15.07.2011, 00:05
Die Strahlen der Sonne hatten Amúr geweckt. Wie schön ein Sonnenaufgang doch gewesen war. Es war noch recht früh gewesen als sie aufbrach, aber Amúr war nicht mehr müde gewesen. Um sich rum hatte sie lauter Stimmen vernommen die ihr verrieten das sie nicht die einzige war, die schon wach und munter gewesen war. Ja, viele kleine Insekten waren schon fleißig beim arbeiten gewesen. Aber das hatte Amúr nicht weiter gekümmert weiter, sie war aufgesprungen und los gelaufen.
Nun war sie dem Tal ganz nahe und wollte unbedingt zu ihrer Familie. Es tat ihr Leid das sie einfach so fortgegangen war. Sie hatte Sorge darum das die anderen sich um sie sorgen würden. Außerdem vermisste sie ihre Familie ganz einfach. Sie war noch nicht so weit um alleine zu leben, sie war ja noch nicht einmal erwachsen. Sie brauchte ihre Familie, gerade auch deswegen weil sie so viel neue Fragen hatte, auf die sie alleine keine Antwort fand.
Voller Vorfreude, lief sie über das Gras was ganz nass war, oder teilweise auch von Schnee bedeckt war. Das hatte sie schon am Abend zuvor festgestellt. Ungewöhnlich zu dieser Jahreszeit. Aber auch darüber machte sie sich ausnahmsweise- zumindest im Moment- keine Sorgen oder Gedanken. Als sie wieder im Tal stand, blieb sie kurz stehen, ließ ihren blick schweifen. Es war so schön hier und sie war froh zurück zu sein. Sie erhob ihre Stimme und heulte ein kurzes: Ich bin wieder zurück. Vergaß ihren Namen dazu, weil sie kurz darauf auch schon wieder loslief. Noch nie war sie so versessen darauf gewesen einen Artgenossen zu sehen den sie kannte. Sie hatte sich wirklich verändert. Sie wollte jetzt Kontakt zu den anderen, mehr als je zuvor. Völlig außer Atem verlangsamte sie als ihr ein Geruch in die Nase stieg. Sie erkannte ihn sofort.
Vater!
rief sie laut, denn er war hier in der Nähe. Sie ließ den Blick umherstreifen und folgte dem Geruch. Ihr Vater war ganz nahe und sie war froh als erstes auf ihren Vater zu treffen und nicht auf ein einfaches Rudelmitglied.
Vater, ich bin es Amúr
ein Lächeln legte sich auf ihre Lippen, als sie ihren Vater endlich erblickte. Langsam bewegte sie sich in seine Richtung. Wieso er schon so früh wach war und wieso er hier so alleine war, das fragte sie sich momentan nicht, denn sie war einfach nur glücklich ihn zu sehen.
Ich bin wieder da.
17.07.2011, 15:52
Wie es des Öfteren vorkam, hatte Averic die Nacht abseits des Rudels verbracht. Die Eismauer, die er um sein Innerstes aufgebaut hatte, war die meiste Zeit zwar stark und kräftig, doch wie es Eis an sich hatte, war es jederzeit in der Lage Risse zu bekommen, zu schmilzen, oder noch dicker zu werden. Und so musste er manches Mal entfliehen, er der es so sehr hasste Schwäche zu zeigen. Jetzt noch mehr als früher schon. Er verabscheute seine eigene Verletzlichkeit im Bezug auf seine ehemalige Gefährtin. Diese Verletzlichkeit hatte schon so viel kaputt gemacht und auch jetzt, wo er alles daran setzte um sie zu verdrängen, hörte sie nicht damit auf ihn selbst kaputt zu machen und zu ermüden.
Der Morgen war noch jung und der Pechschwarze dabei, sich auf den Rückweg zum Rudel zu machen. Wenn er fernab des Rudels nächtigte, begab er sich immer früh genug zurück, während die anderen noch schliefen. Doch dieses Mal hielt ihn etwas, oder viel mehr jemand auf. Averic hielt inne und drehte schnell den Kopf herum, als ihn seine Tochter rief. Der Schwarze erkannte Amúrs Stimme, obwohl sie nicht mehr so kindlich klang wie damals, als er sie das letzte Mal gesehen hatte. Seine zurückhaltende Tochter war damals einfach verschwunden und obwohl ihm klar war, dass es nur natürlich war, wenn Jungwölfe irgendwann auszogen um ihr eigenes Leben zu leben, so hatte er die leicht bittere Enttäuschung darüber nicht verdrängen können, denn sie hatte sich nicht einmal verabschiedet. Und jetzt kam sie zurück. Als Averic seine Tochter freudestrahlend durch das Dickicht brechen sah, versetzte es ihm einen herben Stich – ihm wurde schlagartig bewusst, wie lange Amúr weggewesen war und was das bedeutete. Sie hatte keine Ahnung von dem, was hier vorgefallen war. Sie würde erwarten die selbe Familie wieder anzutreffen, die sie damals zurückgelassen hatte. Doch dem war nicht so, keineswegs. Amúr so unwissend glücklich zu sehen, schmerzte tief, denn sie machte ihm wieder deutlich, was er verloren hatte.
Dennoch mit ruhigen Schritten trat er zu seiner Tochter hinüber und fuhr ihr mit der Zunge sanft über den Kopf.
„Amúr, das ist schön. Willkommen zurück.“,
antwortete er ihr, obwohl seine Stimme kaum Freude ausdrückte, sie klang fast etwas müde.
17.07.2011, 16:28
Amur lächelte noch immer. Als sie genau vor ihrem Vater war, spürte sie wie die Sehnsucht die in ihr gebrannt hatte langsam verging. Sie war wieder hier, hier im Tal der Sternenwinde. Hier wo ihre Familie war. Sie kuschelte sich kurz an ihren Vater und schaute ihn an.
“Es tut mir so Leid, das ich fort gegangen bin ohne das ich mich verabschiedet habe. Ich... musste lernen mit mir selbst besser zurecht zu kommen. Ich hoffe du und Mutter habt euch nicht zu viele Sorgen gemacht.“
sagte sie, mit der Tatsache das sie alle Tiere verstehen konnte wollte sie ihren Vater nicht überfallen, denn Sorge, wie man darauf reagieren würde, hatte sie noch immer.
Wie..
setzte sie an und stockte dann. Die Worte ihres Vaters waren an sich schön, doch sie klangen matt, irgendwie müde. Amúr betrachtete Averic nachdenklich. Stimmte vielleicht etwas nicht? Als sie so darüber nachzudenken begann wurde ihr bewusst das ja wirklich irgendetwas passiert sein könnte. Sie war lange genug weg gewesen und in dieser Zeit ging das Leben hier weiter. Aber was sollte denn passiert sein? Sie wollte nicht darüber nachdenken, sie dachte allgemein zu viel nach und nun war sie wieder hier. Stand vor ihrem Vater und wollte einfach nur glücklich sein.
Wie geht es dir?
vollendete sie die Frage von vorhin, noch immer fröhlich, jedoch mit dem Hintergedanken das vielleicht doch irgendetwas passiert sein könnte. Was sie nicht hoffte, was aber sein könnte.
17.07.2011, 19:13
Averic schloss kurz die Augen, als sich Amúr an ihn kuschelte. Währen die Gedanken nicht allgegenwärtig, hätte der Pechschwarze vielleicht einen kurzen Moment vergessen können, was nicht mehr war, weil es seine Tochter nicht wusste. Doch das würde nur noch wenige Momente lang so bleiben und es hatte wenig Sinn die unheilvolle Nachricht hinaus zu zögern. Es gab keinen geeigneten Augenblick, um etwas zu erzählen, was am Liebsten jeder vergessen und ungeschehen machen würde. Die dunkelblauen Augen legten sich wieder auf seine Tochter, die sich dafür entschuldigte wortlos davongezogen zu sein. Es hatte längst keine Bedeutung mehr für den Pechschwarzen, er war nicht böse und auch nicht mehr enttäuscht. Und doch war ihre Unwissenheit für ihn unerträglich, vor allem, als sie ihn zusammen mit ihrer Mutter erwähnte.
„Du siehst fröhlich aus, also gehe ich davon aus, dass es dir gelungen ist. Wenn es dir gut geht, ist das alles, was zählt.“,
antwortete Averic und verspürte irgendwo unter seiner Eisschicht tiefes Bedauern, weil er nicht wusste, was er in seiner Tochter zerstören würde, wenn er ihr erzählte, was passiert war. Sie war immer so still und zurückhaltend gewesen, fast ängstlich und abseits. Um genau zu sein erinnerte sich der Pechschwarze nicht daran, Amúr jemals so fröhlich gesehen zu haben. Seine Tochter hatte verdient auch fröhlich bleiben zu dürfen und einen kurzen Moment lang flackerte ein Gedanke in seinem Kopf auf; es wäre wohl besser gewesen, wenn sie nie zurückgekommen wäre. Besser für sie.
Amúr schien bereits zu merken, dass etwas anders war. Sie wollte wohl etwas fragen, stockte aber schon nach dem ersten Wort und sah ihn nur an. An Averics recht deutungslosem Gesichtsausdruck änderte sich nichts, er hielt dem Blick seiner Tochter stand. Als sie ihre Frage letztendlich stellte, war der Augenblick der Wahrheit auch schon gekommen. Er wollte sie nicht unehrlich beantworten, doch das bedeutete, dass sie die Wahrheit jetzt erfahren musste. Averic beantwortete ihre Frage, indem er sie überging.
„Es ist einiges passiert, während du weg warst. Vielleicht hättest du nicht wiederkommen sollen, deine Familie ist nicht mehr das, was sie einmal war.“
In seiner Stimme lag keine Trauer, kein Bedauern. Er ließ nicht zu, dass sie seine Mauer stürzten. Averic suchte nach Worten, wusste nicht, wie er anfangen sollte, wie er formulieren sollte, was Tyraleen getan hatte, ohne sie wie eine ruchlose Mörderin dastehen zu lassen. Ohne die Worte von seinen verletzten Gefühlen beeinflussen zu lassen.
„Vor ein paar Monaten hat uns der Gott des Todes etwas sehr Schreckliches angetan. Er hat deine Mutter dazu gebracht deinen Bruder Tascurio zu töten.“
17.07.2011, 20:12
Ihr Vater schien ihr nicht böse zu sein, darüber war Amúr froh. Ja, sie hatte es geschafft. Sie konnte ihre Gabe nun in gewisser Weise kontrollieren. Unterdrücken wenn sie wollte. Aber ob sie jagen können würde - also große Beute – wusste sie nicht. Denn vielleicht ließen sich dann die Stimmen nicht unterdrücken, das würde sich zeigen.
Ja, es ist mir gelungen. Meine kleine Reise hat mich verändert.
sagte sie und lächelte. In seinem Blick konnte sie nicht sehen ob etwas nicht stimmte. Es war deutungslos. Amúr war etwas verunsichert und wartete auf seinen Antwort. Aber er überging ihre Frage und das was er sagte lies ein ungutes Gefühl in Amúr aufkommen. Wieso hätte sie nicht wiederkommen sollen? Was ist passiert? Was war mit ihrer Familie? Amúr spürte wie sich ihr Herzschlag beschleunigte. Sie warf ihren Vater einen fragenden Blick zu. Sie verstand nicht was er meinte. Dazu klang seine Stimme so, so neutral. Damit konnte sie nichts anfangen.
Nach kurzer Pause sprach ihr Vater wieder und die erbarmungslose Wahrheit schlug ihr entgegen. Schlug ihr mitten ins Gesicht. Ihre innerliche Freude brach und zerfiel, wie das Lächeln auf ihren Lefzen. Blankes entsetzen schimmerte kurz in ihren Augen, dann folgte Ungläubigkeit. Tyraleen soll Tascurio getötet haben. Ihren eigenen Sohn? Nein, nein, nein. Das konnte nicht wahr sein.
“Du lügst“
sagte sie. Wich zurück und verengte die Augen. Auch wenn sie keinen vernünftigen Grund fand, warum ihr Vater sie anlügen sollte sagte sie es. Denn wie reagiert man auf etwas, von dem man nicht möchte das es passiert ist. Mit Verleugnung.
“Das ist nicht wahr! Sag mir das, das nicht wahr ist!“
sie schrie ihren Vater an, wandte direkt danach den Blick zum Boden. Ihr Vater log nicht, das wusste sie. Ihr Vater würde so etwas nicht sagen wenn es nicht wahr wäre. Sie schluckte.
Nein.
sagte sie und hob den Blick.
Ich will nicht das, das wahr ist! Mutter ist doch...ist doch kein Monster. Eine Mutter bringt doch nicht ihr eigenes Kind um.
sie spürte momentan gar nichts, denn alles was sie fühlen hätte können lag in ihren Worten, schrie sie hinaus, das es ihr bloß nicht weh tun konnte. Sie atmete hastig und hätte sich am liebsten umgedreht und wäre weg gerannt. Dorthin zurück wo sie herkam. Doch das würde nichts ändern. Sie legte ihren Blick auf Averic.
Wieso?
ihre Stimme war wieder leiser. Sie hatte es noch immer nicht realisiert, stieß es von sich weg. In ihren Augen spiegelte sich Ungläubigkeit wieder.
Wieso, Vater? Sag mir wieso?
noch immer stieß sie alles weg, wollte es nicht glauben. Sie hatte Abwehrstellung gegenüber ihres Vaters. Das ihr Vater auch unter dieser Tatsache zu leiden hatte
wurde ihr in diesem Moment nicht klar. Konnte ihr nicht klar werden, da sie noch immer verleugnete. Denn sie wusste innerlich schon ganz genau, das sie brechen würde. Doch das wollte sie nicht.
25.07.2011, 20:24
Es war, wie das Untergehen der Sonne und der Aufstieg in eine mondlose, schwarze Nacht. Das Lächeln seiner Tochter zerfiel und ging in Entsetzen über, dann in Unglauben. Leises Bedauern darüber, was er Amúr antun musste, waberte in Averics Brust, neben diesem großen, eisigen Klumpen. Sie nannte ihn einen Lügner, schrie ihn an, doch es traf ihn nicht. Er war auf diese Reaktion gefasst gewesen, denn sicher wünschte sich jeder, dass alles nur eine Lüge war. Der Pechschwarze blieb ruhig, seine Miene steinern und er wartete ab, bis seine Tochter zumindest halbwegs begriffen hatte. Sie war von ihm zurückgewichen und es schmerzte, Amúr so zu sehen. Sie spiegelte den eigenen Unglauben und das Entsetzen wider, den er damals empfunden hatte und der Mitschuld daran trug, dass diese Familie nun kaputt war. Gerade deshalb, war es in Averic nun eisig still und er ließ ihre Wut nicht an sich heran.
Ihre Nichtakzeptanz gegenüber der Glaubhaftigkeit seiner Worten wandelte sich in eine Nichtakzeptanz darüber, dass sie die Wahrheit darin nicht annehmen wollte. Der Pechschwarze musste ihre Verzweiflung an sich abprallen lassen, um nicht selbst zurückzufallen. Erst als ihre Stimme zu einem Flüstern verebbt war, das nur noch nach dem „Warum“ fragte, regte er sich.
„Ich wünschte genau so, es wäre nicht wahr, Amúr.“
Averic ließ sich auf die Hinterläufe sinken und den Blick in den Wald gewandt, suchte er krampfhaft nach einer objektiven Sicht auf das Geschehene.
„Vor etwa drei Monaten, als deine Mutter und ich Tascurio zu einer Rudeljagd abholen wollten, schickte Fenris ihr eine Vision, die ihr zeigte, wie Tascurio mich tötete. Er prophezeite ihr, dass dein Bruder mich eines Tages töten würde, wenn sie ihm nicht Einhalt gebot. Fenris stellte sie vor die grausame Entscheidung, wer leben sollte ... und vor Entsetzen tötete deine Mutter Tascurio augenblicklich.“
Sein Inneres fühlte sich dumpf und schwer an, wie er die Situation so erklären musste. Er hatte es längst verstanden, schon viel früher, als seine ehemalige Gefährtin wahrscheinlich glaubte. Aber es war ein bitteres Verstehen, denn es hatte nichts an dem Riss zwischen ihnen ändern können. Der dunkle Blick Averics senkte sich, denn Amúr hatte noch mehr zu erwarten.
„Ich selbst konnte von dieser Vision zu diesem Zeitpunkt nicht wissen und sah nur, wie Tyraleen einfach unseren Sohn tötete. Im Affekt dieser Situation haben wir uns sehr schlimme Dinge an den Kopf geworfen, die dazu geführt haben, dass wir nun getrennte Wege gehen.“
26.07.2011, 21:20
Angespannt stand Amúr da. Betrachtete ihren Vater, welcher erst am Ende all ihrer Worte reagierte. Wer wünscht sich das nicht... dachte sie. Aber der Gedanke zerfiel, weil sie ihn abstieß, immer noch nicht akzeptieren wollte, obwohl sie eigentlich schon genau wusste das es wahr war. Als ihr Vater dann schilderte was genau passiert war, schüttelte sie hastig den Kopf.
“Hör auf. Ich will es nicht hören, ich will es nicht wissen.“
Ich will nicht, ich will nicht...
Wie ein kleiner bockiger Welpe, der nicht in der Höhle bleiben wollte kamen die Worte aus ihr her raus. Sie wusste nicht wie lange sie es noch schaffen würde all das abzustoßen. Denn ihr wurde bewusst das sie ihren Vater so anschrie und dieser konnte doch nicht dafür. Er hatte sich gesetzt und den Blick gesenkt, dann kamen weitere Worte. Weitere Worte die ihr eiskalt entgegenschlugen.
“Nein!“
grollte sie aus Impuls her raus. Dann suchte sie den Blick ihres Vaters. Sie wusste nicht wie lange sie reglos verharrte, aber sie selbst wünschte sich es wäre ewig so gewesen. Sie selbst wünschte sich das die zeit anhalten würde und alles stehen blieb, so wie es war in diesem Moment. Denn im nächsten brach alles über ihr zusammen. Eiskalt ergoss sich alles über sie und sie musste erkennen das ihre Familie zerbrochen war.
“Nein…“
ganz leise kam ihr das Wort nur über die Lippen. Sie hatte mittlerweile auch den Blick gesenkt.
“Du bist doch mein Vater und Tyraleen meine Mutter. Ich brauche euch, ihr seid meine Eltern.“
08.08.2011, 14:23
Averic betrachtete seine Tochter, die ihn darum bat aufzuhören und nichts mehr zu sagen. Aber es war bereits zu spät und nichts auf der Welt hätte Amúr davor bewahren können, es früher oder später doch zu erfahren. Vielleicht war es ganz gut, dass er der Erste war, auf den sie traf. Er konnte ihre Wut tragen und ihr standhalten. Der Pechschwarze hatte gelernt mit Wut auf sich umzugehen, heute anders als früher. Jetzt ließ er sie an sich abprallen, wie ein harter Fels. Wut war der erste Schritt, wenn man etwas verarbeitete. Die nächsten Stadien hingegen, waren viel schwieriger zu ertragen. Und als die Wut auch bei Amúr langsam verebbte, zeigte sich auf ihre letzten Worte hin zum ersten Mal leises Bedauern auf Averics Gesicht.
„Meine kleine Tochter ... das bleibt auch so. Daran wird nichts auf der Welt etwas ändern. Wir werden trotzdem immer für dich und deine Geschwister da sein.“
Kurz zögerte er, dann beugte sich Averic nach vorne und berührte seine Tochter sanft am Schnauzenrücken.
16.08.2011, 19:57
Amúr regte sich nicht. Die Worte ihres Vaters nahm sie nur wie durch Watte war. Sie fühlte sich leer. Sie schluckte. Als ihr Vater sie am Schnauzenrücken berührte drehte sie die Schnauze zur Seite.
“Aber es ist anders...alles ist anders“
flüsterte sie. Es schien ihr als wäre um sie herum finstere Nacht. (Wäre ich doch bloß nicht zurück gekommen), dieser Gedanke kreiste in ihrem Kopf auf und ab. Sie drehte nun auch den Kopf um sich zum gehen zu wenden. Sie wollte nur eins, weg. Weglaufen.
Doch ehe sie sich ganz umdrehen konnte fühlte sie einen kleinen Stich in sich. Ihr wurde
schlagartig bewusst was sie ihrem Vater hier gerade antat. Sie ließ seinen Zärtlichkeit nicht zu und wollte sich von ihm abwenden, obwohl er doch nicht diese Tat begangen hat. Obwohl er den Mut besaß ihr gleich alles offen darzulegen. Sie drehte sich schnell um und blickte zu ihrem Vater, von sich selbst entsetzt.
“Ich…“
sie stockte
”Es tut mir Leid!”
sagte sie nun lauter und überwand den kleinen Abstand zu ihrem Vater.
“Ich wollte nicht...nur...meine Gefühle und wie...“
sie brachte keinen sinnvollen Satz zustande. Sie schüttelte den kopf und trat auf ihren Vater zu um ihren Kopf an ihn zu schmiegen und ihre Nase in sein Brustfell zu kuscheln.
“Ich liebe dich!“
flüsterte sie und leise rann ihr eine einzelne Träne aus den Augen. Lange stand sie still da, wollte einfach wieder gut machen was sie ihrem Vater fast angetan hätte. Wollte den Schmerz vergessen den ihr, ihr Vater leider antun musste. Sie wollte sie könnte ewig so da stehen, doch das würde wohl nicht gehen. Sie löste sich nach einer für sie viel zu kurzen zeit und war nun weit um ihre Reaktion zu erklären
“Es tut mir Leid, ich war so voller...voller“
sie seufzte
“Voller Gefühlen und ich habe in all dem was ich fühlte nicht begriffen, was für ein Schock das auch für dich gewesen sein musste. Welchen Schmerz du empfunden haben musst und wie schwer das auch für dich sein musste. Oder alles noch ist... und ich hätte fast“
sie senkte den Kopf.
“Ich wäre fast einfach so gegangen, dabei kannst du ja gar nichts dafür.“
mit glasigen Augen sah sie ihren Vater an. Sie wollte ihm doch nicht weh tun. Sie wollte niemanden weh tun, sie wollte einfach nur das alles gut ist. Doch das war es nicht.