Nihilus
29.03.2011, 19:31

Die kühle Nachtluft ließ den schmalen Leib zugleich erzittern und gedeihen, als der helle Rüde um die eingerollten Fellhäufchen strich. Es war angenehm zu spüren wie seine Kräfte langsam zurückkamen und die Prellungen an Schmerz verloren – so fiel es Nihilus doch gleich leichter auf allen Vieren zu stehen und sogar gehen zu können. Die paar Tage in hilfloser Rudelnähe hatten trotz guter Pflege ihre Spuren hinter lassen: anstatt zu entspannen wollte der Jährling am liebsten nur noch laufen und sich gebührendlich auspowern, dass das leider noch nicht funktionierte war allerdings ein großer Haken. So beließ er es einfach dabei sich geistig zu beschäftigen mit seinem Lieblingsopfer Krolock und dessen Onkel, dem diesen so ähnlichen Takashi. Seit ihrem Zusammentreffen, kurz vor der Kundgabe des Vargs, war etwas passiert das den Hellen mehr beunruhigte als das mysteriöse Wolfsmonster – zumindest zur Zeit, wo Zweites fürs Erste bereinigt war.

„Takashi?“

Das schwarze Fell und der eindeutige Geruch des dunklen Haufen ließ darauf schließen, dass es eben dieser Rüde sein musste, den er suchte. Viel zu schnell war das Flüstern von seinen Lefzen gefallen, als dass Nihilus es hätte aufhalten können. Jetzt bereute er es: wie sollte er anfangen? Würde der, direkt betrachtet fremde, Rüde ihn überhaupt Antworten schenken? Die Ohren angelegt wich er einige Schritte zurück. Vielleicht wäre der Dunkle ja kaum wach geworden, dann gäbe es noch eine Chance… doch weitere Anstrebungen könnte der Helle dann wohl kaum ansetzen um über die kurzzeitige Veränderung seines „Bruders“ nachzudenken.

„Bist du wach?“

Im Kopf entschlossen, von Außen jedoch sichtlich eingeschüchtert von der – hoffentlich – bevorstehenden Situation, ließ er die Rudel sanft pendeln. Vielleicht könnte ein herzlicher Gutenmorgengruß als Entschuldigung für das nächtliche Wecken sein.

Takashi
03.04.2011, 23:20

Es war Nacht und somit schließen die Wölfe bereits. Auch Takashi, der in der Dunkelheit wie ein riesiger plüschiger Haufen aussah. Seine Augen, die hin und wieder rot aufflackerten, stellten eine winzige Lichtquelle dar.
Auf ein Mal wurde der Hüne unruhiger im Schlaf; drehte sich um und zappelte mit den Pfoten. War es nur ein Traum oder stand dort wirklich jemand vor ihm? Ganz langsam nur öffnete Takashi seine Augen und konnte nur die Silhouette eines Jungwolfes erkennen. Dem Geruch zu Folge handelte es sich hierbei um Nihil.

"Wach? Ich? Jaaaaah - "

Takashis Schnauze entfloh ein ausgiebiges Gähnen, worauf er müde drein blickte. Im Schlaf war der Hüne zwar unaufmerksamer, aber dennoch hatte Nihil ihn wecken können. Wie ein großes Knäul lag er da, musste sich erst ein Mal strecken und war nicht sehr viel wacher als zuvor. Die langen Vorderbeine hatte Takashi übereinander geschlagen, nachdem er seinen Kopf ein wenig erhoben hatte. Seine Augen konnte er noch nicht ganz aufhalten und ließen ihn sehr verschlafen aussehen.

"Was ist denn los? Ist 'was passiert?"

Am Liebsten wäre der Hüne zur Seite gekippt und anschließend wieder eingenickt. Der kleine Schlenker nach links war eindeutig gewesen.

Nihilus
05.04.2011, 22:19

Immer wider erhob der Rüde die Tatzen, als könnte er dadurch der klirrenden, weißen Kälteschicht auf dem Boden entkommen, die die Nacht zwar erhellte, jedoch ihre Frische nicht einbüßte – so komplett anders als die Sonne, die sogleich Licht und Wärme spendete. Vorsichtig reckte der helle Leib die Schnauze nach vorne in die Richtung des Dunklen, der sich langsam regte. Sollte er wirklich…? Ja! Er musste mit ihm sprechen, so sehr er sich auch dagegen wehrte. Schließlich gab es wichtigere Punkte als sein eigenes Gefühlsleben, zum Beispiel das seltsame Verhalten seines Bruders, Krolocks – und zugleich das dem ähnliche von Takashi.

„Tut mir leid…“ , stammelte er zögernd hervor.

Wie sollte er beginnen? Hier? Jetzt?! Nein, hier gab es zu viele… Zeugen. Und mit Takashi zusammen durften sie sogar den Rudelplatz in einigem Abstand verlassen, zumindest bist sie außer Hörweite waren. Aber wie sollte er, Nihilus, es veranstalten, dass der Rüde mit dem er abgesehen von ein paar Aufeinandertreffen durch Cirádan so wenig zu tun hatte, ihm folgte? Mitten in der Nacht mit ihm beiseite trat nur um ein paar, für ihn vielleicht lächerliche, Fragen zu beantworten?
Mit einem entschlossenen Seufzen spannte er den Rücken an. Und los!

„Es ist nichts passiert," setzte er kurzzeitig als Antwort an, ,,Ich habe nur so viele Fragen…“ , erschrocken legte er eine Pause ein: Fragen in der Nacht! Das war ja total abstoßend! „Ein paar Fragen über dich und deinen Neffen.“ Die Ohren nach hinten angewinkelt, sah er selbst keinen Zweifel darin welchen Neffen er meinen könnte außer Krolock.
„Können wir ein wenig zur Seite gehen?“

Als wäre der dreiste, wenig rücksichtsvolle Geist des Schwarzen – der soeben benannt worden war – in ihn gefahren fasste er mehr Mut. Um sich mit dem Problem das ihn bedrückte zu befassen musste Nihilus zuerst wissen, und das erreichte er nur durch Fragen und die dazugehörigen Antworten. Und Takashi war bisher der Einzige der ihn dafür richtig erschien.

„Bitte?“ , fügte er schließlich nachträglich dazu, um die Höflichkeit zu wahren und eien Einleitung zu schaffen mit der er sich vorsichtig abwandte, ein paar Schritte – auffordernd – in die Richtung des geschützten Waldes setzte, den Blick weiterhin auf das schwarze Fellknäuel gerichtet.

Takashi
17.04.2011, 12:14

In der Dunkelheit erkannte der Hüne, dass Nihilus vor ihm wohl sehr unruhig sein musste. Immer wieder hob der Jungwolf die Pfoten, wusste wohl nicht so recht, was er jetzt sagen sollte. So entschloss sich Takashi dazu, ihm Zeit zu geben, damit er zuerst Worte sammeln konnte.
Was konnte es denn mitten in der Nacht so wichtiges geben? In seiner Müdigkeit war der Hüne sehr ungeduldig, was er aber nicht zum Ausdruck bringen wollte, um Nihilus nicht zu verschrecken.

"Nicht weiter schlimm, jetzt bin ich sowieso schon wach. Erzähl schon...!"

Nihilus hatte sich entschuldigt. Takashi war nun wach und würde auch gar nicht mehr so schnell einschlafen können. Deshalb motivierte er den Jungwolf dazu, ihm endlich zu erzählen, was denn eigentlich los war. Mit einer ganz verschlafenen und ruhigen Stimme hatte er zu dem Sprössling gesprochen, während er beinahe doch wieder eingenickt wäre. Der Hüne sackte ein wenig zusammen, worauf er sich mit mehr Elan wieder aufrichtete.
Hatte Takashi da etwa richtig gehört? Ungläubig legte er seine Ohren zurück und zog die Augenbrauen hoch.

"Fragen? Aber es ist doch mitten in der Nacht. Ist das wirklich so wichtig? Können wir das denn unter keinen Umständen morgen bereden?"

Der Hüne blickte nun ein wenig grimmig drein, hatte sich wohl ein wenig in Extase geredet, was Nihilus in der Dunkelheit aber kaum erkennen konnte. Fragen mitten in der Nacht. Anscheinend hatten sie wirklich höchste Priorität.
Einen langen Moment lag Takashi schweigend da. Sollte er sich wirklich darauf einlassen?
Gegen seinen Willen erhob sich der Rüde langsam, ließ sich alle Zeit der Welt. Das musste Nihil wohl in Kauf nehmen können. Anschließend streckte sich der Schwarze ausgiebig, um wieder voll in Schwung zu kommen.

"Na gut, na gut. Komm, gehen wir."

Der Hüne ging vor und bahnte sich einen Weg durch die schlafenden Wölfe. Er war besonders vorsichtig um niemanden aufzuwecken. Hoffentlich würde Nihil genau so leise sein können und niemanden aufschrecken lassen.
Ein gutes Stück vom Rudel entfernt blieb Takashi stehen. Viel weiter wollte er sich von den anderen nicht wegbegeben. Immerhin war er nun wach und würde mit Nihil als erstes sehen, wenn etwas geschehen würde.

Nihilus
18.04.2011, 12:26

Mit jedem neuen Satzbeginn zuckte Nihilus unwillig zusammen. Es schien, als schwanke Takashis Entscheidung stark – oder lag es nur an dem Schlafentzug? Er selbst hätte wohl kaum anders reagiert… umdrehen und weiterruhen. Doch wie es schien war der Schwarze um einiges aufgeweckter, als dass Nihilus es sich hätte wünschen können: nach einigen unerträglichen Minuten des Streckens, von dem Hellen nur mit Mühe nicht kommentiert, setzte er sich wirklich in Bewegung! Ja! Der erste Schritt einer langen, qualvollen Abfolge war erledigt.

„Danke.“ , ein ehrliches, wahre Danke. Gleich einem Seufzer zum Himmel. „Diese… Sache. Sie plagt mich wirklich schon viele Nächte.“

Mit einem Zögern – ihm wurde schlagartig bewusst, dass er die erste Etappe seines Ziels erreicht hatte – folgte er dem Wolf. Wie sollte es weiter gehen? Wie sollte er beginnen? Gab es überhaupt einen Anfang für dieses wahrhaft eklige, abstoßende Thema? Die Ohren wie nasse Lappen nach hinten abgewandt, ärgerte der Helle sich über sich selbst. Trotz all der Nächte, all der vielen Gedanken, fehlten ihm nun die Worte, wusste er nicht was er sagen sollte.
Wie ein Welpe, der gerade zurecht gerückt wurde, so fühlte er sich. So und nicht anders. Und das, obwohl er nur richtig handelte. Oder etwa nicht?

„An dem Tag… mit dem Varg.“ Toll. Fang gleich mal mit dem schlimmsten an, schreckt sofort ab. „Da waren wir, Cirádan und Krolock, zusammen.“ Für einen Moment abwartend sah Nihilus seinen Gegenüber an. Konnte dieser ihm folgen? „Die Sache mit dem Bär. Weist du?“

Mehr brachte er nicht hervor. Er wusste auch nicht, wie er es hätte erwähnen können… aber vielleicht sprach der Schwarze es zufällig an, vielleicht ergab sich eine Hilfe, vielleicht tauchte gleich die Antwort aus dem weißen Untergrund auf. Einfach so. Unwahrscheinlich… aber… es musste doch irgendwie klappen.

Takashi
09.05.2011, 18:31

Einen Moment wanderte der feurige Blick des Schwarzen über die schlafenden Wölfe. Alles schien ruhig und im Schutz des großen Rudels geborgen. Anschließend wandte sich sein Blick wieder dem jungen Nihil zu, während der Rüde nur ein müdes Lächeln über die Lefzen brachte. Noch immer fühlte sich der Jungwolf ganz und gar nicht wohl, was an seinen Reaktionen deutlich zu erkennen war. Bei den Worten des Schwarzen musste er immer wieder zusammenzucken. War Takashi etwa zu energisch oder gar viel zu laut? Das konnte aber gar nicht stimmen, weil der Hüne viel zu müde war, um lauter zu werden. Vielleicht ängstigte die kalte Nacht und ihre Dunkelheit den Jungwolf so.
Völlig entspannt musste sich Takashi erst ein Mal setzen, worauf er sich anschließend Nihils Anliegen annahm. Der Jungwolf begann von etwas zu erzählen, was ihm gar nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte. In diesem Moment nahm der Schwarze wahr, dass ihn sein kleiner Schützling nicht wegen einer Banalität aufgeweckt hatte.
Die Pausen, die Nihil einlegte, waren ein wenig unangenehm. Warten, dass er weiter erzählte und dazu kommen würde, was denn nun los war. Während er erzählte, schien er noch immer nicht ganz sicher zu sein. Takashi war sich aber ganz sicher, dass er dem Jungwolf Zeit geben musste, weil er ihm bei seinem Problem helfen wollte.

"Ja, an diesen Tag kann ich mich noch sehr gut erinnern. Und der Bär...eine seltsam entstellte Kreatur."

Der Hüne sprach geduldig und fragte sich insgeheim, worauf Nihil denn hinaus wollte. Bestimmt war es Krolock, der an diesem Tag so außer Rand und Band war, sodass er den hünenhaften Bären aus dem Weg räumen konnte. Für Takashi war diese Situation einfacher zu verstehen, aber für die meisten anderen Artgenossen unbegreiflich.

"Aber nein, das meinst du doch sicher gar nicht. Krolock hat sich an diesem Tag wirklich sehr außergewöhnlich verhalten. Das ist eine ziemlich komplizierte Sache und sogar eine Familiengeschichte."

Wollte Nihil nun wirklich alles haargenau nacherzählt bekommen? Über das Interesse des Jungwolfes blickte der Schwarze bloß überrascht drein und fragte sich, ob er denn mit seiner Vermutung wirklich richtig lag. Trotzdem war es schon sehr spät und Takashi war es gar nicht sicher, ob es klug wäre, bei solch einer Müdigkeit ein so komplexes Thema anzuschneiden.

Nihilus
17.05.2011, 22:31

Es war sehr beruhigend, dass der Schwarze ihn weder hetzt noch aufforderte sich zu beeilen. Beinahe eine Glanzleistung zu dieser Tageszeit: Nihilus selbst hätte ehrlich gesagt nicht so ruhig bleiben können, wenn es nichts Wichtiges gewesen wäre, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass er sogar liegen geblieben wäre. Um so erleichterter war der Hell über Takashis Reaktion: offen und sichtbar interessiert an seinem Befinden… genau das, das der Weiße jetzt benötigte. Sobald Takashi saß und die Schnauze zum Satz ansetzte, spitzte der Nichtswolf die Ohren, um ja kein Wort zu verpassen, auch wenn ihm eher danach war zu flüchten, weit weg von den Antworten zu kommen, falls sie nicht seinen Hoffnungen entsprachen. Um dennoch sein Interesse, nein, seine Dankbarkeit zu äußern, nickte er knapp mit dem Kopf, als er auch schon aufpassen musste, um mit zu kommen, auch wenn es zuerst nur um das Problem mit dem riesigen Ungetüm ging – ein Schaudern ließ den Jährlingskörper erbeben, scheußliche Erinnerung! Doch eben in diesem Moment lockte ihn der Schwarze aus der Reserve, indem dieser genau das Thema ansprach, auf das er, Nihilus, es abgesehen hatte. Und jetzt?!
Skeptisch, als erwarte er eine Ablehnung, senkt sich der Kopf um ein paar Zentimeter – er durfte doch jetzt nicht enttäuscht werden und keine Einweihung erlangen? Die Gedanken schnell ordnend, versuchte er sich zu entsinnen, wie er am besten seine Neugierde zügelte;

„Eine Familiengeschichte? Gab es schon ein Mal einen solch“ , er stockte. Wie war das zum Einen völlig wahnsinnige, zum Anderen durchaus tapfere Selbstmordkommando zu bezeichnen? Erst recht, wenn das Ausmaß an Kraft bedacht wurde, dass der Jungrüde hatte aufbringen müssen?! „unwahrscheinlichen Vorfall?“

Beinahe schlug er sich mit der Tatze auf die eigene Schnauze! Er lebte jetzt so lange in einem Rudel, musste sich Tag für Tag verständigen – und dann fiel ihm noch nicht mal das passende Adjektiv ein! Bravo.
Ohne bewusst drängen zu wollen, streckte er die Schnauze in die Richtung des Schwarzen, als könne er so die Zeit schneller verstreichen lassen und die Antwort so schnell wie möglich aufgreifen.

„Es schien so unmöglich das Ungetüm… zu bewegen.“

Ja, das war wirklich eine wage Beschreibung von Krolocks Taten.

Takashi
22.05.2011, 11:32

Früher oder später würde Takashi auch von Nihil wissen wollen, was er mit dem Nichts zu tun hatte. Der Weiße trug auch einige Geheimnisse und ungewöhnliche Geschehnisse mit sich.
Der Hüne blickte den Nichtswolf an, der allmählich zur Ruhe kommen sollte.

"Krolock ist in der Hinsicht überhaupt kein Einzelfall. Der Fluch, der ihn so verändert, stammt aus einer Höhle. Doch allzu lange hielt sich der Fluch dort nicht auf und pflanzte sich in die Seele vieler Wölfe."

Takashi streckte seine Schnauze in Richtung des kleinen Nihil und strich ihm beruhigend über die Schulter. Er schien noch immer so, als ob er es für keine gute Idee gehalten hatte, Takashi mitten in der Nacht auf ein schwieriges Thema anzusprechen. Inzwischen sollte ihm aber klar sein, dass wirklich alles in Ordnung war und kein Grund zur Panik bestand.

"So schlechte Eigenschaften der Fluch auch trägt, kann er dir trotzdem eine ungeheure Kraft verleihen. Diese Stärke ist wirklich unvorstellbar und ein Wolf, der diesen Fluch nie begegnet ist, kann kaum solche Höchstleistungen erreichen. Wendet sich der Fluch aber wieder von dir ab, merkst du, dass du ein kleines Stück deiner wundersamen Kraft verlierst..."

Der Hüne blickte an sich herunter, bis sein Blick endgültig auf den Boden fiel. Heute war er wirklich noch sehr stark und könnte in einem Kampf zu einem wahren Ungetüm werden, dennoch war ein kleines Bisschen von seiner Energie verloren gegangen. Ohne den Fluch musste man sein Leben wieder selber in die Hand nehmen und mit allen Umständen klar kommen; das war eben so.
Der Blick Takashis richtete sich wieder auf den jungen Nihil. Würde er wirklich alles verstehen können? Dafür benötigte man wirklich eine enorm große Vorstellungskraft und einfach zu verstehen war die ganze Thematik schon gar nicht.

Nihilus
22.05.2011, 18:26

So sehr er sich auch anstrengte ruhig zu bleiben – zum Einen brodelte in ihm die Neugierde darauf endlich Antworten zu finden, zum Andere pochte das schlechte Gewissen in seinem kleinen Herzen, den Schwarzen einfach mitten in der Nacht geweckt zu haben – es funktionierte einfach nicht. Weder das stille sitzen, noch die innere Unruhe zu besänftigen; alles funktionierte nicht. Da konnte der junge Rüde nur darauf hoffen, dass es Takashi nicht auffiel, wie unwohl er sich fühlte.

„Einer Höhle?“ , kommentierte er nur knapp. „Nur weil ihr… eure Vorfahren“ , es steckte eine Frage hinter der kurzen Pause, „die Höhle betreten habt, wurdet ihr verflucht?“

Er hatte mit allem gerechnet: Dämonen, vom Teufel Besessene… aber ein Fluch?! Ein ungutes Gefühl durchschlich seine Brust, nahezu wie eine Gänsehaut. Bei einem Fluch musste es auch negative Seiten geben! Die Ohren ohne Unterbrechung wandernd, bemerkte er erst, dass Takashi sich ihm näherte, als die Schnauze schon an seiner Schulter saß – und irgendwie war diese kleine Geste sehr beruhigend. Den Schwarzen, der ihm bei ihrer Begegnung mit dem Bären so abweisend vorgekommen war, schien also doch keine Abneigung gegen ihn zu hegen. Vielleicht war er nur so seltsam gewesen, weil es damals um das Wohl von Ciradán gegangen war. Ja, das wäre simpel.

„Aber wie kann etwas als ein Fluch bezeichnet werden, das so ungeheure Kräfte verleit…? Es war schließlich eine gute Tat, die Krolock da vollbracht hat! Wo sind denn da die Nachteile?!“ Letzteres gab er ziemlich entsetzt von sich.

Natürlich wusste er nur von diesem einen Mal von Krolock. Ob zuvor schon jemand die Kraft für weniger gute Dinge missbraucht hatte, war ihm ungewiss. Vorstellen konnte er sich ein solches Verhalten nicht.

Takashi
22.05.2011, 22:01

Der Hüne bemerkte, wie seine Zuneigung den Jungwolf beruhigen konnte und so setzte er sich direkt neben ihn. Um nicht allzu monströs zu wirken, legte er sich schließlich hin, während sein Kopf vor Müdigkeit auf die Pfoten sank. Manchmal schloss Takashi die Augen und blinzelte etwas, ein anderes Mal erschien er gleich viel wacher.
Der ganze Spuck um diese Höhle mochte zwar irre klingen, dennoch entsprach er der Wahrheit. Nihil klang, als könnte er dem allem kaum Glauben schenken.

"Ja, genau, eine Höhle. Sie war eigenartig, in ihr Hauste eben dieser Fluch. In dieser Höhle war es besonders kalt und ihre Aura war so bedrückend, dass man es hätte kaum ertragen können."

Der Hüne strich sich mit der Pfote über das Müde Gesicht und erneut galt sein Blick dem Rudel. Anschließend aber wollte Nihil mehr über einen FLuch erfahren.

"Es gibt mehr Nachteile, als du vielleicht glauben magst. Natürlich hat Krolock im Endeffekt eine gute Tat vollbracht, aber erinnerst du dich denn nicht daran, wie unfreundlich und wütend er war? Das macht der Fluch aus und manchmal tust du auch denen weh, die du liebst, obwohl du das gar nicht willst. Man hat praktisch gar keinen freien Willen mehr..."

Ein Fluch konnte unglaublich viele schreckliche Dinge anrichten. Da wusste Takashi gar nicht so recht, wo er zuerst mit dem Aufzählen anfangen sollte. Ein wenig unsicher blickte er seinen Schützling an; hatte er wirklich gedacht, dass ein Fluch etwas Gutes anrichten würde?

Nihilus
24.05.2011, 19:38

Sobald der Schwarze sich neben ihm nieder gelassen hatte, ließ sich auch Nihilus auf die Hinterhand sinken, nun von oben herab sehend, brauchte er sein schlechtes Gewissen nicht zu verbergen und so legte er die Ohren flach an, die Augen zu Schlitzen verzogen, als würde diese wütende Geste ihm selbst gelten. Wäre es Mitten am Tag, so würde Takashi wohl kaum ruhen müssen und nun fing er, Nihilus, auch noch mit weiteren Fragen an nach zu haken. Aber jetzt würde er die Chance nutzen! Wenn sie schon einmal so weit waren. Daher richtete der Jährling die Lauscher schnell wider nach vorne, als der Schwarze mit den Antworten begann. Eine bedrückende Aura herrschte in besagter Höhle…? Na, da war wohl nicht nur der Fluch auf Krolock abgefärbt. Das stand ja wohl fest! Wie aus dem Nichts – wie Nihilus diesen Spruch verabscheute – bildete sich sogar ein zartes Lächeln bei dem Gedanken über den „Bruder“ auf seinen Lefzen, das sich jedoch sogleich wider aus dem Staub machte, als Takashi weiter sprach.

„Er verändert nicht nur die körperliche Kraft, sondern wirkt sich auch auf den Charakter aus?“

Das ihm das gar nicht aufgefallen war! Nihilus war nach dem Angriff des Bären so damit beschäftigt gewesen sich auf den Beinen zu halten und wach zu bleiben, dass er kaum die Worte, noch Taten, von den Anderen mitbekommen hatte. Jetzt, wo er zurück dachte, kamen ihm nur die verschwommenen Bilder zurück in den Geist. Verschwommene Bilder und zwei aufgeregte Stimmen. Krolocks und Takashis. Beide schienen… nahezu aggressiv? Leise grummelnd schüttelte Nihilus den Kopf. Warum hatte er das nur alles ausgeblendet? Welch ein Müll!

„Also kann er, oder ihr, ohne es zu steuern von den einen auf den anderen Moment völlig die Kontrolle verlieren, wenn ihr wütend, traurig oder vielleicht auch voller Freude seid?“ , er legte eine kurze Pause ein, um seine eigenen Worte noch einmal zu rekonstruieren. „Gibt es denn Nichts das den Fluch brechen könnte?“

Takashi
13.06.2011, 15:11

Einen Moment schien Takashi wieder abwesender, als er das Rudel in Augenschein nahm. Dennoch bemerkte er, dass sich sein Schützling noch immer unwohl fühlte.
Nihil war alles andere als zufrieden, was seine Miene verriet. Er sah ziemlich wütend aus und vielleicht hatte er sogar ein schlechtes Gewissen. Vielleicht empfand er es im Nachhinein als gar keine gute Idee, Takashi mitten in der Nacht zu wecken und mit Fragen zu löchern.

"Es ist schon in Ordnung...", murmelte der Hüne sanft. Nun war er schon etwas länger wach und so schnell konnte man daran nichts mehr ändern. Allmählich wurde Takashi wacher und somit seine Gedanken klarer.

Selbst der Hüne wusste längst nicht alles über den Fluch. Würde er sich an alle Ereignisse erinnern können, würde ihm das sehr viel weiter helfen. Doch in seinen Erinnerungen klafften einige große Lücken, die vielleicht nie wieder gefüllt werden würden.

"Es ist wie eine Stimme in deinen Kopf, die dich herumdirigiert. Wie deine eigene Stimme...doch den Unterschied bemerkt du nimmermehr. Diese Stimme ist wie ein Teil von dir selbst...", sprach der Schwarze langsam und träge, während er zu Nihil herauf blickte.

Die richtigen Worte zu finden und zu vermitteln, war bei einem solchen Thema von hoher Schwierigkeit. Manchmal kam sich Takashi vor, als würde er immer wieder dasselbe sagen, weil es alles so kompliziert war.

Nihilus
14.06.2011, 14:53

Also. Ein Fluch aus einer Höhle. Ein böser Fluch, der sowohl die körperliche Stärke erhöht als auch den Willen zu… bösen Dingen aufkeimen lässt. Und das alles durch eine Stimme in Krolocks Kopf? Quasi seien eigene Stimme, aber eigentlich eine andere, nur das weiß er nicht? Zweifelnd sah er Takashi durch die Dunkelheit hinweg an, sollte Nihilus an der Zurechnungsfähigkeit des Dunklen vor sich zweifeln? Dann stünde er hier in ziemlicher Gefahr. Allerdings rief er sich durch ein unwohles Zucken der Ohren in Erinnerung, dass er live dabei gewesen war und miterlebt hatte, wie der Fluch Wirkung zeigte. Irgendwie passte das.

„Es klingt so kompliziert.“ , sprach er beinahe zu sich selbst. „Aber so lange es keine negativen Auswirkungen auf euch“ , er zögerte, soweit er mitbekommen hatte trug Takashi den Fluch ebenso wie Krolock in sich, „hat, abgesehen von unwölfischer Kraft und starker Reizbarkeit, sollte es keine große Gefahr da stellen, oder nicht?“

Eine Schlussfolgerung die vielleicht ziemlich wage ausgedrückt war, aber dennoch Nihilus Sorgen begrenzte. So lange es eine Möglichkeit war den Verfluchten wider zurück in die Wirklichkeit zu rufen, hier ins Leben, gab es also Auswege aus der Raserei.
Leben… mit einem Moment voller Starrheit sah Nihilus, der Takashis Blick über das Rudel gefolgt war, die Schemen der Rudelmitglieder an, bevor ihm etwas dämmerte, dass er vor langer Zeit verdrängt hatte.

„Darf ich dich noch etwas fragen?“

Wie ein Depp, so kam er sich vor. Schließlich bombadierte er den Schwrazen schon die ganze Zeit damit! Allerdings war es der einfachste Weg das Thema kurzfristig zu wechseln.

„Als das Nichts zerbrach, da durften doch nur die Engayagläubigen es betreten um neues Land zu… erträumen, oder?“

Er wusste nicht viele Einzelheiten von dem besagten Tag, außer dass die Wölfe mit reiner Willenskraft seine alte Heimat gestürzt hatten.

„Mussten die Fenriswölfe nicht hinten… anstehen? Oder warten?“

Das war ihm zumindest zu Ohr gekommen.