Neytíri
02.11.2010, 20:21

Die graue Jungfähe hatte nach zwei Tagen in der Höhle bei Liam wieder ein wenig Kraft geschöpft. Die ganze Zeit über hatte sie sich damit beschäftigt, den schwarz-weißen Rüden mit den seltsamen Augen zu beobachten, sofern es sich ihr erlaubte. Diese Augen zogen sie magisch an, und so wagte sie sich immer ein wenig weiter aus der Höhle heraus. Sie kam sich so furchtbar fremd und ausgestoßen vor, aber sie wollte zu diesem Rüden, ihn kennenlernen. Er war so... anders, und sie selbst kannte dieses Gefühl nur zu gut. Schließlich war sie vor Engaya geflohen, obwohl sie ihr Geschenk hätte sein sollen. Sie hatte die Göttin verärgert, indem sie lebte, obwohl sie tot sein sollte.
Vorsichtig näherte sie sich dem Rüden, und ihr wurde plötzlich peinlich bewusst, dass sie keine Ahnung hatte, was sie sagen konnte, um ein Gespräch anzufangen. ihre zartgrauen Augen glänzten leicht, als sie den Rüden einfach sachte anlächelte, während sie vor ihm zum Stehen kam.

"Hallo... ich bin Neytíri. Ich kenne hier niemanden und dachte, ich sollte vielleicht jemanden kennenlernen."

Das war ehrlich, vielleicht ein bisschen direkt. Aber etwas besseres fiel ihr nicht ein, und nun war es eh zu spät.

Chardim
07.11.2010, 17:39

Müde lag der schwarzweiße Jungwolf unter einem Baum. Er hatte Jakash um ein wenig Zeit für sich gebeten, wusste ihn aber noch in der Nähe. Er war mit dieser ganzen Situation völlig überfordert, irgendwo wissend was falsch und was richtig war, aber doch nichts daran ändern könnend. Das Gleichgewicht war futsch, ebenso in ihm. Die Augen, in dessen Blau sonst so lebendiges Bernstein schwamm, waren nun dunkler als üblich – denn das Bernstein fehlte.
Als der Schwarzweiße eine Stimme bei sich hörte, zuckte nur eines seiner Ohren und er wandte den Blick herum ohne den Kopf zu heben. Eine hellgraue Jungwölfin stand bei ihm, was ihn ein wenig irritierte, denn er war sich sicher sie vorher noch nicht gesehen zu haben.

Hallo Neytíri ... ich bin Chardím. Mh, bist du neu hier? Dann hast du echt einen schlechten Zeitpunkt erwischt.“

Neytíri
09.11.2010, 15:38

Ihre Unsicherheit nahm mit jeder Sekunde des Schweigens zwischen ihnen zu, sie wand sich ein weniog unbehaglich. Irgendwie... wollte sie einfach von ihm gemocht werden, sie wusste selbst nicht, wieso. Vielleicht weil er auf seltsame Art anders war. Nicht schlecht anders, einfach... einzigartig. Und das nicht nur vom Äußeren her, das hatte sie im Gefühl. Als er den Kopf langsam zu ihr wandte, ohne ihn von den Pfoten zu heben, lief ihr ein kleiner Schauer durch den Pelz. Zunächst konnte sie dieses Gefühl nicht zuordnen, aber dann fiel ihr auf, dass seine Augen tiefblau waren. Das Bernsteinwabern war verschwunden, Neytíri wusste nicht, was sie denken sollte. Seine Augen waren außergewöhnlich, aber kein Wolf konnte ihre Farbe einfach ändern. Dennoch konnte die Fähe nicht umhin sich einzugestehen, dass das volle, unendliche Blau sie ebenso faszinierte, dass sie sich selbst dabei ertappte wie sie ihn länger ansah als sie wollte, und ihr Fang sich leicht öffnete.

"Char... dím..."

murmelte sie leise; der Name floss auf ihrer melodischen, hellen Stimme dahin. Natürlich kam er ihr vor; vertraut. Es war sein Name, einen besseren gab es für ihn nicht, so fand sie, als sie ihn betrachtete. Er umfasste seine Gestalt, seine Fellzeichnungen und seine Augen mit einem Wort. Schließlich rang sich die Fähe dazu durch, ihm zu antworten; ihn so anzusehen war doch irgendwie unangebracht.

"Ja, ich... Also eigentlich bin ich schon viele Monate bei diesem Rudel. Aber ich muss in einen langen Schlaf gefallen sein. das hat zumindest ein Rüde namens Liam gesagt, der bei mir war, als ich aufwachte. In meiner letzten Erinnerung bin ich noch jung, habe noch meinen Welpenflaum am Körper. Ich fühle mich ein bisschen fremd in mir selbst."

Sie versuchte, ihren Worten ein wenig die Ernsthaftigkeit zu nehmen, indem sie den jungen Rüden offen anlächelte; sie wollte nicht den Eindruck erwecken als erwarte sie Mitleid, das war das Letzte, was sie gewollt hätte. Sie würde sich langsam zurecht finden.
Ein wenig unbeholfen ließ sie sich auf den bauch sinken, und legte die Vorderpfoten nebeneinander auf den Boden; sie musste sich ein wenig Mühe geben, ihre Muskeln zu kontrollieren, die noch schwach und ungewohnt für sie waren.

"Einen schlechten Zeitpunkt?", nahm sie das Gespräch wieder auf. "Dieses Tal scheint anders zu sein als der Rest der Welt. Ich habe noch nicht viel gesehen, aber alle scheinen... Es scheint etwas passiert zu sein, etwas Seltsames. Und ich wollte mit diesem flauen Gefühl in meinem Bauch nicht allein sein."

Chardim
20.11.2010, 15:00

Chardím hatte den Blick immer noch nach hinten, zu der jungen Fähe gewandt. Sie erschien ihm ein wenig sonderbar, nachdem er ihr seinen Namen genannt hatte, wiederholte sie ihn zuerst, starrte ihn dabei unverwandt an. Eines seiner Ohren zuckte leicht, dann beschloss er aber sich keine weiteren Gedanken darüber zu machen. Nein, eigentlich war er es gewohnt seltsam angesehen zu werden.
Als Neytíri schließlich weiterredete, drehte sich der Schwarzweiße schließlich ein wenig; hob den Kopf und wandte den Körper halb auf die Seite, sodass er sie nun direkt anschauen konnte. Er konnte keinen einzigen Farbklecks in ihrem Fell erkennen, nicht mal in ihren Augen. Sie war gänzlich grau. Ein wenig erinnerte sie ihn so an seine Geschwister, jene besaßen im Kontrast zum farblosen Fell allerdings alle recht leuchtende Augenfarben, bis auf ... Tascurio. Ein kurzes Zittern erschütterte sein Inneres und für ein paar Sekunden spürte er die Wut nach ihm haschen. Chardím drückte sie weg und fühlte sich sofort wieder schwach.
Er versuchte seine Aufmerksamkeit wieder auf Neytíri zu legen, die mit ihrer Erzählung in der Tat seinen Eindruck von Sonderbarkeit verstärkte. Sie war schon Monate hier, hatte allerdings geschlafen? Chardím konnte nicht recht verstehen, wie so etwas möglich war, allerdings fühlte er sich im Moment auch nicht in der Lage, über so etwas nach zu denken.

Das klingt seltsam. Eigentlich unmöglich.“,

antwortete der Schwarzweiße, dann allerdings folgte ihr Einwand, dass dieses Tal anders war als der Rest der Welt. Damit hatte sie Recht. Eigentlich war hier ziemlich viel Unmögliches möglich. Und leider auch viel zu viel Falsches!

Du befindest dich im Tal der Göttin Engaya. Meine Mutter ist ihre irdische Vertreterin ... aber sie hat einen Fehler begangen, bei dem sie sich von ihr abwandte. Dadurch ist das Gleichgewicht zwischen den zwei Göttern zerstört worden – es ist nichts Seltsames passiert, sondern etwas völlig Falsches.“,

sprach er nüchtern und als er geendet hatte, beherrschte das flaue Gefühl seinen Brustkorb, dass diese Worte nicht seine Eigenen gewesen waren.

Neytíri
03.12.2010, 14:22

Die graue Fähe lächelte, als Chardím sich gänzlich zu ihr umwandte; irgendwie fühlte es sich an, als wäre sie endlich einmal aus dem Schatten herausgerückt und wurde wirklich gesehen. Sie freute sich, einen Gesprächspartner zu haben, und sei es nur für einige Augenblicke. Als der Schwarzweiße sprach und erwähnte, dass hier nichts Eltsames, sondern etwas Falsches geschehen war, dass das Gleichgewicht aus den Fugen geraten war, da zog sich etwas in ihrem Herzen zusammen. Chardím war also der Sohn der Erbin Engayas? Aber er schien überhaupt nicht glücklich damit zu sein, er schien... zerrissen zu sein, zumindest hatte Neytíri den Eindruck. Und wenn sie so darüber nachdachte, ergab es eigentlich Sinn, auch wenn es weit hergeholt klang; die Götter schienen sich in seinem Fell zu streiten, dass schwarz-weiß war, scharf gemustert ohne jegliche graue Übergänge dazwischen. Und sie schienen sich einst auch in seinen Augen gestritten zu haben. Bernstein und Nachtblau. Nun war das Bernstein verschwunden und Naytíri glaubte eine Verbindung zwischen den Vorkommnissen im Tal und seiner Augenfarbe hergestellt zu haben. Wie seltsam!

"Ist deswegen das leuchtende Bernstein aus deinen Augen verschwunden? Ich habe es gesehen, es hat mit dem Nachtblau getanzt... und jetzt ist es weg."

Erst als sie geendet hatte bemerkte Tíri, wie persönlich und direkt ihre Worte eigentlich waren. Sie legte entschuldigend den Kopf schief ob ihrer unangebrachten Neugier, verzichtete jedoch lieber darauf noch etwas zu sagen.

Chardim
20.01.2011, 18:20

(( Tschuldige, hatte nicht mehr daran gedacht. =) ))

Auf Chardíms Gesicht tauchte ein leise verwunderter Ausdruck auf. Das Bernstein aus seinen Augen war verschwunden? Kaum das der Schwarzweiße Neytíris Satz in seinem Kopf wiederholt hatte, spürte er ein flaues Gefühl in seinem Magen. So weit war es also schon. Die Göttin war so schwach geworden, dass sie sich selbst in ihm kaum noch festhalten konnte. Er senkte den Kopf leicht und drehte die Ohren etwas nach außen.

Tatsächlich, es ist weg? Das habe ich noch nicht bemerkt. Also ... doch, ich merke, dass Engaya schwach ist, aber ich wusste nicht, dass es sie schon aus meinen Augen vertrieben hat.“

Das war nicht gut. Er war ein zwiegespaltener Wolf und es stand ihm nicht zu sich zu entscheiden. Was würde passieren, wenn ganz automatisch die Seite Fenris’ in ihm Oberhand gewann? Würde es dann in ihm genau so aussehen, würde er genau so werden, wie jetzt ihr einst so schönes Tal war?
Er sah Neytíri wieder an. Wenn sie diese Sonderbarkeit an ihm selbst wahrgenommen hatte, musste sie ihn schon einmal beobachtet, oder näher angesehen haben. Seltsam, dass er sich dann nicht an sie erinnern konnte.

Neytíri
02.02.2011, 14:29

[ kein Problem ^^]

Neytíri fühlte sich eigenartig, wie ertappt, als Chardím sie musterte und der verwunderte Ausdruck in seine Züge trat, den sie bereits vorhin an ihm wahrgenommen hatte, als sie ihm erklärte, sie wäre schon länger beim Rudel, hätte aber geschlafen. Etwas wie Unbehagen mischte sich nun in den verwunderten Blick des jungen Rüden, ehe er das Wort ergriff.

"Engaya ist schwach...? Das bedeutet wohl nichts Gutes...?"

Die Frage war eher ein wenig rhetorisch gestellt, natürlich bedeutete das nichts Gutes. Aber sie erhoffte sich eine Art Erklärung. Obwohl ihr ganzes Leben von Engaya und ihrem Tot-sein-sollen bestimmt schien, wusste sie so beschämend wenig über das Gleichgewicht und all die andweren Dinge, die man sich erzählte, dass sie sich dumm fühlte.

"...aber deine Fellzeichnungen sind noch da. Das muss doch gut sein, sie sind so hübsch."

Mit einem schüchternen Lächeln versuchte sie erneut, ihrem Gesprächsthema etwas von der bedrückenden Ernsthaftigkeit zu nehmen, aber sie sah ein, dass es besser war, solche Dinge mit dem gebührenden Ernst zu besprechen und ihr Lächeln versiegte. Sie wusste nicht um das göttliche Gleichgewicht in Chardím, und dass sein Fell und seine Augen daher solch unmöglich scheinende Farben und Musterungen angenommen hatten, aber seine Bemerkung über Engayas Schwäche brachte sie auf ihren Gedanken von vorhin zurück. Das Gleichgewicht zwischen Engaya und Fenris... Chardím veränderte sich, weil Engaya schwach war. Und schon vorhin hatte sie mit seinem Fell einen unaufhörlichen Tanz zwischen den beiden Göttern, schwarz und weiß, assoziiert. Der Gedanke, der ihr nun kam, war zu unsinnig, um ihn auszusprechen, aber sie erwiderte Chardíms neuerlichen Blick auf sie mit einem ebenso fragenden wie bedeutungsvollen Ausdruck in den regengrauen Seelenspiegeln.

"Wenn ich ehrlich bin... habe ich dich schon länger beobachtet. Deswegen ist mir das mit deinen Augfen gleich aufgefallen. Ich konnte nirgendwo hin weil ich zu schwach war um lange zu laufen, und von der Höhle aus konnte ich meistens dich sehen..."

Bei ihren letzten Worten wurde sie immer leiser; es klang schlichtweg wie eine Ausrede dafür, dass sie ihn tagelang unverblümt angestarrt hatte, ohne, dass er es wusste. Sie senkte ein wenig den Kopf und richtete den Blick halb auf den Boden, halb auf Chardíms Gesicht. Das wasr ihr nun wirklich unangenehm und sie hoffte, dass er das einfach übergehen würde.

Chardim
15.02.2011, 15:45

Chardím sah Neytíri an, beantwortete ihre Frage aber nicht. Er sah keine Notwendigkeit darin auszusprechen, was auf der Pfote lag. Alles war so seltsam, gerade weil Engaya schwach war. Als die Graue ihm versicherte, dass seine weißen Abzeichen im Fell noch da waren, lächelte er matt und ließ den Blick kurz über seinen Körper wandern.

Also, wenn die auch noch verschwinden würden, stände die Welt wirklich Kopf.“

Erst hinterher bemerkte der Schwarzweiße, dass sie ihm außerdem ein Kompliment gemacht hatte. Er war wohl im Erkennen und Auffassen von Empfindungen und Eigenarten anderer nicht sonderlich stark. Keineswegs aber machte er das mit Absicht. Also fügte er schnell noch ein „Danke.“ hinzu.
Chardím senkte seinen Kopf wieder zurück auf die Pfoten. Er war furchtbar müde und kurz suchten die einstmals zweifarbigen Augen nach Jakash. Er meinte irgendwo sein schwarzes Fell sehen zu können und es reichte ihm ihn bloß in seiner Nähe zu wissen. Der Blick wanderte zurück zu Neytíri, die nun mit ihren Worten fortfuhr. Schon etwas länger hätte sie ihn beobachtet, weil sie ihn von der Höhle meistens gut sehen konnte. Für jeden anderen wäre dies wohl ein etwas deutlicherer Wink mit dem Zaunpfahl gewesen, Chardím aber war zu erschöpft und vielleicht auch zu wenig einfühlsam, um sich daraus irgendwelche Schlüsse ziehen zu können.

Achso. Tut mir Leid, ich war in den letzten Tagen mit dem Kopf ein wenig woanders, ich habe dich gar nicht bemerkt.“