26.03.2011, 13:35
Beachtet bitte folgende Punkte:
1. Lest den SL-Text aufmerksam, zwischen dem letzten und diesem Plot ist etwas geschehen, bei dem euer Wolf dabei war. Habt ihr dazu Fragen, stellt sie im SL-Thread.
2. Kein Wolf darf sich vom Rudelplatz entfernen, ganz besonders nicht die Jungwölfe. Würde ein Jungwolf abhauen, müssten einige Aufpasser ( = Rangwölfe) hinterher und ihn wieder einsammeln. Das macht den Usern hinter den Aufpasserwölfen jedoch keinen Spaß – sie wollen nicht die ganze Zeit herumrennen. Also seid so nett und lasst euren Jungwolf auf dem Rudelplatz. Das ist nur fair gegenüber euren Mitusern (Solltet ihr euch vorher jedoch mit einem Aufpasserwolf absprechen und der möchte in diese Playsituation, sei euch das natürlich nicht verwehrt. Gebt dann aber bitte Bescheid.). Anders verhält es sich bei den erwachsenen Wölfen. Sollte sich einer von ihnen entfernen, wird ihm nicht gefolgt, seid euch jedoch sicher, dass ein Rangwolf es bemerkt. Und wenn euer Wolf zurückkommt, wird ihn eine Strafe erwarten. Seid euch dessen bewusst und überlegt genau, was ihr euren Wolf tun lasst.
3. Wie ihr auf der Revierkarte erkennen könnt, ist unser Rudelplatz sehr groß. Lest euch am besten auch die Beschreibung zu ihm durch (bei Gebirge und Sternensee). Die Wölfe können sich also außer Hörweite anderer unterhalten – sie sind lediglich immer in Sichtweite. Auch, wenn sie sich am See oder am Fluss aufhalten; viel weiter sollten sie sich jedoch nicht entfernen.
Es war nicht besser geworden. Seit dem Fund des Vargs vor acht Tagen waren die Temperaturen weiter gefallen. Auch die Wolken hatten ohne Unterlass geschneit, längst versanken die Wölfe bis zum Bauch im Schnee. Der See war an seinen Rändern zugefroren, die Bäume hatten alle Blätter verloren, die Tierwelt war wie erstarrt. Überall fand man Kadaver verendeter Hornträger, meist die Kitze aus dem Frühling, doch die plötzlich knappe Nahrung ohne einen reichen Vorrat aus Sommer und Herbst brachte auch vielen Erwachsenen den Tod. Keine schlechte Zeit für die Wölfe, doch Nahrung allein bringt kein Glück. Die Spähtrupps hatten keine weiteren Spuren von Vargen gefunden, genauso wenig war ihnen ein lebendiges Exemplar begegnet. Dennoch befand sich das Rudel in höchster Alarmbereitschaft, kein Wolf durfte sich vom Rudelplatz entfernen. Allein, in Pärchen oder als Gruppe trotze das Rudel der Kälte und der Angst, Nahrung wurde von einigen starken Rüden herbeigeschafft – sie mussten nie lange suchen.
Am Abend nach dem Fund des Vargs, als die Spähtrupps ohne ein Ergebnis zurückgekehrt waren, hatten sich Sheena, Rakshee und Tyraleen zusammengesetzt und entschlossen, dem toten Varg trotz allem ein würdiges Ende zu schenken. Er mochte kein Wolf sein, dennoch gehörte er auf eine beängstigende Art und Weise zu ihnen – und zu ihren Göttern. So hatten einige starke Rüden das Wesen zum Fluss gebracht und das Rudel hatte sich für die Zeremonie versammelt. Die Priesterinnen – allen voran Sheena und Rakshee, Tyraleen hatte sich sehr zurückgehalten – hatten die uralten Begleitworte in Engayas Pfoten gesprochen und den Varg schließlich forttreiben lassen. Doch dann war etwas geschehen, was niemand erwartet hatte. In den sprudelnden Wellen des Flusses hatte sich der Varg verwandelt. Sein kurzes, drahtiges Fell war länger und weicher geworden, seine Statur hatte sich gestreckt, wirkte nicht mehr gedrungen und unproportioniert und seine langen Zähne wurden allmählich kürzer. Seine Augen waren geschlossen, doch die Wölfe waren sich sicher – das Rot war verschwunden. Als der Körper des Vargs aus ihrem Gesichtsfeld getragen wurde, war er nicht länger ein Varg gewesen, sondern ein Wolf wie jeder andere. Fassungslos, erschrocken aber auch ratlos waren die Wölfe zum Rudelplatz zurückgekehrt, erste Schlüsse aus diesem seltsamen Erlebnis ziehend. Was auch immer in ihrem Tal geschah, sie hatten einen weiteren Hinweis erhalten und nun begann das Lösungssuchen. Es gab einen Weg aus der Kälte, dem Schnee und der düsteren Stimmung, da war man sich einig. Man musste ihn nur finden.
Es ist Mittag, leichte Flocken fallen aus großen, dunklen Wolken, die die Sonne verdecken. Acht Tage sind seit dem Fund des Vargs vergangen, seitdem hat es nicht aufgehört zu schneien. Der Schnee reicht den Wölfen bis zum Bauch. Die Temperatur beträgt -13 °C, da es jedoch beinahe windstill ist, lässt sich die Kälte ertragen. Das gesamte Rudel ist über den Rudelplatz verstreut versammelt. Kouros wurde in das Rudel aufgenommen, Nihilus hat sich insoweit von seinen Verletzungen erholt, dass er klar sehen und denken kann, sein Körper braucht jedoch noch immer viel Schonung.
Jakash, Averic, Takashi und Atalya fühlen sich sehr gut. Vor Energie und Tatendrang können sie kaum stillstehen, trotz der Kälte scheinen sie noch stärker als die letzten Tage.
Tyraleen, Sheena, Rakshee, Jumaana, Neruí, Face Taihéiyo, Kisha, Majibáh, Chanuka, Caylee, Ráyon, Nihilus, Shani Caiyé, Volk Zubami, Malakím, Liel, Avendal, Sharíku und Neytíri geht es nicht sehr gut. Müdigkeit und Kraftlosigkeit hat sich über sie gelegt und sie können sich nur mühsam zum Aufstehen überreden.
Tyraleen lag am Rand des Rudelplatzes, den Wald im Rücken, den Blick auf den leicht abfallenden Hang bis hinunter zum See gerichtet. Ruhig aber auch kraftlos glitten ihre Augen über die Wölfe, kontrollierten, ob einer fehlte, achteten auf jede Bewegung, rasten zum Waldrand, in der Angst, ein Varg könnte daraus hervorschießen. Es war mühsam, sie hätte nicht gedacht, dass es so anstrengend war, auf ein Rudel aufzupassen. Sicher, sie waren nun in einer Extremsituation, unter normalen Umständen musste ein Leitwolf nicht darauf achten, dass alle immer zusammenblieben, doch er musste dazu fähig sein. Und Tyraleen war dazu fähig, da war sie sich sicher. Nur gerade jetzt … ihre Schwäche war noch schlimmer geworden. Einerseits hatte sie seit dem Ritual am Fluss das Gefühl, Engaya ein wenig näher gekommen zu sein, andererseits hatte sie das keineswegs kräftiger gemacht. Vielleicht lag das auch an dem Varg und ihre unablässig um ihn kreisende Gedanken. Warum war er zu einem Wolf geworden? In dem Moment, in dem Engaya ihn zu sich nahm … Die Frage war vor allem, ob er sich verwandelt oder nur zurückverwandelt hatte. Könnte es sein, dass der Varg zuvor ein Wolf gewesen war? Und was hieß das für sie? Wie verwandelte man sich, warum verwandelte man sich? Oder war sie auf der falschen Spur und ein Varg war ein Varg von Anfang an, hatte sich jedoch aus irgendeinem Grund in einen Wolf verwandelt? Nein, das war unlogisch, warum sollte er? Im Angesicht Engayas zum Wolf werden … was konnte das bedeuten? Und wie hing es mit der schrecklichen Kälte und dem Schnee zusammen? Tyraleen war sich sicher: es bestand ein Zusammenhang. Und irgendwo am Ende oder am Anfang hatte Fenris seine Pfoten im Spiel. Nur wo war Engaya? Das Tal der Sternenwinde – ihr Tal – brauchte sie nun.
Die Weiße seufzte leise, versuchte kurz ihrem Kopf eine Pause einzuräumen, doch für sie war es keine Erholung. Immer wenn sie aufhörte, über eine Lösung nachzugrübeln, begann sie wieder an Tascurio und Averic zu denken. Dann zog sich ihr Herz noch mehr zusammen und erinnerte sich daran, wie schön alles noch vor so wenigen Tagen gewesen war. Hätte sie diesen einen, alles zerstörenden Fehler doch nie begangen. Dann wäre nun Sommer, es würde die Sonne scheinen und … die Weiße stutzte. War die Kälte wirklich gekommen, weil sie Tascurio getötet hatte? Und wenn ja, warum? Hatte sie etwas damit ausgelöst? Was? Sie spürte leise Aufregung, hatte sie gerade ganz unbewusst etwas Entscheidendes gedacht? Wenn sie Recht hatte … Tascurio ließ sich nicht mehr lebendig machen. Doch … sie schluckte schwer. Langsam ließ sie ihren Blick erneut über die Wölfe wandern, jetzt auf der Suche.
[ Rudelplatz | allein ]
26.03.2011, 19:01
(Ich verzichte Mal auf den Playpartner gesucht Thread und warte einfach der Wölfe, die zu Atalya kommen xD)
Es war furchtbar. Der erste Schnee, den si ein ihrem Leben erlebt, und sie wünschte ihn sich hinfort. Einfach weg. Inzwischen versanken ihre Läufe in diesem weißen Zeug, und es sah nicht danach aus, dass es aufhören würde. Bald würden selbst die erwachsenen Wölfe ganz im Schnee versunken sein. Die Kälte störte sie nicht – es ging ihr zudem noch immer ungewöhnlich gut – aber es nervte. Manchmal schlug sie einfach mit der Pfote nach dem Schnee, konnte auch ein leises Grollen nicht unterdrücken. Sie mochte diesen... Winter nicht. Viel lieber hätte sie nun Sonnenschein genossen. Und dazu durften sie nicht einmal den Rudelplatz verlassen. Sie mussten also immer in der Nähe bleiben, damit niemand ihnen hinter herlaufen musste. Die Ereignisse schienen sich zu überschlagen, angefangen bei dem Mord an ihrem Bruder, bis hin zu diesem verdammten Schnee. Dazu hatten Aszrem und ihre Mutter nun die Führung über das Rudel an sich genommen, und Atalya legte die Hoffnung in ihre Pfoten. Vielleicht wußten sie ja etwas, was sie alle aus dieser Misere bringen würde.
Die Graue selbst hielt sich am Ufer des Flusses auf, lief hoch und runter, und wieder zurück. Noch immer spürte sie diese Energie in ihrem Körper, noch mehr als vor acht Tagen. Und niemand fand eine Erklärung dafür, genau wie für die Verwandlung des Vargs. Es war vor ihren Augen geschehen, aber niemand hatte es erklären können. Und Atalya wußte nicht, was sie darüber denken sollte. Der einzige Gedanke war, dass es in ihre derzeitige Lage passte. Ein toter Bruder, Schnee, ein komisches Wesen, dass sich in einen Wolf verwandelte. Die junge Wölfin fragte sich, was noch auf sie zukommen würde. So blieb sie, nach ständigem hin und her Gelaufe schließlich stehen, trat zum angefroren Wasser. Nur kurz wandte sie den Blick herum, sah zu den Wölfen, die sich in ihrer Nähe befanden. Der Großteil des Rudels lag herum, die meisten wirkten noch immer geschwächt und müde. Ganz anders als sie. Ihre Ohren schnippten leicht durch die kalte Luft, ehe sie sich zum Wasser beugte, darauf achtend, dass das Eis unter ihren Pfoten nicht zu Knacken begann. Die Schmerzen vom Wettrennen mit Madoc waren schon wieder vergessen, es hatte nicht lang gedauert, bis es verheilt war. Die Graue beobachtete ihr Spiegelbild, ihren unzufriedenen Gesichtsausdruck. Sie konnte nur hoffen, dass dieser Schnee bald wieder verschwand.
[Am Ufer des Sees - Allein]
27.03.2011, 14:32
Es war das erste Mal dass Cirádan so viel Schnee sah. Im Grunde war es überhaupt das erste Mal dass er Schnee sah. Die ersten Flocken waren noch nicht so schlimm gewesen. Eigentlich war der Schnee gar nicht so schlimm.
Er minderte das Kältegefühl zumindest ein wenig. Und Cirádan mochte dieses weiße Zeug irgendwie.
Doch der welpenhafte Drang mit dem Schnee zu spielen wurde stark gedämpft. Es war nicht die richtige Zeit um ausgelassen zu sein. Ob überhaupt je wieder Zeit kommen würde um einfach unaufmerksam durch den Wald zu laufen?
Im Moment jedenfalls war es dazu zu gefährlich, so dass sich der Jungwolf zwangsläufig viel häufiger in der Nähe von anderen Wölfen aufhielt als für gewöhnlich.
Immer noch gingen ihm so viele Sachen durch den Kopf. So viel zu viele. Takashi, Krolock und Nihil, das ganze Rudel, dieser Varg der wohl auch nur ein Wolf gewesen war. Doch was war mit ihm passiert?
Es fröstelte den Jungwolf, doch nicht vor Kälte. Er hatte Angst, dass sich jemand von den Wölfen die er so gerne hatte in solch ein Wesen verwandeln würde. Was würde dann mit ihnen passieren? Und warum war so etwas mit diesem Wolf geschehen?
Es gab so viel zu denken und alle Wölfe schienen sich ihren eigenen Sorgen über den Varg zu machen. Doch nicht nur um diesen drehten sich die Gedanken. Cirádan war sich sicher, dass viele auch über Tyraleen und Aszrem nachdachten. Und über andere Dinge, von denen er jedoch keine Ahnung hatte.
Cirádan beobachtete die Wölfe um sich herum interessiert. Stapfte durch den Schnee, versank fast durch ihn. Zum Glück waren einige Pfade von anderen Wölfen ausgetreten, so dass er nicht immer durch den hohen Schnee waten musste.
Einige Wölfe waren so unruhig, was nur natürlich war. Doch es schien, als könnten sie gar nicht still sitzen.
Und andere wiederum... ja, andere .. die meisten sahen so furchtbar schlecht aus und es ging ihnen gar nicht gut. Er fragte sich woran das wohl liegen mochte.
Und ob es bei anderen Rudeln die von den Vargs vernichtet worden waren, auch so angefangen hatte.
Cirádan frage sich, aus welchem Grund sich ein Wolf in einen Varg verwandeln könnte.
Er kam gar nicht auf einen anderen Gedanken. Er wusste – oder zumindest dachte er es zu wissen, nachdem das am Fluss geschehen war, dass ein Varg eigentlich ein Wolf war, mit dem etwas furchtbares geschehen sein musste.
Ob jemand schon mal versuchte hatte mit diesen Vargs zu reden?... Vielleicht... ja vielleicht waren es einfach nur wütende Wölfe, die nicht wussten wohin. Die Angst hatten, weil sie sich verändert hatte und alle sich nun von ihnen fürchteten?
Cirádan schüttelte entschlossen den Kopf. Er hatte von solchen Dingen ja doch keine Ahnung.
Alles was er wusste war, dass Engaya und Fenris anscheinend irgendwie mit der ganzen Sache zu tun hatten. Und damit dass Tyraleen einen Sohn umgebracht hatte. Und damit, dass sie anscheinend vorher keine Leitwölfe gehabt hatten.
Irgendwie wusste Cirádan, zumindest seit dem dieser fremde Wolf aufgetaucht war, dass ihr Rudel anders war. Dass ihr Rudel nicht so lebte, wie andere Rudel. Aber war es denn so schlecht?
Der Jungwolf seufzte und setzte seinen Weg fort.
Tyraleen schien völlig erschöpft. Es machte sicherlich große Mühe so ein Alphawolf zu sein und er war sich sicher, dass er eine solche Bürde niemals tragen könnte. Krolock vielleicht... aber er glaubte kaum dass sein Bruder jemals ein Rudel leiten wollen würde.
Aber das waren nur dumme Welpengedanken.
Er hoffte darauf jemanden zu finden, mit dem er sich unterhalten konnte, doch traute sich Cirádan nicht jemanden anzusprechen. In der Ferne am Fluss konnte er eine schwarze Jungwölfin entdecken. Atalya. Doch mit ihr hatte er nie viel zu tun gehabt. Er erinnerte sich nicht einmal ob er jemals ein Wort mit ihr gewechselt hatte und so lies er es sich zu ihr zu gesellen. Sie mochte seine Gesellschaft bestimmt nicht.
Aber mit irgendjemanden musste er doch darüber reden können, was er gerade gedacht hatte? Dass diese Varge einfach nur furchtbar traurige Wölfe waren. Auch wenn er wusste, dass er dafür ausgelacht werden würde.
[ durch den Rudelplatz entlang trabend | allein mit seinen Gedanken]
27.03.2011, 16:07
Wahrscheinlich war er der einzige Wolf in diesem Rudel, den die Kälte nicht einmal ein winziges bisschen störte. Sein Pelz, der ihm in einem normalen Sommer ein Verhängnis werden konnte, schützte den kräftigen Rüden nun vor den absolut abnormalen Temperaturen von -13 Grad. Trotzdem machte er sich natürlich Gedanken, versuchte zu verstehen, was in diesem Tal vor sich ging. Der Fund des Varg vor einigen Tagen, hatte das ganze Rudel in Aufregung versetzt, nun waren sie alle auf dem Rudelplatz gezogen und versuchten das Beste aus der Situation zu machen. Die andauernde Kälte, die seit einigen Wochen nicht mehr weichen wollte, im Gegenteil sich immer mehr verbreitete, unterstützte dies nicht gerade vorteilhaft.
Zudem beschäftigte ihn noch immer, warum der Varg sich bei seiner Todeszeremonie in einen Wolf verwandelt hatte. Natürlich hatte auch er gerochen, dass der Varg etwas Wolfsähnliches hatte, abgesehen von dem bestialischen Gestank. Aber er hatte nicht damit gerechnet, dass er zu einem Wolf werden würde. Er hatte auf eine Art Rassenverwandschaft getippt. Aber sollte es letztendlich wie ein Fluch gewesen sein? Ein auserwählter Wolf, der seine Freiheit erst im Tod wieder bekommen hatte? Konnte es denn sogar sein, dass der Varg im Inneren vielleicht unglücklich über sein Verhalten gewesen war? Oder befand sich seine Einbildungskraft nun auf eigenen Wegen und er sollte sich ernsthafte Gedanken um seinen Gemütszustand machen?
Er verstand die ganzen Zusammenhänge nicht, war sich aber sicher, dass dies nicht nur daraufhin zurückzuführen war, dass er nicht an die Götter glaubte, die über dieses Tal wachten. Sicher verstand keiner der Wölfe so ganz genau, was es mit dem ganzen Spektakel auf sich hatte.
Immer wieder überlegte er, ob die Götter erzürnt waren, dass in ihrem Tal auch gottlose bzw. andersgläubige lebten, doch das konnte er sich nicht vorstellen. So eine Gottheit musste doch tolerant sein und diese Toleranz auch zeigen. Oder nicht? Es störte ihn, auf eine Art und Weise die er selber nicht verstand, dass er auf einem anderen Pfad wandelte. Und das machte ihn wütend. Gleichzeitig wusste er, dass dieser Weg für ihn der Richtige war und er würde ihn nicht verlassen. Und selbst wenn ihn dies irgendwann aus dem Tal führen würde. Dann würde auch dieser Schritt zu seinem Weg, zu ihm gehören. Wahrscheinlich war es einfach nur eine schwierige Situation, da er in diesem Rudel der einzige Wolf war, der dem Buddhismus angehörte. Manchmal fehlte ihm ein Artgenosse, ein Wolf mit dem er zusammen sitzen konnte, zusammen schweigen konnte, der auf dem gleichen Weg war wie er.
Um die schlechten Gedanken zu vertreiben, schüttelte er sich kurz und fing dann an, sich durch den Schnee vorwärts zu pflügen. Es war anstrengend, vor allem bei seiner Größe. Den anderen Wölfen ging der Schnee bis zum Bauch, ihm hingegen fast schon bis zur Brust. Doch er war mit sich selbst im Reinen, sein inneres Gleichgewicht hatte er durch all das Chaos nicht verloren und so bahnte er sich langsam seinen Weg durch den Schnee.
Sein Ziel war seine kleine Patenfähe. Vielleicht hatte sie weitere Anregungen zu den ganzen Geschehnissen, vielleicht brauchte sie eine starke Schulter um sich anzulehnen und Kraft und Wärme zu tanken. Außerdem wollte er sich bei ihr erkundigen, ob sich ihr Befinden gebessert hatte. Als sie sich das letzte Mal unterhalten hatten, war sie wütend und traurig gewesen, hatte ihre Gefühle nicht ganz einzuordnen gewusst.
Er bellte leise, als er sich ausfindig gemacht hatte. Sie stand am Seeufer und starrte auf das gefrorene Wasser. Sonderlich zufrieden sah sie nicht aus.
Als er sie erreicht hatte, sah er, dass sie sich einige Schritte auf das Eis gewagt hatte, wahrscheinlich war es dick genug, als dass er sich daneben stellen könnte, aber das Wagnis wollte er nicht eingehen.
Er schmunzelte, als ihm die Worte einfielen, mit denen sie sich ihm damals vorgestellt hatte.
„Atalya die Furchtlose.“
Er lächelte sie an. Es war schön sie zu sehen, auch wenn sie etwas grimmig in die Welt starrte. Wahrscheinlich war sie nicht erfreut darüber, dass es noch mehr geschneit hatte. Schließlich hatte sie ihm erklärt, dass sie keinen Schnee mochte. Was er noch immer nicht nachvollziehen konnte.
[Seeufer, Rudelplatz - Atalya]
27.03.2011, 16:37
Mit der Wut in ihrem Bauch hätte sie so gern das Eis zerschlagen, oder die Oberfläche des Sees aus seiner Ruhe gebracht. Aber das alles würde nicht rückgängig machen, was geschehen war. Es würde den Schnee nicht schmelzen lassen, Tascurio nicht wieder bringen und ihre Eltern nicht wieder zusammen führen. Und den Geruch des Todes, den der Bär hinterlassen hatte, würde es auch nicht fort waschen. Atalya schnaufte leise, als könne sie so diesen Gestank loswerden. Aber es half nichts. Es war, als wenn er in ihrer Nase festsitzen würde. Und sie war nicht glücklich damit. Überhaupt... das letzte Mal, dass sie Glück verspürt hatte... als sie bei Madoc gewesen war. Als sie mit ihm gerannt war und schließlich nicht mehr hatte laufen können. Ein kurzes Lächeln zuckte über ihre Lefzen bei diesem Gedanken. Aber es verblasste schon nach einigen Momenten wieder. Es schien einfach so, als gäbe es nichts, was sie tun konnte. Und dabei war es doch genau das, was sie am meisten wollte.
Eine bekannte Stimme riß sie aus den Gedanken, ließ sie den Blick zum ersten Mal vom kalten Eis abwenden. Ihre hellen Augen ruhten auf dem Gesicht ihres Paten, während dieser auf sie zulief. Ihre Rute wischte kurz über das kalte Eis, hielt dann aber wieder still. Bei seinen Worten neigten sich ihre Ohren leicht zurück, ihre Lefzen deuteten ein leichtes Lächeln an. Vielleicht konnte Liam sie ablenken, wenn auch nur für einen Moment. Es war einen Versuch wert. Sie sah sein Lächeln, und konnte es doch nicht erwidern. Nicht ehrlich. Und sie wollte dem Rüden nichts vor heucheln. Es war nur wenige Tage her, dass sie das letzte Mal miteinander gesprochen hatten. Und seitdem hatte es auch nicht mehr aufgehört zu schneien. Sie seufzte leise.
“Je mehr Schnee es wird, desto weniger mag ich ihn.“
Zur Verdeutlichung schüttelte die graue Fähe den Kopf, den Körper und befreite sich so von den Flocken, die sich in ihrem Pelz verfangen hatten. Dann wandte sie den Blick zum Himmel, zu den dunklen Wolken, aus denen die weißen Flocken zu Boden fielen.
“Ich will die Sonne wiedersehen.“
Mit diesen Worten erhob sich die junge Wölfin, schüttelte noch einmal den grauen Pelz und trat dann auf Liam zu. Sie schnappte kurz nach seinem Brustfell, zog unglücklich daran und schmiegte ihren Kopf dann in sein weiches Fell, die Augen schließend.
“Es soll wenigstens aufhören zu schneien.“
[SEEufer ;) - Liam]
27.03.2011, 17:17
Kein Lächeln, nur eine vage Andeutung. Wie sollte das Leben weitergehen, wenn alle Wölfe aufhörten zu lächeln, sich zu freuen, auch wenn die Situation schwierig war. Es gab in jedem Schmerz etwas Gutes. Es musste in jeder negativen Situation auch etwas Positives sein, das Gleichgewicht verlangte es. Und doch zogen die Wölfe es vor, sich pessimistisch stimmen zu lassen, sich mitreißen zu lassen von den äußeren Umständen. Das war natürlich auch viel leichter, als die kleinen Dinge, die Schönen, mitzubekommen, denn nach ihnen musste man meistens genauer Ausschau halten, als nach den Schlechten. Und dann konnten sie meckern und sich beschweren, wie doof doch alles wäre. Aber machte man sich dadurch nicht alles viel zu leicht? Die Wölfe dachten, wie schwer das Leben wäre, aber eigentlich machten sie es sich schwer. Und zwar dadurch, dass sie es sich zuvor zu leicht gemacht hatten. Und…
Seine Gedanken standen still, schwer, leicht, hin und her. Er wollte die Wölfe gar nicht verurteilen, er gehörte schließlich auch dazu und doch wurde ihm bewusst, dass er diese Worte vielleicht besser nicht aussprechen sollte. Nicht er, der sich sowieso immer in einer etwas brenzligen Situation befand. So empfand er es zumindest. Er würde immer ein wenig am Rande stehen. Er, der Rüden liebte. Er, der den Lehren Buddhas folgte.
Und trotzdem hatte er das Lachen nicht verlernt, nein, er hatte dazu gelernt.
Sein nächster Gedanke kam ihm fast wie ein Verrat gegenüber den hier gepriesenen Gottheiten vor, so verbot er sich weiter darüber nachzudenken. Nein, noch mehr, er versiegelte die gedachten Worte, verbannte sie aus seinem Kopf. So wollte und sollte er nicht denken, obgleich er es natürlich niemals böse meinte. Aber vielleicht konnte es doch respektlos wirken.
Wie auch immer, er zupfte ein wenig an den Ohren der Fähe herum, die energisch an seinem Brustfell gezogen hatte. Sie war so unglücklich, so unzufrieden und voller Hass und Wut auf den Schnee. Doch auch er konnte ihr nicht die Sonne herbei zaubern, er konnte den Schnee nicht zum schmelzen bringen, so gerne er es für sie getan hätte.
„Das Wetter können wir nicht verändern, wie können unsere Gedanken aber auf Reisen schicken, wir können uns die Sonne angucken, wenn wir die Augen schließen und uns daran erinnern, wie sie unseren Pelz wärmt und unsere Muskeln lockert. Wenn du dich darauf konzentrierst, immer und immer wieder, dann kannst du es spüren…
Sei nicht so wütend über den Schnee, irgendwann wird er wieder verschwinden, und wenn seine Zeit erneut gekommen ist, wird er wieder vom Himmel fallen.
Und jetzt erzähl mir nicht, dass du immer unglücklich werden möchtest, sobald Schnee vom Himmel fällt…!“
Ein letztes Mal zog er ihr sanft am Ohr, ehe er seinen warmen Atem in ihren Nacken pustete.
[Seeufer (!), Atalya]
27.03.2011, 17:44
Vor einigen Tagen hatte sie das Rudel auf den Rudelplatz geführt, keiner der Wölfe war ihr unterwegs abhanden gekommen, und seitdem sie sich hier verteilt hatten, war Sheena jede Sekunde damit beschäftigt gewesen, die Wölfe im Auge zu behalten. Sie war nicht heiß darauf, irgendeinen Wolf zu bestrafen, der den Platz verlassen sollte, sondern ihre Sorge um noch weitere lebende Varge in diesem Revier, war viel zu groß, als dass sie einem Wolf dieses Schicksal erleiden lassen wollte. Und so versuchte sie ihre Augen überall zu haben. Und da sie nun mal nur zwei Augen hatte, musste sie sich wahrlich anstrengen, denn es war ein Ding der Unmöglichkeit alles im Auge zu behalten. Das Rudel war so ungemein groß geworden, sie bezweifelte, dass sie mit jedem Wolf des Rudels schon mal ein Wort gesprochen hatte.
Schnell hatte sie gemerkt, dass diese Aufgabe komplexer war, als sie klang. So war sie die verstrichenen Tage hindurch auf und ab gelaufen, hatte auf jede winzige Bewegung reagiert und sie konnte nicht mehr sagen, wie oft sie den Rudelplatz mittlerweile umrundet hatte. Pausen hatte sie sich nur wenige gegönnt. Gerade so, dass sie genügend Kraft hatte um eine neue Runde zu überstehen.
So war sie jetzt natürlich leicht reizbar, zwar strahlte sie eine Ruhe aus, die sie erst durch die Priesterinnenausbildung erlernt hatte, aber innerlich fühlte sie sich der zänkischen Sheena von früher viel näher. Sie fühlte sich ausgepowert, sie war froh, Engaya in sich zu spüren. Das war die Stärke, von der sie nun zehrte. Und sie war unendlich dankbar dafür, dass die Göttin sie nicht verlassen hatte, dass sie sie noch immer so deutlich fühlen konnte.
Trotzdem wünschte sie sich, dass sie nicht ganz so entkräftet wäre, wenn nun doch etwas passieren sollte, wäre sie wahrscheinlich für den Moment in der Lage zu agieren, danach würde sie jedoch nicht länger auf ihren Pfoten bleiben. Das wusste sie, sie kannte ihren mageren Körper mittlerweile gut genug.
Und deshalb hatte sie sich nun auch eine längere Pause gegönnt, ihre Wachsamkeit der Augen hatte zwar nicht nachgelassen, aber immerhin hatte sie sich soweit überreden können, dass sie am Rande des Platzes unter einem Baum saß, von wo aus sie problemlos in alle Richtungen gucken konnte. Doch auch diese Pausen gaben ihr wenig Energie. Ihr gesamter Körper war einfach kraftlos und erschöpft und obwohl die letzten Tage natürlich voller Strapazen gewesen waren, fand sie doch, dass es eine zu große Erschöpfung war, die sie verspürte.
Hing das wohl auch mit dem großen Rätsel zusammen? Die Erschöpfung einer Priesterin, die kalten Temperaturen im Sommer, der Varg.
Auf ihren Rundläufen hatte sie viele Wölfe auch direkt getroffen, Tyraleen und Rakshee hatten auch nicht gut ausgesehen. Einige weitere Wölfe ebenfalls. Aber konnte es ein Zufall sein, dass alle drei Priesterinnen angegriffen waren?
[Nahe der Flussmündung am Sternensee - anspielbar ]
27.03.2011, 17:47
Wenn sie sich so bei ihrem Paten versteckte, schien es, als könne sie dem Schnee einen Moment entfliehen. Zumindest war ihr Kopf sicher vor den weißen Flocken, die stetig vom Himmel fielen. Die Augen wieder öffnend beobachtete sie den Schnee, der still zu Boden fiel. Nein, sie konnte sich nicht mit diesem wilden Flockenspiel anfreunden. Und so sollte es einmal m Jahr aussehen? Dieser Gedanke gefiel der Grauen noch viel weniger. Ihr waren die letzten Tage schon zu viel gewesen.
Sie schnaufte, hob den Blick dann wieder zu dem bunten Rüden, der ihr nun am Ohr gezogen hatte. Ein Ohr angelegt lauschte sie seinen Worten. Ihre Gedanken auf eine Reise schicken? Die Augen schließen und die Sonne sehen. In ihren Blick legte sich etwas zweifelndes, unsicher, ob sie es nun probieren sollte oder nicht. Mit einem tiefen Atemzug entschied sie sich schließlich doch, die Augen zu schließen und es wenigstens zu probieren. In diesem Moment kam sie sich wieder wie ein Welpe vor, der munter herum probierte, was die Älteren ihm vorschlugen. Nur deutlich unzufriedener. Angestrengt versuchte die Graue an die Sonne zu denken, an ihre wunderbare Wärme. An die sanften Strahlen, die ihre Augen wach gekitzelt hatten. Während sie sich so versuchte vorzustellen, dass wenn sie die Augen öffnete, dass er dann weg war, lauschte sie den Worten ihres Paten. Aber es half nichts. Sie spürte den Schnee noch immer an ihren Läufen, konnte sich so nicht auf den Wunsch konzentrieren, die Sonne wieder scheinen zu lassen. Und als sie die Augen wieder öffnete, den Schnee sah, der sich vor ihr erstreckte, legte sie die Ohren zurück. Das hatte alles nichts gebracht.
Ihr Blick wandte sich wieder nach oben zu Liam, als er erneut an ihrem Ohr zog und ihr dann ins Nackenfell pustete. Sie hatte das Gefühl, ihre Läufe nicht still halten zu können und kämpfte mit sich, den Rudelplatz nicht zu verlassen. Sicher würde das Ärger geben, und dem wollte die Graue jetzt aus dem Weg gehen. Atalya pustete den Schnee von ihrer Nase, senkte dann wieder den Blick und pfotete ein wenig Schnee von ihren Läufen weg. Wie konnte man nur glücklich darüber sein, dass so etwas vom Himmel fiel.
“Ich wüßte nichts, was dagegen sprechen würde,“
War ihre einzige Antwort auf die letzten Worte des bunten Rüden. Sie wußte ja nicht, wie es nächstes Mal sein würde, wenn es schneite. Vielleicht hatte die Sonne sie bis dahin glücklicher gemacht. Jetzt auf jeden Fall war sie unglücklich über das Wetter. Aus dem Zusammenhang gerissen machte die Graue einen Satz nach vorn, weg von Liam. Sie schüttelte den Pelz und richtete den Blick zur Seite, Richtung Wald. Als wenn sie darauf wartete, dass etwas am Waldrand erschien.
“Ich will einen Varg sehen. Einen lebendigen.“
Sie hatte einen sterbenden Bären beobachtet, einen toten Varg gesehen. Und sie konnte sich nicht vorstellen, dass es mehr auf dieser Welt gab, was sie verschrecken würde.
[Seeufer - Liam]
27.03.2011, 18:18
Vielleicht hätte er hinzufügen sollen, dass es einiges an Übung bedurfte, bis man sich nichtvorhandene Dinge oder Situationen in seinen Gedanken vorstellen konnte. Immerhin hatte er nicht umsonst einen Großteil seines Lebens mit der Meditation verbracht. Doch dafür war es nun zu spät. Sie hatte es ausprobiert, vielleicht auch nicht mit der nötigen Überzeugung, aber entscheidend war das Ergebnis. Und ihr Versuch war gescheitert, er spürte, dass sie nicht die nötige Ruhe, zumindest Momentan nicht, besaß, um es erneut zu versuchen. Und möglicherweise erneut feststellen würde, dass es nicht funktionierte. Also beließ er es dabei.
Auch auf ihre Worte, dass sie vielleicht immer so reagieren würde, wenn es schneien würde, reagierte er nicht. Sie war festgefahren in ihrem Denken, in ihren eigenen Gedanken und er fand es falsch, sie nun weiter zu bequatschen um ihr so die gegenteilige Überzeugung aufzudrücken. Sie würde es bestimmt noch erfahren, dass es nicht immer schlimm und doof war, wenn es schneite. Die äußeren Einflüsse trugen schließlich auch einen großen Teil dazu bei.
Über ihre nächsten Worte war er jedoch sehr erschrocken. Er war bereits bei ihrem Wegspringen misstrauisch geworden, war ihren Blicken gefolgt, die eindeutig nicht auf dem Rudelplatz blieben. In Gedanken sah er sie schon in den Wald laufen, bereit der Gefahr ins Auge zu sehen. Sie war jung, sie überschätzte sich und die Grausamkeit, die es dort draußen geben mochte. Und nun war es an ihm, sie davor zu beschützen.
„Ich glaube nicht, dass du das wirklich möchtest. Und wenn ich da falsch liege, dann wäre es sehr töricht von dir, dies herbei zu wünschen. Ehrlich gesagt, mir hat es gereicht den toten Varg zu sehen. So einem Monster, wenn es sich letztendlich doch als Wolf entpuppt hat, möchte ich nicht begegnen, wenn es am Leben ist. Denn ich vermute, dass mein Leben, unser Leben, dann ganz schnell beendet wäre. Und wir wollen uns doch nicht sinnlos opfern. Ich mich zumindest nicht. Und dich auch nicht. Oder willst du dein Leben wegwerfen, bevor es wirklich angefangen hat?“
Er war sich sicher, dass sie das nicht wollte. Sie wollte vor sich selber weglaufen, sie suchte das Abendteuer. Nur zum falschen Zeitpunkt und am falschen Ort.
Er blickte ebenfalls in Richtung des Waldes. Wie konnte er ihr nur deutlich machen, dass das Leben auch schön sein konnte. Trotz Schnee. Trotz Chaos und Turbulenzen?
Vielleicht brauchte sie diesen Nervenkitzel, vielleicht war es nun an der Zeit sich genauso zu verhalten wie sie. Natürlich wusste er, dass er nicht so verantwortungslos sein durfte und sie in den Wald schicken durfte, natürlich würde er auf sie aufpassen, aber warum sollten sie nicht zum Waldrand laufen und gucken, ob es dort irgendetwas gab.
Die Suchtrupps hatten keinen weiteren Varg gewittert, sie würden es rechtzeitig riechen, wenn sich einer nähern sollte und wenn dies so sein sollte, dann war es sowieso zu spät. Ganz egal wo sie sich auf dem Rudelplatz befanden, er würde sie finden. Denn er würde sie wittern können, sobald sie seine Witterung aufgenommen hätten. Wenn nicht sogar früher.
Und sie würden nicht gegen die Regeln verstoßen, schließlich hielten sie sich ja auf dem Rudelplatz auf.
Er blickte wieder zu Atalya, sie schien ungeduldig, wollte hier weg, wollte wahrscheinlich von überall weg.
Und damit siegte seine Verspieltheit, er wuffte leise auf und pfotete nach der grauen Fähe.
„Fang mich, wenn du kannst!“
Damit machte er einen großen, eher unbeholfenen Sprung angesichts der Schneemassen um ihn herum, und fing an sich seinen Weg im Zickzack über den Rudelplatz zu bahnen. Sie sollte es nicht so leicht haben, wenn er ihr schon den Weg freikämpfte. Durch seine Größe war er wendig, so fiel es ihm nicht schwer in engen Wendungen zu laufen, dadurch, dass sie noch so jung war, würde es ihr allerdings auch nicht schwer fallen, seinen Spuren zu folgen. Es würde also ein knappes Rennen werden.
Wenn sie überhaupt darauf ansprang.
[ Seeufer - Unterwegs Richtung Wald - Atalya]
Gut, dass ich meinen Kopf nicht vergessen kann.
27.03.2011, 18:38
Verbissen beobachtete Atalya die Bäume, die still voller Schnee da standen. Wenn sie so genau hinsah, glaubte sie, Bewegungen sehen zu können. Aber irgendwie war es ihr doch klar, dass ihre Sinne ihr damit einen Streich gespielt hatten. Denn es blieb bei den leichten Bewegungen der Äste. Kein Wolf, kein Varg und kein Bär. Zuerst lauschte sie Liams Worten nur halbherzig, hatte ein Ohr in seine Richtung gewandt und hielt den Blick auf den Wald gerichtet. Erst, als der Bunte fast geendet hatte, drehte die graue Jungfähe den Kopf herum, blickte ihn direkt an. Wieso waren sich eigentlich alle so sicher, dass diese Vargs gefährlich waren? Der, den sie gefunden hatte, war tot. Und wenn er tot war, muste es etwas geben, was stärker war, als er. Außerdem hatte niemand von ihnen ihn lebendig erlebt.
“Und wenn wir alle falsch liegen und er gar nicht so grausam ist, wie Aszrem gesagt hat? Das kann man nur heraus finden, wenn man einem lebenden begegnet. Und wenn wir hier alle herum sitzen und warten, werden wir es vielleicht nie heraus finden. Wir können nicht mehr tun, als vermuten. Aber das reicht mir nicht.“
Er würde in ihrem Blick deutlich erkennen, dass sie ihre Worte ernst meinte. Sie wollte keinen Varg treffen, um ihr Leben zu riskieren. Sie wollte einen treffen um heraus zu finden, ob es nicht vielleicht nur Märchen waren, die erzählt wurden. Schon als ihr neuer Alpha von diesem Wesen erzählt hatte, hatte sie die Neugierde gepackt. Und nun, wo es verboten war, den Rudelplatz zu verlassen, schien der Wald, den sie schon so oft betreten hatte, sie magisch anzuziehen. Niemand hatte einen Varg gewittert, kein Wolf unter ihnen hatte einen gefunden. Dennoch mussten sie hier bleiben. Herumsitzen und warten, dass etwas geschah. Wenn überhaupt irgend etwas passieren würde.
Atalya trat noch einen kleinen Schritt weiter vor, in dem Moment, in dem Liam nach ihr pfotete. Ihr Kopf neigte sich einen Moment zur Seite, ein Ohr war leicht zurück geneigt. Sie lauschte seiner Aufforderung und konnte im nächsten Moment nur beobachten, wie der große Rüde los sprang, sich seinen Weg durch den Schnee kämpfte. Einen Moment zögerte Atalya, blickte kurz über das Rudel ehe auch sie sich mit einem Satz in Bewegung setzte. Der verbotene Wald war nicht vergessen, viel eher bewegte sie sich in seine Richtung, auch wenn sie Liams Weg folgte. So schnell wie es ihr möglich war, bewegte sich die Graue vorwärts, versuchte Liams frei gekämpften Pfad nicht zu verlassen. So war das voran kommen um einiges leichter. Sie wußte nicht, was er vor hatte, wieso er auf einmal los gerannt war. Aber sie folgte ihm, versuchte ihn irgendwie einzuholen. Auch wenn ihr Blick immer wider zur Seite gewandt wurde, den Wald fixierte. Sie wurde den Gedanken an die Vargs nicht mehr los, wußte genau, dass sie keine Ruhe geben würde, ehe sie solch einem Wesen gegenüber gestanden hatte.
[Rudelplatz - Liam jagend]
27.03.2011, 18:42
Mit geschlossenen Augen lehnte die Weiße an einem Baum an der Grenze zum nördlichen Mischwald. Hin und wieder zuckten ihrer Lider kurz, doch immer, wenn sie dachte, aufstehen zu können, verließen sie die Kräfte wieder. Sie fühlte sich nicht unbedingt krank, aber schwach und verletzlich. Und auch die Einsamkeit übermannte sie in den letzten Tagen desöfteren, obwohl sie meist in Gesellschaft anderer Wölfe war - anders als jetzt. An diesem Tag, dem achten Tag nach dem Fund des Vargs, war sie vollkommen allein und direkt an der Grenze des Rudelplatzes, als würde sie unterbewusst provozieren wollen, dass sie von den Ranghöheren gerügt wurde. Aber das stand auf keinen Fall in ihrem Sinn - sie war einfach nur zu müde, um wirklich zu realisieren, was ihr Körper tat und was nicht.
Die kühle Rinde des Baumes spendete ihr einen gewissen Halt und sogar ein wenig Ruhe, doch nach einer Weile sammelte Jumaana die Kraft, um sich auf ihren eigenen Pfoten zu stellen und öffnete die Augen, vor denen ein glimmernder Schleier hing. Sie blinzelte ein-, zweimal, bis sie wieder klar sehen konnte und blickte sich wachsam um. Ihr Verstand fragte sich, wie sie es geschafft hatte, so unaufmerksam zu dösen, während die Gefahr doch in der Luft lag, doch ihr Körper hatte dafür nur ein müdes Lächeln übrig. Jede Bewegung fiel ihr schwer, ihre Beine schmerzten, als wäre sie kilometerweit gelaufen und insgesamt fühlte sich die Weiße erbärmlich schwach. Wie ein Häuflein Dreck in der Einöde. Doch letztendlich schaffte sie es, ihre schweren Glieder in Bewegung zu setzen und bahnte sich einen Weg durch den unglaublich tiefen Schnee in Richtung Mitte des Rudelplatzes. Sie brauchte jetzt jemanden zum Reden, auch wenn ihr eigentlich nicht danach war - sonst würde sie immer mehr in ihrem Nichtstun versinken. Sie konnte nicht zulassen, dass die Schwärze sie wieder auffraß und deshalb würde Jumaana auch alles tun, um sich gegen das Böse zu wehren.
Doch nicht nur die Schwäche und der Wintersommer machten ihr sehr zu schaffen - auch Aarinaths seltsames Verschwinden bereitete der Polarwölfin ziemliches Kopfzerbrechen. Sie hatte keine Ahnung, was die Worte meinten, die immer und immer wieder in ihren Gedanken aufblitzten - Du hast es so gewollt. - zu bedeuteten hatten und in welchem Zusammenhang sie zu den vergangenen Ereignissen in Jumaanas Leben standen. Alles war ein unfertiges Puzzle, für das ihr das entscheidende Teil fehlte, ein Wirrwarr, das kein Ende zu nehmen schien. Dabei wünschte sie sich doch nichts als ein geregeltes, glückliches Leben, ohne Probleme und ohne Sorgen - aber wer wünschte sich das nicht? Und bei wie vielen trat dann dieses unendliche Glückswunder auch ein? Ein leises Seufzen entfuhr Jumaana.
Gemäßigten Schrittes ging sie durch den eiskalten Schnee, der ihre Läufe umschmeichelte und ihr in gewisserweise wenigstens ein bisschen Kraft zurückgab. Sie schöpfte Stärke aus dem Winter, doch er bereitete ihr auch Sorgen. Alles bereitete ihr Sorgen. Der Vargwolf, das Wetter, Tyraleens seelischer Zustand, über den sie rein gar nichts wusste und sogar Takashi wirkte auf sie distanzierter als gewöhnlich. Doch bevor sich die Weiße noch weitere Gedanken über leidige Themen machen konnte, entdeckte sie ein Stück schwarzes Fell im Schnee aufblitzen und trat neugierig darauf zu. Beim näheren Ansehen erkannte sie Malicia, eine der Töchter Banshees. Jumaana hatte bereits munkeln gehört, dass sie vor Kurzem zurückgekehrt war, doch sie hatte es bisher nicht geglaubt. Ein verklärtes Lächeln schlich sich auf ihre Lefzen, als sie neben der verschneiten Wölfin stehenblieb.
„Malicia?“,
fragte sie leise, obwohl sie wusste, wen sie vor sich hatte. Sie wollte nur sichergehen, dass die riesige Wölfin sie auch bemerkt hatte.
- [ Am Rande des Rudelplatzes - Malicia ]
27.03.2011, 22:30
Sie zweifelte also an den Worten der Alphatiere. Das konnte man ihr allerdings nicht verübeln. Fraglich war nur inwieweit Aszrem, und natürlich auch Gani, die sich ebenfalls über die Vargs geäußert hatte, falsch lagen. Wobei Gani die Tiere auch nur aus Erzählungen heraus kannte. Aszrem hatte sich dazu nicht weiter geäußert. Da konnte er selbst es nicht einschätzen, ob er so einem Tier begegnet war, als es lebte, oder ob er ebenfalls nur den toten Varg kannte, den sie nun alle gesehen hatten. Und auch das andere, was Atalya gesagt hatte, war nur logisch. Irgendetwas hatte den Varg getötet, wenn es der Bär gewesen war, war der Varg immerhin nicht stärker als ein Bär. Was jedoch nicht heißen sollte, dass ein Wolf etwas gegen ihn ausrichten könnte. Immerhin war ein Bär um einiges stärker als ein Wolf.
Langsam keimten leise Zweifel in ihm auf. Seine Handlung war im Endeffekt wohl doch nicht so gut durchdacht gewesen. Wenn sie wirklich darauf hinaus war einen Varg zu treffen, dann würde sie nicht mehr lange auf dem Rudelplatz bleiben und in seinem Rennen steuerte er geradewegs auf den Wald zu. Und das war ja auch so beabsichtigt, nur würde sie stehen bleiben, wenn er stehen blieb? Denn eigentlich durfte er ja nicht stehen bleiben, wenn sie ihn doch fangen sollte. Doch was konnte er sonst tun? Natürlich, er würde langsamer werden. Das war nicht schwierig, das Rennen durch den Schnee kostete einiges an Kraft, doch wenn so wie er sie kennen gelernt hatte und nun kannte, würde sie ihn überholen, vielleicht höchstens noch ein ‚Du bist dran’ rufen, und dann weiter in den Wald preschen. Und das war definitiv nicht der richtige Weg. Abgesehen davon, dass sie einen Höllenärger kassieren würden, war es wirklich nicht vernünftig mit einem Jungwolf in den Wald zu laufen. Auch wenn kein Varg gewittert wurde, eine Anweisung war eine Anweisung.
Er befand sich wirklich in einer Zwickmühle. Er wäre nicht nur der Rüdenliebhaber und der Buddhist, sondern im schlimmsten Fall auch noch ein Verachteter der am unteren Rande des Rudels leben musste. Sie würde natürlich auch ärger bekommen, aber er hatte die Verantwortung über ihr Handeln und damit wäre hauptsächlich er, wortwörtlich, am Arsch. Da hatte er sich ja wieder in eine wunderbare Situation hineinmanövriert.
Als erstes wurde er ein wenig langsamer, seine Kräfte sollte er jetzt lieber schonen. In seinem Kopf flackerten die wildesten Bilder auf. Atalya, wie sie ihn überholte und in den Wald hinauf laufen wollte, er, wie er sie daran hindern würde. Dabei verabscheute er doch jegliche Art von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen zwei Wölfen.
„Da hast du dich selber reingeritten…!“
Leise murmelnd und fluchend kämpfte er sich weiter durch den Schnee. Letztendlich lag jetzt alles an Atalyas Tun oder Nichttun, vorher könnte er sie sowieso nicht mehr aufhalten. Oder, besser gesagt, ihm fiel nichts ein, womit er sie abhalten könnte. Selbst wenn er den Kurs ändern würde, hieß das nicht, dass sie das ebenfalls tun würde.
„scheiße, scheiße, scheiße.“
Der sonst so besonnene Rüde konnte keinen besseren Ausdruck für die momentane Situation finden. Und gleichzeitig gluckerte er vor sich hin. Er war doch irgendwie immer noch ein Kindskopf.
Wurde man denn niemals Erwachsen?
[von Atalya gejagt - Rudelplatz in Richtung Wald]
28.03.2011, 00:23
Rakshee stapfte durch den Schnee, der ihr bereits Brust- und Bauchfell gänzlich verklebt hatte. Ihr Sommerfell war diesen Temperaturen nicht mal ansatzweise gewachsen, und immer wieder schüttelte ein Zittern den Körper der jungen Gammafähe. Bis auf Sheena, die sie auf den Gamma-Rang verwiesen hatte, hatte bislang niemand versucht ihr ihren neu erworbenen Rang streitig zu machen, und sie gab sich alle Mühe ihre Position gut auszufüllen. An ihrer Seite war Takashi, sie hatte es jedoch bislang noch nicht geschafft sich ausgiebiger mit dem deutlich älteren Rüden auseinander zu setzen. Die letzten Tage hatten sie viel Kraft gekostet, doch sie glaubte auf einem guten Weg zu sein, obwohl ihre Kräfte sichtlich nachliessen. Auch heute früh war es ein Kampf gewesen auch nur aufzustehen, aber je mehr ihr Körper nach Schonung verlangte desdo mehr trieb sie sich selbst an. Seit der Vewandlung des Varges im Fluß hatte sie stets zu tun gehabt - das Rudel beisammen halten, bei der Nahrungssuche helfen, und die unruhigen Seelen beruhigen. Hinzu gekommen waren Nihilus Verletzungen, denen sie sich angenommen hatte. Viel hatte sie jedoch für ihn nicht tun können. Es war ein mühseliges Unterfangen, aber sie sah nun jeden Tag nach ihm, und versuchte seine Wunden weiter zu schliessen. Doch sie fühlte sich wie ein leergetrunkener Fluß, in dem kein Wasser mehr war dass sie ihm geben konnte. Und wenn sie doch ein Tröpfchen fand, so half es stets nur minimal. Aber auch hier versuchte sie es umso mehr, je mehr sie scheiterte. Und sie wusste Engaya doch immer wieder bei sich.
Der Schnee behinderte jeden ihrer Schritte, aber sie kämpfte sich unbeschwert voran. Sie hatte am Waldrand patroulliert, ihn auf den Geruch des Varg geprüft, und war nun auf dem Weg zurück zum Sternensee um ein wenig zu trinken. Es gab so viel zu tun dass sie kaum zum Nachdenken gekommen war - was einerseits eine Erleichterung war, und andererseits immer mehr an ihr nagte. Die Sache mit dem Varg war dabei noch nicht einmal der erste Punkt, der ihr immer wieder ins Gedächtnis drang - nein, das war Jakash. Jakash und Sheena. Sie hatte bis zu dem Tag da der Varg gefunden wurde nichts von dieser besonderen Verbindung gewusst, und sie schmerzte sie doch. Nicht nur, weil sie davon nichts erfahren, ja nicht einmal erahnt hatte, sondern mehr noch weil Sheena die Liebe bekam die ihr nun verwehrt blieb. Jakash war immer ihr erster Rückzugsort gewesen, an dem sie Kraft tanken konnte und sich sicher fühlte. Nun kam sie sich so unglaublich allein vor. Ihr Vater war bei Engaya, und Jakash war bei Fenris. Und bei Sheena.
Sie machte der Weißen keinen Vorwurf, und eigentlich machte sie noch nicht einmal Jakash einen. Aber es stach ihr immer wieder ins Herz wenn sie ihn sah. Wenn sie beide sah. Die Braune war am Fluß angekommen, hatte die dünne Eisschicht an seinem Rand mit ihrem Gewicht gebrochen, und trank, langsam und bedächtig. Das Wasser war so kalt, sie meinte immer wieder ihre Zunge müsse gefrieren. Mit einem langen Blick über den Rudelplatz vergewisserte sie sich dass wirklich noch alle da waren, bevor sie sich ein paar Schritte zurückzog und ihren müden Körper in den Schnee sinken lies. Jakash war immer da gewesen, wenn ihre Schwestern fort gewesen waren - und zumindest Sharíku war auch wieder da. Aber Kursaí und Ahkuna tauchten auf und gingen wie der Wind, und insbesondere jetzt, wo Varge durchs Land streunten, hatte sie Angst um ihre Schwestern. Tyraleen und Sheena hatten mindestens so viel zu tun wie sie selbst, und mit ihren Paten verhielt es sich nicht anders. Aszrem hatte als Leitwolf mehr als genug um die Ohren - und Midnight hatte sie schon lange nicht mehr gesehen. Ihre Augen suchten nach ihrer einzig verblieben Stütze im Rudel, bei der sie keine Angst hatte sie von so viel Wichtigerem abzuhalten wenn sie ihre Zeit in Anspruch nahm - ihrer Mutter. Rakshee wusste nicht ob sie bereits von Jakash Wandel erfahren hatte, und sie wusste noch immer nicht was das genau bedeutete - und später bedeuten würde. Die Braune hatte sich gerade wieder erhoben, als sie hinter sich Geräusche hörte - und zwei Wölfe direkt auf den Waldrand zu jagten. Rakshee mobilisierte alle Kraft die irgendwo in ihr steckte und preschte los, den Zweien den Weg abschneidend. Der Schnee forderte für jeden Satz mehr Energie, aber sie hatte jetzt keinen Gedanken mehr für ihren schwach gewordenen Körper übrig. Liam, der den Lauf geführt hatte, wurde nun von Atalya, der grauen Jungwölfin überholt. Sie schien vor Energie über zu sprudeln, und Rakshee warf sich nur wenige Schritte vor ihr direkt in ihre Laufbahn, stemmte die Läufe in den Schnee und bleckte ohne ein weiteres Wort die Zähne. Sie hatte Mühe dabei, aber sie durfte jetzt nicht mehr nachgeben - wenn einer der beiden ihre Schwäche nun zu Gesicht bekäme konnte sie ihren Ranganspruch sofort an den nächsten Baum knüpfen. Die Jungwölfin stoppte schlitternd vor ihr ab, Schnee vor sich herschaufelnd und nur um Haaresbreite vor ihr zum Stillstand kommend. Ihre Blicke trafen sich direkt, und Rakshee fixierte die kleine Graue mit festem Blick. Erst nach ein paar Momenten hob sie den Blick auch zu dem Rüden, der zwar älter war als sie, ihr aber in Rang und Größe ebenso unterlegen war wie die Jungwölfin.
"Was sollte das?"
Fragte sie ruhig, mit fester Stimme, aus der man kaum die Mühe heraushörte, die ihre angespannte Haltung ihr abverlangte. Es war nicht klar an wen von den beiden die Frage gerichtet war, aber die stumme Anschuldigung darin war deutlich hörbar. Sie konnte nicht sagen ob sie tatsächlich im Wald verschwunden wären - aber das Risiko war zu groß um es darauf ankommen zu lassen.
[Waldrand | Atalya, Liam]
28.03.2011, 00:37
Mit schnellen Schritten verfolgte die graue Wölfin ihren Paten, ließ ihr nur aus den Augen, wenn sie glaubte, im sich nähernden Wald eine Bewegung auszumachen. Aber da war nichts, was anders war als sonst. Und so wandte sie den Blick immer wieder auf den braun-grauen Rüden, kämpfte sich mühsam durch den Schnee. Stellenweise rutschte die Graue aus, musste einen Moment taumeln, um ihr Gleichgewicht wieder zu finden. Und so bemerkte sie erst einen Moment später, dass Liam näher gekommen war. Er war langsamer geworden, fiel nun ein ganzes Stück zurück. Und auch Atalya wurde langsamer, neigte die Ohren leicht zurück. Automatisch wandte sich ihr heller Blick zum Wald. Hatte er etwas gesehen, was ihn verschreckt hatte? Die Graue schnüffelte in der Luft, konnte aber nichts fest stellen. Wieso wurde er also langsamer? Waren sie dem Wald zu nahe? Sie selbst spürte nur das wilde Rasen ihres Herzens, je näher sie dem Wald kam, desto wilder schlug es. Ihr eigenes Zögern hielt nur wenige Sekunden, ehe ihre Sprünge wieder größer wurden und sie zu Liam aufholte. Es dauerte nur noch wenige Momente, bis sie den Rüden eingeholt hatte, und direkt neben ihm lief. Ein kurzes Grinsen huschte über ihre Lefzen, als sie nach seinem Pelz schnappte, daran zog und ihn dann direkt anblickte.
“Hast du etwa Angst, Liam?“
Damit machte sie einen kleinen Satz zur Seite, sodass er sie nicht erreichen konnte. Sie wußte, was sie nun tun würde. Und sie hatte keinen Zweifel daran, dass auch Liam diesen Gedanken teilte. Das Grinsen verblasste wieder, als sich ihr heller Blick nach vorn wandte, und sie erneut den Wald betrachtete. Jetzt war ihre Chance gekommen. Und für einen Moment vergaß sie sogar das Verbot, dass ihnen allen auferlegt worden war. Und nun mit schnellen Schritten eilte sie an Liam vorbei, den Blick nicht zurück wendend. Sie war sich nicht sicher, ob sie den Wald wirklich betreten hätte. Vielleicht hätte ihre Vernunft sich vorher wieder eingeschaltet. Aber in diesem Moment, in dem Liam hinter ihr lag, hatte sie das Gefühl, nicht mehr anhalten zu können. Aber vorerst würde sie nicht erfahren, ob sie den Mut gehabt hätte, sich einer Regel zu widersetzen. Den es kam alles anders.
Sie sah sie aus den Augenwinkeln kommen, nahm ihren Geruch war und in diesem Moment spürte sie eine leichte Welle von Wut in sich. Und es kam so, wie sie es befürchtet hatte. Rakshee stellte sich ihr in den Weg, die Zähne gebleckt und in deutlicher Haltung. Atalya wurde nicht langsamer, kam nur mit einem kräftigen Ruck zum stehen, sodass sie Schnee aufwirbelte, der der Braunen entgegen flog. Sie konnte ihr genau in die Augen blicken, und wich dennoch nicht zurück. Sie sollte aus dem Weg gehen. Und auch Atalya zog leicht die Lefzen kraus, jedoch nicht ganz so deutlich wie Rakshee. Die Ohren zurück neigend versuchte sie wahr zu nehmen, wo sich Liam befand. Er würde sicher gleich bei ihnen sein. Ein leises Grollen verließ Atalyas Kehle. Und hätte sie nicht direkt vor Rakshee gestanden, wäre sie nun einen Schritt nach vorn gegangen. In diesem Moment war es egal, wer sich ihr in den Weg gestellt hätte. Dieses wilde Gefühl hätte sie bei fast jedem gleich reagieren lassen.
“Ist es jetzt schon verboten, in die Nähe des Waldes zu gehen?“
[Waldrand - Rakshee & Liam]
28.03.2011, 08:39
(Ich weiß, ich sollte das nicht ohne Absprache tun ^^" Aber vielleicht hält Minya Caleb ja noch auf, oder ein Rangwolf hat Lust, sie und Mensch-Caleb im Wald zu erwischen?)
In einem Aspekt war Schnee absolut furchtbar, egal ob man nun in einem wölfischen oder menschlichen Körper steckte: wenn man es eilig hatte, kam man einfach nicht schnell genug vorwärts. Und Caleb hatte es eilig, verdammt eilig sogar, aber für das kribbelnde, reißende Gefühl in ihm war er einfach nicht schnell genug. Dabei war der Schnee schon von den vielen Wolfspfoten größtenteils niedergetrampelt worden, aber nun glich der sogenannte Rudelplatz eher einer weiß getünchten Mondlandschaft. Außerdem schneite es unaufhörlich weiter, sodass der junge Gestaltwandler sich bereits wieder durch eine fersenhohe Schneedecke kämpfen musste. Und warum musste Minya eigentlich ausgerechnet dort vorne vor ihm herlaufen, nicht wissend, dass er sie einzuholen versuchte und sie ihm das umso schwerer machte? Verdammt noch eins, er konnte jetzt nicht nach ihr rufen, immerhin konnte er jetzt keine Aufmerksamkeit gebrauchen! Zudem war er nicht ganz sicher, ob ein solcher Ausbruch an Energie nicht vielleicht das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen brachte und sein Mantra höchster Konzentration ('Du verwandelst dich nicht! Du verwandelst dich nicht! Denk an schreibende Wölfe!') unwiederbringlich zerstörte. Und er musste es doch noch bis zum Wald schaffen!
"Minyaaa!"
Es war kein Rufen, eher ein gepresstes Zischen, mit dem er ein paar Schritte hinter der Zerrupften ihre Aufmerksamkeit zu erlangen suchte. Mit einem Sprung setzte er sich gleich darauf dirket neben sie und sah sich hektisch um. Wo waren die Rangwölfe, sah einer von ihnen gerade hier herüber? Mittlerweile konnte er sich ihre Gesichter gut merken, auch wenn er noch immer nicht alle Namen drauf hatte.
"Minya, hilf mir! Ich... ich halte es nicht länger aus! Bitte, ich muss in den Wald, schnell! Wer weiß, was sie mit mir machen, wenn sie meine Verwandlung sehen?! Vielleicht halte sie mich ja für einen Varg!"
Das war die Angst, die er seit nunmehr acht Tagen mit sich herumschleppte und die dauerhafte Nähe zu den anderen Wölfen unerträglich gemacht hatte. Sie hatten alle der Zeremonie für dieses verzerrte Wolfsgeschöpf beigewohnt und gesehen, wie es sich im wasser treibend in einen Wolf verwandelt hatte. Caleb hatte sofort an einen Werwolf denken müssen und fragte sich seither, ob er der einzige war, dem diese Idee gekommen war. Sheena hatte ihn überrascht, indem sie bisher noch nicht zu ihm gekommen war, um ihn genau danach zu fragen oder ihm gleich die Kehle zu zerbeißen, aus Angst, er könne sich auch in so ein Untier verwandeln. Caleb glaubte icht, dass er das konnte - oder er wusste es nur noch nicht. Aber er erinnerte sich an sein Gespräch mit Sheena über den ersten Gestaltwandler und daran, dass sie gesagt hatte, die Werwölfin hätte sich manchmal zurückgezogen, um niemanden zu verletzen. Als nackter Mensch konnte man kein Rudel gefährden, aber als Varg schon...
Und jetzt war es soweit und sein Körper rächte sich für die ständige Angst in Gegenwart einer ihm noch immer ziemlich fremden Rasse, indem er sich sein Recht erzwang, wieder menschlich zu sein. Caleb spürte das Kribbeln intensiver als je zuvor seinen Körper hoch wandern, ausgehend von den Pfoten, und er wusste, er konnte es nur hinauszögern diesmal.
"Minya, bitte! Vielleicht sieht uns niemand, die sind alle beschäftigt!"
Beschäftigt aufzupassen, dass niemand den Wald betrat. Haha, welche Chancen malte er sich eigentlich aus, unentdeckt zu bleiben? Aber er musste es versuchen, er musste einfach!
Caleb wartete keine Antwort ab, sondern wandte sich in Richtung des Waldes und trabte flinken Schrittes auf ihn zu.
[Rudelplatz, in Richtung Wald | Minyala]
28.03.2011, 12:57
Minyalas Blick huschte unsicher und sicher leicht paranoid wirkend über den Rudelplatz. Einiges war passiert, seit sie mit Tiberius und den Jungwölfinnen zum Rudel geeilt war und nichts davon hatte sie überzeugen können, doch hier zu bleiben. Noch immer nagte der Zweifel an ihr, mit der Angst vor dem Varg nur umso mehr. Allerdings kam nun ein entscheidender Aspekt hinzu: Wer sagte, dass so ein Varg nicht auch außerhalb des Reviers herumschlich? Sollten Caleb und sie das Rudel verlassen, könnten sie ganz alleine ihm ausgeliefert sein. Genau deshalb lief sie jetzt hier durch den Schnee, fror sich die Pfoten ab und suchte gedankenverloren nach dem Jungwerwolf. Sie wollte ihn im Auge haben, nicht dass er auf dumme Gedanken kam und sich vom Rudel entfernte. Sie hatte keine Ahnung von diesen Vargen, ihr Papa hatte nie von so einem Wesen erzählt, aber der Anblick des toten Exemplars im Wald, die Erzählungen über ihn und seine Verwandlung im Fluss hatten ihr gehörige Angst eingejagt. Sie wollte ihm ganz bestimmt nicht begegnen und sollte einer auf dem Rudelplatz auftauchen, würde sie sich in die hinterste Ecke flüchten. Dabei wäre es ihr jedoch wohler, wenn Caleb bei ihr war, nur wo trieb sich der Braune herum? Vor lauter Wolfsgerüchen und der Windstille war es ihr kaum möglich, einzelne Wölfe zu erschnuppern, auch wenn der Geruch des Werwolfs schon die ganze Zeit um sie herum waberte. Mittlerweile lief sie parallel zum Waldrand auf die Flussmündung am Sternensee zu und erkannte Sheena – hatte sie sich nicht mit Caleb unterhalten? Vielleicht wusste sie ja, wo er sich herumtrieb oder sie würde ihr helfen, ihn zu suchen. Doch bevor sie die Weiße ansteuern konnte, zischte etwas hinter ihr, so leise, dass sie es nicht verstehen konnte. Ihr Kopf ruckte herum, dann verzog sie den Mund. Was machte Caleb denn hinter ihr?! War er ihr die ganze Zeit hinterher gelaufen und deshalb hatte sie ihn nicht finden können? Manchmal kam sie sich schon ein wenig dämlich vor. Grinsen musste sie trotzdem, irgendwo war es ja doch lustig. Caleb dagegen schien es nicht lustig zu finden, irgendwie sah er ein wenig gehetzt und verschreckt aus. Hatte er einen Varg gesehen? Mit einem großen Satz landete er neben ihr und begann hecktisch auf sie einzureden. Langsam, langsam. Was redete er denn da für ein wirres Zeug? Offensichtlich war er kurz davor, sich zu verwandeln, aber der Zusammenhang zum Varg erschloss sich ihr nicht. Soviel Minya bisher gesehen hatte, wurde Caleb zu einem ziemlich felllosen Menschen, der ohne weitere Gerätschaften so gefährlich wie ein Hase war. Und ungefähr zehnmal so langsam. Nicht gerade wie ein Varg. Gut, er verwandelte sich auch, aber er war ja auch ein Werwolf und die Wölfe hier kannten Werwölfe – sie wussten doch wohl, dass Varge keine Werwölfe waren. Nunja … erstmal musste sie Caleb beruhigen. Der war ja ganz außer sich.
“He, erstmal ganz ruhig, ja? Diesen Quark mit dem Varg vergisst du schleunigst wieder, die wissen hier doch, dass du ein Werwolf bist. Und dass die keine Varge sind, wissen sie auch. Und du weißt, dass wir nicht in den Wald dürfen – nicht nur dürfen, sondern ganz bestimmt auch nicht sollen!“
Caleb schien ganz anderer Meinung zu sein, schon war er auf dem Weg zum naheliegenden Waldrand und Minya setzte ihm sofort nach. Nunja, vielleicht sollte zumindest die Verwandlung im Wald geschehen, aber … halt! Sie hatte doch Sheena gesehen, ganz in der Nähe, am Flussufer. Sie warf einen Blick über die Schulter, da stand die Weiße, in Rufweite. Perfekt!
“Okay, Caleb, geh in den Wald, aber nur zwischen die ersten Bäume. Da setzt du dich hin und versuchst dich zu beruhigen, vielleicht können wir die Verwandlung noch aufhalten. Ich rufe Sheena – die hat sich doch zum Beta aufgeschwungen. Praktisch.“
Sie begleitete den Werwolf bis zum Waldrand, postierte sich dann neben dem ersten Baum und drehte sich um. Sie würde ein wenig lauter rufen müssen, aber das schaffte sie. Caleb jetzt alleine im Wald zu lassen war eine schlechte Idee.
“He, Sheena! Ähm … kommst du mal kurz!? Bitte!“
Hoffentlich war das nicht zu unhöflich. Aber wie rief man einen Rangwolf, wenn der weit weg war und man selbst nicht hingehen konnte? Das hatte ihr ihr Papa nicht beigebracht. Sie warf einen Blick über die Schulter zu Caleb und grinste ihn schief an.
“Alles in Ordnung, Sheena und du, ihr habt euch doch nett unterhalten, oder?“
[ Waldrand | Caleb - Sheena laut rufend ]
28.03.2011, 17:43
(Ich gesell mich mal zu euch, Madoc und Chardím - und beginne die Runde XD)
Jakash hatte sich selten so voll überschäumender Kraft und Tatendrang gefühlt. Nicht einmal als Welpe hatte er mehr Energie und Abenteuerlust verspürt, da war er sich fast sicher. Anfangs hatte er die dunkle Präsenz dieser Kraft mit Schuldgefühlen zur Kenntnis genommen, aber mit jedem verstreichenden Tag hatte er das Geschenk seines neuen Gottes zu genießen gelernt. Und er war sich sicher, dass Fenris ihm Kraft verlieh - wie sonst war es zu erklären, dass er schon im Augenblick seines Treueschwures einen ersten Energieschub wahrgenommen hatte? Dass er und seine Glaubensbrüder und Schwestern vor Energie so strotzten, während jeder, der Engaya anhing, kraftlos darnieder lag? Es war Jakash zuvor nicht aufgefallen, aber jetzt, seit er diese Veränderung an sich verspürt hatte, war es für ihn nicht zu übersehen gewesen. Wenn er recht hatte - und Jakash ging davon aus - dann war das Glaubensverhältnis regelrecht verheerend für das Rudel. Jakash konnte an einer Pfote abzählen, wer mit seiner Kraft kaum wohin wusste, etwas mehr noch zeigten keine Auffälligkeiten, aber der überwiegende Teil des Rudel schien der Apathie nahe. Sollte tatsächlich noch ein zweiter Varg auftauchen, würde er trotz der großen Anzahl der Wölfe wohl leichtes Spiel mit dem Rudel haben...
Umso drückender empfand Jakash die begrenzte Freiheit des Rudelplatzes. Sicher, im Grunde mangelte es nicht an Platz, aber allein die Tatsache, nicht überall hinzudürfen, ließ jakash sich eingesperrt fühlen. Eingesperrt mit einer Kraft, die dringend ein Ventil suchte und am liebsten Berge erklommen hätte. Stattdessen hatte er Ablenkung in Sheenas Nähe gesucht. In den letzten Tagen war er ständig um sie gewesen und hatte ihre Blicke, ihre Berührungen genossen und versucht ihr Halt und Kraft zu geben.
Heute jedoch war er nicht in Sheenas Nähe geblieben. Sein Bewegungsdrang hatte ihn quer über den gesamten Rudelplatz getrieben, ohne irgendein Ziel - zumindest, bis er die schwarzweiße Gestalt Chardíms entdeckt hatte. Zögernd hielt der Schwarze inne und betrachtete seinen Patensohn, der sich an der Bachmündung ausruhte. Ein Anblick, so schrecklich vertraut und doch wie aus einer anderen Zeit. Jakash überlegte, ob er sich einfach umwenden und wieder verschwinden sollte, und setzte dann doch eine Pfote vor die andere, in Richtung Chardíms. Diesmal tobten keine Gefühle durch sein Innerstes - ales in ihm war still, als lauere seine Gefühlswelt auf einen Hinweis, was sie empfinden durfte.
Neben Chardím blieb er stehen und hielt dabei einen Abstand, der größer war als er es früher gewesen wäre, aber noch dicht genug, wie nur vertraute ihn einzunehmen wagen.
"Darf ich mich zu dir setzen?"
[Bachmündung | Chardím, (Madoc)
28.03.2011, 20:01
Sein Körper protestierte im gleichmäßigen Takt schmerzender Muskeln, aber des Schwärzlings Willen war eisern und unnachgiebig. Er ruhte sich ohnehin zuviel aus, es wunderte ihn schon, dass er noch nicht am Boden festgefroren war. Also konnten sich seine unrechtmäßig müden Glieder auch mal nützlich machen und ihn ein kleines Weilchen tragen. So lange eben, wie es brauchte, um von seinem Ruheplatz zum Seeufer zu gelangen. Nahe des Rudels und doch etwas abseits, hin zu dem anderen Schwärzling, dessen nachtblaue Augen in den letzten Tagen wachsam das Rudel beobachtet hatten.
Malakím schlurfte gemächlich und schleppend auf Averic zu, und sein immerwährendes Lächeln strafte fast sein körperliches Befinden Lüge. Er fühlte sich ziemlich elend, aber er ertrug und es und er glaubte daran, dass alles wieder besser wurde. Für ihn war nicht die Frage, ob, sondern, wann.
Seine Rute pendelte für ein paar Takte hin und her, als er dem ehemaligen Gefährten Tyraleens nahe genug für eine Begrüßung war.
"Hallo, Averic. Dürfte ich dir ein wenig Gesellschaft leisten?"
Seine Läufe lechzten zitternd nach einer Ruhepause, aber Malakím blieb stehen, für den Fall, dass er doch gänzlich unerwünscht war. Er wollte mit Averic reden, aber er würde sich nicht aufdrängen. Seiner Erfahrung nach führte das zu nichts.
[am See | Averic]
28.03.2011, 20:27
Das Ereignis aus jüngster Zeit, welches sich um den Varg drehte, hatte Takashi noch immer nicht ganz vergessen können. Mit einigen anderen starken Rüden hatte er dabei geholfen, den übel riechenden Varg zum Fluss zu befördern. Anschließend hatte es noch eine Zeremonie und einen würdevollen Abschied für diese eigenartige stämmige Kreatur gegeben, welche sich bei der Beisetzung in den Fluten verwandelt hatte.
Man konnte meinen, dass dieser große unproportionale Varg mit bedrohlichen Fängen zu einem ganz normalen Wolf geworden war. Dies ließ Takashi natürlich nicht ausschließen, dass es sich hierbei um ein verfluchtes Wesen gehandelt hatte. Bei außergewöhnlichen Charakterzügen oder anatomischen Veränderungen war das Erste, an das der Rüde dachte, ein Fluch. Dieser Gedanke hatte Takashi ein wenig verschreckt, obwohl er sich wieder ganz schnell beruhigen konnte.
Der Varg war endgültig außer Sicht, sodass auch der Hüne zum Rudelplatz zurückkehrte.
Grässliche Kälte hatte sich breit gemacht und auch der Schnee wollte sich nicht weiter zurückhalten. Die weiße Pracht hatte sich so unglaublich hoch angesammelt und wuchs unaufhaltsam, dass sie bei den meisten Wölfen bis zu dessen Bäuchen reichte. Auch Takashi hatte mit dem heimtückischen Schnee zu kämpfen, der ab und an Mal gemeine Fallen barg. Die ganze Zeit bestand das Risiko, dass man erneut in ein Loch versank und sich mühsam freikämpfen konnte, bis man in das nächste tappte.
Der Schnee war hell und nervte Takashi ziemlich arg, aber die Kälte störte ihn nicht weiter. Die Temperatur war zwar stark gesunken, der eisige Wind manchmal unangenehm, aber dennoch auszuhalten. Es war enorm hell und somit kniff der Schwarze hin und wieder die tiefblauen Augen zusammen, um nicht geblendet zu werden.
Hier auf dem Rudelplatz konnte der Hüne gar nicht lange stehen bleiben und nichts tun. Er hatte immer ein wachsames Auge, lauschte oder nahm Fährten auf, die aber sowieso nur zu verendetem Wild führten. Eine Jagd war zu dieser Zeit gar nicht nötig und sogar vorteilhaft. Würde man aber weiter denken, müsste man sich eingestehen, dass das Sterben der Kitze gar keine gute Prognose für die Zukunft war. Wenig Nachwuchs bedeutete wenig Beute und somit großen Hunger. Doch dieses Desaster wollte sich Takashi erst gar nicht ausmalen, da sowieso nichts feststand.
Das einzig wichtige für den Rüden war nun die Sicherheit des Rudels. Niemanden sollte etwas zustoßen und die Sorge um alle machte ihn nur noch wachsamer. So wachsam, dass Takashi die weiße Tyraleen am Rande des Rudelplatzes liegen sah, die ebenfalls das Rudel nicht aus den Augen ließ. Bestimmt hatte auch sie Angst, dass erneut eine Bestie auftauchen würde, denn dieses Mal würde dies mit Sicherheit lebendig sein.
Interessiert machte der Schwarze einige Schritte auf die Alphawölfin zu. Nach und nach bemerkte er, dass es der Weißen gar nicht so gut zu gehen schien. Sie lag dort am Waldesrand, beinahe regungslos da; nur ihr Blick wachte aufmerksam über jeden einzelnen Wolf.
Die Distanz zwischen beiden war noch groß und Takashi wollte sich der Weißen abwenden. So wachsam wie sie war, hatte sie ihn garantiert bemerken können. So zögerte der Hüne einen langen Moment im tiefen Schnee. Wie vereist stand er da: War mitten im Laufen gestoppt und somit war seine Vorderpfote leicht angehoben. Er musste nachdenken. Tyraleen kannte er gar nicht gut, hatten die beiden jemals miteinander ein Wort gewechselt?
In Takashis Kopf machte sich wirklich die Überlegung breit, der Alphawölfin ein wenig Gesellschaft zu leisten, um sie besser kennen lernen zu können. Denn der Hüne zählte bereits zu den Rangwölfen und sollte somit den ranghöheren bekannt sein.
So nahm er seinen Mut zusammen und setzte seinen Weg in Richtung Tyraleen fort. Immer wieder sank sein Kopf in den Schnee, konnte aber nichts Außergewöhnliches feststellen. Auch seine Beobachtungen machten ihm klar, dass kein Grund zur Panik bestand.
Tyraleen musste Takashi bereits erwarten. In einem gewissen Abstand machte der Rüde Halt. Mit locker pendelnder Rute und respektvoller Mine trat er Tyraleen gegenüber.
"Tyraleen, im Moment scheint alles in Sicherheit zu sein. Bist du wohlauf?"
Der Rüde lächelte sanft und wusste nicht genau, wie er der neuen Alpha gegenüber treten sollte. Hoffentlich würde sie sich nicht in ihrer Ruhe gestört fühlen.
[ Rudelplatz | Tyraleen ]
28.03.2011, 22:11
Und immer kommt alles anders als man denkt.
Er hörte ihre Schritte, sie näherten sich unaufhaltsam, noch hatte sie den leichteren Weg, noch hatte sie seinen Pfad vor sich. Es schien sie zu motivieren, dass er langsamer geworden war, ihre Sprünge klangen energischer, auch wenn sie hin und wieder zu taumeln schien. Es war wahrlich nicht leicht, festen Halt zu finden. Doch er war sich sicher, dass nicht das Erreichen von ihm sie beflügelte, viel eher die Chance noch schneller und vor allem vor ihm in den Wald zu kommen. Und das ärgerte ihn. Wie konnte ein Wolf nur so dumm sein. Und damit meinte er nicht nur Atalya.
Und dann war der Zeitpunkt gekommen, an dem sie ihn überholte. Ihr blick war weniger grimmig als zuvor, sie grinste sogar ein wenig, doch das ließ ihre Worte nur gehässiger erscheinen, als sie wahrscheinlich gemeint waren.
Nein, er hatte keine Angst. Oder doch? Mittlerweile, war er sich sicher, dass es keine Angst war, die sich in ihm ausbreitete. Es war eher Wut, auf sich, auf sie. Auf die Vargs. Und das erschreckte ihn, das Gefühl von Wut kochte nicht oft in ihm hoch.
Und noch ehe er sich weitere Gedanken machen konnte, wie er sie packen konnte, witterte er eine andere Fähe, die sich ihnen mindestens in dem gleichen Tempo näherte, in dem sie sich gerade befanden. Sie steuerte von seitlich auf sie zu, also hatte jemand mitbekommen, wie sie sich dem Wald näherten und direkt eingegriffen. Im näher kommen, bemerkte er, dass es Rakshee war, die neue Gammafähe des Rudels. Damit war sie ein Rang höher als er selbst. Und sie war nicht nur ranghöher, sondern überragte ihn auch sonst um einiges.
Innerlich amüsierte er sich bereits darüber, was für ein Bild sie abgeben mussten, er, ein deutlich älterer Rüde, dem man dies auch ansah, vor einer fast blutjungen Fähe, die fast auf ihn spucken konnte.
Doch nun war es wohl erst an der Zeit sich mit der Thematik des Bremsens auseinander zu setzen. Atalya hatte die einzig mögliche Alternative gewählt und eine Vollbremsung der feinsten Art an den Tag gelegt. Nur eine Pfotenbreite vor Rakshee kam sie zum stehen, sodass die weiße Fähe eine große Ladung Schnee entgegengeschleudert bekam.
Er versuchte sich etwas diskreter zu verhalten, doch aufgrund seines doch recht hohen Tempos, war dies nicht so einfach. Letztendlich kam er eine Wolfslänge vor der weißen Fähe schliddernd zum stehen.
Er blickte in ihr Gesicht, registrierte die gebleckten Zähne, die, nach einer Antwort fordernde Stimme. Doch er sah auch die Erschöpfung hinter ihren Augen, den Versuch sich nichts anmerken zu lassen.
Er lauschte den aufmüpfigen Worten seines Patenwolfes, ein stilles Lächeln huschte über seine Lefzen. Ja, damit hatte er rechnen müssen.
Doch trotzdem wollte er versuchen seine kleine Fähe zu schützen. Hoffentlich war sie so clever um dies zu bemerken, anzuerkennen und nicht zu zerstören.
„Wir haben schlicht und einfach ein kleines Fangspiel veranstaltet. Ihr Gemüt ist weniger frohsinnig, denn todesbetrübt. Und ich finde nicht, dass die jungen Hüpfer jetzt schon in Traurigkeit versinken sollten. Ich wollte sie schlichtweg ein wenig aufmuntern, siehst du das kleine Grinsen auf ihren Lefzen. Immerhin etwas hat es gebracht.
Dass wir dabei den Wald ansteuern mussten, tut mir aufrichtig Leid. Ich hätte besser auf meine Pfoten achten sollen. Aber, auch wenn ich nun einige warme Zeiten miterlebt habe, bleibe ich wohl immer ein kleiner Kindskopf.“
Er lächelte Rakshee an. Sonderlich unterwerfen tat er sich nicht, seine entschuldigenden Worte, sollten dies wohl ausreichend erklären. Vorsichtig tat er einen weiteren Schritt auf Rakshee hinzu.
„Entschuldige, dass wir deine Kräfte gefordert haben. Wir werden uns in eine andere Richtung wenden.“
Eine hoffentlich ausreichende Anspielung auf ihre nahende Erschöpfung. Sie sollte sich lieber ausruhen. Und das ging natürlich nur, wenn sie, oder er, nun nicht weiter Unsinn anstellten.
[Rudelplatz - nahe Waldrand - Rakshee und Atalya]
28.03.2011, 22:36
Und damit war die ‚etwas längere Pause’ dann auch beendet. Zwei Wölfe steuerten auf den Waldrand zu. Wenn sie die Augen ein wenig zusammenkniff, konnte sie Liam und Atalya erkennen. Doch noch bevor sie auf die Pfoten gekommen war, sah sie bereits Rakshee heran eilen. Nun, das passte ihr doch zu gut. Obwohl auch Rakshee ausgepowert war, würde es wenig nützen den Weg auf sich zu nehmen, außerdem war sie sich sicher, dass Rakshee die Situation gut in den Griff bekommen würde. Zudem sie Liam nicht als den aufmüpfigen Wolf einschätzen würde, der sich den Anordnungen einer Ranghöheren widersetzen würde.
Also entspannte sie sich wieder und ließ ihren Blick weiter schweifen. Dabei dachte sie darüber nach, dass sie vielleicht noch einmal das Gespräch mit der Jüngeren suchen sollte. Sie hatte doch sehr verletzt ausgesehen, als Jakash sich so deutlich neben ihr positioniert hatte.
Sie wog das Für und Wieder eines solchen Gespräches ab, kam aber zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis, als schon wieder zwei Wölfe auf den Wald zusteuerten.
Was war denn los, kaum wurden strengere Regeln aufgestellt, mussten plötzlich alle Wölfe beweisen, dass sie keinen Leitwolf brauchten oder wie war ihr Verhalten zu verstehen.
Diese Wölfe waren weniger weit weg und während sie die weiße Fähe nur vom Geruch her kannte, wusste sie sofort, wer der Wolf war der jetzt tatsächlich im Wald verschwunden war. Soweit sie erkennen konnte, war er zwar direkt hinter den Bäumen wieder zum stehen gekommen, aber was fiel Caleb ein, so gegen die Regeln zu verstoßen.
Sie hatte ihn deutlich intelligenter gehalten, als sie sich unterhalten hatten. Über das ganze Zeug mit dem Schreiben und dem Lesen, den Gestaltenwandlern und den Menschen.
Halt!
Gestaltenwandler.
Zeitgleich mit ihrem Gedanken, hatte die Weiße laut nach ihr gerufen. Caleb hatte ihr also von ihrem gemeinsamen Gespräch erzählt, welch ein Glück. Und so konnte sie keine Rücksicht mehr auf ihren erschöpften Körper nehmen, die Sicherheit der beiden Wölfe, vor allem wohl von Caleb, ging eindeutig vor. Und aber auch die des Rudels, wenn er sich tatsächlich in einen Werwolf verwandeln sollte.
Hin und wieder war ihr in den letzten Tagen der Gedanke aufgekommen, dass ein Werwolf auch in Verbindung mit einem Varg stehen konnte, aber die Werwölfe rochen wesentlich sympathischer und noch Artenverwandter, als das stinkende Ding von vor ein paar Tagen.
Also hatte sie den Gedanken wieder verworfen und sich vor Augen gerufen wie Caleb, und damals auch Thylia, versuchten sich zu kontrollieren und niemandem Schaden zuzufügen. Und nun sollte sie ihm also helfen.
Mir eiligen Schritten und doch langsamer als gewohnt, und das lag nicht nur an dem Schnee, lief sie auf den naheliegenden Waldrand und damit auf die beiden Wölfe zu. Kurze Zeit später hatte sie die beiden erreicht und trat direkt an der Weißen vorbei auf Caleb zu. Natürlich nicht um ihr ein freundliches Nicken zuzuwerfen. Sie war dankbar, informiert geworden zu sein, sonst hätte sie sicherlich im ersten Augenblick anders reagiert. Zum Sprechen fehlte ihr in diesem Moment der Atem.
Vorsichtig beäugte sie Caleb, er sah sehr gehetzt aus, jedoch noch immer wie ein ganz normaler Wolf.
So langsam beruhigte sich ihr Atem und sie fand wieder genügend Luft zum sprechen. So kam sie ohne Umschweifen auf das Thema.
„Kennst du irgendeine Möglichkeit mit der man dir helfen kann, dich nicht zu verwandeln? Oder ist eine Verwandlung und eine darauffolgende Rückverwandlung vielleicht sogar besser für dich?“
Natürlich war sie nicht scharf darauf, gleich einem Werwolf gegenüber zu stehen, sicherlich war es auch weniger förderlich für ihre Gesundheit, falls sie diesen dann gar versuchen müsste zurück zu halten, aber Thylia hatte sich, laut der Geschichten, hin und wieder mal in einen Menschen verwandelt. Vielleicht würde dies ja auch bei ihm der Fall sein und ein Mensch war sicherlich nicht gefährlich, wenn sie nichts anderes taten, als Geschichten aufzuschreiben um sie dann wieder zu lesen.
[Waldrand - Minyala und Caleb]
29.03.2011, 10:01
Ob Tyraleens Suche Erfolg hatte, als ihr Blick auf Takashi traf, der beinahe abwartend im Schnee stand und sie ansah, als hätte er ebenfalls gerade eine Suche gestartet und wäre sich nicht sicher, ob es wirklich die weiße Leitwölfin gewesen war, die er hatte finden wollen. So sahen sich die beiden Wölfe einige Momente lang über die weite Distanz an, fällten jeweils die Entscheidung, ob sie sich mit diesem Ergebnis zufrieden geben wollten. Takashi war schneller. Er setzte sich in Bewegung und steuerte auf Tyraleen zu, während sie selbst befand, dass es keine schlechte Idee war, den schwarzen Hünen besser kennenzulernen, immerhin war er nun ein Rangwolf. Was wusste sie über Takashi? Er war Jumaanas Gefährte, er war Urions Bruder gewesen und somit der Onkel der drei Welpen Kaedes. Und er war ein bisschen seltsam. Gleichzeitig übte er die übliche Anziehung schwarzer Wölfe mit blauen Augen auf sie aus – nicht nur in diesen Punkten schien er Acollon und Averic zu ähneln. Takashi war ein Fenriswolf. Vielleicht eignete er sich genau deshalb nur noch besser für den Gesprächspartner, den sie eigentlich gesucht hatte.
Noch bevor der Schwarze sie erreicht hatte, legte sich ein leichtes Lächeln auf ihre Lefzen und sie nickte ihm grüßend zu. Er war respektvoll, doch auch ein Hauch von Unsicherheit umwehte den Hünen – offensichtlich war er sich nicht sicher, wie er mit ihr umgehen sollte. Sie konnte es ihm nicht verübeln, immerhin war er weitaus älter als sie und sie hatten noch keine gemeinsame Basis gefunden. Vielleicht könnten sie ja nun etwas daran ändern.
“Ja, das Rudel ist zum Glück sehr ruhig.“,
antwortete sie zunächst schlicht und musste sich dann überlegen, was sie auf Takashis Frage antworten sollte. Die Wahrheit war, dass ihre Schwäche seit dem Fund des Vargs eher zugenommen hatte und die dumpfe Müdigkeit nicht verschwinden wollte – selbst wenn sie ruhig im Schnee lag; selbst wenn sie nach einem langen und tiefen Schlaf erwachte. Doch das war keine Eigenschaft, die eine Leitwölfin publik machen sollte und zudem war es ihr möglich, alle Schwäche zurückzudrängen, sollte das nötig sein. Was davon konnte sie Takashi erzählen? Sie entschied sich für den Mittelweg, die kooperative Halbwahrheit.
“Mir geht es gut, auch wenn die Kälte und der Atem Fenris‘ nicht spurlos an mir vorbei gehen. Bei dir alles in Ordnung?“
Ihr Blick wanderte erneut über den Rudelplatz, streifte Rakshee mit Liam und Atalya am Waldrand und sah Sheena ebenfalls auffällig nahe an den ersten Baumstämmen stehen, doch es schien alles in Ordnung zu sein. Ihre Gedanken begannen wieder um den Varg, die Kälte und deren Zusammenhänge zu kreisen. Sie wandte sich erneut an Takashi.
“Ich habe nachgedacht. Glaubst du, es besteht ein Zusammenhang zwischen der Kälte und dem Tod meines Sohnes, den ich verschuldet habe? Vor diesem schrecklichen Tag war der Frühling im Tal allgegenwärtig, doch schon kurz nach meinem Fehler kam die Kälte, der Schnee und der Varg.“
Der Schwarze war nun so etwas wie ihr Berater und sein Rang verlieh ihm das nötige Vertrauen dazu. Ebenso wie sie beweisen musste, dass sie den Aufgaben einer Leitwölfin gewachsen war, musste Takashi beweisen, dass er Vertrauen und Respekt verdiente. Es würde sich bei ihnen beiden zeigen, ob sie sich zu Recht Rangwölfe nannten. Und die Weiße hoffte, dass es ihnen beiden gelang.
[ Rudelplatz | Takashi ]
29.03.2011, 18:50
Die letzten Tage hatten in einer unentwegten Kontrolle der Ridelmitglieder und der näheren Umgebung des Rudelplatzes bestanden. Aszrem war nicht gerade erpicht darauf das Rudel derartig zusammen zu pferchen, auch wenn das Gelände weitläufig war, aber es war nuneinmal notwendig. Sie hatten zwar keine Spuren eines zweiten Vargs gefunden, aber das bedeutete nicht, dass hier nicht doch irgendwo einer herum schlich. Sie mussten sicher gehen, so sicher wie es eben ging, und das bedeutete in diesem Falle, das Rudel eine kleine Weile unter Quarantäne zu setzen und das Revier immer wieder zu kontrollieren.
Seit zwei Tagen überprüfte er den nördlichen Waldrand besonders genau, denn dort hatte er zarte Witterungsspuren bemerkt, die er kannte, aber nicht erwartet hatte. Hilel trieb sich irgendwo im nördlichen Teil des Reviers herum und kam offenbar ab und an ziemlich dicht an den Rudelplatz heran. Aszrem war mehrmals ein Stückchen in den Wald hineingelaufen, aber nie so weit, dass er die Spur bis zu der Fähe hätte verfolgen können. Das war ihm dann doch zu riskant. Andererseits wollte er sie auch nicht rufen - er zweifelte daran, dass sie darauf reagieren würde, und vielleicht wusste sie noch nicht, dass sie entdeckt worden war. Er wollte sie auf frischer Tat ertappen und zur Rede stellen. Vielleicht hatte sie sogar eine Spur des Vargs gefunden, auf die sie noch nicht gestoßen waren?
Aszrems Nase find eine relativ frische Fährte Hilels ein, diesmal sogar direkt bei den Bäumen, die den Rudelplatz begrenzten? Was trieb sie so nah an das Rudel heran? Wollte sie entdeckt werden? Hatte sie gar ihre Meinung geändert, und traute sich nun nicht, sich zu offenbaren? Aszrem beschloss, einen weiteren Versuch zu unternehmen, die einäugige Fähe aufzuspüren. Er sah sich um, um Blickkontakt zu Tyraleen herzustellen, und wartete, bis ihre Augen von Takashi zu ihm fanden. Dann nickte er deutlich, ein Zeichen an sie, das alles in Ordnung war und er sich lediglich zur Kontrolle kurz in den Wald begeben würde, so wie er es die letzten Tage immer wieder getan hatte. Alsdann wandte er sich wieder um und verschwand zwischen den Bäumen. Nach ein paar Schritten schon zeugten Spuren im Schnee vom Weg der Schwarzen, und Aszrem folgte ihnen in die Richtung, in der der Geruch langsam stärker wurde. Und diesmal hatte er Glück - es dauerte nicht allzu lange, da sah er sie schon zwischen den Bäumen.
"Hilel, auf ein Wort",
rief er sie an und hoffte, dass sie nicht sogleich reißaus nehmen würde. Nicht umsonst hatte er sogleich verkündet, dass er mit ihr reden wollte, und nicht umsonst klang seine Stimme lediglich ernst, aber ohne Agression darin.
[nördlicher Wald | Hilel]
29.03.2011, 19:35
Flink wuselte die junge Fähe durch den hohen Schnee. Obwohl sie erbärmlich fror, machte es ihr doch Spaß durch das kalte Nass zu laufen. Am Besten waren die Stellen, durch die noch niemand gelaufen war, dann konnte man sich seine ganz eigenen Gänge graben. Allerdings gab es von diesen Plätzen nur noch wenige. Kein Wunder, das ganze Rudel war auf dem Rudelplatz zusammen gepfercht, wobei er wirklich groß genug war.
Und was noch viel witziger war, als durch den Schnee zu laufen, war durch den Schnee zu robben. Denn dabei konnte sie sich noch so klein machen, dass man sie nicht sehen konnte und das war die beste Taktik irgendeinen anderen Wolf zu erschrecken.
Ihre gute Laune mochte anderen Wölfen vielleicht naiv vorkommen, doch Liel empfand diese Laune als angenehmer und hatte es vollkommen satt, sich den Kopf über Dinge zu zerbrechen, die sie mit ihrem geringen Wissen sowieso noch nicht beantworten konnte. Außerdem wollte sie nicht wie alle anderen Wölfe irgendwo rum liegen und Trübsal blasen.
Allerdings musste sie sich eingestehen, dass die Bewegung sie einiges an Kraft kostete. Warum auch immer, fühlten sich ihre Körperteile eher bleiern als fit an und so wurde sie mit der Zeit auch immer langsamer. Trotzdem biss sie die Zähne zusammen. Aufgeben zählte nicht. Sie hatte sich zum Ziel gesetzt, so lange durch den Schnee zu robben, bis sie zufällig auf jemanden stieß.
Gesagt getan.
Gekonnt überspielte sie ihre Müdigkeit, indem sie sich vorstellte, wie witzig es wäre, wenn der Wolf sich richtig erschrecken würde. Andererseits war ihr auch bewusst, dass es entsetzlich lange dauern konnte, bis sie auf jemanden traf. So setzte sie sich ein neues Ziel. Sie würde noch einige Zeit lang durch den Schnee robben und sich danach erst ausruhen, bevor sie erneut mit ihrer Suche beginnen würde. Natürlich nur, wenn sie jetzt niemanden mehr fand. Was sie ja nicht hoffen wollte.
Und als ob es die Götter gut mit der kleinen Fähe meinten, stieg ihr langsam die Witterung eines Wolfes in die Nase. Dass der andere Wolf, sie dadurch vielleicht auch bemerken würde, kam ihr zu dem Zeitpunkt nicht in den Sinn. Ihre Freude über ihren Erfolg, war so allgegenwärtig, dass sie keine weiteren Gedanken mehr verschwendete. Jetzt galt es, sich noch einmal gaaaanz, gaaanz winzig klein zu machen und geduckt und gleichzeitig mit raschen Schüben vorwärts zu kommen. Und dann…
„Buuuuuuuuuuh!“
Energisch sprang sie mit allen vier Pfoten gleichzeitig in die Luft und schrie dabei so laut sie konnte. Das Schreien ging schließlich in ein Lachen und dann in ein erschöpftes Schnaufen über. Das war wirklich lustig gewesen.
Aber, welchem Wolf saß sie da eigentlich gegenüber?
[Jarréll Nathaniêl - Rudelplatz]
29.03.2011, 19:35
Die schwarze Fähe hatte sich nicht all zu weit von dem Rudel entfernt, trotz der Ermahnung Aszrems. Vielleicht wusste sie, dass sie sich auf dünnem Eis bewegte und vielleicht war es ihr gleichgültig. Ihre schwarzen Pfoten zogen immer wieder Bahnen, um die Reviergrenze, dann wieder hinein, in die weitreichende Heimat dieses Rudels. Es war nicht ihr Wille sich für immer zu verabschieden, doch auch nicht in Gedanken ihres Stolzes, sich wieder zu präsentieren. Ihre Neugier jedoch zog sie immer wieder unwiderruflich zu diesem Ort. Es geschahen eigenartige Dinge, welche die Wölfin nie erahnt hätte. Der Winter war so nah, wie er erbarmungslos war. Der Schnee war endlos. Eine weiße Decke legte sich friedlich auf dieses verfluchte Land und ihre Spuren wurden immer deutlicher. Ja, sie wusste es. Sie war keinesfalls ahnungslos. Irgendwer würde irgendwann ihre Spuren sehen und deuten können. Doch noch verscheuchte diese Tatsache nicht ihre Anwesendheit.
Staksig schlich sie durch die weiße Pracht. Ihr dunkles Fell war von weißen Flocken bedeckt, welche ihre Schwärze verunreinigten. Das Leben hier war sicherlich nicht leicht und doch ihr wohl gesonnen. Kadaver von Wildtieren nährten sie gut und die Kälte war ihr allgemein bekannt, von daher schien sie kaum geschwächt. Dennoch auch diese Fähe musste mit diesen Gegebenheiten kämpfen. Der süßliche Geruch von Tod hing in wenigen Gegenden in der Luft und umschattete diese Welt. Hilel war wahrscheinlich der einzige Wolf, der nicht wusste welche Monster hier noch gediehen, obgleich sie genug Anhaltspunkte hatte erhaschen können. Gerade in diesen Gedanken, die all ihren Kopf auszufüllen wussten, erreichte sie ein Laut, der unreal schien. Es rief jemand ihren Namen.
Die feinen Ohren der Schwarzen spitzen sich aufmerksam und der beeinträchtigte Blick warf sich vorsichtig um. Bis auch ein Geruch in ihre Nase zog, bekannt. Die Bedeutung dieses Duftes konnte vieles verheißen, in erster Linie Gefahr, dennoch die Worte sprachen gegen dieses und Hilel war keinesfalls voreingenommen. Noch immer schürte sie keinen Groll gegen den Rüden und auch keine Furcht. Er war ein guter und gewissenhafter Rangwolf, welchem sie Respekt zollte.
Ein leichtes Seufzen entglitt ihrem Fang, welcher von einer gräulichen Wolke aus Atemluft umhüllt war. Die einäugige Fähe erstarrte in ihrer Bewegung und wandte sich seitlich zu jenem, der ihren Namen nicht vergessen hatte, trotz einer unbedeuteten Begegnung. Der blaue Blick begutachtete den Fremden eindringlich und machte deutlich, dass Hilel nicht wusste, was diese zweite Begebenheit bedeuten konnte. Seine Stimme klang kaum so erzürnt, wie sie zu erwarten schien, denn immerhin hatte sie seinen Anforderungen nicht Folge geleistet und schlich noch immer in dem Revier herum. Dies auch noch mit voller Gewissheit und Absicht, welche mit der stetigen Wiederholung dieser Tat ausnahmslos war.
Wahrscheinlich war es erneut ihr eigener Stolz und ihr Gewissen, welche sie nicht fortlaufen ließen. Nie wieder wollte sie rennen, wegrennen. Es war gleich wovor und auch dies verschwieg sie ihm nicht. Ein alt bekanntes Bildnis dieser Fähe, war ihre Selbstsicherheit, welche sie mit geübten Bewegungen ausstrahlte und so verharrte sie in ihrer Gestalt.
Die auffordernden Worte seiner, blieben lange ohne Regung, bis sie ihre Antwort verlor.
„Es scheint mir, ich bin nicht unentdeckt, ich hatte es nicht anders erwartet, Aszrem. Ihr seid wachsam…“
Ihre Worte waren kein Hohn, es waren die Beobachtungen, welche sie erhaschen konnte, die sie mit ihren Worten bestätigte. Wachsam, doch wieso? So war ihre Frage, die unausgesprochen blieb. Hilel war nicht an der Stelle, Worte zu verlieren, denn noch war diese Situation nicht geklärt. Vorsichtig setzte sie eine Pfote in die Richtung des Rüden, ohne ihren Blick von ihm zu lösen. Die Distanz war noch groß, ihrer Meinung zu groß für ein wahrliches Gespräch, obgleich sie diesen sicheren Abstand genießen sollte.
[nördlicher Wald | Aszrem]
29.03.2011, 21:27
Es waren schon ein paar Tage vergangen seit der Varg aufgefunden, Tiberius im Rudel Willkommen geheißen worden war und Caylee sein Leben grundlegend verändern sollte. Doch momentan schien eher eine Epidemie an Müdigkeit und Erschöpfung die Runde zu machen. Der Gestromte konnte nicht nachvollziehen warum. Zwar war es für die Sommerzeit frisch und ein wenig Schnee lag auch, aber davon sollte man sich doch nicht so sehr bezwingen lassen. Tiberius für seinen Teil würde es nicht tun. Er streckte sich lang und ausgiebig, bevor er sich zur vollen Größe erhob und über den Rudelplatz blickte. In nicht weiter Entfernung sah er genau das Geschöpf, welches er jetzt mit seiner Anwesenheit beehren wollte. Die wunderhübsche Caylee. Ein breites Grinsen auf den Lefzen war natürlich Standartprogramm. Bei so einer bildschönen Fähe konnte Rüde einfach nicht anders. Schwungvoll trabte er auf die Weiße zu.
“Caylee“,
machte er auf sich aufmerksam. Bei ihr angekommen, blieb er direkt vor ihr stehen und betrachte sie eingehend. Auch mit dem so-Blick. Seit Tyraleen die Beiden im Wald 'erwischt' hatte, waren ihre Zärtlichkeiten etwas eingeschränkt geblieben – das wollte der Gestromte ab sofort ändern. Schließlich waren sie freie Wölfe und dies war – bei gutem Willen und dem Fernbleiben von Erziehungsberechtigten – ein freies Land.
“Was ist mir Dir los? Du bist schon seit Tagen so schlapp und geschwächt“,
vorsichtig machte Tiberius noch einen weiteren Schritt auf seine Angebetete zu. Seine Stimme wurde leiser, verschwörerischer.
“Hättest Du vielleicht Lust auf einen Felswandwechsel? Ein wenig Spaß? Oder willst Du mit mir weitere Varge jagen und verscheuchen? Wonach steht Dir der Sinn?“,
das schelmische Grinsen bedeutete nie etwas Gutes, aber da er von nun an nicht nur die Verantwortung für seinen Wolfskragen, sondern auch für den von Caylee trug, war seine Frage eher scherzend gemeint. Er würde versuchen jeder Schwierigkeit aus dem Weg zu gehen, nur um hier bleiben zu können – bei ihr.
“Du kannst frei entscheiden und ich werde Dir jeden Wunsch erfüllen, absolut jeden“,
mit den Worten deutete er eine leichte Verbeugung an, als Tiberius auf sah wurde sein Blick intensiver, eine Spur ernster. Durchdringend, vielleicht ein wenig zu drängend. Eine Pfote legte er sanft auf ihre und kam ihr damit wieder gefährlich nahe. Zu schade, dass sie jung und die Ranz noch in weiter Ferne war. Da! Da war es schon wieder. Verdammt. Genau solche Gedankengänge würden ihn wieder in das hinein reiten, was Aszrem also 'Desozialisierung' bezeichnen würde. Allerdings schämte sich der Gestromte nicht für seine Gedanken, auch wenn sie nicht ganz schicklich waren.
“Oder willst Du Deine Ruhe haben?“,
wisperte der Rüde leise und nährte sich ihrem Fang, konnte fast ihren Atem schmecken.
[ Rudelplatz | bei seiner bezaubernden Caylee ]
29.03.2011, 22:21
Es war also so weit. Er gehörte einem Rudel an. Und warum? Weil eine weiße Fähe ihm einen Floh in das Ohr gesetzt hat und nicht mehr gehen lassen wollte. Wie eiserne Ketten, die seine Beine umschlangen und immer weiter in die tiefe zogen. In die Tiefe eines normalen Lebens. Eines Lebens, in der Nähe eines Rudels. Als Mitglied eines Rudels. Als ein Teil von etwas großem. Sein Herz krampfte sich innerlich zusammen. Er war Teil ihres Lebens. Es schmerzte. Sie hatte ihn schon bei sich aufgenommen und dabei konnte er ihr niemals das geben, was sie brauchte.
Doch nun stand er hier. Auf dem Rudelplatz, seines neuem Heimatrudels. Und schon gab es die ersten Probleme. Das Klima schien hier verrückt zu spielen. Es war eiskalt und er konnte sehen, wie Nebel aus seinen Nasenlöchern zog. Es war schon fast so, als würde die Temperatur stündlich sinken. Kouros unterdrückte das Zittern. Doch es viel ihm immer schwerer. Er musste sich irgendwie warm halten. Da er nicht so zum Rudel gehörte und auch nicht wirklich Interesse darin hatte, sich mit jemandem gutzustellen, um sich nun an denjenigen kuscheln zu können, wandte er sich von den anderen ab. Jedoch konnte er nicht zu weit weg gehen. Denn irgendwas schien geschehen zu sein, denn niemand durfte den Platz nicht verlassen. Was für ein Anfang. Kaum war er hier, schon gab es unmögliche Einschränkungen. Warum eigentlich? Er musste sich das im Hinterkopf merken, denn die Frage würde er stellen. Wenn die Zeit dafür gekommen war. Bis jetzt, gab es noch keine Gelegenheit und auch niemanden, mit dem er so reden wollte.
Mit erhobenen Kopf und starren Blickes, bewegte sich der weiße Rüde in Richtung Wasser. Er mochte das kühle Nass, auch wenn es jetzt eher unangenehm war. Die Kälte des Wassers würde ihm wohl sämtliche Wärme entziehen. Also durfte er nur nicht zu nah ran gehen. Wieso ging er dann trotzdem dort hin? Das Wasser war vertraut. Er hatte sie dort das erste Mal gesehen. Außerdem hatte das Wasser seit jeher eine reinigende und beruhigende Wirkung.
Dort angekommen, trat er näher an das Nass heran und sah sich kurz an. War er das wirklich? Ah, die nächste Zeit wird noch schlimm genug werden, also musste dieser entschlossene Ausdruck in seinen Augen bleiben. Kurz darauf wandte er sich auch von seinem Spiegelbild ab und sah sich noch einmal um. Hier war es ruhig genug. Zwar waren in der Nähe vereinzelt ein paar Wölfe, doch störten sie nicht sonderlich. Zu mindestens solange, bis sie in seine Nähe kämen.
[am Sternensee l noch alleine ]
(Wenns n Fehler gibt, dann bescheid sagen ^^ )
30.03.2011, 17:01
Die Tage waren grau, die Nächte kalt, weiße Flocken waren unablässig, wie ein dichter Vorhang, vom Himmel gefallen, seit der Rudelsitzung vor einigen Tagen. Bereits kurz nach seiner Ankunft war das gesamte Rudel zum Rudelplatz geschickt worden und ihnen untersagt sich wieder von dort zu entfernen. Dem Gemurmel der anderen Wölfe hatte Jarrèll Nathaniêl schon bald Stück für Stück entnehmen können, worum es in der Versammlung gegangen war und dass dieses tote Vieh, welches in ihrer Mitte gelegen hatte und den die anderen Wölfe als Varg bezeichneten, die Begründung ihrer Ausgangsperre war. Angeblich waren in den vergangen Tagen mehrere Rudelmitglieder als Kundschafter durchs Revier gezogen, doch sie schienen nichts entdeckt zu haben, zumindest war ihm noch nichts zu Ohren gekommen.
Missmutig ließ sich der Rüde in dem tiefen Schnee sinken. Das Verbot sich vom Rudelplatz zu entfernen begann an seinen Nerven zu zerren, es lag nicht in der Natur des Silbernen herumzusitzen und nichts zu tun und war es gänzlich ehrlich zu sich selbst, dann wiederstrebte es ihm auch, sich von anderen etwas vorschreiben zu lassen, auch wenn er sich, jedes Mal wenn es solcher Gedanke es wagte sich in sein Hirn zu verirren, in Erinnerung rief, dass er nichts anderes verdient hatte. Der Schmerz saß immer noch wie ein gefräßiges Tier in seinem Herzen, doch in den letzten Tagen hatte er eine neue Waffe dagegen entdeckt, auch wenn sie sicher nur von kurzer Wirkdauer war. Selbstironische Bemerkungen und Gedanken schafften es bisher vorzüglich alle schmerzhaften Erinnerungen zu verdrängen. Möglicherweise lag es auch an der verdrehten Jahreszeit, denn von brennender Hitze war in den angeblichen Sommermonden bisher wenig zu spüren gewesen. Gerne wäre Jarrèll Nathaniêl nun im tiefen Schnee durch die Wälder gezogen, auf der Suche nach Allem und Nichts, doch ohne die Erlaubnis sich aus dem Sichtbereich zu entfernen war ihm die Lust auf jegliches Umherwandern vergangen, so blieb er in den winzigen Kristallen versunken liegen und angelte stattdessen mit der Zunge nach ein paar Flöckchen um seinen Durst zu stillen, ohne den Weg zum See antreten zu müssen, der bei diesen eisigen Temperaturen sicher bereits von dickem Eis bedeckt war. Kurz bevor seine Schnauze jedoch die Schneedecke berührte nahm ein eine fremde Witterung auf, nur ganz leicht und fast wäre sie ihm entgangen, doch nun als er sich darauf konzentrierte, roch er deutlich eine Fährte die bisher noch nicht da gewesen war, vermutlich jedoch einem Rudelmitglied gehörte. Vorsichtig ließ er die Ohren spielen nahm jedoch kein verdächtiges Geräusch wahr. Anscheinend spielten ihm seine Sinne vor Langeweile bereits Streiche. Jarrèll Nathaniêl schüttelte leicht dem Kopf, wandte jedoch nicht den Blick.
„Buuuuuuh!“ Mit einem einzigen, geschmeidigen Satz sprang Jarrèll auf die Pfoten, warf sich herum und blickte einer grauen Fähe in die strahlend blauen Augen.
„Was fällt dir ein dich so anzuschleichen!“, fuhr der Rüde sein Gegenüber, beim dem es sich allem Anschein nach um eine Jungwölfin handelte, scharf an.
In Wahrheit war es jedoch viel mehr die Tatsache, dass es der Grauen gelungen war ihn zu erschrecken, die ihn in Rage brachte, als die, dass sie es anscheinend sehr spaßig fand sich an andere heranzupirschen und diese zu überrumpeln. Ohne Frage war es ihre Witterung gewesen, die er vorhin in der Nase gehabt hatte, der er jedoch keine Weitere Bedeutung hatte zukommen lassen. Seine Unaufmerksamkeit hatte sich nun gerächt, auch wenn die Fähe die sich offensichtlich köstlich über ihren gelungenen Streich amüsierte, sicherlich nur Spaß gemacht hatte.
[LIST][Liel | Rudelplatz][/LIST]
30.03.2011, 18:56
Malicia war hin- und hergerissen. Einerseits drängte es sie, das Rudel der Sternenwinde, ihr Geburtsrudel wieder zu sehen, andererseits sagte eine Stimme in ihrem Kopf, das dies nicht gut sei. Das es nicht gut sei, dass sie überhaupt wieder zurück gekehrt war. Auch wenn sie stocksteif und ein wenig frierend im Schnee lag, auch wenn sie erkennen konnte, dass da jemand kam, eine weiße Fähe, sie erinnerte sich, dass man sie Jumaana nannte, sie rührte sich nur wenig. Sie schlug die Lider nieder und dann war sie auch schon da.
Eine schöne, zierliche perlweiße Fähe. Stechend gründe Augen, wie kleine Smaragde. Glänzend, freundlich. Und überrascht schien sie, über die Rückkehr der Ketzerin, die mal kam, mal ging, dann wieder davon stob und sich dann wieder einen Platz im Rudel sichern wollte. So konnte es eigentlich nicht weiter gehen.
Als die zarte, leise Stimme der Weißen ertönte und sie ihren Namen in die eisige Luft hauchte, erhob Malicia langsam ihren Kopf und schaute Jumaana mit eiskalten blauen Augen an. Sie wollte sie nicht erschrecken, sie wollte nicht aufsehen erregend sein, wenn sie als Banshee Tochter wiederkehrte, nach so langer Zeit. Viel hatte sie verpasst. Was war aus dem Rudel geworden? Wer war Leitwolf und Leitwölfin? Ging es allen gut? Fragen, die ihr nur ein Rudelmitglied beantworten konnte.
Malicia entschloss sich, die fragende Aussage der Weißen zu beantworten.
"Ja. Ich bin es. Ihr seid Jumaana, nicht? Ich kenne euch doch. Ihr seit schon länger im Rudel der Sternenwinde."
Langsam erhob sich die Schwarze, um mit der Weißen auf Augenhöhe zu sein. Ihr war ein wenig schwindelig sie taumelte, der Boden unter ihren Pfoten war weich und naß. Geschmolzener Schnee, schlussfolgerte Mali. Wieso Schnee? Wieso eigentlich Schnee? War es nicht ... welche Jahreszeit hatten sie? In all ihrer Findung zu sich selbst bemerkte Malicia nicht, dass irgendetwas nicht stimme. Sie schaute auf den Boden, um sich zu vergewissern, dass sie nicht spinnte. Ein fragender Blick. Das ist doch Schnee! Im Frühjahr? Oder Sommer? Was ist da los?
Malicia schaut Jumaana nochmals in die Augen. Das kann doch nicht sein.
[Am Rand des Rudelplatzes | Jumaana ]
30.03.2011, 21:08
Der Hüne stand noch immer am selben Fleckchen, wie zuvor. Da Tyraleen ihm weder erlaubte, noch anbot näher zu treten, unterließ Takashi es einfach, um nicht unverschämt oder gar aufdringlich zu wirken.
Ein erneuter Blick über die Schulter ließ ihn abermals für einen Moment genau so verharren. In einem Schnelldurchlauf scannten die tiefblauen Augen die Umgebung und dessen Bewohner kritisch. Alles schien in Ordnung, also bestand auch kein Grund zur Panik.
Der Blick des Rüden galt endlich wieder der weißen Alphafähe und hatte nicht an Respekt verloren. Takashi mochte ziemlich hitzig aussehen, so, wie er da stand. Während seiner Wache über das Rudel hatte er sich zu voller Größe aufgebaut, die Brust herausgestreckt und die Ohren lauschend aufgerichtet – allgemein gab er ein sehr stolzes Bild von sich ab. Aber nun war es an der Zeit, allmählich wieder zur Ruhe zu kommen. So konnte man von Takashi beinahe denken, dass er um einige wenige Zentimeter schrumpfte, als er eine entspanntere Körperhaltung einnahm. Seine Muskulatur war nun nicht mehr bis beinahe zum Zerreißen angespannt und auch das kaum zu erkennende Flackern in seinen Augen starb leise.
Takashi grub sich ein Stückchen Erdreich frei, was ihm nicht ausreichend gelang, und konnte nun endlich Platz nehmen. Seinen Abstand zu Tyraleen hatte er dabei eingehalten. Erst jetzt bemerkte der Rüde, dass seine Schnauze von der Schneeräumaktion noch ganz pulverig weiß war und zudem auch noch glitzerte! Schnell ging sich der Schwarze mit der Pfote über die Schnauze, was aber rein gar nichts bewirkte. Es war alles voll Schnee und es schmolz nur langsam auf dem Pelz, bevor es endgültig abperlte. Takashi konnte sich das Schmunzeln nicht verkneifen, welches er aber wieder schnell zu unterdrücken versuchte.
"Mir geht es sehr gut, Tyraleen, danke. Die Kälte macht mir nur sehr wenig aus, obwohl ich das nicht verstehen kann. Ich weiß nicht, warum ausgerechnet ich im Stande dazu bin, Kälte gut standzuhalten. Aber diese Kälte ist heimtückisch..."
Die Nachdenklichkeit riss den Schwarzen wieder mit sich und somit verstummte er. Doch in diesem Moment musste er aufmerksam sein, musste Tyraleen zuhören. Sie sprach ein sehr ernstes Thema an und somit fiel auch Takashi endgültig das letzte Lächeln von den Lefzen.
"Einen Zusammenhang...könnte es da natürlich geben. Dazu müsste man vielleicht wissen, wie die Götter diese Tat wahrgenommen haben. Ist Fenrir etwa zornig? Oder ist es etwa Engaya, die das Geschehen strafen wird? Natürlich können die Götter dazu im Stande sein, einen Varg oder gar andere Kreaturen über die Reviergrenze schreiten zu lassen. Aber ob genau dieser Zusammenhang besteht, können wir noch nicht sagen. Wir brauchen mehr Erkenntnis..."
Es war kein großes Problem für Takashi, um auf die Wortwahl zu achten, obwohl er beinahe von einem Mord gesprochen hätte. Es war ein negatives Wort und zeitgleich würde der Rüde seine Alpha wie eine Schuldige darstellen.
Der Hüne blickte die Weiße aufmerksam an. Ob sich beide jemals völlig vertrauen und respektieren konnten, stand wohl noch in den Sternen. Takashi hatte jedenfalls den ersten Schritt mit einer Kontaktaufnahme gemacht. Was sich daraus noch ergeben würde, war ungewiss.
[ Rudelplatz | Tyraleen ]
30.03.2011, 23:31
Der pechschwarze Rüde saß an seinem in den letzten Tagen nunmehr angestammten Platz am gefrorenen Sternsee. Von hier hatte er einen sehr guten Blick über die gesamte Meute und war doch an dem Punkt, der am Weitesten von Tyraleen weg war. Hin und wieder stand er auf, ging ein paar Schritte, weil seine Muskeln beinah vor Reglosigkeit schmerzten. In ihm brodelte ein Sud, dessen Zutaten er nicht mehr im Stande war zu separieren. Manchmal glaubte Averic, bald explodieren zu müssen, doch seine Selbstbeherrschung scheuchte ihn immer wieder zurück. Es war quälend nur hier herum zusitzen.
Der stechende Blick wanderte zu einem anderen Wolf und als seine Augen ihn erfassten, erstarrte die kochende Masse in ihm für einen Moment zu Eis. In Sekundenschnelle flackerten ein paar Bilder an ihm vorbei, ohne das er versuchte einen genauen Blick auf sie zu erhaschen, oder sie festzuhalten. Er wusste was sie waren, ohne sie zu sehen. Averic fixierte die schleppenden Bewegungen Malakíms und ließen ihn nicht aus den Augen. Von Außen betrachtet mochte es fast so aussehen, als wartete der große, schwarze Wolf nur darauf, dass der kleinere Rüde einen Fehltritt machte. Aber er blieb ruhig, obwohl diese Ruhe mehr als zerbrechlich schien. In ihm war zu viel Energie. Als Malakím ihn schließlich fragte, ob er ihm Gesellschaft leisten dürfte, antwortete Averic ihm nur mit einem Nicken und entließ ihn dann seinem scharfen Blick. Er hatte keine Ahnung, was der Schwarze von ihm wollte, dennoch würde er nicht fragen, sondern warten, bis er selbst damit herausrückte.
[ Beim Rudel; direkt Sternensee | Malakím ]
31.03.2011, 16:03
Ha. Es hatte wirklich funktioniert. Wie gut war sie denn bitteschön? Das der Rüde einfach nur nicht aufmerksam genug gewesen war, kam ihr gar nicht erst in den Sinn. Es war viel schöner, dass Gefühl haben zu können, dass man ein unglaubliches Talent besaß. Ja, sie hatte doch schon immer gewusst, dass sie etwas ganz Besonderes war.
‚So wie jeder Wolf’, hätte Mama Kaede jetzt gesagt. Und natürlich sah sie ein, dass jeder Wolf etwas Besonderes war, aber sie eben noch mehr. Dessen war sie sich sicher. Wie auch immer, sie freute sich unglaublich über ihren hervorragenden Erfolg.
Allerdings nur für wenige Sekunden. Der Rüde nämlich schien das alles gar nicht so amüsant zu finden und nachdem er sich also erschrocken hatte, fuhr er sie gleich an, was ihr den einfallen würde, sich einfach so an ihn heran zu schleichen. Na, als ob sie das mit Absicht gemacht hätte! Sie hatte sich ihn ja nicht ausgesucht, genauer genommen, hatte sie sich niemanden ausgesucht, sondern war einfach durch den Schnee gerobbt.
„Entschuldige mal, robb du mal mit meiner Größe durch den Schnee und verrat mir dann, ob du noch was sehen kannst. Ich nämlich nicht! Und, wer bist du überhaupt? Ich bin Liel, Tochter von Urion und Kaede, Schwester von Krolock und Cirádan.“
Und damit hatte sie dann auch schon verdrängt, dass er sie eben so angefahren hatte. Denn, er war bestimmt gar nicht so brummelig, sondern hatte nur aus dem Affekt heraus so reagiert. Wäre ihr gewiss nicht anders gegangen. Wenn man sich erschreckte, war man schließlich immer erst in einer Hab- Acht- Stellung. Es könnte ja wirklich jemand kommen und sie angreifen und dass man dem mit Aggression und Abwehr entgegen trat, war völlig klar und verständlich.
Somit hatte sie sich die Situation wieder schön und friedlich geredet. Abgesehen davon, dass sie nicht wusste, ob er Rüde es wenigstens annähernd so auffasste wie sie, war das Thema beendet.
Jetzt interessierte sie nämlich erstmal wer er war, was er hier machte, wie es ihm ging und warum sie ihn noch nicht kannte.
Vielleicht hatte er auch spannende Geschichten auf Lager. Hoffentlich, hoffentlich erwähnte er nun nicht gleich den bösen, gruseligen Varg oder die Eiszeit, die über sie hereingebrochen war. Das waren nämlich Themen, mit denen die Jungwölfin sich nicht gerne auseinandersetzen wollte. Vor allem, weil, sie das Gefühl hatte, dass sie immer kraftloser wurde, je mehr sie sich mit der Thematik befasste.
Das, was sie jetzt brauchte, war Ablenkung vom höchsten Niveau. Ob dieser Wolf ihr das bieten konnte, würde sie gleich feststellen. Und hoffentlich konnte er ihr auch eine warme Schulter bieten. In ihrem dünnen Pelz fing sie nämlich mittlerweile stark an zu zittern, das durch den Schnee robben, hatte ihr Fell durchnässt und dadurch, dass sie nun stillstand, lieferte ihr auch die Bewegung keine Wärme mehr.
[Rudelplatz - Jarrèll]
31.03.2011, 17:27
Shani Cayié war einsam. Seit Tagen, seit Wochen, seit Monaten, seit Jahren. Seit dem Tag, an dem Hiryoga sie verlassen hatte, war die bittere Verlassenheit in ihr Herz gekrochen um sie nie mehr zu verlassen. Ab und an hatte sie das Gefühl gehabt, dass alles besser werden würde, war Hiryoga doch zurückgekehrt, war ihr Katsumi begegnet, hatte sie ein wenig Nähe von ihren Kindern gespürt. Doch all das war wieder vergangen, wurde fortgetragen von der Einsamkeit, die nun zu ihr gehörte wie ihr weißes Fell und die tannengrünen Augen. Hiryoga war tot, Katsumi fort und ihre Kinder so groß und selbstständig, dass ihre Mutter nur noch eine unbedeutende Nebenrolle in ihrem Leben einnahm. Sie nahm diese Umstände niemandem übel, weder ihren Welpen noch den Rüden, aber sie war traurig. Egal wo sie war, ob sie lachte oder weinte, mit anderen sprach oder alleine im Gras lag – die Einsamkeit umgab sie wie ihr eigener Geruch. Sie wusste noch wie es war, glücklich zu sein. Sie erinnerte sich daran, als sorglose Jungwölfin fröhlich und immer bester Laune die Welt entdeckt zu haben, doch selbst wenn sie heute mit anderen Wölfen unterwegs und fröhlich war, so hing die Verlassenheit wie ein Windhauch in ihrem Fell. Selbst wenn sie lachte – ehrlich und von Herzen – blieb die Einsamkeit in ihrem Blick. Sie gehörte nun fest zu ihr, war der treueste Begleiter, den sie je gehabt hatte und sie war sich sicher – er würde immer bleiben. Wohl genauso wie die schwarzen Wölfe, die sie in letzter Zeit wieder so oft gesehen hatte. Auch jetzt stand einer von ihnen am Waldrand zwischen zwei jungen Eichen, sein schwarzes Fell hob sich zwischen der weißen Rinde und dem leuchtenden Schnee seltsam unnatürlich ab. Sein bohrender gelber Blick lag auf ihr und obwohl sie wusste, dass er nicht existierte wollte sie davon laufen. Nur wohin? Sie musste auf dem Rudelplatz bleiben, wurde jedoch von niemandem gebraucht. Es gab keinen Grund, hier zu sein, doch das traurige war, dass es auch keinen Grund gab, an einem anderen Ort zu sein. Die Geschehnisse im Tal – die Kälte, der Schnee, der Varg, Tyraleens Tat – hatten in ihr den bekannten Drang ausgelöst, ihre Welpen davor zu beschützen, doch sie wusste, dass sie sie nicht mehr brauchten. Rakshee war nun Priesterin und hatte einen hohen Rang eingenommen, Jakash war … ja, was war Jakash? Etwas hatte sich in ihm verändert, aber die Weiße wusste nicht, was. Und ihre anderen Kinder … waren fort. So war das Leben, so musste es sein.
Die Weiße drehte sich um, wandte dem schwarzen Wolf am Waldrand den Rücken zu und trabte ohne ein Ziel über den Rudelplatz. Sie sah ihren Sohn bei Chardím, wäre gerne zu ihm gegangen und wagte es doch nicht. Er unterhielt sich mit seinem Patensohn, seine Mutter war nicht von Nöten. Wie die meiste Zeit. Auch Rakshee entdeckte sie; ihre Tochter stand bei Atalya und Liam am Waldrand. Auch sie war beschäftigt. Shani lief weiter, hätte gerne mit jemandem geredet und wusste doch nicht, zu wem sie gehen sollte. Es gab so viele Gesichter, die sie kaum kannte, das Rudel, zu dem sie sich nicht zugehörig gefühlt hatte, war noch fremder geworden. Wie hatten es Jakash und Rakshee geschafft, so mühelos zu dieser Gesellschaft zu gehören während ihre Mutter ohne Hiryoga sich stets wie eine Fremde vorgekommen war? Sie schluckte, ließ ihren Blick wieder kreisen und entdeckte dann Liel. Liel! Ihre kleine Ziehtochter. Sie war es, die in letzter Zeit sie ab und an aufgebaut hatte, immerhin war Shani endlich wieder gebraucht worden. Doch auch Liel wurde größer und nun war sie eine fast erwachsene Jungwölfin. Shani war stolz auf sie und doch trauerte sie ein wenig der Zeit nach, in der Liel noch klein und einsam wie sie selbst gewesen war. Sofort schämte sich die Weiße für diesen Gedanken, doch es war die Wahrheit, nur dass Shani sie niemals zugegeben hätte. Automatisch hatten ihre Schritte den Weg zu Liel gewählt und jetzt erkannte sie auch einen weißen Rüden, der bei der Jungwölfin stand. Wer war das? Shani kannte ihn nicht, allzu lange konnte er noch nicht im Rudel sein. Sie zögerte kurz, setzte dann aber ihren Weg fort und war mittlerweile nahe genug um die gerade wenig freundlich gesprochenen Worte des weißen Rüden mitzubekommen. Offensichtlich hatte sich Liel einen Scherz erlaubt, der nicht sehr gut angekommen war. Zudem kannte sie den Rüden selbst nicht, stellte sich gerade erst vor und nun wurde Shani ein wenig besorgt. Einen fremden Rüden zu erschrecken, war einfach nie eine gute Idee, auch wenn der Weiße nicht gerade böse wirkte. Zumindest nicht allgemein, gerade ein bisschen. Sie erreichte die zwei Wölfe, trat etwas langsamer hinzu und schickte ein Lächeln in die Runde.
“Liel, man erschrickt keine Wölfe, die man nicht kennt. Stell dir vor, du würdest an einen missgelaunten Fenriswolf geraten, der dich dann gleich auffrisst.“
Aber sie lächelte ihr zu und in ihren Augen stand die Freude, ihre Ziehtochter zu sehen. Dann wandte sie sich an den fremden Rüden, schenkte auch ihm ein Lächeln und legte leicht den Kopf schräg.
“Entschuldige, dass ich mich einmische, aber Liel ist meine Ziehtochter und ich fürchte, dass ich ein paar wichtige Lektionen vergessen habe. Ich bin Shani Caiyé. Bist du neu hier?“
Sie hatte die Vorstellung von Liel gegenüber dem Rüden noch im Ohr, die Graue hatte nichts von einer Ziehmutter gesagt, aber das war eigentlich nicht weiter erstaunlich. Ihre Eltern waren Kaede und Urion, nicht Shani. So gerne sie es auch immer gewesen wäre.
[ Rudelplatz | Liel und Jarèll ]
31.03.2011, 21:17
Es war einige Zeit vergangen seit sie den letzten Varg gesehen hatte. Es war schon länger her, dass sie mit Ráyon unterwegs gewesen war, ihn gesehen hatte. Wie lange war es her? Acht Tage. Ungefähr. Wie lang war sie jetzt schon alleine? Einen Tag, zwei? Der Schnee lag so furchtbar hoch, dass es Lyerra wirklich anstrengte sich irgendwohin zu bewegen. Es war Kräfte raubend sich immer einen Weg durch den Schnee zu pflügen und es zerrte an ihren Nerven so gut wie blind zu sein, denn für eine Wölfin ihrer Größe war es nicht das Leichteste weit zu sehen. Den größeren Wölfen fiel es vermutlich nicht so schwer, doch für eine doch ziemlich kleine Fähe wie sie es nun mal war, lag der Schnee höher als bloß bis zum Bauch.
Jagen war in diesen Tagen nicht schwer gewesen, die vielen toten Hornträger sprachen für sich, dennoch ging es der Weißen schon einmal besser. Seit über acht Tagen hatte sie Volk Zubami, Kouros und auch Sharíku nicht mehr gesehen. Natürlich, Kouros hatte sie mit zum Rudel begleitet, aber ob er geblieben war..?
Unbewusst bahnte sie sich einen Weg Richtung Sternensee, sah ein paar vereinzelte Wölfe, schnappte Wortfetzen auf, die irgendwo gesprochen wurden. Sanft rieselte der Schnee vom Himmel, sanft landete er auf ihrem Fell oder schmolz aus ihrer Nase. Lyerra fühlte die Kälte der weißen Flocken auf ihrem Pelz, schüttelte sich kurz und kräftig, sodass der Schnee in alle Richtungen flog.
Beinahe war sie am Sternensee angekommen, oder lief sie in die komplett falsche Richtung? Lyerra konnte bloß erahnen wo sie hinmusste, sah nicht viel bei dem ganzen Schnee. Ihr Fell passte sich dem weiß sehr gut an, wenn sie gewollt hätte wäre sie bestimmt nicht so leicht zu sehen gewesen. Sie stieß einen leisen Laut aus, eine Mischung aus Seufzen und Bellen, vermutlich. Es war so entmutigend sich hier durch die Masse an Flocken zu kämpfen, ohne zu wissen wo genau man eigentlich hinlief. Immer weiter, Hauptsache sie blieb nicht stehen. Ohne wirklich zu wissen wie ihr geschah traf sie auf eine Spur von einem anderen Wolf, der Geruch kam ihr bekannt vor. Kouros. ?! Sie blickte sich um, lief nun schneller da ja bereits eine Spur zum laufen da war. Als plötzlich der weiße Rüde vor ihr stand, mit dem Kopf weg von ihr, blieb sie schnell stehen, rannte beinahe in ihn rein. Einige Sekunden bloß blieb sie stehen, schaute sich um, dann ging die Weiße entschlossen in den Schnee, bahnte sich einen Pfad um neben dem bekannten Wolf stehen zu bleiben. Sie blickte ebenfalls auf das Wasser, sah ihr Gesicht auf der gefrorenen Oberfläche neben dem seinen, blickte ihm durch das Eis in die Augen, stieß ihn sachte an ohne dabei den Blick von ihrem Spiegelbild zu nehmen. Spiegelte sie sich überhaupt in dem Eis? Oder war es das Wasser darunter welches ihr Abbild spiegelte?
„Kouros..“
Ein sanftes Lächeln in ihrer Stimme, eine feine Spur von Glück in ihrem Herzen.
„Was hat dich dazu bewogen doch hier zu bleiben und mich nicht zu verlassen?“
Erst jetzt blickte sie auf, schaute in seine Augen.
[Sternensee ll Kouros ]
oO Sorry für den krüppel Post o__o
01.04.2011, 14:33
Der Anblick der ungestümen Jungwölfin hatte Jarrèll Nathaniêl einen schmerzhaften Stich versetzte, beim Gedanken daran, dass es auch sein Welpe hätte sein können, der… Hätte sein können – genau das war der Punkt. Er war es nicht, es hätte alles anders kommen können, aber war es nun einmal nicht. In Jarrèll keimte der Wunsch, endlich zu vergessen, was geschehen war, vor so unzähligen Monden, doch er konnte nicht, er wollte nicht, es wäre falsch weiterzuleben als wäre nichts geschehen, wo es doch seine Schuld war. Die fast schon neckende Antwort der Fähe überraschte des Rüden leicht, hätte er doch angesichts seiner schroffen Reaktion, die ihm im Nachhinein durchaus leid tat, hatte er die Kleine – die nicht einmal so klein war – doch nicht erschrecken wollen, sondern war vielmehr selbst erschrocken, eher eine wütende oder schüchterne Antwort erwartet. Ebenso überrasch war er von ihrer selbstsicheren Vorstellung – ihr Name war im Übrigens Liel- und der direkten Frage nach seiner Person, auch wenn ihre Art dem Rüden durchaus recht war, nahm er doch selbst kein Blatt vor den Mund.
„Sehen können magst du nicht, aber dein Geruchsinn wird dir dennoch nicht vergangen sein“, leicht spöttisch kamen ihm diese Worte über die Lefzen, allerdings nicht mit der Absicht der Fähe einen ernsthaften Vorwurf zu machen oder sie zu verletzen.
„Wo ich herkomme nannte man mich Jarrèll Nathnaiêl und ich nehme an so heiße ich auch heute noch, Sohn des Jordàn und der Lyseá“, Jarrèlls Tonfall hatte von schroff und spottend auf verschlossen, aber doch gutmütig brummelnd umgestellt.
Beim nennen der Namen seiner Eltern wurde seine Zunge bleiern, doch der Jungfähe gegenüber ließ er das nicht durchblicken, schenkte ihr vielmehr einen blitzenden Blick aus dunkelgrünen Augen und hoffte, dass sie den gutgemeinten Spaß durchschaute den er mit ihr trieb.
Als der Silberrüde einen weiteren Wolf herankommen sah wandte er seinen Blick von Liel und der weißen Wölfin entgegen die auf das seltsame Paar zukam. Jarrèll hatte den Kopf gehoben und nickte der Fähe zu, als sie sich zu ihnen gesellte. Ihre ersten Worte richteten sich an Liel die, wie er den folgenden Worten der Älteren entnehmen konnte, ihre Ziehtochter war und somit vermutlich eine Weise. Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte die junge Graue ebenfalls eine Geschichte zu erzählen, in der das Leben nicht immer seine Sonnenseiten offenbart hatte. Den Wortlaut des zweiten Satzes der Weißen ließ Jarrèll Nathaniêl beinahe heiser auflachen, doch er verkniff es sich, es wäre albern und mehr noch, respektlos der Fremden gegenüber, die im nächsten Augenblick ihre Worte an den Rüden richtete.
„Da gibt es nichts zu entschulden, selbst wenn mir nichts fernerläge, als eurer Ziehtochter etwas zu tun, weiß man doch nie woran man ist, sind es Fremde denen man begegnet und Vorsicht ist der Nachsicht in solchen Fällen vorzuziehen“, Jarrèlls Stimme war angenehm klar und seine Worte wohlüberlegt, er erwiderte das Lächeln Shanis kurz.
„In der Tat bin ich noch recht neu hier und hatte bisher noch nicht allzu viel Kontakt mit den Mitgliedern dieses Rudels. Mein Name lautet im Übrigen Jarrèll Nathaniêl“, nachdem der Rüde geendet hatte, ließ er seine grünen Augen noch einen Moment auf der Weißen ruhen, die ihn ihrerseits mit leicht schrägem Kopf anblickte, bevor er wieder zu der kleinen Fähe blickte und sie ebenfalls anlächelte.
[LIST][ Rudelplatz | Liel & Shani Caiyé ][/LIST]
02.04.2011, 01:24
Gefangen in einem schweren Durcheinander aus Gedanken, das sie trotz großer Bemühungen nicht einmal ansatzweise entwirren konnte. Ein System voller Knoten, die sie nicht lösen konnte, während sie immer wieder hin- und hersprang zwischen ihren üblichen Verhaltensweisen und ihrem neu entdeckten Lebensstil, in dem auch etwas Anderes als Hoffnungslosigkeit vorkam. Wut flammte in ihr auf, darüber, dass sie wieder zurückgefallen war in alte Muster, erneut einen Rückschlag erlitten hatte, wo sie sich doch zum ersten Mal seit Langem wieder Ziele gesetzt hatte. Welche, an die sie auch glaubte, für die sie genug Kraft gehabt hatte. Aber da war auch ihre Schwester bei ihr gewesen. Ein bekanntes Gesicht, das ihr half die Einsamkeit zu überwinden und ihr das Gefühl gab wertvoll zu sein. Nur Bruchteile von Sekunden leuchtete ein Funkeln in ihren Augen auf, unterstrich ein dezentes Lächeln. Es verschwand ebenso schnell, wie es erschienen war. Trotzdem, es bewies ihr, dass sie fähig war auch alleine etwas zu erreichen. In diesem kurzen Moment des Glücks schwor sie sich, sich noch heute zu öffnen, für irgendjemanden, der ihr fremd war. Erneut schien der Selbsthass in ihr aufzuwachen, den sie schon lange versucht hatte zu ersticken, indem sie ihn verdrängte. Mittlerweile verbrachte sie schon etwas mehr als ein Jahr in diesem Rudel, und sie hatte sich schon desöfteren mit einigen unterhalten, auch ab und zu ein paar Stichpunkte aufgeschnappt. Allerdings gab es noch so viel, dass sie erfahren wollte, die ganze Geschichte vom Anfang bis zum heutigen Zeitpunkt, und solange ihr dieses Wissen fehlte, wollte sie nach jemandem suchen, der es ihr von einem neutralen Standpunkt aus erklären konnte. Dazu war Jumaana nicht geeignet, ebenso wenig wie Jarrèll. Beide hatte sie in ihr Herz geschlossen, wenn auch auf ganz unterschiedliche Weisen, und es gab wichtigere Themen, wenn sie bei ihnen war, als die Geschehnisse während ihrer Abwesenheit. Die schlimmste Zeit, die sie je erlebt hatte, und leider auch die, die sie am meisten geprägt hatte, wegen der sie jede Nacht schweißgebadet aus Alpträumen aufschreckte. Nur dass sie bereit war diese als eine Spanne zu akzeptieren, die man nun einmal nicht rückgängig machen konnte. Die Fähe wollte den Schmerz darüber überwinden und sich endlich hier einfinden. Irgendwohin gehören. Einen Platz finden. Bisher war sie immer auf sich gestellt gewesen.
Ihre Überlegung schweiften urplötzlich und grundlos zu dem Ereignis, das sie noch immer nicht ganz begriff. Alles war so schnell gegangen, sie erinnerte sich nur noch vage an einen Ruf, wie alle sich versammelt hatten und an den Geruch der Verwesung, der sie beinahe in den Wahnsinn getrieben hätte. Niemand wusste wirklich, was geschehen war, und Verwirrung machte sich breit. Vermutlich wussten die Meisten jetzt über alles Bescheid, nur bis zu ihr waren diese Informationen nicht vorgedrungen. Wie auch, wenn sie alle, die überhaupt schon einmal ihren Namen gehört hatten, in dem Chaos verloren hatte. Eigentlich konnte sie sich nur etwas zusammenreimen, Vermutungen anstellen, die auf dem Entsetzen und dem schockierten Flüstern der anderen basierten. Auch wenn sie es sich nicht gerne eingestand, weil sie nicht eine von denen sein wollte, die Gerüchte verbreiteten und sich eine falsche Meinung von etwas bildete, von dem sie im Prinzip keine Ahnung hatten, musste sie zugeben, dass sie schon einige Vorstellungen beinahe zu Tatsachen umgewandelt hatte. Wie gerne sie auch darüber mit einem Wolf sprechen wollte, zu dem sie eine gewisse Distanz und Kühle behalten konnte. Zumindest vorerst. Es war nicht so, dass sie neuen Freundschaften abgeneigt war. Immerhin war sie unheimlich bedürftig nach Gesellschaft und Schutz. Nicht etwa im Sinne von körperlicher Verteidigung, das konnte sie auch gut selbst, sondern eher ihrem seelischen Zustand, ihrer labilen Persönlichkeit, die weitaus zerbrechlicher war als ihr Äußeres. Jedenfalls dann, wenn man sie näher kannte und sich durch ihre Mauer hindurchgearbeitet hatte, die ihr als Fassade der Stärke diente. Nur wenn man sich ihr Vertrauen hart erkämpft hatte, konnte man wirklich zu ihr durchdringen und ihre Ehrlichkeit erleben. War es so weit gekommen, war sie sehr loyal und war eigentlich die beste Freundin, die man sich vorstellen konnte, solange sie nicht an ihrer Perfektion zerbrach und ihrer Meinung nach viel zu viele Fehler machte.
Majibáh war so vertieft in ihre Überlegungen, dass sie gar nicht bemerkte wie sie in dem begrenzten Raum, über dessen Grenzen man nicht treten durfte, umherstriff, ohne irgendein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Wahrscheinlich wäre ihr das noch sehr lange nicht aufgefallen, hätte sie nicht plötzlich einen starken Stoß gegen ihre Schultern gespürt. Es dauerte ein bisschen, bis sie verstand, woher dieser brennende Schmerz stammte, der einfach nicht abebben wollte. Als sie ihren Kopf hob, stand vor ihr ein relatives junges Tier, sie riet, dass es gerade mal ein Jahr alt war. Dass sie mit dieser Einschätzung vollkommen richtig lag, konnte sie nicht ahnen. Bevor sie irgendwie auf den Zusammenstoß reagieren konnte, betrachtete sie ihn noch etwas intensiver. Sowohl an seiner Statur als auch an seinen Zügen erkannte sie schon bald, dass er männlich war. Obwohl er sowohl klein, was auch an seinem geringen Alter liegen konnte, als auch sehr schlank gebaut war, wirkte er auf sie erwachsener als andere Gleichaltrige. Neben einer gewissen Naivität konnte sie in seinem Blick auch einen Hauch der leider oftmals grausamen Realität erkennen. Ob er sie bewusst in sich trug oder es noch erfahren musste, konnte sie nicht herausfinden. Sonst fiel ihr nur auf, dass sich in sein graues Fell dezent ein brauner Ton mischte. An einigen Stellen, etwa in seinem Gesicht oder an seinen Ohren, fand sich auch eine etwas hellere Farbe. Genauer konnte sie darauf nicht achten, weil sie so abgelenkt von seinem rechten Auge war. Man musste sich nicht damit auskennen, um zu erkennen, dass es erblindet war. Während sein linkes in einem dunklen Blau erstrahlte, das man mit ihren eigenen vergleichen konnte, war das andere ausdruckslos und milchig. Die Weiße bemühte sich, nicht so offensichtlich dorthin zu starren, weil sie sich genau vorstellen konnte, wie unerträglich es war darauf angesprochen zu werden, und wenn es stumm war. Stattdessen stammelte sie etwas hervor, das in der auf sie unendlich wirkenden Dauer des Schweigens schon lange hätte ausgesprochen müssen:
„Tu-ut mi-r Lei-id.“
Schnell fasste sie sich wieder und brachte ihre Stimme unter Kontrolle, die eben noch vollkommen zittrig und leise gewesen war, so, dass man sie beinahe nicht verstanden hätte. Zuerst hatte sie so schnell wie möglich die Flucht ergreifen wollen, bis sie sich in Erinnerung rief, was sie sich kurz zuvor selbst versprochen hatte. Diese Gelegenheit war einmalig, und sie war ziemlich dankbar dafür, da sie glaubte, dass sie sich nicht überwunden hätte, wenn sie jetzt nicht in den Rüden hineingelaufen wäre. Kurz zwinkerte sie ihm zu, um ihm zu beweisen, dass diese Entschuldigung absolut ernst gemeint war, nicht etwa, um ihn zu verspotten. Irgendwie kam es ihr so vor, da sie nun einmal auch die Ältere war und viele einem das deutlich zeigten, wenn man sich ihnen unterwerfen sollte. Eigentlich schwachsinnig, wo sie das nicht einmal begründen konnte, aber es war eben ihre Eingebung, und auf diese verließ sie sich oft. Es blieb ihr auch meistens nichts anderes übrig. Rasch hatte sie die passenden Worte dafür gefunden, um das Gespräch – falls eines entstehen sollte – in die richtige Richtung zu lenken, in eine, in der ihre Fragen beantwortet werden würden. Damit er ihre Absichten besser einordnen konnte, trat sie einen Schritt zurück und nahm eine entspannte Haltung ein, wobei sie noch etwas zu ihrem vorherigen Stottern hinzufügte:
„Es war keine Absicht, ich war nur so abgelenkt. Ich habe nicht viel davon mitbekommen, was passiert ist, und habe mir den Kopf darüber zerbrochen.“
[über den Rudelplatz wandernd – zuerst allein, dann bei Cirádan]
02.04.2011, 12:37
Während Cirádan so durch den Schnee watete und über dem Rudelplatz schlenderte, ganz vertieft in seine Gedanken, achtete er gar nicht mehr richtig auf die Umgebung. Zumindest war er mit seinen Gedanken nicht ganz da, so dass er die weiße Wölfin auch erst wirklich merkte, nachdem sie in ihn rein gelaufen war. Oder sie in ihn?
„TutmirLeid..“, murmelte der Jungwolf reflexartig. Immerhin war es eigentlich fast immer seine Schuld, wenn er in jemanden hinein lief. Oder wenn es nicht seine Schuld war, wurde es erwartet – so hatte der Jungwolf es zumindest im Gefühl – dass er sich dafür trotzdem entschuldige.
Doch auch die Wölfin entschuldigte sich.
Cirádan wusste nicht, wer genau sie war. Er erinnerte sich, die Wölfin schon mal im Rudel gesehen zu haben, also war sie nicht wirklich neu. Doch wie so oft, wusste der Jungwolf einfach nicht nicht, wo er sie zuordnen sollte.
Sie war größer als er, was nichts ungewöhnliches war. Doch das war nicht der Grund, warum sich Cirádan schnell von ihr wegdrehte und den Kopf senkte. Er hatte das Gefühl gehabt, dass sie auf sein blindes Auge gestarrt hatte und das war ihm irgendwie peinlich. Immer starrten sie darauf, als ob es... als ob es... ja, was eigentlich? Der Jungwolf wusste es nicht. Doch er wusste, wäre er ganz blind, so wie seine Mutter gewesen, so würde er es nicht einmal merken, wenn man ihn deswegen anstarrte und hätte vielleicht auch weniger Bedenken diesbezüglich. Doch darüber wollte er sich keine Gedanken machen. Er mochte es, dass er noch sehen konnte. Es war gut so.
Immer noch hatte er den Kopf gesenkt und war etwas in sich zusammen gefallen. Wartete darauf, dass die Wölfin entweder wütend wurde oder einfach davon ging.
Doch nichts von beidem geschah. Stattdessen entfernte sie sich zwar ein Stück von Cirádan, dennoch blieb sie in seiner Nähe.
Als sie anfing zu sprechen, diesmal ohne zu stottern, hob der Graue endlich den Blick und sah sie überrascht an.
Sie schien nicht böse zu sein und sie gestand, dass sie abgelenkt gewesen war. Wovon?
„Ich auch. Also ich war abgelenkt und in Gedanken und so.“, meinte er leise und sah wieder auf den Boden, jedoch behielt er aus den Augenwinkeln die Fähe im Auge.
„Hast du über den Varg nachgedacht?“, wollte er wissen und scharrte mit der Pfote im Schnee. Eigentlich war es logisch. Wer dachte nicht über den Varg nach?
[ irgendwo auf dem Rudelplatz | bei Majibáh]
02.04.2011, 16:32
Den Schmerz spürte sie schon nicht mehr, stattdessen bemerkte sie wieder verstärkt die Kälte, die sich in der Umgebung ausgebreitet hatte. Den Grund dafür verstand sie nicht, und sie bezweifelte, dass sonst irgendjemand ihr diese für die Jahreszeit absolut abnormalen Temperaturen erklären könnte. Zuerst waren nur einige Wolken aufgezogen, was man noch keineswegs als ungewöhnlich bezeichnen könnte, aber als sie sich in den letzten Tagen immer weiter verdunkelt hatten, hatte sie sich schon ein wenig gewundert. Trotzdem, sie hatte erst richtig angefangen darüber nachzudenken, als die ersten Flocken auf sie niederrieselten, und auch wenn sie meistens schmolzen, sobald sie auf ihren warmen Körper trafen, fielen mit der Zeit immer mehr, sodass selbst die kleinsten grauen Farbtupfer in ihrem Fell von einem strahlenden Weiß bedeckt wurden. Zu jedem anderen Zeitpunkt wünschte sie sich den Winter herbei, weil sie die Hitze nicht ertrug und auch die Dunkelheit vorzog. Außerdem liebte sie diese friedliche, melancholische Stimmung, die die Stille mit sich trug. Doch sie war in den letzten Tagen ohnehin erschöpft gewesen, konnte sich kaum mehr auf ihren Beinen halten und auch seelisch ging es ihr nicht besonders gut. Dass sie nun auch noch im tiefen Schnee versank und in der Nacht frieren musste, verstärkte ihre Erschöpfung nur noch mehr.
Majibáh beobachtete genau das Verhalten ihres Gegenübers, um seine Reaktion besser einschätzen zu können. Vielleicht reagierte er wütend, weil sie so unaufmerksam gewesen war, oder aber er gab sich selbst die Schuld. Im ersten Moment konnte sie nur erkennen, wie sich Enttäuschung über sein Gesicht zog, und sie konnte erahnen, dass es an ihrem offensichtlichen Blick gelegen hatte. Schon jetzt empfand sie einige Bewunderung gegenüber dem Grauen, sie selbst könnte bestimmt nicht so gut mit einer Erblindung umgehen. Trotzdem verstand sie, wenn es verletzte, dass die Anderen vor einem erschraken. Es waren nicht immer die Worte oder die Taten, die einen so demütigten, manchmal waren es auch die unausgesprochenen Beleidigungen. Wenig später schon wandte er sich von ihr ab und sie spürte einen Stich in ihrem Herzen. Genau das hatte sie vermeiden wollen, und das schlechte Gewissen meldete sich in ihr. Erneut wollte sie zu einer Entschuldigung ansetzen, doch er unterbrach sie bereits mit seinen Worten. Erleichterung durchströmte ihren Körper, als seine Stimme erklang. Während sie sich schon vorgestellt hatte, dass er aggressiv und ungehalten antwortete, verhielt er sich genauso, wie sie es eigentlich eingeschätzt hatte. Der Rüde schien sensibel zu sein und einem Gespräch auch nicht abgeneigt, und wenn er sprach, strahlte er eine gewisse Schutzbedürftigkeit aus. Ein leises Lächeln deutete sich auf ihrem Antlitz an, und sie bemühte sich es nicht verschwinden zu lassen. Was nicht bedeutete, dass es keinen ehrlichen Hintergrund hatte, sie war nur wegen der Umstände nicht fähig ihre Freude über den Verlauf des Zusammentreffens offen zu zeigen. Jedenfalls hatte sie vor, genau daran zu arbeiten.
„Ja, ich habe nicht verstanden, was vor sich gegangen ist. Ich kenne in dem Rudel eigentlich nur meine Schwester, und ich weiß nicht, wo sie sich gerade aufhält, daher hat mir es niemand erklären können. Wenn es denn überhaupt jemand wissen sollte.“
Ein leises Seufzen entglitt ihr, während sie wieder einen Schritt auf ihn zukam. Mittlerweile wusste er ja bestimmt, dass sie keine Gefahr für ihn darstellte und auch keinerlei böse Absichten hatte. Außerdem machte sie garantiert keinen bedrohlichen Eindruck, da sie von Schwäche und Müdigkeit gezeichnet war. Sollte es ihm trotzdem irgendwie unangenehm sein, wäre sie auch bereit wieder etwas Abstand von ihm zu nehmen, es war nur etwas schmerzhaft wegen der Distanz so laut sprechen zu müssen.
„Worüber hast Du nachgedacht?“ Einige Sekunden gab sie sich Zeit, ehe sie weitersprach. „... Wenn ich Dich das fragen darf“,
fügte sie noch aus reiner Höflichkeit hinzu, wobei sie darauf achtete, diese hervorstechende, milchige Farbe weder zu sehr anzustarren noch vollkommen zu übergehen. Ihre dunkelblauen Augen musterten ihn dennoch, überwiegend seinen Körperbau, ein Versuch, ihn besser einschätzen zu können, während sie darauf wartete, dass er etwas erwiderte. Aus irgendeinem Grund freute sie sich unheimlich darauf. Vermutlich weil die Möglichkeit bestand, dann mehr über das Rudel herauszufinden, das Rudel und seine Geschichte, die sich einerseits schon vor ihrer Geburt und andererseits während den Jahren der Unzugehörigkeit ereignet hatte. Oder weil sie eine gewisse Sympathie nicht leugnen konnte. Er hatte, obwohl er schon beinahe ausgewachsen war, die reine Seele eines Neugeborenen, die voller Unverständnis war gegenüber den Grausamkeiten des Alltags. Verständlicherweise.
[auf dem Rudelplatz - bei Cirádan]
03.04.2011, 12:36
Cirádan machte sich keine Gedanken über das Wetter. Wie konnte er auch, hatte er doch noch keinen normalen Jahreszeiteinablauf erlebt. Zuerst kam das Nichts und nun der frühe Winter. Das dieser Winter nicht sein durfte um diese Zeit, merkte er nur daran, wie sich die anderen Rudermitglieder verhielten.
Die Wölfin lächelte, so dass auch Cirádan instinktiv das Lächeln erwiderte. Er war froh darüber, dass sie anscheinend nicht böse auf ihn war. Was für ein Glück.
Während sie redete, machte sich der Jungwolf Gedanken über die Wölfin, doch kam zu keinem Punkt. Sie schien nett zu sein. Und nicht so präsent wie andere Wölfinnen.
Er fragte sich, wie sie hieß. Und wer ihre Schwester war, die ja anscheinend auch im Rudel lebte. Doch er wollte nicht unhöflich sein und wartete erst mal ab.
Wer wusste schon, ob sie nicht vielleicht doch wütend reagierte, wenn er sie unterbrach um wissen zu wollen, wer sie war.
„Ich denke... so richtig verstehe ich es auch nicht. Es ist alles so verwirrend und kompliziert und ich glaube auch, dass niemand es wirklich so richtig versteht was vor sich geht.“
Cirádan legte den Kopf schief und lies sein Blick über das verstreute Rudel schweifen. Nein, er glaubte wirklich nicht, dass jemand ganz genau wusste, was hier vor sich ging. Sonst hätten sie doch wohl schon längst was dagegen unternehmen. Doch stattdessen saßen sie alle hier untätig rum und froren.
Als die Wölfin ein Stück näher zu ihm rückte, schien der Jungwolf im gleichen Stück kleiner zu werden. Unsicher duckte er sich und wich einen halben Schritt zurück, bis er merkte, dass die Wölfin wohl nichts … böses plante.
Sie war müde, so wie viel zu viele andere Wölfe hier.
Also stoppte er seinen Rückzug, so dass sie auf einer für Cirádan angenehmen Distanz zurück blieben, aber dennoch nicht zu laut sprechen mussten.
Nachdenklich schnippte er mit dem Ohr. „Natürlich darfst du mich fragen...“, erwiderte er. Er sah die Wölfin dabei nicht direkt an, sondern versuchte ihrem Blick auszuweichen. Aber dennoch blieb er dabei freundlich und ein leichtes Lächeln umspielte immer noch seine Lefzen.
Er freute sich einen Gesprächspartner zu haben, das lenkte zumindest ein wenig von den eigenen Gedanken und der Kälte ab.
„Ich habe über den Varg nachgedacht. Oder besser über den Wolf, der dazu geworden war. Meinst du... das Varge traurige oder wütende Wölfe sind?“
Kaum dass er aussprach, bereute Cirádan es auch schon. Das klang ja nahezu lächerlich, was er da sagte. Mit gesenktem Kopf und hängenden Ohren scharrte er wieder mit einer Pfote im Schnee.
[ irgendwo auf dem Rudelplatz | bei Majibáh]
03.04.2011, 19:22
((Ich gehe davon aus, dass das Gespräch zwischen Tyraleen und Tiberius aus den Nebenplays bereits stattgefunden hat (wenn auch mit einem etwas anderen Anfang)?))
Caylee trabte müde über den Rudelplatz, ließ ihren Blick hin und her pendeln und war sich dabei selbst nicht so sicher, wen sie eigentlich suchte. Neruí vielleicht. Oder Chanuka. Chardím? Turién? Oder doch Tiberius? Letzteren aus einem ganz anderen Grund, als ihre Geschwister, der aber nicht minder gut war. Immerhin wollte sie sowohl von dem Rüden, als auch von ihren zahlreichen Mitjungwölfen Zusammenhalt, Freundschaft und Gemeinschaft. Sie betrieb ihre Suche jedoch nicht sehr motiviert, dafür fühlte sie sich viel zu schlapp und der Rudelplatz war so groß, dass es noch eine ganze Zeit lang dauern könnte. Dazu schwieg der Wind und der Schnee schluckte sowieso jede Information, die er in der Luft finden konnte. Der Schnee … er war verdammt viel geworden. Caylee war sich mittlerweile nicht mehr so sicher, ob sie ihn mögen sollte – anfangs waren die Flocken wunderschön und hatten die Welt verträumter aussehen lassen. Doch jetzt hatte er Berge gebaut, in denen man versank und war an vielen Stellen hart wie Stein. Eis hieß das beinahe durchsichtige Steingebilde, das mit dem Schnee gekommen war. Wie auch die weißen Flocken, war es aus irgendeinem Grund Wasser und dennoch das komplette Gegenteil. Zudem so glatt, dass man ausrutschte, wenn man nicht aufpasste und am Ufer des Sees konnte es tückisch dünn sein. Viele neue Erfahrungen, die Caylee weitaus enthusiastischer und aktiver gemacht hätte, wäre dies Müdigkeit seit dem Beginn des Winters im Sommer nicht immer und immer stärker geworden. So trottete sie nun über den Rudelplatz, wollte doch noch weitere Mitstreiter für ihre Mission finden und war doch nicht stark genug, um wirklich zu suchen.
Jemand rief ihren Namen. Sie blieb stehen, sah auf und entdeckte Tiberius, der auf sie zusteuerte. Ein leichtes Lächeln erschien auf ihren Lefzen. Der Gestromte wirkte bester Laune, blieb vor ihr stehen und schaffte es gleichzeitig beschwingt fröhlich und dennoch besorgt auszusehen. Sie war sich nicht sicher, ob sie es gut finden sollte, dass er ihre Schwäche bemerkt hatte.
“Ich weiß nicht. Das ist schon seit dem Kälteeinbruch so. Dabei macht mir das sonst nicht so viel aus.“
Um genau zu sein hatte sie erst einen Winter erlebt und der war so ungewöhnlich mild verlaufen, dass sie wirkliche Kälte bis zu diesem Sommer nicht gekannt hatte. Ihr Blick folgte Tiberius, der nun noch einen Schritt auf sie zutrat und ihr ein paar verlockende Angebote zuraunte. Zumindest wären sie normalerweise verlockend gewesen und Caylee hätte niemals zugegeben, dass sie nun nicht verlockend waren, aber sie fühlte sich ganz und gar nicht in der Verfassung einen Varg zu jagen und um genau zu sein hatte sie auch etwas um einiges besseres zu tun. Sie erwägte, ihren Plan Tiberius mitzuteilen – früher oder später würde er ihn sowieso erfahren – doch plötzlich klang er in ihren Ohren kindisch, wie ein naives Welpenspiel. Würde der Gestromte sie möglicherweise sogar dafür auslachen? Er kam ihr wieder näher, seine Pfote legte sich auf ihre, sein mittlerweile ernster Blick verschränkte sich so mit ihrem. Langsam zog sie ihre Pfote zurück und schüttelte den Kopf.
“Nein, nein, nein, nein und nein.“, beantwortete sie zunächst seine Fragen. “Ich muss mit meinem Geschwistern reden. Weißt du …“
Ein wenig überfordert suchte sie nach den richtigen Worten. Hatte Tiberius schon mitbekommen, was hier vorgefallen war? Dass ihre Eltern sich getrennt hatten? Dass alles falsch lief?
“Hier läuft einiges schief. Wölfe, die sich eigentlich lieben, hassen sich plötzlich. Deshalb müssen meine Geschwister und ich zusammenhalten und den Göttern und meiner Familie zeigen, dass wir uns lieben.“
[ Rudelplatz | Tiberius ]
04.04.2011, 15:59
Der spöttische Tonfall in seiner Antwort war der jungen Wölfin nicht entgangen. Es erschien ihr besser, darauf nicht weiter einzugehen. Schließlich hatte der Rüde recht. Natürlich hatte sie ihn gewittert und natürlich war ihr bewusst gewesen, dass sie den Geruch nicht zuordnen konnte und hatte somit gewusst, dass sie den Rüden nicht kennen würde. An weitere Konsequenzen hatte sie jedoch nicht gedacht. Nun musste sie sich eingestehen, dass es wirklich nicht sonderlich clever war, einen fremden Wolf als Opfer zu erwählen.
Auch Shani, die zu ihnen gekommen war, sprach diesen Punkt an. Sie hatten ja beide Recht und Liel verstand auch vollkommen, dass sie falsch gehandelt hatte, aber deshalb musste sie den beiden ja trotzdem nicht zustimmen. Einfach zu schweigen erschien ihr als eine gute Lösung.
Vor allem, weil der Rüde sich gerade vorstellte und Shani auch noch einige Fragen an den Rüden hatte.
Liel wurde erst jetzt bewusst, dass sie, seitdem Shani zu ihnen gestoßen war, wie verrückt mit der Rute gewedelt hatte, nun machte sie einen Satz nach vorne und schmiss sich quasi in den Pelz der weißen Fähe.
„Hallo Mama Shani. Schön, dass du uns beide hier gefunden hast…!“
Sie blickte den Rüden an, sein Tonfall war freundlicher geworden, aber auch verbissener, als er von seinen Eltern gesprochen hatte. Was war ihm wohl widerfahren?
„Schön, Jarrèll, dass du mir nicht böse bist. Mama Shani kann nichts dafür, ich bin einfach ein wenig zu übermütig. Sie ist mir eine gute Mutter!“
Damit lächelte sie dem Rüden zu, ehe sie sich ein wenig von Shani löste, um auch ihr ein strahlendes Lächeln zu schenken.
Komisch, dass der Rüde noch neuer war, hatte sie sich auch gedacht, allerdings hatte er doch eindeutig schon den Geruch des Rudels anhaften, wenn er also sagte, dass er keinen Kontakt zu anderen Mitgliedern hatte, saß er dann immer alleine am Rand herum?
„Warum lernst du denn dann niemanden kennen? Oder möchtest du niemanden kennen lernen?“
Die letztere Alternative konnte sie sich nicht vorstellen. Das wäre ja viiiiiel zu langweilig. Die Vorstellung, dass sie tagein, tagaus nichts machen würde und niemanden zum reden und spielen hatte, ängstigte sie fast schon. Sie schüttelte sich kurz. Wie gut, dass sie so viele Liebste hatte.
Dabei fiel ihr ein, dass sie Chanuka schon lange nicht mehr gesehen hatte. Und ihre Brüder. Vielleicht wusste Shani ja einiges zu berichten. Aber nun war das Gespräch mit Jarrèll vorrangig, sie war schließlich keine unhöfliche Fähe und wollte das auch niemals werden. Nur vielleicht etwas vorlaut.
[Jarrèll und Shani - Rudelplatz]
05.04.2011, 15:11
Tatsächlich war Caylee müder als erwartet. Ihre ganze überschüssige Energie war ausgesaugt und hatte sich durch eine komplette Erschöpfung ersetzen lassen. Tiberius gefiel das nicht. Es stimmte ihn nachdenklich. Und sie entzog sich ihm, löste die kurze Verbindung ihrer Pfoten und beantwortete all seine Fragen mit einem klaren 'nein'. Der Gestromte hätte seinen pelzigen Hintern darauf verwettet, dass sie seinen Denkanstoß als Entfachung für neue Abenteuer benutzen würde. Fehlanzeige. Sie wirkte ernst und suchte nach klaren Worten. Und als die Erklärung kam, schüttelte Tiberius aus einem Reflex heraus den Kopf. Gedanken da, wo es keine brauchte. Aber er fürchtete, dass er mal wieder gewaltig daneben lag. Er wusste um die Geschichte ihrer Eltern und stieg langsam durch das Netz der Familienverästelungen. Tyraleen hatte ihren Sohn getötet und war trotz alle dem Leitwolf geworden, Averic, der Bruder, war auch ihr Gefährte gewesen. Trennung erfolgte nach dem Mord. Natürlich konnte ein Außenstehender die Gefühle nur erraten, aber man konnte auch die Konstellation auch aus der Luftperspektive betrachten.
“Verstehe mich bitte nicht falsch, aber das ist der Lauf der Dinge. Alles verändert sich, auch die Liebe zwischen zwei Wölfen“,
begann er seine Bedenken auszusprechen, ließ sie dennoch von seiner Anteilnahme wissen.
“Und Tyraleen tat etwas, das Dein Vater nicht nachvollziehen konnte. Manchmal reichen solche Dinge um den Hass zu entfachen und die Zuneigung verschwinden zu lassen“,
das leichte Lächeln wurde milder, besänftigend. Tiberius wollte niemandem vor den Kopf stoßen, ihr am aller wenigsten. Deshalb würde er sein Versprechen einhalten. Zudem war seine Position ja sehr praktisch. Sollte es Probleme geben und Caylee in ein Familiendrama rutschen, so konnte er seinen Sündenbockstatus komplett ausschöpfen. Egal, ob es seinen Rausschmiss bedeuten würde. Er empfand nach so langer Zeit endlich etwas und das würde niemand anrühren, geschweige denn zerstören.
“Aber ich verstehe Dich und kann Deine Absichten gut nachvollziehen. Ich werde Dich begleiten und für die Umsetzung Deines Plans alle Mittel und Wege in Betracht ziehen“,
das Lächeln wurde zu einem Grinsen. Ein schnelles Zwinkern huschte über sein rechtes Auge, dann erhob er sich auch schon zur vollen Größe und spähte über den Rudelplatz. Einzelne Wolfsgrüppchen hatten sich gebildet. Insgesamt war das Rudel sehr geschwächt. Eher träge.
“Sag´ mal“,
begann er flüchtig, während er mit den Kopf in Richtung Westen nickte, wo sich Atalya und einige andere Wölfe aufhielten,
“Du glaubst an... diese Götter?“,
nichts Abwertendes oder Negatives in seiner Stimme.
[ Rudelplatz | Caylee ]
06.04.2011, 15:08
Die Fähe lauschte seinen Worten geduldig, immer, wenn er zu Ende gesprochen hatte, wartete sie noch einige Sekunden um sicherzugehen, dass sie ihn nicht unterbrach. In ihrem Gesicht fand sich dabei stets ein freundliches Lächeln, sie wollte ihn nicht verunsichern. Ja, eigentlich spielte sie ihre Fröhlichkeit nicht gerne, da sie sich vorgenommen hatte, niemals zu lügen oder eine Stimmung aufzusetzen, die gar nicht vorhanden war. Trotzdem, sie hatte das Gefühl, ihm ihre wahren Gefühle noch nicht offenbaren zu können, es hätte ihn viel zu sehr darüber erschreckt, welche Finsternis von ihr Besitz ergriffen hatte. Die Weiße hatte Gefallen daran gefunden, dass er noch im Licht stand, und sie wollte ihn mit aller Kraft wieder hineindrängen, falls er mal die andere Seite kennenlernen sollte. Nicht etwa, weil er ihr besonders sympathisch war, sondern weil sie zu ihm irgendeine Verbundenheit spürte, die sie sich nicht erklären konnte, ähnlich wie die einer Verwandtschaft oder von Freunden. Woher diese kam, konnte sie sich nicht erklären, doch sie spürte, dass er es ihr irgendwann noch verraten würde. Unbewusst. Wäre er darüber im Klaren, hätte er es ihr vermutlich schon längst mitgeteilt. Egal aus welchem Grund er es nicht hätte tun sollen, darüber dachte er nicht nach. Eigentlich war es schwachsinnig, sich schon so sicher über den Charakter eines Anderen zu sein, dass man urteilen konnte, wie er sich in bestimmten Situationen verhielt, aber sie war aus irgendeinem Grund absolut überzeugt von ihren Theorien.
Ihre blauen Augen huschten umher, und rissen sie wieder aus ihren Gedanken hinaus. Schnell bemühte sie sich darum, sich wieder auf die Frage zu konzentrieren, die er gestellt hatte. Beinahe hätte sie aufgelacht, sie konnte sich allerdings im letzten Moment noch zurückhalten, da sie nicht wollte, dass er dachte, sie mache sich über ihn lustig. Stattdessen antworte sie ihm ruhig und höflich, wobei sie selbst etwas den Eindruck hatte, als hätte sie es auswendig gelernt und trug es nun mechanisch und gefühlslos vor. Es blieb ihr nichts anderes übrig als zu hoffen, dass er es nicht bemerkte.
„Ich weiß es nicht, ich wünschte, ich wüsste es, könnte das alles verstehen. Irgendwie habe ich Angst, auch wenn ich es nicht gerne zugebe. Es beunruhigt mich, dass wir uns nicht entfernen dürfen. Irgendeine Gefahr lauert über uns, das beweist auch die zur Jahreszeit unpassende Kälte. Jemand bedroht uns, und ich glaube, keiner weiß wer und weshalb...“
Schon wenige Sekunden, nachdem sie diese Worte ausgesprochen hatte, bereute sie es schon wieder. Natürlich, sie hielt ihn für durchaus erwachsen, aber in ihm steckte noch etwas von der kindischen Naivität, die sie schon vor Jahren hatte ablegen müssen. Der Gedanke, dass er nun nicht mehr ohne Furcht leben konnte, nur weil sie nicht hatte schweigen können, ließ eine ohnmächtige Wut über sie kommen, und sie wünschte, sie könnte die Zeit zurückdrehen, alles vergessen machen. Das wäre nicht nur für diese Situation ungemein nützlich, sondern auch im allgemeinen Leben. Aber sie wusste, dass es sinnlos war sich das vorzustellen. Es war nun einmal nicht so, und damit musste sie wohl oder übel leben, da es keinen Sinn hatte, seiner Vergangenheit hinterherzutrauen. Stattdessen musste man die Gegenwart erleben und so angenehm gestalten wie es ging. Zum größten Teil machte man sich selbst unglücklich, und es lag an nichts anderem, nicht an den ganzen Ausreden, die man benutzte, um seine Trauer und das Selbstmitleid zu rechtfertigen. Ein beinahe stummes Seufzen, gerade laut genug, dass man es hörte, wenn man es bereits erwartet hatte, und sie beschloss noch etwas nachzusetzen. Einfach das Thema wechseln. Hätte sie jetzt noch einmal darüber gesprochen, hätte es sich erst Recht in seine Gedanken eingebrannt, das war ihr bewusst.
„Oh nein, ich bin vollkommen unhöflich, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Majibáh, ich lebe nun etwas über ein Jahr hier. Frag mich ruhig, wenn du etwas über mich wissen willst“,
meinte sie und bemühte sich darum, absolut lebhaft und echt zu sprechen. Bis heute hatte sie so viel geschwiegen und so wenige Gelegenheiten gehabt, etwas über sich zu erzählen, dass sie nicht mehr abgeneigt war das zu tun, vor allem nicht nach dem Versprechen an sich selbst, nicht mehr so verschlossen zu sein und auf andere zuzugehen. Ihre größte Angst, nämlich während einer Unterhaltung kein Gesprächsthema zu finden, war zumindest für eine Weile abgesunken und so sollte es auch bleiben. Das konnte es allerdings nur, wenn sie wirklich antwortete und auch Raum für Antworten gab – und das tat sie. Voller Stolz gab sie sich wieder den naiven Vorstellung hin, dass alles mit einem Schlag perfekt werden konnte, und das genau das eben geschehen war. Nein, irgendwann würde sie aufwachen und bemerken, dass es nur eine Illusion gewesen war, doch möglicherweise verstand sie dann auch, dass es realistisch war, wenn man sich genug Zeit dazu gab.
Ihr neugieriger Blick verriet schon, dass sie auch gerne etwas über ihn erfahren wollte. Dennoch sprach sie es nicht aus, wahrscheinlich weil sie nicht aufdringlich wirken wollte. Ihre Gier nach einer Stimme, die sie von ihrer Einsamkeit ablenkte und die Stille wenigstens für eine kurze Zeit vertrieb, wuchs ständig weiter, so lange, bis sie fast glaubte zu platzen, auseinanderzufallen, selbst aufzuschreien. Alles, damit sie sich selbst davon überzeugen konnte, dass ihr Glück über die Gesellschaft nicht gleich wieder wie eine Seifenblase zerplatzte, die einerseits von einer unvorstellbaren Schönheit war, andererseits unheimlich labil und verletzlich, und wenn sie auseinanderbrach, blieb nichts mehr von ihr übrig. Nein, das durfte nicht passieren, sie musste dagegen ankämpfen und sich daran erinnern, dass der junge Rüde vor ihr bestimmt noch ein bisschen bei ihr blieb. Immerhin schien es nicht so, als hätte er noch irgendetwas Besonderes vor, im Gegenteil.
[auf dem Rudelplatz – bei Cirádan]
07.04.2011, 12:31
Es tat Shani gut, Liels fröhlichen Geist neben sich zu haben, nicht zuletzt, weil sie sich einreden konnte, dass die Jungwölfin auch ein Stück weit wegen ihr, Shani, nun so glücklich war. Immerhin hatte sie einen Mutterersatz bekommen, wie es war, ein Waise zu sein, wusste Shani nur zu gut. Auch sie hatte damals jemanden gefunden, der sie von dieser schrecklichen Tatsache abgelenkt hatte – Hiryoga war zwar alles andere als mütterlich gewesen, aber er hatte ihr das Trostlose ihrer Welt genommen. Wehmut wollte aufkommen, doch Shani wies sie entschieden zurück, nun war sie bei einem fremden Rüden und Liel, die wie verrückt mit der Rute wedelte, sich so sehr freuend, sie zu sehen. Es wärmte. Im nächsten Moment hatte sie schon die graue Jungwölfin an sich kleben und erwiderte liebevoll, wenn auch weitaus weniger ungestüm, die Begrüßung Liels.
“Ich freue mich auch, dich so ausgelassen zu sehen.“
Knabbernd wanderte ihr Fang über Liels Wange zu ihrem Ohr und zog zärtlich daran, wie sie es so oft als Jungwölfin getan hatte. Eine spielerisch liebevolle Geste, die kaum noch zu der erwachsenen Shani passen wollte und doch zu ihr gehörte wie ihre tannengrünen Augen. Diese legten sich bei Liels Worten zunächst auf den weißen Rüden, der zum Glück ein freundliches Opfer war und huschten dann wieder zu ihrer Ziehtochter, die verkündete, in Shani eine gute Mutter gefunden zu haben. Ob sie ahnte, wie gut ihr diese Worte taten? Vermutlich nicht und es war gut und wichtig, dass sie es nicht wusste, dennoch war es wunderbar, diese Bestätigung zu hören. Erneut knabberte Shani am Ohr der Grauen, jetzt mit einem strahlenden Lächeln auf den Lefzen und besann sich dann der Unterhaltung mit dem Rüden. Sie nickte auf seine kurze Bestätigung ihrer Worte, auch wenn sich wohl alle drei Anwesenden einig waren, dass dieses Thema nun abgeschlossen werden konnte. Liel hatte ihre Lektion gelernt und abgesehen davon lebten sie in einem Rudel, in dem kein Wolf dem anderen ernsthaft etwas zu leide tun würde. Die Gedanken an Tyraleen schob sie entschieden fort. Ein Einzelfall, ein Unglück, ein Fehler. Viel lieber prägte sie sich den ein wenig komplizierten Namen des Rüden ein und wollte zu einer Antwort ansetzen, als Liel ihr zuvorkam. Sie stellte eine durchaus berechtigte Frage, wobei sich Shani schon denken konnte, was einem Kennenlernen im Wege stehen könnte.
“Schön, dich kennenzulernen, Jarrèll Nathaniêl.“, merkte sie zunächst mit einem Lächeln an und fuhr dann auf Liel eingehend fort. “Sicher war es in letzter Zeit nicht so einfach, das Rudel und seine Wölfe kennenzulernen. Immerhin gab es viel Chaos und dieser Wintereinbruch hat die meisten auch weitaus mehr beschäftigt, als sich mit neuen Wölfen bekannt zu machen.“
Noch immer lächelte sie leicht, wie um ihren Worten die Dramatik und Sorge zu nehmen. Nach einer kurzen Pause fuhr sie dann aber doch mit dem Thema fort.
“Seit wann bist du denn hier? Hast du das ganze Drama mitbekommen?“
Vielleicht tat es gut, einmal darüber zu reden, gerade mit Liel. Sicher war es für die Jungwölfin nicht so einfach, zu verarbeiten und möglicherweise hatte sie Fragen, die sie sich noch nicht getraut hatte zu stellen.
[ Rudelplatz | Jarèll und Liel ]
07.04.2011, 17:42
Zögernd besah der helle Rüde sich den eingerollten, dunklen Leib ganz in seiner Nähe. Die Ohren flach angelegt zog er skeptisch die Lefzen hoch. Es war noch immer kein Wort über den Vorfall vor einigen Tagen über sie gewichen: zum Einen scheute er sich vor der Antwort, der wahren Antwort, zum Anderen vor der aufbrausenden Reaktion des Dunklen. Darauf konnte er – auch wenn er sich schon längst an dessen Art gewöhnt hatte – verzichten. Daher ging er ihm lieber aus dem Weg, weit auf Abstand, um sich selbst von jeder Möglichkeit zum Gespräch fern zu halten. Klang ganz einfach, war es aber leider kaum. Ob nun aus Neugierde oder Sorge blieb ihm selbst ungewiss – doch welcher Antrieb wäre ehrvoller gewesen als die Angst um einen Freund…? Und dieser Gedanke munterte ihn selbst ein Stück weiter auf, ließ sogar den eisigen Schnee unter seinen Tatzen ein klein wenig wärmer erscheinen.
Leise vor sich her grummelnd, zwar waren ihm die normalen Jahreszeiten nicht bekannt, doch wusste er von den Erzählungen der Anderen, dass diese Kälte unnormal sei, stapfte Nihilus durch die Schneeschicht, am Rande des Rudelplatzes vorbei. Hier glaubte und hoffte er weder jemanden zu stören, noch selbst zum Störenfried zu werden. Wäre ja kaum zu denken gewesen, wenn er den kleinen Gruppen die sich gebildet hatten auf die Nerven ging – auch wenn ihm etwas Gesellschaft sicher erheitern würde. Gesellschaft… vorsichtig entsinnte er sich an die vergangenen Tage, an denen seine Verletzungen sich zum größten Teil kuriert hatten. Das Gefühl, dass sich Wölfe um sein Wohlergehen gesorgt hatten, war so beflügelnd gewesen, dass der viel zu abergläubische Rüde es auf sein warmes Geisteswohl schob so fit zu sein: zumindest so fit wie es ohne Winterpelz im Schnee von statten ging. Aber das ließ sich ja kaum ändern.
„Ein Hoch auf die strahlende, wärmende Sonne.“
Gab der Helle sehnsüchtig von sich. Flüsternd, damit bloß kein Monster im Wald ihn hören könnte. An die Vorsicht die geboten war erinnert, veränderte er sogleich seine Schrittrichtung, vom Rand des Rudelplatzes hinein auf die weitläufige, weiße Fläche. Hauptsache er konnte sich ein wenig bewegen, das tat den gefühlt uralten Gliedern ganz gut und sollte angeblich auch die Stärkung fördern.
(Rudelplatz, am wandern.)
09.04.2011, 13:25
Tyraleen hatte sich aus ihrer liegenden Position aufgerichtet, streckte kurz die Läufe durch und erhob sich dann ganz. Takashis respektvoller Abstand war für einen kurzen Plausch unter Rangwölfen und das gemeinsame Achtgeben auf das Rudel ideal, nicht aber für ein vertrauliches Gespräch oder Austausch von Gedanken über ein so wichtiges Thema. Außerdem wäre es ihr unangenehm im Liegen mit dem großen Wolf zu sprechen. Während sie ein paar Schritte auf ihn zutrat und sich dann ohne viel Aufhebens in den Schnee setzte, schien der Schwarze den hartgefrorenen Grasboden als Sitzplatz zu bevorzugen. Nicht sonderlich erfolgreich versuchte er also, den bereits festgetretenen Schnee fortzuschaufeln und brachte sich damit nicht viel mehr als eine schneeweiße Schnauze und den schmunzelnden Blick Tyraleens ein. Er schien sein Unterfangen im Nachhinein auch nicht als sonderlich sinnvoll zu erachten und kurz grinsten sich die beiden Wölfe gegenseitig an. Dann wurden sie wieder ernster und Tyraleen beneidete den Schwarzen stumm um seine Widerstandskraft und Stärke. Es schien ihm tatsächlich sehr gut zu gehen, sein ganzes Auftreten war geprägt von Vitalität und Energie. Wieder schoss ihr durch den Kopf, dass er ein Fenriswolf war.
“Ich bin froh, dass es dir so gut geht. Sollte uns tatsächlich irgendwann ein lebendiger Varg begegnen brauchen wir Wölfe wie dich.“
Sie lächelte ihm leicht zu und wollte sich doch nicht vorstellen, was geschehen könnte, wenn ein solches Wesen voll einsatzfähig war. Es hatte einen Bären getötet – oder zumindest tödlich verletzt. Kein Wolf konnte das, nicht einmal ein ganzes Rudel würde einen solchen Angriff wagen. Oder hatte der Varg doch Hilfe gehabt? Die Unwissenheit bohrte sich wie ein Dorn in Tyraleens Brust und trieb sie gleichzeitig dazu an, noch mehr nachzudenken. Endlich eine Lösung zu finden. Sie lauschte aufmerksam Takashis Einschätzung – der Schwarze blieb sehr vage, doch gleichzeitig sprach er etwas Wichtiges an. Fenris, Engaya, Ihre Wahrnehmung.
“Fenris kann nicht zornig sein, immerhin ist alles so gelaufen, wie er es gewünscht hat. Er wollte, dass ich Tascurio töte und ich habe ihm gehorcht. Engaya müsste es sein, die zornig ist, aber Engaya ist nie zornig. Sonst wäre sie nicht Engaya. Winter, Kälte, der Tod, Varge, all das steht für Fenris. Es ist, als ob er selbst in diesem Tal wäre.“
Sie verstummte und dachte über ihre Worte nach. Das Tal der Sternenwinde war Engayas Tal, Fenris hatte hier nichts zu suchen.
“Aber das ist falsch, Fenris gehört nicht hier her. Wie bekommen wir ihn wieder los? Warum lässt Engaya das zu? Wo ist sie?“
Sie spürte, wie sie wieder begann zu fordern, wie sie verlangte, dass Engaya etwas tat. Dabei hatte Banshee ihr beigebracht, dass man von den Göttern nie verlangen durfte. Dass man selbst tun musste, dann würden die Taten der Götter folgen. Ihr Blick sprang ganz kurz in den grauen Himmel, als würde sie ihrer Mutter zunicken wollen.
“Was können wir tun?“
[ Rudelplatz | Takashi ]
09.04.2011, 22:10
Und so stand alles mit einem Mal auf dem Kopf. Dieses Tal versank im Schnee, der Sommer wurde vom Winter besiegt. Die grauen Wolken bedeckten noch immer den Himmel, der eigentlich von strahlendem Blau getränkt sein sollte. Zudem verspürte Kisha noch immer diese Müdigkeit, die Erschöpfung, die in ihren Knochen saß. Es gab nur eines, was ihr noch mehr Sorgen bereitete. Ganz automatisch suchten die braunen Augen nach ihrer weißen Schwester, Tyraleen. Sie hatte sich – zusammen mit Aszrem – auf den Posten des Alphas gestellt. Und genau das war es, was Kisha verunsicherte. Sie hatte ihre Zweifel daran, dass die Weiße in ihrer Verfassung fähig war, das Rudel zu leiten. Sie zu schützen. Zudem sorgte sich die Schwarze um ihre Schwester. Sie konnte sich kaum vorstellen, dass alle, die Zweifel an ihren Führungsqualitäten hatten, diese offen aussprachen. Sie selbst hatte sich ja zurück gehalten, zerbrach sich nun darüber den Kopf. Aber... Tyraleen musste selbst wissen, was das Beste für sie war, und Kisha hatte keinen Zweifel daran, dass sie alles für das Rudel geben würde – selbst wenn es vielleicht nicht genug war. Und sie hatte Aszrem an ihrer Seite. Sie würden sehen, was die Zeit mit sich brachte. Und noch schlimmer als diese Situation, in der sie sich befanden, konnte es kaum werden, oder? Sie wollte nicht darüber nachdenken, genauso wenig wie über den Verg, den sie tot aufgefunden hatte. Sie konnte sich diese Wesen nicht erklären, aber sie machten ihr Angst.
Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als ein heller Schatten durch den Schnee auf sie zukam. Sie neigte den Kopf zu ihm, erkannte ihn erst, als sie in seine Richtung blickte. Ihre Ohren schnippten durch die kalte Luft, und ganz langsam erhob sie sich. Es würde ihr sicher gut tun, sich mit einem anderen Wolf zu unterhalten. Zudem hatte sie sich mit dem jungen Wolf – sie glaubte sich zu erinnern, dass er Nihil hieß – ihres Wissens nach noch nie wirklich unterhalten. Es würde sicher interessant sein, seine Meinung zu all den Geschehnissen zu erfahren. Zudem lag ihr da noch eine Frage auf der Zunge. Immerhin... wurde er schwer von einem Bären verletzt und hatte trotzdem überlebt.
Die Schwarze setzte sich also in Bewegung, und sie war sich sicher, dass man ihr die Schwäche genau ansah. Dennoch bemühte sie sich um ein sachtes Lächeln, als sie auf den hellen Rüden zu trat. Ob er sich an sie erinnerte? Sie würde es gleich heraus finden. Zudem wäre sie froh darüber, ein wenig Ablenkung in einem Gespräch mit ihm zu finden.
“Hallo. Nihil, richtig? Wie geht es dir“
[Rudelplatz – Nihil]
10.04.2011, 11:54
Der Schnee war endlich abgetaut und so leckte Takashi sich mit der Zunge über die Schnauze, da dieses eisige Wasser alles andere als angenehm war.
Tyraleen gab zu, wie froh sie drum war, dass der schwarze Hüne nur so vor Energie strotzte. Sie bekam ein denkbares Lächeln des Rüden geschenkt, dem gerade bewusst wurde, wie wichtig er eigentlich für dieses Rudel war.
Stärke und Beschützerinstinkt prägten ihn und machten ihn somit unbesiegbar. Zumindest war es sein Wille, der ungebrochen bleiben sollte und ihn immer wieder antrieb, aufzustehen.
„Hoffentlich geraten die Götter nicht aneinander, wenn Engaya sich doch endgültig dazu entschließt, Fenris Machenschaften im Tal der Sternenwinde den Gar auszumachen. Fenris ist zu hitzig und lässt sich garantiert nicht so leicht zurückweisen. Was dann passieren wird, kann einfach nur...in einem schrecklichen Chaos enden."
Der Hüne hatte da eine Vision des reinen Chaos angesprochen, sodass man ihm ansehen konnte, wie unruhig ihn dieses Thema stimmte. Abwechselnd blickte er zu Boden und anschließend wieder zu Tyraleen auf, während seine Pfoten unruhig die Position wechselten. Anschließend atmete Takashi tief durch, beruhigte sich allmählich wieder und blickte gefestigt zu der weißen Alphawölfin, die sich in seiner Nähe gesetzt hatte.
Würde dieser Fall wirklich eintreten, würde sich wahrscheinlich das schlimmste Ereignis in der Geschichte des Tals der Sternenwinde ereignen, da die Wölfe mit Sicherheit von Engayas und Fenris Konflikt zu spüren bekommen würden. Vielleicht wurden noch mehr Wesen wie die Varge auftauchen oder ein schreckliches Unwetter würde aufkommen; man wusste es nicht und wollte es sich ganz bestimmt auch nicht ausmalen.
Takashi war nachdenklich, da dieses Gespräch entscheidend für das gesamte Rudel war.
„Wir müssen Fenris zufrieden stimmen. Vielleicht sucht er etwas, denn er ist ganz sicher nicht grundlos hier. Hoffentlich sind es nicht weitere Seelen, die er auf makabere Weise an sich reißen will...!“
Hatte Fenris denn nicht schon alles bekommen, was er wollte? Tyraleen hatte für ihn Tascurio getötet. Sie hatte ihren Welpen hergegeben, genügte das denn etwa nicht? Wollte Fenris noch mehr Opfer fordern? Ganz bestimmt war er es, der den Varg auf das Rudel losgelassen hatte. War dies etwa nur ein kleiner Vorgeschmack von dem gewesen, was er alles anstellen konnte?
Takashi fragte sich, was den Gott des Todes plötzlich so verrückt machte und was ihn dazu leitete. Die Lust an einem Mord vertrieb alle klaren Gedanken, das wusste der Hüne aus Erfahrung.
[ Rudelplatz | Tyraleen ]
10.04.2011, 21:59
Auch wenn es ihm sehr missfiel seine Schwäche zuzugeben: es war anstrengend. Grade jetzt, wo der Schnee den Gang erschwerte, konnte er spüren wie wenig Kraft er besaß. Ob es nun nur am „Unfall“ – er konnte sich bei dem Gedanken an das Ungetüm noch immer selbst beißen – oder an seinen wenigen Versuchen lag, ein wenig kräftiger zu werden, war nicht genau zu sagen. Auf jeden Fall wusste er, dass er solch einen Fehler nicht noch einmal begehen durfte: sich einen Bären in die Quere zu stellen und nicht einmal einen Gedanken an die Flucht zu verschwenden! Viel zu gefährlich für sich selbst und Andere… vor allem für Andere. Kopfschüttelnd ließ er ein leises Schnaufen ertönen, als würden die zahlreichen Grashalme unter der dichten Schneeschicht seine Schnauze kitzeln, bevor er zusammen zuckte.
Ein schwarzer Körper, der sich in viel zu geringer Entfernung in seine Richtung schlich – na gut, er bewegte sich offen, aber vielleicht war gerade das noch einschüchternder – und genau auf ihn zu kam! Die Ohren vor Schreck flach angelegt, fixierte er die dunkle Fähe zuerst bei ihrer Wanderung, wie angewurzelt stehen bleibend. Für eine… Flucht war es nun zu spät. Vor allem gab es hier mitten auf dem Platz kaum Möglichkeiten des Verstecks. Aber… warum zu sollte er flüchten? Hin und her gerissen zwischen der Furcht vor einem Zusammentreffen und der Neugierde, warum und weshalb sie unbedingt zu ihm kam – gab es nicht zig andere Wölfe die als „angenehme Gesellschaft“ besser her halten konnten als er? -, sackte der junge Rüde förmlich in sich zusammen. Natürlich freute er sich über die Anwesenheit eines Anderen, doch hatte er überhaupt keine Zeit der Vorbereitung! Wie sollte er ihr entgegen treten? Was sollte er sagen?
„Ja! Richtig,“ Knapp. Passte… nicht. „Kisha.“
Die wenigen Augenblicke zwischen dem Erkennen der Fähe und ihren Worten waren zu wenig gewesen. Eindeutig. Aber zumindest wusste er ihren Namen! War ja auch kein Wunder, namentlich war ihm nahezu jeder hier bekannt. Zu seinem Missfallen bleib es jedoch auch nur bei diesem geringen Wissen. Zögernd ließ er die Ohren schnippen, versuchte sie aus der eingeschüchterten Haltung zu reißen und freundlich aufzustellen – vergeblich. Schließlich wusste er nicht Mal, wie er auf die eben gefallene Frage antworten sollte.
„Besser. Auch wenn der Schnee dazu wenig beiträgt.“
Das Wetter. Welch grandiose Idee! Da setzte er den Versuch an die Stimmung – zumindest seine eigene – zu lockern und landete beim Wetter! Als würde der Helle sich für die Worte entschuldigen wollen, sah er die Dunkle an und erkannte erst jetzt, dass ihr Zustand wohl eben so zu wünschen über ließ wie der seine. Na, da hatten sie ja zumindest eine Gemeinsamkeit.
„Dir scheint die Kälte wohl nicht sehr zu liegen? So plötzlich wie sie eingetroffen ist.“
Sanft versuchte er sich mit den Worten heranzutasten. Soweit es von Außen zu beurteilen war, ging es vielen Wölfen des Rudels schlecht… sie waren schwächer, das war ihnen deutlich anzusehen. Besorgt setzte er den Dunklen einen weiteren Schritt entgegen, allen Mut zusammen nehmend. Vielleicht könnte er ihr auch eine Theorie abnehmen, warum die Sonne so lange auf sich warten ließ, schließlich lebte sie schon einige Jährchen länger hier als er.
(Rudelplatz, Kisha)
11.04.2011, 06:19
„Genau die bin ich. Jumaana.“ Die grazile Fähe seufzte leise, als sie schmerzlich daran erinnert wurde, wie sie ihre Familie vor langer Zeit im Stich gelassen hatte. Ihre Familie, die ihr diesen Namen gegeben hatte. „Und du, Malicia?“, fragte sie höflich, ohne jedoch auf eine unterwürfige Anrede zurückzugreifen. „Warst du nicht … weg?“
Sie kramte in ihren Erinnerungsfetzen, die haltlos und zerrissen durch ihre Gedanken flogen. Sie war sich nicht sicher, ob ihr Gedächtnis sie nicht täuschte, denn sie hatte in der letzten Zeit gelernt, dass sie niemandem trauen durfte. Nicht einmal sich selbst. Und doch hatte sie auf die Warnmeldung Aarinaths nicht angemessen reagiert. Sie hatte sie … sozusagen ignoriert. Als wäre alles wie früher. Und das war nicht nur ein kleiner Fauxpas gewesen, sondern ein riesengroßer Fehler. Immer wieder schlichen sich Gedanken in ihren Kopf, die sie darauf aufmerksam machten, wie verkehrt alles war. Die Götterwelt, das Wetter, die Rudelgedanken. Und trotzdem machte Jumaana den Fehler, weiterhin zu vertrauen. Sie vertraute in Aszrem und Tyraleen, dass sie eine Lösung finden würden, sofern es in ihrem Machtbereich lag, sie vertraute in ihren Gefährten, dass er sie nicht im Stich ließ und sie vertraute in sich selbst, dass sie leben würde. Lange leben.
Mit einem zweifelnden Zug auf dem Antlitz musterte die Weiße ihr Gegenüber, deren stahlblauer Blick hilflos und fragend erschien. Ein leichtes Schmunzeln glitt über die Lefzen Jumaanas.
„Es ist Sommer, Malicia. Schon seit einiger Zeit. Aber … alles ist anders als sonst. Niemand weiß, was hier vor sich geht. Wie viel weißt du von den Geschehnissen? Dem Varg? Nichts, nehme ich an. Nun, willst du wissen, wie es deinem Geburtsrudel ergangen ist?“
Ein unbeabsichtigt scharfer Unterton schwang in ihren Worten mit, während sie die schwarze Fähe interessiert anblickte, die sich nun aufgerichtet hat und sie selbst um Einiger überragte. Die Polarwölfin war kleiner als die meisten anderen Wölfinnen, doch Malicia war ein besonders imposantes Exemplar ihrer Art und auch, wenn sie riesig war – wie ihr Vater – war sie dennoch schlank und drahtig. Man merkte ihr an, dass sie eine Fähe war, ihre Bewegungen und ihr Körperbau ließen eindeutig auf ihre Weiblichkeit schließen – weshalb man sie trotz ihrer Größe nicht mit einem Rüden verwechseln würde. Durch Jumaanas geschundenes Hirn ging ein neidischer Gedanke; was würde sie bloß dafür geben, größer und majestätischer zu wirken?[list][ Am Rande des Rudelplatzes – Malicia ][/list]
13.04.2011, 12:19
Hilel blieb stehen, rannte nicht fort, und Aszrem war froh darüber. Er hätte es sich nicht leisten können sie zu verfolgen, zum einen, da er sich nicht allzu weit vom Rudel entfernen wollte, und zum anderen, weil dadurch die Gefahr bestand, die Aufmerksamkeit eines anderen, gefährlicheren Wesens auf sich und Hilel zu ziehen. Wenn denn da noch ein Varg war, der ihnen gefährlich werden konnte, aber gerade das konnte er nicht mit Sicherheit sagen. Wachsam glitt sein Blick über die Umgebung, während er sich ihr langsam näherte, und registrierte dabei leicht überrascht, dass Hilel sich ihm sogar selbst ein wenig näherte. Auch die schwarze Fähe war wachsam, aber im Gegensatz zu Aszrem nicht gegenüber ihrer Umgebung, sondern ihm. Er konnte das nur zu gut nachvollziehen, musste sie doch eigentlich mit einer Strafe statt mit Worten rechnen. Daher blieb Aszrem in einem Abstand zu ihr stehen, den er nicht mit einem Sprung überbrücken konnte - sie sollte sich vor ihm sicher fühlen und ihr gleichzeitig zu verstehen geben, dass er keine gewalttätigen Absichten hatte.
"In gefährlichen Zeiten ist Wachsamkeit mehr denn je geboten, Hilel. Was auch der Grund dafür ist, warum ich es nicht wagen konnte, Eurer Spur schon früher bis zu Euch zu verfolgen",
begann er, und ließ erneut prüfend den Blick schweifen, während seine Ohren nach allen Richtungen hin lauschten. Die förmliche Anrede an ihn war ihm nicht entgangen, und er sah darin sowohl eine Art von Respektsbezeugung als auch ein Schuldeingeständnis. Sie wusste nur zu genau, dass ihr Verhalten erneut gegen sie sprach und gerade ihn, der er sie fortgeschickt hatte, provozieren musste. Dennoch wahrte sie die Höflichkeit, als wollte sie seinen Unmut dämpfen. Sie konnte nicht wissen, dass er angesichts der ungewissen Bedrohung durch den Varg eher besorgt als verärgert war.
"Da Ihr das Revier nicht verlassen habt, wisst Ihr vielleicht von dem Wesen, das hier gefunden wurde? Von dem Varg? Wir haben die Befürchtung, dass sich noch weitere hier im Revier aufhalten könnten - seid Ihr auf Spuren oder Fährten von Vargen gestoßen? Oder solche, die euch gänzlich fremd sind?"
Obgleich am Anfang die unausgesprochene Frage in der Luft hing, warum sie noch immer im Revier herumschlich, ging er zunächst doch nicht darauf ein. Zum Wohle des Rudels war es wichtiger, zunächst alles über die Anwesenheit anderer Varge in Erfahrung zu bringen, was Hilel wissen mochte. Was das Schicksal der schwarzen Einäugigen selbst anging, so hatte Aszrem sich bereits entschieden, wie er mit ihr verfahren wollte, aber dafür musste er ihr erst verständlich machen, dass es nicht sein oberstes Interesse war, sie aus dem Revier zu jagen.
[nördlicher Wald | Hilel]
15.04.2011, 17:56
>Früher dachte ich mal, die Sterne scheinen nur für mich. Das der Nachthimmel meine Gedanken seien, mit hellen, schönen Sternen. Das sind die schönen Momente. Die schönen Erinnerungen. Das alles ist nun verblasst. Der Himmel ist nun mehr ergraut. Nichts wird wieder jemals so sein wie früher. Nie wieder werde ich so unbeschwert sein. Das weiß ich, das weiß jeder. Aber keiner spricht es aus. Aus Angst? Aus Angst gemieden zu werden, verstoßen und verhasst! Zu schnell geht es, dass solche Missverständnisse auftreten. Die alle quälen und die Sozialstruktur des Rudels schädigen. Und ich bin einer der Auslöser. Oder nicht? <
Aufmerksamkeit. Malicia versuchte, ihrem Gegenüber richtig zuzuhören. Sie strengte sich an, doch irgendwie war sie nur Anwesend. Zu schnell fließen die Gedanken in ihrem Strom davon, zerfließen, zerschmelzen und vergehen. Und irgendwie tut es weh, der kleinen Weißen nicht den angebrachten Respekt und die passende Aufmerksamkeit zu schenken. Was ist nur geworden. Wie ein Vogel im goldenen Käfig. Alles hätte sie in diesem Rudel haben können. Freunde, Gefährten, Glück. Doch irgendwie fühlte sie sich eingesperrt, der Drang war zu groß, die Flügel auszubreiten und endlich fliegen zu lernen. Was geschehen ist, in der Zeit ihrer Selbstfindung, das alles scheint Malicia unfassbar unwirklich. Was in aller Welt ist denn ein Varg? Warum ist Sommer - mit einem von Schnee bedeckten Boden?
"Weg. Ja. Ich denke, ich brauchte diese Auszeit, um den Alltag zu verkraften." murmelte Malicia, während sie sich umschaute. Viel sah sie nicht, es war alles so trist und weiß und verschwommen. Eigenartig. Und keiner weiß warum. "Was ist mit diesem Varg? Ein neues Rudelmitglied? Oder was hat er getan? Kläre mich bitte auf. Und Danke. Danke für deine Antwort."
Malicia überhörte den scharfen Unterton ihrer Stimme. Aber sie konnte einfach nicht erwarten, dass sie heiß und innig begrüßt wurde, wenn sie einfach von dannen ging, ohne jegliche Zeichen einer Spur. Was erwartete sie? Man kann geschehenes nicht einfach so vergessen und nicht länger beachten. Was passiert ist, ist passiert. So ist das. Und das ändert sich auch nicht. Die Schwarze wollte sich einfach nichts vormachen.
Es ist wie es ist; und ändert sich. Ihre ganz persönliche Revision. Ins positive? Oder doch wieder .... negative?
[Am Rand des Rudelplatzes | Jumaana ]
16.04.2011, 00:18
[LIST]{Hoffentlich ist der Text okay so... sorry, dass es etwas gedauert hat.}[/LIST]Jarrèll Nathnaiêls smaragdenen Augen schimmerten tiefgrün und freundlich, als er dem Gespräch der beiden Fähen lauschte, deren Mutter-Tochter-, oder genauer gesagt Mutter-Ziehtochter-Beziehung sehr gut zu sein schien, nichts in seinem Blick verriet, das Gefühl des Wehmuts, der in ihm aufstieg und sich wie ein schwerer Kloß in seiner Kehle bemerkbar machte. Er würde sich wohl daran gewöhnen müsse, würde er nicht wie bisher ständig allein durch das -nunmehr sehr begrenzte- Revier streifen wollen. Und auch wenn ihm der Anblick anderer Wölfe immer noch einen Stich versetzte, erinnerte sich der Rüde, dessen Konturen, aus der Ferne betrachte, im düsteren Licht unter den schweren Wolken mit der fahlen Landschaft zu verschwimmen schien, wieder an den Gedanken, der ihn dazu bewogen hatte diesem Rudel beizutreten. Er hatte es satt gehabt, alleine zu sein, mit seinen Gedanken und dem Gefühl der quälenden Schuld, dennoch hatte er lange gebraucht auch wieder an den Punkt zu kommen, an dem er bereit war sich zumindest ansatzweise wieder in komplexere soziale Strukturen einzufinden, die über kurze Gespräche hinausgingen. Ob er nun wirklich bereit war sich wieder in einem Rudel zurechtzufinden, so wie er es einst gekonnte hatte, wusste er nicht, doch er würde es wohl oder übel herausfinden, den ein Ausweichen war auf diesem begrenzten Terrain nur noch schwer möglich. Die Frage der jungen Grauen traf genau diesen wunden Punkt des Rüden.
„Einsamkeit kann ein treuer Gefährte und Stille die beste Gesellschaft sein.“
Diese Worte klangen selbst in den Ohren der Silber-Weißen nicht logisch, sondern unnatürlich verdreht, war der Wolf als solcher doch ein geborenes Rudeltier. Für Jarrèll Nathaniêl spiegelten sie jedoch die unwirkliche Realität, die er in den vergangen Jahren gelebt hatte. Manches bracht den Lauf der Dinge durcheinander, so sehr, dass Jarrèll sich abgewendet hatte von aller Gemeinschaft und ihm die Tatsache gerade zwei Wölfen gegenüber zu stehen –und mit beiden mehr oder weniger gleichzeitig zu sprechen- mehr forderte als er es sie je hätte träumen lassen. Früher war Kommunikation ihm leicht gefallen, für jeden hatte er einen guten Rat oder ein freundliches Wort gefunden, hatte nicht nachdenken müssen bevor er Fremde mit den gebräuchlichen Floskeln angesprochen und willkommen geheißen hatte. Nun stand er auf der anderen Seite, er musste die Fragen beantworten und dabei versuchen es sich nicht durch ausgesprochene Wortkargheit oder spitze Bemerkungen mit der weißen Fähe zu verscherzen.
„Die Freude ist ganz meinerseits Shani Caiyé“,
er schenkete der Fähe ein weiteres kurzes Lächeln, fast al müsse er den zuvor gesprochenen Worten Nachdruck verliehen, damit der sie selbst glauben konnte. Es war keineswegs so, als ob ihm die Fähe unsympathisch erschienen wäre, doch je länger diese Gespräch andauerte desto mühsamer wurde es für ihn weiterhin seine eigentlich mehr mürrische Laune zu überspielen, dennoch wollte er nicht, dass die Fähe auch nur ein winziges Bisschen davon bemerkte, wobei er sich selbst fragte, wieso er plötzlich so viel auf die Meinung gab, die andere über ihn hatten. Nun ja, möglicherweise, weil er sich auf diese Gespräch eingelassen hatte, fest entschlossen nun tatsächlich Anschluss an das Rudel zu finden und sich nicht immer nur wie ein Durchreisender zu fühlen. Jarrèll Nathaniêl beeilte sich weiterzusprechen und Shani Antwort auf ihre Frage zu geben.
„Als ich hier ankam war diese Tal voller Freude, ich hörte später es sei relativ kurz nach dem Sieg über ein… wartet, wie nannten man es doch gleich… über… genau, über das „Nichts“ gewesen. Was Ihr genau mit Drama meint weiß ich nicht, gab es doch in letzter Zeit mehrere, sagen wir mal, unerfreuliche Ereignisse, die mir nicht entgangen sind, auch wenn ich keinerlei Details kenne.“
Jarrèlls Stimme war ernst, aber freundlich als er diese Worte sprach, er war zwar im Groben natürlich den Geschehnissen im Rudel gefolgt, doch Einzelheiten waren ihm keine bekannt. Bisher hatte es ihn nicht allzu sehr interessiert, schließlich war es nicht er, der die Entscheidungen bezüglich der Vorkommnisse treffen musste und so hatte er sich zurückgehalten, doch nun hatten die Worte Shani Caiyés sein Interesse geweckt, nicht nur daran irgendwann einmal zu erfahren was es mit jenem ominösen Nichts auf sich hatte, sondern auch daran, besser über den Varg Bescheid zu wissen und natürlich würde er früher oder später wissen wollen, wer nun eigentlich die beiden neuen Leitwölfe waren, jener schwarze Rüde, der nun, statt dem ehemaligen Gefährten der Weißen, an der Stelle des Alphas und an jener weißen Fähes Seite stand.
[LIST][ Rudelplatz | Liel & Shani Caiyé ][/LIST]
17.04.2011, 10:44
((Sorry, dass es so lange gedauert hat x.x))
Die Kälte, welche sich jener Tage auf die Ländereien gelegt hatte, störte den silbernen Hünen wenig. Sein fülliger Pelz erwies ihm gute Dienste und schützte ihn vor den sinkenden Temperaturen, welche so einigen anderen Lebewesen bereits das Leben geraubt hatte. Ja, dies war es wieder, die Überlegenheit seiner Art, die Überlegenheit des Geschlechts der Wölfe, die sie über andere Geschöpfe stellte, zäher und fähiger machte. Vielleicht war es nur eine träumerische Illusion seines Selbstbewussten Geistes, doch diese Gedanken erfüllten ihn seit jeher mit Stolz und Zufriedenheit und noch war der Silberweiße Rüde nicht gewillt, diese schmeichelnden Vorstellungen loszulassen, schließlich war es der Glaube an sie, der ihn bis zu diesem Tage geführt hatte.
Geschmeidigen Schrittes lief Madoc über den gefrorenen Rudelplatz, während er hier und dort seinen blutroten Blick schweifen ließ und die versammelten Mitglieder betrachtete, welche sich aus Angst vor Vargen dicht zusammengepfercht hatten. Durchaus sinnvoll, wie der Jüngling empfand, doch besah er es ebenfalls als übertriebene Vorsichtsmaßnahme, glaubte er doch nicht daran, dass eine beständige Gefahr von den Bestien ausging. Er mochte sich irren, doch war er zu eitel, um es einzusehen, zumal er nun an die sonderbare Verwandlung des verendeten Vargs zurück dachte und zugleich das Gefühl hatte, dass man diese fremdartigen Wesen mehr fürchtete, als Notwendigkeit dazu bestand. Sein gedankenverlorener Weg führte ihn an den See, dessen gefrorenem Uferbett er folgte und schließlich an die Bachmündung gelang. Und wie es der Zufall wollte, so erblickte der Silberweiße zwei dunkle Gestalten in mäßiger Nähe, die er nach kurzem Nachsinnen als Jakash und Chardím erkannte. Chardím war schließlich, dank seiner markanten Fellzeichnungen nur unschwer zu identifizieren, indes er doch einen Augenblick länger benötigte, um auch den anderen Junggesellen auszumachen. Und trotz seiner sonst so abgeschotteten Art und seiner gebührenden Liebe zur Einsamkeit, so trugen ihn seine trommelnden Pfoten des heutigen Tages in die Gesellschaft dieser nahezu unbekannten Rudelgenossen, welche so unerwartet in seine Wege kamen.
"Guten Tag, ich hoffe ich störe nicht."
Sprach Madoc, als er sich in unmittelbarer Nähe der Rüden befand und nickte ihnen in neutraler Manier zu, um seinen Gruß zu betonen. Er gehörte nicht zu den gesprächigen Artgenossen und doch hatte er das Bedürfnis, mit diesem und jenen Mitglied der Gemeinschaft Bekanntschaft zu schließen, da er es doch bevorzugte, jene zu kennen, in dessen Gesellschaft er seine Tage fristete. Zudem war Chardím der Bruder Atalyas, sodass es ihn umso mehr reizte, näheres über seine Person zu ermitteln.
[Bachmündung | Jakash, Chardím]
18.04.2011, 12:15
Schon wieder liefen die Tage an Volk vorbei, kraftlos lag er beinahe die ganze Zeit da. Auch die Kälte, die ihn sonst nicht störte, kroch in sein Gebein, so als erfror er von innen heraus. Langsam bereute der Rüde es hiergeblieben zu sein, in diesem bösartigem Gletscher der einst ein schönes Tal gewesen sein soll, der Schwarze konnte es nicht mehr glauben, „Lasst alle Hoffnung fahren“ war sein Gedanke. Die Freundlichkeit in ihm erfror mit seinem Herz, dass von eisigen Klauen umschlossen war. Volk versuchte so wenig Schwäche zu zeigen wie nur möglich, doch das war mehr als nur schwer, denn selbst in seiner eisigen Heimat würde es mittlerweile wärmer sein als hier. Der schwarze Rüde versuchte sich warme Gedanken zu machen, um aufzustehen und ein wenig auf dem Rudelplatz umherstreifen zu können. Volk hatte es satt und alles nervte ihn nur noch, die Kälte, die Schmerzen, der Hunger und die Tatsache allein zu sein. Diese eisige Tatsache verfolgte ihn nun und so begab sich der mürrische Schwarze auf dem Weg über den Rudelplatz, vorbei an anderen Wölfen, denen es wohl kaum besserging als ihm. Mit aufgestellten Nackenhaare und dieser kalten Wut, die der Rüde in sich spürte, war es schwer sich zu kontrollieren.
„Wohin ist das Glück nur verschwunden, wohin nur, ich habe es satt. Wenn das mein Ziel war, hier zu sein, im Gletscher eines eisigen Herzens, dann war meine Reise erfolgreich. Wenn ich allerdings das Glück suchte, dann bin ich hier wohl falsch. Der Sommer ist verflucht, genau wie dieses Land. Dieser Schnee, liegt wie Asche auf verbrannten Land und alle Wölfe dieses Rudels liegen ausgebrannt daneben. Wenn sie sterben wollen, bitteschön, ich habe nichts dagegen, aber wenn sie erwarten, dass ich mit ihnen sterbe, dann haben die sich getäuscht.“
Dieses Eis hatte sich nun endgültig in Volk festgefressen, er musste sich seiner Wut und seinem Hass hingeben. Der Rüde wurde einfach den Blutgeschmack nicht mehr los, wie im Blutrausch, unruhig und ungehalten gab er sich dem ganzen hin. Doch als der Schwarze kurz einknickte, aufgrund seiner schmerzenden Knochen, holte ihn die Realität wieder ein. Volk besann sich wieder und versuchte tief Luft zu holen, was bei dieser stechenden Kälte etwas schwer war. Als er ausatmete, kräuselten sich graue kleine Wölkchen in der Luft. Schon ging es ihm etwas besser, klar bei Verstand ging er zum See, um etwas zu trinken. Das Eis knisterte so schön und spiegelte die Farben des Regenbogens wieder, schöne Formen bildeten sich um den See herum. Das Wasser war eisig kalt, aber dennoch wohltuend. Volk hoffte, das sich das Chaos wieder legt und die Sonne wieder die Oberhand über den Winter gewinnen kann, damit endlich die warmen Sonnenstrahlen sein Fell durchfluten könnten.
[Rudelplatz-Majibáh]
18.04.2011, 19:37
Aszrem machte den sicheren Abstand kleiner, doch er nahm diesen nicht völlig. Es gab einen gewissen Funken an Erleichterung, der sich in der Fähe breit machte und doch blieb ihr Leib so angespannt wie zuvor. Bei diesem Treffen der Beiden strahlte der Rüde, zu ihrer Verwunderung, ein untrügliches Maß an Unsicherheit, welches sie fein wahrnehmen konnte. Irgendetwas war dort, was er fürchtete und es war nicht das Wesen einer eigenartigen und schwer einzuschätzenden Fähe. Es musste etwas anderes sein. Seine Ohren waren stets in wilder Wanderung, so wie seine Augen. Bevor er seine Worte verloren hatte, war dies nur eine Vermutung von der Schwarzen, die ihren Kopf fragend schief gelegt hatte. Doch bald gab es die Gewissheit, eine überraschende und ebenso einleuchtende Erklärung für vieles, was sie gesehen hatte und vor allem für ihr Dasein, welches er nicht unterbunden hatte. Sie hatte doch täglich darauf gewartet, so wachsam war sie gewesen – vergebens.
Ein prüfender Blick schwank zwischen ihm und ihr entlang. Ja, wahrhaftig. Diese Entfernung schien ihr sicher und so ließ sie sich vorsichtig auf die Hinterläufe zurück. Hilel erwartete keinen Hinterhalt oder ähnliches. Es wäre gegen seine Worte, zu dem traute sie diesem Rüden mehr Ehre und Stolz zu. Eine Meinung die schnell verhängnisvoll werden konnte.
„Ich habe mir bereits gedacht, dass ihr verhindert seid. Auch wenn dies wahrhaftig nicht für mich spricht. Zu eurer Frage…Ich habe nicht viel von dem direkten Rudelgeschehen mitbekommen, daher weiß ich nichts von einem Varg. Aber das es hier seltsame und unerklärliche Geschehnisse gibt, dass ist mir wahrlich nicht entgangen. Es ist sicherlich sichtbar, dass ich eben so achtsam bin wie ihr. Jeder hat seine Gründe für sein Handeln. Meines ist offensichtlich und kaum zu verbergen…“
So erhob sie bei ihren letzten Worten demonstrativ den Kopf und machte ihr Makel ihm deutlich, weshalb Hilel Wachsamkeit so bitter ernst geworden war. Sie war eine Beobachterin, mit einem starken Handicap. Die Schwarze zog die kalte Luft in sich hinein und verlor sie seufzend. Erneut sammelte sich ein weißer Nebel um ihre Schnauze und hüllte sie auf eine magische Weise ein.
„Ich habe hier einiges entdeckt, was mir fremd war…Doch ich bin noch am Leben, während sich das Rudel nicht einmal mehr in den Wald bewegen darf. Meint ihr dann habe ich das Richtige für euch? Und vor allem, was bedeutete es für mich, wenn ich euch etwas zeigen würde? Wie weit kann ich euch den Rücken zu wenden, ohne das von euch Gefahr ausgeht? Es ist wohl deutlich, dass ich keine bin. Ich hätte wohl genug Möglichkeiten gehabt….Aber nun gut, es geht wohl um die allgemeine Sicherheit, nicht wahr?“
Ihre Worte tasteten sich an jenes heran, welches Aszrem nicht sagen wollte. Die Konsequenzen für ihr eigenes Verhalten. Wie viel war sie in so einer Zeit wert, als eine mindere Fremde? Ein Eindringling, der bereits einmal fortgejagt wurde. So war sie doch eigentlich das Beste Kanonenfutter.
[nördlicher Wald | Aszrem]
19.04.2011, 19:09
Tyraleens Blick glitt wie zum tausendsten Mal an diesem Tag über den Rudelplatz und blieb dann am Seeufer hängen. Der schmale Sandstreifen war vereist, man konnte kaum sagen, wo das Land endete und der See begann – bedeckt von Schnee verlor jeder Untergrund seine Vertrauenswürdigkeit. Beinahe hätte sich die Weiße auf Gedanken über diese Metapher eingelassen, doch Takashi nahm ihre zuvor ausgesprochenen Überlegungen auf und lenkte sie so von allzu melancholischen Gedankengängen ab. Seine Worte verwunderten sie zunächst, ihre Stirn krauste sich, dann zuckte ihre Nase. Was Takashi sagte, war schlichtweg falsch. Götter gerieten nicht aneinander, zumindest nicht so, wie es der Schwarze wohl meinte. Götter bekriegten sich durch ihre Anhänger. Ein Kampf zwischen Göttern war ein Kampf zwischen Gläubigen. Sie rief sich in Erinnerung, woher sie das wusste – Banshee hatte ihr all das und noch sehr viel mehr in ihrer Ausbildung zur Priesterin beigebracht. Takashi hatte eine solche Ausbildung natürlich niemals genossen. Sie wusste nicht, woher er kam aber Banshee hatte oft erzählt, dass fast jedes Rudel fast alles über die Götter vergessen hatte. Man kannte die Legende, möglicherweise noch ein paar Geschichten – mehr nicht. Und sie hatte gesagt, dass Sheena, Rakshee und sie, Tyraleen, die Aufgabe hatten, den Wölfen wieder mehr über die Götter beizubringen, so wie Banshee es begonnen hatte. Warum nicht damit beginnen? Ein sanftes Lächeln legte sich auf ihre Lefzen, freundlich lag ihr Blick auf dem Schwarzen.
“Darf ich dir etwas über die Götter erzählen?“ Sie zögerte kurz, fühlte sich beinahe unwohl und fügte schnell hinzu: “Ich möchte dich nicht belehren. Aber Banshee hat mir in meiner Ausbildung sehr viel beigebracht und ich denke, es ist wichtig, dass auch viele andere mehr über Engaya und Fenris lernen.“
Sie wollte sich nicht als Lehrmeisterin des Schwarzen aufschwingen und ihn auch nicht kränken. Es war nur so schade, dass so viele erwachsene Wölfe noch so wenig über die Götter wussten. Banshee hatte Recht gehabt, als sie gesagt hatte, dass eine Priesterin hauptsächlich erzählen musste. Ein wenig zögernd begann die Weiße.
“Fenris und Engaya würden sich nie bekriegen wie man es sich vielleicht vorstellen könnte. Mit Blitzen und Donner, umknickenden Bäumen und Schlammlawinen. Sie werden sich auch nicht dort oben, in dem uns unbekannten Land der Götter die Köpfe einschlagen. Nein, sie sind Götter, andere bekriegen sich für sie. Wir Wölfe selbst. Je mehr Wölfe den Gesetzen eines Gottes folgen, desto mächtiger wird dieser auch. Doch diese Macht äußert sich nicht darin, dass er dem anderen Gott etwas antut, sondern seine Präsenz wird stärker. Ich denke, das passiert gerade in unserem Tal: Fenris steht für Kälte, Dunkelheit, Tod und dem Hass in Form der Varge. Dass wir diese Präsenz so deutlich spüren muss damit zusammenhängen, dass er mächtiger geworden ist. Und mächtiger wird er, wenn Wölfe seinen Gesetzen folgen. Ihm gehorchen … so wie ich.“
Ohne es zu merken hatte sie sich selbst auf einen Gedankenpfad fuhren lassen, den sie zuvor immer übersehen hatte. Jetzt zuckte ihre Nase erneut, diesmal angespannt und konzentriert.
“Engaya muss wieder mächtiger werden, wir müssen ihren Gesetzen folgen, sodass sie Kälte und Schnee vertreiben kann! Wir müssen uns lieben, friedfertig sein, Güte und Gnade walten lassen. Wir müssen fort von dem Hass zwischen uns, die anderen müssen mir vergeben und ich muss Averic verzeihen. Es liegt in unserer Hand, dass Engaya zurückkehren kann!“
Aufgeregt stand sie nun auf ihren Pfoten, starrte Takashi durch leicht glasige Augen an. Sie hatte das Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein, erstmals spürte sie Hoffnung in sich aufkeimen.
“Wir sollten die anderen rufen!“
[ Rudelplatz | Takashi ]
20.04.2011, 11:29
Er war unendlich froh, dass Minyala mit ihm kam, aber leider tat das seiner Angst keinen wirklichen Abbruch. Cale sah sich nicht um, wollte gar nicht wissen, wer seine Flucht bereits bemerkt hatte und nun wahrscheinlich schon angehechtet kam, um ihn aufzuhalten. Sein Blick war starr auf die ersten Bäume des Waldrandes gerichtet, und je näher er ihnen kam, desto mehr keimte in ihm die Hoffnung, dass er sie doch würde erreichen können. Und dann? Ja, was dann?
Mit Minyas Worten noch im Ohr brachte er den erstbesten Baumstamm zwischen sich und das Rudel. Gleich darauf hielt er inne, immerhin wollte er das Verbot, den Wald zu betreten, nicht noch weiter missachten als ohnehin schon. Mal ganz davon, dass da noch ein Untier namens Varg im Wald hausen mochte, und Caleb hatte nicht das geringste Interesse daran, einem lebenden Exemplar zu begegnen. Der junge Gestaltwandler presste den Kopf gegen den rauhen Stamm und versuchte, sich gegen das Prickeln in seinem Körper zu wehren, derweil Minya nach Sheena rief. Er brauchte einen Moment, um zwischen all seinen Ängsten genug klare Gedanken fassen zu können, um dem Namen auch eine Erinnerung zuordnen zu können. Sheena - ach ja, die weiße Priesterin, mit der er sich über das Schreiben unterhalten hatte. Die von Gestaltwandlern wusste. Ja, Sheena war gut, Shenna-
-war auch schon da. Caleb sah sie von der Seite her an, und seine Antwort drang gepresst zwischen seinen Zähnen hervor.
"Weiß nicht... schon versucht... die ganze Zeit... es ist zu stark... ich kann's nicht kon-"
Der Rest des Wortes ging in einem gequälten Stöhnen unter, als sich die Verwandlung ihren Weg durch seinen Körper brach. Seine Schnauze schob sich in sein Gesicht, die Ohren wanderten seitlich hinab, Rücken und Gliedmaßen verschoben sich in ihren Proportionen. Fall zog sich nach innen zurück und legte die nackte Haut frei, Die Rute schrumpfte und verschwand im Gesäßbereich. Caleb, jetzt wieder Mensch, presste vor Schmerz die stumpfen Zähne zusammen und atmete gepresst und zischend. Als der Schmerz der Verwandlung verschwand, ging er fließend in das Stechen der Winterkälte über. Vorher war ihm schon kalt gewesen, aber jetzt fror er bitterlich. Caleb zitterte und schlang die Arme um sich, und versuchte instinktiv, sich in seiner knieenden Haltung so klein wie möglich zu machen. Sein Blick wanderte erst zu Minyala, dann zu Sheena. Die Furcht lag noch immer in seinen Augen, die ihre Farbe allmählich von bernstein zu braun änderten. Furcht vor dem, was passieren mochte - wie Sheena auf einen Menschen reagieren würde, und wie die anderen echten Wölfe.
[Waldrand | Minyala, Sheena]
20.04.2011, 12:03
Hilel akzeptierte den Abstand, den er zwischen sich und ihr gewählt hatte, anstatt sich etwas zurück zu ziehen. Gut, dann fühlte sie sich von ihm nicht bedroht. Im Gegenteil, sie offenbahrte ihm ein gewisses Vertrauen dadurch, dass sie sich sogar setzte - oder aber sie war davon überzeugt, im Notfall immernoch schnell genug für eine Flucht reagieren zu können. Beides traute er ihr durchaus zu. Aszrem ließ sich ebenfalls auf die Hinterläufe nieder, um seine friedlichen Absichten weiter zu unterstreichen. Allerdings blieben seine Muskeln dabei angespannt, für den Fall, dass plötzlich und schnell reagieren musste.
"Eure Wachsamkeit ist nicht zu übersehen, Hilel, dennoch habt Ihr euch mehrmals dicht an den Rudelplatz gewagt. Sucht Ihr nach etwas Nähe, nach etwas Gesellschaft? Ich glaube nämlich nicht, dass Ihr das nur getan habt, um mich zu provozieren."
Unter anderen Umständen hätte Aszrem sich jetzt ein leicht amüsiertes Lächeln gestattet, aber in diesem Moment war nichts davon in seinem Gesicht zu erkennen. Nur Ernst, das ehrliches Interesse bezeugen mochte.
"Dass Ihr noch am Leben seid, könnte meiner meinung nach für zwei Dinge sprechen: entweder sind hier noch Varge, und Ihr hattet bislang pures Glück, oder aber es gibt hier keine Gefahr mehr. Aber solange wir Letzteres nicht sicher wissen, ist höchste Vorsicht angebracht. Ich bin nicht gewillt, zuzulassen, dass auch nur ein Wolf in diesem Revier einem Varg zum Opfer fällt - und das gilt auch für Euch, Hilel. Ich möchte Euch daher bitten, mit mir zu kommen und den Schutz des Rudels zu genießen. Über Euer vorheriges Verhalten werde ich hinwegsehen, darüber kann später entschieden werden, wenn wir sicher wissen, dass keine Gefahr mehr droht. Und wenn Ihr micht überraschen könnt und Euch besser in das Rudel einfügt, als ich erwartet habe, sollen Eure Fehler vergessen sein."
Aszrem machte eine Pause, um Hilel Zeit zu geben, seine Worte zu verdauen. Ihm war klar, dass dieses Angebot, ja diese Bitte, völlig üebrraschend für die Schwarze sein musste. Sein Blick glitt einmal mehr prüfend über die Umgebung, eher er sich wieder der Einäugigen zuwandte.
"Mir ist klar, dass Euch dieser Sinneswandel meinerseits eher Grund gibt mir zu misstrauen statt mir zu vertrauen, aber ich möchte nicht Euren Tod verantworten müssen, sollte hier wirklich noch Gefahr lauern, ob Ihr nun ein Rudelmitglied seid oder nicht."
Und wenn er daran dachte, dass sie auch Tiberius im Rudel duldeten, konnte Hilel allemal eine zweite Chance gewährt werden.
"Wie auch immer Ihr Euch entscheidet - wenn Ihr irgendetwas von einer Bedrohung in diesem Revier wisst, so sagt es mir bitte. Jeder Hinweis könnte Leben retten."
[nördlicher Wald | Hilel]
21.04.2011, 13:57
Majibáhs Kehle brannte und erinnerte sie daran, dass sie schon lange nichts mehr getrunken hatte. Der Durst machte sie beinahe wahnsinnig und auch wenn sie riskierte, unhöflich zu wirken, verabschiedete sie sich von Cirádan. Langsam wand sie ihren Körper, betont ruhig, um eine Reaktion des jungen Rüden noch hören zu können. Allerdings schwieg er und so setzte sie sich in Bewegung, beschleunigte ihre Schritte mit jedem Atemzug, gierig nach dem kühlen Wasser. Auch wenn das vielleicht merkwürdig klingen mochte, zumal die Temperaturen immer noch nicht gestiegen waren und mitten im Sommer scheinbar ein zweiter Winter ausgebrochen war. Die Weiße hatte sich noch nie an Kälte gestört, ihr dichtes Fell schützte sie davor sehr zu frieren. Wenn andere es als unangenehm empfanden, konnte sie das natürlich verstehen, sie wollte auch niemandem ihre Meinung aufdrängen. Trotzdem, es war ihr sogar relativ Recht, was in den letzten Tagen geschehen war. Möglicherweise auch Wochen, Monaten, in letzter Zeit hatte sie ihr Gefühl für Zeit völlig verloren. Nein, das konnte sie nicht sagen, schließlich wusste sie nicht, welche Ursachen diese plötzliche, eigentlich unmögliche Veränderung hatte, und ob diese nicht gefährlich für das gesamte Rudel sein konnten.
Weil sie so in Gedanken versunken war, bemerkte sie erst spät, dass sie bereits am See angekommen war. Einen kurzen Moment war sie von sich selbst beeindruckt, und dann bemerkte sie einen Wolf, unmittelbar in ihrer Nähe. Sein Fell war von einem tiefen Schwarz und sein Körper relativ kräftig gebaut. Mehr konnte sie von der Seite nicht erkennen, genauso wenig wie seine Absichten. Er murmelte irgendetwas vor sich hin, doch sie war noch einige Meter von ihm entfernt und konnte nicht genau verstehen was. Einige Sekunden lang zögerte sie und wägte ab, ob es besser war, ihn zu fragen was er sprach oder nicht. Aber im Endeffekt rutschte es einfach aus ihr heraus... wahrscheinlich wieder aufgrund ihres unheimlich starken Bedürfnisses nach Gesellschaft.
„Entschuldigung“,
sprach sie ihn mit einem leichten und dennoch zurückhaltendem Lächeln an, während sie ein bisschen näher auf ihn zukam. Nur so nahe, dass es einfacher für ihn wäre sie zu verstehen als aus dem Abstand, der vorher zwischen ihnen gewesen war. Noch immer konnte sie nicht erkennen, ob er für ein Gespräch bereit war oder nicht. Doch da sie wusste, dass sie es schon früh genug erkennen könnte und er sie wohl kaum gleich angreifen würde, vor allem nicht, wenn er etwas sagte und damit das Risiko einging, dass irgendjemand es hören und denken könnte, er sei gemeint.
„Was hast Du gesagt...?“
Nachdem sie das gefragt hatte, beugte sie sich etwas hinunter und trank gierig einige Schlücke. Eine Geste, die ihm deuten sollte, dass sie ihn auch in Ruhe lassen konnte, wenn er es wollte, und es mochte auch so wirken, als ob sie keinerlei Interesse an seiner Antwort hätte. Was allerdings nicht stimmte, ihre Ohren waren aufgestellt und auch das Spiegelbild des Wolfes beobachtete sie ebenso aufmerksam wie unauffällig. Ungewissheit machte sich in ihr breit, sie fühlte sich nicht mehr so sicher wie eben noch, doch sie ließ es sich nicht anmerken und versuchte, dieses Gefühl so gut es ging zurückzuhalten.
[Rudelplatz - bei Volk Zubami]
22.04.2011, 13:11
Die verträumte Nachdenklichkeit des Rüden war verwunderlich, da sich alles um ein sehr ernstzunehmendes Thema drehte, welches alle Wölfe im Tal betraf. Die ganze Angelegenheit war ihm alles andere als egal, aber dennoch war er in der Lage, auf wundersame Weise Ruhe zu bewahren. Es war schließlich nicht Takashis Art, nun völlig in Panik zu geraten und möglicherweise andere Artgenossen mit den Unruhen anzustecken. Als einer der ranghöheren war auch er dazu verpflichtete, dass Rudel auch durch die schlechten Zeiten zu leiten und allen Halt zu geben.
In den Gedanken des Rüden durfte vorgehen, was er selbst bestimmte. So dachte er im Stillen weiter und weiter, bis alles mit Zerstörung und totalem Chaos endete. Takashi hatte weit gedacht. Sehr viel zu weit. Wer hatte auch schon gesagt, dass es überhaupt so weit kommen würde? Seine verrückte Denkweise überraschte ihn selbst für einen kurzen Moment.
Kurz darauf bemerkte der Hüne, dass selbst seine Worte für Verwunderung und einen Hauch von Entsetzen gesorgt hatten. Tyraleens Reaktion war eindeutig. Der weißen Fähe war anzusehen, dass Takashis Worte ihr überhaupt nicht gefielen.
Jetzt schluckte der Hüne bedrückt und biss die Zähne zusammen. Ihm war deutlich anzusehen, dass ihm seine Worte in gewisser Weise Leid taten. Dennoch brachte er kein weiteres Wort mehr hervor. In was hatte er sich da überhaupt wieder verrannt? Der Schwarze hatte irgendeinen Unfug ausgeplaudert, der einfach nicht stimmen konnte – so war es! Er hatte viel zu unüberlegt seine Worte ausgesprochen und das auch noch im Beisein Tyraleens.
Der Hüne hatte etwas Falsches über die Götter gesagt, was ihm deutlich unangenehm war. Manch ein Wolf konnte Falschaussagen über Götter sogar als Blasphemie wahrnehmen. So blickte Takashi wieder zum Rudelplatz herüber und tat so, als wäre er für den Moment abgelenkt. In ihm baute sich Unruhe und Anspannung auf, da er überhaupt nicht einschätzen konnte, wie die Alphawölfin nun reagieren würde. Sein Blick war starr, der Körper steif. So hätte man Takashi für einen Eisblock halten können, wenn er nicht erneut vorsichtig den Blickkontakt zu Tyraleen aufgenommen hätte.
Takashis Anspannung lockerte sich etwas, als er auf den Lefzen der Weißen ein freundliches Lächeln entdeckte. Sie bot ihm an, mehr über die Götter zu erfahren.
„Ja, bitte erzähle mir mehr über die Götter, Tyraleen. Mein Wissen über sie ist ganz und gar nicht ausreichend...!“
Zwar lebte Takashi schon eine lange Zeit mit den Wölfen im Tal der Sternenwinde zusammen, aber dennoch hatte er nicht viel über die Götter erfahren. Der Glaube an Fenris war mit der Aufnahme in das Rudel für den Rüden eine ganz neue Erfahrung. Zuvor hatte er an keine Gottheiten geglaubt und hatte nicht ein mal erfahren, dass sie überhaupt existierten. Heute wusste er von ihnen, was aber dennoch viel zu wenig war. Es waren immer nur Informationen gewesen, die der Rüde von den anderen Artgenossen aufgeschnappt hatte. Einmal hatte er sogar ein besonderes Ritual durchführen dürfen, um seinen Bruder die letzte Ehre zu erweisen. Es war eine wirklich sehr schwere Aufgabe für den Hünen, da es sich zum Einen um seinen Bruder handelte und er zum Anderen nie eine Ausbildung genossen hatte.
Ganz aufmerksam lauschte der Hüne Tyraleens Worten. Sie war eine Priesterin, die ihre Ausbildung absolviert hatte und somit über ein enormes Wissen über die Götter verfügte.
So lernte Takashi dazu, dass die Götter niemals einen Kampf gegeneinander ausfechten würden. Es waren die, die an die Götter glaubten. Die Wölfe, die den Göttern macht gaben und ihre Schlachten für sie schlugen. Fenris wurde immer stärker, weil viele Wölfe seinen Gesetzen folgten. So kam auch die eisige Kälte und die Dunkelheit in das Tal. Es war in der Zeit, Engaya zu stärken, damit wieder alles ins Gleichgewicht kommen konnte. Dazu waren friedvolle und gutmütige taten von Nöten.
Tyraleen hatte sich plötzlich erhoben und den Entschluss gepackt, die anderen herbeizurufen. Alle mussten davon erfahren und somit stimmte Takashi zu.
„Das ist das Beste, was wir nun tun können. Alle sollten davon wissen, was nun zu tun ist, damit alles wieder ins Gleichgewicht geraten kann. “
[ Rudelplatz | Tyraleen ]
23.04.2011, 09:54
Averics scharfem Blick begegnete der Schwärzling mit einem leisen Lächeln, wie er es für jeden Wolf übrig hatte. Geduldig ertrug er die fast schon lauernde Musterung des Todessohnes, schon froh darüber, noch nicht mit gebleckten Zähnen begrüßt worden zu sein. Schließlich folgte das erlösende Nicken, und Malakím seinen erschöpften Leib zu Boden sinken. Nur zu deutlich war ihm die Kraftlosigkeit anzumerken, die so viele Rudelmitglieder plagte. Ein paar Momente lang schöpfte er nach Atem, während sein Blick es Averics gleich tat und über das lagernde Rudel glitt. Derweil suchte er nach passenden Worten, um ein Gespräch zu beginnen. Averic hatte ihm keine Vorlage geliefert, auf die er reagieren konnte, aber wenn er bedachte, mit welchen Reaktionen er eher gerechnet hätte als mit dieser stillen Duldung, war dieses Schweigen nicht der schlechteste Start.
"Ich war nicht sicher, ob du meine Anwesenheit dulden würdest. Ich habe dich die letzten Tage immer allein gesehen, höchstens noch in Begleitung eines der Kinder, und ich dachte mir, du würdest das so wollen. Du bräuchtest Zeit für dich und Zeit zum nachdenken - ur allzu verständlich nach dem, was passiert ist. Ich habe in letzter Zeit so viele umher wandern gesehen, allein mit sich, ihren Gedanken und der Welt, die sie nicht mehr verstehen. Aber irgendwann sollte das Alleinsein enden. Und ich dachte mir, vielleicht wartest du nur auf jemanden, der zu dir kommt. Vielleicht kommst du selbst nicht, weil du dich nicht in der Pflicht siehst der zu sein, der kommen müsste. Auch das kann ich verstehen. Also habe ich mir gedacht, ich komme zu dir und biete dir an, mit mir zu reden. Über was immer du willst. Oder nur ich rede, und du hörst zu und jagst mich davon, wenn du keine Lust mehr auf mein Geschwätz hast."
Mit einem verschmitzen Lächeln sah er Averic an, dann schwand der Schalk wieder aus seinen Augen und ließ einen Ausdruck darin zu rück, der trotz des schwachen Lächelns viel ernster war, als man es im Allgemeinen von Malakím kannte.
[Sternensee | Averic]
23.04.2011, 10:18
Kishas Kopf neigte sich ein kleines Stück zur Seite, als sie die Unsicherheit des weißen Rüden erkannte. Die schwarze Fähe bemühte sich, ihr Lächeln ein wenig wärmer wirken zu lassen, obwohl es wohl klar war, dass sie nicht gekommen war, um ihm Schaden zu zu fügen. Zuerst glaubte Kisha, er würde gar nicht antworten, umso mehr erstaunte sie es, dass er dann doch sprach. Wenn auch nur ein wenig abgehakt. Nun konnte sie das, wohl leicht nervöse, Zucken seiner Ohren beobachten, die Unsicherheit, die in seiner ganzen Haltung lag. Auf seine weiteren Worte hin nickte die Schwarze leicht. Sicher wäre es besser für sie alle gewesen, wenn die Sonne ihnen ihre warmen Strahlen geschenkt hätte.
Als der Weiße dann eine Frage an sie richtete, zuckten auch die Ohren der Dunklen ein wenig zurück, ehe ein leises Seufzen ihre Kehle verließ.
“Damit gehöre ich wohl leider zum Großteil des Rudels. Aber das ist alles irgendwie... merkwürdig. Ich frage mich, was uns noch erwartet. Nach diesem Wintereinbruch, dem Varg...“
Ihre hellen Augen ruhten auf denen des Jungwolfes, während sie sich langsam auf die Hinterläufe sinken ließ. Langsam, als wolle sie ihre Worte noch einmal untermalen, richtete sie den Blick herum, betrachtete die dicke Schneedecke und die Wölfe, die wie sie selbst, von Schwäche gezeichnet waren. Einige Momente saß sie so still da, ehe sie den Blick wieder auf Nihil wandte.
“Ich frage mich, ob unsere neuen Anführer eine Erklärung für das alles finden...“
Ihre Worte wurden von einem leichten Lächeln begleitet.
[Rudelplatz – Nihilus]
24.04.2011, 22:31
Eine weiße Fähe kam zum See aus genau dem selben Grund wie Volk auch, sie wollte etwas trinken. Der schwarze Rüde folgte ihren Schritten aus dem Augenwinkel heraus, sie war schön, ihr weißes Fell und dieser Duft. Sie roch nach Sibirien, eindeutig hatte diese Fähe etwas an sich, was ihn an Zuhause erinnerte. Ihr Fell war Weiß wie Schnee und an manchen Stellen Grau, aber dennoch ein so helles grau, das es kaum im Schnee auffiel. Höflich sprach sie ihn an und fragte was er da gerade gesagt hatte. Der Rüde hob seinen Kopf, Wasser tropfte von seiner Schnauze, er drehte sich zu ihr und sprach:
„Oh, ich sagte gerade, das es keinen schlimmeren Ort gerade geben kann. Ich meine die Kälte, die, die nicht nur die Natur gerade widerspiegelt. Ich spreche von dem Eis was in unsere Adern zu fließen scheint, mehr und mehr, bis wir alle erstarren. Vielleicht haben wir auch Glück und bringen uns alle vorher gegenseitig um. Es, es tut mir Leid, aber ich bin mit so vielen Erwartungen hier geblieben und ich wurde enttäuscht. Es sollte Sommer sein, kein Schnee sollte fallen, sondern Regen. Alles sollte blühen und die Tiere müssten Leben, stattdessen sterben sie. Tut mir Leid, ich bin nicht gut drauf zur Zeit, ich habe Schmerzen und nur wenig Kraft.“
Volk versuchte nicht bösartig oder verschreckend zu wirken, auch wenn es dafür vielleicht schon zu spät war. Dennoch war es der Rüde leid in diesem Tal der Kälte zu Leben. Konnte man dies überhaupt „Leben“ nennen, denn „Vegetieren“ würde eher passen. Da kam ihm wieder der Duft, der Weißen entgegen und der Rüde erinnerte sich an seine alte Heimat, an den See, an die Wälder, an seine Familie. Er musste einfach fragen, er musste sie Fragen.
„Du, sag mal, kommst du auch aus Sibirien? Du riechst nach meiner alten Heimat, nach den Wäldern und dem See. Du riechst nach dem Norden, nach Schnee und dein Fell sieht auch so schön aus. Entschuldige, ich schweife ab. Manchmal vermisse ich meine Heimat, mein Zuhause und da du, scheinbar auch nicht von hier stammst, kennst du das Gefühl doch oder stört es dich nicht?“
Er näherte sich ihr, um ihrer Antwort besser lauschen zu können.
[Rudelplatz | Majibáh]
25.04.2011, 13:01
Averic sah aus den Augenwinkeln, wie sich Malakím fast mehr zu Boden fallen ließ, als dass er sich setzte. Es war auffällig, wie unglaublich schwach ein Großteil des Rudels war. Er hingegen schäumte fast über und ihm bereitete es Müh einfach nur sitzen zu bleiben. Als der Schwarze neben ihm zu sprechen begann, verengte sich der dunkelblaue Blick leicht. So konnte wirklich nur ein Engaya-Wolf denken. Als ob er sich besonders quälen würde und an Einsamkeit zugrunde ging. Das mochte vielleicht auf Wölfe wie ihn zustimmen, aber nicht auf Averic. Als Malakím geendet hatte, schnaubte der Pechschwarze leicht abschätzig.
„So, du willst nun also Psychiater spielen.“
Er drehte den Kopf leicht, um den Schwarzen wieder direkt anzusehen. Es war fast ein wenig dreist, welche Vermutungen sich der Rüde herausnahm. Averic war sicher nicht der Wolf, der das Alleinsein beklagte. Es war ihm schließlich nicht fremd. Und wenn er es genau bedachte, hatte es ihm nie etwas ausgemacht. Mochte er sich zwar hin und wieder von bestimmten Wölfen verlassen gefühlt haben, unter Einsamkeit hatte er jedoch niemals gelitten. Das war wohl ein kleines Mitgift seines Erbes. Dieses Gefühl konnte ein Todessohn nicht gebrauchen.
„Ich warte sicher nicht auf ‚jemanden’. Wenn du hoffst, dass sich jemand bei dir ausheult, solltest du dir einen anderen Wolf aussuchen.“
Averic klang immer noch ruhig und kalt. Das Brodeln in sich hielt er zurück, es wäre verschwendete Energie sich über einen selbsternannten Friedensbringer aufzuregen. Wenn er auf jemanden warten würde, dann sicher nicht auf Malakím, oder irgendeinen anderen Wolf ...
[ Rudelplatz - am Sternensee | Malakím ]
25.04.2011, 13:22
Chardím lag an der Bachmündung im Schnee und hielt die Augen geschlossen. Die letzten Tage waren eine reine Tortur gewesen. Er lag eigentlich die meiste Zeit, weil er sich kaum auf den Beinen halten konnte und sein Orientierungssinn in keinster Weise mehr funktionierte. Er wusste kaum mehr, wo oben und unten war, in ihm drehte sich immer noch alles und dieses Gefühl wurde nur langsam schwächer. Der Übergang auf Engayas Seite war deutlich schwieriger, als er gedacht hatte. Fenris wollte ihn nicht loslassen und so quälten ihn beide Seiten. In seinen Augen hätte man sehen können, dass das Bernstein inzwischen die Oberhand gewonnen hatte. Und so breitete sich langsam auch die Schwäche der Engaya-Wölfe in seinen Gliedern aus. Wenn Fenris ihn loslassen würde, würde wenigstens nichts mehr schwanken und er hätte nicht mehr das Gefühl, dass die ganze Welt mit ihm Karussell fuhr. Außerdem war ihm kalt, aber momentan wollte er sich nicht zu einer Bewegung aufraffen.
Jemand anderes zwang ihn dann aber dazu. Als eine Stimme an ihn heran drang, zuckten die Ohren des Schwarzweißen und die nun fast bernsteinfarbenen Augen öffneten sich wieder. Jakash. Mühsam hob Chardím den Kopf, um seinen Paten anzusehen und ein ehrlich erfreutes, wenn auch müdes Lächeln breitete sich auf seinen Lefzen aus. Er hatte nicht mehr geglaubt, dass Jakash noch einmal seine Nähe suchen würde, umso mehr freute es ihn, dass er jetzt da war, auch wenn bereits viele Tage vergangen waren, in denen seine kreiselnden Gedanken immer wieder zwischen der Sache mit dem Varg und mit Jakash hin und her gesprungen waren.
„Jakash. Sehr gerne.“
Wenige Atemzüge später fiel ihm hinter seinem Paten eine Bewegung auf und als er versuchte diese zu fixieren, war der silberweiße Wolf auch fast schon bei ihnen. Chardím konnte ihn zuerst nicht wirklich erkennen, was weniger daran lag, dass er den Wolf auch kaum kannte, als daran, dass es eine Weile dauerte, bis er ihn klar erkennen konnte. Das war Madoc, ein Wolf in Jakashs Alter, der sich oft bei seiner Schwester Atalya aufhielt.
„Hallo Madoc.“,
antwortete er freundlich, nahm jedoch keinen Bezug auf seinen Kommentar nicht stören zu wollen.
[ Rudelplatz - Bachmündung | Jakash, Madoc ]
25.04.2011, 14:45
Nachdem Majiba sich von ihm entfernt hatte, unsicher aber dennoch höfflich, blieb Cirádan einfach da sitzen, wo er gerade war und beobachtete sie und Volk.
Er fühlte sich wiedermal als Außenseiter. Nachdenklich lies der junge Wolf seinen Blick über den Rudelplatz schweifen.
Da war Caylee mit diesem fremden Wolf. Das versetzte ihm merkwürdigerweise einen Stich in sein kleines Herz. Cirádan verstand nicht warum das so war, versuchte jedoch den Gedanken wieder so bald wie möglich zu verdrängen und sah lieber wo anders hin.
Dort sprachen Takashi und Tyraleen miteinander. Zu gern wüsste er, worüber sie sprachen, doch trauete er sich nicht zu fragen oder zu stören. Wenn es etwas wichtiges war und sie zu einer Entscheidung kommen würden, dann würde sie es auch verkünden, dessen war er sich sicher.
Unwillkürlich wanderte sein Blick dennoch wieder zu Caylee. Er fragte sich, warum er ihn so traurig machte zu sehen, wie sie mit diesem Rüden sprach.
Cirádan hörte gar nicht, was Volk und Majiba in seiner Nähe besprachen. Und hören was Caylee und der andere Rüde miteinander redeten... das konnte er natürlich auch nicht. Dafür waren sie viel zu weit entfernt.
Ein seufzen verließ seine Kehle. Er wusste nicht so Recht was es zu bedeutend hatte und warum immer wenn etwas kam, es alles aufeinmal kommen musste.
Die Kälte, die Varge... ob irgendjemand schon etwas über diese Varge herraus gefunden hatte?
Er wüsste gerne mehr über diese Varge. Immerhin wusste auch Majiba nicht viel oder fast noch weniger als er.
Vielleicht würde er einfach nur abwarten müssen. Doch er wollte irgendwas tun. Etwas... womit er dem Rudel helfen können würde.
[ in der Nähe des Sees | Nahe Majibáh & Volk Zubami | Caylee beobachtend]
26.04.2011, 10:47
Caylee starrte knapp an Tiberius vorbei auf den festgetretenen und gefrorenen Schnee zu ihren Pfoten. Sie hatte das Kopfschütteln des Gestromten aus dem Augenwinkel gesehen und wäre sie nicht so müde und antriebslos gewesen, hätte sie ihn vermutlich schon am Wangenfell gepackt um ihn am Weiteren Schütteln zu hindern. So stand sie nur da und stierte den Schnee an, darauf wartend, dass Tiberius ihr seine Weisheit zukommen ließ. Sie spürte Wut in sich brodeln, die sie jedoch energisch zurückschob. Genau das durfte sie jetzt nicht sein – wütend. Also starrte sie stumm und empfing schließlich die erwartet intelligenten Worte des Gestromten. Hielt er sie für blöde? Sie war vielleicht jünger als er, aber ihre welpische Naivität hatte sie längst abgelegt. Und warum überhaupt erklärte er ihr gerade, was vorgefallen war? Er hatte davon doch überhaupt nichts mitbekommen! Offensichtlich hatte ihm jemand von dem schrecklichen Tag erzählt, doch wie er dabei davon ausgehen konnte, sie würde weniger darüber wissen, als er, ging ihr nicht ganz in den Kopf. Sie biss die Zähne aufeinander und hob den Blick. Er sah sie noch immer so an – zum Glück, dabei konnte einige Wut verrauchen. Jetzt ganz ruhig bleiben.
“Danke, dass du mir meine Familie erklärst. Was würde ich nur ohne dich tun? Der großartige, weise Tiberius hat erneut eine Situation voll erfasst und ich bin die Glückliche, die seine Erkenntnisse erfahren darf. Danke, großer Meister, danke!“
Der Spott quoll aus jedem ihrer Worte hervor und triefte an ihren Lefzen hinab. Sie zeigte ihm kurz die Zähne, dann drehte sie sich erst einmal um, sich wieder ganz fassen wollend. Ihre Worte waren zwar nicht direkt wütend oder böse gewesen, aber sonderlich liebevoll ganz bestimmt auch nicht. Das war nicht engayamäßig gewesen. Wie musste sie sich verhalten? Offensichtlich hatte Tiberius sie missverstanden, also musste sie ihm erklären, was sie eigentlich gedacht hatte. Sie drehte sich wieder zu ihm um, jetzt lag ein salbungsvolles Lächeln auf ihren Lefzen, doch der Spott war noch nicht ganz von ihr gewichen.
“Der Hass ist in unserem Tal eingekehrt und wir können ihn nur durch Liebe vertreiben. Also müssen wir Lieben und jedem diese Liebe zeigen – das ist doch ganz logisch. Wir müssen versuchen, jeden dazu zu animieren, auch wenn meine Eltern dabei sicher der schwierigste Fall sind.“
Hah, das war doch gut gewesen. Eine ganz nüchterne Erklärung, ohne irgendeine Spitze und ohne einen Vorwurf, ob direkt oder indirekt. Das Lächeln auf ihren Lefzen wurde ehrlicher und sie betrachtete den Gestromten vor sich wieder mit einem freundlichen Blick, der beinahe schon so war. Dann ließ sie ihre Augen über den Rudelplatz gleiten, wollte zu der Stelle, an der Atalya und einige andere saßen, und blieb doch an einem anderen Wolf hängen. Ziemlich alleine in der Nähe des Sees saß Ci und sah sie an. Sie konnte seinen Gesichtsausdruck dank der Entfernung nicht erkennen, doch aus irgendeinem Grund war ihr dieser Blick unangenehm. Sie war froh, als Tiberius plötzlich eine seltsame Frage stelle und sie so ablenkte. Ob sie an die Götter glaubte?
“Natürlich. Hier bleibt einem gar nichts anderes übrig.“
Eine Gegenfrage unterließ sie, es gab jetzt wichtigeres, als über die Götter zu diskutieren.
“Lass uns bei Cirádan anfangen.“
Der Satz war ihr rausgerutscht bevor sie darüber nachgedacht hatte. Sie mochte Ci, auch wenn er manchmal ein Angsthase und es gar nicht so einfach war, sich mit ihm zu beschäftigen. Sein Blick ebengerade war seltsam gewesen, aber vielleicht sollte sie gerade deshalb zu ihm? Jetzt war es sowieso zu spät, ihr Vorschlag stand. Also war sie Tiberius ein aufforderndes Lächeln zu und trat den Weg zu Cirádan an. Der leicht abfallende Weg hin zum See war nicht allzu lang, sodass sie schon nach kurzer Zeit
“Hey, Ci, hast du Zeit für uns?“
rufen konnte.
[ Rudelplatz | Tiberius und Cirádan ]
26.04.2011, 14:56
Höchst zufrieden betrachtete Minyala wie sich Sheena ihnen näherte – zwar nicht gerade eilig, aber immerhin im schnellen Schritt. Die Weiße schien begriffen zu haben, dass es einen Notfall gab und ihr mittlerweile erkennbarer Gesichtsausdruck war auch nicht wütend. Sehr gut. Minyala war einen Blick über die Schulter, aber Caleb stand nur zusammengekrümmt da, versuchte sich zu beherrschen und schien doch kein Erfolg zu haben. Immerhin war Sheena nun so gut wie da. Sie hatte Caleb bereits entdeckt, warf Minyala nur ein kurzes Lächeln zu und wandte sich direkt an den Werwolf. Die Silberweiße hätte die Fragen der Beta durchaus beantworten können, fand aber, dass nun eher Zeit war, Caleb zu beruhigen. Sie kramte in ihren Gedanken nach etwas, das den Braunen ablenken konnte und fand doch erschreckend wenig.
“Caleb, weißt du noch – Ketchup!? Das war doch dein Freund oder eben auch nicht. Irgendetwas mit Schnitzel. Deine Freunde. Ketchup und Schnitzel.“
Doch es war wohl schon zu spät. Ein paar abgehackte Sätze kamen noch aus dem Maul des Braunen, dann zog sich eben jenes in seinen Kopf zurück und verlor sein Fell. Innerhalb kürzester Zeit hatte sie wieder den guten alten Caleb vor sich – wie sie ihn damals getroffen hatte. Wie schmächtig er wirkte; erst Recht, wenn er sich hinsetzte und die Oberläufe um sich schlang. Ihm schien kalt zu sein, in seinem Blick stand Angst. Auch Minyalas Augen huschten nun zu Sheena, wie viel hatte die Weiße schon erlebt? Kannte sie einen Menschen, so wie er nun vor ihr saß? Die Silberweiße beschloss, dass es am besten war, nun kein Drama zu machen, sondern ganz locker zu bleiben. Sie trat neben Caleb und kuschelte sich an ihn – mittlerweile hatte sie den Ansatz eines Winterfells, wärmen würde es ihn sicher. Dann schenkte sie Sheena ein Lächeln.
“Zu spät. Meist hilft es, wenn Caleb an etwas sehr Beruhigendes denkt, aber offensichtlich gab es davon gerade nicht genug. Soviel ich weiß, muss ein Werwolf sich etwa alle zwei Monate verwandeln, sonst könnte es ihm schaden. Allerdings ist das der Fall bei Werwölfen, die selbst entscheiden, wann sie sich verwandeln wollen. Wir haben versucht, Caleb das beizubringen, aber es wohl nicht so einfach, wie es sich anhört.“
Weiterhin lächelnd, schob sie Calebs Kopf mit der Schnauze unter dem Kinn ein wenig nach oben und schmiegte sich dann an seine Brust. Es wäre am besten, wenn er sie in die Arme nahm, aber sie hatte ja mittlerweile herausgefunden, dass dem Werwolf so enger Körperkontakt unangenehm war. Wenn einem Wolf kalt war, so kuschelte man sich so eng wie möglich an ihn, ob man ihn nun sonderlich mochte oder nicht. Das war bei Menschen ein wenig anders.
[ Waldrand | Caleb und Sheena ]
26.04.2011, 17:18
Averics Schnauben war ein vertrauter Laut. So viel Kälte, wie anschließend in der Stimme des Todessohnes lag, so viel Gefühl lag in diesem wortlosen Ausdruck. 'Tu kennst mich nicht, also glaube nicht, du würdest mich verstehen. Ich will deine Hilfe nicht, selbst wenn ich sie bräuchte. Ich bin stark, ich komme allein klar.' Und oft genug hatten sie dann später doch mit ihm geredet. Nicht immer, aber es war dem Schwärzling dennoch jedes mal wieder einen Versuch wert.
"Nein, ich bin nicht hier, um zu therapieren. Ich möchte helfen, wenn ich kann. Wenn das allerdings das gleiche für dich ist..."
Er ließ den restlichen Satz einen Moment in der Luft hängen, bevor er fortfuhr.
"Aber ich 'spiele' nicht. Gefühle sind, wie das Leben selbst, zu wertvoll, um ihnen nur flüchtige Aufmerksamkeit zu schenken. Es wird zu viel Schaden angerichtet, wenn man nur halbherzig auf die Gefühle eines anderen eingeht. Die Wunden, die dadurch gerissen werden können, sind so schwer wieder zu heilen, dass man sie besser gar nicht erst schlagen sollte."
Malakím nahm den Blick von seinem Gegenüber und ließ ihn über die Umgebung schweifen.
"Wölfe, die ihr Leben Engaya verschreiben, versuchen normalerweise immer zu heilen, die körperlichen Wunden wie die seelischen. Ich kann mir nicht vorstellen, einen Verletzten zu sehen und mich abzuwenden. Aber ich gestehe, ich weiß nicht, wie ihr Fenriswölfe das seht. Lebt ihr lieber mit euren Wunden, welbst wenn die Gefahr besteht, dass sie ewig bluten werden?"
Seine Augen waren nicht zu Averic zurück gekehrt, sondern blickten nun sinnend in den Himmel. Wie tief wohl Ihre Wunden gingen? Als erster Wolf in diesem Rudel konnte Averic einen Malakím sehen, dessen Züge völlig ernst waren, ohne den leisesten Hauch eines Lächelns. Selbst dann noch, als er den Blick wieder hinab zu Averic senkte.
[Seeufer | Averic]
26.04.2011, 19:14
Takashi schien tatsächlich ein wenig peinlich berührt, aber er nahm Tyraleen ihre Worte nicht übel. Das erleichterte die Weiße, denn auch wenn sie zwei Ränge über dem Schwarzen stand, so war er doch der Ältere und in vielen Situationen auch der Weisere. Dass eine Priesterin über die Götter dennoch immer das letzte Wort haben würde, schien zwar einerseits naheliegend, andererseits hatte Tyraleen noch immer nicht das Gefühl, als dürfe sie andere Wölfe belehren. Sie fühlte sich noch so jung und in ihrer Vergangenheit hatte sie so viele Fehler begangen, dass sie es niemandem übel nehmen durfte, wenn er ihre Worte nicht hören wollte. Umso mehr erfreute sie Takashis freundliche Reaktion und gab ihr gleichzeitig ein wenig Mut, offener mit ihrem Wissen umzugehen. Und erstaunlich, was geschehen konnte, wenn man sein Wissen teilte – ganz von alleine kam man auf Gedankenpfade, die man vorher stets übersehen hatte. Jetzt schien es so logisch, so klar. Sicher, was es genau mit dem Varg auf sich hatte, warum er im Wasser zum Wolf geworden war – das waren noch offene Fragen, aber es gab endlich eine Möglichkeit, etwas an dieser Kälte zu ändern. Oder zumindest die Hoffnung darauf. Jetzt pochte Tyraleens Herz schnell in ihrer Brust und sie konnte kaum noch stillhalten, trippelte von links nach rechts und zurück. Während Takashi wohl noch über ihre Worte nachdachte, rasten ihre Gedanken bereits voraus, verwarfen die Idee, das ganze Rudel zu rufen und wollten plötzlich nur noch eines: zu Averic. Wenn sie Vergebung und Freundschaft verlangte, so musste sie sie als aller erstes geben. Ihr Blick raste über den Rudelplatz, entdeckte endlich am Ufer des Sees eine schwarze Gestalt, die unverkennbar ihr Bruder war und übersah beinahe den zweiten schwarzen Wolf an dessen Seite. Beinahe hätte sie vergessen, dass sie noch ein Gespräch mit Takashi führte, erst seine Worte brachten sie wieder zurück zu ihr selbst. Kurz starrte sie den Schwarzen an, dann schüttelte sie den Kopf, sich selbst und seiner Zustimmung widersprechend.
“Ich muss zu Averic. Aber …“
Sie betrachtete den schwarzen Rüden. Er war ein Fenriswolf, durfte sie dennoch Engayataten von ihm verlangen? Sollte sie Recht haben, ging es hier um das Wohl des gesamten Rudels … durfte sie dieses Rudel über Fenris stellen? Ihr Gesichtsausdruck wurde innerhalb weniger Herzschläge erst unsicher, dann entschlossen. Sie trat einen Schritt auf den Schwarzen zu.
“Takashi, du musst mir helfen. Ich weiß, du gehörst du Fenris, es war nie deine Aufgabe, Wölfen Freundlichkeit zukommen zu lassen. Doch jetzt muss ich dich bitten, zu ihnen zu gehen, ihnen von unserer Erkenntnis zu berichten und freundlich zu sein. Liebevoll, offen, herzlich. Soweit es dir möglich ist.“
Ihr Blick huschte erneut über den Rudelplatz.
“Du könntest zu Jakash, Chardím und Madoc gehen. Ich weiß nicht, was vorgefallen ist, aber ich spüre Fenris in Jakashs Nähe. Er muss zurück zu Engaya kommen.“
Sie lächelte dem Schwarzen zu. Jetzt hatte er einen Auftrag, auch wenn dieser möglicherweise zu viel von ihm verlangte. Doch in diesen Tagen musste jeder über sich hinauswachsen – so wie Tyraleen nun selbst. Mit einem aufmunternden Laut zu Takashi drehte sie sich um und begann den leicht abfallenden Weg zum See hinab. Zunächst war sie locker getrabt, dann beschleunigte sich ihr Schritt bis sie beinahe rannte. Sie freute sich nicht darauf, mit Averic zu reden, doch sie wollte Engaya bei sich spüren, sie wollte ihrer Göttin beweisen, dass sie mehr konnte, als blind Befehlen zu gehorchen. Über sich Hinauswachsen. Erst als sie Averic und Malakím richtig erkannte, verlangsamte sie ihren Schritt wieder und erreichte die zwei in einem lockeren Trab. Ihr Gesichtsausdruck war unergründlich, ihre Rute schwang ganz leicht hin und her. Jetzt, wo sie vor ihrem ehemaligen Gefährten stand, ihm so nahe war wie seit der Katastrophe nicht mehr, wollte die Wut und die Enttäuschung wieder hochkommen, doch sie schluckte sie verbissen hinunter. Sogar ein leichtes Lächeln brachte sie für Malakím und ganz kurz für Averic zu Stande. Sie vermochte es nur nicht, ihren Bruder länger als einen Herzschlag anzusehen.
“Entschuldigt meine Unterbrechung. Averic, ich möchte mit dir reden. Es … ist wichtig.“
Obwohl sie mit ihrem einstigen Gefährten sprach, sah sie ihn wieder nur ganz kurz an, dann legte sich ihr Blick auf Malakím mit der Entschuldigung, das Gespräch unterbrochen zu haben und der Bitte, dass er sie alleine ließ. Ihre Stimme hatte leicht gezittert, ob aus Nervosität oder aufgrund der Anstrengung des Laufens blieb unklar.
[ Rudelplatz | erst Takashi - dann Averic und Malakím ]
27.04.2011, 14:35
Averic verengte leicht die Augen, als Malakím auf die Wölfe zu sprechen kam, die ihr Leben Engaya verschrieben hatten. Und im Angesicht seiner Situation klangen die Worte des Schwarzen fast lächerlich. Engaya-Wölfe versuchten also immer zu heilen und zu helfen? Er hatte wirklich keine Ahnung. Er war nur ein weiterer, dummer Wolf, der sich das Leben mit der „Gut“ und „Böse“-Einteilung leichter machte. Es war ja auch so viel einfacher daran zu glauben, selbst wenn einem der gegenteilige Beweis noch ins Gesicht geschlagen wurde.
„Meine Wunden hat ein Engaya-Wolf gerissen.“
Der Pechschwarze ließ keinerlei Emotion in dieser Aussage zu und vielleicht machte gerade das sie so unerbittlich. Und wenn er genau darüber nachdachte, war es neben seinem Vater schon immer dieser Engaya-Wolf gewesen, der ihm Wunden in Herz und Pelz gerissen hatte.
Averic sagte nichts weiter, zum Einen, weil er schlicht nichts anderes zu seinen Worten zu sagen hatte und ihm der Kommentar, dass Wunden von Fenriswölfen nicht ewig bluteten – deshalb waren sie Fenriswölfe – überflüssig erschien. Zum Anderen schlug ihm plötzlich eine Präsenz entgegen, die ihn Malakím fast vergessen ließ. Er drehte den Kopf herum und sah in der Ferne bereits die weiße Wölfin auf sich zukommen. Der Schwarze wusste augenblicklich, dass sie direkt auf sie beide zusteuerte und vielleicht krampfte sich auch genau deshalb etwas in ihm zusammen, obwohl er eigentlich geglaubt hatte sein Innerstes derweil unter Kontrolle zu haben, so tief verborgen unter einem jungen Gletscher. Auch als sie vor ihnen stand, wandte er den Blick nicht ab, auch wenn Averic ihr nicht in die Augen sah. Er betrachtete ihre locker schwenkende Rute und das leichte Lächeln und fühlte, wie es in ihm wieder anfing zu brodeln. Was für einen Grund hatte sie so vor ihm zu stehen?! Keine Regung huschte über sein Gesicht, als Tyraleen mitteilte mit ihm reden zu wollen. Ein Teil ihn ihm wollte sich abwenden und weggehen, der andere wollte genau hier stehen bleiben und wissen, was sie zu sagen hatte. Wie aberwitzig. Hatte er doch gerade eben noch gesagt, dass er sicher nicht auf irgendjemanden wartete. Aber in ihm war kein Platz für Optimismus ob dieses Zufalls. Und noch viel weniger, für ein falsches Lächeln, wo in ihm doch alles düster war. Sie sah ihn auch gar nicht richtig an. Averic wandte den Blick ab und richtete ihn auf Malakím.
„Lass uns bitte alleine.“
[ Seeufer | Tyraleen, Malakím ]
27.04.2011, 14:50
Jumaana lächelte leicht, doch es war nicht die Neugier der Schwarzen, die sie erheiterte; vielmehr ihre eigene Unwissenheit. So war es. Die anderen wussten mehr von dem seltsamen Vargwolfwesen als sie, denn sie hatte nichts über ihn wissen wollen. Sie wollte vor der Gefahr flüchten und der Angst nicht in die blutroten, tödlichen Augen blicken, obwohl sie wusste, dass das ein Ding der Unmöglichkeit sein würde. Vor der eigenen Furcht konnte man nicht weglaufen, denn sie blieb immer nur ein paar Wolfslängen hinter einem, egal, wie schnell man rannte. Sie waren einem immer auf den Fersen, die grausamen, düsteren Träume, die der Weißen so viele Sorgen bereiteten. Wenn wenigstens Aarinath an ihrer Seite wäre, dann würde sie die seelischen Schmerzen vielleicht ausstehen können – doch sie stand vollkommen allein da.
„Es ist alles anders als früher“,
begann sie zögerlich, unsicher, was sie als nächstes sagen wollte. Wie konnte man einem Außenstehenden, der zwar eingeweiht in die Macht der Götter, doch ohne Wissen über die Veränderungen im Tal war, erklären, was es mit dem Varg, dem Wintersommer und der bedrückenden Angst des Sternenwindrudels auf sich hatte? In Gedanken probierte die Wölfin einige Antworten, doch sie klangen alle hohl und nicht der Realität entsprechend. Vielleicht war es zu grausig, was geschehen war, um es endgültig und sachlich in Worte zu verpacken. Mit versunkener Nachdenklichkeit in den meergrünen Augen betrachtete Jumaana ihr Gegenüber, unbewusst, was aus ihrem Blick sprach und was die Schwarze daraus lesen konnte. Dann setzte sie erneut zum Sprechen an, doch bevor sie das erste Wort hervorbringen konnte, brach ihre Stimme. Erstaunen blitzte in ihren Augen auf und Jumaana räusperte sich leise.
„Ich … nun. Sieh dich um, Malicia. Schnee, er ist überall. Dabei ist eigentlich die Zeit des Sommers, in der die Sonne unbarmherzig vom Himmel hinabbrennt und uns allen mit ihrer Wärme ein Strahlen aufs Antlitz zaubert. Aber dem ist nicht so und wir wissen alle nicht, was diese plötzliche Änderung veranlasste. Doch vor einigen Tagen – acht waren es, wenn ich mich recht erinnere – tauchte plötzlich etwas auf. Auf dem Rudelplatz … entschuldige bitte.“ Als die Erinnerungen vor ihrem inneren Auge aufblitzten, musste die Wölfin schlucken. „Auf dem Rudelplatz fanden einige Wölfe eine Leiche von einem unnatürlichen Wesen. Es war wie ein Koloss von Wolf, eine stinkende, blutrünstige Bestie. Rote Augen und grausige Zähne … aber es war tot. Doch als die Priesterinnen ihn zu Grabe zum Fluss brachten, veränderte er sich auf einmal. Er … er wurde gefunden als Vargwesen, wie er genannt wurde und ging als vollkommen normaler Wolf. Die Wölfe vermuten, dass er Schuld an dem Ungleichgewicht ist, dass er ein Grund war, dass die Götter so unbarmherzig mit uns scheinen. Ich denke, dazu haben alle ihre Meinung, Malicia, nur ich weiß nicht, was ich darüber denken soll. Sicherlich muss jetzt für sich eine Entscheidung treffen, nur … ich weiß nicht, welche das für mich sein wird.“
Als sie das Maul schloss, bemerkte sie, dass sie zitterte. Jumaana, die Tochter des ewigen Eises und Abkömmling des Winters, zitterte. Doch sie wusste selbst, dass es nicht die Kälte war, die sie zur Unkontrolliertheit brachte, sondern die Angst. Sie war sich nicht sicher, ob es ihr als ranghoher Wolf gestattet war, Angst zu haben, deshalb versuchte sie, ihren Körper unter Kontrolle zu bringen. Mit fest zusammengebissenen Fängen blickte sie wieder zu ihrem schwarzen Gegenüber, das sie aus beinahe hilflosen, stahlblauen Augen anblickte. Malicia war vielleicht nach außen hin kühl und desinteressiert, doch in ihrem Blick vermochte Jumaana welpische Unsicherheit und Naivität erkennen.
„Wenn du über deinen Verbleib sprechen möchtest, dann tu es. Ich mag dir vielleicht nicht helfen können, aber manchmal tut es gut, jemand anderem sein Herz auszuschütten.“
Ein zaghaftes Lächeln glitt auf die Züge der Weißen, das die Schmerzen der vorigen Minuten verblassen ließ.
- [ Waldrand | Malicia ]
27.04.2011, 15:17
Jetzt huschte es doch wieder über seine Lefzen, dieses leise Lächeln, auch wenn die restliche Mimik des Schwärzlings ihm einen traurigen Zug verlieh.
"Ich weiß. Wir machen alle Fehler. Engayawölfe sind davon nicht ausgenommen, nur weil sie Engayawölfe sind."
Noch einmal glitt sein Blick zum Himmel, als suche er die Sonne hinter all den schneebeladenen Wolken.
"Manche Fehler wiegen schwerer als andere, und die schlimmsten sind die, unter denen Unschuldige leiden müssen. Solche Fehler bedauern wir ein Leben lang, selbst wenn uns verziehen wird - was leider selten genug ist. Aber vielleicht irre ich mich auch, und Fenriswölfe bedauern nie?"
Er bekam seine Antwort nicht mehr, denn als er wieder zu Averic sah und dessen Blick folgte, sah er Tyraleen auf sie beide zusteuern. Na, wahrscheinlich nicht auf sie beide, sondern bloß auf Averic, und er selbst war nur rein zufällig auch gerade hier. Malakím hoffte, dass es so war und nicht umgekehrt. Mit einem leichten Lächeln und einem einzelnen Flappen seiner Rute begrüßte er die Weiße. Ihren Blick und Averics Bitte brauchte es im Grunde nicht, um ihn zum Gehen zu bewegen - Malakím wusste, was Takt und Anstand waren. Aber er brauchte ein paar quälende Momente lang, um seinen müden Körper zu erheben. Dann Schritt er wortlos davon, am Seeufer entlang.
[Seeufer | allein - anspielbar]
27.04.2011, 19:11
Die Situation hätte etwas Komisches an sich gehabt, hätte auch nur ein Funke Witz in ihr gelegen. Obwohl Tyraleen und Averic miteinander sprechen wollten, sahen sie beide Malakím an und als der sich wortlos abwandte um sie alleine zu lassen, starrten sie in den Schnee. Die Weiße hatte die Reaktion oder eher die Nichtreaktion ihres ehemaligen Gefährten wahrgenommen, auch wenn ihr Blick nun zum wiederholten Male über den See glitt. Er hatte keine Regung gezeigt, weder wirkte er wütend, noch froh. Doch die Ablehnung, die jeder Wolf von ihm zu spüren bekam, traf nun auch Tyraleen, vielleicht sogar stärker, als andere. Sie konnte es nicht einschätzen, war sie doch noch beinahe ein Welpe gewesen, als sie das letzte Mal mit einem Averic gesprochen hatte, der sie nicht liebte. Sie brauchte noch einen kurzen Moment, einen kostbaren Augenblick des Sammelns, das Bild Engaya vor ihren inneren Augen, die Kraft ihrer Göttin in sich – dann würde sie mehr in Engayas Sinne handeln als je zuvor. Ganz langsam glitt ihr Blick über das gefrorene Wasser, streifte das Ufer, zuckte beinahe vor dem aufkommenden schwarzen Pelz zurück und wagte sich doch endlich zu den beiden blauen, stechenden Eisperlen, die sie einst mit so viel Liebe angesehen hatten. Jetzt, wo sie ihn endlich richtig ansah, gab es erstaunlicher Weise keine Wut mehr in ihr, vielleicht lag sie nun so tief unter dem Schmerz verborgen, dass sie nicht mehr hervorkam. Vielleicht aber war Engaya auch so nah, dass Wut zu einem flüchtig welpischen Alptraum wurde. Sie atmete tief ein und fand ein Lächeln am Grund ihrer Seele, es war traurig und voller Wehmut und doch ehrlich.
“Ich möchte mich bei dir entschuldigen. Für das, was ich unserem Sohn angetan habe, aber vor allem für das, was ich danach zu dir sagte. Es war nicht richtig - meine Angst und das Entsetzen über meine eigene Tat haben mir Worte in den Fang gelegt, die ich nie hätte sagen dürfen.“
Woher kam die Festigkeit in ihrer Stimme, woher die Ruhe, die sie plötzlich in sich spürte? Eine Wärme, die sie beinahe vergessen hatte, durchflutete sie und für einen flüchtigen Augenblick lang, meinte sie Flügel zu tragen. Dann kehrte die Kälte zurück und sie musste ihre Gedanken erneut sammeln.
“Ich habe an diesem Tag sehr viele Fehler begangen und jeden einzelnen werde ich bis an das Ende meines Lebens bereuen – doch ich kann sie nicht mehr ungeschehen machen. Ich muss im Hier und Jetzt das wieder gut machen, was ich damals versäumt habe. Ich muss Engaya zurück in dieses Tal bringen. Und ich weiß – ohne deine Hilfe, werde ich es nicht schaffen. Deshalb bitte ich dich, als deine Schwester, als die Mutter deiner Welpen und als Leitwölfin dieses Rudels: Vergib mir.“
Langsam senkte sie ihren Kopf; als sie ihre Läufe einknicken ließ, spürte sie zum ersten Mal Widerstand in sich, doch verbissen und willensstark wie einst brach sie ihn; sank in den kalten Schnee und unterwarf sich ihm einstigen Gefährten. Einige Herzschläge lang blieb sie reglos liegen, dann richtete sie sich langsam wieder auf, ließ ihren Blick zu seinem wandern und war stumm.
[ Rudelplatz, am See | Averic ]
27.04.2011, 21:20
Eine Antwort bekam Malakím zwar nicht mehr, doch hätte Averic noch einen Gedanken für ihn übrig gehabt und wäre Tyraleen nun nicht bei ihnen, hätte er dem Schwarzen versichern können, dass auch Fenriswölfe nicht von Empfindungen wie Bedauern, Schuld und Schmerz ausgeschlossen waren, nur weil sie Fenriswölfe waren. Und auch er selbst wusste nur zu genau, wie schwer Schuld und Bedauern zusammen wogen. Wie es war, etwas bis in alle Ewigkeit bereuen zu müssen.
Averic sah ihm nur kurz nach, dann blieb sein Blick irgendwo im Schnee hängen. Die ganze Zeit über hatte er den größten Abstand zu ihr gesucht, um den Schmerz in seiner Seele abkühlen zu können, um ihn so tief zu verbergen, bis er selber nicht mehr wusste, dass er da war. Aber jetzt stand sie vor ihm und als Tyraleen ihm direkt in die Augen sah, spürte er förmlich, wie sich Furchen durch die Eisschicht in seinem Inneren zogen und beinah wollte er ihrem Blick entfliehen. Als seine Schwester ihn dann auch noch so anlächelte, splitterte sie geradezu. Fast verspürte er das Bedürfnis sie dazu aufzufordern mit diesem Lächeln aufzuhören, aber sie begann zu reden.
Averic hätte mit allem, beziehungsweise mit nichts gerechnet, aber am allerwenigsten noch damit, dass sie sich entschuldigte. Dass sie sich tatsächlich für all das entschuldigte, was sie ihm angetan hatte. Jedes Wort drang tiefer in ihn ein, kratzte am Eis, während er sich weder dagegen wehren konnte, noch wusste, was er überhaupt denken sollte. Der Pechschwarze suchte nach der Lüge, nach Heuchelei in ihren Augen, aber er fand sie nicht. Während Tyraleen kurz innehielt, konnte er das neuentstandene Chaos in sich nicht ordnen, das einzige Gefühl, das deutlich hervorstach und jetzt auch in seinem Gesicht zu sehen war, war der Unglaube. Verblüffter Unglaube. Und mit jedem weiteren Wort gelang ihr, was zuvor keinem gelungen war – sie warf ihn völlig aus der Bahn. So wie sie Zwei auseinander gegangen waren; nach dem, was seine Schwester ihm an den Kopf geworfen hatte; nachdem sie ihm so deutlich gesagt hatte, dass sie ihn hasste, hätte er niemals geglaubt eine Entschuldigung von ihr zu hören.
Ihre letzten Worte ließen das Eis zerbersten und zum ersten Mal seit jenem Tag, an dem Tyraleen Tascurio getötet und ihn verlassen hatte, hatte er das Gefühl dass sein Herz wieder anfing zu schlagen, als wäre es die ganze Zeit über still gestanden. Eingefroren. Jetzt tat es spürbar weh, es war kein angenehm warmer Herzschlag wie früher. Ihre Bitte um Vergebung war gleichzeitig Erlösung, wie Qual, weil sie damit alles wieder lostrat. Und dann traute Averic seinen Augen kaum, als sich seine Schwester, seine neue Leitwölfin ihm unterwarf.
Vor seinem geistigen Auge flackerte ein paar schnelle Herzschläge lang jene ewig vergangene Szene auf, die sich damals in den weit entfernten Bergen zugetragen hatte, legte sich wie ein transparentes Abbild über das, was er gerade sah. Die Situation war eine gänzlich andere und doch so bitter ähnlich. Damals hatte sie vor ihm im Schnee gelegen und er hatte Vergebung erboten, nun war sie es, die um Vergebung bat. Weil sie heute beide Mörder waren.
„Ich vergebe dir.“
Es hatte einige, weitere Herzschläge gedauert, trotzdem wusste Averic nicht, wie er so schnell seine Stimme wiedergefunden hatte. Jede Kälte war aus ihr gewichen und doch war ihr Klang weder froh, noch ließ er sich irgendwie anders definieren. Er wusste ja selbst noch nicht, was er nun fühlen sollte. Eigentlich wusste er auch nicht, ob er ihr wirklich so leicht vergeben konnte, doch die Worte waren wie von Selbst über seine Lefzen gerutscht. Der Pechschwarze riss seinen Blick von ihr los und ließ ihn kurz über den gefrorenen Sternensee gleiten, flüchtig suchten seine Augen nach den Bergen in der Ferne.
„... Auch ich habe vieles zu dir gesagt, was ich nie hätte sagen dürfen. Aber unseren Sohn tot in deinen Fängen zu sehen ...“
Er beendete den Satz nicht, schüttelte nur ganz leicht den Kopf.
„Es tut mir Leid. Und es tut mir auch Leid, dass ich Versprechen gebrochen habe, aber nachdem du mir sagtest, dass du mich hasst, konnte ich dir einfach nicht mehr beistehen.“
[ Seeufer | Tyraleen ]
27.04.2011, 21:36
Interessiert beobachtete sie die Bewegungen des Rüden, ihr Blick war aber vor allem auf seine Augen gerichtet, sie waren von einer grünen Farbe und, auch wenn sie nicht viel herausfinden konnte, erkannte sie, dass irgendetwas in ihm eine Erinnerung ausgelöst hatte. Vermutlich lag es an ihr, und sie überlegte fieberhaft, ob sie ihm schon einmal begegnet war. Allerdings schob sie diesen Gedanken rasch beiseite, zumal sie in den letzten Jahren nicht vielen begegnet war, und davor, als sie in ihrem Rudel geboren worden war, war sie niemandem vertraut gewesen; es hätte sie schon stark gewundert, wenn jemand sie trotz der vielen vergangenen Jahre noch nicht vergessen hätte.
Der Schwarze begann zu sprechen und sie war sehr erleichtert, als er ziemlich freundlich auf ihre Frage reagierte und diese auch in aller Ausführlichkeit beantwortete. In gewisser Weise konnte sie ihn verstehen. Es musste unerträglich sein, hier zu leben, wenn man die Kälte nicht ertrug und schon darauf gehofft hatte, den Sommer zu erleben. Sie selbst war relativ immun gegen Schnee, Eis und all die Begleiterscheinungen, dafür konnte sie gut nachvollziehen, was er meinte, als er seine Kraftlosigkeit und die Schmerzen beschrieb. Majibáh nickte zustimmend, als er seine Worte endete, und sie zögerte nicht lange, ehe sie ihm antwortete:
"Ich kann verstehen, wovon du sprichst. Eigentlich habe ich aufgrund meines dichten Fells nie gefroren, und dennoch fühle ich mich in der letzten Zeit so müde und erschöpft. Eben das, was du gerade auch erwähnt hattest. Es tut mir Leid, dass es dir hier nicht gefällt, aber du wirst dich bestimmt eingewöhnen. Ich weiß nicht, woran diese verdrehten Jahreszeiten liegen, doch ich erwarte und glaube, dass man die Ursache bald finden und auslöschen kann."
Ein freundliches Lächeln huschte über ihr Gesicht und sie wartete noch eine Weile, um zu sehen, ob er nicht fortfuhr. Berechtigterweise, denn er setzte noch einmal nach. Beinahe erleichtert hörte sie ihm zu, da sie nun verstand, weshalb es ihr erschienen war, als käme ihm irgendetwas bekannt vor.
"Das stimmt, ich stamme weit aus dem Norden, allerdings ist das schon lange her, deshalb kenne ich dieses Gefühl eher nicht. Seitdem bin ich umhergewandert auf der Suche meiner Schwester, und letztes Jahr, ja, es müsste letztes Jahr gewesen sein, habe ich sie endlich gefunden. Hier. Seitdem ist dieses Tal mein Zuhause, und gleichzeitig der Ersatz für meine Heimat. Woran hast du erkennt, woher ich komme und... wieso musstest du dein Geburtsrudel verlassen? Und wie ist eigentlich dein Name? Wenn ich dich fragen darf."
Die Blauäugige befürchtete, dass sie ihm wegen ihrer Neugier nervig vorkam, also hakte sie nicht weiter nach und zog es vor zu schweigen. Dabei schaute sie etwas in der Gegend umher. Es stimmte, so viele erschienen ihr schwach und wenn sie darüber nachdachte, waren die Temperaturen nun wirklich nicht angenehm. Jedenfalls für andere nicht. Ihr selbst erging es verhältnismäßig noch relativ gut, vor allem, weil sie sich jetzt auf diese Bekanntschaft konzentrieren konnte und gar keine Zeit dazu hatte, sich einsam und schlecht zu fühlen und darüber zu philosophieren, warum das alles geschah.
[Rudelplatz - bei Volk Zubami]
27.04.2011, 21:56
[ Ortsangaben nicht vergessen! :> ]
28.04.2011, 13:32
Es war ein banges Warten, ein beinahe ängstliches Schweigen, das von Tyraleen ausging, während sie ihren Gefährten ansah und auf etwas hoffte, das sie nicht benennen konnte. Sie konnte sich keine Reaktion seinerseits vorstellen, die sie erfreuen würde, doch es gab auch keine, die sie traurig machen könnte. Sie hatte keine Erwartungen an ihn und doch fürchtete sie sich vor seiner Antwort und den Gefühlen, die ihre Worte ausgelöst haben könnten. Beinahe rechnete sie mit Wut, hatte sich bereits dagegen gestärkt, war bereit, einem Ansturm stand zu halten und war ihrerseits vollkommen überrascht, als sich Überraschung auf dem Gesicht ihres Bruders abzeichnete. Verblüfft und ungläubig sah er sie an und wäre es nicht Averic, ihr ehemaliger Gefährte, gewesen, hätte sie möglicherweise gelacht. Weil sie im Sinne Engayas handelte und man ihr dies offensichtlich nicht zutraute. Doch es war Averic und noch immer lag in der Situation nichts Lustiges, deshalb erwiderte sie nur seinen Blick, aufrecht und ehrlich ohne eine Emotion ihrerseits. Möglicherweise war es Zufall, vielleicht auch Schicksal, doch in jenen Momenten sah auch sie eine Szene aus längst vergangenen Tagen vor sich. Wie Averics Hass sie getötet hatte, wie sie diesen geschenkten Hass an ihm ausgelassen hatte, wie sie beide nebeneinander im Schnee saßen, die Wunden, die sie sich gegenseitig zugefügt hatten waschend. Damals hatte die Jungwölfin Tyraleen gemeint, nie wieder etwas Schlimmeres erleben zu können und gleichzeitig war sie sich sicher gewesen, dass von da an der Hass kleiner werden würde. Es war Schlimmeres passiert und in ihr hatte es Hass gegeben, der schlimmer war, als jede welpische Wut in den Bergen. Und jetzt … spielte sich die gleiche Szene erneut ab, nur dass es diesmal Tyraleen war, die um Vergebung bat und sie tat es nicht, um Averic danach zu sagen, dass sie ihn liebte. Nicht, weil sie es nicht mehr tat. Nur, weil sie es nicht mehr konnte. Enttäuschung, die verdrängte Wut und die Erinnerung an ihren Streit hatten ihr das Gefühl genommen, je wieder wirklich ehrlich lieben zu können.
Averics Stimme zerschnitt die Stille, seine drei Worte sagten nicht viel und doch alles, was in diesem Moment wichtig war. Seine Vergebung war die Kraft, die sie brauchte, der erste Schritt gegen seinen eigenen Gott. Nichts, was sie als selbstverständlich hinnehmen durfte. Langsam senkte sie dankend den Kopf und spürte plötzlich Erleichterung in ihrem Gesicht durch ein Lächeln hervorbrechen. Er vergab ihr. Beinahe wäre sie aufgesprungen, hätte die Schnauze in den Himmel gehoben um ihrer Mutter zu sagen, dass nun alles besser werden würde. Dass ihre Kinder über ihre eigenen Schatten hatten springen können. Wieder flutete ein Schwall Wärme ihren Körper. Währenddessen war ihr Blick unbewusst dem Averics gefolgt und nahm erst jetzt wahr, dass er zu den Bergen sah. Für diesen kurzen Moment blickten sie gemeinsam in ihre Vergangenheit zurück und sahen sich dort oben im Schnee. Das Lächeln verblasste, die vergangene Szene war geprägt von Wut, Schmerz und Einsamkeit und doch war überall an und in und um sie das Lächeln der Liebe. Tyraleen wandte den Blick ab.
Als Averic wieder sprach, legte sich erneut Überraschung über die Weiße. Sie hatte mit allem gerechnet, aber nicht mit einer Entschuldigung seinerseits. Nie hätte sie erwartet, dass er so weit gehen würde, dass er seinerseits Schuld auf sich nahm und das eingestand, was so viel schmerzhafte Wut in ihr ausgelöst hatte. Dass er seine Versprechen gebrochen hatte und in diesen schlimmsten Momenten nicht bei ihr gewesen war. Und so wie sie ihn darum bat, ihre vergangenen Taten zu vergeben und sie an ihrem jetzigen Tun zu messen, so musste auch sie vergeben, was sie so sehr enttäuscht hatte. Es war nur so schwer. Sie schluckte, nickte dann erneut, sich der Tatsache bewusst, dass sie vergeben musste. Auch das gehörte zu Engaya und somit zu ihr.
“Die Enttäuschung hatte mit jeden klaren Gedanken geraubt, aber jetzt will auch ich dir verzeihen.“ Nur vergessen konnte sie nicht. “Ich habe dich nicht gehasst und ich werde dich nie hassen. Ich hasste mich und ich hasste deine Taten, doch auch das ist nun Vergangenheit. Es wird kein Hass mehr in mir gegeben.“
Nun musste sie wieder schlucken, die Worte, die auf ihrer Zunge lagen, schmerzten so viel mehr als jedes Eingeständnis, jede Vergebung und jede Erinnerung.
“Ich möchte dich wieder schätzen, wie eine Schwester ihren Bruder schätzt und achten, wie eine Leitwölfin ihren Beta achtet. Und ich möchte, dass unsere Welpen mit uns beiden gemeinsam sprechen können, ohne dass Wut zwischen uns ist.“
Sie hatte das Wort ‘Freundschaft‘ sagen wollen, doch es war ihr nicht über die Lefzen gekommen. Ihre eigenen Worte brannten in ihrer Seele und die Traurigkeit hatte sich in ihren Augen festgesetzt – der Optimismus von eben war aus ihrem Herz gefallen und lag nun leblos am Boden.
[ Rudelplatz, See | Averic ]
28.04.2011, 13:36
Malicia fühlte sich wie ein kleiner Welpe. Mit der Situation völlig überfordert und ohnehin derzeit recht labil. Sie verstand Jumaana äußert gut, zumindest dachte Malicia das, und sie war erschrocken, wie verkrampft die Weiße war. Hier war niemand als eine alte, schwarze, lahme Fähe. Hätte sie ihre Emotionen einfach mal aus sich herausgelassen, wäre ihr Malicia sicher nicht in den Rücken gefallen. So ein Wolf war sie nicht, war sie niemals und würde sie auch nicht werden. Dafür kannte sich Malicia selbst zu gut. Sie schaute sich um. Eins, zwei Mal. Das Sternenwindrudel war doch groß! Hier musste doch noch jemand sein, der Jumaana besser kannte und ihr helfen konnte. Sie sah wirklich nicht gut aus. So kraftlos irgendwie. Nur die Augen sprühten ein grünes Feuer. Die Augen waren das deutlichste Anzeichen, das sie noch vollkommen da war.
Unwissend, was Malicia noch weiter mit ihr tun konnte, versuchte sie, ein wenig mehr auf die Weiße einzugehen. Sie hatte es nicht verdient, traurig und gedämpft mit Malicia hier im Schnee zu stehen. Mitten in einem Sommer, in dem man schon mal stutzig wurde. Frostige Temperaturen, gruselige Gestaltwandler, die mal Monster, mal Wolf waren und eine allgemeine Spannung. Was nicht alles geschehen ist .... mit diesem Rudel, das es eindeutig nicht verdient hatte. Keinesfalls.
" Vielleicht sollte ein Optimist das ganze als Test ansehen. Eine Prüfung für unser - euer Rudel. Erst wenn ihr das schafft, diese harten Zeiten zu überleben, all eure Kraft und euren guten Glauben in Engaya investiert, dann wird sicher irgendwann ein Lichtblick kommen. Vielleicht nicht heute. Vielleicht nicht morgen. Aber sicher irgendwann. In zwei Monden. Glaubt daran."
Malicia sprach von etwas, an das sie selbst nicht glaubte. Das war so falsch. Aber gesagt, war gesagt. Rückgängig machen konnte man im Leben nichts so einfach. Das wäre zu teilen auch für sie selbst eine äußerst praktische Gabe gewesen.
" Von alledem, was du mir gesagt hast ... das klingt fast ... ich weiß nicht, ob das die richtige Bezeichnung ist ... aber das klingt nach einer Krankheit. Unsere Welt ist krank. Völlig von dem normalen Niveau abgekommen. Ein fast ... feindlicher Lebensraum. Du erinnerst dich doch daran, wie schön das Tal mal war. Wie ruhig. Konflikte hatte es immer gegeben, ja ... aber nun. Eine Sammlung. Ein Stau. Eine Reihe von Dingen. Aber mit eurem Glauben wird sich das geschwächte Göttergeschlecht sicher wieder ... wieder beleben. "
Sie rang sich zu einem Lächeln, blickte sie kurz an und trat einen Schritt näher. Es kam ihr schwieriger vor als sonst, durch den Schnee zu waten. Eine Jagd wäre für jetzt unmöglich, obwohl ihr Magen ein wenig rebellierte. Verdammter Hunger aber auch immer.
Die nächsten Worte über ihren eigenen Verbleib hier im Tal der Sternenwinde nagte allerdings noch immer an der Schwarzen. Was sollte sie tun? Sie hatte oft gesehen, wie diese ganzen Neulinge, die auf einer Durchreise plötzlich bleiben wollten, immer zuerst den Leitwolf sprechen wollten. Für sie war das ja nie nötig gewesen, denn entweder sie war alleiniger Herrscher über sich selbst, oder Banshee ...
Nein. Diese Gedanken gehörten nicht mehr hier her. Tot ist tot. Es ist wie mit dem Gesagten - rückgängig kann man es nicht machen. Niemals. Tot ist tot ...
Sie schüttelte sich die Gedanken aus dem Haupt und stellte sich fast neben sie. Der wolkenbedeckte Himmel dämpfte Gottseidanke das Sonnenlicht. Es war gut so, wie es war. Das brachte sie alle nicht dazu, ihre Gefühle auf eine andere Ebene zu heben. Auf eine unbeschwerte, fröhliche. Denn so war es nicht.
" Sag ... einen festen Leitwolf ...? Hat das Rudel einen? Doch zuerst würde ich am liebsten mit meinen Geschwistern oder Nahverwandten über meine Rückkehr reden. Aber ich danke dir. Ich denke, wir sollten desöfteren gemeinsam reden. Wir sind uns ähnlicher, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Du hast erstaunlicherweise sogar meinen Knoten in der Zunge gelöst. So viel habe ich noch zusammenhängend geredet. Zumindest nicht in den letzten Jahren. "
Sie schaute wieder auf den Boden, ein wenig verlegen, da sie sich teilweise wie ein Jungwolf verhielt. Wie peinlich aber auch. Doch um so etwas sollte sie sich nicht weiter Gedanken machen. Ihre Wiederkehr ins Rudel war das wichtigste.
[Am Rand des Rudelplatzes | Jumaana ]
28.04.2011, 16:13
Es beunruhigte den Hellen, dass die Fähe so ohne Weiteres auf ihn zu gekommen war. Mit ihm sprach, als wäre nichts zwischen ihnen. War es wirklich so einfach, sich einzufinden? Solle es wirklich nur immer eine kleine Bewegung, ein Stoß in die richtige Richtung sein, die dazu beitrug Kontakt aufzunehmen? Den Rücken eher eingesunken als aufrecht, legte der Rüde die Ohren an. Sich selbst tadelnd. Im Gegensatz zu Kisha konnte er sich nicht so offenherzig benehmen. Wer sagte ihm denn, dass er sich nicht aufdrang? Obwohl viele wohl nichts gegen Gesellschaft hatten, sonst würden sie wohl kaum in einem solch großen Rudel leben. Leise schnaubend warf er der Dunklen einen Seitenblick zu. Zumindest schien sie freundlich zu sein und ebenso unwissend wie er selbst… das Tal spielte völlig verrückt.
„Ja, die meisten von ihnen, waren sie vor einiger Zeit noch so stark“ , seine Stimme klang in gewisser Weise bewundernswert, „gibt es im Moment nichts, dass sie dazu bringen könnte aufzustehen.“
Den Blick über den Platz gleitend, besah er sich die Schwarze nun etwas genauer. Sollten sie wirklich laufen, wenn auch sie so schwach war? Vielleicht wollte sie sich lieber nieder lassen, an einer schneefreien Stelle? Bei der Kälte würde das schwierig werden und so verwarf er die Idee sofort wider. Vielleicht brachte die Luft und der Platzwechsel ihnen beiden mehr Aufschwung, mehr Gedankenskraft um sich den Problemen zu widmen.
„Er war ein Wolf.“ , ohne auf den Zusammenhang zu achten, flogen die Worte aus seinem Rachen. „Dieser Varg.“ Nihilus konnte es immer noch nicht fassen, oder wollte es einfach nicht. Sie hatten kein Monster verabschiedet, sondern einen von Ihnen. Einen Artgenossen, der so lebte wie sie alle hier. Zumindest prangte sie Hoffnung in dem hellen Leib, dass er ein eben so erfülltes Leben hinter sich hatte wie die Meisten. „Wie soll es dafür eine Lösung geben? Es scheint so unerklärlich.“
Vielleicht lag es an seinem Befinden, vielleicht an der ungewohnten Gesellschaft, doch der sonst so optimistische Rüde sah nichts, dass ihnen vielleicht hätte helfen können. Es war etwas falsches geschehen, etwas komplett falsches. Sonst würde Engaya sie nicht so quälen. Oder stellte er sich die liebevolle Tatze, die ihm as Leben gewährte, anders vor, als sie es eigentlich war? Leise schnaubend ließ er die Rute schwanken. Der Dunklen so schweigend eine Aufforderung zu teil kommen lassen, wie sie dazu stand, ob sie sich eine Theorie erschlossne hatte, oder ob sie eben so ahnungslos war. Zaghaft versuchte er ihr Lächeln zu erwiedern, auch wenn er sich immer noch nicht sicher war, ob er hier wirklich am richtigen Platz war.
(Rudelplatz, Kisha)
28.04.2011, 16:15
Ein leises Schmunzeln huschte über seine Züge, als er Chardíms ehrliche Freude vernahm. Mit einem solchen Empfang hatte er nicht gerechnet nach den letzten Worten, die sie miteinander gewechselt hatten. Er konnte kaum mehr nachvollziehen, warum sein Patensohn ihm seine Tat so übel nahm - oder genommen hatte? - oder warum er sich selbst so schuldig deswegen gefühlt hatte. Er hatte es nicht etwas vergessen, nein, viel mehr hatten sich die Interpretationen und die Bedeutungen verschoben. Spielte letztendlich aber auch keine Rolle mehr, es sei denn, Engaya hatte Chardím eingegeben, ihn an seiner Seite willkommen zu heißen. Bei den Göttern wusste man ja nie, und Chardíms Augen verrieten die Gesinnung, der der Jungrüde momentan angehörte.
'Alles wäre viel einfacher, wenn sich die Götter nicht ständig einmischen würden',
dachte er, und schob den Gedanken dann gleich wieder von sich. Was brachte es schon, über das Wäre nachzugrübeln, es war ja doch nicht so.
"Dir gehts es nicht unbedingt besser, nicht wahr? Du bist immernoch so schwach",
stellte er fest und folgte dann dem zusammen gekniffenen Blick des Schwarzweißen. Noch jemand gesellte sich zu ihnen: Madoc. Jakash musterte den rotäugigen Weißen. Es hatte Momente gegeben, da hätten sie beide echte Freundschaft schließen kommen. Letztendlich hatten sich ihre Wege in diesem großen Rudel aber nicht häufig oder lange genug gekreuzt, und so konnte Jakash Madoc höchstens als guten Bekannten bezeichnen denn als Freund.
"Noch nicht. Aber keine Sorge, sobald sich das ändert, bist du der erste, der es erfährt",
versprach er dem Weißen und grinste, und selbst er hätte in diesem Moment nicht sagen können, wie viel davon als Scherz gemeint war und wie viel Ernst in seinen Worten steckte.
"Und wie geht's dir so? Schwächelst du auch wie der ganze Rest?"
[Bachmündung | Madoc, Chardím]
28.04.2011, 19:30
Genießerisch schloss die junge Fähe ihre Augen und ließ sich von den liebkosenden Knabbereien ihrer Ziehmutter in weit entfernte Welten tragen. Wie lange schon, hatte sie niemand mehr so berührt, wie lange schon hatte sie solch eine liebevolle Behandlung missen müssen. Viel zu kurz nur, schenkte Shani ihr diese Aufmerksamkeit und instinktiv wollte sie die Weiße auffordernd anstupsen, ehe sie sich eines besseren besann. Schließlich waren sie hier nicht zu zweit, sondern neben ihnen stand noch ein Rüde, welcher im Gespräch mit ihnen war.
Nicht nur, weil sie nicht unhöflich wirken wollte, sondern auch, weil ihr soeben wieder eingefallen war, dass sie dem Rüden selbst eine Frage gestellt hatte, wand sie sich wieder höchst interessiert dem noch immer etwas grummeligen Weißen zu, den sie vor wenigen Minuten noch zutiefst erschrocken hatte.
Bevor er jedoch seine Stimme zu einer Antwort erheben konnte, sprach Shani. Ihre Erklärung klang so logisch, fast schon kam Liel sich ein wenig dumm vor, dass sie nicht von selber darauf gekommen war. Und durch die darauf folgenden Worte von Jarrèll kam sie sich gleich noch ein wenig unwissender vor. In Gedanken rollte sie seinen Satz hin und her.
Einsamkeit kann ein treuer Gefährte und Stille die beste Gesellschaft sein.
Wie um alles in der Welt konnte Einsamkeit ein Gefährte und Stille eine Gesellschaft sein. Wölfe waren Rudeltiere, das wusste doch jeder. Natürlich hatte sie bereits mitbekommen, dass es hin und wieder auch Wölfe gab, die die Gesellschaft anderer Wölfe eher mieden, aber gab es auch solche, die sich deshalb gar nicht in einem Rudel aufhielten, als Einzelkämpfer durch die Welt zogen?
Von so einem Wolf hatte Liel noch nichts gehört und so brannte ihr eine weitere Frage auf der Zunge.
Shani jedoch, hatte bereits das nächste Thema angeschnitten und ihr Gespräch so auf die vergangenen Geschehnisse gelenkt. Ein Thema, was nicht weniger uninteressant war.
Hin und her gerissen zwischen ihrer aufgekommenen Frage bezüglich des Leben von Jarrèll und dem Leben dieses Rudels, wackelte sie unentschlossen mit den Ohren.
Letztendlich beschloss sie, dass weiteres Nachfragen bezüglich seiner Persönlichkeit vielleicht ein wenig zu privat und intim wäre, so beließ sie es bei dieser, sie nur zu sehr verwirrenden Aussage, und versuchte ihre Konzentration auf die gerade hinter ihnen liegenden Vorkommnisse zu zentrieren. Das war gar nicht so einfach, denn ein weiterer Gedanke hatte sich in ihren Kopf geschlichen. War auch Krolock so etwas wie ein Einelkämpfer? Mit all seiner Wut, seinem Hass, den er mit sich durch die Welt trug, der Hass auf eine Gesellschaft, auf ein Leben, welches er so nicht führen wollte.
Kurzzeitig flackerte Trauer in ihrem Blick auf, doch sie wollte sich ihre trübselige Stimmung nicht anmerken lassen, so verhielt sie sich wie früher, sie schob die Gedanken weit von sich, und widmete sich nun, eher halbherzig, Shani und Jarréll zu.
Dabei war es gar nicht so verkehrt jetzt aufmerksam zuzuhören und aufkommende Fragen zu stellen. Es war in letzter Zeit so viel vorgefallen, in einem unglaublichen Tempo hatte ein Ereignis sich an das Nächste gereiht und wenn man bedachte, dass sie erst jetzt eine Jungfähe war und zum gleichen Zeitpunkt mit dem erwachsen werden und ihren eigenen Problemen beschäftigt gewesen war, würde es fast an ein Wunder grenzen, wenn sie keine Fragen zu dem Nichts, zu dem Varg hätte.
Aber vorerst hielt sie sich trotzdem zurück, Jarrèll sprach zu Shani, stellte zwar keine direkte Frage, es würde sich aber wohl daraus ergeben, dass Shani mehr dazu erklären würde.
Dabei wollte sie zuhören, versuchen zu verstehen, was sie bis dahin vielleicht nicht verstanden hatte, jetzt aber auch nicht in Worte fassen konnte um eine vernünftige Frage zu formulieren.
Sie nickte den beiden leicht lächelnd zu, ihre Zustimmung und ihr Interesse zu dem neuen Gespräch. Zu mehr war sie gerade nicht mehr in der Lage.
[Rudelplatz - Shani, Jarrèll]
29.04.2011, 15:22
Eine richtige Antwort hatte Sheena nicht mehr bekommen können, die andere weiße Fähe hatte noch irgendetwas zu ihm gesagt, anscheinend sollte das Gespräch ihn ablenken, doch es hatte nicht mehr geholfen.
Kurz war Sheena über die Namen der Freunde verwundert. Ketchup und Schnitzel, das klang überhaupt nicht melodisch, gar nicht schön und irgendwie auch nicht wie Namen für einen Wolf. Aber vielleicht meinte er damit ja auch andere Freunde, Werwolffreunde. Vielleicht war es bei denen üblich sich komisch klingende Namen zu geben.
Wie auch immer, ihre ganze Aufmerksamkeit wurde nun von dem sich verändernden Caleb beansprucht. Sie konnte nicht fassen, was sich für ein Schauspiel vor ihren Augen abspielte. Das Fell des braunen Rüden verschwand, alles verschob sich und wurde irgendwie… hässlich. Caleb sah nun unglaublich hässlich aus, so ohne Fell, in eine Farbe getaucht, die Sheena mit nichts vergleichen konnte, was sie jemals gesehen hatte. Zwar hatte er noch immer vier Beine, aber die einen sahen unglaublich kurz aus. Es musste komisch aussehen, wenn er auf allen vieren stand, wenn dies so überhaupt möglich war. Aber wie sollte er sich sonst fortbewegen?
Unmerklich war sie einige kleine Schritte nach hinten gewichen, sie hatte keine Angst vor Caleb, wie er denn so dort saß, aber sie konnte es nicht ganz begreifen.
Nun kam sie näher, die Schnauze witternd nach vorne gestreckt, den Geruch tief einsaugend. Ja, das war der Geruch, der sich unter den eines Wolfes gemischt hatte, der sie bei ihrem ersten Treffen irritiert hatte. Nun lag er klar in der winterlichen Sommerluft. Winter.
Oh, er musste sicherlich schrecklich frieren, er hatte keinen Pelz, nicht mal ein Sommerpelz, der ihn nun von der Kälte schützen konnte.
Doch Minyala hatte schnell reagiert, sie wärmte ihn bereits.
Sheena zerbrach sich den Kopf. Schon allein wegen der Kälte, würde er nicht lange in dieser Gestalt überleben. Und sie wollte sich gar nicht ausmalen, was für ein Chaos es im Rudel geben würde, wenn sie mit ihm in dieser Gestalt zurückkehren würde. Sie wusste nicht, ob alle Wölfe ihn so ruhig aufnehmen würden, wie sie es tat.
„Muss er dann auch für eine bestimmte Zeit in dieser… Form bleiben?“
Die frage richtete sich an Minyala, sie war sich nicht sicher, ob sie mit diesem Caleb auch ohne weiteres kommunizieren konnte. Außerdem hatte Minyala anscheinend auch ein wenig Ahnung, wenn sie wusste, wie oft sie sich verwandeln mussten, damit es nicht schädlich für sie wurde.
Absichtliche Verwandlung, das klang doch gar nicht so schlecht. Nur, warum hatte er dies nicht erlernen können? Wahrscheinlich, weil er gar nicht wusste, wie man dies erlernen sollte. Doch da hatte Sheena einige Ideen. Aber es war unwahrscheinlich, dass Caleb diese nicht schon ausprobiert hatte.
Nun wollte sie erstmal herausfinden, ob er sie verstehen konnte. Und gleichzeitig beschloss sie, dass es gut wäre ihm ein wenig Wärme zu schenken. Dies sollte sie wohl hinbekommen, schließlich ging es in Richtung der Heilung. Apropos, vielleicht könnte sie ihm ja helfen sich zurück zu verwandeln.
Aber immer der Reihe nach.
Sie schloss für einen kurzen Moment die Augen und besann sich auf ihre göttliche Verbindung mit Engaya. Dann trat sie auf den Rüden, oder was auch immer er jetzt war, zu, setzte ihre Schnauze sanft an, ja, an was setzte sie ihre Schnauze denn? Sie blinzelte, es sah merkwürdig aus, der Kopf war noch mit Pelz bedeckt, nur sah der Pelz dünn aus, wirr und nicht wirklich wärmend. Na, was auch immer es war, Sheena drückte ihre Schnauze hinein und besann sich ihrer inneren Wärme, welche sie langsam auf den frierenden Körper Calebs zentrierte. Dann trat sie ein Stück zurück.
„Frierst du immer noch sehr oder ist es ein wenig besser geworden?“
Sie war gespannt, ob er sie verstehen würde.
[Rudelplatz/ Waldrand - im Wald | Caleb und Minyala]
29.04.2011, 15:45
Der Pechschwarze spürte, dass sie wieder lächelte, ein Bild dass er einerseits, irgendwo tief in sich in den letzten Tagen vermisst hatte, andererseits wollte er es jetzt nicht sehen, weil die Weiße ihn nicht mehr wie eine Gefährtin ansah, die ihrem Gefährten zulächelte. Schön, wenn sie dennoch lächeln konnte. Er fühlte sich seinerseits nicht dazu im Stande auch nur irgendjemandem wieder ein Lächeln schenken zu können. Aus den Augenwinkeln sah er, dass auch Tyraleen kurz zu den Bergen hinauf blickte und er spürte, wie sich ein bitterer Geschmack auf seine Zunge legte. Dort oben lag ein weiteres Versprechen, das er jetzt wohl nicht mehr einlösen brauchte. Irgendwo unter blutigem Schnee begraben.
Als seine Schwester auf seine Entschuldigung antwortete, die ihm schwerer gefallen war, als sie vielleicht glaubte, wandte Averic noch einmal den Kopf zu ihr herum. Sie sprach davon auch ihm zu verzeihen, aber irgend etwas in ihm, konnte sich nicht darüber freuen und auch nicht erleichtert sein. Nicht mal darüber, dass sie ihm sagte ihn niemals hassen zu können, obwohl ihn dieser Gedanke am Meisten zermürbt hatte. Wohl waren es die Worte, die folgten und deren Bedeutung schon im Ton ihrer ersten Worte gelegen hatte.
Als Schwester und Bruder, als Leitwölfin und ihr Beta. In den bitteren Geschmack mischte sich Widerwille und ein stechender Schmerz. Und er suchte nach Wut in sich, darüber, dass sie ihn trotzdem noch weiter verletzte, darüber, dass sie ihm so übel genommen hatte, dass er nicht für sie da gewesen war – gleichzeitig war sie aber auch nicht für ihn da gewesen und hatte ihn mit allem allein gelassen. Wütend sollte er sein, weil sie deswegen ihre Familie hatte zerbrechen lassen und trotz Vergebung und Entschuldigung nur wenig gewillt war das wieder zu ändern. Aber da war einfach nichts mehr. Er fühlte nur, wie es in ihm wieder kälter zu werden drohte, wie sich die Mauer wieder aufbauen wollte, die sie eben genau so brutal niedergerissen hatte. Die Ohren des Pechschwarzen hatten sich noch ein Stück weiter zurückgedreht, doch er hielt ihrem Blick stand. Aber es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis er sich dazu durchringen konnte ihr zu antworten.
„Hassen kannst du mich nicht, aber lieben kannst du mich wohl auch nicht mehr.“,
sagte er leise, den Blick, in dem sie nun lesen konnte, was sie wollte, noch auf Tyraleens jetzt traurige, graue Augen gerichtet und sich irgendwo fragend, warum sie darüber so traurig aussah. Es war doch ihre und nur ihre eigene Entscheidung gewesen. Averic hatte sie niemals als Schwester geschätzt und schon gar nicht als Leitwölfin. Und er war sich fast sicher, dass er das auch niemals können würde. Sie war einfach immer mehr gewesen, auch wenn dieses mehr jetzt so viel mehr weh tat, als alles, was er je empfunden hatte.
[ Seeufer | Tyraleen ]
29.04.2011, 22:06
Tyraleen hatte ihre Entscheidung, dass Rudel so schnell wie möglich zusammenzurufen, so plötzlich geändert, dass Takashi verwirrt zurück blieb. Bis gerade eben schien alles festzustehen, bis alles eine plötzliche Wende einnahm. Die weiße Alphawölfin war plötzlich agil und voller Tatendrang, sodass sie gar nicht mehr still halten konnte und sofort eine neue Idee ausbrütete. Tyraleen hatte noch ein schwerwiegendes Problem aus der Welt zu schaffen. Sie suchte nach Averic, während sie Takashi beinahe vergaß und ihm letztendlich eine gar nicht so leichte Aufgabe gab.
Der Hüne war völlig überfordert, blieb wie angewurzelt stehen und brachte gar keinen Laut mehr hervor. Sein Blick huschte noch für einen Moment Tyraleen hinterher, bis ihm klar wurde, in was für eine Situation er nun steckte.
Obwohl der Rüde ein mächtiges Erscheinungsbild besaß, sah er in diesem Moment winzig und hilflos aus. Takashi war eindeutig ein Fenriswolf, doch nun sollte er Engaya Taten vollbringen. Ausschließlich gute Taten und die Verbreitung von Liebe würden zum Ziel führen. Fenris musste zurückgedrängt werden und Engaya sollte neue Kraft erhalten, damit das Gleichgewicht wieder hergestellt werden konnte. Das alles klang so einfach und simpel, aber die Umsetzung stellte ein großes Problem für den Schwarzen dar. Wie sollte er nur gegenüber jedem Artgenossen jemals so handeln können?
Der erste Schritt in Richtung der Jungwölfe war ganz und gar nicht leicht. Takashi hatte einfach keine Zeit, sich vorzubereiten, er musste jetzt handeln. In einem ruhigen Trab näherte er sich den drei Wölfen und nahm die starke Aura Fenris’ bei Jakash wahr.
„ Grüßt euch; ich hoffe, ich störe euch drei nicht.“
Aus der rauen Stimme Takashis war eindeutig Anspannung herauszuhören. Seine Rute pendelte energischer als sonst und auch sein Blick war ernst. Er musterte die drei jungen Wölfe kurz und holte tief Luft.
„ Die Kälte rafft euch sicherlich auch dahin und die Natur hat ihren Einklang verloren. Das ist passiert, weil Fenris viel zu stark geworden ist...“
Takashi biss sich auf die Unterlippe. Er klang so, als wäre er ganz und gar gegen Fenris. Das war überhaupt nicht die Art des Schwarzen und er fühlte sich in seiner Haut sichtlich unwohl. Er hatte etwas gesagt, was er sonst nicht aussprechen würde.
Innerlich hoffte der Schwarze, dass er das Interesse der Drei wecken konnte, ihn ein wenig mehr erzählen zu lassen. Takashi musste einfach nur gut zu den anderen sein, das war schon alles. All das war für einen Fenriswolf einfach zu viel verlangt.
[ Bachmündung | Jakash, Madoc, Chardím ]
30.04.2011, 09:10
Ketchup und Schnitzel. Diese Minyala! Caleb hätte gelacht oder zumindest geschmunzelt, wenn ihm das noch möglich gewesen wäre. Leider jedoch verschwand diese witzige Vorstellung viel zu schnell aus seinem Bewusstsein.
Jetzt huschten seine braunen Augen ängstlich zwischen den beiden Wölfinnen hin und her. Minyala blieb gelassen, wie es zu erwarten gewesen war, aber seine Sorge galt auch eher Sheena. Sie mochte Werwölfe ja kennen, aber sie hatten nicht von der menschlichen Gestalt als alternative Form gesprochen, sondern von etwas Monströsem, von dem Caleb nicht gewusst hatte, dass es das als Verwandlung gab. Kannte Sheena Menschen, und wenn ja, hatte sie schon schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht? Caleb konnte sich nicht vorstellen, dass Wölfe sonderlich gut auf Menschen zu sprechen waren. Überhaupt galt das wohl für alle Wildtiere, außer vielleicht überwinternde Singvögel.
Tatsächlich war Sheena ein wenig zurück gewichen, aber Angst oder Agression konnte er nicht in ihrem Zügen finden. Zum Glück konnte er mittlerweile die Mimik von Wölfen ziemlich gut interpretieren, und zum Glück zeigten Wölfe es deutlich, wenn sie im Begriff waren jemanden anzugreifen, bevor sie es taten. Wölfe waren nicht wie Menschen, die dazu Fähig waren, sich einem lächelnd zu nähern und dann doch ihrem Gegenüber die Klinge in den Bauch zu rammen. Minyala erklärte Sheena derweil, dass er noch gewisse Probleme mit seinen Verwandlungen hatte, und drückte sich an ihn. Scham erfüllte ihn im ersten Moment, immerhin konnte er Minya nicht als Hündin betrachten, viel eher als Freundin... als Mädchen gewissermaßen. Und mit Mädchen hatte Caleb nur insofern Erfahrung, dass Kuscheln nunmal etwas für Freund und Freundin waren. Also, für Freund und Freundin, klar? Aber, zum Teufel noch eins, ihm war schei*e kalt und Minya war warm, also versetzten seine Überlebensinstinkte seinem Schamgefühl eine Ohrfeige und ließ ihn die Arme um die zerrupfte Wölfin schlingen. Oh, das war besser, viel besser! Nicht annähernd gut genug um ihn sich gänzlich wohl fühlen zu lassen, aber eine deutliche Steigerung gegenüber blanker Ohne-wärmende-Minyala-Kälte.
Er hätte gerne etwas gesagt, hätte sich gerne bei Minyala bedankt oder Sheena auf ihre Frage geantwortet, aber seine Zähne klapperten zu sehr und sein ganzer Körper tat bereits so weh vom Zittern, dass er sich kaum auf die Worte konzentrieren konnte. Derart zum Zuhören verdammt, wurde ihm bewusst, was er damals schon bei seinem ersten Treffen mit Minyala festgestellt hatte: Wenn er sich darauf konzentrierte, konnte er die Wolfslaute hören, während sein Gehirn die Übersetzung lieferte, als sprächen Minya und Sheena seine Sprache. Er wusste gar nicht mehr, in welcher Sprache er sich mit Minyala unterhalten hatte - er hatte einfach etwas sagen wollen, und sie hatte es verstanden...
Sheena näherte sich ihm und streckte die Schnauze nach ihm aus. Inzwischen hatte Caleb sich beruhigt und fürchtete keinen Angriff ihrerseits mehr, was jedoch noch nicht für das restliche Rudel galt. Er hatte keine Ahnung, was sie vor hatte, aber er ließ sie gewähren. Und mit einem Mal flutete eine Welle aus Wärme von seinem Kopf aus durch seinen Körper. Was immer sie getan hatte, anschließend empfand er die eisige Kälte nur noch als kühl.
"Wow - wie hast du das gemacht?!",
stieß er überrascht hervor und entließ Minyala gröstenteils aus seinem Klammergriff. Achja, und wo waren eigentlich seine Manieren geblieben?
"Danke, Sheena! Und danke dir auch, Minya, was würde ich nur ohne dich machen?"
Dankbar drückte er sein Gesicht an ihren Hals, ohne dass ihm bewusst wurde, dass dies eigentlich eine rein wölfische Geste war. Dann ließ er sie wieder los, blieb jedoch dicht bei ihr hocken. Ein Arm lag auf ihrem Rücken, völlig unbewusst.
"Wie lange hält das an?",
wandte er sich nun wieder an Sheena.
[Waldrand | Minyala, Sheena]
30.04.2011, 12:07
Schmerz wütete in Jumaanas Gedanken, doch sie versuchte, ihn zu ignorieren - redete sich ein, dass sie stark war, obwohl sie wusste, dass sie sich selbst niemals belügen konnte. Sie war nicht mehr stark, sie war ein Wrack und sie hatte niemanden, der ihr wirklich helfen konnte. Sie hatte vielleicht ihre Familie, Takashi, Majibáh und Cirádan, aber das reichte nicht aus, um das Loch in ihrer Seele zu stopfen, das die Mutter ihres Gefährten zurückgelassen hatte. Ihre Vorderpranke zitterte, als die Weiße sich mit einer fahrigen Bewegung über das rechte Auge fuhr, das sich anfühlte, als würden Tränen darin brennen. Unverwandt blickte sie Malicia an und spürte Trauer in sich aufsteigen, als sie deren Worte hörte. Optimistisch sein. Sie war eine Optimistin. Doch der Schmerz erstickte ihren Mut im Keim, ohne dass sie etwas dagegen unternehmen konnte.
„Ich stimme dir zu, Malicia. Wir müssen optimistisch sein - das müssen wir immer. Aber in Zeiten wie diesen ist selbst der optimistischste Wolf überfordert mit der Last von Ungleichgewicht, Auseinandersetzungen und Schwäche. Wir sind alle schwach, seit der Varg auftauchte. Wir sind es alle.“
Die weiße Wölfin sehnte sich mehr denn je nach der Gesellschaft ihres schwarzen Rüden und blickte betrübt auf den Schneematsch, der sich durch ihre Körperwärme unter ihr entwickelt hatte. Das Zittern hielt an, doch der eisige Wind, der von Zeit zu Zeit durch ihr Fell strich, hatte etwas Tröstliches an sich, als wollte er ihr sagen, dass alles wieder gut werden würde. Sie wollte ihm so gern glauben und alle Sorgen ablegen. Wieder glücklich sein. Ehrlich lächeln können - ein Sonnenschein ohne die geringste Wolkenbildung sein.
„Findest du es seltsam, reden zu können? Dass wir die Möglichkeit haben, unsere Fänge zu öffnen und zu kommunizieren. Meinst du, es wäre besser, wenn wir alle taub und stumm wären? Vielleicht würden die Lügen so unausgesprochen bleiben, andererseits weiß ich nicht, ob es wirklich besser wäre. Aber alles hat Vorteile und Nachteile.“
Während sie sprach, wandte sie den Blick ab, um Malicia nicht in die blauen Seelenspiegel blicken zu müssen. Sie konnte einfach nicht, auch wenn sie sich nicht erklären konnte, warum es ihr so schwer fiel. Die Polarwölfin starrte stattdessen hinaus auf den Sternensee und zum Himmel, dessen graue Wolkenschleier bei ihr sofort wieder trübste Stimmung heraufbeschwörten.
„Verzeih, dass ich deine Frage noch nicht beantwortet habe. Denn ja, wir haben wieder Leitwölfe: deine jüngere Schwester und deinen Onkel. Tyraleen und Aszrem. Wenn du willst, können wir uns auf die Suche nach ihnen machen, damit du mit ihnen sprechen kannst.“
Nun schaffte sie es, wenigstens ein kleines, hoffendes Lächeln auf ihre Lefzen zu schieben und war stolz auf sich. Jumaana wusste, dass sie sich manchmal nicht vollständig unter Kontrolle hatte und umso besser ging es ihr, wenn sie feststellte, dass es ging. Lächeln und lächeln wollen. Die Weiße richtete sich langsam auf und ließ ihren Blick umherschweifen, wie um Tyraleen oder Aszrem zu suchen, doch sie machte sich nicht die Mühe, zu begreifen, was ihre Augen erfassten.
- [ Waldrand | Malicia ]
01.05.2011, 08:32
Aus welchem Grunde auch immer, eine solch freundliche Begrüßung hätte der silberweiße Rüde nicht erwartet, denn die aufgewühlte Gemeinschaft erschien ihm nicht so, als würde sie sonderlich erpicht auf die Anwesenheit eines beinahe fremd gewordenen Wolfes sein. Er mochte zwar bereits als Welpe hierher gefunden haben, doch war er auch ein ganzes Jahr wieder in die einsame Wildnis gezogen und erst seit Neustem wieder in den Reihen des Rudels zurückgekehrt. Und trotz seiner kühlen Ausstrahlung wollte er die Gunst wahren, die die beiden Rüden ihm zukommen ließen, zumal Jakash ein recht angenehmer Zeitgenosse zu sein schien mit seinen etwas scherzhaften Bemerkungen. Chardím, welcher recht wortkarg, aber doch freundlich wirkte, würdigte er auf seinen Gruß hin mit einem kurzen Nicken, bevor er sich an den Gleichaltrigen wandte.
"Nun, das freut mich, lasst es mich ruhig wissen."
Entgegnete Madoc und wenngleich seine Worte wie gewöhnlich in neutraler Manier und ruhiger Stimme gesprochen waren, so klangen sie doch nicht abweisend, sondern vielmehr förmlich und gewillt. Auf die Frage nach seinem Befinden hin, musterte er zunächst den schwarzen Bruder Atalyas, welcher der Beschreibung der schwächelnden Gemeinschaft doch recht gut nachkam. So auf dem Boden gekauert mit scheinbar mühsam gehaltenem Haupt schien er tatsächlich nicht ganz unversehrt aus diesen Ereignissen hervorgegangen zu sein.
"Danke deiner Nachfrage, Jakash. Ich denke, dass mich der Stress der letzten Zeit deutlich weniger getroffen hat, als einige andere hier, zumal ich dank meiner Abwesenheit noch nicht einmal das gesamte Geschehen miterlebt hatte."
Antwortete er und betrachtete abermals Chardím, den er absichtlich nicht nach seinem Wohlbefinden fragte, da die Antwort beinahe offensichtlich schien.
"Ich hoffe selbiges lässt sich auch auf euch übertragen."
Sprach Madoc stattdessen mit einem wiederholten Nicken seines Hauptes, und sah die beiden dunklen Wölfe aus seinen blutroten Augen heraus an. Just in diesem Moment spürte er jedoch bereits eine weitere Anwesenheit nahen und als er sich umsah, erkannte er Takashi, den schwarzen Rüden, den er bei seiner Rückkehr als erstes gesichtet hatte. Ähnlich wie er selber begann auch er seine Begrüßung mit den Floskeln der Höflichkeit.
"Guten Tag."
Erwiderte der Silberweiße daraufhin in gehaltener Stimme und einem andächtigen Blick aus den rubinroten Seelenspiegeln. Auf seine weitere Bemerkung hin schwieg er jedoch, glaubte er doch weder an Fenris, noch an Engaya, welche in seinen Augen lediglich aus Sagen und Mythen existierten. Madoc glaubte lediglich an sich selbst und die Macht des Stärkeren, auf die keine Götterkraft Einfluss haben konnte. So überließ er es den beiden anderen Mitgenossen, ihre Meinung zu diesem Standpunkt zu äußern. Fenris war also stark geworden? Der Sternentänzer schüttelte das Haupt, welch schwachsinniger Aberglaube.
[Bachmündung | Jakash, Chardím, Takashi]
((Sorry, überlesen ^^' schon geändert!))
01.05.2011, 10:38
Kisha versuchte, den jungen Wolf anzusehen, ohne dabei bedrängend zu wirken. Es war keine Kunst, dem Weißen anzusehen, dass es ihm nicht so ganz behagte, dass sie so plötzlich bei ihm war. Und so versuchte sie, durhc ihr Lächeln, durch ihre Körperhaltung, ihm die Unsicherheit zu nehmen. Die Dunkle hatte nie wirklich etwas mit ihm zu tun gehabt, und konnte ihn so nun nicht einschätzen. Konnte nicht erkennen, was ihn bedrängte, was ihn verunsicherte. Umso glücklicher war die Schwarze, als er den Fang öffnete, und zu einer Antwort ansetzte. Sie lauschte seinen Worten, und nickte zustimmend. Sie erlebte es am eigenen Körper, wie sich auch der Großteil des Rudels fühlen musste. Jede Faser geschwächt, jede Anstrengung war zu viel. Nun schweifte auch ihr Blick ab, wanderte über das Rudel und all die Wölfe, die von Schwäche gezeichnet waren.
“Es ist, als wenn alles verrückt spielt. Das Wetter, unsere Körper... „
Nun wandte sie den braunen Blick leicht zum Himmel, betrachtete die grauen Wolken, die kein Durchkommen für die Sonne boten. Die Kälte machte ihr sehr zu schaffen, als sie zugeben wollte. Und so war sie glücklich darüber, dass der Weiße erneut zu sprechen begann und ihre Gedanken von der Kälte ablenkte. Dafür brachte er ein neues, unschönes Thema ein. Den Varg. Ihr Blick richtete sich wieder auf den Weißen, ihre Ohren neigten sich leicht zurück. Da ihr Blick allerdings so auf den Rüden fixiert war, konnte sie auch das leichte Pendeln seiner Rute, das zaghafte Lächeln auf seinen Lefzen erkennen. Einen Moment dachte Kisha darüber nach, was sie nun antworten sollte. Unerklärlich. Dieses Wort traf es genau. Ein leises Seufzen verließ ihren Fang, ehe sie zu einer Antwort ansetzte, das Lächeln auf ihren Lefzen war ein wenig verblasst.
“Wenn das so einfach wäre... Ich denke, die meisten von uns denken darüber nach. Vielleicht... müssen wir uns alle erst ein wenig ordnen, um einen klaren Weg erkennen zu können.“
[Rudelplatz – Nihilus]
01.05.2011, 10:52
Natürlich verstand Averic, was Tyraleen nicht aussprach und doch sagte. Es war nicht direkt Enttäuschung, die sich auf seinem Gesicht ausbreitete und doch zog Kälte in und um ihn auf. Die Weiße fröstelte leicht und ihr Herz wurde noch schwerer, als ihre eigenen Worte es schon gemacht hatten. Sie hatte sich nie direkt gefragt, was Averic und sie erwarten würde, wenn sie es irgendwann geschafft hatten, ihren furchtbaren Streit hinter sich zu lassen. Für sie war zwar klar gewesen, dass sie Vertrauen erst wieder lernen musste, doch was in Averics Kopf vorging, war ihr schleierhaft. Hatte er erwartet, dass zwei Entschuldigungen und zwei Annahmen derselben alles wieder wie früher werden lassen würden? Man konnte Taten nicht ungeschehen machen, selbst wenn man sie verzieh. Man konnte sie nicht einfach aus dem Gedächtnis löschen. Tyraleen würde ihre bodenlose Enttäuschung niemals vergessen können, ganz unabhängig davon, in wie weit sie daran selbst Schuld trug oder ebenso enttäuscht hatte. Sie würde niemals vergessen, wie sie sich gefühlt hatte, als klar wurde, dass sie den schlimmsten Tag ihres Lebens ohne den wichtigsten Wolf ihres Lebens verbringen musste; ohne den Wolf, der ihr als einziges die Kraft schenken konnte, die sie nie bitterer gebraucht hatte. Sie hatte verstanden, warum Averic so gehandelt hatte und sie hatte verziehen, dass er trotz einiger Wenn und Abers sich zu diesem Verhalten entschieden hatte – aber alles Verständnis reichte nicht aus, um sicher zu sein, dass er es nicht erneut tun würde. Dass sie nicht wieder so bodenlos enttäuscht werden würde. Denn sie wusste nicht, ob sie sich erneut durch eine solche Enttäuschung würde schleppen können – vielleicht würde sie auch daran zerbrechen und dieses Risiko konnte sie nicht eingehen. Es wunderte sie beinahe, dass er mit solchen Gefühlen offensichtlich weniger zu kämpfen hatte. Schließlich hatte auch sie ihn enttäuscht und zudem seinen Sohn getötet. Vielleicht konnte er besser vergessen, vielleicht vertraute er auch schneller. Und offensichtlich hatte er selbiges von ihr erwartet. Sie schluckte schwer, aber der Knoten in ihrem Hals blieb und drohte, sie zu ersticken. Averic sprach es an, er gab sich nicht damit zufrieden, dass sie ihn vor Tatsachen stellte, er wollte Erklärungen. Warum? Warum quälte er sie beide mit weiteren Worten, die ihnen doch beiden klar sein mussten? Oder konnte ihr Bruder wirklich nicht verstehen, warum sie ihn nicht mehr wie einen Gefährten lieben konnte?
“Ich liebe dich wie eine Schwester ihren Bruder liebt und wie eine Engayawölfin jeden Wolf auf dieser Welt liebt.“
Ihre Worte klangen hohl und matt und ihr war klar, dass sie ihn mit dieser Antwort nur enttäuschte. Dabei war sie nicht einmal die volle Wahrheit. Plötzlich wollten Tränen aufkommen, doch entschieden und beinahe verbissen blinzelte sie hinfort.
“Und vielleicht liebe ich dich auch noch ein wenig mehr, aber gleichzeitig verbiete ich mir genau das. Ich kann es nicht mehr, Averic. Ich werde nie mehr die Enttäuschung vergessen, die ich empfand, als mir bewusst wurde, dass du mich im Stich lassen würdest. Sie hat jeden klaren Gedenken weggefegt, sie hat mich so zermürbt, dass ich dachte, ich würde diesen Tag nicht überleben. Wenn ich sie noch einmal empfinden muss, dann glaube ich fast, dass ich es wirklich nicht überleben werde. Und dieses Risiko darf ich nicht eingehen. Ich darf nicht, nur weil ich dich liebte und dir somit vertraute – denn eine Liebe zwischen Gefährten ohne Vertrauen ist für mich keine Liebe – zu einer schwachen Wölfin werden, die ihr Rudel und ihre Welpen im Stich lässt. Ich muss stark sein, doch bei dir bin ich schwach. Das war gut so, bis du mich im schwächsten aller Momente alleine gelassen hast. Das darf mir nicht erneut passieren. Und deshalb kann ich dich nicht mehr lieben, wie eine Gefährtin ihren Gefährten liebt.“
Ihre Argumentationskette klang logisch und nachvollziehbar, die Einleitung war hinführend, der Abschluss klar und prägnant. Und doch klangen ihre Worte erneut so hohl und alles an ihnen wirkte beinahe lächerlich, wenn man bedachte, worüber sie sprach: Liebe. Dieses Gefühl zeichnete sich dadurch aus, dass es nichts mit Logik und Nachvollziehbarkeit zu tun hatte, Argumente und Erklärungen fanden keinen Platz in ihm. Sie war sich dessen vollkommen bewusst und doch wusste sie nicht, wie sie es besser hätte sagen sollen. Die Gefühle, die sie durch ihre Worte hatte erklären wollen waren in ihr drin und ließen sich nicht fortargumentieren.
“Ich habe Angst.“,
fügte sie noch leise hinzu, ohne darüber nachgedacht zu haben. Angst vor der Enttäuschung, Angst vor dem Zerbrechen der Illusion, nie mehr alleine zu sein.
[ Rudelplatz, See | Averic ]
01.05.2011, 12:41
Liel schien Shanis liebevolles Knabbern zu genießen, schloss sogar die Augen und machte der Weißen damit eine große Freude. Ihre eigenen Welpen waren längst nicht mehr so empfänglich für mütterliche Zärtlichkeiten, Liel dagegen war wohl noch in einem Alter, in dem die eigene Mutter noch nichts Peinliches tat. Es war schön, sich verhalten zu dürfen, wie man wollte und damit erfreuen konnte. Eine ausgiebige Kuschelrunde war aber leider nicht möglich, immerhin stand Jarèll noch immer bei ihnen und sie führten ein nicht uninteressantes Gespräch. Es war einfach nicht angebracht, auch wenn Liel ebenso ein wenig enttäuscht darüber schien. Was der weiße Rüde darüber dachte, ließ sich nicht erahnen, aber Shani ging ganz selbstverständlich davon aus, dass es ihm unangenehm war. Gerade wenn er, wie er nun selbst sagte, ein Wolf der Einsamkeit war. Liel schien von seiner Aussage ein wenig verwirrt und auch Shani erschloss sich ihre Logik weder sofort noch nach ein wenig Nachdenken. Es erinnerte sie nur sehr stark an Midnight, ihren schwarzen Freund, der das Rudel irgendwann verlassen hatte, wie die meisten, die sie gemocht hatte. Er war ein schwieriger Wolf gewesen, hatte immerzu düstere Laune gehabt und war so voller Pessimismus, dass Shani ihn manchmal am liebsten geschüttelt hätte. Ob Jarèll mit diesem Schicksal ebenfalls unglücklich war?
“Einsamkeit ist deshalb so treu, weil sie leer ist. Wenn nichts wegfallen kann, wird auch nichts wegfallen. Sehr verlässlich aber unendlich traurig. Ich glaube nicht, dass Wölfe so leben sollten.“
Ein zartes Lächeln war auf ihren Lefzen erschienen, sanft und unaufdringlich – sie wollte sich nicht in das Leben des Rüden einmischen, aber sie reichte ihm dennoch die Pfote mit ein wenig Hilfe, er durfte sie annehmen oder ablehnen. So ließ sie sich auch bereitwillig auf das Thema ein, das sie selbst angeschnitten und als eine Miterklärung von Jarèlls Verhalten vorgeschlagen hatte. Offensichtlich hatte sie damit auch nicht Unrecht, denn der Weiße war kurz bevor Tyraleen ihren Sohn ermordete angekommen. Diese Bestätigung und die halbe Frage, die in Jarèlls Worten steckte, registrierte sie, doch erstaunt war sie über die Anrede, die der Weiße gebrauchte. Hatte er nur sie angesprochen oder auch Liel? Dann wäre das Ihr ganz normal, es schien ihr jedoch, als hätte er sie alleine gemeint. Warum war er so förmlich? Hatte sie ihn nicht schon geduzt?
“Du darfst mich ruhig mit Du ansprechen.“,
leitete sie erst einmal mit einem freundlichen Lächeln ein um dann ganz unkompliziert fortzufahren, ohne weiter auf ihre Irritation einzugehen.
“Ah, das Nichts. Dann hast du eigentlich das schlimmste verpasst. Wir dachten wirklich, wir müssten sterben. Das ganze Tal hat es verschluckt, um uns herum nur noch weißer Nebel und dann plötzlich entstand unter unseren Pfoten eine neue Welt. Das Revier, wie du es kennst, haben wir alle gemeinsam erschaffen. Daher kommen wohl auch die etwas seltsamen Stellen, wie dieser steinerne Wald oder die Bäume, die Muscheln und Federn tragen.“
Sie nickte leicht bei der Erinnerung an diesen lang vergangenen Tag, an dem die Welt neu entstand. Die Gedanken an die Zeit davor, als sie Hiryoga an eben jenes Nichts verlor und die Enttäuschung, dass er trotz des Siegs über den weißen Nebel nicht wieder aufgetaucht war, verdrängte sie. Er hatte wohl zu der alten Welt gehört – sie war nun die neue. Mit Liel zusammen. Und auch ihren Kindern.
“Diese unerfreulichen Ereignisse meinte ich. Ich kenne auch nur das, was Tyraleen und Aszrem erzählt haben – zunächst der schreckliche Tod Tascurios und dann das Auftauchen dieses Vargs, der sich dann auch noch im Fluss in einen Wolf verwandelt. Das ganze Rudel zerbricht sich darüber den Kopf, ich hoffe, dass sie irgendwann eine Lösung finden werden.“
Sie warf einen Blick zu der schweigsamen Liel, die zwar interessiert aussah, aber nichts weiter sagte. Auffordernd begann Shanis Rutenspitze zu zucken, sollte ihre Ziehtochter Fragen haben, wäre jetzt der perfekte Augenblick sie zu stellen. Und auch Jarèll war wohl noch nicht alles klar, wobei die Weiße sicher nicht die beste Fragenbeantworterin war. Dafür sollte man sich wohl Tyraleen, Aszrem, Sheena, Averic oder vielleicht auch Rakshee zuwenden, doch die waren alle beschäftigt oder gar nicht erst zu sehen.
[ Rudelplatz | Jarèll und Liel ]
01.05.2011, 13:17
Ihre Worte waren wie ein Schlag ins Gesicht. Averic hätte nicht sagen können, mit was für einer Antwort er gerechnet hatte, aber er hätte nicht damit gerechnet, dass er, nach allem was sie zusammen durchgemacht hatten, innerhalb weniger Tage zu einem Wolf degradieren konnte, der für sie nicht mehr mehr Wert war, als alle anderen. Der Pechschwarze schluckte und musste den Blick abwenden. Die bodenlose Enttäuschung über sie war wieder greifbar nah und setzte sich in seinem Hals fest. Er hätte auch nicht gewagt zu denken, dass nach dem, was nun passiert war, einfach alles wieder wie früher werden konnte, aber irgendwo hatte er vielleicht gehofft, dass es ihr so ging wie ihm. Das wäre wenigstens etwas gewesen. Aber das Schlimmste an allem war ja, dass sie es gar nicht mehr wollte. Und mit jedem ihrer Worte biss er die Zähne fester aufeinander und zügelte sich, ihr das Wort abzuschneiden, weil er nicht mehr hören wollte, was sie sagte und ihn nur weiter beleidigte. Denn es klang nicht mal echt, mochte ihre Begründung für einen neutralen Außenstehenden noch so nachvollziehbar sein. Aber er war nicht neutral und er war nicht außenstehend. Averic konnte dem, was sie so leblos herunterratterte kaum zuhören und am Ende hatte er Mühe noch einigermaßen ruhig zu bleiben. Seine Fassung wollte sich bereits irgendwo hin verabschieden.
„Glaubst du, ich habe mich irgendwie besser gefühlt? Auch nur im Ansatz? Glaubst du, ich fühle mich JETZT besser? Sag mir, fühlst du dich jetzt besser?“
In ihm war jetzt kein Platz für rationales Denken. Es ging schließlich um ein Gefühl, das er nicht abstellen und das sie sich verbieten wollte. Ihm kam wieder in den Sinn, was er Tyraleen vor wenigen Tagen an den Kopf geworfen hatte. Banshee hatte Acollon immer alles verziehen, egal was er getan hatte; wie sehr er ihr Vertrauen missbraucht hatte. Und nun sollte ihm ausgerechnet das zum Verhängnis werden, nun musste er für das die Höchststrafe in Kauf nehmen, wofür er am Wenigsten etwas konnte. Er musste unter dem leiden, was sie getan und was sich daraus ergeben hatte. Tyraleen hatte ihm vorgeworfen niemals so grausam sein zu können, wie er es war. Doch so wie er sich jetzt fühlen musste war er sicher, dass sie es längst war, denn sie tat es mit Absicht. Sie wollte es nicht mehr anders. Er hätte die ganze Welt und vor allem die Götter dafür hassen sollen.
„Dann solltest du mich doch lieber hassen. Damit komme ich besser klar, als von dir so geliebt zu werden, wie du jeden anderen liebst. Ich wünschte, ich könnte dich hassen. Das würde nicht so weh tun. Aber ich kann ja trotz allem nicht mal aufhören, dich zu lieben, im Gegensatz zu dir.“,
fügte er an, jedoch viel leiser und obwohl er auch ausdrucksloser klingen wollte, konnte er den Schmerz darüber nicht ganz verbergen. Die Gefühle, die so stark in ihm wallten und wankten ertaubten zusehends und zurück blieb das hohle Gefühl verloren zu haben. Alles verloren zu haben. Seine Worte würden nichts mehr ändern, sie hatte sich entschieden. Und während ihre Furcht darin bestand, an einer weiteren, möglichen Enttäuschung zugrunde zu gehen, musste er sich fragen, wie er jetzt so weitermachen konnte. Das war alles so falsch.
Averic hatte sich abgewandt. Das Haupt noch erhoben, aber die Schnauze gesenkt blickte er auf die Oberfläche des Sees vor sich, die jetzt, im Sommer zu Eis erstarrt war. Auf ihre letzten drei Worte hin, senkte er leicht die Lider.
„Wovor hast du jetzt noch Angst? Es ist doch schon alles kaputt.“
Seine Worte klangen jetzt müde, resigniert und er selbst musste mit der Trauer darüber kämpfen.
„Wofür ist unser Sohn nun überhaupt gestorben?“
[ Seeufer | Tyraleen ]
01.05.2011, 16:07
Tyraleen war sich erneut nicht sicher, welche Reaktion sie von Averic erwartet hatte, aber seine aufkommende Wut verschreckte sie. Sie spürte sie brodelnd in ihm aufsteigen und selbst als er den Blick abwandte, konnte sie den Zorn in seinen Augen sehen. Warum wurde er nun wütend? Verstand er nicht, dass sie nicht anders konnte? Und dass er sich ihr Vertrauen zuerst zurück verdienen musste? Wollte er so Vertrauen in sie hineinprügeln? Wenn ja, dann war das eine ganz schlechte Technik und bewirkte exakt das Gegenteil. Vielleicht hatte sie erwartet, dass er einfühlsam reagieren würde … ja, denn sonst würde sie jetzt nicht erneut Enttäuschung empfinden. Darüber, dass er sie eigentlich gar nicht verstanden hatte. Dass sie – mochte es noch so hohl und wirklichkeitsfremd geklungen haben – ihm nicht mehr vertrauen konnte und er sich gefälligst anstrengen musste, um es zurück zu verdienen. Diesen Einsatz erwartete sie nicht, deshalb hatte sie auch ihre beendenden Worte gewählt, aber wenn er von ihr verlangte, ihn wieder zu lieben, dann musste er auch etwas dafür leisten. Und dazu war er offensichtlich nicht bereit. Sie versteifte sich innerlich, die Trauer wich aus ihrem Blick, doch es kam auch keine Wut auf. Sie war nicht wütend, nur erneut enttäuscht.
“Nein, vermutlich hast du das nicht, aber ich fordere auch nicht von dir, dass du mir wieder vertraust. Du dagegen verlangst danach auf eine Art und Weise, von der du wissen müsstest, dass sie das Gegenteil bewirkt. Nein, Averic, ich kann dir nicht mehr vertrauen und das hast du mir gerade wieder bewiesen. Und dass ich jemanden nicht lieben kann, dem ich nicht vertraue … das müsstest auch du verstehen.“
Sie betrachtete ihn mit einer plötzlich neu erwachten Kälte, die sie nicht empfinden wollte. Doch in ihr war plötzlich nichts anderes mehr, seine Reaktion auf ihre offene Erklärung, egal wie sie geklungen hatte, war wie der plötzlich einbrechende Winter nach dem strahlenden Frühling.
“Ich fühle mich noch viel schlimmer, als zuvor. Weil du es einfach immer schaffst, mich zu enttäuschen. Glaubst du wirklich, dass ich dich so lieben könnte?“
Sie senkte den Blick und war beinahe froh, als Averic sich abwandte. Er zeigte ihr, dass er die Situation nicht mehr ertrug, aber was sollte sie dagegen tun? Er hatte soeben die Chance verpasst, sie zu ändern. Es war unfair, er drängte sie in die Lage, von ihm die richtige Reaktion zu verlangen, dabei hatte sie das nie vorgehabt. Sie verlangte nichts mehr von ihm, nur wenn er begann zu fordern, musste er auch selbst etwas leisten. Seine leisen Worte nahm sie ausdruckslos auf, erst am Ende schluckte sie unmerklich. Sein Liebesgeständnis fand einen Weg durch die von ihm erweckte Kälte und war doch kein bisschen schön. Was sollte sie mit seiner Liebe, wenn er sie doch nur verletzte? Jemanden zu lieben reichte nicht, man musste es auch zeigen. Als Fenriswolf wurde in der Hinsicht wenig von ihm gefordert, doch das Gegenteil zu geben, war selbst für den Sohn des Todes zu wenig. Sie fand keine Antwort. Erst als er erneut, noch leiser und nun traurig das Wort erhob, schüttelte sie den Kopf.
“Für dein Leben. Daran muss ich glauben, sonst gäbe es für mich keinen Grund mehr, unsere Götter zu ehren und zu achten.“
Auf seine Frage nach ihrer Angst ging sie nicht ein – was sollte sie auch sagen? Sie hatte Angst gehabt, sich auf ihn einzulassen, zumindest einen Funken Vertrauen zu zulassen um mehr darauf aufbauen zu können, aber er war selbst für diesen Funken nicht bereit gewesen.
[ Rudelplatz, See | Averic ]
01.05.2011, 17:29
Averic hob den Kopf leicht, sah sie aber nicht an. Auf ihre Worte hin biss er die Zähne zusammen, schluckte und hatte Mühe den Anflug von Verzweifelung nicht auf seinem Gesicht erscheinen zu lassen. Er verlangte doch gar nicht. War es so schwer seine Sichtweise nachempfinden zu können? War es so schwer zu verstehen, dass sie auch ihn verletzt hatte? Statt dessen warf sie ihm erneut vor ihres Vertrauens nicht mehr würdig zu sein und er verstand nicht, was er nun wieder falsch gemacht hatte. Er hatte lediglich wissen wollen, ob es ihr mit ihrer Entscheidung besser ginge als vorher, dem war anscheinend nicht der Fall und trotzdem wurde ihm wieder die Schuld dafür über die Schultern geworfen.
„Ich verlange nichts von dir. Natürlich ist mir klar, dass nicht einfach alles wieder gut sein kann. Ich ... hatte nur gehofft, dass wenigstens noch ein bisschen übrig wäre. Aber das du das nicht mal mehr willst, tut verdammt weh und enttäuscht mich genau so. Kannst du das nicht verstehen? Und gleichzeitig weckst du in mir das Gefühl, dass alles, was ich jetzt noch sagen kann, falsch ist.“,
Sie stach ihm nur weitere Messer in das Herz. Er wollte nicht Schuld an etwas sein, dass er nicht begangen hatte. Immer wieder lagen ihm diese Worte auf der Zunge, doch er sprach sie nicht aus, in dem Wissen, dass sie nur noch mehr kaputt machen würden, wenn das überhaupt noch möglich war. Warum strafte ihn die Tochter des Lebens so mit Ungnade? Sie urteilte nur über seine Fehler, sie sah nichts als seine Fehler.
„Du bist nicht fair.“,
antwortete er fast flüsternd, als Tyraleen ihm vorwarf sie immer zu enttäuschen. Er verstand nicht, womit er so viel Kälte von ihr verdient hatte. Er hatte sich immer die größte Mühe gegeben ein guter Gefährte und Vater zu sein, aber schon immer hatte Tyraleen härter als alle anderen über ihn geurteilt. Auf sein „Geständnis“, dass er sie hingegen noch liebte und nicht mal in der Lage war sie für all das zu hassen, bekam er keine Antwort. Sie wollte es nicht. Sie zeigte ihm mit aller Deutlichkeit, dass sie seine Liebe nicht mehr wollte. Ihre Antwort auf seine letzten Worte hingegen wirkten so fast, als wollte sie ihn verspotten. Aber er war zu müde, um darüber wütend zu werden. Er fand nicht mal mehr die Kraft, auf die Götter wütend zu sein. In ihm war längst keine Wut mehr, nur dieser kleiner werdende Funken Verzweifelung, neben der größer werdenden Leere. Für sein Leben. Danke, dieses Leben hatte er sicher nie gewollt.
„Mein Leben ... ich würde es hergeben, um ungeschehen zu machen, was passiert ist.“
Er sah sie noch einmal an, hatte allerdings schon jede Hoffnung verloren, dass seine Worte noch irgendetwas bewirken könnten.
[ Seeufer | Tyraleen ]
01.05.2011, 19:26
Auch wenn Tyraleen einiges an ihrem ehemaligen Gefährten nicht mehr verstand – oder hatte sie es je verstanden? – so sah sie nun ganz genau, dass sie ihn überfordert hatte. Dass er ihren Gedankengänge nicht mehr hatte folgen können und nun nicht mehr wusste, was falsch und was richtig war. Vielleicht war sie auch zu voreilig gewesen, hatte ihn verurteilt, obwohl genau das eine Tat war, die sie nicht zu begehen hatte. Sie musste erklären, alles erklären, was in ihr drin war und nur die Sorge blieb, dass es genauso hohl klingen würde wie bei ihrem ersten Versuch und er auch wieder genauso falsch reagieren würde.
“Wer sagt denn, dass nichts mehr übrig ist? Habe ich nicht genau das Gegenteil gesagt? Dass etwas – vielleicht sogar viel – übrig ist, aber ich Angst habe, es zu zulassen? Ich dachte … ich hatte gehofft … ja, vielleicht habe ich erwartet, dass du auf dieses Geständnis reagieren würdest, wie man es sich als Geständiger wünscht. Einfühlsam, verständnisvoll, helfend. Stattdessen schlug mir deine Wut entgegen … wie damals. Als ich so sehr hoffte, dass du mich nicht im Stich lassen würdest, auch wenn das Blut deines Sohnes an meinen Lefzen klebte und doch nicht als Ablehnung und Unverständnis kam. Ich weiß, dass du enttäuscht bist, aber warum bist du deshalb wütend auf mich? Gibst du mir allein die Schuld für die Situation, in der wir nun beide gefangen sind?“
Seine Verzweiflung hatte ihre Stimme weicher gemacht und die Hilflosigkeit angesichts dieser seltsam verrannten Situation spiegelte sich in ihrem Gesicht wider. Als er leise flüsternd seinen Vorwurf aussprach, wollte sie zuerst dagegen argumentieren, dann dachte sie noch einmal über die gefallenen Worte nach. Beinahe zerknirscht nickte sie.
“Du hast Recht. Ich habe mich schon wieder zu Worten hinreißen lassen, die ich nicht hätte sagen sollen, es tut mir leid. Das passiert, wenn ich enttäuscht werde – auch deshalb möchte ich nie wieder Enttäuschung empfinden. Ich will nicht unfair sein. Ich will dir gegenüber nicht unfair sein.“
Sie sah in den plattgetretenen Schnee und fühlte sich plötzlich schrecklich leer. Wofür führten sie dieses Gespräch? Diskutierten sie wirklich gerade darüber, ob es nicht eine gute Idee wäre, sich wieder zu lieben? Wer diskutierte über ein solches Thema? Sie hätte gelacht, wäre sie nicht so traurig gewesen. Averics ebenso traurigen Worte ließen ihre Ohren sich leicht nach hinten drehen während ihr der flüchtige Gedanke kam, ob er sich je bedankt hatte, dass sie sein Leben gerettet hatte. Oder ob ein Dank dafür überhaupt angebracht war.
“Für das, was ich oder für das, was du getan hast?“,
fragte sie leise, den Blick noch immer zu Boden gerichtet.
[ Rudelplatz, See | Averic ]
02.05.2011, 10:42
Majibáh musterte Volk und sie sah ihm auch eine Weile in die Augen, dabei fiel ihm die Schönheit ihrer Augen auf. Dieses schöne blau, genau dass, war das Blau was der See hatte an dem Volk lange Jahre glücklich lebte. Als die Fähe sprach war sie verständnisvoll und wirkte insgeheim auch irgendwie besorgt was die Kraftlosigkeit angeht. Doch selbst sie wusste nicht weshalb es so kalt war, wie auch, die Welt dreht sich schließlich alleine auch ohne Wölfe. Da begann er zu verstehen, die Welt sie nicht braucht, aber Sie alle brauchen die Welt. Sie macht sich ihre eigenen Gesetze.
„Danke das du mich aufmuntern willst. Weißt du, normalerweise bin ich auch Eiseskälte gewohnt, doch hier ist es irgendwie anders. Irgendwie merkt man erst wie man von dieser Welt abhängig, wenn man kurz vor dem Ende steht, wenn man keinen Ausweg mehr finden kann und keine Erklärung mehr hat. Das ist die Zeit der Nächstenliebe, in der man sich hilft und füreinander da ist, in der es keinen Streit geben sollte. Dann und vielleicht auch nur dann, werden wir wieder die Sonne sehen.“
Er sah ihr Lächeln und sie erzählte das sie weit aus dem Norden hierherkam und das das schon lange her ist.Sie war auf der Suche nach ihrer Schwester und sie hatte sie hier in diesem Tal gefunden und deshalb, erklärte sie, ist das ihre neue Heimat geworden. Dann stellte sie ihm Fragen, leider auch die gefürchtete Frage, warum Volk sein Geburtsrudel verlassen hatte, worauf er etwas zusammenzuckte. Er überlegte kurz, sammelte sich und antwortete.
„Nun ich glaube das ich dir erst einmal die leichten Fragen beantworte. Mein Name ist Volk Zubami, entschuldige das ich mich nicht eher vorgestellt habe. Woher ich weiß das du aus dem Norden kommst, hm... naja, dein Geruch erinnerte mich an Schnee, Eis und die Tundra meiner alten Heimat, vielleicht war es auch nur so ein Gefühl.“
Volk lächelte, weil er sich mit dieser Antwort etwas dumm vorkam. Doch schnell verstummte das Lächeln und der Rüde erzählte warum er ging.
„Weißt du ich hatte alles verloren, meine Mutter, meinen Vater und meinen Onkel. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte ich damit umgehen, auch wenn die Abstände des Verscheidens aller sehr kurz war. Doch als dann noch mein Bruder verstarb sah ich keinen Sinn mehr zu bleiben. Zusätzlich fühlte ich mich noch schuldig für sein ableben, ich musste einfach gehen. Aber mittlerweile, habe ich alles verkraftet und schulde Lyerra dafür großen Dank. Früher hätte ich nicht so offen darüber sprechen können.“
Nun sah Volk in ihre schönen blauen Augen und blinzelte sie an. Ein Lächeln zog sich dabei über seine Lefzen.
[Rudelplatz | Majibáh]
02.05.2011, 19:20
Als Caleb seine Oberläufe um Minyala schlang, hätte die beinahe geschnurrt. Sie war keine Katze, also hätte sich dieser Laut zwangsläufig ein wenig seltsam angehört und zudem ihren Werwolffreund nur erschreckt und nicht belohnt. Denn eigentlich wollte sie ihn gerne dafür loben, seine seltsamen menschlichen Prinzipien einmal zum Überleben über Bord geworfen zu haben. Er war eben doch ein schlauer Caleb. Es schien der Silberweisen allerdings ein wenig unangebracht, den nunmehr Wermenschen vor Sheena zu loben, sie hatte den Eindruck, als würde sich Caleb schon genug schämen. Das konnte er sowieso sehr gut – ob das menschlich war? Wieder mal eine Frage, die sie gerne ihrem Papa gestellt hätte. Doch zum Glück lenkte die Betafähe sie nun ab und fragte nach der Dauer des momentanen Werwolfzustandes. Eine gute Frage.
“Naja … also, weißt du, mein Papa war auch ein Werwolf. Daher kenne ich mich auch so gut mit ihnen aus, er konnte sich allerdings verwandeln wann immer er wollte. Alle zwei Monate ist er in den Wald gegangen und eine Nacht lang als Mensch herumgewandert. Ich war oft bei ihm …“ Für wenige Sekunden gab sie sich ihrer süßen Erinnerung hin, dann fuhr sie eilig fort. “Jedenfalls war das ein bisschen anders, als jetzt bei Caleb. Theoretisch müsste er wohl nur wenige Sekunden in dieser Menschengestalt bleiben, da er sich ja andauernd verwandelt, aber er braucht die nötige Kraft, um sich wieder zurück zu verwandeln. Wir haben es immer versucht, indem wir ihn aufgeregt haben. Nervosität, Angst, Sorge und alle unkontrollierbaren Gefühle führen zu einer Verwandlung.“
Meist allerdings hatten sie ihn sich in einen Menschen verwandeln lassen. So ganz sicher war sie sich über die Mechanismen in Calebs Körper noch immer nicht. Sheena dagegen schien von ganz anderen Mechanismen einige Ahnung zu haben, stand sie doch plötzlich vor dem zitternden Menschen, drückte ihm ihre Schnauze ins Fell und plötzlich flutete Wärme Calebs neuen Körper – so stark, dass sogar Minyala es spürte. Ziemlich verblüfft starrte sie die Weiße an und hatte auch nichts dagegen, dass Caleb sie größtenteils losließ.
“Boah, wenn das nicht eine Hitzewallung war!“
So überrascht und auch froh sie über diese plötzliche Hilfe auch war, ein wenig unwohl fühlte sie sich jetzt doch. Diese Wölfe hier waren seltsam – sie taten und konnten Dinge, die andere Wölfe sicher nicht taten und konnten. Zum Beispiel ihren eigenen Sohn umbringen. Oder Sonnenstrahlen in ihre Schnauze packen und dann auf frierende Wölfe loslassen. Caleb dagegen schien solche Gedanken nicht zu teilen – das konnte die Silberweiße ihm aber angesichts seines Zustands auch nicht übel nehmen – und bedankte sich zuerst bei Sheena, dann bei ihr. Als er seinen seltsam platten Kopf ohne Ohren und Schnauze an ihren Hals drückte, war das doch kurz ein seltsames Gefühl. Ihr Vater hatte sie so oft mit seiner großen menschlichen Vorderpfote im Nacken gekrault, doch eine wölfische Geste hatte er als Mensch niemals ausgeführt. Sie beschloss, sich nichts anmerken zu lassen und einfach genauso zu reagieren – woraufhin Caleb eine pitschnasse Wolfszunge quer über das Gesicht gezogen bekam.
“Ohne mich wärest du schon im Wald verhungert, aber das ist okay, immerhin wird es mit dir nie langweilig.“
Und außerdem war er ein Werwolf. Sie würde wohl jedem Werwolf nachlaufen, den sie finden konnte, so sehr vermisste sie den einen. Sie riss sich zusammen, weder konnte sie jetzt hier mir Caleb herumschäkern, noch ihrem Vater hinterher trauern. Immerhin stand Sheena noch dabei und wollte ihnen helfen, obwohl weder Minya noch Caleb selbst so Recht wussten wie.
[ Waldrand | Caleb und Sheena ]
03.05.2011, 15:32
Es entglitt ihr beinahe die wenigen freundlichen Gesichtszüge, die sie diesem Rüden entgangen brachte. Ihr Kopf legte sich in eine leichte Schräge, bei seinen ersten Worten. Er sprach von Nähe, die sie sich wünschen könnte, oder blanker Provokation. Dieser Fremdling konnte sie wohl wahrlich nicht gut einschätzen und so klangen ihre Worte gar höhnisch, als sie sich aus ihr verloren.
„Ich – provozieren?! Wahrlich, DAS wollte ich nicht! Sagt mir einen Grund, wieso ich solch einen Weg wählen sollte? – So tief habt ihr mich nicht getroffen, mit eurer Wahl mich… ‚fortzujagen’.“
Sie wusste nicht ob, dies die richtige Wortwahl war, aber doch konnte sie sich nicht beherrschen. Nur langsam gewann sie wieder ihre Ruhe und ihr Tonfall, nahm den gleichen monotonen Klang an, welcher gewohnt sein sollte.
„Ich denke nicht, dass ich mich nach der Nähe oder Gesellschaft hingezogen fühlte…Es war wohl deutlich, dass ich mich mit der Entscheidung abgefunden hatte, die ihr getroffen habt.
Dennoch, ich kann nicht mehr zurück…“
Der letzte Satz, ließ ihre Stimmer heiser werden und schwach. Sie gestand sich einer Schwäche ein, die ihr wohl bekannt und doch verhasst war. Hierzu tat sie es öffentlich, so frei, dass es in ihr Zorn weckte, über ihre Gutgläubigkeit, die kurzzeitig von diesem Rüden geweckt wurde. Er schien ihr wohl gesonnen…Aber er SCHIEN es eben nur. Wer wusste schon wie er war. So verlor sie ein leises Knurren, welches mehr ihr selbst zählte, als ihm. Aszrem konnte nichts für ihr Handeln, nur sie, sie war verantwortlich. Obgleich sie es genossen hatte, dass ihr jemand eine Entscheidung abgenommen hatte, konnte sie nicht damit leben.
Auf bald wieder schweigsam, betrachtete sie den Dunklen, als wäre er von Sinnen. Was sprach er da bitte? Von Obhut, in dem Rudel, aus welchem sie fortgejagt wurde. Mit den Worten, auch ihr solle nichts geschehen. Widerwillig erhob sie den Kopf und betrachtete Aszrem, durch ihr kaltes Auge. Durch jenes eine, welches ihn nun prüfend beobachtete. Zweifelnder und mit Argwohn, welche sie zuvor kaum gezeigt hatte. Es fehlten ihr die Worte, die passend gewesen wären, um ihm zu beschreiben, was sie nun dachte und empfand.
Bevor sie ihm eine Antwort erteilte, zerbrach er die Pause seiner Stimme wieder und fügte fehlende Begründung sogleich nach. Ob Hilel dies nun entspannter werden ließ, wusste sie selbst noch nicht genau. Denn noch waren ihre Muskeln angestrengt, denn je in diesem kurzen Gespräch. Natürlich leuchtete in ihr die kleine Alarmlampe auf und blinkte in einem herrschenden Rot. Mit dem schrillen Ton, der ihr zeigen sollte, dass sie auf dem falschen Weg wandelte. Betäubend war dieser Geistesgedanke, obgleich sie mit dem Gedanken spielte.
Er wolle sie schützen, wieso? Und wieso erst jetzt? Dies war der Auslöser.
„Wahrlich, wie soll ich euren Sinneswandel verstehen. Misstrauen ist eine logische Schlussfolgerung…Wenn euch so viel, an dem meinem Leben zählen würde, dann wärt ihr bereits zuvor auf diesen Gedanken gekommen, mir dieses Angebot zu unterschlagen. Angebot, ist sicherlich falsch ausgedrückt, da es mehr auf ein Drängen hindeutet. Ich denke nicht, dass ihr hier einen Wolf schützen wollt, sondern viel mehr euer Gewissen. Wahrscheinlich könntet ihr mit dem Gedanken nicht leben, dass ein Tod ausgeschlossen gewesen wäre, der an euerer Entscheidung lag. Obgleich ich mir vorstellen kann, dass ihr ein erbarmungsloser Henker sein könnt!“
Die dunkle, stattliche Fähe erhob sich wieder und blickte ihm entgegen. Der angespannte Leib, schien erhaben und bedrohlich, auch aus jenem Grund, dass man ihr schwer eine Gefühlsregung anerkennen konnte. So trat sie auf ihn zu und ließ einen weiteren Moment Stille herrschen, so wie er es getan hatte. Sollte auch er ihre Worte schlucken, er würde sie sicherlich verstehen. Die Entfernung sank bedrohlich, der sichere Schutz, der durch einen Sprung nicht hätte überwunden werden können.
„Ich könnte euch vielleicht mehr über die Hinweise sagen, wenn ich mehr über einen Varge wüsste. Ich kenne mich in den Mythen und Legenden, von Göttern und dessen Gleichen nicht aus.“
Nun war sie ihm nahe, so sehr, dass er bereits in ihren Atemwolken eingehüllt sein könnte, wenn er sich ein weiteres Stück vor strecken würde. Ihr Blick erlosch nicht von seiner Gestalt, als wolle sie ihn in sich aufnehmen, jede seiner Regungen. Es war ihre letzte Chance, da war sie sich sicher und wieso sollte, er hier herkommen, mit solchen Lügen? Es wäre anders doch so viel leichter. Noch versuchte sie ihn zu ergründen, seine Beweggründe festzustellen. Der Zweifel schwand und wuchs heran. Wie das Meer seinen Gezeiten nachging. Mit Ebbe und Flut. War auch in Hilel dieser Kampf. Ihr Misstrauen war stark, wie ihr Verstand.
[nördlicher Wald | Aszrem]
04.05.2011, 15:44
Rakshee verzog keine Miene, als Atalyas Bremsmanöver ihr Schnee entgegen spie, und mit einer nebensächlichen Bewegung schüttelte sie einen Teil des kühlen Materials aus ihrem dünnen Fell und von ihrem Gesicht. Atalyas Drohgebärde entlockte ihr ein Knurren, mit einer schnellen Bewegung schnappte sie mit den Fängen über die Schnauze der Grauen und hielt sie so fest, den Blick der braunen Augen nicht nur suchend sondern fordernd. Erst nachdem sich die Augen der Fähen getroffen hatten lockerte sie ihren Griff, und lies dann von der Grauen ab, und wand ihren Blick nun gänzlich Liam zu, Atalya im Folgenden komplett ignorierend. Die Jungwölfin hatte sich ihre Chance erfolgreich vertan.
Rakshees strenger Blick entspannte sich nur wenig, während der Rüde sprach, doch würde der aufmerksame Beobachter die aufkommende Ruhe in ihrer Haltung lesen können. Ihr Atem beruhigte sich langsam, und auch wenn die kalte Luft noch in ihren Lungen stach, schien zumindest der Rüde nicht die Absicht zu haben sich mit ihr anzulegen, und seine Worte waren um einiges freundlicher und beschwichtigender gewählt als die von Atalya. Als er näher zu ihr trat lies sie ihn gewähren, die Zähne wieder hinter den Lefzen verborgen. Sie hatte sein Lächeln aufgefangen, und ein warmes Glimmen stieg in ihr auf, ganz leise und vorsichtig. Ihr Blick wurde wieder ernster als er geendet hatte, die Braune fühlte sich furchtbar ertappt. Dennoch schien Liam keine Absicht zu hegen ihr weiteren Ärger zu machen, und Rakshee nickte ruhig.
"In Ordnung, Liam. Es spricht nichts dagegen etwas Licht in solch finsteren Tagen zu wecken. Bloß auf euren Weg müsst ihr achten."
Ein haltloser Anhang, nach dem er dass doch selbst bereits herausgestellt hatte. Doch Rakshees Worte wurden überdeckt von dem kleinen Lächeln was hinter den erschöpften Augen lag, und das war auch die eigentliche Botschaft für den Rüden. Sie war ihm dankbar dass er ihre Schwäche weder ausgenutzt, noch der aufmüpfigen Jungwölfin unter die Nase gerieben hatte. Jetzt, wo sie sich entfernten, lies die Braune sich langsam, bewusst kontrolliert in den Schnee sinken. Lieber hätte sie sich einfach fallen lassen, aber so deutlich konnte sie die Erschöpfung unmöglich zur Schau tragen.
Ihr Blick suchte den Waldrand ab - und sah gerade noch Sheenas Rute zwischen einem Baumpaar entschwinden. Die Braune reckte die Nase in die entsprechende Richtung, konnte aber noch keine Witterung aus der entsprechenden Richtung aufnehmen. Aber nur um der Möglichkeit Willen hätte die Beta doch nicht ihre eigenen Regeln gebrochen? Doch Rakshees Beunruhigung reichte nicht aus, um sie noch einmal innerhalb so kurzer Zeit auf die Beine zu bringen. Sheena hätte schliesslich gerufen wenn sie Hilfe bräuchte. Und voller Erschöpfung gestattete sich die Braune einen Moment die Augen zu schliessen. Aus Versehen einschlafen konnte sie mitten im eisigen Schnee so oder so nicht...
[Waldrand | allein]
04.05.2011, 16:54
Aszrems Augen verengten sich für einen Moment bei ihrem Einwand. Dabei überraschte ihn fast weniger ihre Wortwahl als vielmehr die Tatsache ihres Gefühlsausbruches selbst. Sie hatte bislang viel zu beherrscht gewirkt für so einen Ausfall, mal davon abgesehen, dass ihr Tonfall ihm deutlich missfiel und ihre Worte fast ins sarkastische verzog.
"Provokation kann auf verschiedenen Ursachen beruhen. Manchmal ist es bloße Dummheit, manchmal reine Selbstüberschätzung, aber manchmal auch eiskalte Berechnung. Bisher hatte ich Euch für zu klug für Ersteres eingeschätzt. Oder wollt Ihr mir jetzt doch erklären, Ihr wärt Euch nicht bewusst gewesen, dass Eure Anwesenheit hier erneut gegen die Sitten verstößt? Eure Wachsamkeit nämlich eine deutliche Sprache, die solche Behauptungen Lügen strafen würden. Nun, sei's drum",
erwiderte er und zahlte ihr ihren Hohn mit einer kleinen Provokation seinerseits zurück. Gleichzeitig beendete er das Thema, damit dieser Teil der Diskussion nicht ausartete. Es ging hier eigentlich um etwas anderes, etwas Wichtigeres.
Diesmal regte sich in seiner Miene nichts, als Aszrem erneut Zeuge eines unerwarteten emotionalen Einblicks wurde. Ihm war klar, dass dieser Einblick nicht für ihn bestimmt gewesen war und eigentlich gar nicht hätten eintreten sollen. Da waren sie beide sich ähnlicher, als Hilel wahrscheinlich bewusst war und ihm jetzt klar wurde. Der Schwarzbraune wandte den Blick von Hilel ab und ließ ihn wachsam über die Umgebung schweifen, länger diesmal als zuvor, um der Schwarzen Zeit zu geben, sich wieder unter Kontrolle zu bringen. Er wollte ihr die Schmach ersparen, im Augenblick der Schwäche beobachtet zu werden, und so konnte sie sich wenigstens teilweise der Illusion hingeben, er hätte nichts von alledem bemerkt.
Er sah sie erst wieder an, als er ihren Blick auf sich spürte. Sie hatte sich wieder gefangen und wirkte nun so wachsam wie zuvor. Das erwartete Misstrauen sprach aus ihrer Stimme - dennoch trat sie näher, während sie sprach. Aszrem beobachtete sie wachsam. Dann lachte er plötzlich freudlos auf.
"Ein Henker, für wahr! Einer, der seine Opfer beim ersten Mal entkommen lässt und bei der zweiten Chance zu Gesprächen einlädt!",
spottete er und wurde dann schlagartig wieder ernst.
"Als ich Euch fortschickte, wussten wir noch nichts von der Bedrohung, die nun dieses Tal heimsucht. Hätte ich sie da schon gekannt, hätte ich Euch nicht abgewiesen. Es stimmt, ich beruhige mein Gewissen, denn ich möchte Euren Tod nicht verantworten müssen, wenn ich genau das hätte verhindern können. Und wir kennen uns wahrlich nicht gut genug, als dass ich um Euch als eine Freundinfürchten würde. Aber wäre Euch die Alternative lieber gewesen - dass es mir gleichgültig ist, ob ein Fremder in diesem Revier zerrissen wird oder nicht?"
Fragend zog er eine Augenbraue hoch, dann seufzte er.
"Wenn Ihr auf Spuren von Vargen gestoßen wärt, wüsstet Ihr inzwischen genau, was ich meine. Ich rede von einem wolfsartigen, aber dunkel verzerrten Geruch, der tödliche Gefahr verspricht. Von Pfotenspuren wie von Wölfen, aber mächtiger. Von einem Wesen, das entfernt noch an einen Wolf erinnert, mit roten Augen und es an Kraft mit einem Bären aufnehmen kann",
erklärte er, obgleich er nicht mehr davon ausging, dass sie ihm mehr sagen konnte als nichts dergleichen bemerkt zu haben. Auch gut, das war eine bessere Nachricht, als jede Alternative hätte sein können. Dennoch huschte für einen Moment ein Ausdruck von Verärgerung über sein Gesicht, der in seiner Stimme noch etwas länger mitschwang.
"Hilel, Ihr müsst Euch entscheiden. Entweder kommt Ihr meiner Bitte nach und nehmt die zweite Chance wahr, die ich Euch gewähre, oder eben nicht. Ich werde Euch jetzt nicht verjagen, wenn Ihr ablehnt, denn ich kann es mir nicht leisten Euch bis zur Reviergrenze zu treiben und damit mein Leben und die Stabilität des Rudels zu riskieren. Aber wenn wir feststellen, dass die Gefahr vorrüber ist und Ihr dann noch immer hier herumstreunt, dann werde ich Euch bis weit über die Reviergrenzen hinaus jagen und es wird nichts geben, was mich davon abhalten könnte. Das sind die beiden Alternativen. Die Entscheidung liegt jetzt ganz bei Euch",
schloss er und wandte sich schon halb zum Gehen um, lief jedoch nicht los. Zum Einen verdeutlichte er damit unmissverständlich, dass er es Ernst meinte, und zum Anderen gab er ihr die Sicherheit zurück, die sie selbst durch ihr Näherkommen aufgegeben hatte.
[nördlicher Wald | Hilel]
04.05.2011, 17:27
Hilel stand ihm nahe, aus ihrem Grunde tat sie es. Es bewies ihre Sicherheit, denn wahrlich diesen Henker fürchtete sie zu diesen Stunden nicht und auch wenn er ihre Aussage verspottete, so gestand er in dem nächsten Augenblick die Wahrheit in ihr ein. Denn es gab nur diese eine Chance, die er ihr geben wollte und wen er oder sie, diesen frostigen Sommer überleben würden, dann würde das Spiel beginnen, welches sie einst hervor gerufen hatte. Mit gutem Wissen und keiner bloßen Dummheit, aber sie widersprach ihm nicht und erhob auch kein weiteres Wort. Es waren seichte Schritte, die die letzte Entfernung von ihm entfernten. Sein breites Kreuz ihr bereits zu gedreht und der Verstand hatte für den kurzen Moment in ihr gesiegt. Gesiegt über die Gefühle, das herrschende Misstrauen in einer kalten Brust. Ihr Blick lag kühl auf ihm und obgleich, er imposant war, lag keine Furcht in ihr. Auf seiner Höhe hielt sie inne, er musste sich nicht mehr um wenden, damit er sie erblicken konnte. Hilel nahm sich forsch das Recht, neben dem Fremdling herzu gehen.
„Die letzten Spuren, die für mich ungewöhnlich schienen, sind einige Zeit vergangen. Der Wind hat sie verweht und der Schnee sie bedeckt. Einen Bären hatte ich wahrhaftig gesehen…, aber nie das Wesen, welches ihn gerissen hatte.“
Mit ihren Worten erlosch die drohende Gefahr, die er befürchtete. Somit nun auch sein Angebot? Wer wusste das schon, doch die Fähe ging von seiner Beständigkeit aus. Er war ein Wolf des Wortes. Ehrlich und wohl auch treu. Jedenfalls machte er den Eindruck.
„Nun liegt die Entscheidung bei mir…Ich denke der Gedanke liegt mir näher…Zugleich möchte ich den Henker nicht erwecken.“
Ein leises Schnaufen entglitt ihrer Nase, er war eher belustigt, obgleich sie ihn wahrscheinlich wieder nur provozierte, war es diesmal doch wahre Worte. Er sprach von der drohenden Jagd und sie, dass sie jene meiden wolle. Es gab doch genug auf dieser Welt, welches Unglück aussäte, diesen Weg musste man nicht noch auf eigenen Pfoten beschreiten. Zudem brachte sie ihre Entscheidung, die sie gefällt hatte auf den Punkt und hoffte er würde sie verstehen. Sicherlich würde er es. Während sie dort in Einklang nebeneinander standen. Dies wäre wohl kaum eine Art gewesen, um seinen Vorschlag abzulehnen. Nur das Schweigen machte erkennbar, dass diese Wölfe kaum zusammen gehörten. Hilel war ruhig, so wie viel zu oft in ihrem Dasein und es war für sie genehm und richtig.
[nördlicher Wald | Aszrem]
04.05.2011, 20:24
Bei jedem Blick den die Schwarze ihm zuwarf, verkrampfte sich der helle Leib aufs Neue und erfüllte Nihilus mit Scham. Warum irritierte es ihn so? Die Fähe war seit seiner Ankunft in diesme Rudel anwesend, er war ihr Tag für Tag begegnet, sollte er sich nicht mehr dafür schämen noch nie wirklich mit ihr in Kontakt gewesen zu sein, als dafür, dass sie ihn nun angesprochen hatte? Sei es nur aus Mitleid gewesen, weil er zur Zeit alleine gewesen war, oder aus reiner Neugierde, sprich aus Interesse nach den anderen Mitgliedern: wobei Letzteres dabei wohl die meisten Pluspunkte verdiente. Leise Schnaubend, erschrocken seinem eigenem Atem mit den Augen folgend – eine Verwünschung an die eisige Kälte – stellte er, immer noch ziemlich verunsichert, die Ohren auf. Entgegen aller schlimmen Befürchtungen schien die Dunkle alles andere als Unfreundlich zu sein, nein, sie schenkte ihm sogar ein aufmunterndes Lächeln! Oder machte sie sich nur über den Hellen lustig? Dazu gab es doch überhaupt keinen Grund, er war schließlich kein kleiner Welpe mehr! Um diesen Gedankengang zu betonen, richtete sich der noch schmächtige Leib zur vollen Größe auf, bevor er sich vollständig ihren Worten zuwandte. Worte, die den seinen so stark zusagten. Ja, Kisha brachte es auf den Punkt. Es war verrückt. Total verrückt. Und wenn es so weiter gehen sollte, würden sie sich dem Wetter anpassen, alle durchdrehen, alle! Das war keine schöne Vorstellung – ein komplettes Rudel am Rande des Wahnsinns, die Vorstellung war ja noch Furcht einflößender, als jeder Einzelne von ihnen für Nihilus war.
Daher brummte er nur als Zustimmung. Was gab es auch mehr zu sagen? Es war verwirrend, ohne Begründung und scheinbar setzte sich auch keine Lösung frei. Zumindest sah es bisher nicht danach aus.
Ohne es selbst zu bemerken verlor der Helle an Geschwindigkeit. Zum Einen strengte jeder Schritt durch die tiefe Schneeschicht aufs Neue an, zum Anderen verlor er sich wie nur allzu oft in neuen Vermutungen, so konnte er zumindest dem fixierenden Blick der Schwarzen ausweichen. Zwei Fliegen auf einem Streich! Auch wenn es wohl besser gewesen wäre auf diesen zu reagieren, zu sehen, dass es überhaupt nicht beunruhigendes in ihrem Gesicht zu geben schien. Doch wer sollte das schon vorher wissen? Daher blieben ihm nur die unschlüssigen Worte, die ihre Lefzen verließen. Und tatsächlich entlockten sie ihm ein nahezu amüsantes Glucksen.
„Ordnen? Wir hätten uns alle zuvor ordnen sollen, um vorbereitet zu sein. Nun wird es wohl kaum mehr etwas bringen.“ Im Nachhinein war es immer einfach, so etwas zu sagen. Doch was sollten Versuche bringen, die vielleicht zu spät waren? „Wir könnten wirklich Schuld daran sein, dass Alles Kopf steht, dass sich etwas verändert hat. Aber wann, wo und wie können wir kaum wissen.“
Beinahe musste sich Nihilus auf die Zunge beißen, um zum Schweigen zu kommen. Er plapperte mal wider viel zu viel unnötiges Zeug, das seinen Gegenüber wahrscheinlich kaum interessierte. Und doch war er – wie ebenfalls viel zu oft – davon überzeugt, dass es sich einfach darum drehte, dass etwas Falsch war. Rudel falsch gleich Erde falsch und andersherum. Das wäre schließlich logisch.
„Es könnte hilfreich sein, wenn wir einfach alles zurückdrehen würden. Aber das klappt ja wohl kaum.“
Auch wenn sich seine Worte recht fragend anhörten, warne sie keines Falls als Kritik anzusehen und das versuchte er Kisha mit einem vorsichtigem Kopfnicken zu zeigen. Er war eben nicht so wortgewandt, dass er sofort sämtliche Synonyme für etwas bereithielt. Vielleicht würde das ja noch kommen. Dabei fiel sein Blick abermals auf die Schwäche der Fähe.
„Wenn es dir mehr zusagt können wir auch ruhen…“
Er selbst wollte weiter gehen. Das entspannte Tempo und die Bewegung waren beruhigend, ihr Eintönigkeit war gut für seinen Geist, der viel zu lange gelegen hatte. Doch es sollte ja auch Artgenossen geben, die Anders darüber dachten.
(Rudelplatz, Kisha)
04.05.2011, 22:44
SL: Ronron der Fuchs bei Aszrem und Hilel
Ronron war ein schlauer Fuchs. Nicht nur schlau, sondern auch mit einer ganze Menge Wissen bis zu seinen großen Fuchsohren angefüllt und das trotz seines jungen Alters. Außerdem hatte er die Gabe, immer zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Zudem hatte er sehr gute, große Fuchsohren. Und zu guter Letzt wusste er über all dies sehr gut Bescheid – das machte ihn ein wenig arrogant und spitzfindig. Dennoch war Ronron unter Umständen ein sehr angenehmer Zeitgenosse, solange man ihn nicht beleidigte, ihm seinen Spaß erlaubte und sich angemessen respektvoll zeigte. Dann konnte Ronron sogar mehr als ein angenehmer Zeitgenosse werden – plötzlich war er eine Informationsquelle von enormem Wert. Doch bevor Ronron dazu wurde, brauchte es ein wenig Geduld, keine unfreundliche Zunge und erst Recht keine wölfische Arroganz. Unglücklicherweise witterte Ronron genau die an dem großen schwarzen Ungetüm, das ein anderes schwarzes Ungetüm – unwesentlich kleiner – vor den Fuchsaugen zur Schnecke gemacht hatte. Was genau die beiden da unfreundlich beredeten, interessierte den Rotpelz nicht und er hatte auch nicht zugehört. Sein aufmerksamer Blick war die ganze Zeit auf dem großen Schwarzen gelegen während Ronron sich fragte, ob er diesem Ungetüm die Ehre seiner Anwesenheit schenken sollte. So ganz sicher war er sich nicht, doch möglicherweise würde sich der Rüde wieder zurück zu seinem Rudel aufmachen und damit war erneut jeder Langbeiner auf ihrem verdammten Rudelplatz versammelt, auf den sich Ronron ganz gewiss nicht wagen würde. Dazu kannte er die Spitzohren nur zu gut, im Rudel würden sie ihm den Rotpelz über die Ohren ziehen, bevor er nur ein Wort herausbringen könnte. Dabei wollte er ihnen helfen! Nun gut, ein wenig in warmem Licht sonnen gehörte auch zu seinem Plan, aber vor allem würde er damit den Wölfen helfen. Undankbares Pack, elendes. Doch wenn Ronron ehrlich war, dann mochte er die Wölfe. Von ihren Mahlzeiten blieb stets etwas für ihn übrig und die mürrischen Dickpelze von Braunbären wagten sich auch selten in den von Wölfen bevorzugten Teil des Waldes, in dem sich zufällig auch Ronron gerne aufhielt. Solang man den Langbeinern nicht in die Quere kam oder sie ärgerte, kam auch ein Rotpelz gut mit ihnen aus. Ab und an kratzte es vielleicht am Stolz, dass man als Fuchs doch einige Ohren kleiner war, dafür hatte man einen viel schöneren Pelz. Und selbst die Stärke der Wölfe konnte man sich zu Nutze machen, gerade jetzt, in Zeiten der Varge. Da hieß die Devise: Nie zu weit weg von den Langbeinern, aber auch nicht zu nahe. Gerade richtig eben. Um diesen elenden Winter zu beenden brauchte es aber wohl noch ein wenig mehr, also hatte sich Ronron den schwarzen Dicken ausgesucht und würde ihm nun ein paar Informationen schenken – sofern er sich benahm. Langsam schob sich die spitze Fuchsschnauze durch die Zweige einer Tanne, er blinzelte zu dem Rüden hinauf und zischte dann leise:
“He, Dicker. Willst du dein Rudel retten?“
Ronron war weit genug von den beiden Schwarzen entfernt um bei einem deutlichen Anzeichen von Feindseligkeit und der Absicht, ihm seinen schönen Pelz zu klauen, so schnell wie möglich zu verschwinden. Schneller als ein Wolf in jedem Fall.
05.05.2011, 08:46
Obwohl Averic bereits damit gerechnet hatte, dass Tyraleen weiterhin gegen seine Worte vorgehen würde, veränderte sich ihr eben noch feindseliger Blick doch noch einmal. Dem Pechschwarzen ging es wohl ganz ähnlich wie ihr – er verstand seine ehemalige Gefährtin und diese Stimmungsschwankungen nicht mehr. Auch wenn ihre folgenden Worte wenigstens etwas erklärten, warum sie ihm schon wieder solche Vorwürfe an den Kopf geworfen hatte. Sie ging davon aus, dass er wütend war und er musste wohl auf irgend eine Weise auch wütend gewirkt haben. Averic hätte nicht sagen können auf welche Weise, wo es in ihm doch immer leiser und kühler wurde. Eine traurige Kühle.
Als die Weiße geendet hatte, sah auch Averic wieder in den Schnee zu seinen Pfoten. Nein, so hatte sie das nicht gesagt. Sie hatte rational erklärt, warum nichts mehr übrig sein konnte, sollte, durfte. So wie sie es jetzt gesagt hatte, klang es anders. Nicht ein wenig mehr, sondern viel.
„Ich bin nicht wütend.“, begann er schließlich, die Stimme weiterhin ruhig und er bemühte sich, den Ton etwas sanfter klingen zu lassen, damit sie diese Tatsache auch wirklich verstand. „Tut mir Leid, falls es so gewirkt hat. Was du sagtest war, dass du nicht kannst und nicht willst ... ein eher ernüchterndes Geständnis.“
Er wusste nicht, wie er auf ihr „zweites Geständnis“ antworten sollte, dass sie sich Einfühlsamkeit, Verständnis und Hilfe aufgrund von Worten erhofft hatte, mit denen sie ihm noch einmal mehr ins Gesicht geschleudert hatte, dass es seine Schuld war, dass sie keine Gefährten mehr waren und sie ihn nicht mehr lieben wollte. Und sie wiederholte es immer wieder. Gleichzeitig fragte seine Schwester ihn, ob er ihr die Schuld für alles gab. Und obwohl er sich nicht diese große Last an Schuld auferlegen wollte, so war es immerhin ein Kompromiss sie zu teilen.
„Nein ... wir tragen beide Schuld. Aber hättest du mir anders begegnen können, wenn du mit angesehen hättest, wie ich unseren Sohn töte?“
Obgleich er diese Frage neutral und ohne Vorwurf stellte, wusste Averic dass Tyraleen ihm diese Frage niemals wahrheitsgemäß beantworten können würde. Es war eigentlich auch keine, auf die er eine Antwort erwartete.
Gegen seine leisen Worte von eben hatte Averic allerdings ganz deutlich Protest, oder einen ähnlichen Vorwurf erwartet und so überraschte es ihn noch einmal, dass Tyraleen ihm schließlich Recht gab. Seine dunkelblauen Augen richteten sich daraufhin wieder auf die Weiße langsam war auch ihm nicht mehr klar, wo dieses Gespräch hinführen würde. Die Hilflosigkeit und das Unwissen, wie es weitergehen würde, umwaberte sie wie das Nichts und war ähnlich verzehrend. Der Pechschwarze senkte den Kopf leicht.
„Es ist nicht möglich nicht enttäuscht zu werden ... Dazu müsste man aufhören zu fühlen.
Auch diese Antwort war leise. Er war sich dieser Tatsache nur zu gut bewusst. Egal ob hassend, oder liebend, kein Gefühl konnte als Schutz vor Enttäuschung dienen. Wie enttäuscht war er immer wieder von Acollon gewesen, obwohl er ihn verachtet hatte und wie sehr hatten ihn die enttäuschen können, die er liebte?
Tyraleens letzte Frage, ließ ihn den Kopf noch einmal heben, den Blick traurig auf seine ehemalige Gefährtin gerichtet. Er schluckte leise.
„Für beides.“
[ Seeufer | Tyraleen ]
05.05.2011, 18:10
Sie trat näher und blieb neben ihm stehen. Das allein war ihm Antwort genug, aber Hilel zog es vor, doch noch etwas dazu zu sagen. Zunächst über die Vargspuren, nach denen er sie gefragt hatte, und deren Sichtung - wenn es denn tatsächlich Vargspuren gewesen waren - schon einige Zeit zurück lag. Gut möglich also, dass sie es sich dabei um die Fährte des Varges gehandelt hatte, der tot aufgefunden worden war. Ob dem wirklich so war, würde jedoch niemand mehr heraus bekommen können. Es war schon gut zu wissen, dass Hilel ansonsten nichts Seltsames weiter aufgefallen war. Von der Tatsache des Wintersommers einmal abgesehen, natürlich.
Desweiteren brachte sie ihre Bedenken - Sorgen? - zum Ausdruck, doch noch vertrieben zu werden. Aszrem konnte ihr nicht das Gegenteil versprechen, lag dieses Schicksal seiner Meinung nach doch größtenteils in Hilels eigener Pfote. Er schwieg dazu, denn ihre Formulierung, den 'Henker nicht wecken zu wollen', sprach dafür, dass sie sich dessen selbst bereits bewusst war. Stattdessen schenket er ihr ein kurzes Lächeln, dann setzte er sich in Bewegung in Richtung des Rudelplatzes.
Er kam nur wenige Schritte weit, da erklang eine Stimme zischend aus dem Unterholz. Aszrem hielt inne, während er sich überrascht nach dem Sprecher umsah und wenige Wolfslängen entfernt den Kopf eines Fuches im unterstens Geäst einer Tanne entdeckte. So intensiv, wie ihn der Rotpelz musterte, konnten die Worte nur von ihm gekommen sein.
"Natürlich",
antwortete er, und die Verblüffung über das unerwartete Gespräch klang noch in seiner Stimme nach, bevor er sich im nächsten Moment wieder fing. Aszrem hatte sich noch nie mit einem Fuchs beschäftigt und auch nie einen Gedanken daran verschwendet, es einmal zu tun. Was konnte einen Fuchs wohl dazu veranlassen, sich an ihn zu wenden? Was hatte das mit dem Rudel zu tun? Aszrem beschloss es dem Rotpelz zu überlassen, sein Anliegen - oder was auch immer - vorzutragen.
"Mein Name ist Aszrem, und dies ist Hilel. Und mit wem haben wir das unerwartete Vergnügen?",
stellte er sich und die Schwarze vor, dabei über die wenig schmeichelhafte Anrede seitens des Fuchses hinweg gehend. Diesmal.
[nördlicher Wald | Hilel, Ronron]
07.05.2011, 12:07
Ihre hellen Augen fixierten den Blick der braunen Fähe, wandte den Kopf nur leicht zur Seite, als Liam sich ihnen näherte. Und schon im nächsten Moment schnellte ihr Blick herum, spürte sie die Fänge Rakshees an ihrer Schnauze, sodass sie den festen Blick der Braunen erwiderte. Jeder Versuch sich zu befreien hätte nur zu unnötigen Verletzungen geführt, also hielt die Graue still, und machte dennoch deutlich, dass ihr diese Situation nicht gefiel. Und als Liam zu ihnen trat, und Rakshee ihre Fänge wieder lockerte, sie losließ, schüttelte sie den Kopf, gab ein leises Schnaufen von sich. Aber sie beließ es dabei. Jeder weitere Aufstand hätte ihr nur noch mehr Ärger gebracht. Und das war sicher nicht Liams Ziel gewesen. Atalya wandte den Kopf herum, als der Bunte zu sprechen begann, blickte ihn still an. Während seiner Worte schnippten die Ohren der Grauen leicht durch die kalte Luft. Ihr Ziel war es nicht gewesen, den Rüden zu fangen. Aber sie schwieg dazu, machte die Situation nicht noch schlimmer. Auch sie konnte nachgeben. Und als ihr Pate geendet hatte, und auch Rakshee endende Worte ausgesprochen hatte, wandte Atalya den Blick von beiden ab, richtete ihn auf den Wald, der still vor ihnen lag. Nur aus den Augenwinkeln blickte sie Rakshee hinterher, ohne großen Groll gegen die Fähe zu spüren. Erst, als sie außer Sichtweite war, verließ ein leises Seufzen die Kehle der jungen Fähe, und sie wandte sich wieder um, Liam ansehend.
“Und jetzt?“
Am Fangen spielen war ihr die Lust vergangen, sie hatte kein sonderliches Interesse daran, noch einmal aufgehalten zu werden, weil sie sich dem Wald näherte. So lag ihr Blick fragend auf dem Bunten, vielleicht hatte er ja eine weitere Idee, die einen dieses triste Wetter vergessen ließ.
[Waldrand - Liam]
07.05.2011, 20:14
Die Weiße bemühte sich darum, schon zu wissen, ob er irgendwie verärgert war über ihre neugierige Fragen und ihre aufdringliche Art, die sie teilweise schon selbst störten. Allerdings schien er immer noch freundlich zu sein, und zwar nicht nur, um Streit oder gar einen Kampf zu vermeiden. Dieser Eindruck beruhigte sie unheimlich, zumal sie sich aufgrund ihrer langen Erfahrung damit nur sehr selten getäuscht hatte. Außerdem blickte er in ihre Augen, nicht drohend, sondern anders. Irgendwie konnte sie es selbst nicht verstehen, was er damit ausdrücken wollte. Sollte das überhaupt sein Wunsch sein. Wichtig war das ohnehin nicht, zumindest merkte man, dass er keinen schlechten, und somit wohl auch falschen, Eindruck von ihr bekommen hatte.
„Du musst mir nicht danken, vor allem, weil deine Worte mir so vorkommen, als wäre mir mein Vorhaben nicht gelungen“,
erwiderte die Fähe mit einem leisen Seufzen, das sie eigentlich hatte unterdrücken wollen. Manchmal kam sie sich vor, wie wenn sie nur dafür kämpfte, dass alle anderen glücklich waren und nie für sich selbst. Eigentlich gefiel ihr das, es war die Eigenschaft, die sie liebenswürdig machte. Trotzdem war es unheimlich schwer für sie, wenn sie merkte, dass sie absolut hilflos war. Auch wenn es für jeden anderen selbstverständlich wäre. Natürlich konnte sie nicht erwarten, dass selbst die, die sie höchstens vom Sehen kannten, sich ihre Worte zu Herzen nahm. Es war beinahe unmöglich, und dennoch konnte sie die Enttäuschung über sich selbst und ihre Fähigkeit, sich die Zeit dazu zu nehmen, geduldig jeden noch so unwichtigen Problemen zuzuhören und Ratschläge zu geben, oftmals nicht verdrängen, geschweige denn ablegen. Aber sie wollte nicht, dass er es bemerkte, zumal er es auch falsch interpretieren und glauben könnte, dass er irgendeinen Fehler gemacht hatte, also überlegte sie sich, wie sie ablenken könnte. Weil sie jedes Mal, als sie das versucht hatte, meistens nur bedingt überzeugen konnte und wusste, dass sie sich noch miserabler schlug, wenn sie noch gefühlte Ewigkeiten schwieg, um sich darüber den Kopf zerbrechen zu können, wie sie das alles irgendwie aus der Erinnerung ihres Gegenübers streichen könnte. Also zwang sie sich hastig ein Lächeln auf und redete, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern oder darauf zu warten, ob er noch etwas hinzufügte, weiter:
„Ja, ich verstehe, was du meinst. Mir geht es genauso. Eigentlich bin ich es gewohnt, und doch setzt es mir dieses Mal wirklich zu. Es ist nicht einfach nur die spürbare Kälte, sondern auch die ... emotionale. Über uns scheint der Fluch des Todes zu liegen, obwohl wir doch eigentlich zu Engaya gehören, zum Leben, zum Licht, zu dem Schönen. Nun, an mir soll's nicht scheitern, doch ich bin und war ohnehin nie wichtig für irgendetwas. Ich habe es mir oft gewünscht, da eine gewisse Macht einem auch die Möglichkeit gibt, etwas zu verändern. Andererseits, ja, natürlich gibt es viele Nachteile daran. Entschuldigung, ich schweife etwas ab.“
Seine Stimme erklang wieder und er stellte sich vor. Etwas verspätet, sie unterhielten sich schon eine gewisse Zeit, aber es hatte sich bis jetzt nun einmal noch nicht ergeben. Sein Name war Volk Zubami, ein schöner Name, wie sie fand. Er passte zu ihn, oder zumindest zu dem, was sie bisher von ihm kennengelernt hatte, vorausgesetzt, er verstellte sich nicht. Zudem konnte sie es auch gut mit seinem Aussehen vereinbaren. Den Grund dafür hätte sie wie so oft nicht nennen können, es war einfach nur ein Gefühl, eine Ahnung, eine Intuition. Wie man es nun nennen wollte.
„Ach, das habe ich doch auch nicht. Übrigens heiße ich Majibáh, ich bezweifle, dass du das bereits weißt. Seit ich hier bin, habe ich mich nur wenigen bekannt gemacht. Aber das habe ich ja schon eben gesagt. Unglaublich, dass du das nach so vielen Jahren immer noch spürst, wo ich geboren wurde.“
Die Wölfin spürte schon, dass nun die Antwort kam, die sie am meisten erhofft und zugleich gefürchtet hatte. Entweder er redete nun mit ihr über etwas vermutlich sehr Persönliches oder er reagierte wütend, ungehalten. Etwas in ihr sagte ihr schon, dass es keineswegs Letzteres sein würde, und trotzdem blieb eine gewisse Angst davor bestehen, bis er anfing zu sprechen, in einem etwas traurigen und doch sanften Ton seine Geschichte erzählte. Eine voller Leid und schlechten Erlebnissen, Erfahrungen, die ihn wohl geprägt hatten, und bei denen es ihm schwergefallen war, sich mit ihnen auseinandersetzen zu müssen. Sofort verzog sich ihre Miene etwas, sie hatte nichts wieder hochholen wollen aus den Tiefen einer verzweifelten Verdrängung. Sie hoffte inständig, dass sie genau das nicht getan hatte.
„Das – tut mir Leid. Wirklich. Das ist nicht eine dieser leeren Phrasen, die man verwendet, um schwere Verluste zu kommentieren, damit man nur irgendetwas sagen kann. Nein, ich kann es selbst eigentlich nicht nachvollziehen, doch du erscheinst mir sehr sympathisch, und ich bin froh, dass du sagst, die Wunden, die deswegen entstanden sind, sind mittlerweile geheilt. Hoffentlich stimmt das auch.
Lyerra, ich erinnere mich an diesen Namen. Wie stehst du denn zu ihr? Verzeihung, wenn ich dir zu nahetrete.“
Auf ihrem Antlitz blieb beständig ein Lächeln liegen, das genau ihre Stimmung wiederspiegelte. Wie aufbauend es war, dass er hier war und sich so nett verhielt. Das widerlegte all die Selbstzweifel, die sie jemals gehabt hatte, etwas, das schon lange nötig gewesen wäre, aber dennoch noch nicht zu spät gewesen war. Zumindest hoffte sie das.
[Rudelplatz - bei Volk Zubami]
08.05.2011, 15:54
Es herrschte wieder Leere und Stille zwischen ihnen. Die eben noch aufgeflammte Wut Averics und die daraufhin entstandene Kälte Tyraleens waren verpufft und hatten wenig zurückgelassen. Nun saßen sie beide wieder nur da, starrten in den Schnee und wussten nicht, wie sie dieser Situation entkommen sollten. Gleichzeitig wurde es der Weißen mehr und mehr zu viel, immerhin hatte sie seit Tagen kein Wort mit Averic geredet und jetzt plötzlich so viele auf einmal. Sie brauchte Zeit, über das Gesagte nachzudenken, sich selbst über ihre Gefühle klarzuwerden und einfach mal nichts zu denken. Doch bevor sie gehen durfte, mussten sie erst diese Situation klären. Mit auffallend ruhiger und beinahe sanfter Stimme reagierte Averic diesmal ganz anders auf ihre Erklärung. Er beteuerte auch, nicht wütend gewesen zu sein, was Tyraleen weder glauben, noch bestreiten konnte. Er hatte sie aufgebracht gewirkt, aber vielleicht war es auch nur die Enttäuschung, die ihm eine Ausstrahlung verliehen hatte, die nicht seinem Inneren entsprochen hatte. Sie nahm es mit einem Nicken hin, auf dieses Missverständnis oder was auch immer es gewesen war, keine Antwort mehr wissen.
“Ich habe nie gesagt, dass ich es nicht will. Aber manchmal will man etwas, auch wenn man es nicht kann. Dann muss man einen Weg finden, es zu können …“
Sie hatte ganz leise gesprochen, den letzten Satz ausklingen lassend, ohne zu wissen, wie man lernen könnte, es zu können. Vertrauen wuchs, indem man sich gegenseitig bewies, dass man sich aufeinander verlassen kann. Aber würde je wieder eine Situation kommen, in dem Averic überhaupt die Chance hatte, sie zu enttäuschen? Also eine Situation, in der es nicht klar war, wie er sich verhalten würde, in der sie selbst etwas Schreckliches getan hatte und genau deshalb nur von ihm Beistand erhoffen konnte. Sie setzte doch alles daran, dass nie wieder etwas Ähnliches geschehen würde.
Averics Frage ließ sie kurz aufschauen und seine tiefblauen Augen mustern, als würde sie einschätzen, ob er diese Frage wirklich beantwortet haben wollte. Was erhoffte er zu hören? Wenn sie ja sagte, würde er ihr nicht glauben, doch ein Nein stand außer Frage. Vielleicht wäre einfach die Wahrheit das Beste.
“Ich weiß es nicht. Aber ich hoffe so sehr, dass ich dich nicht verurteilt hätte und nicht automatisch davon ausgegangen wäre, dass du unseren Sohn aus Mordlust getötet hättest. Denn immerhin kenne ich dich. Ich weiß, dass du das nie getan hättest. Aber ich weiß nicht, ob ich es in diesem Moment hätte zeigen können.“ Sie zögerte kurz. “Und du? Hättest du die Kraft gehabt, dem Entsetzen und Schrecken zu widerstehen und das Risiko einzugehen, dass dein Sohn mich tötet, wenn du ihn nun nicht daran hinderst?“
Die Situation umgekehrt war genauso entsetzlich und doch stimmte sie nicht ganz. Sie war die Tochter Engayas, deshalb war es umso schlimmer, dass sie Fenris gehorcht und ihren Sohn getötet hatte. Um Averic in ein solches Dilemma zu bringen, müsste Engaya eine Engayatat von ihm verlangen. Aber Tyraleen war zu müde und zu leer, um sich nun ein ähnliches Szenario auszudenken. Darum ging es jetzt auch gar nicht. Sie hatte die Frage nur gestellt, weil Averic von ihr die Antwort auf seine verlangt hatte. Dabei wusste er, dass es keine richtige, nicht einmal eine falsche, Antwort darauf gab, genauso wenig wie auf ihre Frage.
“Aber man kann die Enttäuschung in Grenzen halten, indem man wenig von den anderen erwartet. Doch wenn ich liebe, dann erwarte ich viel … weil ich auch viel geben will.“
Ihr Blick lag wieder auf dem Schnee vor ihr und hob sich auch nicht mehr, als Averic ganz leise ihre letzte Frage beantwortete. Sie wusste nicht dazu zu sagen und doch empfand sie es als keinen guten Tausch. Sie hätte damals Tascurio nicht töten dürfen, doch dass ihr Averics Leben mehr wert war, als das ihres Sohnes … das konnte sie auch heute nicht leugnen. Averics Leben war ihr auch mehr wert, als das, was sie verloren hatte, seit ihrer Tat. Lieber hätte sie im ewigen Winter weitergelebt, als Averic nicht hier zu haben.
[ Rudelplatz, am See | Averic ]
08.05.2011, 16:10
SL: Ronron der Fuchs bei Aszrem und Hilel
Ronron wunderte sich, wie offen der große Schwarze seine Verblüffung über den Rotpelz zeigte – ganz so, als sei Ronron selbst ein freundlicher Artgenosse, der ihn gerade friedfertig begrüßt hatte. Das war nicht ganz der Fall, denn erstens war er ein Fuchs und zweitens war er nicht direkt freundlich gewesen. Meist war er ziemlich spontan und dachte wenig über seine Worte nach, was ab und an dazu führte, dass er ein wenig unhöflich wirkte. Wölfen gegenüber schien es ihm aber auch nicht unangebracht, immerhin waren die meist noch viel unhöflicher. Umso erstaunter war er also über die ruhige Freundlichkeit des Schwarzen, auch wenn der Rotpelz im Gegensatz zu Aszrem nicht zeigte. Im nächsten Schritt stellte sich der Schwarze dann zusammen mit seiner reizenden Begleiterin vor, was Ronron nur noch mehr verwirrte. Er hatte nicht damit gerechnet, wie ein vollwertiger Teil der Gesellschaft behandelt zu werden. Vielleicht war dieser Aszrem ja auch verrückt? Vielleicht hatte er noch nie etwas davon gehört, dass Wölfe durchaus einmal Füchsen das Genick brachen, wenn sie ihnen in die Quere kamen? Ein Fuchs konnte durchaus nervig sein, das wusste Ronron zu gut, weshalb er es den Wölfen nicht einmal verübeln konnte. Eben deshalb kam er nicht so ganz damit klar, dass er soeben dazu aufgefordert worden war, seinen Namen zu nennen. Ein Wolf fragte ihn nach seinem Namen! Nun beinahe verlegen hüstelte der Rotpelz kurz, schob sich ganz aus dem Tannenzweig, sodass sie Wölfe seinen ganzen Fuchskörper bestaunen konnten und grinste kecker, als er sich fühlte.
“Aszrem und Hilel, soso, hallo. Ich bin Ronron. Meine Freunde nennen mich auch Roro oder einfach Ro. Aber ein Wolf hat sich dafür bisher eher selten interessiert. Hab ich dich neugierig gemacht? Mhhh? Zu Recht, kann ich da nur sagen, zu Recht! Denn immerhin weiß ich, Ronron, ein paar pikante Details über … mhhh … Varge?“
Er machte eine kleine Kunstpause, sein Grinsen war mittlerweile wieder mehr als echt und überzeugt.
“Ich habe mitbekommen, dass ihr da wohl ziemlich im Dunkeln tappt, Dabei hast du, Di… äh Aszrem, doch schon davon gehört.“ Eine weitere kleine Pause. “Jaaa, ich war dabei, als ihr den Varg gefunden habt. Ihr habt mich nicht bemerkt, was? Naja, hat ja auch alles bestialisch nach Bär und Varg gestunken, da hab‘ ich auch kaum die eigene Nase gerochen. Wisst ihr was? Ich habe das Biest sogar noch lebendig erlebt, nach seinem kleinen Kampf ist es nämlich noch ein wenig herumgeschnauft und hätte meiner reizenden Freundin beinahe in den hübschen Hintern gebissen. Sie ist wirklich hübsch, aber leider nicht die Intelligenteste. Die wollte tatsächlich … ach nein, das wird euch nicht weiter interessieren. Aber was ich über die Varge weiß, das interessiert euch, was?“
Zwinkernd sah er zu Aszrem hinauf und schenkte auch Hilel einen kurzen Blick.
09.05.2011, 17:28
Chilali hatte das Gebirge weit im Rücken, dennoch sah man hinter ihr über den Baumwipfeln die bläulichen Schatten der Berge. In diesem Tal, in dem sie seit knapp zwei agen war, war es kalt und Schnee lag auf dem Boden wie auf den Gipfeln der höchsten Berge. Die Temperaturen waren unter den Nullpunkt gefallen und alles Wasser was nicht in Bewegung war, war gefroren. Aber auch der kleine Bach der parallel zu ihr verlief, und dem sie seit einiger Zeit folgte, war an den Rändern gefroren.
Tief einatmend blieb sie stehen. Ihr Fell schütze sie halbwegs vor den winterlichen Temperaturen, aber momentan trug sie ihr dünneres Sommerfell, daher fröstelte sie in den Nächten schon etwas. Da sie aber bereits seit einigen Tagen durch dieses merkwürdig winterliche Tal lief begann bereits die dickere Unterwolle zu wachsen, die sie noch mehr schützen würde.
Erschöpft durch das tagelange Laufen und den Hunger den sie vorher Wochenlang ausgehalten hatte wurde sie langsamer. Seufzend ging sie auf den Bach zu und begann zu trinken.
Die Einsamkeit die sie schon verspürte seit sie ihre Brüder verloren hatte schien sich in der unendlich weit wirkenden, weißen Umgebung zu verschlimmern.
Das klare kalte Wasser rann ihre Kehle herunter und füllte ihren wieder leeren Magen.
Vor einigen Tagen hatte sie Glück gehabt und hatte einen Kaninchenbau gefunden. Sie hatte die Jungtiere und die Mutter darin gewittert und ihn ausgegraben. Diese kleinen, braunen Langohren hatten ihr wohl das Leben gerettet.
Sich die Schnauze leckend blickte sie den Bach entlang, in der Ferne schien er sich zu erweitern...
Sie kniff die Augen zusammen und versuchte mehr zu erkennen wurde aber enttäuscht, aus der Entfernung konnte sie nichts erkennen.
Plötzlich schien aller Mut sie zu verlassen. Seit Tagen lief sie in die Richtung in der sie ihren großen Bruder hatte gehen sehen, bevor sie ihn aus den Augen verlor, und noch immer war kein Zeichen von ihm zu entdecken. Aber sie hatte Anzeichen eines fremden Rudels bemerkt, schon als sie die Berge verlassen hatte. Gewissensbisse marterten sie, sie lief in fremden Gebiet herum ohne Erlaubnis, ohne sich vorher angekündigt zu haben. Dies war eigentlich nicht nur unhöflich sonder auch gefährlich, die Besitzer dieses Gebietes hätten jedes Recht ihr das Fell abzuziehen.
Zittrig und unentschlossen holte sie tief Luft. Sollte sie...oder sollte sie nicht? Ihr Mut schien zu ihr zurückzufließen...
Bevor sie selber wusste was sie tat schallte ihr Heulen durch die klare Luft. Es trug kilometerweit und kündigte ihre Anwesenheit an. Sie verlieh ihrer Stimme mehr Kraft und legte einen fragenden Unterton hinein, sich erkundigend wer da war und wie ihre Anwesenheit empfunden wurde...
Dann wartete sie auf Antwort. Würde überhaupt jemand antworten oder kämen gleich fremde Wölfe auf sie zu gelaufen und vertrieben sie? Würden sie sie angreifen?
Sie straffte sich und stellt sich selbstbewusst lauschend hin.
Mehrere Minuten passiert nichts und ihr Selbstbewusstsein schien aus ihr heraus zufließen wie Wasser aus einem Hohlraum. Aber sie würde nicht halt machen, wenn gar keiner Antwortete würde sie einfach weiterlaufen als sei nichts geschehen und weiter nach Volk suchen. Wenn jemand Antwortete, nun ja, dann würde sie sich mit demjenigen genauer befassen müssen und ihre Anwesenheit hier wohl genauer erklären.
[am Bach vom Gebirge kommend, nur einige Kilometer vom Rudelplatz entfernt(See ist am Horizont zu erahnen), heult, wartet auf Antwort]
10.05.2011, 14:06
Die Fähe ihm gegenüber hieß also Majibáh, ein durchaus schöner Name, so schön und elegant wie sie selbst. Volk hatte recht mit seiner Vermutung, sie kam aus dem Norden, allerdings schien sie verwundert darüber, dass der Rüde dies gewittert hatte. Ein gutes Näschen hatte er ja, vielleicht war es ja auch Intuition, schließlich kam Majibáh auch aus den Nördlichen Gefilden. Als Volk seine Geschichte erzählte, bemerkte er schon das sich Majibáh irgendwie unwohl fühlte, wahrscheinlich lag es an dem erzähltem. Sie wollte wohl keine schlechten Erinnerungen in ihm wecken und fühlte sich vielleicht schuldig das sie ihn fragte. Die Weiße bekundete ihr Mitleid, so wie man dies nun mal tat, allerdings setzte sie fort, das dies keine leere Phrase sei, wie es bei anderen manchmal der Fall ist. Die Fähe fuhr fort das sie es nicht nachvollziehen kann und das war auch gut so, denn der Schwarze wünschte niemanden, so eine schwere Last tragen zu müssen. Volk war ihr, laut eigener Aussage, Sympathisch und es freute den Rüden schon ein paar Freunde im Rudel gefunden zu haben. Auf ihre Frage gab er gleich Antwort.
„Weißt du, ich mag sie, irgendwie sehr sogar. Sie ist schön, elegant und schnell und sie duftet wie eine blühende Frühlingswiese. Entschuldige, du bist natürlich auch schön, aber... .Sie ist toll.“
Während er antwortete, schaute der Rüde ganz verlegen auf den Boden. Er konnte einfach nicht aufschauen als er seine Antwort gab, als wenn ihm Lyerra gegenüber stehen würde. Der Schwarze versuchte wieder zu Majibáh zu sehen und versuchte zu erahnen was sie dachte. In jenem Moment hörte er ein Heulen, nicht nur das, es war ihm vertraut. Seine Ohren richteten sich automatisch in die Richtung aus, aus dem das Heulen drang. Es kam vom Gebirge, aber konnte das sein? Noch bevor Majibáh antworten konnte sprang Volk Zubami auf und rannte in Richtung der Bachmündung. Als der Rüde am Bach ankam heulte er eine Antwort und die Begrüßung seines alten Rudels in die Richtung aus der die Anfrage kam. Er konnte sich nicht verhört haben, es klang eindeutig nach seiner Schwester Chilali. Volk ging auf und ab vor Nervosität, er wollte die Regel des Rudels nicht brechen und dennoch würde er am liebsten der Stimme entgegenlaufen. Er rief erneut nach seiner Schwester und erhoffte eine klare Antwort.
[Rudelplatz, an der Bachmündung | erst bei Majibáh, dann allein und nervös an der Bachmündung wartend] (Willkommen in deinem neuem Zuhause Schwesterherz! ^^)
10.05.2011, 15:28
Ein ihr sehr vertrautes Heulen drang zu ihr durch, löste den Knoten der seit Tagen unbemerkt auf ihrem Herzen gelastet hatte und hinterließ nichts als wilde Freude. Ihr Bruder! Sie hatte Volk gefunden!
Plötzlich erfüllt von Energie rannte sie los in die Richtung aus der das Heulen gekommen war. Dabei rief sie nochmals nach ihm. Kurz zweifelte sie an sich, hatte sie es sich vielleicht nur eingebildet, dass er nach ihr rief? Aber nein, das eben war eindeutig Volks Stimme gewesen, der Ruf ihres Rudels. Wieder seine Stimme, ja er war es! Sie hob im Laufen die Schnauze und heulte eine Antwort:
"Ich komme, wo bist du nur?"
Ihr Atem ging schnell und flach, fast hechelnd und ihre Pfoten flogen nur so über den Boden, als sie in der Ferne einen See erkannte. War ihr Bruder irgendwo dort unten am See? Sie konnte es nur hoffen!
Sie lief noch Schneller, legte all ihre Kraft in die Bewegung ihrer Beine und spürte wie ihr Blut schneller und heißer durch ihren Körper floss. Ihre Muskeln wurden warm und sie schoss auf den See zu.
An der Stelle wo der Bach in den See floss sah sie eine dunkle Gestalt stehen. Könnten Wölfe weinen, in dem Moment wo sie ihn erkannte hätte sie es aus Freude liebend gern getan.
Sie bremste bei ihm ab und schlidderte dennoch ein Stückchen gegen ihn, da sie so viel Schwung hatte.
Überglücklich presste sie ihre Schnauze in sein dichtes Fell.
“Wo warst du nur? Ich habe versucht dir zu Folgen, aber war zu langsam und gleichzeitig wollte ich Inuky nicht zu weit hinter mir lassen und so habe ich euch beide verloren. Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht!“
Sie verpasste ihrem Bruder eines mit der Pfote, während sie gleichzeitig außer sich vor Freude war, dass sie ihn wiedergefunden hatte.
"Mach so etwas bitte nie wieder! Ich dachte schon ich sehe dich in diesem Leben nicht mehr!“
Ihre Rute wedelte wie wild, sodass es fast aussah als ob ihr ganzes Hinterteil mit wackelte.
Sie hatte gar nicht gewusst wie sehr allein und wie schutzlos sie sich ohne ihren großen Bruder gefühlt hatte. Von Welpen-tagen an hatte er immer auf sie geachtet, war immer da gewesen und hatte mit ihr getobt. Er war ihr bester Freund manchmal bester Feind gewesen, als Geschwister hatten sie sich nun mal gestritten, aber ohne ihn zu sein war sehr viel schlimmer für sie. Besonders jetzt da sie ihre übrige Familie verloren hatten. Einer ihrer Brüder lebte vielleicht noch, irrte weiterhin in der Wildnis herum, vielleicht sahen sie ihn nie wieder, aber wenigstens hatten sie jetzt wieder einander.
[am Bach vom Gebirge aus kommend, hört ihren Bruder Volk, rennt los, antwortet, sieht Volk und rennt ihn fast um, begrüßt ihn, spricht, sorgt sich etwas um Inuky]
10.05.2011, 19:21
Malicia hatte mit ihrem Gewissen zu kämpfen. Ihr schien es tüchtig falsch, Jumaana jetzt wieder allein zu lassen mit ihren Sorgen. Beide hatten voneinander vielleicht ein falsches Bild, aber dies lies sich schnell ändern. Nervös schaute sie sich um, Tyraleen und Aszrem nicht entdeckend. Das ihre jüngere Schwester Leitwolf war, verwundert sie nicht weniger als das Aszrem diesen Part übernommen hatte. Auch wenn Malicia die Älteste des Wurfes sein mochte, und vielleicht auh die Größte, sie hatte weder irgendwelche Führungsqualitäten noch Banshees wunderbare Eigenschaften, die sie so liebevoll und beliebt unter fast allen Wölfen des Rudels machten. In ihre Fußstapfen wollte Malicia längst nicht mehr treten. Sie wollte so viel von ihrer Familie wissen, wie es ihren Schwestern ging, ihren Brüder, Onkels, Tantes, Neffen, Nichten, Cousinen und Cousins ... viel, viel zu reden gab es, aber der aktuelle Schauplatz war ein verzerrtes Bild des sonst so wunderschönen Sternenwindrudels. So durfte es nicht bleiben - und wenn Malicia die Seite wechseln würde. Sie hatte sich von Anfang an eher Engaya zugehörig gefühlt, ein offenes Geheimnis der Fähe, allerdings zeriss sich ihr ganzer Glaube nach dem Tod ihrer Mutter und ihres Vaters ... hätte Engaya die Beiden wirklich in diesen hektischen Zeiten sterben lassen sollen? War dies nicht unfair, wenn man bedachte, was für Generationen über Generationen über diese Wölfe entstanden sind? Falsch war es, der Übermut der Götter hatte so einiges zerstört.
"Nein."
Sie schaute entschlossen. Dieses Wort war kurz, sagte aber mehr als so manch stumpe Erläuterung aus und eine Flamme brannte in ihr auf, Fürsorge mit der Fähe, die sie wohl nicht sonderlich kannte ....
" Ich lasse dich nicht gehen, bevor du mir versprichst, dass du nicht alleine bleibst. Geh zu deinem Gefährten, Verwandten, Freunden, Vertrauten oder wem auch immer. Aber bleib nicht allein. Zeit schafft zwar, Zeit formt - aber sie ist ebenso tückisch und zerfrißt dich im Laufe der Zeit. Du bist zu jung und noch nicht zum sterben geschaffen. Diese triste Welt sollte mit solchen Fähen wie dir, mit diesme Kern aus ... Freude und Hilfsbereitschaft verbessert werden. Verschwende diese Gaben nicht."
Ihre Blicke waren fast flehend geworden, die Rute zog sie ein wenig ein und das Haupt senkte sie. Diese Anrede kostete sie einiges an Kraft und Überwindung. Das durfte doch aber tatsächlich nicht sein!
Und in diesem Fall musste sie wieder reden, den Fang öffnen und das Lied singen, was vielleicht die Exsistenz einer anderen sicern konnte. So schnell durfte Malicia Jumaana nicht verlassen, das wäre so töricht und das Gewissen ihrer Selbst wäre auch nicht gut gewesen. Keiner hätte anders reagieren können.
Beide schienen die schönen Zeiten zu vermissen, aber zusammen mit Familie und Freunden ließ sich wohl einiges in Richtung positiv verändern. Gemeinsam sind Wölfe stark, redete sich Mali ein. Irgendwann werden wir diese Krankheit überwinden, und alles wird so sein wie früher.
[Am Rand des Rudelplatzes | Jumaana ]
10.05.2011, 20:48
Einige Augenblick verharrte Lyerra neben Kouros, blickte ihn an. Seine Augen leuchteten in all dem weiß ebenso wie die ihren. Es tat gut hier neben ihm zu stehen, ihn einfach nur anzublicken. Wie lange sie so dastand wusste sie nicht, doch dass der Rüde nicht antwortete, nicht reagierte so als wäre er eingefroren, das bemerkte sie sehr wohl.
„Ich störe dich, nicht wahr..?“
Eine Sekunde, zwei und immer noch keine Reaktion. Unsicher sah Lyerra den weißen Rüden an, blinzelte. Überall war es weiß, überall war es kalt.
.oO( Eigentlich kann genauso gut gehen..)
Eine Sekunde, zwei, dann wandte sie sich ab. Leise flüsterte sie einen Abschiedsgruß, dann ging sie, folgte dem Weg den sie bereits gegangen war. Sie folgte ihrer eigenen Spur, die sie zurück zum Rudelplatz führen würde. Es war seltsam zu gehen ohne auch nur eine Reaktion des Rüden mitbekommen zu haben, aber was sollte sie tun wenn er sich nicht regte, nichts tat?
All das Weiß stach in ihren Augen, blendete sie. Für ein paar Sekunden kniff die Fähe die Augen zusammen, verscheuchte die grelle Farbe, ersetzte sie durch einen entspannenderen, dunkleren Ton.
Es waren höchstens einige Sekunden, und trotzdem lief Lyerra beinahe in einen Schneehaufen als sie versuchte mit geschlossenen Augen zu gehen, daher öffnete sie sie lieber wieder.
In der Ferne hörte sie einen Ruf, es klang nach ihrem Freund Volk Zubami. Aber.. konnte das sein? Die Weiße beschleunigte ihre Schritte, kam auf den Rudelplatz, doch anstatt ihren Freund zu sehen, erblickte sie eine Fähe, etwa in ihrem Alter. Sie schien irgendwie stehen gelassen worden zu sein. Wenn Lyerra nicht alles täuschte hieß die Fähe Majibáh, doch sicher war sie sich nicht.
Ein wenig unsicher ging sie auf die Unbekannte zu, sah dass diese lächelte.
„Majibáh..?”
Sprach sie die andere Fähe leise an. Vielleicht würde diese sich ja freuen hier nicht alleine zu stehen…? Ihr selbst zumindest tat es gut nicht allein zu sein in all dem weiß. Ein sanftes und freundliches Lächeln verzog die Lefzen der Fähe, ihre Augen leuchteten fröhlich. Der Tag war an sich sehr schön, wäre es nicht so kalt und weiß gewesen hätte man ihn wirklich genießen können.
[erst bei Kou, dann bei Majibáh // am Rudelplatz ] [sorry wegen der Länge ._.]
12.05.2011, 21:37
Kaum hatte sie dem Gestaltenwandler Wärme geschenkt, hörte er auf zu zittern und lockerte den Griff um Minyala ein wenig. Zum Glück, sonst hätte er sie vielleicht einfach zerdrückt. Oder war er in dem Wesen, welches er nun war nicht mehr so stark? Sie erinnerte sich an die Erzählungen über Thylia zurück. Sie hatte sich in einen Werwolf verwandeln können, aber auch in einen… verdammt, ihr fiel einfach nicht mehr ein, wie das andere geheißen hatte. Doch sie meinte zu wissen, dass es von der Beschreibung her auf Calebs jetzigen Zustand gepasst hatte. Zumindest ungefähr. Also war er jetzt kein Werwolf sondern dieses andere Dingsda. Dingsda ohne Fell, sie würde schon noch in Erfahrung bringen, wie es richtig hieß. Allerdings wusste sie nun immer noch nicht, ob er in dieser Gestalt auch so unglaublich stark war, wie es über Werwölfe erzählt wurde. Aber so richtig vorstellen konnte sie sich das nicht. Er sah so verletzlich aus, er hatte gefroren, logisch, so ganz ohne Fell. Er hatte keine Krallen und auch sein Gebiss sah wenig gefährlich aus. Wahrscheinlich hätte er Minyala nicht aus Versehen erdrückt, aber man konnte ja nie wissen.
Sie wurde von ihren Gedanken abgelenkt, als Caleb eine Frage an sie richtete. Noch ehe sie eine passende Antwort finden konnte, eigentlich wusste sie nämlich keine, fuhr er schon fort und bedankte sich bei ihr und Minyala. Dabei drückte er seinen komischen Kopf in das Fell der weißen Einohrigen.
Sheena beobachtete sie dabei genau, sie wollte wissen, ob dieses felllose Dingsda das üblicherweise tat oder ob er seine wölfischen Gesten beibehalten hatte. Obwohl Minyala versuchte, sich nichts anmerken zu lassen, konnte Sheena doch die kurzzeitig in ihren Augen aufflackernde Überraschung lesen. Also war das keine gewöhnliche Geste eines Felllosen.
Doch schon wurde ihre Aufmerksamkeit wieder auf Caleb gezogen, das Alles war ja so spannend! An Angst zu denken, kam ihr gar nicht in den Sinn. Wobei sie sich damit wohl in Gefahr begab. Nicht unbedingt gegenüber Caleb, aber es war nicht gut, keine Angst vor ungewohnten Dingen zu haben. Allerdings strahlte er in seiner Gestik überhaupt keine Gefahr aus, das war wohl der Unterschied. Schließlich war sie sonst auch eher vorsichtiger.
Jetzt staunte sie jedoch nicht schlecht, die Farbe des Felllosen Kopfes hatte sich geändert. Nicht, das bisschen Fell auf dem Kopf, nein, sondern der Teil, wo kein Fell mehr vorhanden war. Erst hatte es dunkel ausgesehen, dann war es heller geworden und anschließend rotstichig.
Vergessen waren die an sie gestellten Fragen, die Antwort Minyalas auf ihre eigene hatte sie wohl noch mitbekommen, aber das war jetzt wirklich, wirklich faszinierend.
„Wie, wie machst du das?“
Sie kam gar nicht auf die Idee, dass er nicht wissen konnte, wovon sie eigentlich sprach. Ihre Augen hatte sie vor Erstaunen weit geöffnet und sie fixierte ihn mit ihrem Blick. Würde dort noch mehr passieren?
Ohne den Blick anzuwenden, sie wollte schließlich nichts von dem Schauspiel verpassen, kam ihr wieder die Frage in den Sinn, die er an sie gestellt hatte.
„Eine angemessene Antwort auf deine Frage kann ich dir nicht geben. Aber Engaya ist bei mir, sie ist voller Wärme, ich bin voller Wärme, du wirst nicht frieren.“ bei den Worten lächelte sie leicht. „So lange, bis wir dich wieder zurück verwandelt haben, werde ich dich wärmen können.“
Zumindest würde sie das versuchen. Jetzt, wo die vorerst größte Aufregung vorbei war, spürte sie wieder die Erschöpfung in ihrem Körper Wellen schlagen. Doch sie ließ sich nichts anmerken, stand aufrecht vor dem seltsamen Paar und auch die Faszination des Farbspiels in seinem Gesicht, hatte sie noch nicht verloren.
[Rudelplatz/ Waldrand/ im Wald ~ Caleb, Minyala]
12.05.2011, 22:05
„Da haben wir ja noch mal die Kurve bekommen.“
Der bunte Rüde murmelte lächelnd vor sich hin. Ob es direkt an Atalya gerichtet war oder wirklich nur so daher gesprochen war, hätte er selber nicht sagen können.
Er war froh gewesen, dass er die weiße Fähe beschwichtigt hatte. Damit konnte er auch sein Gewissen beruhigen. Während sie ihm wenige Worte zukommen ließ, bemerkte er ihre sichtliche Entspannung und das sanfte, kaum sichtbare Lächeln um ihre Lefzen. Er nickte ihr ein letztes Mal zu, ehe sie sich umwand und sich einige Meter weiter in den Schnee gleiten, oder sollte er lieber sagen, fallen, ließ. So sehr sie sich auch bemühte, es war vor ihm nicht zu verbergen.
Nun wand er sich Atalya direkt zu. Er schnoberte ihr kurz an der Schnauze herum, wenn er sie richtig einschätzte, hatte diese Aktion sie wenig eingeschüchtert.
Ein letzter Blick zu Rakshee, der ihrige war irgendwo im Wald hängen geblieben, er folgte ihm und sah eine weiße Schwanzspitze im Wald aufblitzen.
Irgendwie musste er die Unlust und die Neugier der jungen Fähe befriedigen. Aber auf eine Art und Weise die sie beide weder in Gefahr, noch in ungünstige Situationen verfrachtete.
Gespielt gelangweilt nickte er in die Richtung, in der er eben noch eine Schwanzspitze gesehen hatte, die war nun mittlerweile auch verschwunden.
“Komm, wir überlegen uns was und entfernen uns erstmal ein wenig von dieser Unglücksstelle“
Damit stapfte er los. Kurze Schritte bedingt durch die Schneehöhe und seine kurzen Beine, zwischendrin kraftvolle Hüpfer, die ihm die gute Laune zurück brachten, die seine selbst herbeigeführte Situation ihm eben geraubt hatte. Dabei sog er die kalte Luft tief ein, er wollte herausfinden, wer dort im Wald verschwunden war und am Besten auch noch warum. Doch vorerst hüpfte und stapfte er weiter durch den Schnee, hoffend, dass die Graue ihm folgte.
[ Rakshee ~ Atalya | Rudelplatz]
13.05.2011, 20:41
Averic antwortete auf ihre ersten Worte nicht. Er wollte nicht mehr diskutieren, ihr nicht sagen, dass es für ihn so geklungen hatte. Dieses Hin und Her war so irrelevant. Und auch wollte er durch ihre Worte keine Hoffnung mehr in sich wecken, die genau so gut wieder zerstört werden konnte. Wie sollte er ihr helfen einen Weg zu finden, den er selbst nicht verlassen konnte? Wie konnte er die Bruchstücke wieder zusammen setzen, zwischen denen sie sich befanden? Er stand auf einem Weg, auf dem es zu keiner Seite ein Entrinnen gab. Überall klaffte nur der Abgrund.
So sah Averic seine Schwester nur stumm an und erinnerte sich daran, wie sie damals voreinander gesessen hatten. Blutig und nicht wissend, was sie tun und was sie sagen sollten. Mit einem Geständnis belastet, mit dem sie beide nicht hatten umgehen können. Es schien, als wären sie wieder dort angekommen. Am Anfang, am Ende, im Nirgendwo. Vielleicht alles zusammen. Averic erinnerte sich an den Schmerz, der ihn damals von innen zerfressen hatte, die Verzweiflung, die ihn beinahe – und so ironischer Weise – den Tod zurück wünschen ließen, den er gebracht hatte. Allein für sich. Doch was er jetzt fühlte war gleich und trotzdem ganz anders. Alles war so erstickt und schwach. Eine große Leere klaffte in seinem Inneren und umhüllte den Schmerz, der immer noch da war. Aber er wurde so dumpf, wie eine alte Kriegswunde. Eine, die zwar immer schmerzen, aber an deren Schmerz man sich irgendwann gewöhnen würde.
Averic lauschte ihrer Erklärung, ermattet und wissend, dass man eine Umkehrung der Ereignisse nicht miteinander vergleichen konnte. Er war der Sohn des Todes. Es wäre nicht sein Fehler gewesen zu töten, es wäre seine Aufgabe gewesen. Es war die ganze Zeit seine Aufgabe gewesen. Er hätte derjenige sein müssen, der Tascurio tötete. Um das Gleichgewicht zu wahren, doch stattdessen war das Gegenteil passiert.
„Das habe ich nie angenommen ... Aber ich dachte auch, dass du so etwas niemals tun würdest, oder überhaupt könntest ... Das war mein Entsetzen und mein Schrecken.“
Averics Stimme war nur leise. Er wusste, dass sie diese Tat allein für ihn begangen hatte, doch dieses Wissen erleichterte ihn um keine Last. Eher erschwerte es alles und tauchte ihre Situation in einen noch größeren Zwiespalt. Das Opfer war unbezahlbar.
„Ich hätte ihn töten müssen. Ganz gleich, ob er dich oder mich irgendwann getötet hätte. Beides wäre unser Ende gewesen.“
Aber das Ende war auch so gekommen. Nur viel grausamer, weil es sie am Leben gelassen hatte. Die Ohren des Pechschwarzen waren nach hinten gedreht und etwas bitter der Gesichtausdruck über die Gewissheit, dass das Leben ihres Sohnes in keinem Fall hätte gerettet werden können, ohne das sie gestorben wären. So war das grausame Spiel der Götter. Und als ihre Kinder würden sie sich dem niemals entziehen können. Die dunkelblauen Augen Averics sahen noch einmal in Tyraleens Gesicht, huschten kurz zu ihren Augen und konnten den Anblick doch nicht aushalten. Weil er sie trotz allem noch zu sehr liebte. Und da waren sie wieder, die Worte, die noch Hoffnung wecken wollten, dass sie den Kopf aus dieser Schlinge wieder herausziehen konnten.
„Was kann ich jetzt noch tun?“
Doch kaum dass Averic diese ehrlich fragenden Worte ausgesprochen hatte, wollte er die Antwort darauf nicht mehr hören. Er wusste nicht, ob er eine weitere, enttäuschende Antwort ertragen konnte. Von der brodelnden Kraft, die ihm eben noch fast das Gefühl gegeben hatte überzukochen, merkte der Pechschwarze kaum noch etwas. Er wusste, dass sie wiederkommen würde, doch solange er hier vor ihr saß und sich alles nur immer mehr im Kreis drehte, würde die Leere ihn weiter verschlucken. Hatte Tyraleen eben noch gesagt, dass sie bei ihm schwach war, so fühlte er nun das Selbe. Es war unangenehm. Es fühlte sich genau so an, wie damals. So wollte er nicht mehr fühlen. Der Pechschwarze wandte den Kopf ab und richtete sich auf.
„Antworte nicht. Vielleicht sollten wir dieses Gespräch jetzt beenden ...“
Er klang müde und bittend.
[ Seeufer | Tyraleen ]
14.05.2011, 21:22
Nur kurz schweifte Atalyas Blick noch einmal ab, um zu sehen, ob Rakshee nun wirklich fern blieb. Suchend glitt ihr Blick über die weiße Schneedecke, konnte die Umrisse der Fähe aber nirgends erkennen. Auf Liams Worte hin gab sie nur ein leises Brummeln von sich, reagierte aber nicht weiter darauf. Als er sich dann aber zu ihrer Schnauze neigte, schnippten ihre Ohren kurz durch die kalte Luft und sie richtete den Blick wieder auf ihren Paten. Auch er blickte erneut hinter Rakshee her, aber Atalya folgte seinem Blick nicht. Ihre hellen Augen richteten sich auf den Wald, dem sie so nah war. Aber für diesen Moment gab sie nach, ließ den Gedanken, der Gefahr ins Auge zu blicken, ziehen. Stattdessen wandte sie sich ganz ab, lauschte nur den Worten des bunten Rüden, indem sie ein Ohr in seine Richtung wandte. Sie antwortete nicht, blickte ihm nur nach, als er sich vorwärts bewegte. Einen Moment zögerte sie, überkam sie doch wieder das Verlangen, diese eine Regel zu brechen. Aber erneut verjagte sie diesen Gedanken mit einem leisen Seufzen, setzte sich dann in Bewegung, um ihrem Paten folgen zu können. Sie hatte diese leise Befürchtung, dass dieser Schnee nie wieder verschwinden würde.
So folgte sie Liam, blieb jedoch ein Stück hinter ihm. Was würde er nun über sie denken? In Rakshees Augen hatte sie kurz gesehen, dass sie nichts gutes gedacht hatte. Aber Liam... er hüpfte herum und wirkte schon wieder genauso glücklich, wie vor Rakshees... Überfall. Die Graue legte die Ohren an, ihr Blick blieb unverändert unbegeistert.
“Wieso lassen sich alle so von ihrer Angst beeinflussen? Sie haben doch keinen Varg gefunden, und es riecht auch nirgends nach einem. Wir machen doch alles nur noch viel schlimmer, als es so schon ist!“
Mit einigen kurzen, aber schnellen Sprüngen hatte die Graue nun doch zu ihrem Paten aufgeholt, ließ den Blick jedoch nach vorn gewandt. Was hatte er nun vor? Sicher würde er nicht noch einmal in die Nähe des Waldes laufen. Und sie selbst hatte keinen Zweifel daran, dass sich ihr wieder jemand in den Weg stellen würde.
[Rudelplatz - Liam]
15.05.2011, 14:26
Volk wartete am Bach, von dem ein leises Plätschern, unterhalb des Eises ausging. Er wartete auf Antwort, einen Ruf seiner Schwester, doch es kam nichts, nur das plätschern war zu hören. Wenn nichts zurückkäme müsste er wohl den Rudelplatz verlassen, müsste den Bach entlang. Er würde sie suchen, solang bis er sie fand. Er konnte sich ihren Ruf nicht eingebildet haben, dafür war dieser zu deutlich. Alsbald bestätigte ein zweites Rufen ihn, Volk hörte erneut ihre Stimme ,Ich komme, wo bist du nur?' so deutlich, als würde Chilali direkt neben ihm stehen.
„Hier, hier bin ich weiße Schwester, hier.“
In einiger Entfernung konnte er seine Schwester sehen, vielmehr sah Volk den Schnee, den sie aufwühlte, während diese auf ihn zugerannt kam. Wie eine Lawine die sich voran wälzt und alles mit sich reist, Chilali kam immer näher. Der schwarze Rüde wedelte mit seiner Rute, er wurde immer unruhiger, sprang auf und ab, während die weiße Fähe immer näher zum See kam. Auf den letzten Metern wurde er schon wieder ruhiger, fast schon starr und als sie, ihm entgegen schlitterte war seine Rute wieder still geworden. Er blickte seine weiße Schwester an, jede Minute kam ihm vor wie eine Stunde, Volk hatte sie schon so lange nicht mehr gesehen und jeden Tag vermisste er sie mehr. Sie steckte ihre Schnauze tief in sein Fell, dem Schwarzen tat es gut wieder ihre Nähe zu spüren. Sie machte ihrem Bruder Vorwürfe, dennoch war ihre Freude über ihr wiedersehen zu groß, sodass sie nicht allzu lange böse sein konnte. Sein Schwesterherz verpasste ihm eins mit der Pfote, allerdings mehr aus reiner Förmlichkeit und bat ihn sie nie wieder allein zu lassen.
„Glaub mir, ich habe viel begriffen und gelernt in der kurzen Zeit. Ich schwöre dir dich niemals wieder allein zu lassen, ich bin immer für dich da. Du bist meine Schwester und daran wird sich nie etwas ändern, ich werde dich beschützen. Komm zu mir und wärme dich erst mal etwas auf. Weißt du, es war nicht meine Schuld das ich dich im Stich gelassen habe, ich bin mit einem Felsvorsprung abgestürzt. Ich hab euch gerufen doch ihr habt es nicht gehört, es tut mir so Leid. Doch wo ist eigentlich Inuky? Komm lass uns zu den anderen gehen, erzähl mir alles unterwegs. Zurzeit sind wir nur auf dem Rudelplatz sicher, aber das erzähl ich dir nachher.“
Seine Worten waren klar, aber nicht bestimmend, er wollte nur das seine Schwester in Sicherheit ist. Die Anweisungen an sich waren ihm zu kleinen Teilen egal. Er wollte zu Majibáh zurück schon allein deshalb um seine Chilali vorzustellen und weil er Majibáh einfach so stehen gelassen hat. Volk Zubami leckte seiner Schwester über die Schnauze, wollte sie ermutigen mit zu kommen und wedelte etwas mit seinem Schweif. Er sprach ihr Mut zu, obwohl er wusste, dass er das nicht machen brauchte, denn sie war ja selbstbestimmt und sicher in ihrem auftreten.
„Na komm schon, was wartest du noch oder soll ich dich wieder allein lassen?“
So böse wie sein letzter Satz klang war es natürlich nicht gemeint, aber so war Volk nun halt mal.
[Rudelplatz, an der Bachmündung | Chilali]
15.05.2011, 14:51
Seufzend drückte sie sich ein letztesmal gegen ihren Bruder und löste sich dann von ihm.
Er sah gesund aus und garantiert nicht dem Tode nah, so wie sie es in ihren schlimmsten Albträumen gesehen hatte.
Als er ihr beteuerte auf sie aufzupassen fühlte sie sich wieder in ihre Welpentage zurück versetzt und das machte ihr überhaupt nichts aus. Ihr großer Bruder würde eben immer ihr großer Bruder bleiben.
" Glaub ja nicht, dass du mir jetzt wieder abhauen könntest!"
,neckte sie ihn und machte sich bereit ihm zu folgen.
"Rudelplatz?"
,fragte sie dann etwas unsicherer.
" Du musst mir unbedingt erzählen, wie genau du hier gelandet bist Volk! Und das du gestürtzt bist ohne das wir es wussten tut mir sehr leid, ich wünschte es wäre anders gekommen, dass hätte uns allen viel Leid erspart!
Wo Inuky momentan ist weiß ich leider nicht..."
,betroffen ließ sie Kopf und Rute hängen. Alle Brüder bis auf Volk hatte sie nun verloren. Nur noch einer übrig...
Umsomehr war es für sie klar, dass sie ihm in nächster Zeit nicht von der Seite weichen würde!
" Als du verschwunden warst bin ich dir blindlinks gefolgt und dachte Inuky würde mir schon folgen können, aber dem war wohl nicht so."
Sollte sie sich schuldig fühlen? War sie es überhaupt?
Wie um die bösen Gedanken zu vertreiben schüttelte sie den Kopf und richtete sich wieder auf. Tief durchatmend sah sie sich um.
" Darf ich mich überhaupt hier aufhalten Volk? Wenn dies der Rudelplatz eines fremden Rudels ist sollte ich vielleicht etwas abseits warten bis ich die offizielle Erlaubnis erhalte?"
Unentschlossen blickte sie umher. Einerseits wollte sie ihren Bruder auf den Platz folgen, andererseits flüsterte eine Stimme in ihrem Kopf, dass ihnen das vielleicht noch Schwierigkeiten machen könnte...
"Wer ist hier denn Alpha? Und welchen Platz nimmst du hier ein? Da du dich ja hier aufhalten darfst nehm ich an du hast dich diesen Wölfen angeschlossen?"
,fragte sie neugierig nach.
Wenn ihr Bruder hier aufgenommen wurde, dann hatte sie vielleicht auch eine Chance? Dann wäre die Zeit des Wanderns vorbei! Ein Rudel bedeutete mehr Sicherheit, Schutz, Wärme und Futter für alle und besonders hatte ihr die Gesellschaft anderer Wölfe gefehlt.
[an der Bachmündung, Volk Zubami, spricht]
15.05.2011, 17:22
Majibáh nahm aus der Ferne einen Ruf wahr, den sie niemandem aus dem Rudel zuordnen konnte. Ihr Kopf schnellte in die Höhe und suchte die Umgebung ab. Panik stieg in ihr auf, ihr Herz schien mit jeder Sekunde schneller zu schlagen und drohte zu zerplatzen. Vielleicht bedeutete das Gefahr, und sie bezweifelte, dass irgendjemand dazu fähig wäre, dem etwas entgegenzusetzen. Mit ihren weit aufgerissenen Augen starrte sie Volk Zubami an und wartete darauf, dass er sie darauf ansprach oder es ebenfalls bemerkte, weil sie nicht wusste, ob und wie sie reagieren sollte. Es dauerte nicht lange, bis er urplötzlich davon lief, als hinge sein Leben davon ab. Allerdings schien er irgendwie glücklich zu sein, erleichtert, hoffnungsvoll; genauer hatte sie seinen Gesichtsausdruck nicht einordnen können, so schnell, wie er verschwunden war. Mittlerweile hatte sie sich schon beruhigt, hatte den ersten Schockmoment überwunden, und dennoch konnte sie ihre Gedanken noch immer nicht halbwegs sinnvoll entwirren.
Einige Sekunden lang folgte sie ihm mit ihrem Blick, ehe sie sich aus ihrer Starre löste und ihm einige Schritte folgte. Nein, weiter wagte sie sich nicht, sie wollte weder aufdringlich wirken noch sich in einen Kampf verwickeln, den sie bei ihrem körperlichen Zustand ohnehin verloren hätte. Unsicherheit machte sich in ihr breit und so wand sie sich wieder zur Seite, mit der Hoffnung, dass er vielleicht bald zurückkam. Einsamkeit war gerade genau das, was sie nicht brauchen konnte. Die Fähe konnte sich ein leises Seufzen nicht unterdrücken. Wenn sie sich vorstellte, dass sie ihm helfen müsste und einfach stehen bleibt, zog ein Schauer über ihren Rücken, da sie keine Ahnung hatte, wie sie ihm das hätte erklären sollen.
Eine Stimme riss sie aus ihren Überlegungen. Eine, die sie entweder noch nie gehört oder aus ihrer Erinnerung verbannt hatte. Vermutlich Ersteres, denn als sie sich zu der Weißen drehte, erkannte sie diese auch nicht anhand ihres Gesichts oder ihres Körperbaus. Dennoch, ihr Gegenüber schien zumindest ihren Namen zu kennen, wobei man an ihrem Tonfall doch erkennen konnte, dass sie eher riet als es zu wissen. Trotzdem zeichnete sich auf dem Gesicht der Blauäugigen ein deutliches Lächeln ab, sie war glücklich, nicht alleine sein zu müssen und von der Angst abgelenkt zu werden, die sie eben noch verspürt hatte. Zudem hatte sie jetzt einen Grund, warum sie nicht zumindest Hilfe geholt hatte. Ja, sie hatte schon immer lieber Ausreden benutzt als ihre Fehler einzugestehen. Meistens konnte sie es einfach nicht ertragen, dass sie nunmal nicht perfekt war und es auch nicht sein konnte.
„Gib mir einen Tipp, ich bin unheimlich schlecht darin, mir Namen zu merken“,
gab sie zurück, ohne noch weiter zu zögern und kam etwas näher auf sie zu. Nein, mehr als ein flüchtiges Gespräch hatten sie nie geführt, sonst wüsste sie mittlerweile, wie die Andere hieß. Zumindest die Zeit, die sie hier schon verbracht hatte, konnte sie noch klar und deutlich vor sich sehen, es hätte sie schon sehr gewundert... es war sinnlos, sie sollte am besten einfach die Antwort abwarten.
[zuerst bei Volk Zubami, dann bei Lyerra - am Rudelplatz]
16.05.2011, 20:04
Tyraleens Blick huschte erstmals seit dem Beginn des Gesprächs mit Averic über den Rudelplatz. Flüchtig nahm sie die verstreuten Wölfe wahr, blieb kurz an der Stelle hängen, an der sie noch vor kurzem gelegen hatte und wünschte sich dann weit fort. Nicht nur fort aus diesem Gespräch und der unerträglichen Situation, sondern auch weg von der Kälte, dem Druck und der Ablehnung einiger Wölfe. In diesem Moment hatte sie das Gefühl, das alles nicht länger ertragen zu können – und auch wenn dieses Gefühl bald vergehen würde, blieb doch der bittere Nachgeschmack von Versagen. So wie Averic und sie an sich versagt hatten. Sie sollten dieses Gespräch endlich beenden.
Tyraleen nickte langsam, als ihr Bruder ihr zum ersten Mal eine Erklärung lieferte. Nun wusste sie also, warum er sie mit diesem Blick angesehen hatte, der alles in ihr zerstörte. Er hätte nicht gedacht, dass sie zum töten fähig war. Ja, natürlich, auch sie hätte nie gedacht, dass sie zur Mörderin hätte werden können, zudem noch zur Mörderin des eigenen Sohnes, aber … sie war eine Liebende … gewesen.
“Wenn man liebt, wächst man über sich hinaus – wohl auch im negativen Sinne. Ich hätte in diesem Moment alles für dich getan, doch ich musste lernen, dass man nicht zu sehr lieben darf. Diese Erkenntnis schmerzt.“
Seine Antwort auf ihre Frage ließ sie unkommentiert. Dass er ohne mit den Wimpern zu zucken zugab, dass er seinen eigenen Sohn ermordet hätte, schockierte sie kaum. Es war seine Aufgabe, so zu denken, auch wenn sie sich einen flüchtigen Moment lang fragte, wie viel Fenris von Averic verlangen könnte. Wie heilig waren dem Schwarzen seine Welpen? Es schien ihrem Bruder nicht mehr darum zu gehen, dass Tascurio ihr Sohn gewesen war. Aber er war auch der Sohn des Todes, sie sollte ihn für diese Denkweise nicht verurteilen. So fand sie keine Antwort auf seine Aussage und wollte auch nicht danach suchen. Sie wollte dieses Gespräch nur noch beenden. Doch bevor sie sich erheben und dem Trauerspiel ein Ende setzen konnte, traf sie Averic Frage unvorbereitet. Er wollte wissen, was er tun konnte. Nichts. Nichts konnte er tun. Das war ja das Traurige. Nur wenige Wimpernschläge später richtete er sich auf und zog seine Frage zurück, sprach die erlösenden Worte aus, die Tyraleen selbst auf der Zunge gelegen hatten und machte sie damit doch nicht mehr froh. Fast zeitgleich ertönte ein Heulen aus dem Osten und Tyraleens Ohren stellten sich auf. Eine Fremde bat um Einlass. Eine weitere Erlösung, eine ganz klare, unumgängliche Unterbrechung und doch stand noch immer Averics Frage im Raum. Langsam erhob sich die Weiße, ließ ihren Blick über den See wandern, als würde sie die Fremde suchen und blieb schließlich für wenige Momente leer in Averics Augen liegen.
“Ich muss jetzt gehen.“
Sie trat an Averic vorbei, nicht zu nahe und doch nahe genug um ihn noch einmal intensiv zu spüren, zu sehen und zu wittern. Beinahe wäre sie zur Seite ausgewichen, hielt sich aber und zögerte doch nach einigen Schritten. Langsam wandte sie den Kopf und betrachtete den Rücken ihres einstigen Gefährten.
“Da sein.“
Dann fiel sie in einen schnellen Lauf, war froh, Abstand zwischen Averic und sich zu bringen und sah nicht mehr zurück. Nach kurzer Zeit hob sie den Fang und heulte eine knappe Antwort, die der Fremden zeigte, dass jemand unterwegs war und die Aszrem, Sheena und den anderen sagen würde, dass Tyraleen sich um die Fremde kümmerte.
Nach einiger Zeit erreichte Tyraleen die fremde Weiße und Volk Zubami, der sie begleitete. Offensichtlich herrschte eine Beziehung zwischen den beiden, auch deshalb strafte die Leitwölfin den schwarzen Rüden nicht dafür, dass er den Rudelplatz verlassen hatte. Das Gespräch zwischen der Weißen, die sich als Chilali vorstellte, und Tyraleen war freundlich und unkompliziert. Die Schwester Volk Zubamis wollte sich dem Rudel anschließen und Tyraleen hatte nichts dagegen, sofern sie sich an die Regeln halten würde, zu denen zur Zeit auch der Aufenthalt auf dem Rudelplatz gehörte. Bei der Erwähnung dieses Umstandes traf Volk ein strafender Blick, doch allzu ernst musste der nicht aufgefasst werden. Chilali zeigte sich damit einverstanden, sodass Tyraleen, Volk und sie den Rückweg zum Rudelplatz gemeinsam antraten. Dort angekommen ließ Tyraleen die beiden Geschwister schnell alleine.
Tyraleen war froh, als sie endlich wieder alleine war. Es war ihr nicht schwer gefallen, Chilali willkommen zu heißen, das Gespräch war freundlich und kurz verlaufen – kein Problem für sie als neue Leitwölfin … und doch zitterten ihre Läufe nun ganz leicht und sie war froh, dass sie sich jetzt an den Waldrand legen konnte. Das Gespräch mit Averic lastete schwer auf ihr und noch waren ihre Gedanken mit dem Verarbeiten desgleichen nicht hinterher gekommen. Sie spürte eine drückende Trauer, gleichzeitig war sie erleichtert, endlich mit ihrem Bruder gesprochen zu haben und zudem war es ihr, als spüre sie Engaya wieder näher. Es war ein schönes Gefühl, doch es konnte sie nicht trösten. Ihre Kehle war wie zugeschnürt und sie hatte das Gefühl, sich nie wieder aufrichten zu können. Für einen kurzen, ganz kurzen, süßen Moment gönnte sie sich Unaufmerksamkeit, schloss die Augen und rollte sich zusammen als würde sie schlafen.
[ zunächst bei Averic, dann bei Chilali und Volk, schließlich am Waldrand | alleine ]
16.05.2011, 20:18
Chardím wollte den Kopf eigentlich noch eine Weile erhoben halten, schließlich sank er aber ganz von Selbst wieder zurück auf seine Pfoten. Auf Jakashs Worte hin huschte noch einmal ein flüchtiges Lächeln über seine Lefzen.
„Ich fürchte, das wird auch vorerst noch so bleiben. Ist ganz schön ätzend.“
Obwohl ihm kaum danach zumute war, versuchte er noch scherzhaft zu klingen. Es war ihm schließlich auch unangenehm die ganze Zeit so nutzlos und schwach in der Gegend herumzuliegen. Bevor das alles passiert war, war er so kräftig und lebendig gewesen, nun erinnerte er sich trotz der wenigen Tage schon kaum mehr daran, wie es war mit Turién und Nerúi über die Wiesen zu rennen. Die ganze Welt hatte sich verändert und einfach auf den Kopf gedreht. Die Wiesen waren weg und seinen zwei liebsten Laufkameraden war er nicht mehr richtig begegnet, seit Tascurio tot war.
Der Schwarzweiße sah von Jakash zu Madoc und fand es ganz erfrischend, dass nun auch sein Pate etwas herumwitzelte. Auch wenn es irgendwo einen seltsamen Beigeschmack hatte. Noch vor wenigen Tagen hätte er so etwas nicht gesagt.
„Ich fürchte nicht.“,
antwortete er leicht lachend auf Madocs Worte. Dass ihn der Stress weniger getroffen hatte und er von den Geschehnissen nicht so viel mitbekommen hatte ließ sich absolut nicht behaupten. Das klang beinahe schon ironisch. Die Ohren des Jungwolfes spitzten sich, als plötzlich noch ein Wolf zu ihnen stieß. Takashi, der neue Gamma. Und das verwunderte Chardím nun wirklich ein wenig. Er hatte noch nie wirklich mit ihm zutun gehabt, was tat er nun hier? Zuerst grüßte er sie mit genau der selben Anfrage, wie Madoc und dann schien er ihnen irgend etwas erklären zu wollen. Der Schwarzweiße runzelte kurz die Stirn.
„Ich weiß. Wobei es euch Fenriswölfen nun ja recht prächtig geht.“
In seiner Stimme lag keine Provokation, trotzdem bekamen Takashi und Jakash einen etwas längeren Blick zugeworfen, bevor er sich mit einiger Müh wieder aufsetzte.
[ Bachmündung | Jakash, Madoc, Takashi ]
16.05.2011, 23:03
Auf ihre Worte konnte er keine Antwort geben. Zumindest keine, die sich durch weitere Worte hervorgetan hätte, aber man hätte das leichte Schlucken des Schwarzen als Antwort nehmen können. Averic wusste nicht, was er über diese Aussagen denken konnte und überhaupt wollte. Ja, vielmehr wollte er gar nichts denken, denn sonst hätte er vielleicht gehört, dass irgendwo, ganz tief drinnen in ihm etwas aufschreien wollte. Weil die Liebe ihre Liebe zerstört hatte. Und das war eine Erkenntnis, von der Schmerz erst der Anfang war. Sie hätte ihn wahnsinnig machen können, wenn er über diese Absurdität nachgedacht hätte und darüber, dass es die Schuld seines eigenen Gottes war.
Tyraleen schien seine Bitte tatsächlich zu berücksichtigen und doch machte ihn das keineswegs froh. Es hätte in diesem Augenblick nichts gegeben, was ihm irgendwie geholfen hätte, weder eine Antwort, noch keine Antwort. Auf das ferne Heulen hin hatte Averic nicht mal mit den Ohren gezuckt, oder sonst wie reagiert. Während seine Schwester den Blick schweifen ließ, regte sich der Pechschwarze nicht. Er hatte bereits darum gebeten das Gespräch zu beenden, er wusste, dass sie gleich wieder weg sein würde. Viel zu weit weg, über die Grenze des Körperlichen hinaus. Als sie sagte, dass sie gehen musste, nickte der Schwarze nur kurz. Sie hatten gesagt, was gesagt werden musste und sich leer geredet. Die Wut war ebenso weg, wie alles andere. Und er wusste, wenn das alles war, was blieb, würde er es nicht überleben einfach hier zu bleiben und so weiter zu machen.
Averic konnte sich nicht umdrehen, als Tyraleen an ihm vorbei trat, obwohl ihm der leichte Hauch ihrer Bewegung, so nah und doch so fern an ihm vorbei, Stiche unter die Haut versetzte. Der Augenblick verstrich und Averic wollte sich gerade in Bewegung setzen, ohne dass seine Pfoten irgend ein Ziel kannten, als ihn zwei leise Worte wieder erstarren ließen. Da sein. Zwei weitere Herzschläge vergingen und als Averic dann den Kopf ganz automatisch herumdrehte, rannte seine ehemalige Gefährtin schon davon.
Da sein. Averic biss die Fänge fester aufeinander und wandte sich um, trat mit raumgreifenden Schritten auf das feste Eis des gefrorenen Sees. Ohne nach den Gedanken zu greifen, die an ihm vorbei rauschten, dass er immer, immer und auch nur er immer da gewesen waren, dass er nie etwas anderes hatte tun wollen, als da zu sein, schritt er weiter, bis er den Eisrand fast erreicht hatte. Wie sollte er noch mehr da sein, als er es eh immer gewesen war? Und wie wollte er überhaupt noch da sein, wenn ihn nicht mehr mehr, als diese Leere erwartete? Sein ganzes Leben hatte aus diesem einen Ziel bestanden. Da zu sein, für die, die er so sehr liebte. Damit niemand mehr unter einem Acollon leiden konnte. Averic blieb stehen und ließ den Blick schweifen. Das Rudel lag nur noch als kleine Punkte in der Ferne, aber er wollte jetzt bei keinem von ihnen sein. Denn noch war er schwach und so konnte er niemandem gegenüber treten. Aber hier war er im Zentrum der Eiseskälte, wo ihn niemand sah. Und für einen kurzen Moment ließen sich die Gefühle in seiner Brust nicht mehr zurückdrängen, nicht mehr unter Kontrolle bringen und brachen hervor, jagten als brennend heißer Schmerz durch seinen Körper und ließen ihn ganz leicht einsacken.
Für einen Moment stand er nicht mehr so aufrecht und stolz, wie seine Haltung sonst immer war, sondern der Kopf hing tief zwischen seinen Schultern, die Ohren waren leblos nach vorne gekippt und die Augen leer auf sein graues Spiegelbild gerichtet.
„Ich war immer da.“
Aber es war der eine, verpasste Moment, für den man ihn hängte.
[ Auf dem See | allein ]
(( Damit bin ich nun auch erst mal weg. =) ))
17.05.2011, 19:11
Lyerra beobachtete die Reaktion der Fähe, musste ein wenig lachen. Majibáhs Lächeln tat gut. Sie wusste dass sie nicht alleine war, hatte jemanden zum Reden, zum Lachen gefunden. Die Stimme der anderen war freundlich, leicht fragend. Sie kam ein wenig näher, überbrückte die seltsame Distanz zwischen ihnen so leicht, als würden sie sich schon lange kennen. Ein freudiges und sanftes Lächeln verzog die Lefzen der Grünäugigen.
„Nur ein Tipp..? Mein Name beginnt mit ‚L‘ und endet mit ‚a‘ „
Sie lachte freundlich, ihre Augen leuchteten. Das Lachen klang in ihren eigenen Ohren befreit, glücklich. Als sie Schritte im Schnee hörte stellten sich ihre Ohren auf. Die Stimmen die anschließend erklangen hörten sich an wie die von Tyraleen und.. Volk Zubami! Konzentriert starrte Lyerra in die Richtung aus der die Geräusche kamen.
„Majibáh, weißt du ob Volk Zubami hier ist..?“
Sie benutzte den Namen, da die Fähe nicht gesagt hatte dass sie nicht so hieß, dann war der Name also richtig?! Ihre Ohren bewegten sich leicht, ihre Augen leuchteten.
Sie hatte ihren Freund länger nicht mehr gesehen, er fehlte ihr. Kurz huschte ihr Blick über den Rudelplatz, tatsächlich sah sie mehrere Wölfe in der Nähe. Zwei Weiße, eine davon Tyraleen, welche sich abwandte und ging, die andere schien unbekannt zu sein und der schwarze … Ja, das musste Volk sein. Ihr Herz schlug schneller. Wie lange hatte sie ihn nicht mehr gesehen..? Lyerra wusste es nicht, aber es tat gut zu sehen dass er hier war, nicht gegangen war. Sie strahlte, blickte nun wieder zu Majibáh.
„Du kennst Volk doch.. ?!“
Sie lächelte sanft. Bis jetzt hatten sie selbst und die andere Fähe nie viel miteinander geredet, vielleicht zwischendurch kurz, vermutlich wusste sie auch daher ihren Namen, trotzdem viel es Lyerra nicht schwer mit ihr zu reden. Die andere war offen, lächelte so lieb, wie könnte es da schwer fallen mit ihr zu sprechen?
Abermals blickte Lyerra zu den anderen Wölfen, regte sich allerdings nicht, denn sie konnte Majibáh ja nicht einfach stehen lassen. Vielleicht kannte die Fähe die fremde Weiße? Sie könnten dort doch zusammen hingehen, oder nicht? Volk hallo sagen, die andere kennen lernen, etwas Schönes zusammen machen. Die Zeit verging momentan so langsam, der Schnee verbesserte das nicht gerade. Es tat so gut mit jemandem zu reden, nicht alleine zu sein. Ihr warmer Atem verwandelte sich vor ihrer Schnauze in hellen, durchscheinenden Rauch, der nach oben stieg und verschwand. Einige Sekunden lang schaute sie ihrem Atem nach, dann blickte sie wieder zu der Fähe, musterte das Gesicht der anderen, lächelte immer noch freundlich.
[bei Majibáh , sieht Volk und Chilali l am Rudelplatz]
18.05.2011, 12:24
Die junge, mausgraue Wölfin fühlte sich noch immer elend. Einerseits rührte das von ihrer Umgebung her; es war immer noch kalt und keiner wusste, warum. Ihr ging es schlecht, sie fühlte sich schwach und zerbrechlich. Es schien, als säße ihr ein Zweig in der Kehle, den sie weder schlucken noch herauswürgen konnte. Es stach unangenehm in ihrer Magengegend. Die Geschehnisse um sie herum verwirrten sie; verstört war sie von Chardím und Jakash getrennt worden, als Tyraleen, die Leitwölfin, eine Versammlung einberufen hatte. Danach hatte sie Chardím und seinen Patenonkel zwar noch gesehen, aber sie war ihnen nicht gefolgt. Die beiden waren bis jetzt ihr einziger Bezug zum Rudel, aber sie waren vertraut und Neytíri wollte sich ihnen nicht länger aufdrängen. Jakash hatte etwas für Chardím getan, etwas, dass sein Leben veränderte und kosten konnte, soviel hatte die Graue mitbekommen. Wieder einmal wurde ihr bewusst, wie einsam sie doch nach so langer Zeit noch immer hier war, und sie nahm sich vor, mehr Wölfe kennenzulernen und sich ihnen zu öffnen; nicht mehr so schüchtern zu sein.
Ihre Gedanken schweiften zu der Versammlung. Sie hatte sich nicht ermächtigt, etwas zu den Vorkommnissen zu sagen, sie fühlte sich nicht berechtigt dazu. Insgeheim jedoch hatte sie ihre Gedanken zum Tod des jungen Wolfes namens Tascurio, der von seiner Mutter getötet worden war; um ihren Gefährten zu retten, so hieß es. Neytíri glaubte Tyraleen, sie hätte keinen Grund gehabt es nicht zu tun. Als sie das Leid in den Augen der Weißen gesehen hatte; den Schmerz den sie über den Verlust ihres Sohnes empfand, da wusste sie, dass es die Wahrheit war. Und es versetzte ihr Stiche des Mitgefühls zu sehen, wie sich das Rudel offensichtlich gegen die weiße Leitwölfin stellte, sie verurteilte und mit harten Worten deutlich machte, dass sie sie nicht länger akzeptierten. Die jüngeren Wölfe waren teilweise voller Angst vor ihr zurückgewichen. Neytíri mochte sch nicht ausmalen, was es für Tyraleen bedeuteten mochte, als Bestie dazustehen, die ihren Sohn getötet hatte. Vor allem aber die Nachricht, dass ihr Gefährte sie daraufhin verlassen hatte, bereitete der Grauen ein dumpfes Gefühl von Hoffnungslosigkeit. Tyraleen hatte ein Opfer erbracht, dessen Größe und Tragweite wohl niemand wirklich begreifen konnte, der nicht das ihre Mutterherz besaß; und er hatte sie dafür verurteilt. Neytíri maß sich nicht an, all diese Positionen und Beiehungen zu beurteilen oder gar zu verurteilen; dennoch verspürte sie den Wunsch, der Weißen zu helfen - tief in ihrem Inneren regte sich bei dieser Geschichte etwas, und sie wollte es teilen.
Und da war Tyraleen. Sie legte sich unter einen Baum, nicht weit von ihr, und rollte sich zusammen. Sie sah erschöpft aus, zerbrechlich; so wie sie selbst sich fühlte. Neytíri verstand nicht genug von der Ordnung der Götter um sagen zu können, was diese innere Kälte in den Wölfen hervorrief. Aber es schien die Engayawölfe zu betreffen, denn Jakash und Chardím ging es verhältnismäßig gut.
Die graue Jungwölfin erhob sich langsam, ihre spindeldürren Läufe zitterten kaum merklich während sie auf die Weiße zuschritt. Erneut musste Neytíri feststellen, dass eine unbekannte Schwäche sie übermannte, sobald sie sich auch nur ein klein wenig anstrengte. Kurz hielt sie inne, um Luft zu holen. Darüber nachzudeken, was sie tat und warum. Darüber nachzudenken, ob Tyraleen nicht vielleicht lieber, nach all dem, allein sein wollte. Aber sie beschloss, es zu versuchen. Es stand der Alpha schließlich frei, sie fortzuschicken; Neytíri hätte es ihr nicht zum Vorwurf gemacht. Mit einem leisen Ächzen ließ sie sich einige wenige Schritte neben der weißen Fähe auf den kalten Grund sinken, sie erschauderte bei der Berührung leicht. Eine Weile betrachtete sie die Fähe; plötzlich fühlte sie sich auf Augenhöhe mit ihr, wie Tyraleen so dalag und von Kummer geplagt von der starken Alpha zu einer ganz normalen Wölfin mit Sorgen wurde.
"Ich werde dich wieder allein lassen, wenn du es wünschst. Ich würde dir aber lieber Gesellschaft leisten in diesen dunklen Stunden."
Sie wollte nicht gleich mit dem beginnen, was sie zu sagen hatte; über ihre Herkunft und ihre Eltern, über ihren Weg zum Tal der Sternenwinde. Sie empfand es als wichtig, zu wissen, dass sie Tyraleen nicht noch mehr Leid zufügte indem sie sie mit Worten quälte. Ihre Stimme verriet durch ihre samtene Sanftheit und Vorsicht genau, dass sie Tyraleen für diese 'dunklen Stunden' keineswegs verantwortlich machte oder sie für den Vorfall mit Tascurio verurteilte. Es lag nicht ein Hauch von Vorwurf oder gar Feindseligkeit darin. Ihre silbrigen Augen, in die sich seit einiger Zeit ein grünlicher Hauch mischte, blickten ruhig und brunnentief zu der Weißen hinüber.
[ erst allein | fühlt sich einsam | dann bei Tyraleen | bietet ihre Gesellschaft an ]
19.05.2011, 12:21
Versteckt hinter ihrem eigenen Körper und geborgen im Alleinsein konnte Tyraleen endlich freier atmen. Die Dunkelheit ihrer geschlossenen Lider wirkte seltsamerweise tröstend und erstmals ließ sie ihren Gedanken zögernd freien Lauf. Sofort begannen sie zu galoppieren, rasten zu Averic und umkreisten ihn, als wäre er ein wehrhaftes Beutetier. Ob er wirklich verstanden hatte, worum es ihr ging? Und konnte er Verständnis dafür aufbringen? Viel an ihm war ihr fremd geworden, doch manche Gedanken hinter seinen blauen Augen konnte sie noch immer lesen, als hätte er sie ausgesprochen. Er gab ihr weitaus mehr Schuld, als sich selbst, auch wenn er es nicht gesagt hatte. Sie waren sich wunderbar einig im Teilen der Schuld gewesen, doch in Gedanken luden sie dem anderen weit mehr Schuld auf, als sich selbst. Ob auf dieser Basis - und ohne sie sich einzugestehen - wirklich wieder Vertrauen wachsen konnte? Ihr Körper erzitterte unter der Erkenntnis, dass sie sich noch viel ferner waren, als ohnehin schon zugegeben. Auch erschreckte sie es mehr, als erwartet, dass Averic so gleichgültig über den Tod Tascurios empfand. All seine Empfindungen schienen aus ihrer Tat – dem Mord – zu entspringen, doch diese hätte sie wohl auch an jedem anderen, nahestehenden Wolf begehen können. Natürlich hatten sie alle immer wenig Kontakt mit Tascurio gehabt und wenn Tyraleen ehrlich war, so hätte sie von allen ihren Welpen Tascurio am ehesten entbehren können, doch gerade das schmerzte sie nun so sehr. Dass er so lange in zwar von ihm beabsichtigter, dennoch kaum schöner Einsamkeit gelebt hatte um dann zu sterben. Das war nicht fair. Sie machte sich Vorwürfe, früher nie mehr Kontakt zu ihm gesucht zu haben und wurde nicht müde, sich mit dem Gedanken zu martern, dass er für sie entbehrlich gewesen war. Averic dagegen schien mit derlei Gedanken keine Probleme zu haben … vielleicht war er der Sohn des Todes, doch er war doch auch gleichzeitig Vater. Zudem ein Vater, der ewige Treue geschworen hatte, der niemals wie sein Großvater werden wollte. Doch war seine Gefühlskälte gegenüber Tascurio nicht mit der Acollons gegenüber manchen seiner Welpen vergleichbar? Sie wusste, dass sie diese Gedanken Averic niemals mitteilen durfte, selbst im Zorn würde sie sich zügeln müssen, aber sie blieben in ihr zurück und zerstörten nur noch mehr. Und machten sie traurig, so traurig. Bleiern lastete diese Traurigkeit auf ihr und lähmte sie, dabei hätte sie schon längst die Augen öffnen, sich aufrichten und ihren wachen Blick über den Rudelplatz gleiten lassen müssen.
Eine Stimme, kaum einen Wimpernschlag entfernt ließ sie aufschrecken. Ihr Kopf schnellte nach oben und schon hatten sich ihre Lider geöffnet. Nur einen Schritt neben ihr lag Neytíri, die Jungwölfin, mit der sie bisher kaum etwas zu tun gehabt hatte, und sah sie an. Tyraleen hatte sie nicht bemerkt, dabei war sie noch nicht dagewesen, als sich die Weiße hier zusammengerollt hatte. War sie so in ihren Gedanken gefangen gewesen? Sie durfte sich nicht so gehen lassen. Ihr erschrockener, doch von Müdigkeit und Trauer durchzogener Gesichtsausdruck wandelte sich in eine neutrale Miene, freundlich aber ausdruckslos. Nur langsam dämmerte ihr, was Neytíri soeben gesagt hatte – die Jungwölfin wollte ihr in diesen dunklen Stunden Gesellschaft leisten. Tyraleen wusste nichts über die Graue und konnte nun nicht einschätzen, was sie von diesem Angebot halten sollte. Offensichtlich hatte sie ein Rudelmitglied vor sich, das sie nicht verurteilte und dafür war sie dankbar, doch was Neytíri dazu bewegte, sie nun aufzusuchen, konnte sie sich auch nicht vorstellen. Einzig die Freundlichkeit des Angebots und die Sanftheit in der Stimme der Jungwölfin ließ Tyraleen Neytíri nicht fortschicken. Vielleicht war es auch gut, nun nicht alleine zu sein, denn ihre Gedanken würden sie doch nur quälen. So legte sich ein leichtes Lächeln auf die Lefzen der Weißen, die sich nicht dazu imstande fühlte, die Trauer ganz aus ihrem Gesicht zu verbannen.
“Das ist ein sehr freundliches Angebot, das ich gerne annehme. Viele Mitglieder dieses Rudels kenne ich zu wenig und ich freue mich, wenn das bei dir nicht länger der Fall sein wird.“
Vielleicht erschien der Zeitpunkt zum Kennenlernen mehr als unpassend, doch Tyraleen war auch deshalb Leitwölfin, weil sie in manchen Momente schlicht funktionierte und ihre eigenen Gefühle zurückdrängen konnte. Sie freute sich tatsächlich, Neytíri nun näher kennenlernen zu dürfen, doch wäre sie nur ein einfaches Rudelmitglied, hätte sie die Graue gebeten, sie alleine zu lassen. Denn ein Rest von Angst blieb zurück, dass sie ihre Traurigkeit nicht genügend bändigen konnte.
[ Waldrand | Neytíri ]
19.05.2011, 13:29
Der Rotpelz schien Vertrauen zu fassen, immerhin wagte er sich nun zur Gänze aus seinem Versteck hervor. Viel näher kam er den Wölfen dadurch nicht, Naivität gehörte demnach eindeutig nicht zu seinen ausgeprägtesten Charaktereigenschaften. Eher schon ein Hang zur Überheblichkeit, aber Aszrem war bereit, darüber hinweg zu sehen, solange dieser Fuchs nicht all zu dreist wurde. Immerhin verfügte er offenbar über Informationen, die für das Überleben des Rudels von imenser Bedeutung sein mochte. Aszrems Ohren, obgleich ohnehin schon aufmerksam aufgerichtet, spitzten sich noch etwas mehr, wenn das denn überhaupt möglich war. Von seiner Überraschung hatte er sich inzwischen wieder erholt, und auch wenn die Erwähnung des Vargs nicht weniger unerwartet kam, so regte sich seine Mimik diesmal jedoch nicht sonderlich. In Gedanken ging er die Entdeckung des Varges noch einmal durch, aber er konnte sich nicht im geringsten erinnern, in irgendeiner Weise einen Fuchs wahrgenommen zu haben. Und selbst wenn, hätte es ihn in der Situation ohnehin nicht gekümmert. Wer kam schon auf die Idee, einen Rotpelz nach seinen Beobachtungen zu fragen, Varg hin oder her? Oder irgendein anderes Tier?
Ronron plapperte derweil munter weiter, und Aszrem mühte sich, sich seine langsam aber sicher wachsende Ungeduld nicht anmerken zu lassen. Bei den Göttern, ihn interessierte wahrlich nicht, was Ronrons Gefährtin oder Freundin beinahe getan hätte oder auch nicht! Aber es konnte nur unklug sein harsch Forderungen zu stellen, immerhin war er hier nicht in der Position, Befehle zu erteilen. Dieser Fuchs hatte etwas, dass er, Aszrem, wollte, und so würde er dieses ungleiche Spielchen mitspielen müssen, bis er es bekam. Apropos ungleich: Der Schwarzbraune stellte fest, dass es leichter war, von Ronron als kleinen Wolf denn als Fuchs zu denken - so musste er nicht überlegen, wie er sich einem Nicht-Wolf gegenüber verhalten sollte, sondern konnte sich gänzlich auf die Situation selbst konzentrieren.
Kurz warf er Hilel einen Blick zu, während der Fuchs noch munter weiter redete. Was die Schwarze von dieser seltsamen Situation wohl hielt?
"Fahr bitte fort, Ronron. Was weißt du über Varge, oder übe diesen speziellen Varg? Weißt du, woher er kam oder was genau er hier wollte?"
Und hoffentlich war das alles nicht nur ein schlechter, selbstmörderischer Scherz des Rotpelzes...
[nördlicher Wald | Hilel, Ronron]
(Tyra, Hilel möchte jetzt wieder posten ^.~)
19.05.2011, 14:08
Das Schmunzeln seines Patensohnes, wenn auch schwach und flüchtig, sagten ihm mehr als die anschließenden Worte Chardíms. Und, wie er zugeben musste, erleichterte ihn auch mehr. Der Schwarzweiße mochte schwach sein und jetzt, da er versuchte Jakashs neue Gesinnung auszugleichen oder so ähnlich, war auch so schnell keine Besserung in Sicht - aber solange Chardím Lächeln konnte, brauchte er sich keine allzu großen Sorgen machen. Jakash erwiderte das Lächeln, ohne noch etwas dazu zu sagen. Derzeit war er Chardím gegenüber etwas vorsichtig mit Worten, um die Beziehung zwischen ihnen nicht noch weiter auf die Probe zu stellen. Sie verstanden einander auch ohne Worte ganz gut, selbst jetzt noch - oder gerade jetzt.
Sein Blick glitt zurück zu Madoc. Der Weiße drückte sich etwas förmlicher aus, fast schon geziert. So hatte Jakash ihn gar nicht in Erinnerung, aber das lag auch schon ziemlich lange zurück und in der Zwischenzeit hatte Madoc das Rudel sogar verlassen gehabt. Nun, jetzt war er hier und Jakash sah keinen Grund Madoc wie einen Fremden zu behandeln, nur weil sie eine Weile nichts mehr miteinander zu tun gehabt hatten.
"Habe mich lange nicht mehr so fit gefühlt, muss ich sagen, auch wenn es in letzter Zeit auch für mich etwas sehr... chaotisch war",
erwiderte er grinsend und vermied dabei ganz bewusst jegliches Detail. Er hatte nicht vor, gewisse Dinge herum zu erzählen. Nicht einmal auf Nachfrage.
Schon wollte er das Gespräch auf ein anderes Thema lenken, als er Takashi erblickte. Der Gamma steuerte auf ihre Dreiergruppe zu, und bei dem verbissenen Gesichtsausdruck, den er auf gesetzt hatte, spannte sich in Jakash unwillkürlich alles an. Sein grüßendes Nicken fiel knapper aus, als gebührlich gewesen wäre. Aber schon wenige Augenblicke später entlud sich seine innere Spannung erst im überraschten Aufklappen seines Fangs und anschließend in einem Auflachen. Chardíms Entgegnung auf die Worte Takashis entgingen ihm beinahe.
"Welcher Engayawolf hat dich denn gebissen, Takashi?!",
lachte er uns warf Madoc einen amüsiert grinsenden Blick zu. So einen Satz hätte er eher von seinem Patensohn erwartet - im Grunde hatten sie sich bereits darüber unterhalten. Aber Chardím war auch jemand besonderes, einer, der zwischen den Göttern stand und ein größeres Gespür für das Gleichgewicht hatte als Jakash jemals zuvor. Aus Takashis Fang, der ein Fenriswolf war, solange Jakash ihn kannte, klangen diese Worte so lächerlich wie die Idee, Averic zu einem Engayawolf bekehren zu wollen.
[Bachmündung | Takashi, Madoc, Chardím]
19.05.2011, 15:50
Geduldig wartete die Graue auf eine Antwort der Weißen, registrierte den erschrockenen Gesichtsausdruck, der gleich darauf zu gezwungen freundlicher Neutralität wechselte. Es versetze Neytíri einen Stich, dass Tyraleen glaubte, sich vor ihr verstecken zu müssen, aber auf der anderen Seite verstand sie das gut. Die Leitwölfe mussten wohl Stärke beweisen, auch in den Momenten, in denen sie selbst am schwächsten waren. Schließlich trugen sie die Verantwortung für ein ganzes Rudel und für dessen Befinden. Dennoch, es quälte die einfühlsame Jungwölfin, die Weiße dabei zu beobachten, wie sie um Fassung rang und mühselig die Trauer aus ihren Zügen wischte. Umso mehr freute sie sich darüber, dass ihr Angebot, Gesellschaft zu leisten, angenommen wurde und so entspannte sich der Körper der Grauen merklich, während ein ehrliches Lächeln sich auf ihre Züge legte.
"Danke. Ich weiß nicht, ob du schon von mir gehört hast, ich bin Neytíri und schon bei euch, seit ich ein paar Wochen alt war. Bisher jedoch... halten sich meine sozialen Kontakte hier sehr in Grenzen."
Nun mischte sich eine leicht schmerzliche Note unter ihr Lächeln, aber sie vertrieb den Wehmut darüber, dass sie noch immer sehr allein war, schnell wieder aus ihren Zügen. Nun, da sie hier neben Tyraleen lag und so viel sagen wollte, wusste sie nicht recht, wie sie beginnen sollte. Sie wollte die Weiße nicht verletzen, indem sie die ohnehin frischen Wunden traktierte, selbst, wenn sie es nur gut meinte. Also beschloss sie, zunächst mit ihr selbst anzufangen und die beiden Geschichten später behutsam miteinander zu verknüpfen. In ihren verschwommenen Erinnerungen suchte sie nach den richtigen Worten, um ihre Herkunft zu erklären, jedoch ohne so zu wirken als ob sie Mitleid erregen wollte, denn das war das Letzte, was sie sich von der Unterredung mit der Alpha wünschte.
"Eigentlich... bin ich hier, um dir etwas zu erzählen. Davon, wo ich herkomme und wie ich hergekommen bin. Ich glaube fest an Engaya, obwohl das eigentlich wohl das Letzte ist, was ich tun sollte, nachdem, was ich bereits in frühester Welpenzeit gelernt habe."
Neytíri machte eine Pause und beschloss, erst einmal abzuwarten, ob überhaupt Interesse an ihrer Wenigkeit bestand. Sie hoffte darauf, Tyraleen ein wenig ablenken zu können mit einem Schicksal, das nicht sie selbst betraf und von dem sie sich also leicht lösen konnte, eobald die Geschichte vorrüber war. Etwas, dass sie nicht weiter belasten würde und sie ein wenig Vergessen machen würde, was geschehen war, und wenn auch nur für einen Moment.
"Ich glaube, dass das, was ich erlebt habe, und dass, was hier gerade geschieht, irgendwie, auf eine abstruse Art und Weise, Ähnlichkeit hat; vielleicht findest du etwas darin, was dir hilft."
[ Waldrand | bei Tyraleen ]
20.05.2011, 12:19
Sie sprang wie erwartet auf seine letzte Aussage an und versuchte jetzt ihn zu necken, aber wenigstens folgte sie ihm. Leider sagte sie dann ,dass selbst sie nicht wusste wo Inuky ist, was seine Freude über dieses Wiedersehen etwas dämpfte. Volk versuchte die Fragen seiner kleinen Schwester zu beantworten.
„Also nun bleib mal ganz ruhig ich erzähl dir ja schon alles. Hier gelandet bin ich durch einen Sturm, in diesem hab ich nämlich Wölfe getroffen, diese haben mich zum Rudel geführt. Eine paar Tage später wurde ich von einem Wolf namens Aszrem offiziell in das Rudel aufgenommen, dieser ist momentan auch ein Alpha-Rüde. Die Alpha-Fähe heißt Tyraleen, oh und da kommt sie auch schon.“
Wie auf Bestellung kam sie angerannt. Tyraleen begrüßte die Schwester des Schwarzen und das Gespräch zwischen den dreien verlief unproblematisch. Als sie dann zu den Regeln kam, zu denen ja auch der momentane Aufenthalt auf dem Rudelplatz gehört, blickte sie Volk etwas streng an. Ja, jetzt wusste der Rüde das er den Rudelplatz doch verlassen hatte. Sein Kopf sank nieder als Entschuldigungsgeste. Tyraleen begleitete die Geschwister noch mit bis zum Rudelplatz und entfernte sich, dort angekommen, auch schnell wieder von den Beiden. Volk lehnte sich an seine Schwester, als könne er ihre Gedanken lesen.
„Mach dir um Inuky keine Sorgen, er ist stark, nicht nur Körperlich, sondern auch im Geist. Ich weiß was in dir vorgeht, aber glaub mir, du bist nicht schuld. Ich hätte besser auf euch aufpassen müssen, mir müsste es Leid tun, denn ich hab euch dies alles angetan. Aber du bist unschuldig glaub mir. Ich habe leider noch keinen Rang, diesen muss ich mir noch verdienen, aber egal was passiert, du kannst immer zu mir kommen, einverstanden? Jetzt gehen wir erst einmal zu meiner Gesprächspartnerin zurück, Majibáh wird sich sicherlich schon wundern wohin ich verschwunden bin.“
Er konnte sie schon sehen, doch daneben stand nun noch jemand anders und tatsächlich, es war Lyerra. Der Rüde bekam ein breites Lächeln auf die Lefzen und stolzierte auf die beiden Fähen zu. Zuerst begrüßte er Lyerra, dann entschuldigte er sich bei Majibáh und stellte seine Schwester vor.
„Hallo Lyerra wie geht es dir, ich hoffe gut, hab dich schon vermisst. Bei den ganzen Wölfen kann man den Überblick verlieren, da hab ich dich leider nicht mehr gesehen. Und Majibáh, es tut mir leid, das ich dich allein gelassen habe, aber ich kann euch den Grund zeigen.“
Volk Zubami trat beiseite und deutete auf die weiße Fähe hinter ihm.
„Dies ist meine Schwester Chilali, ich hatte sie bei der Ankunft im Tal verloren. Nun hab ich sie wieder. Tyraleen hatte nichts gegen ihren Beitritt zum Rudel. Ich denke ihr werdet sie mögen.“
Volk kuschelte sich in das Fell seiner Schwester und stupste sie sanft mit der Nase zu den beiden. Chilali sollte wissen das es in Ordnung sei, der große Bruder wollte sie dazu überwinden auch etwas zu sagen. Der Rüde ging ein paar Schritte näher zu Lyerra und legte sich zwischen Ihr und seiner Schwester in den Schnee.
[Rudelplatz | Majibáh, Chilali, Lyerra]
(Die Reihenfolge so für euch in Ordnung?)
20.05.2011, 17:03
Während Volk ihr erzählte, wie es dazu gekommen war, dass er bei diesem fremden Rudel landete lauschte sie aufmerksam.
Wie auf Stichwort erschien seine Alphawölfin. Erst befürchtete Chila schon fast, dass diese sie wegschicken würde, aber Tyraleen stellte sich als richtig nett und verständnissvoll heraus. Nickend nahm sie die neuen Regeln zur Kenntniss und sagte nicht viel dazu.
Etwas stach es sie schon, dass sie befehle von einer Fremden annahm, aber die konnte sie noch verkraften.
Volk beruhigte sie und nahm ihr die Schuldgefühle was Inuky betraf. Ihr Bruder hatte recht, Inuky war stark und s ging ihm sicher gut, auch hatte sie nicht vor sich durch sein Fehlen die wiedersehensfreude kaputtmachen zu lassen...sie könnte später noch lange über den Verschollenen nachdenken.
Dann folgte sie Volk zu zwei Fähen, und überhaupt tummelten sich auf dem Rudelplatz viele Wölfe, aber diese Fähen kannte er wohl besser.
"Hallo, freut mich euch kennenzulernen."
,sprach sie mit einem freundlichem und offenen Lächeln nachdem ihr Bruder sie vorgestellt hatte.
Die Namen der beiden hatte sie sich gleich eingeprägt.
Sie beobachtete wie Volk sich in den Schnee kuschelte und musste grinsen. Wenn er so entspannt war musste er die anderen beiden wirklich sehr mögen.
Beide Fähen waren weiß, aber hatten unterschiedliche Augenfarben: die eine hatte Augen von einem strahlenden Dunkelblau und die andere Grüne Augen.
Wieder etwas selbstbewusster ob der Tatsache, dass sie die Erlaubnis hatte zu bleiben und zu sein wo sie grad war setzte sie sich hin und folgte Volks beispiel und entspannte sich, während sie auf Antwort wartete.
[Rudelplatz, Volk Zubami, Majibáh und Lyerra]
20.05.2011, 18:07
Die Mischung aus Neugierde und Verwunderung, die sich im Blick der kleinen Liel spiegelte entging, dem Rüden nicht, dennoch war er insgeheim froh darüber, dass sich die Jungfähe schließlich dazu entschied ihm keine weiteren persönlichen Fragen zu stellen. Vielleicht würde sie im Laufe ihres Lebens erfahren müssen, was er mit seinen Worten gemeint hatte, vielleicht meinte das Schicksal es jedoch auch gut mit ihr und würde es ihr ersparen, am eigenen Leib erfahren zu müssen wie es war, wenn man sich von der Welt verlassen und von seinen Göttern verraten fühlte. Er wünsche es ihr nicht. Shani schien ähnlich verwirrt von seiner Aussage, doch vermutlich hatte sie bereits Erfahrungen gemacht, die ihr beweisen hatte, das ein Leben scheinbar gegen die Gesetze der Natur existieren konnte.
„Ja, sie ist leer, weil man sie meist nur dann trifft, wenn an nichts mehr zu verlieren hat. Ihr habt recht, es ist eine Lebensweise die Wölfen nicht guttut, sie macht nicht glücklich oder zufrieden, sie sorgt nur dafür, dass sich nicht mehr ändert.“
Freundlich erwiderte der Silberne Shanis zögerliches Lächeln. Er hatte ihre guten Absichten erkannt, doch er hoffte sie würde verstehen, dass ihm nicht nach tieferem Eingehen auf die Themen seines Leben zumute war. Schon gar nicht vor den beiden fast völlig fremden Fähen. Kurz erwiderte er dennoch das Lächeln der Fähe und hoffte, dass sie erkennen würde, dass die Botschaft angekommen war, er jedoch noch nicht bereit war näher darauf einzugehen. Aber letztlich war diese Einsicht der Grund weshalb er hier war, es war die Erkenntnis gewesen die ihn letztendlich dazu bewogen hatte, sein Leben in der trostlosen Einsamkeit aufzugeben und sich einem Rudel anzuschließen, selbst wenn es weh getan hatte und es auch immer noch tat, so sehr der Silberne auch versuchte es zu leugnen. Fast erleichtert stellte Jarrèll fest, dass die Fähe seinen Gedanken zu erraten schien und sich wieder dem ursprünglichen Thema zuwandte. Nicht ohne ihn jedoch zuvor darum zu bitten sie zu duzen. Dieser Wunsch war ihm nicht unrecht, er konnte nicht allzu viel mit den Höflichkeitsformen anfangen, auch wenn er sich angeeignet hatte sie Fremden gegenüber anzuwenden, wann immer ihm solche begegneten und sie so lange beizubehalten, bis er entweder aufgefordert wurde sie abzulegen oder selbst keinen Grund mehr sah sie anzuwenden. Ein fast jungwölfisches Grinsen schlich sich auf sein Gesicht als er Shani antwortete.
„Dann habe ich ja allen Grund mich glücklich zu schätzen.“
Bereits bei seinen nächsten Sätzen wurde sein Gesicht wieder jedoch wieder ernst und so fuhr er fort:
„Es mag sein, dass diese Orte auf den ersten Blick fremdartig erscheinen, doch ebendiese scheinbar seltsamen Dinge machen diese Tal zu etwas Besonderem.“
Ein kurzes Lächeln begleitete seine Worte. Von Anfang an hatte er das Gefühl gehabt, dieses Tal sei besonders, es war der Antrieb dafür gewesen ausgerechnet hier um Aufnahme im Rudel zu bitten, fast etwas schuldbewusst stellte er nun fest, wie wenig Kontakt er bisher zum Rudel gehabt hatte. Er hatte all die Ereignisse, von der die Fähe berichtete, mehr am Rande mitbekommen, aber vielleicht machte das seine Besonderheit aus, auf diese Weise war er dazu fähig gewesen sich eine objektive und neutrale Meinung zu eigen zu machen. Er hatte Tyraleen nicht für Tascurios Tod verurteilt, er selbst hatte doch mit einem einfachen Fehler alle seinen Geliebten umgebracht, doch er konnte sich auch nicht verstehen, für ihn war es unfassbar, dass sie ihnen eigenen Sohn getötet hatte, aber nicht unverzeihlich. Es wäre anmaßend gewesen hätte ausgerechnet er sich die Dreistigkeit herausgenommen ein Urteil über die, mittlerweile zur Leitfähe gewordenen, Weißen zu fällen. Und der Varg und dessen Verwandlung, dazu wusste der Silberrüde nicht viel dazu zu sagen, in diesem Tal gingen viele Dinge vor die auf den ersten Blick nicht verständlich schienen, doch er hatte auf seiner weiten Reise schon so einige seltsame Kreaturen gesehen, so wusste er doch, dass die Natur sehr erfinderisch sein konnte was die geschaffenen Lebewesen und deren Fähigkeiten anging.
„Manchmal geschehen seltsame Dinge, die uns beunruhigen, doch mir scheint als gäbe es in diesem Tal nur wenig, was nicht auf irgendeine Weise einen Sinn erfüllt. Ich mag nicht an eure Götter glauben, doch das Wenigste das uns im Leben wiederfährt ist vollkommen bedeutungslos.“
Ein wenig überraschten die eigenen Worten den Grauen. Er hatte damals seinen Göttern abgeschworen, nachdem er nicht hatte glauben können, dass sie ihre angeblich geliebten Geschöpfe hatten sterben lassen und ihm für ein Leben lang mit der Bürde gestraft hatten, doch auch wenn er sich nicht zu Engaya und Fenris bekannte, so war ihm doch nicht jede Form des Glaubens fremd.
[list][ Rudelplatz | Liel & Shani Caiyé ][/list]
20.05.2011, 18:56
Beinahe rührte es Tyraleen, wie freundlich, einfühlsam und sanft Neytíri auf ihre Gesten und Worte reagierte. Sie hatte nicht den Eindruck eine Jungwölfin vor sich zu haben, dabei hätte die Graue genauso gut eine der Töchter der Leitwölfin sein können. Vielleicht wirkte sie reifer, eben weil sie keiner der Welpen der Sternenwinde war, sondern – ihren Worten nach – als Welpe hier her gekommen war. Das bedeutete, dass sie schon als kleine Wölfin viel Leid erlebt hatte, denn ein Welpe ohne seine Familie bedeutete stets Hunger, Angst, Einsamkeit und eine Katastrophe, die ihn von seinen Eltern getrennt hatte. Tyraleen hatte nicht gewusst, dass Neytíri schon so lange im Tal der Sternenwinde lebte, konnte jedoch auch nicht sagen, was sie erwartet hätte. Die Graue war zurückhaltend und bis eben noch scheinbar kontaktscheu – außerdem waren einzelne Wölfe seit der Katastrophe kaum noch in Tyraleens Bewusstsein getreten. Sie hatte keine Gedanken für unbekannte Rudelmitglieder übrig gehabt. Jetzt tat es ihr fast leid, dass sie sich nie mehr mit der grauen Jungwölfin beschäftigt hatte, immerhin war sie im Alter ihrer Welpen gewesen.
“Natürlich kenne ich dich, Neytíri. Aber ehrlich gesagt wusste ich nicht, dass du schon so lange bei uns bist. Wer hat sich um dich gekümmert, als du noch ein Welpe warst?“
Die Weiße betrachtete ihr Gegenüber mittlerweile ein wenig aufmerksamer, nahm die viel zu dünnen Läufe und die knochigen Schultern wahr und fragte sich, ob die Jungwölfin nicht trotz allem noch immer jemanden brauchte, der sich um sie kümmerte. Offensichtlich fraß sie zu wenig und der Wehmut, der kurz durch ihren Blick gehuscht war, sprach von Einsamkeit. Beinahe erinnerte die Graue sie nun an sich selbst, an die kleine Tyraleen, die ebenso einsam im Schnee gelegen war mit einer Mutter, die nie Zeit für sie gehabt hatte und einem Vater, der zu selten da gewesen war, um ihre Einsamkeit zu verscheuchen. Nun lag auch im Blick der Leitwölfin Wehmut. Doch kaum begann Neytíri wieder zu sprechen, verscheuchte leichtes Erstaunen jede andere Emotion, selbst die Traurigkeit rückte in den Hintergrund. Neytíri wollte ihr etwas erzählen, etwas, das offensichtlich so wichtig oder interessant genug war, um in diesem Moment zu ihr zu kommen. Die Einleitung ließ eine Geschichte mit den Göttern erahnen und brachte die Frage auf, was der Grauen zugestoßen sein musste, dass sie Engaya eigentlich verachten müsste. Nach einer kurzen Pause fuhr Neytíri dann noch ein wenig neugierigmachender fort – ein Zusammenhang zwischen ihrer Vergangenheit und dem Chaos im Tal? Möglicherweise wusste die Graue sogar etwas über mögliche Zusammenhänge? Jetzt war Tyraleen ganz Ohr und auf ihr Gesicht hatte sich ein aufmerksam angespannter Ausdruck gelegt.
“Erzähle mir von deiner Welpenzeit und was du damals erlebt und gelernt hast.“
Die Weiße wollte und konnte keine konkreten Fragen stellen, dafür war Neytíri zu vage geblieben. Doch wenn die Graue – die sonst so zurückhaltend schien – ihre Scheu überwunden hatte und zu ihr gekommen war, obwohl Tyraleen sicher nicht sonderlich einladend und offen erschienen war, so würde sie nun sicher von selbst erzählen und erklären. Ob es tatsächlich helfen würde, würde sich zeigen, doch schon alleine die Ablenkung, die diese Unterhaltung brachte, half der Weißen.
[ Waldrand | Neytíri ]
20.05.2011, 20:39
[ Monsterpost upcoming ^^' ]
Die junge Wölfin begann, ihre fetzenartigen Gedanken an frühere Zeiten zu einem einigermaßen brauchbaren Leitfaden zusammenzuflicken. Wo sollte sie beginnen? Am besten, und das war es wohl was immer Sinn machte, an das erste, an das sie sich erinnern konnte. Der zeitliche Abstand zu den Geschehnissen brachte einige neue Facetten der Betrachtung hinzu; Neytíri betrachtete Tyraleen eine kurze Weile schweigend, sinnend; dann widmete sie sich zunächst der Frage der Alpha.
"Niemand. Aber das ging auch nicht so richtig. Ich weiß selbst nicht so genau, was mit mir geschehen ist, nachdem ich hier ankam. Ich kann mich erinnerin, dass ich Angst hatte; tiefes Grauen. Und das, obwohl ich durch eine Landschaft lief, die blühender und lebendiger nicht hätte sein können."
Ja, in ihrer Erinnerung war vielstimmiges Vogelzwitschern zu hören. Es war das erste und einzige Mal, dass sie dies gehört hatte; wunderschön. In dieser Kälte sangen die Vögel nicht, und in dieser Kälte war sie erwacht. Da waren Blumen gewesen, grünendes Gras und ein schwerer Duft von Nektar und Pollen in der warmen Luft. Der Himmel, strahlend blau, die Sonne hell und leichte Federwolken über ihr. Aber all die Schönheit hatte sie im Innersten nicht berührt, denn da war nur Furcht in ihrem Herzen, Zweifel und die Angst, sie könnte das Gesetz Engayas selbst, die höchste Naturgewalt, gebrochen haben.
"Ich habe mehrere Wölfe gesehen, einen schwarzen, es könnte Jakash gewesen sein und... ich glaube, eine graue Wölfin. Ich weiß nicht mehr, ich bin irgendwie eingeschlafen, meine Erinnerung reißt ab. Da war ein merkwürdiger Baum in der Nähe, das ist das Letzte, was ich weiß. Bitte verspotte mich nicht, es klingt verrückt... aber als ich die Augen das nächste Mal aufschlug, blickte ich auf einen Körper herab der viel größer und dürrer war als ich ihn in Erinnerung hatte. Ich fühlte mich benommen, als hätte ich sehr lange geschlafen. Der Wolf, der bei mir war, hieß Liam. Er sagte, er hätte mich tatsächlich über Monate hinweg zeitweise bewacht, wie ich in der Höhle lag und scheinbar schlief. Ich glaube, als ich bei euch eintraf war es Frühling. Und nun... irgendetwas sagt mir, dass es nicht Winter ist. Aber es ist kalt, in mir ist es kalt. Ich bin schwach, erschöpft, seit ich erwacht bin. Es geht hier vielen so, aber Jakash ging es gut... das verstehe ich nicht. Aber ich verlange keine Erklärung dafür."
Als sie es aussprach wollte die Graue beinahe über sich selbst lachen, so absurd klang die Geschichte, die sie der Alpha auftischte. Aber sie wusste es nicht besser; das war ihre Erinnerung, unvollständig und irgendwie neblig. Neytíri machte eine Pause und blickte die Weiße neben sich prüfend an; glaubte sie ihr? Nun, das konnte die Graue wohl nicht verlangen, aber es wäre schön. Der aufmerksame Blick Tyraleens forderte sie stumm dazu auf, fortzufahren. Nach einem leisen Zögern - es war ihr nun beinahe doch unangenehm, so viel zu sprechen - erhob die Jungwölfin wieder ihre helle Stimme, etwas gedämpft diesmal. Während sie erzählte, stolperte ihre Stimme zunehmend und die Zweifel und die Furcht von damals ergriffen wieder von ihr Besitz; ein kaum merkliches Beben ging durch ihren Körper, je tiefer sie in die Vergangenheit eintauchte.
"Nun, ich glaube, dass die Götter nicht nur dieses Tal mit ihren unergründlichen Entscheidungen beeinflussen. In meinem Geburtsrudel gab es nur jene, die an Engaya glaubten. Hier habe ich gelernt, dass es ein Gleichgewicht geben muss. Jedenfalls... Es war Brauch, die zwei Erstgeborenen eines Wurfes zu... opfern. Das Ritual sollte der Göttin des Lebens zeigen, wie sehr sie verehrt wurde und den Dank für das Geschenk des Lebens symbolisieren, den Engaya ihnen in Form der Welpen zuteil werden ließ. Es mag falsch klingen; das hat auch Chardím gesagt... Aber meine Eltern handelten nach bestem Gewissen und in dem tiefen Glauben, der Verlust ihrer beiden Erstgeborenen stünde im Dienste des Rudels, das dafür in der Gunst der Göttin stehen würde. Ich weiß nicht, an welche Gefahr sie glaubten, würden die Opfer ausbleiben, aber es muss sie gegeben haben. Ich glaube nicht, dass sie es getan hätten, hätten sie keine Furcht vor etwas gehabt."
Neytíri zog in Gedanken ier bereits ihre erste Verbindung zu Tyraleens Situation. Heute, aus der Ferne betrachtet, konnte sie ihre Eltern nicht verurteilen. Zwei junge Leben zu opfern, für das Glück und den Erhalt eines vielköpfigen Rudels, schien ein schmerzlicher, aber lohnender Tausch zu sein. Die Graue vermochte nicht zu sagen, wie sie sich eines Tages entschieden hätte, wäre sie nicht die Erstgeborene des Wurfes gewesen und eines Tages selbst Mutter geworden. Sie wollte auch nicht darüber nachdenken. Grauen ergriff ihr Herz, verschwendete sie auch nur einen Gedanken daran. Nun, da sich ihr diese neuen Blickwinkel offenbarten, fühlte sie sich noch einsamer. Auch ihres letzten Strohhalmes beraubt - dem Glauben daran, dass ihre Eltern falsch gelegen hatten und sie sehr wohl berechtigt war noch zu leben - ergriff sie eine bittere Kälte in ihrem Inneren. Ihre Augen blickten nun trauernd in die der Weißen, aber ihre Stimme festigte sich allmählich.
"Uns wurde am Abend der Opferung genau erklärt, was geschehen würde und warum, deshalb weiß ich, was mein Schicksal hätte sein sollen und was das Schicksal meines Bruder Mauritim war. Ich habe noch nie so viel Leid in den Augen einer Wölfin gesehen wie in denen meiner Mutter, in dem Moment, als mein Vater seine Pfote ausstreckte und meinen erbärmlich zitternden Bruder über die Kante des Ritualfelsens schob. Der steinige Graben in der Tiefe darunter wurde sein Grab. Meine Mutter sollte mich nun auf den gleichen Weg schicken, und obwohl es ihr das Herz zu zerreißen schien, tat sie es mit kalter Präzision; schnell und schmerzlos, vielleicht hätte sie es sonst nicht über sich gebracht? Ich muss daran festhalten, denn wenn meine Eltern mich nicht geliebt haben, muss ich vergessen, was meine Wurzeln sind. Ich fiel also, und ich will es nicht Wunder oder göttliche Fügung nennen, denn wer vermag zu sagen was die Götter mit uns vorhaben? Aber ich habe überlebt, landete in tiefem Schlamm und floh im Schutze der Finsternis; ich glaube nicht, dass meine Eltern mich bemerkt haben."
Die junge Fähe atmete rasselnd ein und nach kurzem Zögern wieder aus. Sie kehrte ihr Innerstes nach außen, aber sie Geschichte war noch nicht ganz vorrüber. Fast gequält lächelte sie Tyraleen an und flehte in Gedanken, sie möge kein Mitleid haben, denn das alles gehörte der Vergangenheit an.
"Düstere Gedanken umtrieben mich, aber ich konnte sie damals nicht richtig... greifen. Jetzt weiß ich, dass ich Angst hatte. Dass ich meine Eltern enttäuscht hatte, dass das Rudel nun leiden musste, weil ich lebte, dass Engaya selbst sich von mir abgewandt hatte, weil ich es verschmäht hatte, in ihre Umarmung einzukehren. Ich fühlte mich wie eine schmutzige Verräterin und wollte mich nun doch in mein Schicksal fügen, zu sterben. Aber als die Gelegenheit kam, ergriff mich widerrum unbändiger Lebenswille. Dieses... ich weiß nicht, eigentlich war es nichts. Also, eine Wand, die alles verschluckte... sie trieb mich vor sich her, mehrere Tage. Ich weiß nicht mal, warum ich davor weglief, aber mein Gefühl sagte mir, dass es mein Ende wäre, darin zu verschwinden. Und als mich dieses seltsame Nicht-mehr-Sein fast berührte, da verschwand es plötzlich und ich stand auf einer prachtvollen Wiese. Hier schließt sich der Kreis, den Rest habe ich dir bereits erzählt. Und, es ist seltsam, aber ich vertraue Engaya dennoch. Vertraue darauf, dass sie weiß, was richtig ist. Nicht, dass sie uns führt; aber dass sie uns genug gibt um unseren Weg selbst zu finden. Ich fürchte ihren Zorn, aber ich glaube an ihre Güte."
Und obwohl Neytíri nun viele Dinge aufzählen hätte können, die sie als ähnlich betrachtet an ihren beiden Geschichten, tat sie es doch nicht. Sie wollte Tyraleen zunächst erlauben, sich ihre eigenen Gedanken zu machen, Fragen zu stellen oder Details zu fordern. Und außerdem fühlte ihre Zunge sich seltsam pelzig an; die Erschöpfung, die seit Tagen allgegenwärtig war, ergriff sie mit kalten Klauen und ließ sie atemlos hecheln und seufzen; sie bemühte sich um eine ruhigere Atmung, während sie die weiße Alpha musterte und versuchte, die Regungen in ihren Zügen zu deuten. Sie war offen für alles, was Tyraleen nun zu sagen hatte, denn sie rechnete mit allem und erwartete nichts.
[ Waldrand | bei Tyraleen ]
22.05.2011, 10:36
(Ich bin verwirrt @.@ Wieso bewegt sich Nihil? xD' Kisha sitzt die ganze Zeit im Schnee? ^^‘‘‘ Nja. Ich zieh einfach al mit xD‘)
Kisha konnte förmlich spüren, wie sie langsam ein schlechtes Gewissen beschlich. Der junge Wolf schien mit ihrer Anwesenheit völlig überfordert, zumindest lag dies in seiner Körperhaltung. Und sie konnte nichts anderes tun, außer sanft zu lächeln, ihm klar machen, dass ihm nichts passieren würde. Er machte sich sogar größer, was die Schwarze ein wenig schmunzeln ließ. Sie hätte zu gern gewußt, was in dem Kopf des jungen Wolfes vor sich ging. Aber all das blieb ihr verschleiert, so sehr sie es auch versuchte. Auf ihre Worte hin brummte er dann nur, und als er zu sprechen begann, legten sich die braunen Augen der Fähe wieder auf sein Gesicht. Sie lauschte den Worten, und dachte nur einen Moment über ihre Antwort nach.
“Wie hätten wir uns auf so etwas vorbereiten sollen? So etwas wie Tascurios Tod ist nicht vorhersehbar. Niemand von uns hätte sagen können, dass so etwas passiert. So wie niemand je erwartet hätte, dass der Sommer uns Schnee bringt.“
Als der weiße Rüde davon sprach, die Zeit zurück zu drehen, war sie an der Reihe, leicht zu nicken. Sie hatte den festen Glauben, dass der Großteil des Rudels so dachte. Was hätte wohl jeder einzelne dafür gegeben, dass alles wieder beim alten war, dass die Sonne ihren Pelz wärmte, und sie sich nicht durch hohen Schnee kämpfen mussten. Aber die schließenden Worte des Rüden wahren wohl war. Das würde nicht gehen, so sehr sie es sich auch wünschten. Kisha seufzte, ließ den Blick aber neben sich auf den weißen Rüden gewandt. Er selbst wäre fast Opfer dieser komischen Zeit geworden. Sicher hätte er es auch anders gewollt.
Als der Weiße dann vorschlug, dass sie ruhen konnten, schnippten die Ohren der Schwarzen leicht durch die kalte Luft. Vielleicht wäre es wirklich besser, wenn sie sich ein wenig ausruhen würde. Andererseits... sie hatte die meiste Zeit gelegen, hatte sich kaum bewegt und es hatte ihr keinerlei Besserung verschafft. Wieso sollte sie nun also weiter herum liegen und warten, dass es ihr besser ging? Ihr Kopf neigte sich leicht nach rechts, dann nach links.
“Nein, ist schon okay. Ich bin froh, wenn ich mich endlich ein wenig bewegen kann.“
Wieder schlich sich ein Lächeln auf die Lefzen der dunklen Fähe. Und schon im nächsten Moment stellte sie eine Frage, um das Thema ein wenig umzulenken.
“Wie hast du dich eingelebt? Gefällt dir das Rudel?“
[Rudelplatz – Nihilus]
23.05.2011, 18:57
Ihr Blick war in die stechend grünen Augen ihres Gegenübers gerichtet, sie waren so unheimlich faszinierend und hielten sie fest, ohne dass sie sich dagegen wehren konnte. Diese helle, leuchtende Farbe war so unglaublich schön, sie drückte auf der einen Seite Harmonie und auf der anderen ein unglaubliches Glück aus.. Ja, das konnte täuschen, dessen war sie sich bewusst, allerdings waren Illusionen schon immer schöner gewesen als die Wirklichkeit, die leider häufig ziemlich grausam war. Egal wie oft man ihr gesagt hatte, dass Träume auch zur Realität werden konnten, sie hatte es nie geglaubt, obwohl tief in ihr drin irgendetwas bestand, dass nur aufgrund dieser Hoffnung bestehen konnte und sie jeden Tag ermahnte, sie solle sich Gedanken über die Wahrheit in diesem Spruch machen, die man nicht verleugnen konnte. Es war auch dieses Etwas, das für sie kämpfte und sich selbst nie aufgab, das sie weiter vorantrieb, wenn sie sich im Kreis drehte und mit seiner letzten Kraft stets etwas von ihrem Glück als Vorrat für sich behielt, von dem es nur dann etwas verteilte, sobald es gebraucht wurde, um sie am Leben zu erhalten. Das klein war und trotzdem riesige Aufgaben erfüllte, das trotz seiner Schwäche nie aufhörte zu kämpfen.
Eine Stimme riss sie aus ihren Überlegungen, sie war so weich, sprach nicht so dunkel und rauh wie die der Rüden, denen sie in der letzten Zeit begegnet war. Jarrèll Nathaniêl, der für sie mittlerweile zu ihrem bisher einzigen Freund im Leben geworden war, Cirádan und Volk Zubami. Die beiden Letzten hatte sie als sehr nett empfunden und sie hoffte, dass sie vielleicht die kurzen, sehr abrupt abgeschnittenen Gespräche irgendwann fortführen konnte.
Auf einmal fiel es ihr wieder ein. Nicht etwa, weil sie den Namen mit etwas Besonderem verband, sondern einfach aus dem Grund, dass sie schon ziemlich viel verraten hatte. Ja, jetzt wo sie ihn aussprach, waren auch alle Zweifel ausgeräumt, dass sie falsch liegen könnte, denn sie spürte es, dass sie Recht hatte, auch wenn nicht hätte erklären können, warum sie sich so sicher war:
„Lyerra.“
Als sie merkte, dass die Wölfin wieder fortfuhr, verstummte sie augenblicklich, stellte ihre Ohren auf und lauschte jedem Wort geduldig. Ein gezwungener Versuch, ihre Ängste vor dem Gespräch zu vergessen, von dem sie eigentlich gar nicht erwartete, dass er gelang. Tatsächlich konnte sie die Frage danach, wohin der Schwarze verschwunden war, weder beantworten noch verdrängen. Irgendwie machte sie sich unheimliche Sorgen, da sie zum Großteil dafür verantwortlich wäre, wenn ihm etwas zustoßen sollte und er einen guten ersten Eindruck auf sie gemacht hatte, er strahlte eine unheimliche Sympathie und Ruhe aus. Jedenfalls erwartete sie das, dass vor allem sie selbst sich Vorwürfe deswegen machen würde, schließlich hätte sie sich wenigstens vergewissern können, dass ihm keine Gefahr zustieß. Jetzt war es leider zu spät und alles was blieb, war ihre Zuversicht, dass er bald unversehrt zurückkehrte und ihr erklären konnte, was geschehen war, ohne dass man auch nur das leichteste Anzeichen von Wut in seinem Tonfall erkennen konnte, an die sie sich verzweifelt klammerte. Als Lyerra auch noch auf ihn zu sprechen kam, zuckte sie leicht zusammen. Auf einmal spürte sie die Kälte viel intensiver, als wären die Temperaturen in den letzten Sekunden weiter drastisch gesunken. Das verschwand zu ihrer Erleichterung allerdings bald wieder, als sie begriff, dass das eine gute Gelegenheit war, um ihre Versäumnisse nachzuholen. Da schoss ihr das Bild von dem weisen Wanderer durch den Kopf, den sie auf ihrem Weg zu ihrer Schwester begegnet war und an das, was er gesagt hatte: Es ist nicht schlimm, Fehler zu machen, es ist nur dann schlimm, wenn man sich nicht darum bemüht ihre Folgen zu lindern.
„Je nachdem wie man es definiert. Aber ja, wir haben uns eben kennengelernt und uns ein wenig kennengelernt. Allerdings ist er urplötzlich davongerannt, ich weiß nicht warum und wohin. Vielleicht finden wir ihn ja.“
Ihr schlechtes Gewissen ließ nach diesen Worten deutlich nach und das äußerte sich auch in einem Lächeln, das sich beständig auf ihrem Gesicht hielt. Die Weiße hatte das Gefühl, dass es in diesem Moment nicht verschwunden wäre, egal wie sehr sie sich darum bemüht hätte, und dieses Gefühl gefiel ihr. Sehr sogar.
Ihre dunkle Seele schien sich aufzuhellen und die Erinnerungen verschwammen zu einem wirren Durcheinander, das sie niemals hätte entwirren können, um diese Zeit noch einmal durchleben zu müssen. Die ganzen Qualen, die Einsamkeit, die Schmerzen. Gerade spielte sich die Gegenwart ab, und es hing vor allem von ihr ab, ob diese sich anders abspielte als die letzten Jahre, die sie oft genug hatte rückgängig machen wollen. Jetzt war der richtige Zeitpunkt, um damit zu beginnen.
Die Blauäugige wand ihren Körper geschickt zur Seite und wollte eben aufbrechen, als sie in etwas Schweres und dennoch Weiches stieß. Erschrocken warf sie ihren Kopf in die Höhe, um erkennen zu können, was es war. Allerdings wusste sie es schon vorher. Dieser Geruch kam ihr so bekannt vor und auch das dunkle Fell fiel ihr auf. Einen kurzen Moment senkten sich ihre Lider über die Pupillen, sie wusste nicht, ob sie schreien sollte. Eine riesige Last fiel von ihr, als sie begriff, dass es er war. Dass er unversehrt geblieben war. Und dass er keineswegs so wirkte, als hätte er sich ein anderes Verhalten gewünscht. Diese Vermutung bestätigte sich noch einmal, als er sie um Verzeihung bat und ihr seine Schwester vorstellte, die wohl eben eingetroffen war. Der Ruf, den sie gehört hatte, musste wohl von ihr gestammt haben. Jetzt, wo es so eine einfache Erklärung gab, war es ihr fast peinlich, wie sehr sie sich gefürchtet hatte.
„Es gibt keinen Grund sich zu entschuldigen. Das freut mich wahnsinnig für euch zwei.
Hallo, Chilali. Willkommen, ich hoffe, es gefällt dir hier und du lebst dich gut ein. Es freut mich, dich kennenzulernen. Mein Name ist übrigens Majibáh.“
Es war wieder einmal die Reaktion, die man nun einmal aus Höflichkeit zeigte, wenn man jemandem begegnete, der erst vor Kurzem im Rudel aufgenommen worden war. Aber die Grünäugige hätte sie nicht ausgesprochen, wenn sie nicht ebenso empfunden hätte. Nein, deswegen war sie nicht unfreundlich, aber sie hielt Ehrlichkeit für unheimlich wichtig. Die größten Missverständnisse und Streite entstanden, wenn man sich gegenseitig anlog, das wusste sie.
„Tut mir Leid, meine Neugier ist furchtbar, aber wenn ich darf, würde ich gerne erfahren, warum ihr getrennt wurdet.“
[Rudelplatz - bei Volk Zubami, Chilali und Lyerra]
24.05.2011, 20:21
Sie sah ihn ja schon wider an! Da waren sie schon dabei den Rudelplatz abzuschreiten, mussten auf ihren verschneiten Weg achten, um nicht falsch zu treten – und sie nahm sich immer noch die Zeit um sich ihm zu zuwenden! So lange der Helle bereits in diesem Rudel lebte, so wenig hatte er sich daran gewöhnen können, dass seine Mitwölfe immer wider den Augenkontakt suchten: im Gespräch, auf der Jagd, bei der Kontaktaufnahme von Weiten. Wozu gab es denn bitte die Körpersprache, wenn alles mit den Augen funktionierte? Leise schnaubte der Rüde, hinterließ dabei einen für die Jahreszeit untypischen Atemschleier, vor dem er beinahe erschrak, dadurch jedoch wider zu reinen Gedanken kam. Vielleicht gefiel es ihm ja nur nicht, weil der den Kontakt nie halten konnte… es gefiel ihm einfach nicht jemandes Blick zu erwidern, wusste weder wie er sich dabei bewegen sollte, noch wie sein Mimikspiel aussehen musste. Schade, eigentlich. Dennoch versuchte er es – wie viel zu oft in letzter Zeit – noch ein Mal und sah hinüber zu der Grauen, jedoch wandte er sogleich wider den Kopf ab. Viel gebracht hatte das ja wohl nichts.
„Vorherzusehen ist so“ , kurz stockte er, suchte das passende Wort, „eine Wende nicht. Jedoch muss es einen Grund dafür gegeben haben.“
Ein knapper Kommentar, halb Zustimmung, halb Verbesserung. Anscheinend hatte sie ihn zuvor falsch verstanden. Er wollte keine genauen Angaben über das Wetter, oder die Bestimmungen der Jahreszeiten, eher hatte es ihn daran gelegen, ihre Meinung zu der Veränderung zu hören. Da sollte er sich wohl, mal wider, mehr Gedanken über seine Formulierungen machen. Die Ohren nach hinten schippend verfiel er in einen abgesenkten Gang, die Schultern durch das verlagerte Gewicht herausstechend. Die Befürchtung, dass sie nicht weiter sprechen würde, befiel ihn prompt. Dabei war doch genau das sein Ziel gewesen! Ihrer Stimme zuhören zu dürfen. Wie gerne er doch einfach nur den Wölfen und ihren Erzählungen lauschte. Das war so entspannt und angenehm. – Und es war da! Sie sprach wider, beantwortete die Frage zu ihrem Befinden und… sprach sogar weiter! Ja. Dann schien er sie wohl kaum vergrault zu haben. Vorsichtig schmunzelte er, warf ihr einen Seitenblick zu, der etwas wärmer war als zuvor.
„Es ist so schön hier.“
Eigentlich war das alles, was er darauf antworten konnte. Es gefiel ihm: die Natur, die Wölfe, ganz besonders die vielen Farben. Mit einem Blick über den Platz, ließ sich das zu seinem Bedauern heute nicht behaupten.
„Vor allem die vielen, unzähligen Farben sind so wunderschön. Jetzt im Sommer wäre es speziell das Grün, das die ganze Frische in die Herzen bringt.“
Mit einem weiteren Blick verlieh er seinen Worten den Unterklang, wie sehr er dne Schnee zu verabscheuen glaubte. Vor allem jetzt!
„Aber auch euch, das Rudel. Gesellschaft an sich. Kannst du dir vorstellen, wie schrecklich es ist, einsam zu sein? Nicht alleine, das ist mal ganz schön, ich meine wirklich einsam. Du wünscht dir Gesellschaft, doch niemand ist da. Und das gibt es hier nicht. Hier gibt es immer irgendwen der zu dir kommt,“ mit einem Kopfnicken deutete er auf sie, schließlich war Kisha das beste Beispiel. „oder zu dem du gehst. Es gibt niemals nichts zu tun.“
Ein Redeschwall. Jiha. Aber sobald er einmal ins Schwärmen kam, gab es kein halten mehr.
(Rudelplatz, Kisha)
25.05.2011, 15:04
Zunächst widmete sich Neytíri Tyraleens Frage, was allerdings wenig Klarheit hervorbrachte. Beinahe wirr berichtete sie von einzelnen Erinnerungsfetzen und einem so langen Schlaf, dass sie während dessen sogar gewachsen war. Die weiße Leitwölfin konnte sich darauf keinen Reim machen, hatte noch nie von etwas Ähnlichem gehört und glaube der Jungwölfin doch. Warum sollte sie auch lügen? Möglicherweise würde Liam etwas darüber sagen können – und sie musste ihm danken, er schien der einzige gewesen zu sein, der sich um Neytíri in ihrem seltsamen Schlaf gekümmert hatte. Wenn sie wirklich im Frühling angekommen war … so musste sie ein Jahr lang geschlafen haben. Ein Gedanke, der Tyraleen erschreckte, obwohl er vieles erklärte. Die dünnen Läufe der Fähe, ihre abgemagerte Gestalt, ihre Unbekanntheit. Die Weiße nickte langsam, auch wenn sie wenig verstanden hatte.
“Ich werde mit Liam über dich sprechen, vielleicht weiß er mehr. Auch musst du dringen mehr fressen – etwas weiter nördlich liegt unsere letzte Beute, es ist noch genug für dich da. Vielleicht kann ich dir sogar die Kälte erklären, denn dein Gefühl, dass es nicht Winter ist, trügt nicht. Doch zuerst möchte ich hören, was du zu erzählen hast.“
Auffordernd schenkte sie Neytíri ein kurzes Lächeln, knickte dann den linken Lauf ein um eine gemütlichere Liegeposition einnehmen zu können und musste ihre Neugierde zügeln. Die Geschichte der Jungwölfin würde kaum von Freude und Glück handeln; vermutlich würde es der Grauen nicht leicht fallen, zu erzählen – es war nicht angebracht einer solchen Erzählung ungeduldig entgegen zu fiebern. Doch Tyraleen konnte die aufkommende Hoffnung, dass Neytíris Geschichte irgendwie helfen würde, nicht verhindern. Als die Graue dann zu erzählen begann und von ihrem Rudel und dessen seltsamen Glauben berichtete, sträubte sich Tyraleens Nackenfell und ein kalter Schauer rann ihren Rücken hinab. So etwas hatte sie einerseits nicht erwartet, andererseits erschrak sie vor den angeblichen Taten im Namen Engayas. Wie konnten Wölfe die Liebe ihrer Göttin derart missverstehen? Wie konnte man zu solchen Grausamkeiten fähig werden? Augenblicklich musste sie an sich selbst und Tascurio denken, verstand auch den ersten Zusammenhang, den Neytíri gemeint haben musste und wehrte sich doch dagegen, die zwei Situationen zu vergleichen. Sie hatte Tascurio im Auftrag Fenris‘ getötet – schlimm genug für eine Engaya Tochter, doch hätte sie behauptet, es im Namen Engayas getan zu haben, wäre es noch viel schlimmer. Engayas Name hatte nie etwas mit Blut, Tod, Angst, Hass oder Mord zu tun. Ihr ein Opfer zu bringen, heißt, Welpen zu gebären. Leben zu verschonen. Liebe zu schenken. Diese Lehre dermaßen zu verzerren machte die Weiße beinahe wütend. Und eine kleine Wölfin wie Neytíri musste darunter leiden, schien die groteske Verzerrung nicht einmal zu sehen. Wie denn auch? Niemand hatte ihr den richtigen Weg gezeigt. Mit Chardím schien sie schon darüber gesprochen zu haben und doch fürchtete sie noch immer ihren Zorn. Dabei waren Engaya und Zorn Gegenteile, eine zornige Göttin wäre das gleiche wie ein gütiger Fenris. Engaya war niemals zornig.
Tyraleen versuchte sich zu sammeln. Sie hatte nun viel gehört und Neytíri schien es teilweise sehr schwer gefallen zu sein, darüber zu sprechen. Sie zitterte und ihr Atem ging schnell, auch wenn sie versuchte ihn zu beruhigen. Die Weiße wusste nicht, wie sie anfangen sollte; sie wollte nicht predigen und doch schien es ihr ungemein wichtig, das Falsche in der Denkweise der Eltern der Grauen aufzuzeigen. Sie schluckte einmal und reckte sich dann leicht vor um Neytíri mit der Nase an der Stirn zu berühren. Eine Geste Banshees.
“Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll … deine Geschichte schockiert mich. Ich bin eine Priesterin Engayas, meine Mutter hat mir sehr viel beigebracht und sie sagte auch immer wieder, dass viele Wölfe vergessen haben, für was die Götter wirklich stehen. Dass Legenden verzerrt werden und manche Wölfe Dinge im Namen der Götter tun, die diese niemals gut heißen würden. Doch das, was du erlebt hast, hätte ich mir nie träumen lassen. Es schmerzt mich, wie man den Namen Engayas beschmutzen und ihre Werte verzerren kann. Engaya steht für Liebe, Güte, Leben, Licht und Freude. Jemanden ihr zu Ehren zu töten wäre wie eine Geburt Fenris zu widmen. Deine Eltern haben stets im Willen Fenris‘ gehalten und dabei die Ideale Engayas in den Schlamm gezogen. Vielleicht trifft sie keine Schuld, das kann ich nicht beurteilen, doch ihre Taten muss man verurteilen.“ Ihr Blick legte sich eindringlich und doch liebevoll auf Neytíri. “Du sollst Engayas Zorn nicht fürchten. Engaya ist nie zornig. Sie kennt nur Freude und Glück. Du hast durch eine glückliche Fügung überlebt – feiere dein Leben, es ist ein Geschenk. Vielleicht hat Engaya dich geschützt, vielleicht war es Zufall. Doch ich bin mir ganz sicher, dass sie unbändige Freude darüber empfindet, dass du am Leben bist.“
Jetzt lächelte Tyraleen, beinahe hätte sie sich ihre Göttin fröhlich tobend im Himmelsland vorgestellt, höchst erfreut, Fenris‘ ein Opfer entwunden zu haben.
“Wäre es mir möglich, würde ich zu dem Rudel deiner Eltern gehen und sie bitten, dieses schreckliche Ritual zu vergessen. Ich glaube nicht, dass ihnen irgendetwas passiert ist oder dass etwas passieren würde – vermutlich würde Fenris lediglich zornig werden, aber das ist er oft. Wenn deine Eltern die Lehren Engayas nicht mehr verzerren und nach ihnen leben, wird sie sie vor Fenris schützen. Vielleicht triffst du sie ja irgendwann wieder. Als überlebender Welpe, den Engaya dennoch geschützt hast. Wie sonst könntest du jetzt noch am Leben sein? Die graue Wand, die alles verschluckte war das Nichts – es hat damals unser Tal vernichtet. Es war das Tal einer alten Generation, wir haben ein neues erschaffen, indem wir zusammenhielten. Auch da war Engaya ganz nahe. Sie lässt uns nicht im Stich, solange wir in Liebe, Freude und Gemeinschaft zusammenleben.“
Die Leitwölfin fuhr sich mit der Zunge über die Lefzen und richtete dann ihren Blick in die Ferne. Irgendwo, weit hinter dem See und im Dunst verborgen lag die Blumenwiese – Tascurios Tod. Das Lächeln in ihrem Gesicht war verschwunden.
“Ich meine zu verstehen, wo du einen Zusammenhang siehst. Um sich und andere zu schützen, töteten deine Eltern ihre Welpen. Dass sie es im Namen Engayas taten ist ebenso verwerflich, wie dass ich als Priesterin Engayas einem Fenrisrat gefolgt bin. Wir beide begingen Fehler, aus Angst – deine Eltern, weil sie unwissend waren; ich, weil ich in meinem Schrecken keinen anderen Ausweg sah. Doch Trost kann ich darin nicht finden, es macht mich eher noch trauriger …“
Sie machte Neytíri keinen Vorwurf – im Gegenteil – sie war froh, das alles erzählt bekommen zu haben. Doch die Geschichte zeigte, wie leicht Fenris Wölfe zu Taten zwingen konnte, die diese niemals sonst begangen hätten. Fenris war sehr viel mächtiger, als die meisten glaubten. Eine traurige Erkenntnis.
[ Waldrand | Neytíri ]
25.05.2011, 16:23
SL: Ronron der Fuchs bei Aszrem und Hilel
Der schwarze Hüne – eben noch so auskunftsfreudig, was seine Gefühle betraf – hatte sich nun ganz verschlossen und schien Ronron ohne viel Neugierde oder sonstigen Emotionen zuzuhören. Der Rotpelz kannte die Wölfe zu wenig, um aus diesem Aszrem schlau zu werden, doch ehrlich gesagt hatte er daran auch sowieso kein Interesse. Ihm würde es schon reichen, wenn es einfach wieder wärmer werden würde. Dazu brauchte er die Hilfe von den Langbeinern und deshalb musste er diesen beiden schwarzen Muffelwölfen sein teures Wissen zukommen lassen. Vielleicht war er schon ein wenig beleidigt, dass keiner der beiden Langnasen voller Verblüffung und Neugierde ihn mit Fragen bestürmten, aber immerhin bekam Aszrem doch noch irgendwann den Mund auf um einige brauchbare Fragen zu stellen. Sogar ganz freundlich, dabei hatte Ronron durchaus gemerkt, dass er den Hünen ein bisschen auf die Folter gespannt hatte. Aber so war er immer, das konnte er einfach nicht lassen. Dafür kam er danach relativ präzise auf den Punkt – das hatte er nun vor. Erst einmal aber zeigte er ein verschmitztes Grinsen, was einige seiner Zähnchen zum Vorschein brachte – vermutlich äußerst unbeeindruckend für die beiden Schwarzen.
“Was er hier wollte? Woher er kam? Lustige Fragen stellst du da. Aber der Reihe nach. Bitte, setzt euch doch, Onkel Ronron hat eine Geschichte zu erzählen.“
Einmal noch fuhr er sich mit der Pfote über die Schnauze, dachte selbst gar nicht erst daran, sich zu setzen – er war ja nicht blöde - und fuhr dann mit ziemlich selbstzufriedenem Gesichtsausdruck fort.
“Varge gibt es schon, seit es Lorack – ach nein, äh … warte … Fenris! … gibt. Ihr müsst wissen, wir Füchse haben selbst verständlich auch unsere Götter, aber ihre Namen sind Galarie und Lorack, Göttin des Lebens und Gott des Todes, benannt nach zwei Füchsen, die vor langer Zeit die Welt gerettet haben. Naja … ihr werdet vermutlich ähnliche Geschichten haben, von eurer Engaya und eurem Fenris. Ha, ich kenne die Namen, ihr habt vermutlich noch nie von Galarie und Lorack gehört, was? Typisch Wölfe … aber egal, ich war bei den Vargen. Varge sind keine eigene Art, sie sind Mutationen. Sie gibt es nicht nur bei Wölfen, auch Fuchsvarge und selbst einen Mardervarg habe ich schon einmal gesehen. Da staunt ihr, was? Jedenfalls war der Varg, den ihr gefunden habt, eigentlich ein ganz normaler Wolf. Ein Fremder, der hat sich vor Kurzem in euer Tal verirrt, wollte sich vermutlich dem Rudel anschließen. Doch ihm wurde die Tat der weißen Langbeinerin zum Verhängnis – sie hat doch ihren Sohn im Auftrag Fenris‘ gemeuchelmordet. Das hat eurem dunklen Gott einen echten Energieschub verpasst, meine Güte, dem geht’s gerade vielleicht gut. Und immer, wenn Fenris bester Laune ist und jemand seinen Befehlen ganz und gar gehorcht, beginnt eine dunkle Energie sich auszubreiten. Früher ging ich davon aus, dass einfach nur etwas Schreckliches geschehen sein muss, doch das kann nicht sein. Ein Varg taucht auch nicht auf, wenn ein Erdrutsch ein ganzes Tal auslöscht. Nein, es müssen schon schlimme Fenristaten begangen werden, damit ein leicht beeinflussbarer und wahrscheinlich schon fenrisanhängender Wolf mutiert. Die Verwandlung dauert etwas, sicher ein paar Tage, aber dann ist in dem Kopf des armen Mutanten keine einzige Hirnzelle mehr übrig. Töten, zerfleischen und plattmachen – das kann ein Varg und mehr will ein Varg auch nicht. Ihr hattet ein Schweineglück, dass er dem Bären über den Weg gelaufen ist – der hatte auch schon einen an der Klatsche. Haben sich gegenseitig zerfleischt … naja, war mir auch lieber so.“
Nach dieser langen Rede hielt Ronron inne und betrachtete sein Gegenüber aufmerksam. Mal sehen, ob dieser Aszrem sich dazu herablassen würde, einem Fuchs zu glauben. Aber mal ehrlich – so eine Geschichte konnte man sich nicht ausdenken.
“Wenn du dich jetzt noch fragst, woher ich all das weiß: Meine Mutter war so etwas wie eine Priesterin. Sie hat sich sehr für Varge interessiert und mir einiges Wissen und zudem das Interesse daran vererbt. Also bin ich schon viel herumgewandert und dass ich ausgerechnet hier war, als diese Mutterwölfin ihren Sohn ermordet hat, war reiner Zufall. Als ich das hörte, bin ich natürlich geblieben, immerhin bestand die Möglichkeit, einen echten Wolfsvarg zu sehen. Bei seinem Anblick verging mir aber die Freude, so ein Biest brauche ich wirklich nicht nochmal. Und jetzt … hab ich Leleya kennengelernt. Du weißt schon, meine hübsche Freundin … ich würde gerne ein bisschen Zeit mit ihr verbringen, aber dafür will ich es verdammt nochmal wärmer. Und Vargfrei. Also strengt euch mal ein bisschen an.“
Die Aufforderung unterstrich er mit einem neuerlichen Grinsen und war sichtlich mit sich und der Welt zufrieden.
((Ich denke, ich habe jetzt lange genug gewartet - in einem anderen Forum ist Hilel auch abgemeldet bis Ende Mai, deshalb denke ich nicht, dass sie vorher posten wird. Danach kann sie sich ja immernoch einklinken.))
25.05.2011, 16:51
(Atalya ist schwarz, Kisha grau... dabei ist es doch genau andersrum! Atalya Grau, Kisha = schwarz, auf Ava nur leicht grau, weil sie noch braun mit ist und Avas s/w sind xD)
Kisha war froh darüber, dass auch Nihilus weiterging. Sie war sich fast sicher, dass es sie nur noch mehr erschöpfen würde, jetzt im kalten Schnee zu liegen. Da würde auch die Gesellschaft des jungen Wolfes kaum helfen. Als der Weiße den Blick zu ihr herum wandte, dieses Mal mit anderer Mimik als zuvor, schnippten die Ohren der Dunklen leicht durch die Luft, und sie erwiderte den Blick ihres Gegenübers. Dann folgte ihr Blick seinem, der leicht über den Platz schweifte und mit aufgestellten Ohren lauschte sie Nihilus‘ Antwort. Seine Worte ließen Kisha leicht schmunzeln. Von Farben war in diesem Moment wohl kaum zu sprechen, aber er hatte dennoch Recht. Das, was sie bisher von diesem Tal gesehen hatte, war wunderschön. Auch wenn die Erinnerungen in ihr noch immer zu kämpfen schienen. Aber darüber wollte sie nicht nachdenken, befasste sich lieber wieder mit den Worten des jungen Wolfes. Und als er schließlich geendet hatte, wandte die Dunkle den braunen Blick ruhig nach vorn, das Lächeln verblasste merklich, und doch blieb es sachte zurück. Ob sie die Einsamkeit kannte? Oh, sie kannte sie zu gut. Leider. Einige Momente schwieg die Dunkle, schritt still weiter, ehe sie den Kopf leicht anhob und zu den grauen Wolken blickte, die über ihre Köpfe hinweg zogen. Wie sollte sie es am besten erklären?
“Ich weiß, wie es ist, einsam zu sein. Du musst wissen, dass ich mich... anfsangs hier sehr fremd gefühlt habe. Ich kam von einem Rudel, das weit entfernt sein Revier besitzt. Ich folgte meinem Herz, und es zog mich in dieses Tal. Ich kannte keinen einzigen Wolf, und doch kamen mir so viele Gesichter, so viele Stimmen, bekannt vor. Ich habe mich noch nie in meinem Leben so einsam gefühlt. Mit diesem Gefühl, die um mich herum zu kennen, und doch nicht zu wissen, wer sie sind. Banshee war es, die dies änderte. Ich habe lange und oft mit ihr gesprochen. Sie erzählte mir aus meiner Welpenzeit, half mir, mein Ich wieder zu finden. Anfangs war es schwer, Kisha zu sein. Ich habe manchmal das Gefühl, ich werde dem nicht gerecht... obwohl das ja eigentlich ich bin... Nunja... Banshee, als meine Mutter, ließ mich mich wieder erinnern. Und nun bin ich hier, lebe mich langsam wieder in das Rudel ein, das mir anfangs so fremd und trotzdem vertrauter als sonst ein Wolf war. Ich versuche, über alle Zweifel hinweg zu denken, versuche einfach ich zu sein. Aber... du hast Recht. Eigentlich ist man hier nie allein. Aber das macht es doch aus, so ein Rudel.“
Kishas helle Augen blieben, während sie sprach, nach vorn gerichtet. Und erst, als sie geendet hatte, wandte die Schwarze den Kopf herum, um Nihilus wieder ansehen zu können. Hatte er ihren Worten nun folgen können?
“Verrückt, oder?“
[Nihilus – Rudelplatz]
26.05.2011, 16:02
(Aw ûu ich wusste, eine von den Beiden wars! Diesmal bleibt sie schwarz. :3)
So sehr es ihm auch gefiel von seinen Vorlieben zu erzählen, jetzt, nachdem er geendet hatte, schlich sich ein beschämendes Gefühl in die Magengegend des hellen Rüden. War es die Antwort gewesen, auf die Kisha es abgesehen hatte, oder war er mal wider völlig am Thema vorbei gerasselt? Es war so einfach sich schönen Dingen hin zu geben, wenn die Welt um einen hin in Stücke viel… und der Helle war wohl kaum der Typ Wolf, der sich mit lauter Kampfansage inmitten des Schnees stellte und versuchen würde dagegen anzukämpfen, dafür empfand er sich selbst als viel zu schwach. Viel zu, viel zu schwach. Den Kopf schüttelnd über den pessimistischen Gedankengang seiner selbst, sah er nun wider zu Kisha hinüber um beruhigt festzustellen, dass es anscheinend nicht weniger zusagte als ihm selbst: Ja! Richtige Worte, richtige Richtung. Die zur Zeit sehr müde erscheinende Fähe schien sogar zu schmunzeln, oder war es reine Einbildung des Rüden? Nein. Denn sogleich sie den Kopf hob und ihn ansah, war genau zu erkennen, dass sie sprechen wollte, aber anscheinend noch mit den Worten haderte; wie gut Nihilus ihr dieses Problem nachvollziehen konnte! Als sie sich wider abwandte und begann, ließ er beruhigend die Rute pendeln, anscheinend fiel es ihr schwer das Vergangene zusammen zu fassen – doch sogleich er angestrengt mithörte, verblüffte es ihn sehr, dass Kisha zuerst von einem fremden Rudel sprach, nicht von diesem. War sie denn nicht hier aufgewachsen? Soweit er sich nicht täuschte, gehörte sie doch zur Familie! Zu dieser riesigen Familie, in der sogar die Mitglieder öfters den Überblick verloren.
Grade wollte er nachhaken, als ihre Wörter sich weiter zu Sätzen formten und mehr über ihre Geschichte und Vergangenheit preis gaben: war es so, dass sie sich nicht mehr erinnern konnte? Es schien so, zumindest ließ sich ein solcher Vorhergang nicht anders beschreiben – wenn ihr erst einmal erklärt werden musste, wer sie wirklich war. Und schon wieder kam diese Banshee darin vor! Hier mit einer guten Tat, dort mit einer guten Tat. Allein aus diesem Grund – er glaubte mal allen Erzählungen der Rudelmitglieder – hatte er die Rudelübernahme ihrer Tochter überhaupt gut geheißen. Zu hoffen blieb nun, dass diese in die Fußstapfen der Vorgängerin treten konnte und vor allem auch wollte.
„Du wusstest nichts mehr, als du hier ankamst? Aber geboren bist du in diesem Tal, oder?“
Mit einem knappen Nicken stimmte er ihrer letzten Frage zu, ja, seltsam, nahezu verrückt. Aber wir sollte ein einziger Wolf wie sie denn das Schicksal bestimmen können? Eigentlich lebten sie ja alle nur, um ihre eigene Geschichte zu schreiben – Kishas schien eben eine… kleine Lücke aufzuweisen. Das sollte da oben auch nicht allzu oft vorkommen.
„Ein Rudel, ja. Aber…“ , er stockte und zögerte, bevor er seine Gedanken aussprach. „Vermisst du nicht auch in manchen hektischen Momenten die Ruhe, als du alleine warst?“
Es hatte ihn bisher immer bedrückt, dass er zu manchen Zeitpunkten die Gesellschaft ablehnte und sich zurückzog, schienen die anderen diese kurze Pause doch nicht zu gebrauchen. Dennoch änderte dieses Verhalten nichts daran, dass er niemals auf die Idee kommen würde sich von der Gruppe zu trennen, dafür war ihm der Trubel – zumeist – viel zu angenehm.
(Rudelplatz, Kisha)
26.05.2011, 21:11
Lyerra sah sich ein wenig um, starrte einige Sekunden lang zu den Wölfen die ebenfalls hier waren, dann sprang ihr Blick zurück zu Majibáh. Freude flackerte in ihren Augen, Freude und Ehrlichkeit. Sie mochte die Fähe, auch wenn sie sie kaum kannte. Sie mochte sie wirklich, das wusste sie jetzt schon.
„Richtig geraten, ich bin Lyerra“
Sie verzog die Lefzen freundlich, ihre Rute pendelte leicht hin und her und ihre Ohren waren fröhlich nach vorne gerichtet. Ihr Blick folgte den Bewegungen der anderen Fähe, ihr ganzer Körper war in deren Richtung gedreht. Als sie antwortete wusste Lyerra erst nicht was sie dazu sagen sollte, doch dann lachte sie nur. Volk war also einfach abgehauen, dieser Verrückte.
Die weiße Fähe sah das Lächeln auf den Lefzen der Blauäugigen, war sich irgendwie nicht sicher ob es nicht einfach immer da war, ob sie in Wahrheit vielleicht gar nicht so glücklich war. Vielleicht, ganz vielleicht verschwand dieses Lächeln eigentlich nie von den Lefzen der Fähe, vielleicht hatte sie es immer da um andere und sich zu beruhigen und freundlich zu wirken.. ?!
Einige Sekunden lang starrte sie nachdenklich in die Landschaft, ohne einen wirklichen Punkt zu fixieren. Als sie plötzlich zwei Wölfe auf sich und Majibáh zukommen sah kehrte ein fröhlicher und freundlicher Gesichtsausdruck in ihr Gesicht zurück.
Volk Zubami und eine Fremde. Tja, Fremde hin oder her, Volk war hier. Die Weiße lächelte sanft als Volk sie begrüßte und dann seine Schwester vorstellte. Chilali also. Ihr gefiel das freundliche Lächeln der Wölfin, außerdem freute sie sich für ihren Freund, dass er seine Schwester gefunden hatte.
„Hallo, Chilali“
Sachte stieß sie den schwarzen Rüden an, lächelte ihm zärtlich zu, flüsterte ihm seinen Namen in sein Ohr. Sie stand nah bei ihm, lächelte immer noch zärtlich.
Als Majibáh ihm eine Frage stelle wich sie etwas zurück, lächelte alle Wölfe freundlich an.
„Ich denke.. ich werde ein wenig laufen.. ich komme gleich wieder, okay? Bitte.. geht nicht weg”
Unsicher schaute sie zu Majibáh und Volk. Es war unfreundlich zu gehen, doch plötzlich hatte sie das Bedürfnis ein wenig zu laufen, zu denken.
Langsam entfernte sie sich von der kleinen Gruppe. Schritt für Schritt, Wolfslänger für Wolfslänge.
[erst bei Volk & Chilali & Majibáh, dann alleine ] bin erstmal weg... ich hoffe ich darf wieder zu euch, wenn ich zurück bin?
28.05.2011, 14:43
Zuerst musste sich Takashi setzen, bevor man sonstige weitere Reaktionen von ihm abverlangen konnte. Er suchte in seiner schwierigen Situation Standhaftigkeit, die er nur schwer sammeln konnte. Die drei Jungwölfe waren von Takashis Erzählung überhaupt nicht angetan oder gar begeistert. Sie empfanden es etwa als eine Art Witz, machten sich darüber lustig und lachten sogar laut vor sich hin. Der Schwarze schien deutlich verwirrt; erkannten die drei den Ernst der Lage denn überhaupt nicht? Banshee hatte den Hünen vor eine wahrhaftig schwierige Aufgabe gestellt, die er nur unter Umständen meistern konnte.
Madoc schwieg, wollte sich wahrscheinlich gar nicht auf die Götter einlassen; Chardíms Spruch klang weniger aufgeschlossen und Jakash konnte sein Lachen kaum unter Kontrolle bringen. Takashi blickte die drei jeweils kurz an und räusperte sich, um für mehr Verständnis zu sorgen, wobei er mehr damit beschäftigt war, sich zu zügeln. In diesem Moment hätte der Hüne schneller, als den anderen lieb war, zornig werden können. Ungeduldig schlug seine Rute immer wieder auf den verschneiten Boden, während er einige Eiskristalle aufwirbelte.
"Ich sage euch, dass es keinen Grund gibt, mein Verhalten zu belächeln. Fühlt ihr euch denn etwa wohl, wenn Schnee fällt, während es bereits Sommer sein sollte? Es ist gleich, ob ihr an die Götter glaubt oder nicht – ihr müsst bloß gute Taten vollbringen. In letzter Zeit gab es zu viele schlechte Ereignisse, welche nun wieder durch Gute ausgeglichen werden müssen."
Die Stimme des Hünen war ernst, sein Blick betrachtete die drei abwechselnd. Bei Madoc würde er auf wenig Verständnis stoßen, seine Reaktion war eindeutig gewesen. Seine einzige Reaktion stellte das Schütteln seines Hauptes dar; eine deutliche Ablehnung. Chardím schien sehr geschwächt, so wie er da lag. Fenriswölfen gegenüber war er wahrscheinlich weniger gut gesinnt, da er nicht an ihrer derweiligen Stärke teilhaben konnte. Engaya hingegen konnte ihm derzeit leider keine Kraft schenken, wobei vor allem Chardím dafür etwas unternehmen konnte.
Takashis Blick blieb an Jakash hängen. Er war von Stärke erfüllt und machte keine Anstalten, wie der Großteil des Rudels zu schwächeln. Dennoch war bei ihm Fenris Anwesendheit sehr stark zu spüren. So etwas geschah nicht einfach so, es musste etwas vorgefallen sein.
"Was ist eigentlich mit dir geschehen, Jakash? Ich spüre Fenris sehr in deiner Nähe..."
Die Frage Jakash’ hatte er zuvor einfach übergangen. Vielleicht würde Takashi erneut verlacht werden. Da musste er aber durch und gefallen lassen musste er sich das schon gar nicht. Er musste bloß Ruhe bewahren und sich zügeln, um den Ziel näher zu kommen.
[ Bachmündung | Jakash, Madoc, Chardím ]
29.05.2011, 10:11
Dem Fuchs gefiel es eindeutig, eine wölfische Zuhörerschaft mit seinem Wissen - wenn es denn Wissen war und keine Geschichte - zu beindrucken.Aszrem konnte sich nicht entscheiden, ob ihn die Aufschneiderei dieses Ronron ärgern oder ob er sie lieber belächeln sollte. Er mochte keine Angeberei, andererseits konnte er zu einem gewissen Grad verstehen, dass der Rotpelz seine kleine Show genießen wollte - wann bekam ein Fuchs schon mal die Gelegenheit, sich den ihm überlegenen Wölfen überlegen zu fühlen? Also ließ der Schwarzbraune mit mühsamer Geduld jedes einfältige Grinsen und abschweifende Gefasel über sich ergehen. Nur setzen tat er sich nicht. Wäre ja noch schöner.
Während Ronron redete, beobachtete Aszrem ihn sehr genau. Nicht alles, was der Fuchs wusste, war tatsächlich so beeindruckend wie es zunächst klang. Ronron hatte bereits zugegeben, in der Nähe des Varges gewesen zu sein, selbiges bei der Versammlung zu Tyraleens Geständnis. Vom Tode Tascurios zu wissen und die Namen Engayas und Fenris aufgeschnappt zu haben war entsprechend kein Kunststück. Und im Grunde war auch nicht verwunderlich, dass Füchse und wohl auch andere Tiere ebenfalls Lebens- und Todesgötter verehrten - Aszrem hatte genug Rudel erlebt, die für Engaya und Fenris andere Namen hatten, und vermutlich herrschten auch unter Füchsen und anderem Getier keine einheitlichen Namen. Interessant war das an sich aber schon, schließlich war sich Aszrem nie sicher gewesen, ob andere Tiere überhaupt genug Bewusstsein besaßen um Götterkulte zu entwickeln. Aber darüber konnte er später weiter nachsinnen, jetzt galt sein Ohrenmerk Wichtigerem. Im ersten Moment wollte er gegen die Behauptung protestieren, Tyraleen hätte einem direktem Befehl Fenris' Folge geleistet. Sie hatte gesagt, der Todesgott hätte sie vor die Wahl gestellt, und Aszrem glaubte ihr darin. Wenn man aber genauer darüber nachdachte, war diese Wahl wohl auch der einzige Weg gewesen, Tyraleen überhaupt zu dieser Schandtat zu bringen. Einem direkten Befehl, ihren Sohn zu töten, hätte sie mit Sicherheit sofort Widerstand geleistet. Fenris - Gott, der er war - hatte das natürlich gewusst, als hatte er mit dieser "Wahl" Tyraleens Widerstand gebrochen. Und das in dem Moment, da ihr die eine Wahlmöglichkeit direkt vor der Nase saß und eine reflexartige Entscheidung förmlich erzwang. Wäre Averic dort gewesen, wie hätte die Wahl dann ausgesehen? 'Sie werden einander gegenseitig töten, also wähle, wer überleben soll, und töte den anderen'... Nur war dann die Wahrscheinlichkeit wiederum höher, dass Averic seine Gefährtin daran hindern konnte, einen von ihnen zu töten. Warum also dieses Risiko eingehen? Ein perfider Plan, aber nicht weniger perfide als einen nichtsahnenden Wolf plötzlich in eine stumpfsinnig mordende Bestie zu verwandeln, wenn Ronron die Wahrheit sagte. Es machte sogar Sinn: die Zeremonie, die den toten Varg Engaya übergab, entließ den unglückseligen Wolf aus der Macht des Todesgottes und verwandelte ihn so zurück. Trotz dieser Logik konnte Aszrem sich einer gewissen Skepsis nicht erwähren. Er zweifelte nicht an der Existenz der Götter, aber solch fortwährend massiven Eingriffe der Gottheiten ließen Glaube und Vernunft in ihm miteinander ringen.
Ronron kam ihm darin zuvor, seine Zweifel zu äußern, indem der Fuchs bereits auf die Fragen antwortete, bevor Aszrem dazu kam sie zu stellen. Der Schwarzbraune schloss den Fang wieder, bis der Rotpelz erneut geendet hatte.
"Da hast du aber Glück gehabt, Rotpelz. Aber vielleicht interessieren sich Varge auch nur für ihre eigene Art..."
Seine Stimme war etwas gesenkt, was erkennen ließ, dass Aszrem über das Gehörte nachdachte. Er wollte nicht an so viel Gottesmacht glauben, wusste aber, dass Tyraleen es würde und auch, dass die Götter sich im Falle des Falles nicht darum scherten, was er glauben WOLLTE und was nicht.
"Und was hat dich deine Mutter gelehrt, wie man das alles wieder ändern kann? Wenn ich der Logik deiner Geschichte folge, müssten wir Fenris' Macht schwächen, damit er nicht genug Kraft hat um uns einen weiteren Varg zu schicken und wahrscheinlich auch den Winter nicht mehr aufrecht erhalten kann. Und wenn es unsere Taten sind, die den Göttern Macht verleihen, müssen wir weniger nach Fenris' Willen und mehr nach Engayas handeln..."
Wunderbare Aussichten angesichts eines verängstigten, halb zerstrittenen Rudels.
[nördlicher Wald | Ronron, Hilel]
30.05.2011, 14:24
Als wäre zuvor das Gespräch mit dem Schwarzen nicht genug gewesen, kam etwas womit diese Fähe nie gerechnet hätte. Aber einst hatte sie in diesem Tal bereits gelernt, es gab nichts, was es nicht gab und damit musste sie sich wohl allmählich abfinden. Obgleich ihr dieses Treffen mit dem Roten nicht gefiel, war sie schweigsam. Ihr Blick verriet so oder so kaum eine ihrer innerlichen Gefühlsregungen. Daher glich sie wie zuvor und ließ Aszrem das Wort. Wieso sollte sie sich auch einmischen? Sie gehörte nicht wirklich in dieses Rudel, immer noch nicht. Auch wenn er sie mitnehmen wollte und zu dem hatte sie kaum eine Ahnung von den Worten, die die beiden Fremden dort verloren. Ihr angespannter Leib wich. Der Fuchs war keine Gefahr und der Henker war mit dem Rotpelz beschäftigt. Nun war sie außen vor und sie genoss es.
Hingegen zu Aszrem ließ sie sich auf ihre Hinterläufe und versenkte sich so in eine Sitzposition. Ihr Blick wurde langsam aufmerksam, nachdem das langweilige und lächerliche Gefasel von dem Fuchs eine interessante Wendung nahm. Ihre Ohren spitzten sich und während dieser Rotpelz von Göttern und Vargen sprach, verfiel sie einer alten Erinnerung. Er war nicht der erste, der in ihrer Umgebung die Götter erwähnte, obgleich er es nicht mit dieser Überzeugung tat, wie der graue Wolf…Wie war noch mal sein Name? Hilel musste eine Sekunde darüber nachdenken, während das letzte Geschwafel des Fuchses wieder an Nichtigkeit gewann. Jah, sie wusste es noch und nickte sich selbst leicht zu. Es war Nihil – Nihilus. Sie hatte ihn nicht vergessen, wie denn auch? Aber seit jenem Tag hatte sie ihn nie wieder erblicken können. Damals, da dachte sie mehr daran, dass nur er diesen festen Glauben in sich eingeschlossen hatte. Er, der Sohn aus dem Nichts. Sie hatte keines seiner Worte vergessen. Es legte sich ein sanftes Lächeln um ihre Lefzen, welches so schwach war, dass es wahrscheinlich den fremden Augen entgehen würde. Sie waren viel zu sehr in ihr Gespräch vertieft, während sie sich aus dieser Angelegenheit fernhielt. Dieses Tal war wohl wahrlich magisch oder es gab genug Wölfe die in ihrem Irrglauben sich verlaufen hatten. Nun gut, dass war nicht Hilels Problem. Sie sollten doch an ihre Götter des Lebens und des Tods glauben. Aber viel mehr weckte eine andere Tatsache ihre Neugier. Die Götter wurden von den Handlungen bestärkt und eine der Fähen hatte ihren Sohn gemordet. Dies war also das sanfte Rudel, die glückliche Gemeinschaft, von der Nihil so geschwärmt hatte. Die Geschichte kam ihr bekannt vor. Zu bekannt. Ihr Blick verengte sich und ein verächtliches Schnaufen entglitt dem wortlosen Fang. Sie hatte ihren Sohn getötet und niemand hatte etwas getan?! Mit welchem Recht…
[nördlicher Wald | Aszrem, Ronron]
31.05.2011, 13:04
SL: Ronron der Fuchs bei Aszrem und Hilel
Sonderlich emotional war dieser Aszrem noch immer nicht, aber er lauschte Ronron artig bis zum Schluss und schien sich seine Gedanken nebenher zu machen. Vielleicht hatte der Rotpelz ja doch Glück gehabt und den richtigen Wolf für seine Informationen gefunden. Das würde sich hoffentlich bald zeigen. Zunächst aber gab Aszrem ein paar seiner Gedanken preis, woraufhin Ronron nachdenklich den Kopf hin und her wiegte.
“Kann ich nicht beurteilen, aber immerhin hat der Varg einen Bären getötet. Ob das nun Notwehr oder gezielter Angriff war, weiß ich nicht. Schwer verletzt wollte er Leleya dann aber auch noch an den Kragen. Naja … unerheblich.“
Sein Blick fiel erstmals auf die schwarze Fähe, übrigens die einzige von ihnen, die seiner Aufforderung sich zu setzen nachgekommen war. Das machte sie sympathisch, allerdings hatten sich nun ihre Augen verengt und ein verächtliches Schnaufen kam aus ihrer Kehle. Da sie weder ihn noch Aszrem ansah, vermutete Ronron, dass nicht ihnen diese Geste galt, aber er beschloss dennoch, die Schwarze im Auge zu haben. Sie gab noch weniger von sich Preis als Aszrem. Der hatte mittlerweile genug nachgedacht und stellte eine erste Frage, die er sich flugs selbst beantwortete. Zufrieden wie eine dicke Katze nickte und grinste Ronron, als würde er einen besonders guten Schüler bestätigen.
“Schlaues Kerlchen. In etwa das hat meine Mutter auch gesagt. Ist ja auch naheliegend. Außerdem hat mir Tzacu, der alte Vielfraßgreis, gesteckt, dass ihr dieses Tal für Engayas Tal haltet. Vermutlich läuft deshalb hier alles noch viel mehr aus dem Ruder, weil ihr eure Göttin aus ihrem eigenen Tal verscheucht habt. Keine gute Idee, wenn ihr mich so fragt. Habt euch mal ein bisschen lieb, haltet irgendwelche Priesterorgien ab – was weiß ich.“
Er trat einen ersten Schritt zurück – so wie es aussah, war seine Arbeit hier getan. Ihm waren diese beiden Wölfe mittlerweile doch ziemlich suspekt, deshalb wollte er nicht unbedingt viel Zeit mit ihnen verbringen. Und je schneller sie die neuen Informationen verbreiteten, desto schneller wurde es auch wieder wärmer.
“Noch Fragen?“
31.05.2011, 20:38
„Ich danke dir von ganzem Herzen, Malicia, doch sorge dich nicht um mich. Mir mag es vielleicht im Moment nicht so gut gehen, aber trotzdem ändert das nichts an der Tatsache, dass ich niemals allein sein werde. In meinem Herzen bin ich nie allein.“
Noch während sie diese Worte sprach, wusste die Fähe instinktiv, dass es die Wahrheit war. Die Zeit mochte ihrem Körper zwar die Kraft entreißen, aber die Liebe und die Zuneigung, die in ihrem Herzen schlugen, würden immer bei ihr bleiben, auch noch dann, wenn sie ihren letzten Atemzug tat. Und selbst, wenn die Liebe zu jemandem in der Realität verschwinden würde – in ihrem Herzen hätte sie weiterhin Bestand. Jumaana war sich nicht sicher, ob die schwarze Wölfin verstand, was sie mit ihren Worten meinte, doch sie verließ sich darauf, dass ihr Instinkt es richtig deuten würde. Malicia war eine Fähe mit reinem Herzen; auch, wenn sie das selbst nicht wusste; und sie hatte das „Richtig“ ebenso im Blut wie das „Falsch“, obwohl es natürlich nie nur eines der beiden gab. Aber der springende Punkt war, dass Malicia sich so verhielt, als würde sie sich selbst für etwas Schlechtes halten, was Jumaana keineswegs unterstützen konnte. Ihr tat es beinahe in ihrer guten Seele weh, wenn sie sah, wie sehr sich jemand unterschätzte.
„Malicia? Wenn du mich nicht allein lassen willst, musst du das nicht tun. Aber vielleicht wäre es wirklich besser, wenn wir gemeinsam zu deiner Schwester und meiner Leitwölfin gehen würden?“ Das gemeinsam betonte sie besonders stark, um die Wirkung ihrer Worte zu unterstreichen. „Ich muss nur … ich kann mich nur nicht so viel bewegen. Verzeih mir, aber die Kälte schafft mich ein wenig …“
… was eigentlich vollkommen irrsinnig war. Wo war die Kraft, die Stärke, die sie normalerweise aus dem Eise des Winters zog, der doch so gesehen ihre Heimat war? Stattdessen fühlte sich die weiße Wölfin schwach und verletzlich, als hätte die Kälte sich plötzlich gegen sie gewendet. Das Lächeln, das vor wenigen Sekunden noch über ihre Lefzen schwebte, war nun endgültig verschwunden und der suchende Blick wich einem resignierten, den sie stumm zum Boden richtete. Sie hatte in diesen Augenblicken nicht den geringsten Elan, zu ihrer Leitwölfin zu gehen - nicht nur, weil sie dieser, so zerstört wie sie war, nicht unter die Augen treten wollte, sondern auch, weil ihr schlichtweg die Kraft fehlte, um die nötige Höflichkeit und Unterwürfigkeit an den Tag zu bringen.
Der kühle Wind, der nun über ihren Rücken fuhr, erschien ihr nun abwehrend - als wollte er sie von ihrem angestammten Ort vertreiben und in den Norden zerren, wo sie in ihrem momentanen Zustand schneller zu Tode kommen würde, als man es sich vorstellen kann. Denn die Natur war nicht immer so großzügig und liebevoll, wie die Wölfe es von ihr kannten. Sie konnte auch ein Monster sein, ein grauenhaftes Monster, dass seine Missgeburten ausschickte, um Löcher in das Rudelherz zu reißen.
[ Waldrand | Malicia ]
31.05.2011, 21:58
Dier kühle Wind, der über die Ebene strich, ließ Malicia frösteln und instinktiv stellten sich ihre Haare auf dem Rücken, im Nacken und auch ein wenig an der Rute auf, sodass sie größer und bedrohlicher - und vorallem aggressiver wirkte, als sie war. Sie zog diese Luft ein und konnte förmlich auf ihrer Zunge ihre Schwester, ihre Verwandten und Freunde schmecken. Die Erinnerungen an das wunderschöne Rudel der Sternenwinde, das bis nun alles besiegt hatte, was ihnen hätte eigentlich mehr zu schaffen lassen sollen, weswegen sie stark zweifelte, dass der Winter ihnen wie eine Elster die schönen Gedanken stahl. Sie wusste nicht, wie es ihnen gegangen war und es tat ihr im tiefsten Winkel ihres Herzens immer noch sehr Leid, gegangen zu sein. In ihren Wurzel war es verankert, ein Sternenwind-Mitglied zu sein und sie hatte mehr als einmal gespürt, dass Engaya oder auch Banshees Geist immer wieder zu ihrem Geburtsrudel zurück gerufen hatte.
oO( Es war der richtige Weg. Auch wenn Tyraleen dich vielleicht nicht mehr akzeptiert, allein dieses Gespräch war es wert.)Oo
Malicia wusste, dass Jumaana anders war wie sie selbst, doch im Grunde ihres Herzens hatten sie doch viele Ähnlichkeiten. Als sie ihr antwortete, merkte Malicia die Zuversicht in ihren Worten und sie schlugen so sehr auf sie ein, da sie nicht fassen konnte, welche Kraft der Liebe in der Weißen schlug. Auch wenn sie viel durchgemacht haben mag, vor allem durch die Vorkommnisse mit dem Nichts und diesem Monster, hatte sie eine Fröhlichkeit und Lebenslust in sich, die mit Mali nicht vergleichbar war. Irgendwann würde sie vielleicht auch wieder diese Energie verspüren, die sie antreiben würde und ihr Gehilfe wäre, den Tod ihrer geliebten Eltern und den Rest ihres Lebens zu verkraften. Ein Impuls des Optimismus durchflutete ihren Leib, und sie merkte, wie sie langsam ungeduldig wurde. Sie war sich sicher: Sie musste mit Tyraleen - offensichtlich der neuen Leitwölfin - und den anderen ranghöhen Wölfen sprechen. Gemeinsam war ein guter Anfang einer neuen Ära. Einer neuen Ära, nur für sie. Vielleicht hatte Malicia nach so viel Bedenkzeit in ihrer Einsamkeit endlich ihre Erfüllung gefunden, die darin bestand, ihrem Rudel treu zu sein. Und zu bleiben.
" Nicht Alleinsein ist ein schönes Ziel. Ich denke, es liegt in meinem Herzen, dass ich mich zu oft um Andere sorge. So, wie es in uns allen liegt, danach zu streben - auch wenn es viele nicht zugeben wollen - gemeinsam glücklich zu werden. Jeder braucht seine zweite Hälfte um in seiner Seele vollkommen zu werden. Ansonsten bleibt unser Herz immer bloß halb. Mit unserem Seelenpartner werden wir wieder ein Ganzes. Daran glaube ich. "
Malicia seufzte leicht auf und schaute zu Boden. Sie wusste, dass sie nun versuchen musste, sich erst wieder in das Rudel zu integrieren und sie hatte immer noch Angst verstoßen, missverstanden oder gehasst zu werden, so abwegig das auch war. Denn irgendwo gelangt immer ein kleiner Lichtstrahl auf den Boden, der vielleicht nur eine Schneeflocke schmelzen lässt. Irgendwann aber wird die Sonne dominieren und die eisige totbringende Kälte vernichten, damit alles wieder gut wird. Damit das Rudel weiter besteht und mit ihnen die facettenreichen Charaktere der Rudelmitglieder die das Sternwind-Rudel unvergleichlich einzigartig machen.
Sie schaute kurz gen Himmel, vertrieb diesen Gedanken und schaute Jumaana fest in die grünen Juwelen in ihrem Gesichtchen aus weißem Schnee.
" Los dann ... lass uns gehen. Gemeinsam. "
Der Zweifel stand ihr noch immer ein wenig im Gesicht, doch sie hoffte gemeinsam mit Jumaana ihre Zukunft in den richtigen Weg leiten zu können.
[Am Rand des Rudelplatzes | Jumaana ]
01.06.2011, 13:53
Nur mit halbem Gehör hatte Liel das weitere Gespräch der beiden verfolgt. Ihre Gedanken waren auf anderen Wegen gelaufen. Ihr Pfad hatte sich von dem der anderen gesplittet, als Shani den Tod Tascurios erwähnt hatte.
Das war eine der vielen, ungeklärten Fragen. Genauso, wie die Frage, wie ein Varg entstehen konnte, wieso er plötzlich ein Wolf wurde. Oder wie ihre Pfoten die neue Welt erschaffen hatten. Doch das waren Fragen, die niemand hier beantworten konnte. Zumindest noch nicht. Und auch ihre wichtigste Frage, würde Shani wohl nicht beantworten können, aber sie musste gestellt werden. Das Herz war ihr dadurch zu schwer und sie wollte nicht eine solche Gedankenlast mit sich herum tragen.
Ohne auf das Gesagte der beiden einzugehen, begann sie zu sprechen.
„Wie bringt es eine Mutter fertig, ihr eigenes Kind zu töten, wenn sie es doch liebt?“
Sie wollte keine Rechtfertigung von Tyraleen, denn sie hegte keinen Groll gegen die große, weiße Alphafähe. Doch sie wollte, nur annähernd, verstehen können, wie eine Mutter so etwas fertig bringen konnte. Vor allem, wenn der Gedanke der Tötung nicht aus Hass entstand. Aus Hass konnte man viele Dinge tun, soviel hatte sie bereits schon gelernt. Auch aus Liebe tat man viele Dinge. Aber aus Liebe gegen Liebe? Wieso hatte sie nicht den Dingen ihren Lauf gelassen?
Nun bezog sie sich schon selbst auf Tyraleen, das hatte sie gar nicht gewollt. Aber es fiel ihr schwer sich allgemein zu halten. Dabei war das wichtig, ansonsten würde man doch nur jemanden in den Dreck ziehen.
“Ganz… wie sagt man, objekt betrachtet? Ohne Vorurteile und ohne den Fall auf einen bestimmten Wolf zu prozieren…“
Ein wenig wunderte sie sich selber über ihre Wortwahl. Wobei sie sich gleichzeitig sicher war, dass irgendetwas an den Worten nicht ganz stimmte. Umso mehr wunderte sie sich. Woher kamen diese Worte? Wann hatte sie diese aufgeschnappt und in ihrem Kopf verankert? Sie klangen so Erwachsen, dabei war sie doch noch so weit davon entfernt. Wollte es auch noch gar nicht sein. Sie war dem welpisch sein, sowieso so früh entzogen worden.
Die Trübseligkeit legte sich über ihre sonst so fröhlichen Augen. Plötzlich erschien ihr alles so leer und trist. Als ob eine Welt in ihr zusammengebrochen war.
Wo war chanuka? Wo war Familie?
[Shani und Jarrèll]
01.06.2011, 21:34
Die Begrüßung von Lyerra und Majibáh, gegenüber Chilali war freundlich und sie hießen seine Schwester willkommen. Majibáh war nicht böse auf Volk und nahm seine Entschuldigung mehr vorweg, sie freute sich für die Geschwister. Lyerra begrüßte auch Volk´s Schwester freundlich, stieß den Rüden an, lächelte und flüsterte seinen Namen in sein Ohr. Sie stand immer noch nah bei ihm, sein Herz klopfte laut und immer schneller. Sie lächelte ihn immer noch so „besonders“ an, doch wußte er nicht wie er dies zu bewerten hatte. Lyerra wich zurück, sie wollte, wie sie sagte laufen,doch Volk wurde irgendwie unruhig. Er war hin und hergerissen, er wusste nicht ob er sie allein lassen sollte. Vielleicht brauchte sie die Ruhe, aber der Schwarze konnte seinen Blick nicht von ihr lassen, starrrte ihr hinterher und bemerkte das sie auch zurückblickte.Er verstand nicht ganz was Lyerra damit gerade meinte, Volk war verwirrt. So verwirrt, das seine Schwester und die andere Fähe in den Hintergrund gerieten, zumindest für diesen Moment.
„Hmmm, darf ich fragen über was ihr euch unterhalten habt, versteh mich nicht falsch aber ich bin gerade etwas verwirrt. Ach egal, Hauptsache sie bleibt nicht zu lang weg. Willst du bei mir liegen, Chilali? Ich wärme dich gern wieder auf.“
Ganz ging ihm das Verhalten, von Lyerra nicht aus dem Kopf und so dachte er weiter darüber nach, versuchte daraus schlau zu werden. Dabei überhörte der Rüde die Fragen von Majibáh, die die Geschichte von der Trennung der Geschwister erfahren wollte.Nun hätte nur Chilali ihr antworten können.
[Rudelplatz | Chilali, Majibáh]
Sorry, ist leider nicht mehr geworden ^^“
01.06.2011, 23:22
Sie hätte ihre eigenen Worte wohl ein wenig verwirrend gefunden, wenn sie es nicht selbst so erlebt hätte. Desto mehr stellte sich ihr die Frage, ob der helle Rüde nun etwas mit ihren Worten anfangen konnte. Sie lief still neben ihm durch den Schnee, sah ihn an und beobachtete die Regungen in seinem Gesicht. Als er dann eine Frage stellte, atmete die dunkle Wölfin einmal tief durch, setzte dann erneut zu einer Antwort an.
„Ich denke schon. So viele Wölfe in diesem Rudel haben mir bestätigt, dass ich hierher komme. Dass hier meine Heimat ist, und hier meine Familie lebt. Ich wüßte keinen Grund, wieso sie mich anlügen sollten. Auch wenn ich Anfangs Zweifel hatte. Dabei wußte ich auch nicht, wieso mich das andere Rudel belogen haben sollte. Es war einfach ein wenig zu viel in dieser Zeit, mit dem ich zu kämpfen hatte. Inzwischen regelt sich alles ein wenig... aber an machen Tagen ist es noch immer komisch, wenn ich in diese Gesichter blicke und mich manchmal frage, ob diese Wölfe mir wirklich die Wahrheit erzählt haben. Aber mein herz führte mich hierher... ich kann mich nur darauf verlassen oder in ewigen Zweifeln leben.“
Nun beobachtete sie Nihilus Nicken, betrachtete den Weißen aber weiterhin, darauf achtend, nicht im Schnee zu stolpern. Und dann stellte er schon eine nächste Frage, die erneut ein leichtes, wenn auch müdes, Schmunzeln auf ihre Lefzen schleichen ließ. Für diese Frage gab es nur eine, klare Antwort. Nie wieder wollte sie sich so allein fühlen, wie in der vergangenen Zeit. Nie wieder.
„Nein, in keiner Minute. Natürlich ist es bei diesen vielen Wölfen, diesen oft fremden Gesichtern, die hierher kommen, schön, Mal einen Moment für sich zu haben. Aber ich glaube, ich gehöre einfach in ein Rudel mit vielen Mitgliedern. Wenn dies hier meine Familie ist, bin ich mit vielen Verwandten aufgewachsen. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht so gern allein bin. Mir würde etwas fehlen, ohne diese Hektik, die manchmal herrscht.“
Mit einem kurzen Lächeln in seine Richtung wandte Kisha den Blick leicht ab, ließ ihn über das Rudel schweifen, betrachtete die Gesichter in der Nähe.
„Und du? Ich weiß kaum etwas über dich. Magst du mir etwas von dir erzählen?“
[Rudelplatz – Nihilus]
02.06.2011, 12:43
Chilali fühlte sich gleich etwas wohler am Platz des fremden Rudels, was jetzt irgendwie zu ihrem Rudel werden sollte, als sie bemerkte wie freundlich und offen die beiden Fähen doch waren.
Aufmerksam beobachtete sie Volks Reaktion auf Lyerra, behielt aber ihre Gedanken dazu für sich, darüber könnten die Geschwister später noch reden.
“Okay, bis später dann...“,
murmelte sie der Fähe halblaut und etwas verwirrt über deren plötzlichen Abgang hinterher.
“ Ach das ist eine lange, aber gar nicht mal so spannende Geschichte, Majibáh.!
,seufzte sie und legte sich dann ebenfalls hin und legte den Kopf auf die Vorderfüße und blickte so in die Runde, als sie sich wieder an die Frage der ebenfalls blauäugigen Erinnerte.
Als Volk ihr anbot sie wieder aufzuwärmen schnaufte sie nur Sarkastisch.
“ Man merkt, dass wir uns lange nicht gesehen haben großer Bruder, schon zweifelst du wieder an meinem Fell und meiner Stärke.“
, neckte sie ihn und zog dann spielerisch an seinem Ohr um ihn etwas zu ärgern.
Dann blickte sie Majibáh wieder an.
“ Wir waren einfach dumm. Dumme Jungwölfe die in Panik vor ihrem alten Leben davon rannten und vor dem was sie gesehen hatten. Also zogen wir zu Dritt, Volk, unser Bruder Inuky und ich, durch den Wald. Trotz der Tatsache, dass wir eigentlich begabte Jäger sind blieb die erhoffte Beute aus und wir hungerten. So lange bis wir schon dachten im Wald unser Ende zu finden.
Volk hier zog los, weil er meinte etwas entdeckt zu haben und ich folgte ihm, fest glaubend Inuky käme uns nach, aber so war es nicht. So verlor ich Inuky aus den Augen.
Und Volk indem ich nicht schnell genug lief, irgendwie war ich plötzlich allein und erschöpft im Wald zurück geblieben.
Ich hatte Glück, fand einen Kaninchenbau und grub ihn aus, fraß mich an den kleinen Nagern satt und machte mich wieder auf den Weg Volk zu suchen.
Zu guter Letzt habe ich ihn ja gefunden.“
, erzählte sie etwas traurig, aber sichtbar froh nicht mehr alleine zu sein. Entspannt gestattete sie sich, sich richtig auszuruhen und ließ die Anspannung die ihr seit Wochen anhaftete von sich abfallen.
Sicherheit. Ein Rudel was einen Beschützte, ihr Bruder der dies ebenfalls tat und immer tun würde und möglicherweise die Aussicht auf neue Freunde und Bekanntschaften. Momentan ging es gar nicht besser.
Naja schon, wenn sie keinen Hunger mehr hätte!
Aber sie würde warten müssen bis das Rudel auf Jagd ginge...
[Rudelplatz - Volk und Majibáh]
03.06.2011, 09:04
Mit einem Mal war sein Gesicht nasser als zuvor - Minyalas lange Zunge war ihm näher als sonst gekommen und ohne schützendes Fell, so kurz es in einem Wolfsgesicht auch war, war er ihr völlig ausgeliefert. Caleb kniff die Augen zusammen und verzog das Gesicht zu etwas, das ein schiefes Grinsen sein mochte. Er hob die Hände in einer beschwichtigenden Geste.
"Schon gut, ich ergebe mich! Du hast ja recht, ich bin allein völlig nutzlos",
erwiderte er schuldbewusst grinsend. Naja, im Grunde war das noch im guten Licht dargestellt - er war auch mit Minyala zusammen völlig nutzlos, aber da hatte er wenigstens jemanden, der ihm Tipps ins Ohr flüstern konnte. Sein Blick glitt zu Sheena, und für einen Moment verblasste sein Lächeln. Der Blick, den sie auf ihn gerichtet hatte, war ihm etwas zu intensiv. Ihre Frage war insofern erleichternd, als dass sich ihr Starren als Faszination enttarnen ließ, aber auf was sie sich bezog, war dem Werwolf ein Rätsel.
"Wie, was mache ich?",
fragte er und sah an sich herab, auf der Suche nach etwas an ihm, dass sie meinen konnte. Betrachtete seine Brust, seine Hände, und warf Minyala einen hilfesuchenden Blick zu. Also wenn Sheena versuchte ihn nervos zu machen, wie Minya es für seine Rückverwandlung vorgeschlagen hatte, dann gelang es ihr. Das vertraute und gefürchtete Kribbeln stellte sich jedoch nicht ein. Noch nicht zumindest. Aber vielleicht konnte er ihr ja gleich eine Antwort auf ihre Frage geben, sobald er wusste, was sie überhaupt meinte - er selbst bekam zumindest seine Antwort, auch wenn er im Nachhinein nicht mehr sicher war, ob er sie noch wollte. Da waren sie schon wieder, die Wolfsgötter, und das mit angeblich spürbarer Macht. Wortwörtlich in seinem Fall. Gruselig. Aber was wunderte das ihn überhaupt noch? Wer hatte ihn denn in einen Wolf verwandelt, hm? Ein Gott, genau.
"Also, ähm, was machen wir jetzt? Ich will keinen Ärger machen und vor allem auch keinen kriegen, aber der Wald ist derzeit ja eigentlich tabu... Aber Menschen kennt dieses Rudel nicht wirklich, oder? Du hast mir zwar von Thylia erzählt, aber das scheint ja schon lange her zu sein, also ist es wohl optimistisch formuliert zu sagen, dieses Rudel sei nicht so mit Werwölfen vertraut wie Minyas?"
Er lächelte unsicher und begann völlig unbewusst, Minyala am Rücken zu kraulen. Beruhigungstherapie.
[Waldrand | Minyala, Sheena]
03.06.2011, 13:18
Jarèll fühlte sich sichtlich unwohl im Gespräch über seine ehemalige Lebensweise. Er antwortete zwar brav auf Shanis Einwände und erwiderte auch ihr Lächeln, doch alles an ihm strahlte die Bitte aus, nicht länger über dieses Thema zu philosophieren. Die Weiße hätte durchaus noch fragen könne, ob der Rüde die Verlässlichkeit der Einsamkeit mehr schätzte, als das Glücklichsein, doch sie würde seinen unausgesprochenen Wunsch respektieren und das Thema fallenlassen. Um genau zu sein kannten sie sich sowieso viel zu schlecht, um über so persönliche Einstellungen zu sprechen. Vielleicht würden sie sich ja irgendwann einmal besser kennen und sie würde diesen seltsamen Wesenszug Jarèlls und auch Midnights erklärt bekommen – bis dahin musste sie sich mit dem Gesagten zufrieden geben. Ein leichtes Lächeln drückte ihr Einverständnis aus, dann wandte sie sich ohne noch weitere Gedanken zu verschwenden, dem Katastrophenthema zu – mit dem kleinen Umweg zu dem Glück, das Jarèll vermutlich nur aus Höflichkeit empfand. Doch Shani konnte es sich nicht verkneifen, einen Kommentar dazu abzugeben; selbstverständlich mit einem Zwinkern.
“Wenn es so einfach ist, dich glücklich zu machen, ist es verwunderlich, warum dir das Glück zuvor deinen Worten nach nicht so hold war.“
Sie verlangte keine Antwort darauf, auch wenn man ihren Satz durchaus als indirekte Frage interpretieren konnte. Vielleicht wollte sie Jarèll nur ein wenig necken, denn ernst schien der weiße Rüde in jedem Fall zu sein. Allerdings konnte man ihm bei ihrem eigentlichen Thema die Ernsthaftigkeit nicht vorwerfen, immerhin gab es am Nichts und dem Tod Tascurio wenig Erfreuliches zu sehen. Auf die Anmerkungen des Weißen nickte sie beinahe nachdenklich und kippte dann den Kopf leicht zur Seite.
“Ja, besonders ist dieses Tal und dieses Rudel auf jeden Fall. Und was hier passiert folgt immer einem höheren Plan, den uns die Götter leider nur selten verraten. Warum glaubst du nicht an die Götter? Als ich hier ankam, kannte ich die Namen Engaya und Fenris nicht, doch die lange Zeit, die ich nun hier verbracht habe, hat mir eigentlich gar keine Wahl gelassen. Die Anwesenheit der Götter ist so deutlich spürbar, dass ich sie schlicht nicht leugnen kann.“
Beinahe klangen Shanis Worte hilflos, denn eigentlich war sie nie jemand gewesen, der sich mit spirituellen oder mystischen Themen beschäftigte. Ob es Götter gab oder nicht schien ihr nie wichtig gewesen zu sein. Doch seit dem Nichts, den gesunden Welpen Tyraleens und Averics und dem Zwiespalt Jakashs blieben ihr immer weniger Möglichkeiten, die Geschehnisse zu erklären.
Unerwartet riss Liel die Weiße aus ihren Gedanken. Ihre Ziehtochter schien endlich wieder Worte gefunden zu haben und stellte nun ihre erste Frage. Zum Glück handelte sie nicht von Göttern, denn bei diesem Thema hätte Shani Mühe gehabt, überhaupt zu antworten. Erstmal musste sie jedoch schmunzeln und stupste ihre Ziehtochter liebevoll in die Seite.
“Du meinst projizieren?“
Doch das Lächeln verging der Weißen schnell, immerhin ging auch ihr diese Frage sehr nahe. Sie war Mutter, ihre Kinder waren ihr Ein und Alles. Vermutlich hätte sie ihren Sohn nicht umbringen können, aber das konnte man natürlich immer behaupten, wenn man nicht selbst in diese Lage kam.
“Ich vermute, dass die Liebe zu Averic größer gewesen ist. Und wenn man die Lage betrachtet, ohne sie auf einen bestimmten Wolf zu projizieren, kann man wohl sagen: Eine Mutter kann ihre eigenen Welpen töten, wenn sie scheinbar vor einer unumgänglichen Entscheidung zwischen ihrer größeren und ihrer kleineren Liebe steht.“
Wie unumgänglich die Entscheidung in Tyraleens Fall gewesen war, vermochte Shani nicht zu beurteilen. Sie hätte sich wohl so oder so für den Tod ihres Gefährten entschieden, was gleichzeitig auch hieß, die Entscheidung ein Stück weit in die Pfoten eines anderen abzugeben. Tyraleen war eine Leitwölfin, sie schob keine Entscheidungen ab. Vielleicht war auch das ein Grund für ihren Entschluss gewesen.
[ Rudelplatz | Jaréll und Liel ]
04.06.2011, 17:47
Interessiert beobachtete der weiße Hüne die beiden dunklen Rüden, dessen Gesellschaft ihm doch angenehmer erschien als erwartet. Jakash kannte er schließlich aus vergangenen Tagen, wenngleich sie schon lange nicht mehr gesprochen hatten und Chardím, er war Atalyas Bruder. Ihm galt ein mitfühlender Blick, als er, wie bereits erwartet, kundtat, es ginge ihm nicht gut und obwohl er sich für gewöhnlich nicht um das Wohlbefinden anderer Wölfe scherte, so keimte doch ein kleiner Funken von Mitleid in ihm auf, als er den Jüngling betrachtete, welcher so elendig am Boden kauerte. Es mochte daran liegen, dass er die Emotionen der letzten Tage bereits zu ausführlich wahrgenommen hatte und sich zudem so ausgiebig mit Avendal und Atalya befasst hatte, welche beide schlechten Gemütes gewesen waren.
"Ich hoffe, dass bald bessere Zeiten für dich anbrechen, Chardím."
Tat der Albino seine Wünsche kund und nickte dem Rüden ein weiteres Mal zu, bevor er sich seinem Paten widmete. Dieser schien jedoch das Gegenteil darzustellen, was die Stimmungslage anbelangte und Madoc empfand es beinahe als verwunderlich, dass dem so war, wo doch die Atmosphäre ständig so düster gewesen war. Madoc kam jedoch nicht dazu, dem Gleichaltrigen zu antworten, denn Takashi war bereits aufgekreuzt und begann von den Göttern zu sprechen. Jakash und Chardím schienen dieser Rede beide nicht sonderlich angetan, denn beide gaben einen Kommentar, welcher nicht zu Takashis Zufriedenheit ausfiel. Der Silberweiße Hüne verharrte weiterhin in Schweigen und lauschte mehr oder minder desinteressiert den ausholenden Worten, die er jedoch als sinnfrei erachtete. Die meisten Wölfe des Rudels glaubten entweder an Engaya oder Fenris, doch sah er die Welt aus anderen Augen. Er war ein rationaler Denker und vertraute in die Realität, die Logik hinter gewissen Phänomenen, nicht jedoch an die höheren Mächte, welche hier gepriesen wurden. Als Takashi jedoch von Gut und Schlecht zu sprechen begann, hob auch Madoc seine ruhige, neutrale Stimme.
"Dann sage uns, Takashi, was erachtest du denn als "gute Tat"? Ist nicht jede gute Tat, gleichzeitig auch eine schlechte und jede schlechte auch eine gute?"
Fragte er fordernd, während sein blutroter Blick dem tiefblauen schamlos begegnete. Seine Worte dienten nicht der Provokation, wenngleich sie so geklungen haben mochten. Der Albinorüde wollte lediglich prüfen, ob der ältere Rüde wahrlich wusste, wovon er sprach, in seinen Augen gab es nämlich keine Trennung zwischen Gut und Schlecht.
Die folgende Frage war lediglich an Jakash gerichtet, so mischte er sich nicht ein und besah stattdessen Chardím mit einem kurzen Blick. Ob er dieses Gespräch befürwortete?
[Bachmündung | Chardím, Jakash, Takashi]
05.06.2011, 17:54
Am Ende des Tunnels gab es immer ein Licht, hatte ihre Mutter Jumaana einmal anvertraut, auch wenn sie sich nicht sicher war, was das zu bedeuten hatte. Es hing irgendwie damit zusammen, dass man nach vorne blicken sollte, um sich aus dem dunklen Wald herauszuschlagen, doch der genaue Wortlaut erschien der Weißen fremd und ungewiss. Doch instinktiv wusste sie, dass diese Phrase auf ihren jetzigen Zustand zutraf und schöpfte Hoffnung daraus. Die Worte Malicias gaben ihr zusätzliche Kraft, als ihr bewusst wurde, dass sie niemals alleine dastehen würde. Wenn die Schwarze einmal nicht da sein würde, dann hatte sie immer noch ihre Familie im Rudel und ihre Freunde und in letzter Sekunde könnte sie sich auch noch an diejenigen klammern, mit denen sie eigentlich ansonsten nichts zu tun hatte. Denn wenn alle Stricke rissen, gaben ihr die Sternenwinde Halt, jeder Wolf auf seine Art und Weise – vielleicht auch durch das Nichtstun oder das Verachten. Denn so naiv, dass sie dachte, jeder würde sie mögen, war Jumaana keinesfalls. Zwar hatte sie keine Feinde – zumindest keine offensichtlichen – aber das hieß noch lange nicht, dass alle hinter ihr standen. Und auch für sie gab es im Rudel Wölfe, die sie nicht mochte oder mit denen sie nichts zu tun haben wollte – trotzdem würde sie jeden von ihnen unterstützen, wenn sie mal Probleme hatte. Das lag nicht unbedingt an ihrem großherzigen Gemüt, sondern auch an der Tatsache, dass sie wusste, dass sie Götter das Rudel verbanden. Man musste nicht hilfsbereit sein, um sich gegenseitig zu helfen. Man musste einfach nur an das Rudel und dessen Zusammenhalt glauben.
Wäre sie ein Mensch, würde die Wölfin nun nach der Hand Malicias greifen, um mit ihr voranzuschreiten und etwas zu tun, was sie für richtig hielt. Aber sie war nun einmal kein Mensch und hatte auch keinerlei Ahnung, was das war und wie es aussah (wenn man mal von den Erzählungen Calebs über tausend Ecken absah), weshalb sie der Schwarzen nur noch ein aufmunterndes Lächeln schenkte, was trotz ihrer inneren Ruhe noch ein wenig schwach war – so wie sich nun auch fühlte. Der Verlust Aarinaths schmerzte mehr, als es der Tod eines anderen, ihr nahestehenden Wolfes zu schmerzen vermochte. Aber nun, wo sie wusste, dass sie das Licht am Ende des Dunkels suchen musste – und finden konnte – wurde diese Trauer ein wenig gedämpft. Nur die Tatsache, dass Takashi stumme Freude über den zweiten Tod seiner Mutter hegte, war noch wie ein tiefer Schnitt in ihrem Herzen, doch was sie nicht umbrachte, das stärkte sie nur noch mehr. Und auch, wenn sie nicht unbedingt so aussah, war sie stark. Sie war stärker als viele andere Wölfe und sie würde immer stärker sein als diese Schwächlinge. Die kleine, zarte Hülle würde immer die gleiche bleiben, doch innerlich konnte sie wachsen und wachsen.
„Was du sagst, könnte nicht wahrer sein. Es ist gut, daran zu glauben – vielleicht nicht richtig – aber gut. Vielleicht sollten wir das alle tun.“
Noch immer lag das zarte Lächeln auf dem Antlitz der Weißen, als diese die andere Wölfin betrachtete.
- [ Am Rande des Rudelplatzes | Malicia]
06.06.2011, 13:33
Die junge graue Wölfin blickte eine Weile in die Ferne, die von kaltem Dunst verhangen war, der eigentlich nicht hier sein durfte. Wieder einmal wurde ihr bewusst dass es mitten im Sommer Winter war und dass sich hier niemand so wirklich darüber zu wundern schien. Keiner fragte wirklich nach den Gründen. Als Tyraleen sagte, sie könne ihr vielleicht erklären woher auch ihre körperliche Schwäche kam, hob Neytíri interessiert den Kopf, nickte auf den Vorschlag hin, mehr zu fressen, nur gehorsam und versuchte in Gedanken den Liegeplatz der Beute nachzuvollziehen.
Als sie dann ihre Geschichte zuende erzählt hatte, herrschte eine Weile schweigen zwischen ihnen, ehe Tyraleen das Wort ergriff. Sie erklärte ihr vieles von Engaya und Fenris, trennte die beiden Lehren auf und schaffte endlich Klarheit im Herzen der Grauen. Als sie sagte, Engaya sei niemals zornig, breitete sich ein ehrliches Lächeln in den Zügen der jungen Wölfin aus. Also brauchte sie nicht zu fürchten, dass ihr Leben ein Verbrechen an den Gesetzen der Götter war? Vielmehr, so schilderte die Alpha, musste Engaya sich sehr darüber freuen, dass Neytíri noch lebte. Dann erklärte sie ihr das Nichts und wie dieses neue Tal hier wirklich genau unter ihren Pfoten entstanden war. Auch da war Engaya ganz nahe gewesen und hatte auf die starken Bande der Gemeinschaft reagiert, die dieses Rudel zusammenhielten. Der Gedanke war äußerst tröstlich für die Graue. Stets hatte sie sie einsam und ausgeschlossen gefühlt, aber nun umschlang sie ein wärmender Hauch der ihr das Gefühl gab, Teil eines Ganzen zu sein. Die Erleichterung und eine plötzlich aufflammende Zuneigung zu all denen um sie herum standen ihr deutlich in die Züge geschrieben. Währenddessen verschwand das Lächeln von den Lefzen der weißen Wölfin vor ihr und Neytíri stockte. Das Lächeln in ihrem eigenen Gesicht flackerte und erstarb schließlich, als Tyraleen wieder das Wort erhob und zugab, den Zusammenhang zwischen den beiden Schicksalen zu erkennen, ihr der Gedanke jedoch keinen Trost spenden konnte. Im Gegenteil, er machte sie noch trauriger, und Neytíri fuhr ein eiskaltes Beben durch den zierlichen Körper. Sie fühlte sich plötzlich hilflos. Daran hatte sie gar nicht gedacht; daran, dass all dies für Tyraleen nur weitere Folter sein konnte, schließlich war sie eine Priesterin Engayas, wie sie gesagt hatte.
"Es... es tut mir so Leid, Tyraleen. Das war das Letzte, was ich wollte, wirklich. Ich dachte... ich dachte nur..."
Sie brach ab und senkte den Blick. Sie war sich ziemlich sicher, dass Tyraleen ihr gar keinen Vorwurf machte, dennoch fühlte sie sich schrecklich. Doch sie wusste nicht, was sie weiter sagen sollte, und so schwankte sie nur hin und her zwischen einem gequälten Blick du der weißen Wölfin hin, und den Blick zu Boden gerichtet die Ohren anzulegen.
[ Waldrand | bei Tyraleen ]
06.06.2011, 15:42
Chardíms Kopf wandte sich zu Jakash herum, als der plötzlich anfing zu lachen. Der Schwarzweiße erinnerte sich nicht seinen Paten jemals lachen gehört zu haben, was wahrscheinlich auch daran lag, dass sie sich erst seit dem Tod seines Bruders so nahe waren. Dennoch hatte dieses Lachen jetzt einen etwas faden Beigeschmack. Weil es eher ein Auslachen war und weniger angebracht. Doch Chardím sagte nichts dazu, sondern ließ den bernsteinblauen Blick zurück zu Takashi wandern, der nun sichtlich zerknirscht wirkte. Der Jungwolf wurde nur nicht schlau daraus, warum der Schwarze ihnen etwas erzählte, was ihnen längst klar sein dürfte. Oder überschätzte Chardím die Auffassungsgabe anderer Wölfe zu sehr? Die Antwort auf seine Gedanken kam prompt, ausgesprochen von Madoc und an Takashi gerichtet. Der geschwächte, schwarzweiße Rüde seufzte.
„Fangt nicht an zu diskutieren, das sollte denen überlassen werden, die Ahnung von den Göttern haben. Und Streit gehört schon einmal nicht zu den von Engaya geschätzten Dingen.“,
tadelte er ohne jede Zurückhaltung seinen Gamma, Madoc und vielleicht auch ein bisschen Jakash. Denn sich über Takashi lustig zu machen, könnte den anderen Fenriswolf nachher noch so sehr provozieren, dass es Ärger gab. Der Tadel war natürlich aus seiner Wortwahl zu entnehmen, Chardíms Stimme im Gegensatz dazu, hatte aber neutral und ganz und gar nicht böse geklungen. Etwas versöhnlicher wandte sich der Schwarzweiße wieder ganz an Takashi.
„Du hast Recht. Das Gleichgewicht ist gekippt. Die Frage ist, ob ein bisschen Nettigkeit hier und da ausreichen wird, um es wieder herzustellen. Ich bezweifle es, denn das Gewicht der begangenen Fenristaten wiegt sehr viel schwerer.“
Ihm war klar, wovon er redete. Und irgendwo hätte es ihn vielleicht schmerzen müssen, dass die schrecklichen Dinge, die in der letzten Zeit passiert waren, von ihm sehr nahe stehenden Wölfen ausgeübt worden waren. Aber er fühlte nicht viel dazu.
Das Madoc wohl nicht an die Götter glaubte, war Chardíms feinem Gespür nicht entgangen. Dennoch war es ihm egal, wenn der Weiße sie aufgrund ihres Glaubens für verrückt halten wollte. Im Grunde konnte er den Albino dann nur bedauern.
„Du glaubst nicht an die Götter, oder Madoc?“
[ Bachmündung | Jakash, Madoc, Takashi ]