02.01.2010, 17:42
Es war einige Zeit vergangen, der Sommer im Tal, heiß, trocken und sonnig noch in vollen Zügen genossen, so wie es in den Bergen nicht möglich gewesen war. Das ganze Rudel hatte sich gemeinsam aufgemacht und hatte das Revier markiert, lange Tage der Wanderung, die jedoch weder von Eile noch von dem Gedanken auf ein böses Ende geprägt wurde. Damit unterschied sie sich ganz und gar von der, die sie in ihr Tal hinabgeführt hatte und war ausgelassen und fröhlich. Die Wölfe lernten das Tal kennen, alte Wege wurden wieder vertraut und bald konnten jene Mitglieder, die bereits vor dem Jahr in den Bergen bei ihnen gewesen waren, jeden Baum und jeden Stein wieder in und auswendig so wie jeder Wolf sein Revier kannte. Das Tal war wieder verwebt mit ihren Gerüchen, die des alten Rudels ausgemerzt mit einer fröhlichen Verbissenheit. Die Verletzungen waren geheilt, bei manchen waren Narben geblieben aber das war schließlich das Einzige, was von dem Kampf übriggeblieben war.
Es war Herbst geworden, die ersten Blätter färbten sich feuerrot und leuchteten grell zwischen dem noch immer grünen Gras und ihren noch nicht verfärbten Brüdern hervor. Es war ein milder Herbst, kein kalter Wind fegte durch das Tal und die Sonne lachte vom Himmel, verdrängte jede Wolke, die Regen oder Sturm bringen könnte. Den Wölfen ging es gut, viel Beute ließ sich finden und endlich wurde auch das schwächste Mitglied wieder kräftiger. Nach Art der Wölfe traten die schlimmen Erinnerungen an die Zeit in den Bergen in den Hintergrund, jetzt, da sie es wieder gut hatten.
Ein schöner Herbstmittag, die Sonne schien warm und nicht zu heiß, allerlei Gefiederte tummelten sich auf dem Sternensee, noch nicht willig zu ihrer langen Wanderung in den Süden aufzubrechen und der Wald lag ruhig und nur ab und an im Wind eine Krone schwingend da. Nyota und Banshee hatten beschlossen, endlich mit der Einweisung der Welpen zu beginnen, sie sollten die Welt kennenlernen und ebenso von ihren Göttern erfahren. Zu diesem Zweck hatten sie Gruppen gebildet, die sich nun herumtreiben durften, wo immer sie wollten.
Gruppe 1: Rakshee, Banshee, Sheena, Tyraleen, Midnight, Aszrem, Averic, Akru
Gruppe 2: Jakash Caiyé, Nyota, Zack, Amáya, Face Taihéiyo, Ninniach Favéll
Gruppe 3: Kursaí Akihiko, Takashi, Jumaana, Amiyo. Isis, Linné, Cumará Tumaan, Kensharion
Gruppe 4: Ahkuna Caiyé, Tyel Tinuviel, Kaede, Urion, Kandschur Yiga, Ilias, Nienna Singollo, Sania
Gruppe 5: Sharìku, Lunar, Hiryoga, Shani Caiyé, Liam, Aradis, Kisha, Daylight
Cumará schlenderte über das gelbwerdene Laub. Es raschelte unter ihren Pfoten und kleine abgebrochene Äste knackten, als sie drüber ging. Sie stieß einen Seufzer aus. Es war so, wie sie sich es schon immer gewünscht hatte. Sie hatten das Ende des Sommers hier im Tal mitbekommen, oder den Anfang des Herbstes, doch es war immer noch warm, manchmal sogar richtig heiß, es gab keine kalten Nächte... sie lächelte glücklich und setzte sich auf das Laub. Die Graue schaute sich um. Das Gras war noch grün, doch die Blätter an den Laubbäumen verfärbten sich gelb und rot, noch waren keine braun und auch nicht sonderlich viele waren rot, aber manche schon. Und gelb waren sehr viele, mit einem Hauch von Grün. Viele waren auch schon hinuntergefallen, und es war so schön, über sie hinweg zu fegen, sie aufzuwirbeln und nach ihnen zu schnappen. Sie pfotete auf das Laub und es stieg auf, ein leichter, milder Windstoss trug es wenige Meter weiter, bevor er sich wieder verzog. Sie atmete die frische Luft ein, die so wenig Ähnlichkeit hatte mit der Bergluft. Keine Frage: Diese Luft mochte sie lieber. Die Fähe stand auf und ging weiter, sie fing an zu traben und dann sah sie auch schon den Rand des Waldes. Sie hatte sich ein wenig umgesehen und jetzt kannte sie diese Umgebung schon sehr gut. Zwar nicht so gut, wie die anderen Wölfe, die schon vor der Zeit in den Bergen hier gelebt hatten, aber doch wusste sie in etwa, wo etwas sein musste. Sie schnupperte in die Luft und ihre Ohren stellten sich auf. Ihre hellen Augen sahen über die Landschaft. Sie suchte jemanden . . .
"Kenshi? Hörst du mich? Ich bin hier!"
sie stieß ein kurzes Bellen aus, damit er sie hörte, nun war sie vollends aus dem Schatten des Nördlichen Waldes getreten, der von Laubbäumen dominiert wurde und deswegen Cumará besonders anzog. Sie liebte Farben. Sie sah sich um. Wo war Kenshi nur? Langsam setzte sie sich in Bewegung, am Rand des Waldes, dessen Bäume oft nicht sehr dicht standen und viele Lichtungen anboten, auf denen sich oft Rehe und andere leckere Beute herumtrieben, ja, der Nordwald war beliebt bei diesen Tieren. Sie konnten auch leichter fliehen, da die Bäume nicht so dicht standen. Nocheinmal rief sie nach Kensharion. Ob er sie nun gehört hatte?
"Kensharion, ich warte am großen Stein, hier, am Rande des Nordwaldes! Bitte komm!"
rief sie nocheinmal. Sie kletterte behände auf den 'Großen Stein', wie sie ihn getauft hatte und legte sich auf ihn. Vor ihr befand sich der Sternensee, das Gebrirge spiegelte sich in der glatten Fläche des Sees. Wie verzaubert sah sie auf das Bild, dass sich ihr anbot, indessen wärmte sie die Sonne und der Stein unter ihr, der schon so lange in den Sonnenstrahlen gebadet hatte, wärmte ihren Bauch. Als ob sie das gebraucht hätte, aber angenehm war es trotzdem.
Sie seufzte und legte ihren Kopf auf ihre Pfoten. Sie wusste nicht, wie lange Kenshi zu ihr brauchen würde, wie lange er brauchen würde, sie zu finden. Sie döste ein, aber ihre Ohren vernahmen trotzdem jedes Geräusch. Ihre mandelförmigen Augen geschlossen, wartete sie auf den Schwarzen. Und es wurde ihr noch wärmer. Im Herzen. Dann dachte sie an ihre 'Aufgabe'. Sie sollten mit der kleinen Kursaí Akihiko durch das Revier streifen und sie... nun ja, wie sollte man sagen. . . ? Einweisen, genau, das hatte Banshee gesagt. Die junge Fähe richtete sich plötzlich kerzengerade auf und sprang vom Stein hinunter. Wo waren die Wölfe aus ihrer Gruppe? Kensharion, Takashi, Jumaana, Isis und Linné? Sie waren wahrscheinlich auf eigenen Pfoten umhergestreift. Doch langsam war es wohl an der Zeit, alle zusammen zu rufen. . .
"Kensharion, Takashi, Jumaana, Isis und Linné! Kommt alle an den Sternensee, damit wir anfangen können, Kursaí Akihiko ein zuweisen! Bitte, folgt meinem Ruf!"
rief sie mit lauter, deutlich vernehmbarer Stimme. Die Wölfe mussten sie gehört haben. Sonst müssten sie die Wölfe, die noch nicht gekommen waren, einfach einsammeln. Cuma sprang von ihrem Felsen hinunter und lief an das Ufer des Sternensees; jeder würde sie nun sehen, egal, aus welchem Sichtwinkel. Sie setzte sich gerade hin und schaute, wer als erstes ihrem Ruf folgen würde. Ob die anderen Gruppen schon angefangen hatten. . .?
Noch ein wenig müde und faul lag er zusammengekauert neben einen großen Stein. Warum hatte er überhaupt geschlafen? Es war doch schließlich Mittag! Die helle Sonne, die ihn wahrscheinlich mit ihren hellen Strahlen geweckt hatte, bekam von Takashi ein leises Grummeln zurück. Müde verengte er die Augen zu Schlitzen. Dann gähnte er ausgiebig. Aufmerksam hob er den Kopf und sah er sich um. Beinahe hatte er vergessen, dass sich das Rudel und schließlich er doch in einem neuen Revier befanden! Fast hätte er schon losgemault, ob man ihn denn verarschen wollte und was das ganze hier denn sollte. Ein wenig beruhigt und innerlich wieder still und senkte langsam wieder den Kopf auf seine Vorderpfoten.
“Dumdidum…!“
Murmelte er. Seine Langeweile konnte man ihm beinahe ansehen. Was sollte er tun? Wieder einmal das neue Revier auskundschaften? Nein…dazu hatte er jetzt keine Lust obwohl es ihn interessierte, was es denn noch so dort gab. Er hatte Lust auf was anderes. Da kam ihm wieder Jumaana in den Sinn. Wo steckte sie eigentlich schon wieder? Erneut sah er sich ungeduldig um. So stand er langsam auf, um sie zu suchen.
“Na wenn’s sein muss…!“
Zuerst sah er sich um. Er konnte sie einfach nicht sehen. Wo war sie denn bloß? Aber irgendwie war es auch ziemlich komisch für Takashi, andauernd diese Fähe im Kopf zu haben. Warum musste er immer an sie denken? Sie konnte ihm einfach nicht aus dem Kopf gehen! Aber warum denn nicht? Das konnte doch nicht einfach sein! Langsam trabte er los, um sie zu suchen. Doch dann vernahm er plötzlich einen Ruf. Es wurden einige gebeten, sich zum Sternensee zu begeben. So trippelte er nicht mehr unsicher rum, sondern hatte nun ein Ziel vor Augen. Bald würde er ankommen.
Isis trabte gemächlich durch den Wald, als der Ruf einer Fähe an ihr Ohr drang. A ha, es geht jetzt wohl los mit den Welpen. Die Fähe hatte heimlich versucht die Witterung von Rime aufzunehmen, aber er war wirklich nur noch ein Schatten. Die Wüstenwölfin drehte sich um und trabte zum Sternensee. Es war wunderschön in diesem Tal. Die Herbstblätter lösten sich nun endgültig von den Bäumen, tanzten durch den Himmel zu Boden. Von Übermut gepackt, vergrub Isis ihre Schnauze unter einen Haufen, wirbelte diesen nach oben und ließ die Blätter auf sich hinab regnen. Fröhlich bellend schnappte sie nach den Schönsten, legte sie mit der Rute wedelnd auf einen Haufen und stupste diesen mit ihrer Schnauze an.
o.O(Für dich Rime.)
Schließlich jagte Isis durch den Wald zum See, wo schon Cumara wartete. Unterwegs traf sie auf den schwarzen Rüden mit den roten Augen. Fast zeitgleich erreichten sie den See.
"Hallo Cumara, du hast uns gerufen."
Isis begrüßte die freundliche Fähe mit einem fröhlichen Winseln und zauste ihr das Fell. Mit Rimes Abwesenheit hatte die Wölfin sich abgefunden. Nun war aber auch Akru weg, aber mit Sicherheit konnte sie nun die anderen Wölfe kennen lernen. Sicherlich hätte sie sich sonst nur an den Rüden gehalten. Er war ja bei ihr geblieben, er war in ihrem Rudel. Isis blickte auf wolfsart Lächelnd auf den See. Wenn das Rime nur sehen könnte.
Kensharion schlenderte durch das Gelände. Seine scharfen Sinne trugen ihm alle Informationen zu, die die Natur überbrachte, ihm entging nichts. Seine Ohren spielten und seine sensible Schnauze nahm die Witterungen auf, die sich mit der herbstlichen Luft vermischten. Mit federnden Schritten glitt der Schatten durch den Nordwald, unauffällig und geisterhaft. Einmal kurz blieb er stehen, blickte in den blauen Himmel und genoss die Einsamkeit, die ihn umgab. Mit ruhigen Schritten und ruhigem Atem setzte er seinen Weg fort, ohne ein Ziel zu haben. Es war schöne mal wieder alleine zu sein, es war schön, dass der Kampf vorbei war. Er erinnerte sich nur zu gut an den Rüden, der ihn herausgefordert hatte und mit einem verächtlichen Schnauben verbannte er diese Gedanken aus seinem Bewusstsein. Plötzlich zeriss eine wohlbekannte Stimme die Idylle, die ihn zuvor umgeben hatte. Sie stammte von Cumará, jener Fähe, mit der er die Gemeinschaft des Sternenwind Rudels gefunden hatte. Obwohl sie ihm noch immer so fremd vorkam, war sie dennoch zu einer Bekannten und vielleicht sogar Freundin geworden. Ein nicht zu deutendes Lächeln kräuselte seine Lefzen, als er ihre Worte vernahm.
.oO(Sie kann es einfach nicht sein lassen, mich Kenshi zu nennen)
Dachte der Schwarze und wusste nicht, wie er sich dabei fühlen sollte. Sollte er es gutheißen? Oder sollte er vielleicht doch lieber jegliche nähere Beziehung vermeiden? Cumará. Er dachte an die graue Fähe, wusste nicht, was er für sie empfand. Manchmal war sie aufdringlich, genau wie jetzt, wenn sie ihn mit klarer, heller Stimme rief, doch konnte er auch nicht leugnen, dass sie ihm oft geholfen hatte, in seinem Unwissen über das Leben in einer Gemeinschaft. Mit einem Schütteln, das seinen großen schlanken Körper erschütterte, schob er diese Gedanken beiseite und folgte der Stimme. Dann ertönte ihre Stimme ein weiteres Mal und dieses Mal fand Kensharion wirklich, dass es aufdringlich klang. Doch ohne, dass er es selber gemerkt hatte, war sie zu einer Vertrauten Persönlichkeit für ihn geworden und obwohl ihre Art ihm manchmal missfiel, nahm sie es ihr nicht übel, sie war eben eine fröhliche Fähe …
Schließlich trat Kensharion mit ruhigen Schritten aus dem Nordwald und erblickte Cumará auf einem Felsen. Und gerade in diesem Moment rief sie auch nach einigen Anderen Wölfen der Gemeinschaft und schien den Schatten noch nicht bemerkt zu haben. Seine Bewegungen waren geschmeidig und so leise, wie die einer Katze. Sie sprang gerade herunter und trabte zum See. Kenshi folgte ihr in einem angemessenem Abstand.
“Hier bin ich, Cumará, du hattest mich gerufen“
Machte der Schwarze auf sich aufmerksam und sah Isis ankommen. Zur Begrüßung schenkte er der der Fähe ein kurzes Kopfnicken und sah dann wieder zu der Grauen, dessen Ruf er gefolgt war. Dann ließ er sich auf seine Hinterläufe nieder und beobachtete die Welt, wie sie sich ihnen zeigte.
Cumará stand am Ufer des Sees und blickte in den leicht gewellten Spiegel, als die ersten beiden Wölfe bei ihr eintrafen, es waren Isis und Takashi. Isis begrüßte sie gleich stürmisch und Cuma stupste sie froh über diese Berührung kurz ins Nackenfell und wuffte. Dann setzte sie sich hin und begrüßte die beiden.
"Hallo, ihr beiden, Isis... Takashi! Ihr wisst warum ich euch gerufen habe, denk ich, aber falls nicht, so sage ich es nocheinmal...! "
sagte sie und wollte gerade anfangen, als Kensharion sie unterbrach. Sie runzelte kurz die Stirn, dann lächelte sie ihn auch warm an und fuhr fort
"...sei gergüßt, Kensharion, ich erkläre gerade nocheinmal, was wir machen sollen... damit wir einfach genau wissen, wie wir vorgehen... wie gesagt, wir sollen Shani Caiyés und Hiryogas Welpe einführen, es ist Kursaí Akihiko. Sie ist hier irgendwo und streunt herum, wir werden sie also einsammeln müssen. Hat jemand von euch schon einmal einen Welpen eingewiesen?" fragte sie in die Runde "Ich habe mal so etwas mitbekommen, im Grunde geht es darum, die Geschichte des Tals und die ganzen Jagdgründe zu zeigen, außerdem einfach den Welpen ein wenig in das neue Alter bringen, das Jungwolfalter. Wo bleiben denn die anderen? Habt ihr sie gesehen? Linné und Jumaana fehlen, Kursaí werden wir aufgabeln müssen. Wir werden auf Linné und Juma warten müssen, aber trotzdem können wir ja schon mal überlegen, wo wir anfangen wollen. Im Nordwald oder Südwald? Oder sollen wir zuerst Geschichten erzählen?"
fragte die Graue nocheinmal mit ihrer ruhigen, aber lieben Stimme in die Runde, sie klang warm und doch selbstbewusst, mit einem Ziel vor Augen. Sie war ja nicht die Anführerin oder sonst irgendetwas dieser Gruppe, und sie wollte keine Unstimmigkeiten haben, sie mochte Streit nicht, wie sollte man sagen. . . sie war ein harmonieliebender Wolf. Sie lächelte Isis, Takashi und Kensharion an, dann sah sie über ihre Schulter. Linné und Jumaana würden bald kommen. Hoffentlich.
Isis mochte Cumara. Eigentlich mochte sie alle Wölfe in diesem Rudel, aber besonders Akru und Cumara. Von Anfang an war ihr die Fähe sehr sympathisch. Schließlich traf noch ein weiterer schwarzer Rüde ein. Er nannte sich Kensharion oder einfach auch nur Kenshi, aber Isis glaubte mit bekommen zu haben, dass er diese Betitelung nicht sonderlich willkommen hieß.
"In meinem Rudel habe ich Welpen groß gezogen, aber ich glaube eure Vorstellungen weichen von den meinen ab. Vielleicht kann ich euch erzählen, wie das Rudelleben in der Wüste ist."
Isis lächelte alle mit einem umwerfenden Strahlen in den Augen an und wedelte leicht mit der Rute, bevor sie sich auf ihre Hinterkeulen setzte. Es war ihr wichtig zu klären, ob sie einem Welpen ihr Wissen mitteilen durfte. An Engaya und Fenris glaubte Isis, nur hießen diese Osiris und Isis. Schon sonderbar, dass ein Gott tausende Namen hatte. Die Wüstenwölfin betrachtete das Wasser, welches leichte Wellen schlug. Ein paar Fische kamen an die Oberfläche und schnappten nach Luft. Erstaunlich, hier gab es Wasser in Hülle und Fülle, wo man in der Wüste tagelang für Wandern musste. Wo wohl der Welpe war und die anderen beiden Wölfe, die Isis noch nicht kannte. Sie würden sicherlich bald kommen und dann konnte es losgehen.
Die Ohren flach am Leib hetzte Rime in kraftzehrenden weiten Sprüngen hinter der flinken und grazil wirkenden Ren hinterher, das mit angstvoll geweiteten Augen den Anschluss an die vertraute Herde suchte. Es war noch jung, vielleicht nicht einmal ein Jahr alt und es hatte sich zu weit abseits seiner Herde aufgehalten, eine Lektion, die es nun wohl niemals würde lernen können.
Lang streckte er sich, stieß sich kraftvoll ab und warf sich mit seinem ganzen schweren Gewicht gegen den Körper des Jungtiers, brachte es wie erwartet ins Straucheln, um mit einem rasch nachgesetzten Sprung die Kehle der Beute zu erreichen, und riss es damit zu Boden. Fest verbissen wartete er das Zucken und zunehmend erschlaffende Wehren des jungen und zu langsamen Rens ab, bis es still dalag und sich dem Jäger ergeben hatte, ehe die blutige Schnauze vom Hals löste und beinahe friedvoll über die Wunde leckte.
Es hatte so manchen Moment gegeben, in dem er über die Jagd und die geschlagene Beute nachgesonnen hatte, sich gefragt hatte, wie es sein mochte, Beute eines Jägers zu sein und mit diesem Wissen zu leben und dieses Schicksal ebenso unbeeindruckt anzunehmen, wie alle Arten ihr Schicksal annahmen. Aber nicht heute. Heute war er hungrig und dankbar dafür, dass es der Lauf der Dinge war, wenn sich eines einer Herde für den Rest opfern musste. Gleichwohl nie eine wirkliche Gefahr für die ausgewachsenen und schnelleren Rentiere bestanden hatte, nur die Schwachen, die Jungen, die Abgesonderten konnten von einem einzelnen Wolf erfolgreich gehetzt werden, zu ausdauernd und schnell waren die Hufträger im Allgemeinen.
Ganz nach Wolfsart schlang er erst einmal die schmackhaftesten Brocken seiner Beute hinunter, ehe er sich weitaus gediegener und langsamer dem Rest des Fleisches zuwandte. Er würde unmöglich das ganze Ren alleine auffressen können, außer er würde noch einige Tage in der Nähe des Kadavers bleiben, was eigentlich nicht seine Absicht gewesen war.
Schließlich ließ er von der Beute ab und setzte sich auf die Hinterläufe. Sein Blick wanderte über die harsche und trockene Steppe um ihn herum. Ein erster Hauch von Nachtfrost lag schon in der Luft des herbstlichen Spätnachmittags, die blasse Sonne stand tief über dem kurzen trockenen Gras und warf lange Schatten über die nur sanft hügelige Landschaft mit den schroffen Felsen darin. Nur wenige Bäume waren in dieser Einöde aus Gleichmäßigkeit verteilt, Herden von Rentieren sorgten mit ihren hungrigen Mäulern und den scharfen Hufen dafür, dass das Gras niedrig und die Bäume vereinzelt blieben, wenn sie auf ihren jährlichen Zügen durch die tundraartige Steppe zogen.
Sein Blick ging unwillkürlich nach Nordwesten, wie so oft in den letzten Wochen seit seinem Aufbruch aus jenem Tal, das so verheißungsvoll und ungewöhnlich gewesen war. Die Gedanken glitten wie von selbst zurück zu der zierlichen Fähe und ihrem sonnenfarbenen Fell. Die Erinnerung wärmte ihn mehr als sein dichter Pelz in der kühlen Herbstluft und ein Lächeln glitt über seine ruhigen Züge, als könne er ihr Lachen auch hier noch hören.
.oO(Kleine Isis. Wie es dir ergangen ist im restlichen Sommer des Tales? Ob du dich dort zuhause fühlst? Eine Familie gefunden hast?)
Er seufzte unhörbar und ließ den Blick über den fernen Horizont wandern, an dem verschwommen, blass und unendlich fern die Berge zu erahnen waren, an deren Hänge sich das Tal schmiegte, das seine Gedanken so sehr in Anspruch nahm. Er musste an Akru denken und dessen Versprechen, auf Isis acht zu geben. Er zweifelte keinen Augenblick daran, dass der Rüde dies getan hatte und tun würde, noch, dass der andere nicht in der Lage dazu gewesen wäre. Aber dennoch... es blieb ein leiser und unbestimmter Wunsch, diese Aufgabe selbst zu erfüllen. An ihrer Seite zu sein.
Die Beute mit ihr zu teilen.
Ein Leben mit ihr zu teilen.
Er seufzte noch einmal. So gelassen er dem Leben begegnen konnte und so sehr er alles hinnahm, was ihm begegnete, er konnte nicht davon lassen, darüber nachzudenken, wie es wäre, wenn er nicht gegangen wäre, wenn ihn nicht die Vergangenheit immer weitertreiben würde in dieser unstillbaren Hoffnung auf etwas Anderes, auf etwas, das über das Wolfssein hinausgehen würde, das mehr sein würde, als nur die Erfüllung der Gegebenheiten, die ein Wolfsleben nun einmal ausmachten. Mehr... als nur die Gesetzmäßigkeiten, die überall herrschten. Etwas, das sich darüber hinaus erheben konnte, das einen erfüllen, durchdringen konnte und fühlen ließ, dass man kein blinder Spielball seiner Instinkte sein musste.
Er schüttelte sanft den Kopf und erhob sich langsam, um in einem gemächlichen Schritt weiterzugehen, ohne jede Eile, ohne ein wirkliches Ziel, nur auf der Suche wie schon so lange zuvor.
Dennoch wanderte sein Blick immer wieder über die Schulter hin zu dem blassen Abbild der Berge, bei denen er sie wusste.
Jumaana trottete langsam umher. Sie war sich nicht sicher, was folgen sollte. Doch dann hörte sie den Ruf Cumará's und machte sich - leise seufzend - auf den Weg zum See. Sie senkte den Kopf und schob dabei lächelnd ein paar einzelne bunte Blätter mit den Tatzen vor sich hin. Von den vier ihr bekannten Jahreszeiten, mochte sie den Winter immer noch am meisten, aber der Herbst war nunmal das Vorspiel auf die Kälte und den Schnee. Nachdenklich ging die Fähe weiter - war mit den Gedanken aber ganz woanders.
oO Was wird mich am See erwarten? Oo
Fragte sie sich selber. Leicht fing sie an zu zittern. Sie war ihr ganzes Leben selbstständig gewesen und doch fühlte sich die Weiße jetzt hilflos und verlassen. Moyna war trotz allem immer da gewesen, bei Jumaana und ihren Geschwistern.
oO Wahrscheinlich leben sie nicht mehr ... Oo
Wie viel würde Jumaana darum geben, noch ein einziges mal ihre Familie zu sehen, oder auch nur in Gewissheit zu leben, dass sie nicht tot sind. Sie seufzte nocheinmal traurig. Ihr Schritte wurden immer länger und flacher bis sie in einen schnellen Galopp fielen und die Fähe immer weiter zum Sternensee trugen. Die Weiße näherte sich immer weiter ihrem Ziel und wurde so immer aufgeregter. Ihre Gedanken flogen zu Takashi. Was würde passieren, wenn sie sich wiedersahen. Jumaana verlangsamte ihr Tempo und sammelte ihre Gedanken. Ihr Atem ging flach und sie setzte sich lächelnd auf den Boden. Sie sah von Weitem schon den Bergsee und stand auf. Wieder langsamer trabte sie weiter.
oO Nur noch ein paar Schritte ... Konzentration ...Oo
Sie versuchte, nicht allzu aufgeregt zu sein, doch dies scheiterte kläglich. Nun sah Jumaana schon Cumará, Isis, Kensharion ... und Takashi. Langsam setzte sie ihren Weg fort.
Aufmerksam betrachtete die junge Fähe die Farben der Blätter um sich herum, achtete auf jedes noch so kleine Detail um sich herum. Sie wusste noch nicht warum die Blätter hier unten so ungewöhnliche Farben hatten, doch hatte sie von den Erwachsenen schon oft das Wort Herbst gehört. Ob das irgendwas hier unten im Tal war? Vielleicht hatte es aber auch irgendetwas mit dem Wasser zu tun. Der Sternensee wie ihn die Erwachsenen Wölfe nannten. Kursaí war schon oft dort gewesen, doch hatte sie noch immer nicht so recht verstanden, was der See eigentlich mit den Sternen zu tun hatte. Waren die Sterne nicht eigentlich an den Himmel gehängt, um den Wölfen hier unten Freude zu bringen? Was hatten sie dann in dem See verloren? War irgendwann einmal ein Stern vom Himmel gefallen und in diesem See gelandet? So viele Fragen auf die die kleine Fähe keine wirklichen Antworten fand. Trotzdem dachte sie jedoch weiter darüber nach. Sie hatte nichts Besseres zu tun. Alle waren hier unten beschäftigt. Sogar ihre Geschwister hatten etwas zu tun. Keiner hatte wirklich Zeit für sie gehabt, seit sie hier heruntergegangen waren. Warum?
Neugierig schaute die kleine Fähe auf die Wasseroberfläche zu ihren Füßen, betrachtete ihre Schnauze und ihre Augen in der spiegelnden Oberfläche. Warum waren ihre Augen nur so rot? Sie liebte diese Farbe, doch hatte keiner der anderen Wölfe solche Augen. War sie wirklich so anders? Sie konnte sich alles merken, was se sah und hörte, doch wusste davon niemand. Sie hatte es immer verschwiegen und dafür gesorgt, dass sie so wenig wie möglich darüber Preis gab. Natürlich, sie hatte die Fähigkeit bei jedem Kampf mit ihrem Bruder eingesetzt, doch hatte er etwas davon mitbekommen, dass sie anders war? Oben in den Bergen hatten sie so oft gegeneinander gekämpft. Wie lange schon hatten sie es nicht mehr gemacht? Seit sie ins Tal gekommen waren. Warum nur hatten alle etwas zu tun? Selbst ihr geliebter Bruder hatte keine Zeit mehr für sie. War das Tal daran Schuld? Sie alle redeten vom Kämpfen und von einem großen Kampf mit anderen Wölfen. Warum hatte sie nichts davon mitbekommen? Keiner hatte ihr etwas davon erzählt. Jedes Gespräch über die Kämpfe verstummte, sobald sie nur in die Nähe kam. Kursaí wusste es. Sie hatte es immer wieder beobachtet. Sobald sie kam verstummten die aufregenden Gespräche über die Kämpfe. Was sollte das denn? Etwas verzweifelt schüttelte die junge Fähe den Kopf und ließ den Blick wider über die Wasseroberfläche gleiten. Eigentlich war es auch egal, sie würde es schon noch herausfinden. Immerhin konnte sie die einzelnen Puzzelteile später immer noch zusammensetzen.
Die weichen Ohren zuckten auf, als Kursaí ihren Namen hörte. Irgendjemand wollte etwas von ihr. Oder sprach man nur über sie? Neugierig schaute sie auf und ließ den Blick ihrer dunkelroten Augen über den See und die Umgebung schweifen. Mittlerweile hatte sich eine kleine Gruppe um Cumará gebildet, welche auch ihren Namen ausgesprochen hatte. Wollten die Wölfe dort drüben etwa etwas von ihr? Schnell drehte die kleine Fähe sich um und lief hinter einen der zahlreichen Bäume. Wenn, dann sollten sie erst mal Verstecken mit ihr spielen. So konnten sie vielleicht auch mal wieder etwas Spaß haben. Die Erwachsenen spielten irgendwie nie. Nur Rasmús und Tyel hatten immer mit den Welpen gespielt. Doch auch die beiden hatten es nie wirklich geschafft Shani eine Freude zu machen. Leise seufzte die kleine Fähe, als sie an ihre Mutter dachte. War sie jetzt wirklich wieder fröhlicher? Oder hatte nur noch niemand etwas von der Wirklichkeit gesehen?
oO Kommt spielt mit mir…Na los… kommt schon spielt mit mir. Oo
Zwar wusste die kleine Fähe, dass sie die Wölfe durch ihre Gedanken nicht beeinflussen konnte, doch war es wenigstens einen Versuch wert. Immerhin wollten sie doch etwas von ihr, oder etwa nicht? Vielleicht irrte sie sich auch bloß, aber wenn das der Fall sein sollte war es doch schon ein lustiges Spiel mit sich selbst. Ein kleines Lächeln stahl sich auf die Lefzen der Fähe, als sie ihren Kopf an dem Baum vorbeischob und nach den Erwachsenen Ausschau hielt. Sie musste alle beobachten und wenn nötig so schnell wie möglich fliehen. Sie wollte es den Erwachsenen so schwer wie möglich machen sie zu fangen. Vielleicht hieß das Spiel doch eher Fangen und nicht Verstecken.
Kensharion sah die beiden Fähen an und lauschte den Worten Cumarás. Einen Welpen einweisen? So etwas hatte er logischer Weise noch nie getan, dennoch fragte er sich, ob es richtig war, so viele Wölfe mit einzubeziehen. Seiner Meinung nach würden es auch ein oder zwei Wölfe allein schaffen, doch er wusste, dass seine Meinung nun nicht gefragt war. Er wusste schließlich gar nichts davon und hatte den anderen zuzuhören. Der schwarze Schatten würde es einfach Isis und Cumará überlassen, die beide zu wissen schiene, wie man am besten vorging. Seine Ohren spitzten sich, als eine weitere Fähe sich näherte. Sie nannte sich Jumaana, so weit er mitbekommen hatte. Genau wie Isis, begrüßte er auch sie mit einem Kopfnicken, zum Zeichen, dass er ihre Anwesenheit zur Kenntnis genommen hatte. Er beobachtete die ein wenig abseits stehende Fähe eine Weile, bevor er sich wieder den Worten der anderen zuwandte. Dann erweckte jedoch eine andere Witterung seine Aufmerksamkeit, eine neue Witterung hing schon die ganze Zeit in der Luft, nur hatte Kenshi sie nicht zuordnen können. Doch jetzt, wo er die kleine Bewegung sah, wusste er, was es war. Es war der Welpe Kursaí, nach dem sie suchten. Seine sensiblen Sinne waren Kenshi mal wieder eine Hilfe gewesen. Kaum merklich blickte der Schwarze zu der Kleinen, die sich ein Stück entfernt, ebenfalls am Sternensee befand und beobachtete sie so, dass sie es unmöglich merken könnte. Ein Ohr war zu der jungen Fähe gerichtet, während das andere immer noch auf weitere Worte von Cumará und Isis wartete. Seine eisblauen Augen sahen den Welpen an und der Schatten wunderte sich, dass sie nicht mir Gleichaltrigen spielte. Er glaubte, mitbekommen zu haben, dass Welpen sehr verspielt waren, genau wie alle anderen Tierkinder es auch waren. Doch dann glitt sein eisblauer Blick wieder zu den anderen, während die Welpin nur noch sein eines Ohr beanspruchte.
“Ich glaube nach dem Welpen müssen wir nicht mehr suchen“
Sagte er mit ruhiger, tiefer Stimme und deutete mit einer ruckartigen Kopfbewegung in Richtung Kursaí.
Nun, wo sie die Welpin gefunden hatten, wusste Kensharion gar nicht, was sie mit ihm anfangen sollten. Er würde sich wohl sehr ungeschickt im Umgang mit Welpen anstellen, denn noch nie hatte er Kontakt mit ihnen gehabt. Zwar war er selber mal einer gewesen, doch diese Zeit schien so weit entfernt und war schon lange in Vergessenheit geraten. Ratlos blickte er Cumará und Isis an und wartete darauf, dass sie über den nächsten Schritt entschieden, den sie tun würden. Nebenbei beobachtete er Takashi, der ebenfalls in deren Nähe war und Jumaana, die noch immer auf einiger Entfernung stand. Seine feinen Ohren spielten und finden die Geräusche auf, die der Herbstwind ihm zutrug, während er auf eine Reaktion der Fähe wartet.
Takashi war bereits bei der kleinen Gruppe angekommen. Dann begrüßte er alle mit einem stummen Kopfnicken.
"Ja, ich weiß, warum du uns gerufen hast!"
Bestätigte er Cumarás Worte und nickte einverstanden. Es hatte etwas mit einem Welpen zu tun! Mehr wusste er aber nicht. Doch nach weiteren Worten Cumarás sah Takashi ziemlich nachdenklich aus.
.oO(Was? Einen Welpen einführen?)
Soetwas hatte er noch nie gemacht. Wann hatte er denn auch mal etwas mit einem Welpen zu tun gehabt? Natürlich hatte er schon einen gesehen! Nie hatte er sich auch nur ein wenig intensiver um einen Welpen gekümmert. Aber eine solche Aufgabe hatte er noch nicht gemeistert. Er wusste nicht, ob er sowas könnte. Jedoch wollte er die Anderen nicht enttäuschen, indem er damit nichts zu tun haben wollte. Zuerst wollte er es lieber versuchen und sein Bestes geben. Die Wahrheit wollte er aber lieber nicht erzählen. Es war schon ziemlich peinlich, dass er nichtmals mit Welpen umgehen konnte. In diesem Themenbereich war er völlig überfragt. Da erblickte er Jumaana in einigen Metern Entfernung.
"Moment."
Murmelte er der kleinen Gruppe zu, hoffte auf Verständnis und lief ohne weiter nachzudenken fröhlich auf Jumaana zu. Für einen kurzen Moment schmiegte er sich an ihr an. Ein wenig unsicher machte er dann wieder einen kleinen Satz zurück. Vielleicht mochte sie es ja nicht.
"Komm mit! Wir müssen einen Welpen einführen...!"
Forderte er sie auf und erläuterte kurz das Hauptthema der Versammlung. Langsam drehte er sich um und ging wieder auf die Gruppe zu. Dabei sah er immerwieder hinter sich, ob Jumaana ihm denn auch folgen würde.
Cumará lächelte Kenshi freundlich an.
"Welpen wollen spielen, und ich glaube, die Welpen haben, seit sie im Tal sind, nicht viel gespielt, es gab so viel zu entdecken. Alle ihre Geschwister sind schon in den anderen Gruppen, nur die Kleine ist noch ohne eine. Machen wir ihr eine Freude und spielen mit ihr! Sei gegrüßt, Jumaana!"
fuhr sie in etwas lauterem Ton fort, die Sätze davor hatte sie leise gesprochen, so dass Kursaí sie nicht hören konnte. Gerade kamen Jumaana und Takashi angelaufen. Sie hatte die Bewegung von Taka gesehen. Und sie musste unwillkürlich in sich hinein lächeln. Jeder Wolf hatte eine weiche, von Gefühlen bestimmte Seite. Sie zwinkerte den beiden zu, dann wandte sie sich um. Linné war noch nicht auchgetaucht, aber sie würde sicher bald zu ihnen stoßen. Cuma erhob nocheinmal die Stimme.
"Isis, ich bin mir nicht ganz sicher... aber ich denke, es müsste gehen. Benutze einfach die Namen Fenris und Engaya, dann müsste das in Ordnung sein. Wie gesagt, was sollen wir als erstes machen? Lasst uns gleich darüber abstimmen- oder besser noch: lassen wir unseren kleinen Welpen aussuchen. Wegen Kursaí machen wir das ganze doch, oder? Wir dürfen sie aber nicht sofort finden. Aber... Jetzt müssen wir wohl Kursaí suchen, was meint ihr?"
fuhr sie mit lauter Stimme fort, Kursaí würde sie hören. Sie trabte los auf den Wald zu und versteckte sich immer wieder hinter einem Baumstamm. Dabei lachte sie ihr glockenhelles Lachen, das Fröhlichkeit ausstrahlte ... und Spaß an der ganzen Sache. Ihre Augen blitzten vergnügt. Wenn Isis mitmachen würde, würde es nochmehr Spaß machen. Cumará sprang vor und preschte durch den Wald, sie flitzte an dem Baum vorbei, hinter dem Kursaí saß, und tat als hätte sie sie gar nich bemerkt. Sie blieb aprupt stehen und sah sich um. So ging das Spiel eine Weile lang weiter.
"Kursaí! Kuuuursaí? Wo bist du?"
rief sie. Nocheinmal lief sie zurück. Sie sah sich überall um, das gelbe und orangene, und teilweise schon rote Laub raschelte unter ihren Pfoten. Sie ging leise in einem großen Bogen um Kursaí herum, so dass sie sie nicht bemerkte. Dann kam sie von der Seite angelaufen und pfotete auf einen Laubhaufen, die Blätter wirbelten auf und ein rotes Blatt legte sich direkt auf den kleinen Kopf der Fähe. Cumará musste lachen. Welpen waren einfach toll- sie wollte selber welche haben, irgendwann... mit... sie dachte den Gedanken nicht zu Ende. Dafür war jetzt wirklich nicht der richtige Zeitpunkt.
"Hab ich dich!"
rief sie und strahlte Kursaí an.
"Was ist, möchtest du spannende Geschichten hören? Und mit uns durch die Wälder ziehen und alles über sie erfahren?" fragte sie die kleine Fähe "Komm, du kannst dich auf meinen Rücken setzen. Ich tu dir nichts, und es macht sehr viel Spaß!" lachte sie die Graue an. Sie legte sich auf ihren Bauch und wartete auf ein Zeichen des Welpens. Dabie schnippte sie geschickt ein hellzinnoberrotes Blatt in die Höhe, pustete es an und beobachtete, wie es ein paar Meter weiter zu Boden ging, dann sah sie wieder Kursaí an.
Lächelnd ging die Weiße hinter Takashi her. Sie freute sich über seine überschwängliche Begrüßung und verwarf die Gedanken an ihre Familie. In diesem Rudel würde sie ein neues Leben anfangen können - dessen war sie sich sicher. Um neben Takashi zu gehen, trabte sie kurz an und bremste dann neben dem Großen ab.
"Einen ...? Na dann!"
Jumaana stupste ihn an und ein Grinsen flog über ihr Gesicht. Kurz gesagt - es ging ihr gut. Und wie immer, wenn es ihr gut ging, wurde sie übermütig. Doch jetzt, nachdem sie aus dem Welpenalter heraus war, wusste sie, wie man dies leicht verbarg.
oO Schritt ... Schritt ... Konzentration ... Oo
So hatte sie es von Moyna und der ehemaligen Alpha gelernt. Und Jumaana hatte auch nie Probleme damit gehabt. Doch jetzt - wo sie plötzlich wieder gebunden war, jetzt - wo sie Entscheidungen nicht mehr allein fällen konnte, schaffte sie es nicht mehr. Ihre Schritte wurden immer federnder, weicher und eleganter. Für einen kurzen Moment schloss sie die Augen - es klappte wieder. Trotz alledem beflügelt sah sie zu Takashi und lächelte erneut. Ihre Selbstbeherrschung brauchte sie. In Gedanken ging sie die Regeln durch, mit denen sie aufgewachsen war.
oO Behalte deine Gefühle für dich .... Vertraue niemandem, auch nicht deinem Rudel .... Beherrsche stets dich selbst .... Sei gerecht und führe das Rudel gut .... Oo
Der Rest war schon lange in Vergessenheit geraten. Nie hätte sie daran gedacht, ein anderes Rudel zu treffen - oder gar dazuzugehören. Für sie gab es immer nur das Rudel der Vergessenheit und sonst nichts. Nur ihre Familie und die Alphawölfin. Aber jetzt glaubte sie nicht mehr an diese Regeln, warum sollte sie sie einhalten? Die Einzigen, an denen Jumaana festhielt, waren Engaya und Fenris. Sie hatten ihr das Leben geschenkt und würden immer über die junge Fähe wachen, dessen war sie sich sicher. Jumaana stieß ein leichtes Seufzen aus und verzog ihr Gesicht für einen kurzen Moment zu einer Grimasse. Sie wollte die Vergangenheit vergessen, ein neues Leben beginnen - zusammen mit dem Rudel der Sternenwinde und Takashi. War es Zufall, dass sie den Schwarzen am Bergsee getroffen hatte. Erneut seufzte Jumaana und verwischte ihre Gedanken. Vor ihrem inneren Auge erschien plötzlich Aarinath.
"Was ...?"
Stotterte Jumaana erschrocken. Doch genauso schnell, wie die Vision aufgetaucht war, war sie wieder verschwunden. Jumaana schüttelte sanft den Kopf und lächelte wieder.
Es ging Isis nicht nur um die Götter. Die ganze Lebensweise war eine komplett andere. Seufzend begrüßte sie wuffend die Anderen. Kursaí hatte die Fähe auch schon entdeckt. Hinter dem Baum. Anscheind wollte sie verstecken spielen. Na das konnte sie haben. Nun schoss Cumara auch schon los, raste an ihr vorbei. Isis wurde von der Heiterkeit angesteckt. Bellend sprang sie durch den Wald, wirbelte die Herbstblätter auf und blieb schließlich spielerisch knurrend vor dem kleinen Welpen stehen. Die Jungtiere in der Wüste lieben dieses Spiel.
"Na komm, Kleine. Bist du stark genug mich zu besiegen? Ha, das schaffst du doch nie. Und guck dir mal deine faule Unterstützung an."
Isis kläffte nun Rute wedelnd Cumara an, stupste an ihr Fell und zog zärtlich an den Ohren. Schließlich warf sie Kursaí sanft mit ihrer Pfote um. Ja, das konnte eine schöne Ablenkung von Rime werden. Jedoch wurde sie schon wieder etwas bedrückter, als sie an den Rüden dachte. Wo er wohl grade steckte? Ob er ein Rudel gefunden hatte? Vielleicht eine Gefährtin? Isis musste darüber mit jemanden reden. Vielleicht später mit Cumara. Akru wollte sie nicht damit belästigen, obwohl sie den Rüden auch schon lange nicht mehr gesehen hatte. Isis war gespannt wie sich alles entwickeln würde und ob Rime sie nicht vergessen hatte. Die Wüstenwölfin drehte sich kurz nachdenklich um. Ihr Blick wanderte zum Boden... zu ihren Schatten. Und dieser sah aus wie ein großer Rüde... wie Rime.
o.O(Nein Rime, du hast mich nicht vergessen. Mein Schatten im Herzen.)
Mit einem Lächeln auf den Lefzen lief Takashi neben Jumaana her. Der Weg war nicht lang. Man konnte die kleine Gruppe schließlich aus der Entfernung sehen. Jeder der Wölfe war im kleinsten Detail erkennbar. Im gehen zwickte er ihr sanft ins Ohr und zufte vorsichtig daran. Er grinste sie an. Bei "vorsichtigen" Tätigkeiten" musste er wohl noch sein Feingefühl um einiges verbessern. Sein ganzes Leben hatte er sich recht schroff uns ruppig verhalten. Vorsichtig war er nie. Und wäre er es einmal gewesen, wäre er einem anderen Wolf zum Opfer gefallen. Ihm war das ein wenig peinlich, dass er in diesem Sinne nicht wie die anderen war. Takashi war im allgemeinen ziemlich grob. Zwar war es ungewollt, nur er konnte noch nicht so recht damit umgehen. Er musste immer aufpassen, dass wenn er wen anstupste, ihn nicht gleich umwerfen wollte. Es war wirklich schwer für ihn. Die Nähe einer Fähe hatte er nie genießen können. Er sah auf, als sie seuftze. Beim ersten Mal sagte er noch nichts dazu. Aber beim zweiten Mal...
"Was ist denn los?"
Fragte er sie ein wenig bedrückt. Irgendetwas hatte sie doch. Vielleicht die falschen Gedanken. Oder irgendwelche Erinnerungen, die hier aber eigentlich gar nicht hingehörten und sehr schlecht waren. Als Jumaan etwas zu sehen schien, machte Takashi refelxartig einen Satz vorwärts. Doch an dieser Stelle war nichts und niemand.
"Was hast du?"
So sah er in die Richtung, in die auch Jumaana blickte. Doch dort war irgendwie nichts. Vielleicht nur eine Einbildung? Oder gar ein Geist oder ein unsichtbares Wesen? Takashi schüttelte den Kopf. Nein, so etwas gab es doch nicht, war er zumindest der Meinung.
"Ist alles in Ordnung?"
Fragte Takashi Jumaana ein wenig besorgt. Noch ein paar Schritte und sie waren wieder bei der kleinen Versammlung angekommen.
Mit der Abenddämmerung setzte ein scharfer Wind und schließlich ein steter Nieselregen ein, der vom Wind getrieben unangenehm in den Augen brannte. Blinzelnd blickte Rime über die weite Ebene, die nur wenig Schutz vor dieser Art von Wetter bot, die Herden drängten sich dicht an dicht in den Senken, Nager huschten zurück in ihrer unterirdischen Bauten und die wenigen Vögel der Steppe zogen sich in die Bäume oder ganz in die Berge zurück. Er schüttelte den Kopf, um die Nässe aus dem schweren Pelz herauszubekommen und entschied sich dann, zu den flachen Felsen am Horizont zu traben, um dort ein wenig mehr Schutz vor der Feuchtigkeit und mit ihr einher gehenden zunehmenden Kälte des Abends zu finden. Nicht, dass er bereits gefroren hätte, das dichte Fell hielt der Kälte nach wie vor stand, allerdings wusste er aus Erfahrung, dass es einmal vollkommen durchnässt lange brauchen würde, um seine wärmende Wirkung wieder vollständig zu erlangen.
In einem schnellen Trab, den Kopf leicht gesenkt, überquerte er also die Grasebene, die im Regen noch viel unwirtlicher und brauner aussah als noch zuvor. Er schreckte einen verspäteten Hasen auf, der sich zwischen dem Gras verborgen hatte und nun in weiten Sprüngen vor dem Jäger davonsprang.
Reflexartig setzte Rime ihm einige Sprünge nach, ehe er mit einem erneuten Blinzeln innehielt und der Flucht des Hasen nachdenklich hinter her blickte. Er hatte keinen Hunger, es gab keinen Grund den erschrockenen Nager weiter zu hetzen, keinen außer dem Vergnügen an einer schnellen und trickreichen Hetzjagd.
.oO (Vergnügen... würde mir eine solche Jagd auch Vergnügen bereiten, wenn ich der Hase wäre? Nur die Hatz an sich, nicht das Ende? Oder gefällt es mir, weil ich ein Wolf bin? Ist es ein Instinkt wie das Töten? Wie das Verteidigen?)
Er vergaß für einen Moment den kühlen Regen und folgte mit den Blicken dem kleinen Nager so lange, bis dieser aus seinem Blickfeld verschwunden war. Es war nicht unbedingt Mitleid mit dem Schicksal seiner Beute, die ihn so merkwürdig berührte, zumindest glaubte er das nicht, es war eher das stetig nagende Interesse, wie der Hase empfinden mochte, welche Gedanken ihm durch den Kopf gingen, wie er die Welt sah. Es fiel Rime schwer, sich in ein solche hastiges kleines Geschöpf hineinzuversetzen, ihrer beider Leben unterschied sich doch sehr voneinander, aber es begann ihn zunehmend zu interessieren.
Beinahe zögernd setzte er sich schließlich wieder in Trab hin zu den Felsen. Dort angekommen, rollte er sich eng zusammen, dicht an der Felswand unter einem spärlichen Überhang und nutzte den leichten Schutz vor dem schräg fallenden Regen aus. Sein buschiger Schwanz legte sich um die Beine und halb über das Gesicht, ließ aber die Sicht frei, die er unbewusst so gewählt hatte, dass er nach Südwesten blicken konnte, zu den wolkenverhangenen Bergen, die man im Grunde hinter dem Regen nur gedanklich erahnen konnte.
Einmal zuckten die Ohren spitzten sich, ihm war, als habe er unter dem steten Rauschen des Regens irritierenderweise einen Flügelschlag ganz in der Nähe gehört, aber als es still blieb, sanken die Ohren auch wieder herab und seine Gedanken wanderten wieder zu dem Hasen, der ihm solche Rätsel aufgab.
.oO (Instinkte, Instinkte... wir alle haben sie. Der Hase, ich... Isis. Wir müssen ihnen folgen. Wir jagen und töten, wenn wir hungrig sind, der Hase flüchtet aus Instinkt... und doch... es gibt doch Entscheidungsraum, oder? Wir können wir so unterschiedlich sein in unserem Tun, in unseren Reaktionen, wenn wir einem festen Gesetz, dem Instinkt verpflichtet sind? Wie kann Isis so fröhlich und lebensbejahend sein und Gefahren mit einem Lachen abtun, während Akru mißtrauisch und ablehnend dem Gleichen begegnet? Es kann also nicht alles Instinkt sein... nicht alles... )
Er blickte in den Regen, ohne ihn wirklich wahrzunehmen.
.oO( Sind meine Empfindungen für dich auch Instinkt, Isis? Nur Instinkt?)
Alles in ihm sträubte sich davor, diese Möglichkeit auch nur in Betracht zu ziehen, aber er konnte nicht verhindern, dass ihm kalt in den Magen fuhr und sein Blick nachdenklich die Berge suchte. Über ihm auf dem nahen Felsen war leise im Regen ein Flügelschlagen zu vernehmen, das von dem leisen klackenden Geräusch von Krallen auf Stein abgelöst wurde. Aber Rime war viel zu versunken in seine Überlegungen, um es wahrzunehmen.
.oO (Nein. Das glaub ich nicht. Es ist mehr. Es ist größer. Es ist... anders.)
Jumaana schüttelte erneut sanft den Kopf und blickte Takashi in die blutroten Augen. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht - glücklich, dass die Vision verschwunden war.
"Es ist nichts - gar nichts ..."
Aarinath war verschwunden. Mit leicht zusammengekniffen Augen flüsterte die kleine weiße Fähe.
"Und das soll auch so blei-"
Selbst erschrocken über den wütenden Ausdruck in ihrer Stimme brach sie ab. Sie sammelte schnell ihre Gedanken und trat wieder neben Takashi. Sie hob erneut den Kopf und lächelte in die Runde, die sich bei Kursaí und Cumará versammelt hatte. Die kleine Fähe wurde gerade von Cumará aufgefordert, sich auf ihren Rücken zu setzen.
"Seit gegrüßt!"
Die Stimme der Fähe klang aufrichtig und eine gewisse Trauer schwang mit, die auch Jumaana selbst sich nicht zu erklären wusste. Noch ein leiser Seufzer entfloh ihren Lefzen.
oO Was seufze ich eigentlich so viel in letzter Zeit? Ich sollte glücklich sein - über die Entscheidungen des Rudels und darüber, dass Takashi bei mir ist! Oo
Doch die Vision hallte wider und Jumaana konnte es nicht verhindern. Außer, dass ihr Blick in die Ferne gerichtet war, konnte man ihr nichts anmerken. Die Fähe biss sich auf die Zunge, als sie merkte, dass Takashi sie ansah.
oO Nein! Oo
Nocheinmal schüttelte sie den Kopf, hielt aber einen Seufzer erfolgreich zurück. Die Weiße setzte sich auf den harten Boden und fragte Cumará.
"Wie geht es jetzt weiter?"
Ja, das war die Frage, die Jumaana sich immer wieder auf ihrer weiten Reise gestellt hatte und jetzt hoffte sie inständig auf eine Antwort.
Aufmerksam beobachtete die kleine Fähe die Erwachsenen. Was sie wohl besprachen? Sie konnte nicht alles verstehen, doch einige Worte wehten zu ihr herüber und nisteten sich in ihrem Gedächtnis ein. Wieder lugte sie hinter dem Baum hervor. Warum schaute der eine Rüde immer wieder zu ihr herüber? Hatte er sie entdeckt oder war es nur Zufall, dass er immer wieder seinen Blick zu ihr herübergleiten ließ. Irgendwie glaubte sie nicht, dass es nur Zufall war, doch blieb sie trotzdem hinter ihrem Baum und beobachtete die Gruppe weiter. Sie konnte sogar Cumarás Worte verstehen, doch wunderte sie sich irgendwie darüber. Warum sprach sie jetzt, wo fast die ganze Gruppe schon einmal zu ihr herübergeschaut hatte, so laut? Wollte sie etwa, dass Kursaí sie verstand? Warum? Was brachte es den Erwachsenen, dass die kleine die Worte verstand? Schnell zog sie sich hinter den Baum zurück und starrte die bunten Blätter unter sich an. Es war alles recht merkwürdig. Zwar glaubte sie nicht, dass die Erwachsenen sie wirklich jagen würden, doch wenn sie es tun würden wüsste sie schon wer dafür büßen würde. Trotzdem blieb noch die Frage wie sie sich an dem Schwarzen rächen würde. Ihm auf die nerven gehen? Nein, dass konnte jeder andere ihrer Geschwister auch. Außerdem war es viel zu langweilig. Wieder lugte sie vorsichtig hinter dem Baum hervor und zog den Kopf schnell wieder zurück.
oO Mist Oo
Ihre Aufpasser kamen genau auf sie zugerannt und riefen auch noch lautstark ihren Namen. Als würde sie sich so einfach rufen lassen. Beleidigt schnaubte sie junge Fähe. Nun gut sie kamen direkt auf sie zu und sie konnte nicht mehr weglaufen. Der verräterische Rüde würde noch büßen. Kursaí schloss die Augen und lauschte. Sie konnte hören, wie die Erwachsenen das Laub aufwirbelten, als diese auf sie zutrabten. Wie laut sie waren. Wieder musste die kleine Fähe den Kopf schütteln. Sie kamen immer näher und sie konnte nicht weglaufen. Das war eine wirklich blöde Lage. Die Erwachsenen liefen an ihr vorbei. Warum taten sie das? Hatte der Schwarze ihnen nicht gesagt wo sie zu finden war? Sie hatten doch alle in ihre Richtung geschaut. Warum also liefen die beiden jetzt an ihr vorbei? Wirklich merkwürdig. Verwirrt ließ die kleine Fähe sich in das Laub sinken. Vielleicht sollte sie sich einfach unter den zahlreichen Farben verstecken. Ob es etwas bringen würde? Man konnte es ja wenigstens ein Mal versuchen. Schnell ließ die Fähe ihre Pfoten in den Laubberg gleiten, achtete dabei gar nicht auf die Stimmen der beiden großen Fähen welche sie einkreisten. Sie baute sich eine kleine Höhle unter den Laub und war gerade dabei in diese hineinzuklettern, als die Graue vor ihr erschien und in einen der anderen Laubberge trat. Die verschiedenen Farben flogen nur so um die kleine Fähe. Doch Kursaí kümmerte sich nicht wirklich darum. Sie schaute die Erwachsene bloß enttäuscht an. Jetzt war sie nicht einmal zum rennen gekommen.
„Es sieht so aus.“
Ihre Stimme klang genauso enttäuscht, wie sie aussah. Dabei beachtete sie das Blatt auf ihrem Kopf gar nicht. Sie wusste nicht einmal welsche Farbe es hatte, doch schien Cumará sich darüber zu freuen. Die andere Fähe war nun auch bei ihr angekommen. Aufmerksam schaute sie zwischen den beiden hin und her und landete plötzlich liegend auf dem Boden. Irgendwie fühlte sie sich ein bisschen herumgeschubst und dies gefiel ihr so gar nicht. Vorwurfsvoll schaue sie die andere Fähe an. Sie kannte keine von den beiden und wollte sich weder auf den Rücken der einen setzen noch wollte sie mit der anderen kämpfen. Sie hatte schon längst gemerkt, dass sie gegen Erwachsene keine Chance hatte. Sie waren einfach größer und stärker als sie. Und auf anderen Wölfen zu reiten gefiel ihr nur solange es ihre Eltern waren. Irgendwie hatte es Shani immer zu einem lächeln gebracht. Leise seufzend schaute sie sich nach dem Schwarzen Verräterwolf um und zwinkerte dann der Fähe zu welche zuerst bei ihr angekommen war. Na gut dann würde sie eben auf ihr reiten, wenn es ihr Freude machte. Langsam rappelte sie sich wieder auf und schüttelte den Kopf. Dabei fiel das Blatt von ihrem Kopf und vor ihr zu Boden. Vorsichtig krabbelte sie auf Cumará zu und dann auf den Rücken der Fähe. Sie versuchte dabei einen nicht allzu enttäuschten Gesichtsausdruck zu zeigen. Geschickt stellte sie sich zwischen die Schulterblätter der Fähe und schaute zwischen den Ohren der Großen hindurch.
„Was für Geschichten denn?“
Isis blickte abgelenkt in die Weite. Man sah ihr genau an, dass die junge Fähe nicht anwesend war, während Kursaí es sich auf Cumaras Rücken bequem machte. Die Wüstenwölfin zuckte kurz mit den Ohren. Permanent kreisten ihre Gedanken um Rime. Kurz schnappte sie die Frage der Welpin auf und antwortete:
"Geschichten von einer Welt aus Sand, wo alle Wölfe miteinander in Frieden leben und es keine Reviere gibt. Wo es am Tage heiß und in der Nacht kalt ist."
Isis setzte sich auf ihre Hinterläufe und legte nachdenklich den Schwanz um ihre Pfoten. Der Wind streichelte sanft ihr sandfarbenes Fell, die Nase witterte weiter unbewusst. Rime... Isis konnte sich gut vorstellen wie er im Regen durch eine Steppe lief, hoffte das zu finden, was er suchte. Vielleicht lief er genau davor weg? Vielleicht war die Antwort hier im Tal, vielleicht sogar in Isis Herzen. Wie konnte man sich auf eine Suche begeben, von der man nicht wusste, wann wie und wo sie enden würde. Rime konnte das und Rime würde es finden. Rime würde alle Antworten finden. Isis schloss die Augen und genoss kurz die friedvolle Stille in ihr und plötzlich begann sie zu Träumen.
Die riesige Düne erhob sich majetätisch in den strahlend blauen Himmel. Der Wind wirbelte den feinen Sand auf, während Isis mit großen Sätzen die Düne hoch hechtete. Rime trabte etwas erschöpfter hinten drein, denn sein dickes Fell war nicht gemacht für diese Hitze. Schließlich standen sie zusammen auf dieser riesigen Düne, der warme Wind flüsterte ihnen die Geheimnisse der Welt in die Ohren. Isis lehnte ihren Kopf an Rimes Schulter und schloss die Augen. Als sie diese wieder öffnete...
...war sie allein im Sternenwindwald. Nicht ganz allein, aber ohne den Rüden, den sie gerne bei sich hätte. Isis versuchte die Gedanken wieder zu sortieren. Seufzend blickte sie über ihre Schulter zu den anderen. Leise seufzend richtete sie sich wieder auf. Zurück in die Realität. Zurück zum Warten...
Cuma hatte Kursaí bereits auf dem Rücken, als Isis der Kleinen erklärte, was für Geschichten sie erzählen würden. Sie gingen auf die zurückgebliebene Gruppe zu. Ihr hatte es immer Spaß gemacht, auf dem Rücken der großen Wölfe zu reiten. Aber hatte sie nicht so etwas wie Enttäuschung in den Augen der kleinen Wölfin gesehen? Cumará überlegte, aber vielleicht war Kursaí auch sehr schlau und hatte sie durchschaut.... Cumará seufzte. Warum hatte sie denn überhaupt nicht auf Isis Spiel reagiert?
oO.(Andererseits... sie kennt uns gar nicht. Wir sollten uns erstmal alle vorstellen und kennenlernen. Dieses Wölfchen ist schlau, so viel steht fest)
Sie warn wieder bei der Gruppe angekommen. Cuma ließ die kleine Fähe von ihrem Rücken gleiten und setzte sich in einer geschmeidigen Bewegung auf ihre Hinterpfoten. Ihre Rute legte sie an ihre Hinterschenkel und wedelte leicht. Sie dachte an Isis. Sie schien nicht immer da zu sein. Sie schaute oft in die Ferne und auf ihren Schatten. Doch was war da? Es war ihr normaler Schatten... was die Fähe wohl hatte? Vielleicht würde sie ja mit ihr darüber reden, obwohl sie die quirlige Wölfin kaum kannte, hatte Cuma sie in ihr Herz geschlossen. Sie war ein wenig, wie sie selbst- auf eine bestimmte Art und Weise. Sie war nicht immer so ernst, wie viele Wölfe hier... sondern einfach froh und munter. Sie lächelte Isis warm an, dann sah sie zu Kursaí hinab.
"Kursaí, wir sollten uns vielleicht ersteinmal vorstellen. Ich bin Cumará Tumaan. Aber du kannst mich Cuma nennen."
sie lächelte die junge Fähe freundlich an, dann sah sie in die Reihe und wartete auf den Nächsten, der sich vorstellen würde.
Da war es wieder. Ein nachlässiges, nasses Flügelschlagen gefolgt von dem kratzenden Geräusch. Rime blinzelte und hob dann den Kopf, spitzte die Ohren, um dem irritierenden Geräusch besser lauschen zu können. Er konnte es nicht ganz zuorden. Die Gefiederten hielten sich meistens nicht in der Nähe eines Wolfes auf und wenn, dann nicht wirklich lange. Dieses sonst so flüchtige Geräusch gleich mehrfach in einigem Abstand zu hören, war mehr als ungewöhnlich. Einen Moment lang erwog er den Gedanken, wieder gänzlich in den Regen hinauszutreten und sich das Ganze auf dem Felsen oberhalb seines Kopfes genauer anzusehen. Dann aber schüttelte er gedankenverloren den Kopf.
Was auch immer dort war, es wünschte mit Sicherheit nicht die Gegenwart eines Fleischfressers. Die wünschten stets nur Artgenossen. Und er hatte heute schon genügend Gedanken an Beutetiere verwandt, er musste sich nicht auch noch mit einem Gefiederten auseinandersetzen, ganz egal, ob der dort oben verletzt herumhüpfte oder dreist die Gegenwart eines Wolfes suchte.
Der letzte Gedanke ließ ihn dann doch stutzen.
.oO(Könnte das sein? Könnte ein Gefiederte die Gegenwart eines Wolfes suchen wollen?)
Er sann einen Moment darüber nach. Es gab schließlich Gefiederte, die dann und wann in ihrer Nähe waren, die sie manchmal sogar absichtlich verfolgten, um einen Nutzen daraus zu ziehen.
Aasfresser. Konnte er einen solchen mit seinem Jagdglück heute angelockt haben?
.oO(Aber warum ist er dann hier und nicht bei dem Kadaver? Dort wäre es normal, ihn anzutreffen... langsam, Rime. Wenn es ein Aasfresser ist. Das ist bislang nur eine Vermutung.)
Er erhob sich nun doch, schüttelte das dichte nasse Fell, dass die Tropfen nur so flogen und blickte trotz des kalten Regens im eigenen Gesicht empor zu den Felsen, ehe er mit drei, vier gewaltigen Sprüngen auf den Absätzen rechts von ihm hinaufkletterte.
Ein Blitz erhellte die Steppe und die nassen Felsen, die im kurzen hellen Licht tiefschwarz unter ihrem Glanz wirkten. Rime verharrte von einer Sekunde zur nächsten regungslos. Starrte zu dem genauso tiefschwarzen und doch glänzenden Gefieder des ungewöhnlich groß wirkenden Raben keine zwei Meter vor sich, der unbeeindruckt im strömenden Regen auf dem Felsen saß.
Das Schweigen dehnte sich aus, die schwarzen glitzernden Knopfaufen bohrten sich in die goldenen des für seine Art ebenfalls riesigen grauen Wolfes. Sie starrten einander an. Schließlich ruckte der Kopf des Raben ein Stück nach oben, ohne den Wolf indes aus den Augen zu lassen, und mit einem leisen, gelangweilt klingenden Krächzen spreizte er kurz die Flügel, um mit einem Flügelschlag die Feuchtigkeit abzuschütteln. Das Geräusch, das Rime nunmehr seit einiger Zeit immer wieder vernommen hatte.
Er runzelte die Stirn, suchte mit den Augen nach einer Verletzung im Gefieder, einen Grund, warum der andere ungeschützt im Regen auf diesem Felsen saß, aber er konnte keinen erkennen. Sein Blick wurde nachdenklich, Neugierde legte sich in die goldenen Augen und ganz automatisch rutschte sein Kopf in die leichte Schräglage des fragend blickendes Wolfes.
Das neuerliche Krächzen ähnelte einem genervten Seufzen mehr als den Lauten, die die Artgenossen des Gefiederten sonst so von sich gaben, und Rime blinzelte erneut, ein wenig irritiert über dieses Verhalten.
.oO(Sollte es sein, dass...)
"Was? Dass ich reden kann?"
Beißender Spott klang in der krächzenden Stimme mit, die die Stille mit einem Mal durchbrach und Rimes Augen weiteten sich ungläubig. Noch nie zuvor hatte ihn etwas anderes angesprochen als ein Wolf. Nie zuvor hatte er darüber nachgedacht, ob die anderen, die Beute, die Jäger, nicht nur Gedanken hatten, sondern ob sie REDEN konnten, verständlich mit ihm reden.
"Idiot."
Das Urteil war kurz und vernichtend.
Konnte es sowas geben? Eine Verbindung zueinander. Eine überirdische Verbindung zu Rime? Isis schüttelte leicht den Kopf. Quatsch, ihr stiegen schon die eigenen Gedanken zu Kopfe. Vielleicht hatte Rime sogar schon jemanden gefunden? Jemanden, der ihn besser verstehen konnte, als Isis es je tun würde.
Die Fähe richtete sich langsam auf und schlenderte Cumara nach. Irgendetwas raschelte im Gehölz. Isis verfolgte die Spur und erblickte eine Maus, die sich aus dem Staub machen wollte. Die Wüstenwölfin verfolgte den kleinen Nager, schlug mit der Pfote auf dessen Körper und verharrte in dieser Position. Die Maus lebte noch, blickte ihren Peiniger mit angstgeweiteten Augen an. Man konnte förmlich das kleine Herz schlagen hören, es war, als würde das Pulsieren auf Isis über gehen. Interessiert neigte diese ihren Kopf um die Maus sanft anzustupsen.
"Lauf nur, kleiner Pelzträger. Ich bin keine Gefahr für dich."
Isis hob wieder die Pfote an und in sekundenschnelle war die Maus unter dem dichten Laub verschwunden.
Die Fähe blickte zu Cumara und erwiderte ihr warmes Lächeln. Isis konnte nicht so strahlend wie sonst lächeln, wo doch immer die Ungewissenheit in ihrem Hinterkopf pochte, ja gar schon schmerzte.
Isis brauchte Ablenkung. Jedesmal, wenn sie mehr an Rime dachte, fand sie sich in einem unheimlich dunklen Schatten wieder, während sie doch eigentlich in der strahlenden Sonne stand, inmitten eines flammenden Waldes. Tanzend schwangen die Blätter von den Bäumen, raschelnd huschten Hornträger zwischen den Bäumen entlang. Isis gesellte sich zu Cuma, striff ihr Fell und stupste sie leise wuffend an.
"Liebe Cuma, kann ich nachher mit dir reden? Ich muss mit jemanden reden, sonst zerbreche ich an der Last, die mir Osiris, Verzeihung Engaya, aufgebürdet hat."
Isis sprach sehr leise und nur in Cumas Ohr, wobei ihre eignen nervös umher schnippten. Es nervte die Fähe, dass sie sich mal mit der Situation abfand und im anderen Moment wieder der Verzweiflung nahe war und wie ein kleines Kind am liebsten los heulen würde. Eigentlich war sie auch noch jung, unbedarft, jedoch voller Erfahrung, die sie auf der Reise hier in das Tal der Sternenwinde gesammelt hatte. Isis legte sich auf den Boden um Kursaí in die Augen blicken zu können. Ablenkung musste her und zwar um Himmels willen dringend.
"Kleine Kursaí, du schlaues Wesen, mein Name ist Isis und ich komme aus dem fernen Ägypten, wo das Land nur aus Sand besteht."
Die Schwinge des Osiris seufzte leise. Sie vermisste ihre Heimat auch sehr, obwohl ihr Körper sich schnell an die unwirtlichen Winter des Nordens angepasst hatte. Zum ersten Mal spürte Isis wahren Schmerz in ihrem Herzen, jedoch bereute sie in keinem Moment, dass sie Rime kennen gelernt hatte. Für ihn ertrug sie den Schmerz mit stolzen Haupt.
Schweigend sah Kensharion die anderen an und verstand nicht, wieso sie denn nicht gleich auf Kursaí zugingen. Er hatte sie doch schon in seine Richtung gewiesen, oder hatten sie es etwa nicht gehört? Unmöglich, er hatte doch so laut und deutlich gesprochen! Er verstand ja, dass Welpen gerne Spaß hatten und spielten, doch konnte er sich einfach nicht vorstellen, dass es für die Kleine ein Gefallen sein würde, nicht gefunden zu werden. Es klang einfach viel zu albern! Ein wenig verwirrt blickte er der kleinen Gruppe nun nach, machte keine Anstalten, ihrem Beispiel zu folgen. Still saß er dort, genoss wieder die Ruhe um ihn herum, während er wie immer seine Umgebung in Augenschein nahm. Eine Weile beobachtete er Takashi und Jumaana, dann wandte sich sein Blick wieder zu Isis und Cumará, die Kursaí „suchten“. Mit seinen Augen verfolgte er die Bewegungen der Welpin, sie war ja schon ganz niedlich, doch konnte Kensharion mit so einem unschuldigen und hilfslosen Wesen nichts anfangen. Bei seiner Beobachtung ertappte er sich dabei, wie er immer wieder zu der Welpin blickte, Cumará und Isis sie „fanden“. Obwohl sie ein ganzen Stück von ihm entfernt waren, hörte er jedes einzelne Wort, was sie sagten und musste Schmuzeln, als die neugierige piepsige Stimme von Kursaí erklang. Welpen hatten doch so ein unbesorgtes Leben!
Schließlich stand er auf und schritt mit ruhigen und federnden Schritten zu den dreien hinüber. Da er ohnehin recht wortkarg und kühl war, bekam auch die junge Fähe nur ein kurzes Kopfnicken als Begrüßung geschenkt, während er seinen Namen preisgab.
“Ich bin Kensharion“
Sagte er kurz angebunden, versuchte jedoch möglichst nicht unfreundlich zu wirken. Die Welpin strahlte etwas Schutzloses aus, was ihm selber verbot, ihr gegenüber zu grob zu sein. Bevor er sich wieder auf seine Hinterläufe niederließ, sah er noch einmal auf die Kleine hinab. Dann sah er wieder zu Cumará und Isis und sein Blick schien zu fragen „Was wollt ihr denn mit dieser Welpin machen?“, doch sein Fang blieb stumm. Er hörte Isis sprechen und lauschte ebenfalls ihren Worten, ohne eine Reaktion zu zeigen. Komischerweise kam er sich fehl am Platz vor, umringt von Fähen und verwickelt in einer Aufgabe, der er nicht gewachsen war. Nicht, dass er nicht fähig war, er hatte es nur noch nie gemacht und wusste selber nicht genau, ob er wirklich die Verantwortung übernehmen wollte, einen Welpen einzuweisen. Sein eisblauer Blick traf Kursaí und obwohl er ganz ruhig war, schienen seine Augen dennoch eisige Kälte zu versprühen. Der Schatten hatte nicht die Absicht, der Kleinen einen Schrecken einzujagen, doch dieser Blick war mal unter seiner Kontrolle und mal nicht, sie hatte wohl einen schlechten Tag erwischt.
Die Graue hatte die kleine Wölfin gerade noch nachdneklich angeschaut, als Isis ihr etwas ins Ohr flüsterte. Die junge Fähre war sichtlich nervös. Cumará lächelte sie an.
"Natürlich, liebe Isis. Du kannst immer mit mir reden. Ist es wegen... Rime? Er wird zurückkommen, mach dir keine Sorgen, aber jetzt erzähle ich erst Kursaí die Geschichte Engayas und Fenris, danach können wir reden."
sagte sie, ebenfalls leise zurück, denn offenbar wollte Isis wirklich nur, dass sie es mitbekam. Wo war Rime eigentlich? Ach ja, er war weitergegangen... doch Cuma war sich wirklich sicher, dass er zurückkam. Sie sah die Besorgnis im Gesicht der Fähe. Sie stupste sie liebevoll an und wuffte kurz, um ihr klar zu machen, dass sie ihr helfen würde... so gut es eben ging. Cuma schaute sie mit ihrem lieben Lächeln an, dann wandte sie sich wieder an Kursaí.
"Kursaí, die beiden anderen Wölfe dort sind Jumaana und Takashi. Aber ich denke, jetzt ist es Zeit, Geschichten zu erzählen. Es sind wahre Geschichten, Kursaí Akihiko, und sie sind wichtig für das Leben hier im Sternenwindtal. Es gibt viele Geschichten, ich fange jetzt einfach mal an," sagte die Graue und blickte in die Runde, "hier, im Sternenwindtal gibt es zwei Götter. Ihre Namen sind Engaya und Fenris. Sie haben beide Aufgaben. Diese Aufgaben entscheiden über unser Leben. Engaya ist die Göttin des Lebens. Sie gibt das Leben und flößt uns eine Seele ein. Doch das Leben muss auch wieder genommen werden. Fenris. Er ist der Tod. Und auch wenn er das Leid und die Schmerzen in der Welt verursachte, so war er unverzichtbar für die Welt. Geben und nehmen. Engaya und Fenris erschafften diese Welt zusammen, es ist so lange her, dass sich kein Wolf oder sonst ein anderes Lebewesen daran erinnern kann, und doch ist es wahr. Wölfe vermeiden seinen Namen, mit ihm wird gedroht. Er ist das Böse, die Nacht, das Pech, das tiefe schwarze Loch... Engaya ist das Glück, die Freude, das Licht und das Leben. Das Gegenteil Fenris'. Sie schickt Sternschnuppen über den Himmel, und diese verbreiten Freude und Glück. Es heißt, sie habe hier, im Sternenwindtal einst gelebt. Diese Tal ist heilig. Engaya schickte ihre Tochter auf die Erde: Banshee. Ebenso Fenris. Doch er schickte einen Boten der Fäulnis, es war Acollon. Er ging jedoch nach sehr langer Zeit aus diesem Tal... aber sie zeugten Nachkommen. Und du, Kursaí Akihiko bist einer von ihnen. Ebenso wie deine Geschwister, dein Vater und viele andere. In dir ist das Leben, Kursaí. Und es soll noch lange in deiner Seele bleiben."
schloss Cumará. Sie hatte lange geredet, aber sie hatte es schön erzählt, die Stimme richtig verwendet, und nun schaute sie Kursaí lächelnd an. Sie wusste nicht, ob die kleine Fähe alles verstanden hatte, aber sie schien äußerst klug. Ob sie alles verstanden hatte?
"Hast du Fragen, Kursaí? Oder irgendetwas nicht ganz verstanden?"
fragte sie die kleine Wölfin mit ihrer weichen Stimme. Sie schaute in die Gesichter der anderen Wölfe. Ihre Frage wra auch etwas an sie gerichtet. Sie war schon lange vertraut mit der Geschichte, sie hatte sie das erste Mal gehört, als sie etwa drei Monate alt war, und hatte sich die Geschichte immer wieder erzählen lassen. Doch wie war es mit Isis? Vielleicht nannte sie Fenris und Engaya einfach nur anders?
02.01.2010, 17:43
Isis war froh, dass sie mit Cuma reden konnte, auch wenn erstmal Kursaí ihr aller Aufmerksamkeit forderte. Als Cuma von Engaya und Fenris begann zu erzählen, kam es Isis wie ein lächerlicher Verrat an ihren Göttern vor, jedoch blieb ihre Schnauze stumm. Sie wollte die kleine Fähe nicht verunsichern. Kursaí lebte noch lange in diesem Tal und wer weiß, vielleicht würde sie auch Leitwölfin werden und Isis hatte in diesem Tal um Einlass gebeten. So musste sie sich ihrem Glauben beugen.
Die Wüstenwölfin neigte leicht den Kopf und betrachtete Kursaí. Sie war ein solch kleines Wesen.
o.O(Osiris, Isis, bewacht die kleine Kursaí auf ihren Wegen, Thot schenke ihr Weisheit dieses Leben zu meistern und Anubis bewache sie auf ihren Wege in die Dunkelheit. Sie soll reinen Herzens bleiben, bewahrt sie vor Anubis.)
Isis schloss die Augen und klappte die Ohren an. Im Stillen begann sie ein Gebet für Kursaí. Die Anderen sollten es nicht hören, sie durften es nicht hören, denn es war nur für Kursaí bestimmt. Vielleicht spürte die kleine Fähe auch die Wärme in ihrem Herzen. Nein, es war nicht schlimm, wenn sie diese Wärme für ein Geschenk von Engaya hielt.
o.O(Schenkt ihr die Kraft, Dinge hinzunehmen, die man nicht ändern kann. Schenkt ihr den Mut, Dinge zu ändern, die man ändern kann und schenkt ihr die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden.)
Isis öffnete langsam wieder die Augen. Ein sanftes Lächeln für Kursaí lag in ihnen. Vorsichtig legte sich die Fähe auf den Boden und legte den Kopf auf die Pfoten. Sie kam sich so müde und erschöpft vor. Hatte Rime ihre Lebensfreude mitgenommen? Schon wieder war Rime in ihrem Kopf. Isis zog die Stirn kraus und betrachtete Kursaí. Leben, das aus anderem Leben entstanden war. So konnte es gehen, sonderbar nicht? Isis dachte kurz nach. Ach, was sollte es? Vielleicht würde Kursaí auch das Tal verlassen, vielleicht würde ihr Weg auch in die Wüste führen und dann war die Kleine verwirrt, dass es doch noch andere Götter gab. Isis wusste von Engaya und Fenris, seitdem sie klein war. Oftmals hatten Wölfe aus dem Norden, Schutz in ihrem Gefilden gesucht. Sie erzählten von den beiden Göttern, während die Wüstenwölfe von den ihren berichteten. Sie gleichen sich und doch sind sie verschieden.
o.O(Ich werde ihr von der Wüste erzählen.)
"Kleine Kuraí, in meinem Land aus Sand und wenig Wasser, gibt es mehr Götter, als hier im Norden. Zwei nennen sich zum Beispiel Isis, wie ich, und Osiris. Osiris hat noch einen Bruder, der heißt Seth. Isis war ihre beider Schwester. Jedoch tötete Seth, weil er euer Fenris war, Osiris aus Eifersucht. Jedoch konnte Isis ihn wieder zum Leben erwecken und seitdem bewachen sie uns Wüstenwölfe vor dem Bösen der Welt. Wir haben auch noch viele andere Götter, aber von ihnen möchte ich dir nur erzählen, wenn du magst. So sei es, kleine Fähe."
Isis blickte in die Runde. Vielleicht hatte noch jemand anderes was zu erzählen. Schließlich stand sie wieder auf und schritt auf Cuma zu. Vielleicht war jetzt ein guter Zeitpunkt zum Reden.
Rime starrte den gefiederten perplex an. Die Beleidigung nahm er wahr, ging aber in seiner Verwunderung unter. Er spürte weder den Regen, der sein Fell mehr und mehr durchnässte, noch den schneidenden Wind hier oben auf dem Felsen. Nicht nur, dass der Gefiederte gesprochen hatte, verblüffte ihn, sondern vielmehr, dass der andere so exakt seine eigenen Gedanken wiedergegeben hatte, als hätte er sie einem gesprochenen Wort gleich tatsächlich vernommen.
Er schüttelte leicht den Kopf und ließ sich schließlich auf den Hinterläufen nieder, den Blick immer noch auf den Gefiederten gerichtet, der damit begonnen hatte, im Kreis umherzustaksen, als ertrage er die Szenerie nicht anders.
"Du mußt zugeben, dass die Begegnungen, in denen Wolf und Rabe miteinander gesprochen hätten, nicht gerade häufig gesät sind."
meinte er schließlich mit einem Lächeln, während er den unruhigen Gang des anderen beobachtete, der irgendwie mürrisch wirkte. Allerdings hatte er noch nicht viel Zeit darauf gerichtet, die Körpersprache eines Gefiederten zu verstehen. Er mochte sich daher irren. Das Krächzen des Raben klang wieder wie ein höhnisches Lachen.
"Ach... nein? Woher willst du das wissen, Grauwolf? Warst du bei allen dabei?"
Der Tonfall sollte provozieren, aber Rime war viel zu interessiert an dem sonst so fernen Geschöpf, als dass er es wirklich zur Kenntnis genommen hätte.
"Unsere Art berichtet einander von solchen Dingen. Wir erzählen noch viele Generationen später Geschichten über Vergangenes. Ich habe keine Geschichten über dergleichen gehört."
erwiderte er daher gelassen, die Neugierde noch in den goldenen Augen erkennbar. Flüchtig dachte er an Isis, und daran, wie sehr ihr diese ungewöhnliche Begegnung sicherlich gefallen hätte. Vermutlich wäre es der zierlichen Fähe zudem leichter gefallen, diesen Kontakt offener zu gestalten. Er hingegen, musste sich regelrecht dazu zwingen, erst zu sprechen, obgleich er viel lieber ausgiebig über dieses Ereignis nachgedacht hätte.
"Blablabla..."
murrte der Rabe und spreizte genervt seine Flügel.
"Ich bin mir nicht sicher, ob ausgerechnet du darauf bauen solltest, dass dir in deiner Kindheit alle bekannten Geschichten erzählt worden sind."
stichelte er dann und gluckste in sich hinein.
Rimes Schnauze kräuselte sich nachdenklich bei diesen Worten, seine Augen wurden ein wenig schmaler, die Neugierde wich einem fahlen Misstrauen, das sich in seine gesamte Haltung schlich.
"Wie kommst du darauf?"
Der Rabe hielt inne und musterte den Wolf mit den tiefschwarzen Augen, die nur durch den zweitweilig aufleuchtenden Blitz des entfernt vorbeiziehenden Gewitters erhellt wurden. Etwas archaisches mutete ihm an, dem sich Rime nicht wirklich entziehen konnte.
"Ich weiß es einfach. Raben wissen soetwas. Grimmfrost Bärentöter."
Die Augen des Rüden weiteten sich ein wenig, als er den eigenen Namen aus dem Mund des Gefiederten vernahm. Ein beklemmendes Gefühl breitete sich in seinem Innern aus, dessen Herkunft er nicht wirklich erklären konnte. Aber es beunruhigte ihn, das andere, andere Nichtwölfe, seinen Namen kannten, während sie ihm gänzlich unbekannt waren.
"Und du bist?
Belustigt krächzte der Rabe.
"Ah, eine Vorstellung also? Gut, gut... du kannst mich Maitho nennen, so nennt man mich an vielen Orten."
Ein wenig unsicher sah er noch für einen kleinen Augenblick Jumaana an. Erst wollte er ihr nicht glauben, dass alles in Ordnung sei. Aber schließlich wollte er sie in keiner Hinsicht ausfragen oder gar belästigen. Er wusste, wie nervig das werden konnte. Vor allem, wenn man derjenige ist. In so eine Situation wollte er Jumaana nicht schicken. Also sprach er dieses Thema auch gar nicht mehr an. Jedoch wusste er, dass etwas gewesen sein musste. Sonst hätte sie doch bestimmt nicht so komisch reagiert. Er hatte keine Ahnung, was dort gewesen sein könnte. Schließlich hatte er nichts gesehen oder gehört. Alles schien für ihn ganz normal gewesen. Noch ein wenig nachdenklich sah er aus. Irgendwie beschäftige ihn die Frage, was da denn gewesen wäre.
.oO(Ich habe nichts gesehen! Wirklich…da war doch gar nichts! Oder irre ich mich vielleicht? Aber…das kann doch nicht sein! Ich bin doch schließlich nicht doof! Vielleicht hat sie einfach einen schlechten Tag. Ja…das wird es sein…das ist es!)
Kam er zum Entschluss. Doch wenn es nicht so war? Nein, nein…keine wirren Gedanken mehr. Wer weiß, was da hinterher noch so alles bei raus kommt! Bestimmt ganz verrückte Sachen, die sowieso nicht stimmten. Takashi schüttelte wieder den Kopf, um auf andere Gedanken zu kommen. Er konzentrierte sich wieder auf das Geschehen, direkt vor seinen Augen. Er musterte den kleinen Jungwolf. Ihre Augen waren dunkelrot, fast wie Takashis. Er sollte sich der Kleinen vorstellen. So senkte er den Kopf ein wenig. Obwohl Cumará bereits seinen Namen genannt hatte, beschloss er, ihn noch einmal zu nennen.
“Ich heiße Takashi!...Gute Freunde nennen mich aber auch Taka.“
Er zwinkerte ihr zu und fasste seine Worte knapp, damit Cumará erzählen konnte.
Es hatte irgendwie doch Spaß gemacht, auf der großen Grauen zu reiten. Zwar hatte Kursaí es nicht wirklich gezeigt, doch hatte es ihr viel Spaß gemacht, darauf zu achten, dass sie das Gleichgewicht hielt und nicht von dem Rücken der Erwachsenen rutschte. Sie kannte das Spiel schon eine Weile und wusste, von den Erkundungen auf ihrer Mutter, wo sie hintreten musste, damit sie einen guten Stand hatte. Als sie bei der Gruppe angekommen waren hatte sich ein kleines Lächeln auf die Züge der Kleinen gestohlen. Sie musterte die verschiedenen Wölfe aufmerksam und lauschte den Vorstellungen. Sie würde die Namen jetzt nicht mehr vergessen, doch das durfte keiner wissen. Sie würde wohl irgendwann noch einmal nachfragen müssen, nur um ihren Schutz zu behalten. Es durfte einfach keiner wissen, dass sie sich einfach alles merken konnte. Warum, dass wusste sie selbst noch nicht so genau, doch sagte irgendetwas in ihr, dass es ihr Geheimnis war und sie es noch nicht teilen durfte.
Ruhig ließ sie den Blick über die Augen des Schwarzen gleiten. Er hatte rote Augen. Fast wie sie selbst nur, dass ihre viel dunkler waren. Mit einem lächeln auf den Zügen drehte sie sich dem nächsten Wolf zu. Cumará, welche sie schon kannte. Kurz legte die Fähe den Kopf schief. Sie wollte etwas sagen, doch ließ sie es bleiben, als sie sah, dass Isis der Grauen etwas zuflüsterte. Schnell drehte sie sich dem nächsten in der Gruppe zu. Cuma hatte gesagt der Name dieses Wolfes war Jumaana, doch hatte Kursaí die Fähe noch nicht sprechen hören und drehte sich daher dem letzten zu. Ihr Lächeln wich zurück während sie diesen betrachtete. Er war der Verräter und sein Name war Kensharion. Vielleicht würde sie später noch einen anderen Namen für ihn finden, doch jetzt musste sie erst auf die Worte der grauen Fähe achten. Sie durfte nichts verpassen, sonst müsste sie nachfragen und dies währe höchst peinlich. Ruhig setzte sie sich vor die Graue und lauschte der Geschichte. Irgendwie war es komisch, dass sie ein Nachkomme einer Göttin sein sollte. Sie konnte es irgendwie nicht glauben, so gern sie es auch tun würde, doch auch das würde keiner erfahren. Kursaí würde später noch Nachforschungen darüber anstellen. Mit ihrem Bruder vielleicht. Ob er die Geschichte auch schon gehört hatte? Ob er alles glaubte? Sie wollte so gerne wieder mit ihm spielen, ihn besiegen.Auch Isis sprach über Götter, doch unterschieden sich die ihren völlig von denen Cuma´s. Später würde sie gerne noch darüber reden, welche anderen Götter es noch gab, vielleicht würde sie es später noch brauchen.
"Nein eigentlich habe ich keine Fragen mehr. Ich habe alles verstanden und Isis? Ich denke ich werde dich später noch über deine Götter ausfragen. Die Geschichten sind wirklich spannend. Und haben Banshee und Acollon eigentlich irgendwelche besonderen Gaben?"
Eigentlich wollte sie die letzte Frage gar nicht stellen, doch sprudelte sie mitten in ihrem Redefluss mit aus ihrer Schnauze. Immerhin würde es erklären, dass sie sich an alles erinnern konnte, was sie bisher erlebt hatte und was irgendjemand zu ihr gesagt hatte. Jedes Wort konnte sie jemandem wiedergeben, wenn er es hören wollte, doch tat sie es nicht. Sie hütete ihr Geheimnis und brütete im Hinterkopf schon über eine Strafe für den Verrat von Kensharion. Was es wohl werden würde? Ihr würde bestimmt noch etwas Passendes einfallen.
Cuma hörte Isis interessiert zu. So war es also bei Isis. Das waren ihre Götter. So anders und doch hatten sie eine gewisse Ähnlichkeit mit ihren eigenen Göttern, mit Engaya und Fenris. Als Kursaí angefangen hatte zu sprechen, musste Cumará sich ein Lächeln verkneifen und lachte leise in sich hinein; manchml vergaß sie, dass die Welpen schon fast ein halbes Jahr alt waren und somit schon fast ein Jungwolf. Sie legte den Kopf schief und lauschte den hellen Worten Kursaí Akihikos. Wie sie Kenshi ansah. Sie schmunzelte. Vermutlich war sie verstimmt darüber, dass er sie 'verraten' hatte. Dann antwortete sie schließlich auf die Frage Kursaís.
"Oh, ja, ich denke schon... sieh mal, Banshee ist schließlich die Tochter des Lebens. Ich denke... nun ja, sie kann sicher ihre Mutter sehen. Und Acollon hat wahrscheinlich die gleiche Gabe- er kann Fenris sehen. Vielleicht können sie sich auch miteinander unterhalten. Aber ich glaube, wenn die beiden besondere Gaben haben, dann zeigen sie es nicht, weißt du? Und es ist auch ihr gutes Recht, würde ich meinen... sie sind besonders, aber vielleicht wollen sie es nicht immer sein. Ist deine Frage beantwortet?"
fragte sie lächelnd und schaute die Kleine fragend an. 'Kleine' passte nicht mehr recht zur grauen Fähe vor ihr. Nun ja, im Vergleich zu ihr selbst war sie natürlich doch klein... sie lachte Kursaí fröhlich an. Auch Taka hatte sie erstaunt. Er war ziemlich umgänglich in letzter Zeit- was vielleicht auch an der Anwesenheit Jumas' lag. Cuma hatte mitbekommen, wie Taka der kleinen Wölfin zugezwinkert hatte. Sie hatten beide rote Augen, aber sie waren so unterschiedlich...
"Kursaí, ich denke, wir alle kennen dich noch nicht sehr gut, vielleicht möchtest du uns etwas erzählen über dich? Falls nicht, können wir ja den Nordwald erkunden, und dabei dir noch Geschichten erzählen."
sagte sie zur Fähe und schaute sie mit ihren blauen Augen an.
Isis zwickte Cuma kurz in das Fell und zog sie ein Stückchen mit sich.
"Es dauert auch nicht sehr lang... es ist nur, wegen Rime, aber ich glaube, dass wirst du dir schon gedacht haben."
Die Wüstenwölfin setzte sich ein Stück von den anderen entfernt unter einen Baum, der flammend seine Blätter trug. Ein sachtes Zittern durchfuhr den Körper der jungen Fähe, sie wollte die Sache nicht zu sehr ausweiten. Mit sanften Tonfall berichtete sie wie ihr Weg in das Tal führte, als sie im wahrsten Sinne des Wortes über Rimes Pfoten stolperte, sie Akru begegneten und bei der Jagd vom fremden Rudel erwischt wurden. Isis erzählte der Anderen wie Rime sich um sie gekümmert hatte, Akru aufgetragen hatte auf sie zu achten und, dass der große graue Bärentöter immer ihr Schatten bleiben würde. Während Isis so redete, tanzten einige Blätter von dem Baum hinab zu ihren Pfoten. Ein wunderschöner sanfter Blick lag in den Augen der Wölfin und das Fell erinnerte mehr denn je an die weiten Wüsten Ägyptens. Selbst ein Blinder mit Krückstock würde erkennen können, dass die Fähe verliebt war, dass sie litt und an nichts anderes mehr denken konnte. Die Ungewissheit, ob Rime je wieder kommen würde, stand ihr fest in den Augen geschrieben und so würde Isis weiter warten. Jeden Tag, jede Nacht.
"Ich würde mich freuen, wenn er auf seiner Suche das findet, was er möchte. Eine große Frage quält ihn, quält sein Herz, das spüre ich ganz genau, sehr genau. Vielleicht hat er schon eine andere Gefährtin... wie soll ich sagen, wenn es seine Fragen beantwortet, dann bin ich auch glücklich, aber wie soll ich es jemals erfahren? Ich werde hier auf ihn warten, warten und warten bis mich Anubis holt... in das Reich der Toten. So sei es."
Es war nicht selten, dass Isis sprach wie eine altägyptische Frau, immerhin führte ihr Familienstammbaum bis zu der Zeit Echnatons zurück... der Anbeter des Sonnengottes...Aton, welcher zu Re wurde.
Cuma bemerkte Isis, als diese sie kurz ins Fell zwickte sanft aber trotzdem bestimmt. Sie ließ sich von der kleinen Gruppe wegziehen, auf den Rand des Waldes zu. Die Wüstenwölfin setzte sich vor sie, und auch Cumará setzte sich, mit einer Eleganz, auf die sie stolz war. Sie hatte sich viel bei ihrer Mutter abgeguckt, bei ihrem Vater hatte sie die Autorität und das Selbstbewusstsein kennen gelernt, er war ein Beta gewesen. Sie riss sich aus ihren Gedanken und wandte ihren schönen Kopf der jungen Wölfin vor sich zu. Ihre gelben Augen schauten sie bittend an. Stumm lauschte die Graubraune den Worten der Fähe. Sie hatte es gewusst, Isis liebte Rime. Es war zwar offensichtlich gewesen, doch offenbar mochte die Wölfin den Bärentöter noch mehr, als sie gedacht hatte. Cuma fühlte sich geehrt, dass Isis ihr ihr Herz ausschüttete. Sie mochte die Fähe von Minute zu Minute immer mehr. Sie lernte Isis kennen, und Isis lernte sie kennen. Sie hatte ernst zugehört, dabei fast nie den Blick abgewandt- nur einmal, als ein sanfter Windhauch einige Blätter vor Isis fliegen leiß, sie hatten eine wunderschöne Farbe... Cuma schaute Isis in die Augen. Isis war hübsch. Aber sie trug eine Last mit sich, man sah es, wenn man lange genug in ihre Augen schaute. Sie hatte unglaublichen Liebeskummer. Als Isis geendet hatte, musste Cuma schlucken. Warum kam Rime nicht zurück? Was brachte es ihm, Isis im Stich zu lassen? Die Graue hatte ruhig dagesessen, nun stand sie auf und ging auf die Wüstenwölfin zu. Sie stupste sie an und zerzauste ihr das Nackenfell.
"Isis, ich denke,es ist gut, dass du mir alles erzählt hast. Doch weißt du was? Rime wird zurückkommen. Aus deinem Herzen spricht eine tiefe Sehnsucht, und ich verstehe sie..." nocheinmal stupste sie die Wölfin an "Aber ich werde nicht zulassen, dass dich Anubis holt, ehe Rime zurückgekehrt ist. Und mache dir keine Sorgen, ich bitte dich Isis, es schmerzt mich selbst, dich so verzweifelt zu sehen. Rime liegt viel zu viel an dir... ich habe ihn ein wenig beobachtet, und seine Blicke haben mehr gesagt als tausend Worte. Du kannst dir sicher sein, dass er zurückkommt. Ich würde ihm auch so gerne sagen, was ich empfinde..."
fuhr die Graue fort und senkte dabei die Stimme. Ja, sie mochte Kensharion wirklich sehr, doch er schien nicht mehr zu wollen als ... ja, was war es? Als Freundschaft? Als pures Dasein? In den Augen der Grauen blitzte ebenfalls kurz eine gewisse Traurigkeit auf, ihre blauen Augen waren wie tiefes Wasser, und doch so durchschaubar. Cuma legte ihren Kopfauf Isis Rücken und seufzte leise. Nein, sie musste Isis helfen und nicht immer nur an sich selbst denken.
"Es tut mir Leid, Isis... ich wollte dich nicht mit meinen Problemen belästigen! Du hast ein schwereres Los zur Zeit als ich gezogen. Ich werde dir immer helfen, so gut ich kann, und ich gebe dir mein Versprechen."
sprach sie zur Wüstenwölfin und schenkte ihr ein breites Lächeln. Die Traurigkeit verbannte sie aus ihren Augen. Sie wollte Isis nicht stören. Ihr musste geholfen werden. Sie zwickte sie sanft zurück und setzte sich neben sie. Man konnte Isis vertrauen. Hoffentlich traute auch Isis ihr. Aber warum hätte Isis sich ihr sonst anvertraut? Sie lächelte die Wölfin an. Ihre himmelblauen Augen strahlten.
Der Name des Raben klang in ihm fort, berührte ihn seltsam und ihm war beinahe, als müsse er ihn kennen, ihn verstehen, der Klang war vertraut und doch irritierend.
.oO( Augen, die beobachten.)
Er blinzelte über den eigenen Gedanken, verwundert, woher dieser gekommen war. Dass dies die Bedeutung des Namens, da war er sich ziemlich sicher.
Ansonsten jedoch war nichts mehr wirklich sicher. Die Welt schien sich gewandelt zu haben seit jenen ersten Worten des Raben, seit der kalten Erkenntnis, dass ein anderes Lebewesen ebenso dachte und sprach wie er auch, wie seine Artgenossen auch.
"Augen, die beobachten."
Er sprach es aus, beobachtete die erstaunte Reaktion des Raben, der sogar den Schnabel öffnete, als wolle er seiner Vebrlüffung Ausdruck geben, es dann aber doch wieder herunter schluckte.
"Du bist nicht ohne Grund hier. Nicht in der Steppe. Und nicht auf diesem Felsen."
Rimes Stimme war ruhig, geduldig. Er erwartete Protest, Spott vielleicht Merkwürdigkeiten, aber er wusste, dass er den Kern der Sache getroffen hatte.
Der Rabe zögerte, trippelte zwei unruhige Schritte näher auf Rime zu, um dann in einer leichten Kurve abzubiegen und beinahe gedankenverloren im Kreis wieder zurück zu seinem ursprünglichen Standort zu kommen.
"Nein. Es ist kein Zufall, dass ich hier bin. Und dass du die Bedeutung meines Namens kennst, zeigt mir, dass ich Recht getan habe. Ich bin hier, um die eine Frage zu stellen. Eine Frage, die je nach Antwort vielleicht noch weitere nach sich ziehen wird, oder meinen Abschied von dir bedeutet."
Rime nickte. Ein wenig verwundert von der offenen Antwort, aber dennoch nicht beunruhigt. Er mochte klar Aussagen.
Der Rabe plusterte sich ein wenig auf und schüttelte die Tropfen von sich.
"Warum also?"
fragte er dann krächzend und als er Rimes fragenden Blick darauf sah, fuhr er nach einem Seufzen fort:
"Warum hast du den Hasen verschont?"
Rime schwieg auf diese direkte Frage, betrachtete den Raben nachdenklich, betrachtete die kalten dicken Tropfen, die von dessen Schnabel und Federkleid herabrannen und im Schein der fernen Blitze nur hin und wieder unheilvoll glitzerten wie ein uneingelöstes Versprechen.
Es gab jede Menge Antworten auf diese Frage, jede Menge spontaner Antworten, aber er war kein spontaner Wolf, war noch nie jemand gewesen, der rasch ein Urteil fällte oder einen unbedachten Gedanken äusserte, ehe er zu einer Übereinstimmung im Innern gekommen wäre. Und hinter dieser Frage steckte viel mehr, als nur nebensächliches Interesse. Sie löste auch bei ihm die gleichen Fragen aus, die er zuvor bereits gewälzt hatte, all die Gedanken um den eigenen Instinkt, Instinkte aller anderer, die Art der Wahrnehmung... und noch viel wichtiger, das Empfinden all dieser anderen Wesen. Die Wölfe, die ihm auf seinem Weg begegnet waren eingeschlossen.
"Es gibt noch kein Warum. Nur das unbestimmte Gefühl und die eigene Frage, was mich dazu getrieben hatte, ihm überhaupt hinterher zu hetzen."
sagte er schließlich leise und lauschte dem fernen Donnergrollen, das aus der Richtung der Berge zu kommen schien, jener Berge, die so oft Ziel seiner sehnsüchtigen Blicke geworden waren.
Der Rabe schwieg auf diese unbestimmte Antwort hin, es blieb unersichtlich, ob er darüber verstimmt oder erfreut war. Schließlich nickte auch er und krächzte zustimmend und kein bisschen mehr höhnisch.
"Ich verstehe. Eine Suche. Noch auf der Suche. Und es ist kein leichter, kein kurzer Weg. Allein... dass ein Wolf mir begegnen würde, der ihn je beschritten hätte... ich hätte es bis vor Kurzem nicht geglaubt."
Er lachte heiser, wie Raben eben zu lachen pflegen, aber dieses Mal war der mitklingende Spott gutmütig und ein wenig nachsichtig.
"Wenn du gestattest... werde ich für eine Weile meine beobachtenden Augen auf dich richten, Rime."
Der Wolf verzog leicht den Lefzen zu einem dünnen Lächeln, erwiderte aber nichts. Er fand, die Situation eines fliegenden Beobachters sprach ohnehin für sich. Wie hätte er es schließlich verhindern sollen?
Isis betrachtete ausgiebig die Fähe vor ihr, dann schleckte sie ihr fiebend über die Schnauze.
"Nein, du belastest mich nicht. Ich habe Kenshi schon ein bisschen beobachtet. Ich denke schon, dass du ihn für dich gewinnen kannst, habe nur Geduld. Er muss sich erst noch an ein Rudel gewöhnen."
Isis Augen blitzten wissend auf und ein sanftes Knuffen in Cumas Fell unterstrich ihre Mimik. Die Graue brauchte sich keinen Kopf um ihren Rüden machen, da war die Wüstenwölfin sich sicher. Einmal schloss sie aus ihren Beobachtungen und zum anderen sagte es ihr Herz ihr und sie hoffte, dass Cuma es auch hören konnte, wenn sie nur leise war und in sich horchte. Isis traute Cuma. Sie schien nicht wie eine tratschende Fähe daher zu kommen.
"Vielleicht sollten wir wieder zur Gruppe gehen. Ich glaube es wäre mehr als peinlich, wenn wir mit einem unwissenden Welpen vor Banshee stehen würden, oder?"
Isis sprang wuffend auf und hetzte mit großen Sätzen zu der Gruppe um schließlich vor Kursaí stehen zu bleiben.
"So Kursaí, jetzt hast du lange genug Bedenkzeit gehabt. Worauf hast du Lust?"
Isis blickte fröhlich lächelnd zu Cuma und nickte ihr zu.
Jumaana setzte sich neben Takashi und nickte der kleinen Fähe zu, die neben Cumará saß.
"Ich bin Jumaana, Kursaí. Du kannst mich aber auch Juma nennen. Ich komme von weit her aus dem Norden; dort, wo nicht viele Wölfe Leben können. Ich bin die Krähe de ...."
Erschrocken brach die Fähe ab, soviel hatte sie nicht erzählen wollen. Sie lächelte mühsam und nickte Cumará zu. Sie wollte ihr bedeuten, dass sie weiterreden konnte. Immer noch bedückt von der Einbildung Aarinath's und ebenso geschockt über ihre Offenheit konnte die weiße Wölfin nicht weiterreden - sie wollte sich nicht selbst im Weg stehen. Ihre Geschichte hatte sie immer für sich behalten, und das wollte sie auch weiterhin tun. Doch ... einem einzigen hatte sie den Gedanken an ihre Familie anvertraut ... Takashi. Wütend biss sich Jumaana auf eine Lefze, dass hätte sie nicht tun dürfen. Doch mit einem Seitenblick zu dem großen Rüden war sie sich sicher, dass er schweigen würde, egal was passierte. Dazu würde er nicht fähig sein, genauso, wie er ihr über seine Familie anvertraut hatte, was er nicht wollte. Doch sie war sich sicher, er glaubte nicht, dass sie seine eigene Mutter in Gedanken vor sich sah. Jumaana glaubte es selbst fast nicht mehr!
Doch dann - die Weiße machte einen erschrockenen Satz zurück. Wieder eine Einbildung. Sie sah zu Cumará und Isis, schüttelte entschuldigend den Kopf und murmelte betreten:
"Wenn ihr mich einen Moment gehen lasst ..."
Mit einer kiloschweren Last auf den Schultern schlich die junge Fähe zum See - ängstlich und bedrückt zu gleich. Warum hatte sie dieses Bild vor sich gesehen, diese Vision gehabt? Was hatte das alles zu bedeuten? Es konnte kein Zufall sein; sie hatte eine Wölfin wie Aarinath noch nie gesehen und auch nichts annäherndes was so aussah wie Takashi. Und doch ... sie traute ihrer Fantasie nicht mehr, obwohl es doch einer ihrer Lebensinhalte war zu träumen. Am See begann sie ein Selbstgespräch.
"Was soll das alles? Warum passiert das? Warum habe ich das Rudel getroffen; alleine war ich doch glücklich!?"
Plötzlich verspürte Jumaana eine Angst - eine Angst vor sich, vor Takashi und vor überhaupt dem ganzen Rudel. Sie war noch zu jung um das zu begreifen, und doch schon so weise, um sie wissen, dass es sich um etwas Überdimensionales handelte - und das einzige Überdimensionale, das Moyna ihr zu wissen gegeben hatte war .... die Liebe.
oO Takashi! Oo
Plötzlich verspürte die Weiße den unglaublichen Drang, zu Isis oder Cumará zu gehen und mit ihr darüber zu reden. Irgendwann auch mit Takashi - aber erst, wenn sie sich selbst gesammelt hatte!
Cuma nickte erleichtert und stupste die Wüstenwölfin erfreut an. Sie hatte doch gewusst, dass sie Isis trauen konnte... und auch, dass Isis sie verstehen würde. Isis hatte Recht, sie musste einfach etwas geduldiger sein, und schon würde die Sache ihren Lauf nehmen. Können. Sie lächelte die Fähe überglücklich an, und ihr ganzes Gesicht strahlte. Als Isis sie aufforderte, mit zu kommen, wieder zurückzukehren zum Rudel, folgte Cumará ihr bereitwillig. Hoffentlich war niemand wütend auf sie, weil sie irgendjemanden ignoriert hatten. Sie setzte sich auf die Hinterschenkel und blickte in die Runde, konnte aber keine wütende Miene entdecken, und so entspannte sich die Graue und atmete ein paar Mal tief durch. Sie lauschte den Worten Jumas und war überrascht, als dieses auch schon wieder aufhörte, zu erzählen. Sie sah zur Weißen hinüber und schaute sie neugierig an. Sie hatte noch nicht viel mit der jungen Fähe zu tun gehabt. Krähe der was? Cumará blinzelte und überlegte kurz, verwarf den Gedanken an den Beinamen, den Juma anscheinend trug, aber nicht preisgeben wollte- noch nicht- denn sie wollte sich nicht unnötige Gedanken machen über etwas, was sie ersteinmal eh nicht erfahren würde. Sie schüttele kaum merklich den Kopf um von ihren Gedanken loszukommen, dass sah sie wieder lächeln auf die kleine Kursaí hinunter. Dann erhob sich Jumaana aber auch schon wieder, murmelte kurz eine Entschuldigung und lief auf den See zu. Cuma betrachtete die Weiße von hinten. Sie hatte irgendein Problem. Etwas, was sie bedrückte. Hatte sie auch. . . Liebeskummer? Cuma erinnerte sich selbst, wie es war. Sie hatte den stechenden Schmerz erst vor wenigen Minuten noch tief in ihrer Brust herumtrampeln gehört. Das Gespräch mit Isis hatte ihr sehr geholfen. Doch war Jumaana wie Isis, und sie selbst? Die Graue wusste es nicht. Sie kannte die Weiße noch nicht sehr gut, und wollte nicht in deren Privatsphäre eindringen, so blieb sie sitzen, warf der Wüstenwölfin jedoch einen etwas längeren Blick zu, den nur Isis verstand. Hoffentlich. Dann wandte Cumará sich jedoch wieder, und diesmal mit vollem Dasein, der Grauen neben sich zu. Diese hatte noch nicht geantwortet, Cumará wollte sich auch nicht bedrängen und so ließ die Fähe nur ein wenig die Ohren herumschnippen und betrachtete ein wenig die wunderschöne Landschaft. Etwas verstohlen musterte sie Kenshi. Er war schön. So schön... sie riss sich wieder aus ihren Gedanken, und könnten Wölfe rot werden, so wäre die Graue es nun geworden. Sie fühlte sich so, als hätte sie die eben gedachten Worte laut in die Welt hinausgebrüllt. So schlug sie nur kurz ihre Augen nieder und musterte etwas verlegen ihre Pfoten, und tat so, als ob sie wirklich sehr interessant wären.
Ein wenig überfordert mit der Situation saß Takashi einfach nur daneben und wurde Zuschauer des Geschehens. Wie ging man denn mit einem Welpen um? Nie hatte er sich darüber Gedanken gemacht. Außerdem hat er auch nie erwartet, sich um einen Welpen kümmern zu müssen. Natürlich wollte er da jetzt nichts falsch machen. Also sah er es sich einmal ganz genau an, wie man das denn machte. Beim nächsten Mal würde er dann bestimmt mehr helfen können und es auch selber wollen. Nur weil er jetzt mit dieser Situation völlig überfordert und unsicher war, wollte er sich erst einmal da raus halten. Auf einmal ließ sein Blick von dem kleinen Welpen ab. Jumaana wollte gehen. Einfach so? Was war denn wieder los?
.oO(Wo will sie denn hin…? Was hat sie denn bloß? Vorhin hat sie sich auch so komisch verhalten! Soll ich ihr vielleicht nachgehen? Oder doch lieber alleine lassen…? Was ist jetzt das Beste? Nicht, dass sie das irgendwie falsch versteht und sich ausspioniert fühlt…!)
Zu lange gedacht. Jumaana war schon bereits einige Schritte entfernt. Ihr jetzt noch nachzulaufen, wäre dumm. So ließ Takashi sie doch lieber in Ruhe. Er sah ihr noch lange Zeit nach, obwohl sie schon nicht mehr zu sehen war. Ein wenig traurig senkte er den Kopf. Er wäre ihr viel lieber nachgelaufen. Vielleicht hätte er ihr ja auch irgendwie helfen können. Schließlich würde er gerne wissen, was sie denn hatte. Es machte ihn schon recht unruhig und bereitete ihm sogar Sorgen! Es schien ja auch wirklich etwas nicht in Ordnung zu sein! Da durfte man sich ja schließlich auch Sorgen machen! Dann sah er wieder zu dem Welpen. Doch dieser interessierte ihn jetzt recht wenig. Erneut sah er in die Richtung, in die Jumaana verschwunden war.
.oO(Was tut sie da? Und wann wird sie wiederkommen?)
Fast hätte die junge Fähe neugierig weitergefragt, als sie die Worte der grauen Fähe hörte. Banshee und Acollon hatten also auch irgendwelche Fähigkeiten und sie verheimlichten sie auch! Oder waren das alles nur Vermutungen? Bestimmt, aber eigentlich war es der jungen Fähe im Moment egal. Sie wusste nun endlich, dass sie doch nicht so allein war wie sie immer gedacht hatte. Fröhlich ließ sie ihren Blick erneut durch die Runde schweifen. Was sollte sie denn über sich erzählen? Vielleicht musste sie einfach nur sagen wo sie geboren wurde, aber das wussten doch eigentlich schon alle. Also was sonst? Sollte sie einfach sagen was sie gerne machte? Würde das nicht schon alles verderben?
"Ich weiß nicht so recht..."
Sie fing leise an, doch stockte sie kurz und schwieg einen Moment um sich zu sammeln. Sie musste einfach nur irgendetwas sagen.
"Meinen Namen kennt ihr ja schon alle und meine Eltern auch. Nun ja ich liebe es mit meinen Geschwistern zu spielen und zu kämpfen, aber das tun ja alle Welpen gerne. Ich weiß nicht was ich euch noch über mich sagen soll. Versteck spielen macht sehr viel Spaß, wenn man nicht vorher verraten wird"
Sie ließ ihren Blick bei diesen Worten zu Kenshi schweifen und schaute diesen eine Weile an bevor sie weiter sprach. Er sollte bloß nicht denken, dass sie nichts von seinem Verrat mitbekommen hatte.
"Ja...ähm...reicht das?... Mir fällt nichts Wichtiges mehr ein und ich bin ja noch nicht so alt um viele Geschichten erzählen zu können."
Natürlich hätte sie noch viele Geschichten zu erzählen, doch würde sie damit ihre Fähigkeit verraten. Vorsichtig setzte sie sich etwas auf und drehte sich erneut um sich selbst. Irgendwie mussten jetzt alle weg von hier. Lag es an ihr? Nein, bestimmt nicht. Neugierig beobachtete Kursaí die beiden Fähen, welche vorhin mit ihr gespielt hatten. Sie waren ein Stück weggegangen und unterhielten sich nun leise. Auch die weiße Fähe, welche den Namen Juma trug, löste sich von der kleinen Gruppe und ging zum See. Kursaí ließ ihren Blick weiter wandern und blickte nun wieder den Wolf mit den roten Augen an. Irgendwie sah es so aus, als wollte auch er von der Gruppe verschwinden. Er schaute der Weißen hinterher. Wollte er ihr hinterher gehen? Warum tat er es nicht einfach? Leise seufzend erhob sie sich ganz und trat auf den schwarzen zu. Vielleicht war es nicht eine ihrer besten Ideen, doch wollte sie, dass der Sorgenvolle Ausdruck aus seinem Gesicht verschwand. Leicht stupste sie ihn an, als sie bei ihm ankam, dann legte sie ihre Pfoten auf seine Flanke und drückte. Sie wusste, dass er davon nicht umfallen würde und vielleicht würde er es auch gar nicht wirklich mitbekommen. Für einen Erwachsenen war sie noch zu schwach.
"Na los geh ihr hinterher"
Sie versuchte die Tonlage zu imitieren, welche ihre Eltern immer benutzten, wenn sie irgendetwas von ihr wollten oder mal wieder irgendetwas verboten. Vielleicht würde der Schwarze ja auf sie hören. Sie war zwar noch ein Welpe, doch konnte sie ziemlich überzeugend sein wenn sie wollte. Leider hatte sie noch nie jemanden dazu bringen müssen irgendjemandem hinterher zu gehen. Vorsichtig drückte sie noch einmal gegen die Flanke des Erwachsenen, dann setzte sie ihre kleinen Pfoten wieder auf den Boden und drehte sich wieder den anderen Erwachsenen zu. Die beiden Fähen waren wieder zurück. Ein leichtes Lächeln zog sich über die Züge der kleinen Fähe.
Isis beobachtete lächelnd Kursaí und beobachtete sie, wie sie versuchte Taka anzustupsen. Es erwärmte ihr Herz.
Mit langsamen Schritten näherte sie sich den Beiden und blieb schließlich neben dem schwarzen Rüden stehen. Mit sanftem Blick, folgte sie seinen zu Jumanaa, dann stupste sie ihn auch mit ihrer Vorderpfote an.
"Nun erhebe dein Hinterteil und folge ihr, Taka. Sonst schläft eure Beziehung noch ein."
Lächelnd blickte sie den Rüden an, dann wanderte ihr Blick zu dem Welpen. Sie umrundete Taka um zu Kursaí zu gelangen und legte sich neben sie. Sanft stupste sie die Kleine an.
"Weißt du Kursaí, im Rudel gibt es folgende Strukturen. Ganz oben stehen die Alphas, die das Rudel führen. Dann kommen die Betas. Sie sind sehr erfahren und die Berater der Alpha. Weiterhin gibt es noch die Jungwölfe, die nicht viel machen. Das ist eigentlich der bequemste Rang. Und als letztes kommt ihr Welpen, aber ihr werdet auch am besten beschützt. Jedes Rudel hat sein Revier und niemand Fremdes darf es betreten ohne Erlaubnis oder darin jagen. Bei mir zuhause ist das ganz anders. Es gibt keine Ränge, jeder darf gleich an die Beute und fressen, während hier die Alpha als erstes an die Beute dürfen. Wir haben auch keine Reviere, sondern jeder darf sich uns anschließen oder mal eine Nacht mitjagen und dann weiterziehen. Ich persönlich finde meine alten Rudelgesetze besser, aber du musst dich ab jetzt an diese hier halten. Und je Älter du wirst, desto strenger wird es für dich. Aber vielleicht verlässt du auch mal das Rudel und gründest irgendwo dein eigenes. Aber bis dahin wirst du noch größer, schöner und wirst sehr viel lernen bist du so weise wie deine Mama und deine Oma wirst, kleine Kursaí"
Isis legte ihren Pfoten so, dass Kursaí zwischen diesen hockte. Als ihre Mama, dass immer bei Isis getan hatte, fühlte diese sich wohl und beschützt. Außerdem roch ihre Mama immer so besonders. Ob Kursaí die Wüste an Isis witterte?
In Gedanken versunken starrte Takashi Jumaana noch immer nach. Etwas stimmte nicht, das war klar. Doch konnte er da überhaupt etwas tun? Nicht immer konnte man jemandem helfen. Oft gab es Probleme, wo eigentlich niemand helfen konnte. Man war einfach machtlos. Missmutig fiel sein Blick zu Boden. Da erblickte er den Welpen, der gerade auf ihn zukam. Takashi zuckte ein wenig zusammen, als er von dem Jüngling angestupst wurde. Ein wenig verwundert schaute er zu ihr herunter, als sie ihn mit ihrer Pfote drückte. Es war für Takashi kaum zu bemerken aber für Kursaí bestimmt eine Anstrengung. Langsam senkte er den Kopf zu ihr und stupste sie vorsichtig an. An seinem Feingefühl würde er wohl noch ein wenig arbeiten müssen. Damals hätte er wohl den Welpen glatt von den Pfoten gerissen! Zum Glück hat er sich in der Zeit, in der er im Rudel war, schon um einiges bessern können. Auf die Aufforderung von Kursaí reagierte Takashi zuerst nur wieder nachdenklich. Die Frage, die er sich jetzt schon länger gestellt hatte und zu keinem Entschluss gekommen war. Er war sozusagen in der Zwickmühle. Es gab zwei Möglichkeiten. Das Problem war, dass wirklich nur eine von ihnen richtig sein konnte. Also musste er eine richtige Entscheidung treffen. Ein Gesichtsausdruck, der ein wenig Entsetzung zeigte, kaum auf sein Gesicht, als auch noch Isis ihn auf das Thema ansprach.
“Beziehung? Was meinst du?“
Murmelte er ein wenig leiser, jedoch noch verständlich. Na was sollte das denn heißen? Mit nachdenklich hochgezogenen Augenbrauen sah er ihr nach, wie sie um ihn herum ging. Aber irgendwie hatten die Beiden doch Recht. Zögern nickte er ihnen zu. Dann stand er doch schließlich auf. Die Richtung, in die Jumaana verschwunden war, fest im Blickfeld. So lief er dann los. Schließlich hatte er ein wichtiges Ziel vor sich. Besonders weit war sie nicht von der kleinen Gruppe entfernt gewesen. Aus der Ferne sah Takashi, dass sie ganz alleine am Sternensee saß. Seine Schritte verlangsamerten sich, als er auf sie zuging. Schließlich musste sein plötzliches Erscheinen nicht auch noch recht auffällig sein. Mit einem kleinen bisschen Abstand setzte er sich neben sie. Aufmunternd stupste er sie an. Sie sah nicht wirklich glücklich aus. Für einen kurzen Moment schmiegte er sich an sie, ließ sie dann aber wieder, damit sie sich nicht bedrängt oder sonstiges fühlte. Einen weiteren Moment sagte er nichts und schwieg.
“Was ist los? Etwas scheint doch nicht in Ordnung zu sein oder?“
Etwas missmutig lehnten sich seine Ohren nach Hinten. Sein Blick schien besorgt und bedrückt. Ob es Jumaana wohl helfen würde, wenn sie jemanden hatte, mit dem sie über das Problem reden konnte?
Jumaana legte den Kopf leicht schief und betrachtete Takashi von der Seite. Sie wollte schon verneinen - und sagen es ginge ihr gut - doch sie entschied sich um und legte sich auf den harten, kalten Boden. Seufzend betrachtete sie einige bunter Blätter, die zwischen ihre Vorderpfoten lagen. Doch die Fähe war ruhelos und stand kurz darauf wieder auf. In ihrem Kopf schwirrten Sätze, Wörter und Gedanken unkoordiniert durcheinander und Jumaana fühlte sich, wie oftmals, ziemlich hilflos. Dann betrachtete sie den Himmel; hoffte auf eine gute Erklärung für ihr Verhalten und hoffte ebenso, dass Takashi ihre Hilflosigkeit nicht auffiel. Ein leichter Ausdruck von Traurigkeit huschte über ihr Gesicht und sie wendete ihr Profil wieder dem Schwarzen zu. Verzweifelt suchte sie nach den passenden Wörtern; fand sie aber nicht.
"Ich weiß es nicht!"
Natürlich wusste sie, was es war, doch zugeben konnte sie es nicht. Eine Woge der Verzweiflung übergab die weiße Fähe von Neuem und sie blickte Takashi in die blutroten Augen.
oO Bitte, bitte nicht! Oo
Flehte sie innerlich und ihre letzte Hoffnung schwand mit ihrer Geste der Hilflosigkeit. Sie drehte den Kopf, legte die Ohren kurz an den schmalen Kopf und blickte Takashi dann ewieder rnst in die Augen. Jumaana wollte rausschreien, was sie bedrückte, sie wollte wissen, was sie tun sollte - sie wollte Klarheit. Langsam, ganz langsam, ging sie nahe an Takashi ran und drückte ihre Schnauze in das Fell an seiner Schulter. Sie entrang sich ein verzweifeltes Murmeln.
"Takashi, ich kann nicht mehr! Ich l ..."
Doch wieder stockte sie, war sich aber sicher, dass der Schwarze, wenn er nur ein ganz kleines bisschen sensibel war, verstehen würde, was sie hatte sagen wollen. Ganz nahe schmiegte sich die Weiße an ihn; genoss seine Körperwärme und das Gefühl der Geborgenheit.
Erneut stupste Takashi Jumaana an, als wollt er ihr sagen ’Alles wird gut!’. Obwohl er gar nicht genau wusste, was mit ihr los war, versuchte er, sie irgendwie aufzumuntern. Vielleicht würde allein sein Dasein ausreichen. Was auch immer sie jetzt brauchen würde…er wusste es nicht. So eine Situation hatte sich zuvor noch nicht ergeben. Geholfen hatte er nie. Die Traurigen hatte er nie glücklich gemacht. Er hat ihnen einzig und allein ihre Leben genommen. Zu etwas anderem war er zu dieser zeit nicht in der Lage gewesen. Es war irgendwie komisch für ihn, jetzt auf einmal mit der Weißen so ganz alleine zu sein. Vor einiger Zeit, als sie sich das erste Mal getroffen hatten, hätte er sie am liebsten getötet und er war auch wirklich kurz davor gewesen! Er hatte sie gehasst; hat sie als Gegnerin, als seinen Fraß gesehen. Doch heute war das alles unvorstellbar für ihn geworden. Die Beiden waren schließlich gute Freunde geworden. Da denkt man einfach nicht mehr an solche Dinge. Als sie dann sagte, dass sie nicht wisse, was sie habe, wurde er dann wieder aufmerksamer.
“Bist du dir sicher? Bist du vielleicht krank oder so? Ist dir nicht gut…? Kopfschmerzen, Schwindel…?“
Zählte er mögliche Vermutungen auf und sah sie besorgt an. Vorhin hatte sie auch ganz plötzlich eine Einbildung gehabt, dass da jemand gewesen war. Ihr schien es wirklich nicht besonders gut zu gehen. Als Jumaana dann näher an Takashi ruckte, lehnte er sich zuerst unsicher ein wenig zurück. Was tat sie da? Er war zwar ein wenig unsicher, ließ sie aber näher an ihn heran. Die Worte, die sie begann und nicht zu Ende brachte hatte er nicht genau verstanden. Sie klang so verzweifelt. Doch nach einer kurzen Überlegung hatte er doch verstanden, was sie sagen wollte. Aber immerhin fehlten da noch einige Worte…den Satz hatte sie schließlich nicht zu Ende gebracht.
.oO(Was wollte sie mir denn sagen? Ein Wort, was mit ’l’ beginnt. Was kann man denn so sagen ’Ich l…liebe dich!’. Aber nein…das, dass kann nicht sein. Mich…so jemanden wie mich kann man doch gar nicht lieben!)
Unsicher sah er Jumaana an, die ihre Schnauze in seinem Fell vergraben hatte. Dann schleckte er ihr vorsichtig über den Kopf.
Tyraleen hatte sich unbemerkt kaum vom Sternensee entfernt und konnte jetzt zwischen den Bäumen eine andere Gruppe erkennen. Es waren weitgehend Wölfe, mit denen sie wenig zutun hatte, viele neue, niemand aus ihrer Familie. Trotzdem wollte sie jetzt nicht einfach weggehen und beschloss, sich einfach zu ihnen zu gesellen. Sie trat zwischen den Bäumen hervor und versuchte die Lage zu ordnen. Eine weiße Wölfin und ein schwarzer Wolf - sie hatte die Namen vergessen, wobei die eine etwas mit Juma heißen musste – waren etwas abseits, schienen ein ernstes Gespräch zu führen. Einzelnd waren dann da die Wölfin Cumará, mit der Tyraleen ebenfalls noch nichts zu tun hatte und Kensharion, der stille Rüde. Zuletzt eine kleine Wölfin, die erst vor kurzem zu ihnen gestoßen war und Isis hier – Tyraleen hatte sich den Namen gemerkt, weil er so seltsam fremd klang, ebenso wie die ganze Wölfin etwas Fremdes an sich hatte, sicher nicht von hier stammte. Bei ihr lag auch Kursaí, der ihnen zugeteilte Welpe, sie schien ihm etwas zu erzählen. Entschlossen steuerte Tyraleen auf diese beiden zu und lächelte sowohl Isis als auch der Welpin freundlich zu.
“Hallo, ihr beiden.“
Eigentlich hatte sie nicht viel zu sagen, freute sich aber, ihre kleine Nichte zu sehen. Tante zu sein, erschien ihr in ihrem Alter sehr seltsam, trotzdem freute sie sich, sowohl mit Rakshee, als auch jetzt mit Kursaí Kontakt zu haben. Im Prinzip hatte sie Welpen sehr gerne.
“Na, Kursaí, kümmert sich Isis auch gut um dich?“
Man merkte er ihr vielleicht nicht an, aber Tyraleen bemühte sich wirklich, einfach ein wenig nett und offen zu sein. Derlei Smalltalk war normalerweise nicht ihre Sache und eigentlich kam sie sich ein wenig blöd vor, aber sie wollte nicht alleine rumsitzen und auch wenn sie kaum etwas von Isis mitbekommen hatte, mochte sie die Fremde. Also schenkte sie ihr gleich noch ein Lächeln, dass ihr auch zeigen sollte, dass sie keinesfalls an ihren Fähigkeiten zweifelte, eine Welpin zu beaufsichtigen.
Jumaanas Kopf sank nach unten und sie trat einige Schritte rückwärts. Den Blick streng auf den Boden gerichtet, die Ohren an den Kopf gelegt, stand sie da. Ein sanfte Brise huschte über ihren Rücken; das weiße Fell lag matt und lang am Körper. Wahrlich konnte die Weiße kein schöner Anblick sein, dessen war sie sich sicher. Sie sah aus, wie sie sich auch fühlte. Am liebsten würde sie jetzt ins Wasser, wie auch bei ihrem Zusammentreffen mit Takashi am Bergsee. Sie wollte die Sonne auf dem Rücken spüren und mit langen Zügen immer weiter auf die Mitte des Sees zuschwimmen. Doch Jumaana traute sich nicht - dachte, dass Takashi sich verletzt fühlen würde, wenn sie nicht mit ihm redete. Ein sehnsüchtiger Blick zu den Wellen auf dem See und ein leises Seufzen. Jumaana redete sich ein, dass alles gut werden würde, glaubte aber nicht einmal selbst daran. Ihr Blick traf den Takashi’s und sie hoffte innerlich, dass er ihre Hilflosigkeit nicht sah.
“Takashi“
Ihre Stimme klang sanft und irgendwie beruhigend. Aber auch drängend, genauso wollte sie es ihm klar machen. Langsam drehte Jumaana sich um und ging langsam zum See. Als sie am Ufer stand, drehte sie den Kopf, den sie leicht senkte, und blickte Takashi trotzdem in die Augen.
“Lass mir ein bisschen Zeit – bitte!“
Damit ging sie endgültig ins Wasser und drehte sich auch nicht mehr um. Gemächlich schwamm die Weiße auf die Mitte des Sees zu und genoss das kühle Nass, das ihren Körper einhüllte. Die Fähe schwamm weiter und weiter; irgendwann stockte sie und schaute zurück ans Ufer – nein, sie war nicht zu weit geschwommen. Irgendwie fühlte sie sich ein bisschen benebelt; oder eher schwindelig, wahrscheinlich ist es die ganze Aufregung, die ihr zu schaffen macht. Ihre Gedanken waren nicht mehr bei Takashi, sie waren wieder einmal bei Moyna und dem Rest der Familie. Angestrengt dachte Jumaana nach. Wen hatte sie als letztes vor ihrer Reise gesehen? Dann wieder erinnerte sie sich den Traum, den sie vor Wochen hatte, kurz bevor sie den Schwarzen getroffen hatte.
Sie hatte Moyna und die schwarze Alphafähe vor sich gesehen, sie hatten die noch junge Fähe ganz ernst angesehen und Jumaana hatte nicht begriffen, was sie wollte. Doch jetzt war es ihr klar. Sie hatten sich verabschieden wollen, um die Weiße dann still und heimlich auszusetzen. Bei diesem Gedanken kamen Jumaana die Tränen und sie schwamm wieder ans Ufer zurück. Doch jetzt fühlte sie sich noch weniger gewappnet, um mit Takashi zu reden. Wieder auf festem Boden schüttelte sie das nasse Fell und fühlte sich sogar noch schlechter als vorher, bevor sie ins Wasser gegangen war.
oO Bring es hinter dich! Oo
Sagte sie sich im Stillen und trat vor Takashi. So stand sie genau vor ihm und so war sie erschreckend klein im Gegensatz zu Takashi; sie hätte den Kopf heben müssen, um ihn anschauen zu können. Aber das wollte sie verhindern und so trat Jumaana ein paar Schritte zurück.
“Takashi, ich weiß einfach nicht mehr, was ich tun soll! Es ist alles so anders. Ich war fast 1 Jahr völlig alleine und davor hatte ich auch nicht sonderlich viel Gesellschaft um mich herum. Jetzt sind Cumará, Kensharion, Kursaí, Isis, du und“
Jumaana drehte kurz den Kopf und blickte zu den verstreuten Mitgliedern der Gruppe.
“Tyraleen da, alles Wölfe, die ich kaum kenne und von denen ich fast nichts zu berichten habe. Alles was ich weiß und dessen ich mir völlig sicher bin, ist, dass ich nicht in dieses Rudel passe. Für sie ist das alles selbstverständlich, völlig normal. Sie wissen, wie es ist, gemeinsam zu leben, doch ich kann mich nicht mal mehr an meine ganze Familie erinnern – nein, ich weiß noch nicht einmal mehr, wie viele Wölfe das Rudel der Vergessenheit hatte und ich weiß nicht einmal mehr meinen Geburtsnamen. Ich weiß fast gar nichts mehr! Ich kann mich nicht erinnern, wie es ist, Freunde zu haben, gemeinsam zu jagen und so weiter. Ich kann es wirklich nicht!“
Beschämt senkte die Weiße den Kopf. Ihre Worte waren wild durcheinander gewirbelt, wahrscheinlich sogar unverständlich. Aber trotzdem sprach sie weiter.
“Und wenn du verstehst, jetzt bin ich völlig verwirrt! Das ist alles so neu für mich und jetzt auch noch … du!“
Mehr brachte sie nicht heraus, wollte sich abwenden, tat es aber nicht. Ihr Kopf war plötzlich wie leer gefegt, nicht einmal ihr eigener Name kam ihr in den Sinn.
Takashi seufzte leise, als sich dann Jumaana doch wieder ein wenig von ihm distanzierte. War sie vielleicht unruhig? Er legte sich hin, streckte sich und legte seinen Kopf auf die Vorderpfoten. Die Rute einfach still auf dem Boden liegend, die Ohren beinahe ausdruckslos ein wenig nach hinten weggedreht. Seine Augen schielten zu Jumaana hoch. Als sie dann seinen Namen nannte, richtete er seine Ohren wieder aufmerksam auf. Es hörte sich schließlich ziemlich wichtig an. Zeit wollte sie…ein wenig. Takashi verstand nicht ganz, wollte aber jetzt keine dummen Fragen stellen. Er ließ sie einfach. Seine Augen folgten ihr, als sie dann langsam näher zum See tapste. Unzufrieden schnaubte er. War sie etwa auf der Flucht vor ihm? Vielleicht hätte er doch gar nicht herkommen sollen. Wohl zur falschen zeit am falschen Ort. Seine Pfote zuckte nach vorn. Eigentlich wollte er hinterher…doch…nein. Er schüttelte den Kopf für sich selbst. Einen Moment beobachtete er sie dann noch, wie sie langsam ins Wasser ging. Dieses Mal würde er ihr aber nicht folgen. Vielleicht fühlte sie sich auch einfach nur bedrängt. Er hätte einfach nicht so plötzlich neben ihr auftauchen sollen.
.oO(Wohl meine Schuld! Ich bin einfach ein grober ungeübter Trottel!)
Ein tiefes Grollen folgte seinen gedanklichen Vorwürfen. So richtete er sich auf und setzte sich mit dem Rücken zum See. Ein wenig beleidigt. Er war unzufrieden mit sich. Sein Gesichtsausdruck wurde ernster. Der Blick war starr und stur zu Boden gerichtet.
.oO(Werde ich je etwas richtig machen können? Ich glaube nicht, dass ich in Gesellschaft gut aufgehoben bin. Ich gehör hier nicht her…ich kann mit den anderen hier nicht umgehen.)
Takashis Blick huschte wütend durch die Umgebung. Beinahe wäre er aufgestanden, wenn dann nicht Jumaana wiedergekommen wäre. Seine Ohren zuckten nach hinten. Denn Kopf drehte er über die Schulter hinweg. Man konnte ihm seine Unzufriedenheit beinahe ansehen. Erneut seufzte er. So lauschte er Jumaanas Worten. Dieselbigen Probleme hatte er doch auch. Nur er tat nur ungern über sie sprechen. Die Vergangenheit sollte weit zurückbleiben und möglichst nie genannt werden. Es war schließlich nichts Schönes passiert, wenn er dies jetzt mit seinem jetzigen Leben verglich.
“Mir geht es doch auch nicht anders!“
Mit energischer Stimme sprach er. Er wollte das eigentlich gar nicht. Seine Unzufriedenheit bekam ihm einfach nicht so gut. Mit einem bedrückten Gesichtsausdruck schüttelte er entschuldigend den Kopf. Nein, so hatte er es natürlich nicht gemeint. Normal sprach er dann weiter.
“Ich war auch lange allein. Wie lange auch immer…interessiert mich nicht mehr! Oder eher gesagt…ich war selber schuld an meiner Einsamkeit. Ich habe sie alle ermordet. Alle, die mir zu dieser Zeit in den Weg kamen. Ich habe schließlich nicht nur Böses gemordet, nein, jeden. Wahllos starb alles was mir in die Quere kam, durch meine Fänge.“
Unsicher sah Takashi Jumaana an. War das jetzt richtig, das alles in dieser Situation zu erzählen?
“Hör zu…ich kann dich verstehen! Ich fühl mich auch nicht wirklich so…als naja…als würde ich hier her gehören. Es ist fremd…ich weiß.“
Er blickte sie verständnisvoll an.
Cumará hatte interessiert gelauscht, dabei hatte sie sich hingelegen, den Kopf immer noch erhoben, und auf die Wüstenwölfin gerichtet. Sie hatte zugehört und schaute nun Isis nocheinmal an. Es war die selbe Geschichte- und doch so anders... sie blickte in den Himmel und dachte nach. Ihre himmelblauen Augen spiegelten die paar weißen Wölkchen, ihr graues Fell glänzte in der trägen Herbstsonne, sie dachte über Isis nach, über ihre ferne, so ferne Heimat, über Kenshi... ihre Beziehung zueinander und wie wohl alles wietergehen würde, ihr Blick schien fortzufliegen, gerade in den Himmel und setzte sich auf eine der Schäfchenwolken... eine plötzliche Regung riss Cuma aus ihrer Träumerei. Sie saß neben Isis und Kursaí und schaute Kursaí nun ebenfalss interessiert an. Ob sie Fragen hatte? Und dann kam plötzlich eine weiße Wölfin.
oO..(Wer. . . ?)
doch da erkannte sie auch schon die bersteinfarbenen Augen und das weiße Fell- beides Indizien dafür, dass sie Banshees Tochter war. Sie lächelte Tyraleen freundlich an, ihre Gedanken hatte sie in ihren Hinterkopf geschoben. Doch nun traten neue an die freigewordene Stelle. Warum war die Alpha- Tochter nocht bei ihrer Gruppe? Etwas verblüfft musterte sie Tyraleen. Sie schien ihre Gründe zu haben. Und solange Banshee oder Nyota nichts dagegen hatte. . . Tyraleen lächelte Kursaí und Isis an. Sie legte ihren Kopf ein wenig schief und ließ ihr strahlendes Lächeln erscheinen.
"Sei gegrüßt, Tyraleen. Isis hat sehr interessante Geschichten erzählt- ihre Geschichten. Sie sind einfach... wunderbar. Bei ihr, in ihrer Heimat war alles so anders..."
sagte sie und blickte Tyraleen mit einem ehrlichen Blick und offen an. Cuma war eine offene, freundliche und liebe Fähe. Sie wollte keinen Streit und erst recht nicht mit der Tochter der Alpha. Sie lächelte Tyraleen weiter munter an, dann blickte sie zu Isis und Kursaí- was die beiden wohl zu sagen hatten?
Eines leichtes Lächeln breitete sich über ihr Gesicht aus und sie blickte hoch zum Himmel. Er war grau und wolkenverhangen, passend zu ihrer Stimmung. Die Weiße wandte sich jetzt nun doch ab und ging ein paar Schritte davon. Dann aber drehte sie sich wieder um. Innerlich war sie total wütend auf sich selbst. Wie konnte sie bloß so unentschlossen sein? Seufzend setzte sie sich Takashi gegenüber und sah ihm in die Augen. Dann rüttelte sie sich innerlich an den Schultern und begann zu reden.
"Takashi, es ist so: Ich kenne dich kaum und irgendwie schon. Das, was du mir über dich erzählt hast sollte mich eigentlich abschrecken oder so, aber das tut es nicht - wirklich nicht. Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist und ich weiß auch nicht, was ich sagen soll. Das einzige, das wirklich allereinzige, was ich dir zu sagen habe, ist, dass ich dich liebe."
Sie hatte nicht einmal gestockt und war sogar ganz stolz auf sich. Dann lauschte Jumaana den Rufen der Vögel, die sie überall umgaben und blickte Takashi fragend an. Hatte er sie verstanden?
"Ich verstehe dich, wenn du meine Gefühle nicht erwiderst und du denkst, dass du nicht lieben kannst, aber das ist gewiss nicht so! Es verletzt mich, zu sehen, wie alle so sprunghaft werden und es verletzt mich, mich so hilflos zu fühlen. Ich möchte das ändern, wirklich ändern! Aber das werde ich nicht können - dazu fehlt mir die Kraft. Aber eines glaube mir, Takashi, dass ich dich wirklich brauche."
Jumaana drehte sich um und blickte zu Cumará, Isis und Kensharion, die am Waldrand standen. Wahrscheinlich werden sie Kursaí nach der Einführung die Gegend zeigen, aber die Weiße hatte darauf nicht wirklich Lust.
Takashi Blick folgte dem Jumaanas zum Himmel. War dort etwas? Doch dann senkte er den Kopf und sah, wie sie sich wieder von ihm entfernte. Erneut huschte ein recht enttäuschter Gesichtsausdruck über Takashis Gesicht. Wo wollte Jumaana bloß jetzt schon wieder hin? Er seufzte leise und senkte den Blick zu Boden. Doch als sie sich dann doch dazu entschloss, bei ihm zu bleiben, sah er sie wieder aufmerksam an.
“Meinst du wirklich? Keiner hat je Verständnis für meine Vergangenheit gehabt. Man behandelte mich wie Dreck…Abschaum! Niemand sah mich gerne…am liebsten von hinten! Es hat immer sehr viele gegeben, die mich gehasst haben. Bis ich sie umgebracht habe…! Dann hatte ich endlich Ruhe…vor diesen Reden, die mir eigentlich Angst machen sollten…mich einschüchtern…vertreiben!“
Er sagte aber nichts dazu, dass sie ihn liebte. Nicht wirklich war er schon so weit, dass er darauf antworten konnte. Es war einfach etwas Fremdes für ihn. Etwas, was er noch nie kennen gelernt hat. Würde sie ihm das übel nehmen? Hoffentlich nicht! Er zögerte. Man konnte ihm seine Unsicherheit ansehen. Schließlich entschloss er sich dazu, es lieber doch nicht zu sagen.
“Aber…warum brauchst du ausgerechnet mich dazu? Ich meine…es gibt hier so viele andere. Und ich…ich bin nicht wirklich etwas Besonderes.“
Konnte Takashi da überhaupt eine Hilfe sein? Immerhin wollte er Jumaana da nicht enttäuschen.
Isis beobachtete lächelnd Cuma, die etwas träumte. Die Fähe folgte ihren Blick zum Himmel, wo feine Wattewolken entlangschwirrten. Ein Knacken im Unterholz lenkte Isis ihre Aufmerksamkeit zum Wald und dort stand eine weiße Fähe. Sie war die Tochter von Banshee, Tyraleen ihr Name. Isis Rute wedelte freundlich, als die Fähe zu ihnen kam. Tyraleen war eine hübsche Wölfin, ihr Fell von unglaublicher Reinheit und so wundersam lang. Man sah eindeutig Isis, pardon, Engaya in ihr.
"Hallo Tyraleen, ich denke schon, dass sich Kursaí wohl fühlt, aber ich glaube ich hab sie mit meiner Geschichte grade überfordert. Zumindest hat sie seitdem kein sterbenswörtchen mehr verlauten lassen."
Herzlich lächelnd stupste Isis die kleine Fähe zwischen ihren Pfoten an, dann blicke sie neben sich, wo eben noch Takashi stand. Isis bemerkte, dass Tyraleen bemüht war, so locker wie möglich rüber zukommen, aber es lag ihr einfach nicht. Man konnte sich nicht von einer Minute auf die Andere verändern. Tyraleens Wesen war halt ein komplett anderes, Offenheit konnte ein Wolf erst lernen, es sei denn er wurde in ein offenes Rudel geboren wie es bei Isis der Fall war.
"Leg dich doch zu uns. Unsere Runde ist derzeit etwas verstreut, aber Cuma und ich sind bei Kursái geblieben. Was führt dich denn in unsere Gruppe? Eigentlich bist du doch bei Banshee."
Cuma gesellte sich zu ihnen. Als sie begann von Isis Geschichten zu schwärmen, musste diese bescheiden lächeln.
"Eure Geschichten aus dem Norden sind nicht mindern Interessant, Cuma."
Isis wand sich wieder an Tyraleen. Sie war doch auch bei Akru gewesen. Isis hatte ihn schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen und doch spürte sie eine innere Verbindung zu diesen Rüden. Sie spürte auch, dass er sich nun in das Unglück stürzte.
"Hast du eigentlich auch Akru gesehen? Ich bin mit ihm gemeinsam in das Rudel gekommen."
Isis Blick wanderte zu Juma und Takashi. Die beiden schienen sich über ihre Schicksale auszutauschen. Merkwürdig, dass sie so einen traurigen Eindruck machten, denn immerhin waren sie doch in einem Rudel, endlich. Isis blick wanderte zum Wald, der noch immer seine feurigen Blätter trug. Ab und an huschte ein Schatten zwischen den Bäumen entlang. Es waren Hornträger oder Hasen und ein paar Mal war sogar ein großer schneller Läufer mit dabei. Rime.
Isis lächelte sanft und betrachtete die Blätter, welche von den Bäumen hinab tanzten und sich zu den anderen gesellten. Auch Tyraleen machte einen traurigen Eindruck. Warum nur? Das Leben war doch voller Freude und Magie. Mit dem Rest konnte man sich letztendlich arrangieren. Sie gehörten genauso dazu, zum Leben. Aber vielleicht viel es einigen Wölfen schwer dies zu akzeptieren. Wie auch immer. Isis ließ sich nicht so schnell die Freude am Leben nehmen. Niemals. Dafür war alles zu mystisch. Sorglos ließ sich die junge Fähe auf die Seite fallen.
Tyraleen sah auf, als sich ihnen Cumará näherte. Über die Graue wusste sie nicht viel, waren all diese neuen doch oben in den Bergen angekommen, als Tyraleen die meiste Zeit alleine oder mit Averic in der Schneewüste verbracht hatte. Sie schien Kensharion sehr zu getan und ansonsten offen und nicht gerne alleine, sonst hatte sie keine Ahnung, mit wem sie es da eigentlich zu tun hatte. Insgesamt befand sie sich in einer relativ neuen Situation, hatte sie sich doch sonst immer an bekannte Gesichter gehalten und Fremde eher gemieden. Und auch jetzt hätte sie ganz gerne Averic oder Face bei sich gehabt, dann sähe aber die gesamte Situation so anders aus, dass sie keinen Sinn mehr machen würde. Also gab sie sich einen Ruck und lächelte auch Cumará zu.
“Ja, das kann ich mir vorstellen. Vielleicht bekomme ich ja irgendwann die Gelegenheit, dieser Geschichte zu lauschen, vielleicht, wenn ein anderer Welpe neugierig danach fragt.“
Sie konnte sich Rakshee gut vorstellen, wie sie wissen wollte, warum Isis so seltsam anders aussah. Und wie sie dann mit großen Ohren der Geschichte der kleinen Braunen lauschen würde. Gerne säße Tyraleen dabei, Rakshee zwischen den Pfoten und der Geschichte ebenso fasziniert lauschend wie ihre Nichte. Es war eine schöne Vorstellung, die ein warmes Gefühl von Geborgenheit ausstrahlte. Ein Begriff, der ihr doch weitgehend fremd war; einen Umstand, der ihr jetzt leid tat. Doch zunächst wandte sie sich Isis zu, die tatsächlich Recht hatte, Kursaí war auffallend still.
“Naja, über einen nicht die ganze Zeit quasselnden Welpen sollte man sich auch nicht beschweren.“
Sie zwinkerte Kursaí zu, es war natürlich nicht böse gemeint. Aber Rakshee hatte schon viel geredet. Tyraleen konnte sich nicht mehr erinnern, ob sie auch einmal so gewesen war – es wäre auf jeden Fall eine seltsame Vorstellung. Isis redete Recht viel, was Tyraleen aber ganz gut gefiel – um so mehr jemand redete, desto weniger musste sie reden und desto weniger unangenehme Stille gab es zu überbrücken. Sie musste zugeben … Isis und Cumará waren wirklich nett und eigentlich gab es keinen Grund sich in ihrer Gegenwart nicht wohl zu fühlen. So folgte sie der Aufforderung der Braunen und ließ sich neben Isis und Kursaí nieder. Doch die Fragen der Fähe neben ihr ließen ihre Stirn sich leicht krausen. Isis schien Akru wirklich zu mögen, er war mit ihr angekommen, und die Weiße wollte nun nicht direkt zugeben, dass ihr der Graue suspekt war, wenn nicht mehr. Aber zu erklären, warum sie nicht mehr bei ihrer Gruppe war, beinhaltete das auch. Ihr Leben war irgendwie komplizierte, als es sein müsste, aber das hatte sie sich schon öfter gedacht.
“Ach … Banshee hat Rakshee, Sheena und mich zurückgelassen und dann hatte ich nichts mehr zu tun. Und naja … sie ist mit Akru im Wald verschwunden. Dem schien es übrigens gut zu gehen. Ich weiß nicht, die Stimmung hat mich davongejagt.“
Sie schnippte mit dem rechten Ohr und versuchte, ihre Gefühle nicht zu deutlich in ihrem Gesicht zu zeigen. Sie verehrte, vergötterte ihren Vater und schon alleine die Tatsache, dass ihre Mutter mit Akru im Wald verschwunden war, passte ihr nicht. Zudem war er unheimlich.
Aufmerksam beobachtete Cumará Tumaan die weiße Fähe. Isis hatte nun ebenfalls das Wort erhoben und nach Akru gefragt. Cuma schaute erstaunt. Akru? War das vielleicht dieser graue Rüde, mit dem sie angekommen war...? Anscheinend mochte Isis diesen Rüden gern, als Freund aber nicht mehr, denn schließlich- das hatte sie ihr ja selbst erzählt- liebte sie Rime, diesen riesigen Wolf, der irgendwie abhanden gekommen war... Tyraleen antwortete nun auf Isis Frage. Sie war anders als sie selbst und Isis, und dennoch gab sie sich Mühe, nicht abweisend zu sein. Als sie von Akru und ihrer Mutter, der Alpha Banshee, erzählte, sah sie den Anflug des Unbehagens in Tyraleens gesicht, doch die Junge konnte sich offenbra gut selbst unter Kontrolle halten, und so blieb nur noch ein bisschen vom Missfallen in den Augen Tyraleen's hängen. Cuma schnippte ein wenig mit ihren Ohren, wandte sich kurz um und schaut zu Jumaana und Takashi. Sie runzelte leicht irritiert die Stirn, da die beiden nicht fröhlicher, nein eher noch betrübter aussahen. Cuma schaute Isis kurz an, und hoffte, dass diese verstand, was sie selbst nicht verstand: Warum freuten die beiden Neuen sich nicht? Sie waren aufgenommen worden, ihnen ging es gut, warum...? Doch dann kam Cumará ein weiterer Gedankenblitz: Jumaana wirkte nicht so, als ob sie es gewöhnt wäre, in einem Rudel zu leben. Wahrscheinlich war sie, wie sie selbst, lange umher gewandert und war das Rudelleben nicht mehr gewöhnt. Cumará drehte ihrne Kopf nun wieder zu Kursaí, Tyraleen und Isis und lächelte fröhlich in die Runde. Ein zufriedener Seufzer stahl sich von ihren Lippen. Dann sprach sie in die Runde.
"Bestimmt können auch Jumaana und Takashi uns Geschichten erzählen, aber im Moment sind sie... sehr mit sich beschäftigt, glaube ich...",
fügte sie ein wenig schmuzelnd hinzu. Sie blickte kurz zu Kenshi. Kensharion. Sie lächelte ihr wärmstes Lächeln, bevor sie sich wieder den anderen zuwandte. Eine warme Brise wehte und Cuma hielt lächelnd ihren hübschen Kopf in die Höhe. Ihr graues Fell glänzte in der Sonne, sie war zufrieden. Einfach zufrieden. Kenshi hatte noch fast nichts gesagt, doch das lag nun einmal in seiner Natur. Auch Tyraleen redete nicht besonders viel, aber eben das Nötigste. Sie wirkte etwas verschlossen, doch sie konnten von ihr ja auch nicht erwarten, dass sie ihnen ihr ganzes Leben und ihre Probleme offenbarte. Und dennoch würde die Graue gerne wissen, warum Tyraleen nicht mehr bei ihrer Gruppe war. Was war geschehen...? Cuma blickte auf den See. Ein wenig auch zu sich selbst sagte sie mit leiserer Stimme
"Haben wir nicht Glück, hier zu sein...in diesem Paradies...?"
Sie war völlig verzaubert von der Landschaft, für sie war es wirklich das Paradies.
Ein wenig zweifelnd sah die Fähe ihr Gegenüber an; dann gedankenverloren zum Himmel. 'Erinnerst du dich noch ...?', schien der Wind ihr zuzuflüstern und sie versuchte angestrengt, dem folgenden Lied zu lauschen, doch so sehr sie sich auch bemühte, es klappte nicht. Sie legte die Ohren zurück und senkte ihren Blick zum steinharten Boden.
"Ist das ... nicht egal"
Etwas verzweifelnd sah Jumaana den Schwarzen an. Ihe Augen blitzten im warmen Licht der Herbstsonne, die auf den Sternensee herabschien und in ihn einen wunderschönen, funkelnden See verwandelte.
"Es scheint ja so, als ob es wirklich egal wäre, ob du nun du bist oder jemand anderes!"
Murmelte sie dem Boden entgegen und stockte nicht ein einziges Mal. Sie war sich sehr wohl bewusst, dass sie aus den Gedanken ihrer Mutter redete und improvisierte.
"Ich weiß nicht mehr, was oder wer ich bin. Es scheint, als wäre ich weder ich noch irgendetwas anderes. Nein, es ist anders, nicht ich. Oder doch, bin ich auch anders? Ich weiß es nicht, wirklich! Und wer weiß denn schon, wie du bist. Ich kenne dich doch gar nicht und dann doch wieder. Es ist alles so verwirrend!"
Seufzend hob sie den Kopf.
"Es ist eben, wie es ist und das ist nunmal so! Ich kann doch sowieso nichts ändern ... Können wir jetzt zu den anderen."
Liebevoll schaute Jumaana den Rüden an. Wieder drehte sie den Kopf zu der Gruppe und seufzte lautlos.
"Bitte!"
Flehend sah sie wieder zu Takashi und wie selbstverständlich drehte sie sich von ihm weg und ging auf leisen Pfoten zu der kleinen Gruppe. An Cumará gewandt fragte sie, ob sie erzählen sollte und dann begann die Weiße mit ihrer Geschichte.
"Weißt du, Kursaí, bei uns im Norden ist es immer kalt, als würde der Winter nie enden. Die meisten von uns frieren nie, denn wir haben ein besonders dickes Fell. Hier, wo es sehr viel warm ist, nützt mir das natürlich nicht viel. Ja, und nun zu mir, Kursaí. Wie du weißt, heiße ich Jumaana, das ist arabisch und bedeutet so viel wie silberne Perle. Ich sollte im Rudel der Vergessenheit die Alphafähe werden, doch meine Mutter, Moyna versuchte, dass zu verhindern. Sie schickte mich aus in die Wildnis, um zu überleben. Und jetzt bin ich hier! Wenn du willst, kann ich dir über meine weite Reise berichten, aber natürlich nur, wenn euch das recht ist!"
Jumaana hatte sich niedergesetzt und sah auf die kleine Fähe herab.
"Doch Takashi hat, soweit ich weiß, nicht sehr viel zu erzählen. Aber wir können gerne auf ihn warten!"