04.11.2011, 21:59
Da war sie wieder, streifte allein durch die knochigen Heimatwälder. Es war vertraut und doch gleichzeitig so fremd. Die Dunkle hasste diese Fremdheit, sie wollte sie abschütteln und abwehren, doch tat sie letztendlich doch nichts dagegen. Alles blieb so wie es vorher gewesen war, ein unveränderter Fluss der Geschehnisse. Das war es ja eben : Es passierte Nichts, nichts was wichtig und auschlaggebend sein konnte. Wenn doch, dann schubste es Amáya nur noch weiter in das Loch ihres Elends. Auf jene Grube hatte sie jedoch schon genug Gedanken verschwendet, schon viel zu viele. Doch worüber sollte sie sonst nachdenken? Denken musste sie wohl, sie konnte nicht einmal anders. Wer kannte bitteschön einen Status in der man nicht dachte? Gedanken jagten Gedanken, schnell wie der Wind, der die Regentropfen einen ins Gesicht schleuderte. Apropos Regen, waren das niht leichte Tropfen die sie auf ihrer Stirn spürte? Tatsächlich. Einer nach dem anderen fiel herab, erst nur vereinzelt und dann immer mehr. Der Regen fiel und Amáya machte Halt. Sie war am Ufer des Sternensees entlanggelaufen, ein Ort mit dem sie mehr verbunden war, als mit irgendeinem anderen. Vielleicht sogar mehr, als mit dem Trauerweidenhain. Die Finstere liebte den Regen, liebte ihn über alles. Unter einer kleinen Baumgruppe hervortretend hob sie ihren Kopf und blickte in das graue und düstere Wolkengeballe über ihrem Kopf. Man konnte nicht sagen, welche Tageszeit es war. Der Regenfall war etwas für sich, er war wie eine andere Dimension, eine andere Welt. Dieses Himmelswasser war ihr ein großer Trost, vielleicht auch nur der Einzige. Selbst jetzt fühlte sie, wie die kühlen Nadelstiche auf ihrem Fell weit in sie hienindrangen, bis in ihr Herz. Nur des Himmels Tränen konnten für kurze Zeit den Schmerz lindern. Sie gab sich dem erleichternden Gefühl der Freiheit hin und starrte wie verzaubert in den Himmel. Vielleicht war es jetzt, wo Gedanken nicht mehr zählten. Vielleicht war dies einer jener Augenblicke. Jetzt konnte sie loslassen, da war sie sich sicher. Hier und jetzt, wenn sie mit nur sanft geöffneten, verschleiert blickenden tiefblauen Augen in den Himmel starrte. Das Maul der Fenrisgläubigen war leicht geöffnet und ein leichter Seuftzer enfloh ihren Fängen. Das Wasser fing an, ihr geschmeidiges und glattes Fell zu durchnässen, doch es kümmerte sie nicht. Tief in ihrem Herzen wünschte sie sich, der Regen würde nie aufhören. Es wäre schön gewesen, sie hätte für alle Ewigkeit hier inmitten des weinenden Himmels stehen können dürfen und nur gelauscht. Dem feinen Raunen dieser kühlen, durchnässten und grauen Welt gelauscht.
05.11.2011, 00:27
Nicht weit entfernt saß der Rüde von einem See. Wie hieß dieses riesige Wasserloch doch gleich? Sternensee oder sowas. Und es hatte irgendetwas mit Engaya zu tun, wenn er das richtig verstanden hatte. Hm. Immer diese Götter, in jeder Geschichte tauchten diese Namen auf, doch für Kirov als Ungläubiger war es eigentlich nur Zeitverschwendung, was er natürlich höflich für sich behielt. Nachher wurde er noch als Ketzer oder sowas dargestellt und nachdem er den Geschichten der Götter gelauscht hatte, erschien ihm Engaya zu freundlich, auch wenn es eigentlich zu sienem Gemüt passte. Fenris wiederrum schien durch und durch böse zu sein, was Kirov auch nicht gefiel. Gab es keinen Mittelding zwischen den Göttern? Jemanden der böse und auch nett war? Nein, das wäre wohl langweilig. Und überhaupt, es passte einfach nicht, weil es ja viel zu realistisch war. Was zum?! Jetzt fing er auch noch an, sich ernsthaft darüber Gedanken zu machen. Der zuckte ein wenig verärgert mit den Ohren und blickte aus seinen blauen Augen auf den See hinaus. Der Regen begann und spülte somit auch die Gedanken an diese komischen Götter weg. Es störte ihn nicht im Geringsten, dass er hier alleine saß. Manchmal tat es auch gut, alleine zu sein und in diesem großen Rudel war es schon fast eine Wohltat für den Gezeichneten. Mit einem Blick zur Seite wurde ihm jedoch klar, dass er garnicht so alleine war. Eine Fähe saß ein wenig weiter weg an den Ufern des Sees. Kirov hatte sie garnicht bemerkt. Wo kam die Schwarze auf einmal her? Er erhob sich und lief ruhigen, lockeren Schrittes auf sie zu. Sie sah glücklich und gleichermaßen unglücklich aus, als würde sie über vieles zur gleichen Zeit nachdenken. Er hatte sie schon einmal gesehen, wusste aber ihren Namen nicht. Doch sie gehörte zum Rudel, das war ihm klar. Bald erreichte er ihre Nähe und ließ sich unweit von ihr entfernt nieder, den Blick auf den See gerichtet.
"Schön, dieser Regen, oder?",
meinte er, ohne wirkliche Begrüßung. Seine heitere, freundliche Stimme passte eigentlich garnicht zur Wetterlage. Doch wenn man Kirov betrachtete schien er perfekt hineinzupassen, wie er seinen Kopf in den Nacken legte und in den verregneten, grauen Himmel blickte, ehe sein Blick wieder auf die Pechschwarze fiel. Freundlich sah sie nicht aus, doch wie sie auf ihn reagierte würde sich wohl gleich zeigen.
06.11.2011, 12:27
Der Klang der Regentropfen auf der Oberfläche des Sternensees klang beruhigend. Vielleicht erinnerte es sie daran, dass das hier alles real war. Denn Amáya hatte es nötig, dass man sie daran erinnerte. Schließlich fühlte sie sich manchmal so distanziert von der Wirklichkeit, so weit weit weg von allem das geschah, dass sie sich schon manchmal fragte ob das, was sie sah, nicht doch eine einfach Wahnvorstellung war. Sie war nicht sonderlich kommunikativ, befand sich meist im Hintergrund. Dann und wann verirrte sich eine einsame Seele zu ihr und sie wechselten einige, unbedeutende Worte. Oder sie kam zu den Anderen, gesellte sich stumm zu ihnen. Es war kein glückliches Leben, doch solch eines hatte sie nie gehabt. Vielleicht sollte sie einfach nur froh darüber sein, dass sie hier sein durfte, auch wenn sie nicht genau wusste, was daran eigentlich so gut war. Zwar kannte man sie hier, doch das Rudel hatte sich doch sichtlich verändert. Tyraleens Junge waren nun Jährlinge, neue Welpen waren geboren worden und viele neue waren dazu gekommen.
Nicht, als ob sie sich früher hier mehr wilkommen gefühlt hätte. Na, wenigstens der Regen mochte ihr etwas zuflüstern. Leise schien er ihr etwas zu erzählen, Dinge, die nur er wissen konnte. Auch wenn Amáya die Nachricht nicht verstand, welches der Regenfall ihr erklärte, war es doch ein tröstliches Gefühl, ihm zuzuhören. Das Regenlied, es sollte für immer andauern. Sie wünschte es sich so sehr. Nein, so sollte es wohl nicht sein. Ihr wurde es nicht gegönnt, diesen Augenblick weiter in aller Ruhe zu genießen. Schritte erklungen, das Geräusch von Pfoten auf nassem Boden. Die Finstere senkte ihren Kopf, ließ ihren regenblauen Blick nur erst auf der weiten Oberfläche des Sternensees ruhen. Wie schön er aussah. So unglaublich schön.
Sie straffte iher Schultern und gab dem Rüden unweit von ihr entfernt einen harten, stechenden Blick. Die Wassertropften hatten ihr seidiges doch nicht sonderlich dichtes Fell schon gänzlich durchnässt und ihr klebendes schwarzes Fell betonte nun noch mehr ihre hübschen Wolfskurven. Sie war eine Fähe durch und durch und doch steckte so viel Kraft in ihren Gliedern. Jetzt, wo jemand in ihrer Nähe war, hatte sie eine völlig Andere Stellung eingenommen als eben. Ihre Körperhaltung strahlte Stolz, Abweisung und etwas Lauerndes aus, während ihre Mimik regungslos und hart blieb. Genauso die blauen Augen, sie blickten abweisend. Ihre Fassade, ihr Schutzwall, hinter dem sie sich versteckte. Er war abermals errichtet. Wieder so ein schrecklich fröhlicher Wolf, es ließ ihr Herz sich wütend zusammenziehen, wie sie seine heitere Stimme so hörte.
"Der Regen hat für mich eine besondere Bedeutung." , kam die harsche und kühle Antwort. Sollte er sich ja nichts drauf einbilden. Es kam Amáya so vor, als hätte sie ihn irgendwann in den letzten Tagen mal flüchtig gesehen, aber er hatte noch nicht vollständig den Geruch des Rudels aufgenommen. Er war wohl ein Neuer. Nun, sollte es doch so sein. Nur stören, dass sollte er sie lieber nicht. Eine Chance würde er jedenfalls noch kriegen, wenn er ihr dann zu aufmüpfig wurde, würde sie ihn schon vertreiben. Sie konnte das Mit Worten, mit Taten. Mit Blicken. Sie konnte einem vermitteln, dass er nicht erwünscht war. Sie war eine gute Schauspielerin, so dachte sie jedenfalls von sich.
06.11.2011, 19:47
Es regnete noch immer und langsam durchnässte sich das nicht zusammenpasste Fellfarbspiel und schmiegte sich an den agilen Körper. Kirov zuckte mit den ohren und leichte Tropfen, die an den Ohrenspitzen saßen, flogen durch die Luft wie ein Tautropfen vom Gras, wenn man es berührte. Nun prasselte der Regen regelrecht auf den See und es war wirklich schön mit anzusehen. Dieser See schien etwas magisches zu haben, wie sogar er sich eingestehen musste. Etwas in der Art hatte er bisher noch nie erlebt und es faszinierte ihn, zog ihn regelrecht in Bann. Unaufmerksam schüttelte er seinen großen Kopf und erst jetzt fiel ihm wieder ein, dass er ja noch immer neben der Schwarzen saß. Er blickte sie von der Seite an. Ihr Blick lag schon fast liebevoll auf der Oberfläche des Sees und doch wirkte sie distanziert und kühl. Er rechnete mit einer Abfuhr. Nach seiner Frage wandte sie den Kopf zu ihm und schaute ihn kalt an. Er erwiderte den Blick der Ozeanblauen Augen. Ihre Stimme war kalt und hart und weckte trotzdem seine Neugier, welche er jedoch für sich behielt und nicht nach Außen trug.
"Ich verstehe."
Seine Stimme klang nach wie vor freundlich und geduldig. Natürlich merkte er, dass die Schwarze nicht wollte, das er hier war, schließlich war er alles andere als naiv. Sein Himmelblauer Blick huschte über das schöne Gesicht der Fähe, das nach wie vor, hart und unnahbar wirkte. Es stimmte ihn ein wenig traurig, dass es solche Wölfe gab, die so verbittert und distanziert waren. So etwas konnte doch nicht bei der Geburt geschehen oder? Als Welpe hatten doch alle mal gelächelt. Es gab immer ein schlimmes Ereignis, dass einen Wolf zu dem machte, was er war, das wusste er. Auch aus eigener Erfahrung.
"Also, Regennacht, verrätst du mir deinen Namen?",
fragte er, noch immer gutherzig und freundlich. Regennacht schien für ihn der passende Beiname zu sein. Schließlich war sie Nachtschwarz und liebte den Regen. Ihr Name interessierte ihn dennoch und so blickte der schweigsam wartend auf den See und beobachtete das Fallen des Regens auf Wasser.
08.11.2011, 21:31
Er war störend, er irritierte sie, dieser Rüde. Dieser Fremder. Was wollte er nur hier? Was wollte er von ihr, genau von ihr, Amáya? Sonst mied man sie doch, genauso wie sie die Anderen mied. Der größe Teil kannte sie mehr oder weniger von den alten Zeiten und das Rudel war so groß, dass es eigentlich schon gewöhnlich war, dass man einige nicht kannte. So war das eben und sie war keine, die auf Neulinge einfach so zuging. Vielleicht taten dies andere, doch nicht die Regentochter, nicht die Finstere. Der Klang des fallenden Regens war eine angenehme, beruhigende Geräuschkulisse. Sie sollte sich nicht so aufregen. Wenn es nötig war, würde sie ihn vertreiben. Dies ware iner IHRER Pilgerplätze, dies war der Platz, zu dem sie auch als Welpe so oft gegangen war. Dieser Rüde, der so ziemlich heiter zu sein schien, fast klischeehaft glücklich, passte Amáya so überhaupt nicht ins Bild. Wieso störten sie sie immer, wenn sie es so gar nicht brauchen konnte? Wieso kamen sie daher, mit ihrem dummen Grinsen und erwarteten von ihr, dass sie sich ebenso verhielt? Es ging ihr einfach auf den Geist, alles. Düster starrte sie zurück auf die regengepeitschte Oberfläche des Sternensees. Ja, hier hatte sie lange gesessen und nachgedacht. Allein und leer hatte sie ihr Spiegelbild betrachtet und mehr erkannt, als es auf den ersten Blick zu zu erkennen war. Genau dies war der Grund warum sie heute auch nicht näher hinblickte. Auch wenn dieser Ort vertraut war, herrschte auch hier eine bestimmte Angst vor. Auch hier fühlte sie sich bedrängt. In die Ecke gedrängt, ja. Der perfekte Ausdruck für ihre Lage. Die regenblauen Seelenspiegel glitten Blitzschnell zu der Gestalt des Grauen zurück und verengten sich. Er verstand? Bei Fenris, er verstand keinen Funken! Niemand verstand etwas, klar, aber am wenigsten wohl irgendein Dahergelaufener! Ein kurzes Schnalzen ihrer Zunge ertönte, sie war sich jedoch nicht sicher ob der Graue es hören konnte. Im Endeffekt war es ja auch gleich, es scherte sie einen Dreck was er von ihr denken würde. Sie dachten doch nur alle das Gleiche von ihr.
Doch dann sprach der Rüde etwas, was das Herz und die Einstellung der Fähe ungemein milderte. Sie wusste auch nicht, warum die Worte so sehr wirkten, doch ihre Muskeln entspannten sich ein wenig und ein leichter Abriss eines Lächelns auf ihren Zügen auftauchte. Ein Schmunzeln wohl eher.
Wartet! Amáya schmuzelte...Amáya schmunzelte? Was? Ein Lächeln? Ehrlich jetzt? Wie lang war es her, dass sie überhaupt einmal gelächelt hatte? Lächerlich! Verärgerung stieg erneut in dem Inneren der Fähe auf und Trotz. Trotzdem konnte sie nur schwer diesen Ausdruck von ihrem Gesicht wischen und beließ es schließlich dabei. Indem sie ein klein wenig Spott hineinwob konnte es ja ausgebessert werden. Sie trat mit einem eleganten Schritt auf ihn zu, während der nasse Boden unter ihren Pfoten zermatschte. Ihre Augen blitzten auf, doch waren sie immernoch von dem selben kühlen Blau.
"Du hast es wohl erraten, Gratulation."
Sie stoppte kurz und ließ ihren Blick zu dem Himmel gleiten. Ja, dies war sie. Der Name hätte nicht passender sein können. Kein Wunder, dass Banshee die Tochter Engayas gewesen war. Ihr Name passte wie aufs Auge. Ob ihre Mutter wohl schon damals gewusst hatte, was aus ihrem scharfen Schäfchen werden würde? Wenn ja, würde es nur noch mehr quälende Gedanken mit sich bringen. Und davon hatte die Dunkle mehr als genug.
"Regennacht, dies ist mein Name. Auch wenn in einer anderen Sprache, exakt lautet er Amáya."
Fuhr sie fort und machte eine kleine ausführende Bewegung mit ihrer dunklen Pfote. Ja, sie war die Regennacht, die Regentochter, das Regenkind, die mit den regenblauen Augen. Regen, Regen, Regen. Das war sie und dies würde sie auch bleiben. Genauso wie dieser See ein fester Teil ihres Lebens war, war es auch der Regen. Denn in ihrem Herzen würde er nie aufhören zu fallen. Nie.
12.11.2011, 02:29
Kirovs himmelsfarbener Blick glitt über das Wasser, verfolgte das Spiel der Regentropfen. Der Regen schien stärker zu werden, doch es störte ihn nicht sonderlich, mal abgesehen davon, dass es ein wenig kälter wurde als zuvor und sein bunt Gemustertes Fell noch mehr an der Haut klebte und es auf irgendeine Weise noch auffälliger werden ließen. Dank seiner ungewöhnlicen Zeichnung konnte man ihn relativ schnell erkennen, was weder gut noch schlecht war. Eben Beide,s kam auf die Siuation an. Schweigend zuckten seine Ohren, während er auf eine Antwort der Schwarzen wartete. Er wandt den Kopf zu ihr und nach wie vor lag etwas Missbilligendes in ihrem Blick. Sie konnte einem ja wirklich leid tuen, mit ihrem immergleich wirkenden Gesicht. Doch auf einmal geschah etwas, womit Kirov garnicht gerechnet hatte - sie lächelte. Oder versuchte es. Jedenfalls verzog sie die Lefzen und Kirov lächelte ebenfalls, jedoch viel strahlender. Das hatte er nun wirklich nicht erwartet und er war stolz auf sich, weshalb auch immer. Es war so ein gefühl. Aber vielleicht lächelte sie ja öfter? Wenn sie mit anderen Wölfen zusammen war? Vielleicht bei ihren Freundne und ihrer Familie. Doch trotzdem wirkte dieses Lächeln auf ihren lefzen vollkommen fremd und unnatürlich, als wäre es nie zuvor da gewesen. Er blickte sie an und sie fuhr fort. Ihr richtiger Name war also Amáya. Nett. Jedenfalls besser als Kirov Kâzar, der nicht einmal eine Bedeutung hatte. Und Regennacht war gewiss keine abscheuliche Bedeutung, er passte exakt auf Amáya, was ihn ein wenig beeindruckte. Die Eltern mussten wohl sehr gut über ihre Töchter und Söhne Bescheid wissen.
"Freut mich, dich kennenzulernen, Amáya. Mein Name lautet Kirov."
Seine helle Stimme war ein krasser Gegensatz zu Amáyas dunkler, montoner Tonlage, die allerdings gut in die Wetterlage passte. Nach wie vor, ruhig und freundlich, ohne irgendwie durch Amáyas Gesten und genervt aussehende Mimiken beeindruckt, saß er da und ließ seinen Blick schweifen, als hätte er noch nie etwas anderes gesehen. Er wusste nicht recht, wie er fortfahren sollte. Sie würde bestimmt nicht reden und vermutlich sogar einfach weggehen - so schätzte er sie ein. Also musste er wohl etwas tiefer in die Wörterkiste greifen.
"Nimm es mir nicht persönlich, Regennacht, doch du magst keine anderen Wölfe, oder? Wölfe die dich volllabern, nerven, mit unnötigen Fragen bombadieren... Bist du gerne alleine?"
Ein leichtes Grinsen lag auf seinen Lefzen. Er blickte die Schwarze nicht an, sondenr schaute stattdessen auf den See hinaus, noch immer fasziniert davon wie wunderschön es doch aussah, wenn die Tropfen auf die Wasseroberfläche fielen. Mit aufmüpfigen Wölfen meinte er natürlich auch sich selber und hatte sich freimütig mit einbezogen. Er redete gerne mit anderen, solange es nicht um ihn ging oder seine Vergangenheit oder sonst irgendwas. Kirov vertraute keinem, auch wenn man ihm das nicht ansehen würde. Er war inteligent genug, um zu wissen, dass man absolut niemanden etwas anvertrauen durfte. Letzt endlich würde es doch nur die Runde machen und es erfuhr jeder Wolf. Schon in frühen Jahren hatte er das gelernt, als er noch ein tapsiger, bunter Jungwolf war, der naiv jedem alles verraten hatte. Doch er wurde vom Leben enttäuscht, als die anderen Jungwölfe ihn mit seinen Geheimnissen aufzogen. So hatte er schnell gemerkt, dass es ohnehin niemanden interessierte. Geheimnisse behielt man für sich. Und doch war er immer neugierig auf die eiens anderen und wenn sie es ihm bereitwillig erzählten - wieso nicht still zuhören und es mit ins Grab nehmen?
20.11.2011, 16:16
Wollten sie wirklich etwas von ihr oder klammerte sich Amáya einfach an jenen absurden Gedanken? Wieso kamen sie angehoppst und laberten sie an? Machte Amáya einach nur etwas falsch?
Die Dunkle wusste nicht mehr recht wo ihr Kopf stehen sollte. Ob sie es denn je gewusst hatte, war eine andere Frage. Vielleicht hatten die Wölfe die sie ansprachen auch nur Langeweile und benutzen sie als Abwechslung. Ja, wahrscheinlich musste es irgendetwas in jene Richtung sein. Sie hätte sich selbst auch nicht angesprochen, wenn sie zwei Personen gewesen wäre. Auch wenn dieser Rüde hier vielzu fröhlich für sie wirkte, hatte er doch ein wenig Gespür. Nun gut, vielleicht auch nur zur Namensgebung, aber das war ja schon wenigstens etwas. Man konnte ja nicht von jeder dahergelaufenen Made erwarten, dass sie intelektuelle Werte besaß. Die regenblauen Seelenspiegel zuckten zu dem Störenfried hinüber und am liebsten hätte sie jetzt gestöhnt. Bei Fenris, wieso hatte sie den Moment der Schwäche zugelassen und gelächelt? Jetzt strahlte der Graue ja wie ein Honigkuchenpferd auf sie zu. Hoffentlich bekam er keine dummen Gedanken, das könnte Amáya überhaupt nicht gebrauchen. Sie fuhr sich leicht über die Schnauze um das Wasser was sich darauf abgesetzt hatte abzuwischen. Sie trat ein wenig näher zu dem Rüden um seine Worte besser zu verstehen. Gegen den prasselnden Regen anzuschreien mochte vielleicht einigen Spaß machen, ihr jedenfalls nicht. Eigentlich bevorzugte sie dann eher das Schweigen. Aber da dieser Strahlemann ihren Namen so hübsch erraten hatte - es war ein düsterer Fehler sich auf ihn einzulassen, aber was solls! - würde sie ihm noch ein Chance geben. Immernoch mit steinernen Gesichtsausdruck, der so wenig wie möglich von ihren gefühlen zeigte setzte sich sich mit einer eleganten Bewegung vor ihm ins nasse und matschige Gras. Dieser Kirov hatte Glück heute, der Regen gab ihr soetwas wie gute Laune. Oder nicht? Bei der Finsteren konnte man das sowieso nicht definieren. Ihre derzeitiges Auftreten war wohl eher griesgrämig, aber eine freund- und höfliche Amáya würde diese eiserne Welt so schnell wohl nicht erleben. Und da plapperte der Gute schon wieder los. Mit einer flinken Bewegung glitten die Augen der Fähe zurück zu der Gestalt des Grauen und sie hob ganz leicht ihre eine Augenbraue an.
"Und du bist wohl einer der Wölfe die glauben, sie könnten nach einem Wortwechsel von einer halben Minute sich schon ein gerechtes und wahres Urteil über ihr Gegenüber schaffen? Träum weiter, Junge." , gab sie ungerührt zurück und verzog ihre Maul ein wenig missbilligend zur Seite, ihren Kopf schüttelnd. Wie naiv konnte man eigentlich noch sein?
"Wer ist schon gerne alleine? Du redest Schwachsinn. Aber nervige und laute Wölfe - ich bin mir immernoch nicht sicher, ob ich dich nicht auch dazuzählen sollte - stoßen mich eher ab, da muss ich dir Recht geben."
Der Rüde - schien er nicht ein wenig älter zu sein als sie selbst?! - benahm sich ein wenig wie ein ungelenker Jungwolf. Die Frage vorher hätte glatt solch ein Bälger rausquiecken können. Wahrscheinlich war dieser Graue irgendwie ein wenig zurückgeblieben. Andererseits hatte sie ja kaum noch was mit ihm gesprochen. Kein Wunder, sie sprach eigentlich nie mit jemanden.
04.12.2011, 03:54
Voller Ruhe und Gelassenheit saß der Bunte da, ein leichtes Lächeln auf die Lefzen. Hätte er jetzt noch etwas hin und her gewippt, würde er den perfekten, fröhlichen Wolf abgeben, doch so sah er eher in sich gesunken aus. Tatsächlich blickte er noch immer auf die Wasseroberfläche und die Tropfen die dort aufkamen und Kreise zogen. Amáya trat nun etwas auf ihn zu, doch er blickte sie nur kurz an. Also wenn sie nicht lächelte sah sie gar nicht mehr so schön aus, musste er fest stellen. Würde ihre Lefzen sich mehr nach oben ziehen, sehe sie ganz anders aus. So wirkte sie ziemlich alt, fast wie eine Statue. Und auch nicht so schön. Kirov entschloss sich innerlich dazu, sie irgendwie, irgendwann, noch einmal zum Lächeln zu bringen. Es ahnte bereits, dass dies sehr schwer werden würde. Unweigerlich kam aber auch die Frage auf, ob es Amáya wohl wehtat zu lächeln. So wie sie aussah, tat sie dies geschätzte zweimal im Jahr und das ging bestimmt ganz schön in die Sehnen, sich dann zu einem Lächeln hinreißen zu müssen. Kurz beäugte Kirov die Schwarze noch und bestätigte seine Frage mit einem leisen, gedanklichen 'bestimmt'. Dann blickte er wieder aufs Wasser. Amáya sprach nun und antwortete auf seine Frage. Dafür, dass sie so monton war, redete sie ganz schön viel. Leicht verzogen sich seine Lefzen zu einem weiteren Lächeln.
"Ich mache mir kein Urteil über dich, meine Liebe. Es ist eher umgekehrt.",
meinte er ruhig und blickte sie wieder an, noch genauso freundlich lächelnd. Nein, er nahm es ihr nicht übel, dass sie ihn auch zu den störenden und nervigen Wölfen dazu zählen wollte, doch es traf ihn schon etwas. Allerdings ließ sich nichts anmerken, sah noch immer so gelassen aus, wie sie es nicht aussah. Amáya wirkte jetzt eher wütend und Kirov war überrascht, dass sie überhaupt Emotionen beherschte, wenn sie keine wirkliche Mimik zustande brachte. Immerhin hatte sie seine Fragen beantwortet, beide. Sie schien weder die Einsamkeit, noch nervige Wölfe zu mögen und Kirov teilte ihre Ansicht gewissermaßen. Er verabscheute bisher keinen Wolf, außer vielleicht ein paar Ausnahmen aus seiner unbeliebten Familie. Wirklich hassen tat er eigentlich niemanden, wie ihm gerade auffiel. Oh doch. Er mochte zwar keine aufdringlichen Wölfe, oder welche, die ihn nach seiner Geschichte ausfragten, doch er hasste Lügen und das wie die Pest oder sonst irgendeine schreckliche Krankheit. Jedenfalls, blickte Kirov Amáya nachdenklich in die blauen Seelenspiegel. Leicht wölbte sich seine eine Augenbraue nach oben und er schnippte mit dem Ohr.
"Ich rede Schwachsinn, doch du gibst mir Recht. Es tut mir leid, wenn ich dich nerve."
Entschuldigend, doch in der sicheren Annahme, dass Amáya garnicht so übertrieben schlau war, wie sie tat, neigte er den Kopf. Von außen wirkte er immer wie der freundlich, nette und ruhige Rüde, doch innerlich dachte er sich seinen Teil über die Wölfe, denen er gegenüberstand. Meistens fiel diese Meinung nicht sehr positiv aus, außer er kannte jemanden besser und bezeichnete diesen als Freund und das war bei der Schwarzen nicht der Fall. Unweigerlich fiel ihm aber wieder ein, dass er sich ein Versprechen gegeben hatte. Er wollte Amáya noch mal lächeln sehen. Und sie bestärkte mit ihren Worten und Aussagen seinen Entschluss, weiß der heilige Wolf warum. Es war nun sein nächstes Ziel und irgendwie würde er auch schaffen, die kalte, schwarze nochmals Lächeln zu sehen, auch wenn es ihre Augen wohl niemals erreichen würde. Außerdem, so fand Kirov, sah sie doch viel hübscher aus, mit einem Schmunzeln auf den Lefzen.
11.12.2011, 17:39
Okay. Jetzt noch einmal ganz langsam von vorn. Sie hatte hier einen wunderschönen Moment im dunklen Regen verbracht, neben dem Sternensee, in friedlicher Einsamkeit und ausnahmsweise irgendetwas was sich eitler weise wagte Erfülltheit zu nennen. Dann kreuzte diese neue Grinsebacke hier auf und nervte sie. Dann lächelte sie ihn auch noch an, aus einem unerkläbaren Grund, und nun? Nun kratzte er nicht einfach ab, nein, er musste sie weiterhin nerven. Wirklich, wirklich toll. Glückwunsch, sie hatte sich gerade eine weitere Zecke an ihrem fell angeschafft. Kurz schloss die grazile Fähe ihre dunklen Augenlider über den tiefblauen Augen und atmete tief aus. Irgendwann würde der Gräuling sowieso abhauen. Hoffentlich. Wenn nicht, dann war sie so richtig am Arsch. Aber nun gut, vielleicht übertrieb sie auch nur ein bisschen. Vielleicht würde ein bisschen Plaudern ihr doch nicht so viel schaden, wie sie befürchtete. Manchmal fragte sich die Regentochter ernsthaft, was sie eigentlich wollte. Mal wünschte sie sich das sie nicht so einsam wäre und einige Minuten danach wollte sie wieder von jedem in Ruhe gelassen werden. Aber sie kannte sich selsbt schon gut genug, um zu wissen das sie nur langsam lernte, wenn überhaupt. Die Steinerne öffnete ihre Seelenspiegel wieder, hob ihr Haupt an und blickte zu Kirov.
"Ich bin nicht lieb, Grinsebacke. Das kann dir jeder Vogel der zitternd auf einem Zweig versucht dem Regen zu entkommen bezeugen. Also husch husch, zwitschter jemanden anderen mit deinem Gesülze an.",
entgegnete sie kühl. Niemand konnte sie einfach so 'meine Liebe' nennen. Sie war nicht lieb, sie gehörte niemandem und niemand liebte sie. Allein diese ersten Drei umstände beweisten es doch schon. Aber egal, der Gräuling musste eben noch lernen, wie es schien. Zum Beispiel, das man mit einem ständigen Lächeln nicht bei jedem Punkten konnte. Das Leben war eben kein Wunschkonzert. Da konnte der Rüde noch so gelassen rumstehen, es würde sie nicht beeindrucken. Konnte man sie über haupt irgendwie beeindrucken? Eigentlich eine gute Frage auf die die Antwort momentan wahrscheinlich noch ein klares nein war. Auf die Worte des Älteren zuckte sie nur mit den Schultern, gelangweilt.
"Muss dir schon nicht leidtun. Also. Was willst du wissen?"
Abwartend, eine Augenrbaue erhoben, tappte sie mit der Pfote auf den Boden. Vielleicht sah man ihr doch an, dass sie nicht so oft kommunizierte. Tja, wirklich wirklich selten, wenn man ehrlich war.
31.01.2012, 22:35
Ob er Amáya wohl auf die Nerven ging? Kirovs innerliches, sarkastisches Ich sagte: "Neein, niemals", doch er ignorierte es. Sie hatte schließlich nicht ausdrücklich gesagt, dass er gehen sollte. Zumindestens fand er das. Der Rüde musterte die Schwarze aufmerksam und mit gespitzten Ohren. Sie ließ keine wirkliche Emotion erknnen, ihre Regenblauen Augen wirkten tatsächlich, als würde dortdrin gerade ein Nachtregen anfangen. Sie waren leer, ausdruckslos und irgendwie trostlos. Ja. Trostlos war das richtige Wort. Schließlich blickte Amáya ihn wieder an und nannte ihn doch einfach Grinsebacke! Spätestens jetzt hätten bei Kirov die Alarmglocken schrillen müssen. Er sprang sehr leicht auf Provokationen an, wobei das Wort Grinsebacke eigentlich nicht einmal eine war. Trotzdem fühlte er sich angegriffen, ließ es jedoch nicht nach außen vor treten. Wär ja nur zu schön, wenn Amáya dann noch über ihn triumphierte. Nein, so leicht würde er es ihr nicht machen. Er seufzte nur bei ihren Worten, blickte in die Bäume hinauf und fixierte zwei Vögel, die tatsächlich auf einem Zweig saßen, über sich einen dichten Tannenwedel und scheinbar Schutz vor dem endlosen Regen suchten. Als sie scheinbar bemerkten, dass Kirov sie anstarrte, suchten sie schnell das weite. Der Gemusterte zog eine Grimasse und blickte wieder zu seinem schwarzen Problemfall.
"Vielleicht bist du nicht lieb. Vielleicht möchtest du nicht reden. Vielleicht bin ich auch keine Grinsebacke. Ist ja eigentlich auch egal, ich bin nun hier und rede mit dir und latsche jetzt bestimmt nicht durch den Wald um einen anderen Artgenossen zu finden. So leicht wirst du mich jetzt nicht los."
Er blickte sie nochmals aufmerksam an. Sie wirkte nun vielmehr gelangweilt und irgendwie frustrierte ihn das ziemlich. Konnte diese Fähe nicht einmal etwas Interesse zeigen? Anscheinend hatte sie Recht. Man konnte einem Stein einfach nichts aufzwingen. Das war nunmal und es würde immer so sein, außer jemand brachte Steien mit einem Zaubertrick zum Grinsen. Aber bis dahin musste er sich einfach mit einem halbherzigen Plaudern beschäftigen. Der Gemusterte rückte etwas näher an Amáya ran, achtete jedoch auf den Abstand und legte leicht den Kopf schief. Tja, was wollte er nun wissen? Er war zwar froh darüber, dass sie wohl doch nicht weglaufen wollte, aber eine schnelle Antwort auf ihre Frage hatte er auch nicht.
"Tja. Ich könnte fragen, wieso du so bist wie du bist. Aber ich hab was Besseres. Wie stehst du zu den Göttern?"
Unmerklich verzog Kirovs Gesicht sich bei dieser Frage. Diese Götter. Ob Amáya an sie glaubte? Und wenn ja, an wen? Eines war jedenfalls klar. Er glaubte nicht an sie.
05.02.2012, 18:59
Ihre Seele war eine trostlose Landschaft, so wie das Tote Land im Osten des Revieres auch war. Zwar war sie nie wirklich dort gewesen, doch hatte sie es von Wieiten gesehen und Erzählungen darüber gehört. So stellte sie sich den Ort ihres Herzens vor ; karg, kalt und leblos. Sie war sich sicher, dass wenn sie jenem Ort je einen Besuch abstatten würde, sie sich genauso verbunden zu ihm fühlen würde, wie zu dem Sternensee. Ihre regenblauen Augen wanderten zu eben jener Wasserfläche und ihr Gesichtsausdruck wurde ein wenig sanfter. Der Sternensee. Sie verband traurige, jedoch schöne Erinnerungen mit ihm, auch wenn eigentlich gar nichts besonderes hier geschehen war. Es waren eher Erinnerungen an Erinnerungen, Erinnerungen an Gedanken. Auch wenn der See nicht von Fenris Atem gestreift wird, ist er doch eine kleine Quelle des Trosts für sie. Das Rauschen des Regens schien ein fernes, heimisches Klingeln an iher Ohre zu bringen. Kurz schloss sie ihre regenblauen Augen und schwieg, lauschte dem fernen Glockenklang. Sehnsucht erfüllte sie, tiefe Sehnsucht, die sie nicht erklären konnte. Schauer liefen ihre Glieder herab und hinauf und sie fühlte sich seltsam, jedoch so gut wie selten in ihrem Leben. Nach einigen Augenblicken des stillen Lauschens öffnete sie ihre Augen wieder und blickte Kirov an, nun etwas versönlicher, als hätte sie ihn endlich akzeptiert.
"Hörst du auch die Glocken klingen?"
Fragte sie zögerlich, bevor sie wieder hinauf zu den Regenwolken blickte, die immer weiter ihre Tränen über ihr dunkles Fell ergossen. Im Regen blühte sie auf, im Regen war alles anders. Im Regen sagte sie manchmal Dinge, die sie sonst nie sagte. Denn der Regen sang ihr Lied, sang von Leid und Trauer und Schmerz. Sang vom Unglück ihrer Seele...Ja. Und in diesen Momenten konnte sie sich manchmal von den Sorgen freisprechen. Sie war nie ganz frei, doch wollte sie eine schöne Illusion nicht zu früh zerstören.
Sie hatte eben ihre Höhen und Tiefen, auch wenn ihr Leben immer in der Tiefe des Brunnen der Sünden lag. Für immer und für alle Ewigkeit. Sie durfte Fenris nicht darum bitten, ihr zu helfen. Sie hatte es schon einmal getan, auf eine dumme, eigennützige Weise. Und da hatte sie ihre Strafe gekriegt, er hatte sie ihr gerechterwiese gegeben. Sie war dankbar um seine Hilfe, die ihr gezeigt hatte, dass es so nicht weiterging, ja dass es so nicht weitergehen durfte! Egall, egal, egal. Alles war egal.
"Dann bleib. Selbst ich muss manchmal mit jemanden reden.", antwortete sie leise und knapp.
Ihr regenblauer Blick streifte den himmelblauen Kirovs. Was tat er nur hier? Er wurde nicht hierhin geboren, er gehörte nicht in dieses Tal. Er war weder ein Sohn Fenris' noch einer Engayas. Sein hübsch gemustertes Fell passte nicht in diese Landschaft. Es war fremd, ein fremdes Geschwür. Alles war so fremd für Amáya. Sie sah alles durch eine Scheibe aus tiefem, dunklen Blau. Ihre Augen färbten ihre Welt düster, sie konnte schon lange nicht mehr so klar sehen, wie durch einen Kristall. Sie konnte nicht anders und verabscheute sich deswegen, doch sie fing an die Grinsebacke zu mögen. Auch wenn es ihr Schmerzen bereitete, in seine ewig strahlende Züge zu sehen.
"Wieso fragst du es dann nicht?" , fragte sie leicht herausfordernd, während sie einige elegante Schritte auf ihn zu machte, die Mundwinkel kaum merkbar nach oben gezogen.
Oh Fenris, was tat sie da?! Sie durfte es nicht, nein. Sie durfte keine Nähe zulassen. Bilder flackerten von ihrem Auge auf, Bilder aus dem Tal der Raben. Bilder, die sie ihr Leben lang verdrängt hielt. Auch jetzt schob Amáya sie entschlossen zur Seite, ein kleines 'Nein' im Geist formend. Seine Frage über die Götter überraschte sie nicht wirklich, sie setzte sich wieder hin, während der Regen langsam schwächer wurde und nun eher leicht nieselte als fiel. Doch er ging nicht. Nein, er ging zum Glück noch nicht.
"Wenn du fragst, auf wessen Seite ich bin... Ich bin eine Fähe Fenris'. Wurdest du über ihn schon aufgeklärt? Ich meine, über ihn und Engaya. Die Legende, all das. Und wenn wir schon dabei sind, wie stehst du zu ihnen?"
Sie redete eindeutig viel zu viel, doch sie konnte auch nichts dagegen tun. Die Kontrolle über ihren Geist und Körper war ihr aus den Pfoten geglitten. Alles rauschte nur dahin, wie der Regen auf sie nieder. Tik, Tak, wir kommen wieder. Die Zeit lief ihnen davon...
06.02.2012, 20:13
Stille. Ruhe. Nur das Geräusch des Regens. Es war beruhigend, ja, aber auf lange Zeit würde man doch davon verrückt werden. Der Gemusterte fuhr mit einer Pfote durch die aufgeweichte Erde und hinterließ eine matschige Spur, in der die Krallenspur gut zu sehen war. Stumm blickte der Rüde auf die Spur und sah, wie die Tropfen sie endlos langsam wieder in normalen Schlamm verwandelten. Als wäre nie etwas gewesen. Er fragte sich auf einmal, wie viele Wölfe hier wohl schon gestorben waren, wie viele hier so gesessen hatten wie er und Amáya in diesem Augenblick. Hatte der Regen all ihre Spuren auch schon weggewaschen? Alle Beweise vernichtet? Kirov zuckte leicht zusammen und hob endlich wieder den Kopf. Worüber dachte er hier eigentlich nach? Normalerweise interessierte ihn die Vergangenheit soviel wie der Dreck unter seinen Pfoten, doch bei diesen stillen Momenten mit Amáya, die wohl gerade ebenfalls ihren Gedanken nachhing, wurde auch er plötzlich ruhig und ausdruckslos. Seine Ohren zuckten nach vorne, als sie fragte, ober die Glocken klingeln hören konnte. Verwirrt blickte er die Nachtschwarze an, sah auf ihre geschlossenen Lieder und ihre entspannten Gesichtszüge. Er hörte nichts. Oder doch? Kirov zuckte nochmals mit den Ohren und schloss schließlich die blauen Seelenspiegel. Ja, er bildete sich ein, ebenfalls ein leichtes, sanftes Klingeln zu hören. Es war bestimmt ein anderes, als Amáya es hörte, schließlich läuteten die Glocken nur in seinen Gedanken. Ein leichtes Lächeln tauchte auf seinen Lefzen auf.
"Ich glaube schon.",
sagte er leise, fast flüsternd. Er öffnete die Augen wieder und sofort erstarb das Klingeln in seinen Gedanken. Aus irgendeinem Grund fühlte er sich unruhig. Vorallem jetzt, wo das Eis scheinbar zwischen ihnen gebrochen war und Amáya ihn nicht mehr ganz so wie einen fremden Grünschnabel. Vielleicht lag es daran, dass er sich gerade etwas Abstand zu ihr wünschte. Erst annähern und dann so tun, als würde man noch ganz am Anfang stehen. So durfte es eigentlich nichts laufen. Kirov blieb also sitzen wo er war und blickte die Regenfähe schweigsam an. Oh, wie es ihn störte, nicht zu wissen, was in ihr vorging. Sie hatte keine Emotionen, ließ einfach nichts nach außen vor treten. Der Gemusterte wusste also nicht so recht, was er von ihr halten sollte. Oder was sie von ihm hielt. Dennach tat es seiner Seele nun gut, das sie ihn nicht mehr ganz so herablassend behandelte. Ein ehrliches Lächeln tauchte auf seinen Lefzen auf, wie so oft. Ja, er würde hier bei ihr bleiben. Es lohnte sich also doch noch, hartnäckig zu sein und nicht so empfindlich. Und so langsam ging es voran. Sie kam einen Schritt näher, wobei Kirov sich fast zusammen reißen musste, um nicht zurückzutreten. Er blieb einfach, wo er war, das war wohl der sicherste Weg um das Vertrauen der verschlossenen Fähe zu gewinnen.
"Nicht jeder redet gerne über sich.", meinte er lächlend auf ihre Frage hin. Hauptsächlich spielte er damit auf sich selbst an. Kirov hasste es, über sich zu reden. Aber das wusste natürlich keiner. "Du kannst es mir ja später erzählen."
Er grinste kurz - die Grinsebacke höchstpersönlich, wie sie ihn ja genannt hatte -, und ließ seinen Blick über ihr Gesicht schweifen. Täuschte er sich, oder deutete sie da gerade tatsächlich ein Lächeln an? Bevor er sich sicher sein konnte und innerlich seinen Triumphausruf starten konnte, war dieses Lächeln schon wieder verschwunden. So schnell konnte es gehen, das wurde ihm wieder einmal bewusst. Schade aber auch. Kirov schwieg, während Amáya sprach. Er wusste nicht viel über ihre angeblichen Gottheiten. Einen Todeswolf und einen Lebendswolf, das hatte er aufgeschnappt oder von Daylight erfahren. Das, was die Weiße ihm erzählt hatte, war ihm schon fast wieder entfallen. Es würde bestimmt nicht schaden, noch einmal etwas darüber zu erfahren. Amáya formulierte ganz anders und außerdem ... schien sie auf der dunklen Seite zu stehen. Das passte ja. Er wusste nicht genau, was er erwartete hatte. Vielleicht, dass sie neutral war, oder genau wie er, ungläubig. Oder vielmehr ... unwissend. Doch wo er sie sich genau anschaute, schien es zu passen. Und es gefiel ihm, dass sie auf einmal so viel redete. Der bunt Gemusterte blickte in den Wald und sah, wie der Nieselregen nun durch die Blätter fiel.
"Ja, die Götter ... Daylight hat mir ein wenig über sie erzählt. Doch sonst weiß ich nichts über sie. Ich habe noch nie was von ihnen gehört zuvor, sie haben mir keinen Beweis geliefert, dass es sie gibt. Also kann ich nicht an sie glauben." Einen kurzen Augenblick schwieg der Rüde, ehe er noch etwas hinzufügte. Er wollte es sich mit Amáya nicht gleich wieder verscherzen.
"Zumindestens kann ich vorerst nicht an sie glauben. Wer weiß, was die Zukunft bringt, huh."
09.02.2012, 17:42
Ein paar Tröpfchen Wasser, auch wenn sie wie aus Kübeln gegossen wurden konnten Wunder bewirken. Zwar war der Fall des kühlen Regens nun sachter, doch wich das seltsame Gefühl in ihrer Brust nicht. Die regenblauen Seelenspiegel ruhten auf Kirov, einem Rüden wie jedem anderen. Einem Wolf, wie man jeden Tag einen vorbeiziehen sah. Oder war da mehr? Es hatte Amáya nie sonderlich gekümmert, was andere fühlten, was andere erlitten oder durchstehen mussten. Sie und ihr Egoismus hatten nur Selbstmitleid zugelassen, immer. Wahrscheinlich war dies falsch, doch was war bitteschön nicht falsch an Amáya? Vielleicht musste sie nur einmal versuchen zu leben, dann würde es besser werden.
Doch sie durfte es nicht, nein, konnte es nicht. Sie würde nicht leben, so wie sie es noch nie getan hatte. Sie stand hier, doch gleichzeitig irgendwo, weder lebend noch tot.
Der Gezeichnete schien erst einmal zu schweigen, was Amáya verblüffte. Sie wandte verwirrt den Blick ab, auch wenn man es ihr von aussen nicht ansehen konnte. Die Gedankenwelt anderer war ihr so fremd, dass ihr oft nicht einmal vor Augen schwebte, dass die ganzen Wölfe die sie umgaben echt waren. Doch Kirov war echt, genauso aus Fleisch und Blut wie sie es war. Oder? Es war alles so unendlich fremd, ja fast abstoßend, dass es ihr gruselte. Da saß sie nun, nur eine Fuchslänge von dem Grauen entfernt und fragte sich was in dem anderen wohl vorgehen mochte. Das hatte sie noch nie getan. Es war ein Gedanke gewesen, der in ihrem Kopf einfach nicht existent gewesen war. Das dunkle, sonst seidige Fell hing nass an ihrer Haut herab und betonte ihre muskulöse doch äußerst weibliche Figur. Doch dieser Körper war das Ergebnis von vielen Tagen des Leids, auch wenn es die meisten nicht wussten. Die Zeit im Tal des Raben war eine harte Zeit gewesen, die sie sehr geformt hatte. Doch schließlich war sie ja zurückgekehrt. Sie kehrten alle irgendwann mal zurück. Die Regenpfützen huschten kurz zu Kirov hinüber und mit einem gedankenverlorenem Nicken nahm sie seine Antwort wahr. Er hörte sie also auch... Die Regenglocken.
"Ich weiß nicht, was sie mir sagen wollen. Doch irgendwo im Geläut ist eine Nachricht versteckt. Ich weiß es."
Leise glitt ihr diese Bemerkung über die Leftzen und die dunkle richtete ihren Blick wieder auf die Weite des besprenkelten Sternensees. Sie wusste nicht, wieso er geflüstert hatte, doch es hatte sie fast automatisch dazu gebracht, ebenfalls ihre Stimme zu senken. Sie durfte nicht so viel von sich selbst Preis geben, doch sie hörte nicht mehr auf die Stimme die ihr dies zuflüsterte. Der Regen unterdrückte sie. Der Regen befreite sie ausnahmsweise von ihren Fesseln, auch wenn sie nicht frei war. Die Dunkle blickte ihren Nebenmann nicht an, weil es ihr von seinem Lächeln graulte. Sie hasste es, wenn jemand so strahlte wie er es tat und ein Gefühl sagte ihr, dass er gerade dabei war. Er redete also nicht gerne über sich. Nun musste sich das Regenkind doch umdrehen und blickte ihn herausfordernd an.
"Ach wirklich? Sah mal, woher kommst du eigentlich?" Ha ha, das war jetzt wirklich so lustig. Die Fähe verdrehte leicht die tiefblauen Spiegel ihrer Seele. "Nein danke, es war nie meine Absicht.", setzte sie einen Ton kühler hinzu.
Ihre Züge waren wie in Stein gemeißelt, eine perfekte Büste, die sich nicht von seinem bedepperten Grinsen beeindrucken ließ. Nur bei der Erwähnung ihrer Schwester zuckte kurz ein Gesichtsmuskel, doch lag es an dem Betrachter diese minimale Gefühlsregung zu deuten. Daylight... Traurig erinnerte sich Amáya an das erste Gespräch mit ihr, seitdem sie zurückgekehrt war und die Enttäuschung in den hellen Zügen ihrer Wurfsschwester schwebte ihr noch so frisch vor Augen wie damals.
"Oh, du wirst nur schnell genug deine Beweise bekommen, Kirov." , bemerkte sie mit düsterer Stimme, auch die Augen ein wenig dunkler zursammengezogen.
26.02.2012, 17:41
Ein bisschen Zeit mit dieser verschlossenen, unterkühlten Fähe und schon war Kirov der gefühlvollste und ruhigste Wolf der Welt. Es schien ihm gerade, als könnte er jedes Geräusch, jeden Atemzug, jede unbewusste Bewegung spüren. Seine Ohren zuckten bei dem unwohlen Gefühl und er bewegte sich leicht zur Seite. Sein graubrauner Pelz war nach wie vor vollkommen nass dank des Regens und er hätte sich gerne geschüttelt. Allerdings glaubte er, dass Amáya es nicht unbedingt gutheißen würde, wenn die Himmelstränen sie im Gesicht trafen. Er beließ es also nur bei dem Gedanken und blickte die Nachtfähe an, die meinte es sei eine Nachricht in dem Geläut versteckt. Er wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Dies war ihre Sache, es war ihre Nachricht, die sie entschlüsseln musste und er brauchte sich da gar nicht einmischen. Also senkte er nur leicht den Kopf, der Anflug eines Nickens. Weiter ging er nicht darauf ein. Amáya hatte sich umgedreht und blickte scheinbar den Sternensee an. Doch schließlich drehte sie sich wieder um und ließ eine, fast schon bissige, Bemerkung ab, unterkühlter als zuvor. Kirov verdrehte die Augen und zog leicht die Lefzen hoch.
“Warum tust du das immer?“, fragte er und verengte leicht die Augen. Nichts Lächelndes mehr, nur leichte Wut über ihren plötzlichen Stimmungswechsel und die Frage wo sie herkam. “Erst kommst du leicht aus dir heraus und dann scheint es wieder, als wärst du ins Eiswasser getaucht worden.“
Kirov schüttelte leicht den Kopf und blickte den Sternensee an, der weiterhin von dem Nieselregen besprenkelt wurde. Er hatte nichts gegen Amáya. Er konnte sie gut leiden, wenn sie ihn nicht gerade so behandelte, als sei er ein dummer, unwissender Wolf. Nun gut, unwissend war er schon ziemlich, vor allem was diese Götter anging. Doch wieso sollte er sich mit diesem Thema beschäftigen, wenn er ohnehin noch nicht an sie glaubte? Letztendlich blickte er Amáya bei ihren Worten wieder an, fühlte sich ihr ferner als je zuvor. Der Rüde rümpfte leicht die Nase und seine himmelblauen Seelenspiegel lagen wiederhin auf der Nachtschwarzen.
“Vielleicht.“,
meinte er nur ruhig und wandte den Blick wieder ab. Er musste daran denken, dass Amáya und Daylight wohl Schwestern waren. Für ihn war es fast Unvorstellbar. Sie waren so unterschiedlich. Daylight war so unkompliziert und es war einfach, sich mit ihr zu unterhalten, wovon man bei Amáya nicht gerade reden konnte. Der Rüde atmete tief aus. Trotzdem konnte er nicht einfach vor der Schwarzen weglaufen, nur weil sie nicht immer so reagierte, wie er es sich wünschte. Damit musste er klarkommen. Für Kirov war es noch ungewohnt, sich nun mit so vielen verschiedenen Wölfen zu unterhalten, die alle ihren eigenen, ganz bestimmten Charakter hatten. Früher war es anders gewesen, da waren nur er und seine Schwester. Niemand sonst. Und er hatte nur sie zum Reden gehabt, jeden Tag. Doch es war in Ordnung gewesen, bis sie schließlich ging. Leicht schüttelte der Gezeichnete den Kopf und konzentrierte sich auf das ständige platschen des Regens.
01.03.2012, 16:24
Die Tochter des Regens, in ein triefendes, tiefschwarzes Fellkleid gefasst, welches durch das Wasser eng an ihrem Körper anlag und tropfte hatte ihren Frieden mit der Situation geschlossen. Sie die Tatsachse akzeptiert, dass sie diesen vergleichsweise kurzen Intervall der Zeit mit dem Grauen neben ihr verbringen würde. Das unendliche Grau des zeitlosen Himmels reflektierte sich in ihren Seelenspiegel und wurde in ihnen blau. Die Wolkenmassen zeichneten ein einzigartiges Muster in die gläserne Oberfläche, doch verschwand dieses innerhalb von Sekunden, als die Fähe ihren Blick weiterschwenken ließ. Unter ihren Pfoten war die Erde weich geworden und die Läufe versanken bei jedem Schritt ein wenig in den Uferschlamm. Das leise Geräusch von Kirovs Atem war das einzige Geräusch, welches ihre Ohren erreichte, wenn man mal von dem leichten Nieseln des Regens absah. Die makellosen und kräftigen Fänge der Dunklen öffneten sich leicht um die frische Regenluft in sich hineinzusaugen. Man konnte den Regen förmlich riechen. Er würde noch eine gute Zeit lang dem ganzen Tal der Sternenwinde anhaften, bis er verschwand nur um irgendwann wiederzukehren. Sie bekam nicht mit, als Kirov seine Augen verdrehte und hatte nicht das Bedürfnis ihre Überraschung zu verbergen. Sie drehte ihren Kopf und musterte verblüfft die helleren Augen des Rüden, die wie der Himmel an einem sorgenfreien Sommertag waren. Wahrscheinlich waren sie bei hellem Tageslicht noch heller. Die schleichende Wut in seiner Stimme ließ sie die Ohren leicht anwinkeln. Oho. Diese Seite hatte er ihr aber noch überhaupt nicht gezeigt. Doch seine Frage machte sie betrübt und sie schüttelte leicht den Kopf, den Blick für eine kurze Dauer abwendend. Sie hasste sich ja selbst dafür, dass sie das immer tat. Dass sie gehässige Worte sprach, die andere verletzen mochten, so wie es kein Messer konnte. Dass sie alle auf Distanz hielt und nach einer gewissen Zeit abblockte. Dass sie sich selbst immer weiter ins Verderben trieb. Selbst jetzt kämpfte ihre zarte Regenseele mit dem kalten Monster. Sollte sie ihm antworten? Sie musste etwas antworten. Musste sie das wirklich? Ein Seuftzen verließ ihre Fänge. Sie wusste, dass sie wohl eine der schwierigsten Gesprächspartner war, die es im Rudel gab. Sie war nicht offen. Sie log. Sie verschwieg. Sie verletzte. Sie war Amáya, die Regennacht.
"Das ist schwer für mich zu erklären.", antwortete sie schließlich. Es gab keine Worte um all die Gründe aufzuzählen, die in ihrem Inneren ruhten. Dazu hätte sie ihr ganzes Selbst erklären müssen und dies war für sie ausgeschlossen. Das war zu viel. Es war einfach ein so befremdender Gedanke, dass jemand anderes ganz genau wusste, wer man war und aus was man bestand. Diese Verletzlichkeit wollte sich Amáya nicht bieten lassen. Sie blickte Kirov in die Augen. "Wenn du es wissen willst, musst du es wohl selbst herausfinden. Nicht als ob es so einfach wäre. Ich bin nicht der Typ der seine Gefühle und Gedanken jedem an den Hals hängt."
Sie wusste, dass in dem Sinne eigentlich gar nicht geantwortet hatte, jedoch war es ein unausgesprochenes Gebot, gegen welches sie sich nicht auflehnen wollte. "Es ist keine leichte Aufgabe nehme ich an, obwohl... Im Endeffekt kann niemand das beurteilen. Schließlich hat es ja noch niemand versucht."
Niemand kannte sie. Niemand hatte sie je kennen lernen wollen. Sie hatte keine Familie, keine Freunde. Sie war eine Ein-Wolf-Nation. Einsam unter Vielen, so war sie. Von der Seite her lugte Amáya vorsichtig zu Kirov um seinen Gesichtsausdruck zu sehen. Er schien... beleidigt? Natürlich, viele reagierten so, oder? Hm.
Schließlich schloss sie ihre Augen kurz und fasste sich an das vereinsamte Herz.
"Es ist ja nicht so, als würde ich dir nicht antworten wollen, ich kann es einfach nicht. Okay, das war jetzt eine Lüge. Ich will es nicht. Doch die Antwort wäre zu komplex und verstrickt, du würdest sie wahrscheinlich nicht einmal verstehen. Außerdem bezweifle ich, dass du sie gehört würden haben wolltest."
Wenigstens ein schritt weit nicht so unfreundlich, wie es ohne diese paar Sätze gewesen wäre. Doch so war sie doch eigentlich - unfreundlich, oder? Pah, sie wusste genau, wie falsch dies war. Sie erschien nur unfreundlich, in wirklichkeit war sie eine Sünderin in den regenschweren Gefilden zwischen Leben und Tod.
10.03.2012, 17:31
Was sollte er nun genau fühlen? Wie sollte er jetzt mit Amáya umgehen? Er konnte das, was in seinem inneren gerade vorging selbst nicht beschreiben, weil er keine Worte dafür hatte. Er nicht wirklich sauer, aber auch nicht genervt. Kirov wurde selten wütend oder Ähnliches. Vielleicht konnte er seine Gefühle deswegen nicht so richtig einordnen. Als Amáya seufzte, zuckten seine Ohren nur leicht zur Seite, doch er spürte nicht den Drang sich zu ihr umzudrehen, obwohl er genau wusste, dass ihre dunkelblauen Regenaugen ihn anblickten. Sein Blick lag ruhig auf dem See, doch man konnte daran deutlich erkennen, dass er ihr zuhörte und sich über ihre Worte Gedanken machte. Natürlich tat er das. Er fragte sich, wieso es so schwer war für sie zu erklären. Letzt endlich wandte er seinen Kopf wieder um und begegnete ihrem Blick. Abermals zuckten seine Ohren und er wusste nicht so genau, was er darauf antworten sollte. Also wartete er einfach darauf, was sie noch zu sagen hatte. Es herrschte kurzes Schweigen. Im Grunde genommen konnte Kirov Amáya schon verstehen. Er war auch nicht der Wolf, der gerne über sich sprach, ja, der es sogar hasste über sich selbst zu reden, Gefühle zu offenbaren. Woher das kam, wusste er selbst nicht genau. Oder er verdrängte es nur, aus Angst irgendwann von seinen eigenen Gedanken krank zu werden. Er drehte sich wieder von der Nachtschwarzen weg, lauschte der kurzen Stille und dem Geräusch des Regens. Dann fasste er einen Entschluss, den er in Gedanken ohnehin schon entschieden hatte. Mit einem fröhlichen Lächeln auf den Lefzen drehte er sich wieder zu seiner Gesprächspartnerin um, die Ohren leicht zurück gedreht, die himmelblauen Augen voller Herzlichkeit und Zuversicht.
"Dann werde ich eben der Erste sein, der es versucht. Ich werde schon herausfinden, was mit dir ist wenn du es nicht sagen kannst, mach dich darauf gefasst.",
meinte er und stapfte unbewusst mit einer Pfote in den Schlamm, wie um seine Worte zu unterstreichen. Sein zuversichtlicher Blick bohrte sich in den von Amáya. Sie waren so unterschiedlich. Kirov fragte er sich, wie es für Wölfe wohl aussehen musste, die sie beobachteten. Er, fröhlich und nahezu selbstbewusst und sie, eine verschlossene, schwarze Gestalt, die nicht all zu viel sprach. Bei dem Gedanken musste er erneut leicht schmunzeln. Schließlich schloss er kurz seine Augen und wandte den Kopf zu Boden. Es war schon okay so. Er mochte Amáya vielleicht deshalb, weil sie irgendwie schwierig war. Weil es ihm Spaß machte, mit ihr zu reden, etwas über sie herauszufinden. Sie war anders. Nicht wie alle anderen Fähen aus dem Rudel. Klar, Daylight war eine wunderbare Freundin für ihn. Sie war voller Vertrauen und Wissen und er mochte sie sehr gerne, doch Amáya war nochmal das komplette Gegenteil. Sie war teilweise ein bisschen wie Aléya. Voller Geheimnisse. Er öffnete die Augen wieder und blickte die Schwarze an.
"Hey, wenn ich dich etwas frage, ist doch klar, das ich eine Antwort hören möchte, Amáya. Da gibt es nichts zu bezweifeln.",
antwortete er ihr und legte ein wenig den Kopf schief. Die Wut von vorhin war schon wieder vergessen. Wie immer hatte er sich schnell beruhigt und nach wie vor lagen seine hellen, unbesorgten Seelenspiegel auf den dunklen von Amáya.
11.03.2012, 16:07
Manchmal war das Leben einfach seltsam. Sie wusste nun nicht einmal wie lange sie hier mit dem grauen Rüden saß und sich unterhielt. Die Zeit rauschte wie immer so schnell an ihr vorbei, dass sie nicht einmal blinzeln konnte. Ihr Zeitgefühl war eigentlich schon immer im Eimer gewesen, deswegen regte sie sich gar nicht mehr darüber auf. Die Zeit war nun mehr schon seit drei Jahren mal endlos langsam mal atemberaubend schnell an ihr vorbeigestrichen. Sie wusste nicht recht ob sie hoffen wollte, dass viele weitere Blattwechsel vorüberstrichen. Was war ihr schlussendlich eigentlich geblieben? Wieso sollte sie noch weiter vor sich hin vegetieren? Es würde doch niemand traurig sein, wenn sie nicht mehr länger war. Es gab niemanden, der Tränen um sie vergoss. Klar, Legenden erzählten darüber, wie es nach dem Tod war, doch letztendlich musste dies jeder Wolf für sich selbst herausfinden. Amáyas Blick huschte wie von einem Magneten angezogen zum anderen Ufer des Sternensees und für einen Moment glaubte sie, eine weiß strahlende Gestalt gerade noch zwischen den Bäumen verschwinden zu sehen. Ihr Herz setzte einen Schlag aus und ihr Magen verkrampfte sich, während das erstickende Gefühl der Angst sich durch ihren Körper bahnte. Mayhem war immer noch da, folgte ihr auf Schritt und tritt. Würde sie sie in Frieden lassen, wenn sie erst einmal tot war? Konnte Amáya sie während sie lebte noch irgendwie besänftigen. Sie liebte ihre Schwester doch, aber sie wusste einfach nicht, was ihr Geist von ihr wollte. Klar, sie hatte sie selbst zu sich gerufen, jedoch... Das war nicht ihre Absicht gewesen. Mayhem machte sie krank und das wollte die Nachtschwarze nicht. Sie wollte nicht, dass die Situation wieder so eskalierte, wie letztens mit Caleb und Minyala. Die Beiden hatten kurz nach ihrem Angriff das Tal der Sternenwinde verlassen. Ein Schauer lief ihr über den Rücken, als sie daran dachte, wie nah ihr Mayhem in diesem Augenblick gewesen war und wie schmerzhaft und erblindend diese Nähe gewesen war. Außerdem hatte sie immer noch nicht verstanden, zu welchem Ungeheur sich Caleb verwandelt hatte. Doch Letzteres machte ihr immer noch am wenigstens Sorgen.
Schnee von gestern, das war alles doch nur Schnee von gestern. Gedankenverloren lag ihr Blick in den endlos weiten Augen Kirovs, fast ohne ihn wirklich wahrzunehmen, seiner Anwesenheit trotzdem deutlich bewusst. Wie verzwickt die Pfade ihres Lebens doch waren, so verzwickt wie die Pfade von jedem. Doch die Pfade der Anderen führten nie ständig durch den Schlamm und das Feuer, weder über brüchige Bergkämme und Eiswüsten. Wo Kirov wohl im Laufe seines Lebens so entlanggewandert war? Bestimmt hatte er viel mehr gesehen als sie, war er doch älter als die Regentochter. Die Fenrisgläubige hielt sich jedoch wiederwillig davor zurück, ihn zu fragen. Er war ungewöhnlich still geworden. Sorge keimte in der dunklen Fähe auf. Hatte sie ihn etwa irgendwie verletzt? Mit einem kleinen Aufwallen der Wut verfluchte sie sich selbst und vertrieb diese Frage schnell. Als ob es sie kümmern würde, wenn jemand verletzt wegen ihr war! Ach, Mist. Es kümmerte sie wirklich. Ihre Blicke begegneten sich, jedoch konnte Amáya im Moment nichts aus diesen hellen Seelenspiegeln heraufiltern. Ob er es wohl konnte? Sie durfte die Mauer nicht zu weit bröckeln lassen, nein, das verbot sie sich! Das Schweigen füllte Amáya mit Ungeduld und sie wusste nicht wieso. Er drehte sich weg und Amáya bemühte sich, die kurz aufgetretene Unsicherheit aus ihrem Gesicht zu wischen. Sie straffte ihre Schultern, richtete ihre Ohren auf, presste ihre Leftzen aufeinander und stählerte ihren Blick. Kaltes Regenblau und der Körper so unachgiebig wie Marmorstein und trotzdem so fragil wie eine dunkle Lilie. Das war die Amáya, so wie die Welt sie kannte! So wie sie ihre Erscheinung wieder zum Ausgangspunkt gelenkt hatte, überraschte es sie zugegebenermaßen, dass Kirov ebenfalls mit dem gleichen, frohsinnigen Strahlen auf den Zügen zu sich umdrehte, wie er sie schon das erste Mal begrüßt hatte. Natürlich zeigte sie es nicht, doch diese Synchronität verblüffte sie ein wenig. Wieso waren diese Augen so voller Hoffnung und so warm, als würden sie Licht versprühen? Was führte der Hellgraue im Sinn, was ihn so zuversichtlich stimmte? Sie brannte darauf, eszu erfahren auch wenn sie sich dafür insgeheim verfluchte. Die Worte, die ihre Ohren dann vernahmen, lieáen sie insgeheim ein wenig Stocken. Ihr Herz wand sich schmerzhaft in der Brust und schrie einerseits Lügen! Alles nur Gerede!, andererseits gab es ihr das seltsame Gefühl der zaghaften Hoffnung. Gebrechlich und ungläubig, aber es war da. Sie wusste das es falsch war, an Hoffnung zu glauben. Daran zu glauben, dass es jemanden ernsthaft kümmerte, wer sie war und warum sie so war, das war einfach absurd. Sie wusste, dass sie nicht glauben durfte und tat es doch irgendwo. Es regte sie irgendwo auch auf, irgendwo sammelten sich ihre gewohnten Zweifel. Sie wusste nicht einmal, was sie darauf erwiedern sollte. Sie war gerührt, aufgewühlt und insgesamt ziemlich seltsam drauf. Die hellblauen Augen waren nun schon fast stechend vor Entschiedenheit und Zuversicht. Konnte sie denn überhaupt daran zweifeln, dass er es ehrlich meinte? Es schmerzte irgendwo, denn zwei Hälften ihrer Selbst stritten sich heftig miteinander. Ach, jetzt hätte sie sich am liebsten in irgendeiner dunklen Grube verkrochen und wäre einfach ganz ganz lange dortgeblieben, bis sich ihr dummer Kopf wieder geklärt hätte. Das war jedoch keine Lösung und Mayhem würde ihr wahrscheinlich auch noch zufügen. Nach aussen hier beherrscht schloss sie schließlich kurz die Augen um sich zu sammeln. Einige Herzschläge später brannte ihr dunkles blau schon wieder und sie waren auf Kirov gerichtet.
"Danke."
Es war das einzig Mögliche, was sie hatte sagen können. Es gab ihr Schwäche, doch das interessierte sie in diesem Moment nicht. Es war einfach so ein schönes Gefühl gewesen, zu hören, was der Rüde gesagt hatte. Das sich wenigstens einer darum kümmerte, was mit ihr war. Vielleicht war es zu schön um wahr zu sein, doch sie konnte auch gut mit noch einer Enttäuschung leben. Schließlich konnte es viel schlimmer als es jetzt schon war, gar nicht mehr werden. Sie gab dem Grauen einen etwas besänftigteren Blick und schüttelte leicht den Kopf.
"Ich meinte, das du es vielleicht später bereuen würdest, über mich erfahren zu haben. Doch ich glaube nicht, dass dich das abhalten würde, ich... hoffe nicht." , erwiederte sie leise und wand ihr Gesicht leich ab, sodass Kirov sie nun aus dem Profil aus sehen musste.
18.03.2012, 01:49
Der Regen hatte scheinbar beschlossen, weiterhin unbarmherzig auf ihn und die Nachtschwarze nieder zu prasseln, auch wenn es nicht mehr so stark war wie zuvor. Auch wenn er sich nun schüttelte, um die elenden Himmelstränen aus seinem Pelz zu schicken, würden sie sich doch sofort wieder festsetzen. Er erinnerte sich wage daran, dass immer wenn der Himmel traurig war, es regnete. Konnte der Himmel weinen? Mit Sicherheit nicht. Die Wölfe aus dem Tal der Sternenwinde würden dafür bestimmt ihre Götter verantwortlich machen, doch für Kirov war das alles nur so genannter Humbug. Ein schönes Wort, welches er damals als Jungwolf von einem viel älteren Rüden aufgeschnappt hatte und seitdem häufiger benutzte. Was es genau bedeutete wusste er selber nicht genau, aber es hörte sich irgendwie richtig an. Richtig gut. Wie auch immer, der Humbug über die weinenden Götter interessierte ihn nicht. Viel mehr interessierte ihn Amáya, die nach seinen ernsthaft gesprochenen Worten kurz etwas überrumpelt aussah, sich aber zu seiner Erleichterung wieder fasste und ihre abweisende Mimik aufsetzte. Kirov hatte sie genau so kennen gelernt, mit jenem Gesichtsausdruck und es gab ihm ein Gefühl der Sicherheit, wenn sie ihn so ansah und nicht anders. Nach dieser kurzen zeit kannte er sie schließlich nur 'so'. Aber das war okay. Es sollte nicht anders sein. Abwartend und noch immer so selbstsicher, sie zu entschlüsseln, erwiderte der Gemusterte ihren Blick aus den Tiefblaugen Seelenspiegeln. Er wartete keine wirkliche Antwort von ihr und wenn doch, keine lange. Er selbst wüsste nicht, was er in einer solchen Lage sagen sollte. Oder hatte er Amáya jetzt nur abgeschreckt? Der Rüde zuckte kurz mit den Ohren, vernahm dann jedoch einige Sekunden später ein kleines, wohltuendes Wort, gesprochen von ihrer klaren Stimme. Danke. Ein sanftes Lächeln legte sich auf seine Lefzen und er hob ein wenig den Kopf. So einfach konnte man seine Laune auch heben. Wärme strömte in sein Herz und ließen es aufgehen wie eine Rose.
"Dafür nicht",
erwiderte er einfach und zuckte mit den Schultern, als sei es die natürlichste Sache der Welt. Er seufzte leicht und wandte sein Gesicht schließlich dem Regen zu, schloss abermals die Augen und spürte einfach, wie die Tropfen durch seinen bunten Pelz rannen. Amáya sprach weiter und er lauschte ihren Worten. Einige Sekunden ließ er diese auf sich wirken und öffnete anschließend wieder die Augen um sie von der Seite anzusehen. Sein Blick huschte über ihren edel geformten Kopf mit den perfekten, blauen Augen. Erneut musste er lächeln. Nein, es würde ihn mit Sicherheit nicht erschüttern, wenn irgendetwas sehr schwerwiegendes passiert war mit ihr. Er hatte schon so Vieles gehört ... er war regelrecht abgehärtet. Natürlich zeigte er sehr oft Mitleid, doch meistens war es nur eine nette Geste seinerseits, um freundlich und sanft rüberzukommen, wie er ja eigentlich auch war. Es war sehr einfach falsches Mitgefühl vorzuheucheln und nach den vielen klagenden Wölfen, denen er begegnet war, glaubte ihm eigentlich jeder, wenn er das Blaue vom Himmel runter leierte. Es war vielleicht nicht richtig von ihm, doch er schenkte lieber falsches Mitleid als keines, auch wenn das vermutlich jeder anders sah. Er kannte keinen Wolf, der zu seiner Leidensgeschichte nur eine herablassende Bemerkung hören wollte. Auch wenn sie immer meinten, dass sie kein Mitleid wollten, war Kirov sich sicher, dass es gelogen war. Jeder log. Auch er. Und das viel öfter, als es ihm eigentlich lieb war. Doch Amáya wollte er nicht anlügen und er hatte es auch noch nicht getan. Er wollte wirklich herausfinden, was mit ihr geschehen war, wieso sie so war, wie sie war. Er hatte es nicht nur gesagt, weil ihm nichts Besseres einfiel. Endlich öffnete er seinen Fang, um ihr wieder zu antworten. Nochmals blickte er sie von der Seite an, beschloss dann aber doch nach vorne zu blicken. Er wollte nicht, dass sie bemerkte, dass er sah, wenn ihre Fassade wieder bröckelte. Wenn sie überhaupt wieder Gefühlsregungen zeigte, versteht sich.
"Wird es mit Sicherheit nicht. Wieso sollte es? ich halte meine Versprechen. Ich halte sie immer. Und egal, was mit dir passiert ist oder was du getan hast, es wird mich schon nicht abschrecken.",
meinte er zuversichtlich und erneut wurde ihm das so bekannte Grinsen auf die Lefzen gezaubert. Er drehte seinen Kopf zur Seite um Amáya nun doch wieder an zu blicken und seine hellen Augen leuchteten regelrecht.
"Du bist schwer in Ordnung, auch wenn du irgendwie anders bist."
25.03.2012, 17:17
Sie würde sich nicht erkälten, dass wusste die dunkle Fähe nur zu genau. Sie hatte schon so oft im kalten Regen gestanden, dass sich ihr Körper schon daran gewöhnt hatte. Das nasse Gefühl des Regens auf der Haut schickte ihr wohlige Schauer den Rücken hinunter. Es war irgendwie ein guter Tag. Sie liebte gute Tage, an denen gutes passierte. Regentage waren immer die schönsten Tage, die Tage, an die sie sich gerne erinnerte. Leider erinnerte sie sich aber nicht nur ausschließlich an die wenigen positiven Geschehnisse. Dazu war die Masse an schlechten Tagen viel zu immens und überwältigend. Wenigstens dachte sie an Regentagen weniger an das Vergangene. Vielleicht waren sie deswegen gut. Der Regen stahl ihren Schmerz und sie gab sich dem fernen Glockengeläut hin, der zwischen dem stetigen Prasseln der Tropfen hervorklang. Eine versteckte, süß-bittere Symphonie. Wer weiß, vielleicht waren die Götter es, die ihr diese schickten. Sie wollte gar nicht wissen, wie sie entstand oder zu welchem Grund. Sie wollte nur erfahren, was sie aus ihr entschlüsseln musste. Sie wollte wissen, was die Glocken sangen. Irgendetwas tief in ihrer gequälten Brust sagte ihr, dass dort die Antwort war, die sie so lange schon suchte.
Trotzdem, dort draussen in der weiten Welt waren noch so viele Fragen, die man noch nicht gestellt hatte. Sie selbst bestand auch aus mehr Fragen, als aus denen, über die sie wusste. Zum Beispiel keimte in diesem Augenblick eine Neue in ihr auf, während ihre Regenblauen Seelenspiegel die ihres Gegenüber musterten. Sie waren wie dazu geschaffen, um in ihnen zu versinken. Klare Bergseen, mit kühlem, erquickendem Wasser auf dem die Sonne ihre Lichtreflexe tanzen ließ. Wieso hatte sie eigentlich die Entschlossenheit in seinen Augen nicht gleich bemerkt, als sie ihn das erste Mal sah? Wie hatte sie ihn auf ein paar Worte und Taten begrenzen können... Sie zeigte ihre Verwirrtheit nicht, ihre Augen glitzerten weiterhin in ihrem gewohnten Schein. Trotzdem war da eine Spur mehr in ihnen. Etwas, das sie gar nicht aus ihnen heraustilgen wollte. Jetzt lächelte er schon wieder. Wie konnte man eigentlich Tag ein Tag aus lächeln? Taten einem dann die Gesichtsmuskeln nicht weh? Es war seltsam, wie jemand so erschreckend einfach und genau deswegen so besonders sein konnte. Hart und weich auf einmal. Eine Mischung, die ihr bis jetzt noch nicht unter die Augen gekommen war. Er machte ihr in gewisser Weise auch Angst. Es kam natürlich vor, dass dann und wann ihre Mauer, die sie errichtete, zerbrach oder anfing sich zu lösen. Bei dem Gemusterten hatte sie jedoch das beklemmende Gefühl, ihm gar nicht nur ihre steinerne Maske zu zeigen. Sie hatte vorhin ihre Fassade unbewusst freiwillig gesenkt. Es ab ihr ein unangenehmes, nagendes Gefühl und sie vertrieb die Gedanken schnell.
"Seltsamerweise glaube ich dir das." , schnaubte die Fenrisgläubige kurz und amüsiert. "Du siehst nicht so aus, als würdest du vorzeitig oder falsch urteilen."
Damit beließ sie es schließlich. Sie wusste einfach nicht mehr, was es zu diesem Thema noch zu sagen gäbe. Das Lächeln des gemusterten veränderte sich unter ihrem Blick zu einem Grinsen. Sie selbst wusste immer noch nicht, wie sie reagieren sollte. Der Regen wurde immer weniger, die Wolken lichteten sich langsam.
"Vielleicht hast du ja recht, Kirov. Vielleicht.", schloss sie mit einem kurzen Zucken ihrer Leftzen und richtete sich auf. Sie tat ein paar Schritte auf den See zu und schüttelte ihren Pelz heftig aus, sodass die Wassertropfen nur so durch die Luft stoben. Der Regenschauer war nun endgültig vorbei, das fühlte sie. Sie schwenkte ihren schmalen, sehr femininen Kopf zurück zu Kirov.
"Ich freue mich schon auf den Tag, an dem du dein Versprechen einlöst."
Erklärte sie ihm ruhig und löste ihren Blick von ihm. Ihre Seelenspiegel blieben auf der Oberfläche des Sternensees ruhen, der sich allmählich glättete. Nur noch der Wind trieb wenige leichte Fältchen und Runzeln über das Wasser.
08.05.2012, 15:15
Ruhig lag Kirovs Blick auf dem Gesicht der schwarzen Fähe, die ihn trotz ihrer verschlossenen Art noch immer nicht alleine stehen gelassen oder weggeschickt hatte, was mehr als zufriedenstellend für den Gemusterten war. Es machte ihn irgendwo stolz, dass er sich in Amáyas Nähe befinden durfte. Doch wie würde es wieder sein, wenn sie sich im Rudel befanden? Viele, schnelle Blickkontakte? Ein kurzes zunicken? Kirov war davon überzeugt, dass Amáya niemals auf ihn zukommen würde, wenn sie sich wieder am Rudelplatz befanden. Vermutlich würde sie einfach weiter ihr Leben führen, Kirov würde sein Versprechen vergessen und dieses Gespräch war nur eine weitere, für ihn schöne, Erinnerung, die mit dem Alter verblasste. Seine Ohren zuckten bei diesem Gedanken und er richtete sich etwas auf, während seine Seelenspiegel weiterhin auf Amáya lagen. Abermals fragte er sich, was wohl in ihr vorging, was sie von ihm hielt. Dass er sie dies nicht fragen würde, war für den Rüden mehr als klar, dennoch kam sie ihm immer wieder in den Sinn, wenn er sie anschaute, ihre steinerne Maske anblickte, die so perfekt auf ihrem schmalen Kopf saß. Maske war schon das richtige Wort. Jeder trug eine Maske vor seinen Augen, die die Wahrheit verbarg. So wie sie versteinert wirkte, war er der Immer lächelnde. Eine schöne Maske für den Rüden. Würden sie tatsächliche solche besitzen, wäre seine bestimmt bunt und fröhlich, in den Farben des Herbstes und ihre der tiefe, langatmige Winter. Oder die Mitte der Nacht. Oh, woran dachte er da nur! Die Fähe fing langsam an, ihm in den Verstand zu verdrehen. Also wandte er den himmelblauen Blick ab, zur gleichen Zeit, wie ihm auffiel, dass der Regen langsam weniger wurde. Die Tropfen fielen nur noch in unregelmäßigen Abständen, wie der Sternensee ihm zeigte, dessen Oberfläche nicht mehr all zu besprenkelt aussah von den Himmelstränen. Als Amáyas Stimme wieder ertönte, legte sich ein echtes Grinsen auf seine Lefzen und er schnippte mit einem Ohr. Dann erhob sich die Nachtschwarze und ging zum Sternensee. Kirov beobachtete sie dabei. Als sie sich wieder zu ihm umwandte, war sein Gesicht ernst und er erwiderte den Blick ihrer dunkelblauen Augen, in die er mittlerweile schon so oft gesehen hatte, dass man meinen würde, er würde sie auswendig kennen.
"Und ich mich erst", meinte er und nun zuckte auch wieder ein winziges Lächeln auf seine Lefzen. Auch er erhob sich, aber diesmal nicht, um wieder auf Amáya zu zugehen, sondern um wieder zurück zu kehren - vermutlich alleine. Er schüttelte seinen dicht bepelzten Körper und blickte anschließend wieder zu Amáya.
"Ich freue mich auf unser Wiedersehen, Regennacht ... aber da wir in einem Rudel sein, wird es sich wohl nicht all zu lange hinziehen"
Kirov lachte. Es war nicht ganz ernst gemeint. Oder doch? manchmal wusste er selbst nicht so genau, was er sagte. Er nickte der Nachtschwarzen ein letztes Mal zu, ehe er den Blick abwandte und sich zum Gehen bewegte. Ihre Augen blieben trotzdem in seinen Gedanken - eingebrannt.
(finished!)