26.03.2011, 15:28
Avendal hatte ständig nur im Kopf gehabt mit ihrem Vater zu sprechen und sich bei ihm zu entschuldigen. Dabei war ihr dieser Varg vollkommen egal gewesen. An dem Tag war sie mir ihren Gedanken bereits weit weg gewesen und gleich am nächsten Tag hatte sie sich auf die Suche nach Averic gemacht. Ihre Pfoten trugen sie über den Rudelplatz, hielt ausschau nach dem schwarzen Rüden den sie als ihren Vater kannte. Ob er ihre Entschuldigung annehmen würde? Würde er denn noch sauer auf sie sein, bei den schlimmen Worten die sie ausgesprochen hatte. Innerlich hoffte sie das Averic ihr vergeben würde. Schwerfällig trappte sie über den Rudelplatz bis er ihr endlich in ihren Blickfeld viel. Avendal bemühte sich schneller voran zu kommen, doch mit jedem Schritt schmerzten ihre Pfoten und ihr Herz schien auf dem besten Weg zu sein aus zu bluten. Leicht senkte sie ihren Kopf als sie näher an den Schwarzen heran trat.
„Vater… “
Ihre Stimme klang schwach und zittrig. Angst davor, das Averic sie ohne eines weitern Wortes sie zurück weisen würde. Aber sie durfte jetzt keine Schwäche zeigen, sie musste stark sein! Und sich nicht von dieser Angst bannen lassen. Langsam hob Avendal ihren Kopf, die tiefblauen Augen auf die Schnauze ihres Gegenübers geheftet.
„Ich… möchte mit dir sprechen.“
Sprach sie weiter, wohl wissend das ihre Stimme einem leisen Summen gleich kommen mag. Ein Schritt folgte auf ihre Worte und sie neigte den Kopf ein wenig zur Seite, so das sie ihren Vater von der Seite aus ansehen musste.
27.03.2011, 23:25
Averic lag in der Nähe des gefrorenen Sees, den Blick zum Rudel gerichtet und es doch kaum sehend. Hin und wieder rief er sich in die Wirklichkeit zurück, um nach den Gestalten seiner Kinder zu sehen und zu überprüfen, dass sie immer noch da waren und den Rudelplatz nicht verließen, dann aber glitten seine Gedanken zurück zu der Sache mit dem Varg. Warum hatte er sich verwandelt? War Fenris nun schon so weit Wölfe zu verwandeln, damit sie ihm noch dienlicher waren. Die Lefzen des Pechschwarzen zogen sich etwas kraus und fast verspürte er Abscheu gegen seinen eigenen Gott. Denn sein Gott bedrohte ihn und seine Familie. Das konnte und wollte er ihm nicht durchgehen lassen – nur was konnte er ändern? Er musste sich zwingen hier liegen zu bleiben. Energie pulsierte nur so durch seinen Körper, zwischendurch hatte er das Gefühl, wenn er jetzt einfach aufspringen und losrennen würde, wenn er laut genug nach Fenris rief und ihn aufforderte sich ihm zu stellen, dann würde er den Gott ganz leicht in seine Schranken weisen können. Ja, so unglaublich stark fühlte er sich im Moment. Ihm war nicht einmal kalt. Und obgleich er dachte, dass seine Energie ausreichen würde um einen Gott zu bezwingen, so ahnte er auch irgendwo, dass dieser Überfluss an Kraft genau mit diesem Gott zutun hatte.
Seine Gedanken wurden unterbrochen, als etwas in sein Blickfeld trat und sich näherte. Das Haupt des großen Rüden hob sich, als Averic seine Tochter erkannte. Augenblicklich zog sich etwas in ihm zusammen, hallten die Worte, die ihm Avendal vor wenigen Tagen an den Kopf geschmissen hatte, in seinem Kopf wider. Nach Außen drang davon nichts, er war gut darin, sein Innerstes mit einem Eismantel zu bedecken. Vor allem bei diesen Temperaturen, wie er sich zynisch dachte. Allerdings konnte er in dem grauen Blick seiner Tochter dieses Mal keine Verachtung sehen. Sie kam unterwürfig auf ihn zu und sah ihm nicht in die Augen. Als Avendal sagte, sie wolle mit ihm sprechen, fühlte er irgendwo Erleichterung in sich.
„Setz’ dich zu mir.“,
bot er ihr ruhig an und deutete mit der Schnauze neben sich.
28.03.2011, 15:24
Was sollte sie sagen? Wie sollte sie am besten das Gespräch beginnen? Ihre Augen waren auf den dunklen Rüden gerichtet, bedacht darauf ihm nicht in die Augen zu blicken. Nach ihren Worten war es vermutlich auch nicht ihr Recht. Schuldgefühle plagten sie und zerrissen sie innerlich, geduldig wartete sie auf eine Antwort von ihrem Vater. Aus den Augenwinkeln heraus konnte sie sehen, dass der Rüde den Kopf hob und seinen Blick auf sie richtete. Langsam hob Avendal ihren Blick um seinen zu suchen. Leicht prüfend sah sie ihn an, doch sie konnte keinen Widerwillen erkennen oder das er sie nicht bei sich haben wollte. Um genau zu sein fand sie nichts in dem Ausdruck, wie üblich. Bei dem Angebot sich zu ihm zu setzten, erhellte sich Avendal’s Blick ein wenig und sie nickte anschließend. Gehorsam platzierte sie ihren pelzigen Hintern neben den von ihrem Vater. Wie sollte sie dieses Gespräch beginnen? Womit sollte sie anfangen?
Ihr Blick richtete sich für einen kurzen Moment über den Rudelplatz, es war ein eher mäßiges Treiben, vermutlich waren alle ein wenig beunruhigt wegen dieser Varg Geschichte, die Avendal zugegebener maßen nicht sonderlich mitbekommen hatte. Avendal blinzelte kurz, legte sich langsam auf den Boden und rutschte mit ihrer Schnauze so weit das sie Averic’s Pfote berühren konnte.
„Es tut mir Leid, was ich vor ein paar Tagen sagte…“,
begann sie letztendlich und neigte leicht die Ohren zurück. Sie sah zu ihrem Vater auf.
„Ich kann meine Worte nicht rechtfertigen, aber ich möchte dich um Verzeihung bitten. Es war falsch mich sofort auf eine Seite zu schlagen.“
30.04.2011, 00:35
Averic betrachtete ruhig, wie sich seine Tochter neben ihn setzte. Sie war noch so viel kleiner als er und manchmal vergaß der Pechschwarze, dass seine Kinder bereits dabei waren dem Jungwolfalter zu entwachsen und mit großen Schritten auf das Erwachsensein und die Unabhängigkeit zugingen. Die Zeit war so schnell vergangen. Und hätte er nicht bereits diese dicke Eisschicht um sein Inneres gebaut, hätte er das Ziehen gespürt, das ihm dieser Gedanke versetzte. Bald brauchten sie ihre Eltern nicht mehr, die Familie war kaputt und alles würde auseinander gehen. Vielleicht würden einige sogar gehen und sich ein neues Rudel suchen, weil sie in dieser Welt nicht mehr leben wollten. Diese Gedanken waren gut verborgen und drangen nicht zu ihm hindurch. Dennoch, als sich Avendal schließlich neben ihn legte und mit ihrer Schnauze sachte seine große Pfote berührte, hob er diese vorsichtig, um sie seiner Tochter über den Kopf zu legen.
„Als dein Vater kann ich gar nicht anders, als dir zu verzeihen.“
Jene Worte hätten leicht scherzhaft und schmunzelnd wirken können, wäre Averic dazu im Stande gewesen ein Lächeln aufzusetzen. Aber obwohl es gut tat eine Entschuldigung von Avendal zu hören, fühlte er sich zu keinem optimistischen Gefühl in der Lage. Er war nun mal kein naiver Wolf, wie sie zu den Anhängern Engayas gehörten.
01.05.2011, 19:33
Ihre dunklen Augen huschten zu dem Antlitz ihres Vaters empor um eine Regung darin zu erhaschen, doch dieser hob nur seine Pfoten an und legte sie über ihren Kopf, was die helle Fähe leicht lächeln ließ. Doch bei seinen Worten, schüttelte sie seine Pfote ab und hob ihren Kopf, die Augen strahlten vor glück darüber das er ihr verzieh. Sie hatte sich gequält mit dem Gesagten und nicht gewusst wie sie das wieder auf den richtigen Pfad hätte lenken können. Doch da Averic bereit war ihr zu vergeben, erfüllte es ihr kleines Herz mit Freude.
Jedoch erwiderte sie nichts darauf und stieß bloß ein Seufzen aus, sollte sie ihrem Vater von dem innerlichen Zwiespalt erzählen in dem sie sich befand? Der ständige Wechsel zwischen Helligkeit und Dunkelheit und der Stimme, tief in ihr drin, die sie auf etwas aufmerksam machen wollte. Avendal wandte den Blick wieder zu dem Schwarzen.
„Vater, ist es möglich sich von heute auf morgen zu verändern und die Seite zu wechseln?“,
es würde sie interessieren, denn sie vermutete die Tat ihrer Mutter geleitet wurde von Fenris, obwohl diese doch so fest an Engaya glaubte… wie konnte so etwas nur passieren?