Tyraleen
05.06.2011, 14:02

Es war wärmer geworden. Zuerst unmerklich, dann nicht mehr zu übersehen. Es hatte aufgehört zu schneien und auch die Wolken hatten sich immer öfter zurückgezogen. Ab und an hatte sich sogar die Sonne gezeigt, zögerlich und doch wärmend. Es war zu kalt, als dass sie den Schnee hätte hinwegschmelzen können, doch mit der Zeit lag er nicht mehr ganz so hoch. Auch das Eis verzog sich vom See und ließ nur noch am Ufer einzelne gefrorene Stellen zurück. Die Temperatur war noch immer niedrig, doch das mittlerweile gewachsene Winterfell schütze die Wölfe und ließ sie wärmere Tage deutlich spüren. Doch kaum jemand wollte sich darüber beschweren, viel zu froh waren die Wölfe darüber, dass der Winter sich zurückzog. Ganz besonders aus dem Grund, der sich überdeutlich an Sheenas Körper zu zeigen begann. Dass sie Welpen erwartete, hatten Tyraleen und sie schon bald nachdem Sheena sich sicher war, dem Rudel bekannt gegeben. Zunächst ging es um die Liebe zwischen Jakash und Sheena, die sowieso kaum ein Wolf hatte übersehen können. Doch Tyraleen erklärte dem Rudel auch ihr Motiv, diese Welpenzeugung zu erlauben. Immerhin beherrschte noch immer der Winter das Tal und trotz der aufkeimenden Kraft Engayas bestand ein großes Risiko für das Leben der Welpen. Doch all das, was das Leben gefährden würde, konnte durch eben dieses Leben verhindert werden. Was könnte Engaya mehr stärken, als die Liebe zweier Wölfe die in einer Geburt gipfelte? Vielleicht würden diese Welpen alles wieder normalisieren, auch wenn man dazu die Hilfe des restlichen Rudels benötigte. In diesem Zuge wurde auch von Aszrems Gespräch mit Ronron, dem Fuchs über dessen Wissen über die Varge berichtet. Varge sind keine eigene Art sondern eine Mutation. Ein leicht zu beeinflussender Wolf kann zu einem Varg mutieren, wenn er an einen Ort kommt, an dem schreckliche Fenristaten begangen wurden und sich eine Art dunkle Energie ausbreitet. In diesem Fall Tyraleens Mord an Tascurio, auch weil die Leitwölfin die Tochter Engayas ist, und die darauffolgende Zerstrittenheit des Rudels. Einmal mutiert, ist der Varg eine Tötungsbestie die aus diesem Grund meist nicht lange überlebt. Gibt es jemanden, der ihn dennoch zu Engayas Pfoten geleitet mutiert er zurück, da er 'erlöst' wurde und offenbart sein altes Antlitz. Wirkliche Beweise gab es für die Behauptungen des Fuchses nicht, doch seine Erklärungen klangen schlüssig. So war der Varg nur ein weiteres Zeichen von Fenirs‘ Macht und ein drängender Grund, etwas daran zu ändern. Nicht einmal die Fenriswölfe konnten das bestreiten. So baten die Leitwölfe eindringlich um Freundlichkeit und Friedfertigkeit, Zusammenhalt und Bemühungen, Streit und Differenzen beizulegen. Jeder einzelne Wolf trug nun Verantwortung und nur wenn das Rudel zusammenhielt, würden sie den Winter vertreiben können und ihren Welpen eine Zukunft geben. Damit begann die Zeit des Zusammenfindens und des Wartens. Das Verbot den Rudelplatz zu verlassen wurde aufgehoben, auch wenn noch immer Vorsicht herrschte. Doch je wärmer es wurde, desto weniger glaubten die Wölfe an einen weiteren Varg. Dennoch suchte sich Sheena die alte Welpenhöhle auf dem Rudelplatz als Geburtsort aus und brachte bald darauf vier gesunde Welpen zur Welt. Isaí, Tinca, Malik und Taleesha brachten damit eine neue Stimmung in das Rudel und die Vorfreude auf die Welpenerziehung begann zu keimen. Madoc, Chardím, Kisha und Tyraleen wurden zu Paten ernannt, auch wenn sie noch nicht wussten, welchem Welpen sie von nun an besonders zur Seite zu stehen hatten. Sie durften sich jedoch bereits Gedanken über Patengeschenke machen, eine Tradition, die sich im Rudel verankert hatte und kein Pate wollte seinen Welpen leerausgehen lassen.
Drei Monate sind seit dem letzten Plot vergangen – 4 Wochen seit der Geburt der Welpen. Es herrscht eine für die winterbepelzten Wölfe beinahe zu warme Temperatur von 1 °C. Sogar die Sonne zeigt sich, auch wenn einige Wolken am Himmel stehen und sich immer wieder vor sie schieben. Der Schnee reicht den Wölfen nur noch knapp über die Pfoten. Das gesamte Rudel ist auf dem Rudelplatz rund um die Höhle versammelt und freut sich auf die traditionelle Welpenzeremonie, bei der die Welpen zum ersten Mal die Höhle verlassen dürfen, ihre Paten zugeteilt bekommen und ganz offiziell ihren Namen erhalten.



Tyraleen fühlte sich wunderbar. Nie hätte sie gedacht, dass so schnell alles wieder besser werden würde. Ihr war beinahe zu warm, die Sonne schien, der Schnee war deutlich zurückgegangen und die ersten kleinen Nasen reckten sich nach draußen um die Welt zu bestaunen. Sheenas Welpen waren bezaubernd. Vier lebendige kleine Fellknäule, die alles waren, aber keine schwachen Herbstwelpen, deren Überleben im Winter am seidenen Faden hängen würde. Schon darüber empfand die Weiße eine unbändige Freude. Dazu kam, dass sie Patin werden würde. Als Zeremonieleiterin und enge Vertraute Sheenas wusste sie sogar bereits, welchen kleinen Wildfang sie von nun an begleiten würde. Taleesha, die schwarze Welpin mit dem Knickohr würde stets bewacht und beschützt werden. Und es wartete ein Geschenk auf sie. Gut verborgen in ihrem Winterpelz lag ein Stein aus Eis hinter ihrem linken Hinterlauf. Sie hatte diesen seltsamen Stein am Ufer des kleinen Teichs am Wasserfall gefunden – er musste aus den Bergen stammen. Er war so klar und durchsichtig wie Eis, schmolz jedoch nicht, egal wie lang man ihn im Fang behielt und spiegelte das Sonnenlicht in tausend Farben wider. Tyraleen war selbst fasziniert von ihrer Entdeckung gewesen und hatte dann beschlossen, Taleesha dieses Stück unschmelzbares Eis zu schenken. Zunächst würden sich die Welpen jedoch umsehen dürfen, erste Kontakte knüpfen und dann irgendwann würde die Weiße die Zeremonie beginnen. Als Leitwölfin und Priesterin trat sie damit in die Pfotenstapfen ihrer Mutter und war stolz darauf. Nun saß sie neben Sheena und lächelte ihr immer wieder zu, genau nachempfindend, wie sich ihre Freundin nun fühlte. Endlich konnte auch das ganze Rudel dieses Wunder bestaunen, eine neue Zeitrechnung begann.

[ Rudelplatz | Rudel ]

Chanuka
05.06.2011, 14:45

Chanuka tänzelte leichter Pfote aus dem Laubwald hinaus, in Richtung des Rudelplatzes, um nichts von dem Spektakel zu verpassen, dass sich bald zutragen würde. Wie immer mied er seinen Federbaum und die Blumenwiese gekonnt und umrundete den See auf der gegenüberliegenden Seite. Seit Tascurios Tod hatte er nie für länger in der Nähe des Federbaums verweilt. Nicht einmal mehr angesehen, hatte er ihn in letzter Zeit. Es fühlte sich ungefähr so an, als hätte ihn eine wunderschöne Erinnerung für immer verlassen, die ihm die wichtigste von allen gewesen war. Es war allerdings nicht zu ändern. Er gab sich Zeit, mit der Ermordung seines Bruders klar zu kommen. Doch solange die Bilder noch vor seinen Augen tanzten, musste er sich an andere, ebenfalls schöne Erinnerungen klammern, oder gar neue sammeln.
Mehr als sein Lieblingsplatz, von dem er sich selbst vertrieben hatte, beschäftigte ihn etwas anderes. Sei es drum, an diesem Tag wollte er seine neugierige Nase lieber in andere Angelegenheiten stecken. Welpen! Er konnte es gar nicht fassen. Im Grunde hatte er nie welche gesehen. Außer seine Geschwister und die, die im selben Frühjahr geboren worden waren. Aber das zählte nicht. Welpen sahen nicht aus wie Welpen, wenn man selbst einer war. Munter und guter Dinge trabte er auf den Rudelplatz und erspähte seine Mutter. Durfte er? Konnte er es wagen? Den Schritt verlangsamend, trat er zu ihr hinüber und nahm in ihrer Nähe Platz. Er sah zu ihr hinüber, als bräuchte er noch immer ihre Erlaubnis. Allerdings wusste er dieses Mal nur nicht, ob er, wo sie doch soviel mit der Zeremonie zu tun hatte, nicht im Weg stand.


[Rudelplatz | Nahe Tyraleen]

Krolock
05.06.2011, 15:03

Rudelzeremonien. Pah! Er hätte gelacht, wäre es nicht so furchtbar nervig und unnötig gewesen. Er sah zu Nihil, der, wie immer bei solchen Veranstaltungen, wunderbar vergnügt war. Es ging dem Idioten zwischenzeitlich wieder besser. Nach dem er sich von einem Bär hatte plätten lassen, war er inzwischen wohl wieder auf dem Damm. Krolock hatte entschieden, ihn bald wieder sich selbst zu überlassen. Den Welpensitter hatte er lange genug gespielt und wäre es nicht so schön winterlich kalt gewesen, wäre er längst explodiert. Nun, da die Sonne ihre hässliche Erscheinung gelegentlich zum Vorschein brachte, kehrte in Krolock der altbekannte Drang zurück, zu rennen, bis jeder Muskel seines Körpers schmerzte. Er platzte fast. Plötzlich wieder in einer nicht winterlichen Welt zu leben war für ihn, wie es für den Rest des Rudels gewesen war, als der Sommer einfach ausblieb. Mürrisch saß er am Rande des Rudelplatzes, nicht wissend, ob er nicht doch jetzt einfach aufstehen und gehen sollte. Andererseits hatte er große Lust, seine Wut an irgendjemandem auszulassen. Es gab ein paar, die da als Opfer ziemlich gut gewesen wären. Takashi, Cirádan, Averic, Aszrem oder Malakím. Eigentlich auch jeder andere Wolf dieses Haufens bekloppter Teilzeit Optimisten. Am liebsten hätte er Streit mit der Sonne selbst angefangen. Wenn sie doch nur für immer vom Himmel verschwinden würde!
Er knurrte in sich hinein und stand von seinem halbversteckten Platz zwischen den Bäumen auf und trat auf den Rudelplatz hinaus. Zeitgleich mit ihm kam eine dieser anderen nervigen Kreaturen an. Chanuka. Der komische Kauz der von Banshee aufgezogen worden war. Schon blöd, wenn die eigenen Eltern ihn nicht aufziehen wollten.
Krolock sah sich um und blickte nach hinten, zu Nihil, als erwarte er, dieser würde vielleicht gleich tot umfallen, weil er sich von ihm entfernt hatte. Nichts dergleichen war geschehen und würde vermutlich auch nie. Bestimmt war das alles pure Fantasie, mit ihrer komischen Seelenverbindung. Genauso wie es einfach nur schwachsinniger Aberglaube war, dass es irgendwelche Götter gab, die sich um die Vorherrschaft auf Erden kloppten und dabei dennoch das Gleichgewicht wahren wollten. Lustig aber, dass mit dem Mord an Tascurio tatsächlich ein plötzlicher Wintereinbruch zu verzeichnen war. Wenn es ihm nicht zu anstrengend gewesen wäre, hätte er Tyraleen nun ein bisschen damit aufgezogen, doch so nah wollte er der blöden Welpenhöhle gar nicht kommen. Junges Gemüse, das nichts von der Welt wusste und sofort unter die Fittiche genommen wurde, von so unfähigen Gutwölfen, die ständig nur die Tatsachen verdrehten! Furchtbar. Aber wenn ein Intelligenter unter ihnen war, dann würde der früh genug merken, wie beschissen schwachsinnig die Meisten hier waren. Nicht zum aushalten, das Theater!


[Rudelplatz | sich streitsüchtig umsehend]

Cirádan
05.06.2011, 15:21


Cirádan war stolz so stolz auf sich selbst gewesen, als er erfuhr was für Wesen die Vargs waren, das er beinahe geplatz wäre. Zumindest bildete er es sich ein, dass wenn er nur noch ein bischen stolzer gewesen wäre, er wirklich geplatz wäre.
Aber er wollte nicht platzen. Als entspannte sich die Lage schnell wieder für ihn und vor allem als sie alle wieder den Rudelplatz verlassen durften, rannte Cirádan durch das halbe Revier um sich auszutoben.
Ihm gefiel es zu rennen. Oft rannte er alleine und genoss diese Momente des Glücks. Denn immer wenn er sich zurück auf den Rudelplatz schlich, war er wieder der kleine schüchterne, ängstliche Cirádan.
So wie auch jetzt.

Der junge Wolf freute sich darauf Welpen zu sehen. Noch immer konnte er es nicht glauben dass es Wölfe geben konnte die kleiner waren als er. Er war nicht mehr der Kleinste und schon allein deshalb freute sich der Halbblinde über den Neuzuwachs.
Fröhlich tänzelnd, aber immer noch geduckt schlich er um die anderen Wölfe herum in der Hoffnung so schnell wie Möglich einen Blick auf die Welpen erhaschen zu können.

Er streifte dabei an Nihil vorbei. Immer mehr mochte er diesen anderen Jungwolf, der irgendwie anders war.
Dabei fiel sein Blick auf seinen Bruder Krolock, doch er wollte nicht in sein Blickfeld geraten, weshalb Cirá versuchte schnell an ihm vorbei zu huschen.

Krolock
05.06.2011, 15:29

Welch wunderbarer Wink des Schicksals. Aus den Augenwinkeln nahm er eine Bewegung wahr und als er sich umdrehte, erblickte er seinen Bruder. Hatte er nicht gerade noch gehofft, diesen irgendwo zu erblicken, um ihn ärgern zu können? Jetzt jedenfalls war er da und Krolock machte einen plötzlichen Sprung vor den Grauen, um ihm den Weg abzuschneiden. Er baute sich einfach nur vor ihm auf, um seine Macht ihm gegenüber zu demonstrieren. Es brauchte ja nicht besonders viel, um Cirádan zu erschrecken oder ihm Angst einzujagen. Und Krolock gehörte nicht gerade zu denen, die rücksichtsvoll mit den Ängsten ihrer Mitwölfe umgingen. Im Gegenteil. Cirádan zu ärgern war unglaublich amüsant. Schon immer gewesen. Sein Bruder musste ja nicht unbedingt wissen, dass er ihm eigentlich nie etwas tun würde. Jedenfalls nicht so ganz ohne Grund. Eine kleine Provokation mochte bei ihm zwar manchmal ausreichen, um ihn zupacken zu lassen, aber solange der Graue nur so dahin kroch, bestand wohl nicht unbedingt die Gefahr, Krolock tatsächlich zu reizen. Irgendwie war es aber eben doch reizend. Denn bei keinem anderen Wolf bereitete es ihm ein derart diebisches Vergnügen, ihn immer und wieder auflaufen zu lassen. Für Schwäche kannte der Schwarze keine Toleranz. Und ausgerechnet mit Cirádan musste er verwandt sein?!

„Wohin des Weges?“

Fragte er, nichts tuend, außer ihm den Weg zu versperren. Und hätte er an ihm vorbei gewollt, stünde er sofort wieder in seinem Weg. Ein lustiges Spiel. Um zu testen, wie weit er gehen konnte und ehe irgendwelche anderen Nervensägen auftauchten, machte er in hoch erhobener Haltung, einen Schritt auf seinen Bruder zu, um ihn zum Zurückweichen zu bewegen. Und noch ein Schritt.

„Hier kannst du nicht lang…“

Pöbelte er, mit drohender, bissiger Stimme.


[Rudelplatz | Cirádan, in der Nähe Nihil]

Cirádan
05.06.2011, 15:44


Dabei hatte es einen Augenblick zurück noch so gut ausgesehen, dass er sich ungesehen vorbei schleichen konnte. Doch das Glück schien Cirádan nicht hold zu sein. Leider.
Als Krolock so plötzlich in seinen Weg sprang, zuckte Cirádan erschrocken zusammen. Eigentlich hätte er doch damit rechnen müssen, dass sein Bruder ihn sah? Manchmal schien der Schwarze einen Radar zu haben für Wölfe die er ärgern konnte.

Mit zitternden Läufen senkte der junge Wolf den Kopf und blickte nach unten. Hier konnte er also nicht lang? ... Cirádan versuchte auszuweichen, doch das ließ Krolock nicht zu.
Warum musste sein Bruder ihn eigentlich immer und immer wieder ärgern? Und warum war Cirádan eigentlich so feige?
Wo doch heute so ein schöner Tag war!
Ja genau. Ein schöner Tag!
Plötzlich hob Cirádan den Kopf und richtete sich wieder auf. So gut es in Angesicht von Krolock eben für ihn möglich war.

"Ich will die Welpen sehen!",

meinte er fröhlich, auch wenn seine Stimme zitterte.

"DU bist doch auch wegen den Welpen da, oder?"

Oder um jemanden zu ärgern, was wahrscheinlicher war. Aber Cirádan versuchte selbstbewusster zu sein, als es ihm eigentlich möglich war. Zumindest in Beisein von Krolock.
Er versuchte Krolock mehr oder minder anzublicken und nahm sich vor zumindest nicht wieder den Blick zu senken, falls sein Bruder ihn anknurren sollte.
Hatte nicht irgendjemand zu ihm gesagt Krolock würde ihn immer wieder ärgern, wenn Cirádan sich vor ihm herum druckste?
Irgendwann musste das doch aufhören... oder?



[Rudelplatz, Krolock (in der Nähe Nihil)]

Isaí Caiyé
05.06.2011, 17:07

Das kleine Herz des Roten schlug schnell, viel zu schnell und sein ganzer Körper zitterte vor Aufregung, was er jedoch zu verbergen versuchte. Da saßen sie nun also – Er neben seinem Bruder Malik und auch Taleesha glaubte er bei sich zu spüren. Tinca vermutete er etwas weiter hinten, hatte sie ja nie so sehr Interesse am Licht gehabt wie die anderen drei. Und nun war es also soweit. Sie waren groß genug, um es mit Fenricollon aufzunehmen, der dort draußen sein Unwesen trieb, warum sonst hatte ihre Mutter es ihnen plötzlich erlaubt, hinaus zu gehen? Oder war irgendetwas geschehen, dass Fenricollon verschwunden war? Immer, wenn Isaí die schwarze Gestalt der Geschichten nahe an ihrer Höhle vermutet hatte, war entweder seine Mutter, sein Vater oder eine der anderen beiden Mamas zu ihnen in die Höhle gekommen – Fenricollon war dann immer verschwunden. Hatten sie ihn nun komplett in die Flucht geschlagen? Eigentlich war er viel zu aufgeregt, viel zu gespannt auf die andere Welt dort draußen bei seinen Eltern, als dass er Zeit hätte, sich Gedanken darum zu machen. Das einzige, was zählte, war, dass es sicher sein musste. Sicher genug für sie. Sicher genug für Tinca.

Er atmete tief durch, doch sein Vorhaben, sich dadurch etwas zu beruhigen, scheiterte. Ein kurzer Blick galt seinen Geschwistern, ehe er sich erhob und wieder zögerlich stehen blieb. Er war immer so gespannt auf das Licht gewesen, doch nun, wo er hinaus durfte, verspürte er Angst. Angst vor der Ungewissheit, die sich in seinem Inneren eine hefige Rauferei mit seiner Neugier lieferte, ganz so, wie Malik und er es immer taten. Doch stellte die Neugier in diesem Falle sein eigenes Ich da – Immerhin schien sie stärker zu sein als die Angst, die also anscheinend den Platz Maliks einnahm. Es war nun so weit. Er vermutete, dass es den anderen nicht groß anders ging. Das war es auch, weshalb er immer mehr das Verlangen verspürte, hinauszugehen. Er wollte nicht der erste sein, nein, aber er hatte das Gefühl, dass es als Caiyé seine Aufgabe war, hinauszugehen und zusehen, ob es für seine Geschwister auch sicher genug war. Aber seine Eltern waren doch draußen? Da konnte doch gar nichts passieren, oder? – Nein, sicher nicht. Und das sollten auch die anderen wissen. Besonders Tinca wollte er damit beruhigen.

„Mama und Papa sind da draußen. Fenricollon kann uns nicht bekommen.“, entfuhr es ihm und er sah jeden der anderen noch einmal an. Seine Worte sollten sie beruhigen, aber dienten doch eher ein bisschen mehr seiner eigenen Beruhigung. Er redete es sich ein, um sich zu überzeugen, hinauszugehen. Und dazu war es nun wirklich Zeit!

Langsam und vorsichtig schob er seinen kleinen Körper den Weg hinaus. Das Licht kam näher und je näher es kam, desto besser konnte er erkennen, dass sich dort draußen noch andere Dinge als nur Licht befanden. Ein merkwürdiges Zeug hatte sich am Ausgang in die Höhle geschlichen und Isaí beobachtete es erst einen Moment misstrauisch, ehe er sich noch näher heran schob. Vor ihm befanden sich die Körper seiner Mutter und der weißen Fähe Tyraleen, die er bereits kannte. Dass sich, wenn er neben den beiden entlang spähte, noch mehr Wölfe draußen vor der Höhle befanden, realisierte er noch nicht, dazu war die erste Hürde, die es nun zu nehmen galt, einfach zu… merkwürdig. Er blieb stehen, warf einen kurzen Blick zurück zu den anderen und schnupperte dann vorsichtig an dem weißen Boden, der hinaus führte. Eine kalte Luft ging davon aus und der Rote schüttelte verdutzt den Kopf. Es roch ganz so wie der Geruch, den seine Eltern immer in ihrem Fell mit hinein gebracht hatten und auch die kalte Luft war ihm in dieser Verbindung bereits bekannt. Also war es nichts Schlimmes. Es war sicherlich genau wie der Boden in der Höhle – Nur eben andersfarbig und kalteluftabsondernd. Erleichterung. Erste Erleichterung und Isaís Aufmerksamkeit fiel auf seine Mutter, die nicht weit entfernt von ihm war. Sie war sein nächstes Ziel. In der Sicherheit ihres Felles wollte er sich das ganze erstmal angucken. Ein kalter Schauder überfiel ihn, doch er glaubte, dass das bloß die kalte Luft des Bodens war. Das würde bestimmt verfliegen.

Voller Vorfreude lief er nun also etwas unbeholfen in schnellem Schritt hinaus Richtung Sheena. Leider merkte er erst auf halben Wege, dass der weiße, kalte Boden gar nicht so hart war wie der, der Höhle. Alles in allem wäre das ja bloß ein paar Sekunden Verwirrung wert gewesen, wenn er nicht wirklich darin ein gutes Stück versinken würde und das Zeug, dann nicht noch so verdammt feucht gewesen wäre, wie es Sheenas oder Jakashs Fell gewesen waren, wenn sie zurück gekommen waren. Ein gleichzeitig ängstliches und verwirrtes Winseln verließ seinen Fang und er versuchte sich schnellstmöglich zu seiner Mutter zu flüchten, was in diesem weißen, kalten, nassen Boden gar nicht sooo leicht war. Und doch schaffte er es. Hektisch schob er sich zwischen Tyraleen und Sheena hindurch, bis er zwischen den Vorderläufen seiner Mutter hindurch zu ihrem Bauch krabbeln konnte. Sein Atem ging schneller, während er sich dicht an sie drückte und sich erst nach ein paar Sekunden umdrehte, um zu sehen, was da vor ihnen war. … O Gott. Da waren ja lauter Mamas und Papas, die da vor ihnen saßen! Seine Ohren klappten nach hinten, während er unschlüssig, was er denken sollte, in die Menge starrte. Er wendete seinen Blick kurz hilfesuchend hinauf zu Sheena, ehe er wieder in die Menge starrte. Ruhig bleiben. Seine Mutter war da, ihm konnte gar nichts passieren. Nein, nein, ihm konnte nichts passieren…


{ Sheena und Tyraleen | vor der Menge }

Malik Hikaji
05.06.2011, 19:34

Mit bebendem Atem saß Malik vor dem Licht, dass sie immer so magisch angezogen hatte. Hier durch war eben seine Mama verschwunden, diesmal aber mit einer Forderung. Sie sollten ihr folgen, einfach durch das Licht hindurch gehen. Und nun hockten sie alle hier und trauten sich nicht, das sonst verbotene Licht zu durchschreiten. Was würde denn danach kommen? Malik stellte sich eine hübsche Welt voller Licht vor, in die sie treten würden und aus der – wie Isaí schon geschlussfolgert hatte – Fenricollon vertrieben worden war. Oder waren sie jetzt nur groß genug, um der Welt hinter dem Licht entgegenzutreten? Möglicherweise war da ja nur eine weitere Höhle, die von ihrer durch das Licht getrennt wurde.
Wieder schöpfte Malik zittrig Atem, dann folgte er seinem Bruder auf dem Fuß. Er wollte ja bloß nicht der Letzte sein, allein in der Höhle, ohne Motivation durchs Licht zu gehen. Nun fühlte es sich weniger spannend an als erwartet, es war nur unheimlich hell für die an Dunkelheit gewöhnten Welpenaugen. Malik blinzelte, weil ihn das Licht in die Augen piekste. Also das hatte er sich irgendwie freundlicher vorgestellt, auch wenn es immer noch sehr hübsch war. Nur war es auch so hell, dass er seine Hübschigkeit gar nicht betrachten konnte. Aber ehe es sich der kleine Wolf versah, war das Licht keine bloße Helligkeit mehr, sondern formte sich zu seiner Lichterwelt, die er sich ausgemalt hatte. Irgendwie so, wenn auch nicht so hübsch. Das war ja alles malikfarben! Staunend klappte sein Mäulchen auf und er blinzelte wie geblendet in die Farbe, die die Erwachsenen „weiß“ nannten. Das musste ganz eindeutig für ihn gemacht worden sein, eine Welt nur für ihn! Die Höhle war sicherlich für Tinca und Taleesha gemacht, aber das hier war so malikfarben wie er es war. Spontan vergaß er seine Angst und verzog sein Gesicht zu einem überglücklichen Strahlen. Dann jedoch fiel ihm auf, wie viele andere Wölfe da noch standen, von den bekannten einmal abgesehen. Das Strahlen erstarb wieder und wich einem zutiefst verunsicherten Blick. Dem nicht genug verließ ihn nun auch noch sein Bruder, denn dieser lief auf den malikfarbenen Boden und … sank ein! Schockiert sah er ihm zu und beschloss, dieses unheimliche Zeug nicht zu betreten. Aber wie zu Fenricollon sollte er dann zu seiner Mutter kommen? Hilflos tapste er auf dem festen Boden vor der Höhle auf und ab und fiepte dann ängstlich. Isaí kam unterdessen bei Mama an, er hatte es also heil überstanden wie es aussah. Hilfesuchend huschte Maliks Blick über die vollkommen fremden Wölfe vor ihm und seine dünnen Beine schlotterten unter ihm.

„Mama...“, piepste er klagend.

Aber es half wohl nichts, er musste seinem Bruder nach. Klugerweise nahm er sich direkt dessen Spuren vor, die er hinterlassen hatte. Trotzdem quietschte er erschrocken auf, als sein Bauch das weiße Zeug berührte. Vorsichtig tastete er sich voran und hoppelte dann so schnell es ging den verbliebenen Weg zu Sheena und drückte sich hinter Isaí an ihr Bein. So blieb er auch ein bisschen vor den Blicken der vielen Mamas und Papas da vor ihm geschützt und lugte nur ganz vorsichtig heimlich über seinen Bruder. Wer waren die nur alle und was wollten sie? Ob sie jetzt ein Fest veranstalteten, weil Fenricollon weg war?

„Freuen wir uns jetzt alle, dass Fenricollon weg ist?“

Seine Frage kam leise, schüchtern und dennoch neugierig heraus und er lugte nochmals über Isaí drüber. Dann huschte sein Augenmerk zu der Nachbarmama, deren Name Tyraleen gelautet hatte. Mit großen Augen blinzelte er zu ihr auf und fragte sich zugleich, ob sie ihm seine Frage beantworten würde.


{ bei Tyraleen und seiner Mama }

Linalee
05.06.2011, 20:04

Sie durften raus. Tinca's Herz raste, ihre Gedanken fanden keine Ruhe und ihre Gefühle liefen Berge rauf und runter. Sie quetschte sich an Taleesha und vergrub ihre kleine Nase in ihrem Fell, Tinca wollte einfach nicht raus, hier drinne war es doch genauso gut! Und prompt jammerte sie auch leise auf. In ihrem kleinen Laut steckte eine Unmenge an Protest und am liebsten hätte sie ihre Geschwister allesamt in die Höhle zurück gedrängt, damit keiner ging, damit alles so blieb, wie es war. Aber irgendwie und irgendwo wusste sie doch, dass nicht alles bleiben konnte wie es war. Aber das wollte ihre kleines Herz und ihr kleiner Verstand nicht begreifen. Also begriff ganz Tinca diese kleine aber bedeutende Tatsache nicht. Und das bedeutete für sie gerade ziemlich viel Stress. Und dann trat Isaí auch noch den Weg nach draußen an! Das konnte sie nun nicht mehr glauben. Ihre Augen wurden größer und größer und ihnen war immer mehr von Unglaube und Entsetzen zu sehen. Schließlich wanderten ihre Gedanken auch noch zu Fenricollon, von dem sie endlich begriffen hatte, was er sein sollte, und japste erschrocken auf. Isaí sollte zurück kommen! Sofort! Fenricollon war doch böse! Da draußen wären sie doch schutzlos. An Mama, Papa und die anderen dachte sie nicht im Entferntesten. Nur Fenricollon, Isaí und ihre beiden anderen Geschwister. Und dann folgte auch noch Malik ihrem Bruder in das Licht! Angst durchflutete Tinca und ihre Gedanken fingen an zu rasen. Konnte sie Isaí noch retten? Jappsend fing sie an, den Kopf zu schütteln, hin und herzuwackeln und andauernd zwei Schritte nach vorne zu gehen und wieder drei Schritte zurück zu hüpfen.

Es dauerte beinahe eine Ewigkeit, bis Tinca sich entscheiden konnte, was sie tun sollte. Und so legte sie Ohren so doll an, wie nur irgendwie möglich war, dann durchlief ein heftiges Zittern ihren Körper und schließlich hüpfte sie tief geduckt auf das helle da vorne zu. Beinahe hätte sie Malik eingehlt, da war er auch schon fortgetappt und war wie Isaí vom Licht verschluckt. Weg. Einfach weg! Erschrocken blieb Tinca stehen, zu ihren Füßen war es hell und nach vorne hin sah sie ... nichts. Nichts! Malik war weg und Isaí war auch weg! Tinca's Kiefer klappte runter. Wo waren ihre Brüder hin? Sie schloss die Augen und schmiss sich zu Boden. Isaí und Malik waren von Fenricollon verschluckt worden. Mit ihren Pfoten wischte sie tausende Male über ihre Ohren und Augen, immer wieder öffnete sie ihre Augen. Aber irgendwie wollten Isaí und Malik nicht zurückkehren. Hatten Isaí und Malik etwas Böses getan, dass das Licht sie verschluckt hatte? War Licht nicht immer das gewesen, was ihre beiden Brüder toll gefunden hatten?

Jammernd hockte Tinca da, bis sie dachte, dass das Licht gar nicht so böse sein konnte. Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen, den sie aufbringen konnte, und erhob sich mit zitternden Beinen, öffnete die Augen und fng an, in das Weiße hinein zu tapsen. Sie zitterte am ganzen Körper, es war so kalt. Sogar ihre Pfoten erfroren beinahe, weil sie das Weiße berührten. Aber die Kälte war ja nicht alles, was Tinca Angst machte. Da waren auch noch so viele Gerüche. Jammernd blieb sie wie Espenlaub zitternd stehen, blinzelte ... und da sah sie ihre Brüder wie Schatten vor sich! Tinca jauchzte und hüpfte erfreut einige Schritte vorwärts. Aber da lösten sich auch noch andere Umrisse aus dem Licht, langsam erkannte sie Mama und Mama und weiter hinten waren noch mehr von Mama! Ihre Freude schlug wieder mal um in Entsetzen und Tinca konnte es nicht fassen, wie viele Mama's es gab. Malik und Isaí waren schon wieder ganz vergessen, nur noch Mama's und Papa's bevölkerten das Denken des kleinen Welpens. Wie konnte es nur so viele Mama's und Papa's geben?

Entsetzt legte sie den Rückwärtsgang ein. So viele Mama's und Papa's waren zu viel für sie. Stolpernd schlich sie rückwärts, den Blick auf die vielen Wölfe gerichtet. Angst und Panik machten sich in ihr breit, als sie schon den harten, wärmeren und vor allem trockenen Höhlenboden unter ihren Pfoten spührte. Erst da japste sie verschreckt auf.

"Mama?", rief Tinca verzweifelt. "Mama?!"

Tinca blieb stehen und suchte die Wölfe nach Mama ab. Aber sie fand sie nicht. Wo war ihre Mama? Panik durchflutete das kleine Herz und Tinca dachte wieder an Fenricollon - war er Schuld an dem Verchwinden von Mama, Isaí und Malik?



[Höhleneingang | Rudel]

Atalya
06.06.2011, 12:40

Still saß die Graue da, den Blick zur Rudelhöhle gewandt. Vom Rande des Rudels blickte sie ruhig zu ihrer Mutter, zu Sheena und den Welpen, die nach und nach die Höhle verließen. Einige Momente verharrte sie so, ehe ihr Blick weiter über das Rudel strich. Sie erkannte Chanuka, Liam. Und ein ganzes Stück entfernt konnte sie Madocs hellen Pelz sehen. Automatisch legten sich die Ohren der jungen Wölfin an den Hinterkopf, und schnell wandte sie den Blick ab. Seit dem Vorfall vor einigen Wochen hatte sie ihn gemieden, hatte nicht mit ihm gesprochen und einen Bogen um ihn gemacht. Sie hatte sich schon längst eingestanden, dass sie einen Fehler begangen hatte. Und doch war sie zu stolz, um das zu zu geben. Und doch versetzte es ihr ein Stechen im Herz, sodass sie die Augen schloß, tief durchatmete und den Kopf zur Seite wandte, den Blick dann auf den See richtete. Das Eis schmolz langsam, und auch der Schnee wurde weniger. Die Temperaturen stiegen, und langsam schien alles wieder seine gewohnte Bahn zu gehen. Es würde also hoffentlich nicht mehr all zu lange dauern, bis sie wieder über Gras laufen würden, ohne dass dieses weiße Zeug sich in ihrem Pelz verfing. Jetzt gab es eigentlich nur noch eine Sache zu klären. Aber nicht jetzt. Jetzt standen die Welpen im Vordergrund. Sie erinnerte sich, wie sie es genossen hatte, dass die Aufmerksamkeit so auf ihr und ihren Geschwistern gelegen hatte. Diesen Moment wollte sie den Welpen nicht kaputt machen. Sie sollten sich freuen, dass sie ihre Paten bekommen würden. Das war ein Moment, den man nie vergessen sollte. So wie sie selbst dies nie vergessen würde. Ein leises Seufzen verließ Atalyas Fang, als sie den Blick vom See abwandte, die Ohren aufstellte und zurück zu den Welpen blickte. Und ganz langsam wandte sich ihr Blick wieder auf Madoc, als wartete sie darauf, dass er zu ihr kam. Aber das konnte sie nicht erwarten. Nein, sie musste zu ihm gehen. Ein wenig unentschlossen erhob sich die graue Fähe, blickte zu beiden Seiten. Was sollte sie nun tun? Zu ihm gehen, warten? Wieder neigten sich ihre Ohren zurück, und sie trat leicht einen Schritt nach vorn. Wieder zögerte sie, wieder wußte sie nicht, was sie tun sollte. Sie blieb also wieder stehen, den Blick ziellos umher wandern lassend. Sie würde einfach warten, vielleicht ergab sich von selbst eine Möglichkeit, alles zu klären.

[Rudelplatz - Allein]

Sheena
06.06.2011, 13:47

Nun war also die Zeit gekommen, vier Wochen hatten ihre wunderbaren Welpen in der Höhle verbracht in die sie sich zurückgezogen hatte und nun durften sie heraus kommen. Um die Welt, in diesem Fall vorerst den Rudelplatz, kennen zu lernen. Sie hatte die Höhle bereits verlassen, ihre Welpen aufgefordert ihr zufolgen, und lag nun neben Tyraleen, wenige Schritte von der Höhle entfernt, in dem kaum noch vorhandenem Schnee. Wahrlich, es waren bessere Zeiten eingetreten, die Sonne lugte zwischen den Wolken hervor, schien auf ihren dichten, löchrigen Pelz und sie war froh, dass von dem Schnee eine Kühle emporstieg. Denn obwohl der plötzliche Wintereinbruch sie ständig hatte frieren lassen, hatte sich ihr Fell doch ein wenig angepasst. Was nun natürlich weniger vom Vorteil war.
Kurz drückte sie ihre Schnauze in Tyraleens Fell, danach wendete sie ihren Kopf in Richtung des Höhleneingangs und blickte erwartungsvoll in das dunkle Innere.
Sie konnte es gut nachempfinden, was ihre Welpen jetzt fühlten. Solange das Licht verboten gewesen war, war es attraktiv und spannend gewesen. Nun, wo sie wirklich die Höhle verlassen durften, war es plötzlich unheimlich. Am meisten machte sie sich Gedanken um die kleine Tinca. Sie war anders als die anderen drei. Sehr speziell und so richtig konnte man keine ihrer Reaktionen hervorsehen und einschätzen.
Und wo war eigentlich Jakash?
Kurz glitt ihr Blick über die sich versammelnden Wölfe, sie konnte ihn jedoch nicht ausfindig machen, obwohl sein Geruch ihr bereits in der Nase kitzelte. Hauptsache er bekam mit, wie die Welpen die Höhle verließen…
Und da trat auch schon Isaí aus der Höhle. Er war der Erstgeborene und trug deshalb den Zweitnamen caiyè. Es war nur natürlich, dass er als erster aus der Höhle trat. Doch auch er schien weniger mutig und abendteuerlustig, als noch in der Höhle. Sie schmunzelte leicht und beobachtete seinen unbeholfenen und etwas erschrockenen Gang über den Schnee, hin zu ihr.
Und dann hatte er sie endlich erreicht und ehe sie das Wort an ihn richten konnte, war er schon zwischen ihren Vorderläufen und unter ihrem Bauch verschwunden. Sie lächelte glücklich. Hier waren sie, ihre Welpen. Nun trat auch Malik aus der Höhle, auch er bestaunte die Welt und vor allem den Schnee. Natürlich, er hatte die gleiche Farbe wie sein und auch ihr Fell. Das musste ihn freuen! Auch er erreichte sie und drückte sie gleich verunsichert an ihr Bein. Sie leckte beiden Welpen sachte über den Kopf.

„Mutig seid ihr meine zwei Großen. Schaut euch schön um, hier wird euch nichts passieren!“

Auf die Frage Maliks antwortete sie nicht, denn sie hatte die Witterung Tincas im Höhleneingang ausgemacht, konnte sie jedoch nicht richtig erkennen, da sie sich noch im dunklen Teil der Höhle versteckt hielt. Instinktiv wollte Sheena direkt aufspringen, die kleine tat ihr unglaublich Leid, hatte sie doch in den wenigen Wochen deutlich merken können, wie ängstlich und unsicher sie neuen Situationen entgegen trat. Doch wenn sie nun wieder zu ihr eilen würde, konnte es nie besser werden. Oder war das sowieso aussichtslos?
Sie hatte noch nie einen Wolf gekannt, der annähernd ähnlich wie Tinca reagierte, wusste also nur schwer damit umzugehen, doch sie wusste, dass ihre Liebe gerade deshalb riesig war und dies wusste die kleine Fähe zum Glück auch.

„Komm her Liebste. Du brauchst keine Angst haben, es ist zwar gänzlich anders als in der Höhle, aber auch ausgesprochen schön. Deine Brüder haben ihren Weg auch schon zu mir gefunden!“

Der jammernde Laut, der vom Höhleneingang erklang, brach ihr beinahe das Herz und ein unsicherer Blick zu Tyraleen befragte diese, ob sie nicht doch vielleicht zu der Kleinen eilen sollte. Aber vielleicht würde Taleesha ihrer Schwester zur Hilfe eilen und sie überzeugen können, zu ihr zu kommen…



[Rudelplatz - Tyraleen, Malik und Isaí]

Tyraleen
06.06.2011, 14:26

Zeigte sich da schon die erste kleine Nase? Wenn sich Tyraleen nicht irrte war es Isaí, dessen rötliches Fell als erstes im Licht des Tages präsentieren wollte. Ziemlich zögernd, möglicherweise von dem Schnee verunsichert, purzelten die vier Welpen Sheenas nicht so aufgedreht mutig wie damals Tyraleens Kinder aus der Höhle. Allerdings hatten sie damals auch zwölf kleine Fellknäule auf einmal zusammengebracht – das brachte weitaus mehr Unruhe und stärkte die Kleinen gleichzeitig. Zu viert war alles ein wenig ruhiger, stiller und langsamer. Tyraleen empfand es als eine angenehme Erfahrung. Gerade reckte Isaí erstmals den ganzen Kopf aus der Höhle, da spürte die Weiße einen Blick auf sich. Für einen kurzen Moment ließ sie den Welpen unbeobachtet und wanderte mit ihrem Blick über die versammelten Wölfe. Chanuka saß in ihrer Nähe, sah sie an, als würde er erwarten im nächsten Moment vertrieben zu werden. Der Blick gab Tyraleen gleichzeitig einen Stich und freute sie doch auf eine seltsame Art und Weise – immerhin wollte ihr Sohn in ihrer Nähe sein. Keine Selbstverständlichkeit. Einladend begann ihre Rutenspitze zu zucken und sie warf dem Schwarzen ein Lächeln zu. Gerne durfte er sich zu ihr gesellen und die Welpen zusammen mit ihr begrüßen. Immerhin kannte er die kleinen Wölfe nur aus der Zeit, in der er selbst ein kleiner Wolf gewesen war. Kein Vergleich mit dem Gefühl, das Welpen auslösten, kaum war man selbst erwachsen. In diesem Moment lenkten sie hecktische Bewegungen in ihrem Augenwinkel ab und sie sah Isaí offensichtlich vom Schnee erschrocken auf Sheena und sie zu hoppeln. Schon hatte sich der Kleine zwischen sie und seine Mutter gequetscht und versteckte sich nun in Sheenas Bauchfell. Ein Schmunzeln breitete sich auf Tyraleens Lefzen aus. Als nächstes klang ein Piepsen auf der Höhle, dem ein ebenso erschrockener Malik folgte. Auch der kleine Weiße flüchtete sich zu seiner Mutter, stellte dann aber eine Frage, die ein Stirnkrausen in das Gesicht der Leitwölfin zauberte. Fenricollon? Langsam beugte sich Tyraleen zu den beiden Welpen und blinzelte Malik mit leicht schräggestelltem Kopf entgegen.

“Wer hat dir denn erzählt, dass Fenricollon weg ist? Und eigentlich heißt er Fenris oder Acollon. Vielleicht auch und.“ Kurz stockte Tyraleen und fragte sich, wie man den Gott des Todes denn nun eigentlich nennen sollte. “Weißt du was, nenn ihn wie du möchtest, aber wir würden nie sein Verschwinden feiern. Wir feiern, weil ihr da seid.“

Es war für Tyraleen seltsam Fenris nach ihrem Vater zu benennen. Fenris war es gewesen, der ihr den Tod Tascurios befohlen hatte, das hätte Acollon doch niemals … aber ihr Vater war nun der Gott des Todes oder zumindest ein Teil von ihm. Das war schwierig für sie, immerhin kannte sie Acollon als ihren liebevollen Vater. Doch der kleine Malik konnte Fenris Acollon nennen, er würde seinen Urgroßvater nie kennenlernen. Seltsam, wie diese Generation bereits so weit fort von Banshee und Acollon war. Als ein Jammern erklang und der Höhleneingang erneut nach Sheena rief, riss sich Tyraleen von ihren Gedanken los und warf einen Blick zu ihrer Freundin. Diese versuchte ihre Tochter zu locken, schien sich aber selbst nicht sicher zu sein, ob das helfen würde.

“Wenn sie nicht kommt, kannst du ruhig zu ihr gehen, ich passe darauf auf, dass Malik und Isaí nicht vom Schnee verschluckt werden.“ Ihr Blick huschte wieder zu den beiden Welpen. “Wollt ihr die anderen Wölfe kennenlernen? Unter ihnen sind auch eure Paten. Jeder von euch bekommt nämlich einen Wolf, der ihm ganz alleine gehört und immer auf euch aufpasst.“


[ Rudelplatz | direkt bei Sheena, Isaí und Malik - in der Nähe Chanuka ]

Turién
06.06.2011, 14:41

Und schon wieder war so viel Zeit vergangen. Viel war passiert, und doch wieder nichts. Die Stimmung im Rudel hatte sich wieder normalisiert und jeder erkannte Tyraleen und Aszrem als Alphatiere an. Es war normal geworden - alles, obwohl Turién sich nie hatte vorstellen können, dass jemals wieder etwas normal werden würde. Die Angst vor einem Varg war mittlerweile gewichen und kaum mehr vorhanden. Auch das kalte Wetter war normal für sie geworden, und die 'Wärme' des heutigen Tages tat wunderbar gut.
Gesättigt von einem Kaninchen, dass er selbst gerissen hatte, war er nun auf dem Weg zurück zum Rudelplatz. Mit ausgreifenden Schritten näherte er sich schnell den anderen, die wohl den ganzen Morgen und vielleicht auch die Nacht über da gewesen waren. Und je näher er kam, desto bewusster drangen ihm verstärkt neue Gerüche entgegen - als er in Sichtweite gelangte, erkannte er, dass er vergessen hatte, das die Neugeborenen Welpen heute das erste Mal die Höhle verließen durften.
Ein breites Grinsen legte sich auf seine Züge, während er weiter voran trabte, als er die ersten Welpen zu Gesicht bekam. Es war schon so schrecklich lange her, dass er und seine Geschwister die Rudelhöhle verlassen hatten, um Neugierig das Licht und die Größe der Welt zu erkunden. Es war ein wunderbarer Moment gewesen, und er erinnerte sich noch gut an den schönen Tag, obwohl es schon 1 1/2 Jahre her war, dass er der Dunkelheit der Wurfhöhle entkrochen war.

Als er den Blick von den ersten Gehversuchen der Welpen abwandte und wieder in Laufrichtung blickte, bemerkte er, dass er sich unbeabsichtigt Atalya von Hinten genähert hatte. Und die war offenbar ziemlich durch das Treiben rund um die Welpen abgelenkt; also die perfekte Chance sie wieder überraschen zu können. Aus dem zufälligen Aufeinanderstoßen wurde nun also ein Plan, und Turién nahm das Tempo aus seinem Lauf, um sich anzuschleichen. Kaum einige Meter von Atalya entfernt duckte er sich und setzte vorsichtig Pfote um Pfote, wie er es bei dem Kaninchen vorhin getan hatte, um sich auch durch keinen Laut zu verraten. So geduckt pirschte er sich bis eine Wolfslänge an seine Schwester heran, und machte sich dann zum Sprung bereit.
Und - ZACK! - schnellte er nach vorne, sprang aber nicht in ihren Rücken hinein, sondern seitlich neben sie und schnappte sich ihr linkes Ohr.

"HAP DISCH!"

Triumphierend musste er lächeln, während er das Ohr aber nicht losließ, sondern es noch festhielt und Atalya damit hinderte ihn großartig zu attackieren. Tjah, das hatte man davon, wenn man unaufmerksam war!


[Am Rande des Rudelplatzes - Atalya ]

Isaí Caiyé
06.06.2011, 15:20

Die Stimme seines Bruders schien ihm so unendlich fern. Kurz nur spähte er zwischen Tyraleen und seiner Mutter hindurch zum Höhleneingang und erkannte seinen kleinen Bruder, der wohl direkt nach ihm den Weg zu Sheena antreten wollte. Doch im nächsten Moment hatte er sich schon wieder dicht an den weißen Pelz gedrückt. Seine bläulichen Seelenspiegel wanderten über die ganzen Wölfe um sie herum und ein kurzes Schaudern überkam ihn. Ob dieses jedoch von der Kälte hier draußen kam oder doch eher von diesen ganzen Augen, die auf ihm zu liegen schienen, wusste er nicht. Einen kurzen Moment stellte er sich die Frage, wieso ihm nie in den Sinn gekommen war, dass es noch mehr Mamas und Papas gab, statt nur die, die er bereits kannte. Es war ein unmöglicher Gedankengang für ihn gewesen, etwas, worauf er nie gekommen wäre, doch jetzt schien es ihm vollkommen unverständlich, wieso er nicht schon mal daran gedacht hatte. Doch waren sie alle freundlich? Waren sie alle so wie Engabanshee aus der Geschichte? Oder mussten sie sich vor ihnen fürchten, weil sie so gefährlich waren wie Fenricollon? Er presste die kleinen Ohren dicht an den Kopf, als er geschupst und leicht zur Seite gedrängt wurde. Ein beschwerendes Murren entwich ihm, als er sich zurück an seinen Platz drängelte und nun auch dicht an seinem Bruder Malik saß, der den Weg anscheinend nicht minder gut überstanden hatte. Doch viel interessanter und unheimlicher zugleich waren die ganzen anderen Gesichter, diese bunten Wesen, die aussahen wie Mama oder Papa oder doch ganz anders. Wer waren die alle?

„Mama, wer…“, setzte er an, stoppte aber, als Malik seine (noch nicht) ziemlich leise gestellte Frage unterbrach.

Irritiert schenkte er ihm einen kurzen Blick, lauschte aber nur halbherzig und ließ lieber die ganzen anderen Wölfe nicht aus den Augen. Es war eine Mischung aus Angst und Neugierde, die sein kleines Herz zum Schlagen zu bringen schien – fast so, wie zuvor noch in der Höhle, wobei er sich hier draußen bei seiner Mutter wesentlich sicherer fühlte als alleine mit seinen Geschwistern in der Höhle. Ihm kamen seine Worte wieder in den Sinn, die er eben gerade noch Taleesha, Tinca und Malik gesagt hatte – Ihnen konnte nichts passieren, denn ihre Eltern waren hier. Und Mama und Papa würden niemals etwas zulassen, was ihnen gefährlich werden könnte. Trotzdem half das nicht ganz, um seine Furcht zu vertreiben. Erst, als seine Mutter Malik und ihm genau das beteuerte, ihnen dabei sanft mit der Zunge über den Kopf fuhr – erst dann fühlte er sich noch sicherer als zuvor und musterte die anderen zum ersten Mal mit purer Neugier. Während sein Blick so über die ganzen fremden Gesichter streifte, er sich sogar ein Stück von Sheenas Brust löste, um einen besseren Blick zu haben und ein kleines Stück zwischen ihren Vorderläufen herauskrabbelte, um genau dort wieder etwas dichter an einen davon heranzurutschen, fiel ihm auf, dass ihm hier draußen etwas fehlte. Kurz sah er zu Tyraleen, die gerade auf die vorhin verpasste Frage von Malik antwortete, doch der junge Rüde war viel zu sehr damit beschäftigt, das zu finden, was ihm fehlte, was er nun auch hier haben wollte.

Von der Höhle her hörte er Tincas Stimme verzweifelt nach Sheena rufen. Unsicher drehte er die Ohren und warf einen Blick zurück. Ja, auch Taleesha und Tinca wollte er hier haben, doch in erster Linie wollte er nun erst einmal wissen, wo sein Vater war. Er streckte die Nase noch ein Stück weiter hinaus, versuchte Jakash mit Hilfe seiner kleinen, bebenden Nase auszumachen, doch lenkte ihn im nächsten Moment etwas ab. Sein Name fiel und verdutzt blickte er zu Tyraleen. Was war? Er lauschte aufmerksam und konnte sich nicht direkt entscheiden, was er von ihren Worten halten sollte, allerdings überzeugte ihn die Beschreibung eines ‚Paten‘. Ein unsicherer Blick galt Sheena, ein weiterer der Menge und ein letzter den Seelenspiegeln Tyraleens. Ein Wolf, der nur ihm gehörte. Ein Wolf, den er sich nicht mit Malik, Tinca und Taleesha teilen musste, so wie er es mit Mama und Papa tun musste. Ja, das klang toll! Darüber hinaus vergas er auch die letzte Unsicherheit. Seine Lefzen hoben sich zu einem Lächeln und die kleine Rute begann gespannt zu pendeln. Ja, er wollte einen Wolf nur für sich alleine. Einen, mit dem er spielen konnte und einen, der ihn vor Fenricollon beschützte.

„Au ja! Aber die sind auch alle ganz lieb, oder…?“, fragte er dann doch nochmal vorsichtshalber nach. Ansonsten schien das echt zu verlockend.



{ Sheena, Malik und Tyraleen | vor der Menge }

Krolock
06.06.2011, 16:12

Krolock lachte verächtlich und schüttelte den Kopf.

„Was interessiert mich die Brut von irgendwelchen freakigen Gutwölfen des Rudels?“

Fragte er, als wäre Cirádans Vermutung das dümmste, was er je aus dessen Fang gehört hatte. Angriffslustig betrachtete er seinen kleinen Bruder. Die zitternde Stimme, die zitternden Läufe. Jämmerlich. Schwach. Erbärmlich.

„Wie kann einer wie du nur mit mir verwandt sein?“

Seufzend schüttelte er den Kopf. Er schnellte nach vor und schnappte neben Ciràdan in die Luft. Um ihn neuerlich zu erschrecken. Um ihn zu ärgern. Um seine Macht deutlicher hervorzuheben. Vielleicht hätte er sich einfach auf den Grauen stürzen sollen, um mit ihm zu raufen und ihn dabei aber wirklich solange beißen, bis er anfing, sich zu wehren. Andererseits konnte er aber auch noch ein bisschen warten. War doch möglich, dass der elende Angstwolf eines Tages genug Mut aufbrachte, den ersten Schritt zu wagen? So eine Brüderkeilerei! Ha, das war doch um einiges spaßiger als sich mit Nerúi zu prügeln. Wo war die eigentlich?
Krolock sah sich um, konnte sie aber nicht entdecken. Auf einmal wusste er ganz genau, was er heute noch tun wollte. Prügelei! Doch vorher würde wohl diese Zeremonie hier von Statten gehen müssen. Sicher wollte eine Stumpffähe wie sie auch nichts lieber, als die Welpen sehen.

„Haste vergessen, wie wir aussahen, als wir Klein waren, oder was interessiert dich das Zwergenpack? Glaubst du vielleicht, du kannst den großen Bruder mimen? Schau dich doch an! Im Geiste bist du noch kleiner als die Welpen.“


[Rudelplatz | Cirádan, in der Nähe Nihil]

Chanuka
06.06.2011, 16:43

Chanuka erwiderte das Lächeln seiner Mutter und rückte ein kleines Stück näher. Da war es aber auch schon soweit, dass die Welpen aus der Höhle kamen. Er fand sich nun also in nächster Nähe und konnte alles genau beobachten, aber er wollte auf keinen Fall einem der Welpen Angst einjagen, weshalb er nicht noch näher rückte.
Seine Augen ruhten eine Weile auf den beiden kleinen Rüden, ehe hinter ihm das zarte Stimmchen einer der kleinen Fähen erklang. Er drehte besorgt den Kopf, verunsichert von ihrem klagenden Rufen. Er fragte sich, ob er je so klein gewesen sein konnte und, ob er je so schutzlos gewesen war? So jung im Geiste. Das einzige, was ihm dabei einfiel war, wie er bei Banshee gelegen hatte und wusste, das Tyraleen seine Mutter war. Als diese die Stimme erhob, sah er, aus seinen Gedanken gerissen zu ihr. Sie sprach von Wölfen, die den Welpen gehören würden. Ein bisschen wehmütig kramte er in seiner Erinnerung nach dem Namen der Fähe, die seine Patin gewesen war. Hatte er je mit ihr gesprochen? Er wusste es nicht mehr. Ein Wolf, der ihm gehörte. Letztlich hatte sich dann, neben Banshee, hauptsächlich Averic um ihn gekümmert. Und Liel.
Suchend blickte er sich um. Sie musste doch auch irgendwo hier sein? Er konnte sie auf die Schnelle allerdings nicht entdecken, so dass sich seine Aufmerksamkeit wieder auf die Welpen richtete. Sein Blick lag vor allem auf der kleinen schwarzen Wölfin, die da so jämmerlich nach ihrer Mama gerufen hatte. Er wollte aber nicht, dass die Kleinen noch mehr verunsichert wurden, dadurch, dass er sich nun einmischte. Sie kannten ihn schließlich gar nicht. Und irgendwie waren sie wohl alle ein wenig verunsichert, durch die große Anzahl an Wölfen. Die konnte sogar ihn manchmal erschrecken, wenn er das ganze dann auch mit einem Lächeln zur Kenntnis nahm.


[Rudelplatz | bei Tyraleen, Sheena, Malik und Isaí]

Takashi
06.06.2011, 20:20

Inzwischen war der Schnee zum größten Teil fortgegangen und reichte Takashi nur noch bis zu den Pfoten. Ab und an ließ sich die Sonne blicken und schenkte den Wölfen wärme; dennoch störte der dichte Winterpelz den Rüden kaum. Genau wie alle seiner Artgenossen verspürte er eine Erleichterung, dass die harte und lange Winterzeit nun vorbei war. An einen Varg vermochte man gar nicht mehr zu denken, da die Wärme eine bessere Zeit prophezeite. Allein die guten Vorsätze innerhalb des Rudels und die Geburt der Welpen hatten die Götter wieder in das Gleichgewicht gebracht.

Der schwarze Hüne bewegte sich gemächlich am Rudelplatz entlang, an dem sich alle seiner Artgenossen des Rudels versammelt hatten. Sachte näherte er sich der Höhle und wartete gebannt auf die Welpen, die bald zum ersten Mal die Höhle verlassen durften. Takashi hatte schon mehrmals eine Welpenzeremonie miterlebt und wusste, dass es jedes Mal auf eine schöne Art und Weise anders war. Welpen waren etwas Besonderes; vor allem nach der beschwerlichen Winterzeit.
Interessiert blickte er sich um und entdeckte Krolock, der sich zuerst am Rande des Rudelplatzes aufgehalten hatte. Der Jungwolf schien fürchterlich angespannt und sah sich streitsüchtig um, während ausgerechnet Cirádan ihm über den Weg laufen musste. Cirádan war von fröhlicher Natur, doch seine gute Stimmung musste schon wieder unter Krolock leiden. Takashi musste sich arg zusammenreißen, um seinen Schützling nicht gleich wieder zur Hilfe zu eilen. Er musste lernen, sich nicht weiterhin von seinem Bruder so terrorisieren zu lassen, auch, wenn dieser so mächtig und bedrohlich schien. Umso glücklicher wurde Takashi wieder, als er bemerkte, wie Cirádan seinem gemeinen Bruder gegenüber standhaft blieb. Aber lange würde es noch dauern, bis Krolock eine Bedrohung für das Rudel wurde?

Takashis Aufmerksamkeit galt wieder völlig dem Höhleneingang, aus dem zaghaft ein roter Welpe zum Vorscheinen kam. Er war so schüchtern und verkroch sich schleunigst bei Tyraleen und Sheena, was ein mildes Lächeln auf Takashis Lefzen zauberte. Auch der zweite Welpe versteckte sich am Liebsten vor der Menge. Für das dritte Wölflein war die Situation viel zu viel, sodass es wieder in die Höhle zurückstolperte.

Ganz in der Nähe Takashis befand sich eine Fähe, eine fremde Fähe. Wer war sie und was tat sie hier? Der Hüne warf ihr einen verwunderten Blick zu und machte einen Schritt auf sie zu.


[ Rudelplatz | Chilali ]

Cirádan
06.06.2011, 21:24


Gutwölfe des Rudels. Sah sich Krolock selbst als Böse oder wie war das?
Krolock war furchtbar. Die anderen Wölfe waren nicht gut, aber sie versuchten nett zueinander zu sein. Sie mussten es ja auch sein, so viel er verstanden hatte. Sie mussten lernen miteinander auszukommen, damit Fenris nicht wieder zu stark wurde und alles aus dem Ungleichgewicht brachte.

Beschämt senkte Cirádan den Blick. Krolock war nicht gern mit ihm verwandt. Das ist das, was er wusste. Aber irgendwann würde er es schon sein. Irgendwann ... irgendwann ... würde sogar Krolock stolz auf den kleinen Cirádan sein ... oder?

Als Krolock nach ihm schnappte, wich Cirádan zurück. Es hatte zwar nicht ausgesehen, als ob Krolock ihn wirklich verletzten wollte, aber da konnte er sich auch täuschen. Und sicher war sicher.

"Ich bin nicht mehr so klein!",

entfuhr es ihm, lauter als beabsichtigt. Daraufhin jedoch duckte Cirádan sich sofort und sah sich angespannt um. Er wollte nicht zu viel Aufmerksamkeit erregen.
Aus den Augenwinkel sah er die Welpen aus der Höhle purzeln und seine Rute pendelte freudig ein wenig herum, bevor er sich nur wenige Sekunden später wieder bewusst wurde, dass Krolock vor ihm stand.
Sofort war der Jungwolf wieder stocksteif.

"Als ob du wüsstest, wie wir ausgesehen haben als wir klein waren! Du weißt es ebenso wenig!",

verteidigte er sich. Seine Stimme klang klagend. Es war deutlich wer hier überlegen war, aber ... irgendwann musste es ja sein.
Cirádan wollte seinen Bruder beweisen, dass er nicht mehr so klein war, wie einst. Irgendwann musste das doch auch Krolock sehen.
Auch wenn Cirá selbst sich im Moment wirklich kleiner als die Welpen fühlte.





[Rudelplatz, Krolock (in der Nähe Nihil)]

Liel
06.06.2011, 22:17

Welpen, Welpen, Welpen.
Unendweg pendelte ihre Rute von links nach rechts. Die Freude hatte sich in ihrer Brust festgesetzt, seitdem öffentlich geworden war, dass Sheena Welpen gebären würde. Sie hatte nur am Rande mitbekommen, dass sie und Jakash Gefährten geworden sind und hatte diese Gedanken demnach nicht weitergesponnen. Auch hatte sie nicht gewusst, dass es auch im Herbst Würfe gab. Sie selber war schließlich im Frühling geboren worden, aber das war ihr relativ egal. Sie freute sich auf die Welpen, die hoffentlich mehr Welpe sein durften, als sie selber es gekonnt hatte.
Was denen alles bevor stehen würde, Gutes wie Schlechtes. Doch vorerst sah es gut aus. Es schien nicht so, als ob in der nächsten Zeit weitere Schläge das Rudel treffen würde. Im Gegenteil, es war wieder wärmer geworden, der Schnee war fast vollständig geschmolzen und sie genoss es, sich die wärmende Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen.
Und sie genoss es auch, dass sie sich nun wieder freiwillig auf dem Rudelplatz aufhalten konnte. Das Verbot den Platz zu verlassen, war aufgehoben worden, als bekannt wurde, wie die Vargs entstehen konnten und dass nun keine weiteren mehr vorhanden waren.
Die Chance hatte sie sofort genutzt und hatte lange Streifzüge durch das Revier unternommen. Natürlich war sie trotzdem auf der Hut gewesen, aber ihr war nichts Ungewöhnliches aufgefallen und so hatte sie sich immer weiter hinausgewagt und sich einige Zeit von dem Rudel abgekapselt.
Doch nun war sie zurück, passend zu der Welpenzeremonie. Die Welpen würden die Höhle endlich verlassen dürfen, sie würden ihre Paten zugeteilt bekommen und ihre Geschenke erhalten.
Sie erinnerte sich zurück. An ihren Paten konnte sie sich noch vage erinnern. Ilias. Ein sehr lieber Rüde, aber er hatte recht schnell das Rudel verlassen. Zu schnell. Sie hätte ihn noch gut gebrauchen können. Einen Wolf für sie alleine, wie Tyraleen eben gesagt hatte.
Langsam hatte sie sich der Leitwölfin und der Betafähe genähert, so hatte sie noch die letzten Worte mitbekommen.
An das Geschenk konnte sie sich allerdings nicht mehr erinnern. Hatte sie überhaupt eins bekommen?
Sie stoppte. Zu Tyraleen, Sheena und ihren Welpen wollte sie nicht gehen. Also, nicht zu nah heran. Sie wollte alles aus nächster Nähe mitbekommen, aber natürlich wollte sie nicht die Welpen verschrecken.
Aber sie hatte schon Chanuka entdeckt, er lag auch in der Nähe des Geschehens, nahe seiner Mutter. Seiner leiblichen Mutter. Es gefiel ihr dies zu sehen. Außerdem gefiel es ihr, ihn zu sehen. Rute pendelnd ging sie auf ihn zu und begrüßte ihn mit einem leisen wuffen. Lächelnd schleckte sie ihm zärtlich über die Schnauze zur Stirn hinauf und ließ sich dann neben ihm auf den Boden sinken. Kurz blickte sie ihn noch fröhlich an. Mit der Sonne am Himmel war auch die Sonne in ihr Gemüt, in ihr Lächeln zurückgekehrt. Fast so wie früher. Ihre blauen Augen blitzen munter auf und sie kuschelte sich an ihren Freund heran, wie sie es lange nicht mehr getan hatte.
Dann wand sie ihren Blick dem Welpengeschehen wieder zu. Zwei der Welpen waren bereits bei ihrer Mutter angekommen und kuschelten sich, anscheinend noch ein wenig verschreckt, in ihr wärmendes Fell. Es waren Sheenas zwei Söhne, also mussten sich die beiden Fähen noch in der Höhle befinden. Eine der beiden war bereits zu hören, klang jedoch sehr unglücklich. Mitleid flog über ihr Gesicht, es klang wirklich sehr ängstlich. Aber sie wollte sich nicht einmischen, Sheena war eine gute Mutter, dessen war sie sich sicher und wenn die Fähe sich wirklich nicht trauen würde, würde Sheena ihr sicher zu Hilfe eilen.
Abwartend legte sie ihren Kopf auf ihre Pfoten und schob diese nah an Chanuka heran.
Mittlerweile war er fast der einzige Anlaufpunkt in dem großen Rudel geworden. Mit Shani zusammen.




[Rudelplatz - Chanuka, nahe Tyraleen, Sheena, Isaí und Malik]

Madoc
06.06.2011, 22:28

Mit dem Aufblühen eines recht späten Sommers, welcher dennoch milde Temperaturen brachte und die ewige Schicht aus Schnee und Eis zu vertreiben vermochte, hob sich auch Madocs Gemüt ein ganzes Stück. Denn wenngleich er ein Geschöpf der Kälte war und die weiße Zeit des Winters liebte, so stand doch nun ein besonderes Ereignis bevor, welche in ihm, ob er nun zugeben mochte oder nicht, doch eine Vorfreude hervorrief, die ihm selber fremd erschien. Erstmals hatte er nun das Gefühl, ein fester Bestandteil dieser Gemeinschaft zu werden und eine Aufgabe zu erlangen, die ein gewisses Vertrauen in ihn implizierte. Denn schließlich waren die Welpen, welche nun aus Sheena und Jakash hervorgegangen waren, die neue Zukunft dieses Rudels und als Pate eines dieser Jungtiere auserkoren worden zu sein erfüllte ihn mit einem neuen Lebenslicht. Zufrieden erinnerte er sich an das vorige Jahr, in dem Atalya erstmals die Wunder der Welt erblickt hatte und wenngleich er als abweisender, kühler Genosse bekannt war, so glaubte er einen guten Umgang mit den unschuldigen kleinen Welpen pflegen zu können, denen er sich, aus welchem Grunde auch immer, so häufig zugeneigt fühlte. Bei dem Gedanken an Atalya verdüsterte seine Miene sich jedoch ein wenig, denn seit jenem nächtlichen Vorfall hatten sie sich gemieden und seither kein anständiges Gespräch mehr miteinander geführt. Und wenngleich sich der Hüne seine gehobene Stimmung nicht verspielen wollte, so suchte er mit seinem blutroten Blick doch nach der grauen Freundin, die er in respektvoller Distanz auf dem Rudelplatz erblickte. Eine Weile beobachtete er sie eindringlich und glaubte sogar aus der Ferne zu erkennen, dass sie ein wenig nervös zu sein schien. Und mit einem Mal drehte sie sich in seine Richtung, für den Bruchteil eines Augenblickes trafen sich ihre Blicke, doch der Rüde machte keine Anstalten, den Blickkontakt seinerseits abzubrechen. Schließlich hatte er nichts verbrochen und auch jener Vorfall war nicht sein Verschulden. Für wenige Minuten spielte der silberweiße Rüde mit den Gedanken, sie für ein Gespräch aufzusuchen, doch dieses Vorhaben verwarf er sogleich, als ein weiterer Wolf seiner grauen Freundin Gesellschaft leistete. Madoc wandte sich mit einer gelassenen Bewegung des Hauptes ab und blickte stattdessen zu den Welpen, von denen einer in seine Obhut gegeben werden würde. Welcher würde es sein? Ein Funken von Neugier schlich sich in die rubinroten Seelenspiegel, als er die kleinen Fellknäuel aus der Ferne betrachtete. Zunächst betrachtete er den rötlichen, sowie den weißen Welpen, beide standen sie bei Tyraleen, Sheena, Chanuka und Liel und wirkten, sowie damals auch Atalya, sehr aufgeschlossen und wagemutig. Gerne wäre er hingegangen, doch glaubte er, die Kleinen zu viel Stress aufzubürden, wenn sich eine gesamte Meute um sie versammelte. Am Höhleneingang entdeckte er außerdem noch eine kleine Fähe, welche allerdings etwas schüchterner schien und der letzte Welpe schien noch im Schutz der Geburtsstätte zurückgeblieben zu sein. Ein kurzen, stummes Lächeln schlich sich auf die silberweißen Lefzen des hünenhaften Rüden, welch wunder es doch war, wenn neues Leben aus den Leibern der Fähen erwachte!

[Rudelplatz | allein]

Atalya
06.06.2011, 22:58

Ganz automatisch neigten sich Atalyas Ohren zurück, als sie sah, wie Madoc den Blick zu ihr wandte. Zumindest sah es danach aus. Einen Moment wußte sie nicht, wohin sie nun blicken sollte. Sollte sie wegsehen, oder seinem Blick Stand halten? Die junge Wölfin biss die Fänge fest aufeinander, wandte den Blick schließlich ab. Sie wollte sich diesen Tag nicht vermiesen lassen. Dazu würde es noch früh genug kommen, dessen war sie sich sicher. Also richtete sich ihr Blick auf den Wald, der nun wieder betreten werden durfte. Sie hatte es, nachdem sie zusammen mit Avendal, ihrem Vater dort begegnet war, hatte sie verbotenerweise keinen Schritt mehr in die Nähe der Bäume gesetzt. Und nun, wo diese Regel gelockert worden war, war er uninteressant. Sie wußten nun, was ein Varg war, und mit diesem Wissen war die Angst geschwächt worden. Und nun ging das Leben weiter und jeder freute sich über die Welpen. So wie sie sich darüber freute, dass dieser Schnee endlich verschwand. Aber sämtliche Gedanken wurden mit einem Mal vertrieben, als plötzlich etwas neben ihr war, und mit einem Happs ihr Ohr festgehalten wurde.
Atalya, im ersten Moment völlig überrumpelt, schüttelte einmal den Kopf, versuchte vergebens ihr Ohr zu befreien.

Hey!“

Ein leises Grummeln verließ die Kehle der Grauen, als sie die Augen zur Seite wandte, für den Moment jedoch still hielt. Der Anblick ihres Bruders ließ sie leicht schmunzeln, aber sie unterdrückte es, verzog die Lefzen zu einem unbegeisterten Ausdruck. Er musste ja nicht wissen, dass sie sich freute, ihn zu sehen. So schnaufte Atalya nur, ließ sich, ohne Vorwarnung und Rücksicht auf ihr Ohr, zur Seite fallen. Nun bestand die Möglichkeit, dass er auf ihr landete, aber vielleicht konnte sie den kurzen Moment nutzen, um ihr Ohr zu befreien. Und wenn sie schnell genug war, konnte sie das Blatt wenden, und ihrerseits Turién festhalten. Ansonsten würde sie nun unter ihrem Bruder begraben im Schnee liegen bleiben müssen.


[Rudelplatz - Turién]

Turién
06.06.2011, 23:44

Mit Gegenwehr hatte der Silberprinz natürlich gerechnet, und deshalb umso fester seinen Griff um das Ohr geschlossen, achtete dabei jedoch darauf, seiner Schwester nicht sonderlich viel weh zu tun - und da sie nur einmal vergebens ihren Kopf schüttelte, machte sie es ihm leicht. Dachte er. Auf die freundliche "Begrüßung" folgte seinerseits nur ein aufforderndes leises Knurren... als er plötzlich einen Ruck in seinem Maul spürte und er dachte, dass sie wieder versuchte sich seinem Griff zu entziehen. Er schloss den Griff fester um das Ohr, und ging etwas mit der Bewegung mit... die leider nicht aufhörte, so wie er es gedacht hatte. In dem Glauben, Atalya würde nur ihren Kopf schütteln, um ihn abzuwehren hatte er also seine Zähne fester auf einander gebissen, um es ihr nicht zu ermöglichen ihr Ohr zu befreien... er spürte dann nur noch den Ruck und schmeckte dann plötzlich den Geschmack von Blut auf seiner Zunge. Die Dunkelgraue hatte sich einfach zur Seite kippen lassen. Wie kam man auf so eine Idee?! Etwas erschrocken über diese Tatsache machte er einen Schritt zur Seite, und fuhr sich mit der Zunge über die Lefzen, um das Blut, das von der Wunde am Ohr stammte, von seinem Fang zu lecken. Die sonnengelben Augen starrten das Ohr an. Das was mal ein schönes Ohr gewesen war jedenfalls. Jetzt zeichnete sich deutlich ab, wo er die Dunkle festgehalten hatte, und an diesen Stellen war die zierliche Haut tief eingerissen und blutete lautlos, tropfte sanft auf ihr Fell.

"Ähh... du blutest da ein bisschen."

Ein unsicheres schiefes Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. Hoffentlich tat es nicht zu sehr weh... war doch auch nur Spaß gewesen! Was konnte er dafür, dass sie sich irrsinnig zur Seite kippen ließ? Unsicher trippelte er auf seinen Pfoten herum und blickte dann schnell umher, um zu sehen, ob jemand dieses Missgeschickt beobachtet hatte - und war sich dann ziemlich sicher, dass niemand es bemerkt hatte. Glück gehabt...

"Komm... steh auf!"


[Am Rande des Rudelplatzes - Atalya, die Welpen und das Rudel in der Nähe ]

Atalya
07.06.2011, 00:24

Ein Schock fuhr durch Atalyas Körper, als sie wie geplant auf dem Boden aufschlug. Jedoch blieb aus, was sie erwartet hatte. Turién fiel nicht auf sie drauf. Er stand noch immer da. Aber er hielt ihr Ohr auch nicht mehr fest. Sie war also befreit, konnte nun aufspringen und sich richtig gegen ihren silbernen Bruder verteidigen. Aber etwas war anders. Ein komisches Gefühl beschlich sie, und ihr Herz begann mit einem Mal zu rasen. Atalya blieb zuerst liegen, regte sich nicht. Und dann, ganz plötzlich, zuckte Schmerz durch ihr Ohr. Nun nahm sie den Geruch von Blut wahr, ihr eigenes Blut. Und ohne es sehen zu können, wußte die Graue, was geschehen war. Zuerst verließ nur ein leises Fiepen ihren Fang, und sie schüttelte den Kopf, um den Schmerz zu verjagen. Aber er blieb, stieg zu einem brennen an, welches sie die Worte ihres Bruders überhören ließ. Das Fieen der jungen Wölfen stieg nun zu einem schmerzvollen Schreien an, aber auch das linderte den Schmerz in ihrem Ohr nicht. Sie fühlte sich wie gelähmt, konnte nur den Kopf über den Boden reiben, um den Schmerz irgendwie weg zu bekommen. Aber der Druck machte es nur schlimmer, und ihre Augen füllten sich mit Tränen des Schmerzes. Sie wimmerte, biss die Fänge fest aufeinander. Aber der Schmerz blieb, betäubte ihre Sinne. Nur nebenbei konnte sie wahrnehmen, wie ihr Bruder nervös herum tippelte, dass er etwas sagte. Aber sie verstand nicht, hörte nur ihr eigenes Schreien. Atalya konnte nicht aufstehen, konnte sich kaum bewegen, ohne dass eine neue Welle von Schmerz durch ihr Ohr fuhr und die erneut aufjaulen ließ.

Turi!“

Gequält brachte sie den Namen ihres Bruders hervor, versuchte aufzustehen, und sackte doch wieder in den Schnee zurück, der sich unter ihr rot färbte. Wäre es ihr nun möglich gewesen, hätte sie sich auf ihren Bruder gestürzt, aber ihr Körper wollte nicht gehorchen, wurde von dem Schmerz gelenkt. Und wieder jaulte sie auf, versuchte das Ohr im Schnee zu verstecken, um es zu kühlen. Aber es half nichts, und der Schnee färbte sich nur noch dunkler. Hinfort war auch der Gedanke, dass sie nun den Tag der Welpen zu Nicht gemacht haben könnte. Die Welt verschwamm vor ihren Augen, und nur ihr eigenes, stetes Wimmern drang an ihre Ohren. Es brannte wie Feuer, und doch konnte sie den Schmerz nicht auslöschen. Was sollte sie nun tun? Was würde das Rudel nun tun?


[Rudelplatz - Turién]

Krolock
07.06.2011, 14:18

Krolock folgte dem Blick seines Bruders zu den Welpen. Eine Augenbraue zog er nach oben, als er die zwei Winzlinge zwischen Sheena und Tyraleen auftauchen sah. Die kleinen Biester waren Schuld, dass sich der Winter verzog und der Sonne gelegentlich Platz machte. Genervt verdrehte er die Augen, ehe er zu Cirádan sah.

„Natürlich erinnere ich mich an uns, als wir klein waren. Ich weiß wie du aussahst, als unsere Mutter starb und ich weiß, wie du dich verhalten hast, als Vater starb. Du warst schon immer ein Feigling, der nur äußerlich größer wurde und dadurch nur noch kleiner wirkt!“

Er grinste böse.

„Ich weiß, dass du Liel so unglücklich gemacht hast, wie ich sie unglücklich gemacht habe. Da leben wir allerdings immer noch in wunderbarem Wettstreit miteinander.“

Stichelte er weiter. Manchmal war es wirklich furchtbar nervig, wie schrecklich einfältig der Graue war. Sicher nicht zuletzt deshalb, weil er sich zuviel mit Takashi herum trieb. Der verrückte Onkel war nicht gerade die beste Gesellschaft, wie er Cirádan wieder und wieder verhätschelte.
Krolock sah sich um, wollte fort von diesem Ort der Freude, der ihn in den Wahnsinn trieb. Die Anblick der Welpen quälte ihn gerade zu. Junges Leben. Es war, als würde es ihn innerlich zerstörten. Eine Weile suchte er nach einer gelungenen Gemeinheit, die er Cirádan noch an den Kopf hätte werfen können, dann ließ er ihn einfach stehen, als wäre er nie da gewesen. Zwischen den Bäumen des Waldes verschwand er schließlich, so schnell wie er konnte. Er trat an Nihil vorbei und ließ ihn zurück.


[Rudelplatz | Cirádan, nahe Nihil - dann an Nihil vorbei eilend, in den Wald]

Chanuka
07.06.2011, 14:36

Chanuka gelang es, seinen Gedanken nachhängend, nun doch wieder auf den Namen seiner Patin zu kommen. Und er erinnerte sich zudem, dass Averic mit ihr gestritten hatte, wegen irgendetwas, das sie zu ihm gesagt hatte. Es war etwas Böses gewesen, soweit er wusste, aber was wollte ihm nicht mehr einfallen. Es schien auch keine größere Rolle zu spielen. Die Fähe, Isis, war schließlich längst fort und er hatte nie wirklich etwas von ihr gehabt. Es blieb also zu wünschen, dass die Welpen von Sheena länger etwas von ihren Paten hatten. Chanuka wünschte ihnen dies von Herzen, denn nichts konnte trostloser sein, als die Einsamkeit.
Gerade, als er sich von seinen Erinnerungen und Gedanken löste, trat Liel auf ihn zu, nach der er wieder hatte Ausschau halten wollen. Er ließ seine Rute über den Boden wischen und strahlte ihr entgegen. Ihre Begrüßung fiel nicht weniger überschwänglich aus, wie er das von ihr gewohnt war. Sie schleckte ihm durchs Gesicht und er stupste sie begrüßend an. Ein bisschen richtete er sich auf, machte ihr den Platz, den sie brauchte und legte, als sie sich an ihn kuschelte, den Kopf auf den ihren. Inzwischen war er größer als sie. Eigentlich schon fast ein ganzer Rüde. Gerade, da er die Welpen erblickte, fühlte er sich ziemlich erwachsen. Sein zweiter Frühling war einfach so dahin gezogen, überschattet von traurigen Geschehnissen. Aber bald würde er dem Jungtieralter gänzlich entwachsen sein. Er empfand es geradezu als lustig, wie schnell sie alle groß geworden waren. Wenn Liel an seiner Seite war, wirkte allerdings immer alles ziemlich heiter auf ihn. Da konnte es stürmen oder regnen, oder alles in einer grauen Nebelsuppe versinken. Die Sonne war schön, aber sein Sonnenschein war schon immer Liel gewesen.

„Erinnerst du dich an den Tag in der Höhle… bei Banshee und Kaede?“

Fragte er, sich gewahr werdend, dass er damals wahrscheinlich ungefähr so alt gewesen war, wie die Welpen von Sheena jetzt.

„Da habe ich das erste Mal dein Lächeln gesehen!“

Ergänzte er, damit sie wusste, worauf er hinaus wollte. Es schien ihm gar nicht mal so lange her zu sein und doch war unendlich viel seit dem geschehen. Sie hatten ihre Mamas beide verloren, hatten Schicksalsschläge erlebt und waren gemeinsam aufgewachsen. Was auch immer geschehen war, sie hatten einander nie im Stich gelassen. Ganz so, wie sie es als Welpen beschlossen hatten.


[Rudelplatz | Liel direkt bei sich, neben Tyraleen, Sheena und Welpen]

Chardim
07.06.2011, 16:35

Lächelnd saß Chardím in direkter Nähe zur Rudelhöhle und freute sich darauf die Welpen und sein baldiges Patenkind endlich zu Gesicht zu bekommen. Er war fast ein wenig aufgeregt. In den letzten drei Monaten hatte sich sein Zustand wieder sichtlich verbessert. Der Schwarzweiße war einigermaßen fitt, nur noch etwas hager. Aber es drehte sich nichts mehr, er wurde nicht mehr von Klagen und Gejammer geplagt. Seine Augen waren nun gänzlich bernsteinfarben, das Blau war verschwunden. Doch da es in der letzten Zeit auch wieder viel wärmer geworden und Winterfell gewachsen war, musste er auch nicht mehr unter der Schwäche der Engayawölfe leiden.
Nein, wie hatte es ihn überrascht zu erfahren, dass sein Pate Papa werden würde! Mal wieder überschlugen sich die Ereignisse und Dinge traten ein, mit denen Chardím nicht gerechnet hätte. Aber dieses Mal, handelte es sich um ein erfreuliches Ereignis. Jakash als Papa. Irgendwie schwer vorzustellen, immerhin war der Schwarze nur ein Jahr älter als er selbst und auch noch frischgebackener Fenriswolf. Aber vielleicht freute er sich auch gerade deswegen. Und Jakash freute sich auch, das war das Wichtigste.
Eine Sache hatte ihm dann aber doch Kopfzerbrechen bereitet und er war sich noch immer nicht sicher, ob er eine gute Wahl getroffen hatte ...
Das Geschenk! Nachdem das Verbot aufgehoben worden war, hatte der Schwarzweiße praktisch das Revier durchkämmt, um irgend etwas zu finden, dass für einen Welpen halbwegs interessant sein könnte. Er fand diese Geschenkesache ein wenig seltsam und erinnerte sich daran, dass damals, als er die Rudelhöhle verlassen hatte, nur ein paar vereinzelte Welpen etwas bekommen hatten. Er Beispielsweise nicht. Deshalb sollte nun jeder etwas haben. Und Chardím fürchtete, dabei nicht besonders kreativ zu sein. Was sollte man einem Welpen schon geben? Es würde in ein paar Tagen eh verschwunden sein. Aber na ja, immerhin ein kurzer Grund zur Freude. Zumindest hoffte Chardím, dass sich sein Patenkind freuen würde. Er hatte vom gespaltenen Baum einen kleinen Ast mitgebracht, der an einer Seite hübsch mit Moos und Moosblüten bewachsen war, dafür an der anderen Seite kahl, grau und morsch wirkte. Wenn der Welpe nicht mehr wusste, was er damit machen sollte, konnte es immerhin noch als Kauspielzeug dienen. Das war doch ganz sinnvoll.
Chardím reckte den Kopf, als sich die Welpen langsam aus der Höhle hinaus trauten. Kurz huschte sein Blick herum zu seiner Mutter, Sheena und seinem Bruder, der sich gerade dazu gesellt hatte. Er lächelte ihnen zu, seine Ohren zuckten aber schon wieder zum Höhleneingang, als von dort ein klagendes Fiepen ertönte. Nanu, wer hatte denn da Angst vor der Welt?



[ Rudelhöhle | bei den anderen ]

Nihilus
07.06.2011, 18:31

Auch wenn das wenige Gras unter seinem Leib noch kühl und beinahe fühlbar feucht war, zog Nihilus den Schatten der Bäume als seinen derzeitigen Ruheplatz der strahlenden Sonne vor, um Körper und Kreislauf an die Witterungsverhältnisse anzupassen. Schrecklich, wie diese von jetzt auf gleich wechselten – zumindest kam ihm die Zeit, die seit dem Schnee vergangen war, rasend vor. Doch wenn er so in die Runde von Wölfen blickte war er da wohl kaum der Einzige. Vor allem die baldige Mutter müsste ihr Zeitgefühl verloren haben. Für sie hieß es schließlich nur noch Welpen, Welpen und nochmals Welpen. Soweit der Helle gehört hatte, sollten diese wohl bald das ganze Rudel auf trab halten, Aktion in die Runde bringen und lebhaft über den Platz springen, die kleinen Helden. Ein wohliges Brummen verließ die Kehle Nihilus, als er sich viele Wölfe in Miniaturform vorstellte. Gesehen hatte er ja noch nie welche, aber sie schienen wohl mächtig zu sein, schließlich besiegte ihr Leben den grässlichen Winter, der wahrscheinlich sowieso bald eintreffen würde. Also musste er wohl das jetzige Wetter genießen, als sei es die letzte Wärmespende die er erlangen konnte!
Genau so schien auch Ciradán zu denken, der wie aus dem Nichts – welch Wortspiel! – auftauchte und an ihm vorbei lief. Den Kopf erhoben folgte Nihilus ihm mit dem Blick, sichtbar fraglich. Zogen den jungen Grauen die Welpen an, oder nur der viele Trubel? Die Ohren gespitzt, beschloss er grade ihm zu folgen, vielleicht könnten sie sich ja gemeinsam an den Kleinen erfreuen, als sein Vorhaben – wie nur viel zu oft – von Krolock durchkreuzt wurde. Streitlustig wie immer plusterte er sich vor seinem Bruder auf, der arme Ciradán, na hoffentlich trübte der Schwarze nicht die Stimmung von ihm. Doch so danach sah es aus. Das wohlige Brummen klang besorgt zu einem genervten Knurren ab, leise, wahrscheinlich nur für Nihilus selbst hörbar, bevor er sich mit der Tatze über die Schnauze fuhr. Selbst der schönste Tag konnte die Laune seines „Bruders“ nicht aufbessern, so ein ewiger Narr! Wenn er nicht bald die Augen für das Schöne öffnen würde, kämen Probleme auf ihn zu… so was wie Depressionen, oder schlimmer! Um die Situation besser überblicken zu können, richtete sich der breite Leib des Rüden auf. Er würde sich nicht schon wider dazwischen stellen, zumindest lag das nicht in seiner Tagesplanung – Zudem schien Ciradán grade in den Versuch zu geraten sich zu verteidigen, wörtlich versteht sich. Na, dann hatten die ganzen Sticheleien Krolocks vielleicht doch einen Sinn: sie puschten den verwirrten Jüngling hoch! Hach, war das etwa eine gute Absicht, die den Schwarzen da trieb? Geschwisterliebe, die verborgen zwischen den beiden aufkeimte? Schön wärs zumindest.
Leider wurde die positive Sicht Nihilus’ schnell wider widerlegt: da stürmte der Schwarze einfach weg und ließ den Grauen, ohne auf dessen Antwort zu warten, davon. Die Ohren flach angelegt, trat Nihilus ein paar Schritte auf den Grauen zu, als der schwarze Schatten in der Dunkelheit des Waldes verloren ging.

„Du wirst ja immer besser wenn es darum geht Krolock die Stirn zu bieten!“

Ein Versuch dem viel zu gutmütigen Jungwolf ein Kompliment zu machen, um dessen vorherige gute Stimmung wieder aufzunehmen. Es konnte schließlich nicht angehen, dass nur durch die Launen eines Einzigen gleich mehrere drunter leiden mussten! Und irgendwie hatte Ciradán sich ehrvoller benommen als die vorherigen Male des Zusammentreffens, mit mehr Mut. Zumindest hatte er trotzig geantwortet. Das war ja schon Mal etwas. Vorsichtig stupste er den grauen Pelz in die Seite.

„Und lass dir ja nichts einreden von dem, der versucht nur seine schlechte Laune an andere abzustreifen.“

Demonstrativ wies er zurück auf den Wald, dessen dunkle Färbung die negative Stimmung scheinbar zu verbildlichen versuchte, zumindest im Gegensatz zu dem Sonnen beschienenen Rudelplatz.
Die Schnauze zuckend verblieb sein Blick jedoch um einiges länger auf die Bäume gerichtet als eigentlich gewollt. Es gefiel ihm nicht den Schwarzen einfach so allein dort drin zu lassen, lieber wollte er eine Entwicklung – wie bei Ciradán auch – bei Krolock sehen. Eine Entwicklung in Richtung des Guten. Das konnte sich der Helle wohl kaum erhoffen, indem er ihn einfach so allein im Wald sich selbst überließ Allein mit seinen schlechten Gedanken, allein mit seinen negativen Vorstellungen von der Welt. Aber war sollte er, ein schwächlicher Knabe, denn nur ausrichten? Reden funktionierte ja nicht, war ja schon schwierig überhaupt ein Gespräch mit dem Schwarzen aufzubauen.

„Es wäre wünschenswert, dass er wenigstens jemanden in seine Nähe lassen würde, damit er endlich versteht, dass die Welt um einiges schöner ist als er sie sich vorstellt.“

Mit einem Seufzen wandte er sich nun vollständig den bedrückenden Stämmen zu. Sollte er ihm folgen und den Tag damit dunkel anhauchen? Oder einfach unbeteiligt hier bleiben, bei Ciradán, bei den Welpen, bei der Sonne? Im Zwiespalt zwischen Egoismus und Sorge zog er mit voller Abneigung die Lefzen ein Stück hoch. Hach, warum konnte er einfach nicht nur an sich selbst denken? Das würde sein Leben um einiges einfacher gestalten.

„Ich werde ihm wohl folgen.“

Fragend, seiner eigenen Entscheidung nicht trauend, sah er den Grauen an, als würde er auf eine Bestätigung warten.


(Rudelplatz, Ciradán, kurzzeitig Krolock)

Cirádan
07.06.2011, 19:31


Unsicher drehte er die Ohren nach hinten und legte den Kopf leicht schief. Konnte sich Krolock wirklich erinnern? Konnten sich vielleicht alle anderen erinnern und nur er wusste es nicht mehr? Es wäre ja nicht das einzige woran er sich nicht erinnern konnte. Das Nichts hatte in ihm viele Erinnerungen verschüttet. Das Nichts... nein. Nein, der Tod seiner Mutter. Der Tod seines Vaters. All das hatte seine Erinnerungen tief, tief in ihm verschüttet.

Er wollte Krolock wiedersprechen und öffnete schon den Fang, doch es kam nichts raus. Denn Krolock meinte, er hätte Liel ebenso unglücklich gemacht.

"Ich wollte nicht.. Ich hab nichts.."

Doch er wusste auch gar nicht so Recht was er darauf erwiedern sollte. Stimmte das wirklich? Hatte er Liel unglücklich gemacht? Aber das wollte er doch gar nicht!
Während Cirádan noch in Gedanken versunken war, brauste Krolock auch schon plötzlich davon, ohne auch nur ein Wort zu sagen.
Unglücklich sah er ihm nach und erblickte auch gleich Nihil in der Nähe der sich zu ihm gesellte.

Als der Weiße ihn lobte dass er immer besser wurde in dem sich nicht von seinem Bruder unterkriegen zu lassen, schwellte wieder Stolz in seiner kleinen, schmalen Brust. Cirádan freute sich sehr über Komplimente und er wusste, dass er irgendwann bestimmt es auch schaffen würde sich gar nicht mehr unterkriegen zu lassen.

"Ja ich weiß..."

Er wusste, dass Krolock nur seine schlechte Laune los werden wollte. Auf eine Art und Weise jedoch die nicht gut für andere war.
Überrascht hob er den Kopf. Er dachte immer, dass Krolock Nihil in seine Nähe ließ und sie auch miteinander redeten.

"Aber bist du nicht... sowas wie sein bester Freund-Bruder?",

fragte er ein wenig verwirrt. Doch er blickte auch in die Richtung in die Krolock geflohen war.

"Aber ich mach mir auch Sorgen um ihn ... Trotz allem ist er mein Bruder.",

seufzend nickte er und stupste Nihil nun leicht zurück, wenn auch nur sehr zaghaft.
Dann lenkte er seinen Blick wieder zu den Welpen.
Sollte er Krolock folgen? ... Aber der wollte ihn sowieso nicht in seiner Nähe haben. Und was ist mit Nihil? Um Nihil sorgte er sich doch!

"Ja... du bist gut für ihn... glaub ich."

Er wusste es wirklich nicht. Aber er hoffte es.



[Rudelplatz, zuerst noch Krolock, dann Nihil]

Linalee
07.06.2011, 19:48

Eine so große Welt war irgendwie seltsam, fand Tinca. Ihre Höhle war klein und überschaulich gewesen, aber dort draußen hatte sie in den kurzen Augenblicken so viel gesehen, dass sie es kaum glauben konnte. Jetzt hockte sie zitternd am Boden des Höhleneingangs und starrte nach draußen, wo sie immer mehr erkannte und wahrnehmen konnte. Sie blinzelte ein paar mal, dann erzitterte ihr Körper noch mal und sie versuchte wenigstens, sich umzuschauen. Sie sah ihre Mama und die andere Mama, die auch mal da gewesen war. Bei ihnen hockten Malik und Isaí. An sich fürchtete Tinca ja nicht Mama, Mama, Malik und Isaí, nein, sie fürchtete dieses "Anders"-Sein dort draußen. Dieses "Nicht-Wie-In-Der-Höhle"-Sein. Angstvoll starrte sie nach draußen und ihr hektischer Blick schoss über all die Mamas und Papas, einem nach dem anderen, wie sie alle sich aus dem hellen Licht lösten und Form und Gestalt annahmen. Sie sahen alle aus wie Mama und Papa, nur irgendwie doch ... anders. Ja, sie waren anders. Sie sahen nicht nur anders aus, sie waren auch noch anders! Jappsend holte Tinca Luft, als sie sich dieser Tatsache bewusst wurde. Alles war anders! Kopfschüttelnd kroch sie noch zwei Schritte rückwärts, als ihr einer der Papas auffiel. Er sah noch viel mehr anders aus als die anderen Mamas und Papas. Erstaunt starrte sie ihn an, ihre Ohren sprangen nach vorne und ihre Haltung wurde aufmerksamer. Vergessen war die Angst vor diesem Anders-Sein. Jetzt galt es für die sonst so scheue Tinca, doch etwas zu erforschen! Was sie nie machen würde, aber dieser Papa war zu anders, als dass er unentdeckt bleiben durfte! Ganz klein machend krabelte sie langsam aus dem Bau hervor, versank gefühlsmäßig beinahe vollständig im Schnee und kroch so auf diesen Wolf zu. Und das auch noch in eine Richtung, in die niemals ihre Mama zu erreichen sein würde! Aber das registrierte Tinca schon gar nicht mehr. Neugierig näherte sie sich diesem Anders, wie sie den Wolf gedanklich taufte, um ihn zu entdecken. Neugier durchflutete ihren Körper. Fühlten Malik und Isaí sich so, wenn sie das Licht hatten erforschen wollen? Jetzt jedenfalls fühlte Tinca sich so, ihr Herz raste vor Neugierde. Sie wollte Anders erreichen!

Einige schritte von Anders entfernt, blieb sie im kalten Nass liegen und starrte zu Anders rauf. Weiße komische Linien zogen sich unter seinen Augen lang und seine Augen wirkten auf Tinca irgendwie seltsam. Fasziniert fixierte sie Anders und sie merkte nicht einmal, dass ihr Kiefer aufklappte und ihre Ohren ihr beinahe schon vom Kopf hüpften, soweit waren sie nach vorne geneigt. Und auch ihre Augen fielen der kleinen Tinca beinahe aus dem Kopf, während sie ihn so anstarrte. Er war anders als Mama und als Papa. Und anders als Malik und Isaí. Und Taleesha. Tinca wollte Anders irgendwie erforschen. Nicht einmal ihrer Höhle hatte sie solches Interesse entgegen gebracht. Und die Höhle hätte nie zurückschnappen können, hätte sie sich bewegt, aber Anders konnte zurückschnappen. Dieser kleinen Tatsache wurde sie sich ganz langsam bewusst. Und schon schlich sich Angst wieder heimtückisch in ihre Gedanken, aber Tinca kämpfte gegen sie. Sie wollte wissen, wer Anders war! Und da würde ihr ihre eigene Angst nicht im Weg stehen!

"W..W..We..Wer bi..bis..bist d..d..d..du?", fragte sie stotternd den Wolf mit dem weißen unter den Augen. Neugierig starrte sie ihn mit noch immer offenen Fang an.



[vor der Höhle, Rudelplatz | Chardím]

Malik Hikaji
07.06.2011, 20:21

Die Stimme seiner Mutter beruhigte Malik augenblicklich, ganz besonders in Kombination mit ihrem Versprechen von Sicherheit. Erleichtert sah er zu ihr auf und spürte förmlich, wie die Angst von ihm abfiel. Tröstend hatte sie mit der Zunge berührt, so wie sie es auch in der tinca- und taleeshafarbenen Höhle getan hatte. Das konnte Malik nur mit Sicherheit verbinden. Und obwohl Tinca noch hinter ihnen war und sich nicht so recht traute, schien auch sie es zu spüren. Erstaunt beobachtete Malik, wie sie auf einen papafarbenen Wolf zukroch. Doch lenkte ihn Tyraleen von der Szene ab. Mit großen Augen blickte er ihr ins Gesicht und hörte mit aufmerksam aufgestellten Ohren zu. Fenris und Acollon also? Malik runzelte die Stirn ein wenig und versuchte, seine eigenen gedanken zu korrigieren. Die bösen Namen mussten doch richtig sein. Was ihn aber noch mehr erstaunte, war der eigentliche Grund dieser Versammlung.

„Weil wir da sind? Sind wir denn etwas tolles?“

Sofort hellte sich seine Miene auf und er lächelte versonnen. Ja, so musste es sein. Wegen ihnen waren all die seltsamen bunten Mamas und Papas gekommen, um sich zu freuen. Weniger schüchtern als noch zuvor tapste Malik einige Schritte in Richtung der Wölfe, die sich langsam vor ihnen versammelten. Nun blieb ihm Zeit, sich sie alle etwas genauer anzusehen. Er zuckte erschrocken zusammen, als eine papafellfarbene Mama jaulte, weil ihr ein pfütziger Papa am Ohr gezogen hatte. Ohje, Taleesha hatte dabei aber noch nie so laut gejammert, das da musste eine sehr empfindliche Mama sein. Dann näherte sich ihnen eine fast mamafellfarbene Mama, die sich neben einen papafellfarbenen Papa legte. Malik lächelte die beiden vorsichtig an, aber sie sahen wirklich so aus, als würden sie sich freuen.
Dann jedoch erklang wieder Tyraleens Stimme und Malik wandte fluchs den Kopf nach hinten, um nicht ein Wort zu verpassen.

„Jaja, ich will einen haben. Einen Wolf haben, ganz für mich!“

Aufgeregt hoppelte er zu Tyraleen und Isaí zurück und tapste dann freudig von einer Pfote auf die andere. Schnell schaute er dann wieder zurück zu den vielen Wölfen. Einer von denen sollte seiner werden, sein eigener Wolf. Das war toll. Hoffentlich ein ganz hübscher, so hübsch wie seine Mama. Vielleicht der papafellfarbene da mit den … ja, was war das denn für eine ulkige Augenfarbe? Das kannte er doch … neugierig blickte er zur hohen Höhlendecke, die scheinbar auch unendlich groß war, denn er konnte ihr Ende gar nicht sehen. Ja, die hatte die selbe Farbe wie die Augen.

„Duuu, wie heißt die Farbe von der großen Höhlendecke hier?“

Fragend zupfte er Tyraleen am Fell und deutete mit der Nase Richtung oben. Woher sollte er wissen, dass das hier keine Höhle mehr war, und dass man das da oben 'Himmel' nannte?


{ bei Tyraleen, Sheena, Isaí, Liel, Chanuka }

Nihilus
07.06.2011, 22:09

Die letzten Worte Krolocks schienen Ciradán ziemlich getroffen zu haben, zumindest wollte Nihilus dies in seiner Mimik zu erkennen wagen. Doch so wenig er den genauen Wortlaut mitbekommen hatte, um so weniger wollte er den Grauen noch einmal darauf ansprechen, nachdem dieser das knappe Kompliment so gut aufzunehmen schien. Es sollte wohl noch genug Zeiten geben, in denen er sich des Jungrüdens Gefühlslage annehmen könnte, da musste er die Wunde – wenn es denn eine war – nicht noch einmal aufreißen, auch wenn er aus purer Neugierde gerne mehr erfahren hätte. Die Ohren zuckend warf er einen weiteren Blick in Richtung Wald. Soweit er es beurteilen konnte, besaßen Krolocks Worte zumeist keinen wahren Hintergrund, oder zumindest nur einen sehr geringen. Das sollte Ciradán, sein Bruder, schließlich wissen. Fakten zu Folge mussten sie sich schon seit mehr als einem Jahr ertragen, da zweifelte Nihilus kaum daran, dass der Graue nicht über die Sticheleien des Schwarzen Bescheid wusste.
Ein versuchsweise aufmunterndes Zucken umspielte die dunklen Lefzen, bis sein Gegenüber ein Thema ansprach, dass Nihilus selbst viel zu sehr beschäftigte, als dass er es hätte in kurzen Worten zusammen fassen können – oder es zumindest versuchen könnte. ‚Bester Freund-Bruder’. Irgendwie so was. Ja, schön wärs, wenn es nur das sei. Vielleicht würde sich der Helle dann nicht immer so verantwortlich für das Benehmen des Schwarzen fühlen, oder gar an seinem Wohl so stark interessiert sein.

„Das ist… schwierig.“

Ja, das war das richtige Wort. Schwierig. Oder auch kompliziert. In gewissem Maße sogar sehr, sehr anstrengend. Auch wenn es sich manches Nachts gerne wünschte in dem dunklen Miesepeter jemanden gefunden zu haben, der so etwas wie seine Familie sein könnte. Schließlich war er schließlich sein… Schöpfer? Nein, das klang komisch. Aber irgendwie so was. Das Wort „Bruder“ klang gut, aber es passte nicht wirklich.

„Nur dank Krolock bin ich überhaupt hier. Er ist der Grund warum ich leben darf, warum ich in diesem Tal, in diesem Moment grade neben dir stehen darf.“

Ein sanftes Lächeln legte sich auf die Lefzen des Hellen. Ja, Dankbarkeit war eine schöne Bezeichnung für seine Gefühle für den Schwarzen, auch wenn sie nur sehr oberflächlich erschien. Aber wer sagte denn, dass aus dieser reinen Dankbarkeit nicht eine Zugehörigkeit gewachsen sei? Schließlich fühlte er sich trotz allen Anstrengungen in seiner Nähe wohl. Und nicht nur wie zuerst gedacht physisch – denn dass da durch die Zerstörung des Nichts nicht irgendetwas passiert war konnte dem Hellen niemand erzählen – sondern auch psychisch.

„Vielleicht sehe ich auch mehr in ihm, als da eigentlich ist. Aber ich bin gerne in seiner Nähe, hoffe Tag für Tag, dass er endlich zu dem Wolf wird, der hoffentlich – nein, eigentlich bin ich mir sicher! – irgendwo tief in ihm ist.“

Mit fester Überzeugung straffte Nihilus die Schultern und richtete sich zu voller Größe auf. Zwar hatte er nicht direkt auf Ciradáns Frage geantwortet, jedoch wäre ihm keine bessere Umschreibung eingefallen. Und das mit dem Nichts wollte er kaum erzählen, wer hätte ihm schon seine Hirngespinste abgekauft? Dass Krolock, dieser scheinbar herzlose Trottel, ihm etwas gegeben haben muss, damit er, der Nichtswolf, hatte leben dürfen? Die Schnauze rumpfend beäugte er den Grauen kritisch. Nein, selbst Ciradán hielt er nicht für verwirrt genug, dass er ihm glauben könnte. Belustigt über die eigenen Gedanken entwich ihm ein Laut, ähnlich einem Kichern, bevor er sich Ciradáns letzten Bemerkung widmete, die beinahe lobpreisen könnte.

„Obwohl er zumeist ein solch ekliger Geselle ist?“ Aber eben so gehörte es sich doch, als ‚Familie’ – Zusammenhalt trotz großer Unterschiede. „Wir sollten uns auch sorgen machen. Wenn er sich allein nicht dazu motivieren kann Lebensfreude aufzubauen, dann müssen wir ihm eben welche Einhauchen.“

Es klang beinahe wie ein Versprechen, wie ein Vorhaben, dass er unbedingt erfüllen wollte und… auch musste. So mies es sich auch anhörte, aber desto älter er wurde, desto mehr Gedanken machte er sich um den schwarzen Pelzträger, öfters sogar mehr als um sich selbst. Und das beängstigte ihn stetig.
Den Kopf demonstrativ schüttelnd, als könnte er so alles aus seinem Kopf verbannen, spitzte er die Ohren, die Rute im Anlauf zum auffordernden Pendeln.

„Möchtest du nicht mit? Wir könnten ihm zusammen folgen. Vielleicht helfen zwei Zuredner mehr als Einer!“

In Wirklichkeit wollte er sich nur nicht abermals alleine hinterher begeben und Ciradán zurück lassen. Soweit Nihilus kombinieren könnte, folgerte er aus Takashis und Ciradáns Verbundenheit, dass der Graue mit ihm vielleicht ein wenig über den seltsamen Vorfall mit dem Bären rätseln könnte, schließlich hatte dieser auch die Reaktionen der beiden Schwarzen miterlebt. Wirklich motiviert, schließlich mussten sie die letzten schönen Tage genießen, sprang er einige Sätze in Richtung Wald, beinahe wie im Spiel.

„Bis wir den eingeholt haben können wir auch unsere Jagdkünste verbessern!“

Ja, das wäre wirklich mal nötig.



(Rudelplatz, nähe des Waldes - Ciradán)

Taleesha
07.06.2011, 23:50

Taleesha fühlte sich, als würden zehn Maliks in ihrem Bauch rumhopsen. Sie stand mit wackeligen Beinen neben ihren Geschwistern und empfand das inzwischen sehr nahe Licht zum ersten Mal nicht als absolut faszinierend und schön, sondern als unangenehm hell und ungemütlich. Vielleicht war sie ja doch nicht so neugierig und würde noch ein bisschen warten? Das Licht war doch nicht ganz so toll … sie könnte sich ja einfach zu Tinca oder Mama kuscheln und sich vom Spielen erholen. Naja, soviel hatten sie heute ja noch gar nicht gespielt – selbst Malik und Isaí waren so aufgeregt, dass sie nicht richtig spielen wollten. Taleeshas Blick huschte zu ihrer Schwester, die im selben Moment sowieso auf sie zukam und sich ängstlich an sie drückte. Die schwarze Welpin leckte ihrer Schwester beruhigend übers Fell und raunte ihr leise Worte der Überzeugung zu, obwohl sie selbst alles andere als überzeugt war. Inzwischen waren Isaí und Malik schon so nahe am Licht, dass man sie kaum mehr sehen konnte und Taleesha packte allmählich die Angst, vielleicht doch etwas zu verpassen. Und diese Angst war noch größer, als die Panik vor der neuen, unbekannten Welt da "draußen". Seit Tinca in ihrer Nähe war, fühlte Taleesha sich verantwortlich. Sie hatte jetzt weniger Zeit für eigene, zögernde Gedanken – schließlich passte sie jetzt auf ihre Schwester auf. Sie rückte von jener etwas ab und stupste sie sanft an.

"Komm, Tinca. Das schaffen wir schon. Malik und Isaí sind doch auch schon fast im Licht, die passen auf uns auf! Und Mama und Papa auch! Die warten da drin! Los, komm!"

Ihr Ton war drängend, aber warm. Sie wusste, dass es Tinca schwer fiel, mitzukommen und sie wollte ihr nicht das Gefühl geben, gezwungen zu werden. Sie blickte Tinca noch einmal mit dem Versuch, sie zu beruhigen, an und lief schließlich los Richtung Licht. Während sie näher kam, ging ihr Atem immer schneller und ihr Herz schlug immer lauter und lauter. Es dröhnte in ihren Ohren. Dann schloss sie kurz die Augen und wartete ab, wohin das Licht sie bringen würde. Als sie sie wieder öffnete, stand sie noch immer am selben Platz. Sie drehte sich beruhigt zu Tinca um und forderte sie erneut auf, mitzukommen. Es passierte gar nichts, es tat auch nicht weh. Also ging sie noch ein paar Schritte weiter. Das Licht wurde immer mehr um sie herum. Wann wäre sie denn da? Und worauf wartete sie überhaupt? Was würde passieren? Wahrscheinlich würde sie es wissen, wenn sie Isaí und Malik endlich wieder sehen würde. Aber es war so hell um sie herum, dass sie kaum etwas erkennen konnte. Sie blieb kurz stehen, um ihre Augen an die neue Umgebung zu gewöhnen. Nun direkt am Höhlenausgang stehend konnte Taleesha nach einer kleinen Weile tatsächlich sehen, was vor ihr lag. Es war ganz anders als sie gedacht hatte. Da waren so viele andere Wölfe. Das Rudel, von dem ihr Vater oft erzählt hatte und zu dem nun auch sie gehören würde, war viel, viel größer, als sie sich je hatte träumen lassen. Da waren so viele verschiedene Rudelmitglieder, dass die kleine Welpin sie gar nicht zählen konnte. Etwas erschüttert und eingeschüchtert von den vielen Blicken, die auf sie gerichtet waren, suchte sie ihre Eltern. Als sie ihre Mutter erblickte, jaulte sie beinahe vor Freude auf, hielt sich aber unsicher zurück und brachte schließlich nur ein leises Japsen zustande, das nichts mehr mit dem ursprünglichen Laut gemein hatte. Noch verunsicherter und ein bisschen verschämt wollte sie auf ihre Mutter zustürmen, zuckte jedoch erschrocken zusammen, als ihre Pfoten plötzlich keinen festen Höhlenboden mehr unter sich spürten, sondern etwas Nasses und sehr, sehr Kaltes. Statt jedoch zurück zur Höhle zu gehen, wollte sie möglichst schnell zu ihren Brüdern und zu Sheena gelangen und kämpfte sich weiter durch das unangenehme Nasskalt. Sie zog ihre Pfoten beim Laufen so weit wie möglich nach oben und schüttelte sie nach jedem Schritt angwidert aus. Die kleine Welpin hielt angestrengt die Luft an und lief zaghaft weiter. Nach einer gefühlten Ewigkeit sah sie endlich das weiche Fell ihrer Mutter vor sich und drückte sich erleichtert an deren linken Vorderlauf. Erschöpft vom Abenteuer setzte sie sich schnaufend hin und blickte durch die Runde. Es waren wirklich sehr, sehr viele. Und da, neben ihrer Mama, also auch neben ihr, da saß … Taleesha machte große Augen, als sie zu erkennen glaubte, wer sich da neben ihr befand. Sie schaute mit großer Bewunderung auf zu Tyraleen, von der ihre Mutter schon so viel Wunderbares erzählt hatte. Taleesha war sich in dem Moment einfach absolut sicher, dass diese schöne Fähe Tyraleen sein musste. Ihr Fell strahlte beinahe so weiß wie das Licht, das sie so lange angestarrt hatte. Und sie war so … alphaig.
Die dunkle Welpin war beeindruckt von der Ruhe und der Stärke, die von der Fähe ausgingen. Sie konnte die Augen gar nicht mehr abwenden, sondern saß wie versteinert da und starrte Tyraleen an. Sie wollte selbst auch mal so schön und so besonders werden … sie wollte auch so eine Freundin haben wie ihre Mutter …
Die Welpin starrte weiterhin und hielt vor Erstaunen die Luft an. Sie brachte kein Wort heraus – sondern wurde vor Aufregung von einem urplötzlichen Schluckauf heimgesucht.


[vor der Höhle, Rudelplatz | bei Sheena, neben Tyraleen]

Chilali
08.06.2011, 17:42

Ebenso gespannt wie der Rest des Rudels stand Chila vor der Höhle aus der die Welpen kommen sollten. Und tatsächlich, nach und nach traten die Kleinen ins Licht. Ihr Herz zog sich beim Anblick der kleinen Fellkugeln zusammen. Wie süß sie waren! Und wie winzig und verletzlich, in diesem zarten Alter! Da sprang sofort jeder Beschützerinstinkt in ihr auf, aber ging es nicht fast jedem Wolf so beim Anblick der rudeleigenen Welpen? Die vier Welpen waren wunderschön befand sie, etwas schüchtern vielleicht, aber es war klar, dass das nicht lange so bleiben würde. Bald hätten sie wahrscheinlich Vier kleine Monster zu bändigen die aufgeregt und in Spiellaune über den Rudelplatz laufen würden. Chiali freute sich darauf. Seufzend ließ sie sich nieder und streckte dann ihre Vorderbeine aus um den Kopf darauf zu betten. So hatte sie eine ganz andere Sicht auf die Welpen die neugierig auf die ersten Wölfe zu liefen. Lächelnd beobachtete sie die Wirkung die die Alphawölfin Tyraleen auf die dunkle Welpin hatte. Seit sie beim Rudel war ging es ihr gut. Sie hatte ihr altes Kampfgewicht wieder und vibrierte fast vor Energie. Vielleicht könnte sie nach der Welpenzeremonie noch eine Runde laufen. Neugierig wer sonst noch so da war sah sie sich um. Die meisten Gesichter waren ihr bekannt und Namen hatte sie hie und da mitbekommen, aber so richtig gesprochen hatte sie noch mit keinem außer ihrem Bruder. Wo der wohl war? Suchend sah sie sich um und ließ dabei den Blick über jeden einzelnen Wolf wandern.
Eine Bewegung ganz in ihrer Nähe ließ ihre schweifenden Augen innehalten und sich auf das fragliche Objekt konzentrieren.
Schnell flappten ihre Ohren nach hinten und ein fragender Ausdruck trat auf ihr Gesicht.
Nicht allzu weit entfernt stand ein ziemlich großer, schwarzer Rüde. Sie fing seinen etwas verwundert oder gar verblüfft wirkenden Blick auf und
legte fragend den Kopf schräg und pendelte freundlich mit der Rute.

" Was gibts denn?"

,fragte sie ihn neugierig. Im selben Moment versuchte sie sich krampfhaft zu entsinnen wer der Rüde war und ob sie ihm schon begegnet war, aber erfolgslos. Also kannte sie ihn wohl noch nicht. Kein Wunder: bei der Menge an Rudelmitgliedern war es für Neulinge auch nicht leicht mit dem ganzen Rudel schnell vertraut zu machen!



[an der Rudelhöhle - Takashi]

Cirádan
08.06.2011, 18:03


Cirádan mochte seinen Bruder doch zu sehr. Vielleicht wäre es leichter, wenn er Krolock nicht so lieben würde. Aber wer wusste das schon. Selbst wenn der junge Rüde es ändern könnte, würde er es warscheinlich nicht.

Aber zurück zu Nihilus. Schwierig also?
Ein fragender Blick galt nun dem Hellen. Cirádan war gespannt, was Nihil denn mit schwierig meinte. Alles was er wusste war das Nihil aus dem Nichts gekommen war. Das der gleich alte Wolf vorher im Nichts gelebt hat und da eben von Krolock gefunden und mitgenommen wurde. Ausgerechnet von Krolock!
Und das was Nihil gerade sagte wusste er ja. Also nickte er.

"Ja. Krolock hat dich im Nichts gefunden.",

bestätigte er leise.
Doch eigentlich wollte er ihn nicht unterbrechen, also schwieg der Halbblinde wieder.
Irgendwie hatte Cirádan zum ersten Mal, seit er mit Nihil sprach, das Gefühl dass da mehr sein musste als er erzählte. Irgendwas, was Cirádan nicht verstand.
Gut. Er verstand schon schwer genug wie es sein musste ganz allein im Nichts zu leben. Weder Kälte noch Wärme zu spüren. Nein... er wollte es sich nicht vorstellen. Für ihn war es eine schreckliche Erfahrung gewesen. Neben so vielen anderen schrecklichen Erfahrungen die zu früh gekommen waren.

Das beinahe Kichern von Nihil ließ Cirádan wieder aufblicken. Sie hatten sich vom Rudelplatz entfernt. Sehnsüchtig blickte er zu den Welpen und den anderen Wölfen. Aber er fühlte sich sowieso im Weg, also war es wohl nicht so schlimm wenn sie sich ein wenig entfernten.

"Ja. Trotzdem hab ich meinen Bruder gern und will das er irgendwann stolz ist mein Bruder zu sein.",

erzählte er und wedelte nun vergnügt aber zaghaft mit der Rute. Irgendwann würde er schon etwas machen, wobei Krolock vor Stolz auf ihn platzen würde. Und Liel auch.
Aber Nihil hatte Recht. Erstmal mussten sie sich vielleicht um Krolock kümmern, damit er überhaupt merkte, wenn Cirádan etwas ganz tolles machte.
Etwas beschämt über seine Gedanken senkte er die Schnauze. Dennoch nickte Cirádan. Ja. Er wollte helfen Krolock zu zeigen dass das Leben doch gar nicht so schlimm war. Selbst für Cirádan war das Leben doch schön geworden und Krolock war doch so viel stärker als Cirádan es je sein könnte.

Folgen? Plötzlich schnellte der Blick des Halbblinden wieder nach vorne.
"Aber... die Zeremonie?"

Er drehte sich wieder zurück zu den anderen Wölfen und den Welpen, aber da war Nihil auch schon vorwärts gesprungen.

"Aber... ich könnte auch versuchen jagen zu lernen.",

bestätigte er und sprang dem Hellen hinterher.
Vergnügt pendelte seine Rute hin und her. Immerhin wurde nicht explizit gesagt, dass sie beim Rudelplatz bleiben mussten. Es wollten nur alle die Welpen sehen.





[Rudelplatz, Nihil - unterwegs in den Wald]

Nihilus
08.06.2011, 20:40

Den Blick nach der Aufforderung zur Jagdverbesserung in den Wald schweifend, rief sich der Helle Ciradáns Bemerkung zurück in den Kopf. „Aus dem Nichts gerettet“. Ja, so war es irgendwie gewesen, auch wenn vielleicht nicht ganz gewollt. Die verschwommenen Erinnerung an den schwarzen Welpen zeigte Nihilus mehr eine große Abneigung als bloße Hilfbereitschaft – es war gewiss nicht in Krolocks Sinn gewesen ihn zu retten oder gar irgendwie freundlich gegenüber zu treten. Seufzend legten sich die hellen Ohren an den Hinterkopf: soweit er wusste hatte der damalige Welpe etwas völlig anderes im Kopf gehabt um das Grau des Nichts zu betreten, und genau das war es, warum Nihilus sich solch große Sorgen um den Schwarzen machte.

„Du möchtest, dass er auf dich stolz ist? Dafür musst du aber auch etwas bieten!“

Mit dieser Stichelei warf er seine wenig angenehmen Gedanken bei Seite – im Moment zählte nur der Augenblick, und diesen wollte er grade mit dem Grauen verbringen. Dazu zählte selbstverständlich auch, dem Halbblinden zu zeigen, wie er sich, soweit Nihilus das beurteilen konnte, verändert hatte. Die vorherige Gegenüberstellung der beiden Brüder sollte dafür wohl das beste Beispiel sein. Mit Verzögerung warf er dem Jungrüden einen beinahe überraschten Blick zu; ja, gewagt hatte er sich da was. Auch wenn es vielleicht nicht zum Wort-Sieg gekommen war.

„Die Welpen werden sowieso erst nur die Welt und ihre nahe stehenden Verwandten bewundern, da fällt unsere Abwesenheit doch kaum auf.“ Absichernd versuchte er die kleinen Fellknäule vor der Welpenhöhle zu erkennen, die scheinbar schon die Welt – oder zumindest den Rudelplatz – eroberten. „Genau, lass uns lieber selbst erstmal groß und stark werden, damit wir ihnen später etwas beibringen können!“

Demonstrativ schwoll die Brust des Jährlings an. Sie waren nicht mehr die Jüngsten! Das sollte schon mal etwas heißen, denn nun durften sie Anderen ihre ‚Erfahrungen’ nahe legen. Den Kleinen da, die hatten nämlich noch weniger Ahnung als die beiden Jungrüden. Für einen Bruchteil der Sekunde wurde Nihilus Blick sehnsüchtig, als die bunten Flecken in der Entfernung sich bewegten: gerne hätte er sich zu ihnen gesellt, auch wenn nur im Abstand, um ihre Lebensfreude auf sich abfärben zu lassen. Aber nein, kopfschüttelnd rief er sich zur Besinnung. Die Kleinen benötigten im Gegensatz zu ihren Älteren Gefährten noch keinen Beistand, abgesehen von vielen Wölfen die ihnen die Fragen beantworteten.

„Jagen zu lernen?“ , hakte er kritisch nach. Soweit Nihilus sich erinnerte, waren die beiden schon mit dem Rudel zusammen auf der Jagd gewesen, vielleicht wäre ja ein Bisschen davon hängen geblieben. „Also… eigentlich können wir das ja schon. Sollten wir zumindest.“

Das lag doch schließlich in ihrem Blut!
Sobald Ciradán sich bewegt hatte, war Nihilus in einen gemächlichen Trab verfallen, grade so schnell, dass es möglich war entspannt zu reden, sie jedoch dem Vorläufer mit Entfernung folgen konnten. Zufrieden brummend spitzt er mit voller Motivation die Ohren, um auf kleine Geräusche zu achten; naiv wie der Helle war, konnte für ihn gleich hinter dem nächsten Baum eine potenzielle Beute warten. Wenn doch nur alles so einfach wäre!



(Waldbeginn, Ciradán)

Neytíri
09.06.2011, 10:07

Nach dem Gespräch mit Tyraleen hatte sie sich - entgegen dem, was sie sich vorgenommen hatte - wieder etwas vom Rudel abgesondert. Langsam aber sicher begegnete sie ihrem eigenen Verhalten mit Unverständnis; sie zog sich zurück, dabei wünschte sie sich nichts mehr als ein paar Freunde und vielleicht irgendwann einen lieben Gefährten. Dennoch versteckte sie sich geradezu vor ihnen, hatte Angst, Fehltritte zu begehen und sich unbeliebt zu machen. Doch wer konnte schon unbeliebter sein als jemand der sich scheinbar grundlos von allem abkapselte? Die anderen hielten sie vermutlich bereits für eine kauzige kleine Fähe, die einfach mit niemandem sprechen wollte! Aber das war so falsch, sie wollte so sehr Gesellschaft und doch schaffte sie es einfach nicht, alle Zweifel von ihren Schultern zu streifen und nicht immerzu darüber zu grübeln, ob ihre Gesellschaft nun angebracht oder aufgedrängt war.
Dem Rudel stand ein sehr freudiges Ereignis bevor. Jakash und Sheena hatten Welpen gezeugt, die heute die schützende Höhle verlassen sollten. Jakash war Vater geworden... Das stimmte Neytíri nachdenklich; er war bisher eine ihrer wenigen Bekanntschaften gewesen und nun würde er bestimmt nie wieder ein Wort mit ihr wechseln. Er war nun, als Gefährte einer Priesterin und Vater von hoffnungstragenden Welpen, ein wichtiges Mitglied des Rudels und sie selbst... eben nicht.
Die Graue senkte leicht den Kopf; sie saß am Rande der großen Gruppe, die sich um die Höhle versammelt hatte. Als sie ihren Blick wandern ließ, blieb er, wie so oft, an Chardím hängen. Der Rüde, etwa in ihrem Alter, sah nun entspnnt und irgendwie sogar fast freudig erregt aus, lächelte und sah immer wieder zum Eingang der Höhle herüber. Ah, richtig... die Welpen sollten Paten bekommen, und Chardím war einer von ihnen. Neytíri freute sich für ihn, aber die Freude wurde durch einen kleinen Stich gedämpft. Mit ihm hätte sie gern Zeit verbracht; er war ruhig und hatte irgendwie eine faszinierende, aber auch beruhigende Wirkung auf sie. Obwohl ihre bisherigen Gespräche nicht besonders persönlich gewesen waren, fühlte sie sich ihm verbunden. Nun hatte er eine Aufgabe; Pate eines Welpen zu sein. Er wirkte mit einem mal noch viel reifer auf sie und sie war sich sicher, dass auch er in nächster Zeit besseres zutun haben würde, als sich mit ihr abzugeben.

Als die ersten Welpen die Höhle verließen, nach und nach herauskamen und sie alle mit großen Augen mehr oder minder vorwitzig bestaunten, wurde der Fähe ganz warm ums Herz. Es war ein schöner Moment, der die gestiegenen Temperaturen und den schmelzenden Schnee der letzten Wochen krönte. Neytíri lächelte sanft. Der einzige, der noch so ein wenig verloren wirkte wie sie war ein weißer Rüde in ihrer Nähe. Er lächelte ebenfalls zu den Welpen hinüber. Und irgendwie trieb es die Graue zu ihm hin. Sie fühlte sich wieder einmal fehl am Platz inmitten dieser großen Familie und so erhob sie sich und schlenderte zu ihm hinüber. Ihr Körper hatte mittlerweile eine einigermaßen normale Form angenommen. Die mageren Läufe waren nun kräftiger, wenn auch immer noch zierlich. Ihr gesamter Körper war nun statt von den Abzeichnungen ihrer Rippen und Wirbel unter ihrem Fell von geschwungenen, grazilen Linien definiert. Irgendwie erweckte sie den Eindruck von fließendem Wasser, wie sie mit ihrem silbergrauen Fell, ihren hellen, graugrünen Augen und wiegenden, unfreiwillig anmutigen Schritten umherlief.
Als sie bei dem weißen Rüden ankam, blieb sie einige Schritt weit vor ihm stehen und lächelte ihm zu.

"Ich finde es schön, dass diese Welpen die Chance haben, mehr oder weniger sorgenfrei aufzuwachsen. Sie sind wundervoll."

Wie zur Bestätigung glitt ihr Blick zu den Vieren herüber, sie schnappte einige Fetzen ihrer Worte auf und musste leise darüber lachen. Die Naivität der Kleinen war zwar erheiternd, aber Neytíri wünschte sich, dass sie lange so bleiben konnten. Unberührt. Sie selbst hatte in diesem Alter bereits zu viel gesehen. Doch der Gedanke an ihre Vergangenheit verblasste; irgendwie hatte Tyraleen es geschafft, ihr neuen Mut einzuhauchen, sich nicht mehr von ihren Erinnerungen erdrücken zu lassen. Die junge Fähe wandte das Gesicht wieder dem Rüden zu.

"Oh, ich heiße Neytíri. Hab ich total vergessen."

Sie grinste verlegen und freute sich, dass es ihr nun doch so leicht gefallen war, auf jemanden zuzugehen. Und sie nahm sich fest vor, dass beizubehalten, sich nicht mehr zu verstecken und hoffte, dass sie dazu nun auch den Mut haben würde..


[ Vor der Welpenhöhle | allein am Rand | dann bei Madoc ]

Kisha
09.06.2011, 13:37

(So, Jums. Wenn du magst, kannst du nun zu Kisha kommen =))

Ein glückliches Lächeln umspielte die Lefzen Kishas, während ihr Blick auf die Höhle der Welpen gerichtet war. Ein wunderbares Gefühl durchfuhr sie beim Anblick der jungen Wölfe, ließ sie all die trüben Gedanken vergessen. Es war geklärt worden, was ein Varg war, woher sie kamen. Und mit diesem neuen Wissen und der Ankuft der Welpen schien auch das Wetter wieder besser zu werden. Es wurde wärmer, der Schnee schmolz und die Gemüter der Wölfe hellten sich wieder auf. So sollte es sein, so war die Welt in Ordnung. Bald würde der Schnee ganz verschwunden sein, und die Sonne würde jede Wolke bezwungen haben. Das Leben des Rudels konnte wieder gewohnte Bahnen gehen, und niemand erlag mehr der Schwäche, die so viele von ihnen fast bewegungsunfähig gemacht hatte. Es wirkte fast schon zu schön, um wirklich real zu sein.
Aber was Kisha selbst nahezu am glücklichsten machte, zudem ein wenig stolz, war der Gedanke daran, dass sie einen dieser Welpen als Patin zugeteilt bekommen würde. So viel Vertrauen, was in sie gesteckt wurde, dass ihr einer dieser jungen Wölfe zugeteilt wurde. Voller Vorfreude beobachtete sie nun, wie sie langsam nach einander aus der Höhle kamen, und fragte sich still, wen von ihnen sie als ihren Patenwelpen bekommen würde. Ein weißer, ein rötlicher und zwei schwarze. Jeder einzelne wurde von Kisha beobachtete, ließ ihr Lächeln auf den Lefzen noch ein wenig breiter werden. Sie konnte es kaum erwarten, zu erfahren, welchen Welpen sie von nun an begleiten würde.
Kishas Ohren wandten sich leicht zurück, als ein lautes Aufjaulen an ihre Ohren drang. Nun wandte sie den Blick von den Welpen ab, blickte über das Rudel und suchte nach der Quelle dieses Geräusches. In einiger Entfernung konnte sie Turién und Atalya erkennen, und die junge Fähe lag im Schnee. Sie konnte kaum etwas erkennen, aber der Rest des Rudels blieb ruhig, und so entschied sich auch Kisha, die beiden Jungwölfe in Frieden zu lassen. Sie waren immerhin keine Welpen mehr, die den ganzen Tag unter Beobachtung stehen mussten. Und so richtete die dunkle Fähe den Blick wieder herum, bis ihr Blick auf den Welpen ruhen konnte. Und in diesem Moment fragte sie sich, ob auch sie einen Paten bekommen hatte, wenn sie in diesem Tal aufgewachsen war. Zu gern hätte sie sich daran erinnert.


[Rudelplatz – Allein]

Chardim
09.06.2011, 18:58

Chardím hatte sich ein wenig nach vorne gebeugt, um besser in den Höhleneingang sehen zu können. Doch das Klagen hatte aufgehört und die Welpin, die eben noch gefiept hatte, sah ihm jetzt aus großen, dunkelbraunen Augen entgegen. Der Schwarzweiße bemerkte sofort, dass er nicht einfach angesehen, sondern angestarrt wurde. Aber er wusste längst, dass sein Aussehen diesen gewissen Effekt hatte und die Meisten erstaunt waren, wenn sie ihn zum ersten Mal sahen. Chardím schmunzelte und lächelte der kleinen Welpin nur aufmunternd zu. Als er selbst noch so klein gewesen war, hatte er nie verstanden, wenn man ihn mit Erstaunen angesehen hatte – bis er sich mal im Sternensee betrachtet und festgestellt hatte, dass das Fell in seinem Gesicht doch sehr anders aussah, als das von Chanuka. Mit dem hatte er sich bis dahin eigentlich verglichen, seine schwarze Schnauze hatte er immerhin beschielen können. Aber die meisten Wölfe fanden auch ungewöhnlich, dass sich so viel Weiß in sein schwarzes Fell mischte. Dabei waren ältere schwarze Wölfe selbst ganz fleckig. Nur wohl nicht so sehr, wie er.
Chardím ließ erfreut die Rute pendeln, als die eben fiepende Welpin jetzt auf ihn zukam. Er musste wohl so faszinierend auf sie wirken, dass sie dafür in Kauf nahm völlig im Schnee zu versinken. Sie sah dabei sogar fast verbissen aus. Als die Kleine dann schließlich vor ihm war und ihn mit offenem Mund anstarrte, musste der Schwarzweiße grinsen. Er ließ sich in den Schnee sinken und robbte ein bisschen näher an die Welpin heran. Er hatte etwas Mühe ihr Gestotter zu verstehen, die Wörter ließen sich aber zusammenfügen, als sie geendet hatte und ihn immer noch mit offenem Mund ansah.

Chardím, freut mich. Und du?“

Lächelnd sah er die Kleine an.



[ Bei der Rudelhöhle | direkt Tinca ]

Tyraleen
10.06.2011, 11:45

Es war schön zu beobachten, wie Malik und Isaí langsam ein wenig mutiger wurden. Zunächst streckten sich ihre Köpfchen nur etwas weiter aus Sheenas Bauchfell hervor, dann standen sie ganz alleine im Schnee und betrachteten all die fremden Wölfe, die da saßen und sie anschauten und sich freuten. Zumindest die meisten freuten sich, Tyraleen natürlich ganz besonders und von den Eltern der Kleinen ganz zu schweigen. Apropos … Jakash fehlte. Er wusste doch, dass die Welpen heute zum ersten Mal ans Tageslicht geführt werden würden, warum verpasste er diesen wichtigen Moment? Als die erste Frage Maliks erklang, schob Tyraleen ihre Gedanken eilig zur Seite – Jakash würde seinen Grund haben und sicher bald auftauchen. Nun galt es, den Welpen zu erklären, warum sie so wunderbar waren. Gar nicht so einfach.

“Ja, ihr seid etwas sehr Tolles. Ihr seid neues Leben und Leben ist das schönste Geschenk der Welt. Engaya, die Göttin des Lebens, freut sich unglaublich über euch und wir alle freuen uns mit. Deshalb braucht ihr auch keine Angst vor den anderen Wölfen zu haben, die sind alle freundlich und möchten euch gerne kennenlernen.“

Naja, zumindest die meisten waren freundlich. Aber Tyraleen würde schon darauf achten, dass die Welpen nicht gleich über Krolock stolperten oder Lunar über den Weg liefen. Isaís Frage hatte sie damit eigentlich schon beantwortet, aber sie senkte dennoch noch einmal ihren Kopf zu dem Roten und stupste ihn ganz sachte an.

“Bin ich denn lieb? Ich werde nämlich auch Pate, aber ich verrate euch noch nicht, von wem. Das werdet ihr bei der Zeremonie erfahren, die bald beginnt.“

Malik, der sich noch ein wenig weiter hervorgetraut hatte, als sein Bruder, kam aufgeregt hüpfend wieder zurück und schien sich wirklich über seinen Paten zu freuen. Mit einem Lächeln betrachtete die Weiße den Kleinen und versuchte sich daran zu erinnern, wie sie ihren Paten erhalten hatte. Es schien schon so lange her, sie erinnerte sich nur noch, wie sie Face nur zögerlich angenommen hatte – verschreckt von seinem großen, schwarzen, beinahe abweisenden Aussehens und fasziniert von seinen blauen Augen und der Ruhe, die in ihm lag. Wie wichtig die Paten wirklich werden würden, musste sich erst zeigen, ihr hatte Face unglaublich viel gegeben, dagegen hatten andere Paten ihre Aufgabe nie richtig erfüllt. Beispielsweise Isis – dabei hätte Chanuka eine weitere Bezugsperson so gut getan. Ihr Sohn hatte sich ihr mittlerweile genähert und sie warf ihm ein weiteres Lächeln zu. Liel war aufgetaucht und hatte sich zu dem Schwarzen gesellt, auch ihr schenkte die Weiße ein Lächeln. Dann geschah mit einem Mal ziemlich viel auf einmal. Sie wollte gerade dazu ansetzen, den Welpen ein paar Wölfe vorzustellen, da kam Taleesha auf sie zu. Zudem zupfte Malik sie am Fell und fragte nach der Farbe des Himmels und ein jämmerliches Jaulen ertönte, das ganz eindeutig von keinem Welpen stammte. Ein feiner Blutgeruch hing in der Luft. Bemüht, sich nicht aus der Ruhe zu bringen, wandte sie sich zunächst erneut an Malik und Isaí.

“Diese Höhlendecke heißt Himmel und sie sieht immer unterschiedlich aus. Heute ist sie blau – genauer gesagt himmelblau – nur die Wolken, die das Blau verdecken, machen es ein wenig grauer.“ Tyraleen hatte nicht das Gefühl, sondern gut erklärt, sondern eher noch mehr Fragen aufgeworfen zu haben, aber ihre Gedanken waren bei dem Jaulen – es hatte nach Atalya geklungen. “Ihr könnt ruhig auf die Wölfe zugehen. Hier neben uns sitzen zum Beispiel Chanuka und Liel. Und seht ihr dort drüben – das sind Neytíri und Madoc.“ Sie stupste beide Welpen nacheinander an. “Nur Mut, ihr zwei.“

Damit wandte sich die Weiße von den beiden Welpen ab und zu deren Schwester hin, die sich mittlerweile bis zu Sheenas Vorderlauf durch den Schnee gekämpft hatte und nun Tyraleen anstarrte, als wäre sie ein Wunder. Beinahe hätte dieser Blick die Leitwölfin aus dem Konzept gebracht, doch der Schluckauf, der nun aus Taleesha herauswollte, als würde sie jemand von innen zwicken, brachte Tyraleen zum Schmunzeln.

“Hallo Taleesha. Was guckst du denn so erstaunt?“ Eine kurze Pause, dann erhob sich die Weiße, sie wollte nun zu Atalya. “Möchtest du mit mir zu meiner Tochter gehen und sie und die anderen kennenlernen?“

In einer unauffälligen Geste und so, dass Taleesha es nicht sehen konnte, schob sie das unschmelzbare Eis zu Chanuka hin, in sein Fell hinein, sodass es erneut vor allen Blicken verborgen war. Mit einem Zwinkern gab sie ihrem Sohn zu verstehen, dass er nur kurz ein Auge auf das Patengeschenk haben musste. Dann machte sie den ersten Schritt in Richtung des Jaulens.


[ Rudelplatz | direkt Taleesha; Malik, Isaí, Chanuka, Liel und Sheena dabei ]

Isaí Caiyé
10.06.2011, 14:39

Die Angst war fast vollständig verflogen. Zwar war er noch unsicher, was nun als nächstes passieren würde, doch erwartete er dieses ‚nächstes‘ mehr mit Neugierde als mit Furcht. Da waren soooo viele Mamas und Papas, die alle ganz unterschiedlich aussahen, ganz anders, als Mama oder Papa oder doch ziemlich ähnlich, gleichzeitig aber doch wieder völlig anders. So viele Gesichter, so viele Gerüche, von denen er jetzt erst bemerkte, dass sie überhaupt vorhanden waren. Er schnupperte, erkannte Sheena, die am deutlichsten für ihn war, seine Geschwister und auch Tyraleen. Bei jedem erkannten Geruch blinzelte er einmal in die Richtung des dazugehörigen Gesichtes, nur bei seinem Vater misslang dies. Er konnte ihn wittern, jedoch konnte er den Ursprung dieses Geruchs nicht ausmachen. War er vielleicht sogar etwas älter und er war gar nicht hier? Bedrückt ließ er die kleinen Öhrchen hängen, ehe ihm schon die nächsten Gerüche in die Nase stiegen. Ein kalter, merkwürdiger Geruch, den er nach kurzem Überlegen dem komischen weißen Boden hier zuordnete und ein Wirrwarr aus ganz vielen anderen Witterungen, die wohl von den anderen Wölfen kamen. Neugierig hob er die Nase, tapste ein Stück weiter von Sheena und Tyraleen weg und kam zu der Erkenntnis, dass er wohl niemals all diese Gerüche auseinander halten können würde. Es war etwas Unvorstellbares für ihn. Doch mit der Zeit würde sich das doch sicherlich ändern, oder?

Sie waren etwas Tolles. Diese Worte hatte er gerade gehört und gespannt drehte er sich zu der weißen Mama Tyraleen um und wedelte mit der kleinen Rute. Dass es eine Frage von Malik gewesen war, ließ er ganz außer Acht – Es war gesagt und somit direkt zu einer Tatsache geworden. Hätte er danach gefragt und dies als Antwort bekommen, hätte er wohl wissen wollen, wieso, doch in diesem Zusammenhang war es so dahingestellt vollkommen in seinen Ohren. Seine Augen glänzten und die Bestätigung dieser Frage Aussage machte ihn noch glücklicher. Er ließ die paar Schritte zurück zu Tyraleen und schaute zu ihr auf, gespannt, mehr über das zu hören, wovon sie gerade geredet hatte und vor allem mehr darüber zu hören, dass sie etwas Tolles waren. Gleichzeitig jedoch zog es ihn weiter hinaus auf den Platz, hin zu den anderen Wölfen, mit denen man sicherlich ganz toll spielen konnte und von denen bald einer sein ganz eigener war. Bei ihrer Berührung lehnte er sich in diesem Sekundenbruchteil leicht dagegen und schaute dann wieder gespannt zu der Weißen auf. Na, wenn das so war! Er war beruhigt – Wenn das alles Freunde von Engabanshee waren, dann konnte ihnen ja nicht passieren und Fenricollon würden sie sicherlich fern halten.

„Du wirst auch einem von uns gehören? Ist ja cool! Die Zeronie soll ganz schnell beginnen!“, grinste er vergnügt und drehte den Kopf wieder zurück zu der Menge. Er wollte unbedingt wissen, wer denn sein ganz eigener Wolf werden würde.

Neben ihnen bewegte sich etwas und eine mamapapafellfarbene Mama leistete dem papafellfarbenen Papa Gesellschaft. Er reckte den Hals, um sie genau beobachten zu können, als ihn Maliks Frage erstmals auf das aufmerksam machte, was sich über ihnen befand. Der kleine Welpenfang klappte auf, denn dieses Mal konnte er - nicht wie in der Höhle – sagen, wie weit sich die Decke entfernt befand. Er wendete den Blick ab, nach den Wänden suchend, die einfach immer da sein mussten, an denen man zum Teil hochkrabbeln konnte, doch er fand keine. Die höhlenbodenfarbenen komischen Dinger hinter den anderen Wölfen schienen nicht mal im geringsten an die Decke heranzukommen. Er dachte kurz über die Worte nach, die Tyraleen als Antwort gab. Er wollte wissen, wieso die Decke namens ‚Himmel‘ die Farbe ändern konnte, was Wolken waren und, und, und. Doch ein Jaulen ließ ihn kurz zusammenschrecken und seine Fragen vergessen. Mit angelegten Ohren suchte er nach der Ursache, erkannte sie auch alsbald, stellte dann aber die Ohren wieder neugierig aus. Der kleine Kopf drehte sich leicht von der einen Schräglage in die andere und blickte Tyraleen dann hinterher, als sie in die Richtung verschwand – vorher noch die Worte an sie richtend, ruhig zu den anderen gehen zu können. Isaí blickte sich um, unschlüssig, was er nun tun sollte, entschied sich dann aber dazu, erstmal zu testen, weshalb die Mama eben gerade so schmerzerfüllt gejault hatte. Nein, er hatte nicht vor, hinzugehen und Tyraleen zu folgen, mehr wollte er wissen, ob hier draußen im Licht einfach alles mehr weh tat, denn seine Geschwister hatten noch nie so laut gejault. Mit einem kleinen Sprung stürzte er sich auf Malik, zog ihm kräftig am Ohr und sprang in der nächsten Bewegung schon wieder davon, hoppelte durch den Boden und merkte gar nicht, in welche Richtung er lief. Vorerst galt, den Vorsprung Malik gegenüber so weit wie möglich auszubauen.

Die Angst vor dem weißen Boden war vollkommen verflogen. Er hatte ihn nicht gebissen, ihm nicht wehgetan, war nur etwas kalt und man sank darin ein. Doch irgendwie machte das auch Spaß. Trotzdem kam sich Isaí schon nach wenigen Metern ziemlich kraftlos vor. In der Höhle war ihm so ein kleines Stück nie so weit vorgekommen. Er saß nun ein ganzes Stück von Malik und seiner Mutter entfernt, sah kurz zu Tinca und einem bunten Papa und lächelte fröhlich, dass auch sie hier draußen bei ihnen war. Ein weiterer Blick galt Taleesha, die noch bei Tyraleen saß. Schließlich sah er wieder nach vorne und bemerkte, dass er ziemlich nah an eine papafellfarbene Mama gelaufen war. Ein kurzes, unsicheres Ohrenspielen, ehe er – langsam und bedacht – auf sie zu ging und sich einen Meter von ihr entfernt in den Boden fallen ließ. Den Kopf leicht schief gelegt beobachtete er sie einen kurzen Moment, ehe ihm die Frage wieder einfiel, die das Jaulen eben verdrängt hatte.

„Weißt du, warum die Höhlendecke hier immer unterschiedlich ist?“



{ erst Sheena, Malik, Taleesha und Tyraleen | dann bei Kisha }

Linalee
10.06.2011, 16:34

Immer war es Angst gewesen, die in ihr vorherschte, in ihrem kleinen Herzen stets die Oberhand gehabt hatte. Aber jetzt war in Tinca's Herzen nichts mehr von dieser Angst zu spüren. Ihr einzige Gedanke galt diesem Anders, der sich selbst nun in den Schnee sinken ließ und sich ihr näherte. Völlig erstaunt ruhte ihr Blick aus ihren riesigen Äuglein auf Anders, wie er sich ihr näherte. Sie konnte es schon beinahe nicht mehr fassen, dass er sich einfach so ihr näherte. Aber das weiße unter seinen Augen und sein weiß-schwarzes Fell faszinierten Tinca noch viel mehr als sein Annähern, sodass sie davor keine Angst bekommen konnte. Als er dann vor ihr lag, duckte sie ihren Kopf etwas tiefer, als wolle sie sich selbst unsichtbar machen, doch ihr Versuch scheiterte nicht nur, sondern wurde von ihr ach sogleich wieder abgebrochen. Anders faszinierte sie einfach zu sehr! Ganz vorsichtig kroch sie noch ein wenig näher an ihn heran und war schon kurz davor, seine Nase zu berühren, würde sie sich etwas strecken und noch näher heran kriechen, doch da hielt sie inne und betrachtete ihn nur noch. Ihre volle Aufmerksamkeit hatte Anders in Beschlag genommen, bisher hatten nur die Kuscheleinheiten mit Taleesha und Mama ihre Aufmerksamkeit in den Bann gezogen, aber das hier war doch irgendwie anders. Das wusste Tinca. Und beinahe hatte sie schon vergessen, dass sie überhaupt eine stotternde Frage gestellt hatte, da bekam sie ihre Antwort: Chardím. So hieß Anders also! Chardím war ein schöner Name für einen ... Tinca's Fang klappte zu, ihre Ohren schnippten zurück und ihr Blick kehrte sich nach innen, als sie nach einem Begriff suchte, der Chardím beschreiben konnte. Aber außer "anders" fiel ihr kein besserer Begriff ein und ihr missfiel dieser Begriff, er war zu einfach für einen so wunderbaren Chardím! Kopfschüttelnd befreite sie sich nach einigen Augenblicken wieder aus ihrer Starre und ihre Aufmerksamkeit galt wieder voll und ganz ihrem Gegenüber. Sie fasste mehr Mut, da sie jetzt den Namen von Anders kannte, schluckte stark und antwortete weniger stotternd auf seine Frage, wer sie sei.

"Mamja un Papja un Isjaí un Maklik und Talkeesha un de andan aus Höhle ham zu mie imma Tinca sagt!"

Stolz nannte sie ihren Namen, auch wenn sie vor lauter Aufregung die Wörter großteils etwas falsch aussprach, aber der Sinn war zu verstehen und sie lächelte noch stolzer darüber, dass sie ihren Namen jemandem gesagt hatte, als dass sie es geschafft hatte, ohne Angst diesem noch recht fremden Wolf zu antworten. Ihre Haltung in ihrer eh schon liegenden Position wurde aufrechter und ihre Augen fingen an zu strahlen. Tinca freute sich von ganzem Herzen: Sie hatte mit jemandem außerhalb der Höhle, abgesehen von ihren Eltern und Geschwister, gesprochen!



[Bei der Rudelhöhle | Chardím]

Madoc
10.06.2011, 19:03

Eine Weile noch beobachtete der silberweiße Hüne die tollpatschigen, verspielten Jungtiere, in welchen die bloße Kraft des Lebens noch so deutlich zu spüren war. Ihre Unwissenheit, ihre Unberührtheit ließ sie zu etwas besonderem werden, unübertroffen von einem jeden ausgewachsenen Wesen, sei es noch so sehr mit Anstand und Hingabe erfüllt. Vielleicht war dies der Grund, weshalb er als solch kühler Zeitgenosse, doch die Gesellschaft dieser gehüteten Nachkommen genoss und ein gewisse Toleranz ihnen gegenüber zeigte, ähnlich wie er es im vorigen Jahr Atalya und den anderen Welpen gegenüber erwiesen hatte. Dass man ihn nach solch kurzer Zeit der Rückkehr bereits die Aufgabe eines Paten anvertraute, verwunderte ihn nach wie vor, doch hatte er beschlossen, dieses ihm gebührende Vertrauen gewissenhaft zu behandeln und dieser Pflicht rechtmäßig nachzukommen.
Während der Hüne sich über die Welpen amüsierte, spürte er jedoch das Nahen einer Anwesenheit, eine ihm unbekannte Fähe. Sein blutroter Blick richtete sich auf die Unbekannte und wenngleich er glaubte, sie wäre schon länger mit dem Rudel beisammen, so kannte er ihren Namen nicht, da er erst kürzlich wieder zurückgekehrt war. Eindringlich musterte er die Silbergraue, wenn auch seine ausdruckslosen Seelenspiegel nicht verrieten, dass er sie so intensiv betrachtete. Schließlich grüßte Madoc mit einem kurzen Nicken.

"Guten Tag"

Ließ er seine Tenorstimme erklingen und lauschte den erfreulichen Worten, welche aus dem Fang der Fähe drangen. Währenddessen glitt sein Blick wieder zu den Welpen, welche noch immer in kindlicher Neugier die für sie neuen Eindrücke absorbierten.

"Ja, ich stimme dir zu und bin froh darüber, dass mir die Ehre zukommt, der Pate eines dieser Jungtiere zu werden. Jedem Wolf sollte eine solch schöne Kindheit vergönnt sein."

Sprach der silberweiße Rüde mit erhabener Stimme, die jedoch gleichsam die Neutralität wahrte, die ihm eigen war. Kurz blickte er hinüber zu dem beglückten Elternpaar, das in inniger Liebe diesen herbstlichen Wurf ausgetragen hatte. Und erst als die junge Zeitgenossin an seiner Seite sich namentlich vorstellte, fiel Madoc ein, dass sie einander unbekannt waren. Ein entschuldigendes Lächeln galt Neytíri, für seine Unhöflichkeit, sich nicht eher kenntlich gemacht zu haben.

"Mich nennt man Madoc, freut mich."

Fügte er also an, um die Floskeln des Anstands nicht zu übergehen.
Plötzlich riss ihn jedoch eine wohlbekannte Stimme aus den Gedanken und sein Haupt wandte sich ruckartig um, um die Quelle dieses Aufschreis zu identifizieren, welche sich als Atalya erwies. Mit ruhiger Miene sah er in ihre Richtung und erst als er erkannte, dass sie vor Schmerzen klagte, ließ er ein tiefes, wenn auch leises Grollen erklingen. Gerne wäre er an ihre Seite geeilt, doch die Tatsache, dass er Neytíri respektierte und nicht bereits nach solch kurzem Wortwechsel ahnungslos stehen lassen wollte, ließ ihn verweilen. Denn schließlich stand noch ein unausgesprochener Konflikt zwischen ihn, welcher ihn ebenfalls daran hinderte, zu ihr hinüber zu gehen. Es blieb also lediglich bei einem langen, sorgevollem Blick, der sich schließlich wieder neutralisierte und an die junge graue Fähe an seiner Seite wandte.


[Rudelplatz | Neytíri]

((sorry xD))

Turién
10.06.2011, 21:24

Ein ungutes Gefühl überkam den Rüden, als er Atalya so auf dem Boden liegen sah und sich - erst nach Sekunden - ihr Gesicht plötzlich verzog und sie anfing zu winseln und zu jaulen. Irritiert legte ihr die Ohren an und wich einen weiteren Schritt nach hinten aus, schuldbewusst zuckte er bei dem Klang seines Namens zusammen, während seine Miene sich unzufrieden verzog. So war das doch nicht geplant gewesen, warum war Atalya auch so ungeheuer klug gewesen und hatte sich ohne Rücksicht auf Verluste fallen lassen? Sie war selbst schuld!

"Atalya!"

Gab er nur, scheinbar bockig, zurück, wollte damit aber einfach sein schlechtes Gewissen überspielen. Ihr Ohr war echt nicht mehr so wie es mal war, und wenn er so darüber nachdachte, dass ihm ein Stück vom Ohr abgerissen würde, dann wusste er, dass er das nicht erleben wollte - Turién war aber auch nicht so irrsinnig sich einfach fallen zu lassen...

Atalya schien sich nicht beruhigen zu wollen, und hörte nicht auf zu wimmern, was Turién irgendwie beunruhigte - vorallem, weil dann die anderen auf sie aufmerksam werden würden. Immer wieder blickte er sich um, und überprüfte, ob sie beobachtet wurden.

"Hör schon auf!", zischte er ihr mit halb geschlossenem Maul zu, damit sie nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zog. "Ist doch nur ein Kratzer, sei kein kleiner Welpe!"

Unsicher stubste er sie mit seiner Schnauze an, um sie zum Aufhören und zum Aufstehen zu animieren, während er unsicher den roten Schnee um sie herum musterte, weil sie andauernd versuchte ihr Ohr in den kalten, festen Regen zu halten, um offenbar den Schmerz zu stillen. Ach, sie stellte sich doch nur an. So schlimm konnte das gar nicht sein. Das bisschen Ohr... brauchte doch eh niemand.


[Am Rande des Rudelplatzes - Atalya, die Welpen und das Rudel in der Nähe ]

Kisha
11.06.2011, 14:27

Mit einem leichten Seufzen verjagte Kisha die trüben Gedanken an die Vergangenheit, schüttelte leicht den Kopf. Sie durfte sich jetzt nicht von diesen Gedanken einnehmen lassen, sie wollte im Hier und Jetzt leben. Und da wuselte gerade ein Welpe in ihre Richtung. Die Ohren der schwarzen Fähe stellten sich auf, und ruhig beobachtete sie, wie der Rötliche auf sie zu kam. Im Schnee war er kaum zu übersehen, und auch, als er sich ein kleines Stück von ihr entfernt in den Schnee fallen ließ, richtete die Dunkle den Blick nicht ab. Sie lächelte noch immer, neigte den Blick leicht nach unten, als der Welpe den Kopf schief legte und den Blick auf sie selbst richtete. Und als der junge Wolf dann eine Frage an sie richtete, blinzelte die schwarze Wölfin zuerst ein wenig verwirrt. Wieso die Höhlendecke immer unterschiedlich war? Einen Moment dachte sie über eine Antwort nach, richtete den Blick kurz zu der Welpenhöhle und dann wieder auf den rötlichen Welpen.

Meinst du die Wolken? Das sind diese grauen oder weißen Dinge, die am Himmel fliegen. Aus den Wolken kommt der Schnee, genau wie der Regen. Das ist Wasser, was in den Himmel aufgestiegen ist und dann wieder runter kommt.“

Während ihrer Worte blickte sie selbst kurz zum Himmel, betrachtete kurz die Wolken und sah dann wieder zu dem Welpen, der vor ihr im Schnee lag. Wahrscheinlich hatte sie nun noch mehr Fragen herauf beschworen. Aus den Augenwinkeln konnte sie sehen, wie Tyraleen sich von ihrem Platz abwandte und in die Richtung schritt, aus der eben das Jaulen gekommen war. Ihre Ohren neigten sich nur leicht zurück, aber ihr Blick blieb auf den rötlichen Welpen gerichtet. Bis die Zeremonie begann, würden also noch einige Momente vergehen. Und langsam wurde sie doch ein wenig nervös, konnte sie es doch kaum erwarten, ihren Patenwelpen kennen zu lernen und ihm ihr Geschenk zu präsentieren. Sie neigte den Kopf noch ein wenig tiefer, reckte sie Schnauze in die Richtung des Welpen. Noch immer lag das ruhige Lächeln auf ihren Lefzen.

Wie heißt du? Mein Name ist Kisha.“


[Rudelplatz – Isaí]

Cirádan
11.06.2011, 17:38


Nihilus Bemerkung versetzte ihm zuerst einen kleinen Stich im Herzen. Aber der Nichtswolf hatte Recht. Er musste wirklich etwas dafür bieten und tun. Zum Beispiel erstmal das Jagen lernen!
Doch er versuchte es sich nicht anmerken zu lassen. Solche kleinen Sticheleien waren nicht böse gemeint... Zumindest glaubte er nicht, dass Nihil es böse meinen würde.. oder doch?
Nein... nein gewiss nicht.

Oh ja. Etwas beibringen! Sie hatten so vieles durch das Nichts verpasst. Das wusste er. Nur Cirádan wusste nicht was genau sie nun alles verpasst hatten. Aber er wollte nicht, dass die kleinen Welpen es genauso schwer hatten wie sie. Cirádan wollte das die Welpen es ganz schön hatten in diesem Rudel. Das nichts böses mehr dazwischen kam und sie alle eine ganz tolle, glückliche Familie sein konnten. Auch er...

"Ja ... Jagen lernen. Das war doch die einzige Lektion ... und ja... wir sollten es können, aber ich ... ich jage nicht."

Nein. Er drückte sich normalerweise davor. Weil er doch so ungeschickt war und keiner sehen sollte, dass er nicht richtig jagen konnte. Jagen war nicht seine Stärke. Ganz eindeutig nicht.

Auch Cirádan war in einen leichten Trab verfallen und beobachtete Nihil irritiert.

"Irgendwie denke ich machen wir es falsch? ... "

Jagen war immerhin eine so ernste Angelegenheit, denn davon hing ihr Überleben ab. Aber so wie Nihilus durch die Gegend lief ... und Cirádan selbst auch ... da waren sie eher auf einem Spaziergang unterwegs.

"Hast du denn schon Beute gemacht? Allein und richtige Beute und so?",

traute er sich nach einiger Zeit zu fragen. Denn Cirádan selbst hatte es noch nicht geschafft. Und oft genug gingen ihm sogar Mäuse durch die Pfoten. Vielleicht war er deshalb so schmächtig.



[Nihil - unterwegs im Wald]

Isaí Caiyé
11.06.2011, 21:12

Mit interessiert funkelnden Augen beobachtete er die papafellfarbene Mama und zuckte gespannt mit den Ohren. Einen Moment lang musterte er ihre Seelenspiegel, die eine ganz merkwürdige Farbe hatten – für ihn. Ein bisschen erinnerten sie ihn an sein eigenes Fell, aber irgendwie sahen sie doch ganz anders aus. Sie waren weder mama – noch papaaugenfarben und auch seine Geschwister hatten andere Augen. Mit Tyraleens Augen waren sie vielleicht zu vergleichen, aber wirklich tyraleenaugenfarben waren sie auch nicht. Oje, oje. So viele Farben. Wie sollte er sich das nur alles merken?! Dadurch, dass er ihr in die Augen sah, bemerkte er sofort, als ihr Blick durch ihn hindurch gen Welpenhöhle zu gehen schien, überlegte kurz, wie er wieder die volle Aufmerksamkeit erlangen könnte und rutschte schließlich ein Stück näher an sie heran. Trotzdem folgte er ihrem Blick kurz, sah nach Tinca, nach Taleesha und auch Malik und erst, als er davon überzeugt war, dass es ihnen gut ging, zurück zur papafellfarbenen Mama. Ihm kam die Zeit zwischen Frage und Antwort ziemlich lange vor, doch in Wirklichkeit war es nicht sehr viel Zeit. Wie Neugier und Ungeduld die Wahrnehmung doch verzerren konnten.

Schließlich begann sie zu reden und die kleinen Ohren schnellten nach vorne. Wolken. Davon hatte Tyraleen auch schon geredet, doch wirklich etwas darunter vorstellen konnte er sich nicht. Als sie von Dingen sprach, die am ‚Himmel‘ flogen (man erinnerte sich: Diese Höhlendecke hier hieß ‚Himmel‘ laut Tyraleen), hob er die Nase und sah nach oben. Anfangs suchte er nach kleinen Dingen, die wortwörtlich dort oben flogen, doch allmählich verstand er, dass wohl die großen, feinfelligen, weichen Flauschedinger ‚Wolken‘ sein mussten. Die waren sicher unheimlich bequem! Er blickte wieder zu der Mama und lauschte ihnen Worten aufmerksam. Als aber dann die Rede von ‚Schnee‘ und ‚Regen‘ war, verlor er völlig den Faden. Sein Fang klappte leicht auf, als läge ihm bereits die nächste Frage auf der Zuge, doch er wusste nicht genau, wie er nach was fragen sollte. Während dieser Zeit des Nachdenkens wanderte sein Blick von ihren Augen hin zu ihrer Nase, was er jedoch nicht wirklich wahrnahm. Auch sein Lächeln verblasste – er war einfach zu sehr damit beschäftigt, nachzudenken.

Schließlich bewegte sich die Nase und holte Isaí zurück aus seinen Gedanken. Seine Ohren sprangen erneut nach vorn und die kleine Rute begann wieder aufgeregt zu pendeln. Die Nase kam näher und der junge Rüde beobachtete sie genau, wie sie sich langsam auf ihn zu bewegte. Die Rute hörte auf zu wedeln, die Ohren legten sich leicht an den Kopf und der kleine Körper kauerte sich etwas zusammen, ehe er plötzlich lossprang und die papafellfarbene Nase fing. ‚Fing‘ im Sinne von ‚die eigene Nase dagegendrücken‘. Mit einem Mal begann auch die kleine Rute sich wieder hin und her zu bewegen und erst, als die Mama wieder zu sprechen begann, ließ der Kleine von ihrer Nase ab. Sein Kopf schnellte nach oben und die Ohren zuckten aufgeregt, während ein fröhliches Lächeln zurück auf seine Lefzen schlich.

„Kisha! Kisha!“, rief er laut und sprang in kleinen Sätzen um ihren Kopf herum – erst in die eine Richtung und dann wieder zurück. „Ich bin Isaí! Und ich bin ein Caiyé!“ Stolz hob er den kleinen Kopf so hoch er konnte. Ja, ja. Er war ein Caiyé. Ein Caiyé für seine Geschwestern und seinen Gebruder.



{ Kisha }

Kisha
12.06.2011, 00:45

Kisha hatte leicht lachen müssen, als der junge Rüde einfach so verblüfft drein geblickt und mit offenem Maul vor ihr im Schnee gelegen hatte. Dennoch blieben weitere Fragen aus, nicht einmal ein kleiner Mucks entkam dem Fang des rötlichen Welpen. Aber man sah ihm eigentlich ziemlich deutlich an, dass da noch mehr war. Er blickte sie starr an, was Kisha nur noch breiter grinsen ließ. Vielleicht musste er sich einfach nur pasende Fragen überlegen? Oder sie in seinem Kopf ordnen, um sie nach einer bestimmten Reihenfolge zu stellen? Die dunkle Wölfin schüttelte leicht den Kopf bei diesem Gedanken. Damit hatte sie wohl zu weit gedacht. Welcher Welpe würde schon darauf achten, seine Fragen in einer logischen Reihenfolge zu stellen? Aber der Rote machte keinerlei Anstalten, sie mit Fragen zu überhäufen, lag einfach nur im Schnee und blickte still vor sich hin. Wann würde er wohl aus seiner Starre erwachen?
Und dann, ganz plötzlich, ging ein Zucken durch den jungen Körper und seine Rute begann durch den Schnee zu wischen. Aber so schnell dieser Moment gekommen war, verging er auch wieder. Und Kisha fragte sich im ersten Moment, was sie nun falsch gemacht haben könnte. Er drückte sich in den Schnee, und Kishas Kopf neigte sich leicht zur Seite. Nun war er es, der nach vorn schnellte und seine Nase gegen ihre drückte. Einen Moment von dieser Geste überrascht, verblassste das Lächeln auf ihren Lefzen einen Moment, ehe es zurück kam und sie noch einmal leise auflachen musste. Nun fing auch der Welpe wieder an, mit der Rute zu wedeln, Zufrieden beobachtete sie den munteren Welpen, der mit einem Mal um sie herum sprang, ihren Namen rief und einfach nur glücklich wirkte. Sicher war das alles unglaublich aufregend für ihn, sodass ihm gar nichts anderes übrig blieb. Und hatte Kisha eben selbst noch in trüben Gedanken fest gehangen, hatte dieser Welpe sie nun komplett hinfort gejagt. Und so ließ sich die Schwarze in den Schnee sinken, lag auf dem Bauch und betrachtete weiterhin den kleinen Körper, der um sie herum sprang.

“Soso. Isaí. Ein schöner Name.“

Noch einmal reckte sie die Nase nach ihm, das Lächeln weiterhin auf den Lefzen tragend.

“Und wie gefällt dir die Welt bis jetzt, Isaí Caiyé?“

Seinen zweiten Namen betonend, immerhin schien er darauf ziemlich stolz zu sein, legte sie nun den Kopf auf dem weichen Schnee ab, blickte den jungen Wolf durch die braunen Augen aus an. Er war wirklich ein süßer Welpe.


[Rudelplatz – Isaí]

Atalya
12.06.2011, 01:04

Die Graue hatte das Gefühl, dass der Schmerz aus ihrem Ohr ihren ganzen Kopf einnahm, die ganze Welt drehen ließ. Der Schnee brachte nur eine leichte Milderung, und dennoch blieb Atalya liegen. Sie wollte nicht wissen, wie es weh tun würde, wenn sie nun aufstand. Die junge Wölfin biß die Fänge fest aufeinander, versuchte so das Brennen zu unterdrücken. Aber es half nichts, und auch als ihr Name in einem unbegeisterten Ton genannt wurde, konnte sie nur kurz den Blick auf ihren Bruder legen. Was erwartete er nun? Dass sie lachend aufstand und verkündete, dass das alles gar nicht so schlimm war? Dann hätte sie sich sicher nicht mit Tränen in den Augen vor ihm im Schnee herum gewälzt. Aber nun kam sie zur Ruhe, hielt einen Moment Stille und konnte so sehen und spüren, wie Turién sie berührte, und mit ihr sprach. Für einen Moment verklang das Jaulen, und die graue Wölfin schnaufte nur angestrengt und erschöpft. Auf die Worte ihres silbernen Bruders in verzog die leicht die Lefzen zu einem fiesen Grinsen. Sie sollte aufhören und kein kleiner Welpe sein? In diesem Moment hätte sie ihrem Bruder nur zu gern ein Stück Ohr abgerissen, um zu sehen, wer hier der Welpe war. Aber für diesen Augenblick blieb sie liegen, hielt nur den rötlichen Blick nach oben gerichtet, um ihren Bruder zu betrachten. Ihr gesundes Ohr neigte sich zurück, und auch ihr Blick, den sie Turién zuwarf, sprach nicht gerade von einer begeisterten Welpin, die sich ein wenig mit ihrem Bruder gezankt hatte.
Ein weiterer Herzschlag verging und mit einem Satz war die Graue aufgesprungen, schnellte nun hoch und zielte auf das Ohr ihres Bruders. Sie konnte den Moment der Überraschung nutzen, packte sein Ohr und zog einmal kräftig daran. Jedoch nicht halb so fest wie es nötig war, um ihm das anzutun, was ihr gerade widerfahren war. In einer fast automatischen Geste wollte sie dir Ohren beide zurück legen, jaulte jedoch wieder auf, als erneut der Schmerz aufflammte. In diesem Moment ließ sie auch von Turiéns Ohr ab, machte einen Schritt zurück und schnaufte leise. Sie hätte nie gedacht, dass solche Schmerzen möglich waren. Aber nun durfte sie es am eigenen Leib erfahren. Mit einem letzten, vorwurfsvollen Blick, immerhin hatte er sich noch nicht einmal entschuldigt, zu ihrem Bruder ließ sich die Graue wieder in den Schnee sinken, neigte den Kopf leicht schief, um ihr Ohr im Schnee zu betten. Immerhin brachte es nun schon ein wenig mehr Kühlung, auch wenn es dort noch immer pulsierte. Wieder verließ ein leises Wimmern ihren Fang, welches sich nicht unterdrücken ließ. Ihr Blick ruhte nun nur auf dem Schnee, den sie so verabscheute, der nun direkt unter ihr war.

Du hast ja keine Ahnung.“

Ihre Stimme war nur ein Flüstern, und doch würde der Silberne es gehört haben müssen. Inzwischen waren ihr sogar die Welpen und das Rudel egal. Nicht einmal, dass manch ein Wolf zu ihnen blickte nahm die Graue wahr.


[Rande des Rudelplatzes - Tuién]

Malik Hikaji
12.06.2011, 09:45

Was Tyraleen ihm erklärte, schien in seinem kleinen Kopf so viele Fragen aufzuwerfen. Er fühlte sich heillos überfordert. In der Höhle war es bisher meist eintönig und langweilig gewesen und er hätte viel dafür gegeben, mal kurz in diese bunte Welt schauen zu dürfen. Jetzt aber war Schlag auf Schlag alles anders und er sehnte sich fast nach der Höhle, die ihm Schutz bat. Aber da nun sowohl Tinca als auch Taleesha draußen waren, konnte er doch nicht den Schwanz einziehen und zurückhoppeln. Nein, das ging nicht. Bisher war diese neue Welt lieb, so wie Tyraleen lieb war und wie Isaí manchmal lieb war. Und vor allem war sie hübsch. Die vielen neuen Farben kitzelten Malik in den Augen und ließen ihn schwindeln. Der Herbst war eine der farbenintensivsten Jahreszeiten überhaupt, ein Glücksfall für den ästhetisch geprägten Welpen. Auch dass er nun eine weitere Farbe kennenlernen durfte – das Blau des sogenannten Himmels – war für ihn etwas ganz besonderes. Staunend und mit vor Begeisterung glitzernden Augen saß er auf seinem Hinterteil und betrachtete die Höhlendecke, die Himmel hieß. Und dann sollte sie auch noch die Farbe wechseln können? Das war mehr als spannend. Da Tyraleen aber nun ziemlich geschäftig wirkte, hielt Malik auf ihre Aufforderung hin Ausschau nach jemandem, der hübsch aussah und dazu vielleicht seine Fragen beantworten konnte. Hängen blieb er beim Naheliegendsten: Dem papafellfarbenen Papa mit der mamafellfarbenen Mama, die Tyraleen ihnen wohl gerade als 'Chanuka' und 'Liel' vorgstellt hatte.

Leider machte sein Bruder ihm einen Strich durch die Rechnung und ehe er zu den beiden Erwachsenen tapsen konnte, warf ihn ein großes Gewicht von hinten um und piesakte sein Ohr. Erst quietschte er erschrocken auf, völlig überrumpelt von der plötzlichen Attacke, dann knurrte er so lange, bis Isaí sich längst wieder verzogen hatte. Maliks Knurren klang keineswegs bedrohlich, aber er übte sich doch schon des öfteren darin. Verärgert schüttelte er sich das nasse kalte Zeug aus dem Fell und knabberte wie verlegen an seiner Pfote. Nun hatte dieser dumme Fettkloß ihn schmutzig gemacht und das vor allen. Mit bitterböse gerunzelter Stirn setzte er seinen Weg zu den beiden Wölfen fort und setzte sich vor ihnen nieder. Erst jetzt kehrte in sein Gesicht langsam wieder die Neugier und Offenheit zurück und verdrängte den Ärger.

„Hallooooo. Tyraleen hat gesagt ihr heißt Schanuka und Liel. Und ich finde ihr seid hübscher als ich. Mein Bruder hat mich nämlich gerade ganz schmutzig gemacht. -“

Mit mäßiger Begeisterung blickte er Isaí nach und beobachtete, wie er zu einer papafellfarbenen Mama lief. Hoffentlich schubste die ihn auch oder schimpfte wenigstens mit ihm, weil er so ungezogen zu seinem Bruder gewesen war. Doch seine Hoffnungen wurden enttäuscht. Er ließ die Ohren etwas hängen und wandte sich dann schnell wieder zu „seinen“ beiden Wölfen um.

„Ich heiße Malik und ich bin so mamafellfarben wie meine Mama!“, verkündete er stolz.

Dann bewunderte er sinnierend die Farben vor ihm. Wie die wohl hießen? Vielleicht war das Fell von diesem Papa ja nur ein höhlendeckendunkles Blau, so wie der Himmel. Und die Mama sah so aus wie das Zeug, auf dem er lief. Oder auch ein bisschen so wie Isaís Augen, nämlich pfützig. Und der Papa hatte mamaaugenfarbenfarbene Augen. Bisher hatte er jedenfalls noch niemanden gesehen, der den selben bunten Farbton in den Augen hatte wie sein eigener Papa. Der war ja immer noch was ganz besonderes, auch wenn er jetzt gar nicht hier war.


{ erst bei Tyraleen und Co. :: beschäftigt sich dann mit Chanuka und Liel }

Isaí Caiyé
12.06.2011, 11:26

Tyraleen hatte Recht gehabt. Die hier waren alle ganz, ganz lieb. Zumindest Kisha war es und von ihr schloss er einfach auf die anderen. Er ließ den Blick nicht von ihr ab, so gefesselt von dem Spaß, den er mit ihr hatte. Einen kurzen Moment fragte er sich, wieso er am Anfang so ängstlich und unsicher gewesen war. Dazu hatte er bislang keinen Grund gefunden. Und einen weiteren Grund, warum ihnen ihre Mutter diesen Spaß bis jetzt verwehrt hatte, außer Fenricollon natürlich, der sie fressen wollte, auch nicht. Doch hier konnte Fenricollon sicherlich nicht hin. Und wenn, dann würden die ganzen großen Mamas und Papas ihn sicherlich vertreiben – so, wie sie es auch getan hatten, wenn er sich der Höhle genährt hatte. Er war in vollkommener Sicherheit (solange er niemanden anschwindelte natürlich) und konnte diesen Spaß ganz toll genießen. Sein Grinsen wurde breiter, als Kisha seinen Namen lobte und so reichte es nun fast bis zu beiden Ohren.

„Meine Mama und mein Papa haben ihn mir gegeben!“, gab er freudig von sich.

Die Nase kam wieder näher und Isaí fixierte sie gespannt, um sie dann, als sie nah genug war, mit einer Pfote zu berühren, als würde er einen Käfer (den er bis jetzt ja noch nicht kennengelernt hatte) fangen. Nur sanfter, wie er sich auf die Hinterläufe setzte, sein Gewicht vollkommen darauf verlagerte und sich mit der einen Pfote auf Kishas Nase aufrecht hielt, sodass die andere den Boden gar nicht mehr berührte. Ihre Frage jedoch ließ die Anspannung, die er benötigte, um aufrecht zu sitzen, etwas aus seinen Gliedern verschwinden. Nun hieß es wieder nachdenken und das konnte er weiß Engabanshee nicht gleichzeitig mit etwas anderem. Dazu benötigte es noch zu viel koordination. Also sank er wieder zurück gen Boden, sah die papafellfarbene Mama mit den kishaaugenfarbenen Augen (nun hatte er ja einen Namen dafür) mit großen Augen an und überlegte. Die ‚Welt‘ hatte seine Mama, so glaubte er, schon mal benutzt, als sie über das Licht geredet hatte. Also setzte er ‚Welt‘ mit dem Licht gleich. Und wie gefiel ihm das Licht bis jetzt. Er blickte sich hilfesuchend nach einer Antwort um, begann gleichzeitig jedoch schon zu reden.

„Sie ist… mamafellfarben…“, sagte er, gleichzeitig wissend, dass es wohl das Dümmste war, was er hatte sagen könnten. „Und spannend! Und es gibt soooo viele Mamas und Papas!“

Sein Lächeln kam zurück, wirkte anfangs aber noch etwas schräg. Ja, was ihn im Moment noch am meisten faszinierte, waren die ganzen Mamas und Papas. Er wollte sie auch kennenlernen, wollte auch mit ihnen spielen, wobei ihm Kisha am liebsten war (von denen, die er kannte von all den Mamas und Papas, die nun Neu für ihn waren). Sie war die Nummer eins auf seiner recht kurzen Liste von einem Wolf.

„Kennst du die ganzen Mamas und Papas hier?“, fragte er schließlich interessiert und rutschte noch ein Stück näher an sie heran. „Sind sie alle hier, um sich über uns zu freuen und uns vor Fenricollon zu beschützen? Wir sind nämlich etwas ganz Tolles, hat Tyraleen gesagt!“ Seine Rute pendelte wieder aufgeregt hin und her.



{ Kisha }

Kisha
12.06.2011, 13:10

Den Kopf auf dem Schnee ruhen lassend musterte Kisha den jungen Wolf, dessen Grinsen mit ihren Worten nur noch breiter geworden war. Und auch die Schwarze musste bei seinen Worten noch ein wenig mehr lächeln. Er war so unbeschwert, freute sich einfach über seinen Namen, darüber, dass seine Eltern ihm diesen gegeben hatten. Und schon im nächsten Moment hatte die Dunkle seine Pfote auf ihrer Nase, und er stützte sich mit dieser Pfote ab. Kisha blinzelte leicht, ihre Ohren schnippten leicht, aber schon im nächsten Moment hatte Isaí aufgehört, sich mit ihrer Hilfe abzustützen, sank zurück und blickte sie nun mit großen Augen an, was Kisha leicht lächelnd den Kopf schütteln ließ. Er war wirklich zu putzig. Zuerst schien er ein wenig verwirrt von ihrer Frage, blickte sich dann suchend um und fand doch Worte, die gut genug für eine Antwort waren. Die Welt war also mamafellfarben. Seine weiteren Worte ließen Kisha leicht den Kopf schief legen und die Ohren aufstellen. So viele Mamas und Papas. Einen Moment hielt die Schwarze inne, ehe sie ein lautes Lachen nicht mehr unterdrücken konnte. Nun kehrte auch das Lächeln auf die Lefzen des Welpen zurück und Kisha atmete tief durch, den braunen Blick wieder auf den jungen Rüden richtend. Er war näher zu ihr gerutscht, sodass sie ihn nun mit der Nase anstubsen konnte. Als er weiter sprach, einige Fragen stellte, richtete Kisha den Kopf jedoch auf, blickte umher und betrachtete das Rudel. Nur um schließlich wieder zu ihm zu blicken, zu sehen, wie seine kleine Rute durch den Schnee wedelte.

Die meisten von ihnen kenne ich schon sehr lange. Wir sind ein Rudel. Wir sind alle wie eine große Familie, selbst wenn wir nicht das Selbe Blut haben. Und ja, wir sind alle hier, um euch zu begrüßen, und Fenricollon“, sie hatte einen Moment gebraucht, um das zu verstehen, „wird euch sicher nichts tun. Aber wenn, dann beschützen wir euch natürlich.“

Noch einmal stubste sie den jungen Rüden an, ließ den Kopf dann zurück in den Schnee sinken, den Blick weiterhin auf ihn gerichtet.

Welpen sind immer etwas besonderes. Neues Leben ist das schönste, was es gibt. Deswegen kann Fenricollon euch auch nichts tun, weil ihr viel zu besonders seid.“


[Rudelplatz Isaí]

Liel
12.06.2011, 15:00

Sie spürte die Schwere seines Kopfes auf ihrem, doch es war nicht unangenehm. Eher genoss sie seine Nähe und so hielt sie still. Einzig ihre Augen wanderten umher, beobachteten die Welpen, glitten über das Rudel, gingen wieder zurück zu Tyraleen und Sheena und dann weiter in die Richtung, aus der das laute Jaulen gekommen war. Doch erblicken konnte sie nichts, dafür fehlte ihr der Weitblick, den sie ohne ihren Kopf zu bewegen nicht mehr zur Verfügung hatte. Aber auch das war nicht weiter schlimm. Sie beschäftigte sich nicht weiter damit, Tyraleen war bereits aufgestanden um dem Geräusch auf die Spur zu kommen, somit musste sie sich nicht auch damit auseinander setzen. Vielmehr fixierte sie nun die kleine Fähe, die vorher so kläglich gewinselt hatte, mittlerweile aber bei Chardím angekommen war und all ihren Mut zusammen nahm und sich mit ihm unterhielt. Wie spannend dies für sie sein musste!
Auch die anderen Welpen schienen mutiger zu werden, der Rotpelz hatte sich durch den Schnee bis zu Kisha vorgekämpft und die andere kleine Fähe schickte sich an, Tyraleen zu folgen. Einzig der kleine weiße Rüde saß noch bei seiner Mutter. Er schien sich nicht ganz so sicher zu sein, was er tun sollte. Sie beobachtete ihn, sein Blick glitt zurück zu der Höhle. Ja, sie konnte ihn verstehen, so viel Neues konnte leicht zu einer Überforderung führen. Doch er entschied sich anscheinend dagegen, wieder in die Höhle zu hopsen, wahrscheinlich ging das gegen seine Ehre.
Sie musste leicht auflachen, als er seinem roten Bruder knurrend hinterher blickte, weil dieser ihn in den Schnee geworfen hatte.
Und ehe sie sich versah, kam der Kleine auf sie beide zu.
Das freute sie sehr, jedoch nicht mehr, als die Worte die Chanuka gerade eben zu ihr gesagt hatte.
Natürlich erinnerte sie sich an ihre erste Begegnung. Da hatten beide ihre Mütter noch gelebt, sie waren genauso tapsig und klein gewesen, wie die Welpen von Sheena es jetzt waren. Und sie hatten einander gesehen, einander berührt und einander vertraut. Bis heute und bis in alle Ewigkeit. Denn sie liebte ihren Freund über alles, er würde immer ihre Nummer eins sein. Da konnte geschehen was wolle. In seiner Gegenwart ging es ihr immer besser. Und dadurch ging es ihm besser. Sie heiterten gegenseitig das Leben des anderen auf.
Sie entzog ihren Kopf dem seinen und blickte ihn an. Erneut mit dem strahlenden Lächeln auf den Lefzen.

„Natürlich erinnere ich mich an den Tag unserer Begegnung. Wie könnte ich nicht?“

Damit schob sie ihren Kopf sachte wieder unter den seinen. Bevor sie sich noch weiter mit den früheren Zeiten beschäftigen konnte, war der kleine Welpe bei ihnen angekommen. Und sie wollte ihn auf keinen Fall vergraulen. Er war einfach zu niedlich.
Seine Worte brachten sie zum schmunzeln, sonderlich dreckig war er nicht, aber es schien ihn dennoch erheblich zu stören, dass er in den Dreck, beziehungsweise in den Schnee gefallen war.

„Hallo kleiner Malik. Schön, dass du zu uns gekommen bist. Richtig, ich bin Liel und neben mir ist Chanuka.“ Grinsend hatte sie seinen kleinen Versprecher zur Kenntnis genommen. „Ich finde, dass du trotzdem ein sehr hübscher Rüde bist. Und wenn du möchtest, dann mache ich dein Fell wieder ganz sauber, sodass du wieder wie Sheena erstrahlst!“

Sie lächelte ihm aufmunternd zu. Obwohl Sheena nicht komplett reinweiß war, schien sie ein großes Vorbild für den Welpen zu sein. Allerdings war sie natürlich auch seine Mutter. Welcher Welpe hatte, zumindest anfangs, nicht seine Eltern als Vorbild?
So wand sie sich nun wieder unter Chanuka hervor und rutschte ein wenig näher an den kleinen Rüden heran. Lächelnd wartete sie seine Antwort ab. Er schien noch immer ein wenig grummelig auf seinen Bruder zu sein, aber das würde wieder verfliegen, sobald er etwas neues Interessantes entdecken würde. So waren Welpen nun mal. Sie war damals nicht anders gewesen.
Damals, wie unendlich weit das weg schien. Wie unendlich entfernt diese Zeit zu sein schien. Noch war sie nicht Erwachsen, aber es trennte sich keine große Zeitspanne mehr davon. Wie die Zeit vergangen war, voll von schlimmen Vorfällen. Sie wünschte diesen Welpen eine schönere, ruhigere Zeit um Erwachsen zu werden.




[Chanuka und Malik - Nahe Sheena]

Chanuka
12.06.2011, 16:12

Chanuka lächelte. Manchmal war er sich nicht sicher, wie viel er aus seinen Welpentagen tatsächlich behalten hatte. Dieser eine Moment mit Liel war jedenfalls unauslöschlich in seinen Gedanken. Jeden Tag.
Viel mehr blieb nicht zu sagen, denn einer der Welpen machte sich auf, zu ihnen hinüber zu treten. Mit derselben Neugierde, die auch dem kleinen Malik inne wohnte, betrachtete er ihn. Liel löste sich von ihm und so senkte er den Kopf, um mit dem kleinen Rüden auf Augenhöhe zu sein. Dieser hatte viel zu erzählen.

„Du hast wirklich schönes, weißes Fell. Nicht nur wie deine Mama, sondern auch wie meine. Weißt du, dass ich Tyraleens Sohn bin? Jedenfalls habe ich das Fell von meinem Papa Averic und die Augen von meiner Mama, siehst du?“

Fragte er und machte die Augen ganz groß, um dies zu demonstrieren.

„Gefällt es dir hier draußen? Was habt ihr die ganze Zeit in der Höhle gemacht?“

Wie es wohl gewesen wäre, wenn er mit seinen Geschwistern gemeinsam aufgewachsen wäre? Zusammen in der Höhle, zusammen das erste Mal draußen, zusammen schlafen, zusammen raufen. Aber er war alleine gewesen, hatte Mama Banshee für sich allein gehabt und sie nicht teilen müssen. Außer mit dem Rudel. Und irgendwie waren die anderen, die in seinem Alter waren, alle immer um ihn gewesen. Aber anders. Sogar Liel schien irgendwie eine andere Art von Verbindung zu ihren Brüdern zu haben, obwohl diese, vor allem Krolock, ziemlich schwierig sein mussten.
Er hatte ein bisschen was von dem Gezänk beobachtet und wusste nicht, ob ihm das gefallen wollte. Sicher steckte nichts Ernstes dahinter, aber die Rivalitäten schienen schon in den Kleinen zu stecken. Für ihn hatte es das nie gegeben.


[Rudelplatz | nahe der Welpen, direkt bei Liel und Malik]

Isaí Caiyé
12.06.2011, 21:30

Völlige Verwirrung. Isaí war völlig verwirrt. Er schnappte ein paar Mal nach Luft, unwissend, was Kisha nun so lustig fand. Er wollte es auch wissen! Er wollte auch mit lachen. Schließlich beließ er es bei einem Kopfschieflegen und einem unwissenden Blick gen Kisha. Vielleicht würde sie ihm ja gleich noch sagen, was sie so lustig fand? Hatte er was Lustiges gesagt? Er dachte nach und nichts von dem, was er gesagt hatte, kam ihm irgendwie falsch oder besonders lustig vor. Vielleicht hatte sie ja auch bloß etwas gekitzelt? Ha! Ja! Das musste es gewesen sein! Mit dieser Erkenntnis begann er wieder zu strahlen und auch die papafellfarbene Mama fing sich wieder und lächelte ihm entgegen. Mit einem weiteren, schrägen Lächeln sah er ihr in die Seelenspiegel und drückte schließlich wieder seine kleine Nase gegen die wesentlich größere Mamanase, ehe sie den Blick hob und der kleine Rüde diesem folgte. Anders als sie konnte er aber nicht den Kopf drehen und so alle sehen, die er in seiner ebigen Frage angesprochen hatte. So stand er auf, drehte sich einmal um sich selbst und versuchte alle anderen Mamas und Papas einmal anzusehen. Dabei sah er auch, dass Malik sich zu den beiden Wölfen gesellt hatte, die die ganze Zeit am nächsten zu ihnen gesessen hatten. Tyraleen hatte sie, so glaubte er, als ‚Lil‘ und ‚Schanuka‘ vorgestellt. Doch nur kurz verschwendete er einen Blick an seinen dreckigen Bruder – seine Kisha war viel cooler als die beiden bei Malik!

Er war begeistert, als Kisha erzählte, dass sie fast alle hier schon sehr lange kannte. Wie lang aber war dieses ‚sehr lang‘? Und gehörte er nun auch zu dieser großen Familie? Erneut wanderte sein Blick über die Wölfe, die er sehen konnte, während sein Körper der Mama zugewandt war. Er wusste genau, was er nun tun wollte. Auf jeden Fall!

„Ich will sie auch alle treffen, Kisha! Lass sie uns treffen!“, rief er laut und sprang auf, trippelte kurz in die eine dann wieder in die andere Richtung und ließ den Blick nicht von ihr ab. „Gehöre ich jetzt auch zu deiner Familie? Und Malik und Taleesha und Tinca? Gehören wir jetzt alle dazu? Ich will auch zu deiner Familie gehören! Unbedingt.“

So viel Begeisterung in diesem kleinen Körper, dass er es kaum noch aushielt, hier so ruhig zu stehen. Doch ihre nächsten Worte heimsten einen ernsten, kritischen Blick des Rotfells. Da musste auf jeden Fall nochmal nachgehakt werden.

„Aber wir sind am besondertollsten, oder?“, fragte er mit großen Welpenaugen. Hach. Da gab es ja eh nur eine Antwort. Eine Antwort, mit der er sich begnügen würde.



{ Kisha }

Nihilus
12.06.2011, 22:36

Um so weiter sie sich vom Rudeplatz entfernten, desto schneller verlor Nihilus seinen optimistischen Glauben, dass die Beute sich einfach so vor ihre Pfoten werfen würde. Aber warum denn nicht?! An die einzig große Jagd – zusammen mit dem Rudel – war es doch auch beinahe so gewesen, oder? Zwar hatte sich der Helle zu dieser Zeit eher weiter hinten in seiner Gruppe gehalten, doch schien er der festen Überzeugung zu sein, dass sie zu der Zeit einfach herumspaziert waren und dann auf einmal… waren alle losgestürmt! Oder nicht? Die Ohren grübelnd angelegt schien er grade im Beginn des Zweifels, als Cirádan den Punkt grade ansprach.

„Du jagst nicht?“

Skeptisch besah er sich den Grauen. Gar nicht? Er selbst hatte es zumindets ein paar Mal versucht oder Krolock dabei zugeschaut, zumindest aus der Ferne. Näher kommen durfte er da schließlich nicht, weil es ja ach so leise sein musste. Insgeheim durchzogen den Hellen böse Vorahnungen, dass der Schwarze zumeist lieber alleine los gezogen wäre. Pah. Sturkopf.

„Also alleine war ich auch noch nie losgezogen.“ , gab er etwas verschämt von sich. „Ich war nur öfters dabei gewesen oder habe gescheucht.“ Ein Schmunzeln machte sich auf den dunklen Lefzen breit. „Scheuchen macht Spaß. Ist fast wie fangen spielen!“

Aber erstmal mussten die beiden, Cirádan und er, mal zu dem Punkt des Scheuchens kommen! Bisher war ihm noch kein besonderer Geruch aufgefallen, der ein kleines Tier verraten hätte – große Beute wollte er lieber aus Furcht vor deren Hufen ausblenden. Fiebrig warf er den Kopf von einer zu anderen Seite… es schien so als wäre alles Getier vor ihnen geflüchtet.

„Ja… irgendwas ist falsch.“ , stimmte er dem Jungrüden zu. „Vielleicht sind wir zu laut? Wenn Krolock jagen geht kann selbst ich ihn kaum mehr hören und folgen.“

Naja, das könnte auch einfach an seinen Sinnen liegen. Aber das wollte Nihilus mal klipp und klar ausgrenzen: mit denen war alles in Ordnung.
Die Schnauze nun weiter zum Boden geneigt, sog er die kühle Waldluft ein, bevor er im Gang stehen blieb. Sollten sie einfach mal abwarten, bis ihnen eine Witterung hinzugeweht wurde?

„Wir müssen es schließlich auch mal lernen!“ , automatisch verlor sich der Nichtswolf in die Mehrzahl, so schien es nicht ganz so bedrückend, dass er so wenig Ahnung von etwas vollkommen Natürlichen besaß. „Geboren sind wir dazu ja!“ Demonstrativ schnaubte er noch einmal aus, bevor er sich ganz und gar daran machte bloß jeden Windhauch mitzubekommen.



(Wald, Cirádan)

Jakash Caiyé
13.06.2011, 10:39

(Habe noch nicht alles genau nachlesen können, wenn was also nicht passt, schreien XD)


Als er an Averics Seite aus dem Wald trat, suchte sein Blick zu allererst seine Welpen, dann Sheena und erfassten erst zuletzt die Gesamtsituation. Seine Söhne und Töchter hatten die Höhle bereits verlassen und lernten die vielen Wölfe des Rudels kennen. Malik beschäftigte sich mit Chanuka und Liel, Isaí hielt Kisha auf Trab. Tyraleen schien einen Spaziergang mit Taleesha unternehmen zu wollen, und sogar Tinca hatte sich bereits aus der Höhle gewagt! Jakash hatte sich etwas um diese seiner beiden Töchter gesorgt, war Tinca doch etwas sehr ängstlich und verschlossen. Ob ihr Wagemut Chardíms Verdienst war, wo er sich doch direkt bei ihr befand? Da hatten sich ja dann schon die richtigen gefunden, und sie wussten es noch nicht einmal. Ja, seine Welpen befanden sich in guter Gesellschaft, und von dem Störenfried Krolock war weit und breit nichts zu sehen. Gut so, Jakash hätte ihm sonst ordentlich die Leviten gelesen, hätte dieser Schwarzseher versucht Ärger in der Nähe seiner Jungen zu suchen. Aber so war alles in Ordnung, und sie kehrten gerade noch rechtzeitig zurück - die Zeremonie hatte noch nicht begonnen, er kam nicht zu spät. Das Gespräch mit Averic hatte länger gedauert als gedacht, sodass er nun schon die ersten Schritte seiner Kinder aus der Rudelhöhle hinaus verpasst hatte. Aber dieses Gespräch war wichtig gewesen und hatte nicht länger warten dürfen. Als Eltern Chardíms mussten Tyraleen und Averic wissen, was mit ihrem Sohn geschehen war - jetzt, da er selbst Vater war, hatte er das begriffen. Shani hatte er zudem versprochen, mit Tyraleen darüber zu reden, aber damit war mehr die Hoffnung seiner Mutter verbunden, das verpflichtende Band zwischen ihm und seinem Patensohn wieder zu lösen - und vermutlich auch, ihn zurück zu bekehren. Aber Engaya war für soetwas nicht stark genug, und niemand wusste, ob sie es tatsächlich je wieder sein würde. Also hatte er Averic statt Tyraleen um dieses Gespräch gebeten und ihm von dem Vorfall am Bach erzählt. Zwar hatte er auch ihm nicht davon erzählt, dass er selbst höchst wahrscheinlich Fenris erst auf die Idee zu diesem Handel gebracht hatte, dafür aber von Shanis Bitte, er solle sich an Tyraleen und damit an Engaya wenden.
Jakash hielt inne. Dieses Gespräch war noch nicht gänzlich vorbei, und er war noch nicht bereit zu seiner Familie zurück zu gehen.

"Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass Engaya Fenris dazu bringen könnte, Chardíms Leben als Pfand für meine Gefolgschaft aufzugeben. Wieso sollte er auch, selbst wenn ich gar nicht vorhabe, mich wieder von ihm abzuwenden? Und selbst angenommen, es gelänge doch, würde Fenris meine Zustimmung zu diesem Versuch nicht als Verrat ansehen? Was hielte ihn dann davon ab, sich an mir zu rächen, indem er mir nimmt oder auch nur gefährdet, was ich Liebe?"

Sein Blick lag sorgenvoll auf seinen Welpen, auf Sheena, bevor er sich langsam wieder Averic zuwandte. Wenn ihm jemand eine Antwort darauf geben konnte - wenn jemand Einsicht in das Handeln des Todesgottes hatte - dann der Todessohn selbst.


[Waldrand | Averic]

Kisha
13.06.2011, 13:18

Isaí schien nicht wirklich zu wissen, was er nun mit ihrem Lachen anfangen sollte. Aber noch bevor sie aufgehört hatte zu lachen, was das Lächeln auf seine Lefzen zurück gekehrt. Na hoffentlich fühlte er sich nun nicht ausgelacht. Und dann drückte er noch einmal seine Nase gegen ihre, woraufhin auch die Rute der schwarzen Fähe sachte über den Schnee pendelte. Und als er sich wieder löste, sich um sich selbst drehte, um das Rudel sehen zu können, musste Kisha wieder ein Lachen unterdrücken. Die Dunkle konnte sich nur vorstellen, wie aufregend es für den Roten sein musste, so viele fremde Gesichter zu sehen, so viele Wölfe. So viele Mamas und Papas. Dieser Gedanke ließ ihr Lächeln wieder etwas breiter werden, während ihr Blick weiterhin sanft auf dem Rüden ruhte.
Nun, nachdem sie geendet hatte, wandte der junge Wolf auch wieder den Blick herum, versuchte wohl noch einmal die Wölfe in ihrer Nähe anzusehen. Und als er zu sprechen begann, neigte sich der Kopf der Fähe leicht zur Seite, und sie blinzelte leicht. Ihre Augen folgten seinen Bewegungen, als er hin und her sprang, und aufgeregt fragte, ob er nun auch zu ihrer Familie gehörte. Kisha nickte leicht, erhob sich dann und schüttelte den Schnee aus ihrem Fell. Den Kopf neigend zog sie kurz an dem Ohr des kleinen Wolfes, blickte ihm dann ruhig in die Augen.

Du wirst sie alle kennen lernen. Jeden von ihnen, da bin ich mir sicher.“

Dann tat die schwarze Fähe, als müsste sie angestrengt über seine Frage nachdenken, neigte den Kopf leicht hin und her, richtete den Blick zum Himmel und richtete ihn dann wieder auf Isaí. Immerhin wußte sie nun, dank ihm, wie die anderen drei Welpen hießen.

Was würdest du denn tun, um zu meiner, zu unserer, Familie zu gehören? Wenn du eine ganz tolle Idee hast, denke ich Mal drüber nach.“

Mit einem weiteren Lächeln stubste sie den jungen Rüden an, trat dann wenige, kleine Schritte nach vorn und richtete den Kopf herum. Ob sie am besondertollsten waren? Kisha seufzte leise, gab es doch nur eine Antwort, die ihn nun nicht unglücklich machen würde. Jeder Wolf war besonders, auf seine eigene Art und Weise. Aber Welpenohren wollten natürlich nur eines hören. Sie nickte, und flüsterte dann leise, verschwörerisch.

Niemand ist so besonders, wie ihr. Und du, du bist noch am besondersten. Aber das darfst du niemandem sagen, sonst werden sie eifersüchtig und wollen so besonders sein, wie du!“


[Rudelplatz – Isaí]

Takashi
13.06.2011, 14:05

Der Hüne machte schließlich noch einige Schritte auf die Rudelhöhle zu, um ganz nah beim Geschehen sein zu können. Die kleinen Fellkugeln zogen wirklich alle Aufmerksamkeit auf sich. Die vier Kleinen waren neugierig, aber dennoch sehr schüchtern und mussten sich erst ein Mal an das rege Treiben gewöhnen. So entschied sich Takashi, die Welpen nicht noch zusätzlich zu verwirren und wandte seinen Blick ab.
Trotz alldem hatte er die Fähe, die unmittelbar in seiner Nähe stand, nicht vergessen. Die Fremde hatte ebenfalls Gefallen an den Welpen gefunden und beobachtete diese mit freundlicher Miene. Sie hatte sich nieder gelassen, um die Welpen aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen. Takashi schätzte die Weiße als ausdauernd und stark ein, weil sie kräftig war und die langen Läufe einer guten Läuferin besaß. Dennoch schien sie ein freundliches und sanftes Wesen zu besitzen, was Takashi an ihrer ruhigen Art festmachte.
Für einen Augenblick schielte der Hüne zu den Welpen herüber, wandte dann aber wieder seinen Blick der fremden Weißen zu. Als einer der ranghöheren sollte er den Überblick über das Rudel behalten.

"Wer bist du? Ich habe dich hier noch nie zuvor gesehen."

Ein sanftes Lächeln ging über die Lefzen des Schwarzen, während seine Rute sachte hin und her pendelte. Trotz seiner freundlichen Art trat der Hüne selbstbewusst und ein wenig dominant auf, was wohl seine enorme Größe ausmachte. Er beschloss sich mit ein wenig Abstand zu der Fremden zu setzen, um nicht wortwörtlich auf sie herab sehen zu müssen.

"Du bist auch...", Takashi verstummte. Hektisch begann er, sich umzublicken. Er schluckte schwer und in ihm wurde es ganz mulmig. Wohin war Cirádan so plötzlich verschwunden? Hatte er doch nicht allzu viel Mut fassen können und war letztendlich vor Krolock geflohen? Der Hüne versuchte sich wieder, auf das Kennenlernen zu konzentrieren. "...auch wegen den Welpen hier?"

Takashi verzog die Miene zu einem schiefen Lächeln. Seine Reaktion und die plötzlich aufkommende Sorge in ihm waren bestimmt nicht zu übersehen.


[ an der Rudelhöhle | Chilali ]

Malik Hikaji
13.06.2011, 16:34

Malik schien vor Stolz noch einmal um ein ganzes Stück zu wachsen, als der nette Papa da seine Schönheit bestätigte. Begeistert strahlte er ihm ins Gesicht, dass dieser netter Weise etwas gesenkt hatte. So kam es dem Welpen wirklich so vor, als könne er schneller groß werden, wenn man ihn lobte. Und auch die pfützige Mama mit den himmelblauen Augen begrüßte ihn. Sein kleines Herz klopfte ein wenig schneller, als diese beiden Wölfe sich tatsächlich nur mit ihm beschäftigten. Er musste ja wirklich etwas ganz Tolles sein. Und da bot ihm diese pfützige Liel sogar an, ihn wieder hübsch zu machen! Malik japste vor Begeisterung auf.

„Au ja! Kannst du das denn? Ich dachte das kann nur meine Mama.“

Nachdenklich schaute er kurz zurück, da wo Sheena saß und dann wieder an sich herab. Er war nass, weil das weiße Zeug plötzlich nicht mehr weiß und fest war, sondern zu einer Art durchsichtiger Milch wurde, die an ihm hinablief. Wie dem auch sei, sicherlich konnte Liel ihn genauso gut saubermachen, wie seine Mama das konnte. Mit einem freudigen Laut hüpfte er auf die Pfoten und wuselte schnell an die Wölfin heran. Als wäre sie seine Mutter, drückte er sich an ihre Seite und seufzte, als er die Wärme spürte.

„Du bist ja genauso warm wie Mama. Und wie Isaí und Tinca und Taleesha. Weißt du, Tinca mag das nicht so, wenn man sich an sie kuschelt. Sie kuschelt lieber mit Taleesha und mit Mama. Aber ich kuschele gern mit meinen Geschwestern und mit meinem Gebruder und mit Mama und mit dir. Magst du auch Kuscheln, Chanuka?“

Treuherzig blinzelnd schaute er zu dem papafellfarbigen Rüden und unterbrach damit auch seinen Redefluss. Die Wortkorrektur von Liel hatte er ohne große Umstände aufgenommen, genauso wie er ja jetzt wusste, dass es Fenris und Acollon gab und nicht Fenricollon.
Die Sache, die Chanuka ihm erklärte, verstand er nicht wirklich. Er war Tyraleens Sohn, soweit so klar. Aber hatte er das Fell von seinem Papa geklaut und seiner Mama die Augen. Etwas erschrocken zog Malik die Nase zurück und kuschelte sich näher an Liel.

„Aber wenn das nicht deine Augen sind, musst du sie dann nicht zurückgeben? Sonst sieht deine Mama nichts und deinem Papa ist kalt, wenn er kein Fell hat. Du darfst das doch nicht einfach behalten!“

Etwas besorgt suchte sein Blick Tyraleen. Aber sie hatte ihn doch eben noch mit ganz echten, eigenen Augen angeschaut, oder nicht? Und wer war denn Averic? Das musste ja ein Papa sein, der nackt und ganz ohne Fell herumlief, weil sein Sohn es ihm weggenommen hatte. Malik seufzte leise, überfordert mit der Situation. Nahmen vielleicht alle Kinder ihren Eltern die Körperteile weg? Dabei wollte er seinem Papa das Fell gar nicht wegnehmen. Das war schon mal gar nicht so hübsch wie sein jetziges und außerdem wollte er nicht, dass seinem Papa kalt war.
Misstrauisch schaute er Chanuka an und überlegte, ob er dem Fell- und Augendieb die Frage beantworten sollte. Aber er zeigte sich gnädig, immerhin hatte er ihm ja noch nichts klauen wollen. Trotzdem drängte er sich näher an Liel, als er antwortete.

„Ja, es ist sehr hübsch hier draußen. Drinnen war es ganz avericfellfarben aber wir hatten alle unser eigenes Fell und unsere eigenen Augen. Du musst auch mal in die Höhle gehen, dann bekommst du vielleicht auch ein eigenes Fell. Und dann kannst du deiner Mama auch ihre Augen wiedergeben.“

Leicht vorwurfsvoll nutzte er die neue Farbbezeichnung, denn er konnte sie ja nicht „chanukafellfarben“ nennen. Schließlich gehörte ihm das Fell gar nicht.


{ Chanuka und Liel }

Isaí Caiyé
13.06.2011, 21:19

Verwundert nahm er wahr, wie das ganze weiße Bodenzeug auch aus Kishas Fell rieselte, als diese sich schüttelte. Schnell aber war ihm diese verwirrende Tatsache mehr zum Spiel geworden und der kleine rötliche Körper sprang in dem Bruchteil der Sekunde, in der der Boden Kishas Fell verließ hin und her und versuchte, danach zu schnappen. Als er dann auch noch tatsächlich etwas zu schnappen bekam und der Boden auf seiner Zunge zu flüssiger, geschmacksloser Milch wurde, versuchte er den aufgefangenen Boden wieder auszuspucken. O Gott. Die Welt war nicht nur spannend, sondern auch ziemlich merkwürdig! Skeptisch betrachtete er den weißen Boden. So, wie er so friedlich dalag, machte er gar nicht den Anschein, dass er eigentlich flüssig wie Milch war. Er war Kisha einen irritierten Blick zu, ehe er ein bisschen Boden mit der Pfote vorsichtig hin und her schob und nicht verstand, weshalb er nicht flüssig wurde – so wie eben. Doch ein Ziepen an seinem Ohr brachte ihn schnell von dieser Handlung ab und der junge Rüde sprang herausgefordert an der nun plötzlich gewachsenen Kisha hoch, um den Versuch zu starten, auch ihr Ohr zu erhaschen. An Ermangelung der benötigten Größe jedoch gab er sich mit dem nächstbesseren Ziel zufrieden und zog ihr spielerisch an den Lefzen. Ihre Worte hatte er noch gehört und am liebsten wollte er sie alle sofort kennenlernen! Darein, dass sie aufgestanden war, interpretierte der junge Wolf ohnehin schon, dass sie sie nun alle treffen würden. Eine Antwort schien ihm also nicht von Nöten. Außerdem hätte er dafür ihre Lefzen loslassen müssen. Ein spielerisches Knurren verließ seinen Fang, während er mit seinen kleinen Milchzähnchen das schwarze Stück Lefze so gut es ging fest hielt. Dann jedoch vernahm er die Stimme, nach der er die ganze Zeit gesucht hatte.

Ein freudiges „Papa!“ verließ seinen Fang in dem kurzen Augenblick, indem er vergas, Kishas Lefze festzuhalten und so folgte diesem ‚Papa‘ direkt darauf ein gedämpftes „If kann grad niff.“

Schließlich ließ er dann aber doch von der papafellfarbenen Mama ab, weil ihm dieses Stehen und Halsrecken allmählich zu anstrengend wurde. Und dann machte sie ihn auch noch verrückt, als sie so lange brauchte, um seine Frage zu beantworten! Ungeduldig tänzelte er auf der Stelle und sah sie dann mit großen Augen an. Das war ja gemein! Verzweifelt sah er ihr nach, als sie an ihm vorbei ging – Er wusste ja gar nicht, was er hier alles machen konnte! Sein Blick raste förmlich hin und her und suchte nach etwas, was sie überzeugen konnte. Er wollte doch unbedingt zu ihrer Familie gehören! Was sah er da? Den weißen, milchflüssigen, festen Boden, der ihm wohl wenig weiterhelfen konnte; die anderen Mamas und Papas, aber er wusste nicht, was er mit ihnen anstellen konnte, was so Kisha so gut gefallen könnte, dass sie ihn in ihre Familie aufnahm. Da musste es doch irgendetwas geben! Wieder sah er zu ihr, nahm Blickkontakt auf und sah sich schnell wieder um. Schließlich wanderte sein Blick nach oben und augenblicklich wurde aus seiner verzweifelten Miene ein förmliches Strahlen, was das vorher fast noch überbot.

„Ich hole dir ein Stück Flauscheding von der Höhlen- eh. Vom Himmel!“, gab er von sich und funkelte sie fröhlich an. Das musste ihr doch gefallen, oder?

Und schließlich strahlte er so, dass er der Sonne wohl Konkurrenz gemacht hätte, wären die Flauschedinger nicht meistens davor gewesen. Seine Augen leuchteten und er sprang ihr hinterher. Er war am besondertollsten. Natürlich würde er das seinen Geschwestern und seinem Gebruder nicht erzählen. Sie sollten nicht eifersüchtig sein. Reichte ja, wenn Kisha das wusste. Und seine Mama. Und sein Papa, dem er nun auch noch einmal fröhlich entgegenstrahlte. Den schwarzen Papa neben ihm nahm er gar nicht richtig war. Dazu war er viel zu sehr mit Kisha beschäftigt.

„Du bist auch ganz doll besonders!“, sagte er laut und drückte seinen kleinen Kopf gegen ihren Vorderlauf. Jaja. Kisha war auch ganz besondertoll. Und er wollte – zum Fenricollon nochmal – auch zu ihrer Familie gehören!



{ Kisha| bemerkt Jakash }

Krolock
14.06.2011, 13:19

Krolock rührte sich in den Büschen, bis zu denen er gelaufen war und trat direkt zu Cirádan und Nihil. Spott stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er umkreiste die beiden lauernd.

„Wenn ihr jagen wollt, müsst ihr erst mal lernen, schnell zu sein. Wenn ihr schnell seid, müsst ihr lernen, lautlos zu werden und wenn ihr schnell seid und lautlos, dann müsst ihr lautlos und dabei schnell sein. Vielleicht sollten ihr auch noch ein bisschen Verstand haben, aber darauf kommt es nicht an, wenn man euch richtig anleitet.“

Den letzten Satz betonte er so, dass klar war, wie wenig Gehirnzellen er den beiden zuschrieb.

„Damit ihr schnell werdet, machen wir es nun ganz einfach: Ihr fangt mich. Ihr dürft zusammen arbeiten, als würdet ihr Beute schlagen und von verschiedenen Seiten kommen. Aber ihr müsst mir auf den Fersen bleiben, denn ich habe keine Lust, irgendwo herum zu rennen und meine Verfolger zu suchen. Ihr könnt dabei üben, euch stumm zu verständigen. Mit Blicken, so wie bei einer Jagd.“

Er erwartete Zustimmung. Immerhin waren sie ihm nachgelaufen und scheinbar glaubten sie, er war in Sachen Jagd ein Genie. Weit gefehlt, wie er selbst wusste, ihm fehlte es an Geduld. Deshalb musste er schnell sein und ausdauernd. Damit konnte er Beute schlagen. Nur das lauern, dass verabscheute er, weil er dann glaubte, die Unruhe in ihm würde ihn noch um den Verstand bringen, wenn er nicht gleich wieder rennen konnte.

„Ich warne euch allerdings… ich bin schnell. Und, ihr müsst mich nieder reißen, wie ihr es mit einem Reh tun würdet. Sonst bleib ich nicht stehen.“

Er entfernte sich einige Schritte, ehe er stehen blieb und wartete, dass sie die Jagd eröffneten.


[Waldrand | Nihil und Cirádan]

Lyerra
15.06.2011, 20:39

Konnte man denken während man schlief? Ja? Nein? Es war egal. Der Traum war so friedlich, so ruhig…
Träumen, für immer Träumen. Vielleicht war das das Beste. Für immer Träumen, ohne Ängste und Sorgen, ohne Schmerzen. Für immer. Wie ein Ende. Ein Ende ohne neuen Anfang. Für immer. Ein Abschied. Eine Art Abschied. Alles vergeht im wahren Leben. Ein Traum. Ein Abschied. Ein Ende ohne neuen Anfang. Für immer.
Eine Nase in ihrem Fell, der warme Atem Ethelions. Er wusste ja gar nicht was er tat, was er mit seinem Tod zerstörte. Ein erstickter Traum, ein toter Geliebter. Raus, raus aus diesem Traum, hinein in den Frieden, den unendlichen Frieden. -Doum - Doum - Doum. Schlage Herz, schlage. Ich gehe nicht.

Unruhig flackerten die geschlossenen Lider der schlafenden Fähe. Raus, raus aus diesem Traum. Weg von der Angst, den Schmerzen. Weg, bloß weg.
Der Schnee unter ihr war kühl, doch das dichte Winterfell schützte sie vor der Kälte. Wie lange sie schon schlief wusste Lyerra nicht. Der unruhige Traum ließ sie erwachen, ein leichtes Zittern fuhr durch ihren Körper als sie aufwachte und feststellte, dass sie alleine war. Anfangs war der Traum schön gewesen, dunkel und weich wie die Nacht, doch dann hatte sie ihren geliebten Gefährten gesehen, sich daran erinnert dass er fort war, für immer fort. Sie erinnerte sich noch genau daran, erinnerte sich daran wie er dort lag, noch warm aber ohne Leben. Sie erinnerte sich an ihre Furcht, an ihre Schmerzen und sie erinnerte sich daran wie Volk Zubami ihr seitdem zur Seite gestanden hatte. Ihr lieber kleiner Volk, der so verständnisvoll und gleichzeitig verrückt erschien.
Erinnerungen schienen einen Schleier über ihre Augen zu legen, dennoch verzog ein sanftes, trauriges Lächeln ihre Lefzen. Vielleicht würde sie ihn bald treffen, ihren kleinen lieben Volk, ihren besten Freund. Vielleicht würd er kommen, sie könnten lachen und reden. Sie wusste nicht wann sie das letzte Mal zusammen geredet hatten, nur er und sie, wann sie das letzte Mal Zeit für sich gehabt hatten. Es schien ewig her zu sein.
Sheenas Welpen waren da, erkundeten allesamt die Welt hier draußen, doch Lyerra wollte nicht bei ihnen sein. Nicht jetzt. Sie wollte nicht stören, ließ sich von der Freude nicht ganz so anstecken wie die anderen. Sicherlich würde sie noch genug Zeit haben die kleinen Geschöpfe kennen zu lernen, denn sie glaubte fest daran dass sie alle leben würden.
Die Ohren der kleinen Weißen bewegten sich in einem sanften, aufmerksamen Spiel hin und her, der Kopf war auf den ausgestreckten Vorderläufen abgelegt. Sie hörte die sanfte Melodie der Bäume die nicht sehr weit weg waren, hörte einige Stimmen die irgendwo in der Nähe zu sein schienen, doch sie sah die Wölfe nicht. Für Sekunden schlossen sich ihre Augen, für Sekunden blendete sie alles aus was um sie herum geschah. Es war leicht, so leicht. Abermals ging ein leichtes Zittern durch den, doch recht kleinen Körper der Fähe, dann öffnete sie die Augen wieder. Leben war schwer, schwer und traurig, doch fliegen, fliegen musste so leicht sein. Eins werden mit dem Wind, der Luft, dem Himmel. Wie gerne sie eins werden würde mit dem Himmel. Fliegen.

Fliegen ist leicht, Leben ist schwerer.

Vielleicht würde Volk wirklich kommen, gleich. Später. Irgendwann. Vielleicht.


[alleine ; später Volki und Aszerm ; irgendwo zwischen Rudelplatz und Wald]

Neytíri
16.06.2011, 17:46

Die graue Fähe musterte ihr weißes Gegenüber aufmerksam und besonders fielen ihr seine leuchtend roten Augen auf. Aber anders, als sie es selbst erwartet hätte, jagte ihr diese eindringliche Farbe keine Angst ein. Im Gegenteil, irgendwie passte sie zu dem Rüden. Er verriet ihr, dass auch er einer der Paten für die Welpen war, und Neytíri seufzte lächelnd. Jeder hier schien Teil der Familie zu sein. Dass Tyraleen ihren Namen als einen der ersten nannte, als sie die Wölfe den Welpen vorstellte, hörte sie dann aber doch und ihr Herz tat einen kleinen Hüpfer; so unbedeutend es auch sein mochte, in welcher Reihenfolge Namen genannt wurden, es freute sie trotzdem, dass man sie nicht vergaß.

"Meinen Glückwunsch. Ich denke, von einem so höflichen Rüden kann ein Welpe eine ganze Menge lernen."

Als der Weiße ihr seinen Namen verriet, nahm Neytíri ihn nickend zur Kenntnis, beobachtete jedoch eine Veränderung an Madoc. Sie hörte den klagenden Laut der Fähe ebenfalls, die Stimme kam ihr jedoch nicht bekannt vor. Bei dem Rüden schien dies jedoch der Fall zu sein, denn sein Kopf ruckte nervös in die Richtung, aus der der Ruf gekommen war. Als er sich wieder an sie wandte, lag Sorge in seinem Blick. Die Graue legte den Kopf schief und drehte ihn dann erneut in die Richtung, aus der der Klagelaut ertönt war. Sie konnte förmlich spüren, wie sehr es an dem Weißen zerrte, und sie fragte sich warum er zögerte und blieb. Vielleicht wollte er sie nicht einfach stehen lassen?

"Kennst du die Fähe...? Komm, lass uns nach ihr sehen. Das klang, als ob sie Schmerzen hätte!"

Ohne wirklich eine Antwort abzuwarten setzte Neytíri sich in Bewegung; es bestand kein Zweifel daran, dass Madoc die Fähe kannte und sich um sie sorgte, also würden sie nachsehen gehen.


[ Welpenhöhle | bei Madoc | dann auf dem Weg zu Atalya ]

Averic
17.06.2011, 21:18

Averic ließ den Blick schweifen, suchte kurz prüfend nach seinen Kindern, um sich dann wieder Jakash zuzuwenden. Der Rummel um die Herbstwelpen interessierte den Pechschwarzen nicht, ebenso wenig wie die Kleinen selbst. Er versuchte gar so wenige Gedanken wie möglich an sie zu verschwenden, obgleich das Aufgrund des Tumults nicht besonders einfach war.
Es hatte ihn daher etwas verwundert, dass ihn Jakash aufgesucht hatte und das Thema, welches er angesprochen hatte, gefiel ihm noch viel weniger. Nach all dem, was passiert war, war es nicht schön zu erfahren, dass er beinahe einen zweiten Sohn verloren hätte. Der Pechschwarze hatte wahrgenommen, wie schlecht es Chardím in der letzten Zeit gegangen war, aber er hätte nicht gedacht, dass hinter seiner Verfassung noch mehr steckte, als die Zerstörung des Gleichgewichtes der Götter. Vor einiger Zeit wäre er vielleicht etwas zornig geworden, dass Chardíms Pate ihm als seinem Vater erst nach Monaten von dieser Sache berichtete. Und auch zornig auf seinen Gott, der schon wieder seine Familie bedroht hatte. Doch Averic hatte schon lange keine Wut mehr verspürt, nur eisige Kälte. So war seine Miene auch bei dieser Nachricht wie in Stein gemeißelt geblieben und er hatte Jakash zugehört.
Seine Frage war nicht einfach zu beantworten. Seit Banshee und Acollon tot waren, zog der Atem Fenris’ wie ein verwüstendes Heer über das Tal der Sternenwinde und er fühlte sich seinem Gott ferner denn je. Als Sohn des Todes hatte Averic immer angenommen mehr in Fenris und seine Taten sehen zu können, als das bloße, oberflächliche Böse. Aber nun quälte ihn sein Vater so sehr, dass selbst er anfing zu zweifeln, ob seine Vorstellung von ihm noch richtig war. Und doch war er nicht gewillt, sie einfach so loszulassen. Fenris war sein Gott, sein Vater und er sein Erbe. Er MUSSTE glauben.

Fenris’ Absichten sind unergründlich. Ich glaube nicht, dass er so simpel gestrickt ist und einfach nur willkürlich Chaos stiftet. Nein, ich habe allmählich das Gefühl, dass er das Rudel testet – und es bisher nicht besonders gut abgeschnitten hat. Es muss mehr dahinter stecken.
Was deinen Pakt mit ihm angeht ... ich glaube, dass Fenris weit Besseres zutun haben sollte, als sich über irgend einen Wolf zu ärgern, der nicht tut, was er gesagt hat.“


Er knirschte leicht mit den Zähnen. Chardím war sein Sohn. Sollte Fenris ihm auch diesen noch nehmen, würde er es bitter bereuen. Dafür würde der pechschwarze Todessohn sorgen, selbst wenn der Preis dazu höher war, als sich jeder würde vorstellen können. Dennoch schob Averic diese Gedanken vorerst zur Seite und drehte den Kopf dann ganz zu Jakash um und musterte ihn einen Augenblick.

Hast du es bisher als Strafe empfunden, auf Fenris’ Seite gewechselt zu sein?“



[ Waldrand | Jakash ]

Cirádan
18.06.2011, 15:28


Cirádan wollte den Kopf schütteln, doch die Bewegung kam nicht. Nein. Er jagdte nicht. Oder zumindest sehr selten. Lieber nahm er sich von der Beute welche die Großen erlegten. Heimlich und unsicher, ob er dies auch überhaupt durfte.

"Uhm...",

kam nur ein leiser Laut von ihm.
Cirádan fühlte sich manchmal wie ein Dieb dabei. Immerhin tat er ja auch nichts um dem Rudel zu helfen... Irgendwie war er doch recht nutzlos!
Während er teils in seine eigenen Gedanken versunken war, horchte er auch darauf was Nihilus erzählte. Doch ob er was darauf erwiedern sollte wusste er nicht. Doch selbst wenn, wäre dem Jungwolf nichts vernünftiges eingefallen um eine Unterhaltung am Laufen zu halten.

"Wir werden es bestimmt irgendwann schaffen ... glaub ich.",

setzte er hinzu als er ebenfalls stehen blieb.
Doch bevor ihm ein weiterer Gedanke kommen konnte tauchte auch schon sein Bruder bei ihnen auf und begann sie zu umkreisen.
Instinktiv trat er nähe an Nihil und beobachtete Krolock unsicher.

Er horchte darauf was der Schwarze erzählte. Wollte er ihnen gerade tatsächlich dabei helfen das Jagen zu lernen?
Aber ... was war nur mit Krolock los?
Überrascht öffnete Cirádan den Fang, doch sagen konnte er nichts.
Stattdessen sah er Nihilus verdattert an. Jagen? Sie? Krolock?
Na, ob das gut gehen würde...

Aber irgendwie...
Ein beinahe angenehmes Zittern ging durch Cirádans Körper. Krolock wollte ihm was beibringen. Nihil und ihm was beibringen. Da konnte der Hellgraue auch die Bemerkungen überhören die der Schwarze sonst noch den beiden an den Kopf warf. Und vergessen dass er seinen Bruder umwerfen würde müssen.
Und wenn Krolock wirklich so gut war wie Nihilus sagte, woran Cirádan keine Zweifel hatte, dann würden sie bestimmt auch bald jagen können... Wenigstens ein bischen.




[Nihil und Krolock - unterwegs im Wald]

Aszrem
18.06.2011, 17:01

Ob Ronron wirklich mit allem Recht behalten würde, was er erzählt hatte, war noch immer nicht abgesehen. Was die Existenz der Varge anging, schienen seine Worte jedoch der Wahrheit entsprochen zu haben. Seit drei Monaten hatte es keine einzige Spur mehr dieser Wolfsmonster gegeben. Es sah tatsächlich so aus, als hätte Tyraleens Tat den Kraftschub entfesselt, der es Fenris ermöglicht hatte einen seiner Gläubigen in einen Varg zu verwandeln, und seither nicht wieder - immerhin hatte es auch keine weiteren schrecklichen Untaten mehr gegeben. Engaya war jedoch noch immer nicht wieder richtig erstarkt, aber vielleicht waren die Fetzen blauen Himmels, die ab und an den Blick auf die Sonne ermöglichten, sowie die verhältnismäßig warmen Temperaturen ja Zeichen dafür, dass die Lebensgöttin wieder an Macht und Einfluss gewann. Aszrem hoffte sehr darauf, wollte er doch das junge Leben, das vor knapp einem Mondumlauf geboren worden war, doch nicht gefährdet wissen. Die Hoffnung, die Tyraleen in die Welpen Sheenas und Jakashs legte, teilte der Schwarzbraune zwar, jedoch nicht mit derselben Inbrust. Mochte vielleicht daran liegen, dass er nach wie vor zu rationalerem Denken neigte anstatt auf den Glauben an die Götter zu setzen. Ja, ziemlich sicher sogar, wobei er einsehen musste, dass sein eigenes Denken nicht mehr ganz so scharf den Einfluss von Gottheiten ablehnte wie früher. Er war sich sicher, hätte er nicht selbst das Nichts und die Rettung des Rudels miterlebt, er hätte sich gegen Tyraleens Gottvertrauen gesperrt, was die Welpen anging. So aber war es, wie es war, und Aszrem hoffte, dass die Welpen nicht für eine Fehlentscheidung den Preis würden zahlen müssen...
Der Schwarzbraune trat aus dem Wald und trat mit kraftvollen Schritten auf die Rudelhöhle zu, ind eren Nähe sich fast das gesamte Rudel aufhielt. Verständlich, immerhin durften die Welpen heute zum ersten Male aus der Höhle, und bald sollte entsprechend auch die Patenzeremonie beginnen. Mit einem Kontrolllauf hatte Aszrem sich davon überzeugt, dass keine Gefahr in der Nähe lauerte, die die Feierlichkeiten stören und die Welpen gefährden mochte. Seit der Entdeckung des Varges unternahm er wieder regelmäßige Spähläufe, eine Angewohnheit, die er noch nicht wieder abgelegt hatte und dies auch nicht vor hatte. Sicher war sicher, Varge hin oder her, immerhin gab es noch mehr Gefahren in der Welt, und Aszrem wollte sein Möglichstes tun, um das Rudel zu beschützen. Außerdem lief er von jeher gerne weite Strecke, also verband sich so das Nützliche sogar noch mit dem Angenehmen.
Wachsam glitten seine Augen über die Umgebung und blieben an Lyerras weißer und irgendwie verloren wirkender Gestalt hängen. Es brauchte nur eine geringe Richtungsänderung um zu ihr zu treten, und wie selbstverständlich blieb er neben ihr stehen, als wäre ihre Gesellschaft von vorn herein sein Ziel gewesen.

"Es gibt also tatsächlich Fähen, die nicht neugierig auf Welpen sind? Und ich dachte, das sei ein Mythos",

meinte er leicht schmunzelt, aber sein Blick war musternd.


[Abseits der Rudelhöhle | Lyerra (später Volk)]

Jakash Caiyé
18.06.2011, 17:28

Jakash beobachtete Averics Mimik von der Seite her, aber noch immer konnte er keine Spur von Ärger entdecken, obgleich er durchaus mit einer wütenden Reaktion gerechnet hatte. Und je länger er darüber nachdachte, desto sicherer war er sich an keine Situation erinnern zu können, in der er Averic jemals zornig erlebt hatte - ausgenommen die Versammlung, in der Tyraleen den Mord an ihrem Sohn gestanden hatte. Bei den meisten anderen Fenriswölfen, die Jakash bereits erlebt hatte, traten Gefühle wie Wut und Hass schnell zutage, wie bei Amáya, Urion oder Takashi - oder ihm selbst. Averic war da ganz anders, zumindest nach außen hin. Ob das daran lag, dass Averic der Todessohn war, und nicht irgendein Fenriswolf?
Die Stimme des Schwarzen unterbrach seine Gedankengänge. Jakashs Blick kehrte zu seinen Welpen zurück, während er lauschte, und für einen kurzen Moment verdunkelte sich sein Blick.

"War das verdammte Nichts nicht schon Test genug?",

entgegnete er leise und dachte an Nyota. Das Nichts hatte ihm seine Patentante geraubt, indirekt zumindest, und noch ettliche andere Opfer gefordert.
Dann nickte er leicht.

"Ich hoffe sehr, dass ihm diese Sache nicht so überaus wichtig ist."

Und auch wenn Averics Worte keine Garantie dafür sein konnten, so war ihm doch schon etwas leichter ums Herz. Von etwas entfernt klang die Stimme Isaís an sein Ohr, die freudig nach ihm rief. Jakash fing den Blick seines Sohnes auf und lächelte ihm zu, aber er hatte noch nicht das Gefühl, dass das Gespräch mit Averic schon vorbei war. Die Frage, die ihm der Todessohn anschließend stellte, kam dann überraschend. Jakash zögerte dennoch nicht mit einer Antwort.

"Nein, im Gegenteil. Es ist befreiend, nicht mehr so zerrissen zu sein.Keine Angst mehr davor haben zu müssen, über sich selbst die Kontrolle zu verlieren, auf die eine oder andere Weise. Ich fühle mich jetzt mehr wie ich selbst."

Jakash hielt kurz inne, dann zuckte er mit den Schultern und fuhr fort.

"Aber vielleicht würde ich dasselbe sagen, wenn ich mich aus irgendeinem Grund für Engaya entschieden hätte. Alles was ich weiß, ist, dass ich nicht bereue, jetzt Fenris zu folgen, und auch keinen Grund sehe, das zu ändern."

Seine grünen Augen kehrten zu Averic zurück.


[Waldrand | Averic]

Chilali
19.06.2011, 13:26

Die Welpen waren wirklich etwas ganz besonderes. Zu gerne hätte sie auch mit ihnen gesprochen, entschied sich aber zurück zu bleiben. Teils weil sie die Kleinen nicht bedrängen wollte und andererseits weil sie noch nicht allzu lange im Rudel war und somit den Eltern einfach noch nicht bekannt war...sie wollte niemanden verärgern oder aufregen weil sie zu neugierig war. Was wenn man sie als Bedrohung sähe? Aber süß waren sie, alle Wölfe schienen hin und weg zu sein beim Anblick der Kleinen. Chilali musste unwillkürlich lächeln, an ihre eigene Welpenzeit hatte sie nur verschwommene Erinnerungen, aber es war eine gute Zeit gewesen. Ihre Ohren zuckten als sie die Worte des schwarzen Hünen vernahmen. “ Mein Name lautet Chilali und in der Tat ich bin neu hier. Eigentlich schon seit längerem, aber bei der Anzahl an Wölfen im Rudel ist es nur selbstverständlich, dass es länger dauert jeden im Rudel zumindest vom sehen zu kennen.“ Sie drehte den Kopf zu dem großen Rüden herum und musterte ihn. Groß, Stark, viele Muskeln und stechend blaue Augen. Er wirkte sehr selbstsicher. Im Kampf wollte sie nicht mit ihm aneinander geraten, aber er schien recht friedlich...nun zumindest für den Moment. „ Welcher der Wölfe hier ist denn nicht wegen des Wurfes hier?“ , stellte sie mit einem lächeln in der Stimme die Gegenfrage. Überrascht bemerkte sie die plötzliche Sorge die den Rüden offenbar überkam. Dachte er sie stelle eine Gefahr für die Kleinen dar? Ihre Ohren flappten an den Kopf und sie stellte sich hin um ein paar Schritte Abstand zu nehmen. Fragend sah sie den Rüden dabei an. Wie war nur sein Name? Es war echt ärgerlich, dass sie kaum jemandem im Rudel kannte...Nur was hatte der Schwarze jetzt bloß?

[Rudelplatz l Takashi]

Liel
19.06.2011, 16:21

Als der Welpe vor Begeisterung aufjapste, musste Liel leicht schmunzeln. Ihm schien es wirklich sehr wichtig zu sein, ordentlich und sauber auszusehen. Natürlich wollte sie selbst auch nicht total ungepflegt, zottelig und dreckig durch die Welt laufen, aber vor ein wenig Schneematsch schreckte sie nicht zurück. Das war kein Grund für sie, betrübt zu sein und sich zum Säubern zurück zu ziehen. Aber jedem das seine. Und nur zu gerne wollte sie ihn putzen, wenn er sich so sehr darüber freute. Ja, so sogar noch lieber.
Auf seine Frage reagierte sie gespielt empört. Sie kräuselte ihre Schnauze leicht und blickte ihn ein ganz kleines bisschen herausfordernd an.

„Wie bitte? Ich soll dich nicht sauber machen können? Das werden wir ja gleich sehen“

Damit brach sie in ihr glockenhelles Gelächter aus und stupste ihn zärtlich an, als er sich zeitgleich zu ihrer Antwort an ihren Bauch kuschelte. Das war ein schönes Gefühl.
Ja, später wollte sie auch mal Welpen haben. Eigene Welpen. Doch bis dahin hatte sie noch ein wenig Zeit vor sich. Und einige Hindernisse, wie die Suche nach einem geeigneten Rüden. Und natürlich würde sie ranghöher sein müssen, als sie es jetzt, als Jungtier, war.
Tinca und Taleesha hießen also seine Schwestern. Oder wie er sagte, Geschwestern. Und sein Bruder,verzeih, Gebruder war Isaí. Und Tinca kuschelte nur mit ihrer Schwester und ihrer Mutter gerne. Nun, da war ja nicht unbedingt etwas Schlimmes bei. Auch ihr Bruder ciradán hatte sich am liebsten bei ihr oder aber ihrer Mutter Kaede aufgehalten. Wobei das wohl nicht von ungefähr kam. Schließlich war Krolock schon immer ein wenig, mittlerweile auch sehr viel mehr, autoritärer gewesen. Und Papa Urion. Nun, er war halt ihr Papa. Wurde geliebt, war aber zeitweilig doch sehr einschüchternd. Aber er hatte sie gerettet. Da war es egal, was und wie er sonst gewesen war.
Kurz seufzte sie kaum hörbar auf. Ein wenig wehmütig wurde ihr immer, wenn sie an ihre teils verstorbene, teils verloren gegangene Familie dachte. Wobei verloren gegangen eigentlich nicht ganz passte. Schließlich lebten ihre Brüder im gleichen Rudel wie sie. Nur, sie hatten sich so sehr verändert. Oder sie hatte sich verändert. Oder eben alle drei. Aber irgendwie schienen sie nun nicht mehr richtig zusammen zu gehören.
Schluss damit. Energisch fuhr sie mit ihrer Zunge über das schneenasse Fell des kleinen weißen Welpen. Kraftvoll und dennoch ausgesprochen zärtlich massierte sie ihm so den Dreck aus dem Fell und knabberte hier und da vorsichtig um ihn ein wenig zu verwöhnen.
Gleichzeitig lauschte sie den Worten ihres Freundes und den Antworten des kleinen Malik. Und fast hätte sie sich verschluckt, als sie seine sehr empörten Worte vernahm.
Malik nahm an, dass chanuka seinen Eltern Augen und Fell gestohlen hatte. Woher sollte er auch wissen, dass es eine ganz normale Redewendung war, wenn man sagte, dass man sein Fell von seinem Papa und seine Augen von seiner Mama bekommen hatte.
Sie kicherte leise vor sich hin, lies jedoch nicht davon ab, den Rüden zu reinigen. Sie überließ es chanuka zu antworten. Schließlich war er der Dieb und nicht sie.




[ chanuka & Malik ]

Madoc
19.06.2011, 16:54

Mit erhabener Ruhe, so wie es für den Rüden gewöhnlich war, betrachtete er die graue Fähe, während seine blutroten Seelenspiegel hin und wieder zu den Welpen wanderten, die ihn an jenem Tage besonders tolerant stimmten. Denn während er normalerweise häufig eine abweisende Haltung gegenüber Fremden wahrte, so empfand er die Gesellschaft von Neytíri nun keineswegs als störend, ganz im Gegenteil, er würdigte sie sogar. Es stellte sich auch bereits schnell heraus, dass er eine freundliche Zeitgenossin gefunden hatte, welche so aufrichtig und herzliche ihre Glückwünsche sprach und sogar noch ein Lob mitgehen ließ, welches Madoc beinahe ein wenig verwunderte. Er mochte sehr förmlich sein und eine gehobene Sprache gebrauchen, doch als höflich hatte man ihn nur selten bezeichnet, bediente er sich doch häufig des Sarkastischen, mit einer Einstellung, die für viele Artgenossen unergründlich schien. Und doch, so glaubte der silberweiße Hüne, ließ sich die heutige Freundlichkeit, sofern man sein Verhalten einem solchen Begriff unterordnen konnte, auf das bevorstehende Ereignis zurückführen, das ihn auf seltsamer Weise beflügelte, wenngleich er es nur sehr geringfügig zeigte.

"Ich danke dir, Neytíri, ich hoffe ebenfalls dem zugeteilten Welpen ein guter Pate zu sein."

Sprach er mit einem kurzen Nicken und betrachtete die junge Gesprächspartnerin, die offensichtlich ebenfalls eine Verbundenheit zu den Jungtieren verspürte. Kurz dachte Madoc zurück an jene Tage, an denen er ein unwissender Jüngling gewesen war, der selbstsicher und übermütig den schwachen Bruder an seiner Seite durch das Leben geleitete. Das Erbarmungslose Leben hatte ihn geprägt, vielleicht war es sein Schicksal so lieblos und skeptisch durch die Welt zu wandeln, vielleicht war es nur Zufall. An Engaya und Fenris glaubte der Hüne nicht, denn für ihn gab es keine höheren Wesen, die in der Lage waren, sein Leben zu bestimmen. Er war der einzige Herr über seine Existenz und mochten noch so viele Indizien daraufhin deuten, dass höhere Mächte am Zuge waren, so waren sie doch auch gleichsam mit anderen Mitteln zu erklären, welche sich dem bloßen Zufall unterwarfen.

Madocs Stimmung verfinsterte sich, als Neytíri sich, wenn auch indirekt, nach seiner Beziehung zu Atalya erkundigte. Dennoch wahrte er die neutrale Mimik, die seit jeher sein Antlitz säumte und betrachtete die graue Fähe aus ruhigen, rubinroten Seelenspiegeln, die sie eindringlich und intensiv musterten. Bevor er jedoch etwas erwidern konnte, hatte sie sich bereits in Bewegung gesetzt, scheinbar fest davon überzeugt, dass es sein Wunsch war, zu Atalya zu gehen. Doch sie täuschte sich, denn der Hüne war eitel und wäre das Verlangen so enorm gewesen, so hätte er sich von ihr nicht aufhalten lassen. Nur ungern gab es nämlich den Eindruck, dass er für jemand anderen etwas tat, wenngleich die Anwesenheit der Grauen tatsächlich einer der Gründe gewesen war, weshalb er verblieben war.

"Halt, Neytíri, es besteht kein Grund dorthin zu gehen. Du hast Recht, ich kenne sie und sorge mich, doch ist sie stark genug und wird unseren Beistand nicht brauchen. Außerdem ist sie in guter Gesellschaft."

Erhob Madoc seine Tenorstimme und sein Tonfall klang bestimmt, beinahe etwas herrisch. Er hatte nicht die Absicht, sich der grauen Fähe zu widersetzten, doch hatte er nun seine Entscheidung getroffen, er würde nicht gehen. Unbeweglich blickte er Neytíri an und wenngleich er sich bereits vornahm, zu einem späteren Zeitpunkt nach seiner jungen Freundin zu sehen, so blieb er jetzt standhaft. Seine Züge wirkten so ruhig und entspannt, als wäre Atalyas Schmerz ihm gleichgültig. Tief im inneren sorgte er sich jedoch und ein langer Blick in ihre Richtung ließ diese Fürsorge geringfügig durchschimmern. Dann wandte er sich abermals an Neytíri und erwartete, dass sie stehen blieb und ihren Vormarsch beendete.


[Rudelplatz | Neytíri]

Taleesha
20.06.2011, 19:33

Völlig beeindruckt von der großen neuen Welt und den vielen Artgenossen, die sich in ihrer Nähe befanden, saß sie einfach nur da, blinzelte verwundert vor sich hin und ignorierte, dass ihr kleiner Körper ab und zu von einem heftigen Hicksen durchgeschüttelt wurde. Es sah aus, als würde Taleesha vor jemandem erschrecken, den keiner außer ihr sehen konnte. Da sie dabei jedoch seltsame, quietschende Laute von sich gab und hauptsächlich die deutlich sichtbare und definitiv für alle existierende Leitwölfin anstarrte, merkte man wohl schnell, was mit Taleesha los war, wenn man sie beobachtete. Der Schluckauf wollte einfach nicht vergehen und das Bild der weiten Welt vor ihren Augen bebte regelmäßig.
Hilflos und zugleich unendlich neugierig sah die kleine Welpin weiterhin zu der schönen weißen Fähe neben ihr auf und strahlte übers ganze Gesicht, als jene zu ihr sprach. Taleesha hätte jedem Vorschlag sofort erfreut zugestimmt.
Und dass sie auch nur Taleesha gefragt hatte, mitzukommen und nicht ihre Brüder oder ihre Schwester! Stolz erhob sich die schwarze Welpin und blickte Tyraleen voller Übereifer an.

"Au ja! … ngkh … ich komme gerne … ngkh … mit zu deiner … ngkh … Tochter. Wo ist sie denn? … ngkh … Das ist doch wie … ngkh … ich zu meiner Mama bin, also … ngkh … tochterlich. Oder?

Sie signalisierte sofortige Startbereitschaft, indem sie mit aufmerksam aufgestellten Ohren, unruhig zappelnden Pfoten und einer schnell hin und her schwingenden Rute vor Tyraleen stand. Sie war sehr gespannt, wer die Tochter von Tyraleen sein würde. Irgendwie hatte Taleesha so etwas Eigenartiges gespürt, als die Leitwölfin ihre Tochter erwähnt hatte. War sie ein bisschen traurig? Und wenn ja, warum?

"Was ist denn mit deiner … ngkh … Tochter?"

, fragte Taleesha naiv und unwissend. Sie wunderte sich selber ein bisschen darüber, warum sie das fragte. Hoffentlich wurde Tyraleen nicht böse, weil sie so viel wissen wollte. Aber was auch immer mit ihrer Tochter war, bestimmt war sie genauso schön wie ihre Mutter. Dann wäre sie ja ganz leicht zu finden! Taleesha ließ ihren Blick nochmal schnell über einige Fähen wandern, war aber nicht konzentriert genug, um zu einem Ergebnis zu kommen. Es gab wirklich viele schöne Fähen … mhm … aber nicht so viele, die ein so schön weißes Fell wie die Leitwölfin hatten. Aber war Tyraleens Tochter überhaupt weiß? Wie auch immer, sie würde es sicher bald wissen. Hoffentlich gingen sie schnell los!


[bei Tyraleen]

Chanuka
21.06.2011, 00:17

Chanuka beobachtete Malik, wie er sich an Liel kuschelte und sah zu, wie sie ihn säuberte. Es stand ihr gut. Er konnte sich gut vorstellen, dass sie irgendwann selbst Welpen haben würde. So ein kleines, weißes Fellknäuel passte zu ihr. Oder ein graues, oder schwarzes.

„Kuscheln? Klar mag ich das. Ich glaub das mag fast jeder.“

Noch während er dies sagte und den Beiden zusah, zog Malik seine Aufmerksamkeit wieder auf sich. Chanukas Augen weiteten sich, während er dem Kleinen zuhörte. Es erschreckte ihn wirklich, was der Welpe ihn da fragte und wie sehr er ihn missverstanden hatte und es dauerte eine Weile, bis er sich wieder gefasst hatte. Er lächelte, etwas schüchtern.

„Man sagt das so, weißt du? Eigentlich bedeutet ‚die Augen der Mama haben’ das man Augen hat, die denen der Mama ähneln. Weil Welpen meistens Ähnlichkeit mit ihren Eltern haben. So ist das auch mit dem Fell. Oft bekommt man das Fell der Mama, oder das des Papas. Manchmal auch eine Mischung. Oder man bekommt das Fell von Omas und Opas. Man bekommt es aber nicht geschenkt, oder nimmt es weg, sondern man bekommt es vererbt. Vererben heißt, etwas weiter zu geben, ohne wirklich Einfluss darauf zu haben. Die Mamas und Papas können sich nicht aussuchen, wie ihre Nachkommen aussehen. Das macht die Natur.“

Unsicher drehte er die Ohren so dass er die umstehenden oder sitzenden Wölfe hören konnte, ehe sie sich wieder auf Malik richteten. Er versuchte, alles so gut er konnte zu erklären und hoffte, er würde nicht wieder missverstanden werden.


[Rudelplatz | Malik und Liel, in der Nähe der Höhle]

Lyerra
21.06.2011, 16:55

Gedanken rasten durch ihren Kopf. Gedanken so vielfältig und seltsam. Es war egal. Der Schnee unter ihr war kalt, aber deutlich weniger als einige Zeit zuvor. Immer und immer wieder blieben ihre Gedanken an ihrem Freund hängen, immer und immer wieder dachte sie anschließend an etwas anderes. Verrückt.
Sie hörte Schritte im Schnee, sah auf. Im ersten Augenblick sah sie nur den Umriss eines großen, stehenden Wolfes, da die Sonne sie blendete. Wolken zogen über den Himmel, verdunkelten die Sonne ab und an für einige Augenblicke.
Einige Sekunden noch starrte Lyerra gegen die Sonne, kniff die Augen leicht zusammen. Ihre Ohren waren aufmerksam nach vorne gerichtet, der Kopf erhoben und nicht mehr liegend. Erst als der Rüde sprach erkannte sie ihn.

„Aszrem..“

Ihre Stimme klang erfreut, freundlich. Sie richtete sich auf, schüttelte sich kurz, dann blickte sie dem Rüden ins Gesicht, bemerkte seinen Blick. Auf seine zuvor gesprochenen Worte erwiderte sie nichts, vielleicht weil ihr nichts einfiel, vielleicht weil der Blick des Rüden sie mehr verunsicherte als dass die Worte sie interessierten.

„Entschuldige die überflüssige Frage, aber stimmt irgendetwas nicht?“

Fragend sah sie ihn an, ein sanftes Strahlen in den Augen. Es war schön den Rüden zu sehen, auch wenn Lyerra großen Respekt vor ihm hatte mochte sie ihn. Nicht dass sie bis jetzt viel Zeit mit ihm verbracht hatte, doch einige Male waren sie sich dennoch begegnet. Er schien ständig ernst zu sein, ernst und manchmal griesgrämig, dennoch war er gerecht, wie sie fand. Ihr Blick wanderte über die Landschaft, dann wieder zurück zu dem schwarzen Rüden.
Es fühlte sich komisch an mit ihm alleine hier zu stehen. Irgendwie.. war es noch nie so gewesen. Das letzte Mal als sie ihn gesehen hatte war er gekommen um das Problem mit den Vargs zu beseitigen. Nie, nie war sie mit ihm allein gewesen. Oder doch? Nein, bestimmt nicht.
Es verunsicherte sie ein wenig, er war doch viel größer und älter und außerdem viel respekteinflößender. Sie sah ihm in die Augen, wartete auf eine Antwort. Gab es einen Grund für ihn, sie so zu mustern?



[Lyerra und Aszrem (später Volk) l weg von der Rudelhöhle]

Chardim
21.06.2011, 17:10

Chardím beobachtete lächelnd, wie sich die Kleine weiter und weiter näherte. Irgend etwas sagte ihm, dass es etwas Besonderes war, dass diese kleine Welpin ohne Scheu auf ihn zukam. Er hätte nicht sagen können was, schließlich war Chardím aus seiner eigenen Welpenzeit ganz anderes gewohnt. Ein ängstlicher, zurückhaltender Turién? Oder Atalya? Nerúi! Hah, bei der Vorstellung hätte der Schwarzweiße fast gelacht. Obwohl, halt. Chanuka war nie so lebhaft gewesen, wie die anderen Raufbolde. Und er meinte sich zu erinnern, dass Cirádan auch eher zu den Schüchternen gehört hatte. Tat er vielleicht heute noch, allerdings interessierte sich Chardím recht wenig für diesen fast fremden Jungwolf, der sich selbst keinen Gefallen damit tat seinem furchtbaren Bruder wohl immer irgendetwas beweisen zu wollen. Wie auch immer, die gehörten nicht zur Familie und Chanuka war zwar immer noch nicht lebhaft, aber auch nicht ängstlich.
Chardím spitzte die Ohren und neigte sie ganz weit nach vorne, als die kleine Welpin anfing zu sprechen. Dies war nötig, denn anstatt von Gestotter musste er nun den Inhalt aus ganz schnell und halb verschluckten Wörtern herausfiltern. Was die Kleine ihm verriet, war nicht nur ihr eigener Name, sondern auch gleich die ihrer Geschwister. Auch wenn sich der schwarzweiße Jungwolf in dem Moment nicht sicher war, ob er sie so richtig aussprechen konnte. Aber Tinca – der Name war klar gewesen.

Tinca! Der Name passt zu dir.“,

antwortete Chardím amüsiert. Der Name hatte einen Klang, der ihn irgendwie an etwas Schnelles und Holpriges erinnerte.

Und wie gefällt es dir jetzt hier draußen?“



[ Nahe Wurfhöhle | direkt Tinca ]

Tyraleen
22.06.2011, 12:16

Tyraleen war froh, als sich sowohl Malik als auch Isaí widerstandlos auf ihren Vorschlag einließen und selbstbewusst auf die anderen Wölfe zustapften. Der kleine Weiße hatte sich Chanuka und Liel ausgesucht und die Leitwölfin freute es, dass ihr Sohn so eine neue, sicher spannende Bekanntschaft knüpfen konnte. Isaí war zu Kisha gehoppelt und hatte sich somit gleich seine zukünftige Patin ausgesucht, was zwar keiner von beiden wusste, Tyraleen aber freute. So würde für den kleinen Roten kein gänzlich unbekannter Wolf "sein Eigen" werden. Taleesha schließlich starrte sie noch immer aus großen Welpenaugen an, bekam ihren Schluckauf nicht los und schien doch ganz und gar begeistert von dem Vorschlag der Weißen zu sein. Hoffentlich würde sie beide nichts Schlimmes bei Atalya erwarten, auch wenn das jämmerliche Jaulen und der nach wie vor sehr schwache, aber dennoch erschnupperbare Blutgeruch eher anderes erahnen ließ. Dennoch wollte die Weiße ihre kleine Patenwelpin mitnehmen, vielleicht würde sie so schon an ihrem ersten Tag außerhalb der Höhle etwas lernen.

“Meine Tochter ist ganz in unserer Nähe. Wir können sie nur nicht sehen, weil andere Wölfe die Sicht auf sie versperren. Und ja, so wie du die Tochter von Sheena bist, ist Atalya meine Tochter.“

Wieder hatte sie das Gefühl, keine sonderlich ausführliche oder aufschlussreiche Antwort gegeben zu haben, aber sie wollte – genauso wie Taleesha – nun zu Atalya. Immerhin waren sie sich einig. So begann Tyraleen langsam Pfote vor Pfote zu setzen, bedacht darauf, Taleesha nicht hinter sich zu lassen. Für einen schluckaufgeplagten Welpen, der das erste Mal die Höhle verlassen hatte und sich im Schnee zu Recht finden musste, war Taleesha schon sehr gut zu Pfote. Auf dem Weg zu Atalya widmete sich die Weiße dann der zweiten Frage ihrer Patenwelpin und lächelte dabei hilflos.

“Das weiß ich leider auch nicht, aber ich glaube, sie hat irgendein Problem. Deshalb gehen wir nun zu ihr, um ihr zu helfen. So wie deine Mama dir immer helfen wird.“

Sachte schob sie sich an einigen Wolfskörpern vorbei und entdeckte dann nur wenige Schritte entfernt Atalya und Turién. Ihre Tochter lag winselnd in blutverschmiertem Schnee, die linke Gesichtshälfte darin vergraben. Turién stand daneben, Blut an seinem Fang und doch offensichtlich heillos überfordert. In diesem Moment fuhr die Graue auf, schnappte nach dem Ohr ihres Bruders und offenbarte damit ihr eigenes – zerfetzt und voller Blut. Nur kurz hielt sie diese Stellung, dann ließ sie sich zurück in den Schnee fallen. Die Situation war leicht zu erfassen, offensichtlich hatte Turién seiner Schwester das Ohr aufgerissen. Warum war nicht klar, doch dass es nicht aus bösem Willen geschehen war, schien offensichtlich. Langsam senkte Tyraleen ihren Kopf zu Taleesha und deutete auf ihre eigenen beiden Welpen.

“Das sind Atalya und Turién, meine Tochter und mein Sohn. Ich glaube, Turién hat Atalya aus Versehen weh getan. Wir müssen sie nun trösten und vielleicht können wir sie von ihren Schmerzen ablenken.“

Damit steuerte sie auf die beiden Wölfe zu, ein wenig schneller, als zuvor und dennoch bemüht darauf zu achten, dass Taleesha ihr folgen konnte. Sie erreichte Atalya, berührte sie zunächst kurz an der Nase und wusch ihr dann mit einer kurzen, fast ein wenig zögerlichen Bewegung das Blut von der Schnauze.

“Wenn du mich zu deinem Ohr lässt, kann ich dir vielleicht ein wenig Schmerz nehmen.“

Ihr Blick wanderte zu Turién, kein Vorwurf lag in ihm und doch die Bitte, die Situation aufzuklären. Sie ließ es sich nicht anmerken, doch ein wenig überforderte sie diese Situation. Ausgerechnet Turién hatte – sicherlich unabsichtlich – seiner Schwester das Ohr aufgerissen und sie als Mutter musste nun irgendwelche Konsequenzen daraus ziehen, die sie nicht kannte. Neben sich noch immer ihre kleine Patenwelpin, die nun zum ersten Mal Blut sah und sich sicher vor Sinneseindrücken nicht retten konnte. Sie hätte sie wohl lieber doch bei Sheena lassen sollen.


[ Rudelplatz | Atalya, Turién und Taleesha ]

Sheena
22.06.2011, 21:47

Lange hatte sie nicht mehr warten müssen. Tinca hatte sich glücklicherweise und sehr zu ihrer Freude doch alleine aus der Höhle getraut und war, Sheena konnte ihren Augen kaum trauen. hinüber zu chardím getapst. Nicht, dass es sie großartig störte, vielleicht nur ein winziges kleines bisschen, oder auch ein bisschen mehr, aber vor allem verwunderte ihre Tochter sie. Die sonst so scheue und ängstliche Tinca ging auf einen ihr völlig unbekannten Wolf zu. Nach dem kleinen Stich der Eifersucht, dass sie anstatt zu ihr, zu einem anderen Wolf gegangen war, kam der unglaubliche Stolz. Ihre Augen schimmerten und gebannt beobachtete sie das Bild, was sich ihr bot. chardím reagierte gut, er war vorsichtig, bemüht die kleine Fähe nicht zu erschrecken und auch wenn sie ihre Tochter nicht verstehen konnte, war sie sich sicher, dass sich ihr zartes Stimmchen vor Aufregung überschlagen musste.
Kurze Zeit beobachtete sie die beiden noch und war letztendlich davon überzeugt, dass Tinca nichts geschehen würde.
Also glitt ihr Blick weiter über die anwesenden Wölfe, suchend irrte er kurz umher, in der Hoffnung Jakash zu erblicken, gleichzeitig auf dem Weg zu ihren anderen wundervollen Welpen. Dort war Isaí, er war zu Kisha gegangen. Obwohl Kisha sich von ihrem früheren Gemütszustand gelöst hatte und sich charakterlich sehr verändert hatte, machte sie sich keine Sorgen, dass sie nicht gut mit ihrem Kleinen umgehen würde. Schließlich hatten sie sie nicht umsonst als Paten für ihn ausgesucht. Allerdings wussten beide noch nichts von ihrem Glück. Aber dann war es ja nur noch besser, dass die beiden sich schon gefunden hatten.
Weiter ging ihr Blick, hinüber zu Malik, der sich kaum von ihr entfernt hatte, da er zu chanuka und Liel gegangen war. Anscheinend hatte er sich bei den beiden über sein beschmutztes Fell beschwert. Zumindest sah es danach aus und das konnte sie sich gut vorstellen. Er achtete stets auf sein äußeres Erscheinungsbild und schmunzelnd beobachtete sie, wie Liel ihn liebevoll säuberte. chanuka guckte auf seine Worte zwar ein wenig verschreckt, aber es würde wohl nichts ernsthaft Schlimmes sein, denn kurz darauf lächelte der Rüde wieder, wenn auch ein wenig verunsichert.
Also war auch ihr zweiter Sohn in Sicherheit.
Und Taleesha war bei Tyraleen sowieso gut aufgehoben. Oder?
Sie beobachtete ihre Freundin, wie sie aufstand und ihre kleine Patenfähe einlud, mit ihr zu gehen. Kurz überlegte sie, was das Ziel der Alpha sein könnte, als ihr der schmerzerfüllte Laut Atalyas in den Sinn kam. Wollte Tyraleen etwa zu ihr? Nach der Richtung die sie einschlug, schien es ganz so zu sein. Und die hicksende Taleesha folgte ihr brav und sehr fröhlich.
Sheena witterte, sie konnte einen leichten Duft von Blut wahrnehmen. Und der kam aus der Richtung in der sie Atalya vermutete. Aus der Richtung in die Tyraleen mit Taleesha lief. Ob das der richtige Weg war? Natürlich vertraute Sheena ihrer besten Freundin. Taleesha würde keine Gefahr drohen, ihr würde nichts passieren. Aber trotzdem sträubte sich ihr Inneres dagegen, was Taleesha gleich sehen wurde. Hoffentlich war es nur eine kleine Wunde, die nur ein wenig mehr blutete. Sie wollte nicht, dass Taleesha gleich auf ihrem ersten Ausflug erschreckt wurde.
Ein wenig unsicher, verloren und hilflos blieb Sheena sitzen. All ihre Welpen waren gut aufgehoben, aber nach der langen Zeit mit ihnen alleine in der Höhle, erschien es ihr plötzlich als so fremd, nicht mehr von ihnen umgeben zu sein, dass sie schier verrückt wurde bei dem Gedanken, dass die kleinen Wollknäule nun den ersten Schritt in Richtung Eigenständigkeit getan hatten. Natürlich waren sie noch klein und würden immer wieder zu ihr zurückkehren und wenn nichts Schlimmes vorfallen würde, würden sie wohl auch immer wieder zu ihr zurückkehren und doch stach der Gedanke in ihr liebendes Mutterherz. Ihre Kehle schnürte sich zu, sie schluckte zweimal kräftig und doch wurde ihr nicht wohler. Wo blieb Jakash?
Wo waren denn plötzlich alle hin?
Sie verstand die Welt nicht mehr, war sie doch eben noch so glücklich gewesen, so fühlte sie sich nun umso niedergeschlagener und obwohl ihr Blick zwischen ihren vier kostbaren Schätzen hin und her wanderte, wollte sie einfach nicht glücklicher werden.



[ Rudelplatz ]

(postpartale Depression... (;)

Kisha
23.06.2011, 10:37

Belustigt beobachtete Kisha, wie der junge Wolf den Schnee hin und herschob, und anscheinend verdutzt war, dass nichts geschah. Und ihr kurzes an seinem Ohr ziehen blieb auch nicht unbestraft. Er sprang auf, zog ihr an der Lefze. Zuerst war sie einen Moment überrumpelt, hielt dann dennoch still. Als er nach seinem Vater rief, richtete sie den Blick leicht ab, blickte zu den zwei schwarzen Wölfen, die langsam näher kamen. Der eine war Averic, der andere Jakash. Aber Isaí schien nun gemerkt zu haben, dass er sie ja noch immer an der Lefze festhielt, und erst einige Momente später entschied, dass es eigentlich viel zu anstrengend war, sie die ganze Zeit festzuhalten. Aber noch immer schien sein kleiner Kopf zu arbeiten, nach einer Möglichkeit zu suchen, wie er in die Familie aufgenommen werden konnte. Ohne zu wissen, dass er längst Teil von ihnen war. Still beobachtete die Schwarze, wie er sich umsah, fieberhaft nach etwas suchte und schließlich mit dem Blick zum Himmel verharrte. Sie blinzelte, als er schließlich antwortete und verkündete, dass er ihr ein Stück Wolke schenken würde. Sie lächelte, senkte den Kopf dann leicht zu dem Welpen.

Wenn du mir wirklich ein Stück von einer Wolke holst, nehmen wir dich ganz sicher in die Familie auf! Das ist eine tolle Idee. Weißt du schon, wie du das anstellen willst, wie du zum Himmel kommen willst?“

Fragend blickte die dem Roten in die Augen, wohl wissend, dass dieses Vorhaben unmöglich war. Das Strahlen des jungen Wolfes steckte sie förmlich an, ließ sie fast genauso breit lächeln, wie Isaí selbst. Kurz folgte sie seinem Blick zu seinem Vater und ihrem Bruder, ehe sie von einem leichten Druck an ihrem Vorderlauf abgelenkt wurde. Blinzelnd richtete sie den Blick wieder auf den Welpen, spürte einen warmen Schauer, der durch ihren Körper zog, als sie seine Worte vernahm. Nun neigte sie den Kopf zu ihm, lehnte ihn leicht gegen den kleinen Körper, schleckte ihm dann sachte über die Schnauze.

Was meinst du? Willst du jetzt deine Familie kennen lernen?“


[Rudelplatz – Isaí]

Nihilus
23.06.2011, 16:54

Nickend bestätigte der Helle Cirádans letzten Satz. Irgendwann, das war so undefiniert, aber passend. Schließlich musste jeder Wolf ein Mal jagen können, falls er auf sich allein gestellt war. Da reichten solche kleinen Tierchen wie die Waldmäuse kaum aus um sich satt zu halten. Satt und fitt – das musste er schließlich sein um stark zu werden. Da schien es doch passend, dass die beiden gleich mal anfingen ihr Geschick aufzubessern.

„Natürlich werden wir das. Dafür sind wir schließlich geboren.“

Voller Zuversicht hob er den Kopf an und ließ die Rute pendeln – Jagen war eine Selbstverständlichkeit für alle großen Wölfe, also auch für sie. Jetzt wo die Welpen das Licht erblickten waren sie schließlich nicht mehr die Jüngsten! Grade wollte er den Vorschlag äußern einfach mal ruhig stehen zu bleiben um sich auf potentielle Beutegerüche zu konzentrieren, als Krolocks Stimme auftauchte. Beinahe erschrocken fuhr Nihilus zurück – so viel zu ihrem Können. Noch nicht ein Mal das bekannte Gesicht hatten sie in nächster Nähe erkannt! Na, das konnte ja etwas werden. Beinahe beschämt über die Worte des Schwarzen zog er die Rute an, als Cirádan auch schon näher trat. Was für ein Bild sie abgeben mussten! Zwei Rüden die weder wussten wie sie es anstellen sollten Beute ausfindig zu machen und zugleich von einem Gleichaltrigen überrascht wurden, wahnsinnig aufmunternd.

„Dich Fangen?“

Unsicher rümpfte der Helle die Schnauze. Seit wann war der Bruder denn so zuvorkommend? Grade eben hatte er doch noch den größten Spott über den Grauen abgelassen – so schnell konnte wirklich nur er das Gemüt schwanken lassen! Dennoch gefiel Nihilus die Idee, es wäre ne super Übung, wenn es wirklich zu einem solchen Spiel kommen sollte – ganz zuversichtlich war er nämlich immer noch nicht – und sie es vielleicht sogar schafften den Schwarzen niederzureißen, wie er es bezeichnete. Ein leises Brummen verließ die Kehle des Nichtswolfs: Letzteres gefiel ihm nicht sonderlich gut, aber dafür sollte sich hoffentlich noch eine andere Lösung finden lassen. Fragend sah er Ciradán an, die Ohren auffordernd gespitzt, welcher anscheinend genau so überrascht von der Idee war wie er selbst. Na, für seinen Blick schien der Graue allerdings in ziemlich großer Aufbruchsstimmung zu stecken.

„Möchtest du nicht schon Mal vorlaufen? So langsam sind wir nun auch nicht!“

Wandte er sich wieder an Krolock, der noch auf sie wartete. Zwei gegen Einen, ein wenig unfaire war das ja schon, da wollte er zumindest etwas entgegen kommend sein, bevor er innerlich anfing zu zählen – so war das bei einem normalen Spiel schließlich auch! – und dann, mit einem weiteren absichernden Blick auf den grauen Freund neben sich, mit einem Sprung dem Dunklen nachsetzte.

„Wenn wir zusammen arbeiten, schaffen wir das doch locker!“

Rief er seinem Mitjäger zu, als müsse er sich selbst davon überzeugen.


(Cirádan und Krolock, im Wald)

Krolock
23.06.2011, 17:24

Krolock betrachtete die beiden und verfolgte deren Mimik. Sie sahen sich zwar nicht ähnlich, aber das Verhalten war schon zum totlachen bescheuert. Wie sie da standen, Blicke austauschten und ungläubig schauten. Er beobachtete sie nüchtern. Sollten sie sich doch einbilden, was sie wollen, ihm war das einerlei.
Nihils Aufforderung nahm er beim Wort und rannte los, als wäre der Teufel persönlich hinter ihm her. Er spürte, wie seine Knochen aneinander rieben, als er zu weiten Sprüngen ausholte. Die Tage, die er neben der nervigen Klette herumgelegen war, hatten ihn einrosten lassen und er rannte, als könnte allein die Schnelligkeit ihn wieder vom Rost befreien. Ein Stück rannte er wie ein Besessener, ehe er versuchte, das Tempo auf normale Schnelle herunterzuschrauben. Sonst war das Spiel schnell vorbei. Die beiden würden sicher nicht so schnell rennen, bis sie der Schmerz in allen Sehnen und Muskeln von jeglichem Gedanken und sonstigen Gefühlen befreite. Nur ein Verrückter rannte in einem Tempo, dass den eigenen Körper zerstörte. Aber diese ewigen Wettrennen gegen sein eigenes Ich, dieses davonlaufen, hatte Krolock schnell, ausdauernd und rücksichtslos gemacht. Er hatte seine Grenzen manches Mal gefunden, aber nun suchte er nicht danach. Sie sollten ihn jagen, ihn fangen, ihn erlegen.
Warum er die beiden in sein ewiges Wettrennen gegen sich einbezog, wusste er selbst nicht. Vielleicht konnte er ihre Jämmerlichkeit nicht länger ertragen. Er fühlte sich weder dafür verantwortlich, ihnen etwas beizubringen, noch hatte er Mitleid mit ihnen, auf Grund ihrer Unfähigkeit. Womöglich wollte er einfach eine Herausforderung aus ihnen machen.


[Im Wald, im wilden Galopp | Nihil und Cirádan hinter sich]

Malik Hikaji
24.06.2011, 17:39

War dieser Augen- und Felldiebstahl auch noch so erschreckend und unverständlich für ihn, so musste Malik durch vor Freude quietschen, als Liel ihm versprach, dass sie ihn sauber machen würde. Insgeheim glaubte er zwar nicht, dass sie das so gut hinbekam wie seine Mama, aber alles war besser als so schmutzig zu sein. Er schielte gespannt von unten zu ihr hoch und ließ sich dabei von ihrer Augenfarbe faszinieren. Ob sie sie auch gestohlen hatte? Nein, ganz bestimmt nicht. Wobei er sich nicht sicher war, ob er so tolle Augen nicht vielleicht auch stehlen würde, wenn er konnte. Aber weder seine Mama noch sein Papa hatten Augen, die aussahen wie die Höhlendecke namens Himmel.

Malik quietschte erneut beglückt auf, als Liel ihr Versprechen wahr machte. Er wand sich ein bisschen und zappelte als hielte man ihn fest, dann japste er hervor:

„Du kannst das wirklich so toll wie meine Mama und ich werde ganz sauber.“

Er hätte ihr gern noch vorgeschwärmt, wie toll sie das machte, wie toll seine Mama das machte und wie Isaí das alles immer wieder zu Nichte machte, der Trottel. Aber Chanukas Antwort riss ihn aus dem Redefluss und leicht abgelenkt hörte er zu. Liel putze ihn weiter, was nicht unbedingt zu seinem Verständnis von Chanukas Worten beitrug, die ohnehin schwer zu verstehen waren für einen Welpen. Aber das mit der Mischung hatte er schon mal gehört.

„Das ist sehr komisch. Aber ich weiß schon, dass ich eine Mischung bin, eine Mischung aus Mama und Papa. Und ich kann also sagen, dass ich das Fell von meiner Mama habe, ohne es zu haben … das ist wirklich sehr komisch. Aber du hast ein ganz hübsches Fell. Viel viel hübscher als das von Isaí.“, erklärte er bestimmt.

Natürlich war alles hübscher als Isaí, nur er selbst konnte hübscher sein als alle anderen. Malik strahlte jetzt Chanuka an, dann zu Liel hoch, die ihn noch immer vom Schmutz befreite. Als sie ihn vorsichtig anknabberte, knurrte er spielerisch und pfotete ihr auf die Nase, die ständig in seinem Sichtfeld herumhuschte und zuckte. Dann wand er sich zwei Welpenschritte von ihr fort und strahlte sie mit leuchtenden Augen an.

„Du bist eine ganz tolle Saubermachmama! Guck mal Chanukaaaa, ich bin ganz hübsch und sauber! Und jetzt kann ich auch meinen eigenen Wolf bekommen. Darf ich euch beide haben?“

Treuherzig blickte er beide mit großen Augen an. Er wusste nicht, wie die Zeremonie ablaufen würde und dass nicht er zu entscheiden hatte, wer sein Pate wurde, ganz abgesehen davon, dass es auch die beiden nicht durften. Doch Malik hoffte einfach nur, dass er vielleicht auch zwei Wölfe bekommen durfte statt einem einzigen.


{ Chanuka und Liel :: Rudelplatz nähe Höhle }

Jumaana
25.06.2011, 10:43

Früher war alles besser, hatte die Wölfin einmal jemanden sagen gehört. Früher war alles besser. Doch so sehr sie auch versuchte, diese Worte zu begreifen, blieb sie stets davon überzeugt, dass das die pessimistischste Denkweise war, die man überhaupt haben konnte. Zuerst musste man natürlich klarstellen, welches Früher gemeint war. Aber egal, ob damit die Geburt oder der Weggang Jumaanas gemeint war – oder auch, ob es die Zeit sein könnte, in der es Aarinath noch gab -, es änderte nichts. Denn für sie war das Früher nichts als ein Meer von Erinnerungen, in denen sie manchmal ertrank, das sie aber die meiste Zeit sanft über die Oberfläche gleiten ließ. Sie lebte im Hier und Jetzt, sie genoss jede Sekunde, egal, wie schmerzhaft oder grauenvoll sie war.
In Gedanken war Jumaana bei Cirádan, als sie die munteren Welpen Sheenas und Jakashs beobachtete und diese Erinnerungen rissen Löcher in ihr Herz. Traurig wandte sie sich ab, unfähig, einen klaren, optimistischen Gedanken fassen zu können. Sie fühlte sich, als wäre sie die glückloseste Wölfin auf der ganzen Welt, von der sie nicht einmal wusste, wie groß sie war. Sie kannte nur ihren Heimatplatz hoch im Norden, in der Kälte und den langen Weg hinab zum Tal der Sternenwinde. Sie hatte sich führen lassen, von ihren Pfoten und ihren Instinkten, denn eigentlich hatte sie kein Ziel gehabt. Und dennoch war sie angekommen – an einem Ort, den sie nie wieder verlassen wollte, egal, was noch geschehen würde. Und auch, wenn das Tal ihr Kraft spendete, fühlte sie sich leer. Sie wollte Aufklärung, sie wollte wissen, warum sie allein war – dann würde sich vielleicht etwas in ihrem Kopf ändern. Vielleicht würde ein Schalter umgelegt werden, der sie glücklich sein ließ oder vielleicht würde sie schlichtweg begreifen, warum alles so war, wie es nun war. Denn sie wollte nicht länger traurig sein, sie wollte strahlen, sie wollte die kleinen Neuankömmlinge begrüßen, ihren Weg auf dem Pfad des Lebens beobachten. Doch ihr Wille schien nicht stark genug, um gegen die Trauer ankämpfen zu können. Ihr Wille war immer schwach gewesen, auch wenn sie sich das niemals eingestanden hätte.

Vorsichtigen Schrittes wandte sie sich vom Rudelplatz und der Höhle ab, vollkommen in ihren trauernden Gedanken versunken. Der See lag friedlich da, schimmerte im diffusen Sonnenlicht, das durch die dicke Wolkendecke hindurchdrang. Mit wortlosem Staunen trat die Wölfin ans Wasser heran, überwand den nahtlosen Übergang vom hellen Schnee zum dunklen, geheimnisvollen Wasser und blickte hinab ins Ungewisse. Ihr Spiegelbild war nur verschwommen und undeutlich, doch nach mehrmaligem Hinsehen begriff Jumaana, dass es nicht ihr Abbild im Wasser war. Diese hellvioletten Augen, funkelnd und glitzernd, waren nicht ihre, die nun aussahen wie ein verschlickter, unergründlicher See. Doch der weiße Wolf, den sie vor Augen hatte, war ihr nicht fremd – es war das Feenkind. Die vermeintlich ge- und entstorbene Fähe, deren zartes Gesicht ihr nun entgegenblickte, war regungslos und wirkte müde – doch es war definitiv Aarinath, da war sich Jumaana vollkommen sicher. Diese hellen, fast unwirklichen Seelenspiegel würde sie nie wieder vergessen und als sie auf die glatte Wasseroberfläche sah, überschwappte sie eine Welle der Erinnerungen. Aarinath war immer da gewesen und das nicht nur, weil sie nicht die Möglichkeit gehabt hatte, aus der Seele, die ihr Zuhause wurde, zu entkommen. Sie hatte die Polarwölfin mit allen Kräften unterstützt – psychisch und physisch, und diese hatte keine Ahnung, wie sie ihr jemals dafür danken wollte. Noch immer sprachlos starrte sie das Wesen auf der Wasseroberfläche an, aus ihrem Gesicht sprach – anders als aus ihren Gedanken – ein Ausdruck tiefer Aufgeklärtheit. Sie war unsicher, was sie nun sagen sollte und unsicher, wie es nun weitergehen würde. In ihrer Verzweiflung hatte sie gerade erst mit dem Kapital Aarinath und die damit verbundene, dauerhafte Zweisamkeit abgeschlossen, doch irgendwer wollte ihr eins auswischen, indem er die Seiten erneut aufschlug. Traurig und fassungslos blickte sie nach unten, suchte nach Worten, fand keine und schwieg weiterhin. Stunden schienen zu vergingen, doch auch von Aarinaths Seite kamen keine Regungen. Im Gegensatz zu Jumaana blinzelte sie noch nicht einmal, als wollte sie dieser bewusst machen, wie unwirklich sie war. Doch dann tat sich etwas. Das Funkeln in den violetten Augen der Wölfin verblasste und machte demselben melancholischen Schimmern Platz, das auch in Jumaanas Augen verweilte, doch dieser entging diese Regung ganz gewiss nicht.

„Aa- ... Aarinath? Bist du das?“, fragte sie mit geradezu schwindender Stimme, „Warum bist du hier? Was ist passiert? Warum hast du mich verlassen? Kannst du … kannst du mir sagen, was dir wiederfahren ist?“

Die zweite weiße Wölfin erwiderte nichts, nur der Ausdruck in ihren Augen wurde tiefer und ehrlicher. Sie schrien geradezu nach Rettungswünschen, doch Jumaana wusste nicht, was sie tun sollte. Sie fürchtete sich davor, eine Pfote zu bewegen, in der Angst, dass das Spiegelbild Aarinaths dann für immer verblassen würde, doch das Nichtstun riss ununterbrochen alte Wunden auf. Und dann … dann hörte sie endlich die erlösende, sanfte Stimme in ihren Gedanken.

Es ist nicht deine Schuld, mein Kind. Wir alle haben nur ein Leben und wir müssen aus diesem einen Leben das Beste machen. Mein Leben war eine einzige Katastrophe und ich trauere um all die Dinge, die ich meinen Söhnen und meinen Freunden angetan habe. Doch solche Fehler können nicht rückgängig gemacht werden und man sollte sich immer klar machen, dass man nur eine Chance hat. Als ich in deinen Gedanken wiedergeboren wurde, Weiße, dachte ich, ich hätte Glück gehabt und mir würde ein zweites Leben offenbart. Doch ich merkte schnell, dass ich mit damit falschlag – du warst diejenige, in deren Leben ich ungefragt einfiel und mir wurde bewusst, dass ich nicht dort sein sollte, wo ich gewesen war. Versteh mich nicht falsch, wenn ich sage, dass ich so viel versucht habe, zu entfliehen. Ich habe es nicht getan, weil du es warst, deren Seele die meine wurde, sondern weil ich dein Leben nicht zerstören wollte. Mein Kind, ich habe dich lieben gelernt, aber du musst verstehen, dass du mich gehen lassen musst. Das hier ist nicht mehr meine Welt, denn meine Lebenszeit ist abgelaufen. Ich sollte nicht mehr sein und deshalb musst du mir die Chance geben, einen Schlussstrich zu ziehen. Vielleicht ist es schwer, aber wir müssen uns damit abfinden, Kleines, dass wir jetzt getrennte Wege gehen – du lebst dein Leben und ich werde ein für alle Mal aus dieser Welt verschwinden. Wenn ich nicht da wäre, könntest du glücklich und schmerzlos leben wie all die anderen Wölfe deines Rudels, doch ich habe es dir nie vollkommen gewährt. Doch nun wird sich das ändern. Geh jetzt, Jumaana, und nutze die Chance, dein Leben zu leben. Ich liebe dich.

Dann war sie weg, verschwamm zu einer weißen Masse und formte sich zu dem Abbild Jumaanas. Traurige, dunkelgrüne Augen blitzten ihr entgegen, die Fülle Aarinaths Worte überrollte sie und ein wahnsinniges Winseln drang aus ihrer Kehle. Es war vorbei. Und obgleich es sich anfühlte, als hätte jemand eine schwere Last von ihren Schultern gehoben, fühlte sie sich auch leer und unbeholfen. Nun, wo ihr bewusst wurde, dass nicht nur sie unter der Seelendivision gelitten hatte, wurde es nicht leichter. Sie hatte sich gewissermaßen daran gewöhnt, nicht allein mit ihren Gedanken zu sein, auch wenn sie im Unterbewusstsein stets gewusst hatte, dass das Feenkind ihre Kräfte ausgesaugt hatte wie ein Schmetterling den Blütennektar einer wohlriechenden Blume. Und trotzdem war das Loch, das auch schon vor dem Auftauchen Aarinaths Abbild im See dortgewesen war, nicht verschwunden, sondern eher gewachsen. Jetzt war sie vollkommen allein, hilflos und ratlos und niemand stand an ihrer Seite, der ihre Gefühle nachvollziehen konnte. Jumaana fühlte sich wie ein Welpe, der auf seinen kleinen Pfötchen durch die Welt tapste, aber nicht verstand, was er um sich herum sah.

    [ Zuletzt am Sternenseeufer, allein & anspielbar ]

Jarrèll Nathaniêl
25.06.2011, 21:53

Jarrèll hatte das Geschehen bisher stumm verfolgt, hatte die Welpen beobachtet, wie sie vorsichtig aus der Höhle tapsten auf ihren Pfoten, die für ihre kleinen Körper viel zu groß erschienen und begannen die Welt zu entdecken. Diese kleinen Wesen hatten in ihrem Leben noch keinerlei Leid erfahren, waren gehegt und gepflegt worden von den Eltern und trafen nur zum ersten Mal auf das Rudel, aus dem, wie der Rüde erfahren hatte, für jeden Welpen ein Pate auserwählt worden war. Bereits beim Verlassen der Höhle, fielen dem Silbernen die unterschiedlichen Charaktere der Jungen auf, während der eine mutig hinaustrat, zögerte vor allem ein dunkler Welpe stach in Auge, der besonders scheu zu sein schien und den das Unbekannte, welches ihn außerhalb der Höhle erwartete besonders zu ängstigen schien. Ein kurzes hintergründiges Lächeln huschte, über das Antlitz des Rüden, während ihm der Anblick der kleinen Fellknäule gelichzeitig einen schmerzhaften Stich versetzte. Er hatte bereits Welpen aufwachsen sehen, nicht nur seine Geschwister, trotzdem war es in gewisser Weise neu für den Rüden. Diese kleinen Wesen mit ihren unbeholfenen Bewegungen schafften es die dunkeln Gedanken aus Jarrèll Nathaniêls Hirn zu bannen und das obwohl er eigentlich überhaupt nicht zur Geburtshöhle hatte kommen wollen, lieber wäre er, jetzt da die Grenzen des Ruheplatzes wieder ungestraft überwunden werden konnten, auf einen ausgedehnten Streifzug durchs Revier losgezogen. Schließlich hatte er sich, mit dem Gedanken an das Gespräch über ein geeignetes Leben für Wölfe und dem Vorsatz im Rudel Anschluss zu finden, gegen die Wanderung entschieden und hatte sich in einiger Entfernung zur Höhle ein Plätzchen gesucht von dem aus er das Geschehende dennoch aufmerksam verfolgen konnte. Als er nun die Wölfchen beobachtend dastand, bereute er seinen Entschluss nicht im geringsten und während der Silberpelz die Bewegungen der Kleinen weiter aufmerksam mit den Augen verfolgte schweiften sein Gedanken ab und das unwillkürlich zwei Richtungen, zu Majibáh einerseits und zu dem Rudel seiner Geburt und Geschehnissen die lange Zeit vor dem fatalen Nebelmorgen stattgefunden hatten andererseits.
[list][Rudelplatz | Etwas abseits | Alleine | Anspielbar][/list]

Majibáh
25.06.2011, 23:42

Die Weiße stand so, dass ihr Blick direkt auf die Höhle fiel, aus der die Welpen hinausgetreten waren. Der eine zögerlich mit angsterfüllen Augen, der andere neugierig und mutig. Schon jetzt zeigte sich deutlich, dass jedes Lebewesen sich von anderen deutlich unterschied, selbst wenn man nah verwandt war. Natürlich gab es immer jemanden, der viele Eigenschaften mit einem teilte, und doch gab es immer Unterschiede. Teilweise waren diese so stark ausgeprägt, dass sich auch die Liebe zwischen Geschwistern, die zwangsweise und unausgesucht eine Bindung eingegangen sind, und die zwischen Paaren, deren Beziehung zwar meistens völlig freiwilllig ist, aber dafür auch schneller wieder verfliegt, plötzlich in Hass verwandelt. Blinde Wut. Im schlimmsten Fall sogar Mordlust. Majibáh wünschte sich sehr, dass so etwas nie zwischen diesen süßen, kleinen Gestalten entstehen würde. Dass man sie vor all dem Leid bewahren würde, dass ihr und auch anderen geschehen war. Und sie schwor sich, dass sie diejenige wäre, die sich um sie kümmert, wenn sie ein wenig Fürsorge brauchten. Nein, sie bezweifelte nicht, dass Sheena und Jakash gute Eltern waren, im Gegenteil, sie konnte sich keine besseren vorstellen. Doch das Leben war hart und brachte oft unvorhergesehene Wendungen mit sich. Etwa wie die, dass sie auf einmal völlig alleine herumirren musste, um ihre Schwester zu suchen, die Einzige, die sie noch hatte. Wenn sie so darüber nachdachte, war ihre Reise eigentlich ein gewaltiges Risiko gewesen. Schließlich hatte sie manchmal nur knapp überlebt, einmal wäre sie ohne die Hilfe eines Fremden wirklich gestorben, ohne dass jemand das für einen schlimmen Verlust gehalten oder getrauert hätte. Außerdem hätte es sein können, dass Jumaana – oder auch sie selbst – sich stark verändert hatten und sie sich mit ihr gar nicht verstanden hätte. Dieser Gedanke war zu grausam, um ihn weiter in sich keimen zu lassen, also versuchte sie sich abzulenken, indem sie zu dem gerade erst einige Wochen alten Nachwuchs hinüberschaute. Es brachte sie einfach jedes Mal zum Schmunzeln, wenn sie die vier Kleinen sah, auch wenn sie bis jetzt gerade mal mitbekommen hatte, wie sie hießen (wobei es vermutlich gar nicht viel mehr zu wissen gab): Malik Hikaji,Taleesha, Tinca und Isaí Caiyé. Genau genommen war Isaí nur eine Kurzform, aber das war unwichtig. Der zweite Teil des Namens war ohnehin viel persönlicher, da sein Vater ihn ebenfalls trug. Warum genau dieser Welpe für diese Ehre ausgesucht worden war, wusste Majibáh nicht. Eigentlich war es auch völlig egal. Namen waren so nichtssagend, unwichtig, sie versuchten nur einen Schein zu wahren, der meistens eben nichts anderes war als eine Fassade. Nun, so konnte man das nicht verallgemeinern. Natürlich passte es manchmal zu einem, jedoch war das meistens Zufall, zumindest wenn einem der Name vor der Geburt gegeben worden war oder dann, als der Charakter sich noch nicht wirklich herauskristallisiert hatte. Auf der Suche nach diesem Rudel hatte sie jemanden kennengelernt, einen unheimlich weiser Wolf mit einem stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, der ihr nie verraten hatte, wie er genannt wurde. Bei der Erinnerung musste sie lächeln. Er war eines der wenigen Lichtblicke in dieser Zeit gewesen, er hatte sie dazu aufgefordert, nicht aufzugeben und ihr geholfen, indem er für sie jagte, da sie zu diesem Zeitpunkt sowohl körperlich als auch seelisch völlig geschwächt gewesen war. Irgendwie war er wie ein gütiger Vater gewesen, und sie war traurig, dass sie ihn hatte verlassen müssen. Trotzdem war es besser gewesen, er war zwar noch gesund, aber dennoch sehr alt und wenn sie bei ihm geblieben wäre, wäre er in wenigen Jahren gestorben. Das hätte sie nicht überwunden, es wäre ihr letzter Schritt in die Auswegslosigkeit geworden. Unglaublich. Einmal in ihrem Leben hatte sie eine richtige Entscheidung getroffen, eine, die sie im Nachhinein nicht ein einziges Mal bereut hatte. Und das, obwohl es ihr unendlich schwer fiel loszulassen.
Der Körper der Fähe sank langsam auf den Boden, sie legte ihren Kopf auf den Pfoten ab. Dennoch blieb sie wachsam und beobachtete das Geschehen. Zum ersten Mal war sie zwar allein, aber nicht einsam. Was nicht bedeutete, dass sie sich nicht trotzdem gerne mit jemandem unterhalten würde. Ein leises Gähnen ertönte in der kühlen Luft, durchschnitt die Stille, wurde fortgetragen von einer leichten Brise und verschwand für die Ewigkeit. Ungehört. Ihre Brust hob sich und sank. Einatmen, ausatmen. Ein Kreislauf, der nie unterbrochen werden durfte. Es war nötig, doch die Blauäugige fragte sich, was man noch brauchte, und sie spürte ein leichtes Zittern in ihrem Herzen, noch stärker als zuvor, wo sie es noch ignoriert hatte, weil es sie irritierte. Der Wunsch, den wohl viele mit ihr teilten, und ein Gefühl, dass sie noch nie erlebt hatte. Was es war, sie konnte es nicht einordnen. Noch nicht.

[auf dem Rudelplatz - in der Nähe der Höhle - alleine - anspielbar]

Averic
26.06.2011, 12:27

Die kühlen, dunkelblauen Augen Averics musterten Jakashs Gesicht noch einen weiteren Moment.

Ich bin mir nicht sicher, ob wir Fenris für das Nichts verantwortlich machen können. Nicht alles, was schlecht ist muss automatisch von Fenris kommen. Im Gegenteil wäre das sogar ziemlich dumm von ihm gewesen.“

Die typische Denkweise von Wölfen. Alles schlechte kam automatisch vom Tod. Eigentlich eine widersprüchliche Idee, denn was am Tod an sich war schlecht für den, der ihn erfuhr? Der Tod schmerzte nicht, nur das, was man davor als Lebender erfuhr. Die, die im Leben blieben würden leiden, aber für den Verstorbenen hörte alles Leid auf.
Und das Nichts hätte, wenn es alles zerstört hätte, nicht nur Engaya geschadet, sondern auch Fenris selbst. Hätte es das ganze Rudel verschluckt, wären damit auch ihre Erben getötet worden. Und Averic wusste nur zu gut, was geschah, wenn das Leben und der Tod verstarben, ohne dass Nachfolger für sie überlebten.
Zu Jakashs zweiten Kommentar erwiderte Averic nichts. Er konnte nur das Selbe hoffen, hoffen dass Fenris diesen seiner Söhne verschonen würde. Aufmerksam lauschte der pechschwarze Todessohn anschließend den Gefühlen seines Neffen über sein neues Dasein als Fenriswolf. Wie er erwartet hatte, empfand Jakash es nicht als Strafe, sondern das Gegenteil war eingetreten. Als der Schwarze geendet hatte, nickte Averic kurz.

Mag sein, aber Fenris hat seine Chance genutzt. Die Mittel sind ihm egal. Vielleicht wirst du irgendwann sogar denken, dass er dir einen Gefallen damit getan hat.“

Averic wandte den Kopf wieder nach vorne, ließ den Blick noch einmal schweifen.

Es ist nichts Schlimmes daran ein Fenriswolf zu sein, egal was die anderen dir weismachen wollen.“



[ Waldrand | Jakash ]

Jakash Caiyé
26.06.2011, 17:17

Er hatte keine Erwiderung auf seine leisen Worte erwartet, aber Averic war es offenbar wichtig, die Sicht auf den Gott des Todes gerade zu rücken. Dabei war es gar nicht Jakashs Intention gewesen, Fenris für das Nichts verantwortlich zu machen, und so schüttelte er leicht den Kopf.

"So habe ich das auch gar nicht gemeint. Ich weiß nicht, woher das Nichts kam oder warum es gerade in unser Tal kam, und ehrlich gesagt ist es mir auch recht egal, solange es nicht wiederkommt. Aber man sollte doch meinen, das Rudel sei damals genug geprüft worden, mit all den Toten und dem letzten Schritt ins Ungewisse - mehr will ich gar nicht sagen."

Er zuckte mit den Schultern, ein kurzes Anspannen der Muskeln.

"Aber das sieht Fenris offensichtlich anders",

fügte er hinzu und ließ seinen Blick einmal mehr schweifen, während Averic wiederum das Wort erhob. Jakash hörte schweigend zu und erwiderte zunächst nichts darauf. Er konnte nicht leugnen, dass er bereits jetzt schon eine gewisse Dankbarkeit dem Todesgott gegenüber empfand angesichts des Endes seines inneren Chaos'. Es hatte ihm nicht gefallen zu diesem Schritt gezwungen zu werden, aber Averic hatte Recht. Die Götter scherten sich nicht um die Moral der Sterblichen. Sie waren, was sie waren - Götter. Sie standen für etwas, und wenn sie in Erscheinung traten, dann entsprechend ihrer Bedeutung, und es spielte absolut keine Rolle, was ein normaler Wolf darüber dachte. Jakash nickte leicht.

"Ich weiß, aber es ist in ihren Köpfen, zumindest unterbewusst",

erwiderte er und ließ offen, wen er damit alles meinte. Sein Blick fand seine Gefährtin, und ein Lächeln schlich sich auf seine Lefzen.

"Ausnahmen bestätigen die Regel",

fügte er noch hinzu und verabschiedete sich mit einem Nicken von dem schwarzen Todessohn. Jakash setzte sich in Bewegung und trabte locker über den Rudelplatz und der Welpenhöhle entgegen. Liebevoll blieb sein Blick auf jedem seiner Welpen hängen, wenn er in ihre Nähe kam, aber er hielt bei keiner der kleinen Gruppen an. Sein Ziel war Sheena, und erst bei ihr blieb er stehen.

"Entschuldige, dass ich erst jetzt wieder da bin. Das Gespräch hat doch etwas länger gedauert als gedacht."

Lächelnd schmiegte er sein Gesicht an ihres und ließ sich dann bei ihr nieder, nachdem er auch Chardím ein grüßendes Nicken zugeworfen hatte. Sein Patensohn war dicht bei und hatte es tatsächlich geschafft, Tinca aus der Höhle zu locken. Seine grünen Augen kehrten zu seiner Gefährtin zurück und zärtlich leckte er ihr über den Fang.

"Warum so bedrückt?"


[erst Waldrand, dann Rudelhöhle | erst Averic, dann Sheena, nahe bei Chardím und Tinca]

Aszrem
26.06.2011, 17:44

Er war nicht ganz sicher, worauf sich ihre Frage bezog, aber seine Miene verriet nichts davon. Fürchtete sie, er könne bei seinem Kontrolllauf auf etwas Gefährliches oder Seltsames gestoßen sein, oder eher, dass er zu ihr kam um sie für irgendetwas zu tadeln? Aszrem entschied, nicht näher auf ihre offensichtliche Verunsicherung einzugehen, sondern so zu tun, als bemerke er es gar nicht. Vielleicht gab ihr das ein wenig Selbstsicherheit zurück.

"Nein, alles in Ordnung",

entgegnete er und nahm den Blick von ihr, damit sie sich nicht zu sehr beobachtete fühlte. Er war nicht ganz sicher, wie er dieses Gespräch weiterführen - besser gesagt, beginnen - sollte, da sie auf seinen Scherz bezüglich der Welpen nicht eingegangen war. Aber ein guter Alpha kümmerte sich um mehr als nur die reine Sicherheit der Rudelmitglieder, und Lyerra kam ihm ein wenig... bedrückt vor.
Sein Blick fand zu den versammelten Wölfen beid er Rudelhöhle, und Aszrem beschloss, die Situation durch etwas Bewegung aufzulockern.

"Begleite mich doch ein Stück, hm?",

meinte er schließlich und war sich im Klaren darüber, dass eine solche Bitte, da sie vom Alpha kam, wahrscheinlich eher als Aufforderung gedeutet werden würde. Langsam setzte er sich in Bewegung.

"Es ist wärmer geworden. Hoffentlich ist das nicht nur eine kurze Laune des Wetters",

begann er. Vielleicht stieg sie ja auf diesen Themenwechsel ein, mal sehen.


[auf dem Weg zum Rudel | Lyerra, (später Volk?)]

Taleesha
27.06.2011, 10:56

Taleesha folgte Tyraleen so gut es mit noch etwas ungeübten Pfoten und Schluckauf eben ging. In ihrem Kopf schwirrten verschiedenste Fragen umher und lenkten sie etwas von ihrer Umgebung ab. Vielleicht war das ganz gut so, denn die Sinneseindrücke waren beinahe berauschend. So viele fremde Gerüche, Stimmen und Gesichter … es war mehr als merkwürdig. Einerseits konnte sich Taleesha an den Anblicken, die sich ihr boten, kaum ergötzen, so neugierig wie sie war. Andererseits jedoch verlangte ihr Gehirn nach Ordnung und Sicherheit im momentanen Chaos. Je mehr sie sich von ihrer Mutter entfernte, desto mulmiger wurde ihr. Und erst jetzt fiel ihr auf, dass sie sich von Sheena gar nicht verabschiedet hatte, sondern freudig und erwartungsvoll mit Tyraleen mitgegangen war. War das in Ordnung gewesen? Hoffentlich war ihre Mama jetzt nicht traurig über den fehlenden Abschied oder in Sorge um sie. Aber es war doch sicher immer gut, mit Tyraleen mitzugehen? Oder? Naja, eigentlich hätte es auch Taleesha gut getan, sich nochmals zu vergewissern, dass ihre Mutter mit allem einverstanden war. Und nach Tinca hatte sie auch nicht mehr geschaut. Und was war mit Malik? Und Isaí? War sie so abgelenkt gewesen?

Tyraleens Antwort lenkte Taleesha von allzu dunklen Gedanken ab. Sie machte sich also auch Sorgen um ihre Tochter. Sie wusste nicht, was mit ihr war. Also war es ja doch gut, mitzugehen und vielleicht zu helfen. Wer weiß. Mal abgesehen davon, dass die kleine Welpin sowieso kaum erwarten konnte, Taleeshas Tochter endlich kennen zu lernen. Es sollte nicht mehr lange dauern. Taleesha folgte der Alphawölfin noch ein paar Schritte, dann wurde plötzlich die Sicht auf zwei Wölfe frei.

Doch damit hatte Taleesha nicht gerechnet: Das kalte Weiß auf dem Boden hatte sich rot gefärbt, einer der Wölfe, offensichtlich eine Fähe und somit Tyraleens Tochter lag auf dem Boden und sah aus, als hätte sie große Schmerzen und daneben stand ein Rüde und schaute irgendwie unsicher. Was die Welpin jedoch erschreckte, war dieses Rot. Es war überall. Am Fell des Rüden und am Kopf der Fähe. Es sah aus, als wäre die Quelle des Rots das Ohr. Da war irgendwas gar nicht in Ordnung. Taleesha blickte erschrocken und gleichzeitig verwirrt zu Tyraleen. Was sollte sie denn jetzt tun? Und was war dieses Rot? Wo kam es her? Wie gefährlich war es? Bevor die Welpin ihren ganzen Fragenkatalog stellen konnte, drehte sich die Leitwölfin schon zu ihr um, stellte die beiden Wölfe vor und erklärte ihr, dass es jetzt wichtig war, Atalya, die Tochter, zu trösten. Irgendwie froh über eine Aufgabe tapste Taleesha Tyraleen hinterher und versuchte auf keinen Fall, das Rot zu berühren. Sie setzte ihre Pfoten nur auf weiße Stellen. Schließlich stand sie unsicher bei Atalya und Turién. Sie blickte beide eine Weile an und überlegte. Sie wandte sich Atalya zu und fragte mit zaghafter Stimme:

"Tut es sehr weh? Mein Papa sagt immer, Schmerzen vergehen wieder. Es ist nur im Moment schlimm. Wenn Malik sich weh tut, dann dauert das auch immer nur ganz kurz. Soll ich dir eine Geschichte erzählen? Dann wird es bestimmt bald besser …"

Taleesha war selbst nicht wirklich von dem überzeugt, was sie da sagte. Malik hatte nie dieses Rot im Fell gehabt. Das hier war was anderes, das war ihr klar. Und sie hatte keine Ahnung, wie man sonst trösten konnte. Woher auch?


[bei Tyraleen, Turién und Atalya]
(danke, Jumaana ^.~)

Liel
27.06.2011, 13:11

Selig strahlten ihre Augen auf, als Malik seine Freude durch lautes, glückliches Quietschen zum Ausdruck brachte. Wie gern sie doch anderen Wölfen eine Freude bereitete. Es war fast das Beste für sie. Neben ihrer Familie und ihrem Freund, chanuka, natürlich. Doch wenn andere Wölfe glücklich waren, im besten Falle durch sie, machte sie das meistens automatisch ebenfalls glücklich. Mal wieder musste sie schmunzelnd feststellen, wie einfach das Leben doch auch sein konnte.
Während ihrer Säuberungsaktion lauschte sie den Worten ihres Freundes, er klang ein wenig verunsichert, gleichzeitig sehr hoffend, dass Malik seine Worte diesmal richtig verstehen würde. Wobei sie sich dabei nicht ganz sicher war. Welpen kannten so unglaublich wenig, dass war ihr von ihr selbst noch in Erinnerung. Aber es würde ja schon ausreichen, wenn Malik den Grundgedanken der Worte erkennen und verstehen würde.
Und das tat er, soviel ging aus seiner Antwort hervor. Also musste chanuka nun keine Angst mehr haben, dass Malik ihn für einen Dieb hielt. Er würde sich wieder entspannen können.
Klein Malik hatte die Zeit ihrer Gedankengänge genutzt um mit seiner Pfote nach ihrer Nase zu ditschen, erreichte diese jedoch nicht ganz, sodass sie keinerlei Schmerzen erlitt. Sie quiekte jedoch ihrerseits spielerisch empört auf und gab ihm, der sich gerade einige Schritte von ihr entfernte, einen leichten Detscher mit ihrer Schnauze in die Seite.
Natürlich nicht so stark, dass er das Gleichgewicht verlieren würde. Sonst wäre er ja gleich wieder in den Schnee gefallen und hätte sich über den Schmutz an seinem frisch gereinigtem Fell ärgern müssen.

„Natürlich bin ich eine gute Saubermachmama! Was hast du denn gedacht?“

Sie grinste den kleinen Rüden frech an und beobachtete dann die Vorführung seines strahlend weißen Felles. Er schien wirklich sehr eitel zu sein.
Ohne sich jedoch noch länger an seinem Fell aufzuhalten, kam er gleich auf das Thema Paten zu sprechen. Davon ging sie zumindest aus. Er sprach von seinem eigenen Wolf, damit konnte ja nur der Pate gemeint sein. Allerdings hatte ihm wohl noch niemand erklärt, dass er sich diesen nicht selber aussuchen durfte und es wohl auch nur ein Wolf werden würde.
Aber trotzdem stand ihm nichts im Wege, auch andere Wölfe kennen zu lernen.
Sie blickte ihn an, direkt in seine treuherzigen Augen und gleich wurde ihr freches Grinsen zu einem liebevollen, fast schon mütterlichem, Lächeln.
Ein kurzer schwenkender Blick ging zu chanuka, leicht schob sie ihre Pfote wieder an die seine heran und dann drehte sich ihr Kopf wieder gen Malik.

„Wahrhaftig. Wunderhübsch bist du kleiner Malik!“ Eine kurze Pause entstand.
„Weißt du Malik, den Wolf, den du demnächst dein Eigen nennen darfst, ist dein Pate. Und diese Paten werden zugeteilt, weder ihr Welpen, noch wir Erwachsenen dürfen uns etwas aussuchen. Das bleibt ganz die Entscheidung deiner Eltern und die der Alpha, Tyraleen. Aber ich bin mir sicher, dass du einen wunderbaren Paten bekommen wirst. Und natürlich darfst du auch jederzeit zu uns beiden kommen, wenn du das möchtest!“

Sie stupste den Welpen liebevoll an und hoffte, ebenso wie chanuka vorhin, dass ihre Worte verständlich waren.




[chanuka und Malik]

Sheena
27.06.2011, 13:46

Erst, als er fast schon bei ihr angekommen war, bemerkte sie ihn. Ihre Gedanken waren so weit abgeschwiffen, dass nichts mehr bis zu ihr hatte vordringen können. Trotz all der elendigen Gedanken, die sich in ihr festgesetzt hatten, lächelte sie ihren Rüden glücklich an. Nun war er also bei ihr und vergessen war die Zeit ohne ihn. Die Zeit, die sie auf ihn gewartet hatte, die Zeit in der sie ihn sich an ihrer Seite gewünscht hatte.
Die zarte Berührung seiner Zunge riss sie endgültig aus ihren trübseligen Gedanken und ein wenig hilflos drückte sie sich an ihn. Ja, warum war sie so bedrückt? Wie sollte sie es in Worte fassen, dass er es auch verstehen würde? Oder fühlte er ähnlich, obwohl er nicht mitbekommen hatte, wie alle Welpen von dannen gezogen waren? Wie das klang, sie waren nicht weit entfernt, nur wenige Schritte, alle in Sichtweite. Außer Taleesha, aber die war bei Tyraleen und so bestand kein Grund zur Sorge. Und trotzdem.
Wieder spürte sie den Druck in der Kehle und sie musste mehrmals kräftig schlucken, ehe sie das Gefühl hatte, ihrer Stimme trauen zu können.
Und so klang auch ihre Stimme, unsicher, ein wenig wackelig und rau. So, wie damals, als sie lange hatte schweigen müssen.

„Es klingt vielleicht dumm, es kommt mir sogar sehr dumm vor, denn eigentlich bin ich überglücklich. Mit dir und den Welpen.“ Sie stoppte kurz, schmiegte ihren Kopf in das Nackenfell ihres Liebsten. „Es überkam mich eben ein Gefühl der entsetzlichen Leere. Plötzlich fühlte ich mich so einsam, dabei seid ihr alle hier…“

Nein, sie konnte ihre Gefühle nicht wirklich in Worte verpacken. Wie sollte sie es ihm also erklären. Alle waren da und in ihr doch so weit entfernt. Unglücklich wand sie ihren Kopf zur Seite. Vielleicht würde er sie auch so, ohne viele Worte, verstehen. Schließlicht tat er das auch sonst.
Sie blickte ihn wieder an. Sie wollte gar nicht so unglücklich sein. Nicht in dieser Stunde, nein, gar nicht. Sie wollte nur das Beste für ihre Welpen und dieser Moment war so wichtig und aufregend für sie. Da wollte sie ihnen nichts versauen. Sie musste sich zusammenreißen, sie sollte glücklich sein. Wenn das nur mal so einfach wäre.

„Ich hoffe, du hast alles klären können…!

Sie war ihm nicht böse, dass er erst jetzt zu ihr gekommen war. Die Zeremonie hatte noch nicht begonnen, er hatte also nichts davon verpassen können.
Doch auch der Themenwechsel half ihr nicht über ihre Gefühle hinweg zu kommen. Ihre Ohren klappten seitlich ab und sie musste sich sehr zusammen reißen um nicht rückwärts die Flucht anzutreten. So hatte sie sich wahrlich lange nicht mehr gefühlt. Das letzte Mal, wenn sie sich denn Recht erinnerte, vor ihrem Schweigegelübde. Damals, als sie noch launisch gewesen war und alles und jeden verletzt hatte. Mit Worten, teils auch mit Taten. Vor allem wohl sich selbst.
Ein leichtes Zucken ihrer Pfoten verrieten ihre Gedanken, doch sie kämpfte dagegen an. Sie konnte jetzt nicht weg. Sie durfte nicht weg.
Ihre entglittene Mimik verkrampfte kurz, ehe sich ein weniger ehrliches Lächeln auf ihre Lefzen zog. Sie traute sich kaum noch Jakash anzublicken so sehr schämte sie sich für ihre vollkommene Hilflosigkeit gegenüber ihrer Gefühle.




[Jakash - Nahe Liel, chanuka und Malik, sowie chardim und Tinca]

Kaede
27.06.2011, 14:27

Die seitlich gestellten Ohren verdeutlichten nur noch mehr die Traurigkeit der grauen Fähe. Ihre Augen, teils grau meliert, teils blau glänzend wie die ihrer Tochter Liel, blickten kummervoll in das Tal.
Ihre Welpen, mittlerweile Jungwölfe auf dem Weg zum Erwachsensein, bereiteten ihr weniger Freude als früher einmal. Natürlich war sie noch immer stolz auf die drei, das würde wohl niemals aufhören, genauso wenig wie ihre Liebe zu den dreien jemals geringer werden würde, aber ihre Entwicklung sorgte die Fähe stark.
Krolock hatte schon früher starke Züge seines Vaters in sich getragen, doch mittlerweile hatten sich diese gesteigert und im Gegensatz zu ihrem Gefährten, hegte er keine Absicht dies zu kontrollieren. Nein, genau das Gegenteil schien der Fall zu sein, er ließ all seinem Hass, seiner Wut freien Lauf und die anderen Wölfe mussten darunter leiden. Sie wünschte ihm innbrünstig, dass er damit nicht auf die Schnauze fallen würde. Auch wenn er anscheinend der Meinung war, dass er niemanden in seinem Leben brauchte, außer vielleicht zum ärgern und triezen, war sie sich sicher, dass dem nicht so war. Jeder Wolf brauchte jemanden, der ihn liebte.
Vielleicht reichte ihm aber auch die vorhandene Liebe seiner Schwester und, in gewisser Weise bestimmt auch die seines Bruders. Auch wenn sie sich wünschte, dass er diese ein wenig mehr wertschätzen würde. Doch sie konnte sich verbiegen wie sie wollte, sie würde kaum Einfluss auf ihren hasserfüllten Sohn nehmen können.
Im Gegensatz zu seinem schüchternen Bruder. Auch wenn er eine Zeit lang nahe des Wahnsinns gelebt hatte und seinem Bruder so eine gute Zielscheibe geboten hatte, sich mit seinen Äußerungen von seiner Schwester entfernt hatte, war sie sich sicher, dass er seinen Weg noch finden würde. Er war noch immer ängstlich, konnte seinem Bruder kaum die Stirn bieten, versuchte sich mittlerweile aber immerhin daran. Wobei sie sich nicht sicher war, wie lange er dies aushalten konnte.
Gerade jetzt wurde er wieder von Krolock getriezt. Aber er hatte noch einen anderen Wolf an seiner Seite. Vielleicht konnte dieser zwischen den beiden ein wenig vermitteln. Liel war daran wohl gescheitert, zumindest hatte sie die Fähe lange nicht mehr in der Nähe ihrer beiden Brüder gesehen.
Aber mindestens genauso lange hatte sie die Fähe nicht mehr wirklich lächeln gesehen. So freute sie sich nun außerordentlich, dass ihre Kleine so glücklich schien. Sie hatte in chanuka einen guten Freund gefunden. Sie erinnerte sich daran, dass der Rüde bei ihrem Tod dabei gewesen war. Schon da hatten die beiden sich gefunden und anscheinend hatte ihre Freundschaft keinen Abbruch gehabt.
An der Seite der beiden hüpfte ein kleiner Welpe, Liel schien darüber außerordentlich erfreut.
Leicht fingen ihre Augen an zu glitzern, trotz all dem Schlimmen was geschehen war, trotz all der Entwicklungen die ihre Welpen durchgemacht hatten, hatten durchmachen müssen, war jeder von ihnen ein einzigartiger Wolf, den sie unendlich liebte.
Ein tiefer Atemzug, dann das Ausatmen. Und damit sendete sie ihre Liebe hinab in das Tal. Empfänger waren all diejenigen, die bereit dafür waren.

Lunar
27.06.2011, 19:41

Lunar verzog die Lefzen zu einem fiesen Lächeln, während er sich dem Rudelplatz näherte. Seine langen Beine trugen den Rüden vorwärts, er hatte sich nun lange genug zurück gehalten, jetzt würde er dieses Rudel ein wenig aufmischen, jetzt da er schon einmal hier war. Seine Ohren zuckten kurz durch die vielen Stimmen und Geräusche die zu ihm hindurch drangen, aber noch durfte er nicht auffallen, musste sich ruhig verhalten um nicht gleich das ganze Rudel gegen sich zu haben. Sein Blick schweifte kurz über die Umgebung als wäre der hochgewachsene Rüde auf der Suche nach etwas. Innerlich hoffte er jedoch nur das er seiner Schwester wieder begegnen würde, doch da er sie nicht in sein Blickfeld bekam stieß Lunar nur ein Seufzen der Frustration aus und schritt weiter voran. Wieder zuckten seine Ohren aufmerksam als ein Schrei in seine empfindlichen Lauscher drang. Ein Geräusch das Lunar nur zu gern mochte und das ihn anlockte wie das Licht die Motten. Kurz zeigte er die Zähne, verbarg sie aber schnell wieder unter seinen Lefzen und folgte dem Schrei einer Fähe.

Mit seinen blauen Augen konnte er die Gruppe ausmachen von der, der Schrei kam. Zwei Jungwölfe, davon besaß die graue Fähe nun ein zerfetztes Ohr was Lunar lächeln ließ, ehe sein Blick zu der Weißen und zu dem Welpen wanderte. War das nicht Tyraleen? Die Tochter von Banshee. Ein tiefes Grollen verließ seine Kehle und der schwarze Hüne näherte sich entschlossen der Gruppe. Seine blauen Augen blitzten auf, als er in sicherer Distanz zu ihnen stehen blieb und den Worten lauschte.

Vielleicht kann ich helfen ihr den Schmerz zu nehmen.“,

flüsterte der Rüde gespielt sanftmütig und wandte seine Augen zu der grauen Fähe. Seine wachsamen Augen zuckten zu dem Welpen der das süße kleine Stimmchen erhob, das in Lunars feinfühligen Ohren nur nerv tötend klang.

Erzähl es uns Kleine.“,

forderte er zu sie auf und fixierte den Welpen mit seinem Blick.


[Rudelplatz // Tyraleen, Atalya, Turién & Taleesha]

Avendal
27.06.2011, 20:04

Avendal gab einen Seufzer von sich und bettete ihren Kopf auf ihre dreckigen Pfoten. Sie hatte nicht wirklich Interesse daran, sich mit den Welpen zu beschäftigen oder sie kennen zu lernen, lieber lag sie hier im Gras und beobachtete das Treiben der anderen. Sie folgte ihren Gedanken und dem chaotischen Gängen die folgten. Sie hatte das Gefühl als würde jemand sie rufen, doch sie wusste nicht wer, oder was es war. Kurz hob die Fähe den Kopf und blickte sich um, legte sich dabei noch ein wenig auf ihre rechte Seite, doch da war niemand also legte sie ihren Kopf wieder auf ihre Pfoten und schnaufte. Dieser komische Gedanke ließ sie einfach nicht los und seit der Sache mit ihrem Bruder wollte Avendal auch nichts weiter als ihre eigentliche Ruhe, dennoch hatte sie auch nichts gegen ein wenig Gesellschaft. Komisch, oder?

Betroffen blickte sie nach vorne und erkannte Majibáh. Avendal beobachtete die Fähe dabei wie sie sich auf den Boden sinken ließ und erhob sich sogleich um auf sie zuzugehen. Sie wollte sich ein wenig mit der Fähe unterhalten, würde sie wohl auf andere Gedanken bringen.

Majibáh.“,

begrüßte sie die Fähe und ließ sich neben ihr auf die Hinterhand sinken und wandte ihr, ihr Gesicht zu.


[Rudelplatz // zuerst alleine, dann Majibáh]

Lyerra
27.06.2011, 21:49

Lyerra blickte den Leitwolf einige Sekunden lang etwas verstört an, suchte nach einer Regung in seinem Gesicht, doch sie fand nichts. Seine Gesichtszüge waren starr, irgendwie maskenhaft. Es verunsicherte die weiße Fähe nicht unbedingt mehr, allerdings beruhigte es sie auch nicht gerade, ebenso wenig wie die Worte des Rüden es taten. Er sagte ihr zwar dass alles in Ordnung sei, dennoch war Lyerra sich nicht ganz sicher, wie sie das verstehen durfte. Womit war alles in Ordnung, und gab es für Aszrem wirklich gar keinen Grund sie so zu mustern, wie er es nun mal getan hatte?
Eine leichte Brise fuhr durch ihr Fell, zerzauste es sanft. Die buschige Rute der weißen Fähe schwenkte sachte hin und her, die Ohren waren nach vorne aufgestellt. Sie neigte den Kopf, als der Schwarze sie aufforderte ein Stück mit ihr zu gehen. Oder war es keine Aufforderung, sondern eine Bitte? Sie wusste es nicht. Einerseits konnte es durchaus eine bitte zu sein, andererseits war er der Leitwolf und es war seine Pflicht sich um das Rudel, sowie um dessen Mitglieder, zu kümmern. Es gefiel ihr nicht so ganz, dass er anscheinend nur aus Pflichtgefühl sprach, dennoch wiedersprach sie ihm nicht.
Als er versuchte das Thema zu wechseln sah sie ihn kurz irritiert an, dann nickte sie abermals und passte sich seinen langsamen Schritten an. Sie waren nicht schnell, doch seine Läufe waren länger, die Schritte weiter als die ihren. Ein freundliches und dennoch eher distanziertes Lächeln verzog ihre Lefzen sanft.

„Ich hoffe es auch, denn die Kälte macht uns alle müde und die Laune des Rudels steigt mit dem Frühling, und mit den Welpen wie mir scheint. Ich hoffe die Temperaturen halten sich, denn der scheinbar ewige und eiskalte Winter hat mich müde gemacht, meine Glieder erkalten lassen. Ich freue mich sehr auf den Sommer!“

Sie blickte auf den Boden, betrachtete den feinen Schnee vor ihr. Es war nicht schwer zu erkennen, dass der Schnee deutlich tiefer lag, dass die Temperaturen gestiegen waren. Der Sommer würde erleichternd sein, falls dort nicht auch wieder etwas geschah. Eine Hitzewelle? Eher unwahrscheinlich.
Der Frühling, und danach auch der Sommer, diese Jahreszeiten würden das Rudel bestimmt erleichtern. Lyerra warf nur einen kurzen blick auf den Leitwolf, der brav neben ihr ging, ob aus reiner Höflichekit oder aus Freundschaftlichekit, falls es so etwas zwischen ihnen gab, wusste sie immer noch nicht.


[auf dem Weg zum Rudel l Aszerm (später Volk) ]

Isaí Caiyé
27.06.2011, 22:54

Wäre ja gelacht gewesen, wenn seine Idee nicht die allerbeste gewesen wäre! Zufrieden lächelte er vor sich her, die Brust stolz gehoben und das kleine Kinn so weit hoch gestreckt, wie es ihm im Moment möglich war. Hach. Wenn er dass Malik, Taleesha und Tinca erzählen würde, dass er zu einer weiteren Familie mit ganz vielen Wölfen gehören würde und sie nicht, würden sie sicherlich vor Neid erblassen! Malik hätte dann ja endlich vielleicht wirklich mal mamafellfarbenes Fell und müsste es sich nicht immer nur einreden. In Wahrheit war er nämlich eigentlich leicht höhlenbodenmamafellfarbend, aber das wollte er ja nie hören. Bei dem Gedanken an einen eifersüchtigen Malik wurde aus seinem zufriedenen Lächeln ein fieses Grinsen in seine Richtung. Tja! Noch glaubte er, er hätte mit seinen zwei Wölfen mehr als Isaí, aber Kisha war dafür doppelt so toll wie die beiden bei seinem Bruder. Und dann war da ja noch die Familie, zu der er auch noch gehören würde! Und die anderen, die sie nun bald kennenlernen würden. Hach. Und dann war da ja noch der ganz eigene Wolf, den Tyraleen ihnen versprochen hatte. Aufregung. Vorfreude. Ernüchterung. Ernüchterung in Form Kishas Frage – Tja. Wie wollte er eigentlich an ein Flauscheding rankommen? Sein Lächeln verblasste. Ganz so, wie Malik, Tinca und Taleesha, wenn er ihnen von seiner Familie erzählen würde.

„Ich… Ich…“, begann er, wusste aber wirklich nicht, wie er es anstellen sollte. „Ich verrat‘s dir nicht. Das bleibt ein Geheimnis! Dann freust du dich noch mehr.“ Ha! …Er würde schon irgendwie einen Weg finden. Er musste. Immerhin ging es hier um Familie…

Glücklicher Weise blieb das Thema dann auch erstmal außen vor und Kisha sagte das, wonach er sich gesehnt hatte. Er nickte aufgeregt und hüpfte erneut fröhlich und ungeduldig um die Läufe der Schwarzen. Ganz plötzlich dann blieb er stehen und schaute neugierig und wie versteinert an seiner Kisha vorbei. Der kleine Welpenfang klappte auf, während sein Blick langsam nach oben wanderte, wo sich das Gebilde noch weiter ausbreitete. Während seine Rute kurz still gehalten hatte, begann sie nun wieder hin und her zu pendeln und der kleine Rüdenkörper schob sich langsam an Kisha vorbei gen großes, braunes Ungetüm, das ja auch noch massig an Verstärkung hinter sich hatte.

„Kisha? Wer sind die alle? Und was sind die alle? Sind die auch hier, um sich über uns zu freuen, weil wir was ganz Tolles sind?“

Kurz ruhte sein Blick auf dem Baum, welcher ihnen am nächsten stand, wanderte dann über ein paar Freunde dessen und dann zurück zu Kisha, von der er sich eine Antwort erhoffte. Neugierde funkelte in seinen pfützigen Augen und diese übliche Welpennaivität. Und warum zum Fenricollon sprach das… das Ding nicht mit ihm? Kisha hatte ja auch selbst gesagt, wer sie war!



{ Kisha | bemerkt Bäume }

Chanuka
29.06.2011, 13:56

Chanuka beobachtete Malik und Liel lächelnd. Im Nu war der kleine Rüde wieder sauber und sein weißes Fell glänzte wie ein Stern am Nachthimmel zwischen ihm und seiner Freundin. Er dachte kurz darüber nach, ob die Welpen wohl schon einmal den Sternenhimmel und die Sternenwinde gesehen hatten und wie gerne er dies mit ihnen tun wollte. Dann jedoch reagierte der Kleine auf seine Worte und gab sie noch einmal zum Besten. Nicht, ohne ihm noch ein Kompliment zu machen. Ein bisschen beschämt wusste Chanuka nicht, wie er darauf reagieren sollte.

"Weißt du... jedes Fell ist auf seine eigene Art besonders und schön. So wie jeder Wolf auch auf seine Art liebenswürdig ist."

Vielleicht war das ein bisschen viel für einen Welpen, vielleicht aber auch ein brauchbarer und netter Denkanstoß. Mochte sein, dass der Kleine später darüber nachdachte, konnte aber auch sein, dass er es gleich wieder vergaß. Übel nehmen konnte man es dem Jüngling mit Sicherheit nicht. All die neuen Eindrücke mussten schließlich alle verarbeitet werden.

"Wunderhübsch bist du."

Bestätigte er mit warmem Lächeln die Aussage des Welpen. Ein süßer Zwerg war er. So herzlich und sorglos, so wunderbar jung in Geist und Herz, ungeschadet von schrecklichen Geschehnissen.
Er hob den Blick und sah Liel an, als er ihre Pfote an der Seinen spürte. Liebevoll lächelnd betrachtete er sie kurz, ehe er ihren Ausführungen über die Paten lauschte. Er wäre gerne auch jemand, der den Welpen zur Seite stand und wollte dies, ohne die besondere Bezeichnung, tun. Es sollte für Malik nicht so werden, wie für ihn.

"Wir werden dir ebenfalls immer zur Seite stehen. Versprochen. Komm jeder Zeit zu uns und wir werden alles tun, um dir zu helfen."

Seine Worte waren zum einen eine kleine Ergänzung zu dem, was Liel sagte und zum anderen eine Bestätigung dafür, dass sie nicht nur für sich, sondern für sie beide sprach.


[Rudelplatz | direkt bei Liel und Malik, nahe Sheena und Co]

Cirádan
29.06.2011, 17:37



Na ob sie wirklich dazu geboren waren? Immerhin mussten sie es auch erst mühsam lernen. Die Älteren mussten es ihnen alles beibringen.
Doch Cirádan sagte nichts. Denn auch Nihil hatte Recht. Immerhin spielten die meisten Welpen und übten schon instinktiv das Jagdgeschick. Nur er hatte es nicht getann. Zumindest glaubte er dies, konnte er sich doch nicht mehr richtig erinnern.
Außerdem war er bestimmt viel zu ängstlich gewesen ...

Irgendwie fühlte sich Cirádan in diesem Moment sogar ein wenig sicherer, als Nihilus aussah. VIelleicht lag es daran dass er es gewohnt war von Krolock überrascht zu werden. Deshalb legte sich der Schock recht schnell.
Immernoch wechselte Cirádans Blick unsicher zwischen Nihilus, der ebenso verwirrt zu sein schien wie er - und seinem Bruder Krolock der sie auffordernd anstarrte.

Ob es wirklich eine gute Idee war Krolock vor laufen zu lassen? ... Ach, bestimmt war es das. Die Beute wartete ja auch nicht bis die Wölfe ganz nah an sie heran kamen um dann mit ihnen zu spielen.
Doch kaum war der Vorschlaug ausgesprochen, schon sauste der Schwarze davon. Etwas verdattert brauchte der Helle eine Weile um zu begreifen, dass er nun loslaufen musste.
Nihilus Beine schienen da schneller zu reagieren, als dieser losrannte.

Zuerst etwas unsicher rannte er los, doch schon bald war er nah bei Nihil und versuchte mit ihm Schritt zu halten.
Zusammenarbeiten.
"Aber erst ... müssen wir ... ihn ... ein... holen!",
rief er Nihil zwischen den Sprüngen zu. Aber was dann?
Cirádan hoffte dass es reichen würde Krolock einzukreisen und ihn umzustürzen. Denn Beißen wollte er seinen Bruder nicht. Nicht wirklich zumindest.





[Nihil und Krolock - Krolock jagend durch den Wald ]

Takashi
29.06.2011, 21:09

Erneut blickte sich Takashi um, um sicher zu gehen, dass er Cirádan in der Menge nicht übersehen hatte. Dennoch war sein kleiner Schützling nirgends mehr zu sehen. Was auch immer er nun tat...er musste stark sein und keine Angst haben! Der Hüne fühlte sich ein wenig ertappt, wie er bei seinem wirren umher Geschaue beobachtet wurde. Ein flüchtiger Blick galt den kleinen Welpen, worauf ein sachtes Lächeln des Schwarzen folgte.

"Oh, entschuldige...", klang der Hüne ein wenig erschrocken, als auch Chilali seine Reaktion wahrgenommen hatte. Takashi war in Sorge und so, wie er sich um sah, war dies ganz und gar nicht zu übersehen. "...’ist nicht wegen dir. Ich habe bloß nachgeschaut...es ist nicht einfach loszulassen. Aber schön, dich kennenzulernen. Ich heiße Takashi." Er lächelte gequält, verdutzt über sein eigenes Verhalten. Takashi war so besorgt, wie es nur ein Vater sein könnte. Danach atmete der Hüne tief ein und schien sich wieder beruhigt zu haben.

Abermals warf der Rüde einen Blick auf die Welpen und lächelte. Die Kleinen waren der Stolz des gesamten Rudels, denn sie waren alle einzigartige Geschöpfe.
Doch dann bemerkte Takashi, wie Chiali Abstand suchte. Sie hatte ihre Ohren dicht nach hinten gelegt und war zudem auch noch aufgestanden.

"Stimmt etwas nicht?", fragte der Rüde besorgt und blickte zeitgleich an sich hinab. War es etwa seine große Gestalt, die die Fähe zurücktrieb und solch einen großen Respekt vermittelte? Takashi nahm platz und blickte Chiali an, um sich aufzufordern, sich erneut zu setzen. "Das wollte ich nicht", murmelte der Hüne leise und hoffte, dass ihm die Weiße das nicht allzu übel nehmen würde. Mit einem sanften lächeln versuchte Takashi, die Situation aufzubessern.


[ an der Rudelhöhle | Chilali ]

Nihilus
30.06.2011, 21:39

Ja, zuerst müssten sie es schaffen ihn einzuholen, da stimmte er dem Grauen vollkommen zu: das würde schwierig werden. Aber immer hin waren sie zu zweit!
Die dunkle Gestalt Krolocks verlor sich immer mehr im Schatten der Bäume, bis die Schemen langsam aber stetig verwischten. So. Jetzt hieß es wohl, dass sie beide sich auf ihre Nase verlassen müssten – das konnte ja was werden! Schließlich war ihnen der bekannte Geruch des Dritten noch nicht ein Mal auf nahe Entfernung aufgefallen und jetzt sollten sie ihm folgen. Dabei wartete am Ende der Jagd noch nicht Mal etwas leckeres zu Essen. Na, dann müsste Nihilus sich das Ganze wohl doch mehr als Spiel vorstellen. Davon hatte er in seiner Welpenzeit aus Furcht vor den Mitwelpen viel zu wenig gehabt! Die Tatzen zuerst unsicher auf den morschen Waldboden aufsetzend, gewann er langsam an Sicherheit, als das Adrenalin in ihm aufstieg. Das „Nicht gegen die Bäume“-Laufen schien gar nicht so schwierig zu sein, wie es am Anfang aussah – also, in diesem Tempo. Den Blick zur Seite werfend versicherte sich der Helle danach, ob Cirádan noch neben ihm war.

„Übernimmst du die Seite“ , er nickte zu der Seite des Grauen, „und ich die hier?“ , abermals ein Kopfschwenken in seine eigene Richtung.

Sie sollten die Beute zuerst ein Mal umzingeln – nachdem sie diese gefunden hatten. Da war es doch das einfachste, wenn sie sogleich von zwei Seiten ankamen, oder nicht? Das mit dem Verständigen durch Blicke blendete der Helle zuerst Mal aus. Jetzt, wo sie noch in Hörweite waren, schien ihm das ein wenig dämlich; wobei Krolock noch nicht allzu weit entfernt sein konnte und vielleicht jedes Wort mitbekam. Leise brummelnd senkte er den Kopf, die Ohren angelegt in die Richtung seines Mitspielers. Hoffentlich hatte er sein „Team“ jetzt nicht verraten. Nach einigen weiteren lang gezogenen Sprüngen ließ er sich zur Seite weg fallen und verlangsamte den Schritt, um nicht allzu viele Geräusche von sich zu geben. Wenn seine Nase ihn nicht täuschte, war er direkt neben der Spur des Dunklen, der nicht allzu weit entfernt sein konnte. Ob er wohl stehen geblieben war? Eher konnte sich Nihilus vorstellen, dass es wirklich eine Hetzjagd werden sollte. Ein Seufzen folgte, mehr amüsiert als abgeneigt, bevor er abermals in eine schnellere Geschwindigkeit verfiel. Ja, mit Sicherheit würden sie noch mehr laufen müssen. Großes Anschleichen sollte da wegfallen.


(Im Wald, Cirádan & Krolock)

Aléya
01.07.2011, 12:06

Ein wenig unsicher traten die hellen Pfoten auf dem weichen Untergrund am Seeufer auf. Nur langsam richtete sich der Blick aus den klaren Augen auf das Rudel, welches sich geschlossen versammelt hielt. Schwer schluckte die Fähe, die sich, seit dem verpatzen Gespräch mit Sheena, lieber im Hintergrund gehalten hatte. Das Verbot den Rudelplatz zu verlassen war ihr ausgesprochen schwer gefallen. Nicht, weil sie die Gesellschaft anderer nicht mochte. Im Gegenteil. Die heranwachsende Wölfin, die in den vergangenen Wochen einen enormen Wachstumsschub hingelegt hatte, war durchaus aufgeschlossen und locker im Umgang mit anderen Artgenossen. Dennoch hielt sie sich im Augenblick lieber zurück, ließ den Abstand zwischen sich und den anderen größer werden. Natürlich nicht unbegründet. Ihr selbstgewähltes Exil, in der tat konnte man dies schon so nennen, hatte sie aus Schutz aufgesucht. Sicherheit dem Rudel, als auch sich selber gegenüber. Noch immer jagten Schauer über ihren Rücken, wenn sie an die vergangenen Wochen dachte, die sie am Rande des Rudelplatzes alleine zugebracht hatte. Der Schmerz, der an jedem Knochen, jeden Muskel nagte, ließ ihr noch immer das Nackenfll zu Berge stehen. Ein Kloß lag festgesetzt in ihrer Kehle, welche noch nicht schmerzte. Noch nicht. Kurz erhaschte Aléya einen Blick auf ihr Spiegelbild zu ihren Pfoten. Unter ihren Augen lagen tiefe Schatten, eine förmlich spürbare Dunkelheit umgab sie wie wabernder Nebel. Unheimlich.
Ihre Veränderung, innerlich wie äußerlich, war längst nicht mehr zu leugnen und irgendwo hatte sie Angst. Angst vor sich selber, vor dieser Verwandlung, vor dem, was nun in ihr war – und das spürte sie ganz eindeutig – und auch Furcht vor der Reaktion des Rudels. Sie wollte nicht hier weg. Hier hatte sie Anschluss gefunden und es konnte sogar noch besser werden, sofern sie endlich über ihren Schatten springen und die Furcht zurück lassen würde. Innerlich seufzte die Weiße. Es war alles nicht so leicht getan, wie gedacht. Der Tag an dem sie eigentlich mit Sheena über die Jagd sprechen wollte... Ein Muskel zuckte nervös auf ihrem Rücken, wenn sie daran dachte. Sie war genau im richtigen Moment im Unterholz verschwunden. Alles hatte verrückt gespielt: ihr Magen hatte sich zusammen gekrampft, bis sie unter Stöhnen und Keuchen Teile ihrer letzten Mahlzeit hervor gewürgt hatte, ihre Krallen hatten sich Halt suchend in den Boden gegraben, ein Feuer hatte in ihrem Körper gebrannt und ihre Fangzähne im unregelmäßigen Rhythmus ihres Herzens pulsiert. Das Resultat war letztendlich, dass sie wie bei einem krankhaften Reflex nach allem geschnappt hatte, was sie bewegt hatte. Vor Schmerz, der sie in Wellen überfallen hatte, hatte sie auch ihren Kiefer wahllos in alles versengt, was ihr zwischen die Zähne kam: Holz, Schnee, Steine. Es hatte keine Rolle gespielt, sie hatte nur gewollt, das der Schmerz, der sie fast wahnsinnig werden ließ, endlich verebbte. Irgendwann war sie wohl bewusstlos geworden und als sie aufwachte war da der Hunger gewesen. Alles verzehrende Hunger. Sie hatte nur eine kleine Maus, die ebenfalls überrascht von der Kälte, ziellos umher irrte. Als sich die Weiße dann auf das Nagetier gestürzt und ihre Zähne in den kleinen Körper gebohrt hatte, hatte sie nur gierig die Blutstropfen hinunter geschlungen. Regelrecht ausgesaugt hatte sie das Tierchen und den Kadaver dann liegen lassen. Unnormal.
So oder so ähnlich hatte Aléya die letzten Wochen zugebracht, bis sich nach und nach ihr Leben normalisierte – sofern man es so bezeichnen konnte. Das Einzige, was sich bisher gebessert hatte war, dass sie nicht wie tollwütig geworden auf alles los ging und wahllos überall ihre Zähne versengte. Zudem hatte sie festgestellt, dass es ihr besser ging und ihr Verstand klarer, wacher war, wenn sie zuvor gejagt hatte. Es fühlte sich an, als ob dieses Etwas, was auch immer es war, nur dann aufhörte zu toben und sie zu peinigen, wenn sie etwas jagte und das Blut ihres Opfers der Bestie zum Geschenk machte. Nur dann legte es sich wohlig grummelnd schlafen. Bis es irgendwann wieder knurrend erwachte und der Spießrutenlauf von vorne los ging.
Im Moment spürte sie aber nichts dergleichen. Nur Stärke, die in ihren Muskeln, gar übermäßig zu Hause war und eben die Furcht vor den Anderen.
Leicht wandten sich ihre Ohren, die geschärften Augen erspähten zwei Wölfe, die in ihrem Alter sein mussten. Durch ihre hochgewachsene, schlanke Statur konnte sie fast als ausgewachsen gelten, dabei hatte sie wohl erst das erste Lebensjahr vollendet. Befremdlich.
Mit langen, geschmeidigen Schritten überwand sie die Distanz zwischen ihr und den anderen beiden, den Entschluss „raus aus der Isolation und zurück ins Leben“ mit allen Mitteln festhaltend. Kaum hatte sie die beiden erreicht, drosselte sie ihren Schritt, blieb auf Abstand stehen.

Hallo.

Ein schüchternes Lächeln glitt über ihre Lefzen und dennoch versuchte sie zu ihrer alten Art zurück zu finden. Aufmerksam betrachtete sie den weißen Rüden und die hellgraue Fähe, denen sie sich als erstes anschließen wollte. Ihr Geruch kitzelte Aléyas Nase und eine Sekunde befürchtete, dass ihre erste Begegnung bereits beendet war, doch das Etwas in ihr schlummerte friedlich weiter. Erleichtert atmete sie auf, ließ sachte die Rute hin und her pendeln.

Ich hoffe ich störe nicht.


[Rudelplatz – Madoc & Neytíri]

Linalee
02.07.2011, 13:47

Tinca hing an Chardíms Lefzen, als erzähle er gerade die spannenste Geschichte der Welt. Sie war fasziniert von diesem schwarz weißen Papawolf. Und sie hatte in seiner Gegenwart ihre sonst immer wehrende Angst vergessen, sie war in den Hintergrund getreten, sie war einfach nicht mehr wichtig genug in diesem Moment. Ihre Rute äußerte ihre vorsichtige aber ehrliche Freude, dass sich Chardím ihr etwas näherte und dann streckte sie sich selbst noch etwas, berührte flüchtig mit ihrer Nase die seine und schloss quitschend die Augen. Als sie sie wieder öffnete, schaute sie Chardím direkt in die Augen. Ihre glitzerten und glänzten von tiefer Freude. So glücklich war sie bisher noch nicht wirklich gewesen. Seine Frage tat ihrer Freude keinen Abbruch, sondern ließ sie noch mehr strahlen, bis sie dann schließlich antwortete. Sie hatte es geschafft, sich so weit zu beruhigen, dass sie weder stotterte, noch Buchstaben verschluckte oder hinzusetzte.

"Es ist komisch hier draußen. Drinne war es immer schön warm gewesen. Und hier draußen ist alles so grell weiß und kalt. Und nass. So nass waren Mama und Papa immer, wenn sie aus dem Licht zu uns in die Höhle gekommen waren. Und jetzt sind wir selber so nass. Du bist auch nass. Ist das weiße in deinem Fell das weiße unter unseren Pfoten? Oder ist das was anderes weißes? Das ist auch so hell, ist das auch so kalt und nass?"

Sie blinzelte ein paar Mal und ihr Fang blieb offen stehen, während sie Chardím so anschaute. Faszination ging von ihr aus und sie konnte selbst noch kaum glauben, dass das hier sie selbst war, die hier im Schnee lag und Anders, Chardím, Papawolf anschaute. Aber sie war es. Glücklich über diese Erkenntnis schlich sich wieder das breite Grinsen auf ihre Lefzen und mit ihrer Rute wirbelte sie den Schnee auf, der sich dann langam auf ihrem dunklen Fell niederlegte und ihr ein frostiges Gefühl bescherrte, sodass ein Zittern durch den Körper der Welpin lief und sich in einem Ohrenzucken verflüchtigte. In diesem Moment meinte sie ein fremdes Gefühl in sich zu spüren. Erstaunt schaute sie hinauf in den Himmel, als könne sie dort jemanden oder etwas sehen. Es war ein wohliges Gefühl gewesen, aber so fremd. Sie blinzelte leicht und als ihr Blick zu Chardím zurück kehren wollte, wanderte er zuerst zu ihrer Mama und ihrem Papa. Mama wirkte nicht gerade so, als fühle sie sich wohl und aus dem zuvorigen Lächeln wurde ein trauriges Blinzeln. War etwas mit Mama passiert? Tinca winselte leicht, ihr Blick huschte zu Chardím, zurück zu Mama, zu Papa, dann wieder zu Chardím.

"Chardím", flüsterte sie leise, als könne sie von jemand anderem außer Chardím gehört werden, "warum ist Mama so traurig?"

Wissbegierig und aus großen Augen schaute sie Chardím an und wartete auf eine Antwort. Er war doch ein Papawolf, er musste doch wissen, was mit Mama los war - oder?



[Chardím | nahe Jakash und Sheena || nahe der Rudelhöhle]

Majibáh
02.07.2011, 13:51

Die Weiße konzentrierte sich auf ihr pulsierendes Herz und war völlig gefangen in ihren Gedanken, die wirr darüber philosophierten, was dieses Gefühl zu bedeuten hatte, dass sie gerade verspürte. Immer wieder schweifte ihr Blick umher, ohne dass sie irgendetwas fixieren konnte – sie sah, konnte aber nichts erkennen. Ein stummes Lächeln schlich sich auf ihre Lippen bei der Erinnerung an den großen, grauen Rüden, dessen Name sie nie erfahren hatte. Damals hatte sie nicht verstanden, was er damit sagen wollte, weder oberflächlich noch tiefgründig. Jetzt schon. So war es ihr bei den meisten seiner Weisheiten ergangen, genauso wie er es ihr prophezeit hatte. Manchmal wünschte sie sich, dass sie ihn ein letztes Mal treffen könnte, um ihn fragen zu können, wie er sein Wissen zusammentragen konnte. Und um sich von ihm zu verabschieden. Von seinem Körper, denn seine Worte würde sie verbreiten, an alle, denen sie noch begegnen wird. Hoffentlich bald, denn langsam begann die Blauäugige sich ein wenig zu langweilen. Wie schön es doch wäre, wenn sie mal wieder auf jemanden traf, zu dem sie schon lange keinen Kontakt mehr gehabt hatte.
Plötzlich nahm sie eine Stimme wahr, die sie zuerst nicht zuordnen konnte: Was sie sagte, wen sie meinte und wann sie sprach. Aber als sie ihren Kopf langsam nach oben streckte, stand vor ihr eine Fähe, die neben ihrer geringen Größe und ihrem zierlichen Körperbau vor allem durch ihr schönes Gesicht auffiel. Zudem wirkte sie noch relativ jung, was fast einen Beschützerinstinkt in ihr auslöste.

„Avendal“,

begrüßte sie ihr Gegenüber freundlich und lächelte ihr zu, um ihr zu beweisen, dass sie sich ehrlich darüber freute ein wenig Gesellschaft zu haben. Ehrlich. Das war sie schon immer gewesen, es sei denn, sie musste mit der Wahrheit jemanden verletzen, den sie nicht abgrundtief hasste. Wobei, eigentlich fiel es sogar bei denen schwer, für die sie nur tiefe Abscheu empfand. Schließlich sind die Meisten nicht so stark, wie sie es vorgeben zu sein. Um noch einmal zu verdeutlichen, dass sie froh war, fuhr sie wenige Sekunden später bereits fort:

„Hallo. Du kannst bestimmt Gedanken lesen. Gerade habe ich mir noch gewünscht, mich mal wieder mit jemandem zu unterhalten, den ich schon länger nicht mehr gesehen habe.“

Danach verstummte sie und wartete geduldig auf eine Antwort der anderen. Vielleicht gab es ja sogar einen Grund, warum sie mit ihr reden wollte. Nein, das bezweifelte sie, einen solchen konnte es nicht geben, weil niemand mit Fremden über etwas Wichtiges sprach. Es sei denn natürlich, derjenige hatte eine besondere Lebenserfahrung oder eine gute Kenntnis über das Problem. Aber darüber verfügte sie nicht, und selbst wenn, dann wüsste es vermutlich keiner.

[auf dem Rudelplatz - zuerst alleine, dann bei Avendal]

Avendal
02.07.2011, 17:35

Avendal zog ihre Lefzen zu einem freundlichen Lächeln zurück, nachdem Majibáh sie auch begrüßt hatte. Ihre Ohren neigten sich ein wenig zur Seite und sie verdrängte das tiefe Gefühl in ihrem Herzen. Schon seit wenigen Tagen hatte die Helle das Gefühl nicht mehr zu wissen wehr sie sei und sie war froh darüber das die Weiße vor ihr sie nicht zurück wies und Avendal so die Möglichkeit hatte ihre Gedanken zu verdrängen. Diesmal zuckten ihre Ohren nach vorne und die tiefblauen Augen funkelten erfreut bei den Worten ihrer Gegenüber.

Vermutlich. Das Rudel ist so groß das man Mitglieder nicht mehr von Fremden unterscheiden kann.“,

meinte sie und lächelte Majibáh wieder freundlich an, während sie sich auf dem Boden ausbreitete, kurz die Schnauze auf ihren dreckigen Pfoten zum ruhen kam und dann den Kopf wieder hob. Kurz glitt ihr Blick über den Rudelplatz dann wandte sie sich wieder an die Fähe.

Es war in den letzten Tagen ziemlich viel los. Ich bin froh das mit den Welpen wieder ein wenig Ruhe eingekehrt ist.“,

gestand sie ihrer Gesprächspartnerin und versteckte ihre Augen kurz hinter den Augenlidern. Sie hoffte das Majibáh das Gefühlschaos, das in ihr herrschte nicht bemerkte, sie wusste nicht ob sie sich ihr anvertrauen konnte, da Avendal ja nicht einmal mit ihren Eltern geschweige denn ihren Geschwistern reden konnte. Vor allem nicht nach dem Tod ihres Bruders. Ein tiefes Seufzen verließ ihre Lefzen.


[Rudelplatz | Majibáh]

Majibáh
03.07.2011, 02:02

Majibáh hörte geduldig der Stimme zu, die in einem warmen Ton mit ihr sprach. Manchmal war es wirklich unangenehm, mit jemandem zu sprechen, weil der Andere schrill, laut, ungewöhnlich tief redete. Oder eher krächzte. Das könnte sie jetzt keineswegs behaupten, im Gegenteil. Es war wirklich schön und sie brauchte ein wenig, bis sie sich davon losreißen und selbst antworten konnte.

„Das ist wahr. Wenn ich darüber nachdenke, habe ich bisher nur so wenige kennengelernt, vor allem in Anbetracht der Gesamtzahl der Wölfe, die hier aufgenommen wurden. Und das, obwohl ich hier schon über ein Jahr lebe. Wobei ich natürlich auch zugeben muss, dass ich mich am Anfang extrem zurückgezogen habe. Natürlich hat es aber auch seine Vorteile“,

entgegnete sie, senkte ihren Blick etwas, da ihr Gegenüber doch wesentlich kleiner war. Als sie sich auch noch auf dem Boden niederließ, beschloss sie, sich zu ihr zu setzen. Einen Moment lang versank sie wieder in ihren Überlegungen, konnte sich allerdings schnell wieder herausreißen. Es wäre unhöflich gewesen, noch länger mit einer Reaktion zu warten.

„Oh ja. Selbst mir war es etwas zu kalt. Eigentlich habe ich mit niedrigen Temperaturen kein Problem, wie man mir bestimmt auch ansieht...“

Dabei war sie einen kurzen Blick auf ihr dichtes, langes Fell, das sie im Winter immer warm hielt und bei der Hitze, die gelegentlich herrschte, beinahe etwas lästig war. Ein leichter Wind fuhr durch die einzelnen Haare, stellten sie auf und verschwand wieder, nahm das Echo ihrer Worte mit, trugen sie weiter, ohne sie jemals preiszugeben.

„Aber trotzdem hat man sich daran gewöhnt, dass bestimmte Jahreszeiten herrschen.
Die Welpen, sie sind so süß und ich freue mich so sehr für ihre Eltern, auch wenn ich sie nicht weiter kenne, ich glaube, sie werden gut für die Kleinen sorgen. Außerdem hat ein bisschen Leben und Wärme hier gefehlt. Viel zu lange“,


schloss sie und legte sich nun auch nieder, weil sie etwas müde war und ihre Lider ein wenig schwer wurden. Trotzdem fiel es ihr nicht allzu schnell, nicht einzuschlafen, weil dazu einfach momentan zu viel geschah, ebenso wie in der Vergangenheit, über dass sie nachdenken musste. Zum Beispiel, dass Avendal etwas nachdenklich und ruhig wirkte. Zuerst hatte sich die Weiße keine weiteren Gedanken darüber gemacht, weil sie erst vermutet hatte, dass es nur ihre Art und keineswegs ein Grund zur Sorge war. Aber als sie seufzte, wurde die Ältere doch etwas skeptisch. Vermutlich bemerkte die Schöne, wie sie begonnen hatte die Fähe zu nennen, das auch, obwohl sie sich bemühte zu lächeln, weil sie nicht aufdringlich wirken wollte und es jede Menge Erklärungen für dieses Verhalten gab. Aber die Blauäugige nahm sich vor, sie darauf anzusprechen, wenn sie weiter etwas traurig wirken sollte. Möglicherweise wollte sie ja doch mit ihr reden, da Fremde ein Problem sachlicher kommentieren konnten als Verwandte oder Freunde. Jedenfalls hoffte sie das. Sehr.

[auf dem Rudelplatz - bei Avendal]

Chilali
03.07.2011, 13:21

Beruhigt das sie anscheinend doch nicht der Auslöser für seine erhöhte Wachsamkeit war entspannte Chila sich wieder. Es machte sie ganz schon fertig in einem neuen Rudel, mit so vielen Mitgliedern zu sein. Sie hatte einfach vollkommen den Überblick verloren und das verpasste der sonst so selbstbewussten und auch etwas dominanten Fähe einen gehörigen Dämpfer. Normalerweise hätte sie nicht so unsicher reagiert wenn sie gedacht hätte das sie der Grund für die Unruhe Takashis sei.

"Nein, nein. Alles in Ordnung. Ich bin in letzter Zeit nur etwas nervös. Die vielen neuen Gesichter und die Tatsache, dass ich kaum jemanden kenne, auch kaum einen von den Ranghohen, beunruhigt mich etwas."

,gestand sie wahrheitsgemäß. Auch wusste sie gar nicht welche Rolle Takashi im Rudel spielte. Seufzend blickte sie über die Runde. Ihre Ohren spielten in alle Richtungen auf der Suche nach bekannten Stimmen, dass sie keine fand enttäuschte die junge Fähe etwas. Sie hatte nicht gedacht, dass es ihr so schwer fallen könnte sich in einem neuen Rudel einzuleben. Irgendwie gefiel es ihr ja schon hier. Sie war immerhin bei ihrem Bruder, wenn auch nicht die ganze Zeit. Was ihr fehlte waren einfach Freunde mit denen sie die Zeit totschlagen konnte. Vielleicht sollte sie sich später mal bei den anderen Jungwölfen umsehen. Mit zwei Jahren galt sie zwar schon als Erwachsene, aber das machte ihr nichts aus. Toben tat sie immer noch so gerne wie seit ihren ersten Lebenswochen.


[Rudelplatz l Takashi]

Face Taihéiyo
04.07.2011, 21:01

Lautlos lief der tiefrabenschwarze Wolf fern ab des Rudels, zwischen den Bäumen des nördlichen Mischwald umher. Face Taihéiyo wusste, dass er für Abwesenheit einen denkbar schlechten Zeitpunkt gewählt hatte, andererseits beschlich ihn mehr und mehr das Gefühl, dass es niemals einen richtigen Zeitpunkt dafür geben würde. Aber er konnte auch nichts daran ändern, dass Tag für Tag die Unruhe in ihm wuchs. Er hätte nicht sagen können, woher sie kam, aber sie war da. Und sie ließ sich nicht ignorieren. Dabei wusste er, es war noch nicht Zeit. Sie war noch nicht dazu bereit, auch noch von ihm verlassen zu werden. Wie stark war der Drang? Würde er ihn einfach über die Reviergrenze ziehen, wenn er sich erst einmal in ihrer Nähe befand? Face Taihéiyo hielt inne, die Markierungen nur noch unweit von ihm entfernt.
Die letzten Jahre waren einfach so verstrichen, als wären sie zeitlos gewesen. An keinem Ort hatte der Tiefschwarze bisher so lange verweilt, wie hier. Über vier Jahre war es her, er hatte vier Würfe Welpen heranwachsen sehen – einer davon war der, in den sein Patenkind hinein geboren war und einer der, den sie selbst geworfen hatte. Selbst jene waren schon bald erwachsen und Face fühlte sich mit jedem Tag älter und älter, ohne das sein Körper den Willen besaß mit seinem Geist zu altern. Er hatte Averic und seine Geschwister aufwachsen sehen. Er hatte Tyraleen und ihre Geschwister aufwachsen sehen. Er hatte Rakshee und ihre Geschwister aufwachsen sehen. Tyraleens Welpen aufwachsen sehen. Und auch jetzt waren wieder Welpen geboren worden. Würde er selbst ihnen noch beim Erwachsenwerden zuschauen können? Der stille Rüde hatte Banshee einst versprochen so lange auf ihre Tochter aufzupassen und für sie dazusein, bis er sie guten Gewissens ziehen lassen konnte. Selbst jetzt, wo sie selbst Mutter war, war es noch nicht so weit und für Face stand es außer Frage, dass er so lange an Tyraleens Seite bleiben würde, bis sein Gewissen wirklich rein war. Selbst wenn es noch weitere Jahre dauern würde, die jeder normale Wolf seinen Alters sicher nicht mehr erleben würde. Der Tiefschwarze hatte wohl wirklich die Gefühle eines besorgten Vaters entwickelt. Die Last der Verantwortung für ein ganzes Rudel war ihm derweil von den Schultern genommen worden und Face hatte sich nicht dagegen gewehrt, dass andere Wölfe sich in die Positionen für Verantwortung gedrängt hatten. Ja, der Tiefschwarze hatte sogar wirklich Erleichterung empfunden, denn dieser Job hatte ihm nie gelegen, obwohl er alles dafür getan hatte, um ihn möglichst gut auszufüllen. Er wollte niemanden enttäuschen und wenn er für das Wohl der anderen etwas hatte tun können, so war es gut.
Die saphirblauen Augen starrten über die Reviergrenze, aus dem Revier hinaus. Da war nichts, der Ruf der Freiheit konnte den alten Wanderer nicht mehr gefangen nehmen. Kein Drang zog ihn fort, aber auch das leichte Wabern von Unruhe verschwand nicht. Vielleicht war es auch schlicht und einfach die Besorgnis darüber, ob je wieder richtiger Frieden im Tal der Sternenwinde herrschen würde, ob es wieder Frieden für seine kleine Tyraleen geben würde und er war nur nicht in der Lage, seine Gefühle richtig zuzuordnen. Es hätte Face Taihéiyo nicht gewundert, wenn er so darüber nachdachte, erschien es ihm fast wahrscheinlich. Er war noch nie gut darin gewesen, seine eigenen Gefühle zu deuten.
Stumm seufzend lehnte sich der Achtjährige gegen einen noch halb eingeschneiten Baumstamm und sah zurück, in die Richtung, wo das Rudel war. Er spürte, wie sein altes Herz unbeugsam gegen den kleinen Saphir an seiner Brust pochte.



[ Reviergrenze - nördlicher Mischwald | noch allein ]

Volk Zubami
05.07.2011, 13:13


Als die Welpen geboren wurden, war die Aufregung schon groß, aber jetzt, da sie aus der Höhle herauskommen dürfen, steigert sich das ganze nochmal. Alle wuseln um die Höhle herum und die Welpen mittendrin.Volk hielt sich etwas abseits auf, nicht das er sich für die Neugeborenen nicht interessieren würde, allerdings war ihm das ganze zu viel. Einen kleinen Blick konnte er erhaschen, dies genügte ihm, Volk wüsste sowieso nicht was er hätte sagen sollen, außer ,Herzlichen Glückwunsch'. So betrachtete der Schwarze das ganze lieber von außerhalb. Ach ja, niedlich ist es ja schon wenn sie noch so jung sind und so wie es scheint bringt das neue Leben der kleinen, auch neues leben ins Tal. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass das Ganze so bleibt wenigstens bis zum reellen Winter. Seine Schwester war von hier aus auch zu sehen, sie war bei einem Rüden, der ebenfalls Schwarze hieß Takashi, wenn sich Volk richtig erinnerte. Naja, gepasst hat es ihm nicht wirklich, aber sie musste ja auch Anschluss finden und Volk war ja auch noch in der Nähe. Der Rüde entschloss sich ein wenig die Beine zu vertreten, immer mit einem sicheren Blick zu seiner kleinen Schwester. Auf seinem Spaziergang begegnete der Rüde Lyerra, die in Begleitung des Alphas Aszrem. Volk gesellte sich zu den beiden.

„Hallo Aszrem, hallo Lyerra. Stört es euch wenn ich mich zu euch geselle? Habt ihr die Welpen schon gesehen? Die Wuseln hier ja schon ganz schön rum.

Schön wieder auf seine beste Freundin zu treffen und etwas Zeit mit ihr zu verbringen.

[Beim Rudel | Aszrem, Lyerra]

Malik Hikaji
05.07.2011, 18:53

Schon wieder tauchte da das neue Wort auf. Ein Pate sollte das also sein, sein eigener Wolf. Aufgeregt hechelte der kleine Weiße und nickte immer wieder, um deutlich zu machen, dass er genau zuhörte. Nun erfuhr er aber, dass Tyraleen und seine Mama entschieden hatten, wer sein Wolf werden sollte. Aber da war noch etwas …

„Was ist denn eine Alpha, Liel? Ist das ein Name von Tyraleen, so wie ich noch Hiks heiße?“

Weil er es nie schaffte, seinen Zweitnamen richtig auszusprechen, kürzte er ihn einfach so ab, wie Taleesha häufig machte und dabei immer zuckte. Er wusste, dass so sein Onkel geheißen hatte, der Gebruder von seiner Mama. Der war nicht mehr da und damit etwas an ihn erinnerte, hatte Malik seinen Namen mit auf den Weg bekommen. Das gefiel ihm, auch wenn er „Malik“ ansich ja schon viel hübscher fand. Wieso mussten manche Wölfe überhaupt zwei Namen haben, Taleesha und Tinca hatten schließlich keine.

„Hast du auch noch einen Namen, Chanuka? Weißt du, mein Gebruder heißt nicht nur Isaí, sondern auch noch Caiyé! Haben denn nur wir Papas einen zweiten Namen? Oder heißen dann alle Mamas noch „Alpha“ dazu? Alpha Tinca und Alpha Taleesha und Alpha Liel!“

Beglückt jauchzte er und probierte fast schon singend die neuen Namenskombinationen aus. Er musste unbedingt die anderen Mamas und Papas kennenlernen, damit er sie mit ihrem ganzen Namen ansprechen konnte. Sein Blick blieb beim Schweifen schnell an zwei weißen Fähen hängen, die sich nicht weit von ihnen unterhielten. Neugierig schaute er ihnen kurz zu, dann wandte er sich hektisch an Liel und Chanuka.

„Ich will den beiden Mamas Hallo sagen, aber ihr müsst mitkommen, weil ihr seid meine Wölfe … eh, auch wenn ich mir das nicht aussuchen soll.“

Er zupfte Chanuka auffordernd an einigen der schwarzen fellsträhnen, die er erreichen konnte, dann hoppelte er los. Viel zu schnell ging es für ihn über den großen Platz, auf dem schon so viele Mamas und Papas in Gruppen zusammen saßen. Aber nur da hatte er zwei Mamas zusammen, die dazu noch so schön malikfarbenes Fell hatten. Noch weit vor ihnen wurde er langsamer, näherte sich vorsichtig und neugierig zugleich, Bewunderung funkelte in seinen Augen.

„Hallo. Seid ihr zwei Alphamamas?“, piepste er ihnen entgegen.

Am liebsten hätte er sich mit einem Seufzer hingesetzt, denn die kleine Hoppeltour durch das nasse weiße Zeug war gar nicht so von ohne. Aber dann hätte er Liels Kunststück ja wieder zunichte gemacht und Schmutz gesammelt wie die Zunge seiner Mama, wenn diese Isaí putzte. Nein, das durfte er sich jetzt nicht kaputt machen. So blieb er lieber unschlüssig stehen, traute sich nicht so recht an die beiden heran und trampelte mit den viel zu großen Pfoten im Schnee. Da fiel ihm ein, dass Chanuka und Liel ja hatten mitkommen sollen. Beinahe erschrocken, dass er so voreilig gewesen war, riss er den Kopf herum und suchte mit den Augen „seine“ beiden Wölfe. Hoffentlich kamen sie ganz schnell hinterher, bei den vielen Mamas und Papas hier hatte er sie glatt aus den Augen verloren. Aber so weit konnten sie ja gar nicht sein, sie würden bestimmt gleich auftauchen.


{ erst bei Liel & Chanuka :: dann vor Majibáh & Avendal | Rudelplatz }

Kisha
05.07.2011, 21:22

Es war ein wunderbares Gefühl, sich so frei von Sorgen mit diesem Welpen zu unterhalten. Ohne einen Hintergedanken, ohne ihre unbekannte Vergangenheit, die sonst oft wie ein dunkler Schleier auf ihr lastete. Mit welchem erwachsenen Wolf konnte man sich auch darüber unterhalten, wie er ein Stück Wolke aus dem Himmel holen würde? Jeder Wolf wußte, dass es unmöglich war, so hoch zu springen. Die Wolken blieben unerreichbar für Wölfe. Und auch Isaí würde das sicher schnell einsehen. Und als ihre Frage, wie er es denn anstellen wollte, an solch eine Wolke zu kommen, verblasste sein Lächeln und Kisha musste sich ein leises Lachen verkneifen. In diesem Moment schien er verstanden zu haben, dass dies nicht ganz leicht werden würde. Und als er dann verkündete, er würde es ihr einfach nicht verraten, damit sie sich noch mehr freuen würde, konnte sie nur lächelnd den Kopf schütteln und setzte dann zu einer Antwort an.

Wenn du etwas weißt, kannst du es den anderen erzählen. Damit kannst du sie sicher beeindrucken und sie nehmen dich auch in die Familie auf.“

Nun beobachtete sie, wie der kleine Wolf um ihre Beine herum sprang, sichtlich glücklich darüber, dass er nun seine Familie kennen lernen würde. Gerade wollte sie sich selbst in Bewegung setzen, als der Rötliche abrupt stehen blieb und an ihr vorbei starrte. Ein Ohr zurück neigend folgte sie seinem Blick, zu den Baumwipfeln. Zuerst schien er verwirrt, doch dann begann seine Rute wieder wie wild hin und her zu pendeln. Er hatte wieder eine neue Entdeckung gemacht, und sie bekam prompt die Frage gestellt, was diese Dinge waren, und ob sie sich auch so über die Welpen freuten. Sie stubste den kleinen Wolf kurz mit der Schnauze an, wandte sich dann um und schritt langsam voran. Sie würde ihm auf dem Weg erklären, was Bäume waren. Sie hatte mit einem Blick über das Rudel schnell einen Wolf gefunden, den Isaí kennenlernen konnte. Diesen steuerte sie nun an.

Das sind Bäume, Isaí. Manche von ihnen sind schon hundert Jahre alt – so alt wie kein Wolf je werden wird. Sie sind anfangs so klein wie du, sogar noch kleiner. Und sie wachsen ganz langsam und hören nie auf zu wachsen. Und sie freuen sich sicher über euch – die ganze Welt freut sich über Welpen. Und jetzt... lernst du meinen Bruder kennen.“

Noch immer ruhte das Lächeln auf ihren Lefzen, auch als sie den Blick abwandte und ihren besagten Bruder anblickte. Erneut neigte sich eines ihrer Ohren zurück. Was würde Averic wohl dazu sagen, wenn sie nun zu ihm kam, mit einem Welpen?

Hallo Bruder.“

Nah bei dem dunklen Wolf blieb sie stehen, lächelte ich sanft entgegen.

Hier ist jemand, der dich kennenlernen möchte.“


[Rudelplatz – Isaí & Averic]

Isaí Caiyé
06.07.2011, 00:48

Er hatte die Lefzen verzogen, als Kisha meinte, er solle erzählen, wenn er etwas wüsste, um andere zu beeindrucken. Aber was war, wenn man etwas erst noch erfahren musste, aber nicht zugeben wollte, dass man es noch nicht wusste. Das konnte man doch noch nicht sagen! Das würde ja genau den falschen Effekt erzielen und das war in Isaís Fall nun wirklich nicht erstrebenswert. Am Ende würden sie ihn doch nicht in die Familie aufnehmen. Und das wollte der kleine Rotschopf nun wirklich nicht in Kauf nehmen. Und deshalb konnte er seinen Plan auch nicht Kisha verraten, so gern er es wollte – Aber der Plan, sein perfekter, maliksicherer Plan, war einfach noch nicht ausgetüftelt. Dazu würde er die Nacht nutzen, wenn er sich von diesem anstrengenden Tag erholen und seinen Geschwestern und Gebrüdern erzählen würde, dass er (auch noch) eine neue, viel größere Familie hatte. Und dann würden sie alle gaaaaannnz große Gesichter machen! Der Rote freute sich schon tierisch darauf, doch erstmal musste man sich mit anderen Dingen beschäftigen.

Gespannt lauschte er Kishas Worten und suchte aufgeregt nach Augen und Schnauze und vor allem Läufe der ‚Bäume‘. Aber sie schienen nur einen ganz großen Lauf zu haben mit einer Pfote, die unterschiedlich viele Krallen hatte. Aber etwas, womit sie sehen, hören, riechen oder gar sprechen konnten, konnte er nicht entdecken. Das mussten ganz merkwürdige Geschöpfe sein, wenn sie ihre Gesichter verstecken, nur auf einem Lauf stehen, so riesig werden und ganz viele Jahre leben konnten! Er war fasziniert von dem Gedanken, größer zu sein, als Welpenbäume und auch viel schneller zu wachsen als Welpenbäume, doch andererseits würde er es wohl nie mit einem aufnehmen können. Wieder glitt sein Blick nach oben zum vermuteten Gesicht des Baumes (immerhin hatte man gelernt, dass Gesichter immer oben-vorne waren) und blickte ihn mit einem offenen Maul an. Ha! Sie schienen so groß zu sein, dass sie an die Höhlendecke den Himmel kamen. Er würde sie einfach fragen, ob sie ihm ein Stück Flauscheding holen konnten. Und dann wäre Kisha bestimmt ganz stolz auf ihn! Ein zufriedenes Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab, während er selbst stolz auf seinen raffinierten Plan war und gar nicht realisierte, dass Kisha sich bereits weggedreht hatte.

„Wachsen wir auch immer weiter und werden immer größer? Und wieso reden sie nicht mit uns? Mögen sie dich nicht? Mich finden sie ja toll, aber wenn sie dich nicht mögen, mag ich sie auch nicht... Hast du sie mal geärgert und dich nicht ent-“

Er bemerkte, dass seine Kisha bereits weiter gelaufen war, sprang auf und hüpfte ihr hinterher. Sie wollte ihm nun ihren Gebruder vorstellen. Neugierig sah er sich nach dem Wolf um, zu dem sie ihn nun bringen würde und erkannte, dass sie dorthin liefen, wo sein Vater kurz zuvor noch gewesen war. War er ihr Gebruder? Aber den kannte Isaí doch schon lange! Und außerdem war der bereits wieder bei Sheena. Hatte Kisha das vergessen? Erst, als sie recht nah waren, erkannte er den papafellfarbenen Wolf zwischen den Papa- und Mamabäumen und wurde etwas langsamer. Er sah anders aus als die Mamas und Papas, die er bisher hatte kennenlernen dürfen, doch nicht minder anders, als momentan auch alle anderen. Jeder von ihnen hatte noch etwas besonderes für ihn und wirklich feststellen, was besonders besonders für einen Wolf war, konnte er bei bestem Willen noch nicht. Mit neugierigen Augen sah er sich den Gebruder Kishas an, war er ja jetzt auch sein Gebruder und lächelte schließlich zögerlich.

„Hallo! Ich bin Isaí! Und ein Caiyé, genau wie mein Papa!“, quiekte er fröhlich und ließ sich im Schnee auf seinen Hinterläufen nieder. Ein verhaltenes, aber stolzes Lächeln galt kurz seinen Eltern, die er zwischen Kishas Läufen hindurch sehen konnte, ehe er sich wieder voll und ganz dem neu kennengelernten Papa widtmete.



{ Kisha und Averic }

Minyala
09.07.2011, 10:26

Welpen! Diese verrückten Wölfe hatten nun allen Ernstes auch noch Welpen gezeugt. Nicht, dass Minyala etwas gegen Welpen hätte – um genau zu sein war der einzige Welpe, den sie kannte, sie selbst – aber bei diesem Wetter und mit den Vargen und allem drum und dran … da konnte man sich doch nicht über Welpen freuen! Natürlich war die Silberweise dabei gewesen, als Tyraleen und Sheena dem Rudel erklärten, warum es nun eine gute Idee war, Leben in dieses lebensfeindliche Tal zu setzen, aber es war das Gleiche wie immer: Götter. Alles wurde hier mit den Göttern erklärt, durch Religion ließ sich jeder noch so sinnlosen Tat eine Rechtfertigung verleihen. Das Einzig interessante, das Minyala auch nicht hinfortdenken konnte, war die wärmer gewordenen Temperatur und die Sonne, die immer wieder hinter den Wolken hervorblitzte. Aber ein echter Beweis war das noch lange nicht, warum sollte der Kälteeinbruch nicht von alleine verschwinden? Doch die Wölfe um sie herum waren überzeugt von ihren teilweise doch sehr abstrusen Theorien und Minyala saß alleine, etwas abseits von dem um die Welpenhöhle geschartes Rudel und betrachtete das Treiben stumm. Eigentlich hätte sie ja einmal gerne Welpen kennengelernt, aber zunächst würde sowieso deren riesige Familie sie kennenlernen und irgendwann danach würde Minyala sicher einmal ein Wörtchen mit diesen seltsamen kleinen Fellbällen wechseln können. Bis dahin würde sie hier sitzen und sich fragen, warum sie eigentlich noch immer bei diesem Haufen von Verrückten war. Immerhin hatte sie sich schon oft genug überlegt, abzuhauen und hätte das einmal sogar fast in die Tat umgesetzt. Sie schon die Schuld gerne auf Caleb, der sich hier doch relativ wohl zu fühlen schien, aber wenn sie ganz ehrlich zu sich wäre, müsste sie wohl zugeben, dass auch sie sich hier recht wohlfühlte. Trotz verrücktem Glauben, Kälte und nunmehr Welpen.
Ihr Blick wanderte über die Wölfe und hielt immer wieder inne um das gerade betrachtete Rudelmitglied genau zu mustern und sich zu fragen, was er von diesem ganzen Spektakel hielt. Die meisten von ihnen sahen glücklich aus, was Minya nicht weiter erstaunte. Lediglich ein paar von ihnen trieben irgendwelche komischen Dinge. Beispielsweise zwei der Jungwölfe – die Silberweiße konnte sich ihre Namen einfach nicht merken – stritten sich, oder auch nicht, jedenfalls riss der eine seiner Schwester das Ohr auf. Höchst dramatisch warf sich diese zu Boden und schon tauchte Tyraleen mit einem Welpen auf. Doch ein wenig neugierig betrachtete Minya das kleine schwarze Etwas, wie es tapsig und unbeholfen neben der Leitwölfin durch den Schnee stapfte und dann mit piepsiger Stimme sprach – ihre Worte konnte die Einohrige leider nicht verstehen. Nun doch ein wenig schmunzelnd wandte Minya ihren Blick wieder von der Szene ab und entdeckte dann Malicia, die in ihrer Nähe und somit ebenso abseits vom Trubel um die Welpen saß. Die schwarze Fähe, die damals Caleb und sie begrüßt und schon kurz darauf das Rudel verlassen hatte, war der Silberweißen auch heute noch ein wenig suspekt. Sie waren durchaus freundlich willkommen geheißen worden, doch irgendetwas war an der Schwarzen seltsam. Dass sie nun abseits ihrer Familie saß, bestätigte das nur und machte sie doch gleichzeitig zu einer Verbündeten. Immerhin schienen sie beide nicht so richtig dazu zu gehören. Kurz entschlossen erhob sich die Einohrige und tappte ein paar Schritte auf die Schwarze zu, die geknickte Rute freundlich hin und her pendelnd.

“Keine Lust mit deiner Familie neues Leben zu feiern?“

Mit einem schiefen, aber ebenso freundlichen Lächeln auf den Lefzen blieb Minya stehen und fragte sich, ob die Unterhaltung nun ebenso seltsam werden würde wie ihre damalige erste Begegnung.


[ etwas abseits des Rudels | Malicia ]

Jakash Caiyé
09.07.2011, 11:46

Sein Lächeln verblasste, als ihm klar wurde, dass seine Liebste nicht einfach nur bedrückt gewirkt hatte - wie das eben manchmal so war, wenn man sich unbeobachtet wähnte, oder kurz eine traurige Erinnerung vorüber zog - sondern dass sie es tatsächlich auch war. Ihre halb erstickte Stimme verriet ihren Kummer, und in Jakash machten sich Verwirrung und Sorge gleichermaßen breit. Was konnte Sheena angesichts so gesunder und aufgeweckter Welpen denn so betrübt stimmen?
Ihre Worten gaben ihm keine wirklich verständliche Antwort, wie er fand, aber anscheinend wusste seine Liebste nicht einmal selbst, was genau mit ihr los war. Sie war glücklich und unglücklich zugleich, ohne das sie bei Letzterem sagen konnte, warum. Einsamkeit und Leere? Das passte so gar nicht zu ihrem Familienglück. Vielleicht war sie doch etwas sauer, dass er erst jetzt wiedergekommen war, und wollte ihm das nur nicht direkt sagen? Hm.

"Nicht doch, Liebste, es ist doch alles in Ordnung - in bester Ordnung sogar. Es gibt nichts, worüber du dir Sorgen machen müsstest, okay?",

versuchte er sie zu beruhigen, während er ihre Liebkosung erwiderte. Er würde auf sie aufpassen, sie alle. Seine eigene Familie würde sich nicht so versprengen wie die seiner Mutter. Seine Welpen würden nicht ohne ein Wort des Abschieds in die Welt hinaus ziehen und ihre Mutter in nagender Ungewissheit zurück lassen. Und er selbst würde sie erst recht nicht verlassen und ihr das Herz brechen, niemals!
Er leckte ihr erneut sanft über die Schnauze, nun wieder lächelnd und mit Entschlossenheit im Blick. Auf ihre Frage hin nickte er.

"Ja, ich denke schon",

erwiderte er, ging aber nicht weiter auf das Thema ein. Er würde Chardím noch sagen, dass er es seinem vater erzählt hatte, aber nicht in Anwesenheit so vieler anderer Wölfe.

"Wo wollte Tyraleen denn mit Taleesha hin? Ich dachte, die Zeremonie soll bald beginnen..."


[Rudelplatz, Welpenhöhle | Sheena, in der Nähe Chardím und Tinca, ebenso Liel, Chanuka, Malik]

Malicia
09.07.2011, 18:43


Selten zuvor stießen die Erinnerungen so hart auf die schwarze Fähe ein, wie in dem Moment, als sie die Welpen sah. Jede Bewegung, jede Regung, jeden Ton, jeden Geruch die sie in diesen sich scheinbar ewigen Momenten aufnahm, erinnerte sie an Faith. Deren Tod sie allein zu verantworten hatte. Die Bilder ihrer Augen, ihrer Schnauze flackerten wie Himmelsleuchten auf, der Kopf schien ihr zu bersten, sie schüttelte, abseits der begeisterten und freundlichen Rudelmitglieder sitzend den Kopf und biss sich auf die Leftzen, verdrehte die Ohren und konnte nicht still sitzen. Die Stimme des Monsters, welches sie selbst war oder zu dem sie geworden ward, brummte ihr unnachlässig im Schädel. Am liebsten wäre sie davon gerannt, einfach weg hier, einfach weg von diesen Welpen. Damit sie sie nicht anstarren musste, diese unschuldigen Dinger, die zu eben solchen Monstern wie sie werden konnten. Noch so unschuldig und schon jetzt dazu verdammt diese schrecklichen Dinge mitzuerleben. Das diese Winzlinge ihre ganze Welt retten sollte, das glaubte sie nicht, denn ohnehin waren die alten Götter für sie gestorben. Würde es Engaya wirklich geben, würde sie Malicia nicht mit diesen Höllenqualen zum Wahnsinn treiben. Und selbst Fenris hatte nicht die Macht, solche Schmerzen in einen Wolf zu pflanzen. Warum war sie so verdammt?

Weil du ein Monster bist. Du bist ein Monster. Unnütz. Wertlos. Sieh dich an, du Bestie. Sie dich nur an. Tötest so schamlos ...

Die Stimme in ihrem Kopf schrie, um sicher zu gehen, dass Malicia diese Worte vernahm.

Mörder. Mörder. Mörder. Willst du sie alle auch töten?

Sie wusste, dass die Welpen gemeint waren. Der Zwang und der bittersüße Klang der Stimme ließen Malicia nicht merken, dass die einohrige Minyala zu ihr trat. Noch immer schlug sie den Kopf hin und her, in der Hoffnung, dass damit diese Schmerzen aufhören würden.
Ihre Seele war wieder geöffnet, genauso ihr Herz. Warum war sie zurück gekommen? Warum nur? Hätte sie nicht wissen sollen, dass die "Götter" ihr erneut eine Falle stellen würden, um sie erneut zu quälen? Trügerische Schatten! Die Welpen waren es allein, die sie dazu trieb, erneut ihre Vergangenheit zu durchleben, jede einzelne schmerzliche Sekunde. Und sie erkannte das Gesicht Minyala's, die zusammen mit dem Werwolf Caleb kam, um dem Rudel anzugehören, kurz nach dem sie zum ersten Mal wieder in das Revier des Rudels der Sternenwinde kam. Die Worte der Fähe brannten ihr in den Ohren und verursachten einen Krampf tief in ihrer Seele. Sie spürte die Hilflosigkeit und das sie nicht mehr Herr ihres eigenen Leibes war.
Als ob nicht sie spräche, sondern eine Fremde mit tieferer Stimme brummte sie zwischen gefletschten Zähnen:

"Wir feiern nicht. Wir feiern nicht. Diese Welpen sollten nicht gefeiert werden."

Hilflos suchten ihre Augen den Kontakt der Weißen. Sie schauten aus dem verkrampften Gesicht wie blaue Mondsteine hervor und passten so gar nicht zu dem aggressiven Ton, den sie angeschlagen hatte. Das war sie nicht, Malicia wusste, dass es ihr innerer Dämon war, aber woher sollte Minyala dies wissen? Keiner konnte es verstehen, die junge Einohr-Fähe genauso wenig.
Schmerzlich verkrümmte sie ihren Körper und glitt zu Boden, der durch seine eisige Kälte ein wenig physischen Schmerz in ihre psychischen Schmerzen brachten, und sie so der Realität gegenüberstellte.



{Welpenhöhle || Minyala}

Avendal
09.07.2011, 19:12

Avendal lauschte ihrer Zeitgenossin und zog die Lefzen zu einem Lächeln zurück. Sie konnte Majibáh verstehen, sie selbst empfand das Rudel als unheimlich groß und obwohl sie hier hineingeboren wurde, kannte sie noch lange nicht alle Mitglieder was auch ein wenig unangenehm war. Avendal schob ihren Schnauze an ihrer rechten Pfote entlang ehe sie den Kopf wieder hob und zu der Fähe blickte, während sie höflich lauschte und die Stimme in ihrem Kopf verdrängte.

Ich kenne auch nicht alle und mit den Welpen sind wir noch ein paar mehr. Sieht so aus als würde es nicht aufhören.“,

meinte die Helle zu Majibáh und lächelte freundlich. Die Fähe setzte sich zu ihr und Avendal mochte ihre freundliche Art, es war mal etwas anderes obwohl sich in diesem Rudel wirklich viele Charaktere einfinden. Trotzdem war sie froh das sie nicht mit allen gut auskommen musste. Die Fähe hob leicht ihren Kopf und ihre Ohren zuckten als Majibáh ihre Worte wieder erhob. Ein leises Lachen schwang nach den Worten mit, nachdem Avendal zugehört hatte und nickte leicht.

Ich hätte nicht gedacht das dir Kalt werden könnte.“,

gab sie ehrlich zu und unterzog ihre Gesprächspartnerin einer kleinen Musterung. Ihr Fell war so weiß wie ihr eigenes doch in Gegensatz zu ihrem recht kurzen, dichten Pelz war das von Majibáh. Wieder sprach die Weiße zu ihr und Avendal hob den Blick ihrer tiefblauen Augen. Ja sie hatte Recht, ein bisschen Leben hatte hier gefehlt und auch sie freute sich für die Eltern, ein kurzer Seitenblick zu den Gruppen die sich am Rudelplatz versammelt hatten, dann galt ihre Aufmerksamkeit wieder der Fähe.

Ich bin mir noch nicht so sicher ob ich die Welpen kennen lernen möchte, nicht zu dieser Zeit..

Avendal senkte ihren Blick wieder. Sie schwankte, nicht nur charakterlich – der sich erst verfestigte – auch mit ihrem Geist und ihrem Glauben. Sie wankte über dünnes Eis das zu brechen drohte und für einen kurzen Augenblick, spiegelte sich das in ihren Augen wieder. Ein Seufzen folgte als sie aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr nahm. Leicht neigte sie ihren Kopf und holte überrascht nach Luft. Oh nein! Ein Welpe samt Anhang kam geradewegs auf sie zu. Der kleine Welpe, Malik hieß er sofern sich Avendal noch erinnern konnte, stellte ihnen eine Frage woraufhin Avendal etwas verwirrt drein blickte. Alphamamas? Ein Lachen ertönte und sie schüttelte den Kopf.

Du bist Malik oder? Nein, wir sind keine Alphamamas. Ein Alpha ist jemand der eine große Gruppe anführt und das ist Tyraleen. Ich bin Avendal, nett dich kennen zu lernen.

Avendal ließ ein Ohr nach hinten wandern und hoffte das dies genügen würde. Auf so etwas war sie nicht vorbereitet gewesen und ließ den Blick zurück wandern. Dem Anschein nach war der kleine Welpe mit Chanuka und Liel zusammen gewesen, was bedeutete das du Gruppe noch größer wurde. Avendal unterdrückte ein Seufzen.


[Rudelplatz – Majibáh & Malik]

Jarrèll Nathaniêl
09.07.2011, 21:25

Mit einem Mal schien ihm die Idee der Welpenzeremonie beizuwohnen nicht mehr zu behagen. In Jarrèlls Hirn hatten die Gedanken angefangen zu wirbeln, Bilder huschten vorbei, Stimmen verschwammen in einem wirren Strudel aus Gegenwart und Vergangenheit. Der Wandel der Dinge die in seinem Leben vorrangig waren hatte begonnen und mit ihm hatte der Silberne unbewusst zugestimmt sich allem Vergangenen zu stellen, obgleich es ihm dies alles andere als leicht fiel. Er hatte er einen Schlüssel wiedergefunden zu einem verborgenen Ort seiner Seele, verschossen hinter einer schweren Tür, die er eigentlich geschworen hatte nie wieder zu öffnen. Diese kleinen Fellknäule die dort vorne vor der Höhle herumtapsten, waren ein weiter Teil einer Wahrheit aus vergangen Tagen, die er vor der Welt und sich selbst zu verbergen ersucht hatte, nachdem scheinbar all diese Puzzelteile völlig wertlos geworden waren. Es waren viele einzelne Bilder die sein Unterbewusstsein in die unterschiedlichsten Ecken seines Hirn gesteckt hatte, in der Hoffnung sie würden so für immer verschwinden. Es waren all die Dinge die man zu verdrängen ersuchte, weil sie das darstellten, was man im Leben an Fehlentscheidungen getroffen hatte oder an Entscheidungen die rückblickend nicht richtig gewesen waren, denn das war die treffendere Formulierung, schließlich hatte jede Entscheidung ihre Hintergründe, so fadenscheinig oder irrational sie auch sein mochten, es gab sie, denn ohne Motive traf man nur die wenigsten Entscheidungen, davon war der Weiße überzeugt. Er hatte mehr als nur einen Fehler gemacht, diese Erkenntnis traf in diesem Moment völlig unvorbereitet, wie ein überraschender Hieb mit der Panke ins Gesicht. Vermutlich hatte er in Wahrheit nur versucht all seinen Fehler seines Lebens auf jene eine Entscheidung zu projizieren die sein Leben verändert hatte und sich somit symbolisch mit Selbsthass gestraft für alles, was er jemals entschieden hatte und was missgünstig auf ihn oder die, die er liebte zurück gefallen war.

Abrupt wandte sich Jarrèll ab, er hatte genug gesehen, bevor er sich mit fremden Angelegenheiten beschäftigte, so sagte er sich im Stillen, sollte er verdammt noch eins versuchen, sein eigenes Leben und seine eigenen Probleme in den Griff zu bekommen, es war ja nicht so als mangelte es an diesen, vielmehr wurde er sich bewusst, dass er versucht hatte sich ins Rudelleben zu stürzen um vor sich selbst, seiner Vergangenheit, aber auch ein Stück weit der Gegenwart oder gar der sich anbahnenden Zukunft davon zu laufen. Der Silberpelz schluckte schwer. War das nicht genau das, was er seit Shaynés Tod eigentlich andauernd getan hatte?! Weglaufen? Vor allem und jedem, vor der Wirklichkeit, vorm Leben und dem Tod, Wahrheit und Lüge, richtig und falsch. Wo waren diese Grenzen, waren sie tatsächlich so klar wie er sie gesehen hatte, gab es wirklich nur schwarz und weiß oder spielte ihm sein eigener Verstand wieder mal Streiche? Hatte er die Augen vor der Wahrheit verschlossen? War er tatsächlich weggelaufen?! Die ganze Zeit über? Diese Einsicht, dass er das in Erwägung ziehen musste traf ihn härter als er es sich erträumt hatte, vielleicht, weil es das angriff, woran der sich so lange festgehalten hatte, seinen beinahe fatalistischen Mut, die Bereitschaft für andrere das eigene Leben aufs Spiel zu setzten. War es wirklich nur eine Lüge? Hatte er seit jenem fatalen Tag eine Illusion gelebt um nicht völlig zu verzweifeln angesichts dessen, was aus ihm, dem einst stolzen Alpha, geworden war?

Fast unwillkürlich hatten seine Pfoten den Weg hinab zum Sternensee gesucht, er wusste nicht genau wieso, vielleicht weil er seit dem verheerenden Feuer das Wasser als schmerzlindernd empfand, es wusch die Wunden, sowohl die körperlichen, als auch die seelischen. Der Regen hatte die blutenden Verletzungen gereinigt und hatte seine Tränen verborgen, die kalte Nässe hatte die eine schmerzstillende Taubheit über ihn kommen lassen, in der ihm alles unwirklich vorgekommen war. Vielleicht war er davon gelaufen, betäubt von Angst, Schmerz und Entsetzen. Es mochte schon sein, Fakt war, dass er es nicht wusste, vielleicht war diese Unwissenheit sogar das Quälendere. Aus der Entfernung erblickte er die schimmernde Oberfläche des Sees und auf den zweiten Blick nahm er auch die weiße Gestalt wahr, die dort am Ufer stand und mit gesenktem Kopf auf die Wasseroberfläche starrte. Jumaana. Es kam ihm vor al hätte er die Szene bereits einmal gesehen, was zu teil ja auch stimmte den bereits sein erstes Zusammentreffen mit der Fähe hatte an diesem Ort stattgefunden, vielleicht war es Schicksal oder, wie einige Mitglieder des Rudels sicherlich behaupten würden, göttliche Fügung. Jumaana war zudem Majibáhs Schwester, dieser Gedanke freute Jerrèll einerseits, machte ihn jedoch gelichzeitig beklommen. Ob die Blauäugige wohl mit ihrer Schwester über ihn gesprochen hatte? Möglich war es, doch vermutlich nicht allzu wahrscheinlich und selbst wenn, was würde es ändern? Für immer würde seine Vergangenheit nicht sein Geheimnis bleiben können, das war völlig ausgeschlossen in Anbetracht der Größe des Rudels, des Weiteren interessierte es ihn auch nicht, die andren mochten sollten doch über ihn denken was sie wollten. Zudem schätze er Jumaana nicht als die Art Wolf ein, die andere ob ihrer Geschichte oder sonstigem leichtfertig verurteilten.

Mit federnden, leisen Schritten trat der Grünäugige neben die Fähe, die scheinbar gänzlich mit eigenen Sorgen beschäftig war. Augenscheinlich machte sie keinen glücklichen Eindruck, doch vielleicht täuschte dieser Eindruck. Woher sollte er es auch wissen, er kannte die Weiße kaum, genau gesagt war dem Rüden die Stille ganz recht, er wollte sich nicht aufdrängen, wollte nachdenken, über das was gewesen war und was möglicherweise kommen würde, nichts desto trotz verspürte er tief im Innern das Bedürfnis die Fähe zu trösten, schließlich reichte es, wenn er selbst beinahe in Verzweiflung versank, die Fähe sollte glücklich sein, denn auch wenn er davon überzeugt war, dass es einen Grund gab, dafür, dass sie hier so verloren ins Wasser blickte, so sollte sie doch eigentlich fröhlich an der Welpenhöhle auf den Beginn der Zeremonie warten. Jarrèll wünschte ihr einen Teil der Last abnehmen zu können, die auf ihr lag, denn er für ihn selbst würde es keinen Unterschied machen, er würde auf ewig dazu verdammt zu sein, die Bürde seiner Sünden zu tragen, sodass ein bisschen fremde Sorgen nicht weiter ins Gewicht fallen würden, wenn er der weißen Schwester Majibáhs dafür ihre Unbeschwertheit zurückgeben könnte.

[LIST][Den Rudelplatz Richtung Sternensee verlassend, schließlich an diesem bei Jumaana.][/LIST]

Krolock
10.07.2011, 11:47

Krolock blieb irgendwann seufzend stehen und sah hinter sich. Zunächst hörte er nichts, außer sein schnell schlagendes Herz und die eigenen, rasch aufeinander folgenden Atemzüge. Seine blauen Augen fixierten den Wald und er hielt kurz die Luft an, damit er sich auf nahende Geräusche konzentrieren konnte. Sie waren noch ein Stück entfernt, er hatte Zeit. Genervt entschied er sich, ein Spiel mit ihnen zu spielen. Bisher war er nur geflüchtet, aber die beiden waren nicht so ausdauernde Läufer wie er. Sie hatten diese Disziplin nicht so lebensmüde praktiziert.
Nun wollte er wissen, ob sie inzwischen aufmerksamer waren und versteckte sich. Mit diebischer, gehässiger Freude versuchte er sich vorzustellen, wie er die beiden zu Tode erschreckte, wenn sie es neuerlich wagen sollten, unbehelligt durch den Wald zu toben. Zunächst lief er auf seiner eigenen Fährte zurück, dann machte er einen gewaltigen Sprung, um seine Spur zu verwischen und tauchte dann lauernd in den Büschen ab. Dort verharrte er und wartete. Die Ohren des Schwarzen waren gespitzt und sein Blut brannte wütend durch seine Adern. Seine Pfoten schienen vor Unruhe zu glühen. Er hasste es, wenn er lauern musste. Es machte ihn wahnsinnig und in diesem Moment, wo er nutzloser Weise den beiden anderen jungen Rüden auflauern wollte, raubte es ihm beinahe den Verstand.
Seine Muskeln spannten sich und er ließ zu, dass sie sich verkrampften. Es fühlte sich nach einem guten Ausgleich an, kostete ihn Kraft und war so ein billiger, schlechter Ersatz für die Geschwindigkeit, zu der er sich anstacheln konnte. Die Brüder kamen näher. Er erahnte ihre Schritte unter den normalen Geräuschen des Waldes. Sie hatten sich aufgeteilt. Beunruhigt war er nicht. Sie würden ihn finden, oder er würde sie erschrecken. Und wenn sie ihn fanden, würde die Jagd neuerlich losgehen, denn er würde davon stürmen.


[Mit Nihil und Cirádan im Wald]

Linalee
12.07.2011, 16:22

Mit großen Augen betrachtete sie Chardím, doch nur wenige Sekunden später hatte sie keine Geduld mehr, auf Antworten von ihm zu warten, schwang ihren Körper in die Höhe und tapste mit kleinen Schritten auf ihre Eltern zu. Ihre Pfoten wurden immer kälter und ein Zittern lief durch ihren Körper, das sie mit einem Kopfschütteln aus ihrem Körper verbannte. Wenige tapsende Schritte später hatte sie ihre Eltern erreicht, blieb stehen und hob den Blick zu ihnen hinauf. Den Fang leicht offen stehend ruhte ihr Blick erst auf ihrem Vater, dann auf ihrer Mutter. Große runde Kulleraugen blinzelten und Tinca legte den Kopf schief. Was hatte ihre tolle Mama nur? Warum war sie denn so traurig? War sie jetzt alleine? Nein! Mama war doch nie alleine! Ihre Mama, Tinca's Mama, würde sie, Tinca, nie verlieren! Fest entschlossen ließ sich Tinca auf ihren Hintern plumpsen, schloss den Fang, hob den Kopf wild entschlossen und stellte die Vorderpfoten eng zueinander. Ohne zu wissen, was in ihrem Kopf vorging, war ihre Handlung wohl sehr lustig, aber daran dachte Tinca nicht. Sie war entschlossen, dass ihre Mama sie nie verlieren würde! Egal, ob Mama jetzt deswegen traurig war oder nicht. Das war Tinca egal. Und genauso stolz verkündete sie ihren Entschluss auch. Und das mit einem Willen und einer Festigkeit in ihrer Stimme, die irgendwie gar nicht zu Tinca passte.

"Mama? Weißt du was? Du wirst mich nie verlieren! Ich werde immer bei dir sein!"

Bekräftigend nickte Klein-Tinca und in ihren Gesichtsausdruck trat eine Ernsthaftigkeit, die sich Tinca nicht erträumen ließ. Aber im nächsten Moment war ihre Entschlossenheit plötzlich weg, als der weiche Boden letztlich doch unter ihrem Hintern wegsackte und der Schnee weniger wurde. Fiepend und jaulend suchte Tinca das weite von dem Ort und brachte sich hinter den Pfoten ihrer Mutter in Sicherheit, von wo aus sie ängstlich zurückschielte. Schnaufend schüttelte sie den Kopf, hickste ein paar mal und schaute zu ihrer Mama hoch.



[Jakash und Sheena, in der Nähe Chardím | nahe der Rudelhöhle]

Sheena
12.07.2011, 22:43

Es tat gut ihn an ihrer Seite zu wissen. Gleich fühlte sie sich weniger leer, weniger einsam und allein. Sie war froh sich bei ihm aussprechen zu können, auch wenn er wohl nicht nachempfinden konnte, was sie in sich fühlte, wie es ihr ging und wie sie es selber gar nicht in Worte fassen konnte. Es war einfach ein gutes Gefühl ihren Kummer in halbwegs sinnvolle Sätze zu formen und sie ihm mitzuteilen, ganz egal was er davon halten mochte. Deshalb war es wohl auch gut, dass er kaum auf das Thema einging, ihr zwar Mut zu sprach und ihr versprach, dass alles in Ordnung war und sie sich keine Sorgen machen musste, nicht aber weiter nachfragte und sie zu Antworten drängte, die sie selber nicht wusste und somit nicht hätte geben können.
Ein wenig glücklicher stupste sie ihn an, eine dankbare Geste.
Ihren eigenen Themenwechsel griff er auf, erläuterte aber auch diesen nicht weiter. Aber solange zwischen den beiden alles geklärt war, war sie zufrieden mit der Antwort. Denn das war das Wichtigste.
Sie ließ ihre Augen wieder über den Rudelplatz schweifen. Nicht nur als Mutter hatte sie nun eine neue Aufgabe, sondern auch als Beta des Rudels. Es lag an ihr Streitigkeiten oder Eindringlinge rechtzeitig zu erkennen und zu schlichten beziehungsweise die Wölfe zu Recht zu weisen. Doch alles schien ruhig zu sein. Zumindest hier in ihrer Umgebung. Das einzig beunruhigende war der penetrante Blutgeruch in der Luft der hier zwar nur leicht wahrzunehmen war, an dem Ursprungsort aber wohl um einiges deutlicher vorhanden sein musste.
Damit war sie auch gleich bei der Frage ihres Gefährten angekommen. Denn genau zu der Quelle des Blutes, genauer genommen zu Atalya und Tascurio, hatte Tyraleen die kleine Taleesha mit hingenommen.
Ihre Stirn runzelte sich erneut sorgenvoll, ihre noch immer kummervollen Augen blickten ein wenig trübselig in die Richtung in die ihre Tochter soeben entschwunden war. Schwer atmete sie aus, ehe sie ihren Blick wieder zu Jakash wand.

„Tyraleen wollte zu Atalya gehen. Sie ist dort hinten, zusammen mit Turién…“ kurz schwieg sie. Er würde den Blutgeruch selber wahrnehmen können. Und trotzdem. „Einer von beiden scheint verletzt zu sein. Dem Geruch nach zu urteilen nicht unerheblich. Doch ich habe nicht schnell genug reagieren können. Ich vertraue Tyraleen, dass sie Taleesha nicht in gefährliche Situationen bringt und ihr auch nicht allzu erschreckendes vor Augen führt…“

Damit beendete sie rasch das Thema, denn sie sah Tinca auf sie beide zulaufen. Der hoppelnde Gang und der leicht zitternde Körper weckte sofort wieder ihre mütterliche Seite und fast wäre sie aufgesprungen um der Kleinen entgegen zu eilen, doch da hatte Tinca sie schon erreicht. Überglücklich begrüßte sie die Jüngste ihrer Welpen mit einem herzhaften Zungenschlecker über die Schnauze. Gleich fingen ihre Augen wieder an ein wenig zu leuchten, gleich fühlte sie sich noch weniger einsam und allein als zuvor.
Fast musste sie leicht lächeln, als die Kleine sich urkomisch vor ihr positionierte. Doch ihre aufrichtigen und wahrhaft ernsthaften Worte Tincas ließen ihr das Lachen vergehen. Das war ihre Tinca? Erneut hatte sie eine andere, noch unbekannte Seite der Kleinen kennen gelernt. Wie viele besaß sie noch?
Gerührt wollte sie gerade auf ihre Tochter losgehen, da sprang diese schon erschrocken auf und kuschelte sich hastig und verängstigt an ihr Bein. Das war die Tinca die sie kannte! Liebevoll leckte sie der Fähe über den bebenden Körper. Diese starrte skeptisch auf die Stelle, auf welcher sie soeben noch gesessen hatte. Was hatte sie so verstört?

„Das weiß ich doch meine Kleine. Es ist alles in Ordnung. Ich war nur für einen kleinen Moment ein wenig unglücklich. Aber jetzt ist alles wieder in Ordnung!
Freust du dich auf die Zeremonie?“


Sie hoffte inbrünstig, dass Tyraleen gleich wieder zurück kommen würde und die Zeremonie beginnen würde.




[ Rudelplatz - Jakash und Tinca - nahe chanuka und Liel]

(editiert. entschuldige x.x)

Jumaana
13.07.2011, 10:24

Es war schwer, wenn nicht gar unmöglich, zu begreifen, was soeben geschehen war. Was war denn geschehen? Jumaana hatte einen Geist gesehen. Und nicht irgendeinen Geist, sondern ihren Geist. Für sie war es noch unfassbar und sie zweifelte daran, dass sich jemals etwas daran ändern würde. Dass sie jemals glauben konnte, was mit ihr passiert war. Doch die Leere, die das Feenkind hinterlassen hatte, war schmerzhaft und schwarz – und der Gedanke, dass das Loch sich vielleicht nie mehr füllen würde, war noch viel schmerzhafter. Die Ungewissheiten mochten nun bereinigt sein, doch eine Frage stand nun viel größer vor den Augen Jumaanas: Wie sollte es weitergehen? Es gab niemanden außer ihrem Gefährten, der davon wusste und wahrscheinlich würde ihr auch niemand sonst glauben. Ihre Schwester vielleicht und Cirádan – aber sie beide würden ihr nicht glauben, weil sie die Geschichte als glaubwürdig befanden, sondern, weil sie ihnen so nahestand. Sie würden in Gedanken vielleicht über Jumaana den Kopf schütteln, sie vielleicht sogar auslachen, aber wirklich ernst nehmen würde niemand die Geschichte. Dennoch wollte die weiße Wölfin sich nicht auf den Weg zu Takashi machen, denn der Schmerz in ihren Augen würde auch ihn schwächen. Sie musste allein damit fertig werden, auch wenn es auf den ersten Blick schier unmöglich zu sein schien.
Fassungslos starrte die zierliche Fähe ins Wasser und beobachtete ihr regloses Spiegelbild, aus dessen dunklen Augen maßlose Trauer sprach, während sie noch immer unfähig war, sich zu rühren. Sie hatte das Bedürfnis, sich loszureißen und zu laufen – egal wohin, Hauptsache, weg von der grausamen Realität. Sie wollte schreien, jaulen, heulen – doch sie konnte nicht. Sie war wie eine Statue, reglos und traurig schön, deren einzige Hoffnung, die Versteinerung zu lösen, es war, gerettet zu werden. Doch am Sternensee war niemand, der die Gammawölfin retten konnte, denn sie alle waren bei den Welpen am Rudelplatz, wie sie es auch hätte sein sollen. Wäre sie nicht losgelaufen in ihrer traurigen Erscheinung, hätte sie niemals mit Aarinath gesprochen, wäre alles noch gut. Sie wäre vielleicht weiterhin wie ein verletztes Reh durch die Welt gehumpelt, doch sie hätte niemals erfahren, was wirklich geschehen war. Warum musste sie überhaupt diese triviale Vorliebe haben, zum See zu gehen und zu versuchen, bis auf den Grund hinab zu sehen, obwohl sie wusste, dass es immer ihr Antlitz war, was ihr erscheinen würde. Nun ja, nicht immer. Aber zumindest war es immer so gewesen, bis das Feenkind ihr erschienen war, obgleich es bis auf die Augen fast ihrer Seelentochter glich, nur dass sie vor wenigen Herzschlägen noch grauenhaft alt und trauernd ausgesehen hatte. Doch genau so sah Jumaana wahrscheinlich nun auch aus, zerbrochen und beraubt.

In ihrer Reglosigkeit bemerkte die Wölfin gar nicht, dass ein gewisser grauer Wolf sich ihr auf leisen Pfoten näherte und erst, als er schon fast hinter ihr stand, nahm sie ihn war. Sie wandte den Kopf zur Seite und fühlte sich, als wäre sie schlagartig um einige Jahrhunderte gealtert, doch sie versuchte sich daran, Jarrèll Nathaniêl ein zaghaftes Lächeln zu schenken, das zwar ihre Augen nicht erreichte, aber dem Rüden bewusst machen sollte, dass sie sich nicht an seiner Anwesenheit störte. Er sah nicht unbedingt glücklich aus – das taten ohnehin viel zu wenige, auch, wenn die Welpenzeremonie eines der glücklichsten Ereignisse im ganzen Rudelleben war. Traurig erinnerte sich die Weiße an die Zeremonie nach der Geburt von Kaedes Welpen, als Banshee ihr vollkommen überraschend den kleinen, grauen Welpen zuteilte, der auf einem Auge blind war und trotzdem so klug und schön daherschritt. Das Kennenlernen mit Cirádan war schön und gleichzeitig bittersüß. Und alles Folgende war dramatisch. Die Fähe wollte ihrem Patensohn so gern helfen, doch auch, wenn sie nach außen hin stark wirkte, fehlte ihr die Kraft. Sie hatte gedacht, dass Aarinath ihr wieder Stärke geben würde, wenn sie zurückkam, doch nun war sie fort und würde auch für immer fort bleiben. Der leise Hauch eines Du bist nicht allein zuckte durch ihren Kopf, doch Jumaana ignorierte ihn. Sie wollte nicht hören, was sie einmal hatte und nie mehr haben würde. Sie wollte nicht verstehen, dass sie nun allein war.

„Sei gegrüßt, Jarrèll Nathaniêl“,

sagte sie und neigte viel respektvoller den Kopf, als sie es im Angesicht ihres Ranges hätte tun brauchen. Doch sie unterwarf sich ihm nicht durch ihre Worte und wenn er wirklich so ein kluger Wolf war, wie es auf die Fähe wirkte, dann missverstand er ihren Respekt nicht, der einzig und allein seiner Beziehung zu ihrer Schwester gewidmet war. Es war nicht so, dass sie ihn nicht auch als Rudelmitglied respektieren würde, doch sie als Gamma konnte sich ihm gegenüber so pietätlos verhalten, wie sie nur wollte, auch wenn ihr eigener Verstand ihr das verbat. Sie hatte für alle Rudelmitglieder ein offenes Ohr und für den größten Teil der Sternenwindwölfe würde sie auch eine Pfote ins Feuer legen, sei es denn nötig. Jumaana misstraute nicht, auch wenn ihr Verhalten nicht gleichermaßen von Naivität gezeichnet war – sie hatte einfach nur ein großes Herz.

„Was führt dich vom Rudelplatz hierher?“,

fragte sie interessiert und wandte dem Grauen ihren Körper nun gänzlich zu, sodass sie ihrem Spiegelbild eiskalt den Rücken kehrte und versuchte, auszublenden, wie Aarinaths traurige Augen sie angefunkelt hatten. Jarrèll Nathaniêl war kein Misstrauter des Rudels, weshalb er sich entfernen durfte, wann er wollte, doch trotzdem fragte sie sich, warum er von der Höhle fortgegangen war. Sie kannte ihn kaum, doch sie wusste, dass er im Allgemeinen nicht sonderlich gesellig war, aber Aufmüpfigkeit hatte sie in seinen Zügen noch niemals ausmachen können. Wahrscheinlich war er nicht gegangen, um jemanden zu ärgern oder um auf sich aufmerksam zu machen, sondern schlichtweg aus denselben Gründen, aus denen sie auch gehandelt hatte. Allein sein. Nachdenken. Sich nicht von der Freude übermannen lassen. Was für ein trostloses, armes Leben sie doch führten.

    [ Sternensee | Jarrèll ]

Turién
14.07.2011, 20:05

Das schlechte Gewissen pulsierte durch seine Adern, als er Atalya so betrachtete. So hatte das nicht sein sollen, so war das nicht geplant gewesen. Als seine graue Schwester plötzlich aufsprang duckte sich der Rüde in Deckung und spürte dann wie nun an seinem Ohr gezogen wurde. Reflexartig schloss er die Augen und wartete auf ein ziehen und dann einen brennenden Schmerz - doch es folgte nur ein Jaulen der grauen Fähe und ein kräftiger Ruck. Vorsichtig öffnete er ein Auge wieder und blinzelte zu Atalya, die ihm einen vorwurfsvollen Blick zuwarf und dann ihr verletztes Ohr im Schnee versenkte, um es weiter zu kühlen und den Schnee noch roter zu färben.

"Das war nicht so geplant! Wieso wirfst du dich auch auf den Boden, damit rechnet doch niemand! Ich wollte das doch nicht so!",

versuchte er sich zu verteidigen, und ließ sich missmutig auf seine Hinterläufe nieder. Vorsichtig näherte er sich Atalya und stupste sachte an. Ein geflüstertes

"Tut mir Leid...",

entfloh seinem Fang, bevor er von Schritten in der Nähe aufgeschreckt wurde und alarmiert aufblickte. Tyraleen steuert auf sie zu, und bevor er irgendetwas denken konnte, war seine weiße Mutter auch schon da und kümmerte sich um Atalya. Sein Blick hindessen wanderte zu dem kleinen Mitbringsel Tyraleens. Ein Welpe von Sheena und Jakash... - und damit hatte er einen perfekten ersten Eindruck geliefert. Was hätte er gedacht, wenn er jemanden in diesem jungen Alter so kennengelernt hätte? - Blutiges Monster, dass anderen weh tut. Er verzog eine Miene und musterte die kleine Fähe noch einen kurzen Moment, bevor er sich wieder Atalya zuwandte - und somit auch Tyraleen. Er versuchte ihren Blick zu meiden, und konnte doch nicht umhin ihren Blick aufzufangen. Er fühlte sie wie ein kleiner Welpe, der gerade bei einer verbotenen Tat ertappt worden war.

"Es war ein Spaß... aber Atalya war tollpatschig und hat sie sich einfach fallen lassen."

Seine Laune war gerade in den Keller gesunken. Als er auch noch Lunar bemerkte legte er seine Ohren an den Hinterkopf und kräuselte die Nase. Natürlich - alle würden sie Atalya trösten und er würde ohnehin der Böse sein. Was ein Spaß. Was ein Spaß...


[Am Rande des Rudelplatzes - Atalya, Tyraleen, Taleesha & Lunar ]

Aszrem
15.07.2011, 10:49

Er warf ab und an einen Seitenblick auf die Weiße, bemüht, sieh nicht zu lange oder zu musternd anzusehen. Lyerra schienen seine Blicke unangenehm zu sein. Hmpf, er schien wahrlich mehr Übung in leichter Konversation zu brauchen als er gedacht hätte. Oder fiel ihm dieses Gespräch nur so schwer, weil es IHR aus irgendeinem Grunde nicht behagte? Na, zumindest griff sie das Thema auf, dass er ihr angeboten hatte. Vielleicht lief es damit nun einfacher. Aszrem nickte zustimmend.

"Die Welpen tun dem Rudel in der Tat schon jetzt gut. Es lässt sie die Schrecken der vergangenen Monde vergessen und gibt ihnen eine Aufgabe, der sie sich widmen können. Welpenerziehung ist schließlich nicht allein Sache der Eltern. Das ganze Rudel trägt dazu bei. Bleibt für die Welpen zu hoffen, dass dieser falsche Winter nun tatsächlich endet und danach ein Frühling folgt."

Was Letzteres anging, war er sich da nämlich nicht so sicher. Gut möglich, dass er sich darüber zu viele Sorgen machte, aber das war schließlich die Pflicht eines Alphas: sich Gedanken um die Zukunft des Rudels zu machen. Und wenn sie Pech hatten, erholte sich die Natur nicht so schnell von diesem vorzeitigen Winter wie sie alle hofften.
Aszrem wandte den Kopf zur Seite, als sich ihnen jemand näherte. Er nickte dem Schwarzen grüßend zu und lächelte sogar kurz.

"Nicht im geringsten, Volk, begleite uns ruhig ein Stück. Die Welpen habe ich noch nicht zu Gesicht bekommen, aber ich habe vor, das jetzt nachzuholen. Die Zeremonie sollte ja auch bald beginnen",

erwiderte er, seinen Weg dabei unbeirrt fortsetzend.



[Auf dem Weg zur Welpenhöhle, beim Rudel | Lyerra, Volk]

Shani Caiyé
15.07.2011, 12:30

Shani hatte sich die ersten paar Momente zurückgehalten und hinter ein paar anderen Wölfen das Auftauchen der Welpen aus der Höhle beobachtet. Sie war sie nervös, so überdreht, so glücklich, dass ihre Läufe zitterten und sie nicht das Gefühl hatte, nun schon einem ihrer Enkel begegnen zu sollen. So würden die Welpen sie ja nur für total verrückt halten! Deshalb saß sie hier, versuchte ruhig ein- und auszuatmen und die vier Kleinen zu beobachten. Sie kannte die Namen und die Beschreibungen und konnte so schnell Tinca, Taleesha, Malik und Isaí zuordnen. Taleesha war mit Tyraleen unterwegs, Malik saß bei Avendal und Majibáh, Tinca war bei ihren Eltern und Isaí redete mit Kisha. Besonders auf dem kleinen Rüden blieb Shanis Blick immer wieder liegen – er war der Erstgeborene und damit trug er den Namen Caiyé. Als Shani das gehört hatte, war sie noch glücklicher geworden. Auch ihr Sohn setzte diese Tradition fort und gab seinen und ihren Namen an seinen Welpen weiter. Shani und Hiryoga hatten damals auch noch Ahkuna als Letztgeborene das Caiyé dazugehängt, was allerdings mehr aus der Liebe zu ihrem wiedergefundenen Namen entstanden war.
Die Weiße hatte sich etwas beruhigt. Ihre Läufe zitterten nicht mehr und auch ihr Atem ging gleichmäßig, jetzt wollte sie nicht mehr warten. Nur zu wem der vier entzückenden Kleinen sollte sie gehen? Taleesha schien eindeutig schon genug gefordert und Isaí bei seiner zukünftigen Patin und nun auch noch Averic wollte Shani nicht stören. Blieben Malik oder Tinca. Und Tinca war bei Jakash, was Shani schnell zu einer Entscheidung kommen ließ. Sie musste ihrem Sohn doch – gefühlt zum hundertsten Mal – zu seinen wunderschönen Welpen gratulieren. Flink schlängelte sich die Weiße zwischen den anderen Wölfen hindurch und erreichte Sheena, Jakash und Tinca, als die Kleine gerade fiepend hinter dem Lauf ihrer Mutter verschwand. Mit einem Schmunzeln wandte sie sich zunächst an ihren Sohn und knabberte liebevoll an seinem Pelz.

“Du hast wundervolle Welpen, mein Sohn.“

Dann beugte sie sich ein wenig vor, warf Sheena ein Lächeln zu, auch wenn die Weiße ein wenig besorgt aussah und brachte ihren Kopf auf die Höhe von Tinca.

“Hallo Tinca.“


[ Rudelplatz | Jakash, Tinca und Sheena, Nähe Chardím ]

Caylee
15.07.2011, 13:03

Caylee fluchte. Sie war nicht direkt wütend, aber doch zumindest genervt, enttäuscht und gleichzeitig irgendwie besorgt. Wo zum Teufel trieb sich Tiberius herum? Schon alleine, dass sie nach ihm suchte, störte sie ganz gewaltig. Sie brauchte ihn nicht, wenn er sich davonmachen wollte, dann durfte es das jeder Zeit und sie würde ihm mit Sicherheit nicht nachweinen, aber einfach so zu verschwinden, brachte sie doch auf die Palme. Vielleicht war ihm auch irgendetwas passiert. Immerhin war die Sache mit den Vargen immernoch nicht so ganz geklärt und was, wenn er einem solchen Monster begegnet war? Wenn er nun blutüberströmt und sterbend im Wald lag? Oder aber eine Schneelawine oder ein Eiszapfenspeer hatte ihn getroffen. Alles Mögliche konnte passiert sein und genau deshalb musste sie, Caylee, nun alleine durch den Schneewald stapfen und seine Spur suchen. Das nervte sie ganz gewaltig. Er hätte doch wenigstens sagen können, wo er hinging. Das würde die ganze Suche um einiges vereinfachen. Und wenn er keine Lust mehr auf dieses Rudel hatte – was Caylee ihm nicht so ganz verübeln könnte – hätte er ihr auch das sagen können. Aber nein … sie sollte ja lieber alleine blöd herumrennen und sich mehr als dämlich vorkommen. Wahrscheinlich saß er irgendwo versteckt und lachte sich ins Fäustchen, nur um sie zu ärgern. Jetzt war sie doch ein wenig wütend auf ihn. Außerdem verpasste sie wegen dieser Suche höchst wahrscheinlich die Welpenzeremonie. Sie war schon länger unterwegs, deshalb konnte sie es nicht so genau sagen, wann die Kleinen nun genau aus der Höhle gelassen wurden, aber so wie sie ihr Glück kannte, war das genau jetzt.
Fluchend und brummelnd stapfte sie weiter, bis ihr plötzlich ein Geruch in die Nase stieg. Es war zwar der Falsche – nicht Tiberius‘ – aber trotzdem keiner, den sie hier erwartet hätte. Face Taihéiyo musste ganz in ihrer Nähe und ebenso knapp an der Reviergrenze sitzen. Was tat er hier? Wollte er nicht beim Rudel und den Welpen und vor allem Tyraleen sein? Sie kannte den Schwarzen nicht sehr gut – er war sehr still und zurückgezogen. Doch er war der Pate ihrer Mutter und er hatte ihr einmal das Leben gerettet. Als sie irgendetwas gefressen hatte. Caylee erinnerte sich nur noch sehr dumpf daran und wusste das meiste nur aus Erzählungen. So wie für ihre Mutter, war auch für Caylee der Schwarze ein Wolf, der irgendwie immer da und doch selten wirklich wahrnehmbar war. Ihn jetzt hier zu finden, wollte nicht so ganz ins Bild passen. Doch Caylee war froh, ein wenig Ablenkung gefunden zu haben und sich kurz vor dieser elenden Suche drücken zu können. So steuerte sie auf den Schwarzen zu und erreichte ihn auch bald, stumm an einen Baumstamm gelehnt und den Blick über die Schulter ins Revier hineinwerfend. Ein wenig zögerlich – Face war in jedem Fall ein respekteinflößender Wolf – näherte sich die Weiße dem Paten ihrer Mutter und blieb dann knapp eine Wolfslänge von ihm entfernt mit schräg gelegtem Kopf stehen.

“Was machst du denn hier?“

Ihre Stimme klang beinahe ein wenig kindlich, dabei war sie so gut wie aus dem Jungwolfalter hinausgewachsen. Irgendwie umgab den Schwarzen eine nachdenkliche, beinahe traurige Stimmung und trotz der sonstigen Verschwiegenheit Faces wirkte er nun anders, als sonst. Ein seltsamer blauer Punkt schimmerte zwischen seinem Fell hervor, der Caylee sonst noch nie aufgefallen war. Ein wenig irritiert betrachtete sie das Leuchten und fragte sich, ob sie den Schwarzen in einer für ihn unangenehmen Situation erwischt hatte.


[ Reviergrenze | Face ]

Atalya
15.07.2011, 13:47

So lag Atalya im Schnee, den Kopf leicht geneigt und den Blick zu ihrem Bruder nach oben gewandt. Als er anfing zu sprechen, stellte sich ihr gesundes Ohr auf und sie verzog leicht die Lefzen. Wollte er nun IHR die Schuld in die Schuhe schieben? Immerhin waren sie beide irgendwie beteiligt. Aber eigentlich war das auch egal. Rückgängig konnten sie es nun eh nicht mehr machen.

Gegenfrage, wieso hälst du weiter fest und guckst nicht hin?“

Kurz funkelte sie dem Silbernen entgegen, schnaufte leise in den Schnee, ehe die Anspannung ein wenig von ihr abfiel und ihr Blick wieder auf die weiße Decke fiel.

Naja... egal. Ist schon okay... wird schon wieder.“

Das Stubsen Turiéns ließ sie kurz und etwas schräg in seine Richtung grinsen. So hatten sie das sicher beide nicht geplant, zudem kühlte der Schnee ihr Ohr so gut, dass der Schmerz langsam abklang. So hatten sie wenigstens beide etwas für die nächste Begegnung gelernt. Nicht fallen lassen, wenn das Ohr festgehalten wurde, und nicht die Augen zumachen und fester zubeißen, wenn man ein Ohr im Maul hatte.
Einen Moment später wurde die Aufmerksamkeit der Grauen jedoch auf etwas anderes gezogen, Wölfe, die sich ihnen näherten. Nun schwieg Turién, genau wie sie selbst. Still blickte Atalya ihrer sich nähernden Mutter entgegen, legte dabei das gesunde Ohr eng an den Hinterkopf. Ihr Anblick ließ so viel in ihr aufkochen. Erinnerungen, Worte die gefallen waren, die Entschuldigung. Und dieses Gefühl, ihr irgendwie doch nicht verzeihen konnte. So sehr sie es sich auch wünschte. Die Weiße blieb bei ihnen stehen, und Atalya wußte nicht, wohin sie blicken sollte. Konnte sie ihrer Mutter so ins Gesicht blicken, würde sie sehen, was in ihr vorging? Die junge Wölfin biß die Fänge fest aufeinander, als Tyraleen mit der Zunge über ihre Schnauze fuhr. Auf die Worte Tyraleens hin hob sie dann doch den Blick, schaute ihrer Mutter in die Augen und nickte leicht. Dann hob sie langsam den Kopf aus dem Schnee, wandte sich aber erst an die kleine Welpin, die bei ihr stand und mit ihr sprach. Kurz schnippte ihr gesundes Ohr durch die kühle Luft, während ihr Blick auf der schwarzen Welpin ruhte.

Es geht schon wieder. Der Schnee hat es ein wenig gekühlt... Aber du kannst mir trotzdem ruhig eine Geschichte erzählen.“

Wieder zog sich ein schräges Lächeln auf ihre Lefzen, welches vielleicht nicht ganz ernst wirkte. Gerade wollte sie sich ihrer Mutter zuwenden, als ein weiterer Wolf zu ihnen trat. Die junge Wöfin konnte ein Grollen wahrnehmen. Als er zu ihnen trat stellte sich automatisch ihr Nackenfell auf und ihre Ohren legten sich wieder zurück. Langsam stand die Graue auf, unterließ das Schütteln, um den Schnee aus ihrem Fell zu bekommen. Die hellen Augen ruhten auf dem schwarzen Rüden, das Fell immernoch leicht gesträubt. Ihr war nicht ganz wohl dabei, dass Lunar so nahe war. Und so wandte sich ihr Blick wieder zu ihrer Mutter. Inzwischen hatte auch Turién seine Sprache wieder gefunden.

Wir sind beide Schuld. Aber es war nur Spaß, Turién wollte das nicht, er darf nicht bestraft werden.“

Für diesen Moment konnte sie den noch leicht pulsierenden Schmerz in ihrem Ohr verdrängen, als ihr Kopf sich schuldbewußt ein wenig senkte. Dann wandte sie den Blick wieder herum, beobachtete Lunar. Dieser Wolf war ihr nicht ganz geheuer.


[Rande des Rudelplatzes – Turién, Tyraleen, Taleesha & Lunar]

Takashi
15.07.2011, 20:45

Abermals erwischte sich der Hüne dabei, wie er eine Weile lang den Welpen zugeschaut hatte. Wie hypnotisiert setzte er ein sanftes Lächeln auf und hätte beinahe vergessen, dass er doch mit Chilali im Gespräch war. Takashi war in diesem Moment zu sehr verträumt und hatte sich dazu entschlossen, sich keine schrecklichen Sorgen mehr um Cirádan zu machen. Der Kleine konnte auch sehr stark sein und ihm war bestimmt nichts zugestoßen.

Noch ein wenig verträumt und lieb lächelnd blickte Takashi die weiße Fähe an. Für sie schien es gar nicht so einfach zu sein, sich an das große Rudel und die vielen Gesichter zu gewöhnen. Sie sagte zudem, dass sie ziemlich nervös sei; der Hüne nickte sachte und legte sein euphorisches Grinsen vorerst wieder ab. Er selbst kannte das Problem, wenn man sich in der Menge nicht wohl fühlen konnte, wenn man von fremden Artgenossen umgeben war.

"Du wirst sie schon alle noch schnell genug kennen lernen, glaub’ mir das mal. Bestimmt wirst du dich schon bald an uns gewöhnt haben", versuchte er Chilali aufzumuntern. Danach begann Takashi wieder zu lächeln. "Setz dich doch wieder", sprach er, denn Chilali brauchte vor dem Hünen keine scheu zu zeigen. Auch sie war wie ein jener anderer Wolf im Rudel herzlich willkommen und sollte sich deshalb hier wohl fühlen.

Für einen Moment schien Takashi wieder wach zu sein. Kurz darauf aber sank er ein wenig zu zusammen und setzte wieder dieses zufriedene Lächeln auf, während er durch das Rudel blickte und anschließend wieder bei den Welpen landete. Wie jeder andere Wolf konnte er seine Augen einfach nicht von den Welpen lassen.
Die Kleinen erinnerten den Hünen an seine eigene Welpenzeit, die er aber leider nur lückenhaft in Erinnerung hatte.


)[ Rudelplatz | Chilali ](

Chilali
15.07.2011, 20:57

Erfreut das der Schwarze sie offenbar doch irgendwie leiden könnte oder ihr zumindest nicht böse gesinnt war pendelt sie ein wenig mit der Rute. Ihre Ohren stellte sie wieder neugierig auf und ein Stück ihres alten Selbstbewusstseins kehrte zu ihr zurück. Warum war sie denn so schreckhaft? Gerade jetzt, wo es darum ging im neuen Rudel seinen platz zu behaupten müsste sie doch zeigen, dass sie kein scheues Ding war. Im Gegenteil, eigentlich war sie doch sogar recht extrovertiert. Nur wo war ihr Platz im Rudel? Und ab wann nervte Extrovertiertheit die anderen? Fragen die man bei Fremden Wölfen nicht selbst beantworten konnte, sondern nur durch herausfinden.

“ Leider geht das nicht schnell genug. Nicht zu wissen wo der eigene Platz ist, ist schlicht gesagt ziemlich verwirrend. Und das bringt all meine Instinkte in Aufruhr.“

Immer noch etwas unsicher setze sie sich wieder und tat es Takashi gleich und beobachtete die Welpen. Alle Wölfe schienen hin und weg. Aber der Grund für diese Art von Versammlung war doch wohl kaum das erste Verlassen der Höhle?

„Was genau geht hier eigentlich vor sich?“

,fragte sie interessiert. Undeutlich erinnerte sie sich, dass Wort Zeremonie irgendwo aufgeschnappt zu haben. Gespannt was damit wohl gemeint war ließ sie ihren Blick umher wandern. Dabei erblickte sie kurz ihren Bruder, der aber dabei war sich von der Welpenhöhle zu entfernen. Sie schenkte Volk ein lächeln bevor sie sich mit fragendem Blick wieder an den anderen Rüden wandte.


[Rudelplatz l Takashi]

Takashi
15.07.2011, 21:37

Natürlich wollte der Hüne seiner neuen Bekanntschaft ein gutes Gefühl geben und ihr helfen, sich in der ungewohnten Umgebung besser zurechtzufinden. Takashis Verdacht lag auch nahe, dass er da ganz nah dran war und dies stimmte ihn sehr fröhlich. Er erwiderte das Rutenpendeln und blickte glücklich, aber auch ziemlich interessiert drein.
Takashi konnte sich vorstellen, dass sich Chilali hier noch nicht allzu sehr wohlfühlen konnte und nickte abermals verständnisvoll. Vielleicht konnte er aber auch die Gelegenheit ergreifen und sie ein bisschen ablenken.

"Zuerst bekommen die Welpen die Möglichkeit, sich einen kurzen Eindruck von ihren großen Artgenossen und dem Umfeld zu verschaffen. Sie dürfen eben schon aus der Höhle heraus und knüpfen die ersten Kontakte. Etwas später - ich bin mir nicht sicher wann - gibt es dann die Welpenzeremonie," fing Takashi an, zu erzählen. Er wollte vorerst abwarten, ob er das Interesse der Fähe wecken konnte. "Die Zeremonie ist Tradition in unserem Rudel", fügte er knapp hinzu.

Chilali klang zuvor sehr interessiert und würde sich bestimmt der Thematik annehmen.
Takashi erinnerte sich an die Welpenzeremonie des letzten Jahres. Alle Welpen hatten ihre Paten erhalten und zudem bekamen sie auch noch ein tolles sorgfältig ausgesuchtes Geschenk. Ob es dieses Jahr erneut so sein würde?
Der Schwarze bemerkte, wie die Fähe Volk Zubami zulächelte. Dennoch musste sich Takashi eingestehen, dass er nicht wusste, was die beiden miteinander zu tun hatten.


)[ Rudelplatz | Chilali ](

Minyala
16.07.2011, 10:27

Ach du je. Minyala bereute ihren Beschluss, Malicia anzusprechen augenblicklich. Zum einen erkannte sie nun, dass die Schwarze ein wenig verkrampft aussah, fast als hätte sie Schmerzen. Zum anderen wurde sie von der Fähe angefaucht, als hätte sie etwas ausnehmend Blödes gesagt und gleichzeitig starrte Malicia sie so hilflos an, als wäre es gar nicht sie gewesen, die soeben einen irgendwie unnetten Satz gesagt hatte. Nicht, dass Minyala ihr nicht zustimmen würde – bei diesen Temperaturen Welpen zu feiern empfand auch die Silberweiße als unpassend – aber immerhin waren diese kleinen Fellbälle Malicias Nichten oder Cousinen oder Großnichten oder sonst etwas – die Familienverhältnisse hier verstand sowieso niemand. Ergo sollte die Schwarze doch zumindest ein wenig fröhlich sein. Das wirkte sie aber nicht im Entferntesten – viel eher schien sie wirklich Schmerzen zu haben. Denn jetzt ließ sie sich fallen, verkrampft und offensichtlich von ihrer Pein niedergezwungen. Für einen Herzschlag lang starrte Minyala die Fähe zu ihren Pfoten hilflos und heillos überfordert an, dann ließ sie sich ebenfalls zu Boden sinken und berührte Malicia höchst vorsichtig an der Lefze.

“He, was ist denn los? Hast du Schmerzen? Geht es dir nicht gut? Soll ich jemanden holen? Sheena kann da irgendwelche Tricks, vielleicht kann sie dir helfen.“

Minyala erinnerte sich noch gut an den Tag, an dem Caleb in Menschengestalt im Schnee gefroren hatte und Sheena ihm einfach einen Wärmeschub über die Stirn verpasst hatte. Das war nicht gerade normal. Und auch wenn Malicia vermutlich nicht kalt war, Sheena würde da sicher irgendetwas drehen können. Doch bis die Schwarze diesem Angebot nicht zugestimmt hatte, würde Minyala die frisch gebackene Mutter lieber nicht holen gehen. Derweil könnte sie aber versuchen, Malicia abzulenken, vielleicht würde das ja helfen. Im Reden war die Silberweiße gut.

“Weißt du, ich stimme dir voll zu, bei diesem Winter und noch dazu den Vargen und all dem Chaos in letzter Zeit wirkt Welpenfeiern irgendwie grotesk. Und ein bisschen dämlich naiv. Nach dem Motto „Voll viele sind gestorben, grausame Dinge passieren, aber was soll’s – Welpeeeeen!“ Minya fand, die Stimme einer naiven Mutterwölfin perfekt nachgeahmt zu haben. “Allerdings gehören die kleinen doch zu deiner Familie, oder? Deine Nichtencousinengroßsonstwas. Hätte ich sowas, würde ich vermutlich schon ein wenig für sie interessieren. Aber du hast hier ja so viele Verwandte, vermutlich ist das gar nichts Besonderes mehr für dich. Ich hätte gerne mehr Verwandte, besser gesagt: überhaupt irgendeinen Verwandten. Ich hab‘ zwar Caleb, aber der ist eben nur ein verrückter Freund.“

Minyala beschloss, es damit gut sein zu lassen und abzuwarten, was Malicia nun zu sagen hatte und ob sie mit ihrer Ablenkungstaktik Erfolg erzielen konnte. Dass die Schwarze ziemlich seltsam war, hatte sich der Silberweisen nun zum zweiten Mal deutlich gezeigt, vermutlich empfanden das auch einige aus ihrer Familie so. Vielleicht war sie deshalb alleine.


[ etwas abseits des Rudels | Malicia ]

Chilali
16.07.2011, 13:31

Froh einen neuen Kontakt geknüpft zu haben hörte sie dem Schwarzen aufmerksam zu. Das man den Welpen erst mal Gelegenheit gab sich zurechtzufinden fand sie gut. Nur das mit der Zeremonie war ihr unbekannt. Sie selber war als Welpe aus der Höhle ins Rudel gekommen und das ohne besondere Zeremonie. Oder? Die eigenen Erinnerungen an ihre Welpenzeit waren etwas lückenhaft, zwar nicht vollkommen verloren und dennoch irgendwie verschwommen. Dennoch war diese Zeremonie wohl allen Welpen die im Rudel der Sternenwinde geboren wurden waren zuteil geworden.

“Was hat es mit dieser Zeremonie genau auf sich? Ich selber kann mich nicht daran erinnern als Welpe an so einer Zeremonie teilgenommen zu haben, aber mein altes Rudel lebte auch anders als wir hier.“

,fragte sie interessiert.
Was würde bei dieser Zeremonie wohl passieren? Sie wusste von Engaya und Fenris, glaubte an beide, aber hatte sich noch nicht entschieden welchen von beiden sie folgen sollte...würden die beiden Götter teil der Zeremonie sein?
Neugierig wartete sie auf Antwort und machte sich selber weiterhin so ihre Gedanken und Vorstellung einer möglichen Zeremonie.



[Rudelplatz l Takashi]

Majibáh
16.07.2011, 14:05

In Avendals Augen flackerte für einen kurzen Moment ebenfalls das Bedauern darüber auf, sich noch nicht allzu vielen Mitgliedern dieses Rudels bekanntgemacht zu haben. Manchmal fragte sie sich, wie das überhaupt möglich war. Bei so vielen verschiedenen Wesen musste doch einer dabei sein, der ähnliche Interessen teilte. Mit dem man zumindest Themen fand, über die man sich ausgiebig unterhalten konnte. Vielleicht musste man es aber auch wollen, und das deutlich zeigen. Wenn man nur da liegt oder irgendwo umherschleicht, wo man ohnehin nicht besonders gut zu erkennen ist, wirkt es auch nicht so, als wolle man sich unterhalten. Körpersprache. Obwohl niemand sie direkt beobachtet, wertet man ständig unbewusst ständig die Zeichen, die ein Anderer etwa mit einer Bewegung signalisiert, aus, und entscheidet so die weitere Kommunikation. Wenn man darüber nachdachte, war es eigentlich ziemlich kompliziert, aber es war ein natürlicher Instinkt, etwas, das man ohne es zu wissen tat. Einer, der für jemand Schüchternen wirklich ein Fluch sein konnte. Niemand sprach ihn aufgrund seines scheinbaren Desinteresses an und er traute sich nicht jemanden anzusprechen. Ihr selbst war es schon oft genauso ergangen, daher war sie sehr dankbar dafür, dass sie jemanden gefunden hatte, der mit ihr sprach. Vor allem, da sie dasselbe Problem – wenn man es ein wenig übertrieben darstellen wollte – hatte. Das wollte sie auch deutlich zum Ausdruck bringen:

„Oh, ich bin froh, dass ich nicht die Einzige bin, der es so ergeht. Das hatte ich nämlich schon befürchtet, dass ich so etwas wie die Außenseiterin hier bin. Aber wie ich sehe, ist das völlig normal. Bestimmt ist das bei den Meisten so, egal wie lange sie hier schon leben, zumal es immer wieder Neuzugänge gibt, Tiere abwandern oder leider auch häufig sterben. Man bleibt dann meistens lieber unter denen, die man schon kennt. Da kann man sich sicher sein, dass sie nett sind.“

Diese Aussage klang so plausibel, wenn sie nicht von ihren gelegentlichen Minderwertigkeitskomplexen beeinflusst wurde. Nein, sie klang nicht nur so, sie war es auch, und sie war froh darüber, dass sie nicht wieder damit anfing, sich selbst zu bemitleiden. Dafür hatte sie nun wirklich keinen Grund mehr. Gerade jetzt nicht.
Wieder ertönte eine helle, angenehme Stimme und sie stellte augenblicklich ihre Ohren auf, konzentrierte sich auf jedes einzelne Wort, auf diesen wohltuenden Klang, der sie den Schmerz der Einsamkeit vergessen ließ.

„Wirklich kalt war mir nicht, oder zumindest nicht so sehr wie den Anderen, aber mein Körper war schon auf extrem warme Temperaturen eingestellt und wurde deshalb trotzdem sehr geschwächt“,

erklärte sie der Jüngeren und trat dabei einen Schritt auf sie zu, weil sie ihrer Meinung nach wirklich keine Angst mehr davor haben musste, dass sie aggressiv auf irgendetwas reagierte. Im Gegenteil, sie schätzte die Wölfin als sehr friedlich ein, noch friedlicher als sie selbst. Eigentlich war es ohnehin nur aus Respekt gewesen, zumal sie in einem wirklichen Kampf gewonnen hätte, einerseits, weil sie wesentlich älter und andererseits, da sie größer und nicht so zierlich war. Und ihr war bewusst, dass sie das nicht hätte tun müssen, aber sie wollte es. Ihr gefiel ihre sympathische Art. Deshalb machte sie sich bei ihren nächsten Worten auch ein wenig Sorgen, und es dauerte eine Weile, bis sie antwortete. Sie spürte, dass es ein Thema war, mit dem sie sensibel umgehen musste und setzte daher ein verständnisvolles Lächeln auf.

„Wieso ni...?“,

begann Majibáh, wurde aber prompt von Malik Hikaji unterbrochen. Ein kleines Grinsen schlich sich auf ihr Gesicht, doch sie unterdrückte es wieder, sie wollte die Fähe nicht verspotten. Aber es war einfach so ironisch, dass sie eben geäußert hatte, sie wolle die Kleinen nicht kennenlernen, und schon einer von ihnen zu den Zweien stieß.
Einige Sekunden lang war sie hin- und hergerissen, da sie das Junge vor ihr nicht wegschicken wollte, aber ihm auch nicht die Möglichkeit dazu geben wollte, lange bei ihnen zu bleiben. Sie warf einen fragenden Blick zu der Weißen, der ihr bedeuten sollte, dass ihr die Entscheidung überlassen war. Ja, das war wohl die beste Möglichkeit. Vielleicht war es für sie auch gar nicht so schlimm, wie sie gedacht hatte. Außerdem wagte sie es zu bezweifeln, dass er sich lange mit ihnen zu unterhalten, anstatt sich mit seinen Geschwistern zu beschäftigen, zumal er diese soeben gerufen hatte. Vermutlich wollte er einfach nur diese Frage stellen, eine Antwot erhalten, was bereits geschehen war, und dann wieder gehen.


[auf dem Rudelplatz - bei Avendal und später Malik Hikaji]

Lyerra
16.07.2011, 22:32

Lyerra sah Aszrem nicht mehr an. Sie wusste nicht was er dachte, wagte es nicht zu fragen. Ihre Gedanken glitten zurück zu Volk Zubami, sie versuchte sich daran zu erinnern, wann sie ihn das letzte Mal gesehen hatte… War das nicht an dem Tag gewesen, an dem Chilali angekommen war? Der Tag, an dem sie Kouros das letzte Mal gesehen hatte. Wieder ein Schatten. Wieder Trauer. Wie sollte man sich fühlen? Wie viel gutes war in diesem Tal passiert, seit sie da war? Sie hatte Volk kennen gelernt. Und Takashi. Und Sharíku. Ja, das waren gute Dinge, doch sie hatte Imiák verloren, Ethelion und nun Kouros. Gehen. Für immer gehen. Ein Ende und ein neuer Anfang. Für immer. Vielleicht ware das das Beste. Wer wusste das schon?
Ein trauriger Ausdruck lag in den Seelenspiegeln der kleinen Wölfin. Sie verspürte Schmerzen, allerdings eher seelische als körperliche. Immer noch ging der Leitwolf neben ihr, doch mehr und mehr hatte die Weiße das Gefühl, dass er es aus reiner Freundlichkeit tat, weil er es eben tun musste. Einen anderen Grund gab es nicht. Sie hörte seine Worte, nickte kurz.

"Ja, natürlich. Die Welpen lenken sie ab, und das tut jedem gut. Nicht nur dem Rudel, auch dir und Tyraleen. Es tut uns anscheinend allen gut! Jeder ist verantwortlich. Für jeden. Für die Welpen. So wie immer und dennoch mehr. Irgendwie."

Sie blickte ihn abermals bloß kurz an, bevor sie ihm weiter folgte. Die Richtung behagte ihr nicht ganz, denn eigentlich war sie ja in der Nähe des Rudelplatzes gewesen, um nicht bei all den anderen und bei den Welpen sein zu müssen, aber sie konnte jetzt nicht einfach gehen. Oder? Ja. Nein. Egal. Sie würde nicht gehen. Das war unhöflich.
Vollkommen in Gedanken, bemerkte sie ihren Freund Volk nicht, bis er sie und Aszrem ansprach. Beinahe geriet sie ins Stolpern, doch sie konnte sich fangen bevor ihr Körper den kalten Boden berührte. Ein unsicheres und leicht zögerndes Lächeln erschien auf ihren Lefzen. Sie musste die Gedanken verdrängen. Die Gedanken an alles. Egal an was.

“Hallo, Volk. Nein, ganz im Gegenteil, ich freue mich über deine Gesellschaft! Und nein, den Welpen bin ich noch nicht begegnet!”

Sie lächelte ihn an, stieß ihm dann sachte gegen die Wange. Sie hatte ihn vermisst. Sehr sogar. Unsicher pendelte ihre Rute hin und her, ihre Ohren wackelten leicht. Beinahe wäre ihr Blick zu Aszrem gependelt, um zu sehen wie er schaute, doch sie ließ es. Er wollte zu den Rudelhöhlen. Er musste freundlich sein. Wie sollte er schon gucken? Beinahe stur sah sie nach vorne.

„Wie… geht es dir, Volk?“

Fragte sie leicht verunsichert. Ein sanftes und freudiges Leuchten erschien plötzlich in ihren Augen, sie ging direkt zu ihm, lehnte sich leicht gegen ihn. Sie schloss die Augen, fühlte sich auf einmal so müde.



[ Volk Zubami , Aszrem - auf dem Weg zu den Rudelhöhlen ]

Jarrèll Nathaniêl
17.07.2011, 00:02

Die Fähe bemerkte die Ankunft Jarrèlls erst nach einigen Augenblicken wandte sich dann jedoch von der Wasseroberfläche ab, die sie noch vor Momenten so angestrengt angestarrt hatte. Richtete ihren Blick, ebenso ihr Wort an ihn. Weitaus respektvoller, als die Sitten es verlangt hätten begrüßte sie ihn und versuchte gar ihm ein Lächeln zu schenken, auch wenn er erkennen konnte, dass es ihr nicht gelang ihm die Tiefe zu geben, die bewiesen hätte, dass es von Herzen kam, nicht weil sie es nicht gewollt hätte, denn an ihrer lieben Absicht zweifelte der Rüde nicht, nur daran, dass sie tatsächlich in der Lage war in diesem Moment wirkliche Freude zu spüren, zudem stellte er nicht den Anspruch, dass sein Anblick irgendwen fröhlich stimmte. Trotzallem berührte diese Begrüßung den Rüden, unwillkürlich wusste er den Respekt der Weißen zu schätzen mit der sie anerkannte, dass er und Majibáh eine Verbindung aufzubauen begonnen hatten. Der Silberrüde erwiderte ihr Lächeln in dem, soweit es ihm möglich war, echte Herzlichkeit legte, angesichts der Reaktion Jumaanas und ebenso mit dem Hintergedanken daran, dass er selbst jedem einzelnen Wolf seines Rudels stets Achtung und Freundlichkeit entgegengebracht hatte, ganz gleich wie schwer die eigenen Sorgen auf seiner Seele gelastet hatten oder wie rangnieder sein Gegenüber auch gewesen sein mochte. Die Eigenschaft jedem Lebewesen Lieb und Respekt schenken zu können war herausragend und nicht jedem gegeben, doch Jarrèll erkannte, dass sie Jumaana mit der dafür benötigten Herzensstärke ausgestattet war und diese Gebe zweifelsohne besaß.

„Ich grüße Euch ebenfalls Jumaana,“

Angesichts der Tatsache, dass Jumaana das du gewählt hatte um ihn anzusprechen und da sie sich bereits vor einiger Zeit einmal unterhalten hatten war die würdevolle Anrede keinesfalls mehr von Nöten, doch der grünäugige Wolf wählte sie in der Hoffnung, sie würde der Gamma-Wölfin verdeutlichen, dass er sie ebenso sehr achtete, nicht nur ob ihres Ranges sondern, ob ihrer selbst und ihrer zweifelsohne unendlich gütigen Wesensart. Nachdem Jarrèll Nathaniêl diese Worte gesprochen hatte nickte er ihr zu und schloss dabei ganz kurz die Augen, ein weiteres Zeichen seiner Anerkennung ihrer Position als Schwester Majibáhs. Erst als er den Blick wieder hob sah er ihr in die Augen und erkannte nun deutlich, was ihm vorher bereits unbewusst aufgefallen war, ihre Augen hatten nichtmehr beide die glänzend grüne Farbe, die je nach Stimmung der Fähe, ebenso vielfältig geschimmert hatten, wie die einzelnen Farbtöne der Blätter eines Waldes, stattdessen hatte ein Auge eine satte violette Farbe angenommen. Diese Veränderung verlieh der Weißen ein eigenartig fremdes Auftreten, Jarrèll verspürte angesichts dieser Anomalie keinerlei Erschrecken oder gar Abneigung. Es hatte sicherlich einen Grund, wieso Jumaanas Auge die Farbe gewechselt hatte, auch wenn dieser sich dem Rüden nicht erschloss. In diesem Tal schienen die Gesetze der Natur neu geschrieben zu werden und das scheinbar Unmögliche wurde plötzlich plausibel. Der Silberpelz nahm sie einfach als gegeben hin, selbst wenn er ab und an das Bedürfnis verspürte sie zu erforschen und die Geheimnisse aufzudecken, ließ er doch immer wieder von dem Gedanken ab, denn er verstand zu wenig von dem scheinbar sehr komplexen Göttergefüge dieses Tals, als dass er sich ein Urteil zugestand über die Dinge die sich hier von Zeit zu Zeit abspielten.
Die Frage die die Weiße stellte ließ den eigentlichen Grund seiner Anwesenheit am See wieder in den Vordergrund rücken. Die quälenden Fragen, die beißenden Selbstzweifel, die Verzweiflung, die Suche nach Antworten und Schmerzlinderung. Die Antwort auf der Fähe Frage war denkbar einfach:

„Fragen.“

Diese Auskunft war sicherlich nicht zufriedenstellend, dennoch die einzig wahre. Fragen führten ihn an diesen Ort, Fragen auf die er selbst keine zufriedenstellende Antwort mehr wusste, Fragen, die alles in Frage stellten, worauf er sein Leben in den letzten Jahren gegründet hatte, Fragen danach ob er seit dem Tod des Rudels eine Lüge gelebt hatte und so nur eine schmerzhafte Wahrheit hatte verstecken wollen, die von Schwäche und dem Davonlaufen erzählt. Es war eine Wahrheit von der er am liebsten ebenfalls davon gelaufen wäre, ganz bewusst diese Mal, um nicht dem Unvermeidlichen gegenübertreten zu müssen, der unausweichlichen Realität die ihn früher oder später doch einholen würde. Wie tief war er gesunken, dass er solche Gedanken hegte? Er wusste es nicht, er wusste nichts mehr, außer vielleicht, dass der See mit seiner spiegelglatten, glänzenden Oberfläche seine Fragen ebenso wenig beantworten konnte wie er selbst. Mit einem langen Blick bedachte der Rüde die Fähe die ihm gegenüberstand und ließ seinen Blick für einen Augenblick in ihren verschiedenfarbigen Augen ruhen, die ihm immer noch fremd und gleichzeitig unglaublich passend für das einzigartige Wesen der Fähe erscheinen.

[LIST][Sternensee | Jumaana][/LIST]

Takashi
17.07.2011, 13:08

Der Schwarze war sehr glücklich darüber, dass sich Chilali so sehr für die Welpenzeremonie interessierte. Sie hatte ihm volle Aufmerksamkeit geschenkt und schien sehr wissbegierig zu sein. Takashi wollte sein Wissen mit seiner neuen Bekanntschaft teilen, damit sie sich schneller im neuen Rudel zurechtfinden konnte und eines Tages vielleicht selber erklären konnte.
Nun schien der Hüne endgültig nicht mehr abgelenkt zu sein und er konnte sich auf Chilali konzentrieren. Auch, wenn es so verlockend war, den Welpen zuzuschauen.

"Diese Zeremonie ist ein fester Bestandteil unserer Rudels. Es ist Tradition, dass ein jener hier geborener Welpe daran teilnimmt. Die Welpen dürfen aus der Höhle heraus, erhalten ganz offiziel ihre Namen und werden ihren Paten zugeteilt. Meistens haben die Paten ein schönes Geschenk für die Kleinen dabei."

Jedes Rudel hatte seine eigenen Sitten und Bräuche. Das bemerkte auch Chilali, und Takashi musste sich eingestehen, dass er in der Hinsicht gar nichts von seinem Geburtsrudel wusste. An wen oder was hatte man dort geglaubt? Es gab nur diese unheimliche Höhle, welche einen uralten Fluch in sich barg. Gab es diesen Ort überhaupt noch und wer lebte dort? Neugierde machte sich in dem Hünen breit und er verschwendete einen winzigen Gedanke daran, diesen Ort eines Tages erneut zu besuchen.

"Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass es für meinen Bruder Urion und mich eine solche Zeremonie gab. Aber ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es so einen Brauch in meinem Geburtsrudel gar nicht gab."

Ein wenig überrascht über sich selbst stellte Takashi fest, wie er mit Urions Tod abgeschlossen hatte. Inzwischen fiel es ihm einfacher, über seinen Bruder zu reden, auch, wenn es noch ein bisschen schmerzte.

"Hast du auch Geschwister? Hier?", fragte der Hüne interessiert und blickte in die Richtung, in die Volk verschwunden war.


[ Rudelplatz | Chilali ]

Tyraleen
17.07.2011, 14:00

Tyraleens Blick musste sich entscheiden, wen er mit besonderer Aufmerksamkeit mustern sollte und auch wenn sie selbst eigentlich zu ihren eigenen Kindern tendiert hätte, bedurfte Taleesha nun mehr Schutz und Reaktionsbereitschaft. So lagen die bernsteinernen Augen auf ihrer kleinen Patenwelpin und versuchten jedes Zeichen von Angst, Überforderung oder Erschrecken aufzufangen. Natürlich wirkte die Kleine unsicher und offensichtlich verschreckte sie das leuchtende Rot des Blutes, doch sie blieb verhältnismäßig ruhig und gelassen. Folgte ihr brav und näherte sich nun sogar von alleine Atalya. Und wollte ihr eine Geschichte erzählen! Ein flüchtiges Lächeln erschien auf den Lefzen der Weißen und sie verspürte so etwas wie Stolz. Taleesha ging unglaublich mutig und selbstbewusst mit dieser Situation um – wenn sie einmal groß war, würde sie sich nicht leicht unterkriegen lassen oder bei jeder kleinen Gefahr zu ihrer Mutter fliehen. Nun war die Leitwölfin nicht mehr ganz so beunruhigt, dass sie ihre Patenwelpin mitgenommen hatte. Es schlummerten Gene einer Leitwölfin in der Kleinen. Derweil hatte Atalya erstmals den Blick gehoben und sie kurz angesehen. Die Graue hatte genickt und doch stand in ihren Augen weder Freude über die unverhoffte Hilfe noch der Wunsch, von ihrer Mutter berührt zu werden. Der Blick schmerzte Tyraleen und am liebsten hätte sie sich umgedreht und wäre vor ihren eigenen Kindern geflohen, doch sie wusste, dass sie sie dann verlieren würde. Sie musste um sie und gegen sich kämpfen – und gegen den Dämon, der über ihre Familie gekommen war. Sie empfand es noch immer als ungerecht und so gerne hätte sie das Atalya – ebenso wie Turién – gesagt, aber auch das würde zu nichts führen. Sie würde nun immer da sein, liebevoll, offenherzig und friedlich sein müssen – vielleicht käme dann irgendwann das Vertrauen zurück. Vielleicht. Ein Wort, das so schmerzte.
Den Blick gesenkt, sodass keiner der Anwesenden in ihre Augen blicken und so möglicherweise darin lesen könnte, schob sie ihre Schnauze zu dem nun aus dem Schnee gehobenen Ohr. Atalya hatte sich Taleesha zugewandt und antwortete ihr freundlich, während dessen versuchte Tyraleen sich auf Engaya zu konzentrieren. Auf das Gefühl, als sie zu Averic gekommen und ihm verziehen hatte, wie sie plötzlich federleicht gewesen war und wie Wärme ihren Körper geflutet hatte. Sie erinnerte sich auch an Banshee und ihr Strahlen, an ihre eigenen Begegnungen mit Engaya und an die Liebe zu ihrer Tochter. Die trotz allem was geschehen war, mächtiger und größer blieb, als jede Enttäuschung und jeder bittere Blick. Als sie begann mit ihre Zunge vorsichtig und sanft immer und immer wieder über den Riss in Atalyas Ohr zu fahren, spürte sie die Wärme, die sich auszubreiten begann. Nun nahm der Schmerz ab, ihre Tochter würde nur noch ein dumpfes Pochen spüren, ebenso wie das Blut gerann und kein neuer, kostbarer Lebenssaft aus der Wunde austrat. Als die Weiße den Kopf hob und ihren Kindern wieder in die Augen sah, stand nichts als Ruhe und Liebe in ihrem Blick. Turién schien mittlerweile wie ein trotziger Welpe, der beim verbotenen Rundgang im Wald erwischt wurde und antwortete auf ihre ungestellte Frage wie sie es erwartet hatte. Ein Spiel, ein dummes Missgeschick. Er schob die Schuld auf Atalya und gleich darauf meldete sich auch die Graue zu Wort, nahm Turién ebenfalls in Schutz, als hätte die Weiße vorgehabt, sich auf ihn zu stürzen und durch Bisse zu bestrafen. Wieder schoss Enttäuschung durch ihren Blick, doch sie blinzelte sie hinfort und nickte.

“Keine Angst, Atalya, ich hatte nicht vor, ihn zu bestrafen.“ Sie sah zu Turién. “Ihr solltet beim nächsten Mal aufpassen, eure Zähne nicht zu sehr einzusetzen. Ihr könnt damit tödliche Wunden reißen, vergesst das nicht. Passt auf euch auf …“

… wenn ihr mir es nicht gestattet.
Damit wollte sie sich eigentlich umdrehen und mit Taleesha – ob erzählter Geschichte oder nicht – wieder zurückgehen, doch ein schwarzer Wolf durchkreuzte ihren Plan. Als Tyraleen ihn als Lunar identifizierte, stellte sich ihr Nackenpelz ganz leicht auf. Eben noch hatte sie darüber nachgedacht, welche Wölfe die Welpen heute lieber nicht kennenlernen sollten und Lunar stand auf der Liste ganz oben. Er blieb in einer sicheren Distanz stehen, flüsterte etwas, das Tyraleen nicht verstehen konnte und forderte Taleesha dann seinerseits auf, eine Geschichte zu erzählen. Gerne hätte die Weiße den aggressiven Bruder Shanis vertrieben, aber er gehörte dem Rudel an und Banshee hatte ihm das Bleiben erlaubt, sofern er keine Regeln brach. Und einen Welpen zum Geschichtenerzählen aufzufordern war nicht wirklich unerlaubt. Doch seine Anwesenheit war Tyraleen zutiefst zu wider, was sie mit einem knappen Blick zu dem Schwarzen deutlich machte, dann wandte sie sich um und positionierte sich gleichzeitig so, dass sie zwischen Lunar und Taleesha stand. Der kleinen Welpin zugewandt stupste sie sie an und deutete auf den Rückweg.

“Komm, Taleesha, wir sollten jetzt zurück zu deiner Mutter, bevor sie sich Sorgen macht. Dann kann ich dir auch deine Fragen beantworten, du fragst dich doch sicher, was das Rote war, oder?“

Sie wartete, bis Taleesha sich in Bewegung setzte und ging dann dicht neben ihr, jedoch nicht ohne noch einmal einen Blick über die Schulter zu ihren beiden Kindern und Lunar zu werfen.


[ Rudelplatz | entfernt sich mit Taleesha von Atalya, Turién und Lunar ]

Taleesha
17.07.2011, 18:26

So freundlich und hilfsbereit Taleesha eben noch versucht hatte, Tyraleens Aufgabe zu erfüllen und Atalya irgendwie abzulenken oder zu trösten, so überfordert war sie nun, als alle auf einmal sprachen. Sie war eigentlich ganz gut damit klargekommen, sich auf die verletzte Fähe zu konzentrieren und das Rot möglichst zu ignorieren. Als jetzt jedoch die beiden Geschwister versuchten, Schuld von sich zu weisen und gleichzeitig Ärger zu vermeiden, hörte Taleesha eifrig zu und versuchte das Passierte nachzuvollziehen. Es gelang ihr nicht ganz und sie sah ein wenig ängstlich zu Tyraleen. Hoffentlich würde sie die beiden nicht bestrafen, sie hatten sich ja eigentlich lieb. Aber das wusste die kluge Alphawölfin bestimmt, oder?

Während sich ein fremder Wolf immer mehr näherte, war Taleesha ganz abgelenkt von einem undefinierbaren Gefühl, das sich urplötzlich in ihr ausbreitete. Es war Traurigkeit, eine stumme Frage, ein hilfloser Drang zur Flucht. Die kleine Welpin wusste nicht wie ihr geschah und was sie tun sollte. Je mehr sie zu Tyraleen sah, desto trauriger wurde sie. Ein bisschen traurig über Atalya und Turién, ein bisschen traurig über irgendwas, das sie nicht kannte und auch nicht in der Lage war zu bestimmen. Verwirrt fragte sich Taleesha, ob sie so traurig war über den Schmerz Atalyas. Aber der Fähe schien es schon wieder etwas besser zu gehen und als Tyraleen zu ihrer Tochter ging und sich liebevoll um das Ohr kümmerte, löste sich endlich wieder der Knoten in Taleeshas Bauch, ihr Atem wurde leichter und sie fühlte sich viel besser. Sie konnte dieses Gefühl jedoch nicht wirklich genießen, zu tief saß der Schreck über das plötzliche Unbehagen. Es war so viel Neues gewesen, so viel Ungewohntes … aber warum hatte sie auf einmal etwas verspürt, das sie noch gar nicht in einem solchen Ausmaß kannte? Bisher war sie nur traurig gewesen, wenn Papa ihr keine Geschichte mehr erzählen wollte, weil er müde war, oder aus der Höhle raus musste. Oder sie war unglücklich, wenn sie mit Tinca hatte spielen wollen und ihre Schwester aber in Ruhe gelassen werden wollte. Oder wenn Malik und Isaí sich etwas ausgedacht hatten und es ihr nicht verrieten. Aber das schlechte Gefühl war immer gleich wieder vorbei gewesen und sie hatte mit ihren Geschwistern vergnügt gespielt oder Mama hatte ihr eben eine Geschichte vorgelesen …

Taleesha war so in Gedanken versunken gewesen, dass sie gar nicht gemerkt hatte, wie nahe ihr der Fremde gekommen war. Sie zuckte erschrocken zusammen, als sie seine tiefe Stimme hörte. Sie wich ein paar Pfotenlängen zurück und senkte den Blick, da er einfach nicht aufhörte, sie anzustarren. Was wollte er? Was sollte sie erzählen? Es dauerte eine kleine Weile, bis Taleesha wieder einfiel, dass sie Atalya eine Geschichte versprochen hatte. Sie wollte voller Elan aufspringen, traute sich jedoch nicht so recht. Sie blieb ruhig sitzen, wich weiterhin dem Blick des dunklen Wolfes aus und sah Atalya zugleich fragend und auffordernd an. Hatte Atalya gesagt, dass sie gerne eine Geschichte hören würde? Taleesha hatte nicht aufgepasst, was um sie herum passiert war, und bedauerte dies nun zutiefst. Sie wollte doch unbedingt trösten lernen!

So weit kam es jedoch nicht mehr, da Tyraleen sie kurz darauf aufforderte, mitzukommen. Sie hatte Recht, sie sollten besser zurückgehen, vielleicht machte sich Mama ja schon Sorgen. Taleesha folgte natürlich brav, aber rief Atalya und Turién noch ein kurzes, helles

"Ich erzähl euch nächstes Mal die Geschichte, ja?"

zu. Dann ließ sie den Blick wieder nach vorne wandern, streifte damit kurz den Fremden und lief nachdenklich neben Tyraleen her. Sie wusste, dass er sie noch hören konnte und hob sich ihre drängendste Frage deshalb noch etwas auf. Es gab noch genug andere Fragen, die sie ebenfalls beschäftigten.

"Du, Tyraleen? Du hast Recht. So viel Rot hab ich noch nie gesehen. Es hat mir ein bisschen Angst gemacht. Ist es sehr Gefahr-lich?"

Bevor die Alphawölfin richtig zu Wort kommen konnte, sprudelten die Worte ungehindert weiter aus Taleesha heraus.

"Und du? Ich mag deine Kinder. Sie sind … irgendwie Spaß-lich. Also, ich meine, ich glaube, man kann toll mit ihnen spielen! Aber weißt du was? Sie sehen gar nicht so sehr aus wie du. Aber sie sind trotzdem schön."

Fröhlich plappernd hatte Taleesha die seltsam bohrenden Fragen und Gefühle bis auf Weiteres verdrängt.


[ Rudelplatz | entfernt sich mit Tyraleen von Atalya, Turién und Lunar ]

Jakash Caiyé
17.07.2011, 19:13

Immer wieder kehrte sein Blick zu seiner Gefährtin zurück, um ihre Miene zu mustern und ihr Befinden abzuschätzen. Was immer ihre Laune getrübt hatte, es klang noch in der Art nach, wie sie ihn ansah und sich an ihn schmiegte, schien jedoch ansonsten schon wieder fast verschwunden zu sein. Das genügte ihm, und so wich das Lächeln erst wieder von seinen Lefzen, als Sheena ihm seine Frage beantwortete. Viel wusste sie nicht zu berichten, aber auch sein Blick glitt unruhig und wachsam in die Richtung, die Sheenas Blick ihm wies, und suchte nach seiner Tochter und ihrer zukünftigen Patentante. Er konnte sie nicht entdecken, aber sicherlich waren sie nur knapp außer Sichtweite. Tyraleen war selbst Mutter und würde Taleesha daher sicher nicht aus Unbedachtheit einer Situation aussetzen, die noch nichts für ihr Alter war. Andererseits...
Jakash brach den Gedanken ab und unterdrückte den Impuls, sich wieder zu erheben und der Fährte des Zweigespanns zu folgen. Sheena würde sich nur Sorgen machen, sollte er es für nötig halten nach dem Rechten zu sehen, und das musste jetzt nicht sein. Was immer Taleesha sehen mochte, sie würde es vermutlich ohnehin noch nicht verstehen und daher höchst wahrscheinlich auch nichts Schlechtes damit verbinden. Jakash erinnerte sich gut daran, was er als allererstes außerhalb der Höhle gesehen hatte: zwei kämpfende Wölfe. Damals hatte er gedacht, Nyota und Lunar würden miteinander spielen, und war begeistert gewesen. Erst viel später war ihm klar geworden, was er tatsächlich gesehen hatte.

"Ich wette, wenn Taleesha zurück ist, wird sie uns voller Begeisterung davon erzählen, wie toll Tante Tyra doch zaubern kann",

erwiderte er grinsend und hoffte, dass er Sheenas Sorgen damit etwas zerstreuen konnte.

"Aber wir können nachher ja mit unserer Tochter und auch Tyraleen darüber reden, wenn du möchtest",

fügte er ernster hinzu - und auch etwas leiser, denn gerade hatte sich Tinca von ihrem Gesprächspartner losgerissen und postierte sich in ulkiger Pose direkt vor ihnen. Was sie dann jedoch zum Besten gab - oder vielmehr, wie - ließ seine Mimik jedoch versteinern. Diese Ernsthaftigekeit und vor allem diese Selbstsicherheit waren so gar nicht typisch für seine kleine Tochter, und unwillkürlich fragte Jakash sich, ob da nicht jemand anderes mit der Stimme seiner Tinca sprach. Konnte das sein? Würde Engaya wirklich ihren Willen bereits in so junge Welpen pflanzen? Er würde Tincas Verhalten im Auge behalten müssen...
Sheena schien ähnlich verblüfft wie er zu sein, jedoch fing sie sich schneller wieder. Vielleicht, weil Tincas ungeteilte Aufmerksamkeit auf ihr lag und nach einer positiven Reaktion verlangte. Seine Liebste war auch sogleich wieder ganz Mutter, und Tinca zum Glück gleich wieder ganz Tochter, und so lagen sie hier nun zu dritt im Schnee. Und apropos Mütter: noch eine Mutter trat näher - eine, die nun sogar bereits Großmutter war. Shanis Worte lösten Jakashs grüblerische Miene auf und ließen ihn lächeln. Er ließ sich sogar dazu hinreißen, ihren Gruß durch ein kurzes Lefzenlecken zu erwidern, nur um sich gleich daran wieder an Sheena zu schmiegen.

"WIR haben wunderbare Welpen, ich weiß",

korrigierte er grinsend und leckte seiner Gefährtin über die Wange, derweil Shani sich schon an Tinca gwandt hatte.


[Welpenhöhle | Tinca, Sheena, Shani, nahebei Chardím]

Cirádan
19.07.2011, 15:38


Er versuchte im Laufen zu Nicken, aber so Recht wollte das nicht geligen. Im Laufen wäre er beinahe gestolpert, also verlangsamte er etwas seinen Schritt.
Das Jagen war wirklich nicht seine Stärke. Er hatte Krolock verloren und es war schwer eine frische Spur des Schwarzen zu wittern. Hier in diesem Revier roch es einfach überall nach den Wölfen des Rudels.
Seufzend wurde er noch langsamer, als er auch Nihil aus seinem Blickfeld teils verschwand.
Das konnte ja heiter werden. Wie sollten sie bloß seinen Bruder jagen können.
Mit der Nase am Boden versuchte er eine frische Spur zu finden. Erfolglos.

Dafür aber spürte Cirádan etwas anderes.
"Mama?", entfuhr es ihm plötzlich winselnd und er blickte hoch in den Himmel.
Irgendwie hatte Cirádan plötzlich das Gefühl dass seine Mutter in der Nähe war. Das sie ihn sah. Das sie alles wusste.
Aber das war doch unmöglich! Sie war doch fort!
"... Mama?", rief er nochmals ein wenig lauter.
Mit einem Kopfschütteln versuchte dieses merkwürdige Gefühl abzuschütteln.
"Ich muss mich konzentrieren. Konzentrieren ..."
Er atmete tief durch und versuchte wieder Krolocks oder Nihilus Fell durchs Gebüsch zu erkennen. Aber ohne Erfolg.
Nun, es hieß weiter versuchen. Er wollte nicht als Unfähig dastehen ... auch wenn er es war.




[Nihil und Krolock - Krolock jagend durch den Wald]
(sorry da geht im Moment nicht mehr)

Chilali
20.07.2011, 14:55

Chilali bemerkte die Veränderung in der Ausstrahlung des großen Rüden und freute sich, dass sie offenbar willkommen war. Interessiert hörte sie Takashi zu und ließ den Blick ab und an zu den Welpen schweifen, hielt aber immer beide Ohren aufmerksam auf ihr Gegenüber gerichtet.

“Die Kleinen haben großes Glück in ein Rudel wie dieses hineingeboren worden zu sein.“

Unwillkürlich fragte sie sich ob auch sie vielleicht eines Tages Patin für einen Welpen sein könnte. Aber dazu müsste sie sich erst einmal mehr im Rudel integrieren und vor allem die Eltern der Kleinen gut kennen. Aber die Kleinen waren einfach zu niedlich. Kurzerhand beschloss sie, dass auch sie noch dazu kommen würde mit einem der Welpen oder gar mit allen zu reden. Immerhin gehörte sie ja irgendwie zum Rudel, auch wenn sie die Neue war.

“Als Welpe muss es das Größte sein außer den Eltern noch einen erwachsene Wolf zu haben der ganz offiziell, auch außerhalb der Familienbande, zu einem gehört.“

,sprach sie einen Gedanken laut aus. Takashi neugierig anblickend als auf seine Vergangenheit sprach konnte sie kurz ihre Verblüffung nicht verbergen.

“ Du bist nicht hier geboren?“

,stellte sie die Frage. Irgendwie hätte sie vermutet das auch Takashi aus diesem Tal kam. Offenbar war er eine Zeitlang aber auch mal der Neue gewesen. Auf Takashis Frage antwortete sie mit einem lächeln. Aber es schwankte zwischen Freude und Trauer.

“ Ich habe noch einen Bruder, eigentlich Zwei, so hoffe ich doch. Einer ist hier. Volk Zubami.“

Suchend blickte sie ebenfalls in die Richtung in die Volk verschwunden war. Was mit ihren übrigen Geschwistern und Familie geschehen war behielt sie vorerst lieber für sich. Sie wusste nicht genau was Takashi vielleicht schon alles wusste, immerhin war ihr Bruder schon einige Zeit hier im Rudel, aber wie gut er sich mit den anderen hier angefreundet hatte war Chilali immer noch ein Rätsel. Zumindest schien er Lyerra zu mögen und Majibáh schien er auch gern zu haben. Lächeln dachte Chila an die beiden Fähen, wie freundlich sie sie vor einigen Wochen begrüßt hatten. Später würde sie wohl noch das Gespräch mit ihnen suchen, sie mochte die beiden einfach. Als sie Volk nicht entdecken konnte wandte sie sich wieder an Takashi.

„Vielleicht kennst du ihn ja schon. Lange ist er auch nicht hier im Rudel, aber eben länger als ich. Um genau zu sein habe ich auch nur durch ihn hierher gefunden und bin geblieben weil er sich hier wohlzufühlen scheint... Und das kann ich mittlerweile nachvollziehen.“

Ja das Tal hatte einfach etwas besonderes. Chilali konnte es nicht genau beschreiben, aber auch die Wölfe hier waren nett und außerdem war sie froh ein Rudel gefunden zu haben.


[Rudelplatz l Takashi]

Nihilus
20.07.2011, 15:47


Intuitiv verlangsamte Nihilus seine Schrittfolge, als von Cirádan keine eindeutige Antwort kam. Durch den wachsenden Abstand zwischen ihnen hatte der Helle keine genauen Bewegungen seines Freundes erkennen können, zumindest war ihm nichts Besonderes an diesem aufgefallen, als er einen Blick hinüber riskierte. War seine Frage etwa nicht laut genug gewesen? Oder wollte der Graue einfach nicht auf sie eingehen, um das Schweigen zu bewahren und Krolock keine Chance zu geben sie beide zu entdecken? Das wäre logisch. Schließlich war Nihilus selbst auch schon der Gedanke gekommen, dass er vielleicht ein wenig zu laut sprach – und sich eindeutig immer noch zu ruckartig bewegte! Als erwarte er eine Rüge in die Nackenpartie, senkte der Nichtswolf den Kopf und ließ die Schultern sinken, wodurch sich auch gleich sein Gang ein wenig leichterte. Cirádan würde wohl bescheid wissen, wie das hier alles ablief, sonst wäre er wahrscheinlich noch an der Seite seines Mitspielers. Wenn er nicht so dreist wäre und die Sache alleine in die Pfoten nahm! Aber das wollte und konnte Nihilus sich bei dem Grauen kaum vorstellen; solch ein egoistisches Verhalten war nicht dessen Art.
Sobald sich der Rüde wieder auf seine Aufgabe konzentriert hatte, warf ihn eine starke Witterung wieder aus der Bahn: die Witterung seines Bruders! Genau hier, vor seiner Nase! Die Lefzen verzogen, setzte er grade zu einem Zuruf an Cirádan an, als ihm das vorherige Geschehen wieder bewusst wurde: nicht sprechen und leise sein. Ganz, ganz leise. Den Körper zum Boden geneigt versuchte Nihilus zumindest das Bild seiner Jagdgruppe – es war so lange her, dass er die großen Wölfe dabei beobachtet hatte – zu imitieren: schleichen. Ohne Geräusche. So kam er zwar nur langsam voran, allerdings konnte er abgesehen von seinem eigenen Atem und Herzschlag nichts hören. Wie auch? Das kleine Ding in seiner Brust schien vor Aufregung kaum still halten zu können und sprang beinahe im Dreieck, na hoffentlich war das nicht für die ganze Welt hörbar! Vorsichtig zog er noch ein Mal die Luft ein um sich seines Weges zu versichern und roch dabei eindeutig den Pelz Krolocks: genau vor seiner Nase! So… fast! Der Schwarze hockte versteckt zwischen dem Grün des Waldes und schien seelenruhig auf sie zu warten. Der hatte ja Nerven! Die Lefzen zu einem schelmischen Grinsen verzogen schlich sich Nihilus noch näher an die dunkle Gestalt an, so nahe, dass er diese mit einem großen – nagut, einem riesigen – Sprung erreichen könnte, stieß sich vom Boden ab, wodurch unüberhörbar einiges Geäst unter ihm zerbrach, und sprang auf den schwarzen Pelz zu.

„Gefunden!“

Schrie er förmlich hinaus, die Stimme durch Stolz und Freude verzerrt.



(Im Wald; Cirádan & Krolock)

Tyraleen
21.07.2011, 12:43

Zum Glück zeigte Taleesha keinerlei Widerstand, als Tyraleen sie aufforderte, wieder zurückzugehen. Ganz offensichtlich war Lunar ihr unheimlich und auch das war erleichternd. Der Schwarze hatte sich noch nie ernsthaft etwas zu Schulden kommen lassen und so viel die Weiße wusste, hatte er sich früher sogar liebevoll um Shanis Tochter Sharíku gekümmert – das hieß aber noch lange nicht, dass er mit anderen Welpen alleine gelassen werden sollte. Und wenn Taleesha ihn fürchtete, würde die Kleine schon von selbst darauf aufpassen, dem Schwarzen nicht zu nahe zu kommen. Trotz ihrer Angst und ihrer Verwirrung vergaß sie aber nicht, Atalya und Turién noch zu versichern, dass die Geschichte beim nächsten Mal erzählt werden würde. Ihr Eifer und der Wunsch, Tyraleens Tochter zu helfen, rührte die Weiße.

“Es ist sehr lieb von dir, dass du Atalya trösten möchtest. Sie freut sich sicher, wenn du ihr später eine Geschichte erzählst. Damit hast du auch schon etwas sehr wichtiges gelernt: Es macht uns glücklich, anderen helfen zu können. Deshalb ist Hilfe immer etwas Gutes.“

Diese kurze Lehreinheit beendete Tyraleen schnell wieder, auch weil Taleesha nun wissen wollte, was denn nun eigentlich das Rote gewesen war und ob es gefährlich sei. Da musste die Weiße schon wieder schmunzeln. Als Welpe wirkte noch so viel gefährlich, selbst Blut, das aus einer Wunde austrat. Tyraleen hätte gerne gewusst, wie sie sich gefühlt hatte, als sie das erste Mal Blut gesehen hatte – aber sie konnte sich nicht mehr daran erinnern.

“Das Rote war Blut. Blut ist nicht gefährlich, es ist sogar gut für uns. Denn jeder von uns hat Blut in sich. Es fließt durch uns durch und macht, dass wir leben können. Deshalb nennen manche Blut auch Lebenssaft. Wenn jemand uns beißt oder unsere Haut auf eine andere Art verletzt wird, dann läuft das Blut aus uns heraus. Das ist bei einer so kleinen Wunde wie die von Atalya nicht schlimm, aber wenn man eine sehr große Wunde hat und sehr viel Blut verliert, dann ist das gefährlich.“

Das war nicht nur gefährlich, man konnte sogar sterben, aber Tyraleen wollte jetzt nicht über den Tod sprechen. Das war ein Thema, das Taleesha noch nicht kennenlernen musste. Lieber sollte sie sehen, dass auch in ihr Blut war und Tyraleen wusste schon, wie sie es ihr zeigen konnte.

“Du kannst sogar nachsehen, ob auch in dir oder mir Blut drin ist, ohne dass du dir wehtust.“ Sie senkte den Kopf und hielt ihn schräg, sodass Taleesha ihr Ohr gut sehen konnte. “Siehst du die kleinen roten Äderchen, die sich durch mein Ohr ziehen? Das ist Blut, das dort hindurchfließt.“ Sie stellte den Kopf wieder gerade. “Du hast dunkles Fell, deshalb sieht man das Blut in dir nicht so leicht, aber du kannst ja mal an deinem Körper suchen, vielleicht findest du eine Stelle, an der du das Blut durch deine Haut sehen kannst.“

Nach dieser weiteren Lehreinheit, befand Tyraleen, dass es nun Zeit war, Taleesha nicht weiter zu überfordern und Sheena zu zeigen, dass alles in Ordnung war. So erreichte sie mit ihrer Patenwelpin zusammen die Welpenhöhle und blieb ganz in der Nähe von Jakash, Sheena, Shani und Tinca stehen. Sie sollte wohl auch gleich die Zeremonie beginnen, vorher musste sie aber noch die Sache mit dem unterschiedlichen Aussehen aufklären.

“Meine Kinder sehen nicht so aus wie ich, weil sie auch einen Vater haben und sie haben das Aussehen von uns beiden. Eine Mischung sozusagen.“


[ Rudelplatz | Taleesha . in der Nähe Sheena, Jakash, Shani und Tinca ]

Malik Hikaji
21.07.2011, 13:16

Malik blinzelte und wagte sich nun etwas näher zu den beiden. Immerhin hatten sie ihn jetzt gesehen. Ein wenig unsicher legte er die Ohren an. Er hatte die zwei doch nicht gestört, oder? Tyraleen hatte gesagt, dass sich alle Wölfe über sie freuten, also mussten sich die weißen Mamas doch auch freuen. Überhaupt sahen hier so viele Wölfe so ähnlich aus. Ob die zwei vielleicht Geschwestern waren, so wie Taleesha und Tinca? Die sahen ja auch gleich aus, nur dass sie papafellfarben waren. Und dazu kam noch, dass die vor ihm sogar ganz gleiche Augen hatten, die so aussahen wie der tolle Himmel über ihnen. Staunend betrachtete er sie, dann konnte er sein Lob aber nicht zurückhalten.

„Ihr seid aber zwei hübsche Geschwestern. Wenn ihr mal eigene Welpen habt dann könnt ihr ihnen eure Himmelsaugen geben.“, erklärte er mit großer Begeisterung.

Auf die Frage der einen nickte Malik eifrig. Sie wusste seinen Namen! Stolz reckte er sich ein wenig, um größer zu wirken. Und jetzt wusste er sogar Bescheid, wieso Tyraleen Alpha genannt wurde. Das musste er später unbedingt Isaí erklären. Da wusste er jedenfalls mehr als der und das war immer besonders toll. Kurz schaute er sich auf dem großen Platz mit den vielen Wölfen um, doch Isaí entdeckte er nicht. Aus dem Augenwinkel sah er aber Tyraleen mit Taleesha zusammen zu seiner Mama gehen und … tatsächlich, sein Papa war aufgetaucht! Unvermittelt hüpfte er auf die Pfoten und wollte schon losrennen, um ihn zu begrüßen und von seinen bisherigen Abenteuern erzählen. Aber halt, er konnte die beiden ja nicht einfach ohne ein Wort stehen lassen. Also nochmal zurück. Mit der Pfote tappte er nach der viel größeren, die der Mama gehörte die sich als Avendal vorgestellt hatte, dann schaute er mit blitzenden Augen zu ihr auf.

„Du hast einen ganz hübschen Namen. Ich mag dich. Wenn du mein Wolf wirst, dann mag ich dich noch mehr … aber ich muss jetzt zu meinem Papa und ihm von euch erzählen. Und du darfst nicht weggehen, sonst finde ich dich und deine Geschwester dann nicht mehr weil hier alle das gleiche Fell anhaben.“

Sachlich erklärte er seine Problemchen, so als ginge es um die nächste Mahlzeit bei seiner Mama, die ja immer noch leckere Milch gab. Mit einem Stupser an das viel zu hohe Bein der anderen Mama verabschiedete er sich auch von ihr und drehte sich dann um. Wo war noch gleich sein Papa geblieben … bei den vielen Wölfen ringsherum war es mehr als schwierig, einen Punkt wiederzufinden. Ah doch, da war er. Er musste eigentlich nur hinter Tyraleen und Taleesha herlaufen. Ein letzter Blick zurück auf Avendal und ihre namenlose Geschwester, dann rannte Malik los wie ein weißer Wirbelwind. Die Hopser durch den weißen Boden wurden einfacher, je öfter er es übte.

„Papaaaaaa!“, rief er lauthals, als er endlich nahe genug war.

Da war noch seine Mama, Tinca und eine weitere weiße Mama. Wer das wohl wieder war? Ein wenig überforderten ihn die vielen neuen Gesichter ja, aber er versuchte der Ungewissheit einfach offensiv entgegenzutreten und möglichst alle kennenzulernen. Er kannte jetzt schon Liel, Chanuka, Avendal und die namenlose Geschwester und natürlich Tyraleen, seinen Papa, seine Mama und seine eigenen Geschwestern und seinen Gebruder. Das war doch schon eine ganze Menge.


{ Rudelplatz:: erst Avendal & Majibáh :: dann in Rufweite von Jakash, Sheena & Tinca}

Liel
22.07.2011, 22:55

Viel zu flink war der kleine Welpe für sie. Hatte sie eben noch ihren eigenen Worten nachgehangen, denen von Chanuka gelauscht, so war sein Wortschwall schon wieder vergangen. Ebenso wie er. Zwar hatte er sie beide aufgefordert ihm zu folgen, er hatte zwei weitere Fähen, wie er sagen würde, mit Malikfarbenenfell angesteuert, doch so gerne sie ihn begleitet hätte, so wichtig fand sie es auch, dass er die Wölfe hier alleine kennen lernte. Er sollte schnellstmöglich lernen, alleine zu handeln. Sie wusste wie wichtig es war dies zu lernen. Und er hatte, im Gegensatz zu ihr, einen großen Rückhalt, seine Familie.
Dennoch ertappte sie sich dabei, wie ihr Blick ihm folgte, sollte ihm irgendwer quer kommen, würde sie ihm zur Hilfe eilen. Doch nichts geschah. Er begann ein Gespräch mit den beiden Fähen, ehe er sich wieder seinen Eltern zuwendete. Auch der stolze Papa, Jakash, war mittlerweile eingetroffen. Und schon sah Sheena weniger unglücklich aus. Was mochte sie so verstört haben?
Seufzend wand sie ihren Blick von der liebevollen Szene ab, die sich nun vor ihren Augen abspielte. Mutter, Vater, die eine, kleine ängstliche Fähe die sich an die Beine der Mutter drückte. Der kleine Rüde Malik, der freudig auf die drei zulief. Oder zumindest sein Bestes gab, damit es aussah, als würde er laufen. Eigentlich hopste er eher durch den Schnee, wurde von Schritt zu Schritt jedoch eleganter und leichtfüßiger. Nun, es war sicherlich nicht leicht gleich in einem solchen Schnee zu starten.
Sie bemerkte, dass auch diese Welpen auf eine harte Probe gestellt wurden. Sollten sich die Jahreszeiten wieder fangen, würde bald der Winter eintreten, das würde heißen, dass es rasch kalt werden würde. Kälter als es momentan war. Und dafür war das Welpenfell ganz sicher nicht geschaffen. Doch sie konnte sich nicht vorstellen, dass es den vier Kleinen irgendwie schaden würde. Das Rudel war groß, wenn auch bestimmt nicht alle von den kleinen energiegeladenen Fellbündeln angetan waren, würden sich dennoch genügend freiwillige Wölfe finden, um den Schätzen Sheenas und Jakashs Wärme zu schenken.
Dieser Gedanke munterte sie wieder auf. Denn auch sie, ebenso wie Chanuka, würden zu diesen Freiwilligen gehören.
Mit einem leichten Lächeln auf den Lefzen blickte sie sich um. Konnte sie hier einen Wolf ausmachen, der den Welpen weniger gut gesonnen war? Nein, zumindest nicht auf den ersten Blick. Aber die Miesepeter sollten sich ruhig etwas abseits halten. Hier, direkt im Mittelpunkt des Rudels hatten sie sowieso nichts zu suchen.
Ihr glockenhelles Lachen erklang, ihre Gedankengänge amüsierten sie. Doch schlagartig ließ sie etwas verstummen.
Was war das gewesen? Es war ein Gefühl von… Wärme und Geborgenheit. Ein bekanntes Gefühl. Doch schon lange nicht mehr gespürt. Nein, das war falsch. Chanuka eröffnete ihr immer und immer wieder ein Gefühl von Geborgenheit, von Liebe und auch Zärtlichkeit. Doch dieses hier war anders, es ging nicht von ihrem Freund aus. Es kam von weiter weg. Und war doch zugleich um so vieles intensiver.
Ihr Blick glitt in den Himmel, suchend schwiffen ihre Seelenspiegel über das Blau. Sie konnte nichts ausmachen, es war nichts Außergewöhnliches zu sehen und doch wusste sie, dass es von dort gekommen war. Eine unendliche Liebe durchflutete sie.
Und dann konnte sie aus der Ferne, ganz, ganz leise, vielleicht nur für sie hörbar, Cirádans Stimme vernehmen. Er rief nach seiner, nach ihrer Mutter. Kaede.
Hatte er immer noch nicht begriffen? Litt er noch immer an seinen Wahnvorstellungen?
Doch in diesem Fall war wohl sie es, die es nicht begriffen hatte und wie Schuppen fiel es ihr von den Augen. Es war ihre Mutter gewesen, sie hatte sie nicht verlassen, wie sie so lange Zeit geglaubt hatte. Sie wachte noch immer über sie, beschützte sie.
Und schenkte ihnen ihre Liebe.
Traurig und gleichzeitig überglücklich stieß sie ein kurzes Heulen hinaus in die kühle Schneesommerluft. Dann blickte sie aufgeregt zu Chanuka.

„Hast du das auch gespürt?“

Ihre Augen glitzerten, in ihnen spiegelte sich Freude und Dankbarkeit. Und eine unendliche Liebe.



[ Rudelplatz - an Chanuka gelehnt - Nahe Sheena, Jakash, Tinca und Malik]

Avendal
25.07.2011, 17:40

Avendal’s Ohren zuckten und sie blickte in Majibáh’s blaue Augen, während diese sprach und die Helle ohne große Mühe ihr zuhörte. Sie verstand die Worte der Älteren nur zu gut und nickte leicht, dennoch erwiderte Avendal darauf nichts sondern ließ ihren Blick, nur um den Worten ihrer Partnerin Bedeutung zu schenken, umher schweifen. Es befanden sich so viele Wölfe auf dem Rudelplatz das Avendal schon schwindelig davon wurde und sie sich wieder an Majibáh wandte die ihr erzählte das die plötzliche Kälte sie geschwächt hatte. Wieder kam ein Nicken ihrerseits.

Ich verstehe das, mein Körper hat sich wie betäubt angefühlt…

Avendal schüttelte sich bei dem Gedanken und schnitt deshalb das Thema Welpen an, da sie mit Sicherheit wusste das sie den kleinen Rackern noch nicht begegnen wollte, noch nicht… Und Majibáh schien zu spüren das dieses Thema besonders heikel für sie war, trotzdem spielte das Schicksal Avendal einen Streich und nach dem begonnen Satz ihrer Gesprächspartnerin stand vor ihnen Malik, einer der Welpen. Avendal schluckte den leichten Ärger hinunter. In ihrem Zustand wollte sie nun wirklich keinem gebrechlichen Welpen begegnen, dennoch konnte sie es sich nicht verkneifen den kleinen Kerl anzusprechen. Es war ihre Entscheidung gewesen dem Kleinen zu antworten, eine Entscheidung die sie eigentlich auch nicht bereute und sie war der weißen Fähe dankbar dafür ihr diese Möglichkeit überlassen zu haben.
Aufmerksam hielt Avendal ihren Blick auf Malik gerichtet und wartete darauf was dieser zu sagen hatte. Ein leises Lachen erklang von Avendal und sie schüttelte leicht den Kopf.

Wir sind keine Geschwister…“,

mit einem sanften Seitenblick auf Majibáh fuhr Avendal fort.

Wir sind Freunde.

Vielleicht hatte sie sich zu viel heraus geholt als sie die Weiße gleich als ihre Freundin bezeichnet hatte, aber sie musste das vor dem kleinen Kerl auch richtig stellen, obwohl sein Kompliment sie ein wenig verlegen machte und die Einjährige die Ohren leicht zur Seite neigte ohne das Lächeln auf ihren Lefzen zu verlieren. Das er mit seiner Pfote nach ihr tappte fand sie dabei unglaublich süß und Avendal senkte leicht ihren Kopf um in Augenhöhe mit ihm zu sein, während ihre Ohren nach vorne zuckten als er sprach. Wieder erklang ein singendes Lachen ihrerseits.

Ich verspreche dir ich werde hier liegen bleiben. Und wenn du mich nicht findest, süßer Malik, dann rufe meinen Namen. Hast du ihn dir gemerkt?

Ein Kichern folgte als der Kleine auf und davon war, dann wandte sie sich wieder an Majibáh und sie neigte den Kopf leicht zur Seite. Irgendwie würde sie ja doch eine gute, große Schwester abgeben oder? Zumindest ließ es ihre dunklen Gedanken an den schwarzen Gott vertreiben.


[Rudelplatz – Majibáh]

Taleesha
27.07.2011, 13:16

Taleesha freute sich, dass Tyraleen ihr so viele Fragen beantwortete. Sie war es gewohnt, dass normalerweise einige ihrer vielen Fragen unbeantwortet blieben, weil der Zuhörer entweder nicht aufmerksam genug zuhörte oder keine Lust hatte, auf so viele Fragen zu antworten. Tyraleen war da ganz anders. Sie schenkte Taleesha so viel Aufmerksamkeit und erklärte so viel! Und dann lobte sie auch noch für die Tröst-Versuche.

Die kleine Welpin lief selbstbewusst weiter neben ihr her und freute sich über die kleine Anerkennung. Sie freute sich über die neue Welt um sie herum, über dieses tolle Gefühl, wenn sie einatmete und sich plötzlich ganz groß vorkam; sie freute sich über die vielen Farben, die sie noch gar nicht kannte, aber die ihr zeigten, wie interessant es außerhalb der Höhle war. Sie freute sich zu leben und sie genoss diesen Gefühlsüberschwang in ihrem Inneren.

"Du, Tyraleen? Ich wusste nie, was glücklich heißt, wenn Mama davon erzählt hat. Aber ich glaub, jetzt weiß ich’s. Ich bin irgendwie glücklich."

Ob das wirklich nur davon kam, dass die versucht hatte Gutes zu tun? Tyraleen hatte es ihr eben so erklärt, dann musste es stimmen.
Taleesha würde ab jetzt immer Gutes tun, denn es war ein schönes Gefühl. Es war so viel besser als die Angst, die sie vorhin gehabt hatte, als sie aus der Höhle kam und nicht wusste, was passieren würde. Oder es war so viel besser, als …
In diesem Moment fiel Taleesha wieder das bohrende Unbehagen ein, dass sie vorhin verspürt hatte. Sie blieb verwirrt stehen und fragte:

"Aber als wir bei Atalya und Turién waren, da war ich plötzlich gar nicht glücklich. So, wie wenn Papa mir keine Geschichte mehr erzählen mag, nur viel, viel schlimmer. Es war ganz schwer in meinem Bauch. Kennst du das? Und ich konnte nicht mehr so gut Luft holen. Ich weiß gar nicht, warum das war. Es war nicht wegen Atalyas Wunde, es war einfach so. Ich hab mich ganz komisch gefühlt."

Würde Tyraleen auch jetzt antworten? Würde sie verstehen, was Taleesha meinte? Immer noch verwirrt begann die Welpin wieder weiterzulaufen und sah die Alphawölfin dabei mit großen, fragenden Augen an.


[ Rudelplatz | Tyraleen; in der Nähe Sheena, Jakash, Shani und Tinca (ist Taleesha jedoch nicht bewusst) ]

Tyraleen
27.07.2011, 18:58

Taleesha schien von den ganzen Erklärungen und auch von der eben erhaltenen Erfahrung sehr glücklich geworden zu sein. Anders, als Tyraleen zunächst befürchtet hatte, war sie fröhlich, neugierig und vergnügt – eine Bestätigung für die weiße Leitwölfin. Es war also nicht schlecht, einen interessierten Welpen auch zu Situationen mitzunehmen, die er noch nicht verstand. Ein Blick auf Sheenas Gesicht zeigte ihr nun auch, dass sich die frisch gebackene Mutter Sorgen gemacht hatte – sicherlich um Taleesha – umso schöner war es nun, dass Sheena sehen konnte, wie glücklich ihre Kleine war. Gerade für Tyraleen war es nun wichtig zu beweisen, dass man ihr einen Welpen anvertrauen konnte. Und sie war Sheena mehr als dankbar, dass sie nie gezögert hatte. Wie sehr ihre Priesterinnenschwester sie damit gestärkt und bestätigt hatte, konnte sie wohl nicht ahnen. Lächelnd warf Tyraleen ihrer Freundin nun einen Blick zu, Dankbarkeit, Freude und Beruhigung in einem, gleichzeitig auch die Frage, ob sie nun mit der Zeremonie beginnen konnten. Die Welpen würden bald müde werden und bevor sie sich nicht mehr auf den Pfoten halten konnten, sollten sie ihre Paten erhalten. Doch die kleine Taleesha schien – nachdem sie eine Zeit lang still gewesen war und wohl über das viele Neue nachgedacht hatte – nun ihre Sprache wiedergefunden zu haben und wollte nun ihre Gefühle erklären. Es rührte Tyraleen, wie der kleine Fellball über sich selbst sprach, als würde sie ein besonders interessantes Insekt beschreiben.

“Du darfst nie vergessen, wie du es schaffst, glücklich zu sein. Das ist sehr wichtig, denn nur ein glückliches Leben ist wirklich schön.“

Möglicherweise hatten sie soeben den Grundstein für eine neue Engayawölfin gelegt. Taleesha war auf dem besten Weg und Tyraleen freute das natürlich insgeheim sehr. Die vorherige Traurigkeit, die die Kleine so akribisch beschrieb, konnte die Weiße dagegen weniger freuen und zudem nicht einmal verstehen. Was hatte Taleesha traurig gemacht, wenn nicht die Wunde und die Schmerzen Atalyas?

“Ja, ich kenne das auch. Das ist Traurigkeit. Manchmal ist man traurig, weil etwas nicht so passiert, wie man es gerne hätte oder weil ein Wolf, den man sehr mag, einen selbst nicht so gut leiden kann. Oder aus vielen anderen Gründen. Atalya zum Beispiel war traurig, weil man ihr weh getan hat. Man sollte jemanden, der traurig ist, immer trösten. Und Trösten klappt am besten, wenn man weiß, warum man traurig ist. Weißt du nicht, warum du traurig warst?“

Sie warf einen Rundumblick über den Rudelplatz, verzog leicht das Gesicht, sah noch kurz zu Sheena und senkte dann ihren Fang erneut zu Taleesha.

“Aber darüber reden wir nach der Zeremonie, ja? Die muss ich jetzt nämlich beginnen.“

Noch ein letztes Mal stupste sie Taleesha sanft an, dann hob sie den Kopf, straffte die Schultern und trat einen Schritt vor, sodass sie direkt vor der Welpenhöhle und somit in der Mitte der Versammlung stand.

“Liebes Rudel. Ich würde euch alle nun bitten, eure Gespräche zu unterbrechen und euch unseren jüngsten Mitgliedern zuzuwenden. Sheena und Jakash Caiyé haben uns dieses Jahr vier gesunde Welpen geschenkt und wir alle möchten sie nun in unseren Reihen begrüßen. Wir wollen ihnen einen Paten zur Seite stellen und sie auf ihren Namen taufen, auf dass sie mit Engayas Güte ein langes, glückliches Leben führen. Ich möchte die Eltern Sheena und Jakash und ihre vier Welpen an meine Seite bitten. Ebenso dürfen sich Kisha, Madoc und Chardím bereithalten.“


[ Rudelplatz | Rudel ]

Madoc
27.07.2011, 20:40

Erhaben blickte Madoc Neytirí an, als diese in auf seinen Ausruf hin in ihrer Bewegung inne hielt und ihren Vormarsch beendete. Sie mochte verwundert über seine Widersetzung sein, denn sie kannte ihn nicht und seine Art war eigen, doch schien sie in seinen Augen nicht sonderlich empört über diese sonderbare Entscheidung. So schenkte er ihr lediglich ein entschuldigendes Nicken, während seine blutroten Seelentore noch immer die Neutralität wahrten, die ein Teil seines Erscheinens geworden war. Einen Augenblick lang betrachteten sich die Junggesellen, doch beide verharrten in unergründlichem Schweigen und erst als eine weitere Gestalt herannahte, wandte Madoc sein gehobenes Haupt und betrachtete den Neuankömmling. Eine weiße Fähe, mit graublauen Augen. Der Silberweiße glaubte sie als Aléya zu erkennen, doch kannte er sie nicht sonderlich gut und wirkte daher verhalten, bisweilen auch reserviert. Auf ihren Gruß ihn ließ er ein kurzes, respektvolles Nicken erkennen, doch seine ungesprächige Art ließ ihn die Floskeln der Höflichkeit dieses Mal übergehen. Dennoch war sein Verhalten angemessen und seine Körperhaltung zeigte seine friedliche Haltung und keine Abneigung gegen die neue Gesellschaft. Auch ihren weiteren Kommentar, der scheinbar für die Wölfe des Sternenwindtals sehr gängig geworden war, tat er mit einem kurzen Beugen seines Kopfes ab, bevor er schließlich die dunkle Tenorstimme erhob.

"Mich störst du nicht, fühl dich nicht gehemmt, unserer Konversation beizutreten."

Sprach er mit ruhigen Tone und wieder verwunderte er sich selber, bei der Offenheit, die er heute an den Tag legte. Tatsächlich war er ein wenig neugierig auf die Zeremonie, an der er heute aktiv teilhaben konnte und es schien ihm, als wäre heute der erste Tag, seit er dieser Gemeinschaft beigetreten war, dass er ein wahrer Bestandteil von ihr wurde. Es ehrte ihn außerdem, eine solche Aufgabe übernehmen zu können, denn die Welpen waren die Zukunft des Rudels.

"Bald wird die Zeremonie stattfinden, ich blicke dem mit Freude entgegen."

Fügte Madoc mit schlichter Stimme hinzu und wenngleich seine Freude nicht wirklich zum Ausdruck kam, so konnte er sie doch innerlich deutlich spüren.
Kurz darauf hörte er auch bereits Tyraleens Stimme erklingen, die den Beginn der Zeremonie ankündigte. Erwartungsvoll hob er das kraftvolle Haupt und blickte zu der hellen Fähe, die nun im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand. Sein Name erklang und er trat einen erhabenen Schritt in die Richtung, in der die Wölfe sich zu versammeln begannen. Sein Patengeschenk hatte er in der Nähe verborgen, dieses gedachte er nun zu holen, sobald sie vorgerufen wurden.


[Rudelplatz | Neytirí, Aléya]

Linalee
28.07.2011, 16:01

Als Tinca so ihre Mutter anschaute, fühlte sie sich wieder wohl. Der Schreck von dem wegbrechenden Schnee war vergessen und die Wärme ihrer Mutter war alles, was jetzt noch zählte und wichtig war. Auch die Anwesenheit ihres Vaters genoss sie. Nichts wünschte sie sich mehr, als Eltern, die für sie da waren und für sie sorgten. Langsam schloss sie die Augen und kuschelte sich an Sheena. Auf ihre Frage antworte sie zuerst nur mit einem leichten Brummen, das aber mehr der Zufriedenheit galt, dass sie hier bei ihr sein konnte, als wirklich der Frage. Erst kurz darauf registrierte sie, dass Sheena ihr eine Frage gestellt hatte. Sie japste leicht erschrocken auf, stupste ihre Mutter an und schüttelte dann den Kopf. So wirklich konnte sie sich nicht auf die Zeremonie freuen.

“Nein, Mama.“, flüsterte sie schließlich. “Ich freue mich nicht wirklich. Da sind dann so viele Wölfe, die wollen doch alle was von mir! Ich mag aber nicht, dass die alle was von mir wollen. Ich mag nur bei dir sein und bei Papa. Aber die vielen anderen. Das sind doch so viele! So total ganz viele! Zu viele. Sind die böse, Mama? Sind die gemein, Papa?“

Ihre Fragen waren vollkommen ernst gemeint. Und da sie wieder so ernst war, hatte sie auch die versteinerten Mienen ihrer Eltern im Kopf, wie sie sie eben angestarrt hatten, nachdem sie ihre Gedanken kund getan hatte. Aber diese Bilder waren schon wieder weg, ehe sie sich richtig hatten fest setzen können. Abwartend schaute sie ihre Eltern abwechselnd an, ehe ihre Aufmerksamkeit auf jemand anderen gelenkt wurde, der sich durch die anderen Wölfe einen Weg zu ihnen suchte. Papa war ihr Sohn? Tinca klappte der Fang runter, sie legte ihren Kopf schief und starrte Papa und die Weiße abwechselnd an. Papa hatte auch eine Mama? Hatte Mama dann auch eine Mama? Und auch einen Papa? Gab es auch mama- oder papalose Wölfe? Sie blinzelte. Also, sie und ihre Geschwister hatten eine Mama und einen Papa. Aber wieso hatte Papa auch eine Mama? Abwechselnd wanderte nun ihr Blick zwischen den dreien hin und her und das wurde erst unterbrochen, als die Weiße sie mit Namen ansprach. Mit einem schweren Schlucken und anschließendem Schluckauf starrte Tinca die Weiße an und erst dann erkannte sie, wer sie war. Das war doch Shani! Tinca hatte sie schon mal in der Höhle gesehen, konnte sich vage an diese wie Mama aussehende Mama erinnern. Und diese kleine Erinnerung zauberte ein zaghaftes Lächeln auf die Lefzen der jungen Dame.

“Hallo Mamawolf.“, sagte sie leise. “Hast du auch eine Mama und einen Papa?“, sprudelte es auch gleich aus ihr raus, “Oder hast du keine Mama? Und auch keinen Papa? Hat Papa auch einen Papa? Und Mama? Was ist mit Mama? Hat sie auch eine Mama und einen Papa? Haben alle eine Mama und einen Papa? Wie viele Mamas und Papas gibt es denn? Gibt es viele Mamas und Papas? Sind alle Wölfe eine Mama oder ein Papa? Oder gibt es auch Nicht-Mamas und Nicht-Papa? Bin ich auch eine Mama? Und Taleesha auch? Und was ist mit Malik? Ist der ein Papa? Und Isai? Ist der auch ein Papa? Oder sind ich und Taleesha Nicht-Mamas? Und sind Malik und Isai dann Nicht-Papas? Oder ist einer von denen ein Papa und der andere ein Nicht-Papa? Und ich und Taleesha? Und was ist mit Anders? Also, was ist mit Chardím? Ist der auch ein Papa?“

Tinca wollte gar nicht mehr aufhören mit fragen, doch der lang gezogene Ruf ihres Bruder, der nach Papa rief, unterbrach sie in ihrem Fragefluss und ein schmollender Ausdruck trat in ihr Gesicht. Wieso musste Malik ausgerechnet jetzt angelaufen kommen? Dennoch ließ sie den Blick nicht von Shani abwenden und starrte sie weiterhin abwartend und fragend an. Hatte sie denn eine Antwort auf ihre Mama-Papa-Frage? Langsam legte sie wieder den Kopf schief. So hockte sie neben ihrer Mama einige Zeit, ehe ihr Kopf herum schoss, als Tyraleen, die sie auch schon kannte, das Wort erhob. Sie sprach zum Rudel. Panik ergriff Tinca. Den Worten von Tyraleen zufolge würde das gesamte Rudel etwas von ihr wollen! Fiepend wirbelte sie mit ihren Hinterläufen Schnee auf, als sie sich hektisch hochrappelte, sich erst im Kreis drehte und dann mit einem lauteren Fiepen als zuvor auf ihre Mama stürzte und ihre Nase zwischen ihrem kuscheligem Fell und dem eisigen Schnee vergrub. Sie sah jetzt nichts mehr, ihr Unterkiefer wurde eisig kalt und ihre Nase kribbelte von den Haaren Sheenas, die in ihre Nase piekten. Und die Luftzuvor war auch nicht die beste. Röchelnd holte sie Luft und ließ sie rasselnd wieder entweichen. Aber für sie war diese Position deutlich besser als die Aufmerksamkeit des Rudels. Deutlich besser. Das kleine Herz raste vor Panik, Angst und Unwissenheit.



[Sheena, Shani, Jakash, Malik, Tyraleen | Rudel | Wurfhöhle]


Edit: Ich hoffe, das passt so ...

Lunar
28.07.2011, 17:36

Lunar verzog seine Lefzen, den Blick auf die Gruppe vor ihm gerichtet. Die Worte die gewechselt wurden ließen seine stahlblauen Augen aufblitzen. Ohja, es war nur Spaß gewesen. So stellte sich Lunar seinen Spaß auch vor. Sein Blick streifte Tyraleen und er konnte die deutliche Anspannung jeder der Wölfe hier spüren. Ohja, eine Anwesenheit war jedem hier unangenehm und das erfreute Lunar nur noch mehr. Ein höhnisches Lächeln zierte seine Lefzen als sie ihm mit einem Blick noch deutlich machte, was sie von seiner Anwesenheit hielt. Da hatte Lunar jetzt aber wirklich Angst! Ihm schlotterten schon fast die Pfoten. Sein Blick richtete sich wieder auf den Welpen, die durch seine Nähe ein wenig zurück zuckte. Oh Gott wie niedlich! Und wie sie seinen Blicken auswich, als würde er sie fressen wollen. Gut der Gedanke war verlockend aber Welpenfleisch schmecke ihm absolut nicht.

Der Rüde hob seinen Kopf wieder an und ließ einen spöttischen Blick durch die Runde schweifen. Der vor allem an Tyraleen hängen blieb als sie den Welpen dazu drängen wollte von hier zu verschwinden mit einer wirklich lächerlichen Ausrede. Sie wollte den Welpen nur nicht in seiner Nähe haben das war alles und Lunar’s Blick blieb auch weiterhin an den beiden davon trottenden Wölfen hängen, ehe sie aus seinem Blickfeld verschwanden.

Habt ihr etwa auch Angst vor mir?“,

fragte Lunar scheinheilig und deutete auf die Weiße die mit dem Welpen verschwunden war. Ein spöttisches Grinsen zog sich über seine Lefzen und während er auf eine Antwort wartete, lauschte er Tyraleen’s Stimme die darauf aufmerksam machte das die Zeremonie der Welpen begann. Mit einem Schnauben wollte sich der schwarze Hüne bereits abwenden als Tyraleen die Eltern erwähnte und Lunar wie erstarrt stehen blieb.

Was?“,

brachte er hervor ohne dabei auf Turién und Atalya zu achten. Das war eben ein Welpe von Jakash gewesen? Seinem Neffen? Lunar’s Ohren spitzten sich und für einen Bruchteil einer Sekunde wirkten seine Augen verletzlich.


[Rudelplatz // Atalya, Turién]

Isaí Caiyé
29.07.2011, 11:48

Gespannt wartete der junge Rote darauf, dass auch der papafellfarbene Papa sich vorstellte. Isaí fand ihn interessant, musterte ihn aufgeregt und wedelte mit der kleinen Rute, als wolle er ihn gleich anspringen und mit ihm spielen. Doch es kam nichts. Mit der kurzen Zeit, die er seine volle Aufmerksamkeit auf ihn richten konnte, verblasste sein Lächeln immer mehr, ehe er fragend zu Kisha sah und schließlich wieder hoch zu dem wesentlich größeren Papa und Gebruder Kishas. Würde er auch mal so viel größer als seine Geschwister werden? Er freute sich drauf, oh ja! Immerhin war er ein Caiyé. Ob der große Schwarze auch ein Caiyé war? Wieso hatte er hier aus den Büschen die ganze Situation beobachtet? Er neigte den Kopf, wendete sich um, um zu prüfen, wie gut der Blick von hier war. Stimmt. Er war gar nicht so übel. Er hatte all die Mamas und Papas im Blick und so konnte auch Isaí erkennen, wie Tyraleen mit seiner Geschwester Taleesha zurück zu seinen Eltern kam. Auch Tinca war wieder bei ihnen, schien sich mit einer weißen Mama zu unterhalten, die seiner Mama sehr ähnlich sah. Und da hörte er auch schon Malik, der nach ihrem Papa rief. Isaí zuckte mit den Ohren. Wieso waren sie denn alle schon zurück nur er nicht? Hatte ihnen doch jemand etwas angetan? Wieder blickte er zu Kisha und schließlich zurück zu Tyraleen, die plötzlich ganz laut zu reden begann.

Oje. Hatte sie das schon mal gesagt, sie hatten es nur nicht gehört? Waren deshalb alle anderen schon zurück? Fragend blickte er in Richtung Rudelhöhle, lauschte ihren Worten und erkannte das Wort ‚Pate‘ darin. Augenblicklich begann seine Rute wieder wild zu pendeln. Gleich wäre es soweit, gleich würde er seinen eigenen Wolf bekommen! Und da wurden auch Kisha und zwei andere Papas erwähnt. Was hatte das denn zu bedeuten? Doch Isaí war zu aufgeregt, als dass er sich darum Gedanken machen konnte.

„Ich muss jetzt zurück. Aber danach komm ich ganz bestimmt wieder! Und dann können wir spielen gehen, ja?“, sagte er fröhlich an den schwarzen, namenlosen Papa und Kisha gewandt und lächelte sie an. „Ich bekomm‘ jetzt meinen ganz eigenen Wolf, den können wir dann auch noch mitnehmen und dann sind wir noch einer mehr. Das wird bestimmt spannend! Bis gleich!“

Aufgeregt drückte er seinen kleinen Kopf ein letztes Mal an Kisha, ehe er durch den Schnee davonhoppelte. Kurz darauf hatte er seine Geschwister, seine Eltern, die fremde Mamafellfarbene und Tyraleen erreicht, strahlte und schlupfte unter seiner Mutter hindurch, wobei er über Tinca stolperte. Irritiert bremste er scharf ab und bespritzte seine Geschwester so mit etwas Schnee. Vorsichtig fuhr er ihr mit der Nase durch den Pelz, atmete hinein und lächelte dann, obwohl er ihr Gesicht nicht sehen konnte.

„Du brauchst dich nicht zu fürchten, Tinca! Du bekommst jetzt deinen ganz eigenen Wolf, mit dem du spie… eh, mit dem du kuscheln kannst!“, flüsterte er ihr aufmunternd zu und schlüpfte dann zwischen Sheenas Vorderläufen hindurch, sprang kurz an ihr hoch, um ihr an den Lefzen zu lecken und fuhr dann mit seiner Begrüßungsrunde fort. Er ließ von Sheena ab, schlüpfte zwischen den Läufen seines Vaters durch und platzierte sich genau dort, sodass er alles sehen konnte. Er blickte kurz hinauf zu ihm, wendete dann den Kopf und sah zu der fremden Mama neben ihm. Den Kopf wieder leicht geneigt sah er sie an.

„Hallo. Ich bin Isaí und wer bist du? Bist du auch ein Caiyé?“

Diesmal dachte er an die Frage, hatte er es bei dem fremden Papafell dort hinten, Kishas Gebruder, ja auch schon vermutet. Vielleicht gab es ja mehr Caiyés als nur seinen Papa und sich?


{ zwischen jakashs läufen bei sheena, tinca, taleesha, malik, tyraleen und shani }

Jumaana
29.07.2011, 18:20

Mit seiner Höflichkeit irritierte der große Wolf Jumaana nicht weiter, denn dass er ihr Respekt zollte, war schlichtweg nicht zu übersehen, trotz den vielen Zentimetern, um die er sie überragte. Würde sie nicht wissen, dass ihre Schwester ihn irgendwie mochte, würde sie sich auch ihres Ranges entsprechend verhalten, doch die letzten Tage und Wochen hatten sie so sehr geschafft, dass sie froh war, dass es bei Jarrèll Nathaniêl nicht nötig war. Sie war ihres Ranges zwar durch und durch würdig, keine Frage, doch die ganze Situation hatte dermaßen an ihren Nerven gezerrt und ihr quasi jede Gewissheit, wer sie überhaupt war, genommen, weshalb sie sich erst einmal wieder langsam aufrappeln musste. Aufrappeln und alles besser machen.
Auch Jumaana hatte Fragen. Viele, viele Fragen und unter ihnen waren sowohl triviale als auch existenzielle. Aber Fragen waren etwas, was immer blieb. Zu jeder Zeit und egal, was man versuchte, um etwas gegen sie zu tun. Sie waren überall und verfolgten einen auf Schritt und Tritt und selbst, wenn man noch so gewitzt war, schaffte man es niemals, sie gänzlich abzuschütteln. Sie waren wie Jäger auf der Suche nach rastlosen Seelen, die sie in Angst und Schrecken versetzen und denen sie jede Gewissheit rauben konnten.

„Sind unter ihnen welche, die ich dir beantworten könnte?“,

fragte sie mit ihrer ruhigen, zarten Stimme, die stets an einen klaren Glockenschlag erinnerte, teilweise aber auch wie klirrendes Eis klingen konnte. Die Jahre hatten Ruhe mit sich gebracht, denn auch, wenn sie keine alte, weise Wölfin war, gab es so vieles, was sie von dem Welpen, der einst ihren Namen getragen hatte, unterschied. Sie war gewachsen, zwar nicht viel, doch sie war nun eine Wölfin, der man ihre Autorität ansehen konnte, auch wenn sich diese manchmal unter den Selbstzweifeln der Fähe verbergen mochte. Sie hatte schon so viele Dinge durchlebt – wortlose Trauer, tiefer Hass, innige Liebe, überwältigende Angst, störende Ungewissheit, bittere Einsamkeit, vollkommenes Glück, unbändige Freude – und jedes dieser Dinge hatte sie zu einem anderen Wolf gemacht, der zwar vollkommen anders war als sie einst einmal gewesen war, das unbeschriebene Blatt, aber ihr doch niemals das Wesen und die Seele nahm. Und selbst, wenn es nach außen hin schien, als hätte sie sich nicht wirklich gewandelt, hatte sich Einiges in ihrem Leben verändert. Meist waren es Veränderungen gewesen, an denen sie teilgehabt hatte, aber die sie nichts hatte unternehmen können – aber manchmal hatte sie ihr Leben auch selbst in die Pfoten genommen. Zum Beispiel, als sie losgezogen war, fort von ihrer Familie. Und als sie sich dem Rudel der Sternenwinde anschloss, obwohl sie in diesen Zeiten von größtem Misstrauen gezeichnet war. Veränderungen waren überall und auch nicht immer gut und schön. Friede-Freude-Eierkuchen gab es schon seit einiger Zeit nicht mehr in Jumaanas Leben – noch etwas, was sie definitiv ändern musste. Ihr fehlte das Empfinden von Glückseligkeit. Ihr fehlten die Ruhe und das wohlige Gefühl im Bauch.

„Weißt du, Jarrèll, eigentlich kenne ich meine Schwester gar nicht. Ich weiß, wer sie ist und ich weiß Dinge, die man eben als Schwester so weiß … Dinge über unsere Mutter, die sie nicht wissen konnte. Aber wirklich kennen tat ich sie nie. Das ist traurig, oder? Im Angesicht der Tatsache, dass wir nun quasi auf einem Fleck leben und trotzdem nie wirklich dazu kommen, miteinander zu sprechen. Zumindest über Anderes als über das Übliche. Ich habe mir so oft vorgenommen, zu ihr zu gehen und mit ihr zu sprechen, aber letztendlich fehlte mir der wirkliche Mut und Antrieb. Majibáh ist so … stark und stolz und irgendwie schwinden stets all die Sachen, die ich sie fragen wollte und die ich als ihre Schwester eigentlich wissen sollte. Wahrscheinlich weißt sogar du mehr Sachen über sie als ich …“

Deprimiert blickte die Wölfin zum Boden, der in Form des seichten Seewassers ihre Pfoten umspülte. Die Wasserschicht war so dünn und klar, dass Jumaana bis auf den Grund gucken konnte, in dessen weichen, dunklen Ufersand sie eingesunken war. Es war jedoch keine Spiegelung auszumachen, dazu war der Grund zu nah, denn sonst hätte sie sehen können, was der Wolf vor einigen Momenten in ihren Augen gesehen hatte. Wie oft hatte sie in Erinnerung an die wunderschön funkelnden, violetten Augen Aarinaths geschwelgt, die sie mehr als einmal wissend angesehen hatten. In diesen Seelenspiegeln hatte so oft Wissen und Gewissheit geschimmert, viel öfter, als es jemals bei der Polarwölfin der Fall gewesen war. Die Tatsache, dass das Feenkind sie verlassen hatte, war undurchdringlich, doch sie hatte sie nicht vollkommen allein gelassen. Denn das Gedächtnis eines jeden Wolfes verblasste mit der Zeit, egal, was er dagegen unternahm und ihre Erinnerungen an Takashis Mutter sollten nicht das einzige Relikt aus der Zeit mit ihr bleiben. Zwar war sie sich dieses Geschenkes noch nicht bewusst, doch irgendwann würde es jemanden geben, der sie darauf aufmerksam machen würde und dann könnte sie in den See blicken und sich an dem Glanz Aarinaths Weisheit in ihrem Antlitz erfreuen. Dann könnte die Zeit der Trauer vorbei sein.

    [ mit Jarrèll am Ufer des Sternensees ]

Malik Hikaji
29.07.2011, 21:35

Wo war sein Papa nur die ganze Zeit gewesen? Fröhlich hüpfte der kleine Weiße in die Richtung seiner Eltern und seiner beiden Geschwestern, überholte schließlich Taleesha und Tyraleen, aber nicht, ohne seiner Geschwester kurz spielerisch gegen die Seite zu stupsen und wurde erst langsamer, als er seine Mama, seinen Papa, Tinca und die fremde Weiße nah vor sich sah. Er lief aus, setzte sich in ein paar Metern Entfernung hin und knabberte sich den weißen Boden an den Pfoten aus dem Fell. Auch der Rest des Körpers wurde noch einmal nach seiner Sauberkeit überprüft, ehe er aufsah und seine Mama, die fremde Mama und seinen Papa mit schief stehenden Ohren aufmerksam ansah und glücklich anfunkelte. Man wollte ja nicht schmutzig sein, wenn man wen neues traf. Bei Liel und Chanuka hatte seine Mama ihn sauber gemacht gehabt und bevor er auf Avendal und ihre Geschwester getroffen war, hatte Liel dafür gesorgt gehabt, dass er nicht schmutzig war. Nun war es an der Zeit, zu beweisen, dass er es auch selbst konnte, wobei es ihm anders dann doch noch lieber war. Es war einfach schwer, rundherum zu sehen und sich sicher zu sein, keine Stelle vergessen zu haben.

Gerade wollte er aufstehen, da hörte er, wie Tyraleen hinter ihm zu sprechen begann. Aufgeregt sprang er auf, wedelte mit der Rute und lauschte. Nun war es also endlich soweit? Sie würden ihre ganz eigenen Wölfe bekommen? Hoffentlich war seiner ein ganz hübscher Wolf. Einer mit malikfarbenem Fell und malikfarbenen Augen. Denn dann konnte er nur hübsch sein. Und er musste unbedingt hübscher sein als der Isaís. Der hatte gar keinen hübschen verdient. Untermalend zu seinen Gedanken schüttelte er den Kopf, blickte zu Tyraleen, die die Eigenen-Wolf-Bekomm-Situation einleitete und wandte sich schließlich wieder zu seinen Eltern um. Er musste ihnen noch unbedingt erzählen, wen er alles kennengelernt hatte. Erstaunt stellte er fest, dass auch Isaí wieder zurück war und sich zwischen die Läufe ihres Papas gesetzt hatte. Er schien sich mit der fremden Mama zu unterhalten, die Malik noch nicht kannte. Ha. Das würde man ändern! Schnell huschte auch Malik zurück zu seinen Eltern, schlüpfte neben Isaí und zog ihm spielerisch am Ohr, ehe er sich vorbeugte, um die weiße Mama zu sehen, mit der sich sein Gebruder zu unterhalten schien.

„Du hast ja malikfarbenes Fell!“, quiekte er erfreut und versuchte, seinen Bruder etwas zur Seite zu drängen.


{ Rudelplatz :: Jakash, Sheena, Shani, Isaí, Taleesha, Tyraleen & Tinca}

Malicia
30.07.2011, 14:04


Ein eiskalter, grausamer Gedanke stach wie eine Biene in ihren Kopf, sodass Malicia einen lauten Schrei unterdrücken musste. Wie sehr wünschte sie sich, einmal wie sie zu sein? Unbeschwert, fröhlich, frei? War nur sie, die schwarze Fähe, mehr Verräter denn Mitglied dieses Rudels, dazu verdammt, diese Stimme zu hören und sich ihr nachgeben zu müssen? Was in aller Welt trieb Fenris dazu, sie mit solchen Höllenqualen immer wieder aufs Neue zu Boden zu werfen? Sie war doch früher auch ein unschuldiger Welpe gewesen, wie die Kleinen, die sich dort in Fröhlichkeit und Lebenslust wälzten und als schlammhirnige Welpen in die Herzen ihrer Familie drängten. Warum nur war sie dazu verdammt, ewig diesen Seelenschmerzen ausgeliefert zu sein? Es waren Fragen über Fragen, die sie sich seit Tagen, Wochen, Monaten, Jahren stellte, um nie eine Antwort darauf zu finden. Hätte sie einst ihre Mutter Banshee darauf ansprechen sollen? Oder war es ihre Pflicht, mit Engaya zu reden, ihre Güte einmal in das rabenschwarze Herz zu lassen, um ihrem eigenen Schicksal entgegen zu treten und vielleicht doch irgendwann so glücklich zu werden, wie sie es sich erhoffte?

Egal wie gut gemeint die Ratschläge der silbergrauen Fähe waren, selbst Sheena würde in ihrem Endorphinrausch nicht die Kraft über das Böse besitzen. Vielleicht würde Malicia einmal mit der jungen Mutter reden, irgendwann, wenn die Stimmung des Rudels weniger euphorisch war und sie somit Zeit hatte, ein Gespräch mit ihr zu führen. Was Malicia aber fortwährend beschäftigte war der Eindruck, den sie bei jenen hinterließ, die zusehen mussten, wie sich die Schwarze voll Schmerz krümmte - wirkte sie so wehleidig, wie sie sich vorstellte? Und wie konnte man der Silbergrauen erklären, was in dem Geiste der Bansheetochter vorging?

Sie verzog ihre Lefzen zu einem gequälten, künstlichen Grinsen und versuchte, sich wieder auf die Beine zu stellen. Ihr gelang es mit Müh und Not, aber sie stand, zittrig zwar, aber es sollte den Anschein machen, dass es der schwarzen Fähe besser ging. Mittlerweile war sie ohnmächtig vor Schmerz, lies diese stumpfen, pulsierenden Drücke in ihrem Körper sein und versuchte in ihrer unglücklichen Situation zu antworten. Ihre Stimme war weniger schön, wie sie früher war, sie klang hart, zittrig, fast hohl. Sie wusste das dies einer der Augenblicke war, in denen ein Vaux-Paux nur wenige Schmetterlingsflügelschläge entfernt war.

"Was ist schon Familie? Bedeutet Familie Zuneigung, Zugehörigkeit? Liebe? Wohl denn, dann bin ich ein schlechtes Familienmitglied, wenn ich als Großtante der Kleinen nicht imstande bin, sie so zu begrüßen, wie die Wirbelwinde es verdient hätten ...." Malicia macht einen kurze Pause, um ihren Blick über die Welpen wandern zu lassen. "Naiv, tatsächlich ... Ich verstehe sie nach wie vor nicht. Was sie wohl dazu getrieben hat? Doch vielleicht bricht diese Liebe, Mutterliebe, die schlechten Gedanken, die sich so in uns allen manifestiert haben, das Eis und lichte Tage folgen ... wer weiß das schon, Minyala?"

Malicia merkte, wie sich ihre zitternden Muskeln langsam beruhigten, wie der Atem weniger flach wirkt und wie ihr Kopf freier wurde. Eine Aussprache hilft in vielen Dingen. Auch wenn sie wohl das Leid der schwarzen nur für wenige Augenblicke gelähmt hat - einen Moment des Lichtes ist ein Segen. Wie eine Welpengeburt in einer so düsteren Stunde sein kann ...



{Welpenhöhle || Minyala}

Gani Amíra
30.07.2011, 17:14

Schmerz war mal hier, mal da und manchmal auch überall. Schmerz konnte man ebenso schlecht abstellen wie Hass, denn gerade solch zwiespältigen Gefühle waren die, die am beharrlichsten blieben. Das waren jene, die der grauen Fähe am meisten zusetzten. Mit jedem Atemzug, den sie gierig nach Leben einsog, wurde ihr bewusster, wie grausam sie doch war. Ein einsamer Wolf, zurückgelassen von allen, die er liebte – zerbrochen, undurchschaubar und verletzt. Die Tage zogen mehr oder minder unbedeutend dahin und alles, was Gani tat und ließ, hatte in ihren Augen keinen wirklichen Sinn mehr. Sie war wie eine Maschine – wie etwas, das Tag für Tag seine Pflichten abarbeitete, ohne sich dabei etwas zu denken. Jagen, das war ihre Aufgabe. Sie jagte gerne, denn sie liebte das Gefühl, über etwas gesiegt zu haben. Doch der Moment, an dem sie ihre Zähne in das Fleisch ihres Beutetiers senkte, erinnerte sie sich an ihren Freund. An die Tatsache, dass er anderes Blut auf eine andere Art und Weise gebraucht hatte, um zu überleben. In ihrem Kopf erklangen ihre Stimmen. „Du kannst von mir trinken, Aryan!“, hatte sie gerufen, entrüstet und selbstlos; bereit, das Leben für ihren Seelenbruder zu opfern. „Nein! Niemals!“, war seine stumpfe Antwort gewesen und als sich die Trauer in seinen wunderbaren Augen abzeichnete, trauerte Gani. Die Erinnerungen an diesen Moment waren so klar und deutlich, dass es jedes Mal schmerzte, wenn sie jagen ging. Aber was hatte sie schon für eine andere Wahl? Das Rudel brauchte sie nicht wirklich und es war äußerst selten, dass die Graue irgendetwas zum Rudelleben beitrug, außer eben die Beute, die sie nach ihrem Losziehen brachte. Doch selbst das Jagen war für sie eine Qual, genau wie jeder Atemzug und jeder Schlag, den ihr emsiges Herz vollbrachte.

Es war zu erwarten gewesen, dass die blutrote Prinzessin sich früh vom Rudelplatz entfernte, bevor die Zeremonie begann. Sie hatte dort nichts zu suchen, denn obwohl sie sich fühlte wie eine Fähe der Sternenwinde, waren solche Angelegenheiten nichts, wo sie aufkreuzte. Sie würde ihre rechte Vorderpfote darauf verwetten, dass sie dort niemand haben wollte – denn wen gab es in diesem Rudel schon, der sie mochte? Ihre Stützpfeiler waren stets Aryan und ihr Vater gewesen und seit sie gegangen waren, stand Gani Amíra vollkommen alleine da – hilflos gegenüber den misstrauischen und verächtlichen Blicken aus den Reihen der Wölfe. Früher war es ihr egal gewesen, dass sie stets eine skeptisch zu betrachtende Außenseiterin war, doch seit sie Aryan traf, war ihr bewusst geworden, dass auch sie Gefühle hatte. Undurchdringliche Gefühle, die so viel stärker waren als der Hass und der Glaube an Fenris, die sie zeichneten. Liebe, Mitleid und Freude – all die Dinge, die sie seit dem Welpenalter niemals vermisst hatte, die ihr jedoch immer fehlten.
Die Baumrümpfe zogen gleichartig an ihr vorbei, während sie in einem lockeren Trab Richtung Wasserfall strebte. Ihr war bewusst, dass es möglicherweise unklug war, sich so weit vom Rudel zu entfernen, doch sie hatte sich nie Gedanken darüber gemacht. Die Amíra in ihr hatte ihr Zuhause gefunden und auch, wenn das Blutrot in ihren Gedanken nicht mehr glücklich werden konnte, würde sie niemals im Leben auf die Idee kommen, das Revier wieder zu verlassen. Sie war zwar keine steinalte, gebrechliche Wölfin, doch die graue Prinzessin wusste, dass sie ein Rudel brauchte, das ihr Sicherheit bot, auch wenn es sie in jeder Sekunde schmerzlich an ihre Familie erinnerte. Wenn alles beim Alten blieb, würde sie im Tal der Sternenwinde bis zu ihrem Tod verweilen, um sich dann still und heimlich an Fenris‘ Seite zu begeben, der sie sicherlich schon erwarten würde. Wie oft hatte sie ihn enttäuscht? Als sie ihren Vater am Leben ließ – aus Liebe? Als sie Aryan nicht die Kehle durchbiss, wie es richtig gewesen wäre? Als sie um die beiden trauerte, anstatt zu hassen? Als sie beim Tod Banshees merkte, dass sie Engaya näher war als je zuvor? Es war zu oft gewesen. Und obwohl Gani Amíra keinerlei Ahnung hatte, was auf sie zukommen würde, wusste sie, dass es nichts besonders Verheißendes sein würde – sie hatte einfach viel zu oft am Tod gezweifelt. Sie hatte geliebt und war glücklich gewesen. Hach ja, zwischen den Stühlen war es immer wieder bequem.

    [ in Richtung des Wasserfalls laufend ]

Malakím
31.07.2011, 10:45

Der Schwärzling verstand nicht, wie man sich nicht über das neue, junge Leben freuen konnte. Er wusste, dass dem so war bei mnch einem der Wölfe hier, aber begreifen konnte er es dennoch nicht. Sein Herz jauchzte beim Gedanken an die Welpen, und hatte wahre Luftsprünge vollführt, kaum dass der Erste von ihnen seinen kleinen Kopf aus der Welpenhöhle gestreckte hatte. Sein Leib hätte es seinem Herzen gerne nachgetan, aber die seltsame Müdigkeit des Wintersommers steckte ihm noch immer in den Gliedern, auch wenn es bereits bedeutend besser geworden war. Immerhin war sein Schritt bereits wieder tänzelnder Natur, garniert mit dem einen oder anderen kleinen Hüpfer. Und genau dieser federnde Hüpf-Lauf war es nun, der ihn der Fährte einer bestimmten Fähe folgen und rasch aufholen ließ, obgleich er nicht wirklich in Eile war.
Er hatte eine Menge Wölfe gesehen, die sich ein wenig abseits der Welpen gehalten hatten, wahrscheinlich aus den unterschiedlichsten Gründen, die er sich vorstellen konnte. Und vermutlich auch aus dem einen oder anderem Grund, auf den er selbst nie von allein kommen würde. Was nun diese Fähe von allen anderen forttrieb, soweit, dass es schien, sie fliehe, konnte er sich dagegen durchaus vorstellen. Ihm war nicht entgangen, wie selten sie sich unter das Rudel mischte, und selbst das war im Grunde nicht der richtige Ausdruck dafür. Nun, heute war ein Tag zum Feiern, und Malakím hoffte, diese Stimmung weitergeben zu können. Gani schien es bitter nötig zu haben.

"Heda, Sonnenkind!",

rief er sie an und brachte die letzten Wolfslängen mit ein paar Sprüngen hinter sich, die ihn mehr Kraft kosteten, als er zugeben würde.

"Falls du es noch nicht bemerkt hast, du läufst in die falsche Richtung. Welpen und Zeremonie liegen genau in der anderen Richtung, und Letztere dürfte bald beginnen!"

In dem Moment erklang Tyraleens Ruf.

"Hörst du? Na wenn das nicht unser Stichwort ist!"

Er sprang vor sie und verstellte ihr damit den Weg. Nicht, dass er sie ernsthaft daran hindern konnte oder würde ihren Weg fortzusetzen, sollte sie sich nicht zur Umkehr bewegen lassen.

"Wenn wir uns beeilen, schaffen wir es noch rechtzeitig!"

Seine Rute pendelte enthusiastisch hin und her, und auf seinen Lefzen lag das typische, unentwegte Malakím-Lächeln.


[irgendwo in Richtung Wasserfall | Gani]

Aléya
01.08.2011, 12:34

Die ruhige Stimme des Weißen legte sich wie Balsam über ihre angespannten Nerven und sorgte unweigerlich dafür, dass sich die Fähe etwas entspannte. Die Unsicherheit wich aus ihrem Leib und das freundliche Lächeln wurde eine Spur breiter. Ein sachtes Schwingen ihrer buschigen Rute galt noch der Fähe, ehe sie sich mit einem leisen „Danke.“ an den Rüden wendete.
Die Zeremonie, stimmt, die hatte sie fast vergessen. Die nächste Generation sollte dabei in den Reihen des Rudels aufgenommen werden. Es war längst zu einer Tradition geworden und Aléya hatte davon gehört, selber jedoch nie an einer teilgenommen. Die letzte Zeremonie hatte statt gefunden, als sie selber noch ein Welpe gewesen war. Nun die neuen Welpen dabei zu beobachten und vielleicht kennen zu lernen, stimmte auch sie neugierig.

Ich werde mich dir anschließen. Hast du der letzten Zeremonie beigewohnt?

Kurz blickte sie in die roten Seelenspiegel, ließ dann den Blick über das helle Gesicht wandern. Wenn sie sich den Rüden so ansah, wirkte er älter als sie, könnte daher ihren Jahrgang erlebt haben.

Ich muss gestehen, dass ich nicht genau weiß, wie so etwas abläuft...

Ein kurzer entschuldigender Ausdruck trat kurz in ihre Augen, machte dann aber der Neugierde Platz. Als ein klares Heulen, Tyraleens Stimme, über den Baumwipfeln erklang, hob die junge Fähe lauschend den Kopf. Es würde gleich beginnen und es wurde Zeit, dass sich das Rudel zusammen fand. Mit geschmeidigen Schritten setzte sich die Weiße in Bewegung, gespannt, was sie nun erwarten würde.


[mit Madoc auf dem Weg zur Zeremonie]

Volk Zubami
01.08.2011, 13:29


„Na dann, lasst uns gemeinsam gehen,bevor die anderen uns vermissen. Wäre schließlich unhöflich, die Zeremonie zu verpassen.“

:erwiderte Volk auf Aszrem´s aussage und schloss sich den beiden an. Lyerra war scheinbar sehr erfreut über das erscheinen des Rüden. Sie lehnte sich an ihn, streifte seine Wange sanft. Es war ein komisches und dennoch wohltuendes Gefühl das er verspürte, es so warm wie ein Sonnenstrahl und tat ihm gut.

„Wie es mir geht? Gut, ja, sehr gut sogar. Die warme Sonne tut mir gut und meine Schwester wieder zu haben auch. So habe ich wieder einen inneren Frieden. Außerdem habe ich eine sehr gute Freundin, nämlich dich und ich will bei dir bleiben.“

Mit diesen Worten lehnte sich Volk an Lyerra an und schleckte ihr vorsichtig über die Wange und lächelte dabei. Nun wendete er sich dem Leitrüden zu, um auch ihn über dies und das zu fragen. Insgeheim wünschte sich Volk Zubami, auch eines Tages so Erfahren und Würdevoll zu sein wie Aszrem. Der schwarz-graue Rüde war ihm sympathisch und obwohl Volk, Aszrem, noch nicht solange kannte, hatte dieser eine Vorbildwirkung auf ihn. Vielleicht weil dieser Wolf, ihn an seinen Vater erinnerte.

„Wie geht es dir so Aszrem, tut dir die Sonne auch so gut. Also ich könnte Luftsprünge machen. Bei allen Tieren kehrt wieder Frieden ein und bei uns gibt es ein so freudiges Ereignis. Gaya meint es gut mit uns und hoffentlich bleibt das auch vorerst so.“

Ordnung und Ruhe schienen wirklich wieder eingekehrt, nicht nur im Rudel sondern auch im Wald um den See herum und auch bei anderen Tieren. Dieser Ort und die Stimmung die ihn umgibt, sie wirkte nicht mehr bedrohlich. Wie ein Sturm, der an Kraft verlor und die Sonnenstrahlen wieder durch die Wolken lies. Langsam trottete Volk neben Lyerra und Aszrem her, dem Ort der Zeremonie immer näher kommend. Viele Wölfe hatten sich schon versammelt die Eltern, die Welpen, deren Paten und natürlich Tyraleen.

[Beim Rudel | Aszrem, Lyerra]

Sheena
02.08.2011, 13:13

Jegliche Sorgen waren wie weggeblasen als Tyraleen zu ihnen trat und dem Rudle verkündete, dass die Zeremonie beginnen würde. Stolz blickte sie in die Runde, ließ ihren wachsamen Blick über die anwesenden Wölfe gleiten und beendete ihre Runde mit einem willkommen heißenden Lächeln zu Shani und einem sanften Stupser an Jakashs Schulter.
Malik und Isaí hatten sich bei ihrem Vater angekuschelt und Tinca lag hier bei ihr. Einzig Taleesha stand alleine. Nun, nicht direkt alleine, aber sie hatte sie nicht an einen der erwachsenen Wölfe gedrückt. Und auch Malik und Isaí sahen nicht verunsichert aus. Aus den beiden sprudelten die Wörter nur so heraus, dabei sollten sie doch jetzt eigentlich still sein, damit Tyraleen beginnen konnte. Sie lächelte leicht. Welpen waren einfach wunderbar.
Sachte ließ sie ihre Schnauze zu Tinca herab und fuhr ihr sanft über das Kopffell. Auch wenn sie sich schon mit jeder Menge Fragen an Shani gewendet hatte, wollte sie ihr doch noch einmal sagen, dass sie und natürlich auch Jakash immer für sie da sein würden. Ganz egal ob sie nun einen Paten bekam oder nicht. Und sie sollte sich auch nicht vor den vielen anderen Wölfen fürchten. Sie waren ein Rudel und dennoch würde sie ihre Ruhe haben können, wenn es ihr danach verlangte.

„Liebste. Mach dir keine Sorgen, auch wenn hier nun viele Wölfe sind, werden sie dich in Ruhe lassen, wenn dir das lieber ist. Und natürlich sind Jakash und ich immer für dich da!“

Sie hoffte die kleine Fähe damit ein wenig beruhigen zu können und schleckte ihr noch einmal ermutigend über den Fang.
Dann fingen ihre Blicke an die zukünftigen Paten zu suchen. Dort vorn stand Madoc, der in eben diesem Augenblick da sie ihn betrachtete, einen kraftvollen Schritt nach vorne machte. Er sah stolz aus. Sie konnte die Freude über die Ehre ein Pate werden zu dürfen in seinen Augen deutlich erkennen. Kurz nickte sie ihm zu und schenkte ihm ein Lächeln, doch schon schnippten ihre Ohren unruhig hin und her. Wo waren die anderen?
Kisha erblickte sie, ein wenig entfernt noch in der großen Gruppe der Wölfe und auch Chardím lag noch dort, wo Tinca ihn verlassen hatte.
Sie hoffte, dass Tinca mit Chardím klar kommen würde, aber eben hatte ja alles danach ausgesehen. Sie war froh, instinktiv so eine gute Entscheidung getroffen zu haben. Schließlich war es unglaublich schwer Tinca einzuschätzen und vorherzusagen, was der Kleinen gefallen könnte.
So, und nun, da sie alle gesichtet hatte, konnte es doch auch wirklich anfangen. Oder?



[Tinca zwischen den Pfoten, neben Jakash mit Malik und Isaí, Shani, Tyraleen und Taleesha]

Madoc
02.08.2011, 14:46

Aufmerksam betrachtete Madoc die beiden Fähen, in Gedanken war er jedoch bereits bei der anstehenden Zeremonie, die erste, die er miterleben durfte. Gewiss hatte er die Welpen des vorigen Jahres miterlebt und somit auch die Freundschaft zu Atalya geschlossen, doch bei der Zeremonie war er nicht gewesen. Er erinnerte sich gar nicht recht daran, doch glaubte er, zu jener Zeit noch allein gewandert zu sein, nachdem sein Bruder verstorben war und ihn mit schmerzvoller Trauer zurückließ. Doch heute würde er sogar ein Teil von diesem Ritual sein, ein Pate werden. Lange hatte sich Madoc nicht mehr so einbezogen gefühlt, denn sein Außenseiterherz hatte lange vergessen wie es war, gebraucht und gewürdigt zu werden, mit Ausnahme von Atalya. Ja, sie schien ihn immer gebraucht zu haben und, ob er zugeben mochte oder nicht, er brauchte sie auch. Doch nun, so sagte er sich, war nicht die rechte Zeit, um über solche Dinge nachzusinnen und während er den sachten Worten von Aléya lauschte, machten sie sich auf den Weg zu Tyraleen, die um Aufmerksamkeit, sowie die Anwesenheit der Welpen und deren Paten gebeten hatte.

"Nein, das habe ich nicht. Ich konnte mit den Welpen des vorigen Jahres Bekanntschaft machen, doch zur Zeit der Zeremonie war ich, so befürchte ich, nicht im Rudel. Daher weiß auch ich nicht genau, wie es ablaufen wird, aber wir werden ja sehen."

Sprach der silberweiße Hüne und nickte der jungen Fähe aufmunternd zu. Sein Gemüt hob sich bei der Aussicht nach einem jungen Leben, das ihm anvertraut wurde und er fragte sich schon des Öfteren, welches der vier Welpen in seine Obhut gegeben werden würden.
Als er schließlich bei Tyraleen und den anderen angekommen war, nickte er ihnen zu, als stumme Begrüßung, da er annahm, die Weiße würde schon bald eine weitere Rede halten, und daher nicht dazu auferlegt sein, die üblichen Floskeln der Höflichkeit mit ihm auszutauschen. Jakash und Sheena schenkte er ein freundliches Lächeln, etwas, was bei ihm selten zu sehen war. Auch blickte er nun auf die Welpen, die sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe befanden und belächelte ihre sorglosen Späße. Gerne hätte er sich ihnen vorgestellt, doch im Hinblick auf die anstehende Zeremonie verharrte er lieber in Schweigen.


[Rudelplatz | Tyraleen, die Welpen, Jakash, Shani, Aléya]

Aléya
02.08.2011, 21:36

Leichtfüßig bewegte sich der hellgekleidete Leib neben dem Rüden her. Seine Anwesenheit war angenehm, weder Aufdringlich, noch Abstoßend. Generell hatte Aléya in diesem Tal kaum negative Erfahrungen gesammelt. Ihre einzige Sorge, die sie immer und immer wieder beschäftigte, drängte sie nun nach hinten. Weit, weit fort, sollten diese Gedanken bleiben, hatten diese bei einem solchen Anlass nichts zu suchen. Stattdessen wollte sie sich lieber darauf konzentrieren, sich wieder mehr unter Wölfe zu begeben und an ihre Bindungen anzuknüpfen. Auf die Worte Madocs nickte die Weiße zustimmend. Auch wenn jemand die Gebräuche nicht kannte, der wurde hier nicht außen vor gelassen, sondern wurde an die Pfote genommen und mit Erklärungen in die Reihen geleitet.
Schnell hatten die beiden Wölfe die bereits versammelte Gruppe erreicht. Mit aufgestellten Ohren schenkte Aléya Tyraleen ein begrüßendes Nicken, welches sie reihum an die anderen weiter gab. An Sheenas Augen blieb sie ein wenig länger hängen. Glück stand in den goldenen Seelenspiegel geschrieben und die Helle freute sich mit ihrer Jagdleiterin mit. Irgendwann, wenn ein wenig Ruhe eingekehrt war, würde sie noch ein Mal das Gespräch mit der Priesterin suchen und ihr schnelles Verschwinden erklären und sich dafür entschuldigen. Jedoch erst, wenn dafür der rechte Augenblick gekommen war. Jetzt musste ein Blick und eine kleine Bewegung genügen. Zu den Welpen blickte sie ebenfalls aufgeschlossen und munter hin. Was für unbeschwerte Geschöpfe, die noch das Leben auskosten durften.

Hallo ihr Kleinen,“ begrüßte sie die Meute, warf einen kurzen Blick zu den stolzen Eltern und trat dann einen Schritt zurück. Die Zeremonie würde jeden Augenblick beginnen und sie wollte deren Ablauf nicht stören oder aufhalten. Fragen würden gewiss gleich noch geklärt werden.


[Rudelplatz | trifft mit Madoc bei Tyraleen, Sheena, die Welpen und Jakash ein]

Takashi
03.08.2011, 21:32

Die Fremde hatte sich als eine freundliche Artgenossin herausgestellt, mit der man sich wohl sehr gut die Zeit vertreiben mochte. Die Kleine war wirklich sehr sympathisch und schien sich auch sehr für das Rudel zu interessieren, was Takashi gefiel. Sie war neugierig und konnte genau so selten die Augen von den Welpen lassen, wie der Hüne es tat. Auch die Freude Takashis war ganz auf der Seite der Welpen, die wohl der ganze Stolz des Rudels waren.
Nun war der Rüde aber schon eine Weile im Rudel und hatte noch nie die Ehre erhalten, der Pate eines Welpen zu sein. Sein passives Verhalten und der seltene Kontakt zu den Eltern könnten daran gar nicht mal so unschuldig gewesen sein. Wahrscheinlich hatte er sich das selbst zuzuschreiben, dass er nicht zum Pate auserwählt wurde. Viel machte ihm das aber nicht aus, denn er hatte seinen Schützling, um den er sich jederzeit kümmern konnte und musste.
Takashi streckte die Nase in Richtung der Welpen und beobachtete die Kleinen für einen weiteren Moment. Chilali klang wie in Gedanken verloren, worauf sie Takashi aber erneut ordentlich wachrüttelte.

"Nein...nein, ich bin nicht hier geboren."

Der Hüne stotterte etwas und setzte eine unsichere Mine auf. Chilali schien ziemlich erstaunt, dass er nicht hier geboren ist und von weit her kam. Teilte er dieses Schicksal denn nicht mit sehr vielen anderen Artgenossen? Unsicher blickte sich der Schwarze um und stellte fest, dass einige der Rudelmitglieder von weit her kamen. So neigte Takashi seinen Kopf etwas zur Seite und sah somit sehr fragend aus.

"Oh...ich hatte auch einmal einen Bruder...hier. Das liegt aber auch schon ein Weilchen zurück..."

Takashi Blick folgte dem Chilalis. genau in diese Richtung war Volk zuvor verschwunden. Für den Schwarzen war er fremd, denn Takashi konnte sich an kein Gespräch erinnern. Mochte es an seiner Problematik mit dem Fluch liegen oder auch an einfacher Vergesslichkeit – er war sich nicht schlüssig.

"Volk kenne ich nicht wirklich. Wir sind uns nicht oft über dem Weg gelaufen...denke ich."

Die letzten Worte waren mit einem leisen Murmeln kaum noch hörbar geworden. zu unangenehm war es dem Hünen, nicht mehr zu wissen, zu wem er Kontakt aufgenommen hatte. Während Takashi die Zähne zusammenbeißen musste, setzte er ein schiefes Lächeln auf.
Er hatte Glück und die Situation um ihn entspannte sich bald wieder, denn Tyraleen übernahm das Wort. Nun sollte alle Aufmerksamkeit den Welpen gelten – die Zeremonie begann.

"Sieh nur, jetzt beginnt die Zeremonie."

Interessiert streckte der Rüde die Nase in Richtung des Geschehens. Für Chilali war die Situation völlig neu, aber dennoch genau so spannend, wie für Takashi.


[ Rudelplatz | Chilali ]

Minyala
04.08.2011, 11:39

Mittlerweile fragte sich Minya ernsthaft, ob sie nicht laut losschreien sollte, sodass irgendwer kommen und sich Malicia ansehen würde. Die Schwarze hatte sich weiterhin nicht geregt und antwortet auch nicht auf die Frage der Silberweißen. War sie schon ohnmächtig? Im Delirium? So gut wie tot? Jetzt wurde Minya nervös, sie trippelte nach links und nach rechts, warf immer wieder Blicke auf die nun mit der Zeremonie beschäftigten Wölfe und wollte diesen besonderen Moment für Welpen, Eltern und Paten nicht einfach unterbrechen. Aber wenn ihr Malicia gerade unter den Pfoten wegstarb? Möglicherweise würde man dann sie, Minya, dafür verantwortlich machen! Ohje, ohje, ohje. Wen könnte sie rufen? Sheena war beschäftigt, Tyraleen auch … aber da war doch noch eine Wölfin. Irgendetwas mit Ra … die Schwester vom Vater der Welpen. Suchend ließ Minyala ihren Blick über die versammelten Wölfe gleiten, wenn sie sich nicht irrte, war die Wölfin braungrau und bekleidete ebenfalls einen höheren Rang. Sie musste doch irgendwo … als sich Malicia neben ihr plötzlich aufrappelte, zuckte Minya erschrocken zurück und realisierte erst dann, dass die Schwarze wohl nicht tot war. Sogar lebendig genug um zu stehen, auch wenn sie arg verkrampft aussah, ihre Läufe zitterten und ihr Lächeln mehr einer Fratze glich. Dennoch zeichnete sich auf dem Gesicht der Silberweißen ein erleichtertes Lächeln ab und als Malicia ihr dann sogar noch antwortete – ein wenig wirr und mit ziemlich seltsam klingender Stimme – war sie sich sicher, das Schlimmste überstanden zu haben. Erst einmal musste sie ihrer Erleichterung Luft machen.

“Uff, meine Güte, mach das nicht noch einmal. Ich dachte, du stirbst gerade. Vielleicht solltest du dich hinsetzen? Und ein wenig entkrampfen, das tut sicher auch gut.“

Demonstrativ ließ sich auch Minyala auf ihr Hinterteil nieder und lockerte ihre Muskeln, sodass sie ein wenig zusammengesunken aber höchst entspannt aussah. Vielleicht sollte sie mit Malicia mal die gleichen Entspannungstechniken wie mit Caleb üben. Ja, die beiden könnten gemeinsam lernen. Klang ein wenig irrsinnig aber witzig. Nur dass Minya die Schwarze niemals gefragt hätte, dafür war sie ihr noch ein wenig zu unheimlich.

“Solange ich Familie hatte, bedeutete es für mich Zuneigung, Zugehörigkeit und Liebe. Sicher ist jede Familie anders, aber so wie ich das bisher hier mitbekommen habe, gibt es genug Wölfe, die vor Liebe nur so übersprudeln. Vielleicht solltest du dich mal in ihre Nähe begeben? Die haben für dich noch genug übrig. Aber dafür solltest du nicht mehr so verkrampft sein. Und dir nicht vorwerfen, ein schlechtes Familienmitglied zu sein, sondern dich einfach von der unermesslichen Liebe dieser ganzen Strahlewölfe anstecken lassen. Na, das wäre doch ‘ne Idee, oder?“

Warum versuchte sie jetzt gerade Malicia zu irgendwelchen Dingen zu überreden? Eigentlich war die Schwarze Minya viel zu unheimlich dafür. Vielleicht kam ihr Helferkomplex wie bei Caleb hervor. Oder sie hatte gerade einfach nichts Besseres zu tun.


[ etwas abseits des Rudels | Malicia ]

Face Taihéiyo
04.08.2011, 16:24

Face Taihéiyo war bereits so weit wieder aufzustehen und zurück zu gehen – nur noch ein, zwei Minuten wollte er die Stille des ungewöhnlich ruhigen Herbstwaldes genießen. Ein Herbstwald, der bereits seit Wochen von Schnee bedeckt war. Nein, auch jetzt, wo die Vernichtung des Nichts lange zurück lag, war definitiv nichts wieder beim Alten. Bevor sich der Tiefschwarze aber entgültig aufmachte, tauchte eine helle Gestalt in seinem Blickfeld auf und ließ ihn innehalten. Eine Tochter Tyraleens, unverkennbar. Innerlich etwas verwirrt und überrascht von der Tatsache, dass er hier an der Reviergrenze Gesellschaft bekam – und auch noch zu so einem Zeitpunkt – folgte sein Blick der Jungwölfin, die direkt auf ihn zusteuerte. Glauben, dass in solchen Zeiten eine Jungwölfin geschickt wurde um nach ihm zu sehen, konnte er nicht. Also warum war sie hier? Face war sich sicher, dass er zu spät zur Welpenzeremonie kommen würde, da war es erst Recht verwunderlich, dass Caylee sich auch so weit weg herumtrieb. Eines seiner Ohren zuckte leicht, als die Weiße ihn fragte, was er hier tat.

Die Frage gebe ich zurück.“,

antwortete der Tiefrabenschwarze ruhig und musterte die Tochter seines Patenkindes einen Moment lang. Sie sah ein wenig unsicher und irgendwie verknittert aus. Warum war sie nicht beim Rudel?

Ich wollte ein bisschen Ruhe haben ... und was ist mit dir?“,

fügte Face Taihéiyo schließlich noch hinzu. Er hatte in den letzten Jahren gelernt, dass man manchmal ein bisschen ausführlicher sein musste und Wortkargheit nicht unbedingt immer geschätzt wurde. Seine saphirblauen Augen fingen auf, dass Caylee ihn plötzlich irritiert ansah. Ihr Blick traf allerdings nicht sein Gesicht, sondern eine Brust. Augenblicklich wusste Face, was sie entdeckt hatte. Es war bemerkenswert, dass sie es überhaupt sah und doch wusste der Tiefschwarze nun nicht, was er sagen sollte. Sollte er es ignorieren? Als müsse er sich erst vergewissern, warum Caylee ihn so ansah, senkte er die Schnauze und schielte Richtung seiner Brust. Er selbst war aber nicht in der Lage aus dieser Position den Saphir zu sehen. Dafür fühlte er, dass er immer da war.

Das ... das ist nur ein Stein.“



[ Reviergrenze - nördlicher Mischwald | Caylee ]

Caylee
05.08.2011, 10:25

Caylee wusste nicht so Recht, wie sie sich verhalten sollte. Sie war noch nie mit Face Taihéiyo alleine gewesen und ein richtiges Gespräch hatte sie auch noch nicht mit ihm geführt. Er war für sie kein Wolf, mit dem man einfach mal so sprach. Es bedurfte einen guten Grund, mit Face zu reden und wenn dieser nicht vorhanden war, so hatte man sich dem Schwarzen auch nicht zu nähern. So betrachtet klang es irgendwie lächerlich und etwas überzogen, aber Caylee hatte sich gegenüber dem Paten ihrer Mutter stets so verhalten. Nun hatte die Situation sie zusammentreffen lassen, ohne dass die Weiße einen echten Grund hatte, Face zu stören, allerdings blieb es seltsam, dass er ausgerechnet bei der Welpenzeremonie – die Tyraleen das erste Mal leiten würde – nicht beim Rudel war. Auch seine gar nicht einmal so wortkarge Erklärung leuchtete da nicht ein, wobei sie natürlich zugeben musste, dass auch ihre Erklärung etwas dünn klingen würde. Sie hatte die Reviergröße unterschätzt, hatte nicht erwartet, so viel Wald über Wald nach Wald zu sehen. Und sie hatte erwartet Tiberius früher zu finden oder besser gesagt: überhaupt zu finden.

“Magst du keine Welpen?“

Das war die Schlussfolgerung aus der Tatsache, dass Face gerade zur Welpenzeremonie Ruhe suchte. Was ein wenig seltsam wäre, immerhin war er Tyraleens Pate. Im nächsten Moment fragte sie sich, ob sie jetzt zu neugierig gewesen war, aber wenn sie die Frage jetzt zurückzog, käme das noch seltsamer. Caylee war keine unsichere Wölfin und hatte doch eigentlich selbst schon festgestellt, dass ihr Verhalten gegenüber Face ein wenig überzogen war.

“Ich bin auf der Suche nach Tiberius. Also … natürlich nicht so richtig suchen, eher schauen, es könnte ihm ja etwas passiert sein. Oder so. Nicht, dass es mir etwas ausmachen würde, dass er nicht da ist, aber wenn ein Varg ihn angefallen hat, wäre es ja schon gemein, ihn einfach im Wald liegen zu lassen. Ja …“

Ihre Ohren drehten sich leicht nach hinten und innerlich ärgerte sie sich über ihre Worte und noch mehr über Tiberius, dass er sie in eine so blöde Situation gebracht hatte. Face sollte nicht denken, dass sie voller Sorge und unfähig ohne Tiberius zu leben durch den Wald hetzte und mit glockenheller, zittriger Stimme nach dem Gestromten rief. Unwirsch schüttelte sie sich, ließ sich dann aber überrascht von der Tatsache ablenken, dass Face so auskunftsfreudig war und auf eine nicht gestellte Frage antwortete. Ein Stein.

“Warum ist ein Stein in deinem Fell?“

Für gewöhnlich hatten Steine die Angewohnheit auf der Erde zu liegen und auch wenn man einen Stein in den Fang nahm und ihn in das Fell eines Wolfes hielt, fiel er wieder runter. Das zumindest war Caylee gewohnt, allerdings auch nur von gewöhnlichen Steinen. Einen so schimmernden Blauen hatte sie noch nie gesehen. Vielleicht blieben die ja im Fell. Was dennoch nicht erklärte, woher Face ihn hatte und warum er ihn mit sicher herumtrug und warum er sonst kaum auffiel.


[ Reviergrenze | Face ]

Jakash Caiyé
05.08.2011, 10:47

Tinca war offenbar ziemlich nervös, was die bevorstehende Zeremonie anging. Im Grunde war das aber auch verständlich: So viele fremde Wölfe mit einem Mal kennen zu lernen, wo es doch vorher nur die kleine, überschaubare Welt innerhalb der Welpenhöhle gegeben hatte, konnte auch zu aufregend sein. Plötzlich war die Welt viel größer, als so ein junger Welpengeist erfassen konnte. Doch trotz allen Verständnisses für diese Situation schlich sich auch ein wenig Sorge in Jakashs Gedanken. Hoffentlich war seine kleine Tinca nicht so ein ängstliches Wölfchen, wie Ahkuna es gewesen war. Feigheit war keine Eigenschaft, die er gutheißen konnte - erst Recht nicht bei seinen eigenen Kindern.

"Mach dir keine Sorgen, Tinca, hier will dir niemand etwas Böses",

antwortete er und stupste seine Tochter mit der Nase an.

'Und falls doch, wird diese Jemand mich kennen lernen!',

fügte er still in Gedanken hinzu. Dann richtete er sich in eine sitzende Position auf, während Tinca ihre Neugier wiederfand und Shani sogleich Löcher in den Bauch zu fragen begann. Jakash grinste und setzte zu einer Antwort an, als plötzlich erst Isaí und gleich darauf Malik angestürmt kamen und zwischen seinen Pfoten herum wuselten. Sein Lächeln wuchs zu einem warmen, glücklichen Strahlen beim Anblick seiner munteren Söhne. Das Glück, mit dem seine Welpen ihn erfüllten, war nicht in Worte zu fassen.

"Richtig, Isaí, sie ist auch eine Caiyé. Das, meine Lieben, ist MEINE Mama und eure Oma - Shani Caiyé. Vielleicht erinnert ihr euch noch an sie? Sie hat euch manchmal in der Höhle besucht, als ihr noch etwas kleiner wart",

erklärte er und stellte seinen Kindern noch einmal offiziel ihre Oma vor. Tincas restliche Fragen ließ er dabei vorerst unbeantwortet, dafür war nach der Zeremonie noch Zeit, und eben diese sollte nun ja auch gleich beginnen. Jakash schmiegte seine Schnauze noch einmal an die Wange seiner Gefährtin, dann wandte er sich seinem einzigen Kind zu, dass noch nicht bei seiner Familie saß.

"Taleesha! Komm zu uns, Liebes, gleich beginnt die Zeremonie",

rief er sie zu sich und dem Rest ihrer Familie.


(Ich hoffe, ich habe nichts und niemanden vergessen ^^")

[bei der Welpenhöhle | Sheena, alle Welpen, Chardím, Tyraleen... und allen, die gerade dazu kommen XD]

Jarrèll Nathaniêl
05.08.2011, 11:50

Unwillkürlich schlich sich ein trauriges Lächeln auf die Lefzen des gräulichen Rüden, als er die Frage Jumaanas vernahm. Zweifelsohn ein liebenswertes Angebot, welches er sehr zu schätzen wusste, doch dem war nicht so. Die Fähe mit den bunten Augen konnte seine Fragen nicht beantworten, nicht einmal er selbst konnte das, vermutlich konnte es niemand und würde es niemand je können. Die Fragen würde ihn begleiten, wie vermutlich jeden ganz persönliche Fragen begleiteten, wie ein Schatten, meist erregten sie nicht viel Aufmerksamkeit, manchmal schrumpften sie im senkrechten Sonnenlicht zusammen, tauchten unter in der Schwärze der Nacht, mal waren sie lang und überragten einen selbst, mal waren sie kurz und nicht einmal einen schnellen Blick wert, aber da waren sie immer, wo immer es Licht gab, gab es Schatten und wirklich jeder besaß einen. Paradoxerweise hatte dieser Gedanke für den Grünäugigen etwas tröstliches, es gab Dinge denen sich niemand entziehen konnte, mochten sie im Alltag auch von noch so geringer Bedeutung sein.
Um nicht unhöflich zu wirken zwang Jarrèll sich dazu der weißen Fähe, die eben mit glockenheller Stimme ihr Wort an ihn gerichtet hatte, eine Antwort zu geben.

„Davon ist nicht auszugehen, dennoch danke.“

Die etwas raue Stimme des Rüden wurde begleitet von einem leichten Nicken. Er hatten nicht viele Worte machen wollen und hoffte, dass Jumaana verstehen würde, dass er nicht bereit war so weit zu gehen und ihr zu beichten, was ihn in seinem Innersten quälte und dass er nichts desto weniger ihr Angebot sehr zu schätzen gewusst hatte und ihr größter Achtung zukommen ließ, angesichts der Tatsache, dass es ihr selbst nicht so gut ging und sie dennoch um die Lösung seiner Fragen bemüht war.
Als Jumaana urplötzlich das Thema wechselte vermocht Jarrèll im ersten Augenblick nicht zu folgen und wurde im zweiten von einer Welle des Erstaunens gepackt. Man sah es ihm nicht an, seine grünen Augen behielten den gleichen, beobachtenden, abwartenden Blick bei, den er so oft zu Schau trug und in welchem sich nur schwerlich subjektive Gefühlsregungen lesen ließen. Sie sprach über Majibáh, über ihre Beziehung zu ihrer Schwester, darüber wie fern sie sich der Blauäugigen fühlte. Jarrèll Nathaniêl wusste im ersten Moment nichts zu sagen. Was erwartete die Weiße mit dem gemusterten Fell von ihm? Rat? Trost? Oder würde sie jegliche seiner Antworten als ungehörig empfinden, als Missachtung ihres Ranges? Erwartete sie überhaupt irgendeine Reaktion oder Antwort?
Es war einer der seltenen Augenblicke in denen der Rüde überfragt war. Als Alpha hatte er sich nie müssen mit solchen Fragen der Sitte und Ordnung auseinander setzten und als Jungwolf hatte er sich nicht um sie geschert, hatte gesagt was er zu sagen hatte. Jetzt hätte er es möglicherweise ebenfalls so gehandhabt, denn es war nicht seine Art ein Blatt vor den Mund zu nehmen und dabei sogar riskiert, den Anderen zu provozieren, doch dies war nicht irgendein Wolf, es war Jumaana, Majibáhs Schwester. Bereits im nächsten Moment schallte er sich einen Dummkopf, die Fähe hätte ihm nicht davon erzählt, hätte sie seine Meinung nicht hören wollen, doch sie hatte gesprochen und so würde der Rüde antworten, alles andere wäre dumm, wäre Verrat an seiner Ehrlichkeit und ihr seine Antwort vorzuenthalten wäre unmanierlicher als alles andere, es würde den Anschein haben, er interessierte sich nicht, für das was sie sagte oder dachte.

„Im Leben ergibt sich nicht alles so, wie wir es uns erhofft oder erträumt haben. Und es gibt Dinge, auf die haben wir schlichtweg keinerlei Einfluss, doch es ist nicht zu spät um mit Majibáh zu reden. Sage ihr, was du eben mir sagtest und sie wird die zuhören, das verspreche ich“, die letzten Worte waren leise über seine Lippen gekommen, unwillkürlich, eigentlich hatte er mehr laut gedacht. Es entstand eine kurze Pause bevor er ebenso leise fortfuhr, „Sie braucht dich… mehr als du es dir vorstellen kannst.“

Jarrèll wusste nicht woher er diese letzten Worte nahm, er konnte es nicht beschreiben, es war etwas, das er fühlte, auf einer Ebene auf die er sich nichtmehr hatte begeben wollen und dennoch war er gerade dabei dieses Versprechen zu brechen, es fühlte sich nichtmehr falsch an, wenn es für die blauäugige Weiße tat, es tat nichtmehr weh. Vielleicht war es das, was ihn am meisten erstaunte. Indessen senkte die Wölfin neben ihm ihren Blick zu Boden und Jarrèll folge ihrem Beispiel. Seine Pfoten standen im seichten Wasser und graubräunlicher Schlick quoll unter seinen Pfoten hervor. Das Fell klebte in Strähnen an seinen nassen Beinen und nun da sein Fell nicht länger wie ein luftiges Polster um seine Pfoten herum fiel, zeichneten sich deutlich die teilweise wulstigen Narben ab, die sich über seine Pfoten zogen. Sie waren ein Zeichen seiner Vergangenheit und gehörten zu ihm, wie die verschiedenfarbigen Augen nun zu Jumaana gehörten, er könnte sie hassen oder sich damit abfinden, vielleicht gar lernen sie zu lieben. Momentan ignorierte er sie, es war eine Reaktion wie eine andere, denn wie gerne verdrängt man das, welches einem schwer auf der Seele liegt und an Dinge erinnert, die man zu vergessen wünscht. Diese Zeichnungen waren nicht relevant, nur sehr selten fügten sie ihm noch körperliche Schmerzen zu und wenn, dann lenkten diese ihn zumindest zeitweilig von den quälenden Erinnerungen und Fragen ab.

[LIST][ Jumaana | Sternensee ][/LIST]

Krolock
05.08.2011, 15:43

Krolock wartete eine Weile. Es tat sich nicht viel und er glaubte schon, zu schnell gerannt zu sein und es für diese beiden blutigen Anfänger, diese Nichtskönner, zu einfach gestaltet zu haben. Doch dann tauchte sein Bruder in seinem Blickfeld auf und er beobachtete ihn mit zusammengekniffenen Augen. Was machte der da? Glaubte er etwa, ihm seien Flügel gewachsen und er wäre nun am Himmel zufinden?
Die Ohren des Schwarzen zuckten, als er Cirádan nach seiner oder auch ihrer beider Mutter rufen hörte. War der Idiot nun völlig durchgeknallt? Krolock für seinen Teil spürte nichts von dem, was sich wie magisch über das Rudel gelegt hatte. Wie auch? Er wollte nichts spüren und so konnte ihn auch nichts erreichen. Davon wusste er allerdings nichts. Als er aufspringen und seinen Bruder anfahren wollte, dass er aufhören sollte, zu spinnen, hörte er Nihil bei sich. Im nächsten Herzschlag wurde er betrampelt.
Noch kurz lagen seine kalten, blauen Augen auf Cirádan, ehe er sich wieder fasste und sich mit aller ihm zur Verfügung stehenden Kraft vom Boden wegdrückte und ohne Rücksicht auf Verluste davon stob. Er bemühte sich, ein halbwegs gutes Beutetier abzugeben, auch wenn da etwas war, das ihn völlig davon unterschied. Krolock hatte keine Angst, vor seinen Verfolgern und obwohl er sich nicht ohne Gewalt würde festhalten lassen, wusste er doch, dass er nicht zum Tode verurteilt war, sollten sie ihn erwischen. Also rannte er einfach wieder los, sicher, dass sie ihm nun beide auf den Fersen waren.
Mama?, hallte die Stimme des Grauen in seinen Ohren nach. Was sollte das? Am liebsten hätte er den Spieß umgedreht und Cirádan zur Beute gemacht, ahnend, dass dies zu nichts führen würde. Sogar ein Reh war mutiger, als der zwerggeistige Bruder.


[Mit Nihil und Cirádan im Wald]

Majibáh
06.08.2011, 02:30

Die Weiße beschloss, sich zurückzuhalten und erst einmal der Jüngeren den Vortritt zu lassen, zumal diese eben noch geäußert hatte, dass sie keinem Welpen begegnen wollte. Leider waren die Zwei unterbrochen worden, bevor sie nach dem Grund hätte fragen können. Die Neugier brannte heftig in ihrer Kehle und es war eine regelrechte Qual zu schweigen. Doch sie musste irgendwann lernen, ihre Ungeduld abzulegen, weil es im Leben unvermeidlich war, warten zu müssen. Stattdessen stieß sie ein Seufzen aus, das sie zwar nicht zurückhalten, aber wenigstens etwas abdämpfen konnte. Ihre Ohren waren aufgestellt, verpasste kein einziges Wort, und so bekam sie auch mit, wie Avendal und sie zu Schwestern ernannt wurden. Die Worte Maliks schwirrten durch ihre Gedanken, ließen sich nicht mehr vertreiben. Tatsächlich ähnelten die Augen der beiden Fähen sich stark, zumindest wenn man sie nicht allzu genau betrachtete. Statur und Größe unterschieden sich zwar, aber das hatte nichts zu bedeuten. Außerdem hatten beide helles, dichtes Fell, und vermutlich waren sie beide hübsch, wobei sie noch nie darüber nachgedacht hatte, ob sie selbst gut aussah. Desweiteren bezweifelte sie, dass er sich viele Gedanken über eine Aussage machte, bevor er sie aussprach. Wie gerne sie diese Leichtigkeit doch behalten hätte, doch es schien so, als wäre es unmöglich, gleichzeitig reif und kindisch zu sein, eine Kombination, die einige Probleme ausschließen könnte.
Plötzlich war der Kleine auch schon wieder verschwunden, ohne dass sie sich von ihm verabschieden konnte. Einerseits vermisste sie seine süße Art schon jetzt, andererseits war sie froh darüber, weil sie nicht mit ihm umzugehen wusste. Eine Weile lang blickte sie ihm nach, und sie spürte ein Lächeln in sich aufkeimen, als er erneut seinen scheinbar endlosen Enthusiasmus und die Begeisterungsfähigkeit zeigte, die ihn hoffentlich noch lange begleiten sollten. Allerdings dauerte es nicht lange, bis sie sich wieder davon losgerissen hatte, zumal sie die Andere nicht auf eine Antwort warten lassen wollte. Das wäre ihr gegenüber sehr unhöflich gewesen, und sie legte keinen Wert darauf, jemanden zu verärgern, der sie soeben eine Freundin genannt hatte. Es mochte merkwürdig klingen, doch Majibáh hatte diese Bezeichnung sehr glücklich gemacht. Abgesehen von ihrer Schwester – bei dem Gedanken an sie nahm sie sich sofort vor, sie in nächster Zeit zu besuchen, da sie Jumaana schon seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr gesehen hatte – und Jarrèll kannte sie hier niemanden, wenn überhaupt nur sehr oberflächlich. Die ganze Zeit hatte sie sich selbst versprochen, das zu ändern, und jetzt schien es ihr endlich zu gelingen. Es fühlte sich schön an. Unheimlich schön.

„Ich danke dir für das, was du gesagt hast, du bist wirklich ... sehr nett. Und jetzt, da er weg ist, kannst du mir ja erzählen, wieso du nicht wolltest, dass einer von ihnen zu uns stößt.“

Sie bemühte sich, ihre Stimme so weich wie möglich klingen zu lassen, denn sie wollte nicht aufdringlich sein, und trotzdem unbedingt erfahren, weshalb sie ein Problem mit den jüngsten Rudelmitgliedern hatte. Weil sie sich nicht sicher war, ob ihre Worte auch wirklich nicht so gewirkt haben, fügte sie noch einmal hinzu:

„Natürlich will ich dich nicht zwingen darüber zu reden, wenn es etwas sehr Privates sein sollte, trotzdem solltest du wissen, dass du mir absolut vertrauen kannst. Das verspreche ich dir, und ich halte mich immer an Versprechen.“

Vielleicht sollte sie sich darüber nicht so den Kopf zerbrechen, immerhin bestand ja auch die Möglichkeit, dass es etwas relativ Belangloses war und sie sowieso ohne jegliche Bedenken darüber sprechen konnte. Nun, jetzt war es zu spät, sie würde es ohnehin bald mitbekommen und solange wartete sie auf den Beginn der Taufzeremonie, die Tyraleen angekündigt hatte. Sie fragte sich, warum nur drei Paten genannt wurden und wie das alles überhaupt ablief, da sie es selbst noch nie bewusst mitbekommen hatte. Das Wissen, dass sie es bald herausfinden konnte, beruhigte sie allerdings und so konnte sie trotz ihrer gespannten Erwartung wieder etwas entspannen.


[Rudelplatz - erst Avendal und Malik, dann nur Avendal]

Cirádan
06.08.2011, 15:18


Cirádan wusste natürlich nicht dass er beobachtet wurde. Dass Krolock ganz in der Nähe nur ein paar Herzschläge entfernt stand und ihn von hinten hätte angreifen können. Auch wenn er die Beute war.
Vielleicht war es ganz gut so, aber vielleicht ... Nein. Cirádan hätte so oder so die Jagdstunde vergessen. Das ernste Spiel welches sie mit Krolock spielten. Er hatte schon so lange dieses Gefühl nicht mehr gehabt. Dieses Gefühl von seiner Mutter beobachtet zu sein. Ewigkeiten schien es her zu sein, dass er ihre Wärme gespürt hatte.

Noch etwas verloren stand der Graue zwischen den Bäumen, als er plötzlich nicht weit von sich ein Knacken des Unterholzes vernahm - und gleich drauf auch Nihilus Stimme, die freudig gefunden rief.
Sofort sah er in die Richtung woher es kam und konnte zwei Felle erkennen, die ihm unglaublich bekannt vorkamen. Nihil und Krolock. Und beide waren so nah!
Ihm stockte kurz der Atem und er fragte sich ob Krolock die ganze Zeit schon in seiner Nähe gestanden war. Einen Herzschlang glaubte er sogar dass Krolock ihn ansah und Cirádan konnte in seinen Augen deutlich lesen dass er nichts von dem gespürt hatte, wie Cirádan eben.
Aber darüber sollte er sich nun keine Gedanken machen. Er musste Nihil helfen und Krolock festhalten. Also sprang er mit zwei Sätzen näher an die Beiden, doch zu späht ...

"Tut mir Leid ... ich war in Gedanken.", entschuldigte sich der Graue kurz angebunden und stupste gegen die Lefzen des Freundes aus dem Nichts, bevor er Krolock nachsetzte.
"Na komm, diesmal erwischen wir ihn schneller.", meinte er fröhlich und selbstbewusst.

Denn obwohl Cirádan sich nicht sicher war ob er sich das nicht doch alles eingebildet hatte, erfüllte die Nähe seiner Mutter ihn wieder mit einer Zuversicht die er lange vermisste hatte.
Ja, diesmal würden sie Krolock sicher stellen können. Und nach dieser Jagd ... ja, nach dieser Jagd würde Cirádan viel üben und Kleinwild jagen, das nahm er sich fest vor.
Und er würde im stillen die Großen mehr beobachten und nicht mehr vor der Jagd davon laufen ...



[Nihil und Krolock - Krolock jagend durch den Wald]

Malicia
06.08.2011, 17:44


Malicia wusste nicht genau was es war, aber Minyala schien etwas in sich zu haben, was Probleme magisch anzog. Vielleicht war es nur Einbildung, doch eher wahrscheinlich war, dass Minyala Problemfälle durch das Schicksal zugesandt bekam, denen sie sich widmen durfte. Ob es Segen oder Fluch war, konnte Malicia nicht sagen, aber wahrscheinlich war es ihre Möglichkeit zu zeigen, welch empathische, hilfsbereite und freundlich Fähe hinter ihrer Kulisse steckte. Denn, man darf es als offenes Geheimnis ansehen, sie wirkte oftmals ein wenig zynisch, zumindest in den Augen der Schwarzen. Doch Malicias "Sterbeszene" lies die Engaya-Seite in ihr wieder zum Vorschein treten. Wirkte Malicia tatsächlich so schwach und zerstört? Sie wusste, dass ihr Äußeres nicht voll jugendlicher Dynamik sprach, auch nicht von Lebensfreude oder Glück. Aber vom sterben war sie Tausende Sprünge entfernt. Leider? Wäre es nicht besser für die Fähe, endlich zu ihrer Mutter zu treten? Sterben verlangte solch lange Abschiedszeremonien, die Art von Rudeltreffen die Malicia so hasste. Würde es bei ihr ähnlich sein? Sicher nicht! Als sie gegangen war - oh, es waren kaum ein paar Monde her - hatte sich da jemand für die verschwunde Träumerin interessiert? Hatte man ihr Fehlen bemerkt? Wohl kaum.

Auf Minyalas Vorschlag hin, lies Mali ihren Hintern auf die Erde plumpsen und streckte sich einmal genüsslich. Entkrampfen tat so gut! Die junge Silberfähe hatte Recht - es ging ihr, zumindest physisch, um einiges besser. Der schwarze Hintergrundgedanke, den sie beim ersten Anblick der Welpen hatte, der Gedanke an Faith, deren Tod doch allein sie zu verschulden hatte, trat immer wieder kurz hervor, sodass sich ihre Miene kaum veränderte. Sie schaute immer noch ein wenig gequält, aber ihre Augen waren weniger leer und kalt als vorher. War dies nicht ein Schritt Richtung Licht? Eine Besserung? Minyala würde es mit ihrem Fachwissen sicher merken. Malicia merkte, wie Bewunderung in ihr aufstieg, als sie darüber nachdachte. Sie war nur wenige Jahre alt, wenn überhaupt, und redete und heilte wie eine alte Priesterin. Unglaublich. In ihrem Alter war sie längst nicht so weitsichtig und vorallem verständlich gewesen, soweit sie sich erinnerte. Tatsächlich hatte sie viel aus ihrer Vergangenheit verdrängt, oder es schien ihr nur so, das die schlechten Erinnerungen bleiben wollten, während die wenigen schönen Stunden in Vergessenheit geraten waren. Warum war das nur so? Hätte sie irgendwann einmal wieder Zeit allein nachzudenken, würde sie dieses Thema in Angriff nehmen.

Sie stoppte ihren erneuten Gedankenschwall, indem sie sich für einen kurzen Moment die Pfoten ableckte und ihre Sicht klärte. Minyala war ihr wirklich sympathisch geworden in dieser kurzen Zeit. In vielem schienen sie sich ähnlich zu sein, vorallem in ihrem schwarzen Humor. Wenn der bei Malicia noch augeprägt war.
Die schwarze Träumerin nickte bei den Worten Minyalas leicht mit dem Kopf und schloss leicht die Augen. Im Rudel der Sternenwinde gab es einige Wölfe, die genug Lebensfreude und Lieblichkeit besaßen, die Schwärze und Finsternis in Malicias Seele zu erhellen. Sie waren typische Engaya-Gläubige, und Mali fand es gut, dass es in diesem Rudel noch diese wichten Persönlichkeiten gab, die Fenris Macht ein Stück mit ihrem Glauben verdrängten und somit das Gleichgewicht erhielten.

Mali wusste nicht, was sie auf Minyalas Vorschlag antworten sollte, also fing sie an, das Thema ein wenig von ihrer Seite abzuwenden und irgendetwas anderes zu finden. Sie hatte es wirklich nicht nötig weiter darüber zu reden, ob sie als Melancholie im Wolfspelz von den Sonnen des Rudels verändert werden könne. Denn so nah standen die Beiden sich wirklich noch nicht, als dass es Thema wäre.

" Denkst du, dass es nun alles anders wird? "
Begann sie mit noch unsicherer Stimme. " Das das Tal nun weniger von all diesen mysteriösen Vorfällen befreit wird? Es wäre ein schönes Ziel - doch unwahrscheinlich. Vielleicht hat Fenris uns einfach zu fest in der Hand. Vielleicht wird das Tal nie wieder so wie früher... "

Sie blickte in die lilafarbenen Augen der Silbergrauen, wartend auf eine Antwort und dachte noch ein Weilchen darüber nach, wie sie die selbstgestellten Fragen beantworten würde. Wird das Tal je wieder so wie früher? Hoffentlich gibt es Veränderungen - endlich wieder einmal in Richtung Licht.


{Welpenhöhle || Minyala}

Shani Caiyé
06.08.2011, 21:16

Shanis Blick lag weiterhin aufmerksam und freundlich auf der kleinen Tinca und kaum wandte die Kleine ihre Aufmerksamkeit ihr zu, begann die Rute der Weißen hin und her zu pendeln. Auch wenn Tinca sehr ängstlich war, schien sie sich nicht vor ihrer Oma zu fürchten, was Shani insgeheim doch ein wenig erleichterte. Viel eher schien Tinca ausgerechnet sie für die ideale Fragenbeantworterin zu halten, sodass die Weiße etwas verblüfft und beinahe – aber nur beinahe! – überfordert dem Wortschwall der Kleinen lauschte. Das waren wirklich sehr viele Fragen, aber Shani wäre nicht Shani, würde sie sich nun nicht akribisch daran machen, jede Frage zu beantworten.

“Ja, ich habe auch eine Mama und einen Papa, aber die leben leider nicht hier. Dafür bin ich die Mama von deinem Papa, deshalb hat dein Papa natürlich eine Mama. Einen Papa hat er auch, aber der ist leider auch nicht hier, genauso wenig wie die Mama und der Papa von deiner Mama. Jeder Wolf hat eine Mama und einen Papa, denn sie werden von ihnen geboren. Aber nicht jeder Wolf ist eine Mama oder ein Papa, das wird man nämlich nur dann, wenn man Welpen bekommt. Deshalb bist du noch keine Mama. Wenn du wissen willst, ob ein Wolf eine Mama oder ein Papa ist, musst du ihn nur fragen, ob er Welpen das Leben geschenkt hat.“

Puh, das waren viele Fragen und viele Antworten. Leider rief, kaum hatte Shani ausgeredet, Tyraleen zur Zeremonie, was Tinca offensichtlich sehr verstörte. Bevor sie antwortete oder irgendwie reagierte, flüchtete sie sich zu ihrer Mutter und verschwand im weißen Fell – naja, vielleicht hatte sie sich ihre Antworten ja gemerkt. Im gleichen Moment kam schon Isaí angesprungen und wandte sich ebenfalls an sie. Und auch Malik hatte sie mittlerweile erreicht und erfreute sich an ihrem Pelz. Ziemlich überwältigt von den fröhlichen Reaktionen der Welpen, musste Shani ihrem Sohn zunächst ein vor Glück strahlendes Lächeln zuwerfen und fing dabei seinen ganz ähnlichen Blick auf. Für einen kurzen Moment sahen sich Mutter und Sohn an und ein warme Welle von Glück flutete Shanis Herz. Einen Herzschlag später antwortete Jakash seinen Welpen auf ihre Fragen und die Weiße strahlte nun wohl noch ein wenig mehr. Ihr Sohn war offensichtlich stolz darauf, dass sie seine Mutter war. Ein schöneres Geschenk konnte er ihr kaum machen. Wieder senkte sie die Schnauze zu den zwei Welpen und nickte lächelnd.

“Genau, ich bin eure Oma. Und deshalb bin ich auch eine Caiyé. So wie du Isaí. Und deshalb habe ich auch Fell wie du, Malik.“


[ Rudelplatz | direkt bei Sheena, Jakash, Tinca, Malik und Isaí ]

Tyraleen
06.08.2011, 21:58

Kaum hatte Tyraleen zur Zeremonie gerufen, brach ein Welpenwuseln los. Tinca schien von der Ankündigung wenig begeistert und floh in Sheenas Pelz, doch Malik und Isaí kamen brav zu ihren Eltern und wirkten nach wie vor neugierig und fröhlich. Taleesha war wohl ein wenig überfordert, sodass Tyraleen sie sanft mit der Schnauze zu ihren Eltern schob. Als erstes wäre Isaí an der Reihe, deshalb konnte ihre eigene Patentochter vorerst nicht bei ihr bleiben. Mit einem freundlichen Zwinkern machte sie der Kleinen jedoch klar, dass sie beide nach der Zeremonie noch genug Zeit für ganz viele Fragen und dem Erörtern von neuen Gefühlen haben würden. Madoc näherte sich ihr nun und brachte Aléya mit. Beide bedachte sie mit einem Lächeln und sah sich dann nach Kisha um, die als erstes an der Reihe sein würde. Als sich auch ihre Schwester näherte, zuckte die Rute der Weißen kurz begrüßend, dann beschloss sie, die Zeremonie zu beginnen.

“Es ist mir eine große Ehre, am heutigen Tage als Leitwölfin dieses Rudels und als Priesterin Engayas die Welpen Sheenas und Jakashs willkommen zu heißen. Das Leben, das sie uns geschenkt haben, will ich mit all meiner Kraft beschützen und ich hoffe, dass ihr mir und den glücklichen Eltern dabei helfen werdet. Es ist unser aller höchste Pflicht, Isaí, Taleesha, Malik und Tinca zu schützen, zu erziehen und ihnen zu helfen, in unserer Welt zu bestehen. Ihr Glück, soll unser Glück werden, ihr Leid, unser Leid. In unserem Glauben an Engaya und Fenris wollen wir ihnen den richtigen Weg zeigen und vertrauen darauf, dass auch unsere Göttin ihre schützende Pfote über sie hält. Denn mit ihrer Hilfe werden schon bald vier gesunde, kräftige Rudelwölfe in unseren Reihen leben und den Schutz, den wir ihnen geschenkt haben, an uns zurückgeben.
Lasst uns nun damit beginnen, jeden Welpen einzeln zu begrüßen und ihm seinen Namen und seinen Paten zu geben.“


Sie trat einen Schritt näher zu den beiden Eltern, sodass ihre Schulter beinahe die Sheenas berührte. Außerdem nickte sie Kisha zu, sodass ihre Schwester noch ein wenig näher kam und nun vor ihr stand. Auch zwinkerte sie Isaí zu, senkte ihren Fang zu ihm hinunter und bat ihn leise, zu Kisha und ihr zu kommen. Als der Kleine ihrer Aufforderung folgte, richtete sie sich wieder auf, ließ allerdings ihren Kopf etwas gesenkt, sodass Isaí verstand, dass sie noch immer auch mit ihm sprach.

“Die meisten Taten der Götter bleiben für uns unverständlich und viele ihrer Entscheidung können wir nicht nachvollziehen, doch dass Engaya diesen roten Sohn als erstes der vier Welpen Sheenas ins Leben schickte, ist mehr als verständlich. Ein mutiger, abenteuerlustiger großer Bruder und schlau noch dazu. Seine Eltern gaben ihm den Namen Isaíah Caiyé und mit Engayas Segen sollst du, kleiner Wolf, von nun an so genannt werden. Möge Engayas Liebe dich vor jeder Gefahr bewahren und ihr Schutz dich begleiten, von nun an und für alle Zeit. Möge ihr Licht dir stets den richtigen Weg leuchten und dich daran erinnern, dass du eine Familie hast, die dich liebt und trägt. Möge sie dich willkommen heißen im Leben und in diesem, unserem, Tal. Willkommen, Isaíah Caiyé“

Sie berührte den Kleinen an der Stirn und spürte die Wärme der Göttin in diesem Kontakt. Sie war hier und sie hüllte Isaí in ihre sicheren Flügel der Liebe. Mit einem Lächeln hob die Weiße nun den Blick und fixierte Kisha.

“Sheena und Jakash Caiyé bitten dich, Kisha, ihnen bei der Erziehung ihres Sohnes beizustehen. Willst du ihnen helfen ihn zu erziehen, ihm Geborgenheit spenden, ihn lieben und ihn beschützen und dein Leben für ihn geben, wenn es sein müsste? Willst du seine Patin werden?“

Froh, nun erst einmal jemand anderem das Wort übergeben zu haben, fuhr sie sich mit der Zunge über die Lefzen und sah ihre Schwester erwartungsvoll an, auch wenn sie die Antwort natürlich bereits kannte. Sollte Kisha ein Patengeschenk vorbereitet haben, wäre nun der richtige Moment, es hervorzuzaubern und darauf war Tyraleen doch ein wenig gespannt.


[ Rudelplatz | direkt bei Kisha und Isaí, daneben Sheena, Jakash, Shani, Madoc, Aléya, Tinca, Malik und Taleesha ]

Kisha
07.08.2011, 11:15

Lächelnd hatte Kisha beobachtet, wie Isaí sich ihrem Bruder vorstellte, und noch bevor einer von ihnen weiter reagieren konnte, hallte Tyraleens Ruf zu ihnen und Kisha wandte den Kopf herum, um in ihre Richtung zu blicken. Ihre Ohren zuckten leicht, als sie die Worte des Welpen, der bei ihr war vernahm. Nun würden sie also ihren Patenwelpen bekommen. Sie lächelte, als Isaí seinen Kopf leicht an sie drückte und dann davon lief, in Tyraleens Richtung. Einen Moment verharrte die Fähe, ehe sie mit einem leichten Nicken und einem Lächeln an Averic gewandt, ebenfalls in diese Richtung schritt. Und kaum hatte sie das Rudel erreicht, begann ihre weiße Schwester zu sprechen, und mit einem Mal wuchs auch die Vorfreude in Kishas Herzen. Es begann wild zu schlagen, und das Lächeln auf ihren Lefzen schien duch nichts gemindert werden zu können. Als Tyraleen ihr zunickte, trat sie zu ihrer Schwester. Als sie dann Isaí zu sich bat, machte Kishas Herz einen kleinen Hüpfer. Sie würde den Welpen als Patensohn bekommen, mit dem sie die letzten Minuten verbracht hatte. Ihr Blick neigte sich zu dem Roten, die Augen voller Wärme. Dann richtete sie ihren Blick aber wieder auf Tyraleen, die nun weitersprach. Still stand sie da, lauschte den Worten über Engayas Liebe, und blickte dabei immer wieder leicht aus den Augenwinkeln zu Isaí. Sie war gespannt, was er darüber denken würde, sie als Patin zu bekommen. Nun neigte ihre Schwester den Kopf zu Isaí, berührte ihn leicht an der Stirn. Dann hob die Weiße den Kopf, und nun war Kisha es selbst, an die das Wort gerichtet wurde. Ihre Ohren zuckten leicht, während sie mit aufmerksamen Blick ihre Schwester betrachtete. Während Tyraleens Worten wurden das Lächeln auf ihren Lefzen noch wärmer, zeugte von der Freude, die ihr Herz aufgeregt schlagen ließ. Als ihre Schwester geendet hatte, atmete die dunkle Wölfin tief durch, richtete den Blick mit einem Lächeln kurz zu Isaí herum, ehe sie sich nickend wieder Tyraleen zuwandte.

Es ist mir eine Ehre. Ich werde mein Mögliches tun, um ihm in seinem Leben beizustehen.“

Mit einem weiteren Blick in die Augen ihrer Schwester wandte sie den Kopf schließlich herum, neigte ihn leicht nach unten, um Isaí ebenfalls leicht mit der Schnauze zu berühren, und ihm kurz über die Schnauze zu schlecken.

Ich freue mich, dich als meinen Patensohn willkommen zu heißen. Du kannst immer zu mir kommen, ich werde dich nie abweisen. Ich werde alles geben, immer für dich da zu sein. Wir werden sicher viel Spaß zusammen haben, Isaí Caiyé.“

Sie lächelte dem kleinen Wolf sanft zu, holte dann noch einmal tief Luft, ehe sie weitersprach. Sie hatte so lange nachgedacht, was sie ihrem Patenwelpen schenken konnte. Und nun glaubte sie, dass ihr Geschenk passen würde. Isaí würde hoffentlich Spaß daran haben.

Ich schenke dir hiermit ein Versprechen. Noch bist du zu jung, und kennst nur diesen Ort hier. Aber dieses Revier birgt noch viele andere Orte, die es zu entdecken gibt. Mit der Zeit werde ich jeden Ort mit dir erkunden, werde dir mit meinem Wort zur Seite stehen.


[Beim Rudel – Direkt bei Tyralen & Isaí]

Isaí Caiyé
08.08.2011, 15:51

Ungeheure Begeisterung machte sich in dem kleinen Welpenkörper breit, als sein Vater ihm erklärte, dass die weiße seine Mama war und sie – so wie Jakash und er selbst – eine Caiyé war. Seine Augen begannen zu funkeln und ohne es zu merken drängte er sich gegen Malik, der ihm versuchte, seinen Platz streitig zu machen, um die Caiyé besser sehen zu können. Sein Papa hatte also auch eine Mama und die Mama seines Papas war seine Oma. Gott, war das alles kompliziert, doch im Moment war ihm das egal. Er bemühte sich nicht, die Worte zu speichern und etwas daraus zu lernen, seine Ohren zuckten nur noch aufgeregter, als sie selbst dem Ganzen zustimmte. Pff. Wen interessierte schon Fell? Isaí fand die Tatsache, dass sie eine von nun drei Caiyés war viel interessanter. Und als sein Vater es erwähnt hatte – doch. Er erinnerte sich an ihre Witterung, wobei er ihn nun wohl unter tausenden wiedererkennen würde. Eine Caiyé gehörte zu seiner Familie, auch, wenn sie nicht seine Mama sondern seines Papas Mama war. Er gehörte ja jetzt auch zu Kishas Familie. Mit einem erfreutem Quieken tat er kund, wie begeistert er davon war, doch zum Antworten kam er nicht. Da hatte Tyraleen nämlich bereits ihre Stimme erhoben und etwas sagte dem jungen Roten, dass es wichtig war. Er spürte, wie das aufgeregte Kribbeln in seinem Körper zunahm und die Ungeduld, endlich seinen eigenen Wolf zu bekommen, wuchs und wuchs. Nun würde es endlich losgehen! Er spürte es! Ein entschuldigender Blick, dass er sich nicht weiter mit seiner Oma beschäftigen konnte, galt der Weißen, ehe er unruhig hin und herrutschend Tyraleen beobachtete und versuchte, ihren Worten zu folgen.

Die plötzliche Stille überraschte ihn und verstärkte das Gefühl, dass nun wirklich etwas ganz wichtiges passieren würde, umso mehr. Kurz musterte er alle Gesichter, von denen ihm die meisten noch fremd waren, ehe seine pfützigen Seelenspiegel augenblicklich wieder auf der weißen Alphamama lagen. Sie hatte es gesagt, er hatte es genau gehört! Sie würden ihre Paten bekommen – ihren ganz eigenen Wolf. Er folgte Tyraleens Bewegung gespannt mit den Augen, funkelte dann seine Mama und seinen Papa neugierig an und stellte schließlich fest, dass auch (seine) Kisha den Weg nach vorne antrat. Verwundert darüber neigte er den Kopf, doch im nächsten Moment hüpfte er aufgeregt hinüber zu Tyraleen und Kisha, wie ihm geheißen. Einen Augenblick nur stockte er, als er bemerkte, dass die gesamten Blicke auf ihm lagen, hatte sich ehrfürchtig umgesehen und es schließlich zu genießen gelernt, alle Aufmerksamkeit zu bekommen und nichts mit seinen Geschwestern und Gebrüdern teilen zu müssen. Mit großen Augen sah er zu Tyraleen hoch, schenkte Kisha ein glückliches Lächeln und fragte sich immer noch still, wieso sie auch hier vorne war. Oder… hieß das etwa, dass er sie…?! Wieder unterdrückte er ein freudiges Quieken, während seine Ohren zuckten und seine Aufmerksamkeit von Kisha zurück zu Tyraleen wanderte, die nun wieder das Wort ergriffen hatte.

Sein glückliches Lächeln wuchs nur, als er die Weiße über ihn erzählen hörte und schwoll zu einem stolzen Grinsen an, welches er mit einem zögerlichen Blick über seine Schulter auch hin zu den anderen vielen Mamas und Papas brachte. Doch kurz darauf zuckten seine Ohren argwöhnisch nach hinten, als er seinen vollen, seinen richtigen Namen hörte, obwohl ihm die Abkürzung doch wesentlich lieber war. Dennoch hielt er sich nicht lange daran auf, schielte immer wieder hinüber zu Kisha, während seine Rute aufgeregt über den Boden pendelte. Ein knapper Blick galt auch seinen Geschwestern und Malik, dem er natürlich auch ein gutes Vorbild sein wollte, wie Tyraleen es eben erwähnt hatte. Doch rechtzeitig genug noch, um zu sehen, wie sich Tyraleen wieder näher zu ihm beugte, wandte er den Blick wieder nach vorne und spürte kurz darauf die sanfte Berührung. Verwundert aber, dass sie sich nicht ganz so anfühlte, wie er erwartet hatte, stoppte er in seiner Bewegung und starrte einen Moment durch alles durch, was sich in seinem Blickfeld befand. Eine unbekannte, angenehme Wärme breitete sich von diesem Punkt aus, an dem die Nase der Weißen ihn berührte und kurz darauf folgte eine Welle aus Sicherheit und Stolz, die sich durch seinen ganzen Körper bewegte. Noch immer mit den Gedanken bei dieser mystischen Berührung wandte er den Blick Tyraleen gleich Kisha zu und blickte sie mit großen Augen an. Sein kleiner Fang öffnete sich begeistert, während seine Seelenspiegel sie gespannt anfunkelten. Durch seine Begeisterung hatte er nicht mitbekommen, dass es lediglich eine Frage an sie gewesen war. Nein, er glaubte, dass dieser Entschluss besiegelt war – Kisha war nun seine Patin. Sein ganz eigener Wolf, der nur für ihn da war und den er mit niemandem teilen musste. Sein Wolf, der von nichts zu übertrumpfen war.

Er winselte kurz überglücklich, als sie sich zu ihm herunterbeugte, genoss ihre Berührung und versuchte sogleich wieder, seine eigene Nase gegen die der papafellfarbenen Mama zu drücken, wie er es auch vorhin getan hatte. Sein kleines Herz schlug aufgeregt, während Kisha ihm all das, was er sich von seinem eigenen Wolf wünschte, bestätigte. Er wusste nicht, was er sagen sollte, schwieg also und strahlte sowohl Kisha als auch Tyraleen an. Ein weiterer, glücklicher Blick, als könnte er es gar nicht fassen, galt Sheena. Und es sollte dennoch noch nicht alles gewesen sein. Er bekam etwas geschenkt und das ausgerechnet jetzt, wo sein Grinsen fast nicht mehr größer werden konnte. Sie würde ihm alle Orte hier zeigen, ihm so viel neues, spannendes und… spannendes! Er nickte außer sich vor Freude, ehe er an ihr hochsprang und versuchte, ihr freudig und dankbar zugleich mit seiner kleinen Zunge über die Lefzen zu lecken. Das konnte ja gar nicht mehr besser werden. Das Licht war was tolles. Was wunderbar tolles.


{ tyraleen und kisha ; nahe bei jakash, sheena, madoc, aléya, tinca, taleesha, malik und shani }

Nihilus
09.08.2011, 13:40

Der Stolz über die „gewonnene“ Jagd war so groß, dass sich dem Hellen schon im Flug auf Krolock zu ein strahlendes Lächeln auf die Züge legte. Sie hatten es geschafft! Ciradán, der verträumte Freund, und er, Nihilus, der ansonsten eher wenig Begeisterung an so einer Sache zeigte. Wahnsinnig toll! Nur leider schien der dunkle Bruder davon wenig begeistert zu sein. Kaum war Nihilus gelandet und stand noch mit der Hinterhand über dem schwarzen Leib, preschte dieser auch schon wieder los und riss dem Hellen die Tatzen vom Boden, so dass dieser ins Schleudern geriet. Völlig verwirrt blieb Nihilus für den Moment liegen, um sich zu besinnen. Wie… jetzt? War die Jagd doch noch nicht vorbei? Fragend sah er dem davon schwindenden Körper nach, als würde dieser etwas vollkommen unüberlegtes tun: dem war jedoch gar nicht so! Mit einem Mal wiederholten sich nämlich Krolocks Spielregeln in dem verwirrten Köpfchen des Rüden: sie sollten ihn „erlegen“, also festhalten und nicht mehr los lassen, um zu gewinnen. Und noch ein Mal: toll. Dafür hätte er doch nur zuschnappen müssen…! Die Ohren voller Protest und Selbstvorwürfen angewinkelt, rappelte sich der Nichtswolf auf, den grauen Körper Ciradáns auf sich zu stapfend sehen.

„Ach quatsch. Ich war ja auch nicht viel besser.“

Erwiderte Nihilus geknickt auf die gefallene Entschuldigung. Nein, er nahm es dem Grauen auf keinen Fall Übel. Von dem kleinem Spektakel und dem „Selbstgespräch“ hatte er schließlich überhaupt nichts mitbekommen; das nahende Erfolgserlebnis war so bändigend gewesen. Wie zur Vorbereitung schüttelte sich der Pelz ein Mal kräftig aus, bevor er auch sogleich die Verfolgung wieder auf nahm, nachdem Ciradán aufmunternde Worte gesprochen hatte. Sichtlich irritiert – ob es vom vorherigen Fall oder der Zuversicht des Grauen kam schien fraglich – warf er dem Gefährten einen Blick zu. Warum war der Kerl denn plötzlich so motiviert? Doch um die Frage auszusprechen sollte nicht genügend Zeit bleiben. Krolock war schon längst wieder außer Sichtweite geraten.

„Durch unser Geplapper hat Krolock schon wieder so viel Vorsprung!“

Die Zähne vor Frustration über den eigenen Fehlschlag zusammen gebissen, pressten sich die Worte nur so hervor. Einem erfahrenen Jäger wäre so etwas nicht passiert! Denn auch wenn es nur ein Spiel war das hier ablief, schien das „Versagen“ an dem Nichtswolf zu nagen. Unbewusst passte er sich dem Lauf seines Mitjägers an, während sie hinterher stürmten. Jetzt begann das Ganze also von vorne! Den Kopf geduckt beschleunigte er sein Tempo.

„Unsere letzte Taktik hat aber scheinbar etwas gebracht…“

Dachte Nihilus im Lauf laut nach. Na, dann sollten sie es wohl noch ein Mal damit versuchen. Einen nickenden Blick auf Ciradán wandte sich der Helle abermals etwas seitlich, um den Suchkreis vor ihnen zu vergrößern.


(Im Wald, Ciradán & Krolock)

Minyala
09.08.2011, 14:09

Ziemlich zufrieden betrachtete Minyala wie Malicia ihrem Vorschlag folgte, sich hinsetzte und die Muskeln etwas lockerte. Ihr Strecken wirkte beinahe ironisch zu ihrer vorherigen verkrampften Haltung, aber die Silberweiße nahm es als Fortschritt auf. Das Leben leichter und schöner machen, war so einfach, man brauchte nur die richtige Sicht auf die Dinge oder jemanden, der einem mitteilte, was das richtige war. Minya für ihren Teil hielt sich eigentlich für zu jung, um zu beurteilen, was richtig und falsch war, aber durch ihren Vater hatte sie eine Menge an Wissen und weitergegebene Erfahrung gesammelt und scheinbar konnte sie damit schon ganz passabel helfen. Ihr Vater wäre sicher stolz auf sie gewesen. Die aufkommende Melancholie wimmelte sie mit einem breiten Lächeln ab und betrachtete ihr Gegenüber aufmerksam. Als glücklich oder wirklich entspannt konnte man Malicia nicht gerade bezeichnen, aber insgesamt wirkte die Fähe ein wenig heller – was angesichts ihres schwarzen Fells ein wenig absurd klang, aber da Minyala nur mit sich selbst dachte, bemühte sie sich um keine genauere Definition. Viel eher atmete sie hörbar aus und schlackerte dann mit ihrem verbliebenen Ohr.

“Viel besser, nicht wahr? Caleb hat das auch immer geholfen.“

Apropos … in diesem Augenblick fiel Minyala auf, dass sie gar nicht wusste, wo sich der verrückte Werwolf eigentlich schon wieder herumtrieb. Auf den ersten Blick konnte sie ihn nicht entdecken. Vielleicht steckte er irgendwo in den Reihen der Zeremonieteilnehmer, allerdings war der Braune normalerweise niemand, der allzu engen Köperkontakt mit Wölfen suchte. Und ob er sich für Welpen interessierte … Minya hatte nicht den blassesten Schimmer. Menschen fanden Tierbabys immer wahnsinnig süß, aber Caleb war nicht unbedingt der typische Mensch, das hatte die Silberweiße schon mehrmals festgestellt. Immerhin war er ja auch ein Werwolf. Es könnte also sein, dass er irgendwo zwischen den anderen Wölfen saß und die Augen nicht von den kleinen Fellbällen abwenden konnte, genauso gut könnte er aber auch irgendwo im Wald sitzen und … irgendetwas tun. Minyalas Stirn krauste sich leicht, doch vorerst ließ sie sich von Malicias neu angefangenem – oder auch nur aufgewärmtem – Thema ablenken.

“Weißt du, ich hab viel zu wenig Ahnung von dieser ganzen Göttersache. Ich mag keine Götter. Wann immer sich Menschen Götter angeschafft haben, gab es nur Tod und Leid. Und hier sehe ich das nur bestätigt – immerhin ist dieser Ta … Te … egal, der Sohn von Tyraleen eben, deswegen nun tot. Ich glaube nicht daran, dass Welpen Temperaturen beeinflussen können und überhaupt, dass diese mysteriösen Vorfälle etwas mit Göttern zu tun haben. Zugegeben: Dieser Winter im Sommer ist seltsam, aber auch das soll’s manchmal geben. Wenn sich alle ein bisschen weniger auf ihren Glauben einbilden würden, kämen wir alle viel besser klar.“

Minyala vermutete schwer, dass Malicia nicht ihrer Meinung sein würde, aber eine solche Diskussion würde die Schwarze sicher vom Sterben oder ähnlichem ablenken. Momentan wirkte sie zwar nicht so, als wolle sie gleich wieder zusammenbrechen, aber bei ihr konnte man sich nie sicher sein. Sie machte einige seltsame Dinge, das hatte Minya schon mitbekommen.


[ etwas abseits des Rudels | Malicia ]

Avendal
13.08.2011, 18:07

Avendal sah den kleinen Malik noch nach als dieser mit euphorischen Sprüngen verschwand und wandte sich lächelnd an Majibáh die für eine Zeit wohl in ihren eignen Gedanken hängen zu schien, während diese ihm ebenfalls nach sah. Ihre Ohren zuckten als Majibáh sich für die Bezeichnung die Avendal ihr gegeben hatte bedankte, sie hatte die Helle nämlich eine Freundin genannt und so… empfand Avendal auch irgendwie. Ihre Ohren schwangen zurück bei den Worten denen lauschen durfte und sie wich mit ihrem Blick aus. Sollte sie es Majibáh wirklich erzählen was in ihr Vorging? Das sie eine Stimme hörte die sie zum Wahnsinn treibt. Das sie versuchte auf eine andere Seite zu holen? Avendal’s Augen richteten sich wieder auf die Weiße und sie senkte ihren Kopf so weit nach unten das ihre Schnauze den Boden berührte, wollte Luft zum Sprechen holen, lauschte aber was ihre Gesprächspartnerin hinzufügte. Okay, jetzt wusste sie irgendwoher, dass sie ihr vertrauen konnte. Auch wenn Avendal ein wenig unwohl dabei war, deswegen senkte sie ihre Stimme.

Ich… glaube ich höre Fenris…“,

tat die Jüngere kund und ihre Augen blitzten. Das war der Grund weshalb sie nichts mit den Welpen zu tun haben wollte, in ihren Augen war Fenris immer böse gewesen, doch seit der Aktion mit ihrer Mutter und ihrem Bruder wusste sie einfach nicht mehr was richtig oder falsch war.

Ich weiß nicht was ich tun soll. Seit meine Mutter meinen Bruder umgebracht hat, weiß ich nicht mehr wem ich glauben, an WAS ich glauben kann.

Der Körper erzitterte von Avendal und sie lauschte, als ihre Mutter die Zeremonie verkündete, doch sie wollte lieber noch auf Majibáh’s Urteil warten. Sie hatte schon versucht mit ihrem Vater darüber zu sprechen, auch Atalya hatte sie in Betracht gezogen, doch sie traute sich einfach nicht. Aber wieso dann bei Majibáh?


[Rudelplatz – Majibáh]

Lyerra
13.08.2011, 20:11

Lyerra lachte über die Ausdrucksweise ihres Freundes. Er hatte also seinen inneren Frieden wieder.. ?! Ein erfreutes Lächeln verzog ihr Lefzen, ein sanftes hin und her schwingen der Rute zeigte, wie wohl sie sich fühlte.

„Es freut mich das zu hören, Volk! Es ist schön zu wissen, dass es dir gut geht..“

Sie blickte ihn seine Augen, leicht verlegen. Warum sie es war wusste sie nicht, aber musste man immer alles wissen? Nein. Eher nicht. Oder doch? Der sanfte Druck von dem Gewicht ihres Freundes, der sich leicht gegen sie lehnte, gab ihr Sicherheit und das Gefühl von Geborgenheit. Sie entspannte sämtliche Muskeln, schloss die Augen für einige Sekunden. Ein seliger Ausdruck trat in ihr Gesicht, ihre Züge waren ruhig und entspannt.
Die Worte die der Rüde nicht an sie, sondern an Aszrem richtete kommentierte sie nicht, beachtete sie kaum, dann fand sie ihren gleichmäßigen Schritt wieder, lief weiter und sah dabei zu den Wölfen, die in ihren Sichtfeld aufgetaucht waren. Sie hörte die Schritte der beiden Rüden neben sich, lächelte leicht. Die weiße Fähe erkannte, dass Tyraleen das Rudel anscheinend schon zusammengerufen hatte und beschleunigte ihre Schritte allein aus diesem Grund.

"Sie haben schon mit der Zeremonie begonnen.. "

Stellte sie fest, dann blickte sie kurz zu ihren beiden Begleitern, lächelte ihnen zu, dann überbrückte sie die Distanz zwischen ihr und den versammelten Wölfen und ließ sich dort nahe den anderen nieder.
Interessiert lauschte sie den Worten der Leitwölfin und der Antwort der angesprochenen Fähe. Ein sanftes Lächeln umspielte ihr Lefzen, beinahe schien sie verzaubert zu sein. Der kleine Welpe um den es anscheinend ging winselte überglücklich, schien so zufrieden mit der Welt zu sein. Ein sanftes Flackern machte sich im Herzen der weißen Fähe breit. Sie freute sich für den Welpen, freute sich für die glücklichen Eltern, freute sich weil es eigentlich alle taten, soweit sie wusste.
Ihr Blick glitt über die Welpen, die bei ihren Eltern saßen, und allesamt etwas aufgeregt aber zufrieden wirkten. Oder täuschte sie sich da? Eher unwahrscheinlich. Kishas Worte hallten durch ihren Kopf, und erst nach einigen Augenblicken verstand sie, was die Fähe das gesagt und getan hatte. Sie hatte ihrem Patenwelpen ein Versprechen zum Geschenk gemacht, ein sehr schönes Versprechen. Lyerras Augen suchten die ihres Freundes, versuchten zu erkennen was er dachte. Hoffentlich würde er sich zu ihr gesellen und erst mal bei ihr bleiben!



* * am Rudelplatz bei allen anderen ~ Volk Zubami && Aszrem ?!

Malicia
14.08.2011, 16:35


Malicia schaute Minyala an. Sie war ausgesprochen klug für ihr Alter und wusste anscheinend auch schon einiges. Vielleicht hatte Caleb einen entscheidenden Teil dazu beigetragen, aber darüber zu entscheiden, was ihr eigener Verdienst und was das Werk anderer war, durfte Malicia nicht entscheiden. Wenn die Welt nur aus solchen Wölfen bestehen würde, wäre die Welt ein bisschen besser. Zumindest teilweise. Denn die zynische, ironische Art und Weise konnte, wenn man sie falsch verstand, auch teilweise ziemlich gemein und verächtlich gedeutet werden. Doch Malicia bewunderte die offene Meinung und die Ansichten der jungen Fähe in hohem Maße und es machte ihr ein bisschen Freude, ihr beim Reden zuzuhören. Sie hatte dieselbe poetische Art und Weise wie Jumaana. Auch wenn sie nicht ganz so verzweifelt schien. Aber das unterstützte den kleinen Anteil von Freude in der schwarzen Seele.

Der Hohn auf die Welpen und Götter konnte Mali einerseits nicht richtig mit ihrem Gewissen vereinbaren, schließlich war Malicia eine Bansheetochter, andererseits verstand sie Minya. Sie war zwar einst auch begeisterte Engayagläubige gewesen, aber nach dem Tod ihrer geliebten Eltern, der so ... tief in das Leben der Fähe eingeschnitten hatte, konnte sie nicht mehr an Engayas Stärke glauben. Auch nicht an Fenris. Denn auch er hätte etwas verändern können. Diese Götter schuldeten ihr etwas.

"Ta ..? Tascurio heißt er. Hieß er.." murmelte Malicia der Fähe entgegen. Sie denkt noch immer nach. Hatte diese ... Sache tatsächlich etwas mit den Göttern zu tun gehabt? Warum war sie nur fort gewesen!
"Mein Glaube ist auch nicht mehr so stark, wie er einmal war. Tyraleen ist fast besessen von diesen Göttern. Dabei bemerkt sie anscheinend nicht, was dies anrichten kann ..." Sie seufzt, senkt den Blick. "Viele Wölfe macht der Glaube aber auch unerschütterlich. Und das ist wohl das Entscheidende. Wären wir alle Ketzer, dann ... tja, wäre das Gleichgewicht gestört. Lass sie glauben... das wird wohl das Beste sein."

Der letzte Wintersommer war ein schwarzes Kapitel in der Geschichte dieses Rudels. Auch der Tod Tascurios. Auch der Tod Banshees und Acollons. Es gab so vieles, was die Vergangenheit der Sternenwinde schwärzte. Doch es gab auch gute Zeiten. Zeiten, in denen die Freiheit traumhaft und die Träume frei waren. Es waren wunderbare Zeiten ...



{Welpenhöhle || Minyala}

Tyraleen
14.08.2011, 17:38

Der kleine Isaí kam aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus. Tyraleen hatte ihn während ihrer Worte, bei ihrer Berührung und auch während Kishas Antworten immer wieder gemustert und sich still daran erfreut, dass sich der Rote offensichtlich pudelwohl und überglücklich fühlte. So sollte eine Zeremonie sein und vielleicht würde ja bei diesem Anblick auch die ängstliche Tinca sehen, dass es gar nicht schlimm war, nach vorne geholt und gesegnet zu werden. Außerdem war es doch das Größte, einen Paten geschenkt zu bekommen, zumindest war das Glücksgefühl, Face zu haben, eine der wenigen wunderschönen Erinnerungen aus Tyraleens eigener frühster Welpenzeit. Isaí schien es da ähnlich zu gehen, denn der Gesichtsausdruck, mit dem er Kisha ansah, übertraf jedes vorherige Strahlen. Doch auch ihre Schwester wirkte überglücklich und nahm das Angebot Tyraleens und der Eltern Isaís natürlich an. Ihr Geschenk an Isaí war zwar nicht von materieller Natur wie beispielsweise das der Weißen, aber dennoch eine schöne Idee. In diesem Moment fiel Tyraleen ein, dass ihr Stein aus Eis noch immer bei Chanuka lag. Unauffällig schielte sie zu ihrem Sohn und stellte erleichtert fest, dass er sich nicht von der Stelle bewegt hatte und so noch immer nahe bei ihr saß. Sie würde den Stein also gleich hervorzaubern können, wenn Taleesha an der Reihe war. Zunächst aber wandte sie sich noch einmal Kisha und Isaí zu, der Kleine war bereits zu seiner Patin gesprungen und zeigte ihr stürmisch seine Dankbarkeit, Freude, Liebe oder alles zusammen. Mit einem Lächeln ließ sie den Roten gewähren und beugte sich zu ihrer Schwester, um sie ebenfalls an der Stirn zu berühren.

“Dann bist du von nun an die Patin Isaíah Caiyés und mit deinem Leben seinem verpflichtet. Engaya möge euer beider Wege ebnen und segnen. Ihr dürft euch nun zurückziehen.“

Damit entließ sie ihre Schwester und den ältesten Sohn Sheenas und wandte sich Taleesha zu, die noch immer fast neben ihr saß. Sie senkte ihren Fang zu dem kleinen Ohr des Welpen und flüsterte die Aufforderung hinein, einen Schritt vorzutreten. Als die Schwarze zögernd gehorchte, lächelte Tyraleen ihr aufmunternd zu und hob den Kopf um fortzufahren.

“Als zweites brachte Sheena eine ganz besondere Wölfin zur Welt. Welpen mit Knickohren werden einmal starke und mutige Wölfe, so sagt man. Diese schwarze Welpin hat nicht nur ein wunderschönes Knickohr, sondern bewies schon in den ersten Minuten ihres Lebens am Licht, dass sie Mut, Tatendrang, Entdeckergeist und vor allem Mitgefühl besitzt. Ihre Eltern gaben ihr den Namen Taleesha und mit Engayas Segen sollst du, wunderschöne Wölfin, von nun an so genannt werden. Möge Engayas Liebe dich vor jeder Gefahr bewahren und ihr Schutz dich begleiten, von nun an und für alle Zeit. Möge ihr Licht dir stets den richtigen Weg leuchten und dich daran erinnern, dass du eine Familie hast, die dich liebt und trägt. Möge sie dich willkommen heißen im Leben und in diesem, unserem, Tal. Willkommen, Taleesha“

Auch Taleesha wurde mit einer sanften Berührung an der Stirn gesegnet. Auch sie wurde von Wärme umhüllt und würde von nun an von den Flügeln Engayas getragen werden. Mit einem Lächeln sah die Weiße nun zu Sheena und legte ganz leicht den Kopf schräg.

“Normalerweise würde ich nun den zukünftigen Paten Taleeshas zu mir rufen, aber Sheena und Jakash Caiyé bitten mich selbst, ihnen bei der Erziehung ihrer Tochter beizustehen. So muss ich nicht fragen, sondern kann nur bestätigen, dass ich euch, Sheena und Jakash, helfen will, Taleesha zu erziehen, ihr Geborgenheit zu spenden, sie zu lieben und zu beschützen und mein Leben für sie zu geben, wenn es sein müsste. Es ist mir eine Ehre, sie von euch anvertraut zu bekommen.“

Nun huschte der Blick der Weißen zu Taleesha.

“Wenn du denn möchtest, dass ich deine Patin werde?“


[ Rudelplatz | direkt bei Taleesha, Sheena und Jakash, daneben Kisha, Isaí, Shani, Madoc, Aléya, Tinca und Malik ]

Ahkuna Caiyé
14.08.2011, 20:44

Mit eleganten, gemächlichen Schritten tänzelte die Fähe über den Blätterbelegten Boden. Nun war es schon einige Tage her, seit sie hier hin zurück gekommen war und doch fühlte sie sich nach wie vor wie eine Fremde. Das Gefühl der Zugehörigkeit ließ sich ganz schön Zeit. Doch wem sollte sie es verübeln? Sie hatte ehrlich gesagt keinen Versuch gestartet sich mit irgendwem hier zu unterhalten oder anzufreunden. In den letzten Tagen lief bei ihr sowieso alles drunter und drüber. Zu viele Gedanken, zu viele Gefühle hatten die Fähe heimgesucht. Was dabei raus kam war einfach, sie war schlecht gelaunt und zickig. Deswegen war es für sie wahrscheinlich sowieso besser, dass sich niemand zu ihr rüber getraut hatte. Doch das Alleinsein hatte ihr auch gut getan, wie sie im Nachhinein merkte. Sie hatte Zeit. Zeit um die Geschehnisse noch einmal zu verarbeiten und alles nochmal zu ordnen. Auch wenn sie sich immer noch so miserabel fühlte, wie einige Tage zuvor, konnte sie einfach nicht in einer Ecke liegen bleiben, wo doch gerade die Zeremonie ihrer Neffen stattfand. Sie wusste nicht ob sie Willkommen war. Ob Jakash überhaupt wollte, dass sie anwesend war. Doch daran dachte sie nicht. Trotzdem blieben ihre Pfoten in den hintersten Reihen stehen. Sie reckte ihren weißen Kopf hoch, um einen Blick auf die Welpen zu erhaschen – doch vergebens. Stattdessen hörte sie Tyraleens Stimme. Vertraute Gerüche drangen an die Fähe. Von Shani und Jakash. Doch sehen konnte sie sie nicht. War vielleicht auch ganz gut so.
Ahkuna seufzte. Sie fühlte sich wie eine Fremde. Auch wenn sie es nicht war. In diesem Rudel wurde sie geboren. Dort vorne stand ihre Familie und trotzdem stand sie weit hinten und hatte noch nicht mal ihre Neffen gesehen. Als Tante sollte sie eigentlich ganz vorne stehen. Aber das letzte Gespräch mit Jakash hatte alles so kompliziert gemacht. Komplizierter als es schon war. Nun wusste die Fähe selber nicht, wie sie sich ihm gegenüber verhalten sollte. Ahkuna ließ ihren eisblauen Blick umher schweifen. Kurz lag ihr Blick auf jeden der anwesenden Wölfe. Sie sah in die gespannten, freudigen Gesichter. Auf das starke Schwanzwedeln und die aufgeregten Stimmen. Ein leichtes Lächeln zierte die Lefzen der jungen Fähe, bevor sie ihren Kopf wieder nach vorne drehte. Ohne zu achten zu wem sie sich begab, setze sie sich zwischen einige Wölfe.


[Rudelplatz | Momentan alleine]

Taleesha
14.08.2011, 21:11

Es dauerte lange, bis Taleesha glaubte, Tyraleens Worte zu verstehen. Sie waren einfach und verständlich gewählt worden, aber sie beinhalteten so viel Neues und Unbekanntes. Die Alphawölfin hatte erklärt, dass dieses seltsame Gefühl, das Taleesha bedrückt hatte, Traurigkeit gewesen war.

„Trau-rich-keit“,

murmelte die kleine Welpin nachdenklich vor sich hin und strengte sich gleichzeitig an, dieses fremde Wort nicht gleich wieder zu vergessen. Der Klang war ähnlich ungewohnt wie das damit verbundene Gefühl. Hätte Taleesha etwas helleres Fell gehabt, hätte man sicher die neu entstandenen Denkfalten auf ihrer Stirn beobachten und zählen können.
Die kleine Fähe war bei ihrer Familie stehen geblieben, wie es wohl auch im Sinne Tyraleens gewesen war. Doch reagiert hatte nur ihr Unterbewusstsein und die Fragen in ihrem Kopf schirmten sie noch vom besonderen Geschehen um sie herum ab.
Weder war ihr klar, dass ihre Geschwister sich unweit von ihr befanden und ihre Mutter erleichtert auflächelte, als sie sah, dass ihre Tochter wieder wohlbehalten zurückgekehrt war, noch ahnte sie auch nur im Geringsten, welch außergewöhnlicher und äußerst prägender Moment rasch nahte.

Nachdem Taleesha einige Zeit über die Traurigkeit und den seltsamen Klang dieses Wortes sinniert hatte, absolvierte sie nun eine Hundertachtzig-Grad-Wende und widmete sich vergnügt dem Begriff des Glückes. Was hatte Tyraleen gesagt? … Nur ein glückliches Leben ist wirklich schön … Das glaubte Taleesha sofort; denn, wenn man im Leben nur so ein seltsam trauriges Gefühl hatte, dann war es bestimmt nicht schön … es wäre bestimmt ganz schrecklich!
Was sie jedoch zuvor erfahren hatte, nämlich, dass man nie vergessen durfte, wie man es schaffte, glücklich zu sein, warf für sie einige Fragen auf: Konnte man denn wirklich etwas Bestimmtes tun und dann war man glücklich? Kam das Glück nicht einfach so?
Dass Glück-haben beeinflussbar war, ließ Taleeshas kleines Herz noch ein bisschen aufgeregter schlagen. Es stimmte! Sie hatte Atalya versucht zu trösten – hatte zwar nicht gewusst, wie, aber sie hatte es versucht – und danach war sie irgendwie glücklich gewesen. Oder? Ja, so musste es gewesen sein. Glück war was Tolles und sie wusste jetzt, wie …
…Ihr Glück, soll unser Glück werden, ihr Leid, unser Leid.
Erschrocken hob Taleesha ihren Kopf, der zuvor noch nachdenklich in Richtung ihrer Pfoten gezeigt hatte.
Das von Tyraleen gesprochene Wort „Glück“, hatte sie endlich aufhorchen lassen und ihr wurde schlagartig bewusst, dass sie etwas ganz Wichtiges verträumt hatte. Die Alphawölfin war ein paar Schritte weiter vor getreten und um sie herum befand sich fast das ganze Rudel – soweit Taleesha dies einschätzen konnte. Die Welpin saß völlig unwissend in diesem Kreis und wurde sich endlich der Anwesenheit ihrer Geschwister und Eltern bewusst. Sie schenkte ihrer Mutter einen kurzen liebevollen Blick und konzentrierte sich dann sofort wieder auf Tyraleens Worte. Sie saugte jedes einzelne in sich auf, als wolle sie so wieder gut machen, dass sie den Anfang verpasst hatte.
Als Tyraleen zuerst Taleeshas Bruder Isaí nach vorne bat, war jene froh, dass sie die Gelegenheit hatte, zuzuschauen, und nicht selbst in die Mitte kommen musste. Sie war plötzlich noch viel aufgeregter und wusste gar nicht, was passieren würde.
Doch es war nicht zu übersehen, wie Isaí die Aufmerksamkeit und den Segen genoss und Taleesha erkannte, welch Ehre es war, in dieses Rudel aufgenommen und von ihm beschützt zu werden. Sie beneidete ihren Bruder um seine Patin und um das Glück, das aus ihm sprach, wenn man ihn nur anblickte. Da war es wieder, das Glück …

Und im nächsten Moment hatte eben dieses in Form der Alphawölfin Taleesha ausgewählt. Sie wusste nicht, wie sie reagieren sollte, doch sie folgte Tyraleen, deren Worte ihr an diesem Tag schon oft gezeigt hatten, was richtig war. Aufgeregt lauschte Taleesha den Worten der Weißen und senkte beschämt den Kopf, als ihr Knickohr erwähnt wurde. Sie mochte es nicht, dass sie nicht genauso aussah wie ihre Geschwister, sondern dass sie diesen Makel hatte … dieses „falsche“ Ohr. Doch bei Tyraleen klang es irgendwie nicht so schlecht, es klang nach etwas Besonderem und es erfüllte Taleesha völlig unerwartet mit Stolz. Auch die folgenden Worte waren wie Balsam für das Selbstbewusstsein der Welpin. Mit einem dankbaren Strahlen in den Augen sah sie auf zu Tyraleen und genoss die Stille um sie herum. Sie brauchte nichts zu sagen, das spürte sie jetzt, sie sollte nur dieses Geschenk der Zuneigung annehmen und schätzen. Und wie sie es schätzte! Sofort hatten sich die wunderbaren Worte an einem Ort tief in ihrem Inneren verankert und würden von nun an bis in alle Zeit bewahrt werden.

Als Tyraleens Schnauze die schwarze Welpin berührte, wurde Taleesha von einer solchen Welle der Gefühlswärme erfasst, dass sie für einen kurzen Moment glaubte, dass ihr Körper dies nicht länger ertragen konnte. Sie schloss die Augen und fühlte, denn mehr existierte nicht. Keine Gedanken, keine Fragen, keine Wünsche, keine Hoffnungen und auch keine Traurigkeiten … nur Glück.

Nach wenigen Augenblicken endete die Berührung und diese unglaubliche Intensität war schlagartig vorbei. Taleesha blinzelte und hatte das Gefühl, von innen heraus zu strahlen. Sie war eine Sonne! Am liebsten hätte sie Isaí,Malik und Tinca gefragt, ob man sehen konnte, wie sie leuchtete. Freudig strahlte sie Tyraleen an und konnte im nächsten Moment kaum glauben, welche Ehre ihr zu Teil werden sollte:
Ihre zukünftige Patin, ihre Vertraute, ihre Freundin, ihre Hilfs-Wölfin, die immer da sein würde und der sie alles erzählen konnte, diese besondere Fähe würde Tyraleen sein! Völlig konsterniert brachte Taleesha nur ein zaghaftes Nicken zu Stande, nur einen vielsagenden Blick und ein leises Fiepen, dann trat sie einen Schritt nach vorne und grub ihre Schnauze in Tyraleens Fell.


[ Rudelplatz | direkt bei Tyraleen, in der Nähe von Sheena und Jakash, daneben Kisha, Isaí, Shani, Madoc, Aléya, Tinca und Malik ]

Lunar
16.08.2011, 17:27

Lunar konnte es nicht ganz glauben, allein schon als er die Namen der Eltern dieser Bälger vernahm, stellten sich in die Nackenhaare auf. Er war gezwungenermaßen mit ihnen verwandt. Wenn man das so sagen konnte. Ein verstimmtes Knurren trat über seine Lefzen und dieser gutturale Laut hätte jeden im Umkreis eine Gänsehaut verpasst. Nein, dieses Spektakel wollte er sich einfach nicht geben, also entfernte er sich von den armseligen Nachkommen von Tyraleen und ließ seine langen Beine und die großen Pfotenballen über den laubbedeckten Boden hinweg schweben. Seine stechend blauen Augen funkelten hinterlistig, während er hier und da einen Blick zur Seite warf in die Richtung in der er die Welpen und Tyraleen samt den Eltern dieser Bälger vermutete. Als ob es ihn interessierte wer die Paten seiner Verwandten wurden, als ob er sich einen Hell daraus machen würde was aus ihnen geschah! Kurz schweifte sein Gedanke zu Shani und irgendetwas in ihm deutete einen Hauch von Gefühl an den er schnell wieder wegwischen konnte als sein Blick auf Ahkuna Caiyé fiel. So ein Zufall aber auch! Seine Nichte saß nicht weit, vielleicht ein paar seiner Pfotenlängen von ihm entfernt und versuchte einen Blick auf die Welpen zu erhaschen. War heute wohl großes Familientreffen, hm? Seine Lefzen kräuselten sich, hoben sich und zogen sich zu einem spöttischen Grinsen zurück, dann steuerte er auf die Fähe, seine Nichte zu.

Jeder im Umkreis, sogar Ahkuna waren total von der Zeremonie in den Bann gezogen und der Wind wehte ihm in die Seite. Sehr gut, doch er würde seine Position ändern müssen, wenn er nicht wollte, dass sie ihn schon aus den Augenwinkeln sah. Also schwenkte Lunar ruckartig nach links, machte einen leichten Bogen und positionierte sich genau hinter seine Nichte. Ein kleines Familiengespräch konnte doch nicht schaden oder? Mit langen, aber doch langsamen Schritten kam er auf die Weiße zu, blieb dicht hinter ihr stehen und hob seine Schnauze in die höhe ihrer Ohren.

Ahkuna!“,

seine Stimme klang so weich wie Samt und doch so gefährlich schnurrend wie das einer angreifenden Raubkatze. Leider hatte Lunar noch nichts davon im Sinne, seiner Familie würde er kein Haar krümmen. Vermutlich steckte ja doch was Gutes in ihm. Der schwarze Hüne ließ sich auf die Hinterhand sinken und neigte seinen Kopf in die schräge, lächelte sie an.

Verschlägt es dich wieder hierher?

So wie ihn? Seine Zähne klackerten leicht aufeinander und er riss das Maul zu einem Gähnen auf als er die Worte von Tyraleen vernahm. Wie langweilig diese Zeremonie doch war, aber anscheinend duldeten sie ihn… noch.


[Rudelplatz | Ahkuna]

Ahkuna Caiyé
16.08.2011, 20:14

Ungewollt stellte sich ihr Nackenfell auf, als sein warmer Atem an ihr Ohr schlug und seine raue Stimme an sie drang. Augenblicklich versteifte sich die junge Fähe. Ihre Augen hatte sie schon allein aus Trotz weiterhin nach vorne gerichtet. Doch als sie merkte, wie die Nähe des Rüden verschwand, warf sie augenblicklich ihren Kopf über die Schulter.

„Lunar.“

Mit einem zuckersüßen Lächeln sah sie ihren Onkel an. Der schwarze Rüde hatte sich nicht verändert, wie sie auf die Schnelle feststellen konnte. Womöglich täuschte sie sich, aber eins war ihr klar. Er war immer noch so gruselig wie damals. Immer noch dieselbe Ausstrahlung, die ihr schon als Welpe eine Gänsehaut beschert hatte. Seine raue, einwickelnde Stimme machte das Gefühl auch nicht besser. Im Gegenteil. Jedoch ließ sie sich nicht weiter beirren. Es wär doch lachhaft, wenn sie vor ihrer eigenen Familie Angst hätte. Mit einem angelegten Ohr beobachtete sie, wie der schwarze Rüde sich neben sie setzte.

„Setz dich doch“,

meinte Ahkuna langgedehnt und beobachtete ihn weiterhin. Wollte er tatsächlich ein Gespräch mit ihr anfangen? Hörte sich jedenfalls so an. Ein wenig dankbar war sie ihm schon, wie sie geknirscht feststellen konnte. Schließlich würde sie hier in der ganzen Versammlung nun nicht mehr wie ein Außenseiter sitzen. Zur Bestätigung, drehte sie ihren Kopf umher und erkannte – egal wohin sie sah – dass kein Wolf alleine saß. Sie seufzte leise und ihr Blick huschte wieder zu dem Rüden. Vielleicht hatte sie es sich damals auch nur vorgestellt, dass er der böse, schwarze Wolf war?! Könnte auch sein, dass er ganz nett war. Bei seiner nächsten Frage, musste sie aber ihre Lippen kräuseln.

„Wie du siehst.“

Sonst würde sie schließlich nicht hier sein. Logisch. Bei seiner nächsten Geste, legte Ahkuna ihre Ohren seitlich an. Unverschämter Kerl! Doch laut sprach sie ihren Gedanken über sein Gähnen nicht aus. Konnte ja … schon mal passieren … Ihre eisblauen Augen schweiften nach vorne. Leise, viel zu leise, hörte sie nur ein quieken und fröhliches japsen. Welches bedauern, dass sie die Welpen nicht sehen konnte! Ohne den Kopf zu drehen, beobachtete sie ihren Onkel aus ihrem Augenwinkel.

„Hast du sie schon gesehen? Also die Welpen?“



[Lunar | Rudelplatz]

Lunar
19.08.2011, 18:24

Muskeln spannten sich unter dem Fell und Lunar wusste, dass sich seine Nichte versteifte. Oh man, war das nicht süß? Leicht schüttelte er den Kopf um seinen sarkastischen Gedanken zu vertreiben. Das Lächeln das auf den Lefzen der Fähe erschien ging an ihm vorbei wie die kalte Brise des Windes und er betrachtete sie aus kühlen Augen, obwohl sie seinen Namen ausgesprochen hatte. Seine Gesprächspartnerin legte die Ohren an und lud ihn darauf ein sich zu setzten, dies ließ sich der Rüde nicht zweimal sagen, trat neben die Fähe und ließ sich auf die Hinterhand sinken. Den Blick jedoch vorerst nach vorne gerichtet, als würde er den Worten von Tyraleen lauschen, doch es war ihm sowas von egal wenn die Welpen als Paten bekamen. Es interessierte ihn ja nicht mal das seine Verwandtschaft noch größer geworden war, denn das Widersehen mit Shani war nicht so verlaufen wie er es sich vorgestellt hatte und das machte Lunar übellaunig, extrem übellaunig.

Aus den Augenwinkeln heraus konnte er sehen, dass seine Nichte den Kopf hin und her wandte, aber auch das interessierte ihn wenig aus welchem Grund sie das tat. Das Seufzen das sie ausstieß ließ sein Ohr, das ihr am nächsten war, kurz zucken. Aber endlich gab sie ihm eine Antwort auf seine Frage. Moment mal… endlich? Wie so ziemlich alles war es ihm egal warum Ahkuna wieder hier war, er wandte seinen Blick zu ihr und sah sie spöttisch an.

Du scheinst so dumm wie ich zu sein.“,

damit beleidigte er zwar sich selbst, aber das traf ihn nur halb so schlimm wie wenn e von jemand anderem Kommen würde. Schließlich richtete er seinen Blick wieder zu den Wölfen vor ihm, die ihm deutlich die Sicht versperrten. Die Lefzen zuckten als wollte er ein Lächeln andeuten, sein Schweif peitschte genervt über den Boden und er deutete ein leichtes Nicken an.

Ja, einem davon. Wusste jedoch nicht das dieser Balg zu denen dort gehörte.“,

schnurrte seine tiefe, bedrohliche Stimme und er warf ihr einen abschätzenden Blick zu.


[Rudelplatz | Ahkuna]

Ahkuna Caiyé
21.08.2011, 15:39

Was? Ahkuna Caiyé glaubte sich verhört zu haben, doch anscheinend war dem nicht so. Sie hatte ihren Kopf ihm zugewandt und versuchte von seinem Gesicht irgendwas abzulesen. Irgendwas in seinen Augen zu sehen. Doch nichts. Vielleicht lag es einfach nur daran, dass sie nicht dieses Feingefühl für Wölfe besaß, auch hinter ihrer Fassade zu sehen. Auch hinter ihr lachendes Gesicht die verzweifelten Tränen zu erkennen. War sie etwa manchmal so … Egoistisch? Doch wie plötzlich der Gedanke ihr auch in den Sinn gekommen war, so schnell schüttelte sie ihn auch ab und konzentrierte sich wieder auf den Rüden.

„So dumm wie du?“

Sie zog an einer Seite ihre Lefze etwas hoch und sah ihren Onkel kritisch an. Was meinte er damit? Oder wollte er sie einfach nur beleidigen? Sie verdrehte unbemerkt ihre Augen und sah dann wieder nach vorne. Kurz glaubte sie das Gesicht ihrer Mutter gesehen zu haben. Es stimmte sie traurig und zweitgleich auch wütend. Noch nicht mal einen kleinen Blick konnte sie auf die Welpen werfen! Alle Wölfe hier, schienen sie schon gesehen zu haben. Auch Wölfe die nicht zur Familie gehörten. Doch andererseits, wer verbot es ihr weiter nach vorne zu gehen um einen besseren Platz für sich zu finden. Niemand – und doch war da etwas, was sie nicht gehen lassen wollte. Sie konnte das Gefühl nicht richtig einordnen, aber es war scheußlich. Lunars Stimme riss sie aus ihren Gedanken und für einen Moment sah sie ihn verdattert an, bis sie seine Worte richtig deuten konnte und sie ihn verständnislos ansah. Balg?

„Dir ist aber bewusst, dass es die Welpen von Jakash sind?!“

Natürlich musste ihm das klar sein. Doch sein Desinteresse war für die Fähe unverständlich. War seine Familie ihm tatsächlich so egal? Auch wenn Ahkuna im Moment einen Streit mit Jakash hatte, so war er immer noch ihr Bruder und er würde ihr auch nie egal werden.



[Lunar | Rudelplatz]

Chanuka
25.08.2011, 14:33

Chanukas Augen folgten Malik, der neuen Bekanntschaften entgegen eilte. Eine Welt voller Abenteuer schien auf ihn zu warten. Ganz anders, als er selbst es erlebt hatte. Womöglich war er aber einfach nicht die Art Welpe für solche Spiele gewesen und vielleicht wäre er auch dann so nachdenklich gewesen, wenn Tyraleen ihn nicht weggegeben hatte. Es war ohnehin einerlei, den die Zeit ließ sich nicht zurückdrehen. Er war kein unglücklicher Wolf geworden, auch wenn hin und wieder ein paar Sorgen durch sein ruhiges Gemüt flatterten.
Seine Augen fokussierten Liel, ohne dass er den Kopf bewegte, als er ihr Lachen hörte und sich fragte, was sie so amüsiert hatte. Sie verstummte wieder, während er versuchte, ihrem Blick zu folgen. Er fand keine Ursache, vermutete aber, die Szene bereits verpasst zu haben. Irritiert nahm er ihr Heulen zur Kenntnis und sah sie direkt an. Ihre Frage verwirrte ihn noch mehr, so dass er versuchte zu spüren, was sie gespürt hatte. Was konnte sie meinen?

„Was denn?“

Fragte er neugierig, das stumme Glück in ihrem Verhalten musternd. Er hoffte, er hatte nun nicht etwas sehr offensichtliches nicht wahrgenommen oder womöglich ihre Anspielung nicht völlig missverstanden. Im selben Augenblick begann die Zeremonie für die Welpen und Chanuka wandte sich zumindest mit einem Ohr dem zu, was seine Mutter verkündete. Sein Blick ruhte weiter auf Liel, um herauszufinden, was sie meinte.
Während dessen wurden die ersten Paten benannt. Kisha und Tyraleen. Er wusste gar nicht, wer sonst noch in Frage kam und hatte vor, sich überraschen zu lassen. Es musste eine große Ehre sein, die Verantwortung für ein kleines Wesen zu bekommen. Unverständlich, wie leichtfertig seine Patin damit umgegangen war.


[Zeremonie | in der Nähe Tyraleens und Co, direkt bei Liel]

Krolock
25.08.2011, 15:00

Langsam, mit dem Laufen, verloren sich Krolocks Gedanken wieder und die Wut verebbte. Es spielte bald keine Rolle mehr, welche Dummheiten sein Bruder begangen hatte. Die wilde Jagd ging weiter und der Schwarze mit den blauen Augen hatte nicht vor, den Beiden etwas zu schenken. Lernerfolg hin oder her, im Grunde wollte er nicht, dass sie ihn schnappten. Dennoch beherrschte er sich soweit, dass er nur rannte, bis seine Sehnen und Muskeln ein bisschen schmerzten. Sonst hätten die zwei Trottel schließlich gar keine Chance.
Ohne es bemerkt zu haben, war Krolock an den Waldrand geraten, so dass er vier Wolfslängen später auf offenem Feld stand. Der Fluss trennte ihn vom Tannenwald, auf den e nun direkt zusteuerte. Ein paar Steine waren unter de Wasseroberfläche erkennbar. Im wilden Lauf rannte er weiter, setzte zum Sprung an und landete im reißenden Strom. Seine Krallen kratzten über den Felsen, so dass er gelegentlich Halt fand. Halb schwimmend, halb laufend, bewegte e sich fort, während das kalte Wasser an seinem Körper zerrte.
Es kostete ihn einiges an Kraft, auf die andere Seite zu gelangen und er sah ein, dass e sich eine blöde Stelle ausgesucht hatte, um das fließende Gewässer zu überqueren. Dennoch hatte es Spaß gemacht. Triumphierend sah er zur anderen Seite, abwartend, was die beiden Verfolger machen würden. Also schüttelte er sich erstmal gemächlich, ehe das Schauspiel richtig begann.


[Fernab der Zeremonie, am Fluss zwischen Misch- und Tannenwald | gefolgt von Nihil und Ciradan]

Lunar
26.08.2011, 20:06

Lunar wandte seinen Kopf zu Ahkuna damit diese ihm in seine Augen und sein Gesicht sehen konnte. Das er sich selbst beleidigt hatte störte Lunar wenig, das prasselte einfach an ihm ab, jedoch sollte es niemand wagen ihn selbst als dumm zu bezeichnen denn sonst würde er ihn eines besseren belehren. Er zog seine Lefzen spöttisch zurück, versuchte sie etwa aus seinem Gesicht… seinen Augen irgendeine Regung an Gefühlen heraus zu filtern? Das würde ihr nicht gelingen. Lunar besaß Gefühle nicht und selbst wenn waren sie so tief verborgen das sie nicht an die Oberfläche gleiten konnten. Er verbannte sein Herz so wie man ihn verbannt hatte. Wie sie die Frage wiederholte ließ den schwarzen Hünen mit seiner sanften aber stetig drohenden Stimme lachen. Es war zu goldig wie dumm manche Wölfe waren, das sie hier her zurück kamen und er selbst schien schon gefallen daran zu finden, das er sogar dachte es habe sich gelohnt zurück zu kommen.
Der Wolf nickte langsam bei der Frage und sah sie mit einem intensiven Blick an, dabei glänzten seine saphirblauen Augen. Musste er ihr wirklich erklären warum sie so dumm wie er war? Tja, dann würde er das mal tun, so gütig wie er doch war!

Natürlich! Du kommst zu unserer intriganten Familie zurück? Du kannst nur dumm sein Ahkuna, wirklich! Denkst du ernsthaft sie freuen sich darüber dich wieder unter sich zu wissen?

Er genoss die seelischen Qualen die er anderen zufügen konnte, doch das brachte er nicht an die Oberfläche seiner Seelenspiegel oder seines Gesichtes, ganz im Gegenteil, er sah Ahkuna sogar mitfühlend an und berührte ihre Schulter väterlich mit seiner Schnauze.

Seit du hier bist… Haben sie dich schon mal angesprochen? Dich eines Blickes gewürdigt oder sind Rute wedelnd auf dich zugegangen? Ich denke nicht, Ahkuna. Sie verachten dich, genau wie jeden anderen der das Rudel verlassen hat. Aber keine Sorge, ich bin bei dir… ich bin dein Onkel!

Die Tatsache wie er es darauf ansprach das sie verwandt sind, klang so als würde Lunar sich wirklich um seine Verwandtschaft sorgen, das er Angst hatte das Ahkuna darunter zu leiden hatte wie schlecht die Familie sie beide behandelte. Dabei würde die Weiße nicht durchblicken können das er die Jüngere nur gegen sieaufhetzen wollte. Jetzt lag es an ihrer Reaktion wie sie darauf reagieren würde.
Das er die Welpen oder zumindest einen davon als Balg angesprochen hatte, schien sie zu schockieren was Lunar innerlich nur noch breiter und höhnischer Lächeln ließ, falls das überhaupt gegangen wäre.

Natürlich ist mir das Bewusst. Aber denkst du sie würden mich oder… dich… in die Nähe eins dieser Welpen lassen? Ich glaube kaum und da ich einem begegnet bin war purer Zufall. Aber Tyraleen hatte sich mit diesem… Ding… schnell wieder verkrochen.“,

Lunar schnaufte und richtete sich in einer geraden, Dominaten Position auf als wäre er hier der Alpha und nicht die weiße Mörderin. Ohja, sofern man den Gerüchten glauben konnte hatte Tyraleen eines ihrer Welpen umgebracht. Ob Ahkuna bereits davon wusste?

Dabei wundert es mich das Jakash seine Welpen einer Mörderin anvertraut die eines ihrer eigenen Bälger auf dem Gewissen hat.“,

sprach Lunar im Plauderton weiter. Jetzt war er wirklich gespannt auf Reaktion.


[Rudelplatz | Ahkuna]

Atalya
26.08.2011, 21:36

Schnell wandte die Graue den Blick von Lunar ab, richtete ihn wieder auf ihre Mutter. Auch Tyraleen hatte den Blick gesenkt, und Atalyas Ohren neigten sich leicht zurück. Abwartend blickten die hellen Augen die weiße Wölfin an, ein wenig unsicher, wie sie sich nun verhalten sollte. Die kleine Welpin schwieg, erzählte nicht die Geschichte, die sie trösten sollte. Und so war Atalya froh darüber, dass sich ihre Mutter nun zu ihrem Ohr neigte, immer wieder mit der Zunge über die frische Wunde fuhr. Eine angenehme Wärme legte sich nun auf die Stelle, die eben noch vor Schmerz gepocht hatte. Dieses Gefühl beruhigte ihren ganzen Körper, als würde die Wärme sie ausfüllen. Und auch der Schmerz verschwand, als wäre sie etwas geschehen. Die ganze Zeit über lag Atalya ruhig da, hielt still und betrachtete die weiße Wölfin aus den Augenwinkeln. Sie konnte kaum einschätzen, wie viel Zeit vergangen war, als Tyraleen wieder den Kopf hob, und ihr, sowieso Turién in die Augen blickte. Atalya nuschelte ein leises „Danke“ in die Richtung ihrer Mutter, bemühte sich um ein leichtes Lächeln. Als sie dann die Worte an ihren Bruder und sie selbst richtete, versuchte die Graue in ihrem Blick zu lesen. Irgendein Gefühl, aber es schien ihr unmöglich. Sie wollte etwas sagen, etwas erwidern. Aber sie blieb still, beobachtete nur die Reaktion ihrer Mutter auf Lunar. Es dauerte nur wenige Momente, ehe Tyraleen die kleine Welpin zum Gehen bewegte, und prompt verschwanden die beiden wieder in Richtung Rudelplatz. Die Zeremonie... für einen Moment hatte die Graue vergessen, welche Pflicht ihre Mutter noch zu erfüllen hatte. Die Worte der schwarzen Welpin hatte Atalya nur mit einem sachten Lächeln und einem Nicken beantwortet.
Lunar beachtete die beiden nicht weiter, verschwand selbst, als einige Zeit später der Ruf ihrer Mutter über den Rudelplatz hallte. Nun würde die Zeremonie beginnen und die Welpen würden ihre Paten bekommen, so wie selbst vor einem Jahr. Atalya stand einige Moment noch ruhig da, konnte sich nun wieder auf die Umwelt konzentrieren, anstatt nur auf den Schmerz, der in ihrem Ohr festsaß. Ihr Blick glitt kurz über das Rudel, ehe er an ihrem silbernen Bruder hängen blieb.

Lass uns zu ihnen gehen, ich würde mir die Zeremonie gern ansehen.“

Sie trat auf ihren Bruder zu, berührte ihn kurz mit der Nase an der Wange. Ein Zeichen der Versöhnung. Dann nickte sie in die Richtung des Rudelplatzes. Turién verstand und folgte ihr. Den Weg zum Rudel über schwiegen die beiden Wölfe, hatten jedoch schnell den Ort des Geschehend erreicht und ließen sich in angemessener Nähe auf die Hinterläufe sinken. Atalyas Blick suchte noch einmal den ihres Bruders, ehe er sich auf ihre Mutter wandte, die nun den zweiten Welpen zu sich holte. Kisha stand nah bei einem der Welpen, sie hatte also den kleinen Roten als Patensohn bekommen. Kurz mit einem Ohr schnippend atmete die graue Wölfin ein, widmete ihre Aufmerksamkeit dann ganz dem Geschehen um ihre Mutter herum.


[Rudelplatz - Direkt bei Turién]

Cirádan
27.08.2011, 13:56


Nicht besser? Cirádan lächelte, denn Nihilus war besser. Er ließ sich nicht ablenken, so wie der Halbblinde und versank nicht in Gefühlen der Vergangenheit. Und er hatte Krolock gestellt, es hatte nicht mehr viel gefehlt und Nihil hätte Krolock "erlegt" gehabt. Doch er sagte NIchts dazu. Er war froh dass Nihil meinte, ihn träfe keine Schuld und das wollte er nicht zerstören. Er wollte nicht sagen, dass er so nah an Krolock gewesen war und ihn trotzdem übersehen hatte.

Ja, diesmal würden sie es sicherlich schaffen. Sie liefen beide vorwärts und konnten Krolock schon in der Ferne durch die Bäume erkennen.
Nach einem weiteren Spurt landete sie auf einer Wiese, den reißenden Fluss vor sich und Cirádans Zuversicht wurde Größer. Hier konnten sie Krolock stellen. Hier auf der Wiese, denn Nihil kam von der einen Seite und er selbst von dieser und Krolock war in der Mitte, hinter ihm bzw. vor ihm der Fluss. Würde er umdrehen, konnten sie ihn leicht erwischen.

Doch Krolock wurde nicht langsamer. Wurde er gar ein wenig schneller? Sah er den Fluss denn nicht?
Verwirrt lief Cirádan weiter, schielt zur Seite um Nihil zu sehen und dann sah er wieder nach vorn auf den schwarzen Pelz der sich so hervorragend abhob aus dem wenigen Schnee der noch übrig war.

Als Krolock dann in die Fluten sprang, stockte Cirádan der Atem und er wäre beinahe gestolpert und hätte sich im Lauf überschlagen, was nicht gut wäre hätte er da eine ernsthafte Verletzung davon getragen.

"Krolock NEIN!", rief er noch, doch da ging dieser auch in den Fluten unter.
Nach paar weiteren Wolfslängen war Cirádan näher am Ufer, wurde langsam und blieb schließlich ganz stehen.
Suchte mit klopfendem Herzen und besorgtem Gesichtsausdruck die schäumende Flut ab. Er wollte gar nicht daran denken, was passieren könnte. Das seinem Bruder was passieren könnte. Egal wie sehr sein Bruder ihn hasst, so sehr war die Gegenliebe Cirádans, genauso wie auch seine Angst vor dem schwarzen Bruder.

Leicht panisch trabbte der Hellgraue am Ufer entlang, bis er auf der andere Seite endlich das schwarze Fell wieder erkennen konnte. Völlig durchnässt hievte sich Krolock ans Ufer und stand dann triumphierend auf. Er lebte und war so selbstgefällig wie eh und je. Aber er lebte!

Erleichtert besann sich nun Cirádan sich zu Nihil umzudrehen. In seiner aufkeimenden Panik hatte er den Nichtswolf fast vergessen.
Sobald er ihn sah, hob er die Schnauze zum Himmel und stieß einen melodischen, hohen Ton von sich. Seinem Bruder war nichts passiert und das war wunderbar. Er dankt ihrer Mutter und war sich sicher dass Kaede auf Krolock aufgepasst hatte.

Doch nun gab es ein anderes Problem. War die Jagd nun vorbei oder konnten sie tatsächlich auf die andere Seite kommen? Cirádan glaubte nicht, dass er so viel Muskelkraft wie Krolock hatte um durch die Stromschnellen zu schwimmen.
Ein fragender Blick galt Nihil.

"Was jetzt? Irgendwelche Ideen?" Unsicherheit klang durch seine Stimme durch und das zittern verriet, dass das Adrenalin ihn gerade verließ.



[Nihil und Krolock - Krolock jagend - fernab der Zeremonie]

Face Taihéiyo
27.08.2011, 14:11

Face Taihéiyos Ohren zuckten leicht, als Caylee mutmaßte, dass die Welpen Grund für sein Fernbleiben waren. Natürlich war dem nicht so, die Sache war um einiges komplexer und deshalb wollte sich der Tiefschwarze auch gar nicht erst die Mühe machen, sich zu erklären. Sie würde es nicht verstehen, zumal er sowieso nicht besonders gut im Reden und Erklären war.

Ich wäre nicht der Pate deiner Mutter, wenn es so wäre.“,

antwortete Face also nur und lauschte dann ihrer Erklärung, warum sie so weit fort vom Rudel war. Sie war auf der Suche nach diesem gestromten, grauen Wolf, der bereits bei seiner Ankunft so viel Ärger gemacht hatte. Ihm fiel auf, dass er Tiberius länger nicht gesehen hatte, jetzt, wo Caylee ihm erzählte, ihn zu suchen. Face konnte sich vorstellen, dass wenige das Verschwinden des Störenfrieds bedauern würden und auch die Tochter seines Patenkindes gab vor, sich nicht großartig um Tiberius zu scheren, allerdings stand sie hier vor ihm, so nah an der Reviergrenze, dass er das irgendwie nicht glauben konnte. Die Weiße klang auch nicht sonderlich überzeugend. Aber Face war kein Wolf, der darauf anspielen würde.

Vielleicht hat er entschieden, dass es besser ist das Rudel wieder zu verlassen. Es scheint zumindest nicht abwegig, wenn man bedenkt, wie er hier angekommen ist.“

Eigentlich erschien es sogar ziemlich logisch. Abgesehen davon kamen und gingen so viele Wölfe, dass es der Tiefschwarze manchmal schon gar nicht mehr mitbekam.
Face Taihéiyo erhob sich. Es war besser, wenn sie jetzt beide zurückkehrten. Er würde Caylee nicht einfach hier lassen können, das verbot ihm sein Gewissen. Vorher kam die Weiße aber auf den „Stein“ zu sprechen. Natürlich, niemandem hätte seine Erklärung „nur ein Stein“ genügt. Trotzdem war ihm nicht so wohl dabei, noch mehr erklären zu müssen.

Er hängt an einem Band um meinen Hals, deshalb ist er da. Ich habe ihn vor sehr vielen Jahren von einem Menschenkind geschenkt bekommen.“

Ruhig trat er ein paar Schritte auf Caylee zu.

Gehen wir zurück.“



[ Nahe der Reviergrenze | Caylee ]

Averic
27.08.2011, 16:22

Averic blieb stehen, wo er war. Er sah keine Notwendigkeit darin, noch etwas auf Jakashs Worte zu erwidern und der Dunkle hatte es selbst eilig, zurück zu seiner Familie zu gehen. Er würde ihn nicht aufhalten und sah ihm nur kurz nach. Dann wandte er den Blick von der Welpenhöhle ab und ließ ihn erneut prüfend umherschweifen. Es dauerte nicht lange, da trat etwas in sein Blickfeld, was er unmöglich übersehen konnte. Die einzige Farbe, die er sehen konnte brannte sich in seine Augen, als Averic ein kleines Grüppchen bestehend aus Atalya, Turién, Tyraleen und einer Welpin erspähte. Seine Muskeln spannten sich an, während sich sein Nackenfell für einen kurzen Augenblick leicht anhob. Da war Blut. Warum war da Blut? Der Pechschwarze spürte, wie sich sein Herzschlag etwas beschleunigte und er wollte die aufkommende Erinnerung wegscheuchen, wie eine lästige Fliege. Averic wollte sich gerade aus seiner Starre lösen und nachsehen, was passiert war, als sich ein weiterer Wolf zu der Gruppe gesellte. Der Blick des Pechschwarzen verfinsterte sich. Lunar. Nun erst recht wachsam, bohrte sich sein dunkler Blick in den Rüden. Er war ein Wolf, der es Averics Meinung nach nicht verdient hatte, wieder im Rudel aufgenommen zu werden, jemand, dem man nicht vertrauen und deshalb verjagen sollte. Dummerweise hatte seine Mutter dem Schwarzen damals gestattet zu bleiben und nur deshalb richtete man sich immer noch danach. Aber sollte sich Lunar nur einen Fehltritt erlauben ...
Eine Stimme drang direkt neben ihm an seine Ohren, dennoch wandte Averic den Kopf nicht um. Er erkannte Kisha und ihren Worten zufolge hatte sie wohl ein Anhängsel im Schlepptau, noch aber war es dem Pechschwarzen wichtiger, Lunar bei seinen Kindern im Auge zu behalten, denn Tyraleen hatte sich bereits wieder von der Gruppe abgewandt. Averics Ohr zuckte nur, als von unten eine Welpenstimme ertönte. Das hatte ihm gerade noch gefehlt.
Erst, als Tyraleen die Zeremonie eröffnete, wandte er den Blick ab und sah zu dem Welpen hinunter. Der verabschiedete sich auch augenblicklich, ließ aber die Drohung zurück, noch mit ihm spielen zu wollen. Und er stellte sich dabei wohl eine größere Gruppe vor. Darauf war Averic sicher nicht scharf. Aber er sagte nichts, bedachte nur Kisha kurz noch mit einem kühlen Blick. Dann waren beide auch schon weg. Einmal noch wandte der Pechschwarze den Kopf zu Lunar, Atalya und Turién und zu Lunars eigenem Glück verzog sich dieser nun. Die Zeremonie begann und damit verbunden viel Geschwafel. Für seinen Geschmack viel zu viel unnötig geschwollenes Geschwafel. Aber so ging es jedes Mal, es war eben eine Engaya-Sache. Damit hatte er absolut nichts am Hut. Auch die Notwendigkeit von Paten empfand er jedes Mal wieder als fragwürdig, schließlich hatte die Hälfte der Welpen meist nach ein paar Wochen schon keinen Paten mehr.
Obwohl er mit all dem Geschwafel nichts anfangen konnte, blieb er sitzen und sah zu. Normalerweise hätte Averic sich wohl etwas abseits niedergelassen, die Versammlung von dort aus bewacht und gewartet. Doch irgend ein Gefühl sagte ihm, dass besser bleiben sollte. Einmal, weil es als ranghoher Wolf wohl als Pflicht ansehen musste, auf der anderen Seite war es die erste Zeremonie, die Tyraleen abhielt. All die Jahre zuvor war es immer seine Mutter gewesen, die die Welpen im Rudel willkommen geheißen hatte. Ihn selbst, seine Schwester, ihre Welpen. Nun war es ihre Aufgabe. Der Pechschwarze sah zu, blendete die Worte aus, weil sie für ihn keine Bedeutung hatten, kam aber nicht umhin zu betrachten, wie sie sich bewegte und wie sie wirkte.
Sie erinnerte ihn in diesem Moment so sehr an Banshee.


[ Rudelplatz | mittendrin, niemand direkt ]

Chardim
27.08.2011, 16:46

Tinca war nach einem weiteren Wortschwall davon und zurück zu ihren Eltern gewuselt. Chardím nahm es ihr nicht übel, er erinnerte sich daran, wie aufgeregt er damals gewesen war, als sie die Rudelhöhle verlassen hatten. Er und seine Geschwister waren sogar noch weitaus stürmischer gewesen, waren wie wild herumgerannt, hatten gebalgt und die neugewonnene Freiheit in vollen Zügen genossen. Allerdings war damals auch Frühling gewesen, warme Temperaturen und kein Schnee, der die Welpen noch halb verschluckte. Es war schon ziemlich anders. Und es waren nur vier Welpen, nicht Zwölf. Du meine Güte, wenn er sich vorstellte, dass hier nun zwölf Welpen herumwuseln würden ...
Allerdings meinte er zu glauben, dass Tinca weniger Wert auf Erkundungstouren legte, als sie damals. Irgendetwas war mit Sheena, sie sah seltsamer Weise nicht so glücklich aus und das schien auch die kleine Welpin zu beunruhigen. Chardím zog es aber vor an Ort und Stelle liegen zu bleiben und sich nicht auch noch einzumischen. Jakash war inzwischen bei ihrer Truppe angekommen und kümmerte sich um seine Gefährtin. Der Schwarzweiße ließ den Kopf auf die Pfoten sinken und wartete ab. Er war gespannt, welcher Welpe ihm wohl zugeteilt werden würde. Falls es einer der Rüden war, sollte er lieber schon mal Kraft tanken, sie schienen ein ganz anderes Kaliber zu sein, als die kleine Tinca.
Schließlich kam seine Mutter zu ihnen und die Zeremonie begann. Aufmerksam lauschte Chardím der Rede seiner Mutter, auch wenn er schon nach kurzer Zeit leichte Überforderung verspürte. Das waren wirklich viele Worte. Ob Banshee damals auch so viel über sie geredet hatte? Zuerst bekam seine Tante Kisha ein Patenkind, einen der Rüden. Dann hieß seine Mutter ihr eigenes Patenkind willkommen. Die schwarze Welpin mit den Knickohren. Zwei waren noch übrig, darunter auch die kleine Tinca. Chardím hob den Kopf und positionierte sich wieder etwas aufrechter. Kurz schielte er seitlich hinter sich, wo sein Patengeschenk war. Kishas Geschenk an ihr Patenkind war nicht materiell gewesen. So einfach hätte er sich es natürlich auch machen können. Er fragte sich schon, was die Welpen wohl mit so einem Stock anfangen konnten, außer ihn zu zerkauen. Naja, solange es ihnen gefiel, wollte er sich nicht weiter den Kopf zerbrechen.


[ Rudelplatz | Jakash, Sheena, Tinca, Tyraleen und Co. ]

Tyraleen
27.08.2011, 17:23

((Noch einmal nach Averics Post editiert.))

Taleesha schien nicht direkt überfordert und doch passierte so viel um sie herum, dass sie nur zu wenig mehr, als einem breiten Lächeln und ihrem großen, neugierigen Blick fähig war. Doch aus jeder ihrer Bewegungen, jedem Blinzeln und jedem Zucken ihrer Rute ging hervor, wie sehr sie sich freute und wie glücklich sie war. Das alleine hätte Tyraleen schon als Antwort auf ihre ohnehin eher rhetorische Frage genügt, doch nach dem kurzen Moment des Begreifens, brachte ihre kleine Patenwelpin noch ein Nicken zustande und kam dann einen Schritt näher, um sich in das Fell der Weißen zu kuscheln. Lächelnd fuhr Tyraleen mit der Zunge über den dunklen Pelz, musste sich dann aber von Taleesha lösen, denn immerhin musste sie der Kleinen noch ihr Patengeschenk überreichen. Zwei Schritte zur Seite reichten, um neben Chanuka zu stehen, ihm ein kurzes Lächeln zuzuwerfen und den Stein aus Eis zwischen seinem Fell hervorzuholen. Schon war sie an ihren Platz neben Sheena und bei Taleesha zurückgekehrt und legte den Bergkristall vor ihr ab. Er sah aus, als wäre er Eis, das sie soeben aus dem See gebrochen hatte. Doch er war in ihrem Maul nicht geschmolzen und auch jetzt perlte kein einziger Tropfen von ihm. Er hatte keine scharfen Kanten und obwohl Tyraleen schon mehrmals versucht hatte, ihn durchzubrechen, war es ihr nicht gelungen. Ob es ein Stein oder doch unschmelzbares Eis war, konnte sie nicht sagen.

„Das ist mein Geschenk an dich – Eis, das niemals schmilzt. Es soll für die Bindung zwischen uns stehen, die niemals verloren gehen wird.“

Taleesha nahm ihr Patengeschenk so vorsichtig an, als könne dieses Kleinod jeden Moment zerbrechen. Stolz und Dank lagen in ihrem Blick, als sie Tyraleen antwortete.

„Vielen Dank, Patenwölfin. Ich werde darauf aufpassen und nie vergessen, wie wertvoll dieser Eisstein ist.“

Mit dem Bewusstsein, eine untrennbare Verbindung zu Tyraleen geschlossen zu haben, blickte Taleesha auf den transparenten Stein und bewunderte den wunderschönen Glanz, der in ihm lag.


Mit einem Lächeln betrachtete Tyraleen die Reaktion ihrer Patenwelpin und freute sich darüber, dass die Kleine das Besondere an diesem Stein zu erkennen schien. Später, wenn die Zeremonie vorbei war, konnten sie sich gemeinsam überlegen, wo sie das Eis aufbewahren sollten. Nun musste sie sich leider um die zwei verbliebenen Geschwister der Kleinen kümmern und schloss auch Taleeshas Teil der Zeremonie ab.

“Dann bin ich von nun an die Patin Taleeshas und mit meinem Leben ihrem verpflichtet. Engaya möge unser beider Wege ebnen und segnen. Du darfst dich nun zurückziehen.“

Gehorsam trat Taleesha zu ihren Eltern, den Eisstein im Mäulchen, links und rechts hervorblitzend und kurz bedachte Tyraleen die Kleine voller Stolz, als wäre sie die Mutter und nicht Sheena. Dann wandte sie sich gedanklich Malik zu, entdeckte den Weißen bei seiner Oma und wurde doch von etwas anderem abgelenkt. Als sie den Blick kurz hob erkannte sie Averic in der Menge, als wäre er von einem imaginären Sonnenstrahl erhellt. Er sah sie direkt an, wirkte, als hätte er schon die ganze Zeit seinen Blick nicht von ihr genommen. Für einen kurzen Augenblick sahen sie sich beide direkt in die Augen und auch wenn Tyraleen nicht viel darin lesen konnte, so war es doch schlicht schön, ihn dort sitzen zu sehen. Vielleicht, weil er auf seine nicht erkennbare, seltsame Art glücklich wirkte. Mit einem bitteren Geschmack auf die Zunge wandte sie den Blick wieder ab.

“Ich bitte nun Malik und Madoc zu mir.“

Beide Wölfe kamen ihre Aufforderung vorfreudig schnell nach und wieder einmal betrachtete Tyraleen das neugierig glückliche Gesicht eines Welpen, der nun in die Gemeinschaft aufgenommen werden würde.

“Als drittes schenkte Engaya Sheena einen ganz besonders aufmerksamen Sohn. Gewitzt, neugierig und ohne Scheu steht er seinem Bruder in nichts nach und ist dabei noch ein besonders hübscher Welpe. An seinem wunderschönen, rein weißen Fell kann man ihn sofort erkennen. Seine Eltern gaben ihm den Namen Malik Hikaji und mit Engayas Segen sollst du, hübscher Wolf, von nun an so genannt werden. Möge Engayas Liebe dich vor jeder Gefahr bewahren und ihr Schutz dich begleiten, von nun an und für alle Zeit. Möge ihr Licht dir stets den richtigen Weg leuchten und dich daran erinnern, dass du eine Familie hast, die dich liebt und trägt. Möge sie dich willkommen heißen im Leben und in diesem, unserem, Tal. Willkommen, Malik Hikaji“

Zum dritten Mal an diesem Tag senkte sie ihre Schnauze zu einer kleinen Welpenstirn und berührte diese sanft. Segnende Wärme breitete sich in ihr und über Malik aus und Tyraleen genoss den Gedanken, einem kleinen Welpen einen mächtigen Schutz schenken zu können. Dann hob sie den Kopf und richtete ihren Blick auf Madoc.

“Sheena und Jakash Caiyé bitten dich, Madoc, ihnen bei der Erziehung ihres Sohnes beizustehen. Willst du ihnen helfen ihn zu erziehen, ihm Geborgenheit spenden, ihn lieben und ihn beschützen und dein Leben für ihn geben, wenn es sein müsste? Willst du sein Pate werden?“


[ Rudelplatz | direkt Madoc und Malik, daneben Sheena, Jakash, Taleesha, Tinca, Shani und so weiter ]

Malik Hikaji
27.08.2011, 17:58

Voller Aufregung war Malik Tyraleens Aufforderung gefolgt, damit er nichts von der Zeremonie verpasste. Seine Welpenneugier wurde von von der ehrwürdig festlichen Stimmung, die auf dem Rudelplatz seit der Ansprache herrschte im Zaum gehalten und er wagte es nicht, auch nur einen Mucks zu sagen. Gekommen waren noch zwei weitere Wölfe, eine Mama und ein Papa. Der Papa war ganz malikfellfarben, fast sogar noch heller, während die Mama eher papafellfarben war. Wenn Malik sich richtig erinnerte, war das die Mama, mit der Isaí vorhin gespielt hatte. Ob das jetzt auch Isaís Mamawolf wurde? Vielleicht hatte sich sein Bruder das ja doch aussuchen dürfen. Wehmütig suchten seine Augen nach Avendal, die er irgendwo weiter hinten auch erblickte. Aber Tyraleen hatte sie nicht aufgerufen. Vielleicht hätte Malik zuvor noch schnell zu ihr gehen sollen, um ihr seinen Wunschwolf mitzuteilen. Bestimmt war Isaí schneller gewesen.

Seine Sorge wurde vermeintlich bestätigt, als Tyraleen die Zeremonie begann und Isaí seine Patin zugeteilt wurde. Tatsächlich war es die papafellfarbene Mama, die Tyraleen Kisha nannte. Wie unfair! Fast wäre der kleine Welpe aufgesprungen, um sich darüber zu beschweren und Isaís Mogelei zu offenbaren. Aber er wagte es nicht, die Zeremonie mit seiner Stimme zu unterbrechen, denn bisher war Tyraleen die Einzige, die sprach. Erst dann redete auch diese fiese Kisha, die sich von Isaí hatte beeinflussen lassen. Und sie schenkte ihm sogar ein Abenteuer, das ewig halten sollte. Maliks Augen wurden vor Entsetzen immer größer. Wut und Eifersucht zerrten und zogen an seinem kleinen Herzen. Doch er würde schweigen und sich später an Isaí rächen, indem er ihm das Ohr abkaute oder sowas. Oder er verpetzte ihn an Tyraleen. Aber ob sie deswegen die Zeremonie rückgängig machen würde? Bestimmt eher nicht. Empört hob und senkte sich sein Brustkorb etwas schneller als sonst und er schnaufte ganz leise. Jetzt blieb ja nur noch der weiße Papawolf für den nächsten übrig. Er setzte gerade dazu an, sich mit dessen Aussehen anzufreunden, als er seine Augen bemerkte. Die waren ja … die waren ja knallisaífarben! So richtig richtig knallig isaífarben. Staunend starrte er den Weißen an, konnte gar nicht fassen, dass der die Farbe seines Bruders in den Augen hatte. Andere hätten sich vielleicht davor gegruselt, doch da Malik noch nicht wusste, welche Farben in den Augen als „normal“ galten, konnte es ihn nicht ängstigen. Doch als besonders erschien ihm das schon. Nun wartete er darauf, dass Tyraleen ihn aufrief. Doch – nichts da – war zuerst Taleesha dran.

Immer mürrischer verfolgte er, wie Tyraleen über sie erzählte und sie in höchsten Tönen lobte. Jetzt würde sie garantiert den isaiaugenfarbenen Papawolf bekommen und für ihn und Tinca blieb nix mehr übrig. Das war doch alles Mist hier. Erst als Tyraleen verkündete, dass sie von den Eltern ausgewählt worden war, Taleesha zur Seite zu stehen, hob Malik den Blick wieder, diesmal ungläubig. Hatte er vielleicht doch Glück? Wer war denn noch da? Seine mama, sein Papa, dann lag da in der Nähe dieser papafellfarbene Papawolf mit den malikfarbenen Strichen im Gesicht und Liel und Chanuka waren auch noch da. Da gabs ja doch mehr Auswahl als erwartet. Jeden von ihnen schaute er sich geschäftsmäßig an, denn hübsch fand er sie alle irgendwie. Doch ehe er sich entscheiden konnte, welchen Wolf er gern haben wollte, rief Tyraleen ihn zu sich. Dabei überhörte er den Namen seines Patenwolfes und registrierte es erst, als sich der isaíaugenfarbene Augenpapawolf ebenfalls bewegte. Maliks Mäulchen klappte kurz vor Staunen auf über sein Glück, dann jedoch riss er sich zusammen und lauschte Tyraleen.

Was sie sagte, ließ ihn förmlich wachsen. Schon allein, dass er Isaí in nichts nachstand, war mehr als befriedigend zu wissen. Als sie dann jedoch auch noch erwähnte, dass er es war, der wunderschönes Fell hatte – sie bezeichnete es als „rein weiß“, ein Begriff, den er sich sofort merkte – war es um ihn geschehen. Seine Augen funkelten voller Stolz und Glück. Wer Engaya war, wusste er ja schon aus den Geschichten seiner Mama, doch am wichtigsten war für ihn Tyraleens Beschreibung seiner selbst. Die Berührung sandte ihm schließlich ein warmes Kribbeln durch den gesamten Körper und ließ ihn verzückt die Augen schließen. Jetzt war er ein Teil dieser Familie und dieses sogenannten Tals und überhaupt war er jetzt vollständig. Und er sollte seinen Patenwolf bekommen. Als Tyraleen zu diesem sprach, öffnete Malik die Augen und musterte ihn voller Freude und Neugier. Ihn anzusprechen wagte er jedoch noch nicht, denn es war immer noch alles so festlich.


{ Rudelplatz :: bei Tyraleen und Madoc :: der Rest daneben }

Nihilus
27.08.2011, 22:03

Der letzte Blick den er auf Cirádans Mimik warf hellte das aufgeheizte Gemüt Nihilus’ auf. Der graue Freund nahm es ihm also nicht übel, die Beute mal eben so laufen gelassen zu haben, oder versuchte dieser nur die schlechte Stimmung zu überbrücken? Nein, das konnte der Nichtswolf sich nicht vorstellen, dafür war sein Mitstreiter zu ehrlich! Daher lief er einfach weiter in dem Versuch die letzten Bilder aus dem Kopf zu vertreiben: wäre er einen einzigen Schritt vorher abgesprungen und direkt auf dem schwarzen Körper Krolocks gelandet, hätte er diesen vielleicht im letzten Moment noch zwischen die Kiefer bekommen, auch wenn ihn dieser Gedanke ziemlich zuwider war. Selbstverständlich gehörte es zu einer Jagd dazu die Beute Laufunfähig zu machen, sie zu erlegen, doch das bedeutete doch nicht in ihrem kleinem Spiel, dass sie Krolock die Läufe unter dem Körper weg ziehen mussten, oder? Kopfschüttelnd legten sich die kleinen Lauscher flach an den Hinterkopf, die Tatzen so schnell es ging auf den Grund aufsetzend, um den Vorsprung ihres Ziels zu Nichte zu machen. Wenn sie grade nicht so viel geplappert hätten…! Aber das ganze wenn und aber half nichts, überhaupt nichts. Jetzt kam es genau wie am Anfang nur noch auf ihre Schnelligkeit und ihr Geschick an: laufen, laufen, laufen und zum Schluss einfach zupacken! So wenig es ihm auch gefiel, aber er wollte dem Bruder beweisen, dass auch sie – Cirádan und Nihilus – fähig waren alleine zu überleben, ohne Rudel, die mangelnde Gesellschaft mal außen vor gelassen. Laut schnaubend versuchte der Helle die mangelnde Ausdauer zu untergraben: die Jagd zehrte schon jetzt an seinen Kräften, doch soweit er sich nicht irrte, würde der Wald sich in die Richtung in die sie liefen bald lichten und einer Graslandschaft weichen, dann könnten sie sich wenigstens zusätzlich noch auf ihre Augen verlassen, als nur ständig dem ernüchternden Geruch der Beute zu folgen!
Und tatsächlich: das Licht am Ende des Waldes wurde immer heller, bis der weiße Leib sich mit einem Satz aus dem Grün zog und auf dem weichen Gras landete. Dahinten war er! Krolock! Und so wie sich das trommelnde Geräusch parallel zu ihm anhörte, waren Cirádan und er gleich auf. Ja! Das konnte nur klappen. Wenn sie sich beide geschickt anstellten und dem Schwarzen einfach den Rückweg versperrten – er wäre sicher nicht so leichtsinnig sich in die Fluten zu stürzen – dann wäre die Jagd schnell vorbei und sie hätten gewonnen und ihr Können bewiesen. Besser gesagt: sie hätten mal ein größeres Erfolgserlebnis durch stritten. Die Lefzen zu einer siegessicheren Linie verzogen, bemerkte er nicht Krolocks Vorhaben einfach quer Feld ein weiter zu preschen und nahm zuerst nur den Ausruf des Freundes wahr: "Krolock NEIN!" Erschrocken wandte Nihilus den Kopf zur Seite, um den Grund für den Aufschrei heraus zu finden, bevor die Worte Bedeutung bekamen und der Blick entsetzt wieder nach vorne flog: grade rechtzeitig um den schwarzen Pelz untergehen zu sehen. Was…?! Das konnte doch nicht sein ernst sein! Dieser… dieser… dieser Wolf setzt doch echt sein Leben leichtsinnig aufs Spiel nur um einen Kick zu bekommen! Schmerzhaft spürte der Helle einen Stich in seiner Brust, als der schwarze Pelz wieder auftauchte, der ihn daran erinnerte, dass Krolock nicht nur sein eigenes Leben aufs Spiel setzt! Zumindest glaubte er fest an dieses kleine Manko. Den Fang zusammengepresst, knurrte er schwer verständlich und leise.

„Dieser verdammte Depp!“

Bevor er die Geschwindigkeit verlangsamte um nicht eben so ungehalten auf das Wasser zu zustürmen. Als er ankam und den Wolf auf der anderen Seite ans Ufer kämpfend sah, stieß er einen beinahe drohenden Laut aus, die grauen Augen zu Schlitzen verengt. Er wollte eigentlich nicht durch das bedrohliche Element „schwimmen“, sah sich dazu auch kaum in der Lage, aber noch weniger lockte der Gedanke das Spiel wegen solch einer Feigheit – oder war es mehr der Überlebensinstinkt, der ihn davon abhielt zu folgen? – zu verlieren! Er warf dem hibbeligen Grauen einen Blick zu, der weniger freundlich war, als er eigentlich beabsichtigt hatte, doch die Wut nun wahrscheinlich doch an seine Grenzen zu kommen und aufgeben zu müssen, zerrte an dem vor wenigen Minuten erwachten Siegeswillen. Schnaubend begann auch er das Ufer im nahe Bereich abzulaufen, bis er meinte das schmalste Stück Fluss in einiger Entfernung aus machen zu können. Sollte das Wasser sich noch keinen allzu tiefen Weg durch die Erde gegraben haben, könnten sie es vielleicht eben so wie Krolock schaffen es zu überqueren. Auffordernd nickte Nihilus in Richtung flussaufwärts.

„Vielleicht ist der Fluss dort hinten schmaler und nicht ganz so tief wie hier.“

Die Ohren schnippend um den Worten den Frust zu nehmen – Cirádan konnte schließlich am wenigsten etwas dafür – setzten sich die kurzen Läufe sofort wieder in Bewegung am Ufer entlang, die vorherige Geschwindigkeit bald wieder erreichend. Ja! So lange ihn seine eigenen Augen nicht täuschten, müsste es dort vorne eine Überquerung selbst für sie beide machbar sein. Auch wenn es immer noch viel zu leichtsinnig war.

„Wir müssen es zumindest versuchen! Zur Not sind wir immer noch zu dritt um uns gegenseitig zu helfen und bei zu stehen. Ich will nicht aufgeben, nicht jetzt, wo wir es ein Mal beinahe geschafft haben und nun so nahe an unserem Ziel sind!“

So selbstbewusst Nihilus auch klingen wollte, so sehr schwang die Unsicherheit in seinen Worten mit. Nur wegen einem kleinen Spiel wollte er keine Gefahren eingehen, aber zum Deppen machen wollte er sich auch nicht. Ohne auf eine Antwort Cirádans abzuwarten, der vielleicht noch Einsprüche oder bessere Ideen besaß, trabte er ein Stück vom Wasser weg, den Körper angespannt, als ginge es um mehr als nur eine kleine Jagd unter Freunden – in gewisser Weise wollte er sich schließlich beweisen – bevor er eine Runde drehte und auf den Fluss zupreschte. Der Schwarze war genau so alt wie die beiden Jungwölfe auf dieser Seite, trug sogar das selbe Blut wie der Graue in sich, also mussten sie es einfach auch schaffen! Den Kopf gesenkt versuchte er seine Läufe anzufeuern schneller aufzusetzen, bevor er zum Sprung ansetzte und hoffentlich den meisten Weg des Wassers einfach so hinter sich ließ. Hoffentlich… Tja, falsch. Nach dem Aufprall ins kühle Nass, das schneidend wie im Herbst an seinem Pelz riss, war nur so viel zu erkennen: es war immer noch ein Stück bis zum anderen Ufer und das müsste er jetzt wohl alleine schaffen. Zu seinem grauen Mitstreiter umdrehen ging zu seinem Bedauern nicht mehr. Daher strampelte er ungehalten mit den Läufen um sich über Wasser zu halten, bis er ab und an unter seinen Tatzen etwas zu spüren bekam an dem er sich abstoßen konnte. Flach genug um stehen zu können war das Wasser trotz seiner brillianten Berechnungen nämlich nicht. Schnaubend kämpfte er sich vorwärts, ohne selbst einschätzen zu können ob er nun schneller grade aus weiter kam, oder vom Wasser stärker zur Seite mitgenommen wurde.


(Fernab der Zeremonie, am Fluss zwischen Misch- und Tannenwald - Cirádan & Krolock)

Kisha
28.08.2011, 12:08

Aufmerksam betrachtete die schwarze Fähe den kleinen Welpen, der über das ganze Gesicht strahlte. Er schien einfach nur glücklich zu sein, so im Mittelpunkt zu stehen und „seinen eigenen Wolf“ bekommen zu haben. Sie, als Patin. Er winselte freudig, und jede Bewegung, jede Mimik des kleinen Wolfes ließ nur darauf schließen, dass er überglücklich mit jeder Entscheidung war, die getroffen wurde. Sein Lächeln war ansteckend, und so konnte Kisha es nur erwidern, die hellen Augen auf dem rötlichen Welpen ruhen lassend. Es schien dem jungen Wolf sogar die Sprache verschlagen zu haben, außer freudigen Tönen verließ kein Ton seinen Fang. Und die Reaktion auf ihr Geschenk war auch leicht zu deuten. Als der Rüde an Kisha hochsprang, neigte sie leicht den Kopf zu ihm, berührte ihn sachte mit der Nase, so wie er es zuvor getan hatte. Als Tyraleen sich an sie wandte, hob die Schwarze den Kopf, spielte leicht mit den Ohren im Wind und schloß die Augen, als ihre Schwester sie an der Stirn berührte. Für den Moment genoß die dunkle Wölfin die Wärme, die von dieser Berührung ausging, und öffnete die Augen erst wieder, als die Berührung Tyraleens nachließ. Auf die Worte der Weißen hin lächelte Kisha, nickte ihr dankend zu und wandte sich dann wieder an Isaí. Mit einem kurzen Nicken bedeutete sie ihn in eine Richtung, setzte sich dann selbst in Bewegung. In einem kleinen Abstand zu seinen Eltern und Tyraleen blieb die Fähe stehen, sodass sie auch den Rest der Zeremonie betrachten konnten. Als nächstes war Taleesha an der Reihe, die Tyraleen als Patin bekam. Mit aufgestellten Ohren betrachtete die Dunkle das weitere Geschehen, ehe sie sich langsam auf den Bauch sinken ließ und kurz nach Isaís Ohr schnappte, sanft daran zog und ihm dann sanft entgegem lächelte. Was für ein Zufall, dass gerade sie beide zueinander gefunden hatten.

Gefällt dir dein Geschenk, Isaí?“

Kisha sprach leise, um die Zeremonie nicht zu stören, und blickte selbst immer wieder zu der kleinen Gruppe von Wölfen. Nun waren Madoc und Malik an der Reihe, aber Kisha hörte nur mit einem Ohr hin. Viel mehr lag ihre Aufmerksamkeit bei dem kleinen Roten. Ihrem Patenwelpen.

Wir werden sicher viel Spaß zusammen haben.“


[Zeremonie – Direkt bei Isaí]

Liam
28.08.2011, 16:31

Am Rande des Rudels hatte er die Zeremonie mit stummer Zufriedenheit verfolgt. Er hatte die Welpen genauestens studiert, den erstgeborenen Isaíah Caiyè der, wie es in der Familie der Caiyés üblich war, den Zweitnamen erhalten hatte. Taleesha die die Ehre, und vielleicht auch das Unglück, hatte die Alphafähe als Patenwölfin zu haben, Malik Hikaji der, wie der Bunte herausgefunden hatte, den Zweitnamen des Bruders der Mutter Sheena, trug und sehr stolz auf seine Fellfarbe war. Und die letztgeborene Tinca. Sie war ein wenig sonderbar, wohl der interessanteste Welpe der vier. Sie kam ihm sehr schüchtern und eigen vor, sie hatte eine Ausstrahlung die er noch an keinem anderen Wolf wahrgenommen hatte. Er war gespannt, wie sie reagieren würde, wenn sie nach vorne treten sollte. Noch presste sie sich sehr verunsichert an den mütterlichen Lauf. Trotz des scheinbar guten Zuredens von Seiten der Eltern.
Ebenso genau hatte er die Paten beobachtet. Kisha, Madoc und Tyraleen. Von Chardím, dem Wolf der für Tinca zuständig werden würde, wusste er noch nichts.
Seine Erinnerungen führten ihn zurück zu dem Zeitpunkt, an dem er aufgerufen wurde um eine Patenschaft zu übernehmen. Damals war ihm die, mittlerweile weniger kleine, Atalya zugeteilt worden. Er fragte sich, ob er immer so für sie dagewesen war, wie er es gesollt hätte. Er beschloss sich diese Frage für einen ruhigen Zeitpunkt aufzuheben. Er würde sie selber fragen wollen.
Doch nun wollte er mehr als der stille Beobachter sein. Er hatte Lust auf ein wenig Konversation und so glitt sein Blick suchend über das fast vollständig anwesende Rudel. Da er wenige der Wölfe persönlich kannte, war es ihm relativ egal an wen er sich wenden würde. Er schloss gerne neue Bekanntschaften.
Sein Blick blieb an einer weißen Fähe hängen, die neben zwei dunklen Rüden saß. Einer der beiden war Azrem, den anderen konnte er keinen Namen zuordnen.
Ein kleines Grüppchen, das sprach ihn an. Zu viel Gewusel wollte er nicht um sich herum haben. Langsam stand er auf und streckte sich genüsslich. Langsam kam er in ein Alter, in dem die Knochen vom langen herumsitzen etwas steif wurden. Aber bloß hinfort mit diesen Gedanken. Solange er im Herzen jung war, galt dies auch für seine Gedanken. Bevor die Angst ihn überfallen konnte, ging er mit großen Schritten auf die drei Wölfe zu.
Ein sanftes Lächeln zierte seine Lefzen. Wie es dies eigentlich immer tat. Friedliebend wie er war schenkte er jedem der dreien noch ein besonders herzliches Lächeln, als er bei ihnen angekommen war und setzte sich sodann wieder auf sein Hinterteil. Die Rute wischte kurz über den Boden, ehe sie sich um seine Hinterläufe legte.
Er hielt nicht viel davon zu fragen, ob er denn vielleicht störte. Wenn würde er dies rechtzeitig bemerken und sich einen neuen Weg suchen.

„Hallo ihr drei.“

Die Wortkargheit die ihn oftmals überfiel war auch hier wieder deutlich zu erkennen. Doch wenn erst einmal ein Gespräch in den Gang gekommen war, würde sich dies wieder legen. Zuerst wollte er die Lage einschätzen. Warum mit der Tür ins Haus fallen, wenn er die Gruppe vielleicht wieder verlassen würde?
Einen kurzen Augenblick huschte sein Blick erneut über das Rudel. Dort war auch Atalya, direkt neben ihrem Bruder Turién und beobachtete die Zeremonie. Schnell fiel ihm auf, dass mit ihrem Ort etwas nicht in Ordnung war, doch auf die Entfernung konnte er nicht genau sagen was es war. Er würde es sich später, nach den Feierlichkeiten mal genauer ansehen. Nun wollte er nicht durch das ganze Rudel marschieren und ihr die Möglichkeit nehmen, die Zeremonie weiter zu verfolgen. Außerdem wollte er dies ja ebenfalls tun. Gespannt glitt sein blick wieder zu Tyraleen, den Eltern und den Welpen.
Gleichzeitig schnippten seine Ohren umher, bereit eine Antwort der drei zu erhalten, aufzunehmen und zu analysieren.



[Zeremonie - Lyerra, Volk Zubami, Azrem (?)]

Caylee
28.08.2011, 17:38

Normalerweise wäre von Caylee nun eine äußerst spitzfindige und sicher auch spöttische Antwort gekommen, doch die Situation war nicht normal und gegenüber Face Taihéiyo wagte es die Weiße nicht, ihr übliches ironisches Verhalten an den Tag zu legen. So nickte sie nur, als wäre nun alles geklärt und fragte sich gleichzeitig warum ein Wolf wie Face Ruhe an der Reviergrenze suchen musste, dabei wurde er doch sowieso fast immer in Ruhe gelassen. Aber der Schwarze schien nicht die Absicht zu haben, sie noch weiter über seine Beweggründe aufklären zu wollen und so musste sich die Weiße damit zufrieden geben, dass Face Taihéiyo nunmal ein sehr ruhebedürftiger Wolf war und trotz seiner Welpenliebe ab und an so weit weg vom Rudel wie nur irgend möglich meditierte. Interessant wäre noch gewesen, worüber, aber Caylee traute sich nicht, diese Frage zu stellen. Lieber ließ sie sich über Tiberius belehren – die erwarteten Worte, die ihr jeder sagen würde. Aber niemand wusste von dem, was zwischen ihm und ihr gelaufen war und dass man dann nicht einfach ohne ein Wort ging – nicht einmal Tiberius! Aber das wollte sie Face nicht erklären, zudem würde er auf die emotionale Meinung einer Jungwölfin wohl sowieso nicht viel geben.

“Dann hätte er sich zumindest verabschieden können. Das tut man doch so, wenn man geht, oder?“

Anders als Caylee musste Face schon einmal von irgendwo weggegangen sein, denn er war nicht im Tal der Sternenwinde geboren worden. Als der Schwarze sich erhob, trat Caylee einen Schritt zurück wie um ihm den Weg zum Rudelplatz freizugeben. Seine Antwort auf ihre Frage zu dem Stein warf nur neue Fragen auf, aber zunächst verfiel sie in einen lockeren Trab zurück zum Rudel. Ein angenehmer Abstand von einer Lauflänge trennten Face und sie, so konnte sie den Stein, der nun leicht hin und her pendelte, noch immer gut erkennen.

“Du kanntest ein Menschenkind? Wie sehen sie aus? Sind sie nicht gefährlich?“

Caylee kannte keine Menschen und in diesem Tal wurde nur selten von ihnen geredet. Natürlich gab es da Caleb, den Werwolf, aber abgesehen davon, dass er sich in menschliche Gestalt verwandeln konnte – was Caylee bisher noch nicht gesehen hatte – war er kaum ein Mensch, wie manchmal erzählt wurde. Von Grausamkeit und Blut und Tod. Dafür sollte der Mensch stehen. Caylee konnte sich ihn nur schwer vorstellen, aber groß und mit scharfen Zähnen musste er sein. Ein bisschen wie ein Varg nur auf zwei Beinen.


[ Reviergrenze | Face ]

Madoc
28.08.2011, 18:13

Aufmerksam verfolgte Madoc die währende Zeremonie und ein sonderbares Gefühl von Unglauben ergriff ihn, bei dem Gedanken, dass er nun wahrlich in die große Familie aufgenommen wurde. Eine innerliche Vorfreude, die auswärts kaum zu deuten war, jedoch wie eine lodernde Flamme in ihm züngelte, erhörte er Tyraleens Worte, während zunächst Isaí und schließlich Taleesha ihre Paten zugewiesen bekamen. Ein kurzer Blick galt dem sonderbaren Stein, welcher als Geschenk vergeben wurde und betrachtete gleichsam die schillernde Flussmuschel, welche sich nun zu seinen Füßen befand und dem übergeben werden würde, der zu seinem Schützling ernannt wurde. Mit einer gewissen Neugierde betrachtete er die beiden verbleibenden Welpen und fragte sich, welchem der beiden er sich annehmen würde. Ein kurzer Blick galt Tinca und Malik und es war ihm nicht entgangen, dass er kleine Rüde ihn zuvor für eine Weile gemustert hatte. Ein Lächeln formte sich auf den hellen Lefzen des Hünen, etwas, was bei ihm zu einem recht raren Anblick geworden war.
Schließlich erhörte er seinen eigenen Namen, begleitet von dem seines Patenwelpen und mit erhabenen Schritten trat er an Tyraleens Seite, gemeinsam mit dem jungen Rüden, welcher ihn zuvor so ausgiebig betrachtet hatte. Ein freundliches, herzliches Lächeln galt dem kleinen Geschöpf als er weiterhin den Worten der weißen Fähe lauschte, welche lobend und ehrenhaft das Jungtier willkommen hieß. Ein jeder Welpe sollte so feierlich in das Leben eingeführt werden, wohl umsorgt und wohlbehütet. Madoc seufzte leise und vernahm nun aufmerksam jene Sätze, die an ihn adressiert waren. Als Tyraleen geendet hatte, würdigte er Sheena und Jakash mit einem kurzen Nicken, als Dank dafür, dass sie ihm den eigenen Sohn anvertrauten.

"Ich danke für euer Vertrauen, Sheena und Jakash und verspreche, eurem Sohn, Malik Hikaji immer zur Seite zu stehen, ihn zu behüten und zu schützen, sowie ein würdige Pate und Freund zu sein, an den er sich immer wenden kann."

Sprach er mit tönender Stimme, während ein ruhiger, friedvoller Ausdruck sich auf sein Antlitz legte. Mit einem weiteren Nicken schloss der Silberweiße die kurze Rede und wandte sich schließlich an Malik, welcher sich in unmittelbarer Nähe befand. Er senkte sein Haupt, um den kleinen Welpenkörper sachte zu berühren und verharrte schließlich auf Augenhöhe zu dem Jüngling, um ihm nun das Geschenk zu übergeben, nach welchem er lange gesucht hatte. Mit einer sachten Geste überreichte Madoc ihm die Flussmuschel, dessen Perlmutt in allen Farben schillerte und außen von einer dunklen Schale geschützt war.

"Sei mir willkommen, Malik, ich freue mich, dich meinen Patensohn nennen zu dürfen. Egal was du tust, egal was dir geschieht, bei mir kannst du immer Zuflucht suchen, denn ich werde immer für dich da sein, so lange du mich brauchst.", sprach er mit seiner ruhigen Tenorstimme und schenkte dem kleinen Wolf ein sachtes Lächeln, "Dies ist mein Geschenk an dich, eine Flussmuschel, die ich sorgsam ausgewählt habe, aus der Vielfalt die sich mir bot. Möge dein Leben ebenso schön erblühen wie der Glanz des Perlmutts, möge dein Lebenswille ebenso hart sein, wie seine schützende Schale."

Endete er und seine rubinroten Seelenspiegel glänzten Verheißungsvoll. Er mochte ein kühler Artgenosse sein, doch hatte er eine eigenartige Liebe für Welpen, welche noch so rein und unschuldig die Welt betraten. Er freute sich bereits, Zeit mit diesem Jüngling zu verbringen, ihn kennenzulernen und die Schönheiten des Lebens zu lehren, von denen er im Kindesalter nur wenige verleben konnte. Ein weiteres Mal stieß er Malik mit seiner Schnauze an und zwinkerte ihm zu, als Zeichen dafür, dass er noch viel mit ihm erleben würde. Welch wundervoller Tag, so dachte der Albinorüde und welch wundervolle Aufgabe ein junges Geschöpf in die vielfältigen Wege des Lebens einzuführen.


[Beim Rudel | direkt bei Malik]

Face Taihéiyo
28.08.2011, 18:34

In einem ruhigen Trab, bewegten sie sich von der Reviergrenze fort wieder in das Innere des Reviers. Face Taihéiyo konnte Caylee im Prinzip nur zustimmen, allerdings schien das nicht die Regel zu sein. Wie viele Wölfe, die in das Tal gekommen und wieder verschwunden waren, hatten sich verabschiedet? Ein Abschiedsgruß schien nichts zu sein, was man von einem Wolf fordern konnte, der sich kaum in das Rudel eingelebt hatte.

Sollte man meinen. Wenn einem nichts dazwischen kommt.“

Der Tiefrabenschwarze zuckte leicht mit den Schultern. Er kannte Tiberius nicht und er kannte auch seine Beziehung zu Caylee nicht. Irgendwas musste da zumindest vorhanden sein, sonst wäre sie nicht hier und so empört vom Verhalten des Grauen. Tiberius war kein Thema, bei dem Face ihr großartig weiterhelfen konnte. Er musste fast zugeben, dass es ihm leichter fiel, ihre nächsten Fragen zu beantworten, als die über Tiberius.

Sie sind nicht viel anders, als wir Wölfe. Es gibt nette Menschen und weniger nette Menschen. Schlechte Menschen und weniger schlechte. Ich habe beide Seiten von ihnen kennen gelernt. Sie sind sehr groß und lang, wie wenn du dich auf deine Hinterläufe stellst. Sie haben allerdings kein Fell, nur auf dem Kopf. Ihre Gesichter sind ganz platt und sie sind nicht besonders schnell auf ihren zwei Läufen. Dafür können sie ziemlich viel mit ihren Vorderpfoten machen.“

Vor seinem geistigen Auge zeichnete sich das Bild eines kleinen Jungen ab, der auf einem Stein saß und den Saphirstein an ein Band flocht. Die Schwarzen, langen Haare und der hochkonzentrierte Ausdruck im Gesicht. Er hatte immer mit Faszination zugesehen, wie die Menschen ihre Zehen bewegen konnten. Sie waren auch so viel länger. Face hatte selbst einmal probiert, einen Stock mit seiner Vorderpfote hochzuheben und es war ihm schlicht nicht möglich gewesen.


[ Auf dem Weg zurück | Caylee ]

Tyraleen
29.08.2011, 09:37

Wie schon die anderen Welpen fand auch Malik wenig Worte, sah nur mit großen Augen zu Tyraleen und Madoc auf und ließ die Segnung über sich ergehen. Aber die Weiße merkte sofort, dass sie auch bei dem Kleinen, der zuvor noch am missmutigsten gewirkt hatte, mit ihren Worten den richtigen Punkt getroffen hatte. Zum Glück waren Welpen noch recht durchschaubar und nach einigen Momenten des Zuhörens wusste man schon, was man sagen musste, sodass sie glücklich waren. So strahlte Malik nun vor sich hin und Madoc schien auch zufrieden mit seinem zukünftigen Patensohn. So viel Auswahl war ja auch nicht mehr geblieben und Tyraleen persönlich war froh, dass Tinca an Chardím übergeben werden würde – sie brauchte eine einfühlsame Pfote. Also regelte sich alles zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten und Madoc bekräftigte wie erwartet den Wunsch und das Versprechen, für Malik zu sorgen. Seine Willkommensworte an den Kleinen ließen Tyraleen lächeln und die schimmernde Perlmuttmuschel erinnerte sie an das Patengeschenk Kylias an Neruí. Ob aus dieser kleinen Muschel auch einmal ein ganzer Baum wachsen würde? Das lag nun vor allem in Maliks Pfoten und die Weiße war gespannt, wann der Kleine herausfinden würde, wie viel Macht seine Fantasie besaß. Mit einem Lächeln berührte sie Madoc an der Stirn und zwinkerte Malik noch einmal zu, dann war es Zeit, den letzten Welpen willkommen zu heißen.

“Dann bist du von nun an der Pate Malik Hikajis und mit deinem Leben seinem verpflichtet. Engaya möge euer beider Wege ebnen und segnen. Ihr dürft euch nun zurückziehen.“

Damit wandte sie sich zu Sheena und Jakash, bei denen sich noch immer Tinca verkrochen hatte. Anders, als bei ihren drei Geschwistern, war sich Tyraleen bei ihr nicht sicher, ob sie einfach still vor ihr und den Augen des Rudels sitzen bleiben würde. Aber hatte sie nicht vorhin schon mit Chardím geredet? Möglicherweise konnte sie sie mit seiner Hilfe hervorlocken. So warf sie zunächst einen Blick zu ihrem Sohn und verkündete, als gäbe es damit keinerlei Probleme:

“Als nächstes bitte ich Chardím und Tinca zu mir.“

Nun galt es, ein wenig Überzeugungsarbeit zu leisten. In Sheenas weißem Fell war Tinca nicht sonderlich gut getarnt, sodass es Tyraleen nicht schwerfiel, ihren Kopf auf die Höhe der Kleinen zu bringen und sie beruhigend anzusehen.

“Du bist jetzt an der Reihe, Tinca. Du brauchst keine Angst zu haben, dir wird nichts passieren, das verspreche ich dir. Du hast es doch schon bei deinen Geschwistern gesehen – du bekommst deinen Patenwolf. Und siehst du, wer das ist? Chardím, mit dem du schon gesprochen hast! Es gibt keinen Grund, sich zu fürchten. Komm einfach zu mir, zwischen meine Pfoten.“

Ein Lächeln unterstrich die friedliche und ganz und gar nicht zu fürchtende Situation und Tyraleen hoffte, dass Tinca sich nicht allzu lange bitten ließ.


[ Rudelplatz | direkt bei Tinca und Chardím, Sheena, Jakash usw ]

Minyala
29.08.2011, 11:36

Malicia schien sich nun endgültig von ihrem Schwächeanfall erholt zu haben und wirkte nun nachdenklich wie eigentlich immer. Soweit Minyala das beurteilen konnte, denn trotz des bleibenden Eindrucks, den ihre erste Begegnung mit Malicia hinterlassen hatte, kannte die Silberweiße die andere Fähe doch eigentlich kaum. Ihre Meinung von ihr war mittlerweile auch schon ins Schwanken geraten, denn ihr Wortwechsel wirkte nun fast wie eine ganz normale Unterhaltung unter Rudelmitgliedern. Vielleicht war die Schwarze ja doch nicht so verrückt, wie sie manchmal tat. Zumindest wirkte sie, trotz ihrer Familienzugehörigkeit und Minyalas nicht gerade netten Worten über ihre Götter, erstaunlich ruhig. Die Einohrige hätte da etwas anderes erwartet, immerhin schien die gesamte hier ansässige Familie von ihrem Glauben mehr als überzeugt. Allerdings hatte sich Malicia auch nicht über die Welpen gefreut und wollte von der Zeremonie nichts wissen. Das passte schon fast wieder zusammen.
Zunächst wurde sie murmelnd korrigiert – ach ja, Tascurio! Minyalas miserables Namensgedächtnis war immerhin verlässlich: Es vergaß garantiert jeden Namen, den die Silberweiße nicht mit anschaulichen Bildern und Fakten verknüpfen konnte. Bei Malicia war das kein Problem; das war die Schwarze mit den weißen Abzeichen und der verrückten Art. Aber Tascurio hatte Minyala nie kennengelernt, er hatte mehr etwas von Jesus, auch wenn der Vergleich wohl etwas hinkte. Aber interessant war er. Minyala nahm sich vor, mit Caleb einmal darüber zu reden – Malicia war da sicher nicht der richtige Ansprechpartner.

“Was hat deinen Glauben denn getrübt? Mir scheint, als wären sich die meisten Familienmitglieder hier in der Götterfrage sehr einig.“

Ihre Worte über Tyraleen klangen härter, als Minyala sie formuliert hätte. Wieder ein interessantes Detail an Malicia, war sie doch die Nichte, Cousine, Schwester, Tante, irgendetwas von Tyraleen.

“Zu übersehen, was Glauben anrichten kann, ist hier schon eine Meisterleistung.“, jetzt klang sie zugegebenermaßen etwas schnippisch. “Aber man kann niemandem den Glauben austreiben, das hab‘ ich schon bei Caleb bemerkt. Hast du ihn eigentlich gesehen? Ich weiß nicht, wo er sich schon wieder herumtreibt …“

Der Gedankensprung war typisch für Minyala, auch wenn sie das Thema Götter noch nicht losgelassen hatte, konnte es nicht schaden, sich parallel mit der Suche nach Caleb zu befassen. Der war nämlich immer noch nicht aufgetaucht, dabei war die Zeremonie jetzt schon so gut wie vorbei. Vermutete die Einohrige zumindest, nach dem, was sie von hier aus so mitbekam.


[ etwas abseits des Rudels | Malicia ]

Isaí Caiyé
29.08.2011, 13:10

Mit neugierigem und zugleich ungeduldigem Funkeln in den Augen beobachtete er die Berührung der beiden Geschwestern, von denen er noch nicht wusste, dass sie überhaupt Geschwestern waren. Dennoch wollte er nun seine Kisha für sich ganz alleine haben, immerhin war sie nun sein Wolf und – so gern er auch mit Tyraleen geteilt hätte – nur sein Wolf. Mit einem taffen Grinsen auf den Lefzen wartete er nur darauf, dass Tyraleen von ihr abließ und blickte sie schließlich erwartend an, ehe er – etwas zögerlich zwar – Kisha hinterher huschte. Sein Blick hatte jedoch einen kurzen Moment auf der weißen Alphamama gelegen, die als nächstes Taleesha zu sich gerufen hatte. Seiner eigenen Geschwester galt ein aufmunternder, stolzer Blick, ehe er sich schließlich doch ein Stück mit Kisha entfernte und sich neben seiner Mama niederließ. Huch. Hatte er jetzt zwei Mamas? Verwirrt blinzelte er bei dem Gedanken, während seine Ohren angestrengt zuckten, jedoch kein Wort von dem mitbekamen, was Tyraleen nun zu seiner Schwester sagte. Irrer Gedanke. Aber Kisha würde nie so eine Mama sein, wie seine Mama es für ihn war. Eine andere Mama, aber sie musste sich nicht mit ihr messen. Er hatte beide gleich lieb! Dieser Entschluss brachte das kleine Welpenköpfchen zum Nicken, ehe er sich wieder strahlend an die papafellfarbene Mama wandte und aufgeregt nickte.

„Lass uns am besten gleich ganz viel Spannendes entdecken! Ich bin nämlich gar nicht zu jung. Ich bin schon alle Pfoten alt.“, verkündete er stolz und konnte es kaum erwarten.

Sein Blick fiel auf Taleesha, die nun von Tyraleen ein Stück Was-Auch-Immer geschenkt bekam. Interessiert stellte er die Ohren auf und die Frage, weshalb er denn nichts Materielles bekommen hatte, drängte sich in den Vordergrund der Welpengedanken. Als dann auch noch Malik, der – nebenbei – auch ein aufmunterndes Lächeln geschenkt bekam, einen Wolf mit isaífarbenen Augen geschenkt bekam und ein anderes Stück Was-Auch-Immer blickte er verdutzt zu Kisha hoch. Aber vielleicht hatte sie ja auch irgendwo etwas versteckt und er musste es suchen! Wieder begannen seine Augen zu glänzen, während er der Zeremonie nicht folgen konnte, weil zwei Dinge auf einmal einfach zu viel für einen Welpen waren. Umso größer war nun die Vorfreude, es zu finden, was Kisha für ihn irgendwo versteckt hatte. Doch im nächsten Augenblick fiel sein Blick auf den Gebruder seiner Wölfin und ihm fiel augenblicklich wieder ein, was er vorhin gesagt hatte. Die kleine Rute begann zu pendeln.

„Aber wir müssen deinen Gebruder auch mitnehmen! Er wäre bestimmt enttäuscht, weil wir es ihm ja versprochen haben.“

Dass aus einem einfachen ‚Ich‘ plötzlich ein ‚Wir‘ geworden war, bemerkte er gar nicht. Doch Sorge trat schließlich in seine Seelenspiegel, während er den papafellfarbenen Gebruder beobachtete, wie er ganz alleine dort hinten saß und der Zeremonie folgte. Oje. Fühlte er sich dann nicht furchtbar einsam, wenn er nicht Isaí gehörte, aber Kisha schon und sie zu dritt unterwegs waren? Ein hilfesuchender Blick galt Kisha, ehe er seiner Sorge Worte verlieh.

„... Denkst du, er fühlt sich ausgeschlossen, wenn du mir gehörst und er nicht? Wir können ja so tun, als würde er auch mir gehören, dann fühlt er sich auch dazugehörig und wir drei haben sicher viel Spaß!“

Hätte er auch nur ansatzweise geahnt, wie viel der papafellfarbene Papa von ihm hielt, wäre er wohl nie auf diese brillante Idee gekommen! Welch Glück!


{ mit kisha bei der zeremonie ; will averic nicht allein lassen }

Ahkuna Caiyé
29.08.2011, 17:07

Es gefiel Ahkuna Caiyé ganz und gar nicht wie das Gespräch verlief. Sie hatte es nicht nötig das dämliche Gesülze Lunars anzuhören. Was erlaubte er es sich, sie zu beleidigen? Ahkunas Augen formten sich zu schlitzen und ihre Lefzen zuckten provokativ nach oben. Ihre Wut wurde immer größer. Ließ sie kochen. Fehlte nur noch wie weißer Rauch von ihren Ohren aufstieg. War es normal, dass ihre Familie so angriffslustig war?! Erst Jakash und nun Lunar. Am Ende wunderte man sich bloß, warum alles im Streit auseinander ging. Schöner wär‘s ja noch, wenn Ahkuna als Friedensstörer angesehen werden würde. Gerade wollte sie ihm eine patzige Antwort entgegen zischen, als er schon weiter sprach. Ihre wütende Miene veränderte sich allerdings nicht.

„Mutter hatte sich gefreut, dass ich wieder da war!“

Erst nachdem sie ihre Worte ausgesprochen hatte, merkte sie was sie für einen Fehler begangen hatte. Sie hatte nur Shani erwähnt. Sie legte ihre Ohren an und sah dann wieder nach vorne zur Zeremonie. Innerlich hoffte sie, dass Lunar dies überhört hatte. Nach außen hin ließ sie ihre wütende Fassade aufrecht. Und wenn schon. Das Verhältnis von ihr und Jakash ging ja wohl nur sie was an …
Bei seinen nächsten Worten, konnte sie es nicht lassen ein Ohr aufzustellen und es zu dem schwarzen Wolf zu drehen.
Das glaubte sie nicht. Warum sollte es ihr verwehrt bleiben die Welpen zu sehen? Sie war schließlich die Schwester von … Jakash … Mit dem sie sich zerstritten hatte … Der sie verachtete …
Langsam drehte sie ihrem Kopf zu Lunar. Es wurde ihr unangenehm bewusst, dass etwas Wahrheit in seinen Worten war. Doch deswegen war es ihr nicht gegönnt ihre ‚Pflicht‘ als Tante entgegen zu treten? Das wollte sie nicht glauben. Jedoch bestritt sie es auch nicht. Auf diese Bemerkung biss sie ihre Zähne bloß fest zusammen und sah ihm stur in die dunklen Augen.

„Jakash wird sich was dabei gedacht haben“, sprach Ahkuna zerknirscht aus.

Einerseits konnte sie Tyraleen immer noch nicht als die ansehen, die sie mal war. Sie konnte ihr einfach nicht mehr dieses Vertrauen schenken, was sie damals zu ihr aufgebaut hatte. Doch das Jakash sie als Patin ausgewählt hatte, störte sie schon etwas. Doch sprach sie es nicht laut aus. Nein, sie würde Lunar auf keinen Fall etwas über ihre aufkeimende Eifersucht sagen. Wozu noch mehr Schießflächen bieten, wenn er schon genug hatte?


[Rudelplatz | Lunar]

Kisha
29.08.2011, 17:46

Gespannt betrachtete die dunkle Wölfen den kleinen Rüden, ein sanftes Lächeln auf den Lefzen tragend. Sie konnte ihm förmlich ansehen, dass er über so viele Dinge nachdachte. Aber was alles durch seinen Kopf ging, würde wohl ein Geheimnis bleiben. Als er dann einen seiner Gedanken preisgab, musste die dunkle Wölfin lachend den Kopf schütteln. Alle vier Pfoten alt. Dieser Welpe war einfach zu niedlich. Aber selbst das konnte ihn in dieser Sache nicht weiter bringen.

Leider nein, wir müssen noch warten. Wir können uns diesen Platz genau ansehen, und je älter du wirst, desto weiter gehen wir. So kannst du dich gleich etwas in Geduld üben, Geduld ist eine sehr wichtige Eigenschaft. Sehr wenig Wölfe sind wirklich geduldig. Aber keine Sorge, ich halte meine Versprechen.“

Sie berührte mit ihrer Nase vorsichtig die des roten Welpen, lächelte dabei unentwegt in seine Richtung. Sie konnte nur zu gut verstehen, wie gerne er die Welt erkunden wollte. Aber sie wollte es nicht gleich übertreiben, den kleinen Wolf womöglich jetzt schon in Gefahr bringen. Sie würde es sich nie verzeihen, wenn ihm etwas geschehen würde. Ihre braunen Augen folgten Isaís Blick zu der Zeremonie, wo nun die anderen Welpen ihre Patengeschenke bekamen. Dann spürte sie den Blick des Roten auf sich und lächelte ihm wieder zu, als sie das Leuchten in seinen Augen erkannte. Ob er sich vielleicht auch etwas gewünscht hatte, was er immer bei sich haben konnte? Es gab so viele Dinge, die man einem Welpen schenken konnte, aber sie selbst fand ihr Versprechen mindestens genauso gut. Als der junge Wolf dann wieder weg schaute, folgte sie erneut seinem Blick, der nun Averic galt.

Wenn wir das nächste Mal die Gelegenheit dazu haben, können wir ihn fragen, wenn du möchtest.“

Sie schwieg darüber, dass sie sich nicht vorstellen konnte, dass Averic sie begleiten würde. Sie waren Geschwister, ja. Aber seit sie hier war, konnte sie sich nicht daran erinnern, eine gute Beziehung zu diesem Wolf zu haben. Die Frage, die dann über Isaís Lefzen drang, brachte sie dann doch wieder leicht zum schmunzeln.

Nein, Isaí. Das glaube ich nicht. Manche Wölfe sind lieber allein, als in einer großen Gruppe. Und mein Bruder hat seine eigenen Kinder, die ihn lieben. Außerdem braucht man nicht immer Gesellschaft, und wenn er sich allein fühlen würde, könnte er noch immer zu uns oder zu jemand anderem kommen. Aber... trotzdem kannst du ihn sicher bald fragen, wie er darüber denkt.“

Erneut neigte die Schwarze den Kopf zu dem kleinen Wolf, nahm sachte die Spitzen seines Pelzes in den Fang und zupfte vorsichtig daran. Es war ein wunderbares Gefühl, dass Sheena und Jakash ihr ihren Sohn anvertraut hatten. Sie genoß die Nähe des Kleinen. Er tat ihr einfach gut.


[Zeremonie – Isaí – Blickrichtung Avric]

Isaí Caiyé
29.08.2011, 18:38

Mit Enttäuschung, doch gleichzeitig Verständnis in den pfützigen Seelenspiegeln blickte er Kisha an und nickte schließlich. Es war schade, dass sie nicht sofort losziehen konnten, dass sie ihm nicht sofort zeigen konnte, was das Licht alles zu bieten hatte, doch andererseits musste er zugeben, dass ihn bereits dieser kleine Teil – der in Welpenaugen ja eigentlich auch schon riesig war! – ziemlich begeisterte und auch müde gemacht hatte. So viel Neues gab es allein hier zu sehen, musste sein Blick nur einmal über die ganzen anderen Mamas und Papas wandern, von deren Existenz er in der Nacht noch nicht einmal gewusst hatte. Und dann waren da noch die Papa- und Mamabäume, die mit ihrem stummen, starren, unsichtbaren Blicken alles beobachteten und schwiegen, als wüssten sie alles besser. Doch Isaí war fest überzeugt davon, irgendwann einen zum Reden zu bewegen. Wäre ja gelacht, wenn er sie nicht irgendwie austricksen könnte, ha! Aber nun sollte er es erstmal dabei belassen, bei Kisha zu sein und ihre Nähe zu genießen. Geduld. Mit einem Male, nachdem die papafellfarbene dies ausgesprochen hatte, nahm er sich fest vor, einer dieser wenigen Geduld-Wölfe zu werden. Sie meinte, es sei wichtig. Und er wollte, dass sie stolz auf ihn war.

„Dann werde ich ein ganz, ganz guter Geduld-Wolf!“, gab er flüsternd, aber deshalb nicht minder begeistert von sich und lächelte Kisha entgegen.

Älter werden. Momentan bezog er es auf ‚von Tag zu Tag‘. Dass Kisha davon aber eine ganz andere Ansicht hatte, war ihm nicht bewusst. Aber vielleicht hatte er das morgen ja schon wieder vergessen… Ihre Berührung genoss er wie jede andere davor, drückte den kleinen Kopf gegen ihre Schnauze und kuschelte sich schließlich vorsichtig in ihr Fell. Wenn man so länger auf dem weißen Boden stand, wurde es schon unangenehm kalt. Doch Isaí wollte sich nichts groß anmerken lassen, er war ja kein Weichwolf wie Malik, der wahrscheinlich schon die ganze Zeit darauf bedacht war, nicht dreckig zu werden. Ein gewitzter Blick galt nun seinem mamafellfarbenen Bruder. Wäre ja schon lustig, wenn er plötzlich vor allen dreckig werden würde! Aber dazu war Isaí nun schlichtweg zu faul. Schade um die Gelegenheit. Aber ohnehin war Tyraleen bereits so weit, dass sie Tinca und Chardím vorrief und Isaí suchte mit seinen pfützigen Augen die Gestalt Tincas, um auch ihr gut zuzu…schauen. Er wollte nicht, dass sie Angst hatte. Immerhin war er ihr großer Bruder und musste auf sie aufpassen. Von dieser Aufgabe dann brachten ihn aber die nächsten Worte Kishas ab. Gott, könnte man nur mehr Dinge auf einmal tun!

Er nickte zustimmend, ehe er den Kopf zur Seite neigte und sie ungläubig ansah. Manche Wölfe waren gerne allein? Nein, nein. Das konnte er sich gar nicht vorstellen. Ein weiterer, besorgter Blick galt dem Papa, der alleine abseits saß, während er allmählich von den Worten seiner Wölfin überzeugt war. Anscheinend war da doch etwas dran. Und manchmal hatte ja auch er genug von Malik… Vielleicht waren manche Wölfe ja wirklich gerne allein. Schließlich nickte er sachte, als Zeichen, dass er verstanden hatte und hob schließlich wieder den Kopf hinauf zu Kisha, in deren Fell er noch immer gekuschelt war.

„Aber ich bin gerne bei dir. Ich bin nicht gerne allein.“, stellte er klar und lächelte wieder.

Als Kisha ihm nun begann am Fell zu zupfen, lehnte er sich leicht zurück und lag schließlich mit dem Rücken an die Fähe gelehnt dort, während er sich nicht dagegen wehren konnte. Verdammt, da hatte er wohl ein Eigentor geschossen, sich in die ‚auf dem Rücken liegende Schildkröte‘-Position zu begeben. Aber jeglicher Versuch, sich zu wehren wäre ohnehin mehr spielerisch gemeint gewesen. Im Grunde genoss er es ja. Dennoch wollte er ihr das nicht offen zeigen – Malik machte ja auch öfter Dinge, die ihn ärgerten als Dinge, die Isaí mochte. Ganz klar – Logik! Er war ja kein Hohlkopf. Nicht so, wie andere… Also griff er sachte mit der Pfote nach der Nase, die an seinem Fell knabberte, ehe er ein neues Ziel ausmachte. Dieses jedoch brachte ihn eher dazu, noch weiter auf den Rücken zu rutschen, denn die Ohren der Mama waren eindeutig nicht mit den Pfoten zu erreichen. Verdammt. So mit dem Rücken auf dem weißen Zeugs war es dann doch wirklich etwas kalt. Egal!


{ mit kisha bei der zeremonie ; lässt von averic ab }

Amúr
29.08.2011, 20:56


Amúr saß am Rande des Rudelplatzes und sah schweigend der Zeremonie zu. Sie beobachtete ihre Mutter und lächelte leicht, obwohl man in ihren Augen sah das sie traurig war. Die Wölfin die da oben die Zeremonie abhielt, verkörperte Engaya selbst. So weise und klug wie sie die Worte wählte und wie sie sich bewegte. Sie schluckte. Was passiert war, war passiert, niemand konnte das ändern. Doch sie wollte es zu gerne.
Die letzten tage waren aufwühlend gewesen. Sie hatte von der Tat ihrer Mutter erfahren und musste damit zurechtfinden. Erst Entsetze, dann Hoffnung, dann Unsicherheit, dann Trauer. Und eigentlich war sie nicht weiter gekommen, denn auch wenn sie sich darüber Gedanken machte, stieß sie es unbewusst weg. Das fiel ihr solange leicht, wie sie sich zurückzog. Was sie die letzten Tage oft getan hatte. Sie hatte viel nachgedacht und war zu dem Schluss gekommen das es immer mehre Ansichtsmöglichkeiten gab, doch sie fand diese nicht die für sie gut war. Weil sie es unbewusst nicht an sich ran ließ. Aus der Angst ihre Mutter dann zu verurteilen, oder irgendetwas anderes schlimmes. Sie hatte Angst, weil sie innerlich wusste sie das es irgendwann an ihr herankommen würde, so richtig, wenn sie sah was diese Tat wirklich geändert hatte. Deswegen hielt sie sich fern. Doch heute konnte sie das nicht. Nicht bei der Zeremonie der Welpen.
Sie wusste nicht was sie denken oder fühlen sollte. Und im Grunde war sie verwirrt. Das Wissen darüber war auch einfach noch zu frisch. Wie lange sie brauchen würde, um alles zu verarbeiten wusste sie nicht. Sie spürte wie sie mehr und mehr in die Melancholie hinüberglitt und rappelte sich auf. Sie schritt über den Rudelplatz, auf der Suche nach Ablenkung.
Diese war nicht schwer zu finden, denn sie sah einen der kleinen Welpen mit seiner Patin am Rande stehen und bewegte sich zielstrebig auf beide zu. Als sie schon fast vor den beiden stand, fiel ihr Blick auf Averic, ihren Vater, der ganz alleine so wie sie es auch getan hatte die Zeremonie beobachtete.

“Vater...“

flüsterte sie zu sich selbst. Wehmut legte sich über ihre Seele. Doch ehe das passieren konnte, wo vor sie Angst hatte, schritt sie weiter und stand nun vor Kisha und Isaí.

“Herzlichen Glückwunsch Isaí, dir natürlich auch Kisha.“

begann sie, froh darüber einen guten Anfang finden zu können. Kurz schweifte ihr Blick zu ihrem Vater, ehe sie wieder den Welpen anblickte. Der gerade dabei war mit Kisha zu spielen.

“Scheint ein kleiner Wildfang zu sein.

sagte sie und lächelte.

“Hallo Isaí. Ich bin Amúr. Freut mich dich kennen zu lernen, kleiner Wildfang.“

Sie hätte sich keine besser Ablenkung suchen können, denn der kleine rote Welpe schien wirklich sehr aktiv zu sein. Umso besser. Jede Ablenkung war gut. Und der Anflug von Trauer und Wehmut begann langsam davon zu wehen. Nur in ihren Augen fand sich ein ganz leichtes Schimmern, welches zeigte das in ihr große Verwirrung herrschte.


{erst alleine/ dann bei Kisha und Isaí/blickt kurz zu Averic/redet mit Isaí uns Kisha}

Malik Hikaji
30.08.2011, 19:07

Ehrfürchtig glitt Maliks Blick über seinen frisch gebackenen Paten, seinen ganz eigenen Wolf. Fast verspürte er so etwas wie kindlichen Stolz über diesen „Besitz“. Madoc, den Namen musste er sich gut merken. Verzückt musterte Malik das Fell des riesigen Wolfs vor ihm. Er war so groß, dass er seine Augen gar nicht richtig sehen konnte, so lange er Tyraleen noch anschaute. Und das hätte Malik fast nicht gestört, obwohl die ihn ja schon faszinierten. Aber sie sahen aus wie Isaí, das musste er Madoc später mal ganz schonend beibringen. Möglicherweise konnte er sich ja die Augen von Sheena leihen oder von seiner eigenen Mama oder seinem Papa …
Neugierig hörte Malik zu, wie Madoc sich an seine Eltern wandte und erklärte, dass er gut auf ihn aufpassen würde. Aufpassen war allerdings eher langweilig, auf jemanden wie Malik musste man doch nicht aufpassen. Das wollte er gerade erwähnen und dazu noch daran erinnern, dass er nur Malik heißen wollte, ohne diesen Namen der klang wie Taleeshas Schluckauf. Doch als Madoc seinen Kopf auf seine Höhe hinabsenkte, war der Welpe abgelenkt. Fasziniert beobachtete er die winzigen Bewegungen der isaífarbenen Augen, ehe er eine Berührung spürte. Staunend schaute er zu, wie Madoc ihm ein schillerndes Ding überreichte. War das etwa … sein Geschenk?

Begeistert riss er die Augen auf, voller Unglauben darüber, dass dieses Ding wirklich ihm gehören sollte. Es war doch so hübsch, dass hübsch als Bezeichnung schon zu wenig war. Madocs Worte waren da fast schon nebensächlich, auch wenn er die ebenso staunend anhörte. Doch seine Aufmerksamkeit und Fähigkeit, richtig zuzuhören wurde definitiv von dieser Muschel abgelenkt. Ganz langsam und vorsichtig senkte er den Kopf zu Boden und berührte mit der Nase behutsam das glänzende Ding. Dann hob er den Kopf wieder und blickte ehrfurchtsvoll in die Augen seines Paten.

„D...danke.“

Aber das erschien ihm gar nicht ausreichend. Mit klopfendem Herzen blickte er immer wieder von der Muschel zu Madoc und andersherum, während Tyraleen die Zeremonie weiterführte. Doch statt noch irgendetwas zu erklären, schnappte Malik die Muschel vorsichtig mit den Zähnen und wuselte unter Madoc und schmiegte sich von dort an seine Vorderläufe. Mit großen Welpenaugen blickte er zu ihm hoch, zwischen beiden Läufen hindurch, so gut er eben sein Gesicht mit den seltsamen Isaíaugen sehen konnte.

„Jepft bift du mein Mupfelmadoc.“, nuschelte er voller Begeisterung an der Muschel vorbei.

Dann lehnte er seinen Kopf an den linken Lauf des großen malikfarbenen Papawolfs, der jetzt ihm gehörte und ihm das wunderschönste Geschenk gemacht hatte, das Malik sich hatte wünschen können. Kisha und Isaí und das ganze Unfaire an der Zeremonie war längst vergessen, irgendwo im Hintergrund für immer verschwunden. Er hatte jetzt seinen Madoc.


{ Rudelplatz :: unter Madoc :: der Rest daneben }

Aszrem
01.09.2011, 16:25

"Das tut sie in der Tat, danke der Nachfrage, Volk. Ich denke, alles Leben hier im Tal hat die Wärme der Sonne bitter nötig. Wollen wir hoffen, dass dieser seltsame Sommerwinter nun endlich vorbei ist und Pflanzen und Tiere sich schnell wieder erholen können. Gerade auch für die Welpen wäre es wichtig, dass sie unter normalen Verhältnissen aufwachsen können",

antwortete er dem Schwarzen neben sich und ließ sich schließlich neben Lyerra nieder, um die Zeremonie zu verfolgen. Als Alpha hätte ihm ein Platz weiter vorn gebührt, aber schon bei Nerúis Zeremonie hatte er diese Angelegenheit viel eher als Sache der Götter empfunden. Dass das Amt der Hogepriesterin Engayas eng mit dem Alpharang verflochten war, schien ihm hier ein eher nebensächlicher Fakt zu sein. Und mit jedem weiteren Wort, dass Tyraleen in feierlicher Weise sprach, verstärkte sich dieser Eindruck nur noch. Aszrem beobachtete die Welpen und musste leicht schmunzeln ob der Faszination und Freude, die die Welpen sichtlich gefangen nahm. Allein die jüngste der Geschwister, Tinca, machte einen doch eher verschüchterten Eindruck.
Aszrem wandte deine Aufmerksamkeit vom Geschehen erst ab, als jemand zu ihnen trat und das kleine Dreiergrüppchen begrüßte.

"Liam."

Der Schwarzbraune erwiderte den Gruß mit einem Nicken.

"Setz' dich doch zu uns, wenn du magst. Hattest du schon das Vergnügen Bekanntschaft mit unseren Jüngsten zu schließen?"


[Zeremonie | Volk, Lyerra, Liam]

Malicia
02.09.2011, 20:16


Es gibt manchmal Orte, Gedanken, Handlungen und Geschehnisse, die lassen einen aufhorchen, rütteln einen wach oder wirken negativ auf einen. Eine positive Wirkung wäre bei Malicia nicht zu erwähnen. Das sie hier ein Gespräch über Religion führte, was auf zynische Äußerungen hinaus lief, verdrängte Malicia, sodass es ihr leicht viel, erneuten Hass auf die Götter zu verspüren. Ein Teil in ihr wollte schreien, er wollte sagen "Die Götter sind wahrhaftig, Engaya ist unser Gott!" der Andere war ohnmächtig und wollte nach wie vor nicht wahrhaben, dass ihre Eltern verstorben waren. Die neue "Generation", dass hochgepriesene Rudel der Sternenwinde - was waren sie denn ohne Banshee? Ein Leitwolf, der das eigene Kind ermordet? Hätte ihre gute Mutter so etwas zu Stande gebracht?

oO( Ketzer! )Oo trällerte eine heitere Stimme und Malicia knurrte. Nein! Sie ließ sich von diesem Dämon nicht beirren. oO( Haha ... meine kleine Malicia, haha! Fröhlich wie eh und jeeeee ...)Oo Die Stimme zwitscherte wie ein Vogel und zwang sie zum sitzen. Warum?, dachte sie einen Augenblick, als ihr bewusst wurde, wie sehr sich ihre Stimme gewandelt hatte. Diese lauten Schreie glichen einem kleinen fiesen Finken, nicht der Stimme, die sie kannte.

"Ich bin ein Ketzer, weil ..."
oO( Sag es! Sag es!)Oo
"...weil ... wegen dem Nichts! Auf diesem Boden dürften wir nicht sein! Das ist falsch!"
oO( Du Lüüüügner ...)Oo
Warum kam diese Stimme auf einmal in ihr auf?!

Sie durchzuckten Blitze, schmerzlich, sodass sich ihre Läufe krümmten. Sie hatte genug davon! Schluss, bitte, Schluss!

"Mein Glauben ist falsch! Fenris quält mich! Ich bin ein Bansheekind! Ich bin ein Bansheekind ...."
oO(Braves Mädchen ....)
, war das letzte, was sie hörte, ehe ihre Ohren nur noch rauschten. Was hatte sich da in sie eingeschlichen?

Es war schon immer da, in der Welpenstube, in der Zeit als Jungwolf, als sie im Rudel war, als sie erwachsen wurde. In Einsamkeit, in Zweisamkeit, in der Gemeinschaft. Es war immer schon da ... nun hatte es sich gewandelt, die Stimme, das Wesen in ihr, wie auch Malicia sich gewandelt hatte. Mit der erneuten, prompten Wiederkehr hatte sie nicht gerechnet, im Gegenteil: Eigentlich war sie froh gewesen nicht mehr diese Stimme zu hören. Vielleicht ist es eine Neue ... Sie überlegte krampfhaft, welcher Funken sie durchwühlte, was in ihr war und sie wieder aus der Bahn warf. Was sollte das? Fragen kamen auf, die sie sich wohl nie beantworten könnte.
Warum bin ich anders?



{Welpenhöhle || Minyala}

Caleb
03.09.2011, 09:17

Wolfswelpen waren einfach nur niedlich, ebenso wie Hundewelpen. Da konnte man gar nichts gegen sagen, nicht einmal als Junge beziehungsweise Kerl beziehungsweise Jugendlicher. Er würde niemals das Wort "süß" benutzen, um ein Tierkind gleich welcher Art zu beschreiben, aber "niedlich" konnte man durchgehen lassen. Allzu lange würde diese Niedlich-Phase aber ohnehin nicht mehr anhalten, Canide wuchsen nunmal schnell, und dann waren es bestimmt nur noch draufgängerische Halbstarke. Und wenn er Pech hatte, teilten sich Wölfe und Menschen nicht nur den Hang zu religiösen Konzepten, sondern auch das gezielte Herumhacken von Jugendlichen auf Schwächeren. Und Caleb sah sich eindeutig als "schwächer" im Sinne einer Benachteiligung an. Man sollte eigentlich meinen, dass ein junger Werwolf nach ein paar Monaten unter Wölfen eigentlich längst alle Verhaltens- und Lebensweise gelernt haben sollte, ganz zu schweigen davon, seine Verwandlungen unter Kontrolle halten zu können. Nun, Ersteres war ihm durchaus teilweise gelungen, allerdings längst nicht so gut, wie er sich erhofft hatte. Er war immernoch unsicher im Umgang mit echten Wölfen, was vermutlich auch daran lag, dass er sich noch immer nicht als Wolf fühlte. Er hatte mittlerweile akzeptiert, dass er nun als Werwolf leben musste, aber damit war auch die Erkenntnis in ihn eingesickert, dass ein Werwolf nunmal kein richtiger Wolf war. Er war anders, und er wusste, dass jeder echte Wolf das merken musste - Sheena hatte selbst gesagt, dass er irgendwie anders roch. War es da verwunderlich, dass er gesellschaftlich immernoch am Rande des Rudels herumlungerte? Naja, nicht ganz allein: er hatte Minyala. Aber Minyala war ein echter Wolf und hätte sich insofern jederzeit von ihm abwenden oder fortgehen können und keinerlei Probleme gehabt, Wolf unter Wölfen zu sein. Sie konnte ja gar nicht wissen, wie dankbar er ihr dafür war, dass sie es nicht tat, sondern zu ihm stand.
Caleb unterbrach seine überwiegend pessimistischen Gedanken und reckte den Hals, um von seiner Position aus einen Blick auf die Welpen werfen zu können. Auch hier saß er im Abseits - Caleb verscheuchte jeglcihen Gedanken an Fußball sogleich wieder - und war an sich schon froh, dass man ihn so an den Welpen überhaupt duldete. Die Zeremonie war aufregend, gleichzeitig aber auch gruselig angesichts der Ähnlichkeiten zu menschlichen religiösen Zeremonien. Vielleicht war auch das etwas, was das Konzept der Religion selbst schon so mit sich brachte, aber es bei Wölfen zu erleben, oder überhaupt bei Tieren allgemein...
Caleb brach seine Überlegungen an dieser Stelle ab. Er wusste, wohin sie ihren führen würden, und daher wusste er auch, dass es keinen Sinn machte, sie erneut zu Ende zu denken. Den Hungertot zu sterben oder wenigstens Veganer zu werden war nunmal keine Option für einen Fleischfresser, auch wenn dieser gerne vermieden hätte, die Mutter oder den Patenonkel eines anderen lebenden Wesens zu verspeisen.
Sie waren jetzt beim vierten und damit letzten Welpen angekommen, wenn Caleb das richtig mitbekommen hatte, und von Minyala hatte er noch immer keine Spur entdecken können. Wo war sie nur, sie verpasste die ganze Zeremonie! Oder kam sie absichtlich nicht, weil sie solche Veranstaltungen nicht mochte? Ganz undenkbar war es ja nicht, immerhin war Minyala von dem hiesigen Fanatismus genauso wenig begeistert wie er selbst. Moment mal...
Caleb lehnte sich zur Seite und reckte den Kopf noch etwas mehr in die Höhe, um über die Köpfe der größeren Wölfe und an Tyraleen vorbei schielen zu können. Ach, dieses weiße Stück Fell gehörte Minya! Und er hatte sich schon gewundert, wieso Tyraleens sonst so makelloses Fell an dieser Stelle auf einmal so zerrupft und etwas schmuddelig aussah! Dabei hätte er diese unvergleichlich geknickte Rutenspitze erkennen müssen - und hätte es vermutlich auch, wenn er sie auf diese Entfernung denn als Rutenspitze erkannt hätte...
Der junge Werwolf sprang sofort auf und schlug einen Bogen um die Versammlung, um sich zu Minyala zu gesellen. Die unterhielt sich gerade mit einer schwarzen Wölfin mit weißer Gesichtszeichnung, wobei "unterhalten" vielleicht doch nicht ganz der richtige Ausdruck war? Die Schwarze krümmte sich seltsam und ihre Stimme klang, als litte sie Schmerzen. Caleb stoppte ein paar wenige Wolfslängen entfernt und sah unsicher zu Minyala.

"Ähm... ich komme ungelegen, nicht wahr?"


[Versammlung | bei Minya und Malicia]

Linalee
04.09.2011, 14:30

Tinca fror. Erbärmlich. Sie fror wie ... ja, sie fror wie nie zuvor. Einerseits war es die Kälte des kalten Nass, dass sich durch ihr Fell und ihre Haut in ihre Knochen grub und sich dort einnistete. Andererseits war es diese Erwartung, die von überall auf sie zu stürmte. Sie konnte das nicht erklären, aber sie hatte das Gefühl, dass sie einfach verdammt fehl am Platze war. Es musste irgendwo auf dieser Welt noch eine andere Tinca geben, die sich gerade irgendwo genauso fehl am Platze fehlte wie sie selbst! Ja, genau so musste es sein! Jappsend holte Tinca bei dieser Erkenntnis Luft und fand den Mut, ihre Nase unter Mama's Bauch hervor zu holen, als Tyraleen sie ansprach. Ihre Brüder und ihre Schwester hatten die Zeremonie heil überstanden, von der Tinca jedoch rein gar nichts mitbekommen hatte. Sie wusste nur, dass die drei bereits durch waren und irgend etwas bekommen hatten. Aber was? Tinca hatte absolut keinen Plan. Und jetzt sollte sie das auch noch überstehen? Unmöglich! Doch Tinca wollte es dennoch versuchen, obwohl sie keinerlei Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten steckte. Aber ihre Geschwister hatten es überstanden. Und sie wollte ihre Eltern stolz machen, sie wollte ihren Eltern gefallen! Und sie wollte all den anderen gefallen! Egal ob sie vor diesen Angst hatte und sie nicht kannte. Sie wollte einfach nur allen Gefallen und alle stolz auf sie machen. Also erhob sich die kleine dunkle Tinca aus dem kalten hellen Nass, zog die Rute unter ihren Bauch und legte die Ohren an, um dann in geduckter Haltung zu Tyraleen zu flitzen. Bei ihr angekommen, versteckte sich Tinca hinter ihrem linken Hinterlauf und linste vorsichtig von dort aus hervor zu den ganzen anderen. Sie hörte Tyraleen kaum zu, ihre Worte flogen an Tinca vorbei, als wären sie nicht an sie gerichtet, als hätte Tyraleen weit weg diese Worte ausgesprochen. Und nicht direkt vor ihr. So entfiel ihr auch, dass ihr gesagt wurde, sie würde ihren Anders bekommen. Chardim. Sie sollte Chardim bekommen! Aber vor lauter Aufregung bekam sie es kaum mit. Anstatt sich darüber zu freuen, jappste sie angstvoll mehrmals auf und versuchte sich verzweifelt sich hinter Tyraleen's Hinterlauf zu verstecken. Sie wollte nicht mehr sie selbst sein, sie wollte mit der Tinca tauschen, die gerade irgendwo anders war, wo eigentlich sie selbst sein sollte. Um dieser Aufgabe, die eigentlich die andere Tinca absolvieren sollte, gewachsen zu sein, musste sich Tinca aber etwas einfallen lassen. Augenblicklich flüchtete sich Tinca in die Vorstellung, dass das hier ein Traum war und sie nur aufwachen musste, damit alles wieder in Ordnung wäre. Bestätigung suchend schaute sie zu Tyraleen auf, suchte einen Hinweis in ihren Augen, dass diese Tyraleen ein reines Produkt ihrer Fantasie war. Ja, genau so musste es sein! Aber in Tyraleens Augen schien alles freundlich, ernst und real zu sein. Also suchte Tinca Bestätigung in den Augen ihrer Traumeltern und ihrer Traumgeschwister. Aber auch dort war alles so real, wie es in Tyraleen's Augen nicht an Realität gemangelt hatte. War das wirklich ein Traum? Schon fing Tinca wieder an, an ihrer Flucht in den Traum zu zweifeln, doch was blieb ihr anderes übrig? Sie musste an diesem Traum festhalten! Sie musste einfach.


[direkt bei Tyraleen | Rudelhöhle]

Lyerra
05.09.2011, 15:11

Volk Zubami erwiderte ihren Blick nicht, aber das war nicht so schlimm. Er kam und ließ sich neben ich nieder, so wie es auch Aszrem tat. Sie verfolgten zusammen das, was geschah. Die Welpen waren aufgeweckt und ein wenig wuselig, dennoch sahen sie unheimlich lieb und freundlich aus. Die eine kleine dunkle Fähe die nun nach vorne hätte gehen sollen versteckte sich, schien verunsichert und verängstigt. Lyerra wusste nicht was mit der Kleinen los war, doch irgendwas schien es zu sein. Ihr Blick verfolgte die Regungen der jungen Wölfin, allerdings nur kurz, denn dann blickte sie ein wenig irritiert zu Sheena und anschließend zu Tyraleen. Was war bloß los, mit der Kleinen?
Sie spürte beinahe die Wärme der beiden Wölfe neben sich, lächelte leicht. Sie saß also nahe des Rudels zwischen zwei schwarzen Rüden und der eine davon war auch noch der Leitwolf! Es war verrückt, aber angenehm, auch wenn sie immer noch keinen Ahnung hatte was genau da vorne los war. Ganz sanft lehnte sie sich an Volk, atmete den Geruch seines Felles ein. Ihre Rute zuckte sachte, ihr Blick war friedlich und ruhig.
Den fremden Rüden bemerkte sie erst, als er sie ansprach und jeden herzlich anlächelte. Aszrem begrüßte ihn mit einer knappen Geste, nannte seinen Namen.
Liam.
Die Weiße lächelte den Dazugekommenen beinahe genauso herzlich an wie er es eben getan hatte, nickte kurz, ehe sie sich wieder an ihren besten Freund lehnte. Es war schön seine Wärme zu spüren, den Halt zu spüren den er ihr gab. Sie lächelte versonnen, beachtete die Frage des Leitwolfs nicht, da sie nicht an sie selbst gerichtet war. Ihr Blick huschte zu Liam, sie musterte ihn ein wenig. Er schien nicht gerne viel zu reden, sonst hätte er bestimmt schon mehr gesagt, oder nicht?
Langsam setzte sie sich wieder aufrecht hin, legte den Kopf ein wenig schief und schaute nach vorne. Sie versuchte sich zu konzentrieren, auf irgendwas, doch sie konnte es nicht. Ihr Blick huschte zu Aszrem.

“Solltest du als Leitwolf nicht bei Tyraleen stehen?“

Sie blickte ihn ernstlich interessiert an, blinzelte kurz. Warum sollte die weiße Leitwölfin das alleine tun, wenn der Rüde neben ihr doch auch Leitwolf war? Lyerra verstand es nicht. Vielleicht sollte oder wollte sie es nicht verstehen. Dieses Rudel hatte Bräuche die sie nie zuvor gekannt hatte, Göttern deren Namen sie kannte, mehr aber auch nicht, und Mitglieder, die sie nicht einmal von Namen her kannte, obwohl sie schon recht lange hier war. Sie schloss die Augen, überlegte warum sie hier war, was sie hier hielt. Shariku hatte sie schon länger nicht mehr gesehen, Kouros war weg, Imiak war weg, Rhayon ebenfalls und war Ethelion tot. Längst schon stiegen bei dem Gedanken an ihren verstorbenen Gefährten keine Tränen mehr in ihre Augen, auch wenn sie ihn immer noch vermisste. Warum er gestorben war wusste sie nicht. Ihr Leben war das reinste Chaos, wie es schien. Was hielt sie hier, was hielt sie am Leben? Der Wille? Der Wille zu Leben. Die Angst vor dem Tod? Lyerra wusste es nicht. Warum kamen diese Gedanken gerade jetzt? Weil die kleine Schwarze vorne sich so fürchtete? Oder weil sie nicht wusste an was sie sonst denken sollte? An Frieden, an Sonne, an den kühlen Wald. An irgendwas. Doch es kam nichts. Nichts änderte sich. Was tat sie hier noch? Nichts hielt sie. Nichts.



{ bei Liam, Aszrem und Volk Zubami - nahe der anderen auf dem Rudelplatz ~ Volk hat mich gebeten ihn zu überspringen! }

Sheena
05.09.2011, 20:49

Voller Ehrfurcht waren ihre Ohren gespitzt nach vorne gerichtet um jedes einzelne Wort der Priesterin zu empfangen. Momentan war Tyraleen nicht mehr als das. Weder ihre Alphafähe noch ihre beste Freundin. Allerhöchstens noch ihre Priesterschwester. Aber auch da war Sheena sich nicht mehr sicher. Viel mehr kam es ihr vor, als ob es nicht Tyraleen selbst war sie sprach, sondern als ob Banshee, Engaya persönlich, ihre Stimme erhoben hätte.
Azrem hatte sie kurz vor Tyraleens Beginn noch inmitten des Rudels gesehen. Das gefiel ihr. Bestimmt war es in anderen Rudeln Aufgabe der Alphatiere die Welpen dem Rudel vorzustellen, doch hier war und würde es immer Aufgabe der Priesterwölfen sein und bleiben. Und das war gut so.
Stolz beobachtete sie wie ihr erstgeborener, Isaíha Caiyé, zu Tyraleen schritt, ihren Segen empfing und seinen Paten zugeteilt bekam. Bei der sachten Berührung die Tyraleen ihm zukommen ließ, spürte auch Sheena selbst eine Wärme in sich aufsteigen, welche sie nicht überraschte. Es waren ihre Kinder, ihre und die von Jakash. Und sie war selbst eine Priesterin, zwei starke Verbindungen die dazu führten, dass auch sie den Segen und die damit einhergehende Wärmewelle empfangen konnte. Glücksgefühle stiegen in ihr auf. Wohlige Schauer jagten dicht an dicht unter ihrem Pelz entlang, der Schnee schien beinahe unter ihren brennenden Pfoten zu schmelzen. Und sachte, ganz leise konnte sie die Stimmen ihrer Vorfahren vernehmen. Genüsslich schloss sie ihre Augen, wiegte ihren Kopf leicht hin und her und ein verzückter Ausdruck legte sich auf ihre Lefzen und in ihre goldfunkelnden Augen.
Letztere öffnete sie wieder, als Kisha anfing zu sprechen. Sheena war sich sicher, dass sie mit ihr eine gute Wahl getroffen hatten. Und auch wenn das Patengeschenk nichts materielles war, erschien es ihr doch fast noch wertvoller. Doch sie wollte nicht darüber urteilen, das Wichtigste war, dass es Isaí gefiel. Und das es das tat war nicht zu übersehen.
War Isaís fröhlicher Gesichtsausdruck schon auf seine Lefzen geschlichen, als er nach vorne treten durfte, so hatte er sich nur noch verstärkt, als Tyraleen zu ihm gesprochen hatte. Und als sie sich sicher war, dass er nicht noch mehr Lächeln und Grinsen konnte, tat er es dennoch, als er vernahm, wer seine Patenfähe werden würde. Ihr kleiner Sohn, freudestrahlend und im Taumel der Gefühle überschlug sich fast, als er von dem Geschenk an ihn erfuhr. Fast schon sorgte sich die Mutter, dass er sich Schmerzen zufügen könnte, wenn er nicht langsam aufhören würde zu grinsen. Doch das war wohl Unsinn. Leise amüsierte sie sich über das vollkommene Glück des Kleinen und dankbar nickte sie ihm zu, als er sie fassungslos über so viel ‚Geschenke‘ anblickte.
Und nun war Taleesha an der Reihe. Ihre erstgeborene Tochter mit dem Knickohr. Liebevoll betrachtete sie diese, keinerlei Zweifel an der Patenwahl. Tyraleen war, natürlich neben Jakash und ihren gemeinsamen Welpen, ihre Liebste. Und nichts in der Welt hätte sie davon abbringen können, sie zu fragen, ob sie Patin werden wolle. Sie konnte sich glücklich schätzen, dass auch Jakash nichts dagegen gesagt hatte. Schließlich war es nicht selbstverständlich, dass man einer Fähe die ihren eigenen Sohn umgebracht hatte, den eigenen anvertraute. Bei diesem Gedanken wand sie sich kurz an ihren Geliebten und schenkte ihm, neben einem warmen Lächeln, einen zarten Stupser gegen die Schnauze. Dann blickte sie wieder hinüber zu Tyraleen und Taleesha, nicht jedoch ohne Tinca, die noch immer unter ihrem Bauch lag, ermunternd anzustupsen.
Es war rührend zu sehen, wie auch ihre Tochter, genauso wie Isaí schon, kein Wort hervorbrachte. Einzig und allein das glückliche Fiepen und das schwungvolle anschmiegen an die Patenfähe zeugten von ihrer innewohnenden Freude. Also hatten sie auch hier den richtigen Riecher gehabt. Wundervoll.
Nun war Malik Hikaji an der Reihe. Sie liebte ihn, schon alleine wegen seines Zweinamens. Er erinnerte sie an ihre Familie, bei der sie nur so kurze Zeit hatte verweilen dürfen. Doch nun hatte sie ihre eigene gegründet. Mit Erinnerung an ihre Eltern, ihre Geschwister.
Der reinweiße trat leichtfüßig hinüber zu Tyraleen und wuchs sichtlich unter ihren Worten. Wieder musste sie amüsiert grinsen, als sie den für ihn auserwählten Paten betrachtete. Madoc hatte, genau wie der kleine Malik, einen reinweißen Pelz. Sie würden sich wunderbar ergänzen und, da er auch sie wunderhübsch fand, obwohl sie eher cremefarbenes Fell hatte, er würde ihn wegen seiner Fellfarbe lieben. Schließlich war er sehr vernarrt in seine eigene. Ein wenig hoffte sie aber auch, dass Madoc ihm zeigen würde, dass es gar nicht so schlimm war dreckig zu werden. Denn, natürlich war es hübsch anzusehen, wenn das Fell ordentlich saß und nicht dreckig war, ein wenig Schmutz gehörte zum Leben und es würde ihn viel Kraft kosten, wenn er immer, wirklich immer, sauber sein wollte.
Nun war auch ihr dritter Welpe sicher untergebracht. Es fehlte also nur noch die kleine Tinca. Die verstörte, ängstliche Tinca, die sich unter ihrem warmen Bauchfell gar nicht mehr zu rühren schien.
Einzig und allein das stetige Zittern erinnerte Sheena daran, dass die Schwarze noch lebte. Sorgenvoll streckte sie ihren Kopf hinunter, wohl wissend, dass Jakash nicht viel für Angstwölfe übrig hatte. Doch Sheena war sich sicher, dass es nicht nur bloße Angst war, die die kleine Fähe peinigte. Also, natürlich war es Angst. Aber keine natürlich verursachte. Sie fühlte es schier, dass da noch etwas anderes hinter steckte. Doch sie konnte nicht sagen, was es war, was es sein könnte.
Sie wünschte sich, dass Tinca nun, nach der Aufforderung Tyraleens, nicht lange zögern würde. Dass sie, wieder Sheenas Erwartung, fröhlich auf sie zugehen würde. Doch das war nicht der Fall. Und es zeriss ihr das Herz, als sie sah, wie Tinca fast schon panisch auf Tyraleen zulief. Die Rute zwischen die Hinterläufe geklemmt, die Ohren dicht an den Kopf gepresst. Und dann wünschte sie sich plötzlich Tinca hätte länger gezögert, wäre einfach unter ihrem Bauch sitzen geblieben.
Nun verkroch sich die Schwarze hinter Tyraleen, blickte schüchtern hinter den Hinterläufen hervor. Sie fühlte sich sichtlich unwohl, Sheena spürte förmlich, wie Tinca sich woanders hin wünschte.
Sie hoffte, dass Chardíms Anwesenheit sie etwas beruhigen würde. Schließlich hatte sie mit ihm bereits Kontakt geknüpft und es hatte nicht ausgesehen, als ob sie sich vor ihm gefürchtet hatte.
Doch anscheinend war sie so von ihrer Angst ergriffen, dass sie Tyraleens Worten gar nicht folgen konnte. Und sie konnte nur hilflos zusehen. Instinktiv schmiegte sie sich an Jakash, die innewohnende Wärme war ihr schlagartig abhanden gekommen.


[ Zeremonie - Rudel - Jakash, Shani]

Kisha
06.09.2011, 14:33

Amüsiert beobachtete Kisha, wie der kleine Wolf seine Umgebung betrachtete, das Rudel beobachtete, die Bäume anblickte. In seinem kleinen Kopf waren sicher unzählige Fragen, die alle auf eine Antwort warteten. Aber sie würden genug Zeit zusammen haben, jede durchzugehen, und sie würde sich jede Mühe geben, um jede Antwort zu beantworten. Als Isaí sich an sie wandte, und davon sprach, ein guter Geduld-Wolf zu werden, nickte die dunkle Wölfin sachte. Ob der Rote dies wohl wirklich schaffen konnte? Welpen waren normal alles andere als geduldig. Aber sie würden sehen, was die Zeit mit sich brachte.

Da freuen sich bestimmt auch deine Eltern, und Tyraleen auch. Geduldige Wölfe sind sehr angenehm, meistens werden sie sehr gemocht. Aber du wirst sicher schnell groß, und dann können wir bald aufbrechen.“

Als der kleine Wolf sich an sie kuschelte, wurde ihr Lächeln noch einmal wärmer, und sie berührte den Kleine noch einmal sachte mit der Schnauze. Nun blickte Isaí sie ein wenig verwirrt an, und Kisha musste leicht blinzeln. Was hatte sie nun wohl gesagt, dass der kleine Wolf sie so verständnislos anblickte? Er kannte es nicht wirklich allein zu sein, vielleicht war es das? Es dauerte nur einen Moment, bis der Welpe selbst aufklärte, und seine Worte legten sich warm um ihr Herz, ließen sie lächeln.

Ich habe dich auch sehr gern bei mir, Isaí. Aber man muss auch akzeptieren, wenn ein Wolf allein sein möchte. Wenn du dich jemandem aufzwängst, verärgert ihn das vielleicht. Das führt nur zu Streit, und wir wollen hier doch alle in Frieden zusammen leben, nicht wahr?“

Dann lag Isaí auf dem Rücken bei ihr, versuchte sich gegen ihr Kitzeln zu wehren, woraufhin die Schwarze nur sachte über seinen Bauch schleckte, ihn lächeln anstubste.
Kisha blickte nicht noch einmal zu Averic, hob jedoch den Kopf, als eine Tochter des Besagten zu ihnen trat und Isaí, so wie ihr selbst, gratulierte. Kisha nickte dankend, öffnete dann leicht den Fang.

Danke Amúr. Wir können unser Glück selbst kaum fassen.“

Sie zwinkerte der Grauen zu, bedachte dann auch den Welpen mit einem kurzen Blick. Ihre Ohren neigten sich leicht zurück, als Amúr zu ihrem schwarzen Vater blickte, sich dann wieder zu ihnen wandte. Einen Moment blickte Kisha ihr in die Augen, war sich jedoch nicht sicher, was sie in ihren Seelenspiegeln lesen sollte. Also blickte sie lächelnd wieder zu Isaí, der nun direkt von der grauen Jungwölfin angesprochen wurde.


[Nähe der Zeremonie – Isaí & Amúr]

Krolock
06.09.2011, 15:11

Krolock hatte nur ein Ohr in die Richtung des Geschreis von Cirádan gerichtet und war weiter gegangen. Ab ins Wasser, durch den Fluss und auf der anderen Seite wieder hinaus. Wozu die Panik? Es war doch nur ein Fluss? Genauso gut hätten sie im Wald von einem Ast erschlagen werden können. Sterben konnte man überall und zu jeder Zeit, was also brachte die Angst davor?
Gelangweilt wartete der Schwarze, bis seine Verfolger den Fluss überquerten. Taten sie allerdings nicht. Sie liefen auf und ab, wie zwei Gefangene. Lächerlich, einfach lächerlich. Ohne jeden Elan folgte er parallel auf der anderen Flussseite dem Lauf der beiden. Wollten sie nun das Gewässer umrunden, oder wie? Da hätten sie dann wohl so ihre Probleme.

„So was Blödes wie dich findet man auch nicht hinter jedem Baum!“

Murrte er zu Nihil hinüber.

„Da wo ein fließendes Gewässer schmal ist, ist die Strömung am stärksten, weil sich das komplette Wasser in den engen Kanal drückt. Zudem ist es da auch meist tiefer.“

Er sah zu Ciràdan hinüber, ob dieser gleich denselben Unsinn zu machen gedachte. Der Fluss hatte auch seichtere Stellen, Krolock zumindest wusste das. Aber scheinbar hatte Nihil gar nicht erst nach diesen gesucht, sondern meinte besonders klug zu sein, in dem er die kürzeste Distanz zurücklegte.

„Geh weiter flussaufwärts, da kann man durchlaufen. Da wo der Fluss ganz breit ist.“

E sprach laut, langsam und eindringlich. Wie man eben mit völligen Idioten sprach. Er verdrehte die Augen und seufzte theatralisch.

„Ihr kennt euch in eurem eigenen Revier nicht aus. Die Beutetiere krümmen sich sicher vor Lachen, wenn sie euch austricksen. Kurz: Ihr könnt gar nichts. Gar nichts. Ihr seit langsam, laut, ungeschickt und habt euch noch nicht einmal die Mühe gemacht, euch auszukennen! Wie wollt ihr so wissen, wie man die Beute in die Falle lockt? Was wenn ein Hirsch durch das Wasser rennt, mit seinen langen Beinen? Die haben so was wie Verstand. Anders als ihr!
Und selbst wenn man das Revier aus anderen Gründen erkundet, die nicht dem Zweck der Jagd dienen. Nach so langer Zeit sollte man sich einfach auskennen!“


Krolock beendete seine Schimpftriade und beobachtete, was Nihil da tat.

„Einmal fast abkratzen reicht dir wohl nicht?“

Er hüpfte mit der Strömung.


[Am Fluss zwischen Misch- und Tannenwald, bei Nihil und Ciradan]

Isaí Caiyé
06.09.2011, 20:25

Kishas Ausführung gefiel ihm. Wenn er ein guter Geduld-Wolf werden würde, würden ihn alle mögen und das viel mehr als seine Geschwestern und seinen Gebruder. Die Vorstellung gefiel ihm und so war er entschlossen, geduldig zu sein, was auch immer das nun wirklich genau bedeutete. Er würde warten können, sein Geschenk einzulösen. Morgen war ja auch noch ein Tag. So nickte er aufgeregt und konnte Morgen kaum noch erwarten. Er wollte unbedingt alles sehen, was es zu sehen gab und das am besten noch vor allen anderen. Doch Kisha würde sicherlich auch wollen, dass er zuerst alles sah. Ganz, ganz bestimmt. Er drückte den Kopf in ihr Fell, sog ihre Witterung tief ein und speicherte sie sich unbewusst für spätere Momente ganz fest ein. Er fühlte sich wohl, fühlte sich einfach wohl und war zufrieden mit dem Licht, welches er sich nicht schöner hätte vorstellen können. Seine großen, ehrlichen Seelenspiegel fixierten den Blick seiner Kisha und er lächelte, nachdem er ihr verkündet hatte, wie sehr er ihre Anwesenheit schätzte. Ihr Blick erfüllte ihn mit einem angenehmen Kribbeln und so drückte er erneut den Kopf in ihr Fell und genoss die Wärme, die es mit sich brachte. Ganz wie bei Mama. Nur dann doch noch nicht ganz so heimisch. Einen Augenblick schielte er kurz zu ihr hinüber, lächelte wieder zufrieden bei ihrem Anblick und war beruhigt, dass sie und auch sein Papa noch da waren. Aber wo hätten sie auch hin sollen? Sie würden sie doch niemals alleine lassen.

Seine Ohren zuckten bei den Worten der Papafellfarbenen und während er zu Beginn nickte, wurde seine Miene mit der Zeit immer ein bisschen nachdenklicher, ehe er erneut etwas widerwillig nickte.

„Wir können es ihm ja anbieten und wenn er nicht will, dann muss er eben alleine bleiben. Ich will ihn nicht verärgern. Ich mag keinen Streit!“, schlug er etwas niedergeschlagen vor und blickte kurz zu Kishas Gebruder hinüber, als es dann aber schon wieder vorbei war mit dem Gedanken an ihn.

Sein Blick fiel auf eine… steinfarbene Mama, die sich ihnen nährte und ihnen gratulierte. Neugierig stellte er die Ohren, fragte sich kurz, woher sie seinen Namen kannte, erinnerte sich dann aber wieder daran, dass Tyraleen ihn ja laut genannt hatte. Vorsichtig musterte er sie, folgte ihrem Blick kurz und sah dann hinüber zu Kisha, die ihr antwortete. Isaí selbst schwieg erst noch, gab sich etwas schüchtern und beobachtete die Steinfarbene schließlich prüfend. Wildfang. Was war denn das? Als suchte er Bestätigung wanderte sein Blick zurück zu seiner Kisha, doch nachdem sie keinerlei Anstalten machte, dass die fremde Mama was böses wollte, begann auch er wieder breit zu lächeln und strahlte sie an. Sie stellte sich ihm nun als Amúr vor und Isaí richtete sich etwas auf.

„Hallo, Amúr!“, verkündete er glücklich und fixierte sie mit den pfützigen Seelenspiegeln. „Ja, wir sind glücklich! […] Und du? - Bist du gerne alleine?“

Direkt das Gespräch weitergeleitet. Neugierig schielte er zu ihr hinüber. Er konnte es immer noch nicht glauben, dass es Wölfe gab, die gerne allein waren.


{ mit kisha und amúr bei der zeremonie }

Minyala
07.09.2011, 12:27

Hatte Minyala nicht gerade angefangen, Malicia für beinahe normal zu halten? Offensichtlich wollte die schwarze Fähe alles daran setzen, diesen Eindruck schnellst möglich wieder zu zerstören. Zunächst war es nur ein etwas komischer Gesichtsausdruck und der in sich gekehrte Blick, der Minya ein wenig irritierte. Sie war ein wenig zu überzeugt von sich selbst, um die Schuld für diesen Wandel Malicias auf die eigene Kappe zu nehmen, aber eine Spur von ungewohnter Unsicherheit machte sich in ihr bemerkbar. Als die Schwarze dann erklärte, warum sie sich vom Glauben abgewandt hatte, tauchte ein sehr großes Fragezeichen über dem Kopf der Einohrigen auf und tanzte über ihrer Stirn. Zunächst einmal hatte Malicias sehr seltsam geklungen und auch wenn Minyala sonst wenig misstrauisch war, könnte sie unter Umständen so weit gehen und die Schwarze der Lüge bezichtigen. In diesem Fall hätte sie ihr das aber nicht einmal übel genommen, war schließlich eine sehr persönliche Frage und dass Malicia kein trotziges „Sag ich dir nicht, ätsch!“ von sich geben wollte, konnte die Silberweiße verstehen. Aber irgendetwas schien nun komplett falsch zu laufen. Plötzlich krümmte sich Malicia wie unter großen Schmerzen und rief dann ziemlich wirres Zeug. Mit großen Augen starrte Minya ihr Gegenüber an und wusste nicht, was tun. Hauptsächlich hatte sie Angst, dass Malicia wieder sterben würde, aber noch hielt sich die Schwarze auf den Pfoten. Und dann tauchte plötzlich Caleb auf, was die Silberweiße durchaus freute, was sie aber dank der Situation, die er messerscharf erfasste, nicht so recht zeigen konnte. Viel eher warf sie ihm einen ungewohnt hilflosen Blick zu, verzog dann das Gesicht zu einer Grimasse und zuckte mit den Schultern. Sie hatte nie etwas gegen seine Gesellschaft und vielleicht wusste er ja besser mit religiös verwirrten Wölfen umzugehen. Immerhin war er selbst einer. Jetzt fand sich schon wieder ein schiefes Grinsen auf ihrem Gesicht ein, auch wenn es gleich wieder verblasste, als sie sich zu Malicia umdrehte und sie einfach mal sachte mit der Nase berührte. Vielleicht half das ja irgendwie, Minya hatte nicht den blassesten Schimmer. Genauso fehlten ihr zum ersten Mal, seit sie denken konnte, die Worte. Sollte sie anmerken, dass diese ganze Nichtsgeschichte, von der sie ab und an mal etwas gehört hatte, irgendwie total verrückt klang? Passte jetzt leider nicht mehr. Sollte sie nach dem quälenden Fenris fragen? Oder lieber nach der Falschheit ihres Glaubens? Oder doch nach dem Umstand, ein Bansheekind zu sein? Banshee - wenigstens das hatte sich Minya gemerkt! – war so etwas wie die Stammmutter dieses Rudels, die alte Leitwölfin, die – wie es alte Leitwölfinnen so an sich hatten – irgendwann gestorben war und damit eine große Lücke in diesem Rudel hinterlassen hatte. Außerdem war sie so ziemlich mit jedem verwandt und Malicias Aussage zu folge, wohl die Mutter der Schwarzen. Jetzt empfand Minya eine Spur von Mitleid, möglicherweise hatte der Tod ihrer Mutter Malicia sehr getroffen? Zumindest wäre es Minya nicht im Traum eingefallen, sich als Kind ihrer Mutter zu bezeichnen und damit auf irgendwelche angeborenen Charaktereigenschaften oder in die Wiege gelegten Aufgaben anzuspielen … oder was auch immer Malicia nun mit ihrer Bezeichnung hatte ausdrücken wollen. Minyala fiel wieder ein, dass sie etwas sagen musste und bevor sie sich nun wieder in Gedankengänge verstrickte und am Ende nichts rauskam, machte sie einfach den Mund auf und plapperte drauflos. Das hatte doch immer irgendwie geklappt.

“Ist alles okay? Hast du Schmerzen? Weißt du, ich habe von all diesen Dingen hier ja wirklich keine Ahnung, aber ich glaube, du siehst das alles ein wenig streng. Ich weiß nicht, was es heißt, ein Bansheekind zu sein und wie Fenris einen quälen kann, ist mir auch schleierhaft, aber wenn du dich ein wenig entkrampfst und weniger über so Zeug nachdenkst, würde es dir sicher besser gehen. Lach doch einfach mal, genieß die Sonne und vergiss die Tatsache, dass da irgendwelche Götter sind, die die möglicherweise etwas antun wollen. Und wenn ich mich nicht stark irre, gibt es sowieso keinen falschen Glauben, weil Glauben nun mal Glauben ist und der kann nicht falsch sein. Ist ja nur Glauben. Wissen kann falsch sein. Wenn ich dir beispielsweise erzähle, dass unser Caleb hier …“ Mit einer Schnauzenbewegung winkte sie ihn näher heran. “… ein echter Wolf ist oder dass er wüsste, wie man ein Reh erbeutet. Apropos Caleb, der ist dir in vielen Punkten sehr ähnlich. Der hält seinen Glauben nämlich auch für falsch, oder irgendwie verzerrt, oder zumindest zweifelt er zu Recht an dem ganzen Konstrukt, das man sich da so aufzubauen pflegt. Nicht wahr, Caleb? Ihr könntet euch einmal darüber austauschen, oder du zeigst Malicia einfach ein paar von unseren Entspannungsübungen, die wirken wahre Wunder, nä?“

Und Mund zu. Das war jetzt aber erst Mal genug, mal sehen, ob sie es mal wieder geschafft hatte, sich elegant aus einer Situation zu reden.


[ etwas abseits des Rudels | Malicia und Caleb ]

Majibáh
08.09.2011, 22:02

Majibáh war hin- und hergerissen. Einerseits wollte sie auf die Worte Avendals eingehen, weil es sie stolz machte, dass diese ihr ihre Sorgen anvertraut hatte und andererseits war sie sehr neugierig, wie der Ablauf einer Taufzeremonie funktioniert. Außerdem wollte sie diese nicht stören, indem sie dazwischen redete. Also entschied sie sich dafür, einen Moment abzuwarten und zu beobachten, wie die Welpen ihre Paten zugeteilt bekamen, wobei sie diese Zeit auch dazu nutzte, um darüber nachzudenken, wie sie der Wölfin helfen konnte, bevor sie begann zu sprechen.
Eigentlich hatte sie sich noch nicht allzu viele Gedanken um die Götter gemacht. Ja, sie war Anhängerin Engayas und glaubte daran, dass Fenris existierte, doch das war nicht der wichtigste Bestandteil ihres Lebens. Es fühlte sich auf eine unerklärliche Weise gut an, jemandem zugehörig zu sein, aber wenn man das war, beschäftigte man sich oft viel zu wenig damit. Als ihr das bewusst wurde, verspürte sie den Anflug eines schlechten Gewissens, den sie allerdings sofort wieder verdrängte. Gerade sollte es sich einfach einmal nicht um ihre eigenen Probleme drehen, zumal sie nicht in allzu großer Zahl und Schwere vorhanden waren.
Die Weiße konzentrierte sich wieder auf das Geschehen, hörte Tyraleens angenehme Stimme Tinca und Chardím zu sich rufen. Eine Zeit lang herrschte Stille und dieses Schweigen nutzte sie sofort, um ihrer Gesprächspartnerin nun endlich zu antworten.

„Du solltest nicht zu viel darüber nachdenken, an was du glauben sollst. Umso mehr du dir den Kopf darüber zerbrichst, umso mehr Fragen wirst du auch aufwerfen. Irgendwann wirst du es einfach spüren. Keiner kann dir sagen, wann dieser Zeitpunkt kommen wird, aber das wird er, dessen bin ich mir sicher. Sei einfach ohne Vorbehalte. Es gibt nicht nur richtig und falsch, gut und böse. In allem sind beide Eigenschaften miteinander vereint, also brauchst du dir keine Sorgen darüber zu machen, welche Entscheidung du triffst. Wenn du sie für die Bessere für dich hältst, dann ist sie das auch. Vielleicht nicht für andere, aber eben für dich selbst. Kein anderer kann dir das sagen“,

flüsterte sie, so laut, dass die Jüngere sie noch deutlich verstehen müsste und gleichzeitig so leise, dass es niemanden in ihrer Nähe stören konnte. Ihre Worte waren begleitet von einem aufmunternden Lächeln, das der Fähe bedeuten sollte, dass sie ernsthaft an ihren Sorgen interessiert war und auch fest an das glaubte, was sie ihr soeben prophezeit hatte. Doch um das noch einmal zu bekräftigen, fügte sie noch rasch hinzu:

„Ich danke dir für dein Vertrauen, ich werde es nicht missbrauchen. Versprochen.“


[auf dem Rudelplatz - bei Avendal]

Cirádan
10.09.2011, 14:46


Sein Herz klopfte schmerzhaft und auch die kühle Luft spürte er tief in seinen Lungen. Cirádan war ausdauernd, so wie er gedankenverloren durch das Revier trabbte. Aber der schnelle Lauf lies ihn erschöpft und eigentlich war es für ihn genug.
Man jagte die Beute nicht immer zu, man wechselte sich ab ... Man hielt die Beute wach. Man attackierte sie immer mal wieder, aber verausgabte sich nicht.
Doch das hier war keine echte Jagd. Es war ein Spiel mit Krolock. Ein gemeines Spiel mit Krolock, der ihm so viel Angst machte, auch wenn er weglief.

Er hörte das Knurren an seiner Seite und ein verwirrter Blick galt Nihilus. War er denn nicht auch froh, dass Krolock nichts passiert war? Nur langsam dämmerte es dem Hellgrauen warum der Nichtsfreund wütend sein könnte. Krolock manipulierte die Regeln des Spiels wie es ihm gerade gefiel und einfiel. Eine Beute würde doch nicht tatsächlich so leichtsinnig in die Fluten springen? Und wenn doch, dann würden sie dem Wasserlauf folgen und dort vielleicht einer toten Beute begegegnen. Oder die Jagd war zu Ende. Sie wäre zu Ende, denn in Cirádans Kopf würde sich kein vernünftiger Wolf ins tosende Wasser stürzen wollen. Der Tod im Wasser war nass und kalt.

Ohne ein Wort zu sagen folgte er dem Grauen, immer wieder zu Krolock hinüber sehend. Wollte er also den Fluss überqueren? Einerseits war es eine Möglichkeit zu zeigen, dass sie beide ebenso mutig ... oder ebenso dumm wie Krolock waren. Aber andererseits? War es das wirklich Wert?
Cirádan allerdings wollte auch nicht aufgeben. Wider besseren Wissens.

Der Halbblinde wusste nicht was Nihil vorhatte. Oder wollte es gar nicht wissen. Vielleicht täuschte er sich ja. Er schien immer noch keine Ahnung zu haben, als Nihil abdrehte. Doch als er dann plötzlich auf das Wasser zulief, lief auch Cirádan los in der Hoffnung in noch umzurennen.
Er war doch nicht wirklich so so ... so ... Doch er verfehlte seinen Freund, kam schliddern zum Stehen und sah heute zum zweiten Mal wie jemand in den Fluten unterging.
Diesmal war Cirádan still. Sein Herz schlug hart und er suchte die Wasseroberfläche ab um Nihil zu entdecken. Als dieser wieder auftauchte, war die Angst jedoch keineswegs verflogen.
Krolock war ein Teufel, aber Nihil war ein ganz normaler Jungwolf und Cirádan hatte Angst dass er es nicht schaffen könnte.

"Du musst weiter schwimmen! Nihil gib nicht auf!", schrie der Hellgraue laut und versuchte das Getöse zu übertönen so dass auch Nihilus mit dem Wasser in Ohren und Maul es noch hören könnte.

Er hörte Krolock rufen, sie belehren aber für Nihil war es bereits zu späht. Er kämpfte sich durch die Fluten. Und so gern Cirádan sich einerseits auch beweisen wollte und so mutiger er auch mittlerweile war. Das traute er sich nicht zu. Hibbelig lief er im Kreis am Fluss herum und wusste nicht was er tun sollte.

Doch er sollte wieder Flussaufwärts laufen? Da wo der Fluss breiter war. Cirádan wusste das es Stellen gab an denen man den Fluss mit leichtigkeit überqueren könnte, doch erst wollte er abwarten ob Nihilus es tatsächlich schaffen würde. Erst dann würde er diese Stellen suchen um zu den zwei Jungwölfen zu kommen.

Immer noch Kreise laufend, konnte er nur hilflos zusehen wie auch Krolock wieder in die Fluten sprang. Laut jaulte Cirádan auf, als ob jemand ihn schmerzhaft gebissen hätte. Was dachten sich die zwei nur? Was sollte er tun?
"Krolock! Nihil!", winselte er nur verzweifelt und hoch ohne zu wissen wie er helfen könnte.




[Nihil und Krolock - Krolock jagend - fernab der Zeremonie]

Amúr
10.09.2011, 22:24

Sie lächelte als sie die Worte von Kisha vernahm. Obwohl sie in das Rudel hinein geboren ist kannte sie nur wenige vom Rudel. Was auch an ihrer damaligen Art gelegen hat. Wie es wohl jetzt wäre, wäre sie niemals fort gegangen? Sie wusste es nicht und eigentlich wollte sie sich diese Frage auch gar nicht stellen. Sie sah wie Kisha ihr zuzwinkerte.

“Das freut mich, Kisha. Habt ihr beide noch etwas besonderes vor heute?“

fragte sie, ehe sie ihre Aufmerksamkeit wieder dem Welpen widmete.
Sie konnte sich gar nicht vorstellte das sie vor gar nicht allzu langer Zeit auch so klein gewesen war. Sie betrachtete den kleinen ruhig und sah wie er wartete bis Kisha fertig war und wie sich schlagartig ein Lächeln auf seine Lefzen legte. Auch er bestätigte das er mehr als zufrieden war und stellte sogleich zwei fragen an sie. (Und ich?), hallte es in ihrem Kopf. Sie schluckte. Nein, nein das war sie nicht. Sie unterdrückte dem Impuls zu ihrem Vater oder zu ihrer Mutter zu sehen. Ihr Blick glitt kurz zu Kisha und dann zu Isaí. Sie hatte sich in der kurzen Zeit eine Antwort zurecht gelegt.

“Ja ich bin glücklich. Glücklich darüber das wir Herbstwelpen haben und das heute die Zeremonie ist. Denn bei dieser Zeremonie ist Engaya ganz nah bei uns.“

Was sie sagte war noch nicht einmal gelogen. Sie lächelte Isaí kurz an und machte sich dann über seine zweite Frage Gedanken. Sie fragte sich wie er auf diese Frage kam und kam zu dem Schluss das er mit Kisha gerade über dieses Thema gesprochen haben muss. War sie denn gerne allein? Manchmal. In letzter Zeit war sie oft allein, weil sie selbst es so wollte.

“Manchmal schon.“

sagte sie schließlich.

“Manchmal ist es besser allein zu sein.“

sagte sie ergänzend und schaute zu Kisha. Sie war sich nicht sicher ob der Kleien verstehen würde, was sie damit meinte, doch sie konnte gerade nicht genauer darauf eingehen. Denn die fragen von dem kleinen lösten mehr in ihr aus, als Isaí ahnte. Schließlich war sie wieder hier her zurück gekehrt, weil sie nicht mehr allein sein wollte. Weil sie bei ihrer Familie sein wollte, ihre Geschwister wiedersehen wollte und bei diesem Rudel sein wollte. Doch was war nun, nun zog sie sich so zurück. Doch sie wusste nicht anders damit umzugehen, zumindest momentan noch nicht. Sie musste andere Ansichtsmöglichkeiten finden um auf alles eine positive Sicht zu haben. Außerdem musste sie irgendwann einsehen das es, selbst wenn es besser werden würde als vorher, immer noch anders sein würde. Genau das war mit dem sie sich nicht anfreunden konnte, was sie nicht wahrnahm. Sie zuckte kurz mit den Ohren nach hinten, verfiel sie doch wieder nur ihren Gedanken. Sie schüttelte ihre Gedanken ab und horchte. Leises Summen und Brummen drang an ihr Ohr, flüsternde Worte. mal lauter, mal leiser. So konnte sie gut aus ihren Gedanken rauskommen und hatte eine idee was sie isaí fragen konnte

“Isaí weißt du eigentlich das es außer uns Wölfen noch ganz viele andere Lebewesen gibt? Auch welche die viel, viel kleiner sind als wir.“





[Isaí und Kisha - Rudelplatz]

Nihilus
11.09.2011, 11:50

Er fand Halt auf dem glatten Flussgrund von dem er sich abstoßen konnte um weiter zu kommen, das sollte nicht das Problem darstellen. Allerdings ließ die Strömung ihn keine ruhige Sekunde fassen um sich eine Taktik zu überlegen: der helle Körper wurde einfach mitgezogen, ohne sich dagegen stemmen zu können. Mit größeren Sprüngen versuchte Nihilus sich über das Wasser hinwegzusetzen und zum nächsten Ufer zu kommen – jetzt war er ein Mal nass, jetzt müsste er auch zeigen, dass er eben so stark wie Krolock war – leider mit nur geringem Erfolg. Da würde auch die Worte des Bruders nicht viel dran ändern können, die jetzt, viel zu spät, bei ihm ankamen und einen nützlichen Tipp verrieten: nützlich für den der noch nicht bis zum Hals im Wasser steckte! Mit einem lauten Knurren wollte er dem Schwarzen auffordern still zu sein und seine lästigen Kommentare zu lassen, doch zu seinem Missfallen kamen nur gurgelnde Geräusche raus, da das Wasser ihn daran hinderte. Mit weiteren Sprüngen die ihm eben so wenig halfen wie die ersten, ließ sich der Helle jedoch auf die Worte Krolocks ein und trieb ein wenig verkrampft mit der Strömung mit, die ihn sowieso schon von seinem eigenen Weg weit abgebracht hatte.

„Sei endlich still!“

Pressten sich die Worte beinahe wütend aus dem fast geschlossenen Fang des Rüden, der sich nun auch noch darauf konzentrieren musste Krolock auszublenden! Da sich dessen Prophezeiung allerdings bald zu erfüllen schien, konnten die Läufe den Jungrüden allerdings bald wieder vorwärts zum Ufer befördern. Selbst die Aufforderungen Cirádans nahmen die Ohren nun wieder für voll, die ihm im Gegensatz zu der tieferen Stimme am anderen Ufer zusprach. Dies alles trug dazu bei, dass es jetzt leichter war den gewohnten Schritt wieder aufzunehmen, auch wenn die Kräfte stark in Mitleidenschaft gezogen waren. Mit einigen letzten Schritten ging ein erleichtertes Seufzen durch den breiten Körper, als der Grund sich anhob und das Wasser an ihm abperlte. Geschafft! Geschafft! Kraftlos stieg er das niedrige Ufer empor, Kopf und Rute geschwächt dem Boden zugeneigt, bevor ein Schütteln den Pelz aufbrausen ließ. Die Lefzen grimmig verzogen sah er zu Krolock auf, konnte jedoch noch keine Worte fassen, da die unregelmäßige Atmung ihn davon abhielt.

„Traust du dich nicht faire zu spielen? Als ob irgendein Tier den Fluss überqueren würde!“

Nur mit Mühe konnte Nihilus das Grollen in seiner Brust verbergen. Dieser schwarze Depp brachte sie beide noch irgendwann ein Mal um! Die Ohren legten sich flach an, allerdings ging er keinen Schritt näher auf den Wolf vor sich zu. Er musste seine Kräfte sparen um an einer geeigneten Stelle wieder zurück zu Cirádan zu kommen.

„Wenn dir das Leben nichts wert ist, soll es mir egal sein. Allerdings solltest du mal ein bisschen Verantwortung dafür übernehmen, dass ich auch noch an dir hänge!“

Es war ein Zischen und gleichzeitig von der Tonlage her eine Verwünschung. Auch wenn Krolock sichtlich weniger Schwierigkeiten aufgewiesen hatte den Fluss zu überqueren, machte Nihilus ihn allein dafür verantwortlich, dass er schon wieder fast das Geschenk Engayas weggeschmissen hatte! Mit einem Schnauben fixierte der farblose Blick für den Moment Krolocks Farbenspiele, bevor er sich abwandte und den grauen Wolf auf der anderen Seite suchte. Ciradán schien sehr aufgebracht und besorgt, das war ihm anzusehen. Ein Anblick der in dem Hellen sofort die Schuldgefühle anwachsen ließ. Die Wut auf Krolock war also fürs Erste in den Hintergrund geschoben, genau so wie das blöde Spiel, das anscheinend keine Regeln besaß. Langsam lief der Weiße am Flussufer entlang.

„Uns geht es gut! Möchtest du an einer bessern Stelle versuchen zu uns zu kommen, oder sollen wir zurück?“

Es war eigentlich keine Frage welche Entscheidung die bessere gewesen wäre, allerdings zweifelte Nihilus daran, dass er selbst es in nächster Zeit noch ein Mal schaffen würde den Fluss zu überqueren. Allerdings wollte er dies dem sowieso schon besorgten Graupelz nicht unbedingt mitteilen.


(Fernab der Zeremonie - Cirádan & Krolock)

Malicia
11.09.2011, 17:12


Die Worte hallten in ihr wieder. Unaufhörlich.

>Du bist eine gute Wölfin und wirst es immer sein, egal was geschieht. Vergiss nur nie deinen Weg und dein Lächeln, dann werde ich immer bei dir sein. Auf Wiedersehen, Malicia, meine kleine Tochter.<

(Mama ... Ich wusste immer, dass ich zu dir gehöre. Zu dir. Und zu Engaya. Ich kenne meinen Weg. Mein Weg bedeutet, beim Rudel zu sein und auf meine Familie, meine Schwester aufzupassen.)


Sie schüttelte ihren Kopf, ihre eigene Stimme und die längst vergangene Banshees zu vertrieben und Platz zu schaffen. Sie lies ihren Blick immer wieder still wandern, zu Minyala, zu Caleb, dem Werwolf, in ferne Weiten. Immer wieder. Und wieder. Sie wusste nicht, auf was sie sich konzentrieren sollte. Jedenfalls musste sie fokussieren, um die schmerzlichen Erinnerungen zu vertreiben. Um den Anschein zu erhalten, dass sie Minyala folgte, nickte sie mit dem Kopf, starrte allerdings auf den Boden vor sich. Das mit den Entspannungstipps sollte sie aber tatsächlich ausprobieren...

oO( Früher oder später musst du dich entscheiden ...)Oo, quiekte die hohe Stimme wieder. Wie recht sie hatte. So viel Angst auch Malicia vor ihr hatte, irgendwie schien sie Malicia in eine Höhle zu führen, in der sie wachsen konnte. Eine Höhle, ein Geschenk Engayas, in der sie sich auf sich besinnen und endlich nachdenken konnte. Im Beisein des Rudels, welches sie so vermisst hatte. Verwirrt über ihre eigenen Gedankengänge und die Vielzahl Stimmen und Worte atmete sie tief aus. Sie hatte genug. Sie musste sich auf etwas anderes besinnen ... Caleb. Sie hatte noch kein Wort zu ihm gesagt.

"Nein, Caleb. Du kommst ... gerade richtig. Ein Auftritt kann nie falsch sein, das Schicksal lenkt dich schon in die rechte Richtung."

Wäre sie eine dieser mutigen, normalen Wölfe gewesen wäre sie jetzt sicher aufgesprungen, hätte ihm zugezwinkert oder ihn mit der Nase angestubst oder sonstetwas ... aber Malicia war nunmal nicht normal.
Sie schloss einen Moment die Augen. Ein Sternenhimmel. Eine Feder. Ein einzelner Blutstropfen. Eine Träne. Ihre Gedanken rannten, sie spielten die Musik des Rauschs, des Gedanken-Verloren-Seins, des Sich-Besinnens. Und doch etwas ganz anderes. Sie hörte auf ihren Atem. Sie spürte, wie er gleichmäßiger wurde.

(Für Mama. Trage eine Lächeln. Besinn dich auf dich und das Rudel. Behalte sie im Herzen. Ich verspreche es.)

Ihre Gedanken waren klar, wie das Wasser des Sees. Sie war ein Bansheekind. Sie glaubte. Und sie würde es schaffen, ihr Leben ein wenig in den Griff zu kriegen. Mit Engayas und Banshees Hilfe.



{Welpenhöhle || Minyala;; Caleb }

Caylee
12.09.2011, 11:22

Face Taihéiyos Antwort stellte Caylee nicht wirklich zufrieden. “Wenn einem nichts dazwischen kommt.“ … was sollte denn schon dazwischen kommen? Es hatte kein schlimmes Unwetter gegeben, keine Naturkatastrophe, nicht einmal Regen, der alle Spuren verwischte. Es gab keinen Grund für Eile und von so abstrusen Geschichten, wie dass ein Bekannter von Tiberius gekommen war und ihn aufgefordert hatte, ihn sofort zu begleiten, hielt Caylee nicht sonderlich viel. Vermutlich wollte Face ihr einfach sagen, dass Unvorhergesehenes eintreten konnte und sich dann normale Verhaltensweisen änderten. Aber in diesem Fall schien ihr das Lächerlich, so sagte sie nichts mehr und starrte nur ein wenig finster vor sich hin. Bis Face begann zu erklären – wieder erstaunlich viel – und damit Caylees Fantasie und Neugierde weckte. Von netten und wenig schlechten Menschen hörte man selten, aber wenn Face einen gekannt hatte, dann musste er wohl Recht haben. Sicher war der Mensch, der ihm diesen Stein geschenkt hatte, ein netter Mensch gewesen. Die Beschreibung des Äußeren der Menschen verblüffte Caylee dann. Sie hatten kein Fell? Das Bild vor ihrem inneren Auge wandelte sich, ein aufrechtstehender Varg ohne Fell. Irgendwie sah es lächerlich aus. Doch dazu kam, dass sie ein plattes Gesicht haben sollten. Die Schnauze des Vargs zog sich zurück und so blieben nur noch die schwarze Nase und die furchterregenden Zähne im felllosen Gesicht. Es sah noch ein wenig komischer aus. Was sie allerdings mit ihren Vorderpfoten machen konnten, war Caylee schleierhaft. Sie stellte sie sich eher nutzlos am aufrechtstehenden Menschen herunterbaumelnd vor.

“Das klingt nicht sehr gefährlich.“, merkte sie zunächst an. “Warum hat dir dieser Mensch den Stein geschenkt? Konntest du mit ihm sprechen?“

Caylee wusste nicht, ob man mit Menschen sprechen konnte. Sie verstand die Sprachen der Füchse und der Bären und auch Vögeln hörte sie ab und an zu. Aber bei anderen Tieren hatte sie es noch nie versucht …


[ auf dem Weg zum Rudelplatz | Face ]

Tyraleen
12.09.2011, 11:55

((Chardím per SL übernommen ...))

Tyraleen beobachtete recht erstaunt, aber vor allem sehr stolz, wie Tinca sie zunächst mit großen Augen anstarrte, sich dann ganz langsam und mit eingezogener Rute und angelegten Ohren erhob und schließlich tatsächlich zu ihr flitzte, als wäre sie ein rettendes Eiland in einer stürmischen See. Hinter dem Lauf der Weißen versteckt, war sie zwar noch nicht ganz in der Position, die ein Welpe normalerweise einnahm, aber Tyraleen beschloss, die Kleine nicht noch mehr zu überfordern. Sie wirkte schon verschreckt und ängstlich genug und die Blicke, die die Leitwölfin ab und an von unten trafen, schienen fast ein wenig verzweifelt. Chardím war nun auch zu ihnen getreten und wollte seinerseits Tinca ein wenig beruhigen. Er beugte sich zu ihr und stupste sie ganz leicht an, lächelnd und so ruhig wirkend, wie er nur konnte. Hoffentlich würde Tinca das zeigen, dass wirklich alles in Ordnung war. Auf die beruhigende Wirkung Chardíms setzend, schob sich Tyraleen ein klein wenig nach hinten, sodass Tinca nun unter ihrem Bauch lag und sie sie wenigstens berühren konnte. Es blieb zu hoffen, dass sie nicht wieder flüchten würde. Um ihr noch ein wenig mehr Schutz zu gewähren, setzte sich die Leitwölfin, sodass Tinca nun halb in ihrem Bauchfell verschwand. Fast ein bisschen wie bei Sheena, wo sie sich zuvor immerhin einigermaßen sicher gefühlt zu haben schien. Noch kurz zögerte die Weiße, dann begann sie mit dem nächsten Zeremonietext.

“Die Letztgeborene des Wurfes ist eine sehr schüchterne kleine Dame. Noch ist sie unsicher und kennt unsere schöne Welt noch nicht, aber auch sie wird bald eine große Tochter werden und ihrer Mutter in ihrer Schönheit in nichts nachstehen. Ihre Eltern gaben ihr den Namen Tinca und mit Engayas Segen sollst du, kleine Wölfin, von nun an so genannt werden. Möge Engayas Liebe dich vor jeder Gefahr bewahren und ihr Schutz dich begleiten, von nun an und für alle Zeit. Möge ihr Licht dir stets den richtigen Weg leuchten und dich daran erinnern, dass du eine Familie hast, die dich liebt und trägt. Möge sie dich willkommen heißen im Leben und in diesem, unserem, Tal. Willkommen, Tinca.“

Es war ein wenig umständlich, Tincas Stirn zu erreichen, aber als Tyraleen sie fand und sanft berührte, hoffte sie, dass auch die kleine Schwarze nun den warmen Schauer der Göttin spürte und merkte, dass dieser Moment ein ganz besonderer war. Lächelnd hob die Leitwölfin den Kopf und sah zu ihrem Sohn.

“Sheena und Jakash Caiyé bitten dich, Chardím, ihnen bei der Erziehung ihrer Tochter beizustehen. Willst du ihnen helfen sie zu erziehen, ihr Geborgenheit spenden, sie lieben und sie beschützen und dein Leben für sie geben, wenn es sein müsste? Willst du ihr Pate werden?“

Sie war stolz, dass Sheena und Jakash auch einen ihrer Söhne als Pate ausgesucht hatten. Chardím würde beweisen können, dass er auch als Jungwolf für Welpen sorgen konnte, so wie Jakash es ihr bei ihm bewiesen hatte.


[ Rudelplatz | direkt bei Tinca und Chardím ]

Liam
12.09.2011, 18:14

Die Begrüßung des Alpharüden zeigte ihm, dass er die Gruppe nicht gestört hatte.
Auf seine Frage hin wiegte er leicht den Kopf. Nein, er hatte noch keine Bekanntschaft mit den Welpen geschlossen, wollte sich hierbei aber auch nicht in den Vordergrund drängen. Er kannte das Elternpaar kaum und die kleinen Racker hatten genug damit zu tun die Wölfe in ihrer nächsten Nähe kennen zu lernen und dann stand auch schon die Zeremonie an. Und nach deren Ende würden die Kleinen wohl als erstes mit ihren Paten die Welt erkunden oder sich erschöpft zu ihren Eltern zurückziehen wollen. So aufgedreht Welpen auch sein mochten, sie brauchten dennoch viel Schlaf den sie bevorzugt bei ihren Eltern zu sich nahmen. Denn dort war es schließlich immer noch am Schönsten und am Sichersten.
Den Blick gerade von dem schwarzen Hünen abwendend, bemerkte er den musternden Blick der weißen Fähe. Diese sprach ihn nicht an, schenkte ihm jedoch ein sehr herzliches Lächeln, was wiederum bei ihm dazu führte ebenfalls, erneut, die Lefzen freundlich zu verziehen.
Bei ihrer Frage schnippten seine Ohren kurz umher, war er in der Position ihr daraufhin eine Antwort zu geben? Schließlich war die Frage an den Leitwolf gerichtet und weniger an ihn. Dennoch war er der Auffassung, dass er etwas dazu sagen könnte. Es waren auch nur Vermutungen, er kannte sich wenig mit den Zeremonien des Rudels aus, hatte sich trotzdem ein wenig mit dem Glauben auseinander setzen können.
Ein kurzer Blick galt dem Alphatier, dieser hatte noch nicht zu sprechen begonnen, also würde er seine Theorien darlegen können.

„Ich kenne mich zwar wenig mit eurem Glauben und den darauf basierenden Zeremonien aus, aber ich nehme an, dass Tyraleen die Zeremonie leitet, da sie eine ausgebildete Priesterin ist und weniger aus der Position der Alphafähe dort vorne steht.
Ich wage sogar zu behaupten, dass die Zeremonie auch von einer anderen Priesterin geleitet werden könnte, aber da Rakshee momentan nicht mehr unter uns ist und neben ihr und Tyraleen nur noch Sheena, die Mutter der Welpen, die Ausbildung abgeschlossen hat, ist es dazu gekommen, dass Tyraleen, als Alphafähe und Priesterin, die Zeremonie leitet.“


Er schwenkte den Kopf zu dem Rüden herum, der nah bei der weißen Fähe saß. Er hatte sich bis jetzt noch gar nicht geäußert. Hatte Liam ihn etwa mit seinem dazu stoßen verärgert? Doch nichts dergleichen konnte er auf dem Gesicht des Rüden lesen, somit beließ er es dabei und legte seinen Blick auf Aszrem, gespannt, ob dieser seinen Erläuterungen zustimmen würde.
Gleichzeitig lauschte er den Worten Tyraleens die nun auf das baldige Ende der Zeremonie hindeuteten. Die letzte kleine Fähe war bereits gesegnet worden und nun erwarteten sie nur noch die Antwort Chardíms der als Pate für die kleine Tinca auserwählt worden war.



[ Zeremonie - Rudel mit wenigen Ausnahmen - Lyerra, Volk Zubami, Aszrem]

Liel
12.09.2011, 18:31

Sie hatte ihren besten Freund verwirrt. Erst ihr Lachen, dann ihr sehnsüchtiges Heulen.
Seine Frage und der irritierte Ausdruck in seinem Gesicht, ließen sie darauf schließen, dass er es nicht gespürt hatte. Doch warum? Ihre Mutter hatte auch ihn gemocht. Oder hatte er sie vielleicht schon vergessen?
Oder hatte nur sie es spüren können, weil es direkt an sie gerichtet war? Was war mit ihren Geschwistern, hatten sie dieses Gefühl ebenfalls empfangen und empfinden können?
Fast war sie ein wenig enttäuscht, teilte sie doch sämtliche Gefühle mit Chanuka, dieses war ihm vorbehalten worden. Oder er hatte es nicht spüren wollen.
Nachdenklich, ob dieser vielen von ihr aufgeworfenen Fragen, drehten sich ihre Ohren langsam im Kreis. Da war das leise Rauschen des Windes, welches ihr immer wieder aufs Neue eine Klarheit verschaffte und eine so beruhigende Wirkung auf sie hatte.
Ihre Schnauze lag dicht an seinem Ohr, niemand sollte es hören, diese Worte waren nur für ihn bestimmt. Krolock hätte, wenn er hier wäre und die Worte vernehmen könnte, sicherlich darüber gelacht.
Sie war sich plötzlich sicher, dass auch er die ‚Berührung‘ nicht gespürt hatte. Anders als Cirádan, er war viel sensibler und somit wahrscheinlich auch zugänglicher für solch besondere Augenblicke.

„Ich habe sie gespürt. Kaede meine ich, Mama.“

Würde er sie verstehen können? Würde er wissen, wie sie ihre Worte gemeint hatte? Dass ihre Mutter ihr aus dem Jenseits heraus ihre Liebe gesandt hatte und sie sich unglaublich geborgen gefühlt hatte. Noch geborgener, als sie es ohnehin schon tat, einfach, weil sie neben ihm lag?
Kurz zuckte ihre Pfote, die Ohren hörten auf sich zu drehen. Schon wieder stellte sie sich so viele Fragen.
Um Ablenkung zu erhalten, widmete sie sich mit ihrer ganzen Konzentration der Zeremonie. Nur ein klitzekleines bisschen blieb bei Chanuka. Sie hoffte, er würde sie verstehen.
Die Zeremonie hatte sich während ihres Gesprächs dem Ende genähert. Sie war anscheinend lange sprachlos gewesen, hatte lange nach der passenden Antwort für Chanuka gesucht. So lange war es ihr gar nicht vorgekommen, aber jetzt wurde ihr erst bewusst, dass sie von der Zeremonie kaum etwas mitbekommen hatte. Dafür schämte sie sich, schließlich war die Zeremonie eine Feierlichkeit, gebunden an den Glauben der auch in ihr innewohnte.
Betrübt senkten sich ihre Augen gen Boden, sie lauschte den Worten Tyraleens. Immerhin hatte sie die Segnung des letzten Welpen nicht auch noch verpasst und, als ob sie damit vorhergehendes Verpasstes wieder gutmachen könnte, suchte sie zaghaften Kontakt zu Engaya und meinte, als Tyraleen die kleine Tinca an der Stirn berührte, eine kleine Wärmewelle empfangen zu haben.
Aber vielleicht war das auch einfach die Verlegenheit gewesen, die sie überrollt hatte. Schließlich hatte sie bis jetzt wenig engen Kontakt zu Engaya gesucht und folglich auch nicht gehabt.



[ Zeremonie - Rudel - Chanuka ]

Face Taihéiyo
13.09.2011, 14:07

Face Taihéiyo versuchte sich vorzustellen, wie sich Caylee die Menschen wohl vorstellen musste, wenn sie noch nie einen gesehen hatte. Es war vermutlich unmöglich ein passendes Bild von ihnen zu erfinden. Aber er wusste zu gut, wie sie aussahen, wie sie sich bewegten – er wusste sogar, wie es sich anfühlte Mensch zu sein. Auch wenn das alles unglaublich lange her war, sein gutes, bildhaftes Gedächtnis war schon immer Fluch und Segen zugleich gewesen.

Sie sehen auch nicht gefährlich aus, aber das täuscht. Manche von ihnen besitzen große, unnatürlich aussehende Äste, die sie in ihren Händen halten – so nennt man die Vorderpfoten bei Menschen – und mit ihnen können sie etwas schießen. Wenn dieses Geschoss irgend ein Lebewesen trifft, stirbt es häufig sofort.“

Etwas unsicher, ob er Caylee wirklich von so unschönen Sachen erzählen sollte, warf er einen kurzen, prüfenden Blick zur Seite. Und wie sollte er das mit dem Stein erklären? Ja, er hatte mit Cloud sprechen können, aber nur wegen des Steines. Den Saphir hatte eine Magie umgeben, die selbst für ihn bis heute nicht wirklich verständlich war. Es war wie mit den Göttern, es gab Dinge, die man einfach als solche akzeptieren musste. Es machte keinen Sinn, sie zu hinterfragen. Dennoch gab es viele Wölfe, die das nicht so sahen und nicht glaubten. Caylee war Tyraleens Tochter, da war die Chance immerhin schon etwas höher, dass sie Magisches nicht gänzlich als Humbug abstempelte. Und plötzlich hatte er eine Idee, wie er vielleicht ein bisschen verständlicher erklären konnte.

Ich habe eine Zeit lang mit ihm zusammengelebt. Er war so etwas wie mein Pate und der Stein war mein Patengeschenk. Er besitzt ein paar Fähigkeiten ... durch den Stein war es uns möglich unsere Sprachen zu verstehen. Vorher konnte ich nicht mit ihm reden.“

Der Tiefschwarze sah wieder nach vorne. Ja, genau genommen war Cloud wirklich einem Paten gleichgekommen, wie die Welpen ihn hier jedes Mal bekamen.



[ auf dem Weg zum Rudelplatz | Caylee ]

Lunar
13.09.2011, 21:44

Der schwarze Hüne amüsierte sich prächtig. Allein schon deswegen weil Ahkuna es sich nicht ganz gefallen ließ das er sie beleidigte. Interessierte ihn das? Nicht wirklich. Das Zucken ihrer Lefzen nahm er so zur Kenntnis kümmerte sich aber nicht weiter darum. Bei ihrer Antwort war es allerdings er, der die Lefzen zucken ließ. Doch nicht aus Wut oder Provokation sondern einfach nur weil er ihre Worte amüsant fand. Natürlich hatte sich ihre Mutter über die Rückkehr gefreut, ganz anders als bei ihm, da war sie eher stumm und ausdruckslos geblieben. Das Ahkuna allerdings nur Shani erwähnt hatte fiel ihm natürlich auf. Er war nicht dumm, sondern ein gerissener Mörder und schon die kleinsten Anzeichen machten ihn aufmerksam.

Nur Shani? Was ist mit dem Rest unserer Familie? Interessieren sie sich denn gar nicht für dich?“,

raunte er ihr zu und unterließ ein Grinsen. Auch Lunar blickte wieder nach vorne obwohl ihm diese Zeremonie nicht wirklich interessierte. Eher im Gegenteil, ihn nervte die Stimme von Tyraleen und er wünschte den Bälgern alles Pech der Welt. Bei den nächsten Worten die er an Ahkuna gerichtet hatte, schenkte sie ihm wieder ihre Aufmerksamkeit und der Schwarze behielt seine emotionslose und ernstwirkende Fassade aufrecht. Jetzt war er es der bei den Worten ihr den Blick zudrehte und sie aus funkelnden Saphiren ansah.

Bist du dir da wirklich sicher? Er vertraut einer Mörderin, die ihr eigenes Junges umgebracht hatte, wegen einer Vision von einem ihrer dummen Götter? Denkst du wirklich das wäre ein guter Umgang für die Welpen? Außerdem, wieso lässt er eine kaltblütige Mörderin an die Jungen heran und du hast sie noch nicht mal zu Gesicht bekommen, hm? Denk mal scharf nach, Ahkuna.

Lunar’s Stimme blieb todernst. Er schüttelte sogar enttäuscht den Kopf. Sogar das Seufzen das folgte klang traurig und enttäuscht, aber obwohl Lunar seine ‚scheinbaren‘ Emotionen zeigte, spiegelte sich nichts davon in seinen Augen wieder, es erreichten sie nicht einmal. Selbst wenn er wütend gewesen wäre, wäre der Ausdruck seiner Augen immer noch glanzlos leer.


[Rudelplatz | Ahkuna]

Avendal
13.09.2011, 21:57

Avendal Spannung in ihrem Körper erhöhte sich etwas, nachdem sie Majibáh ihre Umstände erklärt hatte. Vielleicht war sie auch einfach nur verrückt geworden und bildete sich Stimmen ein? Psychischer Stress oder dergleichen mit dem die Fähe einfach nicht klar kam? Es hatte sie aber auch extreme Überwindungen gekostet der Weißen gegenüber ihre Situation zu erzählen. Mühsam unterdrückte sie einen seufzenden Laut und blickte mit ihren dunkelblauen Augen zu der Weißen hinüber. Ihre Ohren zuckten natürlich aufmerksam als eine Antwort kam, denn sie wollte nichts auslassen und jedes Wort, jeden Rat wie Moos aufsaugen.
Es überraschte sie doch das Majibáh doch so weise Worte auf Lager hatte und sie fühlte sich ein wenig schuldig, dass sie der Fähe zuvor nicht zugetraut hatte mit so etwas umgehen zu können. Im Stillen bat sie die Fähe um Entschuldigung und ließ sich ihre Worte durch den Kopf gehen. Sie sollte nicht zu viel darüber nachdenken und es einfach auf sich zukommen lassen? War sich Majibáh sich der Avendal es spüren würde? Ach, sie stellte sich ja schon wieder so viele Fragen! Leicht schüttelte sie den Kopf, rieb ihre Schnauze an einer ihrer Vorderpfoten und sah dann wieder zu der hellen Fähe auf.

Danke. Ich danke dir wirklich für deinen Rat. Du bist eine wirkliche Freundin!

Und das meinte Avendal ernst. Sie war schließlich eine schlechte Lügnerin, nur ein wenig Vorsichtig in allem. Das diese auch das intime Gespräch gewahrt hatte in dem sie im Flüsterton sprach, nahm die Jüngere ebenfalls zur Kenntnis und war auch sehr dankbar darüber.
Ihr Blick schweifte nun über die Gruppe, bis ihr Blick an Tyraleen hängen blieb. Wo war eigentlich dieser süße Welpe von vorhin abgeblieben? Fragend sah sie zu Majibáh hinüber und lächelte sanft.

Ich würde gerne Malik beglückwünschen. Würdest du mich begleiten?“,

fragte sie automatisch und erhob sich leicht aus ihrer liegenden Position.


[Rudelplatz – Majibáh]

Caylee
15.09.2011, 16:06

Faces ungewöhnliche Bereitschaft, zu erklären und zu erzählen war für Caylee nicht länger irritierend, viel eher hatte sie nun den Eindruck, den Schwarzen vorher einfach viel zu wenig gekannt zu haben. Vielleicht war er doch sehr redselig, wenn man sich nur wirklich mit ihm unterhielt und er nicht nur ein Teil einer großen Gruppe von wichtigtuerischen Wölfen war. Seine Erzählungen waren spannend und schufen für Caylee eine ganz neue, unbekannte Welt, sie so irreal schien, dass sie kaum in Gedanken auszumalen war. Große Äste, die etwas schossen. Der Varg bekam einen halben Baum über die Vorderläufe gelegt und daraus schoss etwas hervor, das entfernt an das Gebiss des Vargs erinnerte. Und damit konnten sie töten. Tatsächlich reichte Caylees Fantasie nicht weit genug, um sich ein solches Szenario vorzustellen, aber allein die Beschreibung übte eine ungewohnte Faszination auf sie aus. Gerne hätte sie sich gewünscht, einmal einen solchen Ast mit einem Menschen zu sehen, aber ihr war bewusst, dass Face diese Aussage sicher als dumm ansehen würde.

“Schießen sie mit ihren Ästen auf ihre Beute? Fressen sie auch Rehe wie wir? Oder schießen sie damit auch aufeinander, wie wir auch gegeneinander kämpfen? Die Kämpfe sind dann aber sehr schnell vorbei, oder? Kann man mit dem Ast auch nur ein bisschen verletzen?“

Sie stellte sich zwei männliche Menschen vor, die beide den Alphaposten ihres Menschenrudels haben wollten. Die Varge mit den kleinen Bäumen zielten nun aufeinander, aber irgendwie hatte das Bild wenig von dem Kampf um einen begehrten Posten. Aber Face erzählte schon weiter und nun wurde es noch ein wenig seltsamer. Er hatte einen Menschen als Paten gehabt! Verblüfft starrte Caylee den Schwarzen an.

“Aber das heißt ja, dass dieser Mensch in deinem Rudel gelebt hat und deine Mutter mit ihm befreundet war, sodass sie dich ihm anvertraut hat. Wie kann ein Mensch bei Wölfen leben? Und hatten alle Steine, sodass sie ihn verstanden?“

Jetzt wurde es irgendwie konfus. Der menschliche Varg mit dem Baum auf den Läufen stand inmitten eines Rudels und hatte einen kleinen schwarzen Welpen irgendwo zwischen Baum und felllose Brust gequetscht. Und jedem Rudelmitglied baumelte ein Stein um den Hals.


[ auf dem Weg zum Rudelplatz | Face ]

Ahkuna Caiyé
15.09.2011, 19:20

Dieses Gefühl… Es fühlte sich miserabel an. Die Worte, egal ob sie Wahr waren, oder nicht, sie zogen sie immer weiter runter. In ein tiefes, schwarzes Loch. Sie war umhüllt von der Schwärze. Von der einsamen Dunkelheit. Ja, einsam… Was hatte er gesagt? Der Rest der Familie … Hatte er womöglich recht? Shani hatte sich gefreut, sie war schließlich auch ihre Mutter. Doch ihr Bruder? Es war ihm egal. Ob sie da war oder nicht. Den Rest des Rudels kümmerte es ebenfalls nicht. Lag in seinen grausamen, ja schon wahnsinnigen, Worten doch ein Fünkchen Wahrheit? Vielleicht sogar noch mehr, als Ahkuna es sich eingestehen wollte?
Sie hatte nicht bemerkt, wie ihre Augen leer nach vorne starrten. Ins Nichts. Etwas trat an ihr Gehör. Unbewusst zuckten ihre Ohren leicht. Es war gedämpft. Erst im Nachhinein bemerkte Ahkuna, dass es die Stimmen waren, die langsam wieder an sie drangen. War sie etwa so abwesend gewesen? Sie blinzelte und ihr Blick huschte zur Bestätigung noch mal umher. Die Stimmen der einzelnen Wölfe wurden klarer. Sie verstand wieder einige Wortfetzen der fremden Gespräche. Und noch mehr. Sie hörte auch wieder die raue Stimme des schwarzen Wolfes neben ihr. Sie saugte seine Worte in sich hinein, auch wenn es den Anschein hatte, als ob sie Tyraleens Stimme zuhörte. Sie wollte es, doch ihr Verstand ließ nur Lunars Stimme an sie dringen. Seine einlullenden Worte, der schmerzhafter Kern seiner Aussage. Ahkuna schluckte bitter. Es war nicht leicht. Ein Kloß hatte sich in ihrem Hals gebildet. Sie sagte nichts. Hatte Angst, wenn sie jetzt ihre Stimme erhob, dass sie ganz plötzlich wegbleiben würde. Sie presste ihre Lefzen fest aufeinander und blickte kühl weiter nach vorne. Tyraleen sah in diesem Moment nicht aus wie eine Mörderin. Sie sah wie die alte Tyraleen aus, ihr Vorbild. Doch wie leicht konnte das Bild wieder zerbrechen? Wie leicht lässt Ahkuna sich täuschen? Damals konnte sie es auch nicht glauben. War es schon wieder eine Maske, ihrerseits?
Warum vertraute Jakash ihr einen Welpen an? Hatte er denn keine Sorgen, dass sie wieder eine Vision bekam, wie bei Tascurio? Doch seiner eigenen Schwester erwähnte er noch nicht mal, in einem Atemzug, dass er Vater war. Noch nicht mal etwas angedeutet … War sie ihm tatsächlich so egal? Verabscheute er sie so sehr, dass er sie nicht in der Nähe seiner Welpen haben wollte?
Ahkuna schnaufte leise aus und drehte langsam ihren Kopf zu dem Rüden. Ihre Augen spiegelten das tobende Feuer, welches in ihr wütete, wieder.

„Du scheinst die Antwort zu kennen. Also sag du es mir, Lunar.“


[Rudelplatz | Lunar]

Madoc
18.09.2011, 11:59

Ein kurzes, warmes Lächeln galt Tyraleen, dessen Schnauze er sachte an seiner Stirn spürte. Ein Gefühl sonderbares Gefühl von Frieden und Zusammengehörigkeit durchflutete ihn und das erste Mal fühlte er sich wahrlich akzeptiert in dem Rudel, das ihm zuvor lediglich als Lebensgemeinschaft gedient hatte. Wäre Atayla nicht gewesen, so wäre er wohlmöglich nie zurückgekehrt und sein Dank gebührte ihr, dass er nun zu dieser Stunde an dieser einzigartigen Zeremonie teilhaben konnte. Ein kurzes Nicken galt dem hellen Welpen, der offensichtlich sehr begeistert von der schillernden Flussmuschel war. Ein ruhiges Lächeln legte sich auf die silberweißen Lefzen, bevor er Malik sachte mit der Schnauze anstieß, seinem ehrfürchtigen Dank entgegnete er mit einem erneuten Senken des Hauptes. Wie schön wäre es gewesen, wenn er in seinen Welpentagen ebenfalls so feierlich in die Gemeinschaft aufgenommen worden wäre? Unergründlich glänzten seine rubinroten Seelenspiegel, als er den Jüngling mit einem Schmunzeln betrachtete. Ein kurzer Ausdruck des Erstaunens legte sich auf das Antlitz des Hünen, als Malik mit der Muschel im Mund um seine Beine huschte und sich schließlich sachte anschmiegte. Er beneide die jungen Wölfe um ihre Offenheit, um ihre Sorglosigkeit und die Freude, welche sie im Herzen trugen und gleichsam erfreute er sich darüber, dass er die Gelegenheit hatte den jungen Rüden zur Seite zu stehen und ihm die schönen Seiten des Lebens zu zeigen.

"Ja, jetzt bin ich den Muschel-Madoc. Es freut mich sehr, dass das Geschenk dir gefällt, Malik."

Sprach er mit einem leisen Lachen und seine Tenorstimme hallte tief und sachte aus seinem Fang. Ihm war, als hätte er lange nicht mehr so häufig gelächelt wie an diesem Tag, denn seit er zum Rudel zurückgekehrt hatte, hatte bisher nur Unruhe und Aufregung geherrscht. Die Herbstwelpen waren eine große Bereicherung für das Rudel und er verspürte eine tiefe Verbundenheit zu ihnen, da auch er ein Herbstkind war. Doch anders als bei ihnen, war es innerhalb seiner Rasse eine Gewöhnlichkeit, denn die Welpen wurden immer in die vorwinterliche Jahreszeit geboren. Mit einem kurzen Kopfschütteln registrierte er, dass er seinem kleinen Schützling noch viel zu erzählen hatte.
Die anhaltende Zeremonie nahm er nun lediglich mit gespaltener Aufmerksamkeit wahr, denn momentan lag sein Augenmerk auf Malik.

"Was denkst du gerade, Malik?"

Fragte Madoc den kleinen Rüden mit leicht herausfordernder Stimme. Ein kurzes Grinsen huschte über seine Lefzen und er war gespannt welch eine Antwort er auf diese unerwartete Frage geben würde. Er liebte Welpen, nicht nur, weil sie rein und unschuldig waren, sondern auch, weil sie so anders waren als die lebenserfahrenen Wölfe, sie hatte eine ganz andere Denkweise, naiver, praktischer und realitätsbezogen.


[Rudelplatz | direkt bei Malik | in der Menge]

Volk Zubami
18.09.2011, 15:20


Ein weiterer Rüde trat zu den drei, den der Schwarze noch nicht kannte. Liam,so nannte ihn Aszrem zumindest, Braun-grau gezeichnet und irgendwie so, so zufrieden. Entweder hatte er noch nie schlechte Zeiten erlebt oder er war Naiv, einfach nur naiv. Volk musterte ihn intensiv, versuchte herauszufinden was er wollte, Gesellschaft um nicht allein zu sein oder suchte er nur ein Gespräch. Er wollte allerdings nicht unhöflich sein und stellte sich nun auch vor. Dabei lehnte er sich zufrieden und wohl behagt an Lyerra´s Fell.

„Mein Name ist Volk Zubami, wir kennen uns noch nicht. Du verfolgst doch auch die Zeremonie oder? Die Welpen sind wirklich niedlich und die Zeremonie ist wirklich eine tolle Sache. An mein Welpendasein kann ich mich leider nicht mehr erinnern, aber so ein Ritual gab es bei uns nicht. Wir wurden lediglich unseren höherrangigen Mitgliedern vorgestellt, so kenne ich das noch von meiner jüngeren Schwester. Was gibt es denn eigentlich noch für Rituale bei euch, Aszrem? Ihr habt ja 2 Götter, also werden ja auch einige Rituale auf diese zurückgehen?“

Volk freute sich für die Welpen und auch für die Eltern, die stolzer nicht sein konnten. Noch glücklicher schienen nur die Paten, vor allem schien Tyraleen sehr glücklich und erleichtert, in den Augen des schwarzen Rüden, zu sein. Entspannt kuschelte er sich an Lyerra und wartete auf eine Antwort von Aszrem. Lyerra indes, erhielt eine Antwort auf ihre Frage, allerdings von Liam, der sich da nicht auskannte sondern einfach nur gut kombinierte. Deshalb stellte sich in dem schwarzen Rüden eine Frage, die sich nach außen drängte und über seine Lefzen fiel.

„Warum? Was glaubst du denn, wenn ich dich Fragen darf?

Volk Zubami war wirklich interessiert und erstaunt, das eine Art so viele unterschiedliche Glaubensrichtungen und Geschichten kennt und diese Legenden als Gut so wertvoll behandeln. Er wusste das zwar, aber hatte er es bisher nie so wirklich wahr genommen, erst seitdem alles auf ihn einwirkt, wird es dem Rüden bewusst.

[Zeremonie-Beim Rudel | Aszrem, Lyerra, Liam]

Aszrem
19.09.2011, 15:43

(Liam, du meinst Rakshee und nicht Nerúi XD)


Aszrem wandte den Blick von der Zeremonie ab, um Lyerra zu antworten. Kurz schüttelte er den Kopf, kam aber nicht mehr dazu, dieser Geste der Verneinung auch noch erklärende Worte anzufügen. Denn vor ihm selbst erhob Liam die Stimme, nachdem er Aszrem einen kurzen und wohl fragenden Blick zugeworfen hatte. Vermutlich war er sich nicht ganz sicher, ob er eine Frage beantworten durfte, die gar nicht an ihn selbst adressiert gewesen war. Aszrem nickte ihm zu, einerseits als Zeichen dafür, dass seine Einmischung in Ordnung ging, und andererseits um die Worte des Rüden auch gleich zu bestätigen.

"Da vermutest du ganz richtig, Liam. Tyraleen übernimmt die Leitung der Zeremonie, weil sie die höchst gestellte Engaya-Priesterin hier ist. Viel eher hätte Averic als Sohn des Todesgottes das Recht, dort neben ihr zu sitzen, wenn Fenris denn einen Anteil an dieser Zeremonie hätte",

bestätigte er und führte Liams Begründung noch ein wenig weiter aus. Anschließend wandte er seine Aufmerksamkeit Volk zu, der sich erst Liam vorstellte und dann einige Fragen zu weiteren Ritualen an den Schwarzbraunen richtete.

"Ich weiß nur von einem weiteren Ritual, das jedwedem Verstorbenem die Letzte Ehre erweist und bei der - so denn möglich - der Körper des Toten dem Fluss und damit Engaya übergeben wird. So, wie es bei dem Varg geschehen ist",

antwortete er und ließ den Blick wieder zu der Zeremonie schweifen.

"Ansonsten sind mir hier keine weiteren Zeremonien oder Rituale bekannt, und erst recht keine, die Fenris gewidmet wären. Das ist aber von Rudel zu Rudel verschieden, soviel kann ich dir versichern",

fügte er schließlich noch hinzu und lauschte anschließend dem Gespräch zwischen Volk und Liam, während er weiterhin der Zeremonie zusah.


[Zeremonie | Lyerra, Liam, Volk]

Linalee
20.09.2011, 20:00

Weg. Weg. Weg. Tinca wollte weg. Sofort. Auf der Stelle. Mama's Blick auf ihr beunruhigte sie. Er war ... Tinca gefiel er nicht. Unruhig schaute sie zur Tyraleen auf. Dann wurden ihre Augen noch größer, als sie es eh schon waren, als Tyraleen einen Schritt zurück machte und sich hinsetzte! Angstvoll schaute sie sich um. Das konnte nicht wahr sein! Ihr Fluchtweg war weg! Sie fiepte leise, jappste verzweifelt nach Luft und stürzte sich dann in die Worte, die Tyraleen begann auszusprechen. Stirn runzelnd schaute sie zu ihrer Oma auf. Schöne Welt? Verwirrt warf sie einen Blick auf das kalte Nass zu ihren Füßen. Schön? Kalt traf es eher. Und nass auch. Aber vor allem kalt. Schön? Tinca schüttelte den Kopf. Niemals! Und wer nun wieder war Engaya? Ach, genau, diese Göttin. Sie schüttelte ihren Kopf. Die, die ihr dieses komische Leben gegeben hatte? Diesen nichts nutzigen Körper? Diese viel zu große "Familie"? Tinca schluckte ihre Verwunderung herunter, schüttelte nur mehr den Kopf und ließ sich auf ihren Hintern plumsen, um gleich darauf die Verrenkungen Tyraleens zu bestaunen, wie sie versuchte, ihre Stirn zu berühren. Als sie dies geschafft hatte, schaute Tinca sie mit schief gelegtem Kopf eine Weile an. Was hatte das nun zu bedeuten? Eine einfache Berührung? Mehr nicht? Tinca überlegte noch einen Moment, welchen Sinn das haben könnte, da sprach Tyraleen schon weiter. Und da machte sich Freude in ihr breit. Chardím sollte ihr gehören? Aufjappsend erhob sich Tinca und wollte schon wedelnd auf Chardím zu hüpfen, als ihre Freude aus ihrem Gesicht verschwand.
Ein zuerst tastender Hauch schien sich ihrer Stirn nähern zu wollen, strich sanft erst über ihr Fell und drang dann wie die Wärme von Mama in sie ein, machte sich in ihr breit, in ihrem Herzen. Nahm sie voll und ganz ein. Abwesend starrte Tinca ins Leere und versuchte, diesen wamren Hauch zu begreifen. Und obwohl sie wusste, dass sie lieber nicht fragen sollte, lieber leise sein sollte, ergriff sie leise das Wort und bestürmte Tyraleen mit Fragen.

"Tyraleen? Das da eben, das warme da eben, das da grad kam, das was da so, weißt du? Was war das? War das gut? War das böse? Woher kam das? Macht mich das toll? Oder war das böse? Also, bin ich jetzt auch böse? Oder werd ich jetzt so wie Isai und Malik und Taleesha? Bin ich jetzt auch normal? Ich bin so komisch und unnormal, ihr mögt mich ja gar nicht. Macht mich das warme jetzt so, dass ich normal bin? Mögt ihr mich jetzt?"

Mit großen Augen schaute sie zu Tyraleen auf, erwartete Antworten. Ganz viele Antworten. War sie jetzt auch normal? Sie wollte so gerne wie ihre Brüder sein. Ihre Eltern sollten sie auch mögen! Oder mochten sie sie schon und sie redete sich nur ein, dass Mama und Papa sie nicht mochten? Nachdenklich wartete sie darauf, dass Tyraleen antwortete. Die vielen Wölfe waren vergessen, die Zeremonie war vergessen. Nur die Antworten waren mehr wichtig.


[hauptsächlich Tyraleen | Rudelhöhle]

Lunar
21.09.2011, 18:02

Lunar konnte es spüren, es war ähnlich wie das Kribbeln in seinem Fell wenn er kurz vor einer Jagd stand. Und so konnte er auch fühlen wie immer weiter hinab, seine Worte, seine kleine Nichte hinabzogen. Es machte ihn stark, ja es fühlte sich verdammt gut an und das würde er nicht einmal abstreiten. Obwohl Lunar eine wirklich ernste Miene auf seinem Gesicht trug, während er alles auf Ahkuna einwirken ließ. Seine Augen hafteten an ihrem Ausdruck, den leeren Augen die nach vorne starrten und vollkommen verloren wirkten. Och, jetzt hatte er fast schon Mitleid mit ihr. Vielleicht konnte er die Situation nutzen? Er brauchte einen Verbündeten hier in dem Rudel und Ahkuna bot sich regelrecht an! Die Weiße schnaufte, Lunar unterdrückte deswegen ein Lächeln. In ihren Augen brannte ein Feuer das er von sich selbst kannte und er hob leicht anerkennend den Kopf an, doch in seinem Gesicht war nur pures Verständnis zu sehen, das ebenfalls seine Augen nicht erreichen konnte.

"Oh, Ahkuna. Vielleicht hasst dich dein Bruder. Vielleicht sieht er in dir nur Abschaum? Ich kann ihn dieses armseelige Hirn nicht hinein sehen das seine tolle Schwester verachtet, sie nicht einmal erwähnt. Er sollte es sein den man verachtet."

Lunar neigte langsam sein Haupt und strich mit der Schnauze über das seidige Fell an ihrer Schulter. Sie musste sich wirklich missverstanden fühlen, dieses arme, wehrlose Geschöpf. Lunar's Herz machte innerlich einen Satz vor Freude. Langsam, aber wirklich langsam schien er durch Ahkuna durchdringen zu können.

"Ich verspreche dir. Das ich dir bei jedem Problem helfen werde, Liebes. Wir beide werden so missverstanden. Und du kannst noch nicht einmal etwas dafür!",

pikiert verzog der schwarze Dämonenwolf das Gesicht, als sei er schockiert darüber wie der Bruder mit seiner Schwester umging. Er Zog seinen Kopf wieder zurück und nickte nach vorne, setzte ein gespielt echtes Lächeln auf.

"Komm. Lass uns nach vorne gehen! Damit du auch die Chance hast die Welpen zu sehen!"


[Rudelplatz | Ahkuna]

Chardim
22.09.2011, 19:31

Chardím sah auf die kleine Welpin herab und lächelte. Der Schwarzweiße hatte sich ebenfalls hingesetzt und konnte ganz gut verstehen, warum Tinca so angespannt und verängstigt war. Das musste alles ziemlich viel auf einmal für eine schüchterne Miniwölfin sein. Plötzlich wurde sie mit einer ganz neuen Welt konfrontiert, etlichen fremden Wölfen und wurde dann auch noch allen anderen präsentiert. Er hatte das früher als weniger dramatisch empfunden, aber wenn er versuchte sich in die Kleine hinein zu versetzen und vorstellte, alles Neue würde ihn noch ziemlich einschüchtern, dann konnte er es nachvollziehen.
Chardím hob den Kopf zu seiner Mutter, als diese wie alle anderen vorher auch ihn nun fragte, ob er der Pate der kleinen Tinca werden wollte. Mit einem Strahlen nickte er und die Rute wischte kurz durch den Schnee.

Sehr gerne würde ich das.“,

antwortete er und sparte sich alle weiteren Worte. Die anderen Paten vor ihm hatten zwar jeweils selbst noch kleine Reden gehalten, doch er war weder der Typ der große Reden schwang, noch hatte er besonders große Lust sich irgend einen Vortrag aus dem Fell zu schütteln, der Tinca letzten Endes nur noch mehr überfordern würde.
Und er freute sich, dass Tinca auch gleich aufsprang und nun endlich ebenso aussah, als würde sie sich freuen. Bisher war sie damit beschäftigt gewesen immer wieder den Kopf zu schütteln und etwas verstört dreinzublicken – was sie allerdings ein paar Sekunden später auch schon wieder tat. Oder nein, nicht verstört, aber die Freude war schon wieder verschwunden. Unsicher drehte Chardím die Ohren zurück, was, wenn sie nun plötzlich entschied, ihn nicht als Paten haben zu wollen? Aber bevor weitere Sorgen reifen konnten, ließ Tinca plötzlich wieder einen aufgeregten Wortschwall los. Als sie ihn wieder beendete, hatte der Schwarzweiße irritiert und doch leicht besorgt, die Augenbrauen hochgezogen. Sanft stupste er mit der Vorderpfote Tincas Rücken an, da sie sich seiner Mutter zugewandt hatte.

Aber Tinca, natürlich mögen wir dich! Du bist bestimmt nicht komisch, du bist ... besonders, deshalb mag ich dich auch ganz besonders!“

Jetzt hatte er sich doch etwas aus den Pfoten gesaugt, aber er hoffte, dass er seiner frischernannten Patenwelpin ein wenig helfen würde, so etwas zu hören.



[ Bei der Rudelhöhle | Tyraleen, Tinca, etc. ]

Ahkuna Caiyé
25.09.2011, 00:42

Seine Worte waren wie Gift. Süßes Gift. Konnte man es doch nicht vom Trank, des ewigen Lebens, unterscheiden. In Windeseile hatte sich das Gift in ihr ausgebreitet. In jeden Muskel, in jede Ader. Überall war es. Keimte immer weiter und weiter. Wuchs mit jedem weiteren Wort, was er zu ihr sprach.
Aufhören! Sei Leise!
Sie wollte ihn anschreien. Sollte er doch endlich Ruhig sein! Doch kein Ton verließ ihre Lefzen. Kein einziger Laut. Sie blieb stumm. Zog weiter seine Worte ein. Ließ die Pflanze in sich weiter wachsen. Ihre Pflanze… Ihre Hauptbestandteile bestanden aus Hass, Wut und Verabscheuung. Diese Dinge brachten sie schneller zum Wachsen. Hass. – Hasste Jakash sie wirklich? Schon oft hatte sie sich das Eingeredet, doch dieselben Worte, von einem Anderen zu hören, war doch was ganz anderes. Eine Bestätigung, die sie nie haben wollte. Er sollte diese Tatsache nicht bestätigen! Er sollte ihr Einreden, dass es nicht so war. Dass ihr Bruder sie nicht wirklich hasste… War es wirklich das, was er in ihr sah? Abschaum? Nichts Weiteres? Schlimmer als Dreck? Ein Nichts? Ahkuna Caiyé schluckte bitter. Ihr zierlicher Körper hatte sich verkrampft. Steif saß sie da. Wagte es nicht irgendwas zu tun. Irgendwas zu sagen. Unmerklich zuckte die weiße Fähe zusammen, als sie Lunars Schnauze an ihrer Schulter spürte. Er fuhr mit seiner Schnauze durch ihr weiches Fell. Diese Geste war vertraut und doch irgendwie … fühlte es sich merkwürdig an. Nicht Richtig. Doch was war schon Richtig? War es Richtig mit ihrem Bruder in einem Streit zu liegen? Selbstverständlich nicht …
Auch seine nächsten Worte waren so … schön anzuhören. Sie fühlte sich wirklich verstanden von ihm. Würde Mutter sie so verstehen? Eher nicht. Würde sie eher Jakash zu Rede stellen und ihn zwingen sich bei ihr zu entschuldigen. Doch wollte sie dies? Eine einfache, nicht ernstgemeinte Entschuldigung von ihrem Bruder hören? Um dann später wieder seine wütenden Worte an den Kopf geschmissen zu bekommen, dass sie wieder zu Mutter gerannt war?! Oh nein, das wollte sie nicht! So einen Sieg wollte sie ihm gewiss nicht geben! Ihr zarter Leib bebte leicht vor Wut. Sie war schon drauf und dran aufzustehen und einfach abzuhauen. Weg von dieser Zeremonie. Weg von Jakashs Nähe. Wären da nicht die Worte des schwarzen Rüden.
Mit leicht verengten Augen wandte sie sich an Lunar und sah ihn mit ihren funkelnden engelsblauen Augen an.

„Widersprichst du dir nicht gerade?“, sprach Ahkuna ihre Worte mit zuckersüßer Stimme. „Predigst mir davon, dass Jakash seine Schwester hasst und nun schlägst du mir vor, zu seinen Welpen zu gehen? Zu meinem Bruder?“


[Rudelplatz | Lunar]

Lunar
25.09.2011, 13:55

Lunar versuchte ernsthaft nicht in ein lautes Lachen auszubrechen, stattdessen war seine Mimik klar und unbewegt. Fast schon ernsthaft und fürsorglich gegenüber seiner Verwandten. Er machte sich doch sorgen, zumindest wollte er das Ahkuna vermitteln. Während der Schwarze am sprechen war und das Gift weiter in die Weiße hinein sickern ließ, verhielt diese sich stumm. Natürlich wusste Lunar das jedes einzelne Wort wie eine Nadel in ihrem Gehirn war, das sich langsam hinein bohrte. Er war einfach grausam! Aber es musste sein, sie musste lernen das man sich auf niemanden verlassen kann. So wie er sich auf niemanden verlassen konnte. Sein Blick glitt nach vorne zu der Zeremonie, das blau seiner Augen wurde zu einem schmalen Strich das von den Lidern verdeckt wurde. Seine Zähne klapperten abwehrtend, dann wandte er sich wieder an Ahkuna. Lunar sprach, beendete seine Worte und streifte mit seiner Schnauze ihre Schulter, durchwühlte das weiße Fell.
Natürlich war ihm dabei nicht entgangen wie sich die Fähe versteifte. Hatte sie den Angst vor ihm? Lunar versuchte ihr die Angst zu nehmen, ließ seine Worte schmierend über seine Zunge gleiten wie Honig. Süß aber giftig. Und dann, wollte er Ahkuna dazu überreden sich die Welpen anzusehen. Ein Blick streifte dem seinen und er hörte sich in Ruhe ihre Worte an. Der Schwarze schüttelte den Kopf. Sie verstand es nicht. Nein, sie verstand IHN nicht. Aber was erwartete sich Lunar eigentlich? Niemand würde ihn jemals verstehen, also zog er die Lefzen zu einem Lächeln zurück.

"Er hasst dich, ja. Aber was hindert dich daran den Kopf hoch zu tragen und zu zeigen das du ihn nicht brauchst! Oder... bist du leicht abhängig von Jakash's Meinung?"

Lunar lächelte spöttisch, hob den Kopf an und streckte seine Brust raus. Durch die sitzende Position verhiel ihm das nur einen mächtigeren Eindruck. Lunar sah über die Köpfe der anderen Wölfe hinweg zu Tyraleen, dann sah er zu Ahkuna hinab.

"Oh.", machte Lunar als hätte er die Angst gewittert, dabei wollte er sie nur bis aufs Äußerste treiben. "Ich sehe schon. Jakash macht dir Angst, oder? Nenne mir doch einen Grund weshalb wir nicht vorgehen sollten und uns die Welpen ansehen? Es ist unser Recht! Findest du nicht auch?"


[Rudelplatz | Ahkuna]

Majibáh
25.09.2011, 16:35

Ihr Herz pochte spürbar schneller in ihrer Brust, weil sie Angst vor der Reaktion Avendals hatte, der sie soeben einen Rat gegeben hatte, von dem sie nicht wusste, ob er ihr half. Es gab nichts, was sie mehr hasste als das Gefühl, nichts unternehmen zu können, auch dann nicht, wenn sie es wollte, und das verspürte sie nun – sie konnte der Jüngeren nicht die Entscheidung abnehmen, ob sie sich an Engaya oder an Fenris halten sollte und nichts daran ändern, wenn sie zu keiner Entscheidung kam, egal wie oft sie darüber nachdachte. Majibáh erwischte sich dabei, dass ihr Blick immer wieder über die schönen Züge ihres Gegenübers glitt und dort auch haften blieb, obwohl sie sich vorgenommen hatte, nicht zu ungeduldig oder neugierig zu wirken. Die Weiße schien etwas Zeit zu brauchen, um über ihre Situation nachzudenken, und die wollte sie ihr geben. Außerdem sollte es ihr überlassen bleiben, was sie noch von sich preisgeben wollte, sollte es überhaupt noch etwas geben.
Die angenehm helle, weiche Stimme der Fähe riss sie aus ihren Gedanken. Sofort konzentrierte sie sich aufmerksam darauf, ob sie irgendeinen Unterton heraushören konnte, auch nur den kleinsten Hauch von Ironie oder Spott. Doch als sie nichts davon bemerkte, spürte sie ein breites Lächeln auf ihrem Gesicht auftauchen. Was einige wenige Sätze in einem bewirken konnten, war wirklich erstaunlich. Immer wieder klangen sie in ihrem Kopf nach und jedes Mal durchströmte ihren Körper ein Anflug von Freude und auch Erleichterung, einfach weil sie es unerträglich gefunden hätte, wenn sie es bereut hätte ihr vertraut zu haben.
Erneut fing die Blauäugige an zu sprechen – dieses Mal schlug sie vor, Malik zu seiner Taufe zu gratulieren, was sie als eine gute Idee empfand. Ablenkung war immer gut und der Kleine war so süß und aufgeschlossen gewesen. Merkwürdig, sie war eine der wenigen, die die Euphorie wegen der Welpen nicht wirklich nachvollziehen konnte, doch jetzt, nachdem sie eine von ihnen kennengelernt hatte, hatte sie sich mit der Begeisterung beinahe anstecken lassen.

„Gute Idee ... Freundin.“

[Rudelplatz – bei Avendal]

Malik Hikaji
25.09.2011, 17:50

Die Geborgenheit, die Malik empfand, als er so unter seinem Paten saß, zwischen seinen Vorderläufen durchlinste und doch eine Art 'Dach' über dem Kopf hatte, genoss er sichtlich. Es tat ihm gut, sich endlich guten Gewissens nur einem Wolf zu widmen, statt alle gleichzeitig kennenlernen zu wollen. In dem Moment wurde ihm bewusst, dass Madoc wirklich sein Wolf war, Isaí würde ihn ihm nie wegnehmen, denn der hatte ja selbst einen. Tiefe Erleichterung durchströmte ihn und trieb die Zweifel und Ängste mit fort, die er während der Zeremonie noch gespürt hatte. Madoc musste er nicht teilen, anders als seine Mama, seinen Papa oder seine Oma. Diese Erkenntnis stellte sogar für einen Moment das materielle Geschenk in den Schatten, das er noch zusätzlich erhalten hatte. Trotzdem hielt er es weiter fest in seinem Maul, selbst wenn die harte Schale mit den Zähnen nicht leicht zu packen war.
Auf Madocs Bestätigung hin schloss Malik kurz die Augen und schmiegte sich mit einem glücklichen Seufzen enger an den Lauf des Riesenwolfs. Es war sein Riesenmuschelwolf, den er ganz allein lieb haben durfte und der ihn hoffentlich auch allein lieb hatte. Kurz ließ er den Blick eifersüchtig über die umstehenden Wölfe schweifen, von denen er allerdings nicht mehr so viel sah, wenn er sich nicht von Madocs Lauf lösen wollte. Diesmal war nicht Isaí derjenige, der ihm als Konkurrent erschien, sondern vor allem Tinca, die durch ihre Andersartigkeit immer die Hauptrolle spielte. Sie bekam als Letzte ihren Paten (was ihn heimlich freute), aber sie schien das Prozedere nicht richtig zu verstehen.

Malik schnaufte leise und kuschelte sich wieder an Madoc. Durch das leichte Öffnen seines Fangs jedoch verlor die Muschel ihren Halt und fiel mit einem leisen Klirren auf den Boden. Mit erschrocken und furchtbar schuldbewusst aufgerissenen Augen starrte Malik das glänzende Ding an, dann riss er den Kopf hoch und suchte in Madocs Augen nach Wut oder Verärgerung. Doch da er wenig geübt war, Emotionen in derart bunten Augen zu erkennen, blieb seine Rute unsicher eingeklemmt, die Ohren etwas angelegt. Eigentlich hatte er die Muschel gleich wieder behutsam aufnehmen wollen, doch Madocs Frage kam ihm zuvor. Er verharrte in etwas gebückter Haltung, klappte aber die Ohren wieder aufmerksam nach vorn. Was er dachte? Jetzt gerade? Die Frage verwirrte ihn.

„Äh … ich denke, dass das eine komische Frage ist. Und jetzt denke ich, dass du mir vielleicht böse bist, dass die Muschel … oh, und jetzt, dass die Muschel vielleicht kaputtgegangen ist. Ich denke ganz viel!“

Er sah den Weißen aus großen schwarzen Augen an, die noch immer die Bestürzung über sein Missgeschick preisgaben. Dann senkte er schnell den Kopf, packte die Muschel ganz vorsichtig mit den Zähnen und hob sie wieder an, ehe er angestrengt von oben auf sie draufschielte. Sie war an einer Ecke ein bisschen schmutzig, aber sonst schien sie keinen Schaden genommen haben.

„Waf für ein Glück, fie ift noch gaf.“, nuschelte er.


{ Rudelplatz :: unter Madoc :: der Rest daneben }

Jakash Caiyé
26.09.2011, 09:42

Ein zufriedenes Lächeln hielt sich bereits auf seinen Lefzen, seit sein Erstgeborener von Tyraleen zu ihr gebeten worden war. Ein glückseliges Lächeln war dem anderen gefolgt, und auch in Jakash war es warm vor Freude geworden. Darüber konnte er sogar ignorieren, dass Tyraleens übertrieben salbungsvolle Worte an seinen Nerven kratzten. Aber er hatte ja auch nichts anderes von einer Engaya-Hohepriesterin erwartet, und zudem war er sich durchaus bewusst, dass er zum ersten Mal bei einer Zeremonie so empfand - und auch warum. Bei Chardíms Zeremonie, die ja nicht anders abgelaufen war, hatte er dieses Gefühl noch nicht gehabt, aber das hatte ja auch seinen Grund. Er war nun ein Fenriswolf, und dass ihm Engayas Lobpreisung, als wäre sie die einzige Göttin hier, auf die Nerven ging, war wohl nur natürlich. Jakash riss sich jedoch zusammen. Dieses Ereignis war in erster Linie für seine Welpen da und wichtig, und er würde sich hüten etwas zu tun, dass ihnen diesen glücklichen Moment vermieste. Der Schwarze lehnte sich an seine Gefährtin und schmiegte seine Wange an die Ihre.
Tincas Verhalten ließ ihn dann jedoch sorgenvoll die Stirn runzeln und einen kurzen Blick mit Sheena tauschen. Im Gegensatz zu ihren Geschwistern war sie eher verängstigt als aufgeregt und versteckte sich hinter den Pfoten Tyraleens. Was nur ängstigte sie so? Die vielen Fremden Wölfe? Aber sie hatte doch nun schon dreimal sehen können, dass ihren Geschwistern nichts Schlimmes passiert war, im Gegenteil, dass sie alle überglücklich waren! Was nur ließ sie daran zweifeln, dass es ihr genauso ergehen würde? Fürchtete sie sich, ihren Patenwolf nicht zu mögen? Die Wahrheit war noch erschreckender: Tinca glaubte, nicht normal zu sein, und dass sie deshalb niemand mochte! Nun, sie war schon etwas überängstlich für sein Empfinden, und vielleicht sah seine kleine Tochter das intuitiv genauso. Sie verglich sich mit ihren Geschwistern und merkte, dass sie sich anders verhielt. Aber wie kam sie darauf, deshalb nicht gemocht zu werden? Jakash war sich sicher, dass es nicht daran liegen konnte, dass Sheena und er ihr weniger Aufmerksamkeit oder Liebe geschenkt hätten.

"Tinca, Liebes, was redest du da nur? Du bist nicht 'unnormal', du bist anders als deine Geschwister, und das ist ganz normal und muss auch so sein. Wir lieben dich genauso wie Isaí, Malik und Taleesha!",

sagte er mit bewusst sanfter Stimme und hoffte, dass seine Tochter seine und auch Chardíms Worte annehmen würde. Sein Blick glitt zu Sheena, eine Bestätigung seiner Worte erwartend, die sogleich folgen würde, und kehrte zurück zu seiner Tochter.


[Zeremonie | Neben Sheena]

Caleb
26.09.2011, 10:29

((Tut mir sehr leid, hab ne Weile voll vergessen gehabt, dass ich dran bin))


Calebs Läufe zuckten, als Minya mit einer schwungvollen Schnauzenbewegung in seine Richtung wies und ihn damit gleichzeitig aufforderte, näher zu kommen. Sein Blick huschte zwischen ihr und der schwarzen Wölfin hin und her, hin und her, und nur ganz zögerlich wagte er sich etwas näher. Seine gelben Augen blieben schließlich an der Knickohrigen hängen, und ein etwas empörter Gesichtsausdruck erscien auf seinen Zügen. Wie war das? Falscher Glaube? Verzerrter Glaube? Ungläubig sein?! Ha, ja, das war er gewesen, bevor Jahwe ihn in einen verdammten Hund verwandelt hatte! Wer konnte anschließend schon nicht mehr glauben? Und gerade in diesem Rudel, wo es vor religiösen Fanatikern nur so wimmelte und Welpen geopfert wurden und irgendwelche Monster auftauchten, die sich anschließend in Wölfe (zurück?)verwandelten... Verdammt. Caleb seufzte. Wenn das nicht alles falsch und verzerrt war. Calebs Ohren klappten zur Seite, ohne dass er bewusst Einfluss darauf nahm, und er nickte Minya auf eine beschwichtigende Jaja-hast-ja-irgendwie-Recht-Weise zu. Seine Augen kehrten zu Malicia zurück, während seine Gedanken rasten und nach hilfreichen Worten suchten, aber das Sprechen fiel ihm plötzlich ungeahnt schwer. Zum Glück schien sie sich aber auch so wieder zu beruhigen. Ihr Atem ging nicht mehr so stoßweise und ihre verkrampfte Haltung lockerte sich langsam. Auch ihre Stimme klang nicht mehr so gepresst wie eben noch. Was ihre Worte anging, hatte er jedoch keine Hoffnung mehr für ihren Geisteszustand.

"Oh man, ich fänd's zur Abwechslung ja mal ganz nett, wenn ich selbst irgendwohin laufen könnte, anstatt immer nur gelenkt zu werden",

entfuhr es ihm resigniert. Gleich darauf klappte er erschrocken den Fang zu.

"Ähm, was ich meinte war.. also, ich wollte damit nicht sagen... ich..."

Sein Blick huschte zu Minyala.

'Hilfe!'


[Welpenhöhle | Minyala, Malicia]

Avendal
26.09.2011, 15:02

Avendal erhob sich, schenkte Majibáh noch ein freudiges Lächeln als diese sie Freundin nannte. Freundin... sie hatte - wenn man es genau nahm - eine neue Bekanntschaft gemacht und sogleich eine Freundschaft daraus geschlossen. Das Rudel war so immens das es einfach schwer war den Überblick zu behalten, aber man war doch froh wen es Wölfe unter dem Rudel gab die man Freunde nennen konnte. Ihr Blick glitt über die Masse, dann entdeckte sie Madoc und darunter Malik.

"Seh mal! Dort drüben.",

sagte sie an Majibáh gewandt und nickte hinüber zu den beiden Hellen. Ohne weiter eine Antwort abzuwarten lief sie zu denen hinüber, warf hier und da einen Blick zurück um sicher zu gehen das Majibáh ihr auch folgte und gesellte sich dann zu Madoc und Malik. Ihr Augenmerk ging kurz zu dem Rotäugigen und Ave zögerte einen Augenblick.

"Madoc.", begrüßte sie ihn kurz. "Malik!"

Avendal's Stimme hatte einen leicht erfreudigen Klang angenommen. Sie senkte ihren Oberkörper hinab und blickte auf das Ding in seinem Maul. Eine Muschel? Avendal lächelte sanft und blickte zu Majibáh hinüber, dann wieder zu Malik.

"Das ist aber eine hübsche Muschel.", sprach sie sanft.


[Rudelplatz – Majibáh, Madoc & Malik]

Ahkuna Caiyé
26.09.2011, 17:07

Ahkuna schnaufte sofort, nachdem er seine Worte ausgesprochen hatte. Wut – Nichts weiter als blanke Wut verspürte die Fähe. War sie schon jemals so sauer gewesen? Wenn ja, dann war es sehr, sehr lange her. Nein, das erste Mal spürte sie sowas. Wollte nicht tatenlos rumsitzen und sich von dem Gefühl niederschmettern lassen. Sie musste etwas tun. Irgendetwas!
Abhängig war sie nicht von Jakash. Weder von seinen Worten, noch von ihm, als Bruder. Hatte sie doch die Jahre über sehr gut ohne ihn verbracht. Dann konnte es ihr doch auch egal sein, oder?!
Doch ganz egal, wie sie es sich versuchte einzureden, war es aber doch nicht.
Aber in diesem Moment bannten Lunars Worte sie zu sehr in den Bann. Einen Bann des Hasses. Die weiße Fähe musterte aus dem Augenwinkel den dunklen Rüden. Das Lächeln auf seinen Lefzen, die stolze Haltung… Ahkuna wandte ihren Blick mit einem Schnaufen wieder nach vorne.

„Angst?“ Ahkuna verdrehte ihre Augen. „Bring mich bitte nicht zum Lachen, mein Lieber.“

Zischend drangen die Worte aus ihrem Maul. Doch wenn sie weiter sitzen bleiben würde, würde Lunar vielleicht denken, dass sie tatsächlich aus Furcht vor ihrem Bruder fern blieb. Spöttisch kräuselte sie ihre Lefzen nach oben. Wovor sollte sie denn Angst haben? Gedanklich schüttelte sie nur den Kopf, bevor sie sich elegant erhob und stolz ihre Rute nach hinten weg stellte.

„Doch habe ich es auch nicht nötig mir meine Laune vermiesen zu lassen.“


[Rudelplatz | Lunar]

Tyraleen
26.09.2011, 18:49

Wie erwartet, ließ sich Chardím nicht zu vielen Worten oder ebenso leicht übertriebenem wie angemessenem Pathos hinreißen, sondern beantwortete Tyraleens Frage ganz schlicht und natürlich positiv. Sein Lächeln und der kurze Rutenschlenker verrieten seiner Mutter, dass er sich ehrlich freute, diese Aufgabe übertragen zu bekommen. Und die Weiße selbst hoffte von Herzen, dass sie ihn nicht überfordern würde. Vielleicht war gerade Chardíms lockere, unkomplizierte Art genau das Richtige für Tinca. Vielleicht aber auch nicht. Die Zeit würde es zeigen, vorerst glaubte Tyraleen aber an ihren Sohn. Das zeigte sie ihm auch durch ein Lächeln und ein kurzes Zwinkern, von Mutter zu erwachsenem Sohn. Denn auch wenn Chardím strenggenommen erst im Frühling wirklich erwachsen werden würde, so schien diese neue Aufgabe ein wenig wie das Willkommensgeschenk in der ernsten Welt der Großen. Ein kopfloser Jungwolf würde ihr Sohn zumindest in Anwesenheit Tincas nichts mehr sein dürfen. Zufrieden wollte die Weiße die Zeremonie beenden, die anderen Wölfe entlassen und den Welpen ein wenig Ruhe gönnen, da meldete sich eine Stimme aus ihrem Bauchfell. Mit großen Augen sah Tinca zu ihr auf und stelle eine ganze Menge Fragen. Wo kamen die denn alle her? Eben noch schien die Kleine mit ganz anderem beschäftigt gewesen zu sein. Da Chardím sich nun seiner Patenwelpin zuwandte, entschied sich Tyraleen, zuerst den offiziellen Teil zu beenden, sodass sie sich ohne viel Aufheben um Tinca kümmern konnte. Zunächst wandte sie sich kurz an ihren Sohn, auch wenn der eigentlich anderweitig beschäftigt war – er kannte die Worte sowieso.

“Dann bist du von nun an der Pate Tincas und mit deinem Leben ihrem verpflichtet. Engaya möge euer beider Wege ebnen und segnen.“ Sie hob den Kopf und wandte sich ein letztes Mal an das ganze Rudel. “Nun sind alle Welpen Sheenas und Jakash Caiyés in unser Rudel aufgenommen und in die schützenden Pfoten Engayas und ihrer Paten gegeben worden. Von nun an wird sicher unser aller Leben darum drehen, sie zu schützen und ich freue mich darauf. Lasst uns diese Zeremonie im gemeinsamen Gesang beenden, im Vertrauen in Engaya und Fenris und aus Freude an diesem wunderschönen Tag.“

Mit einem Gefühl von Stolz hob sie die Schnauze in den Morgenhimmel und stimmte mit einem hellen Ton den Gesang an. Nach und nach fielen die anderen Wölfe ein, bis das Rudel zu einem vielstimmigen Chor wurde, der ihre Stimmen weit über das Tal trug. Tyraleen fühlte sich frei und gleichzeitig geborgen in der Gemeinschaft ihrer Familie. In solchen Momenten glaubte sie daran, dass sie alle wieder zueinander finden würden. Irgendwann verstummte sie und wurde sich bewusst, dass es noch immer einige Fragen zu beantworten galt. Mit einem seligen Lächeln wandte sie sich an Tinca und betrachtete die kleine Schwarze aufmerksam.

“Das Warme war Engaya, die dich willkommen geheißen hat. Damit sagt sie Hallo zu dir und zeigt dir, dass sie sich freut, dass du da bist. Es macht dich zu einem ihrer Schützlinge und das ist gut, denn sie wird darauf achten, dass dir kein Leid geschieht. Auch auf deine Geschwister wird sie achten, was natürlich auch gut ist. Es macht dich nicht normaler, aber das sollte es auch nicht – niemand ist normal. Jeder ist genau so, wie er sein sollte. Und du bist gut, so wie du bist. Deshalb mögen wir dich auch, genauso wie Engaya.“

Das musste an Erklärungen genügen. Tyraleen blieb noch bei Chardím und Tinca sitzen, freute sich aber schon darauf, sich ein wenig zurückzuziehen und auszuruhen. Es war ihre erste Zeremonie gewesen und auch wenn sie ihr viel Spaß gemacht hatte, fühlte sie sich nun erschöpft. Nicht so sehr von den vielen Worten, sondern vor allem von dem ständigen Bemühen, den Kontakt zu Engaya zu halten und ihre Wärme zu spüren.


[ Rudelplatz | direkt bei Chardím und Tinca ]

Lyerra
27.09.2011, 17:28

Trauer lag in dem Blick der kleinen Weißen, sie sah zu Boden, wagte es nicht mehr die anderen anzusehen. Sie spürte den Atem ihres besten Freundes in ihrem Fell, sie wusste dass er da war. Ihr bester Freund. Ein Grund zu bleiben. Aber würde er bleiben? In letzter Zeit schien er selbst auch nicht mehr ganz so sorglos, ganz so glücklich zu sein. Oder bildete sie sich das ein, war es bloß eine Illusion? Ihr Herz schlug langsam und gleichmäßig, ungefähr so, wie vor einem Jahr, oder auch vor zwei. Langsam und gleichmäßig, so würde es immer schlagen, bis zu ihrem Tod. Doum- doum- doum. Würde sie es noch einmal hören, den Herzschlag eines Geliebten? Ethelion. Ein Gedanke, ein Name, eine schattenhafte Erinnerung. Liam lächelte freundlich, herzlich. Sie mochte sein Lächeln, sehr sogar. Er war größer als sie, was nicht sonderlich schwer war, außerdem sah er wirklich lieb aus.. sie lächelte sachte, obwohl er nur wegen ihr selbst gelächelt hatte.
Schnell bekam sie eine Antwort auf ihren dummen Spruch, auf ihre dumme Frage. Es war nicht Aufgabe des Alphas. Tyraleen, als Hohepriesterin, als Alpha, auch wenn dieser Aspekt nun nicht wichtig war.
Volk Zubami lehnte sich leicht gegen sie, so dass es aussah, als würden sie sich gegenseitig stützen. Oder so ähnlich. Vielleicht wirkten sie auch wie ein Paar. Oder einfach beste Freunde. Lyerra entspannte sich während sie den leichten Druck Volk Zubami’s spürte. Er kuschelte sich an sie, und das gab ihr Sicherheit, auf eine absurde Art und Weise. Sie seufzte leise, dachte über Liam’s Worte nach, hörte sich an was der Schwarze zu sagen hatte.

„Bei uns gab es keine wirklichen Paten. Ich glaube dazu war unser Rudel viel zu klein. Allerdings wurde jeder Welpe von dem Alpha begrüßt und bekam seinen Namen, wurde somit gleichzeitig dem Rudel vorgestellt.“

Aszrem ergänzte die Worte des Bunten, und auch über die seinen dachte sie nach. Er erzählte von dem Ritual für Verstorbene, nahm den Varg als Beispiel. Sofort wanderten sie Gedanken der kleinen Weißen zurück zu Ethelion. Warum dachte sie in der letzten Zeit, die letzten Augenblicke, so viel an ihn? Ein Stich durchfuhr ihr Herz, sie zuckte beinahe zusammen.

„Ethelion wurde auch so.. verabschiedet, nicht wahr?”

Flüsterte sie leise, ein unsicheres Zittern in der Stimme. Ja, so hatten sie auch ihren Liebsten verabschiedet. Gedankenverloren starrte die Weiße ins Leere, doch als Tyraleen plötzlich ein Geheul anstimmte und das Rudel einfiel, erhob auch sie ihre Stimme, fiel in den Gesang ein. Ihre Stimme war hell und klar, passte sich den anderen dennoch an. Ihre Augen waren geschlossen, ihre Aufmerksamkeit galt dem gemeinsamen Lied.



{ Liam , Volk Zubami , Aszrem - beim Rudel }

Sheena
28.09.2011, 19:29

Zuerst schien auch Chardíms Anwesenheit die kleine Welpin nicht beruhigen zu können. Mittlerweile hatte Sheena ihren Kopf abgewandt. Sie konnte die Kleine dort nicht so kläglich sitzen sehen ohne, dass sie ihr zur Seite stehen konnte.
Doch dann plötzlich vernahm sie ihre Stimme und aus ihrem Maul purzelten lauter Fragen. Verwundert von dieser Wendung, die das Geschehen genommen hatte, blickte sie wieder zu Tinca herüber. Fast zaghaft, als glaube sie ihren Ohren nicht. Aber tatsächlich, es war Tinca die nun, vertrauensvoller als vorher, Tyraleen einen fragenden Blick zuwarf.
Nichtsdestotrotz wurde ihr Blick nicht glücklicher. Denn die Fragen die Tinca stellte, hätte genauso gut Sheena stellen können. Nicht haargenau so wie Tinca sie stellte, aber dennoch. Irgendetwas war mit der Fähe nicht in Ordnung. Soviel war klar. Andererseits machte sie das nicht abnormal. Viele Wölfe waren anders. Nein, besser, jeder Wolf war anders und das war auch gut so. Allerdings war sie. Anders anders. Was dennoch nicht schlimm war. Zumindest nicht für Sheena.
Und nachdem Jakash gesprochen hatte, lächelte sie leicht. Auch er fand es nicht weiter schlimm, dass sie ‚anders anders‘ war. Wie schlimm es für die Fähe, und auch für sie, gewesen wäre, wenn der Vater, der Gefährte, sie nicht so hätte annehmen können, wie sie war.
Um Jakashs Worte zu bestätigen, hätte sie eigentlich nur nicken müssen, doch sie fühlte, dass Tinca noch mehr brauchte. Ihre Hinterpfoten stemmten sich gegen den Boden und mit einer gleitenden Bewegung stand sie auf und überbrückte die wenigen Meter zu ihrer Tochter. Ein kurzes, freudiges Lächeln galt Chadrím, er würde sicherlich einen guten Paten für Tinca abgeben, dann ein Lächeln für Tyraleen und letztendlich für Tinca.

„Liebste. Jeder Wolf ist anders! Und so sollte es auch sein. Es wäre sehr langweilig, wenn wir alle gleich wären! Und kein Wolf ist normal, denn was ist schon normal?“

Die Frage ließ sie bewusst im Raum stehen, konnte doch auch sie selbst darauf keine Antwort geben. Natürlich sagte man hin und wieder, dass jemand normal war. Oder eben auch nicht. Aber das waren die eigenen Ansichten, ein weiterer Wolf konnte das schon wieder ganz anders beurteilen.
Sanft berührte sie ihre jüngste Tochter an der Stirn, ehe sie wieder einige Schritte zurück trat und in den, von Tyraleen angestimmtem, Gesang einfiel.
Wie wunderschön!



[Rudel]

Liam
28.09.2011, 19:40

Ganz schlau wurde er aus Lyerra und Volk Zubami nicht. Sie sahen aus wie zwei Gefährten, ihr an den Tag gelegtes Verhalten passte ebenfalls dazu. Doch irgendetwas störte ihn. Wahrscheinlich waren die beiden gute Freunde und nicht mehr. Eigentlich kümmerte ihn auch nicht, wie die Beziehung der beiden Wölfe war. Er war froh Teil der kleinen Gruppe geworden zu sein.
Doch für viele Worte war keine Zeit mehr, die Zeremonie hatte geendet, nachdem auch der ängstliche Welpe nun seinen Paten erhalten hatte und über viele Fragen, die er nicht ganz hatte verstehen können, seine Angst scheinbar vergessen hatte.
Und nachdem Tyraleen ein letztes Mal die zeremoniellen Worte gesprochen hatte, erhob sie ihren Fang entgegen dem Himmel und stimmte einen wunderbaren Gesang an.
Nach und nach stimmten alle Wölfe in das Heulen ein. So auch Liam. Ein letztes Mal gemeinsam mit dem Rudel singen. Besser konnte sein Abschied kaum werden…
Die letzten Minuten hatte er so gut wie gar nicht darüber nachgedacht, doch nun überfiel es ihn wieder. Der Gedanke des Fortgehens hatte sich schon lange in sein Herz gepflanzt. Eigentlich schon, nachdem Kandschur gestorben war. Seine Liebe. Doch damals hatte sein Pfad noch nicht weiter geführt. Er wusste, er hatte lernen müssen, mit einer solchen Situation umzugehen. Und anscheinend hatte er gut reagiert. Hatte den Tod seines Gefährten hingenommen, hingebungsvoll getrauert, ihn niemals vergessen, und war doch nicht endlos traurig gewesen. Eine weitere Lektion hatte er bestanden, wieder war er dem Nirvana ein Stück näher getreten.
Und nun war es also an der Zeit zu gehen. Nun, noch nicht ganz. Zuvor hatte er sich vorgenommen mit Tyraleen und Atalya zu sprechen. Von mehr Wölfen musste er sich nicht persönlich verabschieden. Mit mehr Wölfen war er nicht in engeren Kontakt getreten.
Also lag in diesem Gesang auch seine Verabschiedung an das Rudel. Vielleicht würde er von dem ein oder anderen vermisst werden. Vielleicht aber auch nicht. Doch das war ihm nicht wichtig. Er hatte das Rudel lieben gelernt, es viel ihm schwer sich zu trennen und doch wusste er, dass es der richtige Weg war. Er spürte förmlich, wie seine Pfoten danach schrien ihn aus dem Tal zu tragen. Nur sein Herz hielt ihn noch hier. Noch…


[Rudel]

Malicia
28.09.2011, 20:55


Wer hier unter den Anwesenden der Verrückteste oder Eigenartigste war lies sich nicht eindeutig feststellen. Caleb, der Werwolf oder die Einohrige Zynikerin Minyala? Malicia war immer kleiner geworden, sie hatte keine Lust mehr, sich weiterhin einreden zu lassen, was an ihrem Glauben falsch war. Schließlich konnte sie dies selbst entscheiden, dass hatten sie doch in ihrer kleinen Gruppentherapie besprochen. Diese eigenartigen Zwei waren aber auch eigenartig! Malicia legte ihre Ohren an und schloss ihre Augen, den Kopf Richtung Boden gewandt. Noch immer hallte die schöne, klare Stimme ihrer Mutter in ihrem Kopf wieder, sie hörte immer wieder, immer wieder die vertrauten Worte. Das sie schon einige Zeit wieder beim Rudel war, dass wurde ihr erst in diesem Moment bewusst.
Der Wind streichelte ihr durch das stumpfe, schwarze Fell und es schien ihr wie eine Antwort Engayas. Ein "Du bist auf dem Weg", ein Lob, eine Andenkung. Vielleicht bildete sie es sich nur ein (was wohl eher wahrscheinlich war, vor allem im Anbetracht dessen, wie Malicia tickte) aber irgendein seltsamer Stich durchfuhr erst ihr Herz, dann den gesamten Körper und sie durchdachte noch einmal, was sie tun würde. Irgendwann musste sie mit einer anderen Engayagläubigen reden ...

Die Worte des Werwolfes prallten an ihr ab, zumal sie eh nicht an Malicia gerichtet schienen. Sie beachtete auch nicht die Unterwürfigkeit, mit der er sich vor Minyala hinstreckte, wie ein kleiner, dummer Welpe. Es war für Malicia an der Zeit, sich wieder einmal vor etwas davon zu schleichen, wie sie es oft tat, aber dies mal wollte sie einfach mal ihre Ruhe haben, Ruhe vor der Fähe, aus der der Sarkasmus tropfte. Keinen Augenblick länger hielt sie es aus... Sie nickte den beiden zu und wisperte ein

"... Man sieht sich..."

bevor sie sich dem gehen zuwand und ihren Weg ging. Ihr Herz fühlte sich schwer und sie bemerkte, dass sie noch kein Wort mit den Welpen gewechselt hatte, obwohl sie zum Rudel der Sternenwinde gehörte und es eigentlich eine Pflicht wie auch eine freundliche Geste ihrerseits war. Angst und vor allem Reue machten sich in ihr breit. Wie konnte sie nur so egoistisch sein und die Welpen unbeachtet lassen, das neue Leben, dass dieses Tal jedes mal aufs Neue so schön, so lebendig, so friedlich machte! Wie dumm war sie nur, wie dumm! Sie kaute auf ihren Lefzen und lief mit Angst im Nacken herum. In nächster Zeit würde sich vielleicht irgendwann noch einmal die Möglichkeit geben. Aber was würde Tyraleen von ihrer eigenen Schwester denken ... Schauer der Kälte und des schlechten Gewissens liefen ihr über den Rücken und ließen die schwarzen Borsten aufrecht stehen. Verdammt!



{Welpenhöhle || Minyala;; Caleb
dann aus der Szene}

Lunar
07.10.2011, 18:38

Lunars stahlblaue Augen blitzten auf. Er konnte es in der Luft knistern spüren, dieser Hass der in ihr loderte, der in ihm loderte. Ja er schürte das Feuer des Hasses und der Wut und er liebte es einfach. Seine honigsüßen Worte die für ihn wie flüssiges Gold waren, schleimten sich um ihr Herz und drückten fest zu. Oh natürlich hatte Ahkuna keine Angst, aber sie bewegte sich auch keinen Milimeter vom Fleck, deswegen verzog Lu auch nur spöttisch seine Lefzen.

"Natürlich hast du die nicht.",

erklang es von ihm leicht amüsiert. Und dann erhob sich die Weiße tatsächlich und entlockte somit dem Schwarzen einen leicht überraschten Ausdruck. Jetzt war Lunar an der Reihe sich zu erheben und er senkte seine Schnauze in ihre Richtung.

"Das verstehe ich, doch du solltest deinem Bruder zeigen wie stark du bist. - Und das ich an deiner Seite bin.",

flüsterte er seiner hellen Verwandtschaft zu. Das entlockte ihm ein selbstsicheres Lächeln, bestimmt würde er auf Ahkuna aufpassen, schließlich war er ihr Onkel, doch die Dinge und Pläne die er mit ihr vorhatte waren bestimmt nichts positives für ihren Bruder. Langsam richtete er sein Haubt wieder nach vorne und erhaschte mit seinen saphirblauen Augen, einen Blick auf die Welpen. Sie würden bestimmt auch Mal auf seiner Liste stehen doch jetzt hatten sie mal... Narrenfreiheit.


[Rudelplatz | Ahkuna]

Averic
07.10.2011, 18:47

(( Lunar, wir haben eine Mindestpostinglänge von 1200 Zeichen. Bitte beachte diese. ;) ))

Linalee
09.10.2011, 17:43

Aus großen Augen starrte sie Chardím, Tyraleen, Sheena und Jakash an. Alle viere hatten ihr Antworten auf ihre seltsamen Fragen gegeben und sie alle schienen mehr oder weniger darüber entsetzt zu sein, dass sie, Tinca, meinte, sie selbst sei unnormal, ungeliebt und ungemocht von ihnen. Wurde sie wirklich so sehr in die Herzen dieser Wölfe geschlossen? Konnte das wirklich sein? Oder logen diese vier Wölfe ihr etwas vor, damit sie ja nicht zu viel darüber nachdachte? Aber dann dachte sie an Chardím's Reaktion, seinen Anstupser, den sie mit einem freudigen Glitzern in den Augen und einem Lächeln auf den Lefzen begrüßt hatte, und sie konnte den vieren einfach nur mehr glauben, dass sie die Wahrheit sprachen. Rutewedelnd stieß sie einen japsenden Laut aus und wandte sich noch einmal an ihre Mutter, da sie eine Frage in ihre Antwort eingebaut hatte und ihr schien es eine Frage zu sein, die es galt zu beantworten. Aber es war eine schwierige Frage. Immerhin wusste Tinca selbst ja nicht, was normal war, aber sie hatte eine Ahnung dessen und wollte sie bestätigt wissen, ehe sie sich Chardím zuwenden würde.

"Mama, ich finde, dass du und ihre alle anderen normal seid. Ihr stellt nicht so dumme Fragen wie ich, ihr wisst alles und ihr habt keine Angst vor den anderen Mamas und Papas und ihr habt keine Angst vor irgendetwas anderem. Ihr seid so mutig, das ist doch normal! Und ich habe dauernd Angst und verkrieche mich und ich stell so viele dumme Fragen, auf die doch jeder die Antwort weiß. Sogar Isai und Malik und Taleesha wissen doch die Antworten! Und ich bin so dumm, ich weiß gar nichts. Ich bin nicht normal, aber ihr alle, ihr seid doch normal!"

Den Kopf leicht hin- und herschwingend starrte sie Sheena an, während sie diese Worte von sich gab. Ja, sie war sich absolut sicher, dass die anderen alle normal waren und sie selbst absolut unnormal. Und das verstand sie nicht und sie wollte es ebenso wenig. Sie wollte wie die anderen sein. So normal wie die anderen. Sie wollte so mutig sein wie die anderen. Sie wollte einfach so sein wie die anderen. Wie die anderen. Die drei Worte hämmerten in ihrem Kopf und ließen sie nicht mehr los.
Schließlich wandte sie ihren Blick von ihrer Mutter ab, schaute Chardím an, lächelte und sprang plötzlich lustig drauf los um absolut und niemandes anderen Paten. Ihren Anders! Sie knuffte ihm freudestrahelnd in die Seite, quietschte einige Male auf und ließ sich wie spielauffordernd auf den Boden fallen und ihre Rute blitzartig hin- und herzucken. Allerdings war das bei ihr keine Spielaufforderung, sondern eine Kuschelaufforderung. Eigentlich kannte sie Anders ja noch gar nicht so wirklich, aber sie hatte ihn schon ins Herz geschlossen und jetzt wollte sie es genießen, jemanden zu haben, der einfach absolut nur ihr gehörte. Und eine ordentliche Kuscheleinheit empfand sie da als einen richtig guten Anfang. Und danach würde sie mit Chardím irgendwohin gehen, egal wohin.


[hauptsächlich Chardím | Tyraleen, Sheena und Jakash | Rudel | Rudelplatz]