29.04.2012, 10:47
Langsam setzte die graue Fähe eine Pfote vor die andere, den Blick dabei schweifen lassend. Atalya war nun schon eine ganze Weile auf den Pfoten, hatte sich vom Rudel entfernt, um einfach ihre Ruhe zu haben. Hier waren keine Welpen, die nervige Fragen stellten, kein anderer Wolf. Nein, an diesen Ort verirrte sich selten ein Wolf, es gab hier auch nichts, was wirklich spannend war. Und dennoch zog das tote Land die Graue an, ihre Läufe hatten sie ganz automatisch hierher geführt. Hier konnte man allein sein, nachdenken, ohne dass man ungewünschte Gesellschaft bekam. Und das war in diesem Moment wohl für alle am besten. Die junge Wölfin genoß die Stille an diesem Ort, fand darin Beruhigung. Noch immer war es allgegenwärtig, dass ihr Pate sie verlassen hatte, dass sie die Kontrolle über sich selbst noch nicht zurück erlangt hatte. Aber in diesen Momenten schien es so fern, wo sie all ihr Denken einfach ausschalten konnte, sich einzig und allein auf die Umgebung konzentrieren konnte. Fern vom Rudel, fern von Sorgen. Zumindest schien es so.
Mit einer ruhigen Bewegung hob die Graue den Kopf ein wenig an, atmete die kühle Luft ein, ließ den Blick dann schweifen. Hier war nichts außer Einöde, kein Wolfsgeruch lag in der Luft, nicht einmal der von anderen Tieren. Der Himmel über ihr war leer, ebenso wie der Weg vor ihr. Dieser Ort war auf seine eigene Art und Weise etwas Besonderes, obwohl die meisten dies wohl nicht zu schätzen wissen würden. Die junge Fähe schloß einen Moment die Augen, ehe sie sich wieder in Bewegung setzte, den feinen Sand und die kleinen Steine unter ihren Pfoten spürte. Und ein weiteres Ziel war schon zu erkennen, der gespaltene Baum, der in dieser Einöde hervor stach, einem kleinen Wunder gleich. Sie Graue hielt also darauf zu, den Blick dabei star nach vorn gerichtet.
29.04.2012, 16:54
Munter und mit weiten Schritten trabte er durch das ihm noch so fremde Territorium. Er musste etwas Abstand gewinnen, sich ein eigenes Bild machen und es einfach irgendwie schaffen, sich halbwegs Zuhause zu fühlen. In Njamonir war das alles herzlich einfach gewesen, dort war er ja auch geboren. Hier fühlte er sich wie der letzte Niemand, etwas, was so gar nicht zum großen Ego des Rüdens passte. Es war klar, dass er daran schnellstmöglich etwas ändern konnte und dies konnte nur geschehen, wenn er Rudelmitglieder kennen lernte. Allerdings war es in dieser riesigen Schar beinahe unmöglich einen Wolf alleine anzutreffen.
Aus diesem Grund war er hier. Flüchtig hatte er mitbekommen, wie sich eine graue Wölfin alleine losgemacht hatte. Stillschweigend war er ihr gefolgt und folgte ihr jetzt sogar auf einiger Entfernung noch immer. Eigentlich hätte er sie schon längst gestellt, doch aus Unkenntnis über die hiesigen Sitten, hatte er sich bisher noch nicht getraut sich zu zeigen. Was, wenn sie es ihm übel nahm, dass er ihr überhaupt gefolgt war? Samirez war eigentlich kein Wolf, der sich tatsächlich groß Gedanken darum machte, Ärger zu bekommen. In seinen Augen stand hier jedoch wesentlich mehr auf dem Spiel. Er war komplett neu im Rudel und vermutlich hatte er es jetzt bereits wieder versaut und würde als wirrer Stalker gelten. Super Aussichten. Leicht verzog er die Schnauze und setzte der Grauen erneut einige Schritte nach. Jetzt hatte sie den Kopf ein wenig gewendet, doch hatte sie ihn vielleicht auch schon längst bemerkt? Die Ohren des Weißen spielten unruhig hin und her, während er seine Schritte ein wenig langsamer werden ließ, sich ihrem gemütlichen Tempo erneut anpasste. Er wusste nicht einmal ihren Namen und doch folgte er ihr, wie irgend ein Idiot. Klasse.
08.05.2012, 13:51
Je mehr Zeit die Graue an diesem Ort verbrachte, desto besser gefiel er ihr. Es herrschte eine wunderbare Stille, die man an keinem Ort beim Rudel finden würde. Und selbst, wenn sie nur kurz Zeit beim gespaltenen Baum verbringen würde, so würde es doch reichen, um den aufgewühlten Geist ein wenig zur Ruhe zu bringen. Hier konnte sie nachdenken, ohne gestört zu werden, ohne nervende Welpen. Genau das, was sie in diesem Moment brauchte. Aber wie fast immer gab es auch dieses Mal einen Hacken, etwas, was ihren Plan zu Nichte mache würde. Es war irgendwie... typisch.
In ihre eigenen Gedanken vertieft hatte Atalya die unerwünschte Gesellschaft nicht bemerkt, hatte sie in diesem Teil des Reviers nicht einmal mit jemandem gerechnet. Als jedoch die Anwesenheit eines anderen Wolfes zu ihr durchdrang, neigten sich automatisch die Ohren der Fähe an den Hinterkopf. Der Geruch, der in der Luft lag, ließ sich nicht zuordnen, also war es niemand aus ihrer Familie, kein Rudelmitglied. Ein kurzes, unzufriedenes Brummen drang aus ihrem Fang, als sie den Kopf herum wandte, langsam zum stehen kam. Ein weißer Wolf, wohl ein Rüde. Aber ihr Verdacht bestätigte sich, weder sein Geruch noch sein Anblick konnten ihr sagen, wer dieser Wolf war. Die graue Fähe schüttelte kurz den Kopf, richtete den hellen Blick dann wieder auf den fremden Rüden, blickte ihm unbegeistert entgegen. Wieso konnte sie nicht einmal hier Ruhe finden? Vor allem... was wollte ein Fremder hier? Er sollte zum Rudel gehen.
„Macht es Spaß, anderen nachzustellen?“
Atalya atmete tief durch, verdrehte leicht die Ohren, ohne den Blick von dem Weißen zu nehmen. Vielleicht würde er auch einfach wieder umkehren? Ihr war auf jeden Fall nicht nach Gesellschaft.
09.05.2012, 11:42
Mit einer charmanten Geste senkte der Cremefarbene das Haupt und verzog die Lefzen zu einem beschwörenden Lächeln, bevor er zu Sprechen begann. Ein Versuch war es jawohl allemal wert.
“Seid gegrüßt, Fremde. Es tut mir Leid, wenn ich Euch unwissentlich gestört haben sollte oder Euch anderweitig in eine unangenehme Situation gebracht haben sollte. Es war nicht meine Absicht Euch zu verstimmen.“
Bah, klang das ätzend. Aber vielleicht verstand sie sich ja auf solch höfliche Floskeln und wenn nicht würde sie ihm diese vermutlich gleich sowieso um die Ohren klatschen. Spätestens dann würde er merken, was für ein Typ sie war, von solch wenigen Worten wie zuvor, konnte er kaum Schlüsse über ihre Eigenarten ziehen.
“Ich habe lediglich Anschluss zum Rudel gesucht, doch die großen Massen an Wölfen sind wahrlich beeindruckend und wirken ein wenig abschreckend. Dann habe ich Euch weggehen sehen und dachte mir einfach, ich folge Euch ein wenig um...um...“
Ja, wieso eigentlich? Das war selbst für den Weißpelz irgendwie eine zündende Frage, wenn er ehrlich war... er hatte gar keine Ahnung warum. Er hatte es einfach getan ohne nachzudenken. Mal wieder.
“Eigentlich weiß ich nicht mal warum. Ich hab wohl mal wieder nicht nachgedacht“
Erneut grinste er verschämt, wenngleich er nicht wusste, wen er damit überzeugen wollte. Allerdings konnte er ja jetzt einfach mal freundlich sein. Immerhin konnte ihn wohl kaum einer dabei beobachten und er glaubte kaum daran, dass diese Graue plötzlich nach Njamonir rennen würde und seinen Kumpels davon erzählen könnte, wie weich er sich doch gab. Wenngleich der Gedanke irgendwie amüsant war.
17.05.2012, 13:07
Atalyas Blick ruhte auf dem Fremden, der nun zu ihr kam und wohl versuchte, sie mit irgendwelche albernen Gesten zu besänftigen. Oh ja, das würde ganz sicher klappen. Er hatte an ihrer Stimmlage wohl nicht erkannt, dass ihr in diesem Moment nicht danach war, sich mit ihm zu beschäftigen... Und unter anderen Umständen hätte sie bei seinen Worten, die dann folgten, wohl aufgelacht. So blickte die Graue ihn nur abschätzend an, verdrehte die Ohren und seufzte.
„Trotzdem gut gelungen.“
Ein leises Murren schwang in der Stimme der Jungwölfin mit, während sie regungslos den weiße Rüden betrachtete. Aber ihre Hoffnung, dass er nun einsah, dass er eben doch störte, und damit vielleicht wieder verschwand, wurde nicht erfüllt. Er blieb stehen, machte nicht einmal eine Andeutung dazu, zu verschwinden. Atalya selbst schloß selbst die Augen, spielte in diesem Moment schon mit dem Gedanken, sich einfach abzuwenden, ihn zu ignorieren. Vielleicht sah er es dann ein? Aber gerade zu Ende gedacht, sprach der Weiße wieder und automatisch öffnete Atalya die hellen Augen, ein Ohr noch immer zur Seite geneigt. Soso. Anschluss ans Rudel. Sehr logisch, dass man da einem einzigen Wolf folgte, der eigentlich deutlich machte, dass er allein sein wollte. Sie war auf seine Erklärung gespannt, wohl der einzige Grund, wieso sie noch hier stand. Aber statt etwas zu Stande zu bekommen, stotterte der Weiße nur und Atalya verzog die Lefzen. Na wunderbar. Das war eine wirklich passende Begründung. Die Graue schnaufte leise, wartete jedoch, bis der andere Wolf doch noch einmal zu sprechen begann. Aber wieder kam dabei nicht sehr viel sinnvolles heraus. Er wußte nicht, wieso er ihr gefolgt war. Und deswegen musste sie sich nun mit diesem Fremden herum schlagen? Kurz ließ die Fähe den Blick schweifen, prüfend, ob ihnen noch jemand gefolgt war. Aber sie konnte niemanden erkennen, richtete den hellen Blick also wieder auf den Rüden, die Miene vollkommen unbegeistert.
„Faszinierend.“
Auch das schräge Lächeln des Wolfes stimmte die Graue nicht um, so wandte sie sich einfach ab, ohne dem Weißen einen weiteren Blick zu zu werfen. Vielleicht hatte er es jetzt verstanden? Die Ohren der Grauen zuckten kurz, als sie mit einem Satz das Tempo erhöhte, sich nur für einen Herzschlag umwandte, um zu sehen, was der Weiße nun tat. Jedoch blickte sie schließlich wieder nach vorn, ihr altes Ziel wieder aufnehmend. Egal, was der Fremde nun tun würde.
31.05.2012, 11:25
Niemand schickte einen Samirez einfach so weg oder ignorierte ihn. Er konnte ja viele Sachen ablegen, aber das hier war ein Ding der Unmöglichkeit, dass war, als würde man verlangen seine Rute abzuschneiden und irgendwo im Wald zu verbuddeln. War nicht drin, kein bisschen. Da macht er doch lieber erstmal mit seiner Lieb-Wolf-Nummer weiter und hoffte, dass sie darüber beschwichtigt wurde und wenn nicht, nun, dann blieb ihm nichts weiter übrig als einfach Samir zu sein. Bisher hatte er sich ja noch reichlich zurück gehalten, doch langsam kribbelte es schon in seinen Pfoten. Er konnte sich ja nicht ewig verstecken.
Kurz folgte er dem Blick der Grauen, als diese sich umsah. Erwartete sie etwa noch jemanden? Amüsiert zuckten die Ohren des Rüden. Sie schien noch immer nicht begeistert davon ihm hier zu haben. Die Stimmung des Beigefarbenen stieg dabei doch immer mehr.
“Keine Panik, ich hab keine zwei weiteren Freunde mitgebracht die gleich über die herfallen werden“, kommentierte er daher schließlich keck und ein kleines Funkeln trat in die Bernsteinaugen. “Außer natürlich du hast selbst noch jemanden zu unserem kleinen Ausflug eingeladen.“
Und Zack, da war es auch schon ihr Ausflug. Ganz automatisch hatte er sich selbst eingeladen die Fähe bei ihrem Streifzug nach wohin-auch-immer zu begleiten, ohne das sie da auch noch irgendwie groß Mitspracherecht erhalten hatte.
Als sie los lief, folgte ihr der Rüde somit vollkommen selbstsicher. Sein Tempo steigerte sich etwas bis er sie erreicht hatte und dann trabte er ziemlich siegessicher bereits direkt neben ihr.
“Sag mal, wie heißt du eigentlich?“
Welch grandioser Beginn einer Reise, man erfragte natürlich erst einmal den Namen der Reisepartner – was sonst?
01.07.2012, 14:40
Atalya fragte sich still, was in diesem Wolf wohl vor sich ging. Wollte er es nicht verstehen, dass sie ihn nicht sehen wollte? Oder war er wirklich ein wenig eingeschränkt, sodass er es nicht verstehen konnte? Es schien in jedem Fall egal zu sein, welche Antwort die richtige war, er klebte weiterhin an ihr. Und das ließ ihre Begeisterung nicht unbedingt steigen. Eher das Gegenteil. Sie wollte in diesem Moment allein mit ihren Gedanken sein, wollte nicht, das irgend so ein daher gelaufener Wolf ihr auf Schritt und Tritt folgte und sie dabei am nachdenken hinderte. Aber er schien das nicht zu verstehen. So ließ er sich einen dümmlichen Kommentar nicht nehmen, der sich auf ihren kurzen, prüfenden Blick bezog. Sie hatte nicht erwartet, dass noch jemand zu ihnen stoßen würde, in diesem Teil hielt sich selten ein Wolf auf. Aber auch sonst schienen seine Worte einfach unangebracht zu sein. Und wenn er glaubte, es damit ein wenig aufzulockern... sie schien ihm zu entgehen, dass genau das Gegenteil der Fall war. Und das er dies „Ihren kleinen Ausflug“ entlockte der Grauen nur ein lautes Schnaufen. Das war nicht IHR Auflug, sie wünschte sich diesen Rüden einfach nur hinfort.
Sie wandte sich also ab, ohne groß auf seine Worte einzugehen. Die letzte Hoffnung, dass er sich nun endlich wieder zum Rudel begeben würde, starb jedoch, als sie das Trommeln seiner Pfoten erst hinter sich und dann direkt bei sich vernahm. Herrlich. Atalya schnaufte leise, wandte den Blick jedoch nicht herum, um ihn anzusehen. Dieser Rüde schien wirklich hartnäckig, jedoch verfiel die junge Wölfin nun nicht in Begeisterung. Er nervte sie nur unheimlich. Leicht die Ohren nach hinten neigend lauschte sie seiner Frage, und überlegte einen Moment wirklich, ob sie ihm überhaupt antworten sollte. Jedoch bezweifelte sie, dass Ignoranz bei ihm irgendwie half.
„Atalya,“ war also ihr Antwort. Was sollte er nun schon mit diesem Namen anfangen? Vielleicht war er ja auch einer der Wölfe, die gehen würden. Einer von vielen. Er würde vielleicht gehen. So wie Liam gegangen war. Bei diesem Gedanken verkrampfte sich die Fähe, biß die Fänge fester aufeinander und blickte kurz auf den Boden. Ganz automatisch waren ihre Gedanken wieder zu diesem Punkt gekommen, die Last lag mit einem Schlag wieder auf ihren Schultern. Liam. Die Graue schluckte, schüttelte dann kurz den Kopf und lief schweigend weiter. Was sie jetzt als aller letztes brauchte, war diese Plagegeist neben ihr, der versuchte, ihr zu helfen. Darauf konnte sie dankend verzichten.
13.07.2012, 14:27
Egal wie sehr sie sich sträubte, wie eine Klette blieb Samirez ihr auf den Fersen und ließ sich auch von ihrer abweisenden Art und ihrer schlechten Laune nicht beeindrucken. Jegliche Ignoranz wurde mit noch mehr Hartnäckigkeit bestraft, sodass er sie sogar dazu brachte, ihren Namen zu nennen. Zwar war der Wortlaut relativ karg, tatsächlich warf sie ihm einfach nur ihren Namen vor die Pfoten, für den Polarwolf allerdings ein kleiner Erfolg. Er würde dieser Wölfin schon zeigen, dass auch ungebetene Gesellschaft interessant sein konnte. Zumindest war das sein Ziel. Ob er es erreichen konnte würde wahrscheinlich ziemlich stark daran liegen, wie sehr sie sich reißen ließ und wie viel Spaß er bei dem ganzen Kram hier empfinden konnte. Bisher standen die Chancen aber gar nicht Mal so schlecht.
“Atalya also, mich nennt man Samirez“, erzählte er munter und mit einem aufmerksamen Seitenblick in Richtung Wölfin, die irgendwie verkrampft schien.
Er konnte sich denken, dass das Letzte was sie nun haben wollte, Aufmunterung war, dafür schien sie definitiv zu abweisend. Nein, viel eher würde er sie irgendwie auf andere Gedanken bringen müssen. Die Frage blieb hierbei nur: Wie? Gegen gute Laune schien sie beinahe irgendwie immunisiert zu sein und auch sonst schien sie seine Aufmerksamkeit eher als störend zu empfinden. Hm.
“Also, wo geht’s hin?“
Versuchte er das Thema schließlich irgendwie zu ändern, wenngleich der Versuch ziemlich lahm erschien. Egal. Ein versuch war es wert. Vielleicht stand sie ja eher auf solch lahmes Gerede?
20.07.2012, 08:34
Atalya schloß für einige Momente die hellen Augen, atmete mit einem leisen Schnaufen aus und vermied den Blick zu dem weißen Rüden. Sie wollte keine Gesellschaft, nicht in diesem Moment. Und erst recht nicht von solch einem aufdringlichem Vertreter. Und während sie versuchte, ihn einfach zu verdrängen, griffen wieder diese grausamen Gedanken nach ihr, der Verlust ihres Paten hing noch immer wie schwere Gewichte an ihr. Der Kloß in ihrem Hals ließ sich nicht herunter schlucken, jedoch ließ sie davon Nichts nach außen dringen – nicht vor diesem Fremden. Aber eben dieser ließ sich nicht abhängen, klebte weiter an ihr dran und störte die Ruhe, nach der sich die Fähe in diesem Moment so sehr sehnte. Ein leises Grollen verließ ihren Fang, als er auf die Erwähnung ihres Namens wieder zu plappern begann, ihr seinen Namen nannte, von dem sie sich in diesem Moment nicht die Mühe machte, ihn sich einzuprägen. Es war sicher nur eine Frage der Zeit, bis dieser Wolf wieder verschwand, und dann brauchte sie seinen Namen nicht zu vergessen. Sie wandte nicht einmal den Kopf herum, als er sich vorstellte, bewegte nicht die Ohren in seine Richtung und ließ den Blick einfach still nach vorn gerichtet.
Atalya lief, ohne ihn zu beachten, erst als der Weiße erneut eine Frage an sie richtete, blieb die Graue mit einem Mal stehen, ließ den Kopf nach hinten schnellen – ohne nur einen Moment zu zögern. Sofort stellte sich die Rute auf, und die Lefzen wurden zu einem Knurren verzogen. Deutlicher konnte sie diesem Störenfried wohl kaum zeigen, dass er alles, aber nicht erwünscht war. Zusätzlich verließ ein tiefes Grollen ihren Fang.
„Wie wäre es, wenn DEIN Weg zurück um Rudel geht?! MEIN Weg geht dich einen Dreck an!“
Sie trat einen drohenden Schritt auf den Weißen zu, legte diese Haltung jedoch nicht ab. Fest hatten sich die rötlichen Augen auf den Weißen gerichtet, ehe sie sich abwandte, die Augen schloß, als er ihr Gesicht nicht mehr sehen konnte. Alles, was sie wollte, war einige Momente Ruhe für sich, mehr nicht. Und sie wußte nicht, wie sie weiter auf diesen Wolf reagieren würde, jetzt, wo die Trauer um ihren Paten einen wunden Punkt hinterlassen hatten, der es unmöglich machte, nicht angreifbar und verletzlich zu sein. Und so lief sie einfach weiter, lauschte nicht einmal mehr auf die Bewegung des hellen Wolfes. Wäre er nun gegangen... es wäre ihr nur Recht gewesen.
23.07.2012, 12:06
Kurz zuckte der Cremefarbene zurück, als die Graue sich plötzlich umwandte und ihn drohend anblickte. Die Lefzen gefletscht, die Rute aufgestellt und vermutlich konnte er auch noch von Glück reden, dass Blicke nicht töten konnten. Schnell musste er den Impuls unterdrücken es ihr gleich zutun. Generell gesehen hatte sie doch wirklich einen Schuss weg. Und sie bedrohte ihn! Haloho, sie bedrohte einen Samir! Zuhause wäre sie nun schon längst vertrieben worden aufgrund dieses Frevels. Doch hier musste er sich ganz klar vor Augen halten, dass er der Fremde war und in ihrem Revier, ihrem Rudel neu war. Zum Glück war sein Kopf schnell genug im denken.
“Whow, mach mal halblang“, sprach er versucht ruhig und lehnte den Kopf ein wenig zur Seite. Die Wolfsschnauze verzog sich um einige Grad und machte einem schrägen Grinsen platz. “Ich hab keine Interesse an Streit“.
Er wusste, dass sie das sicherlich nicht hören wollte. Vermutlich wollte sie gar nichts von ihm hören, aber das war ihm nun auch Schnurz. Er wartete schlichtweg, bis sie von ihren Drohgebärden abließ und Seufze tief. Er wusste nicht recht, was es bringen sollte, ihr jetzt noch nachzulaufen, wo sie ihm vermutlich die nächste Abfuhr verpassen würde. So etwas hatte er noch nie erlebt. Das war neu. Und seltsam. Resigniert schüttelte der junge Rüde den Kopf, ehe er ein nächstes Mal die Stimme hob.
“Hat mich sehr erfreut, Atalya. Such dir am besten einen Baum oder ein Kaninchen, wo du deine Aggressionen abbauen kannst.“
Er sprach es aus, wie ein ganz normaler Rat, nur ganz leicht schwang ein Hauch von Hohn in seiner Stimme mit. Wer nicht wollte, der hatte halt schon.