24.09.2011, 14:43
Noch immer hatte Kursaì nicht mit dem Großteil des Rudels gesprochen. Einzig mit Ahkuna hatte sie schon gesprochen. Ihre Schwester hatte sie getroffen und es genossen, wieder in ihrer Nähe zu sein. Doch es war nicht so positiv, wie sie erhofft hatte. Nicht nur freudiges erwartete sie hier. Es kam nicht dazu, dass sie ihren Vater wieder sehen konnte. Stattdessen musste sie nun der Wahrheit ins Gesicht sehen, sie würde ihn nie wieder auf dieser Erde treffen. Stattdessen war er nun bei Engaya. Eigentlich hatte sie direkt nach der Begegnung zu den anderen gehen wollen, doch dann hatte sie sich noch einmal kurz zurückgezogen, bevor sie sich aufgemacht hatte. Eigentlich hatte sie es eilig gehabt, die anderen zu sehen. Jedoch dann hatte sie das Gefühl gehabt, erst einmal ihre Gedanken, oder vor allem ihre Gefühle, ordnen zu müssen. Sie freute sich doch, wieder hier zu sein. Und wieso war sie dann so von Trauer überfüllt?
Nein, sie war es nicht wirklich. Zunächst vielleicht schon, doch sie erinnerte sich an die letzte Trauer. Auch aus dieser hatte sie einen Ausweg gefunden und Engaya würde ihr wieder helfen, darin bestand ihre Gewissheit. Für Kursaì würde es nicht noch einmal so eine lebensaufzehrende Trauer geben. Ja, sie wird traurig sein, doch ihr Leben war wichtiger und so ging sie nun festen Schrittes in die Richtung, in welcher sie das Rudel vermutete.
Schneller als sie erwartete traf sie auf einen anderen Wolf. Zu ihrer Überraschung stellte sie fest, dass sie auf ihren Bruder gestoßen war. Ja, die Witterung war eindeutig, es musste sich um Jakash handeln. Kursaì steuerte ihre Schritte auf ihren Bruder zu, bis sie ihn fast erreicht hatte:
"Hallo, Bruder."
Was sollte sie groß sagen. Sie war zurück, doch das sah er. Wie würde er darauf reagieren, dass sie wieder da war. Ahkuna war ja mehr als erfreut gewesen und sie hatte sich auf Anhieb wieder gut mit ihr verstanden - wieder? Hatte sie sich je so verbunden mit ihrer Schwester gefühlt? Es war so lange her, dass sie sie das letzte Mal gesehen hatte, so das sie nicht mal mehr genau wusste, ob sie sich nun besser verstanden. Sie waren beide älter geworden, genauso wie ihr Bruder.
26.09.2011, 11:49
Jakash trabte mit schnelen Schritten zum Rudel zurück, im Fang den Kadaver eines Schneehasen. Das kleine Tier war nicht so gut genährt wie sonst im Winter üblich, hate es doch nicht genug Zeit gehabt sich über den Zeitraum eines Sommers und Herbstes auf den plötzlichen Winter vorzubereiten. Aber es hatte überlebt und würde nun dazu beitragen, seinen Welpen das Überleben zu ermöglichen. Als der Wind drehte und eine frische Witterung zu ihm trug, hielt Jakash jedoch augenblicklich inne. Er kannte diesen Geruch, hatte ihn nicht vergessen, obgleich es so lange her war, dass er ihn zuletzt wahrgenommen hatte. Kursaí!
Der Kopf des Schwarzen fuhr herum. Tatsächlich, dort kam eine Fähe auf ihn zu. Kursaí? Kusaí! Jakash ließ seine Beute fallen, er würde sie später einfach wieder aufsammeln. Mit weiten, freudigen Sprüngen trugen ihn seine Läufe seiner so lang vermissten Schwester entgegen. Doch als er nah genug heran war, um ihr Gesicht zu erkennen, stoppte er abrupt - ihre Augen!
"Du bist nicht Kursaí",
stellte er gnadenlos fest. Die Fähe vor ihm behauptete Gegenteiliges, als sie ihn mit Bruder ansprach, aber Jakash verengte nur die Augen und musterte ihr Gesicht. Wenn man bedachte, wie jung sie gewesen war, als sie verschwand, und nun erwachsen sein musste wie er... ja doch, die Ähnlichkeit war zu markant, um Zufall zu sein. Aber diese Augen... Kursaí hatte rote Augen gehabt, ROTE! Er wusste dass er sich darin nicht täuschte, sich nicht falsch erinnern konnte. Kursaí hatte niemals, NIEMALS so wasserblaue Augen gehabt! Aber ihr Geruch... konnten zwei Wölfe denselben Geruch haben? Aber vielleicht... vielleicht war es ja gar nicht derselbe Geruch? Vielleicht war diese Witterung der, die er in Erinnerung hatte, nur sehr ähnlich...?
26.09.2011, 16:11
Sie war auf Jakash, ihren Bruder getroffen. Nun da würde das restliche Rudel auch noch einen Moment warten können, hatte es doch lange genug gewartet. Zunächst setzte sie sich also mit ihm auseinander. Wie es schien hatte er gerade Nahrung gefunden, welche er zum Rudel zurück trug. Somit hatten sie wohl das gleiche Ziel. Dennoch kam er nun mit freudigen Sprüngen auf sie zu und auch ihre Rute pendelte umher und sie ging weiter auf ihn zu. Jedoch dann wirkte es so, als ob ihr Bruder plötzlich in seiner Bewegung eingefroren war. Was war passiert? War etwas nicht mit ihm in Ordnung? Die Sorge machte sich in ihr schon breit, als sie aufgeklärt wurde, von ihm selber. Er glaubte nicht, konnte nicht glauben, dass sie sie war. Wer sollte denn ansonsten vor ihm stehen? Zunächst war sie zu perplex um etwas zu sagen, sie konnte ihn nur etwas erstaunt ansehen, nicht wissend, was in ihm vorging. Doch dann kam aus ihr heraus:
"Wieso nicht?"
Als erstes hatte sie dies wirklich ernst gemeint, doch dann dämmerte es ihr. Hatte nicht schon ihre Schwester sich über ihre Augen verwundert. Doch diese hatte sie sofort erkannt, trotzdessen. Wieso konnte ihr Bruder dies nicht. Dann kam ihr der Gedanke, dass er vielleicht noch mehr erwartete und so sagte sie nun sanft und ruhig:
"Ich bin es, auch wenn ich mich verändert habe. Alle verändern sich, doch es stimmt, ich habe mich, während ich weg war, besonders stark verändert."
Früher hätte sie bei dieser "Anschuldigung", dass sie nicht sie selber wäre, wahrscheinlich ungeduldig und aufbrausend reagiert, früher. Dies hatte sich aber geändert. Sie wusste nun, sich zu Gedulden, dem anderen Zeit zu geben. Sie vermutete, dass Jakash diese brauchte, um sie so, wie sie nun war, anzuerkennen. Doch um es ihn noch ein wenig einfacher zu machen, sagte sie noch:
"Meine Witterung hattest du erkannt, vertrau deiner Nase."
27.09.2011, 09:28
Die Fähe - Kursaí? - schien ehrlich überrascht zu sein angesichts seiner Zweifel bezüglich ihrer Person. Aber wie konnte das sein? Gerade SIE musste doch von der Veränderung wissen! Wusste sie auch, denn nur Augenblicke später, in denen Jakash keine Wort fand um auf ihre Frage antworten zu können, schlich sich die Erkenntnis in ihre Züge. Ruhig begann sie nun wieder auf ihn einzureden, so ruhig und sanft, dass es ihn schaudern ließ. Das war gar nicht Kursaís Art, war es niemals gewesen!
'Alle verändern sich...',
klangen ihre Worte in seinem Kopf nach. Wie konnte ein Wolf sich nur SO sehr verändern?!
'Durch die Götter zum Beispiel',
fuhr es ihm durch den Sinn. War er nicht selbst ein gutes Beispiel dafür, wie schnell sich ein Wolf unter bestimmten Bedingungen im Wesen verändern konnte? Musste Ahkuna nicht dasselbe von ihm denken oder gedacht haben, wie er gerade über Kursaí? Das ist nicht meine Schwester! - Das ist nicht mein Bruder!
Jakash versteifte sich. Er konnte das nicht einfach so hinnehmen - er WOLLTE das nicht einfach so hinnehmen!
"Sag mir deinen Namen - deinen vollständigen Namen! Sag mir, wer unsere Eltern sind und wie unsere Geschwister heißen! Und dann sag mir, warum Mutter gezögert hat, uns dem Rudel vorzustellen!",
forderte er von ihr als Beweis. Ein Test in zweierlei Hinsicht...
27.09.2011, 10:13
Lange war sie nicht mehr in ihrer Heimat gewesen und so musste doch nicht nur sie sich verändert haben, oder? Jedoch wahrscheinlich im Gegensatz zu ihr, ist die Veränderungen der meisten nicht äußerlich sichtbar. Der Charakter hatte sich doch auch bei ihr verändert. Waren ihre Seelenspiegel nicht eine Folge davon? Eigentlich sollte es Jakash nicht so sehr verwundern, oder? Sie merkte, wie er nachdachte, doch was er sagte, fand sie nicht so zufriedenstellend. Er glaubte ihr noch immer nicht, wollte es ganz sicher wissen. Vertraute er seiner Nase nicht? War es so unmöglich die Vorstellung, dass sie wieder da war und sie sich gleichzeitig verändert hatte. Kurz dachte sie noch darüber nach, bevor sie sich also daran machte, seine Fragen zu beantworten:
"Wie du weißt bin ich Kursaì - Kursaì Akihiko. Du kannst mir und deiner Nase glauben. Eigentlich weißt du es doch, dass es nicht anders sein kann.
Doch okay: Unsere Mutter ist die gute Shani Caiyé und unser Vater ist Hiryoga - oder besser gesagt war."
Leider war ihr Vater nicht mehr hier, und die letzten Worte waren ein wenig mit dem Schmerz, der Trauer belegt, welche sie um ihrer Vater willen hatte. Gleichzeitig war dies längst nicht die letzte Frage von ihrem Bruder. Wieviel wollte er denn noch wissen? Wollte er gleich noch die ganze Rudelgeschichte von ihr erzählt bekommen? Doch wahrscheinlich nicht. Sie beantwortete so noch die restlichen Fragen:
"Unsere drei Schwestern sind: Ahkuna Caiyé, Sharíku und Rakshee. Ahkuna habe ich schon getroffen, doch was ist mit den anderen Beiden? Sind sie beide noch da? Oder haben sie sich auch ihren eigenen Weg gesucht?"
Sie wusste nicht, wer noch da war. Dass einer der Wölfinnen gestorben sein könnte, an die Möglichkeit wollte sie nicht denken. Gewiss waren sie ausgewandert, falls sie nicht mehr da sein sollten.
"Mutter wollte uns zunächst nicht dem Rudel vorstellen, weil sie nicht sicher war, ob wir ein Lebensrecht hatten. Sie war nicht die Alphafähe und somit nicht automatisch berechtigt Nachwuchs zu haben."
Sie hätte dazu noch mehr sagen können, doch sie hoffte, dass reichte ihrem Bruder.
27.09.2011, 10:42
Jakash musterte die Graue vor sich, starrte sie regelrecht an, als wolle er durch ihre Augen hindurch ihre Seele ergründen, um sich zu vergewissern, wer diese Fähe wirklich war. Bis auf ihre Augenfarbe und ihre Nicht-Kursaí-Art sprach einfach alles dafür, dass sie die Wahrheit sagte. Nach ihren eigenen Worten hatte sie bereits mit Ahkuna gesprochen - eine geschickte Schauspielerin mochte vielleicht auch bei diesem Gespräch erfahren haben, wie die anderen Mitglieder ihrer Familie hießen - aber wohl kaum den Fakt, dass ihre Mutter anfangs um das Leben ihrer verbotenen Welpen gefürchtet hatte.
Langsam ließ Jakash sich auf die Hinterläufe sinken. Seine Gedanken glitten zu Urion, dem verfluchten Rüden, dessen Augen sich ab und an Rot gefärbt hatten, wenn einer Art Rausch erlegen war. Verdammt. Verdammt, verdammt! Er hatte sich so sehr gewünscht, dass Kursaí eines Tages zum Tal zurückkehrte... nun war sie da, aber nicht mehr die, nach der er sich gesehnt hatte.
"Sharíku ist verschwunden. Wahrscheinlich ist sie genauso wortlos fortgegangen wie du, Vater und Ahkuna. Zumindest haben wir nie ihre Leiche gefunden",
begann er schließlich auf ihre eingeschobenen Fragen zu antworten.
"Rakshee hat das Tal ebenfalls verlassen. Engaya hat sie auf den Weg geschickt. Frag mich nicht warum oder wohin - ich weiß es nicht."
Er sah sie an und wusste einfach nicht, was er von ihr halten sollte. Natürlich, jeder Wolf veränderte sich mit der Zeit - aber war es wirklich so viel verlangt gewesen zu erwarten, dass sich seine Schwester im Kern ihres Wesens nicht verändern würde?
"Du scheinst mir ja auch Engaya für dich entdeckt zu haben",
meinte er schließlich und wusste selbst nicht genau, ob das eine wirklich Frage an sie war oder eigentlich nur eine Feststellung seinerseits.
27.09.2011, 14:09
Kursaì schien ihn überzeugt gehabt zu haben. Die letzte Frage war wahrscheinlich die entscheidenste, war der Rest doch eigentlich allgemein bekannt. Nun hatte sich Jakash gesetzt, wirkte wesentlich entspannter und so machte sie es ihm gleich und wartete seine Antworten ab.
Die anderen Beiden Fähen hatten anscheinend auch ihren Weg aus dem Tal heraus gefunden. Nur ihr Bruder nicht? Stimmte das? Von sich hatte er nicht erzählt.
"Nur du hast also das Tal nie verlassen."
Dies war eine Feststellung, falls sie falsch war, würde er sie korrigieren. Ihr fiel auf wie merkwürdig dies war, wusste sie doch soviel, dass vorallem die männlichen Jungtiere das Rudel verließen. Nunja sie waren ja noch nicht einmal ein normaler Wurf und allem Anschein nach, hatten trotzdessen alle von ihnen überlebt. Sie ging einfach davon aus, dass Shariku ihren Weg gefunden hatte und wahrscheinlich irgendwo mit einem Rüden zusammen lebte. Wie sie es hatte auch getan. Doch noch schöner war die Nachricht über Rakshee. Sie hatte wohl auch den Weg zu Engaya gefunden und wenn dies bedeutete, das sie hatte gehen müssen, dann war das okay.
"Dies bedeutet wir sind hier jetzt nur noch zu dritt."
Schon wieder war dies nur eine Feststellung, sicherstellend, dass nicht doch noch eines ihrer Geschwister in der Nähe war. Für sie war das in Ordnung, doch genauso würde sie sich freuen, altbekannte Gesichter wiederzusehen.
Nun war ihr Bruder dran, mit Feststellungen machen. Als sie darauf antwortete, schlich sich ein Grinsen auf ihren Fang:
"Ja, das stimmt. Du anscheinend nicht - wohl eher das Gegenteil."
12.10.2011, 13:35
Ein Gefühl hatte sich in ihm breit gemacht, und langsam wurde Jakash bewusst, worum es sich dabei handelte: Enttäuschung. Er war enttäuscht von dieser Kursaí, weil sie nicht länger die Schwester war, die er vermisst hatte. Nicht einmal Ahkuna hatte ihn so enttäuschen können, aber an sie hatte er ja auch keine Ansprüche gestellt. Keine Hoffnungen mit ihre Rückkehr verbunden.
Anders bei Kursaí. Und Jakash ertappte sich bei dem Gedanken, dass sie doch besser gar nicht hätte zurück kommen sollen.
"Stimmt. Aber ich hatte auch nie einen Grund zu gehen",
erwiderte er gepresst und sparrte sich die Frage nach Kursaís damaligen Grund. Das war so lange her, dass es inzwischen nicht mehr wichtig war.
"Naja, wenn du uns Geschwister meinst, dann hast du Recht. Ansonsten ist unsere Familie jedoch inzwischen gewachsen - du bist jetzt Tante",
gab er auf ihre zweite Frage zur Antwort, allerdings so emotionslos, als ginge es nicht um seine Welpen. Die Enttäuschung über seine Schwester nagte an ihm und nahm ihm das Vergnügen, von seinen Welpen zu erzählen. Ihr Grinsen erschien ihm daher fast wie Hohn.
"Wohl eher das Gegenteil, ja."
Auch wenn Jakash niemals von einem 'fenris für sich entdecken' gesprochen hätte.
12.10.2011, 17:08
Ihr Bruder hatte sich anscheinend wirklich nie auf den Weg gemacht. Wenn man näher darüber nachdachte, war dies schon merkwürdig, verließen doch normalerweise die Männchen das zu Hause, während sie als Fähen normalerweise blieben. Doch was war schon Normal? Hier in diesem Tal bestimmt nicht viel und so war es mehr als richtig, dass sie wieder zurückgekommen ist. Sie wusste, dass sie hier zu Hause war, und dass sie zwar auch wo anders glücklich gewesen war, doch dieses Glück gehört der Vergangenheit an, kann nicht mehr existieren. Vielleicht gäbe es die Möglichkeit noch einmal solch ein Glück zu finden, doch darauf wollte sie es nicht anlegen. So wie sie ihr Glück gefunden hatte, so hatte ihr Bruder sein Glück hier vor Ort in seiner Heimat gefunden. Welch ein großes Glück für ihn und doch was war, wenn sein Glück verging, wo sollte er dann hin? Er schien nicht sehr zufrieden mit seiner Antwort, wirkte er doch merkwürdig reserviert. Doch weshalb nur? Tat er nur so, als ob er nie hatte gehen wollen? Beneidete er sie insgeheim?
Diese und ähnlich trübe Gedanken verbannte Kursaì schnell aus ihrem Schädel, war dies doch ein Tag zur Freude, nicht zur Trauer. Auch wenn sie heute nicht nur gutes erfuhr, so traf sie doch auf den groß Teil ihrer Familie. Sie hatte ja gar nicht gewusst, dass ihre Familie gewachsen war. Noch während sie so vor sich hin dachte, antwortete Jakash auch schon auf ihre nächste Frage und erwähnte auch, dass sie Tante geworden ist. Was für eine Freude! Doch weshalb freute er sich nicht?
"Ja, ich weiß. Herzlichen Glückwunsch." Dabei schenkte sie ihm ein breites, ernstes Lächeln. "Ahkuna hat mir schon davon erzählt. Ich hatte ja gar nicht gewusst, dass du schon Vater bist."
Früher wäre sie wahrscheinlich auf ihn gesprungen, hätte ihn die Freude erleben lassen, so dass es ihm fast wie eine Qual vorgekommen wäre. So nun jedoch war sie nur sehr freudig, stupste ihn auch einmal freundlich, brüderlich an und freute sich über ihr wiedersehen.
Auf ihre Feststellung hin, bestätigte ihr Bruder dies. Fenris war wohl in ihm. Ob dies Gut oder Schlecht war, darüber wollte sie nicht urteilen, nur dass er somit völlig anders als sie selber war.
21.10.2011, 12:04
Bei Fenris, es war zum verrückt werden! Nichts, absolut gar nichts schien Kursaí - diese neue, fremde Kursaí - aus der Ruhe bringen zu können! Was immer er ihr auch erzählte, nicht davon brachte sie in irgendeiner Weise in Wallung. Nicht die Tatsache, dass er zum Fenriswolf geworden war, und auch nicht die Welpen. Sie freute sich, ja, aber diese Freude erreichte nur ihr Gesicht. Seine Schwester schien all ihr Temperament verloren zu haben, jedwede Impulsivität war dahin. Stattdessen stand sie nur da, bewegte sich ruhig, wenn sie es denn überhaupt tat, und war... einfach nur langweilig. Einmal mehr musste Jakash enttäuscht feststellen, das alles, was er an seiner Schwester so gemocht hatte, fort war.
Es war schließlich ihre kurze Berührung, die Jakashs ohnehin schon verkürzten Geduldsfaden reißen ließen. Der Schwarze wich zurück, sprang auf die Pfoten. Seine Lefzen zitterten, unentschlossen, ob sie sich heben oder gesenkt bleiben sollten.
"Bei Fenris, hör doch endlich auf damit so... widerlich ruhig zu sein! Verglichen damit, wie du einst warst, ist es, als wärst du tot! Ich erkenne dich überhaupt nciht wieder! Wenn mein Verstand mir nicht sagen würde, dass du wirklich meine Schwester bist, müsste ich dich für irgendeine dahergelaufene Fremde halten! Du nennst dich nicht Kursaí, aber du bist es kein bisschen mehr! Wo ist nur all das hin, was ich an dir so vermisst habe? Wo ist meine echte Schwester, die richtige Kursaí?!"
Seine Stimme überschlug sich am Ende fast. Hatte anfangs noch Zorn in ihr mitgeschwungen, so war es am Ende nur noch Verzweiflung.
22.10.2011, 16:35
Kursaì spürte die Verärgerung von Jakash, war sie doch nicht zu übersehen. Wieso war er denn nur so unzufrieden? Konnte sie nicht einfach so sein, wie sie war? Er sprang einfach vor ihr weg, als ob er sie nicht wollte. Hatte sie etwas falsch gemacht? Im stillen dachte sie nur, wie viel einfacher das Wiedersehen mit ihrer Schwester gewesen war. Die Freude von Ahkuna hatte sich einfach mit ihrer eigenen gemischt und sie waren wieder vereint gewesen. Ihr Bruder jedoch schien dies nicht zu wollen, nicht zu können. Es war eher so, als ob er verhindern wolle, dass sie ihm wieder Nahe war.
Sie wollte gerade ihren Fang öffnen, und fragen was er gegen sie hatte, da fing schon seine Tirade an. Es wirkte fast so, als würde er gleich anfangen zu schäumen, als ob er sich gerade so noch im Griff hatte, und sie konnte diesen Wutausbruch nur zu einem kleinen Teil verstehen.
Sie wusste erst nicht, wie sie auf diese Anschuldigungen reagieren sollte. Ja, sie war nunmal jetzt so. Sie war nicht mehr der Wirbelwind ihrer Familie, und dies nicht nur weil sie älter geworden ist. Doch wie konnte er behaupten, er wäre nicht seine Schwester, oder wie konnte er dies überhaupt in Zweifel ziehen? Ja, sie hatte sich verändert, sogar gewaltig, und dennoch war sie noch sie selber. Nun wirbelte auch in ihr einiges umher. Es war nicht die Wut, die in ihm war und auch nicht das Feuer, welches früher in ihr war und doch war es nicht nur das ruhige, was sie meistens ausstrahlte. Das Meer ihn ihr geriet ins wogen und umso mächtiger war das Aufbrausen. So sprang sie mit einem Satz auf ihn zu, und verkleinerte so den Abstand zwischen ihnen, auf ein Minimum:
"Ich habe mich verändert, willst du das nicht akzeptierren?"
Diese Worte klangen hart, und doch wurde ihre Stimme sogleich wieder ruhiger und auch sie selber wurde wieder entspannter, ja, beinahe ruhig:
"Soll ich etwa wie ein neugieriger Welpe auf und ab springen und so tun, als gäbe es nichts sonst auf der Welt? Dies ist nun mal nicht so - leider. Ich bin älter geworden, habe mich gewandelt. Und dennoch bin ich Kursaì.
Dies bedeutet aber nicht, dass ich mich nicht freuen kann, so wie es mich mit Glück erfüllt, zu erfahren, dass sich unsere Familie vergrößert hat."
Nun waren ihre Gesichtszüge wieder vollends weich und ihre Neugierde erforderte endlich Informationen, so fragte sie nicht nur, um ihren Bruder zu beschwichtigen, sondern aus ehrlichem Interesse:
"Nun erzähl schon: Wieviele Welpen hat denn deine Gefährtin bekommen? Und wer ist denn die glückliche? Wie alt sind sie inzwischen? Haben alle überlebt? Wie geht es ihnen? Wie heißen sie? "
Diese Fragen hatte sie auch schon ihrer Schwester gestellt, jedoch Ahkuna hatte sie nur vertöstet. Nun musste Jakash ihre Neugierde befriedigen, was ihm gewiss Freude bereiten würde.