Nerúi
25.07.2011, 16:58

Die Welt war seltsam geworden, ohne dass es einen sichtbaren Übergang gegeben hätte. Nerúi hatte sich soweit abseits gehalten wie möglich, von ihren Treffen mit Krolock und Turién einmal abgesehen. Sie wusste einfach mit nichts etwas anzufangen. Sie war froh gewesen Aszrem und Tyraleen als neue Leitwölfe zu haben, aber trotzdem die Kälte sich gemildert hatte, trotzdem das Leben wieder einfacher zu werden schien, kam sie nicht umhin jedem neuen Tag mit Bitternis zu begegnen. Ihre Schritte hatten sie ungelenk vorwärts getragen, und nachdem sie bei ihrem Mupfelbaum vorbei gesehen hatte, war sie schliesslich am Wasserfall angelangt. Unmotviert hatte sie sich ins Gras fallen lassen, und starrte nun dem stetig fallenden Wasser nach, dass seine immer gleiche, immer andere Bahn unermüdlich verfolgte, während es zum Fluss wurde.

Aszrem
26.07.2011, 08:28

Es tat weh sie so zu sehen. So ähnlich sie ihrer Mutter sah, so wenig glichen ihre Bewegungen denen Nyotas. Da war kaum Kraft in ihren Schritten, keine Selbstsicherheit in ihrer Haltung. Kein Feuer, von dem seine Gefährtin so viel in sich getragen hatte, und von dem er wusste, dass es auch in Nerúi brannte. Eigentlich. Aber derzeit konnte da nur ein müdes Glimmen in ihr sein, das nicht mit einem Funken nach Außen trat und ihm schmerzlich vor Augen führte, wie sehr er doch seine Vaterpflichten in letzter Zeit missachtet hatte. Nicht, dass er seine Tochter nicht längst schon hatte aufsuchen und etwas Zeit mit ihr verbringen wollen, aber jedesmal kam etwas dazwischen. Mal war sie mit ihren Freunden beschäftigt, was gut und wichtig war, mal lenkte eine andere Pflicht seine Aufmerksamkeit ab. Aszrem nahm seinen Rang und die damit verbundenen Aufgaben sehr ernst - vielleicht etwas zu ernst, wenn es um die Belange seiner Familie ging.
Aszrems Pfoten trugen ihn zu der Stelle, an der seine Tochter sich niedergelassen hatte, und obgleich sie einen traurigen Anblick bot, schlich sich doch ein Lächeln auf seine Lefzen. Er konnte nicht anders, Nerúi war sein Ein und Alles.

"Hallo Liebes",

begrüßte er sie und leckte ihr zärtlich über das Gesicht, während er sich neben ihr nieder legte, sodass sich ihre Flanken berührten.

"Wie geht es dir?"

Eine Frage, die fast überflüssig schien, immerhin sah man ihr ziemlich deutlich an, wie es ihr ging. Trotzdem war es wichtig, sie zu stellen, und sei es nur, damit seine Tochter wusste, dass ihr Befinden ihm nicht egal war.

Nerúi
26.07.2011, 21:37

In die Leere ihrer Welt mischte sich das Geräusch von Pfoten, die den Schnee unter sich brachen. Nerúi sah nicht auf, erkannte ihren Vater jedoch an seinem Schritt. Unglücklich legte sie die dunklen Ohren zurück, und verharrte einen Moment reglos, als er sich neben ihr niederlies.
Im nächsten Augenblick gab sie doch nach, und lehnte sich an ihn, den Kopf auf seine Vorderläufe bettend.

"Hallo Vater"

Begrüßte sie ihn leise, und hob auf seine Frage hin nur kurz den Kopf an, um einen Blick in seine Augen zu erhaschen, bevor sie sich wieder hinlegte.

"Furchtbar."

Beantwortete sie seine Frage wahrheitsgemäß, und stellte sie bewusst nicht ebenfalls - es hätte nur höhnisch geklungen, und bitter.

"Das ist alles so...viel. Viel zu viel."

Hängte sie an, und schloss für einen Moment die Augen. Aber die kalte Welt ringsum wurde auch so nicht besser. Oder wärmer.

Aszrem
27.07.2011, 11:39

Für einen Moment hatte er die Befürchtung, sie würde seine Gesellschaft ablehnen, aber gleich darauf schmiegte sie sich bereits an ihn. Erleichtert atmete er auf, und merkte erst da, das er sich für ein paar Herzschläge lang versteift gehabt hatte.
Ihre Stimme war so leise und erschöpft, wie er bei ihrem Anblick erwartet hatte, aber das machte es nicht besser.

"Ja, es ist viel Schreckliches passiert in letzter Zeit. Und es tut mir sehr leid, dass ich so lange nicht für dich da war. Ich hätte viel früher zu dir kommen müssen, meine anderen Pflichten hin oder her."

Aber vielleicht konnte er das jetzt nachholen, wenn sie ihn gewähren ließ, und im Moment schien es so.

"Magst du mir davon erzählen?"

Er ließ offen, was genau er meinte. Nerúi würden sicherlich unzählige Dinge einfallen, so sie denn überhaupt reden wollte.