Malik Hikaji
05.05.2012, 16:46

Der Tag war kühl, doch die Sonne schien durch die Wolken und wärmte das weiße Fell des Welpen, der sich eben gähnend aufrichtete. Nun hatte er doch tatsächlich geschlafen, so etwas aber auch. Etwas verwirrt setzte er sich auf und sah sich auf dem Rudelplatz um. Dort, wo das Licht der Sonne nicht hingelangte, war das Gras von einer weißen Schicht überzogen, an manchen Stellen aber hatte die Wärme sie schon zu kleinen Wassertropfen gemacht, die im Licht glitzerten. Direkt hatte Malik etwas gefunden, das er sich aus der Nähe anschauen wollte. Leise stand er auf, sah sich um, ob nicht noch jemand folgte und lief dann auf die Stelle an einem größeren Stein zu, der seinen Schatten auf das Gras warf. Erst dort wurde er langsamer und reckte neugierig die Nase in die Richtung eines Halmes, an dem ein besonders dicker Tautropfen hing. Mit Faszination blinzelte er, als das Licht aufzublinken schien und lächelte versonnen.
Als der Tropfen schließlich nach unten zu rutschen drohte, fuhr die Zunge des Welpen schnell zwischen den Zähnen hindurch und glitt über den Grashalm, der sofort einfach nur noch grün war. Malik schmatzte prüfend, dann lächelte er und wiederholte das Ganze bei zwei weiteren Halmen. Das Wasser schmeckte ja richtig gut! Seine Rute begann freudig durch die Luft zu pendeln, dann hob er den Kopf und sah sich nach jemandem um, mit dem er diese tolle Botschaft teilen konnte. Vielleicht Mama oder Oma. Oder doch Madoc? Dummerweise konnte er alle drei nicht entdecken, blickte über seine Geschwister aber großzügig hinweg. Ganz in seiner Nähe jedoch machte er eine Gestalt aus, die er zu kennen glaubte. Ein kurzes in die Luft recken der Nase genügte, um sich sicher zu sein und Malik lief auf die Wölfin zu, die er sich als Patin gewünscht hatte, bevor Madoc es geworden war.

„Avendal, guck mal!“, rief er ihr leise zu, weil er sonst niemanden auf sich aufmerksam machen wollte.

Einige Schritte war er in ihre Richtung gekommen und nun machte er ein paar unmissverständliche Kopfbewegungen, dass sie herkommen sollte. Seine kleine Rute pendelte freudig und seine Augen leuchteten. Gewiss gefielen ihr die Tropfen.

Avendal
05.05.2012, 18:35

Es waren die noch halb geöffneten Augen, die im schwachen Sonnenlicht bläulich funkelten, die als einziges verrieten, dass die silbrig melierte Fähe nicht in tiefen Schlaf gesunken war. Ihre Atemzüge waren ruhig und tief, im Vergleich zum eigentlichen Atemrhythmus und auch ihre aufgestellten Ohren, die nur träge und langsam im Wind spielten, wollten sie nur widerwillig verraten. Doch tatsächlich war es nicht einmal die angenehme Schläfrigkeit, die in den letzten Stunden vom Rudel Besitzt ergriffen hatte, sondern mehr der Wunsch ihren Gedanken nachzuhängen und ihrem guten Freund, dem Wind, zu lauschen. Er war stärker geworden mit dem Einsetzen des Herbstes, doch gerade heute schien er ebenso schläfrig zu sein, wie die Wölfe, die um sie herum verstreut ruhten, oder sich in leisen Flüstertönen unterhielten, um die anderen nicht zu wecken. Kurz schloss sie die schweren Lider, nur um sie kurz darauf wieder einen Schlitz breit zu öffnen, um den Nebel beobachten zu können, der gemächlich im Schatten schwebte und das dichter werdende Fell des Rudels mit einem leichten feuchten Film zu überziehen begann. Ein sanftes Lächeln lag auf ihren Lefzen, zufrieden mit sich und der Welt, die gerade heute einen unglaublich schönen Eindruck auf sie machte. Gerade war sie in den Gedanken an den Wasserfall, den sie vor Tagen hinter sich zurückgelassen hatten, als der Wind die feinen Grashalme um ihre Nase tanzen ließ, um sie auf sich aufmerksam zu machen. Ihre Ohren drehten sich mit dem Wind und schließlich trug er ihr jene Stimme zu, die nach ihr verlangte. Langsam hob sie den Kopf, wandte ihn und sie schenkte ihm ihr immer noch sanftes Lächeln, während ihr gutmütiger Blick auf ihm ruhte. Es war Malik, der Patensohn von Madoc, der sie gerufen hatte und sie offenbar auf etwas aufmerksam machen wollte. Leise, um die anderen in ihrer Nähe nicht aufzuschrecken, erhob sie sich mit einer gleitenden Bewegung, schüttelte den Tau aus ihrem Fell und setzte die Pfoten, die im Vergleich zu Malik so riesig schienen, wo sie doch selbst nicht so groß wie die meisten hier war, behutsam voreinander, ehe sie bei ihm in der Sonne zum Stehen kam und den Kopf zu ihm hinabneigte, um ihm das Fell leicht mit der Nase zu zerzausen, leicht hinein zu pusten und sanft an dem Fell zwischen seinen Ohren zu knabbern.

„Malik, mein Lieber. Was möchtest du mir zeigen?“ Ihre Stimme klang ruhig und besonnen, wie stets, wenn sie nicht gerade mit den Kleinen tobte und dennoch war eine Spur Neugierde herauszuhören. Sie liebte es mit anzusehen, wie die Welpen die Welt entdeckten, denn es erinnerte sie stets an ihre eignen Entdeckungen, die ihr damals so einzigartig und wunderschön vorgekommen waren. Die Welt, aus der Sicht eines Welpen, war noch immer die schönste und so genoss sie es eben jene wieder durch die Augen dieser Welpen zu sehen.

Malik Hikaji
07.05.2012, 21:35

Ha! Sie kam tatsächlich. Und er hatte sie auch richtig erkannt. Malik reckte stolz den Kopf und gab sich Mühe, ein bisschen größer auszusehen als er eigentlich war. Seine schwarzen Augen glänzten vor Freude und er hielt es kaum aus, an Ort und Stelle zu warten, bis Avendal endlich bei ihm war. Dass die Großen aber auch nur rannten, wenn es ein Wettrennen gegen ihn zu gewinnen gab. Er hibbelte auf der Stelle herum, trat mit den Vorderpfoten abwechselnd auf und wedelte wie wild mit der Rute. Als sie ihn endlich erreicht hatte, reckte er sich ihrer Schnauze entgegen und winselte leise, einfach nur vor lauter Glück. Sobald sie den Kopf wieder hob, huschte er zwischen ihren Vorderläufen hindurch, drehte sich um und stand nun genau unter ihr. Dann hob er den Kopf und sah nach oben. Von hier betrachtete sahen ihre Augen noch mehr aus wie der Himmel, nur ein bisschen dunkler. Wie der Abendhimmel ohne Wolken. Er strahlte Avendal an und lehnte sich glücklich an ihren rechten Lauf, ehe er ihr antwortete.

„Glitzerwasser.“, verriet er ihr leise und mit sehr wichtiger Miene.

Ehe er unter ihr hervorwieselte und sie zu dem Flecken Gras führte, reckte er sich nochmal um Avendals Lefzen zu lecken, aber die Höhe schaffte er noch nicht ganz. Aus dem missglückten Hopser machte er deshalb einen Bocksprung nach vorn, sah sich auffordernd nach der silbergrauen Wölfin um und spazierte dann mit erhobenem Schwänzchen zu Stein und Gras mit Glitzerwasser. Bevor er ihr auftrug, mit der Nase näher heranzugehen, wollte er aber zuerst prüfen, ob denn noch alles so war, wie er es kurz zuvor zurückgelassen hatte. Nicht, dass das ganze Wasser schon geflüchtet war und sie nach einem neuen Flecken Gras mit Glitzerwasser suchen mussten. Aber als er sich auf den Bauch legte und die Halme eingehend betrachtete, fand er die glitzernden Tropfen sofort wieder. Ein erleichtertes und zugleich glückliches Seufzen hob seinen Brustkorb an, dann wandte er den Kopf herum und strahlte Avendal an.

„Siehst du? Wenn du ganz nah rangehst ... da ist überall Glitzerwasser auf dem Gras!“

Versonnen betrachtete er die kleinen, runden Gebilde erneut, die sich hartnäckig an den Halmen hielten. Ob das Gras ins Wasser gefallen war? Aber das konnte nicht sein, denn das Wasser aus dem Teich schmeckte nicht so gut wie das hier. Vielleicht hatte es auch nur geregnet. Doch das hätte er gemerkt, denn dann wäre auch der Rudelplatz nicht trocken. Diese kleinen Tropfen stellten Malik vor ein übergroßes Rätsel: woher kam das leckere Glitzerwasser? Vorsichtig pfotete er nach einem der Halme und benetzte so seine Laufballen damit. Als es dort haften blieb, färbte sich die Haut nur leicht dunkel, aber sie glitzerte leider nicht. Vielleicht funktionierte das nur, wenn man ein Grashalm war.

„Kann ich auch ein Grashalm werden, damit ich Glitzerwasser trage?“, fragte er Avendal hoffnungsvoll. Er bezweifelte es, aber vielleicht gab es da ja eine Möglichkeit.

Avendal
19.05.2012, 16:05

Allein, wie sehr er sich ihretwegen freute, erwärmte ihr Herz und ließ sie mit einem besonnen Lächeln auf ihn hinabblicken, während er um ihre Pfoten sprang. Es gab nichts Schöneres als die Freude eines Welpen, einfach und doch so erfüllend in ihrer Kindlichkeit. Ruhig fuhr sie sich mit der Zunge über die Nase und lauschte seinen geflüsterten Worten. Glitzerwasser, soso. Interessiert sah sie ihm nach, wie er mit vor Stolz erhobener Rute voranschritt und sich schließlich vergewisserte, ob sie ihm folgte, begann auch sie bedächtig eine Pfote vor die andere zu setzen und ihm langsam zu folgen. Mit neugierigem Blick beobachtete sie sein treiben und während er sich auf den Bauch sinken ließ, beschlich sie eine Ahnung, was mit Glitzerwasser gemeint war. Beinahe hätte sie leise gelacht, denn tatsächlich hatte bereits eines ihrer Geschwister diesen Begriff bereits benutzt, als sie selbst noch Welpen gewesen waren. Mit einem sanften Schmunzeln nickte sie und beschloss es Atalya nachher zu erzählen, immerhin war sie es gewesen, die als erste das Glitzerwasser entdeckt hatte. Doch der kleine Malik war so begeistert und so stolz auf seine Entdeckung, dass sie nicht wagte ihm den Entdeckerstolz zu nehmen und so folgte sie seiner Aufforderung, indem sie sich gutmütig schnaufend neben ihm auf den Boden sinken ließ – neben ihm kam sie sich wie ein Koloss vor und sie wunderte sich, dass die Erde nicht bebte, dann tat sie es ihm gleich und bettete ihren Kopf auf den Boden, um sich die Grashalme näher beschauen zu können und tatsächlich, hier unten begannen die kleinen Wassertropfen in der Sonne zu glitzern. Begeistert begann ihre Rute leicht zu wedeln und sie fuhr sich mit der Zunge über die Nase.

„Ja, Malik, ich kann es sehen! Es ist wunderschön“

Ihre Stimme schwang sanft im Gras und brachte einige der tropfen dazu zu Erbeben, was sie nur noch schöner funkeln ließ und versonnen beobachtete Avendal sie eine Weile, wie sie sich in ihrem Atem bewegten, ehe Malik ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Langsam hob sie den Kopf, um zu ihm hinüber sehen zu können und das Bild, welches sich ihr darbot, würde sie immer in ihrem Herzen tragen. Da lag der kleine Welpe auf dem Bauch, eine Pfote nach dem Tau ausgestreckt und begehrte voller Hoffnung ein Grashalm zu werden, nur um den Tau auf sich tragen zu können. Ihre Augen funkelten liebevoll, während ihr helles Lachen leise erklang und sie näher zu Malik rutschte, um ihm mit der Zunge über den Kopf fahren zu können.

„Ich weiß es nicht, aber um ehrlich zu sein, habe ich es auch noch nie versucht“

Gespielt interessiert betrachtete sie die Grashalme zwischen ihren großen Pfoten und legte den Kopf leicht schief, als würde sie nachdenken. Dass sich der tau auch in ihrem Fell verfing würde sie ihm später erzählen, so beschloss sie, denn seine Hoffnung war viel zu zart und wundervoll in seiner Naivität, als dass sie sie mit der einfachen Realität hätte zerstören wollen. Genau das genoss sie in den Gesprächen mit den Welpen, dass sie noch nicht gefangen waren in der Welt des Möglichen und Unmöglichen, für sie gab es noch keine Grenzen und sie wünschte ihnen, dass es so lange wie möglich anhielt…

Malik Hikaji
30.05.2012, 14:26

Die schwarzen Augen des Welpen funkelten fast so sehr wie die Tautropfen im Sonnenlicht. Dass Avendal seine Begeisterung ungebrochen teilte, vergrößerte seinen Stolz auf diese kleine Entdeckung noch um einiges und er war glücklich darüber, dass sie sich freute. Am liebsten hätte er einen der Tropfen angehoben und ihn der Wölfin mit den Himmelsaugen geschenkt, aber er traute sich nicht, diese fragilen kleinen Glitzertropfen nochmals zu berühren. Schon die Bewegung der Halme durch ihren Atem sorgte dafür, dass ein paar von den größeren in die Wiese perlten und dort für Maliks Augen unsichtbar wurden. Neugierig hob er den Kopf und sah ihnen nach, aber zwischen den Halmen lag Schatten, der es schwer machte, weiteres Glitzern ausfindig zu machen. Dafür entdeckte der Welpe etwas Anderes. Ein lange, rötliches Ding, das er für ein Stöckchen gehalten hätte, wenn es sich nicht bewegen würde. Über das vergaß er sogar seinen Wunsch, ebenfalls zu einem Grashalm zu werden und nickte nur schnell, als Avendal ihm berichtete, dass sie nicht so genau wusste, ob das ging.

„Oooh! Oh guck mal!“, wisperte er und machte eine unmissverständliche Kopfbewegung in Richtung des Tierchens.
„Da ist ein … ein Stöckchen, das sich bewegt!“

Dass sich nur Tiere bewegten, wusste er. Aber aus Ermangelung einer zutreffenden Beschreibung des Regenwurms begnügte er sich auf die Schnelle erstmal mit dem, was er kannte. Ins Flüstern war er verfallen, weil ihm inzwischen klar geworden war, dass viele andere Tiere Angst vor ihnen hatten und sie leise sein mussten, wenn sie sie nicht aufscheuchen wollten. Der Wurm schien sie noch nicht bemerkt zu haben, jedenfalls lief er nicht weg. Nun wurde Malik mutiger, senkte die Nase tiefer zwischen die nassen Grashalme und zerstörte dabei natürlich einige der tollen Glitzertropfen. Aber seine volle Aufmerksamkeit galt jetzt dem fremden Tierchen vor seiner Nase. Es roch nach nichts, stellte er verwirrt fest, es sei denn die Erde und das Gras überdeckten den Geruch. Aber es lief noch immer nicht fort! Nun schon fast begeistert von der Unaufmerksamkeit des Tierchens kräuselte sich Maliks Nasenrücken und im nächsten Moment stieß sein Kopf hinab, die vordersten Zähnchen gruben sich in den Boden, aber der Wurm hing in seinen Fängen. Triumphierend fuhr er hoch, seine erste gefangene Beute kringelte sich hilflos zwischen den Zähnen des Welpen.

„If hab en.“

Leider schmeckte der Wurm nicht so lecker, wie Malik gehofft hatte, jedenfalls war es kein Vergleich zu dem Fleisch, was seine Eltern ihnen immer brachten. Das Tierchen in seinem Maul war bitter und bewegte sich einfach weiter, obwohl er es schon gefangen hatte! Nun nicht mehr ganz so begeistert schaute er hilfesuchend zu Avendal auf und ließ seine beute schließlich zurück auf den Boden fallen, wo sie sich weiter kringelte.

„Der schmeckt gar nicht.“, murrte er.

Avendal
02.08.2012, 15:45

Einen Augenblick war sie in recht nostalgischen Gedanken versunken, doch schon wenige Atemzüge später zog Malik ihre Aufmerksamkeit wieder auf sich. Ihr Abendhimmelblauer Blick richtete sich auf den kleinen Welpen zu ihren Pfoten und ein Lächeln breitete sich wieder auf ihren Lefzen aus. Er hatte einen Wurm entdeckt, den er offenbar noch nicht kannte und wie es typisch für Welpen war, drehte sich sofort alles um das 'Stöckchen'. Ein leises helles Lachen drang aus ihrer Kehle, als er danach schnappte. Als kleiner Wolf waren sie sich doch alle ähnlich, oder? Wenn sich etwas bewegte, biss man erst einmal herzhaft hinein – stellte es sich dann als Lauf oder Schwanz seiner Schwester heraus, würde die sich schon bemerkbar machen.

„Das, mein Lieber, ist ein Regenwurm“

Sie kroch ein wenig näher, ohne sich vom Boden zu erheben und leckte ihm sanft über den Kopf, bevor sie ihn gutmütig ansah. Sie hatte die Welpen derart ins herz geschlossen, als wären sie ihre eigenen Brüder und Schwestern und sie waren so furchtbar niedlich, dass sie jedes Mal das Gefühl hatte platzen zu müssen vor so viel Liebe.

„Sie kommen heraus, wenn es regnet oder der Boden feucht ist, ab und an verirrt sich so ein kleiner Kerl auch einfach so nach draußen, aber das kommt recht selten vor, deshalb nennt man sie so. Viele finden sie ekelhaft, aber ich muss zugeben, ich finde sie recht schmackhaft“

Mit einem schiefen grinsen beugte sie sich hinunter und schnappte nach dem Wurm, den sie in die Luft warf und wieder auffing und ihn zu kauen begann.

„Sie knirschen ein bisschen, aber daran gewöhnt man sich“

Kichernd kaute sie den Wurm herunter und schnaufte zufrieden, während sie sich die Lefzen leckte. Es war vielleicht nicht die Art von Frühstück, die sie stets bevorzugte, aber es war besser als die Käfer, die man erst knacken musste und besser schmeckten die auch nicht unbedingt. Vorsichtig streckte sie die Zunge aus und fuhr damit über die von Tau behangenen Grashalme.

„Probier das Glitzerwasser, Malik, das schmeckt besser, glaub mir!“

Glucksend schlabberte sie sich so durch ein paar Grashalme und sah ihn auffordernd an. Tatsächlich gab es kaum etwas erfrischenderes am Morgen, als den kühlen reinen Tau und auch wenn er schön aussah, so war es besser ihn selbst in sich aufzunehmen, als ihn der Sonne zu überlassen.

Malik Hikaji
11.08.2012, 11:17

Mit großen, neugierigen Augen sah er seine momentane Lehrerin an und sog die neuen Informationen auf wie trockenes Moos beim ersten Regen nach großer Hitze. Er freute sich so über alles, was er lernte, dass es ihm kaum genug werden konnte, auch wenn zu viel ihn dann schnell überforderte. Aber man wusste nie, wann sich der nächste Wolf die Zeit nehmen würde, ihm geduldig etwas zu erklären. Ein Regenwurm also und wohl kein Stöckchen, sondern ein Tier. Verwundert betrachtete er das kleine Wesen, das sich so träge auf dem Boden bewegte und keine Anstalten machte, vor den viel größeren Wölfen zu fliehen. Aber es hatte ja auch gar keine Beine, das arme Ding. Ganz schön blöd, dass sich Engaya solche Tiere ausdachte, die dann nicht einmal laufen konnten. Avendals Liebkosung ließ er mit einem leisen Kichern geschehen, dann hielt er schnell wieder still, weil die nächste Erklärung folgte. Fragen zu diesem Tier gestellt hätte er ohnehin, doch jetzt nahm sie ihm das ab. Sie kamen nur bei Regen an die Erdoberfläche – und wie machten sie das ohne Beine? Malik ließ sich auf den Bauch sinken und versuchte um den Wurm herum zu Avendal zu krabbeln, ohne die Pfoten zu benutzen, aber er wurde nur nass und kam nicht vorwärts.

„Wie macht der das denn?“, fragte er sofort fasziniert und noch immer auf dem Bauch liegend, den Kopf so nah am Wurm, dass er ihm beinahe in die Nase kriechen konnte.

Doch da schnappte Avendal ihn schon und fraß ihn, ehe er noch weiter fragen konnte. Mit großen Augen sah er dabei zu, wie sie ihn hochwarf, kaute und schließlich schluckte, dann war das Tierchen weg. Wieso mochte sie wohl etwas, das bitter schmeckte und zwischen den Zähnen knirschte? Er hatte am liebsten diese kleinen Hüpfer, die schwer zu fangen waren, aber seine Mama konnte das natürlich. Kaninchen nannten sie alle hier. Und die waren auch größer als so ein Regenwurm. Dass diese Tierchen ohne Beine nicht seine Lieblingsspeise werden würden, wusste er nun ziemlich sicher. Aber dieses Wasser, das Avendal nun zum Nachtisch „trank“, fand er nach wie vor unglaublich toll. Er nickte begeistert, als sie ihn aufforderte, es ebenfalls zu probieren, dann stand er wieder auf und suchte sich eine Stelle, an der das Wasser noch an den Halmen hing. Er hatte durch seine Krabbelversuche alles im Umkreis einer Wolfslänge in seinem Fell verteilt und nichts an den Halmen gelassen.

„Guck mal, jetzt glitzere ich auch!“, rief er vergnügt und machte sich dann sogleich daran, das Wasser zu kosten. Das in seinem Fell behielt er aber gern, wo es war. „Bist du auch mal ein Welpe gewesen, Avendal?“

Er sah sie mit seinen onyxschwarzen Augen an, während seine Zunge über die Grashalme leckte und versuchte sich vorzustellen, wie Avendal da wohl ausgesehen hatte. Gar nicht so leicht, wenn man alle Wölfe nur als große, starke Erwachsene kannte.

Avendal
20.02.2013, 17:28

Gutmütig betrachtete die große Fähe den Winzling, der sich eben noch mit dem Wurm beschäftigt hatte, den sie nun zum ersten Mahl verspeist hatte und gluckste leise. Sie liebte es den Welpen die Welt zu erklären und die Tatsache, dass sie noch so fasziniert zuhörten und alles in sich aufsaugten wie trockene Erde das Wasser nach frisch gefallenem Regen. Sie waren so neugierig und wollten diese Welt verstehen, die sie umgab und manchmal, so dachte Avendal in diesem Augenblick, hatte sie vielleicht selbst noch etwas von diesem Welpen in sich, denn auch sie bemühte sich noch immer ihr Umfeld zu erforschen, alles darüber in Erfahrung zu bringen und konnte nie genug bekommen, wenn man ihr die Dinge erklärte. Nun, da sie Malik ansah, konnte sie einen Teil von sich selbst in ihm erkennen und lächelte.

„Nun, kleine Silberpfote, so ganz genau kann ich dir das auch nicht sagen, aber sie machen das ähnlich wie eine Schlange, denke ich, nur dass sie die Erde fressen, so wie wir ein Reh, dadurch bauen sie sich Gänge in die Erde und schlängeln sich dann durch sie bis an die Oberfläche“

Kurz legte sie den Kopf schief und wirkte nachdenklich, dann lachte sie.

„Vielleicht knirschen sie ja deswegen beim fressen so, weil sie selbst Erde fressen“

Nun beobachtete sie den Welpen wieder, der durch das Gras in ihre Nähe gerobbt war und gluckste leise, als er sich nun schließlich betrachtete. Tatsächlich funkelte sein heller Pelz nun in der Sonne und er sah wundervoll aus, doch nichts konnte das Strahlen in seinen Augen übertreffen, als er ihr dies mitteilte und sie schließlich nickte. Doch schon riss sie seine nächste Frage aus der Schwärmerei für seine Jugend und sie lachte leise.

„Ja, auch ich war ein Welpe und das ist noch gar nicht so lange her. Gerade mal einen Sommer, einen Winter, und diesen Sommer, wenn ich mal so darüber nachdenke“

Tatsächlich kam ihr dieser Zeitraum auf einmal unglaublich kurz vor und ihr wurde bewusst, wie jung sie tatsächlich noch war, im Gegensatz zu einigen anderen Wölfen aus ihrer Familie und ihrem Rudel. Sie hatte noch so viele Sommer vor sich, wenn Engaya es so wollte, und vielleicht würde sie selbst eines Tages Welpen bekommen. Kurz schüttelte sie amüsiert den Kopf über diesen Gedanken und stupste Malik in die Seite, so dass er umfiel und noch mehr Glitzerwasser in seinem Fell hängen blieb und ließ ihr Glockengleiches Kichern erklingen.