28.03.2011, 18:22
Wie nervig und anstrengend das ganze Aufmüpfig-Sein diverser Wölfe aufgrund der Ränge war. Nun war wieder etwas Ruhe eingekehrt. Wie lange würde es so bleiben? Hatte dies nun wirklich ein Ende?
Ein Ende gab es jedenfalls schon. Das des Sommers. Es war so eisig kalt, dass die Befürchtung aufkam, dass es gar keinen Sommer mehr geben würde. Sogar der Schnee hatte sich unverschämt breit gemacht; reichte bis zu den Bäuchen der meisten Wölfe. Takashi war ein gutes Stück größer als der Durchschnitt, hatte aber trotzdem mit den Schneemassen zu kämpfen. Am hinterhältigsten war es doch, wenn man in ein ungeahntes Loch trat und sich daraufhin inmitten von Weiß wieder fand.
Was dem Hünen wohl zu spät auffiel, war, dass er hier gar nicht alleine war. Nicht unwahrscheinlich, da er sich ganz in der Nähe des Rudelplatzes befand. Es handelte sich hierbei um jemand besonderes. Averic, so hieß der Rüde, Beta, und hatte eine hartnäckige Meinungsverschiedenheit mit Takashi. Wegzuschauen und einfach umzukehren bot sich in dieser Situation nicht an. Dies war feige; vor allem Averic gegenüber. Sicherlich würde er Takashi dafür verspotten.
Der Blick des Schwarzen ließ gar nicht mehr von seinem Zielobjekt ab. Takashi schien sich der Sache ganz sicher und ging mit großen Schritten durch den Schnee direkt auf Averic zu. Dieser musste den ungeliebten Artgenossen bereits in seiner Nähe entdeckt haben.
Die Körperhaltung des Rüden war eindeutig: Er vertrat seine Stärke durch eine standhafte Körperhaltung und machte auch gar keine Anstalten, unterwürfig zu Boden zu schauen. Averic hatte einen höheren Rang angenommen und war ihm körperlich mindestens gleich gestellt. Vielleicht sollte Takashi ein wenig vorsichtiger sein.
"Averic, was treibt dich hier her?"
Was für eine schwammige Frage, aber Takashi fielen einfach nicht die passenden Worte ein. Sicherlich würde er darauf eine grimmige Antwort bekommen; das wusste er bereits.
30.03.2011, 23:08
Averic hatte seine zurückgekehrte Schwester im Trauerweidenhain zurückgelassen – auf eigenen Wunsch. Und irgendwo musste der Pechschwarze gestehen, dass es ihm ganz recht war. Er konnte mit dem Verhalten Malicias nichts anfangen, es war befremdlich und unangenehm. Er hätte seine Ruhe zwischen den Bäumen mit ihren langen, herunterhängenden und alles verdeckenden Ästen nicht finden können. Abgesehen davon hätte er überhaupt nicht da sein sollen, wenn es nach den neuen Herrschern dieses Tals gegangen wäre. Aber der Todessohn würde sich ganz sicher nicht herumkommandieren lassen – und er wusste, dass er die Macht dazu hatte. Die Nacht war sein. Die ewige Nacht. Wie ein Teil ihren löste sich der Pechschwarze aus den Schatten und ließ sich am Waldrand sinken. Die dunkelblauen Augen glitten über die versammelte Meute. Die Meisten schliefen, er sah kaum eine Regung. Wachsam durchkämmte sein Blick die Reihen, bis er all seine Kinder durchgezählt hatte. Keiner fehlte, kein Grund zur Besorgnis. Jedenfalls nichts, was ihm jetzt Sorgen über ihren physischen Zustand bereiten würde.
Nachdem er eine Weile stumm das Rudel beobachtet hatte, nahm Averic wahr, dass sich ihm jemand näherte. Die dermaßen schwammige Aura Fenris’, die nur einem stinknormalen Wolf gehören konnte, der sich einbildete ein bisschen schwarzes Blut in den Adern zu haben. Averic drehte den Kopf erst zur Seite, als Takashi ihn ansprach, ein Zeichen, dass er sich von diesem Wolf in keinster Weise beeindrucken ließ. Auf seine Frage hin hob er nur leicht eine Augenbraue und sah den Schwarzen abschätzig an. Obwohl sie sich äußerlich schon etwas ähnlich sahen – wobei er natürlich nicht wusste, dass Takashi neben dem schwarzen Pelz auch tiefblaue Augen hatte – könnten sie nicht verschiedener sein. Und obwohl er ein Anhänger Fenris’ war, war Takashi weit davon entfernt ihm irgendwie zu ähneln. Manchmal fragte sich Averic, ob es überhaupt eine andere Begründung, außer dieser Sache mit dem Fluch gab, die seine Gesinnung rechtfertigte.
„Nun, ich denke es waren ein Varg und die Aufgabe über das Rudel zu wachen, die mich hier her trieben. Zum Rudel.“,
antwortete er mit Sarkasmus auf Takashis seltendämliche Frage, warum er sich beim Rudel, seinem Rudel und dem Rudel seiner Eltern befand. Und während sein Gegenüber scheinbar versuchte sich mächtig und provokant aufzuplustern, straffte der pechschwarze Hüne nur seine Schultern und ließ die Lefzen leicht zucken und einen kurzen Blick auf seine Fangzähne preisgeben. Die Ohren wahren gerade aufgestellt, das Haupt und ebenso die Rute erhoben. Eine klare Warnung an den Rüden, dass er sich nicht viel von ihm gefallen lassen würde.
22.04.2011, 14:32
Obwohl es bereits Nacht war, war es unglaublich hell. Der Schnee glitzerte strahlend weiß und hellte die gesamte Umgebung auf. Man konnte viel mehr als in jener anderen Nacht erkennen. So zügelte sich Takashi, seine Mimik spielen zu lassen. In der Dunkelheit hätte er die eine oder andere Grimasse verstecken können, um Averic heimlich zu verspotten. Die beiden Rüden hatten eben gar keinen guten Draht zueinander und Takashi konnte einige Eigenschaften an Averic überhaupt nicht leiden. Er blieb stets hart und wirkte alles andere als freundlich. Außerdem tat er immer unbeeindruckt und als wäre er allen Artgenossen weit überlegen.
Die Dunkelheit brachte eine gewisse Stille mit sich, da wohl bereits die meisten Wölfe ihren Schlaf gefunden hatten. Trotzdem würde sich Takashis ersehnte Ruhe früher oder später wieder in Luft auflösen. Averic war wirklich ein komischer Kauz, der mit arger Vorsicht zu genießen war, damit er nicht wieder völlig ausflippte. Da die Charakteren der Beiden ganz und gar nicht miteinander harmonierten, würde es bald wieder zum Eklat kommen.
Takashi bewahrte Ruhe, da schließlich er es war, der auf Averic zugegangen war. Aufzutauchen und gleich grundlos für Stunk zu sorgen, war ja wohl das Letzte, was der Schwarze tun würde, denn Averics abweisende und unbeeindruckte Art war bereits ziemlich unverschämt. Er betrachtete Takashi wie ein kleines Häuflein Elend, was nichts entgegenzusetzen hatte. Und dann auch schon wieder dieser abschätzende Blick, als ob sein Gegenüber nicht ganz klar im Kopf war! Der Hüne ignorierte diese abfälligen Gesten eiskalt und ging nicht weiter darauf ein, um sich nicht unnötig aufzuregen.
Was war überhaupt mit Takashis notdürftiger Frage? Eine von Sarkasmus überwucherte Antwort bekam er zurück. Der Schwarze musste sich selbst eingestehen, dass seine Frage nicht viel Intelligenz bewies; aber sie entstand aus der Not des kurzen Moments. Ein kratziger und leicht genervter Atemzug entfloh der Kehle des Schwarzen. Dann musste Averic auch noch eine kleine, aber eindeutige Drohgebärde an Takashi loswerden. Auch diese klare Botschaft regte den Hünen zu keiner weiteren Reaktion an.
Es war nun an der Zeit, passende Worte zu finden oder zu gehen.
"Ob wohl ein weiterer Varg oder ein ähnliches Wesen auftauchen wird? Was meinst du, Averic?"
Kein Hohn, kein Spott, kein Sarkasmus. Takashi wollte sich Averic eben nicht anpassen und versuchte auf eine ruhige Basis ein Gespräch aufzubauen.
30.04.2011, 00:17
Averic ignorierte das weitere Hinundhergezappele von Takashi und fragte sich, was dieser Depp eigentlich von ihm wollte. Lange würde er sich jedenfalls nicht vor der Nase herumtanzen lassen. Hin und wieder würde er dem Schwarzen gerne ein bisschen mehr Intelligenz anrechnen, aber sobald man etwas direkteren Kontakt mit ihm hatte, konnte man sich eigentlich nur noch die sprichwörtliche Hand vor das Gesicht schlagen. Aber bedauerlicher Weise, wenn man so darüber nachdachte gab es kaum gescheitere, erwachsene Rüden im Rudel. Der Einzige, der ihm spontan einfiel war jetzt an der Rudelspitze. Wäre es nicht so, hätte er ihn dort auch kaum akzeptiert.
Früher war seine Selbstbeherrschung hundsmiserabel gewesen und er hätte Takashi wahrscheinlich jetzt schon weggejagt, weil er keinerlei Anstalten machte sich ihm gegenüber so respektvoll zu verhalten, wie es ein Rangniedrigerer tun sollte. Doch jetzt war es ihm erstaunlich gleichgültig, weil es dieser Clown einfach nicht wert war. Sollte er das Maul zu voll nehmen, konnte er ihm immer noch deutlich zeigen, dass er es zu weit trieb. Und so äußerte seine Miene keinen seiner Gedanken, als Averic Takashi wieder ansah. Nach einer weiteren, wirklich klug geäußerten Frage. Der Pechschwarze sah kurz in den Wald hinein, dann wieder zurück.
„Wäre dort tatsächlich ein weiterer Varg unterwegs, dem der Sinn nach töten steht, hätte er uns vermutlich bereits angegriffen. Das halbe Rudel schläft, alle sind beisammen. Wie auf dem Präsentierteller.“
Tatsächlich ließ sich darüber streiten, wie gut die Vorsichtsmaßnahme alle zusammenzupferchen war, auf längere Sicht. Allerdings gab es auch keine bessere Möglichkeit, wenn man alle vor einem grausamen Tod bewahren wollte. Sich zu verstreuen könnte höchstens die Zahl der flüchtenden Überlebenden steuern, wenn sich tatsächlich etwas im Revier herumtrieb, dass die Macht besaß ganze Rudel auszulöschen.
„Aber da draußen ist nichts. Nicht im Moment.“,
schloss er schließlich. Und es klang nicht so, als wäre es nur eine Einschätzung seitens Averic. Er spürte, dass da nichts war. Und der Tod war nicht in der Nähe.
30.04.2011, 12:30
Auch, wenn Takashi den Gedanke nicht loswerden konnte, dass es zwischen den beiden schwarzen Rüden mächtigen Krach geben würde, war die Situation noch erstaunlich ruhig. Vielleicht sollte er sich doch nicht so viele Sorgen machen und einfach so tun, als wäre zwischen den Beiden alles in Ordnung. Das war alles andere als leicht, denn Takashi musste sich immer wieder daran erinnern, als ihn Averic das erste Mal zurecht gewiesen hatte. Es war das erste richtige Zusammentreffen zwischen den beiden Fenriswölfen gewesen und hatte gleich so einen schlechten Eindruck von Averic hinterlassen.
Der Blick des Hünen fiel ziemlich abfällig auf Averic herab. Vielleicht war das gar keine gute Idee und somit wandte sich sein Blick ab und wanderte zum Rudel herüber. Wenn Averic diese Reaktion Takashis vernommen hatte, war der Ärger wohl schon vorprogrammiert.
Ganz gemächlich ließ sich Takashi mit einigem Abstand zu seinem Gesprächspartner nieder. Er tat ganz hämisch so, als wäre nichts geschehen.
"Vielleicht hätte er uns angegriffen. Diese Varge sind zwar in der Lage, ein ganzes Rudel auszulöschen, aber dennoch streite ich nicht ab, dass Fenris ihnen ein wenig Intelligenz eingehaucht hat."
Mit einem Varg war ganz und gar nicht zu spaßen, wobei man gar nicht so viel über ihn wusste. Bis jetzt hatte er den Anschein gemacht, als würde er ohne jeglichen Gedanken töten wollen. Vielleicht wäre der nächste Varg ein wenig intelligenter und würde bewusster handeln, man konnte nur vermuten.
Bestimmt hatte Averic ein wesentlich besseres Gespür für Fenris und den Tod, als Takashi. In dieser Hinsicht konnte man sich wohl doch auf diesen komischen Kauz verlassen.