Kursaí
13.09.2011, 22:53

Kursaì Akihiko hatte es geschafft. Sie hatte ihre Heimat wieder erreicht, ihren Ursprung. Das Tal von Engaya, das Tal der Sternenwinde. Ihr Zufluchtsort. Dieser Flecken Erde hatte für sie so viele Namen und doch nur einen, der für sie in diesem Moment zählte: Zu Hause. Dies war sie, dass spürte sie. Doch noch war sie nicht wirklich da, noch hatte sie ihre Familie nicht wiedergefunden. Und nicht nur diese suchte sie, sondern auch der Rest des ehemaligen Rudels. Ob alle noch da waren? Wahrscheinlich nicht, war sie doch lange Zeit weg. Um genau zu sein, war sie mehr Zeit ihres Lebens nicht beim Rudel. Sie freute sich all die bekannten Gesichter wiederzusehen, vor allem aber auch ihren Vater. Mit diesem war sie damals aufgebrochen um die Welt zu erforschen. Mit ihm hat sie vieles gesehen und noch mehr hat sie dann mit ihrem Gefährten entdeckt, nachdem ihr Vater zurück zu seiner Familie gegangen ist. Sie hatte eine Neue gefunden, auch wenn sie selber nicht genau wusste, wie viel er davon wusste. Er ist bereitwillig gegangen, hatte nicht weiter nachgefragt. Lag dies daran, dass er es gewusst hatte? Dieser Gedanke war naheliegend, und doch nicht zwangsläufig. Sie überlegte gerade, ob sie ihn fragen würde, ob er gewusst hatte, was mit ihr war. Doch wenn sie damit anfing, dann wollte er bestimmt auch wissen, warum sie zurück war. Sie würde es ihm sagen, würde sie ihn doch nicht dies verschweigen können. Doch nun war nicht die Zeit für Trübsal, es war an der Zeit, dass sie das Rudel fand. Sie hatte genug von der weiten Welt gesehen, vorerst. Sie hatte ihr zu hause wiedergefunden und hier würde sie glücklich werden, nicht in der Fremde. Während sie nun so in das Revier vordrang, stieß sie auf einen Geruch, frischer als alle anderen. Sie überlegte kurz, ob sie diesem folgen sollte, oder doch lieber zunächst zu den anderen gehen sollte. Der Ausschlag gab, dass sie feststellte, wem der Geruch gehörte.
Ihre Schwester Ahkuna Caiyé war direkt in der Nähe. Sie würde sich doch bestimmt freuen, dass ihre Schwester zurück war, oder? Konnte sie sich da so sicher sein? Sie ging einfach davon aus und folgte der Spur, bis sie die weiße Wölfin sah und ihr Tempo verlangsamte, um auf sie zuzugehen. Kursaì wedelte mit der Rute, da sie sich außerordentlich freute, ihre Schwester und ihre Heimat wiederzusehen. Alles um sie herum schien noch genauso. Sie hatte an ein paar Stellen, an den sie vorbei gekommen ist, bemerkt, wie sich was verändert hatte, doch dies war unwesentlich. Das meiste wirkte noch so, wie sie es verlassen hatte. Würde das Rudel genauso sein?
Statt weiter nachzudenken, sagte sie:

"Hallo, Ahkuna. Es freut mich dich wiederzusehen."

Diese Worte kamen aus ihrem tiefsten Herzen.

Ahkuna Caiyé
13.09.2011, 23:32

Ohne Leid bildete sich kein Charakter, dass sagte einst ein weiser Rüde. Ahkuna Caiyé hatte ihn auf ihrer Reise getroffen. Er hatte recht. Wie auch nicht? Er war sehr alt. Hatte schon so viel gesehen. Die verschiedensten Dinge. Die unterschiedlichsten Wölfe und deren Verhaltenswege. Ahkuna selber hatte es gespürt. Ihre Reise hatte sie erwachsender gemacht. Sie war zwar nur ein halbes Jahr fort, doch es genügte um sich zu verändern. Sie musste Leid ertragen, ja. Doch wurde sie stärker deswegen. Doch war Leid der wirklich richtige Weg?
Leer blickten ihre kühlen, eisblauen Augen auf die Wasseroberfläche. Sanft zeichneten sich ihre Züge auf dem Wasserspiegel ab. Leicht bewegte sich das Bild und verzerrte es. Ob man die leichten rosigen Stellen an ihrer Schnauze bemerkte? Ob es einem vorbeilaufenden Wolf auffallen würde? Ahkuna war sich nicht sicher. Sie sah sie aber. Klar und deutlich. Ihr Blick war nur darauf geheftet. Jedes Mal aufs Neue wurde sie an das Treffen mit Jakash erinnert. Sie war verletzt, gewiss. Wieder rief sie sich an die Worte des Alten in den Kopf. War es wirklich gut so viel Leid zu ertragen? War es gut weiter mit ihrem Bruder auf Kriegsfuß zu stehen? Sie wusste es nicht. Ihr Kopf fühlte sich so unnormal leer an. Starr sah sie einfach nach vorne, hatte sich komplett von ihrer Umgebung abgegrenzt. Sie wollte alleine sein. Die anderen Wölfe waren sicher in der Nähe der Höhle. Wo Jakashs Welpen waren… Und er hatte ihr nichts gesagt. Sie hatte es von ihrer Mutter erfahren, war sofort erfreut zu ihm gegangen und um mitzuerleben, wie das Verhältnis zwischen ihnen ein reinstes Scherbenmeer war. Es verletzte sie, dass er nicht in einem Atemzug etwas erwähnt hatte, dass er und Shani Eltern geworden waren. Traurigkeit verwandelte sich in Wut. Ahkuna wusste nicht, wie sie mit ihrer Gefühlswelt umgehen sollte. Es war so viel auf einmal. Zu viel war geschehen…

Unbewusst drehten sich ihre Ohren nachhinten. Sie war immer noch zu sehr in ihren Gedanken versunken, um auf den Geruch zu achten. Sie hörte leise Schritte, die immer näher kamen. Ahkuna wendete ihren Blick ab, doch blieb immer noch mit dem Rücken zum Störenfried sitzend.
Doch als die sanfte Stimme an ihr Ohr drang, erstarrte Ahkuna kurzeitig. Das … konnte doch nicht … sein. Ihre Schwester? Unverwechselbar, der Geruch. Das war sie! Sie war wieder da!
Ahkuna löste sich von ihrer anfänglichen Starre, sprang elegant auf ihre Pfoten und drehte sich ruckartig um. Ein glückliches Lächeln war auf ihren Lefzen abgebildet und ihre eisblauen Augen funkelten leicht. Doch als sie sie Fähe vor sich sah, lief sie verblüfft einige Schritte vor, doch blieb stehen.

„Kur…saí?“

Ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern. War sie das? Ihre Schwester? Ahkuna schluckte. Ihre Augen. Es fiel ihr gleich auf. Wo war ihre Augenfarbe? Das lodernde Feuer? Blaue Augen, wie ein klarer Himmel, sahen sie an. Die Fähe hatte Mühe sich von ihren Augen loszureißen. Sie musterte das Fell, ihre Erscheinung. Auch da hatte sie sich verändert. Ihr rein weißes Fell hatte ein seltsames Muster. Als ob ihr weißes Fell unter einer Ascheschicht versteckt war. Ihr Aussehen war so … anders. Nichts ließ daraus schließen, dass sie ihre Schwester war. Doch ihr Geruch…

„Bist … bist du das wirklich?“


_______

Wau, was für ein blöder Fehler Shani und Sheena zu vertauschen. ^-^

Jakash Caiyé
14.09.2011, 07:49

(Ich erlaube mir auch hier mal zwei kleine Anmerkungen - aber diesmal bin ich sicher, dass es Fehler sind XD 1.) Jakash hat Welpen mit Sheena, nicht mit Shani - Shani ist seine eigene Mutter! XD Ebenso wie Ahkunas und Kursaís x) 2.) Kursaí hatte nie rein weißes Fell, sondern war schon immer grau meliert. Und ja, da bin ich völlig sicher XD)

Kursaí
14.09.2011, 13:53

Ahkuna schien in Gedanken versunken. Hatte sie wirklich nicht bemerkt, wie sie gekommen war? Vielleicht hatte ihre Schwester sich ja auch zurückgezogen, um für sich alleine Nachzudenken. Wer wusste das schon. Falls dies so war, dann störte sie sie doch bestimmt und wahrscheinlich würde diese sie dann nicht wegschicken. Sie würde es ihr nicht übelnehmen und sie ging davon aus, dass die Weiße dies auch wusste. Doch konnte sie sich da so sicher sein? Sie hatten sich eine Ewigkeit nicht mehr gesehen, hatten die halbe Welt zwischen sich gehabt. Kursaì hatte sich verändert, dies war nicht möglich zu leugnen, doch hatte sich Ahkuna auch gewandelt? Als diese nun geschmeidigen Schritts aufstand und zu ihr umwandte, musterte die Schwester sie erst einmal gründlich. Hatte sich Ahkuna verändert? Äußerlich schien sie noch immer die weiße Fähe mit der Gesichtsmaske zu sein und auch ihre Augen hatten noch immer das gleiche, schöne Eisblau. Ja, dass war wahrhaftig ihre Schwester, auch wenn diese inzwischen älter geworden war, genauso wie sie selber. Nichts konnte der Zeit entkommen, alles musste seinen Weg durch das Leben gehen.
An ihre vorherigen Gedanken erinnernd sagte sie:

"Störe ich dich? Soll ich lieber erstmal zu den anderen?"

Doch dann ergriff auch ihre Schwester das Wort. Sie glaubte nicht, dass diese wirklich daran zweifelte, und doch bestätigte Kursaì ihr dies gerne:

"Ja, ich bin es, Schwester."

Ahkuna Caiyé
14.09.2011, 18:27

Ahkuna Caiyé blinzelte verblüfft. Sie konnte es nicht glauben. Es fühlte sich einfach so unreal an. Als ob sie jeden Moment aus ihrem Tagtraum aufwachen und die Erscheinung vor ihr verschwinden würde. Kaum merkbar schüttelte die weiße Fähe ihren Kopf. Doch kein Ton verließ ihre Lefzen. Nein, sie sollte nicht wieder weg gehen. Sie war schon zu lange weggewesen. Wie lange war es her, dass sie sie das letzte Mal gesehen hatte? 1 ½ Jahre? Damals war sie mit ihrem Vater fortgegangen. Sie war noch ein Jungwolf und nun war sie eine erwachsene Fähe geworden. Ihre Augenfarbe hatte sich verändert. Doch nicht nur das schien sie von der alten Kursaí zu unterscheiden. Sie wirkte so ruhig. Ahkuna hatte ihre Schwester viel lauter, viel aufgeweckter in Erinnerung… Oder täuschte sie sich einfach nur? Die Blauäugige schluckte. Ich bin es, Schwester. Fast als ob Ahkuna nur darauf gewartet hätte, diese Worte aus ihrem Maul zu hören. Als ob es ihr Startsignal war…
Ihre Rute stellte sich auf und fing an wild von Seite zu Seite zu wedeln. Auf ihre Lefzen schlich sich ein Lächeln.

„Ich glaub es nicht! Kursaí!“, rief Ahkuna japsend und lief die letzten Meter, die sie von ihrer Schwester trennte, auf sie zu und überrumpelte sie mit einer stürmischen Begrüßung.

Die junge Fähe stellte sich auf ihre Hinterbeine und pfotete nach Kursaís Schnauze. Doch lange konnte sie ihr Gleichgewicht auch nicht halten und fiel wieder auf ihre Vorderpfoten. Ahkuna vergrub ihr Gesicht in dem Fell ihrer Schwester. Tief atmete sie den Duft ein. Der vertraute Geruch, der ihr so lange gefehlt hatte… Ahkuna öffnete wieder ihre Augen und schnappte mit ihren Zähnen nach ihrem Ohr und zog leicht dran.

„Warum warst du so lange weg?“

Mit tadelndem Blick sah sie kurzzeitig ihre Schwester an, doch konnte sie diese Miene nicht lange beibehalten und wieder erschien das fröhliche Lächeln auf ihren Lefzen.

„Weiß Mama schon, dass du da bist? Oh, sie wird sich ja so freuen, dich wieder zu sehen! Genauso wie Jakash!“

In ihrem Eifer plapperte sie munter drauf los. Wie sich Shani freuen würde, dass die langverschwundene Kursaí wieder da war! Und Jakash selbstverständlich auch. Er würde sich viel mehr freuen, als er es bei ihr getan hatte. Er mochte Kursaí schließlich mehr als Ahkuna. Ihr würde er nicht so wütend gegenüber treten, wie bei ihr. Doch diese Gedanken gehörten nicht her. Sie wollte sich nicht wieder die Laune verderben lassen. Nein, nicht jetzt, wo ihre Schwester vor ihr stand! Wieder zog sie spielerisch an ihrem Ohr und drohte ihr nuschelnd:

„Ich hoffe für dich, dass du nun länger hier bleibst. Sonst kann es ganz schön ungemütlich für dich werden!“
Das verschwörerische Grinsen, konnte sie sich aber nicht verkneifen.

Kursaí
14.09.2011, 20:16

Hatte sie sich so sehr verändert? Nicht einmal ihre eigene Schwester war sich bei ihrem Anblick sicher. Was würden dann erst die anderen sagen?
Doch sie hatte Kursaì ja erkannt. Sie wollte bestimmt nur eine Bestätigung, weil es so lange her war. Wie lange hatte sie nun schon dem Rudel den Rücken gekehrt? Es war weit mehr als ein Jahr, dass sie ihre Schwester das letzte Mal gesehen hatte. Ahkuna schien beinahe überfordert, wirkte sie doch richtiggehend abwesend. Kursaì hingegen war wieder voll da und sah ihre Schwester an. Ahkuna ist von ihr gemustert worden, hatte sie doch sicher gehen müssen, dass ihre Schwester sich nicht allzu sehr verändert hatte. Dies jedoch konnte sie nur äußerlich sicherstellen, dass dies nicht so war. Wie sich ihr Charakter entwickelt hatte, dies musste sich noch herausfinden.
Nun erstmal hatte sie es aber geschafft die Freude auf ihren Körper zu zeichnen. Von dieser Freude, ja Ausgelassenheit, ließ sich die Weiß-graue anstecken. Auch sie freute sich - ja. So wedelte auch ihr Schwanz nun noch freudiger hin und her und auch der restliche Körper zeugte von guter Stimmung. Jedoch war sie nicht übermütig oder gar außer sich. Dies würden gewiss viele vermuten, doch so war sie nicht mehr.

"Du wirst es nicht leugnen können."

Der Jungwolf kam bei dem Anblick ihrer Schwester wieder ein wenig durch. Oder war nicht jeder noch jung, wenn große Freude einen überkam? Diese Worte hatte sie nicht ernst gemeint, oder vielleicht doch? Auf jeden Fall waren sie im Spaß gesprochen, wie auch ihre Bewegung auf ihre Schwester zu und die ganze Begrüßung. Als die Pfoten der anderen nach ihrer Schnauze tasteten, fuhr ihr Kopf ein wenig nach vorne, stieß sie mehr oder weniger sanft die Schnauze hinein. Als ihre Schwester dann wieder normal stand, suchte auch ihr Gesicht, dass der anderen. Das weiße Fell war noch genau so, wie sie es in Erinnerung hatte. Sie flauschte ihre Schnauze hinein, bis sie ein ziehen an ihrem Ohr spürte. Ach es war so klar, was das war. Doch die Zähne ihrer Schwester zogen zwar, doch waren nicht gefährlich. Hatten das Ohr im Griff und wollten doch nur spielen. Sie schüttelte kurz den Kopf mit einem Schnaufen, darauf achtend nicht zu sehr zu zerren, dann trat sie einen halben Schritt zurück. So stand sie wieder neben Ahkuna und hatte die Möglichkeit sie anzusehen.
Da sah sie auch gleich den leicht tadelnden Unterton. War sie doch wirklich lange weg geblieben. Kurz legte sich der Schatten der Trauer über sie, hatte sie diese doch lange verdrängt. Jedoch erinnerte sie sich an ihren Entschluss und überwand diese.

"Zunächst war ich ja unterwegs um die Welt zu sehen. Dann habe ich Gesellschaft gefunden."

Dies gehörte jedoch eigentlich nicht hierher. Jetzt ging es um die Freude, dass sie wieder hier war. Sie war wieder zu hause und nicht unterwegs.

"Ich bin gerade zurückgekommen. Du bist die Erste, die ich getroffen habe. Ich bin zurück! Ich freue mich auch so, euch alle wiederzusehen. Vermisst habe ich euch!"

Zumindest in den letzten Zeit, als sie alleine war. Davor vielleicht auch, doch da war etwas anderes wichtiger gewesen.
Als sie nun wieder ihr Ohr einbüßte, stieß sie nach vorne und biss mit einem Grinsen in ihr weißes Brustfell. So konnte sie ihr Ohr nicht allzu sehr straffen, während sie gleichzeitig ihre Schwester hatte.
Wie meinte sie das? Sollte sie nicht gleich weitergehen, oder war es darauf bezogen, dass sie nicht gleich wieder in die Welt hinaus ziehen sollte? Wahrscheinlich meinte sie beides. Doch da konnte sie beruhigt sein. Dies hatte sie nicht vor und so sagte sie dennoch im Spaß durch ihr Brustfell genuschelt:

"Wascht du nischt sagssst. Und wasch hat misch zu erwarrten??"

Nachdem sie ihr Brustfell wieder losgelassen hatte, sagte sie noch ihre eigene Frage beantwortend.

"Wahrscheinlich nichts - habe ich dies doch nicht vor."

Ahkuna Caiyé
15.09.2011, 18:46

Ahkuna Caiyé seufzte zufrieden. Was für ein verrückter Moment! Gerade saß sie noch alleine da, war der Traurigkeit und der Wut aufgeliefert und nun? Von der Einen auf die Andere Minute stand sie ihrer langverschollenen Schwester gegenüber. Ob sie auch zurück gekommen war, weil sie gemerkt hatte, dass ihre Familie durch nichts ersetzt werden konnte? So wie bei Ahkuna? Die weiße Fähe war auch vor nicht allzu langer Zeit zurück gekehrt. Kursaí war aber noch viel länger weg. Es war so viel in der Zeit passiert.
Ihr Vater war gestorben. Tyraleen hatte ihren Sohn ermordet. Sie selber lief dann fort, für ein halbes Jahr. Und als sie zurück gekommen war, erfuhr sie, dass Jakash Vater geworden war! Ahkuna merkte, dass nicht nur schlimme Sachen passiert waren. Nein, auch erfreuliche! Doch wird es schwierig sein, die negativen Ereignisse ihrer Schwester zu erzählen. Besonders das mit ihrem Vater … Doch Ahkuna war in dem Moment froh, dass Kursaí noch nicht nachhakte, was alles passiert war. Sie sollte ebenfalls nicht ihre Gedanken daran verschwenden. Ein solches Gespräch war nicht unumgänglich. Doch für den Moment, wo es nicht soweit war, dieses Gespräch zu führen, sollte sie auch diese Gedanken ablegen.
Als Kursaí sie auf ihre Drohung ansprach, kräuselte Ahkuna willkürlich ihre Lefzen.

„Ob du das überhaupt wissen willst?“ Ahkuna hob ihren Kopf etwas an und schüttelte diesen dann langsam. „Na, ich weiß nicht …“

Doch ob Ahkuna ihre Schwester wirklich aufhalten könnte, wenn sie wieder aufbrechen wollte, ließ sie einfach mal aus. Im Moment jedenfalls dachte noch niemand wieder ans gehen. Weder Ahkuna, noch wahrscheinlich Kursaí.

„Nun sag schon, wo warst du so lange? Wen hast du getroffen? Was hast du alles gesehen?“

Ahkunas Augen fingen an zu funkeln. Sie selber hatte so viele tolle Dinge gesehen, als sie auf ihrer Reise war. Da musste Kursaí doch viel mehr erlebt und gesehen haben, als die Weiße! Erst nachdem ihre Frage schon wenige Sekunden aus ihrem Maul waren, bemerkte sie etwas ganz ulkiges. Ahkuna hüstelte leise, um das kitzelnde Gefühl loszuwerden.

„Ich kling ja schon wie Mama. Sie hatte mich auch so ausgefragt, als ich wieder zurück war!“

Nun konnte sie es nicht mehr unterlassen. Kichernd legte sie ihre Ohren an. Kursaí muss wahrscheinlich das gleiche denken, was Ahkuna auch bei Shani gedacht hatte. Es war fast wie ein Déjà-Vu!

Kursaí
15.09.2011, 21:12

Kursaì wusste auch nicht, ob sie es wissen wollte. Doch anscheinend wusste ihre Schwester noch nicht einmal was ihr drohen würde. Oder waren das nur Ausflüchte? Wahrscheinlich war dies ganze auch nicht wirklich ernst gemeint. Sie wollte bestimmt nicht, dass sie wieder ging. Jedoch, wenn Kursaì sich in den Kopf setzen würde, wieder zu verschwinden, dann würde sie sie bestimmt nicht aufhalten können. Wie sollte sie dies können?
Dies alles war jedoch nicht wirklich wichtig, hatte sie doch nicht vor sogleich wieder zu verschwinden. Sie wollte doch zurück zu ihrer Familie, wo sie alle kannte. Besonders auch zu ihren Vater. Dieser hatte ihr die Welt gezeigt und sie dann im richtigen Moment alleine gelassen, um zurück zu seiner Familie zu kehren. Kursaì hatte unterwegs nie darüber nachgedacht, wie sich ihre Mutter ohne ihren Gefährten fühlen musste, doch nun dachte sie, dass es gut war, das er zurückgegangen ist. Und nun war auch sie zurückgekehrt. Alles kehrte zu seinen Wurzeln zurück und sie freute sich so sehr!
Nun kamen jedoch schon die Fragen, welche zu erwarten waren. Doch es waren so viele auf einmal und sie musste kurz überlegen, wo sie anfangen sollte. Jedoch bevor sie zum antworten kam, sprach ihre Schwester auch schon weiter. Bei diesen Worten musste sie grinsen. Dies konnte sie sich gut vorstellen. Bestimmt würde ihre Mutter auch sie so ausfragen und aus dem ersten Impuls heraus sagte sie so:

"Vielleicht sollte ich dann bis nachher warten, damit ich nicht alles zweimal erzählen muss."

Es war mehr als wahrscheinlich, dass ihr diese Fragen nicht das letzte Mal gestellt wurden. Alle würden bestimmt wissen wollen, was sie in der weiten Welt getrieben hatte, und wen sie getroffen hatte. Doch dann ging ihr auf, was die Worte ihrer Schwester ihr noch verrieten:

"Du warst auch weg? Wie lange bist du denn schon wieder da?"

Nun hatte sie nur Fragen gestellt, und noch nicht geantwortet. So schob sie noch hinterher:

"Aber eine Kurzfassung kann ich dir ja schon einmal geben: Zunächst hat mir unser Vater viel von der Welt gezeigt. So viel mehr, als das was es hier in diesem Tal gibt. Dann habe ich einen tollen Rüden getroffen. Vater ist zurück zu unserer Mutter und seinen anderen Kindern, während ich mit Nigluràno weiter gezogen bin."

Ahkuna Caiyé
15.09.2011, 22:45


Ahkuna verschnaufte ein paarmal, bevor das kitzlige Gefühl vorbei war und sie sich keine Sorgen mehr machen brauchte erneut Lachen zu müssen. Die Weiße kräuselte ihre Lefzen. Warten? Dabei war sie doch so interessiert zu wissen, was es noch so alles dort draußen gab. Was Ahkuna noch nicht gesehen hatte! Doch Kursaí hatte Recht. Zweimal eine ausführliche Antwort auf die Fragen zu geben, war wirklich zu viel des Guten. Die junge Fähe nickte etwas nachdenklich und sah blinzelnd wieder in ihre Augen. Noch immer sahen sie die zwei eisblauen Augen an. Sie sahen fast wie ihre aus. Keine außergewöhnliche Farbe, doch Kursaís alte Augenfarbe war außergewöhnlich! Ahkuna schluckte. Irgendwie war es ihr unangenehm sie danach zu fragen. Doch die ganze Zeit, dass vor sich her schieben, konnte sie auch nicht. Nicht, wenn es ihr die ganze Zeit auf der Zunge brannte …

„Du, Kursaí… Was ist mit deinen Augen? Wo ist das lodernde Feuer hin?“

Ahkuna legte ihren Kopf schräg und lächelte ihre Schwester schüchtern an. Sie wusste nicht wovor sie Angst hatte. Vielleicht hatte Kursaí es ja selber noch nicht bemerkt, dass ihre Augenfarbe sich geändert hatte … Doch gleichdarauf konnte Ahkuna nur gedanklich mit dem Kopf schütteln. Das war noch absurd. Sie musste es bemerkt haben. Doch wie kam dieser Wechsel?
Die junge Fähe wurde aus ihren Gedanken gerissen, als sie die Frage ihrer Schwester hörte. Sie schmunzelte und nickte etwas nachdenklich.

„Ich war auch weg. Ein halbes Jahr.“

Sie war geflohen. Geflohen vor ihrem Rudel. Vor Tyraleen. Sollte sie ihrer Schwester sagen, dass sie nicht freiwillig gegangen war? Dass die Tatsache, dass Tyraleen ihren Sohn umgebracht hatte Ahkuna so sehr schockte, dass sie einfach weggelaufen war? Sollte sie Kursaí damit überrumpeln, jetzt wo sie doch gerade erst zurück gekommen war?
Doch schnell konnte sie sich aus der brenzlichen Situation retten, indem sie ihre Schwester neckend mit der Schnauze an stupste.

„Einen tollen Rüden sagst du? Warum hast du ihn denn nicht mitgenommen?“

Wieder war das fröhliche Lächeln auf ihren Lefzen zurück gekehrt. Kurzzeitig. Denn Ahkuna wusste, dass sie Kursaí nicht ewig die heile Welt vorspielen konnte. Irgendwann musste sie es erfahren …

„Weißt du… Es ist eine Menge passiert. In der Zeit in der du fort warst.“

Das Lächeln wirkte gequält. Kursaí würde dies auch merken. Dafür müsste man kein Wolf sein, der in die Seele schauen brauchte, um zu sehen, dass es Ahkuna schwer fiel die richtigen Worte dafür zu finden. Wo sollte sie nur anfangen?

Kursaí
16.09.2011, 00:17

[Mein fast fertiger Beitrag ist verschwunden ._. Und er war nicht schlecht *sniff* - und denn Beginn krieg ich nicht mehr so toll hin, wie er war._, -> Okay, genug selbstmitleid! - NEuer versuch:]

Kursaì hatte sich zwar verändert und gewiss hatten sich dies alle. Und doch war sie äußerlich beinahe noch die gleiche Fähe. Sie ist ein wenig älter, reifer geworden. Doch dies ist mehr als verständlich, wenn man sich ansah, welche Zeitspanne vergangen war. Doch es gab ein Merkmal an ihr, welches sich Grundlegend verändert hatte. Ihre Augen waren andere. Nicht mehr die, mit denen sie aufgebrochen war. Diese Augen waren nicht mehr von dem Feuer erfüllt. Stattdessen fühlte das Wasser sie, welches das Feuer sie ausgelöscht hatte. Man könnte meinen, dass das Feuer alle Kraft mit sich genommen hatte, doch auch Wasser kann machtvoll sein. Es ist ruhiger, einheitlicher und doch ist es genauso bestimmt, wie es das Feuer war. Ahkuna ist bestimmt sofort aufgefallen, dass das Feuer sie verlassen hatte und bestimmt hatte sie dies schon die ganze Zeit auf der Zunge gehabt. Jedoch war ihr Treffen bis jetzt außerordentlich schön gewesen und sie war sich nicht sicher, ob sie durch diese Frage dies verändern würde. Vielleicht war es so, vielleicht auch nicht. Eigentlich war dies egal, nun stand die Frage zwischen ihnen. So musste Kursaì erst einmal daran denken, wie sie selber bemerkt hatte, dass sie nicht mehr rote Augen hatte. Gewiss sie hatte gemerkt, wie das Feuer schwächer geworden war, während sie herangewachsen war und zu einer Fähe geworden war. Da waren ihre Augen aber rot geblieben, nur die Flamme in ihr war kleiner geworden. Jedoch mit der Trauer war auch das Feuer gegangen. Sie hatte es einfach verloren, es war in ihr erloschen. Als sie später dann einmal in einen See gesehen hatte, war sie dennoch erschrocken, als sie bemerkt hatte, dass ihre Augen statt rot blau waren. Eigentlich war es bei der Entwicklung ihres Inneren nicht erstaunlich und doch hatte es sie überrascht. Sie fragte sich, welche Farbe ihre Seelenspiegel gehabt hatten während der Zeit, in der sie getrauert hatte. Da hatten sie gewiss noch nicht ein so klares Blau gehabt, zeugte dieses doch auch von Kraft, von Leben, welches sie wiedergefunden hatte. Wahrscheinlich hatten ihre Augen während der Trauer eine Schwarze Farbe. Sie konnte es nicht wissen, hatte es sie zu der Zeit nie interessiert gehabt, hatte sie nie das Verlangen gehabt so etwas zu wissen. Doch bestimmt zeigten zu dieser Zeit ihre Augen die Farbe der Trauer, des Todes und auch die Farbe von Fenris. Nun hatte sie jedoch wieder zum Leben zurückgefunden und dabei hatte sie auch Engaya für sich gefunden.
Doch es ging in den Fragen von Ahkuna noch weiter. Sie traf genau den Punkt, welchen auch ihre Erste Frage getroffen hatte. Ja, wieso hatte sie ihren Gefährten nicht mitgebracht? Sie hätte es ja so gerne. Ihr neckischer Stupser war bei diesem Thema auch zugleich vergessen und es schien so, als ob ihr Treffen von einem traurigen Schatten überlagert werden würde. Alles spielerische war spätestens jetzt von ihr verschwunden. Es war ja nicht zu vermeiden gewesen, war diese Frage doch offensichtlich. Dennoch hatte sie die Hoffnung gehabt, dass das wiedersehen mit ihrer Familie, mit ihrer Schwester ungetrübt sein würde.

"Leider war es mir nicht vergönnt noch mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Und ja, er war toll. Das Feuer ist mit ihm verschwunden."

Wie wahr dies doch war. Einzig bei der Bestätigung, dass er toll gewesen war, leuchteten ihre Augen in alter Leidenschaft auf. Ihre Liebe war noch nicht vollständig verschwunden, auch wenn der, dem ihr Herz gehörte, nicht mehr dieser Welt gehörte. Und sie hätte gern noch länger ... - sie konnte es nicht mehr ändern! Diese "was wäre wenn" -Gedanken brachten sie auch nicht mehr weiter. Stattdessen tauchte in ihren Gedanken die Überlegung auf, dass sie gar nicht erwartet hätte, dass auch ihre Schwester ihrer Heimat den Rücken kehren würde. Sie hätte erwartet, dass diese wenigstens noch ein paar Jahresläufe bei ihrer Familie bleiben würde. Doch dann ergänzte sie nicht besonders erfreut noch etwas. Was war hier alles geschehen? Irgendetwas tragisches? Ist ihre Schwester deshalb gegangen? Was könnte dies sein? Lauter Fragen und wahrscheinlich lauter nicht sehr erfreulicher Antworten. Wahrscheinlich, doch es gab bestimmt auch gute!

"So viel?"

Dann viel ihr plötzlich etwas ein. So fragte sie hoffend:

"Vater ist doch bestimmt gut zurückgekommen, oder? Im ist doch nichts passiert, oder?"

Ahkuna Caiyé
19.09.2011, 17:40

Traurig blickten ihre gletscherblauen Augen zu dem See. Vertieft und doch zuckten ihre Ohren leicht, beim Klang Kursaís Stimme. Sie hatte auch jemanden kennen gelernt. Doch hatte sie in dem Rüden einen Gefährten gefunden. Sie musste ihn sehr geliebt haben. So einfach konnte das Feuer nicht verschwinden. Es hatte sie verändert. Feuer hatte schon immer etwas Tobendes, Wildes. So war auch einst Kursaí. Wasser dagegen war Ruhig und Ausgeglichener. Nicht nur ihre Augenfarbe hatte sich verändert. Nein, auch ihr Charakter hatte sich gewandelt.

„Es tut mir Leid, Kursaí. Ich hätte ihn wirklich gerne kennen gelernt.“

Dass hätte sie wirklich. Der Rüde, der mit der rebellischen Kursaí ausgekommen war. Wär die Situation nicht so bedrückt, hätte Ahkuna vielleicht sogar gelächelt. Doch sie verzog keine Mimik. Sah starr auf den Wasserspiegel. Gedankenverloren und Traurig. Wie sollte sie die richtigen Worte dafür finden? Was würde Mutter tun, an ihrer Stelle? Oder Jakash?

„Sehr viel“, flüsterte Ahkuna Caiyé leise und senkte ihren weißen Kopf.

Sah runter auf den Boden, der immer noch von Blättern und Schnee bedeckt war. Auf ihre leicht verdreckten Pfoten. Wie sollte sie anfangen? Sie wusste es nicht. Am liebsten würde sie wieder wegrennen. Dass konnte sie ja so gut. Immer wenn die Situation schwierig für sie wurde, rannte sie weg. Sie stellte sich nicht gerne solchen Dingen. Als Kursaí wieder über ihren Vater anfing, schluckte die weiße Fähe bitter. Langsam hob sie ihren Kopf und sah in ihre blauen Augen. Ein mitleidiges Lächeln deutete sich auf ihren Lefzen an. Während ihre Augen vor Schmerzen zu zerspringen schienen.

„Er … Ist gut angekommen“, hauchte sie und legte unsicher ihre Ohren seitlich an. „Doch er ist nicht lange bei uns geblieben…“

Kursaí
19.09.2011, 19:27

Kursaì hatte sich wahrlich gewandelt. Dies wirkte nicht nur so. Der Rüde, ihr Gefährte hatte alles, was sie ausgezeichnet hatte mitgenommen. Alles was sie auszeichnete und besonders machte. Oder? Noch immer hatte sie hier im Tal ihre Familie, noch immer war Ahkuna ihre Schwester und noch immer war sie Kursaì. Somit kann sie nicht völlig anders sein, als ihr früheres Ich. Stattdessen hat sie selber sich nur stark gewandelt. Vieles was sie auszeichnete war verschwunden, alles voran ihr inneres Feuer. Dieses brannte nun weit weg von hier, nicht einmal mehr in dieser Welt. Es war in den Tod gekehrt und nicht wiedergekommen. Ob es je wiederkommen wird, dass konnte die helle Fähe nicht sagen. Doch eigentlich war sie nicht unglücklich darüber. Mithilfe der Ruhe und Gelassenheit, war es für sie einfach in dem Sinne zu leben, sodass es ihrem neuen Lebensausrichtung entsprach. Früher hatte sie sich nie große Gedanken über ihre Herkunft gemacht, doch die Begegnung mit dem Tod, hat sie gelehrt, dass sie zu Enyaga gehörte.
Sie wollte kein Mitleid erregen, und doch die Worte von ihrer Schwester hatten etwas tröstliches. Sie wirkten ehrlich und es schien so, dass, trotz dass sie dachte, sie wäre über die Trauer hinweg gewesen. dies die richtigen Worte waren, die Ahkuna da gefunden hatte. So erwiderte Kursaì:

"Ich hätte ihn dir auch gerne vorgestellt."

Dies war nicht einmal gelogen, auch wenn sie sich selber eingestehen musste, dass sie nie darüber nachgedacht hatte. Solange sie mit Nigluràno zusammen gewesen war, hatte sie nie daran gedacht zu ihrer Familie zurückzukehren. Diese war damals so weit weg gewesen und nicht wirklich relevant. Nun waren sie aber wieder die einzigen, die für sie existierten und hier war anscheinend viel geschehen. Es brannte ihr auf der Zunge, danach zu fragen, doch dies hatte Zeit. Stattdessen beschäftigte sie die Frage nach ihrem Vater.

"Ist er etwa wieder gegangen?"

Wieso sollte er wieder aufbrechen? Jedoch tief in sich drin, wusste sie, dass dies nicht die Wahrheit ist. Sie hatte den Blick der anderen gesehen, die Trauer bemerkt. Jedoch wollte sie nicht daran glauben, dass er tot ist. So fragte sie halb ungläubig halb jede Möglichkeit offenhaltend:

"Was ist denn geschehen?"

Ahkuna Caiyé
21.09.2011, 20:49

Zaghaft lächelte Ahkuna Caiyé ihre Schwester an. Ohne nachzudenken vergrub die Weiße ihren Kopf wieder in Kursaís Fell und atmete ihren lieblichen Duft ein. Wie sehr sie ihre Schwester doch vermisst hatte. Es wurde ihr erst so richtig bewusst, wo sie ihr wieder so nah stand. Am liebsten würde sie für immer so verweilen. Keine wirren Gedanken nachhängen, keine Gespräche der Vergangenheit austragen. Sie wollte es nicht. Diese Stimmung zerstören. Doch konnte sie nicht wieder zurück. Sie musste ihrer Schwester sagen was passiert war. Sie hatte schließlich ein Recht drauf. Außerdem war sie alt genug um zu entscheiden ob sie der Wahrheit ins Gesicht blicken wollte oder nicht.

„Hör … zu.“

Ahkuna verschnaufte ein paar Mal. Wieder fehlten ihr die Worte. Ihr Kopf fühlte sich leer an. Befreit von jeglichen Gedanken. Die Fähe löste sich von ihrer Schwester und wich einen halben Schritt zurück. Um in ihre klaren, blauen Augen zu sehen. Ihre Ohren waren etwas zur Seite geneigt. Langsam schüttelte sie ihren Kopf und senkte für einen Moment ihren Blick, bevor sie wieder in ihre Augen blickte.

„Kursaí es ist so.“ Sie stoppte und schnippte mit ihren Ohren. „Nachdem ihr beide – du und Papa – weggegangen seid, ist ja eine Zeit vergangen. Bevor Papa wieder zurück zu uns gekommen ist und du … weiter gereist bist.“

Der Start war gut, wie sie fand. Doch so wirklich weiter gekommen war sie auch nicht. Sie war immer noch am gleichen Punkt wie vorher auch. Sie seufzte.

„Er blieb nicht lange unter uns. Er ist bei Engaya, Kursaí.“

Kursaí
24.09.2011, 14:09

Kursaì spürte, wie Ahkuna sich wieder in ihr vergrub. Es tat gut, ihrer Schwester wieder so nahe zu sein. Bei ihr zu sein. Sie hatte Ahkuna so lange nicht gesehen, so lange nicht den Geruch von Familie in der Nase gehabt. Okay, sie hatte ihre eigene kleine Minifamilie gefunden, doch dies ist nicht der ihrer eigenen. Gleichzeitig war dieses aneinander schmiegen nicht so, wie das zuvor. Inzwischen stand etwas, ihr Vater zwischen ihnen. Ahkuna wusste mehr und eigentlich wusste auch Kursaì Bescheid, doch sie wollte es nicht. Wollte glauben, dass er einfach wieder auf eine Reise gegangen war, auch wenn sie nicht wusste, warum er dies hätte tun sollen. Wollte vergessen und den Moment genießen.
Jedoch dazu kam es nicht. Sie konnte die Realität nicht vergessen und selbst wenn sie die Geschehnisse hätte ausblenden können, so hätte sie spätestens die Worte ihrer Schwester zurückgeholt. Ja, sie würde zuhören, auch wenn sie es nicht hören wollte. Reichte es denn nicht, dass ihr Gefährte gestorben war? War sie nur zurückgekehrt, um schlechte Nachrichten zu empfangen?
Nun trat Ahkuna einen Schritt zurück, sie konnten sich wieder in die Augen sehen. Die Fähe sah in den Augen der anderen, was sie nicht wahr haben wollte, was nicht sein konnte. Zunächst jedoch sprach sie nur das aus, was sie beide wussten, was geschehen war. Kursaì nickte auf diese Worte hin nur sanft, nicht ganz bei der Sache. Dies alles wusste sie schon, hatte sie es ja erlebt. Nun kam das Neue, das Schreckliche. Ahkuna sprach es aus, und Kursaì konnte es nicht mehr leugnen. Wieso nur, hatte er sein Leben aushauchen müssen? Ihr guter Vater! Sie war doch auch zurückgekehrt, um ihn wieder zu sehen. Daraus würde wohl nun nichts mehr werden.
Als sie es nun voll erfasst hatte, senkte Kursaì ihren Blick und die Trauer überkam sie erneut. Erst stand sie nur so da, dann machte sie den Schritt auf ihre Schwester zu, und versenkte nun ihrerseits sich in ihrem Fell. Wie flauschig dieses doch war, wie trostspendend! Dies war, was sie brauchte. Durch das Fell von Ahkuna waren nach einer Weile diese Worte zu hören:

"Hoffentlich geht es ihm bei Engaya gut. ... Sie wird bestimmt gut auf ihn aufpassen, bis wir zu ihm kommen."

Ahkuna Caiyé
25.09.2011, 13:37


Ahkuna Caiyé nickte gedankenverloren. Dort, bei Engaya, wird es ihm sicherlich gut gehen. Daran zweifelte sie gar nicht. Auch wenn er früh gegangen war. Viel zu früh. Konnte noch nicht mal die Welpen seines Sohnes sehen. Konnte kein Großvater werden. Die weiße Fähe erwiderte etwas steif die liebevolle Geste ihrer Schwester. Sie war viel zu perplex von ihren Worten. Bis sie im folgen, zu Engaya? Nicht die Worte brachten die Fähe ins straucheln, nein, gewiss nicht. So wusste sie doch, dass jedes Lebewesen irgendwann gehen musste. Seinen Weg ins Himmelreich eintreten wird. Es war der Lauf des Lebens. Doch was passierte mit den Ungläubigen? Solche wie Ahkuna? Früher mit Leib und Herz an der Göttin Engaya sich festgekrallt und nun stand sie Neutral. Nicht wirklich sicher, ob sogar Fenris ihr Begleiter des Lebens war. Ihr ganzes friedliches Bild war so ins Wanken geraten, dass sie selber gar nicht wusste, zu wem sie gehörte. Das schlimmste war auch, dass es ihr niemand sagen würde. Sie müsste es selber heraus finden. Doch wie sollte sie das Anstellen? Hatte sie doch selber keine Ahnung, was sie darüber denken sollte … Doch Ahkuna schwieg. Es waren ihre Probleme. Nur ihre. Sie wollte Kursaí damit nicht die Ohren volljammern.
Die Fähe schüttelte Gedanklich ihren Kopf, um ihn etwas freier zu bekommen. Sie konzentrierte sich dann wieder völlig auf die graue Fähe. Seufzend fuhr sie auch mit ihrer Schnauze über das zarte, weiche Fell und atmete den wohlig duftenden Geruch ein.

„Ja, irgendwann werden wir das.“, murmelte Ahkuna leise und schloss ihre blauen Augen.

Kursaí
25.09.2011, 15:45

Zunächst erwiderte ihre Schwester ihr nichts. Woran das wohl lag? Sie könnte Vermutungen aufstellen, doch eigentlich war es ihr gerade nicht so wichtig. Ahkuna war hier und sie spendeten sich gegenseitig Trost. Wie lange es wohl schon her war, dass er tot war? Sie hatte gesagt, dass er nicht lange da gewesen war, so war er bestimmt schon ein paar Monde tot. In diesem Moment fragte sie sich, wie es sein musste für ihren Vater, für ihren Gefährten. Kursaì hätte gerne gewusst, wie es bei Engaya war. Sie hatte vertrauen, dass es den Beiden und auch den anderen bei der Göttin gut ging. Gleichzeitig konnte sie sich nicht vorstellen, wie diese Existenz ohne ihren Körper sein sollte. Diesen hatten sie ja bei ihren Familien hier in dieser Welt zurückgelassen. Gleichzeitig durchdrang sie die Überlegung, dass sie als lebender Wolf dies gar nicht erfassen konnte. Wie sollte sie sich vorstellen können, ohne Körper zu existieren. Das war wie, wenn sich ein Hase vorstellen würde einen Elch zu jagen - einfach nicht möglich. Ihre Zeit würde noch kommen, genauso die, ihrer Schwester.
Sie nahm die Liebkosungen ihrer Schwester war und auch ihr Fang öffnete sich, um ihre Zuneigung auszudrücken. Aus der Ferne mussten die zwei Geschwister bestimmt wie eins wirken, so nahe standen die zwei Schwestern sich, als müssten sie Vergangenes nachholen. Dann hörte Krusaì, dass auch Ahkuna noch etwas sagte. Ja, es stimmte, sie würden dahin kommen, doch nicht jetzt.

"Zuvor haben wir aber noch genug Leben vor uns!"

Die Stimme der Fähe war wieder fest, zeugte von ihren großen Überlebenswillen.

Ahkuna Caiyé
30.09.2011, 22:07

Es stimmte Ahkuna wieder freudig. Natürlich verspürte ihre Schwester Trauer. Trauer, dass ihr Vater gestorben war. Trauer, weil sie ihn Jahre nicht gesehen hatte und dies auch nicht mehr wird. Doch trotzdem schien sie es besser zu verkraften, als zu Anfang gedacht. Die weiße Fähe seufzte und fuhr sanft mit ihrer Schnauze durch das lange, graue Fell. Es kitzelte leicht ihre Nase und lockte ihr ein Lächeln auf die Lefzen. Das Lächeln wurde breiter, als sie die Stimme von Kursaí vernahm. Spielerisch empört stupste sie ihr mit der Schnauze in die Seite und zog sanft an ihrem Fell.

„Das will ich doch hoffen!“

Sie konnte nicht lange eine traurige Stimmung haben. Nein, dafür war der Moment einfach zu schön. Ihre Schwester war wieder da, da hatte alles Negative in den Hintergrund zu rücken! Und Ahkuna wusste ganz genau wie sie dies anstellen sollte. Wie sie auch die Graue ganz schnell auf andere Gedanken bringen konnte. – Auf wesentlich bessere!

„Wer hätte gedacht, dass Jakash der schnellste von uns ist.“

Etwas in Rätseln sprechen, schadete ja auch nicht. Ihre Augen blitzten leicht auf. Sie wartete einen Moment. Wollte die Neugierde wecken. Es freute sie selber, diese Nachricht erhalten zu haben. Von Jakash hatte sie dies ja nicht erhalten. Wer weiß, ob sie überhaupt wissen würde, wem diese Welpen gehören würden, wenn Mutter es ihr nicht erzählt hätte…

„Jakash ist Vater!“

Kursaí
07.10.2011, 14:12

Ahkuna stimmte ihr zu, was hätte sie auch anderes sagen sollen. Es war doch verständlich, dass sie so etwas sagte. Sollte sie doch vom Tod träumen? Dies wäre auch zu absurd. Dann hätte sie überlegt, ob sie ihrer Schwester gegenüber stand, was mit ihr los war. So hatte sie aber einen empört wirkenden Stupser eingefangen. Jedoch störte sie dieses leichte Ziehen von ihrer Schwester nicht. Ahkuna durfte das, sie war ihre Schwester und sie konnte sie necken, ohne Ärger dafür zu bekommen. Stattdessen prangte ein Grinsen auf ihren Leftzen, mit dem sie sowohl die Antwort als auch die Geste quittierte.
Doch dann wechselte die andere plötzlich das Thema. Der schnellste mit was? Sie war ein wenig verwirrt und sah ihre Schwester halb überrascht, halb unwissend an. Sie wollte schon fragen, was es mit diesen Worten auf sich hat. Es interessierte sie, was ihr Bruder angestellt hatte. Was hatte Jakash wohl erreicht? Für was konnte er von seiner Schwester so ein Lob kassieren?
Jedoch kam sie zum Fragen gar nicht. Stattdessen antwortete Ahkuna auf ihre stille, ungestellte Frage. Sie wusste tolles zu berichten. Kleine Welpen waren geboren wurden. In ihrer Familie gab es schon die nächste Generation. Jakash musste glücklich sein, hatte er doch für sein Rudel den Wichtigsten Akt geleistet, den ein Wolf leisten kann.

"Das ist ja toll!"

Es freute sie. Kursaì freute sich schon darauf die Kleinen zu sehen. Doch wie klein würden sie sein? Inzwischen mussten sie doch schon fast ausgewachsen sein, war doch schon Herbst. Sie mussten schon so lange leben, und sie hatte nichts davon mitbekommen. Doch in ihrem Hirn rasten nicht nur die Freude umher, sondern auch soviele Fragen und so sprudelte es aus ihr heraus:

"Wieviele Welpen hat er denn? Leben noch alle? Wie geht es ihnen? Wer ist die Mutter? Wie weit sind sie schon? Wie heißen sie?"

Sie hätte noch so viele Fragen stellen können, es gab noch so vieles, was sie wissen wollte. Doch so viel mehr Fragen würde ihre Schwester auch nicht sofort beantworten können. Wahrscheinlich waren diese Fragen schon ziemlich viel auf einmal, doch Ahkuna würde es ihr bestimmt verzeihen, waren Welpen doch etwas aufregendes und hatte sie bis jetzt noch nicht selber welche gesehen, außer als sie selber ein Welpe war. Jedoch da hatte sie Augen für anderes.

Ahkuna Caiyé
21.10.2011, 00:40

Ahkuna Caiyé hatte mit so einer Antwort gerechnet. So viel Freude schwang in ihrer Stimme mit. Ahkuna glaubte, dass dieses große Gefühl sich wie eine monströse Welle auf sie stürzen und sie mit sich ziehen würde. Sie wusste, dass ihre Schwester ebenso erfreut über die Nachricht sein würde, wie die Weiße es selbst gewesen war. Schließlich war es auch etwas, was einem ein Lächeln auf die Lefzen zauberte. Ihre Schwanzspitze zuckte ungleichmäßig in einem schnellen Tempo. Tänzelte eine Melodie nach. Ein Lied welches nur sie hörte. Der Klang ihres Herzens, der nur in ihren Ohren pochte. Ein mädchenhaftes Kichern verließ ihren Fang. Glockenhell und fröhlich. Sie strahle förmlich vor Freude. Genauso wie Kursaí. Ihre eisblauen Augen funkelten und glänzten um die Wette mit den Augen von ihrer Schwester. Doch ihr Glück duellierte nicht gegeneinander. Nein, es verbündete sich. Umschlangen einander, kreisten herum, bevor es sich wie ein Schleier um die Fähen legte und ihr gemeinsames Glück noch größer zu sein schien. Mit verspielten Schritten schritt sie um Kursaí herum.

„Toll, nicht?“, sagte Ahkuna, dass fröhliche Lächeln dabei erhaltend auf ihren Lefzen. Während sie ihre Schwester umkreiste, zog sie hin und wieder an ihrem Fell. Zwickte sie neckend und zog verspielt daran.

„So viele Fragen? Wer soll die denn alle beantworten?“, kicherte die weiße Fähe unschuldig und leckte ihr keck übers Ohr, als sie wieder vor ihr stehen blieb. Sie legte ihren Kopf leicht schief und streckte ihre Zunge raus.
„Wie wär’s wenn du Jakash selbst fragen würdest. Schließlich will ich dem Lieben nicht alles vorneherein wegnehmen!“

Sie hatte den Streit mit ihrem Bruder nicht vergessen. Doch trotzdem freute sie sich für ihn. Deswegen wollte sie ihm die Freude auch gewähren, wenn er der neugierigen Kursaí über seine Welpen erzählt.