die dazu Antwort schon weißt?", fragte er stattdessen etwas trocken.

Amur nickte "Es scheint kein Mond und doch ist alles so hell. Der Himmel strahlt regelrecht und die Sternenwinde sieht man sogar auch." im Grunde hat sie dasselbe gesagt wie Kursai und doch anders. "Ich hätte gerne öfters solche Nächte, wo man sich irgendwie miteinander verbunden fühlt egal was auch immer gerade zwischen einem steht", murmelte sie.

Tyraleen irritierten Amáyas neuerliche Antwort nur noch mehr. Frieden und Liebe konnten nicht harmonieren? Resultierte Frieden nicht aus Liebe? Ziemlich unangenehm erinnerte ihr Kopf sie mit einem Bild ihres toten Sohnes an die Unwahrheit dieses Gedankengangs. Liebe ... es musste die richtige Liebe sein. Wenn sie eines gelernt hatte, dann, dass es wirklich falsche Liebe gab. Aber diese Überlegungen wollte sie jetzt nicht mit ihren Geschwistern teilen. Lieber fing die Averics Blick auf, der sie beinahe schmunzeln ließ und lauschte seiner auch leicht humoristisch angehauchten Frage. Warum nicht so weitermachen? "Warum fragt nicht mal jemand, warum alle Geschwister im Tal der Sternenwinde immer so ernst sind?"

Kursai fand die Worte der anderen zutreffend. Eigentlich sollte dies nicht verwundern, sagte sie doch nicht sonderlich anderes als sie selber. Amur schien es fast noch prosaischer ausdrücken zu können. Doch es kam auch noch etwas anderes, auch wahres: "Das stimmt, diese Nacht sollte nicht so einmalig sein, wie sie war. Vielleicht liegt es an uns dies zu ändern."

Ama konnte wohl nicht aufhören. Naja, letzenendes war es eh ziemlich egal, was sie von sich gab. Das Leben würde weitergehen, mit all seinen Peitschenhieben und Tritten. "DAS ist nun wieder eine richtig gute Frage.", erwiderte sie betont und knapp in die Richtung ihres Bruders. Sie hatte nun wirklich keine Lust mehr diesem Gedankengang weiter zu folgen, da sie befürchtete, dass dadurch nur noch mehr seltsame Aussagen sich in ihrem Geist bilden würden. Ach, manchmal war man dann doch dankbar, dass man im Hinterkopf immer eine spukende Zwillingsschwester hatte, die einen von solchem Unsinn ablenkte. Sie wandte sich wieder zu ihrer weißen Schwester und atmete die klare Nachtluft ein. "Wer weiß, vielleicht liegt das im Blut? Zum Glück verdünnt es sich ja mit der Zeit. Oder guck Daylight an. Bei ihr ist die Ernsthaftigkeit nun auch nicht gerade überdosiert."

Amur berichtigte Kursai "Wie sie ist." dann lächelte sie "Ich finde wir sollten von dieser Nacht noch nicht in der Vergangenheit reden" meinet sie dann und sah in den Himmel. "In gewisser Art und Weise kann man jede Nacht zu etwas besonderem machen. Doch diese Nacht war es von Anfang an und durch unsern handeln wird sie es noch immer sein." Es war oberflächliches Gerede und doch hatte es eine Tiefe, die wohl niemand richtig verstehen konnte. Man konnte die Götter und deren Einfluss eben nicht verstehen.

Averic beschloss, dass es wenig sinnvoll war sich weiter mit diesem Problem seiner Schwester auseinander zu setzen. Sollte sie ruhig für sich noch ein wenig weiter darüber philosophieren, ob es nun zu viele Antworten, oder zu viele Fragen gab. Die anschließende Frage Tyraleens ließ jedoch seine Ohren kurz zucken. Er unterdrückte ein bitteres Schnauben und fuhr einfach in der Masche fort. "Nun, ich schätze ein paar haben ihre Gründe und für den Rest hat der Humor nicht mehr gereicht."

Kursai grinste. Sie hatte unbewusste diese Nacht mit der Vergangenheit betitelt und dabei musste sie Amur zustimmen: Sie war noch nicht vorbei und so nickte sie sachte, bevor es wieder an ihr war den folgenden Worten zu lauschen. Eigentlich klangen die Worte der anderen so einfach, so offensichtlich und dennoch wirkten sie, als ob sie mehr aussprechen würden, als normal wahrgenommen wurde. "Du sprichst weise." Mit diesen Worten glitt ihr Blick von dem Anglitz der Fähe wieder zu den Sternen hinauf.