Atalya
12.02.2011, 21:38

Gerade rechtzeitig war es über Nacht wärmer geworden. Die werdenden Mütter hatten die Sorgen gequält, ihre Welpen bei Schnee und Kälte zur Welt bringen zu müssen, doch schließlich hatte sich ihnen der Frühling erbarmt. Endlich hatte er sich auch ins Tal der Sternenwinde verirrt. Ganz langsam hatte er zuerst den Schnee weggetaut, dann die ersten Krokusse hervorgelockt und schließlich die Kälte in die Berge vertrieben. Sommerlich warm war es nicht gerade, aber zumindest warm genug für die Frühlingsblumen und ebenso für die Wölfe. Fast fünf Wochen war das her und mittlerweile lachten Blumen an allen Ecken. Nur die Sonne hatte sich nicht mehr gezeigt, seit dem Winter nicht mehr. Auch weiterhin hingen schwere Wolken am Himmel, auch wenn es nicht mehr aus ihnen schneite und auch kein Regen fiel. Man konnte sich mit den Blumen und natürlich besonders mit den Welpen davon ablenken, doch besonders in der Nacht wurden der Mond und die Sternenwinde vermisst.
Das Nichts hatte sich unverändert weiter ausgebreitet. Mittlerweile nahm es fast die doppelte Fläche seiner vorherigen Größe ein. Zudem wurde auch im nördlichen Wald ein Nichtsgebiet entdeckt - noch kleiner, aber ebenso bedrohlich. Bis jetzt hatte niemand eine Lösung gefunden, allerdings fühlten sich die Wölfe auch noch nicht unmittelbar bedroht. Ihr Rudelplatz lag fern der kriechenden Gefahr und wenn es bei diesem Ausbreitungstempo blieb, würde das auch erstmal so bleiben. Nur wenige Wölfe waren noch immer voller Sorge und Angst.
Nach drei Wochen waren die Welpen zusammen in eine Höhle gebracht worden – zuvor waren alle drei Mütter in einer anderen Höhle entfernt vom Rudelplatz gelegen. Jetzt teilten sie sich die geräumige Wurfhöhle direkt am Rudelplatz, die in den Jahren zuvor stets Banshee vorbehalten worden war. So hatten sich die Welpen schon untereinander kennenlernen können, ebenso wie sie erste Kontakte zu anderen Rudelmitgliedern knüpfen konnten. Vorerst blieb die Welpenhöhle für Welpen ohne Ausgang und nur für erfahrenere Fähen des Rudels mit Eingang. Doch das sollte sich heute ändern. Endlich würden die Welpen nach draußen dürfen und dem Rudel vorgestellt werden. Eine kleine Zeremonie, bei der sie auch Name und Paten erhalten würden.
Es ist Mittag, um die 11°C warm. Wie immer hängen schwere Wolken am Himmel. Das gesamte Rudel ist am Rudelplatz vor der Welpenhöhle versammelt. Alle Welpen wuseln vor der Höhle herum.



Banshee saß neben Nyota. Ihr Blick lag ruhig und fast frei von großen Sorgen auf den vielen kleinen Gestalten, die ihre Nasen in die ungewohnte Helligkeit reckten. Der Gedanke, dass auch ihre vier Welpen unter ihnen hätten sein können, quälte sie nicht mehr, ebenso wenig wie sie überhaupt noch an den Tag vor knapp acht Wochen dachte. Er schien endlos weit fern. Es war viel passiert in der Zwischenzeit, es war endlich Frühling geworden, auch wenn die Sonne nach wie vor fehlte – ein kleiner stechender Schmerz -, Blumen waren gekommen und natürlich … die Welpen geboren. Sie war Tante und Oma auf einmal geworden. Es war ein besonderes Erlebnis gewesen, der Geburt der kleinen Neruí bewohnen zu dürfen – einmal ohne selbst Welpen zu bekommen. Sie hatte Nyota so gut es ging beigestanden und keine Sekunde an Gedanken verschwenden lassen, warum nur ein einziger Welpe geboren wurde. Warum auch, Neruí war quicklebendig und ein kleiner Wirbelwind, ihr ging es so offensichtlich gut, dass man es eine schöne Geburt nennen konnte. Nur zwei Tage danach hatte auch Tyraleen ihre Welpen zur Welt gebracht und wie als wolle sie die eine Welpin von ihrer Tante entschuldigen, bekam sie gleich acht – ebenfalls alle gesund. Allerdings hatte es einen Zwischenfall gegeben, der Banshee erschreckt hatte. Der letzte der acht Welpen, der kleinste und schwächste, Chanuka, war anders als die anderen gewesen. Kaum hatte er das Licht der Welt erblickt, hatten sie alle – Banshee, Tyraleen, Isis und selbst die Welpen – Fenris erblickt und gespürt. Chanuka hate ihn so deutlich mitgebracht, dass Banshee fast Angst bekommen hatte. Tyraleen war voller Entsetzen gewesen und ihrer Mutter wurde klar, dass etwas schiefgelaufen war. Chanuka konnte nicht bei Tyraleen bleiben. Nicht als werdende Priesterin, nicht als Engayagesegnete. Zunächst hatte Banshee überlegt, ihn Kaede oder Nyota zu geben, aber dann wurde ihr klar, dass sie selbst die beste Ziehmutter für ihn sein konnte. Engaya hatte sie verlassen, ihr würde seine Affinität zu Fenris nicht schaden. Tyraleen dagegen würde ihn meiden müssen. Es hatte etwas gedauert, bis die Weiße das akzeptieren konnte, aber schließlich mussten alle einsehen, dass es das beste für den Kleinen und Tyraleen war. So hatte Banshee doch noch eine Art Ziehsohn bekommen, auch wenn sie lieber darauf verzichtet hätte. Ansonsten hatte sie sich riesig gefreut, dass es sowohl ihrer Tochter als auch allen ihren Enkeln prächtig ging, war es doch eine schwere und lange Geburt gewesen. Und Engaya hatte Tyraleen nicht enttäuscht. Kein einziger schien irgendeinen Fehler zu haben, alle waren so normal wie jeder andere Welpe und doch ganz besonders. Stumm hatte die weiße Leitwölfin Engaya gedankt. Das tat sie immer noch immer wieder auch wenn die Göttin sie verlassen hatte. Und auch wenn sie dem Tod entgegenstrebte. Mehr als alles andere gab ihr weiterhin Nyota die Kraft und wenn sie so wie jetzt beieinander saßen, dann schien es wie früher, als wäre alles gut. Dass es das nicht war, konnte niemand leugnen. Nicht nur, was Banshee betraf. Das Nichts war immer größer geworden und es war noch mehr dazu gekommen … und weiterhin wusste niemand, woher es kam und wie man es aufhalten könnte. Doch jetzt war nicht der Augenblick, darüber nachzudenken. Sie wollten die Welpen begrüßen und ihr Leben im Rudel willkommen heißen – da war kein Platz für Sorgen und Ängste. Das schlimmste wäre, den Welpen ebenfalls Angst zu machen und ihnen dadurch die Kindheit rauben. Das war schon bei Tyraleen, Daylight und Amaya geschehen … jetzt sollte es nicht wieder vorkommen. Jetzt war erstmal Zeit für Freude, das musste sein.

Zögernd hatte sich die kleine Fähe hinaus getraut. Das Leben auf diese Weise zu empfangen, in Empfang genommen zu werden, für das kleine Wesen war es schon fast etwas zu groß. Sie hatte sich heran tasten wollen an diese große Welt und nun war sie schon mitten drin. Murrend hatte sie nun den Kopf gesenkt, saß starr da, wie eine pelzige kleine Kugel mit Ohren. Den Blick aus den dunklen, blauen Augen stur auf die Pfoten gesenkt, die Nase leicht gekräuselt, die Ohren wachsam gespitzt um trotz ihres Missmutes auch bloß nichts zu verpassen. Es musste sonderbar aussehen, ja wirklich. Gut, dass sie sich noch nichts über solche Sachen Gedanken machen musste. Sie war ein Welpe. Und bei Welpen schien es egal wie sie aussehen, für alle anderen waren sie immer süß und kuschelig. Eigentlich praktisch.
Die vielen Geräusche, Stimmen, Bewegungen. Avendal hob ein paar Mal vorsichtig den Kopf, ließ den Blick über die Umgebung huschen nur um im nächsten Moment wieder wie beschämt wegzuschauen. Mancher Welpe freute sich wie verrückt und tänzelte schon in der Gegend herum- Eigentlich hätte sie das auch ganz gerne getan, aber es war alles so schrecklich fremd. Und bis auf die anderen Welpen, die sie mal mehr, mal weniger kannte… Ein kurzes, unterdrückten Piepsen, ein ziemlich unbeständiger Laut drang aus ihrer Kehle, allerdings nicht schnell genug, die Kleine hatte ihn bereits unterdrückt. Als Jammerlappen musste man jawohl auch nicht gleich dastehen. Die dunkelblauen Augen halb geschlossen musterte sie noch immer ihre Pfoten. Wollte sie nun wirklich, ehrlich so hier sitzen bleiben? Eigentlich ja nicht. Aber… so fremd. Erneut hob sie den Kopf und neigte ihn einen wenig zur Seite, folgte mit dem Blick einem Insekt. Immer weiter drehte sie die Schnauze, und damit den gesamten Körper, ohne aufzustehen. Der kleine Welpenkörper lehnte sich immer weiter nach hinten, bis … sie auf einmal alle Viere von sich gesteckt auf dem Rücken lag. Das Insekt war weg.

“Ups…”

Deprimiert zog sie den Schnauzenrücken kraus und öffnete die Schnauze ein wenig. Ihr Blick jedoch hatte sich dem Himmel zugewandt. Erst jetzt sah sie ihn richtig, nicht durch die Felswand oder das kleine Loch hindurch. Sondern richtig greifbar - na gut, oder auch nicht - nah. Es war als könnte sie die Pfote ausstrecken und ihn berühren und mit den feinen Krallen seiner Musterung nachzeichnen. Es war faszinierend. Wie ein Ruf strich ihr der Wind um die Schnauze. Mit einem freudigen Japsen richtete sich Avendal wieder auf. Die kleine Schnauze in ihren Freund den Wind geneigt, schloss sie beruhigt die Augen. Was war denn schon dabei? Ihre Familie war hier, alle würden sie beschützen und der Wind war auch da und würde ihr Mut geben. Es gab nichts zu verlieren. Dies hier war ihr Tag, ihrer, der der Welpen. Wieso musste sie da Angst haben? Gar nicht.
Die dunklen Augen öffneten sich wieder und blickten vorsichtig, doch auch neugierig zugleich in die nahe und ferne Umgebung. Über Land und Wolf. Ihre Heimat, ihre Geschichte. Ihr neues Leben. Denn hier sollte es beginnen. Genau so. Und sie würde keine Angst haben.


Boah!
Caylee stand wie angewurzelt im Höhleneingang und starrte mit riesen Welpenaugen in die Welt da draußen. Ihr Fang stand eine Welpenpfote breit offen und ihre Nase war so weit vorgereckt, dass sie aussah, als würde sie gleich umkippen. Sie hatte ja viel erwartete, aber nicht so was. Da waren Millionen Wölfe! Und alle starrten auf sie, als wäre sie ein Wunder. Halt … sie war ja wirklich ein Wunder. Aber eigentlich wussten das die anderen doch noch gar nicht. Vielleicht sah man ihr das so deutlich an? Und ihre Geschwister waren dafür noch zu doof? Gut möglich, sollte sie nicht ausschließen. Aber dass trotzdem gleich so was von viele Wölfe hier waren und sie bewunderten, schüchterte sie ein wenig ein. Und einige sahen genau gleich aus. Wie sollte sie sich denn die alle merken? Da hatte sicher jeder einen Namen … und die würde sie alle lernen müssen. Das war ein bisschen zu viel für die Kleine. Momentan konnte sie sich ja gerade so die Namen ihrer Geschwister merken. Und die von Mama und Papa. Ah und Oma und Tante. Und natürlich Kaddi. Also … das war schon eine ganze Menge, wie Caylee fand. Wenn jetzt noch mal die Millionen von denen da draußen dazu kam. Das würde nicht klappen. Aber vielleicht sollte sie gleich mal anfangen mit lernen? Sich zumindest einen lieb aussehenden Wolf raussuchen und einfach mal versuchen. Zaghafte erste Schritte wurden ins Gras gesetzt. Ihre Augen hüpften ziellos durch die Menge und blieben schließlich an einem schwarzen Rüden hängen. Den würde sie nehmen – ja. Der sah nett und jung aus. Sie wollte gerade zielsicher losstapfen, als ihr Avendal in den Weg plumpste.

“He!“

Kam es von ihr, dann musste sie aber angesichts der großen verträumten Glubschaugen ihrer Schwester lachen. Sie mochte Avendal. Wirklich. Das war eher unnormal, aber Avendal war lieb. So verträumt. Irgendwie hatte Caylee das Gefühl, ihre Schwester beschützen zu müssen. Sonst würde die Kleine irgendwann noch auf die Schnauze fliegen … so wie jetzt.

“Schau dir mal die vielen Wölfe an, Avi. Und die wollen uns alle lieb haben. Ist das nicht unglaublich?“

Die Weiße stupste ihre Schwester einmal gegen das rechte Ohr und stapfte dann an ihr vorbei wieder auf den schwarzen Rüden zu. Ein Strahlelächeln legte sich auf ihre Lefzen und das Sternenglitzern in ihren Augen wurde davon nur noch unterstützt. Knapp vor den Pfoten des grünäugigen Rüden hielt sie an und sah hinauf zu seinen Augen. Die waren vielleicht seltsam grün. Einige Sekunden starrte sie wie hypnotisiert in die Augen des jungen Rüden, dann blinzelte sie zweimal und erinnerte sich, dass sie doch etwas gewollt hatte. Aber was war das noch mal?

“Äh …“

Ihre kleine Stirn krauste sich, der Blick ging einige Sekunden lang zu Boden und dann etwas unsicher wieder nach oben zu dem Schwarzen. Jetzt hatte sie es doch glatt vergessen. Nur nicht irritieren lassen. Wieder tauchte das Strahlelächeln auf, dann wurde es verschmitzter.

“Liebst du mich?“


Nyota war angekommen. Ruhig saß sie zwischen den anderen, an ihrer Seite Banshee und Aszrem, in der Nähe Kylia - es war noch lange nicht sommerlich, aber Nyota fühlte eine sanfte Wärme in sich, die jedem Frühlingssturm standgehalten hätte. Ihr Blick folgte beständig der schwarzen Welpin, die sich munter durch die Reihen der anderen kämpfte, und überhaupt nichts anderes im Sinn zu haben schien als alles zu erst zu entdecken. Nerúi, ihre Tochter.
Tatsächlich war Nerúi ihr einziges Kind geblieben, aber umso mehr liebte sie sie, und umso mehr freute sie sich über jeden neuen Schritt den die Kleine tat, und über jedes Wort dass sie dazulernte.
Und Aszrem freute sich mit ihr. Ohne den Blick von der Kleinen zu nehmen schmiegte sie sich an den Rüden neben ihr, und schloss für einen Moment die Augen. Das Leben war ein Wechsel, und nachdem sie so lange alleine umhergezogen war, gab es nun plötzlich soviel mehr für sie. Aszrem, ihr Gefährte und Vater ihrer Tochter, Banshee, ihre geliebte Schwester, Jakash, ihr Schüler, und Kylia, die ihr eine verlässliche Freundin zu werden schien.
Und Nerúi.
Nyota spürte den sanften Frühlingswind in ihrem Fell, und vermisste die Sonne dazu, aber immernoch gab ihr die Sicherheit rings um sie herum so viel Ruhe, wie sie selten welche in sich gespürt hatte.
Ihr Leben drehte sich in einem immer größer werdenden Kreis, der von festen Punkten gezeichnet wurde. Einer davon war Banshee, ein anderer Nerúi und die anderen Welpen. Es waren soviele, und Nyota war glücklich dass Nerúi trotz ihres Einzelkindstatusses nicht ohne Geschwister im weitesten Sinne heranwachsen musste. Sich mit einer sanften Bewegung von Aszrem lösend wand sie den Blick Banshee zu, schenkte ihr ein Lachen und berührt sie sanft an der Schnauze, bevor sie wieder den Kleinen zusah - und trotzdem sie Jakash gegenüber in letzter Zeit deutlich unterkühlt aufgetreten war, seitdem er ihren Befehl damals so wehement ignoriert hatte, konnte sie nicht anders als breit zu ihm herüberzugrinsen als Caylee bei ihm stand. Auf die Antwort war sie auch mal gespannt.


Er erwachte, ließ die Augen trotzdem geschlossen und lauschte den vielen noch nicht vertrauten Geräusche. Der kleine Rüde hatte geträumt, nichts Gutes, aber daran erinnern konnte er sich nicht mehr. Die Fetzen eines wirren Gefühls mischten sich mit der Neugier, die Welt zu erobern. Es war so weit, sie durften raus. Kurz kuschelte er sich noch an den warmen Körper seines Bruders und sprang dann übermütig auf. Schlagartig wurden die Lebensgeister wach und es gab wohl nichts mehr, was ihn hätte bremsen können. Mit kleinen Sprüngen, etwas ungelenk und überschlagend; jagte er auf den Höhlenausgang zu. Die blauen Augen funkelten hell. Vorbei an Avendal und Caylee raste unter den freien Himmel, doch je bremste er ab. Die Welt war riesig. Fast zu groß für einen noch so jungen Welpen. Doch er wollte sich seinen aufkeimenden Unmut nicht anmerken lassen, und so übel war es auch gar nicht.

Einige bunte Blumen sprießen aus der Erde, es duftete nach frischem Tau. So viele Gerüche. Die schwarze Rute begann leicht zu rudern und ein breites Grinsen breitete sich auf den schmalen Lefzen aus. Mit tiefen Atemzügen schnappte er nach der frischen Luft. In der Höhle war es schon etwas stickig geworden und es roch unangenehm nach zu vielen Wölfen.

“Ha!“,

stieß er aus und machte kehrt und steuerte auf die geplumpste Avendal zu. Immer noch ein breites Grinsen, diesmal mit etwas Schalk.

“So überwältigend ist es auch nicht, dass Du gleich auf die Nase fallen musst“,

lachte er ihr entgegen.


Vor einiger Zeit hatte er sich vom Rudel getrennt. Einfach so. Niemandem hatte er etwas davon erzählt oder gar bescheid gesagt. Alle hatte er in Unwissenheit zurückgelassen. Nicht einmal seiner geliebten hatte er davon auch nur ein Wort verraten. An dem Tag, wo er ganz plötzlich verschwand, schien der Fluch erneut großen Einfluss auf ihn und sein komplettes Verhalten gehabt zu haben. Seine Augen flackernden unruhig in einem blutigem gefährlichen Rot und auch sein sonst eher ruhiges Verhalten schien eher besonders nervös. Unbewusst zwang ihn der Fluch zu folgen. Weit, weit weg vom Rudel. An einem Ort, wo ihn niemand finden würde. So wanderte er viele Tage. Der Fluch schien ihn eher gefühlstot wirken und auch Hunger und Durst verspürte er gar nicht mehr. Wie eine Maschine, die einfach ohne jegliche selbst zuzuführende Energie arbeiten konnte, lief er ununterbrochen weiter in die unbekannte Ferne. Doch irgendwann hielt sein Körper dieser hohen Anstrengung nicht mehr stand. In einem trockenen Gebiet fiel er kraftlos zu Boden. Fünf Tage ohne jegliches Fressen und trinken. Es ging ihm sichtlich schlecht. Mühsam hielt er seine Augen offen…der Fluch befahl ihm, weiter zu gehen! Vergebliche Versuche, wieder aufzustehen. Immer wieder fiel er hart zu Boden, bis er schließlich gar nicht mehr konnte. Weder weiter noch zurück konnte er. Würde er hier an Ort und Stelle sterben? Wenn man ihn finden würde bestimmt. Doch der schnell kommende Schlaf ließ ihn die Sorgen vorerst vergessen.
Nach zwei ganzen Tagen Ruhezustand wurde er doch langsam wieder wach. Ihm schien es wieder besser zu gehen und die Kraft war wohl auch wieder zurückgekehrt. Er wollte aufstehen. Doch der Fluch rief eine schreckliche Illusion erscheinen. Um ihn herum schien auf einmal alles dunkel, komplett schwarz. Hilflos am Boden liegend fletschte er die Zähne. Böser Blick, blutrot leuchtende Augen und aggressiv angelegte Ohren. Doch gegen diese höhere Macht konnte selbst er überhaupt nichts ausrichten. Selbstbewusst stand er auf. Grausame Bilder erschienen plötzlich in seinen Gedanken. Die Vergangenheit schien ihn wieder einzuholen. Das viele Blut und die dazugehörenden toten und alle Brutalitäten. All das ließ ihn kalt. Eiskalt. Großes Leid, Körperteile, Tod. Doch es blieb nicht nur bei der Vergangenheit. Völlig neue Bilder, die er noch nie gesehen hatte, erschienen. Der Horror nahm immer mehr zu. Die neuen Bilder zeigten Wölfe der Sternenwinde. Wölfe, die ihm etwas bedeutetem. Wölfe, die er brauchte und die er mochte. Dieses Mal richtete sich dieses grausame geschehen an all die, die ihm wichtig waren! Freunde. Tot. Blutüberströmt. Er erstarrte. Selbst das war für ihn zu viel. Sein Blick wurde starr, das Herz raste und der Atem wurde hektisch. Das erste Mal in seinem Leben hatte er wirkliche Angst. Der Fluch hatte sein Ziel erreicht, doch an das Aufhören dachte er erst gar nicht. Diese Bilder zeigten Dinge, die man niemandem wünschte. Es war schlimmer als der blanke Horror. Vor Angst wurde ihm warm und kalt, sein Körper starr. Was ging hier vor? Was sollte das?...Stopp! Seine Augen weiteten sich aggressiv und der fang öffnete sich und knurrte böse. Nein, von so einer Illusion durfte er sich nicht unterkriegen lassen. Die Bilder verwarf er krampfhaft aus seinem Kopf, auch wenn es immens schwer war. Er spürte noch die Angst tief in sich, überspielte sie aber einfach. Stärke und Mut waren gefragt, wenn auch nur dieses eine letzte Mal. Die Bilder verblassten langsam und verloren ihre Erkennbarkeit. Kurz darauf war eine Stimme zu hören. Eine Stimmte, die nur zu ihm Sprach. "Du bist mir gefolgt und wirst nie wieder zurückkehren! Du wirst hier an Ort und Stelle sterben!" sprach sie, die raue dunkle Stimme. Die Macht dieses Fluches war ihm bekannt, doch er hatte ihn niemals sprechen gehört. Der Fluch schien die Wirkung auf ihn zu verlieren und er konnte wieder eigenständig sprechen und seine eigene Meinung sagen.
"Ich werde nicht sterben...ich...NIEMALS! Was willst du tun? Du hast nicht einmal die Macht dazu! Alles was du kannst, ist mein Verhalten zu steuern!"
Seine Augen fixierten die Umgebung. Würde gleich wirklich etwas Lebens bedrohliches geschehen? Es roch förmlich nach Tod. Doch das hatte der Fluch jedes Mal mit sich gebracht. Sollte es etwa dieses Mal eine wirkliche Bedeutung haben? Er wollte nicht sterben, weil er wusste, dass es Wölfe gibt, die ihn brauchen. Dafür würde er Kämpfen. Wenn es sein musste, bis an sein Ende, was er aber stets verhindern wollte.
.oO(Sollte ich sterben, würden sie nie davon erfahren. Niemand weiß, wo ich jetzt bin. Ich konnte es einfach niemandem sagen! Der Fluch steuerte mich und machte mich besessen. Ich war nicht mehr in der Lage, selbstständig zu handeln. Als hätte er sich in meinen Körper gesetzt und mit ihm getan, was er wollte. Als wäre ich seine Marionette. Lange zeit ist so etwas schon nicht geschehen. Ich dachte, dass ich davor Ruhe hätte. Was kann ich jetzt tun? Es gibt wohl keinen Ausweg. Vom schwarz umschlossen...und wenn es wirklich nur eine Erscheinung...eine Illusion ist?)
Er war sich sicher, dass es so etwas nicht geben konnte. So etwas durfte es einfach nicht geben! Dass so etwas Krankes in die Natur eingreift und sie schändet! Mit hoher Geschwindigkeit lief er auf das Schwarz zu. Doch es war wirklich da. Es war echt. Er prallte von der Barriere wie ein Stein von der Wand ab. Keuchend viel er zu Boden. Bloßes Entsetzen machte sich in ihm breit. Er konnte es einfach nicht glauben. Die Stimme lachte gehässig. "Kleiner dummer Wolf! Denkst du, dass ich wirklich so leicht auszutricksen bin? Etwas wie mich nennt man höhere Gewalt und ihr könnt dagegen nichts ausrichten. Gar nichts! Du hast bereits verloren. Es gibt keinen Ausweg mehr. Hier und jetzt...wirst du, Takashi, sterben!" Der Fluch hatte starke Überzeugungskraft. Doch er wehrte sich völlig dagegen. Er wollte es einfach nicht hören und glauben! Stur stellte er sich gegen seinen Fluch, der ihn schon jahrelang begleitete. Damals hatte er ihn einfach immer akzeptieren müssen doch jetzt war er wirklich zu weit gegangen. Es musste aufhören! Sie mussten sich voneinander trennen. Der Fluch schien von Mal zu Mal immer mehr durchzugreifen zu wollen und zog sein eigenes Ding durch. Doch ein Wolf wie Takashi hatte seine eigene Meinung und ließ sich niemals von jemandem beeinflussen. Deshalb konnte er so einen Fluch an seiner Seite nicht mehr gebrauchen. Doch plötzlich verlor er das Bewusstsein, ihm wurde schwarz vor Augen. Schwach sank der eben noch so starke Körper zu Boden. Der Fluch verließ seinen Körper. Es sah so aus, als entwich die Seele aus einem Leib. Eine geistförmige Gestalt machte sich in Richtung Himmel auf. Der ganze Spuk hatte jetzt ein Ende.
Stunden später erwachte Takashi wieder. Er fühlte sich anders als zuvor. Wie ein völlig neuer Wolf fühlte er sich.
“Ich bin frei…!“
Flüsterte er leise. Der Fluch hatte ihn verlassen. Das Rot in seinen Augen, was sonst so aggressiv schien, war erloschen. Seine alte Augenfarbe, ein dunkles Blau, war zurückgekehrt. Unsicher blickte er sich um. War er wirklich in Sicherheit vor dem Fluch? Jetzt im nach hinein empfand er mehr für die grausamen Bilder, die er gesehen hatte. Er wirkte ein wenig ängstlich und verstört dadurch. Jedoch hatte er nur noch ein Ziel vor Augen: Er musste zum Rudel zurückkehren! Koste es, was es wolle! An den Weg konnte er sich zwar nicht mehr erinnern, hatte aber noch die Fährte. So stand er auf. Einen langen Weg hatte er vor sich. Immerhin hatte er pausenlos fünf Tage für diese Reise benötigt.
So verging Tag um Tag, in denen sich die Umgebungen hin und wieder ein wenig änderten. Vieles gab es zu Sehen. Vieles, was für takashi noch nie so interessant gewesen war. Damals hatte er sich kaum für die Natur interessiert. Doch jetzt war alles anders. Der Fluch hatte seinen Charakter komplett verändert. Er war wieder sozusagen der Alte. Wie vor so vielen Jahren, wo er noch nicht besessen war.
In der Ferne schien sich langsam, aber sicher, eine vertraute Umgebung zu nähern. Ein glückliches Lächeln machte sich auf seinen Lefzen breit. Es würde nicht mehr lange dauern, bis er dort ankommen würde. Die große Freude verlieh ihm gleich mehr Kraft, sodass er schleunigst losrannte. Der große Wald baute sich mehr und mehr vor ihm auf. Vor der Grenze machte er kurz halt. Warum sollte er hier nicht eintreten dürfen? Schließlich ist dies hier auch sein zu Hause! Er hob den Kopf Richtung Himmel und heulte eine Nachricht, damit alle bescheid wussten.

“Liebes Rudel! Ich bin wieder da und habe euch vieles zu erzählen!“

Mit diesen Worten lief er weiter in Richtung Rudelplatz.


Forschend aber doch zögerlich reckte sie die Nase aus dem Bau und schnupperte. Schon jetzt erahnten ihre Ohren den Tumult draußen. Etwas das ihr noch schwierigkeiten bringen würde. Mutiger geworden schlich sie an Avendal vorbei und blieb starr stehen. Die Welt die sie mit bunten Farben, stechenden Gerüchen und wilden Formen umgab war so laut dass sie zusammenzuckte. Geräusche, Stimmen fluteten ihre Ohren welche sie zuerst an den Kopf presste ehe sie es aufgab und versuchte einzelne Stimmen herauszuhören, wie z.B den seltsamen Vogel der dort oben seine Kreise zog

"Mäuslein Mäuslein Komm heraus... Mäuslein Mäuslein...ich finde dich

Die raue Stimme des Vogels veranlasste Amúr den Kopf in den Nacken zu legen um ihm bei seinem Flug zuzuschauen. Wie hoch er doch flog. Er sah glücklich aus, so frei...
die kleine Welpin hielt den Blick noch eine Weile auf den Vogel gerichtet ehe sie ihre Oma erblickte. Tappsig zwar aber doch zielsicher steuerte sie auf Banshee zu, ob diese die ganzen Stimmen auch hörte? Ob alle das hörten.

" Oma ...Oma Banshee....

Amúr's Stimme überschlug sich fast vor Aufregung denn selbst als sie noch nicht rausgedurft hatten, war doch immer ein beständiger Tumult um sie herum gewesen. Sie hatte die Würmer in der Erde wispern hören


Ein lauter Knall zerriss die Stille, zerstörte mit einem Mal den Frieden überall. Aufgeschreckt flatterten Vögel aus den Bäumen, Wild floh mit erregtem Röhren noch tiefer in den Wald. Der Schall schien ihre empfindlichen Ohren zerfetzten zu wollen und reflexartig hatte sie die Augen zusammen gekniffen. So viele Geräusche drangen mit einem Mal an ihre Ohren. Die hastigen Schritte von Pfoten, die durch das weiche Moos und Gras raschelten, welches die Höhle auslegte, in Panik winselten ihre Geschwister, jaulten nach ihren Eltern, etwas Dumpfes, was zu Boden fiel. Sie spürte nur noch, wie man sie im Genick packte, ihre Geschwister schrieen nun entsetzt. Dann war es still.
Sie hatte keine Ahnung wie lange es Dunkel gewesen war. Sie hatte kein Gefühl dafür, wie lange sie nun schon getragen wurde. Blinzelnd schlug die Fähe die Augen auf und sah eine fremde Landschaft an sich vorbei ziehen. In ihrem Kopf schallte noch immer dieser Lärm wieder und bereitete ihr Kopfschmerzen. Seltsam. Langsam reckte die Fähe den Kopf, soweit es ihr Möglich war und erblickte aus dem Augenwinkel das Gesicht ihrer Mutter. Viel konnte sie nicht erkennen, das was sie aber sah, sah seltsam verzerrt aus. Ihr fehlte das treffende Wort, aber es war die Sorge und der Schmerz, die das Gesicht der noch jungen Fähe auszeichneten, sie entstellten. Noch ein paar Schritte ging die Fähe weiter, mit ihrer kostbarsten Fracht vorsichtig im Maul tragend. Alles, was sich die Cremefarbene sich noch wünschte war, ihre kleine Tochter in Sicherheit zu bringen. Ihr Atem wurde immer schwerfälliger, je weiter sie lief, bis sie schließlich rasten musste. Die Weiße hatte inzwischen wieder ein wenig in ihrer Schnauze gedöst, war aber sofort wach, als sie festen Boden unter den Pfoten spürte. Es fühlte sich seltsam an und ihre Läufe wollten sie einen Augenblick nicht tragen. Sie hatte wohl doch eine lange Zeit so verbracht. Fragend blickten nun die Augen mit der eigenwilligen Mischfarbe auf und in das erschöpfte Gesicht ihrer Mutter.

Mama? Wo sind wir und wo gehen wir hin?

Der Atem kam angestrengt und ruckartig von der Fähe, die sich erregt über die Lefzen leckte und einige Male tief durchatmen musste, bevor sie antworten konnte.

Mach dir keine Sorgen, mein Kleines. Wir gehen ein Stück weit weg von zu Hause, weißt du. Es gibt da einen Ort, weit weg von zu Hause. Dort ist es sehr schön und da werden wir gemeinsam hin gehen. Nur du und ich.

Ein leichtes Lächeln legte sich auf die Züge der jungen Mutter, die zum ersten Mal Welpen von ihrem Liebsten bekommen hatte. Sie hatten sich das ganz anders vorgestellt, eine andere Wahl hatten sie jetzt aber nicht mehr. Schwer kämpfte Lasháh die Tränen nieder, wollte sie ihre kleine Tochter nicht unsicher machen oder gar ängstigen. Beruhigend und zärtlich strich sie mit der Schnauze durch das weiche schneeweiße Fell, die sich an sie drückte.

Mama, geht es dir gut? Was ist mit meinen Geschwistern?

Ein Stich zuckte durch das Herz Lasháhs, ein Schmerz, der nur eine Mutter nachempfinden konnte. Müde lächelte sie ihre Tochter an.

Ist schon gut. Ich muss mich nur ein wenig ausruhen. Wir gehen gleich weiter, aber dann wirst du alleine laufen müssen. Schaffst du das?


Eifrig nickte die Kleine, vergessen war der Gedanke an die Geschwister. Stolz erfüllte sie. Mama wollte nur mit ihr an einen total schönen Ort gehen. Ihre Geschwister würden Platzen vor Neid, wenn sie es ihnen erzählte.
Munter sprang die Kleine über die überschaubare Wiese, auf der sie Rast machten und jagte einem Schmetterling hinterher, der mit seinen schillernden Farben ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Alles unter den müden, aber wachsamen Augen Lasháhs. Als es im Gebüsch raschelte und ein Ast knackte, riss die Cremefarbene ruckartig den Kopf hoch, die Ohren gespitzt und den Körper angespannt. Ihre Tochter bemerkte von der Gefahr nichts. Langsam, ganz langsam schob sich ein blitzender Stab immer weiter durch das dichte Blättergeäst, ein dunkles, todbringendes Loch in der Mitte. Lasháh konnte den Gestank des Todes daran haften riechen, sie roch das Feuer, welches es spie und kannte den Schmerz und das Unheil, welches dieses Ding mit sich brachte. Keine Sekunde mehr zögerte die junge Mutter, sprang mit einem Satz knurrend auf, die Zähne gebleckt, das Fell aufgestellt und jagte dem Fremdling entgegen, der es auf ihre Tochter – ihr letztes, lebendes Kind – abgesehen hatte.
Ein Knall zerbrach die Stille des Waldes, zerfetzte Fleisch und Knochen, durchtrennte Sehnen. Die Wölfin schrie auf vor Schmerz, dachte aber nicht daran auf zu geben und ihre Tochter dem Untergang preis zu geben. Schnell sprang sie dem Gewehrlauf entgegen, setzte darüber hinweg und verschwand im Gebüsch.
Paralysiert vor Angst konnte sich die Weiße keinen Millimeter vom Fleck weg bewegen. Ihre Beine wollten ihr nicht gehorchen und auch ihre Stimme versagte. Sie wollte nach ihrer Mutter rufen, winseln, jaulen, aber kein Ton wollte über ihre Lefzen kommen. Als hätte man der Welt alle Geräusche gestohlen. Es war totenstill. Erst nach ein paar Minuten, ihr kam es wie Stunden – unerträglich viele – vor, als das weißbraune Fell ihrer Mutter wieder zum Vorschein kam. Wortlos und hechelnd nahm sie ihre Tochter wieder zwischen ihren Fang, drehte sich nicht noch ein Mal um und verschwand mit einem Satz im Wald.
Wieder erwachte sie erst viel später aus dem Dunkeln um ihr herum. Sie lag irgendwo, die Landschaft war ihr noch immer fremd, wenngleich auch wunderschön. Mit großen Augen blickte sich die Kleine um, erkannte dann den Pelz ihrer Mutter, die reglos da lag. Schnell rannte sie auf die Fähe zu, wollte sie so viele Dinge fragen, doch der befehlende Ton ihrer Stimme ließ sie sofort inne halten.

Stopp. Komm keinen Schritt näher.

Wie Befohlen blieb sie stehen, noch mehr verwirrt. Spielten sie jetzt ein neues Spiel? Fragend legte sie den Kopf schief, den Mund öffnen konnte sie aber nicht, denn Lasháh kam ihr zuvor.

Meine Kleine... Ich habe dich sehr lieb. Aber jetzt... Jetzt musst du alleine weiter gehen.

Empört bleckte die Kleine ihre Milchzähnchen und starrte auf den Rücken ihrer Mutter, die ihr eindeutig eine Erklärung schuldig war.

Aber Mama…!

Mein Schatz, es ist Zeit zu gehen. Ich werde mich noch etwas hier aus ruhen und nach kommen. Schnell, bevor die Zeit wie Sand durch deine Pfoten rennt. Du musst dich beeilen. Es ist Zeit für dich, diesen Ort zu finden und zu Leben. Versprich mir, dass du nicht mehr hierher zurück kommen wirst. Lauf immer nur weiter gerade aus, dem Horizont entgegen und du wirst... du wirst glücklich werden.

Die letzten Worte der Fähe waren ihr nur schwerfällig über die Lefzen gegangen, denn mit dem Blut zusammen, welches ihr aus Hals und Bauch strömte, schien auch ihr Leben heraus zu fließen.

Wirklich? Da ist der ort, wo wir hin gehen, ja? Gut Mama. Ich werde vor gehen, aber komm schnell nach, in Ordnung?

Ja, meine Kleine. Und jetzt lauf. Beeil dich!

Und während die Kleine Weiße los wetzte, so schnell sie ihre Läufe weg tragen konnten – weg von einer Gefahr, die sie nur unbewusst kennen gelernt hatte – hörte das Herz ihrer Mutter auf zu schlagen, welche sie mit allem beschützt hatte.

Völlig unbeeindruckt von dem langen Fußmarsch hüpfte und sprang Aléya über den Waldboden, als würde sie dieses Gebiet schon immer kennen und mit ihrer Familie ihr Eigen nennen. Doch so war es nicht. So war es nicht. Sie war Fremd und hatte keine Ahnung, wo sie hin ging. Sie hielt sich nur an die Anweisung ihrer Mutter und lief immer weiter. Als ihr der Weg zu langweilig wurde, er erstreckte sich ja wirklich bis zum Horizont, begann sie einfach ein Lied zu Formen, welches sie ungerührt immer wieder sang.

Auf zum Mooond, der Himmel wartet schoooon. Es ist Zeit zu leeeeeben...

In ihrem Singsang, der unmelodischer und gleichzeitig nicht lustiger anzuhören war, hielt sie abrupt inne. Ein heller Vogel war von ihr aufgescheucht worden und nun segelte eine fast schneeweiße Feder vor ihren Augen zu Boden. Schnell hopste sie noch ein paar Schritte weiter und schnappte sich geschickt die weiche Feder, hielt sie wie einen Schatz fest in ihrem Maul. Nun mit einer neuen Beschäftigung – nämlich die Feder fliegen zu lassen und wieder einzufangen – überbrückte sie den Rest ihres Weges. Sogar schneller als sie gedacht hätte. Denn mit einem Mal war der Wald zu Ende und sie befand sich auf einem freien Platz, auf dem sich viele Wölfe und – zu ihrer Freude – noch andere Welpen befanden. Überrascht riss sie die Augen auf, haschte nach ihrem weißen Schatz und flitzte ohne Scheu vor den Erwachsenen auf die Welpen zu.

Hallo!

Ein strahlender Ausdruck legte sich auf ihr Gesicht und unbekümmert blickte sie neugierig in die Runde. Die Erwachsenen interessierten sie im Augenblick noch nicht, die Welpen die Passenderweise in ihrem Alter waren, waren augenblicklich interessanter.


Nerúi hatte keinen Moment gezögert, als es endlich nach draußen ging. Sie hatte ihre Geschwister längst kennengelernt, und nun wollte sie wissen was es noch so gab, hinter dem Loch in der Höhlenwand.
Das Caylee, Avendal, Chardim und und die anderen ihre Geschwister waren, daran bestand kein Zweifel. Sie waren ja auch gegenseitig Geschwister, logisch, oder?
Nun stand die Schwarze mitten auf dem Platz vor ihrer Höhle, sah wie Caylee einen Moment lang nur in die Masse aus fremden Wölfen - und stürmte dann mit einem angriffslustigen Grinsen auf den kleinen Leftzen los.
Erst ging es an Krolock und Avendal vorbei, wobei sie Krolock im Vorbeilaufen ins Ohr zwickte, und dabei fast hinfiel, weil sie Angriff und Lauf zugleich noch nich koordinieren konnte. Das nächste Ziel war Papa, auf den sie zusprang, nur um den angepeilten Lauf zu verfehlen und hinter ihm etwas unsanft auf der Nase zu landen. Aber kaum am Boden war sie auch schon wieder aufgesprungen, versuchte sich an einem bedrohlichen Knurren - es klang ziemlich niedlich - und nahm gleich die Verfolgung von Ilias auf - für Nerúi war er erstmal nur irgendein Rüde, der ein gutes Ziel abgab.
Bei ihm angekommen versuchte sie vergeblich die kleine Schnauze um Ilias Vorderlauf zu schliessen, lief einmal böse knurrend um ihn herum und sprang sogleich mit großen Schritten weiter - und stolperte über Kylias Kralle, die sie im Vorbeilaufen gar nicht gesehen hatte. Überrascht zu der Fähe hochguckend blieb sie ersteinmal liegen.

"Wie hast du das gemacht?"

fragte sie misstrauisch. Sie hatte ganz genau gesehen dass die Fähe sich gar nicht bewegt hatte, und hingefallen war sie trotzdem. Das musste ein Trick sein. Und sie wollte ihn auch können!


Das Leben war ein auf und ab, ein Wechselspiel aus dunklen Tälern und sonnigen Berggipfeln. In den letzten Wochen hatte Jakash sich durch eines diser Tälern gekämpft. Er wusste noch immer nicht, was an jenam Tag geschehen war, als die Welt angefangen hatte zu wabern und sich zu verdrehen. Es war nicht wieder geschehen, doch der junge Rüde trug noch immer die Sorge an sich, dass es wieder passieren könnte. Im Nachhinein hatte er sich mehr davor geängstig als in jenem Moment. Es hatte nicht gerade geholfen, dass seine Tante seit jenem Tag abweisend und kalt zu ihm geworden war. Erst hatte er es für eine Laune gehalten, hatte gedacht, dass etwas sie belasten würde. Nachträglich hatte er natürlich von dem Nichts erfahren, und er hatte gemerkt, dass Nyota sich um Banshee sorgte. Was genau vorgefallen war, wusste er noch immer nicht. Niemand sprach offen darüber, und es interessierte ihn nicht genug, um nachzufragen. Dass Banshee trächtig gewesen war und es nun keine Welpen von ihr gab, hatte er gar nicht mitbekommen. Auf dergleichen achtete er ganz einfach noch nicht.
Jedenfalls hätte er gerne mit seiner Tante über sein seltsames Erlebnis geredet, doch mittlerweile traute er sich ja kaum noch, ihr in die Augen zu sehen. Irgendwann war der Verdacht in ihm gekeimt, dass sie sauer auf ihn war, und er wusste nicht so recht, warum. Er ahnte es - nein, eigentlich war er bereits sicher, warum es dabei ging - aber sich zu entschuldigen, dazu hatte er sich noch immer nicht durchgerungen. Sein tal war in der tat gerade dunkel und tief.
Doch es ging bergauf. Heute verließen die Welpen das erste Mal die Höhle, heute bekamen sie ihre Paten - und er war ebenfalls für diese verantwortungsvolle Aufgabe ausgewählt worden. Seit er das wusste, war er zwischen Freude und Sorge schier hin und her gerissen. Es erfüllte ihn mit stolz und es musste unheimlich Spaß machen, sich um einen Welpen zu kümmern, doch was, wenn er etwas falsch machte? Nyota, seine Tante und Patin, war schließlich schon erwachsen und erfahren. Jakash war nicht sicher, ob er bereit für diese Aufgabe war, aber er würde sein bestes geben! Er wollte schließlich niemanden enttäuschen.
Sein Herz hämmerte ihm vor Aufregung direkt in der Kehle, wie ihm schien, während er mit den anderen Rudelmitgliedern vor der Höhle saß und der Zeremonie entgegen fieberte. Das Geschenk für seinen Patenwelpen lag versteckt hinter seinen Vorderläufen, die eng beieinander gesetzt waren. Er hoffte, dass es angemessen und passend war. Seine Geschwister und er hatten damals weder Zeremonie noch Geschenke erhalten, aber sie hatten es auch nicht vermisst. Es war schwer etwas zu vermissen, von dem man nicht wusste, dass es das gab. Jakash selbst war jedoch auch jetzt nicht traurig darum.
Aus dem Welpengewühl löste sich ein weißer Welpe mit strahlend blauen Augen. Zuvor hatte das kleine Wesen schon einmal zu ihm herüber gesehen, und nun kam es direkt auf ihn zu und sah zu ihm auf. Etwas nervös erwiderte Jakash den Blick. Sollte er jetzt etwas sagen? Hallo zum Beispiel? Bereits in Gedanken kam er sich albern dabei vor. Die kleine Fähe erlöste ihn aus dieser Zwickmühle... nur, um ihn gleich in eine noch größere zu stürzen.

"Äh..",

zögerte er eine Antwort hinaus und runzelte die Stirn. Was war DAS denn für eine Frage? Von Liebe konnte jawohl schlecht die Rede sein, immerhin wusste Jakash selbst noch nicht genau, wie sich das anfühlte. Elternliebe kannte er, ja. Aber er war ja nicht ihr Vater! Seine Schwestern liebte er ebenfalls, aber das war nun noch wieder etwas anderes, und diese Welpin war ja auch nicht seine Schwester. Er wusste noch überhaupt gar nicht, wie er zu diesen Welpen stand, kannte er sie doch noch nichtmal. Als Welpe hatte er gedacht, alle Wölfe wären wie seine Eltern und seine Schwestern, und erst später hatte er gelernt, dass dem ganz und gar nicht so war. Ging es der Welpin hier genauso? Musste es wohl. Und Jakash wollte sie nicht enttäuschen.

"Klar, wie eine Schwester",

antworte er schließlich und erwiderte das strahlende Lächeln. Irgendwie mochte er die Kleine tatsächlich jetzt schon, und er war gespannt, wie sein Patenwelpe wohl war. So jung wie er selbst noch war und sich fühlte.... vielleicht konnte er ja wirklich wie ein Bruder für diese Welpen sein...


Die weiße Fähe hielt die Schnauze in den Wind und genoss den Nachmittag. Zwar schien die Sonne nicht, doch nichts konnte ihre Stimmung noch trüben. Sie fühlte sich glücklich, beschwingt und könnte vor Freude herumtanzen. Mit geschlossenen Augen summte sie ein stilles Lied vor sich hin, dass ihre Moyna ihr beigebracht hatte. Jumaana war glücklich - unendlich glücklich hier zu sein. Sie öffnete die Augen und ließ ihren Blick über das Rudel schweifen. Ihr Blick blieb an Krolock, Avendal, Amúr und Caylee hängen, sie schickte ein strahlendes Lächeln zu den Welpen.
Langsam rappelte sich die Fähe auf und sah zum Himmel. Schwarz und tief hingen die Wolken, wirkten beinahe bedrohlich, doch Jumaana ließ sich davon nicht beeindrucken. Sie schritt vorbei an den anderen vorbei an den See und blickte hinaus auf das schimmernde, ruhige Wasser. Mit einer Pfote testete sie, wie kalt das Wasser war, und entschied sich dafür, es lieber zu lassen. Die Weiße trat zurück und knurrte leise. Nicht, weil sie genervt war, sondern weil sie einfach sie war. Etwas anders eben. Ihre Lippen formten fremdartige Worte, die sie auf ihrer Reise aufgeschnappt hatte. Sie liebte es, sich Wörter 'auszudenken' und ihnen Bedeutungen zu geben.

oO Auch wenn die Zeit vergeht, es ändert nichts an der Tatsache, dass du lieben kannst. Oo

Etwas ließ sie aufschrecken. Ein Heulen hallte in ihren Ohren nach. Ein Heulen, was sie überall erkennen würde. Jumaana riss die Augen auf und drehte sich um. Doch dann zwang sie sich zu Geduld und wendete sich dem See zu. Sie wollte jetzt und hier seine Zeichen deuten, seine Gedanken hören. Auch wenn er nicht denken konnte, sie spürte, dass ... sie wusste es selbst nicht. Die bernsteinfarbenen Augen blickten auf das Wasser und wachsam über ihn hinweg. Irgendetwas bedrückendes lag in der Luft, doch Jumaana beschäftigte sich nicht weiter damit. Sie war zu abgelenkt, wovon auch immer.
Eine unbekannte Art von Aufgeregtheit schoss wie eine Welle durch ihren Körper und sie konnte nicht mehr stillstehen. Die Polarwölfin seufzte leise und wendete sich traurig vom See ab. Langsam ging sie nach Norden, blieb aber am Seeufer und orientierte sich daran. Mit gesenktem Kopf ging sie am Rand des Wassers und dachte angestrengt nach. Die Welpen waren geboren, ja, aber wie viele waren es? In Gedanken zählte die Weiße die Neugeborenen. Waren es zwölf?
Jumaana zerbrach sich weiter über diese unnützen Dinge den Kopf und achtete nicht mehr auf ihre Umwelt. Sie lief und lief und wusste nicht mehr wohin. Eigentlich war es ihr auch völlig egal. Es war nichts, wobei sie das Rudel brauchen würde - zumindest nichts, von dem sie wusste. Also schritt Jumaana munter weiter und vergaß ihre Umstände.


Aszrem hatte nie das Leben beklagt, das ihm zuteil gewordn war, hatte sich kaum jemals nach den Dingen gesehnt, die er nicht gehabt hatte. Es gab zuviel Schönes auf der Welt um das zu betrauern, das man nicht sehen konnte oder nicht bekam. Und doch war er unendlich dankbar für die Gelegenheiten, die ihm geboten worden waren und die er hatte ergreifen können. Nyota als seine Gefährtin gefunden zu haben, war ein Geschenk. Aszrem hatte immer auf eine Partnerin gehofft, ohne direkt nach einer zu suchen und in dem Bewusstsein, dass er vielleicht nie eine finden würde. Er dankte seinen Göttern sowie Engaya und Fenris für ihre Gnade, und der gleiche Dank galt auch für Nerúi. Seine wunderhübsche Tochter war ein weiteres Geschenk, von dem er nur gehofft hatte, dass es ihm eines Tages vergönnt sein würde.
Gemeinsam mit den anderen Rudelmitgliedern saß er bei der Welpenhöhle und sah dem Treiben der Welpen zu. Einige waren vorsichtig, andere stürmisch. Es wundert Aszrem überhaupt nicht, dass seine Tochter die Gruppe der Letzteren anführte. Sie war nicht nur so schön wie ihre Mutter, sondern auch genauso kämpferisch und übermütig.
Nerúi war bereits dabei, jedem in ihrer Nähe zu beweisen, wessen Tochter sie war. Wild kam sie angerannt, sprang, verfehlte Aszrems Pfote und musste feststellen, dass sie im Landen noch nicht allzu viel Übung hatte. Der Schwarzbraune schmunzelte nur und sah seiner Tochter hinterher, wie sie sich an ihre nächsten Gegner heranwagte. Neben ihm schmiegte Nyota sich an ihn, und er erwiderte die Geste mit einem sanften Druck in ihre Richtung und rieb sanft seinen Kopf gegen ihren. Dann folgte sein Blick wieder der kleineren Ausgabe Nyotas. Gerade hatte sie sich von Kylia auf's Kreuz legen lassen - sehr zur Überraschung seiner Tochter, und ohne aktive Beteiligung der jungen grauen Fähe. Aszrem Lächeln wuchs. Na, da hatte sich ja die Richtigen gefunden...


Des Leben hätte angenehmer nicht sein können. Das schlechte Wetter war endlich, nach mehreren Wochen angestrengten Jammerns endlich gewechselt und jetzt war es einerseits zumindest nicht so hoch verschneit, zum anders sogar angenehm mild warm. Yerik war beim Rudel der Sternenwinde geblieben. Auch die freundlichen Empfangsszenen hatten ihn nicht davon abhalten können, sich zumindest für eine Weile diesem interessanten Rudel anzuschließen. Irgendwann war er ja dann auch zu seinem Gespräch mit den Alphafähen gekommen. Und nun lebte der Wolf schon einige Zeit in ihren Reihen.
Auch hatte der Kampf, der bei seiner Ankunft gewütet hatte, keinerlei Einwände gegen seine Neugierde für Amáya aufgeworfen. Die schwarze Fähe war dadurch fast noch besonderer geworden. Wochenlang hatte er sich erst von ihr fern gehalten, sie nur manchmal beobachtet, oder aus der Ferne ihrer Stimme gelauscht. Es war anziehend wie sie sich gab, sonderbar wirkte es auf den erfahrenen Rüden, der es doch eigentlich immer war, der anziehend auf andere wirkte. Auf sie aber anscheinend nicht. Und genau das war besonders. Er hatte die Distanz langsam abgebaut. Wäre er am nächsten Tag gleich wieder in ihre Nähe geraten, hätte er sich wohl von seiner Schnauze verabschieden können. Er unterschätzte den Zorn und die Kraft der Fähe nicht.
Nun jedoch, reckte sich der Braune und richtete sich mit einem freudigem Blick auf die anderen Wölfe auf. Er suchte einen Moment lang nach Aryan und Daylight in der Menge, doch durch das viele Schwarz und Weiß, ließen sich nur schwer einzelne Wölfe herauszeichnen, zumindest für jemanden wie ihn, der noch nicht allzu lange bei ihnen weilte. Das junge Paar war ihm lieb geworden. Er mochte beide. Irgendwie waren sie unkomplizierter als manch anderer Wolf und unterhalten konnte man sich ebenso sehr mit ihnen. Dennoch hatte Yerik gerne die Gesellschaft von jedem aus dem Rudel. Er hatte keine Vorbehalte gegen sie, keine Abneigungen. Nicht einmal gegen den Rüden Urion, den er anscheinend in seiner Dunkelsten Stunde erwischt hatte. Nichts. Der Braune hatte das Talent. Jedem eine zweite Chance zu geben, unbefleckt und offen in die Welt zu blicken und sich nicht blenden zu lassen. Die Welpen waren geboren. Schon vor einer Weile, doch nun durften sie zum ersten mal aus der Höhle heraus. Ein Schmunzeln breitete sich über die dunklen Lefzen des Wolfes aus. Gerne hätte er sich auch hinzu gesellt, doch sein Weg zog ihn in eine andere Richtung. Stumm folgte er der Fährte, die gar nicht erst zum Pulk hin führte, sondern gleich in eine andere Richtung, offenkundige Ablehnung, erneut musste der Wolf schmunzeln und seine Augen blitzen freudig auf. Ihre Ablehnung machte es für ihn immer wieder anziehender. Und tatsächlich hatte es sich die schwarze Fähe allein am See gemütlich gemacht. Einsam und fast verlassen saß sie da und, wie um ihren Willen zu akzeptieren, wurde der Rüde automatisch langsamer.

“Genießt du die Einsamkeit?”

Fragte er ungerührt und trat neben sie, allerdings behielt er dabei einige Meter Abstand. Er war sich sicher das sie sich nicht freute seine Gegenwart um sich zu haben. Nicht, seit seinem auftauchen. Für ihn war es einfach das, was er wollte. Er wollte Ablehnung, Distanz, was auch immer. Hauptsache es kam von ihr. Er hatte guten Gewissens hier bleiben können. Das Rudel war freundlich und hatte viele Gesichter die ihn interessierten. Aber keines so sehr, wie das dieser Fähe.

“Vielleicht kannst du dich ja auch mit ein bisschen Zweisamkeit anfreunden.”

Er wandte den Kopf gut gelaunt in ihre Richtung. Seine Augen strahlten. Es war Normalzustand. So war er geboren worden. Doch bei ihr konnte er es nicht so unschuldig aussehen wie sonst. Er gestand sich die Schuld zu, sie nicht in Frieden lassen zu können.


Murrend schrak der weiße Welpe auf, der schwarze Bruder war aus der Höhle geflitzt und hinterließ nun einen fröstelnden Ciradán. Die tiefen blauen Augen suchten nach Halt und fanden den erwärmenden Körper der Mutter. Hastig kuschelte er sich wieder an sie und versuchte wieder in den traumlosen Schlaf zu sinken, aus dem er unsacht gerissen wurde. Allerdings war er nun wach und an schlafen war jetzt nicht mehr zu denken.
Murmelnd drückte er sich fester an den Leib seiner Mutter. Anders als die Andere wollte er gar nicht aus der Höhle und die Welt entdecken. Nein, er wollte hier bleiben, sich nicht rühren und nichts sehen. Warum sollte er die Geborgenheit aufgeben und in etwas hineinrennen, was unheimlich und unvertraut war? Nein, er war nicht so dafür, er wollte hier bleiben und sich nicht in etwas Unbekanntes stürzen. Er kniff die Augen zusammen und legte die Pfoten über die Ohren. Nicht jetzt, er traute sich noch nicht. Er wollte nicht allein sein. Nur ab und an linste er zu den anderen Welpen, die voller Vorfreude aus der Höhle marschierten. Sein Bruder war schon draußen und bekannte sich zu seinem unbändigen Mut. Hätte er nur halb soviel von Avendals Mut würde sich Ciradán schon freuen.

“Ich will nicht“,

murmelte er in sein Fell hinein.


Und es war so hell und aufregend hier draußen. So ganz anders, als in der Höhle, die sie bis jetzt nur gekannt haben. Ein paar Blicke hatten sie schon erhaschen können, doch so pelznah erleben konnten sie es noch nicht. Doch jetzt, jetzt waren sie endlich frei! Wie lange sie schon auf der Welt waren, davon hatte er keinerlei Wissen. Er wusste nur, dass er unglaublich viele Geschwister hatte, und die meisten auch mochte. Mama und Papa sowieso. Und auch seine anderen Eltern; Nyota, Aszrem, Kaede und Urion. Ja, er kam eigentlich mit allen klar, auch wenn er bei manchen lieber war als bei anderen, aber das war wahrscheinlich bei allen so. Es musste so sein, was anderes konnte er sich einfach nicht vorstellen. Das kleine Herz hatte wild gepocht in seinem Brustkorb als er nach draußen gekommen war. So Fremd, so neu, so toll. Er mochte es, endlich Abwechslung, und nicht nur seine Geschwister mit denen er spielen und kämpfen konnte. So viele andere Wölfe, mit denen man sich beschäftigen konnte…! Seine hellen und strahlenden gelben Augen huschten aufgeregt hin und her, versuchten all die Eindrücke die auf ihn einströmten einzufangen und für immer zu behalten. Doch das war gar nicht so einfach wie er es sich vorgestellt hatte, es war einfach zu viel auf einmal für einen Welpentag. Viel zu viel. Doch es gab noch so viel zu entdecken… Die Neugierde des jungen Grauen war ungebändigt, und auch im Angesicht dieser riesigen Welt verspürte er keine Angst. Es war ein Abenteuer, Wissen, dass er aufnehmen wollte, er musste einfach alles wissen! Seine kleine Rute wischte aufgeregt über den Boden, während er sitzend nach einem Opfer Ausschau hielt. Als Nerúi an ihm vorbeiflitzte stob sein Kopf in die Höhe, und seine Ohren spielten aufgeregt hin und her. Da war es. Ohne groß zu überlegen sprang er auf und wetzte hinter der Dunklen her. Er tat es der Welpin nach, rannte hinter Ilias her, und knurrte dabei bedrohlich auf. Vor dem Rüden blieb er stehen, duckte sich halb und ging in Spielstellung, während Nerúi versuchte seinen Lauf zu zerfetzen, es aber irgendwie nicht schaffte. Irgendwann musste er aufgeben, sie waren eindeutig im Vorteil. Zwei gegen Einen. Sie hatten gesiegt! Doch Nerúi schien das anders zu sehen, sprang plötzlich und vollkommen überraschend weg und ließ ihn mit Ilias allein. Feigling. Er knurrte noch etwas, sprang hin und her, stieß vor um einen Angriff vorzutäuschen. Ein empörter Aufschrei ließ Turién jedoch beiseite Blicken. Nerúi war hingefallen. Munter tappte der junge Wolf auf sie zu, und starrte dann Kylia aus großen Augen an.

„Woha! Nerúi…“

Er blickte anschließend auf die eben ausgesprochene hinab und ein breites Lächeln war auf seine Lefzen getreten. Er nickte weise und nahm dann das besagte Tatobjekt unter die Lupe. Die Kralle. Mit geübtem Blick nickte er abermals bevor er sich an die dunkle kleine Fähe wandte.

„Das hat sie bestimmt extra gemacht!“

Ohne noch weitere Erklärung abzugeben, sprang er wieder los, lief zurück zu Ilias und knurrte abermals welpisch auf. Seine Rute pendelte dabei fröhlich hin und her.

„Ich fordere dich herauuuus!“


Rakshee hatte sch lange auf die Zeremonie vorbereitet, mit der die Welpen offiziell im Rudel begrüßt wurden. Ständig war sie um die Wurfhöhle geschlichen und hatte versucht schon einen Blick auf die Kleinen zu erhaschen, aber da sie sich selbst jedes Mal für ihre Aufdringlichkit gescholten hatte, war sie nie besonders erfolgreich gewesen. Jetzt saß sie neben Jakash, wie auch er das Geschenk für ihren Patenwelpen gut versteckt hinter den großen Vorderpfoten, und die goldenen Augen leuchtend vor Neugier und Freude.
Die ersten Welpen waren bereits überaus munter am herumwuseln, liefen, spangen, fielen um. Lächelnd sah Rakshee Avendal zu, die erst umgekippt war, und dann ganz verzückt den Himmel betrachtete - zwar war er voll von schweren Wolken, doch erkannte Rakshee sich auf Anhieb in Avendals Blick wieder, schien sie doch ebeno fasziniert zu sein von dem was über ihr war.
Lächelnd sah die Braune Caylee entgegen, als diese zielstrebig auf ihren Bruder zutaperte, und ihn dann nach seinen Gefühlen für sie erkundigte. Rakshee war wohl ähnlich überrascht ie Jakash, jedoch weniger gefasst, und lachte laut auf, nur um Jakash mit einem überaus breiten Lächeln zu einer Antwort zu ermutigen. Ihr Bruder hatte sch schnell aus der Situation befreit, aber Rakhees Grinsen blieb, während sie sich zu Caylee runterbeugte.

"Liebst du Jakash denn auch? Und mich?"

fragte sie lächelnd zurück, und senkte mit schlackernden Ohren den Kopf bis fast auf Caylees Augenhöhe.

"Ich bin Rakshee"

stellte sie sich vor, und sah die Kleine erwartungsvoll an.


Die regenblauen Augen lagen auf dem still und friedlich da liegenden See, der eine beruhigende Ausstrahlung auf die Fähe hatte. Aber es war nicht das, was sie hierher gelockt hatte. Eine Verbindung, eine dunkle, fast verblasste Erinnerung an Welpentage. Zuerst hatte sie es vermeiden wollen ins Wasser zu blicken, dann hatte sie aber doch nicht widerstehen können und hatte einen Blick riskiert. Ob das nun so klug gewesen war? Sie hatte sich gesehen, natürlich. Aber weitaus mehr. Die Erinnerung zu ihrer verlorenen Hälfte war zurück gekommen, der Schmerz und die Trauer über den Verlust, den sie hatte erleiden müssen, als sie es noch nicht ein Mal hatte verstehen können. Und niemals war es jemanden auch nur in den Sinn gekommen, es ihr zu erklären.

.oO(Was wäre gewesen, wenn du bei mir gewesen wärst? Wäre ich dann nicht zu einem Monster geworden?)

Bitter schluckte die Dunkle, schlug mit einer Pranke nach der Spiegelung und löschte diese so aus, als könne sie ihre Erinnerungen ebenfalls so leicht auslöschen. Aber das war unmöglich. Man konnte nicht zu einem anderen Wolf werden und sie würde ihr Blut niemals von dem ihrer Eltern lösen können, die an allem Schuld waren. Hätte man sie nicht gezeugt oder wäre sie ebenfalls verstorben... Nein, es waren nicht ihre Eltern, es war das gesamte verdammte Rudel!

.oO(Los, sag’s mir, Schwester! Was wäre aus mir geworden? Eine gute Tochter? Eine liebevolle Mutter? Welch ein Gedanke! Lächerlich.)

Langsam wollte sich die Fähe zum Gehen wenden. Entgegen aller Vorsichtsmaßnahmen und aller Vernunft, hatte man sie zu der Welpenweihe berufen. Sonst hatten die Idioten aber keine Probleme und waren auch sonst nicht weiter verseucht von suizidalem Gedankengut, oder? Am liebsten würde sie sich das Fell raufen, so ein Schwachsinn war das. Aber ihre Schwester, oder vor allen Dingen ihre Schwester, hatte darauf bestanden. Na toll. Jetzt spielte sie also nicht nur Jakashs Aufpasser sondern wurde auch zum Babysittung abgeordnet. Danke.
Also sollte sie doch die Stille noch ein wenig genießen, bis diese dann endgültig vorbei war und es „Amáya hier!“ und „Amáya da!“ hieß. Allerdings verlangte man wohl schon eher nach ihrer Aufmerksamkeit. Eine wohl bekannte Stimme in ihrer Nähe ließ sie leicht die Zähne blecken. Für diese verdammte Aktion hätte sie dem Braunen gerne das Fell über die Ohren gezogen. Ein Fehltritt hier beim Rudel konnte sie sich allerdings nicht erlauben. Das man sie nicht verjagt hatte, trotz des Kampfes mit Urion... na ja, eine weitere Blödheit. Auf seine Worte reagierte sie vorerst mit Ignoranz. Den Rüden stehen lassen konnte sie allerdings auch nicht wirklich.

Gut gesehen. Dann belass es bitte auch dabei, in Ordnung? Ich steh’ nicht so auf Unterredung von vier Augen...


Glück pulsierte durch die Adern Tyraleens. Die vergangenen vier Wochen waren ein einziger Glückstaumel gewesen und jetzt schien er seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Das Rudel würde ihre Welpen kennenlernen, sieben muntere kleine Fellbälle die alles waren aber sicher kein ungewolltes Leben. Und jeden von ihnen liebte sie mehr, als sie je erwartete hätte lieben zu können. Avendal für ihre großen, traumschweren Augen und ihre ruhige Neugierde. Caylee für ihre Bestimmheit und die Zielstrebigkeit. Tascurio für seinen rebellischen Geist. Chardím für seine launische Freundlichkeit. Atalya für ihren ungebrochenen Willen. Turién für seine großen Reden und seine versteckte Unsicherheit. Und Amúr für ihren träumerischen Geist. Alle waren sie einzigartig. Und jetzt würden sie endlich das Rudel kennenlernen, ihren Paten vorgestellt werden, einen großen Schritt ins Leben machen. Tyraleen freute sich so. Die Paten auszuwählen war schwieriger gewesen, als sie gedacht hatte. Anfangs war es ganz klar … Isis würde natürlich Patin werden und Daylight. Rakshee hatte sie auch jemanden anvertrauen wollen und nach einigem Überlegen hatte sie darauf bestanden, auch Amáya eine Chance zu geben. Aber da waren immer noch einige Welpen übrig gewesen. Shani war eine sehr liebe Fähe und gute Mutter und Jakash ein aufgeweckter Rüde, der Welpen sicher viel zeigen konnte. Am Ende hatten sie sich schließlich noch für Aradis und Liam entschlossen, auch wenn sie beide nicht so gut kannten. Sie waren verlässliche Wölfe, die sicher gut mit Welpen umgehen konnten. Tyraleen war mit ihrer Entscheidung voll auf zufrieden. Jetzt würde sich zeigen, wie die Wölfe auf das erste Zusammentreffen reagieren würden. Bereits erste Welpen trauten sich, auf die Rudelmitglieder zuzugehen. Caylee stand bei Jakash und Rakshee, Turién war wieder höchst aktiv hin und her gehuscht und Amúr stand schon bei ihrer Oma. Leise und höchst zufrieden seufzend legte sie ihren Kopf auf die Schulter ihres Bruders, der neben ihr saß. Averic sah die Welpen tatsächlich ebenfalls zum ersten Mal so richtig. Vorher hatte sie ihn nie zu nahe an sie heran gelassen. Banshee hatte ihr erklärt, dass das normal sei und sie sich keine Sorgen machen sollte. Solang die Welpen in der Höhle waren, hatten die Väter dort nichts zu suchen und damit fanden sie sich auch ab. Tyraleen hatte es ein wenig Leid getan, aber auch das war jetzt vergessen. Jetzt waren sie ja endlich am Tageslicht.

“Sind sie nicht wundervoll? Wir haben so viele kleine Wunder gemacht, Averic … sind wir dann nicht auch Wunder?“

Sie lachte leise und schüttelte leicht ihren langen Pelz. Die Frage war nicht ganz ernst gemeint, die Aussage dahinter – der Stolz und das Glück – klangen aber so deutlich darin nach, dass ihre eigentlichen Worte in den Hintergrund rückten. Eine ganze Zeit lang betrachtete sie glücklich die Szene, als ihr irgendwann auffiel, dass da ein Welpe dabei war, den sie nicht kannte. Woher kam der denn plötzlich? Also ihrer war das nicht, Nyota hatte nur Neruí und bei Kaedes Welpen hatte sie ihn auch nie gesehen. Das musste ein fremder sein. Aber warum saß der plötzlich zwischen ihren. Da sich Tyraleen direkt neben dem Höhleneingang befand, musste sie lediglich die Schnauze etwas vorrecken, um der weißen Welpen sachte gegen die Schulter zu stupsen.

“Hallo Kleine, wer bist du denn? Du gehörst aber nicht zu unseren Welpen.“

Die Worte waren keines Falls böse gemeint und klangen auch freundlich. Tyraleen war viel zu glücklich, um auch nur ein böses Wort über die Lefzen zu bekommen. Noch dazu war das ein Welpe, also nicht irgendein Fremder. Er musste genauso alt sein wie ihre Kleinen und damit definitiv noch bei seiner Mutter leben. Nur wo war die? Unauffällig suchten Tyraleens Augen die Reihen der Wölfe ab, doch nur bekannte Gesichter blickten ihr entgegen.


Vergnügt beobachtete der Rüde das Verhalten der Fähe. Wie sie sich abwandte und schon gehen wollte, doch wieder inne hielt. Einerseits missfiel ihr seine Gesellschaft, andererseits wollte sie auch noch nicht sooo schnell wieder in den Tumult des Rudels zurück kehren. Arme Amáya. Das war echt eine blöde Entscheidung. Ihm war beides Recht. Und wenn sie glaubte er würde sie einfach so verlassen, wenn sie wieder zum Rudel ging, lag sie ja auch wieder falsch. Eigentlich kam es aufs Gleiche raus, mit seiner würde sie wohl oder übel gerade Mal vorlieb nehmen müssen. Bei ihrer Bemerkung lehnte er den Kopf etwas zur Seite und zuckte mit den Ohren.

“ Vielleicht solltest du dir überlegen es dir anzueignen.”

Noch immer klang seine Stimme vergnügt. Ihm gefiel die Unterhaltung und auch durch ihre Drohgebärden konnte sie ihn gerade mehr schlecht als recht abwehren. Er wollte doch mal sehen ob diese Fähe wirklich so anders war als alle anderen. Es war nicht ein Test. Nein, eigentlich war es ihm sogar ernst, ernster als sonst mal in seinem Leben. Auch wenn sie es nicht mochte, er mochte ihre Gesellschaft. Ja, sonderbar war das. Aber wahr. Er, der Wanderer ohne Rast und Heim. Er sollte jetzt seinen Meister in ihr gefunden haben? Na, das würden sie aber noch mal sehen. Bisher hatte er sich noch mit jedem angefreundet. Egal wie lang es gedauert hatte.
Der Rüde ließ sich vor ihr auf die Hinterpfoten sinken.

“ Ich kann dir dabei helfen.,”

Bot er an. Es war ernst gemeint. Er wollte sich wirklich gern mit dieser Schwarzen unterhalten. Was unter ihrer Oberfläche geschah, hinter ihrer so offensichtlichen Abneigung gegen den Großteil der Wölfe hier, gegen ihn - er schmunzelte erneut - ja, das interessierte ihn ziemlich. Und er war auch ein guter Erzähler. Er würde ihr sicherlich etwas von der Welt schmackhaft machen können, sodass sie nicht ganz so zurückgezogen leben musste. Irgendwo musste es auch Worte geben, die sie berührten, ohne das sie gleich zu tief gingen. Stachen. Wehtaten. Yerik hatte nicht vor ihr weh zutun. Er wollte ihr helfen. Auf seine Weise. Auch wenn sie seine Hilfe nicht einmal wollte.
Doch vielleicht würde er das ändern können. Irgendwie.


Gerade so, als sei er selbst der Vater all dieser Welpe starrte er auf das Gewusel herab. Ein seliges Lächeln zierte die schwarzen Lefzen. Wie sehr er Welpen doch liebte. Klein, frech und in der Mehrzahl unschlagbar. Er mochte den Schalk, den Schabernack und die kleinen Kämpfe, die sie sich schon untereinander lieferten. Fast verblasste die Gefahr des Nichts, welches sich schlagartig ausbreitete. Einmal war der Schwarze sich das genauer ansehen und war sofort wieder zurückgewichen als er- ja, was hatte er eigentlich gesehen? Nichts was aus einer Form bestand, nichts was eine Konsistenz besaß. Halt ein Nichts. Es gab nicht mal einen Vergleich für diese Erscheinung. Aber solange die Leittiere keine Panik schoben und den Welpen erlaubten herumzutollen, war es ihm gleich. Was ihn eher wurmte war der Gedanke an Gani, die eigentlich nur die Sehnsucht beherbergte ihren Vater wieder zu sehen, doch Akru war schon in den letzten Tagen nicht mehr zu erblicken. Er schien sich zurückgezogen zu haben. Was er dem Grauen auch nicht verübeln mochte, wie er mitbekam waren seine vielleicht nicht ganz ehrlich gezeugten Welpen gestorben. Aber das ging ihn wirklich nichts an. Genauso wie er sich von dem schwachsinnigen Kampf der beiden Wölfe Urion und Amáya entfernt hatte, als dieser den Höhepunkt erreicht hatte. Das Ungute war, dass er nun das Gefühl hatte, dass Daylight wohl sauer auf ihn wäre. Er mied direkten Augenkontakt, hielt sich eher bedeckt und doch ließ er ihr ab und an einen Liebesbeweis zukommen.
Wieder sahen die Regenaugen auf das Gewusel herab und diesmal entdeckte er eine Welpin, die nicht zu diesen Würfen gehörte. Verblüfft starrte er dieses kleine Wesen an. Auch Tyraleen hatte sie bemerkt und gesellte sich zu ihr. Nur langsam bewegte er sich auch auf sie zu.

“Das Märchen vom Klapperstorch ist zu alt, als ich daran noch glauben mag. Tyraleen, das ist nicht Deine Tochter?“,

er lachte leise und sah das kleine Wesen lächelnd an. Wie zauberhaft und entzückend sie war. Er beneidete das junge Glück der weißen Fähe sehr, sie hatte viele kleine Welpen und strotzte vor Glück. Auch Tyraleen ließ er ein leichtes, lächelndes Nicken zukommen. Es galt eher wie ein Glückwunsch, dass er ihr ehrlich zukommen ließ.


Cuma wartete aufgeregt vor der Höhle. Sie freute sich schon wie verrückt auf die kleinen Neugeborenen. Ihre graue Schnauze nahm verschiedene Duftnoten wahr. Ihre Ohren schnippten ein wenig umher. Sie seufzte und schloss kurz die Augen. Und dann hörte sie die ersten jungen Stimmen. Aufgeregt setzte sich Cuma auf, die himmelblauen Augen auf den Höhleneingang geheftet. Tyraleen kam heraus, sie sah glücklich aus. Die Graue seufzte erleichtert auf. Alles war anscheinend gut gegangen. Und dort war noch eine andere Fähe. Ah, das musste Nyotas Kind sein. Pechschwarz. Eine hübsche, kleine Fähe. Cuma lächelte noch etwas breiter. So viel neues Leben! Immer mehr Welpen kamen unsicher angetapst. Erleichterung machte sich in der Fähe breit. Sie wandte sich um und ging ein paar Schritte umher. Weiße, graue, schwarze Welpen. Und das ganze Rudel versammelt. Die grauweiße Fähe schlängelte sich durch die Menge und lächelte mehrere Welpen herzlich an, sagte kurz 'Hallo', ging dann jedoch weiter. In alle dem musste sie immer wieder an Kensharion denken. Hier waren nur glückliche, zufriedene Familien. Niemand allein. Ohne jemanden. Verlassen. Manchmal war das Leben nicht fair. Aber das konnte es nicht immer sein. Die Fähe ging noch ein paar Schritte, sie war dem Wald nun schon näher gekommen. Sie wollte sich einfach ein wenig hinlegen und den Stimmen der anderen lauschen. Dann nahm sie eine sehr leichte, fließende Bewegung wahr. Die himmelblauen Augen streiften über den Waldrand. Dort war jemand. Die Wölfin ging ein paar Schritte auf die Stelle zu.

Kensharion.
Was sollte man fühlen, wenn man jemandem begegnete, von dem man gedacht hätte, man würde ihn nie mehr sehen? Cuma stand einfach da, reglos, erstarrt. Ihre Miene sprach Bände. Traurigkeit, Verzweiflung, aber auch Liebe, Hoffnung... so viel spielte sich in ihren blauen Augen ab. Sie stand einfach nur da. Und wirkte irgendwie verloren.


Kylia fühlte sich ein wenig überfordert. Natürlich würde sie das nie zugeben aber die vielen Welpen schüchterten sie ein wenig ein. Nicht, dass sie vor Welpen Angst hätte oder ähnlicher Quatsch, aber es waren so viele und sie schienen überall gleichzeitig zu sein und eigentlich nur Dummheiten zu machen. Vor ihren Augen fiel gerade eine kleine Welpin auf die Nase und wurde von einem anderen dafür ausgelacht. Eine weitere stellte eine nicht gerade einfache Frage an Jakash und ein Welpe und … ihr Patenkind! trieben totalen Unfug. Neruí, so hieß die Tochter Nyotas, stob hin und her und schien dabei jede Sekunde auf die Schnauze zu fallen. Hinter ihr her rannte ein kleiner Rüde, dessen Namen sie nicht wusste. Aber ein Sohn Tyraleens war das, das sah man schon. Ihr Blick konzentrierte sich jetzt ganz auf Neruí und sie versuchte sich innerlich darauf vorzubereiten, Patin von diesem aufgeweckten Wirbelwind zu werden. Natürlich freute sie sich riesig aber ein wenig Angst vor dem Versagen hatte sie schon. Ihr wäre wohl ein ruhigeres Patenkind wie zum Beispiel die Kleine, die gerade hingeflogen war, lieber. Aber … nein, sie war überglücklich mit Neruí. Schließlich war das die Tochter der Leitwölfin, zudem ihre einzige, und die Tochter einer neu gewonnenen Freundin. Amiyo hatte Recht gehabt. Auch Leitwölfe waren nur Wölfe und man konnte sich mit ihnen anfreunden wie mit jedem anderen Wolf. Kylia mochte Nyota sehr gerne und war froh, ihr bei der Erziehung ihrer Tochter helfen zu können. Auch wenn es sicher nicht einfach werden würde. Neruí hatte sich mittlerweile Ilias als Opfer ausgesucht und auch der kleine Rüde schien davon begeistert. Gerade überlegte sich Kylia, ob sie nicht zu ihnen gehen und Neruí etwas ablenken sollte, als diese schon wieder geradewegs auf sie zustürzte. Stürzte im wahrsten Sinne des Wortes denn schon lag sie auf der Nase. Zuerst verstand die Braune gar nicht, warum, dann wurde ihr ihre leicht vorgeschobene Pfote bewusst und die Kralle, die für Welpen noch durchaus ein großes Hindernis war. Schon musste sie schmunzeln. Neruí schien davon eher sehr empört und starrte sie nun ungläubig an. Der kleine Rüde kam hinzu und klagt sie an, bevor er schon wieder davonrannte. Zurück blieben Neruí und sie. Kylia war hin und hergerissen zwischen lieb und ruhig oder gewitzt und verspielt. Beides konnte sie sein, in diesem Fall schien ihr kleines Patenkind wohl eindeutig der zweiten Sparte zugetan. Also erschien ein verschmitztes Lächeln in ihrem Gesicht.

“Hallo, Neruí. Ich bin Kylia und wenn ich will, kann ich zaubern.“

Sie hob ihre Wunderpfote mit der Zauberkralle an und drehte sie einmal in die eine und einmal in die andere Richtung. Sonderlich magisch sah sie ja nicht aus, das hatten eher Banshee und Tyraleen drauf, aber auch so war zumindest die Kralle etwas länger als bei anderen Wölfen. Vielleicht überzeugte das ja. Wobei ihr geheimnisvoller Gesichtsausdruck hoffentlich genug dazu beitrug.

“Das kannst du übrigens auch.“

Tja, was eigentlich? Krallen zum Stolpern lang zaubern? Mh … vielleicht sollte sie sich ein besseres Konzept für die Kleine ausdenken. Sie schien zumindest viel beschäftigt werden zu wollen und das sicher nicht mit langweiligen Geschichten.


Mit großen Augen saß Chardím am Höhleneingang und starrte mit kerzengrade aufgerichteten Ohren hin und her. Soooo viele Gesichter! Und alles war so hell, blendete seine schimmernden Augen fast. Das war es also, worauf er die ganze Zeit gewartet hatte. In den letzten Tagen - er wusste nicht wie viele, es kam ihm wie eine Ewigkeit vor! - hatte der Schwarzweiße oft ziemlich schlechte Laune gehabt, wenn seine Mama ihn mal wieder nicht heraus ließ. Aber von Zeit zu Zeit wollte ihn dieses Licht halt wie eine Motte anziehen! Wobei Chardím noch nicht mal wusste, was eine Motte war, geschweige denn, dass es so was gab. Aber irgendwer hatte das halt mal gesagt. Jetzt also war es endlich so weit, er durfte raus! Schon tapste Avendal mutig und tapfer an ihm vorbei, sah dann aber doch nicht so begeistert aus. Von Chardím, der die ganze Zeit so nörgelig gewesen war, hätte man wohl erwartet, dass er jetzt los stürmte, aber er wartete. Caylee ging an ihm vorbei, Krolock, dann rannte Nerúi los, Turién folgte, aber der Schwarzweiße saß immer noch am Höhleneingang. Das war das Licht. Aber jetzt überlegte er irgendwie, ob er nicht wieder in die Dunkelheit zurück kehren sollte … er verengte leicht die zweifarbigen Augen, musste das ganz genau abwägen. Wenn diese Mottendinger das Licht anzog, wie war das dann mit dem Gegenteil? Ohje, das war für seinen Kopf zu kompliziert. Er entschied sich dafür, dass er das da hinter sich schon kannte und jetzt was Neues kennen lernen musste! Also sprang er mit einem Ruck auf und rannte raus. So. Jetzt blieb er wieder stehen. Er war draußen. Gut, und nun? Das waren grade mal ein paar Schritte gewesen. Und nichts war passiert! Es war immer noch hell, die Wölfe da guckten immer noch so … okay, was hatte er jetzt eigentlich erwartet? Irgendwie nichts. Mit schnippendem Ohr sah er sich nach seinen Geschwistern um und hechelte derweil ein wenig. Es war nichts Besonderes und gleichzeitig furchtbar aufregend! Das machte ihn ganz kirre. Da erspähten seine Augen Krolock bei Avendal. Ärgerte er sie etwa? Das durfte er nicht machen! Langsam setzte sich Chardím in Bewegung, huschte auf den Schwarzen und seine Schwester zu. Er kam näher, seinen Bruder von den anderen Eltern scharf fixierend. Ja, ganz scharf. Kein Blinzeln, oder so. Der Schwarzweiße brauchte nicht mal auf seine Schritte zu achten - und da war er auch schon gestolpert. Mist. Mehr oder weniger gekonnt fing sich der Welpe wieder auf und sah sich schnell und heimlich um. Das hatte bestimmt keiner gesehen. Weiter im Text. Er pirschte also wieder weiter und baute sich dann vor Krolock auf, als dieser nah genug war. Böser Blick und er fand, dass er ziemlich Furcht einflößend aussah. Und dann, keine paar Sekunden später, zerstörte sich dieses Bild, indem Chardím anfing ganz breit zu grinsen. Einen Kläfflaut von sich gebend, sprang er den Schwarzen über den Haufen und rannte los.

Haha, kriegst mich nicht!“,

rief er piepend den Kopf im Lauf drehend und stolperte schon wieder! Okay, er sollte wirklich auf seine Schritte aufpassen, er musste doch halten, was er sagte! Ziellos suchte er sich irgend einen Weg, wuselte zwischen den Wölfen hin und her - oh, da musste er haarscharf an Oma vorbei gekommen sein! - und entdeckte dann Turién und Nerúi bei irgendwelchen Wölfen. Perfekt! Blitzschnell war er bei beiden angekommen und stellte sich hinter Nerúi. Turíén war schon weiter. Er musste sich verstecken, Fährten verwischen und so, damit Krolock ihn nicht fand. Er duckte sich hinter Nerúi und blinzelte schräg an ihr vorbei. Ein noch ziemlich hoch klingendes Murren verließ seine kleine Schnauze.

Du bist viel zu klein, hinter dir kann man sich gar nicht verstecken!“

Das die Schwarze genau genommen wirklich nicht viel kleiner war als er, ließ er mal ganz außer Acht. Aber natürlich hatte er vorher noch die Worte von dieser grauen Wölfin gehört, die da bei ihnen stand. Kylia hieß sie. Und sie konnte zaubern! Begeistert wandte er ihr die zweifarbigen Augen zu.

Echt? Mach mich unsichtbar, dann findet mich Krolock nicht!“

Atalya
12.02.2011, 21:39

So. Da hatte sie es mal wieder. Man wollte sie ärgern. Toll. Ganz bravourös. Warnend sträubte sich das Nackenfell der Schwarzen. Dieser einfältige Rüde sollte bloß nicht auf die Idee kommen und noch einen Schritt näher treten. Drohend kräuselten sich die Lefzen der Dunklen und ein Grollen wollte in ihr heran wachsen, noch hielt sie sich aber zurück. Es wäre wirklich nicht gut vor den Augen aller...

Vielleicht werde ich mir überlegen, wie ich dich am unauffälligsten in Fetzten reiße.

, zischte sie ihm aus zusammen gebissenen Zähnen hindurch zu und funkelte ihn mit ihren kühlen Augen an. Was bildete sich dieser Honk eigentlich ein? Warum zum Teufel rannten ihr alle hinterher als wäre sie ein Weltwunder? Und diese Aktion... sie hatte es noch nicht vergessen. Wütend blitzten ihre Augen auf, als Amáya den schmalen Kopf herum warf und abfällig schnaubte.

Helfen? Bei was denn bitte? Wie ich dich leichter zerfleischen kann ohne dabei schmutzig zu werden?

Wieder schnaubte die Dunkle, hob kurz den Blick zum Rudel und warf dann Yerik einen bitterbösen Blick zu. Er hatte sich gefälligst aus ihren Angelegenheiten raus zu halten!

Mir kann keiner mehr helfen, Idiot.

Ruhig war ihre Stimme, ruhig und bestimmt, wenn auch unterstrichen von einem leisen Grollen. Sie konnte solche Nervenzwerge nicht leiden, die herum rannten und versuchten die Welt zu verbessern. Schade nur, dass man ihre nicht verbessern konnte. Sie war verloren. Todesengel. Wie passend.
Noch ein Mal wanderten die Augen der Dunklen zum See, suchten nach der stillen Ruhe, der er ihr gab. Wobei diese Ruhe nun gestört worden war. Unglaublich. Sie schien wirklich ein Showstück dieses Packs zu sein.
Trotz allem atmete Amáya tief den Geruch des kühlen Wassers ein, der sie immer mit ihrem alten Leben verbinden würde. Deprimierend. Sie würde niemals frei sein, egal was sie tat. Um nicht wieder in unschöne Gedanken zu verfallen funkelte sie den Rüden an, der selbstherrlich vor sich hin grinste und dieses Gegrinse und Strahlen wohl zu seinem Markenzeichen gemacht hatte.

Und du? Was grinst du so blöde? Kann man dir damit helfen?

Nun musste Amáya grinsen, gehässig und gemein. Oh ja, wenn sie nur konnte, würde sie ihm schon helfen.


Caylee fiel natürlich sofort auf, dass der Schwarze sie nachplapperte. Einfach auch Äh zu sagen! Er war doch hier der Erwachsene und Erwachsene – da war sich Caylee sicher – wussten auf jede Frage eine Antwort. Das würde bei ihr auch mal so sein. Sicher schon bevor sie erwachsen war. Sie war nun mal schlauer und schöner als andere, deshalb war sie ihnen eben ein wenig voraus. So war das Schicksal. Außerdem trug Engaya natürlich ihren Teil dazu bei. Für ihre Lieblingstochter eine besonders große Portion Intelligenz. Ja, so war da. Aber zurück zu dem Grünauge. Der hatte noch immer nicht geantwortet und Caylees Stirn begann sich zu krausen. War das denn so schwer? Die wollten sie doch alle lieben … aber vielleicht war gerade das der Unterschied. Sie hatte ihre Frage falsch gestellt. Aber schon begann der Rüde sie anzulächeln und ihr Unmut war vergessen. Der konnte aber toll lächeln! Das Grün von seinen Augen leuchtete dabei so seltsam … sowas hatte Caylee nie vorher gesehen. Toll! Seine Antwort ließ ihre Stirn erneut leicht krausen. Er liebte sie wie eine Schwester? Also so wie sie Avendal liebte? Liebte sie Avendal? Mh … na gut, wie eine Schwester klang trotzdem toll. Ein eifriges Nicken folgte der kurzen Grübelei.

“Super! Es ist toll geliebt zu werden.“

Genau in dem Moment fiel ihr ein, warum sie überhaupt zu dem Schwarzen gekommen war. Sie wollte ja seinen Namen herausfinden! Um zumindest mal zu versuchen, sich etwas zu merken. Wie dumm sie war, dass sie das gleich wieder vergessen hatte. Dabei war das angesichts der vielen Wölfe wirklich wichtig. Eifrig beugte sie sich also vor und begann an seiner Pfote herumzuschnuppern. Kurz leckte sie auch darüber und nickte dann fachmännisch, als hätte sie gerade eine wichtige Erkenntnis über den Schwarzen erlangt. Ihr plötzlich sehr wichtigtuerischer Blick ging wieder hoch zu den grünen Augen.

“Ich muss deinen Namen wissen.“

In die Frage hinein kam plötzlich eine andere Stimme wie aus dem Nichts. Caylee wäre beinahe vor Schreck umgekippt, als sie neben sich ein großes Gesicht sah und schwankte tatsächlich nach hinten. In der nächsten Sekunde hatte sie sich wieder gefasst und reckte die Schnauze leicht vor zu den großen gelben Augen, die sie lächelnd ansahen. Woher kamen die denn plötzlich? War da noch jemand neben dem Schwarzen gewesen? Das hatte die Kleine gar nicht mitbekommen. Dass Erwachsene sich auch immer so verstecken mussten … aber lange böse war sie natürlich nicht, dafür strahlte die Fähe viel zu lieb und außerdem hatte sie sie etwas gefragt. Jakash … ah? Dann war der Schwarze also Jakash. Jaaaakash. Jakaaaaash. Jaki. Jak. Okay, das hatte sie abgespeichert. Und liebte sie ihn? Und die großen gelben Augen, liebte sie die? Das war aber eine schwierige Frage. Natürlich ließ sich Caylee auf ihre welpische Art nichts anmerken und wippte ein wenig auf den Pfoten hin und her. Wieder kam das verschmitzte Lächeln.

“Klar. So wie meine Schwester.“

Ha, wenn das nicht eine gute Antwort war. Und gleich noch dazu wurde ihr der nächste Name präsentiert. Ouh, das ging jetzt aber schnell. Rakshee. Raksheeeeee. Raki. Vorsichtig schob sie die Nase noch etwas näher an die gelben Augen und schnupperte. So roch Raki. Und sie hatte Augen wie Mama.


Ein leichtes Zwicken im Ohr ließ Krolock aufsehen. Wirsch sah er nach dem Übeltäter… murr, es war Nerúi gewesen. Zögerlich wollte er ihr nachjagen. Erhob sich, ließ sich fallen, erhob sich, ließ sich fallen. Bis er ein breites Grinsen aus den Augenwinkeln wahrnahm.
Chardím, der bunte Bruder. Und schon lag der Schwazre der Länge nach auf dem Boden und konnte gerade noch erkennen, dass nicht nur er den Boden aus nächster Nähe betrachten durfte. Lachend rappelte er sich auf und jagte dem Schwarzweißen hinterher. Passend platzierte er sich hinter Nerúi. Grinsend fiel er in einen Trab, bis er schließlich stehen blieb. Den Oberkörper tief an den Boden gepresst; das Hinterteil galant in die Luft gestreckt; machte er sich bereit für einen überwältigenden Racheakt. Kurz noch anvisieren. Dann sprang er los, verfehlte allerdings das Ziel knapp und blieb kullernd neben den Beiden liegen. Sein helles Lachen überflog den Rudelplatz. Dafür hob er die Pfote kurz an und stupste erst Nerúi, dann Chardím in die Seite.

“Das war mit Absicht“,

meinte er mit einem leicht verlegenen Unterton. Die strahlenden Augen gen Himmel gerichtet. Wow, der war viel höher als gedacht. Eigentlich hatte der Schwarze vermutet, dass man ihn locker hätte anfassen können. Wenn man sich nur genügend gestreckt hätte. Verloren strauchelte eine kleine Pfote in der Luft herum. Bis er sich schließlich wieder erhob und sich gesittet niederließ. Er wartete nur, bis keiner ihn mehr sehen würde. Geduld war eine Tugend, aber nicht seine. Wieder lachend streckte er die Schnauze aus und zerrte an dem schwarzweißen Ohr.


Nerúi hatte sich leicht schüttelnd wieder erhoben, als Turién zu ihr kam. Natürlich hatte er Recht, das war extra gewesen damit sie hinfiel. Allerdings war sie auch extra an Kylia vorbeigelaufen um sie zu fressen. Also waren sie quitt. Turién wollte den Braunbunten Rüden alleine besiegen, und Nerúi war sicher dass er ohne sie keine Chance hatte. Also sollte er es nur versuchen und scheitern.
Chardím kam zu ihr gelaufen, und Nerúi baute sich ganz groß auf nachdem er behauptete man könne sich hinter ihr nicht gut verstecken. Von wegen, das konnte man ja wohl!
Kylias Worten lauschend spitzte sie die Ohren, ihr gnzer Körper verfiel in angespannte Starre - Kylia konnte zaubern! Und sie auch?! Toll! Mit wild peitschender Rute, die maßgeblich Chardím abbekam, und die dafür sorgte dass ganz Nerúi mitwackelte, stand sie da - aber uch nur einen Moment, denn im nächsten drehte sie sch shon springend um sich selbst.

"Toll, du kannst zaubern! Zeig mir wie das geht! Dann kann ich machen das...Krolock Chardím nicht findet und Turién gegen den Großen verliert wenn ich ihm nicht helfe!"

rief sie voller Begeisterung, und hüpfte näher, um Kylias hochgehaltene Pfote näher zu untersuchen. Ausgiebig daran schnuppernd und jedes Detail gaaanz genau anguckend, sah sie schliesslich auf ihre eigene Pfote herunter - und musste erschrocken feststellen, dass Kylia viiiiel viel längere Krallen hatte als sie. Und auch als Chardím, wie ein Blick zu ihrem Bruder ihr verriet.

"Oh ja, mach ihn unsichtbar und bring mir auch Zaubern bei!"

pflichtete sie dem Schwarzweißen freudig bei, und wuselte wieder zu Chardím zurück, um sich so groß wie möglich zu machen. Immerhin musste sie ihn ja noch verstecken, bis er unsichtbar war.
Aber dafür war es längst zu spät. Mit einem bösartigen Kampfschrei - "Wuaarrr!" - stellte sie sch Krolock entgegen, der nach seinem Angriff neben ihr auf den Boden fiel.

"Woooah! Ich kann wirklich zaubern!"

rief sie, und drehte sich begeistert zu Kylia um.

"Krolock, guck mal, Kylia hat mir zaubern beigebracht!"

verkündete sie stolz, und wedelte mit hoch in die Luft gereckter Nase und Rute in ungleichem Takt. Das hatte ie gut gemacht, oh ja.


Sie war unfassbar. Und sie schaffte es auch nicht, sein Lächeln verschwinden zu lassen. Es war wie eine Romanze mit den Sternen. Man kam nie an sie heran, soweit man sich auch aus dem Fenster lehnte. Und wenn man sich zu weit lehnte, fiel man und er hatte nicht das Verlangen, sich dieser Fähe vor die Pfoten zu werfen. Nein. Sollte sie sich nur aufregen. Sollte sie sich nur ihrem Hass und ihrer Wut hingeben. Irgendwie würde er es schon schaffen sie davon zu befreien. Ihr zu helfen.

“ Das wäre zumindest schon mal eine Überlegung. “

Pflichtete er ihr bei, als unterhielte sie sich über das Wetter und nicht darüber, wie sie ihn am besten umbringen konnte. Aber solche Morddrohungen war er ja fast schon gewohnt, insbesondere von ihr. Sie schmiss damit um sich, wie mit Beleidigungen. Er machte sich nichts daraus, auch wenn er sie noch immer nicht unterschätzte. Sie würde ihm nichts tun. Davon war er relativ überzeugt. Und somit konnte er auch mal etwas dumm sprechen. Wenn er sie dadurch dazu brachte mit ihm zu sprechen? Mit Vernunft versuchte er gar nicht erst ihr bei zu kommen. Sicherlich hatten das schon hunderte Wölfe versucht. Aber sie war eben anders. Nun jedoch schüttelte er tatsächlich den Kopf und wandte den Blick ab. Ließ ihn streifen über Wasser und Land. Einige Sekunden verharrte er still, die Stille zwischen ihnen schwebend. Das Grinsen verschwand dennoch erst, als sie es erwähnte. Einen Moment lang blickte er neugierig. Was stellte er sich vor? Was wollte er hier eigentlich tun? Seit er sie zum ersten Mal gesehen hatte, hatte sie ihn angezogen wie ein Magnet. Und das genau wegen ihrer Art. Es war als hätte er gesucht und gefunden, nur was er genau in ihr fand, konnte er sich nicht einmal genau selbst beantworten. Es war dumm zu behaupten, sich beleidigen zu lassen mache Spaß. So war es nicht. Aber er konnte auch nicht einfach so nichts tun. Noch gegen seine Natur handeln und ihr ebenso unhöflich kommen. Das würde keinen Sinn ergeben. Und so konnte er einfach nur er selbst sein, gewissermaßen zumindest und sie zur Weißglut bringen und darauf zu hoffen ihr irgendwie eine Reaktion abzugewinnen.

“ Weißt du. Wenn du dir nicht einmal selbst zu helfen weißt, wird ich es auch nicht können. “

Seine Stimme war ruhiger geworden. Gelassener. Mit einer fließenden Bewegung richtete sich der braune Rüde auf und trat neben sie ans Wasser. Obgleich er wusste das sie ihn sowieso gleich wieder verscheuchen würde, wollte er diese Chance der Verwunderung nutzen. Es war ein dummer Plan. Fast wie von einem unerfahrenen Jungwolf. Aber vielleicht wollte er das ja gerade sein. Vielleicht war er es ja.

“ Aber vielleicht…. “ Er legte eine kurze Pause an, sah die Schwarze einen Moment lang fast prüfend an, bevor sich erneut ein sanftes Lächeln auf seine Lefzen schlich, “Vielleicht, kann ich dich ja aus der Fassung bringen.”

Und wie beim Kampf gegen Urion, tat er erneut etwas vollkommen unerwartetes. Als wäre es selbstverständlich, wandte er den Kopf blitzartig wieder zu ihr herum und schleckte ihr einmal kurz über den Schnauzenrücken, ehe er reflexartig wieder zurückschnellte und einige Meter Sicherheitsabstand zwischen sich und die Schwarze brachte. Neckend senkte er den Kopf und lehnte ihn, wie in alter Gewohnheit wieder zur Seite.

“ Bringt das wenigstens was?”


Zusammen gerollt lag die junge Fähe einfach nur da. Beide Ohren hatte die Dunkelgraue aufgestellt, ihre Augen jedoch geschlossen. Sie hörte die Stimme, spürte das Licht. Aber noch lag sie in der Höhle, den Kopf zwischen den Läufen gebettet. Man konnte ja mal so tun, als wen einen das alles nicht interessierte. Wahrscheinlich waren ihre Geschwister schon alle raus gerannt. Die Ohren der Fähe zuckten, dann öffnete sie ganz langsam die Augen. Ja, sie hatte Recht gehabt. Sie meisten waren wohl schon geflüchtet. Sie sah sich nur kurz um, hatte gerade keine Lust zu zählen wer noch da war. Atalya gähnte, schmatzte ein paar mal und streckte dann die Vorderläufe. Hah, jetzt kam sie! Ein wenig wackelig auf den Beinen stand sie auf. Sie hatte die ganze Zeit gelegen, wer nahm es ihr also übel? Auf allen Vieren stehend schaute sie zum Ausgang. Da war es wieder, diese Neugier die in ihr hoch kochte. Ohh! Es wäre so toll gewesen, raus zu rennen! Zu ihren Geschwistern zu rennen, jedem am Ohr zu ziehen und lachend weg zu rennen! Aber das konnte sie nicht machen. Also atmete sie tief ein, hob stolz den Kopf und setzte sich in Bewegung. Sie wußte nicht, was da auf sie wartete. Aber ihre Eltern saßen draußen. Und Angst? Angst hatte sie nicht. Nein, Atalya doch nicht! Mutig wie ein Bär, was auch immer das war, machte sie nun also einige Schritte nach vorn. Erst als sie neben ihrer Mutter stand, hielt sie an und sah die kleine, fremde Welpin an. Der Kopf der Grauen neigte sich zur Seite. Hä? Wer war das den? Die Welpin schleckte sich über die Lefzen, machte dann noch ein paar Schritte vor. In einem geringen Abstand zu ihren Eltern drehte sie sich um. Die Augen hatte sie zu Schlitzen verengt. Mit diesem Ausdruck sah sie nun ihre Eltern an, übte sich daran, richtig abgrundtief böse aus zu sehen. Klappte nur noch nicht ganz. Und schon wenige Sekunden später, nachdem sie erst ihren Vater, dann ihre Mutter mit diesem Blick angesehen hatte, zog sich ein breites Grinsen auf die Lefzen der Grauen. Nun machte sie einen Satz auf die beiden zu, stubste ihrem Papa an und grinste zu ihm hoch. Ihre kleine Rute begann wild hin und her zu pendeln. Dann sprang sie auch schon weiter zu ihrer Mama und machte das Gleiche bei ihr. Hach war das toll! Die frische Luft war wunderbar! Und jetzt hatte sie wirklich Neugier gepackt. Also machte sie einige, scheinbar ruhige Schritte von ihrer Eltern und der Fremden weg. Diese weiße Welpin wurde aber auch noch einmal genau angeschaut. Aber lächelnd. Und wieder huschte der rot-braune Blick zu ihren Eltern.

Ich hab euch lieb!“

Und damit wandte sie sich ab, unterdrückte so gut es ging diese Welpen Neugier. Ein erneuter Blick zu den Eltern, dann marschierte sie weiter. Und da war schon jemand, den sie belagern konnte! Nun doch ungezügelt stürmte die Graue los, preschte an manch einem ihrer Geschwister vorbei. Und dann war da schon ihr Opfer! Mit einem Ruck blieb sie stehen, blickte den Weißen erwartungsvoll an. Sie stand einfach nur da und sah ihn an. Noch immer breit grinsend. Herrlich!


Natürlich. Er war nicht so einfach klein zu kriegen wie die anderen. Auf diese Art und Weise war er ein ziemliche intelligenter Idiot – paradox. Aber war es nicht eher töricht, sich nicht von ihr fern zu halten? War er daher nicht doppelt so dumm? Verwirrend. Bevor sie sich noch selber verwirrte, richtete sie ihre Konzentration lieber wieder darauf, den Störenfried in seine Schranken zu weisen. Auf seine lockere Reaktion begann es doch allmählich in ihr zu brodeln, doch sie versuchte sich mit zusammen gebissenen Zähnen zusammen zu reißen. Nicht hier. Nicht jetzt. Nicht er. Erstrecht nicht letzteres!
Als er sich einen Augenblick von ihr abwandte und sie nicht mehr mit diesem Blick anlächelte, der sie alleine schon zur Weißglut trieb, atmete Amáya innerlich ein wenig auf und hätte die Gelegenheit einfach nutzen sollen zu verschwinden.
Als der Braune dann doch wieder die Worte an sie richtete, zuckten die dunklen Ohren in seine Richtung, als hätte er sie angeschrieen und nicht im normalen Tonfall mit ihr gesprochen. Einen Augenblick legte sich ein zufriedener Ausdruck auf das finstere Gesicht. Er hatte vollkommen Recht. Ihr war nicht zu helfen. Weder von ihm, noch von sonst jemandem.
Der folgende Satz ging halb unter und auch der, der darauf folgte. Dazwischen war...
Was dazwischen war, war nicht wahr! Nein. Nein. NEIN! Wie erstarrt blieb Amáya regungslos stehen, starrte auf keinen festen Punkt, bis sie den Blick hob und den noch immer grinsenden Rüden anstarrte.

Du...DU…!!

, brüllte sie, machte einen Satz und riss den Rüden zu Boden, nagelte ihn mit ihren Pfoten auf dem Boden fest. Die Zähne gebleckt und das Fell aufgerichtet starrte sie ihm in die Augen.

Tu das nie wieder, kapiert!

Ein Schauer wollte über ihren Rücken rinnen, doch die Wut, die wie ein Feuer in ihren Augen leuchtete und der Zorn, der ihre Venen füllte, verhinderten das. Drohend ließ sie den Kiefer vor seiner Schnauze zusammen schnappen, allerdings nicht als letzte Warnung vor einem Kampf – sie verspürte nicht den Drang gegen ihn zu kämpfen, warum auch immer – sondern als Ankündigung, was sonst passieren würde.

Verdammter Bastard! Wag es dich und...


Er verfolgte ihr Mimikspiel, während sie mit ihrer Fassung kämpfte. Und dann. War der Boden unter seinen Pfoten weg. Er hatte es geschafft. Das war zumindest eine Reaktion, eine wütende Reaktion, aber wenigstens überhaupt eine. Auch sie konnte sich verlieren. Konnte sich nicht nur verbergen und hinter ihrem Hass verstecken. Sie war da und sie war lebendig. Wütend, aber lebendig. Das Lächeln verschwand nicht als sie ihn zu Boden drückte. Mit Leichtigkeit hatte sie das Vollbracht, doch er hatte sie nie unterschätzt und der aller kräftigste Wolf war er ebenso nicht. Ihr Atem war wie Feuer auf seiner Haut. Während sie sich alle Mühe gab, ihre Fassung wieder zu gewinnen. Er hatte es geschafft. Und tatsächlich fühlte er sich einen Moment trunken vor Sieg. Er hatte sie zu einer Reaktion gebracht. Zwar eine, die er selbst nicht unbedingt erwartet hatte, die ihm - und er musste es unweigerlich zugeben - aber sie gefiel ihm. Auch wenn seine Position in diesem Situation nicht gerade die des Helden war, obwohl er dieses Gefühlgerade verspürte. Für sich war es ein riesiger Erfolg.

“ Ich werde mir überlegen.”

Gab er ungerührt zurück. Er betrachtete seine Augen, lief Gefahr sich zu verlieren. Seine Augen leuchteten. Lächelten. Es war Normalzustand, doch wusste sie, das er gerade wegen ihr Lächelte? Weil sie endlich etwas richtiges erkennen ließ, neben ihrer harten Schale? Er zog die Schnauze kraus, beobachtete einen Moment, atmete einen Moment durch und erschauderte.

“ Du machst es mir aber gerade alles andere als einfach.”

Wieder war sein Ton neckend, diesmal jedoch auf verspielter Art und Weise. Dann hob er den Blick wieder lehnte die Ohren nach vorn.

“ Aber es hat was gebracht. Ich wusste doch das da mehr ist als die harte Schale die du immer vorgibst zu sein. Und ich muss sagen. Es gefällt mir viel besser.”

Es war eine Feststellung, doch sein Tonfall war weich, ruhig. Die Hitze, die vor lauter Wut auf ihn von ihrem Körper ausging erreichte ihn, doch er hielt fest an ihrem Blick fest. Versuchte erneut Regung zu erkennen. Verständnis. Erkenntnis. Er wollte das, was er gerade geweckt hatte nicht wieder verlieren. Viel zu kostbar erschien es ihm.


Ganz still saß Averic neben der Rudelhöhle und sah zu, wie nach und nach die Welpen aus ihr heraus stoben. Kleine, aufgeweckte, laute Wesen, die nichts als Unfug im Kopf hatten. Die kaum zu bändigen waren, Fragen stellten und alles von der großen, weiten Welt wissen wollten. Wesen, die er vor noch gar nicht so langer Zeit unglaublich nervig und dämlich gefunden hatte. Die er nicht gemocht hatte. Doch jetzt war alles anders. Gedanken wie diese, fluteten nun in warmen Wogen durch ihn hindurch und schenkten ihm die Illusion alles in Farbe sehen zu können, ohne je genau gewusst zu haben, wie sie aussahen. Aber er musste ja nur wissen, wie sie schmeckten. Um ihn herum war so viel Leben, dass konnte einfach nicht grau sein. So viel Leben, es erschien dem Pechschwarzen fast so, als könnte er selbst gar nicht da sein, weil es einfach nicht zu ihm passte. Doch das hier waren seine Welpen. Seine und Tyraleens Kinder. Es passte.
Mit aufmerksamen Blick beobachtete er die kleine Avendal, wie sie aus der Höhle tapste von allem so überwältigt zu sein schien, dass sie erst einfach zu Boden sah. Wenige Sekunden später lag sie selbst rücklings auf dem Boden, ohne es so recht verstehen zu können. Ein leichtes Schmunzeln legte sich auf Averics Lefzen, als Caylee dazu kam, um bei ihrer Schwester stehen zu bleiben und sie an zu stupsen. Wie verrückt das doch war. Und wie verdreht. Das da vorne hätten er und Cylin sein können, Averic und Cylin. Aber jetzt waren es Caylee und Avendal. Der Pechschwarze konnte hören, wie seine kleine Tochter “Avi” zu der Hellen sagte und zuckte leicht mit den Ohren. Ein anderes, neues, und doch auch sein Leben, hatte komplett Rollen vertauscht.

.oO( Hey Cylin, siehst du das? Hättest du dir das je vorstellen können? Schau, sie sind fast wie wir. Hättest du je geglaubt, dass ich mal Vater werde? )

Averic spürte, wie sich der Kopf Tyraleens gegen seine Schulter lehnte und zufrieden brummend fuhr er ihr mit der Zunge über die Stirn. Als die kleinen Welpen noch in der Höhle gewesen waren, hatte er sie gar nicht bis kaum sehen dürfen. Zuerst hatte der Pechschwarze das gar nich verstanden, obgleich er keinerlei Anstalten gemacht hatte, darauf zu bestehen. Es hatte ihn verwirrt und fast hatte er sich gefragt, ob er nicht doch einen Fehler begangen hatte. Doch natürlich war allein der Gedanke auf solche Gedanken zu kommen schon absurd gewesen. Er hatte schnell gemerkt, dass auch Aszrem und Urion die Welpen nicht sehen durften und da er es selbst schon tief in sich akzeptiert hatte, sollte es wohl einfach so sein. Jetzt war das alles egal. So konnte er sie eh viel besser sehen, als in grauschwarzer Dunkelheit. Zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er sich einfach nur … zufrieden. Es war ungewohnt. Im Geheimen musste er sich manchmal selbst wieder zureden, dass er jetzt Vater war. Es war einfach so neu, so verrückt. Natürlich stellte er das nicht vor allen Wölfen zur Schau. Immerhin war er Averic, den jetzt auch immer mehr Todessohn schimpften.
Schließlich musste er doch den dunkelblauen Blick von seinen Kindern nehmen, die so munter durch die Gegend jagten und hüpften, als gäbe es nichts Böses auf der Welt. Auf die Worte seiner Schwester hin wurde sein Schmunzeln zu einem Lächeln. Wunder? Ja, da mochte sie Recht haben. Ja.

Sie kommen wohl alle nach dir.“,

antwortete er, ohne zu wissen, dass sein Vater vor fast 3 Jahren das Selbe zu seiner Mutter sagte. Dann fiel seine Aufmerksamkeit auch schon auf eine weiße Welpin, die weder seine Tochter war, noch zu Nyota oder Kaede gehörte. Wo kam die denn her? Aber da sich seine weiße Gefährtin schon ihrer annahm, konnte er sich wieder dem Rudelplatz zuwenden und seine Welpen beobachten. Denn nur weil er jetzt Vater war, hieß das nicht automatisch, dass er gleich ein ganz anderer Wolf geworden war, der plötzlich an Dingen Interesse fand, die ihn sonst nicht interessiert hatten. Er sah lieber zu, wie Chardím erst Krolock über den Haufen sprang und dann wie gestochen davon stob. Er war vom Erscheinungsbild her sicherlich der Sonderbarste von allen zwölf Welpen. In ihm vermischten sich Schwarz und Weiß. Er war der Welpe, den er schon vor seiner Geburt gesehen hatte. Es hatte ihn nicht einmal überrascht. Das unter der Herrschaft von Fenris und Engaya alles möglich war, hatte er in seinem Leben oft genug erfahren.
Als Aryan zu ihnen hinüber kam, schenkte Averic dem Schwarzen bloß einen kurzen, aber nicht unfreundlichen Blick. Außerdem wurde er schon wieder abgelenkt, da ihm etwas gegen die Pfote stupste. Kaum senkten sich seine dunkelblauen Augen, sprang auch schon ein dunkelgrauer Fellball an ihm hoch und fort zu Tyraleen, wo sich die Prozedur wiederholte. Dann hörte er diesen furchtbar ungewohnten Satz und weg war auch Atalya. Lächelnd schüttelte Averic den Kopf. Nein, diese Welpen hatten wirklich nichts von ihm.


Irgendetwas kappte ihr unangenehm die Luftzufuhr, ließ sie nur mühsam atmen, so dass die Fähe ein bisschen schneller als sonst durch den noch immer geöffneten Fang atmete. Es war ein gefährliches Gebiet, auf das sie sich gewagt hatte. Sehr gefährlich, als würde sie mit dem Tode einen Reigen auf glühenden Kohlen tanzen.
Es kribbelte überall in ihrem Körper, als wäre sie in einem Ameisennest gelandet und die ganzen Biester würde auf ihr herum wuseln, was das schwarze Fell noch mehr sträubte. Aus zusammen gekniffenen Augen betrachtete Amáya den Rüden, der sich auch in dieser prekären Lage nicht davon abhalten ließ, sie unablässig anzustrahlen. Wie ihr dieses Gestrahle doch auf die Nerven ging!

Gut so. Ich will’s dir ja auch gar nicht leicht machen. Was auch immer...

Auf seine folgenden Worte biss sie hart die Zähne aufeinander, das Gesicht wütend verzerrt drückte sie mit einer Pfote auf seinen Brustkorb und machte sich extra schwer.

Du weißt gar nichts, du dahergelaufener Kuschelwolf. Du weißt gar nichts über mich, kapiert?!

Aufgebracht schüttelte Amáya den Kopf und ließ dann von ihm ab. Es war nicht gut, wenn sie sich weiter gehen ließ. Es war nicht gut, was sie tat. Nicht gut für sie. Ja, er brachte sie mit seinem Gefasel aus der Fassung, aber nur weil er keine Ahnung hatte und es sie verdammt noch ein Mal nervte. War es so schwer zu kapieren, dass sie keinen Umgang wollte?! Wie deutlich musste sie erst werden, bis er es schnallte und es auf die Reihe bekam. SO schwer von begriff konnte er doch gar nicht sein. Wobei es in diesem Rudel nur vor Intelligenzallergikern nur so wimmelte.

Hau einfach ab.

, zischte sie und trat von ihm weg, ein bisschen näher ans seichte Seeufer heran, so dass ihre Vorderläufe von dem kalten Wasser umspült wurden.


Beigeistert lagen die Augen der Hellen auf den anderen Welpen, so dass sie zuerst gar nicht bemerkte, dass die Erwachsenen ihr Auftauchen bemerkten und von ihr Notiz nahmen. Zu aufregend war das alles. Das musste der ort sein, von dem Mama gesprochen hatte! Sie hatte ihn gefunden! Ganz alleine! Ihre Mutter war bestimmt stolz auf sie und würde sich gewiss riesig freuen, wenn sie irgendwann nach kam. Aléya hatte keine Ahnung, wann dieses „irgendwann“ war – beziehungsweise nicht war. Die Welpin war ahnungslos, dass ihre Mutter niemals mehr aufstehen würde, dass sie tot im Wald lag.
Dafür betrachtete die Kleine mit ihrem Schatz in der Schnauze die vielen Welpen, die in ihrem Alter waren und ausgelassen herum tollten. Freudig wippte die weiße Rute mit der dunklen Fellspitze auf und ab und es kribbelte in ihren Beinen. Sie wollte mit spielen und mit jagen. Das machte bestimmt Spaß.
Als dann eine sachte Schnauze sie anstubste, leuchteten ihre Augen mit der seltsamen Mischfarbe zu der ebenfalls Weißen auf. Die Fähe hatte ein ähnliches Fell wie ihre Mutter nur noch viel, viel weißer. Kurz wurde sie aber wieder abgelenkt, als ein graues Fellbündel wie sie es war sie erst beäugte, dann anstrahlte und dann zwischen den anderen verschwand. Wie gerne würde sie hinter her laufen, aber dann fiel ihr die Frage wieder ein, auf die sie noch keine Antwort gegeben hatte.

Ich bin Aléya und meine Mama liegt in diese Richtung im Wald. Sie schläft, denn sie ist sehr müde vom langen Weg. Aber sie sagte, dass ich einen total schönen Ort finden werde. Ich hab ihn gefunden, ja?

Freudig strahlten die Augen der Weißen zu Tyraleen, dann zu kurz zu den beiden Schwarzen, wobei ihre Augen an beiden einen Augenblick fest hingen. Der eine war riiiesig groß und hatte tolle Zeichen unter den Augen, der andere erzählte etwas von einem Märchen. Das Wort klang fremd in ihren Ohren, aber zugleich auch vertraut.

Was ist denn ein Määärcheen? Ist das nicht eine Geschichte?

Ja, genau! Jetzt fiel es ihr wieder ein. Das musste es sein. Freudig wippte die weiße Rute mit der dunklen Schwanzspitze noch mehr auf und ab.

Erzählst du mir ein Määärcheen?


Aveldal hob den Kopf an als ihre Schwester plötzlich vor ihr stand, mit ihr sprach und sofort wieder verschwand. Mit großen Augen blickte sie ihr nach, während sie sich einfach unter das Rudel mischte. Mitten unter diese ganzen fremden Wölfe! Auch ihre anderen Geschwister wurden nun immer mutiger und so war es nicht nur Caylee die sich einfach mal so aufmachte. Nein, auch Nerúí und Turién, waren fast schneller weg, als es ihr Blick erfassen konnte. Fassungslos öffnete die kleine Fähe die Schnauze etwas. So mutig wie sie wollte sie auch sein. Aber sich jetzt so einfach mal vollkommen unter die Vielen zu mischen. Nein, dazu konnte sie sich gerade mal wirklich nicht durchringen. Man konnte es langsam angehen! Krolock war es, der ihre Lebensgeister erwachen ließ. Noch einmal schüttelte sie sich und blickte den schwarzen Welpen an, bevor sie ihm leicht zunickte.

“ Stimmt, eigentlich geht es ja. Aber soooo viele… Ich hab nicht gedacht das es so viele Wölfe gibt!”

Doch dann war ihr Bruder schon da und ärgerte Krolock. Avendal sah ihnen zu, machte dann allerdings nicht die anstalten, Chardím zu folgen und auch Krolock nicht, der kurz darauf davon jagte. Freudig sah sie ihren Geschwistern nach. Für sie waren sie alle ihre Geschwister. Alle waren sie die letzte Zeit da gewesen und alle fanden sie Klang in ihrem Herzen, jeder Wolf auf seine Weise, aber dennoch mochte sie keine Abneigung gegen sie hegen. Erst jetzt registrierte die helle Fähe den fremden weißen Welpen, der hinzu gekommen war. Sofort wirbelte sie herum, blickte die Fremde mit großen, blauen Augen an. Sie kannte sie tatsächlich nicht. Doch ihre Mutter war schon da. Und ein fremder Wolf aus dem Rudel! Mit einer flinken Bewegung verschwand die Kleine hinter den Vorderpfoten ihrer Mutter und streckte den Kopf dennoch neugierig hervor. Der war groß. Und seine Augen waren blau und hell. Bewundernd sah sie den schwarzen Wolf an. Lauschte seinen Worten, denen seiner Mutter… schließlich trat ein weiterer schwarzer Wolf hinzu. Ihre Ohren zuckten und ihre Augen weiteten sich noch einmal. Noch größer! Während sie dem Geplapper der weißen Welpin lauschte, reckte Avendal den Hals und trat unwillkürlich hinter den Pfoten ihrer Mutter hervor um den großen Rüden besser sehen zu können. Ganz blaue Augen hatte er! So wie sie selbst, nur noch etwas heller.

“ Ich mag auch so groß werden!”

Wie verschluckt schien ihre Scheu. Sie hatte keine Angst mehr. Ihre Mutter war hier und… und Papa? Verwirrt schaute sie erneut an dem schwarzen Rüden hoch. Gesehen hatte sie ihn ja noch nie. Gerade zum ersten Mal so wirklich. Aber doch, ja das konnte passen. Voller freudiger Erwartung wirbelte sie noch einmal herum und gesellte sich schließlich zu der Weißen, Aléya. So hatte sie ihren Namen aufgeschnappt.

“ Ja, erzähl.”

Pflichtete sie bei und blickte nun an dem Schwarzen mit den Helleren Augen hoch. Auch vor ihm hatte sie keine Angst. Er sah nett aus. Aber weder wusste sie Augen, noch Ohren unterzubringen. Immer wieder huschte ihr Blick zwischen Tyraleen und Averic, sowie der weißen Welpin, als auch dem schwarzen Rüden hin und her. Erneut hüpfte sie zu ihrer Mutter, diesmal allerdings um sich an ihren Vorderlauf zu schmiegen.

“ Das ist alles so groß. Ich komm mir ganz klein vor.”

Ihre Stimme klang ein wenig beleidigt. Voller welfischer Naivität.


Und das Chaos begann. Wie als hätte man eine Horde wild gewordener Rennmäuse losgelassen, wuselten die Welpen herum, fielen hin, griffen an, fragten, stolperten, purzelten, quietschten und bellten. Lebten. Obwohl Banshee dieses Schauspiel schon öfter hatte sehen dürfen, konnte sie sich noch immer nicht erklären, warum sie sich dabei so glücklich fühlte, als wäre alle Traurigkeit der Welt mit einem Mal verschwunden. Es musste das Leben und die Zukunft sein, die so deutlich in der Luft hing. Und das Lachen von kleinen Gesichtern, die von ihnen allen geliebt werden wollten. Es war ein schönes Gefühl, auch wenn diesmal keine eigenen Welpen unter den anderen herumtapsten. Aber das mussten sei auch nicht. Immerhin hatte sie wieder Enkel und war endlich Tante geworden, zudem hatte sie auch Kaede einen Wunsch erfüllen können, hatte doch auch ihre Beta bis jetzt noch die das Glück verspürt, eigene Welpen aufwachsen zu sehen.
Banshee konnte sich kaum entscheiden, welchem Welpen sie zuerst zu sehen sollte. Vielleicht der kleinen Caylee, die sich Jakash als Opfer ausgesucht hatte und damit sicher auch gleich ihre Patin kennenlernen würde. Banshee war sehr erfreut gewesen, als Tyraleen ihre Nichte zur Patin gewählt hatte. Schien Rakshee doch wie perfekt für eine große Schwester, mit der man die Welt erkunden konnte. Oder aber Neruí, die herumflitzte und scheinbar bei jedem gleichzeitig sein wollte. Turién hinterher und schon bald stapelten sich auch noch Chardím und Krolock bei Nyotas kleinem Fegefeuer. Sie waren so lebendig, so voller Tatendrang, dass Banshees Gedanken an Stillstand und Tod fast vergessen waren.
Ein Ruf durchbrach die aufgeregten Welpenlaute und Banshee horchte auf. Ein Wolf kündigte sich an, aber es war kein Fremder. Kurz konnte sie weder Stimme noch den schwach wahrnehmbaren Geruch zuordnen, dann erinnerte sie sich an den schwarzen Wolf Takashi. War er zurückgekehrt? Ihr Blick huschte über die vielen Gesichter der Rudelmitglieder und hielt bei Jumaana inne. Es war ihr Gefährte. Die Weiße schien als eine der wenigen den Ruf ebenfalls nicht überhört zu haben und erhob sich nun, drehte sich um und verschwand im Wald. Zufrieden lächelte die Weiße und wandte ihren Blick wieder den Welpen zu. Takashi würde gebührend begrüßt werden, alleine mit Jumaana war er sicher am glücklichsten. Sie spürte Nyotas Blick an ihrer Seite, fing ihr Lachen in einer sanften Erwiderung auf und labte sich an dem Glück in den Augen ihrer Schwester. Sie konnte kaum ausdrücken, wie sehr sie Nyota die Freude von Welpen und Gefährten gönnte. So lange hatte sich die Schwarze danach gesehnt und war jetzt endlich angekommen. Hoffentlich würde sie nach … nach … nach dem Tod Banshees – der Gedanke war unvermindert schmerzhaft – noch lange lange leben und dieses Glück genießen können. Die weiße Leitwölfin wünschte es sich von ganzem Herzen.
Von ihren schwermütigen Gedanken wurde sie aber sofort wieder abgelenkt. Amúr war zu ihr gewackelt und schien sehr aufgeregt. Wahrscheinlich war die ganze große Welt noch etwas zu viel für sie. Lächelnd senkte Banshee ihre Schnauze zu der Kleinen hinab und berührte sie mit der Nase an der Stirn.

“Ja, meine kleine Amúr?“

Vielleicht wollte sie ihr eine unglaubliche Entdeckung zeigen … so etwas wie einen Schmetterling oder eine Blume.


Alles war so aufregend. die ganzen Stimmen um sie herum. Wispern, Flüstern, Kreischen, Rufen, Hauchen...so viele verschiedene Stimmen, Gespräche die auf sie einprasselten ohne dass sie dem Tumult entfliehen konnte. Und da war noch etwas...ein Wispern...es Ruf um Hilfe. Ungehört? von ihr nicht. sie hörte das Flehen laut und deutlich

"Hilfe...du bist zu schwer

Und so sah sie zu ihrer Oma hoch und zuckte mit den Ohren. Wer oder was rief da um Hilfe? Die Stimme war hell und fiepsig als wäre der Sprecher sehr Klein. Amúr wackelte mit der Nase und versuchte Gerüche aufzunehmen.

"Kannst du mal aufstehen Oma? du sitzt auf jemandem...

Ob es einer ihrer Geschwister war? vielleicht Tascurio? oder Atalya? oder vielleicht jemand fremdes. hier waren ja auch verdammt viele neue Gesichter, die sie noch kennenlernen würde.....bald aber nun musste sie die geheimnisvolle Stimme vorm Zerquetschtwerden retten. Sonst wäre irgendwer sicher furchtbar böse mit ihr und würde mit ihr schimpfen. Hoffnungsvoll und flehend sah sie ihre Oma an und hoffte diese würde wirklich aufstehen. Obwohl....sie musste die Stimme doch auch gehört haben. alle müssten sie gehört haben. So dachte die welpin jedenfalls


Allein die Vorfreude war bereits riesengroß. So lange war er von seinem Rudel getrennt gewesen. Nie hatte sich Takashi auf ein Wiedersehen so sehr gefreut. Seine Gefühlswelt schien nach dem Entschwinden des Fluches empfindsamer und sensibler geworden zu sein. Er fühlte sich sehr viel anders als zuvor und seine Charakterzüge waren wieder die Alten. Als wäre er neu geboren worden. Neue Lebensfreude kam in ihm auf. Das Gefühl endlich frei zu sein, war einfach großartig und sehr beruhigend. Zwar waren seine Gedanken glücklich, doch gut sah er nicht aus. Die schwere Reise ohne viel Nahrung hatte ihn ziemlich abmagern lassen. Die starken Winde hatten sein Fell völlig zerzaust. In seinem Gesicht konnte man seinen Schockzustand vor einigen Tagen nach nachvollziehen. Zwar lächelte er, aber es schien kein wirklich fröhliches lächeln, was vom Herzen kam. Es sah viel mehr ängstlich und gequält aus. Seine schlechte Verfassung konnte man ihm bestimmt schon vom weiten ansehen. Doch im Moment dachte er gar nicht an sich selbst. Es war nicht mehr so wie früher, dass er verdammt eitel war und bloß auf sein Äußeres achtete. Tief in seinem Inneren schwirrte noch das herum, was er da grausames in Bildern gesehen hatte. Diese grausamen Bilder und Ereignisse hatten ihn sehr berührt. Innerlich schien erneut Unruhe aufzukommen, die aber gegen den Horror anzukämpfen schien. Der Fluch hatte sich auf grausamste Art und Weise verabschiedet. Hätte Takashi eigentlich nicht sterben sollen? Vielleicht erklärte das seinen schlechten Zustand. Er war zwar schwach, lebte aber noch. Sein starker Wille hatte ihn am Leben gehalten! Die Anspannung und Vorfreude wurden immer größer. Es kam ihm vor, als liefe er bereits einige Jahre durch den Wald. Das Revier war besonders groß und die Vorfreude schien es wie eine halbe Ewigkeit wirken zu lassen. Baum um Baum zischte in einem relativ hohen Tempo an ihm vorbei. Doch langsam sank die Ausdauer und seine Schritte verlangsamten sich. Er hatte sich einfach zu viel angestrengt und das war bei diesem vielen Futtermangel nicht gut gewesen. Der schnelle Trab wurde nun zu einem nur noch langsamen Schritt. Der Kreislauf wollte nicht mehr.

.oO(Ich kann einfach nicht mehr! Meine Kraft schwindet Stück um Stück. Schleunigst brauch ich endlich etwas Vernünftiges zum Fressen! Lange werde ich es wohl nicht mehr aushalten. Ich spüre, wie die Schwäche mich immer mehr herunter drückt. Ich muss aber…!)

Takashi zwang sich schließlich aber, weiterzugehen. Er musste sie alle einfach wiedersehen! Da nahm er eine weiße Fähe in der Ferne war. Es war nicht irgendeine Fähe, es war seine Geliebte! Er hatte sie einfach alleine und im Stich gelassen! Wie konnte er nur? Der Fluch war einfach zu stark gewesen! Was dachte sie jetzt wohl, wenn er einfach so aus dem Nichts auftauchen würde? Takashi hatte wirklich ein schlechtes Gewissen. Die Meisten hier im Rudel wussten bestimmt gar nicht genau, was so ein Fluch alles machen konnte. Würden sie ihn für verrückt halten? Würden sie seiner Geschichte zuhören und ihm alles glauben?

.oO(Es ist schwer…aber ich muss versuchen, ihnen alles zu erklären! Vielleicht verstehen sie mich ja! Schließlich wussten sie ja, dass ich von einem Fluch besessen war. Doch darunter vorstellen könne sich bestimmt nur die Wenigsten was.)

Unsichere Schritte machte Takashi auf Jumaana zu. Er senkte den Kopf. Es tat ich sehr Leid. Die ganze Sache hatte er nicht gewollt. Jetzt wusste er nichts zu sagen. In ungefähr zwei Metern Entfernung blieb er vor ihr stehen, den Blick zu Boden gerichtet. War sie ihm jetzt böse oder liebte sie ihn gar nicht mehr? Vorsichtig ging er nun weiter auf sie zu. Wortlos schmiegte er sich an sie und brach in Tränen aus.


Isis war glücklich, überglücklich. Fröhlich kläffend sprang sie mang den Welpen herum, rollte sich auf dem Boden. Und noch mehr machte sie es glücklich, dass Tyraleen ebenfalls unendlich glücklich schien. Die kleine Wölfin sprang auf ihre vier Pfoten, trabte zu der weißen Fähe und ihren Gefährten um ihr über die Schnauze zu lecken.

“Wow Tyra, sie sind wunderschön. Und Averic, du bist bestimmt ein stolzer Papa, was?“

Isis lächelte den Bruder von Tyraleen an und stupste ihn schließlich mit der Schnauze an. In ihrem Körper pulsierte es. In jede einzelnde Kapillare schoss ein Paket Glück. Einfach zu süß wie die Welpen hier herum tollten. Soweit waren auch alle Mütter aus ihrem Bau gekommen außer Kaede. Die Beta hatte sich schon lange nicht mehr blicken lassen, aber einer der Welpen tapste bereits hier draußen herum. Na hoffentlich war nichts schlimmes passiert, aber was sollte bei diesen vielen Wundern schon was böses passieren?
Isis strahlte in die Runde, als wäre sie selbst Mutter geworden. Gerne würde sie es auch werden, aber das stand auf einem anderen Blatt, denn wer weiß was die Zukunft und das Nichts bringen wird. Kann man nicht genau sagen. Isis lehnte sich etwas gegen Tyraleen, ließ den Blick schweifen. Rouku wurde in das Rudel aufgenommen, das war schön, denn jetzt würde er vielleicht nicht mehr so förmlich sein, denn das ging der Losgelösten Fähe ziemlich auf den Sender. Ein zufriedenes Gluckern verließ ihre Kehle. Wie es wohl Akru ging. Bestimmt auch gut, denn mit Tyra hatte er sich ja ausgesprochen. Isis steckte die Schnauze in das Fell ihrer besten Freundin und genoss das Schauspiel. Bald würde auch die Zeremonie beginnen. Isis freute sich schon darauf. Zwei der welpen krochen zwischen ihren Pfoten herum. Isis stupste die kleinen sanft mit ihrer Schnauze an. Sie wollten Märchen hören, Isis kannte tausende davon. Eine lächelnde Begrüßung hatte sie noch für Ayran übrig.

"Ich kann euch Geschichten aus meiner Heimat erzählen."

Noch immer beobachtete der Rüde ungeniert ihre Bewegungen. Ihre sich rasch hebende und wieder senkende Brust, die etwas geöffnete Schnauze, ihren vor Zorn funkelnden Augen. Aber sie rang noch immer nach Fassung und hatte noch nicht zu ihrem Hass und ihrer Distanz zurück gefunden. Und er genoss den Augenblick in denen sie noch taumelte. Soso, sie sollte es ihm nicht einfach machen? Es war für ihn nicht einfach, ihre Nähe zu meiden. Darin hatte der Sinn der Aussage bestanden. Ihre Antwort passte nur halb hinein. Sie mochte seine Nähe doch nicht, wieso wollte sie es ihm dann nicht einfach machen? Hatte sie ihn falsch verstanden, oder meinte sie es ernst? Sie war doch nicht etwa so masochistisch veranlagt? Der Gedanke ließ ihn ganz leicht den Kopf schütteln. Dann wurde ihm die Luft aus den Lungen gepresst, als sie den Druck auf seiner Brust verstärkte. Kurz hielt er die Luft an, ehe er wieder wagte auszuatmen.
Natürlich wusste er nicht über sie. Nichts Genaues. Nur das was er bereits mitbekommen hatte oder erzählt bekommen hatte. Das war es ja. Er wollte mehr über sie wissen. Von ihr. Er wollte ihre Nähe. Es war eine sonderbare Anziehungskraft die sie auf ihn ausübte, wahrscheinlich vollkommen unwissend. Merkte sie nicht wie sehr es ihn reizte, wenn sie ihn immer wieder abwies? Das war es gerade was sie besonderer machte als alle anderen. Seit er sie den ersten Tag gesehen hatte, war ihm dies klar gewesen. Leise seufzte der Rüde, als sie von ihm abließ. Mit beständiger Gewandtheit richtete sich der Braune wieder auf und schüttelte seinen Pelz.

“ Schade aber auch. Es hat gerade angefangen mir zu gefallen.”

Verkündete er belustigt und lehnte den Kopf in ihre Richtung. Und nun sollte er abhauen? Erst so was und dann sollte er gehen? Hm. Die Ohren des Rüden zuckten. Wahrscheinlich war es fast besser jetzt zu gehen. Schließlich würde er so oder so zurück zum Rudel müssen. Und sie auch. Das war der Zweite Punkt. Er wollte sein Glück in diesem Moment eigentlich nicht noch weiter ausreizen. Er beobachtete Amáya wie sie ans Wasser trat. Beobachtete wie sich das Licht in ihrem dunklen Fell brach und das Wasser ihre Pfoten tränkte. Eine vollkommene Gestalt. Alles schien zu passen und einen Moment reichte es ihm vollkommen sie einfach anzusehen. Dann jedoch senkte der braune Wolf den Kopf etwas, betrachtete einen Moment lang die Erde und nickte schließlich, unsichtbar für sie.

“ Aber okay. Wenn du es so möchtest. Du solltest sie nicht so lange warten lassen. Die Welpenzeremonie dürfte gleich beginnen.”

Lächelnd wandte er sich um und lief einige Schritte, ehe er noch einmal den Kopf drehte und Amáya aus den leuchtenden Bernsteinaugen anblickte.

“ Und wenn du nicht kommst, bin ich schnell wieder da und du musst noch etwas Zweisamkeit ertragen.”

Er wusste das es ihn ihren Ohren fast schon einer Drohung nachkam. Für ihn war es ein wenig Spaß. Er war sich relativ sicher das Amáya zur Versammlung kommen würde. Und doch erwischte er sich bei dem Gedanken, dass es ihm fast lieber gewesen wäre, sie würde nicht kommen. Und sie müsste wirklich noch etwas Zweisamkeit ‘ertragen’. Vergnügt verfiel der Rüde in einen lockeren Wolfstrab und verschwand in Richtung Rudelplatz und Welpen.


Zunächst schien die kleine weiße Welpin noch ganz abgelenkt von all den Wölfen um sie herum, dass sie gar keine Antwort zu finden schien. Tyraleen wartete lächelnd ab und nickte dann Aryan zu, der sich zu ihnen gesellt hatte. Das war natürlich nicht ihre Tochter und der Klapperstorch hatte die Kleine wohl auch nicht vom Himmel segeln lassen. Abgelenkt von Atalya, die endlich auch aus der Höhle herausgekommen war, wurde die Antwort der Weißen noch länger hinaus gezögert, schien doch die Kleine ebenfalls losrennen zu wollen. Nur, dass das hier nicht ihr Rudel war und hier nirgendwo die wachsamen Augen ihrer Eltern auf ihr lagen. Tyraleens Blick huschte kurz zu ihrer Tochter, als diese sie anstupste und gleich darauf mit einem „Ich hab euch lieb.“ davonstob. Ja, sie hatte sie auch lieb. Doch endlich gab ihr die Welpin Antwort, weshalb sie nicht ihrerseits Atalya etwas hinterherrufen konnte. Aber die war sowieso schon mit Madoc beschäftigt. Aléya hieß die Kleine und ihre Mutter schlief. Sie schlief? Und schickte ihre Tochter an einen schönen Ort? Welche Mutter tat so etwas, wenn nicht … die Ohren der jungen Mutter zuckten zurück und ihr Blick huschte zu Aryan. Eine wage Vermutung keimte in ihr, die Möglichkeit, dass die Mutter der kleinen Aléya mehr als schlief. Nie mehr aufwachen würde. Sie würden nach ihr suchen müssen. Später. Jetzt wollte Aléya ein Märchen hören. Und Avendal war zu ihnen gerannt gekommen und stimmte quäkend mit in die Forderung danach ein. Gleichzeitig versteckte sie sich unter ihr und schmiegte sich an ihren Forderlauf. Tyraleen fühlte sich kurz ein wenig überfordert, dann versuchte sie jedem irgendeine Antwort zu geben.

“Willkommen an diesem schönen Ort, kleine Aléya. Du bist mitten in eine Zeremonie von uns hineingepurzelt. Deshalb gibt es jetzt erstmal keine Geschichten, aber vielleicht will sich Aryan trotzdem um dich kümmern, bis deine Mutter zu uns kommt?“

Ihr Blick hängte sich flehend an den Schwarzen, bereits davon überzeugt, dass die Mutter der Kleinen nicht mehr wiederkommen würde. Auch Avendal wurde sanft gegen ihr Ohr gepustet und dann über den Kopf geschleckt.

“Du bist auch noch ganz klein, mein Schatz. Aber heute wirst du ein bisschen größer werden, weil du heute in das Rudel aufgenommen wirst.“

Plötzlich stand auch noch Isis neben ihr, die hatte sie zuvor gar nicht gemerkt. Sie bot ebenfalls an, Geschichten zu erzählen, aus ihrer Heimat. Sicher waren es spannenden Geschichten, schon die Namen klangen ja so seltsam, aber gleichzeitig löste auch dieses Angebot ein wenig Sorge in ihr aus. Sie wollte nicht, dass Isis ihren Welpen von ägyptischen Göttern erzählte. Später einmal, wenn sie älter waren, würden sie davon erfahren und so lernen, dass es auch andersgläubige Wölfe gab. Aber nicht jetzt. Jetzt gab es nur Engaya und Fenris. Tyraleen lächelte ihrer Freundin nickend zu.

“Ich würde mich freuen, wenn du ihnen später eine Geschichte erzählst. Aber nicht jetzt. Jetzt sollte doch eigentlich die Zeremonie beginnen.“

Sie fuhr mit der Nase die Schnauze der Sandfarbenen hinauf und hielt an ihrem Ohr inne. Leise genug, dass es die Welpen nicht verstehen könnten aber trotzdem nicht wirklich flüsternd fügte sie hinzu:

“Und bitte … erzähle dann nichts von den Göttern deiner Heimat ja? Noch nicht.“

Sie vertraute ihrer Freundin, dass sie dieser Bitte selbstverständlich nachkommen würde. Vorsichtig entzog sie ihrer Tochter ihren Lauf und trat auch von Aléya und Aryan einen Schritt zurück, wieder an Averics Seite. Sie wollte sich aus dem Tumult zurückziehen um den Überblick nicht zu verlieren. Und wenn Aryan ihrer Bitte nachkam, wäre auch Aléya versorgt. Glücklich aber schon mit den ersten Anzeichen des Stress’ lächelte sie zu ihrem Gefährten.

“Das wird anstrengend. Was ihren Stressfaktor betrifft, kommen sie wohl eher nach dir.“

Sie zwinkerte ihm zu und knuffte ihn dann liebevoll in den Pelz. Es war natürlich nicht böse gemeint, aber sicher hatte Averic Banshee schon einiges an Nerven gekostet.


Als Rakshee laut auflachte, ernette sie von Jakash einen Blick, der irgendwo zwischen Unsicherheit und Verärgerung lag. Schnell jedoch verflog sein Missmut und er schenkte seiner Schwester ein neckisches Lächeln, dann wandte er sich wieder der Welpin zu seinen Pfoten zu. Ihre Forderung erinnerte ihn daran, dass er vor Irritation über ihre erste Frage ganz vergessen hatte, sich vorzustellen. Auch diesmal war er ein wenig irritiert über ihre Wortwahl. 'Ich muss deinen Namen wissen' klang, als hätte sie eine wichtige Mission zu erfüllen. War er auch so komisch gewesen, als er kleiner war?

"Wie du, dank meiner lieben Schwester -",

er zog Rakshee sanft aber schalkhaft am Ohr,

"- sicherlich richtig vermutest, heiße ich Jakash. Und wie darf ich dich nennen?"

Immer noch lächelte er breit, und fast glaubte er, seine Lefzen müssten sich an seinem Hinterkopf treffen, als die Welpin so schlagfertig auf die gegefrage seiner Schwester antwortete. Da hatte er aber eine ausgesprochen aufgeweckte und gewitzte Welpin vor sich. Na, wenn die ihre Eltern mal nicht auf Trapp hielt, geschweige denn das ganze Rudel! Der Wolf, der ihr Pate werden würde, hatte sicherlich alle Pfoten voll zu tun. Ohje, was, wenn ER derjenige war?! Jakash war nicht sicher, ob er sich dann eher selbst bemitleiden oder beglückwünschen sollte..


Verträumt schritt Jumaana das Ufer entlang, den Blick auf den Boden gerichtet. Die Zeit schien an ihr vorbeizufliegen, sie nahm ihre Umwelt nicht mehr wahr. Sie bemerkte auch nicht, wie sie sich immer weiter von dem Rudelplatz entfernte. Im Kopf sah sie die kleinen, süßen Welpen vor sich, spielend und schlafend. Sie erinnerte sich noch vage an ihre Geschwister, sie waren viel ungeschickter als sie selbst. Die grünen Augen der Weißen blickten starr auf das Wasser, als könne man bis auf den Grund hinab sehen. Müde schloss sie die Augen und senkte den Kopf. Langsam erwachte sie aus ihrer Trance und bemerkte, wie weit sie gelaufen war. Abschätzend kniff die Fähe die Augen zusammen und schaute zurück. Mindestens mehrere Stunden. Was wohl in der Zeit mit dem Rudel geschehen war? Irgendetwas Wichtiges vielleicht? Ängstlich sah sie zurück. Doch dann hörte sie Schritte. Schritte hinter sich. Erschrocken fuhr Jumaana herum und starrte auf den schwarzen Rüden vor ihr. Wie erstarrt stand sie da und bekam kaum mit, dass Takashi auf sie zustürzte und in Tränen ausbrach. Vorsichtig legte sie den Kopf an seine Schulter und mit brüchiger Stimme flüsterte sie die Worte in das tiefschwarze Fell.

"Takashi ... was - was machst du hier?"

Die Weiße vergrub ihre Schnauze in seinem Fell, spürte die Erschöpfung ihres Geliebten. Langsam hob sie den Kopf und trat einen Schritt zurück. Liebevoll fuhr sie mit der Schnauze über seinen Kopf und blickte Takashi in die tiefblauen Augen. Wo war er nur gewesen? Was ist mit ihm passiert? Warum ...? Jumaana hatte so viele Fragen an ihn, doch sie blieb stumm, schaute ihn einfach nur an. Sie könnte ihren Gefährten anschreien, weil er sie verlassen hatte, doch sie sagte kein Wort. Es war nicht ihre Art, andere zu verletzen, auch nicht, wenn sie es taten. Die Fähe war einfach nur unendlich glücklich, dass der Schwarze zurück war, egal was er getan hatte. Sie war ihm nicht mal böse, dass er sie verlassen hatte, ohne ein Wort zu sagen. Ihr fielen die Welpen wieder ein. Welpen ... War er auch so begeistert von diesen kleinen Wesen - so begeistert wie sie? Lange schaute sie den Schwarzen noch an, sprachlos und glücklich, bis sie wieder anfing zu reden.

"Wo warst du?" Jumaana's Stimme war leise, ängstlich und gleichzeitig beglückt. "Nein, vergiss diese Frage wieder. Aber sag mir nur, warum du gegangen bist. Das ist alles, was ich wissen will."

Betrübt sah die Polarwölfin auf den See, vorbei an Takashi. Warum war er einfach gegangen, hatte ihr nicht gesagt, wohin er gehen wollte. Warum nur? Dann sah Jumaana wieder auf ihren Gefährten, musterte ihn von oben bis unten. Irgendwas in seinen Zügen ähnelte denen von Kaedes Gefährten, sie wusste bloß nicht was. Urion war ihr schon immer unheimlich gewesen, sie war selten in seiner Nähe gewesen und hatte immer versucht, einen Bogen um ihn zu machen. Die blinde Fähe mochte sie dafür umso mehr. Sie war so warmherzig und nett, dass Jumaana sie einfach hatte mögen müssen.


Amiyo war dagelegen. Sein Atem ging ruhig, doch er schlief nicht. Er beobachtete interessiert die Szene, die sich vor seinen goldenen Augen abspielte. Ein Lächeln war auf sein Gesicht gezaubert. Und dort war Kylia. Er seufzte. Kylia. Er liebte sie so sehr. In nächster Zeit würde er sie entführen müssen. Er musste ein wenig glucksen. Sie redete gerade mit einer pechschwarzen Fähe. Einem Welpen. Sie sah echt süß aus, mit ihren goldgelben Augen, und so klein. Wenn er selbst neben ihr stehen würde, würde er sie wahrscheinlich nicht einmal erkennen, weil sie so weit unter ihm war... er musste grinsen bei dieser Vorstellung. Seine Ohren schnippten ein wenig hin und her, sein Blick schweifte über die Menge. So viele Wölfe... und alle hatte es hier hin gezogen. Nur dieses 'Nichts' machte dem Rüden ein wenig Angst. Ein wenig. Er stand auf und reckte sich ein wenig. Seine Muskeln waren etwas hart. Es war nicht warm. Aber auch nicht sehr kalt. Kurz hielt er sein Gesicht in die kurz aufblitzende Sonne. Mhm... ein wenig Wärme. Er seufzte, als sie wieder hinter den dichten Wolken verschwand. Langsam bahnte er sich durch die Menge. Sein Ziel war Kylia. Sie ging wunderbar mit der Kleinen vor sich um. Sie wäre bestimmt eine gute Mutter. Man konnte ja nie wissen... ein verschmitztes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Dann war er angekommen. Er gab Kylia einen Kuss auf die Stirn und sah dann die schwarze, kleine Fähe an.

"Hallo, du. Wie ist dein Name?"

fragte er freundlich, mit seiner dunklen Stimme.
Er legte den Kopf ein wenig schief und blinzelte Kylia kurz zu. Seine honiggelben Augen waren sanft und liebevoll. Ein kleines Zwinkern, dann schaute er wieder die Schwarze vor sich an. Er stellte seine Ohren nach vorne, aufmerksam betrachtete der Rüde die kleine Wölfin vor sich. Überall liefen Welpen herum. Redeten, rannten, spielten, schauten sich um... ein Hort der Freude. Seine Schulter streifte leicht die Kylias. Auch er war voller Freude. Dann sah er den anderen Welpen. Ui, der sah aber ganz anders aus. Sein Fell...! Es war schwarz, aber mit weißen Fellmustern durchkreuzt und seine Augen waren blau, hatten aber auch mehrere bernsteinfarbene Tupfer. Sehr seltsam... aber irgendwie schön. Und anders. Amiyo lächelte auch dem kleinen Rüden zu.

"Und wie heißt du?"

ein freundliches Lächeln breitete sich wieder auf dem Gesicht des großen Rüdens aus. Hoffentlich machte den Welpen seine Größe nichts aus. Vielleicht war er für ihren Geschmack zu groß? Aber er lächelte einfach weiter, sein warmes Lächeln, von der Sonne geprägt. Er freute sich auf den Frühling. Irgendwie spürte der braungraue Wolf ihn schon. Der Frühling würde kommen. Und dann der Sommer. Und mit den Jahreszeiten wieder die Sonne. Innerlich seufzte er erleichtert.


Um ihn herum hatte sich der Frühling ausgebreitet, in seinen Augen war der Winter geblieben.
Tascurio stellte sich seit geraumer Zeit schlafend, damit ihm seine Geschwister, oder die anderen Welpen nicht auf die Nerven gingen. Ihre Stimmen drangen laut und grell an seine Ohren, störten seinen Frieden. Er hatte kein Verständnis für das alberne herumtoben, oder das sinnlose Gebrabbel. Es war ihm zuwider.
Nach dem es zunehmend ruhiger wurde, rührte er sich. Der Tumult hatte sich nach draußen verlagert und er verließ die Höhle mit dem Ziel, sich möglichst weit und vollkommen allein zu entfernen. Seiner Meinung nach, hatte man ihn lange genug eingesperrt. Ein Recht, dass sich seine Eltern herausnahmen, die vom Rest der Meute unterstützt wurden. Nicht mit ihm. Das Leben war zu schön und die Welt zu wundervoll, als dass er auch nur eine Sekunde mehr davon verschwendet hätte. War sie nicht ohnehin so kurz? Die Zeit, in der man seine Pfoten auf den Boden setzen durfte? Wie schön fühlte es sich doch an, durchs Gras zu laufen, das den kleinen Welpen am Bauch kitzelte, so dass er sich beinahe mit einem quiekenden Lachen verraten hätte.
Sein kühler Blick huschte über die Wölfe, die sich nur für einander oder sich selbst interessierten, statt zu beachten, was es um sie herum gab. Da war etwas, dass viel größer, viel langlebiger und wichtiger war, als sie. Sie alle waren doch so unwichtig, so klein. Selbst die Erwachsenen fügten sich nur in ein Puzzle, das aus mehr Teilen bestand, als es Sterne am Himmel gab.
Tascurio lief langsam davon, er hatte es weder eilig, noch benahm er sich sonderlich auffällig. Er erkundete einfach in aller Ruhe die Welt. Blumen fand er wunderschön, genauso wie die Formen der Wolken. All das wollte er am liebsten mit den Zähnen festhalten. Wenn er die Augen schloss, verschwand es bald wieder und ließ sich nur manchmal mit großem Konzentrationsaufwand zurückholen. Er wollte aber, dass es ihm nie wieder entglitt. Er wollte, dass es ein Teil von ihm wurde.


Madoc lag die ganze Zeit über ein wenig abseits vom Rudel, jedoch noch so nah, dass er alles beobachten konnte. Beobachten, das, was er immerzu tat, wenn es nichts anderes zu tun gab und doch war es keine reine Zeitverschwendung, denn der junge Rüde war gut darin und vor allem liebte er diese Beschäftigung. Ihm entging fast gar nichts und es schien, als könne er sogar die einzelnen Gespräche der jeweiligen Rudelmitglieder mitverfolgen. Doch war heute wirklich so ein toller Tag, wie alle es empfanden? Nun ja, heute würden sie zum ersten Mal die Welpen sehen, doch konnten Welpen wirklich so etwas Schönes sein? Keine Frage, auch er war einst ein Welpe gewesen doch nun war er schließlich schon ein ganzes Jahr alt. Wie war es wohl, mit Tieren umzugehen, die jünger waren, als er selber? Hoffentlich wurde es nicht zu nervig …
Der Sternentänzer beobachtete weiterhin das Treiben und sah auch die Kleinen an, die unbeirrt herumtollten. Er konnte sich kaum vorstellen, dass auch er mal so ein kleiner Wollknäuel gewesen war und er musste schon zugeben, dass sie etwas Niedliches an sich hatte. Madoc war nun keiner der Sorte, der sich auf die Welpen stürzen würde wie Nichts gutes, doch ihre sorglose lockere Art unterschied sich gewaltig von dem Ernst der ausgewachsenen Wölfe. Und wenn er so nachdachte, so bestand sogar zwischen ihnen und ihm selber, als er noch ein Welpe war ein großer Unterschied. Er war so viel ernster gewesen schon als junger Wolf, so viel ernster, weil er einfach ein viel düsteres Schicksal gehabt hatte.
Noch während er so nachdachte, beobachtete er eine kleine Fähe, wieso er gerade sie beobachtete, wusste er selber nicht genau, er hatte irgendwie das Gefühl, als würde sie gleich zu ihm kommen. Der Albino sollte Recht behalten, denn schon nach einer Weile sah er, wie die Dunkelgraue auf ihn zugesteuert kam. Mit neutralem und doch nicht unfreundlichem Blick sah er ihr entgegen, blieb jedoch liegen und zeigte nicht, dass er schon ihre Absichten erahnt hatte. Erst als sie vor ihm stand und ihn betrachtete musterte er sie genau. Sie war wirklich eine niedliche Welpin.

“Hallo, wer bist denn du?“

Fragte er schließlich mit einer Freundlichkeit, die überhaupt nicht zu ihm passte. Seine blutroten Augen glänzten ein wenig neugierig, aber auch die Kühle, die immer vorhanden war, fehlte nicht. Für so ein junges Wesen wie Atalya machte es wohl gar keinen Unterschied und es war auch besser so, da es keineswegs böse gemeint war, es war eben Gewohnheit.


Nun war es endlich so weit, die Welpen durften aus der Höhle. Das war genau der Augenblick, wo sie nicht wusste, ob sie ihn herbeisehnen soll oder lieber nicht. Sie war sich unschlüssig, es war schön gewesen, die Welpen direkt um sich zu haben. Wenn es natürlich auch manchmal sehr an den Nerven zerrte. Es waren viele Welpen geboren worden und als sie alle aufeinander getroffen waren ging es recht turbulent zu.
Schon bevor die Welpen geboren waren, hatte sie die Kleinen geliebt, sie hatte nicht daran gedacht, dass sich diese Liebe noch steigern würde, wenn sie erst da waren, und doch ist das geschehen. Sie war so froh, dass sie noch die Möglichkeit bekommen hatte, Welpen zu zeugen und hoffentlich auch noch aufziehen zu können.
Nun, und jetzt war es eben so weit, es waren die ersten Schritte hin zur vollkommenen Unabhängigkeit. Auch wenn die natürlich doch noch weit entfernt war, stach es ihr in das Herz, als Krolock als einer der ersten aus der Höhle stürmte.
Es war nicht so, dass sie das Gefühl hatte, als würde er sie nicht lieben, aber trotzdem wusste sie, dass sie ihn vermissen würde. Die Zeit, in der er nur an ihr gekuschelt lag war vorbei. Das musste sie einsehen. Langsam leerte sich die ganze Höhle, immer mehr Welpen und auch die Mütter verließen sie. Sie wand sich an ihre zwei anderen Welpen. Liel lag, anscheinend träumend, neben ihr und Ciradán presste sich, im Gegensatz zu seinem anderen Bruder, besorgt an sie und meinte, er wolle die Höhle nicht verlassen. Sanft fuhr sie ihm mit der Schnauze durch das flaumige Fell. Beruhigend beschnoberte sie ihn und schob ihn sanft in Richtung des Ausgangs.

„Komm mein Kleiner Liebling. Wir gehen gemeinsam hinaus. Deine Schwester wird uns sicher auch begleiten, oder?“

Fragend wand sie sich an ihre kleine Tochter. Schnell war ihr aufgefallen, wie unterschiedlich ihre Welpen in ihrem Wesen waren. Erinnerte Krolock sie doch an Urion so mutig und aufgeweckt wie er war, so war Ciradán genau das Gegenteil. Ängstlich und eher zurückhaltend. Und Liel, sie war ruhig und bescheiden, gleichzeitig aber mutig. Jedes Mal freute sie sich, wenn sie anfing mit ihr zu sprechen. Sie schien so verständnisvoll, nicht, als ob sie gerade erst das Licht der Erde erblickt hatte. Sie erschien ihr viel älter, wobei sie natürlich auch mit den anderen durch die Höhle toben konnte.
Lächelnd pustete sie die kleine Fähe an und stupste dann erneut den jungen Rüden an. Langsam und vorsichtig erhob sie sich, um aus der Höhle zu treten. Viele der Rudelmitglieder hatte sie durch ihren Höhlenaufenthalt schon länger nicht mehr gesehen und sie freute sich, ihnen endlich wieder allen zu begegnen. Außerdem wollte sie den Welpenspielen lauschen, wollte mitbekommen, wie Ciradán und Liel die weite Welt sahen. Wollte schauen, ob es Krolock gut ging. Wollte zu Urion und, ach, sie wollte so vieles tun. Als erstes entschied sie sich für etwas, was längst schon überfällig war. Langsam trat sie aus der Höhle und wuffte allen begrüßend zu. Ruhig wählten ihre Schritte die Richtung, in der Banshee saß. Wenn ihre Welpen wollten, sollten sie einfach mit ihr kommen, sie hatte sie gerne um sich. Aber sie wusste auch, wie wichtig dieser erste Schritt war und so wollte sie die beiden nicht in der Höhle gefangen lassen und wollte ihnen die Möglichkeit geben zu entscheiden, was sie machen wollten. Freudig grummelte sie Banshee zu, als sie vor ihr langsam zum stehen kam. Bedacht wählte sie den Platz ihrer Pfoten um nicht den kleinen Welpen vor der Alphawölfin zu verletzen. Für einige Sekunden drückte sie ihre graue Schnauze in das weiße Fell der Fähe, schenkte ihr ein wenig von ihrer Kraft, führte ihr ihre Freundschaft vor Augen und erklärte ihr, dass sie immer für sie da sein würde. Sie wollte ihr Trost spenden und gleichzeitig ihre Freude mit ihr teilen.
Überwältigt von den vielen Gefühlen in ihr drin, lief ihr eine Thräne über die lachende Schnauze. Von der Schwäche, die sie vor ein paar Minuten noch empfunden hatte, war jetzt nichts mehr zu merken. Sie war so abgelenkt von dem Geschehen, dass sie daran gar nicht mehr denken konnte.


Chanuka saß im Eingang der Höhle und sah gedankenverloren nach draußen. Er verfolgte eine unsichtbare Mauer, über die nur er nicht treten konnte, ohne dass er es genauer verstehen konnte. Die bernsteinfarbenen Augen ruhten auf der Wölfin, die ihn geboren hatte und glitten dann hinüber zu seinem Vater. In seinem Blick stand nur eine einzige Frage: Was ist falsch an mir? Nur ausgesprochen hätte er sie ihnen gegenüber nicht. Es war, als wolle er sich und der Welt Zeit geben, um Antworten herbei zu schaffen. Ein bisschen neidisch beobachtete er seine Geschwister, die herumtobten und zu einer Familie gehörten, die ihm unerreichbar schien. Er wusste das Tyraleen die Tochter von Banshee war, dass sie verwandt waren, aber es war nicht das gleiche. Chanuka war der einzige, der von seiner Oma großgezogen wurde, als wäre sie seine Mutter. Warum? Und wieder gab es nur eine Antwort. Er musste falsch sein. So ganz wusste er nicht, was dies bedeuten konnte. Er verstand nicht, warum er falsch war und auch nicht so richtig, wie er falsch sein konnte.
Um sich aus der Starre zu lösen, mit der er seine Eltern fixiert hatte, schüttelte er sich und kippte dabei ungeschickt zur Seite. Damit man darüber hinwegsah, dass er so tollpatschig war, tat er so, als wäre es Absicht gewesen und kratzte sich hinter dem Ohr. Danach erhob er sich, ein bisschen bedachter, als er sich eben geschüttelt hatte und tänzelte auf Banshee zu. Die weiße Wölfin, die ein bisschen aussah, wie Tyraleen, nur ganz anders, war sehr wichtig im Rudel. Auch diese Zusammenhänge waren ihm nicht ganz geläufig, aber sie war die Leitwölfin und etwas Besonders. Für einen Welpen mochte die ganze Welt etwas Besonderes sein, weil sie fremd und unbekannt war, aber unter diesen ganzen Besonderheiten war Banshee noch mehr besonders. Abgesehen davon war sie seine Mama. So nannte er sie, genau wie die anderen Welpen ihre Mütter Mama nannten. Er war stolz darauf, ihr einziger Sohn zu sein und auch darauf, dass sich diese besonders besondere Wölfin um ihn kümmerte.

“Mama, was ist falsch an mir?“

Fragte er, mit wedelnder Rute und der typischen Welpenneugierde im Gesicht. Falsch war in seinen Augen noch nicht so sehr negativ. Er verspürte auch keine Trauer oder Angst. Banshee gab ihm mehr Geborgenheit, als es jede andere Wölfin vermocht hatte, aber das falsch blieb. Falsch war der hin und wieder spürbare Stich in seiner Brust, den er sich nicht erklären konnte. Neid, Eifersucht, all das erschien ihm nicht von größerem Belang. Er liebte seine Geschwister immerhin und sah keine Feinde in ihnen. Das einzige was übrig blieb, war das Gefühl, kein Teil von dem zu sein, zu dem er gehörte. Wie hätte er bei solch einer komplizierten Sache auch wissen können, was er fühlen und denken sollte?


Mit einem unsicheren Blick und der Last auf der Seele schaute Takashi Jumaana in die Augen. Er fühlte sich unwohl und bedrückt. Sogar Schuldgefühle plagten ihn sehr. Noch einige Tränen rollten über seine Wangen. Er gab sich einfach selbst die Schuld an dem ganzen Geschehen. Es gab einfach viel zu erzählen. Sehr viel. Wo sollte er bloß anfangen? Am Besten ganz von vorne! Aber wie begann das ganze Geschehen doch gleich? Takashi reiste mit seinen Gedanken einige Wochen zurück. Langsam kamen alle Erinnerungen wieder. Alles begann damit, dass er sich langsam, aber unbewusst, vom Rudel entfernte. Dann nahm die Sache seinen Lauf und er verschwand in die weite Ferne und kam an einem unbekannten, trockenen Ort an, wo ihn der Horror quälte.

.oO(Wie kann ich ihr das am Besten nahe bringen? Die ganze Sache ist bestimmt nicht gut für jemanden zu verstehen, der die Macht der Flüche nicht kennt. Wird sie das überhaupt verstehen können? Es ist schon eine verrückte Sache, die nicht wirklich in die Realität passt. Es klingt genau so komisch, als gäbe es Geister. Wobei ich das langsam auch nicht mehr bezweifele, dass es sie nicht gibt. Wenn es Flüche gibt, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es auch sie gibt!)

Takashi musste sich gut überlegen, wie er das Alles Jumaana erklären sollte. Während seines Gedankenganges hatte er seinen Blick starr auf den Boden gerichtet. Danach hob er seinen Kopf wieder und blickte Jumaana an. Es war ein kritisches Thema, da bestimmt nicht jeder Wolf an Flüche und solche eher magischen Ereignisse glaubte. Er selbst hätte es bis heute auch nicht geglaubt, wenn er nicht selber die Erfahrung gemacht hätte und alles mit seinem eigenen Leib miterlebt hätte.

“Jumi…es ist keine leichte Sache! Außerdem ist es auch noch eine längere Geschichte. Es ist ein wenig kompliziert…!“

Nur ganz langsam begann Takashi mit der Erzählung. Seine Stimme klang bedrückt und ängstlich. Er setzte sich und sah Jumaana mit einem ruhigen Blick an. Die Tränen in seinem Fell waren bereits getrocknet. Jedoch bezweifelte er, dass er Jumaana auf diese Art und Weise beruhigen könnte. Die Angst aufgrund dieses schrecklichen Ereignisses saß noch tief und war ihm anzusehen. Sein Blick schien eher gekränkt, als glücklich. Jetzt, wo er endlich wieder seiner Geliebten begegnet war, ging es ihm zwar besser, aber die schrecklichen Bilder rasten noch einmal durch seinen Kopf.

.oO(Wann werde ich diese Bilder jemals wieder vergessen könne? Sie sitzen einfach fest in meinem Kopf und zeigen sich bei jeder Gelegenheit! Ich will sie einfach nur loswerden…es ist schrecklich! Ich kann es einfach nicht mehr ertragen! Ich kann es nicht mehr sehen!)

Seine Magengegend schien sich ängstlich zu verkrampfen. Die Augen schienen für einen Moment geweitet und die Ohren pressten sich an den Kopf. Der Blick sank erneut zu Boden. Vielleicht wäre es besser, wenn er sich für seine Erzählung mehr Zeit lassen würde. Alles jetzt ganz kurz und bündig zu erzählen, brachte vielleicht gar nichts. Jumaana sollte besser alles wissen. Takashi stand noch einmal auf, um sich in ihre Nähe zu setzen. Seinen Kopf schmiegte er an ihre Schulter.


Ein Sprung, wieder ein Schritt, ein Sprung, wieder ein Schritt. Bodenkontakt, dann wieder die Freiheit und Schwerelosigkeit eines Vogels. Rascheln von jungem Grün, Flüstern von sanftem Wind. Schneller werden, bremsen. Kurz die Lage checken und dann wieder weiter. So ging das schon seid Monaten. Oder nein, mehreren Wochen, für Monate war die Zeit dann doch zu langsam und der selbige Geist zu schnell. Trotzdem nervte es langsam. Wenigen Wölfen war sie begegnet und Rudel hatte sie wenn schon tot aufgefunden. Die Fähe stoppte auf einer kleinen Lichtung im Wald und schüttelte den Kopf.

.oO(Als wenn sie alle aus lauter Angst vergessen hätten, wie man denkt...)

Nachdenklich trabte die Wölfin weiter, schnupperte hier und da und blieb schließlich doch wieder stehen. Was genau tat sie hier eigentlich? Ja sicher, sie stand hier herum und überlegte, was sie überlegen könnte. Oh Gott, welch Sinn diese Aussage doch hatte. Unentschlossen, über ihre weiteren Taten scharrte sei ein wenig im Boden herum, spürte eine leichte Brise in ihrem Fell und spitzte die Ohren, als ihre feine Nase der Geruch von Wasser erreichte. Mit leichten Rutewedeln steuerte sie in die Richtung der besagten Quelle, beschleunigte wieder ihr Tempo. Auch, wenn sie nie groß unter Hunger gelitten hatte oder so, selbst im Winter hatte die Fähe nie groß Probleme gehabt, etwas in den Magen zu bekommen, war es eine ihrer unwiderstrebten Schwächen, dass sie nie bemerkte, wenn ihr Körper allmählich zusammen sackte. Agkül hatte aufgehört, die Tage zu zählen, die sie zu ihrem Wanderleben nehmen konnte und auch hatte sie vergessen, wie lange es das letzte Mal war, seid sie etwas getrunken hatte. Aber eigentlich war das egal, Tatsache war, dass sie jetzt, bei dem Gedanken daran, einen unheimlichen Durst verspürte und es dauerte auch nicht lange, bis sie die letzten Reihen von Bäumen durchstoßen hatte und sich vor dem großen, stillen Gewässer wieder fand.
Ein freudiges Funkeln erschien in den Seelentoren der Graubraunen und schnell trat sie an das seichte Ufer und ging sogleich mit den Vorderläufen in das kühle Nass. Zuerst spielte sie ein bisschen, indem sie mit der Schnauze Figuren in den stillen Spiegle malte, dann aber trank sie ein paar Schlücke und sprang wieder hinaus, weil es doch ein wenig kalt war.
Und erst, nachdem sie sich ein paar Mal ausgiebig geschüttelt hatte, bemerkte sie die schwarze Fähe, die etwas abseits von ihr stand und offensichtlich schlechte Laune hatte. Fragend legte Agkül den Kopf schief, trat dann einige Schritte auf sie zu, stoppte jedoch in gebürdigen Abstand und lächelte sie freundlich an.

“Hi, ich hoffe, ich störe nicht...?“

Fünf zu eins, dass sie störte, aber schließlich war es nicht ihre Absicht gewesen.

“Schlechte Laune? Kein Wunder, bei diesem Wetter...“

Ihr Blick wanderte in de verhangenen Himmel und wieder schüttelte sie den Kopf. Nein, die Fähe war eher ein Fan von Sonnenschein, als diesem ständigen Dunst, der in diesem Gebiet wohl kein Anfang und kein Ende sah...

Atalya
11.03.2011, 20:24

Gut gelaunt spazierte die schwarze Alphatochter durch den Wald. Vor wenigen Stunden war sie aufgestanden und hatte die Gegend erkundet. Seit ihrer Wiederkehr waren schon Monate vergangen und doch kam ihr alles noch so fremd vor. Leise seufzte Malicia und ihre Blicke glitten wachsam zwischen den Bäumen hindurch. Auch wenn alles so ruhig schien, man konnte nie wissen, was sich dahinter verbarg. Das war eine Eigenschaft, die Malicia schon seit der Geburt hatte - Misstrauen. Gegen alles und jeden. Selbst gegen ihre Mutter, noch so freundlich sie auch schien. Die Erfahrungen hatten die junge Fähe geprägt, sie hat sich angepasst und wurde einfühlsamer und offener. Doch etwas blieb immer übrig. Es war, als ob sie diese Eigenschaft hüten würde, als ob sie sie brauchte, um zu leben. Ihr Vater war der Sohn des Todes und auf ihre Art verehrte sie ihn – nicht als Gott und nicht als Vater, sondern als Vorbild. Das hieß aber nicht, dass sie erneut abhauen wollte, sondern dass sie stark sein wollte und den Glauben des großen Rüden fortführen wollte. Etwas raschelte unerwartet im Gebüsch und Malicia knurrte leise. Sie machte einen Satz auf das Gebüsch zu und starrte wachsam auf die Zweige. Doch alles blieb still und enttäuscht wendete sie sich ab. Wie gern hätte sie jetzt ein wenig gekämpft. Wo ihre Freundin jetzt wohl war? Cuma? Seufzend wendete sich Malicia vom Gebüsch ab und tapste durch den Wald zurück zum Rudelplatz. Auf halben Wege begegnete sie einem Fremden, den sie nicht kannte, der aber eindeutig zum Rudel gehörte, so frei, wie er sich bewegte. Fragend sah sie dem Rüden in die honigfarbenen Augen.

„ Wer bist du? Ich bin Malicia. „

Sanft lächelte sie, auch wenn immer ein argwöhnischer Ausdruck in ihren Augen blieb. Immerhin kannte sie den Braunen nicht und wollte nichts riskieren. Leichtsinnig war sie ja nun gar nicht. Doch der Fremde schien nett zu sein – seine Art, sich zu bewegen, seine Art zu sein, gefiel ihr.


Endlich. Endlich war der Frühling gekommen. Endlich spürte Daylight die ersten, noch zaghaften Sonnenstrahlen, die das Eis bereits zum Schmelzen brachten. Daylight liebte den Frühling. Sie liebte auch den Winter. Und den Sommer und den Herbst. Sie liebte es dabei zuzuschauen, wie die ersten zerbrechlichen Blüten ihre Köpfe der Sonne entgegenstreckten. Sie liebte es den ersten Liedern der Vögel zu lauschen, die die Melodie des Frühlings anstimmten. Sie liebte all das Leben, das mit einem Mal wieder von Neuem zu blühen erschien. Es war nicht nur das Leben im Tal, auch ihr war, als fließe neues Leben durch ihre Adern. Und heute, heute war endlich der große Tag gekommen, den die kleine Fähe schon so sehnsüchtig erwartet hatte. Heute war endlich der Tag an dem die Welpen zum ersten Mal die geschützte Rudelhöhle verlassen würden. Heute war der Tag an dem die Welpenzeremonie stattfinden würde. Endlich würde Daylight sie alle kennen lernen. Endlich!

Auf flinken Pfoten jagte die junge Fähe dem Rudelplatz entgegen. Sie hatte nachdenken müssen. Über Aryan. Über Amáya. Und über sich selbst. Es gab mehrere Dinge, deren sie sich nun vollkommen sicher war; erstens: Sie liebte Aryan. Zweites: Sie wollte ihr Leben mit ihm teilen. Für immer. Aber drittens sah dann schon wieder ganz anders aus. Da gab es noch Amáya. Und Amáya war ihre Schwester. Das Geschehene zu vergessen würde es nicht ungeschehen machen. Zu vergessen würde ihr nicht das zurückgeben, was Amáya einst für sie gewesen war, was Amáya noch immer für sie war. An Daylights Aussage hatte sich nichts geändert. Sie würde ihre Schwester für nichts auf der Welt aufgeben, doch auch Amáyas Meinung schien sich nicht geändert zu haben. Sie hatte Daylight nicht verziehen und trotzdem. Einen Moment, einen winzigen Herzschlag lang hätte die Weiße meinen können so etwas wie Schwäche in den blauen Augen aufglimmen zu sehen, ehe die starke, kalte Fassade jener Wölfin zurückgekehrt war, die ihre Schwester hasste und verachtete. Daylight wollte nicht gehasst werden. Nicht von Amáya. Und der Gedanke daran trieb eiskalte Splitter in ihr Herz. Und einen Moment ließ die Schwermut, die sie erneut erfasst hatte die kleine Wölfin straucheln, doch schon im nächsten Moment fing sie sich wieder. Sie dachte an Aryan und das Versprechen, das sie ihm geben wollte. Heute. Sie wollte nicht mehr länger Warten. Sie war in letzter Zeit schon ruppig genug zu ihm gewesen, auch wenn es nicht seine Schuld war, dass Amáya und Urion miteinander gekämpft hatte und es auch nicht seine Schuld war, dass Amáya sie hasste. Dieser Tag war kein trauriger Tag. Auch wenn der Himmel mit Grau war und nur wenige Sonnenstrahlen ihren Weg durch die dichte Wolkendecke fanden.
Geschickt schlängelte sich Daylight an den vielen Wölfen vorbei und kam am Rudelplatz schlitternd zum Stehen. Sie hatte Aryan längst gewittert, lange bevor sie ihn hätte erspähen können. Und hier waren auch Tyraleen und Averic. Und Isis. Und die kleine Avendal. Und ein fremder, weißer Welpe, der nicht den Geruch ihrer Familie trug. Wer das wohl sein mochte? Flüchtig schmiegte die Weiße den Kopf an Aryans Wange, ehe sie Isis, ihrer Schwester und ihrem Bruder ein Lächeln schenkte.

„Hallo Isis. Hallo Tyraleen, hallo Averic. Die Welpen sind einfach zauberhaft.“

Ein entzückter Blick aus leuchtenden Honigaugen folgte, als Daylight den Kopf senkte, um mit der kleinen grauen Welpin auf Augenhöhe zu sein und sie zu mustern. Die Weiße neigte leicht den Kopf und stupste sachte mit der Nase an Avendals Stirn.

„Hallo kleine Avendal.“

Ihre Stimme klang ganz sanft, wie sie mit der Kleinen sprach. Sie liebte diese kleinen Wesen mit den tapsigen Pfoten und den viel zu großen Ohren. Und Avendal war ein ganz besonders flauschiges Exemplar. Neugierig ließ Daylight den Blick zu der weißen Welpin wandern.

„Und wer bist du...?“

Ein freundliches Lächeln, dass ihre Augen erneut heller strahlen ließ, huschte über die dunklen Lefzen. So viele, viele Welpen, die nach Aufmerksamkeit verlangten. Und auch Aryan schien ganz angetan zu sein. Irgendwann, oh ja, irgendwann würden sie eigene Welpen haben. Genau wie Tyraleen und Averic. Und sie würden ebenso hübsch und entzückend sein wie die kleine Avendal. Welpen. Ein zufriedenes Seufzen entfloh ihren Lefzen, während sie weiterhin die beiden Welpen beobachtete. Sie würde mit ihnen spielen, ihnen zeigen, wie man Graupelzchen fing und Geschichten erzählen, Geschichten von Engaya und Fenris, sie würde ihnen von den Bergen erzählen und vom Himmel, auf den man dort oben blicken konnte. Es würde ein wenig sein wie damals, als sie selbst noch ein Welpe gewesen war. Nur würde diesmal Daylight selbst es sein, die den Kleinen ihre Fragen beantworten würde. Ein seliges Lächeln erhellte die feinen Züge.
Nichts hin oder her, es würden einige der schönsten Tage ihres Lebens sein. Sie würde Aryan das Versprechen für die Ewigkeit geben und sie würde auf die Welpen acht geben. Mit Aryan an ihrer Seite, auch wenn es nicht ihre eigenen waren. Was machte das für einen Unterschied?
Für Daylight machte es keinen.


Vergnügt richtete der Rüde die Ohren von einer Richtung in die Andere. Ein paar Mal hatte er sich noch ungeschaut, doch jetzt war Amáya schon längst nicht mehr zu sehen und so waren seine Bewegungen etwas ruhiger geworden, beherrschter. Nicht zuletzt, da er sich wieder den anderen Wölfen näherte und nicht wie ein verliebter Jungwolf wirken wollte. Aus dem Alter war er doch irgendwie trotz allem heraus. Seine Pfoten stießen im Takt auf Grund. Auf seine Umgebung achtete der Rüde kaum, schließlich war er hier geduldet und wenn plötzlich ein wild gewordener Fremder aus dem Dickicht springen würde, würde man dies wohl schon dort drüben merken. Außerdem war er ganz so leicht ja auch nicht klein zu kriegen, wenngleich er auch kein Kämpfer war.
Yerik hatte gute Laune. Er hatte der schwarzen Fähe eine Gefühlsregung entlockt, abseits ihres Hasses. Und an der Verwirrung darüber würde sie zu knabbern haben, sie würde es nicht vergessen und somit auch ihn nicht. Es war ein erfreulicher Gedanke, ging sie ihm doch schon seit dem ersten Tag nicht mehr aus dem Kopf.
Sein Kopf fuhr herum, als er Bewegungen hörte und sich schließlich eine schwarze Fähe mit blauen Augen an ihn heran trat. Der Rüde lehnte den Kopf leicht schräg, lächelte vorsichtig. Hätte er Amáyas Geruch nicht so deutlich in der Nase gehabt, hätte er vielleicht sogar für einen Moment denken können es wäre sie. Aber so schnell würde sie sich sicher nicht wieder in seine Nähe wagen. Außer sie würde ihn aufs Neue überraschen, aber so weit war er noch nicht zu glauben. Er nickte der Schwarzen freundlich zu, als diese fragte wer er sei. Auch der Braune konnte sich nicht an ihren Namen entsinnen, somit wohl eine der Rudelmitglieder die er seit seiner Ankunft noch nicht gesprochen hatte. Sollte es ja auch geben.

“ Grüße Malicia. “

Gab er höflich zurück. Ganz der Gentleman der er war trat er einen Schritt näher an sie heran, senkte, fast wie zu einer Verbeugung den Kopf und lächelte. Er sah das Misstrauen in ihren Augen und wusste um den Schalk in den Seinen. Wenn er schon so gute Laune hatte, so wollte er sie doch irgendwie mit allen anderen teilen. Und dazu gehörte erst einmal, dass sie ihm nicht vollkommen misstraute.

“ Mein Name ist Yerik, mit dem Lächeln in den Augen. Ich weile schon seit einiger Zeit bei eurem Rudel. Allerdings muss ich mir eingestehen, dass ich deiner erfreuliche Gestalt zuvor keinem Namen zuweisen konnte den ich in meinem Kopf herum trug.”

Gespielt bedröppelt senkte er den Kopf etwas, diesmal in eine andere Richtung. Er blickte auf den Boden, verharrte einen Augenblick so, ehe er den Blick wieder zu ihr wandte.

“ Nunja. Jetzt bin ich Schlauer und weiß wer Malicia ist. Und natürlich, dass ich ihn nicht wieder so schnell vergessen sollte! ”

Er zwinkerte ihr zu. Was für ein Clown er doch manchmal sein konnte. Doch es machte ihm Spaß. Ja, nicht schien ihn gerade aus der Bahn werfen zu können, wahrscheinlich nicht einmal eine Herde Hirsche. Er wollte Lachen und Springen. Oder auch einfach sein Glück teilen. Das Hochgefühl, welches Amáya in ihm ausgelöst hatte, blieb beständig.


Atalya stand still da, rührte sich nicht von der Stelle. Warum sie sich den Weißen ausgesucht hatte, wußte sie selbst nicht mal. Vielleicht, weil er die gleiche Farbe wie ihre Mutter hatte? Und wie die meisten ihrer Geschwister? Auf jeden Fall sah sie ihm in die Augen, machte keine Anstalten etwas an ihrer Position zu verändern. Aber der Rüde lächelte nicht. Wieso nicht? Sollte sie wohl wieder gehen? Hah, das wäre doch gelacht. Was der konnte, konnte sie natürlich auch. Also verblasste das Grinsen auf ihren Lefzen. So stand sie nun da, ihre Rute wedelte nicht mehr, und sie grinste nicht mehr so breit. Aber dann sagte der Weiße etwas. Und schon huschte wieder das Grinsen auf die Lefzen der Grauen zurück. Woher sollte er auch wissen, wer sie war? Sie hatte ja immer in der dunklen Höhle leben müssen. Also machte sich die Welpin ein wenig größer, um auch ja nicht unterschätzt zu werden.

“Ich bin Atalya. Die Furchtlose!“

Stolz grinsend ließ sie sich nun auf die Hinterläufe sinken. Die rot-braunen Augen ruhten auf denen des Weißen. Sie hatten eine andere Farbe als die, die sie kannte. Sie sahen ganz anders aus. Und irgendwie fielen sie bei deinem hellen Fell so dolle auf.. Atalya blinzelte, als ihr einfiel was sie nun vergessen hatte.

“Und.. äh.. wer bist du?“

Ihr Kopf neigte sich zur Seite, die Ohren waren aufmerksam aufgestellt. Sie kannte seinen Namen ja auch nicht. Aber gleich wußte sie ihn!

“Bist du jetzt mein Freund?“


Ein wenig enttäuscht wandte sich die kleine Fähe an die weiße herum, die sie wohl freundlich begrüßte, aber ihr mitteilen musste, dass es jetzt keine Gesichten gab.

Och menno.

, murrte sie und legte einen schmollenden Gesichtsausdruck auf. Das war aber fies! Da hatte sie sich so gefreut, eine Geschichte zu hören. Gleich darauf war ihr Unmut aber auch wieder verflogen. Aufgeregt wippte die Rute mit der dunklen Spitze auf und ab und gespannt lagen die Augen auf Tyraleen.

Was ist denn eine Zere...Zere... Zeredingsda, halt? Ist das auch eine Geschichte?

Als die Welpin mit den verträumten Augen ebenfalls eine Geschichte hören wollte, strahlte Aléya diese begeistert an. Eine Verbündete! Toll. Kaum war sie hier, schon hatte sie gleich ganz viele, nette Wölfe kennen gelernt. Vergessen war das metallische Rohr, welches nur Unheil brachte. Vergessen die Erinnerungen an die Geschwister und den Vater. Das hier war jetzt und nicht gestern. Das hier war neu, aufregend und suuuper spannend. Mit einem fröhlichen Grinsen trat sie an Avendals Seite, stellte sie vor sie und neigte sich – weiter, weiter – vor, bis sie mit einem sachten Knuffen mit ihrer Schnauze die der Träumerin berührte.

Hallo.

, murmelte sie verschwörerisch und funkelte aus mutigen Augen die Kleine an.

Nachher. Glaub mir, nachher schaffen wir es. Wir überwältigen den da...

, ihre Augen wanderten zu Aryan, dann sprach sie leise weiter,

... und bekommen dann unsere Geschichte, ok? Wenn er sich uns widersetzt dann kitzeln wir ihn durch. Ok?

Als dann die nächste Stimme erklang, sprang Aléya halb in die Höhe. Man hatte sie bei einer wichtigen Besprechung gestört! Wie unhöflich! Keck schaute die Kleine auf in das Gesicht der nächsten Weißen. Toll, da konnte sie in ruhe Blödsinn machen, wenn die meisten eh hier weißes Fell hatten, so wie sie.

Ich bin Aléya und komme von weeeeeit her. Und du?


Mit einem flackernden Herzen wurde der weiße Rüde Richtung Höhlenausgang geschupst. Die Augen weiteten sich in Panik und die kleinen Ohren wurden tief an den Kopf gelegt, die Rute verschwand zwischen den Hinterläufen. Partout wollte er einfach die sichere Umgebung nicht verlassen, wenn gleich ein unweigerlicher Drang in ihm aufkeimte. Der Drang des Wissens, der Neugier und der vielen, ja abertausend Fragen. Prompt schlingerte das rechte Ohr nach vorn, das Linke allerdings blieb in Sicherheitsstellung, um den Schutz der Höhle weiterhin zu vernehmen. Ein seltsames und etwas komisches Bild musste Ciradán abgeben, wie er dort so unentschlossen stand und nicht recht wusste, was er nun tun sollte.
Schließlich tapste er einen Schritt vor die Höhle und setzte sich nieder. Erst einmal musste Alles untersucht werden. Jeder Wolf wurde vermerkt und wenn ein unheimlicher dabei war; wie der Vater von Caylee und den Anderen; dann kreuzte er sie dick rot an. Zwar stellte jeder eine potentielle Gefahr dar, doch manche fand er ganz sympathisch.
Leicht atmend und jedes Geräusch vernehmend lauschte er den Gesprächen. Er wollte sich zu seiner Mutter umdrehen- aber sie war weg. WEG. Nicht mehr zu sehen. Verschwunden. Er war allein und keine Mama. Schnell weiteten sich die Augen, und gerade als er den Rückwertsgang in die Höhle antrat sah er sie zwischen einigen Anderen. Er bremste hart und lief schließlich galant und so schnell die kleinen Läufe ihn tragen mochten zu ihr. Hart prallte er gegen ihren Hinterlauf und schmiegte sich in einer fortwährenden Bewegung daran- oder eher gesagt, er klammerte sich an sie. Schnell schloss er die Augen, in der Hoffnung, dass Alles nur ein böser Traum war und er jeden Moment einfach nur aufwachte.
Aber als es schon einige Sekunden später nicht soweit war, machte er die Augen wieder auf.

“Kann ich nicht wieder in die Höhle?“,

fragte er leise, fast unverständlich.

“Ich mag nicht draußen sein, es ist so groß und unheimlich. Außerdem wird mich Krolock sicherlich wieder ärgern.“


Kensharion hatte sich eine Weile von dem Rudel entfernt. Wieso, das wusste er auch nicht. Vielleicht hatte er einfach die Zeit gebraucht, um nachzudenken. Über sein neues Leben hier bei den Wölfen. Es war doch alles ein wenig ungewohnt, aber er hatte ich eigentlich gut eingelebt. Eigentlich hätte es gar keinen Grund gegeben, sich von dem Rudel zu entfernen, aber er hatte es dennoch getan. Wieso er nun zurückkehren wollte, das konnte er sich auch noch nicht erklären. Irgendetwas sagte ihm, dass er nur bei den Wölfen glücklich werden würde und er folgte seinem Herzen, so wie es eben seine Art war. Mit eleganten und federnden Schritten schlug er die Richtung ein, aus der er die Wölfe vernahm. Er hatte nie den Anschluss verloren, da er immer mit ihnen mitgehalten hatte, er war ihnen gefolgt und war eben nur auf einiger Entfernung immer stehen geblieben, denn er wollte allein sein. Nun war es der Schatten jedoch Leid, in ewiger Einsamkeit zu leben. Seine Pfoten trugen ihn schnell und schon bald kam er beim Rudel an. Es hatte sich viele verändert, was ihm jedoch als erstes auffiel waren die Welpen. Das Rudel hatte also wieder Zuwachs bekommen. Er hatte Welpen noch nie besonders gemocht, doch irgendwie hatten sie auch etwas Besonderes an sich, was ihm wiederum gefiel. Er wusste wirklich nicht, was er mit ihnen anfangen konnte, doch schaden würde er ihnen nie. Erstens würde er selber feige sein, wenn er auf so ein kleines, wehrloses und unschuldiges Wesen losgehen würde, andererseits hatte sie ihm nichts getan und waren zudem doch ganz niedlich.
Doch noch bevor er auf den Rudelplatz schlendern konnte, drang ihm eine wohlbekannte Witterung in die Schnauze, er wusste sogleich, mit wem er es zu tun hatte. Jene Fähe, mit der er zu diesem Rudel gestoßen war, jene Fähe, die ihm ständig geholfen hatte. War sie wütend auf ihn, weil er einfach gegangen war, ohne sie zu verständigen. Er würde verstehen, wenn er es wirklich wäre, schließlich wusste sie bis heute nicht, wo er die ganze Zeit über gewesen war. Schließlich erblickte Kensharion sie auch und hielt inne. Er wusste nicht recht, wie Cumará reagieren würde, dennoch wartete er nicht auf seine Reaktion, sonder fing selber an zu sprechen.

“Cumará … Ich grüße dich“

Meinte er und sah sie ein wenig skeptisch an, hoffte, dass sie nicht allzu enttäuscht von seinem Verhalten gewesen war. Wieso er es hoffte, wusste er nicht, er tat es einfach und versuchte auch nicht, es zu verhindern. Er würde die Tatsachen einfach so hinnehmen, wie sie waren.
Kurz schweifte der Blick des Schattens noch einmal zum Rest des Rudels ab, viele bekannte, aber auch viele unbekannte Gesichter offenbarten sich dem Rüden. Dann richtete er seine eisblauen Seelenspiegel wieder auf die Graue, wartete noch immer auf ihre Reaktion. Ihm schien es, als hätte sich die Fähe nicht verändert, aber man wusste ja nie.


Stumm sah die Weiße ihren Gefährten an. Blickte traurig in seine ozeanblauen Augen und versank beinahe darin. Zärtlich fuhr sie mit der Schnauze durch sein Fell und dachte nach. Sie wollte “Rede.“ sagen, doch sie konnte nicht. Die Worte blieben ihr im Hals stecken, bevor sie sie aussprechen konnte. Eine leise Stimme sprach in ihrem Kopf, doch Jumaana hörte ihr nicht zu. Ihr war schon immer egal gewesen, was die anderen gedacht hatten und so auch jetzt. Auch wenn die Stimme in ihrem Kopf garantiert nicht denken konnte. Doch sie hatte noch nicht wirklich realisiert, was eigentlich geschehen war. Takashi Die Fähe schmiegte ihren Kopf an sein Fell, ganz darauf versessen, zu vergessen, dass er weg gewesen war. es war doch auch egal … Doch dann riss sie sich zusammen und trat zurück. Mit einem leisen Seufzer begann sie zu Sprechen, dabei hatte sie gar nicht reden wollen.

“ Weißt du, meine Mutter hat mir beigebracht, freundlich und offen zu sein – egal wie schwer es mir fällt. Und das tut es auch, sehr sogar. Aber bei dir ist das etwas völlig anderes. Es ist so … ich glaube dir, egal was du mir erzählst. Ich würde dir alles glauben – wirklich alles! “

Die Weiße senkte den Kopf, wie ihr Geliebter es vorhin auch getan hatte. Sie trat von Takashi zurück und sah ihn traurig an. Ihre sonst so hellen Augen waren dunkelgrün, fast schwarz. Sie dachte an die Zeit zurück, als sie Takashi zum ersten mal getroffen hatte – am Bergsee, wo er sie angegriffen hatte. Diese Kaltblütigkeit, dieses Blitzen in seinen Augen hatte ihr Angst gemacht, aber sie hatte sich nicht einmal gerührt, als er ihr seine Zähne ins Fleisch bohrte. Sie war in Trance gewesen und erst später erwacht. Doch der Schwarze sah so hilflos und verängstigt aus. Schon damals war Jumaana geradezu verzaubert von ihm gewesen. Aber dann, als er sie angeschrien hatte und sie geflohen war, aus Angst, da fürchtete sie sich wieder vor ihm. Der Schreck saß einfach zu tief. Doch als sie sich dann im Rudel wieder getroffen hatten …
Mit wachsamen Augen sah die Weiße den Rüden an. Er schien ebenfalls traurig zu sein und das wollte Jumaana nicht.

“ Hey, was ist denn los? „

Fragte sie leise, flüsterte es fast. Sie hatte die Augen wachsam geöffnet und zauberte ein Lächeln auf ihr betrübtes Gesicht. Wie von Zauberhand hellten sich auch ihre Augen auf und strahlten ihr Gegenüber fröhlich an.

“ Wir … wir müssen zum Rudel zurück, Du musst dir die Welpen ansehen. Sie sind wunderschön! Und auf dem weg erzählst du mir deine Geschichte! „

Und diesmal war ihr Lächelnd nicht aufgesetzt, sondern echt. Voller Lebensfreude blitzte Jumaana ihren Gefährten an. ‚Welpen’ war ihr Stichwort gewesen. Was auch immer Takashi zu berichten hatte, ihre Stimmung konnte nichts mehr trüben. Sie war gespannt darauf, was der Schwarze zu erzählen hatte und würde ganz genau hinhören. Aber wenn er so traurig war, wollte sie ihn aufheitern, Und sie war sich sicher, dass sie das konnte. Sie dachte an die Geschehnisse im Rudel zurück, doch ihr fiel niemand außer Urion ein, der angeblich verzaubert – nein – verflucht sein sollte.

oO Was wenn Takashi das auch ist? Wenn … Oo


Mit freundlichem und ein wenig frechem Blick musterte Madoc die junge Fähe. Auch sie schien ein wenig temperamentvoll zu sein, wenn der Weiße es nicht ganz falsch deutete. Sie war wirklich ein schönes kleines Wölfchen und so selten es auch war, der Sternentänzer empfand schon nun Wohlwollen für sie. Sie schien sich jedoch dadurch verunsichern zu lassen, dass er anfangs nicht gesprochen hatte, doch nun wedelte sie wieder mit der Rute.
Als sie anfing zu sprechen, schien seine Vermutung bestätigt zu sein, Sie erinnerte ihn ein wenig an ihn selber, als er noch jünger war. Nur glaubte er, dass er selber wirklich sehr frech und unmöglich gewesen war. Das war er auch jetzt noch, aber das Welpenhafte war verflogen und die Vernunft hatte doch auch schon bei ihm eingesetzt. Früher wollte er immer der größte, der Stärkste sein, nun wusste er, dass er schon groß genug und auch stark genug war. Er hatte nicht mehr das Bedürfnis, den Erwachsenen andauernd nach zu machen. Er hatte es einfach nicht mehr nötig, denn mittlerweile hatte er seine eigenen Arten aufzutreten oder zu sprechen. Er brauchte anderen nicht mehr nachzumachen, da er selber mindestens genauso toll war, in seinen Augen. Wie Madoc so die Welpin ansah, erinnerte er sich einfach unwillkürlich an seine Welpenzeit, die noch gar nicht mal so lange her war.

“Hallo, Atalya, die Furchtlose!“

Begrüßte der Sternentänzer sie nun, wobei sich ein freches Grinsen auf seine Lefzen legte. Er stupste die Welpin kurz an, zum Zeichen, dass er sich nicht auslachen wollte und dass es nicht böse gemeint war. Ganz im Gegenteil, er mochte es, wie sie sich verhielt. Welpen waren ohnehin noch so sorglos, so rein. Doch als er bedachte, wie er als Welpe war, da musste er doch sagen, dass er diesen Satz nicht verallgemeinern konnte. Er schließlich hatte seinem Bruder schon im Welpenalter das Leben genommen. Aber es war ja auch nicht aus Hass und Boshaftigkeit, es war der Wunsch von Lly gewesen …
Madocs Blick trübte sich für den Bruchteil einer Sekunde, als er wieder an seinen geliebten Bruder dachte. Er würde ihn nie vergessen, wenngleich der Schmerz ein wenig verklungen war. Llywarch, er würde immer weiter leben in seinem Herzen, genau wie Sania es ihm gesagt hatte. Ja, Sania, sie war auch nicht mehr da … Der junge Wolf hatte doch schon wirklich viel Pech gehabt in den wenigen Tagen seines Lebens. So viele Verluste erlitten und doch konnte er immer wieder aufstehen. Er war doch wirklich ein Wolf mit großem Mut und Willen.
Als Atalya wieder sprach, riss sich der Sternentänzer aus diesen trüben Gedanken. Er hätte doch tatsächlich beinahe vergessen, sich selber vorzustellen!

“Stimmt, du weißt ja noch gar nicht, wer ich bin! Ich bin Madoc“

Meinte er zu den Welpin und wunderte sich ein wenig, wieso sie ihn nicht über seine rote Augenfarbe ausfragte. Bis jetzt hatten es die Meisten getan, aber vor allem von solchen neugierigen Tieren wie Welpen erwartete er es.
Doch ihre nächste Frage fand er noch viel niedlicher und en stilles Lächeln konnte er nicht unterdrücken.

“Wenn du möchtest, dass ich dein Freund bin, dann bin ich es natürlich“

Meinte Madoc und sah zu Atalya. Irgendwie mochte sie sie einfach so wie sie war.


Takashi sah Jumaana in die Augen. Das Tiefblau, was das Blutrot vertrieben hatte, schien eher beruhigend zu wirken. Das Rot früher schien eher gefährlich und unruhig. Vielleicht hatte es den anderen auch ein wenig Angst eingeflößt, denn das Rot schien nie zur Ruhe gekommen zu sein. Unruhig und bedrohlich zugleich flackerte es oft und zeigte somit die Besessenheit des Fluches. Seine nun tiefblauen Augen glichen nun einem großen Ozean, dessen Wasser sich ganz ruhig und langsam fort bewegte. Er machte einen Schritt auf sie zu und legte seinen Kopf auf ihren Rücken. Es war ihm irgendwie unangenehm, wenn sie sich von ihm entfernte. Takashi wollte jetzt Jumaanas Nähe unbedingt spüren. Erst jetzt bemerkte er, was sie für ein wunderbar reines weißes Fell hatte. Der Fluch hatte sich wohl wie ein Schleier vor seine Augen gelegt, dass er gar nicht mehr solche Empfindungen hatte und nicht mehr das Gute sah. Es war sehr interessant für Takashi, die Welt mit neuen Augen zu entdecken. Seine Ohren spitzen sich aufmerksam für Jumaanas Worte.

“Es ist gut zu wissen, wenn man weiß, wem man vertrauen kann und wem nicht…wem man alles erzählen kann…und wem nicht. Nicht viele können da unterscheiden…es ist auch nicht einfach! Es ist gut zu wissen, das du weißt, dass ich dir nur von der Wahrheit erzähle.“

Den Kopf sanft in Jumaanas Fell gedrückt lächelte er. Wobei er sich gerade eher wie eine Klette vorkam, da Jumaana immer wieder ein wenig zurücktrat.

“Alles wird gut werden…!“

Hauchte er ihr sanft in ihr Ohr, nachdem sie fragte. Dann nahm er doch letztendlich seinen Kopf von Jumaanas Rücken und sah ihr in die Augen. Sanft stupste er ihre mit seiner Nase an. Sein altes Feingefühl schien wieder zurückgekehrt zu sein. Jetzt musste Takashi keine Angst mehr haben, dass er noch jemanden umschubsen oder gar unsanft berühren würde. Anfangs hatte er sich für sein grobes Verhalten noch immer ein wenig geschämt. Ein sanftes Schmunzeln breitete sich auf seinen Lefzen aus.

.oO(Welpen…! Ich habe schon sehr lange keine Welpen mehr gesehen. War es etwa das letzte Mal gewesen, als ich meine Geschwister sah? Nein…das kann nicht sein…hier im Rudel gab es doch auch noch einige jüngere Wölfe oder nicht? Habe ich jetzt etwa auch noch meine Erinnerungen verloren? Kleine süße Welpen…!)

Takashi nickte zustimmend Jumaana zu und begann zu reden. Sie würde ihm alles glauben, ganz sicher. Schließlich hatte Takashi auch nichts zu verbergen…es handelte sich hierbei um die Wahrheit!

“Der Tag, wo ich verschwand… . Ich persönlich wollte gar nicht weg von hier. Doch von da an war ich machtlos und konnte mein eigenes Handeln nicht mehr durchsetzen! Der Fluch zeigte sich mir erneut mit voller Macht. Er ergriff besitz von mir, meinem ganzen Körper und meinem Handeln! So führte er mich Schritt um Schritt fort von hier…jeder einzelne Schritt vom Fluch gesteuert! Zu dieser Zeit begriff ich noch gar nicht, was geschah. Es war so, als währe ich überhaupt nicht da gewesen! Mein volles Bewusstsein erlangte ich erst an einem fernen Ort zurück. Danach habe ich erst richtig verstehen können, was geschehen war. Doch es schien keinen Ausweg zu geben. Viele Tage wurde ich gezwungen, zu laufen! Hinterher war ich sehr schwach und selbst die Augen aufzuhalten fiel mir schwer!...“

Er verstummte. Eine Pause war erst einmal angesagt. Takashi wollte Jumaana die Gelegenheit geben, darüber nachzudenken und alles zu verstehen. Vielleicht war es gar nicht so leicht nachvollziehbar, wenn man selber nicht alles vor Augen gehabt hatte. Ein wenig unsicher schenkte er ihr ein Lächeln. Was dachte sie jetzt wohl? Ein Fluch war eher ein unangenehmes Thema, was andere in Angst und Schrecken versetzte. Flüche hatten große Macht die nicht nur dem Besessenen, sondern auch den anderen schaden konnte.


Urion trat aus dem Wald hinaus. Er war lange allein gewesen, seit dem Kampf mit Amáya hatte er sich komplett aus dem Rudelleben ausgeschlossen, doch nun war alles geklärt zwischen ihm und ihm. Aus und vorbei, die Fronten waren klar und der Graue ergab sich. Urion ging einige Schritte weiter, trat auf dem Rudelplatz, wo die Welpen herum tobten und alle auf die Zeremonie warteten. Der Nordwolf war an sich wieder genesen, nur eine lange Narbe zog sich quer über sein linkes Auge. Eine Narbe, die dort auf ewig bleiben würde, ihn noch boshafter aussehen ließ. Ob das seine Kinder verschrecken wird? Der frischgebackene Papa seufzte unsicher, ging jedoch wieder einige Schritte auf das Treiben zu.
Am See saß Amáya mit einer anderen Wölfin, die anscheinend neu hier war. Die schwarze Fähe konnte ihn nun nicht mehr reizen, denn er war seelisch halb tot, der Fluch hatte sich breit gemacht, gemütlich im Körper des Nordwolfs eingerichtet. Wie wohl Kaede gesinnt war? Ließ sie ihn noch an seine Kinder? So viele Fragen, die den alten Wolf anstrengten und wo war überhaupt sein Bruder abgeblieben? Als Urion nun bei den Welpen angekommen war, blieb er etwas unschlüssig stehen, dann entdeckte er Banshee und lächelte sie schwach, aber unendlich dankbar an, dann ein Blick zu seiner Gefährtin, zu Kaede, schüchtern, unschlüssig, traurig. Wie sollte er es denn nur jemals wieder gut machen? All dieses Leiden, diese Enttäuschung auf die Hoffnung, dass es nun endlich vorbei sein würde.
Urion entdeckte seinen Lieblingssohn Krolock. Er liebte auch seine anderen Kinder, kannte sie jedoch nicht, nur beim Namen und irgendwie wusste er, dass der schwarze Bengel dort Krolock sein musste. Bei ihm waren noch andere Welpen. Urion ließ sich neben seinen Sohn wieder, legte den Kopf auf die Pfoten, den Blick weiterhin Richtung Kaede.

"Na mein Junge, gefällt es dir hier draußen?"

Urions Stimme glich mehr denn je einem Reibeisen...


Mittlerweile war es Frühling geworden. Das letzte Mal hatte er das Tal der Sternenwinde im Herbst betreten, beinahe ein halbes Jahr war vergangen, seitdem er Shani das letzte Mal berührt und seine Welpen liebkost hatte bis auf eine, seine kleine Kursaí.
Mit zielstrebigen Schritten hatte er die Grenzen des Sternenwindtals schon längst übertreten. Bekannte Gerüche strömten ihm entgegen, sein Fell stellte sich vor Freude auf, die großen Ohren zuckten aufmerksam und seine Rute pendelte im Takt seiner Schritte hin und her. Alt bekannte Plätze lächelten ihm entgegen, welche er mit tänzelnden Schritten begrüßte und hinter sich zurück ließ. Er würde sie bald besuchen kommen, doch nun musste er zu Shani. Damals war der Braune seiner Tochter einfach gefolgt, die sich vom Rudel entfernt hatte, immer weiter und weiter. Hätte er nur gewusst, dass ihn dies beinahe ein halbes Jahr von seiner Gefährtin und Familie trennen würde, dann hätte er ihnen Bescheid gegeben.
Und da! In der Ferne tat sich endlich der Rudelplatz auf und mit ihm, all die Wölfe, die er liebte. Ein freudiges Fiepsen entglitt seiner Kehle. Erst jetzt merkte er, dass sich alle Mitglieder des Rudels auf dem Rudelplatz befanden, gab es dort gerade etwas Wichtiges? Und dann beschlich ihn ein…zwiespältiger Gedanke, gab es neue Wölfe? Hatte er schon wieder Geschwister bekommen?
Hiryoga schüttelte seinen Kopf und damit die Idee aus seinen Gedanken und wenn dies der Fall war, was würde es ändern? Nichts. Somit schob sich wieder ein liebevolles Lächeln auf seine Lefzen, als er seine strahlend schöne Gefährtin erblickte. Sie konnte ihn wohl weder sehen noch riechen, da sie mit dem Rücken zu ihm lag, doch er erkannte sie sofort. Sein Herz schlug schneller, das Blut pulsierte in seinem Körper, warum war er so aufgeregt? Sie war seine Gefährtin und liebte ihn, aber er hatte sie allein gelassen für so eine lange Zeit. Würde sie ihm verzeihen? War sie sauer, hatte sie…vielleicht sogar schon einen neuen Gefährten?
Aber nein, nicht seine Shani, nicht sie! Warum taten sich ihm plötzlich solche Gedanken auf? Nein, das würde sie nicht tun, dass wusste er. Die Schritte des Braunen verlangsamten sich, als er den Rudelplatz betrat und seine Mutter, sowie seine Tante erblickte. Er warf der Schneeweißen ein sachtes Lächeln zu, ihr würde er erst später erklären, warum er so lange Zeit weg gewesen war, zuerst musste er zu Shani. Wie sehr hatte er die weiße Fähe nur vermisst? Nächte lang hatte er sich nach ihr gesehnt, nach ihrer Nähe, ihrer Stimme, ihrem Geruch, ihren Berührungen. Endlich hatte die Sehnsucht ein Ende, wenige Wolfslängen trennten sie nur noch. Hinter ihr blieb er stehen, zaghaft drückte er seine Nase in ihren Nacken, stellte eine Pfote neben den zierlichen Körper, sodass er über ihr stand, sog den lieblichen Geruch ein und leckte ihr durch den dicken Pelz. Die Ohren hatte er angelegt, seine Rute schwang zurückhaltend umher.

„Shani…“

Leise flüsterte er ihren Namen in ihr Ohr, nahm dieses in sein Maul und knabberte sanft an diesem.

„…ich habe mich so sehr nach dir gesehnt…Kursaí verwirklicht nun ihren Traum…“

Später würde er ihr alles erklären, doch wie er nun bemerkte, verließen die Welpen die Höhle und schätzte man ihr Alter ab, so war es wohl ihr erster Besuch hier draußen und bald würden sie ihre Namen und Paten erhalten, wie seine Geschwister und er selbst damals.


Zitternd vor Wut atmete die Schwarze tief durch. Sie musste sich beherrschen. Um nichts auf der Welt würde sie sich wieder zu irgendwas hinreißen lassen. Gereizt bleckte Amáya nur die Zähne in Yeriks Richtung. Er sollte einfach nur noch verschwinden und das ein wenig plötzlich. Nur ein fauchendes Zischen verließ ihre Kehle, welches sie dem Braunen hinterher schickte, der sich nun – endlich – aus dem Staub machte und aus ihren Blickfeld verschwand. Welch ein Glück. Irgendein hohes Wesen musste sich ihrer erbarmt haben. Sie hatte die Schnauze voll. Gestrichen. Von diesem Rüden, der ihr auf die Nerven fiel, vom gesamten Pack und von der Patenschaft, die sie übernehmen sollte und die nicht mal begonnen hatte. Immerhin war ihre ach so tolle Schwester so freundlich, ihr einen kleinen lebenden Snack zu spendieren. Wie großzügig.
Als Yerik verschwunden war, lockerte sich die gereizte Haltung der Fähe, die sich wieder auf das kalte Wasser konzentrierte, welches ihre Pfoten umspülte. Mit dem Wasser und der Kälte schien auch ihre Selbstbeherrschung wieder zurück zu kommen. Die Muskeln entspannten sich zusehends und die verbissene Mimik verschwand. Ein nachdenklicher und bitter Ausdruck legte schimmerte in dem Blau ihrer Augen, verborgen vor allen anderen.
In Gedanken taumelte der Todesengel mal hier und mal dort hin, verweilte an dieser und bald an jener Erinnerung. Was ließ sie noch immer zögern? Sie musste endlich mal mit Banshee sprechen, sie hier fort bringen. Es würde nicht mehr lange dauern. Wasserplatschen lenkte Amáya ab. Die Ohren schnellten nach vorne, der kalte, abweisende Gesichtsausdruck war zurück gekehrt. Eins... Zwei... Drei...
Um ihre Ruhe zu bewahren zählte Amáya ihre Atemzüge, die kontrolliert ruhig waren. Zu ruhig. Scharf sog die Fähe die Luft ein, als sie sich mit wieder leicht aufgerichtetem Nackenhaar an eine Fremde wandte.

Oh Wunder. Kein Intelligenzallergiker, aber trotzdem so dämlich sich näher zu wagen.

Welch nette Begrüßung, aber es war nicht ihre Aufgabe, irgendwelche Fremden aufzugabeln und willkommen zu heißen. Beim Sprechen schimmerten die Fangzähne unheilvoll und die Augen nahmen einen dunklen, wütenden Ton an.

Ich bin keine passende Gesellschaft. Verhuschel dich zu den Kuschel-und-plüsch-mich-Wölfen da oben, die mit ihrer rosawattewolken Philosophie das Leben vergessen haben.


Verträumt hatte sie ihre Augen geöffnet, als sie die Stimme ihrer Mutter gehört hatte. Natürlich hatte sie vorher schon ein wenig mitbekommen, dass sie rausgehen durften, wollte aber nicht sofort hinausstürmen, sondern bei ihrer Mutter und ihrem einen Bruder bleiben. Ihr anderer Bruder war schon hinausgestürmt. So sehr sie ihn liebte, sie hatte sich nicht aufraffen können ihm hinterher zu eilen. Schnell hatte sie begriffe, dass ihre Mutter nicht nur unendlich uralt war, sondern dazu nichts mehr sehen konnte. Sogleich hatte sie sich im Stillen zur Aufgabe gemacht ihr zu helfen, so gut sie es als kleiner Welpe eben konnte. Alles wollte sie ihr durch Worte zeigen, alles was für sie so neu war. Ihr war aufgefallen, dass dies eine schwere Aufgabe war, wie sollte sie Dinge beschreiben, wenn sie nicht einmal wusste, wie sie eigentlich hießen?
Neugierig auf die Welt außerhalb der Höhle, stand sie auf, als ihre Mutter sich in Bewegung setzte. Sie war erstaunt, wie zielstrebig sie losmarschierte, obwohl sie doch gar nichts sehen konnte. Die Bewunderung für ihre Mutter stieg ins unermessliche. Lächelnd wand sie ihren Kopf ihrem Bruder zu, der sich nur zaghaft in Bewegung setzte und dann plötzlich wo von der Tarantel gestochen ihrer Mama hinter her lief. Er hatte anscheinend riesige Angst. Im Gegensatz zu ihrem anderen Bruder, der schon munter über den Platz tollte. Als sie aus der Höhle trat entdeckte sie ihn sofort neben ihrem Papa, der sich zu ihm gesellt hatte. Da wollte sie auch hin. Doch zuerst galt es ihren anderen Bruder zu beruhigen, aufzumuntern, und ihrer Mama alles zu zeigen.
Da war doch was, mit riesigen runden Augen blickte sie um sich. Alles erschien ihr so unglaublich groß. Die Welt schien riesig zu sein. Dabei konnte sie nicht ahnen, dass der Platz nicht die ganze Welt war, in der sie lebte. Vor lauter Aufregung vergaß sie, wie man die Pfoten richtig voreinander platzieren musste um vorwärts zu kommen und prompt verknoteten sie sich und sie fiel ungeschickt auf den Boden. Etwas erschrocken blickte sie auf den Erdboden, ehe sie verstand war passiert war. Ihre Beine hatten sich selbstständig gemacht, lagen sie vorne weit auseinander gegrätscht, so waren sie hinten übereinander verknotet. Seufzend versuchte sie sich zu sortieren. Gar nicht so leicht! Sie schob ihre Vorderbeine wieder in eine angemessene Position und versuchte dann ihr linkes Hinterbein über das anderen zu heben. Es gelang ihr nicht auf Anhieb, aber bei dem dritten Versuch schaffte sie es und stand wieder einigermaßen sicher auf ihren dicken Pfoten. Nun nahm sie sich vor, dass sie sich mehr konzentrieren würde und tappte erst langsam, bedächtig, in die Richtung ihrer Mutter und dann wagte sie es auch einige schnellere Schritte einzulegen, die von kleinen ungeschickten Hüpfern begleitet wurden, immer dann, wenn ihre Beine drohten sich zu verknoten. So kam sie außer Atem bei ihrer Mutter an. Wie anstrengend alles in dieser großen Welt war!
Mit runden Augen blickte sie die Wölfe an, die um ihre Mama herum standen, ehe sie Ciradán an die Hinterbeine ihrer Mama geklammert entdeckte. Fröhlich lächelnd schritt sie auf ihn zu, wollte ihm die Angst nehmen. Sie verstand nicht recht, wieso er sich so fürchtete. Sie wusste nur, dass er ihr Leid tat und sie wollte, dass er sich auch so wie die anderen freute. Sanft stupste sie ihn an, er kannte sie doch und auch ihr Bruder war doch nicht böse nur weil er Ciradán gerne mal ärgerte. Zu ihr war er immer total lieb!

„Brüderchen, hab nicht eine solche Angst! Kommst du mit mir mit, die weite große Welt entdecken?“

Vorsichtig schleckte sie ihm über die Stirn, wie ihre Mutter es immer bei ihnen tat, dann stellte sie sich neben ihre Mama, schielte sie an und sah, wie stolz sie vor der weißen Fähe stand, die, wie sie mitbekommen hatte, Banshee hieß und ihre Leitwölfin war. Aber sie sah so unendlich schwach und zerbrechlich aus! Vielleicht musste auch sie aufgemuntert werden, warum auch immer. Hui, es gab wahrlich viel zu tun für sie. Das hätte sie nicht gedacht.
Spontan lief sie auf die Fähe zu und umrundete dabei einen anderen der Welpen, der dort mit bedröppeltem Gesicht saß. Sie grinste und stupste die große Fähe an. Sie war sogar noch größer als Mama. Ob sie auch so groß werden würde?

„Banshee, du schaust so betrübt, gefällt dir nicht, was du siehst?“

Naiv wie sie war sprach sie direkt das aus, was sie dachte. Dann fiel ihr ein, dass sie ihrer Mama immer noch nicht erzählt hatte, wie es hier draußen so aussah. Es gab so unendlich viel zu sehen, sie wusste gar nicht, wo sie anfangen sollte.

„Mama, die Welt ist ja riiiiiiiiiesig! Auf der einen Seite ist etwas großes glitzerndes, weißt du was das ist? Und um uns herum sie so… hm. Große Dinger, die bewegen sich mit dem Wind. Ich weiß nicht was es ist, aber es sieht schön aus, und es klingt so, als ob dort noch andere Tiere wohnen. Sie geben ganz andere Geräusche von sich, als wir es tun. Und, dadurch, dass es so nass ist, sieht alles etwas farblos aus. Wie nennt man das, das Nasse? Und, du glaubst gar nicht wie riesig alles ist. Eine wunderbare große Welt in der wir leben!“

Sie endete, wusste nicht, was sie noch sagen sollte, es fehlte ihr so viel, so viel musste sie lernen, damit sie ihrer Mama besser beschreiben konnte, was sie sah. Es war wichtig ihr das alles zu zeigen, wenn sie doch selber nicht sehen konnte. Liel wollte für sie sehen, sie wollte ihr das Augenlicht sein, was sie verloren hatte. Das sie es nie ersetzen können würde, kam ihr gar nicht in den Sinn. Dafür war sie viel zu aufgeregt.


Auch wenn Malicia friedlich schien, in ihrem Kopf focht sie einen Kampf mit sich selbst aus. Der erste Eindruck des Rüden war zwar ganz okay gewesen, aber jetzt regte er die Schwarze auf. Sie spürte einen tiefen Hass in sich aufsteigen. Wo kam er her? Was wollte er? Ein fast unmerkliches Knurren kam aus ihrer Kehle. Die Alphatochter hatte das Gefühl, dass es falsch war, das Rudel wieder aufzusuchen – diese Schleimer und Drecksviecher hier waren einfach überflüssig. Aber Banshee war hier und Banshee war ihr Leben. Auch wenn sie lieber bei ihrem Vater sein würde, die Schwarze hatte ihrer Mutter versprochen, bei ihr zu bleiben, komme, was wolle. Argwöhnisch lauschte sie den Worten des Braunen. Und ohne nachzudenken, kamen Worte aus ihrem Mund, die ihre Abscheu und ihren Hass nur unterstrichen.

“ Achja? Wie schön für dich. Wissen soll ja bekanntlich vor Dummheit schützen. Aber wenn ich dich so betrachte, mein Lieber, scheinst du nicht im Geringsten zu wissen, wer ich wirklich bin! „ Sie liebste es, ihrem Gegenüber diese Worte vor die Pfoten zu schmeißen, egal wie unhöflich sie dabei schien. Ich bin nämlich Schwester Daylight’s und Amáya’s, Tochter Banshee’s und Acollon’s. Jemand, der das Leben noch schätzt und es sich nicht selbst versaut. Gestatten, Malicia! “

Die Fähe sehnte sich nach Cumará. Mit der Grauen war sie sanft und offen, ganz anders als zu Fremden. Sie war geradezu geflüchtet vor den Welpen, und hatte nicht mehr nach ihrer Freundin geschaut. Wie gern wäre sie jetzt bei ihr und würde ihr von Yerik erzählen, aber ihre Freundin war wahrscheinlich ganz angetan von den Drecksviechern, so warmherzig wie sie immer war. Auch das regte die Schwarze auf, aber sie konnte ihrer Aseelenverwandten einfach nicht böse sein.
Noch ein letztes Mal musterte Malicia den Rüden, dann wendete sie sich ab – behandelte ihn wie Dreck. Sie spazierte zum Waldrand, drehte sich aber noch einmal um und warf Yerik noch einmal ihre Worte vor den Kopf.

“ Ach, und auch wenn ich nicht weiß, wen du suchst, wenn du zu diesen Dreckviechern willst, sie warten sicher schon sehnsüchtig auf dich, du Eindringling! “

Mit hoch erhobenem Kopf stolzierte sie davon, auch wenn sie nicht mit sich selbst zufrieden war. Sie hätte ein Gespräch beginnen können, sich mit dem Rüden anfreunden können … Aber sie hatte ja Cuma und das war alles, was sie brauchte. Aber jetzt war ihr Gefährte Kensharion ja wieder da, und was wenn die Graue sie jetzt nicht mehr brauchte? Malicia schluchzte auf und eine Träne rollte über ihre Schnauze.


Shákru Minor saß abseits von dem ganzen Geschehen und beobachtete mit einem sanften Lächeln die Wölfe. Frisch geschlüpft waren die Welpen nun zwar nicht mehr, aber immernoch so tollpatschig. Minor erinnerte sich an seine Kindheit zurück, die bei weitem nicht so unbeschwert begann, wie diese hier. Er musste von Anfang an seine Geschichte schreiben lassen, von Priestern und irgendwelchen Göttern. Die kleine Sternenleier setzte sich auf seine Hinterläufe und legte die Rute um sie herum. Aufmerksam schnippten die Ohren umher, nahmen jeden Laut auf und versuchten ihn zu zuordnen.
Für eine kurze Zeit schien die Bedrohung im Rudel vergessen zu sein, obwohl das Nichts an präsenz nichts eingebüßt hatte. Minor vermutete, dass es vielleicht Antimaterie sein könnte, die sich nun mit Materie auflöste. Ein gehässiges Lächeln, dass seine Zähne entblößte huschte über die schwarzen Lefzen. Im Rudel waren es wahrscheinlich Engaya und Fenris, die sich was tolles ausgedacht hatten. Sheena schaffte es zwar Shákru wieder ein wenig in die Götterrichtung zu lenken, aber ihm fehlten immernoch die Beweise. Selbst Banshee, Engayas "Tochter", begann zu schwächeln. Und wo war nun ihre "Mutter"?
Shákru Minor puhlte sich ein paar kleine Zweige aus den Pfotenballen. Endlich war dieser Schnee weg und der Frühling konnte ungehindert ausbrechen, wunderschön.
Wieder schwiffen Shákru Gedanken ab in seine Kindheit. Wie oft wollte er sein Leben beenden? Da waren doch einige Versuche? Das Eis, das Wasser, der Hirsch, verhungern, verdursten oder wandern bis zum Umfallen. Aber irgendwie klappte es nie? Entweder wurde er zu früh gefunden oder er wurde auf eine anderen wundersame Weise gerettet. Eine Weise, die Shákru Minor physikalisch noch nicht erklären konnte, aber das würde auch die Zeit bringen. Nun saß er hier in dem Rudel und nicht war doch nicht wirklich Mitglied. Man duldete ihn, aber niemand wagte es sich mit ihm zu beschäftigen. Der Schwarzfang versuchte es auf alle möglichen Weisen. Als Beobachter, als Draufgänger, freundlich, zurückhaltend und immer störte er nur. So zog er sich zurück, traf im Wald ab und an auf den sonderbaren Urion, den er lieber aus dem Weg ging. Auch dieser streunte allein durch den Wald, aber sicherlich aus einem anderen Grund. Shákru hatte auch viel Zeit bei dem Nichts verbracht, jegliche Angst hatte er somit davor verloren, sondern betrachtete als ein Ding, dass nun existierte, auch wenn da nichts mehr war. Shákru Minor richtete seinen Blick wieder nach vorne, weg von der Vergangenheit. Vielleicht würde er noch jemandens Interesse wecken, wer weiß.


Ihre Ohren schnippten ruhig nach vorne, als sie die aggressiven, unfreundlichen Worte der Schwarzen vernahm. Doch anstatt schnell das weite zu suchen, setzte sich Agkül nur auf ihre Hinterhand und schlang die Rute um ihren eleganten Körper. Neugierig und sanftmütig blickte sie die wilde Fähe vor sich an, seufzte einmal leise und ließ die Sekunden mit Schweigen verrinnen.

“Vielleicht bin ich dämlich, aber woher soll ich die Gründe auch kennen, die dich dazu bringen, so mit mir zu reden?“

Es war keinesfalls ein Vorwurf, sondern eine simple Frage, die sie der Schwarzen stellte, ohne irgendwelche Stimmwankungen mitschallen zu lassen. Agkül wusste, dass es sinnlos war, diese Wölfin durch Vorwürfe oder Sonstiges zu reizen. Es würde eh schwer werden, normal mit ihr zu reden und es war bestimmt kein Vorteil für die Graubraune, sich durch Stimmungswandlungen noch mehr in das Unglück hinein zu reiten.
Als die Schwarze erneut sprach, wanderte der geduldige Blick Agküls hinauf in die Richtung, aus der die vielen Gerüche von anderen Wölfen herüberwehten, konzentrierte sich dann aber wieder auf die Fähe vor sich, zu der sie immer noch einige Meter Abstand hielt. Nicht aus Angst, sondern aus reiner Höflichkeit.

“Das kann ich nicht beurteilen, denn ich kenne ja noch nicht mal deinen Namen. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass diese Kuschel-und-plüsch-mich-Wölfe die richtige Gesellschaft für mich sind. Die haben bestimmt Wichtigeres zu tun, als jemanden, wie mich zu begrüßen – oder zu verjagen. Außerdem habe ich das Gefühl, dass du vielleicht einfach mal reden möchtest und meine Ohren sind für so etwas stets offen und meine Lippen versiegelt.“

Sie lächelte gutmütig und erhob sich, um einige Male mit der Rute zu wedeln. Sie wollte ihr nicht auf die Nerven gehen, andererseits interessierte sie es, weshalb diese Fähe so reagierte, wie gerade eben. Erneut lächelte sie die Schwarze an und grinste dabei leicht, weil ihre Neugirde eifnach geweckt war und schüttelte sich.

“Ich bin übrigens Agkül. Und wie heißt du?“


Cuma starrte Kensharion an. Sie hätte ihn gerne angestupst, um sich selbst zu versichern, dass er nicht nur eine Erscheinung war. Doch sie traute sich nicht. Vielleicht war es wirklich nur eine Erscheinung, wie die letzten Male, als sie mitten in der Nacht aufgewacht war, fest davon überzeugt, neben sich den schwarzen Rüden zu sehen, zu fühlen, seine Wärme, seinen schönen Kopf auf seinen Pfoten gebettet. Und dann war er verblasst, und dann war er weg gewesen. Jedes Mal wieder. Und es waren viele Male gesehen. Schmerz trat in Cumas Augen. Sie wollte nicht schon wieder diesen Stich fühlen. In ihrem Herzen. Doch dann fing der Schwarze an, zu sprechen. Ungläubig starrte Cuma den Rüden an. Er war keine Erscheinung. Tränen der Erleichterung überfluteten ihre himmelblauen Augen. Die graue Wölfin musterte Kensharion. Er hatte sich nicht groß verändert. Ihre Augen wurden von Tränen erschüttert. Langsam fielen sie auf den Boden. Cumará ging einen weiteren Schritt auf den pechschwarzen Wolf vor sich zu, Vorsichtig, zurückhaltend, still. Nun sah sie den Rüden wieder scharf. Ein leichtes Lächeln machte sich auf ihrem Gesicht breit. Was sollte sie ihm denn sagen? Sie konnte nichts sagen. Überwältigt stand sie da und schaute ihn einfach an. Das Lächeln wurde breiter, nun sah man Cuma wieder. Die Cuma, wie sie gewesen war, bevor Kensharion weggegangen war. Ihre himmelblauen Augen strahlten viel blauer als sonst, ihre ganzer Körper schien elektrisiert. Noch einen Schritt. Noch einen... winzigkleinen... dann war sie bei ihm angekommen. Jetzt erst merkte sie, dass sie Kensharion noch viel mehr vermisst hatte, als gedacht. Ihre Ohren schnippten leicht, ihre Pfoten standen direkt vor den schwarzen. Hellgrau und tiefschwarz. Die Fähe lächelte glücklich. Sie konnte Kensharion nicht sauer sein. Sie schmiegte ihren Kopf an den des Rüdens. Sie schloss ihre Augen, völlig entspannt lehnte sie an dem schwarzen Wolf. Sie flüsterte ihm leise etwas ins Ohr.

"Du bist zurückgekommen..."

Und nur das zählte.


Oh ja. Sie war eindeutig die Schwester von Amáya. Yerik lehnte den Kopf fast gelangweilt zur Seite. Also den bösen Blick hatte sie allerdings noch nicht drauf, wie es Amáya hatte. Ihre Worte waren allerdings genauso scharf wie die ihrer Schwester. Aber was glaubte sie? Vor der andren Schwarzen war Yerik schon nicht zurück geschreckt und vor dieser hier, würde er es sicher genauso wenig tun. Eher zog ihn diese Abweisung fast noch mehr an, auch wenn es ihn verwirrte. Was war das nur für eine Familie, so vollkommen anders als so viele andere Wölfe die er auf seinen Reisen getroffen hatte? Wie ein Statist ließ er die scharfen Kanten der Worte über sich ergehen, zuckte nicht einmal zusammen und lächelte nur milde. Als sie sich schließlich abwandte zuckten seine Ohren nach vorn. Einen Moment verharrte er.
Natürlich konnte er, wie sie gesagt hatte, nun einfach zum Rudel zurückkehren. Sie würden ihn wahrscheinlich wirklich freundlicher empfangen als sie es getan hatte, oder Amáya. Aber was machte das für einen Sinn? Er konnte zu Daylight und Aryan gehen, sich die Welpen anschauen und sich mit den anderen freuen. Aber was war das schon für eine Herausforderung? Außerdem verwirrte ihn das seltsame Verhalten Malicias und wie zuvor bei ihrer Schwester fühlte er sich davon angezogen, jedoch auf andere Weise. Ohne auf ihre harschen Worte zu achten, trat der Rüde wieder in ihre Nähe, wandte allerdings zeitgleich den Blick ab, als er merkte wie sie weinte. Was war das nun? Erst herrschte sie ihn voller selbstgerechter Arroganz und nun zerging sie einfach so in Unzufriedenheit über sich selbst? Er wollte fast nicht wissen in was für einem Gefühlschaos die Schwarze steckte, dennoch wich er nicht zurück. Es war nicht seine Art zurück zu stecken.

“ Vielleicht wartet tatsächlich jemand auf mich. Aber selbst wenn jemand auf einen wartet, gibt es Momente in denen man andere lieber warten lässt, nicht wahr?”

Es war keine Frage, eher eine Feststellung. Er wandte er den Blick aus den freundlichen Augen zu. Auch wenn sie ihn vielleicht nicht mochte, so schnell gab der Horizontläufer einfach nicht auf. Er verzog die Lefzen zu einem leicht betrübten, aber freundlichem Lächeln.

“ Ich mag es nicht wenn Jemand in meiner Gegenwart traurig ist. Ich fühle mich dann immer so schuldig. Kann ich dir irgendwie helfen?”

Diesmal war es eine Frage. Eine ehrliche Frage, gleichzeitig Aussage. Wahrscheinlich würde er sogar bleiben, wenn sie ihn erneut abwies. Einfach um da zu sein. Niemand sollte allein sein, wenn es ihm schlecht ging.


Tacurio bewegte sich langsam auf den Rand des Rudels zu. Jede Blume wurde mit großer Aufmerksamkeit untersucht und auch die Grashalme schienen sehr interessant zu sein. Hin und wieder hielt er inne, um seine Pfote auf die Erde zu stellen und den Boden unter sich zu spüren. Das Gefühl gefiel ihm sehr und auch der Blick zu den Wolken hatte es ihm angetan.
Während der Wind sein Fell zerzauste und sich die Wiese bewegte, sog er die Luft tief in seine Lungen. Er fühlte in diesem Augenblick eine bisher unbekannte Freiheit. Die Musik des Windes und das tanzende Gras waren eine lange Beobachtung wert, ehe er in einiger Entfernung einen Wolf wahrnahm. Der grinste böse, woran sich Tascurio sofort amüsierte. Vielleicht würde sein Versuch der Flucht unauffälliger aussehen, wenn er sich zuerst mit einem der Erwachsenen unterhielt?
Mit zielstrebigen Schritten steuerte er auf den Schwarzen zu. Namen kannte er kaum, dazu gab es in diesem Rudel, in das er geboren worden war, einfach zu viele Wölfe. Er interessierte sich aber auch nicht dafür. Welche Bedeutung sollten Namen schon haben? Sie waren unwichtig. Auch wenn er nicht Tascurio hieße, wäre er er selbst.

“Sag, Schwarzer, wieso grinst du so hämisch böse vor dich hin?“

Der kleine Welpe sah den Rüden verachtend und hochnäsig an, ohne dass sich erschließen ließ, woher er sich diese Charakterzüge erschlossen hatte. Fakt war nur, dass er sich für viel intelligenter hielt, als die restlichen Wölfe. Man sah es ihm ein bisschen an, auch wenn er es nicht mit absichtlicher Offensichtlichkeit zur Schau stellte. Die Anderen und deren Gedanken über ihn interessierten ihn wenig.


Die grauen Tage und der Regen, der immer wieder mal zwischendurch durch die Wolkendecke hindurchkam, gefiel Ilias gar nicht, nein regten ihn sogar ein wenig auf. Die Sonne wollte er sehen, um ihre wärme auf seinen Bauch und seinem Rücken zu spüren. Dazu wollte er sehen, wie die Pflanzen glücklich anfangen zu blühen und auch die Sonnenuntergänge vermisste er. Trotzdem war er glücklich, dass es endlich wärmer geworden war und eine noch erfreulichere Nachricht war, dass die Welpen nun das Rudel bereicherten. Der verspielte Rüde hatte schon früher spaß daran gehabt mit den kleinen zu spielen und sie bei dem Aufwachsen zu beobachten.

o0 Wie niedlich sie doch sind, so voller Mut und Wissensgier 0o

Er wollte sich ein bisschen die Füße vertreten und ein wenig über den Rudelplatz laufen. Auch schaute er nach Nienna. Doch schon kamen einige der Welpen hinter ihm her. Sie wufften ihn an und knurrten auf einer so süße Art, dass Ilias aus dem lächeln nicht heraus kam.
Ein süßer Welpe, mit gelben Augen und viel zu großen Ohren sprang ihn an und fordete Ilias heraus.

"Soso, du willst mich also herausfordern?
Du bist der Sohn von Averic und Tyraleen hab ich recht?"


wich er erstmal der Herausforderung aus, um etwas über ihn zu erfahren.

"Und dann darfst du mir erzählen, was du mit mir spielen willst"

Er lächelte ihn mit einer liebe an, die er lange nicht mehr gezeigt hatte.

o0 Welpen sind etwas so wunderbares. Ob ich jemals welche haben werde? Ich hoffe es! 0o

dachte er während er verträumt auf den süßen kleinen Rüden vor sich blickte, der wild mit seiner Rute wedelte.


Immer mehr Wölfe gesellten sich zu ihm und Tyraleen, es blieb nicht lang bei dieser fremden Welpin, die bereits munter drauf los plapperte und Aryan. Seine kleine Tochter hatte sich ebenso entschieden, sich zu ihnen zu gesellen und versteckte sich hinter dem Lauf ihrer Mutter. Averic bedachte die Kleine mit einem für ihn sehr ungewöhnlich sanften Blick, als sie ihn so erstaunt musterte und kund tat, auch so groß wie er werden zu wollen. Er lächelte, dann kam schon ein zweiter, viel zu großer Welpe zu ihnen her gesprungen. Isis, Tyraleens beste Freundin. Ihr wurde über die Schnauze geschlabbert und sogar er wurde angestupst. Averics dunkelblauer Blick blieb ein wenig reserviert, doch lächelte er schließlich auch ihr zu. Natürlich war er stolz! So stolz, wie er es noch nie gewesen war. Seine Schwester und er hatten sich gegen die Welt durchgesetzt und waren gemeinsam Eltern geworden. Die Welpen waren alle gesund, munter, makellos. Er hatte allen Grund stolz zu sein.

Dessen kannst du dir sicher sein.“

Plötzlich hatte er also zwei Welpen und drei mehr oder weniger erwachsene Wölfe um sich. Da fühlte sich auch der Pechschwarze ein wenig überfordert, Tyraleen schien es nicht anders zu gehen. Sie versuchte sich gleichzeitig um die weiße, fremde Welpin, Avendal, Aryan und Isis zu kümmern, die alle irgend etwas von ihr wollten. Das Isis seinen Welpen etwas von ihren Göttern erzählen wollte, ließ ihn die Nase leicht rümpfen, aber auch hier ging seine weiße Schwester schon dazwischen.
Und als wären nicht schon genug Wölfe bei ihnen, kam nun auch Daylight zu ihnen herüber, während diese Aléya beleidigt krähte, weil sie keine Geschichte erzählt bekam. Averic, der die Wölfe dieser Gruppe immerhin überragte, sich aber doch ein wenig beengt fühlte, wandte seinen Kopf zu Tyraleen, die wieder an seine Seite geflüchtet war. Bei ihren Worten zog er eine Augenbraue hoch und zog ihr anschließend einmal leicht am Ohr.

Was soll das denn heißen? Überhaupt nicht, ich war eher …“ aus den Augenwinkeln fiel ihm eine weitere, helle, kleine Gestalt auf, die die Rudelhöhle verließ und in eine andere Richtung abdampfte, weg vom Tumult der Wölfe. Averics Ohren richteten sich auf, Tascurio wurde mit einem aufmerksamen Blick verfolgt. Nicht, dass er zu weit weg ging, oder flüchtete. Ganz automatisch trat ihm diese Befürchtung in den Kopf und er dachte an den kleinen, schwarzen Welpen von damals, der ebenfalls jede Gelegenheit genutzt hatte, um von den anderen - außer Cylin - weg zu kommen. … „Wie er.“,

Beendete Averic den Satz und verengte leicht die Augen. War das Shákru, auf den Tascurio da zusteuerte? Das missfiel ihm deutlich, hatte er doch seine Begegnungen mit dem Schwarzen als nicht sehr positiv in Erinnerung.
Sich langsam auch etwas gestresst fühlend - oh, er merkte schon jetzt, dass das Elternsein nicht nur entspannte, freudige Seiten mit sich bringen würde - wandte er den Blick dann doch wieder ab und nickte Daylight auf ihre Worte nur zu. Ja, ja, wunderbar, zauberhaft. Ob er sich das Heute noch Zwanzig Mal anhören durfte? Der Pechschwarze brummelte kaum merklich.


Isis schlackerte grinsend mit den Ohren. Sie merkte, dass Tyra und Averic eindeutig mit der Situation überfordert waren. Nur kurz kräuselte sich ihre Schnauze, als ihre beste Freundin sie bat nichts über ihre Götter zu erzählen. Spielerisch zog sie an dem Ohr der Weißen und nuschelte:

"Tyralein, was denkst du von mir? Natürlich sollten sie erstmal eure Götter zu achten wissen, sodass ich vorerst meinen Schnabel halten werde."

Isis ließ das Ohr ihrer besten Freundin wieder los. Sie wollte Akru suchen, sodass ein Wolf weniger den Eltern auf die Nerven ging. Außerdem hatte sich Rouku auch schon nicht mehr blicken lassen, aber erstmal wollte Isis mit ihrem Bruder sprechen. Averic kräuselte die Schnauze, als er von Isis' Göttern hörte. Die Schwinge des Osiris konnte dies nicht auf sich ruhen lassen und wollte den Schwarzen etwas necken. Immerhin akzeptierte sie seine Götter auch. So baute sich die kleine Wölfin vor den großen schwarzen Rüden auf, strahlte ihn freundlich mit ihren Augen an und tapste mit der Pfote gegen seine Brust.

"Hey Averic, glätte lieber wieder deine Schnauze, sonst wirft sie nur unnötig viele Falten sonst kann meine Göttin auch nicht mehr viel für dich machen."

Die Wüstenwölfin lachte fröhlich. Sie meinte es nicht böse, überhaupt nicht. Sie hatte auch nichts gegen den Gefährtin von Tyraleen, ganz im Gegenteil. Er amüsierte sie auf eine wunderbare Weise mit seiner Ernsthaftigkeit. Isis verabschiedete sich mit einem Schlecker über Tyraleens Stirn und hopste quer über den Rudelplatz. Nur kurz drehte sie sich um und wuffte Averic freundlich zu:

"Immer lächeln und knuffig aussehen großer Schwarzer!"

Weg war der ägyptische Wirbelwind. Ab zum See wo Amáya und eine andere Wölfin saßen. Isis blieb abseits von ihnen und rief nach Akru. Hoffentlich konnte er es hören.


Shákru Minor schreckte aus seinen Gedanken auf, als ein kleines Wollknäul vor ihm stand und leicht überheblich daher kam. Eindeutig ein Sohn von Averic. Automatisch blickte Minor zu dem Schwarzen, bemerkte seinen scharfen Blick und nickte dem Rüden freundlich zu, dann widmete er sich wieder Tascurio. Minor entschied sich hinzulegen, damit er mit dem Kleinen auf Augenhöhe stand. Freundlich musterten die grünen Augen den Welpen.

"Ich gucke böse? Naja, vielleicht mach ich mich innerlich etwas lustig über die Wölfe da drüben."

Shákru Minor stupste Tascurio mit der Pfote sehr sanft an, dann legte er seinen Kopf auf eben diese. Weiterhin beobachtete er den kleinen Welpen, der wahrscheinlich abhauen wollte um den Wald zu entdecken. Auch wenn Minor den Kleinen gerne begleitet hätte, so empfand er es als zu gefährlich jetzt schon Tascurio allein hinein zu lassen. Allein schon wegen dem Nichts. Da brauchte sich Averic keine Gedanken zu machen, überhaupt keine. Die kleine Sternenleier dachte nach. Aber Tascurio würde vielleicht seinen Theorien glauben. Minor würde sie erzählen, wenn der Kleine danach fragen würde.
Sicherlich war er wissbegierig. Das war jeder Welpe, wie Shákru Minor. Die Sternenleier seufzte leise auf. Er spürte seine besondere Fellzeichnung mehr denn je.

"Ich bin Shákru Minor und du? Was führt dich hier her, ich glaube nämlich, dass dein Vater nicht erfreut darüber sein wird, dich bei mir zu sehen."

Minor lächelte auf Wolfsart Tascurio an.


Tascurio sah den erwachsenen Rüden an, auf eine Antwort wartend und folgte dessen Blick in Richtung seines Vaters. Averic war wahrscheinlich zu weit weg, um die Provokation seines zweitjüngsten Sohnes zu bemerken, dennoch verspürte der Kleine Genugtuung, als ihm klar wurde, dass er etwas tat, dass seinem Papa nicht gefiel. Sichtlich vergnügt sah er dann wieder zu dem Schwarzen.

“Findest du sie denn so amüsant? Was tun sie witziges, außer sich albern aufzuführen?“

Abschätzend wandte er sich noch einmal dem Rudel zu, ohne jegliches Interesse, ehe er empört die Ohren anlegte, als er angestupst wurde. Seine Augen fragten sein Gegenüber, was dieser sich einbilde, ihn einfach anzutatschen, ohne dass er sonst darauf einging. Er sah den Rüden einfach nur an, ohne ihn genauer zu betrachten. Schließlich war er nicht viel interessanter, als der Rest hier. Er war nur Mittel zum Zweck. Ein bisschen unterhaltsam vielleicht.

“Meine Eltern gaben mir den Namen Tascurio. Darüber wer ich bin, können sie nicht entscheiden. Wer wärst du, wenn du einen anderen Namen tragen würdest?“

Das Opfer, das er sich ausgesucht hatte, schien vom Schicksal gut gewählt zu sein. Kein hysterischer Idiot der die ganze Zeit schrie, wie süß alle Welpen doch waren. Er schien ihn sogar halbwegs ernst zu nehmen.

“Ich mag die Gesellschaft der Anderen nicht, deshalb würde ich gerne alleine spazieren gehen. Weil mir das aber nicht gestattet ist, störe ich deinen Frieden, den du dir hier am Rande gesucht hast, um dann bei der nächst besten Gelegenheit doch zu entkommen.“

Tascurio machte sich keine Gedanken darüber, dass seine Ehrlichkeit den Rüden vorgewarnt hatte. Wenn er den Rudelplatz verlassen würde, wäre sowieso gleich jemand auf der Suche nach ihm. Es war einfach eine Frage der Zeit, bis er allein umher streifen würde. So früh es ihm möglich sein würde, würde er diese Chance ergreifen.

“Es schert mich nicht, was meinen Vater erfreut und was nicht. Wenn er ein Problem hat, soll er doch herkommen und es lösen. Ansonsten kann er sich seine Blicke gleich schenken. Wieso hast du ihn verärgert?“


Sein heller Blick war aufmerksam auf dem bräunlichen Rüden gerichtet, seine Rute pendelte in wilder Freude hin und her, während er immer noch in halbgeduckter Haltung vor ihm stand. Doch seine Frage brachte ihn aus dem Konzept. Der junge Rüde legte seinen Kopf schief, und seine Rute erstarrte plötzlich mitten in der Bewegung. Er ließ sich auf seine Hinterläufe fallen und ein breites Grinsen zierte sein Gesicht.

„Japp, bin ich!“

Er legte seinen Kopf auf die andere Seite und musterte den Rüden auf eine eigenartige Art und Weise.

„Woher weißt du das?“, er sah an sich herunter, „Sieht man das?“

Seine Augen wurden ganz groß, als er wieder zu dem für ihn so großen Rüden blickte. Konnte man das wirklich sehen? Er kannte den Wolf gar nicht. Wieso wusste er dann Sachen über ihn? Es war so verwirrend. Die Welt war einfach so unglaublich grooooß. Turién erhob sich wieder und schlich dann hinter Ilias her, dabei aber immer in Angriffstellung. Als er wieder vor ihm war blieb er stehen.

„Ich will gar nicht spielen! Weil ich nämlich nicht mehr spiele, ich bin schon groß. Wir werden jetzt kämpfen, und wenn ich gewonnen habe, bin ich stärker und werde Alpha!“

Er knurrte welpisch auf, man konnte ihn zwar nicht wirklich ernst nehmen, aber das wusste er ja noch nicht. Für ihn war seine Logik die Einleuchtenste. Sie war immer richtig! Seine Rute pendelte wieder wild umher, als er sich auf die Vorderpfote von Ilias stürzte und sie mit seinen kleinen spitzen Zähnchen in den Fang nahm, den Lauf aber dabei gar nicht ganz umfassen konnte. Er wusste nicht, dass seine Zähne und seine Kiefermuskeln noch viel zu schwach waren, um den Rüden überhaupt zu verletzen, und wenn dann nur ein bisschen pieksen würden. Er zerrte an dem Lauf und knurrte dabei unheimlich bedrohlich, als er gaaanz plötzlich bemerkte, dass er den Namen seines Gegners wusste. Er sprang noch mal zurück und blinzelte hoch.

„Wie heißt du?“


Eines musste man dieser Fremden hoch anrechnen: Die lodernde Wut in Amáya kühlte sich langsam etwas ab und die Schwarze verspürte weniger den Wunsch, der Fremden das Fell vom Lebe zu reißen. Je länger die Fähe sprach, desto ruhiger schien Amáya zu werden, selbst wenn ab und an die Hitze noch in ihr aufbegehren wollte. Hinreißen lassen wollte sie sich aber doch nicht mehr. Tief atmete die Dunkle ein, ließ den Blick über den See wandern, ehe sie sich an die Fähe wandte. Insgeheim musste sie dieser zustimmen. Sie kannte ihre Beweggründe nicht und hatte nicht den Hauch einer Ahnung, was sie war. Es gab also keinen Grund für sie, von Anfang an Unfreundlich und abweisend zu sein. Zu dieser Tatsache war es allerdings zu spät, zum einen, zum anderen hatte sie es irgendwie zu ihrer Scharade, zu ihrem Wesen gemacht, alles und jeden auf Distanz zu halten. Es war klüger und auch gesünder, nicht nur für andere. Laut eingestehen, dass die Fremde Recht hatte, tat Amáya allerdings nicht, sondern grummelte nur leise vor sich hin.
Auf ihre Erwiderung, dass man sie aufnehmen oder vertreiben könnte, beziehungsweise nicht konnte, da das Rudel laut ihrer Aussage andere Dinge zu tun hatte, runzelte die Schwarze die Stirn. Was war das denn? Verwirrend. Dennoch konnte sie nicht verhindern, dass die harten Gesichtszüge ein wenig weicher wurden, als die Fremde ihren Ausdruck gebrauchte. Generell schien sie recht vernünftig und mit Intelligenz gesegnet zu sein. Dass sie ausgerechnet an die Dunkle in einem schlechten Augenblick geraten musste war zum einen Pech und zum anderen nicht ihre Schuld.

Woher willst du das wissen? Ich kenne diese Truppe besser als du und sie würden dich gewiss lieben. Sie lieben sowieso alles und jeden und überhaupt.

Theatralisch verdrehte Amáya die Augen. So ganz stimmte ihre Aussage aber doch nicht, denn hätte man es ehrlich mit ihr gemeint, so wäre niemals das aus ihr geworden, was sie jetzt war. Das spielte allerdings keine Rolle und daher ging Amáya auch nicht weiter in Gedanken darauf ein. Ihre Antwort hingegen kam spontan mit einem bissigen, sarkastischen Unterton.

Die Affäre meiner Mutter nennt mich Todesengel, Amáya reicht mir allerdings.

Leicht schnippte sie mit einem Ohr, den Blick mehr auf die Fremde geheftet und diese nun mehr in Augenschein nehmend.

Dumm, dass du ausgerechnet auf mich getroffen bist, erstrecht in einem unglücklichen Moment.

Herzlichen Glückwunsch, so weit hatte es bisher noch niemand geschafft.


Amúr schien wirklich aufgeregt. Die Augen und Ohren der Kleinen schienen überall gleichzeitig sein zu wollen, die kleine Welpin wollte die ganze große Welt in sich aufnehmen. Banshee überlegte sich, ob es vielleicht eine gute Idee wäre, mit Amúr noch einmal in die Höhle zu gehen, um sie nicht ganz so zu überfordern. Aber ihre Enkelin sah schon wieder mit einem Ausdruck zu ihr hoch, der verriet, dass sie schon wieder etwas entdeckt hatte. Tatsächlich kam dann auch ihre Bitte, die die weiße Leitwölfin zum Stirnkrausen brachte. Sie saß auf jemandem? Es fühlte sich ganz so an, als wäre nichts anderes als Gras und Erde unter ihr. Was auch immer Amúr entdeckt haben mochte … es war wohl eine Welpenspielerei. Natürlich ging Banshee dennoch darauf ein, lächelte ein wenig und erhob sich dann, einen Blick auf ihren Sitzplatz werfend. Plattgedrücktes Gras, ansonsten war da nicht viel. Mit einem Schmunzeln sah sie wieder zu Amúr.

“Schau, da ist nichts.“

Trotzdem setzte sie sich jetzt neben ihren in Gras gedrückten Abdruck. Amúr vorerst mit diesem alleine lassend, wandte sie sich Kaede zu, die jetzt mit einigen weiteren Welpen aus der Höhle kam. Es war schön, ihre Freundin so glücklich zu sehen. Sanft erwiderte sie den Druck der Grauen in ihrem Fell und berührte sie wortlos dankbar mit der Nase an der Stirn. Jemanden wie die Blinde an ihrer Seite zu wissen, erfreute sie immer wieder. Doch lange hielt diese Freude nicht. Chanuka kam auf sie zu gehüpft, was an sich sehr schön war. Weniger schön waren die Worte, die sie unvorbereitet trafen. Mama … sie war nicht seine Mutter. Und was an ihm falsch war … nichts. Und doch zu viel für Tyraleen. Gerne hätte sie dem Kleinen verboten, sie Mama zu nennen, aber wie sollte sie das tun? Wie hätte sie ihrem Enkel jede vertraute Person nehmen können? Sie hatte ihm Tyraleen als Mutter genommen, dann durfte sie ihm nicht auch noch sich selbst nehmen. Außerdem liebte sie ihren kleinen Enkel schon fast wie einen Sohn, zog sie ihn doch so auf.
Sanft fuhr sie ihm mit der Zunge über den Kopf und zog ihn dann ein wenig näher an sich heran. Ihr Blick huschte von Kaede zu Nyota, dann lag er wieder ruhig auf ihrem Ziehsohn, ohne eine gute Antwort parat zu haben. Natürlich war in jedem Fall die Wahrheit das Beste, doch wie sollte sie ihrem Enkel Fenris erklären und Tyraleens auszubildenden Geist? Das konnte ein kleiner Welpe doch noch gar nicht verstehen. Also doch nicht die Wahrheit …

“Es ist nichts falsch an dir, mein Kleiner. Nur anders. Und deshalb bist du etwas Besonderes und darfst bei mir leben.“

Sie war sich nicht sicher, ob es nicht schöner für ihn wäre, bei Tyraleen sein zu dürfen … ziemlich sicher wäre es das, auch wenn sie sich bemühte, wie eine Mutter für Chanuka zu sein. Noch einmal gab sie ihm einen Kuss auf die Stirn, dann wuselten auch schon weitere Welpen zu ihnen. Der kleine Ciradán und Liel, beides Welpen von Kaede. Ihr jüngster Sohn schien von der großen weiten Welt nicht sehr angetan, Liel dagegen wirkte ganz normal. Auch wenn ihre Frage sie ein wenig traf, schließlich wollte sie fröhlich sein.

“Nein, Liel, mir gefällt es sehr, was ich sehe. Und ich bin nicht länger betrübt.“

Tatsächlich lag wieder ein ruhiges Lächeln auf ihren Lefzen, während ihr Blick bei ihrem Ziehsohn verharrte.


Shani Caiyé lag etwas Abseits, den Kopf auf die Pfoten gelegt und betrachtete das Spektakel. Immer wieder wischte ihre Rute durch das Gras und jeder neue Welpe, der sich blicken ließ, ließ ihr Herz etwas schneller schlagen. Sie erinnerten sie so sehr an ihre eigenen. Auch wenn deren Start ins Leben so ganz anders verlaufen war – sie waren dennoch fünf genauso fröhliche, quirlige und verspielte Welpen gewesen, die nichts mehr wollten, als lieben und geliebt zu werden. Mittlerweile waren ihre Kinder Jungwölfe, die immer seltener bei ihrer Mutter waren. Fast sehnte sich Shani die Zeit zurück, als sie dauernd umlagert von ihren Welpen gewesen war … sicher hatte es sie oft genug viele Nerven gekostet, trotzdem war sie glücklich gewesen. Jetzt war sie plötzlich alleine – eine Situation, mit der sie nicht zu Recht kam. Umso mehr hatte es sie natürlich gefreut, als Tyraleen sie gefragt hatte, ob sie eine Patenschaft für einen ihrer Welpen übernehmen wollte. Natürlich hatte sie das gewollt. Endlich wieder einen Welpen hüten und das mit dem Wissen, der Mutter viel Last von den Schultern zu nehmen. Jetzt fragte sich die Weiße, wer von den vielen Fellbällen wohl ihr kleiner Patensohn werden würde … vielleicht der ganz Schwarze bei Madoc? Oder der Graue, der Ilias angefallen hatte? Womöglich der seltsam gezeichnete Schwarz-Weiße? Shani würde sich über jeden freuen und ihm all die Liebe geben, die weder Gefährte noch Welpen mehr einforderten. Und das war eine Menge.
Wann wohl die Zeremonie beginnen würde? Shani überlegte sich gerade, sich aufzurichten und ein wenig näher zu kommen, um sofort da zu sein, wenn Tyraleen und Averic sie rufen würden. Doch eine Berührung, ein Geruch, eine Gefühl hielt sie davon ab, ließ sie erstarren und wie elektrisiert hoffen, dass sie nicht träumte. Hiryogas braune Pfoten standen neben ihr, sie spürte seinen Körper über sich, seine Schnauze in ihrem Fell. Sie konnte sich kaum rühren, in der Angst, ihr Gefährte würde wieder verschwinden, wenn sie versuchte, den Kopf zu ihm zu drehen. Doch schon flüsterte er ihren Namen, knabberte an ihrem Ohr, gab ihr während dieser wenigen Herzschläge so viel Liebe, dass sie sie kaum fassen konnte. Langsam drehte sie ihren Kopf, fing den Blick aus den grasgrünen Augen des Braunen auf und begann dann zu strahlen. Wild wischte ihre Rute durch das Gras, ihre Augen leuchteten wie tausend Sterne.

“Hiryoga!“

Noch immer schien sie es nicht ganz fassen zu können, dass er wirklich hier über ihr stand. In einer schnellen Bewegung drehte sie sich auf den Rücken, pfotete nach seiner Schnauze, lachte auf und winselte gleichzeitig.

“Du bist wirklich wieder da …“

Sie versuchte im Liegen sein Ohr zu erreichen, schaffte es aber nicht und schnappte als Ersatz liebevoll nach seinem Brustfell, zerzauste es und musste wieder lachen. Vergessen waren die dunklen Stunden, in denen sie sich einsam gefragt hatte, wo ihr Gefährte war, warum er ohne ein Wort verschwunden war. Jetzt stand er hier bei ihr und das reichte. Ihr Kopf drückte sich an seinen linken Lauf, dann deutete sie in einer umständlichen Bewegung hinter sich auf den Rudelplatz.

“Schau nur, du bist Onkel geworden. Und hast eine Cousine bekommen. Und stell dir vor, wir werden Paten! Oh, unsere Welpen, sie sind so groß geworden. Schau nur, da, Rakshee und Jakash … sehen sie nicht schon schrecklich erwachsen aus? Sie werden jetzt auch Paten, stell dir das vor. Und Rakshee, sie wird zur Priesterin ausgebildet! Unsere Tochter eine Dienerin Engayas. Ist das nicht wundervoll?“

Eigentlich wurde ja nur Shani Patin, aber teilten sich nicht auch Nienna und Ilias einen Patenwelpen? Shani hatte nichts dagegen, nur halbe Patin zu sein, solange Hiryoga nur bei ihr blieb und mit ihr zusammen seine Welpen und seinen Patenwelpen aufwachsen sehen würde.

Atalya
13.05.2011, 14:53

Sie sah zu wie Banshee aufstand jedoch ihr mitteilte dass da nix sei. aber das konnte einfach nicht sein. sie hatte die stimme doch deutlich gehört. Ihre Nase krauste sich während sie näher an den Plattgedrückten Fleck Gras heranstolperte und sich ihn näher ansah. DA! Da bewegte sich doch etwas im Gras, halb mit Erde bedeckt wand sich ein Rosa-braunes Wesen aus dem Erdreich heraus und piepste schimpfend vor sich hin. Neugierig wie Welpen nunmal waren, trat Amúr noch näher heran und schnupperte an diesem Tier.

"Oh...

Er hatte also um Hilfe gerufen. Nachdenklich bewegte sie die Ohren und überlegte eine weile ehe sie ihre Nase senkte und das Maul öffnete.

"Krieff rffein

Gab sie dem Regenwurm genuschelt zu verstehen. Sofort, jedoch langsamer als sie gedacht hatte kam dieser ihrer Aufforderung nach und sie hob ihn hoch, nur wohin sollte sie ihn jetzt bringen? Unsicher kreiste ihr Blick bis sie ein Gebüsch entdeckte, dort war keiner, die Erde darunter unberührt. Vielleicht würde sich der Wurm dort wohlfühlen. Mit schaukelnden Bewegungen hoppelte die Weiße Welpin los um dem Wurm ein neues Zuhause zu ermöglichen. Dort angekommen, nach einer Zeitspanne die ihr unerträglich lang vorkam, senkte sie den Kopf und entließ den glitschigen Wurm auf die Erde


"Hab dank. hier gehts mir wieder besser, es ist toll hier

Toll? Was sollte an Erde und Matsch denn toll sein? Andererseits....er sah nicht aus wie ein Wolf und hatte daher vielleicht andere Vorstellungen als sie. Wie auch immer. sie verabschiedete sich höflich und wackelte zurück zu Banshee um ihr von dem langen rosa Wesen zu erzählen dass sie herumgetragen hatte

Rouku gähnte und seine Ohren zuckten aufgeregt. So viele Welpen auf einen Haufen hatte der Rüde noch nie gesehen, doch sie waren alle entzückend. Seine Augen erforschten alles um ihn herum, es waren anscheinend alle sehr verzaubert von ihnen. Dieses Rudel war groß, dessen war sich der braune Rüde bereits bewusst. Die beiden Fähen Isis und Cumará hatte er seit der Geburt der vielen Welpen nicht mehr gesehen. Aber so konnte er einen Moment allein sein, aber ob er das auch wirklich wollte?

Seine Gedanken schwirrten wieder über seine Schwester Chaiwa. Wie sehr er sie doch vermisste! Seine kastanienbraunen Augen glitten hinauf zum hellblauen Himmel wo die Sonne leicht strahlte und den Wölfen von ihrer Wärme gab. Ein erneutes Gähnen trat über seine Lippen und er bettete seinen schmalen Kopf auf dessen Voderpfoten.


Sie war wirklich gespannt, wie der Weiße auf ihre letzte Frage antworten würde. Es war mehr eine Scherzfrage gewesen. Aber man konnte ja nie wissen. Sie kannte ihn nicht – er kannte sie nicht. Aber mussten sie in einem Rudel nicht alle Freunde sein? Aber das war kein Thema für eine kleine Welpin. Also hechelte die Kleine munter, während ihre Rute wieder über den Boden wischte. Er stubste sie an, was sie natürlich als freundliche Einladung sah. Grinsend sah sie sich für einige Herzschläge um. So viele Wölfe. Und die meisten kannte sie nicht, keine Namen und nichts. Aber das würde sie schon noch früh genug ändern. Mit den Ohren durch die Luft schnippsend wandte sie sich also wieder den Weißen zu. Und der wirkte nun irgendwie abwesend. Sie verstand nichts von dem Ausdruck, der in den roten Augen lag. Also neigte sich der Kopf der Grauen zur Seite, ihr Fang klappte zu. Und dann stellte er sich vor. Natürlich konnte sie das nicht wissen! Er war ja nie in der dunklen Höhle gewesen. Und ihre Mama hätte ihn wahrscheinlich eh nicht zu ihnen gelassen. Zumindest glaubte sie das. Madoc hieß er also. Gut, den Namen würde sie sich ganz sicher merken. Und kaum hatte er zu Ende gesprochen, lächelte er. Hah! Sie hatte ihn! Stolz, dass sie ihn zum Lächeln gebracht hatte, stand sie nun wieder auf allen vier Läufen, machte einen Schritt auf den Weißen zu. Seinen Worten lauschte gesellte sie sich an seine Seite, legte die Vorderpfoten auf seinen Rücken und befand sich mit einem kleinen Sprung auf seinem Rücken.

“Versprichst du mir das?“

Ganz vorsichtig bewegte sich die Graue zu seinem Kopf, schnappte spielerisch nach seinem Ohr und zog vorsichtig daran. Ein leises, nicht böse gemeintes, Knurren verließ ihre Kehle, während sie sein Ohr wieder los ließ. Nun sank sie zurück, ließ sich auf seinem Rücken auf die Hinterläufe sinken.

“Erzählst du mir eine Geschichte, Madoc? Du kennst bestimmt ganz tolle!“


Shákru Minor grinste gehässig und seine Blicken ruhten auf dem Welpen vor ihn. Der Kleine war ganz schön hochnäsig und schien nicht wirklich was von den Anderen zu halten. Rache? Das war doch die Chance sich bei Averic zu rächen. Geduldig wedelte die Rute der kleinen Sternenleier umher, peitschte etwas Sand in die Luft.

"So so, du möchtest also abhauen... Vielleicht solltest du wirklich warten bis du es darfst. Das ist um einiges unkomplizierter und du musst dich nicht unständlich davon schleichen. Meine Ruhe hast du gestört, Kleiner.
Aber schlimm ist es nicht, ganz im Gegenteil. Ich scheint fast, das Schicksal hat dich in meine Pfoten gespielt."


Minor Blick aus den grünen Augen wanderte wieder zum Rudelplatz. Er achtete daruf, nicht zu auffällig Averic anzusehen. Ganz im Gegenteil, er mied den Rüden. Tascurio stelle interessante Fragen. Shákru überlegte kurz.

"Ich wäre wahrscheinlich wirklich anders, denn meinen Namen gab man mir nicht ohne Grund."

Tja, Shákru Minor, kleine Sternenleier. Sollte er es wirklich wagen... sollte er? Naja, es verbot ihn niemand. Keiner, er konnte Ketzer sein wie er wollte und wenn Tascurio so fragte... warum nicht?

"Weil sie unwissend sind, Tascurio. Neben ihrer Albernheit sind sie einfach nur dumm und es gefällt mir, dass dir dein Vater egal ist. Weißt du, ich hab mich mit ihm sehr zerstritten, weil ich nicht an ihre Götter glaube und er mir wirklich mit seiner Arroganz tierisch auf den Sender geht. Du scheints aber seinen Weg einzuschlagen, Tascurio. Na ja, er benimmt sich, als wäre er ein Alpha."

Shákru Minor kicherte gehässig in sich hinein und grinste so sehr, dass seine spitzen Zähne hervor blitzten.

"Ich glaube nicht an Götter Tascurio. Ich bin ein Ketzer und glaube an andere Kräfte. Engaya und Fenris sind für mich Nichts."

Jetzt war es aussgesprochen und Shákru wartete gespannt, was der Kleine nun von sich geben würde.


Noch während Kylia ihre Wunderkralle drehte und innerlich hoffte, dass sie es schaffen würde, Neruí zu begeistern, wuselte ein dritter Welpe zu ihnen. Der Kleine sah seltsam aus, das zweifarbige Fell war voller Muster und Zeichen. Wenige Sekunden starrte die Braune ihn an, dann fasste sie sich wieder und holte sich ihr Lächeln zurück. Der junge Rüde versuchte sich hinter Neruí zu verstecken, allerdings recht erfolglos, sodass er es gleich wieder aufgab und sich ihr zuwandt. Oh nein, noch mehr zaubern. Unsichtbar machen war so eine Sache … die Kylia ganz bestimmt nicht konnte. Also etwas anderes einfallen lassen. Ohhh, sie hätte nicht gedacht, dass es so anstrengend werden würde, Welpen zu unterhalten. Irgendwie hatte sie sich vorgestellt, ihnen einen Stock geben zu können und damit wären sie dann einige Stunden beschäftigt. Das sah gar nicht so aus. Doch ihre besorgten Gedanken wurden von einer wild wackelnden Neruí abgelenkt, die scheinbar voller Begeisterung für das Zaubern war. Zaubern beibringen. Uh nein. Turién verlieren lassen, Chardím unsichtbar machen … das waren aber viele Dinge auf einmal. Kylia versuchte erstmal Namen zu zu ordnen, Turién musste der bei Ilias sein, Chardím der mit dem seltsamen Fell und Krolock … Krolock kam wohl gerade wie wild auf sie zugewetzt! Kylia sah ein wenig verwirrt dem schwarzen Fellball entgegen, der wieder mal vor ihr auf die Nase flog. Was bei Neruí begeisterte Schreie auslöste. Na … Zaubern war ja einfach. Eigentlich konnten sich die Welpen ja sogar alleine unterhalten. Zumindest ein wenig. Kylia entschied, sich wieder zu Wort zu melden.

“Wisst ihr, Unsichtbarmachen ist seeeehr schwierig. Das geht nicht so schnell. Aber Erwachsene können euch auch einfach so verstecken.“

Mit einer schnellen Bewegung schob sie sich vor Chardím, sodass Neruí und Krolock ihn nicht mehr sehen konnten. Dem kleinen Schwarz-Weißen zwinkerte sie zu und grinste dann wieder zu Neruí.

“Siehst du, schon ist er weg. Und anderes Zaubern ist ganz einfach, du hast das schon richtig toll gemacht.“

Ja, irgendwie klappte das schon. Und zum Glück nahte da auch schon Verstärkung, Amiyo gesellte sich zu ihr. Sie erwiderte seinen Kuss mit einem kurzen Lecken über seine Nase und blinzelte zu den drei Welpen bei sich.

“Schaut nur, wer da zu uns gekommen ist. Amiyo, er hat sich einmal ganz groß gezaubert, sodass er jetzt größer als alle anderen Wölfe ist.“

Sie zwinkerte ihrem Gefährten zu und freute sich schon auf die Reaktionen der Welpen auf den großen Grauen. Und auf Amiyos Reaktion, wenn er Neruí das Großzaubern beibringen sollte. Welpen waren anstrengend, aber es war einfach schön, mit ihnen zu spielen.


Abseits der Welpen hatte sie sich niedergelegt, den Blick der Hellen Augen abgewandt. Dennoch nahmen ihre Ohren jedes Geräusch auf welches hier herüberschallte. Und es schmerzte so sehr. Das machte ihr nur wieder ihr eigenes Versagen bewusst. Es machte ihr bewusst, dass sie verloren hatte. Oh wie sie die Mütter beneidete die nun dort waren und ihren Kindern zusahen wie sie die Welt entdeckten. das hatte sie nicht gekonnt, denn ihre Welpen hatten niemals geatmet. Sie war schuld daran. Verzweiflung wallte in ihr auf und machte sich mit einem Seufzen Luft. Ach wäre das doch nie geschehen....aber dann hätte sie auch Cyriell nie kennengelernt.
Wie gerne würde sie zu den Welpen gehen, sie ansehen aber sie war einfach nicht bereit dafür. Vielleicht würde sie es auch nie sein.....es tat einfach zu weh. Sie war eine unfähige Mutter. sie hatte ihre eigenen Kinder im Mutterleib erstickt. Natürlich war es nicht ihre Schuld aber wessen Schuld sollte es sonst sein? Wer außer ihr selbst?


Cyriell saß mit den meisten anderen Rudelmitgliedern bei der Welpenhöhle und beobachtete das Treiben der Welpen. Still wanderten seine Augen über die kleinen Körper, und ein sanftes Lächeln umspielte seine Lefzen. Nur einmal nahm er seinen Blick von den schier winzigen Wölfen, als Aryan sich neben ihm erhob und sich zu Tyraleen und einigen anderen gesellte. Cyriell sah ihm nur nach, doch sein Läecheln wuchs etwas. Sein Bruder würde Pate werden. In gewisser Weise wr das für den Schwarzen und seine weiße Gefährtin Daylight eine Art Generalprobe für eigene Welpen. Und somit auch für ihn als zukünftigen Onkel. Irgendwie freute er sich sogar schon auf den Tag, da sein Bruder eigene Welpen haben würde. Für sich selbst konte er sich das allerdings noch nicht vorstellen. Dafür müsste er ersteinmal eine Gefährtin finden, und DAS würde so schnell wohl eher nicht passieren. Dieses Rudel war zwar groß und die meisten Wölfe waren auch freundlich, aber der Graue war noch keiner Fähe begegnet, die er sich als Gefährtin hatte vorstellen können oder wünschen wollen. Vermutlich, so überlegte er, war er einfach noch zu jung dafür. Es konnte ja nicht jeder so frühreif sein wie Aryan. nagut, er war mittlerweile zwei Jahre alt... aber trotzdem...
Cyriell Blick weilte auf den Welpen, und immer wieder flochten sich Bilder aus seiner eigenen Welpenzeit in seine Gedanken mit ein. Hoffentlich endete sie für diese Welpen nicht so abrupt wie für ihn damals. Hoffentlich mussten sie niemals ihre Angehörigen suchen, ohne zu wisen, ob sie sie je finden würden. Nun, seine Suche war erfolgreich gewesen. Ein Gedanke, der ihn zu Ruiza brachte, der Fähe, der er am Tag seiner Ankunft hier getroffen hatte. Am Tag des Endes seiner Suche. Wo steckte sie eigentlich gerade? Cyriell hatte sich so sehr daran gewöhnt, dass die Weiße oftmals in seiner Nähe weilte, dass ihm ihr Fehlen jedesmal auffiel. Suchend sah er sich um und entdeckte Ruiza schließlich abseits aller anderen. So allein, und so wie sie dalag, wirkte sie irgendwie verloren. In letzter Zeit schien ihr das häufiger so zu gehen, doch hatte er sich nie getraut, sie danach zu fragen. Vielleicht... vielleicht... Cyriell erhob sich und verließ langsam die Reihen der Wölfe. Gemächlich schritt er auf die weiße Fähe zu. Das Lächeln war noch immer da, sein Blick hatte jedoch etwas Trauriges angenommen.

"Hey..",

grüßte er sie mit ruhiger, leiser Stimme. Er hoffte, dabei aufmunternd zu klingen.

"Magst du gar nicht bei den anderen sitzen?"

Naja, es war offensichtlich, dass sie das nicht wollte - aber er wusste nicht recht, wie er dieses Gespräch sonst beginnen sollte...


Trotz all ihrer Verzweiflung und ihres Kummers wünschte sie sich Engelsauge wäre hier...und als hätte man sie erhöhrt kam er auch schließlich zu ihr. Mit wehmütigem Blick sah sie zu ihm auf, den Kopf noch immer auf dem Boden liegend.

"sie sind fort....

völlig zusammenhanglose wirre Wörte strömten aus ihr heraus und ihre Augen glitzerten verdächtig aber sie wollte ihn nicht so in ihre missliche Lage reinziehen. es kümmerte ihn bestimmt nicht. warum sollte es auch? sie beide kannten sich ja kaum auch wenn sie so oft beieinander gewesen waren. Und sie hatte ihn jedes Mal vermisst wenn er nicht bei ihr gewesen war. Sie war allein. einsam unter vielen. Er jedoch hatte Aryan, seinen Bruder, und dessen Gefährtin Daylight. Und sie? bloß erinnerungen an Shun und ihre toten Welpen. Ein Wimmern entriss sich ihrer Kehle, verstockt und erstickt, zurückgehalten. Sie wandte den Blick von dem Grauen ab und versank wieder in Apathischer Trance


Ein kalter Luftzug legte sich um den kleinen Körper des Schwarzen. Das Nackenfell sträubte sich, nicht aus irgendeiner Boshaftigkeit, sondern weil es ihm fröstelte. Sein Vater war erschienen. Ohne Zweifel, er war es. Ein groß gewachsener Rüde mit einer stattlichen Figur und unzähligen Narben. Er hatte sich neben ihn gelegt und hatte ihn als sein Sohn begrüßt. Urion. Sein Vater. Ein mattes Lächeln zierte die kleinen Lefzen. Eigentlich freute er sich riesig, sein Papa. Doch die erste Begegnung wurde etwas gedrückt. Es war zum Teil die Enttäuschung, dass er seinen Erzeuger erst jetzt sah, während alle Anderen ihren Vater bei sich hatten. Aber da war noch was. Etwas, was sich Krolock nicht erklären mochte. Ein Schauer, eine Ahnung. Es rief ihn zu sich und stieß ihn vor Widerlichkeit ab. Wie eine verbotene Untat. Sie war nicht passiert und stand dennoch präsent vor ihm.
Der kleine Rüde legte die linke Pfote auf die Schnauze seines Vaters. Kurz, sacht. Als wolle er eine Antwort auf eine unausgesprochene Frage geben. Zog sie allerdings gleich wieder weg. Die gedrückte Stille hielt nicht lange, denn nun umwog ihn ein stolzes Gefühl, ein Gefühl von tiefer Zufriedenheit und Freunde. Gleich, was er noch eben empfand. Er freute sich.

“Papa, da bist Du ja. Endlich“,

lachte er mit seiner hellen Stimme und stieß den Vater sacht in die Seite.

“Wo warst Du?“

Die blauen Augen durchdrangen die Grünen. Sein ehrlicher und forschender Blick suchte nach Antworten und wollte wissen, was passiert war oder was den Vater beschäftigte. Verfolgte den Blick in Richtung der Mutter- Moment! Da war auch Ciradán. Der hatte sich tatsächlich getraut? Ein schallendes Lachen, hell aber scharf, verließ seine Kehle.

“Sieh mal, Papa, Hasenfuß ist auch draußen.“


Tascurio setzte sich geduldig und blickte dem Rüden ins Gesicht. Er hatte nicht vor, sich ewig an die Regeln seiner Eltern zu halten, er wollte sie brechen, allein weil er sich von ihnen gefangen fühlte. Aber er war kein dummer, naiver Welpe, der sich der Gefahren nicht bewusst war. Er war nur neugierig und liebte die Einsamkeit.

“Das Leben besteht aus warten. Aber worauf eigentlich? Wenn ich irgendwann alt genug bin, allein fort zugehen, worauf werde ich dann warten? Auf die Erfüllung meiner Träume? Oder wartet man eigentlich gar nicht auf solche Dinge, sondern nur auf das Ende?“

Und was war überhaupt das Ende? Es war typisch für Tascurio, dass er sich sehr gewählt ausdrückte und nicht im üblichen Welpenslang daher quatschte. Er kannte die genaue Bedeutung dieses Charakterzugs nicht, es schien ihm nur ehrlicher und damit besser passend.

“Ich glaube kaum, dass das Schicksal viel mit unserer Begegnung zu tun hat. Nicht mehr, als die Tatsache, dass du hier lebst und ich hier geboren wurde.“

Die seltsame Bemerkung dazu, dass er Shákru zugespielt wurde, nahm er zwar zur Kenntnis, ging aber nicht weiter darauf ein. Er hatte die Aussage ohnehin entkräftet, schließlich war es seine Entscheidung gewesen, hier her zu kommen.

“Was bedeutet dein Name denn?“

Fragte er. Wenn sein Gegenüber glaubte, dass er anders gewesen wäre, wenn man ihn anders genannt hätte, musste der Name doch eine entscheidende Bedeutung haben, oder? Abwartend blickte er seinen Gesprächspartner an, der ein bisschen nachdenklich schien. Dann offenbarte er ihm, dass er sich sehr mit Averic zerstritten hatte, weil er nicht an Engaya und Fenris glaubte. Tascurio legte nachdenklich sein Köpfchen schief. Er wirkte beinahe wie ein unschuldiger, süßer, kleiner Welpe. Wenn er nicht er gewesen wäre.

“Die Ähnlichkeiten trügen nur, Shákru Minor. Ich habe mit keinem der Wölfe allzu viel gemeinsam, wenn man davon absieht, dass wir alle atmen und ein schlagendes Herz in der Brust haben. Da mögen ein paar Kleinigkeiten sein, die beinahe identisch wirken, aber das ist nur Illusion. Zugegeben kann ich dir kaum sagen, wie mein Vater so ist, ich kenne ihn kaum und viel wird sich daran sicher nie ändern… aber seinen Weg werde ich nicht einschlagen können. Um sich wie ein Alpha zu benehmen, muss man den Kontakt zu anderen Wölfen suchen und das werde ich nicht mehr tun, wenn ich alt genug bin, um auf eigenen Pfoten zu stehen.“

Er war vollkommen überzeugt davon. Es war nicht nur so, dass er den Regeln trotzen wollte. Tascurio hatte nicht vor, je ein Rudelwolf zu werden. Er konnte es gar nicht sein. Dazu waren ihm die Wölfe zu wider. Wenn sie ihm seine Ruhe gelassen hätte und der Kontakt aus solchen Gesprächen wie diesem hier bestanden hätte, wäre es ertragbar gewesen. Aber das würde nur von seiner Seite aus gehen. Er saß einfach hier, unterhielt sich angeregt mit Shákru, ohne dabei die geringste Sympathie zu verspüren. In diesem Bezug fühlte sich alles in ihm sehr kalt an, wenn er dann wieder an den Himmel und die Blumen dachte, erstrahlte sein Leben in hellem Licht. Vielleicht war er zum Einzelgänger geboren worden.

“Deine Einstellung zu den Göttern finde ich sehr interessant. Hat dich mein Vater einen Ketzer genannt? Ich verstehe nicht ganz, wieso man an Engaya und Fenris glauben müssen sollte. Dass ist doch jedem selbst überlassen. Die Kräfte die um uns wirken sind unterschiedlich… Gottheiten sind nur ein winziger Teil davon. Du scheinst an das Schicksal zu glauben, es sei denn ich habe die Ironie aus deinen Worten vorher überhört. Für mich macht beides keinen großen Unterschied. Ob Engaya und Fenris, oder Schicksal, das ist eigentlich das Gleiche. Etwas jenseits unserer Macht, das uns leitet und uns bestimmt. Wenn du nicht glaubst, glaubst du nicht. Ich verstehe davon nichts. Ich kann mir nicht vorstellen, nicht zuglauben. Für mich ist es ganz selbstverständlich, dass diese beiden Gottheiten Realität sind. Genauso wie das Schicksal für uns einen Pfad malt, am Tag, an dem wir geboren werden. Ich denke aber auch, dass man von diesem Pfad abweichen kann. Dafür sorgt das Schicksal vor. Deshalb gibt es von dem Pfad unzählbar viele weitere Pfade, die ebenfalls unzählbar viele weitere Pfade haben. Irgendwo in dieser unvorstellbaren Größe ergibt vermutlich alles einen Sinn. Das Schicksal ändern kann man, man kann ihm aber nicht entkommen.“


Lächelnd bemerkte Ilias, wie Turién ihn musterte, sich wirklich konzentrierte, da plötzlich seine Rute aufhörte zu wedeln. Und Ilias Lächeln wurde zu einem breiten aber nett gemeinten Grinsen, als der Welpe vor ihm große Augen bekam und sich wunderte woher Ilias etwas über ihn wusste.

o0 Zu süß der Kleine 0o

dachte Ilias, in dem Moment als Turién an sich runterschaute, um die Ähnlichkeit mit seinen Eltern festzustellen.

"Nun, woher ich das weiß? Ich bin hier schon eine ganze Zeit lang, habe dich auch schon vor kurzem gesehen. Und ja, man erkennt sofort, dass deine Mutter Tyraleen ist, deine Augen, dein weißes Fell"

dann dachte er kurz nach.

"Und auch deinem Vater siehst du ähnlich"

ergänzte er noch schnell.

"Ich bin Ilias und wohl schon ein ganzes Stück älter als du. . . Aber wenn du jemals spielen oder kämpfen willst, wie du es nennst, kannst du jeder Zeit gerne zu mir kommen. Auch wenn du Fragen hast."

Freundlich lächelte Ilias dem Welpen zu. Kurz darauf erzählte der Kleine ihm, worauf er hinaus wollte. Er wollte Alpha werden, ganz klar. Er wusste wohl nicht, dass er es wird, indem man einen nichts bedeutenden Rüden im Rudel besiegt. Den Fang von Turién an seinem Lauf nahm er gar nicht wahr, wollte dem Kleinen aber nicht einfach enttäuscht dastehen lassen und ihm zeigen, dass so was auch weh tun kann und somit nicht unbedingt immer etwas gutes ist.

"Aua"

wuffte Ilias kurz auf, und legte sich dann zu Boden um ihn seine Unterwürfigkeit zu zeigen. Doch direkt darauf stupste er den Welpen an, in der Hoffnung er würde auch zu Boden gehen, jedoch eher Plumpsen als fallen, damit er sich nicht wehtun würde. Deshalb stupste er ihn auch nur so leicht an, wie es Ilias nur irgendwie gelang.

"Ich finde es toll, dass du jetzt schon so große Pläne hast und ich fände es noch toller, wenn du daran fest hältst. Träume sollte man nie vergessen und man wird nie zu alt für welche."

o0 Nienna, ich vermisse dich. Ich sehe dich in meinen Träuimen und Träume sind das Wichtigste 0o

Verträumt schaute er Turién zu. . .


Mit leicht schief gelegtem Kopf, ruhigem Blick und aufmerksam aufgestellten Ohren, lauschte die Graubraune der Schwarzen. Schon von Anfang an, hatte sie erkannt, dass diese Fähe keineswegs böse war, sondern einfach nur falsch verstanden – oder wie an auch sagen würde, falsch angepackt wurde. Schon zu Beginn hatte Agkül eine seltsame Welle von Sympathie der aggressiven Fähe gegenüber verspürt, auch, wenn jeder ‚normale’ Wolf ihr vielleicht die kalte Schulter zugedreht hätte. Ein sanftes Lächeln glitt auf die schmalen Lefzen der Ruhigen und mit einem Anflug von Funkeln in ihren Augen, scharrte sie kurz am Boden herum und nickte nur, zum Zeichen, dass sie zugehört hatte.

“Da bin ich mir sicher, dass du sie besser kennst. Aber überleg doch mal. So, wie die Fährten über sich urteilen lassen, scheint grad aufgeregter Betrieb dort oben zu herrschen. Ich glaube nicht, dass ein weiteres fremdes Gesicht unbedingt förderlich für die Lage da oben ist. Von daher bin ich ganz froh, zuerst dir begegnet zu sein, auch, wenn du das vielleicht anders sehen magst...?“

Ein leicht fraglicher Ausdruck erschien in ihrem gut gelaunten Gesicht und mit einem Rutewedeln erhob sie sich und schüttelte den Staub von ihrem Fell.
Bei der Vorstellung ihres Namens, musste Agkül kurz auflachen. Nicht etwa, weil sie Amáya verarschen wollte, sondern weil sie es einfach nur komisch fand. Auch konnte ein leicht spöttischer Unterton bezüglich des Namengebers heraus gehört werden, denn wenn sie etwas nicht mochte, dann waren es wohl Wölfe, die irgendwelche Namen vergaben, ohne alle Seiten einer Medaille zu kennen.

“Tut mir leid, ich finde es nur komisch, dass dir jemand solch einen Spitznamen gegeben hat, obwohl er dich vermutlich gar nicht richtig gekannt hat..? Aber Amáya klingt schön, ich glaube, dass ich diesen Namen bevorzugen werde.“

Sie grinste, sichtlich gut drauf und setzte noch kurz einen entschuldigenden Blick auf, ehe sie wieder ihren neutralen, offenen Gesichtsausdruck auf ihre Züge legte. Mit einem Ohrenschnippen schnupperte sie erneut in die Richtung, aus der die vielen Gerüche kamen und schüttelte nur de Kopf. Nein, sie konnte sich nicht vorstellen, dass sie mit ihrem plötzlichen Auftauchen unbedingt einen guten Eindruck geben würde. Zwar verließ sie sich auf ihr freundliches, zuvorkommendes und flexibles Wesen, doch einem so großen Rudel, das auch noch Nachwuchs bekommen hatte, allein gegenüber zu treten, ohne sich irgendwie zuvor an zu kündigen, war dann doch ein etwas zu großes Risiko für die junge Fähe. Dann doch lieber mit einer Schwarzen herumhängen, die sich langsam zu öffnen schien, mit sichtlicher Freude Agkül’s.

“Damit hab ich kein Problem. Ich finde es besser, wenn sich Wölfe nicht verstellen, sondern ganz aus dem Gefühl heraus leben. Und wenn dich irgendetwas dazu gebracht hat, wütend zu sein, dann sei ruhig wütend. Die Kunst dabei ist, seine Wut nicht an denen aus zu lassen, die nicht dafür verantwortlich sind...“

Sie lächelte der Fähe freundlich zu und nickte zur Bestätigung. Ja, sie kannte das. Wenn man Luft ablassen musste, dann tat es einfach gut, Feuer zu speien, auch, wenn das manche vielleicht missbilligen mochten. Aber Agkül tat weder das eine, noch das andere. Generell machte sie sich nicht viel aus Vorurteilen und irgendetwas in ihrem Inneren sagte ihr, dass Amáya ihre Gründe haben musste, um so zu reagieren. Und diese Gründe waren nicht nur wegen ihrem Charakter allein entstanden....


Neugierig, wie Liam eben war, war er die letzten Schritte zum Rudelplatz vorgelaufen, er konnte es gar nicht erwarten die Welpen zu sehen, die nun endlich geboren waren und auch alt genug waren, um aus der Höhle zu kommen. Lange Zeit war er mit Kandschur, Aradis und Kisha unterwegs gewesen. Viel war in der Zeit bei ihnen passiert, Kisha war zurückgeblieben, wollte noch ein wenig alleine umherstreifen, aber Aradis war mit ihnen beiden zurück zum Rudel gekehrt.
Ja, und er und Kandschur hatten sich ein Versprechen gegeben, das sie für immer zusammenhalten würde. Wieder stahl sich das verliebte Grinsen auf seine Lefzen, er fiel ihm schwer dieses zu unterdrücken, doch eigentlich sah er auch gar keinen Grund, dies zu tun. Schließlich konnte jeder wissen, wie glücklich er mit dem Rüden an seiner Seite war. Und die, die dies nicht verstehen konnten und vielleicht auch nicht wollten und es somit abwerteten, waren ihm egal. Jeder musste seinen Weg wählen dürfen und dies war sein Weg. Gemeinsam mit Kandi und Buddha würde er diesem Pfad folgen und auf ihm wandeln, bis an die Grenze zu seinem neuen Leben.
Er hüpfte vergnügt in die Luft. Wäre er noch ein wenig kleiner und zierlicher gewesen, hätte man ihn auf für einen Welpen halten können. Er blickte zurück, konnte Kandschur nicht mehr sehen, aber er war sich recht sicher, dass auch Kandschur den Weg zu ihnen noch finden würde.
Als sich die Bäume öffneten und die Lichtung sich zeigte, auf der der Rudelplatz war blieb er staunend stehen. Wie wunderprächtig die Landschaft ohne den vielen Schnee aussah! Das Wasser glitzerte hinter den ganzen Wölfen verführerisch, im Sommer würde es ein wunderbarer Platz zum schwimmen sein. Aber noch mehr ließ ihn das Gewusel auf dem Platz staunen. So viele Welpen!
Er bellte vor Freude auf und fing dann an auf die Wölfe zuzusprinten, ehe er sich etwas besann und langsamer wurde. Er wollte ja nicht auf irgendeinen kleinen Welpen treten! Wobei, bei seiner Größe würde er die kleinen Würmchen nicht so schnell übersehen können, es war doch schon praktisch, wenn man nicht gerade zu den größten Wölfen zählte. Langsam lief er an Banshee und ihrer Schwester vorbei, die inmitten einem kleinen Getümmel stand, da wollte er sich nicht auch noch zugesellen. Er ließ seinen Blick schweifen. Überall waren Welpen. Einige standen unsicher in der Gegend herum, andere drückten sich ängstlich an ihre Eltern und wiederum andere sprangen wie wild in der Gegend herum. Wie herrlich!
Liam packte ein Gefühl, was er nur allzu gut kannte und freudig sprang er mit allen vieren gleichzeitig in die Luft. Er wusste nicht, was die anderen Wölfe von ihm denken würden, aber noch nie hatte ihn dies sonderlich gekümmert. Ach, und die Welpen, die störte es bestimmt nicht, benahmen sie sich bei Zeiten doch genauso, wie er es gerade tat. Er blickte weiter und sah in der Nähe einen weißen Wolf mit einem kleinen grauen Welpen stehen. Er erinnerte sich, dass der Jungwolf Madoc gerufen wurde. Anscheinend unterhielt er sich gerade mit der kleinen, entzückenden Fähe vor sich. Er blinzelte und blicke wieder zu den beiden. Es war ein lustiger Anblick, der reinweiße Madoc mit den roten Augen und die kleine Fähe, die ihn munter anblickte. Wenn ihn seine Erinnerungen nicht trübten, war Madoc ein nicht sehr freundlicher Artgenosse, doch davon war in diesem Moment nicht viel zu sehen. Wie so kleine Würmchen die Großen doch verzaubern konnte. Auch er war hin und weg und konnte sich gar nicht genug umschauen, um alle Welpen zu sehen und mitzubekommen, was sie so taten. Er wedelte mit der Rute, die mittlerweile wie ein kleiner Propeller kreiste. Wie alt war er noch mal? Er ließ sich platt auf den Boden fallen und robbte von hinten an die kleine graue Fähe heran. Er blinzelte Madoc zu, hoffentlich verriet er ihn nicht! Als er die kurze Strecke zurückgelegt hatte atmete er tief ein um dann mit einem dumpfen Laut auszuatmen.

„Buh!“


Sie waren zurück. Zwar nicht in der ursprünglichen Gruppe, denn Kisha war nicht mit wiedergekehrt aber sie waren zurück und er wollte nach Kaede sehen, der Wölfin die ihm wie eine gute Freundin geworden war. Liam war schon vorgelaufen, voller Vorfreude auf den Frühling und auch auf die Welpen die es wohl nun gab. Kandschur lächelte leicht und wandte einen Kurzen Blick über die Schulter zu Aradis, sie brauchte noch ein wenig mehr Zeit als er. Er jedoch war ebenso langsamer als sein Wirbelwind Liam. Er musste sich nicht hetzen, er kam doch noch früh genug an. Zeit war etwas kostbares, man musste sich nicht hetzen. Das Leben verging dann doch nur schneller als man wollte. Sekunden verschwendet. Lebenszeit vergeudet. Und dann trat er unter den Bäumen hervor, blieb stehen und betrachtete nacheinander alle die er kannte, die er nicht kannte und die ganzen Welpen die dort herumwuselten und die Welt entdeckten. Das Zauberte ein Lächeln auf sein Gesicht. Buddha war nahe. Doch er wandte sich erneut ab und suchte mit dem Blick nach Kaede, er wollte sie als erstes begrüßen. Langsam wandte er sich um und trottete auf die graue blinde Fähe zu.

"Sei Gegrüßt Wolfsschwester


Vergnügt sprang Anubis über gewaltige Wurzeln und auf dem Boden liegende Äste. Es war schon einige Wochen her, seit er damals Shani begegnet war. Sie hatten sich ein wenig unterhalten und irgendwann hatte diese ihm dann von den Welpen erzählt. Zuerst hatte das den Weißen entzückt und er wollte die Kleinen sofort sehen. Kinder waren für ihn etwas Wunderbares, das er nur zu gerne begrüßen möchte.
Doch dann fiel ihm ein, was seine Eltern damals mit den Eindringlingen in seinen ersten Lebenswochen gemacht hatten. Die entstellten Wolfsleichen und später die, von der Sonne geblichenen, Gebeine lagen immernoch vor der Höhle, als Warnung für alle Fremden, die es wagten, sich zu nähern. So hatte er entschieden, dass es besser war, noch ein paar Wochen am Rand des Rudesreviers auszuharren. Jukka und er hatte eine kleine Höhle gefunden und da es auch genug Wild gegeben hatte, war die Zeit wie im Flug vergangen. Sie hatten das getan, was sie in den Monaten zuvor immer getan hatten: sie hatten miteinander gespielt und sich einfach des wunderschönen Lebens gefreut. Hin und wieder hatten sie einen Wolf aus dem Rudel weit hinten am Horizont laufen sehen, doch weder hatten sie ihm, noch er ihnen viel Aufmerksamkeit entgegen gebracht.

Der Winter war dem Frühling gewichen. Man konnte bereits Anzeichen erkennen, auch wenn sie noch so schwach war. Hier eine Blume, da ein Frühlingsschauer und hier ein vereinzelter Sonnenstrahl, der ihnen durch die Wolkendecke entgegenlachte. Zugegeben, noch erschien alles grau und leblos, doch der Frühling war zweifellos da, was Anubis glücklich machte. Die Welpen mussten nun schon ein paar Wochen alt sein und die Eltern nicht mehr ganz so aggressiv anderen gegenüber, falls sie es je gewesen waren. Anubis wusste das ja nicht, er hatte nie andere Wölfe als seine Eltern gekannt. Heute war es soweit, heute wollten er und der Hybride es erneut versuchen, in das Rudel aufgenommen zu werden.

Nach einiger Zeit des Toben und Laufens ließen sie den Wald hinter sich und standen am Ufer eines glitzernden Sees. Und dort war auch schon jemand anderes. Eine sandfarbene Fähe mit gelben Augen war dort und rief jemanden.
Mit erhobenem Haupt und freudig wedelndem Schweif tänzelte Anubis auf sie zu. Sie war der zweite Wolf hier, den sie von näherem sah. Genießerisch zog er die süße Frühlingsluft ein, die sie alle umgab. Er war zwar immernoch etwas nervös, doch er hatte keine größeren Bedenken. Wenn er er selbst war, würde alles gute werden.

"Einen schönen guten Tag wünsche ich dir, meine schöne Fähe."

Der Weiße machte eine Sprachpause. Er machte sich gar keine Gedanken darüber, dass sie "schöne Fähe" als schlechte Anmache verstehen konnte. In dem Fall dachte er auch gar nicht so weit, denn er war ja, wie bereits erwähnt, nicht sehr im Umgang mit Artgenossen vertraut. Er dokomentierte damit nur, was er sah und bekundete seine Freude, die er nicht wirklich in Worte ausdrücken konnte.

"Dürfte ich deinen Namen erfahren? Mein Name ist Anubis und das hier ist Jukka. Ich lebe schon seit ein paar Wochen mit meinem jungen Freund hier am Rand des Gebietes. Heute möchten wir uns euch anschließen und endlich einen festen Platz in unserem Leben finden. Die Suche hat lang gedauert, doch es scheint sich gelohnt zu haben. Das hoffen wir jedenfalls..."

Anubis blickte versonnen zum Himmel hinauf, der immernoch grau war. Doch was kümmerte ihn schon ein grauer Himmel, wenn sein Leben bunt und bewegt war?


Mit geducktem Kopf lief Kivilcím durch ein, ihm fremdes, Gebiet. Die Rute hielt er geschickt, es sah weder nach Angst noch nach Selbstbewusstsein aus. Kivilcím wurde etwas schneller als er merkte dass er sich etwas Lebendem näherte. Es war mal wieder einer der Tage, an denen er nicht wusste wie es ihm ging. Er war nicht glücklich, denn das war er nie. Und er war auch nicht traurig, denn wenn man sich jeden Tag miserabel fühlte, dann konnte man nicht mehr sagen dass man traurig war. Das war für ihn schon normal. Es war wohl schon fast zerfressend, dass er nicht wusste wie er auf jemanden reagieren sollte. Immerhin konnte er nicht antworten ohne halbtot zu klingen. Nicht einmal er war es gewohnt eine gefühlslose Antwort zu bekommen. Er, der sein ganzes Leben in der Hölle verbracht hatte, im Dreck. Ja, auch dort gab es Gefühle. Mut, Angst, Trauer, Wut, Freude, Tod. Aber war Tod ein Gefühl? Wie fühlte sich der Tod überhaupt an? Niemand wollte es ihm je sagen, doch im Jungwolfalter hatte er nicht mehr gefragt. Er hatte selbst gesucht. Hatte den Tod gesucht um ihn kennen zu lernen, war sich bewusst dass er mit seinem Leben zahlen musste. Doch er kam nicht. Und wie man sieht lebt Kivilcím ja immernoch.
Er seufzte und beschleunigte seinen Schritt, ging in einen holprigen Trab über. Sein Sinn für Leben war doch recht verwirrend. Die meisten Wölfe konnten auf Anhieb sagen um was es sich handelte, allein an schwachen Gerüchen. Doch für Kivilcím war es immer wieder das selbe. Er konnte Wölfe schon lange nicht mehr von anderen Tieren unterscheiden. Woran das lag? Nun, er wusste es selbst nicht mehr. Vielleicht weil er mit allem aufgewachsen ist. Mit jedem Lebewesen, doch der Dreck haftete an jedem und die Trauer war in allen Augenpaaren zu finden. Da konnte man schnell mal vergessen wer man selbst war. Wolf oder Hase? Hase oder Elch? Elch oder Otter? Kivilcím lächelte müde als er an seinen Bruder dachte. Dem war so etwas passiert. Der hielt sich eine Zeit lang für einen Elch. Zwar fing er nicht an, zu röhren, doch sein Heulen wurde tiefer und etwas rauer angestimmt als vorher und der Kopf wippte sichtbar mehr als früher. Sein imaginäres Geweih war wohl doch schwer gewesen. Kivilcíms Lächeln verblasste als er an den Tod seines Bruders dachte. Mit einem Elch sollte man sich wohl eben nicht anlegen, vor allem nicht wenn man so viel Fett auf den Rippen hat, dass der Wind einen mit sich nehmen könnte, oder so viele Muskeln hatte, dass jeder Welpe ihn hätte besiegen können. Das blutige Geweih des Bullen würde er nie vergessen. Doch er dachte nicht mir Schmerzen daran. Er dachte nur ohne ein Lächeln daran.

Bald spürte er wohl eine unsichtbare Linie, die ihn nicht weiterließ. Eine Duftmarke. Er stoppte kurz und sah in die Ferne. Dann hob er den Kopf und stieß ein leeres, tonloses und doch lautes Heulen aus.


Besorgt drehte Kaede ihren Kopf, als ihr kleiner Sohn hart gegen ihren Hinterlauf prallte und sich gleichzeitig daran festklammerte. Sie wollte nicht, dass er solche Ängste ausstehen musste, aber auch er sollte die große, weite Welt kennen lernen. Er musste sie kennen lernen, schließlich würde sie nicht für immer für ihn da sein und auf ihn aufpassen können. So musste sie sich zwingen, nicht wieder mit ihm in die Sicherheit der Höhle zu flüchten. Natürlich hatte sie keine Probleme damit sich hier draußen aufzuhalten, aber es tat ihr unheimlich Leid, dass ihr Sohn sich damit anscheinend so schwer tat. Sanft hob sie ihr Hinterbein und schob Ciradán so vorwärts, dass er zwischen ihren Vorderpfoten verweilen konnte und sich vielleicht etwas geborgener fühlen würde.
Gerade wollte sie ihn weiter beruhigen, als er aussprach, wovor er noch Angst hatte. Es war nicht einfach diese unheimliche Größe der Welt, es war auch sein Bruder. Ihr Sohn hatte Angst vor seinem Bruder! Trauer schimmerte für einen winzig kurzen Moment in ihren Augen auf. Natürlich hatte sie mitbekommen, dass Krolock sehr viel mutiger und auch vorlauter war als Ciradán hier, aber dass er ihn geärgert hatte. Ciradán hatte sie wirklich etwas gesagt, Krolock musste es immer so gemacht haben, dass sie es gerade nicht mitbekommen hatte. Natürlich war sie aufmerksam gewesen, hatte gemerkt, dass Krolock den Kleinen anscheinend nicht so gerne mochte, wie seine Schwester Liel, aber sie hatte sich nicht so viel dabei gedacht, Welpen waren schließlich auch Wölfe mit Vorlieben und Abneigungen. Aber, dass es so schlimm war, dass Ciradán Angst vor ihm hatte…
Beschützend senkte sie ihre Schnauze auf den Kopf des kleinen Welpen. Sanft pustete sie ihren Atem in das Fell.

„Mein Kleiner, ich bin für dich da. Bald schon wirst du dich an die weite der Welt gewöhnt haben. Es ist wunderschön! Und was deinen Bruder angeht, ich werde besser darauf achten, was er tut. Er darf dir keine Angst einjagen mein Kleiner. Gemeinsam schaffen wir das schon!“

Sie seufzte, es waren wohl nicht die perfekten Worte gewesen. Manchmal fühlte sie sich doch etwas hilflos in der Rolle als Mutter. Wo war Urion eigentlich? Sollte er nicht auch mit auf die Welpen achten dürfen, jetzt, wo er sie endlich sehen konnte? Witternd wendete sie den Kopf und, ja, dort bei Krolock konnte sie seinen Geruch ausmachen. Er schien nicht sonderlich fröhlich, etwas angespannt. Was war denn los? Nach dem Streit mit Amáya hatte sie ihn nicht mehr zu Gesicht bekommen, was sie traurig gestimmt hatte, bis dann die Welpen ihre Aufmerksam gebraucht hatten. Trotzdem hatte sie im Hinterkopf darauf gehofft, etwas von ihm zu hören. Dem war nicht so gewesen. Aber nun war er ja hier, na, nicht direkt bei ihr, sondern bei einem seiner Söhne. Warum war er nicht auch zu ihr gekommen? Auf die Idee, dass er unsicher war und nicht wusste, was sie nun von ihm dachte kam sie gar nicht erst. Sie liebte diesen Rüden mit all seinen Ecken und Kanten die er besaß und wünschte sich nichts sehnlicher, als das auch er sie so liebte.
Gerade wollte sie ihre Ohren betrübt sinken lassen, als ihre Tochter zu ihnen kam und gleich einen wahren Wortschwall herausbrachte. Sofort waren ihre Ohren wieder freudig aufgestellt und alles Trübsal war wie weggeblasen. Sie hatte Welpen und einen Gefährten, genau das, was sie sich immer gewünscht hatte!
Sie berührte Liel sanft, die erst mit Banshee gesprochen hatte und sich dann ihr zu wand. Viele Worte quollen aus ihrem kleinen Mäulchen. Kaede hatte schon gemerkt, dass Liel sich bemühte ihr so viel von der Welt zu zeigen, wie es mit Worten irgend möglich war. Und Kaede liebte sie dafür, vor allem, weil sie ahnen konnte, wie schwer es war, wenn einem noch so viele Worte und Begriffe fehlten. Also wollte sie Liel helfen und ihr die Namen der Dinge verraten. Hoffentlich hatte sie ihre Kleine richtig verstanden…

„Meine Liebe, das große glitzernde Ding was du meinst ist ein See. Er ist mit viel Wasser gefüllt, von dem wir gut leben können und was uns im Sommer zur Erfrischung dienen kann. Die sich wiegenden Dinger, die du angesprochen hast, werden wohl Bäume sein und das Nasse, das ist der Regen der um diese Jahreszeit häufig unterwegs ist. Ich freue mich für dich, dass dir die Welt so sehr gefällt, wie sie mir auch gefällt, ich hoffe, du wirst deinem Bruder helfen, die Welt auch mit deinen, unseren, Augen zu sehen.“

Sie biss sich kurz auf die Lippen. Das war fast schon wieder ein Fehler gewesen. Oder war es sogar einer? Liel war immer so bemüht allen zu helfen, dass sie nicht selten wie ein Jungwolf oder gar ein Erwachsener wirkte, anstatt wie ein Welpe ausgelassen durch die Gegend zu hüpfen. Natürlich war das etwas übertrieben, aber es kam Kaedes Gefühl schon recht nahe. Seufzend und gleichzeitig grinsend versuchte sie einfach ohne irgendwelche Nachüberlegungen zu reagieren, damit sie sich nicht dauernd Vorwürfe über ihr Verhalten machen musste, sondern einfach die Momente mit ihren Welpen genießen konnte. Sie schleckte beiden ihren Welpen über den Kopf, ehe sie Banshee liebevoll anlächelte. Sie freute sich, dass Banshee ihre Geste so zurückgab. Sie wusste, dass sie keine bessere Alphafähe und Freundin hätte finden können wie Banshee beides war. Doch nun war keine Gelegenheit mit ihr zu plaudern, obwohl sie wusste, dass es wohl dringen nötig gewesen wäre. Sie fühlte die Schwäche der Fähe, als ob sie selber so schwach wäre. Dabei fiel ihr auf, dass auch sie nicht mehr so fit wie früher war, aber gegen Banshees anscheinende Schmerzen ging es ihr noch wirklich wunderbar.
Ein winziges bisschen schwand ihr Lächeln, man konnte es ihr in diesen Tagen wohl aber nicht ganz nehmen.

„Wann beginnen wir mit der eigentlichen Zeremonie?“

Fragend richtete sie ihren Blick auf Banshee, die sich mittlerweile schon anderen Welpen, unter anderem ihrer Tochter, zu gewand hatte. Es störte sie nicht und sie konnte auch gar nicht länger ihre Gedanken schweifen lassen, denn sie spürte, wie Kandschur auf ihre kleine Gruppe zutrat und sich direkt neben sie stellte. Sie freute sich ihn wieder zu sehen, war er doch lange mit einer kleinen Gruppe unterwegs gewesen. Auch freute sie sich, dass er direkt zu ihr kam, er mochte sie anscheinend genauso, wie sie ihn mochte. Sie spürte, dass er sich ein wenig verändert hatte. Er wirke sehr glücklich. Sie ahnte, dass es etwas mit seiner Glaubensrichtung und Liam zu tun haben musste. Sie lächelte ihm freundlich zu, Urion würde sich hoffentlich nicht aufregen, wenn er sah, dass Kandschur mal wieder bei ihr verweilte. Es gab keinen Grund, eifersüchtig brauchte er nicht sein, das wusste er, und akzeptieren sollte er Kandschur, genauso wie Liam, und jeden anderen Wolf. Ach, manchmal schien es ihr, als ob sie alle noch kleine Welpen waren. Vorsichtig streckte sie ihre Schnauze ein wenig um Kandschur an der Schulter zu berühren.

„Auch ich grüße dich, Wolfsbruder…. Es freut mich, dass deine Pfoten, dein Pfad, dich und wie ich sehe auch Liam, wieder zu uns geführt haben. Ich nehme an, ihr hattet eine erfahrungsvolle Zeit!?“

Sie hoffte, dass sie ihm nicht zu nahe treten würde, wenn sie nach ihrer Abwesenheit fragte, sie brauchte ja keine genauen Details, es war einfach eine Frage, die ihr auf der Seele brannte und ein einfaches ja würde schon genügen um sie glücklich zu machen.

oO Noch glücklicher als sowieso schon? Oo


Urion seufzte leise und genoss die Aufgeregtheit seines kleinen Sohnes. Er kam ihm am Nächsten, dann Liel und zuletzt... nein, konnte man seine Kinder irgendwie einteilen? Urion rollte eine Träne über die Schnauze, als er die kleinen Pfoten des Schwarzen auf eben dieser spürte. Eine blutige Träne, aber nichts neues für den Grauen. Er fühlte sich alt, unendlich alt und schwach. Würde er seinen Kindern ein guter Vater sein? Konnte er das? Wieder ein müder Blick zu Kaede, dann wanderten die grünen Augen zu den weißen Welpen zwischen ihren Pfoten. Ein leichtes Schmunzeln glitt über die grauen Lefzen, als Krolock seinen Bruder als Hasenfuß betitelte. Urion stupste seinen Sohn lächelnd an, aber dann erstarb dieses sofort wieder. Es war anstrengend glücklich zu sein und er wäre es zu gerne... schon allein für seine liebste Kaede.

"Krolock, nenn deinen Bruder nicht Hasenfuß, hm? Er ist nur etwas schüchternder als du."

Urion wollte ihn belehren, dass er doch den kleinen Weißen lieber an die Pfote nehmen sollte um ihn seine Angst zu nehmen, aber stattdessen durchfuhr ein leichtes Zucken die hintere Läufe des Rüden.
Sein Blick wanderte sofort dorthin. So ein Mist, eine Narbe war wieder aufgegangen... wie konnte das nur?
Urion schob die Läufe unter sein Fell und ließ diese Bluten. Es würde schon wieder aufhören. Ein weiteres Seufzen. Urion legte wieder seine Schnauze auf die Vorderpfoten, lächelte Krolock müde an. Ja, da war eine gewisse Kälte zwischen ihnen und trotzdem spürte Urion eine gewisse Zuneigung zu den schwarzen Wirbelwind. Mehr denn zu seinen anderen. Urions Blick wanderte mal wieder zu Kaede, wo sich Kandschur Yiga eingefunden hatte. Der Nordwolf belächelte den Schwarzen nur müde... warum kam Kaede nicht zu ihm. Der Lauf schmerzte etwas doller, aber Urions Blick fixierte weiter den schwarzen Rüden. Natürlich hatte er immer noch etwas gegen ihn, aber irgendwie... nein, er war einfach zu schwach sich aufzuregen, sodass der Graue sich wieder seinen Sohn widmete.


Das Lächeln verblasste, und nur Traurigkeit blieb. Er mochte es nicht, sie so zu sehen - niemand sollte so trostlos und verlassen wirken, wie Ruiza es gerade tat. Cyriell hatte sich einen Großteil seiner Suche so gefühlt, und daher wollte er diese Emotionen nicht bei anderen Wölfen sehen. Und warum war die Weiße überhaupt so? Was verstörte sie so? Heute war kein Platz für Traurigkeit, es war der Tag der Welpen und soweit der Graue gehört hatte, stand sogar eine Art Ritual an, eine Feierlichkeit. Es war ein Anlass zur Freude...
Cyriell stand stumm bei der weißen Fähe und wusste nict, was er un sollte. Zwar hatte sie auf seine Worte reagiert, aber nicht darauf geantwortet. Was sie da sagte, machte keinen Sinn - es waren doch alle hier!

"Wer? Ruiza, wer ist fort?",

hörte er sich leise fragen, während er sich setzte. Der Graue wr hin und hergerissen zwischen dem Wunsch, ihr zu helfen, und der Befürchtung, ihr damit auf die Nerven zu fallen. Sein Körper hatte für ihn entschieden, also würde er ersteinmal bleiben, auch wenn er sich unwohl dabei fühlte. Er mochte solche Situationen nicht, Depressionen anderer nahmen ihn immer irgendwie ziemlich schnell mit. Leise seufzte er, während er darüber nachgrübelte, ob in letzter Zeit jemand das Rudel verlassen hatte, der Ruiza nahe gestanden haben mochte. Wenn es überhaupt so jemanden gab, dann war ihm das nicht aufgefallen. Sofort überkam ihn das schlechte Gewissen. War er derart unaumerksam für seine Umgebung gewesen?
Cyriells bedrückter Blick ruhte auf der Weißen. Wen er lauschte, konnte er noch die fröhlichen Laute der Welpen hören, undin dieser Situation klang das alles seltsam falsch. Im Moment ar ihm selbst nicht mehr zum Lachen zumute...


Jaki sah manchmal schon komisch aus. Irgendwie war er nicht ganz so wie Caylee sich Erwachsene vorgestellt hatte. Nicht so ernst, verstockt und voller Sorgen über Dinge, um die sich eigentlich kein Schwein kümmern würde, wenn sie sich nicht so viele Sorgen darüber machen würden. Jaki schien ganz anders. Ob Raki genauso war, würde Caylee noch herausfinden, aber offensichtlich war sie ja seine Schwester, also musste sie ihm ähneln. Wobei … wenn sie sich jetzt mal mit Avi verglich oder mit Amúr … sie waren sich auch nicht sehr ähnlich. Egal, Raki und Jaki waren beide toll. Zudem liebte Jaki sie so sehr wie Raki, hatte er eben gerade gesagt. Und dass er sie sehr mochte, da war sich die Kleine sicher. Er redete eben nur ein wenig seltsam. So … anders. Und er wollte ihren Namen wissen. Warum das denn? Caylee hatte gedacht, dass den schon alle kennen. Zumindest diejenigen, die ihre Nase in ihre Höhle gesteckt hatten, haben immer etwas von „der süßen Caylee“ oder „dem bezaubernd seltsamen Chardím“ gesäuselt. Vielleicht war Jaki einfach nicht auf dem neuesten Stand, Caylee verzieh ihm das großmütig.

“Caylee. Ein bisschen wie meine Mama und doch ganz anders. Schöner. Ich mag meinen Namen. Magst du deinen Namen?“

Während sie plapperte, suchten ihre Augen schon wieder eine neue Beschäftigung. Irgendetwas war da hinter Jakis Pfoten. Die kleine Weiße reckte die Nase vor und versuchte an den Baumstamm dicken Läufen vorbei zu schielen. Wieso mussten Erwachsene so große Pfoten haben? Bei ihren Versuchen, zu sehen, was der Schwarze versteckt hielt, wäre sie beinahe umgekippt, kräuselte dann die Nase und wollte gerade fragen, was denn da wäre, als ein Geräusch sie ablenkte. Sofort wurden ihre kleinen Ohren gespitzt, der Blick aufmerksam in den Wald gerichtet. Da heulte ja jemand! Richtig laut und irgendwie schien er etwas sagen zu wollen … irgendwas … aber Caylee hatte keine Ahnung, was. Erstaunt, als hätte sie gerade eine großartige Entdeckung gemacht sah sie wieder zu Jakash auf.

“Hast du das gehört?“

Vielleicht hatte ja nur sie es gehört. Vielleicht sprach Engaya so zu ihr, könnte ja sein. Aber irgendwie hatte das sehr real geklungen.

“Wo kam das her? Wer hat das gemacht? Müssen wir antworten? Heul mal, Jaki! Und sag mir, was du sagst!“

Mit großen neugierigen Augen sah sie zwischen dem Schwarzen und der Richtung aus der das Geräusch gekommen war hin und her. Vor Aufregung trippelten ihre kleinen Pfoten vor und zurück, ihre Neugierde auf das Etwas, das Jakash versteckt hielt, war schon wieder vergessen.


Kenshrion blickte Cumará einfach an, konnte einfach nur abwarten, wie sie reagieren würde. Seine Rückkehr schien Emotionen in ihr ausgelöst zu haben, die sie mindestens vor ihm noch niemals offenbart hatte. Im ersten Moment beherrschte das Schweigen ihren Fang und mit diesem schien auch die Welt zu verstummen. Die Ohren des schwarzen Schattens schienen in diesem Bruchteil von einer Sekunde nur für die Worte der grauen Fähe offen zu sein. Nichts schien sich zu regen und das aufgeregte Tollen der Welpen, die scheinbar heute die Welt außerhalb der Höhle begrüßten flossen wie flüssiges Silber an ihm vorbei und schienen ihn in keiner Hinsicht zu beeinflussen. Seine eisblauen Augen hatten den Ausdruck der Kälte nicht ablegen können, es war schon zu sehr zur Gewohnheit geworden, dennoch war der Funken von Freundlichkeit zu erkennen, wenn man die Seelenspiegel näher betrachtete.
Mit einem Mal jedoch riss sich Kensharion wieder aus seinen übereiferten Träumereien und sein Blick klärte sich wieder. Nun schien er wieder der Rüde zu sein, der er immer gewesen war, seine Mimik schien zu zeigen, dass er unbeeindruckt war, sein Herz jedoch war das Gegenteil. Normalerweise verbarg er seine Gefühle hinter dicken Mauern seiner Seele und dass er sie auch nur für weniger als eine Sekunde der Außenwelt offenbart hatte, war schon eine Tat, die er niemals hatte begehen wollen, doch die Anwesenheit dieser Fähe, die er so lang nicht sah, hatte irgendetwas in ihm zu schmelzen gebracht, wenn auch nur für diesen Bruchteil einer Sekunde. Der schwarze Rüde beobachtete Cumará und zu seiner Verwunderung sah er stille Tränen der Freude in ihren Augen aufblitzen und schließlich ihr Gesicht hinunter rinnen. Etwas verwundert beobachtete er diese emotionale Begrüßung, mit der er noch nie konfrontiert wurde. Kensharion wusste nicht, wie er auf diese Freude des Wiedersehens reagieren sollte und blieb regungslos stehen. Der Umgang mit seines Gleichen war noch immer eine Herausforderung für ihn und eine solche Situation wie diese es war, schien er nicht gewachsen zu sein. Er würde warten müssen, bis die Tränen der Fähe versiegten, bis sie die wenigen Schritte, die sie trennte überwand und zu ihm hinüber trat. Eine Ewigkeit schien zu vergehen, bis Cumará ihre Gefühle wieder unter Kontrolle hatte und langsam, ja beinahe vorsichtig auf den Schatten zuging. Noch immer blieb Kensharion stehen, ließ sie kommen. Schließlich stand sie direkt vor ihm, er spürte ihren warmen Atem und ihre überdeutliche Anwesenheit. Vielleicht wollte er nun den Rückzug antreten, konnte er es doch nicht leiden, wenn jeglicher anderer Wolf ihm zu nahe kam, doch nun schienen seine lange Läufe ihm keine Gehorsamkeit mehr zu schenken, sie bewegten sich um keine Pfotenlänge. Entsetzt über seine schlechte Selbstkontrollen konnte er nichts anderes tun, als ihre zärtliche Berührung über sich ergehen zu lassen und das Gefühl der Erregung, zugleich aber auch ein Gefühl der Unzufriedenheit durch seinen Körper fließen zu lassen. Ja, in dem Moment, in dem sie ihn berührte, schien ein merkwürdiges Kribbeln wie eine Flut durch ihn zu strömen und ließ ihn erschaudern. Dennoch verharrte er in seiner stolzen Position und fing mit seinen sensiblen Ohren die leisen Worte auf, die aus ihrem Fang kamen.

“Dachtest du denn, ich würde auf ewig fern bleiben, ohne dir und dem Rudel auch nur ein Wort des Abschieds zu vermitteln?“

Meinte der Rüde und schüttelte sachte das Haupt.


Wieso waren Welpen bloß so rein, so sorglos? Machte die Unwissenheit über diese Welt so viel aus, dass in den Augen der Kleinen nur pure Freude und Wärme zu sehen war? Wieso gab es nicht genauso viele ausgewachsene Wölfe mit demselben Ausdruck in den Seelenspiegeln? Wieso wurden so viele Wölfe mit der Zeit zu dem, was sich so gänzlich von einem Welpen unterschied? Madoc wusste es nicht, doch es interessierte ihn momentan auch nicht, denn Atalya hatte seine volle, ungeteilte Aufmerksamkeit erlangt und er scheinbar auch die Ihre. Der junge Rüde kostete die welpische Unwissenheit aus und musste wirklich zugeben, dass die kleine Fähe niedlich war. Er hätte nie gedacht, dass er sich mit Welpen vertragen würde, er war auch eigentlich nicht der Typ dafür. Dennoch, er hatte Atalya schon nun ins Herz geschlossen.
Mit seinen Augen verfolgte er die Bewegungen der Fähe und sah schon bald ihre Absichten. Er schien wohl heute das Pferd für sie spielen zu müssen. Ein Lächeln trat wieder auf seine Lefzen, schon zu zweiten Mal an einem Tag, das war wohl ein neuer Rekord.
Schließlich spürte er, wie erwartet, die kleinen Pfötchen von Atalya auf seinem Rücken und wandte ihr den Kopf zu, als sie sprach. Wie naiv das klang! Und doch war es gerade das, was ihren Charme ausmachte, die sogar den kühlen Sternentänzer in ihren Bann zog. Ob wohl alle Welpen so waren wie Atalya? Das würde Madoc wohl schon bald herausfinden.

“Natürlich verspreche ich es dir, wir bleiben immer Freunde, ok?“

Meinte der Albino und blickte die Dunkelgraue amüsiert an. Kaum jedoch hatten die Worte seinen Fang verlassen, so spürte er auch schon die kleinen Zähnchen der Welpin in seinem Ohr. Sie verursachte keinen Schmerz, denn selbst wenn Welpenzähne spitz waren, so war der Druck, den sie mit ihnen ausübte viel zu schwach, um ihm wirklich Schmerz zufügen zu können. Ihr Knurren klang so hell, so welpisch und so unbedrohlich, dass Madoc abermals lächeln musste. Er wollte nicht lachen, denn schließlich sollte sie nicht denken, dass er über sie lachte. Als Atalya das Ohr wieder frei gab, schüttelte Madoc kurz sein schönes Haupt und blickte wieder nach vorn. Es war anstrengend, ständig seinen Kopf nach etwas zu wenden, das direkt auf seinem Rücken saß. Die Ohren des Sternentänzer schnippten nach hinten, als die Welpin sich wieder zu Wort meldete. Eine Geschichte … Kannte er Geschichten? Er könnte ihr seine eigenen Geschichte in abgewandelter Form erzählen … Ja, wieso nicht.
Dass sich jemand von hinten an sie heranschlich nahm er nur mit einem Grinsen wahr, gleichzeitig jedoch auch mit einem Blick, der mal wieder an Kälte gewann.

“Na klar. Ich erzähl die eine Geschichte von zwei Wölfen, die fern von hier auf die Welt kamen. Nun, es waren zwei weiße Wölfe, ähnlich wie ich eben und sie wurden in einem großen Rudel, nahezu so groß wie dieses hier geboren. Leider jedoch hatten sie nicht so viel Glück wie du, denn sie verloren ihre Eltern schon in einem sehr jungen Alter – “

Doch weiter kam Madoc nicht, denn die Anwesenheit hinter ihnen hatte sich nun bemerkbar gemacht, scheinbar, um Atalya zu erschrecken, zu Spaß natürlich. Madoc wandte den Kopf und sah Liam bei ihnen. Lediglich ein kurzes Nicken galt ihm als Begrüßung, nicht unfreundlich, aber auch nicht freundlich.


Caylee also. Der Name klang in der Tat schön und die Ähnlichkeit zu Tyraleens war unverkennbar. Ein wenig erinnerte er jedoch auch an Banshee - ob das Absicht war? Eine Art Ehrenbezeugung an die Alpha und Mutter bzw. Großmutter? Vermutlich schon, schließlich hatten er und seine Schwester Ahkuna ja auch Zusatznamen bekommen, denen eine besndere Rolle zukam. So ganz genau wusste Jakash zwar nicht, worauf sich diese Besonderheit genau bezog, aber sie hatten eben den Zweitnamen ihrer Mutter erhalten. Weder Banshee noch Tyraleen besaßen einen Zweitnamen, vielleicht hatte Tyraleen daher die Namenähnlichkeit gewählt? Und wenn dem so war - vermutete er dann richtig, dass er hier eine Erstgeborene vor sich hatte?

"Stimmt, das ist ein wirklich schöner Name. Meinen mag ich auch - ich habe soar noch einen Zwetnamen! Caiyé. Jakash Caiyé heiße ich mit vollem Namen, benannt nach meiner Mutter Shani Caiyé. Klingt gut finde ich, und was meinst du?"

Noch während er ihr antwortete, bemerkte er, wie ihre Aufmerksamkeit auf seine Pfoten gezogen wurden. Oha, hatte sie Verdacht geschöpft? Sicherlich, Welpn hatten einen sechsten Sinn für sowas - das wusste er aus eigenen Erfahrungen. Jakash rührte sich nicht und tat so, als gäbe es da nichts zu entdecken. Vielleicht verlor Caylee ja das Interesse, wenn sie glaubte, dass es nichts zu entdecken gäbe? Und finden sollte sie das Geschenk ja nicht - was, wenn sie sein Patenwelpe werden würde? Dann würde sie ihr Geschenk schon kennen und die Überraschng wäre dahin...
Ein Geräusch lenkte glücklicherweise die Aufmerksamkeit der Welpin ab. Unwillkürlich hob Jakash den Kopf und sah zum Himmel, als könne er den Rufer dort entdecken oder das Heulen besser hören. Nichts davon war der Fall, aber es blieb einfach ein Reflex.

"Das ist ein Fremder, der bemerkt hat, dass wir hier leben und uns mitteilt, dass er an der Reviergrenze ist. Man sollte das Revier eines anderen Rudels nämlich nicht einfach so betreten, dass ist unhöflich und die anderen Wölfe könnten denken, dass man etwas Böses will und vertreiben einen dann",

erklärte er der Welpin und sah sie etwas irritiert an, als sie ihn aufforderte zu antworten. Erstens hatte sie ihn 'Jaki' genannt und zweitens wusste er nicht, ob er das durfte. Er war noch ein Jungwolf und hatte eigentlich kein Recht dazu, eine solche Entscheidung zu treffen. Jakashs Blick wanderte hilfesuchend zu Banshee, die ganz in der Nähe saß.

"Großmutter? Darf der Fremde eintreten, kann ich ihm antworten?"

Auch ihr galt ein unsicherer Blick, aber di weiße Alpha lächelte nur gutmütig und nickte ihm zu. Ob sie mitbekommen hatte, dass dies Caylees Wunsch war, konnte er nicht sagen. Umso mehr erfüllte es ihn mit stolz, dass sie seiner Bitte stattgab, und mit neuem Selbstvertrauen hob er den Kopf und lud den Fremden mit einem Heulen ein, das Revier zu betreten und zum Rudelplatz am See zu kommen. Der junge Schwarze nahm an, dass sich dann die ranghöheren Wölfe um den Rest kümmern würden.
Grinsend sah er nun wieder zu Caylee herab.

"Ich habe ihm gesagt, dass er eintreten darf und er hierher kommen soll",

berichtete er der Welpin gemäß ihrer Aufforderung. Ein stolzes Grinsen galt Rakshee, und übermütig leckte er ihr einmal über das Gesicht. Das hatte sich gut angefühlt, und der junge Rüde fühlte sich bereit für alle weiteren Aufgaben...


Ruiza seufzte auf, erneut kamen Erinnerungen hoch, überschwemmten ihre Seele mit Trauer als sie das Lachen der Welpen herüberschallen hörte. Das alles hätte sie auch haben können.....aber es war ihr genommen worden ehe es soweit kommen konnte wie diese Familien es erlebten.

"ich war einfach nicht gut genug...ich...ich habe sie umgebracht...alle vier. es ist alles meine Schuld. ganz allein meine Schuld.....

In ihrer eigenen Melancholie gefangen blickte sie zu Cyriell auf, die Ohren leicht abgeknickt und die Augen fragend. Tief in sich selbst wollte sie glauben, dass er die Antwort auf ihre Fragen wusste, und ihr Helfen würde zu vergessen....

"sie sind jetzt bei den Göttern oder? Sind sie doch....? oder nicht?

Sie sprach noch immer wirr, denn sie wusste einfach nicht mehr wie sie mit ihrer aufgestauten Trauer sonst umgehen sollte. Sie konnte nicht fröhlich sein, solange sie nicht mit sich selbst Frieden geschlossen hatte, und akzeptierte dass sie nicht Schuld am Tot ihrer Welpen war


Ohne noch auf irgendwas zu warten übertrat Kivilcím die Grenze und trabte etwas hinein. Ohne Gefühle, ohne Gedanken, alles passierte automatisch. Wie eine Machine. Die Rute hielt er immernoch geschickt versteckt. Bald hatte er den gefunden, der ihm den Eintritt ins Revier gewährt hatte. Ein schwarzer Rüde und eine Welpin, die schon bald eine schöne Fellfarbe annehmen würde. Er lächelte, setzte sich in einigem Abstand hin und sah sie erst einmal an. Er wusste nicht ob er genauso gemustert wurde wie die zwei von ihm, doch er ließ sich einen Moment Zeit um sie einzuschätzen. Dann erst begann er zu reden.

,,Seid gegrüßt, meine jungen Freunde. Ich danke euch für die Bestätigung. Mein Name ist Kivilcím 'con Somiár. Denkt euch einen Spitznamen aus. Und wie darf ich euch nennen?"

Er lächelte etwas, sah zu der Welpin und heftete seinen Blick wieder zu dem schwarzen Rüden. Er war nicht älter als Kivilcím, da war sich der Schwarze sicher. Es musste sicher dumm aussehen wie er seelenruhig dasaß und doch diesen klebrigen Blick hatte, der ihn mehr als nur verrückt erscheinen ließ, doch wenn die Zwei sich an ihn gewöhnen würden, könnten sie vielleicht den Blick ignorieren. Wenn er denn überhaupt länger bleiben würde...

Er warf einen Blick nach vorne. Niemand hatte ihn großartig bemerkt, oder? Er spürte keine bohrenden Blicke, auch keine normalen. Die hatten hier ja viel zu tun, also beschäftigte er sich erstmal mit den Zwei vor sich.

,,Euer Rudel scheint groß zu sein, hm?"

Er sprach mehr zu sich als zu ihnen, doch das war ihm egal.


Cumará trat wieder einen Schritt zurück. Ihr Inneres war verwirrt. Irgendwie... wusste sie nicht, was sie denken sollte.

"Ach Kenshi. Ich weiß es nicht. Ich bin einfach froh, dass du zurück gekommen bist."

die graue Fähe stupste Kenshi ganz zart an, dann ging sie neben ihn, aber mit Abstand, sie wusste doch, wie er auf Berührungen reagierte. Sie lächelte ihr strahlendes Lächeln. Dann machte sie eine kleine Bewegung in Richtung Welpen. Ihre Ohren schnippten ein wenig umher. Immer noch drehte sich alles um sie. Nur um sie beide, sie waren im Moment der Mittelpunkt der Erde, des Universums. Cuma schaute glücklich in die so vertrauten Augen des Rüdens. Ihre Rute pendelte leicht hin und her. Wieder ein Lächeln von Cumará.

"Lass uns zu den anderen gehen."

sagte sie freundlich und ging weitere zwei Schritte. Sie war so locker wie lange nicht mehr. Doch wieder bemerkte sie, wie ihr Bein nicht wollte. Die Fähe seufzte resigniert. Tja, damit würde sie nun halt leben müssen. Vielleicht war es Kensharion nun aufgefallen, aber eigentlich war es nicht sehr schlimm. Nicht mehr. Nun, sie würde jetzt keine Wettrennen mehr gewinnen, aber das war ja nicht weiter schlimm. Außerdem war sie nun auch schon älter geworden. Fünf Jahre. Wie alt war der Schwarze wohl? Cuma schätzte ihn etwa gleichaltrig. Doch das Alter spielte in der Liebe keine Rolle. Ebenso, wie es bei Liam und Kandschur auch nicht am gleichen Geschlecht gescheitert war. Die himmelblauen Augen blitzten vergnügt. Die alte Cuma war wieder da. Endlich. Doch lieber später, als nie. Ein fröhliches Lachen entwich Cumará. Ihr fiel ein, dass sie noch nie Kenshi hatte Lachen hören. Nun, vielleicht würde sie das ja auch irgendwann erleben, schließlich war er auch zurückgekehrt. Ein warmer Schauer überlief Cuma. Es war angenehm.


Die Weiße schloss die Augen, schluckte die Tränen herunter und konzentrierte sie auf einen weißen Punkt in der Finsternis. Er schwebte hin und her und strahlte eine Helligkeit aus, die Jumaana fast dazu trieb, die Augen aufzureißen. Sie zwang sich, es nicht zu tun und atmete tief ein. Ihre Züge entspannten sich und sie öffnete lächelnd die Augen. Liebevoll sah sie ihren Gefährten an und wachsam über ihn hinweg. Sie würden wirklich bald zum Rudel müssen, sie wollte wieder bei den anderen sein, auch wenn ihr die Gesellschaft Takashi’s auch reichte. Die Weiße war glücklich, bei ihm zu sein, und gleichzeitig sehnte sie sich nach der Anwesenheit ihrer Freunde. Langsam ging sie die paar Schritte ans Ufer und senkte den Kopf. Um besser Nachdenken zu können, hielt sie ihre Schnauze ins kalte Wasser und schloss die Augen. Sie konnte sich besser konzentrieren und gleichzeitig viel es ihr schwer, darüber nachzudenken. Unentschlossen wendete sie sich wieder dem Schwarzen zu und ging zurück zu ihm. Die Schneeweiße seufzte leise und die Worte ihres Gefährten gingen ihr erneut durch den Kopf.

“Takashi …“ Sie senkte den Kopf, um ihn sogleich wieder zu heben, Unterwürfigkeit würde sie ihm gegenüber nicht zeigen – niemals. “Das, das … es ist eben so. Wir können es nicht verhindern, aber es tut mir weh, wenn ich sehe, wie sehr es dir Schmerzen bereitet. Ich – ich will das nicht. Wenn es dich verletzt, verletzt es auch mich. Doch ich kann Schmerz jeder Art vertragen, nicht nur körperlichen.“ Das Lächeln war aus ihrem Gesicht verschwunden, kalte, starre Augen waren auf Takashi gerichtet. “Das Rudel erwartet uns.“

In dieser Verwandlung drehte sie sich um und marschierte davon. Ließ Takashi einfach stehen. Sie riss verwirrt die Augen auf und sah auf den Boden. Jumaana hatte sich selbst nicht mehr unter Kontrolle. Sie hatte ihm vorgeworfen, sie verlassen zu haben. Mit einem Ruck wandte sie sich vom Heimweg ab und trat leise zu Takashi. Eine einzelne Träne rollte über ihre Schnauze und sie sah ihn unverwandt an, bevor sie ihre Schnauze in sein Fell drückte.

“Es tut mir so leid … bitte verzeih mir.“

Müde schloss die Polarwölfin die Augen und blieb lange mit dem Kopf an der Schulter des Schwarzen so stehen und wusste nicht, ob sie weinen oder lachen sollte. Eben noch hatte sie sich so über Takashi’s Rückkehr gefreut, doch jetzt fühlte sie, wie der bittere Schmerz in ihr aufstieg, die Zeit, wo sie ihn vermisst hatte und er nicht da gewesen war. Die Einsamkeit, in der keiner für sie da gewesen war ...


Die Ruhe floss langsam wie Sirup durch ihren Körper hindurch, die aufgewühlten Gefühle und der Zorn wurden gedämpft. Es war angenehm, einfach nur da zu stehen, das Wasser an den Pfoten zu spüren und eine Fähe neben sich zu haben, die zwar in einem Gewissen Sinne unerwünscht – schließlich hatte Amáya sich keinen an die Seite gewünscht – aber schon mal nicht unterbelichtet war. Nachdenklich betrachteten die blauen Augen das sanfte Lächeln. Sie verstand es nicht. Auf ihre Worte runzelte Amáya leicht dir Stirn und verdrehte leicht die Augen.

Welpen. Richtig. Kleine Flauschkugeln, die nichts als Heu im Kopf haben. Und ich soll Patin werden...

, die letzten Worte hatte Amáya mehr ausgespuckt und zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor gebrummt.

Naja, das wirst du früher oder später wieder bereuen.

Zuversichtlich nickte die Dunkle und runzelte wieder die Stirn. Nur kurz wollte die Flamme in ihr auf züngeln, als die Fremde kurz auflachte. Lachte Agkül sie etwa aus?! Fest presste sich der Kiefer aufeinander und zischend atmete Amáya die Luft ein. Die aufkommende Anspannung wich aber fast sofort wieder aus ihr, als Agkül ihr die Erklärung lieferte. Wieder runzelte die Dunkle die Stirn. Immerhin erklärte die Graubraune ihr Verhalten und stellte sie nicht vor vollendete Tatsachen. Dennoch wurde ihr Gesicht von einem sarkastischen, bitteren Grinsen verzogen.

Wie gut das du keine Ahnung hast, wie ich wirklich bin. Wie gesagt, du würdest es bereuen, zuerst auf mich gestoßen zu sein.

Auf die folgenden Worte spitze Amáya die Ohren und wieder zuckte dieses Grinsen über ihr Gesicht. Die Fähe hatte wirklich keine Ahnung, zum Glück.

Ist schon Recht. Du bist neu und kennst dich nicht aus. Wenn man dich warnt – und irgendwer wird es garantiert tun – dann hälst du dich von mir fern, wie alle anderen auch. Denn den Grund zu ergründen, weshalb ich so bin, wie ich bin, kann niemand.


Jukka liebte die Zeit mit Anubis. Sie waren nicht mehr auf der Wanderschafft, sie hatten ein hübsches Plätzchen, dass zum Bleiben einlud, und vor allem wurde das Wetter angenehmer. Die kalte Decke, die vor Wochen noch alles erstickt hatte, war gewichen, und das Land hatte aufgeatmet.
Die wenigen Blumen erfüllten die Luft mit einem schwachen Duft, der Jukka jedesmal, wenn er sich auf diesen konzentrierte, in ein seeliges Lächeln ausbrechen lies, denn dieser Duft erfüllte ihn mit einer stillen Freude. Der Schnee hatte schlieslich so lange gelegen, dass er sich ernsthaft gefragt hatte, wie Gras überhaupt aussah. Nun sah, roch und spürte er es immer, wenn er mit Anubis zusammen über die Wiesen tobte. Seiner Meinung nach hätte es ewig so weitergehen können, denn Jukka war vollkommen zufrieden gewesen. Doch der junge Wolf spürte, dass es Anubis zum Rudel trieb. Und jedes Mal, wenn man die Ahnung eines anderen Wolfes, der im Tal lebte, erhaschen konnte, so merkte auch Jukka, dass er ein Rudeltier war. Und als Anubis aufbrechen wollte, so folgte er ihm, ein wenig nervös, doch ohne Bedenken.

Jukka schenkte der neu erwachten Landschafft kaum Beachtung, als er nun seinem großen Freund und Beschützer folgte. Mit jedem Schritt kam ein Schmetterling in seinem Bauch mehr dazu und die Ungeduld staute sich auf wie ein regengesättigter See hinter einem Damm. Und wie um diese Metapher zu bestätigen, führte ihr Weg zu einem See. An diesem See stand eine Fähe. Ihr Fell erinnerte ihn zuerst an Stroh, doch Stroh war dunkler. Sie war schlanker als die Hunde, die er bisher gesehen hatte, wahrscheinlich auch schlanker als die wenigen Wölfe, die er bis jetzt kannte. Sie erschien ihm ein wenig exotisch. Als Anubis sie so frei heraus ansprach, scharrte er ein wenig verlegen mit der Vorderpfote auf der Erde, den Kopf hielt er gesenkt. Als Anubis seinen Namen nannte, schaute er auf, selbst ein wenig in sich zusammengeschrumpft. Er nickte der fremden Fähe schüchtern zu.

"Ich freue mich auch, dich kennenzulernen, fremde Fähe"

sprach er ein wenig unsicher. Waren das die richtigen Worte? Oder würde sie gleich auf sie beide losgehen und, wenn nötig, gewaltsam vertreiben?

Atalya
13.05.2011, 15:23

Puh … Jakash hieß nicht einfach nur Jakash. Jetzt wurde es ja doch noch kompliziert. Caylees Stirn krauste sich, während sie versuchte, sich Caiyé zu merken. Klang ein bisschen wie Caylee … Cayee … ja, war doch einfach. Außerdem hatte sie den Namen Shani Caiyé schon mal gehört. Mama hatte ihn gesagt. Oder Oma? Oder doch die Mama von Neruí? Egal, jedenfalls war die Mama von Jaki auch hier. Oh, es gab viele Mütter ihr. Tante Kaddi und Tante Nyo. Und natürlich Mama selbst. Und Oma. Und dann Shani. Das waren schon fünf, ob es wohl noch mehr gab? Sie hatte ja schon Probleme, sich Namen zu merken, wie sollte sie dann noch wissen, wer mit wem verwandt war? Puh. Caylee schüttelte wild den Kopf, was ein wenig seltsam aussah und strahlte dann mit neuem Lächeln zu Jakash.

“Caiyé klingt wie Caylee. Also ist er schön. Und wir sind beide nach unserer Mama benannt, das ist auch toll.“

Auf das heftige Schütteln folgte ein heftiges Nicken. Seltsam, dass manche Wölfe einen Zweitnamen hatten und manche nicht. Aber Zweitnamen vergaß man doch eh so schnell, eigentlich war ein einziger Name viel besser. Aber das Thema war nicht mehr lang genug interessant, viel eher die geheimnisvolle Stimme musste bedacht werden. Ob sie wohl auch irgendwann mal so heulen konnte? Wie machte man das eigentlich? Wenn sie oder eines ihrer Geschwister aufjaulte, klang das ganz anders. Hoffentlich konnte das Jaki schon, sie wollte ihn dabei beobachten! Aber erstmal hatte er natürlich eine schlaue Antwort. Juhu, Erwachsene wussten doch alles! Ein Fremder war das also und er war höflich. Und an der Reviergrenze. So weit war das logisch.

“Aber warum will er denn überhaupt zu uns? Hat er keine Familie?“

Irgendwo musste dieser Fremde ja kommen. Konnte ja nicht aus dem Himmel gefallen sein, Engaya machte so was nicht. Jaki schaute schon wieder so verplant, er hatte vielleicht noch nicht gelernt, dass Erwachsene nicht so schauen sollten. Das sah nicht danach aus, als wüssten sie alles. Eigentlich wollte sie gerade einen tadelnden Blick auflegen und ihm diese Regel mitteilen, als sich der Schwarze plötzlich an Oma wandte. Caylees Augen huschten neugierig zu Banshee, die Jaki erlaubte zu heulen.

“Wieso musst du fragen? Ich darf doch auch heulen, wann ich will?“

Aber ihre Frage ging halb unter im Heulen von Jaki. Es klang wieder ein wenig schräg. Und sie verstand kein Wort. Irgendwo war das was, das ihr sagte, dass es etwas zu verstehen gab, aber … was, das war ihr schleierhaft. Jaki hatte jedenfalls eine Verwandlung durchgemacht und schien jetzt ziemlich glücklich. Machte Heulen so glücklich? Vielleicht sollte sie das wirklich mal ausprobieren … später. Jetzt galt es ja auf den Fremden zu warten! Der sollte herkommen. Ob er das tat? Aber er hatte ja angefangen … sicher würde er kommen. Ob er anders aussah als alle anderen hier? Vielleicht ja buntes Fell oder einen riesen Kopf oder so. Man sollte ihn ja unterscheiden können. Als der Fremde dann ankam, war Caylee enttäuscht. Kein rosa Fell, kein Monsterkopf, nichts Außergewöhnliches. Sah aus wie jeder andere schwarze Wolf. Bah. Unzufriedenheit zeigte sich auf ihrem Gesicht, die jedoch schnell wieder verschwand, als der Schwarze begann zu reden. Er nannte sie Freunde? Waren sie jetzt schon Freunde? Toll, das ging schnell. Und einen furchtbar komplizierten Namen hatte er. Zum Glück wollte er einen Spitznamen bekommen, sodass Caylee sofort Kiv speicherte und alles andere vergaß. Irgendwie war der Fremde ein bisschen schräg. Komischer Kauz. Und seine Frage war ein wenig doof. Was war denn der Wolfshaufen sonst, wenn kein Rudel?
Caylee stapfte entschlossen einige Schritte auf den Schwarzen zu und baute sich dann vor ihm auf, als wäre sie die Leitwölfin persönlich. Der Blick war irgendwo zwischen streng und gutmütig wie bei einem Schüler.

“Also, Kiv, wo ist denn deine Familie? Ich wollte nicht einfach von meiner Familie weg und dann in ein anderes Rudel kommen. Denn ein Rudel sind wir ja eindeutig oder hast du Gras vor den Augen? Ich meine, wir sind alle wirklich nett, besonders Jaki, aber wir wollen ja auch nicht einfach irgendwen aufnehmen, der vielleicht eine total nette Familie irgendwo hat. Wäre ja … öh … gemein. Ich bin übrigens Caylee und meine Mama ist enorm wichtig, fast so wichtig wie meine Oma, die alles bestimmen darf!“

Den strengen Blick hatte sie nicht lange halten können, schon musste sie wieder grinsen und neugierig den Schwarzen betrachten. Vielleicht hatte er eine nicht so nette Familie wie sie gehabt? Gehörte Jaki eigentlich zu ihrer Familie? Das musste sie unbedingt wissen! Ganz so, als hätte sie Kiv schon wieder vergessen, drehte sie sich zu dem anderen Schwarzen und sah ihn neugierig an.

“Bist du eigentlich aus meiner Familie, Jaki? Also … sind wir verwandt?“

Eine durchaus wichtige Frage, das würde ja alles noch mal ein wenig ändern. Dann wäre Jaki ja sozusagen ein Teil von ihr. Oder andersrum?


Jakashs Lächeln wollte gar nicht mehr weggehen. Caylee mochte seinen Zweitnamen, und irgendwie freute ihn das. Obwohl er eigentlich nie seinen vollen Namen nutzte, wäre es doch schade gewesen, eine negative Meinung dazu zu hören. Es war nunmal sein Name, alle Beleidigungen dagegen gingen nunmal gegen ihn selbst. Nun, bei Welpen wäre Jakash natürlich nachsichtig gewesen - sie neigten schließlich dazu zu sagen, was ihnen gerade in den Sinn kam.

"Weißt du, manche Wölfe vertragen sich nicht ganz so gut mit ihrer Familie. Dann gehen sie meistens irgendwann weg und suchen nach einem Rudel, mit dem sie besser auskommen. Und andere wiederum wollen nicht imer an einem Ort bleiben und ziehen los, um die große weite Welt zu erkunden. Manchmal bleiben sie dann bei einem anderen Rudel, oder ruhen sich da nur eine Weile aus. Auch viele Wölfe unseres Rudels haben irgendwo anders ihre Familien, aber nun sind sie hier",

eklärte er der kleinen Welpin und mied dabei geflissentlich das Thema Tod. Einige dieser Wölfe hatten bestimmt ihre Familien verloren oder zumindest Angehörige. Das war auch ein Grund, sich ein neues Rudel zu suchen - aber davon mussten so junge Welpen noch nichts wissen.

"Naja, einen Fremden in das Revier zu lassen ist eine Entschedung, die nicht jeder einfach treffen darf. Das dürfen nur die Alphas... hmmm, ich glaube auch die Betas. Deshalb musste ich Großmutter erst um Erlaubnis fragen",

fuhr er fort, während er den Blick schon über den Waldrand schweifen ließ. Nach einer Weile erschien eine dunkle Gestalt und trat auf den Rudelplatz, und schnell war Jakash sich sicher, dass das niemand aus dem Rudel war. Der Fremde kam zu ihnen, grüßte freundlich und stellte sich vor. Jakash war positiv überrascht, hatte er aufgrund des zerzausten Äußeren des fremden Rüden doch etwas anderes erwartet. Ein etwas mulmiges Gefühl stellte sich bei ein - zum Einen schien es doch nun ihm zuzufallen, den Neuankömmling zu begrüßen, zum anderen sorgte er sich ein wenig um Caylee, die sich munter dem Fremden näherte. Sofort erwachte in dem jungen Schwarzen der Beschtzerinstinkt, immerhin wusste er so rein gar nichts über den Fremden mit dem langen Namen und dessen Absichten. Nun, er hatte freundlich gesprochen und sich gesetzt - ach, er sollte nicht gleich Fenris in dessen Schatten sehen!

"Mein Name ist Jakash, und ich durfte euch im Namen unserer Alpha Banshee zu uns bitten. Hast du vor hier zu bleiben, oder möchtest du nur eine Weile rasten?"

Er lächelte und wies mit einer Kopfbewegung auf die weiße Alpha in der Nähe. Mit jedem Wort verschwand das mulmige Gefühl ein bisschen mehr und machte Pltz für die Rückkehr des Selbstvertrauens.
Über Caylees Kopf hinweg lächelte er dem Schwarzen entschuldigend zu, damit er sich nicht an dem Plappern er Welpin störte. Gerade noch rechtzeitig brachte er seine Züge wieder in Ordnung, als Caylee sich zu ihm umwandte.

"Stimmt, wir sind verwandt. Banshee ist die Mutter von deiner Mutter und meinem Vater, also unser beider Oma. Also bin ich dein Cousin, und du meine Cousine!"

Jakash grinste und sah abwechselnd zu Caylee und Kivilcím.


Avendal machte große Augen. Da war auf einmal soo viel um sie herum, sie wusste gar nicht mehr wo sie als erstes hinschauen sollte. Der kleine Fang öffnete sich und schloss sich wieder, weil sie unfähig war Worte zu finden. Sie drehte einfach nur die übergroßen Ohren in alle Richtungen und versuchte alles mitzubekommen, was natürlich genauso wenig gelang. Ein Pusten an ihrem Ohr ließ die Kleine den Kopf heben und dann lächelnd an ihre Mutter kuschelnd. Das mochte sie so gerne. Sie mochte Mamas warmes Fell und wie hell es war und natürlich auch Mama selbst, die ihr nun mit sanfter Stimme zuflüsterte.

“ Ins Rudel? Gehöre ich dann zu den allen und dann werde ich auch so groß?”

Ihre Stimme überflog sich fast und war doch immer noch die einer vorsichtigen kleinen Fähe. Das war alles so groß. Ihr Vater trat zurück und Avendal sah ihn erneut bewundernd an. Und dann war schon wieder ein fremder Wolf bei ihnen. Genauso Weiß wie Mama und mit einer ganz sanften Stimme. Sie wandte sich um, blickte der Weißen in die Augen und öffnete erneut den Fang… und schloss ihn wieder. Erst als ihre Mutter ihr ganz sanft den Vorderlauf entzog, an den sie sich immer noch gelehnt hatte, wagte sie sich einen Schritt auf die Fremde zuzugehen und aus großen Welpenaugen heraus anzusehen. Sie hatte sich zu ihr an den Boden gelehnt. Die andere kleine Fähe riss sie jedoch aus ihren Schwärmereien indem sie sich flüsternd an sie wandte. Sie hörte ihr kurz zu und nickte dann fast schon begeistert.

“Okay!”

Sie hatte versucht ihre Stimme dem der Weißen anzupassen, was allerdings für sie kläglich gescheitert klang. Egal. Dann wandte sie sich wieder der Weißen zu, während sie den Worten hinter sich, denen von Mama und Papa und der sandigen Isis nur halb lauschte. Es war doch jetzt so vollkommen egal. Sie trat einen Schritt vor, während sich Aléya schon mutig an die Fremde gewandt hatte, dann hob sie vorsichtig eine Pfote an und lehnte sie auf die Schnauze der großen Weißen, die sie ja ganz ungeschützt auf den Boden gelehnt hatte. Erneut reckte Avendal den Haus.

“Hallo!”

Wisperte die Kleine, erst noch ruhig, doch dann glitzerten ihre Augen. Wenn sie ihren Namen kannte, dann war das sicher eine nette Fähe. Ja. Avendal mochte sie schon jetzt.

“Das ist meine Freundin Aléya.”

Sie sprach die Worte wie selbstverständlich aus und blickte kurz zu der Weißen hinüber. Schließlich ließ sie die Pfote von der Schnauze der Großen sinken und setzte sich genau vor sie. Ihre Ohren zuckten freudig hin und her, noch immer versuchte sie mehr schlecht als recht auch wirklich alles mitzubekommen.

“Ich werde gleich in das Rudel aufgenommen. Das hat Mama gesagt.”

Erneut war ihr Glücksgefühl deutlich in ihrer Stimme zu merken. Die Angst schien zumindest für den Moment vollkommen vergessen.


Chardím fiel kaum auf, dass sich Nerúi auf seine Worte hin protestierend größer machte. Viel interessanter war grade diese graue Wölfin, die ja gesagt hatte, dass sie zaubern konnte. Eigentlich wollte er ihr auch ganz gerne vollkonzentriert zuhören – vielleicht erklärte sie ja, wie das ging und verzauberte ihn nicht nur – aber dieses Klopfen gegen seine Schulter war dann doch etwas störend. Der schwarzweiße Welpen verzog die Augenbrauen und betrachtete die wedelnde Rute Nerúis skeptisch. Dann sah er seine Andersschwester an, immer noch mit diesem Gesichtsausdruck, der sehr komisch wirken musste. Andersschwester, weil sie nicht die selben Eltern hatte, wie er und weil sie ganz anders als seine Geschwister aussah. Die waren alle farblos, weiß, leicht gräulich, Atalya war dunkelgrau, Chanuka sogar schwarz ... aber Nerúi hatte noch ganz viel braun im Fell! Da war sie die einzige Welpin. Krolock, Ciradán und Liel, die auch Andersgeschwister waren, hatten nämlich auch keine Farbe im Fell. Also war Nerúi die besonderste Andersschwester. Aber selbst diesen philosophischen Gedankengang konnte er nicht weiterführen, da flog plötzlich etwas an ihm vorbei und ein lautes „Wuaaarr!“ ertönte. Blinzelnd sah Chardím den dunklen Krolock an, der da grade neben ihm gelandet war. Oh! Er hatte sich doch verstecken wollen! Aber Krolock hatte ihn gar nicht gekriegt. Nene, auch wenn er jetzt Anstalten machte an seinem Ohr rum zu kauen und seine Bruchlandung als Absicht bezeichnete. Der Schwarzweiße öffnete grade die Schnauze um irgend eine super Antwort zu geben, als aber schon wieder etwas an ihm vorbei huschte. Diesmal ziemlich groß. Sooooo groß, dass er Nerúi und den Schwarzen nicht mehr sehen konnte. Chardím wuffte erschrocken und irritiert zugleich auf.

Hey!“

Bedeutete unsichtbar machen, dass für einen selbst dann auch alles unsichtbar wurde! Das fand er gar nicht gut! Eine Pfote hebend – oh, die war gar nicht unsichtbar ... und bewegen ließ sie sich auch noch – datschte er vor sich und stellte fest, dass er Fell vor sich hatte. Der kleine Welpe reckte den Kopf nach oben, höher, höher, noch höher ... und hielt inne, als seine Schnauze kerzengrade zum Rest des Körpers stand. Eh! Das war doch Kylia! Sie stand vor ihm und hatte das gemacht, wozu Nerúi zu klein war. Boah! Ausgetrickst. Das musste er sich merken. Und da kam ihm auch schon gleich eine Gegenidee.

Ich kann auch zaubern! Ihr hört meine Stimme, aber ihr seht mich nicht und jetzt ... wuhaaaa!“

Mit einem Satz war er wieder an der Grauen vorbei gehopst und ganz bedrohlich vor seiner dunklen Schwester gelandet. Tadaa! Jetzt konnte er auch zaubern. Aber huch! Jetzt waren da ja noch mehr Wölfe bei ihnen! Neben Krolock war ein grauer, komisch aussehender Wolf erschienen, wo kam der denn jetzt plötzlich her? Und dann war da jetzt auch noch so ein Rüde, der ihn nach seinem Namen fragte. Warum musste eigentlich so viel auf einmal passieren? Chardím hatte nicht mal Zeit zu antworten, da meinte Kylia schon, dass dieser Wolf sich mal groß gezaubert hatte und deshalb größer als alle anderen war. Amiyo musste er wohl heißen. Auf diese Aussage hin verengte der Kleine die Augen und sah ihn ganz prüfend an. Echt? Die Schnauze wieder zuklappend tapste er mit großen Schritten auf Amiyo zu. Groß war der wirklich! Zwischen seinen Läufen hindurch schlüpfend, umkreiste er seine Pfoten zwei Mal, schnüffelte ein wenig und sah wieder zu dem Grauen hoch.

Mein Papa ist aber größer!“

Da musste er sich nicht mal umdrehen, das war einfach so. Papa musste groß sein. Größer als alle. Das hatten Papas so an sich, ganz sicher.

Oh und ich heiße Chardím.“

Jetzt hatte er endlich auch diese Frage beantwortet. So. Hatte er noch was vergessen? Das war alles ganz schön viel für einen Welpen.


Isis schlackerte freudig mit der Rute, als zwei Rüden auf sie zu kamen. Der eine war wunderschön weiß und der andere sah nicht aus wie ein Wolf. Isis hatte so ein Tier noch nie gesehen. Kurz zog die Wüstenwölfin die Stirn kraus. Es mussten zwei Fremde sein, denn sie rochen nicht nach dem Rudel, obwohl isis auch noch nach der Wüste roch. Anubis, so stellte sich der Weiße vor, warf gleich mit Komplimenten um sich. Isis lächelte den Rüden freundlich an, neigte leicht den Kopf und antwortete:

"Willkommen stolzer Weißfang. Du bist mit deinem Freund in einem fremden Revier... im Tal der Sternenwinde. Unsere Alpha befinden sich am Rudelplatz bei den Welpen."

Anubis war ein ganz anderer Charakter, als sein Freund Jukka, der eher zurückhaltend näher kam und verlegen mit der Pfote im Sand scharrte. Isis musterte den Mischling interessiert und lange, dann trat sie mit wedelnder Rute auf ihn zu und stupste ihn an.

"Auch dich heiße ich Willkommen."

Mehr konnte Isis für die beiden Neuankömmlinge nicht machen, denn alles andere lag in der Pfote von Banshee, aber wenn die Rüden wollten, konnten sie noch gern bei Isis bleiben. Ihr waren die Rudelregeln mit Revier und so völlig schnuppe und zuwider. Man konnte die Natur eben nicht besitzen... Punktum. Isis richtete ihre Worte wieder an die beiden Rüden:

"Mein Name ist Isis... Schwinge des Osiris. Sag Anubis, dein Name, er stammt aus meinem Heimatland Ägypten. Weißt du, woher deine Eltern diesen haben? Anubis ist auch eine Gottheit aus meinem Lande... der Gott der Toten."

Isis lachte leise in sich hinein, dann richtete sie ihre Sonnenaugen wieder auf die Rüden. Ein leichter Hauch des Windes striff durch ihr Fell und ließ es wieder wie die Wüste aus der Vogelperspektive erscheinen. Auch die Rüden vor ihr hatten wunderschönes Fell. Besonders Jukka, mit den vielen Flecken gefiel ihr.


Minor zog erstaunt eine Augenbraue hoch, dann lächelte er anerkennend.
Meine Güte, der Kleine tapste grad mal einen Tag über den Weltboden und sprach schon wie ein Erwachsener. Nicht übel, nicht übel. Shákru Minor schloss die Augen, lauschte Tascurios Worten um seine Fragen beantworten zu können. Tatsächlich hatte er den Eindruck mit einen erwachsenen Wolf zu sprechen, wäre da nicht die kindliche Stimme. In der Tat, sehr paradox. Wieder ein leichtes Lächeln.

"Mein Name bedeutet Kleine Sternenleier, weil ich die Milchstraße auf meinem Rücken trage. Hast du schon mal den Nachthimmel gesehen, Tascurio? Er ist wunderschön friedlich, still und gefährlich. Ohne diesen Namen, wäre ich nicht ich, sondern ein anderer Wolf. Mein Bruder, ich weiß nicht wo er ist, heißt Shákru Major. Daher große Sternenleier."

Shákru neigte leicht den Kopf und betrachtete den Sohn Averics vor seinen Pfoten. Minor stellte fest, dass es dem Kleinen anscheind schnuppe war mit wem er hier redete. Die kleine Sternenleier hätte genauso gut eine Blume sein können. Moment mal... Blume! Dem Schwarzen fiel wieder ein, wie das weiße Wollknäuel bewundert durch die Welt getapst war. Natürlich wollte er die Welt erkunden, mit all ihren Geheimnissen, Tücken und Gemeinheiten. Er war nicht so verliebt in das Rudelleben, wie seine Geschwister. Minor fand immer mehr gefallen an dem Welpen.

"Du bist ein Wanderer, Tascurio. Hab ich recht?"

Minor dachte kurz nach, dann wollte er ihm erst seine andere Frage beantworten, denn hier lag er völlig falsch.
Shákru lächelte wieder, dass seine Zähne blitzten. Wie wundersam. Soviel hatte er in den letzten Monaten nicht mehr gelächelt.

"Ich bin es doch nicht Wert irgendeinen Titel von deinem Vater zu bekommen, Tascurio. Nein, ich nenne mich selbst einen Ketzer, weil ich euren Glauben vollständig ablehne. ich glaube auch nicht an das Schicksal, sondern daran, dass dieses große und ganze, unser Leben, man kann es erklären mit Gesetzen. Mit anderen Gesetzen. Das du eingentlich ein Puzzle bist aus kleinen Bausteinen zusammen gesetzt. Diese Bausteine ermöglichen dir zu leben. Und diese Bausteine bestehen aus noch viel kleineren. Ich habe sie mal Atome genannt. Und das ganze Komplexe ist Materie aus der du bestehst. Weißt du, in meinem Glauben ist kein Platz für Götter.
Schau dir doch mal deine Oma an, die 'Tochter' Engayas. Was ist denn nur aus ihr geworden... wurde sie von ihrer 'Mutter' verstoßen? Banshee ist schwach geworden, nichts mit Göttern."


Mit einem Mal klappte Minor seinen Kiefer wieder zu. Er hatte zuviel geredet. Was ist, wenn Tascurio nun zu Averic rennen würde. Minor schüttelte den Kopf. Was hatte er denn noch zu verlieren? Was?
Die kleine Sternenleier erhob sich, schüttelte sich den Dreck aus dem Fell und schritt Richtung Wald. Schließlich blieb er stehen und drehte sich wieder um.

"Wenn du dich beeilst merkt vielleicht keiner unseren Spaziergang...vorausgesetzt du möchtest mich begleiten."

Das nächste Tabu. Ein Zahn mehr, denn Averic in seinen Nacken schlagen wird.


Takashis Aufgabe war es jetzt, für Klarheit zu sorgen. Es gab keinen Fluch mehr und er war von nun an frei. Am Besten müsste der schwarze es bei Gelegenheit jedem erzählen. Niemanden wollte er in Unwissenheit lassen. Takashi sah Jumaana an und schüttelte bloß ruhig den Kopf. Schließlich wusste sie noch gar nichts davon, dass der Fluch Takashi endgültig verlassen hatte. Vielleicht täuschte sein eher verwahrlostes Aussehen eine Art Besessenheit vor. Das zerzauste Fell ließ ihn doch glatt ein wenig verrückt aussehen! Wie vom Fluch getrieben schien der schließlich so schwache Körper. Sein Allgemeinbild bat keinen wirklich schönen Anblick. Doch von nun an hatte Takashi endlich genügend Zeit, um sich ordentlich zu regenerieren und von dem Schrecken erst einmal zu erholen.

“Hör zu…! Es ist für immer vorbei! Nie wieder wird etwas Schreckliches geschehen, was ich nicht unter Kontrolle haben werde!“

Hauchte seine Stimme sanft und leise. Eine erfreuliche Nachricht, die wohl viel Erleichterung mit sich brachte. Aufmunternd stupste er Jumaana sanft in die Seite. Keines falls sollte sie Angst haben oder sich gar irgendwelche Sorgen machen. Denn diese waren jetzt in keiner Hinsicht mehr nötig und konnten einfach so vergessen werden. Jedoch war da trotzdem noch eine Sache, die ihn plagte. Der Hunger war schon bereits seit zwei Tagen besonders groß gewesen. In unüberhörlicher Lautstärke knurrte sein Magen, wie er es heute schon vor etwas längerer Zeit getan hatte. Das Gespräch mit Jumaana hatte Takashi nicht wirklich lange von dem Hunger Gefühl ablenken können. Dafür war das Verlangen nach etwas fressbarem einfach viel zu hoch gewesen. Ein wenig gequält schienen des schwarzen Wolfs Blicke. Würde er nicht bald etwas zwischen die Zähne bekommen, würde es ihm wohl ziemlich schlecht ergehen! Kaum sichtbar schüttelte er langsam den Kopf.

“Lass uns das ein wenig später bereden. Ich möchte erst einmal zur Ruhe kommen und wieder zu Kräften kommen.“

Wort um Wort schien leiser zu werden, bis die Stimme Takashis ganz verstummte. Der Blick schien plötzlich kränklich und schwach. Langsam fielen ihm die münde Lider immer wieder zu. Auf die Entschuldigung Jumaanas reagierte er bloß noch mit einem liebevollen Blick. Sprechen wollte er nicht mehr. Es würden sowieso nur noch kleine Bruchstücke zustande kommen, da Takashi immer wieder Pausen machen musste. Nur ganz langsam trugen ihn seine Läufe voran. Ungewöhnlich für Takashi, da dieser immer einen schnellen forschen Schritt drauf hatte. Den Kopf senkte er etwas, sodass er mit Rücken und Rute eine gerade Linie bildete. Ohne irgendeine Vorahnung oder einen bösen Gedanke rutschte ihm der rechte Vorderlauf einfach weg. Entsetzt und ängstlich zugleich keuchte der schwarze Rüde. Jene Kraft, die er noch besaß, schien von Minute zu Minute weniger zu werden. Beide mussten schleunigst zum Rudel kommen, da hier in einiger Entfernung kaum jemand etwas tun oder helfen konnte. Langsam richtete er sich wieder auf, die Rute ängstlich zwischen die Hinterläufe geklemmt.

.oO(Was geschieht? Es ist nicht mehr weit…ich muss durchhalten! Ich kann das Jumaana einfach nicht antun…und hier einfach liegen bleiben! Ich will ihr keine Probleme…oder Schwierigkeiten bereiten. Durchhalten!)

Mit etwas steifem Schrittes lief er dennoch weiter. Mit einem gequälten Blick gab er Jumaana zu verstehen, dass sie weiter mussten.


Auf Antworten wartend verharrte die kleine Fähe ruhig auf dem Rücken des Weißen. Sie wollte viele Geschichten hören. Über alles mögliche. Und ihr war egal, von wem. Aber wenn Madoc schon mal hier war, und er nun ihr Freund sein wollte, dann war das schon ok so. Erwartungsvoll blickten die Augen zum Kopf des Weißen. Und dann kam schon eine Antwort, auf ihre erste Frage. Hah! Besser konnte es doch gar kommen. Das war genau, was sie hören wollte. Grinsend streckte die Graue den Kopf zum Himmel. Jetzt war sie richtig stolz!

“Versprechen dürfen nicht gebrochen werden!“

Den Kopf wieder senkend beobachtete sie, wie Madoc sich schüttelte. Hechelnd und mit wedelnder Rute wandte die Graue den Blick kurz um, sah zu ihren Eltern und Geschwistern. Die waren alle beschäftigt, so wie sie selbst. Ob heute wohl noch was passieren würde? Etwas großes? Bestimmt! Hatte da nicht auch irgendwer was gesagt, dass heute noch etwas sein würde? Diesen Gedanken aus ihrem Kopf verbannend schüttelte die Fähe diesen, erhob sich dann auf die Läufe. Aber dann sprach Madoc auch schon weiter, sodass sie einen Schritt nach vorn ging, um ihn besser zu verstehen. Mit aufgestellten Ohren und sichtlich aufmerksam lauschte sie seinen Worten. Schon nach wenigen Worten fielen ihr so viele Fragen ein. Aber sie wollte erst mal lauschen, vielleicht passierte ja etwas tolles. Gerade wollte sie sich wieder hinsetzen, um besser zu hören zu können, als der Weiße verstummte. Verwirrt wollte sie schon den Fang öffnen, fragen wie es weiter ging. Aber da griff auch schon der Feind an! Mit einem leisen Wimmern, was nicht geplant war, aber der Aufprall auf dem Boden von Madocs Rücken hinab, war schmerzvoller als gedacht, lag sie nun also auf dem Boden. Mit einem Plumps war sie vom Rücken des Weißen hinab gerollt. Einfach weil sie sich erschrocken hatte. Blinzelnd schüttelte Atalya den Kopf, stand aber schnell wieder auf den Läufen um mit einem Satz über ihren Freund hin weg zu hüpfen und dann vor dem Grauen zu erscheinen. Hah, was erschreckte er sie den so?

“Glaub nicht, dass ich Angst habe! Ich hab mich nur erschrocken. Ich bin Atalya, die Furchtlose! Bist du hier, um mich heraus zu fordern? Oder warum greift du mich so böse an?“

Sanft patete die Graue nach der Nase des Rüden, blickte kurz zu Madoc. Wer war das vor ihr? Er sah älter aus, als der Weiße. Also, wer war er? Kannten Mama und Papa ihn? Mit einem Plumpsen ließ sich die Graue auf die Hinterläufe sinken, blickte nun zwischen den beiden Rüden hin und her.

“Jetzt sind wir schon drei! Bald können wir unser eigenen Rudel gründen!“


Rakshee hatte bei Caylees Antwort nur noch breiter gegrinst - sie hatte noch nie eine so schlagfertige Welpin kennengelernt. Nun, das konnte daran liegen das Caylee die erste Welpin war die sie kennenlernte...trotzdem!
Jakash zog an ihrem Ohr, und lächelnd gab sie nach und stieß ihren Bruder im nächsten Moment mit der Schnauze an. Beinahe hätte sie mit der Pfote nach ihm getappt, aber gerade rechtzeitig viel ihr das dahinter verborgene Geschenk ein, sodass sie die Pfoten am Boden behielt.
Sich wieder aufsetztend beobachtete sie das Gespräch zwischen der Kleinen und Jakash, das Grinsen wollte nicht von ihrem Gesicht weichen, wandelte sich allerdings in Bewunderung, als Jakash einfach so einen Fremden hereinbitten durfte.

"Woah!"

kommentierte sie nur, und sah den Schwarzen überrascht an. Sie hatte soetwas noch nie gedurft! Nunja, Jakash auch nicht...aber..einfach so...boah.

"Natürlich kannst du Heulen wann du willst Caylee, aber einem Fremden Eintritt gewähren darf nicht jeder..."

erklärte sie der Kleinen, und warf Jakash noch ein stolzes Lächeln zu. Immerhin war das ihr Bruder, der da gerade so eine wichtige Aufgabe übernommen hatte.
Der Fremde kam, und Rakshee versteifte sich unmerklich. Er kam direkt zu ihren Dreien, schien die Braune aber kaum zu bemerken, und wand sich nur an Jakash und Caylee - sein Äusseres, besonders seine Augen, gefielen ihr nicht, sie machten sie misstrauisch...ein Kribbeln rann über ihren Rücken, und als Caylee dem Rüden einfach so entgegentappte lief sie beinahe instinktiv hinterher, gerade noch ihr Geschenk hinter Jakash Pfoten schiebend.
Es waren nette Worte die der Fremde da sprach, aber seine Augen schienen all diese Freundlichkeit Lügen zu strafen. Jakash Reaktion konnte sie nur mäßig beruhigen, dennoch bemühte sie sich um eine freundliche Mimik.

"Willkommen im Tal der Sternenwinde Kivilcím,"

irgendwie hatte sie es geschafft den Namen auszusprechen bevor sie ihn wieder vergessen konnte - er klang genauso sonderbar wie der Fremde ihr erschien.

"Ich bin Rakshee"

stellte sie sich vor, und nickte dem Rüden nocheinmal zu, einen Seitenblick in Richtung Tante Nyota und Oma Banshee werfend. Wollten die zwei sie das etwa alleine machen lassen?!

"Mit mir bist du also auch verwand, Caylee. Ich bin deine Cousine"

erklärte sie kurz, und hob sogleich wieder den Blick zu dem Schwarzen, in Erwartung seiner Antwort auf Jakash Frage.


Nerúi sah auf, als Chardím plötzlöich weg war - und stattdessen Kylia da war, wo er vorher gestanden hatte. Kylias Lob lies sie stolz grinsen - wie auch immer ihr das gelungen war, Krolock war ihretwegen ganz ordentlich auf der Schnauze gelandet.
Die großen Ohren in die Luft reckend hörte sie Chardíms Stimme aus dem Nichts zu, und zuckte sofort zurück als ihr Bruder plötzlich vor ihr stand, nur um sofort wieder vorzupreschen und ihn mit einem gnadenlosen Angriff niederzustrecken! Die Pfoten auf Chardíms Rücken werfend fing sie an nach seinen Ohren zu schnappen, aber das Auftauchen eines weiteren Rüdens brachte sie kurzfristig von ihrem großartigen Feldzug ab, und sich den Hals verrenkend sah sie zu Amiyo hoch.

"Ui, klasse! Ich will auch so groß sein, dann muss ich nicht immer zu allen Großen hochgucken! Und dann bin ich viel stärker als Turién und Krolock und Chardím zusammen! Und ich heiße Nerúi!"

wedelnd lief sie auf Amiyo zu, und rannte direkt gegen seinen Lauf, weil sie beim Hochgucken nicht mehr nach vforne sehen konnte. Etwas perplex wand sie den Blick wieder nach unten, und umrundete den Lauf diesmal in weitem Bogen.

"Kylia? Können alle großen Wölfe zaubern?"

fragte sie nach da oben, und sah dann wieder zu Chardím herüber. Ein prüfender Blick in Richtung Averic - und einer zu Aszrem - mh, Mist, er schien Recht zu haben.

"Aber mein Papa ist viel stärker als dein Papa und Amiyo zusammen!"

beschloss sie auf der Stelle, und sah zufrieden zu ihrem Bruder - das war schon in Ordnung dass sein Papa größer war, wenn ihrer dafür stärker war. Gerechtigkeit musste sein.
Nerúi wand sich an Krolock, aber da war gerade ein großer Grauer Rüde gekommen - und Krolock beachtete sie gar nicht mehr. Nerúi wusste nicht wer das war, bis Krolock ihn Papa nannte, und sie beobachtete ihn eher misstrauisch. Kaum einen Moment darauf rann etwas Rotes aus den Augen des Grauen, und Nerúi machte einen Satz zurück, duckte sich Angriffsbereit und starrte zu ihm herüber.

"Was war das?"

knurr-murmelte sie in Richtung Kylia, Amiyo und Chardím, und merkte wie ihr Fell sich aufstellte, als ein ihr fremder, beissender Geruch zu ihr Drang. Was war das nun wieder? Es roch irgendwie nach Gefahr, fand sie, und versteifte sich, die kleinen Zähne vorsorglich gebleckt. Auch wenn sie keine Gefahr sehen konnte - irgendwas musste da sein. Da bei Krolock.

"Krolock, komm her!"

es klang nicht wie ein Befehl, eher wie der Ruf einer besorgten Mutter die ihr Kind von der Uferböschung eines reissenden Flusses fortholen möchte; und Nerúi wagte sich geduckten Schrittes ein Stück vor, aus ihrer Kylia-und-Amiyo Deckung heraus, und fixierte Urion mit einem Blick, der im Ursprung drohend aussehen sollte.


Der Luftschwall wurde schnell aus der Nase gedrückt, bevor Krolock anfing richtig zu prusten. Allerdings verunsicherte die blutige Träne seines Vaters ihn schon sehr, ließ es sich nicht anmerken, er wollte gewiss stark wirken. Kurz drehte er sich zu seinem Mitbruder Chardím um und zeigte kämpferisch die Zähne, wenn gleich er sich das Grinsen nicht verkneifen können- sein Papa war der Größte. Das war doch überdeutlich. Ha!

"Mein Papa ist der Größte und Stärkste",

lachend wandte er sich ab und nun schimmerte etwas Unmut in seinen Augen, als der Graue ihm befehligte, dass er den schämmerlichen Ciradán nicht als Hasenfuß beschimpfen durfte. Kurz ließ er seine weiße linke Schulter zucken und murrte etwas. Er hatte gewiss Respekt vor seinem alten Herrn, aber er war auch ein Kämpfer und ließ sich gar nichts gefallen. Vor allem nicht von kleinen nervigen und ängstlichen Brüdern. Das war wirklich peinlich mit diesem Angstbündel verwandt zu sein.

"Aber Papa, er ist nun einmal ein Feigling. Chardím ist mir lieber, der hat Mut!",

kämpferisch hüpfte er seitlich auf die Gestalt seines Vaters zu und bewies damit sin kämpferisches Talent.
Der Ruf seiner Andersschwester erklang und der Schwarze sah auf. Die kleinen Ohren flackerten etwas und schließlich setzte er sich in Bewegung. Mit einem Satz war er bei Nerúi und sah sie schief an.

"Was ist los?"

fragte er keck.


Nienna lag noch in der Rüdelhöhle. Sie hatte eigentlich gar keine Lust aufzustehen, weil sich ihre Knochen zu schwer und müde anfühlten um sich irgendwie stark zu bewegen, aber die kleine Stimme tief in ihr wollte nun endlich Liel und Kaede mal besuchen. Ob Liel dieselbe Augenfarbe hat wie Kaede als sie ihre Augen noch hatte? Als sie noch sehen konnte? Leise und lustlos seufzte die Schwarze auf, öffnete ihre Augen und blinzelte öfter mal , um wach zu werden um den Frühling zu riechen und zu fühlen.
Nun erwachte das Tal wieder aus dem tristen Winterschlaf. Genau das richtige für Nienna. Ihre Lefzen zogen sich wie automatisch nach oben, so als wäre es Standard für sie. Haha, vielleicht würde sie nun endlich irgendwen finden zum spielen, oder sogar mit Ilias mehr Zeit verbringen können? Liel war sicherlich auch bereit nur wusste Nienna nicht genau wie sie mit Welpen umgehen sollte, schließlich hatte Nienna nie wirklich eine richtige Welpenzeit zum „Welt entdecken“ gehabt, genau so wenig wie eine Patentante oder so etwas ähnliches. Langsam presste Nienna ihre schwarzen Pfoten gegen den Boden und ein leichtes Knacken darunter war zu hören, weil ein morscher Ast zerbrach wie als wäre er aus etwas komplett weichem und nicht zuvor von einem Baum. Sie schüttelte den Kopf, weil sie merkte sie machte sich schon wieder viel zu viele Gedanken um irgendwelche Sachen, die eigentlich einfach Hand zu haben waren. Kurz lies sie ihr rechtes Ohr schnippen und mit einem heftigem Ruck stand sie dann auch schon im Stand, senkte den Kopf kurz und beschnüffelte die Erde. Dann hob sie den Kopf und ihrer Kehle entwich ein mehr oder weniger lautes Gähnen, wobei sie kurz ihre Zunge über die Lefzen gleiten lies. Kurz darauf bewegte sie den Kopf nach rechts und schloss verschlafen die Augen, weil der Frühling sein Licht nicht in die Höhle scheinen lassen wollte.

o.O( Neuer Tag ich kommää..!)

Schrie sie in Gedanken, jedoch musste sie sich erst mal strecken. Wow, sie wusste gar nicht wie verschlafen man doch sein kann? Sie reckte ihren Kopf weit nach unten, ihre Vorderläufe drückte sie stark gegen den Boden und erneut musste sie Gähnen. Dann schüttelte sie den Kopf.

“..Na..ich werd doch mal wach werden wollen..?“

Murmelte sie leise und kehrte zu ihrer normalen Standposition zurück und dann legte sie auch schon los. Ein starker Druck gegen den Boden, der leicht unter ihr weg rutschte, und sie rannte los. Den Kopf hielt sie bei den ersten Schritten etwas höher in die Luft um kein bisschen der frischen Luft zu verpassen. Es gehörte alles ihr, Nienna ganz allein ! Sie machte sich einfach nur auf den Weg zum Rudelplatz um Kaede und all die anderen zu besuchen und dieses Mal am besten ohne irgendeinen Wolf aggressiv zu beißen. Sie schüttelte den Kopf bei dem Gedanken daran und senkte den Kopf in eine normale Position damit sie nicht total arrogant daher kam. Dann sah sie schon den Rudelplatz, viel Gewusel und total viele kleine Welpen die rum hüpften. Die Schwarze verlangsamte ihre Schritte ein wenig, sie musste daran denken zu viel Schwung zu nehmen . . . Das Lächeln auf ihren Lefzen zog sich immer weiter hoch bis es irgendwann zu einem breiten Grinsen wurde. Und wer davon war nun Liel..? Sie schüttelte leicht ihr schwarzes Haupt und dann sah sie Kaede. Mit nun total langsamen Schritten ging sie langsam zu ihrer Tante, ihr einziges Familienmitglied, die sie noch kannte.

“..Kaede, Kaede rate mal wer hier ist…!“

Sagte Nienna Singollo leise und drängte sich an die Seite Kaedes, sodass der Rest herum noch genug Platz hatte. Durfte die Schwarze das überhaupt..? Es war ihr egal, weil sie spürte, dass sie sich selbst wieder benahm wie ein kleiner Welpe. Ein kurzes Nicken zu Nyota und Banshee sollte dann eine Begrüßung sein. Die Schwarze musste kurz zusammen zucken, weil die Erinnerung von Sheena zurück kam, einzelne Bilder tauchten in Niennas Kopf auf und sie legte ihre Ohren an.


Tascurio betrachtete Shákru Minor sehr aufmerksam und lauschte der Erklärung über seinen Namen und auch der über seinen Bruder. Es war sehr angenehm, sich mit dem Rüden zu unterhalten, einfach, weil sie sich in irgendeiner Weise sympathisch waren, ohne sich näher zu kommen. Es war ein Kennen lernen ohne das Ziel, eine Verbindung einzugehen.

“Sag, Shákru, was genau ist eine Sternenleier? Dieses Wort ist mir gar nicht bekannt. Und die Milchstraße? Ist das der Sternenhimmel? So wirklich gesehen habe ich ihn noch nicht. Jedenfalls stand ich dabei nicht auf einem freien Feld, um ihn in aller Ruhe auf dem Rücken liegend zu betrachten. Dass ist auch etwas, dass ich unbedingt bald tun möchte. So schnell wie möglich.“

Die nüchterne Art des Welpen wandelte sich schnell, als sich ihr Gesprächsthema auf den Sternenhimmel richtete. Er rechnete es seinem Gegenüber hoch an, dass dieser sich Gedanken darüber gemacht hatte und es sehen konnte. Tascurio glaubte zwar noch, die Welt ganz anders wahrnehmen zu können, wie jeder andere Wolf, dennoch schloss er nicht aus, dass auch Shákru die Fähigkeit des Sehens ein bisschen zuteil wurde.

“Ich weiß nicht, ob man mich als Wanderer bezeichnen könnte, dazu bin ich nicht alt genug. Ich kann dir nicht sagen, ob es mir Spaß machen würde. Eigentlich weiß ich, dass ich hier Zuhause bin, in diesem Revier, aber nicht bei diesem Rudel. Wenn ich mich umsehe sehe ich ein von der Natur geschaffenes Wunder. Ich würde mich mit diesem Wunder vollständig zufrieden geben. Andererseits gibt es dort draußen so viel zu Entdecken und so viel, dass ich noch nicht kenne, dass ich mir nicht vorstellen kann, das eine Wunder für ein Anderes zu opfern. Vielleicht möchte ich von allem in der Welt ein bisschen haben und möglicherweise bin ich deshalb ein Wanderer, weil ich immer nur Teile von Wundern fassen können möchte, statt nur eines komplett.“

Ohne die naive Sicht eines Welpen musterte Tascurio die Züge des Rüden, mit dem er sich unterhielt und manchmal war er nicht sicher, ob sich eine leise Bosheit dahinter verstecken wollte. Es war ihm fremd, einen solchen Wolf zu kennen. An ihm schien nichts Falsches zu sein. Nicht so wie an allen sonst, die er kannte. Das Rudel liebte die Welpen, weil sie Welpen waren. Er und seine Geschwister sahen so süß aus und waren es wert, beschützt zu werden. Doch was wollten die Erwachsenen beschützen? Die Welpen, oder die einzelnen Charaktere? Wie interessant es doch gewesen wäre, für wen sich die Großen entschieden hätten, wenn sie nicht jeden behüten und beschützen könnten. Wenn sie nur einen retten durften. Wer würde es sein? Sich selbst nahm er aus. Vielleicht würde er seinen Eltern diese Frage irgendwann stellen, um ihre Reaktion zu sehen. Um zu sehen, ob sie ausweichen würden, oder logen.

“Du bist gar kein Ketzer, Shákru. Ich finde das Wort hört sich sehr abwertend an. Du bist ein Freidenker, ein Andersdenker. Dass mögen viele vielleicht nicht, aber es schadet nicht. Würde niemand den Glauben in Frage stellen, müsste man den Glauben selbst in Frage stellen.“

Tascurio lächelte und tauchte in seine Gedanken ab, die er erst ordnen wollte, ehe er weiter sprach. Es war schwer, die richtigen Formulierungen zu finden, weil er immerhin an Engaya und Fenris glaubte. Er wusste dass es sie gab. Anders als sein Vater gefiel ihm der Irrglaube Shákrus aber mehr, als dass es ihn gestört hätte. Vielleicht würden die Götter dadurch im Leben des Rüden nie eine Rolle spielen. Der weiße Welpe hingegen war durch sein Blut bereits mit ihnen verbunden. Er stammte von Banshee und Acollon ab, letzteren Namen hatte er erst durch Fragen kennen gelernt, während seine Eltern beide Kinder dieser Wölfe waren. Obwohl er viel wusste und sich viele Gedanken machte, hatte er dadurch nie in Frage gestellt, dass es vielleicht nicht normal war, dass Geschwister gemeinsam Welpen bekamen. Für ihn war es eine Selbstverständlichkeit, die ausnahmsweise nicht auf seinen Ansichten, sondern nur auf den Erfahrungen beruhten, die er gemacht hatte. Es war nichts Schlimmes daran.

“Deine Art zu denken, ist interessant. Du und ich, wir bestehen also auch aus Atomen, ja? Und was wenn Gottheiten auch aus Atomen bestehen, aber aus nicht so vielen wie wir? So dass sie nicht berührbar sind, so wie Gedanken… Man kann sie nicht greifen oder festhalten. Aber sie sind da. Weißt du, was ich sehr schade finde? Dass man Bilder, die man sieht, nicht festhalten kann, um sie jemandem anders zu zeigen. Wenn ich dir den Himmel zeigen könnte, wie ich ihn sehe, könntest du mir sagen, ob du ihn genauso siehst. So wie du sagst können Atome doch nur Materie sein, oder? Aber was sind dann unsere Gedanken? Hast du das schon herausgefunden?“

Er sah zu den Anderen hinüber, dachte an Banshee. Es schien ihm, als wüsste Shákru mehr als er über das Rudel. Kein Wunder, schließlich interessierte er sich nicht sonderlich für die Wölfe. Das Thema der Götter und deren Existenz ohne aus Materie zu bestehen, waren hingegen hochinteressant.
Als er wieder zurücksah, hatte sich sein Gesprächspartner erhoben und von ihm entfernt. Etwas verwirrt sah er ihm nach und sprang dann bei dessen Worten mit einem vergnügten Lachen auf, um ihm zu folgen. Aus dem ernsten, nüchternen und durchaus neugierigen Welpen, wurde das kleine Wesen, das er hätte sein sollen. Er wuselte zwischen Shákrus Pfoten herum, ehe er sich seinen Weg durch die Wiese und dann einige Büsche bahnte. Er entfernte sich nicht so weit, nahm aber gierig jeglichen neuen Eindruck in sich auf. Sein Kopf bewegte sich beinahe hektisch hin und her, als müsse er sich beeilen, alles wahrnehmen zu können, ehe man ihn zurück zur Höhle befahl.
Als ihm klar wurde, wie dumm er sich verhielt, blieb er stehen und wandte sich seinem Begleiter zu. Die Ruhe war wieder in ihn eingekehrt. Die kleinen, tollpatschigen Welpenpfoten setzten sich ganz bedacht voreinander und er untersuchte unbekannte Pflanzen so, als hätte man ihm die Ewigkeit für sein Leben zur Verfügung gestellt. Alles, wirklich alles, würde er ohnehin nie sehen können. Wichtiger war es, dass was er sah, wirklich zu sehen. Auf seinen Lefzen zeichnete sich ein warmes, glückliches und sehr liebevolles Lächeln ab. Er liebte sein Leben über alles.


Chanuka sah seine Mama abwartend an und versuchte ihrer Erklärung zu folgen. Er war nicht falsch, sondern anders. Viel eher aber etwas Besonderes. So sagte sie es. Sie, die sehr besonders war und ihn aufzog. Dass war etwas gutes, oder? Besonders sein war nichts Schlechtes.

“Ich will auch bei dir leben, weil ich dich mehr als alles andere lieb hab!“

Stieß er dann vergnügt aus. Es war nicht so, dass das Gefühl in ihm vertrieben worden wäre. Dieses Falsch sein, oder Anders, oder Besonders. Es blieb gleich, ganz egal wie man es bezeichnete. Aber er fühlte sich geliebt und er fühlte sich bei seiner Mama wohl. Bei der Mama, die eigentlich seine Oma war. Chanuka verstand das Gefühl nicht als so negativ, dass es ihn unglücklich gemacht hätte. Tyraleen hatte immerhin schon genug Welpen, da hätte sie ihn sicher übersehen. Es war also schöner, bei Banshee zu sein, weil er da der einzige Sohn war. Der alleinige Sohn. Allein. Allein klang nicht gut.

“Ich werde doch aber auch nie so besonders sein, dass du mich wegschickst, oder?“

Fragte er dann, was ihm gerade eingefallen war und durch den Kopf schwebte. Der kleine, schwarze Welpe konnte nicht abschätzen, ob es dumm wirkte, wenn er solche Fragen stellte. Gleichzeitig richtete sich seine Aufmerksamkeit erstmals auf die Umgebung und die Wölfe, die um sie herum versammelt waren. Er sah Liel an und lächelte ihr freundlich zu, weil sie ihn an Leben erinnerte, mit ihrer Art. Auch Amúr musterte er kurz, ohne dass ihm dabei ein besonderer Vergleich aufgefallen wäre.
Das Chaos schien um ihn herum zu toben, dass er erst jetzt bemerkte. Da waren noch Kaede und ein Rüde, überhaupt fehlten ihm die Namen zu vielen Gesichtern. Manche hatte er einfach noch nicht aufgeschnappt, so dass er lieber abwartete, ob ihm die fehlenden Informationen zugetragen wurden. Letztlich hing sein Blick jedoch auf den Augen von Kaede, die so merkwürdig aussahen. Er sah zu seiner Mama nach oben, als würde er stumm um Erlaubnis bitten, von ihrer Seite weichen zu dürfen, ehe er sich der grauen Wölfin näherte.

“Du, sag mal, warum sehen deine Augen so komisch aus? So etwas hab ich noch nie gesehen!“

Neugierde schwang in seiner Stimme mit und die Rute pendelte fröhlich und doch ein bisschen beschwichtigend hin und her.


Die aufmunterden Worte der Schwester, die tröstenden der Mutter. Das Alles tat ihm gut, doch gleichzeitig schwang eine erneute Welle der Angst. Wenn Krolock erfahren würde, dass Ciradán gepetzt hätte, dann wären die wenigen Sekunden der Ruhe dahin. Heftig schüttelte er den Kopf. Nein, er wollte stark sein, dann würde der Bruder ihn nicht mehr ärgern. Denn wenn er sah, dass der weiße Welpe mutig war, dann würde er sich nicht trauen ihn zu ärgern. Ja, das war sicher. Zudem fand er den Klang der Mutterstimme besorgniserregend. Er wollte nicht, dass Mama sich sorgte. So zog er sich widerwillig aus der beschützenden Stelle zwischen ihren Vorderpfoten heraus und lächelte gequält. Klar war, dass sie es nicht sehen, aber spüren konnte.

"Schon gut, Mama. Ich versuche mutig zu sein, dann brauchst Du Dir keine Sorgen machen",

er drehte sich suchend um und fand den Schwarzen bei einer anderen Gruppe von Artgenossen, neben ihm saß- Papa! Unweigerlich, das musste er sein. Das sagte ihm nicht nur sein Gefühl, sondern auch sein logisches und durchaus klares Denken. Allerdings war der eben noch schwellende Mut schon fast wieder zerbröckelt. Er konnte ja immer noch in einem Jahr mutig werden. Das musste ja nicht so schnell gehen, es hatte keine Eile. Er drehte dem grausamen Anblick seines Erzeuger den Rücken zu und sah wieder zur Mutter hoch. Nein. Er musste stark sein. Er war ein Rüde. Er musste mutig sein. Er war kein Feigling, er hatte nur manchmal Bedenken.
Doch bevor er wieder in einen Schwall von lebensmüder Mutheit verfiel, hörte er die Worte von Chanuka. Zweifelnd wartete er, war das denn nicht offensichtlich? Oder war ihm nur allein das Wissen des verlorenen Augenlichts bekannt?
Schließlich sah er hilfesuchend zu Liel. Er mochte sie sehr. Sie war stark, mutig und sie war nett zu ihm. Verstand vielleicht nicht immer seine Angst, aber gewiss unterstützte sie ihn.
Nun gut, jetzt musste er seinen jungen Rüden stehen. Er drehte sich unentschlossen um und marschierte; den Blick zu Boden gewandt; auf das Übel zu. Der satanistische Bruder und der unheimliche Vater. Die Welt war grausam.
Als er nun unweigerlich schon so nah am Ziel war, wurde er immer langsamer und blieb in einem gebührenden Abstand stehen. Nicht aus Respekt, sondern aus der übermannenden Angst.

"Krolock, kann ich mit Dir reden?"

Eigentlich wollte er die Worte gar nicht aussprechen, nein, gewiss nicht, allerdings hatten sie schon die Freiheit gefunden, bevor er sie überdenken konnte. Jetzt war es zu spät.


Er hatte den Ruf vernommen war aber nicht aus seinem Versteck gekommen. Nicht jetzt. Es war nicht an der Zeit und das spürte der Graue. Aber nicht nur sein untrügerisches Gefühl ließ ihn still verharren, sondern auch sein verändertes Wesen. Das Wesen, dass den Schmerz nutzte um anders zu sein. Veränderbar und doch stillstehend. Warum auch sollte der Graue noch so sein, wie die Anderen ihn haben wollten? Oder wie er es selbst am besten fand? Er hatte Alles verloren, Alles was er liebte, Alles was ihn die Sicherheit eines vernünftigen Weges gegeben hatte. Natürlich, er war nicht allein, aber einsam. Der Tod seiner Welpen hatte sich wie ein düsterner Schleier auf sein gemüt gelegt und wollte nun nicht mehr weichen, nicht mehr weg. Er ließ es zu- es war nicht mehr Akru, nur noch der Zeitwächter. Es war eh nicht wichtig. Banshee hatte überlebt und schien in ihre alte Rolle gefallen zu sein. Zum Einen war der Graue froh über ihre Sicherheit, über ihr Wohlergehen. Zum Anderen war er voller Zorn. Sie hatte Alles aus ihrem Leben verbannt war er ihr gegeben hatte. Selbst die Freiheit zu wählen. Sie wollte sterben und ging diesen Weg mit Würde und Demut. War ihm Recht, und doch war er nur das Sprungbrett auf den anderen Weg gewesen, ausgenutzt und weggeschmissen. Er hatte es ja nicht anders gewollte, hatte ihre Schuld auf sich geladen und glaubte damit glücklich werden zu können. Doch das konnte er nicht werden, nicht so, nicht mit diesem Hassgefühl in seiner Brust, welches ihn mehr und mehr einnahm. Er war sich bewusst gewesen, dass Banshee ihn nicht lieben würde, aber war er in ihren Augen so wenig wert? Konnte sie einfach seine Existenz verleugnen, vorallem nachdem die gemeinsam gezeugten Welpen gestorben waren? Sie war nicht grausam, aber ihr Weg schmerzte den Rüden zutiefst. War er wirklich nur ein Parasit? Und wenn ja, was suchte er noch hier? Glück? Pah! Wohl nicht, er fand das Gegenteil und mehr. Schmerz, welchen er nicht mehr empfunden hatte seitdem Gani verschwunden war, seitdem der eigene Bruder ihn verraten hatte. Schmerz, das war lange ein Fremdwort für ihn gewesen und nun umgarnte es ihn wie eine alltägliche Gegebenheit. Er war hart geworden, ohne Sicht auf Besserung. Nur einen Entschluss hatte er im vollen Bewusstsein getroffen, er würde nicht gehen, nicht ohne das. Nicht ohne das, was er brauchte. Was vielleicht sein Schicksal und sein Ende war. Dieses Leben musste noch weitergehen und er wusste, warum. Noch einmal würde er sünden müssen. Noch einmal würde er etwas zerstören was gerade wuchs. Wieder einmal würde er das Leben eines Anderen verändern. Und diesen Wolf liebte er ebenso, ebenso wie Banshee. Mit dem feinen Unterschied, dass sie ihm verzeihen würde.
Murrend erhob er sich, setzte ein Lächeln auf, tot und gestorben und schritt aus dem Dickicht hervor. Direkt auf die kleine Isis zu. Die blauen Augen kalt und starr.

"Schwesterherz",

raunte er leise. Bei dieser Bedeutung wurden die Ketten der Sünde fester um ihn gezogen. Sie würde es sein, die sein Leben mit diesem Fluch ein Ende machte. Das schwor er sich und er wusste auch genaus, wie er das anstellen würde. Schon geschwunden von all den Wunden, war er dennoch bereit ein weiteres Mal zu kämpfen und auch dafür zu sterben. Er war schließlich nicht immer nur eine Marionette, nicht immer ein Parasit gewesen. Er wusste was Stolz war, er wusste, wie man das bekam, was man wollte.
Die zwei fremden Rüden bei ihr bedachte er nur kurz mit einem scharfen Blick und einem kaummerklichen Nicken. Dabei viel ihm besonders dieser gefelckte Fellbüschel ins Auge. Ein Hund, ein Wolf? Beides.

"Interessante Gesellschaft die Du da hast."


Kivilcím wunderte sich nicht über die Intelligenz des jungen Rüden. Fast jeder Rüde in seinem Alter war intelligent, doch Jakash bekam Kivilcíms Respekt für seine Furchtlosigkeit und die Verantwortung die er übernahm. Sein Blick ruhte auf ihm, es machte Kiv nicht viel aus dass er nebenbei noch mit der kleinen Fähe srach. Caylee. Jakash und Caylee waren also verwandt. Verwandschaft. Was war das schon? Nichts verbindete einen mit den eigenen Verwandten, denn es fließt nicht einmal ein und dasselbe Blut durch ihre Adern. Ähnliches Blut? Wen kümmerte das schon? Immerhin erkannte ein Wolf auch nicht nur am Geschmack oder am Aussehen des Blutes welche Beutetiere mit einander verwandt waren. Jedes Blut sah gleich aus, manches dunkler, manches heller. Und auch schmeckt die Flüssigkeit bei jedem gleich. Erst als die beiden wieder aufhörten zu reden ließen seine Gedanken ihn los und er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die zwei jungen Wölfe. Als Kivilcím seine Fänge öffnen wollte um etwas zu sagen machte sich eine Fähe bemerkbar. Sie misstraute ihm. Klar. Wer tat das nicht? Am liebsten würde Kivilcím sich selbst misstrauen. Er lächelte. Rakshee also. Kivilcím nickte ihr zu.

,,Nun.. ich habe zwar eine Familie, doch sie sind alle ein wenig..."

Er stoppte. Sie waren verrückt, tot und krank. Sollte er so etwas zu Caylee sagen? Für so etwas war sie zu jung, das könnte Nachteile haben so mit ihr zu reden. Er überlegte, suchte Worte.

,,..anders. Anders als du, Rakshee und Jakash. Sie wissen gar nicht mehr was sie reden und deshalb möchte ich nicht so gerne Zeit mit ihnen verbringen"

Er schickte ein kleines Lächeln zu der Welpin, bevor er seinen Blick auf Rakshee richtete.

,,Ich danke dir, Rakshee. Also eigentlich bin ich auf der Durchreise, doch ich glaube meine Knochen und Gliedmaßen machen dass nicht mehr lange mit, also habe ich mich so eben umentschieden und würde gerne bleiben, wenn dies keine Umstände oder Komplikationen auslöst. Wäre es vielleicht möglich mit einem Alphatier zu reden oder ist es eher ungünstig?"

Er spürte ein wenig Druck und Stress zwischen all dem Frieden, doch es lohnte sich immer zu fragen. Sein Lächeln verabschiedete sich etwas steif. Doch das bemerkte Kivilcím gar nicht.


Voellig orientierungslos wanderte Lucina umher, ohne auch nur den geringsten Schimmer zu haben wo sie war. Hatte sie sich etwa schon wieder verlaufen? Sie erinnert sich nicht je schon einmal hier gewesen zu sein, aber was kuemmerte sie das schon? Es war ja nicht so, als haette sie irgendeinen Ort den sie 'Zu Hause' nennen koennte.
Verwirrt hebte die junge Woelfin ihren Kopf und sah sich um. Nichts. Nicht einmal ein Vogel. Sie streckte ihre kalte Schnauze in die Luft um etwas zu erschnueffeln. Es dauerte eine Weile bis sie den Geruch mehrer Artgenossen herausfiltern konnte, doch als sie diesen bemerkte, wurde aus der anfaenglichen Skepsis wurde pure Neugier gemischt mit ein wenig Unsicherheit. Was, wenn sie so sind wie die anderen, die ich unterwegs getroffen hab? Freundlichkeit war ja nicht eines ihrer Lieblingsworte....
Doch ohne es selbst zu merken, ging sie schon einige Meter weiter. Ihre Neugier war einfach zu gross, was ihr schon mehr als einmal beinahe zum Verhaengnis geworden waere. Mit gesenktem Kopf schritt sie also weiter voran und versuchte die Muedigkeit zu bekaempfen. Sie haette in der letzten Nacht nicht die ganze Zeit die Fische beobachten sollen, wie sie Strom aufwaerts schwommen. Manchmal wuenschte sie sich, sie waere bereits aelter und liesse sich von solchen Dingen nicht so faszinieren. Aber so war sie nun einmal und wuerde wahrscheinlich in 5 Jahren Fische noch unheimlich interessant finden. Sie seufzte. Wenn sie alleine ueberhaupt so lange ueberleben wuerde. Langsam wurde der Geruch von anderen Woelfen, dem sie schon die ganze Zeit folgte, staerker. Sie musste sich also der Grenze naehern. Mit gespitzten Ohren beschleunigte sie ihre Schritte und spuerte schon fast so etwas wie Vorfreude.
Ploetzlich blieb sie ruckartig stehen. Es war ein Eichhoernchen das direkt vor ihr stand. Lucina sah es mit leicht zur Seite geneigtem Kopf an und wunderte sich warum es nicht weglief. Schliesslich war sie doch furchteinfloessend...jedenfalls glaubte sie das. Unbeirrt sass dieses kleine flauschige Wesen weiterhin dort und knabberte an irgendetwas hartem, das fuer die Weisse aussah wie ein seltsam geformter, brauner Stein. Sie knurrte kurz und als das Eichhoernchen aufsah und wegrannte ging Lucina weiter. Vielleicht war sie fuer die anderen Rudel 'zu nett' gewesen? Das konnte nicht sein. Sie war der festen Ueberzeugung, dass sie maechtige, beaengstigende Woelfin war. Sie seufzte wieder. Dieses Eichhoernchen muss einfach unheimlich mutig gewesen sein. Da hielt sie wieder an. Aber diesmal kreuzte nichts ihren Weg. Jedenfalls nichts sichtbares. Lucina merkte, dass sie die Grenze erreicht haben musste. Sie wusste nicht ob sie einfach weiter gehen, und damit womoeglich den Zorn des hier beheimateten Rudels auf sich zieht, oder lieber hier warten sollte. Sie entschloss sich fuer letzteres und setzte sich nachdenklich hin. Irgendwie musste sie auf sich aufmerksam machen. Da sie nicht viele Moeglichkeiten hatte dies zu tun, begann sie laut zu heulen. Es war ein helles Heulen, aber kein Quietschen oder aehnliches. Es hatte mehr etwas melodisches.

Nach dem dritten heulen, legte sie sich hin, ihren Kopf auf den Vorderpfoten ruhend, und wartete ab. Allmaehlich ueberkam die junge Woelfing wieder die Muedigkeit, die sie den ganzen Weg lang erfolgreich hatte verdraengen koennen. Ohne es zu wirklich zu realisieren, schloss sie die Augen und schlief ein.


Anubis freute sich, dass er nicht gleich verjagt worden war. Außerdem hatte er so nocheinmal bestätigt bekommen, dass er sich jetzt innerhalb eines Rudels befand. Außerdme hatte er auch erfahren, wo er später den Alpha finden konnte, was auch schonmal eine große Erleichterung war. Und da war noch etwas. Die Welpen stromerte nun draußen herum. Der Rüde freute sich schon wahnsinnig darauf, die herumtobenden Kleinen kennen zu lernen und mit ihnen zu spielen, sofern ihre Mutter das zuließen und er in der Rudel aufgenommen wurde.

Nachdem die Sandfarbene auch Jukka begrüßt hatte, dachte Anubis darüber nach, ob er sich jetzt lieber sofort zum Alpha begeben, oder noch ein bisschen mit der Wölfin sprechen sollte. Nach kurzem zögern entschied er sich für Letzteres. Er lebte jetzt so lange in der Nähe des Rudels und hatte nicht mit dem Alpha gesprochen, da würden ihn ein paar Minuten oder Stunden auch nicht unbringen. Vielleicht würde er dabei sogar etwas über das Rudel und das Leben im Rudel lernen. Außerdem mochte er ihre Art. Weil Anubis vor Aufregung nicht still stehen konnte, lief er beim Zuhören und Sprechen immer ein wenig hin und her und wedelte immernoch mit den Rute.

"Ein hübscher Name. Isis. Schwinge des Osiris... ich wollte schon immer mal fliegen! Es muss wunderbar sein, wie ein Vogel über die Welt zu segeln, ohne je irgendwelche Grenzen zu haben... Kein Berg zu hoch um ihn zu übersteigen und kein Weg zu weit, um ihn zu begehen und..."

Anubis grinste verlegen.

"Tut mir leid, ich schweife gern mal vom Thema ab. Mein Vater hatten auch einen ähnlichen Namen, nämlich Amun. Ich lernte ihn leider nie kennen, da er von einem Menschen getötet wurde, doch meinte Mutter, deren Ebenbild ich bin - sie war nur kleiner -, erzählte mir, dass die Vorfahren meines Vaters aus einem Land kommen, in dem seltsame riesengroße dreieckige Gebilde herumstehen, in die die Menschen ihre Verstorbene gelegt haben. Ziemlich viel Aufwand für einen Toten, oder? Es muss wirklich lang gedauert haben, die Teile zu bauen.

Wahrscheinlich haben sie mich nach dem Gott der Toten benannt, weil ich ihr einziges Kind bin, wobei Amun nach dem Gott der Fruchtbarkeit benannt ist. Ich glaube nicht wirklich daran. Wahrscheinlich lag es daran, dass meine Eltern zu alt zum Welpen bekommen waren, aber nicht darüber nachdachten. Aber gut, weil ich ihr einziges Kind war, bin ich so groß geworden. Und das ist eigentlich ganz nützlich."


Anubis wusste, dass er wieder ziemlich viel redete, aber so war er nunmal. Außer seine Mutter hatte er früher nie jemanden zum Reden gehabt. Als er Jukka kennengelernt hatte, holte er das in großen Zügen nach. Doch meistens begann er während des Redens über verschiedene Sachen zu sinnieren, woran sich Jukka wohl schon gewöhnt hatte, doch andere vielleicht irritieren konnte. Er ließ seine hellen blauen Augen über den weiten See streifen. Als Vogel über ihn hinweg zu fliegen. Oder vielleicht als Fisch durch ihn hindurch. Oder...
Plötzlich bemerkte er einen grauen Rüden, der sich ihnen näherte und Isis ansprach. Anubis nickte ihm sogleich ebenfalls zu, kaum merklich und freundlich.

"Guten Tag! Mein Name ist Anubis und das hier ist Jukka... Du bist genau derr dritte Wolf, den wir hier treffen! Wir wollen uns nachher dem Alpha vorstellen, weil wir uns dem Rudel anschließen wollen.
Und Isis ist deine Schwester? Ihr seht so... unterschliedlich aus."


Er hatte es sich im Unterbewusstsein schon fest zur Aufgabe gemacht, gleich immer Jukka mit vorzustellen. Wie könnte er ihn auch vergessen?


Isis lauschte lächelnd Anubis' Worten und sie wollte ihm grad freudig antworten, dass sie aus eben diesem Lande stammte, als ein grauer Rüde sich zu ihnen gesellte. Seine blauen Augen stachen einfach heraus. Isis Rute wedelte etwas doller und schleckte überschwenglich über Akrus Schnauze, als sie Anubis Frage beantwortete:

"Geschwister im Geiste, nicht leiblich. Sei mir bitte nicht böse, vielleicht solltet ihr wirklich zu Banshee gehen und euch vorstellten, aber ich habe Akru schon sehr lang nicht mehr gesehen."

Isis lehnte sich an den Rüden. Ein leichter Schauer rieselte über ihr Fell, aber es war einfach nur die Wiedersehensfreude. Die Wüstenwölfin steckte ihre Schnauze in das graue Fell des Rüden und winselte leise. Dann trabte sie in den Wald hinein, sprang fröhlich wuffend über einen Ast. Leichtfüßig gab sie sich hin ohne zu Ahnen, welch Wirkung sie auf die Rüden haben könnte, indem sie so ihren Körper zur Schau stellte, aber für isis war es nur ein Spiel und es war nur ihr Bruder, der dort stand. Und die beiden anderen Rüden, aber das war unwichtig, sie waren neu und noch nicht im Rudel, obwohl isis zuversichtlich war, dass sie aufgenommen werden würden. Nun wollte sie aber lieber allein mit Akru sein... mit ihren Bruder. Wer weiß, wann er das nächste Mal verschwinden würde.

Müde sah die Alphatochter zu dem Braunen auf. Ihre Wut war gänzlich verraucht, hatte Traurigkeit und Angst Platz gemacht. Er war plötzlich so nett zu ihr, egal, wie sie ihn behandelt hatte. Noch immer schüttelten die Schluchzer ihren Körper, doch Malicia fasste sich schnell. Kraftlos sank sie auf die Hinterpfoten und dachte nach. Niemand hatte ihr etwas in diesem Rudel getan, die Welpen waren Produkte der Liebe. Sie hatte sich völlig umsonst aufgeregt, war ausgetickt, weil sie es brachte. Der Schmerz, den ihr dieser Kensharion verursachte, war riesengroß – sie war neidisch auf ihn. Seufzend wendete sie sich wieder Yerik zu, lächelte ihn freundlich an und freute sich über seine Beharrlichkeit. Ihr Mut fasste sich wieder und die Schwarze redete wieder.

“ Es tut mir leid, was ich gesagt habe.“ Verlegen sah sie auf ihre Pfoten. “Wirklich, es tut mir leid – und … danke. “

Die Fähe lächelte Yerik freundlich an, dann sah sie zum Himmel. Schwere, graue Wolken hingen noch immer über ihnen, doch Malicia schien es, als würde die Sonne herunter scheinen. Sie wusste nicht mehr, was sie sagen sollte und sah einfach nur zum Himmel. Wie gerne wäre sie jetzt anders, so lebensfreudig wie Daylight oder wenigstens so sensibel wie Amáya. Aber nein, sie war ja das schwarze Schaf in der Familie, diejenige, die sich nicht anpassen wollte. Ärgerlich schnaubte sie. Sie hatte ganz vergessen, dass der braune auch noch da war, hatte ihn aus ihrem Kopf vertrieben. Aber dann besann Malicia sich und sah ihn wieder an.

“ Was meinst du, Yerik, sollten wir nicht langsam zum Rudel zurückkehren? „

Frech grinste die Fähe ihn an und wartete auf eine Antwort. Sie wusste selbst nicht, warum sie das gesagt hatte – die Welpen waren jetzt das, was sie am wenigsten vermisste.


Der weiße Rüde stellte sich als Anubis vor und der Gefleckte besaß den Namen Jukka, was weniger interessant war als Ersteres. Anubis, diesen Namen hatte er schon gehört. Es war der Name einer der Götter der kleinen Isis. Mit aufmerksamer dennoch kalter Miene begutachtete der Graue sein Gegenüber. Ohne Vorurteile und mit Verlaub, er war eine Quaseltasche.
Doch die Frage musste er allerdings nicht beantworten, das tat schon seine Schwester für ihn. Er gab wieder nur ein seichtes Nicken, diesmal erlosch allerdings das Lächeln von seinen Lefzen. Die Gewissheit, dass nun diese Tatsache offen stand, machte sein geplantes Vorhaben nicht einfacher. Er würde der kleinen Wüstenwölfin nicht das Herz brechen wollen und auch sonst nicht weh tun, aber mit der tatsächlichen Gewissheit, dass sie so unbekümmert ihre Reize offen stellte, machte Akru fast wahnsinnig. Nicht, weil er ihrem Scharm nicht widerstehen könnte, viel mehr, dass sie keine Ahnung hatte, welch Vorsicht er gehabt hatte.

"Es stimmt, wir sind nur Geschwister im Geiste und mit einem Schwur verbunden. Ihr findet die Leittiere beim Rudelplatz, wenige Minuten in nördlicher Richtung. Seid vorsichtig, wir haben viel Nachwuchs in den letzten Wochen gewonnen",

mit diesen Worten wandte er sich ab und schritt der Wüstenwölfin hinterher. Langsam und mit viel Ruhe. Noch immer schmerzte der Gedanke, dass auch seine Welpen über den Platz hätten toben können. Was er nicht ahnen konnte, dass tatsächlich einer seiner Kinder bei den Anderen war. Vielleicht würde dieses Wissen ihn aus seiner tiefen Wut reißen. Doch momentan war es eher sein irrwitziger Plan, der ihn vorantrieb. Das Wissen um baldige weitere Nachfolger und Erben. Es war doch nicht zuviel verlangt. Und wer weiß, vielleicht waren ihre Seelen wieder in der Welt? Aszrem hatte es ihm erzählt, der Schwarzbraune glaubte daran. Und Akru tat es nun auch, nicht aus fester Überzeugung, nein, aus reinster Verzweiflung. So wurde die kleine Schwester zum Werkzeug seiner Machenschaften, wenn gleich er ihr das Leid ersparen wollte, was er selbst trug. Ausgenutzt und verlassen. Nein, er würde bei ihr bleiben und sie bei ihm. Das war ihr Schwur und sie musste ihn halten sowie auch er. Es geschah auch aus Liebe, einer falschen. Liebe aus ihrem eigen Willen, das hatte Isis einmal gesagt. Welch Liebe dafür nötig war, war nicht wichtig.

"Isis, kleine Schwester, erinnerst Du unseren Schwur?",

fragte er, als sie außer Hörweite der Anderen waren. Mit einer monotonen und fast machanischen Stimme. Wer war er nun? Der Zeitwächter, mehr nicht, mehr war nicht nötig.


Auf ihre Frage hin lächelte der schwarze nur. es brauchte keine Worte für seine Erlebnisse und doch sprach er ein leises "Ja" in Kaedes Richtung aus. Dann allerdings wandte er sich auch schon ab. So sehr er sich gefreut hatte wieder hier zu sein, er brauchte einen Moment für sich. Allerdings würde er Kaede jetzt nicht allein lassen. Er selbst legte sich neben die graue und schloss die Augen, den Kopf auf die Pfoten gebettet. Auch wenn man es ihm nicht ansah, die Reise hatte ihren Preis gefordert, hatte ihn älter gemacht. Er war anders, auf eine unmerkliche Art war er nicht mehr der Wolf, der er gewesen war ehe sie aufgebrochen waren. Er war....weiser geworden, glücklicher und doch ein wenig rastloser. Wie lange blieb er wohl noch an diesem Ort? er konnte es nicht sagen aber irgendwann würde mit sicherheit der Tag des Abschieds kommen. War er darauf vorbereitet? nein war er nicht. er würde es wohl auch nie sein. Ein Seufzen entwich ihm und er gähnte verhalten. Sein Pelz juckte ein wenig aber er rührte sich nicht mehr, wollte nur noch ruhen und wenn möglich auch schlafen denn das war in all der Zeit zu kurz gekommen. Trance war ja kein Schlaf und daher wenig erholsam

Isis umkreiste fröhlich wuffend ihren Bruder. Sie spürte dieses Flimmern in der Luft, aber ignorierte es erfolgreich. Auch war ihr Bruder irgendwie verändert... nicht mehr wirklich wölfisch.
Jedoch, was machte es denn noch aus? Akru würde wahrscheinlich noch leiden, weil Banshee ihn so von sich stieß, wie ein Stück Dreck beiseite wischte. Nein, das war nicht richtig. Man konnte Akru nicht allein Schuld an diesem Unglück geben... so war das nicht richtig. Isis zog verspielt an dem Ohr des Grauen, blieb dran hängen und nuschelte:

"Mein Schwur? Na sicherlich weiß ich das noch, Akru. Ich bin doch noch nicht so alt, sodass ich alles mögliche vergesse."

Die kleine Wölfin ließ das Ohr ihres Bruders los, rannte quer durch den Wald, sprang leichtpfotig über die Baumstämme und schnappte nach allen möglichen was durch die Luft schwirrte. Ihr Herz machte viele, kleine Hüpfer. Sie freute sich einfac darüber, wieder etwas Zeit mit Akru verbringen zu dürfen. Sie liebte es einfach ihn all sein Leid vergessen zu lassen, denn das war mittlerweile offensichtlich: Ihre Fröhlichkeit war unglaublich ansteckend. Isis hatte mittlerweile einen Baumstamm, der quer auf dem Boden lag, erklommen, tänzelte an die Spitze und blieb dort stehen, wie ein Löwenkönig auf seinem Felsen. Der Wind striff zärtlich durch ihr Fell und mehr denn je erblühte ihre exotische Herkunft. Isis streckte witternd ihre Schnauze in die Lüfte und stellte die Ohren weit auf. Die Duft des Nils und der Wüste vermischten sich mit Akrus in ihrer Nase und vor Glückl hörte ihre Rute nicht mehr auf zu wedeln.

"Oh Isis und Osiris, ich fühle eure Flügel, die mich in meine Heimat tragen. Ich spüre, dass ihr bei mir seid, dass ihr meinen Weg lenkt. Osiris, Isis, so erhellt auch Akrus Pfad."

Isis drehte ihren Kopf herum und lächelte Akru fröhlich mit ihren Augen an. Diese glänzten wie die Sonne. Scheinbar schimmerte sowieso ihr ganzer Körper, als wäre sie die Wüste, die königlichkeit der Pharaonen, die Macht des Nils, ein Geschenk der Götter in einer Person... lebendig und voller Schönheit. Isis legte den Kopf schief. Auch Akru, der immer jung blieb, schien von diesem Glanz getroffen... in ihren Augen. Voller stärke und Schönheit. Pharao und seine Königin...

"Ich neige mein Haupt vor dir."

Isis senkte ihren Kopf in Akrus Richtung, wie es die Königingemahlin vor ihren Gatten tat.


Die Augen Liels schwirrten nur so umher. Es gab so viel Neues zu sehen und zu speichern, sie wusste einfach nicht, wie sie in dieser großen Welt klar kommen sollte. Sie stellte fest, dass es reichlich verwirrend war, vor allem wenn man bei dem ganzen Erkunden auch noch versuchen wollte, die Gespräche der anderen zu verfolgen. Das war ein hoffnungsloses Unterfangen, wieder wuchs die Bewunderung für die großen Wölfe ein wenig mehr, sie mussten unheimlich klug und intelligent sein, um das alles auf einmal zu können. Das und noch vieles mehr konnten sie, und sie, Liel, würde das alles noch lernen müssen. Fast hätte sie aufgeseufzt, bis sie merkte, dass sie gespannt auf das war. Sie wollte gerne alles lernen und würde sich anstrengen, sodass sie in allem gut werden würde.
Zufriedenheit legte sich auf ihr Gesicht, als Banshees Antwort sie erreichte und sie schenkte ihr noch ein bezauberndes Lächeln, was sie daran erinnern sollte, auch wirklich nicht traurig zu sein.
Verwundert registrierte sie dann, wie die kleine Amúr sich mit irgendetwas zu schaffen machte. Erst beschnüffelte sie die Erde, trabte dann zu dem Gebüsch um dann wieder zurück zu kehren. Neugierig blickte sie sie an, was machte sie da? Lange konnte sie sich nicht fragen, denn es trat ein Rüde zu ihnen, der ihre Mama begrüßte. Schnell hüpfte sie wieder zu ebendieser, sie war für ihre Mama da, obwohl es nicht schien, als ob der Rüde eine Bedrohung darstellen konnte und so wie er sie begrüßte, kannte Mama ihn auch. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb wollte sie sich einprägen wie er aussah, wie er roch und wie er so war. Sofort fiel ihr auf, dass er nicht sonderlich viel sprach. Bis auf die Begrüßung eigentlich gar nicht und gleich fragte sie sich, warum dies so war. Am liebsten wäre sie von Wolf zu Wolf gegangen und hätte alle gefragt, wie es ihnen ginge, wieso und einfach alles, was man fragen konnte.
Grinsend schnippten ihre Ohren umher, wie schön es hier doch war! Gespannt drehte sie sich dann zu Kaede, als diese anfing ihr zu erklären, was sie ihr hatte erklären wollen. Wow, immerhin wusste sie nun, dass Mama verstanden hatte, was sie beschreiben wollte! Dann konnte es ja nicht zu schlecht sein. Sie blickte zu dem, was Mama ‚See’ genannt hatte. Was für ein wunderschöner See. Das Wasser faszinierte sie und gerne würde sie mal hinüber laufen und sich diesen See genauer anschauen. Weiter ging ihr Blick zu den Bäumen, die sich sanft im Wind wiegten. Bäume, komische Dinger fand Liel, warum auch immer sie dort standen. Und, was war hinter ihnen? Gab es da noch andere Welten? Konnten sie in diese Welten gehen, oder war dieses große Stück Erde hier die Welt in der sie leben würden? Verwirrt hielt Liel in ihren Gedanken inne, es hatte sich ein riesiger Knoten in ihrem Kopf gebildet und sie merkte, wie sie unbedingt über etwas anderes nachdenken sollte. Sonst würde sie das alles noch fragen müssen und dann konnte sie nicht gewähren, dass es nicht ein riesiges durcheinander von Worten werden würde.
Und da kam auch schon die eben gewünschte Ablenkung. Eine weitere Fähe, die ihre Mama kannte. Wieder konnte Liel nur staunen, wie viele Wölfe kannte ihre Mama hier wohl in diesem Rudel. Also, so wirklich kennen, sie wusste schon, dass ihre Mama Beta war, ganz genau konnte sie den Begriff noch nicht einordnen, aber anscheinend war es irgendetwas Wichtiges und anerkanntes in einem Rudel. Demnach kannte sie wohl alle Wölfe aus dem Rudel, aber auch so richtig gut? Sie stoppte ihren Gedankengang, es würden sonst wieder zu viele Fragen werden. Also musterte sie die schwarze Fähe, die ihre Mama mit Tante ansprach.

„Was ist das eine Tante?“

Neugierig schielte sie zu der Fähe hinauf, die sich an Kaede schmiegte. Anscheinend war eine Tante wer, denn jemand sehr gerne mochte. Aber es verwirrte sie, dass sie dieses Wort dann noch nie gehört hatte. Sie hütete sich ihren Gedankengang auszusprechen, sicher war sie sich nämlich nun nicht mehr. Noch hatte sie zwar keine Antwort erhalten, aber Chanuka war auf ihre Mama hinzugetreten und hatte sie nach ihrer komischen Augenfarbe gefragt. Anscheinend wusste nicht jeder, was mit ihrer Mutter los war. Sie hoffte, dass Kaede die Frage nicht betrüben würde, wollte aber gerne antworten. Sie mochte Chanuka irgendwie, er sah so wunderbar knuffig aus. Sie tappte ihm entgegen, weg von der schwarzen „Tantensager“ Fähe und hin zu Chanuka. Vorsichtig stupste sie ihn an, bemüht dabei nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

„Solche Augen, wie Mama sie hat, hat hier auch sonst keiner mehr, deshalb kennst du sie nicht. Sie sind aber übrigens nicht komisch, denn auch obwohl sie eher farblos aussehen, sind sie wunderschön. Schau sie dir genau an, siehst du den Schimmer in ihnen? Sie können fast genauso sprechen, wie farbige Augen. Aber du fragtest ja warum sie so aussehen. Mama ist das Augenlicht genommen worden. Sie kann dich nicht mehr sehen, weiß aber trotzdem, dass du da bist, wo du bist und wer du bist. Erstaunlich, nicht wahr?“

Sie strahlte Chanuka an, hoffte, dass er sie verstehen würde und ihre Mama nicht verachten würde, wegen dem, was ihr zugestoßen war. Jemand der ihre Mama nicht mochte, den mochte Liel automatisch auch nicht. Und da sie Chanuka ja eigentlich sympathisch fand, fände sie es sehr doof, wenn sie ihn nicht mehr mögen dürfen wollte.
Puh, Ciradán versuchte stark zu sein und wollte seine Mama nicht beunruhigen. Liel wollte nicht, dass er so traurig war und bewunderte ihn dafür, wie mutig er tat nur um geachtet zu werden. Sie hoffte, dass ihm sein mutiger Nichtmut nicht abhanden kommen würde, sie mochte ihn so wie er war, zweifelnd schaute sie ihm nach, wie er zu ihrem Bruder schritt, ihr geliebter Bruder Krolock. Sie wusste, dass sie beide sehr mochte und trotzdem standen sie und Krolock sich näher, als sie und Ciradán. Sie zweifelte an der Richtigkeit dieses Gefühls, schließlich waren es doch beide ihre Brüder und sie wollte sie nicht einsortieren. Aber irgendwie geschah es ganz automatisch. Etwas in ihr sagte, dass sie beide liebte, Krolock aber mehr. Mehr war dabei gar nicht das richtige Wort. Es fehlte Liel einfach. Sie konnte sich nicht innerlich so ausdrücken, wie sie wollte. Sie wusste nicht, wie sie dies anstellen sollte und hoffte einfach, dass sie trotzdem auch immer für Ciradán da sein konnte. Nun schielte sie ihm also hinterher, in der Hoffnung, dass Krolock ihm nichts tun würde. Ah, genau, da war auch ihr Papi. Aufgeregt ließ sie ihren Kopf zwischen den hier stehenden Wölfen und ihren Brüdern und ihrem Papa hin und her schweifen.
Sie beschloss, dass sie zu ihnen laufen würde, wenn sie hier alle ihre Antworten bekommen hatte. Ihre Mama, die gerade noch mit dem fremden Rüden geredet hatte, endete und sie konnte die kurze, geflüsterte Antwort von ihm nicht verstehen und beobachtete ihn, während er sich auf den Boden sinken ließ. Anscheinend wollte er sich ausruhen, demnach kam er nicht in Frage um angesprungen zu werden. So ein Mist!


Aryan Die Graue saß weit entfernt des Rudelplatzes und dachte an den Schwarzen. Ihr schien, als hätte sie einen Freund fürs Leben gefunden. Der Rüde war von Anfang an freundlich zu ihr gewesen, dass hatte noch nie jemand getan. Er war so offen. Selbst Akru hatte den ungewollten Welpen zuerst argwöhnisch betrachtet, bevor er begann, sie als seine Tochter zu lieben. Das hatte Gani tief verletzt. Wie ein Kratzer, der jetzt wieder aufriss und zu bluten begann. Sie wollte zu ihrem Vater, da half auch Aryans trostspendende Anwesenheit, die er ihr zur Zeit sowieso nicht geben konnte. Sie wollte nicht sagen, dass sie sich gebessert hatte, aber sie fühlte sich wohler in ihrer Haut als früher. Sie konnte endlich einmal nett sein und wurde nicht ständig an ihre Vergangenheit erinnert. Das war ihr immer ein Dorn im Herzen gewesen. Konnte man sich dem Bann Fenris’ entziehen? Gani würde es nicht zur Probe stellen, aber sie würde es weiter achten, den Befehlen des Gottes zu folgen. Die Graue war vorsichtig, auch wenn es nicht zu ihr passte. Sie hatte den Sinn ihres Lebens gefunden – Akru – und war nicht bereit, das so bald wieder aufgeben zu müssen. Als Welpe schon war sie intelligenter als alle anderen gewesen, doch sie hatte den Schmerz gespürt, wie ein Dorn, der sich durch ihre Haut bohrte, als sie ihren Vater die Klippe hinunter gestürzt hatte. Das neue Rudel war wie eine Stütze für sie, doch sie musste auch selbstständig sein, um zu überleben. Es half ihr aber beim Wiederaufbau ihrer Freundlichkeit, der Linderung ihres Hasses und ihres Schmerzes. Und das Wissen, dass jemand in der Nähe war, machte sie glücklich – sie fühlte sich so sicher und geborgen. Die Prinzessin wusste das alles zwar, aber es änderte nichts daran, dass sie sich immer noch einsam und verlassen fühlte. As Welpin hatte sie eine beste Freundin gehabt – Línyin – aber diese hatte Gani genauso enttäuscht wie alle anderen und war geflohen vor der Zukunft. Sie wünschte sich eine neue beste Freundin. Zwar hatte sie Aryan – einer der wenigen, die sie in diesem Rudel überhaupt kannte – aber er war eben kein Ersatz für eine Freundin. Vielleicht doch, Gani hatte ihm ihr Herz ausgeschüttet, aber irgendwie fühlte es sich anders an, mit ihm oder mit Línyin zu sprechen. Eigentlich war die Prinzessin eine wunderschöne Wölfin, mit einer außergewöhnlichen Färbung, kristallblauen Augen und markanten Gesichtszügen. Doch sie fand ihre Augen schmutzig, die Färbung hässlich und ihre glockenhelle Stimme verräterisch. Sie schätzte sich selbst nicht mehr. Eine Träne rollte über ihr hübsches Gesicht und landete auf dem Waldboden. Traurig stand Gani auf und erneut rollten Tränen aus ihren Augen. Sie hatte wieder Angst vor der Zukunft – vor ihrer Zukunft.

Urion wollte sich grad zur Seite fallen lassen und seinen Sohn etwas zu sich ziehen, als eine scharfe Stimme diesen zu sich befehligte. Urion blinzelte in die Richtung, wo eine kleine Welpin stand. Zum Glück war Krolock sofort dorthin gesprungen, als aus der Kehle des Verfluchten ein böses Grollen drang. Es war zwar sehr leise, aber dennoch... einen Welpen so anzugrollen... dazu gehörte einiges. Urion richtete sich somit wieder auf, versteckte das Blut unter dem Sand und schritt auf die kleine Tochter von Nyota an Aszrem zu. Trotz des verletzten Laufs musste der Nordwolf nicht mal humpeln, denn seinen Stolz Schwäche zu zeigen war geblieben... oder war das doch eher der Stolz des Fluches? Urion blieb vor der kleinen Schwarzen stehen, senkte weder Kopf noch Schnauze, sondern sprach von oben herab mit ihr:

"Sag mal, glaubst du, dass du meinem Sohn Befehle erteilen kannst, Kleine? Ich werde ihn schon nicht fressen."

Es war purer Schmerz, der aus dem Rüden sprach. Schmerz darüber, dass seine Erscheinung den Welpen Angst machte... vielleicht auch seinen Kindern... er hasste sich selber. Wie damals und noch schlimmer.
Der Blick aus den rot-grünen Augen fiel auf den mutigen Chardim. Urion mochte den Welpen von Averic und Tyraleen. Nicht nur wegen der interessanten Fellzeichnung, sondern auch wegen den besonderen Augen. Und tatsächlich schaffte es Urion den Welpen ein Lächeln auf Wolfsart zu schenken. Ein ehrliches Lächeln ohne Bedrohung oder sonstigem. Als Urion sich wieder Krolock widmen wollte, stand dort sein anderer Sohn und wollte mit seinem Bruder reden. Zärtlich wurde seun Blick, zärtlich und liebevoll. Die Wege des Fluches waren sonderbar... nur weil er die Familie des Rüden liebte konnte der Rüde sie auch lieben. Ein wunderbares Glück, was ihm zuteil wurde. Urion blieb kurz bei den Welpen stehen. Fuhr ihnen mit der Zunge über die Köpfe und lächelte.

"Redet wie Erwachsene miteinaner, okay? Versprecht ihr mir das?"

Schließlich entschloss sich Urion endlich zu Kaede zu gehen. Dort waren auch Liel und Kandschur. Kurz senkte er den Kopf um Liel zu begrüßen. Sie war wirklich wunderschön, dann ein knappes Nicken für Kandschur. urion setzte sich neben Kaede, lehnte sich gegen sie und genoss schweigend ihre Nähe und Wärme. Kurz vergaß er alles um sich herum. Der Rüde steckte seine Schnauze in das Fell der Grauen, dann fuhr er ihr mit der Zunge über die Schnauze.


Shákru lief langsam neben Tascurio her, lauschte dessen Worte und beobachtete den Welpen. Trotz seiner erwachsenen Worte, war er dennoch ein Welpe so wie er fröhlich durch die Büsche schoss und versuchte am besten gleich alles gleichzeitig zu registrieren, aber dann kam die Beherrschung wieder.

"Hm, eine Sternenleier... nun ja, ich kann dir das auch leider nicht erklären, Tascurio. So wirklich habe ich mir noch nie darüber Gedanken gemacht, aber wenn ichs heruasgefunden habe, dann werde ich es dir sagen und den Nachthimmel werde ich dir auch zeigen."

Seufzen blickte Minor zum Himmel.

"Wenn dann mal die Wolken weg sind."

Shákru Minor lief weiter mit dem Welpen in den Wald hinein. Dachte über dieses und jenes nach und freute sich endlich mal jemanden in diesem Rudel glücklich zu machen. Trotzdem hatte er immer einen Blick auf Tascurio. Trotz allen Erwachsensein war er eine leichte Beute für Falke und Co. Shákru lächelte leicht, als er Tascurio wieder anhörte. Tja, der Kleine hatte wirklich eine besondere Ansicht auf die Dinge, konnte daher vielleicht seinen Glauben verstehen.

"Gedanken, Tascurio... Gedanken. Nein, darauf habe ich auch keine Antwort, aber deine These, dass Götter aus weniger Atomen bestehen. Nein, dass ist nich möglich, denn sie müssen ja trotzdem irgendwo leben und essen und warum sollte ein Gotte denn sich die Mühe machen auf uns aufzupassen, uns leiden zu lassen und so weiter. Mir wäre das auf die Dauer zu anstrengend. Ich sehe in der ganzen Sache einfach keinen Sinn."

Shákru witterte etwas in der Luft herum, ob sich ein anderer Wolf aus dem Rudel näherte, aber es war alles friedlich.Minor hatte beschlossen Tascurio das Nichts zu zeigen. Es war noch ein ganzes Stück zulaufen, aber der Weiße würde sicherlich dann etwas dazu lernen und Shákru Thesen besser verstehen. Minor sprang mit einem Mal in die Luft und schnappte nach einer Maus, die er dann genüsslich verspeiste, dann fing er eine zweite für Tascurio.

"Bei der nächsten Maus kannst du probieren, wenn du möchtest."

Immer weiter ging es in den Wald hinein. Immer weiter auf das Nichts zu.