21.09.2011, 14:47
Isaís Augen verengten sich zu Schlitzen, als er von hinten her spürte, wie seine Mutter ihn hochnahm. Im ersten Moment wehrte er sich dagegen, ließ das Ohr Krolocks nicht los und zog es so mit sich, ehe er dann doch den Halt verlor. Etwas irritiert war er, als er sich plötzlich zwischen Jakashs Pfoten wiederfand, der ja bis eben noch gar nicht dagewesen war, doch ehe er ihm ein erleichtertes Lächeln zuwerfen konnte, hörte er die Worte Krolocks, auf die er nur ein tiefes Grollen erwidern konnte, denn ehe er wieder losstürmen konnte, um den zweiten Lochbisserangriff zu starten, wurde er von Jakash in genau die andere Richtung gedrängt. Ein protestierender Blick galt ihm, doch dann ging er doch wiederwillig mit und ließ die Situation mit einem letzten, bösen Blick stehen. "Aber er war fies zu Mama!", zischte er von unten her zu seinem Vater hinauf und blickte leicht beleidigt drein, dass er nicht doch nochmal zubeißen durfte. Natürlich wäre das nicht anders ausgegangen, doch in der Vorstellung des Roten war alles noch ein bisschen anders. "Sagst du ihm, dass er nicht so fies sein soll, Papa? Ich kann nämlich nicht versprechen, dass er gut davon kommt, wenn ich ihn das nächste Mal sehe!", erklärte er großspurig und nickte überzeugt. Jaja, abwarten, gell?
Sheena merkte erst jetzt, wie froh sie wirklich war, dass Jakash zu ihnen gekommen war. Er machte kein großes Aufsehen und brachte Isaí von hier weg. Besser konnte es doch gar nicht kommen. Auch Caylee hielt sich nun sehr zurück, lächelte ihr nur ein wenig verschüchtert zu. Die Liebe. Sie sollte nur aufpassen, dass sie nicht zu viel Unsinn anstelle. Die Freundschaft mit Krolock erschien ihr dabei nicht sonderlich hilfreich. Doch darum wollte sie sich nun keine Gedanken mehr machen, sie sah den beiden nach, wie sie davon zogen und folgte dann selber Jakash und Isaí. Nachdem ihr so schön angefangenes Gespräch so abrupt geendet hatte, wollte sie sich nun am liebsten nur noch zu Ruhe legen. Am besten mit Isaí und Jakash.
22.09.2011, 16:43
Ein kurzer Blick zurück zeigte ihm, dass Caylee und Krolock sich bereits davon machten und Sheena zu ihnen aufschloss. Gut so. Wäre Krolock jetzt noch aufmüpfig geworden - oder wohl eher geblieben - hätte er den Jungrüden dafür die Konsequenzen spüren lassen. Was das anging verlangte auch sein Sohn lautstark danach und war offensichtlich alles andere als angetan von dem Ausgang dieser Situation.
"Krolock weiß sehr gut, dass er nicht so fies sein soll, aber er schert sich einen Dreck darum. Er liebt es nämlich, andere zu Provozieren und Streit herauf zu beschwören. Und du solltest ihm zukünftig besser aus dem Weg gehen, Isaí. Dein Sinn für Gerechtigkeit in allen Ehren, aber du bist noch viel zu jung um dich mit jemand anderes als deinen Geschwistern anzulegen, und Krolock gehört nicht zu den Wölfen, die rücksichtsvoll mit Welpen umgehen",
erwiderte er mahnend und hielt schließlich inne, um sich zu setzen. Das Geschehen verlangte nach einer Auswertung, und inzwischen war Krolock weit genug entfernt, um kein Unheil mehr anrichten zu können.
"Und jetzt erzählt doch mal, was überhaupt passiert ist",
forderte er seinen Sohn und seine Gefährtin gleichermaßen auf und sah beide abwechselnd an.
22.09.2011, 17:37
Rasch hatte sie zu ihrem Gefährten und ihrem Erstgeborenen aufgeschlossen und sich deren Tempo angepasst. Fast gänzlich abwesend lauschte sie mit einem Ohr den Worten Jakashs der ihr aus dem Herzen sprach. Und als ob er Gedanken lesen könnte, blieb er stehen und ließ sich zu Boden sinken. Dankbar darüber tat sie es ihm gleich, indem sie sich auf den Boden rutschen ließ und ihren Kopf erschöpft auf ihren großen Pfoten bettete. Sie blinzelte Isaí an und hob dann wieder den Kopf um ihrem Gefährten zu antworten.
„Ach Jakash. Isaí und ich hatten ein so schönes Gespräch angefangen. Ich war wirklich froh, dass wir endlich mal wieder Zeit hatten uns ein wenig ausführlicher zu unterhalten, doch Caylee und Krolock waren wohl der Meinung, dass wir gute Zielwölfe abgeben würden.“
Sie seufzte leicht auf und gähnte dann ausgiebig. Vielleicht sollte Isaí lieber erzählen was vorgefallen war. Sie würde ihn danach noch immer ergänzen und verbessern können. Außerdem schien er noch immer ein wenig erhitzt und würde so vielleicht seiner Wut Ausdruck verleihen können. Obwohl er das bereits getan hatte. Dennoch, sie wollte ihm nicht die Chance nehmen, auch zu erzählen. Vor allem weil er es sicherlich noch anders aufgefasst hatte als sie selbst.
„Mein kleiner Schatz, möchtest du die Geschehnisse Jakash erzählen?“
Sie nickte ihm auffordernd zu, wenn er nicht wollen würde, könnte sie noch immer anfangen zu erzählen, aber um ehrlich zu sein, fühlte sie sich gerade nicht im Stande und war außerdem sehr interessiert die Sichtweise ihres Welpen zu hören.
Ein wenig rutschte sie noch an Jakash heran, um seine Wärme zu spüren und dann ließ sie ihren Kopf wieder auf die Pfoten sinken. Ihr Blick blieb dennoch wachsam und lag auf ihrem Sohn.
22.09.2011, 18:19
„Dann ist er bei uns damit aber an der falschen Adresse. Der soll sich mit Atalya streiten, die macht das auch gerne.“ - Er sprach da aus Erfahrung.
Sein Blick huschte über die Gestalt seiner Mutter, die nun zu ihnen aufschloss und kurz warf er auch den beiden anderen Wölfen einen bösen Blick nach, während er zu seiner eigenen (und natürlich auch zu der seiner Eltern) Zufriedenheit feststellte, dass sein Vater und seine Mutter sie in die Flucht geschlagen hatte. Er warf Sheena einen stolzen Blick zu und merkte so im ersten Moment gar nicht, wie Jakash sich hinsetzte, lief noch einen Meter weiter, um dann hastig umzukehren und sich vor seinen Eltern zu drapieren.
„Dem hast du’s gezeigt, Mama!“, warf er ein, ehe Jakash eine Erklärung verlangte und der kleine Rote augenblicklich verstummte.
Er rückte etwas näher an seine Eltern heran, warf einen vorsichtigen Blick an Sheena vorbei zu dem Ort, wo Caylee und Krolock eben noch gewesen waren und lauschte nur halbherzig, ehe man ihn dazu aufforderte, es zu erzählen. Stolz über seine Aufgabe warf er erst Sheena einen Blick zu, ehe seine pfützigen Seelenspiegel Jakash fixierten.
„Mama wollte mir gerade erzählen, wo sie aufgewachsen ist und als sie von Oma und Opa erzählt hat, kam plötzlich dieser Fieswolf und gab sich als Fenris aus.“ Er verzog die Lefzen zu einer Grimasse. Das hatte er natürlich keinen Augenblick geglaubt, niemals… „Und dann hat er Caylee angefallen als wäre er verrückt geworden und Mama hat sie ganz mutig gerettet und dann ist er auf Mama losgegangen! Und dann wollte er mich nochmal erschrecken, aber ich hab’s ihm dann gezeigt!“
Er endete mit einem stolzen Grinsen auf den Lefzen. Sein Vater würde schon verstehen, dass er es auch schon mit dem Fieswolf aufnehmen konnte. Oh ja! Dass er es ihm bloß gezeigt hätte, wenn Sheena ihn nicht weggeholt (gerettet) hätte, ließ er geschickt außen vor.
25.09.2011, 16:32
Stolz lag in Isaís Blick, als er anfing von dem eben vorgefallenen Geschehen zu berichten. Ihr Gespür hatte sie die richtige Entscheidung treffen lassen, als sie ihn dazu aufforderte. Dennoch fiel seine Erklärung typisch welpenhaft aus, doch sie konnte nichts anderes von ihm verlangen, schließlich war er noch sehr jung. Aber deshalb war sie ja da, sie würde seine Erklärung noch ein wenig ausführen können, darauf bedacht ihn nicht bloßzustellen, schließlich hatte er es geschickt verborgen, dass er doch ein wenig Angst gehabt hatte. Doch das war eher irrelevant für das was vorgefallen war.
„Nun, Krolock und Caylee war wohl ein wenig langweilig. Ich weiß nicht wessen Kopf die dumme Idee entsprang unseren kleinen Sohn zu erschrecken, doch Krolock war es, der die Idee in eine Tat umsetzte. Er schlich sich an Isaí heran und versuchte ihm einzureden, dass er Fenris wäre und seine Zeit hier nun abgelaufen sei.
Sie schüttelte den Kopf bei der Erinnerung daran. Wie konnte einem nur in den Sinn kommen, sich als den mächtigen Fenris auszugeben. Natürlich gab es die Anhänger Fenris hier in diesem Tal genauso wie die Engayas. Aber niemals würde sich einer der Anhänger oder gar eine der Priesterinnen als Engaya selbst ausgeben. Sie waren Töchter eben dieser. Priesterinnen. Nicht mehr und nicht weniger.
Sie empfand es fast als eine Beleidigung, dass Krolock sich als Fenris ausgegeben hatte.
„Als ich ihm daraufhin zu verstehen gab, dass an seinem Verhalten nichts komisches war, stieß er abermals eine Drohung gegen Isaí aus, um sich dann umzudrehen und zu Caylee zurück zu laufen.
Ich dachte er hätte begriffen, dass er mit einem solchen Verhalten bei uns nicht willkommen ist, aber da habe ich mich wohl geirrt.
Denn kurz darauf kam Caylee zu uns, sie meinte, dass Krolock völlig wahnsinnig geworden wäre und ihr etwas antun wolle. So recht konnte ich ihr die Geschichte nicht glauben, aber als der Schwarzpelz sich dann auf sie stürzte, war ich mir nicht mehr so sicher. Ich spürte zwar, dass er sie nicht ernsthaft verletzen wollte, aber dennoch konnte ich sein Auftreten, vor allem vor Isaí, nicht dulden. So griff ich ihn mit erneut und zog ihn von Caylee weg.
Das hat seine Laune wohl auf den Tiefpunkt gezogen und so stand er mir einen kurzen Augenblick sehr aggressiv gegenüber, sodass sogar Caylee nicht mehr sicher war, ob er nicht vielleicht doch etwas ernsthaft Dummes tun würde.
Sie war immerhin so clever um Isaì zu beschützen. Für den Notfall. Doch Krolock hatte sich zum Glück wieder schnell beruhigt und dann kamst du auch schon dazu.
Den Rest kennst du ja. Sie haben sich relativ schnell aus dem Staub gemacht.“
Sie hatte versucht alles sehr sachlich zu erklären, kam aber nicht drum herum hin und wieder ihre eigene Meinung zu vertreten.
Sie ärgerte sich über das dümmliche Verhalten der beiden. Eingeschlossen dem von Caylee, von der sie solche Dummheiten nicht erwartet hätte.
Während sie gesprochen hatte, hatte sie den Kopf erhoben, nun ließ sie ihn wieder auf ihre Pfoten sinken und blinzelte ihrem Sohn zu. Sie hatte mit keinem Wort seine Angst erwähnt. Im Gegenzug aber auch nicht sein, (über-)mutiges Verhalten.
26.09.2011, 10:10
Jakashs Miene blieb die ganze Zeit über ernst und lauschte erst dem Bericht seines Sohnes, dann Sheenas. Vor seinem geistigen Auge setzten sich die Bilder der vergangenen Ereignisse zusammen und gaben die Realität letztendlich recht genau wider. Seine Miene verdüsterte sich noch mehr, als er daran dachte, wie bedroht seine Familie vielleicht tatsächlich gewesen war - Krolock war unberechenbar und nicht ganz richtig im Kopf, dem traute Jakash alles zu. Er schüttelte erzürnt den Kopf.
"Krolock, dieser Narr! Nicht, dass solche Gemeinheiten Fenris nicht amüsieren würden, aber sich als den Gott des Todes selbst auszugeben, da hört auch der letzte Spass auf!"
Er wandte sich an Isaí.
"Merk dir das, mein Sohn: Im Sinne seines Gottes zu handeln ist eine Sache, aber eine ganz andere ist es, sich zu erdreisten, diesen Gott selbst darstellen zu wollen. Es ist eine Beleidigung des Gottes, und wird über kurz oder lang nicht ungestraft bleiben! Das würde nichteinmal Engaya dulden",
warnte er und sah kurz zu seiner Gefährtin, Bestätigung erwartend.
"Das zum Ersten. Desweiteren denke ich, dass das Ganze wirklich nur als schlechter Scherz gemeint war, immerhin war Caylee offensichtlich in die Sache involviert, und sie ist eigentlich eine gute junge Fähe, nur manchmal etwas übermütig. Aber sie scheint nicht ganz zu wissen, auf was - oder besser gesagt: auf wen - sie sich da eingelassen hat, wenn sie mit Krolock ihre Späße treibt. Ich sage es dir also nochmal, Isaí: Geh Krolock aus dem Weg, verstanden? Ich weiß, du willst es ihm heimzahlen, dass er so fies war, aber bei Krolock ist das zu gefährlich. Ich traue ihm zu, dass er dir wehtun würde, ohne über die Konsequenzen nachzudenken",
mahnte er streng. Er hatte im Grunde nichts dagegen, dass sein Sohn Krolock seine Gemeinheiten vergelten wollte, im Gegenteil. Aber das war etwas, was man auch anders angehen konnte, und vor Sheena würde er diese Möglichkeiten wahrlich nicht erörtern.
26.09.2011, 20:54
„Aber ich hätte dir viel lieber geholfen, Mama!“, verkündete er und beschwerte sich so indirekt darüber, dass Caylee ihn davon abgehalten hatte.
Doch als Jakash zu sprechen begann, fiel die aufrechte, entschlossene Pose in sich zusammen und der kleine Körper überwand auch die letzen paar Zentimeter, um sich sanft zwischen die beiden Körper zu drücken und von dort aus der Mahnung des Schwarzen zu lauschen. Isaí nickte verstehend. Ohnehin hätte er nie vor gehabt, sich als Fenris oder Engaya auszugeben. Erstens, weil Engaya eine Mama war und Zweitens, weil Fenris auch ein Fieswolf war und Isaí auf keine Fälle so einer werden wollte. Auch den nächsten Worten lauschte er gespannt, hoffte er, so mehr über Caylee und Krolock herauszufinden. Doch schließlich klappte ihm empört der Fang auf, als er doch tatsächlich verboten bekam, ihm zu begegnen. Am Anfang hatte es mehr so geklungen wie ein Rat – Lücke im Regelwerk, doch nun bekam er es doch wirklich ausdrücklich verboten! Einen Augenblick hielt er dem Blick seines Vaters stand, wollte Wiederworte erheben, doch dieses Verlangen schrumpfte je länger der Augenblick anhielt in sich zusammen. Hätte er nun Finger gehabt, hätte er sie wohl überkreuzt, doch so blieb ihm nichts anderes übrig, als demütig den Kopf zu senken.
„Verstanden…“, murmelte er unwillig und senkte den Blick, ehe er sich selbst auf dem Boden niederließ und den Kopf auf seinen Pfoten bettete.
Ein missmutiges, tiefes Seufzen entwich dem roten Körper, ehe er hilfesuchend zu Sheena sah. In dieser Mahnung musste es doch irgendeine Lücke geben, damit er sich doch rächen konnte. Niemand ging so mit seiner Mama um. Auch kein Fieswolf Krolock.
02.10.2011, 15:22
Schmunzelnd beobachtete Sheena wie die Augen Isaís abenteuerlustig aufblitzten und er mit geschwellter Brust verkündete, dass er ihr eigentlich hatte helfen wollen. Wie gut, dass Caylee rechtzeitig zur Stelle gewesen war. Sie zweifelte nicht daran, dass Isaí sich im Eifer des Gefechts kopflos auf Krolock gestürzt hatte. So kopflos wie ein Welpe nun mal noch handelte. Sie konnten die Gefahren einfach noch nicht so gut einschätzen und wussten nicht, wann der Zeitpunkt reif war um einer gefährlichen Situation möglichst sicher zu beenden.
Dennoch konnte sie ihm seinen Einwand nicht übel nehmen. Dafür gab es vielerlei Gründe. Als erstes war er ein Welpe und war sich der richtigen Gefahr nicht bewusst. Dafür hatten sie schließlich auch ihre Eltern. Dann war er ein Rüde, die taten sich meistens sowieso schwerer sich nicht einzumischen. Hinzu kam, dass sie seine Mutter war und, Sheena konnte es sich nicht erklären, anscheinend meinten Söhne immer, ihre Mütter beschützen zu müssen. Als ob sie so hilflos und schwach wären, dass sie dies nicht selber konnten. Als letztes war er auch noch der erstgeborene Sohn und da ging es Isaí nicht viel anders als anderen erstgeborenen, sie fühlten sich verpflichtet die Familie, ob Eltern oder Geschwister, zu verteidigen. Und zwar noch mehr, als es in einer Familie allgemein üblich war.
So fuhr sie ihm nur sanft mit der Zunge über den Kopf als er, in sich zusammengesunken, nachdem Jakashs weitere Worte erklungen waren, sich zwischen sie drängte. Und obwohl den Worten seines Vaters eigentlich nichts mehr hinzuzufügen war, erhob sie erneut ihre Stimme nachdem sie seinen nach Bestätigung suchenden Blick aufgefangen hatte.
„Es stimmt was Jakash sagt. Auch Engaya würde entzürnt sein, wenn sich jemand als sie ausgeben würde. Und das, obwohl sie die Göttin des Lebens ist. Nun stell dir den Zorn vor, den Fenris, als Todesgott, haben muss, wenn sich jemand als er ausgibt!“
Wobei sie sich auch gut vorstellen konnte, dass Krolocks Verhalten ihn amüsieren konnte. Doch es stellte sich die Frage, wie lange es ihn amüsieren würde. Irgendwann war nämlich auch Schluss mit lustig und Sheena hoffte für Krolock, so sehr sie sein Verhalten auch verabscheute, dass dieser Zeitpunkt noch nicht eingetroffen war.
„Isaí, noch bist du zu jung um richtige Kämpfe zu führen. Und so sehr sich mein Mutterherz wünschen würde, dass dies immer so bleibt, bestimmt wirst du noch früh genug lernen, wie es ist sich richtig zu streiten.“
Bewusst hatte sie nicht das Wort ‚kämpfen‘ gewählt. Denn ein Kampf konnte meistens verhindert werden, resultierte aber dennoch häufig aus einem Streit. Und auch ein Streit konnte ein Kampf sein, zumindest auf verbale Art und Weise. Und das reichte für den Anfang wohl auch.
Isaís hilfesuchender Blick erreichte sie und sie schüttelte leicht, aber bestimmend den Kopf. Sie stimmte Jakash zu. Vorerst sollte sie er sich von Krolock fern halten. Über einen langen Zeitraum würde das sowieso nicht gehen. Irgendwann würden sie sich über den Weg laufen. Aber Isaí sollte tunlichst vermeiden extra den Weg zu dem schwarzen Rüden einzuschlagen.
12.10.2011, 14:12
Isaís kleiner Körper sank sichtlich in sich zusammen, als er kleinlaut das Verbot akzeptieren musste. Der Schwarze war sich sicher, dass er nicht zu streng mit seinem Sohn war in dieser Sache, aber ihm war auch bewusst, dass Welpen den Sinn oder die Wichtigkeit solcher Anweisungen noch nicht absehen konnten. Solche Einsichten kamen immer erst später, mit mehr Lebenserfahrung. Als Elternteil war es nicht immer einfach, das Maß zu wahren zwischen dem Drang, seine Kinder schützen zu wollen, und der Notwendigkeit, sie ihre eigenen Erfahrungen machen zu lassen. Jakash verstand das jetzt, da er zum ersten Mal einem seiner Welpen selbst etwas verbieten musste.
Der Schwarze ließ sich auf den Bauch sinken, um nicht länger befehlend über seinem Sohn zu 'thronen', sondern versöhnlich fast auf dessen Augenhöhe zu sein.
"Hör mal, Isaí",
begann er erneut, und seine Stimme war nun wesentlich sanfter.
"Es wird die Zeit kommen, da wirst du für dich selbst verantwortlich sein und alle deine Entscheidungen allein treffen müssen. Aber bis es so weit ist, musst du lernen, verschiedene Situationen richtig einzuschätzen. Deine Mutter und ich sind hier, um dir und deinen Geschwistern dabei zu helfen, damit ihr später gut durch's Leben kommt. Und selbst dann werden wir euch immer ratend zur Seite stehen. Wenn wir also möchten, dass du Krolock meidest, weil der Umgang mit ihm noch zu gefährlich für dich ist, dann glaube und vertraue uns ruhig. Es wird gar nicht mal so lange dauern, dann wirst du stark genug sein, um auf dich selbst aufpassen zu können. Aber bis es soweit ist, hör auf deine Mutter und mich, in Ordnung?"
13.10.2011, 17:49
Als Sheena fortfuhr hob er schließlich doch den Kopf und neigte ihn leicht zur Seite. Sie wünschte sich, dass er immer so blieb? Dass er keine Kämpfe führte? Er sah sie einen Moment an, zögerte und wusste nicht, was er entgegnen sollte, ehe er den Kopf senkte und sich kurz mit der Zunge über die Lefzen fuhr.
„Es soll aber niemand mit dir streiten, Mama…, nuschelte er und machte eine kurze Pause. „Aber wenn du willst, dass ich mich auch nicht streite, dann tue ich das auch nicht…“
Es war nur ein Flüstern und dem jungen Rüden schien nicht klar zu sein, dass es im Leben eines Wolfs früher oder später zu Kämpfen kommen würde – unausweichlich. Dass die Raufereien mit seinen Geschwistern, die fröhlichen, hin und wieder aber doch groben Spiele dafür lediglich Vorbereitung waren – er ahnte es nicht, genauso wenig, wie er ahnte, dass dieses Versprechen, was er soeben ausgesprochen hatte, für ihn nicht zu halten war. Dabei wollte er doch unbedingt, dass seine Mutter glücklich war, dass ihr Wunsch in Erfüllung ging, denn sie hatte es mehr als verdient. Sie war doch so eine gute Mutter. Langsam wandte sich der Blick nun noch immer etwas demütig seinem Vater zu, ganz so, als wolle er sich für irgendetwas entschuldigen. Seine Ohren zuckten, als dieser erneut zu einer Rede ansetzte, an dessen Ende der junge Rüde verstehend nickte. Einerseits konnte er es kaum erwarten, auf sich selbst aufpassen zu dürfen und all das zu tun, was er jetzt noch nicht tun durfte, andererseits steckte die Angst tief in ihm drin, seine Eltern dann zu verlieren. Er erinnerte sich an Tyraleen, deren Mutter nicht mehr sichtbar war und auch nicht mehr für sie da sein konnte, doch schnell verjagte er den Gedanken wieder mit einem zaghaften Lächeln, ehe er aufsprang und Jakash vorsichtig am Ohr zog.
„Aber Fieswölfe wie Krolock können uns doch gar nichts antun! Wir sind doch Welpen Engayas und Engaya wird uns immer vor Fenris schützen.“, erklärte er überzeugt, wurde dann aber wieder leiser und blickte von seinem Vater hin zu seiner Mutter. „Aber ich werde mich von ihm fernhalten, ich hab‘ verstanden…“ Er seufzte knapp, doch an diesem Verbot gab es einfach nichts zu rütteln.
21.10.2011, 17:46
Spielerisch und – selbstverständlich- unglaublich sanft nahm Sheena Isaís Ohr zwischen die Zähne und zog daran. Sie wollte ihren Welpen nun, nach den vielen ernsten Worten, nicht mehr so bedrückt sehen. Es war alles gesagt und nun war es an der Zeit das Thema abzuschließen. Sie mussten einfach darauf vertrauen, dass Isaí das Verbot ernst nahm und Krolock die nächste Zeit aus dem Weg gehen würde. Die nächste längere Zeit. Und sie selber versprach ihm, Jakash und sich selbst innerlich, dass sie versuchen wollte den Kleinen so viel und oft wie möglich im Auge zu behalten. Zumindest die nächsten Tage, bis die Situation etwas zurück lag und sich die Gemüter um Rache und Totschlag etwas beruhigt hatten.
Sie lächelte seicht und ließ sich, wie Jakash kurz zuvor, auf den Boden sinken. Das Ohr ihres Sohnes hatte sie mittlerweile wieder losgelassen, stattdessen stupste sie ihn einmal kurz aufmunternd an.
„Also Liebling. Worauf hast du jetzt Lust?“
Einerseits wollte sie ihn ein wenig ablenken, auf andere Gedanken bringen, damit er den Groll gegenüber Krolock vergessen konnte – was er natürlich nicht würde. Andererseits lag ihr viel daran, dass er nicht mit so miesepetriger Laune über den Rudelplatz lief. Ihres Wissens nach musste Malik dann unter den Auswirkungen ‚leiden‘ und das wollte sie tunlichst vermeiden.
Wenn er spielen wollen würde, würde sie mit ihm spielen. Fangen, verstecken, von ihr aus auch das ‚kämpfen‘. Aber noch lieber wäre ihr, wenn sie erneut das Gespräch aufgreifen würden, welches sie vor dem Zusammentreffen mit Krolock begonnen hatten. Was war das nochmal genau gewesen? Dass sie zwar hier in dem Tal geboren wurde, aber ihre Eltern nicht. Und dass diese kurz nach ihrer Geburt davon gegangen waren. Ja, das war es gewesen.
Ihre Augen schweiften ab, ruhelos glitt der Blick über den dunkler werdenden Horizont. Nur kurz, nur kurz, dann war sie wieder ganz bei der Sache. Ein fröhlicher Blick zu Isaí, ein, ein wenig nachdenklicher, zu Jakash.
Konnten sie ihrem Sohn in dieser Beziehung wirklich zu hundert Prozent vertrauen? Sheena wusste, dass sie, früher, wahrscheinlich auch gegen dieses Verbot angegangen wäre. Wenn sie denn Eltern gehabt hätte, die ihr irgendetwas hätten verbieten können.
Und soweit sie Isaí einschätze, kam er ganz nach ihrem Sturkopf. Nur wohl nicht ganz so aufbrausend, wie sie früher. Aber das waren damals auch andere Startvoraussetzungen gewesen.