Amúr
17.07.2011, 00:41

Amúr lief, lief wie am Morgen über das nasse, zugeschneite Gras. Aber anstatt voller Vorfreude, wie sie es am Anfang des Tages noch gewesen war, war sie nun voller Entsetzen, Ungläubigkeit und Trauer. In ihrem Kopf rasten die Gedanken rauf und runter. Fragen über Fragen flogen durch ihren Sinn. Verstehen... sie will doch einfach nur verstehen was passiert ist. Einfach wissen warum...wieso und überhaupt. Sie musste zu Tyraleen, zu ihrer Mutter. Jetzt, sofort und auf der Stelle.
Manch anderer ist Tyraleen wahrscheinlich aus dem Weg gegangen nachdem er es erfahren hatte, bestimmt auch einige ihrer Geschwister. Aber sie konnte das nicht. Außerdem war es bei ihr ja doch ganz anders. Sie war fort gewesen, ein halbes Jahr. War gegangen ohne sich von irgendwem zu verabschieden. Nun wusste sie zu welch ungünstigen Zeitpunkt sie fort gegangen war. In so kurzer Zeit ist ihre gesamte Familie zusammengebrochen. Das schlimmste war, sie war weg gewesen. Sie konnte weder ihrer Mutter beistehen noch ihren Vater trösten und auch nicht für ihre Geschwister da sein. Aber hätte sie das überhaupt getan? Hätte sie die Kraft gehabt für ihre Familie da zu sein? Sie wusste ja noch nicht einmal ob sie jetzt die kraft dazu hatte. Haben würde.
Sie hob erneut die Nase in den Wind. Kühl fuhr der Wind durch ihr Fell und Amúr war kalt. Was aber vermutlich nicht unbedingt an dem kalten Wind lag, oder nicht nur. Der Geruch ihrer Mutter wurde immer deutlicher. Sie kam näher und näher. Ihre Mutter war beim See, wurde ihr klar als sie auch den Geruch von Wasser vernehmen konnte. Amúr verlangsamte.
Sie konnte eine Statur vernehmen, noch einige Meter entfernt, aber sie wusste das es sich um Tyraleen handelte. Um ihre Mutter.
Sie stoppte ganz. Gerne wäre sie ihrem Impuls gefolgt und ihrer Mutter entgegen gerannt, hätte die Schnauze in ihrem Brustfell gekuschelt und gesagt wie leid es ihr tat das sie fort gewesen war. Aber sie konnte nicht. Sie schluckte. Sie wusste nicht was sie sagen sollte, wie sie anfangen sollte. Sie war verwirrt, kam mit der flut der Gefühlen nicht zurecht, die sie überfielen als sie ihre Mutter betrachtete. Sie waren einerseits voller Freude und andererseits voller Trauer und Unverständnis. oO(Tascurio ist tot)Oo hallte es in ihren Gedanken. Der Gedanke der darauf folgte war ihr unangenehm, oO(Sie hat ihn getötet!)Oo. Der Gedanke fühlte sich falsch an, dieser Gedanke war falsch. Nicht ihre Mutter, nicht Tyraleen. Aber ach sie musste einsehen das es wohl zu stimmen schien. Ihr Vater hat die Wahrheit gesagt, da war sie sich sicher und doch war es so endlos schmerzhaft.
Noch immer stand sie da. Dann gab sie sich einen Ruck und ging auf ihre Mutter zu. Ein zarghaftes Lächeln legte sich auf ihre Lefzen.

Mutter, ich bin zurück

sagte sie sanft und voller liebe. Auch wenn sie in sich Trauer und Ungläubigkeit hatte, konnte sie nicht anders. Sie lies den Impuls zu, die Sehnsucht in ihr drohte sonst zu zerspringen. Also grub sie sanft die Schnauze in Tyraleen’s Brustfell.

Warum ist alles immer so kompliziert? Warum ist das Leben immer so unfair...?

entfuhr es ihr und sie konnte ein schluchzen nicht unterdrücken. Verdammt, ihre Familie war zerbrochen. Dabei wusste sie doch gerade jetzt nach ihrer „Reise“, wie sehr sie ihre Familie brauchte. Sie wollte nicht über dir Gründe reden, sie wollte es nicht wissen. Sie wollte Geborgenheit spüren, vergessen und sich in ihre Traumwelt flüchten. Doch sie würde nicht flüchten können. Nicht ewig.

Tyraleen
17.07.2011, 14:59

Das eiskalte Wasser, das durch Tyraleens Kehle rann, stillte zwar ihren Durst, doch es hinterließ wie bei jedem vorherigen Schluck das bittere Gefühl von Kälte und Ablehnung. Ohne es zu wollen, wurde es zu einer Metapher für das Leben der Weißen, die sich für diese Gedanken am liebsten selbst bestraft hätte. Sie war keine depressive Wölfin und sie wollte auch keine sein, diese Art von Überlegungen hatte sie nicht zu stellen. Mit einem letzten Blick auf das graue Wolken widerspiegelnde Wasser wandte sie sich um, als sie eine Gestalt entdeckte, die sich ihr näherte. Der Wind trug ihr einen Geruch zu, den sie zunächst nicht glauben konnte – dann erkannte sie Amúr. Dass ihre Welpen das Tal irgendwann verlassen würden, so wie es viele ihre Geschwister getan hatten, hatte Tyraleen immer erwartet, doch dass ausgerechnet Amúr die erste sein würde und ohne sich zu verabschieden gegangen war, hatte sie getroffen. Nun, nach einem halben Jahr, war sie wieder da – so wie es viele immer wieder in das Tal der Sternenwinde zurückzog. Der Geruch Averics hing im Fell ihrer Tochter und selbst von weitem erkannte sie, dass Amúr nicht freudestrahlend auf sie zustürmte. Sie war ihrem Vater als erstes begegnet und natürlich hatte der erzählt, was geschehen war. Tyraleen verkrampfte sich, wusste sie doch nicht, welche Wahrheit Averic erzählt hatte, auch wenn sie ihren Bruder als fairen Wolf kannte. Nun hielt Amúr inne und Mutter und Tochter sahen sich entgegen, beide unschlüssig, wie sie miteinander umgehen sollten. Tyraleen hätte ihrer Jüngsten so gerne gezeigt, wie sie sich freute, sie wieder zu sehen, doch aus Angst, etwas Falsches zu machen, blieb sie starr stehen und regte sich nicht. Als sich ein Lächeln auf Amúrs Lefzen auszubreiten begann und sie sich wieder in Bewegung setzte, brach auch die Anspannung Tyraleens und sie setzte einen Schritt auf ihre Tochter zu, das Lächeln erwidernd.

“Es ist so schön, dich zu sehen.“

Die Liebe und Sanftheit in Amúrs Stimme irritierte sie einen kurzen Moment lang, in dem Amúr plötzlich die gemeinsame Zurückhaltung überwand und ihre Schnauze im Brustfell ihrer Mutter vergrub. Voller Erleichterung merkte Tyraleen, dass sie die Luft angehalten hatte, atmete aus und schmiegte ihren Kopf an ihre Tochter. Sanft begann sie mit der Zunge über das silberne Fell Amúrs zu fahren, berührte ihre Ohren, die Augen, die Nase und küsste ihre Stirn. Als ihrer Tochter ein Schluchzen entfuhr und sie leise unbeantwortbare Fragen stellte, legte Tyraleen ihren Kopf auf die Schulter der Silbernen und zog sie noch ein wenig enger an sich.

“Ich weiß es nicht, Amúr. Aber wenn wir zusammenhalten und ich für dich da sein darf, dann rückt Fairness und alles andere in den Hintergrund. Wir dürfen nur nicht aufhören uns zu lieben und zu vertrauen.“

Sie wusste, dass sie genau dieses Vertrauen Averic vorenthielt. Dass sie von ihren Welpen mehr verlangte, als sie selbst geben konnte … auch das war nicht fair. Aber sie versuchte es, sie wünschte sich nichts mehr, als es zu können. Wenn das nicht genügte, siegte das unfaire Leben.

“Es ist so vieles ungerecht und manchmal würde ich am liebsten das Leben und die Götter verfluchen. Aber wenn dann meine Tochter plötzlich wieder zu mir zurückkehrt … dann weiß ich, dass ich für dieses Glück leben möchte.“


((Sorry für den Schnulz ^^'' Tyra war danach.
Wörtliche Rede in Anführungszeichen ^.~ "..."))

Amúr
17.07.2011, 18:25


Ihre Mutter erwiderte ihr Lächeln und als sich Amúr in das Brustfell ihrer Mutter kuschelte schien Anspannung von ihrer Mutter abzufallen. Sie trug gewiss Averic’s Geruch mit sich und somit wusste ihre Mutter auch, das sie wusste was passiert war. Doch nun spürte sie die Liebe ihrer Mutter. Sie fühlte Zuneigung, Wärme und Geborgenheit. All das was ihr so sehr gefehlt hat, all das was sie immer bei ihrer Mutter gefunden hatte und immer noch zu finden schien. Bevor sie gegangen war, war sie oft bei ihrer Mutter gewesen. Gerade auch nach Banshee’s tot. Sie hatte nicht viel Kontakt zu anderen gehabt und hing somit umso mehr an ihrer Mutter. Amúr schloss die Augen. Lauschte den Worten die Tyraleen als Antwort auf ihre Fragen gab. Dabei wusste sie genau das es keine sicher Antwort für diese gab. Man merkte das sie glücklich war, das sie zurück gekehrt war. Und einen kurzen Augenblick war alles genau so wie sie es sich gewünscht hatte. Genauso wie sie sich erhofft hatte wie ihr wiederkehren sein würde. Sie flog in Gedanken, die Augen immer noch geschlossen, zu einigen Augenblicken zurück wo sie wie nun an ihre Mutter gekuschelt war, wo sie wie jetzt Geborgenheit, Wärme und Zuneigung gespürt hatte.
Wärme, Z.u.n.ei.g..u.n.g und G..e..b..o..r..g..e..n..h..e..i..t. Schlagartig riss sie die Augen auf, denn es ließ sich nicht verdrängen. Die Gedanken daran das ihr Bruder tot war kehrten zurück. Schlimmer war aber das entsetzen was Amúr auf einmal verspürte. Tyraleen hatte Tascurio getötet. Die gleiche Fähe die ihr hier in diesem Moment soviel Liebe gab. Die gleiche Fähe, die Tochter von Banshee ist und wie diese so aufrichtig Engaya’s Weg folgte. Oder gefolgt war. Nun war alles falsch, nicht nur der Gedanke sondern die gesamte Tatsache. Das konnte nicht sein und doch wusste sie das es wahr war. Es überforderte die junge Fähe und sie löste sich von ihrer Mutter, drehte sich zur Seite und blickte in den See.

“Ich…ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll“

murmelte sie leise. Wie sehr sie sich doch wünschte das Banshee noch hier wäre, wie sehr sie sich doch wünschte zu wissen, wie sie handeln sollte. Sollte sie ihre Mutter verurteilen? Sollte sie lieber für ihren Vater da sein als für sie? Sollte sie sich von ihr abwendend? Aber all das beinhaltete das sie sich abwenden würde. Aber das wollte sie nicht und das würde sie auch nicht können. Das starke Gefühl was sie erfüllt hatte, ebbte ab. Es war klar da sie jetzt damit noch nicht zurecht kommen konnte, dafür war das Wissen über den Tod ihres Bruder’s zu frisch. Aber sie hatte es noch nie erlebt wie eine solche Flut vollkommen unterschiedlicher Gefühle sich über sie erhob und sie unter sich begrub. Wie sich aus Geborgenheit ein Gefühl des Entsetzen bilden konnte. Wie sie einerseits glücklich und andererseits total traurig sein konnte. Sie wusste nicht das so etwas möglich war. Diese Flut von Gefühlen machte ihr Angst, ließ sie begreifen wie jung sie war. Ließ sie zum erneuten male sehen das sie ihre Mutter und ihren Vater noch brauchte. Führte dazu, dass sie sich zuerst ins Fell ihrer Mutter schmiegte und sich dann wieder löste. Sie war einfach vollkommen verwirrt und musste Ordnung in ihre wirren Gedanken bringen.
Leise wiederholte sie die Worte ihrer Mutter im Geiste. Wir dürfen nur nicht aufhören uns zu lieben und zu vertrauen. Sie blickte noch einen Moment auf das Wasser, sah ihr Spiegelbild und atmete tief durch. Entschuldigend sah sie nun ihre Mutter an, sie wollte nicht das sie sich zurückgewiesen fühlte. Sie dachte über deren Worte nach und das erste was sie dachte fasste sie gleich in Worte

Ich will dir vertrauen Mutter

Ja,sie wollte ihrer Mutter vertrauen, so gerne. Doch sie hatte Angst, Angst vor all dem was sich verändert hatte. Was sich verändert hatte, weil sie Tascurio getötet hatte.

...aber...

ich habe Angst, vollendete sie den Satz in gedanken. Diese Angst, sie sie hatte entfachte Vorwürfe in ihr. Vorwürfe die sie ihrer Mutter nicht machen wollte. Sie wollte sie nicht verurteilen und doch tat sie es schon in gewissen Punkten. Die ersten Tränen rannen aus ihren Augen. Was wenn sie ihre Mutter doch verurteilen würde? Was wenn sie sich von ihr abwenden würde? Was wenn alle anderen sich von ihr abgewandt haben und sie es auch tat? Was wenn...
Mit einen schluchzen ließ sie sich zusammen sacken. Saß nun ziemlich geknickt vor ihrer Mutter. Ließ den Tränen freien Lauf. Einen Moment lang dachte, das es vielleicht besser gewesen wäre, wenn sie nicht zurück gekommen wäre, aber diesen Gedanken verwarf sie ganz schnell wieder. Eine kurze Zeit saß sie weiterhin so da, den Blick am Boden. Dann hatte sie sich soweit gesammelt das sie ihre Mutter wieder anblicken konnte.


“Ich will dich nicht verurteilen, aber ich habe Angst es zu tun.“

in ihren Ohren hörte es sich schon dumm an was sie sagte, dabei wusste sie wie es gemeint war, weil sie es ja selbst fühlte. Aber würde Tyraleen verstehen was sie meinte. Sie schaute ihre Mutter wieder an hilfesuchend, verschreckt wie ein kleiner Welpe.

"Ich habe Angst vor allem was sich geändert hat"

diese Worte waren mehr geflüstert, als wirklich laut gesagt. Denn sie fühlte sich so verletzlich udn hilflos in mit dieser Angst. Sie wusste nicht wie es weitergehen sollte. Es war in diesem Moment einfach zu viel. Zu viel auf einmal. Noch wagte es Amúr nicht ihre Mutter nach dem Grund zu fragen, sie wollte hören wie sie diese tat begründete. Aber dazu musste sie sich erst einmal wieder fassen.


(Sorry, ich habe nicht darauf geachtet wie viel sie wissen kann, das stimmt. Ich glaube ich war einfach zu eifrig, in gewisser Art und Weise. Ich versteh was du meinst und es war mein Fehler. Ich werde mehr drauf achten, damit sowas nicht nochmal vorkommt. Tut mir Leid. )

Tyraleen
18.07.2011, 12:47

Die Überforderung Amúrs zeigte sich nun wieder, als sie sich von Tyraleen löste und den Blick über den See wandern ließ. Natürlich, sie konnte nicht einfach so tun, als wäre nichts geschehen. Aber immerhin hatte sie ihrer Mutter vergönnt zu zeigen, dass sie zum Lieben mehr als fähig war und noch immer Zuflucht und Geborgenheit spenden konnte. Somit wusste die Silberne, dass sie trotz allem immer zu ihrer Mutter kommen konnte, ganz gleich ob sie dieses Angebot annahm oder nicht. Der Moment der Innigkeit war vorbei, nun würde Tyraleen versuchen müssen, ein klein wenig Klarheit und Ordnung in die verwirrten Gedanken ihrer Tochter zu bringen, ohne zu wissen, ob sie überhaupt dazu fähig war.

“Es ist sehr schwer für dich, mein Schatz, ich weiß. Du kannst dir Zeit lassen, über all das nachzudenken. Wir können nicht so tun, als wäre nichts geschehen und einfach weiter machen wie zuvor. Auch deine anderen Geschwister und ich sind noch dabei, wieder Vertrauen zu lernen. Es ist ein schwieriger Weg, aber wenn wir zusammenhalten, können wir ihn sicher gemeinsam gehen. Hast du irgendwelche Fragen?“

Als Amúr begann zu weinen, wollte Tyraleen zunächst ihrem ersten Impuls folgen und ihr die Tränen von den Wangen waschen; dann zögerte sie und saß einen Herzschlag lang verkrampft da; schließlich reckte sie sich leicht vor und wischte mit der Nase einige Tränen fort.

“Du brauchst keine Angst davor zu haben, was sich geändert hat. Es ist nicht alles kaputt, es herrscht nicht nur noch Uneinigkeit. Dein Vater und ich sprechen viel miteinander und unsere Familie kann an dieser schwierigen Zeit wachsen. Wir sind auf dem Weg der Besserung, die schlimmste Zeit hast du verpasst.“

Darüber war Tyraleen sehr froh – Amúr hätte auch mitten in den Hass zurückkehren können, als tiefster Winter herrschte, Varge ihr Unwesen trieben und die ganze Familie sich gegenseitig mied. Nein, jetzt war alles schon viel besser.

“Wenn du mich nicht verurteilen möchtest, so brauchst du das auch nicht zu tun. Denn was auch immer du nicht verstehst, ich kann versuchen es dir zu erklären. Und wenn du alles verstanden hast, dann willst du auch nicht mehr verurteilen.“

Hoffentlich.


((Schon in Ordnung, passiert, achte einfach ab jetzt darauf, dass du dich von den Gedanken deiner Mitspieler nicht zu sehr inspirieren lässt ^.~))

Amúr
18.07.2011, 20:45

Als ihre Mutter sprach hörte Amúr aufmerksam zu, sie erhoffte sich aus den Worten ihrer Mutter etwas halt zu finden. Erhoffte sich das die Worte sie beruhigen konnten, damit sie anfangen konnte ihre wirren Gedanken zu ordnen und sich nicht von ihnen verschlucken zu lassen.

“Es wäre aber soviel einfach wenn wir es könnten. So tun als wäre nichts geschehen.“

murmelte sie, noch immer hielt sie den Kopf gesenkt. Dann fragte Tyraleen ob sie Fragen hatte, ja das hatte sie, so verdammt viele. Selbst ohne dieses Ereignis, ohne das was sie getan hatte, gab es in Amúr genug Fragen. Sie verstand so vieles nicht und hatte so viel Fragen übers Leben. Sie schien das leben nicht richtig zu verstehen und die tat ihrer Mutter und was das bewirkt hatte, machte es nicht gerade besser. Sondern eher schlimmer und schwerer das Leben zu verstehen, wenn das überhaupt möglich war.

“Ich habe so viele Fragen, Mutter. So verdammt, viele. Nicht nur über Tascurio’s Tod, sondern auch über anderes. Eigentlich über alles...“

sie schüttelte den Kopf. Aber sie spürte auch, das sie etwas ruhiger wurde, weil sie einen Moment nicht nur über das nachdachte was geschehen war und wie es weitergehen würde. Sie gab in diesem Moment eins ihrer Probleme preis, was sie erst seit ihrer Reise hatte. Aber lange hielt der Moment nicht an. Sie überlegte was sie zuerst Fragen könnte. Aber ehe sie sich was überlegen konnte, sprach ihre Mutter wieder zu ihr. Sanft wischte sie mit ihrer Nase einige Tränen fort.

“Das habe ich aber...“

kam es von Amúr. Sie blickte ihre Mutter nun an, die Tränen wurden geringer, aber sie blieben. Amen unaufhörlich und spülten die Angst aus Amúr, sowie die Worte die sie sagte.

“Weißt du auch warum? Weil ich nicht weiß ob es jemals wieder so wie früher sein wird. Weil keiner weiß ob es jemals so wie früher sein wird. Oder kannst du es mir sagen? Vermutlich wird es nie wie früher sein. Aber ich will das es wie früher ist. Ich will meine Familie. So wie sie war, bevor ich fort gegangen bin. Ich will einfach nicht das es so ist.“

zum ende hin klang Amúr fast zickig. Sie wollte einfach nicht hinnehmen wie es war. Sie hatte den Blick nach diesen Worten wieder abgewandt. Die tränen hörten auf, denn Wut keimte n ihr, Wut über sich selbst. Weil sie ihre Mutter doch verurteilte, ihr doch aber nicht wehtun wollte. Nach kurzer Pause richtete sie den Blick wieder auf ihre Mutter.

“Das tue ich aber. Verurteilen. Weißt du was ich denke? “

wieder klang ihre Stimme schärfer als gewollt, es war ungewohnt, auch für Amúr selbst. Früher hätte sie sich zurückgezogen, verkrochen versteckt. Auf eine Art tat sie es, weil sie es nicht akzeptierte und sich die heile Welt aufrecht erhalten wollte. Aber sie redete, sagte offen was sie dachte und fühlte, etwas was sie damals nicht getan hätte.

“Ich denke das alles noch gut wäre, wenn ... wenn du nicht ... nicht unseren Bruder getötet hättest. Ich denke das alles so schön sein könnte, wäre diese Tat nie geschehen. Diese Tat, die du begangen hast.“

War ihre Stimme am Anfang so scharf, wie bei ihren vorherigen Worten, verloren sie nach und nach an schärfe und klangen mehr und mehr traurig.

“Verstehst du? Das denke ich und ich will nicht unfair sein. Weiß nicht ob es unfair ist so zu denken. Und selbst wenn es nicht unfair ist, will ich nicht so denken. Weil ich dir nicht wehtun möchte, es ist doch bestimmt schon schwierig genug für dich in letzter Zeit gewesen. Nicht nur für dich, sondern auch für Vater und meine Geschwister. Aber eben auch für dich ....“

sie stockte, schaute ihre Mutter an.

“...und es ändert doch auch nichts an der Situation, es ist trotzdem so wie es ist. Es bringt nur zwei Sachen. Schmerz für dich und Wut in mir. Und das ist doch nicht gut, oder?“

fuhr sie fort. Sie hoffte ihre Mutter konnte verstehen was sie fühlte. Und wieder hoffte sie, das ihre Mutter die richtigen Worte fand. Sie drehte sich zum See und blickte ins Wasser. Sah auf ihr Spiegelbild. Sah auf das Spiegelbild ihrer Augen, aus denen man deutlich ablesen konnte wie verwirrt und durcheinander sie war. Ihre Gedanken wanderten zurück zu dem Satz: hast du irgendwelche Fragen, von ihrer Mutter. Sie wandte den Kopf nach ihrer Mutter um.

“Möchtest du mir erzählen was genau passiert ist? Ich meine Vater konnte es mir ja nur so erzählen wie er es erlebt hat.“

sie schaute ihre Mutter an, abwartend. Sie wusste nicht ob es schwer für Tyraleen war darüber zu sprechen, oder nicht. Deswegen ließ sie ihr die Wahl. Aber sie hoffte das ihre Mutter sich neben sie setzen würde, ihr alles erzählen würde und sie verstehen würde. Damit es ihr endlich gelang ihre Gedanken zu sortieren. Damit es ihr irgendwie gelang, zu akzeptieren was passiert war.

Tyraleen
21.07.2011, 13:51

Auf das leise Murmeln Amúrs hin schüttelte Tyraleen langsam den Kopf und brachte ein trauriges Lächeln zu Stande. Tatsächlich musste sie ihr widersprechen, dabei schien die Ansicht ihrer Tochter eigentlich so verlockend.

“Nein, das wäre nicht gut. Wenn wir so tun würden, würden wir auch vergessen. Und wenn wir vergessen, was geschehen ist, können wir nicht daraus lernen. Aber ich habe sehr viel gelernt, vermutlich mehr, als mir Banshee je hätte beibringen können. Und auch wenn ich dieses Wissen sofort gegen das Leben meines Sohnes eintauschen würde, bin ich froh, es zu haben.“

Sie hatte gelernt, dass es richtiges und falsches Lieben gab und auch wenn sie natürlich noch sehr viel mehr Lehren aus ihrer Tat und der Zeit danach gezogen hatte, so blieb diese Erkenntnis die wichtigste. Als Engayawolf aber noch viel mehr als Priesterin durfte sie nicht Festhalten. Sie musste bereit sein loszulassen, egal wie sehr sie liebte. Nicht, weil sie dann tatsächlich Verlieren würde, sondern weil sie gerade durch dieses Festhalten das auslöste, was sie vermeiden wollte. Verworren und kompliziert und doch so klar und ersichtlich anhand der Vergangenheit.
Amúr bestätigte, dass sie Fragen hatte, doch zunächst stellte sie keine. Tyraleen beschloss, ihr Zeit zu lassen und nicht zu drängen. Ihre Tochter schien viel zu viele Gedanken auf einmal zu haben und jetzt drehten sie sich vor allem um ihre Angst. Auch sie liebte die Vergangenheit und hielt sie deshalb fest … auch das war nicht richtig. Sich an die Vergangenheit zu klammern brachte selbst dann Unglück, wenn nichts Schlimmes, das alles änderte, geschehen war. So schüttelte die Weiße langsam den Kopf.

“Es wird nicht mehr so wie früher, aber das wäre es auch nicht geworden, wenn dein Bruder nicht gestorben wäre. Alles ändert sich, selbst du hast dich verändert, obwohl du nicht hier warst. Und das ist gut so. Stell dir vor, es würde immer alles gleich bleiben? Wie schrecklich langweilig wäre unser Leben und wieder und immer wieder würden wir aus der Vergangenheit nichts lernen. Das wäre nicht schön. Vielleicht ist es momentan nicht mehr so schön wie früher, das heißt aber nicht, dass es nicht schöner werden kann. Anders, aber schöner. Daran glaube ich.“

Denn wer sagte beispielsweise, dass Tyraleen nicht wieder Vertrauen lernen konnte? Dass sie eines Tages Averic genug vertraute, um wieder an seiner Seite sein zu können? Dann würden sie beide auf eine Vergangenheit zurückblicken können, die vielleicht nicht schön war, die jedoch zeigte, dass ihre Liebe selbst solch schreckliche Katastrophen überstehen konnte. Vielleicht, irgendwann.
Doch Amúr schien nicht so positiv denken zu wollen, viel eher keimte nun Wut in ihr. Es erschreckte die Weiße und sie fürchtete einen ähnlichen Ausbruch wie bei Atalya. Ihre Tochter zögerte auch nicht, zu bestätigen, dass sie ihre Mutter verurteilte und sofort wurde Tyraleens Herz etwas schwerer. Die Erklärungen dazu waren die gleichen wie immer und die Weiße konnte an ihrer grundsätzlichen Aussage auch nicht rütteln. Es stimmte. Aber so einfach war die Situation dennoch nicht. Die Stimme Amúrs verlor zunehmend an Schärfe und zeigte so immerhin, dass die Silbergraue vor allem traurig war.

“Du hast Recht, Amúr, das alles wäre nicht geschehen, hätte ich Tascurio nicht getötet. Aber hätte ich ihn nicht getötet, wäre anderes geschehen. Möglicherweise hätte er deinen Vater getötet. Oder ich hätte dem Rudel von dieser Vision berichtet und unsere Familie wäre starr vor Entsetzen gewesen – was wäre dann passiert? Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich so viel besser geworden wäre.“ Sie stockte kurz, sprach aber nicht aus, dass sie vor allem die Götter unfair fand. Das war nichts, was eine Priesterin sagen durfte und es stimmte auch nicht unbedingt. Man verstand Götter nicht. “Auch hätten dein Vater und deine Geschwister anders reagieren können. Unsere Familie hätte nicht zerbrechen müssen.“

Auch diesen Satz hatte sie nicht unbedingt sagen wollen, aber er war aus ihr herausgekommen, bevor sie ihn hatte aufhalten können. Er war die Wahrheit und doch war sich die Weiße nicht sicher, ob es richtig gewesen war, Amúr die Tatsache so darzustellen.

“Schmerz in mir und Wut in dir müssen nicht sein. Das meiste davon können wir vertreiben, wenn wir verstehen.“

So würde sie sich nun beugen und die schreckliche Situation, die nun schon ein halbes Jahr her war, erneut berichten. Es freute sie nicht gerade, sich an jedes Detail zu erinnern, aber sie wünschte sich Verständnis und wie sonst könnte sie es erlangen?

“Wie du weißt, haben wir damals im Frühling eine Lehrjagd für euch halten wollen. Sicher erinnerst du dich auch noch, dass Tascurio, Chanuka und Turién fehlten. Dein Vater und ich haben sie gesucht, während ihr bereits begonnen habt. Ich habe die drei auf der Blumenwiese am Federbaum gefunden, doch bereits diese Situation war seltsam. Bevor ich sie erreicht hatte, sind Turién und Chanuka gegangen – beinahe geflohen – und Tascurio hat mich erwartet, ganz so, als wüsste er bereits, was nun kommen würde. Ich wollte ihn tadeln und fragen, was seine beiden Brüder taten, doch plötzlich wurde alles schwarz um mich herum. Ich sah deinen Vater und deinen Bruder in einem furchtbaren Kampf gegeneinander, dann erwischte Tascurio die Kehle Averics und tötete ihn. Dazu spürte und hörte ich Fenris ganz nahe bei mir. Er verkündete mir, was ich schon gesehen hatte – dass Tascurio Averic töten würde, wenn ich ihn nun nicht aufhielt. Ich war voller Entsetzen und Panik, mein Kopf hat aufgehört zu funktionieren. Meine Liebe zu deinem Vater war so groß, meine Angst, ihn zu verlieren, so alles verschluckend. Ich stürzte mich auf Tascurio, ohne wirklich zu wissen, was ich tat. Ich sah nur den toten Averic vor mir und wusste, dass ich das nicht ertragen würde. Das Schrecklich war, dass sie Tascurio nicht gewehrt hat. Er hat mich nur angesehen, so als wüsste er, was ich gesehen hatte. Als würde er meine Entscheidung akzeptieren und gutheißen. Aber er war auch traurig. Ich biss ihm die Kehle auf, es ging so unglaublich schnell. Schon lag er tot zu meinen Pfoten und mir wurde klar, was ich getan hatte. Entsetzen, Panik, Unglaube, Trauer – all das vermischte sich in mir und machte mich wahnsinnig. Dein Vater eilte herbei und ich dachte, er käme um mir zu helfen. Ich wollte zu ihm, wollte Trost bei ihm finden, aber auch er war voller Unglaube. Er verstand nicht – er konnte es ja auch nicht verstehen – und so stritten wir uns. Warfen uns Worte entgegen, die wir beide nicht meinten. Schließlich ging er und Malakím und ich bestatteten deinen Bruder.“

Tyraleen hatte den Kopf tief gesenkt, die Augen voller Trauer. Diese schrecklichen Momente erneut erleben zu müssen setzte ihr zu, aber sie biss die Zähne aufeinander. Sie hatte es sogar geschafft, jede Anschuldigung gegen Averic nicht zu erwähnen, ebenso wie sie verschwieg, dass sie beide beinahe miteinander gekämpft hätten. Nichts, was ihre Tochter wissen musste. Es trug auch nichts zur Situation bei, es ging nur Averic und sie etwas an.

Amúr
23.07.2011, 00:17


Amúr hörte still zu. Ihre Mutter erklärte ihr, das es nicht gut sein würde, wenn man so tut als sei nichts gewesen, weil man dann vergessen würde. Doch man darf nicht vergessen, weil man sonst nichts draus lernt. Als Amúr so darüber nachdachte, fiel ihr auf das ihre Mutter Recht hatte. Wenn sie so täten als sei nichts, wäre es leicht die tat ihrer Mutter zu verdrängen und dann zu vergessen. Aber das war eine so verlockende, so einfache Lösung. Aber anscheinend eine der schlechtesten Lösungen. Aber im Grunde hatte sich Amúr das auch selbst denken können. So einfach konnte es nicht sein und so einfach war es auch nicht. Weiterhin hörte sie ihrer Mutter still zu. Einzelne Tränen rannen ihr noch über die Schnauze. Sie nächsten Worte von Tyraleen beruhigten die Silbergraue. ...dass es nicht schöner werden kann... hallte es in ihren Gedanken nach. Anders aber schöner..... Die Worte ließen die Tränen versiegen.
Nun äußerte sich ihre Mutter zu ihren Gedanken, zu dem was sie dachte und fühlte. Sie schwieg nach den Worten ihrer Mutter. Erst nach einer kurzen Weile ergriff sie die Stimme um etwas dazu zu sagen

“Vielleicht...vielleicht hätten sie wirklich anders reagieren können...“

Sie hatte es noch nicht aus diesem Blickwinkel betrachtet, dafür war das Wissen über diese Tat auch zu frisch. Aber vielleicht wäre sie nach einiger Zeit auch zu dieser Erkentniss gekommen, denn eins was sie aus ihrer Reise mitgenommen hatte war dies: Es gab immer mindestens zwei Ansichtsmöglichkeiten. Wenn man einen Stein von oben aus dem stehen betrachtet sieht er anders aus als wenn man ihm im liegen betrachtet. Das musste sich doch auch auf Situationen übertragen lassen, es war nur nicht so einfach dort die verschiedenen Ansichtsmöglichkeiten zu finden und auch zu sehen. Als ihre Mutter dann berichtete was passiert war, es erzählte wie se es erlebt hatte, wirbelten die Gedanken von Amúr erneut durcheinander. Sie sortierten sich und langsam kam Struktur in all das, was passiert war. Sie erinnerte sich an die Worte ihres Vaters, als er ihr gesagt hatte was passiert war. Der Gott des Todes hat uns vor einigen Monaten etwas schreckliches angetan, hatte er gesagt, er hat deine Mutter dazu gebracht deinen Bruder zu töten. Amúr schluckte, als sie ihre Mutter anblickte. Denn sie fragte sich gerade, wie schwer es wohl für ihre Mutter gewesen war, ihr all das zu erzählen. So ausführlich zu erzählen. Jegliche Wut war verflogen, Verständnis war eingekehrt. Auch wenn sie nicht alles verstand, sie verstand etwas. Und dieses etwas half schon ungemein. Sie stand auf und trat zu ihrer Mutter herüber. Stand nun ganz dich vor ihr und stupste sie sachte an.

“Es tut mir Leid. Es ist nur so, ich habe noch nie erlebt wie man so viele Gefühle gleichzeitig haben kann. Ich habe nicht verstanden. Und auch wenn ich noch nicht alles verstehe, ich denke ich verstehe etwas. Ich kann dir nicht sagen wie ich zum Beispiel reagiert hätte, wäre ich an deiner Stelle gewesen.“

sie machte eine pause, blickte ihre Mutter weiterhin an.

“Vater hat gesagt, Fenris hat uns etwas schreckliches angetan. Er habe doch dazu gebracht. Und wenn du daran glaubst, das es schöner werden wird als vorher, dann möchte ich versuchen auch daran zu glauben.“

sie schaute in den Himmel, ihr Vater hat gesagt der Gott des Todes hat ihre Mutter dazu gebracht diese Tat zu begehen, die Weiße selber sagte das sie glaubte es könne schöner werden und schließlich gab es immer noch Engaya und Banshee, irgendwo dort oben. Und wenn sie nur fest an beide glauben würde, würden sie ihr und ihrer Familie helfen.

“Außerdem dürfen wir unsere Göttin nicht vergessen. Dürfen wir Banshee nicht vergessen. Wenn wir fast an die beiden glauben, so glaube ich das sie uns helfen werden. Vielleicht wird es ja wirklich schöner. “

all das, hatte sie nicht sehen können. Zu verwirrt und durcheinander war sie gewesen. Die strahlenden, positiven Gedanken konnten den Nebel, der Verwirrung nicht durchdringen. Doch jetzt wo der Wind des Verständnis den Nebel schwächer gemacht hatte, konnte sie positiv denken.

“Und ich glaube auch, das ich dir verzeihen kann. Vielleicht brauch ich etwas Zeit, aber ich glaube... ich werde dir verzeihen können. Weil ich dich lieb habe!“

Mit diesen Worten schmiegte sich die Silbergraue wieder an ihre Mutter, so wie sie es zu beginn getan hatte, wollte nun ihr die Trauer und den Schmerz nehmen, der vielleicht in ihr aufgekommen war, als sie von ihrer Tat berichtet hatte. Ihre Mutter hatte die richtigen Worte gefunden und Amúr war leicht ums Herz. Nun wo sie etwas verstand, konnte sie das negative zu Seite schieben und auch wenn es noch da war, überwiegte nun das positive. Es würde noch einige zeit brauchen, bis sie all das ganz verkraftet haben würde, aber sie wollte ihre Mutter auch nicht verurteilen, also krallte sie sich an den Glauben den sie hatte. An den Glauben an Engaya und Banshee und hoffte das alles so schnell wie möglich besser werden würde.
Dennoch hatte Amúr noch viele Fragen und nun wo es ihr besser ging, sprudelten sie aus ihr her raus

“Gefühle beeinflussen einen manchmal sehr, oder? Gefühle können zu Taten führen, die wir so vielleicht gar nicht hätten tun wollen. War es so auch bei dir, wegen deiner Liebe zu , Vater? Du liebst ihn doch noch, oder nicht? Und meinst du das, das alles einen bestimmten Grund hat? Ich meine alles was so passiert, was die Götter tun, was für Fähigkeiten ein jeder hat. Weil es muss doch alles irgendeinen Sinn haben. Meinst du es ist so? Und meinst du das die Götter all das was sie so machen tun damit wir irgendwann diesen Sinn erkennen?“

Sie stand noch immer an ihrer Mutter gekuschelt da, dennoch hatte sie den Blick nach oben gehoben. Blickte in den Himmel, blickte dort hin wo sie vermutete das sich die Götter aufhielten, irgendwo ganz weit weg und doch ganz nah. Sie hatte noch so viel mehr Fragen und sie wusste nicht ob sie jemals all ihre Fragen beantworten können würde, oder ob es überhaupt nötig war für all diese Fragen antworten zu finden.

Tyraleen
25.07.2011, 17:03

Noch immer hatte Tyraleen ihren Kopf tief gesenkt und die Augen geschlossen. Sie musste sich wieder fangen und sich nicht an diesen vergangenen Bildern festkrallen. So viele Tage und Nächte hatte sie schon darüber nachgegrübelt, so viele Male die Situation wieder und wieder durchlebt. Langsam musste sie damit zu Recht kommen und sich nicht immer wieder aus dem Gleichgewicht bringen lassen. Doch bisher hatte niemand, auch keines ihrer anderen Kinder, darum gebeten, die Situation ganz aus ihrer Sicht mit allen Details erzählt zu bekommen. Dinge auszusprechen war noch einmal weitaus schwerer, als nur über sie nachzudenken. Eine Situation mit Worten zu beschreiben, machte sie lebendiger, als jedes Bild in Gedanken. Die Weiße schluckte und spürte dann plötzlich eine Berührung. Als sie die Augen öffnete und leicht aufsah, erkannte sie, dass Amúr zu ihr getreten war. Ein sanftes Stupsen schien sie trösten zu sollen. Jede Wut war von ihrer Tochter gewichen. Dann hatte es immerhin etwas genutzt, dass Tyraleen erzählt hatte.

“Danke, Amúr. Doch ich hoffe, dass du niemals etwas Ähnliches erleben musst. Das wünsche ich nicht mal meinem größten Feind.“

Tyraleen hatte keine Feinde, aber selbst wenn sie welche gehabt hätte, so hätte sie sie nicht genug hassen können, um ihnen eine solche Entscheidung abzuverlangen. Geschweige denn ihren eigenen Kindern. Ein erstes Lächeln erschien auf den Lefzen der Weißen, als Amúr von Engaya und Banshee sprach und ganz so klang, wie ihre Mutter. Sie hatte Recht. Wenn sie an die Liebe glauben würden, würde Liebe auch wieder entstehen.

“Ich bin froh, dass du so denkst, meine kleine Tochter. Wenn wir gemeinsam daran glauben, wird alles besser werden, da bin ich mir sicher.

Ihr Lächeln wurde ein wenig stärker, als Amúr vom Verzeihen sprach und schließlich fand die Weiße auch ihr sanftes Strahlen wieder.

“Ich freue mich darauf. Und habe dich auch schrecklich lieb, meine kleine Amúr.“

Sanft legte sie erneut den Kopf auf die Schultern ihrer Tochter und war froh, dass der kurze Streit, oder wie auch immer man ihre Unterhaltung bezeichnen konnte, so schnell vorübergegangen war. Wäre es nur bei allen Familienmitgliedern so gelaufen. Plötzlich begannen Fragen aus Amúr herauszusprudeln und Tyraleen hatte Mühe hinterher zu kommen. Eine ganze Menge Fragen waren das, doch scheinbar beschäftigten sie ihre Tochter sehr, so versuchte sich die Weiße daran, auf jede einzelne eine Antwort zu finden.

“Du hast Recht, Gefühle sind sehr mächtig. Die meisten Dinge, die wir tun, machen wir nicht, weil wir lange darüber nachgedacht, das Für und Wider gegeneinander abgewägt und am Ende eine Entscheidung gefällt haben, sondern weil uns Angst, Wut, Liebe, Trauer, Freude oder Sehnsucht dazu treibt. Deshalb musst du deine Gefühle immer überwachen und darauf achten, dass keines zu stark wird. Ich habe deinen Vater über alles geliebt und das hat mich dazu gebracht, meinen eigenen Sohn zu töten. Doch Liebe an sich ist nicht falsch, so stark sie auch ist. Das Festhalten an Dingen oder Personen, die man liebt, ist falsch. Es gibt zwei Arten von Lieben: Das eine Lieben klammert und ist eifersüchtig, das andere Lieben lässt frei und vertraut. Wir müssen die zweite Art von Lieben erlernen und leben.“

Damit gab Tyraleen bereits ihre ersten eigenen Erkenntnisse weiter, die sie so nicht von Banshee gelernt hatte. Gerne hätte sie sich bei ihrer Mutter Rat geholt und gefragt, ob es richtig war, was sie sagte. Aber Banshee war tot und Tyraleen musste nun alleine Entscheidungen fällen. Sie musste sich selbst vertrauen und konnte nur hoffen, dass ihr Gefühl, das sich richtig anfühlte, nicht täuschte.

“Ich liebe deinen Vater noch, ja. Aber leider ist auch das nicht so einfach. Er hat mich sehr enttäuscht und mein Vertrauen gebrochen – ebenso wie ich bei ihm – weshalb wir nicht einfach weitermachen können wie zuvor.“

Allzu ausführlich wollte sie auf dieses Thema nicht eingehen, dafür war es noch viel zu frisch und betraf im Kern nur Averic und sie. Für Amúr sollten sie schlicht ihre Eltern bleiben, auch wenn sie keine Gefährten mehr waren.

“Ja, ich glaube, dass alles einen Sinn hat, auch wenn wir ihn nicht immer erkennen. Ob wir ihr irgendwann erkennen werden ist jedoch auch nicht klar, denn eigentlich sind Götter auch gerade deshalb Götter und wir nur normale Wölfe, weil wir die Taten und Absichten Engayas und Fenris‘ nicht verstehen. Wir können Vermutungen anstellen und manchmal werden wir vielleicht auch Einzelheiten oder bestimmte Zusammenhänge begreifen, aber das große Ganze wird für uns immer verborgen bleiben.“

Amúr
11.08.2011, 22:11

Amúr sah wie ihre Mutter anfing zu Lächeln, was mehr und mehr stärker wurde. Amúr hatte nämlich das Gefühl das es ihrer Mutter nicht so leicht gefallen war ihr von alle dem zu erzählen. Amúr spürte wie ihre weiße Mutter den Kopf auf ihre Schultern legte. Amúr schob kurz ihre Schnauze in das Fell ihrer Mutter, ehe sie mit den Ohren zuckte und aufmerksam begann zu zuhören, als ihre Mutter sich daran machte ihre Fragen zu beantworten. Die Weiße sprach von zwei Arten des Liebens. Amúr blickte etwas verwirrt.

“Ja, aber wenn wir jemanden loslassen den wir lieben, dann weiß doch der jenige gar nicht mehr das man ihn liebt, oder...“

sie stockte als sie auf eine Idee kam.

“Oder...ich glaube ich verstehe es doch. Du weißt doch das ich Oma sehr geliebt habe und immer noch liebe, aber sie ist ja jetzt tot und man muss das ja auch akzeptieren, ist dieses akzeptieren in dem Fall das loslassen von dem du sprichst? Und wie soll das denn bei Papa und dir funktionieren, oder bei mir und dir, bei meinen Geschwistern und dir? “

sie seufze ganz leise, weil die Antwort ihrer Mutter nur noch mehr fragen in ihr aufwarf. Außerdem wollte sie mit ihren Fragen nicht zu Last fallen. Als ihre Mutter von Averic zu sprechen begann, legte sich Trauer über die Meine von Amúr. Gerne hätte sie gesagt, aber wieso denn nicht, das wäre doch so viel einfacher. Aber sie wusste das, das nicht ging. Trotzdem kamen ihr die leisen Worte

“Das macht mich traurig...“

über die Lefzen, nur ganz leise, aber bestimmt hatte ihre Mutter sie gehört. Doch ehe sie der Traurigkeit verfallen konnte, sprach Tyraleen weiter und Amúr konzentrierte sich auf ihre Antwort. Nach den Worten ihrer Mutter seufze Amúr erneut. Eine Antwort dieser Art hatte sie schon fast erwartet.

“Ach Mama, ich stelle dir hier lauter Fragen und komme mir dabei vor wie ein unwissender kleiner Welpe. Ich habe so viele Fragen, über...einfach alles. Es gibt einfach noch so vieles was ich nicht verstehe. Wird das besser? “

sie endete wieder in einer Frage und dadurch das sie sich nun auf das andere Große bezog was sie bedrückte, konnte sie das andere gut verdrängen. Engaya und Banshee würden ihrer Familie helfen. Und Ihre Mutter glaubte daran das alles besser würde. Also würde sie das auch. Besser als zuvor. Das ihre Mutter das Wort anders im bezug dazu verwendet hat, entfiel Amúr. Außerdem wollte sie jetzt gerade auch nicht mehr daran denken, wollte es einfach weg schieben und später sich darüber den Kopf zerbrechen nicht jetzt. Am besten nie...

Tyraleen
28.08.2011, 13:59

Tyraleen hatte damit gerechnet, dass Amúr nicht gleich alle Antworten verstehen würde und wollte bereits zu einer näheren Erklärung der beiden Arten des Liebens ansetzen, als ihre Tochter erneut zu sprechen begann und ein Beispiel nannte, auf das die Weiße vermutlich nicht gekommen wäre. Es war nicht falsch, auch wenn Tyraleen nicht konkret vom Loslassen Sterbender gesprochen hatte.

“Ja, wenn jemand stirbt, muss man diesen Verlust akzeptieren können und somit loslassen, genau. Aber man kann auch jemanden verlieren oder Teile von ihm, wenn er nicht stirbt. Beispielsweise könntest du einen Rüden lieben, der dich auch einmal geliebt hat, aber sich nun so verändert hat, dass er dich nicht mehr liebt. Auch ihn musst du loslassen können, akzeptieren, dass er sich verändert hat und ihn nicht zwanghaft festhalten wollen. Oder ich als Mutter muss akzeptieren, dass meine Welpen älter werden und so wie du möglicherweise irgendwann fortwandern – auch ohne Rückkehr. Ich werde sie immer lieben, aber ich muss sie loslassen und akzeptieren, dass sie die Welt sehen wollen.“

Bisher hatte sie nur von der Theorie gesprochen, nun musste sie sich den konkreten Fällen stellen – Averic und sie, Amúr und sie, ihre Welpen und sie.

“Ich muss akzeptieren, dass dein Vater irgendwann sterben wird und ich muss akzeptieren, dass er mich möglicherweise nicht so sehr geliebt hat, wie ich ihn. Das darf mich nicht so sehr schmerzen, dass ich mich davon aus der Bahn werfen lasse. Und bei dir muss ich es akzeptieren, wenn du mich von nun an anders behandelst, als zuvor.“

Wenn … die Hoffnung blieb, dass sich dieses Wenn nicht erfüllen würde. Sie stieß ein tonloses Seufzen aus und betrachtete dann ihre Tochter, wie sie leise ihre Traurigkeit über die verlorene Gefährtenschaft ihrer Eltern ausdrückte. Sanft berührte Tyraleen Amúr an der Stirn, tröstend, wenn auch von der gleichen Schwermut umweht.

“Mich auch, Amúr, mich auch.“

Es gab Momente im Leben, die waren schlicht traurig. Wenn ein geliebter Wolf starb, wenn eine bittere Tatsache akzeptiert werden musste, wenn eine schöne Zeit endgültig zu Ende war. Solche Momente musste jeder Wolf einmal erleben und wenn er Glück hatte, war er dann nicht alleine. Tyraleens Zunge fuhr sachte über die Ohren ihrer Tochter.

“Vielleicht solltest du erst einmal einfach ankommen. Mit deinen Geschwistern sprechen, das Rudel wieder kennenlernen und das Tal neu entdecken. Viele Fragen werden sich dann von ganz alleine auflösen. Und wenn nicht, haben wir beide noch viel Zeit darüber zu reden.“

Amúr
29.08.2011, 20:21

Still hatte sie ihr Mutter zugehört, die nun erklärte wie diese Art von Liebe war, von der sie gesprochen hatte. So langsam schien sie zu verstehen, was ihre Mutter damit meinte. Und doch verstand sie nicht, wieso das die richtige Art zu lieben war. Als die Weiße Fähe dann das gesagte auf die Realität übertrug, wollte Amúr bei den Worten „...dass er mich möglicherweise nicht so sehr geliebt hat , wie ich ihn“ protestieren. Aber das konnte sie nicht, denn sie wusste nicht ob es vielleicht stimmte was ihre Mutter sagte. Also knickte sie nur kurz ihre Ohren nach hinten. Als ihre Mutter ihr bestätigte auch traurig darüber zu sein, seufze sie leise. (Dann tu doch was dagegen...) dachte sie still für sich und wurde ein Traurigkeit gehüllt. Alles so wie es war, war nicht richtig. Es war falsch und gar nicht so wie sie es gerne wollte. Doch sie musste sehen, das es so war und lernen damit umzugehen. Sie schob es immer noch weg, zur Seite. Ging der Tatsache aus dem Weg. Sie hatte Angst sonst zu zerbrechen, es war so schon schlimm genug. Doch sie würde sich alle dem Stellen müssen, komplett, mit all den Auswirkungen die es hatte. Das wusste sie auch. Und ob sie nach einigen Tagen immer noch sagen können wird, das sie ihrer Mutter verzeihen kann, wusste sie nicht.

“Wahrscheinlich hast du Recht.“

Stumm kuschelte sie sich danach an ihre Mutter, schloss die Augen und genoss einfach die Zweisamkeit. Sie wusste nicht wie lange sie noch so beisammen standen. Aber die Zeit spielte keine Rolle. Sie dachte an all das zurück was gut und richtig war. Krallte sich an Engaya und Banshee und glaubte zumindest für den Moment das alles besser werden würde.


-Play beendet-