Turién
15.01.2011, 16:24

Verwirrt wie der Silberpelz war, hatte er sich den Rest des Tages zurückgezogen, war nach der Begegnung mit Rakshee verstummt und hatte kein Wort mehr gesprochen. Es war zu viel für den Rüden, er wollte nicht wahr haben, dass Tyraleen seinen Bruder getötet hatte und sie und Averic nicht mehr zusammen waren - und ein Wort darüber zu verlieren würde es Wirklichkeit werden lassen.
Doch die Flucht in die Einsamkeit war nicht das gewesen, was der Jungwolf gebraucht hatte. Erst spät hatte er gemerkt, dass er Nähe brauchte, nachdem er Stunden im hohen Gras gehockt hatte, um sich von den anderen Abzugrenzen und nicht gesehen zu werden. Doch zu wem konnte er gehen? Chanuka hatte er schon gesucht und nicht gefunden, mit Tyraleen konnte er jetzt nicht sprechen und Averic war ohnehin verschwunden. Jeder hatte seine eigenen Probleme, und so fiel ihm nur eine ein, die für ihn da sein würde.

Mittlerweile war es Nacht geworden, der Tag war verstummt, nur noch einige Insekten waren zu hören, als er durch das Gras strich, dabei die Schatten nutzte, um sich unbemerkt in die Nähe von Nerúi zu bringen. Im Schutze des Waldes, lugte er hinter einem Baum hervor, beobachtete, wie Nerúi zu schlafen schien.

"Nerú...?",

flüsterte er leise in ihre Richtung.


(I hope it's alright?)

Nerúi
15.01.2011, 18:52

Nerúi hatte sich bei Aszrem und Caylee eingerollt, nachdem dieser schreckliche Tag sich in der Dunkelheit der Nacht zu ertränken gesucht hatte. Ihr Schlaf war leicht, und immer wieder weckte sie ein bloßer Windhauch. Dies Mal jedoch trug der Wind auch ihren Namen mit sich - und den Geruch von Turién. Mit vorsichtigen Bewegungen erhob sie sich, tapste leise ein paar Schritte von Caylee und Aszrem fort, bis sie ihren Silberbruder hinter einem Baum hervor lugen sah. Mit leisen Schritten kam sie auf ihn zu, drückte ohne Worte das Gesicht in sein Halsfell, und sah noch einmal zu Aszrem und Caylee zurück. Sie hatten die beiden nicht geweckt.

"Turíi.."

Flüsterte sie zurück, und bedeutete ihm, tiefer in den Wald vorzudringen, um die zwei Wölfe hinter Ihnen nicht doch noch aus dem Schlaf zu reissen...


(Purrrfekt :>)

Turién
15.01.2011, 21:04

Seine Ohren spielten unsicher vor und zurück, weil er sich nicht sicher war, ob Nerúi ihn gehört hatte oder nicht. Seinen Ruf wiederholen würde er wohl nicht, da er die anderen nicht wecken wollte.
Zweifel an der Richtigkeit seines Handelns hier machten sich in dem Silbernen breit und beinahe war er schon bereit wieder alleine von dannen zu ziehen, um sich in Einsamkeit zu flüchten, in der er keinen Trost zu finden vermochte. Doch da sah er Regung am Schlafplatz Nerúis und kaum gesehen, wusste er, dass seine schwarze Schwester ihn gehört hatte.
Die Geste der Dunklen, die ihr Gesicht an seinen Pelz drückte, ließ den Silberprinzen seine Zweifel verscheuchen. Wie Nerúi mit einem Kopfnicken andeutete, dachte auch er, dass es besser sein würde, die anderen nicht zu wecken und so drang er mit ihr tiefer in den Wald ein. Kaum außer Hör- und weit außer Sichtweite ließ er sich auf seine Hinterläufe sinken, als würden ihn seine Beine nicht mehr tragen wollen und blickte Nerúi unglücklich an.

"Tut mir leid, dass ich dich geweckt habe..."

War es nicht wirklich egoistisch von ihm, sie einfach zu wecken, nur weil er nicht mehr allein sein wollte?

Nerúi
16.01.2011, 05:56

Sie liefen nicht weit, aber der Wald schien sich hinter ihnen irgendwann dicht genug geschlossen zu haben. Als Turién sich setzte trat die Schwarzbraune an seine Seite, streckte den Kopf zu ihm hin, und berührte ihn sacht an der Schnauze. Seinen Blick auffangend setzte sie sich dicht zu ihm, strich ihm sanft mit der Nase durchs Fell.

"Das ist nicht schlimm..."

Sie hatte dazu noch mehr sagen wollen, aber jedes Wort war so sinnlos, in Anbetracht des vergangenen Tages. Alles war sinnlos, im Hinblick darauf...

"Weißt du...weißt du, ich dachte, ich würde sterben als sie das gesagt hat. Nicht weil sie etwas tun würde, sondern weil sie das getan hat. Ich denke immer es ist gelogen. Ich erwarte jederzeit dass Tascurio hinter einem Zweig hervorlugt und uns auslacht, weil wir es alle geglaubt haben. Und dann weiß ich, dass er uns höchstens aus Engayas Reich noch auslachen kann..."

Sie hatte einfach drauf los geredet, leise, aber ohne eine Pause dazwischen. Sie konnte das alles nicht glauben, nicht verstehen. Wie konnte das sein? Wie konnte ihre Mama Tyraleen soetwas tun? Und sie fühlte sich wieder so schlecht, weil sie glücklich war, dass es nicht Caylee erwischt hatte. Oder Turién.

Turién
04.02.2011, 16:06

Weißt du...weißt du, ich dachte, ich würde sterben als sie das gesagt hat.
Er hatte es einfach nur nicht geglaubt, als er es mit eigenen Augen gesehen hatte. Er hatte nicht gedacht, er müsste sterben, es hatte ihn nur zerrissen, um ihn dann in ein tiefes Loch des Unglaubens fallen zu lassen. Oh, wenn Nerúi doch nur wüsste. Was würde er nicht geben, ihr alles erzählen zu dürfen, ihr alles zu sagen. Dass nicht nur Tyraleen eine schreckliche Vision, einen furchtbaren Traum, gehabt hatte. Es war so falsch, einfach alles. Aber er hatte es versprochen. Er hatte sein Wort gegeben, und in Tascurios Namen würde er es halten. Das Gespräch zwischen ihnen hatte es nie gegeben.

Ein Zittern durchfuhr den silbrigen Körper des Jungwolfes, als er nicht sehr erfolgreich versuchte seine Tränen zurück zu halten. Er drückte sich an Nerúi, um ihre Wärme zu spüren, nach all den Stunden, die er alleine gelegen hatte. Seine Stimme glich dem Flüstern eines alten schwachen Wolfes, der dem Tode nahe war.

"Es ist nicht gerecht. Wieso hat sie nicht nachgedacht? Wieso hat sie ihn einfach so umgebracht?"

Nerúi
07.02.2011, 22:21

Die Schwarzbraune schob ihren Kopf dicht unter Turiéns, versteckte sich unter ihm vor der ganzen finsteren Welt um sie herum. Es war alles noch so nah. So unwirklich und schrecklich. Und sie hatte die letzte ihrer drei Mütter - nein, Mamas - verloren...
Turiéns Tränen perlten in ihr Fell, und sie konnte die eigenen nur noch schwerlich zurück halten. Ihre Worte waren ähnlich leise wie seine, erstickt vor lauter Angst dass sie war sein könnten.

"Aber...was wenn sie doch nachgedacht hat? Was wenn ihr Fenris einfach nur befohlen hat ihm einen von euch zu schenken? Ich - ich bin so froh dass sie nicht dich umgebracht hat. Oder Caylee und Chardím!"

Tränen rannen nun auch ihr Gesicht herab, versickerten ungesehen in Turiéns Silberfell.

"Ich glaube es ist gemein das zu denken. Aber...es wäre noch viel schlimmer so. Dabei weiß ich gar nicht mal ob es schlimmer sein kann! Aber ich bin jedes Mal erleichtert wenn ich sehe dass ihr noch da seid..."

Ihre Stimme war erst lauter und dann leiser geworden. Sie hatte sich auch der zwei Wölfe besonnen, die in der Nähe schliefen, und die sie keinesfalls aufwecken wollte.

"Ich weiß nicht was ich jetzt machen soll. Mama Tyraleen ist doch immer da. Ich kann nicht so tun als wäre sie es nicht. Ich weiß nicht ob ich Angst vor ihr haben muss. Und um euch. Ich weiß gar nichts."

Jammerte sie, und drängte sich näher an Turién, drückte den Kopf gegen seine Brust, von der sie sich so viel Halt erhoffte.

Turién
14.02.2011, 18:05

Er war so froh, dass sie da war. Dass er endlich mit jemandem reden konnte - es aber gleichzeitig nicht konnte, weil ein Versprechen, dass er Tascurio gegeben hatte, in davon abhielt. Er hatte es immerhin versprochen. Genau wie er seinem Bruder gesagt hatte, dass Tyraleen ihm nie im Leben etwas antun würde. Er hatte seinen weißen Bruder angelogen, und jetzt war er tot. Das letzte, was er ihm gesagt hatte, war eine Lüge gewesen, weil Tyraleen wider ihrer Natur gehandelt hatte. Es war nicht fair.

Es war schön, dass er sich an Nerúi lehnen konnte, ohne dass ihm Spott entgegengebracht wurde, dass er sich einfach fallen lassen konnte, ohne Angst zu haben, dass ihm das eines Tages nachgerufen wird. Sie war die einzige, bei der er sich das traute.

"Fenris hat's befohlen? Na und? Es ist Unrecht!",

brachte er hervor, zwischen den Tränen der Verzweiflung. Dass Nerúi froh war, dass es nicht ihn oder einen anderen von ihren Geschwistern erwischt hatte, rühte ihn auf der einen Seite, und machte ihn dann wiederum noch trauriger. Sie hatten sich einfach alle zu wenig mit Tascurio beschäftigt... hatten nicht bemerkt, wie alleine er eigentlich war.
Der Silberprinz drückte seinen Kopf an den von Nerúi, um daraufhin mit seiner Zunge über das Gesicht der Dunklen zu fahren, um ihre Tränen zu trocknen.

"Du brauchst keine Angst zu haben... aber wenn du etwas schlimmes träumst, dann musst du es mir sofort sagen, ja?"

Das war das fatale gewesen. Oh, er wollte Nerúi erzählen, dass Tascurio immerzu von dem Moment seines Todes geträumt hatte, dass er es gewusst hatte. Hätte er es nur erzählt, hätte er es jemandem gesagt...
Seine Stimme wurde ganz leise und sanft als er sprach, und am Ende zitterte sie sogar.

"Weißt du... Tascurio mochte Blumen. Die Sonne, den Himmel, den Wald und den Regen. Er hat mal gesagt, dass er alles Schöne in der Welt liebte, dass man allein genießen konnte. Aber auch, dass all die schönen Bilder keine Bedeutung haben, wenn man sie nicht mit jemandem teilen kann.“

Nerúi
06.03.2011, 10:36

Nerúi seufzte, nickte leicht zu Turiéns Worten. Natürlich war es das. Was konnte verwerflicher sein als seinen eigenen Sohn zu töten? Aber ihre Mama -nicht Mutter- hatte es dennoch getan. Und Nerúi war sich nicht sicher was das bedeutete, für alles was kam.

"Das ist alles Unrecht.."

Gab sie erstickt zurück, und schloss die Augen, als Turiéns Zunge ihre Tränen mit sich fort nahm. Auf seine nächsten Worte nickte sie bloß, und stieß ihn sanft mit der Pfote an.

"Aber was...was machen wir jetzt?"

Fragte sie leise, und kuschelte sich geduckt an ihren Bruder, als er von Tascurio erzählte. Sie hatte nicht einmal geahnt dass Tascurio auch nur irgendetwas auf der Welt mit positiven Gefühlen gegenüber gestanden hatte...

"Ich glaube er hat Recht..."

Flüsterte sie.

Turién
06.06.2011, 10:48

Sein Herz war so schwer vor Trauer und Enttäuschung, dass er kaum mehr im Stande war diese Last zu tragen. Er nickte nur sanft auf die ersten Worte von Nerúi, um bei den letzteren und dem Pfotenstupser nur hilflos die Schultern hoch zu ziehen. Er drückte seinen Körper an den Nerúis und sog tief ihren Duft ein, auf dass er ihn nie in seinem Leben vergessen würde.

"Hm. Was jetzt?"

Er schloss seine Augen und lehnte seinen Kopf müde an Nerúi. All diese Trauer und dieser Schmerz in ihm, hatte ihn unendlich müde gemacht.

"Ich weiß nicht. Wir müssen stark sein..."

Er wusste überhaupt nichts - deshalb kam nur dieser müde Standartsatz aus seinem Fang, der in alle Richtungen gedeutet werden konnte.

"Ich weiß nicht, was jetzt ist... ich weiß es einfach nicht."

Nerúi
25.07.2011, 17:09

Als Turién sich enger an sie drückte schmiegte auch sie sich näher an ihren Silberbruder, steckte die Nase ganz tief in sein Fell und zog die Läufe näher heran. Sie wollte sich am Liebsten ganz unter ihm einrollen, aber dafür war sie längst zu groß. Obwohl sie sich so groß wahrlich nicht fühlte.

"Was heißt das jetzt noch, stark sein? Wie kann man von uns Stärke verlangen, wenn unsere Mutter unseren Bruder getötet hat?"

Meinte sie leise, und zog auch die Rute eng an ihren Körper.

"Wir müssen auf die Anderen aufpassen..."

Kam es ihr in den Sinn und auf die Zunge. Wenn sie alle aufpassten, dann konnte doch soetwas nicht wieder passieren - oder?

"Warum hat Engaya das nicht verhindert? Uns wurde doch so oft erzählt dass Fenris nicht böse, sondern bloß ausgleichend ist. Aber was kann man denn damit ausgleichen? Was ist denn daran nicht böse?"

Jammerte sie leise, und warf sich schwungvoll vor Turién auf den Boden, den Kopf auf der Erde ablegend.

"Ich weiß nicht was ich von diesen Göttern halten soll, die soetwas zulassen und verlangen."