08.09.2011, 18:10
Die schlanke Gestalt der Fähe bewegte sich stetig und doch elegant durch die ihr alzu bekannte Landschaft. Es schien ihr so lange her zu sein, seitdem sie durch diese Gefilde gestrichen war, fast als wäre es in einem anderen Leben gewesen. Oder wohl eher, als wäre sie als sie ihre Heimat verließ eingefroren und nur jetzt wo sie wieder Zuhause war erwachte sie erneut zu Leben. Die Züge Amáyas verrieten nichts davon, was sich in ihrem Inneren abspielte, während ihre Augen doch gierig alles aufsogen was sie sahen. Hier und da erkannte sie sogar einige der Bäume wieder. All das Vertraute, all dies schien ihrer gehetzten und dunklen Seele ein wenig Ruhe zu verschaffen. Amáya ließ sich Zeit mit dem Vorankommen, vielleicht weil sie das langsame Ankommen genießen wollte, vielleicht aber auch nur, weil sie erst ihre Gedanken ordnen musste, bevor sie auf ihre schon so lange nicht mehr gesehene Familie traf. Sie wusste nicht, wie sehr sich ihr Rudel verändert hatte, doch es hatte sich gewiss in dem einen Jahr indem sie nicht hier gewesen war wenigstens ein bisschen geändert. Doch Amáya spürte keine Vorfreude in sich, nicht einmal jetzt wo sie wieder dort war, wo sie hingehörte - wenn sie denn überhaupt irgendwohin gehörte. Die Leere wollte nicht schwinden, nur ein leises Gefühl von Erwartung schwamm darin, wie ein einzelnes Blatt im See. Ein Geruch schälte sich aus dem allgemeinem Wirrwarr der Fährten heraus und unterbrach die Gedankengänge der Nachtschwarzen. Instinktiv wandte sie ihren hübschen Kopf mit dem kräftigen Gebiss in die Richtung aus der sie den ihr so vertrauten Geruch vernahm. Ihr so leeres und verdrobenes Herz begann ein wenig schneller zu schlagen und ein schales Gefühl das sich vielleicht einmal eingebildet hatte, sich Glück nennen zu wollen stieg in ihr hoch. Sie würde sie wiedersehen, sie alle. Ihr Rudel. Ihre Familie. Das Einzige, was sie noch hier hielt, auch wenn niemand dies wusste. Wer wusste denn schon etwas über sie, Amáya? Niemand kannte sie wohl wirklich, ausser vielleicht Tyraleen. Ihre Mutter hatte sie damals vielleicht auch gekannt, ja. Aber diese weilte ja nicht mehr unter ihnen. Der kalte Regen der Trauer drohte Amáya wieder ein zu nehmen und so versuchte sie die lästigen und schweren Gedanken abzuschütteln, wie kalte Regentropfen. Doch gänzlich abschütteln konnte sie solche Dinge noch nie. Sie versteckten sich vielleicht irgendwo, in den dunkelsten Ecken ihres Geistes, doch sobald sie allein war würden sie zurückkommen um ihr weiter zuzusetzen. Tyraleen. Es war Tyraleen, deren Fährte sie folgte. Mit geschmeidigen Schritten glitt die Fenrisgläubige zwischen einem Strauch hervor und verharrte, das Haupt erhoben. Ihre regenblauen Augen vernahmen die Gestalt ihrer Schwester, die ihrer Mutter nun ähnlicher sah, als je zuvor. Ohne eine Regung im Gesicht zu zeigen, genoss Amáya den Duft und den Anblick ihrer Schwester, überhaupt die Präsenz dieser Person. Tyraleen. Ein Jahr war es schon her, seitdem Amáya feige geflohen war. Ein Jahr der Einsamkeit für die Dunkle, doch wusste sie nicht was dieses eine Jahr für ihre weiße Schwester bedeutet hatte. Tyraleen. Amáya konnte es immernoch nicht wirklich fassen, dass sie wieder zurück war. Die kühlen Seelenspiegel auf ihre Schwester gerichtet stand sie da, wie ein Wesen aus den alten Zeiten, wartete stumm darauf, dass ihr Gegenüber den ersten Schritt tat.
09.09.2011, 09:00
Im leichten Trab entfernte sich Tyraleen vom Trauerweidenhain. Wie so oft hatte sie ihre Eltern besucht und war nun auf dem Rückweg zum Rudel, entspannt und im Reinen mit sich und der Welt. Der leichte Südwind trug ihr die beruhigende Witterung des Rudels zu und schürte ihre Vorfreude auf das Wiedersehen mit den Welpen, die noch blind in der Höhle bei Sheena lagen. So machte sich das Gefühl, jemand würde sie verfolgen erst relativ spät bemerkbar. Obwohl der Wind aus der falschen Richtung kam und kein verdächtiger Laut zu hören war, spürte Tyraleen doch, dass noch ein weiterer Wolf an diesem Morgen durch den Wald streifte und dabei ihrer Spur folgte. Sie blieb stehen, witterte erneut und sah sich aufmerksam um. Doch außer dem Rudel und den vertrauten Gerüchen des Waldes verriet ihr der Wind keine Geheimnisse und um sie herum sah alles aus wie immer. So verharrte Tyraleen stumm in aufrechter Pose und wartete ab. Bald darauf waren Schritte zu hören und endlich konnte sie trotz des Windes in ihrem Rücken die Witterung ihres Verfolgers aufnehmen. Amáya. Konnte es wirklich sein, dass ihre Schwester zurückgekehrt war? Vor so endlos langer Zeit, als das Nichts noch im Tal gewütet hatte, war sie verschwunden. Hatte ihre Familie und auch ihren Patensohn – der Gedanke an Tascurio versetzte ihr einen Stich – wortlos zurückgelassen. Gemischte Gefühle kamen in der Weißen auf. Ihre Schwester und sie hatte schon immer eine seltsame Beziehung verbunden. Als Welpen hatten sie sich beinahe angefreundet, als Jungwölfe ineinander Gleichgesinnte – zumindest teilweise – gefunden, doch dann war Amáya verschwunden und danach war alles anders. Ihre Schwester war eine boshaft zerrüttete Wölfin geworden, hatte ihren Paten getötet und war - zwar nicht verstoßen - aus der Rudelgemeinschaft ausgestoßen worden. Damals hatte die Weiße versucht, etwas von der alten Amáya in der Schwarzen zu finden und war der Meinung gewesen, dass Amáya noch immer tief innen ihre Schwester und Freundin war. Wie als Beweis dafür, hatten Averic und Tyraleen ihrer Schwester Tascurio anvertraut und tatsächlich hatte sich die Schwarze um den Welpen gekümmert. Vielleicht nicht liebevoll, aber doch erstaunlich sanft. Als sie dann verschwand, war Tyraleen mehr enttäuscht, als sie selbst erwartet hatte. Und nun … nun war Tascurio tot und Tyraleen war ebenso zur Mörderin geworden wie Amáya. Ein Schauer rann der Weißen über den Rücken, dann sah sie ihre Schwester zwischen den kahlen Bäumen auftauchen und schließlich stehenbleiben. Das schwarze Fell und die stechend blauen Augen hatten sich nicht verändert. Fast ein Jahr war es nun her, dass Tyraleen ihre Schwester das letzte Mal gesehen hatte und doch schien noch immer die gleiche Fähe vor ihr zu stehen. Doch wäre Amáya noch immer die Alte, wäre sie dann zurückgekommen? Langsam drehte sich die Weiße, sodass sie ihr Gegenüber direkt ansah. Ganz leicht pendelte die Rute der Leitwölfin hin und her, kündigte von einer Wiedersehensfreude, die sich im Gesicht der Weißen nicht zeigte. Sie wusste nicht, wie sie ihre Schwester empfangen sollte, konnte sich nicht mehr erinnern, wie sie mit der veränderten Amáya umgegangen war. Nur eine Wolfslänge trennten sie nun noch und Tyraleen wollte ihre Unsicherheit kaum verbergen.
“Amáya. Du bist wiedergekommen?“
Die Frage war mehr rhetorischer Natur – immerhin war die Schwarze ganz eindeutig anwesend. Doch fragte sie auch gleichzeitig nach weitaus mehr, als der Wortlaut verriet. Tyraleen fragte warum – warum sie nun wiederkam, warum sie damals gegangen war.
09.09.2011, 18:23
Wer war sie, Amáya? Nur ein Wolf mehr, der von der sich immer wieder neu regenierenden Natur zehrte. Nur ein Wolf mehr in diesem Chaos aus Gedanken, Gesprächen, Taten und Folgen. Nur ein Wolf mehr, der es nicht geschafft hatte, etwas zu werden. Die Schwarze war nie so gewesen wie einst, weil es für sie kein einst gegeben hatte. Nicht so wie Andere, war sie bereits mit einem dunklen Fleck auf der Weste der Unschuld auf die Welt gekommen. Oft hatte die Regentochter darüber nachgedacht, warum ihr Zwilling damals tot auf die Welt gekommen war, doch war sie in ihren jungen Jahren wahrscheinlich schlichtwegs zu dumm dafür gewesen, die Wahrheit zu erkennen. Doch jetzt, nach einer langen Zeit der Zweisamkeit mit ihren düsteren Gedanken meinte sie zu ahnen, wieso ihr Leben nicht vom Punkt Null, sondern schon gleich aus dem Minus gestartet hatte. Seitdem der Geist ihrer nie richtig gewesenen Zwillingsschwester sie regelrecht verfolgte, verfolgte sie auch gleichzeitig jener Gedanke. Sie war ein kaltherziges Monster, welches in Fenris' Klauen lag, dass wusste sie nur zu gut. Denn sie hatte damals im Bauch ihrer Mutter die Energie von ihrer Schwester gestohlen, alles was nicht ihr gehört hatte, hatte sie sich genommen. Wie die Nacht den Tag auffraß, so sündig war sie bereits auf die Welt gekommen. Jedenfalls erklärte sie es sich selbst auf diese Weise, ein Gedanke der ihr selbst Schmerzen bereitete, der aber irgendwann kommen musste. Doch irgendwann würde der Tag wiederkommen um die Nacht dann aufzufressen. Doch solange dies nicht geschah, wollte Amáya versuchen zu Leben. Wenigstens versuchen, so wie sie es eben konnte. Erst jetzt bemerkte die Tiefschwarze, wie sie mit ihren Gedanken in fremde Gefilde gesegelt war welche gar nichts mit ihrer derzeitigen Situation zu tun hatten. Doch so war sie nunmal, so war sie schon immer gewesen. Zwischen den Welten. Verirrt. Verwirrt. Verloren. Gerne hätte Amáya geseuftzt, doch ihr Körper ließ es nicht zu. Ein Seuftzen wie jenes gewesen wäre, war nicht ihre Art. Es war keine Art, wie sie sie je an den Tag gelegt hatte. Sie, die immer schauspielerte. Sie, die alles schlimmer machte, als es war. Sie, die ihr eigener Fluch war. Wenn sie jetzt so Tyraleen betrachtete, keimte leichter Neid in ihr auf. Klar, auch ihre weiße Schwester hatte es nicht immer leicht gehabt, doch... Die Fähe mit den regenblauen Augen wusste es selbst nicht richtig. Dumme Gedanken. Sie handelten einfach nach ihrem eigenen Kopf. Immernoch zeigte sich keine Regung in dem Gesicht der starren Fähe, eine Eisschicht, unter der tausende Strömungen sich wanden. Tyraleen bemerkte sie und Amáya blickte seelenruhig in die gelben Augen ihrer Schwester. Sie hatte sie vermisst, wurde ihr klar. Sie hatte alles vermisst. Diese Luft brauchte sie zum Atmen, nur diese. Diese Luft hielt sie am Leben, in dem sich der ausgehauchte Atem ihrer Ahnen und ihrer Familie befand. Leicht beugte die Dunkle ihren Kopf ein wenig, ein Zeichen der Begrüßung ein Zeichen dafür, dass sie ihre Wurfsschwester respektierte. Sie liebte sie, ja. Sie liebte sie alle, doch sie waren ihr so fremd. So fremd, wie sie ihnen war. Denn ihr Herz, schlug nun allein, dort wo früher einmal zewi geschlugen hatten. Amáya spürte die Unsicherheit ihrer Schwester und es schmerzte ihr im Herzen. Wie konnte es nur je soweit gekommen sein?
"Es war ein Fehler gewesen, zu gehen. Immer schon..."
Kühl und melodisch klang ihre Stimme in den kahlen Wald hinein. Fehler. Ihr ganzes Leben war ein gottverdammter Fehler. Kurz huschte ihr Blick über die dünne Schicht Schnee auf dem Boden. Es war schon seltsam, eigentlich sollte es ja erst Anfang Herbst sein...Doch dieses Tal hatte sich ja immer nach seinen eigenen Regeln benommen. Ihre tiefblauen Seelenspiegel wechselten wieder hinüber zu Tyraleen. Mit etwas leiserer Stimme fügte sie noch geistesabwesend, aber immernoch in iher gewohnten, kühlen Art etwas hinzu.
"Aber kehrt nicht jeder irgendwann zurück?"
Ja, dieser Ort zog sie alle an. Ihre Heimat. Natürlich hatte Amáya nirgendwo zur Ruhe kommen können, natürlich war sie nirgendwo geblieben. Kein Zuhause konnte mit diesem hier wettstreiten, in diesem wo auch ihre Mutter davongeschieden war... In diesem, welches ihre nie geborene Zwillingsschwester nie erblicken durfte.
12.09.2011, 12:11
Das ganz leichte Kopfsenken Amáyas war für Tyraleen mehr als nur eine Begrüßung. Es zeigte ihr, dass ihre Schwester sie nicht abwehrte, nicht auf sie herabblickte, sie nicht mit Hochmut missachten würde. Aber was hatte die Weiße erwartet? Manchmal war ihre Wurfschwester ihr so kalt vorgekommen, so herzlos und stolz, gegenüber fast allen Wölfen. Dann wieder hatten sie miteinander geredet und Tyraleen hatte spüren können, dass Amáya ihr nicht auf die gleiche Art und Weise begegnete. Zwischen ihnen bestand noch immer das Band der Freundschaft, das sie sich achten, schätzen und lieben ließ. Und doch hatte die Weiße immer wieder gefürchtet, irgendwann von Amáya behandelt zu werden, als wäre sie auch nur irgendein Wolf, den man nicht beachten musste. Ihr wurde klar, dass sie - als sie jetzt den Geruch ihrer Schwester aufgenommen hatte – sich vor dieser Begrüßung gefürchtet hatte. Amáya war lange fort gewesen, sie musste sich irgendwo verändert haben. Aber nicht in diesem Punkt. Tyraleen war noch immer kein Niemand für Amáya. Ein Lächeln wuchs in dem Gesicht der Weißen.
Amáyas Stimme nach so langer Zeit wieder zu hören, war zwar seltsam, dennoch klang sie noch immer vertraut. Kühl und immer ein wenig abweisend und doch klang sie für Tyraleens Ohren nach Heimat und Vertrautheit. So war Amáya, seit sie vor so unendlich langer Zeit fortgegangen und wieder zurückgekehrt war. Sie hatte ihre Schwester so akzeptiert.
“Es ist schön, das zu hören. Ich hatte befürchtet, dass du dich endgültig von uns abgewandt hast.“
Immerhin war Amáya kurz nach Banshees Tod verschwunden. Es war Tyraleen vorgekommen, als wäre der letzte Grund für Amáyas Bleiben damit verstorben. Die meisten Rudelmitglieder waren ihr nicht sehr freundlich gesinnt gewesen, immerhin hatte sie grundlos ein Mitglied der Gesellschaft getötet. Doch heute waren die meisten, der damaligen Wölfe schon nicht mehr da. Nur ihre Familie natürlich und diese hatte von Banshee gezeigt bekommen, dass man Verzeihen und Vergeben musste.
“Stimmt. Erst vor wenigen Tagen ist auch Daylight wiedergekommen. Jetzt sind wir wieder vereint, wir drei – Daylight, du und ich.“
Wie sehr es Tyraleen geschmerzt hatte, dass sie als einzige aus Banshees zweitem Wurf geblieben war, ließ sie sich nicht anmerken.
13.09.2011, 20:35
Tyraleen war wohl die einzige ihrer Schwestern die sie je irgendwie berührt hatte, in ihrem Innern. Klar, sie hatte einmal vor ganz ganz langer Zeit einmal Daylight gepflegt und sie hatten sich wirklich wie Schwestern verhalten, doch... Nachdem sie dann als regelrechtes Monster von den Fenriswölfen zurückgekehrt war, hatte sie Daylight damals ziemlich abgeekelt. Eigentlich tat es Amáya ja leid, doch konnte sie nicht jeden ihrer Fehler verbessern, wenn sie es überhaupt bei einem schaffte. Die Dunkle hatte einfach zu viele Fehler, schon immer. Aus ihrem Wurf war wohl sie diejenige gewesen, die ihrer Mutter am meisten Sorgen bereitet hatte. Sie, das schwarze Schaf, welches ihrer armen Mutter Banshee noch eine Menge weiterer Tonnen von Sorgen auf ihre Schulter geschaufelt hatte. Es war schon schlimm, dass sie sie nie um Vergebung gebeten hatte, doch was versäumt war, würde für immer versäumt bleiben müssen. Auch bei diesem Exemplar aus ihrer unendlichen Liste von Fehlern gab es keine Wiedergutmachungsmöglichkeiten. Aber nun war das nunmal und es wäre verdammt noch einmal gut gewesen wenn sie sich endlich wieder darauf konzentrieren würde was im Jetzt war, anstatt weiter mit ihren schwermütigen Gedanken in der Vergangenheit herumzustochern, ermahnte sie sich selber.
Ihre regenblauen Seelenspiegel blickte direkt in die tiefgelben ihrer Schwester. Sie hätte gerne gewusst, ob sie etwas in ihren unendlich tiefen Seelenspiegeln entdecken konnte. On wenigstens sie, etwas in dieser schrecklichen Leere und Kälte sah. Aber es war nicht Amáyas Art zu fragen, dies war es nie gewesen. Sie würde immer nur stumm bleiben... Banshees schweigende Tochter. Und doch schien es der Regentochter, als hätte sie sich wenigstens ein bisschen gebessert, in den Stunden der Einsamkeit. Vielleicht war es nur eine arrogante Einbildung, doch keimte in ihr nun doch Hoffnung auf, dass sich vielleicht einiges ändern würde. Obwohl, nein. Bei ihr würde sie nie etwas ändern.
"Nun bin ich aber hier."
Eine kurze Bemerkung, bedeutungslos, so falsch das es gleich wieder richtig war. Dies war ihre Maske, die Wand die sie aufgerichtet hatte, damit niemand das verletzliche und schwache Ding sehen konnte, welches sich dahinter verbarg. Amáya wusste, welch jämmerlich Kreatur sie war, doch war ihr Stolz zu groß um dies jemals Jemanden sehen zu lassen. Bei Tyraleens nächsten Satz schnaubte die Fenrisgläubige nur leise. Ja, sie waren zusammen. Der unglücklichste Wurf dieses Rudels war wieder beisammen, und - ups ! Nein, sie waren ja gar nicht alle zusammen da hier zwei fehlten die ebenfalls noch die Luft der Sternenwinde einatmen sollten! Doch dies wollte Amáya jetzt nicht erwähnen. Wer wusste schon, wie Tyraleen darauf reagieren würde. Dachte sie überhaupt noch an Merawin? Wusste sie überhaupt, dass sie eigentlich noch eine Schwester gehabt hatte? Innerlich wollte Amáya ihren Kopf am liebsten gegen einen Baumstamm schlagen. Sie durfte ihre liebste Schwester nicht mit solchen Dingen beschuldigen. Über ihre nie-gewesene-und-doch-existene-Zwillingsschwester wusste wohl niemand mehr ausser ihr mehr Bescheid. Und ihr Bruder Merawin war sowieso früh verstorben...Viel zu früh. Anstatt also irgendetwas über die Zwei zu sagen nickte die Schwarze nur mit einer leichten Bewegung.
"Vereint ja. So kann man es nennen."
Sie stimmte ihrer Schwester kühl zu, während sie mit einigen geschmeidigen Schritten ihr näher kam, sodass sie kaum mehr als eine halbe Wolfslänge trennte.
"Sag, Schwester... Hat sich viel geändert, seitdem ich fortzog?"
Die Frage verklang leise, von einem leicht erwartungsvollen und zweifelndem Ton begleitet. Sie wusste nicht recht, wahrscheinlich war viel in dem vergangenem Jahr passiert. Hier schien immer viel zu passieren, viel zu viel für Amáyas Geschmack.
14.09.2011, 17:36
Tyraleen war es unmöglich zu erahnen, was in Amáyas Kopf vorging. Schon immer war die Schwarze für sie undurchschaubar gewesen und wenn sie einmal etwas in den blauen Augen hatte lesen können, war es der Weißen so vorgekommen, als hätte Amáya das durchaus beabsichtigt. Als sich nun die Blicke der Schwestern ineinander verschränkten kam es Tyraleen einmal mehr so vor, als wolle die Schwarze ihr etwas sagen, ohne es auszusprechen. Sie stellte nur fest, dass sie nun hier war, was Tyraleen jedenfalls nicht entgangen war.
“Ja, jetzt bist du hier.“
Ihre Worte wurden von einem Lächeln begleitet, auch wenn Amáya nicht gerade glücklich wirkte. Das tat sie zwar ohnehin selten, aber heute umgab sie nicht nur die übliche Aura von Kälte und Ignoranz. Die Schwarze wirkte beinahe traurig. Als sie leise schnaubte und damit Tyraleens Aussage zu strafen schien, meinte die Weiße zum ersten Mal ein wenig mehr von ihrer Schwester zu sehen. Schmerz, Sehnsucht und Leere. Es war sicher kein Zufall, dass auch Tyraleen nun an Merawin denken musste – den ungekannten Bruder, der nur wie so viele andere Brüder im Tal der Sternenwinde nicht alt werden durfte. Er fehlte ihr nicht, dafür hatte sie ihn viel zu wenig gekannt, aber es war schade, dass er nicht auch zurückkehren konnte. An Amáyas Zwillingsschwester dachte sie nicht, sie wusste nicht einmal von deren Existenz. Nie hatte jemand mit ihr darüber gesprochen und den toten Leib bei ihrer eigenen Geburt hatte sie nicht bemerken können. Als Amáya antwortete, klangen ihre Worte beinahe ironisch, obwohl sie sie nicht so zu meinen schien. Vielleicht entstand dieser Eindruck auch nur, weil die Gedanken der Weißen noch bei Merawin hingen, dessen Namen nun unausgesprochen in der Luft zu hängen schien. Doch schon im nächsten Moment war jeder Gedanke an ihren toten Bruder wie weggewischt – Amáya fragte nach Veränderungen. Nun also war der Moment da, in dem sie ihr gestehen musste, was passiert war. Die beiden Schwestern verband nun eine weitere Erfahrung miteinander – sie beide waren Mörderinnen. Obwohl Amáya näher gekommen war – oder vielleicht auch gerade deshalb? – konnte Tyraleen ihren Blick nun nicht mehr erwidern und sah zur Seite in den kahlen Wald hinein. Ihr Herz pochte so laut, dass sie es zu hören meinte.
“Wir haben das Nichts besiegt, wie du siehst.“
Wohl keine große Neuigkeit für Amáya, auch wenn es sie wohl interessieren würde, wie sie den weißen Nebel losgeworden waren und was danach gekommen war. Aber Tyraleen wollte nicht so wirken, als würde sie die wirkliche Neuigkeit verheimlichen wollen. Das würde sowieso nicht funktionieren und zudem hatte ihr Daylights Reaktion auf ihr Geständnis ein wenig Mut gemacht.
“Und … ich … ich habe … Fenris hat … mich dazu gebracht, meinen eigenen Sohn und deinen Patensohn zu töten.“
Sie spürte einen Hauch Erleichterung, als die Worte endlich gesprochen waren. Ihr Blick wanderte erstaunlich problemlos zurück zu ihrer Schwester und lag schließlich wieder in den tiefblauen Augen.
“Ich bin zur Mörderin geworden, so wie du.“
15.09.2011, 17:35
In den gelben Seelenspiegeln Tyraleens schien sich all das Licht wiederzuspiegeln, welches Amáya nicht besaß. Wieder viel der Dunklen auf, wie unterschiedlich sie doch waren. Sie zwei, zwei Schwestern. Klar, da war auch noch Daylight aus ihrem Wurf doch... Amáya konnte es nicht wirklich erklären, doch für sie schien Daylight so fremd zu sein, so unendlich weit. Irgendwann hatten sie sich einmal gut verstanden, doch danach hatte die Regentochter sie tausendmal verletzt und so fühlte sie sich ein wenig unangenehm, wenn sie daran dachte auf ihre andere Wurfschwester zu treffen. Ihre übrigen Geschwister, nun mit denen hatte sie sowieso wenig zu tun gehabt, schon immer. Überhaupt hatte sie kaum je wirklich einen der Wölfe dieses Rudels wirklich kennengelernt. Immeroch, selbst nach diesem einen Jahr, hatte die Fenrisgläubige das Gefühl, nicht zu dieser Familie zu gehören. Tyraleen schien in Gedanken versunken zu sein und ausnahmsweise war Amáya noch nicht mit ihren von der jetztigen Situation groß abgewandert. Eigentlich ein Wunder. Nach ihrer Frage hatte sich etwas, verändert das konnte die sensible Fähe sofort spüren. Sie maß die Weiße einmal kühl und prüfend und bemerkte ihre Unruhe sofort. Ein leiser Stich fuhr durch das verwahrloste Herz Amáyas. Einerseits, da es ihr ein wenig Leid tat, ihre Schwester so zu sehen, andererseits da sie ein wenig Angst davor hatte, zu erfahren was sie so wurmte. Also waren Veränderungen geschehen. Amáya wollte und konnte sich nicht einmal ausmalen, welche diese sein würden und so war es besser zu warten, bis Tyraleen sich überwand zu antworten. Mit ruhiger Geduld stand die Dunkle da, wenn sie ihren Kopf ein wenig weiter gestreckt hätte, hätte sie schon Tyraleens strahlend weißes Fell berühren können. Doch Amáya war nicht so, sie würde soetwas nicht tun. Wahrscheinlich. Nicht, wenn sie noch ihre Maskerade auferhielt. Als Tyraleen dann schlussendlich sprach, konnte Amáya heraushören, dass dies nicht das Eigentlich war, was sie ihr sagen wollte. Sie war dem ja auch schon selsbt so halbwegs bewusst geworden, das Nichts...Es war verschwunden.
"Ja."
Sprach sie geduldig, während ihre Züge nicht einmal zuckten. Die nächsten Worte, brauchten erst Zeit bis sie zu Amáya fanden, bis ihr Gehirn sie verarbeiten konnte. Sie hatte gesehen, dass es Tyraleen ein wenig schwer gefallen war, es auszusprechen, doch dies interessierte sie im Moment nicht. Ihre Kinnlade war ein wenig heruntergeklappt, während sie mit geweiteten Augen ihre Schwester anstarrte. Ihr ganzer Körper verlor von ihrer Lockerheit, krümmte sich leicht, die Pfoten gruben sich ein wenig tiefer in die Erde. Die Nachricht war angekommen und sie wiederholte sich wie in einer Dauerschleife in Amáyas Gehirn. Tascurio war tot. Tascurio war tot. Tot. Tot. Tot. Tot. Jede Kühle und Distanz war von Amáya abgefallen, während ein trockenes krächzartiges Husten sich aus ihrer Kehle bahnte.
"Tascurio ist tot?!"
Ein wenig Entsetzten, Trauer und Bitterkeit schwangen in der Stimme mit, nun eher brodelnd als ruhig. Unbewusst hatte sie sofort Tyraleens Satz so umgeformt, wie sie es aufgenommen hatte. Doch sie hatte sich verloren. Doer hatte sie sich gerade jetzt erst wiedergefunden? Nein nein, sie musste einfach weiter die kalte Amáya spielen, die nichts berührte, dass wusste sie selber. Aber sie war in diesem Moment nicht dazu in der Lage.
"Bei Fenris..."
Sie flüsterte es leise und mit einer tiefen Trauer die aus ihrem herzen kam. Sie hatte Tascurio in ihr Herz geschlossen, auch wenn es wahrscheinlich niemand, nicht einmal der Patensohn selbst es wahrgenommen hatte. Tascurio war ihr so ähnlich gewesen, so ähnlich! Sie hatte sich selbst in ihm wieder erkannt, hatte geglaubt das ihre andere Hälfte vielleicht doch in ihm zu ihr gekommen war. Sie hatte geglaubt, sie könnte wenigstens ihm helfen, nicht so ein Wrack zu werden wie sie, Amáya es war. Und nun hatte Fenris ihr auch ihn genommen. So, wie er ihr ihre Schwester genommen hatte. ,So wie er ihr alles nahm, immer und immer wieder. Ein leiser süßer Schmerz stach in Amáyas Herz während sie zum Himmel hinaufschaute beruhigten sich die Züge ihres Gesichts. Ja, Fenris nahm ihr alles und was er bekam war Dankbarkeit. Amáya selbst hatte es nie verstehen können, warum sie sich verdammt nochmal Dankbar fühlte, wenn sie an den Todesgott dachte. Doch es war nunmal so, daran wollte sie nich einmal etwas ändern. Fast wieder die alte Amáya blickte sie zurück zu Tyraleen und tat etwas so untypisches, dass sie sich am liebsten hätte schlagen wollen. Kurz strich sie mit ihrer dunklen Schnauze durch das helle Fell ihrer Schwester, sog ihren altbekannten Duft ein. Kurz darauf zog sie jedoch ihre Schnauze wieder zurück und machte einen Schritt rückwärts.
"Es tut mir Leid für dich, so seltsam das auch aus meinem Maul klingen mag."
Sie lächelte nicht, tiefster Ernst stadn in ihren Zügen. Kalte Worte, doch wahre Worte. Sie konnte nicht wirklich beschreiben was sie in diesem Augenblick fühlte, es war seltsam. Ganz leicht schüttelte sie ihren hübsch geschnittenen Kopf.
"Ja, wir sind Mörderinnen... Aber doch nicht auf die gleiche Weise. Damals das mit Zack, das... War etwas Anderes. Glaube ich zumindest."
Kurz zögerte die Nachtschwarze und presste ihre Leftzen zu einem schmalen Strich des Schweigens zusammen.
"Ich weiß zwar nicht wie es zu dieser Tat kam und was es für dich jetzt bedeutet...Im Rudel."
Der Satz verlor sich und wurde nie zuende geführt. Still blickte sie nur ihrer Schwester in die Augen, während der Regen in ihrer Seele nicht aufhörte zu fallen...
16.09.2011, 16:59
Amáyas Reaktion war erstaunlich und hätte Tyraleen in diesem Moment nicht selbst gelitten, wäre sie mit verblüffter Miene vor ihrer Schwester gestanden und hätte sie nur angestarrt. Aber die Weiße spürte den gleichen Schmerz, der Amáya nun überfallen musste; so konnte sie sich nicht darüber wundern, wie offen und ehrlich die Schwarze nun plötzlich war. Viel eher schmerzte sie es zu sehen, wie ihre Schwester von dieser Neuigkeit überrannt wurde und offensichtlich nicht wusste, wie sie damit umgehen sollte. Leicht krümmte sich ihr Rücken und für einen ganz kurzen Moment fürchtete Tyraleen, dass Amáya sie anfallen könnte. Schon im nächsten Augenblick kam sie sich lächerlich vor, wusste sie doch, dass ihre Schwester zumindest ihr das nicht antun könnte und abgesehen davon Tascurio ihr offensichtlich sowieso nicht wertvoll genug gewesen war – sie hatte ihn schließlich verlassen. Das krächzende Husten und schließlich die Frage, die sie sich praktisch selbst beantwortete, zeigten ein neues Bild von Amáya. Trauer und Entsetzen hatten Kälte und Leere ersetzt und machten so erstmals deutlich, dass der Schwarzen etwas an ihrem Patensohn gelegen hatte. Schon immer hatte sie sich um den kleinen Tascurio gekümmert, meist war es Tyraleen allerdings so vorgekommen, als täte sie es allein ihrer Schwester zu liebe. Immerhin hatte diese ihr mit Tascurio einen Vertrauensbeweis geschenkt und um diesen irgendwie zu erwidern, sprach Amáya wenigstens mit dem ihr anvertrauten Welpen. Doch offensichtlich war immer mehr dahinter gewesen. Sonst wäre sie nun nicht so entsetzt und traurig, dass sie es Tyraleen offen zeigte. Flüchtig fragte sich die Weiße erneut, warum sie ihren Patensohn dann damals einfach hatte stehen lassen, aber die Frage war nun nicht angebracht. Sie würde sie später stellen und ohne sie in einen Vorwurf zu verpacken. Tyraleen war sich sicher: selbst wenn Amáya zum Zeitpunkt von Tascurios Tod im Tal gewesen wäre, hätte sie den Mord nicht verhindern können. Die Schwarze traf keinerlei Schuld.
Tyraleen nickte, worauf auch immer. Auf Amáyas Frage, ihre Trauer, ihr Entsetzen oder auch einfach auf die Tragik der ganzen Situation. Immerhin schien sich die Schwarze langsam zu beruhigen, sah in den Himmel und als sich die Blicke der Schwestern wieder trafen, hatten sich Amáyas Züge geglättet. Beinahe wirkte sie wieder wie die altbekannte kühle Schwarze, aber jetzt meine Tyraleen noch immer die Trauer zu erkennen. Als Amáya mit der Schnauze durch ihr Fell fuhr und mit jeder Berührung etwas Trost zurückließ, erschien ein schwaches Lächeln auf den Lefzen der Weißen und sie legte ganz kurz ihren Kopf in den Nacken ihrer Schwester. Dann war der Moment vorbei und Amáya trat einen Schritt zurück. Tyraleen folgte ihr nicht, fühlte sich, als wären ihre Läufe am Boden festgewachsen. Schon so lange hatte ihre Schwester sie nicht mehr berührt, selbst, als sie noch da gewesen war. Ihr Lächeln verblasste.
“Es muss dir vor allem um Tascurio leidtun. Er ist es, dem jede Chance genommen wurde. Mir dagegen geht es vielleicht schon wieder zu gut. Die ersten Tage waren schlimm … Averic und ich haben uns im Streit getrennt, die meisten Familienmitglieder haben mich gemieden und ich konnte selbst nicht fassen, was ich getan hatte. Aber es wurde besser. Heute bin ich Leitwölfin und mit den meisten konnte ich mich wieder versöhnen.“
Ja, auch wenn sich vieles verändert hatte – im Endeffekt ging es Tyraleen doch beinahe erschreckend gut. Hatte sie das verdient? Sie versuchte den Gedanken zu verdrängen, Amáya sollte wissen, wie es zu dieser Tat gekommen war.
“Fenris stellte mich vor die Wahl – wenn ich Tascurio nicht töten würde, würde er eines Tages Averic töten. Ich glaubte ihm, ich glaube ihm noch heute. Und in diesem Moment habe ich Averic so geliebt, dass ich seinen Tod als das schrecklichste aller Ereignisse ansah.“
Wieder hatte sich ihr Blick gesenkt und ein lautloser Schluchzer schnürte ihr die Kehle zu. Wie immer wenn sie sich an den Moment erinnert, an dem sie ihrem Sohn das Leben genommen hatte. Aber sie versuchte sich nicht darin zu verlieren, konzentrierte sich viel eher auf Amáya und ihre leise Andeutung.
“Warum hast du Zack getötet?“
17.09.2011, 20:37
Tyraleen würde wohl die Einzige bleiben, die ihr Inneres zu sehen bekommen hatte. Sie war die Einzige, der Amáya vertrauen konnte, richtig vertrauen. Eigentlich wusste die Dunkle nicht einmal richtig genau, seit wann sie sich so sehr mit ihrer Schwester verbunden fühlte, doch war es so. Zwar war sie immernoch ärgerlich, Schwäche gezeigt zu haben, niemand sonst hatte sie ja gesehen. Etwas Anderes, was sie nicht wusste war, warum es ihr eigentlich so wichtig war vor den Meisten die Maske der kalten und emotionslosen Amáya aufrecht zu erhalten. Vielleicht wäre es besser für sie gewesen, hätte sie sich wie sie selbst benommen, doch sie nahm lieber den einfacheren Pfad, der in die Einsamkeit führte. Tascurio, hatte sie ihn dmaals wirklich so geliebt? Es musste sohl so sein. Tascurio war in gewisser Weise ein Gescehnk gewesen, jedenfalls hatte sie damals so gedacht und war sich heute schon fast gänzlich sicher. Ihr Patenkind war ein Geschenk gewesen und sie hatte es liegen gelassen, nachdem sie genug mit ihm gespielt hatte. Ein weiterer Punkt auf der Liste ihrer unendlichen Fehler. Sie hatte alles falsch verstanden. Immer schon.
Die ganze Zeit über hatte Amáya auf die Gesichtszüge Tyraleens gestarrt und als ihr Lächeln verblasste war kaum mehr etwas in dem Gesicht der Dunklen zu erkennen. Oder, vielleicht doch? Nun, jedenfalls meinte sie die Beherrschung wieder so halbwegs erlangt zu haben. Der Schock war überstanden. Tascurio war tot. Genauso wie ihre Zwillingsschwester. Genauso wie ihr Leben schon immer zerstört gewesen war. Bravo, toll, wudnerbar. Dann konnte es ja weiter gehen, im Text! Sie hatte schon immer geahnt, dass Tyraleen die Erbin Banshees werden würde. Niemand sonst wäre auch wirklich geignet für diesen Posten gewesen. Gut, vielleicht einige, aber niemand so wie ihre weiße Schwester.
"Leitwölfin also. Nun... Glückwunsch?"
Sie ließ leichte Ironie in ihre Worte einfließen, doch ihre Augen sandten ihrem Gegenüber eine ganz andere Nachricht, als die kalten Worte. Sie wollte ihr erklären, dass sie nicht auf die Worte Amáya achten sollte, sondern auf das was dahinter stand. Sie wollte, dass sie verstand, dass sie es nicht immer so meinte wie sie es sagte. Denn Amáya wollte endlich, dass es wenigstens einen Wolf auf dieser verdammten Welt gab, der wusste wer sie war. Denn wenn es keinen gab, würde sie nur noch schneller ins Verderben stürzen, als sie es eh schon tat.
Stumm hörte sie ihrer kurzen Erzählung zu und nickte stumpf. Fenris. Fenris war überall, ihr Gott, ihr dunkler Todesgott. Amáya verstand, warum die meisten lieber an Banshee hingen und in Angst vor Fenris lebten oder ihm mit Abneigung entgegneten. Amáya aber, der das Leben schon immer so fremd war, Amáya die nie richtig gelebt hatte, ihr... Ihr war der Tod viel näher. Sie spürte ihn überall. In jeder Sekunde ihres Lebens und mit jedem Herzschlag der einsam verhallte. Sie wandelte schon immer auf dem schmalen Pfad zwischen Leben und Tod, im leichten Dämmerlicht. Eine wandelnde Leiche.
"Sie spielen mit uns. So war es schon immer und wir... Wir sind nur Figuren aus zerbrechlichen Porzellan auf ihrem Schachbrett."
Es kam ihr so leicht über die Leftzen und doch war es so schrecklich wahr. Engaya und Fenris spielten schon seit Urzeiten ihr grässliches Spiel von Leben und Tod. Ernst blickte sie wieder zum anfänglichen Herbsthimmel und seuftzte düster. Es musste schwer für Tyraleen gewesen sein, genauso wie für das ganze Rudel. Aber Tyraleen hatte es wie es schien so halb aus dem tiefen loch geschafft, nicht so wie sie. Tyraleen war trotz allem Leitwölfin geworden, während sie damals nach ihrem Mord an Zack nur eine gerade noch Geduldete gewesen war, die Überwachung erforderte. Sie war nicht wütend oder neidisch auf ihre Schwester, es war eher eine leichte stumpfe Bedrücktheit die sie verspürte. Aber nun gut, wann war sie bitteschön nicht bedrückt? Amáya kam sich manchmal vor, als würde sie mit schweren dunklen Regenwolken über dem Kopf herumlaufen. Passend für sie, das Regenkind.
Und die rettende Frage kam. Die Frage, vor der sie genauso viel Angst hatte, wie sie sich danah gesehnt hatte. Wiederwillen und Freude vermischten sich in ihr, als sie sich wieder zu ihrer Schwester wandte. Oh ja, sie wollte das Tyraleen es wusste. Ihre Fehler kannte. Es war vielleicht selbstsüchtig von Amáya, ihre Schwester so mit ihren Problemen zu zu häufen, doch sie hatte manchmal das Gefühl sie hielt es mit ihren eigenen Gedanken nicht mehr aus. Jemand musste es wissen, wenigstens Einer, bevor sie diese Welt verließ. Aber es war nicht leicht, zu erklären wie sie zu ihrer tat kam. Teilweise hatte auch ihre eigene Verzweiflung und ihre im Nachhinein völlig dumm erscheinanden und falschen Interpretationen der Götter. Nun gut, vielleicht war es einfach besser, wenn sie es nur erzählte.
"Zacks Tod. Es hatte ebenfalls mit Fenris zu tun, aber es war meine eigene, dumme Handlung und Idee. Ich dachte, wenn ich Fenris ein Geschenk mache mit dem er überhaupt nicht rechnet, wird er mir etwas zurückgeben, mir im Gegenzug ebenfalls ein Geschenk geben. Es mag idiotisch klingen, aber Fenris..."
Die Fenrisgläubige stoppte abrupt und presste ihre Leftzen fest zusammen. Nein. Sie durfte nicht über die Götter urteilen. Das war falsch! Denn sie hatte das Gleiche Schachbrettspiel mit den Göttern gespielt, ihr Spielchen umgewandt. Und auch in diesem war sie sich nicht sicher. Fenris zwang einen durch geschickte Manipulation zu seinen eigenen Zielen, doch Amáya wäre nie in der Lage gewesen, einen Gott zu manipulieren. Und doch, indem sie ihm jemanden ganz gezielt aufopferte, hatte sie ihn eigentlich regelrecht herausgefordert. Die Schwarze biss sich auf die Leftzen, während ihr klar wurde, was sie eigentlich da getan hatte. Irgendwann, da war sie sich sicher, würde sie noch dafür büßen, dass sie Fenris um jenes Geschenk gebeten hatte. Wenn sie es denn nich jetzt schon tat.
29.09.2011, 12:07
((Big Sorry ._.))
Amáya war wieder die Alte. Schon jetzt kam Tyraleen der kurze, ehrliche Moment von eben irreal vor. Als hätte sie ihn geträumt, herfantasiert, weil sie sich eine Schwester wünschte, die auf den Tod ihres Patensohnes mit Trauer reagierte. Was nunmehr in der Schwarzen vorging, vermochte Tyraleen nicht zu lesen und Amáya ihr mit einem Hauch Ironie zum Leitwolfdasein gratulierte, wollte die Weiße schon Enttäuschung verspüren, als sie in die Augen ihrer Schwester sah und das Gefühl hatte, sehr viel mehr darin zu lesen, als sonst. Es war mehr eine diffuse Ahnung, der Eindruck, dass Amáya nicht das sagte, was sie meinte. Sie wollte sie nicht durch sarkastischen Glückwunsch verletzen, auch wenn ihr keines Falls entgangen war, dass man eine Mörderin normalerweise nicht zur Leitwölfin machte. Diesen Umstand auf ihre Art und Weise anzusprechen und so zu keinem Tabuthema zu machen, gefiel Tyraleen sogar. Und das nunmehr gefestigte Wissen, dass ihre Schwester ihr nicht sagen wollte, dass sie diesen Posten nicht verdient hatte, ließ sogar ein leichtes Lächeln auf ihre Lefzen zurückkehren.
“Ich bin sehr froh, dass mir die Möglichkeit gegeben wurde zu beweisen, dass ich es kann. Mit Aszrem zusammen habe ich das Rudel sicher durch die schlimmste Zeit gebracht. Das gibt auch mir Mut.“
Tatsächlich hatte sie zu Anfang an sich gezweifelt. Nicht nur daran, dass sie die Kraft besitzen würde, sich gegen ihre vielen Kritiker und Gegner zu behaupten, sondern auch ganz schlicht die täglichen Aufgaben eines Leitwolfes auszufüllen. Die andauernde Aufmerksamkeit und die Angst, eine Gefahr zu übersehen, hatten sie anfangs zermürbt. Mittlerweile war sie sicherer geworden, traute sich auch einfach mal fort zu gehen, in dem Wissen, dass Aszrem, Averic und Sheena ebenso auf das Wohl des Rudels achteten wie sie. Und sie hatte immer öfter das Gefühl, Engaya wieder an ihrer Seite zu sehen. Mit ihrer Göttin als Verbündete, konnte sie jede Aufgabe meistern und ganz sicher nicht noch einmal den Fehler begehen, auf Fenris zu hören. Sie war kein Spielball, der willenlos hin und her geworfen werden konnte – sie war eine Wölfin, die ihren Weg ging und sich nicht davon abbringen lassen durfte. So schüttelte sie jetzt auch langsam den Kopf und fragte sich, ob Amáya wirklich glaubte, keine Macht über sich selbst zu besitzen.
“Nein, Schwester, wir können selbst entscheiden, welche Wege wir nehmen wollen. Sicher versucht Fenris mit uns zu spielen … aber wenn wir es nicht wollen und die Kraft besitzen, ihm zu widerstehen … dann hat er auch keine Macht über uns. Wir müssen nur stark genug sein.“
Jetzt sah sie ihrer Schwester wieder direkt in die Augen. Amáya war schon immer eine Wölfin gewesen, die jedem durch Körperhaltung und Verhalten gezeigt hatte, wie stark sie war. Doch war vielleicht genau das ein Zeichen innerer Schwäche? Und ihre Meinung, machtlos von Fenris vor- oder zurückgesetzt werden zu können, schien das nur noch zu bestätigen. Vielleicht musste nur irgendjemand Amáya einmal zeigen, dass sie stark war, stark genug, dem Spiel der Götter zu entkommen, so wie Tyraleen sich aus den Klauen Fenris‘ befreit hatte. Aber sie hatte es auch viel einfacher … in ihr war immer das Wissen gewesen, zu Engaya zu gehören und ihr unerschütterlicher Glauben war stets wie ein Wegweiser für sie. Amáya hatte nichts gehabt, keine Zeichen, keine Bestätigungen und keinen Lehrer, der ihr die Richtung wies. Und dann war da auch noch der Mord an Zack. Seitdem war die Schwarze ein verlorenes Kind. Banshee hatte sie nicht verstoßen und zumindest einige Familienmitglieder hatten sich nicht von ihr abgewandt, aber keiner hatte wirklich daran geglaubt, dass Amáya wieder zu einer glücklichen Wölfin werden würde. Und niemandem hatte sie je den Grund für ihre Tat verraten. So erwartete Tyraleen auch jetzt keine Antwort, rechnete damit, dass die Schwarze abblocken würde, doch zu ihrem großen Erstaunen, begann ihre Schwester zu erklären. Verblüffung und Unglaube erschienen in Tyraleens Gesicht. Ein Geschenk für Fenris? Um dafür etwas zurück zu bekommen? Amáya brach ab und die Weiße wusste zunächst nichts zu sagen. Dann fragte sie leise:
“Hast du etwas dafür bekommen? Das, was du wolltest?“
Sie hielt sich mit ihrer Wertung zurück. Was sie von Opfern für Fenris hielt, war sowieso mehr als klar.
03.10.2011, 12:23
(( Ist schon okay. ^^' ))
War sie schon immer solch ein Wrack gewesen? Wahrscheinlich schon. Schon als kleiner Welpe war sie nicht so sorgenfrei gewesen, wie Welpen es normalerweise waren. Amáya konnte es nicht erklären, nicht einmal nach drei Jahren. Das einzige was ihr einfiel war, dass ihr Leben von vornerein falsch gewesen war. Das sie nicht leben sollte. Sie kam sich selbst so unwirklich vor, als würde sie als Geisterwölfin auf dieser Erde wandeln. Und dann all die Dinge die sie getan hatte. Innerlich hätte die Dunkle jetzt am liebsten geschrien. Sie und ihre unzähligen Fehler. Jetzt würde Tyraleen endgültig erfahren wie verabscheuungswürig ihre sinnlose und verdorbene Existenz war. Wenigstens einer musste sie vertrauen. Wenigstens eine musste wissen. Es war vielleicht egoistisch von Amáya, doch war es ihr in diesem Moment nicht wichtig. War ihr denn überhaupt etwas wichtig? Die regenblauen Augen die zusammen mit ihren wirbelnden Gedanken ein wenig abgeschweift waren, kehrten zu Tyraleens Gestalt zurück, blickten ohne zu zögern in die gelben Seelenspiegel der Schwester. Sie wollte Verständnis finden, da irgendwo. Doch würde sie es nie zugeben. Das passte nicht zud er Rolle die sie Tag für Tag spielte. Es passte nicht zu der Schauspielerei. Doch ohne ihre Selbstkontrolle und ihrer kühlen Maske, wo wäre sie jetzt? In den Tiefen ihrer Hölle, ihrer Seele. Sie wäre kaputt. Und um aufzugeben, so weit war die Regentochter noch nicht gesunken. Leicht nickte sie abwesend auf die Worte der Weißen. Sie leitete das Rudel mit Aszrem... Dem ehemaligen Gefährten Nyotas? Ja, so musste es wohl sein. Den dunklen Rüden kannte sie kaum, eigentlich hatte sie nie wirklich mit ihm gesprochen. Sie hatte auch nie wirklich mit jemandem gesprochen. Amáya spürte immernoch einen leichten Stich wegen dem Tod Tascurios, doch versuchte sie die Gedanken an ihren ehemaligen Patensohn zu verdrängen. Auch mit ihm hatte sie zu wenig Zeit verbracht. Dabei hatte sie ihn doch eigentlich gemocht, hatte ihn beschützen wollen. Die Frage war, ob sie hätte etwas ändern können, wenn sie hier gewesen wäre. Wahrscheinlich war dem nicht so und damit musste sie sich einfach abgeben.
"Ja, am Ende hängt alles an uns, das weiß sogar ich."
Sie presste die Leftzen leicht aufeinander, sodass sie einen schmalen Strich bildeten. Alles hing immer an ihnen selber und sie, Amáya tat nichts anderes als immer nur Fehler zu begehen. So war das eben. Sie mussten stark sein, sagte ihre Schwester. Doch die Finstere war schwach, so sehr sie das auch immer mit ihrem Verhalten leugnete. Sie war schon immer schwach und sensibel gewesen. Zart. Wer sich an die Welpenamáya zurückerinnern konnte, würde das bezeugen können. Nicht als ob sich jemand wirklich die Mühe machte, an sie zu denken. Amáya hatte noch nie gegen ihre eigene Schwäche ankämpfen können. Sie machte sie grenzenlos Gedanken darüber aber ändern konnte sie nichts, sie glaubte nicht daran aus dem Teufelskreis ausbrechen zu können. Seitdem die Fenriswölfe sie damals entfrührt hatten, war ihr Schiksal besiegelt gewesen, so dachte sie. Sie glaubte nicht mehr an eine Rettung. Nein. Und da war noch Zack. Amáya konnte immernoch nicht glauben wie tiefgründig verzweifelt sie zu diesem zeitpunkt gewesen sein musste um so eine Tat zu begehen. Um Fenris um etwas zu bitten. Sie war tiefgründig dumm gewesen, hatte unüberlegt gehandelt. Jetzt hatte sie es heimbezahlt bekommen. Die Strafe fing erst an.
"Ja."
Haucht die Fähe und Abweisung war in ihrer Stimme zu hören. Zwar blieb ihr Blick kühl, doch schienen sie nun in die Ferne zu starren und ihre Muskeln spannten sich an.
"Einerseits habe ich bekommen was ich wollte, doch nicht in der Form in der ich es gedacht habe. Es ist eher eine Strafe."
Soviel würde genügen. Über ihr Geheimnis würde sie nicht weiter reden. Über jenen Fluch der sie verfolgte. Von dem sie Angst hatte und der sie doch so faszinierte. Vor dem sie weggelaufen war. Unwilkührlich sah sich die Schwarze kurz um, doch konnte sie jenen Geist nicht sehen, der sie in letzter Zeit schon fast verfolgte. Ein leiser Schauder lief über ihren Rücken hinunter, doch ihr Blick wude hart. selbst Tyraleen würde sie nichts darüber erzählen. Nein.
19.10.2011, 15:02
Tyraleen wusste nicht mehr, was sie denken sollte. Diese ganze Begegnung mit Amáya, ihrer Schwester, die sie doch eine so lange Zeit nicht mehr gesehen hatte, dass sich die Weiße kaum mehr daran erinnern konnte, wie sie beide als Schwestern gewesen waren. Nur noch einzelne Erinnerungsfetzen schwirrten durch ihren Kopf, richtig klar waren nur jene Erinnerungen, die ihr beispielsweise Banshee erzählt hatte. Wie Amáya und Tyraleen gleichsam als Welpen schüchtern und zurückhaltend gewesen waren und wie sie sich irgendwie angefreundet hatten. Von diesem Gefühl der Freundschaft war noch etwas übrig, mehr, als Amáya vermutlich dachte, aber bei dieser ersten Begegnung musste Tyraleen es zuerst ausgraben unter dem Berg von all den Gefühlen und Erinnerungen, die sich seit dem Verschwinden Amáyas angesammelt hatten. Nun kamen neue Gefühle hinzu, Erstaunen über die Trauer der Schwarzen, Unglück über die weiter vorherrschende Kälte und Unsicherheit im Umgang mit ihr. Und nun war auch noch Wissen über den Grund für Zacks Tod hinzugekommen – wirres Wissen, von dem sich Tyraleen nicht mehr sicher war, ob sie es wirklich hatte haben wollen. Amáyas resignierte Zustimmung zu der heftigen Verteidigung der Macht über den eigenen Weg, trug auch nicht gerade zur Aufklärung bei, hatte sie doch zuvor noch davon gesprochen, hilflos in Fenris‘ Klauen zu hängen. Naja, das hatte sie nicht direkt gesagt, aber diese Erkenntnis aus ihren Worten herauszuinterpretieren, war der Weißen nicht schwergefallen. Aber vielleicht waren die gegensätzlichen Aussagen Amáyas gar kein Widerspruch. Vielleicht hatte Tyraleen mit ihrer vorherigen Annahme Recht gehabt: Amáya war schwach. Alle Stärke war nur Fassade und dahinter lag ein hilflos gefangenes Opfer Fenris‘. Tyraleens Kopf kippte leicht zur Seite, diese Geste wirkte beinahe verspielt, aber ihr Gesichtsausdruck war ernst und ehrlich.
“Nicht immer ist man alleine stark genug. Aber wenn man Freundschaft und Vertrauen zulässt, ist man gemeinsam stärker, als jeder sich einmischende Gott.“
Natürlich war Tyraleen klar, dass weder sie alleine noch alle Wölfe gemeinsam im Endeffekt stärker als ein Gott sein würden. Aber die Götter hielten sich gegenseitig im Zaum, niemals würde Fenris all seine Macht einsetzen können um Tyraleen oder Amáya oder sonst jemanden auf seinen Pfad zu ziehen. Dann würde Engaya eingreifen und ihren Gefährten daran hindern, sich mehr einzumischen, als es ihm zusteht. Es musste nur das Gleichgewicht der Götter gewahrt werden und in dieses hatte Tyraleen neues erwachtes Vertrauen. Aber die Weiße machte sich keine Illusionen. Amáya war keine Wölfin, die sich mal eben helfen ließ und zu Engaya passte sie auch nicht sonderlich gut. Auch jetzt schien sie sich wieder zu verschließen, antwortete zwar auf die Frage der Weißen, aber sprach noch immer in Rätseln und gab so keine verständliche Information preis. Einzig die Tatsache, dass ein Geschenk von Fenris nie wirklich das sein konnte, was ein Wolf sich wünschte, war Tyraleen vollkommen klar. Aber welche Strafe könnte ihrer Schwester auferlegt worden sein? Die Weiße war sich nicht sicher, ob Amáya wollte, dass sie erneut nachfragte, oder ob sie so undeutlich sprach, weil sie nicht mehr preisgeben wollte. Dann blieb allerdings die Frage, warum sie überhaupt erst mit Erzählen begonnen hatte.
“Was für eine Strafe?“
21.10.2011, 19:29
Da saß sie nur, neben ihrer Schwester und redete. Bei Fenris, wieso redete sie denn? Wieso konnte sie denn nicht einfach schweigen, so wie sie es sonst immer tat? Sie wollte und wollte wiederrum nicht, dass Tyraleen über sie bescheid wusste. Sie konnte das nicht alleine mit sich herumtragen, nicht länger. Wenigstens einen Teil sollte sie wissen. Sie fühlte sich, als wäre sie es ihr schuldig. Wenigstens das. Ein leises Seuftzen steckt ein ihrer Brust fest, aber sie ließ es nicht heraus. Sie ließ so vieles nicht heraus, so vieles was den Regen ihrer Seele nur noch schwerer fallen ließ. Aber nun gut, sie war es ja jetzt schon gut Jahre gewöhnt. Es war ja immer dasselbe mit ihr, dem verlorenen Regenkind. Wenn sie jetzt so in Tyraleens strahlend gelbe Augen blickte fühlte sie sich so unendlich weit weg, als würde sie durch ein beschlagenes Fenster hindurch sie betrachten. Ja, es war immer dasselbe. Grau, Schwarz, Blau waren die Farben ihrer Welt. Ihrer traurigen und blassen Welt. Sie war doch einfach nur so verwirrt von all den bleichen Bildern, von all den Worten, Sätzen, Gedanken... Von all dem was alle Realität nannten und was für das Regenkind nur wie eine Illusion schien. Sie hatte keine Träume mehr aber aufgeben würde sie trotzdem nicht. So war sie nicht, es gab eben keinen anderen Platz wohin sie vielleicht teilweise hengehören könnte, als diesen hier. Deswegen war sie ja zurückgekehrt. Es gab keinen anderen Platz für sie, wenn nicht diesen und auch da hatte sie Zweifel. Naja.
Der ernste Blick ihrer Schwester tat Amáya gut. Realität. Vielleicht konnte sie ja doch einmal diese Glaswand durchbrechen. Vielleicht war es doch nicht so schwer. Ja, von Tag zu Tag lebend würde es ihr vielleicht eines Tages besser gehen. Obwohl, nein. Das konnte nicht passieren. Nicht, weill es um sie ging. Um Amáya. Da half nichts und es würde auch nichts helfen. Es war besser, sie machte sich keine Hoffnungen, es würde so einiges erleichtern. Auf die Worte der weißen zuckte sie mit ihren samtenen Ohren und blickte zu ihr auf. Ja, wenn man Freundschaft und Zuneigung zuließ. Doch sie tat es nicht, sie konnte es einfach nicht. Es war nicht sie, nein. Die Finstere hatte keinen Plan, was sie antworten sollte. War es überhaupt notwendig zu antworten? Irgendetwas sagte ihr, dass die Antwort darauf 'Ja' war. Vielleicht sollte sie einfach mal gehorchen.
"Ja. Das mag wohl stimmen. Aber bei mir kannst du lange darauf warten, dass weisst du genau."
Sie verzog ihr Gesicht zu einer kleinen bitteren Grimasse und schüttelte ihren hübschen Kopf. Sie vertraute Tyraleen, sie vertraute ihr einfach. Warum, war ihr egal. Sie war die einzige Schwester, der sie sich wenigstens ansatzweise ein wenig nahe fühlte. Ansatzweise. Ihr Blick huschte wieder über den Wald, während sich leise Nervosität in ihrer Brust ansammelte was sie jedoch nicht zeigte. Die Strafe. Das, was ihr Leben noch schwerer machte. Warte, welches Leben! Sie hatte doch gar keins.
"Die Zeit ist noch nicht gekommen, darüber zu reden. Es ist das was ich mir wieder vorgestellt hatte, nur mit...Nebenwirkungen. Ja. Nebenwirkungen."
Ihre Stimme klang ein wenig kälter als ebenund sie schloss ganz kurz die Augen. Ihre Schwester. Das Phantom. Ihre Verfolgerin. Sie vermisste sie so sehr, immernoch und immerschon. Doch jetzt gab es ein neues Gefühl und es nannte sich Angst.
14.11.2011, 15:56
((Wollen wir dann langsam abschließen? :>))
Tyraleen überkam Müdigkeit. Diese Begegnung war anstrengend, das Gespräch schwierig und all die unausgesprochenen Worte zu hören, zu verstehen und ebenso stumm zu antworten, nagte an den Kräften der Weißen. Sie hatte das Bedürfnis sich hinzusetzen und ein wenig zu dösen. Leider wäre das mehr als unangebracht, außerdem begrüßte sie gerade ihre lang vermisste Schwester. Da hatte man für gewöhnlich eigentlich nicht den Wunsch, schweigend herumzusitzen. Aber bei Amáya war schon immer wenig gewöhnlich gewesen und auch jetzt machte sie diesem Ruf alle Ehre. Sie wollte die Hilfe ihrer Schwester nicht, zumindest sagte sie das. Die Schwarze meinte nicht immer was sie sagte, das hatte Tyraleen bereits verstanden, aber noch fiel es ihr schwer, herauszufinden wann nun mehr hinter den Worten steckte und wann dahinter einfach nur Leere herrschte. Etwas resigniert aber noch immer mit einem schwachen Lächeln auf den Lefzen nickte sie.
“Ja, das weiß ich ganz genau …“
Erstmals wandte sie den Blick ab und betrachtete die kahlen Bäume hinter der Schwarzen. Die ganze Situation hatte mittlerweile etwas Trostloses an sich und als Amáya dann abwehrend auf ihre Frage antwortete und ihr Geheimnis nicht preisgeben wollte, zuckte Tyraleen innerlich mit den Schultern. Nach außen hin zeigte sie sich nicht so erschöpft und entmutigt, nur das Lächeln wurde immer schwächer. Wieder nickte sie, wieder nicht frei von Resignation.
“Dann erzähl es mir irgendwann … wenn die Zeit gekommen ist.“ Sie seufzte tonlos und hob dann leicht die Rute. “Jetzt könnten wir zunächst einfach gemeinsam zum Rudelplatz gehen? Du bist sicher erschöpft und auch ich fühle mich müde.“
Sie deutete mit der Nase hinter sich in Richtung des lagernden Rudels.
20.11.2011, 18:13
Amáya konnte ganz deutlich die Anwesenheit ihrer Schwester neben ihr spüren. Die weiße Tyraleen, die der Dunklen so unähnlich war. Und doch verband sie viel mehr mit der Alpha als mit irgendeinem ihrer anderen Geschwistern. Lebenden Geschwistern, um genau zu sein. Trotzdem, wenn man sie fragen würde, mit wem aus diesem Rudel sie soetwas wie eine Bindung hatte, würde sie mit Tyraleen antworten, oder einfach schweigen und den Neugierigen ignorieren. Die Finstere wusste, dass sie der Weißen vieles anvertrauen konnte und sie hoffte, dass ihre Schwester wenigstens versuchte ein bisschen zu verstehen. Amáya wusste, dass es nicht leicht war und das sie es Tyraleen auch noch schwerer machte, als es schon so war. Jedoch konnte sie nicht anders, dies war ihre Art, dies gehörte zu ihr.
Amáya kannte viele ihrer Fehler, doch konnte und wollte sie sich nicht ändern. Ein weiterer Fehler in der unendlichen Liste. Sie öffnete ihre tiefblauen Seelenspiegel und ließ sie in Richtung ihrer Schwester gleiten. Sie sah müde aus. So unendlich müde. Amáya winkelte ihre samtbesetzten Ohren leicht nach hinten und nickte kaum bemerkbar.
"Es tut mir Leid, Tyraleen. Alles. Also ja, lass uns gehen... Lass uns gehen..."
Die Regentropfen in Form von Wolfsaugen richteten sich auf die Gestalt der Wölfe die sich in einiger Entfernung abzeichneten. Sie fühlte Unsicherheit in ihr aufsteigen. Die Familie, die ihr nie eine Familie gewesen war und jetzt wahrscheinlich noch fremder geworden war. Aber kein anderer Ort würde sie auf seinem Rücken dulden als dieser, Amáya hatte keine Wahl. Geschmeidig setzte sich die Finstere in Bewegung, stoppte nur jäh als sie neben Tyraleen ankam. Es kostete sie einiges an Überwindung, jedoch streifte sie ihre Schwester ganz leicht mit der Schnauze, fast als wäre es ein Versehen gewesen. Pfote um Pfote glitt sie nun weiter, nicht zu der Weißen zurückschauend die ihr nun zu folgen anfing. Gerne hätte sich ein Seuftzen aus ihrem Inneren gebahnt, aber sie ließ es nicht zu. Tyraleen hatte recht, sie war erschöpft. Aber sie war da, sie war hier. Was auch immer hier bedeuten sollte.