Averic
13.02.2011, 18:40

Wann: In der Nacht des aktuellen Plots
Wo: Trauerweidenhain

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Es war Nacht geworden. Bitterkalte Nacht, zu seinen Pfoten eine graue, schwere Masse. Mitten im Sommer hatte der Schnee die Wiesen zugedeckt und da der Himmel bewölkt war, sich kein Stern und kein Mondlicht zeigten, wirkte die Welt um ihn herum seltsam fahl, fast unwirklich. Sie spiegelte den Zustand wieder, in dem sich das Rudel und vielleicht noch viel mehr befand. Eine verzerrte Wirklichkeit.
Es war gut gewesen mit seinen Kindern sprechen zu können, zu wissen, dass sie sich nicht gegen ihn und ebenso wenig gegen ihre Mutter stellten, auch wenn die Erinnerung an die Worte, die ihm Avendal entgegen geschleudert hatte immer noch stach. Doch jetzt, wo alles wieder ruhte, konnte er sich nicht einfach zu seiner Familie legen, denn sie waren kein Ganzes mehr. Auf dem Rudelplatz zu schlafen hätte bedeutet, dass sie sich hätten entscheiden müssen, zu wem sie sich legten. Abgesehen davon drängte ihn immer wieder ein Gefühl in der Brust dazu weit genug fort zu gehen, damit er sie nicht sehen musste.
Averics große Pfoten hatten ihn in den Trauerweidenhain geführt. Während der Boden um ihn herum völlig eingeschneit war, sah man in der Mitte des Platzes, zwischen den Trauerweiden noch ein Fleckchen Gras, aus dem sich zwei junge Pflanzen aneinander empor rankten. Sie waren von der Kälte unberührt geblieben. Ein seltsames Gefühl steckte dem Pechschwarzen im Hals und vor seinem geistigen Auge sah er Banshee und Acollon genau dort liegen. Averics Krallen gruben sich ein wenig tiefer in den Schnee und er setzte sich. Was hatten sie nicht alles durchstehen müssen, seit sie fort waren. Erst das Nichts und jetzt das. Es schien wahrlich so, als hätten die Götter, seit ihre Kinder gestorben waren nur noch im Sinne ihre Nachkommen ins Unglück zu stürzen. Zuerst physisch, jetzt psychisch. Er konnte es einfach nicht verstehen, es machte ihn wütend. Wenn Banshee und Acollon jetzt auf sie Acht geben sollten, warum verdammt taten sie dann nichts!? Warum verriet ihn sein Gott, während die große Göttin nichts tat um ihrem eigenen Schützling zu helfen? Sie taten ihm das Schlimmste an, was sie hätten tun können. Sie zerstörten seine Familie, ausgerechnet die Wölfin, die er liebte half ihnen dabei und sie ließen allmählich Risse auf dem Bild erscheinen, dass er von seiner Mutter hatte. Tintenflecke aus Enttäuschung tropften auf die Oberfläche. Warum ließen sie ihn im Stich? Und warum war seine Schwester zu blind um zu sehen, warum hatte sie so falsch werden können?

Malicia
13.02.2011, 19:06

Malicia schaute gen Himmel. Das Firnament, das von schweren Wolken verhangen war, wirkte so melancholisch. Es gefiel ihr nur zu gut. Mit jedem Schritt hörte sie das sanfte knacken des Schnees unter ihren Pfoten. Immer und immer wieder drückte sie den Flocken eng zusammen, sodass nur der Umriss ihrer Pfote zu sehen war. Ihr Kopf hing müde herunter, während sie durch den großen Wald lief. Wieder fühlte sie sich so allein und gedemütigt. Wie konnte alles nur ... so furchtbar sein? Warum starben sie ihr alle weg? Warum bloß? Diese Welt war einfach unfair.
Die Erinnerungen kamen wieder hoch. Sie kratzen an ihrem Gedächtnis und diese bekannte Stimme kam ihr wieder ins Ohr. Die Stimme Banshees. Was würde Malicia dafür geben, sie noch einmal reden zu hören.

Bald wurde der Wald lichter und Malicia erinnerte sich daran, dass sie bald in die Nähe des Trauerweidenhains kommen musste. Dieser Fleck war ihr nur zu gut bekannt und es schmerzte, nun wieder hier zu sein. Sie achtete nicht darauf, welche Eindrücke noch da waren. Langsam und monoton trottete sie durch den Wald, um endlich den Platz zu erreichen. Irgendeine fremde Stimme hatte sie an diesen Ort geführt. Irgendetwas zog sie beinahe magisch an. Aber was war nicht magisch in diesem Tal?
Malicia blickte noch einmal zurück. Heute hatte sie zum ersten Mal seit einem halben Jahr wieder diesen Wald verlassen. Sie hatte die Pfoten wieder auf Sternenwind-Revier. Sie zweifelte. War es richtig, hier zu sein? Wollte sie zurück zu den Anderen, die sie einst verstoßen hatten? Andererseits war es sicherlich schön, noch einmal ihre Geschwister wieder zusehen ...
Sie atmete kräftig die kalte Winterluft ein. Ihre Augen suchten den Boden ab, auf der Suche nach einer Antwort.

"Was ... soll ich nur tun?"

sprach die schwarze Fähe zu sich selbst. Plötzlich entdeckte sie vor sich Pfotenabdrücke. Ein Wolf. Sie richtete ihren Blick auf und erblickte in der Mitte der Lichtung einen schwarzen Rüden. Sie nahm den Geruch war. Sie sah ihn. Sie schaute sich ihn an. War er das wirklich? War das ihr Bruder Averic? Konnte das sein? Malicias Glieder wurden augenblicklich steif und ihre eiskalten blauen Augen weiteten sich. Würde er seine eigene, ungeliebte Schwester wieder verjagen, wenn nicht sogar töten?

"Averic..."

murmelte sie leise. Ihre Läufe zittern nervös, sie zog ihre Rute ein und ihre Nase bebte. Sie war völlig erregt und wusste nicht, wie sie handeln sollte. Averic, Averic... Bruder. Was war mit ihm passiert, dass er außerhalb des Rudels schlief? War er verstoßen worden, genauso wie sie damals.
Malicia zuckte zusammen. Ihre Wunden, die innerlich alles gesäumt hatten, waren wieder aufgeplatzt und es schmerzte, ihren eigenen Bruder zu sehen. Sie biss sich auf die Leftzen, bis es stark blutete und ihr Herz schlug immer panischer. Was sollte sie tun, wenn sie doch wie gelähmt da stand und nicht ein noch aus wusste?
Die Erinnerungen verfetzten sie. Äußerlich ruhig, innerlich zuckten und stoben die Gedanken wild durcheinander.

"Averic .."

nuschelte sie noch einmal. Sie blickte ihn an. Und dann rotierte der Boden, sodass ihre Beine zusammen fielen und die Schwarze wie ein Häufchen Asche im Schnee lag.

Averic
13.02.2011, 23:27

(( Kleine Frage am Rande, wie kommt Malicia auf die Idee, man hätte sie verstoßen? ))

Den Blick verbittert auf die zwei Pflanzen gerichtet, die vor ihm unberührt aus dem Schnee wuchsen, als könne ihnen nichts und niemand etwas anhaben, als könne sie nichts und niemand zerstören, oder gar trennen, als wären sie unumstößlich, egal was für eine Gewalt auf sie einwirken würde, entging Averic glatt, dass ein Wolf näher kam. Besser gesagt, sein Unterbewusstsein registrierte es, befand diese Tatsache nur nicht als wichtig genug, um sie ihm mitzuteilen. So schreckte er nicht auf, als das Knirschen von Pfoten im Schnee an seine Ohren drang, von denen nur eines leicht zuckte. Der Pechschwarze hatte keine Ahnung, wer da gerade zu ihm gekommen war, nur eins wusste und spürte er sicher. Es war keines seiner Kinder und viel weniger noch ... Tyraleen. Warum also sollte er sich umdrehen? Die kalte Gleichgültigkeit, welche wie der Schnee an seinem Fell klebte, musste jedoch weichen als er seinen Namen hörte. Nur ganz leise, flüsternd und doch fuhr es ihm für den Moment durch das Mark, als hätte man ihn angeschrieen. Zu kurz hatte er geglaubt – sein Herz hatte ihm einen Streich gespielt.
Averic wandte das Haupt herum und sah gerade noch eine schwarze Wölfin zu Boden fallen. Jeder andere wäre vermutlich besorgt aufgesprungen, doch die dunkelblauen Augen, in der Finsternis fast schwarz und doch durch die weißen Linien stechend hervorgehoben, starrten sie zuerst nur an. Er erkannte sie, es war Malicia. Eine seiner seltsamen Wurfschwestern, die ihm manchmal nur noch wie Geister erschienen. Er wusste nie, ob sie da waren, oder besser gesagt was von ihnen da war. Malicia hatte er lange nicht gesehen. War es seit dem Tod seiner Eltern? Der Blick huschte noch einmal kurz zu den Pflanzen, dann erhob sich der große Schwarze und trat mit lautlosen Schritten auf seine Schwester zu. Zwei Mal hatte sie seinen Namen geflüstert. Er konnte kein Blut riechen und Fenris war ferner von ihm als je zu vor und gleichzeitig doch zu nah. Sie war nicht verletzt und sie starb auch nicht. Was war also los, warum tauchte sie ausgerechnet jetzt hier auf? Averic hätte gewiss besseres zutun gehabt, als sich um seine treulosen Schwestern zu kümmern, aber er konnte sie auch nicht einfach liegen lassen. Wie eben das Bild seiner entschlafenden Eltern vor seinem inneren Auge aufgeflackert war, so sah er jetzt kurz die kleine Welpin, die sich schüchtern zu ihm und seinem Bruder gelegt hatte, die aus irgend einem Grund immer mal wieder seine Nähe gesucht hatte, ohne großartig etwas zu sagen.

Malicia.“,

erklang seine dunkle Stimme ruhig, ohne eine bestimmte Tonfarbe zu besitzen. Sie klang weder besorgt, noch abweisend. Nein, man hätte meinen können er würde sie bloß wecken. Vielleicht aus einem Albtraum. Ironischer Weise wäre er aber selbst gerne der gewesen, den man aus seinem Albtraum weckte.

Was ist mit dir?“

Malicia
14.02.2011, 00:20

((Einen richtigen Abschiedspost gibt es gar nicht, zumindest nicht, soweit ich mich erinnern kann, aber sie ist in dem Glauben gegangen, nicht mehr erwünscht und von den Göttern ignoriert zu sein. Mit diesen Stimmen in ihrem Kopf) von Jumaana)

Unbeschwerte Welpen. Sie tollten munter, spielten miteinander, rauften, testeten Grenzen aus und freuten sich. Selbst wenn einer der kleinen Wölfe verlor, er wurde aufgemuntert und das fröhliche Treiben ging weiter. Solch wunderbaren Wesen konnte man stundenlang zuschauen. Ach Malicia schaute ihnen zu - sie schaute ihre Erinnerungen an, wie einen Film. Sie war gefangen in ihrem Kopfkino, konnte sich nicht befreien von den schönen und schmerzlichen Erinnerungen und Ereignissen. Sie war eine Greisin. Vier Jahre alt und schon depressiv, verbittert und altklug. Sie war schon alt geboren, die unbeschwerte Kinderstube schien ihr so fern wie der Bezug zu Engaya und Fenris selbst.
Die Blumenwiese, auf der sie zu stehen schien, verblühte plötzlich und statt den Blumen bedeckte Schnee die Erde.
Malicia blinzelte auf. Ein Traum. Es musste ein Traum sein. Es MUSSTE einer sein. Sie drehte den Kopf, um ihren Bruder anzusehen. Malicia hatte er gesagt und dann gefragt, was mit ihr sei. Ihr Bruder, kühl und doch so warm.

"Nichts ... es ... geht. Ich war nur etwas schwach, nichts weiter",

sie flüsterte immer noch und schaute ihm dabei in die dunkelblauen Augen. Auch er hatte diese Augen, die keinen Zutritt zu seiner Seele gewährten, die schöne, weiße Musterung im Gesicht und diese Kühle, die Malicia sich in all der Zeit der Trauer angewöhnt und verleibt hatte. Langsam drehte sie sich auf die Seite, sodass sie auf dem Bauch im Schnee lag. Ihr Körper wurde noch immer von Zitterschauern durchflutet und auch ihre Gedanken hatte keine Ruhe gefunden. Aus einem Traum war sie aufgewacht, der Freude und Hoffnung als Titel hatte. Ob das nun ein schöner oder ein schlimmer Traum war, musste jeder für sich selbst entscheiden. Malicia fürchtete, dass Averic ihr schnell schlagendes Herz vernehmen könnte. Sie war sehr aufgeregt. Was würde er mit ihr tun? Eigentlich war sie doch eine Verräterin, die ihr Rudel im schlimmsten Zeitpunkt allein gelassen hatte und nun erst wieder zurück kehrte.
Mit lautem Gekrächze flog ein Rabe über den Nachthimmel. Unwillkürlich schnellte ihr Kopf noch oben, sie zuckte auf, um dann diesen Impuls zu nutzen um aufzustehen. Noch immer wusste Malicia nicht viel über die jüngsten Geschehnisse und wenn sie ganz ehrlich war wollte sie dies auch gar nicht wissen. Es kann nur schlimmer werden, wer weiß, was nun auf sie zu kommen sollte.

"Sag, warum bist du nicht beim Rudel ...",

sprach sie zu ihm, während sie tief in seine Augen blickte. Beide hatten schon so viel erlebt, so viel negatives, dass es sich von selbst erklärt, warum die beiden waren, wie sie sind. Kühl, ein wenig abweisend, nicht sehr sozial. Verbittert, hin und wieder deprimiert und alt.
Malicia fühlte sich volllkommen fremd. Der Trauerweidenhain wirkte so melancholisch und düster, so abweisend und fremd, das sie eigentlich nicht länger hier sein wollte. Der Spiegel zebrach aufs Neue. Sie wusste, welche Stätte sich in der Nähe befand. Sie verbot sich den Gedanken daran. Doch eine Stimme in ihr zwang sie dazu, die alten Bilder herauszuholen, sie wieder damit zu quälen. Sie schrie auf - innerlich. Ein Schrei hallte in ihren Gedanken wieder. Krampfartig schloss sie die Augen und drehte sich von Averic weg. So schwach und schutzlos durfte er sie nicht sehen. SO zerstört und deprimert. Er durfte nicht sehen, was aus dieser Fähe geworden war. Ein Häufchen Asche war sie, ein Scherbenmeer. Nicht mehr und nicht weniger. Sie war zerstört.

Averic
19.02.2011, 14:12

Stumm stand der große Schwarze vor seiner Schwester im Schnee, sie betrachtend und doch nicht viele Gedanken dafür übrig habend, was mit ihr los war. Averic sah, dass sie zitterte, aber um sie herum gab es keine Bedrohung, vor der man sich fürchten brauchte. Er rührte sich nicht, als Malicia den Kopf zu ihm drehte und ihm direkt in die Augen sah. Ihre Augen waren ein Grau in Grau und vielleicht war es in diesem Moment sogar gut, dass der Schwarze keine Farben sehen konnte, denn sonst hätte er festgestellt, dass Malicia genau die selben Augen besaß, wie Acollon.
Mit brüchiger Stimme antwortete sie ihm schließlich, dass nichts mit ihr war und sie nur etwas schwach war. Nun, so weit er das sehen konnte, war sie es immer noch. Averic konnte mit dieser Schwäche nichts anfangen, sich eine derartige Blöße vor anderen zu geben. Das hatte er nur ein einziges Mal getan. Und es war schon lange her.
Averic antwortete nicht und sah zu, wie sich Malicia schließlich ganz schnell wieder aufrappelte, als hätte sie etwas gestochen. Über ihnen erklang das Krächzen eines Raben und die Ohren des Schwarzen zuckten ganz kurz. Das sie ihm die ganze Zeit über in die Augen starrte störte ihn, er brach den Blickkontakt aber nicht ab. Sein Blick war blank, ihrer war es, der gerade zu viel von ihrer Unsicherheit preis gab. Ihre Frage allerdings stieß ihn etwas tiefer im Inneren an und er konnte froh sein, dass sich seine Schwester gerade wegdrehte und den Augenkontakt somit unterbrach. Gott, sie wirkte so furchtbar schwach, dass es schon nahezu verstörend war.

Ich wollte ein bisschen allein sein.“,

antwortete Averic schlicht. Er verspürte nicht das geringste Bedürfnis mehr zu erzählen. Malicia war lange weggewesen und wusste nicht was passiert war, er müsste also viel zu viel erklären. An diesem Ort, wo seine Eltern gestorben waren, wollte er nicht davon reden, dass Tyraleen und die Götter ihre Familie zerstört hatten.

Malicia
20.02.2011, 12:46


Ihre kräftigen, schwarzen Pfoten standen tief im Schnee und sie waren wie mit Blei verhangen. So schwer, dass sich die Fähe, die so groß und mager war, keinen Schritt bewegen konnte. Sie war tief gesunken, und mit dieser Last, die an ihr haftete, war es noch schwerer für sie. Die zarte Melodie, die in ihrem Kopf summte, hallte traurig nach und schon bald wurden die blauen, eisigen Augen von Schleiern aus Tränen verhangen. Sie senkte ihr Haupt, um Averic nicht zu zeigen, wie sie sich fühlte. Wie schwach war sie doch, neben ihrem Bruder. Ein Häufchen Asche neben loderndem Feuer, neben einem Vulkan, der schon bald ausbrechen konnte, sollte Malicia wieder einen Fehler begehen. Einen so folgenschweren, wie sie es erst getan hatte ... sie wusste nicht, was danach geschehen war, nach ihrem plötzlichen Verschwinden. Ihr Versprechen an Banshee hatte sie nicht gehalten ...
Ich weiß, Malicia. Du bist eine gute Wölfin und wirst es immer sein, egal was geschieht. Vergiss nur nie deinen Weg und dein Lächeln, dann werde ich immer bei dir sein. Auf Wiedersehen, Malicia, meine kleine Tochter.
Ein Riss, ein feiner Riss in ihrem Inneren.
Danke, dass du zurückgekommen bist, danke, dass du noch immer da bist. Und danke, dass du immer bleiben wirst. Du musst für das Rudel da sein und für die Kinder deiner Schwester. Ich bin so froh, dass sie alle auch unter deinem Schutz stehen.
Sie kniff die Augen zusammen und schaute wieder auf den Boden. Ein Rabe flog mit lautem gekrächz über ihren Köpfen hinweg, aber Malicia machte keine Anstalten, ihren Blick zu heben und diesem Totenvogel zuzusehen, wie er seine Bahnen über ihnen zog.
Averics Antwort, er wolle nur allein sein, tat Malicia mit einem sanften Nicken ab. Sie war sich sicher, dass sich viel geändert hatte, aber nach bohren wollte sie auch nicht. Auch wenn Averic es sicher nicht zugeben wollte, Malicia wusste es, das auch er kein Fels aus Stein war. Das sein Herz nicht so kalt war wie der Schnee selbst. Sie wusste es. Und sie dachte es sich ... Niemand kann so kalt sein, wenn er das durchgemacht hat, wie Malicia selbst.

"Es ist nichts. Sag mir, das nichts ist."

Fragte sie. Ihr Bewusstsein war es nicht, was sie dazu angetrieben hatte. Eher ihr Bauchgefühl, was danach drängte, endlich die Antworten zu erhalten, die sie haben wollte. Und auch wenn ihre Bruder sicherlich nicht erfreut - im Gegenteil - über diese Frage sein würde, so erhoffte sie, dass er sich wenigstens mit Mimik und Gestik verriet. Damit sie wissen konnte, was mit ihrer eigenen Familie geschah, nachdem sie floh.

Averic
05.03.2011, 18:01

Es war ein Trauerspiel. Averic wusste nicht, was seine Schwester durchgemacht hatte, nachdem sie wieder einmal verschwunden war, aber sie wirkte so geprügelt und geschlagen, als hätte man ihr alle Lebensgeister entzogen. Der Pechschwarze kam nicht umhin es erbärmlich zu finden. Mochte er sich auch in der Hölle auf Erden befinden und das tat er ganz gewiss, niemals würde er sich so jämmerlich geben. So ohne Stolz und Würde. Der Pechschwarze widerstand nur knapp dem Drang ihr zu befehlen sich zusammen zu reißen. Er stand hoch aufgerichtet im Schnee, groß, mächtig und das obwohl er alles verloren hatte. Niemals aber, würde er sich seinen Stolz nehmen lassen. Zumindest nicht vor anderen.
Als Malicia ihn schließlich dazu aufforderte ihr zu sagen, dass nichts war, bewegte sich seine Miene nicht. Vielleicht war sie geistig doch noch anwesend genug um zu spüren, dass etwas nicht in Ordnung war – immerhin lag Schnee, im Sommer, das allein dürfte auffällig genug sein –, vielleicht sagte sie es aber auch einfach nur so. Averic jedoch, war nicht gewillt ihr zu widersprechen, denn er wollte nicht über das reden, was passiert war.

Wenn das dein Wunsch ist: Es ist nichts.“,

antwortete er kühl und ohne Emotion, obwohl es nicht der Wahrheit entsprach. Wenn sie eine geübte Zuhörerin war, würde sie merken, dass er schlicht das geantwortet hatte, was sie hören wollte und nicht das, was der Wirklichkeit entsprach. Oder vielleicht doch ein bisschen. Es ist nichts - mehr wie es war. Es ist nichts - mehr übrig geblieben. Es ist - alles kaputt.
Er wandte die dunkelblauen Augen von ihr ab und richtete sie in den Trauerweidenhain, dort hin, wo seine Eltern gestorben waren.

Malicia
08.03.2011, 17:40


Averic verstand sie offenbar nicht, Malicia verstand ihn nicht und so war es ein Teufelskreis, der sich um die beiden Schwarzen zog, und den keiner durchbrechen konnte. Beide waren scheinbar verletzt, Malicia wusste es und gab es offen zu und Averic ... konnte nicht zeigen, dass etwas passiert war, obwohl er ihr auf ihren Wunsch sagte, dass nichts sei. Sie seufzte leise auf und schaute ihn an, der dieselben Musterungen im Fell hatte wie sie. Bloß, dass ihre länger gingen und an der Wange noch eine Art Kette bildeten.
oO( Ob er sich ... an das erinnert ... ob er denkt, was ich denke? Der Tod von ... Banshee und Acollon ... Mama und Papa ...)

Er hatte diese mächtige Erscheinung und tat so, als wäre er nicht angegriffen von diesen Dingen, die offensichtlich passiert waren, seitdem Malicia weggegangen war.
Sie fragte ihn das simpelste, was ihr in den Sinn kam, nur, um überhaupt etwas zu sagen.

"Wie ... geht es ... dir?"

Ihre Stimme zitterte ein wenig und ihre Läufe ebenso. Sie wusste nicht, was er antworten würde, wenn überhaupt. Der Schnee fiel sachte vom Himmel und sie schaut verträumt zu, wie er einfach so aus den Wolken kam und dann ganz sanft zu Boden fiel.
Ja, es hatte sich viel geändert. Die beiden Geschwister hatten sich verändert. Alles hatte sich geändert. Und die Zeit hatte ihre Spuren hinterlassen, an den beiden Wölfen aus dem Tal der Sternenwinde.

Averic
27.03.2011, 23:41

Averics Ohren zuckten leicht, als Malicia ihn fragte, wie es ihm ging. Er wollte ihr wieder nicht die ungeschonte Wahrheit erzählen, nicht unbedingt, weil er seine schwächliche Schwester schonen wollte, sondern weil er der Frage nach dem „Warum“ aus dem Weg gehen wollte und weil er mit der Antwort, dass es ihm gewiss nicht gut ging, eine gewisse Schwäche offenbaren würde. Der Schwarze drehte den Kopf wieder zu ihr herum.

Wie soll es mir schon gehen. Was ist mit dir? Warum kriechst du hier herum, als hätte man dich geprügelt?“

Die Worte mochten hart klingen und trugen kaum Emotionen in sich, doch Averic fiel es schlicht schwer zu ertragen, wie sich ein Wolf nur so gehen lassen konnte. Er stieß die Schwarze leicht mit der Pfote an und reckte den Kopf ein bisschen, als wollte er ihr vormachen, wie man Haltung bewahrte.

Lass dich nicht so gehen, ich weiß, dass du nicht schwach bist. Was sollen denn unsere Eltern denken?“,

tadelte er sie und sah zurück in den Trauerweidenhain, zu den Pflänzchen, ihren Eltern. Ja, was sollte Banshee nur denken von all dem, was sich hier abspielte? Sein Blick verdüsterte sich leicht. Er war nicht wirklich gut darin andere aufzumuntern, vor allem nicht dann, wenn ihm absolut nicht danach war. Und welchen Teil der Göttin sie nun auch immer eingenommen hatte, er war nicht für das Rudel da.