27.09.2011, 11:56
Immer öfter hatte die Sonne vom Himmel gelacht. Ein wahrhaft goldener Herbst war angebrochen, auch wenn es keine Blätter gab, die rotgolden zu Boden fallen konnten und keine Vögel, die schnatternd gen Süden zogen. Aber der Schnee war hinweggeschmolzen und hatte den Blick auf das wieder sprießende Gras freigegeben. An einigen Stellen war die Welt wieder grün. Die Temperaturen entsprachen denen eines ganz normalen Herbstes, doch nach dem eiskalten Sommer kam es den winterbepelzten Wölfen vor wie eine Hitzewelle. Und keiner wusste, wie es weiter gehen würde – folgte auf einen Wintersommer ein Sommerwinter? Oder würden die Temperaturen von nun an kontinuierlich fallen und ein ganz normaler Winter einbrechen? Es herrschte Unsicherheit, aber niemand war ernsthaft besorgt – dafür war es viel zu eindeutig, dass Engaya in das Tal zurückgekehrt war. An einigen Stellen konnte man Herbstblumen entdecken und der Muschel- sowie der Federbaum trugen wie selbstverständlich ihre eigenartigen Früchte.
Das Rudel war vom Rudelplatz nach Osten gewandert, nachdem die Welpen nicht mehr zum Schlafen in die Höhle tappten. Die Kleinen hielten wie erwartet jeden Erwachsenen und natürlich vor allem die Eltern und Paten auf Trapp – alles musste erkundet, erforscht und verstanden werden und nie durfte man einen Welpen aus den Augen verlieren. Der Muschelbaum, der Wasserfall, die Schlucht, der Himmelsfelsen und die angrenzenden Wälder wurden immer wieder zum Ausflugsziel der kleinen Entdecker, während Jagdtrupps durch die Ebenen zogen und die sich nun in der Brunft befindenden Hirsche jagten. Der Herbst war eine reiche Zeit für Wölfe und mit Erleichterung konnte das Rudel feststellen, dass auch ein Schneesommer nichts daran änderte.
Leider gab es aber auch zwei Verluste zu verzeichnen. Rakshee hatte sich von Jakash verabschiedet, der die Kunde ihres Weggangs den anderen überbrachte. Die Priesterin Engayas hätte den Ruf ihrer Göttin gehört und müsste deshalb gehen – mehr hatte sie nicht verraten. Sie hinterließ eine Lücke im Rudel und in den Herzen derer, die ihr nahegestanden waren, aber die meisten konnten ihren Gründe nachvollziehen und waren froh, über den Verbleib der Braunen Bescheid zu wissen. Der zweite Verlust würde sich erst in ein paar Tagen wirklich bemerkbar machen. Neruí war seit einem Tag verschwunden – nicht lange genug, als dass sich jemand ernsthaft Sorgen machen würde. Dass sie vorerst nicht wieder auftauchen und ihre Spur fast bis zur südlichen Reviergrenze, an der starke Regenfälle jedoch jeden Geruch fortgespült hatten, führen würde, musste das Rudel erst entdecken.
Momentan ist es Abend, die Sonne geht in einem malerischen Sonnenuntergang am wolkenfreien Himmel unter. Es ist windstill und mit 3° C angenehm kühler, als am Tag. Das Rudel hält sich verstreut rund um den Wasserfall, den Bach und den angrenzenden Wäldern auf. Es sind neun Tage seit der Welpenzeremonie vergangen und somit zwei Tage seit dem gemeinsamen Heulen auf dem Himmelsfelsen.
Tyraleen saß gedankenverloren am Muschelbaum. Er trug Früchte, zum zweiten Mal seit seiner Entstehung. Ob Malik sie wohl schon gesehen hatte? Auch er hatte von seinem Paten eine Muschel geschenkt bekommen und würde sich für diesen Baum bestimmt interessieren. Seine Muschel sah ein wenig anders aus, größer und schimmernder, aber die Ähnlichkeit war nicht zu übersehen. Einige der Muschelbaummuscheln waren schon zu Boden gefallen und knapp neben Tyraleens Pfote lag eine solche. Nachdenklich betrachtete die Weiße das Geschenk Nyotas, Kylias oder vielleicht auch Engayas. Noch immer fragte sich die Weiße ab und an, wie es zum Tod ihrer Tante und der Patin Neruís hatte kommen können. Nach ihrem Gespräch mit Aszrem nun ganz besonders. Es hatte alte Erinnerungen geweckt und die Nähe zu dem Muschelbaum und vor allem der Schlucht ließ Melancholie aufkommen. Sie war erst gestern zu Nyotas Grab gegangen und hatte ihr stumm einen Sonnenlauf über der Schlucht Gesellschaft geleistet. Sie mochte den ruhigen Ort, in dem es oft so still war, dass Tyraleen glaubte, in einer anderen Welt zu sein. Insekten gab es noch keine und Vögel verirrten sich in die baumlose Schlucht selten. Nur ihre eigenen Atemzüge leisteten der Weißen Gesellschaft. Allzu oft verließ sie die Ebene rund um den Wasserfall jedoch nicht, als Leitwölfin konnte sie nicht einfach gehen, wann sie wollte. Sie vertraute ihrem Mitleitwolf und ihren Betas zwar bedingungslos, aber ihre insbesondere Sheena und Averic hatten gerade jetzt genug zu tun. Sheena mit ihren Welpen und Averic … mit seiner Aufgabe. Tyraleen wusste nicht, wie es um den Wolf stand, den ihr Bruder zu töten hatte und sie würde auch nicht nachfragen – aber sie machte sich Gedanken. Vor allem um die Gefühle ihres ehemaligen Gefährten. Die niederschmetternde Nachricht, dass er gehen musste, die Suche nach einem Opfer und dann wäre da noch sie – die ganz sicher nicht zur Stabilität Averics beitrug. Sie wusste, dass sie ihm gegenüber klarer sagen musste, was sie wollte, aber sie wusste schlicht nicht, was das war. Sie hatte Angst davor, sich auf ihn einzulassen.
Mit einem tonlosen Seufzen hob die Weiße den Blick und betrachtete ihre Umgebung. Sie sollte nicht hier liegen und in ihrer Melancholie ersticken – vielleicht könnte sie Taleesha suchen oder Isaí. Oder eines ihrer eigenen Kinder. Seit dem Gespräch mit Turién fühlte sie sich befreiter im Umgang mit ihren Welpen, auch wenn die Erkenntnis, dass Tascurio seinen Tod geahnt hatte, sie noch immer entsetzte. Gerne hätte sie noch einmal mit ihrem silbernen Sohn darüber geredet, aber sie wollte Turién nicht weiter bedrängen. Vielleicht würde er ja irgendwann ganz von selbst kommen.
[ Muschelbaum | alleine ]
27.09.2011, 12:27
Mit langsamen Schritten bewegte sich Atalya vorwärts, den Kopf leicht gesenkt, die Ohren angelegt. Die hellen Augen blickten ruhig nach vorn, jedoch ohne wirklich ein Ziel zu haben. Den halben Tag hatte sie auf dem Himmelsfelsen verbracht, hatte still ihren Gedanken nachgehangen. Niemand hatte sie dort oben gestört, nicht einmal einer der Welpen. Sie hatte sich dort oben in diesem Moment nur Gesellschaft von einem Wolf gewünscht, und dieser schien nun ferner als jeder andere. Liam war fort, es war noch nicht lange her, dass er dieses Tal verlassen hatte. Die Wunde dieses Verlustes war frisch, und Atalya hatte Mühe damit, die Mischung aus Gefühlen zu kontrollieren, die sie seitdem wieder ständig in sich hochkochen spürte. Trauer darüber, dass er gegangen war, genau wie Wut, weil sie es nicht verstehen konnte. Seit dem Gespräch mit ihm und ihrer Mutter hatte sie sich vom Rudel ferngehalten, war zwar immer in der Nähe gewesen, hatte sich aber keinem der Wölfe genähert. Sie wollte nicht, dass sie ihre Wut wieder an einem von ihnen ausließ, die Kontrolle über sich verlor. Und so sehr sie sich die Gesellschaft wünschte, so sicher war sie sich, dass es so besser war. Wenigstens für einen Moment, den sie brauchte, um sich zu beruhigen. Alles andere würde sich dann zeigen.
Nun war sie vom Himmelsfelsen zurück, bewegte sich in die Richtung des Rudels, welches sich am Wasserfall befand. Als die Wölfe in Sicht kamen, ließ sie den Blick schweifen, suchte – ohne es wirklich zu bemerken – nach einem weißen Pelz. In diesem Moment konnte sie Madoc nicht erkennen, konnte seine Witterung nicht wahrnehmen. Aber etwas in ihr wehrte sich dagegen, den Rüden zu suchen. Es war dieses schmerzhafte Gefühl, die Unsicherheit. Es war egoistisch und stur, aber sie konnte sich nicht überwinden, über ihren Schatten zu springen, zu ihm zu gehen. Dieser Gedanke ließ sie kurz die Fänge fester aufeinander beißen, und die Graue schüttelte den Kopf. Sie wollte nicht darüber nachdenken, sich nicht wieder von diesen Gedanken einnehmen lassen. Und so lief sie weiter, bis sie den kleinen See erreicht hatte, der sich unter dem Wasserfall bildete. Ein weiterer Blick über das Rudel, ein kurzes Zucken ihrer Ohren. Dann ließ sich die Fähe auf die Hinterläufe sinken, betrachtete ihr eigenes Spiegelbild auf dem unruhigen Wasser. Und doch konnte sie es nicht verhindern, dass ihre Gedanken sie wieder einnahmen. All diese Gedanken an Liam, Madoc, Tascurio. All diese Dinge, die ihr Leben so verändert hatten.
[Unterhalb des Wasserfalls - Allein]
28.09.2011, 11:21
Isaí zuckte abschätzig mit den Ohren, während Atalya ihn anscheinend nicht zu bemerken schien und sich ein bisschen abseits des restlichen Rudels niederließ. Fragend wandte er den Blick hinüber zu den anderen Wölfen, die von ihr aber keinerlei Notiz zu nehmen schienen, fragend, was mit ihr los war, doch keiner schien ihm antworten zu wollen. Schließlich setzte er sich auf, beobachtete Atalya noch einen Moment aus der Ferne und kam schließlich zu dem Entschluss, dass es an ihm lag, die Graue wieder aufzumuntern, wenn sich kein anderer dieser Aufgabe annahm. Und da sie ja nur einen Gebruder hatte, der sie nicht mochte, fühlte sich Isaí etwas verpflichtet dazu, hatte er ihr ja ohnehin mal angeboten, ihr Gebruder zu sein, wobei er Turién vollkommen verstand. Und der Rote hatte auch direkt einen Plan, kannte er ihre Reaktion doch bereits, würde er nun einfach zu ihr gehen und sie danach fragen, was los war. Da war sein Plan doch viel besser!
Dennoch zögerte er etwas, ehe er die Muschel in den Fang nahm und ganz so, als würde er weiterhin mit ihr spielen und Atalya gar nicht bemerken, lief er hinüber zum See, ganz nah an der Grauen vorbei, knurrte dort die Muschen ein paar Mal spielerisch an, ehe er von ihr abließ und einen kurzen Augenblick das Farbenspiel im See beobachtete, welcher sich an einigen Stellen auch blassisaífarben gefärbt hatte. Mit einer zufriedenen Miene auf dem Gesicht und Atalya noch immer ignorierend, widmete er sich schließlich doch wieder der Muschel, trug sie noch ein paar Schritte näher in Atalyas Richtung, ehe er sie wie vom blitzgetroffen los ließ und in die Richtung des Rudels schaute. Als hätte jemand ihn gerufen, ließ er die Muschel Muschel sein und lief los, fort von Atalya ohne ihr auch nur einen Blick geschenkt zu haben. Sicherlich hätte sie genauso viel Spaß an der Muschel wie er ihn gehabt hatte. Und dann wäre sie ganz bald wieder ein glücklicher Fieswolf. Glücklich, wie Atalya eben glücklich sein konnte.
Doch er hatte es verschwitzt, sich vorher Gedanken um seinen Fluchtweg zu machen, verlor also in Tempo und sah sich etwas suchend nach jemandem um, der ihn gerufen haben könnte. Auf der anderen Seite des Baches fand er Tyraleen unter dem netten Baum, den er vorhin schon kennengelernt hatte. Gesehen – Beschlossen, so nährte sich der junge Rüde wieder dem Bach, den er vorhin schon mit seiner Muschel durchquert hatte und dank Papas wunderbarer Schwimmstunde stellte sich auch dieses Mal die Überquerung als kein großes Problem dar. Etwas nass also überwand er auch die letzten Meter, die ihn dann noch von Tyraleen trennten und kam breit grinsend bei ihr an. Kurz fuhr er ihr mit der Nase durchs Fell, leckte ihr über die Lefzen, als sein Blick schon eine weitere Muschel fixiert hatte. Ha! Das war‘s doch! Kisha würde sich sicherlich auch über eine Muschel freuen. Mit einem weiteren kleinen Sprung hatte er schon die nächste Muschel gefangen und sah nun mit strahlenden Augen zu der Weißen hinüber.
„Denkft du, daff Kipfa fich über eine Mupfel freuen würde?“
28.09.2011, 12:14
Die Ohren der hellen Fähe hatten sich zur Seite gedreht, während ihre Augen nur den tosenden Wassermassen folgten. Es klaffte ein Loch in ihrem Herzen, welches sich bisher noch nicht geschlossen hatte. Schmerzlich war Aléya bewusst geworden, dass sie weder ein vollkommener Teil dieses Rudels, noch eine Familie, gar einen richtigen Freund hatte. Ihre leibliche Familie war kaum mehr als ein von Nebel umhüllter Geist, der ihre Erinnerung langsam verließ. Aryan, ihr einziger Freund und geliebter Ziehvater, wie lange war er bereits fort? Die Einsamkeit innerhalb einer Gruppe wuchs wie eine ungezähmte Pflanze, die keinerlei Futter für einen Pflanzenfresser darstellte. Ebenso wie die Sehnsucht in ihr wucherte, wild loderte und manchmal in stiller Eifersucht ihre Eingeweide zersetzte. Die Welpen zu sehen, zu beobachten, wie sie alle einen Patron an die Seite gestellt bekamen, der auf sie Acht gab, der ihren Lebensweg teilte, hatte ihr den Schmerz nur zu deutlich ins Bewusstsein gerufen. Sie fühlte sich ungeliebt, von all jenen verlassen und hintergangen, denen sie einst vertraut hatte. Das felsenfeste Vertrauen war brüchig geworden, ihr Liebe hatte sich in eine bittersüße Sehnsucht verwandelt. Daylight hatte sich anderweitig verliebt, hatte Aryan und sie verlassen. Wie hatte sie dies tun können? Wieso? Das junge Herz schmerzte in der weißen Brust, dennoch hielt sich tapfer ihre Fassung.
Aus dem Augenwinkel beobachtete die Jungwölfin, wie einer der Welpen ausgelassen mit einer Muschel spielte. Ein leichtes, schmerzliches Lächeln ließ ihre Lefzen kurz zucken. Die Rudelwelpen hatten es hier sehr gut. Ein friedliches, liebevolles Zuhause und eine große Familie, die irgendwie immer zusammen hielt.
Ihr klarer Blick löste sich, als der Welpe sih zu Tyraleen gesellte, und wandte sich wieder dem Wasserstrom zu, der vor ihrer Nase zu Boden stürzte. Ab und an spritzten ein paar Tropfen zu ihr hinüber, die Weiße kümmerte sich nicht weiter darum, sondern fuhr bedächtig mit der Zunge über ihre Lefzen.
Ihre Kehle wurde langsam wieder trocken, so dass sich Aléya kurz räusperte, sich dann vom Wasserfall abwandte und allem den Rücken kehrte. Ihr Blick wanderte suchend in Richtung Wald, in den sie sich zurück ziehen wollte. Obwohl sie sich im Augenblick nicht sehnlicher als Gesellschaft wünschte, so konnte sie nicht riskieren, dass sie irgendetwas tat, was sie nicht tun wollte.
[alleine am Wasserfall, wendet sich in Richtung Wald]
((Dayli, Kirov, ihr könnt beide dazu kommen oder nacheinander, wie ihr möchtet. ^.^))
28.09.2011, 19:58
Es war alles nicht mehr so einfach. Kein fades Grau, das sich als Leitfaden durch das Gestrüpp zog. Kein Grau, das Tiberius hätte retten können. Das ihn vor all dem bewahren sollte, was noch kommen musste. Natürlich wusste Tiberius, dass er für diese Geschichte keine wichtige Rolle spielte, das tat er nicht einmal für sein eignes Leben, doch es wäre um einiges einfacher gewesen müsste er nicht diese klaren Grenzen sehen. Als hätte man der Welt einen schärferen Kontrast verpasst. Die Farben waren hochgezogen und stachen mit ihren Einzelheiten heraus. Es waren so viele sichtbare Details, dass dem Rüden von mal zu mal schlecht wurde. Man hätte es natürlich als Gabe auffassen und sich damit arrangieren können, man konnte es aber auch typisch Tiberius angehen. Er versuchte den Krieg zu ignorieren, tat so, als sei er eben nicht das Schlachtfeld. Ignorierte die vollkommene Dunkelheit und das gleißende Licht gleichermaßen. Auch wenn er es nicht zugeben würde, ihm war das verwaschene Grau lieber gewesen. Es war dem Gestromten schon gelungen ein klares Grau aus den beiden Gegensätzen zu erstellen, aber das hielt nicht lange an und bereitete ihm höllische Kopfschmerzen. Und daran war allein Tyraleen und das verdammte Rudel der Sternenwinde schuld. Ohne sie hätte er noch so sein können, wie er es gekannt und geschätzt hatte. Erst seit er auf diese Meute gestoßen war, war der Krieg ausgebrochen. Sie hatten ihn entfacht, jeder Einzelne von ihnen trug seinen Teil dazu bei. Dafür verdammte er dieses Pack, war sich dennoch nicht ganz sicher, ob es wirklich so ganz eindeutig war. Schließlich hatte sein Weg zu ihnen geführt und nicht umgekehrt. Er war dort aufgetaucht und hatte das Leben der Anderen auf den Kopf gestellt. Und, diesen Aspekt musste man zweimal unterstreichen, gab es da ja noch Caylee. Die kleine, weiße, wunderschöne Caylee. Sie hatte ihm gehörig den Kopf gewaschen und stieß mit ihren Ansichten immer wieder auf völlige Ablehnung. Das würde zwangsläufig zur Verachtung für den jeweilig Anderen führen. Es wurde immer dann kompliziert, wenn sich der Gestromte nicht langweilte und es für wichtig empfand. Deswegen musste er gehen. Einfach verschwinden, sich auflösen. Dann war alles wieder gut. Alles beim Alten. Für alle Beteiligten das Beste. (Wäre da nicht dieses kleine, winzige Problem gewesen. Der Krieg in seinem Dickschädel. Der Krieg zwischen der völligen Ablehnung und der begeisterten Zustimmung. Beide Seiten waren wie Harold und Maude, nur mit der tragischen Story von Bonnie und Clyde. Sie erschossen sich gegenseitig, erwachten wieder und ermordeten sich erneut. Ein blutiges Gemetzel ohne Blut. Es waren einfach nur Stimmen. Obwohl, nein, 'Stimmen' trifft es nicht ganz. Es waren Empfindungen, Emotionen, die nicht seine eigenen waren. Der ganz normale Wahnsinn einer Unentschlossenheit. (Und weil Tiberius nun einmal nicht mehr weiter wusste, war er auf dem Weg dorthin wo alles begonnen hatte. Vielleicht hatten sie ihn ja verhext und wollten ihn damit auslaugen und mürbe machen, vielleicht machten sie dies mit ihren Opfern. Sie verpassten ihnen eine Gehirnwäsche. Das klappte in der Theorie ganz gut, aber es war nichts Anwendbares für den Gestromten. Tiberius war keineswegs selbstzerstörerisch, doch wenn es um seine freie Entscheidung ging, dann wollte er noch ein Wörtchen mitreden. Pah – der Rüde, der sonst nur das leere, Inhaltslose Grau sah, hatte ein Anliegen und kämpfte sich zu einer Lösung vor. Bestimmt sollte das ein schlechter Scherz sein. Wenn der Krieg nicht endlich ein Ende fand, würde er einfach geradewegs an den nächsten Baum laufen, den grauen Schädel wieder und wieder gegen die Rinde schlagen und darauf hoffen, dass er den Kopf wieder frei bekam. ((Das helle Licht blendete ihn, die wärmenden Strahlen empfingen ihn sommerlich und die sanfte Brise zerzauste ihm das Fell. Es war kein Sommer, die Sonne versteckte sich gerade hinter einer kleinen Wolke und der Wind reichte gerade nicht aus, um das graue Fell zu bewegen. Und obwohl das Ganze nicht real war, kniff der Rüde die Augen zusammen um sich vor dem Licht zu schützen. Es störte die Sicht und brannte in den Augen. In solchen heftigen Momenten blieb er einfach stehen, zog die Lefzen hoch, kräuselte sein ganzes Gesicht und wartete geduldig, bis diese Erscheinung wieder verschwand.
Das gesamte Rudel hatte sich um den Wasserfall versammelt und genoss das herrliche Herbst- Sommer- 'was-weiß-ich'-Jahreszeitwetter. Welpen hatten vor kurzem das Licht der Welt erblickt und das erfreute nicht nur die glücklichen Eltern. Zu gern wäre der Gestromte einfach mal auf die Frischlinge zugegangen, hätte sie beim spielen beobachtet und vielleicht sogar mitgespielt. Denn eines war der störrische Hitzkopf: Welpenlieb. Er mochte die Unschuld und das leichte Gewissen, das sie alle besassen. Es war leichter einem Welpen zu lauschen als einem alten, verrosteten, aber weisen Leitwolf. Obwohl ein Welpenherz noch nicht viel erlebt hatte, so konnte es die Welt ganz neu und einzigartig beschreiben.
Trotz all dieser positiven Eigenschaften der Neuankömmlinge, musste Tiberius seinen Rüden stehen und Caylee aufsuchen. Bis jetzt konnte er sich immer mit fadenscheinigen Ausreden aus der Affäre stehlen, aber eine Dauerlösung war das gewiss nicht. Er wusste, dass die schöne Weiße nicht besonders gut verdaulich war – doch wen sollte er sonst zur Rede stellen? Wem sollte er sonst seine Fragen anvertrauen? Der Graue war nicht blöd, er wusste, dass sie ihn fest in der Pfote hatte und nur wuffen musste, damit sie das bekam was sie wollte. Auf der anderen Seite war Tiberius eben nun mal auch Tiberius. Bis jetzt hatte keine Fähe dieser Welt, keine Gefühlsregung und auch kein Gott ihn zu einem anderen Wolf machen können. Er war einfach stets unverbesserlich und ebenso stur wie es Caylee sein würde. Wenn sie ihm überhaupt Gehör schenken mochte.
Etwas entfernt von dem restlichen Haufen sah er sie. Ihrer Mutter so ähnlich und doch mit dem gewissen Etwas, das Tyraleen nicht besaß. Tiberius flehte inständig, dass er sich nicht gerade in den väterlichen Teil Caylees verliebt hatte. Er kannte Averic nicht gut, hatte auch nur so nebenbei erfahren, das ausgerechnet der schwarze Riesenrüde ihr Erzeuger war.
“Hey Caylee“,
es platzte einfach so auf ihm heraus. Ohne eigene Vorwarnung und bestimmt hatte es auch die Weiße erschreckt.
“Schön, dich wieder zu sehen“, etwas leiser, mehr geflüstert fügte er hinzu: “und gut, dass ich dich alleine antreffe“,
zum einen konnte er Zuhörer nicht gebrauchen, weil diese vielleicht vom eigentlichen Thema ablenkten und zum anderen wollte er sich nicht die Blöße geben. Denn wenn eines gewiss war, dann der Zorn und die Wut, die ihn überrollen würden. Selbst wenn es nur Ignoranz war, mit der sie ihn bestrafen würde – es wäre verdammt unangenehm.
Auf seine Lefzen legte sich das Grinsen, was nur ihr gehörte, wollte sie gleich milder stimmen und besänftigen.
“Hör mal“,
er wollte es hinter sich bringen, bevor er nicht mehr den Mut dazu hatte und mit etwas anderem beschäftigt war,
“es, es... es“, na, heute noch! “ist wirklich nicht so, wie du jetzt denkst“,
das klang als wolle er ihr eine heimliche Affäre ausreden und sich in ein besseres Licht rücken. Die geplante Entschuldigung musste wohl noch ein wenig warten. Verschmitzt und mit dem 'so'-Blick bedachte er sie.
“Weißt du noch? Die Killer-Bäume? Sie verschlingen nicht nur Welpen“,
er wollte ihr Lächeln sehen und hoffte, dass sie diesen Witz nicht falsch verstehen würde.
// am Wasserfall, in der Nähe des Rudels - direkt bei Caylee //
29.09.2011, 13:18
Wie als hätte der Kleine ihre Gedanken gelesen, sah Tyraleen im nächsten Moment das rote Fell Isaís im Bach funkeln und schon hoppelte Sheenas Sohn auf sie zu. Ein breites Grinsen im Gesicht wirkte er fast ein wenig so, als hätte er gerade etwas angestellt – sollte das der Fall sein, ließ er sich aber sonst nichts anmerken. Stürmisch wurde die Weiße begrüßt und noch bevor sie ihm mit der Zunge über sein Fell fahren konnte, war er schon wieder losgesprungen und hatte eine Muschel erbeutet. Mit einem Lächeln verlagerte Tyraleen ihre Position so, dass sie Isaí erreichen konnte, zupfte ihn an der Rutenspitze und nahm dann die Muscheln in seinem Maul in Augenschein. Sie war weder zerbrochen, noch zerkratzt und sah nach einem perfekten Geschenk aus. Mit fachmännischer Miene nickte die Weiße.
“Das sieht nach einer sehr schönen Muschel aus. Kisha freut sich sicher, wenn du sie ihr schenkst.“ Ein flüchtiger Blick galt ihrem Umfeld, aber sie konnte ihre Schwester nicht entdecken. “Wo ist sie denn?“
Isaí war von der anderen Seite des Baches gekommen, wo sich einige Wölfe tummelten. Ob sich Kisha irgendwo dort aufhielt, konnte die Weiße nicht sehen, genauso wenig entdeckte sie einen Hinweis darauf, warum der Kleine so gegrinst hatte. Prüfend zupfte sie Isaí am Fell und schnüffelte über seinen Rücken.
“Was grinst du eigentlich so? Hast du etwas ausgefressen?“
Er roch vor allem nach Muschel. Offensichtlich hatte er sich schon vorher mit den Früchten des seltsamen Baumes beschäftigt – ob er sich wohl gefragt hatte, warum an diesem Baum Muscheln wuchsen? Vielleicht war es für den Roten aber auch ganz normal, immerhin wusste er nicht, woher Muscheln sonst kamen und abgesehen davon kannte er gar nichts anderes. Andere Bäume, die sonst im Herbst Früchte getragen hatten, waren kahl geblieben. Aber vielleicht hatten auch schon Jakash oder Sheena erklärt, woher dieser Baum kam … allerdings hätten sie dann wohl auch die Geschichte von Nyota und deren Tod erzählen müssen. Dabei wussten sie vielleicht nicht einmal, dass Tyraleen Isaí bereits beigebracht hatte, was sterben war. Eigentlich wäre es schön, auch noch Nyotas Geschichte zu erzählen, aber die Weiße wollte mit dem Roten nicht schon wieder über traurige Dinge reden. Sonst würde der Kleine noch denken, dass sie immer traurig war. So schwieg sie lieber und bedachte Isaí mit einem Lächeln.
[ Muschelbaum | Isaí ]
29.09.2011, 14:01
Face? Face Taihéiyo? Ich war eine lange Zeit fort, doch jetzt bin ich wieder da. Ich höre deine Fragen und spüre deine Zweifel. Wovor hast du Angst? Ich habe dir ein Versprechen gegeben und ich werde es halten. Du brauchst dich vor deinem Weg nicht zu fürchten. Ich gehe ihn mit dir. Und er ist bereit für dich. Du solltest ihn nicht mehr warten lassen, es gibt keinen Grund mehr zu bleiben. Siehst du nicht, wie gut sie ihre Aufgabe erfüllt? Tyraleen ist erwachsen geworden. Du warst ihr treuester Freund und ihre größte Unterstützung. Aber nun braucht sie dich nicht mehr. Sie ist eine Leitwölfin geworden. Nun musst du sie nicht mehr begleiten, lass sie ihren Weg gehen und finde zurück zu deinem eigenen. Ich helfe dir dabei.
Face? Face Taihéiyo? Ich freue mich darauf, dich bald wieder zu sehen. Es ist schön hier. Und dein Freund wartet auf dich. Ich warte auf dich.
29.09.2011, 15:26
Caylee hatte schlechte Laune, noch schlechtere, als vor einer Woche und sowieso die schlechteste, seit sie geboren war. Ihre Spielereien mit Krolock hatten sie gut abgelenkt, tatsächlich hatte sie mit dem Schwarzen eine Menge Spaß gehabt und der Moment, als er sie vor dem Schlimmsten bewahr hatte, ging ihr auch nicht mehr aus dem Kopf. Seit dem erfolglosen Suchen nach Tiberius und ihrer Unterhaltung mit Face waren eigentlich nur gute Tage gekommen. Aber jetzt – jetzt hatte Caylee mordsmäßig schlechte Laune. Und das aus gutem Grund: Tiberius war wieder da. Einfach so war er aufgetaucht, hatte die Welpen ein wenig beobachtet und in die Sonne gegrinst. Falls er sie hier, am Waldrand, gesehen hatte, hatte er sich nichts anmerken lassen. Aber sie hatte ihn nicht mehr aus den Augen gelassen. Um genau zu sein, hatte sie ihn mit ihren Blicken aufgespießt. Eine ganze Zeit lang hatte er das gekonnt ignoriert, jetzt schien er sich wohl endlich dazu entschlossen zu haben, seinen feigen Hintern zu ihr zu bewegen. Sie erwartete ihn mit hochmütiger Miene und würdigte ihn zunächst keines Blickes. Demonstrativ betrachtete sie ihre Schwester am Wasserfall und den Welpen bei ihr, den Krolock geärgert hatte. Nicht, dass sie sich ernsthaft dafür interessierte, was Atalya mit einer Muschel machte, aber Tiberius sollte sich nicht einbilden, ihre ungeteilte Aufmerksamkeit genießen zu dürfen. Erst verschwinden, sodass sie sich ernsthaft Sorgen um diesen Hund machte und jetzt angetanzt kommen, als wäre es selbstverständlich, dass er sich bei diesem Rudel aufhielt.
Seine Begrüßung ignorierte sie gekonnt und auch auf die Anmerkung, wie schön es doch wäre, sie wiederzusehen, antwortete sie nichts. Er klang ganz so, als hätten sie sich vor einiger Zeit irgendwo getroffen, wären getrennte Wege gegangen und würden sich nun zufällig wieder hier treffen. Eine wunderbare Verzerrung der Tatsachen. Caylee betrachtete höchst interessiert wie Isaí ungeschickt durch den Bach schwamm und davon hoppelte. Aus dem Augenwinkel sah sie das Grinsen in Tiberius‘ Gesicht und verspürte den Wunsch, es ihm von den Lefzen zu kratzen. Der nächste Satz bat um ihr Gehör und großzügig lauschte Caylee den weiteren Worten des Gestromten. Ihre Geduld wurde auf die Probe gestellt, als er behauptete, es wäre nicht so, wie sie dachte – erstens wusste er nicht, was sie dachte und zweitens war es vollkommen egal, wie es denn nun wirklich war. Keine Ausrede würde ihre Wut mildern. Schon jetzt köchelte diese vor sich hin und die Weiße merkte durchaus, dass sie kurz vorm Platzen stand. Und wie immer schaffte es Tiberius ihr noch den benötigten Funken zu zuschieben. Vermutlich hielt er seinen Kommentar über die Killerbäume für witzig, aber Caylee konnte nicht auch nur einen Funken Spaß daran haben. Ganz langsam richtete sie sich auf, ihr Blick lag mittlerweile auf Tiberius und warf ihm ihre Wut entgegen. Mit angehobenen Lefzen trat sie einen Schritt auf den Gestromten zu, sodass sich ihre Nasen nun beinahe berührten – allerdings ganz und gar nicht liebevoll.
“Du bist also vor den Bäumen geflohen? Eine bessere Ausrede hast du nicht, du elender Hund? Scher dich zu Fenris und lass dir von ihm deinen feigen Hintern streicheln! Du dreckiges Aas! Hau ab und wage es nicht noch einmal mit mir zu sprechen!“
Ihre Stimme war zu Anfang noch ganz leise gewesen, hatte aber schon ziemlich bedrohlich geklungen. Am Ende war sie dann doch laut geworden und spürte, wie ihre Läufe zitterten, so wütend war sie.
“Glaubst du im Ernst, dass ich noch einmal etwas mit dir zu tun haben will?! Haust ohne ein Wort einfach ab und wagst es nun, blöde grinsend zu mir zu kommen und mir etwas von deinen bescheuerten Bäumen zu erzählen! Erzähl Welpen deine Märchengeschichten, aber lass mich damit in Ruhe und wenn du mich noch einmal »so« ansiehst, dann kratze ich dir die Augen aus!“
Sie ließ keinen Zweifel daran, dass sie kein Problem damit hatte, ihre Drohung ernst zu machen. Die wohlunterdrückte Enttäuschung kam nun in Wut verwandelt wieder hervor und wirkte möglicherweise ein wenig übertrieben. Doch Tiberius konnte nicht wissen, dass Caylee nach ihm gesucht, sich Sorgen gemacht und wirkliche Angst um ihn gehabt hatte. Vielleicht war auch ein Funken Wut über sich selbst dabei, so lächerlich – wenn auch nur vor sich selbst – hatte sie sich noch nie gemacht; einen Rüden suchen, der ihr weggelaufen war. Es klang ziemlich erbärmlich. Immerhin wussten nur Face und sie selbst davon, aber das waren schon zwei Wölfe zu viel.
[ Waldrand beim Himmelsfelsen & Wasserfall | Tiberius ]
29.09.2011, 15:45
„Iff weif nifft.“
Für längeres Reden erwies sich eine Muschel im Fang dann aber doch für mehr als nur problematisch und so legte er sie zurück auf den Boden, schüttelte sich kurz und sah wieder zu Tyraleen auf. Seine Ohren zuckten kurz und seine Seelenspiegel nahmen einen leichtbesorgten Glanz an.
„Ich war eben bei Atalya und hab‘ ihr meine andere Muschel geschenkt, weil sie so traurig aussah…“ Seine Miene glich einem kurzen Moment einer Grimasse, ehe er wieder zu lächeln begann. „Aber die Muschel wird ihr bestimmt gefallen!“
Okay, daran zweifelte er etwas, aber der Versuch war es gewesen, der zählte, wenn der Fieswolf Atalya das wohl auch nicht wirklich zu schätzen wissen würde. Er genoss die Berührung der Weißen, wenngleich er auf ihre nächste Frage hin etwas erschrocken wirkte. Wusste sie etwa von der Sache mit Krolock? Dass er sich mit ihm getroffen hatte, obwohl sein Vater es ihm verboten hatte? Abschätzend spielte er mit den Ohren und spürte, wie sein Herz ein bisschen schneller zu schlagen begann. Aber hätte sie ihn dann nicht gestern schon zur Rechenschaft gezogen? Er schluckte unsicher, während auch in seine Seelenspiegel ein schuldbewusstes Glänzen trat. Sie wusste wahrscheinlich davon, wann sie ihn dafür tadelte, war doch eigentlich egal. Wobei sie gar nicht so wirkte, als wollte sie ihn tadeln. Er musterte sie skeptisch, ehe er sich neben sie legte und der Umgebung einen prüfenden Blick schenkte.
„Aber du darfst es nicht Papa erzählen, ja?“
Er sah sie eindringlich an, bittend und gleichzeitig hoffend, dass sie ihn nicht schimpfen würde. Eigentlich konnte er ja gar nichts dafür. Krolock war ja zu ihm gekommen und nicht andersherum. So. Er war also aus dem Schneider.
29.09.2011, 16:40
Nyota. Aszrem konnte nicht anders, als an sie zu denken, während er auf dem Himmelsfelsen lag und den Sonnenuntergang betrachtete. Jedesmal, wenn die Sonne sich in besonders leuchtenden Farben vom Antlitz der Welt verabschiedete, war ihm, als sähe er das Werk seiner toten Gefährtin vor sich. Als hätte ihr Geist Engayas Reich verlassen, um für eine kurze Zeit den Horizont mit ihrem Seelenfeuer zu entzünden.
Aszrem musste über die ungewohnte Romantik seiner eigenen Gedanken lächelt. Es grenzte doch arg an Kitsch, aber er konnte einfach nicht anders, als sich an solchen Abenden Nyotas Geist besonders nahe zu fühlen. Wenn er seinen Blick in das leuchtende Rot versenkte und jeden Gedanken an das wirkliche Hier und Jetzt verdrängt, konnte er sich vorstellen, dass sie da war. Dass sie hinter ihm lag, ihr warmer Körper leicht an seinen Rücken gedrückt. Dass ihr Geruch in der Luft lag, ganz leicht, wie von fern herüber geweht. Dann war sie da, und doch nicht da.
Da und doch nicht da, war auch Nerúi. Zu gern hätte Aszrem diesen Sonnenuntergang mit seiner Tochter genossen, aber sie war nicht beim Rudel. Anfangs hatte er noch nach ihr gesucht, aber in letzter Zeit wollte Nerúi nicht unbedingt gefunden werden. Es machte ihm Sorge, wie sie sich vom Rudelleben zurück zog, aber außer mitfühlenden und ermutigenden Gesprächen wusste er nicht, was er für sie tun konnte. Er wollte sie nicht zum Rudel zwingen, und hoffte, dass der Kontakt zu ihren Freunden sie bald wieder hervorlocken würde.
'Nyota, steh' unserer Tochte bei',
bat er still, und ahnte nicht, dass er dieses Stoßgebet schon bald sehr oft gen Himmel schicken würde.
[Auf dem Himmelsfelsen | allein] anspielbar ^.~
29.09.2011, 18:43
Ein lautes Gähnen verließ den Fang des Jünglings, der wohlig auf dem kühlen Gras mitten zwischen Wald und Wasserfall gebettet war. Die letzten Tage waren nervenaufreibend gewesen: die ansonsten so erwünschte Wärme der Sonne war die reinste Qual und das kühle Nass wurde von Nihilus seit Neustem gemieden wie loderndes Feuer. Der letzte Ausflug mit Krolock und Ciradán war noch nicht aus seinem Gedächtnis verschwunden, genau so wenig wie die Scham, dass er sich körperlich wohl kaum mit dem Bruder messen konnte und es auch in nächster Zeit nicht schaffen würde. Mist. Er sollte unbedingt mehr üben. Üben zu jagen, üben überhaupt Fährten aufzuspüren, üben zu schwimmen und vor allem: üben sich besser mit anderen Wölfen auseinander zu setzen. So ganz allein war es ja doch viel langweiliger als zu zweit oder zu dritt. Das stand schon Mal fest. Gesagt, oder besser gedacht, getan: mit gemächlichen Bewegungen richtete der voluminöse Leib – das Winterfell hatte ihm ganz schön Fülle verliehen – auf in die aufrechte, jedoch liegende Haltung, aus der sich der Blick doch sogleich veränderte. Anstatt ganz viel Grün vor der Nase zu haben, offenbarte sich dem hellen Jährling eine Vielfalt des Lebens: Wölfe überall, Wölfe am Wasser, Wölfe am Wald, Wölfe um ihn herum. Ein sanftes Lächeln legte sich auf die Züge Nihilus’, dem dieses Bild weitaus mehr zusagte, als das vorherige. Es war schön zu sehen, wie die Welpen aufwuchsen und umher tollten, oder wie andere Artgenossen einfach nur den Abend genossen. Die Atmosphäre strahlte ohne viele Worte etwas sehr idyllisches aus: die letzten Strahlen der Sonne, die fließende Bewegung des Wasserfalls und das ruhende Rudel, das gleichsam so aktiv war. Nun ja, er nicht. Er lag hier einfach nur stupide in der Gegend rum und ärgerte sich noch immer über das Versagen bei dem Spiel mit den beiden Freunden. Dabei gab es so viel Schönes, das er hätte erleben können! Jetzt sollte er üben, wie er es sich in Gedanken vorgenommen hatte!
Mit einer mechanischen Bewegung richtete sich der Körper auf, die Rute gezwungener Maßen pendelnd, um sich selbst ein wenig mehr Elan zu schenken. So, und jetzt? Suchend glitten die farblosen Augen über die Wiese, den Waldrand, das Wasser. Hier vor allen würde er nicht schwimmen, das wäre peinlich und vor allem so nahe am Wasserfall viel zu gefährlich. Also müsste er… den Kopf über die Schulter wendend, fixierte er sein Ziel: den Wald. Doch anstatt diesen auch genau ins Auge zu nehmen, fiel ihm die helle Gestalt auf, die er das letzte Mal genau hier zu Gesicht bekommen hatte. Neugierig spitzten sich die Ohren, während der Jüngling kurzer Tatze sofort auf die Fähe zusetzte, die Lefzen sofort zu einem Lächeln verzogen. Hier brauchte er sich nicht zuerst fragen, ob er überhaupt erwünscht war, schließlich kannten sie sich ja irgendwie… so etwas, ein bisschen.
„Amúr?“
Eine Frage die sogleich Begrüßung, als auch Anfrage auf Gesellschaft war. Durfte er bleiben, oder wollte sie lieber alleine sein? War sie vielleicht sogar beschäftigt? Fragend legte sich die Schnauze schief, die Rute noch freudig pendelnd. Bisher war der Name das Einzige, dass er von der Hellen wusste, abgesehen davon, dass sie zu dieser riesigen Familie gehörte, die hier lebte.
(Auf der Wiese zwischen Wald & Wasserfall, Amúr)
29.09.2011, 21:41
((Ich liebe es <3))
Er hatte wirklich mit allem gerechnet – mit fast allem. Mit Wut, die ihn an den Kopf geknallt werden und Enttäuschung, die ihn überschwemmen würde, aber nicht mit solchen Worten. Die anfängliche Ignoranz, die fehlende Aufmerksamkeit – das alles konnte er mit Würde ertragen, verstand es sogar ein wenig. Sie hatte ja allen Grund zur Ignoranz, was aber dann kam, war mehr als erniedrigend. Es tat schlichtweg weh. So verrückt es auch klang: Caylee bohrte schon jetzt ihre Pfoten in seine Augen und versuchte ihm diese auszukratzen. Fast erschlagen ließ er ihre Worte über sich ergehen, sah, wie ihre Pfoten zitterten und roch förmlich ihren Ärger. Nase an Nase standen sie dort, starrten sich an und nichts, aber auch wirklich gar nichts an dieser Situation hatte etwas Liebevolles, etwas Nettes, etwas Freundliches. Den Scherz mit den Killerbäumen verstand sie erst gar nicht oder wollte es nicht verstehen, kein Lächeln. Und den 'so'-Blick wollte sie nicht mehr haben. Fassungslos, fast entsetzt, blickte er in die blauen Augen. Für einen Moment konnte Caylee diese Emotionen klar erkennen. Für ein paar Sekunden lang hatte sie es geschafft, dass Tiberius sich wirklich einfach umdrehen und sie stehen lassen wollte. Erstaunlich, aber der Rüde war sprachlos. So sprachlos, dass es ihn selbst schon ärgerte.
Den ihren anfänglich leisen, später lauten Worten folgte eine seltsame, unruhige Stimmung. Ein kleines Gewitter, das nur ihnen beiden gehörte. Das Gewittergrollen kam schließlich von ihm. Es war kein böses Grollen, es war ein monotones, gleichmäßiges. Eines von der Sorte, das vielleicht bei Katzenartigen als Schnurren durchgegangen wäre. Irgendwie und ganz ungewollt, konnte der Gestromte von ihrer Wut nicht genug bekommen. Tatsächlich wünschte er sich, dass sie weiter schreien würde, ihn sogar vermöbelte. Abgedroschen, aber er fühlte sich ihr damit nahe. Allerdings trug diese Erkenntnis nicht gerade zu seinem Seelenfrieden bei und auf seinem Gesicht lag schon lange kein Lächeln mehr.
“Du hast doch keine Ahnung!“,
er schleuderte ihr die Worte einfach so um die Ohren, scherte sich nicht um den gemeinen Unterton in seiner Stimme. Was sie konnte, das konnte er schon viel länger.
“Hast du wirklich im Ernst geglaubt, dass das mit uns was wird?! Du bist die Tochter der Leitwölfin, Erbin einer tollen Göttin und ich? Ich bin das Lügenmaul, der Fremde, jemand, der dir bestimmt nicht gut tut“,
es sprudelte einfach aus dem Grauen heraus. Er ließ es mit dem Denken gleich sein und beschränkte sich auf das Wesentliche. Genau auf das, was ihm schon seit Tagen durch den Kopf ging. Auch wenn er selbst diese Trennung nicht gewollt hatte, so war es doch für alle das Beste gewesen. Vor allem für Caylee. Und jetzt machte sie ihn auch noch doof an? Gott verdammt, sie verstand es wirklich nicht. Immer noch fast Nase an Nase atmete er ihren köstlichen Geruch ein und erlag knapp der Versuchung. Sie war einfach genau das, was er wollte, aber nie wirklich haben konnte.
“Oh Rüde, ich habe mich nur verpisst, damit du mich schnell vergisst und wieder ein ganz tolles, normales Leben führen kannst“,
er kniff die goldenen Augen zusammen und verringerte den Abstand auf genau einen Millimeter. Er hatte die Betonung auf 'tolles' gelegt, spuckte es fast aus. Vielleicht war es der Neid, vielleicht auch einfach nur Trotz. Mit einem wütenden Schnauben entfernte er sich so rasch von ihr, als hätte sie die Pest. Mit kühlen Augen betrachtete Tiberius die Weiße. Ziel erreicht oder nicht? Wenn genau das sein Wunsch war, wenn er wollte, dass sie ihn vergaß, dann hatte er es doch geschafft. Aber wäre er sonst noch hier?
Tiberius zeigte sein makelloses Gebiss, schob den Unterkiefer leicht nach vorn.
“Ich dachte, du seist ein wenig cleverer und würdest schnell verstehen, dass ich dich nicht einfach so verlassen habe, sondern mit Grund. Und vor allen Dingen: hallo?! Als würde ich dich ohne Erklärung einfach sitzen lassen! Das macht man vielleicht mit Drittklasse-Fähen, aber nicht mit so einer Braut wie di-“,
ohne es zu wollen hatte er ihr geschmeichelt. Zur Strafe fuhren die Fänge hart in das Lefzenfleisch, als könne er damit weitere verräterische Sätze abwürgen. Genau in dieser Position verharrend sah er Caylee an, wartete auf einen weiteren Knall und wappnete sich innerlich gegen die tosende, schäumende Cay-See.
// Waldrand beim Himmelsfelsen, Wasserfall – Caylee //
29.09.2011, 23:08
Es schien, als wäre der Tag, an dem Krolock und er gemeinsam völlig friedlich beisammen gesessen hatten, in weite Ferne gerückt. Dabei war es erst gestern gewesen. Den eigentlich so schönen Tag, den wunderschönen Sonnenuntergang bemerkte er nicht; völlig in den Kampf vertieft, der jeglichen Spaß verloren, ja gar niemals spaßig gewesen war. Von Anfang an war er mit der vollen Absicht auf Krolock zugerannt - ihm weh zu tun, für alles büßen zu lassen. Und die Tatsache, dass Krolock ihm selbst mehr wehtat als er ihm, machte ihn wütender, als das ausschlaggebende Ereignis dieses Kampfes.
Durch das Adrenalin, dass durch seine Adern pochte schien die Zeit viel langsamer zu vergehen, es schien, als hätte er viel mehr Zeit auf Situationen zu reagieren. Auf die Kehle des schwarzen Wolfes zielend, registrierte er, wie dieser wieder auf seine linke, schon angeschlagene Seite zielte. Ohne groß nachzudenken, wusste er instinktiv, dass er den Angriff abwehren musste - koste es was es wollte. Und sollten die Schmerzen auch noch so groß sein. Also tat er etwas (für Krolock hoffentlich) überraschendes; Anstatt auszuweichen hielt er seine verletzte Schulter Krolock regelrecht entgegen, bewegte sich sogar auf ihn zu, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. Den Angriff auf Krolock Kehle hatte er aufgegeben und ging nun in die Knie, um sich Krolock, der sich mit voller Geschwindigkeit auf ihn zu bewegte, regelrecht vor die Füße zu werfen, um ihn so über ihn fliegen zu lassen. Durch Krols Geschwindigkeit, und seinen den Kopf, der nun schmerzhaft gegen seine stark blutende Wunde prallte, würde Krolock nun durch die Wucht des Aufpralls über Turiéns Körper fliegen müssen. Turién hingegen schossen die Tränen in die Augen, und zum ersten Mal blieb auch er stumm - weil ihm der Schmerz die Stimme raubte. Nur einen sekundenbruchteil war er regelrecht blind vor Schmerz, bevor er sich wieder aufrappelte und mit gebleckten Zähnen vor Krolock stand, abwehrbereit.
( Weit abseits des Rudels am Mischwald, zwischen dem Himmelsfelsen und dem gespaltenem Baum | Krolock )
Bitte noch nicht eingreifen liebe Wölfe! :)
30.09.2011, 22:44
Herrlich! Die letzten Strahlen der Abendsonne an ihrem weißen Pelz zu spüren, war einfach großartig. Seufzend ließ Ahkuna ihren Kopf von ihren Pfoten, auf den Boden gleiten. Sanft fuhr ihre Schnauze über das wohlig duftende Gras. Es war ein toller Tag. Als ob die Sonne mit ihr Lachen würde. Doch, war ihr überhaupt zu Lachen zu Mute? Wirklich glücklich war sie nicht. Aber Traurig war sie auch nicht. Es waren einige Tage vergangen. Seit dem sie mit Lunar gesprochen hatte. Wieder hatte sie sich mehr oder weniger vom Rudel abgegrenzt. Ließ sich seine Worte durch den Kopf gehen. Immer und immer wieder. Bis seine Worte sich wortwörtlich in ihr Gedächtnis eingebrannt haben. Ob er im Unrecht lag oder nicht, darüber hackte sie nicht weiter nach. Was sie aber definitiv wusste war, dass seine Worte Balsam für ihre angeknackste Seele war. Wie verrückt es vielleicht auch klingen mochte für Andere, doch umso mehr war sie im glauben, dass sie keine Schuld traf. Das dieser dämliche Streit – der vielleicht gar nicht so dämlich war, sondern eher die harte Wirklichkeit beinhaltete – mit Jakash unumgänglich war. Früher oder später wär es sowieso dazu gekommen. Blinzelnd flatterten ihre Augenlieder auf und ihre eisblauen Augen trafen den warmen Ton der hellen Sonne. Ein kleines Lächeln huschte auf ihre Lefzen, als sie dem Sonnenuntergang entgegenblickte. Was für ein schönes Bild sich doch vor ihr abspielte. Es war alles so harmonisch. Auch wenn es merkwürdig war das vertraute Vogelzwitschern nicht in den Ohren zuhören. Wieder verließ ein leises Seufzen ihren Fang, als sie wieder ihre hellen Augen schloss.
[In der Nähe vom Wasserfall]
01.10.2011, 12:30
Krolock krachte unsanft über Turién hinüber und schaffte es nicht einmal mehr, oberflächlich Fell und Haut zu schnappen, um diesen vielleicht noch gekonnt mit sich zu reißen. Er überschlug sich zweimal und richtete sich schließlich wieder auf. Seine Augen waren kurzzeitig gesenkt und fühlten sich an, als würde sein ganzer Körper Blut hindurch pumpen. Mit einem Naserümpfen verscheuchte er das Gefühl und richtete seine stechendblauen Augen wieder auf den Gegner. Dieser hatte sich ebenfalls wieder aufgerappelt und funkelte ihn mit gebleckten Zähnen an.
Der Schwarze konnte nicht anders, als ein böses, gehässiges und triumphierendes Grinsen aufzusetzen. Turién hatte sich gedankenlos auf sein Territorium verirrt. Kämpfen war für ihn nicht ein stumpfer Racheakt oder ein dummes Spiel, sondern sich ständig wiederholende Routine. Dennoch machte es unglaublich viel Spaß, Turién zu zerfetzen. Anders als bei Nerúi wusste er bei dem gegnerischen Rüden nicht, womit er rechnen musste. Jeder neue Angriff war eine Überraschung für dich und der Zorn schien ihn immer mehr zu beflügeln. Eine wundervolle, wenn auch überaus blutige Beißerei. So war Krolock das gar nicht gewohnt, es war nahezu ernst und dadurch wuchs der Reiz an der ganzen Sache.
„Schon müde?“
Fragte er höhnend, ehe er zwei langsame, bedrohliche Schritte auf den Grauen zumachte. Er ließ sich wieder in Angriffsposition fallen und wartete provokant auf einen neuen Schachzug seitens Turién. Ein paar Tropfen Blut glitten aus seinem Fang, verdünnt mit seinem eigenen Speichel. Fell klebte ihm zwischen den Zähnen und auf der Zunge, aber er machte sich nicht die Mühe, es zu beseitigen, schließlich würde gleich neues dazu kommen.
[Bei Turien - Beißerei] - noch nicht dazu kommen
02.10.2011, 17:07
Etwas nachdenklich hatte die Graue den Himmelsfelsen nach dem gemeinsamen Gesang mit Chanuka und seiner Familie alleine verlassen und war ein wenig durch die Wälder gestreift. Alles hatte so schön angefangen, sie war fröhlich, nein, schon aufgedreht gewesen und hatte sich rundum wohl gefühlt. Doch als sie alle den Himmelsfelsen in einem wilden Rennen erklommen hatten und zu singen begonnen hatten, war alles schlagartig anders geworden. Plötzlich wurde ihr bewusst, dass sie nicht dazu gehörte, kein Teil der großen, glücklichen Familie war, die dort gesungen hatte.
Das glücklich war nur so dahin gestellt, natürlich wusste sie, dass es viele Probleme zwischen den einzelnen Familienmitgliedern gab. War es nun der brutale Verlust Tascurios durch Tyraleen oder die lange Abwesenheit einzelner Familienmitglieder. Aber dennoch, als die anwesenden Wölfe alle zusammen heulten, spürte sie einen Stich in ihrem Herzen, wie sie ihn schon lange nicht mehr verspürt hatte.
Sie war verstummt, wollte die Stimmung aber nicht weiter verderben und hatte sich so alleine wieder an den Abstieg gemacht. Und nun, zwei Tage später fühlte sie sich wieder in der Lage unter andere Wölfe zu kommen.
Manchmal brauchte sie einfach diese Auszeiten, sie musste nachdenken, ihre Situation überdenken und ihre Gefühle wieder einfangen. Dies war ihr nun gelungen und so trabte sie locker über den weichen Boden. Zum Glück hatte es sich nun zum Abend hin etwas abgekühlt. Die Temperaturen waren für einen Herbst normal, doch durch den vorhergehenden Wintersommer war ihr bereits ein dickerer Pelz gewachsen, der sie tagsüber träge werden ließ.
Wie fast immer lächelte sie leicht und beobachtete ihre Umgebung genau. Nichts sollte ihr entgehen, an allem wollte sie sich erfreuen.
So lief sie vorbei an wunderschönen Herbstblumen die sich, nach dem Schnee, zaghaft aus dem Boden geschoben hatten und nun, im Anbeginn der Nacht, ihre Blüten schon halb geschlossen hatten. Kurz blieb sie stehen und betrachtete die Blumen nachdenklich.
Eigentlich erschien ihr das Leben einer Blume als langweilig. Standen sie doch den ganzen Tag nur herum. Aber trotzdem schien so viel Leben in ihnen zu wohnen. Sie kamen zaghaft aus dem Boden hervor, wenn sie spürten, dass das Wetter ihnen den rechten Zeitpunkt schenkte, sie streckten sich der Sonne entgegen die sie wärmte und bedankten sich bei ihr mit ihrer wunderschönen Pracht. Gleichzeitig erfreuten sie damit nicht nur Liel sondern auch noch viele andere Tiere die sich teilweise sogar an ihnen labten. Dies wiederum konnte Liel weniger verstehen. Sie hatte einmal versucht eine Blume zu essen und einmal hatte sie ihre Schnauze in das gelbe Zeug gesteckt, doch weder der erste noch der zweite Versuch auch geschmacklich an dem schönen Zeug gefallen zu finden, war gescheitert. Geschmacklich war es einfach… nichts. Und als sie ihre Nase hineingesteckt hatte, hatte das Zeug sie so sehr gekitzelt, dass sie hatte niesen müssen.
So beschränkte sie sich darauf die Blumen einfach zu betrachten. Das erschien ihr sowieso schlauer als die Schönheiten zu zerstören.
Und abends, abends legten sie sich schlafen, verschlossen sich vor dem kühlen Mondlicht um sich zu schützen. Zumindest nahm Liel das an. Eigentlich bedauerte sie den Mond ein wenig, denn er konnte ihre Schönheit gar nicht in ganzer Fülle betrachten. Wusste sie nicht, dass es auch Mondblumen gab.
Aber dann fielen ihr die Sternenwinde ein, die nur des Nachts über den Himmel zogen. Das war ein fairer Ausgleich für den Verlust der Blumen. Denn die Sonne hingegen kannte die Sternenwinde nicht. Ja, das war wahrhaftig fair.
Sie belächelte ihre eigenen Gedanken und schritt weiter aus, auf den Bach zu. Dort entdeckte sie einen einzelnen Wolf. Malicia, ordnete sie sofort einen Namen zu.
„Hallo Silberschein.“
Ohne nachzudenken hatte sie die Worte gesprochen. Es passt einfach, die wunderhübsche Zeichnung an ihrem Kopf hob sich deutlich von dem pechschwarzen Fell ab und ihr erster Gedanke war ‚Silberschein‘ gewesen.
Nun fragte sie sich, ob die Fähe ihr dies übel nehmen würde. Schließlich kannten sie sich kaum und ihre blauen Augen wirkten eher kühl und abweisend denn einladend. Jetzt war es sowieso zu spät, freundlich mit der Rute schlagend tat sie noch einen Schritt auf die elegante Fähe zu, ehe sie stehen blieb und mit leichtem Lächeln die Reaktion abwartete.
Ja, es ging ihr wirklich wieder gut.
[Am Bach - Malicia]
02.10.2011, 21:38
Lange gereist und lange gewartet, das hatte der Rüde allemal. Kirovs große Pfoten trugen ihn gehorsam voran. Obwohl er eigentlich die meiste Zeit ein Einzelgänger war und alleine lebte, hatte er trotzdem eine ziemlich anmutige und muskolöse Statur. Die untergehende Sonne ließen die braunen Musterungen im Fell rötlich und die blauen Augen noch mehr hervorstechen. Er schüttlelte leicht den Kopf und lief dann weiter. Ein feiner Geruch strich ihm um die Nase. Der Geruch von Wölfen, vielen oder vielleicht wenigen. Kurz blieb er unschlüssig stehen und seine Rute verharrte in der Luft. Sollte er das revier dieser Wölfe durchqueren oder lieber umqueren? Viel zu verlieren gab es nicht. Trotzdem war es nicht sein Wunsch aus einem Revier vertrieben zu werden. Kurz noch stand er stumm da, ehe er weiterlief. Sein Entschluss einfach durch das Revier zu ziehen. Der bunt Gemusterte verließ schließlich den Wald. Seine optimistische Ausstrahlung ließen die Welt schon gleich viel schöner aussehen als sie eigentlich war. Kein Blut, kein Kampf ... alles war gut. Fröhlich ging er weiter, bis er schließlich das Geräusch von Wasser vernahm und der Geruch der anderen Wölfe ihm so intensiv in die Nase stieg wie er es selten vernahm. Sein blauer Blick wanderte einen Wasserfall hinauf und schließlich wieder hinunter. Dort saß eine weiße Fähe, die, wie er feststellte, ungewöhnlich hübsch war. Ihr Blick sagte alles und auch nichts und ein süßlicher Geruch, wie von Welpen, schien sich in seine Nase einzuschmeicheln. Langsam trat er auf sie zu, nickte mit einem freundlichen Lächeln auf den Lefzen und ließ sich auf die Hinterläufe nieder.
"Hallo! Entschudlige, falls ich dich störe, aber kannst du mir sagen, wer die Alpha dieses großen Rudels sind?"
Seine Rute pendelte fröhlich hin und her und sein Blick strich über die vielen Wölfe, die sich hier versammelt hatten, redeten, stritten und teilweise spielten. Dann landete sein Blick wieder auf der Weißen.
"Mein Name ist übrigens Kirov. Möchtest du mir deinen verraten?",
fragte er höflich. Vielleicht war er nun etwas aufdringlich, aber besser als wenn er einfach an allen hier vorbei gehen würde. Und sie saß so alleine hier, vielleicht brauchte sie jemanden zum Reden. Andererseits ... vielleicht war es auch von ihr selbst beabsichtigt und sie mochte keine Geselschaft. Der Rüde zuckte unschlüssig mit den Ohren und beschloss, einfach auf eine Antwort zu warten.
04.10.2011, 19:16
Endlich war der Schnee aus ihrem Tal gezogen. Zwar hinterließ er keinen besonders märchenhaften Herbst, aber immerhin. Wachsam beobachtete Daylight die Umgebung. Ja, es war als hätte sich der magische Winter tief ins Herz ihrer Heimat gebrannt und jetzt nurnoch verwundetes, verletztes Fleisch hinterlassen. Sie konnte der kahlen Landschaft kaum noch etwas magisches abgewinnen, wie es sonst immer der Fall gewesen war. Mit diesen leidvollen Gedanken blickte sie zurück auf den Rest des Rudels. Unter dem Wasserfall versammelt, sogar einzeln verstreut, war sie sich nicht sicher was sie unternehmen sollte. Da sowieso gerade die Sonne in einem kunstvollen Wolkenspiel unterging, entschloss sich das Lichterkind zu einem einsamen Spaziergang. Doch noch ehe sie großartige Anstalten machen konnte, fiel ihr ein fremder Wolf in den Augenwinkel. Alamiert und neugierig drehte sie sich in seine Richtung. Dass er sich direkt an Aléya wand beunruhigte sie noch mehr. Natürlich konnte sich Daylight nicht sicher sein, was seine Absichten waren. Aber sie machte sich Sorgen um die kämpferische Jungfähe. Ernsthafte Sorgen. Was mit ihr geschah war ganz und gar nicht normal. Sie müsste darüber noch eingehender mit Tyraleen und den Anderen sprechen, das stand fest. Und nun entschloss sie sich zielstrebig gegen ihren geplanten Ausflug. Scheinbar hatte man ihn noch nicht wirklich registriert, denn der Rest des Rudels beschäftigte sich weiterhin heiter und unbesorgt mit Gesprächen, Spielen und Spaß. So sollte es ja auch sein. Die Welpen die neu in diese Welt eingetaucht waren sollten so wenig wie möglich von Stress, Ernst und Gefahr mitbekommen. Ihre Gedanken trübten sich ein wenig als sie daran dachte, wie wunderbar es doch sein mochte, Mutter zu werden. Doch sie hätte sowieso kein Anrecht auf ein solches Privileg. Selbst wenn es einen Wolf gäbe, der sie nach alldem noch akzeptieren würde. Durch das Zurücklassen von Aryan und Aléya, dazu noch mit gebrochenen Herzen, hatte sie sich als Familienmitglied mehr als unwürdig erwiesen. Mit geschlossenen Augen schüttelte die Weiße hektisch ihren Kopf. Diese Gedanken mussten verschwinden. Es war so schön, wieder hier zu sein.
Nach einem kurzen Trott in Richtung Fremder lächelte sie Aléya und den Rüden freundlich an. Möglicherweise wollte die junge Fähe selbst etwas sagen. Mit einem kurzen, vertrauten Blick in die tiefblickenden Augen wand sie sich dem Fremden zu. Er wirkte aufgeweckt. Fröhlich und vor allem vertrauenswürdig. Sie entschloss sich kurzerhand ihm ebenfalls mit einem freudigen Wedeln der Rute entgegenzutreten. Dabei war sie stets darauf bedacht, sich nicht vor Aléya zu stellen, sondern strikt an ihrer Seite zu bleiben. Sie sollte nicht denken, dass Daylight sie bevormunden wollte. Denn auch wenn dem so war – Das Recht dazu hatte sie längst verloren. Das Lichterkind schenkte dem Fremden ein strahlendes Lächeln. Er wirkte keineswegs bedrohlich.
"Sei gegrüßt, Fremder."
Mit einem weniger formalen und eher leisen Ton sprach sie auch zu Aléya.
"Ich hoffe, ich platze nicht ungelegen herein."
Vermutlich hatte der positiv wirkende Rüde diese Worte ebenfalls vernommen. Aber das war egal. Immerhin wollte sie sich eigentlich nicht einmischen.
"Wie ist dein Name, Fremder? Ich bin Daylight."
Absichtlich stellte sie Aléya nicht auch mit vor. Möglicherweise wollte diese es selbst machen. Also legte sie zutraulich den Kopf schief, richtete ihre goldenen Augen für einen Moment auf die Jungwölfin und machte ihr damit klar, dass sie nun reden könnte. Friedvoll ließ sich der Schneepelz im Gras nieder. Es tat gut den Winter hinter sich zu wissen.
04.10.2011, 19:25
Es war so schnell Abend geworden. Nach dem Gespräch mit der silbrigen Minyala und ihrem Freund Caleb, dem Werwolf, hatte Malicia einfach nur das Gefühl, weg zu müssen. Einfach weg. Ihr war nicht bewusst, welchen Weg sie eingeschlagen hatte oder welches Ziel sie verfolgen wollte. Sie lief, stumm, den Blick auf den Boden gerichtet. Und auf einmal gluckste da dieser kleine Bach vor ihr. Verdutzt hatte sie sich umgeschaut, wo dieser kleine Quell aus dem Nichts aufgetaucht war. Das stetige Plätschern und Fließen hatte allerdings eine eigenartige Wirkung auf die Fähe.
Eine Ruhe füllte sich in ihrem Leib und sie hatte das Gefühl, über der Wiese zu schweben und den Gesängen des Wassers zu lauschen. Es war kühl und die Fähe fröstelte. Es war nicht die Tatsache, dass ihr Fell nicht dick war oder ihr tatsächlich kalt war, es war einfach ... ihre eigene Kühle und Trauer. Horchte sie in sich herein war da nur Leere. Leere, dumpfe Leere. Nicht einmal Schmerz, keine Trauer. Einfach nichts, was sie irgendwie in ihr Gefühlschaos einordnen konnte. Sie wandelte schwankend an den Bach, ließ sich mit elegantem Schwunge nieder und betrachtete ihr Spiegelbild. Schwarzes, mattes Fell und diese komischen Streifen. Im Glanz des Sonnenunterganges glitzerte das Antlitz einer weißen Fähe auf, einen Moment nur, dennoch fiel es Malicia auf. Sie schreckte einen Augenblick zurück, wand sich dann aber an Banshee, die sich in der Quelle spiegelte. Sie war immer bei ihr. Ob es eine Wolke über ihr war oder eine höhere Macht, spielte keine Rolle. Aber sie wusste, dass sie ihr irgendwo war und sie beobachte.
Plötzlich tauchte eine Fähe bei ihr auf, eine kleine, graue Fähe, noch sehr jung. Bevor Malicia auch nur die Möglichkeit einer Reaktion hatte, sprach diese Malicia unverfroren an. Die Jugend! Oh wie herrlich spontan sie waren, alle miteinander, so unbefangen. Wenn sie daran dachte, dass Minyala ebenfalls so jung war, konnte sie es nicht recht glauben. Sie schenkte ihrem Spiegelbild und dem Gedanke an ihre Mutter einen letzten Moment ehe sie sich der Fähe zu wand.
"Hallo ... Kleine."
Sie setzte ihr Lächeln auf, wie Banshee es gesagt hatte. Engayawölfe sind nunmal freundlich. Sie würde freundlich werden. Sie wies ihr mit dem Kopf einen Platz neben sich zu, ihre Augen halb geschlossen. So musste sie nicht in die graublauen, trüben Seelenfänger starren.
04.10.2011, 21:44
Die hellen Augen des Silberprinzen wichen nicht eine Sekunde von Krolock. Zähnefletschend verharrte er in angriffsbereiter Abwehrposition und beobachtete dabei, wie der Dunkle sich nach dessen Sturz wieder aufrichtete. Eine Flut von Hassgefühlen gegenüber dem Rüden überrollte ihn, als er in dessen gehässige Fratze blickte; So gefühlt hatte Turién noch nie. So gekämpft hatte er überhaupt noch nie. Es war das erste Mal, dass er mit voller Absicht auf jemanden losgegangen war - um zu verletzen, Schmerzen zuzufügen und leiden zu lassen. Und so, wie der Kampf nun eine völlig neue Erfahrung für ihn war (abgesehen von den weniger ernsten Kämpfen mit seinen Geschwistern), so war es auch die Verletzung an seiner Schulter. Die Wunde war tief und blutete stark - und obwohl die Aufregung des Kampfes den größten Schmerz schon überdeckte, so hatte er dennoch das Gefühl, seine linke Seite würde in Flammen stehen. Doch Nachgeben konnte er nicht, würde er nicht. Hechelnd fand er einen sicheren Stand und funkelte Krolock einfach nur hasserfüllt an. Er würde es nicht noch einmal wagen, Nerúi etwas anzutun!
"Fresse."
Sein Körper spannte sich an, als Krolock Schritt für Schritt näher kam, und bevor der Schwarze selbst Angreifen konnte, wollte Turién ihm zuvorkommen. Erbarmungslos gegenüber sich selbst, überwandt er den Schmerz, und sprang nach vorne, direkt auf Krolock zu, den Fang geöffnet, um ihm direkt im Gesicht zu treffen und die dünne Haut dort aufzureißen.
( Beißerei | Krolock )
Bitte noch nicht eingreifen!
04.10.2011, 22:30
Amúr lag auf der Wiese zwischen Wald und Wasserfall. Sie hatte den Kopf auf ihre Pfoten gebettet. Sie sah zum Wasserfall her rüber. Wie flüssiges Gold fiel das Wasser die steinige Wand hinab. Klar und schimmernd. Irgendwie erinnerte der Anblick des Wassers, welches die Strahlen der Sonne reflektierte, an Engaya. Es war offensichtlich das sie wieder ins Tal zurück gekehrt war. Die Herbstwelpen waren eigentlich schon Zeichen genug, doch auch der Schnee war verschwunden und hatte einem herrlichem Herbst Platz gemacht. Da sie erst vor kurzem wieder gekommen war, hatte sie nicht einen so dichten Winterpelz wie dei anderen und somit war ihr dieser Herbst und die recht warmen Temperaturen sogar ganz angenehm. Ihre Ohren zuckten, buntes treiben herrschte um sie her rum. Es waren nicht nur die Wölfe die alle in der Nähe des Wasserfalls verstreut waren, sondern auch die Insekten und Vögel, die noch munter unterwegs waren. Ein kunterbuntes treiben an so einem schönen Abend. Was tat sie? Rumliegen. Sie sah sich um und überlegte zu wem sie gehen könnte. Vielleicht könnte sie zu einem ihrer Geschwister gehen oder Tyraleen. Diese Gedanke lies sie an die Nacht vor zwei Tagen zurück denken. Wie schön das gemeinsame heulen doch gewesen war. Es hatte sie befreit und die Familie hatte einen Moment der Zusammengehörigkeit, das ganze Rudel, alle zusammen. Eine Gemeinschaft. Noch immer unentschlossen zu wem sie sich Gesellen wollte stand sie auf. Fast im gleichem Moment witterte sie einen Wolf der auf die zukam. Ihr Name wurde genannt. Sie drehte den Kopf und sah Nihilius.
“Nihilius?“
sagte sie und schaute ihn fragend an. Dann lächelte sie, es war viel mehr ein grinsen. Sie drehte sich vollständig um und neigte kurz den Kopf.
“Was verschafft mir die Ehre eurer Anwesenheit, werter Nihilius?“
fragte sie und ihr grinsen wurde breiter. Wunderschöner Abend, gute Laune und Gesellschaft. Das waren doch gute Aussichten für den Abend. Sie grinste Nihilius noch immer freundlich entgegen, hoffte das er den Spaß mitmachen würde, damit das nicht auf einer einseitigen Basis auslief. Auf seine Reaktion war sie gespannt, würde er mitmachen, oder nicht?
05.10.2011, 12:36
Man hielt sie auf, ließ sie nicht gehen. Innerlich zuckte die Fähe ein wenig zusammen, als eine fremde Stimme sie ansprach. Sie hatte mit ihrem feinen Gehör sehr wohl vernommen, dass sich ein Quartett Pfoten näherte, ebenso hatte ihre Nase die neue Witterung aufgenommen, doch ihre Gedanken waren ganz weit weg. Jetzt stand sie einem fremden Rüden gegenüber, der sie mit freundlicher Mine begrüßte und sich entspannt auf die Hinterläufe nieder ließ. Das gedankliche Erstaunen ließ Aléya nicht bis nach außen dringen, dennoch konnte sie nicht mehr, als sich über den Rüden zu wundern. Es hatten nicht alle Wölfe die Nerven, einfach in die Mitte eines Rudel zu platzen, welches Jungtiere beherbergte. Die Überraschung drängte das trockene Gefühl in ihrer Kehle wieder zurück, machte es für einige Augenblicke vergessen.
„Ahm,“ begann die Weiße, suchte einen Atemzug nach Worten und Fassung und ließ ein leichtes Lächeln die Lefzen umspielen. „nein, du störst mich nicht. Unsere Alpha ist die Weiße, dort hinten unter dem Baum.“
Mit der schlanken Schnauze wies sie in Richtung Tyraleen, die sich mit einem der Welpen beschäftigte. Gerade wollte Aléya auf die weiteren Worte eingehen, als ihre Ohren weiteres Pfotengetrappel vernahmen und der fein geschnittene Kopf sich umwandte. Sofort erkannte die Helle Daylight, die den Fremden bemerkt und nun näher kam. Kurz legte sich ein fragender Ausdruck auf ihr Gesicht, dann schüttelte die Jungwölfin den Kopf. Weshalb sollte sie stören? War es nun an ihr, die beiden miteinander bekannt zu machen? Sie entschied sich dagegen, immerhin konnte der Rüde sehr gut für sich allein sprechen.
„Mein Name ist Aléya und ich...“
Sie stockte abrupt, das Lächeln gefror auf ihren Lefzen. Das brennende Gefühl loderte ihre Kehle hinauf, ließ sie austrocknen und ihre Worte verstummen. Hart schluckte die Jungwölfin, räusperte sich trocken, ihre Muskeln spannten sich nervös an.
„Entschuldigt,“ krächzte sie hervor, den Blick entschuldigend aus den dunklen Augen nur schnell an Daylight gerichtet. Sie wollte den Fremden nicht verschrecken, noch zu unhöflich wirken. Schnell wandte sich der schlanke Leib um und war mit ein paar schnellen Sprüngen außer Reichweite gelangt. Der angespannte Kiefer presst sich noch fester aufeinander, die scharfen Fänge ritzten ein wenig die empfindlichen Lefzen ein. Ein einzelner Blutstropfen quoll hervor und wurde begierig von der Zunge aufgefangen. Was war nur mit ihr?
[erst bei Daylight und Kirov - flüchtet dann in den Wald]
05.10.2011, 16:45
Es war so selbstverständlich auf die helle Fähe zuzugehen, die sich langsam aufrichtete und den Blick über den Platz kreisen ließ. So selbstverständlich, dass Nihilus selbst den Mut gefasst hatte als Erstes das Wort zu erheben, um auf sich aufmerksam zu machen. Mit Erfolg. Kaum waren die Lauscher der Anderen auf ihn gerichtet, fiel auch sein Name und ein Lächeln legte sich auf die Züge Amúrs. Die Rute pendelnd, verschwanden auch die letzten Zweifel des Nichtswolfs, so dass die letzten Schritte viel zu beschwingt ausfielen als vorher geplant. Das lag bestimmt an den wohltuenden Strahlen der Sonne! Nagut. Eigentlich hatte sich der Helle in der Kopf gesetzt das ungute Rumoren in seiner Magengegend einfach zu überspielen und musste sich nun ziemlich anstrengen, um alles auf die Reihe zu bekommen: ein wenig Tollpatschigkeit durfte da wohl kaum fehlen. Mit schräg gelegter Schnauze, richtete sich der graue Blick auf Amúr, während deren Worte weiter flossen und ihn für den Moment sichtlich verwirrten. So förmlich? Etwas aus der Bahn geworfen legten sich unsicher die Lauscher an den Hinterkopf, bevor er das Grinsen der Fähe zu deuten glaubte und im gleichen Moment den Kopf hoch schnacken ließ.
„Die Ehre liegt ganz auf meiner Seite.“
Versuchte Nihilus mit ernster Stimme auf das Spiel einzugehen, konnte sich jedoch das belustigte Brummen nicht ganz verkneifen. Für so etwas war er einfach nicht gemacht. Mist. Um die fehlenden Worte zu überbrücken, trabte er eine Runde wie ein verspielter Welpe um seinen Gegenüber, bevor er wieder direkt vor diesem stehen blieb.
„Wie es scheint, lockt uns beide meistens zur gleichen Zeit der Ruf des Wassers.“
Na, das klappte ja so überhaupt nicht mit der geschwollenen Rede. Er war einfach zu viel mit dem rauen Krolock zusammen, als dass er sich eine andere Wortwahl als die seine hätte angewöhnen können. Mit einem Seufzen sank die Schnauze entschuldigend ein Stück tiefer. Hoffentlich nahm ihm die Graue dies nicht persönlich! Um sein Missglücken ein wenig die Hörte zu nehmen, begannen die Ohren belustigt zu spielen, bevor die Schnauze mit einer schnellen Bewegung nach vorne zuckte und Amúr in den Kragen zwickte, bevor er einige Schritte in Richtung Wald davon trabte, abermals einem Welpen gleich.
„Der Abend ist viel zu schön, um nur herum zu sitzen. Lass uns jagen, schwimmen, oder einfach nur laufen.“
Trotz voller Euphorie bekam der Vorschlag mit dem Schwimmen nur wenig Heiterkeit zugedacht. Um ehrlich zu sein wollte er lieber trocken bleiben. Mit einem auffordernden Jaulen begann die Rute abermals zu pendeln. Hach, was war er heute nur aktiv!
(Auf der Wiese zwischen Wald & Wasserfall, Amúr)
06.10.2011, 19:39
Einen kurzen Moment schien die Fähe noch in ihren Gedanken gefangen zu sein, obwohl sie Liel schon bemerkt haben musste. Doch schon einen Bruchteil später wurde sie begrüßt.
‚Hallo Kleine‘.
Auch wenn zweiteres ein wenig zögerlich ausgesprochen wurde, empörte Liel sich innerlich über diese Ansprache. Kleine. Sie war doch wahrhaftig nicht mehr klein. Nein, wahrlich nicht. Sie fühlte sich durchaus sehr groß, beinahe schon erwachsen. Beinahe, mist, sie hatte selber beinahe gedacht. Also war sie es auch nach ihrer eigenen Ansicht nach nicht. Aber galt sie deshalb noch als ‚Kleine‘?
Sie musterte die Fähe neben ihr nochmals aufmerksam. Natürlich ohne sich ihre Gedankengänge anmerken zu lassen. Das konnte sie mittlerweile richtig gut. Okay, zugegebenermaßen war Malicia um einiges älter als sie.
Liel kam zu dem Entschluss, dass sie sie deshalb auch ‚Kleine‘ nennen durfte. Damit konnte sie sich nun anfreunden und ihren inneren Frieden wiederfinden.
Jetzt fand sie auch endlich Zeit die Einladung anzunehmen, sich neben die schwarze Fähe zu setzen. So tat sie noch einen Schritt nach vorne, um sich dann auf ihren Hinterläufen niederzulassen. Nicht jedoch, ohne die Fähe genauestens zu beobachten. Sie lächelte, aber es schien eher gezwungen denn ehrlich. Ihre Augen halb geschlossen, sah sie irgendwie gequält aus. Unglücklich.
Vielleicht hatte Liel sie in einem ungünstigen Zeitpunkt erwischt und Malicia wollte lieber alleine sein, war aber zu höflich um sie nun wieder fort zu schicken. Welch eine Zwickmühle. Genauso unhöflich wäre es, wenn sie wieder aufstehen und sich verabschieden würde. Andererseits stand es ihr auch nicht zu weiter nachzuhaken, ob sie vielleicht störte. Schließlich hatte sie die Einladung erhalten, Platz zu nehmen. Wie ärgerlich. Sie stolperte von einem Missgeschick ins nächste.
Missmutig runzelte sie die Stirn kurz und klappte ihr linkes Ohr nach hinten. Dann entschied sie sich, dass auch diese Geste falsch aufgefasst werden konnte und strahlte die Fähe von einem Augenblick zum nächsten wieder aufmunternd an. Wenn der Älteren ihre Anwesenheit nicht passen sollte, musste sie sich schon äußern. Sie war schließlich Erwachsen und Liel selbst noch so klein. Wie praktisch.
Zufrieden mit ihrer erneut zügig geschlossenen Entscheidung, stellte sie fest, dass eine längere Pause entstanden war, die sich zwischen zwei unbekannten Wölfen eher als unangenehm einstufen ließ. Also war es an ihr, das Schweigen und die damit einhergehende Stille zu durchbrechen und etwas zu sagen.
Nur was? Alles was sie interessierte, erschien ihr als zu privat. Allerdings wollte sie auch keine oberflächliche Plauderei anfangen. Und da war sie schon wieder, die Zwickmühle. Allerdings schlich sich nun zeitgleich ein Grinsen auf ihre Lefzen, ja, doch, es war wahrlich interessant und amüsant wie sie von der einen in die nächste rutschte, ohne dass sie es rechtzeitig bemerkte. Vielleicht machte sie sich aber auch einfach zu viele Gedanken über wenn und aber.
Hätte sie gewusst, dass die andere Fähe eben noch die Spontanität der Jugend gelobt hatte, hätte sie nun laut aufgelacht. Natürlich war sie einerseits sehr spontan, hatte auch noch die Freiheiten alles tun und lassen zu können, wie sie es wollte – noch zumindest - , doch andererseits dachte sie über so viele Möglichkeiten nach, dass sie schon wieder nicht spontan war.
Um nun einfach irgendetwas zu sagen, befand sie, dass es am einfachsten war, über das zu sprechen, was ihr gerade durch den Kopf ging. Vielleicht kannte Malicia ähnliche Gefühlszustände, wie sie sie gerade durchlebte. Vielleicht aber auch nicht und sie würde die ‚Kleine‘ nur belächeln und sich von ihr abwenden, weil sie so komisch über Situationen nachdachte. Aber vielleicht…
„Malicia, richtig?
Weißt du, ich musste gerade darüber nachdenken, wie viele Zwickmühlen das Leben einem bietet. Und ich scheine eben diese magisch anzuziehen. Ständig befinde ich mich in irgendeiner, nicht ausweglosen, aber dennoch sehr komplizierten Situation. Nein, ich sollte besser sagen, in einem sehr kompliziert wirkenden Gedankengang. Verstehst du, was ich meine?“
Gefühlt redete sie sehr wirres Zeug. Sie war sich nicht einmal mehr sicher, ob sie selber verstand, was sie da gerade von sich gegeben hatte. Aber die Zeit zurückdrehen konnte sie auch nicht, also blickte sie die Schwarze, noch immer trübsinnig in der Gegend umherschauende, Fähe interessiert und mit einem wissbegierigen Leuchten in den Augen an. Ihre Augen wirkten fast noch ein bisschen blauer, als sie es sowieso schon waren.
Mamaaugenfarbend, wie die kleinen Welpen sagen würden.
[Bach |Malicia ]
06.10.2011, 20:59
Voller Geduld wartete Kirov auf eine Antwort, doch das erste Wort, welches die Fähe heraus brachte, war ein offenbar unsicheres 'Ahm'. Das jedoch darauf folgende Lächeln ließ Kirovs Unsicherheit schnell verschwinden und er zuckte freudig mit den Ohren. Die Weiße fuhr fort und deutete mit ihrer Schnauze in die Richtung, in der er die Alpha fand. Diese lag unweit von einem Baum entfernt lag, in ihrer Nähe ein junger Welpe. Kirov nickte zum Zeichen, dass er verstanden hatte. Gerade wollte er seinen Fang aufmachen, um ihr zu danken, als noch eine weiße Fähe dazu kam. Wo kamen die alle her? Überall diese weißen Fähen. Er schnippte mit dem Ohr, sah der nächsten Weißen dennoch freundlich entgegen und stellte fest, dass diese offenbar ebenso friedlich gesinnt war wie er. Ihre Augen waren Bernsteinfarben und sie erinnerte Kirov an ein Licht. Er pendelte leicht mit der Rute.
"Ich grüße dich, Daylight. Mein Name lautet Kirov."
Seine Stimme war ruhig und angenehm. Kurz darauf redete auch die andere Weiße wieder und stellte sich als Aléya vor. Wie ihr Satz jedoch endete, sollte Kirov wohl nicht erfahren, denn sie brach ab und sah fast so aus, als hätte sie eine Art Schock erlitten. Sie hustete ein 'Entschuldigung' hervor und war kurz darauf verschwunden, ohne Kirov noch einen Blickes zu würdigen. Sein Lächeln war verschwunden. Hatte er etwas falsch gemacht? Etwas enttäuscht blickte er Aléya nach. Dabei hatte er sich noch bedanken wollten. Beinahe wollte er seinen Fang öffnen und Daylight fragen, ob er sich falsch benommen hatte, bis ihm wieder einfiel, dass er die Goldaugenfähe ja kaum kannte. Eilig zuckte er mit dem Ohr, als wäre nichts gewesen.
"... Ich denke, ich sollte mich nun der Alpha vorstellen.",
brach er das Schweigen und blickte die Goldaugenfähe etwas ernster an. Seine Haltung war nach wie vor friedvoll und schließlich erhob er sich, nickte Daylight nochmals freundlich zu und machte sich anschließend auf den Weg zu der weißen Alphafähe. Respektvoll ließ er seine Rute hängen, um nicht arrogant oder sonst irgendetwas zu wirken. Sein Entschluss war bereits gefällt, er wollte bei diesem bunten Haufen von Rudel bleiben, wenn es ihm erlaubt war. Etwas zog ihn an und er wusste nicht was es war. Normalerweise machte er einen Bogen um große Rudel, er wollte nicht als Bedrohung dastehen, aber dieses hier war ein völlig anderes Semester ...
Der Bunte wollte im Übrigen, wie er im Geheimen bereits beschlossen hatte, dem Verschwinden Aléyas nachgehen. Etwas verwirrte ihn an ihr, vielleicht war es diese merkwürdige Augenfarbe oder dieser süßliche Geruch. Noch immer hatte er das Gefühl, dass ihm Aléyas Geruch in der Nase saß. Er war kaum zu umschreben, nicht so süß wie Honig, aber er hatte auch nichts von der Beerensüße. Es war etwas Einzigartiges. Oder so ähnlich. Kirov zuckte mit den Ohren, um diese Gedanken zu vertreiben. Er musste sich nun auf die Alphafähe konzentrieren und versuchen bei ihr höchst positiv rüberzukommen. Ansonsten war wohl mit einer Aufnahme im Rudel nicht zu rechnen.
07.10.2011, 19:51
Face Taihéiyo lag auf der Blumenwiese in der Nähe des Wasserfalls, den saphirblauen Blick über sich in den Himmel gerichtet. Gedankenverloren betrachtete er den farbenfrohen Sonnenuntergang und das Lichtspiel, welches die Sonne ans Firmament zauberte. Es war ein paar Tage her, dass er an der Reviergrenze gesessen und anschließend Caylee so viel über sich erzählt hatte, wie bisher nur ihrer Mutter. Es hatte etwas Seltsames an sich, wie sich sein ganzes Selbst über die Göttin des Lebens mit dieser Familie verband. Man hätte es fast als schicksalhaft bezeichnen können, dass es gerade Caylee gewesen war, wo ihm doch ihre Mutter und auch Großmutter so viel bedeuteten. Manchmal hatte er das Gefühl – vor allem, wenn er die vorangegangenen Ereignisse seiner Existenz betrachtete – dass das Leben ihn niemals loslassen wollte.
Es war binnen weniger Tage Herbst geworden. Ein richtiger Herbst, im Gegensatz zum eisigen Wintersommer. Seine überhaupt nicht mehr kleine Tyraleen hatte sich nun erfolgreich als Leitwölfin durchgesetzt und alles schien wieder in seinen geregelten Lauf zurückzukehren. Nach so langer Zeit hatte man endlich wieder das Gefühl, dass alles vollkommen friedlich war, neue Welpen tollten sorglos im Rudel herum. Eigentlich gab es genüg Gründe, dass auch der ehemalige Beta und Pate der Leitwölfin endlich entspannen und zufrieden sein könnte, aber die Unruhe in ihm, die seit kurzem immer deutlicher wurde, blieb. Face wurde schlichtweg alt. Zu alt. Auch wenn sein Körper sich dieser Tatsache nicht annahm, so war diese Erkenntnis in seinen Gedanken doch konstant geworden. Er hatte noch einen langen Weg zu gehen, von dem ihn nichts auf der Welt freisprechen konnte, wenn er nicht vorhatte ewig weiter zu leben. Aber wenn er noch länger wartete, würde er es vielleicht nicht mehr zurück ins Tal der Sternenwinde schaffen, wenn er sein Zwischenziel erreicht hatte. Zu aller erst hatte der Tiefrabenschwarze dies wissentlich in Kauf genommen, doch mehr und mehr wurde ihm bewusst, dass er an keinem anderen Ort der Welt sein wollte, wenn er sie verließ, als hier.
Aber noch immer haderte er. Noch immer konnte sich Face nicht dazu durchringen Tyraleen gegenüber zu treten und ihr zu sagen, dass er für eine lange Zeit gehen musste. Er brachte es nicht über das Herz, weil ein kleiner Funke des Zweifels in ihm die Möglichkeit nicht ausschloss, dass er es letztendlich wirklich nicht mehr schaffen würde. Sein Körper war der eines Wanderers, der in seinem Leben endlos viele Kilometer zurückgelegt hatte, stark beanspruchte Knochen und Muskeln – wenn er erst mal von den Auswirkungen des Alters in Ketten gelegt wurde, besaß er dann noch die Kraft weitere, viele Kilometer zu laufen?
Noch während Face weiter diese zögernden Gedanken durch seinen Kopf rauschen ließ, ertönte auf einmal eine Stimme in ihm und füllte seinen ganzen Körper aus, wie eine sanfte, leise Melodie. Eine Melodie, die für ein paar schwebende Augenblicke seine Zweifel nahm. Es war sein Startsignal. Er spürte Wärme, weil Banshee ihn nicht vergessen hatte und bereit war mit ihm zu gehen. Er spürte keine Furcht darüber, dass der Tod ihn erwartete und er war nur ein klein wenig traurig bei dem Gedanken, dass Tyraleen ihn nicht mehr brauchte. Er hatte seine Aufgabe erfüllt. Für diesen Moment, war alles warm. Ich bin bald da.
Aber die Stimme verging und das Hier und Jetzt kehrte zurück. Face Taihéiyo erhob sich und auch wenn sich die Zweifel bereits zurückkämpfen wollten, lief er leichten Schrittes los. Der tiefschwarze Wolf bewegte sich nach wie vor mit der Eleganz und der Trittsicherheit eines geschickten Jägers im besten Alter, obwohl er bald 9 Jahre alt sein würde. Sein Weg führte ihn zu seinem Patenkind, das er zusammen mit einem Welpen nahe des Muschelbaums entdeckte. Auch in der Ferne konnte er einen Wolf ausmachen, der scheinbar auf Tyraleen zusteuerte. Face wollte sich in Ruhe und ohne Beisein von Wölfen, mit denen er nichts verband von ihr verabschieden, also würde er einfach bei ihr warten und es genießen, noch ein paar Atemzüge länger neben seinem Patenkind zu sitzen. Obwohl er wie immer nicht lächelte, war sein Gesichtsausdruck friedlich, als sich der Tiefschwarze neben Tyraleen setzte.
„Guten Abend Tyraleen, Isaí.“
[ Muschelbaum | Tyraleen, Isaí ]
09.10.2011, 13:46
Wie immer musste Tyraleen nur einem Welpen – insbesondere Isaí – zuschauen, schon rückten alle traurigen Gedanken in den Hintergrund. Nicht einmal an Rakshee dachte sie mehr, auch wenn der Verlust ihrer Priesterinnenschwester sie schwer getroffen hatte. Ihr war bewusst, dass ihre Nichte das Richtige tat – was konnte es richtigeres geben, als als Priesterin dem Ruf Engayas zu folgen? – aber dass sie dafür fort gehen musste, schmerzte. Rakshee war bereits ein fester Teil in Tyraleens Leben gewesen, als Sheena und sie noch weit voneinander entfernt waren und Banshee noch gelebt hatte. Aber Tyraleen hatte verstanden, dass man immer jemanden verlor, wenn man selbst blieb. Die Entscheidung, Leitwölfin in ihrem Geburtstal zu werden, implizierte, Familienmitglieder ziehen lassen zu müssen. So hielt die Traurigkeit über den Verlust Isaís Charme nicht stand und seine Bemühungen die Muschel im eigenen Maul zu betrachten, lockte ein Lachen aus der Brust der Weißen. Mit ihrer Beurteilung schien er allerdings zufrieden und suchte nun seinerseits Kisha – ebenso erfolglos. Sie würde bestimmt bald auftauchen, denn ihre Schwester nahm ihre Rolle als Patin erfreulich ernst. Bis dahin würde Tyraleen den Kleinen beschäftigen – diese Aufgabe übernahm sie gerne. Insbesondere, weil sie gar nicht mit ihm schimpfen musste, trotz der Tatsache, dass er etwas angestellt hatte. Aber es war etwas Gutes. Erfreut zuckte Tyraleens Schwanzspitze, machten Welpen doch normalerweise nur Unfug.
“Das ist aber lieb von dir. Wenn jemand traurig ist, sollten wir immer versuchen, ihn zu trösten. Das macht nicht nur den Traurigen, sondern auch uns selbst glücklich.“
Wie lehrreich es doch gleich wieder wurde. Tyraleen fragte sich, ob das an ihr lag. Vielleicht sollte sie einfach mal versuchen, mit den Welpen zu toben und ihnen nicht immer die Welt erklären. Sonst würde sie noch die traurige, weise Tante werden, für die sie sich definitiv noch zu jung fühlte. Isaís nunmehr schuldbewusste Miene verwirrte sie etwas und aus seinen nächsten Worten wurde sie auch nicht schlau. Warum sollte sie das denn nicht Jakash erzählen? Auch wenn der mittlerweile zum Fenriswolf geworden war, würde er seinen Sohn kaum bestrafen, wenn dieser jemanden trösten wollte. Ihre Stirn krauste sich fragend.
“Warum denn nicht?“
Forschend sah sie den Kleinen an, doch im nächsten Moment sah sie aus dem Augenwinkel eine schwarze Gestalt auf sich zusteuern. Sie hob den Kopf und als sie Face erkannte, breitete sich ein glückliches Lächeln auf ihren Lefzen aus. Es kam nicht allzu oft vor, dass sich ihr Pate unaufgefordert zu ihr begab, insbesondere, wenn noch andere Wölfe um sie herum waren. Umso mehr freute es sie nun, dass er sich zu ihr setzte und Isaí und sie ruhig begrüßte. Ihre Zunge fuhr über die Schnauze ihres Paten und kurz drückte sie die Nase in seinen dunklen Pelz.
“Isaí, wusstest du, dass auch ich einen Paten bekommen habe, als ich so klein war wie du? Mein Pate ist Face Taihéiyo.“
Sie war sich nicht sicher, ob Isaí den großen Schwarzen schon kannte – vermutlich eher nicht. Wenn sie an die Zeremonie zurückdachte, meinte sie Face dort nicht gesehen zu haben. Aber ob er sich nur weit im Hintergrund gehalten hatte, oder wirklich nicht vor Ort gewesen war, vermochte sie nicht zu sagen und machte für Isaí sowieso keinen Unterschied. So freute es Tyraleen, dem Kleinen ihren Paten vorstellen zu können, zeigte doch gerade Face, dass ein Pate ein Gefährte fürs Leben war. Seit sie denken konnte, war er an ihrer Seite und auf niemanden stützte sie sich mehr. Ein glückliches, beinahe seliges Lächeln galt noch einmal Face, ihm ohne Worte zeigend, wie froh sie war, ihn zu haben. Dann entdeckte sie einen weiteren Wolf, der auf sie zu steuerte und merkte im nächsten Moment, dass es ein Fremder war. Schon war sie aufgestanden und schob sich halb über Isaí. Was machte ein Fremder inmitten des Rudels? Ihre Nackenhaare stellten sich auf und kurz fühlte sie sich überfordert. Seit sie Leitwölfin geworden war, hatte sich kein Fremder auf diese Art zu ihnen verirrt. Da waren Volk Zubami und Adsini gewesen, aber die hatte Aszrem übernommen. Und natürlich Tiberius, aber sein Auftritt war ganz anders gewesen. Jetzt streunte hier ein Fremder in ihrem Rudel herum und keinen schien es zu stören. Vielleicht hatte er schon mit einem Wolf gesprochen? Er sah nicht gerade gefährlich aus, viel eher steuerte er auf sie zu, wie es wohl ein Wolf tat, der um Aufnahme bitten wollte. Tyraleen entspannte sich etwas, blieb aber über Isaí stehen und sah dem Fremden auffordernd entgegen.
[ Muschelbaum | Isaí, Face und Kirov ]
09.10.2011, 13:59
Der Schnee war fort, und langsam schien das „normale“ Leben wieder hier einzukehren. Die Sonne sank langsam hinab, das Rudel war am Wasserfall versammelt. Kisha selbst hatte sie beobachtet, bis ihr schließlich ein kleiner, besonderer Wolf ins Auge gefallen war. Ein sachtes Lächeln hatte sich auf ihre Lefzen gezogen, als Isaí mit einer Muschel zu Atalya lief, die still an dem kleinen See saß. Jedoch blieb er nur für einen Moment, ehe er sich wieder von der grauen Jungwölfin entfernte. Mit ihm möglichst schnellen Schritten entfernte sich der junge Wolf also wieder, verschwand in Richtung Tyraleen. Die Augen der Schwarzen richteten sich kurz auf Atalya, schüttelte bei ihrem Anblick nur leicht den Kopf. Ein stiller Moment verging, ehe sich auch die Dunkle erhob, kurz den Pelz schüttelte und dem jungn Wolf mit ruhigen Schritten folgte. Der Fluss war schnell überquert, und je näher sie Isaí und Tyraleen kam, desto wärmer wurde das Lächeln auf Kishas Lefzen. Jedoch hielt sie einen Moment inne, als sie aus den Augenwinkeln einen tiefschwarzen Wolf erkannte, der sich nun zu den beiden stellte. Ihre Ohren schnippten kurz durch die Luft, sie blieb jedoch nicht stehen.
Mit einigen letzten Schritten war sie bei den drei Wölfen, berührte zuerst Tyraleen an der Lefze und fuhr Isaí dann mit der Nase durch das rötliche Fell. Den Kopf zu Face hebend nickte sie dem schwarzen Rüden sanft zu. Ein fremder Geruch näherte sich dieser kleinen Gruppe, also würde Tyraleen sicher bald beschäftigt sein. Aber es war nicht Kishas Absicht gewesen, bei ihnen zu bleiben. Statt dessen richteten sich ihre braunen Augen auf den kleinen Welpen, ihre Rute schwang leicht durch die Herbstluft.
„Isaí, willst du mich ein Stück begleiten? Vielleicht finden wir etwas spannendes!“
Sie grinste dem jungen Wolf munter entgegen, richtete den Blick dann noch einmal auf Tyraleen und Face.
[Muschelbaum – Tyraleen, Isaí, Face – Nähe Kirov]
09.10.2011, 20:29
„… Aber ich weiß nicht, ob Atalya das freut. Sie ist immer sooooo fies zu mir. Noch fieser als der Fieswolf Krolock. Der erzählt mir wenigstens noch Geschichten und ist… einfach anders fies, verstehst du, was ich meine? Er ist viel netter fies!“
Nun glich seine Miene einer Grimasse, als versuchte er das Gesicht Atalyas nachzumachen, doch wirklich wie ein Fieswolf konnte selbst er nicht gucken. Das konnten wohl bloß Fieswölfe. Dennoch fand er, dass seine Darbietung seine Aussage untermalte. Dann aber merkte er, dass er sich gerade verplappert hatte. Der Welpe wusste nicht, ob Tyraleen von seinem Krolockverbot wusste, doch irgendwie ging er einfach davon aus. Tyraleen wusste so viel, da war das doch eine Kleinigkeit. Er senkte den Kopf ein Stück, nicht wissend, dass die Weiße seine Bitte auf die Sache mit Atalya bezog und legte die Ohren leicht an. Für ihn war der Gedankenübergang von Fieswolf zu Fieswolf vollkommen klar. Welch Sprung das für die weiße Mama war konnte er sich nicht denken.
„Weil Papa es mir verboten hat, mich mit ihm zu treffen.“, gestand er kleinlaut und blickte sie einen Moment an. „Aber Turién war auch dabei! Und ich konnte nichts dafür, er kam nämlich zu mir und nicht ich zu ihm.“, stellte er klar und nickte. „Und es ist ja unfreundlich, einfach zu verschwinden.“
Mit den letzten Worten war sein Blick dem von Tyraleen gefolgt und so ganz hatte er sich nicht darauf konzentriert, was er sagte. Er erblickte einen schwarzen Papa, den er zuvor – wenn überhaupt – nur am Rande gesehen hatte und blickte ihm neugierig entgegen. Kurz wanderte sein Blick rückversichernd zu Tyraleen zurück, doch als er ihr glückliches Lächeln erblickte, war auch er glücklich und nickte dem fremden Wolf respektvoll zu, als er sie begrüßte. Er hatte sich aufgesetzt, als Tyraleen den Rüden begrüßte und lächelte zufrieden vor sich hin. Die Muschel lag noch immer vor ihm zwischen den Pfoten. Als die Weiße dann aber zu erklären begann, fingen seine Augen an zu leuchten. Das war also Tyraleens eigener Wolf. Irgendwie hatte er sich vorher nie gefragt, ob auch die anderen eigene Wölfe hatten, doch nun schien es ihm mehr als logisch.
„Hallo, Face!“, schob er also noch nach und grinste dem großen Wolf zu.
Doch im nächsten Moment spürte er, wie sich die Mama neben ihm anspannte. Isaí sprang auf und die kleine Rute hob sich ganz instinktiv, als sie sich schützend über ihn stellte. Der kleine Rote schob sich noch ein Stückchen vor, um zwischen ihren Läufen hindurchzublicken und erkannte einen Wolf, den er noch nicht gesehen und noch nicht gerochen hatte. Ha! Das schien doch spannend zu werden! Im gleichen Moment bemerkte er eine weitere Gestalt, die sich ihnen nährte, erkannte Kisha und seine Rute begann zu pendeln, vollkommen vergessend, dass sich da gerade ein Fremder nährte. Nachdem sie alle begrüßt hatte, begrüßte auch er sie, indem er ihr ein paar Mal über die Lefzen leckte und blickte dann wieder hinüber zu dem fremden Wolf. Natürlich wollte er, aber erst in ein paar Minuten!
„Aber wir müssen doch erst noch den Fremdling da angucken!“, flüsterte er aufgeregt in Kishas Richtung und wandte den Blick kurz noch einmal hoch zu Tyraleen.
Er würde sie damit sicher nicht alleine lassen. Außer, sie wollte es. Aber im Moment war er viel zu neugierig darauf, wie es war, wenn ein Fremder auftauchte. Aus den Augenwinkeln sah er auch Face. Er würde sie sicher auch nicht alleine lassen. Ha! Zwei Wölfe mit ihren eigenen Wölfen. Da sollte der Fremde mal auf dumme Ideen kommen!
10.10.2011, 23:59
Die Ohren von Nihilius legten sich kurz an den Hinterkopf, doch dann schien er zu verstehen und sein Kopf schnakte hoch. Er ging drauf ein auch wenn er sich ein belustigtes Brummen nicht verkneifen konnte. Sie schauet ihn weiterhin an als er um sie herum trabte musste sie sich ein lachen verkneifen. Sie neiget den Kopf zur Seite ehe sie sagte
“Also so muss ein Edler Wolf sich verhalten, das war genau die Handlung die ich erwartet habe. Sehr gut werter Nihilius.“
Sie stupste ihn an und grinste vergnügt. Sie nahm die Sache nur halb so ernst wie sie schien. Nihilius ergriff erneut das Wort und behielt die Förmlichkeit bei.
“Des im Sonnenlicht so golden schimmernden Wasser, scheinen unsere Herzen nicht wiederstehen zu können.“
Sie hatte keine Probleme so geschwollen zu reden, obwohl es mehr als übertrieben war. Natsun, der weise Wolf mit dem sie so viel zeit verbracht hatte auf ihrer Reise, hat immer auf seien Wortwahl geachtet. Es passte zu ihm und Amúr hatte gelernt das es seien Vorteile haben konnte sie gewählt aus zu drücken. Auch zum Spaß haben war es geeignet. Als Nihilius die Schnauze senkte grinste sie nur. Es war nicht schlimm, er war auch gut drauf, das war das einzige was zählte. Sie wollte gerade zum reden ansetzen als er sie mit einer schnellen Bewegung in den Kragen zwickte. Wie ein Welpe trabte er davon.
“Das sind wahre Worte. Aber bei soviel Auswahlmöglichkeiten, wer soll sich da entscheiden können?“
sie sprang nach seinem Jaulen auf ihn zu. Zog an seinen Ohr und rannte los.
“Fangen wir mit laufen an. Fang mich.“
warf sie die Worte zu ihm. Es würde sich schon was ergeben auch wenn sie einfach nur durch den Wald laufen würden. Es war schön einen Wolf gefunden zu haben, der eben so heiter gestimmt war wie sie. Versprach lustig zu werden, oder besser gesagt würde lustig werden, denn es war es zum größten Teil ja schon.
(Wiese zwischen Wasserfall & Wald, Nihilius, bewegend richtung Wald)
11.10.2011, 15:56
Gerade nannte Aléya noch ihren Namen, und dann war sie schon entschwunden. Überrascht blickte Daylight ihr hinterher. Das sah der Kleinen so gar nicht ähnlich. Ihr Herzschlag beschleunigte sich ungemein, waren ihre Sorgen doch berechtigt. Der Ausdruck in den dunklen Augen der Jungfähe rief da nur noch mehr finstere Befürchtungen wach. Am liebsten wäre das Lichterkind ihr nachgegangen, hatte sogar schon einen Schritt in die Richtung der entflohenen Wölfin gewagt, doch nachdem sie anschließend ihren Kopf zu Kirov gewand hatte, war auch dieser verschwunden. Zielstrebig steuerte der Rüde auf Tyraleen zu. Sie hatte nun die Wahl. Aléya verfolgen und sicherstellen, das alles okay war, oder den Fremden begleiten und vorstellen. Noch einmal versuchte sie, die weiße Jungwölfin in den Bäumen auszumachen. Nichts. Sie war bereits außer Sichtweite. Nicht ganz unbesorgt schloss sie also zu dem Fremden Rüden auf, ihr Herz schlug noch immer ungewöhnlich rasch.
Als sie schließlich angekommen war, setzte sie sich mit hastiger Atmung neben ihn und grüßte Tyraleen mit einem vertrauenswürdigen, schwesterlichen Lächeln. Ihr Eindruck des Fremden war durchweg positiv. Der Grund, wieso sie auch als Erste ihre Stimme erhob.
"Tyraleen, darf ich vorstellen – Das ist Kirov. Er ist wohl an einer Aufnahme ins Rudel interessiert."
Das Lichterkind sprach in ihrer typischen, leichten und sanften Tonlage. Sie sah in ihm keine Bedrohung. Die Entscheidung oblag dennoch ihrer großen Schwester. Im Anschluss an ihre Vorstellung wand sie sich erneut an die Weiße, nickte ihr zu. Der Rüde hätte nichts zu befürchten. Es war ihr selbst bisher äußerst selten untergekommen, das Fremde verscheucht wurden. Allerdings wussten sie nichts über ihn. Doch das würde auch noch kommen. Zumindest hatte die Kleine ihrer großen Schwester somit bereits ihre Meinung zu dieser Angelegenheit mitgeteilt. In ihren Augen war es mehr als unwahrscheinlich, dass er wieder fortgeschickt werden würde. Doch vorerst müsste er selbst sprechen. Der erste Eindruck zählte ja bekanntlich am meisten.
[aléya & kirov__will zuerst aléya verfolgen__stellt kirov dann tyraleen vor]
11.10.2011, 18:52
Obwohl Sheena nie viel mit Rakshee hatte anfangen können, bedauerte sie, dass sie sich von dem Rudel getrennt hatte. Sie wusste wie nahe Jakash ihr gestanden hatte und vermutete, dass dieser wenig erfreut über ihr Fortgehen war. Außerdem würde sie immer ihre Priesterschwester bleiben, da konnte sich kein je geführter Konflikt zwischen drängen.
Doch auch all die Grübelei würde die Fähe nicht zurück bringen, laut ihr wurde sie von Engaya gerufen und so unterstützte Sheena sie mit vielen positiven Gedanken, bezüglich jeglicher Art von Herausforderung die sich der jüngeren Fähe stellen konnten.
Sie blickte um sich, hinter ihr begann der Wald, in dem es bereits nur noch wenig Licht gab. Die Dämmerung malte zwar hübsche Farben an den Himmel, doch den Wald ließ sie dabei regelmäßig aus. Während es draußen noch angenehm hell war, staute sich die Dunkelheit in ihm.
Außerdem war es angenehm kühl geworden. Nun war ihr Pelz genau passend, nicht zu dick und nicht zu dünn, sodass sie weder fror, noch ihr jede Bewegung zu viel Hitze verschaffte. Jetzt stand einem ausgedehnten Spaziergang also nichts im Wege, außer, dass sie nicht wusste, wo die restlichen Familienmitglieder waren. Zwar lag die Witterung untrüglich in der Luft, aber sehen konnte sie keinen von ihnen.
Oder doch, dort vorne bei Tyraleen und einigen anderen Wölfen konnte sie Isaí ausmachen. Zusammen mit Kisha. Wie wunderbar. Langsam erhob sich die weiße Fähe und trabte gemächlich in die Richtung der kleinen Gruppe. Zwischendurch blieb sie kurz stehen um nach den anderen zu bellen.
„Jakash, Taleesha, Malik, Tinca? Mögt ihr mir Gesellschaft leisten?“
Der Ruf wurde weit über die Fläche getragen, wenn sie also Lust hatten sich ihr anzuschließen, würden sie nur zu ihr kommen müssen.
Doch nun trugen sie ihre Pfoten weiter in die Richtung ihres ältesten Sohnes. Blitzartig tauchten die Bilder von ihrem letzten Zusammentreffen auf, welches so unschön von Krolock und Caylee gestört worden war. Seufzend schüttelte sie sich und die Gedanken aus ihrem Kopf heraus. Und schon war sie bei ihm angekommen. Oder besser bei der kleinen Gruppe inmitten welcher er sich befand. Am Rande blieb sie stehen und lächelte sanft.
„Ich grüße euch alle miteinander!
Isaí, magst du mit mir ein wenig spazieren gehen?“
Sie wollte die anderen Wölfe, was auch immer sie alle bei Tyraleen zu suchen hatten, nicht aufhalten, hoffte aber, dass Isaí nicht zu sehr mit involviert war und Zeit für sie hätte.
Doch solange er sich noch nicht äußerte, nahm sie sich die Zeit und musterte einen ihr fremden Rüden, der neben der weißen Fähe Daylight stand. Er war fremd, wahrscheinlich noch nicht lange in diesem Tal, denn an ihm haftete kein bekannter Duft. Doch da er schon bei Tyraleen stand, befand sie sich nicht als verpflichtet sich nun um ihn zu kümmern und blieb dementsprechend auch weiterhin im Hintergrund stehen.
[Am Rande der Gruppe um Tyraleen herum - wartend auf Isaí]
12.10.2011, 13:17
Jakash lag am Bach, nicht weit vom See entfernt, und spielte mit Taleesha im Wasser. Naja, eigentlich sah er ihr hauptsächlich beim Spielen zu, aber ab und an spritzte er sie mit der Pfote ein wenig nass und musste sich dann vor den lachend knurrigen Gegenattacken retten. Derzeit berührten seine Pfotenspitzen das kalte Nass, während seine Augen unentwegt auf seiner Tochter lagen. Das amüsierte Lächeln auf seinen Lefzen ließ erahnen, dass er erneut dabei war eine passende Gelegenheit für eine Nass-Spritz-Attacke abzupassen.
Ein Ruf drang an seine Ohren und ließ ihn aufsehen. Sheena rief nach ihnen und dem Rest ihrer Familie, und der Klang ihrer Stimme ließ Jakashs Lächeln noch etwas breiter werden.
"Komm, Taleesha, deine Mutter ruft uns zu sich",
meinte er an seine Tochter gewandt und forderte sie damit auf, dem Ruf ihrer Mutter Folge zu leisten. Er selbst erhob sich ebenfalls und ließ den Blick schweifen. Ah, dort hinten konnte er sie bereits ausmachen. Ein paar andere Wölfe standen bei ihr, aber Jakash vermochte nicht sofort zu erkennen, um wen es sich dabei handelte.
Jakash setzte mit einem Sprung über den Bach über, anstatt einfach hindurch zu laufen, und wandte sich zu seiner Tochter um, dabei spielerisch mit der Rute wedelnd.
"Na los, wer zu erst da ist!",
forderte er sie zu einem Wettlauf heraus.
[Bach | Taleesha]
12.10.2011, 15:17
Krolock stand dem feurigen Zorn, dem ganzen Hass der ihm entgegen schlug locker gegenüber. Es rührte ihn nicht, brachte ihn nicht aus der Ruhe. Es amüsierte - nein, freute - ihn. Hass war so nahrhaft, so unglaublich erfrischend und belebend. Nicht, dass er dergleichen verspürte, er freute sich über den Kampf und über die Wut, die Turién ihm entgegen brachte. Wundervoll, einfach wundervoll.
Das Ziehen und Zerren seiner offenen Wunden störte ihn nicht weiter. Eine gewisse Schmerzverliebtheit konnte man ihm schon zuschreiben. Er hatte längst gelernt, die Kontrolle über sich zu halten, wenn ihm etwas weh tat. Noch lustiger, dass Turién so ein blutiger Anfänger war. Wunderbar unterhaltsam. Nahezu grenzenlos genial. Mit solcher Euphorie wartete er auf den neuen Angriff und lachte erstickt auf, als sein Gegener ihm über den Fang fuhr, weil er wohl nichts mehr hören wollte.
Und jetzt, Turién? Willst du ihn? Willst du den ultimativen Kampf auf Leben und Tod? Oder willst du weiter spielen, wie Welpen miteinander spielen? Krolock lachte über seine eigenen Gedanken und lauerte darauf, dass Turién loslegte. Anfänger. Der Kopf, das Gesicht, alles geschützt von Knochen. Wenn er ihm nicht seine Reißzähne in die Augen schlug, konnte er ihm kaum wirklich schaden. Ihn entstellen, ihn zerfleischen, all das war möglich. Aber wenn es bluten sollte, musste er anders vorgehen. Krolock sah seinem Kontrahenten in die Augen, während die Zeit stehen geblieben zu sein schien. Er nahm dessen Ausdruck war, spürte seinen Atem. Der Hass schlug ihm aus Turiéns Augen entgegen, schien fast zu ihm hinüber zu springen, als wäre er nur ein Haufen Reisig, der darauf wartete, endlich entzündet zu werden. Der Wind zerzauste sein Fell, als er sich ein bisschen zurück fallen ließ, um in der nächsten Sekunde nach vorne zu schnellen. Sein Fang war aufgerissen, so wie der von Turién und er stürzte einfach auf diesen zu. Was passierte nun? Konnte der Graue noch ausweichen, oder würden sich ihre Fänge ineinander verkeilen.
[Bei Turien] - noch nicht dazu kommen
12.10.2011, 22:49
Während Kirovs Pfoten ihn entschlossen, aber trotzdem äußerst gemächlich zu der Alphafähe trugen, sah er, wie sich ein großer, pechschwarzer Wolf zu dieser begab. War er ihr Beschützer oder etwas ähnliches? Es sah beinahe so aus, allerdings schien der Schwarze keinerlei Notiz von Kirov zu nehmen. Gut so.
Der Rüde hatte die Fähe beinahe erreicht, welche sich nun schützend über den Welpen, der sich bei ihr befand, beugte und ihn auffordernd anblickte. Zudem bemerkte der bunt Gemusterte erst jetzt, das Daylight ihn begleitete und die Alpha mit einem liebevollen Lächeln begrüßte. Er brauchte nicht einmal etwas sagen, da stellte Daylight ihn auch schon vor. Wie praktisch! Er lächelte der Alpha friedlich zu, ehe er respektvoll den Kopf neigte und ebenfalls etwas sagte. Es wäre ja äußerst komisch, wenn Daylight um seine Aufnahme bitten würde und er nur daneben saß und in die Luft starrte.
"Wie Daylight es sagte. Ich bitte um die Aufnahme in diesem Rudel, werte Tyraleen."
Seine Stimme war relativ leise und doch perfekt vernehmbar. Er nahm den Kopf wieder hoch und ließ seinen Blick kurz über die verschiedenen Wölfe schweifen, die sich nun alle zu Tyraleen gesellt hatten. Man konnte schon sagen, er war der totale Außenseiter. Trotzdem fühlte er sich, dank Daylight an seiner Seite, sicherer, als man sich als Fremder fühlen durfte. Doch Daylight schien eine enge Bindung zu der Alpha zu führen und dies wirkte sehr vielversprechend auf ihn. Schließlich schien die Goldaugenfähe von ihm überzeugt zu sein und das war mehr als gut. Trotzdem, man konnte nie wissen, was es hier noch für Wölfe gab. Nicht jeder hieß einen Fremden einfach so willkommen, wie zum Beispiel Daylight oder Aléya.
Kirovs Blick zuckte zu dem kleinen Welpen, der vorhin noch unter Tyraleen gelegen hatte, sich aber dann offenbar hinaus gequescht hatte und nun mit einer fröhlichen, schwarzen Fähe unterhielt, ihm aber zuvor noch einen neugierigen Blick zugeworfen hatte. Kirov unterdrückte ein Grinsen, ehe sein hellblauer Blick wieder zu Tyraleen glitt und auf den bernsteinfarbenen Augen der Weißen landeten. Sein Blick war freundlich, so wie immer, doch wirkte er eine ganze Spur distanzierter und zurückhaltender. Er durfte jetzt keinen Fehler machen, bei den vielen Wölfen. Er wollte hierbleiben. Dies war sein Ziel. Endlich ein Ziel, nach so ewig langer Zeit.
[tyraleen, isaí, face, daylight, kisha, sheena || spricht mit taraleen]
13.10.2011, 18:29
Mit Madoc hatte er inzwischen schon ganz viel über alles Mögliche geredet und der große Rüde hatte ihm bereits einiges von der Welt gezeigt. Maliks Muschel war sein Heiligtum, das er eifersüchtig hütete wie einen Schatz. Besonders vor Isaí hatte er Angst, wenn der der Muschel mal zu nahe kam. Er traute seinem Bruder durchaus zu, sie ihm wegzunehmen, weil er sie selbst hübsch fand. Was Malik besonders faszinierte war der kleine weiße Wolf, der ihn immer anschaute, wenn er die Muschel betrachtete. Er hatte sich nicht getraut, es einem der anderen Wölfe zu sagen, weil er befürchtete, dass sie ihn aus der Muschel vertreiben würden. Darum „traf“ er sich lieber nur heimlich mit ihm und erschrak immer ganz furchtbar, wenn er auftauchte, während andere Wölfe in seiner Nähe waren. Schade war nur, dass er nicht reden konnte, aber dann überbrückte Malik die Stille und erzählte ihm alles, was ihm so einfiel.
Nun jedoch war die Muschel gut versteckt und der Tag noch ganz unvertan. Da kam es dem Welpen ganz Recht, dass seine Mutter ihn zu sich rief. Und da sie auch Papa bei sich haben wollte, konnte er die Anwesenheit seiner Geschwister gerade so akzeptieren. Bisher hatte er allein mit einem welken Blatt gespielt, beobachtete aber nun, wie seine Mutter in die entgegengesetzte Richtung marschierte. Bestimmt ging sie zu Tinca oder Isaí, denn Papa Jakash und Taleesha konnte Malik sehen. Sofort war der Welpe auf den Beinen und ganz bei der Sache. Mit großen Welpensprüngen sauste er los, stürmte an seinem Vater und seiner Schwester vorbei, nur um dann in die Gruppe hineinzugeraten, die sich an einem eigenartigen Baum versammelt hatte. Dessen Namen hatte Malik bereits wieder vergessen.
„Ich bin da, Mama!“, verkündete er außer Atem, dann wurde er sich der Gesellschaft bewusst und trat schnell ein paar Schritte zurück, um nicht so im Fokus der Blicke zu sein.
Etwas ehrfürchtig sah er zu Tyraleen und dann direkt zu dem großen Rüden, dessen Geruch ihm gänzlich fremd war. Fragend huschte sein Blick weiter zu Isaí, den er diesmal besser nicht ärgerte weil er das Gefühl hatte, hier in ein wichtiges Treffen geplatzt zu sein. Umso tragischer war es, dass sein Bruder sich da einfach reingemogelt hatte. Aber Zeit für Rache war sicher später.
Nun galt es erstmal, die ganzen Wölfe hier einer kurzen Musterung zu unterziehen. Der doofe Isaí, der mitkommen sollte. Dann war die ebenso böse Kisha auch mit dabei, die, die sich ja von ihm hatte um die Pfote wickeln lassen und ein schwarzer Rüde, den Malik zwar vom Sehen kannte, seinen Namen aber nicht wusste. Er hatte Himmelaugen wie Avendal, die er inzwischen als „blau“ kannte. Trotzdem mochte er es im Vergleich mit dem Himmel lieber. Und mit dem fremd riechenden Papawolf war eine Mamawölfin dazugekommen. Die roch zwar nach dem Rudel, aber Malik war sich nicht sicher, wie sie hieß.
Etwas geschafft ließ sich der Welpe auf sein Hinterteil fallen und beobachtete immer abwechselnd die Gesichter der verschiedenen Wölfe. Nur Isaí, so weit unten wie er, war da unwichtig.
13.10.2011, 23:15
„Kommst du mit, Kisha?“, flüsterte er ihr zu, ehe er sich mit einem Nicken von Tyraleen und Face und einem weiteren skeptischen Blick von Daylight und Kirov verabschiedete.
Er machte ein paar weitere Schritte, blieb erneut stehen und wandte sich zu Kisha um, als wolle er ihr gar keine Wahl lassen, hierzubleiben. Immerhin war sie die Erste gewesen, die ihn um seine Gesellschaft gebeten hatte. Seine Mutter hätte sicherlich nichts dagegen, wenn sie mitkam, oder? Fragend wandte er den Blick von der Schwarzen hin zu seiner Mutter, als suche er Bestätigung in dieser unausgesprochenen Annahme, ehe er auch die letzten Meter zu ihr überwand und ihr zur Begrüßung über die Lefzen leckte. Dann erst bemerkte er die weiße Fellnase, die sich halb hinter Mama verstecke, neigte den Kopf leicht zur Seite und haschte schließlich spielerisch nach dem Ohr seines Bruders, um daran zu ziehen. Doch im nächsten Moment ließ er auch schon wieder desinteressiert von ihm ab, hielt nach Kisha ausschau und wandte sich erneut an Sheena.
„Hast du was dagegen, wenn Kisha mitkommt?“, fragte er erneut, ehe ihm der interessierte Blick seines Bruders auffiel und ein selbstsicheres Grinsen auf die Lefzen des Roten trat. „Das dahinten ist ein Fremder, der ins Rudel aufgenommen werden will!“, erklärte er leise und war stolz auf sich, seinem kleinen Bruder etwas erzählen zu können, was er nicht wusste.
14.10.2011, 10:43
Verträumt horchte sie auf ihre Umgebung, ihr ganzer Gesichtsausdruck sah aus, als würde sie gar nicht hier sein. Irgendwo in einer Traumwelt gefangen, stolzierte sie so voran und brachte womöglich jeden zum Lachen. Zumindest konnte er sich ein Lachen nicht verkneifen und so wurde Miss Cassy aus ihrem Traumzustand durch sein dunkles kehliges Lachen herausgerissen. Halb schmollend und unzufrieden blickte sie drein, starrte ihren Bruder an, dann hüpfte sie weiter und rief mit ihrer hellen Stimme ihrem Bruder zu, er solle sie fangen. Das ließ er sich nicht zweimal sagen und schon war er aufgesprungen und rannte mit schnellen Sprüngen seiner Schwester hinterher. So viel Spaß hatten sie lange nicht mehr gehabt. Seit ihrem Tod nicht mehr. Und seit Esmiras Tod nicht mehr. Doch jetzt konnten sie es sich erlauben. Wild springend und lachend tollten sie durch die Welt und hatten schon ihre Umgebung vergessen, als Cassy ruckartig stehen blieb und ihre Nase in den Wind hob. Sie riss ihre Augen weit auf und starrte dann ihren Bruder an. Dieser seinerseits hob nun die Nase in den Wind. Was er da in die Nase bekam, gefiel ihm: der Geruch eines Reviers. Das andere Revier hatten sie gleich wieder verlassen gehabt, weil er selbst dem dortigen Rudel nicht hatte beitreten wollen, weil an deren Reviergrenze seine Mutter gestorben war. Oder zumindest Ziehmutter. Nun endlich ein neues Revier gefunden zu haben ... Er strahlte. Aufgeregt schüttelte er seinen Kopf und setzte sich sofort in Gang. Still folgte seine Schwester ihm und zusammen betraten sie nun also ein neues Revier. Da beide keine Ahnung davon hatten, wie sie sich bei einem anderen Rudel bemerkbar machen sollten, trotteten sie einfach voran, als würde es selbstverständlich sein.
[color=red]"Bruderherz, du siehst ja ganz zausig aus!", klagte Cassy. "Mit dem wirren Fell und den tausenden offenen Narben willst du dich einem fremden Rudel vorstellen?"
Er hörte wahre Empörung in ihrer Stimme, konnte sich jedoch nur zu ihr umdrehen, lächeln und nicken, um darauf hin gleich weiter zu laufen. Er wollte dieses andere Rudel erreichen, unbedingt! Und seine Schwester würde ihn ganz sicher nicht mit ihrem Schönheitsfimmel aufhalten. Sie war die eitle von den beiden, nicht er. Also würde es ihm auch egal sein, wie zerzaust und narbig er aussah. Gegen die Narben konnte er eh nichts ausrichten, und das zausige gehörte doch wohl zu einem Wolf - oder irrte er sich da? Doch seine Selbstsicherheit schrumpfte mit jedem Schritt. Sollte er sich vielleicht doch etwas ordentlicher machen? Durfte er überhaupt hier einfach so eindringen? War es ihm gestattet? Würde dieses Rudel ihm seine Bestimmung regelrecht von der Stirn ablesen können und versuchen wollen, diese Bestimmung ebenfalls umzusetzen? Glaubten sie überhaupt an den gleichen Glauben wie sein eigentliches Heimatrudel? Oder hatten sie einen ganz anderen Glauben? Ganz andere Götter? Unsicher verlangsamte er seine Schritte, konnte aber genauso wenig stehen bleiben. Doch seine Unsicherheit trat letzt endlich auch in seine Augen, worauf seine Schwester einen glucksenden Laut von sich gab. Nicht gerade aufmunternd. Doch er musste nun einfach vorwärts gehen! Und das tat er auch. Er wollte in einer neuen Familie ein neues Leben beginnen, und das hier war seine Chance. Wieder etwas sicherer geworden durch seine eigenen Worte, straffte er die Schultern, fiel in einen schnellen Trab und erreichte schon bald den Ort, wo es noch stärker nach Wolf roch. Nach vielen verschiedenen Wölfen. Er hob die Nase noch einmal in die Luft, schluckte unsicher und schritt dann auf eine Gruppe von Wölfen zu, die er entdeckt hatte. Im Mittelpunkt stand eindeutig eine weiße Fähe, sie strahlte etwas aus, das ihn darauf schließen ließ, dass sie die Leitwölfin war. Mit den Ohren wackelnd blieb er in zehn Wolfslängen Entfernung stehen und senkte den Kopf unterwürfig, jedoch mit deutlicher Unsicherheit. Hinter ihm jappste und maulte seine Schwester um seine Aufmerksamkeit. Aber da er nicht wusste, ob die anderen sie auch sehen konnten, beachtete er sie nicht. Seine Aufmerksamkeit lag auf den Reaktionen der Wolfsgruppe vor ihm. Er hoffte, dass er nicht sogleich vertrieben werden würde. Hoffend wartete er ab, traute sich nicht, die Stimme zu erheben.[/COLOR]
{Tyraleen, Face Taihéiyo, Daylight und Kirov || nahe Kisha, Sheena und Malik}
14.10.2011, 15:13
Dazu das: Porcelain
Malicia schaute auf das klare Wasser. Sie bemerkte, wie die junge Fähe neben ihr dachte, atmete, lebte, sprach. Sie sah nur in das Wasser. Der Boden war kalt und alles wurde in dieses Licht gehüllt, dieses wirklich unwirkliche Licht, ein leuchtender Sonnenuntergang. Die Quelle spiegelt den Himmel, die Bäume, die Schwarze und die Graue. Sie sieht sich, ihre kalten Augen, das verzerrte Selbst. Das schiefe Lächeln, so falsch und unrichtig. Sie sieht sich.
(Wo bist du? Wo bist du nur?)
Es wird bald Nacht. Die Zeit der Träume, der Gedanken. Was macht das bei Malicia für einen Unterschied? Der gleichmäßige Atem der kleinen Liel. Ihren eigenen Herzschlag. Ein Rythmus, eine Melodie, von Engaya geschaffen, immer während. Engaya. Diese weiße, wunderschöne, ewige Göttin. Banshee. Warum musste sie sterben, als Gotteskind? Warum? Warum...?
(Warum bliebst du nicht bei mir, Mama? Auch wenn ich so viel Falsches getan habe. Obwohl ich so falsch bin ... du hättest bleiben können! Du hättest! Du wolltest nicht gehen! Mama ...)
Das Lächeln verfliegt mit dem Wind, der das Fell der Wölfe ergreift und damit spielt. Ihre Innere Stimme wiederholt ihren Namen, Banshee, Banshee, immer wieder und Malicia fragt sich, was mit der Kleinen ist. Warum ausgerechnet sie? Was will Liel bei der kalten, verklemmten Malicia?
Zwickmühle. Das Wort sticht ihr in den Kopf, treibt dahin, wird wieder aufgegriffen, schwebt auf sie hinab. Der Herbst letztes Jahr war so - so farbenfroh. Dieses Jahr ist sie nur farbenblind. Sie sieht die Schönheit. Doch sie würdigt sie keines Gedankens. Am liebsten würde Malicia fliehen, in fremde Lande und in noch fremdere Situationen. Was will sie hier länger?
(Nein ... ich kann nicht gehen. Ich habe es Mama doch versprochen. Ich darf nicht gehen. Niemals. Ich muss doch aufpassen.)
Kein Wunder, dass es so still um sie herum ist, ewig still. Beide Fähen befinden sich in Gedanken, nur für sich allein. Allein gemeinsam. Wie amüsant.
"Du bist klug für dein Alter. Aber das hätte ich ahnen können. Das seid ihr alle, in diesen schweren Zeiten."
,spricht die schwarze Fähe, ohne darüber nachzudenken. Letztendlich war es doch ein Krieg für alle, der seinen Spuren hinterlassen hat. So ist das eben mit den Kämpfen. Ob es verbale oder körperliche sind. Sie hinterlassen ihre Spuren ...
"Du weißt schon, was du machst. Aus den richtigen und gerade aus den falschen Entscheidungen in deinen Zwickmühlen kannst du nur lernen. Und letztendlich als Sieger hinaus gehen."
{Bach || Liel}
16.10.2011, 10:53
Der laue Wind wehte den beiden Wölfen ein Schüsschen Wärme des vergangenen Tages entgegen, während sie sie sich schweigend vom Wasserfall, um den sich der Großteil der Wölfe gesammelt hatte, entfernten. Ein nachdenkliches Lächeln lag auf den Zügen des größeren Wolfes, während er die Bäume um sie herum betrachtete, die dieses Jahr keine rotgolden glühenden Blätter verlieren würden und doch trotzdem etwas Wärme versprühten, die man jedoch wohl eher den letzten, leuchtenden Sonnenstrahlen der untergehenden Sonne zuzuschreiben konnte. Doch auch, wenn die letzten Mondläufe wie verhext gewesen waren, hatte der Schwarze einen Optimismus inne, den auch ein seltsamer Wintersommer nicht brechen konnte. Schließlich hatte er diese zerbrechliche Wölfin an seiner Seite, der ein Glitzern in den Augen eigen war, zu dem man nichts Vergleichliches finden konnte. Sie war einzigartig in ihrer Art zu sprechen, zu lächeln und zu laufen und die Eleganz, die sie umwaberte wie eine Duftwolke, war mit nichts anderem zu vergleichen. Kurzum: Er war schlicht und einfach glücklich, sie bei sich zu haben.
Doch auch die Weiße schien am heutigen Tage kein Wässerchen trüben zu können. Sie hatte den Wandel abgeschlossen und Aarinath verziehen, auch wenn es immer noch irgendwie tief in ihrer Seele zu schmerzen schien. Es gab nun einmal Dinge, die man nicht einfach so vergessen konnte, auch wenn man es sich von ganzem Herzen und noch viel stärker wünschte. Solcherlei würde einen noch bis ans Lebensende verfolgen, aber mit etwas Glück schaffte man schnell, es in die tiefste Ecke des Seins zu verdrängen, um nicht allzu oft daran zu denken. Und irgendwo hatte das Entsterben des Feenkinds sicherlich auch seinen Vorteil. Die Polarwölfin hatte ihre Gedanken nun vollkommen für sich und musste sich nicht ständig Sorgen um die Mutter ihres Gefährten machen, wenn diese wieder einmal schwächelte oder schlecht gelaunt war. Doch noch viel einfacher wäre es gewesen, wäre Aarinath nicht überhaupt erst in ihr aufgelebt, denn dann hätten Jumaana auf einen anderen Weg über das Versagen und Stürzen Takashis erfahren können –einen, der nicht so sehr wehtat.
Doch mittlerweile war ihr das alles gänzlich egal, denn sie war glücklich mit dem, was sie im Augenblick hatte. Das Liebste ihres Lebens an ihrer Seite und ein anscheinend geregeltes Klima. Einen wunderschönen Sonnenuntergang, der den wolkenlosen Himmel zum Glühen brachte und ein rötlich-violettes Funkeln in das rechte Auge der Wölfin zauberte. Nun lächelte auch sie, blieb stehen und wandte den Kopf zu Takashi um.
„Ist alles in Ordnung mit dir?“
IM Grunde genommen konnte sie sich diese Frage schon selbst beantworten, doch am liebsten hörte sie es immer noch von ihm selbst, wie er sie bejahend anlächelte. Alles war gut. Zwar ließ sich über diese Tatsache streiten, doch in ihren Augen war es so. Sie zweifelte nicht mehr an sich selbst, ihrem Gefährten oder Majibáh, sie zweifelte nicht mehr an ihrem Leben und dem Rudel. Es hatte viel Zeit gekostet, diese Erkenntnis zu gewinnen, doch jetzt, wo ihr alles glasklar erschien, machte es Jumaana umso glücklicher. Sie wusste nicht mehr, wie viele Mondläufe sie noch zu leben hatte und sie wusste nicht, was noch am morgigen Tag geschehen würde,. doch irritierenderweise interessierte es sie nicht mehr. Es hatte keinen Wert mehr, wenn man wusste, wie es einfacher sein konnte und es war ein schönes Gefühl, sich nicht mehr sorgen zu müssen. Doch natürlich gab es durchaus Dinge, über die die Wölfin dauerhaft nachgrübelte – das Welpenwachstum, die baldige Jagd oder der nächste Sturm. Andererseits hatte sie keine Angst mehr vor der Zukunft und konnte sich deshalb voll und ganz darauf einlassen. Es ging nicht immer nur darum, vorauszuschauen, sondern auch darum, sich fallen zu lassen. Und Jumaana hatte das Vertrauen in ihr Leben wieder zurückerlangt.
„Natürlich ist es das. Ich dachte nur gerade an Urion.“
Urion. Eigentlich ein Tabu-Wort zwischen ihnen. Der Graue hatte lange Zeit zwischen ihnen gestanden und nach seinem Tod hatte die Wölfin sich viele Vorwürfe gemacht, zum größten Teil überflüssig. Es war Niemandes Schuld gewesen, doch umso schwerer fiel es ihr, einzugestehen, dass das Loch in Takashis Herzen nicht mehr zu füllen war. Der Bruder fehlte und wenn etwas so sehr fehlte wie ein leibliches Familienmitglied, gab es keine Ersatzmöglichkeiten. Mittlerweile hatte Jumaana sich an die Tatsache gewöhnt, dass es einen Urion gegeben hatte und er auf gewisse Weise - durch seine Nachkommen - noch unter ihnen weilte. Und der Gedanke, dass er von irgendwo auf seinen Bruder hinabschaute, hatte auch etwas Tröstendes an sich, denn Urion wusste, was der Schwarze durchlebt hatte, weil er es am eigenen Leib erfahren musste. In gewisser Weise würden sie immer vereint bleiben, auch wenn sie in verschiedenen Sphären lebten.
- [ Mischwald | Takashi ]
17.10.2011, 17:31
Wenn er ehrlich war, gefiel ihm die sonderliche Wortwahl nicht. Es klang so… fremd. Vielleicht auch nur, weil Nihilus sie weder verstand, noch darauf eingehen konnte. Er fand überhaupt keinen Anschluss! Daher brummelte er leise, als Amur abermals mit dem geschwollenen Geplapper anfing und kippte die Lauscher fragend zurück. Er verstand nicht viel, dennoch huschten die grauen Spiegel zur – laut Amur – goldenen Wasseroberfläche. Ja, da musste er ihr recht geben: es war schön hier, sehr schön. Vielleicht sogar zu stimmig, um diesen Platz als neuen Rudelplatz zu definieren, oder lag er einfach nicht zentral genug? Der Wasserfall würde wahrscheinlich auf Dauer seinen Glanz verlieren, wenn Wolf ihn jeden Tag zu Gesicht bekam, oder gar des Nachts von dem tosenden Wasser gestört wurde.
[COLOR=#5F9EA0] “Das sind wahre Worte. Aber bei soviel Auswahlmöglichkeiten, wer soll sich da entscheiden können?“ , dies waren die Worte, die den Hellen zurück in die Gegenwart riefen. Er dürfte sowieso nicht mitbestimmen, wo und wann sie sich aufhielten, dafür war er noch zu jung und um ehrlich zu sein, hätte Nihilus auch niemanden über die Vor- und Nachteile der jeweiligen Plätze aufklären können, abgesehen von ihrer Schönheit, verstand sich. Mit einer ruckartigen Kopfbewegung schnellte die Schnauze wieder in die Richtung seines Gesprächspartners, den Kopf fragend schief gelegt. Hoffentlich nahm sie seinen Vorschlag mit dem Schwimmen nicht allzu ernst… das war doch viel zu kalt zu dieser Jahreszeit! Auch wenn die Graue wahrscheinlich gar nicht wirklich wusste, welch weiße Pracht der diesjährige Sommer ihnen beschert hatte.
Gerade als Nihilus die Fähe nach ihrem Wissensstand befragen wurde, schien diese sich endgültig entschieden zu haben, worauf sie Lust zu haben schien. Laufen. Laufen? Ein wenig perplex zuckten die viel zu großen Lauscher nach hinten, als Amur auch schon auf ihn los sprang und kurz danach davon jagte. Schon wieder fangen? Na hoffentlich würde es dieses Mal besser verlaufen als das „Spiel“ mit Krolock und Cirádan, da waren seine Künste ja wortwörtlich den Bach, oder besser gesagt Fluss, hinunter geflohen. Beinahe, als würde er sich selbst Mut zu sprechen, verengten sich die Augen ein Stückchen, bevor sich die weißen Läufe in Bewegung setzten, dem davonjagenden Wolf hinterher. Mist, jetzt müsste er auch noch den Vorsprung aufholen!
„Jetzt spielen wir also mit unfairen Regeln?“
Rief er ihr mit einem Lachen hinterher, das den Worten den Ernst nahm.
Laufen war gut. Laufen war aktiv. Genau das Richtige an diesem wunderschönen Herbsttag, auch wenn sie sich grade Wegs von dem Wasserfall abwandten in Richtung Wald, der in goldgelben Tönen erstrahlte. Mit einem Blick nach oben musste Nihilus sich sogar eingestehen, dass ihm die bunte Jahreszeit besser gefiel als der Sommer, in dem das dichte Blätterdach kein Licht hinab zum Boden scheinen ließ. Ein sanftes Lächeln auf den Lefzen, preschte er dem grauen Pelzträger hinterher und schaffte es sogar noch auf der offenen Wiese ihren Vorsprung einzuholen und nach ihrer Rute zu schnappen, die in greifbarer Nähe lag. Zu seinem Missfallen – oder sollte er sich lieber freuen, da sonst das Spiel viel zu schnell vorbei gewesen wäre? – schnappte er jedoch nur in die Luft und setzte mit einem Schnauben weiter hinterher. Also das viele Ausdauertraining nach seinem Versagen vor einigen Wochen hatte sich echt gelohnt. Oder bildete sich der Helle das nur ein? Allerdings verlor er den Glauben daran schnell, als sie tiefer in den Wald gelangten. Amur war eindeutig wendiger als er, der mit Mühe allen Hindernissen ausweichen musste!
„Möchtest du den Rehen den Kampf ansagen, oder warum prescht du wie verrückt weiter?!“
Sich selbst anstachelnd schaffte er es die Verfolgung weiter aufzunehmen und holte wieder ein Stück auf und versucht nach ihrer Flanke zu schnappen. Nicht feste, nur, um sie zu halten, die Rute wie ein Welpe pendelnd – zumindest wie es im schnellen Lauf zu handhaben war.
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(Im Wald, Amur)
17.10.2011, 22:04
‚Ihr seid alle klug in diesen schweren Zeiten‘.
Was waren schon schwere Zeiten? Das Leben kam ihr so einfach vor. So einfach erschien alles, nachdem sie den Tod ihrer Mutter im Welpenalter miterlebt hatte. Natürlich gab es hin und wieder Situationen die ausreichen Mut, Intelligenz und auch einiges an Ausdauer benötigten, aber was war das schon im Vergleich zu dem Verlust der eigenen Mutter. Und des Vaters. Die Entfremdung der eigenen Geschwister. Es war lachhaft, fast schon ein Scherz.
Das Lächeln der jungen Fähe verblasste, kurz nachdem Silberschein neben ihr es endlich aufgegeben hatte ihr gekünsteltes Lächeln noch weiter aufrecht zu erhalten. Warum lachte sie nicht ehrlich, freudig so wie Liel es getan hatte?
Was konnte einen Wolf so verbittern, dass er das Lachen verlernte? Für Liel war das unbegreiflich, sie war durch ihre eigene Hölle gegangen, wie alt war sie gewesen? So jung, dass sie sich nur schlecht entsinnen konnte. Vielleicht auch einfach so weit von sich geschoben, dass sie sich nicht daran entsinnen wollte. Aber sie konnte Lächeln, sie hatte ihre Freude wiedergefunden, die Farben in ihrem Leben waren wieder aufgeblüht. Wie jeder Wolf hatte sie mal schlechte Tage, aber das war auch gut so, sonst würde sie die Schönheit nicht mehr zu würdigen wissen.
Aber immer, immer so gedankenverloren, so traurig, so unnahbar. Ohne Farbe, mit erzwungenem, erlogenem Lächeln. Dabei war die Fähe so hübsch. Und so clever.
Sie sagte, Liel würde aus jeder Situation als Sieger hervor gehen. So hatte sie das noch gar nicht betrachtet, aber Silberschein hatte Recht. Würde sie sich für das richtige entscheiden, hatte sie gewonnen, weil sie keinen Fehler begangen hatte. Und würde sie einen Fehler begehen, würde sie wieder etwas dazulernen und war somit auch ein Gewinner.
Musternd glitten ihre Augen über die schwarze Fähe, die immer wieder mit ihren Gedanken abzuschweifen schien. Wohin nur, wohin ging die Fähe nur immer? An trübsinnige Orte, in nebelverhangene Gegenden, die nur selten das Sonnenlicht zu Gesicht bekamen, in der keine Farben vorherrschten, sondern tristes braun, grau, die Landschaften überzog. Warum nur?
„Wer hat dir dein Lächeln gestohlen?“
Schweigend ließ sie das andere Thema hinter sich, dachte nicht – ausnahmsweise- darüber nach, was sie sagte, fragte. Nicht über die Reaktion der anderen, nicht über die Intimität die hinter dieser Frage steckte.
‚Wer‘ war auch nur so dahin gestellt. Ersetzbar durch Ereignisse, Situationen die die Fähe zu dem traurigen Lebewesen gemacht hatten, die sie nun war. Oder vielleicht auch doch durch einen bestimmten Wolf? Oder mehrere?
Doch all das dachte Liel nicht, es war in ihr drin, doch sie dachte nicht darüber nach. Ihre Gedanken waren voller Nebel, die Farben nur noch schwach zu erkennen, sie drohte darin zu versinken, bis sie sich bewusst wurde, dass dies nicht ihre Gefühle waren, sondern die ihrer Gegenüber. Liel hatte sie aufgenommen, so wie Chanuka ihr Lächeln aufnehmen konnte. Oder sie seine Anwesenheit.
Aber ein winziges bisschen waren es auch ihre Nebel, die sich gebildet hatten, als sie Silberschein beobachtet hatte. So einsam obwohl sie hier neben ihr saß.
[Bach . Malicia]
18.10.2011, 19:33
Taleesha liebte die gemeinsamen Stunden mit ihrem Vater. Sie mochte es, wenn sie ihn ganz für sich alleine hatte und er sich um niemand anderen außer ihr kümmern müsste – um keinen aufgedrehter Malik, keinen wissbegierigen Isaí und auch keine ängstlliche Tinca.
Sie tapste etwas unbeholfen im kalten Nass herum und wartete auf einen gefährlichen Angriff, um sich dann sogleich auf Jakash stürzen zu können, alles darauf hinauslaufend, sich kurz darauf liebevoll miteinander zu raufen. Sie verfolgte jede kleinste Bewegung in ihrem Blickfeld und sprang oftmals panisch zur Seite, obwohl gar kein Angriff erfolgte. Aber das machte nichts, es freute sie, wenn sie Jakash zum Lächeln brachte. Und letztendlich war er immer der Schnellere, Taleesha reagierte zu spät und wurde doch nass. Dann stieß sie ein helles Fiepen aus, kam kurz aus dem Wasser, um sich pseudo-knurrend zu schütteln – und sprang im nächsten Moment doch wieder in den Bach.
Als sie den Ruf ihrer Mutter vernahm, wusste Taleesha sofort, dass die so kostbare Zeit mit ihrem Vater für diesen Augenblick vorüber war und sah einen Moment lang finster drein. Dann eröffneten sich ihr jedoch die Möglichkeiten, die in der Aufforderung ihrer Mutter lagen und sie freute sich, ihre Geschwister zu sehen und sich an das warme Fell Sheenas zu kuscheln. Außerdem würde ihr Papa ja mitkommen!
Dieser war bereits im Begriff, zu seiner Gefährtin zu gehen und lockte Taleesha nun mit einem Wettkampf. Die Kleine wollte ein ähnliches Kunststück vollführen wie er und über den Bach springen, kam jedoch genau in der Mitte des Gewässers wieder auf und kämpfte sich tapfer weiter bis zu ihrem Vater. Sie war etwas enttäuscht über ihr Misslingen, spritzte jedoch kurz darauf ihren Vater erneut nass, indem die sich kräftig ausschüttelte, blickte ihn neckisch an und rannte - ohne auf ein Kommando zu warten - japsend los.
"Mamaaa, wir kommen!"
[zuerst bei Jakash am Bach, dann auf dem Weg zu Sheena]
21.10.2011, 11:23
SL für Takashi bei Jumaana:
Eigentlich war Takashi ganz und gar glücklich. Das Lächeln auf seinen Lefzen war ehrlich, das Gefühl, Jumaana an seiner Seite zu haben, wunderschön und der Sonnenuntergang trug seinen Teil zur guten Laune bei. Allerdings wanderten seine Gedanken auch immer wieder zu Urion – unerklärlich, warum gerade jetzt und hier – und dann fühlte er sich mit einem Mal seltsam. Unruhe und geschärfte Sinne trieben ihr vorwärts und ab und an hatte er das Gefühl, Jumaana davonlaufen zu wollen. Dann schüttelte er innerlich den Kopf und lächelte über sich selbst um im nächsten Moment schon wieder kurz zu erzittern. Jumaana wollte er nicht beunruhigen, hatte aber auch das Bedürfnis, sie nicht anzulügen. Vielleicht würde sie verstehen, wenn er Urion erwähnte, dass etwas nicht ganz so wie sonst war. Immerhin sprachen sie nie über seinen Bruder und Takashi war sich nicht sicher, wie seine Gefährtin über den toten Urion dachte. Er war in jedem Fall kein Thema, das zu der eigentlich glücklichen Stimmung passte.
Kaum ausgesprochen, schien sich die Atmosphäre auch schon zu verändern. Takashi spürte einen unangenehmen Druck in seiner Brust und einen plötzlich stechenden Schmerz in seinem Kopf. Sein Atem wurde schneller und gepresster und jetzt irrte sein Blick hilfesuchend zu Jumaana.
“Jum…“
Ein roter Schleier zog über seine Augen. Takashi selbst schien nicht mehr im Körper des schwarzen Rüden zu sein, der Fluch hatte ihn ersetzt. Er war zurückgekehrt.
Ein wildes Knurren kam aus der Schnauze des Schwarzen, er fixierte Jumaana, knurrte erneut und hob die Lefzen um sein mächtiges Gebiss zu entblößen.
21.10.2011, 12:03
Dass Caylee es geschafft hatte, Tiberius so offensichtlich sprachlos zu machen, schenkte der Weißen eine große Portion Genugtuung. Sie hatte ihn verletzt, irgendwo, irgendwie und das war eine bittersüße Rache, die sie sich wohlig auf der Zunge zergehen ließ. Der Gestromte war so überrascht, dass er sich nicht einmal bemühte, es vor ihr zu verbergen. Das fühlte sich fabelhaft an. Caylee hatte das Bedürfnis nach mehr davon und hoffte, dass Tiberius nicht wie aufgefordert einfach gehen würde, sondern ihr bemüht aber versagend Kontra geben und sich somit noch mehr erniedrigen würde. Ja, auch wenn Caylee das nicht zugegeben hätte, sie hoffte, den Gestromten für die Sorgen, die er ihr angetan hatte, bestrafen zu können. Wie wenig das im Sinne Engayas war und wie sehr sie sich immer mehr und mehr von der Göttin, von der sie sich doch immer gesegnet gefühlt hatte entfernte, merkte sie in diesem Moment nicht. Und selbst wenn, wäre es vielleicht schon so weit gewesen, dass es ihr egal war.
Tiberius gab seltsame Laute von sich, schien zu brummen oder zu grollen und Caylee war sich nicht sicher, ob es eine Drohung darstellen sollte. Warnte er sie? Würde er es wagen, sie anzufallen? Sie zu verletzen? Vor den Augen des ganzen Rudels? Die Weiße spürte erstaunlicherweise keine Angst, sondern viel eher Neugierde, wollte den Gestromten noch mehr provozieren und sehen, wie weit sie gehen konnte. Schon legte sie sich neue Worte zu Recht, da bekam auch ihr Gegenüber endlich den Mund auf – auch wenn er nicht wirklich schlagfertig war. Sie hatte also keine Ahnung, na dann. Der gemeine Unterton entging ihr nicht, aber er zeigte ihr viel mehr, dass sie auch ihn wütend gemacht hatte. Doch was als nächstes kam, verblüffte nun sie. Sie ließ es sich nicht so sehr anmerken wie Tiberius, aber mit solchen Worten hätte sie nie und nimmer gerechnet. Was bildete sich dieser Rüde eigentlich ein? Erstens wollte sie überhaupt nicht, dass das mit ihnen was wurde, das sollte Tiberius gar nicht erst glauben und zweitens wäre es, wenn sie es denn wöllte, noch immer ganz allein ihre Entscheidung, ob er ihr gut tat oder nicht! Jetzt knurrte auch sie und schnappte absichtlich daneben nach seiner Schnauze.
“Richtig, ich bin die Tochter der Leitwölfin und deshalb hatte ich ganz bestimmt nicht vor, irgendetwas mit dir anzufangen. Du bist ein Feigling, der vor mir davonrennt und es dann darauf schiebt, dass er mich beschützen wollte, dabei weißt du ganz genau, dass ich mich selbst am besten beschützen kann. Bilde dir ja nicht ein, besser als ich zu wissen, was mir gut tut.“
Ihre Stimme war wieder leiser geworden aber noch immer schwang die Wut in ihr und hatte der Arroganz nur ein klein wenig Platz gemacht. Seine nächsten Worte standen den vorherigen in Nichts nach, zielten sie doch wieder darauf ab, dass er sich heldenhaft dafür einsetzte, ihr das zu geben, was sie seiner Meinung nach brauchte.
“Oh, du armer, armer Held. Du bist so endlos gut zu mir, denkst natürlich nur an mein Wohlergehen und stürzt dich dafür ins Leid.“ Der Spott quoll an allen Ecken und Enden aus ihren Worten. “Widerlich.“, zischte sie hinterher.
Als er sich zunächst ganz leicht näherte und dann plötzlich zurückwich, betrachtete sie ihn ausdruckslos, blieb doch unklar, was er mit dieser kleinen Tanzeinlage bezwecken wollte. Dann zeigte er ihr erstmals die Zähne und sie freute sich innerlich. Nun standen sie also beide mit angehobenen Lefzen vor einander, ganz so, als würden sie gleich einen Kampf beginnen. Sie knurrte erneut, verstummte aber, als Tiberius wieder sprach und zunächst eine Beleidigung auspackte um ihr gleich darauf zu schmeicheln. Wieder zeigte sich Hochmut auf dem Gesicht der Weißen, während sie ihn spöttisch musterte.
“Vielleicht solltest du erstmal etwas kürzer treten und dir eine drittklasse Fähe suchen. Vor der musst du dann auch nicht ängstlich davon laufen. Jeder muss klein anfangen, Tiberius.“
[ Waldrand beim Himmelsfelsen & Wasserfall | Tiberius ]
21.10.2011, 14:29
Wärmer, es wurde wärmer! So, wie es aussah, würde es bald wieder kälter werden, sollte der Herbst sich nicht doch noch dazu entschließen gleich in den Frühling überzugehen. Aber das konnte Malakím nicht davon abhalten, das vorrübergehende Schmelzen des Schnees zu genießen und das Glück des jungen Lebens, das dem Rudel beschert worden war. Ach, wie putzig die Welpen doch waren! Wie alle Welpen wohl, aber doch jedes mal wieder besonders Und eigentlich war er auf dem Weg, um sich näher mit den Kleinen zu befassen, als sein Blick auf einer weißen Gestalt nahe des Wasserfalls hängen blieb. Der Schwärzling hielt inne und legte den Kopf schief. Hach, er kam einfach nicht an schönen Fähen vorbei, ohne sie anzusprechen. Die Welpen würden ihm schon nicht davon laufen - oder eher doch, immerhin waren sie fast ohne Unterbrechung am Herumwuseln. Na, wie auch immer, er war hier, sie war hier, während die Welpen sonstwo waren. Malakím schwenkte herum und tänzelte auf die Weiße mit den blauen Augen zu.
"Halli-hallo-hallöchen",
erklang es singselnd und fröhlich von ihm. Malakím war nur erwachsen, wenn das nötig war.
"Ein so reizendes Geschöpf wie du sollte einen so schönen Tag nicht allein verbringen. Du bist Ahkuna, nicht wahr? Schwester von Rakshee und Jakash. Mein Name ist Malakím, falls du noch nichts von mir gehört hast. Malakím der 'Ewig Lächelnde'",
stellte er sich vor und lachte. Er setzte sich ganz selbstverständlich zu ihr.
[Beim Wasserfall | Ahkuna]
21.10.2011, 15:04
Face Taihéiyo erwiderte die Geste seines Patenkindes und fuhr ihr mit der Nase leicht über die Stirn. Irgendwo in seiner Brust drückte es leicht, Tyraleens glückliches Lächeln weckte Wehmut in ihm, den er sich natürlich nicht anmerken ließ. Es stand außer Frage, dass er sie sehr vermissen würde und noch immer fühlte es sich sein Vorhaben falsch an, im Bezug auf sie. Manchmal dachte er sich, er könnte doch einfach immer da bleiben und die Welt erst verlassen, wenn sie es auch tat. Aber der Tiefschwarze wusste auch – und hoffte, dass es so sein würde – dass das noch viele, viele Jahre dauern konnte. Und es war nie seine Aufgabe gewesen, ewig zu leben.
Face nickte dem Welpen freundlich zu, als dieser ihn zurückgrüßte. Und dann wurde es binnen von wenigen Augenblicken unerklärlich voll bei Tyraleen. Als hätten sie alle nur darauf gewartet hervorzuschießen und bloß zu verhindern, dass er alleine mit seinem Patenkind reden konnte. Er nickte Kisha zu, die Isaí zwar mitnehmen wollte, dafür war nun Daylight mit dem Fremden herbeigesprungen. Dann tauchte auch noch Sheena auf und wollte ebenfalls Isaí mitnehmen. Zu guter Letzt, blieb dann noch ein schwarzer Unbekannter in ihrer Nähe stehen, ohne etwas zu sagen, nur mit gesenktem Kopf. Vor wenigen Wochen noch hätte er sich mit all diesem befassen müssen, doch jetzt war er kein Beta mehr und diese Aufgabe lag bei Tyraleen. Er war gewiss nicht traurig darum. In der Rolle als stiller Beobachter, der zwar da war, direkt neben Tyraleen, aber sich nicht durch eine aktive Präsenz auszeichnete, gefiel er sich viel besser. Dennoch nickte er dem Fremden, nachdem er sich als Kirov vorgestellt hatte, höflich zu.
[ Muschelbaum | Tyraleen, Daylight, Kirov, Joké und Co. ]
21.10.2011, 16:29
Ohne, dass sie etwas tun konnte, wurde ein leises Seufzen aus ihrem Fang gelockt. Sie konnte nicht leugnen, dass sie das Leben im Rudel nicht vermisst hatte. War es doch viel schöner mit so vielen Wölfen zusammen zu leben, als alleine irgendwo in der Pampa herum zu streunen. Bis auf die eine oder andere Unannehmlichkeit hier im Rudel, bereute sie es nicht, dass sie zurück gekehrt war. Nichts würde dieses Rudel ersetzen können. Hier, wo sie doch so viele Wölfe kannte. Die sie kannten. Ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lefzen, als sie spürte, wie die letzen Sonnenstrahlen ihr Fell wärmten und ihre Nase kitzelten. Eigentlich müsste sich die Fähe einsam fühlen, doch das tat sie nicht. Sie genoss diese Ruhe einfach. Die Stimmen der anderen Wölfe und das fröhliche Quietschen der Welpen im Ohr hallend. Sie war so abwesend, dass sie noch nicht mal die Schritte hörte, die ihr immer näher kamen. Erst durch eine Stimme wurde sie zurück in die Realität ‚geworfen‘.
„Huh?“
Verwundert öffneten sich ihre eisblauen Augen und blinzelnd sah sie zu dem Wolf hoch. Im ersten Moment überschwappte die Helligkeit so sehr, dass sie sogar glaubte, dass Lunar wieder zu ihr gekommen war. Doch nachdem ihre Augen sich an die Abendröte gewöhnt hatten und sie den Rüden nun besser mustern konnte, wurde ihr sofort klar, dass sie ihn nicht kannte. Auch unterschied sich der Geruch von ihm und von dem von Lunar. Ihre Ohren schnippten kurz nachhinten und sie unterdrückte ein Augenrollen. Als ob Lunar zu ihr kommen würde und sie auch noch mit so einer Fröhlichkeit in der Stimme begrüßen würde. Doch auch wenn ihr Onkel etwas gewöhnungsbedürftig war, sie fing an ihn zu mögen. Es war wirklich verrückt. Aber seit ihrem letzten Gespräch mit ihm, konnte sie nicht anders und ließ seine Worte immer wieder in ihren Gedanken Revue passieren. Das Unglaubliche war, dass der Rüde das gesagt hatte, was ihr tatsächlich durch die Gedanken ging. Irgendwie vermisste sie seine Anwesenheit …
Sie legte ihren Kopf schief, als sie die nächsten Worte des schwarzen Rüden vor ihr vernahm. Sie presste ihre Lefzen aufeinander, um sich ein Lachen zu verkneifen. Stattdessen nickte sie bedauernswert.
„Selbstverständlich. Deswegen ‚opferst‘ du dich auch, damit ich nicht alleine bin, hm?“
Ahkuna konnte über den direkten Flirtversuch nur ihre Schnauze kräuseln. Er versuchte gar nicht seine schmeichelnden Worte irgendwie zu verstecken. Nein, er haute sie gleich heraus. Die junge Fähe wusste nicht, was sie von solchen Rüden halten sollte. Doch entschied sie sich fürs erste sein Spiel mitzuspielen.
„Da liegst du richtig. Scheint mir fast so, als ob du viel über mich in Erfahrung gebracht hast.“ Sie zog ihre Augenbrauen hoch und lachte leise auf. „Nun Malakím. Freut mich dich kennenzulernen.“
[Malakím | Beim Wasserfall]
22.10.2011, 16:15
Inzwischen hatte Kursaì ihre Familie, ihr Rudel wiedergefunden. Und ihre Familie war so groß geworden, hatte doch ihr Bruder kleine Welpen gezeugt. Dieser Umstand konnte sie über die Verluste hinwegtrösten, dennoch war mindestens genauso wichtig, dass Engaya bei ihr war. Sie hatte fast das Gefühl, als ob sie ihr hier in ihrem Geburtsrudel näher war. Dies war ihr Tal und so musste Kursaì, wenn sie die große Wölfin, die Göttin brauchte, hier mit ihrer Suche beginnen. Doch sie hat genauso etwas gleichwichtiges gefunden. Viele bekannte Gesichter hatte sie hier im Rudel wiedergefunden. Sie alle hatten sich verändert, der eine mehr, der andere weniger und doch waren es noch die gleichen Wölfe, die sie vor so langer Zeit verlassen hatte. Die Weiß-graue genoss es einfach, so gut es ihr gelang, wieder daheim zu sein, wieder mit den aus ihrer Jugend bekannten Gesichtern zusammen zu sein. Dabei fiel ihr auf, dass sie eigentlich noch gar nciht so alt war. Gleichzeitig waren die Welpen hier im Lager und dadurch wurden alle anderen alt. Die Welpen waren einfach nur schön. Jakash hatte für die nächste Generation gesorgt, hatte dafür gesorgt, dass das Rudel weiter existieren konnte. Sie freute sich einfach nur für ihn und wünschte den Kleinen einfach nur alles Glück der Welt.
Doch es gab noch mehr als die Welpen. Sie sah sich um, an diesem herrlichen Tag, und entdeckte einige Gesichter. Doch sie entschloss sich diesen herrlichen Sonnenuntergang auf ganz besondere Art und Weise zu genießen. Sie wollte ihre Heimat, sowohl alte als auch neue, überblicken. Wollte sie in Herrlichkeit getränkt sehen. Und dafür gab es nur einen Ort, der der Richtige war. Sie würde Engaya nahe sein und gleichzeitig ihrem Rudel wieder nahe sein. Mit diesen Gedanken machte die Fähe sich daran, den Pfad zum Himmelsfelsen hinaufzusteigen. Als sie oben ankam, stellte sie erstaunt fest, dass sie nicht die Einzige war, die es hier herauf verschlagen hatte. So schritt sie nach vorne und als sie nun erkannte, dass der Rüde vor ihr Aszrem war, sagte sie:
"Hallo, Aszrem. Was hat dich an diesem schönen Abend hier herauf verschlagen?"
Bei diesen Worten setzte sie sich in der Nähe von dem Rüden auf den Hinterlauf, sodass sie über die Landschaft sehen konnte, und auch gleichzeitig die Möglichkeit für ein Gespräch offen hielt, je nachdem, ob der andere daran interessiert war.
Sie wusste von dem Rüden nicht allzu viel. Was wollte er hier oben? Genoss auch er den Blick hinunter auf das Tal und hinauf zu dem goldenen Glanz? Oder hatte ihn etwas anderes hierher geführt. Letzteres tauchte aber nur am Rande ihres Geistes auf. Sie ging eigentlich davon aus, dass er diesen Ort nur dazu aufgesucht hatte, um die Aussicht oder vielleicht auch die Nähe zum Himmel zu genießen.
[Bei dem Himmelsfelsen | Aszrem]
23.10.2011, 16:24
Kurz hob er den Kopf an. Er hatte eine Reviergrenze überschritten.Ganz eindeutig. Der eigentlich erfahrene Rudelwolf zögerte.Sollte er sich jetzt bemerkbar machen, oder einfach an der Grenze vorbei ziehen und das Leben dieser Wölfe ihr Leben sein lassen? So wie bei den Anderen? Die Ohren schnippten nach vorn, als ein kalter Windstoß ihn erfasst und den Wolf die Pfoten hart in die Erde stoßen musste, damit es ihn nicht nach vorn stieß Was zum?! Vorwurfsvoll blickte sich Samirez um, als könnte er im nächsten Moment den Übeltäter erblicken, der ihn da so schändlich behandelte. Nein, nichts. Seltsam. Der durchdringende Blick wanderte zum Himmel. War das ein Zeichen? Er hatte sich zwar zuvor niemals von irgendwelchen Göttern leiten lassen, aber dies hieß ja nicht, dass es sie nicht gab. Vielleicht schickten sie ihn ja voran, wäre ja zumindest schön, wenn ihm zumindest eine Entscheidung mal abgenommen wurde. Obwohl er bei vielen anderen Sachen vermutlich protestiert hätte. Aber hierbei kam es ihm ja eigentlich nur Recht.
“Nun denn“, wisperte er leise zu sich selbst und atmete tief durch.
Schließlich baute sich die junge Seele hoch auf und schickte ein lautes, klangvolles Heulen zum Himmel, welches von seiner Ankunft erzählen sollte und das er sich nun aufmachen würde um die hier ansässigen Wölfe zu begrüßen. Noch immer war das Gefühl in seiner Brust beinah beklemmend. Was war, wenn ihm der 'Wind' oder was es auch immer war, auch einfach nur in die Irre führte? An der Nase herum wie ein einsamer Irrer?
Er musste es eingehen...
Samirez war sich nicht ganz sicher, wie weit er gelaufen war. Im Endeffekt hatte er sich damit beschäftigt, die Umgebung zu analysieren und seine Gedanken möglichst auszublenden. Dieses Revier erschien ihm anders, beinah absonderlich, auch jetzt, wo er sich langsam dem Rudel näherte. Er war ihrem Duft gefolgt, wie ein alter Landstreicher, als hätte er dies schon tausende Male gemacht. Der Schein trügte, all dies war für den Hellen grenzenloses Neuland. Vor ihm ragte ein Baum auf, der in seiner Pracht grenzenlos erschien, allerdings Früchte trug, die den Wolf verwirrten. Muscheln? Wie konnte ein Baum denn bitte Muscheln tragen? Er blinzelte. Vielleicht war dies alles hier nur ein ganz abstruser Traum? Nach zwei Schritten allerdings gab sich sein Blickfeld frei und erreichte eine Schar von Wölfen. Erneut atmete Samir tief durch. Nun denn. Respektvoll neigte er den Kopf und trat an die Gruppe heran.
“Ich grüße euch. Ich habe vor einiger Zeit ein Heulen gesandt. Ich bin ein Fremder in friedlicher Absicht auf der Suche nach... dem Glück.“
Eröffnete er vage und lehnte den Kopf zur Seite. Und auf der Suche nach einer Wölfin die mir mich selbst geraubt hat, fügte er in Gedanken lakonisch hinzu.
“Man nennt mich Samirez.“
Stellte er sich schließlich auch noch vor und verharrte schließlich. Er hatte kein Recht große Töne zu spucken oder anderweitig Dummheiten zu machen. Noch war er hier ein Fremder und zum Abschuss freigegeben.
[Muschelbaum | Tyraleen ; Face ; Daylight ;Kirov ; Joké ; und wer sonst noch alles da ist ]
23.10.2011, 17:56
Isaí schien sich zwar über das Lob Tyraleens zu freuen und wirkte auch ganz wie ein Welpe wirken musste, wenn er etwas Richtiges getan hatte, aber trotzdem verzog er die Lefzen und sah dabei ein bisschen wie sein Vater aus, wenn der einen schlechten Tag hatte. Die Weiße schmunzelte in sich hinein, lauschte dann aber aufmerksam der Kritik des Roten an ihrer Tochter. Offensichtlich war sie nicht sonderlich nett zu dem Kleinen gewesen, wurde Fieswolf genannt. Tyraleen war sich nicht sicher, ob sie darunter das Gleiche verstand wie Isaí, aber vielleicht sollte sie sich einmal mit ihrer Tochter über Welpen unterhalten. Dass sie fieser als Krolock war, erschreckte die Weiße beinahe. Krolock war immer das böse Waisenkind, das seit dem Tod seiner Eltern ein wenig verrückt geworden war. Nun zu hören, dass ihre eigene Tochter Krolock übertraf, war nicht gerade erhebend.
“Ich rede mit Atalya, ja? Sie soll nicht fies zu dir sein, erst recht nicht, wenn du so lieb bist und ihr eine Muscheln schenkst.“
Über die Grimasse Isaís musste sie erneut schmunzeln. Manchmal war sie sich nicht sicher, wie ernst Welpen ihre Erzählungen meinten, wenn sie dabei solche Gesichtsausdrücke machten. Aber der Kleine war vollkommen ernst und schien nun auch noch zerknirscht. Irgendetwas musste zwischen ihm und seinem Vater vorgefallen sein. Doch Faces Ankunft unterbrach ihre Unterhaltung, zudem waren Isaís Worte so wirr und irgendwie unzusammenhängend, dass Tyraleen sowieso nicht mehr mitkam. Jakash hatte etwas verboten, Turién hatte sich eingemischt und dann war da noch ein „er“, der naheliegender Weise nicht Atalya sein konnte. Vermutlich hatte Isaí da irgendetwas durcheinander gebracht, allerdings ließ er sich davon offenkundig nicht sonderlich einschränken, also gab es keinen Grund, sich weiter damit zu beschäftigen. Tyraleen beschränkte sich also auf ein Nicken und ein verschwörerisches Zwinkern, dann gab es Wichtigeres, als Muscheln und fiese Wölfe. Zunächst trat wie aus dem Nichts Kisha zu ihnen und Tyraleen wunderte sich innerlich, wo ihre Schwester so plötzlich hergekommen war. Eben noch gesucht und plötzlich stand sie vor ihnen. Mit einem Lächeln erwiderte sie die Begrüßung Kishas mit einer Schlecker über die Schnauze und war froh, als die Schwarze Isaí zu einem Abenteuer einlud. Ein Welpe und ein Fremder waren einfach nie eine gute Kombination. Aber der Kleine hatte andere Pläne und war offensichtlich viel zu neugierig auf den Fremden. Bevor Tyraleen zu einer Reaktion fähig war, tauchte nun auch noch Daylight auf und stellte den Fremden vor. Offensichtlich hatte sie bereits Bekanntschaft mit ihm geschlossen. Ein wenig konfus fuhr Tyraleen ihrer Schwester ebenfalls begrüßend mit der Zunge über die Nase und musterte dann Kirov, der mittlerweile respektvoll den Kopf gesenkt hatte. Er wirkte höflich zurückhaltend aber gleichzeitig auch freundlich und ganz so, als wäre es ihm tatsächlich ein Anliegen, hier bleiben zu dürfen. Ebenso höflich bestätigte er dann noch einmal Daylights Worte und auch wenn Tyraleen noch nie einen Fremden aufgenommen hatte, so schien ihr dieser perfekt für das erste Mal geeignet. Freundlich lächelnd erwiderte sie den Blick Kirovs und nickte.
“Ich grüße dich, Kirov. Wie meine liebe Schwester schon sagte, bin ich Tyraleen, die Leitwölfin des Rudels. Wenn du dich an unsere Regeln hältst und deinen Teil zum Wohl unserer Gemeinschaft beiträgst, darfst du gerne bei uns bleiben.“
Das in etwa hatte auch Banshee immer zu den Fremden gesagt. Es nun plötzlich aus dem eigenen Fang zu hören und die Macht über den Verbleib dieses Wolfes zu haben, wirkte noch immer seltsam auf Tyraleen. Noch hatte sie sich nicht daran gewöhnt, wirklich in die Pfotenstapfen ihrer Mutter getreten zu sein. Aber die Weiße hatte keine Zeit, sich mit derlei unwichtigen Gedanken zu beschäftigen. Zunächst sah sie aus dem Augenwinkel Sheena und Malik zu ihnen treten, aber zum Glück hielten sich beide im Hintergrund. Offensichtlich forderten sie Isaí erneut auf, etwas zu unternehmen und dieses Mal hatte es mehr Wirkung. Alle vier entfernten sich schon etwas und Tyraleen wollte sich gerade wieder Kirov zuwenden, als plötzlich ein zweiter Fremder auftauchte und in einem respektvollen Abstand mit gesenktem Kopf stehenblieb. Etwas irritiert musterte Tyraleen den Schwarzen mit zerzaustem Fell und einigen Wunden wie er dort so stand und ein bisschen wie ein ausgesetzter Welpe wirkte. Dann fiel ihr aber wieder ein, dass er ein Fremder war und sie seine Absichten nicht kannte. Doch etwas überfordert, aber durchaus von Face an ihrer Seite gestärkt, warf sie Daylight und Kirov einen schnellen Blick zu.
“Daylight wird dir sicher gerne alles Wichtige zeigen und sagen. Ihr müsst mich nun entschuldigen, offensichtlich haben wir heute den Tag des offenen Reviers.“
Sie schmunzelte kurz, trat dann aber an ihrer Schwester und dem neuen Rudelmitglied vorbei auf den neuen Fremden zu und versuchte einigermaßen entspannt und gleichzeitig dominant auszusehen.
“Warum dringst du in das Revier meines Rudels ein, Fremder?“
Sie fand nicht, dass solche Worte zu ihr passten, aber mit der Entscheidung Leitwölfin zu werden, hatte sie sich auch für Strenge und Misstrauen entschieden, lag doch plötzlich das Schicksal so vieler Wölfe in ihrer Pfote. Und nun auch noch Welpen, denen sie sich selbst so nahe fühlte, obwohl ihre Verwandtschaft nicht so eng war wie zu den meisten anderen Rudelmitgliedern. Somit sorgte sie sich nur umso mehr und ein Ansturm von fremden Wölfen machte es ihr da sicher nicht leichter. Mit zwei sollte es ja nicht einmal genug sein. Vor einiger Zeit hatte ein Wolf um Einlass gebeten und als nun noch ein dritter Rüde auf sie zugelaufen kam, hoffte Tyraleen inständig, dass er es gewesen war und nicht noch mehr kommen würden. Der weiße Fremde erreichte sie nun ebenfalls mit respektvoll gesenktem Kopf und stellte erfreulicherweise gleich einiges klar. Er hatte geheult, war in Frieden gekommen, suchte das Glück – was Tyraleen als Aufnahmegesuch interpretierte – und hieß Samirez. Das waren immerhin weitaus mehr Informationen, als sie von dem Schwarzen erhalten hatte. Deshalb schenkte sie Samirez auch ein Lächeln und antwortete ihm weitaus entspannter.
“Willkommen, Samirez, im Tal der Sternenwinde. Mein Name ist Tyraleen, ich bin die Leitwölfin des hier ansässigen Rudels. Ich kann dir zwar nicht versprechen, dass du das Glück finden wirst, aber Heimat und Gesellschaft gibt es bei uns reichlich. Mit welcher Absicht bist du zu uns gekommen?“
Nun war sie wirklich froh, dass Sheena Isaí abgeholt hatte und dass Face nur wenige Schritte hinter ihr stand. Gleich drei fremde Rüden innerhalb weniger Atemzüge – eine unbekannte und fordernde Situation für die frisch gebackene Leitwölfin. Aber das Gefühl, bisher alles richtig gemacht zu haben, stärkte sie und so stand sie noch immer aufrecht und lächelnd vor dem schwarzen Unbekannten und dem weißen Samirez, der das Glück suchte.
[ Muschelbaum | direkt bei Face, Joké und Samirez - Kirov und Daylight daneben ]
23.10.2011, 18:33
Sie war schlichtweg verwirrt, als ihr Gefährte Urion erwähnte und ihr einen seltsamen Blick zuwarf. Einerseits wirkte er erleichtert – andererseits auch gequält. Als wollte er ihr irgendetwas anvertrauen, was er nicht aussprechen konnte und deswegen in seinen Blick legte. Doch sie verstand seinen stummen Hilferuf nicht, selbst als er ihren Namen sagen wollte, doch mitten im Wort abbrach. Verwirrt blickte sie zur Seite und wollte gerade einen wissenslosen Schritt auf Takashi zugehen, als der verheißungsvolle, rote Schleier über seine ozeanblauen Augen glitt. Die Wölfin zuckte für eine Sekunde zurück, doch dann sammelte sie sich um ihres Gefährtens willen wieder und atmete einmal tief durch. Sie kannte das Rot von früher und die Schlieren in seinen reinen Augen waren ihr nicht so fremd, dass sie vor Angst erzitterte. Doch trotzdem hatte Jumaana das Gefühl, irgendetwas misszuverstehen, was für den Schwarzen von großem Wert war, sodass eine Art von Ungleichgewicht zwischen ihnen herrschte. Sie verstand nicht, was vor sich ging, doch ehe sie die Schnauze öffnen konnte, knurrte ihr Gegenüber sie zähnefletschend an. Sicherlich wäre es klüger von der Weißen gewesen, ein paar rettende Schritte zurückzuspringen, doch sie blieb vollkommen regungslos auf der Stelle stehen, ohne mit der Wimper zu zucken. Ihr Kopf war gänzlich leergefegt und all die Worte, die sie nun hätte aussprechen können, waren dieser endlosen Dürre gewichen. Es war nichts mehr da, nur noch die Leere und das fehlende Verständnis. Zuerst verschwamm ihre Sicht, dann legte sich ein seltsamer, nebliger Schleier über die Landschaft und schließlich leuchtete ihr nur noch das grausige Rot aus einer vollkommenen Dunkelheit entgegen.
Er war wieder unter ihnen, der alles Zerstörende und er schien nicht gutgesonnen zu sein. Es war, als wäre er, bereit, alles und jeden in seinem Wege zu zerfleischen, in den schwarz befellten Leib gestiegen. Seine Augen brauchten kein Ziel zu finden, denn er hatte das, was er nun wollte, direkt vor sich. Den tropfenden Fang weit aufgerissen starrte er die Wölfin an, die sich nicht mehr zu regen schien und irgendwo durch seine Gedanken flog die Erinnerung an ein ähnliches Erlebnis am Bergsee, als der Wolf seine Zähne in ihren Hals hatte schlagen wollen. Dieses Mal würde er zu Ende bringen, was er damals begonnen hatte und dieses Mal würde nicht nur sie mit dem Leben bezahlen müssen. Es war ein großes Rudel und er war hungrig – so hungrig, dass es nichts gab, was ihn davon abhalten würde, sie alle mit Haut und Pfoten zu verschlingen. Vielleicht wollte er sich nicht einmal rächen, vielleicht handelte er schlichtweg ohne Grund, doch nun, wo er kurz vor dem Blutrausch stand, brauchte er keine Beweggründe mehr. Er stand so kurz vor seinem Ziel und nun, wo er die volle Kontrolle über den kräftigen Höllenwolf erlangt hatte, gab es kein Entrinnen mehr. Lange genug hatte er das Verständnis und die Liebe walten lassen müssen.
Es gab viele Dinge, die Jumaana in diesen Sekunden hätte tun können, auch wenn ihr nicht allzu viel Handlungsraum blieb. Doch sie blieb weiterhin reglos stehen und starrte die gefährlich leuchtenden Augen ihr gegenüber an, ohne wirklich zu verstehen, was hier vor sich ging. Es gab einmal eine Zeit, in der die Angst vor dem Fluch gänzlich verschwunden blieb, in der sie nicht einmal aufkam, wenn es Takashi wieder besonders schlimm zu gehen schien. Doch diese Zeiten waren vorbei und nach wenigen Augenblicken begriff die Polarwölfin voller Angst, dass es längst nicht mehr ihr einstiger Gefährte war, der vor ihr stand. Es war der Fluch in seiner reinsten und absurdesten Form und egal, was sie nun tat - Takashi hatte verloren. Und wenn er verloren hatte, hatte sie ebenso verloren und deshalb gab es in ihren Augen nichts, was sie noch machen konnte, außer sich mutlos dem Tod zu stellen. Irgendwann war die Zeit eines Jeden gekommen und wenn das hier nun ihre letzten Atemzüge sein sollten, dann war es irgendwo auch richtig. Man hatte nicht immer eine Wahl.
„Es war einmal ein Schmetterling …“,
begann sie mit zitternder Stimme und verstummte. Ihre Mutter hätte nun gewusst, was zu tun war. Sie hätte gekämpft bis zum Schluss oder sie wäre geflohen – doch das Letzte, was sie täte, wäre kampflos aufzugeben. Sie hätte sich nicht eingestanden, dass das Leben ohne ihren Gefährten immer etwas Nutzloses bleiben würde und sie hätte nicht lange nachgedacht, bevor sie gehandelt hätte. Jumaana war schon immer anders als ihre Mutter gewesen, doch in diesem Moment schien es, als würde nicht der gleiche Geist in ihnen wohnen – als hätten sie rein gar nichts gemeinsam.
Jumaana würde sterben, während Moira lebte.
- [ Mischwald | Takashi ]
23.10.2011, 19:42
Nachdem Tyraleen auch sie begrüßt hatte, ließ Kisha den Blick wieder kurz über die Runde schweifen. Besonders auf den kleinen Welpen achtete die Schwarze, schenkte ihm ein sanftes Lächeln. Dass Isaí sich jetzt erst den Fremden genau ansehen wollte, brachte die dunkle Wölfin leicht zum lachen. Solch ein fremder Wolf hatte natürlich immer eine enorme Anziehung, wenn man als kleiner Welpe nicht einmal das ganze Rudel kannte. Sie betrachtete also still die Wölfe, die sich zu ihnen begaben, bis Sheena zu ihnen trat. Diese Wölfin blickte sie einen Moment lang an, nickte ihr freundlich zu. Und nun würde Isaí also mit seiner Familie gehen, das freute ihn sicher auch. Ein wenig unerwartet kam die Frage, ob sie folgen würde, dann schon. Ihre Ohren schnippten leicht, ein kurzer Blick zu Sheena, dann zu Isaí, der seiner Mutter hinterher lief. Es kam wieder so viel auf einmal, dass sie kaum hinterher kam. Und dazu all diese fremden Gerüche in der Luft, dass ein leises Seufzen ihrer Kehle entfloh. So wandte die Schwarze den Kopf leicht herum, blickte mit einem sanften Lächeln auf den Lefzen kurz zu Tyraleen, die sich nun ganz den Fremden widmete, dann einen Moment zu Face, ehe sie sich abwandte, ihrem Patenwelpen folgend.
Bei Isaí und seiner Mutter angekommen, inzwischen war auch Malik bei ihnen, stellten sich die Ohren der dunklen Fähe auf, und noch einmal richtete sich ihr brauner Blick auf Sheena, ein dankbares Lächeln auf den Lefzen. Dann neigte Kisha leicht den Kopf, fuhr mit der Nase durch Isaís Pelz, zupfte kurz an den Spitzen.
„Gibt es ein bestimmtes Ziel?“
Mit diesen Worten hob sie nun wieder den Kopf, suchte kurz nach den anderen Wölfen, die sich langsam zu ihnen gesellten, ehe sie sich wieder an die Mutter der Welpen wandte.
[Sheena, Isaí, Malik – Tinca, Taleesha, Jakash]
23.10.2011, 20:58
Das hatte sie nicht gewollt.
Wie konnte man nur so naiv und dumm sein? - Und damit meinte sie nicht die kleine Graue, die ihr diese eine Frage gestellt hatte. Sie meinte sich selbst. Die vierjährige, die ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter machte und den Jungwölfen etwas vorspielte, dass sie ohnehin nicht verstanden. Silberschein war sie gewesen. Ein Wort, was wie Musik in ihren Ohren geklungen hatte, da es so edel, mystisch und seltsam vertraut klang. Liel hatte recht. Sie war nur ein Schein. Ein Schein, der anderen eine Maske zeigte, die sie nicht war. Dabei wurde sie ohnehin enttarnt. Malicia war eine schlechte Schauspielerin. Die schlechteste. War sie nicht eine verdammt Marionette in diesem Theater, was sich Gleichgewicht nannte? Natürlich. Jemand spielte ein Spiel mit ihr, ein gemeines. Wer ihr das Lachen gestohlen hatte? Man mag es dem kleinen Funken Verstand verdanken, dass Malicia der Kleinen nicht entgegen geschrien hatte "Fenris war es!". Hätte sie sich selbst, Bansheekind, damit verraten? Ihre tiefste Sehnsucht preis gegeben? All ihre Intimität verloren, um einem Welpen eine Antwort zu geben?
Jemand wollte sie zum Narren halten. Das Fenris sich in Wölfe einschlich war ja nichts seltenes mehr. Diese Frage kratzte in ihr, versicherte eine alte Fähe und brachte Spannung in diese Szene, die vor wenigen Augenblicken noch so friedlich gewesen war. Sie musste sich zusammen nehmen, vorallem vor dieser Jugendlichen. Wer weiß schon, was dieser arme Spund hinter sich hatte. Anscheinend hatte keiner mehr ein normales Leben - oder wird keines haben. Man kann sich fast im gesamten Rudel durchfragen; überall gab es Todesfälle, Missbrauch, Einsamkeit. Malicia war nicht die Einzige, deren Eltern gestorben war. Bei ihren Geschwistern hatte es doch auch weniger offensichtliche Narben hinterlassen. Oder war Malicia schon immer so gewesen? Kannte sie sich den langsam selbst nicht gut genug, um das zu wissen? Man wusste die Antwort. Es war ein Wort. Nein.
Sie konnte der Kleinen nichts vormachen. Sie hatte einen untrügbaren Sinn für Problemsuche. Die kleine Detektivin hatte wieder zugeschlagen.
So intelligent sie auch anfangs schien. Man musste sagen, sie hatte dies mal wirklich kein bisschen über das, was sie sagte, nachgedacht.
"Ich weiß es nicht."
Eine ehrlich Antwort. Bravo.
"Ich weiß es nicht. Vielleicht bin ich schon ohne geboren."
Damit konnte man doch etwas anfangen. Malicia fühlte sich schrecklich unwohl. Es klang falsch, obwohl es die einzig richtige Antwort war. Sie konnte nicht beantworter werden, jedenfalls nicht mit Ja oder Nein. Es war wie die Frage des Sein oder des Nichtseins - jeder hatte eine andere Auffassung, hatte einen anderen Standpunkt oder dachte etwas anderes. Punkt. So war es auch mit dieser Frage gewesen.
{Bach || Liel}[/quote]
24.10.2011, 20:25
Er wusste nichts vom Kämpfen, wusste nur das, was er von den kleinen Spielereien mit seinen Geschwistern gelernt hatte - und schon vom ersten Augenblick war ihm klar gewesen, dass dieser Kampf keineswegs so war und so harmlos enden würde.
Seine Wunde an der Schulter blutete stark, schon von Anbeginn des Kampfes. Er hatte schon soviel Blut verloren, dass sich der Verlust langsam bemerkbar machte. In bangen Sekunden, die der Rüde zum Verschnaufen und atmen hatte verschwomm seine Sicht für Millisekunden, und der Rand seines Blickfeldes wurde dunkler. Auch sein Atem ging nun schneller, sein Herz pumpte, um den Verlust ausgleichen zu können. Doch wenn er sich zusammenriss und das Adrenalin ihn wieder weckte, wurde er wieder klar; und er wurde sich wieder bewusst, dass er Krolock schmerzen zufügen musste. Für die Schmerzen, die er Nerúi und ihm selbst zufügte und jemals zugefügt hatte.
Auch als Krolock seinen eigenen Fang aufriss und auf ihn zuschnellte, brach Turién den Angriff nicht ab. Mit einem unangenehm krachenden Geräusch krachten die Fänge der beiden Wölfe aufeinander und verkeilten sich. Nach einigen Sekunden des Ringens, schnellte der Silberne jedoch zurück. So würde er dem Schwarzen kaum Schmerzen zufügen können - also duckte er sich, und versuchte wieder einen Angriff von unten - hielt von unten auf die Kehle seines Kontrahenten zu, während Krolock nur die obere, geschützte Seite seines Schädels angreifen könnte.
( Beißerei | Krolock )
24.10.2011, 20:26
Mit ruhigen Schritten trabte der Hüne über den Rudelplatz, ein seliges Gefühl beflügelte seinen Trab, denn der Gedanke an Malik, seinen kleinen Paten, konnte selbst er ein Lächeln nicht verbergen. Er mochte kühl und unnahbar scheinen, doch im Umgang mit Welpen zeigte er sogleich ganz andere Facetten. Suchend blickte er sich daher um und erhaschte den jungen Rüden in einer Gruppe von Wölfen, woraufhin er beschloss, ihn zunächst einmal nicht aufzusuchen. Sicherlich würde sich noch genügend Zeit bieten, sich mit jenem kleinen, neugierigen Wesen zu befassen. Nun jedoch hatte er den grauen Pelz von Atalya erspäht, welche sich offenbar in stiller Einsamkeit zum See begeben hatte. Einen Augenblick hielt Madoc inne und überlegte angeregt, ob er am heutigen Tag in der rechten Gemütslage war, sich mit ihr zu befassen und die unausgesprochenen Worte zwischen ihnen zu sprechen. Nach kurzer Überlegung war seine Entscheidung gefallen, denn sein rationaler Charakter schrieb ihm regelrecht vor, Probleme und Sorgen nicht vor sich her zu schieben, denn man sagte so gerne "Zeit heilt alle Wunden", vergaß jedoch, dass sie eben solche auch vergrößern konnte. Mit entschlossener Anmut schritt der Sternentänzer auf seine graue Freundin zu und hielt erst, als er unmittelbar an ihrer Seite stand. Einen Moment lang verharrte er in Schweigen und blickte auf die spiegelnde Wasseroberfläche, welche eine Reflektion von ihnen zeigte.
"Wie geht es dir, Atalya? Du siehst nachdenklich aus"
Begrüßte er sie mit leiser, neutraler Stimme, wenn auch ein Hauch von Sorge in ihr mitschwang. Ob sie wohl immer noch Groll gegen ihn hegte, weil er sie an jenem Tag nicht hatte gehen lassen? Weil er sie hatte schützen wollen vor den unberechenbaren Vargen? Es schienen bereits Jahre vergangen zu sein, seit sie sich in jener Nacht zerstritten hatten und doch hatten sie bisher keine Gelegenheit gehabt, miteinander zu sprechen. Vielleicht hatten sie sich gegenseitig gemieden, vielleicht war es aber auch Schicksal. Etwas missmutig erinnerte er sich daran, wie er Neytíri davon abgehalten hatte, zu Atalya zu gehen, als diese sich im Gespräch mit ihrem Bruder verletzt hatte. Ja, auch er hatte sich offenbar dagegen gesträubt, sich abermals mit ihr auseinanderzusetzen, doch nun schien der rechte Zeitpunkt gekommen zu sein. Beinahe etwas vorsichtig musterte er ihr Antlitz mit blutroten Seelenspiegeln, wenn auch pure Neutralität von ihm auszugehen schien.
"Wir haben lange nicht geredet, zürnst du mir noch immer wegen dieser einen Nacht?"
Fragte er mit fester Stimme, während sein Blick wieder auf die Wasseroberfläche wanderte. Kurz blickte er schließlich über die Schulter zurück zum Rudel, dort wo Malik mit den anderen stand. Seit dem Dasein der Welpen hatte sich seine Laune etwas gehoben, wohlmöglich würde es ihm in diesem Gespräch zu Gute kommen.
[Unterhalb des Wasserfalls | Atalya]
24.10.2011, 20:59
Die Welt drehte sich weiter, dass wußte Atalya. Die Welt ließ sich nicht von den Gefühlen eines einzelnen Wolfes beinflussen. Aber war erwartete sie? Was konnte die Graue überhaupt noch erwarten? Sie wollte eigentlich nichts erwarten, konnte so nicht wieder enttäuscht werden. Es war nicht ihre Art, so zu denken, aber in diesem Moment ließ sie sich von diesem Gedanken einnehmen. Zu frisch war die Wunde, die Enttäuschung über das Gehen ihres Paten. Zu gern hätte sie ihn nun an seiner Seite gehabt, seine Wärme genossen. Aber ein kurzer Blick über das Rudel fegte diese winzige Hoffnung hinfort und es wurde wieder kalt. Es war vergebens. Die Augen schließend ließ sich die Wölfin auf den Boden sinken, bettete den Kopf zwischen den Läufen. Vielleicht konnte sie Erholung im Schlaf finden? Es war die einzige Möglichkeit, sie ihr übrig geblieben schien. Jedoch wurde dieser Gedanke schnell wieder verworfen, als sich leise Schritte näherten. Schnell öffnete die Graue die Augen, blickte zur Seite, ohne den Kopf zu bewegen. Isaí spielte in ihrer Nähe mit einer Muschel, knurrte sie an, kam dabei immer weiter in ihre Richtung. Ganz automatisch zog die Wölfin die Lefzen hoch, ohne einen Ton von sich zu geben. Ihr Nackenfell stellte sich auf, je näher der Welpe ihr kam. Er war nun der letzte, den sie in ihrer Nähe haben wollte, wäre sie sogar bereut gewesen, ihn weg zu beißen, wenn es nötig war. Ihre Muskeln spannten sich an, nun verließ auch ein kurzes, leises Grollen ihren Fang, als der Rote mit der Muschel in der Schnauze näher zu ihr kam. Atalya war kurz davor, auf die Läufe zu springen, als die Muschel zu Boden fiel, Isaí aufschreckte und in eine andere Richtung blickte. Atalyas Herz machte einen kleinen Sprung, als der Welpe wie gestochen davon lief, skeptisch beobachteten ihre Augen, wie er davon lief. Erst, als er weit fort war, verdeckten die Lefzen wieder die Fänge der jungen Wölfin, das Nackenfell glättete sich wieder. Vielleicht würde sie nun ihre Ruhe haben? Erneut schloß die Graue die Augen, ließ die Ohren aufgestellt, um gewarnt zu sein, falls doch ein Wolf zu ihr trat.
Und es dauerte nur wenige Moment, bis ein so bekannter Geruch an ihre Nase drang, die grauen Ohren das Geräusch von Pfoten in sich aufnahmen. Automatisch verkrampfte sich ihr Körper wieder, dieses Mal auf eine andere Art und Weise. Madoc war bei ihr, der Wolf, mit dem sie seit so langer Zeit nicht mehr gesprochen hatte. Das Ohr, an dem ein Stück fehlte, neigte sich leicht an den Hinterkopf, als der Weiße bei ihr zum stehen kam und leise sprach. Nun legte sich auch ihr zweites Ohr zurück, und Atalya öffnete leicht die Augen, wandte sich jedoch nicht zu dem Weißen herum. Was sollte sie nun sagen? Wie sollte es ihr schon gehen? Die Wölfin machte sich klein, drückte sich auf den Boden, so eng es ihr möglich war. Gerne wäre sie nun geflohen, wäre diesem Gespräch ausgewichen. Aber sie hatte kam Zweifel daran, dass Madoc ihr folgen würde. Also blieb sie hier, versuchte ruhig zu atmen. Sie hatte ihm doch immer alles sagen können. Er war doch... Madoc. Ihr bester Freund. Als der Rüde weiter sprach, zuckten die Ohren der Wölfin kurz, und für einen kleinen Moment hob sie den Kopf, blickte ihn an. Seine Worte, diese Erinnerung, waren ein weiterer Stich. Sie hatte sich nicht unter Kontrolle gehabt. Den Kopf wieder zwischen die Läufe sinken lassend verließ ein kurzes, leises Wimmern den Fang Atalyas. Was wußte er von Liam? Hatte er bemerkt, dass er fort war? Die Graue biß de Fänge aufeinander, kniff die Augen zusammen. Sie wußte nichts auf die Worte Madocs zu erwidern, konnte nur mit einem leisen Flüstern antworten, mit zitternder Stimme.
„Er ist fort.“
Ohne den Kopf zu bewegen, blickte Atalya kurz zur Seite, ließ den Blick einen Moment auf dem Weißen ruhen. Waren ihm diese Worte genug, oder würde er noch einmal auf die Geschichte am Waldrand eingehen? Wieder neigten sich die Ohren Atalyas zurück.
„Er kommt nicht wieder.“
[Unterhalb des Wasserfalles - Madoc]
25.10.2011, 13:53
Wieder entstand eine Stille zwischen den beiden Fähen. Die Pause zum Nachdenken, die Pause die Malicia scheinbar vor jeder Antwort benötigte, vor der sich Liel aber insgeheim fürchtete. Zuviel Gedanken vereinfachten die Antwort nicht. Sie erschwerten sie eher. Aber anscheinend sah Malicia das anders.
Liel wartete geduldig, beschäftigte ihre Augen mit dem leichten Wellenspiel welches der Bach zauberte. Immer wieder neue, einzigartige Wellen. Wassertropfen die hin und her spritzen. Alleine, gemeinsam. So wie sie beide. Gemeinsam einsam.
Die Antwort der Schwarzen war nicht zufriedenstellend für Liel. Sie sollte ohne Lächeln geboren worden sein? Das konnte sie sich einfach nicht vorstellen. Sogar ihr immer wütender Bruder Krolock war mit einem Lächeln auf den Lefzen geboren worden. Mit einem nicht irren Lächeln. Und auch Cirádan hatte früher nicht nur traurig lächeln können.
Oder die kleine Tinca die vor alles und jedem Angst zu haben schien. Auch sie konnte, hin und wieder, lächeln. Dann konnte es doch nicht sein, dass diese Fähe noch niemals hatte wirklich Lächeln können. Unvorstellbar.
„Das ist schwer für mich zu glauben. Welpen sind, wenn sie auf die Welt kommen, so naiv, so unwissend, dass ich mir nur schwerlich vorstellen kann, dass du noch niemals hast lächeln können.“
Ihre Worte beinhalteten keine direkte Frage. Eher einen Denkanstoß. Und vielleicht würde die Schwarze darauf eingehen. Wiederum eine lange Zeit schweigen, dann aber mit etwas Glück auch wieder ihre Stimme erheben. Liel war sich nicht sicher, was sie mit dieser Fähe anfangen sollte und wollte. Aber ihre Pfoten hatten sie hier her geführt und so würde sie jetzt nicht einfach aufgeben und wieder davon gehen. Und selbst wenn sich herausstellen sollte, dass die Fähe wirklich zu keinem ehrlichen Lächeln fähig war, würde Liel sie nicht verurteilen. Es musste einen tieferliegenden Grund haben und wenn Liel ihn nicht erfahren sollte, war es wichtig, dass die Fähe wusste, dass sie sich jemandem anvertrauen sollte. Schließlich half das meistens. Wenn auch nur ein wenig, die Last musste man nicht mehr alleine tragen. Und- ein wichtiger Punkt- das Umfeld konnte verstehen, warum sie so war, warum sie so reagierte. Ohne Lächeln.
„Ich habe einen besten Freund, dem kann ich alles erzählen. Hast du auch so jemanden?“
Natürlich konnte auch ein bester Freund nicht die Liebe einer Mutter, der Eltern, ersetzen. Aber dennoch war es eine Stütze, eine Quelle der Liebe und Geborgenheit auf die Liel nicht verzichten wollte.
Bei dem Gedanken an Chanuka schlich sich wieder ein herzliches Lächeln auf die Lefzen.
Sonnenschein. Sonnenschein.
Die Worte hallten in ihrem Kopf nach.
[Bach. Malicia]
25.10.2011, 20:35
Ruhig verharrte der hünenhafte Rüde neben seiner grauen Freundin und die Stille, die sich zwischen ihnen eingestellt hatte war unangenehm. In der Regel, so entsann sich Madoc, war ihre Zweisamkeit nie bedrückend gewesen, ganz gleich ob sie geredet, umhergetollt oder sich angeschwiegen hatten. Doch heute war es anders und er ahnte bereits, dass er etwas Ausschlaggebendes nicht mitbekommen hatte. Etwas verwundert trat er indes ein Schritt näher auf sie zu, als sie offensichtlich niedergeschlagen zu Boden sank. Gerne hätte er sie mit seiner Anwesenheit besänftigt, ihre Sorgen gelindert, doch die Barriere, die sich noch immer zwischen ihnen befand, verhinderte ihn. Abwartend musterte der Silberweiße ihre kläglichen Gesten und überlegte fieberhaft, was der Auslöser dafür gewesen sein mochte. Er glaubte bereits nicht mehr, dass der Vorfall in jener Nacht die Urgründe dafür waren, doch war er noch immer davon überzeugt, dass er einen ihm nicht ersichtlichen Fehler begangen haben musste. Als Atalya jedoch schließlich ihre Stimme erklingen ließ, schoss die Erinnerung wie ein Blitz durch seine Gedanken und er glaubte sich vage daran zu erinnern, dass ihr geliebter Pate Liam gegangen war. Er war sich nicht recht sicher, was genau vorgefallen war, doch die Trauer in ihren Seelentoren schien unverkennbar. Ein Anflug von Wehmut legte sich in den blutroten Blick des Albinorüden während er einen weiteren Schritt auf sie zutrat und sein Haupt senkte, um das ihre zu berühren. Die Ruhe, die von ihm ausging lastete eisern auf der nun wieder entstandenen Stille und doch war das Gefühl der Bedrückung dem von Einigkeit gewichen.
"Ich erinnere mich, verzeih meine Großspurigkeit und mein schlechtes Gedächtnis …", entschuldigte er sich mit gesenkter Stimme, bevor er fortfuhr: "Er mag nicht wiederkehren, doch er wird dich immer begleiten. Er weilt noch auf dieser Welt … so ist er auch nicht endgültig fort."
Es mochte ein vergeblicher Versuch sein, Atalyas Gemüt zu heben, doch Madoc sprach aus Erfahrung. Denn er hatte eine Erfahrung gemacht, die viel bitterer war als die, die seine Freundin nun erlebte. Denn sein Bruder war verstorben, er hatte seinen leblosen Körper gesehen, gefühlt und er wusste, dass er ihm nicht dorthin folgen könnte, wo er nun verweilte, noch nicht. Ein Hauch von Melancholie schlich sich auf das feine Antlitz und er versuchte nicht zu verbergen, welch Trauer der Tod seines Bruders in ihm ausgelöst hatte. Man konnte darüber streiten, ob der endgültige Abschied oder das Verlassenwerden schmerzvoller war, in Madocs Augen war es jedoch eindeutig ersteres.
"Aber erinnerst du dich? Ich war auch einmal fortgegangen und wie du siehst, bin ich wieder hier. Man sieht sich immer zwei Mal im Leben …"
Liebevoll schleckte der Hüne der grauen Fähe über die Schnauze und stieß sie mit einer sachten Geste an. Er wollte nicht verleugnen, dass der Abschied ein schwerer war, doch schließlich war es wenig sinnvoll so unnachgiebig darüber nachzusinnen, denn dies würde Liam nicht zurückbringen. Vielleicht würde er auch niemals zurückkehren, man wusste es nie, doch die Hoffnung starb schließlich zuletzt.
[Unterhalb des Wasserfalls | Atalya]
27.10.2011, 15:26
In der Ferne konnte sie Jakash ausmachen, der mit Taleesha unterwegs war. Just in diesem Moment setzte er über den Bach hinüber und blickte sich dann um. Wahrscheinlich würde Taleesha es ihm nun gleich tun wollen, doch Sheena konnte sich nur schlecht vorstellen, dass sie weiter als bis zur Mitte des Baches kommen würde. Die arme Taleesha. Leicht amüsiert musste Sheena dennoch grinsen, es war typisch für Welpen, ihren Eltern nachzueifern und hin und wieder ging dann auch die Elternvernunft mit ihnen durch, sie vergaßen sie und stifteten ihre Welpen zu unnötigen Fehlschlägen an. Nun, allerdings war ein kleiner Sturz in den Bach nichts Lebensgefährliches und weder Jakash musste sich hinterher schlecht fühlen, noch würde Taleesha Schmerzen davontragen. Höchstens ein wenig geknickten Stolz.
Grinsend wand sie sich wieder dem Geschehen vor ihr zu, wenn auch wenig teilnahmsvoll. Es waren einige Fremde eingetroffen und wäre Tyraleen nicht auch hier gewesen, wäre es Sheenas Aufgabe, sich um die Neulinge zu kümmern. Egal, was sie davor vorgehabt hatte. Doch nun widmete sich die Alphafähe bereits den Neuen und so griff Sheena nicht ein und beobachtete nur abwesend.
Malik kam angeschossen und kündigte sich lauthals an. Als ob sie ihn nicht schon bemerkt hätte! Allerdings wurde auch er sich dann wohl der großen Gruppe bewusst und trat, Dank sei Engaya, einige Schritte zurück und blickte orientierend um sich. Als er sich etwas erschöpft auf sein Hinterteil fallen ließ, grinste Sheena ihm schelmisch zu und begrüßte ihn mit einem langen Schlecken über die Schnauze.
„Hallo kleiner Schatz. So außer Atem, wir wollen doch gleich weiter!
Aufmunternd stupste sie ihn an der Schulter an, eigentlich um ein paar Schritte von der Gruppe zu treten, doch schon war Isaí sich ihrer Frage bewusst geworden und auf sie zu gekommen. Mit Kisha im Schlepptau, anscheinend wollte er nicht ohne sie gehen. Auch wenn sie sich gewünscht hätte, nur mit ihrer Familie unterwegs zu sein- diese Augenblicke waren so selten und darum noch kostbarer- konnte sie ihm seine Bitte natürlich nicht abschlagen. Natürlich auch, weil er Kisha bereits eingeladen hatte. Sie wollte keine Spielverderberin sein und warf der Fähe einen freundlichen Blick zu.
„Nein, wir haben kein bestimmtes Ziel. Oder hast du einen Wunsch?“
Sie wedelte mit der Rute, als nun von hinten auch der Ruf Taleeshas über den Platz drang. Sie hatte es also heile über den Bach geschafft. Wunderbar.
Mit der Nase schob sie Isaí und Malik ein kleines Stück in die Richtung ihres Vaters und ihrer einen Schwester. Wo war Tinca überhaupt? Anscheinend hatte sie den Ruf nicht gehört. Oder wollte ihm nicht folgen? Wie dem auch sei, es blieb natürlich ihre Entscheidung. Und dann würde sie einfach später ihre kleine Tochter aufsuchen. Noch ein aufforderndes Nicken in Kishas Richtung, dann tapste sie nach den beiden Welpen vor ihr, ehe sie in gemächlichem Trab auf Jakash und Taleesha zulief.
Freudig kreiste ihre Rute und bei den beiden angekommen begrüßte sie erst die nasse Taleesha mit einem sanften Schlecken und dann Jakash, indem sie ihre Schnauze kurz an der seinen rieb.
„Bist du etwa im Bach gelandet Taleesha?“ Das Schmunzeln in ihrer Stimme war kaum zu überhören, doch in ihm lag kein Spott, sondern liebevolle Aufmerksamkeit.
[ Tyraleen, sowie Grüppchen um sie in der Nähe. Direkt bei Jakash, Taleesha, Malik, Isaí und Kisha]
27.10.2011, 17:27
Das Geräusch von Schritten vertrieb die Träume von einer Familie, die noch komplett war - von einer Nyota, die noch lebte, und auch von einer Kylia, die Nerúi als Patin zur Seite stand. Aszrem seufzte leise, bedauerte aber nicht zu sehr, wieder in die Realität gerissen worden zu sein. So schön die Illusionen auch waren, man durfte sich ihnen nicht zu lange hingeben, denn sonst war die Erkenntnis der Wirklichkeit nur umso schmerzvoller. Man konnte nicht bei Verstand bleiben, wenn amn sich ewig zu sehr der Trauer hingab. Man konnte nicht Alpha sein, wenn man den Blick für das Hier und Jetzt verlor und für das, was wichtig war.
Aszrem wandte den Kopf um und erblickte eine erwachsene, aber noch junge Fähe. Anders als am Tag ihrer Ankunft - ihrer Wiederkehr, besser gesagt - wusste er diesmal sofort, wen er vor sich hatte. Beim ersten Wiedersehen hatte er dagegen nicht schlecht gestaunt über Kursaís Veränderungen, besonders, was ihre Augen betraf.
"Erinnerungen, Kursaí. Erinnerungen und das Gefühl, Nyota ganz nahe zu sein. Du erinnerst dich doch noch an sie, oder?",
antwortete er auf ihre Frage hin und gab auch gleich eine eigene zurück. Sie beide hatten sich nur kurz gekannt, bevor Kursaí das Rudel verlassen hatte, aber mit ihrer Tante Nyota hatte sie länger zu tun gehabt als mit ihm. Vielleicht wusste sie ja irgendetwas zu erzählen von damals. Aszrem war in der rechten Stimmung für Geschichten. Gute Tage aus der Vergangenheit, an deren Erinnerung sich erfreuen konnte.
Erfreuen, nicht nachtrauern - das war wichtig. Das Verhängnis steckte schon im Wort, denn wer nachtrauerte, trauerte eben zu viel. Nur wer sich an 'damals' erfreute, konnte auch etwas davon ins Jetzt mitnehmen. Etwas Nützliches. Zuversicht.
[Auf dem Himmelfelsen | Kursaí]
27.10.2011, 17:49
"Hey, warte auf mich!",
lachte Jakash, wohl wissend, dass Taleesha natürlich nicht warten würde. Immerhin war dies ein Wettkampf, und sie wollte ihn gewinnen! Jakash trabte also los und hinter seiner davon hetzenden Tochter hinterher. Er machte sich einen Spass daraus, das Rennen ein wenig spannend zu gestalten, indem er mal auf gleicher Höhe mit Taleesha lief, mal sie ein wenig überholte und dann wieder hinter ihr zurückfiel, wenn sie sich mühte ihrerseits ihn zu überholen. Der Sieger war am Ende: Taleesha! Natürlich, für Jakash hatte das von Beginn an festgestanden, aber das würde er seiner Tochter selbstverständlich nicht sagen.
Sheenas liebevolle Begrüßung erwiderte er sanft, bevor er übertrieben hechelte.
"Meine Güte, ich sage dir, Taleesha ist schneller als ein Reh",
meinte er zu seiner Gefährtin gewandt und blickte dann zu Taleesha herunter, um ihr lobend über die Stirn zu lecken. Anschließend glitt sein Blick zu seinen beiden Söhnen, die schon da waren und die er ebenfalls liebevoll mit einem Nasenstupser begrüßte, und letztendlich zu Kisha. Lächelnd nickte er Isaís Patin zu.
"Du kommst auch mit, nehme ich an?"
Für den Schwarzen war das vollkommen in Ordnung, immerhin gehörten Paten durch ihre Verbindung zu den Welpen zur Familie. Jakash Blick wanderte weiter zu den versammelten Wölfen nahebei. Er grüßte Tyraleen mit einem Nicken und mussterte die drei Fremden, die sich bei der Alpha eingefunden hatten. Das war irgendwie typisch - Fremde kamen immer alle auf einmal an, obgleich sie gar nicht zusammen gehörten. Wobei, vielleicht gehörten diese drei ja mal doch zueinander? Wäre jedenfalls mal was Neues, aber im Moment doch eher von untergeordneter Bedeutung für den Schwarzen. Er wandte sich wieder seiner familie zu.
"Und, wo steckt Tinca?",
fragte er in die Runde und sah sich um, ob seine schüchterne Tochter vielleicht gerade von jemanden hierher begleitet wurde.
[Grüppchen bei Tyraleen | Sheena, Malik, Isaí, Taleesha, Kisha]
27.10.2011, 18:16
Als seine Mutter ihn begrüßte und erklärte, dass sie doch gleich weiter wollten, rappelte Malik sich sofort auf, damit er bloß nicht für müde oder kaputt gehalten wurde und man ihn darum vielleicht nicht mitnahm. Nun gesellte er sich doch ein bisschen näher zu Isaí, auch wenn er ihn vorsichtshalber genau im Auge behielt. Man konnte nie wissen, ob und wann sein großer Bruder ihn überfallen und schmutzig machen wollte. Immerhin wäre es typisch für Isaí, das in einem Moment zu machen, in dem Malik auch nur einen winzigen Augenblick lang nicht auf ihn achtete. Aber jetzt sah es erst einmal gar nicht danach aus. Maliks Ohren stellten sich aufmerksam auf, als Isaí ihm von dem Fremden erzählte. Mit großen Augen sah er zu diesem, dann zurück zu dem Rotfell neben sich,
„Oh. Ist der nett?“, fragte er in der Annahme, dass Isaí den Fremden bereits bestens kannte.
Er beobachtete, wie Tyraleen ihn begrüßte. Besonders hübsch war er ja nun nicht, aber darüber sah sie bestimmt großzügig hinweg. Es konnten ja nicht alle Wölfe im Rudel gleich hübsch aussehen. Malik fand es nur gerecht, wenn die Alphawölfe auch die hübschesten Wölfe waren. Dann konnten sie nämlich ganz neidlos entscheiden, wer mit ins Rudel kam und wer nicht. Die Theorie fand Malik durchaus plausibel, aber er traute sich nicht so recht, sie Isaí darzulegen. Nicht, dass er Angst bekam, dass man ihn irgendwann mal aus dem Rudel warf. Oder er wurde traurig, weil er niemals Alphawolf werden konnte. Ein wenig aufmunternd lächelte er seinen Bruder an und ließ sich von seiner Mutter ohne großes Bitten voran scheuchen.
Ihnen kamen bereits ihr Vater und Taleesha entgegen, die gerade so aussah, als hätte der See sie fressen wollen. Mit aufgeregt wirbelnder Rute begrüßte er auch seinen Vater und anschließend seine Schwester mit einem zaghaften Zupfen an ihrem Knickohr. Nur nicht zu nah ran gehen, sonst wurde er so nass wie sie.
„Papa, hast du gesehen wie ich euch überholt hab? Wie viel schneller bin ich denn dann?“, fragte er auf die Aussage seines Vaters hin, Taleesha sei schneller als ein Reh.
Wenn er dann sogar schneller als Taleesha war, musste er ja richtig richtig schnell sein. Unvergleichbar schnell vielleicht. Malik strahlte seinen Vater an und schmiegte sich kurz an seinen Lauf, ehe er sich wieder an die Allgemeinheit wandte.
„Wohin gehen wir denn?“
Egal wohin, dass Tinca nicht da war, war ihm sehr recht. Doch er wusste, dass die Erwachsenen das nicht verstanden und vielleicht auch nicht gut fanden, wenn er das ansprach. Auch Taleesha war da eher nicht so der geeignete Ansprechpartner, weil sie Tinca wirklich lieb hatte. Sein Blick fiel wieder auf Isaí. Mit wenigen Schritten war er neben ihm und zog eine Grimasse, ehe er ihm seine Bedenken zuflüsterte.
„Ich mag nicht, dass Tinca mitkommt.“
27.10.2011, 18:51
Der Blick von dem Himmelsfelsen herab war herrlich. Ganz besonders bei diesem schönen Wetter. Kursaì fand es, wenn sie so darüber nachdachte schon erstaunlich, zu was die Natur alles fähig war zu erschaffen. Engaya schützte alles Leben, doch wer machte das Himmelslicht? Oder existierte dieses vielleicht aus sich selbst heraus?
Eigentlich war dies gar nicht, dass was sie wirklich interessierte. Ja, sie saß hier und schaute auf ihre Heimat. Sie hoffte, dass sie sich nie satt sah an dieser, dass sie nicht wieder wegwandern wollen wird. Gleichzeitig existierte nun eine Ruhe und auch Tiefe in ihr, die ihr diesen Wunsch glaubhaft erscheinen ließ. Nun wird sie wahrscheinlich hier glücklich werden können, auch wenn die Vergangenheit schwer wog. Dies war so, und Kursaì war bemüht das beste daraus zu machen. Hier lag sogar noch mehr Zukunft, wusste sie doch nun, dass die nächste Generation heranwuchs. Ihr schwarzer Bruder hatte Welpen bekommen. Bis jetzt hatte sie mit diesen noch nicht allzu viel Zeit verbracht, doch sie hatte sich vorgenommen in Zukunft häufiger an deren Seite zu sein. Auch wenn sie selber nicht Mutter geworden war, so wollte sie doch wenigstens ihren Nichten und ihrem Neffen eine gute Tante sein. Es wirkte fast so, als hätte sie ihr Schicksal zur rechten Zeit den Weg nach Hause gewiesen, auch wenn sie nicht mehr ihren Vater wiedergesehen hatte.
Halb aus ihren Gedanken gerissen, lauschte sie Aszrem. Sie hatte ihn angesprochen und nun sah sie ihm an, während ihre Ohren gespitzt waren. Erinnerungen: Wie viele der Rüde doch haben musste, war er doch um einiges älter als sie selber. Sie ging eigentlich sogar davon aus, dass er nicht nur im Vergleich zu ihr selber sehr alt war. Was hatte er wohl so alles schon erlebt.
"Ein guter Ort für Erinnerungen."
Diese Worte verließen ihre Kehle und doch sprach sie nicht direkt mit dem anderen. Es war eine Feststellung, und für sie stand fest, dass es wirklich so war. Hier zwischen Himmel und Erde konnte man gut den nicht mehr unter ihnen weilenden Gedenken, hier kam man ihnen näher. So hatte sie nun auch das Gefühl, dass sie Nigluràno so nahe, wie schon lange nicht mehr sein konnte. Auch wenn sie ihren Frieden mit der Welt geschlossen hatte, so vermisste sie ihn wie nichts anderes auf der Erde. Nicht einmal der Verlust ihres Vaters war genauso schlimm.
Plötzlich viel ihr auf, dass sie mit den Gedanken abgeschweift war, dass ein ganzes Stückchen an Zeit vergangen sein musste, in der sie geschwiegen hatte. Sie hatte die Frage des Rüden nicht vergessen und doch war sie ihr zunächst nicht so essentiell erschienen. Dies holte sie nun nach:
"Gewiss erinnere ich mich noch an sie, auch wenn es schon eine Weile her ist."
Ihre frühere Alpha war ihr gut in Erinnerung geblieben. Und dass sich Aszrem an sie erinnerte, und gewiss sich auch nach ihr sehnte, verwunderte sie eigentlich so gar nicht, war sie doch seine Gefährtin gewesen. Sie wusste nicht, ob sie als gerade erwachsen gewordene Fähe gegenüber einem so lebenserfahrenen Wolf dies sagen sollte, ob es angebracht war. Dennoch kamen die nächsten Worte aus ihr heraus, ohne dass sie groß über sie nachdachte.
"Alles vergeht wohl. Und nur weil wir es nicht wollen, verlässt doch alles das Leben und muss erkunden, was danach kommt."
[Auf dem Himmelfelsen | Aszrem]
27.10.2011, 19:06
Seinen Bruder kurz musternd und schließlich wieder zu den anderen spähend wog er den Kopf hin und er, ehe er die Schnauze etwas weiter in die Richtung seines Bruders schob, um nicht zu laut sprechen zu müssen.
„Vielleicht verstellt er sich ja nur.“, flüsterte er verschwörerisch und verengte die Augen prüfend.
Er beobachtete die Szene einen Augenblick lang, ehe er sich bereits wieder umwandte und seinen Vater mit seiner Schwester näher kommen sah. Seine Rute pendelte wieder fröhlich hin und her, während er leicht vorgebeugt dahockte, um an seinem Bruder vorbeizusehen. Leider entging ihm so auch das aufmunternde Lächeln der weißen Fellnase neben ihm, welches er ohnehin nicht zu deuten gewusst hätte. Vielleicht war es ja an Tyraleen gerichtet, dass sie sich mit so komischen Wölfen rumschlagen musste, die kein Zuhause hatten. Doch noch bevor Taleesha und Jakash bei ihnen ankam, fragte seine Mutter, ob er ein Ziel vorzuschlagen hätte. Er überlegte kurz, ehe er zu grinsen begann.
„Ich will wohin, wo es gaaaaanz spannend ist!“, stellte er als Bedingung und sprang schließlich auf, als auch die anderen beiden bei ihnen ankamen.
Er begrüßte seinen Vater liebevoll, indem er den Stupser erwiderte und wendete sich danach mit einem glücklichen Lächeln an seine älteste Schwester. Malik zupfte ihr vorsichtig am Ohr, wie man es eben von ihm gewohnt war, doch Isaí ließ es sich nicht nehmen, sie mit einem liebevollen Rempler von der anderen in der Gruppe willkommen zu heißen, sodass er sie leicht auf Malik schubste. Er tat so, als wäre das nie seine Absicht gewesen, als wäre es ihm auch gar nicht aufgefallen, während auch er ihr kurz über das nasse Fell leckte und sie schließlich anstrahlte.
„Hast du auch gelernt, wie man nicht vom Fluss gefressen wird?“, fragte er sie stolz und wedelte noch immer mit der Rute.
Schließlich wandte er sich wieder ab, lief zurück zu Kisha, weil er sie nicht einfach stehen lassen wollte und drückte sich kurz an ihr Bein.
„Hast du vielleicht ein gutes Ziel, wo wir hingehen könnten?“, fragte er, wurde aber unterbrochen, als sich auch Malik wieder zu ihm bewegte.
Er sah ihn fragend an, war er doch sonst nicht so, doch schließlich verstand er und schüttelte zögerlich den Kopf. Er rügte ihm mit einem leichten Zupfen am Fell und mit einem strengen Blick.
„Sie ist unsere Schwester.“, stellte er klar, doch im nächsten Moment verblasste seine strenge Miene. „Aber ich bin auch froh…“, fügte er mit leiser Stimme hinzu und senkte beschämt den Kopf.
Er mochte Tinca, er hatte sie gerne und sie war seine Schwester. Doch manchmal fühlte er sich von ihr nicht wirklich liebgehabt. Sie war so anders und – wenngleich sich Isaí mit ihr immer besonders viel Mühe gab – wusste er nicht recht, mit ihr umzugehen. Er hoffte, dass sich das noch ändern würde, so, wie das merkwürdige Verhalten seines Bruders.
27.10.2011, 20:58
Nachdem sie übermütig losgeprescht war hörte sie die Stimme von Nihilius hinter sich und sie lachte kurz. Sie erwiderte nichts sondern gab sich ganz dem laufen hin. Sie preschte über die Wiese, dem Wald entgegen. Goldgelb strahlten die Blätter der Bäume, das Licht der untergehenden Sonne fiel durch die Blätter der Bäume und das alles wirkte sehr harmonisch. Sehr friedlich. Sie fing an ihre Pfoten schneller voreinander zu setzen. Das laufen tat ihr gut. Es war so wild und frei. Die Stimmen um sie her rum hatte sie längst ausgeblendet. Ihr flogen sämtliche Gedanken durch den Kopf seitdem sie wiedergekommen war. Trauer, Wut, Erschütterung. So viel, so viel. Das meiste negativ. Als sie so darüber nachdachte, spürte sie wie sich Wehmütigkeit über sie legen wollte. Sie beschleunigte, wollte nicht wehmütig werden, wollte nicht darüber nachdenken. So lief sie schneller und schneller, verbannte die Gedanken die in ihr aufkommen wollten. Nicht jetzt, nicht heute. Sie sah wie die goldgelben Bäume näher kamen und als sie den Wald erreicht hatten horchte sie nach den Stimmen des Waldes. Sie hörte die kleinen Wesen um sich her rum. Die Spur des Gefühl war wie weg geblasen und Amúr atmete erleichtert auf. Sie lies ihre Zunge her raushängen. Sie fand ihre Freude wieder. Ein kurzer Blick glitt zu Nihilius der nach ihre Rute schnappte, doch das würde sie nicht zulassen, somit stieß sie sich kräftig ab und huschte durch den Wald. Ja, so eine Reise brachte schon was. Ihre Ausdauer war enorm gestiegen im Vergleich zu davor. Ihre Gedanken wollten zu Nasun streifen, dem weisen Wolf der sie so viel gelehrt hatte.
Wie würde er wohl reagieren wenn er in so einer Lage wäre?
Doch der grau-weißen blieb keine Zeit darüber nachzudenken, denn sie hörte hinter sich Nihilius und war unheimlich dankbar dafür, das er etwas sagte. Ein grinsen breitete sich auf Amúrs Gesicht aus und sie lachte leise ehe sie einen erneuten Blick nach hinten warf, Nihilius versuchte schon wieder sie zu erhaschen und dieses mal schein es ihm zu gelingen, denn sei spürte eine Berührung an der Flanke Abrupt bleib sie stehen, lief somit Gefahr das Nihilius in sie hineinrannte.
“Bin ich dir etwa zu schnell?“
fraget sie und drehte sich rasch zu Nihilius um, damit sie ungefähr abschätzen konnte ob er es schaffte zu stoppen oder ob er über sie fiel. Sie machte sich bereit zur Seite zu springen, doch ob ihr das gelingen würde war auch so eine Sache.
“Nihilius spring, spring über mich! Los, sei spontan!
rief sie neigte den Kopf zur Seite und duckte sich, ob er wirklich versuchen würde zu springen und ob er es schaffen würde. Oder versuchte er zur Seite hin auszuweichen? Oder rannte er gerade zu in sie rein? Das war die Frage und sie spannte sich an, machte sich auf die verschiedenen Möglichkeiten gefasst. Sie genoss den Tag, fand es wundervoll zu spielen und hatte es prima geschafft den Anflug von negativen Gefühlen zu unterdrücken. Zu verbannen in die dunkelste Ecke ihres seins. Denn heute wollte sie glücklich sein.
[Wald/Nihilius]
28.10.2011, 23:21
Zuerst recht langsam, beschleunigte die hellen Läufe schnell, als der Wald sich näherte und der Abstand zu Amúr immer größer wurde. Wie? Wollte sie etwa ein Wettrennen? Ein wenig verwirrt verengten sich die farblosen Spiele und verfolgten die graue Wölfin vor seiner Nase, der er leider nicht ganz so flink folgen konnte: die kräftige Statur ließ es einfach nicht zu, dass Nihilus eben so geschwind und wendig die unzähligen Hindernisse wie Bäume und Gebüsch überwinden konnte wie die schmale Fähe. Mist. Daran hatte er bei seinen vielen Übungsversuchen auf recht weiter Fläche nie gedacht: es gab ja auch Hindernisse auf so einer potenziellen Jagd! Mit einem Schnaufen kommentierte er seine eigene Schussligkeit und nahm sich mal wieder fest vor auch diese Schwäche zu beseitigen, oder zumindest ein wenig abzuflachen. Vielleicht könnte er es dann endlich mit seinem Bruder aufnehmen, oder zumindest Ciradán ein paar hilfreiche Tipps geben! Später… aber nicht Jetzt. Jetzt musste er erstmal Amúr fangen, deren Rute sich flink von seiner Schnauze entfernte, als er danach schnappen wollte und der Fang nur modrige, aber angenehme, Luft einschloss.
Die gefallene Frage der Gejagten wehte erst ziemlich spät an seine Lauscher, als die Graue – nach seinem Erwischen an der Flanke – weiter an Tempo zulegte.
„Mit dem Vorsprung, was erwartest du denn anderes?“
Erwiderte er lachend, wobei er sich selbst dennoch ein Stück schneller antrieb. Na, er müsste sich doch nicht aufziehen lassen! Auch wenn die derzeitige Vorläuferin sich wohl kaum von der kleinen Neckerei beeindrucken oder züchtigen ließ. Wolf, er konnte einfach nicht verstehen wie manche Artgenossen so viel am rennen finden konnten! Gemeinsam und im angenehmen Tempo war es etwas anderes, aber warum gerade am Sprinten?! Leise brummelnd ließ Nihilus daher schnell von der Verfolgung ab und verfiel in ein weit aus angenehmeres Tempo, auch wenn er versuchte Amúr weiterhin im Blick zu behalten, nicht, dass sie sich hier noch verloren! Aber so schnell konnte das ja nicht gehen, oder?
Doch! Ein Mal abgelenkt von dem Rascheln des Laubs neben sich, verschwand der graue Körper schnell aus dem Blickfeld, als der Wald dichter und das goldene Blätterdach massiger wurde. War sie etwa schon so weit entfernt, dass der Nichtswolf die Spielgefärtin glatt aus dem Auge verloren hatte? Entsetzt verfielen die Läufe wieder in einen Sprint und umrundeten das nächste Grün, um den Pelz zu schonen. Leider ein Fehler. Viel zu spät nahm er die Worte der Hellen wahr und registrierte, was diese wirklich bedeuteten – da war es auch schon passiert! Wie ein tollpatschiger Jungwolf – verdammt, aus dem Alter war er doch bald raus! – versuchte Nihilus vor dem liegenden Wolf zum stehen zu kommen, schaffte dies jedoch nicht und stolperte im versuchten Sprung über den grauen Körper, wobei er selbst dem laubbedeckten Grund viel zu nahe kam. Mist!
Entschuldigend rappelte sich der Rüde nach einer Schrecksekunde wieder auf und streckte sofort die Schnauze in Richtung Amúr, um zu kontrollieren, ob diese keine Verletzungen mit sich getragen hatte.
„Tut mir leid, ich hab dich zu spät gesehen…“, murmelte er leise.
Vorsichtig neigte sich der wuchtige Kopf zur Seite, die Rute pendelnd, als warte er auf eine Reaktion der Grauen. Das war ja wieder so typisch gewesen! Selbst die Welpen hätten schneller reagiert, darauf könnte er wetten!
„Ist alles okay mit dir…?“
Vorsichtig umrundete er Amúr. Er war mehr über sie gesprungen und hatte sie gestreift, als dass die beiden einen Frontalzusammenstoß gehabt hätten – aber dennoch: lieber ein mal alles abchecken! Um seiner Entschuldigung einen gewissen Nachdruck zu nehmen, verzogen sich die dunklen Lefzen zu einem schmalen Lächeln, in der Hoffnung, dass sie ihm das nicht ganz so übel nahm, bevor die Lauscher des Hellen mit einem Mal nach vorne schossen.
Was war denn das gewesen…? Er witterte Krolock und diesen komischen Ohrlochbeißer Turién schon länger, ja, aber das grade eben war doch eindeutig ein böswilliger Laut gewesen, oder? Fragend blickte er in den Wald hinein, als könnte er die Bäume zur Seite schieben. Allerdings zeigte sich weder seinem Blick ein weiteres Zeichen, noch seinem Gehör. Da war ihm wohl etwas in den falschen Hals gekommen.
Kopf schüttelnd richtete sich die Schnauze wieder auf Amúr.
(im Wald bei Amúr [Turién und Krolock in Riech/Hörweite])
29.10.2011, 16:04
Malicia wusste nicht mehr genau, wie das alles gewesen war. Als Welpe, unschuldiger Welpe, als noch nicht hätte ahnen können, wie sie werden würde. Als sie nicht daran dachte, dass Banshee und Acollon früher oder später sterben würden. Als viele im Rudel waren, die jetzt schon im Gedächtnis der alten Rudelmitglieder verblasst und deren Worte und Taten verweht wurden. Als viele noch nicht geboren oder eingewandert waren. Wie hatte sich das ganze Rudel geändert. Dabei war es nicht einmal ganz fünf Jahre her. Malicia war vier, aber es würde nicht mehr lange dauern, dass sie sich zu den Älteren zählen durfte. Das die Zeit nur an ihr und am Tal der Sternenwinde vorbei zog war ihr schon oft aufgefallen - in ganz besonderen Momenten, die nur ja nicht vergehen sollten, raste die Zeit mit tosenden Schwingen vorüber, verblasste die Welt und stürzte die Beziehungen der Wölfe untereinander. Es war furchtbar mit anzusehen, wie etwas oder jemand dahin siechte - wie die Zeit. Sie floß und floß, wie der junge Quell, der sich vor Malicia und Liel erstreckte, niemals endend und vorallem - unaufhaltsam.
Es war schon eine komische Sache, dass sie sich nicht wahrhaftig an ihre Welpenzeit erinnerte. Natürlich war es schön - wenn sie in ihre Gedanken hört, würde sie niemals etwas traumatisierendes oder stark negatives Ereignis aus ihrer Welpenzeit finden. Wahrscheinlich war das schlimmste ihre Morde. Die zahlreichen. An sich selbst, der Welpin und auch an ihren Eltern. Denn sie stand ihnen nie so bei, wie sie es selbst von sich verlangt hatte. Sie ließ sie allein und einsam um dann wieder anzukriechen, wenn es zu spät war. Mit so jemanden sollten sich Jungwölfe wie Liel, aber auch wie Minyala und Caleb nicht abgeben. Ein so widerwärtiges Ding wie Malicia sollte verboten, verscharrt und misshandelt werden. So, wie sie es verdiente.
Das erklärte allerdings noch immer nicht, warum Malicia nicht lachen konnte. Lag es möglicherweise daran, dass sie eben so dachte? Natürlich. Was auch sonst. Sie konnte niemanden, außer sich selbst verübeln, dass sie zu dem gemacht wurde, was sie jetzt ist. Die Selbstzweifel und der Hass kommen ja nicht von irgendwo. Hätte sie auch nur einen ruhigen Tag, an dem ihre Stimmen und ihre Zwänge nicht da wären, dann würde sie lächeln. Lächeln? Lachen würde sie, aus vollem Herzen! Aber dieses befand sich unter der Macht der Stimmen in Fesseln und konnte nicht befreit werden. Schließlich wurde ihr die Teilnahme am Leben durch sie genommen. Aber wem sollte sie das erzählen? Vor allem nicht der kleinen Liel. Auch wenn das vielleicht ein Teil der Erklärung gewesen wäre.
"Welpen sind wirklich so. Man sieht es an Isaí und Malik."
Sie seufzte seit langem wieder einmal ihr Lied und schaute in ihr Spiegelbild, in dem Wissen das es nicht lang dauern würde, bis sie die Augen schließen und sich abwenden musste, von der schwarze Hexe, die sie aus der Quelle hin anstarrte. Viel lieber würde sie irgendjemanden anderen sehen, jemand hinter sich, der ihr sagen würde, dass sie sich ihrer selbst nicht schämen oder gar hassen müsste. Kaum hatte sie das gedacht, da sprach Liel ihren Freund an. Sie konnte sich nicht denken, wer das sein sollte, vielleicht ein anderer der Jungwölfe, die mit ihr die meiste Zeit zu schaffen hatten. Wie sehr sich Malicia so jemanden ersehnte und erhoffte. Doch es blieb wohl ein unerfüllter Traum, wie sie dieser so viele hatte. Doch wie es mit Träumen so war, zerplatzte diese Gedankenblase, bevor sie überhaupt erhört werden konnte. So ist das Leben.
"Nein Liel, so jemanden habe ich leider nicht. Vielleicht finde ich so einen Freund. So wie du mich hier gefunden hast."
Ihr blick schwiff einen Moment auf die Graue, verharrte dort um sich wieder zu senken und den Lauf des Wassers an dieser wunderschönen Stelle zu betrachten. Es war ein ruhiger und friedfertiger Ort, dass musste sich die Fähe merken. Es war ausgesprochen schön und der perfekte Ort um Nachzudenken und zu Grübeln. Ihn würde sie wohl wieder aufsuchen, vielleicht war dieser Platz ja der Freund, den sie suchte. Wer weiß das schon.
{Bach || Liel}
29.10.2011, 16:11
Mit einem munteren Lächeln beobachtete die schwarze Fähe, wie es um sie herum immer voller wurde. Es dauerte nicht lang, bis auch Taleesha und ihr Vater bei ihnen angekommen waren. Ihr Augen ruhten einen Moment auf Sheena, schüttelte auf die Frage der Weißen hin nur leicht den Kopf. Sie würde sich eer Gruppe anpassen, es gab genug Orte, die für die Welpen interessant sein konnten. Außerdem sollte dieser Ausflug ihnen gehören, also sollten sie entscheiden, wohin die Reise ging. Im nächsten Moment wurden die beiden Welpen in die Richtung ihres Vaters geschoben, und Kisha setzte ihnen ruhig nach. Die Familie begrüßte sich gegenseitig, und Kisha fühlte sich einen Moment fehl am Platz. Jakash und sie waren zwar miteinander verwandt, und sie war die Patin des kleinen Isaís... aber gehörte sie dennoch zu ihnen? Sie spielte leicht mit den Ohren, lauschte den Worten, die gesprochen wurden, und schwieg dennoch. Erst, als Jakash seine Familie begrüßt hatte, und das Wort nun an Kisha selbst richtete, nickte die dunkle Fähe mit einem Lächeln auf den Lefzen. Auch der dunkle Rüde lächelte, schien nichts dagegen zu haben, dass sie die kleine Familie begleitete.
Wenige Atemzüge später sprang der kleine, rote Welpe zu ihr, drückte sich kurz an ihr Bein und Kisha denkte den Kopf, fuhr ihrem Patensohn kurz mit der Zunge durch das weiche Fell.
„Vielleicht sollten wir einfach los gehen? Wir kommen sicher irgendwo an, wo es ganz spannend ist.“
Kurz stubste sie den jungen Wolf an, blickte dann zu seinem weißen Bruder, der zu ihnen gekommen war. Die leisen Stimmchen, das geflüsterte Gespräch der zwei Brüder verfolgte sie nur mit einem Schnippen ihrer Ohren, ehe sie leicht den Kopf schüttelte. Kurz legten sich ihre braunen Augen auf die Eltern der beiden Wölfe, dann senkte sie erneut den Kopf zu den beiden, die bei ihr saßen, schaute beide einen Moment an.
„Meint ihr nicht, ihr solltet eurer Schwester eine Chance geben?“
[Isaí, Malik, Sheena, Taleesha, Jakash]
30.10.2011, 09:44
Ihre Fänge verkeilten sich kurzzeitig ineinander und Krolock spürte, wie sein Zahnfleisch an einigen Stellen zu brennen begann. Zusätzlich hatte der Biss von Turién seine Lefze ein bisschen eingeklemmt, so dass sein Gehirn sich plötzlich einzig auf diese empfindliche Körperpartie konzentrierte und pulsierend den Schmerz zu seinem Gehirn weiter leitete. Erstmals schmeckte er sein eigenes Blut während eines Kampfes. Lustig! Schoss es ihm durch den Kopf. Durch die Wundpflege wusste er bereits, wie es schmeckte, aber so frisch hatte er es nie beleckt. Nach dem der silbergraue, gleichaltrige Rüde zurück zuckte, fuhr sich Krolock mit der Zunge einige Male über den Fang, während er Turién beobachtete.
Der nächste, versuchte Angriff, langweilte ihn beinahe. Als wäre dies nicht völlig vorhersehbar gewesen. Auf seine Kehle passte er doch auf! Hatte der Schlaumeier das nicht bereits festgestellt, als er es das erste Mal versucht hatte? Krolock sprang schlicht zurück und verzichtete auf einen Gegenangriff. Irgendetwas verdeutlichte ihm, dass sein Kontrahent langsam an den Verletzungen zu nagen hatte. Der Kampf rettete ihn sicher davor, dies bewusst wahrzunehmen, aber was wenn -
Krolock wirbelte herum und rannte davon. Rennen! Sein Spezialgebiet. Eigentlich unfair, war er doch auch in der Schmerzunterdrückung schon viel besser gewesen. Aber der wahnsinnige Spinner verdiente eine Lektion und weil es durchaus spaßig sein konnte, ihn zusammenbrechen zu sehen, provozierte Krolock, dass er sich verausgabte.
„Schwächling!“
Fauchte er höhnend, ehe er gänzlich davon peitschte. Er wusste nicht, das Amúr und Nihil in der Nähe waren, rannte aber in die entgegengesetzte Richtung davon. Kurz prüfte er, ob er verfolgt wurde und machte einen provokanten Sprung, um zu demonstrieren, dass er es nicht plötzlich mit der Angst zu tun bekommen hatte, sondern sich lediglich über Turién lustig machte und rannte dann weiter. Noch nie in seinem Leben war er so bedacht darauf gewesen, das jemand mit ihm mithalten konnte. Immer wieder sah er sich um, damit sein Gegner ihn bloß nicht aus den Augen verlor. Denn wenn Rennen einen nicht ganz so praktischen Nachteil hatte, war es der, dass man seiner Wut einfach davon laufen konnte. Hach, wer sollte das besser wissen als er? Schwer einschätzbar, wie schnell Turién aufgeben würde. Während er noch zu ihm hinsah, vollführte er einen neuerlichen, lockeren Sprung und krachte in der nächsten Sekunde in etwas Hartes. Hart, aber doch bedeutend weicher, als ein Baum oder ein Fels. Noch während er darüber hinwegrollte, erkannte er strahlend weißes Fell und landete hinter der blöderweise ziemlich bekannten Wölfin auf dem Boden. Er schlug auf, landete auf einer Wunde die kurzzeitig derart schmerzte, dass er völlig die Orientierung verlor und kam wankend wieder auf die Pfoten, bereit dem Feind in die Augen zu sehen. Wenn seine Augen denn die Güte gehabt hätten, irgendwas vor ihm scharf zu stellen. Sein Körper war plötzlich erfüllt von Schmerzen, die ihm das Bewusstsein zu rauben drohten. Unterdrückung hin oder her, er war nicht Fenris selbst. Wo war Turién? Alles um ihn herum war so aufgewühlt. Er hörte das Rauschen seines Blutes in den eigenen, empfindlichen Ohren und schmeckte das Blut des Gegners, ebenso wie sein eigenes. Sein Fang triefte und er bildete sich einen Herzschlag lang ein, den Tropfen hören zu können, der einen Grashalm traf. Wie Regen. Aber das konnte nicht möglich sein, denn er hörte nicht einmal die sich nähernden Sprünge Turiéns. Was zur Hölle war mit seinen Sinnen passiert? Wie lange brachten diese, um wieder in Gang zu kommen?
Krolock duckte sich in Erwartung auf eine Fortsetzung des Kampfes und hatte noch nicht einmal realisiert, das da nicht nur Caylee – deren Geruch er sehr wohl zu jeder Zeit unter allen Wölfen erkannt hätte – sondern auch noch ein ihm eigentlich ziemlich unbekannter Rüde war, der sich mit dieser unterhalten haben musste. Das weiße, niedergestreckte Fell war also das einzige, was zwischen ihm und Turién lag.
[Prügelei mit Turién - dann mit diesem bei Caylee und Tiberius]
30.10.2011, 13:01
Jede Bewegung verlief wie in Zeitlupe. Es war nicht das erste Mal, dass das passierte, keineswegs. Er kannte das Gefühl des Adrenalinschubs, und die einhergehende Zeitverschiebung. Doch zum ersten Mal merkte er dabei, dass auch er selbst sich verlangsamte. Er merke es, als er Krolock angriff, und auf seine Kehle zielte. In seinem Gehirn war der Angriff längst geschehen, aber sein Körper schien sich nur schwerfällig bewegen zu wollen. Es konnte nichts dagegen tun - und so war es auch ein leichtes für Krolock den Angriff mit einem Sprung nach hinten abzuwehren.
Hechelnd schüttelte der Silberprinz den Kopf, versuchte sich der Wendigkeit und Schnelligkeit seines Körpers wieder bewusst zu werden. Für einen Sekundenbruchteil war es ein beängstigendes Gefühl, nicht mehr völlig Herr über seinen Körper zu sein... Dann registrierten seine Sinne, dass Krolock sich plötzlich umdrehte und davon sprintete - nicht ohne ihn vorher noch einen Schwächling zu nennen. Ohne darüber nachzudenken sprintete er hinterher; Dass er die Wahl hatte, auch einfach stehen zu bleiben, kam ihm gar nicht erst in den Sinn.
Krolock hinterher zu eilen erwies sich allerdings schwerer als gedacht - durch die stark blutende Verletzung an seiner linken Schulter, war es ihm kaum möglich mit seinem linken Vorderlauf aufzutreten. So stolperte er eher durch das Dickicht, als wirklich zu laufen. Doch es war ihm egal. Solange er mithalten konnte, war es ihm egal. Mit jedem Schritt den er rannte und stolperte verlor er immer mehr das Gefühl der Schmerzen in seinem Körper. Als ob ihm alles daran liegen würde, Krolock zu stellen.
Ab und zu verlor er den Schwarzen, doch kaum einige Sekunden später erschien er wieder in seinem Blickfeld. Ihm kam dabei aber nicht in den Sinn, dass Krolock extra langsamer lief, damit der Silberne mithalten konnte. Und obwohl der Rüde mittlerweile einen tunnelhaften Blick hatte, und nach Luft rang, schien er sich sicher zu sein, Krolock einzuholen...
Kaum gedacht, passierte es ganz schnell. Kurz war der schwarze Rüde hinter einer kleinen Anhöhe verschwunden - als Turién selbst hinübersprang bot sich ihm ein verwirrendes Bild; Krolock rappelte sich gerade wieder vom Boden auf, kampfbereit in seine Richtung, während ein Triumphsgefühl durch die Adern Turiéns pochte. Nun hatte er ihn! Dann bemerkte er jedoch etwas helles, weißes zu Füßen seines Kontrahenten. Dass sogar noch ein anderer Wolf da war, sah er nicht einmal.
Da es zu spät war, um zu reagieren, lief er einfach weiter, direkt auf Krolock zu und versuchte das helle Hinderniss zu überspringen - mehr schlecht als recht. Er streifte den hellen, am Boden liegenden Wolf, geriet ins Straucheln... doch er hatte ein Ziel. Und er würde es treffen -
Und so krachte er unkontrolliert in Krolock, versuchte dabei noch seltsam geistesgegenwärtig nach Fell und Haut zu schnappen; überschlug sich dabei aber und blieb dann auf seiner rechten Seite, nach Luft schnappend liegen.
( Kampf | Krolock, später bei Tiberius und Caylee )
30.10.2011, 13:21
Wie ein kleiner Welpe benahm seine Schwester sich, tollte wie bekloppt herum, jappste und sprang dauernd durch ihn hindurch. Dieses "durch-ihn-durch-springen" stimmte ihn immer sehr traurig, das wusste seine Schwester. Und nun hoffte sie, dass er seine Aufmerksamkeit deswegen auf sie lenken würde, um ihr zu sagen, sie solle aufhören. Aber das tat er nicht. Stattdessen horchte er den Worten der weißen Fähe, die so eine große Menge an Autorität ausstrahlte, dass er schon rein vom Gefühl er wusste, dass sie die Leitwölfin war. Und den freundlichen Worten nach zu urteilen, die sie dem Fremden vor ihm widmete war sie auch nicht auf eine Auseinandersetzung aus. Doch dann die etwas zurückhaltenden und reservierten Worte zu ihm ließen ihn aufschrecken und die Ohren noch demütiger wie ein kleiner Welpe anlegen, den man gerügt hatte, weil er etwas verbotenes getan hatte. Unsicher scharrte er mit seinen Pfoten den Boden auf, ehe er das Wort erheben wollte, als die Leitwölfin sich schon an einen weiteren dritten Neuling wandte. Unsicher schaute er zu diesem, schüttelte kurz seinen Kopf und wartete, dass sie ihre Worte beendet hatte und ihre Hauptaufmerksamkeit wieder auf ihm lag, dann ergriff er das Wort und erklärte, was er wollte.
"Ich bitte vielmals um Verzeihung, dass ich ohne um Erlaubnis zu bitten mir einen Weg in euer Revier verschafft habe und mich nicht sogleich vorgestellt habe, da ich hier ankam. Mein Name ist Joké und ich komme aus dem Göttertal. Mit einer Aufnahme in dieses Rudel erhoffe ich mir eine ruhigere Zeit als ich sie in meiner Welpenzeit und meinem bisherigem Leben erhalten hatte und ich bin gewillt, Euch ein gutes Rudelmitglied ohne unnötige Schwierigkeiten zu sein. Desweiteren sehnt sich mein Herz nach einem Wolf, den es zu lieben und zu beschützen gilt. Hiermit bitte ich um Aufnahme und erhoffe eine positive Rückmeldung."
Unsicher beendete er seinen Wortschwal und hob das erste mal seinen Blick, um seine sanften orangefarbenen Augen auf Tyraleen zu richten, wie er von ihrer zuvorigen Vorstellung ihren Namen erfahren hatte, und sie bittend anzuschauen. Seine Augen waren in diesem Moment von einem ganz klaren und freundlichen Orange, keinerlei Anzeichen dieser schwarzen Schlieren, wie sie kamen, wenn er wütend oder aggressiv wurde. Er war mit absolut firedlichen Absichten hierher gekommen und erhoffte sich nun ein freundliches Entgegenkommen. Aber sein Vorhaben, nun still auf eine Antwort zu warten, wurde letzt endlich doch von seiner Schwester zerstört, in dem sie sich direkt vor ihn stellte und ihm ihren Aller Wertesten fast ins Gesicht steckte. Die Stirn kraus ziehend murmelte Joké, sie solle sich verziehen, aber stattdessen jappste sie fröhlich auf, machte Luftsprünge und jagte auf Tyraleen zu. Erschrocken riss er seinen Fang auf, machte zwei unschlüssige, unbedachte und verwirrte Schritte auf Tyraleen zu und starrte seine Schwester an. Diese stellte sich hoch aufgerichtet vor Tyraleen hin, setzte eine ganz stolze Miene auf und sprach:
[COLOR=red]"Leitwölfin Tyraleen! Auch wenn du mich nicht sehen oder hören kannst, aber der da vorne, das ist mein Bruder! Ich bin richtig stolz auf ihn und du musst ihn einfach aufnehmen! Bitte sei so lieb, ja?"
Joké hatte für den Moment total vergessen, dass er der einzige hier war, der seine Schwester sehen konnte und seine Gesten und sein verhalten ließen ihn nun schon sehr arg seltsam rüber kommen. Aber daran dachte er nicht. Er dachte nur daran, dass seine Schwester sich unmöglich gegenüber einer Leitwölfin benahm und er sie zurück pfeifen musste. Aber auch das tat er erstmal nicht. Cassy drehte sich um und strahlte ihn an, dann wandte sie sich wieder Tyraleen zu und näherte ihre Nasenspitze der Nasenspitze von Tyraleen. Sie war ein Geist, konnte niemanden mehr berühren, aber er hatte vergessen, welche Wirkung, was für ein Gefühl eine Geistberührung haben könnte. Bei ihm waren es immer warme Schauer gewesen, die er lange nicht mehr registrierte. Würde Tyraleen auch so einen warmen Schauer spüren? Angstvoll rief er nach seiner Schwester.
"Cassy, bitte, komm wieder her!"
Erst in dem Moment erkannte er, wie bescheuert das doch war. Ein Wolf, der mit einem Wolf sprach, der gar nicht da war?! Seufzend ließ er den Kopf sinken. Cassy hatte alles vermasselt.[/COLOR]
{ Tyraleen | Face Taihéiyo | Samirez }
30.10.2011, 21:27
Immerhin stimmte Malicia mit ihr überein, was das Wesen von Welpen anging. Vielleicht mochte man nun denken, dass sie vergessen hatte, dass sie selbst erst geraden eben dem Welpenalter entwachsen war, doch dem war nicht so. Sie erinnerte sich nur zu gut daran, wie sie mit ihren Brüdern über die Plätze und durch die Wälder getobt war. Wie sie mit ihren Vater und ihrer Mutter gespielt hatte. Doch diese Zeit hatte viel zu kurz angedauert und an den Ereignissen war sie gewachsen. Natürlich nicht körperlich, sondern innerlich. Sie fühlte sich ein wenig, als ob sie als Erwachsene in dem Körper eines Jungwolfs gefangen war. Wobei ihr durchaus bewusst war, dass sie noch lange nicht die Gedankengänge einer erwachsenen Fähe vorweisen konnte. Aber dennoch.
Eigentlich hätte sie sich die letzte Frage sparen können, die Antwort hatte sie schon gewusst, noch ehe Silberschein – wenn sie gewusst hätte, welche Assoziationen die Fähe daraus gezogen hatte, hätte sie Malicia niemals so genannt- ihren Fang zu einer Antwort geöffnet hatte. Doch trotzdem stimmte sie die Antwort nachdenklich, fast schon ein wenig traurig. Sie vermochte sich nicht vorzustellen, was sie ohne Chanuka an ihrer Seite getan hätte. Und tun würde. Er hatte ihr beigestanden, als ihre Eltern verstorben waren, er hatte sich ihr anvertraut, als seine Ziehmutter ihn verlassen hatte. Sie konnten gemeinsam schweigen und gemeinsam lachen. Sie konnten zusammen traurig sein und zusammen glücklich sein. So gut wie mit keinem anderen. Nicht einmal mit ihren Brüdern.
Kaum verschwendete – oder schenkte- sie diesen einen Gedanken, ließ sie ein schwarzer Wolf in der Ferne aufmerksam werden. Das war der Geruch ihres Bruders Krolock, doch der Wind trug noch weitere Gerüchte zu ihnen. Zorn, Wut, Verletzung und Blut. Erschrocken versuchte Liel genaueres zu erkennen, doch bis auf die Anwesenheit von drei weiteren Wölfen, Caylee, Turién und einem weiteren Wolf, dessen Namen sie sich nicht bewusst war, konnte sie nicht viel mehr ausmachen. Auch Turiéns Geruch war blutgeschwängert, doch die anderen beiden schienen unverletzt und so hoffte Liel, dass sie eingreifen würden. Denn wie es schien, waren Krolock und Turién erst gerade eben zu ihnen gestoßen.
Dennoch war sie aufgesprungen, als sie das turbulente Geschehen, oder besser gesagt die Verletzungen ihres Bruders, wahrgenommen hatte und jederzeit bereit zu ihm zu laufen. Schließlich war er ihr Bruder!
Unachtsam, wie sie für den Augenblick des Erschreckens gewesen war, fiel ihr nun wieder Malicia neben ihr ein. Für weitere Worte bezüglich eines guten Freundes fehlte ihr nun die Ruhe, dennoch wollte sie die Fähe nicht unwissend verlassen, wenn es nötig werden würde.
War ihr Blick eben noch so fröhlich und losgelöst gewesen, so hatte er sich nun verdunkelt und wirkte betrübt. Mit einem knappen Kopfnicken in die Richtung der vier Wölfe, gab sie ihr zu verstehen, dass sie, wenn sie ihre folgenden Worte verstehen wollte, ebenfalls einen Blick hinüberwerfen müsste.
„Der Schwarze dort drüben, der, der so nach Verderben riecht, ist mein Bruder. Kro. Krolock im Ganzen.“
Mehr Worte hatte sie nicht für ihn übrig. Nicht von sich aus. Vielleicht auch nicht auf Nachfrage. Sie wusste es nicht. Sie fühlte den Hass in ihrer Brust und gleichzeitig die Liebe, die sie als Geschwister verband. Warum nur.
[ Bach. Malicia ]
01.11.2011, 11:22
Als sie bei ihrer Mutter ankam, war Taleesha völlig außer Atem. Sie brachte nur noch ein kurzes, hohes
"Gewonnen!"
zu Stande, dann ließ sie sich neben Sheena auf den Boden plumpsen und genoss die diversen Zärtlichkeiten, mit denen sie begrüßt wurde. Auf den liebevollen Willkommensgruß ihrer Mutter hin antwortete sie zuerst nur mit einem wohligen Seufzen, rappelte sich jedoch sofort auf, als ihr bewusst wurde, dass man ihr den Sturz in den Bach wohl ansehen musste. Oder hatten die anderen sie etwa alle beobachtet? Wie peinlich …
Schnell bemühte sie sich um ein paar rechtfertigende Worte, um vom nassen Pelz auf das gewonnene Wettrennen abzulenken.
"Naja , hmmm, fast hätte ich es geschafft, Mama! Es war nur noch eine Pfotenlänge, höööchstens! Und außerdem hab ich dafür gewonnen, stimmt’s, Papa? Ich war schneller!"
Mit einem freudigen Grinsen und wedelndem Schwanz kuschelte sie sich gegen den warmen Pelz ihres Vaters und blickte stolz zu den anderen.
Genau in diesem Moment folgte das Lob ihres Vaters und Taleeshas Schnauze rückte noch ein bisschen näher gen Himmel. Schneller als ein Reh … na also! Da lohnte es sich auch, ein bisschen außer Atem zu sein.
Ihr kleiner Glücksmoment zerbarst just in dem Moment, als ihr Bruder Malik auftauchte. Natürlich freute sich Taleesha, ihn zu sehen. Sie kam ihm entgegen, nahm die so typische Knickohr-Begrüßung (dass er sie auch immer darauf aufmerksam machen musste!) sogar mit einem Lächeln wahr und leckte ihm kurz übers Gesicht. Als er sich jedoch zu Wort meldete, war es mit dem Spaß vorbei. Was behauptete er da? Von wegen, er hätte sie überholt …! Pah!
"Du bist überhaupt nicht schneller als ich! Das stimmt gar nicht, oder Papa!?"
Hilfesuchend und tief enttäuscht blickte sie ihren Vater an. Er würde sie doch verteidigen … oder? Vor allem vor Malik, der wollte einfach immer alles besser machen und besser wissen. Ach, wie sehr er sie manchmal damit aufregte! Isaí dagegen war viel sensibler … er war so …
In diesem Augenblick wurde sie angerempelt und auf Malik geschubst, von dem sie sich sofort wieder zu lösen versuchte. Finster blickte Taleesha Isaí an, als ihr klar wurde, dass er der Rempler gewesen war. Eine Begrüßung ihrerseits fiel aus. Als er dann auch wieder vom Sturz in den Fluss anfing – wobei er das mit seiner charmanten Art anstellte, auf die Taleesha nie lange böse sein konnte – hatte sie genug. Sie entfernte sich ein paar Schritte von ihren Brüdern und blickte ihre Mutter bittend an.
"Ich will, dass Tinca mitkommt! Ich kann sie auch suchen gehen!"
Und bei sich dachte sie, dass sie es nicht aushalten würde, den ganzen Tag nur mit ihren nervenden Brüdern zu verbringen. Als sie zu ihnen zurück schaute, bemerkte sie, dass Isaís Patin Kisha auch dabei war. Sie begrüßte sie mit einem Lächeln besten Willens, auch wenn es etwas Säuerliches hatte und überlegte sich, wie schön es wäre, wenn Tyraleen mitkäme. Vor lauter Ärger hatte sie noch gar nicht gemerkt, dass ihre eigene Patin ganz in der Nähe war. Vielleicht wäre das der Moment gewesen, um sie zu entdecken, wären da nicht Malik und Isaí gewesen, die miteinander tuschelten. Oh, und wie sie wusste, um wen es dabei ging! Sie hasste es, wenn über sie gesprochen wurde und grummelte noch ein bisschen deutlicher vor sich hin.
[direkt bei Jakash, Sheena, Kisha, Malik, Isaí]
01.11.2011, 19:02
Misstraurisch hatte sich Tinca nach der Zeremonie verzogen, sich versteckt und war von allen fern geblieben. Sie hatte kein Interesse mehr daran gehabt, irgendwem Gesellschaft zu leisten. Auch wenn ihr Vorhaben anders ausgesehen hatte. Aber ihre letzt endliche Entscheidung hatte dann auch wieder anders ausgesehen und somit war ihre Launenhaftigkeit gut erkenntlich gewesen. Nach einigen versteckten Entdeckungstouren um den Rudelplatz, bei dem sie von niemandem gesehen worden war, hatte sie sich irgendwann in der Rudelhöhle verkrochen und sich danach gesehnt, dass diese Zeit hier unten nie geendet hätte. Seufzend und leise jammernd war sie irgendwann dann auch eingeschlafen, und nun, da sie wieder wach war, verspürte sie einen großen Hunger und das große Bedürfnis, sich an Taleesha oder Mama oder Anders oder Papa zu kuscheln. Sie wollte gerade mal Wärme haben. Seltenes Phänomen, wie sie selbst fand. Aber wenn sie nun eben wollte, dann wollte sie. Und so machte sich Klein-Tinca auf die Suche nach ihrer Familie. Aber dann kamen Zweifel in ihr auf. Wollte ihre Familie sie bei sich haben? Würde sie nicht einen großen Störfaktor abgeben? Besonders bei ihren Brüdern war sie sich unsicher, die waren immer so aggressiv und tobsüchtig. Das war ihr immer irgendwie viel zu viel. Und sie zweifelte besonders bei ihren Brüdern daran, dass sie sie bei sich haben wollten. Taleesha war da anders. Sie schien sich immer zu freuen, wenn sie da war. Und sie schien auch nichts gegen ihre fetten Kuschelattacken zu haben. Papa und Mama sagten oder machten auch nie etwas gegen sie. Aber dennoch zweifelte sie daran, dass sie jetzt bei ihnen allen willkommen sein würde.
Während ihren Gedankengängen war Tinca aus der Höhle getappt, unter den nächsten Busch gehuscht und hatte sich somit vor aller Augen und aller Aufmerksamkeit in Sicherheit gebracht. Sie war schon in Hörweite eines Flusses gelangt, als sie mit dem Zögern anfing. Und letzt endlich blieb sie in einem Gebüsch hocken, legte sich flach auf den Boden, schloss die Augen und pflanzte ihren Kopf auf ihre mikrigen Pfoten. Sie redete sich nun schon ein, dass sie bei ihrer Familie nicht willkommen war und fing an, hin und her zu schaukeln, einem kleinen psychischen Zusammenbruch schon recht nahe. Aber noch riss sie sich zusammen und versuchte, das beste aus allem zu machen. Würde sie eben ein Einzelgänger werden, dachte sie. Hätte ich wenigstens keine Probleme mehr. Oder? Würde sie dann noch so wechselhaft sein? So unverständlich? So ... ja, so wie sie eben war - würde sie dann noch so sein?
[nahe eines Flusses | für Tinca in Sichtweite: Jakash, Sheena, Kisha, Malik, Isai, Taleesha]
01.11.2011, 20:10
Während Daylight zuversichtlich dem Wortwechsel zwischen Tyraleen und Kirov beiwohnte, bemerkte auch sie den immer größer werdenden Zuwachs an anderen, die wohl ebenfalls ein Anliegen vorzutragen hatten. Sogar ein neuer Fremder! Sie hatte es selten erlebt, zwei fremde Rüden an einem Tag im Tal der Sternenwinde willkommen heißen zu können. Aber all dies war ja nur ein positives Zeichen, ein Zeichen für das Wachstum ihres Rudels, ihrer Heimat. Zuwachs für die Familie. Und so umspielte ein wissendes Lächeln ihre Lefzen, als Tyraleen mit höflicher Leitwolfmanier eine freundliche Begrüßung aussprach. Was hätte Daylight auch anderes erwartet. Kirov wirkte zu positiv, als dass man ihn verjagt hätte. Und anscheinend lag auch ihm wahrhaft etwas daran, in das Rudel aufgenommen zu werden. Weiterhin fiel dem Lichterkind ebenfalls die zunehmende Unruhe auf, die wohl in und um ihre Schwester herum immer stetiger anstieg. Nachdem sich die Leitwölfin also dem nächsten Neuling zugewand hatte, entschloss sich Daylight ihr erstmal eine Verschnaufpause zu gönnen und lenkte Kirov mit einer kurzen Kopfbewegung ins Abseits. Den Blick auf das große Gewusel, dort bei Tyraleen gerichtet, setzte sie sich langsam in Bewegung.
"Es freut mich, dich nun willkommen heißen zu dürfen, Kirov! Und entschuldige die Unruhe dort. Anscheinend ist heute wirklich viel los. Normalerweise geht es hier im Rudel bei weitem gemächlicher zu."
Ihre Worte mündeten in ein helles, sympathisches Lachen. Nun, gemächlich war vielleicht das falsche Wort. Oft genug schien das Chaos in diesem Rudel die Überhand zu gewinnen – Aber dies geschah auch nur äußerst selten. Dank den vielen verantwortungsvollen Rangwölfen gab es zum Glück fast nie Probleme. Und Tyraleen besaß genau die Souverenität, die es brauchte, um unnötige Gewitterwolken an der Himmelsfront mit einem festen Wort zum verstummen zu bringen. Nachdem sie ein wenig langsamer geworden war, beschloss sie, Kirov wirklich ein bisschen herumzuführen. Und es übte auch einen Reiz auf sie aus, war sie doch so lange fortgewesen, die alten Orte und Erinnerungen wieder aufleben zu lassen. Dabei dachte sie inbesondere an die Gedenkstätte von ihren geliebten Eltern. Ja, der Trauerweidenhain war sicher ein perfekter Ort, um Kirov in die alten Legenden einzuweihen, Stoppend, mit fragendem Blick, wand sie sich zu ihrer männlichen Begleitung.
"Möchtest du dass ich dir den schönsten Teil unseres Reviers zeige? Es ist nicht allzu weit, und es ist ein wirklich bezaubernder Ort! "
Er war der Neuling, also war es auch sein Recht ein wenig über Banshee und Acollon zu erfahren. Ein kleines, sanftes Stechen erfüllte das Herz des Lichterkindes, als sie an den Verlust ihrer Eltern dachte. Doch jetzt hatte sie gemeinsam mit dem Neuen die Gelegenheit, endlich einmal wieder den Ort aufzusuchen, der für sie Selbst immer noch so heilig war.Mit fröhlichem Zwinkern fügte sie dazu noch an:
"Gleichzeitig erfährst du auch etwas über die Rudelgeschichte, meine Eltern und unsere Götter. Das alles ist wirklich interessant. "
Anschließend entschloss sie sich dazu, erstmal Platz zu nehmen. Als der Wald anschließend ihren Blick streifte, musste sich Daylight für einen kurzen Moment besorgt an Aléya zurückerinnern, die ja immer noch verschwunden war. Diese Sorge war ihr klar anzusehen, und so würde es Kirov nicht lange verborgen bleiben, was die Fähe so beschäftigte. Ihm zuliebe setzte die Weiße jedoch wieder ein nur so vor Licht sprühendes Lächeln auf und ließ ihre Rute unruhig im Wind wedeln.
[Zuerst bei Kirov; abseits tyraleen___Anschließend Richtung Trauerweidenhain]
02.11.2011, 14:05
Der Herbst war wieder im Land, aber diesmal war er nicht in sein übliches goldenes Gewand gekleidet. Nicht, als ob es Amáya sonderlich gestört hätte, doch war es eben seltsam. Aber was war schon nicht in diesem verdammten Tal seltsam? Das ganze Rudel war doch nur ein Haufen von Verfluchten. Nun gut, vielleicht auch nur einzelne Wölfe. Aber trotzdem, jeder hatte mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen. Jetzt war sie schon wieder einige Zeit hier unter den Ihrigen, doch langsam begann sie sich zu fragen, ob es wirklich die richtige Entscheidung gewesen war, hierher zurück zu flüchten. Niemand hatte sie wirklich vermisst, dass wusste sie nur alzu gut. Wer würde schon sie, die Regentochter vermissen? Sie hatte ihren Paten ermordet, ihre Mutter Banshee enttäuscht, sie war das schwarze Schaf unter ihren Geschwistern. Sie gehörte am wenigsten zu diesem Ort, unter all den Wölfen. Doch wohin sollte sie sonst gehören? Dies war ihre Heimat, ja, und doch überfielen sie solch viele Zweifel. So fühlte es sich an, wenn man kein richtiges Zuhause hatte. Konnte sich das überhaupt ein Aussenstehender vorstellen, wie das war? So völlig allein in der kaltfeuchten, isolierten Zelle ihrer Seele? Vielleicht war sie die einzige in dieser Welt, die so fühlte. Wenn nicht, dann hätte sie gerne den Wolf getroffen, der ebenso fühlte. Ein bitterer Geschmack machte sich in ihrem Schlund breit, während ihre regenblauen Augen immernoch den Himmel betrachteten, doch sie schienen durch ihn hindurchzublicken. Engaya war ihr so fremd, auch wenn sie gerne verstanden hätte, was den Großteil ihres Rudels zu ihr trieb. Sie fühlte sich zwischen Fenris' Pfoten sicherer. Er war vielleicht das Einzige, was ihr noch Trost spendete. Ihr Glauben war zwar manchmal ein wenig zweifelhaft und doch fest. Niemand würde ihr dies nehmen, sie würde es nicht zulassen. Das letzte Bisschen Sicherheit, dass wollte sie noch behalten, wenn man es denn überhaupt Sicherheit nennen konnte.
Währenddessen stand der wohlgeformte und hübsch geschwungene Körper der Fähe da, wie eine majestätische Marmorstatue aus alten Zeiten. Still, den Kopf leicht zum Himmel erhoben. Die Muskeln, alles ruhte, doch in einer angespannten Art. Man konnte deutlich die raubtierhafte Haltung erkennen, gemischt mit Stolz. Auf den ersten Blick hätte niemand geglaubt, dass eine so zerbrechliche Seele voller Angst und Zweifel vor ihm stand. Nein, nicht einmal auf den Zweiten, Dritten, Vierten Blick. Dazu war die Düstere eine vielzu gute Schauspielerin. Sie wusste, wie man einen falschen Eindruck abgeben konnte, wenn sie es wollte.
Doch in Wirklichkeit hatte sie einfach Angst. Angst vor dem, was sie verfolgte. Denn sie spürte es, sie spürte die Anwesenheit ihrer Schwester immer deutlicher. Seitdem sie heute Morgen mit den ersten Sonnenstrahlen aufgewacht war, konnte sie den eiskalten Würgegriff der Angst um ihr Herz spüren. Amáya, das verlorene Kind. Ja, so konnte man die Regentochter getrost nennen.
02.11.2011, 19:15
Atalya konnte nicht genau sagen, ob sie Madocs Gesellschaft nun duldete, oder ob sie lieber allein geblieben wäre. Seine Anwesenheit hatte eigentlich immer etwas Beruhigendes an sich gehabt, auch wenn sie ihn in letzter Zeit eher gemieden hatte. Aber allein schon, dass er nun hierher gekommen war, keinen Bogen um sie machte, zeigte doch, dass sie das, was zwischen ihnen passiert war, überwinden konnten. Sie mussten es nur wollen. Und sie konnte in diesem Moment einen Freund an ihrer Seite mehr als gebrauchen. Einen Freund, der ihr verzieh, der sie stützte. Und so war die Graue Madoc schon dankbar, dass er nun hier war, und die Einsamkeit sie nicht einhüllte. Es nahm ihr ein wenig die Last, die auf ihr lastete. Dennoch ließ sich ein leichtes Zucken nicht untedrücken, als er ein wenig näher kam, sie vorsichtig berührte. Schuldbewußt legten sich die Ohren der jungen Wölfin wieder an, den Blick auf den See gewandt. Sie lauschte seinen Worten, und als er geendet hatte, verließ ein tonloses Seufzen ihren Fang. Das… es war nicht das Selbe. Ein leises Wimmern drang aus ihrer Kehle, wieder war ihre Stimme nicht mehr als ein Flüstern.
„Er… er wollte fort, weil er hier nicht in Ruhe sterben kann… das waren seine Worte.“
Nun, als Madoc weiter sprach, hob die Fähe den Kopf, blickte den Rüden mit hellen Augen an. Auch er war gegangen, das war wahr. Trotzdem… war es nicht das Selbe. Tief in sich wusste sie, dass sie Liam das letzte Mal gesehen hatte. Sie würden sich vielleicht erst in der Ewigkeit wieder sehen. Wenn... überhaupt. Dann berührte Madoc sie noch einmal, und ein leises Wimmern verließ den Fang der Fähe. In diesem Moment verspürte sie den Drang, sich zu bewegen, nicht enfach nur herum zu liegen. Einen Moment verharrte Atalya noch, ehe sie sich ruhig erhob, kurz den dunklen Pelz mit einem Schütteln reinigte. Ein kurzer Moment des Zögerns, ein kurzer Blick zum Wasserfall, ehe sie sich Madoc zuwandte, den Kopf an seine Schulter sinken ließ. Die Augen schließend suchte sie bei ihm Schutz und Halt, Trost.
„Lass uns... ein wenig gehen. Ich will nicht hier bleiben.“
Und zudem hatte sie noch immer das Gefühl, dass sie diese Sache zwischen ihnen klären sollten. Dieser Tag am Waldrand hatte so viel verändert.
[Wasserfall - Madoc]
04.11.2011, 21:13
Kirov war froh, als die Alphafähe seinen Blick freundlich erwiderte und lächelte. Er entspannte sich förmlich und als Tyraleen redete, zuckten seine Ohren erfreut. Na das war ja wohl ein Kinderspiel gewesen. Hingegangen, einmal nett vorgestellt, aufgenommen. So einfach hatte er es sich eigentlich nicht vorgestellt und war nun froh, dass alles nach seiner Nase lief. Die Weiße lud ihn regelrecht zum Bleiben ein, solange er sich an die Regeln hielt. Und das würde er, er war schließlich nicht dumm. Kein gut denkender Wolf mit einem halbwegs vernüftigen IQ, würde sich dem ganzen Rudel widersetzen. Lebensmüde. Der bunt Gemusterte wurde jedoch schnell wieder von Tyraleen abgelenkt, als diese weitersprach und sich entschuldigte, da sie nun gehen müsse.
"Ich danke dir. Gewiss werde ich mich an die Regeln halten.",
meinte er noch freundlich, ehe die Alpha verschwand und zu einem fremden, schwarzen Wolf maschierte. Der Rest der bunten Truppe, die sich wie auf Kommando allesamt zu Tyraleen gesellt hatten, teilte sich auch langsam auf, sobald ihre Alpha sich entfernt hatte. Merkwürdig. Ob das hier immer so lief? Der Rüde kräuselte die Lefzen und blickte kurz schmunzelnd zu den beiden Welpen, welche mit einander flüsterten, ehe er seinen treuen Blick auf Daylight lenkte. Sie jedoch wandte leicht den Kopf und setzte sich schließlich in Bewegung. Er zögerte nicht lange, ehe er sich ebenfalls erhob und der Weißen folgte. Seine Augen glitten ruhig über die verschiedenen Wölfe und die kurz herrschende Stille zwischen den Beiden wurde dadurch geborchen, als Daylight ihre sanfte Stimme erhob. Kirov nickte und lächelte.
"Danke. An die Unruhe werde ich mich wohl gewöhnen müssen, so groß ist dieses Rudel hier.",
meinte er fröhlich und blickte sich nochmals aus den himmelsblauen Seelenspiegeln um. Er war froh, dass es Daylight war, die nun an seiner Seite lief, statt irgendeinem unfreundlichen Wolf, der ihm das Revier zeigen würde. Wirklich ein Glücksfall für ihn. Als die Weiße jedoch plötzlich stehen blieb, stand auch er und blickte sie fragend an. Doch es war nichts dramatisches, sie meinte jediglich, dass sie ihm den schönsten Teil des Reviers zeigen würde.
"Sehr gerne!"
Er stimmte mit freundlich pendelnder Rute zu. Daylight sprach jedoch weiter. Sie würde ihm etwas über die Rudelgeschichte erzählen und über ihre Eltern. Das sie ihm darüber etwas erzählen würde, war für Kirov erst einmal kurz verwirrend, doch als er sich daran erinnerte, dass Daylight und Tyraleen ja Schwestern waren, fiel ihm auf, dass es eben auch Tyraleens Eltern waren und somit wohl die vorherheriegen Alphas. Und dann hatte die Goldaugenfähe noch Götter erwähnt. Schön und gut, wenn man daran glaubte, doch für den bunt Gemusterten waren Götter nur mit dem Schicksal verwechselte Geister. Er hatte nie einen Gott gesehen, ihm wurde nie von einem Gott geholfen und aus diesme Grund brauchte er auch nicht an einen Gott glauben. Oder eben zwei.
"Götter?",
sprach er schließlich ziemlich skeptisch aus und drehte ein Ohr nach hinten. Daylight hatte sich hingesetzt, doch er blieb erst einmal verweilend stehen und folgte automatisch dem Blick der Fähe. Doch es war kein auf sie zurasender Wolf, kein Feind und auch sonst nichts besonderes, es war lediglich der Wald. Woran sie wohl dachte? Kirovs erster Gedanke war jedenfalls Aléya, die freundliche Jungwölfin, die sich allerdings aus irgendeinem Grund aus dem Staub gemacht hatte. Noch immer fragte er sich, was es damit und vorallem mit ihr selber, auf sich hatte. Doch er wagte es vorerst noch nicht nachzufragen, zudem es ihn ja auch nichts anging. Er wand seinen Blick vom Wald ab und sah wieder zu Daylight, welche nun wieder freundlich lächelte. Obwohl er sie erst seid Kurzem kannte, schien sie ihm doch so vertraut und auch das Lächeln war für ihn, als hätte er es schon eine Millionen mal gesehen. Dieses Rudel hier war wirklich einzigartig, vorallem für Einzelgänger wie ihm.
05.11.2011, 12:22
Sein Bernsteinblick huschte unruhig zwischen den anwesenden Wölfen hin und her, pendelte sich aber schließlich bei der weißen Wölfin und dem großen Schwarzen ein, die sehr dicht beieinander standen und ihn und alle Anderen wachsam betrachteten. Dies mochten sicherlich die Rudelmitglieder sein, während der Andere, der ebenfalls Schwarze wie ein Fremder, gleichsam wie er erschien – nur wesentlich ungepflegter und ungesitteter – schoss es Samir gleichzeitig durch den Kopf.
Das Lächeln der Wölfin jedoch war aufmunternd und der Wanderer ertappte sich dabei, wie er ganz leicht damit begann, parallelen zwischen ihr und Akhuna zu suchen. Irgendwie sahen sie sich ähnlich, aber das war wahrscheinlich Irrglaube, ja, ganz sicherlich. Jetzt sah er auch schon Gespenster, sie waren beide Weiß, nichts weiter, wäre ja noch schöner, wenn er jetzt schon damit Anfing, Hirngespinsten hinterher zu jagen. Im Ernst, er benahm sich ja schon fast lächerlich – zum Glück nur in seinem Kopf. Nach Außen wusste er wenigstens noch etwas Würde und Vorsicht zu bewahren. Aber hey, wenigstens hatte ihn seine Nase nicht im Stich gelassen, immerhin das dieses feine Ding ihn genau zu der Leitwölfin geführt, dorthin, wo er ja auch irgendwie hin gewollt hatte – Betonung auf irgendwie, wohlgemerkt. Ganz so sicher war er sich der Aktion ja immer noch nicht, aber wenn es ihm irgendwie nicht mehr passte, konnte er ja noch immer den Rückwärtsgang einlegen, war zwar nicht seine Art, aber irgendwann hatte alles ja mal seinen Anfang. Man musste es ja nicht wiederholen.
“Danke für Eure freundlichen Worte, Leitwölfin Tyraleen.“
Bedankte er sich schließlich vorerst verdammt höflich. Seit wann war er denn in der Lage, so höflich zu sprechen, er entdeckte hier ja noch komplett neue Seiten an sich. Wenngleich die Sache war, ob das nun gut oder eher schlecht war. Blieb also offen, kein Grund zur Sorge.
“Mit welchen Absichten? Naja, ich bin aus meinem vorherigen Rudel ausgetreten, weil es mir dort nicht mehr gefiel und weil ich nicht sicher war, ob ich da noch hinein passte. Meine Absichten sind jedenfalls keine schlechten, sondern vielleicht einfach nur ähm.. unschlüssig. Ich weiß selber nicht mehr genau, was ich von meinem Leben erwarten soll oder was das Leben inzwischen von mir erwartet.“
Wolf, das war ja richtig ehrlich, nagut, vielleicht nicht vollkommen, einige kleine Details, so wie eine diebische Wölfin ließ er dabei sicherlich außen vor, aber das war auch ganz gut so. Davon brauchte jetzt wirklich keiner etwas zu wissen und sowieso, was ging es Andere auch an? Da mussten diese Worte, die er da von sich gegeben hatte schon reichen und wenn man es so sah, hatte er ja wirklich alles halbwegs gut wieder gegeben, ohne Details, aber Aufschlussreich musste man sagen.
Erst jetzt beachtete er den anderen Fremden näher. Er benahm sich seltsam. Sehr seltsam sogar. Mit schräg geneigtem Kopf, trat er einige Schritte näher an Tyraleen und ihren stummen Aufpasser heran. Seine Bewegungen waren gleichzeitig aufgeschlossen, wie auch verwirrt.
“Ähm... geht’s dir gut?“
Fragte er skeptisch an den Fremden gewandt, als dieser einige schnelle Worte ausstieß, die er nicht ganz zuordnen konnte. Wer zum Teufel war Cassy? Fragend blickte er zu dem blauäugigen Wolf, der bisher noch kein Wort gesprochen hatte. War er Cassy? Aber wieso sollte er dann wieder zurück kommen, der Hüne hatte sich doch keinen Zentimeter weit bewegt.
[ Muschelbaum - Tyraleen | Face | Joké ]
05.11.2011, 14:29
Die ruhige Liel hatte Malicias Antwort mit der Luft aufgenommen und hatte sich anscheinend noch einige Gedanken darüber gemacht. Momente der Stille entstanden wieder zwischen den beiden Fähen, die in einer so malerischen Landschaft von einem melancholischen Thema zum nächsten sprangen nur, um das nächste anzuschneiden. Die Kulisse war einfach zu wunderbar und es erstaunte sie jedes Mal wieder, wenn die letzten Sonnenstrahlen durch die Bäume blitzten und die Fähe zwangen, die Augen zu schließen. Sie zauberten Schatten auf die Erde, ließen das Fell in verschiedenen goldenen und roten Tönen schimmern und die Augen glänzen. Diese Zeit am Tag liebte sie wie keine andere. Sie hatte einen seltsamen Drang, fast eine innere Bewegung in sich, die sie dazu drängt, aufzustehen und sich umzublicken. Vielleicht hatte sie unbewusst eine Fährte, der sie nicht vertraute, aufgeschnappt, welcher sie nachgehen wollte. Sie achtete allerdings nicht weiter darauf.
Malicia lenkte ihren Kopf immer wieder zur Seite um Liel kurz zu mustern. Einerseits war sie froh gewesen, keine dummen Gespräche übers Wetter führen zu müssen, sondern über anspruchsvollere Themen. Allerdings verschlechterte sich dadurch auch Malicias Zustand ihrer Seele, die doch sowieso durch die Farben ihrer Gedanken einen dunklen Ton angenommen haben musste. Sie ärgerte sich darüber, dass sie war, wie sie war, denn jeder andere hatte den Tod ihrer Eltern auch irgendwie überstanden. Nur sie wieder nicht. Die Schuldgefühlen wuchsen wie ihre Anspannung und als Liel aufsprang wurde Malicia schlagartig klar, dass sie sich nicht geirrt hatte. Ganz so verrückt war sie dann also doch nicht.
Von weiten erkannte sie einige junge Wölfe, den silbergrauen Turién, Caylee, eine weiße Fähe und Krolock, sowie einen anderen Jungwolf.
Das Liel nur auf Krolock starrte, wurde ihr erst richtig bewusst, als sie Malicia ihren Bruder vorgestellt hatte. Die Schwarze konnte es nicht leugnen. Sie stanken wirklich. Nach altem Blut, nach Hass, nach Tod. Anscheinend hatten sie etwas gefangen oder ... miteinander gekämpft. Und nun mischten sie sich in die schöne Szene der beiden ruhigen Fähen ein.
Sie dachte plötzlich an ihre Geschwister, an Averic, Tyraleen, Daylight, Hiryoga, Cylin, Kisha, Amáya, Merawin ...
Sie hatte schon länger mit keinem mehr geredet, zumindest nicht so lange wie sie und Liel ...
Malicia wusste nicht was sie antworten sollte und schaute nur verwirrt in der Gegend herum.
{Bach || Liel}
06.11.2011, 21:35
Kurz lachte die Helle auf, als Jakash sie übertrieben hechelnd begrüßte und Taleesha ob ihren Tempos lobte. Sofort schien die kleine Schwarze ein bisschen größer zu werden, so streckte sie sich voller Stolz empor. Zumindest bist Malik meinte behaupten zu müssen, dass er noch schneller gewesen war, weil er sie überholt hatte. Dabei hatte seine Welpenlogik nicht bedacht, dass er aus einer anderen Richtung gekommen war und es so viel einfacher gehabt hatte an den beiden vorbei zu ziehen. Aber so direkt würde sie das natürlich nicht sagen, schließlich wollte sie auch den Hellen nicht kränken.
Kurz versuchte sie die getuschelten Worte ihrer beiden Söhne zu verstehen, doch viel mehr beschäftigte sie die Frage wo Tinca war. So bekam sie nicht mit, was die beiden redeten und bemerkte auch nicht, dass Kisha sie zurecht wies. Doch wenn sie es bemerkt hätte, hätte sie der Patin Isaís einen dankbaren Blick hinüber geworfen. Sie konnte es den beiden Brüdern nicht verübeln, dass sie nicht so viel mit ihrer Schwester anfangen konnten. Sie hatten nicht viel mehr als toben und Kräfte messen im Sinn und Tinca wollte- wenn überhaupt- nur schmusen und dennoch konnte sie solche Worte nicht dulden. So aber hatten die beiden Glück gehabt und waren um eine Rüge der Mutter herum gekommen.
„Dann wissen wir schon mal, dass Taleesha die Schnelligkeit von mir geerbt hat und nicht von dir Jakash“
Nekisch verzogen sich ihre Lefzen zu einem Grinsen, welches sie in Richtung ihres Gefährten warf, ehe sie Taleesha wiederholt über den Kopf leckte. Natürlich hatte sie den Sprung über den Bach fast ganz geschafft. Niemals hätte sie an dem Können ihrer Tochter gezweifelt. Nur der Begriff ‚fast‘ war durchaus dehnbar und so vermutete sie, dass die Kleine in der Mitte des Baches hineingestürzt war und sich schwimmend aus dem kalten Nass hatte befreien müssen. Das war nur verständlich, schließlich war sie noch sehr klein und es hätte an ein Wunder gegrenzt, wenn sie den Sprung ebenso locker geschafft hätte, wie Jakash es getan hatte.
„Keine Sorge Taleesha, Malik hat euch überholt, weil er aus einer ganz anderen Richtung kam. Wenn ihr wirklich wissen wollt, wer der oder die Schnellere ist, müsst ihr schon ein faires Rennen veranstalten.“
Sie hoffte mit diesen Worten die Schwarze beruhigt zu haben und den Weißen nicht auf die Füße getreten zu haben, doch da dieser sowieso noch immer mit seinem Bruder und Kisha beschäftigt war, zweifelte sie daran, ob er ihre Worte überhaupt wahrgenommen hatte.
Gerade wollte sie erneut zu einem Rufen nach Tinca ansetzen, da machte sie eine winzige Gestalt in der Nähe des Baches ausfindig. Da war ihre Jüngste ja schon. Doch anscheinend war sie, wie fast immer, tief in ihren Gedanken gefangen und unschlüssig ob sie näher kommen sollte oder nicht.
Behutsam trabte Sheena zu ihr hinüber, ja nicht zu eilig um die Kleine nicht zu verschrecken. Als sie ihre Tochter in einer schaukelnden Sitzposition vorfand, machte sie sich heftige Vorwürfe darüber, dass sie sie zu lange alleine gelassen hatte. Wirklich hatte sie die Schwarze die letzten Tage nicht gesehen, hatte aber auch keine wirkliche Zeit gehabt um nach ihr zu suchen. Und jetzt saß sie hier vor ihr, kläglich in sich zusammen gesunken.
Langsam senkte Sheena ihre Schnauze zu dem wippenden Fellbündel herab und pustete ihr sanft in das weiche Welpenfell am Nacken. Ohne weitere Worte, packte sie den mittlerweile etwas schwerer und größer gewordenen Welpen wie an ihren ersten Tagen vorsichtig im Nackenfell und schob sie sehr umständlich in Richtung ihres Rückens. Dort sollte es sich die kleine Fähe ruhig bequem machen, sie konnte sich in ihr Fell kuscheln und dank des dicken Felles, welches sie selbst bei warmen Temperaturen vorweisen konnte, würde sie auch genügend Halt finden. Und wenn sie nicht auf ihrem Rücken sitzen wollen würde, musste sie einfach nur hinunter springen.
Sie bellte in Richtung der anderen, jetzt konnten sie ja endlich aufbrechen. Sie wollte Jakash überlassen, wohin sie gehen würden. Er würde gewiss eine tolle Idee haben, die die ganze Familie begeistern würde. Da war sie sich sicher.
„Mein kleiner Engel“
Flüsterte sie leise, sodass die anderen es auch nicht hätten hören können, wenn sie näher bei ihr gewesen wären. Diese Worte waren nur für Tinca bestimmt.
[ Tinca | Jakash, Kisha, Isaí, Malik & Taleesha ]
07.11.2011, 14:42
Caleb war optimistisch, und das war eine wahre Seltenheit. Wann hatte er zuletzt positiv gedacht? Also so richtig, aus voller Überzeugung? Wann war es ihm zuletzt wirklich gut gegangen? Caleb schob diese Gdanken schnell beseite, denn genau soetwas konnte einem die Laune, die so hart erkämpfte gute Laune, gleich wieder vermiesen. Und zwar gründlichst. Er argwöhnte zwar selbst, dass er sich etwas vorspielte, aber wenn es der Verdienst einer Lüge war, dass sein Herz gerade nicht vor Unsicherheit wie ein flatternder Vogel schlug, dann wollte er gern belogen sein. Ohja.
"Hey Minya! Wie wär's mit einem Wettlauf?",
fragte er die zerrupfte Fähe - wie konnte man eigentlich dauerhaft wie ein zu lange bekuscheltes Stofftier aussehen? - neben sich. Eine Antwort wartete er jedoch nicht ab, sondern sprintete einfach los, quer durch den Wald und ungeachtet jeglichen Gestrüpps.
'Hinterher sehe ich wahrscheinlich genauso aus wie Minyala... ohje, wie SIE dann erst aussehen wird?'
Caleb stellte sich das im Geiste vor und war nicht sicher, ob er lachen oder eher Mitleid haben sollte. Für den Fall, dass er sich für das Lachen entschied, rächte sich der Wald schonmal stellvertretend für Minala. Caleb stolperte, überschlug sich und blieb anschließend alle Viere von sich gestreckt liegen. Torkelnd und stöhned rappelte er sich wieder auf.
"Aua, verflichte Sch..."
Er brach abrupt ab, als sein Blick auf die schwarze Fähe unweit von ihm fiel. Die hatte er beim Laufen völlig übersehen, so in Gedanken wie er gewesen war!
"Oh, ähm, hi",
meinte er und wusste, als sein Herz schneller zu schlagen begann, warum er so gut gelaunt gewesen war: weil keine anderen echten Wölfe um ihn herum gewesen waren. Mist.
[abseits vom Rudelplatz | Minyala, Amáya]
08.11.2011, 10:57
Aszrem musterte Kursaí und suchte nach Erinnerungen im Zusammenhang mit der jungen Fähe, die damals noch eine Welpin gewesen war. Allzu viel fand er icht - zwar erinnerte er sich an sie, wie er sich an alle Gebirgswelpen erinnerte, aber man konnte nicht unbedingt sagen, dass er sich mit den Welpen beschäftigt hätte. Zudem war Kursaí ja auch bald darauf verschwunden. Nun war sie wieder hier, zurück in einer Heimat, die eigentlich nicht mehr dieselbe war wie die, die sie verlassen hatte. Das Tal war vom Nichts verschluckt und mit dem Segen Engayas neu erschaffen worden - zumindest konnte sich niemand anders erklären, was damals geschehen war. Sofern ihr nicht schon jemand davon erzählt hatte, konnte Kursái das nicht wissen, aber so oder so schien sie glücklich mit dieser ihrer alten, neuen Heimat zu sein. Überhaupt wirkte sie, als sei sie im Einklang mit sich und der Welt, ein Zustand, den nur wohl nur die wenigsten Wölfe ihr Eigen nennen konnten. So wusste Aszrem lange schon von sich, dass er aus dem Gleichgewicht geraten war und vielleicht nie wieder zu einer echten, inneren Zufriedenheit zurückfinden würde.
"Das ist der Lauf der Dinge",
erwiderte er auf ihre Worte hin mit einem leichten Nicken.
"Und so man den Tod auch fürchten und diese Welt nicht verlassen mag, so glaube ich doch, dass es schrecklich wäre niemals zu sterben."
Sein Blick glitt zum Glutball der Sonne zurück, dem man inzwischen beim Versinken zusehen konnte.
"Woran erinnerst du dich, Kursaí? An solchen Orten, in solchen Momenten? Wenn ich fragen darf, heißt das."
Manche Wölfe mochten einfach nicht von sich preisgeben, was ihnen zu intim erschien, und gewisse Erinnerungen konnten dazu gehören.
[Himmelsfelsen | Kursaí]
08.11.2011, 19:14
Kursaí war sich nicht ganz sicher, ob sie gutes daran getan hatte, zu Aszrem zu stoßen. Gleichzeitig fragte sie sich aber auch, wie sie darauf kam. Der Rüde hatte ihr weder gesagt, dass sie hätte gehen sollen, noch hatte er sie komisch angesehen, oder sonst etwas in dieser Richtung. Im engeren Sinne gab es wirklich nichts, was ihre Behauptung stützen könnte, und doch stand sie noch vor ihr. Dennoch ließ sich die Fähe gewiss nicht davon beunruhigen oder aus dem Takt bringen. Es war einfach so, und sie sah einfach nur aufmerksam hin, sodass ihr nicht entging, falls der Rüde seine Ruhe haben wollte. Langsam ahnte sie auch, woher dieser Verdacht in ihr entstanden war. Eigentlich lag es doch offen vor ihr. Der andere hatte hier seine ehemalige Gefährtin gesucht, wollte ihr nahe sein. Hatte sie ihn dabei gestört oder wollte er gar Gesellschaft haben? Dies konnte sie nicht so einfach beantworten und entschied sich lieber den Worten des Anderen zu lauschen. Gleichzeitig waren da natürlich noch ihre Erinnerungen, doch auch diese rückten in diesem Moment ein wenig in den Hintergrund.
Die Worte des anderen waren wahrscheinlich wohl für wahr. Dennoch musste die Fähe ein wenig darüber nachdenken. Sie konnte es sich nicht vorstellen, was es bedeuten würde, für immer zu leben. Sie wusste nur, dass es das System ordentlich durcheinander bringen würde. Sie kam auf die Idee sich nicht vorzustellen, dass sie ewiglich lebte, sondern einer ihrer Vorfahren. Wie merkwürdig wäre es doch eine wesentlich frühere Generation direkt leibhaftig vor sich zu haben? Im ersten Moment musste sie es sogar als aufregend empfinden, doch dann wurde ihr klar, dass dieser Wolf dann das Leid der Trauer tausendfach wahrnehmen würde. So wie die Welt war, war sie wohl gut.
"Es stimmt schon, die Dinge brauchen ihre Ordnung und das Gleichgewicht. Und doch ist es so grausam, und das Gefühl dass manche zu früh sterben."
Wieso konnte niemanden einem anderen das Leben schenken? Sie hätte sich so gerne geopfert. Doch auch gleichzeitig erkannte sie die Ordnung, hatte ihre Liebe zu Engaya gefunden. Für sie war das kein Widerspruch, sondern eher zwei Seiten der gleichen Medaille.
Es wirkte gerade so, als ob Aszrem ihren Gedanken gelauscht hätte. Doch wenn dies der Fall gewesen wäre, wäre auch seine Frage überflüssig und so musste sie einsehen, dass die Frage wohl aus den vorherigen Gespräch ziemlich plausibel war. Sie hatte keine Probleme damit, sich über sich selber und ihre Verluste zu unterhalten. So fing sie an:
"Gewiss darfst du."
Und mit einem kurzen Grinsen fügte sie noch hinzu: "Die andere Frage ist, ob ich antworten werde."
Eigentlich war ihr gerade nicht nach Lachen zu Mute und doch schrie seine Frage geradezu nach dieser Bemerkung. Gleichzeitig zeigte dies wohl auch, dass sie es geschafft hatte ihre Lethargie zu überwinden, diese grenzenlose Trauer, welche gedroht hatte, sie zu zerstören. Stattdessen war sie zwar nicht wieder die Alte und dennoch wieder eine gesunde Wölfin.
Doch sie ließ den anderen nicht lange Schmoren und noch bevor dieser Antworten konnte, setzte sie zu ihrer Antwort an:
"Gerade hatte ich an die gedacht, die vor kurzem noch unter uns geweilt hatten, die ihr Lebenslicht erst vor kurzem verloren hatten. Da ist auf jeden Fall mein Vater, doch noch viel mehr mein Gefährte."
Diese Worte waren längst nicht mehr so fröhlich wie die zuvor, hatte sie auch wahrlich keinen Grund dazu. Auch wenn sie von Traurigkeit künden, so waren sie nicht matt und kraftlos, als ob sie gleich den beiden nachfolgen müsste.
[Himmelsfelsen mit Aszrem]
09.11.2011, 12:01
Wie in einem Traum, einem wunderschönen und eigentlich unnatürlichen Traum ging die Sonne unter. Es wurde Abend, war bereits Abend. Die Luft war recht kühl, aber auf eine angenehme Art und Weise, wie die helle Fähe fand. Es war angenehm zu atmen, fühlte sich rein und klar an. Es war schön zu leben, schön hier zu sein. Allein, allein hier. Irgendwo im Wald, nahe der großen Wiesen. Sie konnte das Licht sehen, wie es die Wiese erleuchtete, als wäre dies ein besonderer Ort. Etwas Besonderes.. Hier war sie schon einmal gewesen. Mit Sharíku. Eine Erinnerung, so warm und wunderschön, so voller Liebe. ‚Komm Sharíku, komm und lausche mit mir dem Wald..‘ .
Lyerra lächelte sanft und schloss die Augen entspannt. Ein Moment voller Sehnsucht, so wunderschön. Einige bekannte Seelen waren in der Nähe, vielleicht zumindest. Einige Freunde waren innerhalb der Reviergrenzen, ganz nah bei ihr. Volk Zubami. Er war ganz bestimmt hier. Irgendwo, irgendwo bei all den anderen, bei irgendwem anders. Einfach nur hier, in diesem Revier, bei ihr. Zumindest in der Nähe, in ihrem Herzen. In ihrem kleinen und viel zu vollen Herzen. Wie viel konnte es ertragen, wie viel verkraften? Sehr viel, so viel. Man ist stark, weil man es sein muss und sein will. Man ist es einfach. Vergessen. Vergeben und vergessen, all die bösen Gedanken. Nur Frieden. Und Fröhlichkeit.
Das sachte und glückliche Lächeln der Fähe verstärkte sich, alle Muskeln waren entspannt. Sie lag auf dem Boden, atmete sanft und vorsichtig ein und aus, als würde sie jeden Atemzug genießen wie keinen zuvor. Wie angenehm Ruhe sein konnte.. Stille war etwas Unheimliches. Wenn der Wald schwieg, die Tiere vor Anspannung die Luft anhielten und der Wind aufhörte zu wehen um nichts zu verpassen. Das war Stille. Das war unheimlich. Meist passierte genau dann etwas, wenn der Wald schwieg. War es nicht so? Bestimmt. Warum auch nicht? Still war es, wenn alles lauschte, wenn alles abwartete, weil etwas geschah. Es geschah nichts. Nicht jetzt. Denn jetzt flüsterten die Bäume, jetzt wehte der Wind, ganz sachte, ganz vorsichtig, als würde er nichts um pusten wollen, als würde er aufpassen wollen dass alles stehen blieb. Eine sachte Erinnerung des Windes, dass er da war. Sie würde ihn nicht vergessen. Der Wind war wichtig, er war schön. Verführerische Gedanken. Aber Ruhe. Ein und ausatmen, wie sonst auch, nur glücklicher und ruhiger. Es war schön allein zu sein und zu denken. Sheena und Tyraleen, zwei bekannte Gesichter an die sie sich zu jedem Zeitpunkt wenden würde, sie vertraute den Beiden, mochte sie sehr gerne. Und Aszrem. Auch ein Bekannter, eine freundliche Seele.
Der Waldboden unter ihr war kühl, aber angenehm. Etwas normales, ein Stück Wahrheit in diesem Leben. Etwas, das blieb. Eine Sicherheit. Den Wald hören und sehen. Das war keine Kunst. Das wichtige und vor allem schöne war ihn zu fühlen! Die kühle der Bäume und die Freiheit der anderen Lebewesen. Die kühle des Bodens, die Feuchtigkeit der Luft und die Stimmen der Geister. Oder Götter.
Was wohl die anderen machten? Eine unwichtige Nebensache. Sie war hier und sie würde es noch etwas sein. Liegen, leben, lächeln.
09.11.2011, 14:00
(Verzeih bitte die lange Wartezeit, ich gelobige Besserung! :mayhappy: )
Malakím lachte über ihre Bemerkung, aber keinesfalls abfällig, sondern fröhlich. Ein Malakím-Lachen.
"'Opfern'? Engaya bewahre, dass es jemals dazu kommen möge, sich für ein bisschen Geplauder opfern zu müssen!"
Er sah theatralisch zum Himmel, wie um diesen Ausruf in ein Stoßgebet zu verwandeln, und für einen kurzen Moment schien es, als schwinge etwas Ernst in seiner Stimme mit. Wenn es so, dann war er im nächsten Moment jedoch schon verschwunden, als der Schwärzling seinen strahlenden Blick wieder auf die Weiße richtete.
"Naja, man hört die eine oder andere Neuigkeit eben. Wäre doch auch tragisch, wenn die Mitglieder eines Rudels nicht wenigstens die Namen ihrer Mitwölfe kennen würden, oder? Wobei das bei einem so großen Rudel nicht ganz so einfach ist. So viele Gesichter, und ständig zerstreut sich alles in sämtliche Himmelsrichtungen."
Es hätte eine Klage sein können, wenn Malakím dabei nicht gelächelt hätte.
"Die Freude ist ganz meinerseits",
fügte er dann hinzu und wechselte nahtlos das Thema.
"Sag, wie hat dir die Zeremonie gefallen, so im Vergleich zu der deinigen damals? Eine ganz wunderbare Tradition, wie ich finde!"
Er ging davon aus, dass auch Ahkuna und ihre Geschwister zu ihrer Welpenzeit mit einer solchen Zeremonie im Rudel Willkommen geheißen worden waren, immerhin war das ja hier so Tradition.
[beim Wasserfall | Ahkuna]
10.11.2011, 21:44
Die Antwort von Nihilius drang leise an ihre Ohren. Doch dann war sie schon ums nächste Eck. Nun kauerte sie da, wartend auf Nihilius. Sie wunderte sich wo er so lange blieb, war sie so schnell gerannt? Hoffentlich war Nihilius deswegen nicht böse. Sie wartete immer noch gespannt auf ihn, wurde aber durch das summen und piepsen verschiedener Tiere abgelenkt. Sie spitzte ihre Ohren um zu hören was sie sagten, somit bemerkte sie erst viel zu spät das Nihilius doch schon da war. Eigentlich wollte sie ihm ja aus dem Weg springen, doch dies war ihr nun nicht mehr möglich. Also blieb ihr nichts anderes übrig als sich auf den Boden zu kauern. Wieso hatte sie sich auch ablenken lassen?
Sie sah wie Nihilius im versuchtem Sprung über sie setzte und halb über sie fiel. Sie kullerte zur Seite und konnte sehen wie Nihilius dem Boden selbst viel zu nahe kam. Als der weiße Wolf aufstand und sich nahc ihrem Wohlbefinden erkundigte grinste sie und sagte sie
“Mir geht es gut, ist doch nicht schlimm. Ich hab schließlich abrupt angehalten“
sie sah ihn an ehe sie sich selbst aufrappelte und auf die Füße sprang. Nihilius hatte sie nur gestreift und es war auch nichts weiter passiert. Sie sah in sein besorgtes Gesicht und schüttelte leicht den Kopf.
“Nun mach dir nicht solche Gedanken, es ist alles okay. Irgendwie ist es auch meine Schuld...“
Sie schaute ihn aufmunternd an und hielt kurz inne, witterte sie da tatsächlich Krolock und Turien. Vielleicht könnten die beiden zu ihnen gehen, doch so schnell wie die Witterung kam war sie auch schon wieder weg. Also machte sie sich darum erst mal keinen Sorgen richtete die Lauscher auf Nihilus und fragte
“So laufen haben wir schon mal hinter uns. Schwimmen oder Jagen? Oder weiter laufen? “
nach kurzem überlegen meinet sie
“Man könnte natürlich auch noch was anderes machen...nur ich wüsste nicht was...“
meinte sie nachdenklich.
(bei Nihilius /wald)
11.11.2011, 17:31
Ahkuna kräuselte verwundert ihre Lefzen. Überrascht und zugleich verwirrt über seine Worte, folgte sie seinem Blick, und sah zum Himmel. Täuschte sie sich, oder lag tatsächlich ein Hauch der Ernsthaftigkeit in seinen absurden Worten? Ahkuna schüttelte leicht den Kopf und blickte zu dem Schwarzen. Dabei hatte sie ihre Worte noch nicht mal ernst genommen. Um ehrlich zu sein, noch nicht mal Gedanken in sie gesteckt, wie es der Rüde tat.
Doch ihre Laune wurde etwas auf den Tiefpunkt gezogen. Ob sich wirklich alle erfreuten, dass sie wieder da war? Sie zweifelte. Aber ihr freundliches Lächeln zeichnete sich weiterhin auf ihren Lefzen ab. Unbewusst sah sie sich erneut nach ihrem Onkel um. Bevor sie es aber selber richtig realisiert hatte, was sie da tat, lagen ihre blauen Seelenspiegel wieder auf Malakím.
„Die Zeremonie war toll“, erwiderte sie etwas langgedehnt.
Das Lächeln, welches sie erhalten wollte, wurde gezwungen. Sie war fast gegen Ende erst aufgetaucht und selbst da, war sie zu sehr mit sich, ihren Gedanken und Lunar beschäftigt. Als sein Name in ihren Gedanken fiel, klappten ihre Ohren leicht zur Seite und ohne den Kopf zu drehen, drehten ihre Augen eine Runde. Auf der Suche nach Lunar. Sie seufzte vergeblich auf und blinzelte wieder ihren Gesprächspartner an.
„Nicht ganz. Sagen wir es mal so. Meine Geschwister und ich waren die verbotenen Früchte im Garten Eden“, sie zwinkerte ihm zu und damit war das Thema für sie fertig. Sie wollte nicht über die Vergangenheit reden. Es gab nämlich etwas anderes, was sie mehr interessierte. „Sag mal, hast du schon die Welpen getroffen?“
Das war etwas, was sie wissen wollte. Womöglich hatte Malakím sie schon gesehen, oder gar mit ihnen geredet! Mit einer gewissen Vorfreude sah sie ihn an. Sie wollte alles wissen über ihre Nichten. Wie sie sind. Wie sie sich verhalten. Einfach alles! Nebenbei verspürte sie einen leichten Stich in ihrem Herzen. Es waren die Welpen von ihrem Bruder. Und doch war die Wunde, in ihren Herzen noch zu frisch, um erneut das Gespräch aufzusuchen. Ob sie dies überhaupt wollte … Sie wollte nicht die Erste sein, die auf ihn zuging. Jakash würde dies aber auch nicht sein. Was für ein Dilemma …
[Malakím | Beim Wasserfall]
13.11.2011, 14:01
Es freute das Lichterkind, dass sie nun einen Fremden in die Traditionen und Legenden des Rudels einweihen durfte. Strenggenommen hatte sie das noch nie gemacht. Doch dies machte die Sache lediglich interessanter und aufregender. Daylight hatte gut darauf zu achten, dass sie nichts zu berichten vergaß, schließlich sollte er genauso wie sie irgendwann mal einen großen Wert auf die Rudelgemeinschaft hier legen. Und, zugegebenermaßen, er war ein wirklich sympathischer Zeitgenosse. Er schien eine gewisse Fröhlichkeit zu besitzen – Für jemanden wie Daylight natürlich ein Grund, sich auch mal von der lockeren Seite zu geben. Oft genug musste sie sich beherrschen, ihr Lachen unterdrücken. Aber darüber wollte sie sich nun keine Gedanken machen. Jetzt galt es erst einmal, mit einem leichten Andeuten der Richtung gemeinsam mit Kirov in Richtung Trauerweidenhain aufzubrechen.
"Ja, hier im Tal der Sternenwinde unterliegen wir den Launen unserer Götter. Überrascht?"
Seinen ungläubigen Ausdruck erwiderte sie mit leicht neckender Stimme. Es war abwechslungsreich, mal wieder jemanden zu treffen, der nicht viel mit Engaya und Fenris zutun hatte. Und bevor sie großartige Geschichten verkünden würde, wollte Daylight auch erst einmal nachfragen, was für einen Glauben er denn hatte. Denn vielleicht war es auch für sie wissenswert zu erfahren, was Kirov dachte.
"Glaubst du nicht an Götter?"
Mit fragendem Blick fing sie seine blauen Seelenspiegel ein. Er wirkte ziemlich losgelöst, dieser Kirov, und darüber war sie mehr als froh. Eine neue Seele mehr in ihrem Leben, die sie einen Freund nennen durfte. Als die Weiße ihren Blick wieder gen Wald richtete, atmete Daylight einmal tief ein und aus. Es würde ihr schwer fallen, von ihren geliebten Eltern zu berichten. Ihre Trauer um den Tod der beiden würde wohl niemals sterben. Doch sie wand den Kopf zur Seite, wollte nicht, dass der Neue sie so zu Gesicht bekam. Später würde sie wohl oder übel ein paar kleine Tränchen vergießen, da sollte er sie nicht jetzt schon so erleben. Leicht gespielt schüttelte sie ihr Haupt und blickte den Rüden anschließend wieder zuversichtlich an.
"Ich könnte nicht in einer Welt ohne unsere Legenden leben. Also, zumindest jetzt nicht mehr."
Eigentlich nur ein Gedankengang, doch unabsichtlich zu Wort geworden. Für einen kurzen Moment wurden ihre Augen groß vor Überraschung. Selten kam es vor, dass sie so gedankenverlorene Dinge aussprach. Doch im Grunde entsprang diesen Sätzen ja die Wahrheit. Sie könnte es nicht mehr. Daylight war fortgewesen, in einer Welt ohne Fenris und Engaya. Dort hatte das Lichterkind gelebt, gelitten, geliebt und getrauert. Ein zweites Mal könnte sie das nicht. Wie es wohl für Kirov war, einer solchen Glaubensansicht gegenüberzutreten? Daylight konnte sich in diese Lage nicht hineinversetzen. Sie war aufgewachsen unter Banshee und Acollon, unter den Göttern wie sie näher nicht hätten sein können. Das flüchtige Lächeln ihrer Mutter. Der verschlossene Blick ihres Vaters. Sie waren beide auf ihre eigene Art und Weise so perfekt gewesen, so friedvoll. Aber ihre Zeit war vorüber. Sie war vergangen. Sie waren gestorben. Beinahe versank Daylight in ihren Träumereien und Erinnerungen, rief sich allerdings unverzüglich wieder zur Ordnung, schließlich hatte sie sich um Kirov zu kümmern. Ihren Erinnerungen konnte sie irgendwann anders mal wieder nachhängen.
[Kirov&Daylight_In Richtung Trauerweidenhain]
13.11.2011, 14:59
Tyraleen ließ sich ihre Verwirrung nicht anmerken, aber das Verhalten des schwarzen Fremden irritierte sie etwas. Erneut machte er den Eindruck eines Welpen, unsicher, verschüchtert und überfordert mit der Situation. Außerdem nach ihrer doch etwas strengeren Frage nun auch noch schuldbewusst und reumütig - nicht direkt passend für einen erwachsenen schwarzen Rüden, auch wenn er klein und augenscheinlich nicht sehr kräftig war. Es fiel ihr schwer, den Fremden einzuschätzen, auch deshalb galt ihm mehr Aufmerksamkeit als Samirez, der sich weit aus offener gegeben hatte. So lag ihr Blick sofort wieder auf dem Schwarzen, als der das Wort erhob und das Versäumte nachholte. Joké war sein Name und er stammte aus dem Göttertal. Ein hochtrabender Name, auch wenn Tyraleen ihn noch nie gehört hatte. Doch auch in diesem Fall hatte sie von ihrer Mutter gelernt, dass man sich von keinem Namen irritieren lassen sollte und jeder Wolf jedem Ort und jeder Person einen beliebigen Namen geben durfte. So hielt sich die Weiße nicht allzu lange mit den Gedanken über die Herkunft Jokés auf, sondern wunderte sich lieber weiter über seine Andeutungen zu seinem bisherigen Leben und dem Wunsch, jemanden zu finden, den er beschützen konnte. Offensichtlich noch ein Glückssucher, auch wenn er eine präzisere Definition von seinem Glück geliefert hatte. Tyraleen konnte ihm nichts davon versprechen und war noch immer leicht irritiert, sah aber keinen Grund, Joké deshalb die Aufnahme zu verwehren. Er mochte etwas seltsam sein und vielleicht sollte sie zunächst ein Auge auf ihn haben … aber ganz offenkundig war er freundlich und zudem wohl etwas hilflos. Vielleicht war er aus seinem Geburtstal, in dem er diese unruhige Zeiten verbracht hatte, geflohen und direkt zu ihnen gestolpert. Das würde zumindest sein Verhalten erklären. Nun war ein sanftes Lächeln auf den Lefzen der Weißen erschienen und sie nickte langsam, noch immer ein wenig nachdenklich.
“Nun, Joké, wenn du hältst, was du versprichst und dein Teil zu unserer Gemeinschaft beiträgst, bist du uns herzlich Willkommen. Ob du Ruhe und Frieden und jemanden, den du lieben und beschützen kannst finden wirst, kann ich dir nicht versprechen, aber freundliche Gesellschaft und Schutz bietet mein Rudel jedem Wolf.“
Soweit so gut. Nun hatten sie wohl schon zwei neue Rudelmitglieder und wie es aussah, würden es bald drei sein. Zumindest meldete sich nun auch Samirez wieder zu Wort und bedankte sich höflich bei ihr. Auch eine Sache, an die es sich als Leitwölfin zu gewöhnen galt: Dank und Ehre für Worte und Taten zu bekommen, die eigentlich ganz selbstverständlich schienen. Aber sie waren nun wichtig und entschieden über das Schicksal von Wölfen … immer wieder war es diese Macht, die sie plötzlich besaß und die sie mehr irritierte, als sie wohl sollte. Sich ein wenig über sich selbst und ihre ewig wandernden Gedanken ärgernd, nickte Tyraleen lächelnd und nahm damit wortlos den Dank des Weißen entgegen. Seine Auskunft zu seinen Absichten war erneut offen und wirkte sehr ehrlich, auch wenn er wohl weder ein Ziel noch Absichten hatte. Tyraleen musste da wohl ein wenig nachhelfen.
“Und diese Erwartungen an das Leben und an dich möchtest du bei uns suchen?“
Oder warum sonst war er hier her gekommen? Die beiden anderen Fremden hatten ihren Wunsch, in das Rudel aufgenommen zu werden sehr deutlich formuliert. Samirez dagegen schien sich da etwas schwerer zu tun und ließ offen, ob er bleiben wollte oder nicht. Vielleicht hätte Tyraleen noch direkt nachgefragt, aber ein Murmeln und die kraus gezogene Stirn Jokés – zu dem ihr Blick sofort aufmerksam huschte - unterbrach die Weiße. Der Schwarze hatte seinen Blick ins Nichts zwischen sie beide gerichtet und als er plötzlich den Fang aufriss – wenn auch nicht gerade aggressiv – und zwei schnelle Schritte auf sie zu sprang, sträubte sich ihr Pelz ganz automatisch und ihre Muskeln spannten sich. Für einen kurzen Moment lang dachte sie, der Schwarze wollte sie angreifen und schon hatten sich ihre Lefzen leicht gehoben. Kurz darauf kam sie sich dämlich vor und entspannte sich wieder, Joké zeigte keinerlei Aggressivität, sah nun viel eher erneut ängstlich aus. Für sein Verhalten lieferte er keinerlei Erklärung, rief nur im nächsten Moment nach einer gewissen Cassy, um gleich darauf seufzend den Kopf zu senken. Nun mehr wirklich irritiert und das auch offen zeigend wanderte ihr Blick kurz zu Face und musterte dann wieder Joké. Sein Verhalten war ihr unerklärlich und offensichtlich hatte er auch Samirez damit irritiert. Der war ein wenig näher gekommen und erkundigte sich nach dem Befinden Jokés. Tyraleen wusste nicht so Recht, was sie dazu sagen sollte und beließ es deshalb bei der Frage des Weißen. Ihr Schweigen war aber auch gleichzeitig eine Aufforderung an Joké, sich zu erklären.
[ Muschelbaum | direkt bei Face, Joké und Samirez ]
13.11.2011, 18:15
Im Nachhinein war es für Caylee unmöglich zu sagen, ob Tiberius ihr auf ihre vielen, meist arroganten und immer provozierenden Worte noch etwas geantwortet hatte. Vielleicht hatte er dazu angesetzt, vielleicht sogar schon einige Sätze gesprochen, vielleicht hatte er sich sogar umgedreht um zu gehen oder war gegangen … aber irgendwann währenddessen, davor, danach, war etwas in Caylee hineingekracht, so schnell und so fest, dass ihr schwarz vor Augen wurde. Für einen Herzschlag lang war alles leer, still, dunkel; sie spürte nicht, wie sie auf dem Boden aufschlug. Dann tat das schon zuvor reichlich durch ihre Adern schießende Adrenalin seine Wirkung und sie sah alles um sich herum gestochen scharf und fast langsamer, als es sich tatsächlich abspielen musste. Sie erkannte Krolock nur an seinem Geruch, schmeckte aber sein metallisches Blut sofort heraus. Er war in sie hineingerannt, hatte sie mit sich gerissen und lag nun hinter ihr. Außerdem blutete er und in ihm war genauso viel Adrenalin wie in ihr. Er war nicht nur gerannt … er war geflohen? Schon entdeckte Caylee den Verfolger, erkannte Turién aber erst, als er drauf und dran war, sie ebenfalls über den Haufen zu rennen. Auch er blutete, stärker als Krolock. Sein ganzer Lauf war von der Schulter an blutgetränkt und natürlich gelang ihm so kein Sprung über seine Schwester. Er stolperte, fiel ebenso über Krolock, überschlug sich und blieb in einem kleinen Abstand zu ihnen auf der Seite liegen. Caylee dachte nicht darüber nach, was sie tat, wusste nicht einmal, was sie dachte, aber anders, als die beiden anderen war sie vollkommen unverletzt und voller Energie, hatte ihre Wut bisher nur durch Worte aus sich hinausgelassen. Schon stand sie auf ihren vier Pfoten, sah erstmals kurz zu Krolock, der sich halb aufgerichtet hatte und fuhr dann knurrend zu Turién herum. Ob sie wirklich annahm, dass Turién Krolock etwas antun wollte, ihn deshalb verfolgt hatte und Krolock deshalb vor ihm geflohen war, konnte sie später nicht mehr sagen. Diese Theorie schien doch allzu unwahrscheinlich, schließlich war Krolock alles aber kein Feigling und Schwächling. Trotzdem war es Caylee, als müsse sie sich auf seine Seite schlagen. Als wäre ihr Bruder der Bösewicht, den es auszuschalten galt. Mit gesträubtem Fell, kehlig knurrend und gebleckten Zähnen startete sie einen Angriff auf Turién, allerdings noch nicht ganz im ernsthaften Kampf angekommen und somit langsam und eher noch als Drohung zu verstehen. Für sie war es noch ein Kampf wie sie ihn eben mit Tiberius ausgefochten hatte, nur eben mit mehr als Worten. Was der Gestromte tat, war vollkommen aus ihrem Bewusstsein und ihrem Interesse verschwunden.
[ Waldrand beim Himmelsfelsen & Wasserfall | Krolock, Turién (und Tiberius?) ]
13.11.2011, 21:13
Sie war unbeweglich, stand still für die Ewigkeit. Ihre Seele, ihr Herz, sie standen so still wie im Tode. War die Regentochter denn nicht wirklich eine Tote? Sie hatte nie gelebt, nie. In dem Moment in dem sie den Mutterleib verlassen hatte, war sie gestorben. Sah man es denn nicht? Sah man nicht die Leblosigkeit, wenn man ihr in die Augen blickte? Das Starre in den regenblauen Tiefen? Nein, niemand sah hin. So ging das in dieser Welt, jeder lebte sein eigenes Leben. Nur sie, sie blieb so tot wie sie schon immer gewesen war. Ein tiefer Atemzug fühlte ihre Lunge mit der schweren Herbstluft, bevor sie sie wieder mit einem bedrückten und zischenden Seuftzer entließ. Sinnlose Gedanken. Immer die selben. Doch sie sollte sich nicht darüber beklagen, wie langweilig das war. Ihre Gedanken waren das Einzige was sie besaß. Ihre Gefühle. Dieser Körper. Jene tote Seele.
Die Dunkle starrte vor sich hin, starr wie eine Eisskulptur aus schwarzem Schnee. Was nützte ihr alle Schönheit? Die Kraft in ihrem jungen Körper? Sie konnte laufen so weit sie wollte, doch sie konnte sich nicht verstecken. Nie. Nie. Nie. Schon lange nicht. Sie machte sich alles nur noch schlimmer, dass wusste sie selbst nur zu gut. Aber sie konnte doch gar nicht anders, als sich abzuschotten. In ihrer Verzweiflung hatte sie damals nichts Anderes tun können, als Fenris irgendwie um Hilfe zu bitten. Ihm ein Opfer bringen! Welch abstoßender Gedanke. Ja, die Finstere war abstoßend, sie wusste es nur genau. Sie hatte so viele Fehler wie es Sterne gab und darüber hinaus.
Irgendetwas lag in der Luft, stärker als sonst. Amáya löste sich aus ihrer Starre und blickte misstrauisch und gleichzeitig vorsichtig nach rechts und links. Nichts. Doch sie konnte es nur zu deutlich spüren, ein leichter Anflug von Panik stieg in ihr auf. War es jetzt soweit? Soweit für was? Vor was hatte sie so sehr Angst? Sie wusste es nicht, sie wusste es nicht. Aber das Gefühl, das nach ihrem versperrten Herzen griff, machte sie so klamm vor Entsetzen, dass sogar ihre Atmung sich beschleunigte. Jene ging nun hektisch und stoßweise, ja sie keuchte regelrecht. So stark hatte sie es noch nie gefühlt, so nah... Es erdrückte sie. Es erstickte sie. Mehr Luft, mehr Luft! Ihre tiefblauen Seelenspiegel huschten panisch hin und her, einen hellen Fleck suchend. Der junge Körper der Dreijährigen stolperte vorwärts, blind vor Verwirrung und Angst. Ihr Kopf schien zu dröhnen, während die Welt langsam vor ihren Augen verschwamm. Alles war so bizarr, so entsetzlich... Es schien alles so dunkel, als würde die Sonne den Gegensatz des Lichts auf die Erde strahlen. In den Ohren der Fähe klang ein fremdes Säuseln, fast wie ein Flüstern. Es war ihr als hätte sich etwas in ihr Herz gekrallt, als würde sie etwas wegziehen. Sie wollte nicht, nein! NEIN! Pfotenschritte. Sie hörte Pfotenschritte. Panisch ruckte ihr Kopf zur Seite. Ein kurzes rotes Glimmen und die Schalter waren umgelegt. Mit wild klopfenden Herzen torkelte sie voran, einfach weg, weit weg. Sie rempelte Bäume an, stolperte über Wurzeln, rappelte sich wieder hektisch auf. Sie wollte nicht, dass Es sie einholte, das Sie sie einholte. Selbst hier hatte Sie Amáya gefunden. Selbst in ihrer Heimat! Sie musste rennen. Renen, so weit ihre Pfoten sie trugen. Denn verstecken kontne sie sich nicht. Es gab kein verdammtes Versteck in dieser verdreckten Welt! Die Angst und Panik wandelte sich. Ihre Gefühle machten einen weiten Schlenker, während ihre Pfoten immer schneller den Boden betrommelten - immernoch torkelnd und verwirrt. Sie stoppte und drehte sich Staub, Erde, zertrocknete Blätter und Zweige aufwirbelnd um, während sie versuchte ihre Sinne zu schärfen. Was tat sie hier? Wo war sie? Sie floh. Sie floh vor jenem Phantom, sie floh von jenem Geist. Sie floh vor dem Geschenk Fenris'. Ein Zittern durchlief den Körper der hübsch geschwungenen Fähe, ihr Rücken krümmte sich gequält. Ein rebellisches Gefühl unterdrückte alle anderen Gedanken. Wieso lief sie immer weg? Wieso blieb sie nicht stehen und kämpfte? Sie würde immer schwächer werden, wenn sie nur weiterlief. Ein vor Angst und Wut zitterndes Grollen entfuhr ihr als eine plötzliche Bewegung in ihrem Blickfeld passierte. Aber das Übrige was sie warnahm, gehörte nicht mehr zu Realität. Ihre Ohren weigerten sich, etwas anderes zu hören als das schaurige Säuseln, ihre Augen spielten ihr eine dunkle Welt vor, wo eine weiße, verschwommene engelsgleiche Gestalt mit einer klaffenden Wunde am Boden lag. Kein einziger Geruch, kein Gefühl in ihren Pfoten. Nur diese Schlinge um ihr Herz welches sich enger und enger zog. Die Gestalt schien sich aufzurappeln und Amáya wich ein kleines Bisschen zurück, die Leftzen nun drohend vor Angst hochgezogen. Er hörte die Gestalt stöhnen, sah wie sie torkelte. Es war zu verschwommen, das reine Licht welches die Gestalt verströmte ließ Amáya halb erblinden. Nur das Blut konnte sie deutlich sehen, wie es sprudelte und sich ergoss. Abscheu überflutete sie, Abscheu gegenüber sich selbst. Und so schoss sie auf die Gestalt zu, mit einem Brüllen. Ihre Stimme klang heiser und zittrig, tausende Gefühle und Gedanken vermischten sich darin.
"Mayhem!"
Sie stürzte sich auf den jungen Rüden mit der braunen Fellzeichnung und schlug ihre Fänge an genau den gleichen Platz wo die Lichtgestalt ihre Wunde gehabt hatte. Warmes Blut spritzte ihr über die Leftzen, während ein schneidender Schmerz ihre Brust zu versengen drohte. Was hatte sie nur falsch gemacht, was tat sie nur. Warum tat sie immer das, was falsch war. Warum ließ man sie nicht im seligen Tode weiter vegetieren? Wieso trieb man sie in den Wahnsinn?
Es war ihre Schuld, einzig und allein die von Amáya selbst.
13.11.2011, 23:52
Der bunt Gemusterte hatte nach wie vor seinen hellblauen Blick auf Daylight gerichtet. Sie neigte ihre Schnauze ein wenig in die Richtung und wollte offenbar wieder weiter. Danach sagte sie jedoch noch etwas, mit ihrer hellen, freundlichen Stimme, die diesmal allerdings etwas neckisch klang. Launen der Götter. Innerlich schnaubte er wieder skeptisch, doch äußerlich sah man nur sein freundliches Gesicht, ohne jegliche Änderung. Wieso unterlagen die Wölfe hier den Launen der Götter? Es gab doch nichtmal welche. Kirov war sich sicher, dass die Fähe entweder sehr auf die Legende, die sich um diesen Ort rang, vertraute, oder das sie daran glauben musste, weil jeder andere es hier auch tat. Hieß es nicht Gruppenzwang? Wenn man ein Ungläubiger war, dass man dann ausgestoßen wurde? Er sollte lieber vorsichtig sein, mit dem was er noch dazu sagte. Allerdings konnte er sich auch nicht vorstellen, dass hier jeder an diese Götter glaubte. Daylight fuhr fort und fragte - welch Ironie -, ob er an die Götter glaube. Kirov lächelte und seine Lefzen zuckten amüsiert. Sie sprach genau das aus, worüber er gerade nachdachte. Leicht neigte sich sein Kopf zur Seite und er blickte in Daylights goldene Augen.
"Willst du das wirklich wissen?"
Dies war eine ernst gemeinte Frage. Er gab noch nichts von sich Preis. Konnte er ihr vertrauen? Nochmals sah er ihr in die Augen. Doch sie wirkte so vertrauenswürdig, so loyal und gutherzig, dass er sich nur mit Mühe vorstellen konnte, das man dieser Fähe nicht vertrauen konnte. Er beobachtete, wie sie den Kopf wandte und in die Wald blickte. Kirov hing nun weiter seinen eigenen Gedanken nach, den Blick abwesend auf Daylight gerichtet. Dieses Rudel hier, es verwirrte ihn. Es war anders. Und diese Legenden, die hier wohl überall ihre Rolle spielten, hatten sich in seinem Kopf festgesetzt. Es interessierte ihn wirklich, worum es ging. Nicht, dass er der Sache Glauben schenken würde, aber trotzdem wollte er wissen, wieso sie so besonders waren. Mit Sicherheit hatten sie etwas mit dem Himmel zu tun. Tal der Sternenwinde. Der Name klang so danach. Schön, mystisch und er sagte gleichzeitig auch so viel aus. Seine Heimat hingegen hieß 'Wald der Lügen'. Das klang weder optimistisch noch freundlich und die Aussage dieses Namens war absolut nichts für einen so wahrheitsliebenden Wolf wie Kirov. Als Daylight jedoch auf einmal wieder die Stimme hob, wäre er fast zusammen gezuckt. Er wandt seinen Blick wieder dem ihren zu. Zu seiner Bestürzung wirkte sie auf einmal traurig oder bedrückt. Hatte er etwas falsches gesagt? Sie wirkte überrascht, bei dem was sie sagte. Das sie ohne die Legenden nicht mehr leben könnte. Das verstand er nicht und vielleicht würde er es auch nicht verstehen, schließlich kannte er Daylight und ihre Gefühle ja kaum. Trotzdem erhob er sich langsam, ging auf sie zu und berührte ihre Halsbeuge mit seiner Nase.
"Erzählst du mir die Legende? Wir können dabei ja weitergehen."
Sanft lächelnd blickte er die Goldaugenfähe an und trat einen Schritt zurück. Er hoffte, dass er sie so aufheiterte. Und ja, er wollte auch weiter. Neugierde hatte ihn gepackt, sowohl auf den Ort, von dem Daylight gesprochen hatte, als auch auf die Legende. Noch immer lag eine gewisse Sänfte in seinen Augen. Obwohl er sie doch erst seid so kurzer Zeit kannte, spürte er den innerlichen Drang in sich, ihr das bekannte Lächeln wieder auf die Lefzen zu zaubern. So hatte er sie kennengelernt und so wollte er sie sehen. Ansonsten sah sie nicht aus wie die Daylight, die er kennen gelernt hatte. Er mochte es nicht, wenn andere so traurig wirkten. Vielleicht wurde sie tatsächlich durch das Erzählen der Legende wieder so fröhlich und freundlich wie zuvor.
{ Bei Daylight; Richtig Trauerweidenhain. }
14.11.2011, 10:43
Wild trommelte das Herz der Fähe in ihrer Brust, passend zu dem schnellen Lauf, den ihre Pfoten auf dem Waldboden vollbrachten. Der Nackenpelz war steil aufgerichtet, die Augen starr fixiert. Innerlich flehte eine leise Stimme in ihrem Inneren, dass nichts geschehen würde, das sie es noch rechtzeitig schaffen konnte. Weg, weg, weg! Das waren die einzigen Gedanken und der ausschlaggebende Impuls gewesen, der sie vor einer schwer zu erklärenden Situation und die Wölfe des Rudels vor was auch immer bewahrten. Das Brennen in ihrer Kehle wurde mit jedem Schritt, jeder Bewegung unerträglicher. Es schnürte ihr schon fast die Kehle zu, so trocken fühlte sich ihr Hals an. Sie sehnte sich nach Erlösung. Ein zartes Wimmern entfloh ihr, als sie durch ein Gebüsch brach und sich das Gefühl der Glut von ihrer Kehle über ihren Körper ausbreitete. Die pechschwarzen Augen waren weit aufgerissen, die Nasenlöcher nahmen den feinsten Duft einer Fährte wahr und die endlose Kraft in ihren Läufen trug sie immer schneller und immer weiter durch den Wald. Die Jägerin war geboren. Mit fließenden Bewegungen bewegte sich die Jungwölfin durch das Unterholz, hinterließ nur ein schwaches Abbild ihres strahlend weißen Pelzes in dem gedämpften Licht, als sie vorüber zog. Verstand und Herz hatten sich förmlich abgeschaltet, der Instinkt überwog und lenkte den willigen, von Durst getriebenen Körper.
Es hörte genauso schnell auf, wie es begonnen hatte. Ihr Atem ging nur ein wenig angestrengter als sonst, ihre Sehnen vibrierten noch im Takt des schnellen Laufes, obwohl sie inzwischen still stand. Ihr Blickfeld war wieder klar und vollauf bewusst. Sie hatte keine Ahnung, wie sie an genau diese Stelle gekommen war, sie konnte sich aber, anhand des zerfetzten Kadavers zu ihren Pfoten und dem metallischen Geschmack auf ihrer Zunge erklären, was geschehen sein musste. Hektisch wanderte der wieder aufgehellte Blick durch den Wald, dann fuhr die Zunge schnell grob über die blutverschmierten Lefzen. Gänzlich rein waschen konnte sie ihr Fell nicht. Mit angelegten Ohren und einer schuldbewussten Körperhaltung verließ Aléya den Ort des Geschehens.
Ihr Weg führte sie an keinen bestimmten Ort. Sie wollte keinen aus dem Rudel sehen, nicht in diesem Augenblick, in dem sie sich so schrecklich fühlte. Was war nur mit ihr?
Je weiter sie lief, desto mehr kam ihr die Gegend vertraut vor, an die sie sich verirrt hatte. Ironie des Schicksals, dass sie sich ganz in der Nähe des Trauerweidenhains aufhielt, jenem Ort, an dem die alten Leitwölfe verstorben waren und der als Einziger aus dem alten Tal erhalten war. Langsam schlich die verwirrte Jungwölfin näher, bis sie die jungen Gewächse sehen konnte, die dort aus dem Boden wuchsen. Die selbe Stelle, an denen Acollon und Banshee ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten. Ganz in der Näh hielt die Weiße inne, wollte sich nicht zu nah an diesem besonderen Ort wagen, sondern ließ sich unterhalb eines Baumes nieder, die Schnauze zwischen den Pfoten begraben.
Es war ihr, als strahlte der Hain noch immer das Gefühl der Heimat aus. Natürlich liebte sie auch das neue Tal der Sternenwinde. Aber es war so ganz anders. Etwas fehlte hier, was im alten Tal noch da gewesen war. Ein kleiner, sehnsuchtsvoller Seufzer entfloh ihrer Kehle, als die den Kopf anhob, um zwischen den vielen Ästen hindurch zum Himmel zu schauen. Wie sehr wünschte sie sich, dass sie nicht mehr einsam unter Wölfen sein musste. Ach, wäre doch nur Aryan hier.
[ (noch) alleine, Trauerweidenhain]
14.11.2011, 20:55
Die letzten Wochen war sie immer in Gesellschaft gewesen, was eine gute Ablenkung von den Erinnerungen, die sie immer dann quälten, wenn sie sich auch nur eine Sekunde lang nicht bemühte sie zu verdrängen, gewesen war. Jetzt war sie zum ersten Mal wieder alleine, und sie spürte, wie die Einsamkeit sich immer näher an sie heranschlich wie ein Feuer, dessen sengende Hitze sich durch ihr Fell schob und auf ihrer Haut brannte. Sie spürte, wie mit jedem Atemzug mehr Rauch in ihre Lungen gelangt, es fühlte sich an, als beiße ihr jemand fest in die Kehle, um ihr die Luft abzudrängen, sie langsam und qualvoll ersticken zu lassen. Die Flammen tanzten auf ihrem Körper, während ihre Sicht langsam dahinschwand. Instinktiv versuchte sie, davonzurennen, zu fliehen, doch es schien, als wären ihre Pfoten mit dem Boden verwachsen, sie war unfähig sich zu bewegen, musste sich diesem Schicksal ergeben. Schwärze drängte sich vor ihre Augen, nahm sie ein, und dann blieb da nur noch dieses Gefühl der Leere, was noch viel schlimmer war als der Schmerz.
Aber heute wollte sie es nicht so weit kommen lassen, und so schüttelte sie einmal heftig ihren Kopf, ermahnte sich dazu, rational darüber nachzudenken, wie sie aus diesem Sog entfliehen konnte. Majibáh wusste, dass sie mit jemandem sprechen musste, so belanglos die Thematik auch sein mochte, das hatte ihr bis jetzt immer geholfen. Sofort schossen zwei Namen durch ihre Gedanken - der Jumaanas und der Jarrèlls. Ihre geliebte Schwester und der Rüde, dem sie sich mittlerweile ziemlich vertraut fühlte. Doch auch wenn sie von dort, wo sie stand, eine weite Sicht hatte, konnte sie keinen von beiden entdecken, was sie einen kleinen Stich der Enttäuschung in ihrem Herzen verspüren ließ. Es kostete sie so viel Überwindung, jemanden Fremden anzusprechen, so schön das Gespräch dann auch verlaufen mochte, es wollte ihr beim nächsten Mal einfach nicht leichter fallen. Der Blick der Weißen schweifte zu ihren Beinen hinab und sie bemerkte, dass sie die ganze Zeit schon in einem zügigen Tempo lief, als ob ihre Vernunft eingegriffen hätte, bevor sie sich wieder Ausreden ausdenken konnte, um niemanden aufsuchen zu müssen.
Wenig später war sie in die Nähe des Waldes gelangt, hörte, wie ein leichter Wind durch die bunten Blätter am Boden mit einem raschelnden Geräusch fuhr und einzelne einige Meter mit sich trug, ehe er sie wieder fallen ließ. Über ihr wuchsen gigantische Bäume in die Höhe, ihre Kronen waren nicht mehr so dicht, wie sie es im letzten Sommer gewesen waren, sodass eine angenehme Temperatur herrschte - nicht zu heiß, was sie aufgrund ihres ziemlich dicken Fells nur schwer ertragen konnte, aber auch nicht mehr so kalt wie es in der letzten Zeit gewesen war. Auch wenn sie das eigentlich liebte, war ihr Pelz lange nicht so dicht gewesen wie in einem regulären Winter und daher war sie körperlich dennoch ziemlich geschwächt gewesen.
Die Ohren der Weißen stellten sich blitzartig auf, als sie ein Geräusch hörte, das wie Schritte klang, ein leises Knirschen, das Knacken von Holz, das unter jemandes Gewicht auseinanderbrach. Ein Seufzen drang aus ihrer Kehle, verstummte nach dem Hauch eines Moments schon wieder, dass man hätte glauben können, es wolle hastig verschwinden, bevor es der Wolf, der sich offensichtlich in ihrer Nähe befand, hätte wahrnehmen können. Erwartungsvoll ging sie einige Schritte weiter, gab sich nicht einmal eine Sekunde Zeit, um sich dafür zu entscheiden zu warten, oder gar umzudrehen.
Egal wem sie begegnen sollte, sie wollte sich nicht dazu überreden lassen wieder zu gehen, weder von ihm noch von sich selbst.
[ alleine l im Wald ]
18.11.2011, 21:18
Er hatte die weiße Fähe irgendwie beim fangen spielen aus den Augen verloren, als sie beide los gestürmt waren. Ziemlich, ziemlich ärgerlich. Entweder Amur versteckte sich gerade irgendwo und er fand sie nicht, oder sie lief ihm die ganze Zeit die er nun durch das Gestrüpp wanderte und konnte sich das Lachen kaum noch verkneifen! Bei diesem Gedanken wandte sich die helle Schnauze des Nichtswolfs über die Schulter zurück, als könnte er so die verloren gegangene Wölfin entdecken, allerdings war dort hinter ihm nicht viel mehr zu entdecken als buntes Laub, das langsam schon anfing zu modern durch den Schnee vor einigen Wochen. Schnee. Brr. Schon allein bei der Erinnerung an das weiße Zeug lief Nihilus ein Schauer durch den hellen Pelz. Er hatte sich einen warmen und sonnigen Sommer erhofft, um Energie zu tanken und einfach nur zu faullenzen, wie es sich für die schönste der vier Jahreszeiten gehörte. Doch anstatt auch nur einen warmen Strahl abzubekommen, hatten sie alle sich mit Schnee zufrieden geben müssen – mit Schnee! Und das auch noch im Sommerpelz! Wäre Nihilus nicht so ein optimistischer Denker gewesen, hätte er sich doch auch glatt beschweren können, dass er nun bei den angenehmen Temperaturen mit dem dichten Fell eines Bären herum schlagen musste!
Kopfschüttelnd verfielen die kurzen Läufe in einen gemächlichen Trab, um das gesuchte Objekt aufzuholen, falls dieses sich schneller bewegte als vorerst angenommen. Seltsamerweise konnte er ja keine Witterung aufnehmen, um dieser zu folgen. Ob das nun ein Zeichen dafür war, dass er falsch lief, oder dafür, dass seine ehemalige Gesellschaft einfach nur gut war sich zu verstecken, konnte er nicht genau zuordnen – zumindest nicht bis zu dem Moment, als in der Ferne eine helle Gestalt auftauchte, die sowohl in Statur und Körperhöhe der Gesuchten entsprach!
„Ha, verstecken müssen wir aber noch ein Mal lernen!“
Murmelte Nihilus leise vor sich hin, um sich selbst nicht gleich auf der größten Entfernung zu enttarnen. Das war schließlich seine Chance den Überraschungseffekt zu nutzen! Grade jetzt, wo die Fähe ihm den Rücken zuwandte und scheinbar überhaupt nichts von ihrer Umwelt zu registrieren schien. Für den anschleichenden Rüden war das alles nur ein Vorteil; der größte Profi im Anschleichen war er ja ansonsten kaum.
Langsam, um kein Geräusch zu verursachen, duckte sich der Jährling näher an den moosigen Untergrund heran und winkelte die Lauscher an. Er würde sich nicht verraten… zumindest versuchte er es so gut es ging leise zu bleiben und näher an die helle Fähe heran zu kommen, bevor er die Muskeln anspannte, still bis drei zählte und absprang – direkt auf die weiße Wölfin zu, die bei näherer Betrachtung gar nicht mehr so aussah wie Amur zuvor! War sie es etwa gar nicht…? Im Sprung versuchte Nihilus sich zurück zu halten und nicht aus dem Nichts hervor zu preschen, konnte allerdings kaum mehr verhindern völlig entsetzt auf Majíbah zu landen! Kaum gegen sie geprallt, wich er torkelnd einige Schritte zurück, als rechnete er mit einem erschrockenen Angriff, oder einer Maßregelung.
„Tut mir leid! Ich habe dich…“, er stockte, als müsste er sich erst versichern nun wirklich einen Wolf aus dem Rudel vor der Nase zu haben. „verwechselt!“
Die Schnauze ein wenig nach vorne zu dem Pelzträger gestreckt, begann die Rute zu penden, als könnte er seinen ungläubigen Worten damit mehr Nachdruck verleihen. Mist! Das war ja irgendwie wieder zu typisch! Grade auf eine Fähe, mit der er noch nie wirklich ein Wort gewechselt hatte!
(Im Wald - Majíbah)
19.11.2011, 15:24
Nur schemenhaft nahm Krolock – der sich geduckt hatte – Turién wahr, der näher kam und über Caylee hinweg setzte und dann auf ihn zu flog, rollte, oder wie auch immer man die Art der Fortbewegung nennen sollte, die er vollführte. Der Aufprall schlug ihn neuerlich unsanft von den Pfoten, ohne dass er die Chance gehabt hätte, auszuweichen. Dennoch war es ihm gerade noch irgendwie möglich, das Gewicht so zu verlagern, dass er nun nicht in der Reichweite seines Kontrahenten lag. Gehetzt kämpfte er sich wieder auf die Pfoten, wusste aber, dass es Zeit war, langsam runter zu kommen und den Kampf zu beenden. Er spürte das Gewicht seines Körpers kaum, aber auch die Sehnen seiner Beine waren irgendwie nicht von seinem Kopf aus adressierbar. Krolock stand wieder, aber er wusste es nur, weil er es irgendwie sehen konnte. Das meiste um ihn herum blieb verschwommen. Turén lag, aber er konnte nicht abschätzen, wie lange noch. Ihm fehlte das Detail, das genaue Erkennen, ob sich immer noch Widerstand in dem Grauen regte. Krolock blinzelte einige Male, um endlich klar sehen zu können als –
Caylees Körper versperrte plötzlich den Blick auf Turién und er hörte - wie aus weiter Ferne - ihr drohendes Knurren. Als er neuerlich blinzelte, um herauszufinden wie ernst sie dabei aussah, während sie ihn anknurrte, schärfte sich die Welt endlich wieder. Er erkannte Caylees Rücken und blinzelte gleich noch ein paar weitere Male, als könne er nicht ganz glauben, was er da sah. Sie stand vor ihm – nein sie bewegte sich vor seiner Nase von ihm weg und ihr Knurren richtete sich gegen den eigenen Bruder. Er verstand nicht warum, aber er hatte nicht vor, sie aufzuhalten. Im Gegenteil, es war ihm mehr als Recht, dass sie jetzt einfach da und Turién erst einmal beschäftigt war. Mit einem leichten Kopfschütteln versuchte er das seltsame Surren zu vertreiben und merkte, wie er endlich wieder einen Bezug zu seinen Sinnen und seinem Körper herstellen konnte. Er konnte sich Zeit damit lassen, Caylee war schließlich da. Ein ziemlich komisches Gefühl breitete sich in ihm aus, dass sich nicht schlecht anfühlte, aber ihm auch nicht besonders geheuer war. Wieso sollte es gut sein, wenn ihm jemand Zeit verschaffte? Er war doch kein Welpe mehr, der soetwas nötig hatte?
Mit ein paar tiefen Atemzügen kehrte schließlich auch seine Fähigkeit, sich zu konzentrieren, zurück. Caylee richtete ihre Wut gerade gegen Turién, eigentlich ein ziemlich amüsanter Sachverhalt, wie er fand. Das dumpfe Pochen des Schmerzes trübte die Freude allerdings ein wenig, aber zumindest war er wieder bei klarem Verstand. War der Kampf für ihn nun vorbei?
[Bei Caylee und Turién, Tiberias daneben?]
19.11.2011, 20:03
Kein Ton entwich der Fähe neben ihr. Aber immerhin schien sie noch anwesend zu sein, denn sie blickte mal hier, mal dorthin und letztendlich auch hinüber zu Krolock. Anscheinend schien sie das Gleiche zu denken wie Liel, denn kurz meinte sie einen angewiderten Blick in ihren Gesichtszügen erkennen zu können. Doch viel zu schnell war diese Regung wieder verflogen und der vorherige, unendlich traurige Ausdruck trat wieder in ihre Seelenspiegel. Gepaart mit einer Verwirrung bei der Liel die Ursachen nur hätte erraten können. Schließlich hatte sie doch nichts von sich gegeben, was die Fähe in Verwirrung hätte stürzen können. Oder versuchte sie herauszufinden, ob die beiden gekämpft hatten oder der Geruch von einer wilden Jagd herrührte?
„Sie werden gekämpft haben. Es ist typisch für ihn.“
Unvermittelt waren die Worte aus ihr hervorgebrochen. Sie konnte sich nicht einmal mehr daran erinnern weiter darüber nachgedacht zu haben. Eigentlich hatte sie das Thema wechseln wollen, über irgendetwas belangloses sprechen, nur weg von diesen düsteren Themen. Aber so konnte ihr das natürlich nicht gelingen. Außerdem wollte sie keine oberflächlichen Gespräche führen, sie brauchte Tiefe in einem Gespräch, sonst langweilte sie es schnell. Aber man musste sich doch wohl auch in einem Gespräch über schöne Dinge vertiefen konnten oder etwa nicht!?
Sachte drehte sich ihr eines Ohr von vorne nach hinten nur um gleicht wieder nach vorne zu schnellen. Die Szenerie um ihren Bruder herum hatte sich verändert. Caylee stand nun vor Krolock, jedoch mit der Rute zu ihm hin, beschützte sie ihn etwa vor Turién? War es nicht viel eher Turién der beschützt werden musste? Natürlich hatte auch er Krolock verletzt, doch sie zweifelte nicht daran, dass Turién Krolock ohne Grund angegriffen hätte. Es musste von Krolock aus begonnen haben. Warum stellte sich Caylee dann vor Krolock, warum stärkte sie dem Abschaum den Rücken und richtete sich gegen ihren eigenen Bruder.
Die Welt stand Kopf, nun war es endgültig vorbei mit einem stimmungsvolleren Gespräch. Sie wand ihren Kopf zur Seite, neigte ihn hinfort von dem Geschehen um ihren Bruder herum. Sie wollte davon nichts mitbekommen, wollte kein Zeuge davon werden, wie ein weiteres Geschwisterpaar getrennte Wege gehen würde. Doch auch die Anwesenheit von Malicia erschien ihr mit einem Mal zu viel. Oder zu wenig? Sie wollte über etwas erfreuliches Sprechen, sie wollte sich gut fühlen und nicht so einen Kloß im Bauch mit herum tragen. Sie schluckte schwer, doch es stellte sich kein Gefühl von Befreiung ein. Wo sollte es auch her kommen?
Dann tat sie ein kleines Lächeln, verloren, verzweifelt und doch hoffnungsvoll.
„Sollte ich zu ihnen gehen, obwohl es mich nichts angeht?“
Eigentlich hatte sie sich die Frage schon selber beantwortet. Es ging sie nichts an. Das war ein ‚nein‘. Was sollte sie dort tun. Krolock versuchen klar zu machen, dass er Falsches tat. Er würde ihr sowieso nicht zuhören wollen. Sollte sie sich um ihn kümmern, weil er verletzt war? Er würde es sowieso nicht wollen. Und was war mit Caylee, sie schien zu Krolock zu gehören, also konnte sie sich auch bei ihr ihre Worte sparen. Blieb nur noch Turién. Vielleicht würde er froh sein, wenn sie sich zu ihm gesellen würde. Wenn sie sich um seine Wunden kümmern würde. Aber genauso gut, konnte es auch sein, dass er einfach alleine sein wollte. Vielleicht war er einfach erleichtert, wenn Krolock das Weite suchen würde und er alleine wäre.
Vielleicht, vielleicht, vielleicht. Vielleicht würde Malicia dieses Mal eine Antwort geben.
[Bach. Malicia]
20.11.2011, 21:46
Amúr blickte hinter sich und als sie Nihilius nicht hinter sich erblickte wunderte sie sich. War er nicht eben noch hier gewesen? Sie überlegte was passiert sein könnte, war er vielleicht gestürzt, oder war sie zu schnell? Sie neiget nachdenklich den Kopf zur Seite. Ja, sie hatte wirklich einen zahn zugelegt, wollte diesen Tag einfach nur genießen. Fand Nihilius sie vielleicht nicht, weil sie ins Dickicht gesprungen war um sich zu verstecken? Mhm, das war alles sehr komisch. Die graue Fähe drehte sich um. Ob sie ihn suchen sollte? Vielleicht war ja wirklich etwas passiert. Außerdem fand Amúr es gerade besser Gesellschaft zu haben. So beschloss sie den Weg den sie gekommen waren wieder zurück zu gehen, soweit sie noch wusste wie sie gelaufne war. Doch sie wusste das sie Richtung Waldrand zur Wiese gehen musste. Gedacht getan. Sie lief recht locker, denn so dürfte sie Nihilius eigentlich nicht verpassen, oder doch? Während sie so lief lies sie die Geräusche des Waldes in sich reinströmen. Chöre kleiner Stimmen, mal lauter mal leiser drangen an ihr Ohr. So fassettenreich war das was sie hörte. Des Wald schwieg nie. Ob sie es jemals erleben würde nichts zu hören? Ob der Wald mit all seinen Tieren jemals schweigen würde?
Sie seufze leise, wieso stellte sie sich solche Fragen. Sie wusste doch das ihr keiner darauf einen Antwort geben konnte. Wie auf so viele andere Fragen auch. Seit dem sie ihre kleine reise gemacht hatte stellte sie sich viele Fragen, die niemand zu beantworten wusste. Das Leben war unendlich kompliziert. Aber es war ja nicht nur das, sondern bestimmte Handlungen und Taten machten es noch komplizierter. Meistens ist es dann auch noch so das es Taten sind wo man nicht genau sagen kann weil das und das. Sondern die aufgrund von Emotionen passieren. Gefühle, eigentlich ja dann nicht so gut,oder? Doch ganz so konnte es auch nicht sein.
Sie beschleunigte ihren Schritt etwas, immerhin wollte sie ja Nihilius suchen und sich nicht endlos Gedanken machen. Sie bemerkte erst jetzt das sie schon ziemlich weit zurück gelaufen war. Sie würde den Tag einfach genießen. Er war ohnehin bald zuende, also würde sie sich das doch noch gönnen dürfen. Sie nickte und stimmte sich in Gedanken selbst zu, konzentrierte sich auf ihre Umgebung um Nihilius zu entdecken. Wenn sie ihn nicht schon verpasst hatte. Sie wusste es nicht.
Sie graue Fähe spielte mit den Ohren und sah einen weißen Wolf vor sich. Sie glaubet zunächst es sei Nihilius, aber warum lag er denn? Doch ihre Nase belehrte sie etwas besseres, es war nicht Nihilius. Aber es war immerhin Gesellschaft. Sie setzte ein Lächeln auf ihre Lefzen und ging auf die weiße Wölfin zu. Sie überlegte, der Name hatte irgendwo ein L, wahrscheinlich am Anfang. Sie kannte nur wenige Wölfe beim Namen, was eigentlich Schade war. Doch vor ihrer reise hatte sie nur mit wenigen gesprochen und nun war sie ja auch noch nicht allzu lang wieder da. Irgendwie doof, aber so hätte sie zumindest ein Gesprächanfang, auch wenn dieser nicht ganz so kreativ war.
“Hallo, ich hoffe ich störe nicht. Darf ich dir Gesellschaft leisten...“
sie überlegte noch mal, aber es wollte ihr einfach nicht einfallen.
“L… Es war doch irgendwas mit L oder?“
sie hoffte sie wirkte nicht unhöflich und setzte deswegen ein entschuldigendes Grinsen auf. Ja, einfach genießen und zumindest für heute keine traurigen Gedanken haben. Sie sah die weiße Fähe vor sich ruhig an, ob sie, sie kannte?
[Waldrand| Lyerra]
21.11.2011, 15:38
(Aszrems Post folgt in Kürze, ich warte nur noch auf ne Rückantwort von Tyra zu einer Frage ^.~)
Ohje, da waren sie mal wieder, die typischen Geschwisterstreitigkeiten. Wer war schneller, stärker, wer konnte alles besser, wen hatten Mama und Papa am liebsten... Jakash lächelte ein wenig in sich hinein, als er daran dachte, dass er selbst sich nie mit Brüdern hatte streiten müssen - immerhin hatte er gar keine - während seine Schwestern sich nur selten mit ihm hatten messen wollen. Seine Stellung innerhalb der kleinen Geschwisterhierarchie war damit schnell klar gewesen und auch nie ernsthaft angefochten worden, während seine eigenen Kinder ständig miteinander im Wettstreit lagen. Der Schwarze versuchte sich daran zu erinnern, ob seine Schwestern untereinander auch so gewetteifert hatten, aber er konnte sich an kaum etwas Derartiges erinnern. Ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten hatten irgendwie von vornherein jedem seinen Platz zugewiesen, und damit waren sie alle zufrieden gewesen. So schien es Jakash jedenfalls im Nachhinein, wnen er sich zurückerinnerte. Für langes Zurücksinnen war jedoch keine Zeit. Seine Welpen forderten ein Urteil - jene Art von Entscheidung, bei der Eltern verzweifelt darum bemüht waren den einen Kompromiss zu finden, der von beiden Seiten akzeptiert werden konnte, ohne in Geschrei auszuarten. Sheena fand da schon eine gute Lösung, aber Jakash wusste dennoch im die erwartungsvollen Blicke Taleeshas und Maliks. Sie würden kaum zulassen, dass er sich da raus hielt.
"Soso, du hast uns also überholt, sagst du? Na, das will ich jetzt aber genau wissen! Passt auf, wir machen jetzt einen Wettlauf zu eurer Mutter, okay? Hey, Isaí! Komm, du musst auch mit uns um die Wette laufen!",
forderte der Schwarze seine drei Kinder zu einem erneuten Wettstreit auf, ohne gleich ein Urteil zu fällen. Sheena schien derweil Tinca ausfindig gemacht zu haben und lag in einiger Entfernung bei der kleinen Welpin - ideal für einen Wettlauf, bei dem die anderen Drei sich austoben konnten.
"Und Kisha, du passt auf, dass niemand schummelt, ja?",
band er Isaís Patentante gleich mit ein und stellte sich dann sogleich neben seinen Welpen in Position.
"Fertig? Auf drei! Eins... Zwei... DREI!"
[Rudelplatz | Isaí, Malik, Kisha, Taleesha, etwas entfernt Sheena, Tinca]
22.11.2011, 09:39
Minyalas Stimmung war heute undefinierbar. Eigentlich hätte sie ja gute Laune haben müssen, denn es war weiter wärmer geworden und der Schnee war geschmolzen. Ihr war nicht mehr kalt, sie brauchte keine Angst mehr vor Vargen haben und die Überlegungen, das Tal zu verlassen waren so gut wie gestorben. Was natürlich auch an Calebs guter Laune und der offensichtlichen Tatsache, dass er sich immer besser in das Rudel einlebte, zusammenhing. Trotzdem war die Silberweiße ein wenig verstimmt. Irgendwie fühlte sie sich etwas nutzlos und ihre sozialen Kontakte waren abgesehen von Caleb mehr als mickrig. Eigentlich hätte sie gerne irgendjemand, mit dem sie mal ganz abseits von irgendwelchen Werwolf- oder Menschenthemen plaudern konnte. So von Wolf zu Wolf eben. Und sie hätte gerne etwas zu tun. Mehr, als im Wald herumzusitzen und darauf aufzupassen, dass Caleb keine Dummheiten anstellte, was er in letzter Zeit sowieso seltener tat. Vielleicht war das ja sowas wie eine Existenzkrise. Für die Midlifecrisis war sie jedenfalls zu jung. Während sie so dasaß und überlegte und sich doch ein wenig selbst leid tat, regte sich Caleb neben ihr und kam mit einem für ihn mehr als ungewöhnlichem Vorschlag. Er wollte einen Wettlauf machen?! Ausgerechnet er, der seine vier Läufe oft genug noch immer nicht unter Kontrolle hatte. Und ausgerechnet mit ihr, die nun wirklich nicht als große Läuferin bekannt war. Zu allem Überfluss wartete er nicht einmal eine Antwort ab, sondern rannte einfach los und ließ Minya damit keine Chance, ihm die Schnapsidee wieder auszureden.
“He!“,
kam es lahm und ziemlich demotiviert von ihr, bevor sie sich seufzend erhob, in einen lockeren Trab fiel und der schwindenden Rutenspitze des Werwolfs folgte. Er rannte mitten durch Gestrüpp, was Minyala grundsätzlich wenig ausmachte, sie aber bestimmt noch schlimmer aussehen ließ, als das ohnehin schon der Fall war. Sie legte das verbliebene Ohr eng an den Kopf, zog die geknickte Rute ein und wandt sich durch Äste und Büsche und andere tote oder lebendige Waldbewohner. Aus dem Unterholz geschlüpft entdeckte sie dann ziemlich schnell den auf dem Rücken liegenden Caleb und schmunzelte vor sich hin. Sie musste sich also nicht einmal beeilen, um gegen ihn zu gewinnen. Weiterhin in lockerem Trab brachte sie sich an seine Seite, als er gerade wieder auf allen vier Pfoten stand. Eigentlich wollte sie noch einen spitzfindigen Kommentar abgeben, doch dann fiel ihr genauso wie Caleb eine schwarze Wölfin auf, die so in der Gegend herumstand. Etwas holprig wurde sie begrüßt und auch Minya setzte ein schiefes Lächeln auf. Aber irgendwie war die Schwarze seltsam. Sie hatte einen komischen Blick und schwankte etwas. Und im nächsten Moment begann sie plötzlich ziemlich furchterregend zu knurren. Erschrocken wich Minyala einen Schritt zurück, ihr Fell sträubte sich und während in ihrem Kopf noch wild „Kämpf!“ – „Flieh!“ – „Kämpf!“ durcheinanderwirbelte, stürzte sich die Schwarze einfach auf Caleb. Dabei rief sie irgendetwas, das Minyala nicht verstand, die Silberweiße ab auch nicht interessierte. Entsetzt starrte sie auf die Zähne, die sich einfach so in den Werwolf hineinschlug. Dann dachte die Einohrige nicht mehr nach, sondern stürzte sich ihrerseits auf die Angreiferin und packte sie von hinten im Nacken. Als ihre Zähne sich durch das Fell in die Haut der Schwarzen bohrte, erzitterte Minyala kurz – sie hatte noch nie einen Wolf angegriffen – fing sich aber schnell und zögerte auch nicht mehr, als sie Blut schmeckte. Voller Verzweiflung begann sie zu zerren um die Fähe von Caleb wegzubekommen. In ihrem Kopf war kein Platz für Gedanken an den Werwolf und die Möglichkeit, dass er noch ganz anders reagierte, als sie oder die Schwarze es könnten.
[ abseits des Rudelplatzes | Caleb und Amáya ]
23.11.2011, 15:54
"Das ist wahr",
entgegnete er ernst auf ihre Worte hin, und sein Blick wurde schier von der feurig roten Sonne angezogen. Nyota. Auch sie war zu früh gestorben. Dem Leben entrissen, fast wortwörtlich. Gewaltsam, und unverstänlich für den Schwarzbraunen. Wieder und wieder spielte sich die Szene vor seinen Augen ab, auch jetzt gerade, und wie immer blieb die Frage unbeantwortet, warum Kylia und Nyota überhaupt gekämpft hatten. Eine Frage, die immer wieder kehrte, aber inzwischen versuchte Aszrem schon längst nicht mehr, eine Antwort darauf zu finden. Er wusste, dass eine solche Suche nicht von Erfolg gekrönt sein konnte - und wenn er ehrlich war, wollte er die Antwort inzwischen auch gar nicht mehr wissen. Lieber lebte er mit dieser Frage wie mit einer alten Narbe, die ab und an noch schmerzte, als sich von einer Antwort, die ihm nicht gefiel, erneut das Herz zerreißen zu lassen. Nyota war tot, und auch diese Antwort konnte sie nicht wiede lebendig machen.
Er wandte den Blick zu Kursaí zurück, und er schmunzelte, als sie erneut sprach. Nun waren sie auch in ihrem Gespräch bei dem Thema angekommen, dass man immer fragen konnte, aber nicht immer antworten erhielt. Die Graue entschloss sich jedoch dennoch, zu antworten, und Aszrem lauschte ihr. Und da schloss er sich erneut, der Kreis - auch Kursaí betrauerte den Verlust ihres Gefährten, neben dem ihres Vaters.
"Mein Beileid, Kursaí",
erwiderte er und meinte es ernst. Er kannte den Schmerz, den sie durchlitten haben musste. Aszrem fragte sich, ob sie Welpen gehabt hatten - Kursaí war allein zurück ins Tal gekommen, aber sie hatte eben auch nicht erwähnt, um verlorene Kinder zu trauern, und das hätte sie als Mutter sonst sicherlich getan. Die Antwort schien also auf der Pfote zu liegen, und so sparte der Schwarzbraune sie sich.
Aszrem wandte sich wieder der Sonne entgegen und wollte den Kopf wieder auf seine ausgestreckten Vorderpfoten betten, als ihm Bewegungen weit unter ihm auffielen, am Fuße des Himmelfelsens und nahe des Wasserfalls. Er spähte hinab, war aber nicht sicher, wer sich da unten bei wem befand. Aber mindestens zwei Gestalten lagen, und das nicht gerade in gewöhnlicher Haltung. Aszrem kniff die Augen zusammen, aber er war nicht ganz sicher, was da unten los war - aber er hatte ein mulmiges Gefühl in der Bauchgegend, und das reichte ihm, um zumindest nachsehen zu wollen. Er erhob sich.
"Entschuldige mich bitte, Kursaí, aber ich muss nachsehen, was da unten vor sich geht",
sagte er an die junge Fähe gewandt und lief dann schnellen Schritts, aber nicht in zu großer Eile, den Pfad hinab. Als er jedoch nahebei Krolock, Túrion, caylee und Tiberius erkannte, von denen Erstere blutüberströmt waren und Caylee sich drohend gegen den Silbergrauen gewandt hatte, brachte der Schwarzbraune die letzten Meter in weiten Sätzen hinter sich.
"Was, bei allen Göttern, ist hier los?! Hört sofort auf mit dieser Beißerei! ich will eine Erklärung!",
donnerte er und trat demonstrativ zwischen Caylee und den noch am Boden liegenden Túrien.
[Am Himmelsfelsen | Túrien, Caylee, Krolock (Tiberius)]
24.11.2011, 16:34
Des Schwärzlings Kopf neigte sich leicht in die Schräge, und die Ohren flippten ein paar Mal leicht hin und her. Malakím lauschte aufmerksam und musterte die weiße Fähe dabei. Das ewige Malakím-Lächeln lag nach wie vor auf seinen Lefzen, aber es war schwächer jetzt. 'In den Hintergrund gerückt' war wohl die treffenste Beschreibung für diese Art des Lächelns, das wirklich erst zum Ende der Lefzen ersichtlich wurde, während ansonsten ein eher ernsterer Ausdruck auf dem Gesicht des Schwärzlings lag.
Es war offensichtlich, dass er ihren gedehnten Worten, ihrem bemüht beherrschtem Tonfall und ihrem umherschweifendem Blick mehr entnahm als dem bloßen Wortlaut dessen, was sie ihm antwortete.
"Verbotene Früchte sind immer am süßesten",
erwiderte er scherzhaft mit einem Grinsen, bevor das Lächeln erneut 'in den Hintergrund' rückte. Seine Stimme war entsprechend mitfühlend, als er weitersprach.
"Für euch hat es also keine Zeremonie gegeben, wenn ich das richtig verstehe."
Keine Frage, sondern eine Feststellung, die Ahkuna jederzeit gerne richtig stellen konnte. Würde sie wohl aber nicht, vermutete der Schwärzling und nahm sich vor, Tyraleen nach dem Grund für diese Ausnahme zu fragen.
Ahkuna wechselte spontan das Thema, zumindest in gewisser Weise, und Malakím sprang sofort darauf an. Einerseits, weil er Welpen liebte, und andererseits, weil auch die Weiße ein wenig lebendiger bei dem Thema schien.
"Nein, leider noch nicht - aber so gut wie!",
meinte er begeistert und strahlte über das ganze Gesicht.
"So viele Tanten und Onkel und Paten und wer weiß, wer noch alles, um die Welpen herum, da war leider noch kein Platz für den guten Onkel Malakím. Was ich sehr bedauere, aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben, und ich denke, ich werde dem jungen Leben heute meine Aufwartung machen. Und wie steht's mit dir? Als Tante hast du ja sozusagen Vorrecht vor ettlichen anderen, was den Umgang mit den Kleinen angeht."
Malakím war gespannt zu hören, was für Anekdoten Ahkuna ihm schon erzählen konnte.
[Beim Wasserfall | Ahkuna]
24.11.2011, 21:25
Erst als seine Mutter begann, Taleesha zu beschwichtigen, blickte auch Malik auf und hörte zu. Leider hatte er keinen Grund, um zu protestieren, denn er war wirklich aus einer anderen Richtung gekommen. Aber das machte ja nichts, schneller war er trotzdem gewesen. Deswegen hatte er auch nichts gegen noch ein Wettrennen, schließlich konnte er sowas seiner Meinung nach ja. So lange es nicht Tinca zum Ziel hatte.
Er hatte ein deutlich weniger schlechtes Gewissen als Isaí und auch Kishas leise Ermahnung änderte daran nichts. Er sah sie nicht einmal an, auch wenn er ganz froh war, dass sie nicht laut geredet hatte. Sheena war davon bestimmt nicht so begeistert. Aber Malik konnte nichts ändern an seinen Gefühlen, die ihn Tinca ablehnen ließen und ihn in ihr eine Konkurrentin um die Liebe seiner Familie sehen ließen. Isaís Einspruch überraschte ihn eigentlich nicht, jedoch seine Zustimmung und das Geständnis, dass er auch froh war. Neugierig sah Malik ihn an, weiterhin Kisha ignorierend. Die hatte doch sowieso keine Ahnung. Doch noch ehe er etwas sagen konnte, hatte seine Mutter Tinca entdeckt und sich bereits aufgemacht, sie zu ihnen zu holen. Malik seufzte enttäuscht und murrte leise.
„Guck mal, alle haben Tinca lieb. Ist es falsch, wenn ich sie nicht lieb hab?“, fragte er beinahe schon kleinlaut.
Es war nicht ganz klar, ob er eine Antwort von Isaí oder von Kisha erwartete. Irgendwer, der ihm sagte, dass es nicht falsch war. Und er wollte auch kein Wettrennen machen, wenn Tinca das Ziel war, das war doch gar keine Motivation. Etwas mürrisch sah er zu seinem Vater auf und wünschte sich jetzt prompt seinen Paten an seine Seite. Madoc hätte er über sein Tincaproblem sicherlich ausfragen können, ohne sich schlecht zu fühlen.
Mit deutlich weniger Elan als normalerweise nickte der Weiße und positionierte sich so, dass er starten konnte. Unzufrieden wanderte sein Blick zuvor noch über sein Ziel, Mama und Tinca. Er könnte auch einfach ganz woanders hinlaufen und alle durcheinanderbringen. Vielleicht zu seinem kleinen Wolf – oder er ging Madoc suchen. Aber dann konnte er ja gar nicht beweisen, dass er der Schnellste überhaupt war. Nun gut, er konnte ja auch nach dem gewonnenen Wettlauf noch verschwinden.
25.11.2011, 11:56
Auf Kishas Ermahnung hin legte der kleine Rote die Ohren etwas dichter an den Kopf und senkte den Blick. Sie hatte Recht und Isaí gab sich ja auch Mühe, aber alles, was er tat, fühlte sich bei Tinca falsch an. Und trotzdem versuchte er es immer und immer wieder, immerhin war er auch ihr Caiyé und musste auf sie aufpassen und auch, wenn sie ihn immer und immer wieder abwies und das seinem Gefühl von Verantwortung einen kleinen Dämpfer verlieh, gab er sich Mühe und würde das auch weiterhin beibehalten. Malik schien da anders gestrickt. Bei ihm gab es ja nur die Aufmerksamkeit seiner Eltern und die nahm im Tinca eben oft. Der Rote schnippte mit den Ohren und reckte den Kopf etwas vor, als Sheena verschwand. Es dauerte einen Augenblick, bis er Tinca im Gras erblickte und ein freundliches Lächeln zeichnete sich auf seinen Lefzen ab, ehe er Kisha schüchtern zunickte und sich schließlich auch in diese Richtung bewegen wollte. Doch sein Vater kam dieser Idee zuvor und forderte sie alle zu einem Wettrennen auf. Isaí wog den Kopf skeptisch hin und her, ehe er schließlich doch zusagte – er konnte ja nicht riskieren, dass ihn die anderen für einen schlechten Gewinner hielten, weil er es gar nicht für nötig hielt, sein Können unter Beweis zu stellen. Dass er schneller war als Malik hatte er ja öfter schon bei den Balgereien festgestellt, bei Taleesha wusste er es um ehrlich zu sein nicht so genau und seinen Vater würde er bestimmt auch abhängen! Ha! Er gesellte sich zu den anderen in die Reihe, schmiegte die Lauscher dicht an den Kopf und warf einen letzten, selbstsicheren Blick seiner Patin zu, ehe auch schon Jakashs Startsignal erfolgte und er – so schnell er konnte – loslief. Er achtete nicht groß auf die anderen, konzentrierte sich mehr auf das Ziel, das vor ihnen lag und von dem sie noch der kleine Bach trennte. Aber mit Wasser hatte er ja gar keine Probleme, da hatte er auf jeden Fall Vorteile! Auch, wenn er die ganz bestimmt nicht brauchte, neh?
25.11.2011, 13:47
SL für Takashi bei Jumaana:
Die vollkommen unpassenden und für Takashi normalerweise mehr als irritierenden Worte Jumaanas erreichten den Schwarzen in seinem Zustand kaum. Nur ganz flüchtig fragte er sich, was zum Teufel nun dieser Schmetterling bedeuten sollte, doch der Gedanke war so schnell wieder verschwunden, dass er nicht in seinem Bewusstsein ankam. Viel eher sah er sofort, dass sein Opfer nicht weglief, dass es direkt vor ihm stehen blieb und ihre Kehle ihm entgegenpulsierte. Es wäre beinahe zu einfach. Aber nur beinahe.
Mit einem kehligen Knurren stieß er sich vom Boden ab, fixierte die Kehle der Weißen und spürte seine Zähne bereits im warmen Blut versinken.
25.11.2011, 21:05
Plötzlich verstummten die Geräusche, die sie eben noch als die Anwesenheit eines anderen Wolfes interpretiert hatte. Majibáh konnte ihr Herz förmlich sinken spüren, und doch wollte sie nicht gleich aufgeben. Um sicherzugehen, dass sie ihre Schritte nicht einfach die des anderen übertönte, blieb sie kurz stehen, ihre Ohren waren aufmerksam aufgerichtet, und dennoch nahm sie immer noch nichts wahr.
Gerade in dem Moment, in dem sie beschloss sich noch einmal umzusehen und sie sich langsam umdrehte, spürte sie einen heftigen Stoß. Erschrocken riss sie die Augen auf und bemerkte gerade, wie ein ebenfalls ziemlich schockiert wirkender Rüde einige Schritte zurückging, nein, eher taumelte. Es war Nihilus. Sie hatte bis jetzt noch kein einziges Wort mit ihm gesprochen, zumindest soweit sie sich erinnern konnte, aber sie konnte sich dunkel daran erinnern, ihn einige Male gesehen zu haben.
Bevor sie realisierte, was eigentlich geschehen war, betrachtete sie ihn. Irgendetwas an ihm faszinierte ihn - vielleicht, dass sein Gesicht so widersprüchlich wirkte, freundlich und trotzdem irgendwie gleichgültig. Seine Augen waren so farblos und ließen ihn im ersten Moment kalt und distanziert, so undurchschaubar, erscheinen. Allerdings schien es gleichzeitig, als lächle er ununterbrochen und das brachte sie zu ihrem Entschluss, ihn unvoreingenommen kennenlernen zu wollen. Eine Welle der Euphorie durchströmte sie, dass sie nicht auf irgendjemand hatte zugehen müssen, was ihr wirklich zuwider war, und überdeckte die riesigen Fragezeichen, die in ihrem Kopf herumflogen. Und in der nächsten Sekunde spürte sie, wie sich ihr Grinsen immer weiter verbreitete. Eigentlich gab es keinen wirklichen Grund dazu, weil sie das alles nicht verstand, warum er in sie hineingerannt war – ja, er hatte gesagt, dass er sie verwechselt hatte, aber das erklärte nicht, weshalb er auf jemand anderen, wem dieser „Anschlag“ auch gegolten haben mochte, zustürzen sollte – und wieso er jetzt so von ihr zurückwich. Möglicherweise war es ihm peinlich, aber das musste es nicht.
Da bemerkte sie, dass es bald auch peinlich werden würde, wenn sie nicht auf seine Worte reagierte. Allerdings wusste sie nicht wirklich, was sie antworten sollte, und so stotterte sie eine Antwort dahin, die, wenn sie darüber nachdachte, eigentlich keinerlei Aussage beinhaltete.
„Hallo. Du ... Was ...? Ich meine, was ... was war das?“
[bei Nihilus - im Wald]
26.11.2011, 15:21
Es schien so, als ob der alte Rüde ihr gar nicht so unähnlich war. Auch wenn sie rein äußerlich sehr unterschiedlich waren - er: älter, reif, männlich; sie: jung, weiblich - so waren sie doch im Inneren ähnlich. Sie verstand ihn und sie hatte auch das Gefühl von ihm verstanden zu werden.
Zunächst stimmte er ihr zu, und dann hörte er ihr gespannt zu. Der Schmerz über den Verlust war nicht weg und doch war er nicht mehr sie zerreißend. Gleichzeitig stellte sie fest, dass es ihr gut tat mit Aszrem hier auf dem Himmelsfelsen darüber zu reden. Sie ahnte, dass sein Beileid kein geheucheltes Mitleid war, sondern das er wusste, was sie erlebt hatte. Auf diese Weise schien es ihr sogar, dass es ihr ein wenig leichter wurde. Sie nickte nur leicht, auch dankbar zu seinen Worten und betrachtete dann wieder den Sonnenball.
So hatte sie auch den Tumult unter dem Freiheitsfelsen kaum mitbekommen, erst als der Rüde angestrengt hinunter sah, folgte sie ihrem Blick. Sie konnte nicht genau erkennen, was dort geschah, jedoch sah es nicht nach einer friedlichen Begegnung der Wölfe ihres Rudels aus. So konnte sie verstehen, dass Aszrem nachschauen wollte:
"Nicht schlimm. Ist wahrscheinlich besser, wenn du nachsiehst."
Sie meinte, dass der Rüde damit alleine fertig werden würde und auch, dass sie wahrscheinlich nicht eine allzugroße Hilfe sein konnte. So blieb sie liegen, und sah wieder in den Himmel und versank in Gedanken.
[Auf dem Himmelsfelsen | allein] - kann wer will dazukommen^^
27.11.2011, 09:14
Trotz der leicht mahnenden Worte lag auf Kishas Lefzen ein leichtes Lächeln, mit dem sie die beiden Welpen abwechselnd bedachte. Aber während Malik sie nicht ansah, sie eigentlich komplett ignorierte, legte Isaí die Ohren an, schien wenigstens ein bisschen Einsicht zu zeigen. Natürlich war es schwer... Tinca war kein typischer Welpe. Und sicher war es für die beiden Geschwister nicht leicht, wenn sie nicht so mit ihnen spielte, wie man es von einem Wolf in diesem Alter erwartete. Ihr Kopf neigte sich etwas zur Seite, als Malik wieder sprach, eine Frage stellte, die sie die Ohren leicht verdrehen ließ. Sie brauchte einen Moment, dachte zuerst über eine Antwort nach, ehe sich nun an den weißen Welpen wandte, der sie noch immer nicht wirklich beachtete.
„Es ist nicht... falsch... man muss nicht jeden mögen. Und vielleicht wird sich daran auch noch etwas ändern, wenn ihr größer seid. Du wirst es schon sehen, Malik.“
Sie warf dem jungen Wolf einen aufmunternden Blick zu, hob dann den Kopf, als die Stimme des Vaters der Welpen ertönte. Er schlug ein Wettrennen vor, das Ziel waren Sheena und Tinca. Kisha schmunzelte, neigte dann den Kopf zu Isaí. Kurz stupste sie den jungen Rüden an, aufmunternd. Im Prinzip war es klar, wer gewinnen würde. Wobei Kisha sich kaum vorstellen konnte, dass Jakash mit ganzer Kraft vor laufen würde. Es sei denn, er wollte seinen Welpen eine kleine Lektion erteilen. Dieser Gedanke ließ sie lächeln, und sie nickte nur zustimmend, als ihr die Rolle des Aufpassers zugeteilt wurde. Ein wenig nahm ihr diese Aufforderung das Gefühl, nicht wirklich hier her zu gehören. So konnte sie sich einbringen, ohne wirklich jemanden zu stören. Nun beobachtete die Schwarze also erst einmal, wie sich die kleine Familie in Position stellte, wie die Welpen erst zögerten, und dann doch bereit waren, mit ihrem Vater um die Wette zu laufen. Weiterhin das Lächeln auf den Lefzen wartete die Fähe darauf, dass Jakash das Startsignal gab, woraufhin sich alle in Bewegung setzten. Auch Kisha sprang los, blieb jedoch hinter der kleinen Gruppe. Munter blickte sie zwischen den Welpen hin und her, blickte dann noch einmal zu ihrem Ziel. Nun war sie gespannt, wer dieses Rennen für sich entscheiden würde. Und sie konnte sich kaum vorstellen, dass es ohne Zankereien zu Ende ging.
[Rudelplatz – Jakash, Isaí, Mailk, Taleesha – Nähe Sheena & Tinca]
27.11.2011, 11:04
Mit jeder Sekunde die verstrich und die helle Fähe sich weder regte, noch ihren Blick von ihm abwandte, wurde Nihilus nervöser. Nahm sie es ihm etwa böse, dass er einfach so in sie hinein gerannt war? Er hatte sich doch entschuldigt, oder hatte sie es vielleicht überhört? Nein, es schien nicht so, sonst würde sie… grimmiger drein schauen als jetzt. Ziemlich irritiert winkelten sich die Lauscher des Hellen an die Seiten, die Rute sachte pendelnd, als könnte er das Gemüt seines Gegenübers so besänftigen – oder zumindest auf dem Stand halten, auf dem es gerade eben war. Anstarren war zwar nicht wirklich sein Ding, aber er konnte sich ja für seine wunderschönen Tatzen interessieren, um die Schnauze abzuwenden, und darüber nachdenken, ob er nicht einfach wegrennen sollte. Bei Anbetracht der kräftigen Gestalt vor sich, schien das allerdings keine so gute Idee zu sein. Mist.
Hätte es noch Vögel in den Wäldern gegeben, die laut sangen, so hätte Nihilus definitiv ihre Laute gezählt und wäre – dem war er sich sicher – weit über unendlich gekommen, bis Majibáh ihre Stimme erhob und der Nichtswolf kurzer Pfote aufschreckte, als hätte sie einige Schritte auf ihn zu gemacht. Dabei klang die Stimme der Fähe ebenso verwirrt und unsicher, wie er sich gerade fühlte: sie musste ebenfalls Pausen machen beim Sprechen! Das war… erleichternd.
„Ich habe dich verwechselt!“
Wiederholte er also noch einmal, dieses Mal fester als zuvor, damit sie ihn richtig verstand. Dabei löste sich auch die Starre seines angespannten Körpers und der Helle richtete sich innerlich ein wenig auf. So schlimm, wie er es zuvor vorhergesehen hatte, schien as Wölfchen doch nicht zu sein!
„Also…“, begann er damit seine Worte abzuschätzen, damit sein Fehlschuss nicht ganz so lächerlich klang, wie er es gewesen war. „ich wollte jemand anderes fangen, habe sie aber verloren und dich mit ihr verwechselt, weil ihr beide so hell seit.“
Da war es raus: er verließ sich eben doch lieber auf seine Augen, als auf den riesigen Riecher. Vor allem hier im Wald gab es viel schönere Dinge zu erschnuppern, als die unzähligen Wolfsfährten, die er auch in der Nacht zu genüge genießen durfte. Viele Artgenossen dachten dabei jedoch anders und versuchten alle Gerüche aufzunehmen und zu erkennen – damit war Nihilus allerdings vollkommen überfordert. Fast so wie jetzt, wo er einer Fähe gegenüberstand, mit der er noch nie wirklich ein Wort gewechselt hatte. Na, hoffentlich gab es dafür keinen Grund! Es könnte ja auch sein, dass sie ihn absichtlich aus dem Weg gegangen war! Vorsichtig reckte sich die Schnauze ein Stück zu Majibáh hin, als könnte er die unsichtbare Barriere ihres Kennenlernens damit überwinden.
„Du bist Majibáh, nicht wahr?“
Ha, also wenn das mal kein guter Anfang geworden war! Damit hatten sie zumindest schon Mal eine Gemeinsamkeit, die sie davon abhielt sich gegenseitig irgendetwas schlechtes anzutun: sie waren zusammen in diesem riesigen Rudel!
(Wald, Majibáh)
28.11.2011, 16:42
Liel lag noch immer mit dieser Ruhe neben ihr, die eigentlich für einen Jungwolf untypisch war. Aber Liel an sich war sehr untypisch. Sie war en Unikat, ein ungeschliffener Diament und Malicia hatte auf einmal viel Mitleid mit der Kleinen. Sie beide teilten ein ähnliches Schicksal und Malicia war bewusst, dass keiner ein Vorrecht auf Trauer haben durfte. Denn es gab tatsächlich Wölfe, die so etwas behaupteten, nicht darauf achteten, dass es auch in deren näheren Umfeld Wölfe gab, welche melancholisch, ja depressiv sind. Und diese Schwermut nicht abschütteln können. Malicia fragte sich, wann dieser eigenartige Herbst aufhörte, wann es endlich in der Natur wieder zu Leben kam. Der Gedanke stimmte sie wieder so unendlich traurig und obwohl sie es nicht wollte, dachte sie darüber nach, Liel zu verlassen, mitten in ihrem Gespräch. Sie vertrieb ihn.
Sie gehörte nicht dazu. Weder zu den Normalen, noch zu den Abnormalen. Sie war einer derjenigen, welche keinen Platz, keinen Halt im Leben hatten. Sie hatte ihre Chancen gehabt, sie hatte sie nur nicht ergriffen.
"Du kennst die Antwort."
Sagte Malicia trocken.
"Denkst du das der Herbst - oder was auch immer das darstellen soll - jemals ein Ende nimmt?"
Sie starrte weiter in Richtung Krolock, Turién, Caylee.
"Dieser Herbst bringt mich um meinen Verstand."
Das war alles. Sie erstarrte, innerlich, körperlich und es lag zwar Anspannung und Sorge in ihrer Stimme, auch Trauer, aber es sollte nicht unfreundlich wirken, im Gegenteil. Vielleicht tat es der jungen Fähe gut, einmal über weniger traurige Dinge zu sprechen, als über ihre Familie. Malicia hatte das auch nie tun wollen. Liel und sie waren gar nicht so unähnlich. Zwischen Silberschein und dem kleinen Diamanten lagen Paralellen, die es beiden einfacher machten, miteinander zu reden. So träumten sie also vor sich hin und für Malicia war es völlig im Klaren, wie lustig das eigentlich war. Es schien fast lächerlich, wie sie starr nebeneinander hockten, kaum redeten und wenn, dann nur über die Ernsthaftigkeit selbst.
{Bach || Liel}
28.11.2011, 19:19
Ein laues Lüftchen wehte, bauschte das dunkle Fell des kleinen Welpen auf und hinterließ einen zerzausten Eindruck. Ein verwirrtes Aufheulen hinter ihm ließ ihn herum fahren, wo er seinen Vater knurrend stehend sah, unter ihm lag seine Schwester Cassy. Noch schrie er den Namen seiner Schwester, als sein Vater ihn mit gesträubten Fell anstarrte und sich dann seine Aggressivität in ein Spielmuster veränderte. Doch da löste sich die Scenerie vor seinen Augen in Nebel auf und er sah Tyraleen vor sich stehen mit gesträubtem Fell und hochgezogenen Lefzen. Damals war es ein Spiel gewesen, heute war es ernst. Diese Situation hatte ihn an die damalige erinnert, aber der Ernst hinter diesen beiden war jeweils ein ganz anderer. Und das durfte er nicht vergessen. Auch wenn Cassy dieses Mal definitiv niemals in Gefahr geraten konnte, so jaulte sie auch dieses Mal erschrocken auf, wie damals, und wollte vor der drohenden Gefahr flüchten. Aber dann blieb sie doch stehen, starrte Tyraleen an und schüttelte den Kopf. Tat ihr Verhalten als ungefährlich ab und rief ihrem Bruder zu, sie wäre wirklich nicht gefährlich, absolut nicht. Joké konnte ihr nur zustimmen, er wusste, dass in dieser Leitfähe kein bösartiges Herz steckte, aber die Besorgtheit in der Stimme des anderen Rüdens in der Frage um sein Befinden und das Verhalten Tyraleen's veranlassten ihn dazu, die Wahrheit auszusprechen. Er fühlte sich, als sei er ihnen dies schuldig. Als müsse er es ihnen erzählen, weil er sonst mit seinem Leben nicht mehr klarkommen würde. Auch wenn dies sehr höchst wahrscheinlich sehr großer Blödsinn war, aber das Gefühl wurde er eben einfach nicht los. Also bewegte er seinen Kopf aus der hängenden Position zur Seite, als wolle er sein Gesicht verbergen, wobei er eher die Tränen verborgen halten wollte, und erhob leise die Stimme.
"Cassy ist meine Schwester.", sprach er und fuhr fort, nachdem er eine Träne weggezwinkert hatte. "Ihr könnt sie nicht sehen, da sie vor einigen Jahren ge... gestorben ist." Er zögerte. Sollten sie die ganze Wahrheit erfahren? Nein, noch nicht. "Seit einiger Zeit kann ich sie wieder sehen. Sie begleitet mich schon seit ihrem Tod, wusste davon bis vor kurzem aber noch nichts. Sie steht Euch gerade gegenüber, Tyraleen."
Noch immer hielt er seinen Kopf in dieser abgewandten Haltung, wollte seine Tränen verbergen, sie mussten nicht wissen, dass er weinte. Das ging sie doch nichts an, oder? Aber seine Schwester wusste um seine Tränen, und so tappste sie zu ihm zurück, stupste ihn sanft an und wollte ihn ablecken, was leichten Energieströmen durch seinen Körper endete, die ihm aber ebenso gut taten. Er murmelte ein leicht verschlucktes "Danke", ehe er noch einmal zwinkerte und vorsichtig den Kopf hob, um in die Gesichter Tyraleens und der zwei Rüden zu schauen. Was würde ihn erwarten?
{ Tyraleen | Face Taihéiyo | Samirez }
28.11.2011, 21:11
Die beschwichtigenden Worte ihrer Mutter und die Ablenkung durch ihren Vater ließen Taleesha ihren Groll ziemlich schnell vergessen. Hatte sie eben noch gereizt ihre Brüder angefunkelt und ihren Kopf abweisend in die Höhe gereckt, blickte sie nun schon wieder verhältnismäßig freundlich drein und blinzelte Malik einerseits neckisch, andererseits verschwörerisch zu.
Verwundert blickte sie ihrer Mutter nach, die sich plötzlich von der Gruppe entfernte und scheinbar mit einem Busch kommunizierte. Was konnte das denn …? Oder wer …? Taleeshas Miene hellte sich schlagartig auf, als sie glaubte zu verstehen. Das musste doch Tinca sein! Bestimmt hatte sie sich ängstlich unter einem Busch verkrochen und Sheena hatte das gespürt. Taleesha freute sich sehr, dass ihre Schwester nun hoffentlich bald zu ihnen stoßen würde. Sie war so … so kostbar. Ja, so empfand die Dunkle es, wenn die mit ihrer Schwester Zeit verbrachte. Es war so anders als sonst, wenn sie mit anderen spielte oder kuschelte. Es war nicht immer einfach, aber es war umso schöner, wenn sie merkte, dass ihre Schwester sich freute, dass sie bei ihr war und dass sich Tinca ihr mehr und mehr Dinge erzählte, über die sie zuvor noch eisern geschwiegen hatte.
Jakashs Vorschlag kam Taleesha also mehr als recht: Nun konnte sie einerseits beweisen, dass sie schneller als Malik war – und vielleicht konnte sie sogar Isaí übeholen! – und andererseits hatte sie einen Grund, zu ihrer Schwester zu eilen.
Sie grinste ihren Vater an, brachte sich in Position und rannte auf Kommando los – von Müdigkeit und Schlappheit aufgrund des vorigen Wettrennens nicht mehr die Spur.
[Rudelplatz – Jakash, Kisha, Isaí, Malik – aus dem Weg zu Sheena & Tinca]
29.11.2011, 10:04
Majibáh setzte sich auf den Boden nieder, der sich auf ihrer Haut etwas kühl anfühlte, woran sie sich allerdings schon nach wenigen Sekunden gewöhnt hatte. Geduldig musterte sie ihn, wobei ihr Blick ab und zu etwas abschweifte, da sie es selbst auch als aufdringlich und beinahe nervig empfand, wenn jemand sie die ganze Zeit über anstarrte.
Der Rüde stand ihr gegenüber und jetzt erst bemerkte sie, dass sie doch einige Ähnlichkeiten mit ihm hatte – das weiße Fell, das mit wenigen grauen Strähnen durchzogen war und in seiner Fülle und Dichte seinen Körperbau nur andeutungsweise abzeichnen ließ, ihre ähnliche Größe, dass er ebenso wie sie eher zurückhaltend wirkte, allerdings auch immer freundlich. Nur die Augen unterschieden sich stark. Seine waren nichtssagend und wirkten farblos, während ihre eigenen durch ihre Ausdrucksstärke und das leuchtende Blau auffielen.
Seine Stimme weckte sie aus ihren Gedanken und sie hörte ihm aufmerksam zu, bis er zu Ende gesprochen hatte, und dieses Mal antwortete sie viel schneller. Die Weiße wollte ihn nicht wieder gefühlte Ewigkeiten auf eine Reaktion warten lassen.
„Achso“,
antwortete sie und zog das Wort dabei künstlich in die Länge.
„Ich habe schon gedacht, dass ich dich irgendwie provoziert habe, womit auch immer“,
fuhr sie fort und konnte ein leises Kichern nicht unterdrücken. Wie absurd es jetzt klang, wo sie den wahren Grund für diese Attacke kannte. Aber sie hatte nunmal keine Idee gehabt, wie sie sich das hätte erklären können. Zumindest keine realistische.
„Ja. Und du bist Nihilus, wenn ich mich richtig erinnere...“
Obwohl der letzte Satz, den sie sprach, eigentlich eine Aussage war, gab sie sich Mühe es wie eine Frage klingen zu lassen, vielleicht, weil sie sich ihre Einschätzung noch einmal von ihm bestätigen lassen wollte. Normalerweise wäre es ihr wohl peinlich, wenn sie nun falsch gelegen hatte, aber in diesem Fall nicht. Schließlich hatte er sie auch mit einer anderen Fähe verwechselt, obwohl er sie beide anhand ihres Geruches hätte unterscheiden können. Offensichtlich hatte er sich dabei nur auf seine Sicht verlassen. Nun, sie wollte ihm keine Vorwürfe machen, sie war froh, nicht wieder tagelang alleine sein zu müssen, was sie mehr hasste als alles andere.
[im Wald - bei Nihilus]
29.11.2011, 18:05
(( Avi killt ihn nun nicht gleich sofort, also Jumi, am Besten wäre es, wenn du ihn in deinem Beitrag einfach noch mal kurz mitspielst und ihn was machen lässt - angreifen, oder so. ^^ ))
So lautlos wie ein Schatten, genau so dunkel und bedrohlich groß wie sie nur in der Abenddämmerung sein konnten, glitt der Pechschwarze über starres Laub. Seine Wege hatten ihn in letzter Zeit oft hinter die Reviergrenze geführt, auch wenn sein Herz bisher nicht zugelassen hatte, dass er zu weit und zu lange wegblieb. Immer wieder kämpfte eine Seite gegen die andere – die Pflicht dem Rudel und seiner Familie gegenüber und die Pflicht gegenüber seinem Gott, gegenüber sich selbst als Todessohn. Es war ein zäher, zermürbender Krieg, der eigentlich nicht gekämpft werden wollte. Er hatte seinen Kindern bisher nicht mitgeteilt, dass er bald fortgerufen werden würde, nein, Averic hatte sogar beschlossen diese Information zum Wohle aller so lange für sich zu behalten, wie möglich. Es war weniger feige, als dass er irgendwie versuchte die Zeit, in der sie glauben konnten, dass alles wieder halbwegs gut war, aufrecht zu erhalten. Solange sie nicht wussten, dass er gehen würde, brauchten sie sich auch keine Gedanken darum zu machen, oder mit dem Wissen leben, dass er an jedem Tag verschwinden konnte. Es war besser so.
In seinem Kopf herrschten dieser Tage viel zu viele Gedanken, einige betrafen Tyraleen, auch wenn er keinen Gedanken zuende bringen wollte und versuchte sich auf seine erste Aufgabe zu konzentrieren. Es nahm allmählich quälende Ausmaße an, dass seine ehemalige Gefährtin ihm nun schon mehr als einmal wieder freiwillig so nah gekommen war, sich dann aber doch wieder entfernte und distanziert wirkte. Aber er verlangte nichts mehr und versuchte dieses bittere Wasser einfach zu schlucken, vor allem jetzt, wo er eh bald fort musste und alles leise Sehnen keinen Sinn mehr machte.
Verhalten grollend verscheuchte Averic die Gedanken und ärgerte sich darüber, dass er – nun wieder im Revier – gleich mehrere fremde Spuren wittern konnte, die ins Herz des Tals führten. Keinen von ihnen hatte er abseits abfangen können. Er würde wieder und wieder umherziehen müssen, bis ihm ein fremder Wolf wortwörtlich in die Fänge lief. Der Pechschwarze wollte gerade den Kurs ändern und zurück zum Rudel gehen, als ihm ein Grollen an die Ohren drang, welches nicht sein eigenes war. Averic hob den Kopf nur minimal und sah sich um, versuchte die Quelle ausfindig zu machen und erkannte zwischen all der Graudunkelheit ein helles Schimmern. Jumaanas und Takashis Witterungen schlugen ihm entgegen und zusammen mit ihnen nahm der Todessohn auch wahr, dass etwas nicht in Ordnung war. Etwas boshaftes lag in der Luft und er meinte seinen Gott nicht fern zu spüren.
Die Blutsfarbe in Takashis Augen durchschnitt gewohnt grell das Grau seines Blickes und Averic verharrte in seinen Bewegungen. Etwas an dem Schwarzen hatte sich verändert. Averic hatte ihn nie leiden können, diesen intelligenzverlassenen Dummschwätzer, aber das da vorne war nicht der Depp, der ihm normalerweise auf die Nerven ging und den er kannte. Da war tatsächlich mal etwas Gefährliches und Averic erinnerte sich, dass er lange keine Blutsfarbe mehr in seinen Augen hatte schwimmen sehen. Es blieb keine Zeit, sich weiter mit dieser Veränderung Takashis auseinander zu setzen, zumal es ihn eh nicht interessierte. Aber das Grollen war angeschwollen und kaum das der Rüde einen Muskel gerührt hatte, katapultierte sich auch Averic aus den Schatten hervor, erwischte Takashi von der Seite her mit den Fängen am Hals und schleuderte ihn mit einer kraftvollen Kopfbewegung aus der Flugbahn. Leise grollend trat der Pechschwarze an Jumaana vorbei und sah auf diesen lästigen Rüden hinab.
„Du wagst es, deine Zähne gegen ein Rudelmitglied zu richten? Gegen deine Gefährtin?“
Seine Stimme war ruhig, raudunkel und dafür umso bedrohlicher. Dass er seine eigene Gefährtin angriff steigerte Averics Verachtung gegenüber Takashi immens. Etwas Böses ging von Takashi aus und der Gedanke seine Aufgabe zu erfüllen, indem er den Rüden augenblicklich tötete, war wahrlich verlockend. Was den Pechschwarzen abhielt war Tyraleens Bitte das Rudel zu verschonen – andererseits, was sollte man mit einem Wolf tun, der womöglich seinen Verstand verloren hatte und auf nichts Gutes mehr aus war? So einen Wolf konnte man vermutlich auch nicht mehr vertreiben, wenn Takashi also nicht schnell zur Schau stellte, dass Averic sich irrte, was blieb ihm dann anderes übrig als dieses Rudelmitglied zu töten?
[ Mischwald | Jumaana, Takashi ]
01.12.2011, 21:08
Es war schön, allein zu sein. Nach und nach drang die Ruhe in ihren Kopf und in ihr Herz. Ihre Augen waren geschlossen, ab und an blinzelte sie kurz, zwischendurch zuckte ihre Rutenspitze oder eines der Ohren. Ein Lächeln verzog ihre Lefzen, sanft und glücklich. Ruhe ergriff ihr Herz, ihr Denken. Die Gedanken schienen langsamer zu werden, langsamer und traumähnlicher, wunderschön. Es war immer wieder faszinierend, wie sich der Körper und all seine Gedanken und Gefühle an die Umwelt anpassten, an das, was um einen herum geschah. Es war doch eine sehr eigenartige Sache!
Die kleine Fähe spürte eine sachte Sehnsucht in ihrem Herzen, spürte sie mehr und mehr, bis sie so deutlich war, wie die Ruhe die zuvor in ihrem Herzen gewesen war. Es schlug, langsam und ruhig, dennoch in einem anderen Rhythmus als sonst, zumindest erschien es Lyerra so. Es schlug im Einklang mit den Herzen der Bäume. Boum- boum- boum. Sie hörte die großen Bäume atmen, den Wind in ihren Kronen. Es war so befreiend, so friedlich und beinahe bizarr.
Unsicher neigte die Kleine den Kopf, ließ die Seelenspiegel geschlossen, so dass niemand das grün sehen konnte, das leuchtende Grün ihren Augen. Wenn sie die Lider nun geöffnet hätte, konnte man vielleicht nichts darin erkennen, bloß Freude und Frieden, nichts weiter. Sie fühlte sich so wohl, wie schon länger nicht mehr. Konfuse Gedanken, bizarr und unerträglich schwer in der Welt des seichten Waldes, in der Welt der kleinen Tiere, in der Welt des Mooses. In dieser sachten und seichten Welt waren Gedanken schwer wie Steine. Eine sehr seltsame Sache. Mysteriös, vielleicht. Vermutlich war das nicht der richtige Ausdruck dafür, aber wen interessierten Ausdrücke? Eigentlich niemanden, denn nur sie kannte die seltsame Welt in ihrem Kopf. Alles war anders, irgendwie. Wäldischer. Konnte man mit den Bäumen denken? Sie lachte leise auf, wollte sich gerade aufrichten, als sie leise Schritte hörte, welche sie sogleich aus ihren Gedanken rissen. Gedanken, so schwer wie Steine und dennoch so unbedeutend wie ein kleiner Grashalm, viel zu klein!
Ihre Seelenspiegel öffneten sich blitzschnell, die Ohren stellten sich aufmerksam auf. Die Laute des Ankömmlings waren beinahe zögernd. Lyerra drehte den Kopf nicht, blieb genauso liegen, wie sie nun einmal lag. Wenn jemand etwas von ihr wollte, würde sie schon angesprochen werden, oder nicht? Sie musste auch nicht lange warten, da hörte sie schon eine unsichere Stimme. Das Lächeln auf ihren Lefzen verstärkte sich.
„Irgendwas mit L ist schon Richtig. Lyerra, ist mein Name..“
freundliche Worte, an eine freundlich dreinblickende Fähe.
„Amúr, richtig?“
Sie lachte freundlich auf, sah dann auf den Waldboden. Was die junge Fähe hier wohl wollte? Vielleicht erzählte sie es ja gleich von ganz allein, mal sehen.
02.12.2011, 20:00
Kam es ihm nur so vor, oder veränderte sich das Bild der hellen Fähe sekündlich? War Nihilus eben noch von den prüfenden Zügen dem taxierenden Blick gefesselt gewesen, musste er nun, nachdem Majibah sich auf die Hinterhand nieder gelassen hatte, weniger eingeschüchtert als zuvor. Vielleicht lag das an der friedlichen Position – oder eben daran, dass sie danach aussah bald ihr Wort zu erheben und ihn damit aus seiner Starre befreien könnte. Die Lauscher behielten ihre reuevolle Neigung jedoch lieber noch ein wenig bei. Nicht jedem Wolf gefiel es von einem Fremden beinahe umgerannt zu werden, nicht, dass sie noch den Eindruck bekam, ihm würde es nicht leid tun! Im Gegensatz zu seinem Gegenüber zog es Nihilus da lieber vor in seiner Erstarrung zu verharren und lieber abzuwarten, ob nicht doch noch ein Wutausbruch erfolgte – zumindest bis die Blauäugige ziemlich konfuse Töne von sich gab und ihn damit noch weiter aus der Bahn warf. Ach so? Wie, Ach so? Einfach nur „ach, so?“? Oder eher „ach so!“?
„Nein!“, wehrte er ihre ausgesprochenen Gedanken sofort ab. „Damit, dass du hier stehst? Da bedarf es schon viel mehr!“
Die Mengenangabe betonte Nihilus dabei unauffällig: ihn zu provozieren war fast unmöglich! Aber das konnte sie ja wohl kaum wissen! Dennoch taute er bei ihren Worten und dem Kichern sichtlich auf, als wäre ihm ein Stein vom Herzen gefallen. So wie es aussah, war die Helle wirklich nicht eingeschnappt oder würde ihm gleich aus Rache an die Gurgel fallen, das war schon Mal gut zu wissen! Weitaus lockerer als zuvor festigte sich also die Haltung des Nichtswolfs, während die Neugierde langsam anstieg. Mit gespitzten Öhrchen freute es ihn sogar zu hören, dass sie seinen Namen – trotz der Unauffälligkeit seiner Seits – kannte und auch aussprach.
„Richtig!“
Kommentierte er ihre Aussage also ein wenig zu enthusiastisch, als es angebracht gewesen wäre. Mist. Er sollte sich mal zusammenreißen bei solchen Kleinigkeiten! Aber wie konnte er das denn jetzt wieder grade biegen? Unruhig stapfte er von einer Tatze auf die andere, den voluminösen Körper dabei auf und ab wippend.
„Wir sind ja bisher immer an einander vorbei gelaufen... sind ja immer so viele hier!“
Nein! Das war nicht die beste Idee das Gespräch fortzusetzen. Vielleicht wollte Majibah ja gar kein Gespräch mit ihm beginnen und war deswegen immer geflüchtet? Und er sprach sie jetzt auch noch direkt darauf an – was ein Fettnäpfchen! Um seine Unsicherheit zu überspielen, lachte er aus dem Nichts kurz auf, als wäre es das normalste der Welt, dass die Mitglieder eines Rudels sich nicht richtig kannten.
Hach ja, Vollpfosten…
(Im Wald, Majibáh)
05.12.2011, 16:49
Sein Körper ächzte nach Luft und Erholung. Hektisch hechelnd, um Luft zu bekommen, versuchte der Silberprinz sich wieder aufzurichten, konnte aber keinen Halt finden, und fiel immer wieder zurück. Es tanzten dunkle Punkte vor seinen Augen umher, ein dumpfer Schmerz pochte in seinem Kopf, während er verzweifelt versuchte wieder klar sehen zu können. Unruhig suchten seine Augen Krolock, fanden aber Caylee, die sich vor den Dunklen gestellt hatte und... ihn verteidigte. Ein verzweifeltes Grollen entfuhr ihm, während er sich mit einem Kraftakt doch irgendwie erheben konnte, ihm dabei aber wieder so schwarz vor Augen wurde, dass er Caylee und Krolock kaum noch erkennen konnte.
In dem Augenblick, in dem er seine Stimme zu einem provozierendem Knurren erhob, wusste er plötzlich, dass alles keinen Sinn mehr machte. Nichts von allem hatte je Sinn gemacht. Sein Hass auf Krolock verwandelte sich unter all den Schmerzen, die er gerade empfand in Verzweiflung. Sein Stimme verstummte wieder und Turién lachte einmal bitter auf, den Blick apathisch irgendwo auf Caylees Pfoten gerichtet. Es verletzte es ihn, dass sie sich sofort auf Krolocks Seite geschlagen hatte. Ohne zu wissen, was überhaupt vorgefallen war. Sie war doch auch Nerúis Freundin.
Seine Beine fingen an zu zittern, als die Wirkung das Adrenalins nachließ, und Turién sackte in sich zusammen, halb sitzend – halb liegen, um nicht die Besinnung zu verlieren. Dabei zierte ein freudloses Lachen seine Lefzen. Sie würden ihn alle für verrückt halten. Er hätte sich auch für verrückt gehalten.
„Krolock... ich schwöre dir... wenn... ihr irgendwas... zugestoßen ist...“,
keuchte er hechelnd. Für ihn war der Kampf beendet. Er konnte nicht mehr. Seine Läufe trugen ihn kaum noch, immer wieder drohte er die Besinnung zu verlieren, während der Schmerz in seiner Schulter ihm fast den Verstand raubte.
Seine sonnengelben Augen fixierten immer wieder Krolock und dann seine Schwester, die ihn weiterhin schützte. Doch von dem Silberprinzen ging keine Bedrohung mehr aus.
Was würde nun geschehen? Würde Krolock wieder angreifen? Würde vielleicht sogar Caylee angreifen? Was würde er tun? Vielleicht hoffte er sogar insgeheim, dass beide ihn angreifen würden. Was wollte er überhaupt?
Er neigte seinen Kopf leicht, als plötzlich jemand anderes auftauchte. Es war überraschend für ihn. Turién konnte lange Zeit nicht erkennen, wer es war, und starrte nur verwirrt den fremden Wolf an, der sich zwischen die Fronten warf. Immer wieder kniff er die Augen zusammen, und dann erkannte er -endlich-, dass es Aszrem war. Dessen Worte verstand er nicht, da sein Blut zu laut in seinen Ohren rauschte. Welch Ironie des Schicksals. Nerúis Vater. Papa Aszrem.
( Kampf | Krolock & Caylee (Tiberius), dann auch Aszrem)
05.12.2011, 23:40
Face Taihéiyo verharrte wie ein stiller Wächter an Tyraleens Seite und wartete geduldig. Er hatte wohl definitiv nichts von einem Beschützer, der Muskelkraft zur Schau stellte und allen anderen eine Warnung sein sollte. Eher war er eine gänzlich unbedrohlich wirkende Gestalt, von der aber trotz seiner Wortlosigkeit deutliche Präsenz ausging. Die Worte, die die Fremden an sein Patenkind richteten hörte er zwar, aber er sah keine Notwendigkeit mehr darin auf jedes Wort zu lauschen. Es war nicht länger seine Aufgabe und er würde nicht mehr die Gelegenheit bekommen, sie irgendwie kennen zu lernen.
Hatte er sich eben noch recht leicht gefühlt, so wurde dieser Gedanke nun allmählich wieder schwerer. Nicht, dass es ihm etwas ausmachte, dass er keine neuen Rudelmitglieder mehr kennen lernen und ihr Handeln im Rudel verfolgen konnte, er hatte sich nie dabei wohlgefühlt und so war es nicht schwierig gewesen, mit dieser Aufgabe abzuschließen. Anders blieb es bei Tyraleen und dieser zehrende Gedanke, sie könnte sich von ihm im Stich gelassen fühlen, kam einfach immer wieder. Aber er hatte keine Wahl, auch wenn er noch so gerne einfach dageblieben wäre.
Face richtete sich ein wenig auf, als Tyraleen plötzlich ihren Pelz sträubte und einer der zwei fremden Rüden ein paar Schritte auf sie zusprang. Obwohl ihn seine Gedanken abgelenkt hatten, war sein Verstand sofort wieder klar auf die Wölfe um ihn herum fixiert. Auch wenn er kein Kämpfer war und niemals Zahn gegen einen anderen Wolf gelegt hatte, würde es einen geben, der sein Patenkind wirklich bedrohte, hätte er sich ohne zu zögern dazwischen gestellt.
Aber das war auch jetzt nicht nötig, der Schwarze verhielt sich nicht aggressiv, nur sonderbar. Hatte er gerade nach irgendjemandem gerufen? Face nahm Tyraleens Blick aus dem Augenwinkel wahr, erwiderte ihn aber nicht. Zu sehr lag die Aufmerksamkeit der saphirblauen Augen auf dem Fremden, der nach jemandem gerufen hatte und dessen Verhalten für den Tiefschwarzen plötzlich und doch langsam einen altbekannten Sinn ergab – nur für ihn, für die anderen sicherlich nicht. Und das ließ selbst ihm einen Schauer den Rücken hinunter rennen. Der Wolf bestätigte den Gedankeblitz: er sah jemanden, der nicht da war. Ein Familienmitglied, dass ihn über den Tod hinaus begleitete. Ohne es recht kontrollieren zu können drehten sich Faces Ohren zurück und seine Augen wanderten kurz umher, als versuchten sie die unsichtbare Gestalt zu entdecken. Für Tyraleen und den anderen Rüden musste es zwangsläufig wie wirres, verrücktes Geschwätz klingen, es konnte für sie nicht mehr bedeuten als dass dieser Wolf unter einer schweren Wahnvorstellungen leiden musste. Aber für Face Taihéiyo, der einst selbst von einem toten Freund heimgesucht geworden war, war es eine makabere Auffrischung seiner Erinnerungen. Der Saphir um seinen Hals fühlte sich plötzlich furchtbar schwer an. Es ihm war niemals auch nur ansatzweise der Gedanke gekommen, dass einem anderen etwas ähnliches widerfahren könnte, wie ihm. Aber dieser Schwarze vor ihm war keineswegs wie er, denn dass er am Leben war, war deutlich sichtbar, außerdem hätte und hatte er es niemals einfach ausgesprochen. Vielleicht bildete dieser Fremde sich auch wirklich nur etwas ein? Nichtsdestotrotz hatte es Face fast wie einen Schlag ins Gesicht getroffen. Das er einen Weg vor sich hatte, der sicher nicht leicht werden würde und ein großes Risiko barg, lag plötzlich noch präsenter vor seinen Pfoten – oder hing viel mehr und viel schwerer als sonst um seinen Hals – als zuvor. Auf einmal wurde es schneidend real, dass ihm einer der schwersten Abschiede seines Lebens unmittelbar bevor stand und er sich nur einreden und hoffen konnte, dass er es auch wirklich noch wieder hierher zurück schaffte.
[ Muschelbaum | Tyraleen, Joké, Samirez ]
06.12.2011, 18:59
Die Temperaturen waren milder geworden, seit Hilel dem Rudel beigetreten war. Ihr war immer noch nicht recht bewusst ob es für Dauer sein sollte. Wurde sie geduldet, war bereits vergessen oder war sie wirklich willkommen? Diese Frage schwebte die letzten Tage oft in ihrem Kopf umher. Die Zeiten die sie in dieser Gemeinschaft geführt hatte, waren trotz der Geschehnisse sehr ruhig und besonnen gewesen. Die Dunkle hatte sich wie ein Schatten am Rande der Gesellschaft aufgehalten. Viele Gesichter hatte sie nur aus der Ferne erkannt, nur den schüchternen und blassen Rüden von ihren ersten Tagen in diesem Tal hatte sie nicht erneut getroffen. Beinahe wehmütig blickte ihr Herz zu diesem Ereignis zurück. Er hatte sie bewegt, ein Stück ihrer Seele erblickt, als sie ihre Toren geöffnet hatte. Der Tag war sonnig gewesen, ein Lächeln hatte ihren Fang den einen oder den anderen Augenblick umspielt. Auch er hatte ihr ein Stück seiner bewiesen, vielleicht hatte sie deswegen so viel Vertrauen gezeigt oder war einfach nur positiv gestimmt. Doch seit her, war nur Aszrem ihr vertraulich gewesen. Er war mehr oder weniger aus seinem Gewissen heraus dazu genötigt worden. Dann gab es noch die Andere, Tyra...irgendwas. Sie hatte sich dessen Namen nicht gemerkt, obgleich sie ihre wichtige Position erkannte. Beides waren Alphas, gleichwohl schienen sie keine Gefährten zu sein. Ein wunderlicher Gedanke. Für Hilel ging jenes Pfote in Pfote, aber es gab keine Zeit in der man auslernte. Aszrem hatte Hilel ihrer vorgestellt, ein bisschen kam sie sich vorgeführt wie eine Gefangene oder eine Trophäe. Auch der Wurf der Welpen hatte die Situation für sie nicht geändert. Wer würde schon eine eigenwillige und grimmig dreinschauende unbekannte Wölfin, die Welpen hüten lassen? Sie wusste es und sie nahm es niemanden Übel.
Ihr Kopf wandte sich von einer Seite zur anderen. Darauf vertieften ihre Augen ihren Blick in das ungetrübte Gewässer. Es war klar und wabberte seicht der Strömung nach. Durch den durchsichtigen Schleier konnte sie den verzerrten Grund erkennen. Die bräunlichen Kieselsteine, grüne Pflanzen die sich vom Wasser mitziehen ließen, obgleich sie ihre Wurzeln niemals verloren und kleine Fische die gegen den Strom ankämpften, als würde am Ende jenes ein grauenhaftes Monster warten. Dann erkannte sie es. Es erstreckte sich deutlich vor ihrem Auge. Das schwarze Gesicht, mit dem aufmerksamen Blick, der einseitig war. Einseitig und grauenhaft kalt. Erinnerte an einen Bergsee, der im Winter dem Frost nachgegeben hatte. Leichtes Blau, welches kristallin funkelte. Hilel betrachte lange ihr eigenes Spiegelbild, ließ ihr wachsames Gehör jedoch nicht die Umgebung außer Acht. Das Rauschen des Wasser, der leichte Wind wie er mit ihr flüsterte und die vereinzelten Stimmen des Rudels, welches ihr fremd und doch vertraut war. Sie schien noch immer allein. Das war gut. Eigentlich war sie keine eitle Wölfin, noch weniger arrogant oder gar eingebildet, obgleich sie oft solche Züge annahm. Gerade jetzt hätte man ihr Eitelkeit nachsagen können, aber wofür, weswegen? Sie verzog ihre Brauen, ließ sie spielen. Auf und ab. Zog sie zusammen und entspannte sie. Ihr Gesicht nahm immer andere Formen an, wie ihr Blick. Ihr Auge lächelte ohne Seele, blickte mit Zorn ohne Wut. Doch ihr rechtes blieb matt, leblos, wie ein karger Sarg. Es entwich keine Regung und kein Gefühl. Die Fähe bleckte die Zähne, sträubte das Fell und fuhr sich mit der Zunge über ihren entblößten Fang, als würde sie sich das warme Blut eines Opfers ablecken. Ihr Benehmen war wie jenes eines Welpen, so entsprang ihr der Gedanke und doch konnte sie nicht davon lassen. Wieder wandte sie ihr Haupt. Erst nach links, sie sah den Wald mit seinen schlafenden Bäumen, zwischen denen die Sonne hindurch schien. Danach drehte sie sich nach rechts und sie erkannte wieder ihr Bild im Wasser. Der Rest hüllte sich in Schwärze und der Wald wandelte sich in ein Meer von Nichts. Ein tiefes Seufzen entfuhr ihr aus der Kehle, bis sie ihren Kopf schüttelte, wieder in die Mitte wandte und sich herabsenkte. Hilel reckte ihre Schnauze dem seichten Ufer herab, blieb knapp mit ihrer Nase über der Wasseroberfläche, während sie sich in die Agen blickte, bevor sie zu murmeln begann. "Was machst du hier? Und vor allem, wer bist du?" Sie wartete beinahe eine halbe Minute, als würde sie eine Antwort ihres entstellten Bildes erwarten, bis es zerbrach. In hunderte Ringen löste es sich auf. Ihre Zunge hatte grob die seichte Haut zerstört, die ihr Zerrbild gehalten hatte und begann zu trinken.
[Beim Bach, allein mit sich selbst beschäftigt]
06.12.2011, 22:18
Die graue Fähe blickte die Weiße vor sich ruhig an. Schade fand sie es schon nicht Nihilius gefunden zu haben aber sie würden sich bestimmt wieder mal treffen. Sie wartete bis die weiße Fähe vor sich reagierte. Ja, es war wirklich etwas mit L. Ein Name mit L. Doch bevor Amúr die Gelegenheit dazu bekam über die Frage nachzudenken nannte die weiße Fähe ihn auch schon.
“Lyerra. Abgespeichert.“
sie hechelte kurz, ehe sie der weißen kur einen entschuldigenden Blick zuwarf.
“Das Rudel ist einfach zu groß.“
sagte sie und stellte so eine Begründung für ihr Nichtwissen auf. Auch wenn diese Begründung nicht wirklich so toll klang. Also lächelte sie nur kurz. Kurz glitt ihr Blick über die Fähe, die noch immer lag und dann über den Wald. So wie Lyerra da lag und so wie der Wald hinter ihr lag hatte alles eine irgendwie ruhige Wirkung. Ruhe, ja so schön wäre innerer Frieden. Amúr konnte ihn sich einbilden, überspielen doch manchmal kam es immer durch. Das was nicht okay war. Das mit dem sie nicht zurechtkam. Die Worte der weißen Fähe holten Amúr aus ihren Gedanken. Die Graue nickte und sagte
“Richtig.“
was nun? Vielleicht einfach ein kurze Gespräch führen wieso nicht. Das war immerhin höflich. So überlegte sie kurz und beschloss Lyerra erst einmal mitzuteilen wieso sie hier war. Vielleicht fühlte die Weiße vor ihr sich ja auch gestört, wollte alleine sein. Das konnte Amúr so nicht wissen und ging erst einmal davon aus das dies nicht der Fall war.
“Ich hoffe ich habe dich nicht gestört. Eigentlich war ich bis eben noch mit Nihilius unterwegs, doch wir scheinen uns verloren zu haben. Ich war wohl zu schnell.“
sie sagte das alles mit einen sachten Lächeln auf den Lefzen, doch es lag nicht pure Begeisterung in ihrer Stimme. Es war eher einfach so eine Aussage und die Euphorie des Spiels schien langsam zu verfliegen. Doch sie hatte etwas anderes gefunden, woran sie sich aufhalten konnte. Ruhe. Ja, es war etwas schönes so schwieg sie einen Moment. Doch schon im nächsten wurde ihr klar das sie nie wirklich Ruhe hatte. Es gab keinen Ort wo es wirklich still für sie war. Denn Insekten gab es überall. Auch wenn sie teilweise nur noch ein Nebengeräusch waren, sie waren trotzdem da. So schien die graue Fähe zu horchen. Lies die Stimmen des Waldes in ihr Ohr flüstern und ein leises seufzen entfuhr ihrer Schnauze. Irgendwie war es manchmal ja auch schön, die Stimmen zu hören. Es war etwas besonderes. Doch ob sie das sein wollte? Sie verstand es einfach nicht. Wieso hatte sie diese Gabe und andere nicht. Eine von so vielen fragen die Amúr ans Leben stellte. Nach eine kleinen zeit des Schweigens blickte sie Lyerra wieder an.
“Ein schöner Tag heute, meinst du nicht auch?“
fragte sie und hob den Kopf um Himmel, ehe sie den Blick auf der weißen Fähe liegen lies und abwartete.
[Waldrand/bei Lyerra]
10.12.2011, 11:13
Es war seltsam. Er kannte es zwar nicht anders, dennoch war alles ein wenig seltsam. Möglicherweise war es die Vergangenheit der Wölfe die durch seine Adern floss. Möglicherweise wusste einfach sein Blut dass dieses Wetter seltsam war.
Aber Cirádan genoss es. Die wärmende Sonne, die seinen Pelz beschien. Das Wasser welches sanft um seine Beine floss.
Cirádan hatte trainiert. Seit dem viel zu ernsten Spiel mit Nihilus und Krolock. Er hatte sich nicht getraut hinterher zu springen. Cirádan wusste, er würde gnadenlos untergehen im Wasser.
Aber jetzt schwamm er gerne. Und übte sich im Fische fangen. Zwar konnte Cirádan immer noch kein Großwild jagen und stand dort eher im Weg, als nützlich zu sein. Doch zumindest verbesserten sich seine Fähigkeiten in der Kleinwildjagd. Mäuse, Kanninchen und anderes Getier. Fische und Vögel machten zwar noch ein wenig Schwierigkeiten, doch auch da war täglich eine Verbesserung zu erkennen.
Neben seinen Jagdübungen verbrachte er auch viel Zeit mit Nihil. Beobachtete immer wieder Caylee und sprach auch immer wieder mit ihr.
Doch ansonsten bestanden seine sozialen Kontakte eher aus Hallo und Aufwiedersehen. Auch wenn er sich gerne in der Nähe von seinem Onkel und seiner Patentante aufhielt und sich die Beziehung zwischen ihnen wohl verbessert hatte.
Cirádan hatte sich wohl mehr oder minder auf seine Weise intergriert ... doch die Welpen mied er. So süß er sie auch fand, traute er sich nicht an sie heran.
Heute war mal wieder so ein Tag, an dem er versuchte sich einen Fisch zu fangen. Während er durchs Wasser watete, auf der Suche nach einer guten Stelle, erkannte er in der Ferne eine Fähe. Hilel war ihr Name, das wusste er, wenn auch nicht mehr genau woher. Wahrscheinlich hatte irgend jemand die Fähe mal so angesprochen.
Und obwohl sie am Bachufer lag und sich im Wasser betrachtete, war es deutlich zu sehen dass sie ihn um einiges überragte in der Größe.
Unsicher war Cirádan stehen geblieben und beobachtete die Fähe, bis sie sich entschlossen hatte etwas zu trinken.
Kurzentschlossen watete nun der Graue näher und blieb in der Nähe der Fähe stehen.
"Hallo ...", begrüßte er sie freundlich, jedoch etwas unsicher. Er wusste auch nichts weiter zu sagen. Vielleicht wollte sie ja ihre Ruhe haben. Vielleicht aber auch freute sie sich über Gesellschaft. Wer wusste es schon. Erstmal wartete Cirádan eine Antwort ab.
[Beim Bach, mit Hilel]
10.12.2011, 20:36
Noch eine Weile war Kursaí oben auf dem Himmelsfelsen. Aszrem war schon eine Weile aufgebrochen, hatte etwas im Rudel klären müssen. So ein wenig hatte sie dies mit bekommen und doch hatte es für sie in diesen Momenten kaum eine Rolle gespielt. Stattdessen war sie vielmehr mit ihren Gedanken bei ihrem Gefährten. Hier war der richtige Ort zum Gedenken. Hier war sie ihm näher als sie sonst wo auf der Erde sein konnte. Und trotz das ihre Gedanken von Trauer um ihn erfüllt waren, war doch ein Friede in ihr, der ihr nur das Leben geben konnte. Engayas Geschenk würde sie nicht einfach wegwerfen, indem sie nur noch ihren Verstorbenen vor Augen hätte. Und so stand sie mit den aller letzten Strahlen der Sonne auf. Mit der einbrechenden Nacht ging sie so auch wieder zum Rudel zurück, glücklich wieder mit den Gesichtern ihrer Kindheit zusammen zu sein und auch glücklich über das neue Leben.
Ihre Schritte führten sie ein wenig durch das Rudel, doch jetzt endlich kam sie beim Muschelbaum heraus. Sie hatte nicht gewusst, wen sie dort finden sollte, und doch war sie ein wenig überrascht, wie viele da gleich zusammen waren. Zunächst einmal versuchte sie alle zu erkennen. Tyraleen und auch Face Taihéiyo fielen ihr nicht schwer, doch wer waren die beiden anderen Rüden? Kannte sie diese? Sie überlegte kurz, zog dann aber auch in Betracht, dass diese vielleicht noch nicht allzu lange hier in ihrem Tal waren. Sie würde es ja bald feststellen, wer dieser Dunkle und der Helle waren. Als die Graue also nun auf die vier zuschritt, bemerkte sie, dass wohl nicht alles ganz normal war. Es war offensichtlich, dass der ihr unbekannte Schwarze für Verwirrung sorgte. Was dieser wohl hatte? Sie konnte es nicht sagen. Wahrscheinlich wussten es die anderen gar nicht mal so genau.
Während sich Kursaí nun also näherte, nickte sie allen vieren zu und sagte:
"Einen schönen Abend."
Nachdem sie die letzten Schritte getan hatte, blieb sie vor den Vieren stehen. Sie überlegte, ob sie erst noch warten sollte, damit die anderen die Situation auflösen sollten, und sah so alle nacheinander musternd an. Doch dann fügte sie noch an die ihr unbekannten Gesichter hinzu:
"Kenne ich euch? Ich glaube nicht. Mich nennt man Kursaí."
[ Muschelbaum | Tyraleen, Joké, Samirez, Face ]
11.12.2011, 00:51
Sie nahm drei große Schlücke, bis die seichten Wellen des Wasser endeten und wild zu plätschern begannen. Diese Erschütterungen kamen nicht nur von ihr, so hielt Hilel inne. Ihr Kopf verblieb in der herabgesenkten Position des Trinkens, während sie sich in Erinnerung rief, dass sie eigentlich davon ausging sie wäre allein. Ein komischer Streich, wenn sie bedachte, dass ihr sonst kaum eine Regung entging. Zuvor musste sie sehr in ihr eigenes Spiegelbild vertieft gewesen sein, so urteilte sie selbst und lies einen Moment auf eine Antwort von sich warten. Ihr blauer Blick betrachtete die blass gräulichen Pfoten des Wolfes. Er war durch das kühle Nass an sie herangetreten und hatte damit jeglichen Fisch in unmittelbarer Nähe bis auf weiteres verscheucht. Langsam legte sie den Kopf schief. War er es? War nicht jener von damals mit einer ähnlichen Fellfarbe bestückt? Aber nein, das war er nicht, seine Stimme klang anders, obgleich ähnliche Vorsicht und Scheu in ihr verborgen waren, wie bei Nihil...Erst jetzt erhob sie sich, ließ den Fremden gänzlich in ihr Auge blicken. Freundlichkeit war ebenso in ihm begraben, in dem knappen Wort welches er zu ihr aussprach und so entgegnete Hilel mit der Gleichen. Sie nickte ihm zu und begrüßte ihn "Hallo...". Anfangs hatte sie mit weiteren Worten beginnen wollen, doch sie verschluckte sie. Ihre Gedanken verliefen sich im Kreis. Der Wolf vor ihr war ein junger Rüde, mit hellem Pelz, sie wusste es und doch glaubte sie, sie erkannte ihr eigenes Bild in seinem Gesicht. Zum ersten Mal in ihrem Dasein starrte sie einen Unbekannten genauso ungeniert an, wie es ihr häufig geschah. Unaufhörlich musterte ihr Blick sein mattes graues Auge, welches ihrem ähnelte. Sein Rechtes, wohl gemerkt. Das Linke seiner, war ebenfalls blau, jedoch gesättigter als ihres, lebendiger, so würde sie es wahrscheinlich formulieren. Aber wie die Wölfin war, würde sie kein Wort darüber verlieren. Oder vielleicht doch?
"Ich glaube, wir kennen uns noch nicht, ...oder?"
Wieder war eine beinahe endlose Zeit verstrichen, bis sie diese Worte aus ihrem Fang gepresst bekommen hatte. Eine solche Frage war eigentlich dumm, dachte sie, denn immerhin kannte kaum einer sie und sie kaum jemanden. Dessen ungeachtet war es das Einzige, welches ihr in diesem Augenblick eingefallen war. Um ihre eigenen Gedanken zu bestätigten, wartete sie auf keine Antwort und schob schnell eine Vorstellung ihrer hinzu.
"Mein Name ist Hilel und wie heißt du?"
In ihrem Ton lag die matte Freundlichkeit, die einem wohlwollenden Fremden entgegengebracht wurde. Es war kein überschwänglicher Eifer in ihr, jedoch auch kein Zeichen eines Unwollens. Im Gegensatz, eigentlich gefiel es ihr. Sie wollte mehr von diesem Rudel kennen lernen. Es war doch bereits viel Zeit verstrichen und noch immer fühlte sie sich wie ein Vagabund, der nur kurzzeitig geduldet wurde oder keiner die Lust hatte ihn fortzujagen. -Es gab kein Halt, wenn man keinen zuließ.-
Die Fähe betrachtete den Grauen und musterte ihn eindringlich. Endlich konnte sie ihre Aufmerksamkeit von seinen Augen richten, von dieser Leblosigkeit im Gegenzug des Lebendigen. Er war wahrlich jünger als sie, aber dies nicht allzu fern, nur seine Größe und seine Statur unterschieden sich deutlich von der ihren. Sie überragte ihn in Höhe und wohl auch Masse, dies wäre jedenfalls nur logisch. Obgleich die Fähe sich nie als sonderlich dicklich gefühlt hatte, musste sie diese Überlegung nun in Betracht ziehen.
[Beim Bach | mit Cirádan]
11.12.2011, 12:59
Dass die Fähe schwieg, verstärkte in Cirádan die Unsicherheit. Er wollte weiter gehen, doch bewegte er sich dennoch nicht. Hielt still und wartete geduldig ab, bis die Fähe ihren Kopf hochheben würde.
Sie hob nicht nur den Kopf, sondern stand gänzlich auf. Überrascht japste der junge Wolf nach Luft, während er völlig verdutzt in das Gesicht der schwarzen Wölfin blickte.
Es lag nicht an der Größe. Er hatte sich schon daran gewöhnt, kleiner als die anderen zu sein. Nein, es lag daran, dass er sah - was andere normalerweise bei ihm sahen.
Cirádans Augen waren beide geweitet, obwohl er ja nur mit einem sehen konnte. Genau wie auch die Fähe vor ihm, wenn ihm sein Auge keinen Streich spielte.
Erst als die Wölfin wieder das Wort erhob, löste sich auch der junge Rüde aus seiner Starre und lies seinen Blick wieder wandern. Auch wenn er immer wieder auf das rechte Auge der Wölfin schielen musste.
"Nicht wi...", wollte er gerade auf das erste Antworten, was sie sagte, doch lies sie ihm kaum Zeit zum sprechen. Sie stellte sich vor und Cirádan - zuerst erschrocken - begann zu lächeln und wedelte freundlich mit der Rute.
"Hallo Hilel, mein Name ist Cirádan.", stellte er sich höfflich vor. Sie schien ihn nicht fort jagen zu wollen, weshalb er auch sich entschloss aus dem Wasser zu springen und sich kurz auszuschütteln.
"Verzeih ..", lachte er unsicher nach dem ein paar Wassertropfen von seinem Pelz die Schwarze getroffen hatten.
Dann stand er wieder still und sah hinauf zu der Wölfin. Betrachtete sie und überlegte wie die Sache nun am ehesten weiter gebracht werden konnte.
Er wollte diese Wölfin kennen lernen ... wer wusste, was sie noch verband.
"Und ... wie läuft die Jagd so?"
Diese Frage war eigentlich völlig unsinnig, nur war Cirádan im Moment nichts besseres eingefallen. Er tat sich immer sehr schwer mit anderen Wölfen zu reden. Egal ob Fremde oder Familie.
[Beim Bach, mit Hilel]
11.12.2011, 15:01
Caylee merkte schnell, dass hier kein weiterer Kampf stattfinden würde. Ob Turién nun ein Bösewicht war oder nicht – er würde vorerst nicht wieder aufstehen. Als sie erkannte, wie schwach ihr Bruder war und wie ernst seine Verletzungen sein musste, verstummte ihr Knurren augenblicklich und Unsicherheit schwappte wie eine Welle eiskalten Wassers über sie. Noch immer hatte sie nicht einmal ansatzweise verstanden, was hier eigentlich gerade geschah, nur ihr Körper, die Aggressivität und der Geschmack von Streit hatten sie zu ihrer vorschnellen Drohung verleitet. Nun fiel ihre Rute beinahe zu Boden und ihre Ohren spielten unsicher vor und zurück. Das bittere Auflachen Turiéns machte nichts besser und als er dann endgültig zu Boden sackte, wurde Caylee erneut eiskalt. Was zum Teufel ging hier vor? Sie sah Krolock nicht, hielt er sich doch noch immer hinter ihr auf, aber seine Reaktion auf Turiéns offensichtlicher Kapitulation hätte sie doch interessiert. Sicher hätte sie sich auch umgedreht, wären in diesem Moment nicht doch noch wenige und auch kaum klärende Worte von ihrem Bruder gekommen. Irgendwem war etwas zugestoßen … ihr. Wem? Und warum? Was hatte Krolock damit zu tun? Erneut wollte sie zu dem Schwarze herumwirbeln, als ein weiterer Wolf in wildem Lauf auf sie zu kam. Dieses Mal war es allerdings Aszrem und Caylee vermutete, dass er nichts mit diesem Spektakel hier zu tun, sondern viel eher mitbekommen hatte, was hier vorging und eingreifen wollte. Die Weiße empfand seine Reaktion als ziemlich übertrieben, beschloss aber augenblicklich, dass sie hier noch die Vernünftigste war, auch wenn sie leider im Prinzip genauso wenig Ahnung hatte wie Aszrem. Zunächst trat sie einen Schritt zur Seite, sodass ihr Papa-oder-so auch Krolock sehen konnte, dann fuhr sie sich mit der Zunge über die Lefzen – eine Geste der Unsicherheit – und zuckte mit den Schultern.
“Krolock und Turién haben sich gebissen, dann ist Krolock vor Turién geflohen und hat mich dabei überrannt. Turién ist ihm nach, ist ebenfalls über mich gestolpert und weil ich keine Ahnung hatte, was vorging, habe ich den Fliehenden gegen den Verfolger verteidigen wollen. Aber das scheint nicht mehr nötig zu sein.“
Caylee sagte die reine Wahrheit, was sie durchaus ein wenig erleichterte. Ob sie sich nur gegen Turién gerichtet hatte, weil der Krolock hinterhergerannt war, würde nie geklärt werden, nicht einmal in ihrem Kopf. Langsam kroch in den nun Sorge – ihrem Bruder ging es ganz offensichtlich nicht gut – und ihr tat es doch etwas leid, ihn beinahe angegriffen zu haben. Außerdem bohrte die Frage, wer sie war, an ihrem Herzen – die Weiße hatte ein ganz schlechtes Gefühl. Ohne Aszrem anzusehen trat sie an ihm vorbei und senkte die Schnauze zu ihrem Bruder. Sie konnte nicht einschätzen, wie schlecht es ihm ging, begann aber einfach seine Wunde zu säubern. Vermutlich würden sie ihre Mutter oder Sheena rufen müssen. Zu Krolock sah sie nicht mehr, konnte sie sich doch nur zu gut vorstellen, was er nun dachte.
[ Waldrand beim Himmelsfelsen & Wasserfall | Krolock, Turién und Aszrem ]
11.12.2011, 18:17
Die Antwort war ganz klar ein ‚Nein‘. Sie sollte sich nicht in das Geschehen einmischen, was hätte sie schon tun können? Krolock verachtete sie in einer Art und Weise, die Liel nicht begreifen konnte. Sie verstand nicht, warum ihm alles was sie tat gegen den Strich ging und weshalb er sie immer verhöhnen musste. Außerdem war bereits Aszrem zu der kleinen Gruppe getreten, der Alpha würde schon für Ruhe sorgen, aufpassen, dass die beiden schwerverletzten nicht wieder aufeinander losgehen würden. Wobei sie dies wahrscheinlich gar nicht mehr konnten. Zumindest Turién machte einen sehr geschwächten Eindruck. Soweit sie das aus dieser Entfernung überhaupt richtig sehen konnte.
Sachte schüttelte sie den Kopf. Nein, sie würde hier sitzen bleiben, auch wenn sie eigentlich die Chance hätte nutzen können um dieses trübsinnige Gespräch zu beenden. Aber gleichzeitig fühlte sie sich wohl in der Gesellschaft von Malicia. Auch, wenn es ein ihr fremdes Wohlgefühl war.
Kurz schwiegen sie wieder beide, ehe Malicia unvermittelt erneut das Thema wechselte und über den verrückten Herbst sprach, der sie um den Verstand brachte. Irritiert ließ Liel den Blick umher wandern. Dieser Herbst war doch eigentlich ein ganz normaler Herbst. So, wie es sich gehörte. Oder hatte sie irgendetwas verpasst?
Der Sommer zuvor, voll mit Schnee und eisiger Kälte. Der war nicht normal gewesen, der hatte sie alle wohl um den Verstand gebracht. Ohne dicken Winterpelz der sie vor der Kälte hätte schützen können, ohne einen vorhergehenden Herbst, der sie sich darauf einstellen lassen konnte, was sie erwarten würde. Aber dieser Herbst nun war wie jeder andere Herbst. Nicht warm, nicht kalt, die Vorbereitung eines Winters. Wenn dieser nun folgen würde zumindest. Sicher sein konnte man sich wohl nicht.
„Aber dieser Herbst… Es ist doch ein normaler Herbst!“
Verdutzt richtete sie den Blick auf den schwarzen Wolf mit den silbernen Streifen im Gesicht neben sich. Deshalb hatte sie sie Silberschein getauft. Es war so wunderschön anzusehen und das einzige, was diese Schönheit trübte war die unendlich und bodenlos scheinende Traurigkeit in den Augen, die die Silberstreifen zierten. Wie unglaublich hübsch die Fähe aussehen würde, wenn sie die Trauer loslassen könnte, wie wunderbar ein Lächeln das silberne Fell erhellen würde.
Liel selbst hatte keine so bemerkenswerte Zeichnung in ihrem Fell, dafür aber ein Lächeln, was einen an Sonne denken ließ. Zumindest Chanuka. Sie war sein Sonnenschein.
Kurz witterte sie nach ihrem besten Freund, konnte ihn aber nicht in ihrer Nähe ausmachen und so ließ sie wieder davon ab. Sie wollte Malicia nicht das Gefühl geben, dass es in ihr danach drängte zu laufen. Hinfort von diesen Gesprächen, hinfort von der großen Traurigkeit die über ihnen schwebte wie eine dunkle Gewitterwolke. Und diese Gewitterwolke ließ sich nicht vertreiben, egal wie sehr der Wind auch blies, sie klebte über ihnen, als wolle sie niemandem sonst den Regen antuen, der sich in ihr gestaut hatte. Waren sie beide also dazu verdammt nur ernsthafte, tiefgründige und bedrückende Gespräche zu führen?
Ein Schütteln ging durch ihren zierlichen Körper als wäre der nicht vorhandene Wind direkt bis unter ihr dichtes Fell gefahren. Es fröstelte sie und mit einem Blick nach oben musste sie sich nun doch vergewissern, dass über ihnen keine Wolke stand, die kurz davor war sie mit eiskaltem Regen über ihnen zu entladen.
[Bach. Malicia]
11.12.2011, 20:11
Lyerra blickte zu Amúr. Die Jüngere hatte eine ganz und gar andere Art zu sprechen, viel abgehackter. Oder sprach sie selbst auch so? Es klang komisch. Eine kurze, aber passende Antwort. So seltsam. Abgespeichert. Sie kannte wirklich niemanden, der so sprach. Nicht mal annähernd. Nur Amúr, die sprach so. in ihrer nächsten Antwort hatte die Graue absolut recht. Lyerra nickte und dachte über eine Antwort nach. Das Rudel war wirklich groß, größer als jedes andere, dass sie jemals gesehen hatte. Und trotzdem war es schön hier, angenehm, ruhig. Sie selbst kannte längst nicht jedes Mitglied, und einige von denen die sie kannte, oder sogar sehr gut kannte, waren längst wieder weg. Manchmal dachte die Weiße darüber nach zu gehen, einfach weg von hier, so wie andere auch. Sharíku. Ihre liebste Freundin hatte sie schon ewig nicht mehr gesehen. Vermutlich war sie längst nicht mehr hier. Kouros war ebenfalls weg, er war ein kurzer Gast gewesen, viel zu kurz. Ethelion, ihr geliebter Gefährte war verstorben, viel zu schnell. Was mit Volk Zubami war, konnte sie nicht sagen. Wann hatte sie ihn das letzte Mal gesehen? Es war ihr schleierhaft. Wieso konnte sie nicht einfach.. wenigstens ihre wenigen guten Freunde hier sehen? Es war schrecklich, grausam, riss an ihrem Herzen. Tyraleen war bloß eine Bekannte, ein Schatten, der ab und an da war, auch wenn Lyerra starkes Vertrauen in sie hatte, sehr starkes sogar. Schon seltsam. Das ganze Leben war seltsam und rätselhaft. Wozu war sie noch hier? Wer war hier, der sie hielt? Niemand, niemand, den sie in diesem Moment hätte benennen können.
„Du hast Recht.. das Rudel ist wirklich sehr groß, größer als alle anderen die ich je gesehen habe. Ich würde sogar sagen, dass ich längst nicht alle kenne, die in diesem Rudel leben. Einige, die mir wirklich wichtig waren, sind längst fort..!
Sie blickte kurz auf, sah der Grauen ins Gesicht, lächelte freundlich. Bei deren weiteren Worten schnippten ihre Ohren nach vorne, sie lächelte und schüttelte den Kopf. Natürlich störte die junge Fähe sie nicht. Warum auch? Es war der Tag an sich, der schön war, Unterhaltungen, nicht nur die Ruhe.
„Wenn du magst, können wir ihn gemeinsam suchen gehen..?“
Immer noch lag ihr Blick auf der anderen Hellen, sie lächelte weiterhin, die Lefzen bloß ganz leicht verzogen. Sie blickte kurz zu Boden, schloss die Augen für einige Sekunden, für einige Augenblicke. Sie freute sich darüber, ein Rudelmitglied kennen zu lernen, war irgendwie froh, nicht mehr alleine zu sein.
„Du störst nicht.. ganz im Gegenteil, ich finde Gesellschaft sehr angenehm..“
Sie lachte leise auf, ehe sie abermals schwieg. Ein angenehmes, ruhiges und irgendwie ungezwungenes Schweigen, wie sie fand. Oder nicht? Abermals kam ihr der Gedanke in den Sinn, einfach fortzugehen. Es würde niemandem auffallen, es würde niemanden stören. Niemanden, den sie benennen konnte, zumindest. Würde es den Leitwölfen auffallen, wenn sie einfach ging und nicht zurück kam? Niemand würde es merken, niemand. Irgendwie traurig.
„Ein sehr schöner Tag..“ stimme sie Amúr zu. „Es ist ruhig, aber nicht still.. angenehm, finde ich.“
Sie lächelte das Lächeln einer älteren Fähe, einer, die wusste dass sie irgendwie albern wirken musste, einer die wusste, dass niemand sie hier brauchte. Ein trauriges und dennoch freundliches Lächeln.
11.12.2011, 20:13
Ihr erster Eindruck, dass Nihilus viele Gemeinsamkeiten mit ihr teilte und einen eher ruhigen, friedlichen Charakter hatte, bestätigte sich mit jeder Sekunde, in der sie ihm gegenübersaß, mehr. Sein Schweigen wirkte auf sie nicht bedrohlich, im Gegenteil, eher so, als hätte er Angst vor ihrer Wut wegen seiner Verwechslung und dem, was deshalb geschehen war. Dabei fand sie es immer amüsanter, umso länger sie darüber nachdachte, und war sehr froh über seine Anwesenheit, dass er bei ihr geblieben war anstatt sich zu entschuldigen und sofort wieder nach der Fähe zu suchen, die sich vor ihm versteckt hatte. Obwohl diese nun vermutlich auf ihn wartete und sich wunderte, warum er nicht kam, empfand sie nicht das geringste Mitleid mit ihr. Das war egoistisch, und doch war es richtig, das fühlte sie. Es war einer ihrer größten Fehler, dass sie viel zu selten an sich selbst dachte und sie die anderen stets vorzog. Eine Ausnahme ließ sie nicht gleich zu einem schlechten Tier werden. Oder zumindest hoffte sie das.
Durch das Erklingen seiner Stimme richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Rüden und hoffte, dass sie nicht unhöflich gewirkt hatte, weil sie in ihren Gedanken verloren gewesen war. Es war lediglich die Bestätigung, dass es für ihre im Nachhinein wirklich lächerlich klingende Aussage, sie hätte Angst gehabt ihn zu provozieren, keinen Grund gäbe.
Majibáh bemerkte freudig, dass sein eben noch stark angespannter Körper sich lockerte und seine Neugier wuchs, zumindest interpretierte sie das Aufstellen seiner Ohren so. Vielleicht wusste er nun sicher, dass sie ihm freundlich gesinnt und einem Gespräch mit ihm alles andere als abgeneigt war. Dann antwortete er ihr erneut und schien erkannt zu haben, dass ihre Aussage einen fragenden Unterton gehabt hatte. Jedenfalls sagte er ihr, dass sie richtig gelegen hatte und sie konnte förmlich spüren, wie ihre Augen noch mehr aufleuchteten, zumal es ihr schon sehr peinlich gewesen wäre, wenn sie den falschen Namen genannt hätte. Dabei wirkte er genauso euphorisch wie sie, und gleichzeitig so, als wolle er sich selbst bremsen. Wenn er nur wüsste, dass es ihr genauso erging.
Einen kurzen Moment dachte sie darüber nach, ob sie irgendwie auf das, was er gesprochen hatte, reagieren sollte, aber sie entschied sich dagegen. Vielleicht hatte er noch nicht zu Ende geredet und sie wollte ihn nicht unterbrechen, außerdem wusste sie nicht wirklich, was sie darauf hätte erwidern können, und sie hasste Gespräche, in denen man eigentlich kein Thema hatte, aber sie trotzdem weiterzuführen versuchte, und alles so gezwungen und desinteressiert klang. Wie sie schon vermutet hatte, fuhr der Weiße fort, und gab die erste Aussage von sich, von der sie glaubte, eine Basis für ein fließende, lange Unterhaltung sein zu können. Also zögerte sie auch nicht weiter, sie glaubte auch nicht, dass er dem noch etwas hinzufügen würde.
„Wie Recht du hast. Es hat natürlich viele Vorteile, dass das Rudel so groß ist, aber andererseits finde ich es auch schade, dass ich erst so wenige kenne, obwohl ich doch schon ein oder zwei Jahre, ich weiß es gar nicht genau, hier lebe. Jedenfalls ist es schon eine ganz schön lange Zeit. Bis auf dass ich meine Schwester wiedergefunden habe und eine Freundschaft geschlossen habe, habe ich bis jetzt nur wenige oberflächliche Gespräche geführt, kaum jemanden kennengelernt. Das ist schade. Man sieht sich fast täglich, weiß etwas über sich, meistens nicht viel, aber immerhin, und trotzdem bleibt man nie stehen und spricht einfach miteinander.“
Sein darauffolgendes Lachen irritierte sie etwas, wobei sie sich nichts anmerken ließ, sie spekulierte einfach, dass es seine kaum zu übersehende Unsicherheit war, die er versuchte zu überspielen. Um ihm erneut zu versichern, dass er ihr durchaus sympathisch war und sie nicht vorhatte, jetzt davonzugehen, lächelte sie ihm freundlich zu, stand kurz auf, um einen Schritt näher an ihn heranzugehen, wobei sie weiterhin eine höfliche Distanz wahrte, und setzte sich dann wieder nieder. Erneut spürte sie kurz, wie kühl der Boden war, und erneut war dieses Gefühl schon bald darauf wieder verschwunden, was sie mit Erleichterung feststellte.
[mit Nihilus im Wald]
12.12.2011, 06:09
Er war siegessicher gewesen, hatte nicht damit gerechnet, bei seinem ersten Blutbad Gäste zu bekommen. Doch wäre es irgendein Möchtegern-Wolf oder gar eine Fähe gewesen, hätte er kein großes Problem damit gehabt, auch diesen Gegner aus dem Weg zu räumen – doch so, wie es aussah, hatte er die schlechteste Karte des bunt gemixten Stapels gezogen; Averic. Der blutrote Blick erfasste den Schwarzen, noch bevor dieser in seine Seite sprang und mit sich riss. Der Fluch empfand keinen Schmerz, doch die Frustration über den Kontrollverlust ließ seine Gedanken bluten und tränkte sie in tiefstes Schwarz. Niemand, aber auch gar Niemand, hatte ihn bei seinen Pläne zu stören und jeder, der es wagen sollte, hätte seine Chance auf einen schnellen, schmerzlosen Tod verspielt. So war sein Plan gewesen und so würde das schwarze Wesen sein Werk auch vollbringen. Blut, überall Blut.
Die Karten waren neu gemischt und während ein Takashi schon mehr als einen besorgten Blick auf die blutende Weiße gerichtet hätte, richtete der Fluch sich in seiner vollen Größe auf, machte einen gezielten Satz an Averic vorbei, auf sie zu, blieb jedoch kurz vor diesem stehen und fletschte den blutverschmierten Fang. Ein tiefes Grollen drang aus seiner Kehle, ein Urlaut, der keiner überflüssigen Worte mehr bedarf. Die einst dunkelblauen Augen waren zusammengekniffen und nahmen nichts anderes war als den schwarzen Rüden, der das gesamte Blickfeld ausfüllte. Hatte er zuvor nicht damit gerechnet, Besuch zu bekommen, so wäre es nun sein sicherer Tod. Er hatte schon zwei Wölfe gegen sich, die eine zwar schwach und nicht erwähnenswert, doch ihm – Takashi – ging durch den Kopf, dass sie auch kämpfen könnte, selbst wenn er davon ausging, dass sie es nicht täte. Er erinnerte sie noch zu viel an ihren einstigen Gefährten und deshalb würde es ein Leichtes sein, sie zu töten. Hätte er denn seine Ruhe gehabt!
„Verschwinde“,
zischte das Geschöpf aufgebracht und riss drohend den Fang auf, bevor er zum Sprung ansetzte. Der Schädel rammte gegen Averics Schulter, doch bevor ihm die Chance zu geben, sich aufzurappeln, verbiss er sich in seinem Rumpf, kratzte mit den Fängen dabei an Rippen und wollte gerade den Kopf nach hinten rucken, als er ein leises Winseln hinter sich hörte. Erschrocken öffnete er die Schnauze und stellte die Ohren auf, um das Geräusch zu orten; ihm war nicht bewusst, dass er Averic dazu viel zu viel Bewegungsspielraum ließ. Sein Blick fuhr blitzschnell herum, er blickte in die fast schwarzen Augen des Schneeengels, bevor er seine eigenen schloss. Als Fluch kam er, als Takashi lebte er und als Halbwesen würde er gehen.
WaswaswaswaswaswaswasWAS?
Die Fähe begriff nicht, was vor sich ging, sie wusste nur, dass der Schmerz ihren gesamten Körper aushöhlte, all ihre Gedanken erfüllte, doch ein winzig kleiner, unbedeutender Teil fragte sich, warum das alles geschah. Dass sie nicht mehr ihren Gefährten vor sich hatte, war ihr sofort aufgefallen, doch warum er sich ohne Wenn und Aber gegen sie stellte, wusste sie nicht. Die Angst ließ ihr nicht viel Handlungsspielraum, weshalb sie wie versteinert dastand, ohne jede Regung und ohne jeden Mut. Sie begriff kaum, dass Averic auftauchte und Takashi knurrend zurechtwies und sie begriff kaum, was geschah, als die beiden Schwarzen miteinander rangelten. Gerade als Takashi – nein, der Fluch – sich in der Seite des Gegners verbeißen wollte, drang ein gequälter Laut aus der Kehle der Polarwölfin, ohne dass sie es verhindern konnte. Doch das Winseln allein schien ein Stück des alten Takashis zurückholen zu können, denn die Augen, die sich ihr kurz darauf öffneten, waren von einem seltsamen Mischton zwischen strahlendem Blau und angsteinflößendem Rot. Sie wollte es nicht sehen, wollte den Tod nicht vor sich haben, weshalb sie winselnd den Kopf abwandte und die Augen vor dem Grauen verschloss. Ihre Beine drohten einzuknicken, so sehr lastete der Schmerz auf ihrem Rücken und statt den Geräuschen des Kampfes nahm sie nur das leise Geräusch eines Herbstwaldes war, das auf eine melodiöse Art und Weise entspannend war.
- [ Mischwald | Averic, Takashi ]
12.12.2011, 20:38
Der Herbst hielt Einzug und die letzten Sonnenstrahlen taten gut. Die Tage wurden dennoch wieder kürzer und Volk wurde bewusst, das der richtige Winter nun nicht mehr lange auf sich warten lies. Trotz seiner inneren Ruhe und der Tatsache, das er sich gut eingelebt hatte, verspürte der Schwarze ein seltsames Gefühl, eine Mischung aus Einsamkeit und Trägheit. Seine kleine Schwester hatte er schon eine gewisse Zeit nicht mehr gesehen, was ihn nur noch mehr aufwühlte. Er hatte doch versprochen auf sie aufzupassen, hatte er versagt? Volk wusste keine Antwort darauf, noch nicht. Irgendwie wollte er auch alleine sein, weshalb der Rüde sich sehr weit, abseits des Rudels, aufhielt. Er beobachtete die einzelne Rudelmitglieder bei ihren Tätigkeiten, versuchte deren Verhalten Revue passieren zu lassen und zu analysieren, daraus schlau zu werden.
Der Rüde legte den Kopf auf die Pfoten und seufzte , dachte über die vergangenen Monate nach. Er fühlte sich trotz des großen Rudels einsam und allein im Meer der vielen Individuen um ihn. Volk hoffte und sehnte sich nach einer schönen Vollmondnacht. Bei Vollmond fühlte sich der Schwarze mehr als nur gut, denn an den Mond konnte er all seine Wünsche und Träume richten.
„Ich bin einsam, doch weiß ich nicht warum ich mich so fühle. Ich will nicht mehr alleine sein, will nicht auf ewig so sein. Bin ich selbst daran Schuld, habe ich hier einen Platz verdient oder nicht. Kann mir denn keiner eine Antwort geben? Warum bin ich so und warum fühle ich so? Nichts bleibt mir aus meiner alten Heimat und selbst die Göttin hat mich verlassen. Dennoch hadere ich mit meinem Leben, obwohl es wertlos scheint.“
Ohne es zu bemerken heulte er zwei, dreimal auf. Mit dem Kopf auf den Vorderpfoten lag er nun wieder da und die Tränen ronnen. Gefühle, viele verschiedene, wirbelten wie gigantische Stürme über seine Seele. Angst und Hass, wehten die Liebe und das Mitgefühl fort, doch wirbelten diese auch wieder auf, wenn er an Lyerra und Chilali dachte. Auf Licht folgt Schatten, so war es schon immer, doch in der Dunkelheit, die noch so absolut sein will, leuchtet selbst das geringste Licht viel heller als alles andere zuvor. Chilali und Lyerra sind dieses Licht im Inneren Kampf des Rüden. Die Tränen rannen zum Felsen herab.
[Auf einem Felsen in der Sonne liegend| Allein am See]
13.12.2011, 00:49
Es entging ihr nicht, dass er sie genauso zweifelnd und verwundert anstarrte, wie sie es zuvor getan hatte. Es gab Zufälle und manchmal gab es Momente, die so voll von ihnen waren, dass sie unwirklich wirkten. Solch einer war es für die Schwarze. Jah, wenn sie ihm ins Gesicht blickte konnte sie immer noch nicht das Auge von seinen wenden. So zwang sie sich mehrmals seinen Leib zu mustern. Dennoch blieben die Fragen in ihrem Kopf. Endlose. Sie drehten sich im Kreis und ließen sich nicht davon schieben. Obgleich ihr Maul fest verschlossen blieb, überkam sie eine ungeahnte Gewissheit, dass auch er einige dieser Fragen hatte, oder vielleicht wusste was hinter ihrem Blick sich bewegte und regte. Unvermittelt hielt sie ihr Haupt schräge, während sie ihn betrachtete. War er seiner Schwäche wegen mit diesem Auge bestraft worden? War es Schande die ihn zierte, unbarmherzig. Entstand daraus das Ergebnis seiner Unsicherheit, die ihm anzusehen war? Oder war er einer jener, wie sie es war, die einem Verräter zu Opfer fielen und aus verzweifeltem Hass gehandelt hatten? Waren es jene Fragen, die sich so unzählige Fremde bei ihrem eigenen Anblick auch bereits gestellt hatten? Ohne jemals den Funken an Hoffnung auf eine Antwort. Da die Wölfin vor ihm, zu jenen zählte, die dem Schweigen mehr verfallen waren, als der Sehnsucht nach des Wortes Freiheit. Sie wusste es nicht, genauso wenig wie sie wusste, ob sich je das Vertrauen in jenen Geist lohnen würde. Die Kraft und die Mühe, um all das aus ihm herauszulocken und zu erfahren. Denn einzig und allein wusste sie, mit tiefster Bestürzung und felsenfester Gewissheit, dass es kein Vertrauen gab, welches nicht gebrochen werden konnte und welches aus einem unzerstörbaren Fundament bestand. Denn selbst wenn einen das eigen Fleisch und Blut betrog, worauf konnte man dann noch zählen und sich stützen? Es gab dort nichts! Außer vielleicht einen wackeligen Glauben, den viele jener Wölfe in diesem Tal hatten, so vermutete es jedenfalls Hilel. Die Thematik Gottheit, war hier mehr vorhanden, als je zuvor in ihrem Leben und dennoch, sie war noch nicht dessen überzeugt worden. Wahrscheinlich war sie viel zu stur und eigensinnig, um sich dem Gedanken hingeben zu können, ihr Leben aus der eigenen Pfote nehmen zu lassen und es einer überirdischen Macht darzubieten, wie ein wohl bekommendes Mahl.
Der Graue begann mit Worten, die durch die schnelle Flut an Fragen von Hilel abebbten. Bei seinem Namen spitzte die Fähe die Ohren, streckte ihre Schnauze etwas voran und sog seinen bekannten und zugleich unbekannten Duft ein. Er roch nachdem bereits vertrauten Rudel und dem fremden Eigengeruch, aber so sollte ihr die Erinnerung an ihn wahrlich leichter fallen. Obwohl sie bezweifelte diesen Wolf je vergessen zu können, trotz der bislang nur kurzen Situation. Er war ein Gesicht, dass sich in ihre Seele eingebrannt hatte. Nur allein durch das Geschehen, ein einziges Mal so zu empfinden, wie andere ihr gegenüber.
Hilel beobachtete wie er aus dem Wasser sprang, wusste sofort was darauf folgen sollte und zog den gereckten Kopf schnell ein. Sein Leib spannte sich mit einem lockeren Gesichtsausdruck an und begann sich zu schütteln. Die Wassertropfen flogen wie funkelnden Kristalle von seinem grauen Pelz und verschwanden in der Luft, bis auf einige die sich in ihrem Fell verfingen. Als er verhaarte und seine Entschuldigung lachend aussprach, blickte Hilel ihn wieder an. Sie strahlte Ruhe aus, beantwortete seine Verzeihung jedoch nicht. Sein Ungeschick mit dem Umgang von Fremden war nicht zu übersehen und so schmunzelte sie bei seiner Nachfrage zur Jagd. Aufmerksam glitt ihr Blick an ihm herab, ins Wasser, dann wieder beinahe tadelnd zu ihm hinüber.
"Nun ja, ich denke auf große Beute brauche ich erstmals nicht zu hoffen...."
In ihrer Stimme klang der Hauch einer verschmitzten Stichelei. Immerhin hatte er hier Wellen geschlagen, als wolle er den ganzen Bach aus seinem Bett heraus plätschern lassen.
"Aber sonst, bin ich wohl genährt und habe den starken Einbruch des Winters gut überstanden. Obgleich ich immer noch nicht genau aufgeklärt bin, wie es zu diesem apokalyptischen Wetter gekommen ist."
Vielleicht konnte er ihr Antworten geben, welche sie sich erhoffte und lange Zeit nicht gänzlich erhaschen konnte. Wie denn auch, wenn man sich immer nur am Rande aufhielt.
[beim Bach | mit Cirádan]
15.12.2011, 14:40
Krolock beobachtete Turién misstrauisch und entspannte sich zufrieden, als der gleichaltrige Rüde wieder zu Boden ging. Triumphierend schüttelte er sich und zog nur kurz eine Lefze hoch, als Schmerz seinen Körper flutete. Halb so wild, die Schlacht war vorbei. Er betrachtete Caylee, ehe sich seine Ohren wieder zu Turién drehten.
„Im Gegensatz zu dir ist sie in der Lage, auf sich selbst aufzupassen.“
Kommentierte abfällig.
„Du bist doch nur beleidigt, weil du ihr verdammt noch mal total egal bist und nun weiter hier verschimmeln musst, während sie ihr Leben in ihre Pfote genommen hat. Pff, erbärmlich.“
Er wusste nicht, ob Turién ihm überhaupt zugehörte, was ihm aber auch ziemlich egal war. Besonders begeistert war er nicht gerade, das Neruí weg war, aber wie der Idiot auf die Idee kam, dass es seine Schuld war, verstand er nicht. Er hatte sich seit Ewigkeiten ständig mit seiner schwarzen Kontrahentin geprügelt, kein Grund auf einmal eine große Sache daraus zu machen.
Aszrem kam hinzugestürmt und stellte sich zwischen Turién und Caylee, während er drei Sprünge nach vorne machte und neben der Weißen stehen blieb. Diese ratterte derweil einen Bericht herunter, als wäre es nötig, so ausführlich zu erzählen. Krolock grinste nur schief.
„Ich hab nicht angefangen.“
Höhnte er. Dieses eine Mal war es definitiv die Wahrheit. Das Urteil jedoch war ihm völlig gleichgültig. Eine Prügelei am Tag reichte ihm meistens, Aszrem zu provozieren war also unnötig. Der Kampf mit Turién war gut, überwältigend gut. Der Hass war so greifbar gewesen, so köstlich. Und obwohl sein Gegner einfach keinerlei Ahnung vom Kämpfen gehabt hatte, war seine Wut stark genug, um einen echten Kampf anzutreiben.
„Ich bin nicht geflohen, ich habe ihm lediglich gezeigt, dass seine Grenze längst erreicht ist.“
Mit nicht ganz so flüssigen Bewegungen wie normalerweise trat er noch einen Schritt nach vorne, an Caylees Seite und ein Stück darüber hinaus. Damit sollte klar gestellt sein, wer hier mit wem gekämpft hatte. Kurz glitt sein Blick zu ihr und musterte sie von oben bis unten.
„Alles klar bei dir? Weißt du nun, wie der Baum sich gefühlt hat?“
Fragte er so beiläufig wie möglich. Es war nicht seine Absicht gewesen, sie umzurennen und schon gar nicht mit voller Wucht mit ihr zusammen zu prallen. Das erinnerte ihn daran, wie sie gegen den Baum gelaufen war. Auch da war er irgendwie Schuld gewesen.
[Bei Caylee, Aszrem und Turién]
15.12.2011, 17:44
Um ehrlich zu sein hätte er sich gar nicht so anstellen brauchen: Majibáh schien weder darauf bedacht die Wölfe aus ihrem Umfeld schnell zu vertreiben, noch sich durch einen düsteren Charakter auszuzeichnen. Na hoffentlich waren wirklich nur ihre Farbenspiele so dunkel und nicht ihr Gemüt. Dennoch neigte sich die Schnauze des Hellen beinahe beschämt ein Stück dem Boden näher, nachdem die blätterlosen Bäume sein Lachen weder geschluckt, noch gedämpft hatten. Die farblosen Spiele auf die Fähe vor sich gerichtet, zwang er sich selbst dazu nicht auch noch zu Boden zu sehen – sie müsste ihn ansonsten noch für einen Schwäch- und Feigling halten, wo sie selbst doch einen so gefassten und ruhigen Eindruck machte. Seltsam nur, dass Nihilus sich dadurch nicht beruhigen ließ. Die Rute gemächlich über den Waldboden schweifend, konnte dieser seine Gedanken nämlich noch immer nicht in Ruhe lenken. Vielleicht lag es an der Stille zwischen ihnen? Abgesehen von ein paar abgehakten Sätzen war schließlich noch keine wirkliche Konversation entstanden und – er konnte ja nicht wissen, dass sie das anders sah – auf ihn wirkte das Schweigen recht bedrohlich und beunruhigend.
Daher erhob sich die breite Brust hör- und sichtbar, als Majibáh ihre Stimme erhob um auf seine wenig aussagekräftigen Sätze einzugehen. Bei Engaya, er hatte schon gedacht, dass sie ebenso unkreativ in solchen Dingen war, wie er selbst! Ein vorsichtiges Lächeln auf den dunklen Lefzen, durfte er nun erleichtert den Blick von ihr abwenden und in Richtung Wasserfall schweifen lassen, der zwar nicht sichtbar war, aber von dem Nihilus wusste, dass sich dort die Meisten ihrer Artgenossen befanden.
„Du hast deine Schwester hier wieder gefunden?“, pickte er sich die interessanteste Information heraus und legte den Fang neugierig schief. „Unter all den Rudeln und Revieren, von denen alle hier zur Ruhe gekommenen Wanderer erzählen, hast du genau das gefunden, in dem sie lebt?“
Ohne Zweifel verband Nihilus dieses Wunder mit göttlichen Fügungen. Er wusste nicht viel von der Welt außerhalb dieses Tals und hatte sich bisher nur selten daran getraut nachzuhaken, allerdings war soviel heraus gekommen, dass sie riesig sein musste – für einen Wolf sollte es unmöglich sein, sie komplett zu erforschen. Das überhaupt die Familien außerhalb der Sternenwinde sich trennten, verstand er ebenso wenig.
„Warum hattet ihr euch denn verloren?“
Er betonte das letzte Wort, als könnte er sich eine mutwillige Trennung nicht einmal vorstellen. Dabei unterließ er mit Absicht die Frage, wer denn ihre Schwester sei – auch wenn der Helle gerne Anstrebungen machte Charaktere und Beziehungen zu analysieren, war ihm die unscheinbare Fähe noch nicht sonderlich ins Blickfeld geraten. Vielleicht, weil sie sich beide recht ähnlich waren: eher zurückhaltend, nicht die Vorreiter. Ein Grund dafür, dass sich der Nichtswolf überhaupt traute sie weiter auf ihre Familienverhältnisse und vergangenen Erlebnisse anzusprechen; er hoffte und glaubte einfach, dass sie ihm nicht direkt an die Gurgel springen würde. Dennoch kam er nicht drum rum sich wieder auf alle vier Läufe zu erheben und eine Entschuldigung für seine Neugierde anzuzetteln.
„Tut mir leid… ich wollte dir oder euch nicht zu nahe treten.“
Nuschelte er also in seinen Kragen hinein, ohne eine Reaktion der Hellen auf seine Fragen abzuwarten. Stattdessen versuchte er ihr die Chance zu geben, einfach nicht darauf einzugehen, wenn sie nicht wollte – einige Wölfe besaßen ja ein recht großes Problem mit ihrer Vergangenheit und äußerten sich nur sehr diskret zu solchen Fragen. Mit langsamen Schritten, setzte er sich also in Bewegung, mit der Schnauze auffordernd und bittend zu gleich, ein Stück bei ihrem Gespräch durch das trostlose Waldstück zu laufen.
Wenn er sie nicht direkt ansehen und Blickkontakt halten müsste, fiele es ihm vielleicht einfacher zu sprechen. Zumindest wollte er sie nicht gleich wieder abschrecken.
(Im Wald, bei Majibáh)
16.12.2011, 13:31
Die Schnauze des Wolfes wandte sich etwas ab, während er es nun Tyraleen überließ, seinen Worten entweder etwas hinzu zu setzen oder es dabei zu belassen. Generell hing gerade ziemlich viel von der Weißen ab. Wenn er daran dachte, selber beinahe ein Alphawolf gewesen zu sein, war er sich gar nicht mehr so sicher, ob er dazu wirklich gemacht gewesen wäre. Er war zwar stolz und stark, aber dieses ganze Gerede viel ihm einfach viel zu schwer und sprach viel zu oft vollkommen gegen seine Verhaltens- und vor allem Denkweisen.
Unruhig fuhr er sich mit der Zunge über die dunklen Lefzen und suchte die Antwort auf die erneute Frage der Leitwölfin. Verdammt, warum konnte sie es denn nicht einfach dabei belassen. Er hatte doch sowieso keine Ahnung, was sie überhaupt hören wollte, geschweige denn konnte er ihr wirklich die Wahrheit sagen. Da würde er sich doch total zum Idioten machen. Uneinig mit sich selbst stieß er die Luft zwischen den Zähne hervor, ehe er antwortete.
“Ja, ich denke schon. Allerdings kann doch niemand in die Zukunft sehen um zu sagen, welche Erwartungen das Leben an einen hat. Somit kann ich also versuchen das Glück hier zu finden oder eben daran scheitern.“
War doch eigentlich ganz logisch, oder? Na gut, ganz so sicher war er sich dabei nun selbst nicht mal, aber er versuchte wenigstens, seinen Worten soviel Ehrlichkeit zu geben, wie er es denn überhaupt vermochte.
“Ich möchte somit gerne in eurem Rudel verweilen um zu sehen, was mich hier so erwartet. Natürlich stehe ich euch somit auch mit Fang und Kralle zur Verfügung, sowie mit allem Anderen, wenn es von mir erwartet wird.“
Natürlich war es für ihn selber ganz klar, dass er hier nicht so schnell wieder verschwinden würde. Der Geruch, welcher ihn überhaupt erst hierher geleitet hatte, lag so stark in der Luft, dass es ihn beinah wahnsinnig machte und seine Nervosität wahrscheinlich sogar noch höher trieb. Doch Tyraleen gegenüber konnte er einfach nicht sagen ‚Hört mal, ich bin hier, weil mir eine eurer Wölfinnen den Verstand gestohlen hat’, das ging ganz einfach nicht und verdammt, eigentlich war er es doch immer gewesen, der die Herzen stahl und jetzt... jetzt machte er hier tatsächlich so was! Er konnte nur hoffen das die Weiße sich damit nun schlussendlich zufrieden gab.
Sein Blick wanderte wieder zu dem fremden Schwarzen, den er in seinen Gedankengängen einfach mal vollkommen vergessen hatte. Leicht lehnten sich die Ohren nach hinten, während er gerade noch so die Wörter aufschnappte, die der Wolf aussprach. Okay, der Kerl konnte also irgendwelche Geister sehen und auch noch mit ihnen sprechen. Unruhig zuckte sein Blick zu der Leitwölfin und ihrem schwarzen Begleiter zurück. Wäre er jetzt in anderer Umgebung und vor allem anderer Gesellschaft gewesen, hätte er diesen komischen Vogel vermutlich ausgelacht, aber so konnte er sich gerade noch daran hindern, sein eigenes Grab zu schaufeln. Das verräterische Mundwerk blieb also zu und diesmal überließ er tatsächlich Tyraleen die erste Antwort auf nun... Joké.
[Tyraleen | Joké | Face - Muschelbaum]
18.12.2011, 13:38
Takashi war also nicht auf Gnade aus. Der Rüde vor ihm hatte wahrlich den Verstand verloren, viel mehr hatte eine dunkle Macht von seinem Geist Besitz ergriffen und obwohl diese Erkenntnis die meisten Wölfe wohl in Angst und Schrecken versetzt hätte, verspürte Averic eine düstere Zufriedenheit. Er brauchte keine Bedenken zu haben, wenn er Takashi tötete, denn dieser Wolf war für das Rudel verloren. Der wirre, rote Blick seines Gegenübers besorgte ihn nicht, denn so wie er sich Takashi schon immer überlegen gefühlt hatte, fühlte er sich ihm auch jetzt überlegen. Es war nur noch eine Frage der Taktik. Averic stellte sich ruhig ein weiteres Stück vor Jumaana, als Takashi aufsprang und grollend und zähnefletschend auf sie zuhetzte. Unbeeindruckt nahm er dessen Drohung auf und überlegte, wie er die Prozedur am Besten hinter sich brachte. Jumaana stand bei ihnen und sah zu, es gab da immer noch zu bedenken, dass die Weiße Takashis Gefährtin war – oder gewesen war. Normalerweise hätte er keine Skrupel gehabt es blutig werden zu lassen, aber in diesem Fall war es besser, die Sache möglichst kurz zu machen. Auch wenn er dazu selbst ein wenig in Mitleidenschaft gezogen werden musste.
Averic ließ sich also nicht auf ein Spielchen zwischen Haschen und Fangen ein, dass unweigerlich entstanden wäre, wenn er dem Schwarzen ausgewichen wäre. Er spannte die Muskeln an und blieb standhaft, als Takashi seine Seite rammte und sich nahe seiner Rippen verbiss. Ein dunkles Grollen verließ die Kehle des Todessohns. Die dunkle Macht schien ihm mehr Kraft geschenkt zu haben, dass musste man ihm lassen. Aber der eigene Schmerz war nun nichtig, er hatte das, was er wollte. Der Pechschwarze wollte gerade seine gewaltigen Fänge entblößen, herumschnellen und Takashi das Genick brechen, als der Rüde von selbst losließ, abgelenkt durch ein Geräusch, das Averic kaum wahrgenommen hatte. Besser hätte es gar nicht sein können. Aus den Augenwinkeln sah er, dass Jumaana den Blick abgewandt hatte. Gut. Der schwarze Sohn des Todes bäumte sich auf, schmetterte sein Gewicht auf Takashi und seine Zähne bohrten sich so fest in dessen Nacken, bis ein Knacken seinen Auftrag erfüllte. Averic verharrte noch einen Moment, prüfend ob sich der schlaffe Körper unter ihm wirklich nicht mehr bewegte, dann lockerte er den Griff und ließ los. Seine Lefzen tröpfelte nur wenig Blut entlang, ebenso wie Takashis Fell nur leicht blutverklebt war, denn er hatte an brutalen Reißaktionen gespart und sich auf das Wesentliche konzentriert. Mit seinen mächtigen Kiefern und dem zu Boden schleudern des Kopfes hatte er den Nackenknochen des Anderen zertrümmert. Averic fuhr sich über die Lefzen, schmeckte den beißend metallenen Geschmack auf seiner Zunge und verspürte keinerlei Bedauern für den Schwarzen, dessen Augen in einer Mischung aus Rot und Blau ins Leere starrten. Lästig war nur der stechende Schmerz bei seinen Rippen. Hier tropfte deutlich Blut aus seinem Fell auf den Boden, aber darum würde er sich später kümmern müssen. Die kühlen, dunkelblauen Augen huschten zu Jumaana. Er wusste nicht wirklich, was er nun mit der Weißen anfangen sollte, immerhin hatte er gerade ihren Gefährten getötet – der andernfalls allerdings sie getötet hätte. Und was sollten sie nun mit dem toten Körper des Wolfes anfangen, hatte so jemand die Bestattung im Fluss verdient? Vermutlich ja, zumindest nach Engayamaßstäben. Er musterte die Weiße kurz.
„Geh zurück zum Rudel, ich kümmere mich um alles Weitere.“
[ Mischwald | Jumaana, toter Takashi ]
18.12.2011, 22:01
Amúr hörte die Worte der weißen Fähe. Diese bestätigte ihre Aussage und auch wenn sie lächelte war der Inhalt ihrer Worte traurig. Kurz fragte sie sich was ihre Eltern wohl gedacht hatten als sie einfach so fort gewesen war. Doch dieser Gedanke hatte einen bitteren Nachgeschmack, denn sie musste an das denken was sich alles verändert hatte. Verflog die Euphorie des Spiels nun doch langsam? Lag es nur an dieser das sie nicht traurig oder der gleichen war. Sie überlegte auch mit Avendal hatte sie vor kurzem gespielt. Es war so leicht es einfach zu vergessen. Obwohl wohl vergessen das falsche Wort war, verdrängen.
Sie blickte in das lächelnde Gesicht der weißen Fähe und durch deren nächsten Worte schob sie die Gedanken beiseite.
“Könnten wir, es ist nur so, ich habe da wo er sein kann schon gesucht. Wir kamen von der Wiese und dem Wasserfall und der ist nicht mehr weit weg von hier. Naja und die restliche Strecke bin ich ja schon zurückgelaufen.“
Es kam ihr vor als rede sie nur unwichtiges zeug, och es brachte andere Gedanken und somit überlegte sie kurz ehe sie entschied es noch mal anders zu sagen.
“Ich meine wenn er mich auch sucht und umgekehrt, laufen wir bestimmt eher vorbei als wenn einer wartet. Also können wir ruhig hier beliben.“
der letzte Satz hätte vollkommen ausgereicht um ihre Meinung darzulegen. Aber das war nun auch egal. Amúr freute sich das sie nicht störte, es war auch für sie angenehm Gesellschaft zu haben, nun wo sie Nihilius verloren hatte. Sie lächelte kurz und blickte während des Schweigens von Lyerra über sie in die Bäume, hörte das singen der Vögel und wandte dann den Blick wieder zu der weißen Fähe, als diese erneut anfing zu sprechen.
“Der Wald schweigt nie. Somit wird es niemals still sein.“
sagte sie auf die Aussage von Lyerra hin.
“Schon interessant wie es manchmal so ist nicht? Der Wald, der See, alles was wir sehen birgt Geheimnisse in sich, viele davon entdecken wir gar nicht. Erst beim genaueren betrachten.“
Sie fühlte sich in ihre reise zurückversetzt, ganz ähnliche Worte hat Nasun zu ihr gesagt. Hat ihr geholfen damit zurecht zu kommen das sie die Tiere um sich hören kann. Ihre Stimmung war nun eine andere als zu Anfang der Begegnung. Sie wurde ruhiger und fing an sich Gedanken über die Umgebung zu machen. Wieder ließen sich so viele Fragen stellen. Es war schon rätselhaft alles. Wie das Leben so war...
{bei Lyerra im Wald}
19.12.2011, 18:03
Sein unsicheres Lächeln erstarb, als die schwarze Wölfin den Kopf zu ihm umwandt. Ihr Blick allein jagte ihm Schauer über den Rücken. das dortige Fell richtete sich wie unter Strom auf, während seine Rute ebenfalls ein Eigenleben entwickelte und sich seinem Bauch entgegen bog. Diese Augen, diese tief dunkelblauen Augen - sie starrten ihn an, aber es war vielmehr, als starrten sie durch ihn hindurch, und gleichzeitig wirkten sie so seltsam glasig und leer... Entrückt. Ja, 'entrückt' war das passende Wort. Diese Wölfin wirkte der Welt entrückt, aber schon wenige Augenblicke später musste Caleb feststellen, dass die Schwarze dennoch sehr, sehr real war.
Die Augen des jungen Werwolfs weiteten sich furchtsam, als das Knurren erklang. Ein Laut, der ihm fast ebenso unwirklich erschien wie ihr Blick im ersten Moment, der sich jedoch noch tiefer in ihn hinein fraß und ihn lähmte. Für Caleb fühlte es sich so an, als müsste die Schwarze nur genug Geduld haben, damit ihr Blick und ihr Knurren nicht nur seine Läufe lähmte, sondern auch irgendwann seine Atmung und seinen Herzschlag.
Dann schoss plötzlich die Zeit selbst heran, und mit ihr kam das Schwarze Monster. Reiner Instinkt ließ ihn ein wenig zurück weichen, denn von selbst war Caleb schon zu keiner Bewegung mehr fähig gewesen vor Angst. Aber es reichte nicht, und plötzlich explodoerte Schmerz in seiner Brust. Caleb schrie gequält auf, während rückling zu Boden stürzte, umgerissen von der Wucht ihres Angriffs. Seine Pfoten ruderten durch die Luft und kratzten über Fell und Haut, als er mit allen Vieren um sich schlug, und dann durchzuckte neuer Schmerz seinen gesamten Körper, als die Verwandlung einsetzte. Für ein paar Herzschläge war da nichts als Schmerz, als sich Knochen und Muskeln neu formten und sich die Wunde deeehnte. Caleb schrie weiter und verstummte immer nur kurz, wenn er gierig Luft in seine Lungen saugte. Über ihm tobte das Schwarze Monster weiter, und dann war da noch jemand Zweites, den Caleb jedoch vor Panik nicht zuordnen konnte. Caleb schlug nach allem, was er treffen konnte, und versuchte nur mit mäßigem Erfolg, die schwarze Schnauze vor sich zu greifen. Dafür gelang es ihm nun ein Bein unter den schwarzen Dämonenleib anzuwinkeln und mit aller Kraft zuzustoßen, und so das Untier von sich zu stoßen. Kaum war die Last von seinem Körper fort, rollte er sich herum und tastete mit blutgen Fingern auf dem Boden umher, bis sich seine Hand um einen abgefallenen Ast schloss, den er sogleich als Waffe erkor. Der Junge fuhr herum, halb noch auf den Knien und halb schon hockend, den Ast umklammernd und bereit, nach allem damit zu schlagen, was sich zu nah an ihm heranwagte
[Wald, abseits des Rudelplatzes | Amaya und Minyala]
20.12.2011, 21:12
Überrascht spitzten sich die Ohren der jungen Caiyé, als sein Kompliment an ihr Gehör trat. Verwundert blinzelte sie, um die Sicherheit zu haben, dass sie sich dies gerade eben nicht eingebildet hatte. Doch gleichdarauf war sie sich im Klaren, dass seine Worte keine Einbildung waren. Verunsichert legten sich ihre Ohren eng an ihren Hinterkopf. Sie bekam nicht oft solche Schmeicheleien zu hören. Deswegen kam es auch so plötzlich und sie wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte. Was sie sagen sollte. Ob sie überhaupt etwas sagen sollte? Kurz streifte ihr klarer Blick den vom Malakím und sie lächelte ihn zaghaft an, bevor ihre Seelenspiegel umherwanderten.
„So ist es. Wir hatten keine Zeremonie, weil … Damals war das etwas kompliziert“, murmelte sie etwas unverständlich und senkte ihre Augenlider.
Sie seufzte leise. Wie sollte sie dem Rüden etwas erzählen, was sie selber nicht so richtig verstand? Sie war damals ein kleiner Welpe. Hatte nicht alles so wirklich wahr genommen. Und wenn doch, dann war es schon längst in den Hintergrund gerückt und war schon längst vergessen. Shani hatte ihr diese Geschichte jedoch auch immer wieder erzählt, als sie eine Jungwölfin war. Doch hatte sie nicht alles gesagt und es hatte die naive Fähe nicht wirklich wahrgenommen, weil es andere Dinge gab, was ihr Interesse gefesselt hatten. Blinzelnd öffnete Ahkuna ihre eisblauen Augen und blickte den schwarzen Rüden an. Sie legte ihren Kopf leicht schräg an und ein sanftes Schmunzeln legte sich auf ihre Lefzen. Die Welpen … Sie hielten wahrlich das ganze Rudel auf Trab. Manchmal kam es der Weißen so vor, als ob die Älteren sich mehr wie Welpen benahmen. Jeder wollte sie sehen. Jeder wollte mit ihnen etwas machen. Jeder wollte in ihrer Nähe sein.
„Sie sind wundervoll!“, zustimmend nickte Ahkuna und ihr Blick ging an Malakím vorbei. In der Hoffnung die kleinen Rebellen irgendwo zu sehen.
Doch wie zu erwarten, waren sie nirgends. Auch wenn die Welpen sie nicht kannten und auch Ahkuna noch nie mit ihnen gesprochen hatte, wusste sie schon eine ganze Menge über ihre Nichten.
„Meinst du?“, hakte Ahkuna überrascht nach, auf seine Aussage, sie hätte doch ein Vorrecht auf die Welpen.
War das wirklich so? Würde der schwarze Rüde auch sowas sagen, wenn er von dem Streit zwischen dem Vater der Welpen und ihr hören würde?
[Beim Wasserfall | Malakím]
20.12.2011, 22:45
Erst spielte Tinca mit dem Gedanken fortzulaufen, als sie eine Fähe ausmachen konnte, die ihre Pfoten in ihre Richtung bewegte. Doch als ihr bewusst wurde, dass es Sheena, ihre Mutter, war, verschwand dieser Fluchtinstinkt genauso schnell, wie er zuvor aufgekommen war. Ihr Hin- und Hergewippe hatte sich zwar nicht verflüchtigt, doch wurde rasch beendet, als sie den Boden unter den Pfoten verlor. Sheena hatte sie, wie damals schon, im Nackenfell gepackt und auf ihren Rücken geschoben. Und als ob diese Tat allein nicht schon genug heimische Gefühle und Geborgenheit in ihr hervorgerufen hatte, vernahm sie die liebevollen Worte ihrer Mutter und fühlte sich so sicher wie schon lange nicht mehr.
In das dichte Fell ihrer Mama gekuschelt, machte es ihr auch überhaupt nichts aus, als sie in der Ferne ihren Papa und ihre weiteren Geschwister, inklusive der Patenfähe von Isaí, auf sie und ihre Mutter zu galoppieren sah. In diesem Augenblick spürte sie, dass sie diese Familie sehr liebte und sie gegen nichts auf der Welt eintauschen wollen würde.
Sheena war froh, dass Tinca sich ohne weitere Panikattacken in ihr Fell gekuschelt hatte und sich sichtlich wohl fühlte. Dazu benötigte sie keine Worte von Seitens Tinca, die ihr dies bestätigten. Sie spürte es so intensiv, wie sie zuvor kaum Gefühle anderer gespürt hatte, wenn sich nicht bewusst eine Verbindung hergestellt hatte.
Fröhlich beobachtete sie den Rest ihrer kleinen Familie, die im wilden Lauf auf sie beide zusteuerten. Auch jetzt schien Tinca keine Angst zu haben und eigentlich hatte Sheena fast damit gerechnet, dass der Wettlauf die Fähe wieder verschrecken würde. Schon auf ihrem Weg hier hin, hatte sie überlegt, ob es so klug gewesen war, sie und Tinca zum Ziel des Rennens zu machen. Jetzt aber schien sie sich sicher, dass es sogar eine positive Auswirkung auf die junge Fähe hatte und so zauberte sich ein erfreutes Lächeln auf ihre Lefzen, welches ihre mit Gold gesprenkelten Augen zum Leuchten brachte.
Diese Familie, ihre Familie, war ihr das Teuerste auf dieser Welt. Es war, so konnte sie ohne zu Lügen behaupten, die einzige wirkliche Schwäche die sie vorweisen konnte. All ihre anderen kleinen Umwege und Abwege erschienen ihr belanglos, wenn sie sich vorstellte, dass ihrer Familie irgendetwas zustoßen würde. Ob das die veranlagten Gefühle einer frischgebackenen Mutter waren? Wahrscheinlich war dem so. Trotzdem war sie sich sicher, dass es bei ihr noch intensiver war. Aber wahrscheinlich dachte auch das jede Mutter.
Amüsiert über sich selbst und ihre Gedankengänge konzentrierte sie sich wieder auf das Wettrennen vor ihr. Kisha war anscheinend zur Schiedsrichterin ernannt worden, denn sie hielt sich ein wenig abseits der Gruppe und versuchte die drei Welpen sowie Jakash genau im Blick zu behalten. Bis jetzt konnte sich noch niemand richtig als Gewinner heraus kristallisieren. Nur eines war wohl klar. Jakash würde es nicht sein. Wobei dies vielleicht gar nicht so verkehrt wäre. Er konnte es aufgrund seiner Größe am besten erklären. Doch wie sollte sie einem ihrer Schätze erklären, warum er oder sie nicht gewonnen hatte, beziehungsweise wie sollte sie trösten? Nun, irgendwie würde sich das schon alles zu Recht biegen, da war sich die weiße Fähe sicher.
Und danach würde es sowieso sofort weiter gehen. Da blieb nicht viel Zeit für bedrückende Gedanken wegen eines verlorenen Rennens. Sie würden noch so oft die Gelegenheit bekommen gegeneinander zu laufen und in diesem jungen Alter blieb noch so viel Zeit und so viele Möglichkeiten um sich zu entwickeln und zu verändern, sodass es in ein paar Monaten alles schon wieder anders aussehen konnte.
„Los Malik. Schneller Taleesha. Laaaauf Isaí! Nur noch ein bisschen und ihr habt Jakash abgehängt!“
Laut rufend und mit der Rute wedelnd feuerte sie ihre Kinder an. Gleichzeitig musste sie lachen. Ihre Worte klangen, als ob Jakash schon unglaublich alt wäre und nicht mithalten konnte. Na, sie gönnte ihren Kleinen den Spaß. Jakash würde ihr ihren kleinen Scherz schon nicht übel nehmen. Aufgeregt tippelte sie leicht auf der Stelle, vorsichtig natürlich um Tinca nicht ins Rutschen zu bringen.
[direkt bei Tinca. Auf sie zu: Jakash, Kisha, Isaí, Malik und Taleesha]
24.12.2011, 00:59
Nihilus wirkte immer noch sehr nervös und unsicher, was sie ein tiefes Mitleid und Hilflosigkeit verspüren ließ, sie wusste nicht, warum er so war und wie sie ihm helfen konnte, und ihr Wunsch danach war sehr groß. Ihr erster Impuls war ihn darauf anzusprechen, doch als sie kurz darüber nachdachte, erschien ihr diese Möglichkeit als völlig ungeeignet. Es könnte ihm dann peinlich sein und die Situation würde sich nur weiter verschlechtern. Vermutlich sollte sie einfach abwarten, es war ja möglich, dass sich seine Anspannung im Laufe der Konversation legen würde. Die Weiße setzte einfach ihr strahlendstes Lächeln auf und hoffte, dass er verstand, was sie ihm damit vermitteln wollte.
Die Unterhaltung entwickelte sich tatsächlich so, wie sie erwartet hatte, sie hatten ein Thema und Raum, um dieses zu erweitern, sollte es nicht mehr interessant sein. Das freute sie sehr und sie antwortete, als sie glaubte, dass er zu Ende gesprochen habe, auch bereitwillig auf seine ungläubigen Worte, die sie gut nachvollziehen konnte, zumal es für sie selbst noch immer kaum vorstellbar war.
„Ja. Es mag wohl wie ein quasi unmögliches Vorhaben klingen, aber ich wusste ja, welche Richtung sie eingeschlagen hatte, als wir uns das letzte Mal gesehen hatten. Außerdem habe ich sie über einen sehr langen Zeitraum gesucht, und hatte wohl Glück. Oder wir haben so eine Art Verbindung, durch die es mir möglich war sie zu finden. Wer weiß das schon.“
Prompt, als sie diese Worte ausgesprochen hatte, bat der Rüde sie auf seine zurückhaltende Art und Weise darum, etwas spazierenzugehen, und sie nahm dieses Angebot gerne an. Mit der Zeit drang die Kühle des Bodens doch durch ihr Fell und obwohl Kälte für sie normalerweise nicht allzu unangenehm war, war sie noch nicht auf Temperaturen eingestellt, bei denen sie zu frieren anfing, und daher gefiel ihr der Gedanke an etwas Bewegung.
Langsam erhob sie sich und beschleunigte ihre Schritte kurz, um die wenigen Meter so schnell wie möglich aufzuholen, die er schon vorausgegangen war. Kaum war sie an seiner Seite angelangt, wurde ihr Gang schon wieder ruhiger. Genauso, wie sie sich fühlte, so leicht und entspannt und unbeschwert, als hätte jemand sie von einer riesigen Last befreit, obwohl sie nicht einmal wusste, was es für eine sein konnte.
„Du musst dich nicht entschuldigen, ich vertraue dir und ich bin bereit, dir fast alles zu erzählen, was du wissen möchtest. Es gibt nichts, was ich zu verbergen habe, und ich gehe mit allem offen um.“
Kurz warf sie einen Blick zu ihm hinüber, betrachtete seinen Körper und bemerkte, dass er etwas nachlässig wirkte durch die grauen Tupfen, die in das strahlende Weiß gemischt waren. Trotzdem empfand sie es nicht als hässlich, im Gegenteil, es ließ ihn irgendwie interessant wirken. Sofort schüttelte sie ihren Kopf, als wolle sie diese wirklich oberflächlichen Gedanken über sein Aussehen vertreiben, und das gelang ihr, was auch daran liegen konnte, dass sie damit fortfuhr zu sprechen.
„Wir haben uns bereits kurz nach unserer Geburt verloren, trafen uns dann allerdings wieder. Dann hat Jumaana eine Bekanntschaft gemacht und unsere Wege haben sich getrennt. Der Wille, beieinander zu bleiben, war immer da, nur die Umstände haben uns stets daran gehindert.“
Wie zufällig erwähnte sie den Namen ihrer Schwester. Dabei war es Absicht gewesen, denn sie spekulierte darauf, dass er sich Gedanken darüber machte wer sie wohl sein mochte, und nur nicht direkt fragen wollte, um nicht zu neugierig zu wirken. Außerdem wollte sie damit noch einmal ihre Aussage bekräftigen, dass er keine Angst haben musste, zu sehr in ihre Privatssphäre einzudringen. Nein, sie mochte ihn wirklich gerne, und wenn jemand so viel über sie erfahren durfte, war er neben Jarrèll sicherlich eine ihrer ersten Wahlen. Sein Wesen wirkte so unschuldig und freundlich, als würde er es niemals wagen etwas zu tun, das die Wut eines anderen auf sich ziehen könnte, etwa ein schwerer Vertrauensbruch; und es hätte sie schon sehr stark verwundert, sollte das nur gespielt sein, mal davon abgesehen, dass sie dafür keinen Grund erkennen konnte.
[bei Nihilus – im Wald]
30.12.2011, 16:42
Warmes Blut befleckte die Leftzen der Dunklen, besprenkelte die fernsten Ecken ihres düsteren Herzens mit Schuld und Sünde. Ihre Sinne waren nicht mehr zu gebrauchen, alles schien sich zu drehen, ihre Gedanken waren ein einziger Sumpf der Verwirrung. Es schmerzte so sehr, es quälte sie. Vielleicht wusste die Schwarze irgendwo in einer Ecke ihres Bewustseins, was sie wirklich getan hatte, dass sie einen grauen, unschuldigen und jungen Rüden verletzt hatte. Doch es sickerte nicht zu ihr hindurch, vielleicht wollte sie es auch gar nicht wahrhaben. Ein weiterer Punkt auf der langen Liste ihrer Sünden und Fehler. Sie würde ihn schon bald genug ergänzen können. Es war, als würde der Augenblick in dem sie ihre Fänge in das zarte Fleisch geschlagen hatte für die Ewigkeit andauern. Säuselnde Stimmen umgaben sie, knisterten und flüsterten. Ein Schauer durchlief die Regentochter und ihre Leftzen zuckten verängstigt. Sie verstand nicht, was sie sagten, nein, was SIE sagte. Aber es machte sie Angst, trieb sie immer mehr in die Ecke. Sie wollte brüllen, fliehen, kämpfen, sterben... Sie wollte, dass das alles aufhörte und gleichzeitig hatte sie Angst davor, SIE für immer zu verlieren. Dabei war sie doch schon verloren, verloren für die Ewigkeit und war nur auf ihren Wunsch hin zurückgekehrt und quälte sie nun. Quälte sie, auch wenn sie es verdiente. Mayhem. So hieß SIE, ihre Zwillingsschwester. Da war sie sich irgendwie sicher. Amáya wusste nicht, woher der Name in ihren Geist gesprungen war, aber er konnte einfach nicht falsch sein. Mayhem. Ihre Brust verkrampfte sich, die regenblauen Augen verdrehten sich in ihren Höhlen. Sie musste schrecklich aussehen, wie eine Furie. Aber wer sah sie schon? Da war nur das Phantom, welches die Schwarze jagte. Oder war Amáya die Jägerin? Plötzlich wurde der Dunklen schlagartig bewusst, dass sie weg musste. Die Fänge lösen. Angst erfüllte sie, als wäre es eisig glühendes Feuer. Sie spürte immernoch die Anwesenheit ihrer Schwester. Ihrer toten Schwester, die irgendwie doch nicht tot war. So wie Amáya theoretisch lebte und dabei doch tot war. Es traf sie wie ein Schlag in die Magengrube und mit einem krächtzendem, hustenden Laut wollte sie sich von ihm lösen, aber ihr Körper gehorchte ihr nicht. Zaghaft und doch verzweifelt versuchte sie etwas von ihrer Umgebung zu erkennen. Verschwommene Flecken, zuckende Bewegungen waren das Einzige, was sie vernahm. Ihre Brust war zum Zerreissen gespannt. Sie hatte das Alles nie gewollt. Sie hatte doch nur geglaubt, mit ihrer Schwester an ihrer Seite könnte sie endlich leben so wie es die Anderen taten. Sie hatte getötet, um ein Leben zu bekommen. Stattdessen war sie nur noch tiefer in die finstersten Katakomben ihrer Seele gestürzt.
Sie hatte einen Wolf angegriffen, einen echten Wolf und nicht Mayhem. Oder war es doch ihre Schwester gewesen? Sie war sich sicher, die Engelsgleiche Lichtgestalt gebissen zu haben. Oder... doch nicht?
Ein Verdacht kam in ihr auf und er schnürte ihr die Kehle noch enger zu, als sie es eh schon war. Wollte der Wahnsinn ihr Wesen übernehmen? Wurde sie verrückt? Was war die Wirklichkeit und was der Wahn? Sie wollte keine Gefangene der Ausgeburten ihres Hirns oder was auch immer werden. Was würde bleiben, wenn sie sich selbst verlor? Ihr Ich war doch das Einzige, was ihr noch geblieben war, das Einzige was sie je besessen hatte. Wenn sie ihren Sinnen nicht mehr vertrauen konnte, was sollte sie dann tun?
Irgendetwas packte sie von hinten und zerrte sie mit stummer Gewalt von dem Körper unter ihr fort. Sie war zu überrascht um zu handeln, wusste nicht einmal selbst wo sie eigentlich war. Die Welt ihrer Gedanken und die Realität waren in eins verschwommen. So zurückgerissen, wand sie sich in den Fängen ihrer Angreiferin, während der Schmerz das Einzige war, was sie mit Bestimmtheit spüren konnte. Es war das Einzige, von dem sie sich sicher war, dass es real war. Der Dunklen wurde bewusst, dass sie dagegen ankämpfen musste, anders würde sie nie siegen. Siegen? War es das überhaupt, was sie wollte? Nein, es war es nicht, aber es war notwendig. Sie durfte nicht aufgeben, nicht jetzt. Ein Knurren bahnte sich aus ihrem Inneren und sie riss die Fänge mit einem leicht schmatzendem Geräusch auf, sodass ihre, mit dem Blut ihres Opfers rötlich verfärbte, Spucke heraussprühte. Sie war eine der Töchter Banshees und Acollons, auch wenn dies manchmal sehr sehr unwirklich schien. Dennoch war sie eine treue Anhängerin von Fenris und durfte sich soetwas nicht gefallen lassen. Zumindest redete sie sich dies ein. Die Fähe bäumte sich auf, riss ihr Haupt von den Fängen der Einohrigen weg und machte einen taumelnden Satz von ihr weg. Flach duckte sie sich an den Boden. Sie war zwar immernoch verwirrt, jedoch nahm sie langsam doch wahr, dass sie es hier mit echten Wölfen zu tun hatte. Mit zwei. Wo ihre Schwester war, darüber dachte sie im Moment wohl besser nicht nach. Das Säuseln in ihren Ohren wurde unterbrochen, geriet ins Stocken und verschwand fast ganz, als ein anderer laut ihn übertönte. Schreie. Seltsame Schreie, die nicht wölfisch klangen. Irgendetwas streifte ihre Schnauze, dann bekam sie einen Tritt in die Seite und leuchtende Lichter explodierten vor ihren Augen, während ein lautes Jaulen ihr aus den Fängen entfloh. Das Ding vor ihr war gar kein Wolf, aber es war auch nicht die Lichtgestalt. Es war groß und lief nur auf zwei Beinen, so wie Vögel es taten. Doch er hatte keine Federn, nein, nicht einmal Fell! Er schien so nackt zu sein wie ein Regenwurm und ganz oben hatte er einen seltsamen Eierkopf ohne Schnauze oder Schnabel oder irgendetwas. Trotzdem konnte sie die glitzernden Augen erkennen. Das Untier kroch über den Boden, benutzte nun auch die Beiden anderen Läufe, aber wie es schien nicht zum Laufen.
Die Fähe dachte nicht nach. Das Ungeheuer, was immer es auch war, es war etwas, von dem sie nicht einmal im entferntesten gehört hatte. Ein Dämon, ein Wesen der Verdorbenheit. Trotzdem konnte Amáya immernoch nicht sagen, ob es nicht vielleicht mit ihrer Schwester zu tun hatte. Mit der Schwester, die sie mit Angst erfüllte. Und so handelte ihr Körper fast von selbst. Das Blut sickerte ihr ins Nackenfell, als sie es sträubte und mit einem Knurren, welches Aggressivität und Angst gleichzeitig verriet auf das Ungeheuer zusprang. Der dunkle, noble Leib streckte sich, während sie auf das Untier zuflog, welches einen Ast umklammerte. Sie wusste nicht, ob die Welt in der sie war, die reale war. Vielleicht gab es gar keine reale Welt. Nur die Wahnvorstellungen ihres kranken Geistes - und Mayhem.
02.01.2012, 13:40
((Sorry, dass es so lang gedauert hat! :o))
In gewohnter Ruhe lauschte Madoc den Worten der grauen Freundin und obgleich ihre Worte etwas Erschreckendes trugen, so blieb seine Mimik doch ungerührt, so, wie man es von ihm kannte. Dass er im Inneren ihr Leid in hohem Maße teilte, war ihm kaum anzusehen und doch glaubte er, dass Atalya sich seiner Einfühlsamkeit bewusst war. Ein sachter Ausdruck legte sich indes in seine rubinroten Seelentore, jedoch verharrte er für eine geraume Zeit in Schweigen, um Raum zum Nachdenken zu geben. Trauern, so wusste er, war meist stetiger Bestandteil des Lebens, war gar in geringem Maße notwendig, wenn auch die Gefahr bestand, sich in ihren Fängen zu verlieren. In solcher Zeit, so wusste der Rüde, war der Beistand eines Freundes häufig eine gelegene Stütze und er hoffte, der grauen Fähe erfolgreich durch diese schwierige Phase geleiten zu können.
"Ich verstehe.", sprach er schließlich leise, seine Stimme klang tief und ruhig und seine Augen glänzten unergründlicher tief, "Ich kannte ihn schlecht, doch bin ich mir sicher er tat es aus Liebe zu dir. Ein Zeichen, dass er wünscht, du ließest ihn ohne Trauer gehen, denn er möchte bestimmt nur das Beste für dich, meinst du nicht?."
Versuchte er sie zu beschwichtigen, schenkte ihr nun gar ein stummes Lächeln, das jedoch wieder von seinen Lefzen wich, als er das wehmütige Wimmern Atalyas vernahm. Und obgleich man es dem kühlen Gesellen nicht ansehen mochte, so schmerzte es ihn doch, seine junge Freundin so verdrossen zu sehen, erinnerte er sich doch zu lebhaft daran, wie lebensfroh und vital sie für gewöhnlich war. Doch vieles hatte sich geändert, seit er zum Rudel im Sternenwindtal zurückgekehrt war und eine bedrückende Melancholie hatte die Fähe ergriffen, die er in solchem Ausmaß von ihr nicht gewohnt war.
Ruhig ließ er sie jedoch gewähren, als sie das Haupt gegen seine Schulter lehnte und ein Ausdruck voll Wärme säumte das sonst so kühle Antlitz, während ihr sachte durch den Nacken fuhr. Ein Hauch seines Beschützterdrangs wallte in ihm auf, als er Atalya so verletzlich und schwach vernahm und der Wunsch, ihre Last zu nehmen verstärkte sich. Niemals hätte er gedacht, dass er jemals wieder für ein anderes Geschöpf so gewissenhaft Sorge tragen würde, doch diese Fähe hatte wohl die Macht, sein eisernes Herz zu erweichen. Vielleicht spielte auch die Fürsorge dieser Gemeinschaft seine Rolle, doch die Zuneigung zu Atalya war doch eine ganz besondere. Etwas verwundert schaute Madoc jedoch drein, als er ihre folgenden Worte vernahm und doch willigte er mit einem kurzen Nicken ein und setzte sich bereits langsam in Bewegung.
"Wie du wünschst, ich begleite dich, wohin auch immer du gehst."
Sprach er mit ruhigem Tone, wissend, dass seine Worte zweierlei Bedeutung trugen. Wie seine Freundin sie verstehen würde, unterlag ihrer eigenen Interpretation. Ein letztes Mal fuhr der Hüne ihr mit der Zunge über die graue Schnauze und ein Lächeln säumte die silberweißen Lefzen, als er mit anmutigen Schritten dem Flusslauf folgte.
[Wasserfall | Atalya]
02.01.2012, 15:26
In seinem Kopf brummten Fragen. Wer war diese Wölfin eigentlich? Es war das erste Mal, dass er jemanden so ansehen konnte. Der ebenfalls eine Schwäche hatte die bei manchen Sachen zum Nachteil war. Bei der Jagd zum Beispiel.
Ob sie sich genauso verletzt hatte wie er? Er hatte sein Augenlicht nur durch eine Dummheit verloren. Was war bei ihr? Ob es auch ein Unfall war?
Irgendwie dachte Cirádan sich, dass sie ebenfalls solche Fragen haben könnte, doch stellte sie keine. Er war ebenfalls zu unsicher. Zu ängstlich, zu höfflich um solch eine Frage zu stellen. Aber war es nicht wieder ein guter Augenblick um ein wenig von seinem jämmerlichen Mut zusammen zu kratzen und das zu sagen, was ihm auf der Zunge lag?
Auf große Beute ... Cirádan folgte ihrem Blick zum Wasser. Zuerst verwirrt pendelte seine Rute, bis er die Ohren anlegte. "Ja ... Fischst du auch?", rutschte es ihm herraus. Es war zwar nicht das, was er eigentlich fragen wollte, doch war es immerhin ein Anfang. Etwas um ein Gespräch aufbauen zu können.
Ach ... der Winter.
Cirádan setzte sich und sah zum Himmel. Ja ... der Winter. Sie wusste also nicht genau was vorgefallen war? So richtig begriffen hatte es der junge Wolf auch nie.
"Naja. Ich bin nicht der Richtige um das zu erklären... ich weiß selbst nicht so genau was passiert ist. Aber..."
Er atmete tief ein und sah dann lächelnd zu der Wölfin.
"Ich kann es dir versuchen zu erklären wenn du möchtest. Außer dir ist es lieber einfach zu akzeptieren dass es jetzt wieder normal ist. Und gut ist wie es ist."
Er wusste es hatte was mit den Göttern zu tun. Er wusste um das Gleichgewicht. Aber noch konnte er es nicht richtig durchblicken. Doch Cirádan hatte schon längst akzeptiert dass es die beiden Götter gab. Engaya gab. Und Fenris gab.
[Beim Bach, mit Hilel]
04.01.2012, 11:41
Ihm gefiel das stetige Lächeln, das sich um Majibáhs Züge zog und nur selten verblasste. Es gab ihm das Gefühl, dass ihre Worte ernst waren und dass es ihr nicht unbehaglich war, mit einem völlig Fremden über ihre Gründe für eine solch zweifelhafte Suche zu sprechen. Dadurch ermuntert, wagte es Nihilus sogar die Schnauze neugierig nach vorne zurecken, ohne ihr dabei wirklich ein Stück näher zu kommen. Tatsächlich klangen ihre Worte genau so ernst und wahrhaftig, dass sie wohl kaum einem Schauspiel gleichen konnten, auch wenn es unaussprechliches Glück war, dass die Helle vor ihm ihre Schwester hier gefunden hatte. Selbst wenn die eingeschlagene Richtung die gleiche gewesen war. Ohne es zu erwähnen, stempelte der Nichtswolf das Zusammentreffen der Verwandten als Engayas Eingreifen ab. Damit wäre auch die Verbindung, die sein Gegenüber ansprach, erklärt – zumindest für ihn, der keine reellen Gründe benötigte. Reichte es nicht, dass die beiden Fähen sich wieder gefunden hatten? Das war sowohl Ziel, als auch Problem gewesen. Mehr brauchte es nicht als Erklärung. Und als ob Majibáh ebenso dachte, erhob sie sich zu Nihilus’ Erleichterung und folgte ihm die wenigen Schritte, so dass auch er in ein gemächliches Tempo fallen konnte. Von Worten begleitet, die ihm gut taten: anstatt ausweichend auf seine Entschuldigung einzugehen, sprach sie schließlich von Vertrauen. Vertrauen in… einen Wolf, der noch nie ein Wort mit ihr zuvor gewechselt hatte. War dies vielleicht die Essenz des Rudellebens? Trotz des Jahres, dass er hier bereits verbracht hatte, konnte er es noch nicht ganz fassen, ließ es aber gerne näher an sein Herz heran. Es war ein solch warmes und angenehmes Gefühl, das ihm sofortig ein ebenso heiteres Strahlen auf die Schnauze legte wie die Gesellin trug.
„Ihr hattet euch wieder gefunden und dann noch ein weiteres Mal verloren?“
Beinahe schon entsetzt hob der Helle den Kopf, um den Blick auf die Sprechende zu richten. Der – aus seiner Sicht – prüfende Blick, der über ihn glitt, war ihm allerdings so unangenehm, dass er die Schnauze schnell wieder mit aus Verlegenheit angelegten Lauschern zur Seite wandte. Die Frage war allerdings laut genug gesprochen worden und erst zum Ende hin in ein Nuscheln übergegangen. Es sollte kein Vorwurf sein, sondern nur sein Unverständnis ausdrücken. Er hätte die Blauäugige nicht zu den Wölfen eingeordnet, die nicht schätzen konnten, was sie besaßen. Aber warum sonst hätten sich die Geschwister – hier erfuhr er nebenbei auch gleich den Namen Jumaanas, den er sich so unaufällig wie möglich im Köpfchen abspeicherte, um die Verbindung nicht ein weiteres Mal wieder zu vergessen – noch einmal trennen sollen?
„Wenn ihr doch zusammenbleiben wolltet, konnte ein Dritter euch doch nicht auseinander reißen.“
Es dauerte seine Zeit, bis sich der helle Fang wieder erhob und nun seinerseits Majibáh ansah, um ihre Reaktion abzuwarten. Er wollte weder provozieren, sondern einfach nur verstehen. Auch wenn seine Worte mehr wie ein Vorwurf klangen – er hatte sich die Kunst eines gekonnten Redens noch nicht angeeignet – sprach die neugierig verzogene Mimik andere Bänder: wissbegierig kräuselte sich der Nasenrücken. Um die Schärfe zudem noch aus den Worten zu nehmen, versuchte er entschuldigend die Lefzen zu kräuseln und den Gefühlen, die bei der Geschichte der Weißen empor krochen, auch gleich Luft zu machen.
„Es ist immer so schön zu hören, wie Familien hier wieder zusammen fanden. Ich glaube wirklich, dass es an dem von dir erwähnten Glück liegt.“
Nagut, sie hatte es nur nebenbei angesprochen, aber schließlich wollte er auf ihre Worte eingehen. Das war… einfacher, als wenn er nun völlig aus dem Kontext gerissen anfing zu philosophieren.
(Im Wald bei Majibáh)
07.01.2012, 13:21
Wenn Tyraleen zuvor noch der Meinung gewesen war, in dem weißen Samirez einen ganz normalen Zeitgenossen vor sich zu sehen, geriet auch diese Ansicht langsam aber sicher ins Straucheln. Aus irgendeinem Grund schien dieser Rüde nicht geradeheraus sagen zu können, was er wollte. Als er zum dritten Mal einige undeutliche, höchst verschwommene aber ziemlich pathetisch klingende Sätze von sich gab, hätte die Weiße am liebsten geseufzt und die Augen verdreht. Aber auch das tat man nicht als Leitwölfin, außerdem hatte sie zumindest den Eindruck, dass dieser Samirez sie nicht ärgern wollte, sondern eben einfach so war. Zudem fügte er nach einer kurzen Pause endlich ein wenig Klarheit hinzu und erklärte, dass er bleiben wolle und gewillt war, sich dem Rudelleben anzuschließen. Na also, immerhin war das nun klar. So zufriedengestellt lächelte die Weiße auch wieder und nickte zustimmend - auf alle gewichtigen Worte des Rüden und seinen Pathos.
“Das freut mich. Dann heiße ich dich herzlich in unseren Reihen willkommen und wünsche dir das Glück, das du suchst.“
So. Jetzt musste sie sich noch um Joké kümmern, der doch irgendwie etwas sehr neben der Spur aussah. Weinte er etwa? Tyraleen war sich nicht sicher, ob dort nicht eine Träne hinweggeblinzelt worden war, aber sie besaß zu viel Taktgefühl um den Rüden nun mit sicherlich nur allzu bekannten Worten zu trösten. Es schien ihm schon so unangenehm genug. Seine verstorbene Schwester Cassy trieb sich also mit ihm hier herum und im Gegensatz zu ihnen allen, konnte Joké sie sehen und wohl auch mit ihr sprechen. Tyraleen glaubte an Götter und an Mysterien, sie glaubte an die Geister ihrer Eltern in Form von zwei kleinen Bäumen und an die Stimmen der Trauerweiden, denen man lauschen konnte, hörte man genau hin. Aber dass man verstorbene Geschwister sehen und sich mit ihnen unterhalten konnte … diese Vorstellung fiel ihr schwer. Zu genau wusste sie, was mit Verstorbenen geschah – dass sie einzig für ihren Bruder sichtbar auf der Erde blieben und sich verhielten wie ein normaler Wolf gehörte nicht dazu. Ob Joké krank war? Manche Wölfe sahen, was nicht da war … innerlich krampfte sich ihr Magen kurz zusammen; auch ihr wurde schon unterstellt, Dinge zu sehen, die nicht existierten und dafür sogar ihren Sohn zu opfern. Sie durfte über Joké nicht urteilen – nicht einmal in Gedanken – auch wenn sein Verhalten seltsam und seine Erklärung nicht viel normaler war. Mehr aus Höflichkeit als aus der Erwartung heraus, wirklich etwas zu sehen, richtete sich Tyraleens Blick auf die freie Fläche zwischen Joké und ihr wo diese Cassy stehen sollte. Natürlich war dort nichts und weder ihre Nase noch ihr Tastsinn konnten irgendetwas erspüren. Dennoch ließ die Weiße ihren Blick eine Zeit lang in diesem Nichts hängen, sogar eine Art begrüßendes Lächeln auf den Lefzen. Banshee hätte sich über so viel Akzeptanz und Solidarität sicher gefreut. Tyraleen kam sich dämlich vor.
“Der Tod deiner Schwester tut mir sehr leid, Joké. Ich hoffe, dass ihre Anwesenheit für dich deinen Schmerz etwas lindert. Vielleicht solltest du darauf achten, andere durch dein Verhalten ihr gegenüber nicht zu verwirren, es könnte sonst zu Missverständnissen kommen. Ihr dürft jedenfalls beide gerne bleiben.“
Schon bevor sie zu sprechen begonnen hatte, hatte Tyraleen aus dem Augenwinkel eine Regung von Face gesehen. Er hatte die Ohren zurückgedreht. Bei jedem anderen Wolf hätte sich die Weiße nicht viel gedacht – ihre Ohren waren ständig in Bewegung und oft genug ein wenig zurückgedreht. Aber Face war anders. Wenn sich seine Ohren zurückdrehten – wenn sich überhaupt irgendein Gedanke oder Gefühl durch eine Geste von ihm verriet – dann war das etwas Besonderes und hatte etwas zu bedeuten. Ein flüchtig wirkender Blick von Tyraleen scannte das Gesicht ihres Patens ganz genau und auch wenn sie wie immer wenig darauf lesen konnte, so kam es ihr doch vor, als würde die Situation dem Schwarzen nicht gefallen. Irgendetwas lag in der Luft. Noch während die Weiße darüber nachdachte, wie sie nun weiter vorgehen sollte, tauchte Kursaí ganz in ihrer Nähe auf und näherte sich ihnen rasch. Sie grüßte freundlich und wandte sich dann offen und ganz ohne vornehme Zurückhaltung an Joké und Samirez. Ein flüchtiges Schmunzeln huschte über die Lefzen der Weißen, dann berührte sie ihre Nichte grüßend an der Stirn und beschloss, die Situation zu nutzen. Wenn man wollte, konnte man das Auftauchen der Grauen durchaus als Zeichen deuten.
“Hallo Kursaí, schön dich zu sehen. Du kommst wie gerufen. Joké und Samirez sind neu bei uns und kennen weder Rudel noch Revier. Möchtest du dich ein wenig um sie kümmern? Ich würde mich gerne alleine mit Face unterhalten.“
Sie rechnete mit keinem Widerspruch, weshalb sie auch keine Antwort abwarten wollte. Plötzlich hatte sie das Gefühl, dass die Zeit drängte – warum auch immer, für was auch immer. Sie wandte sich mit einem freundlichen Nicken von Joké und Samirez ab und hin zu Face. Nun schlich sich doch etwas Besorgnis in ihren Blick, während sie mit der Schnauze auf die nahen Gebirgsausläufer deutete und schon die ersten Schritte tat.
[ entfernt sich vom Muschelbaum | mit Face ]
08.01.2012, 14:05
Die Zeremonien die das Rudel rund um die neugeborenen Welpen abgehalten hatte waren Jarrèll neu und fremd gewesen. Er hatte allem nur am Rande beigewohnt, als stiller Beobachter, bemüht möglichst nicht aufzufallen. Es war immer noch ein eigenartiges Gefühl, nicht selbst für die großen Ereignisse im Rudel verantwortlich zu sein, angesichts dieser neuen Rollen verspürte der Rüde primär Erleichterung, denn die Bürde die ein Rudelleiter tragen musste war keineswegs leicht, obgleich ihn auch Wehmut erfüllte, er hatte es genossen Leitwolf zu sein, das musste er sich selbst eingestehen. Die Abläufe der Welpenzeremonie unterschieden sich von denen seines einstigen Rudels, auch wenn ihm nicht mehr einfallen wollte, worin der größte Unterschied bestand. Er hatte den Feierlichkeiten beigewohnt und ein Lächeln war über sein Gesicht gehuscht, als die kleinen Wesen aus ihrer Höhle tapsten und gleichzeitig hatte er einen schmerzhaften Stich im Herzen verspürt. Für einen kleinen Moment huschte der Gedanke an sein Gespräch mit Majibáh durch seinen Kopf und ein warmer Schauer lief ihm über den Rücken. Beinahe verwirrt schüttelte Jarrèll den Kopf, sodass seine Ohren ein wenig schlackerten und er danach einen Moment braucht um wieder klar sehen zu können.
Er lag am Waldrand, abseits des Wasserfalls und ließ seinen Blick über ebenjenen und seine Umgebung schweifen. Die Kälte und der Schnee waren gewichen, auch wenn der Silberne sich keinen Reim darauf machen konnte wieso. Gerüchte im Rudel besagten, es hinge mit den Welpen zusammen, doch das Wölfe das Wetter beeinflussten war ihm neu, aber vermutlich war es eines der Geheimnisse diese Tal, in die nur die Rudelältesten eingeweiht wurden und jene die hier geboren wurden. Wie dem auch sein mochte, Jarrèll Nathaniêl hatte es nicht hinterfragt. Ein vergleichsmäßig milder Herbst hatte sich also eingefunden, nachdem die eisige Kälte gewichen war. Der Silberne hatte sich jedenfalls bald nach den Feierlichkeiten auf den Weg gemacht ein bisschen alleine zu sein. Die milden Temperaturen schienen auch seine Laune zu beeinflussen, denn für seine Verhältnisse, ließ sich seine Stimmung fast schon als sehr gut bezeichnen. Auf seinem Streifzug durch den Wald, hatte er ein Kaninchen erbeutet, welches angesichts der Freude an dem guten Wetter unvorsichtig geworden war und sich zu weit vom lebensrettenden Bau entfernt hatte. Umso besser für den grauen Wolf, der nun am Waldrand lag, verborgen im Unterholz und dennoch eine gute Übersicht hatte. Dieses Fleckchen hatte er kurz davor eher zufällig entdeckt und er hatte sich niedergelassen, auf einem Bett aus weichem Moos. In der Ferne versank die Sonne in einem Meer aus feuerrotem Licht hinter den Bergen und Jarrèll ließ den Kopf auf seine linke, angewinkelte Vorderpfote sinken. Ein kleiner Rest warmer Sonnenstrahlen prickelten auf seiner Haut und für einen kurzen Moment schloss der Rüde die Augen.
[am Waldrand abseits des Wasserfalls | beobachtend | anspielbar]
08.01.2012, 20:09
Sie spürte, wie Nihilus' Unsicherheit langsam dahinschmolz wie der Schnee, der sich vor der Geburt der Welpen aus unerklärlichen Gründen ausgebreitet hatte, und er schien ihr ebenso aufmerksam zuzuhören, sie zu beobachten, ohne aufdringlich zu sein. Mit jedem Schritt wurden seine Bewegungen immer entspannter, seine Stimme wirkte auf sie bestimmter und in seinen Augen lag ein Funkeln, dass ihren Eindruck nur noch mehr bestätigte.
Ihr Blick schweifte umher, erfasste tausend Dinge und nahm sie dennoch nicht wirklich wahr, verstand sie nicht; als wüsste sie nicht, wo sie sich befand, als kenne sie das, von dem sie umgeben war, nicht. Ihr gefiel das, in irgendeine Richtung zu gehen, nebenbei ein nettes Gespräch, und dazwischen, dazwischen eine angenehme Stille, so ruhig und friedlich, wie die Baumkronen, die sich weit über ihr sanft vom Wind wiegen ließen, die wenigen Sonnenstrahlen, die durch sie hindurchdrangen und auf ihren Pelz schienen, der angenehm kühle Boden unter ihren Pfoten. Wenn sie sich konzentrierte, konnte sie dennoch einige Geräusche hören, das beinahe stumme Rascheln der Blätter, gelegentlich ein leises Summen eines Tieres mit Flügeln, die zaghaften Schritte von entweder sehr kleinen oder vorsichtigen Lebewesen, verschreckt durch ihre Anwesenheit, die eine Gefahr darstellen könnte. Nicht jetzt. Es wirrten Unmengen an Gedanken durch ihren Kopf, doch keiner betraf das Jagen, im Gegenteil, das hätte die Atmosphäre, die sie unheimlich genoss, zerstört.
Als der Rüde das erste Wort aussprach, galt ihre Aufmerksamkeit wieder völlig ihm und auch wenn sie eine völlig andere Reaktion erwartet hätte, war sie keineswegs wütend oder aufgebracht wegen seiner Ungläubigkeit, nein, es schien nicht so, als wäre das, was er gesagt hatte, auf etwas anderes zurückzuführen als Verständnislosigkeit. Trotzdem fühlte sie sich irgendwie schuldig. Mit allem, was er sagte, hatte er Recht und traf zugleich ihren wunden Punkt. Aber es hatte keinen Sinn, sich deshalb Vorwürfe zu machen, das hatte sie in der Vergangenheit schon oft genug getan, und dass die Einsamkeit, die sie ständig verspürte, sobald Jumaana nicht mehr bei ihr war, ihr ständiger Begleiter gewesen war, war ihre Strafe gewesen.
„Glaub mir, ich habe mir genau dieselben Fragen gestellt wie du es jetzt tust. Wieso ich sie habe ziehen lassen, was ich mir dabei gedacht habe. Tja, ich kann es dir nicht sagen, wirklich nicht. Aber im Nachhinein ... war es wohl doch nicht so falsch. Ich habe in der Zeit, in der ich nach ihr und ihrem Rudel gesucht habe, so viel Selbstständigkeit erreicht, und wesentlich mehr gelernt als in den Jahren danach oder davor. Außerdem, auch wenn das vielleicht unverständlich klingen mag, hat sich unser Verhältnis durch die Trennung noch verbessert, ich schätze mehr, als wenn wir nicht auseinandergegangen wären.“
Ein Moment der Stille kehrte ein und die Weiße bemerkte, dass sie mit dem Tempo des Wolfes nicht hatte mithalten können und lief sofort etwas schneller. Beinahe scheu drehte sie sich zu ihm, betrachtete ihn flüchtig, und wandte sich schnell wieder ab. Wie gerne sie etwas von ihm erfahren würde, von denen, die ihn begleitet hatten, die ihm wichtig waren, von den Ereignissen, die ihn und seinen Charakter geprägt haben, von seiner allgemeinen Einstellung. Die ganze Zeit war sie wie in einem Konflikt, als wären zwei Stimmen mit verschiedenen Meinungen in ihr und versuchten, sie von der jeweils eigenen zu überzeugen, während sie völlig entscheidungsunfähig war. Schlussendlich entschied sie sich dafür, nachzufragen, er konnte ja immer noch sagen, dass er nicht darüber sprechen wollte.
„Erzähl mir doch etwas von dir“,
forderte Majibáh ihn auf und schenkte ihm dabei ein Lächeln, das sowohl bittend als auch interessiert aussehen sollte. Ob es tatsächlich so war, nun, das konnte sie nicht beurteilen. Tatsächlich war sie sehr neugierig auf seine Geschichte, denn auch wenn er sehr jung war, wirkte er auf sie so, als hätte er schon einiges zu erzählen, und sie hoffte, dass es ebenso war, wie sie vermutet und dass er ebenso offen mit dem umging, was in seinem Leben geschehen war, wie sie.
[bei Nihilus l im Wald]
15.01.2012, 11:37
Es war eine beklemmende Situation, dass weder Malicia noch Liel ein Thema anfangen konnten, ohne das sie beide abschweiften in die Schluchten der Wolfspsyche. Malicia dachte in diesen Augenblicken neben der Jungwölfin nicht viel, versuchte banale Themen zu finden, die sie, bevor sie sie ansprach, abbrach, da sie bei der Besprechung darüber wieder etwas finden könnten, welches nicht nach Sonnenschein und Schmetterlingen aussah. Es war nun mal so, dass die beiden Fähen immer wieder abschweiften und erneut besprachen, was schon längst geendet hatte. Malicia fühlte sich klein und dumm und schämte sich fast dafür. Vor allem vor einem Jungwolf, der sie belehrte, obwohl Malicia die Ältere war. Was für eine verquerte Situation. Liel sah ein wenig so aus, als ob sie etwas riechen könnte und Malicia dachte an Liels Bruder Krolock, welcher wohl seine markante Fährte aus Tod hinterlassen hatte. Der Jungwolf hatte es nicht leicht gehabt, aber seit wann war das Leben gerecht? Es war noch nie so gewesen und es wird wahrscheinlich auch nie wieder so sein wie damals, damals als angeblich alles besser war. Das es nicht nur Harmonie auf der Welt gab, darüber war sich Mali zwar im klaren, dennoch tat die Einsicht darüber weh, mehr, als man hätte erwarten können.
Als sie ihre zarte Stimme erhob schien es Malicia fast fremd, das diese Stille hier am Bach zerbrechen würde. Schon wieder fühlte sie sich klein und nutzlos, da Liel ihr die Worte im Fang umdrehte. Sie hatte nicht nachgedacht, verdammt, warum hatte sie nicht nachgedacht? Aber war der Herbst, dieser Herbst hier, nicht eigenartig, weil er auf einen Wintersommer folgte? Das war wohl die Besonderheit, doch dies der Kleinen zu erklären schien Malicia, als wolle sie ihren eigenen Fehler nicht zugeben, was sie zusätzlich traurig stimmte. Ihre Läufe zuckten ein wenig, das ewige rumgeliege und rumgeschaue war ihr zu viel geworden, sie wollte einfach weg aber sie brauchte einen guten Grund, Liel zu verlassen.
"Weißt du wo... Cirádan ist ... dein Bruder ... möchtest du ihn nicht... besuchen ...? Oder die Welpen besuchen....?"
Malicia stammelte vor sich hin, suchte ein Argument, als sie sich errichtete und die erste ehrliche Ansage seit Stunden machte:
"Es war schön mit dir zu reden ... ich ... brauch nur mal ... Zeit ... für mich allein."
Mit Schwung drehte sie sich um, das Fell drehte sich langsam mit ihr um den hageren Körper und sie trottete davon, mit einem schlechten Gewissen und schmerzenden Pfoten. Die ewig schreienden Stimmen begleiteten sie, als sie wieder auf dem Weg war, etwas zu tun, was sie später womöglich bereuen würde.
{Bach || Liel - geht}
18.01.2012, 19:03
Minyala frohlockte innerlich, als ihr Gezerre tatsächlich Erfolg zu haben schien. Das schwarze Ungetüm ließ sich von ihr weg von Caleb ziehen und schien zunächst ganz passiv, als wäre die Angreiferin eigentlich jemand ganz anderes gewesen. Irgendwie konfus aber noch immer voller Adrenalin ließ die Einohrige von der Schwarzen ab und sprang sofort zu ihrem Werwolffreund. Doch dort erwartete sie kein kleiner, verängstigter Wolf sondern wieder dieser Mensch, ziemlich blutig und mit einem Ast in der Pfote, der wohl so etwas wie eine Verteidigung sein sollte. Minyala befand, dass er im Gegensatz zu den spitzen Zähnen des schwarzen Ungeheuers irgendwie nicht sonderlich gefährlich aussah. Auch die dünnen Läufe Calebs wirkten nicht so, als könnten sie der Kraft der fremden Wölfin standhalten. Deshalb hoffte Minya schwer, dass diese sich nun beruhigen würde. Danach hatte es schließlich eben noch ausgesehen, doch offensichtlich hatte sie es sich mittlerweile anders überlegt. Sie knurrte wieder und jetzt – oh nein! – sprang sie auf Caleb zu. Gehetzt und sichtlich schockiert sprang der Blick der Silberweißen zu dem Werwolf, der jetzt mit dem Ast ausholte. Noch immer höchst unüberzeugt von der Schlagkraft dieser Waffe, reagierte Minyala instinktiv. Sie sprang ebenfalls, allerdings schräg auf das Ungeheuer zu. Währenddessen brüllte sie mit so viel Autorität wie ihr es nur irgend möglich war:
“Renn, Caleb, renn!“
Als sie gegen die schwarze Wölfin prallte, sah sie kurz nur noch tanzend Sternchen vor den Augen, sodass sie nicht überprüfen konnte, ob Caleb ihr gehorchte. Gemeinsam mit dem Ungeheuer stürzte sie zu Boden, rappelte sich aber sofort wieder auf, wohlwissend, dass sie in einem Kampf mit dieser schwarzen Bestie hoffnungslos unterlegen wäre. Sie musste die Läufe in die Pfoten nehmen und abhauen, so schnell es ging. Voller Panik wirbelte sie herum und sah, dass ihr Werwolffreund tatsächlich gehorcht hatte, auch wenn seine Menschenläufe nicht gerade schnell waren. Immerhin sah sie ihn nicht mehr, hörte allerdings bestens, wo er gerade durch das Unterholz polterte und konnte nur hoffen, dass die Schwarze die Verfolgung nicht aufnehmen würde. Sie für ihren Teil rannte nun zumindest auch, hinter Caleb her und bereit, ihn erneut zu verteidigen, auch wenn sie dafür nicht im Geringsten geeignet war. Schnell hatte sie ihn erreicht und lief nun neben ihm her – beinahe gemütlich, allerdings noch immer voller Panik den Kopf zurückwerfend und immer wieder zurückschauend.
Caleb und Minyala flohen zunächst so weit es ging, schafften es dann sich etwas zu beruhigen, sodass Caleb wieder zum Wolf werden konnte. Danach setzten sie ihre Flucht aus dem Revier fort, verstört und entsetzt über das Erlebte.
[ verlässt das Revier | Caleb ]
18.01.2012, 19:40
Immer wieder warf Nihilus der Hellen neben sich einen prüfenden Seitenblick zu, als könnte er nicht ganz an ihre ruhige Seele glauben. Seine Worte waren nicht richtig gewählt worden und drückten bei Weitem nicht das aus, das er hatte sagen wollen. Wie immer fehlte ihm dazu wohl die richtige Mimik, oder das Talent auch ohne den Fang zu öffnen etwas aussprechen zu können, allein durch Blicke. Daher konnte es der Nichtswolf auch nicht unterlassen das Köpfchen jedes Mal wieder nach vorne zu wenden, wenn seine Begleitung den Anschein einer Kopfbewegung machte, mit der sie seine Beobachtung hätte entdecken können. Er wollte nicht drängen, nicht fordern, auch wenn es ihn wahrlich interessierte. Zu seinem Glück und Seelenheil schien Majibáh sich allerdings kaum Gedanken über die Anwesenheit eines beinahe fremden Wolfs zu machen und behielt ihre entspannte und ruhige Art zu erzählen bei, das gleich auch auf ihn überschwappte. Nachdem er ein wenig über die Antwort der Hellen nachgedacht und zum Zeichen der Verständnis mit dem Kopf genickt hatte, legte sich ein vorsichtiges Lächeln auf die dunklen Lefzen. Das klang einleuchtend.
„Es ist so schade, dass wir erst dann etwas schätzen lernen, wenn es uns fehlt. Auch wenn es vielleicht nicht die erfüllteste Zeit für dein Herz war, scheint sie doch viele Vorteile gehabt zu haben.“
Das hatte er nun schon bei mehreren Wölfen gehört, auch wenn er selbst darüber nicht richten konnte und wollte. Vielleicht mussten manche Charaktere gerade deswegen mehr Leid ertragen als andere, weil sie sonst nicht wirklich lieben lernen könnten. Nihilus konnte die Fähe neben sich noch nicht genau einordnen, aber er zweifelte nicht daran, dass ihr die Zeit der Abwesenheit vieles gebracht hatte. Das zeigte er ihr auch gleich mit einem offnen Blick zurück, als sie zurückgeblieben war und aufholte. Zu seiner Verwunderung schien sie selbst bereits fertig mit ihrer Geschichte, die in Worten vielleicht recht knapp erschien, aber sicherlich ihr selbst stark geprägt hatte. Es war doch immer noch am Schönsten zu hören, wie Familien zusammen fanden und hier glücklich wurden.
Leider konnte er mit solch einer glücklichen Fügung nicht dienen, als sie auf seine Geschichte zu sprechen kam, die weitaus weniger Erfahrungen und Berichte über die Welt enthielt als die ihrige. Auch wenn er keines Wegs abblocken wollte, überkam den Hellen doch ein Funke Scham über die eigene Unwissenheit: sie hatte bereits so viel gesehen, während er nicht ein mal jeden Baum des Tals als bekannt abstempeln konnte. Beschämt neigten sich die Lauscher zur Seite, während er ihrem direkten Blick auswich, jedoch sogleich die Schnauze öffnete, um nicht abweisend zu wirken.
„Leider habe ich noch nicht so viel von der Welt gesehen wie du, Majibáh. Ich kenne nichts weiter als dieses Tal, und noch nicht mal hier möchte ich behaupten jeden Flecken im Kopf zu haben.“ Er stockte kurz, um die Schnauze ein Stück anzuheben, als würde er unterbewusst zum Himmel und durch das Grün es Waldes deuten. „Sind dir die vielen Legenden und Geschichten über unere Götter bekannt? Über das Leben und den Tod? Mein Leben ist ziemlich stark mit dem Glauben an sie verknüpft.“
Jedes Leben war irgendwie mit Engaya und Fenris verknüpft. Natürlich. Aber die Fähe neben ihm hatte noch kein Wort über einen Glauben wie diesen geäußert und er wollte sie kaum mit damit überrennen, dass er nicht hier geboren oder aufgewachsen war – oder zumindest nur zum Teil.
(Im Wald, Majibáh)
21.03.2012, 12:05
Die Erkenntnis kam ihr immer wieder. Ein Gespräch aufzubauen fiel ihr beharrlich schwer, besonders, wenn es ihrem Gegenüber ebenso erging. Ungeübt verliefen sich die Versuche manchmal im Sand, manchmal jedoch konnten sie Früchte tragen und dies war es doch, was eine Probe wenigstens etwas an Sinn gab.
"Ja, ich mache meistens eher kleinere Beute..."
Es war keine Lüge, dennoch auch nicht die völlige Wahrheit. Diesmal hatte sie nicht gefischt, jedenfalls nicht mit dem Ernst, dem sie ihrem eigenen Ebenbild geschenkt hatte, welches sie viel mehr zu interessieren schien, als die nahende Futterquelle. Dennoch die Tatsache, dass sie des öfteren fischte oder auf Kleintierjagd ging, lies diese kurze Lüge über die Lefzen gleiten, als wäre sie nie eine Falschheit gewesen.
Bei ihrer Frage ließ sich der Rüde auf die Hinterläufe, nach einer kurzen Weile tat sie es ihm gleich. Sie spitzte bereits gespannt die Ohren und schüttelte den Kopf.
"Nein, nein, mir fällt es schwer Dinge einfach so zu akzeptieren, ich würde viel lieber von dir erfahren was der Grund war und was bei euch...uns im Rudel geschehen war. Erst zu den letzten Stunden bin ich ins Rudel gelangt. Aszrem hatte mich zu euch geholt...er hatte vor etwas Sorge, aber ganz genau habe ich es nicht verstanden. Auch weil wir nicht all zu viele Worte diesbezüglich gewechselt hatten."
Sie erinnerten sich an seinen Ausdruck in den Augen. Dem Gewissen welches an ihm nagte, der Sorge um die Mitglieder des Rudels und auf eine bedingte Art auch um Hilel. Zudem dieses äußerst seltsame Treffen mit dem Fuchs, der bei der Schwarzen doch stark die Nerven strapaziert hatte.
[Beim Bach, mit Cirádan]