01.11.2010, 13:58
Jene schreckliche Nacht, in der Tyraleen ihren Sohn tötete und dem Rudel verkündete, was geschehen war, hatte bei allen Wölfen Schrecken und Unsicherheit hinterlassen. Es schien, als dürfe das Rudel im Tal der Sternenwinde noch immer nicht zur Ruhe kommen, als wäre nach dem Tod Banshees und Nyotas noch immer keine Lösung gefunden. War es doch Tyraleen, die schon so lange als neue Leitwölfin feststand und nur noch ein wenig Zeit brauchte, um sich als Rudelspitze behaupten zu können. Nun schien diese Hoffnung dahin. Doch auch fern von den Gedanken über Leitwölfe, musste jeder Wolf für sich entscheiden, wie er mit der neuen Situation umging. Es gab niemanden, der Sicherheit und eine klare Vorgabe, wie es sich nun zu verhalten galt, ausstrahlte.
Doch es blieb nicht bei dem schlimmen Vorfall an sich, den man verarbeiten und drüber hinwegkommen konnte. Von einem Tag auf den anderen fielen die Temperaturen, Raureif bildete sich auf den Wiesen und die Blumen starben scharenweise. Ohne ihren schützenden Winterpelz froren die Wölfe furchtbar und waren so überrascht über den plötzlichen Kälteeinbruch, dass sie hilflos mit ansahen, wie der eigentliche Sommer das Tal in den Winter stürzte. Die meiste Zeit hingen tiefe, dunkle Wolken am Himmel aus denen es zwar nicht regnete, die jedoch die Angst vor Schnee weckten. Der Rest der Tierwelt schien vollkommen verwirrt, einige Zugvögel brachen zur Wanderung in den Süden auf ohne sich vorher genügend gestärkt zu haben, Eltern wussten nicht was sie mit ihrem Nachwuchs machen sollte, der doch den Sommer über hätte stark werden sollen. Immer wieder fand man verendete Vogelküken, die zurückgelassen worden waren.
Es sind drei Tage seit dem Tod Tascurios vergangen, ein eiskalter und grauer Morgen dämmert herauf. Das Rudel ist nach wie vor verstreut und hat sich seit der Zusammenkunft am Rudelplatz nicht mehr versammelt. Es hat - 3 ° Celsius, ein kalter Wind weht von Norden über das Tal. Dunkle Wolken hängen am Himmel und verdecken die aufgehende Sonne, es ist ungewöhnlich still, kaum ein Vogel begrüßt den neuen Morgen.
Averic, Takashi, Atalya und Baal fühlen sich an diesem Morgen sehr gut. Stärke pulsiert durch ihre Muskeln und Energie und Zuversicht steht in ihrem Blick.
Tyraleen, Sheena, Rakshee, Jumaana, Neruí, Face Taihéiyo, Kisha, Majibáh, Chanuka, Caylee, Ráyon, Nihil, Shani Caiyé, Volk Zubami, Malakím, Liel, Avendal, Sharíku und Neytíri geht es nicht sehr gut. Müdigkeit und Kraftlosigkeit hat sich über sie gelegt und sie können sich nur mühsam zum Aufstehen überreden.
Ráyon hat ein seltsames Taubheitsgefühl im rechten Hinterlauf. Er humpelt leicht.
Avendals Augen tränen sehr stark, manchmal kann sie kaum etwas sehen.
01.11.2010, 14:27
Es war kalt. So furchtbar kalt. Es schien, als wenn die Kälte ihr jegliche Kraft geraubt hatte. Dem Großteil des Rudels schien es kaum anders zu gehen. Schwäche hatte die Schwarze ergriffen, Müdigkeit zwang sie zum liegen. Immer wieder hatte sie die braunen Augen zum Himmel gehoben. Dort, wo eigentlich die Sonne stehen sollte, waren dunkle Wolken. Dazu kam diese Kälte. Die Welt schien Kopf zu stehen. Ihrer aller Welt war verdreht, und anstatt der wärmenden Sonnenstrahlen drückte bittere Kälte sie in die Knie. Kisha konnte sich diese Wendung nicht erklären. Was war nur aus dem wunderschönen, blühenden Tal geworden? Sie fand langsam zu sich selbst zurück, fand ihr Glück wieder. Und nun.. schien alles, was sie sich erarbeitet hatte, zu erfrieren. Irgendwann hatte sich die dunkle Fähe erhoben, hatte der Schwäche getrotzt um nicht zu erfrieren. Ihre Läufe zitterten bei jedem Schritt, und immer wieder knickte sie weg, drohte auf den kalten Boden aufzuschlagen. Aber sie fing sich jedes Mal, kam dennoch nur langsam voran. Sie hatte keine Schmerzen, und dennoch fühlte es sich an, als wäre sie zu Boden getreten worden. Auch als ihr Ziel in Sichtweite kam, änderte sich nichts an ihrem Befinden. Aber.. wenigstens hatte sie es so weit geschafft. Und mit langsamen Schritten näherte sie sich dem Himmelsfelsen.
Sie nahm keinen Geruch wahr, viel zu sehr darauf konzentriert, nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Leicht schwankend bewegte sich Kisha vorwärts, den steinigen Weg hinauf auf den Felsen. Ihr Blick war müde auf den Boden gerichtet, um die Pfoten nicht falsch zu setzen und zu stürzen. Erst, als sie fast die Spitze des Felsens erreicht hatte, bemerkte sie den anderen Geruch. Sie hatte sich diesen Ort nicht allein als Ziel gesetzt. Einen Moment verharrte sie, unsicher, ob sie nun weiter gehen sollte, oder lieber umdrehen. Leicht legten sich ihre Ohren zurück, als sie mit vorsichtigen Schritten weiterging, und schließlich den weißen Körper entdeckte, dem sie den Geruch zugeordnet hatte. Wie.. sollte sie sich ihr gegenüber verhalten? Wie ging es Tyraleen selbst? Ein leises, kaum merkliches Seufzen entfloh Ihrer Kehle, als sie noch einen weiteren Schritt auf die Weiße zutrat. Ein sanftes, verständnisvolles und doch müdes Lächeln umspielte ihre Lefzen.
“Hallo Tyraleen.“
Sie war über sich selbst erschrocken, wie leise und schwach ihre Stimme war.
“Wie geht es dir..?“
Eine ehrlich gemeinte Frage. Immerhin hatte sie vor sich ihre kleine Schwester, die eine schlimme zeit duchmachen musste. Sie neigte den Kopf leicht schief, den ruhigen Blick auf der Weißen ruhend.
[Himmelsfelsen – Tyraleen]
01.11.2010, 15:03
Was auch immer es war. Es fühlte sich gut an. Die Tage, in denen sie sich schwach und klein gefühlt hatte, waren vorbei. Neue Stärke hatte ihren Körper ergriffen. Während der größte Teil des Rudels genau das Gegenteil zu spüren schien. Sie schienen alle.. so schwach wie nie zu sein. Atalya konnte sich das nicht erklären, immerhin ging es ihr.. wunderbar. Kurz Zeit nach diesem Vorfall mit ihrer Mutter hatten sie sich ausgesprochen, die Graue hatte sich damit selbst von einer zu schweren Last für sie befreit. Noch immer spürte sie Wut, wenn sie darüber nachdachte, als hätte jemand diese fest in ihr verpflanzt. Aber sie hatte schnell gelernt, sie zu unterdrücken, sich ihr nicht mehr blind hinzugeben. Jetzt blieb nur noch dieses Rätsel mit dem Rudel, von dem die meisten Wölfe herum lagen, als hätten alle Kräfte sie verloren. Atalya betrachtete sie, trotz der bitteren Kälte und den dunklen Wolken am Himmel fühlte sie sich gut. Um so unverständlicher war es für sie, dass kaum jemand dieses Gefühl zu teilen schien.
Irgendwann erhob sich die junge Wölfin, verfiel in einen leichten Wolfstrab und bewegte sich um das Rudel. Sie hatte kein bestimmtes Ziel, folgte einfach dem Pfad, den ihre Pfoten bestimmten. Vielleicht fand sich ja jemand, den dieser Schwäche Anfall nicht ereilt hatte. Ohne es zu merken, suchten ihr hellen Augen nach Madoc, doch sie fand ihn nicht. Die Fähe schmunzelte, wandte den Blick wieder nach vorn. Ein bekannter Geruch stieg ihr in die Nase, und einige Meter entfernt erkannte sie die Wölfin, der dieser Geruch gehörte. Kurz hielt die Graue inne, setzte sich aber einen Herzschlag später wieder in Bewegung. Ihre Schritte waren leicht, und es fühlte sich an, als wenn ihre Beine laufen wollten. Bis zum Horizont und zurück. Voller Energie trat sie auf Lyerra zu, en Kopf erhoben, die Ohren aufmerksam aufgestellt. Es verwirrte sie selbst ein wenig, dass alles so leicht zu funktionieren schien. Noch vor wenigen Tagen hatte sie sich selbst doch zu Boden geschlagen gefühlt. Und nun? Ein Lächeln trat auf ihre Lefzen, als sie vor der weißen Fähe stehen blieb. Ob sie sehen würde, wie es der Grauen ging? Kurz pendelte ihre Rute durch die Luft, sie nickte der Wölfin als Begrüßung zu.
“Weißt du, was mit dem Rudel los ist? Sie sehen alle so.. schwach aus.. Und wie geht es dir?“
Sie fühlte sich beflügelt von dieser unbekannten Energie, selbst ein Gespräch mit dieser eigentlich Fremden zu beginnen schien an diesem Tag kein Problem zu sein. Obwohl das ganze Tal verdunkelt und umhüllt von Kälte und dunklen Wolken war.
[Rudelplatz - Lyerra]
01.11.2010, 15:10
Trotz der grausamen Verkündung von Tascurios Tod, der zudem auch noch Mord Tyraleens gewesen war, fühlte sich Takashi an diesem schrecklich grauem Morgen sehr gut. Zwar hatte der Tod des Jungwolfes Unsicherheit in Takashi ausgelöst, sodass er es nun für besser hielt, eigene Entscheidungen zu treffen. Schließlich war zurzeit nicht ein einziger Leitwolf bestimmt worden. Tyraleen kam dort bestimmt nicht mehr in die engere Auswahl, da das Vertrauen zu ihr arg gesunken war. Und nun gab es niemanden mehr, der den anderen Wölfen Sicherheit und Halt geben konnte. In dieser Situation fühlte sich der Rüde schon ziemlich alleine gelassen.
Hinzu kam dann noch dieser plötzliche Kälteeinbruch, der alle Winterpelzlosen frieren und zittern ließ. Es schien, als ob eine schreckliche Zeit bevor stünde. Kälte, Raureif und absterbende Blumen, wohin man auch nur blicke. Auch bereitete der Anblick toter Jungtiere verschiedenster Arten immer wieder ein Gefühl der Angst und des Schreckens.
Der Schwarze verspürte eine große Ansammlung von Kraft in seinen Muskeln, die ihn nicht allzu sehr frieren ließ. Er fühlte sich gut, verdrängte die Kälte einigermaßen und konnte sogar noch sehr positiv denken. Bestimmt war das bei den anderen Artgenossen überhaupt nicht so. Warum sich ausgerechnet der Rüde so ausgezeichnet fühlte, war ihm unklar.
Er selbst war schon einige Zeit lang auf den Pfoten und machte immer wieder grausame Entdeckungen. Tod und Kälte. Überall und so plötzlich.
Takashi fühlte sich einsam und begab sich auf die Suche eines Artgenossen. Der Schwarze hatte Sprachbedarf, da er den plötzlichen Kälteeinbruch kaum fassen konnte.
(Wuselt am Rudelplatz umher – Kontakt suchend)
01.11.2010, 15:44
Die einsame Leere, die sich wie die kalte Stille in diesem Tal über Tyraleen gelegt hatte, drückte sie wieder einmal zu Boden. In den letzten drei Tagen hatte sie alleine in Gesellschaft oder alleine alleine ausgeharrt, hatte der Kälte zugesehen, wie sie in die Wälder und ihr Herz kroch und konnte doch nichts dagegen tun. Wie gerne hätte sie das Rudel gerufen und mit ihnen beraten, was sie gegen diesen neue, seltsame Veränderung tun könnten, aber sie wagte es nicht. Wer würde ihrem Ruf folgen? Und was sollte mit den anderen geschehen? Und was sollten sie überhaupt gegen Kälte im Sommer machen? Es war so bitterkalt, dass alle Blumen auf Tascurios Blumenwiese verwelkt waren, nur noch braune, vertrocknete Halme ließen auf ihre einstige Schönheit schließen. Ganz so, als hätte sein Blut sie mit ihm in die ewigen Hallen getragen. Sie war einmal dort gewesen, hatte sich verpflichtet gefühlt, hatte geweint, gegen Fenris geschrieen und nach Engaya gefleht, aber nichts was geschehen. Nur die Schuld und der Schmerz blieben.
An diesem eiskalten Morgen hatte sie sich alleine auf den Himmelsfelsen geflüchtet. Hier war sie Engaya so nah, auch wenn die Göttin sich von Tyraleen fernhielt, seit sie Fenris’ Willen gefolgt war. So oft, auch jetzt, flehte die Weiße um Vergebung und wusste doch, dass sie nun beweisen musste, dass sie noch immer eine Priesterin war, dass sie kein Wolf Fenris’ wurde. Doch es war so schwer … ohne die, die sie sich an ihre Seite wünschte. Averic. Keine Sekunde verstrich, ohne dass sie an ihn dachte; gleichzeitig brennend vor Wut und weinend vor Sehnsucht. So sehr sie sich ihren alten Gefährten zurückwünschte, so sehr hasste sie den neuen Averic. Der, der sie verraten hatte und jetzt, da sie so litt, an ihrem Leid sich labte. Manchmal biss sie vor Wut so fest die Zähne zusammen, dass sie Blut schmeckte. Dann wieder dachte sie an ihre Zeit in den Bergen zurück oder an den Moment, da sie ihre Welpen gezeugt hatten. Das Gefühl, die acht kleinen Fellbälle zu betrachten und zu wissen, dass sie gemeinsam dieses Wunder gezeugt hatten. Nun, ein Wunder weniger und voller Schuld war nichts mehr von diesem Glück übrig. Dafür hasste sie ihn, ihren Bruder, der doch von Engaya an ihre Seite geschickt worden war. An dieser Stelle wäre sie beinahe wütend auf ihre Göttin geworden, konnte sich jedoch immer wieder zügeln.
Dazu kam nun eine niederdrückende Schwäche. Zuerst hatte die Weiße gedacht es wäre nur die Kälte, die ihr Herz und ihre Läufe steif gemacht hatte. Doch nachdem sie ein wenig gelaufen war, hatte sie noch immer nur schwer die Pfoten heben können und auch der dumpfe Kopfschmerz in ihrer Stirn war geblieben. So lag sie nun auf diesem kalten Felsen und wollte trotz der Kälte nicht aufstehen. Ihr Blick ruhte still und traurig auf dem in dämmriges Licht getauchte Revier. Alles sah so verlassen und tot aus. Als sie Schritte vernahm, drehten sich zunächst ihre Ohren nach hinten, dann hob sie leicht den Kopf und sah Kisha entgegen, die mit ebenso mühsam schweren Schritten wie sie selbst den Felsen erklomm. Sie sah ihre ältere Schwester das erste Mal seit längerem. Sie hatte nichts gesagt, vor drei Tagen, als Tyraleen ihren Untergang besiegelte. Doch nun kam sie näher, lächelte sogar leicht, es schien keine Hasstirade bevorzustehen. Ihre Stimme klang schwach, ganz so wie Tyraleen sich fühlte. Mit einer leichten Schnauzenbewegung forderte die Weiße ihre Schwester auf, sich zu ihr zu legen. Vielleicht würde es dann auch ein wenig wärmer werden.
“Hallo Kisha.“ Auch ihre Stimme war kratzig und schwer. “Naja … nicht sehr gut. Und dir?“
Sie zögerte leicht, Unsicherheit schlich sich in ihren Blick, während sie ihre ältere Schwester betrachtete, die ihr doch seltsam fremd war.
“Du kommst zu mir ohne um dein Leben zu fürchten?“
Bitterkeit schwang in dieser Frage mit, doch auch Enttäuschung über sich selbst und Schuldgefühle waren unüberhörbar. Ihr Kopf sackte wieder auf ihre Pfoten, doch ihr Blick blieb auf Kisha liegen, um keine Geste zu verpassen. Ihr war es wichtig, was ihre Familie über sie dachte, waren sie doch die Wölfe, die der Weißen mehr als alles andere etwas bedeuteten.
[ Himmelsfelsen | Kisha ]
01.11.2010, 15:49
Ob sich Cirádan anders als sonst fühlte?
Eigentlich nicht. Eigentlich fühlte er sich so unsicher wie immer.
Nach dem Sturm, in dem er mit Caylee dieses Rennen gehabt hatte, hatte ihn ein so wunderbares Gefühl durchströmt.
Und dann hatte Tyraleen diese Verkündung gemacht und alles war wieder in sich zusammen gebrochen und Cirádan fühlte sich wieder taub und hilflos.
Und auch die plötzliche Kälte machte seine Unsicherheit nicht weg. Er hatte noch nie solch eine Kälte gespürt, aber Cirádan war sich sicher, dass es eigentlich nicht so kalt sein sollte.
In seinem ersten Winter hatte es keinen Schnee gegeben.
Doch dafür in seinem zweitem Sommer... wobei. Es gab keinen Schnee.
Nur Eis und Tod.
Der junge Rüde frorr entsetzlich und genau aus diesem Grund bewegte er sich.
Er hatte versucht sich zu verkriechen, aber dadurch hatte er nur stärker gefroren. Durch die Bewegung fühlte er sich zumindest nicht ganz so starr.
Geduckt, mit angelegten Ohren und eingeklemmten Schwanz schlich der helle Rüde über den Rudelplatz. Er sah Wölfe, traute sich aber nicht näher zu kommen. Er wusste nicht, an wen er sich hätte wenden sollen.
Ja, vielleicht seine Patin. Aber selbst das traute er sich nicht.
Eigentlich wollte Cirádan ja auch über die Geschehenisse sprechen, aber irgendwie... war da niemand da. Zumindest sah es so für ihn aus.
[ am Rudelplatz | in der Nähe von Takashi | ]
01.11.2010, 16:18
Die braunen Augen ruhten sanft auf der Weißen, deren Bewegungen so schwach wie ihre eigenen wirkten. Sie schien nicht mit diesem merkwürdigen Gefühl allein zu sein, wie es ihr schon am Rudelplatz aufgefallen war. Und gerade Tyraleen.. Einen kleinen Moment schloß die dunkle Fähe die Augen, schlug sie dann wieder auf, als die geschwächte Stimme der Weißen an ihre Ohren drang. Was für eine Antwort hatte sie erwartet? Sie konnte sich kaum vorstellen, dass sie ein Wolf in ihrer Situation glücklich und zufrieden war. Sie verharrte einen kleinen Moment, trat dann neben Tyraleen und ließ sich neben sie auf den kalten Felsboden sinken, dicht an die Seite ihrer Schwester gedrängt. Wärme und nähe konnten Trost spenden, das wußte die Schwarze. Wie sollte sie nun auf die noch offene Frage antworten? Wie ging es ihr?
“Ich weiß nicht.. es ist ein komisches Gefühl. Ich bin aufgewacht.. und es war kalt..“
Ihre Stimme brach ab, sie fand nicht die richtigen Worte, um zu beschreiben, wie sie sich fühlte. Die Lage ihrer Stimme würde wohl für sich sprechen. Sie brachte kaum mehr als ein Flüstern hervor. Während ihrer Worte hatte Kisha den Blick nach vorn gewandt, betrachtete nun das Tal, dass sich vor ihr erstreckte. Dieser Tag hatte nichts von der Schönheit des Winters. Vor allem, da dieser Einbruch so viele Monate zu früh über sie herein gebrochen war. Die Ohren der Schwarzen wandten sich leicht nach hinten, als sie die Worte vernahm, die als nächstes den Fang ihrer Schwester verließen. Im ersten Moment ein bisschen ungläubig wandte sie schließlich den Kopf herum, den hellen Blick auf die Augen Tyraleens gerichtet. Stille Herzschläge vergingen, in denen sie nicht wirklich etwas zu sagen wußte. Was sollte sie auf diese Worte, in denen der Vorwurf gegen sich selbst deutlich mitschwang, erwidern? Tyraleens Kopf sank auf ihre Pfoten, und Kisha blieb still liegen.
Es schien eine Ewigkeit vergangen zu sein, als sie langsam den Kopf zu ihrer Schwester senkte, in einer Geste voller Schwäche, in der dennoch Zuneigung zu finden war, das Gesicht der Weißen berührte. Einige Momente hielt Kisha diese Position, nahm den Kopf dann leicht zurück, lächelte jedoch noch immer dieses geschwächte Lächeln.
“Ich mag euch vergessen haben.. aber mein Herz kannte euch die ganze Zeit. Ihr habt mir so unendlich viel bedeutet, obwohl mir eure Gesichter völlig unbekannt waren. Ihr seid meine Familie, du bist meine Schwester. Ich liebe jeden von euch so sehr, wie man seine Familie lieben kann. Ich habe Banshee geliebt, und das tue ich noch immer. Und auch dich, Tyraleen.. Das Band einer Familie sollte nicht so schwach sein, dass es durch so einen Vorfall geschwächt wird. Ich habe keine Angst vor dir, Tyraleen. Du bedeutest mir zu viel.“
Angestrengt machte die Schwarze eine Pause, holte tief Luft und sammelte alle Energie, die sie in sich finden konnte, um neu anzusetzen. Sie wollte der Weißen die Last nehmen, die viel zu schwer auf ihren Schultern lastete.
“Du hast vielleicht nicht richtig gehandelt. Aber wer kann von sich selbst sagen, dass er in solch einer Situation richtig gehandelt hätte? Niemand kann sich in dich hinein versetzen, zudem will das sicher auch keiner der Wölfe hier. Ich kann mir nur vorstellen, was du eine Last mit dir trägst, wie du dich fühlen musst. Und selbst das übersteigt wahrscheinlich meinen Verstand. Alles was ich tun kann, ist versuchen, dir helfen, diese Last zu tragen.“
Wieder machte sie eine kurze Pause, dachte noch einmal über ihre eigenen Worte nach. In der Tat konnte sie kaum nachempfinden, wie die Weiße sich fühlen musste.
“Man lernt aus Fehlern.. auch wenn der Preis, den man für solch eine Lektion zahlen muss einen zu zerreißen scheint.“
Ihre Stimme hatte sich zu einem Flüstern gewandelt, als sie erneut den Kopf zu der Schnauze ihrer Schwester senkte und sie sanft mit der Zunge durch ihr Fell fuhr. Sie konnte nur hoffen, der hellen Fähe wenigstens ein wenig Trost spenden zu können.
[Himmelsfelsen – Tyraleen]
01.11.2010, 16:35
Vor Takashis Augen tat sich bereits nach kurzer Zeit ein sehr bekanntes Wölfchen auf. Beide waren sogar nah verwandt. Takashi selbst war Urions Bruder und somit der Onkel von Cirádan, der über den Rudelplatz tappte. In dem großen Rüden kam plötzlich Freude auf, sodass seine Rute ruhig hin und her pendelte. Der Kleine selbst sah aber alles andere als fröhlich und überglücklich aus. Seine Körperhaltung drückte Angst und Unsicherheit aus; der Helle litt wohl unter der eisigen Kälte. Schließlich hatte auch er kein Winterfell und war zudem noch ziemlich klein.
Der Schwarze hob seinen Kopf und blickte interessiert in die Richtung des Jungwolfes. Für einen Moment blieb er stehen und entschloss sich dann, dem Kleinen Gesellschaft zu leisten und ihm sogar vielleicht etwas Angst zu nehmen. Vorsichtig ging er auf ihn zu, um ihn nicht noch mehr zu verängstigen. Freundlich stupste Takashi den Jungwolf in die Seite und lächelte sanft.
“Cirádan, wie geht es dir?“
Irgendwie musste es Takashi versuchen, von der Kälte und dem grausamen Tod, der von nun an überall lauerte, abzulenken. Das war bestimmt alles andere als leicht, da diese Situation wohl länger so bleiben würde. Länger, als es sich jeder wünschen würde. Wer wusste denn auch, was dieser Winter noch bringen würde, wenn es denn nun schon so schrecklich kalt war?
[Rudelplatz | Cirádan]
01.11.2010, 17:28
Lyerra war den ganzen Tag durch das Rudel gependelt, hatte eigentlich mit niemandem geredet, war einfach hin und her gelaufen, hatte geschaut wie es den Anderen geht.
Einige, unter anderen Volk Zubami, waren müde, konnten kaum laufen und es ging ihnen schlecht, andere schienen aus Adrenalin zu bestehen, vor Kraft zu bersten.
Sie selbst hingegen fühlte sich normal. Weder kraftvoller, noch müder also sonst.
Ihr Blick glitt aufmerksam umher, bis sie plötzlich Atalya sah. Die Fähe schien zu denen zu gehören, die nur so vor Energie strotzten. Atalyas Schritte waren schwungvoll, leicht und federnd, der Kopf in die Luft gereckt und es schien ihr blendend zu gehen.
Freundlich lächelnd erwiderte sie das nicken der Jungwölfin, und sagte dann:
„Ehrlich gesagt weiß ich auch nicht genau was hier los ist. Einige Wölfe sind müde und kraftlos, andere sprühen gerade zu vor Energie. Du gehörst wohl zu den Energie geladenen Wölfen in diesem Rudel.“
Sie lächelte sanft und beobachtete die Fähe. Es schien ihr wirklich besser als sonst zu gehen, sie schien beflügelt zu sein. Den Kopf leicht schräg gelegt sagte sie dann:
„Mir geht es gut. Also den Umständen entsprechend. Es geht mir einfach… normal. Es geht mir weder besonders gut, noch besonders schlecht, aber es ist auch nichts anderes außergewöhnliches.“
Sie blickte besorgt Richtung Himmel. Das Wetter war grauenhaft, es war zwar kalt, aber es schneite nicht. Es war dunkel aber unheimlich leise.
Den Kopf wieder auf normaler Höhe blickte sie sich kurz um, erwartete vielleicht, dass jeden Moment noch ein Wolf kommen würde.
[Rudelplatz l Atalya]
01.11.2010, 18:31
Der Boden zitterte. Alles schien zu wackeln, wabbernde Nebelschwaden die die Realität verbargen. Surreal kreisten Wolken über den Himmel, rot und blutig, als hätten die Götter auf ihnen gemordet. Schreie waren zu hören. Todesschreie, Schreie der Verzweiflung, Schreie der klagend Zurückgebliebenen. Grausame Szenen boten sich dem Betrachter dar. Leblose Körper, zu hundertern, nein zu tausenden über den Boden verteilt, wie nach einer schrecklichen Schlacht, die das Leben aller gekostet zu haben schien. Der Tod hatte nicht einmal vor den Welpen und trächtigen Halt gemacht...
Als Zuschauer dieses Szenarios war Ráyon vor Schrecken starr und bewegungsunfähig. Mit keinem Glied konnte er auch nur zucken, nicht die Augen schließen, sich nicht von diesem Grauen abwenden. Man zwang ihn dabei zuzusehen, wie langsam ein Rudel schwarzer, riesiger Wölfe über das Feld der toten Tiere schlich. Ihre Gestalten waren keinesfalls fest. Sie schienen eher wie Schemen oder Schatten, die mit einem grausigen Lachen und von Grinsen geblecktem Fang voran gingen. Einem nach dem anderen verschlangen sie die Seelen derer, die tot waren. Auch die Lebenden konnten nicht vor ihnen fliehen. Viel mehr wurden auch ihre Seelen von den Schwarzen Geistern gefangen und verschlungen. Immer leerer wurde das Feld. Der Klang der Schreienden nahm ab. Die Seelen verstummten, bis kein Laut mehr zu hören war. Nur noch die Stille rauschte in Ráyons Ohren. Noch immer war er nicht in der Lage sich zu bewegen. Keinen einzigen Zentimeter. Doch nun war es gut. Die Schwarzen Geister hatten ihn noch nicht bemerkt. Gebannt sah er, wie sie sich unterhielten, mit ihren fiepenten, kreischenden, schmerzenden Stimmen. Dann wandten sie ihm den Rücken zu. Gerade als sie in dem schwarzen Loch, aus dem sie gekommen waren wieder verschwinden wollten, durchzuckte den Rüden ein Schmerz, der ihn aufschrien ließ.
Die Geister schnellten herum. Einer fixierte ihn mit seinen glühenden Augen. Dann war da wieder dieses Lächeln auf seien Lefzen...
Keuchend erwachte Ráyon, nur um sich im nächsten Moment wieder zu wünschen weiterhin in dem Traum gefangen zu sein, denn das hier, so bildete er sich ein, war keinesfalls besser als der Anblick der Schwarzen Geister. Tatsächlich fühlte er sich auch so, als hätten die Geister ihm seine Seele geklaut. Noch immer raste sein Puls und die Tatsache, dass es ihm unglaublich schlecht ging machte dabei auch nichts besser. Irgendwie fühlte er sich gar nicht gut.
Vollkommen erschöpft bettete er seinen Kopf wieder auf den Vorderpfoten, in der Hoffnung, dass es irgendwas besser machen würde. Er wartete darauf, dass das unangenehme Gefühl verging. Er hatte sich in der Nähe des Rudelplatzes niedergelassen. Es war das erste Mal seit drei Tagen gewesen, dass er diesem wieder näher kam. Immerhin hatte er einige schreckliche Dinge erfahren, die ihn, auch wenn er wenig damit zu tun hatte, sehr geschockt hatten.
Bald schon bemerkte Ráyon, dass er keine Chance hatte dieses ungute Gefühl loszuwerden. Vermutlich würde ihn das noch den Rest des Tages plagen. Es blieb nur die Hoffnung, dass es ihn verlassen würde, wenn er sich ablenkte. Mit sichtlicher Mühe raffte er sich also auf – und knickte sofort mit dem Hinterlauf ein. Was war das? Was sollte diese unangenehme Taubheit in seinem Hinterlauf? Er schaffte es ja kaum aufzutreten! Dieser Tag schien wahrhaft verflucht zu sein. Kraft- und vor allem lustlos schaffte er es nach einigen Anläufen aufzustehen. Erst jetzt, wo er sich schwankend auf den Beinen hielt, merkte er wie schwach er war. Ein Blick um ihn herum verriet jedoch, dass er nicht der Einzige war, dem es so erging. Vor ihm, auf dem Rudelplatz sah er die einzigen beiden Gestalten, die scheinbar problemlos stehen konnten. Hinkend und kraftlos machte er sich auf den Weg zu ihnen und es schien so, als würde er eine halbe Ewigkeit dafür in Anspruch nehmen.
Es waren zwei Fähen, auf die er zuging. Von der einen wusste er, dass es Atalya war. Eine von Tyraleens verwandten, wie er sich nach der Situation bei seiner Ankunft gemerkt hatte. Die andere, eine weiße Fähe mit grünen Augen, kannte er nicht. Als er endlich in ihrer Reichweite angekommen war, hörte er nur das letzte Wort von der Antwort der Weißen. 'Außergewöhnliches'. Wie treffend. Auch wenn der Rüde nicht wusste was in diesem Kontext gemeint war fand er diesen Ausdruck sehr passend für die derzeitige Szene.
Müde und bibbernd vor der Kälte, die hier herrschte, sah er die beiden Fähe an.
» Hier scheint so einiges außergewöhnlich zu sein. «
Seine Stimme nur ein zartes Flüstern wagte er es doch sich in das Gespräch einzumischen.
» Verzeiht mir die Dreistigkeit meines Auftretens. Mein Name ist Ráyon und wie ihr euch vermutlich denken könnt bin ich recht neu hier. Ich bin vor drei Tagen hier angekommen... Naja, ich will euch nicht mit meinem Geplauder langweilen, aber wisst ihr vielleicht, was hier vor sich geht? Wären nur ein oder zwei Wölfe meiner Verfassung hier, dann wäre das vielleicht noch plausibel, aber... das hier grenzt an eine Epidemie! «
Ein Gähnen entfuhr ihm, danach ein entschuldigender Blick.
Ja, das war wirklich außergewöhnlich.
Und vom Kuschelwolf war auch derzeit nichts übriggeblieben.
01.11.2010, 20:00
Adsini lief mit gesenktem Kopf, und gleichzeitig gesenktem Blick, müde vorwärts. Sie war traurig, seitdem ihre Brüder sie verlassen hatte. Sie wusste nicht, was sie jetzt machen sollte, sie wusste nicht, wo sie war, und ob es hier in der Nähe überhaupt noch andere Wölfe gab. Außerdem fror sie; ihr Fell, das sich nun noch wirklich nicht auf Winter eingestellt hatte, war viel zu dünn für diese Temperaturen; sie zitterte und ihre Zähne klapperten. Halb in Trance lief sie weiter, nahm ihre Umwelt kaum wahr. Die einjährige Jungwölfin achtete lediglich darauf, nicht versehentlich gegen einen Baum zu laufen. Und obwohl sie auch nicht sehr auf die Gerüche um sie herum achtete, konnte sie einen doch nicht ganz ignorieren: Der Geruch nach Hase. Adsini blickte auf. Vielleichr 10 Meter entfernt vor ihr suchte ein braunes Langohr unter der dünnen Schneedecke nach Futter. Der Kleine war damit so beschäftigt, dass er gar nicht mitbekam, dass er in Lebensgefahr schwebte. Adsini sog hungrig den leckeren Geruch des Hasens ein. Das würde ihre erste Mahlzeit nach einigen Tagen werden. Denn sie hatte gemerkt, dass sie nicht halb so erfolgreich allein jagte, wie wenn ein ganzes Rudel Jagd machte.
Mit vorsichtigen, langsamen Schritten und in geduckter Haltung schlich sie sich an den Hasen heran, der immer noch nach Futter suchte. Adsini kam immer näher. Noch 5 Meter, noch 4 Meter, noch 3 Meter... Plötzlich trat Adsini auf einen Ast, den sie übersehen hatte, das Beutetier erblickte sie und ergriff die Flucht.
Nein, jetzt entkommst du nicht!, dachte Adsini wütend, eher wütend auf sich selbst als auf den Hasen, und nahm die Verfolgung auf. Sie spurtete hinter dem Hasen her und merkte, dass sie nicht mehr in Topform war. Schon bald atmete sie schwerer, doch ihre Beine brachten sie auch näher an die Beute heran. Allerdings war ihr Beutetier noch ziemlich flink; immer wieder schlug es Haken und machte es so fast unmöglich, sich auf es zu stürzen. Doch die junge Wölfin sammelte noch einmal Kraft und schaffte es schließlich, ihre Zähne in den Nacken des Hasens zu stoßen und die Beute zu erlegen. Innerlich freute sie sich einfach unglaublich und verschlang die magere Beute in ein paar Happen. Nun, da ihr Magen immerhin teilweise gefüllt war, bekam sie wieder bessere Laune und neue Hoffnung. Als sie ihre Mahlzeit beendet hatte, nahm sie sich erstmals Zeit, ihre Umgebung wahr zu nehmen. Eigentlich sah dieses Gebiet aus wie jedes der anderen, das sie vorher durchwandert hatte. Überall Bäume, gelegentlich ein kleiner Bach und kleine Felsen. Eigentlich hatte sich nichts verändert. Eigetnlich.
Denn die junge Wölfin nahm sehr viele verschiedene, fremde Gerüche wahr, die ihr trotzdem irgendwie bekannt vorkamen und die sie überall umgaben. Sie hielt die Nase in den Wind, um der Brise genauere Informationen zu entnehmen. Anscheinend hatte Adsini die Grenze eines fremden Rudels schon lange überschritten, vermutlich während ihrer eifrigen Hasenjagd. Eigentlich hätte sich ein Wolf, ein Einzelgänger jetzt fürchten sollen. Doch das tat die junge Wölfin nicht. Denn sie hatte endlich gefunden, was sie solange gesucht hatte: die Gesellschaft anderer Wölfe. Voller Freude brach sie in ein lautes Jaulen aus, das weithin zu hören war. Es sagte:
Ich bin eine Fremde, ich komme in Frieden und möchte mich gerne euerem Rudel anschließen!"
Mit erhobener Rute, gespitzten Ohren und angespannten Muskeln horchte Adsini, ob sie Antwort erhalten würde.
[ allein, etwas entfernt vom Rudel, aber in dessen Gebiet | Adsini ]
01.11.2010, 21:45
Avendal öffnete mühsam ihre Augen, doch sie brachte sie nur ein Stückweit auf und musste sie anschließend wieder schließen. Das Bild vor ihren Augen war verschwommen gewesen und hatte nicht viel Sicht durchgelassen. Jetzt kam der zweite Versuch, doch sie musste blinzeln um die Flüssigkeit aus ihren Augen zu wischen. Der Wind strich durch ihren Pelz und brachte die junge Wölfin zum zittern. Wo war die Sonne? Hatte sie der Tod von Tascurio so verschreckt das sie den Winter erneut über das Tal brachte? Avendal keuchte auf als sie ihren Oberkörper aufrichten wollte, ließ sich jedoch wieder auf den kühlen Boden fallen und schnaufte erschöpft. Ihr fehlte es an Kraft, sie war müde und fühlte sich als hätte man durch das ganze Tal gejagt. Doch es Half alles nichts, Avendal musste sich bewegen wenn sie nicht erfrieren wollte. Seufzend und keuchend kämpfte sie sich auf ihre schwach gewordenen Beine, aber sie stand, wenn auch wacklig. Avendal senkte ihren Kopf so tief das ihre Nase fast den Boden berührte, ihre Beine waren weit von sich gestreckt stand sie da. Es musste ziemlich lustig aussehen, wenn Avendal nicht so fürchterliche Schmerzen dabei hätte. Ihre Muskel verkrampften sich und fanden nicht den Weg zu einer Lockerung hinzu kam das ihre Augen sich immer und immer wieder mit Feuchtigkeit füllten und ihre Sicht schwemmte. Langsam bewegte sich Avendal vorwärts, mühsam und anstrengend. Es war die reinste Prozedur die Avendal sich da erkämpfte. Erneut verschwamm ihr Blick doch Avendal blinzelte es sich aus den Augen, spürte wie die Perlen in ihr Fell sickerten und als sie die Pfote erneut anhob um einen Schritt vorwärts zu machen, stieß sie über etwas und flog nicht gerade sanft über denjenigen mit der Schnauze voran landete sie ihm Dreck, ihr Körper lag definitiv über einen Wolf. Mit der Schnauze in der Erde schnaubte sie einmal und schob ihr Maul ein wenig weg um die Erdklumpen aus ihrem Maul zu husten.
Langsam zog sie ihre Vorderpfoten nach vorne und kämpfte sich vorwärts ehe sie den Blick zu dem Wolf wandte über den sie geflogen war. Sein Fell war von einem reinen Weiß und schon allein wie der Rüde da lag wusste wie über wen sie geflogen war.
„ Tut mir Leid, Madoc. Ich hab dich nicht gesehen! “
Gab sie von sich und kniff die Augen kurz zusammen. Ach sie würde einfach hier liegenbleiben und sich mit Madoc unterhalten.
[Bei Madoc]
01.11.2010, 23:25
Verwirrt blickten die dunklen Augen in den verhangenen Himmel. Inzwischen hatte die Jungfähe verstanden, obwohl sie noch immer nicht begreifen konnte. Etwas veränderte sich, die Welt um sie herum wandelte sich, sie selber wurde anders. Mit jedem Atemzug, der in ihrer Kehle schmerzte, konnte sie es fühlen.
Die Kälte kroch ihre Läufe hoch und dennoch konnte die Helle es nicht fühlen, spürte sie es nicht. Mit einem Schlag war es Winter geworden, die Temperaturen waren sturzartig gesunken und keiner von ihnen hatte sich darauf einstellen können. Aléya biss die Fänge aufeinander, um das Zittern ihres Körpers überspielen und kompensieren zu können. Dennoch wollte ihr dies mehr schlecht als recht gelingen.
Reflexartig fuhr eine Vorderpfote über die kalte Nase. Die Luft war innerhalb kürzester Zeit so klar geworden, dass selbst der Hauch eines Geruches in ihrem Riechorgan stach, als würde sie direkt neben der Quelle stehen.
So fiel es der Weißen auch nicht schwer, eine bestimmte Witterung aus den vielen anderen der Rudelmitglieder heraus zu filtern.
Langsam setzten sich die Läufe in Bewegung, geschmeidig zogen sich die Sehnen zusammen. Das Laufen linderte für einen Augenblick das Gefühl der Kälte, welches immer weiter in ihre Knochen eindrang. So sehr hatte Aléya noch nie in ihrem Leben gefroren. Hinzu kamen ab und an Hitzeschübe, die allerdings mehr aus dem Inneren kamen. Während die kalte Luft ihren jungen Leib umspielte, hatte sie das Gefühl von innen zu verbrennen; bis ein paar Herzschläge später alles vorbei und nur die winterliche Luft um sie herum war.
Zielstrebig lief die Jungwölfin auf die Fähe zu, die sie ein bisschen Abseits wittern konnte. Mit leicht gesengtem Kopf ließ Aléya ihre Schritte langsamer werden, bis sie ohne zu Zögern Schutz und vor allen Dingen Wärme neben Sheena suchte. Wie ein Welpe kuschelte sie sich an das weiße Fell der zierlichen Wölfin, welche sie doch gut leiden konnte und vergrub ihre Schnauze in ihrem Pelz.
„Mir ist kalt, klagte sie und schniefte leise. Wieso konnte der Winter nicht warten, bis wir unseren Pelz bekommen haben? Das Wetter war doch so schön bis…
Schnell brach sie ab, wussten sie doch beide nur zu genau, was an jenem Tag geschehen war. Nicht weiter darauf eingehend legte die Helle den Kopf auf die Vorderläufe.
„Du wolltest mit mir über die Jagd sprechen?
[bei Sheena]
01.11.2010, 23:33
Atalys Läufe schienen zu glühen, bei dem Gedanken, weiter zu laufen. Hätte sie nicht auch noch ihr Verstand verlassen, wäre sie wohl an Lyerra vorbei gelaufen, wäre weiter ihrem unsichtbaren Pfad gefolgt. Aber so blieb sie stehen, ließ nach außen hin keinen Zweifel daran, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte. Die Weiße ihrerseits erwiderte ihr Lächeln, nickte und setzte dann zu einer Antwort an. Bei ihren Worten wandte Atalya den Blick kurz ab, ließ ihn über das Rudel schweifen. Auch ihre Geschwister waren unter ihnen. Zumindest einige von ihnen. Als Lyerra sie direkt ansprach, wandte die Graue den Kopf wieder herum, musterte ihre grünen Augen. Sie zählte also zu den Wölfen, denen es nicht so schlecht ging, wie dem Rest.
“Mir geht es wunderbar, ja. Und ich verstehe nicht, was mit dem Rest los ist..“
Ihr Ohr zuckte leicht zur Seite, als sie den Geruch wahrnahm, der auf sie zukam. Im ersten Moment etwas skeptisch hob die Graue eine Augenbraue, als sie den braunen Rüden auf sich zu humpeln sah. Ihn schien es ja noch mehr erwischt zu haben, als die anderen. Und auch der Rüde schien zu frieren. Atalya neigte den Kopf leicht schief, sowie Lyerra es zuvor getan hatte. Sie spürte kaum etwas von der Kälte, nur gelegentliche Windzüge ließen sie kurz frieren. Aber dann war die Kälte schon wieder vergessen. Die kurze Pause, die er einlegte nutzt Atalya, um zu der Weißen zu blicken, richtete sich dann aber wieder an Ráyon, wie er sich vorstellte. Sie wartete seine Worte ab, schüttelte dann leicht den Kopf. Sie konnte sich das ganze ja nicht Mal selbst erklären.
“Ich weiß es nicht. Aber ich glaube, das weiß niemand. Und dich hat es besonders erwischt, oder?“
Ein kurzer Blick fiel zu seinem Hinterlauf. Sie konnte keine Verletzung erkennen, keinen Grund dafür, dass er so lahmte.
“Vielleicht irgendeine Krankheit?“
Noch einmal wandte sie den Blick zu Lyerra, die ebenso wenig wie sie selbst darauf schließen ließ, dass eine Krankheit die Wölfe dieses Tales befallen hatte. Aber was war es dann, was ihnen die Kraft nahm.. und sie ihr zukommen ließ?
[Rudelplatz - Lyerra & Ráyon]
02.11.2010, 09:40
Es war so kalt, so schrecklich kalt. Caylee hatte sich so sehr auf ihren ersten richtigen Sommer gefreut, aber anstatt dass die Sonne vom Himmel lachte und sie in ihrer Wärme brutzelte, hingen schon wieder dunkle Wolken am Himmel und Raureif zog sich über die Wiesen. Im übertragenen und im eigentlichen Sinne. Es war, als hätte das Tal sich entschieden, auf das Rudel und die Ereignisse angemessen zu reagieren. Die Kälte, die zwischen Tyraleen und Averic entstanden war, griff nun mit ihren eisigen Klauen um sich und Caylee war beinahe wütend. Warum konnten sich ihre Eltern nicht wieder vertragen? Warum taten sie ihnen allen so weh? Sie war bei Tyraleen gewesen und hatte stumm eine Zeit lang neben ihr gelegen. Vorher hatte sie sich eingestanden, ein wenig Angst zu haben und war dann doch mit verbissener Miene zu ihrer Mutter gestapft, hatte sich an sie gekuschelt und einige Zeit lang ohne ein Wort zu sagen so da gelegen. Dann war sie wieder gegangen. Vielleicht hatte sie sich und allen anderen beweisen wollen, dass man das noch immer tun konnte. Vielleicht hatte sie auch zeigen wollen, dass sie ihrer Mama noch immer lieb hatte. Aber etwas zu sagen, war zu viel … sonst wäre sie vielleicht sogar wütend geworden, weil alles so falsch war, weil nun Fehler auf Fehler folgten. Bei ihrem Papa war sie auch gewesen, hatte nichts anderes getan, als bei ihrer Mama, auch wenn er das nicht wissen konnte. Auch auf ihn war sie ein wenig wütend. Aber nicht wütend genug, um nicht sofort all ihre Liebe frei zu lassen, wenn man auf ihre zaghaften Versuche reagierte.
In dieser Nacht hatte sie sich zu Neruí und Aszrem gekuschelt, froh über die Wärme der beiden Körper. Es war so bitterkalt, dass sie sich an ihre Schwester quetschte, als gäbe es im Wald nicht genug Platz für drei Wölfe. So eingekuschelt hatte sie immerhin ein wenig schlafen können, auch wenn sie noch immer oft aufwachte und an das Bild in ihrem Kopf dachte, vom toten Tascurio und ihren so wütenden Eltern. Irgendwann war der Morgen heraufgedämmert und Caylee konnte nicht mehr schlafen, auch wenn sie sich seltsam schlapp fühlte. Unschlüssig kroch sie aus der warmen Wolfsumarmung ihrer Schwester hervor und wollte sich erst einmal aufrichten, als ihre Hinterläufe einknickten. Verwirrt versuchte sie es erneut, kam nun zum stehen, spürte aber die furchtbare Schwäche, die wie ein schweres Tuch über ihrem Rücken lag. War das die Kälte? Oder die Traurigkeit? Auf wackeligen Pfoten ging sie ein paar Schritte, schloss dann die Augen und wollte sich ausgiebig schütteln. Doch aus dem ausgiebig wurde ein kläglich, das mit tief hängendem Kopf endete. Vielleicht musste sie einfach ein wenig laufen. Sie warf einen Blick auf die zwei schlafenden Schwarzen, dann schlug sie irgendeine Richtung ein. Ziemlich langsam und nicht sonderlich schwungvoll trabte sie durch den Wald und hoffte, dass die durch die Bewegung kommende Wärme bald zu spüren sein würde. Doch bevor das geschah, erklang ein Heulen ganz in der Nähe und Caylee hob leicht den Kopf. Eine Fremde, die sich ihrem Rudel anschließen wollte. Keine sehr gute Idee von ihr, befand die Weiße und sah sich unschlüssig um. Es gab keinen Leitwolf, der der Fremden antworten würde. Sollte sie einfach hingehen? Sie konnte die Fremde schon wittern, auch wenn der Wind von Norden kam, sie musste sehr nahe sein. Auch roch sie Hasenblut, hatte die Heulende Beute geschlagen? Noch immer ein wenig unschlüssig änderte Caylee die Richtung und ging nun dem Geruch nach. Schon nach kurzer Zeit konnte sie im schwachen Dämmerungslicht eine weiße Fähe erkennen, an deren Schnauze Blut klebte. Sie schien den Hasen bereits komplett verspeist zu haben, was ein missmutiges Stirnkrausen auf Caylees Gesicht zauberte. Sie erreicht die Weiße in ihrem weiterhin langsamen und ziemlich schlapp wirkenden Trab – kein sehr glanzvoller Auftritt – und betrachtete sie aus müden Augen. Sie war eine Jungwölfin, gerade mal so alt wie Caylee selbst.
“Hättest mir ruhig was von dem Hasen übrig lassen können.“
Das war wahrscheinlich keine Begrüßung wie ein Leitwolf sie aussprechen würde, aber Caylee war auch keiner und zudem war sie erschöpft, ein wenig hungrig und verfroren. Ihre Sternenaugen wanderten über die fremde Fähe, die offensichtlich in besserer Verfassung und gut gelaunt vor ihr stand.
“Wie du merkst ist es schweinekalt hier und leider haben wir auch keinen Leitwolf, der dir erlauben oder verbieten könnte, hier zu bleiben. Ein Rudel haben wir aber, also wenn du magst, kannst du dich anschließen.“ Ein wenig undeutlicher und leiser fügte sie hinzu: “Wir haben nur gerade eine schwierige Zeit …“
Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lefzen, zog dann die Schultern hoch und besann sich, vielleicht doch noch ein wenig höflich zu sein.
“Ich bin Caylee, Tochter Tyraleens und Enkelin Banshees, die einst dieses Rudel geleitet hat. Vielleicht kennst du sie ja, das ist schon ein paar Mal passiert. Und wer bist du?“
Ihre Familienbeziehung nach diesem schrecklichen Ereignis vor drei Tagen zu erwähnen, war seltsam. Sicher, sie blieb die Tochter Tyraleens und die Enkelin Banshees, aber ihre Familie würde nie wieder das sein, was sie einmal war.
[ westlicher Wald | Adsini ]
02.11.2010, 10:37
Die Kälte kroch langsam in ihre Glieder und machte sie weiter mürbe von der langen Wanderung und dem ewigen Laufen. Ewig schon war Raja unterwegs und wollte und wollte nichts finden wo sie bleiben konnte oder wollte. Doch sie war jetzt in diesem kalten Tal gelandet, wo dicke Wolken am Himmel hingen, die im Sommer sehr nach Schnee aussahen. Verwundert schaute die weiße Wölfin gen Himmel und betete dass es nicht noch kälter wurde, als es e schon war. Raja hasste die Kälte, den Winter und auch das gefrorene Wasser, was dazu neigte einen den Boden unter den Pfoten zu rauben. Schwer war der weitere Gang hinunter ins Tal, das diese Kälte förmlich speicherte. Doch nur warum zog es sie weiter hinein und nicht wieder hinaus? Diese Frage stellte sie sich endlos, aber fand doch keine Antwort. Sie beschloss es über sich ergehen zu lassen. Schon lange hatte sie den Willen des Währens aufgegeben und lebte nur noch in den Tag hinein. Sie hatte jegliche Hoffnung verloren, seit sie alleine und ohne ihren Partner unterwegs war. Still ließ sie ihren Kopf hängen und ihre Beine samt Pfoten nach vorn wandern, ohne weiter auf ihre Umgebung zu achten. So sah sie auch nicht die vielen toten Küken, die offenbar aus den Nestern gefallen waren und um die sich ihre Eltern nicht mehr kümmerten. Die Bäume hatten ihr Wachstum eingestellt und ließen die Blätter mürbe und grau erscheinen. Doch auch dies ließ Raja außer Acht und trottete unbehelligt weiter. Weiter hinein und merkte dabei nicht, das sie die unsichtbare Grenze eines Rudels überschreitete. Sie war nun in dem Revier des Rudels, dem das Tal gehörte und die es beherrschten. Doch erst ein lautes Jaulen, was direkt ein paar Meter vor ihr zu hören war, weckte ihre Aufmerksamkeit und ließ ihren Kopf vom Boden hoch schnellen. Die warmen Bernstein Augen fixierten eine ebenso weiße Wölfin wie Raja eine war. Durch ihren monotonen Trott, hatte sie nicht mitbekommen dass sie gerade Wegs auf diese Fähe zugegangen war. Still stand sie da und musterte ihr Gegenüber. Sie hatte genau solche Augen wie sie, nur das sie dunkler und offener wirkten. Sie schien auch noch recht jung zu sein und Raja beschloss sie anzusprechen und der Höfflichkeitshalbe guten Tag zu sagen. Doch eine weitere Fähe gesellte sich zu der Weißen und sprach auf sie ein. Sie bemerkte Raja offenbar nicht und sprach von einem Rudel, was keine Leittiere besaß. Raja rümpfte die Nase über diese Nachricht. Wenn es keine Leittiere gab, wieso war es dann ein Rudel?
„Guten Tag wünsche ich.“
Sprach sie etwas lauter und unhöflich, damit man auf sie aufmerksam wurde. Wenn Raja etwas nicht leiden konnte, dann war das Desinteresse.
„Wie kann ein Rudel ein Rudel sein, wenn es doch keine Leittiere besitz?“
Sagte sie nun neckisch, aber doch weise. Sie fragte sich wer wohl die Aufgaben in diesem Rudel verteilte, wenn es doch die Aufgabe der Alphas war. Sie fragte sich auch, wer bei ihnen entschied jagen zu gehen und was noch viel wichtiger war. Wer die Rangordnung sicher hielt und herstellte. Zwar hatte Raja ihren Lebenswillen verloren, als sie ihren geliebten Partner verlor, aber doch machte die Antwort sie neugierig und ihre warmen Augen zeigten nach langer Zeit wieder Interesse für etwas.
[bei Adsini udn Caylee]
02.11.2010, 15:25
Die stille des Nordens erstreckte sich hinter ihren Läufen. Hilel hatte sie hinter sich gelassen, ja so dachte sie. Doch was war nun? Sie hatte endlose Landschaften durchschritten und es war mit jedem Gang wärmer und lebhafter geworden. Der Sommer nahte, das wusste sie. Doch es sang kein Vogel mehr. Die Vögel schienen so verwirrt, das selbst der stärkste Instinkt, jener der Vermehrung, sich nicht mehr bewies und sie ihre Kinder zurückließen. Tote Kücken, leere Nester. Es blühten keine Pflanzen. Die Bäume waren kränklich, welk und tot. Die Welt hatte den Umschwung nicht mitbekommen, sie war nicht vorbereitet. Kein Herbst hatte die Landschaft mit ihrem Leben darauf vorbereitet, das nun der Winter einbrach, obgleich die Sonne ihre Wärme hätte verkünden müssen. Seit einigen Tagen, so war die schwarze Fähe angekommen und hatte das Elend mit angesehen. Mit ängstlicher Neugier und schiere Faszination über dieses Phänomen. Mit Entsetzten in ihrem Blick und Argwohn vor dem was vor ihr sein könnte. Doch trotz aller Warnung, beschritt sie weiter ihren Weg. Sie hatte bereits so viel hinter sich gelassen, nun würde sie nicht umkehren, nicht aufgeben, das war nicht ihre Art. Sie war eine Kriegerin. Sie würde sich nicht beugen.
Hilel selbst, war durch ihre Abstammung und ihrer Heimat noch weites gehend auf Gevatter Frost vorbereitet und seinen kalten Hauch, den er mit sich brachte. Mit langsamen Schritten wanderte sie voran. Betrachtete immer wieder ihre Umgebung. Die welken Bäume, die ihre Blätter nicht mehr halten konnten, nicht mehr nähren konnten, auf das sie ihr schimmerndes Grün verloren und zu einem unansehnlichen Grau vegetierten. Sie beobachtete aufmerksam ihre Veränderungen und sog die kalte fremde Luft in sich ein. Welches Leben würde sie hier noch finden? Auf ihrer Wanderung hatte sie keinen Wolf erblicken können, kein Rudel gefunden. Wieso sollte gerade hier eins hausen? In diesem unwirklichen Land. Vielleicht spürte sie es in sich, das sie bald auf Artgenossen stoßen sollte, oder es war ihr sturer Geist, der ihr verbat einen neuen Weg einzuschlagen, der möglicherweise in eine bessere Welt geführt hätte. Nicht in jene, die ihr schon so endlos vertraut war, durch ödes kaltes Land.
Eine unsichtbare Grenze hatte sie überschritten, nun ebbte es ihr deutlich in die Nase, auf das sie einen Moment verharrte und dem Geruch zu deuten begann. Es war Blut und es waren Wölfe, ja ein Rudel. Es waren so viele verschiedene Gerüche in der kalten Luft, das sie die eisige Luft tief in sich hinein zog, welche beinahe in ihrer Lunge zu brennen schien. Eine neblige Wolke stieß sie beim Ausatmen von sich. Bedacht schritt sie voran. Ein Jaulen war in der Ferne zu vernehmen, noch ein Fremder. Noch ein Neuankömmling in dieser unwirklichen Gegend. Sie waren nicht mehr weit von ihr entfernt. Die Schwarze näherte sich ihnen stetig. Bald konnte sie drei Wölfe, mit reinem weißem Fell entdecken. Aufmerksam lauschte sie und beobachtete. Es wäre nicht sie gewesen, hätte sie anders gehandelt. Wohlüberlegt, nicht stürmisch, sondern stetig wie der Gezeitenwandel.
[bei Adsini, Caylee und Raja]
02.11.2010, 16:22
Was vor drei Tagen geschehen war, war falsch gewesen. Chardím und auch Jakash selbst hatten es gespürt, wengleich auch jeder es ein wenig anders empfunden hatte. Er hatte seinem Patensohn in jener Nacht gesagt, dass es noch Hoffnung darauf gab, dass es wieder richtig wurde. Nicht wie vorher, aber richtig. Auch wenn Jakash inzwischen sicher war, dass diese Worte nicht direkt seine gewesen waren, so hoffte er doch, dass sie sich bewahrheiteten.
Was jedoch seither passierte, war alles andere als richtig. Es wurde nichtmal annähernd besser. Derart niedrige Temperaturen sollte es zu dieser jahreszeit eigentlich nicht geben. Die älteren Wölfe erzählten bisweilen zwar, dass es anfang des Frühlings manchmal nochmal zu Kälteeinbrüchen kam, aber mittlerweile hätte der Sommer beginnen sollen. Es sollte gewiss keine Temperaturen mehr geben, die ohne Winterfell kaum auszuhalten waren, und es sollte erst recht keinen Raureif geben. Die Wolken waren so grau und schwer wie der Schwarze es nur vom Winter kannte, wenn Schnee ihre Bäuche regelrecht zu füllen schien. Konnte es tatsächlich Schnee im Sommer geben? Selbst ohne Schnee tat diese Eiseskälte dem Tal nicht gut. Die Pflanzen starben, ebenso Jungtiere. Jakash hob den Kopf zum Himmel, als V-förmiges Muster aus fortziehenden Vögeln vorüber zogen. Alles falsch.
Eine Bewegung im Augenwinkel ließ ihn den Kopf umwenden und gleich darauf etwas ducken, sodass er den strauchelnden Chardím mit der Schulter abfangen und stützen konnte. Dem Schwarz-weißen ging es nicht gut. Seit drei Tagen schwankte er zwischen Tatendrang und Apathie hin und her. Meist trugen ihn seine Läufe nicht richtig, als könne der Jungrüde sie nur schwerlich koordinieren. Ständig stolperte er oder verlor ohne ersichtlichen Grund das Gleichgewicht, so wie eben. Jakash selbst fühlte sich auch nicht wohl, aber es ging ihm auch nicht schlecht. Er spürte ein beständiges Ziehen in seiner Brust, das mal zu- und mal abnahm. Er kannte dieses Gefühl und er kämpfte dagegen an. Manchmal merkte er, wie vom Rande seines Sichtfeldes aus sich der graue Sturm voran schob, und dann musste er die Augen schließen und sich konzentrieren, bis das Gefühl wieder nachließ. Einer der Götter verlangte nach ihm. Er wusste nicht welcher von beiden, aber es war ihm auch egal. Er wollte beide nicht in seinem Kopf haben.
Jakash wich wieder ein Stück von Chardím fort, als er sicher war, dass sein Patensohn wieder auf eigenen Pfoten stehen konnte.
"Lass uns nochmal eine Pause machen, okay?",
schlug er vor und beobachtete den Jungrüden, um ihn erneut auffangen zu können, wenn es sein musste.
[in der Nähe des Bachs | Chardím]
02.11.2010, 19:02
Adsini stand noch immer mit gespitzten Ohren und gespannten Muskeln da, als sie eine Beweung in der Nähe wahr nahm. Sie hatte einen mächtigen Wolf erwartet, der sie eventuell vom Gebiet es Rudels jagen würde, der sie vertreiben und ihr zeigen würde, dass sie keine Chance gegen ihn hätte und es nichts nutzte, sich zu wehren. Doch das weiße Fell, das auf sie zugetrottet kam, mit müden und eher mäßig schnellen Bewegungen war in keinem Fall so, wie Adsini sich eine Grenzpatrouille oder ähnliches vorgestellt hatte. Und gleichzeitig fiel ihr ein Stein vom Herzen; denn dieser Wolf schien nicht auf einen Kampf auszusein. Es war dem Anschein nach eine Fähe, etwa in Adsinis Alter mit dem gleichen weißen Fell und ebenso bernsteinfarbenen Augen. Adsini fragte sich, warum eine so junge Fähe eines Rudels ganz allein hier herumlief, warum kein älterer Wolf sie begleitete.
Adsini hätte jede Anrede erwartet, aber nicht die, dass die Fremde fragte, warum Adsini ihr nichts vom Hasen übrig gelassen hatte.
Adsini anwortete etwas verwirrt:
"Hätte ich gewusst, dass du etwas davon haben wolltest, dann hätte ich dir etwas übrig gelassen."
Erst jetzt fiel Adsini auf, dass die Fähe ihr gegenüber, die sich als Caylee vorgestellt hatte, ein wenig abgemagert aussah. Anscheinend machte ihr Rudel gerade eine schwere Zeit durch. Eine so imposante Vorstellung wie Caylee konnte Adsini zwar nicht abliefern, trotzdem sagte die Fähe:
"Es freut mich, dich zu treffen. Ich bin Adsini."
Und noch bevor sie weiterreden konnte, kam eine weitere Fähe dazu. Diese stellte sich gar nicht erst vor und schien ein wenig älter als Adsini und Caylee zu sein und machte einen ein wenig sichereren Eindruck, als Caylee es tat. Auch sie schien eine Einzelläuferin zu sein, da sie das Rudel hier anscheinend ebenso wenig kannte.
Adsini kam Caylee zuvor und sagte:
"Wer weiß? Vielleicht hat dieses Rudel einen so starken Zusammenhalt, dass es trotzdem alles auf die Reihe bekommt?"
Adsini blickte Caylee an. Allerdings fing sie jetzt selber an, an ihrer Aussage zu zweifeln. Denn so deprimiert wie Caylee guckte, konnte das Rudel nicht gerade auf einem Höhepunkt sein. Außerdem hatte Caylee etwas von einer "schwierigen Zeit" gesagt.
Plötzlich bemerkte Adsini eine weitere Bewegung.
Noch ein Wolf?, dachte sie verwundert. Doch dieser schien sich im Hintergrund zu halten. Adsini spitzte die Ohren und blickte in Richtung des oder der fremden, die sich nicht zeigte.
[bei Caylee, Raja, in der Nähe von Hilel | westlicher Wald]
02.11.2010, 19:46
Schwer lag der Kopf auf den dicken, überkreuzten Pfoten. Die rechte begann bereits leicht zu kribbeln, ein Zeichen dafür, dass sie zu schlecht durchblutet wurde und auf dem besten Wege war, einfach einzuschlafen. Obwohl die Weiße nichts mehr hasste, als einschlafende Körperteile, konnte sie nichts dagegen tun. Sie fühlte sich einfach so müde, so schlapp und energielos. Und egal wie sehr sie nach einer Erklärung suchte, das Einzige was ihr hierzu einfallen mochte, war der rasend schnelle Wetterumschwung. Innerhalb von wenigen Tagen war es bitterkalt geworden, die Temperaturen mussten knapp unter dem Gefrierungspunkt liegen. So kam es auch, dass sich bei jedem ihrer Atemstöße kleine Wolken bildeten die fast in der Luft zu stehen schienen. Eigentlich hatte Sheena nichts gegen kalte und doch so schön klare Wintertage einzuwenden, allerdings war ihr Körper noch gar nicht bereit für einen kalten Winter. Ihr sowieso spärliches Winterfell war noch lange nicht gewachsen und das leichte und wenig dichte Sommerfell vermochte sie nicht gegen die eisige Kälte zu schützen.
Gähnend riss sie ihr Maul auf, klappte es jedoch schnell wieder zu, als die Kälte in ihr Inneres drang wie feine Messerstiche. Autsch, das schmerzte.
Bibbernd versuchte sie den Rest ihrer Körperwärme zu behalten, ihr Atem ging langsam, nur sehr spärlich um ja nicht zu viel der kalten Luft aufzunehmen.
Fast fielen ihr die Augen zu und obwohl sie sich ständig ermahnte nur ja nicht einzuschlafen, kam sie nur schwer gegen die bleierne Müdigkeit in ihrem Körper an. Sie wollte sich nicht ausmalen, was passieren würde, wenn sie hier, einsam und alleine, einschlafen würde. Ihr Körper würde sich so weit runterfahren, dass sie, im schlimmsten Fall, einfach erfrieren würde.
Mühsam riss sie ihre Augen wieder auf. Als ihr der Geruch einer herannahenden Fähe in die Nase stieg, keimte die Hoffnung in ihr auf, dass sie Gesellschaft bekommen würde. Sie war sich recht sicher, dass Aléyas Pfoten sie zu ihr tragen würde, schließlich hatte sie der Weißen angeboten, mit ihr über die Jagd zu sprechen.
Und dem war auch so, Aléya blieb nicht zögernd vor ihr stehen, sondern schmiegte sich gleich vertrauensvoll an sie. So wärmte Aléya sich nicht nur an Sheena, sondern auch deren Zittern ließ nach, als sie die Wärme der jungen Fähe neben sich verspürte. Motiviert durch ihre Zuneigung, rückte auch Sheena noch ein wenig näher an die Fähe heran und kuschelte sich dankbar an diese.
Wie wichtig die sozialen Kontakte doch zum Überleben sein konnten. Und sie mochte die jüngere Weiße, auch wenn sie ihr Verhalten auf der Jagd ein wenig verunsichert aufgefasst hatte. Einige andere Wölfe wären sicherlich sehr erschrocken gewesen, doch für Sheena war dies nicht der erste Wolf, der vor ihren Augen in einen solchen Rausch verfiel.
Trotzdem musste sie erneut gähnen, dabei seufzte sie leise auf.
„Ich fühle mich so elendig Aléya.“
Auch sie vergrub ihren Kopf in dem Pelz der anderen. Froh Gesellschaft zu haben, froh einen weiteren Wolf des Rudels näher kennen zu lernen. Froh jemanden an ihrer Seite zu haben, der sie wenigstens ein wenig von ihrem unerklärlichen Unwohlsein ablenken konnte.
Doch auch ihr war natürlich klar, was der Hauptgrund von Aléyas Auftauchen war.
An dem Tag der Jagd, der noch gar nicht so lange her war und ihr doch weiter entfernt erschien als vieles andere, war Aléya in ihrer Jagdgruppe gewesen. Sie war die Einzige gewesen, die Sheena gefolgt war um die Hirschkuh zu erledigen, doch nach wenigen Sekunden des Beobachtens war ihr auch klar geworden, warum die Fähe so reagiert hatte. Sie hatte sich nicht, wie ein normaler Wolf es tun würde, auf das Fleisch gestürzt, sondern sich an dem warmen Blut des Tieres gelabt. Wahrscheinlich bis das Brennen der Kehle ein wenig eingedämmt wurde, bis die Gier des Durstes gestillt war. Das alles hatte Sheena niemals selber erlebt, aber die Worte des besten Freundes ihres Ziehvaters, Urion, waren ihr ins Gedächtnis eingebrannt worden. War sie früher doch einer ähnlichen Raserei verfallen gewesen. Dabei ging es zwar weniger um den Durst nach Blut, aber trotzdem hatte sie es schon damals vergleichen können.
„Genau, ich hatte dir angeboten, mit mir über das Geschehen auf der Jagd zu sprechen.“ Sie nickte der Weißen bemüht energisch zu. Sie hieß es gut, dass sie zur ihr gekommen war. „Ich habe dich natürlich beobachtet und dabei ist mir einiges aufgefallen. Doch du kannst es bestimmt besser in Worte fassen als ich, du hast es schließlich erlebt. Allerdings konntest du es nicht recht nachvollziehen, nehme ich das richtig an?“
Fragend hob sie den schweren Kopf und blickte Aléya freundlich an. Sie wollte, dass Aléya mit ihren eigenen Worten formulierte, was vorgefallen war, damit Sheena sich ein genaueres Bild von der Situation machen konnte. Vielleicht, und hoffentlich, würde sie Parallelen feststellen können und Aléya dann von Urion und auch Takashi berichten. Schließlich hatte Letzteres seine Gier unter Kontrolle bekommen können. Vielleicht würde auch Aléya dies schaffen. Sie wünschte es der Fähe.
Und sie war auch bereit ihr so weit wie möglich zu helfen, vielleicht zusammen mit Engaya. Doch dazu musste sie sich erst wieder besser fühlen, momentan war sie nicht imstande eine Verbindung mit Engaya auf die Art und Weise aufzubauen, die sie hierfür benötigt hätte. Sie war nur froh, dass sie schon so weit war, dass sie wusste, dass Engaya sie trotz allem nicht verlassen würde. Wenn dies nicht der Fall wäre, würde sie bestimmt wieder viele Schritte auf dem doch sehr steinigen Weg zurückgeworfen werden.
[bei Aléya]
02.11.2010, 20:52
Stille. Stille war etwas Grauenhaftes. Mit ihr schlichen sich böse Gedanken in leere Seelen, zerfraßen all das Gute und brachten Trauer und Leid. Stille zerstörte nicht nur Freude, Stille zerstörte Leben, Liebe. Stille tat nicht nur psychisch weh, Stille riss alte Wunden auf. Stille nahm den Platz von Übermut und Glückseligkeit ein. Stille war unheilbar. Und auch wenn diese Stille so gefährlich war, so brachte sie uns auch Gutes. Stille konnte etwas an Stellen erschaffen, die sonst leergestanden hätten. Stille konnte retten, wenn Worte nicht mehr halfen. Es war eben doch die Stille, die uns alle zum Lächeln und zum Weinen brachte, zum Trauern und zum Glücklich-Sein. Stille war vollkommen.
Du suchst die Nähe etwas Ungeistlichem, Tochter. Du weißt nicht, was es ist, aber es ist da. Aber wenn ich du wäre, würde ich gehen. Du siehst doch, dass es wehtut, dich zerreißen versucht. Seit wann bist du Masochistin, dass du willst, dass es dich mitnimmt. Wohin auch immer. Vielleicht in die Leere, vielleicht aber auch in den Tod. Möglicherweise hat das Nichts von dir Besitz ergriffen und in wenigen Tagen wirst du schon von uns gehen. Was meinst du, sollten wir nicht noch ein paar letzte Worte an unsere Engsten richten? An meinen Sohn und deinen Patenwelpen. Oder an deine Schwester. Ich bin dafür. Komm schon, steh auf und geh, damit du dich von ihnen verabschieden kannst, bevor es zu spät ist. Und leugne nicht, ich sehe doch, wie schwach du bist. Nun geh und - … Jäh unterbrach die Wölfin Aarinaths Gedankengang mit einem Knurren, wandte ihren Kopf nach rechts und sah über das klare Wasser des Sternensees hinweg zum Rudelplatz. Eisige Kälte fraß sich in ihr Fell, als sie auf die Seite sank und den Kopf auf den harten Boden legte. Noch nie hatte sie sich so ausgeliefert gefühlt, noch nie hatte der Frost ihr so zu schaffen gemacht. In der Abenddämmerung hatte sie sich vom Rudelplatz entfernt, weil sich Schlangen durch ihre Bauchhöhle fraßen und sie erzittern ließen. Jumaana wollte nicht, dass sie jemand in diesem Zustand sah, deswegen hatte sie sich in Richtung des Steinwaldes begeben und sich dort niedergelassen. Allein mit der Stille. Und der Kälte, die ihr noch nie etwas ausgemacht hatte. Aber nun fühlte die Fähe sich schutzlos und verlassen, als wenn niemand auch nur auf die Idee kommen würde, sie auch nur anzusehen. Als hätte sie noch nie einen Freund gehabt, der zu ihr stand und zu dem sie sich verbunden fühlte.
Obwohl – die Stille war auch ein Freund, wenn auch kein guter. Aber Freund ist Freund, so war es doch, oder?! Und nun, zusammen mit ihrem Freund, der Stille, lag Jumaana am Ufer des Sternensees und fühlte sich schlechter denn je. Wenn sie die Augen schloss, sah sie scharfe Krallen, blutige Fänge und aufgerissene Kehlen. Verblutende Welpenleichen, verstreut wie auf einem Schlachtfeld. Doch wenn sie versuchte, die Augen offen zu halten, spürte sie einen stechenden Schmerz im Hinterkopf und alles begann zu lodern wie bei einer Flamme. Der Schmerz machte sie blind, brachte die bösen Bilder zurück und ließ sie hilflos auf der Erde liegen. Ein Häufchen Elend, ein Häufchen Jumaana.
- Am Ufer des Sternensees
02.11.2010, 23:14
Caylee kam gar nicht erst auf die Idee, sich zu fragen, wie sie und möglicherweise damit das ganze Rudel in den Augen der Fremden wirkte. Sie war es schon lange gewöhnt, sich offen und ehrlich zu geben und weder gute noch schlechte Laune zu verbergen. Auch hatte sie stets wenig davon gehalten, sich gegenüber Rudelfremden irgendwie anders zu geben oder diese steife Haltung anzunehmen, die ranghöhere Tiere stets zur Schau getragen hatten, kaum tauchte jemand Unbekanntes auf. Ihr linkes Ohr schnippte leicht zurück.
“Hättest du dir auch denken können, immerhin lebt hier ein ganzes Rudel, da hat immer jemand Hunger.“
Ein erstes, leichtes Grinsen tauchte auf ihrem Gesicht auf und mit einem Rutenschwenker zwinkerte sie der Neuen zu; sie sollte sie nur nicht zu ernst nehmen. Schließlich war Caylee weder griesgrämig, noch in irgendeiner Art und Weise gemein. Meistens scherzte sie ganz gerne, auch wenn ihr Witz an diesem eiskalten und müden Morgen noch nicht ganz rauskommen wollte. Adsini hieß die Weiße und schien immerhin ganz verträglich. Vielleicht könnte Caylee sie einfach mitnehmen und beim Rudelplatz abliefern. Irgendwer würde schon dort sein. Ihr Plan wurde ein wenig gestört von einer unfreundlich klingenden Stimme, die plötzlich zwischen den Bäumen hinter Adsini erklang. Missmutig richtete sich Caylees Sternenblick auf die ebenfalls weiße Fähe, die sie aus irgendeinem Grund nicht bemerkt hatte. Ein bisschen mulmiges Gefühl löste diese seltsame Schwäche schon aus, erst Recht, wenn sie anfing nur noch die Hälfte mitzubekommen. Die neue Fremde schien sich jedenfalls für äußerst wichtig zu halten und hatte auch gleich eine höchst intelligente Frage. Caylee verdrehte erstmal die Augen, was Adsini nutzte um zu antworten, allerdings traf sie mit ihrer Annahme eher daneben. Früher hätte ihr Caylee sofort zugestimmt aber jetzt …
“He, Fremde, man lauscht nicht einfach so Gesprächen von anderen. Wenn du mit uns reden willst, zieh deine Schnauze aus den Schatten und stell dich vor.“
Dann wandte sie sich Adsini zu, als hätte diese die Frage mit den Leitwölfen gestellt.
“Man kann auch ein Rudel sein, ohne einen Leitwolf zu haben. Meine Oma Banshee und ihre Schwester Nyota waren unsere Leitwölfe, aber sie sind tot. Bis jetzt hat niemand versucht, ihren Platz einzunehmen. Und jetzt … ist alles ein wenig anders.“
Sie beabsichtigte trotz ihrer zahlreichen Andeutungen nicht, Adsini und der neuen Fremden von Tyraleens Mord und dem großen Streit zu erzählen. Die könnten schön selbst herausfinden, was hier los war. Außerdem hatte die Unfreundliche noch gar nicht erwähnt, was sie eigentlich wollte. Caylees Blick richtete sich wieder auf die Fremde, als ihre Nase ihr einen fremden Geruch meldete und sie zunächst zu erleichtert war, dass ihr wenigstens dieser – dritte – Fremde nicht entgangen war. Sie erkannte zwar niemanden im dämmrigen Licht des Morgens, aber irgendwo zwischen den Stämmen stand eine dritte fremde Fähe. Laut deutlich begann sie zu seufzen.
“Nummer drei, du darfst auch rauskommen, sagen wer du bist, was du willst und dann könntet ihr mal aufhören, uns zu überrennen. Hättet ihr euch nicht einen besseren Zeitpunkt aussuchen können? Man, es ist kalt, alle schieben Frust und dann kommen drei Fremde an und wollen unbedingt bei uns bleiben.“
Ihre Miene hatte sich wieder verdüstert, die ganze Situation war zum schlechte Laune bekommen. Eigentlich war Caylee eine sehr fröhliche Fähe, aber diese verdammte Schwäche, die sie nicht mehr länger auf den Läufen halten wollte, machte es ihr schwer. Und dann war da noch all das, was passiert war …
[ westlicher Wald | Raja, Hilel und Adsini ]
03.11.2010, 09:38
Raja war eigentlich des Redens müde geworden. Sie überstreifte sonst die Wölfe immer erst lange mit ihrem Blick, ehe sie eine Frage stellte oder das Wort erhob. Aber doch machte diese weiße Fähe, die zu diesem Rudel gehörte, in dieser eisens Kälte, sie neugierig. Ihre Mimik, die wie ein Kampf zwischen Tag und Nacht, ständig ins fröhliche und dann wieder ins deprimierte wechselte, gab ihr zu bedenken. Etwas Schlimmes musste in ihrem, scheinbar noch kurzem Leben, vorgefallen sein mit dem sie jetzt nicht so richtig klar kommen wollte und was sie sehr bedrückte. Dabei regte sich in Raja eine Art Mitleid und diese wollte am liebsten der Fremden helfen. Doch sie besannt sich sehr schnell und ließ dieses Gefühl außen vor. Es war auch nicht weiter schwierig für sie gewesen, als Caylee eine durchaus, für Raja unangemessene, unfreundliche Antwort gab. Sie richtete dann ihren Kopf zu Adsini und beantwortete ihr die Frage. Für Raja war dieses Verhalten mehr als ungehobelt. Ein bisschen Anstand konnte man doch auch von einer jungen Fähe erwarten. Aber doch musste die Weiße der Unfreundlichen recht geben, dass man nicht unbedingt einen Leitwolf brauchte. In manchen Situationen stellte sich Raja es sogar einfacher vor, mit einer Wölfin über ein Thema zu diskutieren. Doch das würde sie Caylee natürlich nicht sagen und ihr somit das Recht zuweisen. Das war nie ihre Stärke gewesen und schon gar nicht bei Wölfen, die sie überhaupt noch nicht kannte.
Eine dritte Fähe benebelte mit ihrem Duft die Gegend und Caylee versuchte mit ihren Worten diese aus ihren Unterschlupf zu kitzeln. Dabei entging ihr natürlich nicht, dass ein leicht genervter Unterton in ihrer Wortwahl spielte. Es war fraglich ob Raja sich jemals mit dieser Fähe verstand. Doch sie wollte besser da stehen als sie und ging deswegen ein paar Schritte auf die zwei zu. Sie ließ ihre Hinterläufe einknicken und setze sich somit auf den kalten Boden. Ihre warmen Augen strahlten Gelassenheit und Ruhe aus. Wobei es in ihrem inneren andres aussah und diese Wölfe nur eine weitere Ablenkung in ihrem verhassten Leben werden würden. So dachte sie zumindestens.
„Mein Name ist Raja meine Liebe. Ich wandere schon lange umher und suche nichts Ganzes und nichts Halbes, als ich einen geliebten Wolf verloren habe. Doch darum bin ich nicht hier. Eine innere Stimme hat mich hierher geführt und ehrlich gesagt weiß ich nicht warum, denn ich hasse die Kälte und die damit verbundenen Gefühle. Ein wärmendes Rudel wäre durchaus ein Ansporn hier zu bleiben und zu ergründen was oder wer mich hierher geführt hat oder hier haben möchte…Vielleicht kannst aber auch du mir schon eine Antwort darauf geben, meine Liebe.“
Sprach sie friedlich und gab ihr somit die Pfote zur Versöhnung. Denn wenn Raja hier bleiben würde, so musste sie versuchen wenigstens den Anschein zu erwecken, dass sie sich mit ihr verstand. Auch wenn es sich vielleicht anders entwickeln würde, so könnte sie zu sich sagen dass sie es wenigstens versucht hätte. Zumal sie sich eigentlich schon länger nach einer Seele sehnte, die sie ihr Herz ausschütten konnte. Lange trug sie schon die nicht gesagten Worte und Gefühle mit sich rum und merkte immer wieder wie sie Raja von innen nach außen auffraßen und sie mehr und mehr unglücklicher machten. Doch um nicht gleich wieder darin zu verfallen, sprach sie freundlich zu Adsini und begrüßte sie.
„Guten Tag Adsini, schön dich kennen zulernen.“
Dabei wackelte ihr Knickohr leicht und brachte Raja dazu sich zu kratzen. Sie hob ihre rechte Hinterpfote zum Kopf und kratze sich mit ihren Krallen, wobei die Pfote schnell von vorn nach hinten schwang. Sie hasste ihr Ohr, wenn es mal wieder versuchte sie zu ärgern und ihr einen böser Huckreiz verschaffte. Sie wusste dass der Schmutz, der sich darin festsetzte, daran schuld war. Doch seit sie Zero verloren hatte, hatte sie keinen mehr der ihr Knickohr sauber hielt. Denn alleine konnte sie es nie so richtig sauber halten, als wenn ein anderer Wolf es mit seiner feuchten Zunge benetzte und somit den Schmutz raus holte.
[Caylee, Adsini, Hilel]
03.11.2010, 13:40
Die Wärme neben sich zu spüren tat der Weißen unglaublich gut. Die beißende Kälte, die für diese Jahreszeit untypisch war, ließ ein bisschen nach und rief ein angenehmes Gefühl von Vertrauen in ihr hervor. Die Körperwärme Sheenas ließ ein bisschen ihrer innerlichen Anspannung und Unsicherheit von ihr abfallen. Glücklicherweise, denn manchmal hatte Aléya wahrlich das Gefühl verrückt zu werden, Gerade jetzt brauchte sie jemanden, dem sie vertrauen konnte und der ihr weiterhalf.
So schmiegte sich die Jungwölfin noch ein wenig näher, seufzte leise wohlig auf. Der Geruch und das Pulsieren des anderen Herzens hatte in diesem Augenblick nur geringfügig ein verlockendes Angebot. Der zweite Herzschlag war mehr wie eine besänftige Melodie, welches ihr feines Gehör wahrnahm und der Geruch betörte ihre Nase, so dass eine angenehme Schläfrigkeit den Körper der Hellen erfüllte.
Entspannt lehnte sich Aléya an die Ältere, legte den schmalen Kopf auf ihre Schulter. So innig hatte sie nur selten ausgeharrt, in einer Zeit, die ihr unglaublich weit zurück erschien.
Auf die Worte der Weißen öffnete Aléya eines ihrer klaren Augen, welche sie bis dahin entspannt geschlossen hatte, und blickte in die müde wirkenden goldgelben der Fähe. Aufmerksam witterte sie und tatsächlich konnte sie einen ähnlichen Geruch an Sheena feststellen, wie bei der kranken Kuh auf der Jagd. Leicht zuckte ein Ohr, während das eine Auge sie lange musterte.
„Es liegt nicht nur an der Kälte.“, stellte sie fest.
Hoffentlich würde es ihr bald besser gehen. Noch ein bisschen näher rutschend versuchte die Weiße ihre Jagdleiterin zumindest von einer Seite ein wenig zu wärmen und vor der winterlichen Luft so gut es eben ging zu schützen.
Sheena ging nun allerdings wieder auf ihr Anliegen ein, über die Jagd zu sprechen. Sie wollte, dass sie mit eigenen Worten wieder gab, was geschehen war.
„Wenn ich das nur könnte…“, gab sie offen zu und schloss wieder das Auge. In ihrem Geiste rief sie sich alle Bilder und Eindrücke ins Gedächtnis, die von der Jagd hängen geblieben waren.
„Ich weiß nur noch, dass ich los gelaufen bin. Als ich hinter dir her lief, habe ich den Geruch der Beutetiere aufgenommen. Dann hat plötzlich meine Kehle angefangen zu brennen, so als ob ich lange nichts getrunken hätte. Ab diesem Zeitpunkt weiß ich nichts mehr.“
Wieder unsicher hielt Aléya inne, die Stirn in Falten gelegt. Sie konnte sich beim besten Willen nicht erklären, was vorgefallen war. Sie kam erst halbwegs wieder zu sich, als das Spektakel vorbei war und Ráyon zu ihnen dazu stieß.
„Was glaubst du hat das zu bedeutet?“
[bei Sheena]
03.11.2010, 16:02
Seine schwarzen Pfoten führten ihn zum See hinab, aber sie trugen ihn nicht mehr so leichtfüßig-tänzelnd wie sonst. Schwer war ihm plötzlich sein schlanker Leib, und müde seine Muskeln. Wahrscheinlich wurde er krank, aber was war bei diesem plötzlichen Kälteeinbruch auch anderes zu erwarten gewesen, ohne ein dickes Fell, dass vor den eisigen temperaturen schützte? Und das, wo doch der Sommer ins Tal ziehen sollte! Stattdessen fehlte nur noch Schnee und man könnte glauben, es herrsche Winter. Gras und Bäume waren von Reif überzogen und knirschten unter jedem seiner Schritte, der Atem bildete Rauchfiguren vor seinem Maul. Malakím bließ ihn ein paar Mal langgezogen in die Luft und sah den Schwaden zu, wie sie sich kringelten und tanzten. Er lächelte. Im gegensatz zu seinem Körper war sein Geist nicht ermattet, und so konnte er noch immer seinen tanzenden Atem oder das glitzern des frostigen Grases bewundern und sich daran erfreuen. Noch ein wärmendes Winterfell, dann wäre der Spass fast perfekt, denn der Schwärzling fror fürchterlich. Noch besser wäre natürlich, wenn Sonne und Wärme zurückehren würden, damit der Sommer sich auch nach Sommer anfühlte.
Malakím erreichte das Seeufer und trat spielerisch mit einer Pfote die hauchdünne Eisschicht kaputt, die sich als durchsichtige Haut über das ufernahe Wasser spannte. Langsam begann er zu trinken. Er hatte großen Durst, aber das eisige Wasser erlaubte ihm nur kleine Schlucke zu nehmen, die er im Maul anwärmte. Es reichte, dass die Kälte von außen auf ihn einstach, sie musste das nicht auch noch von innen tun.
Schließlich legte er sich am Ufer nieder und sah den winzigen Eisschollen zu, die er verursacht hatte. Vielleicht konnte er ja beobachten, wie sie langsam wuchsen und sich eine neue Eisdecke bildete. Sein Körper würde ihm heute wieder keine großen Aktivitäten erlaiben, also musste er seinem Geist eine Beschäftigung geben.
[See | allein] (Anspielbar! :D )
03.11.2010, 19:50
Die schwarze Fähe beäugte das Schauspiel, die unterschiedlichen Charaktere und dessen schwankende Stimmung. Sie wusste, sie war nicht getarnt oder ähnliches. Doch ihr Ansporn war rar, um sich voran zu bewegen und die Fremden zu begrüßen. Auch jene beinahe zickige Anmerkung, sie solle nicht lauschen, sich vorstellen und wieso sie gerade hier her kam, regte sie nicht weiter an. Hilel blieb einige Zeit noch stehen. Musterte das Geschehen und verlor ein verächtendes Schnauben. Sie wollte nicht in das Rudel. Dies war nie ihr Plan. Sie wollte nur die Welt entdecken. Aber nicht darum betteln aufgenommen zu werden. Der Zorn benebelte einen Moment ihre Sicht. Was erlaubte sich dieses junge Wesen? So unreif und unerfahren. Egal welche Gründe es in ihrem Rudel gab, so war sie keine besonders einladende Persönlichkeit, die ihr Rudel zu jener Stunde ins rechte Licht rücken würde.
So begab sich Hilel mit einem Zögern und einem Widerwillen in der Brust, gemächlich Richtung der Dreien. Die eine Fähe war wesendlich älter, als alle anderen, doch ihr Makel war eindeutig. Während sie ihr Knickohr scharf kratzt. Hilels Schwäche sollte genauso sichtbar werden, je näher sie den Fremden kam. Ihr Eisblaues Auge beobachtete die Versammlung noch immer skeptisch, das Andere hatte wie eh und je nur einen grauen Schleier auf der Linse. Ihr gemächlicher Gang sollte vielleicht etwas schwerfällig wirken, doch sie war keinesfalls angeschlagen oder geschwächt. Die Kälte macht ihr noch nicht viel zu schaffen, sie hatte eisigere Gefilde kennen gelernt. Auch leidet sie an keinem Hunger, wie das junge Rudelmitglied. Einige Schritte trennten die Schwarze noch von den Weißen, wo sie bereits die ersten Worte ertönen ließ.
„Ich hatte weder vor jemanden zu überrennen, noch hatte ich so ein junges Exemplar des Rudels erwartet, was einem an der Grenze zu begrüßen scheint. Aber naja, wer weiß was für Geschehnisse hier von statten gehen…“
In ihrer Stimme lag die Kälte ihrer Welt vergraben. Der Klang kam ihr im ersten Moment selber fremd vor, wie lange hatte sie schon nicht mehr gesprochen? Wie lange hatte sie nun ihre Wanderung vollzogen, um ein Rudel zu finden. Um dann so etwas vorzufinden? Es schien ihr unreal. War sie doch den falschen Weg gegangen? Ihre sonst sichere Meinung schien zu bröckeln. Was würde sie hier erwarten? Es war kein Deut besser, als ihre Heimat. Außerdem musste sie jetzt feststellen, dass die lange Zeit ihres Streifzuges, sie zu einer wahren Einzelgängerin gemacht hatte. Die Gegenwart der Wölfe schien sie nicht so zu erfreuen, wie sie es gedacht hätte.
„Ich kann zurzeit noch nicht von Freude sprechen, doch auch ich möchte mich vorstellen, mein Name ist Hilel.“
Sie neigte leicht den Kopf, es war eine kleine Andeutung einer Verbeugung. Sie schien zwar nicht äußerst freundlich und höflich, doch sie konnte es sein. Es war nur jene Begrüßung, die sie nun nicht wohl gestimmt werden ließ.
[ westlicher Wald | Adsini, Caylee und Raja ]
03.11.2010, 21:07
Adsini hörte Caylees Beschreibung des Rudels an. Sie antwortete etwas verwirrt:
"Aber warum will denn niemand den Platz der neuen Leitwölfe einnehmen? iIch meine, dieser Rang ist doch normalerweise so begehrt, da dürfte es doch genug Wölfe geben, die das übernehmen würden."
Sie fragte sich immernoch, warum es keine neuen Alphatiere gab, doch kam selbst zu keiner logischen Erklärung.
Vielleicht haben sie alle zu viel Respekt vor den verstorbenen Alphatieren, dass jetzt niemand deren Platz einnehmen will, überlegte sie.
Doch ob das so stimmte, konnte nur Caylee ihr sagen.
Als Adsinid die Wölfin fragen wollte, forderte diese den fremden Wolf im Schatten auf, hervorzutreten. Adsini war sich sicher, dass dieser Wolf kein weißes Fell besaß wie die drei Fähen, die sich schon miteinander unterhielten. Denn im Schatten war die weiße Farbe sehr auffallend und kaum zu übersehen. Der oder die angesprochene Fremde traute sich eine ganze Zeit lang nicht heraus.
Ob sie Angst vor uns hat?, fragte Adsini sich. Doch als die schwarze Wölfin sich schließlich doch noch aus dem Schatten wagte, konnte Adsini keine Spur von Unsicherheit oder gar Ängstlichkeit erkennen. Diese Fähe strahlte Selbstbewusstsein aus.
Ganz entgegen Adsinis Erwartungen nach diesem eher unhöflichen ersten Satz, brachte die Wölfin, die sich als Hilel vorgestellt hatte, doch noch zu eine halben Verbeugung als Zeichen der Höflichkeit. Adsini beantwortete dies Geste mit einem Neigen ihres Kopfes. Sie wusste zwar nicht, ob diese Art von Begrüßung hier geläufig schien, doch sie dachte auch nicht weiter darüber nach.
"Ich bin Adsini" , antwortete die weiße Fähe der schwarzen. Mit Absicht ließ sie das "Es freut mich, dich kennen zu lernen" weg, denn das hätte nicht ganz der Wahrheit entsprochen.
[westlicher Wald | Caylee, Raja, Hilel ]
03.11.2010, 21:07
Das schöne Haupt auf die kräftigen Pfoten gebettet, lag Madoc etwas abseits des Rudels auf dem Rudelplatz und genoss die nur gelegentlich gestörte Ruhe. Zwar genoss er die Gesellschaft der anderen Wölfe, doch die Trauer lastete noch schwer in den Herzen, aktive Konfrontationen mied der Einzelgänger daher lieber. Die Kälte störte ihn nicht, denn die Verhältnisse seiner Heimat waren deutlich härter als diese. Mit halb geschlossenen Augen absorbierte er die Reize seiner Umwelt und hing fernen Gedanken nach, die hauptsächlich um die letzten Tage kreisten. Er dachte an Atalya, mit der er seit dem Vorfall noch einige Male gesprochen hatte und erfreute sich ihres seligeren Gemüts, nachdem sie sich mit ihrer Schwester versöhnt hatte und mit Tyraleen gesprochen hatte. Sie war eine starke Persönlichkeit, er hatte niemals Zweifel gehegt, dass sie diese Situation meisterhaft bewältigen würde.
Madocs Ohren schnippten, als er nahende Schritte vernahm, dessen Rhythmus unregelmäßig und labil war. Er witterte, Avendal. Seit jenem Tag schien es der Weißen weniger gut zu gehen, im Gegensatz zu Atalya schien der Vorfall mehr an ihr zu nagen. Obwohl er ihr gerne geholfen hätte, machte er keine Anstalten, sich zu erheben um sich ihr zu stellen, denn er blieb bei seiner Einstellung: Wenn sie sich selber nicht helfen konnte, so konnte es niemand. Sie musste einen Weg finden, ihren inneren Konflikt zu überwinden, es mochte schwer sein, doch es war nicht unmöglich. Kopfschüttelnd wurde er sich gewahr, dass sie sich noch immer nährte, suchte sie etwa eigenständig ein Gespräch? Sollte es der Fall sein, so würde der Silberweiße sie nicht abweisen, schließlich respektierte sie seine Worte und bezog seinen Rat gerne.
Als die Fähe nur noch wenige Schritte von ihm entfernt waren, legten sich seine Ohren zurück, als Zeichen, dass sie seine Aufmerksamkeit hatte, wenngleich er sich noch immer nicht erhob. Plötzlich traf ihn jedoch eine unerwartete Wucht und ein schlaffer Körper landete auf seinem Rücken. Erschrocken sprang er auf und konnte ein kurzes Knurren nicht unterdrücken. Es diente weder zur Abschreckung noch als Ausdruck der Wut, es war lediglich ein instinktives Verhalten der Verteidigung, dass seine Vergangenheit in ihm ausgeprägt hatte. Sofort verstummte der bedrohliche Laut und der Silberne Rüde blickte beinahe etwas schuldbewusst auf den schwachen Körper hinab. Sie sah in der Tat schwach aus und Madoc wunderte sich, weshalb sie sich so beschwerlich von dem Konflikt erholte. Avendals entschuldigende Worte bekannte er mit einem Nicken.
"Ich hab mich zu entschuldigen, Avendal, verzeih mein rüdes Verhalten"
Gab er jedoch zurück und machte einen Schritt auf sie zu. Langsam senkte er sein Haupt zu der Weißen hinab und blies seinen warmen Atem über ihren schneeweißen Pelz, während seine blutroten Augen unergründlich glänzten.
"Ist alles ok mit dir? Du siehst nicht gut aus."
Stellte der silberne Hüne nüchtern fest, die Kühle, die nicht aus ihm weichen konnte verblieb noch immer, doch seine etwas gehobene Stimme verriet Sorge. Wäre sie Atalya gewesen, so hätte er sich neben sie gelegt, um ihr Wärme und Geborgenheit zu schenken. Die weiße Schwester kannte er jedoch weniger gut und als Einzelgänger der Körperkontakt zu meiden gelernt hatte, blieb er lediglich über ihr stehen. Zudem glaubte er, dass sie es als aufdringlich empfunden hätte, würde er sich so schamlos an ihre Seite niederlegen, seine manierliche Seite war doch zu stark ausgeprägt.
[Am Rande des Rudelplatzes | Avendal]
04.11.2010, 17:01
Aschfahl dämmerte der Morgen über den Bergen herauf. Dunkle Wolken verhingen den Himmel, ein kalter Wind strich durch Nathaniêls Fell, ließ ihn frösteln. Das erste Mal seit langer Zeit kam ihm die Kälte bedrohlich vor, falsch, unheilvoll. In den langen Monaten seiner einsamen Reise hatte er Kälte stets als angenehm empfunden. Vielleicht war das der Grund gewesen, weshalb in den Norden gezogen war. Bisher hatte sie ihm immer geholfen klarer zu denken, den Kopf frei zu bekommen, hatte seine Sinne geschärft und er hatte sich lebendig gefühlt. Auf eine eigentümliche Art und Weise hatte er das genossen. Doch nicht heute. Heute tat die Kälte weh. Heute ließ sie seine Narben brennen und verursachte Schmerzen in seiner Lunge. Ein kalter Windhauch wehte durch sein silbernes Fell und ließ den Rüden erzittern. Wie ein eiskalter Atem fühlte es sich an, der ihm direkt in den Nacken geblasen worden war und ihm nun den Rücken hinab kroch und ihn zum Beutetier machte. Hilflos. Jarrèll schüttelte sich. Um die eigentümlichen Gedanken abzuschütteln und um dem Frost aus seinem dünnen Pelz zu vertreiben. Es gelang nicht, weder das eine noch das andere. Er hatte weiterhin das unbestimmte Gefühl verfolgt und beobachtet zu werden, als würde ihm ein eisiger Blick, wie ein zum Angriff bereiter Feind, auf leisen Pfoten folgen. Genauso wenig hatte sein Schütteln, das klamme Taubheitsgefühl aus seinen Gliedern vertreiben können. So schlimm wie schon lange nicht mehr, schmerzte ihn die gezackte Narbe im Gesicht. Brennende Zweige hatten dort einst seine Haut zerrissen und sich in sein Fleisch gebrannt. Lange Wochen hatte die Wund nicht verheilen wollen, hatte ihn gepeinigt mit unsäglichen Schmerzen, auch seine Seele, hatte ihn die körperlichen Schmerzen doch in jeder Minute an das erinnert was passiert war. Nur langsam hatten sich die Wundränder zusammengezogen und erst Monate später hatte neues Fell zu wachsen begonnen. Wie ein Schleier verhüllte es mittlerweile die Narbe, sah man nicht ganz genau hin, so nahm man die kleine Unregelmäßigkeit im Fellwuchs gar nicht wahr, nur wer den Silberweißen länger betrachtete fiel er überhaupt auf. Doch Jarrèll hatte sie nicht vergessen. Für ihn war es ein spürbares Zeichen dafür, dass alles nicht nur ein böser Traum gewesen war, sondern bittere Realität.
Beim Anbruch der Dämmerung hatte der Rüde den Rudelplatz verlassen, auf welchem sich in jener Nacht vor drei Tagen die Welt des Rudels in ihren Grundmanifesten erzittert war, Bilder alter Illusionen, wie hauchdünne Eisschichten zerbrochen waren und das ganze Rudel in die tiefen dunkelkalten Wasser der grausamen Wahrheit darunter gestürzt war. Wie von selbst hatten ihn seine Pfoten getragen, weiter fort vom Ort dieses Geschehen, als könnte er so auch der schwerlastenden Stille entkommen die über dem Tal hing. Sie lag über ihm wie ein zäher klebriger Saft, eiskalt und schwer. Leicht trugen ihn seine Beine über die Wiesen,doch alles unter seinen Pfoten war tot. Die Blumen, erfroren im Frost, das Gras knirschte bei jedem seiner Schritte, die eisigen Temperaturen hatten ihm seine Lebenskraft genommen und es steif und gelichzeitig gebrechlich gemacht. Mitten im Sommer hatte der Tod das Tal heimgesucht. Eiskalt und erbarmungslos. Jarrèll hatte kein Ziel vor Augen, er wollte nur Laufen, er hatte die klare Luft gesucht, doch stattdessen bohrten sich tausend Eisspitzen in seine Lunge und machten ihm das Atmen zur Qual. Er war den Ufern des Sternensees gefolgt, an welchen bereits eine dünne Eisschicht das klare Wasser überzog. In Dampfwölkchen schwebte sein heißer Atem dem grauen Himmel entgegen.
Als Jarrèll Nathaniêl den weißen Wolf erspähte, welcher sich nahe dem See auf den harten Boden niedergelassen hatte, verlangsamte sich sein Schritt. Einen Moment lang überlegt er ob er abdrehen sollte, doch irrwitzigerweise war ihm an diesem kalten Tag nach Gesellschaft zu Mute. Die Einsamkeit lastete fast so schwer auf ihm, wie die bittere Kälte. Mit gewandten Schritten trat er nun leise und bedächtig näher. Er würde sich nicht aufdrängen und ließ dem Fremden genug Zeit ihn kommen zu sehen. Beim Näherkommen hatte er eine weiße Fähe erkannt, deren Augen in einem satten Grün leuchteten, doch an diesem Tag erkannte Jarrèll kein freudiges Blitzen darin, eher Schwermut schien der Fähe auf der Seele zu liegen. Nathaniêl trat ein Stückchen neben sie, nickte ihr kurz zu ließ sich zu Boden gleiten. Ihm war nicht nach großen Begrüßungsfloskeln zu Mute und der Fähe neben ihm allem Anschein nach ebenso wenig. Di eStille lastete Schwer, wie wabernder Nebel über den beiden Wölfen.
» Ein kalter, dunkler Tag.«
Obwohl der Rüde nur selten das Wort erhob, hatte er das dringende Gefühl verspürt, diese bleierne Stille zu brechen. Er sah die Fähe nur kurz an, ließ dann seinen Blick über die glatte Oberfläche des Sees gleiten. In dieser Stille konnte man ertrinken, wie in einem endlosen Wasser, die Oberfläche ruhig und glatt, doch darunter endlose Tiefen voller triefender Schwärze.
[list]{Am Sternensee | Jumanaa}
[/list]
05.11.2010, 13:35
Mittlerweile ziemlich genervt wartete Caylee darauf, dass sich die beiden Fähen im Schatten aus eben jenem begaben und ihr mitteilten, was sie hier trieben. Zunächst kam diesem Wunsch die Fremde nach, die bereits vorher nicht sonderlich freundlich nach dem Sinn eines Rudels ohne Leitwölfe gefragt hatte. Sie war schneeweiß wie Adsini und Caylee selbst, hatte jedoch ein Knickohr, das beinahe niedlich war. Das Wort ‚niedlich’ passte ansonsten allerdings nur bedingt zu dieser Fremden, sie wirkte kühl, ruhig und irgendwie abweisend. Umso seltsamer war es dann, als sie begann, Caylee mit ‚meine Liebe’ anzureden. Sofort krauste sich die Stirn der Jungwölfin und ihr Blick lag ein wenig verwirrt auf der Neuen, die sich nun als Raja vorgestellt hatte.
“Nun …“ Caylee hüstelte leicht. “… ich bin zwar wirklich lieb und liebenswert obendrein, aber du kennst mich nicht, also musst du mich auch nicht lieben. Falls dir das ‚wärmende Rudel’ hier zusagt, darfst du mich aber gerne kennenlernen und anfangen mich zu lieben. Bis dahin würde ich doch Caylee als Name vorziehen.“
Der Weißen war nicht entgangen, dass die anfängliche Unfreundlichkeit Rajas längst aufgeben worden war und sie nun auch Adsini mit netten Worten begrüßte. Und da Caylee mit Sicherheit nicht auf Streit aus war und Gemeinheit sowieso nicht leiden konnte, beschloss auch sie noch ein bisschen Versöhnung hinterher zu schieben.
“Aber ist schon okay, tut mir leid wegen deinem Verlust. Warum du zu uns gekommen bist, kann ich dir eher weniger sagen – bin ja keine Hellseherin – aber vielleicht liegt es ja an unserem Tal, es wird nicht umsonst Engayas Tal genannt und nicht umsonst hat Banshee hier gelebt.“
Ein schiefes Lächeln tauchte auf ihren Lefzen auf und sogar ihre Rute wurde kurz durch die Luft geschwenkt. Sie beschloss, sich ebenso wie Raja hinzusetzen, es als ebenso friedliche Geste zu tarnen und in Wirklichkeit ihren wackligen Läufen nachzugeben, die ihren Körper gerade nur noch sehr ungern trugen. Kaum saß sie, wurde ihr Gesicht ein wenig entspannter und ihr Blick wanderte wieder zu Adsini.
“Keine Ahnung, warum niemand Leitwolf werden will. Mich brauchst du nicht zu fragen, ich muss bis dahin noch ein wenig warten. Meine Mutter wäre es beinahe geworden … aber dann gab es Streit.“
Sie schnippte mit dem rechten Ohr wie um das Thema loszuwerden, mehr würde sie nicht verraten. Außerdem hatte jetzt auch die letzte der drei Fremden beschlossen, sich zu erkennen zu geben. Eine schwarze Fähe, deren rechtes Auge erblindet war, kam auf sie zu und äußerte sich nicht gerade nett. Wieder sackte Caylees Laune ab, sie musste diesen Fremden ja fabelhaft launisch erscheinen.
“Nett von dir, Hilel, dann kannst du ja deinen Hintern wieder aus dem Revier schwingen, wenn’s dir nicht passt. Und so viele Sommer mehr als ich, hast du nun auch nicht erlebt, also spiel’ dich nicht so auf.“
Leicht brummelnd wandte sie ihren Blick wieder Raja und Adsini zu, die sich nun ebenfalls vorstellte aber auch nicht gerade von großer Freude über Hilels Worte erfüllt zu sein schien. Sicher, Caylee war jung, aber sie würde mit Hilel wetten, schon mehr erlebt zu haben, als die Schwarze. Das war wohl normal im Tal der Sternenwinde … es war eben das Tal der Göttin.
[ westlicher Wald | Raja, Hilel und Adsini ]
06.11.2010, 13:24
Chanuka fühlte sich elend. Er hatte die vergangenen Tage nicht gut geschlafen und auch mit voranschreitender Zeit konnte er doch nicht alles verarbeiten, was sich zugetragen hatte. Sein Bruder war tot, seine Mama hatte ihn umgebracht und er und Turién hätten es vielleicht verhindern können. Seine Eltern waren nun nicht mehr seine Eltern, sondern seine Mutter und sein Vater. Aber nicht UND, sondern irgendwie eher ODER. Jedenfalls getrennt. Die Stimmung im Rudel war so erdrückend, dass er sich jedes Mal, wenn er in die Gesichter der Anderen schaute, noch elender als zuvor fühlte. Dazu spielte das Wetter verrückt. Es war plötzlich kalt geworden. Das plötzlich wieder wachsende Winterfell schien ihn um seine letzten Kräfte zu bringen. Er fror, denn so schnell wuchs sein Pelz nicht nach.
Herumliegen konnte er nicht mehr, musste sich bewegen, immer wieder und Bewegen fiel ihm schwer. Er sehnte sich nach der Wärme seiner Mama. Seit sie gestorben war hatte er sie nie so sehr vermisst wie jetzt.
Vor ihm tauchte das Seeufer auf und Malakím, ein Wolf, den er eigentlich gar nicht so wirklich kannte. Er erinnerte sich lediglich an den Tag, als Tascurio starb und dieser Rüde seine Eltern trennte, weil diese sich noch schlimmer verletzen wollten, als sie es ohnehin schon getan hatten. Und er hatte seiner Mutter zur Seite gestanden. Chanuka schien es deshalb richtig, ihm zu vertrauen. Und dazu musste er ihn besser kennen lernen. Er wusste selbst nicht, was ihn plötzlich, nach dem er eher hatte allein sein wollen, so stark zu diesem Rüden hinzog. Vielleicht war es nur, weil er seit einer Weile der erste Wolf war, den er sah. Jetzt wollte er jedenfalls nicht mehr allein sein.
„Hallo Malakím.“
Grüßte er zunächst vorsichtig.
„Weißt du, warum es plötzlich so kalt geworden ist? Und glaubst du das das Nichts zurück kommt, weil der Winter schon wieder den Sommer verschluckt hat?“
[Bei Malakím am See]
07.11.2010, 03:40
Mit dem Ruck in dem Madoc aufsprang als die Fähe über ihn geflogen war hob sich ihr hinterer Teil an und kam mit einem dumpfen Schlag wieder am Boden auf. Avendal riss die Augen auf und keuchte durch die Wucht und den harten Boden unter ihrem Leib. Das er das nicht Böse gemeint hatte wusste Avendal doch der kurze Schmerz erzitterte ihren Körper und erneut stiegen ihr Tränen in die Augen. Sie blinzelte um die überdrüssige Flüssigkeit los zu werden und schloss kurz ihre Augen und schnaubte zufrieden als sie den warmen Atem über ihren Pelz spürte und die Härchen darauf zum Bewegen brachte. Es war angenehm für einen kurzen Moment etwas anderes zu spüren als Wärme und sie öffnete ihre Augen wieder um Madoc ansehen zu können. Träge hob sie ihren Kopf an.
„ Schon in Ordnung. Ich bin ja schließlich einfach über dich her gefallen. “
Sie lächelte matt und ließ ihren Kopf wieder auf dem Boden schlagen, auch das tat höllisch weh, mal abgesehen von der Kälte die sie einfach so umhüllte. Avendals Muskel zitterten und versuchten so wärme in ihren Körper zu bringen, erfolglos. Auf seine Frage hin seufzte sie, sah sie denn so schlecht aus?
„ Ich weiß nicht… ich fühl mich nicht gut und meine Augen tränen! “
Es war als hätte sie es verschrieen denn in dem Moment füllten sich ihre Augen wieder mit Flüssigkeit, es war zum Fell raufen. Wieder einmal zwang sie sich dazu zu blinzeln und konnte ihre Tränen fühlen wie sie in ihr weißes Fell sickerten. Woran das wohl lag? Vielleicht konnte sie mit der Situation doch nicht so umgehen wie sie es erhofft hatte, sie hatte allen vergeben nur Averic hatte sie bisher noch nicht gesehen. Nagte es ihr so an der Seele das es körperliche Ausmaße annahm? Sie musste unbedingt mit ihrem Vater sprechen! So konnte es doch nicht weitergehen, das sie so schlimm aussah!
[Nahe am Rudelplatz | Madoc]
07.11.2010, 15:03
Zu seiner Rechten erklang das frostige Knistern gemächlicher Schritte. Des Schwärzlings Augen ließen ab von den zarten Eisgebilden auf dem Wasser und von den Wellen, die sich ringförmig von seinen stumpfen Krallen ausbreiteten, wo das kalte Nass sie gelegentlich berührte. Müden wirkten sie, denn schwer waren ihm die Lider, aber gleichsam munter war der blassblauer Blick, der sich auf den Näherkommenden richtete. Das leise Lächeln, dass auf seinen Lefzen lag, wuchs deutlich an, dem Jüngling zum Gruße. Auch wenn er es zufrieden gewesen wäre eine Weile allein zu sein, so freute ihn doch die Gesellschaft Chanukas, wie lange sie auch währen mochte. Denn der junge Rüde wirkte noch unentschlossen darüber, ob er bleiben wollte - oder durfte. Dabei war Malakím der Letzte, der jemanden abgewiesen hätte.
"Hallo Chanuka! Komm, setz dich doch zu mir, wenn du magst",
erwiderte er dessen Gruß und lud ihn ein, eine Weile zu bleiben. Leicht legte er den Kopf schief ob der Frage des Jünglings.
"Ich nehme an, es handelt sich um eine weitere Prüfung der Götter",
antwortete er und hob den Blick dann gen Himmel, nachsinnend.
"Aber ich glaube nicht, dass das Nichts zurück kommen wird. Das Nichts war eine Prüfung, und das Rudel hat sie bestanden. Es kennt nun des Rätsels Lösung. Diese Kälte... es ist eine neuerliche Prüfung und damit eine andere als das Nichts."
Sein Blick war derweil zu Chanuka zurück gekehrt. Seine Flanken bebten, als ein unangenehmer Kälteschauder durch seinen Körper lief.
"Und was denkst du, junger Schwärzling, über all dies?",
schloss er eine Frage an und überließ es Chanuka zu entscheiden, was diese Wortwahl alles beinhalten mochte.
[See | Chanuka]
07.11.2010, 17:30
Chardím war froh, als sein Patenonkel ihn auffing und stützte. Er war überhaupt froh, dass dieser schwarze Wolf, zudem er sonst eigentlich keine wirkliche Beziehung gehabt hatte, jetzt für ihn da war. Aber in diesen drei Tagen hatte sich eine Verbundenheit zu ihm aufgezeigt, die ihm vielleicht ein kleines Stück weit das Leben rettete. Es ging ihm schlecht. Die Geister in ihm spielten verrückt, an jenem Tag hatte es angefangen und nun, mit dem Umschwung des Wetters, fühlte er sich nahezu innerlich zerrissen. Als hätte man ihm eine Überdosis von etwas verpasst. Manchmal konnte er nicht mehr klar denken, seine Motorik hatte sich in den letzten Stunden stark verschlechtert. In einer Sekunde war er furchtbar wütend ob seiner fehlenden Kontrolle, wütend auf die Götter, die ihnen allen dies antaten, dann war er wieder so müde und erschöpft, so traurig, dass er sich zusammen rollen und nie mehr aufstehen wollte. Der Teil in ihm, der wütend und stürmisch war, überwog und es schaffte Chardím sehr dagegen an zu kämpfen. Er wollte seine Wut nicht nach außen lassen.
Mühselig richtete sich der Schwarzweiße wieder auf, gab allerdings ein recht klägliches Bild ab. Die Rute hing schlaff zwischen den Hinterläufen herab, die Ohren waren gekippt, der Kopf gesenkt. Außerdem fror er, obwohl er älteren Wölfen gegenüber noch einen kleinen Vorteil hatte. Als Jährling besaß er trotz der Sommerzeit einen noch einen etwas dickeren Pelz als die älteren Artgenossen. Auf Jakashs Worte hin nickte er kurz und sah an dem Schwarzen vorbei.
„Lass uns noch bis zum Bach gehen, ja?“
Er trat ein paar Schritte vor, wieder an Jakashs Seite heran, da er wusste, dass seine rechten Läufe jederzeit wieder einknicken konnten. Es machte ihn auch wütend so viel Schwäche zeigen zu müssen. Er wusste, dass es auch einigen anderen Wölfen nicht sehr gut ging, aber in ihm spielte einfach alles verrückt.
[ In der Nähe des Baches | Jakash ]
07.11.2010, 17:37
Hatte sie mit einer anderen Antwort gerechnet? Hatte sie überhaupt mit irgendetwas gerechnet? Bei genauerer Überlegung wurde ihr bewusst, dass sie nicht wirklich darüber nachgedacht hatte, was die Jungfähe neben ihr antworten könnte. Es war wohl eher so ein Gefühl gewesen, was ihr die Unwissenheit von Aléya verraten hatte und sie somit nicht in Erstaunen hatte verfallen lassen. Wobei sie sich eigentlich wundern sollte, schließlich hatten Urion und Takashi sich doch auch immer daran erinnern können, wenn sie ihrem Fluch verfallen waren. Vielleicht war das hier doch etwas anderes und sie konnte Aléya gar nicht helfen. Wenn sie dies überhaupt konnte, vielleicht konnte sie ihr auch einfach nur ihr angesammeltes Wissen weitergeben, in der Hoffnung, dass Aléya selbst irgendetwas damit anfangen konnte.
Im Kopf ging sie nochmals die Einzelheiten der skurrilen Jagd bis ins kleinste Detail durch. Sie erinnerte sich, wie sie erst alleine war. Dann kam Aléya dazu, es war merkwürdig, dass sie zu zweit geblieben waren, aber anscheinend hatten die anderen den aufziehenden Sturm schon vorher bemerkt. Da die von ihnen ausgesuchte Hirschkuh recht schwach war, hatte sie sich jedoch keine Sorgen gemacht. Sie wusste, dass sie die Kuh zu zweit erledigen konnten. Doch wahrscheinlich hätten sie dies auch geschafft, wenn die Kuh gesund gewesen wäre. Das wäre dann weniger ihr selbst, als Aléya zu verdanken gewesen.
Vor ihrem inneren Auge wiederholte sich das Spiel des Todes. Aléya, wie sie aufholte, wie ihr Körper in einer kaum glaubhaften Perfektion genau zu wissen schien, was von ihm verlangt wurde. Bilder, wie die Fähe sprang, genau landete und ihre Zähne schließlich tief in dem Fleisch des anderen Tieres versenkte. Jeder andere Wolf hätte triumphiert und das Fleisch von dem toten Tier gerissen, doch Aléya hatte anderes vor gehabt. Fast schon hektisch hatte sie begonnen das Blut zu lecken, welches aus den Wunden hervorquoll. Immer mehr riss sie die Wunde auf und labte sich an dem roten Saft.
Spätestens da hatte Sheena keinerlei Interesse mehr an dem erledigten Tier, unter anderem mussten sie den Schauplatz auch möglichst schnell verlassen. Der aufziehende Sturm hatte alles weitere unterbunden.
Doch nun hatten sie Gelegenheit zu sprechen.
„Dieses Brennen, wie du es beschreibst, dieser schier unbändige Durst. Kanntest du einen Wolf der dies ebenfalls hatte?“
Soweit sie sich recht entsinnen konnte, hatten sie keinen Wolf mehr im Rudel, der einem solchen ‚Blutrausch’ verfallen war. Urion war gestorben, Takashi hatte sich von seinem Fluch befreit und ansonsten hatte sie nur vage am Rande mitbekommen, dass Aryan etwas Ähnliches gehabt haben soll. Da sie allerdings keinerlei Kontakt zu dem Rüden gehabt hatte, wusste sie nicht inwieweit dies der Wahrheit entsprach. Aber dies müsste Aléya ihr eigentlich als Patenwelpe des schwarzen Wolfes erzählen können.
Sollte sie erst auf die Antwort der Fähe warten oder ihr gleich von Urion und dem Fluch erzählen. Dies würde sie wiederum langweilen, wenn sie die Geschichte schon kannte. Aber eigentlich- wie lange war Urion nun verstorben?- gab es keinen Grund, sie über den Fluch in Kenntnis gesetzt zu haben.
„Der beste Freund meines Ziehvaters, war verflucht. Ebenso sein Bruder. Urion ist bereits verstorben, Takashi jedoch lebt noch hier, in diesem Rudel. Kennst du ihn?
Dieser Fluch erinnert mich an deine Reaktion auf den Geruch von Blut. Urion hat gewütet, viel, viel schlimmer als du, und er dürstete stets nach Blut. Er hatte es nur eine kurze Zeit geschafft, diesen Durst unter Kontrolle zu bekommen, letztendlich…“ was erzählte sie dieser gerade mal einjährigen Fähe?
„war Takashi es, der sich von dem Fluch befreien konnte.“
Da hatte sie ja noch so gerade die Kurve bekommen. Sollte Aléya die Geschichte aus irgendwelchen unergründlichen Gründen schon kennen, dann war es immerhin nicht sie, die der Fähe womöglich noch Angst einjagte.
Allerdings glaubte sie sowieso, dass es sich hierbei nicht um den Fluch handelte, den Urion und sein Bruder gehabt hatten. Es war zwar ähnlich gewesen, aber eben nicht gleich.
Gespannt blickte sie die Jungfähe aus halb geschlossenen Lidern an. Vielleicht würde sie noch weiteres aufklären können, damit sie mehr differenzieren konnte.
Wobei ihr das nachdenken und reden unglaublich schwer fiel. Eigentlich wollte sie einfach nur schlafen. Aber da musste, und wollte, sie nun durch.
[Aléya]
07.11.2010, 19:20
Ein Mensch würde die aktuelle Temperatur mangels eines Körperpelzes als "arschkalt" beschreiben, und auch Caleb war gewillt, dieses Wort zu benutzen - trotz seines Fells. Aber es war ganz einfach viel zu dünn, verflucht nochmal, so als trüge er gerademal Boxershorts und Hemd. Ohne Socken! Pfotenballen waren zwar nicht so empfindlich wie nackte Füße, und Caleb war dankbar dafür, aber die Kälte stach dennoch in den Sohlen. Was gäbe er jetzt nicht alles für ein paar warme Winterklamotten! Er könnte die Verwandlung zulassen, sich in die warmen Sachen kuscheln und... tja, und würde wohl von einem Haufen erschrockener Wölfe zerrissen werden. Tolle Aussichten. Und schon platzte der Tagtraum von Rollkragenpullovern und gefütterten Jacken...
Ach, verdammter Mist, verdammter!
Wenigstens half das Laufen ein wenig gegen die Kälte. Allein die Vorstellung, sich mit dem fast ungeschützten Bauch auf den raureifüberzogenen Boden zu legen, ließ Caleb sich vor Kälte schütteln. Nein, das kam nicht in Frage, bevor er nicht hoffnungslos übermüdet war und nichteinmal mehr im Sitzen würde schlafen können! Er würde sich ja den Tod holen! Wenn er das nicht sowieso schon tat, hieß das natürlich.
Verwirrt blieb der junge Werwolf stehen. Seine Ohren zuckten von ganz alleine und peilten zwei Stimmen an, die in der eisigen und damit klaren Luft aus einiger Entfernung zu ihm herüber drangen. Eigentlich wollte er jetzt, da Minyala gerade nicht in der Nähe war, nicht unbedingt auf andere Wölfe treffen - er wusste, er machte immernoch zuviel falsch. Aber da war ein Wort gefallen, dass seine Aufmerksamkeit erregt hatte und ihn nun nichtmehr los ließ: "Fluch". Was wussten diese Wölfe, die sich da unterhielten, von Flüchen? Und.. sprachen sie vielleicht etwa direkt über ihn?! Wussten sie bescheid?! Caleb konnte nicht anders, als diesem Gedanken nachzugehen. Langsam näherte er sich den beiden Wölfinnen, wobei sich sein Körper von ganz allein darauf einstellte, dass er leise sein wollte. Er schlich, aber völlig unbewusst. Und je näher er kam, desto klarer wurde, dass sie nicht über ihn sprachen, sondern über andere Wölfe, die irgendwie auch verflucht waren - oder es gewesen waren, ganz sicher war er da nicht...
[in Hörweite von Sheena und Aléya, sich nähernd]
07.11.2010, 19:28
Lächelnd sah Lyerra die jüngere Fähe an, die wohl kaum still stehen konnte. Gerne wäre sie mit ihr gerannt, hätte ihre Energie verbraucht, doch erstens hätte Atalya vermutlich viel länger durchgehalten und zweitens hörte sie Schritte auf sich zukommen.
Blitzartig schnippte ein weißes Ohr in die Richtung des Fremden und hörte seine Worte. Zwar keine schöne Begrüßung, aber Lyerra behielt ihr Lächeln bei, lächelte dem Fremden freundlich zu. Er war wirklich ein fremder, vielleicht hatte sie ihn schon mal gesehen, aber seinen Namen kannte die Weiße nicht.
Die Stimme des Rüden war zaghaft, leise und vielleicht etwas schüchtern.
„Weißt du Ráyon, ich denke nicht dass es eine wirkliche Krankheit ist. Eine Krankheit würde nicht die einen Krank und müde und die anderen“
Sie deutete auf Atalya
„hibbelig und kraftvoll machen“
Freundlich lächelte sie der jungen Fähe zu, zeigte ihr dass sie es nicht böse meinte mit dem Wort ‚hibbelig’. Zu Atalyas Frage sagte sie dann:
„Wie ich bereits sagte, ich bezweifele dass es eine solche Krankheit gibt. Vielleicht ein Geschenk von euren Göttern, vielleicht wollen sie euch zeigen, dass einiges schief läuft.“
Die Weiße sagte extra nicht ‚unsere Götter’, weil sie ja ungläubig war und zudem auch wenig über die Götter dieses Tals wusste.
Liebevoll betrachtete sie die Jungfähe noch einmal, dann wandte sie sich an Ráyon.
„Ich bin Lyerra. Willkommen hier. Bei wem warst du die letzten drei Tage denn?“
Fragte sie, die Stimme wie fast immer ruhig und freundlich. Der Rüde selbst schien ziemlich ruhig zu sein, es würde nichts bringen sich zu verhalten wie sie es bei Ethelion vielleicht getan hätte.
„Was ist mit dir? Ich schätze du gehörst du denen, die sehr müde und entkräftet sind, aber was ist mit deinem Hinterlauf?“
Fragend blickten ihre grünen Augen ihn an, musterten ihn.
07.11.2010, 21:19
Bei Jakash und Chardím:
Mit einem Mal wurde es dunkel um Jakash. Nicht schwarz, er konnte Konturen erkennen und auch Chardím neben ihm stach überdeutlich mit pechschwarzem Fell hervor, aber alles war schlechter zu erkennen. Die Welt verzerrte sich. Seine Augen leuchteten rot. Und dort hinten, ein paar Rutenlängen entfernt erhob sich ein dunkler Schatten, noch dunkler als die Nacht, dessen rote Augen Jakash blendeten.
07.11.2010, 22:24
Es erleichterte Tyraleen beinahe, als Kisha ganz selbstverständlich neben ihr Platz nahm und sich an ihre Seite schmiegte um Wärme und Trost zu spenden. Eine so normale Geste innerhalb einer Familie nach einem schlimmen Ereignis und doch war Kisha – die Kisha, die sie doch alle nicht mehr erkannt hatte! – die erste, die ihrer Schwester dieses Geschenk machte. Dankbar und mit einem leisen Fiepen kuschelte sie sich an das schwarze Fell und genoss die Wärme, die langsam zu ihr kroch. Die Antwort ihrer Schwester klang genauso schwach wie vorher schon und auch wenn sie nicht ganz beschreiben konnte, wie es ihr ging, meinte Tyraleen doch ganz genau zu wissen, wie sich Kisha körperlich fühlte. Kalt … schwach und müde. Die Weiße wusste darauf keine Antwort, ihre Schwester würde kaum übersehen können, dass es ihr ähnlich ging. Nur wohl noch ein bisschen schlimmer, schließlich hatte Kisha niemanden umgebracht. Allerdings hatte die Schwarze auch keinen Sohn, den sie hätte töten können … sie hatte ja nicht einmal mehr eine richtige Familie. Nur das, was sich als solche ausgab. Und um dem ganzen ein Krönchen aufzusetzen war diese Familie auch noch komplett durchgedreht. Für Kisha sah es auch nicht sehr rosig aus.
Das Schweigen legte sich nicht direkt unangenehm aber seltsam getränkt von Spannung über die beiden Fähen. Tyraleen wusste nicht, was sie aus dem Blick ihrer Schwester lesen sollte, am ehesten Unglaube, ganz so, als wüsste Kisha nichts von den Vorwürfen und Befürchtungen der anderen Rudelmitglieder. Nicht zuletzt Aszrem hatte klar gemacht, dass sich Tyraleen Neruí nicht mehr nähern dürfte, sie könnte sie ja im nächsten Moment töten wollen. Es tat noch immer furchtbar weh, wenn die Weiße an diese Worte ihres Vorbilds dachte. Doch die sanfte Geste ihrer Schwester vertrieb diese Gedanken; voller Schwäche und doch erfüllt mit Zuneigung. Trost und Zeichen des Unterstützens in einem. Kisha hatte sich nicht abgewandt. Ihre Worte waren wie warmer Sommerregen, der einem streichelnd durchs Fell perlte.
“Ist es nicht bitter, dass gerade diejenige, die nichts mehr von unserer gemeinsamen Vergangenheit weiß - von all dem Glück, das man zusammen erlebt und die Liebe, die man ineinander gefunden hat – mir verzeihen kann und diejenigen, die mich seit meiner Geburt kennen und mit denen ich mein ganzes Leben zusammen war, mich verstoßen und glauben, ich würde jeden töten, wenn es mir befohlen wird?“
Ihr Blick wandte sich von Kisha ab, musste kurz angestrengt auf den Stein starren, um sich nicht von diesem Gedanken gefangen nehmen zu lassen. Sie war froh, dass ihre Schwester weiterredet und ihr das Herz noch ein wenig leichter machte. Bei ihr klang es so einfach, als müsse man den Wölfen nur genau das sagen und alle würden Tyraleen verzeihen. Wie viele von ihnen hätten ihren Sohn für ihren Gefährten getötet? Aszrem? Wenn er sich hätte entscheiden müssen … hätte er wirklich Neruí gewählt? Und Averic? Hätte er sie wirklich in den Fängen ihres Sohnes sterben lassen? Wer von ihnen hätte die Stärke gehabt, in dieser Schreckenssituation den Weg zu wählen, an dessen Ende wirklich der Tod ihres Gefährten stehen könnte? Sie hätte das gerne Averic gefragt, doch kaum spürte sie die Wut wieder aufwallen, schob sie auch diese Gedanken zur Seite.
“Danke, Kisha. Ich wüsste gar nicht, was ich tun sollte, gäbe es nicht so liebe Wölfe wie dich. Aus dieser Sicht erscheint es so logisch und doch scheinen so viele nicht darüber nachdenken zu wollen. Als wäre ich ein Monster …“
Sie erinnerte sich daran, wie sie dieses Wort bereits zu Averic gesagt hatte … und er ihr danach das Gegenteil klar gemacht hatte. Er hielt sie für ein Monster, für jemanden, der seinen Sohn umbrachte, weil er Spaß daran hatte. Wie konnte er nur, wie … wieder wallte die Wut heiß durch ihren Körper und erneut unterdrückte sie sie. Das brachte doch alles nichts. Es machte sie nur noch unglücklicher und es war nicht richtig angesichts ihrer Trauer über Tascurio. Im Gedenken an ihn sollte sie keine Wut verspüren. Sie sah wieder zu Kisha, deren sanfte Gesten ein leichtes Lächeln hervorgezaubert hatten.
“Wie ist es, wenn man meint, einen Wolf zu kennen und sich doch nicht an ihn erinnern kann? Wenn ein ganzes Rudel behauptet, es wäre deine Familie, doch du kennst keinen von ihnen? Und jetzt, wo du uns glaubst und doch nicht weißt, wie es war, als ich als kleiner Welpe zu dir gesprungen bin?“
[ Himmelsfelsen | Kisha ]
08.11.2010, 08:52
(Jeder Nicht-Fenris-Wolf, der sich ein wenig Action wünscht, möge jetzt auf Jakash treffen XD Dieses Angebot gilt (wahrscheinlich) nur für kurze Zeit ^.~)
Sein Blick glitt zum Bach, der nicht allzuweit entfernt war. Chardím war immernoch wacklig auf den Beinen, aber das kleine Stück würde er schon noch schaffen. Jakash setzte sich wieder in Bewegung und passte sich dem Tempo des Jungwolfes an, um ihn jederzeit wieder auffangen zu können. Zum Glück war sein Patensohn nicht zu stolz seine Hilfe anzunehmen und auch zu suchen, das machte es wesentlich einfacher.
"Okay, wie du möch-"
Jakash brach mitten im Satz ab, als die Dunkelheit ihn überfiel. Das Ziehen in seiner Brust wurde zu einem Ruck, bei dem er das Gefühl hatte, sein Innerstes würde nach Außen gerissen. Abrupt blieb er stehen, als wäre er gegen einen unsichtbaren Stamm gelaufen. Vor seinen Augen verzerrte der Sturm die Welt, aber diesmal war alles viel finsterer als sonst. In schwarzem Licht leuchtete Chardím neben ihm, aber auch er selbst strahlte dieses Unlicht. Die Kälte störte ihn nicht länger, im Gegenteil - sie kroch in ihn hinein, ballte sich und nun war er selbst es, der Kälte ausstrahlte. Einmal schon hatte er das erlebt und hätte beinahe Rakshee etwas Furchtbares angetan... Nur diesmal war es schlimmer. Stärker. Aber auch Jakash war stärker geworden, und so kämpfte er dagegen an.
'Ich will nicht...'
Blutiges Licht leuchtete ihm entgegen, zog seinen Blick wie magisch an. Da stand ER. Der finsterste Schatten von allen, hoch aufragend, majestätisch. Fordernd. Befehlend.
'Ich will nicht...'
Er spürte, wie er eine Pfote vor setzte, und versteifte sich. Jakash krümmte sich wie unter Schmerzen, als er sich gegen den Zwang stemmte und doch nicht völlig verhindern konnte, dass seine zum zerreißen gespannten Muskeln ihn langsam aber sicher vorwärts trugen.
"Ich..."
War es Tyraleen so ergangen? War Fenris mit solch plötzlicher macht über sie gekommen, dass sie sich nicht hatte wehren können? Er konnte sich jetzt wehren, aber damals, als Fenris ihn das erste Mal verleitet hatte... Hätte Engaya Rakshee nicht beigestanden, er hätte sie verletzt ohne zu zögern. Oder Schlimmeres...
"...will..."
Was, wenn ein Wolf jetzt seinen Weg kreuzte? jakash wusste nicht, ob er würde standhalten können. Und Chardím? Warum hatte er ihn dann noch nicht angefallen? Die Erkenntnis schoss durch sein bewusstsein, kaum dass er die Frage zuende gedacht hatte. Schwarzes Leuchten, rote Augen... Chardím war ein Gleichgesinnter. Und Fenris hatte nichts davon, seine eigenen Diener sich gegenseitig anfallen zu lassen. Jeder andere Wolf jedoch...
'...nicht!',
brachte er den Satz gedanklich zuende. Aber zum Sprechen reichte es nicht mehr.
[nahe des Baches | Chardím (und gleich ein freiwilliges Opfer? XD)]
08.11.2010, 11:54
(wenn irgendwas nicht passt einfach Bescheid geben, sitz grad im Praktikum und hatte Zeit für nen Post, hihi ;D )
Mit halb geschlossenen Augen hatte sie einen kleinen Schmetterling außerhalb des Reviers beobachtet. Er hatte seine bunt melierten Flügel gespreizt und war geflogen. Wie schwerelos war er gen Himmel gestiegen und hatte sie zurück gelassen. In dieser Kälte, in dieser verwirrenden Einsamkeit. Seit der Bekämpfung des Nichts hatte sich die Dunkle am Rand des Rudels aufgehalten, ihre lapislazuliblauen Augen aber dennoch wachsam auf ihre Familie gehalten. Die Wölfe hatten glücklich gewirkt, sie hatten die Aufgabe der Götter gemeinsam bestanden – sich als sichere Einheit bewiesen und man hatte es ihnen gedankt. Das Revier war nach ihren Vorstellungen neu entstanden und auch Parveen war versucht gewesen, ein Teil des Ganzen zu werden. Mit fest zusammengepressten Lidern hatte sie versucht ihre Träume zu träumen und die Heimat ihrer Eltern neu zu erschaffen, doch was sie sah war..Nichts. Als hätte das Nichts sie ihrer Wünsche beraubt, ihr die Fähigkeit zu träumen genommen – doch das war (auch wenn sie anderes dachte) nicht der Grund jener Schwärze. Parveen lebte für die Wünsche der Anderen, bildete ihren Charakter auf Sehnsüchten ihrer Liebsten – doch was, wenn eine andere, viel mächtigere Macht diese unterdrückten Wünsche (zumindest für den Moment) erfüllte? Seit dem Tod ihrer Eltern hatte die Nachtschwarze aufgehört für sich zu hoffen, zu leben und zu atmen – sie tat es für andere, gab sich so, wie Andere sie brauchten. Friedliebende Vermittlerin oder intriganter Zwiespalt – doch was war sie wirklich, wie war sie wirklich? Jeder Wolf hätte ihr Innenleben wohl mit anderen, teilweise vollkommen gegenteiligen Adjektiven bestückt, eines jedoch traf sie in ihrem derzeitigen Gemütszustand am besten; verblendet.
Seufzend richtete sich die junge Fähe auf, streckte ihre Glieder und ließ den Blick anschließend musternd über die wilde Landschaft wanden. Es gab viel zu tun, endlich. Mit fast welpengleicher Erwartung in den blauen Augen setzte sich die Tochter Banshees in Bewegung – ihr Ziel war klar, ebenso ihre Absicht. Einzig ihr Verhalten würde sich in den nächsten Augenblicken entscheiden. Mit einem sanften, ehrlichen Wolfslächeln auf den samtenen Lefzen trat sie schließlich auf ihre Schwestern zu. Schwestern wiederholte sie das Wort in Gedanken.
„Ich glaube dir.“
Sie wusste nicht worüber die beiden geredet hatten, oder ob sie störte – sie wusste nur, dass Tyraleen sie jetzt brauchte. Ihr Vertrauen und ihren Zuspruch. Natürlich war auch Parveen über die schreckliche Vision ihrer Schwester unterrichtet worden, wusste von dem daraus entstandenen Unglück. Aber sie waren Familie. Langsam und vorsichtig – als könnte sie den Moment zerstören – trat sie an die andere Seite Tyraleens. Schwarz und schwarz flankierte weiß, ein durchaus schönes Bild, welches allerdings in Anbetracht der Ursache an Bedeutung verlor. Sanft drückte sie ihre pelzige Nase an das Brustfell ihrer Schwester, ihre Rute pendelte locker hin und her.
„Ich glaube, das Nichts hat meinen Kopf mitgenommen.“
Stellte sie mit einem ungewöhnlich freudigen Lächeln fest. Vollkommen aus dem Kontext gerissen stand ihre Behauptung im Raum, doch das machte nichts. Sie wollte nur, dass Tyraleen wusste, dass ihr Verbrechen nicht das Einzige war – abgesehen davon hatte sie so die Möglichkeit zu überprüfen, was ihre Schwester nun brauchte. Ablenkung oder nachhaken. Noch immer lächelnd hob sie den Kopf, versuchte so auch einen Blick auf das dunkle Familienmitglied zu erhaschen. Wie es wohl war, so ganz ohne Erinnerung?
[Himmelsfelsen | Kisha & Tyraleen]
08.11.2010, 15:34
Chanuka kam Malakíms Einladung gerne nach und setzte sich zu ihm. Ein bisschen Neugierde lag in den bernsteinfarbenen Augen verborgen, ansonsten nur die übliche offene Freundlichkeit und seine typische Zurückhaltung. Er wollte nie zu aufdringlich sein, dabei war es lange her, dass er nicht wusste, ob er zu den anderen Wölfen gehörte. Inzwischen war er ein ganz normaler Teil des Rudels. Das Kommen und Gehen würde irgendwann dafür sorgen, dass sich niemand daran erinnerte, dass er der verstoßene Welpe war, der nicht bei seiner Mutter bleiben konnte. Er hatte, wenn er genauer darüber nachdachte, keine Ahnung wie dies von außen gewirkt haben musste.
„Ich glaube, dass wir schon genug Prüfungen durchstehen mussten und ich habe Angst, dass dieses mal alles vorbei sein wird. Ich meine… ich habe eigentlich keine Angst um unser Leben, auch wenn es schrecklich ist, was um uns herum geschieht. Der Nachwuchs der Hornträger stirbt, überall gehen Jungtiere zugrunde… Die Konsequenzen werden wir irgendwann tragen müssen, aber ich hab viel mehr Angst davor, dass, egal was kommt, meine Familie für immer kaputt ist.“
Er sah Malakím direkt an, als hoffe er auf beruhigende Worte, obwohl er sie doch nicht hören wollte. Er war kein Welpe mehr und so wenig wie er wirklich Gelegenheit hatte Welpe zu sein, beraubte man ihn nun seiner Jugend. Damals schien es das schwerste zu sein, damit umzugehen, dass er falsch war, doch jetzt konnte er sich nichts Schlimmeres vorstellen, als die Trennung seiner Eltern und den Tod seines Bruders. Wieder waren ihm die Probleme über den Kopf gewachsen, trotz Selbstständigkeit und obwohl er auf sich allein gestellt leben könnte. Es erschien ihm unmöglich, damit fertig zu werden, dass es seine Eltern nie wieder als Ganzes geben könnte.
„Weißt du… alles sieht so aussichtslos aus. Die Gemüter beruhigen sich vielleicht, aber was geschehen ist lässt sich nicht ändern und was gesagt wurde lässt sich auch mit einer Entschuldigung nicht rückgängig machen. Letztlich wird es doch immer irgendwie da sein und kann im entscheidenden Moment wieder zuschlagen. Ich kann die Bilder auch nicht wegschließen. Wenn ich die Augen schließe höre ich immer noch die wütenden Stimmen…“
[Bei Malakím am See]
man sind wir guuut xD *sich einreiht in die Nachtrager*
08.11.2010, 17:50
Auch Caylee nahm das Angebot der Versöhnung gerne an und sprach nun nicht mehr so unfreundlich mit ihr. Im hintersten Teil Rajas wuchs eine kleine Flamme auf, die ein Mögen der weißen Fähe mit den blauen Augen darstellte und wurde noch mehr entzündet, als Caylee mit der Rute wedelte und sich ebenfalls hinsetzte. Ein friedliches Grinsen tat sich somit auf der trauernden Fähe auf und verdrängte für kurze Zeit den Verlust und die Schmerzen in ihrem Herz. Raja merkte wie sehr ihr doch ein Rudel fehlte und das wärmende Gefühl was von einem Mitglied ausging den man mochte. Die lange und einsame Wanderung hatte dieses Gefühl des Zusammenhalts und der Nächstenliebe völlig verdrängt und nun schien es hier, in diesem Tal, wieder aufzusteigen. Doch Raja wollte so schnell noch keine Voreiligen Schlüsse ziehen. Ihre Erfahrung hatte sie in den vielen Jahren gelehrt dass nicht jeder Diamant auf Anhieb so schön glänzte wie er sich zu Anfang gab. Schnell wurde er stumpf oder zerbrach in tausend Teile, wenn man ihn nicht richtig behandelte oder gar falsch. So wurde aus der Freude oft Trauer und Schmerz und man bekam am Ende gerade dass, was man eigentlich nicht wollte. Einsamkeit.
Nun erschien auch die andere Fähe aus dem Gebüsch und zeigte ihr Schwarzes Kleid und die blauen Augen. Ein herrlicher Kontrast, so stellte Raja fest. Wie die Nacht und der Ozean. Dachte sie sich und hörte den spöttigen Worten Hilel, wie sie sich nannte, zu. Sie war um einiges unfreundlicher als Caylee am Anfang. Doch sie versuchte es mit einem angedeuteten Knicks wieder grade zu rücken, so dachte Raja. Es war auch nicht verwunderliche wie die beiden weißen Fähen reagierten und in ihren Worten ebenfalls keinerlei Sympathie heraus zuhören war. Die Schwarze erinnerte Raja stark an ein Rudelmitglied in ihrem alten Rudel, wo sie mit ihrem Gefährten gelebt hatte. Er war ebenfalls nicht grad gut gelaunt in ihr Rudel eingetreten und zeigte kein Interesse für die Anderen. Jedoch taute er mit der Zeit und in dem Rudelleben auf und wurde von mal zu mal freundlicher. Diese Erkenntnis hatte Raja damals beigebracht, auch einen unfreundlichen Wolf eine Chance zugeben und ihn nicht sofort zu missachten. Drum sprach die Weiße mit dem Knickohr nun freundlich auf alle Anwesenden ein.
„So lasst sie uns doch erst einmal kennen lernen und den Grund für ihr ungehobeltes Benehmen und der nicht grad gut gesinnten Wortwahl herausfinden. Ich bin mir sicher, dass auch in ihr ein Wolf steckt, der sich zu benehmen weiß. Fast jeder ist manchmal, in der ersten Situation, nicht friedlich gestimmt. Sei es nun durch das scheußliche Wetter oder das einsame Wandern. Auch ich war euch bei meinem ersten Satz nicht wohl gesinnt und habe doch schnell meine guten Manieren wieder gefunden“
Dann sprach Raja nur zu Hilel.
„Hallo Hilel, ich bin Raja und möchte gerne wissen von vorher du kommst und wie lange du schon unterwegs bist. Wenn es dir nicht ausmacht, so setze dich doch zu uns. Mit der Zeit werde ich es leid sein zu dir zu schreien. Ich habe es gern, wenn meine Gesprächspartner bei mir sind und nicht ein paar Meter von mir weh sitzen.“
Sagte sie mit einem kecken Lächeln auf den Lippen und einem schief geneigten Kopf. Diese Geste sollte für Hilel freundlich und einladen wirken und keinesfalls belustigend. Wie die Schwarze jedoch entschied, lag nicht in der Macht Rajas.
[Caylee, Adsini, Hilel] sorry^^
08.11.2010, 19:38
Die vorrangegangen Tagen hatten Volk scheinbar mehr Kraft gekostet, als er dachte. Er war in letzter Zeit ständig Müde und konnte sich nur mit Mühe überreden aufzustehen, wollte aber auch nicht allzu lange an einem Ort verweilen. Schließlich war er noch immer neu und zudem hatte er noch immer keine wirkliche Berechtigung im Tal zu Leben. Deshalb ging der Rüde so gut wie es nur ging den anderen Wölfen aus dem Weg, schlich auch mal zum Rudelplatz um sich offiziell vorzustellen, aber drehte dann wieder um. Zurzeit gab es keine festen Strukturen mehr im Rudel, es schien zu alles auseinander zu brechen. Schlimm genug das dass alles passierte, aber schlimmer war die Unruhe und Kälte, die sich scheinbar auf das Tal übertragen zu schien.
Eigentlich konnte Volk Zubami Kälte gut abschirmen, doch zum ersten mal in seinem Leben, drang sie durch seinen Pelz, bis in sein Herz. Es war keine normale Kälte wie er, sie vom Winter kannte, es war reine Gefühlskälte. Langsam machte er sich auf den Weg zum Bach und philosophierte mit sich selbst über die Situation. Der Rüde musste etwas trinken, denn seine Kehle stach schon vor Durst. So lief er langsam und müde den Pfad entlang zum Bach, setzte sich hin und wieder um sich auszuruhen und dachte über das Geschehene nach. Alles war so kompliziert, so unbarmherzig schwer und doch gehört das alles zum Leben dazu.
Langsam kam er dem Bach näher, doch hatte er in einiger Entfernung zwei Wölfe gesehen und versteckte sich hinter dem nächsten Baum. Volk wollte nicht riskieren von denen angegriffen zu werden, als „Rudel-Fremder“. Den einen musste der Rüde schon kennenlernen, diesen Jakash, er war ihm mehr als unsympatisch, weil er so tat als wäre er ganz groß, naja vielleicht musste der Schwarze ihn auch nur näher kennenlernen. Der andere allerdings war ihm gänzlich unbekannt, wäre Volk ihm begegnet, könnte er sich sicherlich an dieses aussergewöhnliche Muster des Felles erinnern. Sowas hatte selbst dieser, schon weit gereiste Wolf, noch nie gesehen. Volk schätzte seine Chancen ab, ob ungesehen an den Bach schleichen könnte um etwas zu trinken. Aber da die beiden relativ weit entfernt schienen und sein Durst so groß, war ging er zum Bach. Ausserdem waren sie miteinander beschäftigt, also würde der Schwarze unbemerkt bleiben. Das Wasser war sehr kalt, aber es tat gut und spülte die Müdigkeit wenigstens etwas fort. Volk fragte sich, wie er sich am besten integrieren könne, um sich nicht immer wieder verstecken zu müssen.
„Naja, ich kann ja mal mit Jakash sprechen, wenn ich ihn schon mal treffe. Er kennt mich schließlich schon.“
So lief der Rüde doch zu den beiden um das Gespräch zu suchen.
[Am Bach | in einiger Entfernung Chardím und Jakash]
09.11.2010, 15:01
Still lauschte die junge Fähe den Worten ihrer Jagdleiterin, während sie versuchte, ihre Gedankengänge aus ihrem Gesicht abzulesen. Obwohl ihrer doch seltsamen Worte war Sheena kein bisschen überrascht. Es schien mehr, als hätte sie mit einer solchen Antwort gerechnet. Verblüffung war in ihren klaren Seelenspiegel zu sehen. Konnte dies bedeuten, dass Sheena über alles Bescheid wusste, was mit ihr vor ging?
Andererseits: was, wenn sie es wusste und ihr erklärte und… es schrecklich war? Wenn in diesem Augenblick etwas Schlimmes mit ihr vorging, was sie jetzt noch nicht ahnte. War es da nicht besser nichts zu wissen und jugendlich ahnungslos zu bleiben.
Das Für und Wieder machte die Jungwölfin nur noch mehr konfus. Sie wusste schon nicht, was sie mit all den Dingen, die mit ihr geschahen, etwas anzufangen. Wie sollte sie dann abschätzen können, was in dieser Situation besser war.
Nachdenklich zupfte sich die Helle an einer Kralle, knabberte mit den schärferen Eckzähnen daran herum. Wie würde Aryan oder ein anderer Erwachsener in ihrer Situation handeln. Blöd war nur, dass sie Aryan weder fragen konnte, noch das einer der anderen Erwachsenen in ihrer Lage steckte. Sie musste ganz alleine für sich entscheiden und je nach dem, wie ihre Entscheidung ausfiel, konnte es, bisher noch unbekannte, Konsequenzen geben. Grübelnd und mit gerunzelter Stirn blickte die Weiße nur auf die mit Raureif überdeckte Erde vor sich, während ihr Gesichtsfeld langsam verschwamm. Vor ihrem geistigen Auge rief sie sich noch mal die wichtigsten Bilder und Fakten in Erinnerung, vielleicht konnte sie so schon ein Mal für sich eine klare Lösung finden, was nun zu tun war.
Da war nun in erster Linie jener Tag, als sie mit einem der Welpen im Wald gespielt hatte. Sie selbst hatte sich zwischen Wurzeln versteckt und war dort kurz eingeschlafen. Als sie erwachte, war sie alleine im Wald. Sie konnte sich daran erinnern, dass ihr die vielen unheimlichen Schatten Angst gemacht hatten und als dann ein Geräusch im Gebüsch hinter ihr erklang, in dem auch noch zwei leuchtend rote Augen zu sehen waren, war sie blindlings und kopflos aus dem Wald gestürzt. Eine solche Angst hatte sie noch nie zuvor gespürt und beseelt von dem Wunsch nicht zu sterben, hatte sie nicht darauf geachtet, wo sie hin lief. Als sie stolperte wäre sie beinahe in das Nichts gefallen, welches zu jenem Zeitpunkt das Tal bedrohte – hätte Aryan sie nicht gerettet. Plötzlich kam ihr großer, schwarzer Ziehvater aus dem Wald gestürzt, war in der nächsten Sekunde an ihrer Seite und riss sie mit einem Ruck zurück. Als er sie packte, hatten sich seine Zähne hart in ihr Fleisch gebohrt, doch der Schrecken war viel zu groß für die Welpin gewesen, als dass sie dem viel Beachtung geschenkt hätte.
Möglicherweise war dies ihr Fehler gewesen. Denn wenn sie genau darüber nach dachte, hatte alles an jenem Tag begonnen. Aryan hatte ihr nicht viel erzählen können, nur das er ein Anhänger des Todesgottes Fenris war und was sie selber von den Göttern wusste. Leise seufzte sie.
„Mein Ziehvater Aryan… er hat mir ein Mal davon erzählt. Aber leider nicht viel. Er sagte nur, dass er durch das Blut an Fenris gebunden ist.“
Aus der Unsicherheit wurde ein bisschen Angst, als Aléya den Blick anhob und Sheena anblickte.
„Meinst du… das auch ich…“
Ihre Stimme versagte, hatte sie doch keine Ahnung von den Göttern, doch die Aussicht an den Todeswolf gebunden zu sein und ihr Leben lang im Blut zu waten, bereitete ihr auch jetzt wieder große Angst. Sie war doch noch jung, wie konnte ein Gott da schon wissen, was aus einem Wolf wurde? Oder waren es die Gotteheiten selber, die bestimmten, welchen Pfad ein Wolf einschlug.
Ein leichtes Zittern fuhr durch den schlanken Körper, die Ohren angelegt, presste Aléya wieder ihre Schnauze in das weiße Fell.
„Ich… “
Schnell hielt sie inne, ihre Stimme war zu brüchig, als das sie weiter sprechen konnte. Angst durchflutete ihren Körper. Doch Sheena sprach schon wieder weiter, erzählte die Geschichte von den Brüdern Urion und Takashi. Auf die Frage, ob sie Takashi kannte, nickte sie nur stumm. Sie hatte den Rüden kurz kennen gelernt, aber dass er unter einem solch schrecklichen Fluch gestanden hatte, nein, das wusste sie nicht. Aber Sheena sprach weiter und es kam ihr so vor, als wäre ihre ruhige Stimme erbarmungslos. Die Pause und die Wendung hatte sie sehr wohl mit bekommen. Wieder wurde ihr Körper von einem Zittern geschüttelt, ein paar Herzschläge blieb sie still.
„Ist Urion deswegen gestorben?“
Sie mochte die Formulierung nicht, dass sie genau wie Urion gewütet und nach Blut gegiert hatte, obwohl sie keine Erinnerung daran besaß. Es war schrecklich. Obwohl die Aussicht, dass es Urion gelungen war, den Durst unter Kontrolle zu halten und Takashi sich gänzlich befreit hatte, sie ein wenig beruhigen sollte, war genau das Gegenteil der Fall. Was war danach, wenn sie es nicht mehr schaffte, die Kontrolle zu bewahren? Und irgendeine undefinierbare Stimme verriet ihr, flüsterte mit rauer Stimme in ihr Ohr, dass sie sich davon niemals würde befreien können. Nie mehr.
„Ich will das nicht. Bitte Sheena, ich bin noch jung. Ich möchte nicht sterben.“
[bei Sheena]
09.11.2010, 17:05
Ein seichtes Nicken in die Richtung von der Fähe mit dem Namen Adsini reichte für Hilel als Aufmerksamkeit, das die Worte der Fremden ihr nicht entgangen waren. Es war nicht ihre Art, solch unhöflichen Ton anzuschlagen, doch es kam ihr in diesem Gespräch auch nicht fremd vor. Raja schien bereits nicht die charmantesten Worte gewählt zu haben, obgleich es wohl der Wahrheit entsprach, dass ein Rudel ohne Leitung ungewöhnlich war, vielleicht auch nicht lange zur Existenz bestimmt. Die junge Fähe Caylee schien von ihrer Laune mitgerissen zu werden. Stürmisch wie das Meer. Unruhig und unbeständig. Ohne Führung?!
Die Schwarze ließ sich nicht auf die Hinterläufe, sie behielt ihre Stellung und begutachtete das beisammen Kommen. Es schien ihr fremd, vielleicht auch falsch. Die Worte der weißen Fähe, die wahrlich nicht sehr viel jünger sein sollte als Hilel selbst, ließen die Ruhe der Schwarzen jedoch nicht abebben. Sie war keinesfalls eine gereizte oder gar aggressive Persönlichkeit, die sich wegen solch willkürlichen Worten hätte ärgern können. Auch empfand sie es nicht von Nöten ihre Stellung erläutern zu müssen. Wieso auch? Es hatte ihr schon lange keiner mehr was zu befehligen, oder ähnliches. Da wurde jenes Wesen nichts dran ändern können.
Doch ihre Neugier stieg an. Was war dies für ein Tal, wo die Gezeiten verrückt spielten, ähnlich wie ihre Bewohner. Ein Rudel ohne Alpha. Sinnlos? Oder doch von den starken Mitgliedern gestützt und getragen. Welch Bürde lag auf den Schultern der Wölfe, die sie mit sich schleppen mussten? In ihrem Kopf kreisten so viele unzählige Fragen, die sie entdecken wollte. Jah, auch die Worte der weißen Caylee konnten sie nicht abschrecken, viel mehr schürten sie ihren Hunger nach den Antworten. Und vielleicht würde man sich nicht verstehen, aber dulden. Schweigsam war die Schwarze. Wie immer. Es bedarf nicht vieler Worte – so ihre Meinung. Konnte man doch manchmal zwischen dem Nichtgesagten, viel mehr hervor hören, als bei einem Schwall von Worten.
Ihr einseitiger Blick glitt zu der Ältesten, ihr Knickohr ließ sie jung erscheinen, gar niedlich. Raja schien mit wohlwollendem Klang in ihrer Stimme zu sprechen. So erkannte es die Schwarze, die sich in Bewegung setzte. Sie gesellte sich zu den drei Weißen und stach als dunkler Fleck hervor. Ihr Fell wirkte wie flüssiges Pech. Kein Fehler verunreinigte ihre schwarze Pracht, nur ihr eisblaues Auge stach hervor. Ihr Blick musste verraten, dass sie dieses Zusammentreffen noch immer eigenartig fand. Es war ihr fremd geworden, so musste sie über die Frage gar einen Moment nachdenken.
„Meine Wanderung…diese wirkt beinahe ewig. Vielleicht erzeuge ich etwas den Eindruck ich sei immer so ungehobelt, aber es scheint mir ich bin eingerostet im Umgang mit anderen Wölfen, diese habe ich auf meinem Weg nicht finden können. Erst jetzt…“
War es eine versteckte Entschuldigung? Die ihr so schwer aus dem Fang entgleiten wollte. Jenes Urteil durfte jeder für sich selber setzten, denn verraten würde es die stolze und eigensinnige Fähe nicht. Sie beherrschte sich, doch ihr Argwohn den Fremden gegenüber war noch immer in ihr vergraben. Es dauerte eine Weile, bis man das Eis ihrer Welt zum Tauen bringen konnte. Manchen gelang dies nie…
„Meine Heimat ist weit hinter dem Gebirge. Daher war meine Verwunderung groß, als ich feststellen musste, das ihr hier genau solche frostigen Wetterverhältnisse habt, wie wir im Norden.“
Sie erinnerte sich, wie erstaunt sie über die verlassenen Vögelnester war. Eine jener offenen Fragen, die sie gerne beantwortet hätte. Denn skeptisch machte sie jener Anblick sehr, welch Geschehnisse man hier zu erwarten hatte. Sie hatte mit dem Sommer gerechnet, dem ersehnten Sommer, auf den sie mit Ungeduld seit Ewigkeiten wartete.
[westlicher Wald | Adsini, Caylee, Raja]
09.11.2010, 17:52
Malakím nickte zufrieden, als Chanuka sich neben ihm nieder ließ. Der Jüngling hatte es schwer gehabt in seinem noch so jungen Leben und war der eigenen Familie entfremdet worden. Der Schwärzling kannte die Gründe dafür nicht, aber es freute ihn zu sehen, dass der junge Schwärzling trotz all der Widrigkeiten seinen Weg ins Rudel und durch das Leben fand - und langsam aber sicher Vertrauen aufbaute. Zu seiner Familie und auch zu jenen, die nicht durch das Blut mit ihm verbunden waren. Umso schrecklicher noch als die meisten anderen mussten ihn die Ereignisse vor drei tagen getroffen haben. Von seinem Bruder Tascurio - die Geflügelte mochte ihm in ihrem Reich Freude schenken - einmal abgesehen, und natürlich auch von Tyraleen und Averic. Und eben dies tat der Jüngling auch selbst kund, fürchtete er doch die Entzweiung seiner Familie mehr als den Tod.
"Du siehst sehr klar, Chanuka. 'Was tot ist und vergangen, kann nicht wieder erblühen. Aber alte Kraft kann zurück gegeben werden' - so sprach einst die Geflügelte selbst zu meiner Mutter, als Antwort auf ihre unermütlichen Gebete, als Teil ihrer Gnade. So ist es auch jetzt: Es kann niemals genau wie früher werden. Und du hast auch Recht, wenn du sagst, dass eine Entschuldigung nicht ausreichen wird. Nein, es muss mehr getan, mehr gewagt werden."
Malakím hielt inne, um seine nächsten Worte wirken zu lassen.
"Sie müssen einander vergeben. Und das ist eine der schwersten Aufgaben, die man meistern kann. Wahre Vergebung. Man kann sie nicht dazu zwingen, sie müssen es beide wollen und aufeinander zugehen. Aber dieser Weg wird lang sein und Zeit brauchen. Und vielleicht ein wenig Hilfe. Ich denke, es ist wichtig, dass ihr Jünglinge mehr denn je zusammen haltet. Dass ihr geeint steht als das, was Tyraleen und Averic nach wie vor verbindet - als ihrer beider Kinder."
Sich selbst kurz unterbrechend zog er die ausgestreckten Vorderläufe näher zu sich heran und fort vom eisigen Wasser. Der leichte Wellenschlag hatte doch hin und wieder seine Pfoten berührt und ließen ihn nun frösteln. Aber der Schwärzling wollte nochmehr sagen, und so fuhr er mit einem Lächeln fort.
"Alte Kraft kann zurückgegeben werden. Ihre Liebe kann wieder erstarken, denn sie ist noch nicht gänzlich tot. Aber dafür müssen sie sich selbst aufeinander besinnen. Das können ihnen auch die Götter nicht abnehmen."
[See | Chanuka]
09.11.2010, 18:10
Chanuka war froh, jemanden gefunden zu haben, dem er sich anvertrauen konnte und der bereits erwachsen war. Natürlich teilte er so ziemlich all seine Gedanken mit Liel und fühlte sich danach stets besser als zuvor. Gleichzeitig hatte er immer das Gefühl, sie zuviel zu belasten. Er hatte beinahe Angst, dass sie irgendwann von den Problemen erdrückt würden. Zusammen, weil sie nicht anders konnten, als alles zu teilen.
Malakím hingegen war bereits erwachsen und hatte seinen Weg im Leben längst gefunden. Er hatte so viel mehr Lebenserfahrung und Stärke, dass es einfach gut tat, ihn nach Rat zu fragen zu können.
„Aber… wenn wir helfen wollen würden, dass unsere Eltern wieder zusammen finden, woher sollen wir da wissen wie? Ich habe Angst, dass wir es noch schlimmer machen, oder wir uns für eine Seite entscheiden müssen… Sie werden doch nicht fort gehen? Keiner von Beiden, oder?“
Es waren eigentlich rhetorische Fragen. Er erwartete keine Antwort von Malakím, denn auch wenn dieser offensichtlich viel wusste, so konnte er sich dennoch kein Bild von der Zukunft machen. Niemand konnte das. Was auch immer er und seine Geschwister tun würden, niemand konnte im Voraus wissen, wie ihre Eltern darauf reagieren würden. Chanuka wusste nicht einmal ob es im Augenblick gut war, über das Thema mit ihnen zu sprechen. Er wollte ihnen nicht wehtun und wusste, dass all das Zeit brauchte.
„Meinst du dass die Zeit eher die Kluft vergrößert, oder die Wut abkühlen lässt?“
Er dachte über Vergebung nach und wie leicht man davon reden und wie schwer man sie schenken konnte. Chanuka selbst sah keine Situation in seinem Leben, in der ihm Vergebung schwer gefallen wäre, aber er erinnerte sich, dass er Tyraleen um Zeit gebeten hatte, als sie sich das erste Mal unterhalten hatten. Er liebte seine Mutter, aber noch immer fühlte sich Banshee nach seiner Mama an.
„Musstest du schon mal etwas Schlimmes vergeben?“
[Bei Malakím am See]
09.11.2010, 20:30
Es schien fast so, als hätte er die Kälte nicht nur in sein Herz geholt, sondern sie über das ganze Tal gelegt. Binnen von drei Tagen war nahezu alles erfroren, was keinen halbwegs schützenden Pelz besaß. Bedrohlich fegte Fenris’ Atem über das Land. Ähnlich bedrohlich und kalt wirkte der pechschwarze Hüne, wenn man ihn sah. Er hatte es vorgezogen sich nie zu lange in der direkten Nähe des Rudels aufzuhalten, dort ertrug er die Blicke der übrigen Rudelmitglieder nicht. Und auf anderer Seite versuchte er alles, um Tyraleen so weit aus dem Weg zu gehen, dass er sie nicht sehen musste. Er versuchte alles, um weder Zorn, noch Schmerz zulassen zu müssen. Am Liebsten hätte er auch an nichts gedacht. Doch dies war ein Spiel, dass man unmöglich gewinnen konnte. Das Spiel, wie lange man vermeiden konnte über etwas nachzudenken. Denn gerade dadurch, dass man es vermeiden wollte, dachte man Tausend Mal darüber nach. Und so hatte er jene tödlichen Worte aus dem Maul seiner Liebsten in den letzten Tagen schon hundertfach gehört. Ich hasse dich.
Trotz der Kälte war er von steter Rastlosigkeit erfasst, lief unruhig im Tal der Wölfe herum, die seine Familie sein sollten.
Nach den Worten, die ihm Avendal entgegen geschleudert hatte, hielt sich der Schwarze selbst von seinen Welpen etwas fern. Nur des Nachts kam er zum Rudel zurück und wachte stumm über ihren Schlaf, sofern sie welchen fanden. Er tat dies nur schwerlich, ließen ihn die blutigen Bilder aus der Vergangenheit, die weit über Tascurios Tod hinaus gingen, doch nicht los. Am Wenigsten das Bildnis Tyraleens, die im Blut seines Sohnes stand und deren Fell davon völlig verunreinigt war. Seine Gefühle dazu wollte er wegsperren, man hatte ein mal zu viel auf ihnen herumgetreten.
Einmal war Caylee zu ihm gekommen und hatte sich zu ihm gelegt. Eine Geste, für die er ihr unglaublich dankbar war, die aber doch ein sehr schmerzhaftes Ziehen in ihm ausgelöst hatten. Seine Familie war kaputt.
Um ihn herum erstreckte sich das Tote Land, welches er nur zu gut kannte, denn früher hatte dieser Ort nur in ihm existiert. Jener Ort, der wahrscheinlich in jedem Todessohn existierte und seine Gedanken hatten ihn in ins Tal gebracht. Mit kraftvollen, raumgreifenden Schritten lief Averic über staubigen, toten Boden. Massen an Energie strömten durch seinen Körper und hatten die Wut nahezu wieder frei gesetzt. Doch dieses Mal richtete sie sich gegen den schwarzen Gott persönlich. Mit all dem Unheil, dass er angerichtet hatte, hatte er seinen Erben verraten. Er schien sein Leben zu einer tristen, kalten Hölle gestalten zu wollen, doch Averic war nicht gewillt dies zu zulassen.
[ Totes Land | noch allein ]
10.11.2010, 16:49
Ráyon schüttelte ratlos den Kopf, als Atalya ihn darauf ansprach, dass es ihn wohl besonders erwischt hätte. Er wusste es ja selbst nicht, war er eben erst aufgestanden.
» Ich weiß nicht. Ich bin erst seit wenigen Minuten wach und hatte mit dem Aufstehen zu kämpfen. Ihr seid die ersten mit denen ich spreche, von daher kann ich nicht sagen, ob es mich schlimmer erwischt hat oder nicht. Ich hoffe, dass es so ist, denn es scheint mit erdrückend, dass es allen so schlecht gehen könnte wie mir. «
Seine Stimme, nicht einmal annähernd so kraftvoll wie sonst, erzitterte unter seiner eigenen Kälte und brach ab, nachdem sie immer leiser geworden war. Dieser Tag schien es in sich zu haben und es blieb nur zu hoffen, dass dieser kränkliche Zustand tatsächlich nur für diesen Tag bleiben würde, immerhin fiel es dem Rüden schon allein schwer sich auf den Beinen zu halten, drohte sein Hinterlauf doch immer wieder wegzuknicken. Das Taubheitsgefühl war abscheulich.
Aufmerksam lauschte er dem, was die Fähe namens Lyerra zu sagen hatte. Erst jetzt viel ihm wirklich auf, dass die beiden Fähen sich nicht so schwach fühlen wie er, oder die anderen. Ein Zufall? Vielleicht waren sie ja nicht von dieser Krankheit angesteckt worden? Was eigentlich recht unsinnig war, genau aus dem Grund, den Lyerra eben genannt hatte; Atalya ging es besser als je zuvor und das war garantiert kein Zufall.
» Ein Geschenk von den Göttern? Nun, ich weiß nicht, was genau hier in den letzten Tagen von Statten gegangen ist, aber ich glaube nach dem Trubel vor drei Tagen haben die Götter genug eingegriffen. Es sei denn... Es sei denn die Aufregung hat nicht das bewirkt, was sie mit dem Tod des Welpen und der Vision erklären wollten... «
Der letzte Satz war nur geflüstert und angesichts der Tatsache, dass Ráyons Stimme schwach war, hatten die Fähen wohl nichts gehört. Besser so, konnte man denken, immerhin war Atalya mit dem Welpen verwandt gewesen und es war vermutlich äußerst unschlau sie wieder daran zu erinnern.
Als Lyerra ihn darauf ansprach, wie er die letzten Tage verbracht hatte, musste er nicht lange überlegen. Die Zeit war nicht sonderlich interessant gewesen.
» Viel Zeit habe ich allein hier im Revier verbracht. Die Geschehnisse waren ja nun doch sehr... erschreckend. Und ihr? «
Eine Frage der Höflichkeit. Ráyon verstand nicht so recht, wieso die Weiße eine solche Frage stellte, die überhaupt nicht zum derzeitigen Thema passte, aber es hätte von Unfreundlichkeit gezeugt, wenn er nicht auch nach dem Ergehen der Anderen gefragt hätte. Letztendendes kam dann aber noch eine Frage von Lyerra, der er keine klare Antwort geben konnte.
» Wie schon gesagt kann ich nicht sagen ob es mir schlechter oder besser geht als den anderen. Ich habe ja noch mit kaum jemandem gesprochen. Mein Hinterlauf fühlt sich so... taub an. Ich kann es mir nicht erklären, aber es ist teilweise fast so, als wäre er gar nicht da, einfach verschwunden. Und wenn ich mich dann auf ihn stützen will, dann knickt er einfach weg, egal wie sehr ich versuche mich zu halten... «
10.11.2010, 21:56
„Fenris schickt die Dunkelheit, um sich an uns zu rächen für all das, was wir getan haben. Dachte ich immer. Die Kälte wiederum ist für mich wie eine Zuflucht, geschickt aus dem hohen Norden. Dort herrschen andere Götter. Sie haben keine Namen, keine Gesichter und keine Bestimmungen. Sie sind einfach da und schützen die Wölfe vor dem Bösen, manchmal auch vor dem Guten. Sie haben keine Geschichte wie Engaya und Fenris und niemand, der ihre Existenz in Frage stellt, wird bestraft oder Ähnliches. Wenn man an sie glaubt, glaubt man an sie. Man bekommt keinen Schutz geboten, wenn man zu ihnen betet und man wird nicht ewig leben, wenn man ihre Regeln befolgt. Nein, nicht ihre Regeln – es sind die Regeln, die wir Nordwölfe unseren Göttern auf die Zunge legen, weil sie selbst keine aufstellen würden. Man interpretiert immer mehr in sie hinein und wenn das heute immer noch so ist, werden sie bald in Vergessenheit geraten. Zumindest ihr Ursprung, der namenlose, regellose und unbestimmte. Wir haben immer zu viel in unsere Götter hineininterpretiert, was weiß ich. Wir sagen ihnen nach, dass sie herrschen, dabei sind sie einfach nur. Existieren. Man kann ihnen keine Namen geben, keine Gesichter, weil sie sich nicht regen, nichts sagen. Wahrscheinlich halten sie noch nicht einmal eine schützende Pfote über die Gläubigen, weil sie sowas nicht können. Es sind eben doch nur Geister, bestehend aus Luft und Kälte. Sie haben keinen Einfluss auf uns, auf das Wetter oder auf irgendwelche anderen Dinge. Hier ist das anders.“
Sie hob nicht den Kopf, öffnete nicht einmal die Augen, während sie sprach. Regungslos lag sie auf dem kalten, harten Boden und die Worte flossen ohne Inhalt, ohne Zusammenhang aus ihren Gedanken, die im Grunde genommen auch keine Gedanken waren. Es waren Gefühle, irgendwo in ihrer Seele aufgegriffen und zu Sätzen geformt von unbestimmten Mächten. Sie waren noch nicht einmal an Jarrèll Nathaniêl gerichtet, der sich zu der Wölfin gesellt hatte, bevor sie angefangen hatte zu sprechen. Eine kalte Brise fegte über den See hinweg, zerzauste ihr Fell und ließ sie erzittern, bevor der Wind Wärme in ihren Körper brachte. Mit einem Laut irgendwo zwischen Seufzen und qualvollem Stöhnen erhob sich die Weiße und schüttelte den Dreck aus ihrem langen, flauschigen Fell, das selbst im Sommer dicht und isolierend war.
„Jarrèll Nathaniêl“,
bemerkte die Wölfin, als hätte sie ihn soeben erst entdeckt, obwohl sie schon vor zahlreichen Augenblicken seine Pfoten auf dem harten Uferboden gehört hatte. Auf unsicheren Beinen schritt sie zum Sternensee und senkte ihren Kopf. Die Wasseroberfläche war still und glatt, doch in den Tiefen des schwarzen Wassers sah Jumaana Geister lauern, die nur darauf warteten, sie zu verschlucken. Eine Wölfin blickte sie aus tiefgrünen, traurigen Augen an. Sie selbst. Kommentarlos drehte sich die Polarfähe wieder um und trat auf den grauen Wolf zu, der sie ansah. Bleierne Schwere lastete auf ihren Schultern, als sie sich vor ihm niederließ und ihren Kopf auf den Vorderpfoten bettete. Sie war schlichtweg zu müde, um irgendeine respektvolle Haltung einzunehmen, was im Grunde auch gar nicht nötig wäre, da sie in der Hierarchie deutlich über dem Hünen war. Aber das alles interessierte sie jetzt nicht im Geringsten. Mit geschlossenen Augen begann sie zu reden.
„Hast du nicht vor einiger Zeit mit meiner Schwester geredet?“
Erstaunlich, dass Jumaana überhaupt einen kompletten und sogar sinnvollen Satz hervorbrachte, obwohl sie das Gefühl hatte, jede Sekunde kopfüber durch den Boden zu stürzen und der Welt auf Nimmerwiedersehen sagen zu müssen. Und trotz der grammatischen Richtigkeit ihrer Frage war es nicht das, was die Wölfin hatte sagen wollen. Sie hätte den Rüden vor ihr um etwas bitten können, beispielsweise Takashi zu holen. Sie vermisste ihren Gefährten in jeder Hinsicht, auch wenn sie keinen Gedanken an ihn verschwendete – jetzt, wo sie sich so kraftlos fühlte, als hätte ihr Fenris jede Lebensfreude aus dem Körper gesaugt und im See versenkt. Ja, so musste es sein. Vielleicht musste sie Engaya … Oh, Tochter! Nicht eine Sekunde kann ich allein sein, nicht eine Sekunde habe ich meine Ruhe. Spürst du nicht das Dunkle hier neben mir, was sich in deine Gedanken einschleicht und dir deine Kräfte nimmt? Es tut mir weh! Mach es weg! Das Feenkind klang wie ein panisches, kleines Welpchen, wenn sie Angst hatte. Und auch wenn Jumaana ihr diese Furcht gern nehmen würde, konnte sie einfach nicht.
- [ Sternensee ~ Jarrèll Nathaniêl ]
11.11.2010, 17:55
Es freute den Schwärzling, dass Chanuka ihn um Rat ersuchte. So gerne würde er mehr tun als nur Tyraleen beizustehen, aber er war sich sicher, nicht selbst zu Averic oder manch anderem Wolf gehen und um Vergebung und Verständnis für die Engayastochter bitten zu können. Er war nicht tief genug mit diesem Rudel verwurzelt um Gehör finden zu können, aber Chanuka und seine Geschwister waren es. Ihnen gut zu raten mochte zur Folge haben, auch zu anderen Wölfen vorzudringen und somit zur Heilung der Wunden beizutragen. Malakím hoffte nur, dass er auch guten Rat geben konnte. Die Geflügelte mochte ihm beistehen und ihre Worte durch seinen Fang verkünden.
"Ich verstehe deine Bedenken, junger Schwärzling. Natürlich dürft ihr sie nicht bedrängen, das könnte eher das Gegenteil eurer Bemühungen bewirken. Aber ich denke, wenn ihr als Geschwister zusammenhaltet und Einigkeit demonstriert, wird diese Botschaft zu euren Eltern vordringen. Auch solltet ihr keinen von beiden bevorzugen. Und es mag eine gute Idee sein, zu beiden hin zu gehen und ihnen jeweils zu vergeben - und vielleicht auch selbst um Vergebung zu bitten für manches Wort, das zu schnell die Zunge verließ. Außerdem, solange ihr Kinder zeigt, dass euch noch etwas an euren Eltern liegt, werden sie nicht gehen, denke ich."
Nur zu gern hätte er ihm sein Wort darauf gegeben, aber das konnte er nicht, und auch Chanuka würde das wissen. Zwar glaubte er an die Wahrheit seiner Worte, aber eine Garantie gab es nunmal nicht. Gab es nie.
"Ich denke, dass die Zeit die Wunden zu heilen vermag. Momentan stehen Tyraleen und Averic jeweils auf einer Seite der Kluft, und zwischen ihnen brennt ein Feuer, dass ihnen den Weg zueinander versperrt. Aber jedes Feuer brennt nieder und jede Glut erkaltet, und vielleicht könnt ihr helfen, es schneller zu löschen."
Bei der letzten Frage legte Malakím schließlich den Kopf etwas schief und hob dann erneut den Blick zum Himmel. Er dachte gründlich über die Begebenheiten seines Lebens nach, wollte er doch keine vorschnelle Antwort geben.
"Nein. Niemand hat mir jemals etwas derart Schlimmes getan, dass Vergebung erforderlich gewesen wäre",
erwiderte er schließlich.
[See | Chanuka]
12.11.2010, 14:18
Ruhig ruhten die braunen Augen Kisha aus ihrer Schwester, die sich an sie kuschelte. Sie selbst konnte so wenigstens ein wenig Wärme zu spüren, auch wenn die Kälte um sie herum kaum auszuhalten war. Sie konnte nur hoffen, dass es der Weißen ebenso half, wie ihr. Tyraleen würde es wohl kaum besser gehen, als ihr selbst. Und so konnte sie ihr wenigstens durch ihre Nähe helfen. Sie wandte den Blick nicht ab, als die Weiße zu sprechen begann, und ihre Worte entlockten ihr ein leises Seufzen. Vielleicht.. hätte sie anders reagiert, wenn alles anders gekommen wäre? Wenn sie sich an ihre Familie erinnert hätte? Wenn sie gewußt hätte, wie sie früher gewesen war? Eine Frage, auf die es niemals eine Antwort geben würde. Kishas Augen folgten dem Blick ihrer Schwester, und erst, als sie wieder zu einer Antwort ansetzte, hob sie den Kopf, sah ihr wieder in die bernsteinfarbenen Augen. Ihre Worte ließen die schwarze Fähe lächeln, sanft und aufmunternd.
“Viellecht brauchen sie einfach Zeit. Niemand hätte damit gerechnet, dass so etwas passiert. Man kann nicht erwarten, dass jeder dich sofort unterstützt und zu dir hält.“
Eigentlich hatte sie noch etwas hinzufügen wollen, als ein weiterer Wolf bei ihnen erschien. Sie sprach zu Tyraleen und ließ sich einige Momente später neben die Weiße sinken, wärmte sie nun von den anderen Seite. Kishas Ohren neigten sich leicht zurück, sie wandte den Kopf so herum, dass sie die Schwarze anblicken konnte. Sie erinnerte sich an dieses Gesicht, an ihre Stimme. Parveen. Sie hatten kurz miteinander gesprochen, und doch wirkte sie so.. fremd. Fremder als Tyraleen, trotz dessen, dass auch sie ihre Schwester war. Sie schluckte schwer, blickte dann kurz zu Tyraleen. Während sie sich der anderen Fähe zuwandte, dachte die Schwarze über ihre Worte nach, über die Frage, die sie sich selbst so oft gestellt hatte. Ihr heller Blick wandte sich noch einmal ab, blieb am Horizont hängen. Es war, als wenn man die Kälte nicht nur spüren, sondern auch deutlich sehen konnte. Sie seufzte, spürte dann die Blicke der beiden Fähen auf sich.
“Es ist schwer zu erklären. Man weiß nicht, wem man glauben soll, ob man sich selbst glauben kann. Manchmal hatte ich das Gefühl, euch zu kennen. Tief in mir drinnen. Und trotzdem wart ihr mir vollkommen fremd. Banshee.. ich hatte das Gefühl, dass ich ihr jedes Wort glauben muss, obwohl ihr Gesicht mir völlig fremd war. Ich habe mich hin und her gerissen gefühlt.. vollkommen unsicher.“
Ihre schwache Stimme brach kurz ab, sie atmete einige Male tief durch. Dann wandte sie den Kopf herum, das Lächeln war von ihren Lefzen gewichen.
“Ich wüßte gerne, wie es.. früher war. Wie ich früher war. Ich weiß nicht einmal, ob ich euch mochte, ob ihr mich mochtet. Manchmal denke ich, es wäre besser gewesen, wenn ich nie hierher zurück gefunden hätte. Vielleicht wäre es mir dann besser ergangen. Und trotzdem bin ich froh darüber, dieses Tal gefunden zu haben. Selbst, wenn ich noch immer Zweifel habe.“
[Himmelsfelsen – Tyraleen & Parveen]
12.11.2010, 19:51
Tyraleen wurde sich jetzt, da sie nicht mehr alleine sein musste, bewusst, wie sehr sie die Wärme und die Vertrautheit zwischen ihrer Familie und sich vermisst hatte. Es gab für einen Wolf nicht wichtigeres, als sein Rudel, die Gemeinschaft und der Zusammenhalt. Das hatte Banshee ihr so oft erzählt und zunächst hatte sie kein Wort davon geglaubt um später teilweise zuzustimmen und jetzt … jetzt gab es keine wahrere Aussage mehr, als diese. Jetzt, da sie sie verloren hatte. Es war das Gleiche mit Averic, sie vermisste seine Nähe, seine Zärtlichkeiten und die Liebe, die sie verbunden hatte, egal was geschah. Sie hatte nicht gewusst, wie wichtig ihr diese Nähe gewesen war. Doch die Wut auf ihren ehemaligen Gefährten überschattete die Sehnsucht, der lodernde Zorn dämpfte den Wunsch, jemandem je wieder so nahe zu kommen. Noch einmal so tief enttäuscht zu werden wie von Averic … sie wusste nicht, ob sie eine solches Gefühl wieder ertragen konnte.
Doch für den Moment war es warm und gut, Kisha war da und auch wenn sie nur ihre Schwester war, konnte sich die Weiße in diesen Augenblicken nichts Schöneres vorstellen. Kisha lächelte jetzt, schien sie noch mehr aufmuntern zu wollen und klang beinahe so, als würden in drei Tagen alle Wölfe auf sie zukommen und sie wieder liebhaben. Doch selbst wenn sich die Meinung des ein oder anderen ändern würde, wären die meisten nicht viel zu stolz um zu ihr zu kommen und sich zu entschuldigen? Zudem … sich bei einer Mörderin entschuldigen? Deren Schuld – egal was auch kommen würde – immer höher wäre, als die eigene? Unmerklich schüttelte Tyraleen den Kopf.
“Nein, das kann man wirklich nicht erwarten. Aber diejenigen, die es mir versprochen haben? Averic …“ Bei dem Gedanken an ihn und dem Ausspruch seines Namens wallte die bekannte Welle des Zorns durch ihren Körper. “… versprach mir genau das. Dass er zu mir halten würde, komme was wolle. Dass er immer bei mir sein würde, auch wenn die Welt stillsteht. Meine Welt stand still. Kurz drohte sie sogar unterzugehen. Aber er war nicht da. Nein, viel mehr noch, er war da, aber nur um mir seine Abscheu und seine Beleidigungen entgegenzuspeien. Er hat nicht einmal nach einem Grund gefragt … er ging einfach davon aus, dass ich gerne meinen Sohn getötet hab. Wie konnte er nur? Wie …“
Ihre Kiefer hatten sich so fest aufeinander gepresst, dass Blutstropfen an ihren Lefzen hinabrannen. Sie atmete heftig ein und aus, versuchte sich wieder unter Kontrolle zu bringen, wollte sich nicht schon wieder von ihrem Zorn mitreißen lassen. In einer beinahe verlegenen Geste leckte sie sich das Blut fort und schämte sich bereits für ihre wütenden Worte. Kisha war nicht die richtige um über Averic zu reden. Er war ebenso ihr Bruder – es war nicht fair. Und auch wenn Averic in Unfairness nicht zu übertreffen war, wollte Tyraleen nicht ebenso beginnen.
Sie sah auf, als sich eine zweite schwarze Wölfen näherte – Parveen. Ihre ältere Schwester hatte sich eine längere Zeit vom Rudel ferngehalten, Tyraleen wusste nicht einmal, ob sie von all den schrecklichen Geschehnissen wusste. Doch die Schwarze sagte nur drei Worte, die alles erklärten. Sie war an ihrer Seite, so wie Kisha auch. Ein Lächeln schlich sich in das Gesicht der Weißen während sie Parveen betrachtete, die sich nun zu ihrer anderen Seite niederließ. Grüßend und dankend berührte sie ihre Schwester an der Nase und schmiegte sich in das schwarze Fell. Drei Schwestern, alle sehr unterschiedlich mit ihrer ganz eigenen seltsamen Erlebnissen und doch konnten sie nun hier gemeinsam liegen und sich wärmen. Es hätte Banshee sicher gefallen.
.oO(Mama … wärest du doch nur hier.)
“Parveen … schön, dich mal wieder zu sehen. Und schön … dass du da bist.“
Ihr Blick huschte zu Kisha, ob sie wusste, wen sie hier vor sich hatte? Seit der Rückkehr Kishas, hatte sich Parveen selten dem Rudel genähert, war sehr viel alleine gewesen. Passend dazu erklärte die Schwarze nun wie es war, nichts und doch scheinbar so vieles zu wissen. Tyraleens Blick huschte zwischen ihren beiden Schwestern hin und her.
“Du hast deine Familie sehr gemocht. Auch Parveen, immerhin war sie im gleichen Wurf wie du, ich glaube, ihr habt als Welpen viel miteinander unternommen. Ich bin ein Jahr zu spät gekommen, um dir aus deiner Welpenzeit zu erzählen. Aber ich kannte dich als verrückte Fähe, du mochtest Engaya sehr gerne … ich glaube, sie hat dir einmal einen Käfer geschenkt.“
Sie genoss es über Belangloses plaudern zu können, nicht an das, was geschehen war denken zu müssen und auch nicht mehr über Averic zu reden. Sie blinzelte zu Parveen, deren Aussage nun zwar schon länger unbeachtet in der Luft schwebte, Tyraleen aber verwirrte.
“Wie meinst du das?“
[ Himmelsfelsen | Parveen und Kisha ]
12.11.2010, 20:46
Adisini wunderte sich nicht, dass Caylee ebenfalls nicht sehr begeistert von der Fremden zu sein schien. Diese Hilel war zwar nicht die Höflichkeit in Person, allerdings hatte sie es sich pratkisch schon mit ihrem ersten Satz den ersten schlechten Eindruck bei Adsini hinterlassen. Und darauf legte sie viel Wert, denn sie fand es schwer einen bereits als unhöflichen bekannten Wolf noch einmal neu als freundlichen kennen zu lernen. Deshalb überraschte es sie umso mehr, als Raja eher beruhigend auf Caylee einredete und erklärte, dass man Hilels Geschichte erst einmal kennen lernen sollte. Adsini spitzte die Ohren, als Hilel von ihrer langen Reise erzählte.
Als Hilel erzählte, dass sie schon lange allein war und wahrscheinlich einfach den Umgang mit fremden Wölfen verlernt hatte, konnte die weiße Fähe Hilel besser verstehen. Und außerdem wurde Adsini der Gedanke los, dass dieser Satz nach einer versteckten Entschuldigung klang.
Als die Schwarze weiter geredet hatte, antwortete Adsini ihr ein wenig verwundert:
"Warum sollte es hier so viel anders sein als im Norden? Ich meine, wir sind immer noch in den Bergen und da ist es bekanntlich nicht sehr angenehm. Allerdings denke ich, dass dieser plötzliche Wetterumschwung so ziemlich jeden hier überrascht hat..."
Wie, um ihre Worte zu unterstützen, kam ein heftiger Wind auf, der durch das dünne Fell der weißen Wölfin zog. Adsini zitterte. Wieder wurde sie daran erinnert, dass ihr Fell nicht dick genug für so einen plözlichen Wintereinbruch, oder was auch immer es war, geworden war.
Sie dachte an die jungen Vögel, die sie des öfteren auf ihrer Reise durch diese Berge tot, entweder erfroren, verhungert, oder beides, verlassen von ihren Eltern, auf dem Boden liegen gesehen hat.
Warum ist das Wetter dieses Jahr nur so grausam? Warum will es uns den Sommer nehmen, der uns eigentlich für den Winter stärken sollte, um den Winter viel zu früh einbrechen zu lassen? Wir können nur noch hoffen, dass es nur ein plötzlicher Wetterumschwung war und es bald wieder wärmer wird, dachte Adsini traurig und verzweifelt.
[westlicher Wald | Caylee, Raja, Hilel ]
12.11.2010, 23:23
Die Fähe hatte zunächst an Kraft gewonnen. Sie erprobte ihre Musekln jeden Tag ein wenig mehr und freute sich darüber, das Gebiet rund um die Rudelhöhle durchstreifen zu können, sich an ihren Körper gewöhnen zu können. Er war ihr so fremd; während ihres langen Schlafs war sie gewachsen, und es behagte ihr noch immer nicht, dass sie alles plötzlich so von oben herab betrachtete. Sie hatte keine Erinnerung daran, wie lange sie geschlafen hatte. Für sie war es so, als ob der Tag an dem sie ins Koma fiel und der Tag an dem sie erwachte zwei aufeinanderfolgende Tage waren. Aber es mussten viele Tage vergangen sein, zumindest für das Zeitgefühl einer noch sehr jungen Fähe. Es war die dritte Nacht seit dieses unbekannte schreckliche Ereignis im Rudel stattgefunden hatte. Während Neytíri umherwanderte, zwar ziellos, aber es gab ja jede Menge für sie zu sehen; da erfasste sie plötzlich wieder eine bleierne Müdigkeit. Sie bekam Angst. Hatte sie ihren Körper zu sehr beansprucht? Sie wollte laufen und frei sein wie alle anderen, aber hätte sie sich vielleicht doch ein wenig mehr Ruhe gönnen sollen? Verunsichert verharrte die Fähe an dem Fleck, an dem sie gerade stand.Es schien ihr, als zöge die Luft um sie herum nach unten. Zitternd sackte Neytíri auf den Boden, atmete schnell und flach. Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust, in ihrem Kopf drehte sich alles. 'Ich will nicht sterben, bitte... bitte nicht...'. Sie hatte furchtbare Angst vor diesem unbekannten, bleiernen Gefühl der Schwere, das sie bedrohlich nahe an die Ohnmacht drängte. Dieser Spuk lähmte ihren ohnehin schwächelnden Körper vollends, und die junge Fähe wiefte leise. Es kam so plötzlich, unvermittelt, sie hatte sich gar nicht in die schützende Höhle zurückziehen können. Einige Stunden lag sie dort; es wurde kalt, bitterkalt. Immer wieder wollte sie sich aufrappeln und zur Höhle taumeln, aber sie schaffte es nie weit. Nach scheinbaren Ewigkeiten der Anstrengung und unter Aufbietung ihres gesamten Willens kroch sie bis zum Eingang der Höhle. Dort angekommen sank ihr Kopf bleischwer auf ihre Pfoten und fast zeitgleich glitt sie in einen unruhigen Schlaf.
[...]
Neytíri schlug die Augen erst wieder auf, als bereits der nächste Tag angebrochen war. Eine ganze Weile blieb sie ruhig liegen und zuckte abwechselnd mit ihren Beinen, ihren Ohren und hob dann schließlich den Kopf. Sie fühlte sich noch immer schrecklich kraftlos, aber nun schien es mehr mentale Erschöpfung zu sein. Das Aufstehen bereitete ihr keine Probleme, auch, wenn sie am liebsten gleich wieder zu Boden gesunken wäre, um zu schlafen. Aber sie wollte nicht mehr schlafen, das hatte sie so lange Zeit schon getan, ihr halbes Leben! Trotzig verließ die junge Fähe die Höhle, und blickte sich draußen um. Ein harscher Wind wirbelte ihr Fell kraus, es war noch immer kalt wie im tiefsten Winter. Ihr dünner, auf den Sommer eingestellter Pelz schützte sie nicht ausreichend, und die Wölfin zitterte am ganzen Leib. Um sich aufzuwärmen beschloss sie, einen Spaziergang durch das nähere Umfeld zu machen und so die düsteren Gedanken an ihr Koma, ihre Schwäche und ihre Fremde hier zu vertreiben. Dabei sah sie in einiger Entfernung Chardím, der wieder von dem schwarzen Rüden begleitet wurde. Neytíri freute sich ein bekanntes Gesicht zu sehen. Auch wenn sie nicht allzu lang miteinander gesprochen hatten, so fühlte sie sich dem auffälligen Rüden dennoch verbunden. Genug, um sich ohne großes Nachdenken, ob sie überhaupt erwünscht war, in ihre Richtung zu bewegen. Als sie in die Nähe der Beiden kam, lächelte sie Chardím zu.
"Hey, Chardím! Und Freund von Chardím."
Fast ein wenig verschmitzt wandte sie sich an den anderen schwarzen Rüden, lächelte ihm strahlend zu. Als sich ihre Blicke trafen, gefror Neytíris Lächeln. Seine Augen waren kalt, so kalt, er... sah wütend aus, mörderisch. Kaum merklich ging die junge Fähe einen Schritt zurück. Ihr Herz pochte laut, sie konnte fühlen, wie die Mordlust im anderen sich auf sie richtete. Ihr Herz ergriff und es zerdrückte.
"Engaya... Fenris holt mich..."
Sie wusste nicht, warum sie es sagte. Es war nur ein Wispern auf ihren starren Lefzen, während sie den schwarzen Rüden aus weiten Augen anstarrte. Das war ihre gerechte Strafe. Ihr verspätetes Schicksal. Das Schicksal, dem sie zweimal entgangen war, es rächte sich, so einfach war das. Neytíri schloss die Augen.
[ nahe Rudelhöhle | bricht zusammen | [...] | dann bei Jakash und Chardím ]
13.11.2010, 14:36
Besorgt blickte Madoc die weiße Fähe an. Sie brauchte Hilfe, doch er glaubte nicht der richtige Ansprechpartner zu sein, um ihr diese zu gewährleisten. Immerhin war er lediglich ein Außenseiter, welcher nur ein flüchtiges Verständnis für ihre Situation besaß und zudem ein Wolf war, der nur in geringem Maße für Emotionen offen war. Dennoch ließ die miserable Lage Avendals seinen ausgeprägten Beschützerinstinkt aufflackern und er verspürte mit einem Mal das Bedürfnis, diese wunde Seele zu verteidigen, sei es von physischen oder psychischen Schäden. Sein erster Gedanke war Atalya. Da er sich selber nicht dazu befähigt sah, die Weiße zu unterstützten, versuchte er nach anderen Alternativen zu suchen, die wohlmöglich eher zum Erfolg führten. Als strategischer und rationaler Wolf erschien es ihm jedoch nicht als optimale Lösung, da auch die beiden Geschwister sich erst kürzlich wieder versöhnt hatten. Letztendlich entschied sich Madoc dafür, vorerst alleine mit ihr zu sprechen, denn vielleicht konnte er gerade als Außenstehender einen weiteren Blick über diese Situation erlangen. Noch immer über Avendal gebeugt lauschte er ihren Worten, sein Gesichtsausdruck blieb wie immer neutral, wenngleich er die Schuld nicht in ihr, sondern in sich selber sah. Der Silberne versuchte jedoch nicht weiter mit ihr zu argumentieren, denn er wollte sie weder mental noch körperlich strapazieren. Noch immer in Schweigen verharrend blickte er auf sie hinab und ließ sie aussprechen. Doch dass ihre Augen tränten hätte er auch kommentarlos erkannt.
"Du trägst sicherlich Sorge in dir, Avendal, sie zeigen sich in deiner körperlichen Verfassung"
Ertönte Madocs klare Tenorstimme schließlich nach einer Weile des Schweigens. Er war zwar nie ein besonders einfühlsamer Wolf gewesen, doch sein Verständnis für Körper und Seele ging weit, hatte er doch einen Bruder, der weder hören noch sprechen konnte und lediglich Körpersprache als Mittel der Kommunikation verwendete. Ein Seufzen entfloh seiner Kehle, als er an den schwachen Welpen dachte, der stets an seiner Seite gewesen war. Ihn zu schützten war sein Lebensziel gewesen, sein Tod hatte den Sternentänzer wertlos gemacht und erst die Bekanntschaft mit Atalya hatte ihn wieder soweit aufgebaut, dass sein Selbstwertgefühl wieder hergestellt war.
"Wenn du wünschst, kannst du versuchen, deine Gedanken in Worte zu fassen, manchmal hilft es. Natürlich kannst du dir einen anderen Ansprechpartner suchen, ich verstehe dich, solltest du dich einem Fremden wir mir nicht anvertrauen"
Sagte der silberne Hüne und hob nun schließlich sein Haupt. Erst jetzt fiel ihm auf, dass Avendal von der Kälte ergriffen war, die ihn selber wenig störte. Sie zitterte am ganzen Leib, dennoch weigerte er sich, Körperkontakt mit ihr aufzunehmen. Es war Gewohnheit, denn Körperkontakt verband er mit Kampf. Nur Atalya war eine Ausnahme, sie war zu etwas Besonderem geworden.
"Kannst du aufstehen? Die Kälte wird dir zum Feind werden, solltest du dich reglos auf den Boden kauern"
Meinte er besorgt. Seine rubinroten Augen glitten über den schwachen Körper. Welch tragisches Bild.
[Am Rande des Rudelplatzes | Avendal]
13.11.2010, 20:28
Witternd sog sie die kalte Sommerluft durch ihre Nase ein. Es näherte sich ihnen ein Wolf, genauer genommen ein Rüde. Allerdings roch er nicht so, wie Rüden normalerweise rochen. Wölfe allgemein. Er hatte noch einen kleinen Unterduft. Und dieser verwirrte Sheena. Sie erinnerte sich daran, dass sie solch einen Duft bereits einmal wahrgenommen hatte. Zu dem Zeitpunkt musste sie ungefähr ein Jahr alt gewesen sein. Trotzdem konnte sie sich an die Fähe erinnern, die einen solchen Geruch ausgestrahlt hatte. Thylia war ihr Name gewesen. Und sie war anders, anders als die anderen Wölfe damals in ihrem Rudel.
Doch bevor sie das spekulieren anfing und dem Rüden eine Identität zuschrieb, die ihm gar nicht gehörte, stoppte sie ihre Gedanken. Sie wollte ihn zuerst einmal kennen lernen. Vielleicht irrte sie sich ja auch einfach nur und er roch für sie einfach ungewohnt.
Noch hatte er sie auch nicht erreicht, es blieb noch genügend Zeit um Aléya in Ruhe zu antworten.
Sie ärgerte sich in wenig über sich selbst. Sie hatte versucht die kritischen Punkte des Fluches etwas außen vor zu lassen und Aléya von der Heilung Takashis berichtet, aber zu ihrem Entsetzen, schien das die Jungfähe gar nicht zu beruhigen. Im Gegensatz, sie wurde nervös und aus ihren Augen sprach die Angst. Angst vor dem Unbekannten. Und auch vor dem Tod.
Sanft, aber auch merklich erschöpft, leckte Sheena der anderen Fähe über den Kopf.
„Urion war alt. Deshalb ist er von uns gegangen. Er ist Kaede in das Paradies gefolgt.“
Natürlich war er auch wegen dem Fluch gestorben. Jedoch nicht früher. Nur qualvoller. Aber das musste sie nun wirklich nicht erwähnen.
Doch was hatte sie sich vorgestellt? Über solch ein heikles Thema in bester Laune zu quatschen und womöglich noch zu albern? Das war Schwachsinn, Angst war die normalste Reaktion, eigentlich hätte Sheena sich eher sorgen sollen, wenn Aléya keine Angst gezeigt hätte.
Viel interessanter war allerdings die Information, dass ihr Ziehvater Aryan anscheinend ähnlich wie Aléya gehandelt hatte. Er hatte ihr verraten, dass er durch Blut an Fenris gebunden war. Beinhaltete dies einen ansonsten völlig unerklärlichen Durst nach Blut?
Sie konnte dies nicht sicher annehmen, aber ein logischer Zusammenhang war auf jeden Fall vorhanden.
Aber wie hätte Aryan dies an Aléya weiter geben können, wenn er nur ihr Ziehvater war?
“Besteht eine Möglichkeit, dass du dies von Aryan übernommen hast? Blutaustausch oder ähnliches?“
Ihr selbst kamen ihre eigenen Gedanken sehr abstrakt vor, von so etwas hatte sie noch nie gehört, aber man durfte nichts alleine durch Unwissenheit ausschließen.
Ihre Ohren spielten, der fremde Rüde näherte sich ihnen noch immer, anscheinend wollte er wirklich zu ihnen. Aber warum jetzt? Hatte er ein Teil des Gesprächs mitverfolgt? Wollte er ihnen böses?
Sheena war auf der Hut, setzte aber gleichzeitig eine freundliche Miene auf. Der Rüde roch schließlich schon ein wenig nach dem eigenen Rudel, er war wahrscheinlich bereits aufgenommen, ihr nur noch nie über den Weg gelaufen.
Aléyas letzter Satz warf sie erneut ein wenig aus der Bahn, bekümmert sah sie die jüngere Fähe an.
“An so etwas darfst du nicht einmal denken. Du wirst nicht sterben. Das weiß ich.“
Erneut stupste sie die Fähe an. Fuhr ihr sanft mit der Schnauze durch das Gesicht. Wie gut es tat jemanden neben sich zu haben. Trotz der schwerwiegenden Thematik ihres Gesprächs.
[Caleb& Aléya]
13.11.2010, 21:05
Seine Ohren zuckten leicht und völlig reflexhaft, um weiterhin das Gespräch zu verfolgen. Das Stichwort "Fluch" viel nicht wieder, und für eine kleine Weile fragte Caleb sich, ob er vorhin überhaupt richtig gehört hatte. Aber immer wieder hörte er dieses Wort, erinnerte sich an die Stimme und den Klang, der sich ihm ins Bewusstsein gebrannt hatte. Wenn diese Wölfe tatsächlich etwas über Flüche wussten, vielleicht konnten sie ihm dann auch helfen? Eine trügerische Hoffnung, dessen war er sich bewusst, aber es war die erste Hoffnung seit langem.
Langsam lichteten sich die Bäume, und der junge Werwolf konnte einen ersten Blick auf die beiden Wölfinnen erhaschen. Beide hatte sie weißes Fell und lagen so dicht beieinander, dass er ihre Körper im ersten Moment gar nicht unterscheiden konnte.
Caleb zögerte. Minyala war nicht hier, und ohne sie fühlte er sich noch unsicherer als ohnehin schon mit ihr. Sie verstand wenigstens etwas von echten Wölfen, ihm dagegen fiel der Umgang mit ihnen noch immer schwer, gelinde gesagt. Aber er konnte auch nicht loslaufen und sie holen - bis dahin waren die beiden Wölfe vielleicht weg, und da er noch immer kaum jemanden hier kannte, würde er sie nur schwerlich wiederfinden. Also jetzt oder nie...
Caleb schluckte. Seine Beine bewegten sich jetzt zögerlicher und steifer vorwärts als zuvor. Minyala hatte ihm erklärt, dass eine geduckte Haltung als Unterwürfigkeit galt und die wahrscheinlichkeit senkte, dass man ihn attackierte. Logisch, war bei Hunden ja nicht anders. Also hielt caleb den Kopf gesenkt, als er zwischen den Bäumen hervortrat und inne hielt. Unsicher sah er zu den beiden Wölfinnen und rang sich ein kurzes Rutenschlenkern ab. Mehr kam ihm zu albern vor, außerdem war das Gesprächsthema nun wirklich nicht das fröhlichste.
"Ähm... hallo..."
Super Start.
" 'Tschuldigung, wenn ich störe, aber... nunja, ich habe da was von wegen 'Fluch' gehört und... naja..."
Trottel, echt mal! Als Mensch würde er jetzt total erröten, nur gut, dass Wölfe das nicht konnten. Wenn jetzt auch noch das Kribbeln wieder einsetzte, war der Schlammassel echt perfekt!
"Also... ich bin auch... verflucht..."
Ha, und er hatte es trotzdem gesagt! Nun konnte er ja fast stolz auf sich sein, wenn er nicht so herumgestottert hätte!
"Oh, mein Name ist Caleb, übrigens..."
[Sheena und Aléya]
14.11.2010, 17:00
Das Tal wurde in einen Umhang von Kälte getaucht und das empfindliche Gleichgewicht der Jahreszeiten gestört. Die letzten drei Tage war es mit einem mal so kalt geworden wie im Winter, und obwohl Turién es selbst nicht wissen konnte, hatte er mitbekommen, dass dies alles andere war, als normal. Kam das Nichts wieder? War es wieder so weit, dass die Gegenden in einen Nebel aus Nichts gesogen wurden und alles wieder von vorne anfing? Hatten die Erwachsenen nicht gesagt, dass alles einen Kreislauf bildete?
Auch an diesem Morgen hatten der Silberprinz sich wieder aufgemacht, um seinen Himmelsfelsen zu erklimmen und die Stille und Ruhe dieses Ortes zu genießen. Er hatte die letzten Tage eigentlich nur dort oben verbracht, um alleine zu sein, oder auch in Gesellschaft, aber vorallen Dingen, um mit sich selbst ins Reine zu kommen und zu verstehen, was passiert war. Doch das Gebilde, das in seinen Gedanken gelebt hatte, bevor es das Nichts ausgespuckt hatte, war an diesem Tage schon von jemand anderem erklommen worden. Erst war es nur der sanfte Hauch einer Fährte, doch als der junge Rüde den Ausstieg wagte wurde er immer langsamer und hielt dann inne. Es war die Fährte seiner Mutter. Beklommen betrachteten die sonnenfarbenen Augen den Aufstieg, unentschlossen. Seit dem Vorfall, der das Rudel geteilt und in Aufruhr gesetzt hatte, hatte er sie nicht mehr gesehen, nicht mehr gesprochen - einfach aus dem Grund, weil er so ziemlich mit keinem von sich aus Kontakt aufgenommen hatte, außer mit Nerúi. Der Jungrüde stand einige Minuten unentschlossen da, haderte mit sich selbst um sich dann doch umzudrehen und wieder zu gehen. Er konnte Tyraleen nicht in die Augen blicken. Noch nicht. Der Vertrauensbruch war noch zu groß, was auch immer die Gründe für den Tod Tascurios gewesen waren. Leise schlich er wieder herunter und lief gen Osten. Dort wo die Sonne sich sonst immer über dem Tal erhob, aber heute von dunklen Wolken verdeckt war und alles in düsteres Licht tauchte.
Er war einige Zeit unterwegs, als ihm abermals ein bekannter Geruch auffiel. Diesmal war es sein Vater. Irritiert spielten seine Ohren umher - ob das nun Zufall war oder nicht, irgendwie seltsam war es schon. Was nun? Wieder umkehren und die Gesellschaft meiden? Abermals unentschlossen lief der Silberne weiter, blickte immer wieder zurück, und fragte sich, ob es nicht doch einfach besser wäre einfach umzukehren und sich ein Plätzchen zu suchen, an dem sich noch niemand befand - in diesem großen Revier musste es so etwas doch geben.
Doch diese Entscheidung wurde ihm abgenommen, als Averic in seinem Blickfeld auftauchte; jetzt war es ohnehin zu spät, würde er jetzt wieder umkehren wäre das respektlos. Aber wie sollte er mit dem Dunklen umgehen? Locker trabte er auf den Schwarzen zu, und je näher er kam, desto mehr überkam ihn ein ungutes Gefühl. Als wäre etwas böses in der Nähe.
"Papa?"
[Erst Himmelsfelsen - dann Totes Land | Averic ]
15.11.2010, 10:56
Auf Tyraleens Begrüßung hin senkte sie nur kurz bedauernd den Kopf. Sie hätte schon viel früher hier sein sollen, das Gespräch mit ihrer Schwester suchen – oder überhaupt einfach nur da sein. Sie bedauerte ihre Launen, den inneren Drang, ihre Erfüllung im Glück oder Unglück anderer zu suchen, sich an ihrer Umwelt zu definieren. Irgendwo tief in sich drinnen wusste sie, dass dies der schwächste und dümmste – aber derzeit einzige Weg für sie war. Bedauerlich. Der interessierte Blick ihrer hellen, lapislazuliblauen Augen ruhte auf der dunkleren der beiden Schwestern. In Kishas Worten lag so viel Ehrlichkeit, so viel Bedauern, dass Parveen kurz den Blick abwandte, über die wilde Landschaft wandern ließ. Auch sie hatte sich fremd gefühlt – tat dies noch immer manchmal – doch dieses seichte Gefühl des ‚fremd seins’ war nichts im Vergleich zu den Lücken, welche ihre Schwester zu füllen hatte. Alles errichtete sich auf der Vergangenheit, jeder Charakterzug, jeder Gedanke war Resultat vergangener Einflüsse und Erlebnisse. Doch was tat man, wie verhielt man sich, wenn dieses Vergangene..verschwunden war? Blieb man die gleiche Person oder wurden alte Wesenzüge mit dem Verschwinden des Grundbausteins, der Vergangenheit, ausgelöscht? Verlor man da nicht das Vertrauen in sich selbst, seine Umwelt? Wie zur Bestätigung berichtete Kisha von ihrer Unsicherheit, aufgebaut auf dem Vertrauen in eine Persönlichkeit die sie eigentlich – ihrem damaligen Standpunkt nach – gar nicht gekannt hatte. Banshee. Ja, sie vermisste ihre Mutter, ihre Ruhe und die unheimliche Gabe Hoffnung zu säen wo sie eigentlich verloren zu sein schien.
Erst als Tyraleen ihren Namen gebrauchte, schreckte die junge Fähe aus ihren Gedanken auf, wandte ruckartig den Blick in Richtung ihrer hellen Schwester und nickte dann (etwas zu heftig) bestätigend.
„Du hast die Sonne sehr gerne gemocht…und dein dunkles Fell. Einmal saßen wir alle zusammen – mit Malicia – und haben den Himmel betrachtet. Kannst du dir vorstellen, wie man sich Ewigkeiten mit den Weiten des Himmels beschäftigen kann? Hm…ich glaube du warst damals die erste, der dieses Spiel zu langweilig wurde..“
Langsam hob sie ihre Schnauze gen Himmel, ließ den kühlen Wind ihre Nase um spielen und duckte sich dann wieder in die schützende Wärme ihrer Schwestern. Es war tatsächlich ungewöhnlich kalt geworden, eindeutig zu kalt und doch ließ sich diese Eiseskälte gekonnt ignorieren..wenn man sich an die Wärme der Sonne erinnerte. Illusion.
„Ich bin sehr froh, dass du wieder zu uns gefunden hast und irgendwann…“ Sie machte eine kurze Pause, versuchte unter Tyraleens Nase hinweg dem Blick Kishas zu begegnen. „…irgendwann wird sich der Schleier lichten. Und wenn wir dir von jeder Blume, jedem Käfer und jedem Wort berichten.“
Aufmunternd lächelte sie ihrer Schwester zu und drückte sich dabei noch etwas enger an den Körper Tyraleens. Sie war lange keinem Artgenossen mehr so nahe gewesen, die wenigsten Wölfe hatten ihre Nähe gebraucht. Aber es tat gut sich einmal nicht verstellen zu müssen – wenn sie denn überhaupt noch wusste wie das ging. Die Familie, ihre Schwestern, waren ihr Leben..und für dieses Leben lebte sie. Mit jeder Faser ihres drahtigen, hübschen Körpers.
Die Frage ihrer Schwester kam überraschend, wenn auch nicht ganz unerwartet.
„Weißt du…ich wollte mithelfen, ich wollte das Revier unserer Eltern wieder zum blühen bringen. Mit euch. Aber mein Herz, meine Seele, mein Kopf oder was auch immer diese Vorstellungen lenkte, hat mich im Stich gelassen. Ich habe einfach nichts gesehen. Aber ich bin das gewohnt…manchmal wenn ich die Augen schließe, versuche ich zu träumen. Irgendetwas. Aber da ist nichts.“
Während ihrer Erzählungen war das Lächeln auf Parveens dunklen Lefzen nicht verblasst. Heute wollte sie ihrer Schwestern Halt sein, es gab keine eigenen Ängste und Sorgen, wenn das Leben ihrer Familie im Vordergrund stand. Tyraleens Schmerz war auch der ihre, Kishas verlorene Erinnerung war auch ihr Kummer. So war das.
„Und das ist okay, solange wir leben ist das okay.“
[Himmelsfelsen | Kisha & Tyraleen]
15.11.2010, 13:46
Mit dieser Energie, die durch ihren Körper flutete, kam die Unruhe, die sie zum weiter laufen zwingen wollte. Die sie nicht still stehen ließ. Atalya lauschte mit aufgestellten Ohren dem Gespräch der beiden Wölfe, blickte von einem zum anderen. Lyerras Lächeln auf ihre Worte hin erwiderte sie sachte, lauschte dann den weiteren Worten, die den Fang der Fähe verließen. Ein Geschenk der Götter. Hmm.. Nein, das konnte sie sich nicht vorstellen. Erst wartete sie Ráyons Worte ab, setzte dann selbst zu einer Antwort an. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass es ein „Geschenk“ war.
“Wieso sollten die Götter uns krank machen? Was für einen Grund hätten sie, einige Wölfe krank zu machen, es anderen besser als je zuvor gehen lassen und.. manchen gar nichts antun?“
Abwartend blickte sie zuerst die weiße Fähe, dann Ráyon an. Kaum hatte sie geendet, stellte Lyerra eine weitere Frage, auf die Atalya den Kopf zu ihr wandte. Die Frage war an Ráyon gerichtet, also wandte die Graue für den Moment den Blick zurück zum Rudel. Ein wenig entfernt konnte sie Madoc und Avendal sehen. Wie es wohl diesen beiden ging? Gerne wäre sie zu ihnen gegangen, wollte sich aber nicht einfach wieder von den beiden anderen abwenden. Nebenbei lauschte sie der Antwort des braunen Rüden, wandte dann den Blick herum, als er die Frage an die weiße und sie selbst zurück gab. Ihre Ohren legten sich leicht zurück, als die Bilder der vergangenen Tage an ihr vorbei zogen. Die Worte ihrer Mutter, und auch ihre eigenen hallten in ihrem Kopf wieder, wie ein endloses Echo. Die graue Fähe atmete tief durch, richtete den Blick dann wieder auf den Rüden.
“Ich.. war oft allein. Ich wollte nachdenken und konnte dabei keine Gesellschaft von anderen gebrauchen.“
Mit den letzten Worten ließ sich die Graue auf die Hinterläufe sinken, den Blick weiterhin auf Ráyon gerichtet, der schon zur nächsten Frage Lyerras antwortete. Zu gerne hätte sie gewußt, was hier los war. Wieso manche Wölfe wie Ráyon so schwach und erschöpft waren und andere, wie sie selbst, vor Energie strahlten. Und dann gab es noch die, die wie immer waren. So wie Lyerra. Die Fähe streckte die Beine, blinzelte zum tristen Himmel, ehe sich der helle Blick wieder auf die anderen beiden Wölfe richtete.
“Glaubt ihr, die Götter beeinflussen das Wetter? Wieso ist es so kalt, obwohl wir uns alle an der Sonne wärmen sollten?“
[Rudelplatz - Lyerra & Ráyon]
16.11.2010, 17:30
Avendal’s Ohren zuckten leicht und sie blinzelte in Madoc’s Richtung. Der kalte Wind legte sich eisig über ihr Fell und ließ das weiße Ding frösteln, dabei entkam ihr ein Schnauben und ihr Atem bildete kleine Wolken die aus ihren Nasenlöchern kamen. Die Fähe entkam aus ihrer Seitenposition in der sie lag und drückte sich nun flach auf den Boden, den schmalen Kopf kurz auf die Pfoten gepresst. Seine Worte die tief aus dem Maul des Rüden kamen und seltsam weise klangen, brachten Avendal dazu den Kopf zu heben. Den Gedanken hatte sie auch schon und drehte bekümmert ihre Schnauze gegen den Boden. Lag es daran das sie noch immer nicht mit ihrem Vater gesprochen hatte? Das darauffolgende Seufzen das von Madoc’s Seite her kam, veranlasste die Fähe dazu ihren Kopf wieder zu ihm zu drehen. Sie blinzelte, die Flüssigkeiten in ihren Augen machten ihr schwer zu schaffen, doch auf seine Worte hin schüttelte Avendal nur mit ihrem Haupt.
„Ich seh in dir keinen Fremden Madoc, du bist ein Freund von Atalya, ich vertraue dir.“
Sagte sie zuerst und spannte ihre Muskeln an um sie daraufhin wieder locker zu lassen. Durch den eisigen Wind der ihr in Pelz und Fleisch schnitt versuchte sie sich dadurch nur zu erwärmen und ihren Körper auf Anstrengung gefasst zu machen. Langsam und zögernd wandte sie ihren Blick wieder zu Madoc, sah ihn aus ihren tiefblauen Augen an und zog ihre Lefzen zu einem freundlichen Lächeln zurück.
„Ich denke, das ich noch nicht so stark bin um den Tod meines Bruders zu verkraften… ich habe mich auch noch nicht mit meinem Vater ausgesprochen und die Worte die ich über ihn gesagt habe liegen mir schwer im Magen.“
Die Fähe blickte zu Boden, als Madoc sie fragte ob sie aufstehen kann. Vorsichtig schob sie ihre Hinterpfoten zurück und spannte die Muskeln an um ihr Hinterteil nach oben zu befördern, was schon recht gut klappte, als sie jedoch ihre Vorderpfoten dazu animieren wollte sich zu erheben begannen ihre Bein zu zittern. Sie fühlten sich so kraftlos und taub an, als hätte sie keine Knochen um dem Körper halt zu geben und keine Muskeln damit sie nicht wieder auf den Boden sackte. Zwar stand Avendal etwas wacklig auf ihren Beinen, doch die Kälte machte ihr immer noch zu schaffen.
[Am Rande des Rudelplatzes | Madoc]
16.11.2010, 21:01
Lyerra spürte Atalyas aufmerksamen Blick auf sich, hörte den beiden Wölfen aufmerksam zu. Atalya bezweifelte, dass die Götter etwas mit den seltsamen Geschehnissen zu tun haben könnten und auch Lyerra selbst fand diese Idee nun sehr absurd.
Die weiße Fähe bemerkte, wie die Jungfähe zu zwei anderen Wölfen schaute. Wollte sie wohl zu ihnen?
Sachte stupste Lyerra die Dunkel- graue an.
„Geh ruhig wenn du willst, Atalya.“
Aufmunternd lächelte sie der Jüngeren zu, wandte ihre Aufmerksamkeit dann Ráyon zu. Dem Rüden schien es wahrlich nicht allzu gut zu gehen, er erzählte, dass sich sein Hinterlauf taub anfühlte und oft wegknickte.
Fragend schaute Lyerra ihn an. Was ging in diesem Rudel nur vor sich?
„Ráyon, hast du wirklich keine Idee wovon dieses Gefühl stammen könnte?“
Wirklich seltsam. Neue Fragen keimten in dem Kind des Universums auf, Fragen über unwichtige, vielleicht auch wichtige Sachen. Warum passierte all dies? War es nur in diesem Rudel so? Warum ging es allen anders? Warum waren manche energievoll, Andere schwach und wieder andere hatten taube Körperteile? Was war der Sinn dieser Sache?
Kurz nur wandte die Vierjährige ihren Kopf zum Himmel, starrte in den grauen Himmel. Dann fragte Atalya ob Götter wohl über das Wetter bestimmten, warum es kalt war wenn es doch eigentlich warm hätte sein müssen.
Ihre Augen schlossen sich für einige Sekunden, angestrengt dachte sie nach. Was könnte sie der jungen Fähe denn sagen? Sie kannte weder die hier herrschenden Götter, noch war sie eine Priesterin oder hier aufgewachsen. Sie war unwissend, genau so wie Atalya und vermutlich auch Ráyon.
„Entschuldige Atalya. Ich kenne eure Götter nicht. Ich könnte es mir vorstellen, aber wieso sollten sie uns im Sommer die Kälte schicken? Alles was momentan passiert macht mir Sorgen. Ich weiß nicht warum es passiert und ich weiß auch nicht ob irgendein Gott uns damit etwas sagen will. Bitte verzeih“
Sagte sie leise. Was hätte sie denn sagen können? Taly war kein Welpe mehr der man Märchen hätte erzählen können, sie war klug, machte sich Gedanken.
Kurz blickte sie noch einmal zu dem Rüden, blickte dann wieder in den Wolken verhangenen Himmel.
18.11.2010, 18:47
Ráyon hörte nur mit halbem Ohr zu und bekam kaum mit, was die beiden Fähen sagten. Er wusste, dass sie ihm antworteten, aber in diesem Moment konnte er sich einfach nicht darauf konzentrieren. Das taube Prickeln in seinem Hinterlauf wuchs bis zum Wahnsinn. Zu gern hätte er sich hier auf den Boden gelegt und so lange den blöden Lauf gezwickt, bis das widerwärtige Gefühl verging, aber das wäre wohl wieder aller Manieren gewesen. Und so oder so: Es hätte vermutlich eh nichts gebracht, sonst wäre das alles hier ja fast schon zu einfach.
Gedankenverloren versuchte er sich weiter in irgendeiner Weise zu erklären, was hier vor sich ging. Die beiden Fähen rätselten auch, wie er sich erahnte. Vermutlich redeten die beiden in diesem Augenblick darüber, doch der Rüde schaffte es nicht ihnen Aufmerksamkeit zu schenken. Es war zum verrückt werden. Eigentlich war er ja nicht dumm, aber Müdigkeit und Kraftlosigkeit ließen nicht zu, dass seine Gedankenbahnen ihn weiter als fünf Meter trugen. Immer wieder verlor er den Faden und musste zum Anfang zurückkehren, die ganze Überlegung von neuem beginnen, nur um gleich danach wieder am selben Punkt abzustürzen. Fenris sollte sie holen, diese verfluchte Krankheit, oder was immer es auch war.
Mit einem Schnauben gab er das Denken letztendlich auf. Scheinbar hatte er nicht viel verpasst. Gerade hörte er Lyerra auf eine Frage antworten, die Atalya vermutlich vor kurzem gestellt hatte. Irgendwas mit der Temperatur, die so gar nicht zur Jahreszeit passen sollte. Erst jetzt viel Ráyon auf, wie unpassend das tatsächlich war. Er hatte zwar gemerkt, das er verdammt kalt war, aber dabei hatte er überhaupt nicht daran gedacht, dass sie ja eigentlich Sommer hatten. Wieder ein Schnauben.
Vollkommen gleichgültig dem Gegenüber, um das es gerade ging, schüttelte der Rüde sich.
» Ich weiß ja nicht, wie ihr das seht, aber ich habe auf keinen Fall Lust weiter nur tatenlos rum zustehen und mich darüber aufzuregen, dass es so vielen Wölfen hier schlecht geht. Den Worten sollten Taten folgen und genau das werde ich jetzt auf irgendwie machen. «
Ein relativ trotziger Blick hatte sich in sein Gesicht geschlichen. Er konnte nicht genau sagen, wem genau er trotzdem, aber irgendwen oder irgendwas würde es schon geben, dem dieser Trotz galt. Irgendwo her musste ja dieses schlecht ergehen kommen.
» Ich habe wirklich keine Ahnung, wo ich anfangen soll, aber ich mache mich jetzt auf den Weg und geh dem Übel nach. Auf das es vor mir fliehen wird! So etwas lasse ich mir doch nicht gefallen! Mich einfach so schwächen zu lassen. Und dieses nervige Kribbeln in meinem Lauf! Nein, das soll jetzt aufhören. Ich werde es vertreiben, nachdem ich es irgendwie gefunden habe. «
Er hatte den beiden Fähen in seiner kindlich naiven Rede schon längst den Rücken zugewandt, auf dem Weg zum Ufer des Sees. Er würde ein Stück an ihm entlang schlendern, in der Hoffnung, dass er eine Erleuchtung fand, die ihm offenbarte, wo er suchen musste. Vielleicht half ihm Engaya ja bei diesem Vorhaben. Eine stille Hoffnung, die er nebenher hegte. Ein wortlose Stoßgebet zum Himmel schickend humpelte er ein paar Schritte, nur um gleich wieder stehen zu bleiben. Mit einem Blick über die Schulter, zurück zu Atalya und Lyerra zuckte er mit den Ohren.
» Kommt ihr mit? «
Es kam ihm irgendwie vor wie ein kleines Spiel. Ein Spiel, wie damals im Welpenalter, als sie zusammen, auf der Suche nach Abenteuern durch die Wälder striffen, sich ohne es zu wissen in Gefahr begaben und irgendwie wieder heil heraus kamen. Nur waren sie diesmal vermutlich in weitaus größerer Gefahr. Wer versprach, dass der Zustand der kranken Wölfe nicht schlechter werden würde?
20.11.2010, 15:22
Cirádan hatte nicht damit gerechnet angesprochen zu werden. Oft genug wussten die anderen wohl auch nicht, wie sie mit ihm umzugehen hatten. Genauso wenig wie er selbst also.
Um so erschrockener war er also, als er von der Seite angestupst wurde.
Mit einem hellen Quiken sprang der Jungwolf zur Seite und sah zitternd von unten rauf zu dem schwarzen Wolf, der fragte wie es ihm geht.
DerJungwolf wsste nicht, dass es sein Onkel war. Wusste nur, dass er Takashi heißt.
"Ich..."
Langsam entspannt er sich wieder und hob ein wenig den Kopf. Die Ohren und die Rute waren immer noch eng an den Körper gedrückt und das Zittern wollte ebenfallsnicht aufhören.
"Du bist Takashi... ich friere. Haha..."
Unsicher lachte er. Ja, irgendwas hatte das Rennen mit Caylee doch in ihm zum Rollen gebracht. Aber nur langsam. Ganz, ganz langsam würde das Geröll verschwinden.
"Ist es oft... im Sommer kalt?", wollte er unsicher von dem schwarzen, größeren Wolf wissen.
Vielleicht war es sogar ganz normal, dass es manchmal im Sommer so kalt wurde und er hatte es nur nicht gewusst. Natürlich nicht. Cirá war ja auch noch unglaublich jung.
[ am Rudelplatz | bei Takashi]
20.11.2010, 15:48
(Auf Chardíms Bitten hin tausche ich mit ihm die Reihenfolge - also schreibt er nach mir, und dann wieder du, Neytíri ^.~)
Noch ein Schritt vorwärts, den er nicht verhindern konnte. Er wehrte sich, kämpfte, zögerte ihn hinaus - und dennoch hob und senkten sich seine Pfoten langsam aber sicher, und schoben ihn näher zu der dunklen Gottheit, die mit glühenden Augen nach ihm rief. War jetzt der Moment gekommen, an dem er sich selbst an Fenris verlor? Würde der Todesgott ihn auf seine Seite zwingen, jetzt und für immer?
Der finstere Gott drehte den Kopf, und Jakash konnte nicht anders, als seinem Blick zu folgen.
'Oh, bitte... bitte nein...'
Ihre Stimme war so klar und hell, als die Fähe zu ihnen herüber rief. Weiß leuchtete ihr Fell, auch wenn der Schimmer getrübt war durch die Nähe Fenris' und das Dunkel, dass er mit sich brachte. Jakash wusste nichteinmal zu sagen, wer da stand - wohl aber, zu welcher Gottheit sie gehörte. Engaya. Und die schreckliche Angst in seiner Brust wurde zur fürchterlichen Gewissheit, als er spürte, wie eine Welle aus Hass durch seinen Körper rollte, der nicht sein eigener war.
'Nein bitte.... bitte nicht...',
dachte er nur immer wieder, während sich ein roter Schleier über seinen Blick zu legen begann. Er wollte niemandem etwas antun, aber wenn er diese Schlacht schon verlor, so konnte er nur hoffen, dass es nicht Rakshee, oder seine Mutter oder Sheena war, die dort stand.
Aus der tiefe seines Brustkorbes bahnte sich ein dunkles, immer lauter werdendes Grollen seinen Weg in seine Kehle, während seine Augen den Engaya-Wolf fixierten. Mit einem Ruck entlud sie die Spannung, die die ganze Zeit an seine Muskeln gezerrt hatte, und katapultierte ihn vorwärts, auf sein Opfer zu. Innerlich schrie er vor Verzweiflung, als seine Zähne den Nacken des weiß leuchtenden Wolfes packten. Es kostete ihn seine ganze Willenskraft, um seine Zähne nicht tief in das Fleisch seines Opfers zu rammen, sondern es bei einem festen packen zu belassen. Dagegen konnte er nicht verhindern, dass er wie von Sinnen seinen Gegner hin und herschüttelte wie ein frisch gefangenes Kaninchen. Tränen rannen ihm über die Wangen, während der Blick seiner grünen Augen zwischen Mordlust und Verzweiflung hin und her wechselte...
[Bach | Chardím, Neytíri]
20.11.2010, 16:52
Als Jakash mitten im Satz abbrach, spürte Chardím, wie ein kalter Hauch über seinen Körper hinweg glitt und ihn erschaudern ließ. Er sah nicht das, was sein Patenonkel nun sehen musste, aber war sich durchaus im Klaren darüber, dass sich gerade etwas verändert haben musste.
„Jakash ...?“,
fragte der Schwarzweiße vorsichtig, als ein Zucken durch dessen Körper ging und er sich von seiner Seite löste. Ein klammes Gefühl ergriff den Jungwolf. Er wusste nicht, was mit dem Schwarzen geschah, aber was es zu bedeuten hatte, machte ihm ein Ruck klar, der wie ein heller Schrei durch sein Inneres stieß. Ihm wurde schwarz vor Augen und er spürte, wie das Gleichgewicht, dass er in den letzten 3 Tagen verzweifelt und krampfhaft versucht hatte in sich zusammen zu halten, auseinander gerissen wurde. Die Macht des Todes war in diesem Moment viel zu stark und schien alles zu umgeben. Halb blind blinzelte Chardím hinter Jakash her und versuchte ihm zu folgen, doch seine Pfoten fühlten sich an, als hätte man ihnen Blei angehängt.
„Jakash ...“
Beinah fiel ihm sogar das Atmen schwer. Langsam schlich sich die Erkenntnis in seinen Geist, dass sein Leben vom Gleichgewicht zwischen den Göttern abhängig war und dass er schwächer wurde, je weiter es kippte. Chardím stockte, als er eine Gestalt in Jakashs Weg auftauchen sah und eine Stimme hörte. Gleich darauf drang das Grollen seines Paten immer lauter an ihn heran und dann sprang jener los, auf die Wölfin zu.
„Neeeein!“
Der Schwarzweiße stolperte bei dem Versuch hinterher zu rennen bloß nach vorne und landete unsanft auf der Schnauze. Hektisch wühlte er nach ein bisschen Kraft in sich – und schließlich blieb ihm nichts anderes übrig, als sich der stärkeren Hälfte in ihm zu überlassen und die Mitte zu verlassen. Als wäre sie seine letzte Hoffnung, haschte er nach der Kraft von Fenris und augenblicklich spürte er, wie die Wut und die Kraft in ihm neue Überhand gewann. Die Lefzen zu seinem stummen Knurren verziehend, hievte sich Chardím auf die Läufe und sprang los; sich in diesem Moment keinerlei Gedanken darüber machen könnend, was dies für Folgen für ihn haben könnte.
Jakash hatte Neytíri – die er in der Hast fast nur beiläufig erkannte – bereits am Nacken gepackt und auch, wenn er dies nicht wollte, blieb ihm nichts anderes übrig: Um seinen Paten daran zu hindern richtig zu zubeißen, musste er ihm weh tun.
„Hör auf!“, brüllte er noch, kam bei den zwei Wölfen an und dann schoss sein Kopf nach vorne und von oben auf Jakashs Schnauze zu. Seine Fänge schnappten unsanft in den Oberkiefer des Schwarzen. Ein Schmerzwinseln drang an seine Ohren und als er spürte, wie Jakash die Graue losließ, machte er automatisch einen Satz nach hinten - seinen Paten allerdings nicht loslassend. In diesem Moment wollte er ihn nur von der Wölfin wegreißen. Da er Jakashs Gewicht damit quasi gegen sich schleuderte, verlor er das Gleichgewicht und zog den Schwarzen mit sich zu Boden, seine Schnauze erst jetzt loslassend.
[ Bach | Jakash, Neytíri ]
20.11.2010, 18:23
Am liebsten wäre Aléya fort gelaufen, hätte alles hinter sich gelassen. Vor allen Dingen die Angst, die an ihrem Herz nagte. Urion war also gestorben. Würde sie ebenfalls bald sterben und elendig an was auch immer zugrunde gehen? Es war ein beklemmendes, erdrückendes Gefühl, die Vermutung, dass es mit ihr bald zu Ende ging versetzte ihrem Herzen bei jedem Pochen einen Seitenhieb.
Dazwischen merkte sie die sanfte Berührung Sheenas, die ihr über den Kopf leckte. Die Augen geschlossen neigte Aléya sich ein bisschen nach vorne. Sie fühlte sich elendig und daran konnte man in dieser Sekunde nichts dran ändern. Also wollte sie ein bisschen umsorgt werden, auch wenn es nur für jetzt war. Sie wollte sich klein fühlen, eben wie ein Welpe, der beschützt werden musste.
„Das Paradies…“, schniefte sie, ein Auge fragend geöffnet. „Meinst du, da kommen alle Wölfe hin?“
Sie wollte nicht darüber nachdenken, doch diese Frage wurde immer wieder in ihrem Inneren aufgeworfen. Was passierte mit ihr, hier, in dieser Sekunde, in den kommenden Tagen, Wochen. Und sobald sie sich geändert hatte: was würde dann mit ihr passieren? Sollten sich diese Veränderungen über das nächste Jahr noch ziehen, dann könnte sie des Rudels verwiesen werden. Alt genug wäre sie dann. Und gefährlich.
Ganz deutlich spürte sie die drohende Gefahr, die sich durch ihren Organismus schob, wie eine versteckte Krankheit, die man lange mit sich trug, bis sie eines Tages ausbrach. In wie fern es sich dabei um eine Krankheit handeln konnte, vermochte die Weiße nicht zu sagen. Sie wusste gar nichts mehr.
„Ich… ich weiß es nicht. Ist das eine Krankheit, was ich habe?“
Als die Fähe leise Schritte vernahm zuckten nicht nur ihre Ohren in selbige Richtung, auch ihr Blick hing auf den Sträuchern, den Bäumen, den Schatten. Leicht verengten sich die Augen der Jungwölfin, die verräterisch funkelten. Längst hatte sie den Geruch eines weiteren Wolfes wahrgenommen, war bisher nur nicht weiter darauf eingegangen, vielleicht wäre er einfach an ihnen vorbei gelaufen. Die Fährte kam allerdings immer näher und als sie die ersten entfernten Geräusche eines Quartetts Pfoten auf dem Untergrund wahrnahm, reagierte die Weiße wie automatisch. Mit ihren scharfen Seelenspiegeln beobachtete sie jede noch so kleine Regung, sie überließ sich dabei ganz ihrem Instinkt.
Die beruhigenden Worte von Sheena nahm sie nur geringfügig auf, dennoch schenkte die Weiße ihr ein dankbares Lächeln. Sie hoffte, dass ihre Jagdleiterin recht behielt. Sollte es sich bei dem um eine Krankheit handeln, dann würde es bald vorbei sein.
„Ich hoffe es… Sheena, wir werden gleich Besuch bekommen…“ Die indirekte Bitte um einen Themenwechsel ließ sie beabsichtigt unausgesprochen.
Sheena konnte sich denken, dass sie ungern über ihre aktuelle Situation vor Fremden sprach. Sie fühlte, dass sich die Schritte weiterhin langsam näherten und erhob sich. Ruhig blieb sie auf den Hinterläufen sitzen, sie wollte nicht von Sheena zu weit weg rutschen, zugleich aber auch aufmerksam sein. Sie kannte den Geruch nicht, nur unterschwellig erkannte sie den Geruch des Rudels. Aufmerksamkeit hatte allerdings nie geschadet, auch wenn es sich dabei um einen Rudelwolf handelte.
Als endlich die Gestalt hervor trat, fiel ein Teil ihrer Anspannung von ihr ab. Es war etwas größer als sie, schlank und trotzdem… sie hatte ein merkwürdiges Gefühl. Es kribbelte in ihrem Bauch und entgegen ihren Willen stellten sich ihre Nackenhaare ein wenig auf. Etwas war an dem Jüngling seltsam. Etwas ließ sie in eine neue Art der Unruhe verfallen. Die weiße Rute der Fähe zuckte nervös hin und her, wobei kaum zu sagen war ob es an dem Erscheinen des Jünglings oder an ihren momentanen Schwierigkeiten und den seltsamen Vorkommnissen lag.
Mit funkelnden Augen betrachtete sie den Rüden, der langsam näher trat, eine unterwürfige Haltung eingenommen hatte. Lag das etwa an ihrem Blick?
Sein Gestotter ließ ihn jedoch ein wenig sympathischer erscheinen. Er wirkte unsicher… und er hatte gelauscht. Missmutig verzog Aléya das Gesicht. Sie hätten doch nicht weiter reden sollen. Als er jedoch an hing, das er selber auch verflucht sei, hoben sich Aléyas Augenbrauen fragend in die Höhe. Trotzdem wagte sie es nicht ihn danach zu fragen und begnügte sich vorerst damit heraus zu finden, weshalb sie dieses merkwürdige Kribbeln verspürte.
[bei Sheena und Caleb]
20.11.2010, 23:07
Neytíri streifte Chardím nur mit einem flüchtigen Blick. Keine stumme Bitte, doch etwas anderes Verborgenes lag darin; es war ein Blick, der Abschied nahm von dem Schwarz-Weißen, ihm wünschte, dass wenigstens er seinen Platz finden konnte. Sie wünschte es ihm, von ganzem Herzen.
Wie ein Schwall aus Schatten nahm sie aus dem Augenwinkel wahr, wie der schwarze Rüde auf sie zuschoss. Ruckartig wandte Neytíri den Kopf. Sie wusste nicht, ob es nur die instinktive Angst war, die sie in sich spüte; die Angst vor dem Tod, der Überlebenswille, der in jedem Wesen wohnte. Ihre Eingeweide tobten, aber sie rührte sich nicht. Ob vor Schrecken, oder weil sie dieses Ende als ihr verdientes Schicksal ansah, wusste sie nicht. In dem Bruchteil einer Sekunde, der ihr blieb bis Jakash sie packte, blieb auch kein Raum mehr für klare Gedanken. Dunkles Grollen, tief wie die Schwärze der Nacht, erfüllte ihr ganzes Sein. Die silbergrauen Augen völlig leer, verlor sie den Schatten, der für sie durch seine Raserei zu hünenhafter Größe heranzuwachsen schien, aus ihrem Sichtfeld. Spürte den unerbittlichen Griff in ihr Nackenfell. Aber sie spürte noch etwas... der Griff war nicht so hart, wie er hätte sein können. Sie wusste, dass der Rüde nicht wirklich böse war; Chardím mochte ihn, das sah sie, wenn die Beiden zusammen waren. In ihrer Zeit nach dem Koma hatte sie das Rudel viel aus dem Hintergrund beobachtet. Die Erkenntnis, dass es tatsächlich Fenris war, der nun dem schwarzen Rüden innewohnte, der sie tot sehen wollte, legte den Sturm in ihrem Inneren. Also war es göttliche Fügung. Unabwendbar, gerecht. Eine Woge aus Kälte und glühendem Hass zugleich streifte sie, als die Anwesenheit des Todesgottes in ihr Bewusstsein drang. Sie verlor den Boden unter ihren Pfoten, als sie scharf umher gerissen wurde. Grausames Schütteln, grausame Schmerzen. Neytíri kniff die Augen zu; es sollte schnell enden, bitte. Sie akzeptierte ihren schlussendlichen Untergang, in dem Moment, als sie erneut umhergewirbelt wurde, ihr Kopf leer und voll von Gedankenfetzen zugleich war. Die Graue prallte hart auf den Untergrund.
Einige Herzschläge lang war sie wie benommen. Vereinzelte Rinnsale aus Blut verklebten ihr Fell, aber die Wunde in ihrem Nacken war eher ungefährlich. Verschwommen wurde sie Chardíms gewahr, der den schwarzen Rüden am Fang gepackt hielt, mit ihm zu Boden stürzte. Erst jetzt, verzögert, kam sein Brüllen bei ihr an. Sie starrte die Beiden an, die im Kampf verwickelt auf dem Boden lagen, beide grollend wie der Donner. Chardím sah... verzweifelt aus und zugleich hart und unerbittlich. Auch von ihm ging nun dieser seltsame Scheleier aus Dunkelheit aus. oder war es nur der des anderen, der Chardím nun ebenfalls umschloss? Neytíri fühlte sich ausgehöhlt, inhaltslos wie ein Schemen, den niemand sah. Was für ein Spiel trieb das Leben mit ihr? Sie war der festen Überzeugung, dass sie tot sein sollte. Nun bereits zum dritten Mal. Ihre Ungewissheit wuchs zu unbändiger Verzweiflung heran, die sich mit einem Mal entlud. Sie schrie. Bis sie keinen Atem mehr hatte. Ihre tränenverschleierten Augen erfassten die beiden Kämpfenden. In den Zügen des gänzlich schwarzen Wolfes trieben Verzweiflung und blinder Hass ein verwirrendes Spiel miteinander. Neytíri erhob sich schwer atmend; sie flehte, betete zu Engaya, dass sie sie zu sich nehmen möge und diese beiden verschonte. Sie wurde von Liebe erfüllt. Liebe zum Leben, Liebe zu diesen beiden Geschöpfen, zu jedem Geschöpf. Die Ganzheit der Welt drang auf sie ein, als sie erkannte, was Engaya war, was Fenris war. Es wirklich begriff, diese große Wahrheit, das beide existieren mussten, damit Leben existieren konnte. Sie durften sich nicht gegenseitig zerstören. Deshalb lebte sie.
"Jakash!"
So hatte Chardím den Schwarzen gerufen. Ihre Stimme war ungewöhnlich kraftvoll und bestimmt. Sie sah die Beiden an, stand da, ruhig und erfüllt von Erkenntnis.
"Du musst das nicht tun. Wehr dich, ich weiß, dass du es kannst."
Der Blick der Fähe war seltsam. Abgeklärt.
[ Bach | Jakash & Chardím ]
21.11.2010, 16:48
Caylee kam sich langsam aber sicher ein wenig blöd vor. Die unfreundliche Hilel starrte sie nur an, als hätte sie ihre Worte nicht gehört und die knickohrige Raja begann plötzlich von Geduld und Zeit zum Kennenlernen zu sprechen. Wollten sie sie alle auf den Arm nehmen? Sie hatte keine Lust irgendwelche missgelaunten Fremden kennenzulernen, die sich einen Dreck darum scherten, dass das hier ein Revier war – ob mit oder ohne Leitwölfe – und sie hatte noch weniger Lust, sich auf einen gemütlichen Selbsthilfekreis von drei Fähen einzulassen. Ihr war es vollkommen egal, woher Hilel kam und ob sie gerade ihren Gefährten, ihre zehn Welpen und ihr Rudel verloren hatte oder von einem Bären über die Berge gejagt worden war. Caylee selbst hatte schließlich auch gerade ihre Eltern verloren, war seltsam schwach und musste diese Eiseskälte schon ein paar Tage länger als die drei anderen ertragen. Und sie war trotzdem nicht so dämlich unfreundlich wie Hilel.
In einer für ihren Zustand erstaunlich kraftvollen Bewegung stellte sie sich wieder auf ihre vier Pfoten und richtete sich zu ihrer vollen, gar nicht einmal so unbeeindruckenden Größe auf. Zusätzlich dazu wurde die Rute gehoben und ganz leicht zeigten sich ihre Zähne. Das Geschwätz von Raja, Adsini und Hilel wollte sie sich nicht länger anhören.
“Jetzt hört mal zu ihr drei. Wenn ihr hier bleiben wollt, schwingt eure Hintern auf zum Rudel – ich führe euch – und wenn ihr nicht hier bleiben wollt, dann verschwindet aus diesem Revier. Über eure schreckliche Vergangenheit könnt ihr euch auch nachher noch unterhalten. Jeder, der bleiben will, wird einem hohen Rangwolf aus dem Rudel vorgestellt und der bestimmt dann, ob ihr bleiben dürft oder nicht. Und dabei solltet ihr euch benehmen, denn dem wird es vollkommen egal sein, was euch passiert ist.“
Ihr Blick huschte über die drei Fähen, die sie nun in ihrem so angenehmen Pläuschchen unterbrochen hatte. Wie schade. Caylee wirkte nicht direkt schlecht gelaunt, viel eher hatte sich Neutralität über ihr Gesicht ausgebreitet und auch innerlich war sie zwar leicht genervt von dem Gesprächskreis, in den sie unfreiwillig hineingeraten war, fühlte sich aber sonst nur leicht müde.
“Alles klar? Mir nach.“
Damit drehte sie sich um und verfiel in einen lockeren Trab. Auf dem Weg zum Rudelplatz würden Aszrem und Neruí noch liegen, falls sie mittlerweile nicht aufgewacht waren, und Caylee hoffte darauf, ihren schwarzen Papa-oder-so zu treffen und ihm die Verantwortung für die drei Neuen zu übergeben. Sie war gespannt darauf, wie sich Hilel, Raja und Adsini verhalten würden, wenn keine schwächliche Jungwölfin vor ihnen stand. Das zauberte sogar ein leichtes Lächeln in ihr Gesicht und da Aszrem nicht weit sein konnte bellte sie, halb heulend halb rufend, seinen Namen.
“Aszrem, Aszrem!“
In der Hoffnung, er möge ihr entgegen kommen und jedes neuerliche Fähengespräch unterbinden.
[ westlicher Wald | Raja, Hilel und Adsini - Aszrem und Neruí in der Nähe]
21.11.2010, 17:08
Aufmerksam beobachtete Madoc die weiße Fähe, die noch immer kraftlos am Boden lag und forstete mit seinen rubinroten Augen abermals das Rudel nach Atalya durch. Er war es nicht gewohnt anderen Wölfen außer seinem Bruder zu helfen, denn was er auf seiner Vergangenheit gelernt hatte war lediglich verteidigen und strategisches Denken. Diese Situation forderte allerdings emotionale Unterstützung und psychischen Aufbau. Beinahe ein wenig ratlos wartete der Hüne darauf, dass Avendal zu ihm sprach. Unglauben keimte in ihm auf, als ihre Worte an seine Ohren drangen. Wie konnte sie ihm vertrauen, wo sie sich doch kaum kannten? Wie konnte sie eine vertrauenswürdige Persönlichkeit in ihm sehen, alleine durch die Tatsache, dass er mit seiner Schwester befreundet war? Madoc hätte mehr Misstrauen erwartet und vielleicht sogar etwas Abneigung, da er sich so schamlos in solch eine Familien Angelegenheit eingemischt hatte und stattdessen erfuhr er Respekt und Offenheit. Dies brachte seine Denkweisen ein wenig durcheinander, doch er störte sich nicht weiter daran. Äußerlich ließ er sich wie immer nichts anmerken und blickte Avendal noch immer aus der neutralen, ernsten Miene heraus an.
"Das freut mich zu hören"
Antwortete er darauf mit seiner ruhigen Tenorstimme und trat einen Schritt näher auf die Weiße zu. Ihrer Problemdarstellung lauschte er mit Aufmerksam und stellte fest, dass es auf das zutraf, was er bereits erwartet hatte. Mit einem Nicken signalisierte er, dass er die Worte zur Kenntnis genommen hatte und darüber nachdachte. Der Hüne würde ihr helfen, sofern es in seiner Macht lag, immerhin hatte er einen gesunden Sinn für Vernunft und wusste Freundschaft und Vertrauen zu schätzen, wenngleich er doch solch kühle Fassade bewahrte.
"Das ist sehr verständlich, Avendal. Doch musst du bedenken, dass du ohne die Gesundheit deines Körpers nichts erreichen kannst. Du musst ein wenig mehr an dich selber denken, denn egal wie nobel ein Wolf sein mag, eine gesunde Menge an Egoismus und das Streben nach dem eigenen Wohl muss dennoch vorhanden sein. Stell dir vor deine Sorgen um andere würden dich noch mehr schwächen, wärest du dann noch in der Lage, die Situation unter Kontrolle zu bringen, mit deinem Vater zu sprechen und den Tod deines Bruders erfolgreich zu verarbeiten?"
Belehrte Madoc sie und die blutroten Augen nahmen einen freundlicheren Ausdruck an. Schließlich sprach er nun nicht als Außenstehender, sondern aus Erfahrung. Denn als es um seinen Bruder ging, hatte er auch zur Selbstlosigkeit und vor allem Selbstkritik geneigt, musste jedoch feststellen, dass es weder für ihn, noch für Llywarch von Vorteil gewesen war, wenn er als älterer Bruder schwach und gebrechlich wurde. Für einen kurzen Moment schloss der Silberne seine Seelenspiegel und rief vergangene Erinnerung auf. Als er sie wieder öffnete, war wieder der gewohnte Ausdruck von Neutralität in ihnen zu sehen, während er Avendal beobachtete, die sich mühsam erhob. Auch als sie auf allen Vieren stand erschien sie sehr schwach und automatisch trat der Hüne an ihre Seite und unterstützte ihren schwachen Leib mit seinem warmen, starken Körper. Der Beschützerinstinkt hatte seine Distanziertheit letztendlich doch überwunden, denn immerhin war sie Atalyas Schwester und keine Fremde.
[Am Rande des Rudelplatzes | Avendal]
21.11.2010, 20:14
Chanuka nahm den Rat dankend an. Malakím befreite ihn nicht davon, selbstständig denken zu müssen, aber er bestätigte seine eigenen Überlegungen und auch das, was Caylee gesagt hatte. Er musste mit seinen Geschwistern das Gleichgewicht in der Familie festhalten, damit sie nicht alle auseinander drifteten.
„Es ist gar nicht so einfach für mich, nun einfach auf meine Geschwister zuzugehen, weißt du? Eigentlich kenne ich sie kaum und wenn nicht als Brüder und Schwestern, sondern eher als Bekannte. Als wären wir einst Fremde gewesen. Ich denke, dass ich mit Turién und Caylee das Gespräch suchen kann, aber mit den Anderen hatte ich nie viel zu tun. Ich weiß gar nicht, wie ich es anstellen soll. Sie sind mir fern und vielleicht wollen sie mir auch gar nicht nahe stehen. Als Tyraleen gebeichtet hat, was geschehen ist, da war ich schockiert über Avendal und Atalya. Und ich kann mich nicht damit auseinander setzen, dass sie vielleicht diskutieren wollen. Ich kann nicht darüber diskutieren, Malakím. Das tut weh.“
Geknickt ließ er den Kopf hängen. Da war auch etwas anderes, das die Sache so ungemein kompliziert machte. Er wusste mehr als die Anderen. Er wusste, das Tascurio seinen Tod vorhergesehen hatte und ihn annahm. Alle anderen wussten das nicht. Vielleicht wäre es nie zu dem großen Streit gekommen, wenn sie es auch gewusst hätten. Aber deshalb durfte er sein Wort doch nicht brechen, oder? Er konnte in dieser Sache aber auch niemanden leichtfertig um Rat fragen. Er würde mit Turién mal darüber reden müssen. Wenigstens mit ihm teilte er dieses Geheimnis. Er wollte sich gar nicht ausmalen, wie es gewesen wäre, wenn er es alleine mit sich hätte herum schleppen müssen.
„Mir eigentlich auch nicht. Ich meine… nichts wo ich hätte darüber nachdenken müssen, ob ich verzeihen will, oder nicht. Ich kann mir aber auch nichts vorstellen. Ich kann Tyraleen ja auch nicht richtig böse sein und auch Averic nicht. Für mich ist es einfach, beide Seiten zu verstehen… aber auch, wie und wodurch sie sich verletzt haben. Auch das tut mir weh. Überhaupt schmerzt mich, was das Rudel sich so alles gesagt hat. Ich glaub auch nicht das sie davon glücklicher geworden sind… oder meinst du nur einer von ihnen fühlt sich heute besser, als noch vor ein paar Tagen?“
[Bei Malakím am See]
22.11.2010, 00:10
Mal wieder strich Liam einfach durch das Revier, ohne ein Ziel vor den Augen, ohne einen Grund den er verfolgen könnte. Mittlerweile fühlte er sich ruhelos, obgleich er noch immer die tiefe Verbundenheit zu sich selbst spürte, obwohl er noch immer auf dem Pfad Buddhas wandelte, spürte er eine innere Unruhe in ihm, die er sich nicht erklären konnte. Es war aufgekommen, als Kandschur, seine Liebe, gestorben war. Dabei spürte er die Liebe noch immer um sich herum, sie lag in der Luft, genauso wie die schneidende Kälte die innerhalb kürzester Zeit über die gekommen war. Anfangs hatte er es zu ignorieren vermocht, mittlerweile schaffte er dies nur noch selten. Also lief er, versuchte die Unruhe abzustreifen, genauso wie man im Frühjahr seinen Winterpelz versuchte loszuwerden. Doch auch das war eine lange Prozedur, also würde ihn auch dieses Gefühl nicht so schnell verlassen.
Vielleicht lag es daran, dass er wenig Kontakt zu anderen Wölfen im Rudel hatte. Eigentlich kannte er nur Neytirí näher. Doch auch sie kannte er kaum. Er hatte auf sie aufgepasst, hatte sie zum Rudel begleitet. Mehr nicht.
Doch warum konnte er sich nicht eingliedern? War er so anders?
Das Rudel bestand aus so vielen verschiedenen Wölfen, es gab einige Wölfe mit stark heraus stechenden Charakterzügen. Warum sollte er also auffallen? Er glaubte nicht an ihre Götter, lehnte sie aber auch nicht ab. Er hatte keinen Gefährten mehr, aber das hatten ja auch nicht all die anderen Wölfe hier. Lag es einfach daran, dass er hier keine Gleichgesinnten finden konnte? Kandschur war der Einzige gewesen, der die gleiche Liebe in sich trug wie der kleine Rüde. Einige Rüden dieses Rudels hatten ihm sogar deutlich zu verstehen gegeben, dass sie diese Liebe ablehnten. War es das, was ihn als einen Einzelgänger dastehen ließ? Vielleicht war der Abschnitt seines Lebens hier, hier in diesem Rudel, einfach beendet und er musste weiter ziehen. Auf dem Weg ins dein Paradies, auf dem Weg zu Kandschur, auf dem Weg die Erleuchtung zu finden.
Trugen ihn seine Pfoten deshalb immer näher zu der Grenze des Reviers? Lange schon folgte er dem Flusslauf Richtung Westen, nur noch schwach war der Duft des Rudels zu vernehmen. Doch etwas hielt ihn noch ab, er zögerte. Schon war die Grenze in Riechweite, sollte er wirklich einfach gehen. Still und heimlich, wie als ob er etwas verbrochen hatte?
Sexualität war kein Verbrechen, nein. Er musste noch bleiben.
Er lächelte und seine Unruhe ließ etwas nach. Anscheinend hatte er wieder einen Schritt nach vorne gemacht, hatte gelernt.
Er blieb stehen, witterte. Zeichnete sich da etwa der Geruch eines weiteren Wolfes ab? Er war sich nicht sicher, zu schwach war der Duft. Doch er blieb stehen, wartete. Wenn da jemand war, würde er bestimmt auf ihn treffen. Dann wäre er nicht mehr allein. Das erschien ihm momentan als die beste Lösung.
[Am Fluss zwischen dem südlichen Mischwald und dem nördlichen Nadelwald nahe der Reviersgrenze -- bald Lunar und Kouros]
22.11.2010, 01:47
Schon wieder war er hier. Wieder da wo er vor Tagen stand. An dem Ort, in dem er vor Tagen die kleine weiße Fähe kennen lernte. Sie hatte ihn echt beeindruckt. Sie war nicht zurück gezuckt als er so imposant vor ihr stand. Hatte nicht nach seiner Pfeife getanzt. War unberechenbar gewesen. Oder auch nicht. Ihre Worte zu ihrem Beschützer wird er wohl erstmal nicht vergessen. Wenn er sie wieder traf, würde er es ihr unter die Nase reiben und ihrem Beschützer auch. Wie Hinterhältig er mal wieder war.
So setzte er nun an, um seine alte Fährte wieder zu finden. Nur um wieder zu seinem Platz zurück zu kommen. Vielleicht wartete sie ja dort auf ihn? Das wäre wohl zu schön um wahr zu sein. Wenn sie auf ihn wartete, würde er sie wohl lockerer behandeln als vor ein paar Tagen. Sich vielleicht sogar dazu bringen lassen mit ihr normaler zu reden. Er wird sie wohl als Ankerpunkt benutzen um in das Rudel hinein zu kommen. Vielleicht kann er dann ja endlich mal wieder richtig entspannen. Wie verdammt noch mal hatte diese kleine Weiße ihn nur dazu bringen können, so anders zu werden?
Er fand seine alte Fährte. Aber nicht nur das. Auch etwas anderes stieg ihm in die Nase. Ein anderer Geruch, der näher kam. Ein Rüde. Nur Rüden rochen so stark. War das etwa der Beschützer von dem die Weiße gesprochen hatte? Es gab nur einen weg es heraus zu finden. Er folgte seiner Nase und setzte seinen Bewegungsapparat in Gang. Leicht wie es nun einmal ein Jäger seines Kalibers tat, schwebte er über dem Boden und baute sich langsam immer weiter auf. Dann kam er in Sicht. Ein gemischter Rüde. Er war nicht groß. Das sah Kouros selbst aus dieser Entfernung. Es war keine Imposante Größe, wie die meisten Rüden auf seiner Reise besaßen. Aber lieber war man klein, schnell und wendig als groß und langsam. Natürlich zählte sich Kouros nicht zu den großen und langsamen. Er war ein gutes Mittelmaß der Dinge.
Der weiße Rüde machte sich nichts aus einer Tarnung. Er kam einfach entlang des Wasserlaufs auf den kleineren Rüde zu. Verlangsamte sein Tempo und blieb irgendwann stehen. Es lagen nun noch viele Meter zwischen ihnen, aber das war eine gute Entfernung. Er wollte nicht zu weit weg von diesem Wolf aber auch nicht zu nah dran sein. Aber zuerst das reden anfangen würde er nicht. Der vor ihm sollte anfangen, schließlich war dies hier das Revier seines Rudels und er wusste somit besser, wie man mit anderen Wölfen sprach. Kouros wüsste nicht einmal, wie man anfängt.
[Reviergrenze, zwischen nördlichen und südlichem Wald l Liam- bald Lunar ]
22.11.2010, 08:26
Lunar schob seinen schlanken Körper weiter, das Treffen mit seiner Schwester war so ausgefallen wie er es sich vorgestellt hatte. Nicht sehr erfreulich! Die Lefzen des Hünen zuckten missgelaunt, er würde seine schlechte Laune an jemand anderem auslassen. Langsam setzte er eine Pfote vor die andere sein Haupt anmutig erhoben. Die stahlblauen Augen ließ er durch die Umgebung schweifen und nur leicht öffnete er seinen Fang um die Witterung auf zu nehmen, doch diesmal war der Wind gegen ihn. Fast schon sanft strich er gegen sein Fell und stellte es auf, ein unangenehmes Gefühl. Doch Lunar störte dies nicht sonderlich, er trat einfach seinen Weg weiter an. Kurz dachte er wieder zurück an seine Schwester Shani die alles andere als erfreut gewesen war ihn zu sehen, ebenso die kleine Sharíku. Bei diesem Gedanken zog sich bei Lunar alles innerlich zusammen, doch nach außen hin verzog der Rüde nicht einen Muskel.
Kälte legte sich um sein Fell doch auch diese Tatsache störte Lunar wenig, zwar besaß er nicht das dichteste Fell oder eine dickte Fettschicht die ihn vor der Kälte schützen konnten, doch Lunar war genau so kalt wie der Winter selbst, weshalb er diesen Frost ebenso mit seiner Kälte empfing. Sein Augenmerk richtete sich auf zwei Wölfe die einige Meilen vor ihm standen. Ein spöttisches Lächeln zierte seine Lefzen und er veranlasste dazu seinen Körper ein wenig schneller zu Bewegen, schließen erstreckte sich vor ihm die offensichtlich perfekten Opfer um seine schlechte Laune zu vertreiben. Und obwohl Lunar wohl eben so eine schlechte Laune besaß konnte man auf seinem Gesicht nicht das Geringste ablesen, weder Wut noch Traurigkeit darüber das seine Schwester ihm so kühl gegenüber gestanden hatte.
Als er den beiden Gestalten näher kam, die definitiv beide Rüden waren, wurden seine Schritte langsamer behielten doch ihre fließenden Bewegungen bei. Der Hüne schob seinen Körper mehr zum Flussufer, hielt an und musterte einen nach dem anderen mit einem kurzen Blick aus seinem stahlblauen Seelenfenster, ehe er sich abwandte um sein Haupt zu Wasser zu neigen. Seine lange Zunge strich ein paar Mal über die Wasseroberfläche um die Flüssigkeit in sich aufzunehmen. Er schluckte mühsam, denn das Wasser war eiskalt und brannte in seiner Kehle. Nun schenkte er seinen beiden neuen Opfern wieder die Aufmerksamkeit, obwohl sie diese eigentlich gar nicht verdienten. Lunar wusste nicht einmal ob er einen von den beiden kannte oder nicht so lange war es schon her, dass er dieses Land betreten hatte.
„Erstaunlich, so viel Glück kann auch nur ich besitzen.“
kam es spöttisch von dem Schwarzen. Seine Zunge schnitt scharf durch die Luft und seine Worte wurden so kalt ausgesprochen die Wasser hätten gefrieren lassen können. Sein Blick glitt von dem Weißen zu dem Kleineren, beide waren sie unter seiner Größe, doch man sollte nicht denken das Lunar zu den langsamen Zählte nur weil er hoch gewachsen war, denn er war ein erfolgreicher Jäger und seine Lieblingsbeute stand direkt vor ihm.
[ Reviergrenze – zwischen nördlich und südlichem Wald | Liam & Kouros]
22.11.2010, 15:33
Raja beobachtete mit wohlwollen das sich die Schwarze Hilel neben sie gesellte und sogleich von ihrer Wanderung erzählte. Lang musste die Wanderschaft der Schwarzen gewesen sein bis hier her, als sie davon Sprach dass sie schon länger keine anderen Wölfe mehr angetroffen hatte. In diesem Satz wiederum versteckten sie eine kleine Entschuldigung und berichtete weiter. Ein müdes Lächeln spielte sich auf der Schnauze der Weißen ab und riss bei den Gedanken, ein ganzes Jahr in so einer Kälte zu leben, die bernsteinfarbenen Augen auf. Raja liebte den Sommer und den Frühling und hasste die Kälte und die nässe, die der Winter und der Herbst mit sich brachte. So konnte sie kaum glauben immer in solchen kalten Gefilten zu leben. Ohne auch nur einen Tag in der Hitze zu genießen. Auch Adsini sprach zu den Thesen der Schwarzen und war über den Wetterumschwung im Tal genauso überrascht wir Raja.
Wie Recht sie doch hat.
Dachte sich die Weiße und hörte nun mehr Caylees genervte Stimme. Diese Fähe wiederum hatte sich aufgestellt und zeigte nun ihre volle Pracht. Doch Raja interessierte dieses jüngliche Verhalten keineswegs. Lediglich ihre wachen Augen stierten die genervte an und horchten ihren unfreundlichen Text, der nicht gerade das Beste währe, wenn man Freundschaften bilden wollte. Doch ob Caylee überhaupt Freundschaft oder gar ein friedliches Miteinander wollte, lag für Raja noch im ungewissen. Ihr barscher Befehlston ihr zu folgen, ließen bei der Weißen eher das Gegenteil bewirken. Wie angewurzelt verkrampften sich die Pfoten und ließen die Krallen in den kalten Boden rammen. Doch wenn Raja Wärme und den Grund für ihr hierher kommen suchte, so musste sie der aufbrausenden Folgen. Ob sie nun wollte oder nicht.
„Na dann werden wir wohl mal unserer „Hintern“, wie die gute Caylee so schön sprach, bewegen und ihr folgen. Auch wenn ich lieber nicht ihrem barschen Ton folgen würde, so ist die Zuversicht ein Ranghöheres Tier zutreffen doch schon verlockender, als die Nervige Stimme der Weißen zu ertragen.“
Sprach Raja erniedrigen über Caylee zu den anderen Beiden und machte sich ebenfalls auf den Weg und folgte der Fähe. In einem raschen Wolfgalopp holte Raja bald zu Caylee auf und blieb ein paar Meter hinter ihr. Ihre rufenden Worte, die den Namen Aszrem gar heraus schreiten. Waren merklich zu hören und die Freude erstrecht. Was würde der Fähe wohl erwarten, wenn sie diesem Wolf gegenüber stehen würde?
[ westlicher Wald | Caylee, Hilel und Adsini - Aszrem und Neruí in der Nähe]
22.11.2010, 17:24
Bei Takashi und Ciradán (und alle, die in der Nähe sind) auf dem Rudelplatz:
Ein lautes, beängstigendes und schmerzerfülltes Brüllen hallte über den Rudelplatz. Es kam aus dem nahen Wald und mit ihm wehte ein Schwall Blutgeruch durch die kalte Luft. Kurz war es still, dann erklang ein schwaches Heulen, jämmerlich und kaum mehr als ein Flüstern im Wind. Wieder war es still, bis schließlich berstende Äste und eiliges Flügelschlagen ein näher kommendes Lebewesen ankündigten. Aus dem Wald brach ein Bär hervor, auf die Hinterbeine aufgerichtet und doch tief gebeugt, aus seiner Nase rann Blut, seine Augen schienen blind und sein Pelz war struppig, an einigen Stellen hing er in Fetzen von dem blutenden Körper des Bären. In seinen Vorderläufen, seltsam verbogen und leblos, hing ein weißer Jungwolf. Nihil. Wieder brüllte der Bär, jetzt viel schwächer als zuvor, versuchte sich gerade aufzurichten und scheiterte daran. Krachend stürzte der massige Körper des Braunpelzes zu Boden, begrub den Körper Nihils unter sich. Einige Zeit lang schienen die blinden Augen des Bären die Wölfe anzustarren, dann regte sich auch das große Tier nicht mehr.
An der Reviergrenze - SL-Ausstieg für Baal und Pyotr:
Die beiden Neulinge, gerade einmal vier Tage im Revier standen zusammen an der südlichen Reviergrenze des Tals. Pyotr war verunsichert, Baal dagegen ziestrebig und wenig sentimental. Zuerst hatte er gedacht ein gutes Plätzchen für Pyotr und sich gefunden zu haben, doch alles war schief gelaufen. Zuerst starb dieser Ethelion einfach so, dann verkündete eine verrückte Weiße ihren Sohn getötet zu haben und schließlich brach mitten im Sommer der Winter herein. Hier gab es nichts für sie beide, ein besseres Leben konnten sie hier kaum erwarten. Also gingen sie, auf der Suche nach einem anderen Rudel.
Ohne sich noch einmal umzusehen begann Baal in einen lockeren Trab zu verfallen und Pyotr folgte ihm schweigend.
22.11.2010, 18:03
(Volk, du kannst natürlich auch noch dazu stoßen ^.~)
Irgendein Geräusch weckte ihn. Aszrem hob den Kopf von den Vorderpfoten, während seine Ohren beständig hin und her flippten und versuchten, erneut das Geräusch und dessen Herkunftsrichtung zu ermitteln. Aber was es auch gewesen war, ob ein Heulen oder das Knacken eines nahen Astes, es erklang nicht wieder. Umso aufmerksamer schweiften seine Augen über die Umgebung und prüfte er witternd die Luft, aber kein anderer Wolf schien sich zu nähern. Nur eisige Kälte erfüllte die Luft sowie ein schwacher Hauch Caylees, der eigentlich viel stärker hätte sein müssen. Aszrem sah neben sich, aber wo sich letzte Nacht noch Caylee und Nerúi aneinander und an ihn gekuschelt hatten, schlummerte jetzt nur noch seine Tochter. Caylee war also schon wach und auf den Beinen. Nachdem sie die ganzen letzten Tage bei Nerúi und ihm zugebracht hatte, brauchte sie jetzt vielleicht mal etwas Zeit für sich allein. Oder aber es war ihr schlicht zu langweilig geworden, als einzige von ihnen drei schon wach zu sein. Bei Caylee wusste man nie so genau - manchmal wirkte sie erwachsener, als sie war, und manchmal welpischer, als einem Jungwolf ihres Alters zustand.
Aszrem gähnte herzhaft und bettete den Kopf dann wieder auf die Vorderläufe. Wie schon die letzten drei Tage kehrten seine Gedanken fast augenblicklich an die Nacht von Tascurios Tod und Tyraleens Geständnis zurück. Einmal mehr fragte er sich, ob er vielleicht überreagiert hatte, und einmal mehr trat ihm das Horrorszenario vor Augen, dass nicht Tascurio das Opfer war, sondern Nerúi. Nein, es bestand kein Zweifel darin, dass Tyraleens Tat zu verurteilen war und eher Strafe verdiente als Unterstützung. Aber mittlerweile war der Schwarzbraune auch zu dem Schluss gekommen, dass er sein Entsetzen nicht so hätte kundtun dürfen, wie er es getan hatte. Früher hätte er sich nie so gehen lassen, hätte seinem Zorn niemals derart freien Lauf gelassen. Nicht, dass er früher nicht erzürnt wäre, aber er hätte seinen Unmut anders geäußert. Eisiges Schweigen und ein entsprechendes Verhalten hätten genauso wenig ihre Wirkung verfehlt und wären doch für einem Rangwolf wesentlich angemessener gewesen. Innerhalb des Rudels nahm er eine hohe Position ein - seit Tyraleens Fall vielleicht sogar mit die höchste, so ganz war das alles noch nicht klar - und so musste er eine gewisse Rationalität und Würde bewahren. Aber seit Nyotas Tod war das nicht mehr so einfach wie früher. Alles hatte sich verändert - ihn selbst eingeschlossen...
Caylees ferne Stimme ließ ihn erneut den Kopf heben und die Ohren spitzen. Sie klang aufgeregt, aber nicht verängstigt, was schonmal ein gutes Zeichen war. Der Schwarzbraune erhob sich vorsichtig, um Nerúi nicht zu wecken, und trabte dann in die Richtung, aus der die Stimme der weißen Jungfähe erklang. Allzuweit musste er nicht laufen - Nerúi lag immernoch in Sichtweite - als ihm schon Caylee entgegen gesprungen kam. Hinter ihr folgten in einigem Abstand drei Fremde.
"Caylee, wen bringst du da mit?",
fragte er sie, als sie bei ihm anlangte, und beobachtete die drei Fremden genau, während sie sich näherten. Seine Haltung war aufrecht und gespannt, die Rute leicht erhoben, wenn auch noch kein Zeichen von Aggression darin lag. Sein Blick lag strang auf den Näherkommenden. Hatten sie sich angekündigt, und er hatte es überhört? War es das gewesen, was ihn geweckt hatte?
[westlicher Wald | Caylee, Raja, Adsini, Hilel - entfernt Nerúi]
22.11.2010, 23:02
((Ich hoffe, ihr seid mir nicht böse, Hilel und Adsini, dass ich mich wieder reinquetsche, aber wenn Aszrem Caylee direkt etwas fragt, ist es ja seltsam, wenn gleich Hilel und Adsini antworten. Reihenfolge ist nun: Hilel, Adsini, Raja, Aszrem, Caylee :>))
Caylee ignorierte Rajas stichelend beleidigende Worte, die offensichtlich so etwas wie rebellisch sein sollten. Tatsächlich kam die Schwäche der Weißen der Knickohrigen zu Gute, unter anderen Umständen hätte sie nun möglicherweise eine fuchsteufelswilde Jungwölfin an der Kehle gehabt. So aber waren Caylees Läufe viel zu müde und ihr Kopf viel zu voll von den Ereignissen der letzten Tage, um sich nun wieder umzudrehen und eine Diskussion – ob verbal oder körperlich – anzufangen. Es gab sowieso andere Mittel, Raja einen Denkzettel zu verpassen und ihr deutlich zu machen, dass sie auch gegenüber Caylee in der Bittstellerposition war, da konnte Raja noch so viele Jahre älter sein. Das hier war das Revier Banshees, Caylees Oma und ihrer Familie, man sollte es sich nicht gleich mit einer Tochter Tyraleens verscherzen, erst Recht nicht mit Caylee, denn die war ihrer neuen Schwester Neruí manchmal sehr ähnlich.
Als Aszrem vor ihnen auftauchte und mit seiner ruhigen, autoritären aber nie erniedrigenden Art nachfragte, fühlte sich Caylee schon ein wenig wärmer. Neruí lag einige Wolfslängen weiter Richtung Rudelplatz und schlief noch immer. Gerne wäre die Weiße nun zu ihrer Schwester gewuselt, doch zum einen hatte sie Aszrem zu erklären, wer das hier war und zum anderen sollte sie Neruí schlafen lassen, so lange es ihr möglich war. Caylee hätte viel für einen tiefen, traumlosen Schlaf gegeben. Sie berührte Aszrem an der Nase, leckte ihm über die rechte Lefze und drückte so gleichzeitig ihre Zuneigung und ihre rangniedrigere Stellung aus. Das machte sie nicht bei vielen Wölfen.
“Das sind drei Fähen, die ich im Wald aufgegabelt habe. Adsini, die Jungwölfin mit den braunen Augen hat sich angekündigt und ich dachte mir, ich sammle sie mal ein. Sie war sehr freundlich und hat darum gebeten, sich uns anschließen zu dürfen. Raja und Hilel dagegen hielten es erst einmal nicht für nötig, sich anzukündigen, sondern schlichen sich lieber wie Diebe an Adsini und mich heran. Dann mussten sie noch ein paar Unfreundlichkeiten loswerden und scheinen nun trotzdem hier bleiben zu wollen. Ich habe sie einfach mal alle zu dir gebracht, sodass du entscheiden kannst, was passieren soll.“
Sie hatte sich während ihrer Ausführung zu den drei Fähen umgedreht und Raja und Hilel einen wenig freundlichen Blick zugeworfen. Natürlich war es einerseits die böse Zunge einer beleidigten Jungwölfin, die hier aus Caylee sprach, andererseits hatte sie nur Tatsachen wiedergegeben – hätte sie eine Entscheidungsmacht, hätte sie keine Wölfe, die sich an einen heranschleichen und dann auch noch unfreundlich sind, bei sich aufgenommen. Wahrscheinlich war es das Glück der zwei, dass Caylee nun mal nur Jungwölfin war und Aszrem erst jetzt zu ihnen stieß. Die Weiße ließ sich neben ihrem Papa-oder-so nieder, froh um eine Schulter, an die sie sich anlehnen konnte und um die Wärme des großen Körpers des Schwarzen.
[ westlicher Wald | Hilel, Adsini, Raja und Aszrem ]
24.11.2010, 16:18
Als er zu den beiden gehen wollte kam auch noch ein zweiter, ihm fremder Wolf, auf Jakash und den anderen zu. Das alleine wäre schon ein Grund gewesen wieder abzurücken, doch irgendwie wurde es Volk mulmig. Der Blick von Jakash war immer bösartiger geworden und Kälte drang von ihm her. Jeder Schritt den der schwarze Rüde, vor seinen Augen warnahm, war wie eine Bedrohung und schien verrückt. Dieser Jakash drehte durch, er griff einfach so ein Rudelmitglied an, Biss die junge Fähe einfach so in den Nacken. Jetzt war ihm klar, dass Volk mit so einem verrückten nichts zu tun haben will. Volk wollte helfen, doch der andere mit dieser seltsamen Fellzeichnung hatte schon eingegriffen, also konnte der Rüde sich seine Kräfte sparen und das Weite suchen. Er dachte über alles nach:
,Erst eine Mutter, die ihren Sohn, zum Schutz ihres Gatten tötete.‘ :was er neutral betrachtete.
,Dann eine sehr gute Frundschaft, die er, zu Lyerra aufbauen konnte.‘ :was ihn positiv stärkte.
,Und jetzt dieser verrückte Psychopath, der sinnlos Angriff und Verletzte.‘ :dass war das letzte was er an negativem, sehen wollte.
Eine Familie die sich selbst zerstörte, wie dumm das doch war. Er wollte wieder zurück, in den Schutz des Waldes, so zog es ihn nach Westen. Die Kälte war tief in seine Knochen gekrochen. Die Bewegung half ihm allerdings warm zu bleiben. Volk wusste nicht was mit ihm los war, denn so schlecht fühlte er sich lange nicht mehr und die Gedanken die ihn quälten, schienen ihn zusätzlich zu schwächen. Viele Bäume, manche lagen vom Sturm umgeweht da, sah er in seinem Lauf durch den Wald und er dachte nach.
,Der Wald erholt sich schon langsam wieder, aber wird sich auch dieses Rudel wieder erholen. Vielleicht hatte der Sturm, auch nur das Rudel etwas durcheinander gebracht, so wie den Wald. Die Ordnung würde schon wiederkommen, auch wenn sie einen kleinen Schubs braucht.‘
Volk wollte seine Gedanken so gerne glauben. Dann sah er plötzlich mehrere Wölfe vor sich, unteranderem einen etwas älteren Wolf und Caylee, die er schon kennengelernt hatte. So kam er langsam und bedacht der Gruppe näher und machte vorsichtig auf sich aufmerksam. Wieder mit einem Fluchtplan in der Hinterpfote, um sich abzusichern, betrachtete Volk die Truppe und stellte sich mit dazu. Die anderen schienen auch neu zu sein und so dachte der Rüde, sich danebenzustellen wäre das richtige.
„Ähm, ich bin auch neu hier und würde gern zum Rudel gehören.“
Seine Worte waren etwas zaghaft und zögernd, aber der Schwarze war sich seiner Sache sicher. Jetzt war Volk Zubami hier und hier wollte er bleiben.
[Westlicher Wald | Hilel, Adsini, Raja, Aszrem, Caylee ]
24.11.2010, 21:25
Ungläubig blickte Takashi auf Cirádan herab, zog eine Augenbraue hoch. Was war denn bloß mit dem Jungwolf passiert? Er war so...anders. Der große Rüde hatte sich hingesetzt, den Kopf ein wenig Gesenkt, um mit seinem Schützling auf derselben Augenhöhe zu sein. Aber irgendwie wollte Takashi den jungen Rüden dort vor sich nicht als seinen Cirádan wiedererkennen. Er hat sich stark verändert und die Kälte schien ihn doch beinahe noch in den Wahnsinn zu treiben!
“Ja, sicher bin ich Takashi. Was ist denn los mit dir, Cirádan? Erkennst du mich denn gar nicht wieder? Hast du vergessen, wer ich bin?“
Hatte ihm denn die Kälte das letzte kleine bisschen Verstand geraubt oder was ging hier vor sich? Der schwarze Rüde schüttelte nur den Kopf, sodass seine Ohren ein wenig hin und her schlackerten und blickte dann erneut Cirádan verdutzt an. Irgendwie brachte es schon etwas Schmerz mit sich, dass der sein seines Bruders gar nicht mehr zu wissen schien, wen er da eigentlich vor sich hatte. Die beiden hatten oftmals viel Zeit miteinander verbracht, da Takashi auch für den Jungwolf sorgen wollte. Doch irgendwie schien genau diese Zeit in Vergessenheit geraten zu sein. Traurig.
“Es ist nicht richtig, dass es im Sommer so absonderlich kalt ist...“
Murmelte der schwarze Rüde leise und sah mit Mitleid an, wie der junge Cirádan dort fror. Kälte konnte so grausam sein, das wusste Takashi. Somit setzte er sich näher an seinen Schützling, um ihn zu wärmen. Mit seiner Schnauze strich er sanft durch das helle Fell.
Doch im selbigen Atemzug ertönte ein grausames Brüllen und plötzlicher Blutgeruch lag in der Luft. Der Schwarze riss den Kopf hoch, in die Richtung des Geräusches, auch seine Muskeln waren zum Zerreißen angespannt, sodass der starke Körper zitterte. Gestärkt vom Blutgeruch. Ein Bär – nein, ein Monster erschien unter dem Lärm von knackenden Ästen und war grausam anzusehen. Wie sich dieses Mistvieh in diesem Zustand überhaupt noch auf den Beinen halten konnte, war fraglich. Eigentlich müsste es doch schon lange tot sein.
Was dann Takashi endgültig zum Überkochen brachte, war, dass dieses Bären-Monster den toten Nihil in seinen Pranken hielt. Der Jungwolf hatte zwar ein eigenartiges Wesen gehabt, aber garantiert nicht den Tod verdient!
Der schwarze Rüde hatte sich schützend vor Cirádan gestellt und drängte diesen ein wenig zurück. Der Rüde selbst symbolisierte nichts anderes als einen Angriff: Ein grollendes Knurren verließ seine Kehle, seine Zähne waren gefletscht, die Ohren aggressiv gespitzt und auch der Blick zeigte deutlich Zorn an. Natürlich würde Takashi niemals auf diese verrückte Idee kommen, sich einem Bären in den Weg zu stellen. Mit seinem Verhalten wollte er nur bewirken, dass das Monster den Rückzug anstrebte und Cirádan in Sicherheit war.
Obwohl der Schwarze lange keine Angst verspürte, beschlich sie ihn dann doch ganz langsam und heimlich. Ein bluttriefendes Ungetüm, was wie untot schien! Dennoch wollte der Hüne nicht nachlassen und der Blutgeruch konnte ihn nur noch wütender machen.
(Rudelplatz | Cirádan)
26.11.2010, 12:56
(Oh Gott, Ly! Ich seh das erst jetzt! xD Atalya ist GRAU nicht schwarz! Dunkelgrau!)
Atalyas Blick wandte sich auf Lyerra, als diese ihr „erlaubte“ zu gehen, wenn sie wollte. Den sanften Stoß kommentierte die Graue mit einem Lächeln, schüttelte dann aber den Kopf. Früher oder später würde sie sowieso wieder auf ihre Schwester und Madoc treffen, also konnte sie sich nun auch ruhig mit den beiden Anwesenden beschäftigen. Die Fähe konnte noch einen kurzen Blick auf das Lächeln der Weißen richten, ehe diese den Kopf herum wandte, und sich wieder an Ráyon richtete. Dann fiel ihr Blick in den Himmel. Ráyon schnaubte, und Lyerra schien über eine Antwort nachzudenken, die folgte, nachdem sie die grünen Augen wieder geöffnet hatte. Die Worte der Weißen brachten sie auch keinen Schritt weiter, aber was hatte sie auch erwartet? Konnte überhaupt jemand auf diese Frage antworten?
“Vielleicht.. ist etwas passiert, was den Göttern nicht gefallen hat? Was das Gleichgewicht gestört hat?“
Die graue Fähe erinnerte sich gut an die Worte ihrer Oma. Das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod.. Atalya verdrängte den Gedanken an die vergangenen Tage. Ráyon war es, der sie diesen Gedanken für diesen Moment vergessen ließ. Mit aufgestellten Ohren wandte die Graue den hellen Blick zu dem Braunen, lauschte seinen Worten. Er wollte heraus finden, wieso es ihm und den anderen so schlecht ging? Und.. wie wollte er das anstellen? Und im nächsten Moment bewegte sich der Rüde schon vorwärts. Sein Humpeln war kaum übersehbar. Schon nach wenigen Metern blieb der Rüde wieder stehen, blickte über die Schulter zurück zu ihnen. Auf seine Frage hin blickte sie kurz zu Lyerra, richtete sich dann an den braunen Rüden und erhob sich.
“Ich weiß zwar nicht, wie du das machen willst, aber ich komme mit.“
Mit wenigen, leichten Schritten war die Graue an seiner Seite, blickte ihn kurz an und wollte sich wieder in Bewegung setzen, als sie noch in dieser Bewegung erstarrte. Ein lauter Schrei hallte über den Rudelplatz, und Blutgeruch stieg ihr in die Nase. Atalyas heller Blick wandte sich herum, zum Waldrand. Dann drang nach kurzer Stille ein Heulen an ihr Ohr, und dann machte die Fähe automatisch einen Schritt zurück.
Ein Bär, voller Blut, erschien zwischen den Bäumen, an ihm klebte Wolfsblut. Atlyas Blick richtete sich auf den hellen Wolfskörper, der leblos von dem braunen Wesen getragen wurde. Das Herz der Fähe machte einige schnelle Schläge, dann stand es für einen Moment still, als das große Tier zu Boden ging und regungslos liegen blieb. Der rot-braune Blick wandte sich herum, kurz richtete sie die Augen auf die beiden Wölfe, ehe sie sich wieder dem toten Bären zuwandte. Nach diesem Geschrei wirkte diese plötzliche Stille fast unheimlich. Aus dieser Entfernung war es ihr nicht möglich gewesen, zu erkennen, ob es sich um einen Wolf dieses Rudels handelte. Und so trat sie langsam in Richtung des Bären, trotz dieses Anblickes war ihre Neugierde geweckt Was hatte diesen Bären so verunstaltet? Wer war der Wolf, den er unter sich begraben hatte? Mit einem Mal hatte sie Ráyons Plan vergessen, konzentrierte sich nur auf den leblosen, braunen Körper. Ihr Herz schlug schneller, und trotzdem siegte die Neugierde und sie näherte sich mit schneller werdenden Schritten dem Bären, das Gefühl der Angst vollkommen ignorierend.
[Rudelplatz - Lyerra & Ráyon - Nähe des toten Bären]
26.11.2010, 20:23
Lyerras Blick war starr. Ráyon wollte los ziehen und heraus finden was los war, er fragte ob sie und Atalya mit wollten. Für einige Sekunden dachte die Fähe nach, schaute den Rüden an.
„Ich weiß nicht Recht ob ich mit will…“
Sagte sie zögern, Atalya wollte mit, folgte Ráyon. Plötzlich hörte man einen lauten Schrei und Lyerra roch Blut, Bär und Wolf.
Wolf?
Verwirrt blickte sie in die Richtung aus der der Schrei gekommen war und ihr Herz stockte. Ein Bär taumelte auf den Rudelplatz, hatte einen jungen, bereits toten Wolf in seinen Klauen, fiel wenige Sekunden nach seinem Schrei tot zu Boden, begrub den Wolfs Körper unter sich.
Schockiert blickte die kleine, weiße Fähe zu dem toten Bäre, blickte auf den Wolf. Es war einer aus dem Rudel, sie hatte ihn schon mal gesehen, hatte jedoch noch nie wirklich mit ihm gesprochen.
Ihr Herz stand still und sie hatte fürchterlich Angst. Ihre Augen waren geweitet, die Atmung beschleunigt.
Die graue Jungfähe wollte offenbar zu dem Bären, lief zu ihm. Erst konnte Lyerra nicht reagieren, dann übernahm ihr Beschützerinstinkt die Kontrolle, ließ sie loslaufen und erst neben Atalya langsamer werden.
„Atalya, warte, geh langsamer. Du musst aufpassen, wer weiß was da passiert ist.“
Ihre Stimme klang ängstlich, verunsichert, sie stellte sich vor die junge Fähe, wollte dass diese langsamer ging.
Kurz, nur einige Sekunden warf sie Ráyon einen Blick zu, schaute dann die junge Fähe an.
„Lass uns zusammen gehen, Atalya. Bitte.“
Sagte sie, die Stimme nun etwas sicherer. Sie würde Atalya beschützen wenn etwas passieren würde, dass wusste sie. Die Weiße konnte doch einen so jungen Wolf nicht alleine lassen. Auch wenn Lyerra selbst noch keine Welpen hatte, hieß das nicht, dass sie keine Muterinstinkte hatte.
Ein sanftes und freundliches Lächeln legte sich auf ihre Lefzen, dann ging sie langsam und vorsichtig auf den Bäre zu, hoffte dass Atalya ihr ebenso langsam folgen würde.
27.11.2010, 14:13
Ob er vergessen hatte, wer Takashi war?
“Du. Bist... Takashi...“, wiederholte er nochmals, doch Cirádan war sich fast sicher, dass der schwarze Wolf dies nicht gemeint hatte.
Aber Cirádans Erinnerungen waren brüchig und er entschied sich, erst mal nicht weiter darüber nach zu denken. Er konnte im Moment auch nicht richtig nach denken, da seine Gedanken ebenfalls wie eingefroren schienen.
Es war nicht richtig, dass es im Sommer so absonderlich kalt ist. Er hörte diese Worte, obwohl sie nur leise gemurmelt haben.
“Ich wusste es.“, stellte er einfach nur leise fest. Ja, instinktiv hatte Cirádan dies gewusst. Er wusste, dass es nicht richtig war, dass es jetzt schon so kalt war.
Plötzlich erschrak der Jungwolf und konnte im ersten Moment gar nicht beurteilen warum. So viel auf einmal geschah. Takashi der durch sein Fell strich. Was aber nur ein erschrockenes zurück weichen zu Folge hätte haben müssen. Nicht mehr.
Sein Herz hörte für einen Moment auf zu schlagen, als sich der Helle bewusst wurde, das da ein Brüllen gewesen war. Und ein Heulen. Ein Wolf... wer?
Kaum fing Cirádan zu überlegen an, brach aus dem Geäst ein … ein Was hervor. Ja, ein Was traf es sehr treffend.
Cirádan sah die Szenerie und wusste nicht, was geschah. Nur mühsam identifizierte er dass es sich um dieses Was um einen Bären handelte.
Viel eher hatte sein Blick an dem Wolf gehangen, der in seinen Pranken lag.
Scharf zog der Jungwolf die Luft ein und versteckte sich hinter Takashi. Im Moment nicht wissend, was ihn so verstörte.
Als er Takashis Knurren hörte und im der Bär im nächsten Augenblick zusammen brach und der kleinen Körper unter sich begrub, da löste sich Cirádan aus der Starre in der er war und lief ohne zu fühlen, ohne zu ahnen zu dem Bären.
Rempelte den schwarzen Wolf dabei an, drängte sich an ihm vorbei und war in wenigen Augenblicken bei dem toten Riesenungeheuer.
Mit zitternden Läufen versuchte er etwas zu wittern, doch da war nur der Blutgeruch.
“NIHIL!“, rief der Helle erschrocken, doch war sich der Worte kaum bewusst.
“Das ist nicht fair!“, knurrte er und schüttelte den Kopf.
Dabei hatte er doch erst angefangen Nihil zu mögen. Nihil, der so mutig gegenüber seinem Bruder war. Und so unvoreingenommen Cirádan gegenüber.. Er hatte angefangen ihn zu mögen. Der Wolf aus dem Nichts. Der seinem Bruder so nah zu stehen schien, wie es Cirádan gerne wäre.
Und jetzt...
Nein, das war nicht Nihil gewesen. Das konnte gar nicht sein. Und... es war gar nicht passiert. Nein, hier lag kein entstellter Bär und unter ihm auch kein Jungwolf. Dies alles war gar nicht passiert.
Trotzig drehte sich Cirádan um und trottete zurück zu Takashi, schenkte diesem ein schiefes Grinsen.
“Haha... Was ist los? Ist was?“, wollte er unsicher wissen und trottete setzte sich direkt mit dem Rücken zu dem Bären. Wenn er ihn nicht sah, existierte er auch nicht.
Aber der Blutgeruch... Dieser hing schwer in der Luft und hatte seine Nase und ganzen Rachen ausgefüllt, so dass sich Cirádan im nächsten Moment erbrach und zitternd zu Boden sank.
Leise winselt mit fest zugekniffen Augen.
“Das ist gar nicht passiert...“
Möglicherweise würde niemand verstehen, warum Cirádan so reagierte, aber es traf ihn schwer.
Er merkte auch gar nicht, dass zwei weitere Wölfe dem Bären näher gekommen waren.
[ am Rudelplatz | bei Takashi und anderen, beim Bären.]
27.11.2010, 20:26
Es war so leicht, diesen Engayawolf hin und her zu schleudern. Eine Kraft durchfloss seinen Körper, so fremd wie mächtig, die ihn anwiderte und zugleich berauschte. Sein Kiefer schmerzte immer stärker, versuchte er doch krampfhaft, nicht fester zuzupacken und seine Zähne tief in den schutzlosen Hals zu versenken. Un dennoch schmeckte er den kupfernen Geschmack des fremden Blutes auf seiner Zunge.
'Es tut mir leid - es tut mir leid - es tut mir so leid...!',
hallte es unaufhörlich in seinem Kopf, aber es war ihm unmöglich aufzuhören. Er würde töten, wie Tyraleen getötet hatte, und auch er würde es nicht verhindern können...
Chardíms Stimme erklang dicht bei ihm, ein Schrei voll Verzweiflung und Wut zugleich. Ohne sich umzuwenden zuckte sein tränenverschleierter, hasserfüllter Blick zu dem Schwarzweißen herum. Oh, wie gern er aufhören würde, wenn er nur könnte! Wie gern er diesen Angriff selbst rückgängig gemacht hätte!
Für einen Moment durchzuckte Jakash der zornige Gedanke, Chardím wolle ihm seine Beute streitig machen. Für einen Moment durczuckte ihn der wilde Drang, seinen Patensohn anzufallen und klar zu stellen, wem dieser Engayawolf gehörte. Und nur einen Moment lang gelang es Jakash diesem Drang zu widerstehen - aber ein Moment, der völlig ausreichte. Chardím prallte gegen ihn, und dann schoss ein glühendheißer Schmerz durch seine Schnauze. Jakash winselte schmerzerfüllt auf und ließ sein Opfer los. Seine Sicht verschwamm in einem grellweißen Blitz, obgleich er die Augen vor Schwerz bereits zusammengekniffen hatte. Von irgendwo - nah und fern zugleich - erklang ein schriller Schrei. Der Engayawolf? Dann zog ihn ein Reißen zu Boden, und der Schwarze konnte nicht anders, als auf seinen Patensohn zu stürzen.
Dann endlich ließ der grelle Schmerz daraufhin nach, und als Jakash blinzelnd die Augen wieder öffnete, war die Welt wieder in Farben getaucht. Fenris war fort - zumindest war von der finsteren Gestalt nichts mehr zu sehen. Geblieben war jedoch ein Pochen in seiner Brust, der Schmerz in seiner Schnauze und das Bewusstsein ob seiner Tat.
"Es tut mir so leid... so leid... ich - ich wollte nicht..."
Der Schwarze schluckte und robbte dann von seinem Patensohn herunter. Hatte er ihn verletzt? Und wie ging es dem Engayawolf? Erschöpft auf dem Bauch liegend sah Jakash sich nach dem unglücklichen Opfer um. Er hatte nicht mitbekommen, dass sie zu ihm gesprochen hatte - der Schmerz hatte alle anderen Sinneseindrücke überlagert. Sein Blick fiel auf eine graue Jungfähe - eine JUNGFÄHE! Oh, Fenris, kein besseres Opfer hätte der dunkle Gott ihm vorsetzen können, um seine Schuldgefühle zu maximieren. Und.. er kannte sie, wurde ihm klar. Er konnte ihr keinen Namen zuordnen, aber er war sich sicher, dass er die Fähe vor sich hatte die er als Welpin zusammen mit Jumaana in der Einöde gefunden hatte. Sie beide hatten der Welpin das Leben gerettet und nun hätte er sie beinahe... hätte sie beinahe...
"Verzeih mir.... verzeih mir... ich wollte nicht... ich war nicht ich selbst... bitte... bitte glaub mir..."
Noch immer entsetzt, schockiert und beschämt über sich selbst und das, was gerade geschehen war, wanderte sein Blick zu Boden. Er konnte der jungen Fähe nicht länger in die Augen sehen - oder ihre Verletzungen betrachten. Unwillkürlich irrten seine Augen zu Chardím.
"Chardím? Wie... wie geht es dir...?"
Hoffentlich hatte er nicht auch ihn verletzt...
[Bach | Chardím, Neytíri]
28.11.2010, 15:30
Krolock lag friedlich dösend und eingerollt unter einem Baum und genoss die Ruhe, die in ihm und der Welt eingekehrt war. Er fühlte sich grenzenlos gut und zufrieden. Seine Stimmung hatte bereits einen Höhepunkt gehabt, als das Rudel sich zerstritten hatte, doch nun war es noch besser geworden. Er fühlte sich einfach rundum gut und es gab keine nervige, störende Moral, die ihn davon abhielt. Er hatte sich ausgeschlafen, nicht wissend, wie lange es her war, dass er so zur Ruhe gekommen war. Es musste jedenfalls länger her sein, als der Tod seiner Eltern. Mochte sein das er als Welpe das letzte Mal wirklich gut geschlafen hatte. Ganz traute er dem Frieden nicht und so lag er auch weiterhin herum, ohne Anstalten zu machen, sich zu rühren. Er war allein, wie immer. Hielt sich nicht weit fort vom Rudel auf, hier war seine Laune immerhin am besten, hatte sich aber auch niemandem mehr gezeigt, seit er mit Caylee gesprochen hatte.
Er witterte Nihil irgendwo in der Nähe, wie so oft, hoffte aber, nicht von der nervigen Ratte gestört zu werden. Seine empfindliche Nase sortierte aus den vielen Gerüchen einen Weiteren heraus, der seine Ruhe jäh zerstörte. Ein Bär. Alarmiert erhob er sich und sah sich suchend um. Er war nicht in unmittelbarer Gefahr, aber ganz gleichgültig war ihm die Sache nicht. Eigentlich war es ihm egal, ob sonst jemand aus dem Rudel Probleme mit dem Bären bekam, aber sein Instinkt hielt ihn zur Vorsicht an. Er umrundete den Geruch. Die pelzigen Riesen waren nicht selten unberechenbar. Vor allem wenn der Winter den Frühling ablöste und Sommer wie Herbst aus der ewig gleichen Reihenfolge drängte.
Der Schrei, der schließlich durch den Wald hallte, fuhr ihm durch Mark und Bein. Er hatte noch nie etwas Vergleichbares gehört. Besonders viel Mitleid hatte er eigentlich nicht für das Opfer übrig, dennoch stand er eine Weile regungslos einfach nur da und wartete. Blut mischte sich unter die Gerüche des Waldes. Die Erkenntnis, wessen Brüllen er vernommen hatte, streifte sein Bewusstsein nur noch am Rande. Ein Grashalm wurde vom Wind auf ihn zugebogen. Er sah auf seine Vorderläufe hinunter. Seine Muskeln zuckten, sein Blut brannte plötzlich durch seine Adern, wie inhalierter Schnee in seiner Lunge. Er fühlte sich, als würde er fallen, ohne dass er sich bewegte. Es war, als würde er innerlich zerrissen. Seine Augen färbten sich rot. Der Grashalm richtete sich wieder auf. In diesem Augenblick brachen die unsichtbaren Ketten, die ihn hatten regungslos stehen bleiben.
Das nächste, was er wahrnahm war, wie seine Pfoten auf den Boden trommelten. Noch nie waren seine eigenen Schritte so laut gewesen. Drohend hallten sie in seinen Ohren wider. Nach wenigen Metern erblickte er Takashi und Cirádan, die dem Bären gegenüber standen. Dieser ging zu Boden, Nihil unter sich begrabend. Noch während er sich mit weiten Sprüngen näherte, nahm er zwei weitere Gestalten war.
Krolock sprang vor den Bären, seine Haltung eine einzige Drohung, die sich doch gegen niemanden richtete. Die roten Augen fixierten einen Sekundenbruchteil die seines ängstlichen Bruders, dann die seines Onkels. Es kam ihm vor, als hätte der Lauf sein Blut nur noch mehr in Wallungen gebracht. Grenzenlose Energie schien in ihm vorhanden zu sein und so geladen, wie er war, vergrub er seine Zähne im Nacken des Bärs. Er riss und zerrte an ihm, mit Schwung, bis Nihil freilag.
Atemlos stand er vor dem weißen Rüden, mit seinen feurigen Augen, die er selbst gar nicht sehen konnte.
„WER IST SO BESCHEUERT UND MACHT KEINEN RIESEN BOGEN UM EINEN BÄREN???“
Sein Schrei verhallte im sonst so still gewordenen Wald. Er war so wütend, wusste gar nicht wohin mit all dem Zorn. Schlimmer als sonst. So schlimm, dass er vor sich selbst Angst hatte. Seine Stimme war so laut, er hatte gar nicht gewusst wie laut er schreien konnte. Nein, er war sicher, dass er bis zu diesem Moment noch nie in der Lage gewesen war, so laut zu schreien. Und sein Blut brannte weiter durch seinen Körper. Kalt wie Eis.
„DU VERRECKST NICHT, DU VERSAGER!“
[Bei Nihil, neben Cirádan, bei Takashi und in der Nähe von Lyerra und Atalya]
28.11.2010, 17:47
Es war erstaunlich, wie sich die gesamte Situation innerhalb weniger Sekunden geändert hatte.
Atalya antwortete, aber kaum das sie ihren Satz beendet hatte und neben ihn getreten war, ertönte ein Schrei.
Es war ja nicht so, dass Ráyon nicht schon kalt genug war, aber dieser Schrei ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren, tobte durch Mark und Bein, brachte seinen Herzschlag für einige Sekunden zum Stillstand. Wie Peitschenhiebe preschten Windzüge mit saurem, ekelerregenden Blutgeruch auf ihn ein. Nur mühevoll brachte er seinen Magen dazu sich zu beruhigen und sein Herz schlug auch nur noch dank seiner Überredungskünste. Die Stille, die danach folgte machte alles nur noch schlimmer. Es war, als würde sie Minuten, ja gar Stunden andauern, ehe das schwache Heulen an Ráyons Ohren drang und ihn erneut erzittern ließen. Und wieder war da diese unerträgliche Stille, erst gebrochen durch das laut in den Ohren dröhnende Krachen und Knacken der Äste, die zerbrachen, als der Bär aus dem Unterholz brach. Sein Pelz hing zerfetzt, teilweise gar in Streifen von ihm herab. Blut quoll aus seiner Nase und aus etlichen Wunden seines Körpers. Seine Augen lagen blind in den Höhlen. Dieser Bär an sich hätte schon gereicht, um Ráyon die Panik und den Schock vollkommen in die Glieder zu prügeln, doch in dieser Situation war es nicht der blutende Riese, der ihn dazu brachte seine Augen in Schock weit auf zu reißen. Nein, es war das weiße Etwas, dass so regungslos und verbogen in den Vorderläufen des Bären hing. Der Rüde erkannte einen Jungwolf in diesem Etwas, kurz bevor der Bär zu Boden ging und das Tier unter sich begrub. Erneut durchfuhr Ráyon ein Schauer, als der blinde Blick des Bären sich auf ihn richtete.
Das nächste was kam raubte dem Rüden jedoch jegliche Aufmerksamkeit. Eigentlich wollte er zu Atalya und Lyerra gehen, mit ihnen reden... irgendwie, doch ein anderer Jungwolf, der nun hier, auf dem Rudelplatz erschien raubte Ráyons Blick. Es war der Schwarze, den er schon vor drei Tagen hier gesehen hatte. Der, der die Götter so verspottet hatte. Kurz verfinsterte sich der Blick des Braunen, ehe er das restliche Spektakel verfolgte. Wie besessen zerrte er den weißen Jungwolf unter dem Bären hervor und schrie ihn an. Die Augen rot, die Stimme voller Zorn erschien er eher wie ein wahnsinnig gewordener Dämon, als wie ein Wolf. Der Rüde kannte weder den Schwarzen, noch den Weißen, aber der Situation war zu entnehmen, dass die beiden sich kannten... und dass der schwarze Jungwolf den Weißen nicht verlieren wollte. Vollkommen gleich was Ráyon vor drei Tagen noch über den Ketzer gedacht hatte, jetzt tat er ihm leid, auch wenn er es dieses eine Mal nicht zugeben würde. Regungslos verharrte er, schweifte mit seinem Blick alle anwesenden. Die beiden Jungwölfe, Atalya, Lyerra und zwei weitere Wölfe, die er nicht namentlich kannte. Dies war schon wieder eine Tragödie, oder? Eine Tragödie, die ihm fast den letzten Nerv raubte.
Sehr erschöpft legte er sich auf den Boden, der ihm seltsam kalt vor kam. Alles kam ihm so kalt vor. Die Luft, die Stimmung, der Boden, seine Gedanken. Ja, sogar seine Gedanken, die in seinem Kopf einfrohren, als wäre sein Hirn von einem plötzlichen Winter erfasst. Erschöpft schloss er für einen Moment seine Augen. Er musste sich beruhigen, gesehenes verdauen. Und danach am besten so schnell wie Möglich hier weg um zu erfahren, was zum Henker hier vor sich ging.
29.11.2010, 14:07
Ohne ein Lächeln auf den Lefzen betrachtete sie ihre beiden Schwestern, dachte noch einmal über ihre eigenen Worte nach. Wie sie früher gewesen war. Was hatte sie glücklich gemacht, oder traurig? Fragen, die sie selbst nicht beantworten konnte. Eine traurige Tatsache, aber vielleicht konnten ihre Schwestern ihr helfen? Vielleicht brachten sie wenigstens ein kleines Licht in die Dunkelheit, die ihre Vergangenheit umhüllte? Tyraleen antwortete zuerst auf ihre anderen Worte, und die Schwarze lauschte ihnen stumm. Auf die Worte der Weißen hin neigte Kisha leicht die Ohren zurück. Der Zorn, den sie für Averic empfand, war kaum zu überhören, er war fast schon zu spüren. Kurz schloß sie die braunen Augen, atmete einmal tief durch und neigte dann den Kopf zu ihrer Schwester, die sich das Blut von den Lefzen leckte. Sie lehnte ihren Kopf an den ihrer Schwester, hielt einige Momente still und blickte ihr dann in die Augen.
“Vielleicht.. braucht er auch einfach Zeit? Versetz dich doch Mal in seine Lage.. wie würdest du reagieren wenn er.. solch einen Fehler begangen hätte? Ich weiß nicht, wie sich so etwas anfühlt.. aber wärst du nicht auch enttäuscht?“
Ihr Blick ruhte auf den Augen der Weißen, die sich einige Momente später an Parveen wandte, um diese zu begrüßen. Dann ruhte ihr Blick wieder auf Kisha selbst, und die dunkle Fähe lauschte aufmerksam den Worten ihrer Schwester. Sie kannte sie als eine verrückte Fähe. Zu gerne hätte die Schwarze gewußt, wie sich diese „Verrücktheit“ bemerkbar gemacht hatte. Sie konnte es sich beim besten Willen nicht vorstellen. Als Tyraleen dann geendet hatte, musste Kisha leicht auflachen. Es war ein schwaches Lachen, und doch so ehrlich.
“Einen Käfer? War ich so leicht zu begeistern?“
Sie schüttelte leicht den Kopf über sich selbst. Es fühlte sich komisch an, solche Fragen über sich selbst zu stellen. Aber wie sollte sie es sonst erfahren? Es gab wohl keine andere Möglichkeit. Dann war es Parveen, die als nächste das Wort an sie richtete. Sie nickte bestätigend, führte dann Tyraleens Worte vor. Sie mochte die Sonne. Malicia.. eine ihrer Schwestern. Zumindest hatte sie ihren Namen gehört.. aber in ihrem Kopf befand sich kein Bild zu dieser Wölfin. Sie wußte weder ihr Fellfarbe, noch den Klang ihrer Stimme. Nun beobachtete die Schwarze, wie ihre dunkle Schwester den Kopf zum Himmel hob, und sich einige Momente später wieder duckte, als wolle sie vor der Kälte fliehen. Die Worte, die sie dann sprach, brachten das sanfte Lächeln zurück auf Kishas Lefzen, und sie neigte den Kopf so, das sie der Dunklen in die Augen blicken konnte.
“Ich wünsche es mir so sehr.. ich bin euch dankbar für alles, was ihr mir erzählt..“
Ihr Blick wandte sich auch zu Tyraleen. Jede Erinnerung war wertvoll. Nie wieder wollte sie so etwas vergessen. Auch wenn sie nicht dafür konnte. Dann richtete sich ihr Blick wieder auf Parveen. Ein leises Seufzen verließ ihre Kehle. Sie alle brauchten Halt, jemanden, der zu ihr hielt. Mit einem tiefen Atemzug schloß die Schwarze die Augen und lehnte sich vorsichtig an die Seite ihrer weißen Schwester. Sie fühlte sich so.. erschöpft.
[Himmelsfelsen – Tryalen & Parveen]
29.11.2010, 19:19
Der kalte Wind zog an dem Fell der Wölfe, er ruhte kaum und so eisig wie das Wetter, waren auch die Stimmungen der Fähen. Ein garstiges Raunen, schien es, war dieses Gespräch. Die Schwarze beherrschte sich. Sie war eine ruhige Zeitgenossin, doch die junge Fähe Caylee war bemerkenswert anstrengend. Zorn erfüllte Hilels Geist. Sie hatte schon lange keine Fremden getroffen, doch sie war sich sicher, sie hatte noch nie so ein Wesen, wie diese Fähe kennen gelernt. Ihr widerstrebte es, gar sträubte sich alles in ihr. Sie hoffte innig, dass der Rest des Rudels mehr Anstand und auch mehr Charakter besaß, an dem sie Gefallen finden könnte. Die sonst bedachte Fähe, die meist nur im Hintergrund blieb, stieß ihre Krallen in den harten Boden und ließ ein verachtendes Schnauben von sich. Die Stimme von Caylee schien gar die feinen Ohren der Schwarzen zu quälen. Die fremde Gestalt beeindruckte die Fähe nicht, das Blecken ihre Zähne, ließ Hilel ein Knurren empor holen. Sollte es eine Herausforderung werden oder eine Art von Spielerei. Es war nur gewiss, Hilel war genervt. Sie hatte sich schon lange nicht mehr mit Fremden abplagen müssen und jene Begegnung schien ihr stetig unwollender zu werden.
Die Worte von Raja bildeten bei Hilel jedoch ein verzerrtes Grinsen über den Lefzen. Sie sprach beinahe die Gedanken der Schwarzen aus und so erkannte sie, dass sie den ersten Funken Gefallen in sich spürte, den sie der Fremden entgegenbrachte. Raja hatte eine ruhige Art, die Hilel genoss und doch trotz dieser Art, wusste jene Wölfin ähnlich wie sie selbst, was sie wollte, wonach sie sich sehnte und wie sie sich durchzusetzen hatte. Ihre Worte waren schnippisch und tadelten die weiße Jungwölfin aus dem fremden Rudel. Jene nahm sich viel heraus, sie musste wenig Erziehung genossen haben oder war einfach unreif. Weder vertrat sie mit Würde ihr Rudel, noch brachte sie genügend Respekt den Fremden dar, als das man hätte sagen können, das sie nur einen Gedanken an eine Führungsposition verschwenden bräuchte.
Ihr einseitiger Blick folgte Caylee und als sie erblickte das auch Raja, nach ihren Worten sich von dannen machte, schien der Ansporn auch die schwarze Wölfin zu erreichen. Langsam setzte sie sich in Bewegung, weniger mit dem Elan den die Knickohrige aufbrachte, um die junge Wölfin vor sich einzuholen. Als der weitere unbekannte Wolf in ihr Blickfeld stieß, war Hilel immer noch ein Stück hinter den Anderen. Sie war wieder bedächtig, wie eh und je. Aufmerksam musterte sie den Rüden, an den sie weiter gereicht wurde, mit den wohl gesonnenen Worten die Caylee formuliert hatte.
Mit einem Nicken gesellte sich die Schwarze in die Reihe neben Raja und verkündete mit monotoner Stimme, dass sie die jenige sei, die auf den Namen Hilel hörte.
Sie hatte genau jene Art an sich, wie auch zu Beginn des weiteren Gespräches. Eine selbstsichere und bestimmte Meinung, die in ihrer Haltung und in ihren Worten wieder zu finden war. Weder befürchtete sie eine Ablehnung, noch eine schlimmere Wendung. Es lag ihr nichts am Herzen. Dies war wohl das Erste, was sie in ihrem Leben erlernen durfte. So war auch ihr Drang, in dieses Rudel zu stoßen und aufgenommen zu werden, rar. Eine vielleicht nette Begleiterscheinung, doch keine Notwendigkeit für ihr Dasein.
Ein weiterer Fremdling stieß zu ihnen, sprach er wolle in das Rudel beitreten. Mit Verwunderung musste sie den regen Andrang feststellen, doch dies war jenes was ihre Neugier verstärkte. Sie beäugte den Schwarzen, er schien zurückhaltend, gar auf der Flucht. Immer bereit. In seinen Worten lag ein Hauch von Unsicherheit, welche sie heraus hören konnte und wieder schien sie hingegen dem Fremden, argwöhnisch. Ihre freundliche Ader war vielleicht nicht stark, obgleich sie sonst nicht negative auffiel. Sie beherrschte es nur stets in dem Schatten der Anderen zu stehen. In ihrer Welt, die sie immer wieder begrüßte. Dort war sie bekannt, dort war sie frei. Diese Beiläufigkeit war es, die sie immer wieder als eine unhöfliche Persönlichkeit werden ließ. Sie war einfach nur still und bedacht. Vorsichtig, jedoch nicht ängstlich.
[Westlicher Wald | Adsini, Raja, Aszrem, Caylee, Volk – ich hoffe das stimmt @-@ so viele ]
30.11.2010, 19:57
Kalt zerrte der Wind an seinem Fell. Averics Blick schweifte über die karge, tote Landschaft und er ließ sie sich vor seinen Augen verwandeln. Es war fast, wie zwei Jahre in die Vergangenheit zurück zu reisen; die Umgebung in der er sich befand war ähnlich, nur trostloser und noch so viel grauer. Geschehnisse ließen seine Gefühle toben, ihn ähnlich wüten und doch noch mehr verzweifeln. Diesmal konnte er nicht mehr tun, als dem schwarzen Gott seine Wut entgegen zu schreien und ihn zu verfluchen. Es gab keinen Trost mehr, denn niemand war mehr da. Kein schuldiger Vater und keine liebende Mutter, die ihm immer, egal was er getan hatte, zur Seite gestanden hatte. Die Einzige, auf die er sich stets bedingungslos hatte verlassen können, darauf, dass sie da war und der Einzige, den er gewissenlos hatte hassen und schuldig sprechen können. Jetzt war es ausgerechnet die Wölfin, die er am Meisten liebte, die er schuldig sprechen und am Besten hassen sollte. Der Schmerz konnte nirgendwo hin. Er fühlte sich genau so allein gelassen wie damals, als man ihm Bruder und besten Freund genommen hatte – nichts war übrig geblieben. Doch jetzt war noch viel weniger übrig geblieben. Schon damals hatte Tyraleen ihn für seinen Schmerz verurteilt und seinen Hass nicht verstanden. Wie hatte er nur der Illusion erliegen können, dies hatte sich geändert? Ihre Anschuldigungen brannten mit jedem Gedanken an sie heiß in seiner Kehle und formten einen Kloß. Die Enttäuschung die er hatte erfahren müssen, war grenzenlos. Er stand vor einem Scherbenhaufen Spott, Hohn, Verzweifelung, Wut und Schmerz.
Die Zähne fest zusammen gebissen, drückte Averic seine Krallen in den staubigen Boden, kratzte sie mit dem zusammenziehen seiner Ballen auf. Nichts konnte er tun. Nein, im Gegensatz zu seiner ehemaligen Gefährtin war Averic nicht in der Lage sie zu hassen. Es tat viel zu sehr weh. Die Gefühle des Schmerzes, die sie in ihm verursacht hatte, erdrückten ihn noch viel mehr, als jeder Hass, der je in ihm gesteckt hatte. Jetzt war es ihr Hass, der ihn kaputt machte und nicht mehr umgekehrt. Und er konnte sich keine Luft machen, musste alles statt dessen in sich einschließen, eine Mauer drum herum bauen und vom eisigen Sturm ihres Hasses einfrieren lassen.
Das Schrecklichste an Allem war nicht zu wissen, wie es weitergehen sollte. Die Welt war schwarz geworden, noch grauer, als sie für den farbenblinden Rüden eh schon war. Es gab keine Sicherheit mehr, niemanden, dem man trauen konnte. Selbst die Götter hatten sich so verlogen und hinterhältig gezeigt, dass er ihnen wohl nie wieder trauen können würde. Fenris hatte ihn hintergangen und Engaya die Wölfe im Stich gelassen.
Averic kniff die Augen zusammen. Waren es nicht seine Eltern, die nun über sie wachen sollten? Hatten sie ihre Kinder im Stich gelassen? Der Pechschwarze war sich langsam gar nicht mehr sicher, wohin sich seine Wut richten konnte, es schien beinahe so, als müsste sie alles verschlingen, weil die Schuld überall hing. War nicht sein Vater nun der Tod? War es nicht wieder einmal dieser Bastard, der ihnen all das antat? Seine Muskeln spannten sich hart an, als ihm wieder die Worte seiner ehemaligen Liebsten durch den Kopf schossen: „Du bist nicht besser als Acollon, du warst immer wie er! Du lässt die, die du liebst im Stich, wenn sie dich am Meisten brauchen! Genau so, wie du alles nachmachst, was Acollon je getan hat! Du warst schon immer grausamer, als ich es je sein könnte!“
Sie tröpfelten brennend heiß seine Brust hinab, wie ein zerstörendes Feuer, dass dort hinwanderte, wo jetzt nur noch ein großes Loch klaffte. Lügnerin. Lügnerin! Sie war so unfair. Das Leben war so unfair. Ihn verurteilte man für das, was er von Geburt an war – dem Leben so fern und dem Tod so nah – doch das Leben hatte ihm immer schon Steine in den Weg geschmissen und hatte ihn brechen wollen. Jede Achtung, die Acollon trotz seiner Verlogenheit und Grausamkeit; trotz seiner ewigen Abwesenheit völlig grundlos genossen hatte, war ihm, egal was er getan hatte, nie zuteil geworden. Er war immer nur sein ungeliebter Schatten geblieben. Wie lange hatte es gedauert, bis man ihn überhaupt als seinen rechtmäßigen Erbe anerkannt hatte? Und dennoch hatte man ihn immer so weit unterdrückt, dass er immer nur Schatten bleiben würde. Hatte er doch schwören müssen trotzdem niemals auch noch Anspruch auf den Rang seines Vaters zu erheben, in einem Moment, in dem er niemals hätte Widerspruch geben können. Hatte das Leben nicht durch Tyraleens Worte deutlich gemacht, was es von ihm hielt? Es hasste ihn. Es hasste ihn so sehr, dass es ihn mit allen Mitteln zerstören wollte. Und letztendlich hatte sich sogar der Tod gegen ihn gewandt. Nein, vielleicht hatte auch er das schon von Anfang an. Denn auch der Tod hatte ihm so viel genommen und ihn dazu gebracht Dinge zu tun, die er bis an sein Lebensende bereuen würde.
Averic kniff die Augen wieder zusammen und drückte die Fänge so fest aufeinander, bis er Blut auf seiner Zunge schmeckte. Harsch wollte er die aufkommenden Bilder von sich und Tyraleen verscheuchen. Ihre erste richtige Unterhaltung, in der sie nichts Besseres zutun gehabt hatte, als ihn für das an zu klagen, was er war. Dafür, dass er um Cylin getrauert hatte und einen Vater verachtete, der nie für ihn da gewesen war. Damals, als sie nach einer Lawine den Anschluss zum Rudel verloren hatten und es zusammen suchen mussten. Sie hatte sich gefürchtet und ihr war kalt gewesen. Aber zusammen hatten sie zurückgefunden. Damals, als er sie, Acollon und Banshee in den Tod gerissen hatte ... ihre Zähne überall in seinem Fell. Das folgende, hoffnungslose Liebesgeständnis – vielleicht hatte das bereits alles ausgedrückt. Es hatte nicht gut angefangen und in einem Desaster geendet. Warum nur? Die Zeit dazwischen war doch so schön gewesen, er war doch so glücklich gewesen, wie nie zuvor in seinem Leben ... die Rückkehr ins Tal, das Versprechen eines Tages in die Berge zurück zu kehren, die Welpen ...
Die dunkelblauen Augen Averics huschten über die Ebene hinweg zum Fuß des Gebirges. Sein Blick verschwamm langsam. Nichts als Schall und Rauch. Wie ein Halm im Wind, so schnell in die Knie gezwungen.
Nichts als Schall und Rauch.
Eine Stimme riss ihn aus den Gedanken und Averics Kopf wirbelte herum. Seine Augen starrten seinem Sohn entgegen und mit dem schwachen Glitzern von Tränen im Blick, wirkte seine Gestalt so hoch aufgerichtet und bedrohlich fast bizarr. Die Luft um sie herum schien zu flimmern, eine Spannung umgab den Pechschwarzen, die beinahe die kleinen Steinchen auf dem staubigen Boden um ihn herum zum vibrieren brachte. Averic lockerte die angespannten Kiefermuskeln, damit seine Zähne nicht länger versuchten sich gegenseitig zu zermalmen und er schluckte den Kloß im Hals hinunter.
„Turién, mein Sohn.“
[ Tote Ebene | Turién ]
30.11.2010, 20:18
Chardím spürte Jakashs Gewicht auf sich prallen und blies die Luft scharf zwischen den Zähnen hinaus, als er hart auf den Boden geworfen wurde. Kurz wurde ihm schwarz vor Augen und noch immer spürte er ein unerbittertes Schwanken der Mächte in sich. Die starke Todeskraft strömte nach wie vor durch seine Venen, doch ebenso wurde die weinende Stimme Engayas in seinem Kopf wieder laut.
Erst als Jakash von ihm runter rollte, konnte er wieder atmen und öffnete die viel zu blauen und dunklen Augen. Doch er fand die Orientierung nicht wieder, die Welt um ihn herum blieb düster und schemenhaft. Zittrig rappelte sich der junge Wolf wieder auf und sein Körper fühlte sich seltsam leicht und gleichzeitig taub an. Er wandte den Kopf in die Richtung, aus der er nun Jakashs entschuldigende Worte vernahm. Es schien, als wäre er wieder ganz er selbst. Doch die an ihn gerichtete Frage, konnte Chardím nicht beantworten.
„Ich ... ich weiß nicht ... es ... was ist mit euch? Seid ihr ... stark verletzt?“
Er lenkte die Frage um und tastete im Dunklen mit dem Blick nach Neytíri. Jakash hatte sie am Nacken verletzt und er selbst den Schwarzen an der Schnauze. Alles spielte verrückt. Nichts wurde besser, nur immer schlimmer. Schwankend bewegte sich Chardím zu seinem Patenonkel hinüber, der noch auf dem Bauch lag. Blinzelnd versuchte er, die Wunde an seiner Schnauze genauer zu erkennen.
[ Bach | Jakash, Neytíri ]
30.11.2010, 22:49
So hatte es ja kommen müssen. Der Rüde steuerte wirklich auf die beiden Fähen zu. Damit war klar, das Gespräch war beendet. Sie hätte auch nicht über solche inneren Konflikte vor einem Fremden weitersprechen wollen. Trotzdem fand sie es schade, hatte sie der Jungfähe doch nicht wirklich weiterhelfen können. Im Gegensatz, sie hatte ihr wohl nur Angst eingejagt und ihre Unsicherheit wachsen lassen. Damit war ihr Plan natürlich vollkommen fehlgeschlagen. Unsicherheit statt Sicherheit. Trotzdem würde Aléya wohl wissen, dass Sheena ihr zur Seite stehen würde, ganz gleich was geschehen mochte.
Doch jetzt galt es geschickt das Gespräch auf den Fremden umzulenken, damit Aléya nicht noch mehr von sich preisgeben musste. Denn anscheinend hatte dieser einen nicht ganz unwesentlichen Teil ihres Gesprächs mitgehört. Eigentlich sehr unhöflich, doch als sie die gestotterten Worte des Rüden realisierte, verzieh sie ihm sofort.
Obwohl sie sehr auf den, nicht ganz nach Wolf riechendem, Rüden fixiert war, entging ihr nicht Aléyas Reaktion auf das Auftauchen. Sie spürte es also auch, konnte es aber anscheinend weniger einordnen als sie selbst. Besänftigend wand sie den Kopf zu der Fähe, natürlich konnte sie nicht wissen, ob der Rüde gefährlich werden konnte, allerdings sah er nicht so aus, außerdem waren sie zu zweit, sie würden sich im Notfall bestimmt gegen ihn verteidigen können. Solange er nicht so unberechenbar wurde, wie Thylia. Sie hatte nur davon gehört, es war im Rudel wohl auch nie vorgefallen, dass sie sich in einen Werwolf verwandelt hatte. Einzig und allein das komische rosa Geschöpft war hin und wieder mal zum Vorschein gekommen. Wobei Sheena auch da keine detaillierten Bilder vor Augen hatte.
Doch nun wollte sie sich dem Neuling widmen, sie begutachtete ihn erneut, ihre Vorahnungen festigten sich, als er erzählte, dass auch er verflucht war.
Sie wollte gerade etwas unhöflicher werden, schließlich galt es zuerst sich vorzustellen, doch dies schob er schnell noch nach. Er schien wirklich sehr unsicher zu sein. Oder gab er sich nur so?
Ihre Ohren schnippten, nicht unruhig aber aufmerksam.
„Hallo Caleb, schön dich kennenzulernen.“ Wenn auch dies nicht der günstigste Augenblick war. Oder kannte er sich auch mit anderen Flüchen als dem seinen aus? „Ich bin Sheena, eine der Priesterinnen Engayas in diesem Rudel. Und hier neben mir eine Freundin, Aléya.“
Sie sagte dies beiläufig, um nicht wieder die Aufmerksamkeit zu sehr auf die Fähe neben ihr zu lenken. Und eine Freundin, von ihrer Seite aus, könnte es so weit kommen. Warum also nicht Aléya ein indirektes Zeichen geben?
Doch, sie vergas ihre guten Manieren, der Rüde verschwand nicht einfach, nur weil Sheena ihn nicht beachtete und in ihren Gedanken ganze Weltreisen unternahm.
„Verzeih meine Frage, du sagtest eben, du seiest verflucht? Ich kenne mich nicht sehr gut damit aus, aber du riechst wie eine Fähe, die einst in diesem Rudel gelebt hat. Ich bin wirklich ganz schön neugierig, deshalb platze ich jetzt einfach frei heraus. Bist du ein… Gestaltenwandler?“
Bewusst hatte sie dieses Wort gewählt, Thylia hatte es bevorzugt, er vielleicht auch. Werwolf klang so endgültig, so brutal. Vorsichtig stand sie auf, trat einen Schritt näher, sog den ungewöhnlichen Duft ein und fragte sich, wie sie wohl aussahen, die rosa Gestalten die so manch einen Wolf in Angst und Schrecken versetzt hatten.
[Caleb und Aléya]
01.12.2010, 22:52
Schnippende Ohren, flüchtige Bewegungen seiner Gesichtsmuskeln, von weitem nicht erkennbar. Für den einen Wolf, den fremden Rüden, konnte er nicht sprechen, dieser war mit einem annehmbaren Sicherheitsabstand stehen geblieben, musterte ihn wohl, fing aber nicht an zu sprechen. Aber für den anderen Wolf, den schwarzen Rüden, konnte er sprechen. Und obwohl Liam bemüht war, jeden Wolf positiv in Erinnerung zu behalten, fiel ihm dies bei dem schwarzen sichtlich schwer. Lunar.
Das Geschehene hatte er verdrängt, so konnte es auch gut möglich sein, dass es einen anderen schwarzen, vielleicht sogar andersfarbigen Wolf gegeben hatte, der ihn damals so runter gemacht hatte, aber das änderte nichts an seiner etwas angespannten Körperhaltung.
Wenn Rüden Rüden liebten war da nichts Schlimmes dran, zumindest hatte er in seinem ganzen Leben nichts finden können. Er wusste, dass er kein Verständnis fordern konnte, Akzeptanz jedoch sollte wohl möglich sein.
Doch er versuchte auch Lunar neutral zu begrüßen, vielleicht war er es schließlich gar nicht gewesen. Im Vergessen war Liam gut, oder besser gesagt im verarbeiten und abschließen.
Die hämischen Worte des Schwarzen ignorierte er, sanft setzte sich sein berühmtes Lächeln auf die Lefzen. Ein einziges Wort konnte ihn nun beschreiben: kuschelig.
Langsam trat er ein, zwei Schritte in Richtung des Fremden, dann blieb er erneut stehen. Schielte zu Lunar, würde er ihn angreifen wollen? Oder kam er nur zu ihnen um sie mit Worten zu piesacken? Beide Varianten waren gut möglich, ein Kampf kam für ihn selbst jedoch eigentlich nicht in Frage.
Er ließ sich nicht beirren, war aber auf der Hut.
„Hallo Fremder.“ Wie doof und unfreundlich das Wort klang. So hart und unharmonisch. „Ich heiße dich Willkommen im Tal der Sternenwinde. Mein Name ist Liam.“
Damit war das Wichtigste gesagt, nun war der andere an der Reihe sich vorzustellen. Er wollte Lunar allerdings keine Chance geben, behaupten zu können, dass Liam ihn unfair behandelte, gar ablehnte. Also drehte er sich danach in seine Richtung, lächelte auch ihm, etwas gezwungener vielleicht, zu.
„Hallo Lunar, schön dich hier zu treffen“
Die Worte waren trotz allem ehrlich gemeint, er konnte keine Lügen über seine Lefzen bringen, dazu war er nicht im Stande. Ebenso wenig, wie er sich nicht freuen konnte, einen anderen Wolf zu treffen. Egal wie ungemütlich dieser werden konnte, ganz gleich was dieser für eine Vorgeschichte hatte.
Trotzdem, er hatte ein eigentümliches Gefühl im Bauch, und sein Bauchgefühl lag nur selten falsch. Würde etwas geschehen? Etwas, mit dem er nicht umgehen könnte. Oder besser gesagt, etwas, was ihn auf seinem Pfad zurückwerfen würde?
[Kouros und Lunar - Reviersgrenze]
01.12.2010, 23:23
Er wusste nicht, wie ihm geschah. Es ging alles so schnell, viel zu schnell, als dass der helle Rüde es hätte registrieren können. Diese Welt, die ihn ohne jede Rücksicht aufgenommen hatte, war viel schwieriger zu begreifen, als sein Nichts. Sein Nichts, in dem es weder Artgenossen gab, die wie Freunde hätten sein können, die sich als wahre Brüder herausstellten, noch einen bestimmten Sinn. Es hatte nur ihn gegeben. Und noch nicht einmal das… oder war seine Existenz je bestritten worden? Ein Überleben gab es dort nicht. Keine Schwierigkeiten, keine Gefahren. Keine Unannehmlichkeiten, von denen es hier, auf dieser Erde viel zu viele gab! Er wollte zurück, vermisste seine Heimat. Vermisste es einfach nur zu sein. Und doch wusste er, dass ihm nichts Besseres hätte passieren können, als hier zu landen. Sich dem seltsamen Schwarzen anzuschließen und hier her zu kommen! Hier, zu Seinesgleichen. In ein Rudel, dass ihn aufgenommen hatte. Würde er selbst sich nicht so stark abgrenzen, hätte er sich sogar integrieren können.
Hätte. Hätte. Hätte!
Vielleicht war das der Grund, warum Nihilus sich einfach mitreißen lies. Warum er nicht geflüchtet war, als der Bär sich ihnen näherte. Er wollte nicht. Wusste nicht, vor was er davon laufen sollte. Wie konnte ein Wesen der Erde denn schon eine Gefahr da stellen, wenn er, ein einfacher Wolf, in der Lage gewesen war etwas Unbesiegbares zu überlisten?! Nein, nicht er allein. Aber sie hatten es geschafft. Zusammen – gemeinsam. Als ein Team. Wäre der Junge in der Lage gewesen einen letzten Seufzer abzugeben, so wäre dieser für den Schwarzen gewesen. Als Dank dafür erlöst worden zu sein. Ja, Nihilus hätte sich verabschiedet, sich bedankt. Doch jetzt, wo es so schnell voran ging, blieb dafür keine Zeit. Der Bär war viel zu nah und die Tatzen des Hellen waren wie versteinert an den morschen Untergrund fest gekettet – selbst wenn er los stürmen wollte, es wäre ihm unmöglich gewesen, sich zu bewegen. Woran es lag, wusste er nicht. Am Adrenalin, das ihm zu unbekannt war? Daran, dass dieser Ungläubige viel zu weit entfernt war? Oder einfach nur an der Tatsache, dass es ihm nicht bewusst war, in welchen Situationen die Flucht die angemessene Verteidigung war? Es gab so viele Gründe, alle könnten möglich sein. Doch sie waren nicht von Belang. Dafür war der Bär zu nah. Direkt vor ihm. Der Geruch, Mark und Bein zerberstend, war unerträglich – so lebendig. So mächtig. So stark – Ja, mit einem Schlag der Tatze warf das, für den Jungwolf, riesige Monster sein Opfer zur Seite und drückte es zu Boden. Sein Opfer: Nihilus. Er war der Schwächling, der vor Schock laut auf gejault hatte und nun schweigend am Boden lag. Ohne sich zu regen. Ohne auch nur die kleinste Bewegung… er wollte sich nicht tot stellen. Nein, das gewiss nicht. Es sollte nur schnell gehen, er wollte sich nicht der Schande stellen, das Geschenk Engayas zuerst verachtet zu haben und jetzt auch noch zu vergeuden, indem er es hergab!
Und obwohl er hier am Boden lag, von der Tatze festgehalten, spürte er, wie sich seine Gedanken wendeten, wie er sich losreißen und aufrichten wollte. Mehr noch: wie er sich wehren wollte! Das unabänderbare Opfer wollte zum Kämpfer werden, trotzdem er eindeutig der Unterlegene war! Sein Leben würde er nicht einfach so her geben! Nicht jetzt! Doch noch bevor der Rüde auch nur eine Tat vollbringen konnte, drückte sich eine schwere Last auf seinen Körper – immer tiefer, obwohl er schon am Boden lag und es nicht weiter ging. Die Luft entwich aus seinen Lungen um Platz zu schaffen, nur lies sie dem neu benötigten Sauerstoff nicht mehr ein. Sein Brustkorb konnte sich einfach nicht heben… war zu schwach. Obwohl er der Last des pelzigen Tieres stand hielt: spürte keinen Schmerz, außer den Mangel an Energie und das Gewicht. Oder war er nur betäubt? War es vielleicht ein weiteres Geschenk der Göttin, das er nicht leiden musste?! Oder bekam er es nur nicht mehr mit, weil es schon längst zu spät war? Gerade jetzt, wo er kurz zuvor doch an Kraft gewonnen hatte… wenn sein Verstand nicht verrückt spielte.
Als wenn seine Gedanken erhört worden wären, verringerte sich die Last auf seinem Kreuz, wurde auf einmal leichter, bevor sie verschwand. So plötzlich, ohne dass es einen Grund gegeben hätte. Dennoch war es die Erlösung! Frische Luft breitete sich wider in dem jungen Leib aus, als würde sie zum ersten Mal dessen Flügel berühren und weiten. Deutlich erhob sich der Rüde, zeigte an, dass er lebte, dass er noch hier war. Auf dieser Welt. Oder war er schon… weg? Nein! Er roch noch immer das widerwärtige Tier in der Nähe, genau so wie die zahlreichen Wölfe, die hier überall herum flochten. Doch keine Gerüche waren so nah wie der von Cirádan, dem lebensfernen Rüden, einem ihm Unbekannten, der jedoch zum Rudel gehörte, und dem Grund seiner aufgekommenen Willensstärke: Krolock, der sich lauthals ausließ… viel zu laut. Um sich von dem eben Geschehenem zu trennen, kniff der Rüde die Augen entschieden zusammen und sog die kühle Luft ein. Genoss ihren Geschmack, den er verloren geglaubt hatte. Ja, wie konnte er nur jemals den Gedanken fassen, dies hier missen zu wollen?! Schließlich war er jetzt ein Teil der Erde. Dieser Erde. Da durfte er nicht einfach fliehen.
Vorsichtig versuchte Nihilus sich aufzurichten, die Glieder zu strecken, die unter dem massigen Gewicht in Mitleidenschaft gezogen wurden, allerdings war es etwas problematisch: sie gehorchten ihm noch nicht wider so, wie er wollte. Allerdings war es schon Mal ein angenehmes Gefühl, sie wider zu spüren. Sich selbst wider wahrnehmen zu können. Unbeholfen sah er zu dem Schwarzen auf, blinzelte, um sich in seiner Lage zurecht zu finden. Er lag so ungewohnt tief, bevor er zurück zuckte, den Schmerz seiner – nicht schwer verletzten – Glieder nicht bemerkend, war doch etwas anderes genau vor ihm relevanter. Die gewohnten Augen, die die wunderbare Färbung des nassen Elements aufwiesen, sprühten nun voller Feuer… rot wie dessen Glut. Erschrocken legten sich die Ohren des Hellen zurück, misstrauisch und vor allem beunruhigt – das war nicht sein Bruder.
Sei es aus Schock, sei es, um alle Kraft darauf zu verwerten, wer dort vor ihm stand, nicht ein einziger Laut verlies seine Kehle.
(bei Krolock, Cirádan & Takashi)
02.12.2010, 16:09
Avendal hob den Kopf etwas und drehte ihre Ohren ein wenig zur Seite um Madoc zu lauschen. Hier und da nickte sie auf seine Worte, als Zeichen das sie diese Verstanden hatte und schwenkte ihre blauen Seelenspiegel in seine Richtung. Er war ihr wirklich eine große Hilfe und für Atalya bestimmt ein noch hervorragender Freund. Die Weiße wünschte sich das sie auch so einen guten Freund hätte und dachte mit einem mal an Aléya und hoffte das es ihrer Freundin besser ging als ihr. Nur Avendal konnte sich nicht vorstellen einmal an sich zu denken und nur einmal so zu handeln das es für sie selbst gut war, auch wenn die junge Fähe einsah das es wohl einmal das Beste für sie wäre. Zum Schluss nickte Ave erneut und blickt Madoc in die rubinroten Augen und lächelte zögernd.
„Du hast Recht. Wenn ich mich davon schwächen lasse, bekomme ich nicht mal die Möglichkeit mit meinem Vater zu sprechen, nur weiß ich nicht wie ich diese Schwäche jetzt ablegen kann.“
Die Kälte des Windes und des Wetters zerrte immer noch an ihren Muskeln und wollten sie zu Boden reißen, doch Avendal blieb standhaft stehen auch wenn ihre Beine hier und da zitterten. Auch wenn seine Augen für einen Moment freundlich wirkten so blieb seine Mimik meist neutral, aber das Schreckte Avendal gewiss nicht ab. Sie hatte gelernt, dass man an der Oberfläche kratzen musste um zu sehen was sich darunter befand und sie würde selbst auch gerne mehr von dem Rüden wissen wollen. Anscheinend schien der schöne Rüde in Gedanken versunken, weshalb die Fähe versuchte ihre Beine ein wenig näher aneinander zu schieben ohne gleich wieder auf den Boden zu landen. Sie hatte den Blick gegen den Boden gerichtet und bemerkte nur aus den Augenwinkeln heraus das Madoc seinen Körper neben ihren schob um ihr Halt zu geben, gleichzeitig beflügelte seine Wärme ihren Körper und gab ihr auch das Gefühl von Geborgenheit und Halt. Doch sie musste zugeben das es ziemlich nah war, weshalb sie, ein wenig verlegen, ihre Ohren anlegte und den Kopf dabei senkte.
„Danke.“
Ihe Stimme war leise und höher als normal, aber es war ein aufrichtiges Danke, denn sie hatte das Gefühl ohne ihn würde sie wahrscheinlich wieder auf den Boden liegen.
[Nähe des Rudelplatzes | Madoc]
03.12.2010, 14:45
Eine Weile stand Neytíri so da, beobachtete die Beiden und lächelte unendlich erleichtert, als Jakash wieder er selbst zu werden schien. Er entschuldigte sich bei Chardím, sein Blick war nun von Schuld und Scham ergriffen. Das Lächeln auf den Zügen der Fähe schwand; er, Jakash, tat ihr Leid. Wie musste es sein, Mordgedanken gegenüber einer geliebten Person zu haben, sie verletzen zu wollen? Wie konnte man das entschuldgen, sich selbst gegenüber? Der Gedanke war beklemmend und die Graue senkte leicht den Blick.
Mit einem Mal legte sich ein leichter Schwindel wie ein Schleier mal hier, mal dort über ihren Vertand und ließ ihre Gedanken ein wenig erlahmen. Ihr von dieser merkwürdigen Atmosphäre im Tal ohnehin müder, schwacher Körper gab auch unter diesem relativ leichten Blutverlust nach und sie sank erneut auf den Bauch, atmete tief und langsam durch. Ihr Blick klärte sich ein wenig, sie fing Chardíms prüfenden Blick auf; er wirkte mitgenommen. Jakash flehte sie an ihm zu glauben, dass er nicht er selbst gewesen war, dass er das nicht hatte tun wollen. Die graue Fähe zuckte zusammen, sie wollte nicht dass Jakash sich so schlecht fühlte.
"Ich weiß... ich weiß... ich hab es... in deinen Augen gesehen..."
murmelte sie schwach aber hörbar. Sie sah Jakash in die Augen, versuchte, beruhigend zu lächeln. Sie schaffte es, und hoffte, ihm damit ein wenig von seinen Schuldgefühlen nehmen zu können.
"Nein, es ist nicht so wild... Ich war nur vorher schon so merkwürdig... müde und schwach irgendwie. Undich muss kurz... verschnaufen."
Sie richtete ihren Blick auf Chardím und verlieh ihren Worten mit einem seichten Lächeln Nachdruck, ehe sie wieder zu Jakash herübersah. In ihrem Kopf wirbelten wirre Gedanken umher. Fenris und Engaya. Dieses Tal war so... anders. Ein fragender Ausdruck trat auf ihre Züge, der sich dann nach und nach in Angst verwandelte, dann zu Scham wechselte. Ihr kam ein furchtbarer Gedanke; was, wenn sie der Auslöser für Jakashs Wandlung gewesen war? Sie wollte gar nicht daran denken, aber die Plausiblität dieses Gedankenganges zwang sich ihr auf. Fenris hatte sie vielleicht aus der Welt schaffen wollen, weil es ohnehin ihr Schicksal gewesen war, schon vor langer Zeit hätte sein sollen. Und wieder wurde es verhindert, von Chardím. Einem Jungrüden, der selbst zwischen den Göttern stand.
"Vielleicht... vielleicht war es meine Schuld. Wisst ihr, ich sollte schon lange nicht mehr hier sein, ich sollte Engayas Geschenk sein..."
Und sie fing an, den beiden ihre Geschichte zu erzählen. Dass sie die Erstgeborene Fähe des Wurfs ihrer Eltern gewesen war und zusammen mit ihrem erstgeborenen Bruder den Göttern zum Geschenk gemacht werden sollte, wie es in ihrem Heimatrudel Brauch gewesen war. Dass sie den Todessturz, der sie zu Engaya bringen sollte, im gegensatz zu ihrem Bruder überlebt hatte und geflohen war. Dass das Schicksal sie verfolgt hatte, in Form des Nichts. Wie es sie fast verschlungen hätte und sie dann plötzlich in diesem blühenden Tal gestanden hatte, wo sie zusammengebrochen und für mehrere Monate eingeschlafen war. Und sie offenbarte, was schwer auf ihrem Herzen lag; dass sie glaubte, Engaya bereits zweimal um ihr Opfergeschenk betrogen zu haben. Sie hätte eine Ehrbietung darstellen sollen, um zu zeigen, dass ihr Heimatrudel seine Göttin verehrte und sich für ihren Schutz bedankte, indem sie ihr Liebstes hergaben - zwei ihrer Welpen. Aber sie war geflohen, hatte Engaya betrogen um ihre Ehrerbietung. Sie sagte, dass sie Angst hatte, Engaya wütend gemacht zu haben. Und dass es möglich war, dass Fenris sie nun endgültig hatte töten wollen, um die offene Rechnung zu begleichen.
Nachdem sie ihre Geschichte so knapp wie möglich erzählt hatte, und es doch einige Minuten dauerte bis sie fertig war, schwieg sie. Betrachtete die beiden Rüden und schwieg. Sie kam sich lächerlich vor, und so furchtbar schuldig.
[ am Bach | bei Jakash und Chardím | erzählt ihre Geschichte ]
05.12.2010, 11:49
Nathaniêl hatte keine Antwort erwartet. Es war keine Frage gewesen, sondern eine Feststellung. Umso überraschter war er, als die Weiße ihm in langen Sätzen von den Göttern des Nordens erzählte. Seine Verwunderung über die plötzliche Gesprächigkeit der Fähe ließ er sich jedoch nicht ansehen, stumm lauschte er lediglich den fließenden Worten, die aller Vermutung nach, nicht einmal wirklich an ihn gerichtet waren.
„Weder die Dunkelheit, noch die Kälte ist mir fremd als treuer Freund. Eure Götter kenne ich nicht, die meinigen habe ich verlassen. Sie existieren. Möglicherweise. Oder auch nicht. Glaube ist nicht Sache des Verstands“,
Die Sätze standen nicht in direktem Zusammenhang zu den Worten der weißen Fähe. Er wusste nicht einmal weshalb, er sie in diesem Moment dort aussprach, den eigentlich war reden nicht seine Sache, doch die Kälte und die Stille, ja die Ereignisse der vergangen Tage hatten bei anderen Rudelmitgliedern weitaus tiefschürfendere Veränderungen vorgehen lassen, als dass Jarrèlls seltene, für seine Verhältnisse große, Gesprächigkeit allzu wunderlich war. Waren es doch nur einige kurze Sätze in einem klaren, weitgehend unberührtem Tonfall, die ihm ebenso unbestimmt, wie die der Grünäugigen, über die Lefzen kamen. Als sich die Fähe, von der er wusste, dass sie im Rudel »Jumaana« gerufen wurde, erhob, blieb der Silberweiße liegen. Er jetzt richtete sie deutlich sein Wort an ihn, unverkennbar, den sie sprach seinen Namen aus. Er nickte. Sie hatte es wohl nicht sehen können, hatte sie doch ihren Schritt an das Ufer des Sees gelenkt und verharrte dort, so war es auch keine Frage gewesen, sondern lediglich eine Feststellung und Bestätigung ihrerseits, dass sie seinen Namen kannte und somit wusste wer er war.
Die Kälte der Nacht treib immer noch mit einem eisigen Wind durch das Tal und der heraufdämmernde Morgen vermochte ihm nicht die Schärfe zu nehmen. Einen langen Blick warf Nathaniêl an die Stelle, an der die Sonne die Angewohnheit hatte zu erscheinen, doch da war kein einziger wärmender Strahl, lediglich ein etwas hellerer Streifen, getönt im selbigen fahlen Grau, wie der restliche Himmel. Ein kaum hörbares Seufzen entfloh Jarrèll Nathaniêls Kehle und mit einer langsamen Bewegung bettete er seinen Kopf auf seine gekreuzten Vorderpfoten. Das Brennen seiner Narbe hatte nur unbedeutend nachgelassen, doch zu reden, hatte ihn abgelenkt. Für einen kurzen Moment kniff der Rüde sein linkes Auge zu, reflexartig, als könnte er so dem unangenehmen Gefühl entkommen, eine Angewohnheit, die er versucht hatte abzustreifen und welche jetzt unwillkürlich erneut an die Oberfläche drang. Wer wusste schon wieso. Wer wusste in diesen Tagen überhaupt noch etwas?
Jumaanas neuerliche Frage riss ihn aus seinen Gedanken.
„Majibáh?“
Es war weniger eine Frage, als eine logische Verknüpfung, einhergehend mit einer festgelegten Tatsache. Er hatte mit ihr gesprochen. Sofern das ein Gespräch gewesen war. Allerdings hatte er nicht gewusst, dass sie eine Schwester hatte. Nicht, dass es ihn interessiert hätte. Was hatten sie schon geteilt in dieser kalten Sturmnacht, außer Verzweiflung? In diesem Gefühl konnten alle anderen Emotionen haltlos ertrinken, wusste der Silberpelz aus Erfahrung zu sagen. Er hob den Kopf und sah zu der Fähe, doch sie sah ihn nicht an, stand weiterhin am See, fast als wäre sie gar nicht wirklich anwesend, sondern weit, weit weg. Dort wo Jarrèll Nathaniêl sich wünschte wirklich zu sein. Weit weg von diesem Gefühl der Taubheit, welches sogar seine Verbitterung verblassen ließ und ihm das Gefühl gab, eine Rolle zu spielen, nicht er selbst zu sein, nicht selbst denken, handeln und fühlen zu können. Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte es den weißen rüden wahnsinnig gemacht, doch auch dieser Wahnsinn schien in einem bodenlosen Nichts zu verschwinden, das all seine Gefühle verschluckte, wie ein dunkles Wasser das Sonnenlicht. Sein Körper fühlte sich an wie eine leere Hülle, lediglich die eisige Kälte verspürte er an der Oberfläche, wie ein dichtes zweites Fell. Dahinter fühlte er nichts wirkliches, alles erschien dumpf und neblig, ohne Sinn und ohne Grund. Er war einfach, es fühlte nicht, er existiere nur, vielleicht wie Jumaanas Götter des Nordens.
05.12.2010, 13:54
Sie hatte doch selbst immer gesagt, sie sei furchtlos. Also durfte sie sich nun auch nicht von diesem Anblick abschrecken lassen. Atalyas Herz schlug vor Neugierde, trieb sie weiter in die Richtung des toten Bären. In ihrem Blick lag die stumme Frage nach dem Wieso. Sie fühlte sich fast magisch von diesem Bären angezogen, und von dem hellen Wolf, den unter sich begraben hatte. So bemerkte sie erst einen Herzschlag, nachdem die Weiße zu ihr gelaufen war, dass sie da war. Atalyas Ohren drehten sich bei ihren Worten nur leicht zurück, und sie behielt das Tempo bei. Ob sie nun langsam oder schnell laufen würde war doch egal, erreichen würde die diesen Ort so oder so. Und in ihr war noch immer diese Energie, die sie glauben ließ, sie könnte es mit zehn Bären auf einmal aufnehmen. Die Angst der hellen Fähe überhörte die Graue, es änderte sowieso nichts. Atalya hielt erst inne, als Lyerra plötzlich vor ihr stand, wieder auf sie einredete. Ein kurzes, leises Knurren verließ die Kehle der Grauen, die Ohren nun leicht zurück geneigt. Sie blieb jedoch stehen, wartete, bis Lyerra sich abwandte und langsam voran schlich. Atalyas heller Blick wandte sich kurz herum, zu Ráyon, der sich niedergelegt hatte. Dann blickte sie wieder in die Richtung des Bären, und sprang mit einem schnellen Satz los. Lyerra war schnell eingeholt, und während sie an der Weißen vorbei lief, blickte sie ihr kurz in die grünen Augen.
“Angst?“
Mit einem letzten Atemzug wandte sie sich von der Hellen ab, rannte nun ohne Halt in die Situation um den Bären. Der Geruch des Blutes stach in ihrer Nase, und dennoch wandte sich die Graue nicht ab. Sie kam langsam zum stehen, erkannte Ciradán, der zitternd in seinem Erbrochenem auf dem Boden lag. Ihre Ohren neigten sich leicht zurück, denn im nächsten Moment durchbrach Krolock die Stille, in dem er den leblosen Körper anschrie, der unter dem Körper des Bären zum Vorschein gekommen war. Nun erkannte die Graue ihn als Nihil.
Es dauerte nur wenige Momente, nachdem Krolocks schreiende Stimme verstummt war, als Nihil sich bewegte. Aber es dauerte nicht lange, bis er sich wieder auf den Boden drückte, als wolle er fliehen. Atalya Ohren drehten sich leicht zurück, und ihr Blick richtete sich auf Krolock. Noch in ihrer Bewegung erstarrte die Graue, blickte dem Schwarzen in die Augen. Es war, als würde nicht Krolock vor ihr stehen, er wirkte wie ein völlig anderer Wolf. Atalya zog leicht die Lefzen hoch, wich jedoch nicht vor dem roten Glühen seiner Augen zurück. Sie hätte nicht sagen können, was das leise Grollen verursachte, dass ihre Kehle verließ. Sie hatte in diesem Moment vergessen, was Angst war, unterdrückte dieses flaue Gefühl, dass sie fest ketten wollte. Sie hatte nie wirklich viel mit diesem Wolf zu tun gehabt, aber irgend etwas stimmte hier nicht. Für einen Moment war sogar der Bär vergessen, der für diese ganze Situation verantwortlich war. Nur der Geruch seines und Nihils Blutes erinnerte an seine Anwesenheit.
[Rudelplatz - Krolock, Nihilus, Ciradán, Takashi - In der Nähe Lyerra & Ráyon]
05.12.2010, 20:16
Lyerra blickte Atalya hinter her, die sie plötzlich überholte und nur ein Wort sagte. Die Weiße verdrehte die Augen über die junge Fähe, sagte aber nichts weiter. Sie legte selbst noch einen Zahn zu, kam nur wenige Augenblicke nach Atalya bi dem Bären an.
Der Geruch des Blutes und des Todes hingen schwer in ihrer Nase und sie musste sich anstrengen nicht zu würgen.
Sie trat noch einige Schritte näher an die Toten, bevor sie endgültig stehen blieb. All die anderen Wölfe die da waren nahm sie nicht war, sie kannte die meisten nicht, hatte im Moment keinen Elan mit ihnen zu reden.
Als plötzlich der weiße Jungwolf, der eigentlich tot sein müsste, begann sich aufzurichten sprang sie erschrocken einen Satz nach hinten und japste nach Luft.
Warum konnte der Jungwolf ausstehen, wenn er doch tot war, wenn er tot sein müsste?
Schockiert ging sie einige Schritte rückwärts, bahnte sich einen Weg zurück zu Ráyon, der mittlerweile auf dem Boden lag.
Fragend sah sie ihn an, stupste ihn mit der Schnauze an die Schulter:
„Ráyon, ist alles in Ordnung bei dir?“
Ihr Blick war besorg, liebevoll, fast wie bei einem Welpen. Lyerra drehte den Kopf, betrachtete aus der kleinen Entfernung das Geschehen. Ein schwarzer Jüngling schien seltsam zu sein, auch Atalya schien verwirrt. Die Weiße kannte den Schwarzen nicht, wusste nicht wer es war und was falsch an ihm war.
Nach einigen Sekunden blickte sie noch einmal zu Ráyon, sah dass er immer noch lag. Beim Rudelplatz konnte sie Takashi sehen, jedoch wollte sie im Moment nicht zum Bären und dem toten, wieder stehenden Jungwolf zurück. Der Geruch des Blutes hing in ihrem Fell, sie trug ihn durch das Tal.
Ein etwas längerer Blick zu dem schwarzen Wolf, den sie bereits ein wenig kannte und ein paar Gedankensprünge machten ihr klar, dass sie den Geruch so schnell wie möglich loswerden wollte.
Fragend blickte sie zu Ráyon.
„Kommst du mit? Ich möchte zum Fluss, will versuchen den Blutgeruch weg zu waschen. Ich möchte nicht hier bleiben.“
Ihre Augen glänzten wie die eines kleinen Welpen, als die Worte zu Ende gesprochen waren drehte sie sich Richtung Fluss, wartete noch ob der Rüde mitkommen würde oder nicht.
[Rudelplatz - Krolock, Nihilus, Ciradán, Takashi - in der Nähe von Atalya- bei Ráyon]
05.12.2010, 20:38
Der Rüde vor Kouros strahlte eine unglaubliche Ruhe aus. Es war so angenehm in dessen Umkreis zu sein. Es beruhigte jegliche aufgewühlte Nervenenden, die vorher rotierten wie eine Feder, die herunter fällt. Selbst aus dieser Entfernung konnte der Weiße sagen, dass dieser Rüde ihn nie angreifen würde. Nie etwas Falsches machen würde oder zu diskret wurde mit gewissen Sachen. Ein Wolf, der seine Grenzen kannte, aber nie unterwürfig aussehen würde. Das war aber Kouros auf eine gewisse Art und Weise egal. Jetzt setzte er sich in den Kopf, dass er sich diesen Rüden etwas näher ansehen würde. Vielleicht hatte er ja auch ein paar gute Sachen über Lyerra zu erzählen. Damit könnte der weiße Rüde sie ja ärgern. Böser Gedanke. Und am Ende auch eine böse tat.
Wenn er sich seinen gegenüber nun genauer ansah, musste er zugeben, dass er aussah wie ein Bärenjunges. Klein, kuschelig und harmlos. Doch meistens schien der Schein zu trügen. Wenn dies hier so war, so würde das noch ganz lustig werden. Aber dann würde er sich den Gemischten als Freund nehmen, denn Kouros vermutete, dass es schwer war, den Rüden zu verwunden. Das dicke Fell würde es fast unmöglich machen, hindurch zu kommen. So einen Vorteil hatte der Weiße auch, jedoch war dies nicht gerade sein Lieblingsthema. Er war nicht eingebildet und prahlte mit seinen Kräften herum. Jeder der das tat, war ein Versager.
„Freut mich. Kouros.“
Er stellte sich wiedermal nur kurz vor. Es war keine große Geste, aber besser, als wenn er sein gegenüber gleich überrennen würde. Auf jeden Fall war es diskreter.
Liam. So hieß der Rüde gegenüber von Kouros. Es war ein weicher Name, fast wie der von Lyerra. Obwohl er in gewisser Weise sogar noch harmonischer klang. Zumindest im Zusammenhang mit seinem Körper. Ein durch und durch angenehmer Artgenosse. Anders als der, der nun auf sie beide zukam. Er war jetzt schon das krasse Gegenteil von Liam. Seine Anwesenheit ließ Kouros innerlich knurren. Er schien einer der Überheblichen zu sein. Die, die immer dachten sie waren die Besten. Die sich zu viel vom großen Kuchen nahmen, weil sie glaubten, sie hätten es verdient. In den Augen Kouros hatten diese nur einen leeren Magen und eine Hetzjagd aus dem Rudel verdient. Aus jedem Rudel. Er war kein großer dieser Art von Wolf. Eigentlich konnte Kouros mit allem umgehen. Mit umschweifender Liebe. Mit übermäßiger Angst oder unerwarteter Freude. Aber nicht mit überheblichen, alles angreifenden Möchtegern-Alphas die ihm später auch noch etwas davon erzählen wollen, sie wären ein Kind dieses Todesgottes. Ja und er würde sie zu ihrem Vater bringen.
Kouros schenkte dem schwarzen Rüden eigentlich kaum mehr als einen Seitenblick um dessen groben Umriss zu analysieren. Seine Aufmerksamkeit war eher auf Liam gerichtet. Dies hier war also das Tal der Sternenwinde. Er hasste es. Es musste ihn ja ausgerechnet hier her bringen. Damals erzählte man ihm so viele Geschichten über die Götter, das er selbst als Priester umher reisen könnte und sie weiter erzählen dürfte. Dass er hier landet, war aber nie sein plan gewesen. Er Wollte sich selbst weh tun, aber nicht so. Aber was geschehen war, war geschehen. Nun umzudrehen und zu gehen stand nicht auf der Liste der Möglichkeiten.
Die abwertenden Worte des Schwarzen hätten Kouros beinahe zum Zähne fletschen gebracht. Was dachte er sich nur? Aber er beruhigte sich wieder und öffnete erneut sein Maul.
„Dann verzieh dich doch, Wolf.“
Da war es schon wieder. Der unspezifische Ausdruck, der wiedermal dann kam, wenn er es am unnötigsten brauchte. Eine ungenaue Zusammenfassung, von dem, was sein gegenüber ist. Wenn man dies in diesem Licht betrachtete, hätte er auch Liam so nennen können. Generell könnte er jeden so nennen. Aber er distanzierte sich mit diesen Worten nur dann von anderen Artgenossen, wenn er sie wirklich nicht ausstehen konnte und ein solcher Kandidat stand nun direkt vor ihm.
[Liam und Lunar - Reviergrenze]
06.12.2010, 09:55
Jakash schauderte unwillkürlich. Er konnte sich gut vorstellen, wie er ausgesehen und gewirkt haben mochte - er hatte schon etliche aggressive Wölfe gesehen und seine Fantasie schmückte diese Bilder noch mit Schwarztönen und roter Farbe aus. Sein Fell stellte sich in einer kurz über seinen Rücken laufenden Welle auf, als er daran dachte wie es sich angefühlte hatte und diese Gefühle mit der Vorstellung von sich selbst verband. Er wollte nicht wieder so sein, nein, nie wieder. Aber das hatte er schon einmal gedacht und nun den Kampf erneut verloren...
Ihr Lächeln war dann doch ein wenig wie Balsam auf seiner Seele. Sie verzieh ihm, obwohl er eben noch versucht hatte sie... sie... sie zu ermorden. Jakash schloss für einen Moment die Augen. Da war es raus, zumindest in Gedanken. Ihn schauderte es erneut, und nicht etwa wegen der Kälte, die sich gefräßig durch sein Fell bohrte und an den Wunden seiner Schnauze nagte.
Als er erneut die Augen öffnete, fiel sein Blick auf Chardím. Er hatte sich eine positivere Antwort von seinem Patensohn erhofft, aber angesichts der Situation war das vielleicht auch schlicht zu viel verlangt. Der Schwarzweiße trat zu ihm, und Jakash leckte ihm über die Schnauze. Er konnte sein eigenes Blut an den Lefzen des Jüngeren schmecken, und umso wichtiger war es ihm Chardím zu verdeutlichen, dass er sich keine Sorgen wegen dem machen musste, was er getan hatte. Wenn hier jemand Schuldgefühle haben musste, dann er selbst. Aber die Frage galt auch der Jungfähe, und Jakash erwartete unruhig ihre Antwort, die nun wiederum besser ausfiel, als er gedacht - eher befürchtet - hatte. Trotzdem beruhigten ihre Worte den Schwarzen nicht besonders, denn gerade wenn sie sich wie so viele andere entkräftet fühlte, konnten auch sonst ungefährliche Wunden zu einer nicht zu unterschätzenden Belastung werden. Jakash erhob sich schwerfällig und zwang sich, zu der Grauen hinüber zu gehen. Es war seine verdammte Pflicht, ihre die Wunde zu säubern, die er ihr selbst zugefügt hatte - das war das mindeste, was er als Entschuldigung tun konnte. Doch da war die Angst, dass der Geschmack ihres Blutes vielleicht erneut Fenris in ihm wach rief. Noch immer zog es in seiner Brust, allein das schmerzhafte Pochen in seiner Schnauze überlagerte dieses Gefühl im Moment. Und so berührte seine Zunge zunächst nur sehr zögernd ihren verletzten Nacken, und wurde erst sicherer und fürsorglicher in ihrer Berührung, als die Welt so blieb, wie sie war. Jakash entspannte sich allmählich, aber nicht gänzlich. Die Angst saß ihm noch immer zu tief in seiner Brust dafür.
Als die Wunde gesaubert war, kehrte er an Chardíms Seite zurück. Er wollte jetzt möglichst nichts mehr falsch machen, und sein Patensohn durfte sich nicht allein gelassen fühlen. Er hatte ihn nicht schlimm verletzt, aber allein die Tatsache, dass er es getan hatte, nagte vielleicht ja schwer an dem Jungrüden. Derweil hatte die junge Fähe angefangen ihre Geschichte zu erzählen. Jakash hatte ihr schon bei ihrem ersten Satz widersprechen wollen, hörte dann aber nur noch zu. Was sie da erzählte, war so grotesk wie befremdlich. Wie konnten Eltern ihre eigenen Welpen in Engayas Namen opfern?!
'Wie kann eine Engayapriesterin, eine Tochter des Lebens selbst, ihren eigenen Sohn ermorden?'
Jakash schluckte beklommen, ein bitterer Geschmack lag ihm auf der Zunge. Beide Vorfälle waren völlig verschieden und nicht miteinander zu vergleichen - bis auf den Fakt, dass sie beide falsch waren. Verdreht. Verzerrt. Wie die Welt es für ihn war, wenn sich die Götter näherten.
"Hör mal, du brauchst dir keine Vorwürfe zu machen. Du bist an dieser Sache nicht schuld! Fenris hat schon früher versucht, mich dazu zu bringen, andere Wölfen zu verletzen...",
gestand er ihr. Kurz huschte sein Blick zu Chardím, entschuldigend. Er konnte nur hoffen, dass der Schwarzweiße sich jetzt nicht aus Angst von ihm abwandte, wo soetwas wie eben doch jederzeit wieder passieren konnte. Der Gedanke schmerzte, und gerne hätte er sich jetzt gleich mit seinem Patensohn ausgesprochen, aber zunächst wandte er sich wieder der jungen Fähe zu.
"Und zudem würde Engaya gar nicht wollen, dass du für sie stirbst. Sie ist das Leben, nicht der Tod! Deine Eltern haben vollkommen verdreht, wofür Engaya steht - Welpen zu opfern, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben, ist das allerletzte, dass sie wollen könnte!"
Jakash war von seinen Worten überzeugt, dennoch wünschte er sich, Banshee wäre jetzt hier. Banshee würde all das besser erklären können. Vielleicht konnten das auch Sheena und Rakshee - eine Priesterin jedenfalls. Allein Tyraleen war im Augenblick vielleicht... nicht die geeignetste Wahl.
Eltern, die ihre Kinder mordeten. Verleitet von Göttern oder ihrem Glauben, auf die eine oder andere Weise. Wieder ein Grund, sich niemals zu entscheiden und ewig zwischen ihnen zu stehen! Jakash spürte, wie Wut in ihm hochkroch, und unterdrückte ihn sogleich wieder. Was, wenn das nicht seine eigene Wut war? Aber noch blieb die Welt, wie sie war...
Nebenbei bestätigte sich sein Verdacht, dass er die graue Fähe kannte. Nur ihren Namen wusste er immer noch nicht - sie war damals ohnmächtig geworden, bevor sie hatte nennen können.
"Ich erinnere mich übrigens an dich - ich hab dich damals mit Jumaana in der Ödnis gefunden, als du noch ein Welpe warst. Aber ich weiß deinen Namen gar nicht..."
[am Bach | Chardím, Neytíri]
09.12.2010, 13:26
Eingehüllt in die Wärme und die so vertrauten Gerüche ihrer Schwestern hätte Tyraleen gerne die Augen geschlossen und ein wenig Schlaf nachgeholt. Sie war sich sicher, dass kein böser Traum an der starken Zuneigung Kishas und Parveens hätte vorbeikommen und zu ihr dringen können. Hier wäre sie sicher vor jedem Angriff auf ihr Herz. Doch das Gespräch, das sie führten war zu wichtig um von so etwas Banalem wie Schlaf unterbrochen werden zu können. Und die Weiße selbst war zu aufgewühlt, um nun einfach die Augen zu schließen und einzuschlafen. Viel zu viel Averic, Banshee und Tod wirbelten durch ihre Gedanken und nun kam auch noch das Erlebte mit der alten Kisha und Parveens ab und an seltsames Verhalten hinzu. An Schlafen war nicht zu denken. Den Kopf noch immer leicht an ihrer schwarze Schwester gelehnt huschte ihr Blick zu Kisha, die nun zunächst noch an ihr Gespräch anknüpfte, das sie geführt hatten, bevor Parveen gekommen war. Sie schüttelte ganz leicht den Kopf.
“Ich wäre enttäuscht, tief enttäuscht, aber ich würde meine Versprechen niemals brechen, erst Recht nicht in einer Situation, in der sie endlich einmal wirklich zählen. Dass er da war, als unser Leben schön und entspannt war, ist keine Kunst. Da zu sein, wenn es kalt wird, wenn nichts mehr einfach ist – das ist das Besondere, die Pflicht, die ich haben würde und die er gehabt hätte. Und so sehr ich enttäuscht gewesen wäre, ich hätte ihn nicht im Stich gelassen. Sonst wäre alles eine Lüge – so wie es jetzt auch zu einer Lüge wurde, dank ihm.“
Jetzt schloss sie die Augen, jedoch nicht um zu schlafen, sondern um die Tränen daran zu hindern ihre Wangen hinabzuperlen. Sie wollte jetzt nicht weinen, nicht schon wieder, nicht wegen Averic. Wäre nur die Enttäuschung nicht so viele Abgründe tief. Averic war immer anders gewesen, ’anders’ auf eine Art, die so viel verspricht, was nie ausgesprochen wird. Er hat sich von anderen ferngehalten, um so mehr war er bei ihr; er hat andere – gerade Acollon – dafür verachtet, nicht bei Banshee zu sein, um so mehr hatte Tyraleen gewusst, dass er immer bei ihr sein würde. So viele unausgesprochene Versprechen kamen so zu seinen ausgesprochenen hinzu und alle hatte er in wenigen Herzschlägen gebrochen. Das wäre bewundernswert, hätte er sie damit nicht so tief verletzt. Sie grub ihre Nase noch ein wenig tiefer in Parveens Fell, als könnte der süßlich vertraute Geruch alle Gedanken vertreiben. Erst als Kisha glucksend nach ihrem Käfer fragte, öffneten sich Tyraleens Augen wieder und suchten den Blick ihrer Schwester.
“Du warst leichter zu begeistern, als jeder andere. Du warst eigentlich immer begeistert. Ich habe keinen fröhlicheren Wolf gekannt.“
Die Erinnerungen an die alte Kisha waren fern, nun von vielen schweren Gedanken überlagert, aber das laute und beigeisterte Lachen, Quieken, Bellen und Jaulen der Schwarzen klang ihr noch in den Ohren nach. Als Parveen von einer Zeit zu berichten begann, als Tyaleen noch nicht geboren war, stellte sich die Weiße ihre drei älteren Geschwister als Welpen vor, die in den Himmel starrten und nach Sternenwinden suchten. Gerne wäre sie damals dabei gewesen … sie hatte nie etwas Ähnliches getan. Ein schwaches Lächeln wurde auf die kurze Reise zu Kisha geschickt, dann herrschte wieder Schweigen zwischen den drei Schwestern, ohne dass es unangenehm wurde. Eng aneinander gekuschelt brauchte es nicht immer Worte um zu sprechen.
Doch eine unbeantwortete Frage stand noch im Raum und Parveen begann irgendwann zu sprechen, nur verwirrte sie damit mehr, als zu erklären. Es klang ganz so, als hätte die Schwarze keine Fantasie, keine Vorstellungskraft, keine Träume, keine Illusionen, keine Wünsche. Erstmals furchte sich Tyraleens Stirn nachdenklich und sie hob leicht den Kopf um Parveen ansehen zu können.
“Träumst du nicht manchmal, ob im Schlafen oder im Wachsein? Fliehst du nicht manchmal in deiner Fantasie in eine andere Welt oder Zeit, einfach nur, weil es schön ist?“
Früher hatte sich Tyraleen so oft in ihre Fantasiewelt geflüchtet, dass ihre Kindheit ihr manchmal wie ein einziges Herumträumen vorkam. Mittlerweile geschah es nur noch selten, doch wenn sie einfach nur dalag und nichts tat war es schön, sich vorzustellen, mit Banshee irgendwo in einem blühenden Tal zu leben, Engaya an ihrer Seite und ihre Familie um sich herum. Träume, wie jeder Wolf sie hatte, gerade in schweren Zeiten. Und schließlich war hier der Steinwald, ihr Traumgebilde, durch den sie in Gedanken so oft gewandert war. Kalt, abweisend, tot und doch so erhaben und würdevoll, dass eine Form von Leben in ihm ist, die jede andere übersteigt. Durch die Besiegung des Nichts war er aus ihrem Kopf in das Revier gekommen und war so ein Stück erfüllter Wunsch. Wie konnte es sein, dass jemand keine Wünsche hatte?
[ Himmelsfelsen | Parveen und Kisha ]
10.12.2010, 13:03
Den kleinen Schritt, den Caleb auf die beiden Wölfinnen zugemacht hatte, tat er nun wieder zurück. Er fühlte sich unwohl unter den musternden Blicken, aber da immerhin er es war, der das Gespräch der beiden unterbrochen hatte, musste er das wohl oder übel ertragen. Das war es jedoch nicht, was ihn unwillkürlich zurückweichen ließ, sondern der Blick der jüngeren Wölfin. Er hatte noch nie einen Wolf oder einen Hund gesehen, der so kohlrabenschwarze Augen hatte. Man konnte die Pupille ja weder von der iris noch vom Augapfel unterscheiden! Solche Augen kannte Caleb bisher nur von Dokumentarfilmen über Haie. Bei einem Caninen war das einfach... unnatürlich! In Gedanken fragte der junge Werwolf sich, ob das vielleicht zu dem Fluch gehörte, über den die beiden Wölfinnen eben noch gesprochen hatten?
Zudem bemerkte er nicht ohne eine gewisse Besorgnis das leicht aufgestellte Nackenfell der Schwarzäugigen. Sie wirkte einerseits ruhig, wie sie da saß, andererseits wusste Caleb von den Hunden seiner heimatstadt, dass der Schein auch manchmal trügte. Man konnte nie genau vorhersagen, ob ein aufmerksam wirkender Hund mit dem Schwanzwedeln oder mit gefletschten Zähnen gegen den Zaun springen würde, wenn man die Hand in seine Richtung streckte. Oder auch nur stehen blieb. Und genauso wirkte diese Fähe auf ihn - wie ein Wachhund, der nur auf die eine kleine falsche Bewegung wartete. Mit Schrecken wurde Caleb plötzlich klar, dass er die Schwarzäugige die ganze Zeit angestarrt hatte, wo doch jeder Depp wusste, dass Hundeartige so ein Verhalten als Herausforderung interpretierten!
Caleb schluckte und blinzelte hastig. Seine Augen huschten zu der anderen Weißen, und er war dankbar, dass sie das Wort ergriff. Sie wirkte freundlich, aber an seiner Nervoität änderte das leider nichts. Sie stellte sich und die gruselige Wölfin vor und... moment, wie bitte?
"Priesterin? Es gibt bei Wöl-... euch Priester?",
entfuhr es ihm überrascht. Okay, wo sie nun schon Götter hatten, war der Schritt zum Priestertum irgendwie logisch... Trotzdem war Caleb verblüfft. Was kam als nächstes? Jungfräuliche Empfängnis und ein Messias, der über's Wasser laufen konnte?!
Caleb versuchte sich innerlich auf weitere unglaubliche Einsichten bezüglich des wölfischen Zusammenlebens zu wappnen, aber was als nächstes kam, ließ ihn dann doch den Fang aufklappen.
"Woher wei-.... Ich meine... Wow",
brachte er hervor und versuchte mühsam, sich zu sammeln. Wenn doch nur Minyala bei ihm wäre!
"Ist das echt so häufig?! Ich meine, Minyala hat mir schon erzählt, dass ich wohl nicht der einzige bin, aber... hier hat auch einer gelebt? Also... ein Werwolf?"
Sein Blick lag auf Sheena, eine Mischung aus Unglauben, Hoffnung und noch irgendetwas anderem, das nicht mal Caleb selbst zuordnen konnte, und huschte dann jedoch zurück zu Aléya. War sie vielleicht sogar auch ein Werwolf? Hm, aber warum hatte sie dann so vollkommen schwarze Augen und er nicht? Und überhaupt, hätte Sheena dann nicht direkt von Aléya sprechen müssen anstatt von einer "Fähe, die einst in diesem Rudel gelebt" hatte?
Seine Augen kehrten zu Sheena zurück. Eine Pfote hob sich und wollte ihn einen Schritt näher tragen, aber ein Blick zurück zu der Schwarzäugigen ließ ihn den Vorderlauf schnell wieder zurück ziehen. Sie machte ihm noch immer Angst, diese Hai-Wölfin.
[Aléya und Sheena]
10.12.2010, 13:13
Irgendwie war es schon sehr enttäuschend, dass Cirádan überhaupt nicht wusste, wen er denn da vor sich hatte. Seit seiner Geburt hatte Takashi den Jungwolf gekannt, mit ihm gespielt und ihn beim Aufwachsen beobachtet. Nun sollte sich der Rüde um den Jungwolf kümmern, die Verantwortung übernehmen, ihn für das Leben stark machen. Was davon geblieben war, schien nicht mehr existent und nicht von Bedeutung zu sein. Waren da wirklich gar keine Erinnerungen mehr in dem Jungwolf geblieben?
Doch allzu lange Zeit um nachzudenken blieb dem Schwarzen in der jetzigen Situation natürlich nicht. Dieser grauenhaft entstellte Bär war zu Boden gegangen und regte sich endgültig nicht mehr. Eigentlich konnte man annehmen, das von ihm keine Gefahr mehr auszugehen schien, aber dennoch war der Anblick grausam genug. Noch viel schlimmer war es, dass dieses Monster Nihil auf dem Gewissen hatte. Takashi wusste, dass es keine Chance mehr für den weißen Jungwolf geben konnte, er war tot. Geschunden und erdrückt von einem Wesen, dessen Anblick verstörend war.
Vor Erleichterung entspannten sich Takashis Muskeln allmählich, als keine Gefahr mehr drohte. Vielleicht sollte er mit Cirádan einfach nur von hier verschwinden...aber was tat er denn da? Der Schwarze wollte sich zu seinem Schützling umdrehen, der sich aber plötzlich an ihm vorbei drängte und auf dieses grauenhaft Monster zu lief. Der Rüde erstarrte. Was tat Cirádan dort? Das war doch nur ein schlechter Witz – nein, er tat es wirklich. Takashi zögerte. Er zögerte immer noch. Erneut kam dem Rüden eine leichte Brise entgegen, die diesen Blutgeruch mit sich trug.
Es schien, als sei kaum ein Moment vergangen, da stand der Jungwolf dem Schwarzen auch schon wieder gegenüber. Takashi war einfach außer sich, verspannte sich bis in die Pfoten, sodass sich seine Krallen in den Boden bohrten. Es ging ihm nicht nur darum, dass sich Cirádan in große Gefahr begeben hatte, nein. Viel schlimmer war es, dass der Rüde wie erstarrt dagestanden hatte, zögerte und einfach seine Aufgabe vernachlässigt hatte. Man konnte an dieser Stelle wirklich von großem Glück reden, dass dem Jungwolf nichts zugestoßen war. So wurde Takashis Gesichtsausdruck ein wenig strenger als zuvor.
„Cirádan...was hast du dir dabei nur gedacht...?“
Der Rüde sprach ruhig, war kein bisschen aggressiv; denn das verbarg er in seinem Inneren. Doch dann wurde er sichtlich unruhig, wo er sah, dass es Cirádan so schlecht erging, dass er erbrach. Da viel Takashi nichts Besseres ein, als sich vorerst von diesem ort zu entfernen.
„Wir...müssen...weg von hier!“
Cirádan sollte gar nicht weiter mit dem toten Nihil konfrontiert werden, er musste wieder zur Ruhe kommen. Gerade wollte sich der Rüde vom Rudelplatz entfernen, erblickte er Krolock, der natürlich wieder einen gewaltigen Aufstand proben musste. Na das hatte jetzt auch noch gefehlt, verdammt! Einen Moment beobachtete der Rüde das Spektakel, wie Krolock an dem Kadaver riss und zerrte, bis endlich Nihil frei lag. Darauf drehte Takashi sich verdutzt um, lief in die Richtung des Bären. Er sah Krolock besonders streng an; doch was brachte das schon bei ihm?
„Du bist jetzt still!“
Knurrte Takashi wütend und war über das Verhalten Krolocks mal wieder arg empört. Unsanft rempelte er den schwarzen Jungwolf an, sodass er etwas zur Seite gedrängt wurde. Seine Augen leuchteten rot; er war in Rage. Direkt danach wandte sich der Schwarze dem totgeglaubtem Nihil zu. Doch dieser war gar nicht tot, versuchte sich sogar zaghaft zu bewegen. Wie durch ein Wunder hatte der Jungwolf die Qualen überlebt. Unsicher blickte der Rüde umher und blickte Atalya an, die direkt beim Geschehen war.
(Rudelplatz | Cirádan, Krolock, Nihilus, Atalya)
10.12.2010, 13:14
Minyala trieb sich an der nördlichen Reviergrenze herum, in aufgewühltem Zustand, beinahe verstört. Die Nacht vor drei Tagen hatte sie mehr mitgenommen, als sie zunächst angenommen hatte; eine ständige Angst von einem verrückten Rudelmitglied angefallen zu werden, hatte sich in ihr Herz geschlichen. Das störte sie, ganz gewaltig, nicht nur wegen der Angst an sich, sondern auch, weil sie doch eigentlich wusste, dass ihr keine Gefahr drohte. Die meisten Wölfe hier waren nett und vernünftig und auch wenn Tyraleen da keine Ausnahme gebildet und trotzdem ihrem Sohn die Kehle durchgebissen hatte, wäre es einfach grotesk, wenn sich etwas Ähnliches erneut ereignen würde. Also glaubte Minyala nicht wirklich an eine Gefahr für ihr Leben. Trotzdem schreckte sie immer wieder auf, wenn sie ein Geräusch hörte und wenn ein Rudelmitglied von dem sie wusste, dass er an diese seltsamen Götter hier glaubte, sich ihr näherte, brachte sie sich gerne in die unmittelbare Nähe eines anderen Wolfes, der sie notfalls schützen konnte. Minyala war also auch ärgerlich, vor allem über sich selbst und dann war ihr noch furchtbar kalt. So kalt, dass sie ihre geknickte Rutenspitze nicht mehr spürte. Durch ständiges Hin- und Herlaufen blieben immerhin ihre Läufe und Pfoten warm und der gelegentliche Sprint ließ sie sogar hecheln, trotzdem überfiel die unbarmherzige Kälte sie sofort, kaum gönnte sie sich mal einen Moment der Ruhe. Und nun war sie hier an der Reviergrenze und spielte tatsächlich mit dem Gedanken, einfach wegzugehen. Einfach ginge das natürlich nicht, sie würde auf jeden Fall Caleb abholen müssen und dann würden sie wieder ein neues Rudel suchen müssen … Ihr verbliebenes rechtes Ohr klappte zur Seite. Sie wollte das nicht, auch weil dieses Tal schön war und die Rudelmitglieder weitestgehend sehr nett. Sie stieß ein tiefes Seufzen aus, blieb noch kurz mit starrem Blick auf einer jämmerlich der Kälte erlegenen Strauchblume stehen und setzte dann ihr sinnloses Herumlaufen fort. Was hätte ihr Papa gemacht? Hätte er sich von seiner blöden Angst einschüchtern lassen? Und von der Schweinekälte? Vielleicht … sie hätte ihn so gerne gefragt. Aber wie schon seit geraumer Zeit war er nicht mehr bei ihr und sie musste alle Entscheidungen selbst treffen – nicht nur ihre eigenen, sondern auch die Calebs, weil der arme Werwolf die meiste Zeit so verwirrt oder verstört war, dass er ihr gerne alles überließ. Eigentlich hatte sie das ganz gut gefunden, aber bisher war auch noch keine wirklich schwierige Entscheidung auf sie zugekommen. Und jetzt, mit ihrer Angst und dieser Kälte ließen sich Gedanken sehr viel schwerer fassen. Wie gerne hätte sie irgendeine Hilfe gehabt … aber Caleb zu fragen war sinnlos und ansonsten kannte sie kein Rudelmitglied gut genug um mit ihm über das Für und Wider von Davonlaufen zu diskutieren. Ráyon wäre vielleicht ein ganz guter Gesprächspartner, aber der liebte die Götter und unterstützte Tyraleen, von ihm war nicht unbedingt Hilfe und Verständnis – zumindest kein Nachempfinden – zu erwarten.
Wieder seufze sie und strich mit hängendem Kopf umher.
[ nördliche Reviergrenze | alleine ]
10.12.2010, 13:33
(Takashi, Atalya ist direkt bei euch ;) )
10.12.2010, 16:07
"Ich hatte nie Probleme, auf andere Wölfe zuzugehen, aber bei mir ist das auch etwas anderes. Ich stehe grundsätzlich immer Fremden gegenüber, wenn ich jemanden kennen lerne. Du dagegen stehst einem Teil deiner Familie gegenüber, der dir so fremd erscheint wie die Wanderer, die sich immer wieder dem Rudel anschließen, während dir gleichzeitig bewusst ist, dass du sie besser kennen solltest. Du kommst dir selbst fremd vor in deiner Familie, aber das muss es eigentlich nicht. Mein Vater sagte immer: 'Fremd ist der Fremde nur in der Fremde'."
Malakím lächelte und stemmte sich dann mühsam auf die Vorderläufe. Kälte strich durch sein Sommerfell und ließ den Schwärzling zittern, während er sich in eine sitzende Position kämpfte. Die Glieder in seinen Läufen waren vom Liegen in dieser Kälte steif geworden, und Malakím trat mit ihnen ein wenig auf der Stelle herum, um wieder ein bisschen Wärme und damit Leben in seine Muskeln zu treiben.
"Und ich glaube dir gern, dass du eine mögliche Diskussion fürchtest. Ich selbst war nie ein Freund von Diskussionen - ich folge lieber meinem Gefühl als zu versuchen, meine Gefühle in logische Argumente zu quetschen. Aber man kommt nicht immer an solchen Auseinandersetzungen vorbei, Chanuka. Und wer weiß, vielleicht sorgst du dich ja auch zu Unrecht. Vielleicht wollen deine Geschwister auch nur einfach loswerden, was auf ihren Seelen liegt. Vielleicht musst du gar nicht argumentieren, sondern einfach nur zuhören? Du wirst es nicht wissen, bis du es nicht versuchst. Ich weiß, dass das weh tut. Sich Problemen zu stellen tut immer weh - denn dadurch werden sie erst zu Problemen."
Des Schwärzlings Augen ruhten auf dem Jüngling. Es war Chanuka anzusehen, dass er über etwas nachgrübelte, aber das war ja auch nicht weiter verwunderlich. Malakím ließ ihm die Zeit, die er brauchte, und wartete bis Chanuka erneut zu sprechen begann und auf das Thema des Verzeihens zurückkam.
"Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. All diese Worte, die besser hätten ungesagt bleiben sollen, gründen sich schließlich auf Entsetzen, Wut und Verzweiflung - keine Gefühle, mit denen je ein Wolf glücklich werden kann, geschweige denn mit dem, was aus ihnen erwächst. Denn alles was bleibt, sind Leere... und Kälte."
Für einen Moment war er ernst geworden, und sein Blick glitt demonstrativ über die eisige Umgebung. Dann jedoch fanden seine blauen Augen zu Chanuka zurück, und auch das Lächeln kehrte wieder.
"Weißt du, vielleicht bist du genau der Richtige, um zwischen deinen Geschistern und auch deinen Eltern zu vermitteln. Wenn du beide Seiten verstehen kannst, kannst du ihnen vielleicht auch die Sicht des jeweils anderen nahe bringen..."
[Seeufer | Chanuka]
10.12.2010, 20:03
Adsini blickte verwundert auf, als das Gespräch der drei Fähen durch Caylee unterbrochen wurde.
Sie hörte ihr zu, und bemerkte, dass Raja und Hilel den Ton der jungen Wölfin, die sie da so anmotzte, nicht mochten, und sie eher verspotten als zu respektieren schienen. Allerdings waren diese beiden auch älter als Adsini selbst, und somit auch älter als Caylee. Außerdem schien Hilel es sowieso nicht so eilig zu haben, ins Rudel aufgenommen zu werden, sodass es ihr wahrscheinlich auch nicht so viel ausmachen würde wie Adsini, wenn sie es sich mit der Jungwölfin verscherzte.
Adsini selbst jedoch verspürte in sich den Instinkt, jetzt einfach nichts sagen zu dürfen, einfach die Klappe halten zu müssen, auch wenn ihr das nicht so ganz passte. Sie musste sich jetzt zusammenreißen, damit sie eine Chance hatte, irgendwann noch in diesem Rudel zu landen. Die Fähe wusste, dass sie ein Rudel brauchte, um weiterhin zu überleben, weswegen sie der weißen Fähe des Rudels ein wenig Respekt schenkte. Außerdem schien sie ungefähr in Adsinis Alter zu sein, jedenfalls nicht wesentlich jünger, was den beiden so etwas wie Ranggleichheit verschaffte. Jedenfalls in den Augen von Adsini. Ihr Plan lautete also, das zu machen, was verlangt wurde, um dahin zu kommen, wo man hinkommen wollte.
Nachdem Caylee sich in Bewegung gesetzt hatte, trabte auch Adsini schweigend hinter ihr her. Sie waren nicht weit gelaufen, da kam ein weiterer Wolf zu der kleinen Gruppe von Wölfen hinzu, nach seiner Auskunft schien auch er neu zu sein.
Kurz danach rief Caylee nach einem Wolf namens Aszrem, den sie auch kurz danach trafen. Er war ein großer, dunkelbrauner Wolf. Man sah ihm zwar an, dass er nicht mehr der jüngste war, jedoch strahlte er immer noch Stärke und Schnelligkeit aus. Er blickte die Neuankömmlinge zwar streng an, nachdem Caylee sie vorgestellt hatte, doch allzu unfreundlich schien er nicht zu sein. Jedenfalls hoffte Adsini das, denn so wie es schien, war dieser Wolf praktisch das "Ticket", um in das Rudel zu gelangen. Ganz offensichtlich genoss er einen der höheren Ränge.
[Westlicher Wald | Raja, Aszrem, Caylee, Volk, Hilel ]
11.12.2010, 15:39
Lunar war nie wirklich gut darin sich andere Gesichter zu merken die für ihn nicht von Bedeutung sind. Deswegen hatte er es schwer sich an Liam zu erinnern. Weshalb er den Rüden mit einem kühlen Blick betrachtete, als sei ihm dieser irgendwie Bekannt. Er war ziemlich lange fort gewesen und er hatte nicht sehr viel mit den anderen Wölfen dieses Rudel’s zu tun gehabt und selbst wenn würde sich Lunar bestimmt nicht mehr daran erinnern. Sein raues, kaltes Herz hatte er nur einer Fähe gewidmet, besser gesagt zwei. Doch diese schienen nicht sonderlich erfreut gewesen zu sein, ihn zu begegnen. Nun, Lunar konnte es nicht ändern. Er war nun mal wieder hier und er würde sich von niemand so leicht vertreiben lassen. Das der Braune sich an den Fremden wandte und dabei seinen Namen nannte, fiel es Lunar langsam wieder ein und er nickte nur sachte über Liam’s Worte der Begrüßung. Mehr hatte er für den Rüden auch nicht übrig. Noch dazu war er nicht sonderlich in guter Laune, weshalb die Worte des Weißen, der sich als Kouros vorstellte überaus an seinen Nerven reizten.
Lunar bleckte die Zähne, die Ohren nach vorne gedrückt und den Blick aus den stahlblauen Augen auf Kouros gerichtet. Der schwarze Hüne hasste es wenn man den Ton ihm gegenüber so um schlug und nicht den nötigen Respekt erwies, er kannte den Weißen nicht und das war auch ganz bestimmt auch bei ihm der Fall. Der Rüde sollte nicht voreilige Schlüsse ziehen wenn er Lunar überhaupt nicht kannte und das konnte niemand.
„Du bist hier der Fremde, es wäre besser wenn du uns ein wenig Respekt erweist!“
Schärfer als jedes Blatt schnitten seine Worte durch den Wind und Lunar gab ein gedämpftes Knurren von sich. Er bezog automatisch auch Liam mit ein, denn dieser war Teil der Sternenwinde und somit auch ein Teil von dem Rudel seiner Schwester. Noch dazu strahlte Liam eine Ruhe aus, die für Lunar keinen Anlass gab diesen Rüden in seine schrecklichen Launen mit ein zu beziehen.
[Liam und Kouros - Reviergrenze]
11.12.2010, 18:38
Mit dem so gewohnten neutralen Blick sah Madoc die weiße Fähe an und nickte bedächtig bei ihren Worten. Bisher hatte er geglaubt, dass sie lediglich äußerlich gebrechlich erschien, innerlich jedoch eine starke Persönlichkeit trug. Hatte er sich geirrt? Er musterte Avendal mit seinem blutroten Blick und merkte, dass sie tatsächlich in einer schwierigen Situation gefangen schien. Doch wie konnte er bloß helfen? Er kannte sie nur flüchtig und gab nur ungern Rat, von dem er sich nicht sicher war, ob er helfen würde oder nicht.
"Keiner kann dir helfen, wenn du dir nicht selber hilfst"
Sagte der Silberne schließlich nach einer Weile des Nachdenkens und glaubte damit eine passende Antwort gefunden zu haben. Wenn ihr eine Versöhnung wirklich so am Herzen lag, so würde sie sicherlich einen Weg finden, diese zu verwirklichen.
Mit einem leisen Seufzer blickte Madoc die Fähe an, wobei ihm nicht entging, dass sie bei seiner Berührung verlegen den Kopf senkte. Ihre Dankbarkeit schien jedoch aufrichtig zu sein, daher wich der Hüne nicht zurück. Avendal wirkte schwach, vielleicht tat ihr physische Unterstützung gut.
"Gerne"
Antwortete er also und nickte ruhig. Seine Seelenspiegel schlossen sich für einen Augenblick und plötzlich stieß sein Haupt in die Höhe. Er witterte und inhalierte den wohlbekannten Geruch des Todes in unmittelbarer Nähe. Mit unheimlicher Ruhe öffneten sich seine blutroten Augen wieder und sein Blick schweifte suchend umher. Schließlich entdeckte er es: ein toter Bär. In dessen Nähe befanden sich einige Wölfe des Rudels, unter ihnen Atalya. Was war dort los? Eine Weile lang beobachtete er die kleine Gruppe die dort versammelt war, dann wandte er sich wieder zu Avendal. Hatte sie die Szene ebenfalls gesehen? Er würde sie nicht darauf ansprechen, falls sie zu abgelenkt war, um sie zu bemerken. Sie sollte keine weiteren Belastungen mehr ertragen müssen.
[Am Rande des Rudelplatzes | Avendal]
12.12.2010, 01:32
Den ganzen Tag stand sie nur da und starrte in das Nichts. Alles war von einem grauen Schleier umgeben, wie wenn diese Farbe ihre ganze Welt einnehmen würde, sie sah im Frühling nicht die Blumen, die auf den Wiesen leuchteten, im Sommer erkannte sie nicht die strahlende Farbe der Sonne, wenn der Herbst vorüberging, hatte sie kein einziges Mal die signalroten Blätter gesehen, die von den Bäumen gefallen waren, und im Winter, in dem sie früher so aufgeblüht war, schien alles genauso trist wie in den restlichen Jahreszeiten. Die Temperaturen um sie herum bemerkte sie gar nicht, wenn sie umherwanderte, nur um nicht umzufallen. Damit sich die anderen keine Sorgen um sie machen müssen, weil sie das nicht wollten, sie waren glücklich, wenn es ihr ebenso erging, und sie wollte diese wenigen nicht mit in ihr Leid hineinreißen. Oft blickte sie auch gen Horizont, dachte über die Unendlichkeit nach und stellte fest, dass sie wohl die einzige war die sie kannte. Die ewigen Weiten des Loches, in das sie gefallen war, ein Loch, das sie Leere nannte. Es schien nie aufzuhören, sie fiel immer tiefer hinein, konnte den Anfang nicht mehr sehen, und auch wenn sie hinunterschaute entdeckte sie das Ende nicht. Eine Tatsache, die sie immer wieder auf's Neue beunruhigte, ihr Angst einjagte, und sie darauf stoßen ließ, dass sie sich in einem Teufelskreis bewegte, jetzt, wo sie von Furcht gefüllt war und erneut wegrennen wollte. Nein, das brachte nichts, die Gedanken blieben, egal was man tat, sie blieben solange bis sie sich ihrem Schicksal ergeben hatte. Heute hatte wieder alles von vorne angefangen, und sie drehte sich im Kreis, kam immer wieder an derselben Stelle an. Natürlich gab es Sekunden, höchstens Minuten, in denen sie glaubte, sie wäre vorwärtsgekommen, hätte ihre Einstellung geändert und da spürte sie beinahe etwas wie Kraft durch sich fließen, und wenig später stellte sie fest, dass es nur den Anschein hatte. Ihre Illusionen trieben sie in den Wahnsinn, genau aus dem Grund, dass sie immer feststellen musste: die Realität sieht anders aus. Eigentlich wäre alles einfacher, wenn jeder eiskalt und brutal wäre, ohne Schuldgefühle leben könnte. Bei ihr war es genau das Gegenteil, sie strömte über vor Hass, nicht Hass auf ihre Schwester oder jene, die herumstanden und sie nicht beachteten, nein, einzig allein auf sich selbst. Majibáh. Orchidee des Winters. Die Schöne, Unantastbare, Kühle. Eine Fassade, die sie sich über eine lange Zeit hinweg aufgebaut hatte, und doch ist es lange her, dass sie wirklich daran geglaubt hat. Nachdem sie das bemerkt hatte, begann sie es sich einzureden, tief in ihr drin allerdings beachtete sie das gar nicht, und nun, nun hat sie es aufgegeben, weil es nur eine Rolle war, die sie spielte, und nicht sie selbst. Das wollte sie auch nicht, ihrer wahrer Charakter sollte immer hinter einer Mauer der Lügen und des Schweigens verborgen bleiben, auch wenn es sie dafür mit dem kostbarsten Geschenk bezahlen musste, dass man ihr geschenkt hatte, und das war ihre Existenz. Ein sehr treffendes Wort, da sie sich nur noch wie eine Maschine fühlte, die funktionieren muss, und es vielleicht trotzdem nicht tut, eine eigentlich tote Kreatur, die sich nach außen hin immer so gab, als wäre alles in Ordnung. Träume von einer perfekten Welt, sie wurden von der Technik und der Weiterentwicklung geweckt, Träume von grenzenlosem Glück, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit. Manchmal kam sie sich so vor, als wäre sie die Einzige, die wusste, dass man sich damit alles nur noch mehr kaputtmachte. Wenn man sich stur weigerte, seine Fehler einzugestehen. Ja, die Wahrheit war hart, und das würde sie auch bleiben, allerdings wusste man bei ihr wenigstens, woran man ist, musste nicht irgendwann bitteren Schmerz spüren über die eigene Dummheit, Naivität, was es auch sein mochte, dass einen zu solchen Einstellungen brachte. Majibáh verspottete sie, wenn sie alleine war, und tief in ihr drin hegte sie einen tiefen Hass auf, auf eigentlich alle, wobei sie nie auf jemanden zuging und diesem von ihrer Wut berichtete, nein. Oft verglich sie ihren Zorn mit kleinen Männchen, die in ihrem Körper herumliefen, sämtliche Organe zerfraßen, sie von Tag zu Tag kraftloser und müder machten. Bis sie irgendwann so sehr nach Erlösung gierte, dass sie es vorzog stark zu sein. Was war das schon für ein Wort, wo es doch jeder anders definierte. Für sie war alles, was sie tat, schwach, sie hatte ihre Gedanken darauf eingerichtet, dass sie das Falsche tat, auch wenn sie es bei anderen als gut befand, sie konnte es sich selbst nie recht machen oder gar zufrieden mit irgendeiner eigener Leistung sein. Im Gegenteil, egal was passierte, sie ließ alles Negative aufflammen, bis alles niedergebrannt war. Eines hatte sie nie beachtet: die Stille, von der sie umgeben war. Vor einiger Zeit war das eines ihrer größten Wünsche gewesen, wieder irgendwelchen Geräuschen lauschen zu können, außer der Stimme des Unbekannten, der sie zu sich rief, oder dem Wind, der sich wie ein schützender Mantel um sie legte. Ein weiser Wolf, der sie teilweise auf ihrem Weg hierher begleitet hatte, gab ihr den Rat nie zu unterdrücken, was sie fühlte. Wahrscheinlich hatte er Recht, das machte alles nur noch schlimmer, doch sie konnte nicht anders. Hätte sie es nicht getan, würde sie sich winden vor Schmerzen und ununterbrochen schreien, etwas, das niemand begriffen hätte. Eigentlich steckte sie in vielen Teufelskreisen, allein aus dem Grund, dass sie ihre Entscheidung nicht treffen konnte und alles erneut von vorne anfing, wenn sie geglaubt hatte es war endlich vorbei. Effektiv konnte sie nichts tun, um diesen Kreislauf aufzuhalten, ihr Ende zu verschieben. Es sei denn, irgendjemand würde sie retten, und diese Hoffnung hatte sie schon aufgegeben, seit sie zurückdenken konnte. Ihre Enttäuschung über das, was alle als so toll empfanden, stieg Sekunde um Sekunde weiter an, trieb sie dazu am Boden liegen zu bleiben. Auf einmal schwirrte ein Name in ihrem Kopf herum, sie hörte die Stimme des Wolfes, dunkel und sanft klang sie an, ließ ihre Schluchzer verstummen und trocknete ihre Tränen. Zuerst hatte sie sich gewundert, weil es nicht Jumaana war, sondern - Jarrèll Nathaniêl. Der große Fremde, den sie vor einiger Zeit kennengelernt hat. Einerseits waren sie vollkommen unterschiedlich, andererseits hatte sie viele Gemeinsamkeiten gespürt. Jedenfalls gab es nur eines, was sie sicher wusste, nämlich dass er ihr das Gefühl gegeben hatte, eine Bedeutung zu haben. Normalerweise kam sie sich nutzlos vor, als ob es egal wäre wenn sie das Tal der Sternenwinde verlassen würde, weil niemand um sie trauern könnte, als wäre sie wertlos, als würde alles weitergehen, ohne jegliche Veränderung. Dieser Glaube stach in ihr Herz hinein wie tausend Dolche, zerriss es in ihre Einzelteile, erlaubte ihr leise zu bluten, vor sich hinzusterben. Hier, auf dem harten Untergrund, in der Nähe des Sternensees, der in ihr alte Erinnerungen aufkommen ließ, sie waren bitter und trugen weitere Last auf ihre so zerbrechlichen Schultern auf. Wenn sie schon daran dachte, wie lange sie nichts mehr gefressen hatte, sie war ausgezehrt und dürr geworden, spürte ihre Knochen, wenn sie sich putzte. Hier war sie immer gewesen, wenn es ihr schlecht ging, irgendwas war an dieser Stimmung besonders, sie war so melancholisch, und auch irgendwie tiefgründig, so wie sie es auch war. Gelegentlich betrachtete sie ihr Spiegelbild in dem Wasser, es war verzehrt und trieb ihr heiße Tränen in die Augen.
oO A lady goes when she has to, so take your last breath when your destiny tells you to! Oo
Diesen Spruch, auch an diesen konnte sie sich erinnern, er stammte von einem sterbenden Jungtier, das unter einer grausamen Herrschaft gelitten hatte. Die Weiße erinnerte sich noch genau an sie und ihren Mörder, der sie nicht nur körperlich, sondern auch seelisch missbraucht hatte. Sein Name war Crudelis, was in einer sehr alten, mittlerweile gar ausgestorbenen Sprache „grausam“ bedeutete. Höchstens die Tiere, die zwei Generationen über ihr waren, kannten diese noch und konnten sie flüssig sprechen, alle anderen waren vollkommen unwissend, was das betraf. Nur dieses eine Wort, das konnten alle in der Umgebung seines Reviers übersetzen, sie hörten Geschichten von seiner Brutalität, von seinen angsteinjagenden Taten und der Anzahl derer, die er geschändet hatte. Die Fähe hingegen, deren Fell in eine tiefschwarze Farbe getaucht war, war das genaue Gegenteil: sie war liebevoll, zärtlich und stets hilfsbereit. Außerdem hatte sie den Kampf für die Armen, die Rangniedrigen aufgenommen, und sie wusste, wie sie diesen helfen konnte. Ihr war eine unbeschreibliche Schönheit gegeben worden, und sie weckte in allen den Drang für sie da zu sein, weil sie in ihrer Unschuld so schutzbedürftig wirkte. Irgendwas haftete an ihr, dass nur Neugeborenen gegeben war, diese Reinheit, der feste Wille etwas zu verändern und die Freude, die man ausnahmslos in ihren Augen strahlen sah. Alle waren wahnsinnig nach ihr, doch ihr bedeutete das nichts, sie war schon mit dem Wissen aufgewachsen, dass man sie fallen lassen würde, sobald eine aus welchen Gründen auch immer Bessere daherkam. Wenn sie sich auf irgendjemanden einließ, war es nur, um sich in ihrer Position höherzuarbeiten und mehr in irgendwelche Entscheidungen hineinreden zu können. So konnte sie den Unwichtigen auch eine Chance geben, und ihre Taktik ging immer gut auf. Jedenfalls bis zu dem Moment, wo er auf sie aufmerksam wurde, er, der mit seiner dunklen Seele alle gegeneinander ausgespielt und der sich den höchsten Rang erkämpft hatte, den es gab: er war Leitwolf, führte viele Kriege, man hätte sie als nichts anderes bezeichnen können, so lange wie sie teilweise andauerten, gegen zahllose Gegner, die er nicht einmal alle kannte. Jeder einzelne von ihnen wurde ausgerottet, oder musste zumindest schwer verletzt aus dem Land ziehen, sich ergeben, verlieren. Dennoch brachte er nichts Gutes, weil er alle unter ihm auch so behandelte, als wären sie nichts wert, nur weil sie nicht so hinterlistig, feige und stark waren wie er. Das war das Einzige, was er besaß. Kraft. Von Intelligenz konnte man bei ihm nicht wirklich reden, natürlich konnte er gewisse Dinge gut leiten, darüber hinaus allerdings gab es nichts, was man ihm hätte anvertrauen können, etwas, das nicht in einem Blutbad endete. Die Schlachten, die er auch den Kranken und Alten zumutete, waren furchtbar, auch wenn sie diese immer gewannen, sie forderten viele Opfer, rissen Familien auseinander und alles, was blieb, waren die Alpträume, die alle den kostbaren Schlaf raubten. Wenn der Mond sich senkte, hörte man ständig ein Winseln, in schlimmeren Nächten ein beständiges Heulen, das es einem unmöglich machte zu ruhen. Der Graue hatte die Macht über sie alle, sie führten aus Respekt – besser gesagt aus Angst – seine Befehle ohne Widerspruch durch. Doch wie jeder andere auch hatte er eine Schwachstelle, und das war sie. Liebe macht blind, ein sehr zutreffender Spruch, denn er erkannte nicht, dass er nur ein Mittel für sie war, um zu dem Ziel zu gelangen, das sie unbedingt erreichen wollte, und er tötete alle, die ihn vor ihr warnten. Das konnte er nicht glauben, wo er doch schon immer das bekommen hatte, was er wollte. Ihr fiel es gar nicht so einfach, diese Rolle zu spielen, weder liebte sie ihn, noch war sie arrogant oder überheblich, wie sie sich ihren Untertanen geben musste. Immerhin brachte sie es so glaubhaft herüber, dass sie ihn über Jahre hinweg täuschen konnte, und er war vernarrt in sein, betete sie an wie eine Göttin. Damit zog er sich nur noch mehr den Zorn der anderen zu, schließlich sahen sie alle, wie sehr sie darunter litt, wenn er sie liebkoste oder sie seine Jungen austragen musste, nur er selbst nicht, er zwang sie zu alldem, ohne es zu begreifen, und auch das war schwer nachvollziehbar, dass ihm das alles nicht auffiel. Eines Tages geschah dann ein tragischer Unfall, wie er es hinstellen wollte. Sie starb auf eine qualvolle Art und Weise, ihr Fell war verklebt von dem Blut, das aus zahllosen Wunden geflossen war. Von ihrer Haut standen riesige Fetzen ihres Fleisches ab, es war ein furchtbarer Anblick, den man nie hätte beschreiben können. All ihrer Schönheit schien zerstört zu sein, und er begründete es mit einem Fremden, den er nicht hatte vertreiben können. Jeder wusste, dass er lügte, denn keiner wagte es mehr in dieses Gebiet herein, und selbst wenn er noch nichts von dem Anführer gehört hätte, er hätte ihn sofort wieder vertrieben. Immerhin war sie sein Heiligtum, sein Besitz, seine große Liebe. Nein, er hatte die Wahrheit erfahren, und sie riss selbst tiefe Wunden in die Seele des scheinbar Unverwundbaren. Als sie es ihm gesagt hatte, sah er fast so klein aus wie sie, als er sie bei einer Gruppe von Bäumen hinterließ, um ihr Schicksal entgegenzunehmen. Es war eine grausamer, langwieriger Tod, und in jeder Sekunde war sie dabei, sprach mit ihr, und auch wenn es merkwürdig klang, niemand es ihr glauben wollte, sie schien glücklich. Ihr Antlitz strahlte eine Erleichterung aus, wie wenn sie ein Geheimnis verraten hätte, unter dem sie schon litt, seit sie denken konnte, von dem sie das erste Mal redete. Ihr Gewissen war befreit, sie war niemandem mehr etwas schuldig, alle blickten voller Dankbarkeit und Liebe auf sie, weil sie alles auf sich genommen hatte, unter dem andere schon lange zusammengebrochen waren. Die letzten Atemzüge allerdings wurden immer schwerer, und dann kamen plötzlich die Selbstvorwürfe, alle schutzlos seiner tyrannischen Art auszusetzen, sie wirkte bitter und kalt. Mit einer tiefen Trauer auf den Zügen ging sie, und alle bedauerten es auf eine unbeschreibliche Weise. Tausende kamen herbeigeströmt, denen man von ihr berichtet hatte, schenkten ihr die letzten Ehre. Bestimmt war sie froh, wenn sie von dort oben herunterschaute und sah, was sie bewegt hatte, welche Veränderung sie gebracht hatte. Auf einmal hatten alle wieder den Willen sich zu wehren, und sie wurden alle rebellisch. Ein riesiger Aufstand fand statt, und die eigentlich Chancenlosen, Schwachen, Gefangenen gewannen. Jedoch wagte keiner auch nur eine Sekunde lang zu behaupten, sie hätten das selbst geschafft. Im Gegenteil, jeder war sich einig: Das war allein ihr Verdienst.
Diese Erinnerung hatte sie auch geprägt. Gut, meistens war sie niederschlagen und ihr fehlte der Wille zur Veränderung. Sobald sie sich das allerdings ins Gedächtnis rief, stand sie wieder auf und fühlte sich stark, stärker als jeder andere. Genau das tat sie, und sie musste nicht darüber nachdenken, ihre Beine bewegten sich einfach, sie wusste nicht in welche Richtung und dennoch ging sie in eine bestimmte. Bis sie bei den zwei einzigen stand, denen sie vertraute. Die Situation war so merkwürdig und plötzlich und unerwartet, dass sie gar nicht wusste was sie sagen sollte, außer dem Ersten, was ihr durch den Kopf ging. „Schwester, ich habe dich vermisst.“ Langsam schweifte ihr Blick zu dem ihr eigentlich Fremden, von dem sie sich auf eine ihr selbst unerklärliche Weise angezogen fühlte, und fügte in einer leise, eingeschüchtert wirkenden Stimme: „Dich auch.“ Einerseits zeigte ihr Tonfall, dass sie ihm gegenüber Respekt empfand, man hätte ihn beinahe als ehrfürchtig beschreiben können, weil sie spürte, dass es auch ihm sehr schlecht gegangen war und er trotzdem nie aufgegeben hatte, was ihn wiederum zu einem Vorbild für sie machte, andererseits war er wie der, mit dem man einen Freund ansprach. Ein bisschen Angst wallte in ihr auf über ihre Reaktion. Vielleicht waren sie über ihr langes Verbleiben wütend, vielleicht kannten sie sie gar nicht mehr, vielleicht interessierte sie sie nicht. Oder es war, wie sie es erwartete und ersehnte: ein Wiedersehen, dem alle erwartungsvoll entgegengefiebert hatten.
[I am back, and I'm sorry for being away!
zuerst alleine l dann bei Jumaana und Jarrèll Nathaniêl l am Sternensee]
12.12.2010, 01:42
Kiburi hatte sich auf seiner ganzen Reise niemals länger an einem bestimmten Ort aufgehalten. Ein paar Stunden vielleicht um zu rasten aber keine drei Läufe der Sonne. Allerdings war er zuvor auch nicht einem einzigen anderen Wolf begegnet. Vielleicht war es tatsächlich die Tatsache Artgenossen um sich zu haben, die ihn dazu bewegte das Angebot im Tal zu verweilen anzunehmen.
Jedoch besonders viel hatte der Jungwolf sich nicht mit den Wölfen hier unterhalten. Er wollte unbedingt der ewigen Fragerei aus dem Weg gehen, woher er kam und was ihn ins Tal verschlagen hatte.
Kiburi dachte ja nicht einmal gerne darüber nach. Wie sollte er es dann jemandem erzählen? Und ohnehin waren Unterhaltungen mit Artgenossen nicht das einzige, dass Kiburi vermisste. Da waren eine ganze Reihe von Dingen die ihm hier fehlten. Dinge, die es eben nur auf Ishbar gab. Die verschlungenen natürlich entstandenen Tunnel im Inneren des Mount View, die wie ein Labyrinth waren, das kleine Feld voll mit köstlichen Makarolebeeren oder die endlosen Wettläufe durch den Wald. Aber einen Moment mal! Was sprach dagegen einfach hier einmal quer durch den Wald zu laufen? Seid seiner Ankunft im Tal der Sternenwinde war er nicht mehr gelaufen. Dabei tat er das immer sehr gerne und niemand hinderte ihn daran.
Und so kam es, dass Kiburi sich bei seinem Erwachen an jenem Morgen entschied wieder zu laufen.
Es war wieder einmal ein unsanftes Erwachen. Der junge Wolf hatte wie fast jede Nacht einen schrecklichen Albtraum. Es war immer der Gleiche. Er sah erneut wie Ishbar von schrecklichen Kreaturen angegriffen wurde. Jedoch sahen sie in seinem Traum nich viel scheußlicher aus als in seiner wahren Erinnerung. Er hatte damals nur für einen kleinen Bruchteil einer Sekunde gesehen wie diese Bestien aussahen, die alle Wölfe seines Rudels getötet hatten. Und doch hatte sich diese Bild vielleicht auf ewig in seine Gedanken eingebrannt.
Kaum war Kiburi hochgeschreckt, überraschte ihn schon gleich das Nächste. Es war plötzlich bitterkalt im Tal. Diese Kälte war nur ein weiteres Argument dafür zu laufen, was er noch kurz vor dem einschlafen beschlossen hatte.
Der Jungwolf streckte sich, gähnte dabei und setzte mit der gewohnt traurigen Miene zu dauerlauf durch den Wald an. Er lief erst ganz langsam, weil er dachte seine Pfoten müssten ihn noch von seiner langen Reise schmerzen. Doch es schien so als wäre über die drei Ruhetage die der junge Wolf sich genommen hatte alles wieder in Ordnung mit seinen Pfoten. Kein einziger Schritt tat weh und so wurde Kiburi immer schneller und schneller bis er so schnell durch den Wald lief wie er konnte. Er spürte den kalten Wind auf seiner Schnauze und wie er ihm durch das ganze Fell strich. Oh wie er das immer geliebt hatte.
Als dann vor ihm ein umgefalllener Baumstamm auftauchte, der wohl ein Unwetter nicht überlebt hatte, setzte Kiburi zu einem Sprung an und machte einen Satz über diesen Baumstamm. Während diesem Sprung, veränderte sich der Ausdruck in Kiburis gesicht. Auf seinen Lefzen war ein Lächeln zu sehen. Und was war das in seinen Augen? Es war ein funkeln, das man nur bekam, wenn man einen Moment des Glücks durchlebte.
Es war als könnten Kiburis Sorgen nicht mit ihm mithalten, als wäre er zu schnell für sie. Dieser Ausdruck in Kiburis Gesicht blieb die ganze Zeit bestehen, selbst noch Momente nachdem er anhielt und erschöpft nach Luft hechelte. Jedoch verschwanden das Lächeln und das Funkeln in seinen Augen dann schlagartig wieder. Es war irgendwie schön gewesen zu laufen, doch andererseits, fehlten da seine Freunde die er fast jedes Mal im Wettlauf besiegte. Und schon waren seine Gedanken wieder trüb und unglücklich. Kiburi wusste nciht wie lange oder wie weit er gelaufen war. Das spielte für ihn auch keine Rolle. Wer würde ihn schon im Tal vermissen? Vielleicht war das der Ideale Zeitpunkt wieder weiter auf die Reise zu gehen. Aber wohin sollte er gehen? Wieder soweit, bis er ein anderes Rudel traf? Sollte das sein Leben lang so weiter gehen?
Poltzlich wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Er hörte jemanden! Erschrocken drehte er sich in alle Richtungen um, um zu sehen wer da war. Er konnte nicht sicher sein, dass es jemand freundliches war wie aus dem Tal, immerhin war Kiburi schon ziemlich weit gelaufen. Er hatte keine Ahnung ob das noch das Revier des Rudels war.
"Wer ist da? Zeig dich!", sagte der Jungwolf erschrocken und immernoch außer Atem von seinem Dauerlauf.
Zu seiner Beruhigung erblickte er dann eine umher streifende Fähe. Nochmal Glück gehabt.
Aber Vorsicht war dennoch geboten. Nicht alle Wölfe waren friedlich. Doch diese Fähe hatte er schon mal gesehen. Er erkannte sie an ihren vielen Verletzungen und dem fehlenden linken Ohr.
"Du... bist auch... aus dem Tal hier, oder?", fragte Kiburi vorsichtig.
Er machte einen kleinen Schritt in die Richtung der Fähe.
[An der Nördlichen Reviergrenze | erst alleine dann auf Minyala treffend]
12.12.2010, 12:43
Es war für Raja keineswegs verwunderlich, dass die Jungwölfin sie so schnippig vorstellte. Die Wölfin setzte sich lieber auf ihren Hintern und schaute mit wachen Augen den Wolf an, der offenbar dafür verantwortlich war, ob sie nun zum Rudel gehören durften oder nicht. Caylees spitzelnde Worte ignorierte sie jedoch gekonnt und war damit nicht auf Streit aus. Es war die Schuld der Jungfähe selbst, das sie so reagiert hatte und musste deswegen auch die einen oder anderen bösen Wörter ertragen müssen. Zu diesem Zeitpunkt tauchte noch ein weiterer Wolf auf. Eher zurückhaltend und verängstig war sein Eindruck und er verlangte ebenfalls den Eintritt ins Rudel. Seine Erscheinung ließ Raja doch eher skeptisch werden. Er wirkte nicht so, als wolle er mit Freude und Elan ins Rudel. Er wirkte eher wie auf der Flucht und seine Haltung war mehr als angespannt. Raja hingegen wirkte offen für Neues und sah mit ihrem geknickten Ohr, nicht wie eine erfahrene Wölfin aus, sondern eher wie ein verspielter Welpe. Doch das kümmerte sie nicht. Denn wer den ersten Eindruck als wichtiger ansah, als den Charakter näher kennen zulernen, war für Raja e nichts wert.
„Ich bin diejenige, die auf den Namen Raja hört. Bitte entschuldigt mein vorher so ungehobeltes Auftreten und das ich mich nicht angekündigt hatte. Doch ich bin schon lange Unterwegs und jetzt auch schon einige Zeit allein. Ich habe es schlichtweg vergessen mich anzukündigen, was in mir äußerstes Unbehagen auslöst. Bitte verzeiht.“
Sprach sie entschuldigend und vernahm, das Hilel sich neben sie gesellt hatte. Die Schwarze schien noch immer an ihr vorhergehendes Benehmen fest zuhalten und Raja mochte sie schon jetzt. Sie machte kein Geheimnis daraus wie sie sich fühlte oder wie sie die Situation einschätzte. Eine ziemlich gute Eigenschaft, wie Raja feststellte. Sie jedoch selbst, tat genau das Gegenteil, was Caylee ihnen vorher geraten hatte. Ihr war es egal, ob dieser Rüde es nun wissen wollte oder nicht. Sie machte kein Geheimnis daraus, das sie diese Schwäche besaß und auch nicht. Das sie ihren Geliebten verloren hatte. Für sie war es grundlegend, das kein ungesagtes Wort zwischen ihnen stand, wenn sie dem Rudel angehören wollte.
[wetslicher Wald, Hilel, Adsini, Volk, Caylee und Azrem]
16.12.2010, 19:08
Der junge Wolf blieb ruhig an seinem Platz stehen, hatte den Kopf leicht gesenkt, in dem Moment indem er seinem Vater rief. Dieser drehte sich jedoch so ruckartig um, wie es sein Sohn nicht erwartet hätte, als wäre er in Gedanken gewesen und starrte ihn nun an - so erstarrte auch der Silberprinz. Den Jungrüden hatte schon ein seltsames Gefühl umfasst, als er sich dem tiefschwarzen mit der Zeichnung unter den Augen genähert hatte; doch im Anblick eben dieser Seelenspiegel durchfuhr es seinen Körper, und sein Nackenfell stellte sich wider seines Willens auf. Sie starrten sich ein paar Sekunden lang an, dann konnten die so gegensätzlichen sonnengelben Augen den tiefblauen nicht standhalten und Turién senkte den Blick. Es war als umschließe den Dunklen eine Aura - eine dunkle Aura, die nichts frohes oder gutes in sich barg. Was war nur mit seinem Vater los? So war er sonst nicht. Nicht so.
Der Silberne war unschlüssig, wusste nicht was er tun sollte. Eine freudige Begrüßung sah anders aus - vielleicht lieber wieder gehen und sich ein einsames Plätzchen suchen? Scheinbar wollte Averic seine Gesellschaft nicht. Oder interpretierte er zu viel in diesen Blick und die starren Worte?
"A-Alles okay?"
Er machte zwei Schritte auf den Schwarzen zu, sein Haupt weiterhin leicht gesenkt, beinahe schon beschwichtigend, und blieb dann wieder stehen. Was war das in seinen Augen? Die Ohren des Jungen klappten irritiert zurück, spielten unsicher wieder vor. Vielleicht war es doch eine schlechte Idee gewesen ihn anzusprechen. Der Jungrüde ließ sich auf seine Hinterläufe nieder, die Ohren betrübt zur Seite abgeknickt. Irgendetwas ... oh, er wusste nur zu gut, was es war... machte sogar seinen dunklen schwarzen mächtigen großen Vater so zu schaffen, dass er so traurig war, dass er sich hinter einer Mauer aus bösen Gefühlen zu verstecken versuchte. Auch Turién kannte das Gefühl - doch bei ihm waren es weder Wut noch Hass, es waren tiefste Enttäuschung und missbrauchtes Vertrauen, die an ihm nagten. Für Papa musste es jetzt auch ganz schlimm sein, immerhin hatte auch er einen Sohn verloren und seine Gefährtin. Wobei Tyraleen nicht verloren war - und doch war die Lage undenkbar kompliziert. Ein gutes Ende schier außer Sicht, und der Silberprinz war sich nicht einmal sicher, ob seine geliebten Eltern je wieder ein Wort miteinander reden würden.
Tyraleen hatte viele Wölfe, die bei ihr waren, dass hatte er in den letzten Tagen mitbekommen. Doch seinen Vater hatte er kaum gesehen. Wo war er, wen hatte er zum Reden? An wessen Schulter konnte er sich ausweinen...? Konnte man das nicht mehr, wenn man ein Vater war...?
Geduckt näherte er sich seinem Vater weiter, bis er seinen Kopf an seiner Brust reiben und seine Schulter berühren konnte. Es tat gut seine Wärme zu spüren, auch weil es so schrecklich kalt geworden war, wie im Winter.
[Totes Land | Averic ]
17.12.2010, 17:41
Minyala war noch immer ganz ihren trüben Gedanken versunken, den Kopf hängend, das Gesicht sorgenvoll zerknautscht, als plötzlich eine ziemlicht laute Stimme nur ein paar Wolfssprünge von ihr entfernt losbrüllte. Die Silberweiße zuckte zusammen, riss die Augen auf und ließ ihren Blick über die frierenden Bäume hetzen. Erst bei der zweiten Runde erkannte sie einen grauen Rüden, der ein zaghaftes Schrittchen auf sie zu wagte und sie ansah, als könnte sie ihm möglicherweise gleich die Kehle aufschlitzen. Sie kannte ihn nicht, hatte ihn auch noch nie gesehen und wunderte sich deshalb über das ’auch’, das in der zaghaften Frage des Grauen vorkam. Allerdings wäre es auch kein Wunder, wenn sie ihn vergessen oder nicht bemerkt hätte, auch wenn sein Geruch ihr ebenso unbekannt vorkam. Vielleicht ein ganz Neuer? Sie musste sich zum einem schiefen Lächeln durchringen, denn auch wenn der Graue weder gelegen noch ungelegen kam, war ihr momentan einfach nicht zum lachen.
“Erstmal Nase anschalten, dann rumbrüllen, ja? Scheinst mich ja zu kennen, muss dir da leider gestehen, dass ich keine Ahnung hab, wer du bist. Ein Neuling? Hast dir eine ganz schlechte Zeit zur Ankunft ausgesucht. Ich bin Minyala, lebe so … mh … vielleicht sechs Wochen hier. Aber nach dem ganzen Chaos nicht unbedingt glücklich.“
Sie ließ ihr verbliebenes rechtes Ohr leicht hängen und setzte sich, teilweise um zu bekunden, dass sie nichts gegen eine Unterhaltung mit dem Grauen hatte, teilweise weil sie ihm das Misstrauen aus dem Gesicht scheuchen wollte. Sie würde ihn nicht fressen. Die geknickte Rute legte sich schützend um ihre Vorderläufe, denn die Kälte griff schon jetzt mir scharfen Klauen nach ihr. Verdammt, es war so eisig kalt, dass sie bereits das Gefühl hatte am Raureif des Grases festzufrieren.
“Und wer bist du, was treibst du hier und wenn du das Rudel kennst, warum bist du dann nicht bei ihm? Darfst du überhaupt hier sein oder wäre es meine Pflicht, dich zu verjagen? Nicht, dass ich das gerne tun würde, aber das Wölfchen an sich strebt ja nach der Vollkommenheit der Rudeleinheit, also … nä … du weißt, was ich meine?“
Sie krauste leicht die Nase, irgendwie hatte sie sich verhaspelt. Sie hatte nicht so klingen wollen, als würde sie den Grauen verjagen wollen. Ganz im Gegenteil, ein bisschen Gespräch zwischen all zu trübe Gedanken zu bringen war sicher von Vorteil. Und wenn der Graue sie kannte, musste er ja eigentlich sowieso schon in irgendeiner Art und Weise aufgenommen worden sein.
[ nördliche Reviergrenze | Kiburi ]
17.12.2010, 20:06
Schon eine Weile lang verfolgte er den Rüden, der scheinbar auf der Flucht war. Oder viel mehr nicht rasten wollte. Was es auch war, er behielt ein gutes Tempo bei und schon bald begann Tiberius die Lust an dieser 'Mission' zu verlieren. Ab und an ließ er sich zurückfallen, wollte nicht auffallen und dann wieder preschte er nach vorne um den Geruch nicht zu verlieren. Es gab keinen Anlass oder Grund diesem Artgenossen zu folgen. Reine Neugier. Die Geschichte der Anderen war immer um einiges spannender als die eigene. Und der Graue bastelte bereits an einem dramatischen Familienszenario, warum der Weggefährte nun Hackengas gab. Die Gefährtin hatte ihn betrogen, die Eltern ihn verschmäht. Oder seine eigenen Welpen haben ihn in einer nächtlichen Aktion angeknabbert. Blah, Blah Blah. Tiberius verlor den Faden. Und die Fährte. Der dunkle Fang schwang kurz über den gefrorenen Boden und nahm wieder einige, feine Tenore auf. Hase, Wolf, Hase, Wolf. Mh, essen oder Langeweile bekämpfen? Keine schwierige Frage. Das geliebte Lächeln auf den Lefzen und frohen Mutes sprang der Rüde voran. Fast zu ausgelassen für einen erwachsenen Wolf. Und tatsächlich hätte er Hacken schlagen können, Frühlingsgefühle. Rüdenallüren. Feine Sache, aber angesichts seiner Gefährtenlosigkeit völlig unangebracht.
Ab ins Unterholz und endlich war der Geruch seines Verfolgten wieder klar und deutlich. Der Graue hatte sich bereits so sehr an diesen Duft gewöhnt, dass er den dahinter verborgenen Typen schon kannte. Mal sehen, wie der Andere dazu stehen würde. Aber nein, noch besser. Ein Weibchen! Stimmen und, perfekt. Eine neue Begegnung der besonderen Art. Das lange Nackenfell wurde noch einmal in einem Schüttelanfall aufgewirbelt und das Lächeln wurde noch ein Stückchen breiter. Gut so, Tiberius, jetzt war er auch Gesellschaftstauglich.
“Aber nicht doch, meine Liebe“,
sprach er noch bevor er an der Seite des Rüden (Kiburi) zum stehen kam,
“So viele Fragen! Lass´ ihn doch erst einmal zu Atem kommen. Bei seinem Tempo war kaum noch die Hoffnung da, dass er überhaupt einmal anhalten würde“,
sehr gut. Er konnte die Verwunderung förmlich schmecken. Das gefiel dem abenteuerlichen Rüden. Prompt schien sich seine gesamte Laune zu verbessern und für einen Moment lang vergaß er seine eigenen Sorgen. Und die waren, wie bekannt, weitaus brenzliger als dem Grauen lieb war. Umso lieber kümmerte er sich um sein Vergnügen und den Drang nach Trubel.
“Die Rudelvollkommenheit“,
schlug der Rüde an und tat so, als könne er mitreden. Natürlich war seine Geschichte alles andere als ein guter Beweis dafür.
“Sie wäre erst perfekt, wenn Neulinge jubelnd in Empfang genommen werden würden“,
das war nicht im Ansatz eine Belustigung. Wie immer schien es Tiberius ernst zu meinen. Zur Bestätigung richtete er seinen Blick auf den Kameraden neben sich.
“Nicht wahr, mein Freund?“,
ein kurzes Zwinkern. Das war durchaus eine schöne Idee. Einen Freund zu haben würde einiges viel leichter machen. Aber einen Wolf, der Tiberius verstehen würde, ohne sich dabei in den Wahnsinn zu stürzen, gab es nicht und würde auch so schnell nicht auf der Bildfläche erscheinen.
[ nördliche Reviergrenze | verfolgte Kiburi -> nun bei Kiburi und Minyala ]
18.12.2010, 11:18
Gedankenverloren. Abgeschweift. Längst nicht mehr hier, inmitten dieser Tragödie, die vermutlich schon längst vorbei war. Ráyon bekam nichts von dem mit, was um ihn herum geschah. Wollte nicht hören, wie die Wölfe miteinander reden, nicht sehen, wie sie sich Blicke schenkten, voller Trauer und Schock. Nein, er wollte auch nicht wissen, dass der weiße Jungwolf so ohne weiteres aufgestanden war. Er erfuhr es auch nicht, hatte er die Augen doch fest geschlossen, die Lider aufeinander gepresst, als wolle er, dass sein Augenlicht verging. Stundenlang hätte er so liegen können. Nichts wissen, nichts hörend, nichts sehend. Abgeschottet vom Rest der Welt, als wäre er für sich in einem eigenen, kleinen Universum.
Im Inneren wusste er jedoch, dass das nicht ging. Er brauchte die Anderen. Musste mit ihnen reden, mit ihnen Spielen, ihnen seine Geschichte erzählen. Hatte er nicht Aléya, Avendal und Sheena versprochen, dass sie noch Geschichten von seiner langen, langen Reise hören würden? Ja, er musste sie ihnen noch erzählen. Irgendwann. Irgendwann, wenn alles wieder gut, die Welt wieder heil und all dieser Kummer aus dem Tal der Sternenwinde verschwunden war. Irgendwann würde dieser Moment kommen, doch wie lang musste Ráyon noch darauf warten? Und würde er bis zu diesem Zeitpunkt noch leben? Oder kündigte sich mit der Schwäche, mit der unglaublichen Müdigkeit und dem Taubheitsgefühl bereits der Tod an? War es nicht so, dass man spürte, dass man sterben würde? Vielleicht war es so, und vielleicht lebte er tatsächlich seine letzten Atemzüge. Vielleicht würde er morgen schon nicht mehr...
Er knurrte, wütend auf sich selbst, dass er sich solchen Gedanken hingab. Wie kam er überhaupt auf die Idee, dass hier noch irgendjemand sterben würde? Nein! Der weiße Jungwolf sollte für lange Zeit der Letzte gewesen sein, der hier sterben musste. Ráyon wusste, dass es seine Pflicht war an diesem Gedanken festzuhalten. Alles andere half ihm und erstrecht den anderen nicht.
Und nun, dass wusste Ráyon auch, war es Zeit diese Gedanken hinter sich zu lassen und endlich aufzustehen. Hatte Lyerra nicht gefragt, ob er mit zum Fluss kommen wolle? Das war doch eine super Idee. Weit, weit weg von dem Geschehen, dass ihm gerade fast seinen letzten Nerv geraubt hatte.
Mühsam schlug der Rüde die Augen auf und lächelte. Siehst du, Ráyon? Du lebst noch, dachte er sich. Lyerra stand nicht weit von ihm. Vermutlich hatte sie schon ein paar Schritt in Richtung Fluss gemacht und wartete nur noch auf ihn. Nett von ihr. Wenigstens ließ sie ihn nicht einfach so... RÁYON! Wieder musste er sich die Richtigen Gedanken in den Kopf rufen. Alles würde gut werden. Selbst wenn es nun noch nicht danach aussah. Gleich war er hier weg, und er würde zusammen mit der weißen Fähe an einem Fluss stehen um den ekelerregenden Blutgeruch zu vernichten, ja, das würde er.
Eben so mühsam, wie er die Augen aufgeschlagen hatte, richtete er sich nun auf. Es kostete viel Anstrengung, aber das war es ihm wert. Er wollte nicht hier bleiben und noch weniger allein.
Ohne den anderen einen Blick zu gönnen, ging so schnell es ihm mit seinem lahmen Hinterlauf möglich war er zu Lyerra. Er lächelte, nicht wissend, was er hätte sagen sollen. Sie sah ja, dass er ihr folgen würde.
18.12.2010, 11:32
Chanuka lauschte Malakím mit größter Aufmerksamkeit. Beinahe wie ein Welpe hing er mit den Augen an den Lefzen des Älteren. Er kam ihm so klug vor, alles was er sagte beinhaltete soviel Wahrheit, die dem jungen Schwarzen gänzlich einleuchtend war. Malakím schien ein besonderes Talent dafür zu haben, schwer erklärbare Dinge in den richtigen Worten zusammen zu fassen. Und so nickte er zunächst einfach nur zustimmend, ohne etwas hinzuzufügen. Es war alles gesagt. Seine Worte waren verstanden.
Er duckte sich ein wenig. Malakíms Worte schmeichelten ihm, nicht, weil er glaubte, dass er so geschickt aussprechen konnte, was er fühlte, in Gegenwart seiner Geschwistern und Eltern, sondern weil der ältere Rüde glaubte, er könne es sein, der die Wogen ein wenig glättete. Aber wie sollte er mit seiner unbeholfenen Art vermitteln? Und wie formulierte er am geschicktesten, dass Tascurio diesen Weg hatte gehen wollen, ohne sein Versprechen zu brechen, davon zu erzählen? Und durfte er die Worte seines Bruders interpretieren und zu seinen Gunsten auslegen?
„Ich versuch’s.“
Gab er bestimmt zurück, obwohl die Unsicherheit deutlich in seiner Stimme mitschwang. Es zu versuchen war wahrscheinlich besser, als es unversucht zu lassen und zuzusehen, wie alles schlimmer und schlimmer wurde. Er würde nicht tatenlos zusehen, wie seine Familie zerstört wurde. Er war immerhin ein Teil davon. Und wenn sich seine Eltern nicht mehr lieb haben konnten, dann sollten sie doch zumindest keinen Hass füreinander empfinden. Dann mussten sie eben lernen, sich auf neutraler Ebene zu begegnen.
„Wie war das in deiner Familie so?“
[Bei Malakím, am See]
19.12.2010, 15:14
Seine einzige Erwiderung auf Caylees Begrüßung war der Hauch eines Lächelns, dass kurz um seine Lefzen strich. Innerlich verwundert registrierte er die Demut und Ehrerbietung, die in ihren Gesten lag. Es war sonst nicht ihre Art sich so offenkundig jemand Ranghöheres unterzuordnen, und es ließ den Beta noch aufmerksamer - ja beinahe misstrauisch - an diese Situation heran gehen. Caylee hatte ihre Gesten bewusst gewählt und wollte damit ihm oder den drei Fremden eine Botschaft übermitteln, vermutlich sogar beiden Parteien.
Mit unveränderter Miene lauschte er den Worten der Jungfähe. Da nannte sie ihm auch schon den Grund für ihr Verhalten: zwei der drei Fremdlinge hatten gegen die Sitten verstoßen und waren anschließend laut Caylee auch noch 'unfreundlich' gewesen. Nun, Caylee selbst war auch nicht immer die Ausgeburt an Höflichkeit und war manchmal schneller gekränkt als nötig wäre, entsprechend waren ihre Worte mit einer gewissen vorsicht zu genießen. Gerade im Zusammenhang mit ihrer deutlichen Unterwürfigkeit konnte es gut sein, dass sich an Hilel und Raja rächen wollte, indem sie sie schlecht dastehen ließ. Andererseits war es auch nicht Caylees Art, sich solche Anschuldigungen einfach auszudenken. Er kannte Caylee, die Fremde dagegen nicht. Mal sehen, wie sich die beiden ihm gegenüber verhielten...
Die drei Fähen hatten ihn und Caylee fast erreicht, als sich von rechts eine weitere Gestalt näherte. Aszrem wandte den Kopf zu dem schwarzen Rüden um und musterte auch ihn eingehend. Er konnte ihm keinen Namen zuordnen, dennoch glaubte er, ihn vor drei Nächten gesehen zu haben, als er mit Nerúi die Rudelversammlung verlassen hatte.
"Und du bist...?",
fragte er unbewegt und ohne dem nervösen Schwarzen ein Zeichen der Beruhigung zu schenken. Aszrem selbst betrachtete dies als Revanche dafür, dass er Rüde sich nicht namentlich vorgestellt hatte. Dann kehrte sein Blick zu den drei Fähen zurück, insbesondere zu der cremefarbene Jungwölfin, die Caylee als Adsini beschrieben hatte.
"Willkommen im Tal der Sternenwinde, Adsini. Du darfst gerne bei uns bleiben, aber solltest du irgendwann den Drang verspüren weiter zu ziehen, steht es dir natürlich frei uns zu verlassen. Falls d dich von deiner reise ausruhen magst, so zeigt dir Caylee sicher gerne den Weg zur Rudelhöhle",
begrüßte er sie und schenkte ihr ein kurzes Lächeln. Normalerweise hätte er zuerst die älteren Fähen angesprochen, doch hatten diese sich nicht angekündigt und so war es die Jungfähe, die im Augenblick die höchste Achtung von den drei Fähen genoss. Hilel und Raja hatte sich zunächst erst einmal zu erklären.
Es war dann auch die schwarze Fähe, die als erste das Wort erhob. Ihr rechtes Auge war milchig weiß, so wie Kaedes Augen es gewesen waren - blind. Ihr verbliebenes Auge war eisig blau, und irgendwie kalt war auch ihre Stimme, als sie sich vorstellte. Aszrem bemerkte eine gewissen Selbstsicherheit in ihrem Tonfall und auch ihrer Haltung. Offenbar war sie sich keiner Schuld bewusst, was ihren Sittenbruch anging, oder aber es war ihr schlicht gleichgültig. Aszrems prüfender Blick lag auf ihr, bis die Weiße mit dem Knickohr das Wort ergriff und damit nach seiner Aufmerksamkeit verlangte. Er begrüßte sehr, dass sie ihr Verhalten nicht nur erklärte, sondern sich auch mehrfach entschuldigte. So ganz erklärte sich dadurch jedoch nicht die Unfreundlichkeit, die Caylee angeblich zuteil geworden war - zumal er sich kaum vorstellen konnte, dass Caylee das Versäumnis der Anküngigung unerwähnt gelassen hatte und Raja sich ja offenbar dessen für schuldig bekannte. Vielleicht war Caylee aber auch einfach nur nicht der respekt zuteil geworden, der ihr als Rudelmitglied gebührte, selbst wenn sie nur eine Jungfähe war. Nicht wenige Wölfe wurden erst im Angesicht Hochrangiger reumütig, und es würde den Vorwurf Caylees erklären.
"Es freut mich zu hören, dass Ihr Euer Versäumnis einseht, Raja. Ich hoffe für Euch, dass ihr das nächste mal daran denkt, solltet ihr je wieder vor einem fremden Revier stehen. Und auch, dass ihr allen Rudelmitgliedern mit Respekt zu begegnen habt."
Er ließ die Worte für einen Moment wirken und hoffte, dass der Hinweis verstanden worden war. Im Zweifelsfall wog das Wort eines Rudelmitglieds einfach höher als dass eines Fremden, erst recht, wenn dieser sich auch noch andere Fehler geleistet hatte.
"Ihr dürft nun aber gerne bleiben und euch ausruhen, solange ihr mögt. Willkommen bei uns, Raja",
fügte er schließlich hinzu und wandte sich nun wieder der Schwarzen zu.
"Habt Ihr auch eine Erklärung für Euer Verhalten?"
[westlicher Wald | Caylee, Volk, Hilel, Adsini, Raja (- in der Nähe Nerúi)]
20.12.2010, 21:03
Lyerra blendete die Geräusche und den Geruch aus. Den Geruch des Blutes der schwer und unangenehm in ihrem Fell hing, an ihr haftete als hätte sie etwas Böses getan.
Sie sah, dass es Ráyon anscheinend nicht so gut ging, er schaffte es kaum die Augen zu öffnen, es schien eine wahre Überwindung zu sein.
Unsicher blieb sie stehen, sah ihn an.
"Ráyon, alles in Ordnung..?"
Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Als ihr klar war, dass der Rüde ihr folgen würde, er ihr freundlich zugenickt hatte, lächelte, da lächelte auch sie, allerdings eher verunsichert.
Mit relativ zügigen Schritten verließ sie den Rudelplatz, Es war grauenhaft hier, der Geruch des Übernatürlichen und des Todes hing überdeutlich undunüberriechbar in der Luft, Lyerra mochte diesen Geruch nicht. Alles was geschehen war konnte theoretisch gesehen nicht passiert sein.
Kurz schüttelte sie den Kopf, immer weiter laufend, darauf bedacht nicht zu schnell zu sein, da ihr Begleiter ja nicht richtig laufen konnte.
Als sie endlich am Fluss ankam, es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, stand sie einige Augenblicke einfach nur am Ufer des Gewässers, ließ sich den frischen Geruch durch das Fell und in die Nase wehen, versuchte den Geruch des Blutes aus ihrer Nase zu bekommen.
Nach einigen Sekunden der Überwindung tapste sie dann vorsichtig in den Fluss, sente die Schnauze und nahm mit der Zunge das kühle Nass auf. Als sie fertig war machte sie einige Sprünge in das kalte, extremst kühle Wasser und blieb trotz der Kälte ein wenig in dem Wasser.
Es war so schön, so angenehm. Sie konnte fast sehen wie der Geruch und all das ekelige mit Wasser fort getragen wurde, sah fast dass ihr Fell reiner wurde.
Entspannt stand sie da, sah den Gerüchen des Todes und Blutes nachdenklich nach.
21.12.2010, 00:41
Augenscheinlich hatte Lunar gar nicht bemerkt, dass Liam ihm kühler gegenübergetreten war, als er beabsichtigt hatte. Was nicht weiter schlimm war, für Liam sogar eigentlich ganz gut. Dann konnte er sein Gewissen ein wenig beruhigen. Denn natürlich hatte er sich, nach seiner ablehnenden Haltung Lunar gegenüber, für sein kindisches Verhalten geschämt. Er hatte sich darüber geärgert, zeigte es ihm doch, dass er noch lange nicht annähernd so mit sich im Reinen war, wie er es gerne wollte. Oder wie er es gedacht hatte.
Doch kaum hatte er die Gedanken zu Ende gedacht, musste er sich erneut über den schwarzen Rüden ärgern. Er war einfach unverschämt, auf Ärger aus und das musste auch ein Rüde wie Liam nicht akzeptieren. Oder doch?
Selten spürte er Ärger in sich aufwallen und jedes Mal erstaunte es ihn aufs Neue, was für eine unglaubliche Kraft in solchen Augenblicken durch den Körper fahren konnte. Die Muskeln vibrierten leise im Takt seines Herzschlages und Adrenalin wurde, anders als bei seiner ansteckenden Fröhlichkeit, in einer aggressiven Art und Weise durch seinen Körper gepumpt.
Natürlich hatte auch Kourus, wie der Neue sich vorgestellt hatte, sich eindeutig im Ton vergriffen. Aber auch dies war nur eine Reaktion auf Lunars vorhergehende Worte gewesen. Es war ein Teufelskreis, einer fing an, ein anderer reagierte darauf und so wiegelte sich ein winziges Geschehen, im schlimmsten Fall, zu einem Kampf auf. Doch so weit sollte es nicht kommen. Hoffte er.
Eigentlich wollte er Lunar nicht gegenüber treten, hatte dieser ihn doch in seinen letzten Worten mit einbezogen und war nicht darauf aus gewesen auch ihn, Liam, verbal anzugreifen. Doch wo Gerechtigkeit geschaffen werden konnte, sollte sie auch geschaffen werden.
Und obwohl Kourus sich eher distanziert vorgestellt hatte, war er ihm gegenüber auf keinen Fall respektlos gewesen.
„Lunar, wenn du auf Ärger hinaus willst, bist du hier an der falschen Adresse. Kourus hat sich im Ton vergriffen, war ansonsten jedoch keineswegs respektlos. Ich bitte dich, dich weniger angriffslustig zu verhalten.“
Es war kein Befehl, jedoch die Worte von einem höher gestellten Wolf als Lunar es war. Denn wenn Liam eines wusste, er hatte sich, wenn auch ungewollt, in der Rangliste weiter nach oben gearbeitet. Und das konnte man von Lunar nicht gerade behaupten. Er war ein Hitzkopf, solche Wölfe kamen meistens nicht sehr weit.
Doch eine andere Sache beschäftigte den Rüden noch. Kourus hatte auf seine Aussage hin, wo er sich gerade befand, ein wenig eigentümlich reagiert. So, als ob er gar nicht vorgehabt hatte, in dieses Tal zu kommen. Kannte er es denn schon? Auch tat er es sich schwer mit dem Namen des Rüden, er klang kalt, genauso wie der von Lunar. War im Gegensatz zu diesem aber für ihn schwieriger auszusprechen. Warum, das konnte der Kuschelwolf sich nicht erklären. Wenn er sprach klangen die Worte in seinem Maul, in seinem Kopf nach, und das fiel ihm hier schwer. Warum ihm diese Beobachtung gerade jetzt auffiel, war ihm ebenfall unklar.
Seine Gedanken schienen weiter weg als sonst. Fortgespült von seinem Ärger. Er durfte sich nicht vergessen.
Er seufzte leise. Wie sehr sich das Leben durch den Verlust Kandschurs doch geändert hatte. Doch dann lächelte er wieder leicht und schon spürte er eine, wenn auch winzige, Welle der Gelassenheit durch seinen Körper spülen. Damit trat er zwei weitere Schritte in die Richtung von Kourus, aber auch von Lunar, stand zwischen den beiden und bedachte sie jeweils mit einem langen, nachdenklichen Blick.
[Reviersgrenze- Kourus, Lunar]
21.12.2010, 01:09
Boum. Boum. Boum. Rasend schnell pumpte das kleine Herz Blut durch den Körper. Immer und immer wieder. Doch mehr regte sich kaum, die Ohren hingen herab, spielten, kreiselten nicht wie sonst, munter umher. Tiefe Erschöpfung hatte sich in der jungen Fähe ausgebreitet. Dabei hatte sie sich gar nicht sonderlich verausgabt. Genauer betrachtet gar nicht. Warum sie dann so müde war, blieb ihr ein Rätsel. Die einzige Erklärung hierfür konnte sie in der Kälte finden, die so schnell über das Tal hereingebrochen war, dass man sich wirklich fragen konnte, ob da alles mit rechten Dingen zugegangen war. Doch auch hier konnte und sollte man weiterschauen. Denn, die Geschichte mit dem Nichts, so klein sie gewesen war, war sicherlich auch nicht normal gewesen. Also sollte sie der plötzliche Wetterumschwung nicht wundern.
Wenn sie nur nicht so müde wäre. Blinzelnd hielt sie Ausschau nach der Sonne, doch das Einzige was sie erblicken konnte waren dunkle, graue Wolken die sich wie schwere Schleier über den ansonsten blauen Himmel gelegt hatten. Hier und da flog ein kleiner Vogel, seltener als noch ein paar Tage zuvor. Auch ihnen musste es zu kalt geworden sein. Wahrscheinlich waren sie genauso verwirrt wie Liel. Und wahrscheinlich auch die anderen Wölfe des Rudels.
In was für einer bewegenden Zeit war sie nur geboren worden. Oder war es vorher auch schon so chaotisch gewesen? Manchmal hatte sie das Gefühl die Ereignisse überstürzten sich, vereinnahmten sie so stark, dass sie innerhalb ihres bis jetzt kurzen Lebens viel schneller gealtert war, als so manch ein älterer Wolf in diesem Rudel.
Doch trotzdem, die Hoffnung starb zuletzt. Das hatte ihre geliebte Mutter sie gelehrt. Wenn diese doch nur noch unter ihnen weilen würde. Sie weigerte sich zu sagen: Wenn diese doch noch bei ihnen wäre. Denn bei ihr war sie. Da war sich die Fähe ganz sicher. Sie würde immer bei ihr sein, solange sie sie in ihrem Herzen trug, die Erinnerungen aufrechterhielt und die Liebe sie von innen heraus wärmte, spürte sie die Anwesenheit ihrer Mutter. Fast, als würde sie neben ihr stehen.
Und sie wusste, sie war nicht verrückt. Nicht so wie Ciradán der davon sprach die Eltern zu sehen. An Orten, wo sie gewiss nicht waren. Denn auf der Ebene waren sie natürlich von ihnen gegangen.
Doch Liel hatte Bilder, tausende von Bildern und keines davon war in irgendeiner Weise unscharf. Sie konnte sich an die liebevollen Blicke der blinden Mutter erinnern, an den grauen Schleier, an den schwachen Blauschimmer unter dem grau. Sie konnte sich an das rote Blut ihres Vaters erinnern, an jeden einzelnen Atemzug der Eltern, wenn diese sie sanft berührt hatten.
Und sie konnte sich an die Thränen erinnern, die geweint wurden. Die des Vaters beim Tod der Mutter. Die Banshees. Die von allen Beteiligten. An ihre eigenen. Die der Brüder.
Sie konnte sie Verzweiflung schier in der Luft spüren. Ein Schauer überlief ihren Körper. Sie war sich sicher, ihre Mutter wachte noch immer über ihnen. Von dort, wo sie nun lebte, konnte sie sie sehen. Und gerade jetzt, in ihrer Erschöpfung, in ihrer Verzweiflung, aber auch gleichzeitig mit ihrer Hoffnung, dass das Leben schön und gut war, spürte sie die Anwesenheit ihrer Mutter.
Der kalte Nordwind der ihr durch das Fell strich, war plötzlich wie ein Atemhauch, wie eine Erkenntnis, dass sie niemals allein sein würde. Und sie konnte spüren wie ihr etwas wärmer wurde.
Nein, die Hoffnung würde sie niemals verlieren.
Und so stahl sich ein Lächeln auf ihre Lefzen, unsicher, vorsichtig, erschöpft. Aber es lebte.
[Allein- anspielbar ]
23.12.2010, 16:53
Caylee langweilte die Situation zusehends, auch wenn sie ganz bestimmt nicht in einer Stimmung für herausragende Action war. Es war nur schlicht öde, drei blöde Neulinge – gut, Adsini gehörte nicht zu den Blöden, schien aber auch nicht unbedingt sehr gesprächig – wollten in das Rudel und Aszrem trat als eine Art Leitwolf auf, der nun natürlich prüfen musste, ob er diesen Bitten nachgehen konnte. Das war etwas für Erwachsene, nicht aber für eine Jungwölfin wie Caylee. Erst recht nicht, wenn zwei der Neuen sie auch noch behandelten, als wäre sie eine kleine dumme Fähe, nur weil sie zufällig ein Jahr früher zur Welt gekommen waren. Es war der Weißen so abgrundtief unsympathisch, dass sie am liebsten angefangen hätte herumzuschimpfen, aber sie beherrschte sich. Aszrem wäre sicher nicht sonderlich erfreut und Raja und Hilel hatten an ihrem Stolz gekratzt – den würde sie selbst nun nicht auch noch besudeln. Beinahe erleichterte sie es, als der schwarze Spinner auftauchte. Sie hatte seinen Namen vergessen, weil er so seltsam gewesen war, an seinen Auftritt in der Gewitternacht konnte sie sich dafür noch sehr gut erinnern. Jetzt lächelte sie sogar schwach.
“Hey, Spinner, du bist ja immer noch da. Tschuldigung, ich weiß deinen Namen nicht mehr, macht es dir was aus, wenn ich dich Spinner nenne? Ich meine das auch wirklich nicht böse.“
Noch immer leicht an Aszrem gelehnt zwinkerte sie dem Rüden, der sie für seine Schwester gehalten hatte, zu und sah dann zu Raja, als diese plötzlich in salbungsvollster Höflichkeit erklärte, warum sie sich nicht angekündigt hatte. Caylee war nicht auf Streit aus, deshalb blieb das Lächeln sogar auf ihren Lefzen als sie leicht den Kopf schief legte und die Augen verengte.
“Das zu erklären war dir natürlich in der Anwesenheit einer Jungwölfin nicht möglich, sie ist ja nur eine Jungwölfin, was? Oder fällt es dir plötzlich angesichts eines großen Rüden wieder ein, warum du dich nicht angekündigt hast? Spontaner Gedächtnisverlust mit Blitzheilung ist eine weit verbreitete Krankheit unter Fremden.“
Aszrem derweil reagierte ganz so, wie er musste. Adsini wurde willkommengeheißen, dem armen Spinner eine knappe Frage gestellt und Raja nach angemessenen Belehrungen ebenfalls aufgefordert, hier zu bleiben. Hilel dagegen, der es aus irgendeinem Grund die Sprache verschlagen hatte, wurde streng gemustert und direkt angesprochen. Aszrem war ein guter Rangwolf, wenn nicht sogar ein guter Leitwolf … ob er darüber schon einmal nachgedacht hatte? Caylees Ohren zuckten leicht.
[ westlicher Wald | Volk, Hilel, Adsini, Raja und Aszrem ]
30.12.2010, 22:50
Chardím schloss kurz die Augen, als sein Patenonkel ihm über die Schnauze schleckte und lächelte ihm matt zu. Auf die Frage, wie es um seine Verletzung stand hatte er zwar nicht geantwortet, aber vielleicht konnte er das ja auch als Antwort auffassen. Neytíri sprach es immerhin noch aus, dass Jakash ihr nicht zu sehr weh getan hatte. Als Jakash zu der Grauen hinüber lief, um ihre Wunde sauber zu lecken, ließ sich der Schwarzweiße auf die Hinterläufe sinken. Seine Beine zitterten leicht und noch immer schwankte sein Sehfeld, als befände er sich auf hoher See. Es war furchtbar unangenehm, zwischendurch hatte er das Bedürfnis sich ab zu stützen, dann fiel ihm aber wieder ein, dass nur sein Blick schwankte und nicht er selbst. Als Jakash wieder neben ihm war, lehnte er sich erleichtert an ihn. Dann lauschte er Neytíris Bedenken und schließlich ihrer Geschichte.
Es fiel Chardím schwer ihr zu folgen. Ihre Worte klangen dumpf an ihn heran, teilweise konnte er sie gar nicht mehr hören. Der Schwarzweiße musste hin und wieder blinzeln. Dennoch konnte er genug auffangen, um sich die Geschichte selbst zusammen zu reimen. Und wieder ging ihm nur eines durch den Kopf; falsch! So falsch! Was war nur mit der Welt los? Das Leben tötete, tötete einen Sohn des Todes, Wölfe opferten für das Leben. Das war Wahnsinn. Furchtbarer Wahnsinn! So durfte es nicht sein. So drehten sie die Welt auf den Kopf.
„Engaya ist das Leben, nicht der Tod. Es ist vollkommen widersinnig zu meinen, dass sie es gut fände, wenn man für sie tötet. Engaya hat uns allen das Leben geschenkt – sicher nicht, um es im selben Zug wieder zurück zu bekommen.“,
sprach er und die Worte lagen immer schwerer auf seiner Zunge. Schließlich verstummte er. Das Gesicht der grauen Wölfin vor sich wirkte verzerrt. Alles um ihn herum wirkte mehr und mehr verzerrt. Es war wie ein Pulsieren in ihm. Er versuchte die Übermacht des schwarzen Gottes wieder weg zu scheuchen, aus sich raus zu treiben, doch er wollte nicht gehen. Gleichzeitig klammerte sich das Leben an ihm, dass der Tod hinaus drängen wollte. Er hätte niemals nachgeben dürfen. Es riss ihn auseinander. Alles nur, weil seine Mutter ...
„Das Leben tötet nicht. Das Leben sollte nicht töten ...“
Er wurde leiser und schließlich wurde es schwarz um ihn herum. Wie ein nasser Sack fiel Chardím zur Seite und blieb reglos auf der kalten, gefrorenen Sommererde liegen.
[ Nahe des Baches | Jakash, Neytíri ]
02.01.2011, 14:20
Nachdem Volk angerannt kam, weil er unbedingt hier sein neues Zuhause haben wollte, um sich vorzustellen und aufgenommen zu werden, vergaß er darüber hinaus die Vorstellung. Dies lies ihn auch der Rangwolf anmerken, mit einem saloppen ,Und du bist...?´ ,worauf sich der Schwarze sofort entschuldigte.
„Entschuldige, die Vorstellung hatte ich jetzt vor Aufregung gänzlich vergessen, obwohl das mein Anliegen war, eigentlich. Ich bin Volk Zubami und schon sehr lang unterwegs, nun hätte ich hier gerne meine neue Heimat, ein Zuhause, eine neue Familie. Dieses Anliegen ist mir sehr ernst und ich würde alles dafür tun.“
Als Volk anfing zu reden, senkte der Schwarze kurz den Kopf, als entschuldigungs-Geste, doch nach und nach wurde er in der Wortwahl sicherer. Nun war gesagt was dem Rüden auf dem Herzen lag und er wunderte sich selbst nun, wie sicher dieser seiner Sache geworden ist. Nun blieb ihm Zeit die anderen neuen zu begutachten. Die verschiedenen Charaktere waren sehr interessant und es würde Spaß machen sich mit ihnen auseinander zu setzen. Es waren drei Fähen, die jüngste hieß Adsini, diese schien im Gegensatz zu den anderen beiden, Respekt zu haben, dies lag wahrscheinlich auch an ihrem jungem Alter vermutete Volk. Die Weiße hörte auf den Namen Raja, diese entschuldigte sich für das unbefugte eindringen in das Rudel. Doch dem schwarzen Rüden ließ das Gefühl nicht los, dass die knickohrige eine Opportunistin ist. Allerdings wollte Volk, auch keine zu voreiligen Schlüsse ziehen. Die Schwarze allerdings schien sehr ungehobelt und respektlos, vielleicht lebte sie einfach schon zu lang allein. Alsbald viel ihm auf, dass er die Fähe bei dem Rangwolf kannte, Caylee, die Fähe, die Volk fälschlicher Weise für seine Schwester hielt. Sein Blick ruhte nun einen kurzen Moment auf ihr und wie auf Bestellung rief sie ihn schon als „Spinner“ und zwinkerte ihm zu. Volk Zubami fuhr leicht zusammen und ließ den Kopf etwas hängen, als sie mit dem Wort herausfuhr. Der Rüde hob den Kopf wieder ein Stück, grinste leicht zitternd und sprach zu Caylee:
„Na klar, du darfst das, als Entschuldigung für meine stürmige Begrüßung im Sturm. Darf ich dich, dann auch Schwesterlein nennen?“
:fragte der Rüde scherzend und grinste dabei in ihre Richtung. Nun blieb nur noch abzuwarten, was der alte Rangwolf sagen würde. Den anderen beiden hatte er ja den Beitritt zum Rudel erlaubt. Hoffnungsvoll ruhte der Blick auf dem braunen Wolf.
[ westlicher Wald | Hilel, Adsini, Raja, Aszrem, Caylee ]
02.01.2011, 14:41
Cirádan zitterte noch immer, auch als er kurz den Blick seines Bruders erhascht hatte. Sein Bruder, der so plötzlich aufgetaucht war. Doch Cirádan hoffte noch immer, dass nichts davon wahr war.
Und so hörte er nur die Stimme von Krolock der wütend den Bären oder Nihil anschrie. Irgendwas war an seinem Bruder anders gewesen, er wusste nur nicht was. Zu kurz, zu verschwommen der Blick den er ihm zugeworfen hatte.
Er hörte, wie etwas riesiges bewegt wurde und wusste, ohne sich umzudrehen, dass dieses Geräusch von Krolock verursacht wurde, welcher es aus irgendeinem Grund irgendwie geschafft hatte den Bären weg zu rollen. Aber der war doch viel zu schwer...
Ach Bruder... Er ist doch schon tot, genau wie der Bär. Genau wie der riesige Was-Bär. Das kann keiner überleben.
Er hörte Takashis Stimme. Irgendwo tief in ihm schien es den Hauch einer Erinnerungen an den schwarzen zu geben. Irgendwo weit entfernt..
Er hatte nicht gehört was dieser gesagt hatte. Nur die Stimme von Krolock, die Worte die er sagte, hatten deutlich ihren Weg bis zu ihm geschafft. Alle anderen Stimmen waren nur ein dumpfes Rauschen, das Cirádan nur schwer einordnen konnte.
Immer noch lag er zitternd in seinem eigenen Erbrochenem, was nicht gerade half sich wieder zu beruhigen. Weder dies, noch der Blutgeruch würde helfen. Er müsste fort, weg von den Gerüchen.
Unsicher mit zitternden Beinen richtete sich Cirádan auf und öffnete die Augen. Aber Takashi stand nicht mehr vor ihm, wo war er denn?
Seine Nase war völlig betäubt, so dass er sich nun auf seine Augen verlassen musste. Es war schon wieder so seltsam still in ihm, so als ob er nur ein Beobachter wäre, der damit eigentlich gar nichts zu tun hat...
Langsam, nur ganz langsam drehte sich der Jungwolf um und entdeckte Takashi, Krolock und den Nichtswolf bei dem Bären.
Das alles war so seltsam, so falsch!
Ein entstellter Was-Bär
Krolock, der nicht mehr Krolock war.
Takashi, von dem Cirádan nicht wusste, warum dieser so traurig war.
Und Nihil. Der Nichtswolf, der tot war. Der gestorben... war...?
Verdutzt schüttelte er sich und kniff die Augen fest zusammen, blickte dann wieder zu dem Nichtswolf.
Hatte er sich getäuscht? Er dachte er hätte vorhin eine Bewegung gesehen? - Aber das konnte unmöglich sein!
Verwirrt, aber nicht mehr zitternd näherte er sich dem Geschehen. Es war seltsam, dass er zumeist in den kritischen Augenblicken vergaß zu zittern, doch darauf achtete er nicht. War sich dessen nicht einmal bewusst.
Seine Aufmerksam galt ganz und gar Nihil. Es schien, als hätte er sich die Bewegung nur eingebildet. Möglicherweise hatte auch einfach Krolock an ihm gezerrt, doch dann... nein. Seine Augen waren lebendig und vor allem, vor allem hob und senkte sich sein Brustkorb, wenn auch nur schwach.
“Du lebst?!“, halb erfreut, halb entsetzt kamen diese Worte über seine Lefzen. Hatte sein Bruder das gemacht? Ein kurzer fragender Blick zu dem seltsam-falschen Krolock und dann sah er wieder zu Nihil.
Ja, irgendwie war das alles sehr merkwürdig.
[ am Rudelplatz | bei Takashi, Nihil, Krolock, Atalya und wer da noch ist]
02.01.2011, 16:03
Krolocks Schrei war noch nicht ganz verklungen, da rempelte Takashi ihn an. Keine Sekunde dachte der Jungrüde nach und schnappte nach seinem Onkel, mit dem Ziel, seine Zähne in dessen Fleisch zu vergraben. Direkt neben dem Hals des älteren Rüden schlugen sie aufeinander.
„Verpiss dich!“
Zischte er. Das letzte was er nun gebrauchen konnte war jemand, der ihn unnötig provozierte. Hätte Nihil nicht neben ihm versucht, wieder auf die Pfoten zu kommen, hätte er eine Beißerei mit Takashi nicht zu vermeiden versucht. So stellte er sich nun über den weißen Jungrüden, die Augen immer noch rot, eine geballte Portion Wut in sich. Hass, Zorn, Aggression, die sich fremd anfühlte. Anders als sonst. Nur kurz kehrte die blaue Farbe in seine Augen zurück, dann verschwand sie wieder, mit dem Bewusstsein des Jungwolfs, der unter ihm lag.
Was sollte er nun tun? Nihil bildete sich doch immerhin schon seit Ewigkeiten ein, dass sie sich nicht voneinander entfernen durften und Krolock wehrte sich vehement gegen diese Vorstellung. Nur was, wenn der dumme Idiot recht hatte? Was wenn er sterben würde, wenn er nun davon lief? In ihm mischte sich Freude zwischen all die schlechten Gefühle und trotzdem blieb er stehen. Die roten Augen lagen kühl auf seinem schwachen Bruder. Er schwieg, unschlüssig, was zu tun war.
Er bewegte seinen Kopf ganz langsam zur Seite, zu einem Grollen, dass sich in seiner Nähe befand und das ihm auf die Nerven ging. Durchdringend und feindselig betrachtete er die Wölfin. Für den Augenblick wusste er nicht einmal, wer sie war. Kein Name wollte ihm einfallen. Sie hätte eine Wanderin sein können. Er wusste nichts über sie. Aber ihr Geruch... er ähnelte Caylee. Irgendwann einmal war er sicher gleich, nun unterschied er sich in unzählbar vielen Nuancen. Vielleicht so, wie er einst wie Ciradan gerochen haben musste. Atalya. Der verlorene Name, den er nie wirklich gekannt, nur hier und da gehört hatte. Sie sah ihn an, aber er fühlte sich nicht angesprochen, starrte nur drohend zurück. Was wollte sie von ihm? Verteidigte sie den Bären?
[Bei Nihil, Takashi, Ciradan, Atalya]
02.01.2011, 18:38
(Krolock, Ciradán.. Atalya ist DIREKT bei euch ^^'''' Sie steht quasi direkt vor Krol.)
02.01.2011, 21:52
[quote]Original von Atalya
(Krolock, Ciradán.. Atalya ist DIREKT bei euch ^^'''' Sie steht quasi direkt vor Krol.)[/quote]
hmm, das interessiert Cirádan nur herzlich wenig xD
Ihn interessiert nicht mal Takashi ... sorry.
Aber dazu schreiben unten kann ich dich.
02.01.2011, 21:55
Hilel lauschte den Worten des Rüden und beobachtete sein Handeln, bald sprach er Raja zu, eine neue Heimat in dem Rudel gefunden zu haben. Wohl bemerkt nachdem sie eine Entschuldigung abgegeben hatte. Adsini wurde ohne Gleichen zum Bleiben eingeladen, jene hatte sich nichts zu schulden kommen lassen und war keinesfalls so unbeliebt bei Caylee, wie Raja oder Hilel selbst. Darauf wandte sich Aszrem der Schwarzen zu. Folglich war ihr bewusst, dass sie auch jene Worte wählen solle, wie Raja es getan hatte, doch sie war keine Bitstellerin. Ihr würden jegliche Erklärungen und Antworten nicht in solcher Form über die Lefzen kommen, sie wusste es und sie konnte sich trotz ihrer ruhigen Art nicht beherrschen.
Erneute schnippische Anmerkungen von Caylee, der kleinen unschuldigen Jungwölfin, in ihrem unscheinbaren weißen Fell – Sie war Hilel ein Dorn im Auge. Ihr Verhalten gegenüber dem unsicheren Rüden, der kaum den Mut zusammen bekam, um seine Bitte zu stellen und ihre Eigenart sich in einer gewissen Sicherheit zuwälzen, obgleich Hilel in sich die Lust verspürte dieses nervige Wesen zu zerfleischen und ihr weißes Fell, mit ihrem eigenen Blut zu tränken. Wohl wahr, der Wunsch war da, doch dafür war die Jungwölfin zu nieder und zu unwichtig.
So verwarf sie ihre Gedanken, mit einem leichten Kopfschütteln. Ihr dunkles Fell schlug Wellen, wie Wasser in der Nacht unter einem leichten Windhauch. Ihr blindes Auge, matt und leblos, ihr linkes eisig starr und bissig.
„Muss ich mich denn dafür rechtfertigen, dass ich Vorsicht walten ließ und nicht mit hocherfreuter Rute losstürmte, auf fremde Gestalten. Wollen jetzt andere mir einen Vorwurf machen, wegen meiner Achtsamkeit, die meiner Meinung nach keinesfalls zu schlechten Eigenschaften zählt. Oder wollen unbekannte Geister urteilen, welches Wesen ich sein darf oder wer ich wirklich bin. Wie ich mich zu benehmen habe. In einem fremden Land, mit Geschehnissen die einen argwöhnische Gedanken hervorrufen. Ich sehe keinen Grund, erneut irgendwelche Worte wählen zu müssen, die mein Benehmen rechtfertigen. Mein restliches Verhalten hatte ich mit kurzer Erklärung klar gemacht und dieses Zeichen sollte genügen, um deutlich zu machen, dass ich kein schlechter uneinsichtiger Geist bin. Nur nicht immer stets zugänglich und willig mich zu offenbaren…Aber nun gut, es steht hier nicht in meiner Macht ein Urteil zu fällen.“
Die Schwarze wählte ihre Worte mit der üblichen Kenntnis, dass ihr Handeln eine Gefahr bedeuten könnte. Wohl hatte sie über die Konsequenzen nachgedacht, doch ihr schienen jene nicht sicher zu kalkulieren. Der hochrangige Rüde konnte handeln wie es ihm beliebt. Der klang ihrer Stimme hatte sich weder geändert, noch verlor ihr kühler und sicherer Schein seine Stärke.
Die Worte des anderen Rüden, ließen in Hilel Verwunderung hoch kommen. Es schien ihr, als würde er mit jedem Wort an Sicherheit gewinnen und gar die Worte von Caylee störten ihn nicht, viel mehr sah er sie als eine scherzhafte Geste. Er sprach seine ernste Bitte aus, in das Rudel aufgenommen zu werden. Mit jeder weiteren Silbe die ihn verließ, wurde sichtbar wie viel Wert für ihn jenes Rudel hatte. Es gab ihm Sicherheit und Schutz, welches er selber nur kaum widerspiegelte. In den Augen der Schwarzen war er einer jener Wölfe, die ein Rudelleben wahrlich nötig hatten und dies war keinesfalls schlecht, vielleicht war es gar ein bisschen beneidenswert, die Art seiner Aufopferung. Er würde alles dafür tun…Die Frage die sich die Fähe stellte, war jene die sich vielleicht auch die anderen Wölfe stellten. Was war sie bereit dafür zu tun? Wie sehr würde sie sich in einer Gemeinschaft unterordnen und beteiligen? Es war gar ein Funken Erleichterung den sie in sich verspüren konnte, denn sie musste dieses Urteil nicht fällen und keine Entscheidung aussprechen. Jene die sie sonst so gern für sich ergriff. Doch dieses Mal würde sie sich bereitwillig einem fremden Geist fügen.
[ westlicher Wald | Adsini, Raja, Aszrem, Caylee, Volk ]
05.01.2011, 10:42
» Klar geht’s mir gut! «
Ein breites Grinsen stahl sich auf seine Leftzen und es tat gut es zu fühlen. Zwischen diesen ganzen schauderhaften Ereignissen war ein Lächeln schon längst überfällig gewesen. Jetzt wurde ihm Erleichterung zu teil. Obwohl die hundertachtzig Grad Wendung, die er gerade vollzogen hatte für Außenstehende wahrlich seltsam erscheinen mochte, störte er sich nicht daran. Immerhin hatte er sich noch nie daran gestört, oder?
Auch wenn sich seine Laune nun langsam besserte, wollten seine Schritte nicht mit denen von Lyerra mithalten. Sie rannte, schien fast vor dem Rudelplatz zu fliehen, aber Ráyon konnte es ihr nicht verdenken. Die Geschehnisse der letzten paar Minuten – die ihm im Übrigen wie etliche Stunden vorkamen – waren Grund genug so von diesem Ort zu fliehen. Obwohl auch er sich vor dem fürchtete, was nunmehr zunehmend hinter sich lag, ließ er sich Zeit bei seinem Weg. Viel anderes blieb ihm ja auch gar nicht übrig. Humpelnd, aber grinsend folgte er der Weißen Fähe, die sich von den Grausamkeiten befreien wollte.
Als auch Ráyon endlich am Fluss ankam, sah er wie die Weiße im Wasser stand. Bei dem Anblick fröstelte es ihn und er begann zu lachen. Er wusste selbst nicht was genau ihn zu dieser Zeit zum Lachen brachte, doch auch das war ein befreiendes Gefühl, gegen das er sich nicht wehren wollte. Er wäre auch ein Narr gewesen, hätte er die rauen, kehligen Laute die sich in seinem lachen äußerten verbannen wollen. Das Geräusch hielt jedoch nicht allzu lang an, denn schnell merkte er, dass auch er durstig war, humpelte die letzten Schritte zum Wasser und ließ sich das kühle Nass auf der Zunge zergehen. Wäre ihm warm gewesen, wäre es möglicherweise sogar ein angenehmes Gefühl gewesen diese Kälte zu spüren, doch er fror. Und durch das kalte Wasser nur noch mehr. Welch ein untypischer Sommertag doch heute war.
Ráyon schüttelte sich kurz, in der Hoffnung, dass es die Kälte vertreiben würde, doch es half nicht. Er grunzte leise, grinste jedoch immer noch.
» Frierst du denn gar nicht da drin im kalten Wasser? «
06.01.2011, 17:37
Nachdem der Gestaltenwandler, oder auch Werwolf, Aléya schier mit seinem Blick hatte hypnotisieren wollen, war die Fähe wie eingefroren. Aber Sheena wusste instinktiv, dass der Rüde damit nichts zu tun hatte. Wahrscheinlich war die Weiße in Gedanken versunken, es gab einiges zu überdenken und so wollte Sheena sie nicht stören. Stattdessen schritt sie näher an den Rüden heran, jedoch nur so weit, dass sie Aléya nicht gänzlich verließ. Trotzdem konnte sie den Rüden nun fast berühren.
Da sie sich sicher fühlte, ließ sie sich auf ihr Hinterteil sinken und wickelte die Rute sanft um ihre Hinterläufe. Der Rüde wirkte nervös, warum dies so war konnte sie nicht beurteilen.
Nun wollte sie ihn erstmal etwas aufklären, er schien sehr überrascht darüber, dass es in diesem Rudel Priesterinnen gab. War das in anderen Rudeln nicht normal?
Sie musste scharf nachdenken und dann fiel ihr auf, dass sie kaum mit Wölfen von außerhalb des Rudels zu tun gehabt hatte. Dies würde sich unbedingt ändern müssen. Zwar wusste sie um andere Religionen, andere Glaubensrichtungen, aber wie selbstverständlich hatte sie immer gedacht, dass auch diese grundlegend so aufgebaut waren, wie ihr eigener Glaube. Wahrscheinlich irrte sie da vollkommen. Sehr sicher sogar, das wurde ihr nun bewusst.
So nahm sie sich fest vor, diese Unwissenheit so bald wie möglich zu beseitigen, schließlich wollte sie nicht dumm sterben.
Bei diesem Gedanken musste sie unwillkürlich lächeln, jedoch wollte sie Caleb nicht weiter auf die Folter spannen.
„Ja, ich bin eine der Priesterinnen in diesem Rudel. Wir haben enge Bindung zu unseren Göttern, wir Priester sind auserwählt sie dem Rudel und das Rudel ihnen näher zu bringen, sie hier auf Erden zu unterstützen wo wir nur können. Womit ich mich nicht über die anderen Wölfe stellen möchte, nur weil ich, wie die anderen Priesterinnen auch, eine spezielle Ausbildung durchlaufen musste.“
Sie lächelte erneut zaghaft. Zuerst zumindest, dann erweiterte sich dieses Lächeln zu einem breiten Grinsen. Irgendwie hatte der Rüde etwas Niedliches an sich, er schien ehrlich verwirrt und ein wenig überfordert.
„Auch dies kann ich bejahen. Wenn ich mich recht erinnere heißt die Fähe Thylia, ich war noch jünger, ich habe sie auch niemals in Gestalt des Werwolfs oder eines Menschenkindes gesehen. Aber ich hatte gespürt, dass sie ‚anders’ war und die anderen ein wenig über sie ausgefragt. Aber, sie war unberechenbar. Zu unberechenbar für dieses Rudel. So sagte man zumindest.“
Sie blickte ihn an. Er schien anders als sie, ruhiger, vielleicht auch kontrollierter. Aber letztendlich konnte sie dies nicht beurteilen, wie lange war es her, dass Thylia hier gelebt hatte? Wie alt war sie damals gewesen? Ihr Leben war so kunterbunt und gehetzt verlaufen, sie konnte sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern.
[wo sind wir denn nochmal? - Caleb, (Aléya)]
06.01.2011, 19:27
(Tut mir leid, ich hab’ Krolocks Beitrag übersehen & eben gewartet, dass noch einer kommt. ^.^’’’)
Jedes Stück seines Körpers schmerzte, als sich sein Gewebe langsam wider ausdehnte. Muskeln machten sich bemerkbar, von denen er zuvor nicht einmal gewusst hatte, dass sie existieren. Welch grässliches Gefühl Schmerz doch war – der körperliche Schmerz, der erst jetzt wirklich begann, als das wuchtige Tier von ihm runter war und neben ihm lag. Sanft schloss der junge Rüde die Augen, er wollte den Riesen nicht sehen, wollte gar nicht erst wissen, was dieser hätte alles mit ihm anstellen können, wenn ihm niemand zur Hilfe geeilt wäre. Doch, wie es hier so gerne gesagt wurde: er hatte Glück im Unglück gehabt. Er lebte – immer noch. Das kostbare Geschenk Engayas war ihm nicht genommen worden, noch durfte er die Zeit hier genießen.
Als wäre das das Stichwort, versuchte der helle Leib sich aufzurichten, an Höhe zu gewinnen, sackte jedoch für den Moment wider zurück auf den Boden – es war schwierig zuzuordnen welche Tatze wohin gehörte, war er doch bis vor einigen Augenblicken noch in dem Glauben gewesen die süße Luft – abgesehen von dem stinkenden Untier – nie wider einatmen zu können. Als weitaus weniger aufwendiger Versuch, erhoben sich zum zweiten Mal die Lider und starrten nach oben, blinzelnd, wo die bekannte, schwarze Gestalt stand. Wäre er nicht zu schwach gewesen, so hätte sich ein Beben durch seinen Leib gezogen: der Anblick des Nachtschwarzen, als dieser den Bären mit Leichtigkeit entfernt hatte, war ihm noch bewusst. Und, ohne dass er es denken wollte, fuhr ihm durch den Kopf, dass er soeben gerettet wurde, dass jemand die Gefahr auf sich genommen hatte, sich dem Bären zu stellen!
„Du bist bei mir?“
Mehr vor Rührung, als dass er wirklich sprechen wollte, war es die Dankbarkeit zu dem Dunklen vor sich, die ihn antrieb seine verbliebenen Kräfte zu sammeln und die Worte mehr zu hauchen, als auszusprechen. Die frische Luft, die ihm in sanften Böen durch das Fell strich, war eine weitere Hilfe, die ihn zwang nicht einfach in einen wohltuenden Schlaf zu verfallen. Er musste wachen, um hier zu sein – um die roten Augen zu vertreiben, um Cirádan zu versichern, dass er wirklich noch auf der Erde verweilte. War es doch die Stimme des Grauen gewesen, die er grade vernommen hatte – sie hatten es also gesehen, seine Bewegung! Das war zumindest eine Erleichterung für die armen Pelzträger, die ein solch dummes Missgeschick mit ansehen mussten. Nihilus hoffte nur, dass sie nicht mit den Pranken des Untiers Bekanntschaft gemacht hatten. Zur Absicherung hob er den Kopf, spähte durch die Läufe seines Verteidigers, der grausame Laute von sich gab und versuchte zu entziffern, wen er dort vorne noch sehen konnte und ob sie alle keine grässlich rote Farbe an sich trugen: eine graue Gestalt, an der er selbst mit Mühe keine Verletzungen hätte erkennen können – zu dunkel war die Fellfärbung – und einen weiteren schwarzen Bekannten, Takashi, ziemlich weit in seiner Nähe, der in einer solchen Geschwindigkeit sprach, dass dem Hellen nicht alle Worte bewusst wurden.
Warum schrieen sie denn alle so? Obwohl sie alle beisammen standen.
„Bitte nicht streiten…“
Oo( „… es geht doch allen gut!“ )
Presste er hervor, die Pfoten zur Veranschaulichung eine nach der andere aufsetzend, so dass der Körper sich anhob und er langsam zum stehen kam. Ja! Das klappte sogar ganz gut! Zumindest fiel er nicht gleich wider um, sondern hielt sich auf allen vier Pfoten, weiterhin hinter Krolock, dessen Nähe er gerne noch weiter verringert hätte – doch wenn der Dunkle seinen Onkel schon so gereizt anfuhr, was würde dann mit ihm, Nihilius, geschehen? Ob es noch am Schock lag, der seinem Körper das nötige Adrenalin schenkte, oder einfach eine viel zu große Selbstüberschätzung: der Helle zupfte an dem schwarzen Fellkleid des „Bruders“, versuchte ihn somit zurückzuhalten und keinen Fehler zu begehen. Zumindest keinen zweiten. Es war dumm genug gewesen sich dem Bären allein in den Weg zu stellen, da brauchten sie jetzt keine Familienstreitereien. Am ganzen Leib bebend, wagte er es nicht sich auch nur den kleinsten Schritt weiter vorwärts zu bewegen – wäre sinnvoller gewesen, um die beiden Schwarzen „auseinander zu halten“ – aus Furcht, gleich wider am Boden zu liegen und abermals die gesamte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Nein! Zuerst musste jetzt der Orkan zur Ruhe kommen, bevor er noch auf irgendwelche Dummheiten kam.
Hilfesuchend sah er zu Atalya und Cirádan – warum versuchten sie nicht die beiden Dunklen zu beruhigen? Oder zumindest den einen zur Vernunft zu bringen! - doch war es schwierig ihren Blick aufzufangen und gleichzeitig das Gleichgewicht zu halten.
(Krolock, Cirádan, Takashi, Atalya - nähe des Rudelplatz')
08.01.2011, 20:59
Vollkommen ihren Gefühlen hingegeben bemerkte Lyerra Ráyon nicht, erst als er sie wieder ansprach schreckte ihr Kopf hoch und sie blickte sich hastig um. Als sie den Rüden erkannte beruhigte ihr Herz sich schlagartig und sie atmete langsam ein. Vorerst konnte sich auf die Frage des Rüden nicht antworten, doch er stand nun selbst im Wasser also stammelte sie:
„Nun ja.. es ist schon ein wenig kalt, doch eben habe ich das gar nicht bemerkt.. ich war so beschäftigt…“
Als sie ausgesprochen hatte merkte sie, dass ihre Worte stimmten, eben war sie so beschäftigt gewesen, dass sie die Kälte nicht bemerkt hatte, doch nun spürte sie, wie das kühle Wasser ihre Wärme verdrängte und sie zittern ließ, langsam paddelte sie in Richtung Ufer und ging aus dem Wasser. Wieder sicher an Land schüttelte sie sich so kräftig, dass das Wasser wie tausende Diamanten durch die Luft flog und auf nimmer wiedersehen verschwand. Sie lachte leise und blickte zu Ráyon.
„Und dir..? Ist dir nicht kalt?“
Sie hatte sein Zittern sehr wohl bemerkt, doch sie fragte trotzdem, gab ihm eine Gelegenheit ihr Recht zu geben und das kalte Wasser ebenfalls wieder zu verlassen. Ein sanftes Grinsen verzog ihre Lefzen und so wartete sie die Reaktion des Rüden ab.
Sie konnte keine Tiere hören, keine Vögel sehen, doch am seltsamsten erschien ihr der Vorfall eben am Rudelplatz. Warum konnte ein toter einfach wieder aufstehen? Weshalb blieb er nicht tot, so wie ihr Geliebter..?
Und wieso war es im Sommer, in der Morgendämmerung so unendlich kalt, wie es im Sommer eigentlich nicht sein sollte?
Viele Fragen kreisten in dem Kopf der kleinen Fähe, ließen ihr keine Ruhe, doch momentan war sie noch hier am Fluss, mit Ráyon und hier würde sie wohl kaum etwas interessantes herausfinden.
09.01.2011, 17:26
(Jule, magst du mir mal eine PN schicken, wir müssten da was besprechen.)
Sie war überrascht über die Antwort, die Jarrèll Nathaniêl ihr gab, doch ein Gefühl der Gemeinsamkeit flutete ihre Gedanken. Sie hatte das Gefühl, dass der Graue sie verstand, auch wenn er sie nicht verstand. Weil er so anders war als sie und doch genau gleich. So war es immer. Man konnte sich kein bisschen ähneln und doch seelenverwandt sein. Man konnte einen vollkommenen Gleichgesinnten finden und dennoch nicht verstehen, was er war, warum er es war und was er wollte. So war es immer im Leben. Und selbst, wenn sie nur dachte, dass Jarrèll sie verstand, selbst, wenn er es nicht tat; er gab ihr das Gefühl, ihn zu kennen. Was waren schon Bilder, Namen, Geschichten? Es reichte doch, wenn man den anderen verstand, ohne zu begreifen, was er sagte.
„Du sagst es, Wolf. Glaube ist keine Macht. Er macht einen nicht unverwundbar und gibt niemandem ewiges Leben. Vielleicht existiert er gar nicht mehr auf dieser Welt. Wer weiß das schon?“
Jumaana öffnete die Augen und warf dem Rüden ihr gegenüber einen Blick aus tiefgrünen Augen zu, die so dunkel waren, dass sie fast schon schwarz schienen. In ihren Gedanken fiepte das Feenkind, sie schien vollkommen verstört von diesem Dunkel, von dem Jumaana nicht einmal glaubte, dass es existierte. Man konnte sich alles Mögliche einreden, ohne dass es wirklich da war, doch trotzdem fürchtete die Polarwölfin sich vor dieser Gefahr, die nur Aarinath und sie zu spüren schienen. Oder zumindest glaubten, sie zu spüren. Tochter, du kannst mir glauben! Auch wenn es einfach klang, fiel es Jumaana schwer, das zu tun. Sie wusste nur, dass sie dieses Dunkel ebenfalls bemerkte und spürte, dass es sie schwächte, doch es konnte ebenso Fenris sein, der sie für etwas bestrafte, dass sie nicht getan hatte – oder vielleicht doch. Es gab viele Dinge, die man der Weißen zusprechen konnte, auch wenn sie in manchen Augen gar nicht böse waren. Aber Götter hatten ihre Gründe für alles, was sie taten und wenn man wirklich an sie glaubte, stellte man so etwas nicht in Frage.
Eine Stimme am Rande ihres Blickfeldes ließ die Wölfin herumfahren. Ihre Schwester stand dort und wirkte in einer nicht beschreibbaren Weise benommen. Für eine Sekunde war die Wölfin froh, Majibáh zu sehen, doch dann hörte sie ein verwirrtes Aufkeuchen in ihren Gedanken. Aarinaths aufgerissene Augen erschienen ihr, ein markerschütternder Schrei fuhr in ihre Glieder und Aarinaths ohnehin schon toter Körper sackte zusammen. Jumaana starrte erst ihre Schwester an, doch dann wandte sie ihren mutlosen Blick von ihr ab und versuchte sich zu sammel. Sie wusste nicht, was geschehen war, sie wusste nicht, was geschehen würde und trotzdem war alles auf einmal hoffnungslos. Was, wenn das das angekündigte Ende gewesen war? Wenn das Dunkle Aarinath ein für alle Mal umgebracht hatte und sie unwiderruflich tot war? Wenn Jumaana nun auch sterben würde, weil ihre Seele nun in Schwärze getränkt war. Mit verzweifelter Stimme sprach sie zu ihrer Schwester, ohne sie dabei anzusehen.
„Schwester? Maji … kannst du meinen Gefährten holen? Seine Mutter … ich brauche seine Hilfe.“
Im letzten Moment erinnerte sie sich, dass die Fähe, die sich ihre leibliche Schwester nannte, keine Ahnung von Aarinath, Takashis Mutter, hatte. Vielleicht war es besser so, denn Jumaana wollte um alles auf der Welt verhindern, dass Majibáh in solche Sachen hineingezogen wurde. Sie sollte ein glückliches Leben haben, jetzt, wo sie ihre Schwester nach so vielen Jahren endlich gefunden hatte. Die beiden Wölfinnen hatten nie offen darüber gesprochen, doch es war ihnen klar, dass sich ihre Wege nicht mehr trennen durften. Ihre Schicksalsfäden sollten verbunden bleiben, solange Leben durch ihre Seelen floss. Denn wenn die Gefährtin des Nachtschwarzen noch einen einzigen Wunsch übrig hätte, dann wäre es, dass ihre Schwester für immer in Frieden bei den Sternenwinden lebte. Und wenn sie sich einmal von Engaya und Fenris abwenden würde, dann wollte Jumaana mit ihr gehen, insofern es in ihrer Macht stand. In der Sekunde, in der sie ihre Schwester wiedergetroffen hatte, war ihr untrüglich bewusst geworden, dass sie nie mehr von ihr getrennt sein konnte, weil ihre Seele eine derartige Niederlage nicht noch einmal ertragen würde. Es war nicht so, dass sie für Takashi nicht das Gleiche tun würde, doch wenn ihr das Ultimatum gestellt werden würde – Majibáh oder der Schwarze – sie würde sich für ihre Schwester entscheiden. Ihr Gefährte und sie, sie hatten sich nicht gesucht und doch gefunden, aber Majibáh wurde ihr gestohlen und mit ihr auch ein Stück ihres Herzens. Vielleicht war der Teil, der an Takashi hing, um einiges größer als der, der für ihre Schwester schlug, doch die Entscheidung würde zu jedem Augenblick die gleiche bleiben. Majibáh. Bis dass der Tod sie scheide.
Und trotz all dem Vertrauen, dass Jumaana zu der schneeweißen Fähe hatte, konnte sie ihr Schicksal – ihres und Aarinaths – doch nicht vor Majibáhs Augen beschließen. Und schon gar nicht vor dem des grauen Rüden, den sie in den letzten gefühllosen Minuten vollkommen vergessen hatte. Die Worte, die nun aus ihrem Maul kamen, waren noch unsicherer und abgehackter als die vorigen. Es kostete sie ungefähr tausendmal so viel Kraft, sie auszusprechen, denn plötzlich verschwand die Taubheit und eine riesige Welle von brennendem Schmerz überrollte sie. Jumaana unterdrückte ein Aufkeuchen und erzitterte nur einen Moment, bevor sie ihren Kopf hochwuchtete, um zu sagen, was zu sagen war.
„Nein, bleib.“
Sie sah nicht, ob ihre Schwester noch da war, oder ob sie schon auf dem Weg zu dem Nachtschwarzen war, denn ihre Augen erfassten nur verschwommene Bilder. Grün wirbelte durch braune Seen und überall leuchteten helle Punkte im Dunkel. Jumaana schluckte mühsam, ihre Kehle war wie ausgedörrt. Dort, wo eben noch Kraft durch ihre Muskeln geflossen war, war jetzt Leere und Schmerz, es kostete sie mehr Anstrengung, ihren Kopf oben zu halten, als sie aufbringen konnte, deswegen legte sie ihn zurück ihre Vorderpfoten, die schmerzten, als wäre sie Tausende von Kilometern gelaufen.
„Es ist alles in Ordnung.“
Ihre Worte flossen zu der Wölfin herüber, ohne dass Jumaana überhaupt wahrnahm, das sie sprach. Sie fühlte sich vollkommen hilflos, den Wind und die eisige Kälte, die ihr sonst ein Gefühl der Heimat gaben, spürte sie schon gar nicht mehr. Ihr Kopf lastete schwer auf den tauben Vorderläufen, ihre Augen blinzelten unbeholfen, doch außer hin- und herschwimmender Farblosigkeit sah sie nichts. Erneut überrollte sie eine Welle des Schmerzes und sie konnte ein leises Aufkeuchen nicht unterdrücken. In Sekundenschnelle wechselte der Schmerz zu Taubheit und umgekehrt, immer hin und her. Aarinaths gequältes Aufheulen floss durch ihre Gedanken in ihre Seele, der innere Schmerz zerriss sie beinahe. Die Wölfin riss die Augen auf, blind und hilflos schwang ihr Kopf von einer Seite zur anderen, dann wich alle Kraft aus ihrem Körper und sie sackte zur Seite. Der Boden kam ihr wie ein alter Freund vor, er empfing sie mit harter Kälte und begrüßte sie mit leisem Flüstern. Aarinath verstummte, der Boden verstummte, der Wind verstummte und am Ende war alles schwarz.
- [ Jarrèl & Majibáh › am Sternensee ]
09.01.2011, 17:53
Es war still und kalt. Man glaubte fast, dass bald der erste Schnee kommen würde und nur das plätschernde Wasser erinnerte ein wenig daran, dass der Frühling gerade erst vorbei gegangen war und der Sommer nun hoffentlich bald seinen wärmenden Mantel über dieses Tal werfen würde. Hätte er sich nicht darauf gefreut die Wärme auf seinem Pelz zu fühlen und die Sonne am Himmel zu sehen, klar und unverfälscht, so hätte ihn diese Kälte nicht gestört. Aber wie in der Götter Namen sollte er so einen Sommer genießen? Allein, wenn man von seiner kränklichen Art absah. Es machte den Rüden fast wütend, dass der Sommer die Wärme dieses Jahr nicht zuzulassen schien.
Sein Blick galt wieder Lyerra, als sie langsam aus dem Wasser stieg. Schon der Anblick ließ ihn frösteln. Mit nassem Fell war es außerhalb des Wassers ja noch Kälter! Glücklicherweise hatte er nicht eine Pfote in den Fluss gesetzt. Nein, nur seine Zunge hatte die kalte Oberfläche berührt, als er getrunken hatte.Er würde noch erfrieren, wenn er bei diesen Temperaturen baden ging!
Mit einem kehligen Lachen grinste er, als er die Frage der Fähe vernahm, ob ihm nicht auf kalt wäre.
» Ich fühle mich wie ein Eiszapfen, meine Liebe. « - wieder ein kehliges Lachen - » Aber das geht sicher bald vorbei. Der Sommer ist noch jung. «
Ein euphorisches, fast schon übertriebenes Nicken folgte, während er sich selbst einzureden versuchte, dass es ganz bald ganz warm werden würde. Tief in seinem Inneren fühlte er sich jedoch, als würde er noch für den Rest seines Lebens frieren müssen. Ein kurzer Blick zum Himmel, dann fixierte er wieder Lyerra.
» Komm, lass uns jemanden suchen gehen. Vielleicht stoßen wir ja irgendwo auf eine Erklärung dieses ganzen Dramas hier. «
Mit dem Drama meinte er nicht das Wunder um den weißen Jungwolf. Dieses Ereignis hatte er vorerst erfolgreich verdrängt. Er wollte immer noch herausfinden, warum es den anderen und ihm so schlecht und einigen so gut ging.
09.01.2011, 18:42
Lyerra stimme in Ráyons Lachen ein, einfach weil es die Stimmung auflockerte. Die kühle Luft ließ sie frösteln, doch sie fühlte sich leichter, jetzt da der Geruch des Todes nicht mehr an ihr haftete.
„Nun werter Herr, ich denke dann sollten wir schnellst möglich etwas unternehmen, dass dir wieder warm wird…“
Sagte sie, während sie spielerisch auf seinen Ton einging. Ráyon sprach wieder, doch der Satz erfreute Lyerra nicht wirklich. Es war ein aussichtsloses Unterfangen, da vermutlich niemand wusste was hier vor sich ging. Keiner hatte Erklärungen für diesen seltsamen Tag, keiner wusste was genau hier vor sich ging und warum. Ein wenig unsicher sah sie ihn an.
„Ráyon, es würde nichts bringen.. ich vermute niemand weiß was wirklich los ist, niemand weiß warum das alles passiert. Ich glaube nicht das wir jemanden finden werden der uns weiterhelfen kann…Und selbst wenn, was willst du dann tun? Dich hinlegen und nachgrübeln, was das alles zu bedeuten hat?“
Es war einfach sinnloser, egal was man tat, alles wurde immer sinnloser und seltsamer. Schon seit dem ersten Sonnenstrahl, seit der Sommer hätte beginnen müssen, schon da wurde es seltsam. Wer hatte schon einmal einen so kalten Winter erlebt? Trotzdem setzte die Weiße sich in Bewegung, ihm zuliebe. Lyerra ging langsam, rannte nicht wie anfangs sondern nahm Rücksicht auf Ráyons taubes Bein. Eine innere Hoffnungslosigkeit drohte sie zu überwältigen. Wie sollte man vernünftig in einer Welt leben, die einen eher verwirrte als einen in Ruhe leben zu lassen? Wie sollte es weitergehen wenn es jetzt schon so seltsam wurde? Sie blickte sich um, wollte jetzt nicht alleine sein, nicht in dieser Zeit.
[mit Ráyon am Fluss]
09.01.2011, 19:23
Adsini konnte aufatmen, als der Rüde ihr die Erlaubnis gab, bei dem Rudel bleiben zu dürfen. Sie spürte ein Gefühl der Wärme in sich aufsteigen, ein Gefphl, das sie schon lange nicht mehr gehabt hatte. EIndlich wieder eine Heimat gefunden zu haben, einen Ort, an dem man zurückkehren konnte und an dem man willkommen war. Sie hatte so etwas so lange vermisst. Und während sie sich noch über und auf ihr neues Leben freute, entschuldigte sich Raja in einem Ton, der in keiner Weise mit dem zu vergleichen war, den die Fähe noch vorhin bei Caylee angeschlagen hatte. Dieser Raja würde Adsini wohl nicht so schnell vertrauen, nachdem sie dieses Verhalten festgestellt hatte. Raja schien sich ziemlich gut verstellen zu können. Die junge Fähe beschloss, der älteren Fähe gegenüber vorsichtig zu sein. Allerdings würde Adsini bei diesem Rüden auch einsichtig und reumütig werden, wenn es darum ginge, ob man in das Rudel kommen würde oder nicht.
Kurz danach stellte sich der schwarze Rüde mit dem Namen Volk Zubami vor. Er hatte einen eigenartigen Namen. Doch er und Caylee schienen sich zu kennen. Denn Due Jungfähe schien sich zu wundern, dass Volk immer noch in dem Gebiet umherstreifte, also tat er das wohl schon eine ganze Weile.
Nach Raja war nun auch Hilel an der Reihe, sich zu entschuldigen. Anders als die Fähe vor ihr, schien die Schwarze keinerlei Einsicht in ihr Verhalten zu zeigen, und sie stand zu ihrer vorherigen Entscheidung. Und genau das machte Hilel gegenüber Adsini sympathisch. Sie war nicht so wie Raja, verstellte sich nicht, wenn es brenzlig wurde, sondern zog ihr Ding durch, auch wenn das nun bedeuten würde, dass sie nicht ins Rudel aufgenommen werden würde. Adsini wusste, dass sie bei Hilel wissen würde, woran sie war und sich nicht, wie bei Raja, Gedanken darüber machen müsste, ob diese nun etwas vortäuschte oder ihr wahres Wesen zeigte. Adsini hoffte auf einmal, dass Aszrem Hilel ins Rudel aufnehmen würde. Sie wusste nicht genau, warum sie nun unbedingt wollte, dass diese kaltherzige, unfreundliche Fähe mit im Rudel leben sollte, doch es war ein Gefühl, das sie auf jeden Fall nicht betrog. Gespannt wartete sie auf die Antwort von Aszrem.
[westlicher Wald | Raja, Aszrem, Caylee, Volk, Hilel ]
10.01.2011, 18:25
Ráyon grinste noch weiter, als sie versuchte ihn in seiner Sprache nachzumachen. Sie schaffte es schon fast. Aber eben nur fast! Die aufgelockerte Stimmung tat gut, auch wenn sie im Kontrast z den letzten Tagen stand. Und so schnell, wie sie gekommen war ging sie auch wieder, als Lyerra behauptete, dass es nichts bringen würde zu wissen, was hier vorging. Irgendwie machte es den Rüden wütend, dass sie so einfach sagte, dass es nichts bringen würde, gar sinnlos wäre.
» Du liegst falsch Lyerra. «
Seine Stimme klang ungewohnt kalt. Ein Ton, den Ráyon an sich selbst noch nicht gehört hatte. Doch dieses Tal schien ihn zu verändern und entgegen seiner früheren Leichtigkeit fiel er nun immer öfter in Trauer, Angst oder Ungefallen. Er konnte sich nicht erklären woran es lag. Das einzige was er wusste war, dass es ihm nicht gefiel. Ganz und gar nicht.
Als er die Stimme erneut erhob, klang sie anders. Ruhiger, zum Glück, und auch weniger kalt, fast entschuldigend. Dennoch wagte er es nicht seinen Blick zu heben. Er wollte nicht, dass die unschuldige Fähe sah, welcher Ausdruck seine Augen belebte.
» Etwas, das man nicht kennt, kann zu einer Gefahr werden. Kannst du von dir behaupten, dass du diese seltsame Krankheit kennst, oder eine Erklärung dafür hast, was hier passiert? Ich denke nicht. Aber wenn wir herausfinden was es ist, dann besteht eine Möglichkeit zu erfahren woher es kommt, vielleicht sogar, wie man es verhindern kann. Wenn nicht das, dann kann man es wenigstens eindämmen, oder so was in der Art. «
Er hatte fast seine Euphorie wiedergewonnen. Aber nur fast. Einige Minuten würde der Schatten sein Gemüt wohl noch in festen Klauen halten. Aber alles würde wieder gut werden. Alles!
Langsam setzte auch er sich in Bewegung, hinkte neben ihr her so gut es ging. Sie würden dem Flusslauf folgen und schauen, ob sie irgendwo vielleicht auf etwas interessantes stießen. Wenn nicht, dann vielleicht auf einen Wolf, der etwas bemerkt hatte? Irgendetwas würde sich schon finden lassen.
10.01.2011, 20:05
Lyerra sah Ráyons Grinsen, war froh, dass die Stimmung zwischen ihnen nicht so eiskalt und hart war, doch als seine Stimme plötzlich böse und wütend wurde, blickte sie erschrocken auf, die Augen leicht geweitet. Was hatte sie denn so schlimmes gesagt? Eine Welle der Übelkeit kroch in ihr hoch. Warum sagte und tat sie bloß immer falsche Sachen, warum konnte sie nie etwas richtig gut machen? Was genau hatte sie überhaupt falsch gemacht? Unsicher blickte sie den Rüden an, doch dieser hatte den Blick gesengt. Was hatte sie nur wieder falsch gemacht? Die Stimme des Rüden klang eisig kalt, ungewohnt fremd. Kurz nach seiner ersten Antwort klärte er sie schon auf. Ihm passte es nicht, dass sie meinte es bringe nicht viel zu wissen, was hier passierte. Natürlich verstand sie ihn, dennoch wollte sie sich nicht so unterbuttern lassen.
„Weißt du, Ráyon, du hast Recht. Ich verstehe was du sagst, dennoch bezweifle ich, dass jemand uns, oder auch dir helfen kann. Hätte jemand gewusst was hier vor sich ging, hätten dann nicht bereits alle davon erfahren? Würden nicht schon alle krampfhaft überlegen was man tun könnte?“
Einen Augenblick lang wollte sie ihn wütend anfunkeln, doch schon als sie zu Ende gesprochen hatte wagte sie es nicht mehr. Was war denn so plötzlich los mit Ráyon? Unsicher blickte sie ihn an, Trauer und Verständnislosigkeit in ihren Augen, doch er schaute sie nicht an, wagte es anscheinend nicht den Blick zu heben, traute sich nicht sie anzublicken. Der Rüde ging mittlerweile auch, schien einen Teil seiner Euphorie zurück gewonnen zu haben, und dennoch war nicht alles beim alten. Kopfschüttelnd drehte Lyerra sich wieder nach vorne, lauschte dem Rauschen des Flusses und dem flüstern einiger Bäume. Wieder dachte sie daran, dass der Sommer viel zu kalt war, das überhaupt alles komisch und kalt, fast trüb war, doch dann verbot sie sich diese Gedanken. Es brachte nichts zu grübeln, solange man unwissend war, es brachte niemanden weiter. Langsam lief sie weiter, immer den Fluss entlang, immer von dem vertrauten Rauschen begleitet. Wann sie jemanden treffen würde wusste sie nicht, wann sie und Ráyon jemanden fragen könnten, nichts wusste sie in diesem Moment, und doch wusste sie so viel. Lyerra fühlte sich leerer und doch wissender als sonst, leichter und doch schwerer, glücklicher und doch betrübter als sonst.
[mit Ráyon, den Fluss aufwärts]
11.01.2011, 20:44
Malakím nickte zufrieden. So war es richtig. Selbst ein gescheiterter Versuch war besser als untätiges Zusehen, und der Schwärzling wünschte dem Jüngling innigst, dass er erfolgreich sein möge. Er selbst würde natürlich ebenfalls versuchen Tyraleen und Averic wieder näher zueinander zu führen, aber weder gehörte er zu dieser Familie, noch stand er als völlig neutraler Vermittler zwischen den Göttern. Seine Worte mochten bei Averic nicht unbedingt auf gnädiges Gehör stoßen, hatte er sich doch von Anfang an deutlich auf Tyraleens Seite gestellt. Getreu seiner eigenen Maxime war aber natürlich auch dies noch eine Möglichkeit, die er trotz der geringen Aussicht auf Erfolg im Auge behalten würde, aber vorerst wollte er Kraft vorrangig Tyraleen selbst zukommen lassen.
Als Chanuka ihn nach seiner Familie fragte, glitt sein Blick für einen Moment zum Himmel. Zum einen fragte er sich, ob seine Eltern inzwischen wohl schon bei Engaya waren und auf ihn herabblickten, zum anderen hatte er auch immer die Geflügelte selbst in gewisser Weise als seine Mutter angesehen. Dann kehrten seine Augen zu dem jungen Schwärzling zurück.
"Meine Eltern waren sehr gottesfürchtig. Mein Heimatrudel war nicht sehr groß und bestand hauptsächlich aus miteinander verwandten Wölfen. Sie wissen von Engaya und Fenris, auch wenn sie für beide Götter andere Namen haben. Ihre Hingabe galt vor allem der Geflügelten - eine Beobachtung, die ich in noch einigen anderen Rudeln machen konnte. Von mehreren Gottheit erfährt diejenige am meisten Ehrung, die den Gläubigern angenehmer ist. Und das Leben ist nuneinmal deutlich angenehmer als der Tod. Der Dunkle Gott erfuhr zwar auch in meiner Familie Ehrung, aber mehr in Form von Ehrfurcht. Man sprach nur flüsternd über ihn und ein Fluch in seinem Namen war ein besonders schlimmer! Aber es gab keine Priester bei uns, höchstens Geweihte, deren Leben in irgendeiner Art und Weise eng mit dem Glauben an die Götter verknüpft ist. Sie genießen besondere Achtung, aber sie besitzen keine besonderen Kräfte, wie es hier der Fall ist. Hier ist der Glaube viel... lebendiger. Die Götter sind hier noch näher. Was nun auch der Grund für die letzten - und vielleicht auch aktuellen - Geschehnisse ist."
Sein Blick ruhte nach wie vor auf Chanuka und nahm nun einen leicht fragenden Zug an. Er wusste nicht genau, was der Jüngling mit seiner Frage genau hatte wissen wollen, und so hatte er einfach drauf los erzählt, in Anlehnung an ihr bisheriges Gespräch. Nun war es an dem jungen Rüden, weiter zu fragen oder sein eigentliches Anliegen zu verdeutlichen.
[Seeufer | Chanuka]
11.01.2011, 22:46
Nickend nahm Raja die Antwort des Schwarzen Rüden zur Kenntnis. Jedoch bemerkte sie sofort was er mit seinen letzten Worten beabsichtigte. Sie sollte einfach schlichtweg auch der Jungfähe Respekt zeigen. Doch warum Respekt zollen, wenn man selber schnippig wird? Dachte sich Raja und hörte der spitzen Zunge Caylees zu. Zwar legte sie ein süßes Lächeln auf, aber doch waren die Vorwürfe eindeutig in ihren Worten zu vernehmen. Raja hatte offenbar gewaltig an ihren Ego oder gar Stolz gekratzt. Jedoch tat es Raja caylee gleich und legte ebenfalls ein Lächeln auf, der einer verliebten Gleich kam.
„Nun, ich hätte auch dir meine Entschuldigung für mein nicht gerade gutes Benehmen mit geteilt, wärest du nicht so schnell von uns fort gegangen.“
Eine Entschuldigung? Oder gar ein Friedensangebot? Wohl eher kaum! Raja wusste dass sie älter war als die Weiße, aber doch spielte sie hier mit ihr. Eigentlich müsste sie es besser wissen mit ihren mehr Jahren auf den Buckel. Aber nicht nur Caylees Stolz war verletzt, auch an Raja hatte es ganz schön genagt. Auch wenn sie bei den Anwesenden womöglich als falsch oder gar interlistig gelten würde, so war es ihr auf irgendeine Art auch egal. Sie hatte den Lebensmut schon verloren, als sie ihren Gefährten achtlos zurück lassen musste. Da tat ein Spiel mit dieser Jungfähe auch keinen Abbruch ab.
Zunächst stellte sich der „Spinner“ so wie ihn Caylee nannte, als Volk Zubami vor. Ein sehr merkwürdiger Name, wie es Raja fand. Wer hatte ihn wohl diesen Namen gegeben? Seine Mutter, sein Vater? Oder doch ein ganz anderer Wolf? Zeit zum Nachdenken hatte die Weiße mit dem Knickohr allerdings nicht. Hilel meldete sich an und Raja war perplex bei den Worten der schwarzen. Wahre Worte kamen aus ihren Fang, den raja der Atem stocken ließ. Nie hätte sie es für möglich gehalten, je mal solch imposante Sätze zu hören. Innerlich war sie neidig auf Hilel. Zu gern hätte sie solch Wörter geordnet gewählt und sie so elegant ausgesprochen. Recht hatte sie alle Male. Nicht nur mit ihrem Benehmen, sondern auch mit diesen merkwürdigen Wetter, die in diesem Tal spielten. Die Fähe schaute zum Himmel, der mit dicken Wolken bedeckt war und schaute dann zu Aszrem. Was für eine Erklärung hatte er parat?
[westlicher Wald | Aszrem, Caylee, Volk, Hilel, Adsini ]
12.01.2011, 19:45
Averic blickte seinen Sohn an, die Miene weiterhin starr, vielleicht auch, weil er nicht wollte, dass sein Sohn sehen konnte, was in ihm vorging. Und dieser Blick allein schon, schien den Silbernen zu verschüchtern, aber der Schwarze konnte nicht anders. Er musste all das, was in ihm war und schrie zusammenhalten. Es konnte nirgendwo hin.
Auf Turiéns Frage hin zuckte nur eines seiner Ohren. Okay? Die Frage erschien ihm fast makaber. Denn absolut nichts war okay. Es hätte nichts weniger okay sein können. Auch sein Sohn sah sehr unglücklich aus. Der Pechschwarze erinnerte sich, dass er an jenem Tag zusammen mit Chanuka unweit des Geschehens gewesen war. Dass sie viel mitbekommen hatten. Wie viel genau? Hatten sie auch gehört, welch scheußliche Worte sich ihre Eltern an den Kopf geworfen hatten? Wie scheußlich genau sie waren, vor allem für ihn, konnten sie aber nicht verstehen. Was es für ihn bedeutete mit Acollon verglichen zu werden. Es zog ihm das Innere zusammen.
Doch dann rührte sich Turién wieder und trat ganz dicht an ihn heran. Averic fühlte, wie sich der Kopf seines Sohnes in sein Fell drückte und der Kloß in seinem Hals wurde wieder etwas größer. Obwohl die Geste des Silbernen ihn sehr rührte, machte sie ihm nur noch mehr deutlich, dass nichts okay war. Seine Familie war kaputt. Mit einem leichten Kopfschütteln blinzelte er die Tränen hinfort. Er durfte vor seinem Sohn keine Schwäche zeigen. Wenn selbst er, der mächtige schwarze Wolf anfing schwach zu wirken, mussten seine Kinder doch das Gefühl haben, dass wirklich alles verloren war. Averic mochte das zwar glauben, dennoch wollte er das seinen Kindern nicht antun. Er senkte den Kopf, um Turién mit der Zunge über die Stirn zu fahren und legte seinen Kopf sachte auf seinem ab.
„Leider ist absolut nichts okay.“
Die Bitternis ließ sich nicht aus seiner Stimme verscheuchen.
[ Tote Ebene | Turién ]
13.01.2011, 18:48
Aszrems Aufmerksamkeit wandte sich wieder dem schwarzen Rüden zu, obwohl Hilel ihm noch eine Antwort schuldig war. Aber es mochte auch eine gute Idee sein ihr zu demonstrieren, dass sie längst nicht so wichtig war, wie sie mit ihrem Verhalten vielleicht andeuten wollte.
"Caylee",
mahnte er die Jungfähe an seiner Seite mit tadelndem Tonfall und Blick, wobei er jedoch absichtlich die Stimme etwas senkte, um dem Tadel etwas an Schärfe zu nehmen. Sich zuviel herauszunehmen stand ihr nämlich genauso wenig zu wie einem Fremden, Beleidigungen eingeschlossen. Da spielte es auch keine Rolle, dass dieser Volk Zubami ihr ihre Wortwahl nicht übel nahm. Indes bestätigten dessen Worte seinen Verdacht, den Rüden bereits bei der Versammlung gesehen zu haben.
"Aha, dann habt Ihr also schon während des Sturms zu uns gefunden? Dachte ich mir doch, dass ich Euch bei der Versammlung bereits bemerkt hatte. Ich bedauere sehr, dass Euch bis jetzt noch keine angemessene Begrüßung zuteil geworden ist, Volk Zubami, und entschuldige mich im Namen des Rudels dafür. Aber Ihr wisst dann ja auch selbst, dass die letzten Tage alles andere als gewöhnlich waren."
Ha, na wenn das mal keine nette wie zynische Umschreibung für die schrecklichen Ereignisse waren. Dabei hatte er schon eine ganze Weile keinen Gebrauch mehr von gehobenerer Rhetorik gemacht, obgleich er solcherlei Wortwahl immer gut beherrscht hatte. Es war, als hätten Caylees unterwürfige Gesten etwas in ihm geweckt, dass seit Nyotas Tod unter Trauer vergraben gewesen war und das er vergeblich versucht hatte selbst wiederzufinden.
"Da Ihr nun schon seit ein paar Tagen bei uns seid und von Euch aus um Aufnahme bittet, sehe ich keinen Grund Euch des Reviers zu verweisen. Willkommen im Rudel, Volk Zubami",
schloss er - um sich gleich darauf erneut an Caylee wenden zu müssen.
"Das reicht jetzt!",
grollte er warnend und diesmal gut vernehmlich. Missbilligend lag sein Blick auf Nerúis Seelenschwester, schwenkte dann aber für einen Moment auch zu Raja um. Diese Warnung galt nicht nur Caylee allein, denn wenn ihn sein Gefühl nicht täuschte, hatte die Jungfähe nicht ganz Unrecht mit ihren Anschuldigungen - einen Gedanken, den er selbst ebenfalls schon gehabt hatte.
Nun endlich fand sein Blick auch zu der schwarzen Einäugigen zurück, dabei etwas neutraler werden, jedoch nicht gänzlich. Innerlich seufzte der Schwarzbraune. Äußerlich deuteten seine Lefzen ein leichtes Lächeln an, das seine Augen nicht erreichte und auch nicht erreichen sollte. Aszrem trat auf die Schwarze zu.
"Da habt Ihr Recht, Hilel, aber es steht in meiner Macht. Und Ihr vergesst dabei ein paar entscheidende Dinge. Erstens: Ja, Ihr müsst Euch rechtfertigen. Nicht wegen Eurer Achtsamkeit, sondern aufgrund meiner. Denn für mich seid Ihr die Fremde, und obendrein eine, die mich um ein Anliegen ersucht. Ihr müsst nur auf Euch selbst Acht geben - ich dagegen muss in diesem Augenblick an das Wohl eines ganzen Rudels denken. Womit wir beim zweiten Punkt wären: Ich weiß, dass man Wölfe nicht nach dem ersten Eindruck beurteilen soll. Das Problem daran ist, dass ich für meine Entscheidung aber nur wenig Zeit habe und entsprechend auch nur eben diesen ersten Eindruck. Es liegt also in Eurer Pflicht zu demonstrieren, dass ihr um die Regeln des Zusammenlebens im Rudel wisst, was bei der Ankündigung schon anfängt - und nicht in meiner Pflicht, blindlings einem potenziellen Unruhestifter zu vertrauen. Und Drittens: Welche Zeichen deutlich sind und welche nicht, beurteilt der jeweilige Rangwolf - in diesem Falle ich. Und ich sehe überdeutliche Zeichen des Unwillens, sich anzupassen."
Aszrem stand direkt vor der Schwarzen, die Miene ernst und in der Stimme einer Bestimmtheit, die keinen Widersprüch duldete.
"Geht jetzt, Hilel. Wenn ihr euch den Regeln einer Gemeinschaft nicht beugen könnt oder wollt, so ist dies kein Ort für Euch. Nehmt den Weg hinaus, den Ihr gekommen seid, und seid gewiss, dass ich das kontrollieren werde. Solltet Ihr Eure Meinung später einmal überdacht haben und erneut um Aufnahme bitten wollen, dürft Ihr es gern erneut versuchen. Lebt wohl."
[westlicher Wald | Caylee, Volk, Hilel, Adsini, Raja]
14.01.2011, 17:41
Ausstieg für Kiburi
Es schien, als würden die vielen Worte Minyalas und die teilweise spottenden, teilweise ironischen und teilweise nicht zu deutenden Bemerkungen Tiberius‘ ein wenig zu viel für den armen Kiburi zu sein. Wie konnten die beiden Wölfe auch wissen, dass der graue Letoanhänger vorher Gesprächen beinahe aus dem Weg gegangen war und in den meisten Fällen nicht gerade gut in solchen war? Wie sollten sie erahnen, dass sie Kiburi damit verschreckten und überforderten? Erst im Nachhinein ließ es sich feststellen, während der Graue unter den Blicken seiner beiden Gesprächspartner in sich zusammensackte. Dann, offensichtlich trainiert durch seinen Dauerlauf, sprang Kiburi wie ein aufgescheuchter Hase los, preschte in Richtung Reviergrenze und hinterließ nichts als seinen bereits schwindenden Geruch. Etwas verwirrt blieben Minyala und Tiberius zurück.
14.01.2011, 18:31
Als ein irgendwie seltsam gezeichneter Rüde ziemlich unerwartet aus dem Unterholz auftauchte und sich schwungvoll und äußerst wortgewandt neben dem unbekannten Grauen platzierte war Minyala kurz erstaunt, dann hauptsächlich belustigt. Wie es aussah, hatte sie endlich mal einen passenden Gesprächspartner, einen, der gerne redete und der ihr auf fast alles was sie sagte antwortete – was im Übrigen weniger einfach war, als es klang; sie sagte nämlich eine ganze Menge in kurzer Zeit. Ihr Lächeln wurde verschmitzt.
“Dann wäre zu vermuten, dass er gleich wieder losrennt, also habe ich nicht viel Zeit, um meine ganzen Fragen noch an den Wolf zu bringen. Zum Glück bist ja jetzt du da, notfalls kann ich sie dann wohl an dir loswerden.“
Sie zwinkerte leicht und wandte sich dann wieder an den grauen Läufer, der mittlerweile irgendwie kleiner geworden war. Minyalas Stirn krauste sich leicht, während weitere Worte des Hinzugekommenen dem Kleinerwerden noch ein wenig mehr nachhalfen. Der Graue schien sich nicht direkt wohl zu fühlen und das war noch eine große Untertreibung. Die Silberweiße setzte gerade mit einem
“Ähm …“
an ihre Bedenken auch gegenüber dem neuen Redner mitzuteilen, als sich der Rüde eiligst davonmachte. Verblüfft starrte Minyala dem Grauen nach und blinzelte verwirrt. Sie schien ihn tatsächlich überfordert zu haben, allerdings hatte ihre neue Gesellschaft genauso dazu beigetragen! Mit leicht verzogenen Lefzen wandte sie sich an den Gestreiften.
“Na toll, jetzt hast du ihn verscheucht. Das war nicht ich, meine Fragen waren alle absolut in Ordnung! Erst nachdem du da warst, hat er so komisch geguckt, mit mir hat er geredet!“
Auch jetzt unterstrich ihr Grinsen, dass sie ihre Worte weder böse noch vorwurfsvoll meinte. Viel eher machte sie sich ein wenig über das Verhalten des Grauen lustig, den würden sie wohl sowieso nicht noch einmal sehen. Wölfe gab’s …
“So schnell kann’s also gehen, jetzt musst du meinen Fragen standhalten. Wer bist du, was tust du hier und warum verfolgst du einen herumrennenden Rüden? Ich glaube, die letzte Frage ist die interessanteste und pass auf, was du darauf antwortest.“
Wieder ein Zwinkern, dann wippte ihre geknickte Rute einmal auf und ab und sie besann sich der philosophischen Ansätze ihres Gegenübers bezüglich der Rudelvollkommenheit.
“Neulinge jubelnd in Empfang nehmen? Nee nee, das würde das Rudel ja wohl gefährden, denn vor lauter Jubeln könnte man gar nicht merken, ob die Neulinge denn auch nett sind und unseren Welpen nicht die Kehle durchbeißen wollen.“
Damit begann sie ihr Gegenüber ein wenig aufmerksamer zu mustern. Er war durchschnittlich groß und überragte sie somit um einiges. Seine Augen erinnerten sie an die durchgedrehte Mutterwölfin, auch wenn sie weder traurig noch nachdenklich aussahen. Eher so, als könnten sie nichts aus der Ruhe bringen. Am auffälligsten war eindeutig ein Fell, wären die wilden Strömungen darin nicht grau, hätte sie sie für Dreck gehalten. Er war älter als sie, doch wie viele Sommer er schon erlebt hatte, ließ sich nicht so leicht schätzen. Er wirkte jünger, als er vermutlich war. Sie hatte ihn noch nie gesehen.
[ nördliche Reviergrenze | Tiberius]
14.01.2011, 20:31
Nerúi hatte sich in dem Fellknäuel aus Papa Aszrem und Schwester Caylee schlafen gelegt, und es war schließlich der Mangel von Wärme, der die junge Wölfin erwachen lies. Sie fühlte sich noch immer schrecklich müde und erschöpft, aber der kalte Wind, der ihr Sommerfell zerwühlte, drängte sie zur Bewegung, um sich warm zu halten. Eilig stand sie also auf, und stakste ein paar Schritte voran. Ihre feinen Ohren fingen Stimmen auf, und wie der Wind lief die schwarze den Geräuschen entgegen. Der Lauf würde ihrem Körper zumindest etwas Wärme zurückgeben, und je schneller sie der eisigen Stille des Waldes entfloh, desdo besser.
Bald erkannte sie Caylee vor sich, und an ihrer Seite Aszrem. Fröhlich sprang sie von hinten auf sie zu, und warf sich drängelnd zwischen Papa und ihre Schwester. Zwischen ihnen war es doch bestimmt viel wärmer als daneben!
Erst jetzt nahm sie sich die Zeit die Anwesenden anzusehen, und musste feststellen dass sie nicht von einem einzigen den Namen kannte. Den schwarzen Rüden meinte sie schon gesehen zu haben, die drei Fähen waren ihr jedoch gänzlich unbekannt. In der braunäugigen erkannte sie eine Altersgenossin, und vergnügt nickte sie ihr zu. Sie hatte gerade erst damit begonnen die anderen beiden zu mustern, als die Schwarze das Wort ergriff. Offenbar war sie mitten in das Gespräch geplatzt.
Nerúi hatte kaum zwei Sätze von der Fähe gehört, als sie den Kopf zu Caylee wandte. Was war dass denn für eine komische Gestalt? Die redete ja den größten Quark! Mit verzerrter Mimik und heraushängender Zunge blickte sie Caylee an, grinste dann und hob den Kopf, als die Fähe geendet hatte. Bei Engaya! Das hochtrabende Geschwätz konnte ja keiner ertragen!
Ihr Blick fand zu der älteren Weißen zurück, die ein geknicktes Ohr trug. Das zuckersüße Lächeln auf ihren Zügen konnte Nerúi nicht täuschen.
"Das ist gelogen!"
Stellte sie entrüstet fest, und starrte die Fähe vorwurfsvoll an. Nicht nur dass sie versuchte ihre Schwester anzulügen, sie gab sich noch nicht einmal Mühe dabei. Nerúi schüttelte sich, und bleckte dabei die Zähne. Mit dieser Fähe wollte sie nichts zu tun haben!
Der Rüde schien als einziger freundlich zu sein - von der anderen Jungwölfin hatte Nerúi noch kein einziges Wort gehört.
Sie sah nun zu Papa Aszrem auf, der dem Rüden gestattet hatte zu bleiben. Er trat von ihnen fort und der schwarzen Fähe entgegen, ganz so als wolle er ihrem sehenden Auge verdeutlichen wie nah er bereits war. Nerúi war froh, dass er normal zu der Schwarzen sprach, und ihren seltsamen Sprachstil nicht übernommen hatte. Zudem war sie mit jedem Wort mehr beeindruckt. Und dann wies er sie tatsächlich ab. Nerúi hatte schon viele Fremde zum Rudel stoßen sehen, noch nie war einem Wolf die Aufnahme verwehrt worden. Umso zufriedener war sie, dass genau diese Wölfin die erste war - zum Ersten weil sie hochtrabenden Unfug sprach, zum Zweiten weil sie ihr alles andere als sympatisch war, und zum Dritten weil sie schlicht bedrohlich aussah, mit ihren zwei stechenden Augen! Dass eines davon blind war, tat der davon ausgehenden Bedrohung keinen Abbruch.
Sichtlich beeindruckt sah sie zu ihrem Vater hoch. Ihr lag etwas auf der Zunge, aber sie wagte nicht, jetzt von Mutter zu sprechen. Nicht jetzt, wo ihr Bruder Tascurio tot war, nicht jetzt, wo Aszrem wohl der Einzige war, der gesammelt genug war um sich um die Belange des Rudels zu kümmern. Und schon gar nicht, solange die Fremde da war, die Caylee angelogen hatte.
"Hey"
begrüßte sie Aszrem nun leise, nachdem sie sich vorhin wortlos dazu gedrängt hatte. Und sie wollte es doch sagen. Die blöden Wölfe sollten alle weg gehen.
Statt dessen wandt sie sich nun Caylee zu.
"Lass uns hier weg gehen"
Meinte sie, deutlich entschlossener als eben noch, und drehte sich noch zu der anderen Jungwölfin um.
"Willst du mitkommen?"
Sie warf noch einen langen Blick zu Aszrem, legte mit einem etwas traurigen Lächeln den Kopf schief, und wand sich dann zum Gehen. Die Situation war ihr nicht angenehm, und sie wollte ihr jetzt gleich entfliehen. Und sie lief einfach los, in den Wald hinein.
[westlicher Wald | Caylee, Aszrem, Adsini, Volk Zubami, Hilel, Raja]
15.01.2011, 10:10
Avendal‘s tiefblaue Augen richteten sich auf den Rüden neben sich, der sie mit einem so neutralen Blick musterte das sie das Gefühl hatte gleich im Boden zu versinken. Sie durfte doch nicht einfach so den Kopf hängen lassen! Es würde bestimmt alles gut werden, das wusste die junge Helle! Anders konnte sich es Avendal doch gar nicht vorstellen. Seine Worte brachten sie zum Nachdenken, weshalb sie den Kopf ein wenig zur Seite neigte. Und wieder einmal hatte er Recht. Sie kam sich in diesem Moment so dumm vor, das sie sich so einfach hinab ziehen ließ von der kompletten Situation. Atalya, ihre graue Schwester wirkte im Gegensatz zu ihr viel Fröhlicher und Energie geladener und Avendal beneidete sie ein wenig darum. Sein Seufzen ließ sie den Kopf ein wenig heben und ihn ansehen, dabei verfiel ihre Verlegenheit nicht. Sie war zwar kein Freund der Einsamkeit aber bei solch einer Nähe war auch sie ziemlich schüchtern, weshalb sie die Lefzen zurück zog und aufmunternd lächelte. Sie wollte ihm zeigen, dass es ihr nicht so schlimm ging wie sie aussah. Seine ruckartige Bewegung ließ sie verwirrt aufblicken. War etwas geschehen? Sie machte es ihm gleich und witterte, der Geruch des Todes schlug ihr entgegen und sie wandte den Blick in die Richtung. Ein Bär? Fragend sah sie von Madoc zu der kleine Gruppe bei der sich auch Atalya befand.
„Was geht dort vor sich? Sollen wir hingehen?“
Fragte sie schließlich und sah Madoc wieder an. Kurz schüttelte sich bei dem Geruch und warf ihren Blick wieder in die Richtung der Gruppe. Die Neugierde hatte die junge Fähe gepackt und wenn sie bei voller Kraft gewesen wäre, dann hätte sie sich auch wahrscheinlich schon zu der Gruppe begeben. So aber wartete sie ab was Madoc dazu sagen würde.
[Rande des Rudelplatzes | Madoc]
(sorry das es etwas länger gedauert hat ._.)
15.01.2011, 15:33
Der Geruch des Todes durchflutete den silbernen Hünen und der ruhige Ausdruck in seinen blutroten Seelenspiegeln verwandelte sich in Wildheit. Tausend Male hatte er dieses wohlbekannte Aroma inhaliert und doch erweckte es in seinem Herzen noch immer das Gefühl von Macht und Kontrolle. Töten gehörte zu den Rechten seiner Spezies und dementsprechend hatte die Natur ihnen diese unsagbare Kraft verliehen, die sie über andere Lebewesen stellte. Zwar gehörte der Kadaver einem Bären, welcher ebenfalls mit dem Recht des Mordens gelobt wurde, doch genau dies bewies die Perfektion seiner eigenen Art. Mit der Witterung von frischem Blut spürte Madoc einen Hauch von Triumph durch seinen gesamten Körper strahlen, wenn auch nicht seine Fänge die Todesstrafe sprachen.
Ein ruckartiges energisches Kopfschütteln folge auf seine vernichtenden Gedanken und wieder erwischte sich der Rüde dabei, wie ihn das Ableben andere Lebewesen befriedigte. Es war nicht das erste Mal, dass die Missachtung anderer Lebewesen in seinen Charakterzügen zum Vorschein kam, doch gerade war es nicht der rechte Augenblick dafür. Der Silberne richtete seine glänzenden Augen wieder auf Anvendal, die noch immer neben ihm stand und versuchte sich auf ihre Situation zu konzentrieren. Als ihre sachte Stimme erklang, nahm er stumm zur Kenntnis, dass es ihm nicht gelungen war, die Todesszene vor ihr zu verbergen. Wie auch? Sie befanden sich in greifbarer Nähe von der dort versammelten Gruppe. Nachdenklich zog er die Worte der weißen Fähe in Erwägung und versuchte sein Eigeninteresse nicht in seine Entscheidung einfließen zu lassen. Wäre Madoc nun alleine gewesen, so wäre er ohne zögern hingegangen, zumal sich Atalya ebenfalls dort befand, die es eventuell zu schützen galt. Doch nun stand ihre Schwester an seiner Seite, in Geist und Körper geschwächt, vielleicht war es das Beste, hier zu bleiben. Er wusste, dass die Graue auch gut ohne ihn zu Recht kam, sie war eine starke Persönlichkeit.
"Ich weiß nicht, was dort geschehen ist, allerdings halte ich es für angemessener, wir würden uns nicht einmischen. Du hast genug Sorgen, du solltest weiteren potenziellen Problemen aus dem Weg gehen"
Schlug der Rüde vor und nickte schließlich in die entgegen gesetzte Richtung, während er einen Schritt von Avendal zurück wich. Mit den blutroten Seelenspiegeln erforschte er ihr Antlitz, um jegliche Veränderungen ihrer Mimik ausmachen zu können.
"Du solltest dich ein wenig bewegen, die Kälte macht dir zu schaffen"
Fügte Madoc hinzu und bewegte sich von dem blutgezeichnetem Schauplatz fort. Seine Schritte waren geschmeidig, jedoch langsam, sodass die weiße Fähe problemlos folgen könnte.
[Am Rande des Rudelplatzes | Avendal]
15.01.2011, 17:32
Zuerst atmete der Graue tief ein und schloss die Augen als er sich an seinen großen Vater drückte. Es war beinahe wie damals, als sie alle noch so jung waren und nichts und niemand ihm etwas anhaben konnte, wenn er sich bei Averic versteckte. Aber doch eben nur beinahe, und als er die hellen Augen wieder aufschlug war dieses alte Gefühl wieder verblasst.
Auch wenn es wieder aufzuleben schien, als der Schwarze ihm wärmend und tröstend mit der Zunge über die Stirn fuhr so waren dessen Worte irgendwie niederschmetternd. Was hatte er den erwartet? Aufmunternde Worte. Worte wie 'Turién, mach dir keine Sorgen, es ist alles okay. Es ist nichts schlimmes passiert. Tyraleen und ich haben uns wieder vertragen, es war alles ein großes Missverständnis. Tascurio ist nicht tot, er ist nur leicht verletzt ihm geht es gut.'? Oh, was hätte er nicht gegeben um diese Worte zu hören, um sie war werden zu lassen. Er schluckte schwer und wäre am liebsten einfach eingeschlafen, um dem allem zu entfliehen. Doch so einfach war das Leben nicht. Das hatte er schon oft erleben müssen - zu oft für seinen Geschmack. Immerhin sagte Averic ihm die Wahrheit und speiste ihn nicht mit einem Lügenmärchen ab.
"Ich weiß..."
Seine Stimme war kaum mehr als ein Hauchen. Er war froh, dass er die zwei Worte überhaupt rausgewürgt hatte ohne zu stottern. Seine Haltung war gedrückt, man konnte gut erkennen, dass es ihm nicht viel besser ging als Averic, obwohl ihn die Sache von außen betrachtet nicht so zu treffen schien, wie Averic oder Tyraleen. Oder Tascurio. Und doch machte ihn die Situation kaputt. Irgendetwas musste man doch tun können, um alles zu retten. Irgendetwas. Es konnte doch so nicht enden.
"Aber das ist nicht das Ende, es geht weiter. Es wird schon. Irgendwie." ,
versuchte er sich selbst und auch Averic Mut zu machen.
[Tote Ebene - Averic ]
15.01.2011, 21:38
Ganz im Gegenteil zu seinem Kamerad, nahm die Weiße das plötzliche Auftauchen des Gestromten gerne an. Zuerst war es leichtes Erstaunen, schließlich aber Belustigung. Gutes Mädchen. Sie nahm die Welt nicht zu ernst. Wahrscheinlich hätte dem jungen Grauen eine solche Portion Humor gut getan. Zu ihrem verschmitzten Lächeln kam Schlagfertigkeit hinzu und Tiberius bereute es nicht, seinem 'Opfer' gefolgt zu sein. Zumindest bis jetzt noch nicht.
“Ein gutes Argument, aber wer würde bei einem so redegewandten Wolf wie dir Reiß aus nehmen? Versprochen, er wird sich deinen Fragen stellen, wenn der Sauerstoff wieder in die Gehirnwindungen kommt“,
na, wenn er da mal nicht zu viel versprochen hatte. Der Gestromte konnte ja nicht ahnen, dass er mit seiner Annahme völlig daneben lag und der Jüngere sich seine Aufenthaltsgenehmigung gar nicht erst abholte. Tiberius hatte nicht bemerkt, dass der Kamerad während des Wortwechsels in sich zusammen gesackt war. Als er dann tatsächlich auch noch die Flucht antrat, blieb dem Gestromten keine Zeit seiner Verwunderung Ausdruck zu verleihen. Er beließ es deshalb nur bei einem leicht abfälligen Blick.
“Tja, ein Fazit kannst du schon einmal ziehen: Mir darf man keine Versprechen abnehmen“,
gleichmütig, gar Schulter zuckend. Natürlich würde ein vernünftiger Wolf sowie so keinen Deut auf den Rüden verschwenden. Nicht immer waren die Normalen die besten Freunde und vor allem nicht die Ungefährlichsten. Was nicht bedeuten soll, dass Tiberius einer von diesen Normalen war.
“Ich wusste zwar, dass man in meiner Gegenwart gerne weiche Knie bekommt, aber ich behalte mir doch vor, dass noch niemand von meiner bloßen Anwesenheit so beeindruckt war, um gleich die Flucht anzutreten, versprochen“,
so wie die Silberne, konnte auch der Rüde durchaus charismatische Schlagfertigkeit zeigen. Und auf ihr Grinsen erwiderte er ein kurzes Zwinkern. Ein echtes Zuckerschnütchen. Keine blasierte, traurige Existenz. Genau, was er brauchte und sichtlich genoss.
Auf ihre unverhoffte Drohung, er müsse jetzt die Attacke der vielen Fragen ertragen, tat er gerade zu aufopferungsvoll. Klar, er war daran Schuld, dass die Jüngere nie ihre Antworten bekommen würde, also musste er ihr einen guten und kostbaren Ausgleich schenken. Wenn Tiberius' nicht zehnmal so spannend war, wie der schnelle Läufer. Er ließ die Silberne zuerst ihre Sätze beenden.
“Zur ersten Frage: Ich bin ein alter Junggeselle, der nach einer guten Aufgabe und einer charmanten Fähe sucht. Wenn man mich 'Tiberius' ruft, komme ich für gewöhnlich. Das beantwortet auch fast die zweite Frage. Ich bin eigentlich nur hier, weil ich genau diese beiden Gesuche erfüllen möchte. Das ich ausgerechnet gleich auf eine charmante, redegewandte Wölfin treffen würde, war reiner Zufall“,
sein Lächeln mündete in einem breiten Grinsen und er verringerte beiläufig den Abstand. Dem Rüden war durchaus bewusst, dass sie noch viel zu jung war, um sich auf solche Schurken wie Tiberius einlassen zu können.
“Und nun zur wichtigsten und letzten Frage: Ich fresse mit Vorliebe kleine, zarte Welpen und wenn ich keine finde, nehme ich auch mal Vorlieb mit Jungwölfen. Damit fällt mein jubelnder Empfang ganz ins Wasser, stimmt´s?“,
schwungvoll platzierte er sich auf die Hinterpfoten.
“Ach ja, und ich wüsste gerne vor der Mahlzeit, wie das Gericht heißt“,
sie würde verstehen.
[ nördliche Reviergrenze | Minyala ]
16.01.2011, 16:08
Starr blickten Averics dunkelblaue Augen über die tote Ebene. Ein seltsam stumpf klingender Wind rauschte in seinen Ohren, schnitt kalt in sein Gesicht ohne dabei besonders stark zu wehen. Nur ganz leise drangen die Worte seines Sohnes zu ihm heran, aber der Pechschwarze hätte sie auch vernommen ohne sie genau hören zu können. Natürlich wusste er das. Die Situation war trostlos und jene Trostlosigkeit fraß sich durch ihn hindurch, um nichts weiter als Leere zu hinterlassen. Wahrlich, nur noch Leere und nichts anderes mehr zu empfinden, wäre fast schön gewesen, im Gegensatz zu diesem Loch in seiner Brust, das sich mit Enttäuschung, Wut und Verzweifelung wieder und wieder auffüllte. Er verlangte fast danach, dass auch der Hass wieder dazukommen möge, damit in ihm wenigstens ein Gefühl war, das den Schmerz verdrängen konnte, doch er wollte sich nicht zeigen. Ausschlaggebend dafür waren wohl vor allem auch seine Kinder. Sie hatten ihn nicht verlassen und sie verurteilten ihn nicht. Leider tröstete ihn das kaum über das hinweg, was Tyraleen ihm angetan hatte.
Auf Turiéns Worte hin regte sich der große Wolf nicht, nur ein bitterer Geschmack breitete sich auf seiner Zunge aus. Wie sehr konnte man sich darüber freuen, dass das nicht das Ende war, sondern dass sie nun für immer damit leben mussten? Denn wollten tat er dies nicht. Es war fast ein wenig bizarr, dass der Sohn dem Vater aufmunternde Worte zusprach, obwohl es hätte andersrum sein müssen. Allerdings erzielten sie auch keine Wirkung. Irgendwie. Das klang nicht besonders hoffnungsspendend.
„Was denkst du über das, was passiert ist?“
[ Tote Ebene | Turién ]
16.01.2011, 17:25
Den Blick fest auf Krolock gerichtet bewegte sich Atalya keinen Zentimeter, wich nicht vor dem roten Glühen in den Augen des Gleichaltrigen zurück. Sie spürte die Blicke der anderen, wandte den Blick jedoch nicht von dem Schwarzen ab. Zu sehr fesselten sie seine Augen. Sie wurde von innen heraus fest gehalten, ohne wirklich erklären zu können, was es war. Erst als Krolocks Blick ihren traf, machte sie die Andeutung, einen Schritt zurück zu weichen. Und dennoch stand sie da, nur leicht zurück gelehnt. Er sah sie nur an, und kein Laut verließ seinen Fang. Und auch das Grollen aus ihrer Kehle war verstummt. Nun neigten sich ihre Ohren zurück, der helle Blick blieb weiterhin auf den schwarzen Jungwolf gerichtet. Erst, als Nihils Worte zu ihr durchdrangen, wandte sie den Blick von Krolock ab, richtete ihn auf den weißen Rüden. Nicht streiten. Mehr hatte die ganze Gruppe nicht zu sagen, blickten alle nur panisch Krolock an. In diesem Moment bereute die Graue die Entscheidung, hier her gekommen zu sein. Umso mehr stand der Entschluss, wieder zu gehen. Ein letzter Blick zu dem Schwarzen, dann wandte sich Atalya ab. Der würde eh nicht mit sich reden lassen – und der Rest schwieg anscheinend lieber. Sie wandte den Blick nicht zurück, eilte aber auch nicht davon. Nur ihre Ohren nahen das wahr, was hinter ihr lag.
Es dauerte einige Momente, ehe sie den Wald erreicht hatte. Fern von dem toten Bären, dessen Geruch in ihrem Pelz hing. Der Geruch von anderen Wölfen hing in der Luft, und einer näherte sich ihr deutlich. Atalyas Ohren stellten sich wieder auf, sie witterte in der Luft, um den Geruch zuordnen zu können. Und dann erkannte sie, dass es Nerúi war, die sich auf sie zu bewegte. Die Schwarze steuerte direkt auf sie zu. Einen Moment verharrte die Graue, ehe sie sich in die Richtung der anderen Jungwölfin bewegte. Sie steuerte direkt auf sie zu, würde sicher bei ihr Ablenkung finden. Und so trabte die Graue auf Nerúi zu, meinte nach wenigen Schritten schon ihren dunklen Pelz zwischen den Bäumen hervor stechen sehen.
[Im Wald – Nähe Nerúi]
16.01.2011, 20:19
Und es ging genauso langweilig weiter wie zuvor. Der Spinner erwähnte seinen echten Namen – Volk Zubami – woraufhin sich Caylee daran erinnerte, dass sie schon damals der Meinung gewesen war, dass ‘Spinner‘ nicht allzu viel schlimmer war, als sein tatsächlicher Name. Manche Eltern meinten es mit ihren Welpen eben nicht ganz so gut … umso schöner war es, als Volk ihr tatsächlich erlaubte, ihn Spinner zu nennen. Dafür forderte er eine Art Gegenleistung, die Caylee zunächst ein wenig zögern ließ, denn sie war schließlich von vielen Wölfen die echte Schwester. Im Grunde genommen war es aber auch vollkommen egal, ob da nun ein weiterer dazu kam oder nicht. Sie zuckte mit den Schultern.
“Meinetwegen. Solange du mich dann nicht wieder vom Felsen schubsen willst.“
Wieder ein Zwinkern, ihr war schließlich durchaus bewusst, dass Volk das damals nicht extra gemacht hatte. Derweil hatte sie Aszrems leises Tadeln gekonnt ignoriert, schließlich war ‘Spinner‘ in diesem Fall keine Beleidigung und Volk schien sich eher darüber zu freuen. Unter diesen Umständen war es also vollkommen unangebracht, ihr über den Mund zu fahren – da konnte er noch so leise flüstern – was Caylee durch ihr Ignorieren zum Ausdruck brachte.
Als nächstes kam Raja an die Reihe, um ihr schnippisch und mit falschem Lächeln zu antworten. Dass Caylee ihr sehr wohl genug Zeit zum Nettsein und Antworten gelassen hatte, wussten sie beide, deshalb hatte die Jungwölfin auch nicht vor, noch einmal zu antworten. Nur ihr Blick auf der Knickohrigen sprach Bände. Die gegenseitige Feindschaft war besiegelt. Aszrem derweil schien schon wieder unzufrieden zu sein und tadelte zuerst sie um dann seine Ermahnung auf Raja auszuweiten. Diesmal rief es ein Augenverdrehen bei Caylee hervor, was ihr schwarzer Papa-oder-so jedoch nicht sehen konnte, da sie noch immer an seiner Seite lehnte.
“Ja.“
Kam es lahm von ihr, nur dass Aszrem nicht dachte, sie würde ihn ignorieren. Sie fühlte sich von ihm im Stich gelassen, musste er doch sehr wohl wissen, dass sie zwar stürmisch und aufbrausend war, niemals aber unfair oder hinterhältig. Sie hatte mit keinem Wort gelogen und dass es von Fremden nicht richtig war, einen Rudelwolf so abfällig zu behandeln, wusste auch Aszrem. Sie hätte ihm gerne etwas in der Art gesagt, aber vor den Fremden würde er darüber wohl nur sauer werden. Also ließ sie es sein und macht ein mittlerweile leicht säuerliches Gesicht. Auch die deutlichen Worte gegenüber Hilel änderten nichts daran, denn die einäugige Schwarze schien ohnehin ein wenig verrückt. Wahrscheinlich hatte ihre schwere Kindheit wirklich etwas Entscheidendes in ihr kaputt gemacht. Aus gegebenen Gründen hielt sich Caylees Mitleid in Grenzen, Schadenfreude verspürte sie jedoch genauso wenig.
Und dann, endlich, kam die Erlösung. Neruí drängelte sich zwischen Aszrem und sie und Caylees Herz machte einen kleinen Hüpfer. Das erste Schöne an diesem Tag! Um ihrer Freude über ihre Schwester angemessen zu zeigen, grub sie zunächst ihre Schnauze in das schwarze Fell, zog ihr dann am Ohr und kuschelte sich eng an sie. Neruí schien sich derweil gleich in das Gespräch einklinken zu wollen und brachte es auf den Punkt, was Raja betraf.
“Ach, Neru, lass es gut sein. Wenn Raja denkt, dass sie so hier glücklich wird – lass sie doch.“
Ein kurzer Blick wurde der Knickohrigen noch geschenkt – deutlich spottend jetzt – dann beschloss sie, sich nicht länger um die drei Neuen zu kümmern. Die Situation war langweilig und blöde, dabei ging es ihr doch ohnehin nicht gut. Lieber wollte sie etwas Schönes tun, dann ließen sich das Traurige und die Schwäche vielleicht vergessen. Zum Glück schien Neruí der gleichen Meinung zu sein, wandte sich zum Gehen und forderte nebenbei Adsini zum Mitkommen auf. Caylee war es gleich, nur weg von Raja und Hilel und dem ach so strengen Aszrem.
Caylee sprang neben Neruí davon, erkannte Atalya zwischen den Bäumen und lenkte ihre Schwester durch leichtes Schulterschieben in die richtige Richtung.
“Atalya!“,
rief sie zur Sicherheit, da sie nicht sah, ob die Graue auf sie zusteuerte und drehte den Kopf wieder zu ihrer Geistesschwester.
“Ich bin so froh, dass du gekommen bist. Die waren schrecklich, alle miteinander. Sowas von unverschämt und selbstgefällig. Als wäre ich irgendeine dumme Fähe, an die jedes nette Wort verschwendet ist.“
Sie gab noch ein wütendes Brummen von sich und versuchte dann das Soeben passierte hinter sich zu lassen. Sie hatte ihre Familie, ihre Freunde, ihre Welt, das würde keine arrogante Fähe ihr vermiesen.
[ westlicher Wald | jetzt bei Neruí und Atalya (vielleicht folgt Adsini?) ]
17.01.2011, 11:01
Die weiße Wölfin mit den goldenen Augen trat näher. Calebs eigener Blick irrte für einen Momet zwischen ihr und der gruseligen Schwarzäugigen hin und her, um sich dann doch endgültig auf die sogenannte Priesterin zu richten. Seine Unruhe wuchs, denn bisher war ihm außer Minyala noch kein anderer Wolf so nah gekommen wie Sheena jetzt. Völlig unbewusst drehten sich seine Ohren nach hinten und nur geringfügig wieder etwas nach vorn, als die Wölfin sich setzte. Sitzen war gut, kein Hund griff jemals aus dem Sitzen heraus an, und Wölfe höchstwahrscheinlich auch nicht.
Caleb lauschte und konnte kaum fassen, was er da hörte. Mit genau den gleichen Worten hätte sich auch Rabbiner beschreiben können, oder ein Pfarrer oder ein Pastor! Bei Gott dem Allmächtigen, er war unter vierbeinigen Menschen gelandet! Bis zu einem gewissen Grad zumindest, aber allein dieser "Gewisse Grad" stürzte Calebs Weltbild ein weiteres Mal ins Chaos. Flüche! Werwölfe! Wolfsgötter! Wolfspriester!
"Und und und... habt ihr auch sowas wie 'ne Bibel? Also, äh, ich meine, habt ihr Gebote oder Gesetze, die von euren Göttern stammen?"
Die Worte sprudelten nur so aus ihm hervor, und mitten im Sprechen fiel ihm ein, mit welcher Spezies er da redete. Wölfe hatten keine Bücher und Sheena würde erst recht nichts mit dem Wort "Bibel" anfangen können, aber vielleicht ähnelte sich der menschliche und der wölfische Glauben ja doch so sehr, dass es gottgegebene Regeln gab? Calebs geistiger Widerstand zerbröckelte wie alter Mörtel. Der junge Werwolf war bereit, sämtliche Kuriositäten hinzunehmen. Beinahe hätte er sich mit enthusiastischer Neugierde in diese Thematik vertieft, wäre da nicht Sheenas Erzählung zu der Werwölfin gewesen, die früher im Rudel gelebt hatte. Vor allem der Gedanke der Unberechenbarkeit nagte ihm, denn Kontrolle über seine Verwandlung besaß er immer noch nicht so richtig, auch wenn es langsam besser wurde. Und wie war das mit der eigentlichen Werwolfsgestalt bei ihm? Noch hatte er sich nicht in eines dieser Monster verwandelt, dass man aus Filmen und Bildern kannte, ein wölfischer Killer auf zwei Beinen. Hieß das, dass er keine solche Gestalt besaß... oder schlummerte dieses Biest noch irgendwo in ihm? Blutrünstig und... unberechenbar? Caleb schluckte.
"Und... ihr habt sie trotzdem bei euch leben lassen? Was ist aus ihr geworden?"
Heilung...?
[(keine Ahnung, hat noch niemand festgelegt) - Sheena, (Aléya)]
17.01.2011, 14:37
Die Jungfähe klärte langsam ihre Gedanken und die Erkenntnis drang zu ihr durch, dass das Erzählen ihrer Geschichte womöglich fehl am Platz gewesen war. Was hatte sie damit bezwecken wollen? Ein wenig verunsichert sah sie Jakash und Chardím an, wartete auf ihre Reaktionen.
Die Empörung, die Jakash offensichtlich empfand, irritierte die Graue zutiefst. Ein Fehler? Ihre Eltern hatten also gar nicht den Wunsch der Göttin befolgt? All die Opfer, die es vermutlich vorher gegeben hatte, waren also umsonst gewesen? Entstanden aus einem irren Gedanken, den niemand jemals hinterfragt hatte? Der jungen Fähe wurde schlecht. Sie senkte den Blick auf den Boden und schauderte. Alles, was sie gedacht hatte; dass sie eigentlich tot sein sollte und sich gegen Engaya gestellt hatte; dass ihre Eltern ihr beigebracht hatten, sich als ein Geschenk an die Göttin zu betrachten und stolz zu sein. Sie war dem Tod von der Klaue gesprungen und hatte sich dafür verantwortlich gefühlt, sich schlecht gefühlt. Hatte den Willen zu Leben in ihr verachten gelernt, sich Vorwürfe gemacht. Neytíri war mit einem Mal so verzweifelt; sie wusste nicht, was sie jetzt tun sollte. Einfach weiterleben, mit dem Gedanken, dass alles nicht ihr Fehler gewesen war, schien irgendwie keine Lösung zu sein. Da war ein bitterer Gedanke in ihr, kein Zweifel zwar, aber irgendetwas, dass sie daran hinderte, einfach erleichtert und glücklich zu sein. Ein ernster Zug legte sich auf ihr Gesicht, als sie Jakash ansah.
Als dann Chardím ebenfalls verlauten ließ, wie falsch das alles war, wie irrsinnig, erfasste die Fähe Traurigkeit. Es schien, als würde im Moment vieles in dieser Welt falsch laufen; und sie belastete diese beiden zusätzlich mit ihrer Vergangenheit, obschon sie offensichtlich genug mit dem zu kämpfen hatten, was momentan vor sich ging. Jakash hatte gesagt, dass Fenris bereits früher seinen Körper übernommen hatte und durch ihn Gewalt ausübte. Aber wieso? Diese Frage stellten sich die beiden vermutlich ebenfalls, deswegen sprach sie sie nicht laut aus. Es erschien ihr unmöglich, dass Jakash ein schlechter oder böser Wolf war; geradezu grotesk. Wieso handelte Fenris durch ihn? Neytíri schüttelte sanft ihren Kopf, um wieder an die Oberfläche ihrer Gedanken zu kommen, denn Jakash hatte sie nach ihrem Namen gefragt.
"Ich heiße Neytíri. Wo du es erwähnst; ganz verschwommen kann ich mich auch erinnern. Aber durch diesen merkwürdigen, langen Schlaf ist fast alles aus meiner frühen Welpenzeit aus meinem Kopf verschwunden. Nur eben diese Sache mit der Opferung nicht... Ich bin total verwirrt. Für mich war ich es, der schuldig ist. Ich bin vor Engaya geflohen, obwohl sie meine Göttin ist... Ich muss das alles erstmal irgendwie verdauen, glaube ich..."
Sie seufzte leise und musterte die beiden Wölfe dann wieder. Wie sie so dalagen und sie deutlich spüren konnte wie sehr sie sich mochten, fühlte sie sich einsam. Aber das würde sich ändern, sie hoffte darauf. Jetzt, wo sie sich doch als zu Recht lebendes Geschöpf betrachten durfte, musste es doch auch eine Chance für sie geben, wirklich zu leben. Mit Freunden und einer Familie vielleicht. Sie war immer noch sehr jung und obwohl sie nun wusste, welch grauenhafte Taten ihre Eltern begangen hatten, vermisste sie doch ihre Zärtlichkeiten. Sie hatte bereits viel erlebt; aber dennoch war sie ein Welpe. Um sich abzulenken, kramte die junge Fähe in einer anderen Ecke ihres Gedächtnisses nach etwas, dass sie hatte sagen oder fragen wollen. Schließlich wanderte ihr Blick aber wieder unruhig zu Chardím, den sie nun beobachtete.
"Geht's dir nicht gut...? Du... Tut es sehr weh...?"
Vorsichtig und zaghaft war ihre Stimme. Sie hatte das Gefühl überflüssig zu sein, Jakash und Chardím schienen sich sehr nahe zu stehen. Aber sie wollte so unbedingt helfen, wollte irgendwie wieder gutmachen, dass er wegen ihr verletzt war. Sie stand auf und trottete langsam zu ihm hinüber, sah ihm die Augen. Als würde sich etwas dahinter schließen, wurde der Blick des Rüden urplötzlich leer, gebrochen. Dann sackte er zusammen. Panik erfasste die Graue, sie blickte Jakash hilflos an, stupste den Schwarz-Weißen. 'Nein! Nein! Bitte...' ging es ihr durch den Kopf und verzweifelt leckte und stupste sie den jungen Wolf, sah immer wieder zu dem Schwarzen herüber.
[ Bach | Jakash und Chardím | ist völlig durcheinander]
17.01.2011, 14:49
Der Rüde bemerkte, dass Lyerra immer noch von Zweifeln befallen war. So starr wie sie dachte, und wie sie ihre Meinung äußerte, würde sie auch nicht ohne weiteres locker lassen. Wenigstens kam sie mit ihm, dachte sich der Rüde. Sonst wäre er vermutlich allein nach einer Antwort suchen gegangen und das wäre wahrlich langweilig geworden.
» Lyerra, ich fürchte du wirst es nicht verstehen. «
Damit war das Thema für ihn beendet. Seine Stimme war relativ Gleichgültig. Es war ihm ziemlich egal, ob sie ihm Verständnis entgegen brachte oder nicht. Er würde auf seiner Meinung beharren, so wie er es immer tat. Und dieses Mal war es ihm besonders wichtig, denn er wusste, dass er recht hatte. Ráyon musste dieses Mal einfach im Recht liegen. Wie sollten sich sonst diese ganzen Erkrankungen erklären? Irgendwo im Tal müsste sich ein Grund für all das finden lassen – und eine Möglichkeit diese Erkrankungen, dieses Gefühl, was auch immer es war, zu stoppen. Alles würde gut werden, so wie es immer gut wurde.
Der Weg der beiden Wölfe führte weiter am Flusslauf entlang, bis sie zu einer Ansammlung von Steinen und umgefallenen Bäumen kamen, die ihnen den unmittelbaren Weg versperrten. Ein unsicherer Blick Ráyons war die Folge, als er sich überlegte, dass er mit seinem lahmen Lauf wohl kaum über dieses Hindernis hinüber klettern konnte.
» Ich schaff das nicht. «, gestand er mit fester Stimme. » Lass uns woanders weitergehen. Ich sehe das als Zeichen dafür, dass wir hier besser nicht weitergehen sollten. «
Ohne auf eine weitere Reaktion zu warten – er schmollte, weil Lyerra nicht von seiner Meinung überzeugt war – bog er zur Seite ab und betrat so eine Art Wald. Sicher war es ein Wald, immerhin standen hier überall Bäume. Aber irgendwie war ihm unwohl zu Mute. Er konnte das kaum begründen, aber auf eine ihm unbekannte Art hatten die unsichtbaren Schatten der Bäume etwas böses.
17.01.2011, 17:25
"Neytíri also",
wiederholte er ihren Namen und lächelte kurz. Für ihre Verwirrung hatte er Verständnis, krempelten seine und Chardíms Worte doch wahrscheinlich ihre ganze bisherige Weltsicht um. Schnell wanderte sein Blick jedoch wieder zu seinem Patensohn. Es war dem Schwarzweißen anzuhören gewesen, wie schwer ihm jedes Wort gefallen war, und das beunruhigte Jakash auf's Äußerste. Chardím war schon seit drei Tagen nicht gut auf den Beinen, seine Kraft schwankend, aber diese momentane Schwäche war die Stärkste bisher. Vermutlich hatte er sich überanstrengt, als er versucht hatte ihn, Jakash, davon abzuhalten Neytíri zu zerfleischen. Es war seine Schuld. Wäre er nur stärker gewesen, hätte er dem Schwarzen Gott doch nur widerstanden...
"Chardím...?"
Plötzlich sackte der Jungrüde in sich zusammen. Jakash war sofort auf den Beinen, eisige Panik flutete seinen Körper.
"Chardím! Chardím, sag was! Wach auf!"
Immer wieder stieß er den Schwarzweißen mit der Schnauze an, ohne dass sich bei seinem Patensohn eine Regung zeigte.
"Nein... Nein, nicht! Bitte nicht!"
Starb Chardím etwa?! Nein, das durfte nicht sein! Sein Patensohn durfte nicht wegen ihm sterben! Bilder von Sheena, Rakshee und seiner Mutter erschienen in schneller Folge vor seinem geistigen Auge. Er wollte nicht einen geliebten Wolf verlieren!
Jakash hob den Kopf, sah sich panisch um, aber da war keiner, der helfen konnte. Niemand weit und breit. Außer vielleicht...
"Fenris! Ich weiß, dass du da bist, Todesgott!",
rief er und drehte sich dabei um sich selbst. Seine Augen suchten den Schatten des Schwarzen Gottes, wie er ihn vor kurzer Zeit noch gesehen hatte.
"Fenris, hör mich an! Verschone Chardím, ich bitte dich! Nimm mich dafür! Du wolltest mich in deinen Diensten, hier bin ich! Ich flehe dich an, nimm mich, aber verschone Chardím!"
Ein Teil von ihm wusste, dass er jetzt sterben konnte. Vielleicht verlor er nun sein Leben, vielleicht verlor er den Kampf um die Neutralität seiner Seele, und vielleicht - wahrscheinlich - ließ sich Fenris gar nicht auf irgendeinen Handel ein. Jakash dachte über keine dieser Möglichkeiten nach, während er in die Kälte hinaus schrie, und erst Recht nicht an die Konsequenzen. Da war nur Angst in ihm. Ein wenig Angst um sich, aber unsagbar viel Angst um Chardím, der ihm in nur drei Tagen so nahe gekommen war, wie nur wenige andere Wölfe ihm nahe standen...
Ich bitte die SL um einen Beitrag! (Du erinnerst dich, Tyra? ^.~)
[Bach | Chardím und Neytíri]
17.01.2011, 20:14
Adsini war ein wenig erstaunt, als Aszrem die schwarze einäugige Wölfin abwies. Er schien die ganze Zeit über sehr freundlich und gnädig zu sein, und Adsini hatte gehofft, dass er Hilel ins Rudel aufnehmen würde. Allerdings konnte sie auch seine Beweggründe verstehen - einen Wolf, der nur Probleme und Streit verursachte, würde wohl niemand aufnehmen. Und selbst wenn Adsini Aszrems Entscheidung nicht hätte nachvollziehen können, so wäre sie doch schweigend geblieben. Nicht, dass sie nicht mutig genug gewesen wäre, aber sie, als neu aufgenommener Jungwolf, hätte niesich getraut, ein Widerwort gegenüber dem Rangwolf hören zu lassen. Denn sie war sich über die Konsequenzen, die das mit sich bringen könnte, im Klaren; sie wollte nicht das Rudel schon wieder sofort verlassen müssen, nur wegen einer fremden, kaltherzigen und irgendwie ein wenig verrückten Fähe, die sich selbst Ärger eingehandelt hatte. Adsini konnte sich außerdem nicht vorstellen, dass sie am Ende von der Einäugigen ein "Danke" gehört hätte, eher ein bedrohendes Knurren.
Und Aszrem wirkte, trotz seiner netten Art, sehr einschüchternd, seine Worte verrieten Sicherheit und kein bisschen Angst. Außerdem war er um einige Jahre älter als Adsini, was ein weiterer Grund war, ihn instinktiv zu respektieren.
Die Aufmerksamkeit der Jungwölfin wurde wieder auf das Geschehen gelenkt, als eine weitere Jungfähe angelaufen kam. Sie drängte sich zwischen Caylee und Aszrem und begrüßte die erst genannte glücklich. Die beiden schienen sich sehr zu mögen und Adsini hatte das Gefühl, dass die beiden sich sehr ähnlich waren. Anscheinend war der Name der neu dazu gekommenen Jungfähe Neru, allerdings konnte das auch nur eine Abkürzung eines Namens sein. Jedenfalls unterstützte Neru-oder-so ihre Freundin, doch Caylee lehnte ab und wandte noch ein paar spottende Worte indirekt an Raja.
Adsini fand Caylee, wie auch Neru-oder-so bis jetzt recht sympathisch. Sie schienen nicht wirklich arrogant, und nett. Adsini konnte sich gut vorstellen, dass sie mit den beiden viel Spaß haben konnte.
Als die Jungfähe noch immer in Gedanken schwebte, wandten sich Neru-oder-so und Caylee zum Gehen. Adsini wurde gefragt, ob sie mitkommen wöllte, und natürlich bejahte sie die Frage. Es würde guttun, einmal wieder unter Gleichaltrigen Spaß haben zu können. Mit wedelnder Rute folgte sie Caylee und Neru-oder-so, jedoch nicht ohne Aszrem noch einen letzten, dankbaren Blick zugeworfen zu haben.
Adsini holte schnell zu den beiden auf, und nach nur kurzer Zeit erblickte sie eine weitere Fähe durch den Wald huschen. Offensichtlich musste ihr Name Atalya sein, denn schon bevor die Wölfe aufeinander trafen, rief Caylee die Fähe.
Adsini wollte endlich wissen, wie der richtige Name von Neru-oder-so war, also beschloss sie, sie einfach zu fragen, wie es auch jeder "normale" Wolf getan hätte.
Sie blickte die fremde Jungfähe also an, und fragte mit mehr oder weniger sicherer Stimme:
"Tut mir leid, dass ich mich noch nicht vorgestellt habe. Mein Name ist Adsini. Und wie heißt du?"
[ westlicher Wald | Atalya, Nerui, Caylee ]
18.01.2011, 19:32
Lyerra wollte gerade antworten, klappte schon den Kiefer auf, doch dann beließ sie es doch bei Ráyons Worten. Was hätte es denn für einen Sinn jetzt zu streiten? Sie hatte ihre Meinung und er hatte die seine, das war doch okay, da musste man ja nicht streiten. Ein friedvolles Lächeln legte sich auf ihre Lefzen, während sie weiterhin den Fluss entlang trottete. Als sie plötzlich vor einer ‚Sperre‘ stand, blieb sie abrupt stehen. Ráyon begann zu reden und sie lauschte ihm, bevor sie antwortete:
„Ja.. okay. Ich denke… das wir auch im Wald weiterkommen können..“
Sie blickte ernst, wollte nicht wieder diskutieren müssen. Ohne wirklich Notiz von ihr zu nehmen lief ihr Begleiter auch schon an ihr vorbei und dennoch wartete sie einige Augenblicke, bevor sie hinter her ging. Sollte er doch schmollen, sie würde nicht nachgeben, auch wenn sie die kleine Fähe war und er das vielleicht erwartete, sie würde auf eine Entschuldigung oder weitere Worte warten, vorher würde sie nicht mehr sprechen. Wie kindisch, und dennoch gerechtfertigt. Ráyon schmollte doch auch…!Einige böse Momente dachte die Weiße daran ihren Begleiter einfach stehen zu lassen, wenn sie wollte würde sie es locker schaffen ihn abzuhängen, was natürlich auch nicht weiter schwer war, immerhin hatte er ein taubes Bein und war dadurch sehr beeinträchtigt. Schon einige Sekunden nach diesen Gedanken kam ihr die Idee, dass man die Felsen ja auch einfach umrunden konnte, sie würden schon nicht alles zu gesperrt haben… Kühl und herausfordern blickte sie ihn an, erst von hinten, dann machte sie einige schnelle Sprünge und bremste den Rüden aus, der Blick weiterhin herausfordern.
„Wir könnten den Haufen einfach umrunden.. wenn wir jetzt einige Schritte zurücklaufen, könnten wir durch den Wald auf die andere Seite der Sperre gelangen…“
Ihre Augen schienen zu fragen: ‚Na, traust du dich oder hast du Angst…?‘ Es wäre doch zu schön wenn r jetzt einfach beleidigt weg gehen würde. Hatte er wirklich Angst? Was sollte denn da schon passieren? Es passierte doch eigentlich nie etwas, nie ihr, es geschah immer anderen, außer das mit Ethelion… da war es ihr passiert, aber ansonsten war ihr Leben rosa rot. Sie hatte kein schwäche Gefühl, keine tauben Glieder und nichts anderes Schlimmes. Es war beinahe ein langweiliges Leben, wenn man sich mal die anderen ansah.
[folgt Ráyon in den Wald l Ráyon]
18.01.2011, 20:34
Bei Jakash, Chardím und Neytirí:
Ein eisiger Wind wehte um die drei schutzlosen Körper der Wölfe, nach Jakashs Ruf war es stumm geworden. Kein neuer Laut durchbrach die Stille, keine Reaktion auf die großen Worte des Schwarzen.
Nur Chardíms Atem wurde schwächer.
18.01.2011, 20:46
Jakash, Jakash … meine Stimme ist schwach, mein Herz so weit fort, doch Jakash … hör nicht weg. Ich bin hier, ich werde immer hier sein, ich bin an deiner Seite. Mein erster Enkel, mein großer, zwiegespaltener Schatz. Du taumelst, du bietest dein Leben für das eines anderen. Doch ist das der Weg, um Leben zu retten?
Jakash, Jakash, ich bin weit fort, doch immer nahe genug, um deine Wahl zu stützen. Mein wunderbar erwachsener Wolf Engayas. Um das Leben meines noch so jungen Enkels zu retten, musst du etwas wirklich Starkes tun. Sein Leben zu geben, ist schwach. Aber bitte, rette ihn, er muss noch so vieles sehen, bevor ich ihn in Empfang nehmen möchte. Und grüß ihn von mir, wenn er wieder lacht.
Jakash, es sind schlimme Zeiten angebrochen … ich … ich bin weit fort … weit …
19.01.2011, 20:07
Wenn man darüber nachdachte, gab es in Ganis Leben nie eine Zeit, in der sie rundum zufrieden war. Die meisten würden wohl ihre Jugend als geborgen und glücklich bezeichnen, aber die Graue wusste ganz genau, dass es damals am schlimmsten war. Damals war Fenris in ihr gewesen, hatte ihren Leib gesteuert wie eine Marionette. So unbeschwert die Welpin auch mit Ethell herumgetollt war, verschwand die Mordlust nie völlig aus ihrem Geist. Sie wusste nicht, ob sich das mit der Zeit geändert hatte. Ob die Begegnung mit Engaya ihre Seele gereinigt hatte. Wahrscheinlich war dem nicht so, wahrscheinlich war sie immer noch ein rabenschwarzer, trauernder Geist, der orientierungslos durch die Welt irrte und nicht wusste, wohin mit all dem Schmerz, der ihrem Innersten beiwohnte. Ob es wohl anders wäre, wenn ihr Vater noch da war? Ob sie sich dann keine Gedanken mehr über dieses Phänomen der Trauer machen würde? Sie wusste es nicht. Aber jetzt, wo Aryan und Akru verschwunden waren, war der Schmerz da, wie sie ihn noch nie erlebt hatte – intensiv brennend. Eine lodernde Flamme, die nach ein paar Momenten wieder erlosch war nicht halb so schlimm wie dieses dauerhafte Gefühl des Ausbrennens, das nie aufhörte, auch wenn gar nichts mehr Brennbares da war. Die Seele der grauen Prinzessin war genau so – ausgebrannt und leer. Nichts außer dem Schmerz war mehr da und auch die frühere Taubheit reichte nicht mehr aus, um sie von der Trauer und den Sorgen abzuschneiden. Wie sehr sie sich doch wünschte, einmal so gefühllos sein zu können, wie sie nach außen hin immer schien.
Aber das war sie nicht. Weder gefühl-, noch herzlos. In ihrer Brust pochte ein Muskel, beständig und gleichmäßig – doch ihr symbolisches Herz hatte nichts als ein schwaches Aryan. Akru. Aryan. Akru. für sie übrig. Und wenn dieses Herz aufhörte zu schlagen, dann würde auch das andere verstummen. Ein für alle Mal. Sie konnte nicht leben, wenn Aryan und Akru nicht mehr in ihr lebten.
„Wie könnte irgendetwas in Ordnung sein?“,
fragte sie leise, nicht sicher, ob das Tosen des Sturms in ihrem Kopf ihre Worte nicht vollständig verschluckte. Die Frage stimmte. Wenn die Welt in Scherben zersprang, nahm dies auch die letzte Chance, mit etwas zufrieden zu sein. Wenn die Welt in Scherben zersprang, sagte man nicht mehr, dass es einem gut ging, weil man sich sonst selbst belügen würde. Und wenn die Welt in Scherben zersprang, dann zersplitterte all das Glück, die Geborgenheit und die Zufriedenheit in tausend Stücke, die man nicht einfach wieder zusammenpuzzeln konnte, auch wenn man sich etliche Jahre dafür Zeit lassen würde. Es ging einfach nicht. Ebenso wenig, wie man bei einem Gewitter keine Angst vor dem Tod haben konnte. Denn die graue Fähe wusste ganz genau, dass sich Furchtlosigkeit vortäuschen lassen konnte, auch wenn das Herz noch so raste. Sie kannte es selbst.
„Sag es mir, Göttin, wie könnte das gehen?“
Ihre Stimme glich nun schon mehr einem Fauchen, erzürnt von so viel Dummheit, die sie an den Tag legte. Ihre Pfoten schmerzten, als sie eine vor die andere setzte, ohne wirklich voran zu kommen. Sie sah nicht, wo sie hinlief, sah nicht die Bäume um sie herum, den Himmel über ihr, nur das schwache Flackern irgendeiner seltsamen Form vor ihr, die nur in ihrem Kopf existierte. Sie konnte sich tausendmal nach dem Sinn ihres Lebens fragen, ohne eine Antwort zu finden. Sie konnte tausendmal beten, dass alles besser werden würde, und nichts würde sich ändern. Sie könnte tausendmal versuchen, Anschluss zu finden, und niemand würde sich ihrer annehmen. Die Schritte der ehemaligen Prinzessin wurden langsamer, sie stockte, strauchelte und nahm ein kleines Wölfchen vor sich war. Erschrocken taumelte sie zurück, herausgerissen aus ihren Wahnvorstellungen und musterte die Fähe vor sich. Liel, so war ihr Name, wenn Gani nicht alles täuschte. Liel, der kleine Engel, die Tochter der verstorbenen Kaede. Wie durch einen Schleier nahm die Graue war, dass sie den Namen der Jungwölfin flüsterte, immer und immer wieder.
- [ Bei Liel ]
19.01.2011, 20:09
Chardím atmete schwächer.
[ Nahe des Baches | Jakash, Neytíri ]
(( Mit Erlaubnis vom Mamaboss. *ernst schaut* ))
20.01.2011, 09:40
“Da war der Sauerstoff wohl ein bisschen zu langsam.“,
bemerkte Minyala trocken und warf einen prüfenden Blick auf die Stelle, an der der Graue im Wald verschwunden war. Die Situation hatte eine lustige Wendung genommen und die Silberweiße war sehr froh darüber, andernfalls hätte sie mit Sicherheit wieder mit ihren Gedanken angefangen und die wollte sie jetzt gerade nicht mehr denken. Dafür war das Gespräch viel zu sehr so, wie sie es mochte. Witzig, schlagfertig, intelligent und nicht so furchtbar schweigsam und nachdenklich wie die meisten Gespräche und Wölfe in diesem Tal. Deshalb waren sie auch so oft deprimiert, weil sie nicht einfach mal ein nettes Gespräch führten, in dem sie sich wirklich unterhielten und nicht nur ab und an einen Satz austauschten. Sie fuhr sich über die Lefzen.
“Aber ich bin überzeugt, er kommt zurück, wenn es so weit ist und löst dein Versprechen ein.“
Ebenso wie Minyala selbst schien der Gestromte mit einem gesunden, wenn nicht sogar leicht ins Ungesunde abdriftenden Selbstbewusstsein gesegnet zu sein. Sein Grinsen unterstrich zwar den Spaß, den er machte, aber seine Ausstrahlung strafte dieser Abmilderung Lügen. Sie mochte selbstbewusste Wölfe.
“Meine Läufe zittern tatsächlich bei deinem Anblick, aber ich kann mich noch zurückhalten. Sollte ich plötzlich davon rennen, nimm es mir nicht übel.“
Sie hob ganz leicht die Lefzen, sodass ihr Grinsen die Spitzen ihrer Reißzähne offenbarte. Leicht hob sie den linken, zitternden Vorderlauf, als würde sie ein Beweisstück hochhalten. Es war einfach schweinekalt, aber auch schon bei leichtem Frost begann Minyala stets zu zittern, als hätte man sie in den kalten See geworfen.
“Tiberius also, der gestromte, überzeugende Rüde, bei dem Wölfe vor Entzücken davon rennen. Du hast Glück mit mir, ich bin nicht nur charmant und redegewandt, sondern auch noch sehr willensstark. Andere Fähen von hier sind das leider nicht, also sollten wir vielleicht noch ein wenig an deiner Ausstrahlung arbeiten, mh? Sonst rennen sie vor dir davon, bevor du sie umgarnen kannst.“
Sie mochte Komplimente - welche Fähe mochte sie schon nicht? - aber ihr war sehr wohl klar, dass sie nicht wirklich eine solche gesuchte Wölfin sein konnte. Daran änderte der verringerte Abstand genauso wenig etwas wie seine charmante Art.
"Ein Welpenfresser, so so. Nun, Tiberius, ich muss dir dann wohl leider sagen, dass du ein wenig zu klein bist, um gegen unsere verdammt großen, schwarzen Brummelwölfe zu bestehen. Die haben dich gefressen, bevor du auch nur einem Welpen zu nahe kommst. Also lass dir von deiner charmanten Mahlzeit Minyala raten, dein Vorhaben zu ändern. Bleibe bei dem Plan mit der Fähe und lass die Fresserei weg. Da wirst du mehr Erfolg haben."
Mittlerweile zitterten ihre Läufe noch ein wenig stärker, die Kälte hatte sich in ihre Knochen gesetzt und fraß sie nun von Innen auf. Um das zu verhindern, erhob sich die Silberweiße, drehte sich einmal im Kreis und trippelte dann auf der Stelle hin und her.
"Würde es dir etwas ausmachen, mich im Laufen zu fressen? Ach nein, wir wollten den Plan ja fallenlassen. Dann darfst du mich eben im Laufen verführen, mir ist wirklich schweinekalt, ich muss mich bewegen."
Sie grinste ihn wieder an.
[ nördliche Reviergrenze | Tiberius]
20.01.2011, 17:36
Allmählich stief ernste Panik in der jungen Fähe auf. Chardím reagierte nicht mehr, wie eine leblose Puppe fühlte er sich an, als die Graue ihn immer und immer wieder anstupste. Ein leiser Hauch kam noch über die Lefzen des Schwarz-Weißen und Neytíri wusste, dass er noch lebte. Aber die Furcht grub sich dennoch in ihr Herz. Sie wusste aus irgendeinem wahnwitzigen Grund, den sie selbst nicht kannte, dass er nicht nur in Ohnmacht gefallen war. Etwas an ihm ließ die Jungwölfin frösteln und schaudern, ihre Augen brannten. Ein verzweifelter Laut kam über ihre Lefzen; ein gepresstes Quitschen, das nur flüchtig war und doch all ihre Gefühle ausdrückte. Sie war in heller Aufregung und wusste nicht wohin mit sich. Sie konnte nichts tun, trippelte nur hin und her, sprach auf Chardím ein und stupste ihn an. Ihre Stimme wurde zunehmend flehender. Obwohl sie sich noch immer fehl am Platze fühlte - Jakash allein schien dazu berechtigt zu sein, diese panische Angst zu verspüren, schließlich verband ihn etwas mit diesem Jungwolf - fühlte Neytíri sich auch gleichzeitig noch immer schrecklich verantwortlich. Jede Faser ihres Körper schien zu vibrieren, ihre Läufe zitterten unkontrolliert.
Dann, und es raubte der jungen Fähe den Atem und den letzten schwachen Nerv, verlangsamte sich Chardíms Atmung, flaute ab. In ihrem Kopf schrillten die verschiedensten Schreie durcheinander, die sie ausstoßen wollte, aber kein Laut kam über ihre Lefzen. Nun zog sie an dem schlaffen Ohr des Jungwolfes, rieb ihren Fang energisch an seinem Kopf entlang und wisperte und rief abwechselnd seinen Namen und um Hilfe. Ein heiseres Schluchzen entfang sich ihrer Kehle. Warum passierte das? Und entgegen allem, was Jakash ihr gesagt hatte und auch Chardím, glaubte sie darin die Strafe zu sehen, dass sie den beiden begegnet war und sie gemocht hatte. Sie waren mit ihr in Berührung gekommen, einem Wesen das eigentlich tot sein sollte. Und nun bestrafte man Chardím dafür? Oder sollte es eine Strafe für sie sein, oder für Jakash? Unwille und Verzweiflung ballten sich in der Grauen zusammen, erneut brach der trockene Laut aus ihrer Kehle hervor.
In diesem einen, winzigen Moment fühlte sie sich das erste Mal jemandem nahe. Sie richtete den Blick aus weiten, silbrig grauen Augen auf Jakash. Hielt einen Moment inne, die Ohren unschlüssig auf halbem Weg zwischen aufstellen und anlegen. Ihre Lefzen formten stumm seinen Namen, ehe die Graue ihre Stimme wiederfand.
"Er... stirbt nicht. Das kann er nicht."
Ihr war schleierhaft, wieso sie plötzlich so viel Verantwortung und Zuneigung für diese beiden empfand. Vielleicht war es nur natürlich; zum ersten Mal hatte jemand wirklich mit ihr geredet, und sei es auch durch eine Situation entstanden, die schrecklicher war als alles, was Neytíri bisher erfahren hatte. Fenris mordete durch unschuldige Wölfe? Warum nur, warum?!
Verstummt ließ Neytíri den Blick wieder zu Chardím sinken, ihre brunnentiefen Augen standen nun voll von dem Schrecken den sie empfand, sie war wie betäubt. Vielleicht eine Schutzreaktion ihrer Seele, die zu zerbrechen drohte. Vielleicht auch die Einsicht, dass sie nichts tun konnte. Ihr Atem rasselte leise, ihr Herz pochte schmerzhaft in ihrem Brustkorb.
"Das kann er nicht tun."
[ am Bach | Jakash, Chardím ]
21.01.2011, 05:39
Avendal beobachtete verwirrt Madoc’s Bewegung mit dem Kopf ehe dieser seine blutroten Augen wieder auf sie brachte. Bei dieser Bewegung drehten sich ihre Ohren zurück und sie sah, durch den gesenkten Kopf, zu ihm empor. Es interessierte sie unheimlich was dort vorgefallen war, zumal dort wirklich der Kadaver eines toten Bären lag und ihre Schwester in der Nähe war, doch sie wartete lieber darauf was Madoc dazu sagen würde, der nicht lange mit einer Antwort wartete. Seine Antwort verwirrte sie und verärgerte Avendal zugleich auch, was sie sich nicht anmerken ließ. Dachte Madoc denn sie könnte mit einem toten Bären nicht fertig werden nur weil sich ihr Körper schwach anfühlte? Natürlich hatte sie Sorgen, das ihr Vater einen gewissen Zorn gegen sie hegte und natürlich war sie auch Enttäuscht von ihrer Mutter, aber das hieß doch noch lange nicht das sie mit einem toten Bären nicht fertig werden konnte. Der Helle nickte in die andere Richtung und wich zugleich auch einen Schritt zurück, was Avendal seufzen ließ. Man hielt sie wirklich für Schwach, aber… war sie das wirklich? Natürlich trug sie ihre Schüchternheit wie ihren Pelz offen an ihrem Körper und auch die Zartheit mit der die Fähe gesegnet worden war, war nicht zu übersehen. Aber Avendal war bestimmt kein schwacher Charakter, sie verbarg ihre Stärke nur gekonnt, das wusste sie. Bei dem zweiten Worten die aus dem Maul des Rüden kamen, bemerkte sie erst jetzt, dass sie fror und schüttete sich anschließend um die Kälte aus ihren steifen Gliedern zu bekommen. Da sich der Rüde schon in Bewegung setzte und das in die andere Richtung, ließ sie erneut seufzen, aber sie folgte ihm ohne widerrede. Kurz dachte sie darüber nach, was sie zu Madoc sagen könnte, doch schließlich reckte sie den Kopf und nahm somit auch etwas Eleganz an.
„Ich möchte dich nicht von irgendetwas abhalten. Wenn du etwas Besseres zu tun hast, dann tue es. Ich wollte mich sowieso aufmachen um meinen Vater zu suchen.“
Ihre Stimme klang stark, aber es verriet sie, dass sie nicht unbedingt alleine nach ihrem Vater suchen wollte. Denn obwohl ihre Augen langsam aufhörten zu tränen, schmerzten ihre Muskeln immer noch und zerrten stetig an ihren Kräften.
[Nahe Rudelplatz – Madoc]
21.01.2011, 16:52
(Wenn die Idee gefällt, einfach weiterschreiben XD Wenn nicht, gebt mir bescheid, dann editier ich den Post und denk mir was anderes aus ^^")
Ein eisiger Wind kam auf und erstarb wieder. Sollte das alles sein, war das die Antwort des Todesgottes? Eiseskälte, wie ein spöttisches Grinsen, im Wind? Jakash biss die Zähne aufeinander, aber gerade, als er seine Verzweiflung und Hilfslosigkeit hinaus schreien wollte, hörte er die Stimme.
Ruckartig wandte er den Kopf um, drehten sich seine Ohren in alle Richtungen, aber die Worte schienen von überall gleichzeitig zu kommen.. oder.. erklangen sie gar nur in seinem Kopf? Diese Stimme... Oma Banshee!
Sie schien so nah und gleichzeitig so fern. Die Worte so klar, aber ihre Stimme war so leise, dass Jakash sich kaum zu atmen traute aus Angst, eines ihrer Worte zu überhören. Selbst sein eigener Herzschlag schien ihm noch zu laut in seiner Brust zu schlagen. Es tat so gut, die Stimme seiner Großmutter zu hören, und gleichzeitig schmerzte es. Keines ihrer Worte war wirklich tadelnd, trotzdem fühlte Jakash sich dumm und verloren, weil er den Weg einfach nicht fand, die richtige Idee. Und dann... verklang Banshees Stimme.
"Großmutter?",
fragte er leise, zögernd. Angestrengt lauschte er auf das Echo ihrer letzten Worte.
"Großmutter?! Banshee!",
rief er sie, aber da war nur die Stille um sie herum.
"Was soll ich nur tun? Was nur?",
fragte er leise und drehte sich noch einmal um sich selbst, nach der Gestalt seiner Großmutter suchend. Aber da war niemand. Nur Neytíri, die wie schon er selbst erfolglos versuchte, den ohnmächtigen Chardím zu wecken. Sie hob den Kopf und sah ihn an, und in ihren Augen sah er die gleiche Verzweiflung und Angst, die auch er in sich spürte. Nur zu gern hätte er ihr versichert, dass alles wieder gut würde. Aber seine Zähne blieben aufeinander gepresst, und kein Laut entfuhr seiner Kehle.
Seine grünen Augen kehrten zu seinem Patensohn zurück. Sie waren einander ähnlicher, als es anfangs den Anschein gehabt hatte. Im Nachhinein erschien es ihm fast wie eine Fügung der Götter, dass sie beide für diese Patenschaft einander zugeteilt worden waren. Zwei Seelen, die zwischen den Göttern standen, wobei Chardím in noch viel stärkerem Maße ein Grenzläufer war, als Jakash...
Grenzläufer. Den richtigen Weg finden.
Jakash erstarrte für einen Moment. Er wusste, die Zeit lief ihm davon, aber er musste diesen Gedanken festhalten, bevor er ihm entschwand. Was, wenn es den Grenzpfad wirklich gab? Wenn es nicht nur ein bloßer Traum war, den er so viele Nächte schon betreten hatte? Nicht jede Nacht, aber viele Nächte... viele Nächte, in denen er auf dem schmalen Pfad zwischen den Götterreichen dahinlief und darauf Acht gab, nicht vom Weg abzuweichen. Wenn seine Theorie stimmte... dann war Chardím viel stärker an das Gleichgewicht der Götter in ihm gebunden als er. Wenn es ihm also entsprechend gelang, dieses Gleichgewicht wiederherzustellen, würde Chardím überleben! So zumindest die Theorie, und wenn er falsch lag, hatte er vielleicht keinen zweiten Versuch...
Ruckartig drehte der Schwarze sich zu Chardím um und legte sich neben ihm.
"Neytíri, hör zu. Du musst jetzt auf uns aufpassen, okay? Auf Chardím und mich. Ich weiß nicht, ob es funktioniert.. aber ich versuche, ihn zurück zu holen..."
Auf ganzer Länge lag er neben dem Schwarzweißen. So furchtbar schwach hob sich dessen Brust, so furchtbar langsam schlug dessen Herz. Jakashs Magen zog sich zusammen. Was, wenn er zu spät kam? Was, wenn es gar nicht funktionierte? Wenn dieser Ort einfach nur eine Metapher war und nichts, was ihn und Chardím - und vielleicht jeden Grenzläufer unter Engayas Himmel - miteinander verbinden konnte? Er war immer nur im Traum auf den Grenzpfad gelangt, niemals sonst! Aber er hatte es auch niemals sonst versucht...
Jakash schloss die Augen und versuchte, sich auf den grauen Pfad aus seinen Träumen zu konzentrieren. Er wusste, wie es sich anfühlte, wenn er darauf lief, wie die Luft schmeckte und roch, und wie Licht und Dunkel sich den Horizont teilten. Versuchte, sich das Gefühl des Sandes unter seinen Pfoten vorzustellen...
...den grauen Kiespfad, der sich schlängelnd bis zum Horizont zieht und das lichte Reich Engayas vom dunklen Totenreich Fenris' trennt. Jakash atmet die Luft ein, eine einzigartige Mischung aus Alter, Tod und Trockenheit und schwachem Blumenduft, Frische und Gras. Zu seiner Linken erstreckt sich baumdurchsetztes Grasland, zu seiner Rechten düstere Ödnis. Und dort irgendwo muss Chardím sein, in der Nähe des Pfades. Hoffentlich.
Jakash läuft los, sein Blick schweift suchend über die ausgedorrte Ebene. Alles sieht noch realer aus als sonst im Traum, und gleichzeitig irgendwie unwirklich, als träume er doch. War dies nun ein realer Ort, oder doch nur eine gestaltgewordene Metapher? Jakash ist es egal, solange er nur seinen Patensohn hier finden kann. Finden und zurück holen kann...
"Chardím? Chardím!"
21.01.2011, 17:02
Aufgrund Takashis leichter Reizbarkeit und der Aggressivität Krolocks, schien die Situation allmählich eskalieren zu wollen. Der große Schwarze Rüde war sich dem bewusst, dass er der Ältere war und somit mit mehr Vernunft zu handeln hatte. Da er schon immer ein schwieriges Verhältnis zu Krolock gehabt hatte, und dieser ihn nicht als seinen Onkel akzeptierte, würde das zu einer wahren Herausforderung werden.
Aber dennoch ergab sich noch ein weiterer Grund, um in Sorge zu geraten. Der Jungwolf, dessen Augen sonst immer eisblau waren, besaß nun diese glühend roten und gefährlichen Augen. Natürlich begriff Takashi sofort, was geschehen war.
Der Fluch hatte sich wohl erneut auf die Reise gemacht und nun jemanden ausgewählt, der verheerende Schäden unter der Besessenheit anrichten konnte.
Ein unsicherer Blick des Rüden wanderte zu Cirádan. Das Zittern machte klar, dass er sich in einem schrecklichen Zustand befand auch, dass er erbrochen hatte, war alles andere, als ein gutes Zeichen. Kaum zu fassen, dass der Schwarze und der Hellgraue Brüder waren! Beide konnten nicht unterschiedlicher sein: Der eine ruhig und zurückhaltend, der andere aggressiv und unbremsbar.
Takashi wurde unruhig, da ihn das Gefühl beschlich, dass er seiner Aufgabe nicht gerecht werden konnte. Cirádan ging es wirklich sehr schlecht und dies war wirklich für niemanden zu übersehen. Es war sehr viel Verantwortung, die der Schwarze für seinen Schützling mit dem blinden Auge trug. Nun war es wohl wirklich das Beste, sich an einen ruhigeren Ort zu begeben, um sich zu beruhigen und wieder auf klare Gedanken zu kommen.
Nihil konnte Takashi irgendwie egal sein, da er keine Bindung zu diesem verspürte. In diesem einen Moment drehte sich für ihn wirklich alles um Cirádan, weil er ihn beschützen wollte.
Das schlimmste für den Rüden war, dass Krolock seinem Onkel zeigte, dass er einem Kampf nicht aus dem Weg gehen und auch die Wunden und Schmerzen in Kauf nehmen würde. Der Fluch war böse und hatte Krolock völlig unter Kontrolle. Die Zähne des Jungwolfes schlugen direkt neben Takashis Kehle zusammen, was diesen aber nur kalt ließ. Wenn es dann sein musste, dann würde er sich auch wehren können; denn er war alles andere als ein hilfloser Schwächling.
“Überleg dir besser drei Mal, was du da tust. Sonst könntest du noch Probleme bekommen..."
Sicherlich war es Takashi bewusst, dass solche Worte auf einen Verfluchten gar keine Wirkung erzielten. Doch er konnte nicht schweigen, hielt seine Wut mit großer Anstrengung zurück.
Atalya, die sich ganz in der Nähe befand, war sicherlich kein Grund, damit sich Krolock endlich beruhigte. Nein, denn die Fähe machte sich mit ihrem Auftreten unbeliebt und reizte den Jungwolf nur noch mehr.
Was mit Nihil war, nahm Takashi inzwischen kaum noch war. Im Grunde genommen war der Kleine nichts weiter als ein Fremder, ein Fremder, der vor bereits längerer Zeit hier aufgetaucht war. Zuerst hätte man vermuten können, dass er einen qualvollen Tod gestorben sei, doch er hatte die Strapazen überlebt. Schwach und hilflos war er, versuchte irgendwie aufzustehen; vergeblich. Den Streit wollte er vermeiden, sagte er, während er sich mühsam aufrichtete.
“Keine Angst; hier wird nicht mehr gestritten. Nicht heute. ... Komm Cirádan, wir müssen weg von hier."
Ein verachtender Blick glitt für einen Blick zu Krolock herüber, dann wieder zu Cirádan. Takashis Gesichtszüge lockerten sich langsam zu einem sanften Lächeln aus. Vorsichtig stupste er dem Jungwolf in die Seite, damit er ihm folgen würde. Ganz langsam und rücksichtsvoll ging der Schwarze einige Schritte vor und wartete dann auf seinen Schützling. Er blickte hinter sich und konnte ihn somit sehen; Krolock zudem auch, der aber nicht weiter beachtet wurde. Würde sich der schwarze Jungwolf den beiden Nähern, würde Takashi Cirádan verteidigen. Somit lauschte der Schwarze aufmerksam, ob sich Krolock in Bewegung setzte.
Atalya hatte sich auch längt auf dem Weg gemacht. Kein Wunder, so, wie sich Krolock gegenüber jedem verhielt.
(entfernt sich vom Rudelplatz | mit Cirádan, hinter sich lassend: Krolock und Nihilus)
21.01.2011, 19:27
Der silberweiße Rüde lief ihm gemäßigtem Tempo weiter, fern von dem Geruch des Todes, der seinen Körper noch immer in einer festen Umarmung hielt und das Gefühl der Überlegenheit förderte. Er ignorierte es gekonnt und strebte in entgegen gesetzter Richtung, gewahr, dass Avendal ihm folgte, da ihre Schritte sie verrieten. Auf ihre Gedanken, ihre Gefühle achtete er in diesem Moment nicht, denn er sah nur die Tatsachen und Fakten. Als praktisch denkender Wolf wusste Madoc nämlich, dass die Fähe Stress und Problemen lieber aus dem Weg gehen sollte, ob sie es selber ähnlich sah, oder ob sie sich über seine Entscheidung ärgerte, interessierte nicht. Schließlich war sie auch nicht gezwungen ihm zu folgen und hatte ebenso die Freiheit ihre Meinung zu äußern, sollte sie denken, er tat ihr Unrecht. Kopfschüttelnd blickte der Hüne sie an, seit wann machte er sich so viele Gedanken über andere? Die einzige Wölfe, um die er sich jemals richtig gesorgt hatte, waren Llywarch und Atalya, wieso hatte er dieses intensive Gefühl, Avendal schützen zu müssen? Als die zärtliche Stimme der Weißen an seiner Seite erklang, spielten seine Ohren aufmerksam, während er ihre Worte in Erwägung zog. Er wusste, andere Artgenossen einzuschätzen und so interpretierte er diese recht direkte Aufforderung als das Gegenteil. Solche Aussagen dienten meistens dazu, das Gegenteil zu bewirken, um sich sicher zu gehen, dass einem die Gesellschaft erhalten bleibe. Im Normalfall wäre Madoc einer solchen Bitte bedingungslos nachgekommen, doch dieses Mal hielt ihn etwas zurück. Vielleicht war es sein Beschützerinstinkt, vielleicht sein Verantwortungsbewusstsein, Tatsache war, dass er sich beinahe dazu verpflichtet fühlte, an Avendals Seite zu verbleiben.
"Du hältst mich von nichts ab, Avendal, aber wenn es dein Wunsch ist, dass ich gehe, so werde ich dies tun. Schließlich ist die Angelegenheit mit deinem Vater interfamiliär und ich möchte mich nicht einmischen, sollte es dir unangenehm sein."
Erklärte er ihr, seine Stimme ruhig und neutral wie immer. Er kannte die Fähe in der Tat nicht gut genug, um mit Gewissheit sagen zu können, dass sie wirklich seine Gesellschaft weiterhin ertragen wollte, daher sah er sich gezwungen, diese doch recht unangenehme Frage zu stellen. Allerdings sollte die Jungwölfin mittlerweile wissen, dass er ein direkter Typ war, den man ohne bedenken die eigene Meinung sagen konnte.
"Solltest du meine Hilfe jedoch brauchen, so stehe ich natürlich zur Verfügung"
Ergänzte Madoc nach einer kurzen Pause, um deutlich zu machen, dass er selber nicht die Absicht hatte, sie in einer solchen Lage im Stich zu lassen.
[Am Rande des Rudelplatzes | Avendal]
22.01.2011, 11:04
Der trockenen Bemerkung pflichtete der Gestromte ohne große Worte bei. Nur ein kurzes, bitteres Nicken. Wenn die Hoffnung der zurückkehrenden Sauerstoffzufuhr wirklich bestand, würde Tiberius keinen erneuten Versuch starten. Entweder, oder. Der Wolf mit den schnellen Läufen hatte damit bewiesen, dass er nicht in Tiberius' Liga passte.
“Ich fürchte, er bleibt wo er ist“,
das klang so wie er es gemeint hatte. Mit dem leichten Beigeschmack von 'er kann bleiben, wo der Pfeffer wächst' schloss er das Thema über den Verschwundenen ab. Er würde ihn nicht großartig vermissen. Viel interessanter war die Tatsache, dass die Pfoten der Einohrigen wirklich zitterten. Natürlich war das das Ausmaß seiner Präsenz. Das Grinsen wurde, so wie ihres, breiter.
“Das ist ganz normal und wird sich auch nicht so schnell legen“,
er erhaschte einen Blick auf ihre Glieder. An einem ihrer Läufe fehlte Fell. Insgesamt war die Kleine ganz schön ramponiert. Entweder ihr war die große Klappe nicht so gut bekommen oder es gab einen anderen Grund für so eine Verstümmlung. Er selbst war makellos. Sauberes, glänzendes Fell, einen robusten Körperbau, ein hübsches Gesicht und er besaß sogar zwei Ohren.
Bei ihren nächsten Worten suchte er wieder ihren Blick und zog beide Brauen weit nach oben. An seiner Ausstrahlung arbeiten? Was wollte die Jüngere denn groß verbessern? Da war alles perfekt, so wie es war.
“Was möchtest du denn an meiner Ausstrahlung verbessern? Ich denke, dieses kribbelige Gefühl bei meinem Anblick ist sofortige und unbestechliche Liebe, also etwas wirklich Schönes“,
zum Beweis setzte er sein schönstes Lächeln auf. So wie bei ihr zuvor, entblößten sich seine außergewöhnlich langen Reißzähne. Wenn das mal nicht der pure Charme war! Allerdings hielt sich das Überzeugungsargument nicht lange, denn ihre Feststellung, er sei zu klein, machte dem sonst sehr selbstbewussten Rüden zu schaffen. Gespielt pikiert schloss er die Augen und schüttelte den Kopf..
“Du bist noch ein wenig zu jung, um zu wissen, dass es nicht auf die Größe, sondern auf die Technik ankommt. Aber gut, ich werde mich vorerst zurückhalten und konventionelles Hasenfleisch dinieren“,
war es einer dieser einlösbaren Versprechen, die wieder ohne Grund und Boden waren? Schwungvoll erhob er sich, stellte sich an die Seite der Silbernen. Der Blick offen auf ihre Augen gelegt und das Lächeln wieder einmal bestechlich zur Waffe gemacht.
“Natürlich werde ich dir gerne einheizen“,
ein kurzes Auflachen.
“Na, dann komm´“,
forderte er Minyala auf und trat voran. Er wusste zwar nicht, was ihn erwarten würde, aber Minyala hatte ihn auf zweierlei vorbereitet. Auf weitere gesprächige Artgenossen – so wie sie es selbst doch war oder auf ihre sogenannten Brummelwölfe und verklemmten Fähen. Und so unterhaltsam ihre Konversation auch war, der Rüde erahnte nur einen kurzen Aufenthalt. Oder? Man würde sehen.
“Und du selbst? Wie lange bist du schon hier, dass du dir ein so eindeutiges Bild der Wölfe hier machen konntest?“,
der Blick auf ihr Profil gerichtet.
[ nördliche Reviergrenze, westliche Richtung eingeschlagen | Minyala ]
23.01.2011, 20:01
Er hörte, wie sie ihn mit einigen Sprüngen ankam, und ihm letztendlich den Weg versperrte. Ráyon blieb stehen, als Lyerra ihn aus kühlen Augen betrachtete. Das gefiel ihm nicht ganz und gar nicht. Als die Weiße dann noch ihren Plan äußerte, rümpfte der Rüde nur die Nase. Zurückgehen und die Felsen umrunden? Wozu? Er hatte keine Lust weiter am Fluss entlang zu gehen. Das Wasser langweilte ihn auf Dauer, und wenn sie weiter diesen Weg einschlugen, würden sie letztenendes vielleicht unbewusst das Revier verlassen und sich in Schwierigkeiten begeben. Nein, darauf hatte der Braune so gar keine Lust. Für einen Moment sah er die Fähe nur schweigend an. An seinem Blick allein sah man, dass er ziemlich genervt war. Es war, als wäre er derzeit nicht in der Lage seine Empfindungen zu unterdrücken.
» Weißt du, Lyerra, ich will jetzt durch den Wald gehen. Mir egal was du tust. «
Auch seiner Stimme war die Emotion anzuhören, die er empfand. Einen weiteren Moment blieb der Rüde stehen und musterte die Weiße, wie sie vor ihm stand. Ein weiteres Schnauben, dann hinkte er an ihr vorbei, tiefer in den Wald. Noch immer gruselte ihn die Dunkelheit, die hier herrschte, und es war auch ein wenig kälter als am Fluss, wie es schien. Er schüttelte sich unbemerkt, in der Hoffnung, dass die Kälte weichen würde – was sie natürlich nicht tat. Warum auch? Welch abartiger Gedanke, dass eine naturgegebene Sache einfach so durch ein Schütteln gehen würde.
Ohne sich noch einmal umzudrehen hinkte er weiter. Er war nicht schnell, Lyerra würde ihn ohne Probleme einholen können. Es würde ihn auch nicht weiter stören – doch genauso wenig würde es ihm etwas ausmachen, wenn sie sich auf der Stelle umdrehte und verschwand. Er konnte nicht recht entscheiden, ob er nun lieber allein, oder mit anderen seine Zeit verbringen wollte, und nach der Lösung suchte. Diese Schlappheit, die Kraftlosigkeit, die raubte ihm den letzten Nerv. Er fürchtete, dass er noch einen Streit anfangen könnte, einen, der ihm ernste Probleme einhandelte. Andererseits wollte er nicht allein verbleiben. Was war, wenn er einfach umkippte und irgendwo erfror, ganz allein und verlassen, ohne von jemandem abschied nehmen zu können?
Das war's. Für diesen Tag würde sich seine Laune nicht mehr bessern.
24.01.2011, 17:32
Wut. Nie gekannte Wut füllte Lyerras Hirn. Was dachte dieser egoistische Rüde sich eigentlich? Noch nie hatte die Weiße so gefühlt, nie war sie so wütend gewesen, hatte nicht einmal gedacht dass sie in der Lage war so wütend zu sein. An ihrem Blick sah sie wie genervt er war, sah, dass sie ihm so egal war. Sie konnte gehen. Egal wohin. Sie konnte gehen, es würde ihm nichts ausmachen. Wut, heiße belebende Wut brodelte in ihr drin. Lyerra zog die Lefzen zurück, hätte beinahe geknurrt. Kurz atmete sie zischend ein, dann knurrte sie einige Worte anstatt eine Warnung:
„Weißt du.. Ráyon” wie sie seinen Namen aussprach, als wäre er grausam, als wäre er abartig, so böse war sie auf ihn. „Ich denke es ist dir doch sowieso egal, es interessiert dich ungefähr überhaupt nicht was ich tue. Ich bin dir vollkommen egal…“
Den letzten Satz flüsterte sie nur noch. Was dachte dieser Rüde sich eigentlich? Zornig blickte sie ihn an, nur keine spielerische Herausforderung mehr in ihrem Blick. Sie würde gehen, gleich. Die Fähe wollte nur noch den dummen Ausdruck in den Augen des Rüden sehen, sehen wie verblüfft er war. Ráyon hatte eben schon gesprochen, Lyerra hatte auch zugehört, doch erst jetzt wurde ihr bewusst, dass auch seine Stimme genervt und unbeteiligt klang. Sie wollte ihn anfunkeln, knurren, doch plötzlich fühlte sie sich einfach nur noch klein, klein und verletzt. Blitzschnell drehte sie sich um, blickte weg. Verdammt. Was war das nur für ein verdammter Tag? Auch Ráyon war nun endgültig fertig mit den Nerven, die Weiße hätte sich wenig gewundert wenn er nie wieder nett zu ihr sein würde. Blöder Ráyon. Sie blickte ihn immer noch nicht an als sie sagte:
„Vielleicht wäre es besser wenn ich gehen würde…“
Ihr Blick wanderte durch den düsteren Wald. Eigentlich wollte sie hier nicht alleine sein, eigentlich wollte sie auch Ráyon nicht alleine lassen, mit seinem tauben Fuß. Unsicher drehte sie die Ohren vor und zurück. Die Wut war verflogen, fort wie die kleinen Vögel im Winter.
[mit Ráyon irgendwo im Wald ll Action.. (: ]
24.01.2011, 19:48
Die Überraschung, die er empfand, spiegelte sich nicht in seinem Blick wieder. Dieses eine Mal, ja wenigstens dieses Mal beherrschte er sich und hielt seinen genervten Ausdruck bei. Wie ein dicker, fauler Pander ließ er sich auf sein Hinterteil plumpsen und sah zu der Weißen Fähe, die erst vor Wut geschüttelt und dann von Unsicherheit geplagt wurde. So? Sie meinte also es wäre besser, wenn sie ging? Sollte sie eben. Sollte sie zusehen, wie sie sich allein zu recht fand, Ráyon war es tatsächlich relativ egal, obgleich er wenig Lust hatte allein weiter zu schlendern. Vergessen war die Furcht vor einem möglichen Streit. Immerhin hatte die Weiße ihn fast an geknurrt, und wenn sie seine Meinung nicht respektieren wollte, dann sollte sie zusehen, was sie tat.
» Geh doch. «, sagte er ausdruckslos und blickte ihr relativ kalt in die Augen. » Geh doch, und sie zu, was du tust, wenn du meinst, dass es besser wäre. Ich hab gesagt, dass es mir egal ist was du tust. Ich gehe jetzt allerdings durch den Wald und suche nach meiner Antwort. «
Mit diesen Worten stand er auf, ging wieder an ihr vorbei und hinkte einige Schritte von ihr fort. Der Bach, dem sie gefolgt waren, hatte sich schon längst hinter ihm verloren. Es war ihm gleich, was sie nun tat. Es war ihm gleich, was ihm nun geschehen würde. Er hatte keine Lust zu Streiten. Tatsächlich würde er sich gerade lieber raufen, als nur zu streiten, aber da würde ihm seine Schlappheit vermutlich einen Strich durch die Rechnung machen. Sonst hätte er Lyerra vielleicht – wenn auch einfach nur so – angefallen.
Als Ráyon einige Meter von Lyerra entfernt war, blieb er nochmal kurz stehen. Sein Kopf war gesenkt zur Seite gerichtet, so dass er Lyerra von unten herab musterte. Seine Augen schienen leer, fast böswillig, als er seine Stimme erneut erhob.
» Meinetwegen kannst du gehen, Lyerra, das stört mich nicht. Nur will ich später nicht daran Schuld sein, wenn man dich blutend auffindet, weil irgendein böses Monster über dich hergefallen ist. Immerhin hast du dann keinen großen starken Wolf mehr bei dir, der dich beschützen kann, ist es nicht so? Meinetwegen geh. «
Da war er wieder, der Angeber in Ráyon. Er wusste, dass er stark war, und er wusste auch, dass er es mit vielen aufnehmen konnten, nur im Moment war ein solcher Kommentar von ihm in gewisser Weise einfach nur als Überschätzung zu werten. Was konnte er mit dieser Kraftlosigkeit schon bezwecken, glaubte er tatsächlich, dass er sich in diesem Zustand gegen ein vermeintliches Monster wehren konnte?
War ja auch egal, dachte sich Ráyon und entfernte sich weiter langsam humpelt von der weißen Fähe. Tiefer und tiefer in den bösen schwarzen Wald, in dem er sich nun auf seltsame Art heimisch fühlte.
24.01.2011, 21:07
Lyerra schüttelte sich innerlich. Wie egal sie ihm war. Vermutlich hatte sie noch nie jemandem so verdammt wenig bedeutet. In ihren Gedanken schmiedete sie einen Plan, wusste nicht ob sie ihn umsetzen wollte und konnte und dennoch schmiedete ihr Gehirn einfach weiter. Unsicher blickte sie zu Boden, schwieg während die Worte des Rüden ihr Herz nach und nach zerschnitten. Dann stand er einfach auf, hinkte los, ließ sie hier alleine. Ging einfach. Als er abermals sprach fühlte die kleine Fähe sich zu Boden getreten. Fast schon verraten. Warum verdammt nochmal musste jetzt alles so doof werden? Verzweifelt blickte sie zurück. Dann flüsterte sie:
„Gut.”
Drehte sich um und ging. Ging den Weg zurück den sie gekommen war, ging einfach ohne ein weiteres Wort, während ihre Gedanken immer noch wie verrückt planten und überlegten, bis eine feste Strategie fest stand. Sie würde gehen. Ein wenig weg von hier, stehen bleiben und schreien, beziehungsweise nach ihm rufen. Wenn er dann kommen würde, würde sie ihm erklären dass sie diese Situation unheimlich doof fand und froh war, dass er gekommen war, würde er nicht kommen würde sie alleine gehen, irgendwohin, wo nicht hier war. Schnell stapfte sie durch das Unterholz. Dieser Wald wurde immer unheimlicher und dennoch war ihr doch heute eigentlich noch nichts passiert, beinahe war es schon langweilig. Irgendwie passierte jedem was, nur die musste ihr ereignisloses Leben weiterleben. Irgendwie ungefähr, oder? Als sie endlich weit genug fort war, den seltsamen Steinhaufen hinter sich gelassen hatte und in eine undefinierbare Richtung lief, wirklich lief, eher rannte, da wusste sie nicht mehr ob sie ihren Plan wirklich umsetzten wollte. Plötzlich und mit einem Ruck stolperte sie und fiel quietschend der Länge nach auf den Boden. Ihr erschrockenes Quietschen war recht laut gewesen und Lyerra war sich sicher, dass Ráyon es gehört haben musste, er musste einfach. Der plötzliche Aufprall hatte ihr all die Luft aus der Lunge gepresst und erst nach einigen Sekunden füllten ihre Lungen sich wieder hektisch mit Luft, dennoch pochte ihre Seite schmerzhaft, als wäre sie zu lange gerannt. Falls sie jetzt jemand sehen würde, würde er vermutlich lachen, sie lag da, alle Viere von sich gestreckt, den Kopf auf dem Boden, die Gesichtszüge seltsam verrutscht. Auch wenn sie wieder Luft in den Lungen hatte fühlte sie sich noch nicht in der Lage wieder aufzustehen, dafür schmerze die pochende Stelle zu doll und dafür war sie auch noch ein wenig zu geschockt und zu aufgeregt.
[erst bei Ráyon im Wald, dann irgendwo weg von Ráy alleine ll mehr Action, wehe der Held kommt jetzt nicht und lacht wieder (; ]
25.01.2011, 17:40
Erst die leisen Worte der weißen Fähe an deren Seite er immer noch verweilte holten Jarrèlls Bewusstsein ein kleines Stückchen in hier und jetzt zurück. Nein, Glaube ist keine Waffe, Glaube konnte lediglich als ein Versuch beschrieben werden, in dieser Welt mit all ihren Laster und Verfehlungen den kümmerlichen Rest des so hoch gelobten Guten zu finden, was immer es sein mochte, war es dem Silbergrauen doch nie in seinem Leben gänzlich widerfahren. Früh hatte er gelernt, dass alles Licht einen Schatten besaß, das man für jeden Erfolg ein mehr oder minder hohen Preis zu zahlen hatte, und dass man nur im Kampf nur siegte um früher oder später doch zu fallen, egal was man tat, egal wie sehr man sich anstrengte alles richtig zu machen, so unterliefen einem doch unausweichlich Fehler, dann trennte nur ein hauchfeiner Grad Recht und Unrecht, Leben und Tod, Glück und Unglück, richtig oder falsch. Es gab kein absolutes Richtig kein totales falsch, alles im Leben hatte zwei Seiten. Das Leben hatten Jarrèll gelehrt, dass man immer nur das geringere Übel wählen konnte und dennoch keinerlei Garantien für irgendetwas besaß.
„Niemand. Wir können nur jeder für sich allein entscheiden woran wie glauben wollen und woran nicht. Garantien für richtig und falsch gibt uns niemand.“
Auch wenn die Verbitterung in diesen Momenten, in denen Jarrèll glaubte, in der Wölfin jemanden gefunden zu haben, der wenigsten Ansatzweise verstand, welche Gedanken in seinem Leben eine zentrale Rolle gespielt hatten, ohne dass sie auch nur einen einzigen jener schicksalhaften Momente miterlebt hatte, so blieb seinem Ton doch die ihm eigene ernste Schroffheit.
Erst jetzt wandte sich die Aufmerksamkeit der seltsam vertraut klingenden Stimme zu, die wie durch einen Nebel in sein Bewusstsein gedrungen war. Wieder Willen erfüllt ihn ein eigenartig gutes Gefühl, als er die leisen, aber doch bedeutungsvollen Worte erreichten. Majiáh. Durch die Grünäugige die neben ihm ruhte, kannte er nun auch den Namen der Fähe. Majibáh. Namen hatten in jenen Momenten des Ringens um Leben und Tod keine Bedeutung gehabt, doch jetzt war er froh, sie benennen zu können. Majibáh.
„Schön, dass es dir besser geht.“
Jarrèlls Stimme war ein raues Wispern, doch das Eis war dünner geworden, er konnte und wollte seine Gefühle nicht ganz vor der blauäugigen Weißen verstecken. Was es für Gefühle waren, vermochte er nicht zu benennen, wahrscheinlich nur Sorge und Mitgefühl, für die weiße, die auch jetzt wieder auf eine seltsame Art anwesend und traurig wirkte, vielleicht aber auch mehr…
Abrupt holten die gestammelten Worte Jumaanas seine Aufmerksamkeit in die gegenwärtige Szenerie zurück, weg von der Nacht, die er neben Majibáh in Regen und Sturm zugebracht hatte. Für einen Moment blitze große Verwunderung in den grünen Augen des Rüden auf. Jerrèlls Blick heftete sich an die Weiße, die neben ihm eigentümlich kraftlos zusammen gesunken war. Ein eisiger Schauer strömte durch seinen Körper, hinfort geweht wurden die kleinen warmen Strahlen, die Majibáhs Ankunft in ihm hatte aufkeimen lassen. Für einen kurzen Moment war der Graue tödlich erschrocken, doch er hatte zu viel schon gesehen, als dass er es in irgendeiner Form nach außen dringen ließ. In ihm keimte der Wunsch auf die Fähe sanft zu trösten, der Wunsch ihr irgendwie helfen zu können, doch dazu hatte er keinerlei Befugnis, war sie doch ranghöher und erst recht nicht, da sie ja offensichtlich einen Gefährten hatte, der ein solches Verhalten unter Garantie nicht gutheißen würde. Plötzlich war da jedoch ein altes Gefühl, das Gefühl einer überlegten Rutine mit Schwierigkeiten umzugehen, ein Gefühl, welches ihn so oft auf die richtige Fährte geleitet hatte, ein Gefühl teilweiser Kontrolle über eine Situation, die er seit Shayné Tod nicht mehr Gespürt hatte. Für einen Wimperschlag rückten alle Fehler und Schatten der Vergangenheit in einen wabernden Nebel, das erste Mal schien er wieder ein kleines bisschen er selbst zu sein, Jarrèll Nathaniêl, der kluge Kämpfer, der es einst bis nach ganz oben geschafft hatte.
Klar und deutlich drangen die Worte in sein Hirn vor, die Jumaana kurze Momente später an ihre Schwester richtete und bestätigten Jarrèll auf eine kaum nachvollziehbare, dennoch starke Art und Weise in seinem Handeln und Denken. Ruhig, ganz seiner Art nach traf er eine Entscheidung. Er selbst würde ihr nicht helfen können, aber es war seine Aufgabe, jemanden zu finden, der es konnte, beziehungsweise, denjenigen daran zu hindern zu gehen und somit Jumaana, die in jenen Momenten endgültig hinüberglitt in eine tiefe Schwärze, ein Stück weit vor sich selbst zu bewahren.
„Majibàh!“
Jarrèlls Stimme schallte wesentlich weiter und lauter als Jumaanas zitternden Worte, sein Ton war ruhig, dennoch deutlich. Nur ganz kurz, fast unsichtbar, berührte seine Schnauze Jumaanas Fell, sie musste wissen, dass sie nicht allein gelassen würde, dann sprang der Rüder geschmeidig auf die beine und setzte der Jumaanas Schwester nach. In der Hoffnung Majibáh hätte jene Sturmnacht nicht vergessen, baute er darauf, dass die Helle ihm genug vertraute um seinen Worten Folge zu leisten.
„Warte! Du musst zu ihr gehen! Jetzt! Ich weiß, dass wenn ihr jemand helfen kann, dann bist das du, Majibáh!“
Ganz bewusst betonte er ihren Namen, er hoffte so zu ihr durchdringen zu können, egal wie sehr sie der Anblick der kollabierenden Jumaana erschreckt hatte. Verdammt, es war seine einzige chance, der Fähe zu helfen, es war ihre einzige Chance. In irgendeinem verborgenden Winkel seines Hrins meldete sich in diesem Momenteine Stimme die ihm sagte, dass diese Entscheidung ihn möglicherweise in Schwierigkeiten bringen konnte, er nahm sich etwas heraus, das ihm ganz und gar nicht zustand, doch es interessierte ihn nicht, was andere dachten, verdammt, er würde dieses Mal keinen Fehler machen.
26.01.2011, 13:38
Ráyon fühlte sich wie einer der bösen, finsteren Wölfe aus den alten Geschichten, die er früher so gemocht hatte. Er war der schwarze Rüde, der die Familien zerstörte, einfach nur indem er ihnen die Wahrheit erzählte. Er war der böse Wolf, der die kleinen Welpen fraß und Angst und Schrecken im Revier verbreitete. War es ein Spiel geworden? Ja. Lyerra hatte umgedreht und versteckte sich nun. Und Ráyon musste sie suchen. Dann würde er sich verstecken, und immer so weiter. Sie spielten doch, oder? Lyerra hatte geflüstert, als sie festlegte, dass sie gehen würde. Da war doch ein belustigter Unterton gewesen, nicht? Keinesfalls konnte sich der Braune verhört haben. Die Weiße wollte spielen, damit alles wieder in Ordnung wurde. Bestimmt! Was für eine grandiose Idee von ihr!
Mit der Rute wedelnd wartete der Rüde einige Zeit. Er stand dort, mitten im Wald wie angewurzelt und wartete auf irgendein Zeichen, dass ihm sagte, dass er nun suchen kommen könnte. Sicherlich würde es wahnsinnig spaßig werden. Auch wenn sein Hinterlauf ihn hindern würde, war er unglaublich erpicht darauf an diesem Spiel beteiligt zu sein. Als ihm das Quieken zu Ohren kam, kläffte er freudig. Bevor er jedoch zu einem Freudensprung ansetzen konnte, besann er sich eines besseren und blieb auf dem Boden – sonst würde er vermutlich noch hinfallen. Dennoch lief der Braune sofort los – so schnell wie es ihm eben möglich war – und folgte Lyerras Fährte. Es dauerte eine Weile bis er bei ihr angekommen war, doch das störte ihn nicht.
Das die Fähe gefallen war bemerkte er nicht. Er dachte sie hätte sich dort auf den Boden gekauert, um schlechter zu sehen zu sein. Aber da hatte sie sich gewaltig geirrt! Ihr weißes Fell stach zwischen dem dunklen Grün deutlich hervor, so dass er sie schon von weitem bemerkte. Sollte er sich verstecken, bevor sie ihn bemerkte? Unmöglich. Der Wind kam von hinten und so blieb keine Möglichkeit unentdeckt zu bleiben. Stattdessen ließ er sich einige Meter hinter der Fähe nieder. Seine Rute klopfte in regelmäßigen Abständen auf den Boden, als er sich freute.
Das Wedeln endete jäh, als Ráyon bewusst wurde, was er da tat. Seinem fröhlichen Hecheln folgte ein verbissener Gesichtsausdruck. Wie unglaublich dumm er sich benahm! Er hatte durch den Wald gehen wollen, und Lyerra wollte nicht mitgehen. Deshalb war sie doch gegangen, oder nicht? Wieso war er so überaus dumm und folgte ihr, aufgrund irgendeines blöden Spieles? Das war absurd. Er hätte ihr niemals folgen sollen! Es war um einiges wichtiger herauszufinden was hier vor sich ging, anstatt irgendetwas sinnloses zu tun. Was war mit Sheena? War sie nicht eine Priesterin oder wie sie sich nannte? Sie würde mit Sicherheit eine Lösung für dieses ganze Problem haben!
Erneut kam die Müdigkeit zurück, die ihm schon seit dem Aufstehen plagte. Und dieses elende Wetter...
» Komm jetzt! «, grummelte er genervt.
Er hatte es satt und er wollte sofort los. Nichts wie weg von hier und auf zur Heilung. Danach war immer noch Zeit für solchen Unsinn. Genervt drehte er sich um und schlenderte langsam los.
Ráyon hatte tatsächlich nicht bemerkt, dass Lyerra gestürzt war.
26.01.2011, 17:22
Luft. Leben. Atmen. Luft. Atmen. Schmerz. Gequält verzog Lyerra das Gesicht, vollkommen gefangen in ihrer Hilflosigkeit bemerkte sie Ráyon erst nicht, doch sie hört das freudige, stetige Klopfen seiner Rute bis das gleichmäßige Geräusch plötzlich verstummte. Auch das fröhliche Hecheln endete urplötzlich, stattdessen hörte sie wie der Rüde sich erhob, zu ihr kam und ein paar unfreundliche Worte knurrte. Anfangs hatte er anscheinend gedacht, dass sie spielen wollen würde, ja, doch jetzt schien er wieder sauer und schlecht gelaunt zu sein. Die Weiße sog scharf die Luft ein, vermutlich hatte sie sich eine Rippe geprellt, doch das wusste sie nicht genau, sie spürte nur den Schmerz, den elendigen Schmerz, der durch Ráyons Laune nicht gerade weniger wurde. Luft. Atmen. Schmerz. Immer wenn ihre Lungenflügel sich weiteten spürte sie einen Stich, als würde jemand eine Klaue in ihre Lungen bohren. Ráyon ging bereits, genervt, mürrisch und sie lag immer noch da, das Gesicht schmerzverzerrt. Was für eine verweichlichte Fähe sie doch war. Atmen. Atmen. Nicht aufhören. Mühsam und unter mehreren erneuten Stichen in die Lunge erhob sie sich. Als Lyerra stand ging ihr Atem unnatürlich schnell und schwer. In den ersten Sekunden auf den Beinen wurde ihr schwarz vor Augen, doch dann klärte sich ihr Blickfeld und sie sah Ráyon, der immer noch damit beschäftigt war zu gehen. Vermutlich hatte der störrische Dummkopf nicht einmal bemerkt, dass sie gefallen war. Böse blickte sie ihm nach, bevor sie langsam und zögernd einen Pfote vor sie andere setzte und ihm so folgte. Die Weiße widersprach nicht mehr, dazu war sie viel zu konzentriert. Atmen. Leben. Luft. Ihr Herz pumpte Blut durch ihre Adern, durch die Venen, sie fühlte wie ihr Herz stetig klopfte. Bum, bum, bum. Sie hörte ihr eigenes Blut in ihren Ohren, das Rauschen der roten Flüssigkeit. Sie hört Ráyons Schritte vor sich. Tap, tap, tap. Sie hörte ihren Atem, dumpf, schwer, schnell. Abermals zog sie scharf die Luft ein, bevor sie einige Schritte schneller ging und Ráyon so viel einholte, dass sie nun knapp hinter ihm war, doch sie sagte nichts. Am liebsten hätte sei ihn angefleht, dass er doch wieder lieb sein würde, dass er seine Wut vergessen solle, doch das ließ ihr stolz nicht zu. Vorsichtig folgte sie ihm, wie ein Welpe seinen Eltern, wie ein Untertan dem Herrn. Immer einen Schritt nach dem anderen, das Atmen nicht vergessen und weiter leben. Wie viel man beachten musste wenn man lebte. Der Rüde würde jetzt vermutlich wieder in den Wald gehen, doch Lyerra wollte da nicht lang. Der Wald gefiel ihr nicht, er war dunkel, unheimlich.
„Bitte Ráyon, lass uns nicht durch den Wald gehen, er ist unheimlich“
Sagte sie leise. Es gefiel ihr nicht, ganz und gar nicht. Der rüde hatte sich zum Schluss so benommen, als ob der Wald ihm gehören würde, als ob es nichts schöneres als den Wald gab, doch die Fähe wusste viele Orte und Plötze, die deutlich angenehmer und schöner als der Wald waren. Der dumpfe Schmerz in ihrer Brust wurde weniger ebbte ab und kam plötzlich wieder. Vermutlich war sie auf einen Stein gestolpert, der unter Moos und Blättern verborgen gewesen war. Doofer Stein. Doofer Ráyon. Doofer Wald. Doofer Streit.
[folgt Ráyon l Richtung Wald]
27.01.2011, 22:21
Minyala beschloss das Thema ‘seltsamer Rüde, der viel rannte und wenig sprach‘ für abgeschlossen zu erklären und sich auch nicht mehr dazu zu äußern, ob der Graue denn zurückkommen würde oder nicht. Keiner von ihnen schien ihn zu vermissen, das reichte. Ein wenig seltsam war es schon, aber Minyala war keine Fähe, die in Folge solcher Erlebnisse an sich zweifelte. Viel eher schob sie es insgeheime auf Tiberius, aber das würde sie dem Gestromten sicher nicht verraten. Er schien sowieso ziemlich überzeugt von sich zu sein, war dabei jedoch witzig genug, um nicht zu arrogant zu wirken. Nur sein aufmerksamer Blick störte sie ein wenig, die Art, wie er über die kahle und vernarbte Stelle an ihrem Lauf strich und wie er bereits jede Information aus ihrem sehr informativen Körper gezogen hatte. Das Grinsen blieb dennoch auf ihren Lefzen. Lieber ging sie einfach mit noch ein wenig mehr Ironie und freundlichem Spott auf seine Nachfrage ein.
“Nun, weißt du, du bist einfach zu umwerfend. Eben so umwerfend, dass Fähen vor dir wegrennen. Aber das ist ja nicht Sinn der Sache. Also solltest du einfach nicht gleich deine gesamte Umwerfheit loslassen, sondern erstmal langsam rangehen.“
Sein Konter auf ihre Anspielung auf seine Größe ging natürlich in die einzige richtige Richtung. Ihr Alter. Es wurmte sie ein wenig, dass man in diesem Tal offensichtlich gerne darauf anspielte, dass sie noch ziemlich jung war, zu jung für ihre direkte Art.
“Du bist wohl ein wenig zu alt um dich daran zu erinnern, was man alles in sechzehn Monaten erleben kann. Zum Beispiel, dass große schwarze Brummelwölfe mit ganz anderem auftrumpfen können, als mit Größe.“
Ihren Gegenschlag kommentierte sie noch mit einem weiteren Zahnlächeln und war dann froh, dass sich Tiberius ohne weiteres einem Spaziergang anschloss. Beinahe ritterlich stellte er sich an ihre Seite und sie fiel eilig in einen schnellen Trab, anders würden ihre Läufe eingefroren sein, bevor sie aus dem Langsamlaufen raus war.
“Eigentlich noch nicht so lange. Aber in der kurzen Zeit ist schon genug passiert, um eine Menge Eindrücke bei mir zu hinterlassen.“
Wiedermal wanderten ihre Gedanken zu Tyraleen und der Situation, als sie ihre Tat verkündet hatte. Das Lächeln fiel von ihren Lefzen ab und ihr verbliebenes Ohr drehte sich leicht zurück.
[ nördliche Reviergrenze - auf dem Weg nach Süden | Tiberius]
28.01.2011, 18:10
Nerúi sah noch einmal zu Papa Azsrem auf, der ihr über den Kopf geschleckt hatte, bevor sie mit Caylee und Adsini im Gefolge davon geprescht war.
Es war gut jetzt mit ihrer Schwester zu laufen, aber ganz zufrieden stellen konnte Caylees Antwort die Schwarzbraune nicht. Als vor Ihnen Atalyas graues Fell deutlich wurden verlangsamte Nerúi ihr Tempo.
"Hey, Atalya!"
Begrüßte auch sie ihre andere Schwester, und wand sich zuerst an Caylee.
"Du meinst doch nicht im Ernst dass sie dauerhaft bleiben darf, wenn sie nur lügt, und sich dann noch nicht mal Mühe gibt dabei!"
Das konnte doch gar nicht funktionieren, oder? Nerúi wusste jetzt schon dass sie mit der knickohrigen garantiert niemals jagen würden. Denn Jagden brauchten Vertrauen, und wer ihre Schwester belog war keines Vertrauens würdig. Sie schob die Nase sanft gegen Caylees Schnauze und zog an ihrem Ohr.
"Papa Aszrem wirft bestimmt alle raus die gemein sind, wenn sie nicht sofort netter werden. Und wenn nicht dann finden wir halt einen Weg um sie los zu werden. Ich hab dich gern!"
Meinte sie voller Zuversicht, und stupste Caylee noch einmal an, bevor sie sich nun Adsini zuwandt und die gleichaltrige ersteinmal gründlich in Augenschein nahm.
"Ich hoffe du warst netter zu meiner Schwester"
Begann sie ernst, und musterte die braunen Augen der cremeweißen, die Ähnlichkeit mit denen von Atalya aufwiesen.
"Ich bin Nerúi. Caylee kennst du ja schon, und das ist Atalya, unsere Schwester"
Stellte Nerúi sich und die Graue gleich mit vor, und machte dann einen plötzlichen Satz auf Atalya zu.
"Buh! Haha, gut dass du da bist"
Meinte sie, und drehte sich einmal um sich selbst. Da war - Wald. Wald. Wald. Und Wald. Und in allen vier Richtungen war es kalt. Also blieb sie einfach hier stehen.
"Sag mal Adsini, warum bist du eigentlich hier? also, versteh mich nicht falsch, ich meine warum bist du nicht bei deiner Familie?"
Sie legte den Kopf schief, und musterte die Weiße fragend. Die zwei komischen anderen Fähen konnten ja wohl kaum ihre Familie gewesen sein, oder?
[westlicher Wald | Atalya, Caylee, Adsini]
29.01.2011, 03:19
Plötzlich hörte sie, wie eine dunkle, angenehme Stimme ihren Namen rief. Augenblicklich blieb sie stehen und wand ihren Körper geschickt zur Seite, um erkennen zu können was von ihr gefordert wurde, obwohl es nicht nötig war, denn sie wusste, dass es der Rüde gewesen war, der sie im Grunde genommen nur eine Nacht lang begleitet hatte. Doch diese Nacht war nicht irgendeine gewesen, sondern eine, in der die reine Verzweiflung in ihr aufgewallt war und sie keinen Sinn darin sah vor dem heftigen Gewitter zu flüchten, das über ihr getobt hatte, während andere, denen ihr Leben viel wichtiger war, es nicht mehr rechtzeitig schafften und das wertvollste Geschenk opfern mussten. Aber er war die ganze Zeit bei ihr geblieben, obwohl sie doch nur eine Fremde für ihn gewesen war, die ihn daran hinderte sich in Sicherheit zu begeben, und hatte sie getröstet. Es hätte ihr einfach nichts Besseres passieren können, und irgendwo hatte sie auch schon Vertrauen zu ihm entwickelt. Natürlich war es etwas unverständlich, immerhin war er auch jetzt noch ein Unbekannter, wo sie doch effektiv nur seinen Namen kannte, aber er hatte dennoch etwas an sich, dass ihr jede Zweifel nahm. Und wie sich bei seinen nächsten Sätzen herausstellen sollte, die er hastig und aufgeregt austieß, hatte sie gar keine andere Wahl, als ihm zu gehorchen und umzudrehen. Es fiel ihr zuerst nicht leicht, bisher hatte sie sich immer nur auf sich selbst verlassen können, sie hasste es wenn sie in einer Gefahrensituation nur zuschauen konnte, und gerade das war eingetreten, als sie sich selbst dann allerdings dazu aufgefordert hatte, etwas ruhiger zu werden - schließlich überträgt sich Nervösität auch - konnte sie so gut es eben ging damit umgehen. Als Jumaana sie daraufhin auch bat, zu bleiben, setzte sie sich wieder in Bewegung und ging eilig auf die Grünäugige zu, die vollkommen erschöpft auf ihren Pfoten ruhte. Kurz bevor sie auf ihren leblosen Körper stieß, stellte sie sich kurz vor ihr auf, beugte ihren Kopf hinauf und vergrub ihre Schnauze tief in dem weichen Fell mit dem wunderschönen Duft, den sie so vermisst hatte. Genüsslich sog sie den Geruch in ihre Lungen und vor ihrem inneren Augen spielten sich noch einmal einige Szenen der Vergangenheit ab, in der sie wirklich glücklich gewesen war, und das gab ihr ein wenig Kraft dafür, diese Aufgabe zu bewältigen.
"Ich habe mich sehr nach dir gesehnt... und es ist schwer für mich dich jetzt so traurig zu sehen. Erzähl mir was passiert ist, meine Liebe."
Sie versuchte, in einem klaren, festen Ton zu reden und sich nicht anmerken zu lassen, wie ängstlich sie eigentlich gerade war, dass sie sich am liebsten zurückgezogen hätte, um es zu vermeiden hören zu müssen, was der Fähe Schreckliches widerfahren war. Denn egal was sie sagen würde, es würde sie unheimlich mitnehmen, noch mehr als sie es ohnehin schon war. Außerdem konnte es natürlich passieren, dass sie auf diese Worte abweisend und desinteressiert reagieren würde, und sie fürchtete sich auch ziemlich vor, wenn sie es sich ehrlich eingestand, aber irgendwie hatte sie das Gefühl, die Wölfin war unfähig sie wissentlich zu verletzen, ihr Schaden zuzufügen, egal in welcher Form, und erst Recht nicht wenn sie sie nicht schlecht behandelt hatte. Nein, es war absurd daran zu glauben, dass sie für alle unbedeutend und nichtig war, manchmal klang es nur eben so wahr, dass sie es nicht vermeiden konnte. Ein kleiner Seufzer entglitt ihrer Kehle, eigentlich hätte sie so gerne viel mehr erzählt, von den Dingen die passiert waren, von ihren Gefühlen und von dem Verlangen diese elendige Einsamkeit zu beenden, aber sie wagte es nicht, es war absolut der falsche Augenblick dazu, sie musste sich in der Hinsicht einfach kurz angebunden geben. Ihr eigenes Leid konnte nun einmal nicht immer das Wichtigste sein, auf das ständig jegliche Aufmerksamkeit gerichtet war.
[Jarrèll Nathaniêl und Jumaana - erst vom Sternensee weggehend - dann zurücklaufend]
29.01.2011, 16:34
Während Cirádan immer noch Nihil anstarrte, hörte er das aufeinander klappen von einem Gebiss. Verursacht von seinem Bruder.
Takashi, man stellte sich Kroloch nicht in den Weg. Zumindest würde Cirádan es niemals wagen.
Und dann war Krolock über dem liegenden Jungwolf. Seine Augen seltsam rot.
Cirádan hatte das Gefühl, diese Augen schon einmal gesehen zu haben. Doch das konnte nicht sein, oder?
Als Cirádan merkte, dass Krolock ihn anstarrte, wendete er seinen Blick wieder Nihil zu, dessen Worte noch zu schwach waren.
Nihil schien so schwach und verwirrt. Ganz anders als bei der Jagd, wo der junge Wolf eher lebensfreudig war. Vielleicht lag es aber auch nur an dem Schock.
Dass da noch eine Fähe in der Nähe war, nahm Cirádan immer noch nicht wirklich wahr. Sie hatte mit dem hier auch gar nichts zu tun. Sie sollte gehen.
Takashi versuchte den armen Nihil zu beruhigen und wollte dann im gleichen Augenblick gehen. Und Cirádan mitnehmen.
Aber Cirádan wollte nicht folgen. Er wollte hier bleiben.
Er wusste auch nicht genau warum.
Einerseits wusste der Halbblinde dass es besser war Krolock und den Nichtswolf im Moment alleine zu lassen.
Damit sich sein Bruder beruhigen konnte. Und auch Nihil brauchte nun Ruhe.
Und eigentlich auch Cirádan, dem das ganze viel zu Nahe gegangen war.
Doch er blieb stehen und schüttelte energisch den Kopf.
"Nein, ich bleibe hier.", meinte er zu Takashi und ging einen Schritt näher zu Krolock und Nihil.
"Du.. Du solltest noch liegen bleiben. Dich ausruhen.", sprach er dann auch gleich zu Nihilius. Denn der brauchte jetzt wohl am meisten Ruhe.
[ am Rudelplatz | bei Takashi, Nihil, Krolock, Atalya]
29.01.2011, 19:05
[color=gray]Wölfin, du bist stärker als du denkst. Was glaubst du, warum du es bist, die von meinem Sohn auserwählt wurde, an seiner Seite zu leben, warum du es bist, die von ihm mehr geliebt wird als sein Leben. Wenn ihr am Leben wäre und hier bei euch, dann würde er mich um deinetwillen umbringen, weil es für ihn auf der Welt nichts gibt, was ihm so wichtig ist wie du. Er verzeiht sich keine einzige Minute seiner Vergangenheit, verzeiht sich nichts, was einst geschehen ist – aber wenn du bei ihm bist, könnte er es vergessen. Eventuell. Ich weiß nicht mehr, was er fühlt, ich bin ihm weiter entfernt denn je, aber ich sehe, wie sehr du ihn liebst. Und wenn ich ebendas sehe, ist alles in Ordnung. Und allein um seinetwillen darfst du nicht aufgeben, egal, was passiert. Wenn dir alles andere so egal ist – dann kämpfe wenigstens um meinen Sohn. Ich bitte dich nicht darum, am Leben zu bleiben – ich will nur, dass ihr glücklich seid. Versuch es bitte, du kannst es. Ich weiß, was du kannst, nur dir ist nicht bewusst, was in dir ruht. Du magst vielleicht nur eine winzige, weiße Wölfin sein, doch dein Herz hält Vieles am Leben – mehr als dir jemals bewusst sein wird. Jumaana, ich erzähle dir das hier nicht, weil ich denke, dass ich bald nicht mehr die Gelegenheit haben werde, dir solche Dinge zu erzählen, sondern weil ich will, dass du mir zuhörst. Du sollst wissen, dass mein Sohn es wert ist, für ihn zu leben. Und wenn auch nur für ihn. Bitte, Jumaana, gib nicht auf. Noch nicht.
Das Einzige, was Jumaana noch am Leben hielt, war die ruhige, feste Stimme Aarinaths, die durch ihren ganzen Körper floss und ihn erfüllte. Es kam nicht auf die Worte an, die sie an die reglose Wölfin wandte, es ging nur darum, dass die Stimme, die zu einem beruhigenden Gemurmel zusammenfloss, ihr Halt und Kraft gab. Obwohl ihre Muskeln erzitterten, obwohl ihr Atem rasselnd und mühsam aus ihren Lungen gepresst werden musste, gab sie nicht auf. Noch was es für Jumaana nicht an der Zeit, zu gehen, nicht, solange es Aarinath war, die in ihrem Kopf auf sie einredete und sie darum bat, bei ihr zu bleiben. In ein paar Jahren würde die Zeit kommen; dann würde sie wissen, dass der Moment zum Gehen gekommen war, doch vorher wollte sie jeden Augenblick auskosten, jeden Augenblick genießen. Sie war einfach noch nicht bereit zu sterben. Doch die Kraftlosigkeit und die Leere machten es ihr nicht leicht. Wäre sie in der Lage dazu, würde sie nun einfach aufstehen, die Krankheit aus dem Fell schütteln und die beiden Wölfe an ihrer Seite anlächeln, als hätte sie nur ein kleines Nickerchen gemacht. Dann würde sie zu ihrem Patensohn gehen und ihre Pfote auf seine legen, um ihm zu beweisen, dass sie ihm für ihn da sein würde.
Aber die Leere war allgegenwärtig und verhinderte jede kontrollierte Regung der Polarwölfin. Sie nahm nicht wahr, was um sie herum geschah, ob ihre Schwester noch an ihrer Seite war und ob Jarrèl Nathaniêl die beiden verlassen hatte. Es war, als wäre sie von der Außenwelt abgeschnitten – sie hörte nichts außer dem kraftlosen Pochen ihres Herzens und ihrem eigenen rasselnden Atem, sie spürte nur den kalten, harten Boden und den brennenden Schmerz in ihrem Körper und sie schmeckte nur das bittere Gefühl der Einsamkeit. Für ein paar Sekunden fühlte es sich so an, als würde jemand mit einer spitzen Klaue tausend kleine Kratzer in ihren Körper ritzen, ihre Haut zerfetzen und ihre sterblichen Überreste dann in das Eiswasser des Sternensees werfen, doch der unerträgliche Schmerz wechselte sich rasend schnell mit der Taubheit ab – immer wieder hin und her. Es war schwer zu sagen, was erträglicher war – die Schmerzen oder die Taubheit, die sie alles vergessen ließ. Mittlerweile konnte Jumaana sich nicht mehr an den Namen ihrer Mutter oder ihrer Geschwister erinnern, wusste nicht mehr, wem die Stimme in ihrem Kopf gehörte und was sie erzählte.
Doch dann gab es einen Schnitt, tief in ihrem Fleisch, der sie alles vergessen ließ. Alles verschwamm, die Leere, die Taubheit und auch der Schmerz. Die grausame Masse floss aus ihrem Körper in die leblose Erde und auf einmal erschien ihr ein Bild klar und deutlich vor Augen. Sie sah sich selbst am Boden liegen, ihre Schwester direkt über ihr mit der Nase im schneeweißen, dichten Fell. Ein grauer Wolf, etwas abseits stehend, der die beiden Fähen scheinbar unberührt beobachtete. Die am Boden liegende Wölfin zuckte mit der Vorderpfote, ihre Muskeln zitterten unkontrolliert und für einige Augenblicke schlug sie die dunkelgrünen Augen auf, um sie gleich darauf wieder zu schließen. Sie hob ihren Kopf leicht an, doch er war zu schwer für ihren kraftlosen Körper und krachte gleich darauf wieder zu Boden. Langsam gelang es ihr, ihre Gliedmaßen zu kontrollieren und sie blieb still liegen, ohne die geringste Regung zu zeigen. Die Beine weit von sich gestreckt und die Augen geschlossen – so lag sie dort. Ihr Herz schlug unregelmäßig in ihrem Brustkorb und ihr Atem ging immer noch rau und gepresst, doch mittlerweile war die Stimme in ihrem Kopf verstummt. Sie spürte, wie wieder Kraft durch ihre Glieder floss, ohne zu wissen, woher diese Kraft nun plötzlich kam. Eine kühle Schnauze in ihrem Fell. Majibáh. Was würde sie bloß ohne ihre Schwester machen?[/color][list][ am Sternensee bei Majibáh und Jarrèll – Kraft schöpfend ][/list]
29.01.2011, 20:02
Es dauerte nicht lang, bis Atalya bemerkt wurde. Nur war es nicht Nerúis Stimme, die ihren Namen rief. Kurz zuckten die Ohren der Grauen durch die Luft, ehe sie die Stimme erkannte und nun auch die zwei Wölfe erspähte, die sich bei der Schwarzen aufhielten. Zumindest erkannte sie die eine, Caylee. Der Geruch der anderen war ihr vollkommen unbekannt, und auch ihr Gesicht kam ihr nicht vertraut vor. Aber dann rief auch schon Nerúi ihren Namen, und einen Moment war die Fremde vergessen. Und zum ersten Mal seit der Begegnung mit diesem toten Bären zog sich wieder ein Lächeln auf die Lefzen der grauen Fähe. Dieses verblasste auch nicht, als Nerúi sie gleich mit vorstellte, und dann ganz plötzlich einen Satz auf sie zumachte, der Atalya zum stehen bleiben brachte. Auf Nerúis Worte machte auch Atalya dann einen Satz nach vorn, versuchte ihr Ohr zu schnappen. Aber schon im nächsten Moment drehte sich um sich selbst, entkam so dem Griff ihrer Fänge. Hah, noch Mal gerettet!
Erst als die Schwarze wieder stehen blieb und sich der fremden Weißen zuwandte – Adsini – wandte Atalya den Blick zu der hellen Fähe. Dann zu Nerúi und Caylee.
“Hallo zusammen! Ich dachte mir, ich genieße Mal eure Gesellschaft.. anstatt die von denen dahinten am Rudelplatz. Die sind alle durchgedreht.“
Sie nickte leicht in die Richtung, aus der sie gekommen war. Ob wohl der Geruch des Bären an ihrem Fell hing? Kurz schnüffelte sie in der Luft, konnte aber nichts verdächtiges wahrnehmen. Also ließ sie den Blick wieder über die drei Wölfe schweifen.
“Lasst uns etwas Spannendes machen!“
Sie nickte kurz, sich selbst zustimmend. Sie wollte sich ablenken, nicht mehr an den leblosen, braunen Körper denken, unter dem Nihilus begraben und schließlich wieder befreit wurde. Außerdem war da noch immer diese Energie, die sie nicht los ließ. Ob die anderen beiden das auch spürten? Sie würde sie bei Gelegenheit danach fragen. Vielleicht waren sie auch schon etwas klüger, und wußten mehr darüber? Schließlich machte die Graue einen kleinen Satz, war nun wieder näher bei Nerúi und stieß sie leicht mit der Schulter an. Sie wollte nicht an einem Ort herum stehen und nichts tun. Noch immer hielt sie dieses Gefühl gefangen, laufen zu müssen. So schnell sie konnte. Und so lag ihr heller Blick herausfordernd erst auf Nerúi, dann auf ihrer weißen Schwester und schließlich auf der Fremden.
[westlicher Wald | Caylee, Adsini, Nerúi]
30.01.2011, 00:52
Obwohl der Rüde zuvor so unsicher wirkte, schien er sich nun etwas mehr entspannen zu können. Ja, er schien Vertrauen in sie gefasst zu haben, zumindest soweit, dass er nun ohne Punkt und Komma anfing zu reden, ihr Fragen stellte und augenscheinlich noch viele weitere Fragen auf dem Herzen hatte, die er so schnell gar nicht alle formulieren konnte.
Das Problem bei der Sache war, sie verstand ihn nicht. Was um alles in der Welt sollte eine Bibel sein? Nie zuvor hatte sie dieses Wort gehört, es fühlte sich fremd an. Und doch war sie neugierig, anscheinend kannte er diese Bibel. Was auch immer das sein mochte, sie wollte es ebenfalls wissen. Und, konnte es denn schlecht sein sich weiter zu informieren? Vielleicht war es ein Gegenstand, oder gar ein Wesen?, aus seiner anderen Welt. In der er kein Wolf war, sondern ein Mensch. Oder ein Werwolf. Sie spürte, wie auch in ihr viele Fragen aufkeimten, sie wollte so viel von ihm erfahren und sie war sich sicher, dass er ihre eine ganz neue Sichtweise eröffnen konnte.
So wie Thylia es vielleicht auch gekonnt hätte, wenn sie damals in dem richtigen Alter gewesen wäre.
Doch nun wollte sie erst versuchen seine Fragen zu beantworten. Gebote und Gesetze. Hatte nicht jedes Rudel Gesetze? Jeder Wolf innerhalb eines Rudels sollte sich seinem Stand gerecht benehmen. Natürlich tat das nicht jeder, aber allgemein betrachtet, konnte man dies doch auch als Gesetze bezeichnen. Oder nicht?
Aber, kam dies direkt von den Göttern? Was sagten ihnen die Götter, gaben sie ihnen wirklich etwas vor? Zwangen sie sie zu etwas, was sie nicht machen wollten? Gab es Regeln, die ihnen von den Göttern mitgegeben worden waren?
Irgendwie war Sheena sich dabei nicht ganz sicher. Sie würde Tyraleen dazu befragen müssen, vielleicht wusste die da mehr.
So blieb ihr in ihrer jetzigen Situation nicht viel übrig, als sich eine Blöße zu geben.
„Ehrlich gesagt… verstehe ich nicht ganz was du meinst. Was ist eine Bibel? Und, was meinst du mit Geboten und Gesetzen. Sollen unsere Götter uns etwas vorschreiben? Wie wir zu leben haben? Das verstehe ich nicht ganz.“
Sie runzelte die Stirn. Bedächtig ging sie ihre eben gesprochenen Worte nochmals durch. Doch, es klang vernünftig. Es kam nicht so rüber, als ob sie dumm wäre.
Und schon war Caleb wieder bei Thylia angekommen. Anscheinend war er noch recht unwissend, vielleicht ein sehr junger Gestaltenwandler.
„Soweit ich weiß wurde Thylia nicht geheilt. Zumindest nicht, solange sie hier im Rudel war. Sie ist gegangen, weil sie es für besser befunden hatte. Sie wollte niemandem schaden.“
Und außerdem hatte sie schlecht Anschluss gefunden. Aber das musste sie nicht erwähnen, damals hatten andere Wölfe diesem Rudel beigewohnt, die Zeiten hatten sich geändert, viele Wölfe kannten sie nicht mal mehr, die Gestaltenwandler. Warum sollten sie also Angst vor ihnen haben?
[Caleb (& Aléya)]
31.01.2011, 17:37
Krolock fixierte Takashi, machte einen Schritt nach vorne, ohne die schützende Position aufzugeben, die er über Nihil eingenommen hatte. Nähe sollte die Antwort für dessen Wohlbefinden sein? Der Schwarze hätte am liebsten gewürgt, allein bei der Vorstellung in welcher Abhängigkeit sich der Weiße befinden könnte. Noch war nicht bewiesen, dass der Zwerg damit Recht hatte.
Ohne jede Freundlichkeit funkelte er Takashi an. Dessen Worte prallten an ihm ab, als wären sie nichts als eine beiläufig erwähnte Floskel. ‚Hohles Gewäsch, du ziehst doch jetzt schon fast den Schwanz ein!’, dachte er.
„Wunderbar.“
Gab er sarkastisch zurück. Seine Stimme war tief und finster, dazu rau und klang, als hätte er sie nie benutzt. Fremd war sie, ebenso wie das donnernde Grollen, das aus seiner Kehle kam. Er wunderte sich über den Ton seiner Stimme, aber er fühlte, dass sie zu ihm gehörte.
Er zweifelte nicht an der Kampferfahrung und Stärke seines Onkels, aber er zweifelte stark an dessen Gradlinigkeit und Durchsetzungsbereitschaft. Krolock war es an sich egal, was der Alte tat. Wirklich verletzen konnte er ihn nicht. Nur körperlich. Und diese Art der Züchtigung würde ihm nichts bringen, abgesehen davon, dass Krolock dann beim nächsten Mal nicht mehr daneben schnappen würde.
Als Nihil seine Frage stellte, sah der Schwarze auf ihn hinab.
„Was dagegen? Ich kann auch gehen.“
Es gab da so eine Regel. Dumme Fragen erforderten dumme Antworten. Krolock sah Takashi zu, wie er zu Cirádan lief und fing dabei dessen Blick auf. Ein gehässiges Grinsen legte sich auf seine Lefzen, gerade solange, wie sein Onkel zu ihm sah. Als dieser sich seinem schwachen, erbärmlichen Bruder zuwandte, sah Krolock wieder zu Nihil nach unten.
„Wir können nicht ewig hier rumhängen. Das ist kein Ort um gesund zu werden. Ich weiß wo wir hinkönnen.“ In diesem Augenblick mischte sich der Idiot von Wolf wieder ein, mit dem er im selben Wurf geboren worden war. „Los Cirádan, du stützt ihn von der anderen Seite.“
Ohne Wenn und Aber dirigierte er mit wenigen Kopfbewegungen Nihil in Richtung Wald, ebenso wie seinen Bruder an dessen Seite. Er hätte Takashi noch dazu befehligt, aber er durfte nicht von der Seite des Nichtswolfs weichen. Dass war ein zu großes Risiko. Was sein Onkel nun tat, war ihm einerlei. Sein Bruder würde in seiner Aufgabe zu Helfen sicher aufgehen, außerdem würde er ihm sowieso nicht widersprechen.
Es war Krolock so völlig egal, ob sich Nihil nun in der Lage sah, aufzustehen. Er bestand schlicht darauf. Musste sich der Schwachkopf eben mal zusammen reißen. Besser als wenn sie hier noch eine Weile warteten, bis der weiße Versager am Boden festgefroren war.
[Direkt über Nihil, bei Ciradan und Takashi]
01.02.2011, 16:04
Chanuka lauschte dem älteren Rüden gebannt. Bisher hatte er nie mit jemandem über das geredet, was sich außerhalb des Reviers befand. Es war ihm selbstverständlich erschienen, dass die Götter überall gleicher Bedeutung waren und dieselben Namen trugen. Dabei gab es genug Fremde, die sie nicht einmal kannten. Aber wenn er genauer darüber nachdachte war dies unwahrscheinlich. Es gab nicht mehrere Götterkinder auf einmal, soweit er wusste. Es gab nur die Wölfe die Engaya zugetan waren und die, die sich Fenris entgegen richteten. Für Chanuka war außer Frage gestanden, für welche Seite er sich zu entscheiden hatte. Banshee war eine großartige Wölfin voller Güte gewesen und auch das Herz seiner Mutter war nicht gleich dem der Fenrissöhne. Gleichzeitig hatte er seinen Vater stets als liebevollen, sanften Wolf erlebt. Chanuka war nicht so blind um nicht zu wissen, das Averic manche Wölfe anders behandelte, aber er sah nichts Falsches darin, das er etwas strenger war.
"Hast du je Rudel gesehen, die überhaupt nichts über Götter wissen?"
Fragte er neugierig.
"Und wieso bist du fortgezogen, Malakím? Ich könnte mir nie vorstellen, hier fort zugehen... Sie würden mir alle irgendwie fehlen."
Er saß ruhig neben dem älteren Schwarzen und versuchte sich vorzustellen, irgendwo anders auf der Welt zu leben. Aber er konnte nicht. Und wenn, würde er sicher unglücklich sein.
[Bei Malakím am See]
01.02.2011, 17:42
Ruckartig zuckte er zusammen, als der Dunkle auf seine Frage antwortete, ohne wirklich überrascht zu sein. Nein, er sollte nicht gehen, bloß nicht. Wie sollte er dem Wolf folgen, der es mit eigener Kraft schaffte ein Ungetüm von Bär von der Stelle zu bewegen? Unmöglich. Zitternd versuchte er daher ihn mit fixierenden Blick – welch unnötige Kraftverschwendung, sah der Andere doch in die entgegen gesetzte Richtung! - zu halten, die Schnauze dicht an seinem Pelz, um notfalls zumindest die Möglichkeit ergreifen zu können ihn bei sich behalten zu können, so eigennützig es auch sein sollte. Im Moment wollte er einfach nichts anderes als Ruhe, die Nähe zu seinem Retter und dem Frieden der beiden Schwarzen. Warum löste sich die Gruppe nicht einfach auf, um Ruhe zu gewährleisten? Die graue Fähe hatte den Anfang gemacht und war verschwunden, ob nun aus Furcht oder besserem Wissen, es war die richtige Entscheidung gewesen. Und der Schwarze? Takashi? Warum tat er es der Dunklen nicht gleich? Es wäre besser gewesen, ruhiger.
Doch wie es schien hatte dieser genau den gleichen Gedanken gefasst, wandte sich nach einer letzten Drohung ebenfalls ab, die dazu führte, dass Nihilus die Augen zu schmalen Schlitzen verengte. Hätte er einfach zuvor seine Worte nicht ausgesprochen, gäbe es für Krolock nicht ein Mal einen Grund so gereizt zu reagieren – so versuchte es sich der Helle zumindest einzureden, von völliger Dankbarkeit noch immer geblendet.
Oo( „Nein!“ ) , wollte er schreien und damit Cirádan zu verstehen geben, der Takashis Vorschlag soeben vereitelte. Jedoch waren es einzig und allein die grauen Augen, die das Wort immer wiederholten. Die beiden sollten den Abstand vergrößern, von einander los kommen! Nicht weiter aneinander gebunden sein! So sehr ihn die Stimme des Grauen auch beruhigte, so sehr ihre Bekanntheit ihm auch gefiel: es war der falsche Weg. Nicht raus in den Frieden, nein, rein in den Krieg. Skeptisch schlich er einen Schritt weiter nach vorne, versuchte seinen Bruder zur Seite zu drängen, verlor dabei jedoch beinahe das Gleichgewicht, wodurch sein kläglicher Versuch mehr als ein Schwächeanfall erschien, als dass ihr wahrer Sinn zu erkennen war. Weiterhin am gesamten Leib zitternd hielt er sich mühsam auf den Tatzen, um im Notfall einzugreifen, wobei es womöglich der Beistand des blinden Freundes war, die ihm zu dem Glauben an eine friedliche Gesellschaft befähigte – abermals ein Punkt dafür, ihn bei sich zu behalten und nicht lauthals davon zu schicken.
Selbstsüchtig, viel zu selbstsüchtig! Doch war es nicht Eigenart eines jeden Lebewesens, die eigenen Bedürfnisse über die der Anderen zu stellen? War es nicht so, dass ein Jeder sich selbst bevorzugte, darauf achtend es nicht zu offensichtlich zu erscheinen? Ja… aber warum ging es ihm dann so gegen den Strich, wenn es nahezu alltäglich war, nur an sich zu denken? Warum gefiel es ihm nicht?! Warum wollte er lieber die Harmonie zwischen den Dunklen erhalten, als seine Ruhe zu bekommen… es ergab keinen Sinn. Nicht für ihn. Der Helle verstand seine eigenen Bedürfnisse nicht.
Leise jaulend, etwas anderes bekam er kaum zustande, empörte er sich gegen Krolocks Aussage, genau so schwachsinnig wie die des Grauen! Nicht helfen, verschwinden. Doch war es schon zu spät, als Krolock ihn von der Seite stützte und zu führen versuchte. Und mit der Körperwärme verflog die Furcht um dessen Wohlbefinden, die Sorge um seine… veränderte Art. Ob es nun daran lag, dass der Nichtswolf sich nun endlich entspannen durfte und konnte, oder an dem, für ihn selbstverständigen Wissen, dass der Dunkle nicht von ihm weichen würde, somit auch dieser in Sicherheit zu wiegen war, wusste er nicht, wollte er auch gar nicht erforschen: wichtig war, dass die beiden Streithähne auseinander kamen und dafür zwang er auch gerne die schweren Glieder einige Schritte weiter gen Wald.
„Danke.“
Flüsterte er, nicht wissend, ob es überhaupt Gehör fand. Bei Takashi, weil er sich um Cirádan sorgte, bei eben diesen wegen der Sorge um Nihilus selbst, oder bei Krolock und dessen selbstloses Handeln. Selbstlos.. hätte ihm nicht die Kraft gefehlt unwichtige Bewegungen auszuführen, so wäre der hängende Aufenthalt seiner Lefzen einem Kräuseln gewichen: niemals hätte er das für möglich gehalten. Oder, doch. Er hatte sich ein solches Handeln gewünscht, erhofft, dafür gebetet, allerdings niemals damit gerechnet.
(neben/unter/gegen Krolock, gegenüber von Takashi & Ciradán)
02.02.2011, 10:31
Sheenas Ausführungen zu der Werwölfin Thylia wirkten ernüchternd auf den jungen Werwolf. Seine Vorgängerin war ihren Fluch nicht losgeworden, solange sie in diesem Rudel war. Caleb seufzte enttäuscht. Er hatte so gehofft, dass diese Wölfe eine Möglichkeit wussten, wie er wieder ein normaler Mensch werden konnte. Aber dem war anscheinend doch nicht so. Denn wenn eine Priesterin nicht wusste, wie er erlöst werden konnte, wer dann? Caleb sah für einen Moment stumm auf seine Pfoten hinab. Es musste eine Möglichkeit geben, es musste! Vielleicht aber lag das auch nicht in der Macht der hiesigen Wolfsgötter, so es sie denn wirklich gab? Vielleicht konnte nur sein eigener Gott den Fluch von ihm nehmen, wo Er Caleb doch selbst damit belegt hatte? Aber wie konnte er die Gunst Jahwes zurück gewinnen, wo er doch nie wirklich in dessen Gunst gestanden hatte?
Calebs Gedanken drehten sich im Kreis. Er würde bis an sein Lebensende ein Hund bleiben, wenn er keine Lösung fand, gefangen zwischen Mensch und Wolf, nichts Ganzes und nichts Halbes...
Sheenas Fragen rissen ihn aus dem dunklen Strudel seiner Gedanken, in dem zu versinken er gerade im Begriff war. Für einen kurzen Augenblick wusste er nicht, wovon sie sprach, bis ihm sogleich darauf wieder einfiel, worüber sie noch gesprochen hatten.
"Eine Bibel, also, das ist ein Schriftstück, in dem das Wort Gottes geschrieben steht..."
Seine Erklärung brach ab, der junge Werwolf zögerte. Konnten Wölfe wissen, was Schrift war? Nein, unmöglich, wie sollten sie auch Schreiben? Caleb grübelte, dann begann er neu.
"Okay, moment, da muss ich weiter ausholen. Also, stell dir vor, deine Krallen wären hart genug, um damit in Stein zu kratzen, ja? Dann könntest du bestimmte Linien und Symbole dazu verwenden, Gesprochenes in Stein zu ritzen, sodass die Worte dort festgehalten sind. Sowas nennt man 'Schreiben'. Und jeder, der weiß, was die Zeichen bedeuten, kann diese geschriebenen Worte entziffern. Das nennt man 'Lesen'.... Warte mal, ich zeig's dir!"
Während seiner Ausführungen war Caleb wieder sichtlich munterer geworden. Die düsteren Gedanken lebenslanger Verfluchung waren vorerst von ihm abgefallen, und jetzt ging er in dem Versuch auf, Sheena das Prinzip der Schrift zu erklären.
Caleb sprang auf und machte sich daran, ein Fleckchen Erde vor sich freizugraben. Was nicht gerade einfach war angesichts des gefrorenen Bodens und dem Gras, das darin schier einzementiert war. Es gelang ihm aber schließlich doch, einen Flecken freier eÉrde zu schaffen, die er anschließend sorgsam mit den Pfoten glatt trat. Anschließend trat er an Sheenas Seite und malte etwas umständlich fünf Zeichen in den Sand:
C A L E B
"Siehst du, diese fünf Symbole bilden meinen Namen. Ca-leb."
Er sprach langsam und deutete dabei auf die Buchstaben.
"Wenn ich dieses Stück Erde jetzt herausheben und mit mir herumtragen könnte - oder wenn ich auf etwas anderes, tragbares geschrieben hätte - dann nennt man soetwas ein 'Schritstück', also 'Etwas, auf dem Geschriebenes steht'. Eine Bibel ist nun ein Schriftstück, auf dem die Geschichten und Erlebnisse der Propheten des Menschengottes festgehalten sind, sowie die Geschichte von Jesus, dem Sohn Gottes, und die Gebote, die Gott den Menschen gegeben hat. Die Gebote sind Regeln, nach denen ein guter Mensch leben soll. Das sind so elementare Dinge wie 'Du sollst nicht töten' und so. Es gibt verschiedene Bibeln, die dann auch anders heißen und einen etwas anderen Inhalt, weil nicht alle Menschen dassselbe glauben. Aber das führt jetzt vielleicht etwas zu weit...",
schloss er und sah Sheena fragend an, ob sie denn verstanden hatte.
"Habt ihr auch soetwas ähnliches? Nichts Geschriebenes, klar, aber eine Art Regelwerk oder einen Codex, den eure Götter euch gegeben haben und nach dem ihr leben sollt? Scheint ja nicht so, wenn ich deine Fragen richtig gedeutet habe, hm?"
Caleb lächelte etwas entschuldigend. Vielleicht war er mit seinen Ausführungen doch etwas zu ausschweifend gewesen.
[(irgendwo?) | Sheena, (Aléya)]
02.02.2011, 13:51
Tap, tap ta-tap. Sein Schritt war ungleichmäßig. Der lahme Lauf hinderte ihn noch immer daran seine normale Geschwindigkeit und vor allem seinen normalen Gang wiederzufinden. Der Hinterlauf berührte nur kurz den Boden, bis er weg knickte und der andere Lauf ihm zur Hilfe eilen musste. Ein langatmiges und behinderndes Schauspiel, von dem der Rüde hoffte, dass es bald vorbei sein würde. Doch kein Ende war in Sicht. Nein, denn abgesehen von seinem lahmen Lauf war da weiterhin die Müdigkeit. Die Schlaffheit
Wenigstens folgte die weiße Fähe ihm nun ohne große Widerworte. Das war großartig. So musste er sie nicht mehr hinter sich her schleifen, sich nicht ihr Gejammer anhören. Er hatte gesiegt! Er war der Stärkere, sowohl im Willen, als auch in der körperlichen Kraft. Hätte sein lahmer Lauf ihn nicht behindert, hätte er vielleicht Luftsprünge gemacht. So ersparte er sich das. Lediglich in seinem Kopf sprang er auf und ab. Er war der dominantere! - zumindest bis Lyerra wieder zu Jammern begann. Nicht durch den Wald gehen? Der wäre unheimlich? Pha. Jetzt erst recht!
» Dann kannst du ja da stehen bleiben, du Angsthase. «, sagte er heiter.
Es war nun nicht mehr der Ärger, der aus seiner Stimme hinaus zuhören war. Stattdessen vernahm man seine Belustigung bezüglich dieser Fähe, die so tat, als wäre sie stark, aber sich in Wirklichkeit davor fürchtete einen kurzen Weg durch einen dunklen Wald einzuschlagen. Dabei ließ er den Gedanken weg, der ihm verriet, dass auch er sich fürchtete. Ihr war der Wald von Anfang an unheimlich gewesen, aber er wollte ihn trotzdem durchqueren, komme was wolle. Besonders jetzt, da die Fähe offenbart hatte, dass sie sich fürchtete. Eine günstige Gelegenheit zu beweisen wie stark, mutig und tapfer er doch war!
02.02.2011, 20:46
Takashis Plan hatte sich innerhalb eines kurzen Moments in Luft aufgelöst. Cirádan war nicht damit einverstanden, den Ort hier und jetzt zu verlassen. Aus einem unerklärlichen Grund bestand der Jungwolf darauf, hier zu bleiben. Damit hatte der schwarze Rüde überhaupt nicht gerechnet, er war überrascht, aber keines Falls positiv. Was sollte nun geschehen? Takashi wollte seinen Schützling Cirádan bloß in Sicherheit bringen, wo er zudem seine Ruhe haben konnte. Doch das hatte sich nun wohl erledigt und der Rüde musste sich etwas Neues ausdenken, um nicht irgendwie mit Krolock in eine Keilerei zu geraten.
Immer wieder versuchte Takashi die Blicke des dunklen Jungwolfes zu meiden, schaffte es aber nicht wirklich. Krolocks Augen waren rot; rot, wie der Fluch. Dies bereitete dem Schwarzen noch immer Sorgen und machte ihn ziemlich nachdenklich. Er knurrte leise und rau mit einem brummigen Unterton. Ein wenig verärgert war er schon. Warum konnte Cirádan nicht einfach mit ihm kommen und somit all dem Ärger aus dem Weg gehen? Außerdem reizten den Schwarzen diese rot glühenden Augen, da sie ein gewisses Potenzial an Aggression in sich trugen.
Der Rüde kniff die Augen zusammen, nachdem er sich Cirádan genähert hatte und den Kopf senkte. Er blickte den Hellen an.
„Wenn wir jetzt gehen, kannst du dich ausruhen und dich von diesem schlimmen Schreck erholen...du musst deshalb keine Schuldgefühle gegenüber Nihil haben.“
Hatte der Rüde seinem Schützling leise ins Ohr geflüstert. Er wollte doch nur das Beste für ihn und vielleicht konnte er ihn doch noch überzeugen. Ein wenig auffordernd stupste der Schwarze seinen Kleinen in die Seite. Takashi hob seinen Kopf und ebenso den Blick, wirkte dann wieder genau so mächtig wie zuvor. Aber was brachte dies in jetziger Situation schon? Krolock war sicherlich nicht durch eine solche Banalität einzuschüchtern.
oO(Was tut man nur bloß mit so einem? Er ist noch jung und kann bereits solch einen Terror verbreiten. Und diese Augen...! Wahrscheinlich hat man damals genau so über mich gedacht...)
Der Blick des Rüden pendelte zwischen der Leere und seinen jungen Artgenossen hin und her. Was hatte man ihn auch mit den Sprösslingen alleine gelassen? Wusste man denn nicht von ihm, dass das gar nicht sein Ding war? Krolock war schon immer unbremsbar gewesen, Cirádan konnte mit seiner Ängstlichkeit auch schon Mal anstrengend werden, und Nihil? Nihil kannte er nicht besonders gut, war sich aber trotzdem sicher, dass auch er etwas an sich hatte, womit Takashi überhaupt nicht klarkommen würde.
Wieder ging der Blick des Rüden für einen Moment zu Krolock herüber. Daraufhin verengte Takashi bloß etwas die Augen und sah für einen kurzen Moment sehr grimmig aus. Sein Blick wandte sich aber auch wieder sehr schnell von dem Jungwolf ab, weil sich seine Laune nicht gerade besserte. Er schnaubte verärgert, während sich ein dezent roter Schleier durch seine tiefblauen Augen zog. Der Fluch hatte sich zwar schon lange von dem Schwarzen verabschiedet, hatte ihm aber eine besondere Macht verliehen. Denn Takashis Muskelmasse hatte kein bisschen abgenommen und er wusste sie noch immer genau so gut einzusetzen, wie damals.
“Was hast du vor? Wo willst du hin, Krolock?“
Es war Anspannung, keine Aggressivität die rot durch Takashis Augen schlich. Hoffentlich würde Krolock den Zustand seines Onkels nicht erahnen können.
“Lass mich Cirádans Aufgabe übernehmen. Ich persönlich halte es für keine gute Idee, wenn er sich nun auch noch körperlich so einsetzt...“
Bestimmt war Cirádan in dieser Situation viel zu geschwächt, um auch noch Nihil halten zu können.
( Rudelplatz | Krolock, Cirádan, Nihil )
03.02.2011, 10:30
Dass Adsini Nerus Aufforderung Mitzukommen folgen würde, hatte Caylee nicht erwartet. Aus irgendeinem Grund hatte sie die Weiße so eingeschätzt, dass sie die Freundschaft von Raja und Hilel vorziehen würde, denn die hatten bisher immerhin nur Caylee beleidigt, Adsini dagegen weitestgehend ignoriert. Naja … eigentlich war Caylee da tatsächlich die bessere Alternative, denn wahrscheinlich war es ein Stück weit ihr zu verdanken, dass Adsini so problemlos ins Rudel aufgenommen worden war – Caylee hatte auch kein schlechtes Wort über sie finden können. Vielleicht war die Neue ein wenig schüchtern und schweigsam, gerade für einen Jungwolf, aber das könnte auch an der unsympathischen Gesellschaft von Raja und Hilel gelegen haben. Außerdem war Schüchternheit ja nicht grundsätzlich eine schlechte Eigenschaft, sie konnte sicher von großem Vorteil sein. Zumindest hatte Caylee dank ihrer nicht vorhandenen Zurückhaltung nun zwei neue Feinde, während Adsini nur insoweit die Antisympathie Rajas und Hilels drohte, dass sie mit Neru und Caylee mitgegangen war. Viel Falsches war daran zwar nicht zu sehen, aber die Weiße wollte sich nicht vorstellen, was in Hilels krankem Hirn noch so abgehen konnte. Wie gut, dass sie jetzt weg von ihnen war. Als Adsini doch mal den Mund aufbekam und sich so förmlich vorstellte, grinste Caylee ihr entgegen und knuffte sie dann spielerisch und nicht zu fest in die Seite. Das Antworten überließ sie zunächst Neruí, die ein wenig drohend klang, sie dann aber alle vorstellte. Sofort schüttelte Caylee den Kopf.
“Kein Sorge, Neru, Adsini war nett. Wir hatten zwar nicht viel Zeit um uns zu unterhalten, weil die beiden anderen ja plötzlich auftauchen und mich beleidigen mussten, aber ich denke trotzdem, dass sie in Ordnung ist. Außerdem ist sie eine Jungwölfin und damit eine von uns, nicht wahr?“
Sie zwinkerte Adsini zu und wandte sich dann schon mit einem weniger breiten Grinsen der Meinung ihrer Schwester-oder-so zu, die noch höchst überzeugt von Aszrem schien. Caylee wollte ihr ihren Papa sicher nicht madig reden, aber gerade war sie wirklich ein wenig beleidigt mit dem Schwarzen. Sie ließ sich nicht gerne unfair behandeln.
“Ich glaube nicht, dass Aszrem sie vertreibt. Ihn hat es ja nicht einmal gestört, dass Raja mich beleidigt und sich benommen hat, als hätte ich in etwa den Stellenwert eines Regenwurms. Dabei ist das nicht richtig, egal wie alt sie ist.“
Leise brummte die Weiße vor sich hin, ließ sich dann aber bereitwillig von Atalya und ihrem kurzen Spiel mit Neru ablenken. Die Graue wirkte ganz anders, als Caylee selbst, energiegeladen und kräftig, ganz so, als hätte sie alle Kraft, die Caylee gerade fehlte. Nebenbei hing ein feiner Geruch von Tod und Bär in ihrem Fell. Ganz leicht stellten sich die Nackenhaare der Weißen auf.
“Was ist auf dem Rudelplatz passiert?“
[ westlicher Wald | jetzt bei Adsini, Neruí und Atalya ]
03.02.2011, 10:49
Dass die Wölfin, die bei ihnen gewesen war, schon längst gegangen war, fiel dem Jungwolf gar nicht weiter auf. Wie denn auch. Er hatte vorher nicht auf sie geachtet und jetzt ebenso wenig. Wobei jetzt es auch gar nicht mehr weiter nötig war.
Cirádan wusste nicht, was eigentlich zwischen Nihil und Krolock war. Er hatte auch keine Schuldgefühle, wie Takashi wohl meinte.
Nein, dem Halbblinden ging es auch um andere Sachen.
Um Nihil, um den er sich wirklich Sorgen machte.
Um Krolock, dem er immer noch beweisen wollte, dass er auch zu was gut war.
Und Takashi... Nun, was mit ihm sein wird. Das würde sich in nächster Zeit raus stellen.
Auch wenn Cirádan mehr auf Nihil fixiert war, hörte er dennoch die Sorge des schwarzen Wolfes. Seines Onkels, auch wenn dieser Umstand ihm nicht bewusst war.
Cirádan blickte hoch zum schwarzen Wolf neben sich und schüttelte kaum merklich den Kopf. Nein, er musste jetzt hier bleiben. Das hatte er selbst so beschlossen.
Als Nihil plötzlich stand. Mehr schlecht als recht, schien es doch würde er jeden Moment wieder umfallen, machte Cirádan einen Schritt auf den Weißen zu. Er sollte sich doch nicht so überanstrengen!
Was dachte er sich? Warum sah er ihn so bittend an? Wenn er ihn so bittend ansah, wollte Cirádan auch gar nicht gehen, sondern nur noch mehr helfen. Aber wie?
Etwas erschrocken war er schon, über den Umstand, dass Krolock ihn auf einmal ansprach und meinte er sollte Nihil stützen. So schwach wie Nihil auf den Beinen stand, war sich Cirádan nicht sicher, ob sie beide fallen würden, falls er ihn stützen würde.
Aber andererseits konnte er sich so nützlich machen.
"Bist du sicher, dass er sich bewegen soll? Er sollte liegen bleiben! Ausruhen!",
warf Cirádan ein und sah dabei in die roten Augen seines Bruders.
Auch wenn Nihil dafür schien und dankte... Aber es schien dem Grauen dennoch nicht richtig.
Doch als Takashi seine Aufgabe übernehmen wollte, die ihm von Krolock so eben aufgetragen worden war, ging ein Ruck durch den jungen Körper und er gesellte sich an Nihilus Seite. Stützte ihn, so gut es seine Kräfte zuließen.
"Es geht schon, Takashi.",
meinte Cirádan bestimmt. Ja, es ging. Im Moment zumindest.
Der Halbblinde sah zu dem einzig erwachsenen Wolf hier und stellte zum ersten Mal die Ähnlichkeit zwischen ihm und seinem Bruder fest. Sie schienen sich wirklich sehr ähnlich.
Aber darüber musste er jetzt nicht nachdenken. Später, wenn Zeit dafür war. Jetzt war es erst mal wichtig, dass Nihil von hier weg kam.
Ja.. aber warum eigentlich?
Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Natürlich war es nicht gut hier zu bleiben. Für keinen von ihnen. Dieser Blutgeruch, der entstellte Bär. Das war für keinen von ihnen gut.
Es schien als sei Cirádan wieder zurück in der realen Welt, denn nun vernahm er auch wieder die Gerüche und musste kurz würgen.
Aber jetzt durfte er nicht wieder schwächeln!
"Keine Angst, Nihil. Wir helfen dir und wenn wir von hier weg sind, wird es uns allen besser gehen.",
sprach er aufmunternd zu dem Weißen neben sich, dessen Fell er deutlich spüren konnte.
Der im Moment noch geschwächter war, wie Cirádan selbst.
[ am Rudelplatz | bei Takashi, Nihil, Krolock]
03.02.2011, 16:37
Die Fähe betrachtete den Rüden, der voller Sicherheit und Eindruck seine Worte ihr gegenüber aussprach. Doch ihre Mimik fand keine Veränderung. Ihre Körperhaltung war stets die Gleiche. War es Wahnsinn der aus ihr sprach oder ihre stetige Beständigkeit. Sie war unbeugsam und stur. Eigensinnig und unendlich selbstbewusst, sowie unbeeindruckt. In ihrem sehenden Auge konnte man keine Wehmut oder Trauer aufleben sehen. Es war stets das gleiche Bildnis. Kalt und karg. Eindeutig. Ihr Herz wurde nicht ergriffen von Bedauern, oder gar Reue. Es war dort nichts, was hätte erwähnenswert sein können. Ein immer wiederkehrendes Ergebnis, auf welches man kam. Es war ihr einfach egal und sie stellte sich nach und nach die Frage, wieso sie solch einen Versuch gestartet hatte. Sie hatte all die Zeit alleine überstanden und ist mit recht anstrengenden, doch erfolgreichen Schritten voran gekommen. Wieso sollte sie nun ihre Freiheit für ein Rudel geben, in dem sie sich wohl wahrlich nicht unterordnen konnte. Nicht mehr wollte. Denn sie hatte gelernt wie es ist allein zu sein und sie war bereit dafür, es zu lieben. Aber auch trotz dieser Erkenntnis, oder war dies der Grund, so war sie dem dunklen Rüden dankbar. Er hatte ihr die Wahl abgenommen und ihr gezeigt, welch wahres Gesicht sich verborgen in ihrer Brust gebildet hatte. Sie hatte keine andere Wahl, denn sie ließ sich treiben in ihrer Selbst und sie genoss es. Es war ihre Art. Mit keiner Faser hätte sie sich betrügen können und mit keinem Wort würde sie eine Entschuldigung sprechen, die nicht rechtens war. Wozu? Sie wäre nicht glücklich, obgleich Glück ihr relativ unbedeutend schien.
Es erfüllte sie kurz ein zartes Lächeln. Ja wäre sie wie der Rüde Volk gewesen, so hätte man ihre Hoffnung zerbrochen und ihren Sinn nach dem Leben, doch all diese Regungen konnte sie nicht mehr in sich spüren. Ihr Geist war nicht unrein, das wusste sie. Er war nur nicht jener, der der Norm entsprach. Hilel hatte ihre Worte mit dem Wissen der Konsequenz gesprochen und sie widersprach dem Ranghohen nicht. Ein Rudel war nicht mehr ihre Welt, nicht zu jener Stunde. Es war nur fraglich ob sie je wieder so einen Schritt tätigen würde, wenn sie doch wusste, welch Wesen sie war.
Mit einer leichten Verneigung, blickte sie Aszrem entgegen. Es lag kein Zorn in ihr, nur die sachte Ruhe und Bestätigung. Selbst ihr mattes Auge, welches die Welt nicht mehr erblicken konnte, erkannte jedoch die Wahrheit. Sie sah sich nicht als Unruhestifter oder unwillig. Sie war nur nicht unterwürfig. Jedes Rudel hätte an ihr Arbeiten müssen, obgleich sie wahrlich aufopferungsvoll sein konnte, sobald sie ein Ziel vor Augen hatte. Doch mit den Worten seiner, er müsse wählen und die Gemeinschaft schützen, sprach er eine wahre Kunde und so verachtete sie ihn keinesfalls, sondern schenkte ihm gar Anerkennung.
Ihre kurze Respekt zollende Körperhaltung schwand so gleich wieder. Sie wand ihren Blick wieder auf, einmal durch die Runde und wandte sich galant um. Es gab keine Worte die sie noch unnötigerweise hätte verschwenden müssen. Es war alles gesprochen und eindeutig und nun war es ihr Wille. Sie würde sicherlich in der Nähe bleiben. Es war ihre neue Heimat, jenen Ort den sie gefunden hatte, obgleich er noch frostig war, so würde er sich wandeln und mit ihm vielleicht ihr gefrorenes Herz. Es war jedoch fraglich, ob sie irgendwann wieder zu sich finden würde. Zu dem Wesen welches sie einst war. Lebensfroh, frei und rein. Die Welt war verdorben und mit ihr, ihr Geist. Ihre Vergangenheit unter ihrem Blick zerbrochen und mit jener ein Teil ihres sehnsüchtigen Leibes. Nun war es eine Zeit, die ihr nahe war, aber sie wusste es. Sie war jung und formbar.
Leichten Schritts trabte sie an und so folgte sie dem Weg, dem sie gekommen war.
[westlicher Wald | Aszrem, Raja, ? Volk Zubami ? / entfernt sich wieder]
05.02.2011, 01:15
Eine Woge der Erleichterung schwappte über Jarrèll Nathaniêl hinweg, als er sah, dass Majibáh den Blick wandte und seinen Worten folgte. Obwohl sie ihn kaum kannte, war sie seiner Aufforderung nachgekommen. Für diesen Bruchteil des Moments seiner Wahrnehmung, war er wieder Leitwolf, wieder Jarrèll Nathaniêl, der Fels in der Brandung, der Kluge, immer wohlüberlegte Silberne, der souverän und ruhig mit jeder noch so brenzligen Situation umgegangen war, der sein eigenes Leben gegeben hätte für sein Rudel. Welch bittere Ironie des Schicksals war es doch, dass er letztendlich derjenige war welcher überlebt hatte, während sein gesamtes Rudel den Tod gefunden hatte. Diese Erinnerung würde für den Rest seines Lebens auf seiner Seele ruhen, seine Narben ihn immer wieder an sie erinnern. Dies war seine Bürde, seine gerechte Strafe, wer auch immer sie ausgesprochen hatte, vielleicht auch nur die Last der Schuld die er sich selbst aufgeladen hatte, vielleicht aber auch die Rache der Götter, von denen er sich abgewandt hatte, die ihn büßen lassen wollten dafür, dass er sich von ihnen abgewandt hatte, statt nach dem Tod des Rudels an sie zu glauben, daran, dass all ihre Handlungen einen Sinn ergaben und niemand von ihnen umsonst hatte sterben müssen. Nur hatte Nathaniêl nicht mehr glauben können, nicht mehr glauben wollen, vielleicht weil er generell sinnlos war an die Götter zu glauben, die ihm als liebend und wohlwollend beschreiben worden waren, in all diesen Sagen und Legenden, die man auch ihn als Welpe immer wieder erzählt hatte, in der Hoffnung er würde sie später selbst an seine eigenen Söhne und Töchter weitergeben. Sinnlos deshalb, weil sie nicht sein konnten wie man sie beschrieb, weil es kein Leben geben konnte, ohne Tod, weil liebende Götter nicht all ihre Schützlinge blindlinks in den Tod schicken würden. Doch vermutlich war es sowieso müßig darüber nachzugrübeln. Wer wusste schon ob es die Götter gab und wenn ja, welche Ziele sie in ihrem ewigen Dasein verfolgen, waren diese doch jedem Sterblichen unbegreiflich. Es war wie die Weiße gesagt hatte, Glaube war kein Rettungsanker der einen aus den dunklen Tiefen zog, dass musste man schon selbst tun, höchstens war es der unerschütterliche Teil des eigenen Willens, der einem die Kraft zu geben vermochte, sich selbst vor dem Ertrinken zu retten.
Jarrèll Nathaniêl war in einiger Entfernung zu den beiden Schwestern stehen geblieben, respektvoll hielt er Abstand und das nicht nur, weil ihm Jumaana in der Rangfolge vorstand. Er wusste, dass die beiden das alleine klären mussten, nicht, dass er sich hätte einmischen wollen oder ähnliches. Unbemerkt, rechtfertigte er seinen Abstand vor sich selbst und unterdrückte die leise Neugierde, die ihn wie ein kleines Jucken in den Pfoten kribbelte. Vielleicht wegen Majibáh, weil er sich wünschte mit ihr zu sprechen, unter, nun unter etwas weniger dramatischen Umständen. Eigentlich verspürt er meist nicht wirklich den drang mit irgendwem zu kommunizieren, aber bei Majibáh war das auf eine irritierende Weise anders, ähnlich wie vor einigen Momenten in Gegenwart ihrer grünäugigen Schwester, verspürte er das Bedürfnis mit ihr zu reden, nicht viel und vorallem nicht über sich selbst, aber er spürte dass Majibáh viel zu sagen und zu erzählen hatte, wenn man sie denn ließ und sie machte in Jarrèlls Augen nicht den Eindruck als ließe man sie oft. Im Augenwinkel nahm der Silberrüde eine kleine Bewegung war, schwach, aber eindeutig vollständig wach, hon Jumaana ihren Kopf vom kalten feuchten Waldboden. Unbewusst durchrieselte ein warmer Schauer der Erleichterung den Körper des Wolfes und ein kleines, wohlwollendes Lächeln schlich sich zaghaft auf sein Antlitz. Für einen Augenblick wurden die Züge um seine Lefzen weich und fast väterlich war der Blick, den Jarrèll Nathaniêl den beiden Fähen zuwarf, die doch eigentlich ihm gleichen Frühling geboren wurden in dem das Licht der Welt das erste Mal in seine grünen Augen geschienen hatte und er erste tapsige Welpenschritte getan hatte. Verzerrte Bilder, gespiegelt in einer Pfütze seines Gedächtnisses erschienen in seinem Kopf, klarten langsam auf, zeichneten bekannte Gesichter. Seine Eltern, seine Geschwister, Shayné. Brennender Schmerz durchfuhr seinen Kopf, breitete sich aus, wie ein kalter Regen, verteilte sich in seinem Körper bis hinab in seine Pfoten und in die Schwanzspitze. Wie eingefroren blieb das Lächel auf seinem Gesicht, langsam schloss er die Augen, wehrte sich jedoch nicht gegen die Erinnerung, die wunderschön und furchtbar schmerzlich zugleich war, die bittersüßen Überreste einer Zeit, die ihm so unendlich weit zurück vorkam und trotzdem zum Greifen nahe. Der Geruch der süßen Blumen, das feuchte Gras an seinen Pfotenballen, die fiepsenden Laute der Spielgefährten klangen in seinen Sinnen wieder, so nahe als wäre er wieder der kleine naive Welpe von einst.
05.02.2011, 18:23
"Doch."
Adsini wandte sich an Caylee.
"Hilel hat er vertrieben. Er sagte, dass er sehe, dass sie sich nicht unterordnen könne, und dass der Schutz des Rudels wichtiger sei. Ob sie es akzeptiert hat, weiß ich nicht, aber ich bezweifle, dass sie sich gegen Aszrem auflehnen wird."
Sie schaute Caylee an, und wartete deren Reaktion ab. Nach einer Weile bemerkte Adsini, dass Nerùi etwas gefragt hatte.
"Ja, keine Angst, ich war nett zu Caylee."
Adsini lächelte leicht, und fuhr dann fort, allerdings verblasste ihr Lächeln, ihre Augen wurden überschattet von Trauer, die jetzt wieder in ihr hochkam.
"Meine Eltern sind vor einiger Zeit gestorben. Meine Brüder leben bei einem anderen Rudel."
Und wieder schweiften Adsinis Gedanken ab, der Wald veränderte sich vor ihrem inneren Auge, die Wölfe schwanden. Wärme durchflutete ihren Pelz, vertrieb die Kälte und ein Schwall an Gefühlen durchströmte die Jungwölfin; sie empfand tiefe Trauer, aber ebenso große Glückgesfeühle durchströmten sie, als sie Ihre Eltern sah, bei schon ein wenig ergraut, die im Sonenlicht lagen und ihren Welpen beim Spielen zusahen. Adsini war in diesen ruhigen Augenblicken gerne allein in den Wald gegangen, um einfach die Natur zu beobachten, um sich die Schönheit des Waldes ungestört anschauen zu können. Um allein zu sein. Auch wenn die junge Fähe es schon immer mehr gemocht hatte, im Rudel zu leben, als allein zu sein, brauchte sie doch ihren Freiraum und Zeit für sich. Immer wenn ihre Brüder Scheinkämpfe austrugen, verzog sie sich; sie mochte das Kämpfen nicht, und sowieso wäre sie bei ihren Brüdern nur die Unterlegene gewesen.
Doch jetzt blinzelte sie, um der Erinnerung zu entkommen. Sie konnte die Zeit ja doch nicht zurückdrehen. Sie hatte jetzt ein Rudel, andere Wölfe mit denen sie sich verbunden fühlte oder fühlen würde, und sowieso war sie es leid, immer das Gefühl zu haben, in einen tiefen Abrgund zu fallen, wenn sie an ihre Eltern oder ihre Brüder dachte.
Also schüttelte sie leicht den Kopf, blinzelte nochmals, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen.
Ja, dachte sie, und eine neue Welle Gefühle erfasste sie - dieses Mal allerdings nur Freude, keine Trauer - hierhin gehöre ich. Zu diesen Wölfen. Die Vergangenheit ist vorbei, was zählt, ist die Gegenwart.
[westlicher Wald | Nerùi, Atalya, Caylee ]
06.02.2011, 17:49
Für ALLE:
Die dunklen Wolken hatten es seit Tagen angekündigt, nun lösten sie ihr stummes Versprechen ein. Leichte, beinahe fröhlich wirbelnde Schneeflocken begannen den Himmel zu füllen und das Schweigen des Winters endgültig über das Tal zu legen. Hatte man vorher kaum Vogelstimmen oder die sonst gewohnten Geräusche des Waldes gehört, so verstummte die Natur nun ganz, nur noch das leise Rieseln des Schnees erinnerte daran, dass das Leben weiterging.
Bei Ráyon und Lyerra:
Der einsetzende Schneefall hatte die beiden Wölfe kurz innehalten und in den Himmel sehen lassen. Doch Ráyon war gewillt, den Wald zu betreten und Lyerra zu beweisen, dass es nichts Leichteres gab, als einen Wald zu durchschreiten. So setzte er auch seine ersten Schritte, doch schnell hielten diese wieder inne. Nur wenige Wolfslängen vom Waldrand entfernt, zwischen zwei Bäumen und halb verdeckt von einem niedrigen Busch lag ein großes Tier, leblos und seltsam verdreht. Seine großen roten Augen standen offen und starrten leer in Ráyons Richtung. Aus seinem Maul, das halb offen stand und aus dem Blutfäden rannen, ragten riesige Zähne, doppelt so groß wie die des sandfarbenen Rüden. Hinter dem Busch, vor Ráyons Blicken verborgen, aber durch wenige Schritte leicht zu entdecken, lag der große, zerfetzte Leib des rotäugigen Wesens. Sein Fell war dunkel, drahtiger als das eines Wolfes und auffallend kurz. Wäre es noch am Leben und stände es auf seinen vier kurzen aber stämmigen Beinen, hätte es Ráyon um eine Kopfhöhe überragt. Doch es musste schon mehrere Stunden leblos dort liegen, ein seltsam süßlicher Geruch ging von ihm aus, ebenso wie die Witterung eines Bären in seinem Fell hing.
06.02.2011, 18:15
"Hmmm...."
Den Kopf ein wenig schräg gelegt und die Augen zum Himmel gewandt, ohne ihn zu sehen, dachte der Schwärzling nach. Vor seinem geistigen Auge zogen die Rudel an einander vorbei, die er jeweils eine kurze Zeit lang begleitet hatte.
"Da gab es ein Rudel... ja, die 'Geistersänger', wie sie sich nannten. Sie waren gottlos, aber nicht ungläubig. Sie glaubte vielmehr an Geister, an viele verschiende Geister! Geister des Waldes, Geister des Wassers, Geister der Luft, Geister der Toten. Alles sei lebendig, sagten sie, alles sei bewohnt von und belebt durch Geister, und sie würden jeweils Einfluss auf ihre Domäne haben. Besondere Achtung genossen - wie du dir vielleicht schon denken kannst, die Geister der Toten, also ihrer Ahnen. So wurden zu bestimmten Zeiten Lobes- und Dankesgesänge ihnen zu Ehren angestimmt. Aber ein Rudel, das an gar nichts glaubt, also weder an Götter noch an Geister noch an etwas anderes Vergleichbares, ist auch mir noch nicht begegnet. Ich schätze, der Wunsch an etwas Höheres glauben zu können, wohnt jedem Wolf inne."
Bei den letzten Worten sah der Schwärzling erneut zum Himmel, hinauf zum Reich Engayas. Sein Lächeln wurde breiter und für einen kurzen Moment schloss Malakím die Augen, während Chanuka seine nächste Frage stellten. Als lausche er auch noch einer anderen Stimme. Als er den Jüngling wieder ansah, war seine Miene wieder etwas ernster geworden, wenn auch noch immer sanft.
"Ich könnte dir jetzt eine kurze Erklärung dafür geben, aber ich denke, ich kann dir auch die ausführlichere Version anvertrauen. Ich möchte dich aber darum bitten, dass du das, was ich dir gleich erzähle, nicht achtlos weitergibst. Es ist nichts Schlimmes und es ist auch kein geheimnis, das niemand anderes wissen darf, aber man sollte mit den Geschenken Engayas nicht prahlen und nach Prahlerei klingt es doch in den Ohren eines manchen Wolfes. Ich habe dir eben ja von den Geweihten meines Rudels erzählst. Siehst du, Chanuka, ich bin so ein Geweihter. Meine Geschwister und ich wurden zu früh geboren, noch im Winter. Meine Brüder und Schwestern starben schnell ob der Kälte, obgleich unsere Mutter uns wärmte. Und obwohl es auch schlecht um mein Leben ebstellt war, gab sie mich nicht auf. Sie und das ganze Rudel flehten Engaya an, sie möge Fenris Einhalt gebieten und mein Leben schonen. Und das ist meine erste Erinnerung, Chanuka, und sie kommt mir stets wie ein Traum vor: Dass ich inmitten warmen Lichts stehe, und vor mir die Silhouette der Geflügelten, die mich anlächelt und mir sagt, ich solle leben und ich hätte noch eine Aufgabe zu vollbringen."
Malakím hielt inne und öffnete langsam wieder die Augen, die er geschlossen hatte als er von seiner Traum-Erinnerung zu erzählen begann. Für einen Moment ruhten sie musternd auf dem jungen Schwärzling, dann verlor sich dieser Ausdruck wieder in Sanftheit.
"Darum habe ich mein Rudel verlassen, als ich alt genug dafür war. Engaya hat mich mit einer Aufgabe betraut, die ich nicht kannte und nach wie vor nicht kenne. Also habe ich es mir selbst zur Aufgabe gemacht, in ihrem Namen Gutes zu tun, Trost zu spenden und zu helfen, wo ich nur kann. Ich weiß nicht, ob es eine spezielle Sache gibt, die ich tun muss, oder ob es diese allgemeine Hilfe ist, die sie von mir erwartet, aber ich vertraue darauf, dass sie mir stets den richtigen Weg gewiesen hat und immer weisen wird. Vielleicht ist dies ja meine Aufgabe - Tyraleen durch diese Krise zu helfen und ihre Familie nicht zerbrechen zu lassen. Vielleicht auch nicht und irgendwo zieht mich dann das Gefühl von hier fort, woanders gebraucht zu werden. Das wird sich zeigen...",
schloss er und betrachtete Chanuka leise lächelnd.
"Wenn du also das Gefühl hast, nicht fort zu wollen, dann bleibe. Die Geflügelte weist einem jedem den Weg, der bereit ist, sich ihr zu öffnen, da bin ich mir sicher."
[Seeufer | Chanuka]
07.02.2011, 16:25
Fast wäre sie, trotz dem frostigen Wind, der ihr unters Fell fuhr, eingedöst. So müde war sie. Doch dann erhaschte sie einen Blick auf einen näher kommenden Wolf. Allerdings musste sie sich eingestehen, dass sie diese Fähe nicht kannte. Sie schien zwar zu dem Rudel zu gehören, aber erinnern an diese Fähe konnte sie sich nicht so recht.
Auch erschien sie ihr nicht gerade sonderlich zurechnungsfähig, sie sah aus, als ob sie in Gedanken versunken ihre Pfoten wahllos voreinander setzte, taumelte sogar leicht beim laufen, eher sie zurückschreckte, als sie fast über Liel gelaufen wäre.
Etwas eingeschüchtert blickte die junge Fähe zu der anderen hinauf, die nun, anstatt sich zu entschuldigen, sehr verstört immer und immer wieder ihren Namen flüsterte. Also wusste sie, wer sie war. Aber das wussten wohl die meisten Erwachsenen über sie und alle anderen jungen Wölfe.
Trotzdem würde sie sich wünschen, dass die Fähe ihr gegenüber endlich damit aufhören würde. Schließlich hatte sie jetzt verstanden, dass die andere wusste wem sie gegenüber stand.
Und ganz langsam keimte in ihr der Gedanke auf, dass mit der Fähe etwas nicht stimmte. Zumindest aus ihrem Sichtfeld betrachtet, und das wäre wieder ein Wolf mehr in diesem Rudel der irgendwie nicht ganz richtig im Kopf war. Sahen die anderen dies wohl auch so? Oder fand sie sich normal mit dem was sie tat. Und fanden die anderen, für sie unnormalen, sie auch normal? Wobei sie, mal wieder, bei der Frage und der genaueren Definition von ‚normal’ angelangt war. Irgendwie drehte auch sie sich immer nur im Kreis. Ein Anzeichen von Abnormalität?
Unpassender Zeitpunkt.
„Hihi. Genau die bin ich. Hallo du.“
Sie versuchte witzig zu klingen, so als ob die andere Fähe nur einen Scherz machen würde um sie aufzumuntern. Das erschien ihr der beste Weg um, erstens, die Fähe darauf aufmerksam zu machen, dass sie etwas Komisches tat und, zweitens, um sich selber zu beruhigen und ihr vor Aufregung pochendes Herz zu beruhigen.
Sie hatte nicht direkt Angst, aber das Auftreten der Fähe bereitete ihr doch ein gewisses Unbehagen. Und in jeder anderen Situation, nun, in fast jeder anderen, wäre sie wohl auch in der Lage gewesen sich in Sicherheit zu bringen, wenn etwas passieren würde, aber jetzt war sie doch so erschöpft…
[Gani]
07.02.2011, 18:12
Atme weiter. Hör einfach nicht auf damit, auch wenn es schmerzt. Siehst du? So einfach ist das- ein und aus. Die weiße Fähe hörte die unregelmäßigen Schritte des Rüden, hörte seinen Atme. Es war plötzlich so leise, kein Geräusch war zu hören und es schien noch stiller als eben zu sein. Unsicher sah die Fähe sich um, blickte kurz zu Ráyon. Er sah müde und geschafft aus, es ging ihm nicht gut und dennoch musste er ihr beweisen dass der Wald in Ordnung war. Was für ein Sturkopf. Sie spürte die plötzliche Freude in dem Rüden aufwallen. Was dachte er sich eigentlich? Wo blieb sein Beschützerinstinkt? Die Fähe schüttelte den Kopf, dann hörte sie dem Sandfarbenen zu. Sie und hier stehen bleiben? Was dachte er denn? Als ob sie jetzt hier ganz alleine stehen bleiben würde. Sie sah wie Ráyon bereits gehen wollte, wollte abermals zu einem Widerspruch ansetzten, als die Wolken sich plötzlich verdunkelten und einige Schneeflocken vom Himmel fielen. Missmutig betrachtete sie die weißen Flocken die sich kühl auf ihren Körper legten und sie frösteln ließen. Ihr Blick war in den Himmel gerichtet und die Fähe war für einige Sekunden abgelenkt, aber auch nur für einige, denn plötzlich kroch ihr ein sehr unangenehmer Geruch in die Nase und sie senkte den Blick wieder auf normale Höhe. Ráyon hatte anscheinend einen Schritt tiefer in den Wald gemacht, doch nun stand er wie erstarrt da. Erst wollte Lyerra ihn fragen was los war, doch da sah sie bereits den toten und leblosen Körper. Starre Augen sahen zu ihr und dem Rüden herüber, schienen diesen direkt anzublicken. Sie waren blutrot und seltsam leer, ebenso wie Augen aussehen aus denen das Leben gewichen ist. Die kleine Fähe zuckte merklich zusammen und kniff die Augen zusammen, vielleicht war das ja alles nur ein böser Traum und dann würde sie gleich aufwachen, an einen Wolf gekuschelt und dann würde sie dessen Wärme an ihrem Körper fühlen, doch nichts geschah. Als sie die Augen wieder öffnete lag das Ungeheuer da immer noch und starrte Ráyon mit leerem Blick an. Sie wollte spreche, wollte etwas sagen doch die Worte waren weg, alles war weg. Gedanken, Gefühle, Worte, nur eine seltsame Leere beherrschte den Körper der Weißen. Sie blickte dem Monster ins Gesicht, bemerkte den geöffneten Fang aus dem Blutfäden rannen, sah die riesigen und spitzen Zähne. Was war das bloß für ein Wesen? Eine leichte Angst machte sich in ihr breit, doch sie traute sich nicht etwas zu sagen, bekam aus irgendeinem Grund auch nicht die Wörter zusammen. Wie in Trance ging die Weiße einige Schritte vor, stand nun vor dem Sandfarbenen, schwieg immer noch. Alle Worte waren weg, ihre Stimme schien verschwunden zu sein. Sie konnte nun hinter den Busch schauen hinter dem der Körper des Wesens verborgen gewesen war, doch der Anblick erschreckte sie zutiefst. Der große Leib war zerfetzt und das kurze und drahtige Fell war blutverschmiert. Alles in der Fähe wehrte sich doch sie konnte nicht gehen. Was war das verdammt nochmal und was war geschehen? Das Tier, war es das überhaupt, musste größer als Ráyon sein, und das nicht zu wenig. Sie selbst war ja sehr klein, was wenn dieses Wesen vor ihr stehen würde? Ein unnatürlicher, süßlicher Geruch ging von dem Tier aus, sowie der Geruch eines Bären. Wie riesig musste der Bär gewesen sein damit er dieses Tier hatte töten können? Was geschah in diesem Tal? Der Leib der kleinen Fähe began zu zittern und sie flüsterte:
„Ráyon…”
Mehr nicht, bloß seinen Namen. Mehr Worte kamen nicht, mehr wollte ihr nicht einfallen. Ihr ganzer Körper vibrierte, zitterte von Angst. Langsam drehte sie den Kopf, schaffte es jedoch nicht zurück zu blicken. Der Schnee war längst vergessen, uninteressant und langweilig, nur das Wesen was da lag war interessant. Weiterhin zitternd neigte Lyerra ihren Kopf, versuchte wegzuschauen doch auch ohne das Monster vor Augen sah sie diese Augen und die riesen Zähne, das Blut und das kurze Fell. Ängstlich drehte sie sich zu dem Rüden um, zeigte ihm ganz deutlich dass sie Angst hatte. Sollte er seine Beschützerrolle genießen, sollte er doch zeigen dass er mutiger und stärker als sie war. Tapfer drehte die Weiße den Blick wieder nach vorne, starrte abermals zu dem Tier dessen Körper nach und nach mit Schnee bedeckt wurde.
[bei Ráyon l irgendwo im Wald l erstarrt und zitternd vor Angst]
09.02.2011, 17:07
Krolock nahm zufrieden zur Kenntnis, dass sich Nihil darum bemühte, an seiner Seite zu stehen. Was in dessen Inneren vorging, vermochte der Schwarze nicht zu erahnen. Es interessierte ihn allerdings auch nicht. Ebenso wenig wie er Interesse daran hatte, was seinen Onkel die ganze Zeit beschäftigte. Düster blickte er Takashi an. Eigentlich hatte er keine Lust, dem Alten zu antworten. Die Frage war so unsinnig wie dämlich und es ging ihn nichts an.
"Weg von hier, in den Wald. Der hohle Baum, geschützt vom Unterholz."
Herrisch war seine Stimme, gnadenlos. Er war nicht die Auskunft.
"Cirádan ist kein Welpe mehr, es hilft ihm nicht, wenn du ihn verhätschelst. Das Leben wird ihn auch nicht schonen."
Krolock sah zufrieden zu, wie sein Bruder seinem Befehl nachkam. Und er fand gut, dass dieser sich nicht von Takashi bevormunden ließ. Er hatte keine Ahnung was zwischen den Beiden vorging, denn den Anschluss an seine Familie hatte er längst verloren. Liel ging ihm zwar hin und wieder auf den Keks, mehr war da aber nicht mehr übrig. Seit er nicht mehr darauf angewiesen war, beim Rudel zu bleiben, trieb er sich alleine umher. Nur selten, wenn es verlangt gewesen war, hatte er sich bei den Anderen aufgehalten. Widerwillig.
"Verletzungen lassen den Körper schneller auskühlen und hier draußen wird es nicht wärmer. Wir brauchen Schutz vor der Kälte, der Baum bietet sich an. Er ist nicht weit, aber weit genug."
Die Worte richtete er an Cirádan und Nihil, beiläufig zu Takashi sehend, der von selbst darauf hätte kommen müssen. Danach lief er los, darauf achtend, dass der Nichtswolf mithalten konnte und dennoch darauf bedacht, dass sie zügig vorankamen. Der Sommer schien den Kampf gegen den Winter aufgegeben zuhaben, das Wetter schlug um.
[Bei Nihil, Cirádan und Takashi, auf dem Weg in den Wald]
10.02.2011, 14:54
"Du musst viele Rudel gesehen haben!"
Stieß er plötzlich aus, obwohl es so gar nicht seine Art war, derart impulsiv zu handeln. Chanuka lauschte dem älteren Rüden immer noch gebannt. Es war wirklich geradezu unvorstellbar, wie viel von der Welt Malakím gesehen haben musste. Wie war es wohl, fern vom Rudel gänzlich fremde Wölfe kennen zu lernen?
Neugierde hatte ihn gepackt und er versuchte, sich solch ein Rudel vorzustellen. Er hatte nicht vor, je auszuziehen um seine Gedanken in die Tat umzusetzen, aber er wollte zumindest im Geiste auf Erlebnisreise gehen. Während Malakím gen Himmel sah, blickte er auf den See. Seine Pfoten waren kalt und er fühlte sich müde, obwohl er ausreichend geschlafen hatte. Solange er seinen Kopf beschäftigte, konnte er aber vergessen, dass die Wärme Engayas fehlte.
Die Stimme des älteren Schwarzen zog ihn wieder in seinen Bann. Die Worte fielen gut gewählt und geheimnisvoll. Chanuka freute sich, vertrauenswürdig zu sein und nickte bestätigend. Er hielt nicht viel von Tratsch und war doch froh, das Malakím zusätzlich erwähnte, das er nicht einfach so über das Folgende reden sollte. So konnte ihm auch nicht versehentlich ein Fehler unterlaufen.
Fasziniert lauschte er auf die Erzählung. Sein Gesprächspartner hatte nicht nur viel von anderen Rudeln gesehen, sondern auch selbst viele Erfahrungen gemacht. Dies wurde ihm klar, obwohl es für manchen Wolf vielleicht schon offensichtlich gewesen wäre. Er wollte schon mit einer neuen Frage herausplatzen, als Malakím weiter sprach und eben diese beantwortete.
"In ihrem Namen?"
Nachdenklich ließ Chanuka sich die Worte durch den Kopf gehen, ohne eine Antwort zu erwarten. Er hatte laut gedacht. Als sich seine Augen wieder auf den Älteren richteten, hatte er zu seiner immerwährenden Hoffnung zurückgefunden. Engaya, Banshee... all die Töchter des Lebens würden nie zulassen, das seine Familie so schmerzvoll zerbrach. Es wäre nicht richtig. Die Liebe war da gewesen und sie würde zurückkommen. Liebe war stärker als Gefühle des Hasses, der Wut oder der Verachtung, davon war er überzeugt.
"Dann wird sie uns auch helfen, das alles wieder gut wird."
Zuversicht stand klar in seinen Augen geschrieben.
[Bei Malakím am See]
10.02.2011, 17:53
Natürlich wusste Tiberius wie er wirkte und wie umwerfend er sein konnte. Das alles war auch nur eine Frage der Technik, der Übung und der Ausdauer. Es hielt sich mindestens genau so einfach wie sein stetiges Lächeln. Es war keine Fassade hinter der er etwas Schlimmes, Grausiges oder Schlechtes verbarg – es war einfach Tiberius. Er konnte sich nicht daran erinnern einmal nicht gelächelt zu haben oder er hatte diesen Zeitpunkt systematisch ausgestrichen. Solche Momente, wie diesen mit Minyala, genoss der Rüde. Die Offenheit seines Charmes, seines Humors und seiner einfachen Art machten seine Reisen erst lebendig. Zudem erinnerte es ihn immer an den Grund, warum er das Rudel verlassen hatte und in die Welt gezogen war.
“Es wird schwer, aber ich versuche meinen Charme zu zügeln“,
gab es das Wort Umwerfheit überhaupt? Minyala gebrauchte das an Worten, was ihr einfiel. Kreativ war die Kleine auch noch. Na, wenn das mal nicht ein Grund war aufzupassen. Denn wie beeindruckt die Fähenscharr auch immer von seinem Charme war – ihre Rache kam meist bittersüß. So viel zum Thema: Rüden, das starke Geschlecht.
“Es sind nicht die schwarzen Brummelwölfe, die mir Sorgen bereiten. Viel mehr würde mich interessieren, warum im Hochsommer diese eisige Kälte herrscht“,
der prüfende Blick wanderte umher. Eine Weile schwieg er, genoss das Tempo und die gleichmäßigen, ruhigen Bewegungen. Zu oft hatte sich der Gestromte mit Artgenossen angelegt und seine Erfahrungen verrieten ganz deutlich: Weder Fellfarbe noch Größe waren entscheidend für den Ausgang einer Auseinandersetzung. Wer gut austeilte und immer eine offene Klappe hatte, der musste auch einstecken und sich darauf verlassen können, dass es immer einen Nebenbuhler gab, der mit der provokanten Art Tiberius´ nicht leben konnte. Doch scheinbar war es Minyala bei solchen Auseinandersetzungen schlechter ergangen – sie wurde mit dem Entfernen ihres Ohres bestraft und getadelt. Eigentlich sollte dieses eindeutige Zeichen vor ihrem Wesen warnen. Den Lügnern ein Ohr abreißen – so hatte es sich als Sitte in der Gesellschaftswelt der Wölfe niedergelassen. Eine grauenhafte Vorstellung, mit einem Ohr hörte es sich nicht so gut.
Unerwartet begann es zu schneien. Die leisen Geräusche der Vögel, des Geäst und der vielen kleinen Nager in der Umgebung verstummte. Die Welt in weiße Watte gepackt. Mit zusammengekniffenen Augen sah Tiberius in den grauen Himmel.
“Ich gestehe: Ich bin ein Sommertyp. Braungebrannt sehe ich noch viel besser aus“,
scherzte er und schüttelte sich in leichten Bewegungen den Schnee aus dem dichten Fell. Den Blick mittlerweile wieder auf Minyala gerichtet. Ziellos liefen die Beiden weiter in den Wald hinein, unbewusst und doch mit einer gewissen Vorahnung hatte er südliche Richtung eingeschlagen. Die leichte Witterung anderer Artgenossen lag in der Luft.
[ Minyala | südliche Richtung laufend | Witterung von Neruí, Caylee, Atalya und Adsini ]
11.02.2011, 16:37
Avendal’s Ohren zuckte und sie überlegte kurz. Vielleicht hatte Madoc Recht und sie sollte die Sache lieber allein mit ihrem Vater klären. Dennoch sagte sie vorerst nichts sondern schlenderte weiter den Weg. Sie hatte ja nicht einmal Ahnung wo genau sie ihren Vater suchen sollte. Oder sollte sie zuerst bei ihrer Mutter vorbei schauen? Nachsehen ob es dieser auch gut ging? Ihre tiefblauen Augen richteten sich auf Madoc, bestimmt wäre dieser gern bei Atalya also wäre es ihr eigentlich nur Recht wenn sie allein gehen würde. Leise seufzte die Fähe und wandte ihrem Kopf den Rüden zu. Der kalte Wind schlug ihr entgegen und ließ sie kurz inne halten. Wieso war ihr eigentlich so kalt? Lag es an ihrer derzeitigen Schwäche oder an etwas anderem? Egal, sie versuchte sich erst einmal auf Madoc zu konzentrieren.
„Mein Wunsch ist es nicht, aber vielleicht wäre es doch besser wenn ich diese Sache alleine kläre!“
Versuchte sie es in einem höflichen, freundlichen Ton. Auf die darauffolgenden Worte nickte Avendal bloß, beantwortete sie jedoch nicht mehr. Im Grunde genommen war es ihr auch egal, ihr Ziel war es… ihren Vater zu finden und um Verzeihung zu bitten, so dass sie ihre Ruhe von der Sache hatte und sich erholen konnte. Vielleicht würde sie später auch nach Aléya suchen oder sich irgendeiner anderen Gruppe anschließen. Ihre Pfoten trugen sie eher langsam als schnell vorwärts und vielleicht würde sie auch nachfragen müssen ob jemand ihren Vater zu Gesicht bekommen hatte. Ein leises Seufzen verflüchtigte sich aus ihrem Maul und Avendal suchte ihren Weg weiter, sie war fest entschlossen ihren Vater zu finden.
[Nähe Rudelplatz | Madoc]
11.02.2011, 20:06
„Liel“,
flüsterte die Wölfin noch einmal abschließend und starrte die Jungwölfin vor sich wie eine Fremde an. Dann huschte ihr Blick von links nach rechts, ihr Kopf wandte sich unsicher um und ihre Augen erfassten … nichts. Erfolglos versuchte die Graue, ihren Herzschlag in den Griff zu bekommen, doch er galoppierte ihr davon, während sie lief, ohne voranzukommen. Die kleine Liel musste sie für sonstwen halten, Gani war sich noch nicht einmal sicher, ob Kaedes Tochter sie überhaupt kannte. Sicherlich tat sie das nicht. Warum auch. Gani war nur eine Statistin, ein Schatten, der nur in Gesellschaft Akrus oder Aryans aufgeblüht war. Alleine war sie ein Nichts, ohne eigenen Willen und ohne jegliche Bestimmtheit. Sie hatte die beste Zeit ihres Lebens schon hinter sich gelassen, bereitete sich auf ihren Niedergang vor, während vor der kleinen Fähe noch ein ganzes Leben lag. Ein Leben voll Freude, Glück und Liebe. Ihre Eltern mochten tot sein, doch im Herzen ihrer Welpen lebten sie weiter, weil sie sie bedingungslos geliebt hatten. Und weil ihr Tod, ihr Verschwinden aus der Welt der Sternenwinde, nicht ihre Absicht war. Doch das Verschwinden Akrus und Aryans war gewollt – sie hatten Gani allein zurücklassen wollen, hilflos wie ein kleines Wölfchen, das orientierungslos durch ein unbekanntes Revier irrte. Die Rüden hatten sich nicht verabschiedet, sie hatten nicht gekämpft, um bei ihr bleiben zu müssen. Es war, als wäre die Prinzessin ihnen vollkommen egal gewesen.
Das war es, was am meisten schmerzte. Die Gewissheit, dass die beiden ohne Abschied gegangen waren, ohne das Bedürfnis, ihr etwas mitzuteilen. Dabei hatten sie alle beide gewusst, wie sinnlos ihr Leben sein würde, weil ihr Herz einzig und allein für sie schlug. Aryan. Akru. Aryan. Akru. Poch. Poch. Poch. Es war qualvoll, ein Stich in die zarte Seele der großen Wölfin und sie konnte nicht damit umgehen, von nun an vollkommen auf sich allein gestellt zu sein. Sie irrte hilflos herum, wusste nicht wohin und hatte keine Ahnung, wen sie um Hilfe bitten könnte. Hilfe, das war es, was sie brauchen würde, wenn es so weiterging wie bisher. Sie konnte nicht weiterhin apathisch und depressiv durch die Gegend laufen, das wusste sie selbst. Die Graue hatte Entscheidungen zu treffen und die erste Frage warf sich schon auf, wenn sie das Sternenwindrudel betrachtete. Gehörte sie noch dazu? War sie noch ein Teil der Gemeinschaft oder wurde sie verachtet, weil sie die Tochter Akrus war? Gani Amíra hatte darauf keine Antwort.
„Fragst du dich auch manchmal, warum man sagt, dass nach einem Sturm immer irgendwann die Sonne scheinen wird?“,
fragte sie ganz und gar zusammenhanglos und warf der jungen Wölfin einen umschattenen Blick zu. Die Kleine konnte ihr keine Fragen beantworten, sie hatte nichts, was ihr helfen konnte und trotzdem sehnte sich die Graue nach einer unbeschwerten Gesellschaft, die keine Antworten von ihr verlangte. Die nicht an ihr zweifelte, weil sie das gar nicht konnte, ohne die Wölfin zu kennen. Ihre Mutter hätte jetzt zu Gani gesagt, dass es Schicksal war, dass sie über die kleine Liel gestolpert war. Ihre Mutter war leichtgläubig und kindisch gewesen, sie hatte sich leicht beeinflussen lassen – aber sie hatte Akru geliebt. Bis Gani ihr ein würdiges Ende bereitete. Der Sturz in die Tiefe, das Fallen, die Angst. Fenris hatte beschlossen, dass das ihre Strafe sein sollte und Gani hatte seine Befehle ausgeführt. Der Tod ihrer Mutter machte sie nicht traurig, ganz im Gegenteil. Noch heute war sie stolz auf ihre Tat. Und irgendwann hätte sie ihren Vater auch gefragt, ob er es guthieß. Ob er seine einstige Gefährtin vermisste. Ob er seine Tochter in diesen Momenten gehasst hatte, weil sie ihre Mutter umgebracht hatte. Mit voller Absicht. Und ob er sie überhaupt noch liebte. Aber dafür war es zu spät. Gani hatte ihre Chance verpasst.
Und jetzt war Liel hier. Liel, der kleine, hilflose Engel, der ihr nun ein Lächeln auf die Lefzen zaubert. Es war vielleicht unsicher und schief, aber was erwartete man von einer Fähe, deren Herz vor Hass und Sehnsucht am Überlaufen war, deren einzige Freunde sie verlassen hatten, deren Leben keinen Sinn mehr hatte. Aber Liel hatte es nicht verdient, mit ansehen zu müssen, wie sie litt, wie sie innerlich starb. Gani war stark genug, um ihre Gefühle zu verbergen – jedenfalls glaubte sie das.
- [ Bei Liel ]
13.02.2011, 15:32
Jetzt half der Graue ihm doch. Genau das, das Nihilus zu vermeiden versuchte, kannte er Ciradán doch nur als den recht schwächlichen Jungwolf mit dem viel zu großen Herzen. Und so wie er roch, war es ihm beim Anblick des Ungetüms wohl kaum besser ergangen als Nihilus selbst. Dennoch nahm er die Stütze liebend gerne an, um Krolocks Aufforderung – den Hellen störte seine Tonart weniger – nach zu kommen. Desto schneller sie sich vom Bären entfernten, desto weniger würde die Erinnerung an seinen Kräften zehre. Und vor allem könnte sich die angespannte Stimmung entspannen – sollte den Grauen überzeugen können sich von dem kleinen Grüppchen zu lösen.
„Das klappt.“ , sich selbst versichernd, weniger Hilfe zu benötigen versuchte er sich sanft von en beiden zu lösen um das Tempo anzuheizen. „Es wäre wohl besser wenn wir uns beeilen.“
Ja, das wäre es. Die Schrittfolge beschleunigend, nahm auch das schwanken des hellen Leibes zu. Allerdings war er sich fast sicher, dass seine beiden Nachbarn ihn auffangen würden, falls er fiel. Ja, so viel Vertrauen durfte er den beiden Rüden zutrauen: Nihilus war einfach viel zu angetan von ihrer aufopferungsvollen Hilfe. So sehr, dass ihm zuerst gar nicht auffiel, welch bedrohliche Haltung Takashi angenommen hatte. Nein, nicht seine Haltung, eher sein Blick, den er Krolock zuwarf. War es nur die Einbildung des Hellen, oder erkannte er in ihnen eine Ähnlichkeit zu seinem Bruder? Entsetzt, als müsse er sich diesmal nicht körperlich, sondern geistig anstrengen, fixierte er den Schwarzen, der sich in seinem Pelz nicht wohl zu fühlen schien.
„Takashi, begleite uns doch…“ , er zögerte, „bitte.“ Um seine Worte für den Schwarzen lockend zu tarnen, setzte er nach einer Pause an: „Ich möchte Ciradán nicht lange dieser Last aussetzen.“ Ja, das stimmte sogar.
Eine spontane Frage, oder war es eine Aufforderung? Die Stimme Nihilus war viel zu schwach, als dass es hätte erkannt werden können. Doch versuchte er mit aller Kraft deutlich zu sprechen. Ja, noch vor wenigen Momenten war es ihm nur recht gewesen den Schwarzen los zu werden, ihn in weiter Ferne von Krolock zu wissen. Doch jetzt schien es, als wolle er ihn in seiner Nähe behalten.
Würde er den Schwarzen nach einer Trennung schnell wider finden? Nein, wahrscheinlich nicht. Ciradán würde ihn wohl daran hindern auf eigene Tatze gleich wider los zu stürmen – so war es ja auch richtig. Aber wie sonst könnte er seine Frage zu seines Bruders Veränderung – Kraft – stillen? Wenn es nicht nur reine Einbildung gewesen war, dass die beiden Schwarzen einen solch gleichen Blick besaßen, auch wenn es nur für einen Augenblick war, müsste er Takashi sofort mit seinen Fragen löchern. Denn Krolock selbst würde ihm wohl kaum eine Antwort oder gar Erklärung schenken, wie er so schnell zu ihnen gekommen war und vor allem welch Kraft ihn dazu veranlasst hatte, sich dem Bären allein zu stellen!
Leise rumorend stimmte er Krolocks Worten zu. Ja, Wärme wäre bei diesem so verkehrten Wetter etwas wahnsinnig Angenehmes. Doch wo sollten sie diese finden? Windgeschützt, eine Möglichkeit. Doch wie es aussah, begann die Natur mit ihren Launen zu testen, wie weit sie die Jahreszeiten ausweiten konnte. Oder waren die weißen Flocken nur ein Lichtspiel, das sich zwischen den Zweigen ereignete? Dabei sollte der Sommer doch eigentlich mit seinen Sonnenstrahlen locken, wie alle zuvor noch geschwärmt hatten.
„Verrückt.“
Nuschelte er leise in seinen Pelz hinein. Es war alles so… anders.
(bei Ciradán, Takashi & Krolock - Nähe des Waldes)
13.02.2011, 17:47
SL für Raja bei Aszrem, Hilel und Volk:
Raja hatte Neruí und Caylee einen ausdruckslosen Blick hinterher geworfen und die spöttischen Worte der beiden Fähen weitestgehend überhört. Sicher, es war kein schöner Empfang, aber von zwei Jungwölfinnen würde sie sich nicht einschüchtern lassen. Ganz anders dann Aszrems Worte, die klar machten, dass Hilel nicht willkommen war und die sie eindeutig aufforderten zu gehen. Die weiße Knickohrige betrachtete den dunklen Rüden und die ebenso dunkle Fähe und machte ein verbissenes Gesicht. Sie fand es nicht fair, wie Aszrem Hilel behandelte. Erst Recht, als diese sich umwandte und schlicht ging. Beinahe ungläubig sah die Weiße der anderen Fähe nach, stand plötzlich alleine mit Aszrem und diesem Volk da. Der kalte Wind fuhr ihr durch das dünne Fell und ließ sie erzittern. Was tat sie eigentlich hier? Warum sollte sie in einem Rudel bleiben, in dem ihr kleine beleidigte Fähen Feindschaften androhten und fremde Wanderer fortgeschickt wurden, weil sie ehrlich waren? Warum in einem Revier, in dem es so kalt war, dass sie sich unwohler nicht fühlen konnte? Nein, hier wollte sie doch gar nicht bleiben. Es würde bessere Orte geben, auch für sie. Mit entschlossenem Blick wandte sie sich an Aszrem.
“Ich habe es mir anders überlegt. Ich weiß nicht, was ich hier soll, ich fühle mich nicht wohl, es ist kalt und Freundlichkeit wird mir auch nicht entgegen gebracht. Ich danke Euch dafür, dass Ihr mich aufgenommen hättet, aber ich habe es mir anders überlegt. Ich werde das Revier wieder verlassen.“
Sie warf noch einen Blick zu diesem Volk, nickte leicht, zu beiden Rüden, und drehte sich dann um. Zuerst wollte sie Hilel nachgehen, entschied sich dann aber dagegen. Die schwarze Fähe hatte eindeutig klar gemacht, dass sie Gesellschaft nicht schätzte. In Richtung Reviergrenze und doch nicht zu Hilel, begann Raja ihre erneute Suche nach einem Rudel und ließ bald das Revier des Rudels der Sternenwinde hinter sich.
Bei Ráyon und Lyerra:
Ob es der Anblick des seltsamen Tieres war oder der Schmerz, der in seinem Hinterlauf schlummerte - Ráyon hörte nicht, was Lyerra sagte und sah ihren Schrecken nicht mehr. Ihm wurde Schwarz vor Augen, kurz blieb er noch schwankend stehen, dann stürzte er zur Seite und blieb reglos, aber atmend liegen.
13.02.2011, 19:04
Bei Tyraleen, Kisha und Parveen:
Das Gespräch der drei Fähen war langsam stiller geworden, bis schließlich jede von ihnen nur noch stumm da lag und die Nähe der anderen genoss. Alle drei waren in diesem Moment nur Schwestern, die eingebettet in die Liebe ihrer Familienmitglieder den Augenblick genossen. Was vorgefallen war, rückte in weite Ferne. Aber wie jeder andere Moment, musste auch dieser irgendwann enden. Tyraleen war unruhiger geworden, vielleicht war es der Instinkt einer Wölfin, die dem Leitwolfposten zumindest einmal sehr nahe gekommen war, vielleicht war es auch nur, weil sie als Mutter sehr feinfühlig auf die Stimmung im Rudel achtete. Auch so fern von anderen Wölfen außer ihren beiden Schwestern, spürte sie eine Unruhe im Tal, die sie aufschreckte. Zunächst fühlte sie sich unbeteiligt, doch dann biss sie die Zähne zusammen und erhob sich. Eine Leitwölfin war jemand, der sich um das Rudel kümmerte, auch wenn viele sie nicht unterstützen wollten. Es ging um das Wohl der Wölfe Banshees, es war Tyraleens Pflicht. Stumm verabschiedete sie sich von Kisha und Parveen und stieg vom Himmelsfelsen, machte sich auf zum Rudelplatz.
Die Weiße war schon eine längere Zeit unterwegs und fühlte sich erschöpft. Schon vorher war sie müde und schwach auf den Pfoten gewesen, jetzt ging es ihr noch schlechter. Sie hätte sich am liebsten einfach an den See gelegt und die Augen geschlossen, doch die innere Unruhe trieb sie an. Die Witterung von Blut lag in der Luft und auch einen Bären meinte sie aus dem kalten Wind zu riechen. Dennoch war es ruhig und bisher hatte sie keinen anderen Wolf getroffen. Eine seltsame Stimmung herrschte im Tal und in ihr. Sie hoffte nur, dass es allen gut ging und sie nicht zu spät kam, auch wenn ihr bewusst war, dass ihre Hilfe nicht erwartet und möglicherweise auch nicht erwünscht wurde. Dennoch, sie war und blieb jemand, der für dieses Rudel Verantwortung trug, ob das Rudel an sich das nun wollte oder nicht.
Es hatte angefangen zu schneien und obwohl die Weiße den Schnee und die Stille, die er brachte, so sehr liebte, konnte sie sich nicht darüber freuen. Schnee im Sommer. Auf ihrem Weg am See entlang hatte sie einen erfrorenen Schwan am Ufer gefunden, er war noch sehr jung gewesen, diesen Frühling geboren. Obwohl sie leichten Hunger verspürte, hatte sie ihn nicht angerührt, abgeschreckt von seinen steifgefrorenen Flügeln und der Haut, die steinhart angefangen hatte zu reißen.
Durch die wirbelnden Flocken erkannte sie endlich einen Wolf vor sich, weiß wie sie selbst und am Waldrand stehend. Neben ihm lag eine braune Gestalt. Im Näherkommen erkannte Tyraleen Lyerra, der Wolf, der beinahe leblos neben ihr lag war ihr unbekannt. Die Weiße beschleunigte ihren Schritt, erschrocken ob des Anblicks und deutlich das Blut in der Luft riechend. Sie erreichte die beiden Gestalten und nahm mehrere Details gleichzeitig auf. Lyerra schien entsetzt, zutiefst erschrocken, der fremde Braune lag auf der Seite, atmete aber und das Blut, das sie ganz deutlich wittern konnte, kam von keinem der beiden Wölfe. Ihr Blick suchte den Lyerras, unsicher, nicht nur aufgrund der momentanen Situation, sondern auch, wie die Weiße ihr begegnen würde.
“Was ist passiert, Lyerra? Wer ist das? Woher kommt der Blutgeruch?“
Sie senkte die Schnauze zu dem braunen Rüden, berührte ihn an der Nase und fuhr über seine Stirn. Sein Atem war regelmäßig, er schien nicht krank zu sein. Die Weiße war viel zu fixiert auf ihn und Lyerra um die Gestalt im Wald zu bemerken.
[ am Waldrand | Lyerra und ohnmächtiger Ráyon ]
14.02.2011, 12:52
Lyerras Blick schwankte zwischen dem Monster und Ráyon hin und her, hin und her. Als sie bemerkte, dass der Rüde schwankte wurde sie plötzlich ruhiger. Es war nun an ihr für ihn da zu sein. Sie musste Beschützer spielen. Ein kurzer Blick zu dem Monster, nur um sich zu versichern dass es wirklich nicht mehr aufstehen würde, und schon stürzte sie zu dem Sandfarbenen, der genau in diesem Moment umfiel. Unsicher stupste sie ihn an, immer und immer wieder, flüsterte seinen Namen wie eine Formel. Ráyon war zusammen gebrochen, aber das konnte nicht sein. Sanft stieß sie ihn an, ihr Blick starr und ein wenig Angst erfüllt. Sie blickte den Rüden an, suchte seinen Blick, fand ihn jedoch nicht. Immer wieder flüsterte sie seinen Namen, wiederholte ihn als würde er dadurch wieder aufstehen, doch das tat er natürlich nicht. Vorsichtig fuhr sie mit der Nase über seine Stirn, berührte seine Lefzen. Es war Leben in ihm, die Frage war nur wie lange noch. Entsetzen machte sich in ihren Augen breit und erst als sie den Kopf hob um sich abermals umzublicken bemerkte sie einen weiteren Wolf. Tyraleen, ihre Leitwölfin. Erleichtert atmete die Fähe auf, erwiderten den Blick der Wölfin, dennoch wich die Sorge und die Unsicherheit nicht aus ihren Augen. Es wunderte sie dass die Leitwölfin ihren Namen kannte, doch daraus machte sie sich in diesem Moment nichts. Fieberhaft kramte sie nach einer passenden Antwort, wieder machte sich leichter Schmerz in ihrem Körper breit, ausgehend von der Stelle auf die sie gefallen war. Ihr Kopf rumorte, dennoch fand sie eine Antwort, die halbwegs passabel klang:
„Am.. Rudelplatz, der Nichts- Wolf war tot. Dann wieder nicht. Ráyon und ich“ Sie deutete auf den liegenden Rüden „gingen um uns den grausigen Geruch des Todes aus dem Pelz zu waschen, wollten dann weiter gehen und haben uns gestritten. Er wollte durch den Wald, weil der Weg versperrt war. Er meinte es wäre ein böses Zeichen. Ich wollte nicht durch den Wald, sieh dich um wie unheimlich es hier ist. Ich ging zurück, wieder zum Fluss und stolperte. Ráyon folgte mir, dachte erst ich würde spielen wollen und wurde dann plötzlich sauer. Er ging wieder hierher, ich wollte ihn nicht alleine lassen, bat ihn abermals nicht durch den Wald zu gehen. Er lachte mich aus, meinte dass ich feige wäre und dann… war da plötzlich das da..“ Sie wies mit der Schnauze in die Richtung des Wesens, welches nun durch den Schnee kaum noch zu sehen war. „Es war grausam. Es war plötzlich da, und dann brach Ráyon zusammen und ich konnte nichts tun und jetzt.. jetzt..“
Stammelnd beendete sie ihre peinliche Rede, bemerke da erst den wirklich verunsicherten Blick ihrer Alphawölfin. Vorsichtig lächelte sie ihr zu, aufmunternd und freundlich, doch ebenso schnell wie es gekommen war erstarb ihr Lächeln auch wieder. Ráyon ! Tyraleen tat etwas Ähnliches wie das, was Lyerra selbst getan hatte. Unsicher sah sie ihr dabei zu, sagte nun nichts mehr. Alles was sie gesagt hatte war etwas ungenau und verwirrend gewesen, sobald sie etwas sicherer war, würde sie Tyraleen abermals erklären was geschehen war, vielleicht würde diese ja auch fragen.. ?! Das würde es erheblich erleichtern zu beantworten was genau geschehen war.
[Am Waldrand l Tyraleen && ohnmächtiger Ráyon]
14.02.2011, 14:06
"...was passiert ist...?"
Die Stimme des Silberpelzes glich einem Krächzen, weil sein Hals sich so schrecklich trocken anfühlte, dass es schmerzte, wenn er sprach. Was dachte er darüber? So unendlich viel und doch wieder gar nichts. Er konnte es nicht erklären. Es waren viel zu viele Gefühle, die sich in ihm vermischten, die aus ihm raus wollten und die er doch für sich behalten musste.
Der Jungrüde schloss seine Augen, und atmete tief durch, während er seine Gedanken ordnete. Er wollte Averic antworten, aber er wusste nicht genau wie er es anstellen sollte. Was er sagen sollte, was er überhaupt wirklich dachte. Er musste seine Gefühlsmacht komprimieren und sie auf einige wenige Worte zusammenfassen. Was war nun also geschehen.
"Ich glaube...- dass, alles ein schreckliches Missverständnis war."
Oh ja, das war es. Tyraleen hatte nach ihren Gefühlen gehandelt, ohne nachzudenken. Hätten sie alle in Ruhe nachgedacht, so wäre es nicht so weit gekommen, es wäre niemals passiert. Es hätte eine andere Lösung gegeben. Wieso ließen sich diese Wölfe so leicht von bösen Träumen lenken? Wieso hatten sie nicht einfach über das, was sie gesehen hatten gesprochen? Tascurio hätte Averic nie umgebracht. Nein... der Rüde blickte bei diesem Gedanken seinen Vater an und verbot sich selbst, sich vorzustellen, wie es hätte anders sein können. Obwohl aus seiner Sicht alles gut geworden wäre. Tascurios Tod war ein sinnloses Opfer gewesen, dass nicht hätte sein müssen - und wer war Schuld? Die Götter. Oder der Glaube an sie. Turién stritt die Existenz der Götter weiterhin ab, obwohl sich Zweifel in ihm gestreut hatten... auf Engaya konnte er getrost verzichten, sie konnte nichts. Welcher Gott des Lebens würde sie all die schrecklichen Dinge durchstehen lassen? Da konnte er sich schon eher mit dem Dasein Fenris' anfreunden. Denn der Tod und all das Schlechte schienen allgegenwärtig zu sein...
"Wenn sich niemand sowas wie Götter ausgedacht hätte, wäre das alles nicht passiert.",
gab er leise und etwas störrisch von sich, weil er einfach nicht akzeptieren wollte, dass es etwas wie eine höhere Macht gab; Etwas. was er weder sehen, noch fühlen, noch riechen, noch schmecken, noch hören, noch anfassen und entdecken konnte. Auf seine Züge hatte sich eine bestimme Grimmigkeit gelegt, weil er dieses Gefühl der Trauer nicht mehr zulassen wollte. Er war lange genug traurig gewesen, er hatte einfach keine Kraft mehr traurig zu sein.
Er blickte missmutig zu Boden, weil sich in ihm gerade soetwas wie eine Wut auf die Welt zu entwikeln schien, als ihm etwas aus den Augenwinkel auffiel. Irritiert hob er den Blick und legte seinen Kopf schief. Da, wieder! ... kleine weiße Kugeln, trafen auf den Boden, aber wo kamen sie her? Der sonnengelbe Blick musterte Averic, den er grimmig Anstarrte. Er war der einzige Weit und breit, der ihn hätte mit etwas bewerfen können - aber ihm war grade nicht nach Späßen, und Averics Stimmung schien auch ihn nicht sonderlich empfänglich für einen Spaß zu machen. Wieso tat er dann sowas?
"Hör auf Pap-...",
er stockte mitten im Satz, als er bemerkte, dass es doch nicht Averic war, der ihn mit kleinen weißen Kugeln bewarf, die auch sofort wieder verschwanden, wenn sie auf den Boden trafen. Unsicher legte er die Ohren an, als es immer mehr wurden, die tänzelnd um sie herum schwebten. Das weiße Zeug blieb jetzt sogar auf dem Boden liegen, und setzte sich auch auf sein Fell... Er wusste jetzt, dass sie aus dem Himmel kamen... und seine Augen weiteten sich erschrocken.
"Papa, was ist das?!"
Gab es Engaya doch? Hatte sie ihn gehört und war nun wütend - wollte sie ihn bestrafen? Er schüttelte sich, um die Kugeln loszuwerden und begang umruhig hin und her zu laufen, dabei versuchte er diesem Zeug auszuweichen, was wirklich schwierig war, denn es war einfach überall! Er drehte und wendete sich, schüttelte sich alle paar Sekunden. Und wie konnte Averic nur so ruhig bleiben, hatte er keine Angst?!
"Was ist das? Mach das es aufhört, es soll wegehen!" , wimmerte er leise.
[Tote Ebene - Averic ]
14.02.2011, 17:28
Nerúi hüpfte zurück, als Atalya ebenfalls auf sie zuhielt, und reckte wedelnd die Rute in die kalte Luft. Aber ihre Motivation ebbte schnell ab, sie hatte ihre Kräfte einfach nicht beisammen. Sie wand sich wieder zu Caylee.
"Bestimmt. Niemand Doofes darf hier bleiben. Zumindest nicht wenn wir es verhindern können"
Meinte sie zwinkernd, und nickte Adsini zustimmend zu, schenkte ihr ein Lächeln.
"Dann heiße ich dich hiermit Willkommen im Kreis meiner Schwestern"
Meinte sie zufrieden, und legte mitfühlend die Ohren an, als Adsini ihr ihre Frage beantwortete. Ihr lagen noch weitere Fragen auf der Zunge, aber sie beschloss die Fähe erst einmal damit zu verschonen.
"Das tut mir Leid!"
Bekundete sie, und streckte die Zunge nach Adsinis Schnauze aus, um sie zu trösten. Nun jedoch weckten Atalyas Worte ihre Neugier, doch Caylee kam ihr zuvor. Nerúi fiel die Veränderung im Fell der Weißen sogleich auf, und eine Mischung aus Sorge und Misstrauen befielen die Schwarzbraune.
"Ja, erzähl uns davon..."
Bestätigte sie unruhig, wollte ihre Aufregung jedoch nicht allzu offen tragen.
"Was Spannendes? Na, wir finden schon was. Kommt mit!"
Forderte sie munter, und es gelang ihr erneut, die Schwere abzuschütteln, die sie am Liebsten fest gehalten hätte. Sie hüpfte ein paar Schritte nordwärts, einfach der Nase nach, als sie plötzlich etwas kaltes, weiß-glitzerndes auf der Nase traf. Völlig entsetzt erstarrte sie in der Bewegung, stierte das Etwas an, dass auf ihrer Nase zu Wasser wurde, und machte einen großen Satz zurück in den Kreis der Jungwölfinnen.
"Was ist das?!"
Fragte sie völlig erschrocken, und wirbelte einmal um sich selbst. Da fielen lauter weitere Glitzerdinge herab, überall dort, wo die Bäume sie zum Boden hindurchliessen. Nerúi versuchte einzelne Glitzerdinger zu fixieren, aber sie verschwanden spätestens wenn sie den Boden berührten. Manche blieben auch, und verschwanden wenn andere sie zudeckten. Das war unheimlich.
Mit drohendem Grollen duckte sie sich, sprang aus ihrer 'Deckung' hinaus und schnappte wie wild nach den tanzenden Flocken. Aber auf ihrer Zunge war erst Kälte und dann Wasser, nichts weiter. Und so viele sie auch fing und zerbiss, es kamen immer weitere Flocken herab gerieselt. Sie gingen einfach nicht weg, und schienen von ihrem Angriff gänzlich unbeeindruckt. Unerhört!
"Ich mag das nicht. Es ist kalt und soll wieder weg gehen! Das war doch vorher auch nicht da!"
Schimpfte sie, und drehte sich immer wieder im Kreis, um den Glitzerdingern zu entwischen. Aber es half nichts, und nach kurzer Zeit war ihr ganzes Fell davon besetzt. Und dann waren sie wieder weg, und sie war nass. Nerúi fühlte sich überaus ungerecht behandelt.
"Bah! Nichts wie weg hier! Sowas Blödes!"
Schimpfte sie, und zottete nun weiter gen Norden, wie sie es schon zuvor versucht hatte...
[Westlicher Wald | Atalya, Caylee, Adsini | Unterwegs in Richtung Minyala und Tiberius]
14.02.2011, 18:19
Für einen Moment folgte ihr Blick dem Rüden, der sie gebeten hatte umzukehren, und auch wenn sie es sich nicht gerne eingestand, es wäre ihr lieber gewesen, wenn er bei ihr geblieben wäre. Diese ganze Situation weckte ihre Selbstzweifel, denn sie konnte sich kaum vorstellen, dass sie einem Tier, das sie im Grunde genommen nicht sonderlich gut kannte, den Willen zum Leben zurückbringen konnte. Abgesehen davon, dass sie vor Nervosität zitterte und kaum ein verständliches Wort zusammenbrachte, der Anblick verstärkte ihre Ängste nur noch mehr. Ihr Körper war so leblos und auch ihre Seele erschien ihr so schwach, während sie daneben stand, nicht fähig irgendetwas zu sagen. Aber zugleich fühlte sie eine tiefe Verbundenheit in sich, die immer stärker zum Vorschein kam. Es ging hier nicht um irgendjemanden, sondern um ihre Schwester, die sie selbst schon gerettet hatte, aus der Verzweiflung, die in den ganzen Jahren voller Einsamkeit entstanden war. In den Nächten war sie dagelegen und hatte sich eingeredet, es war sinnlos weiter zu suchen, dass es keinen Sinn mehr hatte, dass sie nur ihre Zeit verschwendete, und doch hatte sie nicht aufgegeben. Tief in ihr drin lebte eine Kämpferin, sie musste nur aufhören diese hinter ihren Ängsten zu verstecken, und jetzt war der richtige Zeitpunkt dazu, das spürte sie. Einige Sekunden ließ sie sich noch Zeit, um den Wind in ihrem Fell zu spüren, ihre Augen zu schließen und die kalte Luft ein- und schließlich wieder auszuatmen. Leben und Tod. Liebe und Hass. Glück und Leid. Drei starke Gegensätze, mit denen man lernen musste umzugehen, denn man konnte sie nicht umgehen, sie lagen nicht in den eigenen Händen. Nur wenn man das Gleichgewicht zwischen beidem wiederherstellen musste, konnte man selbst etwas an seiner Situation verändern, und an diesem Punkt war sie gerade angekommen. Dieses Mal konnte sie es sich aussuchen, was sie wählte, und sie entschied sich dafür, für die Weiße zu sorgen, die jetzt ihre Hilfe brauchte. Selbst wenn sie die Erwartungen nicht erfüllen konnte, die auf ihr lagen, wenigstens konnte sie dann behaupten, dass sie es versucht hatte, und nicht wieder jeder Schlacht aus dem Weg gegangen war, mit der Ausrede, dass sie ohnehin verlieren würde. Es stimmte nicht. Ebenso wie jeder andere auch war sie fähig zu gewinnen.
Langsam schoben sich ihre Lider nach oben, gaben die Sicht frei auf ein Element, das zugleich für das ganze Rudel notwendig war um nicht zu auszusterben, und dennoch unheimlich gefährlich werden konnte. Vor ihr erstreckte sich der Sternensee, so gewaltig, dass es fast unmöglich war, sich nicht zumindest für längere Zeit von ihm einnehmen zu lassen. Auch wenn sie noch nicht so viel Zeit hier verbracht hatte wie die meisten anderen, einige Monate schon nannte sie dieses Gebiet ihre Heimat, und bis zu diesem Zeitpunkt war es ihr noch nie gelungen. Doch sie konnte sich nur noch auf die Weiße konzentrieren, die sie gerade so nötig brauchte, und es war wichtig, dass sie keine Zeit verlor. Plötzlich musste sie nicht mehr darüber nachdenken, wie sie dieses Problem lösen könnte, ob sie diese Aufgabe jemals bewältigen könnte und was die Konsequenzen wären, wenn nicht, welche Worte sie wählen musste damit sie glücklicher werden konnte, ihre nächsten Taten geschahen einfach. Schritt für Schritt näherte sie sich Jumaana, bis ihre Vorderpfoten an sie stießen. Dann legte sie sich an ihre Seite und versuchte sie zu wärmen. Nicht weil sie nicht fähig wäre diese Temperaturen zu ertragen, sondern um ihr das Gefühl zu geben, dass jemand sie beschützte, der immer für sie da war, der jederzeit bereit wäre sich für sie zu opfern und dem sie mehr am Herzen lag als sie selbst. Vorhin hatte sie noch gefragt, was passiert war, und als sie keine Antwort erhalten hatte, hatte sie es begriffen: Das spielte keine Rolle. Selbst wenn sie es wollte, sie war nicht in der Lage dazu es zu erzählen, es schien besser zu sein diese Erinnerungen nicht zu wecken, zumindest solange nicht, bis sie wieder stehen konnte. Ein stummes Lächeln erschien auf ihrem Antlitz, das auch ihre Augen vor Freude aufleuchten ließ. Es war so schön bei ihr zu sein, auch wenn es unter diesen traurigen Umständen war, und als sie bemerkte, dass die Fähe versuchte ihren Kopf zu heben – und auch wenn es ihr nicht völlig gelang, es war immerhin schon ein Fortschritt – fasste sie selbst neuen Mut. Das würde nicht ihr letzter Tag zusammen bleiben, und sie konnte es sich immer noch vornehmen sich etwas mit Jarrèll Nathaniêl zu unterhalten, wonach sie ein unheimlich starkes Bedürfnis hatte. Ihn näher kennenlernen. Seine Geschichte erfahren, von der sie vermutete, dass sie noch schlimmer war als ihre eigene, schließlich wirkte er auf sie oftmals auch bedrückt, deprimiert, wie wenn ein schlimmes Ereignis in der Vergangenheit sich ihm immer wieder aufdrängte und es ihm verbat, mal zu vergessen und loszulassen. Erst einmal war es ihr allerdings wichtiger, dass die Grünäugige sich vollkommen erholte von dem, was geschehen war, und dafür würde sie alles tun, was in ihrer Macht stand und darüber hinaus. Immerhin war der Graue körperlich vollkommen gesund, und obwohl es eigentlich nur eine Vermutung war, sie glaubte, dass er auf sie warten würde und sie sich erst einmal keine Gedanken um ihn machten musste. Dafür war sie so dankbar, fast so dankbar wie für seinen Trost in dieser Nacht, und das Wissen, das er sie in allem unterstützen würde, sobald sich endlich einmal die Gelegenheit ergab sich kennenzulernen. Irgendwie erfüllte sie das alles mit einer Zufriedenheit, die sie beinahe vergessen hatte. Nichts könnte ihre Wunden besser heilen als sanft mit der Zunge über das weiße Fell der Wölfin, die so nah mit ihr verwandt war und ihr alles bedeutete, zu fahren, und ihren Kopf vorsichtig auf ihr niederzulegen, nichts könnte das besser als dieser Tag, der einerseits eine Katastrophe mit sich gebracht und andererseits zwei wieder zusammengebracht hatte, die voneinander abhängig waren.
[Bei Jumaana am Sternensee - in der Nähe von Jarrèll Nathaniêl]
15.02.2011, 22:20
Tyraleen merkte erst, als sie direkt vor Lyerra und dem fremden Ohnmächtigen stand und seinen Atem gespürt hatte, dass die weiße Fähe ihr gegenüber keine Abneigung zeigte, nicht einmal einen Funken von Misstrauen oder Abwehr. Sie schien nur erleichtert, nicht mehr alleine mit dem Braunen zu sein und ihre vielen, bisweilen ziemlich verwirrenden Worte loszuwerden. Es war eine ganze Menge an Informationen und Tyraleen hatte Mühe, zu verstehen und gleichzeitig alles richtig zu zuordnen. Der Wolf am Boden hieß offensichtlich Ráyon und die Bezeichnung ‘Nichts-Wolf‘ musste Nihil meinen. Nihil war tot aber auch nicht? Ihr Fell sträubte sich leicht, aber Lyerra schien Nihil nicht viele Gedanken zu widmen, viel zu beschäftigt war sie mit dem kleinen Hin und Her zwischen ihr und dem Rüden um dann am Ende doch noch etwas zu erwähnen, was Tyraleen stutzen ließ. Ihr Blick folgte dem Schnauzendeuter der Fähe, aber sie erkannte nur einen dunklen Schemen, was im Wald nicht weiter ungewöhnlich war. Jetzt merkte sie jedoch eindeutig, dass der Blutgeruch aus dieser Richtung kam und mit einem letzten Blick auf den weiterhin reglos daliegenden Ráyon machte sie einen Schritt in den Wald. Was dort auch immer lag, es schien den Braunen von den Pfoten gerissen zu haben. Zunächst erkannte Tyraleen nur die langen gelblich weißen Zähne, die aus einem offenen Maul hervorragten. Dann kam langsam der Kopf dazu, leere rote Augen und schließlich – halb hinter einem Busch verborgen – ein großer, stämmiger Körper, der eindeutig schon bessere Tage gesehen hatte. Stumm starrte die weiße Fähe eine ganze Zeit lang das tote Wesen an, nahm den Geruch des Bären wahr und konnte doch vorerst nichts damit anfangen. Außer vielleicht, dass dieses Tier möglicherweise in den Klauen eines Bären gestorben war, aber warum war vollkommen unklar. Beinahe vorsichtig, als könnte das Wesen doch noch aufspringen, trat sie noch einen Schritt näher und roch an dem kurzen, drahtigen Fell. Im ersten Moment hätte sie einen Wolf bei dieser Witterung erwartet, doch nach und nach wurde die Note dunkler, herber und aggressiver. Sie zog sich wieder zurück. Es war kein Wolf und doch sonst keiner anderen Tierart ähnlich.
Mit leeren Gedanken trat sie die wenigen Schritte zurück zu Lyerra und versuchte sich an einem Lächeln. Es war an ihr, die Weiße zu beruhigen und zudem musste sie sich um Ráyon kümmern. War er wirklich nur diesem Anblick zum Opfer gefallen? Er war erschreckend, aber nicht unbedingt ohnmachtsauslösend. Beinahe ratlos fuhr ihre Zunge über ihre Lefzen. Allein Lyerras Offen- und Vertrautheit ließ sie nun klar und rational handeln.
“Wir müssen dieses … Tier … dem Rudel zeigen. Vorerst brauchen wir aber keine Angst haben, es ist eindeutig tot. Viel eher würde ich mir um den Geruch des Bären Sorgen machen, ich habe ihn schon vorhin gewittert. Möglicherweise streift er verwundet herum.“
Ihr Blick legte sich wieder auf Ráyon, noch ratloser als zuvor. Sie wusste nicht, was sie für ihn tun konnte, aber einfach hier liegen lassen konnten sie ihn doch auch nicht. Erneut senkte sich ihre Schnauze zu ihm und verharrte diesmal an seiner Stirn. Sie spürte seinen weiterhin regelmäßigen Atem in ihrem Pelz und auch sein Herz schlug schwach aber kontinuierlich. So fern sie sich auch von Engaya fühlte, dass er dem Tod nicht nahe war, konnte sie mehr als deutlich spüren.
“Es geht ihm so weit gut. Vermutlich wird er gleich wieder aufwachen. Du brauchst dir keine Sorgen um ihn zu machen.“
Sie richtete sich wieder auf und besann sich dann auf Nihil und seinen Tod oder auch nicht. Was war am Rudelplatz geschehen?
“Du hast von Nihil gesprochen, als du den Nichts-Wolf erwähnt hat, nicht wahr? Was ist mit ihm? Was ist auf dem Rudelplatz passiert?“
[ am Waldrand | Lyerra und Ráyon ]
16.02.2011, 16:09
Lyerra beobachtete ihre Alpha ganz genau, schaute ihr dabei zu wie diese zu dem toten Wesen ging. Was der anderen Fähe wohl in diesem Moment durch den Kopf schoss? An was sie wohl dachte? Unsicher trat die kleine Fähe von einer Pfote auf die andere, sah kurz wieder zu Ráyon um sich zu vergewissern dass er nicht plötzlich weg war, um zu sehen dass alles in Ordnung war, dann blickte sie abermals zu Tyraleen. Aus reinem Respekt schwieg sie und wartete was ihre Leitwölfin dazu sagen würde, zu all dem gesehenen. Auch sie schien das Wesen unheimlich zu finden, wagte sich allerdings weiter heran als Lyerra es getan hatte. Sie kleinere Fähe wusste genau was ihre Alpha nun gesehen hatte, sie wusste genau was sich ihr für eine Anblick geboten hatte, denn sie selbst hatte vor einige Augenblicken noch vor dem Monstrum gestanden. Ein seltsamer, schwerer Geruch hing in der Luft, machte ihr das Atmen schwer. Ein wenig verunsichert und verwirrt erwiderte sie das vorsichtige Lächeln der Leitwölfin, schaute diese an ohne dabei aufdringlich zu wirken. Taten waren nun wichtig, Worte und Taten, doch Lyerra fühlte sich nicht dazu im Stande. Sie wollte hier bleiben, hier liegen in der Gewissheit dass alles gut werden würde. Warum hatte sie nicht zusammenbrechen können? Ihre Ohren schnellten nach vorne als Tyraleen begann zu sprechen, in vollem vertrauen auf die Weiße lauschte sie, dachte kurz nach.
„Ich bin ehrlich gesagt nicht sicher, ob es so klug wäre dieses Wesen sofort dem ganzen Rudel zu zeigen. Vielleicht wäre es besser erst einige Wölfe aus dem Rat zu holen, bevor man das ganze Rudel darüber aufklärt was hier geschehen ist. Das über den Bären gesprochen werden muss ist klar, niemand sollte alleine sein. Niemand sollte irgendwo hin gehen wo es nicht sicher ist, dieser Bär scheint wirklich… unnatürlich zu sein..“
Seltsame Worte drangen aus dem Maul der Weißen, doch irgendwie schienen sie richtig zu sein. Lyerra atmete tief durch. Ihre Stimme hatte fest und stark geklungen, doch nun wurde die Kleine von einem leichten Schauer übermannt. Sie folgte dem blick der Alpha, sah nun ebenfalls auf Ráyon hinab. Was ihn bloß hatte zusammen brechen lassen..?! Vielleicht der taube Lauf, vielleicht der Anblick oder einfach beides. Zustimmend nickte sie zu den Worten Tyraleens. Sie würde sich keine Sorgen machen, ihr Vertrauen in ihre Leitwölfin war groß, obwohl sie sich kaum kannten. Als ihre Alpha das Wort mit einer Frage an sie richtete horchte Lyerra auf, nahm die Frage genau auf. Was geschehen war. Sie sollte bloß erzählen was geschehen war. Von wo an? Seit sie auf Ráyon und Atalya getroffen hatte? Sie ging den bisherigen Tag kurz durch, versuchte sich alles Wichtige in Erinnerung zu rufen. Sie wusste nicht was ihre Leitwölfin alles wusste, dennoch war es wohl das Beste einfach alles zu erwähnen.
„Der Morgen begann normal, zumindest für mich. Am Rudelplatz traf ich auf Ráyon und Atalya. Ráyon ging es nicht gut. Er war vollkommen erschöpft und fertig, Atalya hingegen ging es blendend. Sie war voller Energie und voller Tatendrang. Ich weiß nicht warum es den beiden so ging, denn für mich war alles normal. Ráyon beklagte sich außerdem über einen tauben Hinterlauf. Wir waren in ein Gespräch vertieft, indem wir darüber sprachen warum es manchmal Wölfen gut, und manchen grausig schlecht ging, als plötzlich der Schrei eines Wolfes und der eines Bären zu hören war. Der Geruch von Blut hing in der Luft, und plötzlich kam ein Bär mit einem Jungwolf in seinen Fängen direkt auf den Rudelplatz getaumelt. Der Jüngling war eindeutig tot, sein Körper war seltsam und unnatürlich verrenkt. Dem Bären hinge der Pelz in Streifen vom Körper, er war kurz davor zu sterben. Einige Augenblicke später tat er das auch. Er fiel um, einfach so. Dabei begrub er, Nihil wie du ihn nanntest, direkt unter sich. Alle erstarrten, niemand wusste was geschehen war, warum Nihil und der Bär gekämpft hatten. Atalya lief fast sofort zu dem toten Bären, ich wollte sie daran hindern, doch schon einige Augenblicke später stand sie da, und dann sah ich wie der tote Wolf unter dem Bären hervor gekrabbelt kam, und zwar vollkommen lebendig. Ein schwarzer Jüngling regte sich total auf, ich kenne seinen Namen nicht, doch er schien sauer zu sein.“
Lyerra schwieg für einige Augenblicke, sie wollte ihrer Leitwölfin Zeit geben all das was sie gesagt hatte zu verstehen und zu verarbeiten, dann setzte sie erneut an um ihre Geschichte weiter zu erzählen:
„Ráyon und ich flohen gemeinsam von diesem grausem Ort, gingen zum Fluss um den grausamen Geruch aus unseren Pelzen zu bekommen. Wir gingen beide in den Fluss, danach folgten wir unserem Weg, knapp neben dem Wald her, weg vom Fluss. Irgendwann waren dort Bäume und Steine, Ráyon kam mit seinem tauben Lauf nicht darüber, so gingen wir in den Wald um einem anderen Weg zu folgen, eigentlich hätte ich das Hindernis gerne umrundet, doch der sture Rüde wollte nicht. Wir stritten und…” für einige Sekunden hörte Lyerra auf zu sprechen, wartete auf irgendwas. „Ich ging, fiel und prellte mir irgendwas, Ráyon folgte, allerdings war er nicht gerade begeistert davon dass ich abgehauen war. Als wir den Wald wieder erreichten, wollte er mir zeigen wie sicher dieser Wald war, als ich plötzlich dieses Wesen entdeckte, und dann war Ráyon plötzlich..“
Zitternd hörte sie auf zu sprechen. Hoffentlich verstand Tyraleen die Situation, ansonsten würde sie vermutlich fragen, natürlich würde Lyerra dann antworten so gut sie es vermochte, doch sie war nicht gerade darauf aus, nun Fragen darüber zu beantworten.
[am Waldrand l Tyraleen und ohnmächtiger Ráy]
16.02.2011, 23:22
Es schien ganz so, als wäre Ráyon nicht der einzige, der nicht ganz fit war. Nerúi, die zuvor auf sie zugesprungen war, machte nun keine großen Anstalten, auf ihre Aufforderung zu reagieren. Die Graue schmunzelte nur darüber, da sich die Dunkle im nächsten Moment schon wieder an die Fremde und ihre weiße Schwester wandte. Auch Atalya drehte den Kopf wieder herum, betrachtete nur Adsini. Sie konnte nichts zu dem sagen, was die anderen drei Wölfinnen von sich gaben. Und dann, ganz plötzlich, lag die Aufmerksamkeit Caylees und Nerúis auf ihr. Sie konnte erkennen, wie sich Caylees Nackenfell ganz leicht aufstellte. Dann erkundigte sie sich nach den Geschehnissen auf dem Rudelplatz, und auch die Schwarze fragte noch einmal nach. Atalyas Blick ruhte jedoch auf Caylee, nur kurz zuckte ein Ohr durch die kalte Luft.
“Ich war bei Lyerra und Ráyon, als wir merkwürdige Geräusche gehört haben. Ich bin ohne die beiden zum Rudelplatz. In der Nähe von Takashi und Cirádan brach ein Bär aus dem Gebüsch, voller Blut. Er hatte den verletzten Nihil bei sich. Der Bär war auch verletzt, und fiel schließlich tot um. Nihil wurde unter ihm begraben. Zuerst dachten wir, er wäre tot... aber Krolock kam angerannt, mit wahnsinnigem Blick und roten Augen. Er hat Nihil unter dem Bär weg gezogen... und dem ging es erstaunlich gut. Aber Krolock hat diesen wahnsinnigen Blick behalten...“
Eigentlich hatte sie weiter sprechen wollen, aber abgelenkt durch Nerúi, die einen Satz von ihnen weg machte, wandte sie den Kopf herum. Nun schlich sich doch ein Lächeln auf ihre Lefzen, und mit einem Blick zu Caylee und Adsini sprang sie Nerúi nach. Sie kam nicht weit, da sprang die Dunkle ihr jedoch schon wieder entgegen, und Atalya blieb verwirrt stehen. Ihr heller Blick legte sich ein wenig skeptisch auf die dunkle Wölfin, die sich nach etwas erkundigte.
“Was meinst...?“
In diesem Moment war es ihr klar. Etwas traf sie im Auge, ließ sie zusammen zucken. Kräftig kniff die Graue die Augen zusammen, schüttelte den Kopf, um es los zu werden. Sie schnaufte, öffnete dann die Augen. Das kurze Stechen war verschwunden. Ein wenig verwirrt drehte sich die dunkle Wölfin zu den anderen, konnte noch erkennen, wie Nerúi sich drehte und versuchte, dieses Zeug los zu werden. Es klebte in ihrem Fell, auf ihrem Kopf, an ihrer Schnauze. Prüfend drehte auch Atalya den Kopf so, dass sie ihren Körper sehen konnte. Auch sie war überall mit diesem Zeug verklebt. Aber... sie konnte doch nicht so reagieren, wie Nerúi! Sie war Atalya die Furchtlose!
Die Graue biß die Fänge aufeinander, ließ dieses Zeug auf ihrem Fell nicht aus den Augen. Verdammt, es sollte weg gehen! Die dunkle Fähe versuchte es mit pusten. Aber da, wo dieses Ding gesessen hatte, war nun ein Tropfen Wasser. Misstrauisch verengte die Graue die Augen, machte dann einen Satz nach vorn und schüttelte den grauen Pelz. Für einen Moment war sie frei, ehe sich die feinen Dinger wieder in ihrem Pelz verfingen. Sie grollte leise auf, schüttelte sich dann noch einmal. Nur um wenige Sekunden wieder Ruhe zu haben. Sie wollte Madoc bei sich haben. Er würde sicher wissen, was das war!
“Was soll das?! Das soll weg gehen!“
Wieder grollte sie, sprang dann Nerúi hinterher, die wieder in die andere Richtung lief. Immer wieder schüttelte sie den dunklen Pelz, ihr ganzer Körper war in Bewegung. Es sollte weg gehen! Aber vielleicht verschwand es ja, wenn sie lang genug liefen? Und wieder bewegte sich ihr ganzer Körper, nur um dieses, kalte nasse Zeug los zu werden.
[Nerúi, Adsini & Caylee - Westlicher Wald]
17.02.2011, 12:20
Minyala war vorerst einfach froh, sich bewegen zu können und so ein wenig Wärme in ihre Läufe zu locken. Wenn es etwas gab, was sie nicht mochte, also so gar nicht mochte, dann war das der Winter. Nun war es ja eigentlich Sommer, somit gab es noch etwas, das sie noch mehr als so gar nicht mochte. Wenn der Winter den Sommer ausfallen ließ. Das war nicht nur verrückt sondern auch unverschämt und hätte die Silberweiße nun keine angenehme Gesellschaft und eine Aufgabe – Tiberius zum Rudel bringen – hätte sie möglicherweise eine folgenschwere Entscheidung getroffen und wäre davongerannt. Zu Calebs Glück war aber Tiberius da und so lief sie nun nicht mehr lächelnd neben dem Rüden her und nickte leicht auf seine großspurige Ankündigung. Ein wenig neugierig war sie ja schon, ob dem Gestromten tatsächlich reihenweise die Fähen zu Pfoten liegen würden. Er war zumindest eine Abwechslung zu all diesen anderen Rüden, die meistens die Klappe hielten. Zum Beispiel die schwarzen Brummelwölfe. Vor denen Tiberius aber natürlich keine Angst hatte – brauchte er strenggenommen auch nicht zu haben, Minyala hatte noch nie erlebt, dass ein Wanderer nicht aufgenommen worden war. Ihn sorgte ebenso wie sie die Kälte, schlaues Kerlchen.
“Was für eine höchst intelligente Frage!“
Ein leichtes Lächeln erschien wieder auf ihren Lefzen.
“Leider nicht zu beantworten, jedenfalls nicht von mir. Wenn du einen Rudelwolf fragst, wird der dir sicher etwas von der Macht der Götter hier erzählen, aber ich persönlich halte das ja für Humbug. Die spinnen alle ein bisschen, würden alles für ihre Götter tun und scheinen sich keine Sekunde zu fragen, ob sie nicht leicht übertreiben.“
Minyala zuckte die Schultern, was im Gehen eher wie ein Stolpern aussah und sie kurz aus dem Gleichgewicht brachte. Sie dachte an Ráyon und seine Geschichte – was Götter auslösen konnten, wenn die Wölfe nicht mehr an sie glaubten, aber ebenso an Tyraleens Tat – was Götter auslösen konnten, wenn man an sie glaubte. Vollkommen verrückt, beides.
Erst Tiberius‘ Blick in den Himmel und sein ‘Geständnis‘ ließen sie aufsehen und entdecken, dass es angefangen hatte zu schneien. Minyalas Gesicht verfinsterte sich noch mehr und ein unglückliches Stöhnen ließ sich nicht mehr unterdrücken.
“Das kann doch nicht wahr sein! Verdammter, dämlicher, nerviger, blöder Mistschnee! Hau ab!“
Unglücklich warf sie einen Blick zu ihrem Begleiter und schüttelte den Kopf.
“Wenn ich noch etwas weniger mag als Kälte, dann ist das Schnee. Zumindest im Sommer.“
Einige Momente folgte ihr Blick noch den herabrieselnden Flocken, dann blinzelte sie nach vorne. Wenn sie sich nicht irrte, hörte sie Stimmen irgendwo zwischen den Bäumen. Offensichtlich waren sie schneller auf andere Wölfe getroffen, als erwartet. Die würden den Schnee jedoch wohl kaum vertreiben können. Jetzt war es endgültig Winter. Adieu, Sommerhoffnungen.
[ nördliche Reviergrenze - auf dem Weg nach Süden | Tiberius und in Hörweite Neruí, Atalya, Caylee und Adsini ]
18.02.2011, 00:36
Interessiert, wenn auch ungläubig, lauschte sie den Worten des jungen Gestaltenwandlers. All diese Informationen die er ihr zubrachte waren Neuland für sie. Durch seine Worte eröffneten sich ihr neue Welten, Welten von denen sie zuvor nicht einmal hätte träumen können. Denn auch wenn Träume einen entführen konnten in noch nie gesehene Welten, so bestanden sie doch immer aus schon bestehendem Wissen, aus schon bekannten Dingen.
Doch nun hatte sie neuen Stoff zum Träumen, sie würde von Büchern träumen. Auch wenn sie sich noch nicht ganz genau vorstellen konnte, wie diese Bücher von denen Caleb sprach, aussehen sollten. Denn sie konnte sich nicht vorstellen, dass die Menschen so dumm waren und Steinplatten mit sich herum trugen. Und wenn sie dies taten, dann mussten sie unglaublich stark sein.
Aber es faszinierte sie, dass sich eine andere Rasse solche Zeichen und Symbole ausgedacht hatte um noch auf anderem Wege zu kommunizieren. Auch wenn sie nicht verstand, warum man sich nicht einfach mündlich mitteilte. Der schriftliche Weg, wie Caleb es nannte, machte es doch viel umständlicher, mühseliger. Es musste jemand aufschreiben was die Götter sagten und ein anderer musste es lesen. Warum dann nicht einfach erzählen und zuhören?
Doch irgendwo würde es gewiss einen Sinn haben.
Verzaubert schaute sie auf die ungelenken Buchstaben, die Caleb mühsam in den Boden kratzte. Doch so lange waren sie nicht zu sehen, es hatte angefangen zu schneien und so war es bald bedeckt von dem weißen Nass. Aber konnte man darauf nicht auch schreiben?
Sie rief sich die Buchstaben in den Kopf zurück.
C A L E B.
S H E E N A.
Vorsichtig streckte sie ihre Pfote aus und versuchte die Symbole vor ihrem inneren Auge, erneut auf zu malen. In den kalten Schnee hinein. Denn wenn sie sich nicht irrte, kamen zwei von Calebs Buchstaben auch in ihrem Namen vor. Zumindest, wenn sie das Prinzip richtig verstanden hatte.
E.
A.
Etwas verunsichert betrachtete sie ihr Werk. Nun, es sah nicht ganz so aus, wie vorhin als Caleb geschrieben hatte. Aber, vielleicht war es doch erkennbar.
„Diese beiden Symbole, sie kommen auch in meinem Namen vor, richtig?“ Sie grinste leicht. „Ich habe…“ sie stockte kurz. Das Wort ‚schreiben’ war für sie völlig unbekannt. „Ich habe geschreiben?“ Wie sagt man das? Und, eine Frage stellt sich mir noch, abgesehen von den tausend anderen, die aber eher nebensächlich sind. Warum tun die Menschen das? Warum schreiben und lesen sie?“
Verwundert zog sie ihre Lefzen ein wenig kraus, ja, wirklich, sie hatte viele, viele Fragen. Zum Beispiel, wie viele dieser Symbole gab es. Konnten die Menschen diese Symbole einfach so. Waren die Gaben ihnen angeboren und lernten sie sie automatisch wie das sprechen?
Doch Caleb hatte auch noch Fragen an sie, diese wollte sie nicht vernachlässigen.
„Nun, unsere Götter zeigen uns immer und immer wieder wie wichtig sie beide sind. Leben und Tod. Ohne den Tod kein Leben, ohne das Leben kein Tod. Es muss ein guter Ausgleich bestehen. Aber richtige Gesetze. Ich meine, dass man niemanden töten soll erklärt sich eigentlich von selbst…“
Sie stockte. Wieder hatte sie ein unbehagliches Gefühl. War sie wirklich bereit eine Priesterin zu sein. Besaß sie schon genügend Wissen, oder gab es wirklich Gesetze und sie wusste nur nichts davon?
[Caleb]
18.02.2011, 07:08
Offensichtlich teilten Minyala und Tiberius eine Abneigung. Kälte. Eigentlich hatte der Rüde kein Problem mit der rauen Jahreszeit, eigentlich. Allerdings erinnerte es ihn stetig an den Augenblick, in dem er fast, wegen eigener Unwissenheit, umgekommen wäre. Nachdem er das Rudel auf Anraten der eigenen Mutter verlassen hatte und seiner eigenen Wege ging, geriet er sofort an die harten Anforderungen des Winters. Kälte, Eis und wenig Nahrung. Eingeklemmt in einer Gletscherspalte, mit aufgerissenen Pfotenballen und knurrendem Magen sah er dem eisigen Feind entgegen. Gut, er hatte überlebt und war auch wieder ganz der Alte, aber so etwas prägt auch einen starken, mutigen Rüden. Davon einmal abgesehen war es eigentlich Sommer, auch in diesen Ländereien. Und da eigentlich Sommer war, hatten die meisten Wölfe auch kein Winterfell mehr. Deswegen fror Minyala so wahnsinnig. Er selbst verkniff sich starkes Zittern oder zischende Flüche.
“Götter?“,
er war hellhörig geworden und hatte den Blick der bernsteinfarbenen Augen wieder auf die Einohrige gelegt. Das eine Augen zusammengekniffen, das Andere vergrößert, vermittelte er sein Erstaunen. Religion und Glaube waren nicht gerade sein täglich Brot, haha.
“Ist jetzt nicht dein Ernst! Götter und Religion? Interessant. Aber ich fürchte, ich halte das Ganze auch eher für Quatsch. Erklärt aber vielleicht die schwarzen Brummelwölfe und die schüchternen Fähen. Klosterfähen, mh, nett“,
sinnierte er und sah aus dem Augenwinkel wie Minyala sich den Schnee und die Nässe aus dem Fell schüttelte, fast zeitgleich tat er es ihr nach. Ein wenig Gangsicherer und lässiger. Er war schon ein verdammt 'cooler' Wolf.
Ihr Stöhnen verlangte seine ganze Aufmerksamkeit und ein verschmitztes Lächeln huschte über die dunklen Lefzen. Ihm gefiel, dass sie ungehemmt fluchte und sich nicht zurück hielt. Im Laufen kam er ihr wieder näher, sodass sich ihre Flanken berührten. Das Lächeln war zu einem Grinsen geworden und er zwinkerte ihr zu.
“Natürlich wärme ich dich“,
ein kurzes Auflachen konnte er sich nicht unterdrücken und schüttelte, über seine eigene forsche, charmante Art, den Kopf. Er konnte es nicht sein lassen und geriet damit ganz wahrscheinlich wieder in Schwierigkeiten. Seite an Seite liefen sie einige kurze Momente, bis sich leises Stimmengewirr zu ihnen durch kämpfte. Die Ohren des Gestromten stellten sich auf und er nahm Witterung. Fähen. Das war eindeutig sein Glückstag. Belohnt mit der körperlichen Nähe zu Minyala und gesegnet mit dem Antreffen von weiteren weiblichen Geschöpfen, fragte sich der Rüde, womit er das verdient hatte. Er rückte ein wenig von der Einohrigen ab, um sie besser von der Seite ansehen zu können.
“Ich hoffe, du kannst meine Aufmerksamkeit teilen“,
sein schiefes Lächeln entblößte die rechte Gebissseite. Das Stimmengewirr wurde immer eindeutiger und er konnte durch die Zweige eine kleine Gruppe erkennen. Hoffentlich hatte seine einohrige Freundin übertrieben und sie nahmen nicht gleich Reißaus. Tiberius durfte gespannt sein.
Hey, ihr da“,
rief er in Hörweite.
[ im Wald, eher südlicher Richtung – Minyala und in Hörweite Caylee, Neruí, Atalya und Adsini ]
((Edit.: Irgendetwas stimmt mit den HTML-Tags der Postings nicht - die Profilfelder werden bei dem letzten Poster nicht mehr angzeigt))
18.02.2011, 17:10
Wenn sich Takashi nun noch mehr aufdrängen würde, um Cirádan in Schutz zu nehmen, würde der Jungwolf nur wie ein armer kleiner Schwächling dastehen, was ihm gegenüber Krolock zum Nachteil werden würde. Für Krolock gäbe es also nur noch einen weiteren Anlass, seinen Bruder zu Tyrannisieren.
Der Schwarze war sich nun sicher, dass Cirádan aus Hilfsbereitschaft helfen wollte, was ein wirklich guter Aspekt war. Er sollte wirklich stolz auf seinen Schützling sein, dass er aus freien Stücken so gutmütig handelte. Die Blicke Krolocks ignorierte er einfach; es war wohl wirklich besser so, sich nicht unnötig provozieren zu lassen. Wahrscheinlich würde er so abfällig über seinen Onkel denken, wie er mit ihm sprach. Bei diesem Gedanke verengte Takashi für einen kurzen Augenblick seine Augen. Was hatte er Krolock bloß angetan, dass dieser so reagieren musste?
Geduldig schloss der Schwarze die Augen atmete tief durch, als Krolock wieder etwas sagte. So wie immer, herrisch und überlegen. Erneut war Takashi etwas erbost, blickte schnell Cirádan an, um sich etwas abzulenken. Der helle Jungwolf nahm die Hilfe der beiden Gleichaltrigen gerne an, welche er auch wirklich benötigte.
Es war schon ein langer Moment vergangen, dann wandte sich Takashi Krolock zu.
“Hast du ein Glück, dass du wirklich alles besser weißt“,
sprach Takashi zu Krolock spöttisch, ohne ihn dabei auch nur eines Blickes zu würdigen. Sicherlich wusste der ungezogene Jungwolf bereits, dass er damit gemeint war und sich angesprochen fühlen sollte. Wenn nicht, war es auch nicht weiter schlimm. Denn es sollte für jeden Wolf eindeutig zu erkennen sein, dass jegliche Hilfe für Krolock zu spät kam und alles vergeben Liebesmüh war.
Der Schwarze biss die Zähne zusammen und knirschte mit ihnen für die anderen Artgenossen kaum hörbar. Krolock war ein Problemfall für sich und Takashi hatte keinerlei Ahnung, was er noch für diesen Jungwolf tun konnte. Immer wieder zeigte sich Krolock als überlegen, respektlos und einfach nur ungezogen; Besserung oder auch nur ein winziges Entgegenkommen war dort nicht in Sicht. Wahrscheinlich musste sich Takashi bald jemandem anvertrauen um über das Problem zu reden und eine Lösung zu finden.
Beinahe hätte der Rüde nicht bemerkt, wie die drei Jungwölfe sich bereits ein gutes Stück von Takashi entfernt hatten. Er holte sie mit einem lockeren Trab wieder ein, blieb aber dennoch hinter ihnen. Der rotblaue Blick des Schwarzen bohrte sich in Krolock. Nicht bösartig, sondern eher intensiv beobachtend. Was sollte er bloß tun? Anschließend senkte Takashi den Kopf etwas, sah wie sich Cirádan abmühte und blickte zuletzt in die Ferne. Es war jetzt wirklich das Beste für Cirádan, wenn er diese Aufgabe alleine bewältigen würde und sich vor Krolock nicht zum Schwächling machte.
“Ja, Nihil, hab keine Angst. Ich werde euch jetzt nicht alleine lassen...“
Takashi hatte leise gesprochen und wollte seine negativen Gefühle nicht an dem schwachen Jungwolf auslassen. Er trug keine Schuld an der Problematik zwischen Krolock und seinem Onkel und sollte zudem nicht mit weiteren Problemen belastet werden.
Voller Sorgen und Gedanken folgte der Schwarze den drei Jungwölfen, bis zu dem Ort, den Krolock beschrieben hatte.
Schnee fiel auf Takashis Pelz, schmolz schleunigst zu klarem Wasser und perlte ab.
( Rudelplatz | Krolock, Cirádan, Nihil )
(( während ich nicht anwesend bin, wird Takashi den Jungwölfen folgen und stumm sein, da er nachdenklich ist ))
19.02.2011, 15:48
Minyala warf einen schnellen Seitenblick auf ihre Begleitung, als diese beinahe verwundert, aber auch nicht gerade positiv nach den erwähnten Göttern fragte. Scheinbar hatte auch er wenig für den Glauben übrig, was man an seiner Art beinahe ablesen konnte. Die Silberweiße hatte zwar noch nicht all zu viele Wölfe kennengelernt, aber der Trend zu eher schweigsamen Gläubigen und zu eher redseligen Ungläubigen ließ sich trotzdem eindeutig beobachten. Ausnahmen gab es sicher, zum Beispiel Chardím, aber vielleicht lag das auch nur daran, dass er ein Jungwolf war. Jungwölfe waren naturgemäß nicht so verbissen und nachdenklich. Woran das lag, konnte sie gedanklich nicht mehr erörtern, da Tiberius zu seiner Antwort ansetzte, die bestätigte, was sie vermutet hatte. Wenn auch natürlich wieder mit seinen Hintergedanken. Klosterfähen. Minyala verdrehte die Augen.
“Lüstling. Sie sind vielleicht gläubig, aber dumm deshalb noch lange nicht. Nur ab und an verwirrt. Vielleicht hast du bei denen ja Chancen.“
Sie grinste mal wieder ein Zahnlächeln, musste aber erneut an Tyraleen denken. Sie gehörte sicher zu der Kategorie ‘verwirrt‘, doch vermutlich würde sie Tiberius eher an die Gurgel gehen, wenn er so mit ihr sprach, wie er das gerade mit Minyala selbst tat. Allerdings wäre der Gestromte sicher nicht so dumm, immerhin waren sich Tyraleen und Minyala nicht sehr ähnlich und auf jeden individuell reagieren war sicher eine seiner Stärken. Als er ihr auf sein Fluchen hin näher kam und großmütig seine Hilfe anbot, schnappte sie nach ihm, jedoch absichtlich daneben und nicht sehr böse.
“Pfoten weg, du hast mir schon verraten, worauf du aus bist, das zieht bei mir nicht mehr.“
Trotzdem rückte sie nicht von ihm ab, hauptsächlich, weil es tatsächlich angenehm war, ein bisschen Körperwärme zur eigenen hinzuzuaddieren. Zum Glück steuerten sie gerade auf ein Stimmengewirr zu, vielleicht war da jemand dabei, mit dem sie richtig kuscheln konnte, also am besten eine Fähe und eine nette dazu. Die Gerüche konnte sie keinen Namen zuordnen, hauptsächlich, weil sie sich nunmal keine Namen merken konnte. Auf Tiberius Ruf hin, krauste sie die Stirn und zwickte ihn in die Seite.
“Wow, das war ja mal eine Begrüßung, da müssen wir uns tatsächlich keine Sorgen machen , dass sie vor lauter Begeisterung davonrennen.“
Sie streckte ihm die Zunge raus und beschleunigte dann ihren Schritt, vielleicht um nicht so innig mit ihm zu wirken, als wären sie bereits beste Freunde oder noch mehr. Sie erkannte vier Fähen, mindestens zwei von ihnen hatte sie schon öfter gesehen. Waren das nicht die Schwestern von Chardím? Mittlerweile hatte sie die Gruppe erreicht, die sich gerade intensiv mit dem Schnee zu beschäftigen schien. Sie mochten ihn wohl nicht.
“Hallo zusammen. Ich habe hier jemanden mitgebracht. Darf ich vorstellen: Tiberius. Und äh, das sind … äh … tut mir leid, ich bin schrecklich schlecht im Namenmerken.“
Mal wieder grinste sie schief vor sich hin.
[ nördliche Reviergrenze - auf dem Weg nach Süden | Tiberius, Neruí, Atalya, Caylee und Adsini ]
19.02.2011, 15:57
Es war Zeit, dieses doofe Thema Raja-Hilel-Aszrem loszuwerden. Es verdarb Caylee die Laune und was nun mit den beiden Fähen geschehen würde oder nicht, würden sie auch später noch erfahren können. Deshalb nickte sie lediglich auf Adsinis Hinweis zu Hilels Abgang und machte dann eine fortwischende Schnauzenbewegung. Es gab genug Themen, die sie unglücklich machten, eines mehr war nun wirklich nicht nötig. Doch wie es schien, hatten sie es noch nicht geschafft, den spaßigen Teil ihrer Unternehmung zu erreichen. Adsini antwortete auf Neruís Frage und klang dabei sehr traurig. Natürlich, ihre Eltern waren ja auch gestorben und ihre Brüder weit fort. Da wäre Caylee auch traurig. Mitfühlend stupste sie die Weiße an.
“Mir tut es auch leid, aber vielleicht kommen deine Brüder ja auch irgendwann hier her? Bis dahin hast du uns.“
Sie lächelte schief und wandte sich dann wieder Atalya zu, die sie fixierte. Offensichtlich schienen ihre Sorge und der Geruch im Fell ihrer Schwester nicht ohne Grund zu sein. Vielleicht hätte sie nicht nachfragen sollen, scheinbar kam nur ein weiteres ungutes Thema auf sie zu. Hoffentlich ließ es sich ebenso leicht verdrängen wie Raja und Hilel. Die kurze Geschichte, die Atalya dann erzählte jagte Caylee dann aber doch einen Schauer über den Rücken. Ein Bär … sie hatte noch nie einen gesehen, aber ihre Eltern hatten sie eindrücklich vor diesen braunen Riesen gewarnt. Und so einer lag jetzt tot auf dem Rudelplatz herum? Und Krolock … naja, er hatte Nihil gerettet. Das war doch richtig nett von ihm.
“Naja … gut, dass Nihil nicht tot ist. Und gut, dass der Bär sonst nichts angerichtet hat. Nur ungut, dass er auf dem Rudelplatz liegt. Vielleicht hat ihn ja jemand weggeschafft, bis wir wiederkommen.“
Sie versuchte sich erneut an einem schiefen Lächeln, wurde dann aber abgelenkt von Neruís seltsamen Verhalten. Sie sprang herum, schnappte in die Luft und grollte. Es dauerte ein bisschen, bis Caylee entdeckte, was ihre Schwester so ärgerte. Weißer Federflaum kam aus dem Himmel! Die Jungwölfin stand unter einer hohen Kiefer, weshalb sie bisher selbst nicht von dem Flaum getroffen worden war, sah aber das Weiß in dem Fell Neruís und Atalyas. Fasziniert trat sie aus ihrer Deckung und reckte die Schnauze in den Himmel. Der Flaum war kalt und wenn er sie in Gesicht traf wurde er nass. Sie haschte spielerisch danach und auch auf ihrer Zunge blieb nichts anderes zurück als Wasser. Während ihre beiden Schwestern auf den Flaum schimpften, konnte sich Caylee gar nicht an ihm sattsehen. Er war schön.
“Hey, das ist doch schön! Wenn Engaya weint, wenn es regnet, dann freut sie sich jetzt sicher, sonst würde sie doch keinen Federflaum werfen! Vielleicht hat sie ja einen großen Vogel erbeutet.“
Die Vorstellung von ihrer Göttin mit einer Jagdbeute war irgendwie seltsam. Und warum der Flaum des göttlichen Vogels zu Wasser wurde, ließ sich auch nicht so ganz erklären, aber das war doch nebensächlich. Er war schön! Vielleicht ein wenig kalt, aber die Luft war das auch und Caylee fror sowieso. Vergnügt sprang sie ihren zeternden Schwestern nach, knuffte beide in die Seite und grinste vor sich hin. Die sollten sich mal nicht so anstellen. Gerade wollte sie sich nach Adsini umdrehen um zu sehen, was sie von dem kalten Federflaum hielt, da rief irgendwer. Sie hielt inne, sah sich um und entdeckte in einiger Entfernung zwei Gestalten. Die Witterung der einen kannte sie – das war doch diese einohrige Fähe, die mit dem seltsamen Rüden angekommen war – die der anderen war ihr unbekannt. Noch jemand Neues. Den Blick abwechselnd auf dem Federflaum und auf den sich nähernden Gestalten, beschloss sie abzuwarten, bis sie sie erreicht hatten. Die Einohrige – Minya oder so – beschleunigte ihren Schritt und hatte sie so gut wie erreicht, als Caylees Blick erstmals aufmerksamer auf ihren Begleiter fiel. Ein junger Rüde, höchstens ein Jahr älter als sie, mit einer auffälligen Fellzeichnung und einem Lächeln, als könnte er sich nichts Schöneres vorstellen, als jetzt und hier vor ihnen zu stehen. Seine Augen waren dunkelorange und schienen weit aus mehr zu verbergen als preiszugeben. Etwas an seinem Anblick nahm sie gefangen. Minyas Vorstellung bekam sie nur am Rande mit, es störte sie nicht einmal, dass diese offensichtlich ihren Namen vergessen hatte. Falls sie ihn überhaupt je gehört hatte. Vollkommen unwichtig. Tiberius hieß er also.
[ westlicher Wald | jetzt bei Adsini, Neruí, Atalya, Minyala und Tiberius ]
19.02.2011, 16:34
„Ein Missverständnis.“,
wiederholte Averic, ohne dass seine Stimme dabei preisgab, was er von Turiéns Auffassung hielt. Er glaubte nicht an ein Missverständnis. Vielleicht war es irgendwann ein Missverständnis gewesen, angefangen bei der Geburt seiner Kinder, als sie Chanuka wegen eines angeblichen, dunklen Schattens hergeben mussten. Aber inzwischen war es längst kein Missverständnis mehr, es war bitterer Ernst geworden. Schmerzhaft, böse, zerstörerisch. Das konnte kein Missverständnis sein. Sicher, auch Averic verstand, dass es Fenris’ Schuld gewesen war, dass Tascurio nun tot war, aber was Tyraleen danach getan hatte, damit hatte der schwarze Gott nichts mehr zutun. Sie hatte ihn vorsätzlich verletzt, sie wusste ganz genau, wie man ihn am schlimmsten Treffen konnte und dieses Wissen hatte sie schamlos ausgenutzt. Averic fühlte die Wut wieder in sich hochbrodeln, doch der Schwall Enttäuschung, der immerzu gleich folgte, überschwemmte sie jedes mal.
Turiéns weitere Worte ließen ihn kurz schlucken. Für jemanden, der nicht an die Götter glaubte, musste die ganze Sache noch viel wahnwitziger wirken. Aber Averic wusste es besser. Ob es das nun auch besser machte, blieb dahingestellt.
„Nur leider hat sich die Götter niemand ausgedacht. Und ändern tut es nichts. Den Göttern ist es egal, ob man an sie glaubt, oder nicht.“
Es klang fast bitter. Ihn selbst machte es furchtbar wütend den Göttern so machtlos gegenüber zu stehen, dass er nichts tun konnte. Inzwischen waren sie mehr ein Fluch, als ein Segen. Es machte ihn so wütend.
Averic spürte den Blick seines Sohnes auf sich liegen und senkte den Kopf leicht. Turién sah ihn auf einmal ziemlich grimmig an und er verstand nicht warum. Er musste die Stirn runzeln, als der Jungwolf ihn schließlich dazu auffordern wollte mit etwas aufzuhören, aber noch mitten im Satz abbrach. Aus den Augenwinkeln sah der große Schwarze schließlich Schneeflocken zu Boden segeln. Er hob den Kopf in die Höhe und tatsächlich, mitten im Sommer rieselten ihm kalte, nasse Schneeflocken ins Gesicht. Averic seufzte schwer und schloss kurz die Augen. Verdammter Fenris.
Als die nun etwas aufgekratzte Stimme seines Sohnes wieder ertönte, erhob sich der große Wolf und trat wieder näher an ihn heran.
„Beruhige dich, Turién. Das ist Schnee. Er fällt auf die Erde herab, wenn es sehr kalt ist ... Es ist eine Art fester Regen, der im Winter alles weiß einhüllt. Wir haben jetzt zwar Sommer, aber es kalt. Viel zu kalt.“
[ Tote Ebene | Turién ]
20.02.2011, 14:14
Aus irgendeinem Grund ließ die Unsicherheit und Verwirrung Lyerras Tyraleen nur noch ruhiger und gefasster werden. Die Selbstverständlichkeit mit der die Weiße ihr Vertrauen schenkte und abwartete, was sie tun würde, ließ neue Kräfte in der eigentlich vom Weg abgekommenen, zukünftigen Leitwölfin wachsen. Wäre es in diesem Moment angebracht gewesen, sie hätte der älteren Fähe quer über das Gesicht geschleckt und sich bedankt. Aber sie kannte die Weiße kaum und es gab ganz anderes, um was sie sich kümmern musste. Trotzdem lächelte sie weiterhin und straffte ihre Schultern. Lyerras Einwand war richtig, sie empfand ihn nicht als respektlos, sondern nur als intelligenten Hinweis. Ein panisches Rudel hatten sie bereits vor wenigen Tagen gehabt, Tyraleen wollte nicht noch einmal der Auslöser dafür sein. Wen also sollten sie holen? Face … Aszrem und Averic. Ersteren würde die Weiße nur zu gerne rufen, die anderen beiden jedoch … vielleicht könnte sie Aszrems Anwesenheit ertragen. Er hatte ihr seine Verachtung gezeigt, aber er hatte sie nicht wirklich verletzt. Seine Reaktion war nicht vorhersehbar aber zu erwarten gewesen. Nur Averic, ihn würde sie nicht ertragen können. Seine Anwesenheit würde sie krank machen, sie war dazu noch nicht bereit, erst Recht nicht in dieser beängstigenden Situation. Aber es war auch nicht unbedingt nötig, ihn zu holen, Face und Aszrem reichten vollkommen aus. Beinahe erleichtert nickte sie.
“Du hast Recht. Ich werde Face und Aszrem rufen, vielleicht wissen sie sogar, was dieses Wesen ist. Zusammen mit ihnen können wir weitere Entschlüsse fällen und vielleicht können sie auch Ráyon helfen.“
Nun war es an ihr, die beiden Rüden hier her zu holen. Dass Face kommen würde, wenn es ihm möglich war, hielt Tyraleen für selbstverständlich. Bei Aszrem war das etwas ganz anderes. Befehlen würde sie ihm es sicher nicht können, aber würde er auf ihre Bitte reagieren? Sie konnte nur darauf hoffen, es lag alleine in seiner Pfote, was er tat. Beinahe schien er eine Art Leitwolf geworden zu sein und es schmerzte Tyraleen noch mehr, dass ausgerechnet er sie so verdammt hatte. Langsam hob sie den Fang und reckte ihn in den weißwirbelnden Himmel.
“Face, Aszrem, bitte kommt zu mir und Lyerra. Wir brauchen eure Hilfe.“
Ihr Heulen war kräftig gewesen und hatte nichts von ihrer Unsicherheit preisgegeben. Beide Rüden würden es gehört haben, nun hieß es abwarten, ob sie auch reagieren würden. Bis sie hier ankamen, oder auch nicht, konnte Lyerra ihr berichten, was bisher passiert war. Die Weiße schien zwar ein wenig durcheinander, besann sich aber und begann dann chronologisch den Tagesablauf durchzugehen. Sie berichtete von Ráyons Schwäche, die abgesehen von dem tauben Hinterlauf der Tyraleens zu ähneln schien. Vielleicht war auch sie ein Auslöser für seine Ohnmacht? Atalya dagegen ging es blendend, was die Weiße nicht verstand. Sie dachte zunächst, dass es ihren Familienmitgliedern allen nicht gut ging, aber Atalya war ihre Tochter … zudem war Ráyon kein Familienmitglied, sie hatte ihn nicht einmal gekannt. Offensichtlich waren Lyerra und ihre Gesprächspartner ebenfalls auf keine Lösung gekommen, zumindest bevor der Bär mit Nihil gekommen war. Eine erste Verbindung spann sich, ein sterbender Bär, dessen Fell ihm in Fetzen vom Leib hing. Ein totes Wesen, das mit Bärengeruch im Wald herumlag. Möglicherweise waren sich die beiden zuvor begegnet, möglicherweise war das Tier dem Bären zum Opfer gefallen und der war dann schwer verletzt durch den Wald getaumelt und der arme Nihil hatte das Pech, in seine Pranken zu fallen. Es klang mehr als logisch, jedoch mussten sie sich die Wunden am Körper des Wesens und die am Körper des Bären noch einmal genau ansehen, um sicher zu gehen. Bis dahin lauschte sie Lyerra, die zwar keine Namen nannte, aber nun vermutlich von Krolock sprach. Er hatte Nihil gerettet? Zumindest war das zu hoffen. Danach folgte der Abstecher Lyerras und Ráyons, ein wenig hin und her, ein Sturz der Weißen, der ihr aber keine Schmerzen mehr zu bereiten schien und schließlich die Entdeckung des Wesens. Ein wenig wirr aber doch ausführlich kannte Tyraleen nun das Geschehen des Tages. Langsam nickte sie.
“Danke, Lyerra, es ist gut zu wissen, was passiert ist. Tut dir von deinem Sturz noch etwas weh?“
Ihr Blick glitt über den kleineren Körper der Weißen, erkannte aber auf die Schnelle keine Unregelmäßigkeit.
“Bisher klingt alles danach, als hätte der Bär das Wesen im Wald getötet und ist dann wohl an seinen Verletzungen gestorben. Dabei muss ihm Nihil in die Quere gekommen sein. Um uns sicher zu sein, sollten wir jedoch noch einmal das Wesen untersuchen. Möchtest du mir helfen oder lieber bei Ráyon bleiben?“
[ am Waldrand | Lyerra und Ráyon - ruft Face und Aszrem ]
20.02.2011, 15:46
[color=gray]Jumaana? Hörst du mich? Was ist los mit dir? Warum kann ich dich nicht mehr spüren? Dich nicht mehr hören? Ich … ich … was ist passiert? Wo bist du? Mach doch die Augen auf, bitte! Ich flehe dich an, wenn du mich hörst … mach deine Augen auf! Sag was. Sprich mit mir! Was ist los? Es ist alles so dunkel … kannst du denn nicht irgendwas machen? Wölfin! Jetzt tu doch endlich was! Ich will nicht länger blind sein. Es tut weh. Es frisst mich auf. Willst du das? Ja? Ist es das, was du willst? Mich auslöschen? Damit du deine Gedanken wieder für dich allein hast? Bist du wirklich so egoistisch? Du … hast kein Herz! Du bist genau wie das Böse in die drin! Es hat deine Gedanken übernommen, deine Seele! Das Dunkel … wird … dich … zunichtemachen. Aber ich sage dir … wenn es meinem Sohn wehtut, dann bringe ich dich um. Mit meinen eigenen Pfoten. Ich werde nicht zögern, dir dein Ende vorzubereiten. Du scheinst deine Entscheidung getroffen zu haben. Ich werde gehen. Dich allein lassen. Du wirst vergehen wie eine Blume im Winter. Du wirst verwesen wie ein Kaninchenkadaver in der Hitze. Du hast es so gewollt.
Der Schmerz überwältigte sie beinahe, doch als sie eine beruhigende, herzliche Wärme an ihrer Seite spürte, hatte sie das Gefühl des Déjà-vues. Alles erschien verschwommenen und undeutlich vor ihren Augen, als sie diese zögerlich aufschlug, doch nach einigen Momenten sah sie wieder klar. Sie bemerkte den unsicheren Blick des grauen Rüden, der einige Meter abseits stand und als die Weiße den Kopf ein wenig wandte, erfassten ihre Seelenspiegel ihr Schwester. Ihre Schwester, die dicht an ihre Seite gedrängt war und ihren Kopf auf dem Boden abgelegt hat. Ein Zittern fuhr durch Jumaanas Körper, als sie Majibáh sah. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie war so glücklich. Sie war unendlich glücklich, nicht allein zu sein. Voll Zutrauen drückte sie ihre Schnauze in das Nackenfell der Wölfin an ihrer Seite, bevor sie sich leicht aufrichtete. Schwindel erfasste ihren Kopf, doch sie kämpfte dagegen an. Ihr Blick war fest auf Jarrèll Nathaniêl gerichtete, ohne ihn wirklich zu beachten. Freude durchzuckte die Polarwölfin, als sie begriff, dass es vorüber war. Es. Sie wusste nicht, was es war, aber das war ihr nun egal. Der Wahnsinn hatte sie aus seiner eisernen Klaue entlassen, sie war wieder frei. Wie lange war es her, dass sie kraftlos auf den Boden gesunken war? Der Himmel war dunkel, nur erhellt von einigen, einsamen Sternen, die sich im Sternensee wiederspiegelten. Wie wunderschön.
„Maji? Maji! Schau mal!“
Auffordernd stupste sie ihre Schwester an, spürte die kindliche Freude in ihrem Herzen und beschloss, in nächster Zeit all das nachzuholen, was ihr in der Zeit ohne ihre Schwester verboten geblieben war. Herumtoben wie Welpen, sprechen wie Welpen, sich benehmen wie Welpen. Mit ihren Brüdern war es anders gewesen. Sie waren immer ernst gewesen, hatten ihre kleine Schwester aber nie wirklich wahrgenommen. Wären die beiden Wölfe nicht gewesen, wäre Jumaana jetzt nicht so, wie sie war. Ernst, verschlossen, weise. Wäre sie mit Schwestern aufgewachsen, hätte sie niemals einen so ausgeprägten Jagdinstinkt oder gar das Kampfgeschick, das sie besaß. Aber jetzt konnte sie das alles nachholen. Jetzt hatte sie ja Majibáh.
Sie stupste die Weiße an ihrer Seite erneut an, bevor sie prüfend in sich hineinhorchte. Aarinath. Sie erwartete alles von Aarinath, eine Standpauke, eine tränenschwere Klagesrede, ein freundliche Zurück-im-Leben-Willkommen, doch nicht das. Stille. Dort war nichts. Keine schweigende Wölfin, keine zeternde, keine murrende, keine lächelnde – noch nicht einmal eine schlafende Wölfin. Nichts. Kein Feenkind weit und breit. Sollte Jumaana sich Sorgen machen? War etwas passiert? Sie wusste es nicht genau. Ihre welpengleiche Freude verblasste schlagartig, sie wurde ernst. Die Wölfin starrte hinaus auf den Sternensee und versuchte, in den hellleuchtenden Punkten auf der Wasseroberfläche des Rätsels Lösung zu erfassen. Was war passiert, während sie fast gestorben war? Warum war es überhaupt geschehen? Dieser Schmerz, diese Taubheit, dieses Gefühl des Sterbens? Und warum strotzte sie nun schon wieder vor Kraft? Und die wichtigste aller Fragen: Was zum Teufel war mit Aarinath geschehen?
Ein Nachhall trauriger Worte erfasste ihre Gedanken. Du hast es so gewollt.[/color][list][ Am Sternensee, neben Majibáh, Jarrèll in einiger Entfernung ][/list]
20.02.2011, 17:40
Sein Blick lag unbeirrt auf ihr. Prüfend. Herausfordernd. Abwartend, ob sie sein Urteil hinnehmen und seiner Aufforderung Folge leisten würde, oder aber sich jetzt plötzlich doch darauf besann, was Demut war. Wieviel lag ihr tatsächlich daran, hier aufgenommen zu werden, und wieviel an ihrem Stolz?
In ihrem blauen Auge zeigte sich keine Wut, ja nicht einmal ein Hauch von Ärger. Sie trug seine Abweisung mit Fassung, oder aber sie verstand sich vorzüglich darauf, ihre Gefühle zu verbergen. Aber war da nicht ein leichtes Lächeln, das um ihre Lefzen erschien? Ein Ausdruck von Zufriedenheit? Hatte sie etwa abgewiesen werden wollen? Er würde sie nicht danach fragen, und von sich aus lieferte sie ihm keine Antworten. Denn die Schwarze wandte sich einfach ab und setzte sich in Richtung der Reviergrenze in Bewegung - dieselbe Richtung, aus der sie mir Raja, Adsini und Caylee gekommen war. Aszrem sah ihr nach, dann wandte er sich Raja zu, als die Weiße ihn ansprach. Seine Miene blieb unverändert, während er innerlich seufzte. Er würde wohl nocheinmal mit den Jungfähen reden müssen. Er glaubte weniger, dass seine Strenge jetzt Raja verscheuchte, sondern vielmehr die Unhöflichkeiten der jungen Wölfinnen. Wobei er zugeben musste, dass Raja es darauf angelegt. Trotzdem. Und sollte doch seine eigene Strenge die Weiße verscheuchen, so tat es ihm nicht gerade leid darum. Er hatte sie und Caylee gleichermaßen zurecht gewiesen, von daher glaubte er nicht ungerecht gewesen zu sein. Und wenn sein Autreten ihr jetzt schon zu streng gewesen war, dann suchte sie ihr Glück wahrlich besser woanders.
"Dann lebt wohl, Raja",
erwiderte er und sah nun ihr nach, wie sie in eine andere Richtung als Hilel verschwand. Anschließend richteten sich seine Augen auf Volk, aber der Rüde schien sich jetzt lieber in Schweigen zu hüllen. Aszrem wollte sich gerade abwenden, als Tyraleens Heulen an seine Ohren drang. Der Schwarzbraune stutzte. Tyraleen rief nicht nur Face, sondern auch ihn um Hilfe? Ihm war bewusst, dass er wahrscheinlich nicht einmal nach Face ihre erste Wahl war, aber genau diese Tatsache verlieh ihrem Ruf eine besondere Dringlichkeit. Wahrscheinlich ging es um etwas sehr Wichtiges, dass das Rudel betraf - oder um Nerúi. Aber nein, seine Tochter war eben hier gewesen und konnte noch nicht allzu weit weg sein, eben erst noch hatte er ihr zur Begrüßung über die Stirn geschleckt, und außerdem würde sie dann wohl auch Face nicht rufen...
Aszrem sprintete los. Unruhe ballte sich in seinem Inneren zusammen, und sie betraf nicht nur Tyraleens Anliegen. Sie betraf Tyraleen selbst. Seit der Versammlung vor drei Nächten hatte er sie weder gesehen noch gesprochen, und der Schwarzbraune war selbst nicht sicher, wie er sich ihr gegenüber verhalten sollte.
Sein Weg führte ihn am Rudelplatz vorbei. Als allererstes viel ihm der Schnee auf - im Wald war davon noch nichts zu bemerken gewesen. Zwar verloren die Bäume zusehends ihre Blätter, aber noch hatten die Baumkronen die ersten Flocken abhalten können. Schnee im Sommer! Was ihn jedoch wirklich stocken und auch inne halten ließ, war die zerfetzte Leiche des Bären und der Geruch von Blut und Tod. Was war denn hier passiert? War das Rudel von einem Bären angegriffen worden und hatte ihn erlegt, ohne dass nach weiterer Verstärkung gerufen worden war? Unwahrscheinlich... und zudem lief niemand hier mit blutigem Maul und Fell herum, und ohne Kampfspuren konnte niemand aus so einem Gemetzel herauskommen, wie es hier scheinbar stattgefunden hatte. Hatte Tyraleen ihn deshalb gerufen? Aber ihr Heulen war noch von weiter weg erklungen...
Später. Um diese Sache musste er sich später kümmern, zumal anscheinend niemand verletzt worden war - zumindest sah er keine verletzten. Tyraleens Ruf war also noch dringender. Aszrem setzte sich wieder in Bewegung und zog sein Tempo noch weiter an. Was, bei allen Göttern auf dieser Erde, war hier eigentlich los? Schnee und Eis im Sommer! Ein toter Bär mitten auf dem Rudelplatz! Und jetzt auch noch -...
Ein Varg.
Aszrem erreichte Tyraleen und Lyerra und stoppte abrupt, als er das tote Wesen erblickte. Unwillkürlich stellten sich ihm alle Nackenhaare auf, ansonsten war er für einen Moment wie erstarrt. Bilder zogen an seinem inneren Auge vorbei, alte Erinnerungen, die er längst vergessen geglaubt hatte. Fast mühsam musste er sich von diesem Anblick losreißen, um erst Tyraleen und dann Lyerra anzusehen. Dann fiel sein Blick auf die Gestalt am Boden.
"Er lebt noch?"
Es klang überrascht. Wer überstand schon eine Begegnung mit einem Varg?! Aber moment mal - Ráyon war gar nicht verletzt. Er hatte nicht gekämpft. Aber es hätte den Schwarzbraunen auch überrascht zu erfahren, dass ein einzelner Wolf gegen einen Varg gewinnen konnte. Er hatte nie einen Lebenden gesehen - den Göttern sei Dank - aber er hatte Geschichten gehört...
Aszrems gelbe Augen richteten sich wieder auf den Kadaver. Langsam setzte er sich in Bewegung und umrundete das tote Wesen einmal, es dabei genau musternd. Bärengeruch lag in der Luft, und für Aszrem begann sich das Bild des Geschehens zusammen zusetzen. Er trat zu den beiden Fähen.
"Was ist passiert?",
fragte er. Seine Stimme war ernst, aber ruhig. Nur die Anspannung in seiner Miene verriet, dass er sich Sorgen machte - und diesmal war die Frage nach dem Umgang it Tyraleen sein geringstes Problem.
"Hat der Varg noch gelebt, als ihr auf ihn getroffen seid, oder war er schon tot?"
[Waldrand | Lyerra, Tyraleen, (Face), (Ráyon)]
21.02.2011, 13:39
Aufgeregt und etwas unsicher beobachtete er Sheena. Hatte sie verstanden? Oder würde sie ihn gleich für verrückt erklären? Derweil begann es zu schneien und die weißen Flocken deckten langsam aber sich seinen geschriebenen Namen zu. Caleb sah zum Himmel auf und blinzelte immer wieder, wenn ihm die Schneeflocken ins Gesicht fielen.
"Schnee im Sommer. Völlig verrückt, jetzt dreht schon das Wetter durch",
kommentierte er fassunglos den jahreszeitlich völlig untypischen Niederschlag. Was schickte Gott ihnen als nächstes, die Sieben Plagen? Oder war Schnee schon eine der Pjagen, die die Wolfsgötter herauf beschworen? Er sollte Sheena bei Gelegenheit danach fragen. Zunächst jedoch beobachtete er, wie sie nun selbst die Pfote hob - unglaublich! - zwei Buchstaben in den Schnee kratzte. Ein echter Wolf, der schrieb! Wahnsinn! Calebs Rute hatte vor Aufregung und Freude zu wedeln begonnen und wischten nun voller Enthusiasmus einen Schneeengel-Flügel in den Schnee.
"Jepp, genau, du hast es! Haha, du hast 'geschrieben', wie geil ist das denn?!"
Caleb war völlig aus dem Häuschen. Wen er das Minya erzählte!
"Das ist ein 'E' und das ein 'A'. Deinen Namen schreibt man dann S H É N A oder auch S H E E N A. Der Strich hier bedeutet, dass man das E lang spricht. Bei Namen entscheiden die Eltern über die Schreibweise, da is man nämlich ein bisschen freier, weil bei allen anderen Worten ja festgelegt ist, wie man sie schreibt."
Er hatte beide Schreibvarianten in den Schnee gezeichnet und grinste Sheena an.
"Du kannst dir also aussuchen, wie dein name schöner für dich aussieht!"
Für einen Moment legte er den Kopf schief, als er darüber nachsann, wie er ihr am Besten den Sinn und Zweck von Geschriebenem klarmachen konnte.
"Hm, warum Menschen schreiben... Also, ihr habt ja sicherlich auch Legenden und Erzählungen über eure Götter nicht wahr? Wenn man sich nun diese Geschichten immer und immer wieder erzählt, so benutzt man niemals zweimal genau dieselben Worte. Ein wenig verändert sich immer, und über Generationen hinweg verändert sich oftmals auch der Inhalt der Geschichte. Einige Details fallen weg, werden vergessen, andere Dinge werden wiederum stärker hervorgehoben und irgendwann ist die Legende, die man einander erzählt, eine völlig andere als die ursprüngliche Geschichte. Oder aber stell dir vor, du erzählst jemandem von einem Erlebnis, aber derjenige versteht etwas falsch oder hört nicht richtig zu, und erzählt es ganz anders weiter. Wenn etwas aber geschrieben steht, dann sind die Worte auf ihre Unterlage gebannt. Niemand kann sie mehr verändern und verfälschen, niemand kann behaupten, du hättest etwas völlig anderes erzählt. Man kann sie höchstes zerstören, aber solange sie da sind, kann jeder Lesekundige genau deine Geschriebenen Worte nachlesen. Deshalb schreiben Menschen alles auf, was wichtig ist, damit es nicht vergessen oder verfälscht wird. Das ist ein wichtiger Punkt, aber es gibt noch viele nützliche Gründe etwas aufzuschreiben. Das würde jetzt aber zu weit führen, glaube ich. Die Menschenwelt ist einfach ganz anders und hat andere Bedürfnisse und Ansprüche, ich glaube, Wölfe haben nicht so viel Verwendung für's Schreiben, auch wenn es sicherlich auch für euch nützlich wäre..."
Caleb merkte, dass er abzuschweifen begann und hielt daher lieber in seinem Redefluss inne. Also versuchte er an dem anzuknüpfen, was Sheena noch zu den Gesetztengesagt hatte, um den roten Faden wieder zu finden.
"Naja, Menschen halten sich nicht immer an das, was eigetlich selbstverständlich ist. Mnache Menschen sind eher gesellig und kämen auch nie auf die Idee, jemanden zu verletzen oder gar zu töten, während andere da überhaupt keine Skrupel haben und alles tun würden, um zu bekommen, was sie wollen. Der Glaube und die damit verbundenen Gebote helfen, den Menschen eine Orientierung zu geben, was gutes Verhalten ist. Ein Mensch, der glaubt, dass er nach seinem Tod ins Paradies kommt, wenn er nichts Böses im Leben getan hat, verzichtet viel eher auf Gewalt, damit er seine Belohnung nach dem Tod nicht gefährdet. Denn Menschen, die sich nicht an die Gebote halten, kommen nach dem Tod in die Hölle, wo sie zur Strafe ewige Qualen erleiden. So sagt es zumindest die Bibel. Und es wirkt natürlich nur, wenn man auch daran glaubt. Es ist ein bisschen wie Kindererziehung, nur dass nicht Mutter und Vater einem beibringen, was richtig ist und was falsch, sondern der Gott oder die Götter."
Caleb hielt sich für besonders taktvoll, da er daran dachte, jetzt keinen direkten Bezug zu dieser Tyraleen und ihrem Mord an ihrem eigenen Sohn zu nehmen. Er erinnerte sich, dass Sheena sich auf die Seite der weißen Mörderin gestellt hatte. Das war noch so eine Glaubenssache, und er ging daher davon aus, dass Sheena schon begriff, was er insgesamt ausdrücken wollte.
[Sheena]
21.02.2011, 17:29
Die andere Fähe schien, ihrer Reaktion zu urteilen, nicht zu bemerken, dass sie sich irgendwie merkwürdig präsentierte. Oder vielleicht wollte sie auch genau das. Im Mittelpunkt stehen, Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sie wollte im Maule aller anderen Wölfe sein. Eine Rampensau. Liel erschrak über ihre eigenen Gedanken. Nicht, dass sie der fremden Fähe etwas unterstellen wollte, vor allem fragte sie sich, ob das eine gute, sie wählte bewusst nicht das Wort ‚richtige‘, Art war, um sich in den Mittelpunkt zu stellen. Doch ihre Gedanken gingen weiter, vielleicht konnte sie sich einfach nicht anders benehmen. Vielleicht war sie krank, zumindest aber verzweifelt. Wenn sie auch noch nicht viel konnte, sie konnte immerhin schon die Gefühle anderer Wölfe erkennen. Und diese Fähe vor ihr war unglücklich. Und das nicht nur ein bisschen. Und ob sie ihres Unglücks wegen nun im Mittelpunkt stehen wollte oder nicht, das war egal. Denn zumindest für diesen Augenblick stand sie im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt einer kleinen, vielleicht eher unscheinbaren Fähe. Und diese Fähe wollte gerade nur eins. Gesellschaft. Also war sie glücklich darüber, dass die andere Fähe aufgetaucht war. Vielleicht war dies nicht die beste Gesellschaft für eine junge, verwaiste Fähe, aber sicher war es besser als alleine und erschöpft herum zu liegen.
Allerdings war sie der Meinung, dass sich die andere gut und gerne hätte vorstellen können, so war es nun an ihr, nachzufragen. Andererseits würde sie nun sowieso sprechen müssen, denn die andere hatte ihr eine Frage gestellt. Kein stupides ‚Wie geht es dir‘, kein Smalltalk wie man ihn gezwungenermaßen manchmal mit fremden Wölfen hatte, sondern eine tiefsinnigere Frage. Eine Frage die einen weiterblicken lassen konnte, als die Oberflächlichkeit der geantworteten Worte.
Sie würde sich der fremden Fähe öffnen, sich hingeben und sie in ihr innerstes blicken lassen. Zumindest, wenn die Fähe zwischen den Zeilen hören konnte. Das konnte sie nicht wissen, eigentlich war der Name der anderen doch auch egal, oder?
Liel zögerte, sie war nicht ängstlich, nicht länger verwundert über das Verhalten der Fähe, sie war nur verunsichert über die Intensität der Frage. Über die Intensität ihrer eigenen Antwort. Denn sie hatte die Fäden des Gesprächs in der Hand, sie konnte steuern, ob die beiden sich nun länger unterhalten würden oder ob ihr Treffen nach einem kurzen Gespräch wieder zu Ende war. Und irgendwie fühlte sich das gut an, es gab ihr ein wenig Stärke und Sicherheit. Sie würde sich mit keinem Wolf unterhalten müssen, solange sie es nicht wollte. Sie wuchs mit diesem Treffen. Sie wurde erwachsener. Doch sie vergaß nicht ihre heitere, jugendliche Seite. Damals war sie an dem Tod ihrer Eltern gewachsen, vergessen war die Kindheit. Diese hatte sie zurückgewonnen, einfach weil sie ein Kind war. Doch nun war sie kein Kind mehr. Ihre Kindheit war kostbar, ein Verlust würde für immer sein.
Und, war es nicht wichtig einen Teil der Kindheit zu bewahren? Die Fröhlichkeit der Kinder, sie war eine ganz andere als die der Erwachsenen. Wo war die Fröhlichkeit der Fähe gegenüber von ihr?
„Ich frage mich nicht, ob die Sonne scheinen wird, nein. Ich weiß es. Denn kein Sturm kann ewig währen, keine Regenwolke sich unerbittlich ergießen. Niemals wird etwas für immer und ewig währen. Kein Leben, kein Tief, kein Sturm.
Sonnenschein kann vieles sein. Die tatsächliche Sonne. Das Lachen anderer. Eine liebevolle Geste, eine erblühende Blume. Vielleicht auch eines der vielen nass-kalten Dinger die hier vom Himmel fallen…!
Denn, was auch immer dieses nass-kalte Zeug war. Es sah wunderschön aus. Und genauer betrachtet, sie atmete unbewusst aus, blieb nur Wasser zurück. Verwirrt warf sie den Kopf zurück. Eben noch war es ein funkelnder Kristall gewesen, sie war sich sicher, viele funkelnde Kristalle. Und jetzt blieb nur eine nasse Pfütze. Wie ärgerlich.
Sie blickte zu der anderen Fähe. Mittlerweile war sie sich sicher. Der Name war nebensächlich. Wichtig war die Persönlichkeit dieser gebrochenen Schönheit. Und ein vernünftiges Lächeln, nicht dieses zerknautschte Möchtegern welches die Lefzen zierte.
„Lach doch mal!“
Fordernd, ein wenig aufmüpfig und vor allem nicht geneigt Wiederworte entgegen zu nehmen, so kamen diese drei Worte aus dem Fang der Jüngeren. Doch um die Härte der Worte abzumildern, breitete sich ein bezauberndes Lächeln auf den Lefzen der Kleinen aus.
Ihr Lächeln. Ihr ganz eigenes. Es konnte einen in andere Welten entführen, es konnte einem alle Traurigkeit nehmen, es konnte einen verzaubern, es konnte tanzen. Wenn man es nur zuließ.
[Gani]
21.02.2011, 19:08
Sie fühlte sich ein wenig getröstet durch Caylees Worte und versuchte ein wenig zu lächeln.
Vielleicht hat sie Recht,
dachte sie
vielleicht, ganz vielleicht kommen meine Brüder ja irgendwann, wenn sie genug von diesem komischen, fremden Rudel haben zurück. Vielleicht vermissen sie mich ja auch.
Allerdings kam dann auch wieder ihre pessimitische Seite durch; warum sollten die Brüder, die ja schließlich einander hatten und weiter niemanden brauchten, sich aufmachen ins Ungewisse? Schließlich hatten die beiden keinen blassen Schimmer, wo ihre Schwester hingegangen war, nachdem sie sich getrennt hatten.
Eine weitere Möglichkeit kam ihr in den Sinn; sollte sie sich vielleicht auf die Suche nach ihren Brüdern machen? Immerhin wusste sie den Weg noch ungefähr. Doch selbst wenn sie sie traf, sie würde sie nicht dazu bewegen können, mit ihre zu kommen. Und bei dem fremden Rudel bleiben wollte sie auf gar keinen Fall...
Ihr Gedanke wurde unterbrochen, weil Nerui, Kaylee und Atalya sie so sehr über das schwebende weiße Zeug aufregten. Adsini wusste zwar nicht, wie dieses Zeug hieß, aber sie hatte es schonmal gesehen und herausgefunden, dass es ungefährlich war und, dass es Spaß machte, damit zu spielen. Also stürzte sie nun auch hinter den 3 Jungfähen hinterher, verwandelte sich in einen verspielten Welpen, schnappte nach dem weißen Zeug oder wich ihm aus.
Ihr lustiges Spielen wurde unterbrochen von zwei Fremden. Nagut, Fremde waren es wahrscheinlich nicht, sicherlich gehörten sie dem Rudel an. Jedenfalls kannte Adsini die beiden nicht. Doch etwas, das ihr sofort auffiel, war, dass die fremde Fähe nur noch ein Ohr hatte. Automatisch stellte Adsini sich vor, wie diese Wölfin es verloren haben könnte, und schauderte. Sie schüttelte leicht den Kopf, um den Gedanken loszuwerden, denn sie wollte es ja eigentlich gar nicht wissen und es ging sie sowieso nichts an.
Der Rüde, der neben der Wölfin lief, sah sehr jung aus; höchstens ein Jahr älter als Adsini selbst.
"Adsini",
stellte sich die Jungfähe vor und lächelte ein wenig.
Zuerst überlegte sie, ob sie die anderen auch noch vorstellen sollte, doch dann fand sie es unangebracht und ließ es lieber bleiben.
[westlicher Wald | Nerui, Atalya, Minyala, Tiberius, Caylee]
21.02.2011, 19:37
Lyerra blickte die andere Wölfin an, vertraute ihr. Es tat gut zu wissen, dass ihre Worte nicht falsch gewesen waren und Tyraleen sie auch nicht als Vorwurf oder ähnliches gesehen hatte. Es tat gut zu wissen dass man etwas Richtiges und Hilfreiches gesagt hatte. Bei dem ersten Namen den die Weiße Fähe nannte stellten sich die Ohren der Kleineren auf. Face. War er es gewesen der bei ihr gewesen war als Ethelion…?
Unsicher blickte sie zu Boden. Face. Konnte dass sein? In das Heulen welches ihre Begleiterin anstimmte stieg sie aus mehreren Gründen nicht ein. Es war eine private Nachricht, wenn man es so ausdrücken wollte. Von Tyraleen an Aszrem und Face, nicht auch noch von ihr. Es war auch nicht ihre Aufgabe die Beiden zu rufen, außerdem wäre es unhöflich gewesen. Sie selbst sah sich ein wenig um während die Weiße anscheinend über ihre Worte nachdachte. Der Wald war ziemlich dunkel, Schnee fiel vom Himmel und es war eisig kalt. Das Wesen lag da, tot und dennoch schien es lebendig zu sein. Ráyon lag da, lebend und dennoch schien er tot zu sein. Unsicher sah sie sich um. Ráyon dieser Sturkopf. Er hatte hier durch gehen wollen, er hatte ihr etwas beweisen müssen. Wenn sie doch nur nicht so dumm gewesen wäre. Sie hätten sich nicht streiten brauchen, hätten woanders langgehen können, doch nur war er weg, irgendwie und ein Monster lag da. Er hatte sie einfach alleine gelassen, ohne ein Wort hatte er sie alleine gelassen, war einfach zusammen gebrochen. Irgendwie machte Lyerra sich selbst und auch dem Rüden Vorwürfe, obwohl sie wusste dass niemand die Schuld trug. Unwillkürlich wanderten ihre Gedanken zu Ethelion, ihrem Liebsten. Ob er an sie gedacht hatte als er starb? Ob sein letzter Gedanke ihr galt, oder doch eher dem Schmerz und der angst? Wie betäubt stand sie da. Ethelion, ihr geliebter schwarzer Engel mit den Feuer Augen. Wie sehr sie ihn vermisste, seinen Blick, seine Worte, seine Stimme, seinen Körper.
Plötzlich sprach Tyraleen und Lyerra wurde grob aus ihren Gedanken gezerrt, dennoch war sie froh nicht mehr an ihren ehemaligen Gefährten denken zu müssen. Sie blickte aus, schaute in die Augen der anderen Fähe, sagte dann leise:
„Eigentlich ist nichts,, nur.. ein wenig die Rippe, aber das wird gleich vorbei gehen“
Sie lächelte unsicher. Um nichts in der Welt wollte sie Tyraleen damit belasten. Es war nicht gut, denn sie war jünger als Lyerra selbst. Sie musste sich nicht mit den Wehwehchen der Älteren herum schlagen. Bei den nächsten Worten der anderen Fähe schaute sie zwischen beiden hin und her. Ráyon – Tyraleen und wieder zurück, schließlich nickte sie. Ráyon würde nichts geschehen, sie würde sich das Wesen mit anschauen.
Lyerra sah, wie plötzlich ein weiterer Wolf zu ihnen kam. Aszrem?! War er tatsächlich so schnell gewesen oder hatte sie bloß nicht mitbekommen wie die Zeit vergangen war? Sie blickte ihn ein wenig unsicher an. Auch er schien überrascht von dem Wesen, jedoch hatte er irgendwie keine Angst, wenn doch so zeigte er sie nicht. In diesem Moment bewunderte Lyerra den großen Rüden. Er schien mutig zu sein, mutig und gerecht. Zu seiner Frage, die vermutlich nicht an sie gerichtet war, antwortete sie:
„Ja, er lebt. Er ist bloß.. zusammen gesackt, aber er atmet und sein Herz schlägt.“
Das musste reichen, sie konnte jetzt nicht erklären warum es so war. Jetzt war nicht die Zeit für lange Gespräche. Die Überraschung in der Stimme des Rüden wunderte sie ein wenig, doch sie sagte nichts mehr. Warum so überrascht? Nicht jeder der lag war tot, oder? Sie beobachtete den, ihr Fremden, fast ein wenig geschockt als dieser auf das Monster zuging und es umrundete. War er verrückt? Als er schließlich auf sie und Tyraleen zukam wäre sie beinahe einen Schritt zurück gestolpert. Was wenn er jetzt irgendwie.. verflucht war oder so? Dieses Vieh schien ja nicht gerade normal zu sein… Auf seine Frage, die erste wie die Zweite wusste sie nicht genau an wen sie gerichtet waren. Ob das… das… nein, der Varg noch gelebt hatte als sie gekommen war? Varg, das war es also. Kein Wesen, kein Monster sondern ein Varg.
Lyerra war Tyraleen einen kurzen Blick zu bevor sie einen mickrigen Schritt vortrat um Aszrem direkt anzublicken.
„Tyraleen, kam nach mir. Ráyon und ich, wir waren hier. Wir kamen in den Wald und da lag das… der Varg schon hier. Vielleicht hat er noch gelebt als ich das erste mal hier war, aber wenn, dann ging nur noch sein Atem kurz, einige Sekunden vielleicht. Als Ráyon und ich abermals hier hin kamen war er schon tot. Was genau geschehen ist kann ich dir nicht sagen, ich war nicht da. Ich weiß nicht genau was auf dem Rudelplatz geschehen ist, ich weiß auch nicht was hier passiert ist. Ich kann nur sagen, was ich auch Tyraleen erzählt habe, und dass ist nur das was ich selbst gesehen habe..“
Sie unterbrach sich und sah sowohl Aszrem, als auch Tyraleen an.
[am Waldrand l Tyraleen , Aszrem (Face , Ráyon) ]
21.02.2011, 22:41
Face Taihéiyo sah zum grauen Himmel empor, ließ die Schneeflocken in sein Gesicht rieseln. Es schneite. Jetzt, in der Zeit des Jahres, die eigentlich die Kälteste und nicht die Wärmste sein sollte. Alles spielte völlig verrückt. Hatte es etwas damit zutun, was sein Patenkind ... was sich vor drei Tagen hier abgespielt hatte? Oder hatte das Nichts tatsächlich irgendwelche Nachwirkungen mit sich gebracht. Schon der Winter war viel zu warm gewesen. Während im Winter die Sonne geschienen hatte, fiel jetzt, im Sommer Schnee. Es war fast, als hätte sich die Welt umgedreht und lief nun in die andere Richtung. Es war bedenklich. Und doch war genau so bedenklich, was nun im Rudel ablief. Alles war so auseinander gerissen. Selbst Banshees Familie hatte es auseinander gerissen und das machte selbst den sonst für Gefühle so unempfindlichen Wolf traurig. Es tat weh seine kleine Tyraleen so zu sehen. Warum hatte das alles nur passieren müssen.
Banshee, wo bist du? Sie nur, was aus deinem Rudel und deiner Familie geworden ist ...
Seit die Weiße das Leben auf dieser Erde hinter sich gelassen hatte, war nichts mehr, wie es sein sollte. Das er ihr noch vor ihrem Tod gesagt hatte, dass auch er schon bald gehen würde, war in weite Ferne gerückt. Er konnte noch nicht gehen. Er konnte sein Patenkind jetzt nicht alleine lassen. Vielleicht würde er es niemals können, aber ... « Face Taihéiyo. Du hast noch sehr viel vor dir. Es wird viel Zeit vergehen, bis die deine gekommen ist. Vorher kannst du nicht gehen. »
Seine Zeit war noch nicht gekommen.
Der Tiefrabenschwarze senkte den Kopf wieder, als ein Heulen an seine Ohren drang. Alarmiert spitzten sich seine Ohren. Tyraleen rief nach ihm und Aszrem und verlangte nach Hilfe. Er spürte ein kurzes Ziehen in seiner Brust und hoffte inständig, dass nicht noch etwas Schlimmes passiert sein möge. Aber vermutlich hätte die Stimme seines Patenkindes dann anders gekommen. Dennoch verfiel der alte Rüde, dem man sein Alter nicht im Geringsten ansehen konnte, in einen schnellen Trab.
Und wie vor ihm schon Aszrem, musste auch Face am Rudelplatz innehalten und starrte in die leeren Augen eines toten Bären. Sein Nackenfell stellte sich kurz leicht auf und hastig flog der saphirblaue Blick über den Rudelplatz. Niemand war mehr hier. Kein Wolf war da, kein Verletzter, niemand. Und doch waren die Wolfsgerüche in der Luft sehr frisch. Was sollte das? Warum lag hier einfach so ein toter Bär? Face lief schnell weiter und erhoffte sich die Antwort bei seinem Patenkind finden zu können. Der Bär schien niemanden verletzt zu haben.
Schnellen Schrittes, aber lautlos trat Face Taihéiyo zwischen den Bäumen hervor und blieb neben Tyraleen stehen. Ein ganz kurzer Blick um sich zu vergewissern, dass wirklich kein Blut in ihrem Fell hing. Ganz egal, ob ihr eigenes, oder das eines anderen. Er fing gerade noch Aszrems Frage auf, was passiert sei und verzichtete auf die selbe Frage seinerseits. Seine Augen huschten an dem schwarzbraunen Rüden vorbei und erblickten eine bizarre Kreatur, eine Art viel zu groß geratenen, viel zu kräftigen, aber auch zu deformierten Wolf. Sie roch nach Blut, nach Tod ... und nach Bär. Das Bild setzte sich zusammen, aber doch verstand Face es nicht. Warum? Aszrem nannte diese Kreatur Varg – etwas wovon der Tiefschwarze noch nie gehört hatte. Aus Lyerras Erzählung ging hervor, dass sie dieses schwarze Tier gefunden hatten, allerdings auch schon tot. Es schien also niemand zu wissen, was passiert war. Face löste die Augen von diesem unappetitlichen Anblick und wandte sie Aszrem zu.
„Was genau ist das für ein Tier, ein Varg?“
War es ein normales Tier, oder war es etwas ... das von Fenris gesandt worden war?
[ Am Waldrand | Tyraleen, Lyerra, Aszrem (Ráyon) ]
22.02.2011, 10:41
"Ein paar sind's schon gewesen, ja",
gab der Schwärzling bescheiden zur Antwort. Er machte sich nicht die Mühe die Rudel im Geiste zu zählen, denn er befand die genaue Anzahl für unwichtig. Viele Wölfe auf der Welt wanderten und kamen weit herum, und entsprechend begegneten auch sie vielen Rudeln. Wieso hätte er sich mit all diesen Wanderen ob der Anzahl der getroffenen Rudel messen sollen? Genauso gut hätte er die Zahl der Wölfe zählen können, die er je getroffen hatte.
Chanuka lauschte ihm aufmerksam, und Malakím freute sich darüber. Der schwarze Jüngling war gelehrig, und es tat dem Älteren gut, sein Wissen an eine jüngere Generation weitergeben zu können. Er war davon überzeugt, dass seine Worte bei Chanuka auf Gehör stießen und angenommen wurden, und vielleicht halfen sie ihm sogar für sein ganzes restliches Leben. Welch schöneren Lohn konnte es geben?
"In ihrem Namen",
wiederholte er bestätigend und nickte. Auch wenn er das Gefühl hatte, dass Chanukas Frage eher rhetorischer Natur war, so sah sich der Schwärzling doch veranlasst, noch ein wenig mehr dazu zu sagen.
"Weißt du, ich helfe nicht anderen Wölfen, weil ich mich dazu verpflichtet fühle, meine Schuld gegenüber der Geflügelten abzutragen. Oder weil ich denke, dass das Ihre Aufgabe für mich ist. Ich helfe vor allem, weil ich es möchte, weil ich das als die würdigste Art empfinde, meinen Dank an die Lebensgöttin zu entrichten. Indem ich versuche, ihr Licht, dass sie mir zuteil werden ließ, an andere weiter zu geben."
Chanuka sah wieder zu ihm auf, und es wärmte Malakím das Herz zu sehen, dass ihm gelungen war, wovon er eben gerade gesprochen hatte. Er konnte Engayas Licht in den Augen des Jüngeren sehen, das Leuchten der Hoffnung und Zuversicht. Für einen Moment fühlte sich der Schwärzling, als wäre tatsächlich Sommer. Dann tanzten die Schneeflocken vor seinen Augen. Malakím seufzte leise und sah erneut zum Himmel, dann wieder zu Chanuka, jetzt wieder ein wenig ernster. Da gab es noch etwas, das er den Jüngling lehren wollte.
"Ja, das wird sie, Chanuka - helfen. Sie wird die Arbeit nicht allein machen, und wahrscheinlich kann sie das auch gar nicht. Denn du darfst niemals vergessen, dass auch der Dunkle Gott über nicht wenig Macht verfügt. Warum erschreckt uns Tyraleens Tat so sehr? Nicht nur, weil sie ihren eigenen Sohn getötet hat, sondern vielmehr, WEIL sie getötet hat. Sie ist die Tochter Banshees, die Tochter der Lebensgöttin. Das Leben aber darf doch nicht töten! Aber wenn das Leben kein Leben nehmen darf, wenn das allein dem Todesgott zusteht - warum dann flehen wir immer Engaya an, ein Leben zu verschonen? Warum bitten wir die Geflügelte um Gnade, wenn das doch gar nicht in ihrer Macht liegen sollte, sondern in der Fenris'? Erinnere dich daran, was ich dir vorhin erst über die Tendenz des Glaubens erzählt habe: Die angenehmere Gottheit erfährt meist mehr Ehrung als die gefürchtete. Irgendwann neigt man dazu, der geehrteren Gottheit mehr Macht zuzusprechen, und so glauben wir, die Lebensgöttin werde den Tod schon in seiner Machtausübung behindern, wenn wir sie nur eindringlich genug darum bitten. Und nun hat der Dunkle Gott uns allen auf aller deutlichste Art in Erinnerung gerufen, wer er ist und wie groß seine Macht tatsächlich ist. Er hat die Tochter des Lebens dazu verführt, in seinem Sinne zu handeln. Er hat, und das werden nur die wenigsten je begreifen, uns alle für unsere Vermessenheit bestraft."
22.02.2011, 10:59
Die Einohrige hatte ihn also schon durchschaut und würde seinen Flausen keine Grundlage bieten. Auch gut, aber zumindest fand er in Minyala jemanden, der sich nicht gleich vor den Kopf gestoßen fühlte und sogar genug Humor besaß, um sich von seinem Verhalten nicht abschrecken zu lassen. Und sie bewies schon wieder Schlagfertigkeit. Obwohl sie dem Gestromten klar machte, dass er sich ihr nicht körperlich nähren sollte, ließ sie seine Nähe zu. Gut, ein freundschaftlicher Dienst. Wer wäre er, wenn er einer frierenden Fähe keinen Schutz bieten würde? Im wahrsten Sinne: er musste sich Minyala warm halten. Tiberius fürchtete, dass es für ihn schwierig werden würde. Ein Rüde mit so geballtem Potential, seinem Charme und seiner Schönheit hatte auch viele Neider. Die schwarzen Brummelwölfe zum Beispiel. Ein zufriedener Ausdruck fand Platz, der sich allerdings bei den nächsten Worten der Weißen sofort auflöste. Was war an seiner Begrüßung nicht pure Anziehungskraft? Unverständlich und mit einer kleinen Portion gespielter Pikiertheit betrachtete er Minyala von oben bis unten.
“Minyala, Schätzchen, nur weil du aus einem unerfindlichen Grund immun gegen meinen Charme bist und weißt, was meine bösen Absichten sind, heißt das nicht automatisch, dass alle anderen weiblichen Geschöpfe mir abgeneigt sind. Die Begrüßung war auf jeden Fall perfekt“,
sie streckte ihm die Zunge raus und er zwinkerte. Das Lächeln straffte sich und nahm wieder die wunderschönsten Formen an, die er aufbringen konnte. Der Blick fand den Weg zu der kleinen Gruppe bestehend aus weiblichen Jungwölfen. Schnell prüfte er jedes Gesicht. Dunkles Grau, Weiß, Schwarz und... ja, Weiß. Nicht einfach weiß, strahlendes Weiß. Die blauen, saphirähnlichen Augen auf seinen Blick gerichtet. Minyala stellte ihn vor und er hatte Glück, dass er es überhaupt noch gehört hatte. Ansonsten hätte er sich vielleicht selbst noch einmal vorgestellt. Gefangen von ihrem einfach übernatütlichen Anblick. Ein lauter Herzschlag ließ seine Brust zusammenziehen. Wow, sie war einfach lecker. Nicht lecker wie es ein Hase oder Hirsch gewesen wäre. Eine ganz neue Erfahrung, die den Rüden ausnahmsweise ruhig werden ließ. Tiberius hatte keine Ahnung, was die weiße Schönheit mit ihm anstellte. Eines wusste er aber genau: er musste sie kennen lernen. Das war sicher. Zu gern hätte er den Kopf geschüttelt, um den Zauber ein wenig abzuschütteln. So schweigsam ließ es sich schlecht kennen lernen. Aber seine Kehle war trocken, seine Zunge von Pelz überzogen und sein Verstand war ganz wo anders. Ihre Augen voller Zuversicht und Freunde, Lebensfreude – es ermutigte ihn, wollte ihn auffordern. Zugleich kam ein ganz anderes Denken. Durfte er etwas so Reines, Lebensfrohes überhaupt berühren? Oh je, das war eine Wandlung, die dem Rüden nicht gefiel. Hatte er ein schlechtes Gewissen? Oder nagte ihm einfach eine Ratte an seiner Magenwand?
“Das ist das Alter, Minyala“,
was zuvor ein bissiger Scherz gewesen wäre, klang irgendwie nur halb so lustig. Es brauchte einige Atemzüge, bevor er wieder halbwegs der war, der er sein sollte. Das Lächeln wurde gestrafft, der Blick blieb allerdings auf der namenlosen Schönheit.
“Und? Wie heißt ihr?“,
da, es war wieder da. Das Charmante, das Unverfälschte. Prima. Auch der Blick konnte intensiviert werden.
[ westlicher Wald – Neruí, Atalya, Adsini, Minyala und Caylee ]
25.02.2011, 12:57
Lyerra schien es nach Tyraleens Heulen noch ein klein wenig schlechter zu gehen. Zumindest hatte sich Traurigkeit in ihren Blick geschlichen und sie wirkte nachdenklicher als zuvor. Was in ihrem Kopf vorging, konnte die Weiße nicht erraten und ließ ihr deshalb diesen kurzen Moment. Je nach Schnelligkeit der beiden Gerufenen – und ob einer von ihnen überhaupt kam – würde es nicht mehr lange dauern, dann wäre die traute Zweisamkeit vorbei. Sie hatte Tyraleen gut getan, hatte ihr gezeigt, dass sie möglicherweise mehr Rückhalt im Rudel erwarten durfte, als sie gedacht hatte. Eine neue Art von Stärke hatte sie ihre Haltung straffen und ihre Stimme nicht brechen lassen. Vielleicht würde doch bald alles wieder gut sein … fast alles. Beinahe fast alles. Ein bisschen alles.
Sie sah auf, als Lyerra ihr auf ihre Frage antwortete und die Rippe als schmerzend angab. Tyraleen hatte nicht viel Ahnung von einem Wolfskörper und was man gegen Schmerzen tun konnte, trotzdem trat sie einen Schritt näher und betrachtete die Seite, von der sie annahm, sie wäre die Schmerzende. Tatsächlich konnte sie absolut nichts sehen und selbst wenn irgendwo etwas verbeult ausgesehen hätte, wäre das nicht weiter hilfreich gewesen. Trotzdem wollte sie noch irgendetwas sagen.
“Vielleicht kennt jemand aus dem Rudel ein Mittel dagegen. Versuche bewusst zu atmen und bewege dich nicht allzu schnell, mit ein wenig Schonung heilt es sicher schnell.“
Ein wenig hatte Tyraleen bei ihrer Mutter lernen können, immerhin gehörte auch das Heilen zu der Ausbildung zur Priesterin. Allerdings ging es dabei hauptsächlich darum, dass die Priesterin nur der Vermittler der Kraft Engayas war … was in diesem Fall Probleme machte. Für eine Vermittlung brauchte man eine Verbindung und diese war Tyraleen momentan schmerzhaft fern. Sie wagte es nicht einmal zu probieren, viel zu viel Angst hatte sie davor, leer und hilflos dazustehen. Sie trat wieder einen Schritt zurück und lächelte Lyerra aufmunternd zu, dann stieg ihr ein rasch stärker werdender Geruch in die Nase. Aszrem. Sofort begann ihr Herz schneller zu schlagen und plötzlich hatte sie Angst davor, ihn zu sehen. Wie sollte sie sich verhalten? Kam er wirklich wegen ihrem Ruf? Beinahe fühlte sie sich wie eine Jungwölfin, die sich mit einem Verehrer verabredet hatte. Es war kindisch, vor allem, weil sie sicher nichts Schönes zu erwarten hatte. Aber immerhin kam er, er kam, weil sie um Hilfe gerufen hatte. Langsam wandte sie sich um und erkannte bereits die schwarze Gestalt, die auf sie zu eilte. Sie versuchte sich an einem vorsichtigen Lächeln und blieb ansonsten aufrecht stehen. Als er bei ihnen ankam, bemerkte sie sofort seinen Blick zu dem toten Wesen, sein Erstarren und die aufgerichteten Nackenhaare. Auch ihr eigener Pelz sträubte sich leicht, sie wusste selbst nicht warum. Dann war der Moment vorbei, der ausdruckslose Blick des Schwarzen streifte sie und blieb auf Ráyon liegen. Das Beantworten seiner Frage überließ sie Lyerra, sie wusste besser Bescheid, was mit dem sandfarbenen Rüden geschehen war und auch als Aszrem einmal den Kadaver umrundet hatte und eine weitere Frage stellte, ließ sie Lyerra erklären. Wie schon zuvor waren ihre Worte ein wenig wirr und Tyraleen bezweifelte, dass sie sonderlich aufschlussreich waren, also schaltete sie sich doch noch ein.
“Ich denke, dass er von dem Bären getötet wurde, der auf dem Rudelplatz verendet ist. Ich war nicht dort, aber Lyerra hat davon berichtet, dass ein schwer verwundeter Bär mit Nihil in den Pranken auf den Rudelplatz gekommen, dort gestorben ist und Nihil wohl gerettet werden konnte. Ich hatte noch nicht die Gelegenheit den … Varg genauer zu untersuchen, aber vermutlich wird er eindeutige Spuren am Körper aufweisen. Und auch der Bär wird Verwundungen von dem Varg tragen.“
Sie wollte nachfragen, nach dem kurzen Moment, indem so etwas wie Erkennen gelegen hatte – woher sonst sollte Aszrem auch den Namen des Wesens kennen? – doch dann wehte ein weiterer Geruch zu ihnen und eine weitere schwarze Gestalt tauchte auf. Face trat an ihre Seite. Eine neue Welle der Stärke erfasste sie und kurz berührte sie ihren Paten an der Schnauze.
“Du kennst ein solches Wesen?“
Die Frage richtete sich an Aszrem, unterstützte Faces Worte und war weder fordernd noch unterwürfig. Ihr Blick lag ruhig aber direkt auf dem Schwarzen, nur innerlich zitterte sie und fürchtete den Blick Aszrems, der sie irgendwann direkt treffen und dann möglicherweise mehr, als nur eine Antwort auf ihre Frage preisgeben würde.
[ am Waldrand | Face, Lyerra, Aszrem (Ráyon) ]
25.02.2011, 14:38
Während er Lyerras Worten lauschte, senkte Aszrem den Kopf und witterte an dem bewusstlosen Ráyon. Der Rüde war also einfach so, ohne Vorwarnung, zusammengebrochen? Vielleicht war er krank, oder aber der Anblick des Vargs hatte ihm einen Schock versetzt. Den Schwarzbraunen würde das jedenfalls nicht verwundern, bei den Geschichten, die man sich über diese Wesen erzählte. In Berührung mit dem Varg war er jedenfalls eindeutig nicht gekommen, keinerlei Geruchspur des Kadavers hing in dessen Pelz.
Dagegen war es nicht ganz leicht, Lyerras Ausführungen bezüglich des Geschehens auf dem Rudelplatz und des Auffindens des Vargkadavers zu folgen. Aber gerade als er nachfragen wollte, ergriff Tyraleen das Wort. Seine gelben Augen wanderten zu der gefallenen Engayastochter und blieben auf ihr hängen. Noch immer war seine Mimik neutral, obgleich sich sein Innerstes unangenehm hin und her wandt. Er war noch immer zu keinem Ergebnis für sich gekommen, wie er mit ihr umgehen sollte. Im Grunde hatte sich seine Meinung nicht geändert, aber angesichts der Situation musste er seine Gefühle unter Kontrolle - und besser noch unter Verschluss - halten, das wusste er. Und so war der Blick, den er auf sie richtete, gespenstisch leer von Emotionen, so als gäbe es weder Positives noch Negatives, das sie mit einander verband. Zwei Fremde, die sich schon lange kannten.
"Ich habe den Bären gesehen, als ich am Rudelplatz vorbei kam - er sieht übel zugerichtet aus. Und wenn ich mir den Varg so ansehe, von der Witterung ganz zu schweigen, hat es sich höchst wahrschleinlich in der tat so abgespielt."
Die Nachricht über Nihil ließ er unkommentiert. Wahrscheinlich war der Jungwolf verletzt, aber wenn er den Rudelplatz hatte verlassen können - denn Aszrem hatte ihn dort nicht mehr gesehen - und noch niemand nach einer Priesterin gerufen hatte, dann waren seine Verletzungen anscheinend nicht lebensbedrohlich.
Mal abgesehen davon, dass das ganze Rudel vielleicht nach wie vor in großer Gefahr schwebte.
Face erreichte sie, und Aszrem grüßte den Schwarzen mit einem schweigenden Nicken. Als der Beta zu ihnen trat und nach dem Varg fragte, hob Aszrem eine Augenbraue - die erste andere Gefühslregung neben der Sorge, die seine Gesichtszüge verhärtet hatte. Ihm war bereits aufgefallen, dass Lyerra und auch Tyraleen kurz gestockt hatten, bevor sie den namen des vargs ausgesprochen hatten, aber er hatte es zunächst auf ihre Furcht vor diesem Wesen geschoben und nicht auf Unwissenheit. Kurz huschte sein Blick zu den beiden Fähen.
"Ihr habt noch nie von einem Varg gehört?"
Aszrem erwartete keine Antwort, immerhin war die Frage rein rhetorischer Natur gewesen. Immerhin hätten sie sonst ja nicht gefragt.
"Ich habe schonmal einen gesehen, ja. So richtig weiß aber niemand, was die Varge sind oder woher sie kommen. Es existieren nur Gerüchte und Geschichten über sie, denn man trifft nie jemanden, der von einer Begegnung mit einem lebenden Varg berichten könnte. Als ich noch auf Wanderschaft war, begegneten wir andere Streuner, die mich vor dem Tal warnten, auf das ich zulief. Der Ort sei verflucht, flüsterten sie mir zu, denn das dortige Rudel sei auf mysteriöse Weise ausgelöscht worden. Ich betrat das Tal dennoch. Aber ich fand dort nicht einen Wolf. Nur Blut - und den Kadaver eines Varg."
Aszrem sah zu dem toten Wesen, dann fuhr er fort.
"So wie hier. Nur wie er gestorben war vermochte ich nicht zu sagen. Kurz darauf erreichte ich das Revier des Nachbarrudels. Die Wölfe dort wusste von dem Tod ihrer Nachbarn, sie waren verängstigt und verstört und verweigerten mir den Einlass, weil ich aus dem 'Varg-Tal' kam. Später bin ich immer wieder anderen Wanderern und Rudeln begegnet, die ähnliche Grüchte und Geschichten erzählen konnten wie ich. Manche behaupteten sogar, die Varge seien Geschöpfe Fenris'."
Der Schwarzbraune erinnerte sich nur zu gut an die Erzählungen, die stets nur im Flüsterton ausgetauscht worden waren, und unbewusst hatte auch er die Stimme gesenkt, wenn auch nicht bis zu einem Flüstern. Seine ganze Sorge begründete sich auf eben diese Geschichten. Sie waren sich im Kern zu ähnlich, um die Befürchtungen abzuschütteln, dass etwas Derartiges auch hier passieren konnte. Hier hatten sie ihren toten Varg, aber sie selbst lebten alle noch. Was aber, wenn der Bär dem Varg nicht in die Quere gekommen wäre? Ganz egal, ob Varge nun Geschöpfe des Todesgottes waren oder einfach nur seltene Geschöpfe - sie waren höchst gefährlich.
"Ich habe noch nie von mehr als einem Varg gehört, aber wir müssen unbedingt sicher sein, dass sich nicht noch einer von ihnen im Revier herum treibt! Ich schlage daher vor, dass wir zu zweit oder zu dritt systematisch das Revier durchkämmen, ob sich noch Spuren weiterer Varge finden lassen. Außerdem müssen wir das Rudel warnen. Vorerst sollte niemand alleine umher streifen."
Seine Stimme war wieder zu ihrer normalen Lautstärke zurück gekehrt und machte deutlich, wie ernst er die Lage betrachtete. Sein Blick wanderte abwechselnd zu seinen drei Zuhörern, wobei er instinktiv Tyraleen und Face etwas länger ansah als Lyerra.
[Waldrand | Lyerra, Face, Tyraleen, (Ráyon)]
25.02.2011, 14:49
Bei Jakash, Chardím und Neytíri:
Die graue Ödnis um Jakash herum wurde mit jedem Schritt, den der junge Rüde setzte, dunkler und abweisender. Bald schon war es so kalt, dass das Laufen schwer fiel und die Dunkelheit ließ nur noch Schemen erkennen. Eine ganze Zeit lang musste der Schwarze ohne irgendein Zeichen von Chardím umher laufen, bis er endlich nur noch wenige Schritte von sich entfernt einen leblosen Körper am Wegesrand liegen sah. Doch der Weg zu ihm war versperrt. Drohend und riesenhaft erhob sich ein schwarzer Schleier zwischen die beiden Wölfe, irgendwo in der Dunkelheit des Firmaments glommen zwei rote Punkte.
“Du hast mir etwas angeboten, Jakash. Und ich nehme diesen Vorschlag an. Dein Leben gegen das des jungen Zwiegespaltenen. Aber ich will nicht deinen Tod, ich will dein Leben. Schwöre, dass du von nun an in meinem Sinne handeln und leben wirst. Wenn du bereit bist, ein Fenriswolf zu sein, bekommst du das Leben Chardíms.“
Die Stimme war nicht von dem schwarzen Schleier gekommen, sondern hatte aus allen Richtungen rund um Jakash geklungen. Sie war die Dunkelheit und die Ödnis, die Kälte und der Hass.
25.02.2011, 15:32
(Neytíri, ich hoffe, du hast nichts dagegen, dass ich jetzt gleich wieder poste. Begründet habe ich das schon bei 'SL - Infos und Fragen' ^.~)
Seine Schritte waren immer und immer schneller geworden, nur um schließlich wieder nach und nach langsamer zu werden. Die Ödnis zu seiner Rechten veränderte sich auf subtile Art und Weise, die der Schwarze eher fühlte als das er sie sah. Die Düsternis schien sich mehr und mehr zu verdichten, und fast war ihm, als stülpe sich dieser Schleier über den Pfad, auf dem er lief, und drängte sogar ein wenig das Licht Engayas zurück, dass links des Weges schien. Jakashs Herzschlag beschleunigte. Irgendetwas geschah, irgendetwas...
Und dann entdeckte er seinen Patensohn.
"Chardím!"
Jakash machte zwei Sätze vor, auf den Jungrüden zu, und hielt dann abrupt inne. Zwischen ihm und dem Schwarzweißen schraubte sich das Dunkel in die Höhe, und wie feurige Sterne glühten himmelsnah zwei rote Lichter. Jakash spürte, wie Furcht sein Herz umschloss und all sene Hoffnungen hinfort spülte, als dröhnend die Stimme des Todesgottes erklang. Sie hallte in seinem Kopf nach, vibrierte in seinem Zwerchfell und jagte einen eisigen Schauer über seinen Rücken. Und was sie sagte, ließ seinen Magen schmerzhaft verkrampfen.
Fenris hatte ihn tatsächlich gehört. Er nahm das Angebot an - zu seinen Bedingungen. Er wollte nicht die Seele eines Toten für Chardíms Leben, er wollte die Seele eines Lebenden. Er wollte einen Anhänger, etwas, das ihm mehr Macht verlieh als der Tod eines Wolfes, denn sterben mussten sie sowieso alle irgendwann.
Nur mühsam konnte er den Blick von den Feueraugen abwenden und auf Chardím richten. Sein Herz wurde ihm schwer in seiner Brust, und gleichzeitig schien es zum bersten schnell zu hämmern. Jakash versuchte sich die Stimme seiner Großmutter ins Gedächtnis zu rufen. Sie hatte gesagt, er solle stark sein. Sein Leben zu geben sei schwach. Hatte sie das Sterben gemeint... oder hatte sie kommen sehen, was Fenris nun von ihm verlangte? Aber wenn dem so war, hieße dass dann nicht, dass er Chardím sterben lassen sollte? Niemals, wie könnte er?! Und das konnte auch nicht in Banshees Sinne sein, unmöglich! Aber wenn Chardím leben sollte, dann musste er, Jakash, sich Fenris anschließen - und konnte DAS im Sinne seiner Großmutter sein? Im Sinne Engayas? Er glaubte es nicht. So oder so, er würde sie enttäuschen. Er konnte sie vor sich sehen, wie sie traurig den Blick abwandte. Aus ihrem Gesicht wurde das seiner Mutter. Was würde sie sagen, wenn er ein Fenriswolf würde? Was Rakshee? Und dann wurden alle diese Gesichter hinfort gewischt, und er sah Sheena vor seinem geistigen Auge. Sein Herz verkrampfte sich. Sheena... was würde sie nur dazu sagen? Wie könnte sie ihn dann noch lieben? Und vor allem, würde er es dann noch können? Jakash biss sich auf die Lefzen, schloss die Augen gegen die Tränen, die aufkommen wollten. Sein Patensohn würde sterben, wenn er ablehnte. Wie konnte er das rechtfertigen vor seiner Mutter, vor rakshee, vor Sheena? 'Tut mir leid, Chardím ist tot, weil ich lieber zwischen den Göttern stehen wollte als zu einem von ihnen zu gehören...'
Jakash öffnete mit einem Ruck die Augen und sah erneut zu den roten Sternen empor. Im Grunde hatte er gar keine Wahl - zumindest keine, die er als solche empfand. es war schon entschieden gewesen, als er Fenris sein Leben für das Chardíms angeboten hatte.
Jakash trat einen Schritt vor - und verließ damit den Grenzpfad zwischen den Göttern.
"Fenris, ich schwöre, dass ich in deinem Sinne und leben werde, nur verschone Chardíms Leben!"
Hätte sein Puls nicht so laut und schnell ins einen Ohren geschlagen, hätte ihn überrascht, wie fest seine Stimme klang.
'Sheena... Rakshee, Mutter... Großmutter... bitte vergebt mir...'
[am Bach | Neytíri, Chardím]
25.02.2011, 15:42
Bei Jakash, Chardím und Neytíri:
“So sei es, Jakash. Willkommen.“
Die Dunkelheit um Chardím wurde zurückgedrängt, sein Herz begann kräftig und beinahe drängend in seiner Brust zu pulsieren. Doch um Jakash herum blieb es dunkel und noch einmal erklang die Stimme seines neuen Gottes.
“Wage es nicht, mich zu betrügen, Jakash. Das Leben Chardíms liegt in meiner Pfote und wenn du dich entschließen solltest, mich zu hintergehen, besiegelst du damit den Tod deines Patensohnes. Vergiss das nicht.“
Damit wurde es still und die Sonne beschien den Körper des schwarz-weißen Jungwolfes. Der Schatten zwischen Jakash und Chardím war verschwunden, doch noch immer war es dunkel um und in dem neuen Wolf, der Jakash von nun an sein würde.
25.02.2011, 18:11
Das Willkommen seines neuen Gottes hinterließ einen bitteren Geschmack auf Jakashs Zunge. Um ihn schienen sich die Schatten zu verdichten, sich regelrecht an ihn zu schmiegen. Er glaubte ein leichtes Kribbeln zu spüren, als sie durch sein Fell und über seine Haut strichen. Ob sie auch in ihn eindrangen, um das neue Band zu besiegeln? Möglich, aber Jakash wusste es nicht mit Sicherheit zu sagen. Viel wichtiger war, dass sich das Dunkel um Chardím lichtete und der Schwarzweiße bereits sichtlich kräftiger atmete.
Er hob den Blick erneut zu den fernen Feuerlichtern, als nocheinmal die Stimme Fenris' erklang, und schwieg dazu. Er glaubte weder, dass Fenris' Warnung einer Antwort bedurfte, noch dass sein neuer Gott eine erwartete. Er konnte nichts weiter tun als sich zu fügen, aber im Grunde hatte er das ja auch bereits vorher gewusst. Fenris verschonte Chardím nur, weil er, Jakash, sein Leben dafür gab, und wenn er diese Abmachung brach, würde der Todesgott den entsprechenden Preis dafür fordern. Aber Jakash hatte auch niemals in Erwägung gezogen, Fenris betrügen zu wollen - er hatte einen Schwur geleistet und er würde ihn nicht brechen. Er würde die Konsequenzen tragen. Jetzt und für immer.
Die feurigen Sterne am dunklen Himmel verglühten und der dunkle Schleier zwischen ihm und Chardím löste sich auf. Jakash sah auf seinen Patensohn herab und fühlte die Endgültigkeit dieser Entscheidung in seinem Inneren. Er war froh, dass Chardím leben durfte, aber ein Lächeln wollte sich weder auf seinen Lefzen zeigen, noch seine Augen erwärmen. Jakash trat zu dem Schwarzweißen und fasste ihn vorsichtig mit den Zähnen am Nackenfell. Der Jungrüde war schon fast zu schwer, um ihn auf diese Weise fortzuschleifen, aber Jakash gelang es dennoch den Schwarzweißen umständlich auf den Grenzpfad zu ziehen und zu schieben. Hierhin gehörte er, zwischen die Götter statt auf eine der beiden Seiten. Hier war er im Gleichgewicht. Nur Jakash selbst konnte diesen Pfad nie wieder betreten. Jakash schloss die Augen...
...und öffnete sie wieder in der realen Welt. Für einen kurzen Moment glommen rote Streifen in seinen grünen iriden, aber sie verblassten sofort wieder. Der Schwarze blieb zunächst einfach liegen und sah zu, wie sein Atem vor ihm zu einer weißen Wolfe kondensierte. Es schneite, stellte er nüchtern fest. Wie lange waren sie 'weg' gewesen? Der Schwarze rollte sich zur Seite, um aufrecht liegen zu können, und sah sich um. Die kalte Luft kroch ihm durch den Pelz und auf die Haut, aber er empfand sie jetzt als angenehm und nicht mehr als störend. Überhaupt fühlte er sich... anders als sonst. Das Ziehen in seiner Brust war weg, viel ihm auf, aber es überraschte ihn auch nicht sonderlich. Damit war eigentlich zu rechnen gewesen. Davon abgesehen fühlte er sich kräftiger und voller Energie und Tatendrang. Und.. irgendwie noch anders. Ein wenig fremd sich selbst gegenüber...
Jakash verscheuchte die Gedanken unwirsch. Dafür war jetzt keine Zeit, Chardím war wichtiger! Sein Blick glitt zu dem schwarzweißen Jungwolf an seiner Seite. Er war noch nicht aufgewacht, aber er atmete kräftig und gleichmäßig und auch sein Herz schlug kraftvoll und regelmäßig. Gut. Dann entdeckte er Neytíri. Sein Blick war jetzt kälter als vorhin noch. Jakash registrierte ihren verletzten Nacken, und er wusste, dass er diese Wunde verursacht hatte. Aber es tat ihm nicht mehr großartig leid deswegen.
Eigentlich tat es ihm gar nicht leid. Es war ihm ziemlich egal. Neytíri war nicht wichtig.
[Bach | Neytíri und Chardím]
25.02.2011, 19:01
Nerúi fand Atalyas Erzählungen nicht gerade beruhigend. Andererseits - Krolock guckte immer wahnsinnig - wahnsinnig dumm nämlich...
"Atalya, bist du sicher dass Krolock nicht schon vorher so geguckt hat? Er guckt immer komisch, ich glaube nicht dass er anders kann."
Meinte sie, war aber doch ein wenig beunruhigt. Ein toter Bär mit Nihil. Warum hatte der Bär den Nichtswolf dabei gehabt? Und hatte Nihil ihn so schwer verletzt dass er sterben musste? Die Schwarze schien den Nichtswolf gewaltig unterschätzt zu haben. Aber das blöde Zeug von oben lenkte sie wieder ab, und grimmig schnappte sie danach, wand ungläubig die Ohren zu Caylee.
"Das ist nicht schön, das ist schrecklich kalt. Und es soll von mir runter gehen."
Meinte sie ärgerlich, und putzte sich eiligst den Schnee von der Schnauze. Andererseits klang die Vorstellung von Engayas Jagdbeute gar nicht so verkehrt. Nur - warum waren die Federn so kalt, und verschwanden wenn man sie fing?
"Ich mag es nicht, glaube ich..."
Stellte sie jedenfalls klar, und blieb stehen, als ihr diese Jungwölfin mit dem einen Ohr plötzlich gegenüber stand, in Begleitung eines Rüden der ihr fremd war. Er war noch ein ganzes Stück größer als sie selbst, und sie versuchte sich zu erinnern, wie das mit dem Großzaubern ging. Sie wollte auch so groß sein. Ohne falsche Zurückhaltung sprang sie den beiden entgegen.
"Hey! Ich bin Nerúi, und - ich muss zugeben dass ich deinen Namen auch nicht weiß. Wo hast du denn Tiberius gefunden?"
Fragte sie, und wand sich dann dem Rüde zu, dessen Fell ein interessantes Muster an Grautönen aufwies. Sie musterte ihn einen Moment lang.
"Hey, schön dich kennen zu lernen. Aber wie kommts dass du einfach so hier bist ohne dass dich jemand aufgenommen hat? Oder hast du schon einen der Rangwölfe getroffen?"
Wollte sie wissen, und in ihren Blick schlich sich Misstrauen.
"Und ich hoffe natürlich dass du nett zu meinen Schwestern bist, denn sonst müssen wir dich wieder vertreiben"
Drohte sie zwinkernd, und wischte sich im nächsten Augenblick energisch den Schnee von Kopf und Schnauze.
"Wisst ihr was das ist? Das ist so kalt und kommt über all her! Kann man nichts machen damit das aufhört?"
Fragte sie, und sah die zwei neugierig an. Vielleicht wussten sie ja etwas näheres über dieses unheimliche Zeug. Die Schwarzbraune wirbelte wieder zu Atalya herum, ständig hin und her gerissen zwischen Freude und zäher Demotivation.
"Hey Atalya, ist dir 'Wölfe im weissen, ekligen, kalten Gewusel finden' spannend genug?"
Wollte sie grinsend wissen.
[westlicher Wald | Atalya, Caylee, Adsini, Minyala, Tiberius]
25.02.2011, 20:09
Mit einem Brummen hielt die graue Fähe inne, als sie Nyotas Stimme vernahm, die deutlich ihren Namen nannte. Mit zuckenden Ohren, die noch immer versuchten, dieses weiße Zeug fern zu halten, lauschte sie den Worten der dunklen Fähe, setzt auch schnell zu einer Antwort an, als sie geendet hatte.
“Nein, es war anders. Seine Augen waren rot... nur einmal kurz sahen sie anders aus, und dann waren sie wieder rot. Das waren nicht seine normalen Augen.“
Sie schnaubte leicht, pustete so etwas weg, was sich ihrer Nase genähert hatte. Es sollte endlich aufhören! Dann richtete sie den Blick zu ihrer weißen Schwester, nickte aber nur zustimmend auf ihre Worte. Sie hatte bei diesem Anblick selbst kaum geglaubt, dass der weiße Rüde diese Aktion überlebt haben könne. Sie wandte den Blick wieder ab, erkannte so nicht das schiefe Lächeln auf Caylees Lefzen. Atalya schüttelte den grauen Pelz, befreite sich noch einmal von diesem kalten, nassen, weißen Zeug, ehe sie es aufgab. Es brachte anscheinend nichts. Und sie wollte sich nicht schütteln, bis der Himmel endlich aufhörte, diese... Wasser nach ihnen zu werfen. Nur ein Zucken ihrer Ohren ließ darauf schließen, dass sie die Worte der Weißen dennoch gehört hatte. Ein leises Brummen war ihre Antwort. Wirklich schön fand sie dieses Zeug nicht unbedingt... Es sollte verschwinden. Die einzige, die nichts dazu zu sagen hat war Adsini, diese schwieg lieber. Aber sie spielte damit, so wie Caylee. Also konnte sie es nicht ganz so furchtbar finden. Die Graue nickte in Nerúis Richtung, als diese kund tat, dieses Zeug nicht zu mögen. Sie konnte der Dunklen nur zustimmen.
Und dann waren da die anderen beiden Wölfe. Eine, mit einem weißen Pelz, und nur einem Ohr. Und ein grauer Rüde mit seltsamen Zeichnungen. Atalyas Kopf neigte sich leicht zur Seite, auch in ihrem Fell klebten weiße Flecken. Minyala und ein fremder, grauer Rüde. Beide Wölfe bekamen einen unbegeisterten Blick zugeworfen. Und auch ihre Körperhaltung ließ nicht darauf schließen, dass sie sehr zufrieden mit dieser Situation war. Minyala stellte den Rüden als Tiberius vor und Atalya betrachtete ihn einen Moment länger. Er lächelte so vor sich hin. Die Graue selbst blickte noch einmal beide an, öffnete dann den Fang.
“Atalya die Furchtlose. Angenehm.“
Caylee schwieg, Adsini stellte sich mit einem Wort vor und Nerúi redete auf den Grauen ein. Die dunkle Fähe wartete ab, bis das letzte Wort Nerúis Fang verlassen hatte, richtete dann den Blick auf sie, als sie sich ihr zuwandte. Ein mehr oder weniger unbegeistertes Lächeln war ihre Antwort, ehe sie auch hier zu Worten ansetzte.
“Mehr oder weniger. Ich lasse mich einfach überraschen. Ich glaube... etwas spannenderes als der Bär wird heute kaum noch passieren...“
Mit diesen Worten schüttelte sie den Kopf, um wenigstens diesen zu befreien. Nun blieb abzuwarten, ob Minyala und Tiberius wußten, was das für schreckliches Zeug war – und wie man es loswurde.
[Westlicher Wald - Caylee, Adsini, Minyala, Tiberius, Nerúi]
25.02.2011, 20:39
("Nyotas Stimme"? Das bezweifle ich ganz stark XD)
26.02.2011, 10:51
Minyala grinste vor sich hin. Dass ein Tag, der so furchtbar begann, sich doch noch ganz nett entwickeln konnte, hatte sie nicht erwartet. Tiberius war die beste Gesellschaft, die sie hatte treffen können, auch wenn sie das dem Gestromten sicher nicht auf die Nase binden würde – er hielt sich schon für umwerfend genug. Er war genau die richtige Mischung aus schlagfertig, charmant, freundlich und witzig - eine Mischung, wie sie sich Minyala an so trüben Tagen nicht besser hätte wünschen können. Er gab ihr Kontra und verstand sich auf die Kunst des Neckens. Vielleicht würden sie ja so etwas wie Freunde werden, das wäre dann auch ein Grund mehr im Tal zu bleiben.
Sie ließ ihn in dem Glauben, eine unübertreffliche Begrüßung formuliert zu haben und betrachtete die anwesenden Jungwölfe. Sie hatte drei von ihnen ganz sicher schon gesehen, zumindest bei der Rudelversammlung und sie rochen auch nach dem vertrauten Duft des Rudels. Die eine Weiße, die sich nun ein bisschen knapp und offensichtlich nicht sonderlich wortgewandt als Adsini vorstellte, dagegen roch fremd und Minyala schlussfolgerte höchst intelligent, dass sie wohl neu war. Eine andere Weiße sagte gar nichts, sondern betrachtete Tiberius, als wäre er ihr Gott höchstpersönlich. Oder so. Minyalas Stirn krauste sich leicht, aber sie hielt den Mund und erwiderte Adsinis Lächeln.
“Hi Adsini - neu hier, mh?“
Damit wandte sie sich an Tiberius um einen spitzen Kommentar loszuwerden, doch bevor sie dazu kam, musste sie feststellen, dass der Rüde ein wenig grenzdebil die Weiße zurückanstarrte. Was war denn jetzt los? Erkannten sich die beiden gerade als lang vermisste Bruder und Schwester? Oder war das ein abgekartetes Spiel? Bevor sie zu einer Entscheidung kommen konnte, schien Tiberius sich wieder gefangen zu haben und ließ reichlich spät ein Kommentar zu ihrem schlechten Namensgedächtnis fallen.
“Dann will ich aber nicht in dein Alter kommen, sonst stehe ich auch noch so dumpfdödelig starrend herum.“
Das murmelte sie nur, vermutlich hatten es die vier Jungfähen gar nicht hören können. Sie war beinahe froh, als die schwarze Fähe auf sie zu gesprungen kam und unverblümt zugab, genauso wenig Minyala zu kennen. Das mochte die Silberweiße, kein Rumgedruckse, ebenso wie sie selbst. Grinsend wippte sie mit der geknickten Rute.
“Minyala. Tiberius ist einem Rüden hinterher gerannt – ups, das hätte ich vielleicht nicht sagen sollen“ Ein schnelles Grinsen zu dem Gestromten. “- und ich habe diesen Rüden getroffen. Der hatte aber Angst vor Tiberius oder mir oder uns zusammen und hat sich aus dem Staub gemacht, bevor er sich überhaupt vorgestellt hat. Und dann musste ich mich eben um Tiberius kümmern, nachdem der niemanden mehr zum Hinterherlaufen hatte.“
Ihre Erzählung abschließend schnippte sie mit dem verbliebenen Ohr und stellte dann fest, dass Neruí fast genauso viel redete wie sie. Alle Achtung, eine ganze Menge an Fragen auf einmal.
“Nop, einem Rangwolf sind wir noch nicht über den Weg gelaufen, aber vielleicht wisst ihr ja, wo sich einer rumtreibt?“
Die nächste Frage verwirrte sie leicht, sie hob eine Augenbraue und warf einen Blick auf den noch immer wild herumwirbelnden Schnee.
“Was? Der Schnee?“
Die Vorstellung der letzten Fähe, Atalya, fiel fast so knapp aus wie die von Adsini, auch wenn sie einen umwerfenden Titel hinzufügte. Minyalas Blick musterte sie leicht skeptisch ohne diese Gefühlsregung zu verbergen. Furchtlos also, so so …
[ nördliche Reviergrenze - auf dem Weg nach Süden | Tiberius, Neruí, Atalya, Caylee und Adsini ]
26.02.2011, 13:43
Zunächst wollte Caylee ihre Augen eilig abwenden, als Tiberius sie ebenfalls zu bemerken schien und ihren Blick direkt erwiderte. Im ersten Moment wollte sie jedoch seinen Anblick nicht ohne einen letzten Streifzug gehen lassen, dann merkte sie, dass er sie nicht losließ. Ihre Blicke verschränkten sich ineinander und ein leichter Schauer rann ihr von den Ohren hinab über den Rücken bis in die Rutenspitze. Sie mochte es, wie er sie ansah. Und sie mochte es, ihn anzusehen. Auch wenn es ein wenig unverschämt von ihm war, sie so direkt anzustarren aber aus irgendeinem Grund ärgerte sie sich nicht darüber. Jetzt formte sich ein Lächeln auf ihren Lefzen und ganz kurz zwinkerte sie dem Gestromten zu, viel zu schnell, als dass es jemand anderes außer ihm hatte sehen können. Als Adsini ein wenig knapp ihren Namen sagte, tappte Caylee die wenigen Schritte zu der Weißen und stupste sie in die Seite.
“Nicht so schüchtern, Ni.“
Dann wandte sie sich zu Minya um, die sich soeben als Minyala vorstellte – Caylee hatte ihren Namen also doch noch richtig im Kopf gehabt – und die kurze, ein wenig seltsam klingende Geschichte zu Tiberius‘ Entdeckung erzählte.
“Ich bin Caylee.“
Ihr Blick driftete wieder zu dem Gestromten, blieb aber diesmal nicht lange auf ihm liegen. Minyala schien verwirrt von der Frage, die Neruí zu dem weißen Federflaum gestellt hatte und erwähnte nun das Wort ‘Schnee‘. Da machte es Klick in Caylees Kopf. Schnee! Natürlich. Sie erinnerte sich noch genau an den Tag, an dem sie als Welpe furchtbar schlecht geträumt und ihr Bauch schrecklich wehgetan hatte. Da war ihre Patentante Rakshee zu ihr gekommen und hat ihr eine Geschichte von den Bergen erzählt. Sie hatte von Schnee gesprochen, er sollte weiß und weich sein, bei Kälte aus dem Himmel kommen und auf der Haut zu Wasser werden. Aber es gab ihn gar nicht nur in den Bergen! Vielleicht, weil es im Tal normalerweise nicht so kalt war wie in den Bergen? Strahlend drehte sie sich zu Atalya und Neruí um.
“Schnee! Tante Raki hat davon erzählt, in den Bergen ist alles voll davon.“
Ihre Rute wippte, froh das Geheimnis gelüftet zu haben. Allerdings wollte sie sich vor Tiberius auch keine allzu deutliche Blöße geben. Plötzlich war es ihr fast peinlich, keinen Schnee zu kennen, Minya schien ihn ja für das Normalste der Welt zu halten. Um sich von diesem Gedanken abzulenken legte sich ein verschmitztes Lächeln auf ihr Gesicht und sie zupfte Atalya und Neruí am Pelz.
“Es gibt doch nichts spannenderes, als neue Bekanntschaften zu machen.“
Ihr Blick wanderte erneut zu Tiberius und blieb diesmal verschmitzt auf ihm liegen.
[ westlicher Wald | jetzt bei Adsini, Neruí, Atalya, Minyala und Tiberius ]
26.02.2011, 14:13
Als Volk die Erlaubnis vernahm, bleiben zu dürfen, wurde alles um ihn herum still. Alles was um ihn herum geschah, sei es die plumpe Antwort von Hilel, noch die Gegenreaktion von Aszrem und der Streit den die beiden hatten. Das alles flog an dem Schwarzen vorbei, als wäre dieser nur Zuschauer und nicht Aktör. Wie in einem Traum, allerdings von angenehmer, wohltuender Natur. Die ganze Situation passierte ohne sein Bewusstsein, Volk war in sich versunken. Es war ihm redlich gesagt egal, ja es war ihm egal, weil der Rüde alles hatte was er wollte, eine Familie und ein neues Zuhause. Nun konnte er auch für immer mit Lyerra zusammenbleiben. Nach dieser langen Reise hatte Volk sein Ziel endlich erreicht. Das war es, was den Rüden jetzt so tief in sich versinken lies, sodass er nicht zu Antworten vermochte was in ihm vorging, wie glücklich dieser war. Die Freude über dieses Gefühl, „nach Hause zu kommen“ ,es war toll. Natürlich hatte er nicht mitbekommen, in seine Traumwelt versunken, das alle schon weg waren und er als einziger noch da stand.
„Ich werde meine neue Familie nicht entäu... . He, wo sind denn alle hin?“
Er starrte auf den Fleck auf dem Aszrem vorhin noch war und bemerkte erst in diesem Augenblick, dass er scheinbar etwas davongeschwoben sein muss. Belämmert sah sich Volk um und beschloss dann, sich im Revier etwas umzusehen. Es war kalt, Schnee fiel vom Himmel, die langsam in dicken Flocken, wie Daunen aus den Wolken herabschwebten. Der Rüde begann die Reise in den Nordosten seines neuen Zuhauses, unter dem Flockenreigen des Schnees. Sein Fell wurde Weiß nach und nach, er sah sich um und hoffte auf einen anderen Wolf zu treffen. Der zugeschneite Rüde hob seine Nase gen Himmel, aber diese erfasste keine Spur, weder von Wölfen, noch von etwas fressbarem. Der (weiße) Volk wurde schon wieder hungrig, doch dieser war neugieriger darauf andere Wölfe zu treffen. Ganz ehrlich gesagt wäre ihm Lyerra allerdings immernoch die liebste Begegnung. Denn sie wusste das der Schwarze (Weiße), dem Rudel beitreten wollte, andere würden ihn vielleicht als Fremden ansehen und lediglich zu sagen das Aszrem ihm erlaubt hat zu bleiben, wäre doch nicht genug als Beweis.
„Naja, bis jetzt waren doch alle freundlich und wenn ich auf einen Neuling wie mich treffe, dann kann ich, mich mit ihm austauschen. Vielleicht hört man auch das ein oder andere aus der alten Heimat.“
[ aus westlichem Wald kommend -
Richtung Nordosten laufend| Allein anspielbar]
26.02.2011, 16:27
Lyerra nickte zu den Worten der Fähe. Ja, vielleicht würde sie jemanden fragen der sich auskannte, allerdings wäre es auch nicht schlimm wenn nicht, vermutlich würden die Schmerzen gleich weggehen, sie waren auch schon weniger Schlimm als am Anfang.
Sie hörte kaum wie Tyraleen sie verbesserte, nahm es aber dennoch war. Ja, sie selbst sprach wirr und unsicher, denn all diese Dinge umnebelten ihren Geist, stellten vieles in Frage was sie gelernt hatte. Varg. Was war das? Nie hatte sie so etwas gesehen. Ein leichtes, abwesendes Lächeln umspielte ihre Lefzen, dann hörte sie auch schon Face kommen und ihren Ohren stellten sich auf. Face. Sie kannte ihn, zumindest glaubte sie das. Unsicher wackelte sie mit dem Kopf. Sie hatte nichts dagegen zu schweigen, denn dann konnte sie nachdenken, doch die andere Fähe stellte eine sehr interessante Frage. Aszrem. Sie fragte ob er dieses Wesen kannte und das interessierte Lyerra wirklich. Aufgeregt flatterte ihr Herz in der Brust, bewegte sich schnell und ungleichmäßig. Warum gab es solche Wesen? Sie bemerkte den Blick des Rüden. Er kannte es also und anscheinend wunderte es ihn, dass die Beiden Damen es nicht kannten. Sie schüttelte kurz den Kopf als er eine rhetorische Frage stellte, sagte nichts. Nein, ein Varg hatte sie wahrlich noch nie gesehen und auch noch nie davon gehört. Eigentlich wollte Lyerra dieses Etwas auch gar nicht kennen, denn allein der Name klang nach Tod und fremden Gefahren. Unsicher lauschte sie den Erzählungen Aszrems, schaute kurz zu Face. Wie absurd all das klang. Als der Name eines Gottes ausgesprochen wurde zuckten die Ohren der Weißen nach vorne, verwirrt schaute sie Tyraleen an. Fenris. Was genau war das für ein Gott, dass es solche Geschöpfe sandte? Um auf die Worte des Rüden einzugehen sagte Lyerra leise:
„Ein Varg, hat also.. ein ganzes Rudel ausgelöscht, starb aber selbst? Wie können denn die ganzen Wölfe verschwunden sein? Du sagtest du hättest keine gesehen, nur den toten Varg und viel Blut. Die.. die Wölfe können doch nicht einfach weg sein..?!“
Ein wenig irritiert blickte sie alle drei Wölfe nacheinander an. Wie konnte man so etwas erklären? Der Varg konnte sie doch nicht alle… gefressen haben? Widerwillig gab sie zu, dass der Gedanke sie irgendwie faszinierte, auch wenn er noch so ekelerregend war. Wie viel Kraft in diesem Wesen stecken musste, wie viel verborgene Raffinesse er besitzen musste. Wölfe waren starke und kluge Tiere, aber konnte es wirklich sein dass ein Varg sie alle getötet hatte? Und selbst wenn, damit war immer noch nicht erklärt warum sie alle fort waren.
Beim Nachdenken zog sie ihre Nase kraus, kniff die Augen kurz zusammen. All das ergab doch keinen Sinn…
Ihre Gedanken rumorten beinahe so laut, dass sie die weiteren Worte fast verpasst hätte. Sie mussten das Revier durchkämmen, das war klar, aber Lyerra war immer noch der Meinung, dass nicht gleich alle Bescheid wissen sollten. Beinahe ein wenig schuldbewusst schaute sie zu Aszrem und sagte leise:
„Aszrem, du hast recht, wir sollten uns vergewissern dass hier nicht noch ein Varg ist, dennoch halte ich es nicht für richtig sofort das ganze Rudel einzuweihen. Was meinst du wie die Jungwölfe darauf reagieren? Und Atalya.. sie wird sofort loslaufen wollen um den Varg zu finden… Findest du nicht, dass viele der Wölfe mit genug anderen Dingen zurechtkommen müssen, ehe sie das hier erfahren?“
Unsicher sah sie ihn an. Wenn sie jetzt etwas Falsches gesagt hatte… Andererseits.. genug Wölfe waren auf dem Rudelplatz gewesen, und wer wusste schon was noch passiert war? Eine Versammlung und die Offenbarung dieser Entdeckung hätte das ganze Rudel nur noch mehr in Aufruhr versetzt, obwohl sowieso schon so viel geschehen war.
[bei Face , Tyraleen & Aszrem (Ráyon) l Waldrand]
27.02.2011, 09:11
"Ja neu hier",
erwiderte sie auf Minyalas Kommentar und grinste wieder. Die Einohrige hatte die Jungfähen soeben daran erinnert, dass das weiße Zeug, das vom Himmel kam, Schnee war. Und auch Adsini erinnerte sich jetzt wieder daran, dass sie diesen Begriff in Zusammenhang mit diesen Flocken schon einmal gehört hatte.
Jetzt bekam Adsini auch mit, dass entweder Minyala oder Tiberius noch nicht dem Rudel angehörten. Oder hatte sie das nur falsch verstanden? Verwirrt zuckte sie mit den Ohren.
Atalya stellte sich als die Furchtlose vor. Diese Seite von ihre hatte Adsini bis jetzt noch nicht kennen gelernt, doch sie freute sich darauf. Es klang interessant.
Als Adsini von Caylee angestupst und mit dem Spitznamen Ni angesprochen wurde, wedelte sie leicht mit der Rute. Abgesehen davon, dass ihr der Spitzname Ni ganz gut gefiel, stellte sie fest, dass sie die Jungfähen in dieser kurzen Zeit schon ziemlich doll ins Herz geschlossen hatte. Sie fühlte sich bereits fast so wohl, als wäre sie in Gesellschaft ihrer Familie. Und fast so war es ja auch; dieses Rudel war ihre neue Familie. Wieder werdelte Adsinis Rute leicht und sie grinste vor sich hin.
Ihr Blick wanderte zwischen den Wölfen umher.
Atalya guckte ziemlich desinteressiert, doch Nerui versuchte, sie zum Spielen zu bewegen. Minyalas Miene war schwer zu deuten; nicht desinteressiert, aber die Einohriege grinste auch nicht. Und Tiberius..tja, der Blick dieses Rüdens ruhte die ganze Zeit auf Caylee. Er starrte sie an, als ob..als ob.... man wusste nicht, wie man das nennen sollte. Interessiert sah der Blick aus. Jedoch mehr. Nicht nur Interesse blitzte in den Augen des Grauen, eher Verlangen. Verlangen nach Caylee. Ja. so sah es aus.
Adsini wandte den Blick zu Caylee. Die Jungfähe schien auch nicht ganz abgeneigt zu sein von diesem Tiberius. Sie starrte zurück, und auch in ihren Augen blitzte Interesse auf. Jedoch nicht so stark, dass man es als Verlangen bezeichnen konnte, wie bei dem Rüden, den sie anblickte.
Das kann ja noch interessant werden,
dachte Adsini verschmitzt.
[westlicher Wald | bei Neruì, Atalya, Minyala, Tiberius und Caylee]
27.02.2011, 12:20
Cirádan horchte was Krolock wohl mehr zu Takashi als zu dem Rest sagte. Sie wollten also zu einem hohlen Baum? Er kannte das Revier nur ungenau. Falls es irgendwann mal wieder wärmer werden würde, würde er ganz bestimmt das Revier erkunden. Ja, das nahm er sich vor. Er wollte das Revier, in dem er lebte besser kennen lernen.
Er war kein Welpe mehr. Das hatte Krolock gesagt. Cirádan ist kein Welpe mehr. Aber warum fühlte er sich dann wie einer? Die Welt schien doch viel größer als er und alle anderen ebenso. Es hätte wohl geholfen, wenn es in diesem Jahr Welpen gegeben hätte. Wölfe, die so viel kleiner wären als Cirádan. Doch über diesen Umstand wusste er nichts. Es schien ihm auch nicht falsch, dass es keine Welpen gab. Vielleicht gehörte es sich so. Was wusste der Halbblinde denn schon von der Welt in der er lebte?
Cirádan nickte, als Krolocks Stimme weniger herrisch wurde. Er erklärte dass Verletzungen den Körper schneller auskühlten. Er fragte sich, woher Krolock das wusste. Oder ob Cirádan der Einzige war, der sowas nicht wusste.
Als Krolock sich in Bewegung setzte, hatte Cirádan Schwierigkeiten sich seinem und Nihils Schritt anzupassen. Jedoch nur die ersten paar Schritte, bis er den Rhythmus gefunden hatte in dem Nihil lief.
Gleichzeitig spürte er wie Schneeflocken auf sein Fell fielen und sich darin nieder ließen. Dass der Schnee die Kälte ein wenig linderte, wusste er nicht. Viel eher hatte er die Befürchtung dass es nun sehr viel Kälter werden würde. Was durchaus auch der Fall war...
Dass Nihil meinte, dass es klappt, zweifelte Cirádan an, doch sagte dazu nichts. Er nickte nur, wie zur Bestätigung dass sie sich beeilen sollten. Er achtete auf Nihilus, wollte nicht dass dieser fiel und so war er auch bereit falls nötig, zumindest seinen Sturz abzufedern, falls er doch fallen sollte.
Cirádan fand es rührend, dass sich Nihil ebenso Sorgen um ihn machte, wie umgekehrt. Ja, vielleicht war es gar nicht so schlecht, falls Takashi sie begleiten würde, aber er wollte Nihil so lange selbst unterstützen, wie es ihm möglich war.
Takashi blieb hinter ihnen, wie Cirádan bemerkte. Er war wirklich froh, dass ein erwachsener Wolf sie begleitete.
[ auf dem Weg in den Wald | bei Takashi, Nihil, Krolock]
01.03.2011, 15:37
Face Taihéiyo erwiderte die kurze Begrüßung seiner Patentochter, indem er sie leicht an der Schläfe berührte.
Mit den Worten der anderen bestätigte sich dann seine Vermutung, dass der tote Bär auf dem Rudelplatz und diese andere Kreatur hier etwas miteinander zutun hatten, beziehungsweise gehabt hatten. Zwei rivalisierende Raubtiere, die aneinander geraten waren und sich dabei tödliche Wunden in den Pelz gerissen hatten. Im Prinzip kein zu ungewöhnliches Ereignis, das was der Situation einen bedrängenden, fast bedrohlichen Ausdruck verlieh war die wolfsähnliche Gestalt, die sich keinem Tier zuordnen ließ, dass er kannte. Wo kam sie her und was hatte sie in diesem Tal gemacht? Aszrem schien genauer über das schwarze Wesen Bescheid zu wissen, der Verwunderung aus seiner Stimme zu entnehmen, schien er sogar zu meinen, dass diese Kreatur eigentlich gar nicht so unbekannt sein sollte. Aber nein, er hatte noch nie von einem Varg gehört. Und die folgende Erklärung klang in der Tat beunruhigend. Entweder man traf einen toten Varg und überlebte, oder man traf einen lebendigen Varg und wurde getötet. Das klang nicht besonders gut, auch wenn ihr Exemplar glücklicher Weise in die erste Situation gehörte. Unweigerlich stellte sich ihm die Frage, ob dort, wo ein Varg war, auch mehrere sein konnten. Aber auch Aszrems Geschichte über einen anderen toten Varg warf Fragen auf. Wenn dieser Varg ein Rudel ausgelöscht hatte, warum war dann ausgerechnet seine, und auch nur seine Leiche in dem Tal gewesen? Lyerra formulierte diese Frage etwas anders für ihn aus.
Zusammenfassend konnte man Varge also als Untergangsboten bezeichnen, und dann war da auch noch diese Eiseskälte im Sommer ... der Tiefschwarze sprach diese Überlegung lieber nicht laut aus, dafür tauchte ein noch ernsterer, fast besorgter Ausdruck in seinem Gesicht auf. Banshees Rudel konnte doch nicht dem Untergang geweiht sein! Auf Aszrems Vorschlag hin das Revier zu Zweit, oder zu Dritt abzusuchen erhob Face schließlich das Wort. Schließlich hatte er indirekt erzählt, dass bisher kein Wolf eine Begegnung mit einem lebendigen Varg überlebt hatte.
„Angenommen es befindet sich wirklich noch ein Varg im Revier, würde das nach dem, was du von diesen Geschöpfen erzählst, unseren sicheren Tod bedeuten, wenn ihn nur zu Zweit anträfen. Wir sollten zum Rudelplatz zurück gehen und das Rudel zusammenrufen. Wenn wir ihnen sagen, dass sie nicht mehr alleine im Revier herumstreifen sollen, müssen wir ihnen auch sagen warum. Das Rudel sollte zusammenbleiben, bis wir genaueres wissen. Wir sollten kein Risiko eingehen, nur um sie nicht zu beunruhigen.“,
endete er mit einem kurzen Blick auf Lyerra. Es mochte wahrlich kein guter Zeitpunkt für noch mehr Aufruhr sein, aber falls wirklich noch so ein Tier im Tal herumlief, wäre es fatal, wenn niemand etwas darüber wusste.
„Vielleicht wäre es am Besten, wenn zusammen mit ein paar starken Rüden das Revier absuchen und dabei zusammen bleiben. Vorher ... sollte aber noch der Bär weg.“
Er nannte absichtlich keine Namen, obwohl der Tiefschwarze ganz konkret auch an Averic gedacht hatte.
[ Waldrand | Tyraleen, Aszrem, Lyerra ]
01.03.2011, 17:05
Die Schatten tanzten um ihn herum. Zuerst hatte es sich angefühlt, als wäre er durch ein tiefes, bodenloses Loch gefallen, jetzt aber fiel er nicht mehr und doch war kein Aufschlag erfolgt. Die Kälte lag wie Blei auf seinen Knochen und die Dunkelheit wie Fesseln, die ihm jede Rührung verboten.
Chardíms Augen waren nur halb geöffnet und sahen leicht unscharf über ein Stück graue, tote Landschaft hinweg zu einem schmalen, blanken Pfad. Hinter diesem Pfad war es hell, fast weißlich und doch gedämmt. Es schien, als hinge ein trüber Schleier vor dieser anderen Seite der Welt. Der Schwarzweiße wusste, wo er war und auch, dass er hier nicht hingehörte. Er wollte sich wegziehen, den Schatten entrinnen und konnte doch keinen Muskel bewegen. Im Gegenteil fühlte er mit jeder verstreichenden Sekunde, dass er immer schwächer wurde. Das Atmen fiel ihm so schwer. Die Gedanken entglitten ihm. Er musste, er musste ...
Jemand rief seinen Namen. Nicht mal seine Ohren zeigten die kleinste Regung, trotzdem konnte Chardím noch recht deutlich hören, dass er gerufen wurde. Dass Jakash ihn rief. Er wollte zurück rufen, dass er ihm nicht helfen konnte, dass nur der Gegensatz zum schwarzen Gott ihn jetzt noch retten konnte, wenn sie nur genügend Kraft zurück erlangen konnte, doch aus seiner Kehle drang kein laut. Und dann musste er erfahren, dass sein Freund den Falschen angefleht hatte.
Nein! Nein, Jakash, tu das nicht! Das ist genau das, was er will, tu es nicht! Aber sein Rufen in Gedanken konnte der Schwarze natürlich nicht hören. Er konnte nichts dagegen tun, dass Jakash einfach einwilligte, nur wegen ihm. Nein.
Er spürte ein Reißen, als würde er wieder abwärts stürzen und auch die Augen fielen ihm entgültig zu.
Fenris hatte weiter an Kraft dazu gewonnen.
Dieses Mal schlug Chardím auf, auf dem Boden der Wirklichkeit. Das in letzter Zeit so wohlbekannte Gefühl des Schwankens und Taumelns war wieder da, dafür aber nahmen seine Lungen wieder gierig Atemluft in sich auf. Und er war wach. Hellwach. Der Schwarzweiße öffnete die dunkelblauen Augen und das Erste, was er sah waren Jakashs erkaltete, grüne Augen. Er war für ihn auf die Seite des schwarzen Gottes gewechselt. Dummkopf! Als jemand, der nur zwischen Richtig und Falsch unterschied, konnte Chardím ihm nicht wirklich dankbar sein. Natürlich war die Geste sein Leben für ihn zu geben unglaublich groß. Aber andererseits auch unbezahlbar. Nichts, was der Jungwolf je zurückzahlen könnte. Und es hätte einen anderen Weg gegeben! So blickte Chardím seinen Paten nur mit großem Bedauern an.
„Du hast den falschen Weg gewählt, mein Freund ...“
Niemals würde er das zurückzahlen können. Dadurch, dass sich Jakash nun genau so wie seine Mutter auf Fenris eingelassen hatte, in einer fast ähnlichen Situation, war das Gleichgewicht natürlich noch weiter abgestürzt. Er fühlte, wie es wankte und die Macht Engayas immer schwächer wurde. Es drehte sich alles und kippte bedrohlich. Wie sollte das jemals wieder ausgeglichen werden? Er musste ... ja.
Und während langsam ein Entschluss in Chardím heranreifte, kehrte langsam das Bernstein in seine Augen zurück.
[ Nahe des Baches | Jakash, Neytíri ]
01.03.2011, 21:50
Der Tag hatte Rakshee nicht gerade sanft empfangen. Kälte drang durch ihren dünnen Pelz, der sommerlich leicht über ihrer zitternden Haut lag. Die Braunweiße hatte sich im Schutze eines Gebüsches eingerollt, und nur unwillig hatte sie ihre kleine Mulde verlassen, die zumindest ein wenig Körperwärme zurückgegeben hatte. Die vergangene Zeit war so schwierig gewesen, und nun war mitten im Sommer der Winter über sie herein gebrochen. Die goldenen Augen der Priesterin hatten stumm den Himmel betrachtet, während sie sich ihre Schwingen herbei gewünscht hatte, um sich damit zu Engaya hinauf zu schwingen und zu Banshee. Aber ihre Augen sahen immer noch auf eine dichte Wolkendecke, und es schienen keine Antworten von oben zu kommen. Dafür hatte es zu schneien begonnen. Immer mehr Kälte. Dachte sie bei sich, und erhob sich. Ihr war schrecklich kalt, und sie sehnte sich nach ihrem Bruder, der sie sicher wärmen konnte. Ihre Schwestern waren inzwischen auch immer wieder aufgetaucht, und Rakshee hatte sich damit zufrieden gegeben sie in Sicherheit zu wissen, auch wenn sie ein wenig Freiheit brauchen mochten.
Die Braune erreichte den Waldrand, und hielt am Bach inne, um etwas zu trinken. Das Wasser war eisig kalt, und als sie den Blick hob, erkannte sie Jakash und Chardím - beide lagen am Boden, die weißgraue Fähe bei Ihnen schien verletzt. Alarmiert lief sie näher heran, da bewegte sich Jakash schon wieder, bemerkte sie jedoch nicht. Als sie die Gruppe erreicht hatte war auch Chardím wieder erwacht. Seine Worte klangen ihr entgegen, und mit einem fragenden Blick sah sie von Chardím zu Jakash, dessen Schnauze auch verletzt war. Sie wollte gerade fragen, als ihr Blick Jakash Augen trafen. Die Veränderung sah sie sofort, und sie traf sie wie ein Schlag. Sie senkte vorsichtig die Nase zu ihm herab, und leckte über die kleine Wunde an seinem Fang. Eigentlich wäre vermutlich die Wunder der Jungwölfin zu versorgen wichtiger, aber die Braune ahnte, dass Jakash Wunden tiefer gingen...
Ruhig setzte sie sich zu dem Schwarzen, zog tief die kalte Luft ein und drängte sanft den Kopf gegen seinen. Sie hatte noch kein Wort des Grußes verloren, und hob erst nach einem langen Moment wieder den Blick von Jakash Augen.
"Es gibt keinen falschen Weg"
Entgegenete sie, und fuhr fort Jakash Schnauze zu lecken. Aber es fiel ihr schwer in sich genug Kraft zu finden, um die Wunden zu schliessen, es war, als hätte man ihr ihre Schwingen gestutzt, um sie an den Erdboden zu fesseln. Mit einem wahren Gewaltakt an Konzentration gelang es ihr schliesslich zumindest eine dünne Schorfschicht über die Wunden zu ziehen, und erschöpft lies sie sich neben ihren Bruder sinken.
"Was ist passiert?"
Wollte sie wissen, und hob dann den Blick zu der Fähe.
"Du bist Neytirí, oder? Komm bitte zu mir, damit ich mir deine Wunde ansehen kann"
Bat sie, und lehnte sich gegen ihren schwarzen Bruder. Dieser Tag wollte kein guter werden wie es schien, und die Priesterin war sich nicht sicher ob sie ihm dass durch gehen lassen konnte...
Ihre Augen wanderten noch einmal zu Chardím, aber Jakash Patensohn schien als einziger der drei keine sichtbaren Wunden davongetragen zu haben.
"Ich hab dich lieb, Bruderherz"
Flüsterte sie Jakash zu, und straffte sich mühevoll, um sich auf Neytirí zu konzentrieren. Sie hatte den Kampf gegen diesen Tag aufgenommen.
[Bach | Neytirí, Jakash, Chardím]
02.03.2011, 16:51
Jakash sah seinen Patensohn an und erkannte nur zu deutlich den Vorwurf, der in den Augen des Schwarzweißen lag. Ein Geschmack wie von Galle legte sich über seine Zunge, ebenso bitter wie zur Begrüßung durch seinen neuen Gott. Chardím wusste es. Die Erkenntnis sickerte in sein Bewusstsein, noch ehe der Jungrüde sein Bedauern in Worte fasste. Chardím wusste, was geschehen war - was sein Patenonkel jetzt war. Von allen Wölfen im Rudel wusste außer ihm selbst einzig Chardím um die volle Höhe des preises, den er gezahlt hatte. Vielleicht wusste er es sogar besser - und er hielt es für 'den falschen Weg'.
"Hätte ich dich lieber sterben lassen sollen?"
Was hatte er eigentlich erwartet? Dankbarkeit? JA, verdammt, wenigstens ein bisschen! Jakash unterdrückte das Knurren in seiner Stimme, aber es gelang ihm nur mühsam. Dass es ihm überhaupt gelang war dem Teil von ihm geschuldet, der sich selbst schuldig fühlte und am liebsten um Verzeihung gebeten hätte. Aber dazu ließ sich der neue Fenris-Jünger dann doch nicht hinreißen. Nur zu deutlich hallte noch die dunkle Stimme Fenris' in seinen Gedanken nach, die ihn mahnte, ihn nicht zu hintergehen...
Derweil beobachtete er, wie sich das Bernstein in die Augen seines Patensohnes zurück schlich. Es musste Chardím deutlich besser als selbst vorher gehen, denn da waren seine Augen noch vollkommen blau gewesen, und nicht gemischtfarben wie normalerweise.
Den wahren Grund ahnte er nicht einmal.
Schritte drangen an seine Ohren, und Jakash hob den Kopf. Rakshee. Etwas in ihm zog sich zusammen und verkrampfte sich noch mehr, als er ihren Blick auffing. Er sah den Schrecken in ihren Augen aufblitzen. Wusste auch sie nun bescheid? Oder erkannte sie nur die Veränderung, ohne sie jetzt schon zu begreifen? Und warum sorgte ihn das überhaupt? Das war doch nicht mehr nötig. Immerhin verspürte er nicht wie damals das Bedürfnis, über sie her zu fallen. Fenris hatte ihn bereits, er musste ihn nicht länger zwingen.
Zu ihren Worten schwieg er, erwiderte weder zu ihrer Feststellung noch ihrer Frage irgendetwas. Ihm war nicht nach Erklärungen zumute im Augenblick, und vielleicht übernahm ja auch Chardím in seiner überschwänglichen Dankbarkeit diese Aufgabe.
Jakash schloss die Augen, als seine Schwester ihm über die Schnauze leckte. Ein paar kurze Herzschläge lang ließ er sie gewähren, dann entzog er sich dieser Berührung, die ihm früher so viel angenehmer vorgekommen war als jetzt. Der Schwarze setzte sich auf und duldete es, dass Rekshee sich leicht an ihn lehnte. Ein Teil von ihm war froh, dass sie da war, aber ein anderer Teil sträubte sich gegen so viel Nähe. Als sie sich erneut an ihn wandte, sah er sie ohne Rührung an.
"Mal sehen wie lange noch, Schwesterherz."
Und während er in ihre goldenen Augen sah, glitten seine Gedanken unwillkürlich zu Sheena. Bei dem Gedanken daran, wie auch die Weiße zurückschrecken mochte, zog sich erneut etwas in ihm zusammen...
[am Bach | Chardím, Rakshee, (Neytíri)]
03.03.2011, 19:17
Die Neutralität in Aszrems Blick schmerzte und freute Tyraleen gleichermaßen. Da war kein Hass, keine Wut, kein Misstrauen und keine Ablehnung, jedoch genauso wenig Freundlichkeit, Wärme oder Zuversicht. Er war schlicht leer, musste jenen Blicken ähneln, mit denen er Fremde begrüßte, von denen er noch nicht wusste, ob sie Freund oder Feind waren. Die Weiße versucht sich zu sammeln, eigentlich war der Verlauf bisher positiv, der Schwarze war gekommen, sprach mit ihr wie mit jedem anderen Wolf und schien ihren Aussagen zumindest in einem der Situation angemessenen Maß Vertrauen zu schenken. Sehr positiv. Mit diesen Gedanken gestärkt fühlte sich Tyraleen noch ein wenig besser, als zuvor und versuchte ihre gesamte Aufmerksamkeit auf das Problem des toten Vargs und die nun folgenden Erklärungen Aszrems zu richten. Seine rhetorische Frage wurde von keinem der drei Anwesenden beantwortet, denn allen war klar, dass nur Nyotas Gefährte mit diesen seltsamen Wesen auf irgendeine Art und Weise in Kontakt gekommen war. Die Weiße kannte seine Vorgeschichte nicht, aber er war schon relativ alt gewesen, als er in das Tal der Sternenwinde gekommen war, vermutlich hatte er vorher viel gesehen. Seine Erzählungen waren vage, aber weit aus aufschlussreicher, als das Unwissen von ihr und den anderen zwei. Gerüchte und Gemunkel, ein ausgelöschtes Rudel … Lyerra meldete sich als erste zu Wort, doch bereits ihre Eingangsfrage oder -feststellung löste neue Gedanken in Tyraleens Kopf aus. Wer sagte, dass der Varg dieses Rudel ausgelöscht hatte? War dieses Wesen wirklich dazu fähig? Sicher, es hatte große Zähnen und überragte einen nicht allzu großen Wolf sicher um einen Kopf, aber deshalb konnte es noch lange nicht zehn oder mehr Wölfe auf einmal besiegen. Auch Aszrems ein wenig Welpenmärchen ähnliche Drohung, dass noch nie ein lebendiger Wolf einem lebendigen Varg entkommen war, schien Tyraleen übertrieben. Mit gekrauster Stirn meldete sie sich ebenfalls zu Wort.
“Deine Erzählung klingt besorgniserregend, aber wir dürfen nicht vergessen, dass Wölfe dazu neigen, alles ein wenig düsterer und gefährlicher darzustellen, als es ist. Sicher steckt in diesen Gerüchten ein wahrer Kern, aber alles würde ich nicht glauben. Auch glaube ich kaum, dass ein Varg ein ganzes Rudel auslöschen kann, entweder er hatte Hilfe oder er war gar nicht derjenige, der dieses Rudel getötet hat. Immerhin hast du die Wölfe nicht gefunden. Er wird sie kaum alle gefressen haben.“
Sie sah Aszrem direkt an, gab ihm durch ihren Blick zu verstehen, dass sie seine Worte nicht anzweifelte, jedoch versuchte, die Lage nicht dramatischer zu sehen, als sie war. Es gab keinen Grund anzunehmen, dass ihrem Rudel etwas Ähnliches bevorstand. Nur eine der letzten Bemerkungen des Schwarzen, dass die Varg als Geschöpfe Fenris‘ galten, ließ ihre Nackenhaare sich erneut leicht aufstellen. Fenris … wie ein Schatten lag seine Anwesenheit über ihrem Tal und bei jedem Atemzug schnitt die Kälte seines Atems in ihre Lungen.
Lyerra und Face gaben beide noch ihre konstruktiven Vorschläge zum Umgang mit dieser Situation, widersprachen und stimmten Aszrem zu. Die Weiße fuhr sich mit der Zunge über die Lefzen, trat dann einen Schritt vor und hob die Rute – ein erstes Anzeichen von Dominanz. Sie sollten nun handeln und nicht reden.
“Wir müssen das Rudel informieren, da bleibt uns nichts anderes übrig. Auch wird jeder einen Blick auf den Varg werfen wollen, deshalb ist es nutzlos, sie zum Rudelplatz zu rufen. Wenn sie hierher kommen, hören sie uns zu und können den Ernst der Lage angesichts des Vargs besser begreifen. Wenn alle informiert sind, muss das Rudel zusammengehalten werden, niemand soll sich mehr alleine oder auch in einer kleinen Gruppe entfernen. Dann schicken wir eine Spähtruppe los.“
Ihr Blick blieb auf Face hängen, zeigte ihm kurz ein Flackern von der Schwäche hinter ihrer nun mit zusammengebissenen Zähnen vorgetragener Stärke und der Bitte, sie zu unterstützen. Ihr den Rücken zu stärken, für das, was sie nun vorhatte. Dann huschte ihr Blick zu Aszrem, wieder frei von Emotionen und sie trat noch einen Schritt auf ihn zu.
“Könnte ich kurz mit dir reden?“
Sie wartete keine Antwort ab sondern entfernte sich einige Schritte von Face und Lyerra, sodass die beiden das leise Gespräch zwischen ihr und dem Schwarzen nicht mehr würden hören können. Aszrem folgte ihr und sie begann all ihre Kraft und ihre Gedanken an das Rudel und an ihre Mutter zu bündeln um ein Lächeln zu Stande zu bringen. Es sah nicht einmal schlecht aus.
“Ich kann nicht leugnen, dass mich deine harten Worte sehr getroffen haben, aber ich bin dir weder böse, noch möchte ich dir widersprechen. Ich möchte nur, dass diesem Rudel nichts geschieht, dass endlich wieder Ordnung einkehrt und dass es jemanden gibt, auf den sich alle Wölfe verlassen können. Ich werde versuchen, dieser jemand zu sein, auch wenn ich noch nicht weiß, ob mir die Gelegenheit gegeben wird, zu beweisen, dass ich es kann. Wirst du mich dabei unterstützen? Vielleicht können wir gemeinsam eine Rudelspitze bilden, die wir nun so bitter nötig haben.“
Noch immer hielt sie ihren Blick fest auf Aszrem.
[ am Waldrand | Aszrem, Lyerra, Face und Ráyon ]
04.03.2011, 09:13
Die Reaktionen auf diese Geschichten waren immer gleich. Wenn sie nicht sofort als Unsinn abgelehnt wurden, war die Palette der Gefühlsregung auf den negativen Bereich beschränkt. Vornehmlich waren dann Sorge, Angst oder Entsetzen in den Augen der Zuhörer zu lesen, und auch bei Tyraleen, Face und Lyerra fand er den Schrecken in ihren Gesichtern, jedoch in unterschiedlichster Ausprägung.
Aszrems Augen richteten sich auf Lyerra, als diese zuerst das Wort ergriff.
"Ich habe nicht gesagt, dass der Varg, den ich damals fand, das Rudel ausgelöscht hat, oder dass er es alleine war, als es passierte. Ich habe euch lediglich berichtet, was ich damals vorgefunden und gehört habe. Die Schlüsse daraus müssen wir selbst ziehen - die richtigen Schlüsse",
erwiderte er und wandte sich dabei auch an Face.
"Es lässt sich aber nicht leugnen, das Varge gefährlich sind. Und es geht mir auch nicht darum, den oder die Varge, die sich vielleicht noch hier herum treiben, zu finden - aber Spuren ihrer Anwesenheit, wenn es sie denn gibt",
fuhr er fort und führte damit seinen Vorschlag nach Spähern weiter aus.
"Darüber hinaus stimme ich dir zu, das Rudel muss gewarnt werden und bescheid wissen. Und natürlich werden sich gerade die Jungwölfe in dieses vermeintliche Abenteuer stürzen" - er wandte sich an Lyerra - "und darum müssen alle Erwachsenen dazu angehalten werden, eben solche Unternehmungen zu unterbinden. Aber das ist immernoch besser als ihnen nichts zu sagen, auf dass sie möglicherweise einzeln einem zweiten Varg zum Opfer fallen!"
Sein eindringlicher Blick wanderte von Lyerra zu Tyraleen, als auch die gefallene Engayastochter ihre Einschätzung zur Lage kund tat. Aszrem nickte ihr leicht zu, er sah die Sache genauso, wie er eben erst erklärt hatte. Als die Weiße dann vortrat, straffte der Schwarubraune sich unwillkürlich. Auch seine Rute wanderte etwas nach oben, im gleichen Maße wie Tyraleens. Noch beließ er diese Geste als einziges Zeichen, dass er sie nicht als seine Alpha sah, sondern sich mindestens als ihr gleichgestellt betrachtete. Und sollte sie jetzt anfangen Forderungen zu stellen, würde er das auch noch deutlicher machen.
Er lauschte Tyraleen ohne sie zu unterbrechen, dann gab er mit einem stummen Nicken seine Zustimmung kund. Er wollte gerade wieder zum Sprechen ansetzen, als die Weiße sich direkt an ihn wandte und um ein Gespräch unter vier Augen bat. Aszrem antwortete nicht, sondern warf nur einen kurzen Blick zu Face und Lyerra - ein wortloses 'Entschuldigt uns für einen Moment'. Dann folgte er Tyraleen. Er ahnte, was jetzt kommen würde und versuchte sich innerlich dafür zu wappnen. Ihrem Lächeln sah er an, wieviel Mühe es sie kostete, aber es überraschte ihn allein, dass sie es überhaupt für ihn zustande brachte. Noch unerwartete waren nur ihre Worte und der Vorschlag, den sie ihm am Schluss vortrug. Seine eigene Miene blieb derweil unbewegt, obwohl sein Innerstes alles anderes als ruhig war. Bei der Erinnerung an die Versammlung vor drei Nächten stieg erneut Wut in ihm hoch, aber auch Bedauern. Beides war nicht für Tyraleens Augen bestimmt, und es gelang ihm tatsächlich, seine ernste aber neutrale Miene zu wahren. Nur, dass es ihn mehr Kraft kostete als das früher der Fall gewesen war. Für einen Moment sah er sie nur an, nachdem sie geendet hatte, während er sich seine Worte zurecht legte. Er musste überlegter Handeln als letztes Mal.
"Meinungen müssen akzeptiert werden, sebst wenn sie einem nicht gefallen, und man kann einen anderen nicht dazu zwingen, seine Meinung zu überdenken. Das muss derjenige selbst tun. Meine Meinung hat sich nicht geändert, aber ich bedauere, wie ich sie vorgetragen hatte. Diese Art und Weise war weder angemessen, noch hat sie dazu beigetragen den Schaden für das Rudel zu verringern - im Gegenteil. Dafür müsste ich mich eigentlich beim gesamten Rudel entschuldigen, aber ich tue es bei dir, denn du hast den meisten Schaden davon getragen. Es tut mir leid, Tyraleen."
Er hatte ihren festen Blick die ganze Zeit über erwidert, nun aber senkte er für einen kurzen Moment den Blick, um seine Worte zu unterstreichen.
"Mir ist klar, dass du mich nicht gerufen hast, weil du meine Gesellschaft genießen wolltest. Du hast es getan, weil du es für wichtig und richtig befunden hast, und das rechne ich dir hoch an. Zwischen 'Persönlich' und 'Wichtig' gibt es einen Unterschied - und nur gute Rangwölfe sind sich dessen bewusst und handeln danach, dauerhaft."
Aszrem hielt kurz inne, um gerade das letzte Wort wirken zu lassen. Er war sich bewusst, dass er selbst gegen dieses Prinzip verstoßen hatte vor drei Nächten: Wichtiges und Persönliches hatten sich miteinander vermischt. Was das anging, hoffte er sehr, dass jener Vorfall sich bei ihm nicht wiederholte blieb - und der jetzige bei Tyraleen kein Einzelfall blieb.
"Was deinen Vorschlag angeht, so glaube ich, dass das die einzige Möglichkeit ist, das Rudel dauerhaft zusammen zu halten. Nicht, weil ich mich für den geeignetsten Alpha-Kandidaten halte, sondern, weil du tatsächlich jemanden an deiner Seite brauchst, den alljene als Alpha akzeptieren können, die dir nicht mehr folgen wollen. Wenn du denn akzeptiert wirst."
Erneut hielt er für einen Moment inne, bevor er weiter sprach.
"Ich erzähle dir all dies, damit du meine Motive verstehst. Ich werde dich in deinem Vorhaben unterstützen, aber abgesehen davon, dir eine Chance einzuräumen, tue ich das nicht für dich - ich tue das für das Rudel. Denn du hast Recht, wenn du sagst, das wir dringend eine Führungsspitze brauchen. Es braucht nicht immer einen Varg, um ein Rudel auszulöschen."
Seine Miene war noch immer ernst, aber generell waren seine Gesichtszüge weicher geworden. Sein Innerstes beruhigte sich mehr und mehr und strafte die Ruhe, die er versuchte auszustrahlen, nicht länger Lüge.
[Waldrand | Tyraleen, etwas abseits Lyerra und Face, (Ráyon)] (Wie wär's, wenn Tyra und Aszrem das Rudel auch gleich zusammen einberufen?^^)
04.03.2011, 19:10
So verschieden das Fell der Jungwölfe war, so unterschiedlich waren auch ihre Gemüter und Eigenschaften. Neruí zum Beispiel war sofort dazu bereit ihren Namen zu nennen und geradewegs zu gestehen, dass auch ihr Gedächtnis nicht das Beste war. Tiberius wurde das Gefühl nicht los, dass es die Jungwölfe schlimmer traf als die Alten, die nur ab und zu eine Kleinigkeit in ihren Gehirnwindungen verloren. Hoffentlich war das keine ansteckende Krankheit.
“Natürlich werde ich zu deinen Schwestern nett sein, Neruí, nichts lege mir mehr am Herzen“,
ganz typisch wurde der jungen Schwarzen ein zuversichtliches Lächeln geschenkt. Und tatsächlich würde er nett sein. Nicht, weil er als einziger Rüde in einer Fähenscharr sowieso und generell die besten Karten hatte, sondern – ja, weil es da etwas gab. Etwas, das man fast eine Herzensangelegenheit nennen konnte. Besäße der Gestromte eines. Ohnehin konnte er nicht leugnen, dass ihm sein seltsames – plötzlich erschienenes – Magengeschwür Sorgen machte. Es war ungewohnt und nervte. Doch bevor er sich weiter mit seinen körperlichen Gebrechen beschäftigen konnte, meldete sich die Graue zu Wort und stellte sich als 'die Furchtlose' vor. Atalya, die Furchtlose. Neruí, die Quaselstrippe. Ein lustiges Völkchen. Minyala hatte völlig übertrieben. Schwarze Brummelwölfe? Noch hatte er keinen getroffen, dafür war die bisherige Gesellschaft vorzüglich. Während Minyala eine weitere Wölfin begrüßte – ihm war die Vorstellung entgangen – versorgte er sich wieder mit einem weiteren Blick auf die Weiße. Auch sie suchte immer wieder seinen Augenkontakt. Jedes Mal, wenn sie auf sah, lud Tiberius sie zu einem weiteren Moment ein. Er konnte es sich nicht erklären, aber sein Verlangen wuchs zu einer regelrechten Begierde.
“Das nennt man Flirten, Minyala, davon verstehst du noch nichts“,
flüsterte er der Einohrigen zu und zog die Lefzen zu einem schiefen Lächeln hoch. Seine Antwort kam reichlich verspätet, dennoch verlor sie kein Bisschen an Würde, Charme und Witz. Und obwohl er gescherzt hatte, lag die Wahrheit nicht ganz so fern. Es war nicht direkt ein Flirtangriff oder der direkte Weg in das Herz der Schönheit, aber er wollte sich seiner Sache sicher sein. Ganz urplötzlich keimte das Verlangen nach Bestätigung auf. Nicht von Neruí, die fröhlich plauderte, nicht von der schüchternen Adsini oder der furchtlosen Atalya. Auch von Minyala wollte er keine Bestärkung haben – sie würde daraus nur ihre witzigen und geistreichen Schlüsse ziehen. Allein die Weiße würde ihm das geben können, was er wollte. Er wollte viel, vielleicht sogar Alles.
“Caylee“,
hauchte er leise und warf sofort einen Seitenblick auf seine einohrige Begleitung. Ein vielsagender Blick wollte jeden bissigen Kommentar im Keim ersticken. Wenn sie überhaupt gehört hatte, was er so leise geflüstert hatte. Caylees Worte zupften an seiner Aufmerksamkeit, wie sie selbst an dem Pelz ihrer Geschwister zupfte. Ein verschmitztes Lächeln auf den Lefzen. Jetzt oder nie. Er erwiderte ihr Lächeln – auf eine wundersame, fast zärtliche Art und Weise. Er zwinkerte ihr zu und sprach mit seiner geübten Gestik das aus, was er mit Worten sagen würde.
“Sagt bloß: ihr kennt keinen Schnee? Normalerweise fällt Schnee nur im Winter und schmilzt, wenn der Frühling anfängt. Aber in eurem Revier verhält sich das seltsamerweise anders – wir haben Sommer und eigentlich sollte kein Schnee weit und breit liegen“,
mit einer ausladenden Geste deutete er auf die leise tanzenden Flocken. Einen kurzen Moment schwieg er, dann schritt er leichtpfotig ein Stück auf die Geschwister zu.
“Vielleicht sollten wir einen Rangwolf suchen, um mich vorstellen zu können“,
der Blick ruhte noch auf den saphirblauen Augen Caylees, bevor er kurz nach hinten sah.
“Minyala meinte, man würde Neuankömmlinge groß feiern – ich will doch nicht zu spät auf meiner eigenen Party sein“,
als er sich wieder umdrehte, hatte er bereits den größten Teil seiner Aufmerksamkeit auf die schöne Caylee gelegt.
[ westlicher Wald | jetzt bei Adsini, Neruí, Atalya, Minyala und Caylee ]
((Keine Meisterleistung, aber ich bin hundemüde))
05.03.2011, 16:46
So wie es aussah hatte Lunar von dem Fremden keine Antwort zu hoffen, was sein Gemüt keinen falls beruhigte. Seine stahlblauen Augen richteten sich von Kouros zu Liam und er schnaubte bei den Worten herablassend. Dieses Pack war doch wirklich das größte! Unter all den Rudeln die es auf dieser Welt wahrscheinlich geben mochte, erwischte Lunar ausgerechnet das Dümmste von allen. Und obwohl seine Aggressivität noch längst nicht verraucht war, hob der schwarze Hüne den Kopf und verzog seine Lefzen zu einem durchaus spöttischen Grinsen, entblößte dabei auch seine scharfen Fangzähne. Die Muskeln in seinem Körper vibrierten angestrengt, als wollten sie sich vor und direkt auf Liam stürzen, aber er war aus einem anderen Grund wieder hier her gekommen, aus einem Grund, dass er eigentlich tief in seinem Herzen hätte vergraben sollen. Schnaubend wandte sich Lunar für einen Moment ab, beobachtete verstohlen aus den Augenwinkeln wie sich der Rüde zwischen den Schwarzen und den Weißen schob.
„Wer soll denn hier auf Ärger hinaus sein? Ich sehe niemanden.“
Spottete er gelassen und neigte den Kopf ein wenig um sein Grinsen schief wirken zu lassen, während sich seine Pfoten tief in die Erde gruben und er das Leben darunter spüren konnte. Ohja, eigentlich hatte er Lust auf einen kleinen Kampf, ein wenig Ärger und den metallischen Geschmack von Blut. Auch hatte er nichts dagegen das man ihm mal wieder Schmerzen zufügte, damit er überhaupt noch wusste das er am Leben war.
„Ich bin mir eigentlich keiner Schuld bewusst, Liam.“
Raunte der Schwarze, senkte seine Augenlider ein wenig herab und streckte seinen Kopf so tief gegen den Boden, das es wie eine Verbeugung aussah. Eine spöttische, herablassende Verbeugung.
[Reviersgrenze- Kourus, Liam]
05.03.2011, 17:51
Lyerra spürte den Widerspruch der anderen Wölfe, bevor sie es aussprachen. Sie waren nicht ihrer Meinung, was auch nicht unbedingt verwunderlich war. Sie hatte Angst vor dem, was geschehen konnte wenn niemand Bescheid wusste, andererseits hatte sie auch Angst vor dem was geschah, wenn alle Panik bekamen. Unsicher wackelte sie mit den Ohren, verfolgte die Gespräche der anderen interessiert. Ja, es stand also fest. Man würde ein Suchtrupp losschicken dass nach anderen Vargs suchte, man würde alle zusammen rufe. Lyerra spürte eine sanfte Kälte die sich schwer über ihr Herz zog. Einsamkeit. Die drei schienen so vertraut, die drei kannten sich, nur sie, sie war irgendwie fremd. Tyraleens Worte an Aszrem überhörte sie beinahe. Ein Varg. Ein großer gefährlicher Varg war hier gestorben…
Widersprüchliche Gefühle stritten in der kleinen Fähe. Einerseits freute sie sich dass alle kamen, dass alle Bescheid wissen würden und dennoch hatte sie Angst vor der Masse des Rudels, hatte Angst alle Wölfe zu sehen die sie kannte, aber vergeblich nach einem Gesicht zu suchen welches sie nie wieder sehen würde. Ethelion. Wie sehr sie ihn gerade vermisste. Warum hatte er sterben müssen? Jetzt, da sie hier irgendwie alleine stand, da sich niemand für sie interessierte und nichts ihre Gedanken ablenkte, jetzt konnte sie wieder an all den Schmerz denken, auch wenn sie es nicht wollte.
oO( Ethelion… Warum gingst du ohne ein Wort…?) Oo
Unsicherheit spiegelte sich in ihrem Blick, dennoch sagte sie nichts. Für einige Sekunden schaute sie zu Tyraleen und Aszrem, die miteinander sprach, dann wanderte ihr Blick zu Face. Was war eigentlich mit ihr? Hatte er keine Gefährtin, niemanden den er wirklich liebte, in dem er seinen Seelenpater fand? Sie wagte es nicht zu fragen, schenkte dem schwarzen Rüden bloß ein schwaches Lächeln.
Was sollte sie jetzt tun? Einfach warten bis alle hier waren und das Tier anstarrten? Den Varg..? Nein, sicher nicht. Mit wenigen Schritten ging sie zu Ráyon. Der Rüde lag immer noch auf dem Boden. Vorsichtig fuhr sie ihm mit der Nase über seine Wange. Er lebte noch, sie hörte den schwachen Klang seines Herzen. Was wenn hier gleich das ganze Rudel hingestürzt kam und jemand versehentlich auf den Sandfarbenen trat? Was wenn jemand ihn versehentlich verletzte? Unsicher sah sie zu Face, der ebenfalls nicht mit den beiden anderen sprach, der ebenfalls nicht in das vertrauliche Gespräch eingemischt war. Ob er auch an so etwas dachte, oder war es ihm egal was mit Ráyon geschah? Vielleicht hatte er eine Idee..?!
„Face, entschuldige die dumme Frage, aber sollen wir Ráyon einfach so hier liegen lassen, wenn hier bald das ganze Rudel steht..?“
Sie senkte den Blick. Was für eine kindische Frage! Die Gedanken der kleinen Fähe wirbelten umher, nichts vermochte sie aufzuhalten. Beinahe fühlte sie sich wie eine Schneeflocke, die mit den anderen vom Winde verweht wurde. Beinahe meinte sie die Kälte des Schnees in sich selbst zu fühlen.
[ Tyraleen , Aszrem , Face ( Ráyon) l Waldrand ]
05.03.2011, 19:59
Aus ruhigen Augen sah Madoc Avendal an, seine Ohren waren aufmerksam nach vorn gerichtet, als sie sprach. Dass sie alleine mit Averic sprechen wollte, konnte er gut verstehen, er wäre sicherlich auch nicht erfreut, würden sich Fremde in seine Familienangelegenheiten einmischen. Deshalb nickte er bloß verständnisvoll, denn es war nicht seine Art, sich anderen aufzudrängen. Bei einer solch eindeutigen Aussage würde er nicht weiter nachhaken.
"Ich wünsche dir alles Gute bei deinem Vorhaben, möget ihr euer Problem klären"
Sagte Madoc daraufhin und ließ ein Lächeln erscheinen, eine Geste, die er so selten vollführte. Und merkwürdiger Weise wünschte er sich auch aufrichtig, dass der Familienkonflikt bald geklärt war, einerseits natürlich wegen Atalya, andererseits aber auch, weil er sich um Avendal ebenfalls sorgen machte.
"Solltest du aus irgendeinem Grunde meine Hilfe brauchen, so scheue dich nicht, mich anzusprechen"
Fügte der Hüne dann hinzu, denn er hatte das seltsame Gefühl, er müsse sie unterstützten.
Schweigend blickte er der weißen Fähe hinterher, als diese sich fortbewegte. Sie wirkte schwach und er hätte sich besser gefühlt, hätte er sie begleitet, doch dies war nicht seine Entscheidung. Wenn sie es für das Beste hielt, alleine mit ihrem Vater zu sprechen, so würde der Silberne sie nicht daran hindern. Er wandte sich um und lief in Richtung des Sees davon, der Ort, den er so liebte. Allein zu sein war Madoc gewohnt, er sehnte sich nicht nach Nähe. Während er lief, dachte er über viele Dinge nach. Es hatte sich viel verändert während seiner Abwesenheit.
[Auf dem Weg zu See | allein]
05.03.2011, 20:02
Chardím betrachtete seinen Patenonkel und hatte das Gefühl, dass er weiter und weiter von ihm wegrückte, obwohl er sich körperlich nicht bewegte. Wie Jakash, zu dem er in den letzten drei Tagen nur ein Band geknüpft hatte, wie zu keinem anderen Wolf, sich von ihm entfernte. Er war sein Gleichgesinnter gewesen, vielleicht eine Art Seelenbruder, doch Fenris hatte dieses Band nun zerschlagen. Und Jakash hatte es zugelassen. In das Bedauern mischte sich Trauer über diese Tatsache, vielleicht auch ein bisschen Wut auf Fenris, der so völlig wider dem handelte, was gut für das Gleichgewicht war. Selbst er, als Gott des Todes, sollte das nicht tun! Auf Jakashs Worte hin ließ er die Ohren hängen.
„Ich wäre nicht gestorben. Es hätte einen anderen Weg gegeben, aber darüber hast du nicht nachgedacht und bist sofort den Handel mit Fenris eingegangen ... wie meine Mutter.
Es tut mir Leid, dass ich dir für dieses Opfer nicht so dankbar sein kann, wie du es dir vielleicht wünschen würdest. Aber es war zu groß. Ich werde es niemals zurückzahlen können.“
Während er gesprochen hatte, war Chardím ein bisschen näher an Jakash herangerückt und hatte seine Stirn an die des schwarzen Freundes gedrückt. Nur ein paar Herzschläge lang, dann ließ er wieder von ihm ab. Eine kleine Geste des Abschieds, ein trauriges Auf Wiedersehen an den alten Jakash.
„Gerade erst hab’ ich dich gefunden und schon wieder verloren ... Ich kann nur versuchen, dass wieder gut zumachen.“
Und das bedeutete, dass er das Ungleichgewicht, dass Jakash nun noch verstärkt hatte, wieder etwas ausgleichen musste. Der Schwarzweiße wandte den Kopf herum, als plötzlich Rakshee bei ihnen auftauchte und sofort einwarf, dass es keinen falschen Weg geben würde, ohne dass sie wusste, worum es ging.
„Du solltest mit solchen Äußerungen vorsichtig sein, wenn du nicht weißt, worum es geht.“,
antwortete er direkt und ungeschont. Denn Jakash war definitiv einen falschen Weg gegangen – er schadete der Welt. Chardím rappelte sich auf, machte aber keinerlei Anstalten Rakshee zu berichten, was vorgefallen war. Stattdessen richtete sich sein Blick in den Wolkenverhangenen Himmel, von dem nun etwas herabfiel, dass er noch nie gesehen hatte. Etwas wie gefrorene Tränen. Der Schwarzweiße konnte sich gut vorstellen, dass die weiße Göttin weinte, ihre Tränen in so viel Kälte aber nur gefrieren konnten.
.oO( Engaya, du weißt, ich sollte eigentlich auf keiner Seite stehen, aber ich möchte versuchen wieder gut zumachen, was Jakash getan hat. Ich möchte dir helfen, deine Kraft zurück zu erlangen, damit das Gleichgewicht wieder hergestellt wird. Ich hoffe du gestattest, dass ich nur solange an deiner Seite wandern werde, bis alles wieder gut ist. Sag mir, was ich dafür tun muss. )
[ Nahe des Baches | Jakash, Rakshee, (Neytíri) ]
06.03.2011, 10:26
Turién stoppte immer wieder in seinem unruhigen Lauf, um Averic anzublicken, dann setzte er seinen Weg - immer wieder hin und her - fort, sich schüttelnd und missmutig die Ohren an den Hinterkopf pressend. Okay. Schnee also. Das war fester Regen, dabei war es gar nicht fest, sondern ganz weich und flockig. Der Silberne hielt schließlich inne und setzte sich vor seinem Vater auf die Hinterläufe, sein Blick war weiterhin nicht sonderlich begeistert.
.oO( Ich mag es nicht.)
Beschloss er heimlich für sich, und schämte sich im Anschluss, weil er so verstört reagiert hatte. Seine Ohren spielten mittlerweile munter umher - der Silberpelz hatte eingesehen, dass es unmöglich war der weißen Masse auszuweichen, sie war tatsächlich wie Regen, überall. Nur nicht so nass, aber kalt und hatte eine seltsame Beschaffenheit. Aber wenn Averic doch sagte, dass Schnee nur im Winter regnete, warum tat er es dann jetzt? Doch er hatte eine Idee.
"Vielleicht ist ja jetzt Winter...?"
Natürlich hatte er schon als er noch ganz klein war gelernt, dass es einen festen Rhytmus gab. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Ein Jahr. Und es fing immer wieder von vorne an. Ach, es war verwirrend. Wieso regnete es denn dann jetzt diesen Schnee?
Verleugnung, einer seiner besten Freunde, ließ ihn nicht einmal auf die Idee kommen, dass das alles etwas mit dem Ungleichgewicht der Götter zu tun haben konnte. Vorallem seit dem Vorfall mit Tascurio weigerte der Jungrüde sich zu glauben, obwohl er doch von der -angeblichen- Existenz der Götter überzeugt sein müsste, als Enkel von Leben und Tod, als Sohn von Leben und Tod.
"Woher weißt du das?" ,
warf er plötzlich ein, auf die Worte die sein Vater schon vorher gesagt hatte. Woher wusste er, dass sich niemand die Götter ausgedacht hatte? Vielleicht hatten alle zu viel Phantasie, zu viel Vorstellungskraft. Vielleicht brauchten manche Wölfe etwas, an das sie sich klammern konnten. Für Turién war es ganz einfach: Alle guten Dinge hat man zusammen gefasst, und sie Engaya genannt. Alles schlechte nannte man Fenris. Doch daraus konnten doch keine Götter entstehen. Oder? Es war so verwirrend. Sein Kopf tat plötzlich weh, ein stechender Schmerz, der ihn seine Augen zusammenkneifen ließ.
[Tote Ebene - Averic ]
06.03.2011, 11:18
Ein Lächeln blitzte auf dem Antlitz der großen Wölfin auch, nur für ein paar Sekunden, doch es war ein Lächeln. Ein ehrliches Lächeln, nicht aufgesetzt oder gespielt. Die Art von Lächeln, die Gani früher unbekannt war, weil sie keinen Grund dazu hatte. Was für ein Verlust war dies bloß gewesen, fragte sie sich, als sie darüber nachdachte. Liel wurde von Anfang an gelehrt, was das Lächeln bedeutete und was es ausdrückte und sie wusste auch, es anzuwenden. Mit einem Lächeln kam man immer durchs Leben, da war sich die Graue vollkommen sicher. Lächeln bedeutete Friedfertigkeit, Lächeln bedeutete Ehrlichkeit. Lächeln hatte etwas Reines, Klares an sich, ohne perfekt zu wirken. Ein Lächeln konnte auch traurig und zerbrochen sein, aber solange es von Herzen kam, war auch dies ein Lächeln. Es war wie ein Sonnenaufgang der Seele, ein Aufblühen einer Herzensblume. Ein wahres Lächeln erfüllte die Augen mit Glanz und Glück und ließ sie von innen heraus strahlen. Das alles und noch viel mehr lernte die Prinzessin in den Augenblicken, in denen sie Liel anlächelte.
„Es ist schwer, weißt du?! Aber das ist keine Ausrede, kleine Liel. Für nichts.“
Wann hatte sie wohl das letzte Mal gelächelt? Als sie mit ihrem Vater oder ihrem Seelenbruder gesprochen hatte? Oder, als das Sternenwindtal in neuem Glanz erstrahlte, die Vögelchen zwitscherten und alle Sorgen plötzlich verschwunden waren? Nein, das war Quatsch. Nicht alle Sorgen waren verschwunden – Ganis hatten sich sogar noch vermehrt. Sorge um ihre „Familie“, Sorge um ihren seelischen Zustand und Sorge um Aryans Blutdurst. Alle anderen waren, zwar noch geschwächt von Banshees Ableben, wohlauf und gut aufgelegt, zumindest war das bei allen Wölfen der Fall gewesen, die Gani Amíra kurz nach dem Aufstrahlen des Tales gesehen hatte. Aber ihr Antlitz, gespiegelt im klaren, hellen Wasser des Sternensees, war ein Abbild der Verzweiflung gewesen, aus ihren himmelblauen Augen sprühte Angst und Hass. Und doch war das alles keine Entschuldigung für ihren Missmut. Sie konnte trauern, Monate, Jahre, ihr ganzes Leben lang – aber es würde nichts ändern. Sie musste ihren Blick nach vorne richten, starr auf die Zukunft und die richtigen Entscheidungen treffen. Das alles, wusste die graue Wölfin, könnte sie allein schaffen, doch hätte Liel ihr nicht diesen Anstoß gegeben, würde sie jetzt nicht darüber nachdenken. Sie war zu festgefahren in ihrer eigenen Meinung, sie hatte blind auf den Punkt in der Vergangenheit geblickt, an dem ihr Herz in tausend kleine Scherben zerbrach – sie hatte nicht gesehen, was passiert war: Gani stolperte zielgerichtet und voller gebrochener Verzweiflung auf ihr eigenes Grab zu.
Es kostete sie viel mehr Überwindung, als sie dachte, aufbringen zu können, doch letztendlich legte sie sich zu Liels Pfoten nieder und blickte zu der Jungwölfin hinauf. Die Graue lächelte nicht, sondern wirkte wie eine steinerne, ernste Wölfinnenstatue, deren Lebensende schon viele Jahrtausende zurücklag. Eine Statue, aus deren Antlitz stilles Verzweifeln blitzte, das aber nur denen offenbart wurde, die genauer hinsahen. Liel war so jemand – sie sah genauer hin. Sie ließ sich nicht mit unechten Lächelversuchen zufriedenstellen. Sie schien mehr zu wollen.
„Danke, kleine Liel“,
sagte Gani Amíra bedächtig und legte den Kopf leicht schief. Für einen Außenstehenden mussten ihre Worte kalt und gefühllos klingen, doch sie waren alles, was sie ihrem harten, kalten Herz entlocken konnte. Es fiel ihr nicht unbedingt schwer, Liel zu danken, aber es war nahezu unmöglich, das mit einer Herzenswärme zu tun, die ihr gar nicht Eigen war. Man konnte nur das verwenden, was man auch besaß – und im Laufe der Zeit war das Herz der Blutroten erkaltet und eingefroren und die glückselige Zeit mit Akru und Aryan hatte es nicht geschafft, es ein wenig aufzutauen. Dafür war sie von einer viel zu kurzen Dauer gewesen. Doch vor der Jungwölfin lag noch ein ganzes, unberührtes Leben. Sie hatte schon so Vieles erlebt und doch nahezu Nichts. Ihre Eltern waren tot, doch sie selbst war keine Mutter. Banshee war tot, doch Liel war noch nie Leitwölfin gewesen. Es kam und ging, das Alles und das Nichts.[list][ Liel ][/list]
06.03.2011, 11:18
Turién setzte sich wieder vor ihn, sah aber immer noch sehr unbegeistert und unruhig aus. Es war fast ein wenig seltsam. Er konnte sich nicht erinnern dass er, oder seine anderen Geschwister so grimmig auf die neue Erfahrung Schnee reagiert hätten. Allerdings hatten sie ihn auch viel früher kennen gelernt und in ... anderen Verhältnissen. Als sein Sohn schlussfolgerte, dass jetzt einfach Winter sein musste, schüttelte der Pechschwarze den Kopf.
„Nein. Wir hatten gerade erst Winter. Der allerdings war viel zu warm.“
Er knirschte leicht mit den Zähnen. Sie waren für diesen Sommerwinter nicht gewappnet. Keiner war das. Was sollten sie tun, wenn sie bald keine Beute mehr fanden, weil alle Beute erfroren, oder weitergezogen war? Turién unterbrach diesen Gedanken schnell wieder, indem er eine neue Frage stellte. Averic sah seinen Sohn einen Augenblick lang stumm an. Er wusste, was er meinte. Der Pechschwarze setzte sich wieder.
„Weil ich Fenris’ Erbe bin.“, begann er und ließ diesen Satz kurz so stehen. Ein bitterer Geschmack lag auf seiner Zunge. Erbe dessen, das ihm alles genommen hatte. Eines verlogenen Gottes. „Und weil ich seine Anwesenheit nicht nur spüren, sondern auch sehen kann. Seit ich ganz klein bin, begleitet mich seine Gestalt. Früher ist er immer dann aufgetaucht, wenn ein Wolf aus unseren Reihen starb ...“ .oO( Cylin. ) „... Er war auch da, als Tascurio ...“
Er beendete den Satz nicht. Seine Stimme war zwar die ganze Zeit über kräftig, neutral, fast kühl geblieben, dennoch konnte er den Satz nicht zuende führen und verfiel in Schweigen.
Für ihn gab es nicht die Frage, ob die Götter real waren. Für ihn gab es nur die Frage, warum sie ihnen so etwas antaten. Der dunkelblaue Blick des Pechschwarzen glitt durch die trostlose Landschaft, die er so gut kannte. Die er schon so viel länger kannte, als sie in diesem Tal überhaupt existierte. Fast meinte er, die schwarze Gestalt wieder am Horizont vorbei streifen zu sehen.
„Die Frage, ob es die Götter gibt, stellt sich mir nicht. Ich weiß, dass sie da sind. Erinnerst du dich nicht an das Nichts und daran, wie unser Tal wieder entstand? Ihre Macht ist unglaublich groß. Wegen Fenris habe ich einst selbst etwas sehr schreckliches getan ...“
Nur noch ein Flüstern. Eigentlich hatte er den letzten Satz gar nicht laut aussprechen wollen.
[ Tote Ebene | Turién ]
06.03.2011, 18:44
Ein leichter Wind fuhr durch ihr Fell und wirbelte es wild umher, während sie von einer für sie angenehmen Kälte umgeben war. Der Winter war ihrer Meinung nach schon immer die schönste Jahreszeit gewesen, sie liebte Schnee und Eis und Regen, alles, was andere als furchtbar und nervig empfanden. Natürlich erschwerte es das Überleben, doch andererseits erschien ihr das Leben so friedlich. Die Stille, die sich überall ausbreitete, gab einem das Gefühl von Sicherheit und Zurückgezogenheit. Keine, in der man Einsamkeit erleiden musste, im Gegenteil, sie gab einem Zeit um mit denen zu sprechen, die einem wirklich wichtig waren. Wenn es wärmer wurde und alle scheinbar wieder aufwachten, musste man sich meistens mit diesen flüchtigen Bekanntschaften beschäftigen, die man nicht vermisste, wenn sie nicht da waren – vorausgesetzt, man bemerkte es überhaupt. Außerdem genoss sie diese melancholische Stimmung, in der man auch mal allein war mit seinen Gedanken und sich seinen Träumen hingab. Es war schmerzhaft wieder seine Augen aufzuschlagen und die Realität erkennen zu müssen, doch der Moment der Illusion war manchmal die letzte Rettung und gab einem so viel Kraft, dass man sich gegen die Verzweiflung wehren konnte. Außerdem hatte man schon als Junges zu hören bekommen, dass man nie seinen Glauben daran verlieren sollte, dass Wünsche in Erfüllung gehen konnten. Es fiel ihr oft nicht leicht, genau das nicht zu tun, aber sobald sie sich ins Gedächtnis rief, dass sie jahrelang nur ihre Schwester finden wollte und es auch geschafft hatte, verstummte die Stimme, die heftig widersprach.
Plötzlich hörte sie ein Geräusch, das ihr ein bisschen Hoffnung schenkte. Die Euphorie nahm sie vollkommen ein, und genau das zwang sie dazu auch Angst zu verspüren. Davor, dass sie ein ganz anderer Anblick erwartete, wenn sie jetzt aufschauen würde. Aber sie hatte wohl keine andere Wahl, und so hob sie ihren Kopf in die Höhe und betrachtete die Stelle, an der eben noch Jumaana gelegen hatte. Jetzt jedoch stand sie bereits vor ihr, sie stand. Zwar nicht vollkommen aufrecht und auch immer noch ein wenig schwach, etwas anderes war aber auch gar nicht zu erwarten gewesen. Auch wenn sie Freude in sich aufkommen spürte, war sie immer noch ein wenig misstrauisch, da sie keine schnelle, nein, geradezu plötzliche Heilung erwartete. Aber genau das war eingetreten, und als sich der Zustand der Fähe nach einiger Zeit immer noch nicht verschlechtert hatte, schwor sie sich an Wunder zu glauben. Diesen Eid musste sie nun auf ewig einhalten, das war ihr bewusst, und es störte sie kein bisschen, weil sie sich eine ganze Zeit lang sicher war, dass es zu spät war. Der Tod. Ja, sie hatte sich oft damit auseinandergesetzt, allerdings nur mit ihrem eigenen. Dass sie jemanden, den sie liebte und brauchte, verlieren musste, während sie dann ein tristes, einsames Leben weiterführen musste, daran hatte sie noch nie gedacht. Vermutlich weil es einfach zu grausam war, sich damit auseinandersetzen zu müssen.
Es gab so viele Dinge, die sie gesagt hätte, wenn sie nur fähig gewesen wäre. Stattdessen genoss sie diesen Moment und fühlte sich, wie wenn sie schweben würde. Ein wunderschönes Gefühl, einfach endlich mal frei und losgelöst zu sein, lachen zu können, ohne tief in sich drin von grausamen Gefühlen zerfressen zu werden. Als sie dann auch noch die Stimme des Tieres wahrnahm, das ihr am meisten bedeutete von allen, denen sie seit ihrer Geburt begegnet war, wusste sie nicht, ob sie glücklicher sein könnte. Etwas Unsicherheit blieb dennoch, weil sie nicht wirklich verstand, was die Fähe ihr sagen wollte, oder gar zeigen. Immerhin hatte sie sie dazu aufgefordert, irgendetwas anzuschauen. Irritation machte sich in ihr breit, doch sie widersetzte sich, sie wollte diese geradezu perfekte Stimmung nicht verderben, also beschloss sie nachzufragen, auch wenn es ihr im Endeffekt peinlich sein würde. Irgendwann musste sie auch mal lernen, über sich selbst zu lachen, ein bisschen Humor zu zeigen, das war ihr schon immer bewusst gewesen. Der einzige Weg, sich zu überwinden, war einfach mal kurz nicht darüber zu philosophieren, was geschehen könnte, und es einfach nur auszusprechen.
„Gerne - wenn du mir verrätst, was du meinst“,
antwortete sie mit einem leichten Schmunzeln. Daraufhin vergrub ihre Schnauze in dem Fell der Weißen, sog ihren Geruch ein und versuchte damit alles andere zu verdrängen. Sich einfach nur auf das zu konzentrieren, was in der Gegenwart vor sich ging und die Vergangenheit hinter sich zu lassen, das hatte sie beinahe verlernt und es war ihr immer als unmöglich erschienen, daran etwas zu ändern, an ihren ganzen Eigenschaften, die sie nur noch tiefer in den Strudel der Trauer hineinzog. Aber auf einmal fühlte sie sich so stark, dass sie beschloss nicht aufzugeben. Zu leben, und nicht ständig darauf zu warten, dass man auf sie zuging. Exakt das zu tun, was sie gerade erlebte. Glück.
[bei Jumaana - in der Nähe von Jarrèll Nathaniel - am Sternensee]
08.03.2011, 20:40
(Da Neytíri abgemeldet ist setze ich sie an den Rand)
Neytíri beobachtete die Ankunft einer weiteren Fähe, und lauschte ohne weitere Einmischung den Rüden. Es schien beiden nun wieder besser zu gehen, und worüber Chardím so erregt war konnte sie nicht so ganz greifen. Aber auch Jakash kümmerte sich nicht weiter um sie, und so beschloss sie sich zurück zu ziehen. Auf Rakshees Bitte hin schüttelte sie nur sacht den Kopf, ihre Wunde war immerhin schon gereinigt und würde sie nicht umbringen. Ohne sich dem Geschehen noch weiter zuzuwenden trabte sie davon. Seltsame Wölfe...
Rakshee war überrascht als Jakash seine Schnauze schliesslich unter ihrer Zunge hinfort zog. Sie verstand wie es kommen mochte, aber es gab ihr dennoch einen Stich. Denn es veränderte alles. Sie wandte sich Chardím zu, hinter dem Neytíri sich gerade abwandte, und verschwand. Die ganze Welt war seltsam verdreht. Sie gefiel Rakshee nicht.
"Ich denke schon dass ich das weiß."
Meinte sie ruhig, und legte leicht den Kopf schief.
"Und natürlich gibt es keinen falschen Weg. Es kommt allein darauf an welche Abzweigungen man wählt. Denn wir laufen alle auf dem gleichen Pfad, auch wenn er in unterschiedliche Richtungen führen mag."
Erklärte sie, und wand sich wieder Jakash zu. Sie betrachtete ihn einen Moment, versuchte sich sein Bild ins Gedächtnis zu rufen und mit dem zu vergleichen was sie sah. Er war zweifelsohne noch immer Jakash, mit schwarzem Fell und grünen Augen. Und doch fehlte die Wärme in seinen Augen und seinem Blick, das Lächeln auf seinen dunklen Leftzen und sie fühlte sich selbst kälter in seiner Nähe. Vielleicht hatte Fenris ihm ein Schutzschild aus Eis gesandt...
"Niemand wird jemals etwas daran ändern"
Gab sie zurück, und biss die Fänge aufeinander. Kein Wolf und kein Gott sollte es wagen sich zwischen Sie und ihren Bruder zu stellen. Und sollte er selbst sie nicht mehr wollen, so würde dass doch nie etwas an ihrer Liebe für ihn ändern. Das konnten weder Zähne noch Klauen. Und sie war bereit, beides dafür in Kauf zu nehmen.
'Wo bist du nur, meine Göttin?'
[Am Fluss | Jakash, Chardím]
09.03.2011, 11:12
Jakash presste die Kiefer aufeinander, immer fester und fester, bis es schmerzte. Seine Ohren pressten sich an seinen Hinterkopf, aber es war ihm unmöglich die Worte auszusperren, die sich mit Chardíms Stimme in seinen Schädel bohrten. Er wollte etwas sagen, wollte den Schmerz, die Wut, die Enttäuschung hinaus schreien, die in ihm immer mehr anschwollen. Hatte Tyraleen sich so gefühlt? Sie und Averic hatten sich gestritten, sich selbst noch während der Versammlung angegiftet - weil Tyraleen sich für das eine Übel statt des anderen entschieden hatte. Hatte sie sich so gefühlt, so... so fallen gelassen? Weil der, dem sie ihre Seele geopfert hatte, sich weigerte sie ihm Sturz aufzufangen?
Als dann Chardím zu ihn trat und seine Stirn an Jakashs lehnte in einer Geste des Abschieds, konnte der Schwarze es nicht länger ertragen.
"Du verlierst mich nur, wenn du das möchtest",
presste er bitter hervor.
"Ich bin immernoch dein Patenonkel. Ich bin nicht tot, tut mir leid. Und ich will nicht, dass du mir irgendetwas zurück zahlst! ICH zahle den Preis für dein Leben, das ist die Abmachung! Damit du es eben NICHT musst! Nicht gegenüber Fenris, und erst recht nicht mir gegenüber!"
Jakash sprang mit einem Ruck auf die Pfoten. Er spürte, dass seine Gefühle unkontrollierbar hervor zu brechen drohten, und er hatte Angst davor, was dann passieren mochte. Er war nicht soweit verändert, dass es ihmegal gewesen wäre. Nicht bei Chardím und Rakshee.
"Alles, was ich wollte, war dich nicht zu verlieren! Ich wäre gern einen anderen Weg gegangen, aber weder wusste ich, wieviel Zeit mir noch blieb, noch, wie dieser Weg aussah! Banshee konnte mir nicht helfen, oder sie wollte es gar nicht wirklich, denn trotz ihrer Schwäche hat sie den wertvollen Moment mit Rätseln vergeudet! Das einzig klar Verständliche war, dass du leben solltest! Darüber hinaus hat sie mir genauso wenig beigestanden wie deiner Mutter!"
Ein kleiner Teil von ihm rollte sich in seinem Inneren zusammen wie ein Welpe. Er wollte nicht so über seine Großmutter reden, wollte sie nicht anklagen, aber die Wut in ihm war stärker und brach sich immer mehr Bahn. Jakashs Stimme war lauter und grollender geworden, aber er schrie noch nicht. Seine Augen glitten zu Rakshee - sie, die Priesterin Engayas war. Priesterin Banshees, wenn man so wollte. Sie werde ihn immer lieben, behauptete sie.
'Sag das nicht zu laut, Rakshee, sonst hört er dich',
kam es ihm dabei in den Sinn. Fenrisjünger waren dafür bekannt, keiner Herausforderung aus dem Weg zu gehen, und das hatte schließlich seinen Grund.
Sein Blick kehrte zu seinem Patensohn zurück. Einen Moment betrachtete er ihn, dann senkte er den Blick und starrte den Boden an. Als lausche er auf eine innere Stimme, schüttelte er schließlich langsam den Kopf und wandte sich ab, um zu gehen. Schon wenige Schritte später spürte er die Tränen, die sich in seinen Augen sammelten, und verärgert versuchte er, sie weg zu blinzeln. Es gelang ihm nur teilweise. Dies war das letzte mal, dass er wegen irgendetwas weinte, schwor er sich.
Das allerletzte Mal.
[Bach | Chardím, Rakshee - entfernt sich]
11.03.2011, 12:29
Tyraleen war froh, dass sich in dieser beängstigenden und gefährlich fremden Situation doch so schnell und relativ einfach eine logische und konstruktive Vorgehensweise finden ließ. Sicher würde es erneut zu einigem Chaos kommen, wenn das Rudel kam und von dem Varg erfuhr, aber sollte ihr im Stillen gehegter Plan aufgehen, dann könnten Aszrem und sie zusammen die Ordnung schaffen, die vor drei Tagen noch unmöglich gewesen war. Doch dazu brauchte es vor allem die Zustimmung des Schwarzen und das nicht nur zu dem Rang, die sie ihm zugedacht hatte, sondern vor allem zu dem Rang, den sie sich selbst zugedacht hatte. Wenn Aszrem damit nicht einverstanden war, so würde sie scheitern, da war sie sich sicher. Nicht nur, weil der Schwarze sie dann dominieren würde, sondern auch, weil er wohl derjenige war, auf den sich viele im Rudel verließen. Er war eine Führungspersönlichkeit, das war nicht zu übersehen und was er gut fand, das würden auch viele aus dem Rudel gut finden. Sicher hatte auch sie einst einen solchen Einfluss gehabt oder war zumindest auf dem Weg dorthin gewesen, doch ihre eine falsche Entscheidung hatte jedes Vertrauen gebrochen. Oder zumindest das Meiste. Es würde sich zeigen, wie viel davon geblieben war.
Als Aszrem zu sprechen begann, fragte sich die Weiße zunächst, warum er ihr einen Vortrag über etwas hielt, was sie neben Rakshee und Sheena wohl am besten in diesem Rudel wusste. Der Schwarze sprach über einer der vielen Grundsätze der Priesterinnen und auch wenn Tyraleen auf bizarre Weise gegen alles verstoßen hatte, für was die Priesterinnen standen, so hatte sie jetzt vor, nur noch mehr nach deren Idealen zu leben. Das hatte sie Aszrem auch bereits mitgeteilt, seine Meinung musste sie akzeptieren. Erst nach dieser unnötigen Einleitung kam der Schwarze zu dem Punkt, den Tyraleen verwundert aufhorchen ließ. Er bedauerte seinen Zorn, seine Beleidigungen und die Heftigkeit, mit der er seine Meinung kund getan hatte. Und er entschuldigte sich bei ihr. Zunächst war die Weiße perplex und fand keine Antwort darauf, war froh, dass Aszrem nach einer kurzen Pause und einem Senken des Blickes weitersprach. Er lobte sie, besser gesagt, ihr Verhalten und gab den ersten Teil einer Meinung zu ihrem Vorschlag preis. Er hielt sie für einen guten Rangwolf oder zumindest gab es Anzeichen dafür, dass sie ein solcher war oder werden konnte. Es war ein Lob, das Tyraleen sehr viel mehr aufbaute, als alle tröstenden Worte derjenigen, die noch zu ihr hielten – persönlich. Denn obwohl Aszrem sich gegen sie gestellt hatte, so zweifelte er doch nicht an ihr. Wie in der Zeit zuvor, als er es nach Nyotas Tod gewesen war, der ihr so viel gezeigt und gelehrt hatte. Ihr Lächeln wurde warm, nichts Angestrengtes lag mehr in ihm. Stumm dankte sie Engaya und gleich danach Nyota dafür, dass sie Aszrem hier her geführt hatten.
“Ich danke dir. Und ich nehme deine Entschuldigung an, auch stellvertretend für das Rudel. Jeder von uns hat Fehler begangen, sicher ist meiner sehr viel schwerer gewesen, aber dennoch kennen wir beide den Unterschied, den du angesprochen hast und sind so noch immer diejenigen, die dieses Rudel am besten leiten können. Und auch wenn du mich persönlich verachten magst, so bin ich froh, dass du an meiner Seite stehst.“
Sie fuhr sich rasch über die Lefzen, konnte jedoch nicht verbergen, dass es sie schmerzte, jede persönliche Zuneigung Aszrems verloren zu haben. Dafür stärkte es sie umso mehr, dass er auf ihren Vorschlag einging und somit einwilligte, sie zu unterstützen. Er schob sich dabei nicht die Rolle des großen Alphas zu, sondern schien eher durch seinen Rang ihren stärken zu wollen. Diese Haltung imponierte ihr und zeigte erneut, dass Aszrem ein besonderer Wolf war. Sie hätte sich keinen besseren wünschen können. Auch wenn er erneut klarstellen musste, dass er all dies nicht für sie persönlich tat und sollte sie versagen, so würde sie jede Unterstützung verlieren. Auch wenn es hart klang, war es doch der richtige Weg, schließlich sollte kein Wolf an der Rudelspitze bleiben, nur weil seine Familie ihn liebte. Die Weiße nickte.
“Dann werden wir nun gemeinsam alles dagegen setzen, dass dieses Rudel zerbricht. Rufen wir sie.“
Tyraleen und Aszrem stimmten gemeinsam den Ruf eines Leitwolfes an und trugen jedem Rudelwolf auf, zu ihnen zu kommen.
So schnell es ihnen möglich war, strömten die Wölfe herbei und versammelten sich um die kleine Gruppe aus Tyraleen und Aszrem, die neben dem Varg standen und Face und Lyerra, die den noch immer ohnmächtigen Ráyon in ihre Mitte genommen hatten.
Der Varg: Das Wesen liegt auf der Seite, sein Körper ist mit Wunden übersät, aus seinem offenen Maul läuft Blut. Es hat sehr große Reißzähne, etwa doppelt so lang wie die eines normalen Wolfes. Seine großen roten Augen starren leer ins Nichts. Würde es auf seinen kurzen aber kräftigen Läufen stehen, würde es einen Wolf ungefähr um einen Kopf überragen. Sein Fell ist kurz und drahtig, sein Geruch erinnert entfernt an einen Wolf, ist jedoch dunkler, herber und aggressiver. Sein Körperbau ist insgesamt kräftiger und gedrungener, als der eines Wolfes, erinnert ansonsten jedoch sehr stark an einen gut gebauten Rüden. Ihn umgibt der scharfe Geruch von Bär und Tod.
Anders als vor drei Tagen stand Tyraleen jetzt aufrecht, die Schultern gestrafft, den Kopf hoch und die Rute erhoben neben Aszrem und dem toten Varg. Ihr Blick glitt über die Wölfe, es waren so viele, einige Gesichter waren ihr sogar unbekannt. Vor ihnen allen musste sie nun verkünden, was geschehen war und würde und dass die Zeit des Chaos‘ nun enden würde. Sofern sie akzeptierten. Was sollte sie tun, wenn ihr jemand widersprach, wenn er sie nicht anerkennen würde? Und Averic? Was würde er sagen? Sie wusste um die Worte Banshees, er sollte kein Leitwolf werden, aber würde er sie akzeptieren? Er musste wissen, dass er durch ein Widerwort nur noch mehr Chaos stiften würde. Und auch wenn er alle Versprechen gebrochen hatte, er würde nicht das Rudel seiner Mutter noch mehr zerstören. Das konnte er nicht tun. Ihr Blick glitt kurz in den Himmel, suchte in dem Schneegestöber nach ein wenig Kraft, doch Engaya war so fern wie in all den anderen Tagen. Dennoch verlor die Weiße keinen Mut, es lag an ihr, ihrer Göttin wieder nahezukommen. Das Warten auf alle Wölfe war nervenzehrend doch endlich schien das Rudel versammelt. Sie holte tief Luft und begann dann mit lauter und klarer Stimme zu sprechen.
“Aszrem und ich haben euch hergerufen, da sich die bedenkliche Lage, in der sich unser Revier und auch wir selbst befinden, noch mehr zugespitzt hat. Sicher ist euch allen aufgefallen, dass wir trotz eigentlichem Sommer in Kälte und Schnee leben. Zudem ist auf dem Rudelplatz ein schwer verwundeter und nunmehr toter Bär aufgetaucht. Und jetzt haben wir dieses Wesen hier gefunden. Es nennt sich Varg, wir haben es bereits tot gefunden – vermutlich starb es im Kampf mit dem Bären – jedoch könnten wir dennoch in großer Gefahr schweben.“
Sie verstummte und wandte sich an Aszrem, er wusste über die Varge besser Bescheid, als sie.
[ Waldrand | Rudel ]
11.03.2011, 15:19
Aszrem erwiderte nichts auf ihre Worte, allein seine Augen gewannen eine Spur der Wärme zurück, die auf seine innere Zufriedenheit hindeutete. Es war gut die Bestätigung zu hören, dass Tyraleen sein Einverständnis nicht missdeutete. So konnten sie aus klaren Verhältnissen heraus agieren, und das war wichtig für die Leitung eines Rudels, besonders in schweren Zeiten wie diesen. Aber auch auf den Schmerz, den er über ihre Gesichtszüge huschen sah, ging er in keinster Weise ein. Sie in irgendeiner Weise zu trösten hätte nur Hoffnungen in ihr geweckt, und so lange er nicht für sich selbst wusste, ob er ihr Verzeihen konnte, wollte er keine trügerischen Empfindungen in ihr wecken.
So nickte er nur zu ihren letzten Worten und hob den Kopf, um gemeinsam mit ihr das Rudel zu rufen. Die erste deutliche Botschaft dessen, was sie beschlossen hatten.
Als die ersten Rudelmitglieder eintrafen, warf er einen kurzen Blick zu Tyraleen. Ihre Haltung war aufrecht und dem Rang, den sie ausfüllen wollte, angemessen. Aszrem selbst hatte dieselbe dominante Haltung angenommen. Er überragte die Weiße allein durch seine natürliche Körpergröße, nicht jedoch durch sein Gebaren. Es war gerade jetzt wichtig zu demonstrieren, dass sie beide auf gleicher Stufe standen als Zeichen für die Rudelmitglieder, die abgeneigt waren dem jeweils anderen zu folgen.
Bald schon hatte sich das Rudel versammelt. Der Schwarzbraune ließ den Blick über die vielen Wölfe schweifen und entdeckte dabei sogar ein ihm unbekanntes Gesicht. Aber darum würden er oder Tyraleen sich hinterher kümmern müssen. Die Weiße begann zu sprechen. Sie fasste kurz die letzten Ereignisse zusammen und übergab dann mit einem Blick das Wort an ihn.
"Manch einer von euch, der weit gewandert ist, mag schon von diesen Wesen gehört haben, für viele von euch aber dürfte dies das erste Mal sein. Viel ist nicht über die Varge bekannt, aber sie stehen in dem Ruf, schuldig an der Auslöschung ganzer Rudel zu sein. Dieser hier geriet mit dem Bären aneinander, der jetzt tot auf dem Rudelplatz liegt. Seht euch dessen Verletzungen an, und ihr könnt erahnen in welcher Gefahr wir alle schweben, sollte sich noch ein Varg oder gar mehrere im Revier herum treiben. Um genau das festzustellen, werden Tyraleen und ich im Anschluss an diese Versammlung zwei Spähtrupps zusammenstellen, die das Revier nach Hinweisen auf die Anwesenheit weiterer Varge durchkämmen werden. Bis wir Näheres wissen, ist es von größter Wichtigkeit, dass alle anderen zusammen bleiben. Auf dem Rudelplatz ist es derzeit am Sichersten. Geht nirgendwo alleine hin, das gilt insbesondere für euch Jungwölfe! Ich weiß, dass dies nach einem großen Abenteuer klingt, aber solltet ihr wirklich auf einen Varg treffen, ist euer Tod so sicher wie er sinnlos ist! Alle erwachsenen Rudelmitglieder sidn entsprechend dazu angehalten, die Jungtiere niemals allein zu lassen, bis wir Genaueres wissen. Seht euch diesen Varg an, prägt euch seine Witterung ein. Und solltet ihr im schlimmsten Falle tatsächlich einen Varg entdeckten, so stellt ihm euch nicht entgegen! Flieht und warnt alle anderen, das ist heroischer als Selbstmord!"
Seine letzten Worte waren zwar an alle gerichtet, aber von ihrer Formulierung her besonders an die Jungwölfe adressiert. Sein ernster Blick glitt über die Rudelmitglieder, Fragen oder auch Einsprüche erwartend. Er hielt es für überflüssig, Tyraleens und seinen Anspruch auf den Alphaposten extra zu erwähnen - deutlicher als mit dieser Versammlung konnten sie ohnehin kaum werden.
[Waldrand | Rudel]
11.03.2011, 18:42
Krolock sah seinen Onkel an und fletschte erneut die Zähne. Takashi führte sich auf wie ein Welpe. Wirklich drüber konnte er nicht stehen, also stichelte er weiter und stellte seinen Sarkasmus zur Schau. Den letzten, den er damit besänftigen oder beeindrucken würde, war Krolock.
„Du bist nicht gerade sonderlich hilfreich. Für dich war Nihil ja auf der Stelle tot und danach wolltest du Cirádan einlullen, als sei er eine Pflanze, die ihre Blätter abwirft, sobald man sie böse anschaut. Statt hier rumzunölen kannst du dich gern auch verziehen.“
Seine Worte waren die übliche, eiskalte Dusche. Statt Nihil zu stützen, hätte er sich nun wirklich viel lieber auf seinen Onkel gestoßen, um dessen Blut zu schmecken. Egal welche Konsequenzen das gehabt hätte. Krolock war kein Wolf der Worte. Wenn er seine Wut ausdrücken wollte, dann machte er dass am liebsten, in dem er aufs Ganze ging. Hier und jetzt stand ihm diese Option aber schlichtweg nicht offen.
Des Weiteren ignorierte er den Älteren wieder. Schließlich war er mit einer ungeplanten, unkoordinierten Rettungsaktion beschäftigt, von der keiner so recht wusste, wozu diese führen würde. Klar war nur, das Nihil wohl schwer verletzt war, was bedeutete, dass er vielleicht sterben würde. Wenn nicht jetzt, dann bald. Das bedeutete für die hiesigen Wölfe ein gefundenes Fressen um mit ihrem Götterkram aufzuwarten. Krolock verabscheute den Schwachsinn. Alles im Leben hatte einen verdammt tollen, Gerechtigkeit und Gleichgewichtbringenden, göttlichen Sinn. Scheiß drauf!
„Na toll!“
Rief er aus, als er das Heulen von Tyraleen und diesem albernen Kauz Aszrem hörte. Das war doch das Letzte! Für ihn stand jedenfalls außer Frage, dass er dem Ruf nicht folgen würde. Er hatte alle Pfoten voll zu tun.
Der Baum war, wie er zu genau wusste, nicht weit fort. Ohne irgendetwas zu sagen, trieb er seine Gruppe weiter, in dem er fordernd neben Nihil herlief, nie wirklich von seiner Seite weichend, aber ewig das Tempo antreibend. Als sie dann angekommen waren, ließ er dem Weißen die Möglichkeit, sich in dieses, nun nicht mehr wirklich geheime, Versteck zu legen. Krolock hatte kein Problem damit, sich zukünftig anderswo zurückzuziehen, zumal er in letzter Zeit ohnehin lieber weiter weg gewesen war.
„Ihr geht, wir bleiben.“
Sagte er abschließend und meinte damit Takashi und Cirádan. Er sagte die Worte bestimmt und mit einer ganz anderen Art von Nachdruck, als er sonst sowieso schon immer an den Tag legte. So als würde jeder Versuch, jedes Wort ihn zum Ausrasten bringen, das seinem Vorhaben widersprach. Nihil konnte unmöglich dort hin latschen und er würde sicher auch nicht nach der Nase der Spinner tanzen. Klar, normalerweise hätte er sich aufgemacht, brav wie ein Schaf einer Herde eben war, um dort Unruhe zu stiften. Aber er hatte gar keine Lust, sich dorthin zu begeben. Er war so sehr in Rage, dass es schwer genug war, hier die Zügel in der Pfote zu behalten.
Er nickte Cirádan zu, das er mit Takashi gehen sollte. Herrisch, bestimmend und etwas anderes, das nicht einmal mit viel Fantasie zu erkennen war. Krolock fand aber, wenn er es dachte, reichte das völlig.
[Bei Nihil, Takashi und Cirádan zu Tyraleen und Aszrem schickend]
12.03.2011, 12:18
Abermals hätte sich der schwarze Rüde über dieses grauenhafte Verhalten seines Neffen gewaltig aufregen können. Mit dem sollte er wirklich verwandt sein? Na das konnte Takashi einfach nur noch in Frage stellen! Krolock ging ihm auf die Nerven; da war sich der Rüde eindeutig sicher und wollte damit auch ehrlich zu sich selbst sein. Die Beziehung zwischen den beiden Rüden war sowieso schon von Anfang an hinüber gewesen und deshalb gab es nichts mehr zu riskieren oder gar zu verlieren. Dennoch war Schweigen oder sogar Ignoranz dem törichten Jungwolf gegenüber angebracht. Vielleicht würde Krolock dann endlich auch Ruhe von sich geben. Vielleicht.
Der Ruf Tyraleens und Azrems brachte Takashi plötzlich auf ganz andere Gedanken, da es anscheinend etwas Wichtiges zu sagen gab oder weil erneut etwas Außergewöhnliches geschehen war. Dieser grausam verunstaltete Bär, der Nihil beinahe umgebracht hatte, könnte wahrscheinlich einer dieser Gründe sein. Dennoch konnte dies nicht der vollständige Grund dafür sein, das Rudel zusammenzurufen. Der Schwarze musste unbedingt wissen, was dort los war. Somit gab Takashi Cirádan mit einem sanften Stupser in die Seite zu verstehen, dass er unbedingt zum Waldrand, zum Rudel, musste.
Der Schwarze zählte nicht gerade zu den rangniedrigen und empfand somit eine gewisse Verantwortung für das Rudel. Dennoch sollte Krolock bloß nicht glauben, dass Takashi und Cirádan gehen würden, weil er es ihnen es befohlen hatten. Nein, der Schwarze hatte selbst entschieden, da er sich verantwortlich fühlte und selbstverständlich Beistand leisten und helfen wollte.
Kein einziges Wort, nicht einmal ein Blick zu Krolock und sein Onkel drehte sich um. Krolock würde sich bestimmt gut um Nihil kümmern und ihn nicht alleine lassen. Darauf konnte man sich ganz bestimmt verlassen.
“Es ist wahrscheinlich wieder etwas passiert. Wir sollten jetzt nicht lange zögern und helfen, wo wir können, Cirádan.“
Takashi wollte seinen jungen Neffen unbedingt für sich gewinnen und davon überzeugen, dass er mitkommen würde. Für den Schwarzen war es bereits klar, dass er unter jeden Umständen zum Rudel finden würde.
Der Weg war erstaunlich schnell zurückgelegt, Takashi und seine Schützlinge hatten sich zuvor ganz in der Nähe des Treffpunktes aufgehalten. Das Herz des Rüden schlug laut, er hatte sich beeilt.
An dem Treffpunkt angekommen, traf Takashi auf zahlreiche Wölfe und auf ein Wesen, was am Boden lag. Es ähnelte entfernt einem Wolf, war aber deutlich stärker und gedrungener gebaut. Es war tot und lag in seinem eigenen Blut, was aus den tiefen Wunden hervor trat. Der Schwarze machte einen Schritt auf das Unbekannte zu, verengte die Augen, um besser zu sehen und blickte in rote Augen und einen Fang, der mit gefährlichen Reißzähnen bestückt war. Dabei stieg Takashi dieser durchdringliche Geruch von Tod und Wolfartigem in die Nase. Dies ließ den Rüden zurückweichen und Tyraleen zuhören.
Die Weiße, Tyraleen, sprach von dem untypischen Wetter und die ernste Lage. Auch der Bär war bereits gefunden worden und das fremde Etwas dort würde als Varg bezeichnet.
Aber es kam noch schlimmer, als Aszrem die Situation um diesen Varg aufklärte. So stark wie dieses Wesen aussah, so gefährlich war es auch. Wo war Cirádan überhaupt? Hatte Takashi ihn etwa verloren oder war er einfach nur in der Menge untergegangen? Der Schwarze mit den tiefblauen Augen richtete sich auf, um den Überblick zu erlangen.
“Cirádan!“
Wo war Takashis Neffe? Sein Ruf war rau und man konnte deutlich Sorge aus ihm heraus hören.
Der Onkel zweier Jungwölfe würde jetzt in eine sehr schwierige Situation gelangen, wenn nicht einmal Cirádan ihm gefolgt wäre. Krolock würde ihn aber in noch größere Schwierigkeiten bringen. Das hatte ihm alles wirklich noch gefehlt.
( Waldrand | Rudel )
13.03.2011, 13:00
Volk war unterwegs, um seine neue Heimat zu erkunden. Hier und da stieß er auf ein Paar interessante Fährten, unteranderem auch von anderen Wölfen. Der Schnee fiel immer noch in dicken Flocken vom Himmel, es war kalt und das im Sommer. Trotz alledem würde er sich freuen auf andere Wölfe zu treffen, ein Gespräch wäre ihm jetzt das liebste gewesen, doch um ihn her herrschte Stille, als wenn die Zeit stehen geblieben. Vielleicht fror die Zeit zu Kristallen und die Erde würde stillstehen bleiben, ein Moment in Ewigkeit gehüllt. In jenen tiefen Gedanken eingetaucht vernahm Volk plötzlich den Zusammenruf des Rudels, er war nah am einberufenen Ort, also machte der Rüde sich sofort auf den Weg, so schnell dieser konnte. Bald schon kam er an den Waldrand, die Rudelmitglieder standen dicht an dicht. Auf dem freien Platz vor ihm, standen ihm bekannt, Tyraleen und den vor kurzem kennengelernten Aszrem. Etwas abseits sah er auch Lyerra stehen was ihn freute, als der Schwarze ihr zurufen wollte hielt er inne, da Aszrem über einen Varg erzählte und Volk den erschreckend großen Leichnam erblickte. Dieses Ding stank widerlich nach Tod und Verdorbenem und entfernt konnte man auch einen Bären wittern, mit dem es sich wohl angelegt hatte. Volk Zubami sah zum ersten mal so ein Ungeheuer und der schwarzgraue Rangwolf betonte wie gefährlich es doch sei, doch allzu viel konnte Volk auch nicht damit anfangen. Deshalb fragte er genauer nach.
„Entschuldigt bitte die Frage, aber womit haben wir es hier genau zu tun? Es sieht ja teilweise aus wie ein Wolf, nur etwas deformierter. Ich habe verstanden das es gefährlich ist, allerdings kann ich es nicht zuordnen und was, wenn wirklich noch einer im Revier unterwegs ist.“
Das war eine wichtige Frage, denn lediglich abzuwarten bis einer von den hier anwesenden angegriffen wurde, könnte nun wirklich keine Lösung auf ewig sein. Das Ding war zwar groß und auch kräftig, aber es müsste ja trotzdem eine Schwäche haben. Überstürzt zu handeln war nicht die Art des schwarzen Neulings, sich aber schon Gedanken über eine Lösung zu machen wäre wichtig, fand der Rüde. So hob er erneut das Wort.
„Versteht mich nicht falsch, ich will weder Panik machen, noch überstürzt handeln. Dennoch wäre es vernünftig, für den Fall das noch mehr solcher Bestien hier ihr Unwesen treiben, einen Plan parat zu haben. Jeder hat eine Schwäche, selbst dieses Ding´s muss eine haben und die könnte man doch ausnutzen.“
Volk redete ruhig und überlegt, denn er wollte die beiden Rangwölfe nicht verärgern. Er dachte nun mal das es wichtig wäre, auszusprechen was er dachte. Dabei wollte der Rüde seriös wirken und nicht vorlaut sein. Volk wartete gespannt auf eine Antwort aus dem Rudel.
( Waldrand | Rudel )
13.03.2011, 13:35
Den Stichellein der beiden Dunklen versuchet der Helle kaum Beachtung zu schenken. Nicht mehr. Es wäre wirklich besser gewesen sich nur Krolock an die Schulter zu heften, anstatt Ciradán und Takashi als weitere Anhängsel dabei zu haben, so sehr es ihn auch schmerzte den Gedanken zu fassen, sagte ihm die Nähe des Grauen doch mehr zu als die zunehmend schlechte Stimmung die das Gemüt dessen Bruders umfasste. Doch wie hätte er schon etwas ändern können? Es gelang ihm doch grade eben der aufrechte Gang, gestützt als wäre er ein alter Wolf. Die Ohren flach angelegt ließ es sich daher nur mitziehen. Selbstmitleidig sich selbst die Schuld zuschiebend, dass die drei Rudelmitglieder gezwungenermaßen aufeinander hockten – auch wenn es ihn im gewissen Sinn sehr ehrte, dass zumindest einer von ihnen die Gesellschaft Nihilus’ selbst vorzog und nicht aus Schuldbewusstsein oder Pflichtgefühl dabei blieb.
Zu seinem Glück näherten sie sich dem Baum recht schnell, so dass er sich schon bald damit befassen wollte seinem Körper die angenehme Ruhe gönnen zu können, als ein Ruf ihn zusammen zucken ließ. Sie sollten sich alle zusammenfinden? Aber… wie? Zögernd ließ es sich vorsichtig über den heraus stechenden Wurzeln nieder, um Luft zu schnappen. Sollten sie den Weg hier her nur als Bogen begangen haben und würden sofort weiterwandern? Wie es schien fiel Krolock direkt eine Lösung für das Problem ein: zwei gingen, zwei blieben. Recht logisch, wenn der Helle nicht lieber zu den braven Mitgliedern gehört hätte, die folgsam ihren Weg antraten. Belämmert sah er dem Dunkeln, der sich zügigen Schrittes entfernte, hinterher. Ja, er sollte den Grauen mitnehmen, damit zumindest dieser über mögliche Neuigkeiten informiert werden würde.
„Lass uns auch gehen! Wir wurden alle gerufen!“
Mit aller ihm verbliebenen Kraft sprudelten die Aufforderungen nur aus ihm raus, wollte er schließlich Krolock dazu bringen auf ihn zu hören und sich umstimmen zu lassen. Viel Hoffnung durchstach ihn dabei kaum, doch appellierte er an die Neugierde des Jährlings, vielleicht wäre sie stärker als der riesige Dickkopf.
„Es könnte sein, dass sie einen Grund für das Wetter gefunden haben.“ , mit einem beschwörerischen Blick gen Himmel, von dem sich weiterhin kleine Flocken lösten, wollte er seinen Worten Nachdruck verleihen, „Oder es gibt weitere Gefahren wie den Bären…“ , die Taktik kurzfristig ändernd legten sich die Ohren an den Hinterkopf, den Leib aufbruchbereit angespannt, „mit ein wenig Fantasie könnte er Takashi ähneln.“
Die Lefzen angehoben, versuchte er das Gemüt des Dunklen zu erheitern – es wäre zumindest ein Vorteil gewesen, auch wenn Nihilus die Art nicht gefiel, mit der er „argumentierte“. Langsam, als wüsste er kaum die Positionen seiner Tatzen, erhob er sich auf die unsicheren Läufe. Alleine könnte und wollte der Helle sich der Versammlung nicht nähern, zum Einen aus Furcht davor mit der Verspätung einzutreffen, oder gar den Weg in seiner Verfassung nicht zu schaffen, zum Anderen wollte der den aufgeheizten Wolf nicht hier zurück lassen, aus Furcht vor dessen Ideen sich zu beschäftigen.
Noch einmal wiederholte er sich.
„Lass uns auch gehen.“
(bei Krolock, weiter fern vom Treffpunkt)
13.03.2011, 14:42
So weit es ging, versuche Cirádan zu überhören was Krolock sagte. Er redete über ihn, aber das störte ihn weniger. Krolock hatte schon immer über ihn geredet, als wäre er gar nicht da. Oder aber hatte ihn böse angemacht.
Aber jetzt fühlte sich der Hellgraue fast so, als würde sein Bruder etwas auf ihn halten, als ob Krolock doch dachte, dass aus ihm mal ein starker Wolf werden könnte.
Aber natürlich war das nur Einbildung. Im Moment war es einfach so, dass für Krolock Takashi wohl das größere Übel war.
Es ertönte das Heulen von Tyraleen und Aszrem. Sie riefen zu einer Versammlung, die wohl alle betraf. Cirádan fühlte sich hin und her gerissen. Einerseits wollte er sofort los rennen, damit er eben da war.
Ihn interessierte es weniger, um was es da eigentlich ging.
Aber andererseits wollte er hier bei Nihil und Krolock bleiben. Einfach weil er Nihil mochte und sich um ihn sorgte. Aber auch weil Krolock im Moment nicht so hart mit ihm umsprang, als gewöhnlich und er sich ein wenig vorstellen konnte, dass sein Bruder ihn zumindest ein bisschen mochte.
Doch Krolock bestimmte, dass sie gehen sollte und dass er bei Nihil bleiben würde. Schon vorher war ihm aufgefallen, dass irgendwas Besonderes zwischen seinem Bruder und Nihil war. Dass sie nicht nur Freunde waren, sondern dass da irgendwie mehr dahinter steckte. Dass da irgendwas war, ein Band dass Cirádan nicht erfassen konnte...
Auch wenn Krolocks Stimme seine Glieder so fühlen lies, als sollte er sofort los rennen, blieb der Jungwolf noch stehen und sah unsicher auf Nihil.
Auch Takashi rief nach ihm, dass er kommen sollte. Doch Cirádan nickte nur, machte jedoch immer noch keine Anstalten seinem Onkel sofort zu folgen.
Seufzend stupste er Nihil dann mit der Schnauze an.
“Ich denke wirklich dass du hier bleiben und dich ausruhen solltest. Ich werde euch dann erzählen was los war, okay?“,
meinte der Helle zu dem geschwächten Wolf.
Dann drehte er den Blick unsicher zu seinem Bruder. Wagte es nicht recht ihm in die Augen zu schauen.
“Du... passt auf ihn auf, ja?“, fragte er nach, wobei es nicht wirklich eine Frage war. Viel mehr eine Bitte.
Damit blickte er noch einmal kurz zu Nihil und nickte ihm freundlich zu, bevor Cirádan auch schon los lief. Er musste jetzt nachsehen was los war, außerdem wollte er keinen Ärger riskieren. Obwohl er sich eigentlich sicher war, dass niemand ihn vermissen würde bei der Versammlung, war er doch immer noch der Meinung dass er für die meisten völlig unsichtbar war.
Als er am Rudelplatz angekommen war, drängte Cirádan sich zwischen den anderen Wölfen um zu sehen, woher der fremde Geruch kam.
Sein Magen hatte sie von der Begegnung mit dem Bären noch nicht wieder ganz beruhigt, doch er war froh, dass er nun nichts mehr im Magen hatte. Wer wusste schon, was sonst sein würde.
Da lag etwas Großes. Etwas, was er als ein Wolf bezeichnen würde, was aber irgendwie anders als ein Wolf aussah. Und zudem ähnelte es mit seinen Verletzungen dem Bären. Was wohl passiert war mit diesem Wesen?
Aber egal was es war, oder was mit dem Wesen passiert war. Cirádan hatte Angst vor diesem Wesen und er fühlte sich einfach unwohl so nahe an dem Ding.
Er war etwas zu späht gekommen und das einzige was er noch mitbekam war, dass Tyraleen sagte, dass sie alle in großer Gefahr schwebten. Das verstärkte nur mehr sein ungutes Gefühl.
Kurz nachdem Tyraleen geendet hatte, glaubte der Jungwolf die Stimme von Takashi zu hören, die nach ihm rief. Doch so sicher war er sich da nicht und so ignorierte er ihn und starrte weiterhin auf den Varg.
Und hörte darauf, was Aszrem erzählte. Gefahr und ganze Rudel ausgelöscht und das man sich nicht alleine irgendwohin aufmachen sollte.
Plötzlich machte er sich viel weniger Sorgen darum, dass sie alle in Gefahr schwebten, sondern dass Krolock und Nihil ganz alleine beim Baum waren.
Unruhig drehte er sich im Halbkreis... Zwar war sein Bruder stark und mutig, aber selbst er würde diesem Varg nicht lange standhalten. Und von Nihil in seinem geschwächten Zustanden... daran wollte er gar nicht erst denken.
Er sollte sich den Geruch also einprägen? Gut... das würde.
Etwas unsicher ging Cirádan näher zu dem Wesen und schnupperte in seine Richtung. Es roch stärker und intensiver als ein Wolf, aber nicht unähnlich. Nur böser.
[ | beim Rudel]
13.03.2011, 20:49
Nerúis Intention Minyala und Tiberius zu Papa Aszrem zu bringen war postwendend mit einem gemeinsamen Heulen Tyraleens und Aszrems erschlagen worden. Die Schwarze hatte sich mit einem munteren Wedeln auf den Weg gemacht, trotz dem sie sich jetzt lieber ausgeruht hätte war ihre Neugier geweckt. So war sie ihren Schwestern vorausgeeilt, um ja als Erste da zu sein. Erst als sie die anwachsende Versammlung erreichte wurde sie langsamer, und als ihr Blick Tyraleen und Aszrem fand stolperte sie über sich selbst, weil ihre Bewegungen erstarrt waren. Es gelang ihr nur mit Mühe sich noch zu fangen, und nach dem sie einen Moment lang einfach nur zu dem ungleichen gleichen Paar aufgesehen hatte schoß sie los, die Ohren zurückgelegt und die Haltung geduckt, um die beiden mit leisem Winseln zu begrüßen. Sie schlappte beiden eilig um die Schnauzen, und trollte sich sofort wieder, denn in ihr tobten die Gedanken. Das Ausmaß dessen was sie sah hatte sich noch nicht vollständig in ihr festgesetzt, und mit jedem Moment, in dem sie wie betäubt da saß, wartend dass sich die anderen einfanden und wortlos auf Aszrem und Tyraleen starrend, wuchs der Stolz in ihr. Aszrem hatte Nyotas Position eingenommen. Ihr war nicht klar ob sie es für gut befand dass Tyraleen an seiner Seite war, denn die Offenbahrung der letzten Tage hatte sie noch nicht verarbeitet, aber es schien ihr völlig selbstverständlich. Immerhin hatte Mama Nyota auch oft Zeit mit Mama Tyraleen verbracht. Und Nerúi hatte keine weitere Zeit über die Zusammenhänge nach zu denken, das Rudel schien vollständig, und endlich begannen Tyraleen und Aszrem zu sprechen. Erst als die Weiße das Tier neben Ihnen zur Sprache brachte, wurde Nerúi dessen gewahr. Sein stechender Geruch hatte sie die ganze Zeit schon begleitet, aber die Schwarzbraune war viel zu sehr mit den neuen Leitwölfen beschäftigt gewesen als dass sie es hätte wahrnehmen können. Jetzt jedoch verschreckte sie die plötzliche Anweseheit des toten Untieres, und während sie es fixierte sträubte ich wie von selbst ihr Rückenfell. Nur vorsichtig trat sie näher, streckte die Nase aus um den Geruch des Wesens genau zu erschnüffeln, und wich sogleich wieder zurück. Der Geruch allein lies ihre Muskeln zucken, und unruhig drehte sie sich um sich selbst, um zu prüfen ob nicht hinter den Bäumen weiterer solcher Wesen lauerten.
Aszrems Ermahnung brauchte es nicht, um sie davon zu überzeugen in Rudelnähe zu bleiben. Sie war ausnahmsweise froh dass sie ganz bestimmt nicht mit in die Spähtrupps durften - sie wollte diesem Tier nicht begegnen solange es noch atmete.
Ihre Anspannung lies nicht nach als Aszrem geendet hatte, und sie stromte unruhig durch die Reihen der Wölfe. Als der Rüde, der vorhin bei Caylee, Aszrem, Raja, Hilel und Adsini gewesen war, das Wort erhob, wand sie sich ihm zu, und legte schon nach wenigen Worten genervt die Ohren zurück. Ihre Mimik wandelte sich in kürzester Zeit von genervt über entsetzt zu ungläubig - und verärgert. Sehr verärgert.
"Sag mal, hast du Erde in den Ohren?!"
Fuhr sie ihn an, und baute sich vor ihm auf, auch wenn er sie um ein beachtliches Stück überragte.
"GENAU das wurde doch gerade erklärt! Das ist ein Varg! Was das genau ist ist unbekannt! Und ob es noch welche davon hier gibt wird nach dieser Versammlung geklärt! Wie kannst du es eigentlich wagen derart blöde Fragen zu stellen nur weil du nicht zuhörst!?"
Schimpfte sie grollend, und schüttelte in einer energischen Bewegung den Kopf, die Zähne halb gebleckt.
"Engaya bewahre mich davor dir überstürzt den Kopf abzureissen!"
Fluchte sie, und knurrte ihn an. Wie konnte ein Wolf solche Unfähigkeit beweisen?!
"Dieses possierliche Tier steht in dem Ruf ganze Rudel auszulöschen, und du schlägst vor nach seiner Schwäche zu forschen? Bist du völlig wahnsinnig?!"
Grollend wand sie sich von ihm ab, völlig ausgelaugt von ihrer Wut über diesen Rüden. Sie stapfte mit verbissenem Blick von ihm weg, denn eigentlich wollte sie auf nichts davon die Antwort hören. Sie befürchtete ihm dann wirklich an den Hals zu gehen. Eilends suchte sie in der Menge nach Turién, und fand ihn schliesslich etwas Abseits bei Averic. Sie schob sich mit gesträubtem Fell unter seinen Hals, und erzitterte noch einmal unter ihrer Anspannung.
"Bitte halt mich davon ab ihm wehzutun"
Knirschte sie zwischen den Zähnen hervor, meinte es jedoch völlig ernst. Papa Aszrem würde jetzt keine Zeit für sie haben, und so drängelte sie sich zwischen Papa Averic und ihren Silberbruder.
"Wie kann er nur..."
Flüsterte sie Turién noch zu, beendete den Satz jedoch nicht.
[Waldrand | Averic und Turién | abseits vom Rudel]
13.03.2011, 22:17
Rakshee hatte keinerlei Antworten mehr erhalten. Es versetzte ihr einen Stich, dass weder Chardìm noch Neytíri sich dazu herabgelassen hatten ihr zu erklären was sich zugetragen hatte. Jakash fiel aus diesem Raster, denn der Wandel den sie in ihm zu spüren glaubte entschuldigte mangelnde Freundlichkeit - wenn man denn von 'entschuldigen' sprechen konnte. Es begründete ihn zumindest. So jedenfalls hatte sie weder erfahren woher die Fähe ihre Verletzung hatte noch wo Jakash's her stammte. Es ärgerte sie, aber ihr war klar dass es nichts helfen würde nach Auskunft zu verlangen. Beide Rüden schienen momentan alles andere als ihr wohlgesonnen, und mit verbitterter Konzentration verdrängte sie die Trauer die in ihr keimte. Jakash heftige Reaktion auf Chardíms Worte lies sie aufschrecken, und mit steifen Läufen trat sie halb zwischen die Rüden.
"Dein ganzes Leben lang hat sie dir beigestanden."
Korrigierte sie Jakash, ihre Stimme war deutlicher geworden. Sie würde alles hinnehmen was nötig war um ihren Bruder nicht zu verlieren, aber das konnte sie unmöglich stehen lassen. Noch immer konnte sie sich keinen Reim darauf machen was nun passiert war, und es versetzte ihr erneut einen Stich über all das was ihren Bruder so fremd wirken lies nichts zu wissen. Eine neuerliche Welle von Erschöpfung brach über sie herein, aber sie zwang sich auf die Pfoten. Mühsam nur hielt sie Jakash' Blick stand, aber es gelang. Sie folgte ihm als er davontrabte, und als sie schliesslich das Heulen hörten änderten sie gleichsam die Richtung. Der Schwarze hatte nicht auf sie gewartet, und so hatte Rakshee sich sehr anstrengen müssen mit ihm Schritt zu halten. Unterwegs hatten sie kein Wort miteinander gewechselt, und als sie beim Rudel ankamen stieg der Braunen als erstes ein scharfer Geruch in die Nase. Alarmiert spannte sie sich, schob sich durch die Wölfe, und wusste nicht wo sich ihr Blick zuerst verfangen sollte. Erschöpft von dem Lauf setzte sie sich als erstes, um sich einen Moment zum Verschnaufen und zum Verstehen zu gewähren. Da lag etwas. Es fiel ihr schwer das Tier als 'jemand' zu bezeichnen, auch wenn sein Geruch und sein Äusserliches einem Wolf ähnelten. Aber das Wesen wirkte vorallem unheimlich auf sie, und sein Geruch verstärkte diesen Eindruck bloß noch. Und direkt daneben standen, voller Erhabenheit, Tyraleen und Aszrem zusammen. Rakshees goldene Augen wanderten zwischen den zweien hin und her, und sie war erleichtert und froh sie dort stehen zu sehn. Es bedeutete dass Tyraleen ihre Kraft wieder gefunden hatte. Es bedeutete dass Aszrem sie nicht für ihr Vergehen strafte. Es bedeutete dass sie wieder eine Führung hatten. Der Gedanke lies sie selbst Kraft schöpfen, und mit einem langsamen Traben näherte sie sich dem Paar seitlich, die Ohren leicht abgeknickt, und bekundete mit einem kurzen Lefzenlecken beiden ihre Anerkennung. Sie entfernte sich danach nicht mehr weit, und nahm seitlich hinter Tyraleen Platz. Sie wollte ihrer Leitwölfin und Freundin nun den nötigen Rückhalt signalisieren, den es brauchen würde wenn eine andere Fähe ihren Rang einfordern wollte.
Das Rudel fand sich bald zusammen, und nach Tyraleen sprach Aszrem zu Ihnen. Die Braune warf noch einen Blick auf das Tier, das Ihnen als Varg vorgestellt worden war. Sie erhob sich, nachdem sie sich versichert hatte dass beide geendet hatten, und trat näher an das Wesen heran, schnupperte ruhig und berührte es kurz an der noch blutenden Schnauze. Wie nur konnte diese Kreatur gelebt haben?
'Möge deine Seele zu Engaya finden' wünschte sie ihm still, und trat dann wieder von dem Leichnahm fort und zu Tyraleen hin, wo sie sich schweigend postierte.
[Waldrand | Tyraleen & Aszrem]
13.03.2011, 23:00
Schweigend lief der pechschwarze Rüde in die Richtung, aus welcher der gemeinsame Ruf Aszrems und Tyraleens geklungen war. Turién ging neben ihm, ebenfalls schweigend. Averic wusste, er musste seinem Sohn diese Zeit nun lassen. Er hatte soeben vermutlich etwas erfahren, das nicht nur das Bild, was er von seinem Vater hatte, verändert, wenn nicht sogar zerstört hatte, sondern vielleicht sogar das ganze Weltbild seines Sohnes, dem der Glaube an die Götter doch so missfiel. Er selbst versuchte nicht an mögliche Konsequenzen nachzudenken, er wusste nur eines. Es war richtig gewesen, ihm davon zu erzählen. Es war seine Pflicht gewesen.
Während sie zwischen den Schatten der Bäume umher strichen, ließ er sich von ihnen einnehmen, von der Kälte, die er nun brauchen würde, um dem Kommenden ohne Gefühlsregung gegenüber stehen zu können. Es widerstrebte ihm zu dieser Versammelung gehen zu müssen und beinahe hätte er den Ruf ignoriert, aber es war vielleicht besser, wenn er ihr zumindest körperlich beiwohnen würde. Doch was auch immer geschehen war, was er eigentlich nicht wollte war siezu sehen, oder zu hören, zu wittern. Dieser Gedanke war es, der ihm Fesseln anlegen wollte. Er konnte sie jetzt noch nicht wieder ansehen. Und noch viel weniger in der Situation, die Averic erwartete. Das Rudel kam langsam in Sicht. Seine Muskeln waren angespannt und er versuchte sein Innenleben unter Kontrolle zu halten. Er brauchte Kälte. Kälte im Blick und Kälte dort in seiner Brust, wo ihr Herz gewesen war.
Zwischen den Bäumen, verdeckt genug, aber doch präsent, blieb er stehen und trat nicht zu den Wölfen aus dem Wald heraus. Er war nur Wächter, der im Ernstfall eingreifen würde, mehr nicht. Sein Blick striff Aszrem und mied Tyraleen. Er stand hoch aufgerichtet da und dies zu sehen reichte dem Pechschwarzen, um zu wissen, dass seine Schwester in selber Haltung neben ihm stand. Er spürte etwas Schweres in seinem Magen, das schmerzhaft gegen seine Innereien drückte und rammte die Krallen etwas fester in den Boden. Die kalten blauen Augen glitten hinfort und starrten zu dem roten Fleck im grauen Bild, der ihn augenblicklich wie ein Raubtier angriff. Blutsfarbe stach ihm entgegen, ebenso wie sein Geruch. Irgend ein Tier lag dort und der Tod umwaberte ihn so stark, dass Averic es nicht genau ansehen musste, um zu wissen, dass dort kein normaler, ermordeter Wolf lag. Fenris’ Aura hing über diesem Teil des Waldes. Während Averic mit einem Ohr mithörte, was die neuen Leitwölfe des Rudels berichteten, ließ er den Blick umherschweifen, größtenteils nicht auf die anderen Wölfe fixiert, sondern auf den Wald. Er suchte nach einem weiteren Fleck Blutsfarbe, nach zwei glühenden Punkten, oder etwas Derartigem, doch da war nichts. Kein schwarzer Rauch zwischen den Bäumen und keine dunkle Gestalt mit blutigen Augen. Es war keine weitere Kreatur in der Nähe, die ihnen schaden würde.
Die blauen Augen huschten kurz zur Seite, Turién hatte sich ebenfalls nicht weiter hervorgewagt und stand immer noch zwischen ihm. Er ging nicht zu den anderen. Na, wenigstens bedeutete das doch, dass sein silberner Sohn ihn jetzt nicht verachtete, dachte er sich bitter. Averic wandte den Blick wieder nach vorne, als wütendes Gezeter laut wurde und kurz danach Nerúi bei ihnen auftauchte und sich zwischen ihn und Turién quetschte. Er hatte nicht großartig zugehört, was dieser andere Wolf gesprochen hatte, über den sie sich nun so aufregte, es war nicht sonderlich wichtig gewesen. Er senkte den Kopf zu der Jungwölfin hinab und berührte sie kurz an der Stirn.
„Beruhig’ dich. Spar dir deine Kräfte für Wichtigeres, als Zorn auf dumme Wölfe.“
[ Zwischen den Bäumen | Turién, Nerúi | abseits des Rudels ]
15.03.2011, 18:21
(( Die entschärfte Version: ))
Kaum hatte der Rüde seinen Vorschlag getan, so wurde das gesamte Rudel aufgefordert sich zu versammeln. Tiberius konnte sich denken, dass es sich nicht um seine Willkommensfeier handelte. Schweigsam folgte er den jungen Geschwistern, beobachtete die weiße Caylee. Er konnte nicht leugnen, dass er ihre Bewegungen genoss. Ihre resolute, aber dennoch weiche Art sich fort zu bewegen. Und wäre sie wie ein schwerer Klotz durch die Gegend gelaufen – er hätte es bewundert. So schämte er sich keiner Sekunde in der er sie anstarrte, genüsslich vor sich hin lächelte und sich um keine andere Sache kümmerte. Sie durfte sich seiner ganzen Aufmerksamkeit sicher sein. Bis – ja, bis sie dann auf eine große Ansammlung von Wölfen stießen. Der Tenor von Blut und eine gewisse Anspannung in der Luft. Zuerst fiel sein Blick auf den toten Kadaver. Der Gestromte erkannte die große, zähe Gestalt und wusste augenblicklich, um was es sich handelte. Weder Entsetzen noch Angst keimten auf. Nur ein flaues Gefühl, das ihn sofort wieder an Caylee denken ließ. Halbherzig lauschte er den Worten des augenscheinlichen Alphapaares. Erst jetzt hatten sie den Varg bemerkt? Wo er tot vor ihren Pfoten lag? Das Revier wurde demnach nicht entsprechend gesichert, keiner war auf Streifzug gegangen, keiner hatte – augenscheinliches Alphapaar. Das Lächeln wurde breiter. Die Konzentration nun auf den dunklen Altwolf. Wenn er eines gelernt hatte, dann – ja, dann um das Wohl seines Rudel zu kämpfen. Geborener Alphasohn und zukünftiger Beschützer Caylees (ob sie nun wollte oder nicht). Dieses Rudel besaß bis eben noch kein Alphapaar. Keinen Leitwolf. Vollkommen versagt und mit einer zu lässigen Art mit der Sicherheit der Schützlinge gespielt.
“Entschuldigt“,
meldete er sich zu Wort, trat einen Schritt vor. Sein Blick von keinem Wässerchen zu trüben. Seine kräftige Gestalt wurde aufgerichtet und die Rute stellte sich leicht auf. Nein, er war bestimmt nicht unhöflich.
“Tiberius ist mein Name“,
damit hatte er auch klargestellt, dass er ein noch Fremder war.
“Wie kann es passieren, dass man den eindeutigen Boten des Todes übersieht? Ist es nicht Aufgabe des Leitwolfes das Revier zu sichern, es genau vor solchen Zwischenfällen zu beschützen? Ich möchte nicht unhöflich sein, aber scheinbar ist diese Aufgabe nicht erfüllt worden",
gleich mit der Tür ins Haus und ohne Umschweife zu dem eigentlichen Problem. Er ging einen weiteren Schritt auf den Altwolf und die weiße Fähe zu.
“Wo ich herkomme nimmt man seine Aufgaben ernst und zu jeder Zeit voll bewusst. Mag sein, ich bin ein Fremder und kenne die eigentlichen Strukturen nicht, vielleicht mein Vorteil? Aber der tote Varg mitten im Revier verrät vieles. Auf einem Streifzug hätte man ihn bemerken müssen, der Gestank ist ganz deutlich zu wittern“,
die Brauen wurden hoch gezogen, nicht ohne sein stetiges Lächeln. Er kannte um seine Vorteile. Ein junger, dynamischer und fähiger Rüde. Das beste Alter, der beste Stand und: er war der Rolle des Leittieres vertraut.
“Ich räume ein: meine plötzliche Plauderlaune ist nicht rühmlich für euch. Es zeigt ganz klare Schwachpunkte. Warum diese verheimlichen? Und schließlich noch: was zeigt uns, dass ihr es jetzt besser machen wollt und könnt?“,
er würde sie beschützen. Um jeden Preis. Ein kurzer Seitenblick auf Caylee. Für sie. Für sie würde er grundsätzlich fast alles tun. Und sei es sich vor diesem Rudel behaupten zu müssen. Tiberius würde nicht die Schnauze halten und geduldig abwarten, bis man unsinnige Befehle und gut gemeinte Ratschläge erteilte. Ein Rüde war ein Rüde. Ein Rüde, ein Wort. Ein Versprechen. Und das hatte er ihr insgeheim gegeben.
[ bei der Rudelversammlung ]
17.03.2011, 17:48
Soviel Fremdes, Neuartiges auf einmal. Die vielen ungewohnten Worte schwirrten ihr wie Schmetterlinge durch den Kopf. Caleb schien gerne zu reden, manchmal drückte er sich allerdings etwas eigentümlich aus. So sah Sheena es jedenfalls. Sie hatte noch nie einen Wolf gehört, der in seiner Wortwahl das Wort ‚geil’ benutzte. Sie selber konnte damit auch wenig anfangen. Dem Enthusiasmus in seiner Stimme entnahm sie allerdings, dass es durchaus positiv gemeint war. Immerhin etwas.
Auch danach reihten sich seine Wörter aneinander ohne ein Ende finden zu wollen. Ihr viel es schwer ihnen zu folgen. Nicht, dass sie nicht interessiert wäre, keine Frage, sie wollte alles über dieses komische Schreiben wissen, nur sprach er von ihr so vollkommen unbekannten Sachen, dass es einige Zeit dauerte, bis sie die ganzen Zusammenhänge verstanden hatte und einordnen konnte. Und ihr taten sich so viele Fragen auf, Fragen über dieses und jenes, er als Gestaltenwandler musste so riesig viel mehr wissen als sie. Und all dieses Wissen würde sie gerne auch besitzen, das musste doch möglich sein. Und sicherlich auch praktisch.
Bevor sie jedoch nur eine einzige Frage stellen konnte, schall ein Ruf durch den Wald. Ihre Ohren spitzten sich, es war ein unüberhörbarer Ruf, ihre Freundin, Tyraleen rief sie. Zusammen mit einem Rüden, Aszrem, nahm sie an.
Die beiden klangen harmonisch, gleichgestellt. War das eine Offenbarung vor all den anderen Rudelmitgliedern, würde Tyraleen die Chance nutzen und sich als neuen Leitwolf vorstellen. Und würde Aszrem an ihrer Seite stehen? Ohrenscheinlich war es bereits so.
Sie musste sich beeilen, sicher würden sie noch andere Wichtigkeiten mitteilen, der Ruf hatte so dringlich geklungen.
Es blieb keine Zeit um das abgebrochene Gespräch mit Caleb zu bedauern, sie war viel zu neugierig, außerdem hatte sie sich und Engaya erklärt, dass sie Tyraleen zur Seite stehen würde. Und dies galt es nun zu erfüllen.
„Entschuldige Caleb, wir müssen dringend los!“
Er würde ihr bestimmt folgen, ohne sich erneut nach dem Rüden umzublicken startete sie zu einem raschen Lauf. Obwohl ihre Kräfte noch immer wenig mobilisiert waren, feuerte sie sich in Gedanken an. Es war ein wichtiges Treffen, sie durfte und wollte den anderen Wölfen nicht schwächelnd entgegen treten.
In kurzer Zeit hatte sie den Rudelplatz erreicht, als erstes viel ihr die große Menge an Wölfen auf, es schienen wirklich alle dem Ruf gefolgt zu sein.
Als zweites stach ihr ein bestialischer Gestank in die Nase, angewidert verzog sie ihre Lefzen. Was war das?
Sie vernahm die erklärenden Worte Aszrems, die Einleitung von Tyraleen hatte sie ebenfalls gerade noch mitbekommen.
Demnach war sie nicht zu spät. Sie blickte die beiden Wölfe an, Rakshee hatte sich bereits neben Tyraleen positioniert. Das würde sie nun auch tun, mit langsamen Schritten schlängelte sie sich durch die Wolfsmasse, steuerte auf den Varg zu, sog seinen Gestank, tief ein und schüttelte sich vor Ekel. Doch sie durfte diesen Geruch nie wieder vergessen, es war auch an ihr, das Rudel zu sichern. Dann trat sie weiter auf die beiden, selbsternannten, Alphatiere zu und nickte kurz. Noch ehe sie sich knapp hinter Tyraleen stellen konnte, wie sie es geplant hatte, kam ein jüngerer Rüde nach vorn und stellte die Alphaposition deutlich in Frage.
Wie gut, dass er sich gleichzeitig vorstellte, denn er war augenscheinlich ein Fremder.
Doch seine Worte ärgerten sie, natürlich hatte er grundlegend Recht mit dem was er sagte, es war die Aufgabe der Alpha- sowie Betatiere das Revier zu sichern, das Rudel zu beschützen, doch da er neu im Rudel war, wusste er nichts über die vorlaufenden Geschehnisse und hatte wenig Rechte mit solchen Beschuldigungen um sich zu werfen.
Ihre braunen Augen begannen zu blitzen, die Goldsprenkel wirkten nicht, wie sonst, sanft golden glimmend, sondern eher sprühend. Sie war sichtlich erbost, riss sich aber zusammen und trat einen kleinen Schritt auf den Rüden zu. Damit machte auch sie ihre Position klar. Sie würde Tyraleen stützen. Und somit auch Aszrem. Wobei sie hier auf Tyraleen vertrauen musste, den Rüden kannte sie eher weniger.
„Schön Tiberius, gut, dass du dich gleich vorstellst. Damit auch ich nicht unhöflich bin, mein Name ist Sheena. Engayapriesterin in diesem Rudel.
Damit du deine Schnauze nicht gleich wieder aufmachen musst und dir deine hübschen Worte sparen kannst: da du, wie du selber sagst, neu hier im Rudel bist, kannst du nicht wissen, wie unser Rudel strukturiert ist. Deshalb würde ich sagen, solltest du erstmal zuhören und dir eine umfassendere Meinung bilden, als die, die du gerade von dir gegeben hast.“
Der Sarkasmus in ihrer Stimme war nicht zu überhören gewesen. Eigentlich hatte sie weniger gereizt klingen wollen. Immer wieder diese alte Sheena in ihr.
Um die Situation etwas zu entschärfen schenkte sie ihm ein winziges, ein wenig mitleidiges Lächeln.
„Ansonsten gebe ich dir natürlich vollkommen Recht, dass es die Aufgabe der ranghöheren Tiere ist, das Rudel zu schützen…!“
Damit drehte sie sich um, trat nun endgültig auf Tyraleen zu und berührte sie sanft mir ihrer Schnauze an der Stirn. Im Gegensatz zu Tyraleen spürte sie Engaya nun ganz nah. Und damit verschwand auch ihre Kraftlosigkeit ein wenig. Mit gestrafften Muskeln und erhobenem Haupt stellte sie sich neben Tyraleen, nur wenige Schnauzbreiten hinter ihr. Damit würde ihre weiße Freundin nun leben müssen.
Dieser Gedanke amüsierte die Fähe und so lächelte sie, diesmal ehrlicher, und blickte über das große Rudel.
Wo war Jakash?
[Caleb; Rudel; Tiberius; Tyraleen, Aszrem, Rakshee]
17.03.2011, 18:27
Kleine Liel, kleine Liel. Wie wunderschön das in ihren Ohren klang. Obwohl sie natürlich schon gar nicht mehr so klein war. Schließlich war sie schon über ein Jahr alt.
Wie lange hatte sie niemand mehr so genannt?
Bei diesem Gedanken fiel ihr auf, wie lange sie nicht mehr mit Shani gesprochen hatte. Das würde sie unbedingt nachholen müssen.
Sie beobachtete Gani ganz genau, so entging ihr auch nicht das Lächeln der Fähe. War es noch von so kurzer Dauer, sie Ehrlichkeit in diesem Lächeln war überwältigend und in ihr breitete sich große Freude aus.
„Gern geschehen!“
Es waren nicht viele Worte nötig, ein Lächeln begleitete die Worte. Dieses verschwand jedoch schnell wieder, als ihre Ohren den Ruf vernahmen. Dringend schallte er durch den Wald, eine Aufforderung sich so schnell wie möglich zu versammeln. Sie stupste die graue Fähe vorsichtig an. Das Stupsen schien sagen zu wollen: ‚Komm, gehen wir’.
Doch sie sprach es nicht aus, sie würde es verstehen, schließlich hatte auch Gani den Ruf vernommen. So drehte sie sich um und lief mit großen Sprüngen in Richtung des Rudelplatzes.
Dort angekommen war sie zuerst völlig geplättet von den vielen Wölfen, die anwesend waren. Viele neue Gerüche stiegen ihr in die Nase, mit Sicherheit konnte sie sagen, dass Cirádan auf dem Rudelplatz war, doch wo war Krolock? Sorge keimte in ihr auf und so bemerkte sie erst einige Sekunden später, dass noch ein ganz anderer penetranter Geruch über dem Rudelplatz lag. Und auch jetzt vernahm sie erst am Rande die Worte der beiden Erwachsenen die gerufen hatten.
Ein Varg, irgendein Ding was unheimlich stark war und bestialisch stank. Na wunderbar. Skeptisch reckte und streckte sie sich um das Tier auch sehen zu können, doch sie war einfach zu klein um über die vielen Wolfskörper gucken zu können.
Doch eine weitere Frage stand nun im Raum, die beiden, Tyraleen und Aszrem, hatten sich auf den Alphaposten gesetzt. War das nun gut oder schlecht?
Mama Kaede war eine gute Freundin von Banshee gewesen. Tyraleen war die Tochter von Banshee. Banshee hatte ihrer Tochter bestimmt vertraut, Mama Kaede hatte Banshee vertraut. Damit dann auch automatisch Tyraleen? Konnte sie Tyraleen dann auch vertrauen? Was, wenn sie das Rudel noch weiter ins Unglück führen würde? Sie hatte ihren eigenen Sohn getötet, es war Winter obwohl eigentlich Sommer war und jetzt lag hier auch noch ein ekelerregendes Ding auf dem Rudelplatz herum und verpestete die frische Luft mit seinem Gestank. Und gegen dieses Ding würden sie, soweit sie das verstanden hatte, gar nichts ausrichten können. Das waren ja rosige Aussichten.
Doch wer sollte sonst an die Spitze ihres Rudels gesetzt werden? Zu dem schwarzen Rüden neben Tyraleen, Aszrem, konnte sie sich wenig Gedanken machen, ihn kannte sie kaum.
Also blieb doch eigentlich niemand anderes übrig.
Doch schnell merkte sie, dass sie zu naiv nachgedacht hatte. Ein Rüde hatte das Wort ergriffen, wollte er sich etwa in eine Führungsposition zwängen? Hatte er nicht eben noch gesagt, dass er neu hier war.
Die Situation war verzwickt und schon bald liefen ihre eigenen Gedanken aus dem Ruder. Sie wand sich zu Gani um, doch diese konnte sie schon nicht mehr erblicken. Vielleicht würde sie ja zu ihr finden, ansonsten würde sie sich auf die Suche nach Shani machen. Diese Situation würde sie nicht mit sich selber klären können, dazu wusste sie viel zu wenig und dafür gab es viel zu viele Fragen.
Sie wollte nicht mehr klein und unwissend sein.
[Gani - Rudel]
18.03.2011, 11:59
Aszrems ergänzenden Worte sagten alles, was Tyraleen noch hinzugefügt hätte, einzig den Posten, den sie und der Schwarze nun beanspruchten hätte die Weiße möglicherweise noch erwähnt. Doch eindeutiger, als ihre Haltung und ihr klarer Ruf konnte es strenggenommen sowieso nicht mehr werden. Allerdings hatten die Jungwölfe noch nie etwas Derartiges erlebt, seit Nyotas Tod hatte es keine Leitwölfe mehr gegeben und das war schon fast ein Jahr her. Wie viel war ihren Kindern von dem Gebaren und den Aufgaben eines Leitwolfs noch im Gedächtnis? Möglicherweise würde sie später noch mit ihnen reden müssen. Vorerst hatte sie sich jedoch dem Rudel zu stellen und das tat sie erstaunlich optimistisch. Es war vor allem Aszrem, der ihr die Kraft dazu gab, doch auch Lyerras Verhalten zuvor, Faces Rückhalt und das Gespräch mit ihren Schwestern hatte sie gestärkt. Heute war ein guter Tag. Heute war ein Tag, der sie wieder viel näher an all das Wichtige gebracht hatte – Banshee, Engaya, das Rudel.
Als aller erstes fiel ihr Blick auf Averic. Obwohl sie seinen Anblick nur schwer ertrug, musste sie seine Meinung über diese neue Konstellation herausfinden. Noch bevor er sie vortragen würde – falls er es wagte. Doch ihr ehemaliger Gefährte blieb stumm, nur wenig an ihm sprach von dem, was in ihm vorging. Sie war seine Gefährtin gewesen, eine zu lange Zeit um nicht erkennen zu können, was er dachte. Er würde schweigen, er würde akzeptieren, er würde sich ihr unterordnen, aber er würde es nicht gerne tun. Ebenso wie Aszrem würde er diese Haltung für das Rudel hervorbringen, jedem von ihnen zeigen aber ihr galt keine Solidarität, keine Treue, kein Vertrauen. Anders als bei Aszrem schmerzte sie diese Erkenntnis nicht. Ihr Blick fiel auf Neruí, die unterwürfig und doch eindeutig nicht traurig zu ihnen kam, ihnen über die Schnauze leckte und sich wieder zurückzog. Gleich darauf machte es Rakshee ihr gleich, blieb jedoch nahe bei Tyraleen, schräg hinter ihr spürte sie die Kraft ihrer Nichte und Priesterinschwester. Mit einem leichten, dankbaren Lächeln legte sich Tyraleens Blick kurz auf Rakshee, dann begann der erste Wolf zu sprechen. Es war Volk Zubami, der gleiche Rüde, der vor drei Tagen sie deutlich unterstützt hatte – damals hatte er als Fremder deutlich seinen Rang überschritten, sie hätte ihn tadeln und vielleicht sogar verjagen müssen. Sie hatte keine Kraft gehabt, sie war auch nicht Leitwolf gewesen; jetzt hatte sich das Blatt jedoch gewendet. Jetzt musste sie etwas sagen. Doch Neruí kam ihr zuvor, schimpfte, tobte, knurrte und schien ihm am liebsten an die Kehle zu springen. Die Ohren der Weißen klappten leicht zurück, sie trat mit gebleckten Zähnen einen Schritt vor, den Blick bohrend auf ihre Cousine gerichtet.
“Neruí, überschreite deine Grenzen nicht. Aszrem und ich sind in der Lage Volk Zubami zu tadeln, wir brauchen deine Hilfe nicht.“
Wenige Momente starrte sie die Schwarze noch an, dann richtete sich ihr Blick sanfter, jedoch nur immer ungehalten auf Volk Zubami, der wie schon beim letzten Mal seine Grenzen überschritt und dies nicht zu merken schien. Außerdem schien er nicht nachzudenken. Keine gute Mischung, auch wenn der Schwarze keine Aggressivität zeigte und ein freundlicher Zeitgenosse zu sein schien.
“Volk Zubami, der Plan steht und vorerst gibt es keinen bessern, denn – wie ausreichend klar gemacht wurde – kennen wir den Varg kaum.“
In aufrechter Haltung stand sie nun fast direkt vor dem Schwarzen, es war mehr als deutlich, dass nun Unterwerfungsgesten angebracht waren. Sie würde sie von jedem fordern müssen, der Anstalten machte, ihre Leitwolfposition zu untergraben. Es war eine ungewohnte und neue Situation und irgendwo in ihrem Hinterkopf fragte sich die Weiße, ob es das war, was sie wollte. Als Welpe hatte sie sich das Leitwolfdasein wunderbar vorgestellt, sicher ab und an anstrengend, aber zumindest die Vorstellung, dass alle bewundernd zu ihr aufblicken und ihr gehorchen würden, hatte alle Zweifel hinweggewischt. Mit der Zeit war ihr immer bewusster geworden, dass es nicht so einfach werden würde und nun, da es so weit war, zeigte sich diese Tatsache in vollem Ausmaß. Doch sie durfte nicht straucheln, keine Schwäche zeigen, ganz besonders nicht jetzt. Kein einziger Zweifel hatte es nach außen, in ihr Gesicht oder ihre Körperhaltung geschafft.
Sie wollte gerade wieder zurück an Aszrems Seite treten, als sich ein unbekannter Rüde nach vorne drängelte. Seine Haltung stach der Weißen sofort ins Auge und augenblicklich fragte sie sich, was der Fremde sich erlaubte. Er war ein Fremder, ein Bettler, der wohl um Einlass in ihr Rudel bitten wollte oder dies zumindest tun sollte oder es vorgehabt hatte, bevor der Varg und ihr Ruf dem ganzen einen Strich durch die Rechnung gemacht hatten. Trotzdem blieb er, was er war – ein Bettler. Ein solcher hatte nicht so dazustehen und als er anfing zu sprechen, hatte er noch viel weniger so zu reden. Augenblicklich schnellte Tyraleens Rute noch höher und sie begann leise zu knurren. Zunächst jedoch kam ihr Sheena zuvor – von irgendwoher war die Weiße aufgetaucht – und überhäufte den Rüden mit sarkastischem Tadel und sogar ein wenig Arroganz. Sie hatte begonnen, ihren Rang klarzumachen und als sie sich schräg hinter Tyraleen stellte, wurde der Weißen bewusst, welcher das war. Kurz hielt sie inne, schenkte ihrer Priesterinschwester einen kurzen Blick, keine Emotionen verratend und doch ihre Akzeptanz ausdrückend, dann wandte sie sich, erneut leicht grollend an den Rüden, der sich als Tiberius vorgestellt hatte. Sie trat noch näher an ihn ran und überragte ihn deutlich, so waren ihre gebleckten Zähne nur eine Krallenlänge von den Augen des Rüden entfernt.
“Richtig, Tiberius, du bist ein Fremder, ein Bettler und wenn du dich nicht so verhältst, dann werden wir dich aus dem Revier jagen, das verspreche ich dir.“
Ein weiteres Grollen unterstrich ihre Aussage.
“Es gab keine Leitwölfe, das war das Problem, von nun an wird sich das ändern. Von nun an wird es jemanden geben, der nichts übersieht und dieses Rudel beschützt. Doch ein unbekannter Bettler, der sich in dieses Revier geschlichen hat, ohne dass es ihm erlaubt wurde, sollte nicht entscheiden, wer dazu in der Lage ist.“
Ihr Fang verschob sich um wenige Zentimeter von den Augen Tiberius‘ zu seinem rechten Ohr.
“Also sei dir deiner Grenzen bewusst und überschreite sie kein weiteres Mal.“
Sie hatte ein wenig leiser gesprochen, dennoch noch immer laut genug, sodass die umstehenden Wölfe sie verstanden hatten. Ihr Fang wanderte wieder zurück zu den Augen des Rüden.
“Und jetzt verrate mir, was du hier willst und warum du dich unerlaubt in unserem Revier herumtreibst.“
Von nun an konnte sich dieser Tiberius sicher sein – falls er bleiben durfte und wollte, würden ihn Tyraleen und sicher auch Aszrem ganz genau im Auge behalten. Er war intelligent und scheute sich nicht davor, seine Meinung zu sagen – er hatte nicht einmal Unrecht, nur kannte er das Rudel nicht. Er wusste nicht, dass es zuvor keine Leitwölfe gegeben hatte und vielleicht sogar nur aus diesem Grund nun alles so aus der Kontrolle geraten war. Deshalb war er unverschämt und deshalb mussten sie ihn im Auge behalten.
[ Rudel ]
18.03.2011, 13:14
Sein Blick glitt musternd über das versammelte Rudel. Vergebens suchten seine Augen Nihil, den Jungrüden, der von dem Bären verletzt worden war. Waren dessen Verletzungen doch so schwer, dass er dem Ruf nicht hatte folgen können? Und war jemand bei ihm geblieben, um auf ihm Acht zu geben? Krolock fehlte ebenfalls, stellte er fest - der schwarze Jungwolf hätte es sonst sicher nicht versäumt, noch mehr Ärger zu stiften - aber auch Jumaana entdeckte er nicht. Sie würden die Fehlenden dringend gesondert aufsuchen und vor der möglichen Gefahr warnen lassen müssen.
Aszrems Überlegungen, wer vielleicht noch fehlen mochte, wurde von der Ankunft seiner Tochter unterbrochen. Mit unbewegter Miene, aber erfreut über ihr Verstehen und Respektsbezeugung, sah er sie mit Wärme in den Augen an - eine Wärme, die wesentlich seltener in seinen Augen lag, seit Nyota tot war. Kurz darauf bekundete auch Rakshee ihre Unterwüfigkeit, aber auch ihre Demutsgesten nahm er wie selbstverständlich hin.
Zunächst jedochrichteten sich seine bernsteinfarbenen Augen auf Volk Zubami. Die Andeutung eines Sturnrunzelns huschte über sein Gesicht, aber während er noch überlegte, ob der Rüde seine Worte tatsächlich ernst gemeint hatte, wurde dieser schon heftig von Nerúi angefahren. Tyraleen tadelte sie dafür, aber Aszrem musste gestehen, dass seine Tochter ihm aus der Seele sprach, und so erhob er auch nicht die Stimme, um sie zu mahnen. Im Gegenteil, er konnte sich so jedes eigene Wort sparen und Volk mit einem undeutbaren Blick für dessen Unverstand abstrafen, bevor seine Augen seiner Tochter folgten. So entdeckte er dann auch am Waldrand Averic. Ein paar Momente lang sah er Tyraleens ehemaligen Gefährten an. Was mochte er zu diesem Szenario denken? Normalerweise bestand das Alphapaar aus Gefährten, aber zumindest für ihn selbst - und er ging davon aus, auch für Tyraleen - stand außer Frage, dass er und Banshees Tochter niemals Gefährten sein würden. Allerdings hatten ihm Volks Äußerungen soeben gezeigt, dass vielleicht nicht für alle Rudelmitglieder klar war, welchen Sinn und Zweck ihrer beider Alphaschaft tatsächlich hatte...
Dann erhob der Neuankömmling die Stimme. Er entschuldigte sich und stellte sich vor, aber mehr als der formellen Höflichkeit konnte er damit nicht genüge tun wollen. Seine Körperhaltung sprach eine andere Sprache, ebenso seine Mimik und sogar sein Tonfall. Aszrems Augen verengten sich, und in dominanter Haltung, die seinen Ranganspruch auf's deutlichste unterstrich, trat er mit Tyraleen auf den Fremden zu, vorbei an den anderen Rudelmitgliedern. Da Tiberius ein Rüde war, fühlte er sich persönlich herausgefordert, obgleich er beide Alphas gleichermaßen in Zweifel gezogen hatte. Aber nicht nur Tyraleen wandte sich sogleich gegen den Fremden, der immer mehr zum Eindringling wurde, sondern auch Sheena. Die Priesterin postierte sich dabei deutlich hinter Tyraleen und machte damit ihren ganz eigenen Ranganspruch gelten. Interessant. Mal sehen, wer vielleicht noch seine Chance nutzen würde.
"Deine Unkenntnis über unsere inneren Strukturen gereicht dir ebenso zum Nachteil wie dein loses Maulwerk, Rüde. Es ist am Rudel zu entscheiden, ob wir unserer Ränge würdig sind - DU gehörst nicht dazu. Und wenn du dein Verhalten nicht schnell überdenkst, wirst du es auch nie."
In seiner Haltung lag, im Gegensatz zu Tyraleens, noch keine Drohung - abgesehen von dem direkten Blickkontakt, den er zu Tiberius hielt. Nichtsdestotrotz waren seine Muskeln bereits gespannt, für alle Fälle.
Derweil kreisten seine Gedanken um noch etwas anderes, was sein Herausforderer gesagt hatte - er hatte den Varg als 'Bote des Todes' bezeichnet. Aszrem hatte absichtlich nicht erwähnt, dass Varge den gerüchten zufolge mit Fenris assoziiert wurden. Tiberius kannte also offenbar die Geschichten. Aber wieviel genau wusste er?
[Waldrand | Tiberius, Tyraleen, Sheena - restliches Rudel]
18.03.2011, 14:10
Rakshee hatte sich kaum hinter Tyraleen positioniert, als diese sich zum ersten Mal erhoben hatte. Ein erster Wolf hatte Fragen gestellt, und nahezu alles gefragt, was soeben erst erklärt worden war. Nerúi, die sich gerade erst wieder in die Menge eingegliedert hatte, hatte sich wenig sanft seiner angenommen, und wurde nun ihrerseits scharf verwarnt. Tyraleen schien auch mit dem Rüdden nicht zufrieden, und Rakshee hielt sich zurück ihrerseits etwas dazu zu sagen. Die Weiße hatte bereits kundgetan dass sie selbst sich um ihn kümmern würde, und er war bislang keine Bedrohung. Die Braune beobachtete wie Nerúi von Dannen zog, und warf sogleich einen Blick zu Aszrem. Er sagte nichts dazu, und das war Zeichen genug.
Im nächsten Moment trat ein weiterer Rüde aus der Menge, kaum nach dem Sheena sie erreicht hatte. Er war etwa so hoch wie sie selbst, wirkte aber ein wenig kräftiger. Rakshees Ohren schnellten vor als er sich vorstellte, und kaum dass er damit fertig war, die Leitwölfe in ihrer Position angriff. Rakshees Rückenfell sträubte sich, und sie trat vor, als auch Sheena es tat, und folgte somit auch Tyraleen und Aszrem die gemeinsam auf ihn zutraten. Auch Rakshees Haltung hatte sich nun gestrafft, und auch ihre Rute trug sie erhöht, wohl aber ein sichtliches Stück tiefer als Tyraleen und Aszrem es taten. Sheena hatte sich zuerst an den Rüden gewand, und ihre Position klar und ungeschönt deutlich gemacht. Nun stand auch sie hinter Tyraleen, auf selber Höhe wie Rakshee, nur zur anderen Seite. Die Braune lies Tyraleen und Aszrem noch den Vortritt, immerhin waren sie es, die er direkt angriff, und keiner von beiden schien gewillt diese Unverschämtheit hinzunehmen. Rakshee behielt während dessen den Rüden fest im Blick. Er war nicht älter als sie selbst, und er würde sich kaum in einen Kampf stürzen - als Fremder hätte er das gesamte Rudel gegen sich. Als Aszrem endete erhob sie selbst die Stimme, denn auch sie hatte noch einen Anspruch deutlich zu machen, und somit ihren Leittieren zur Seite zu stehen.
"Es ist an dir, uns zu zeigen dass du es besser machen kannst und willst - wir schulden dir gar nichts."
Ergänzte sie, und bleckte nun auch ihrerseits drohend die Zähne. Ihre vorherige Erschöpfung war wie vergessen - es tat gut an Seite Tyraleens, Aszrems und Sheenas zu stehen. Und es gab ihr all die Kraft zurück die ihr bei Jakash abhanden gekommen war. Sie hatte sich nie stärker gefühlt.
[Waldrand | Tiberius, Sheena, Tyraleen, Aszrem, Rudel]
18.03.2011, 14:34
Als wäre der Schnee und Tiberius‘ Anwesenheit nicht schon genug gewesen, hatten Mama Tyraleen und Papa Aszrem gerufen. Caylee war zunächst stehengeblieben, unwillig und mit ganz anderem im Kopf, als ihrer Familie dem Grund, aus dem sie gerufen wurden. Wieder eine Rudelversammlung, es konnten kaum gute Nachrichten sein. Am liebsten wäre sie einfach hier geblieben, hätte Tiberius ein wenig angesehen, hätte sich mit ihm über Schnee unterhalten oder auch über irgendetwas anderes oder vielleicht auch über nichts. Doch sie konnte sich nicht Tyraleen und Aszrem widersetzen. Keinem von beiden und erst Recht nicht beiden auf einmal. Dass sie gemeinsam riefen musste zudem auch irgendetwas bedeuten, war ganz bestimmt kein Zufall. Ihre Gruppe machte sich auf zum Treffpunkt – Neruí vorneraus, Caylee ein wenig dahinter und Tiberius noch ein wenig weiter hinten, sodass die Weiße seinen Blick unablässig in ihrem Rücken spüren konnte. Sie wusste, dass er jede ihrer Bewegungen beobachtete und seltsamer Weise störte sie das kein bisschen. Im Gegenteil. Sie mochte die Vorstellung, wie er ihren hübschen Körper bewunderte und gleichzeitig brannte sie darauf, ihm einen Blick zuzuwerfen. Im Endeffekt tat sie das jedoch nur einmal, ein keckes Blinzeln über die Schulter – natürlich hatte er sie angesehen, natürlich hatte er sie gesehen.
Doch die Gedanken an Tiberius verflüchtigten sich schnell, als sie die Versammlung erreicht hatten. Augenblicklich stellten sich Caylees Nackenhaare auf. Es roch schwach nach Bär, aber vor allem nach Tod und einem Wesen, das sie an einen Wolf erinnerte und doch keiner war. Ungehalten quetschte sie sich durch die anderen Wölfe, bis sie Tyraleen, Aszrem und das tote Wesen an ihrer Seite sah. Es war ein bisschen viel auf einmal. Einerseits ihre Mama und ihr Papa-oder-so, Seite an Seite, dominant, mehr als jeder andere Wolf. Leitwölfe? Andererseits das Wesen, tot, einem Wolf ähnlich und doch ganz anders. Und der Tod hing wie ein schwerer Nebenschleier zwischen ihnen allen. Sie machte es Neruí gleich, leckte sowohl ihrer Mutter, als auch Aszrem über die Lefzen, hielt bei Tyraleen kurz inne, lächelte, wollte ihr zeigen, dass sie ihre Tochter war, eine Tochter, die sich nicht abgewandt hatte, auch wenn in Caylees Kopf noch immer keine Klarheit herrschte. Den Worten der beiden neuen Leitwölfe lauschend schnupperte sie an dem Varg, betrachtete beinahe ängstlich seine riesigen Zähne und wagte nicht das drahtige und alles andere als kuschelig aussehende Fell zu berühren. Sie war verwirrt und auch wenn sie es sich nicht anmerken ließ, fürchtete sie die Vorstellung, einem solchen Wesen lebendig zu begegnen. Andererseits … nur noch bewacht in den Wald? Das gefiel ihr auch ganz und gar nicht. Gefühlsübersprudelnd und ein wenig überfordert wollte sie zu Neruí flüchten – die hatte soeben den armen Spinner angemotzt und war nun in der Menge verschwunden – da tauchte Tiberius plötzlich vor ihnen allen auf. Aufgerichtet und ein wenig zu selbstbewusst stellte er sich vor Tyraleen und Aszrem und ließ Dinge vom Stapel, die nicht nur ungerecht und gemein waren, sondern auch noch vollkommen unangebracht. Er hatte doch überhaupt keine Ahnung davon, was in diesem Rudel abging! Er wusste doch gar nicht, was sie durchgemacht hatten, wie das Chaos sie erfasst hatte und plötzlich alles anders war! Was bildete er sich ein?! Wie konnte er ihre Mutter und ihren Papa-oder-so nur derart beleidigen? Caylees Ohren hatten sich eng an ihren Kopf gelegt, ihr ganzes Fell war nun gesträubt. Sie grollte, ohne dass es jemand beachtete, gerade sprach sowieso Tyraleen, war ebenfalls nicht sehr erfreut, blieb aber ruhig. Aszrem danach war sogar noch ruhiger – das hätte die Weiße nicht erwartet – aber jeder von ihnen drohte, Tiberius gerade wieder aus dem Revier zu werfen. Das würde ihm Recht geschehen! Sollten sie ihn rauswerfen, nur weil er sie ein wenig angestarrt hatte und sie das gemocht hatte und … überhaupt! Er war unverschämt gewesen, von Anfang an. Er sollte sich ja nicht einbilden, sie erst anstarren zu dürfen, dann hier rumzupöbeln und dann noch nett von ihr behandelt zu werden! Wieder grollte sie. Sie hatte sich von seinem Blick und seinen Augen einfangen lassen, hatte sich schmeicheln lassen. Dumm war sie gewesen. Das würde ihr nicht noch einmal passieren!
“Blöder Mistkerl.“,
fauchte sie, nicht direkt in Tiberius‘ Richtung und doch eindeutig an ihn gerichtet. Dann drehte sie sich um, wollte in den Wald verschwinden und stoppte doch schon nach wenigen Metern. Sie durfte ja nicht einmal mehr alleine in den Wald! Was für eine ungerechte, gemeine, verfluchte Welt! Frustriert und unglücklich schleuderte sie mit einem Pfotenhieb einen Zweig aus ihrem Weg und hätte am liebsten laut aufgeheult. Aber diese Blöße würde sie sich nicht geben. Hier war sie immerhin vor den Blicken der anderen Rudelmitglieder geschützt, jedoch so nahe, dass Aszrem und Tyraleen sie gut wittern konnten. Sie würden wissen, dass sie sich nicht weit entfernt hatte, sondern gerade so weit, dass sie mit ihrer Wut alleine war. Unglücklich warf sie sich auf den Boden, mit dem Kopf zwischen den Pfoten kauerte sie neben einem Baum und starrte unbeweglich auf einen anderen Baum ihr gegenüber.
[ Wald - nicht weit vom Rudel entfernt | alleine ]
18.03.2011, 15:26
Hinter Nerúi war auch Caylee zu den Leitwölfen gekommen, jedoch aus ihrem Blickfeld verschwunden, als sie sich an den dämlichen Rüden gewandt hatte. Erst als hinter ihr Tyraleen plötzlich das Wort erhob wand sie sich um, und duckte sich sogleich mit gebleckten Zähnen unter ihr weg. Sie hatte ihre Mutter nicht näherkommen hören, und war erschrocken von ihrer Haltung - was sie jedoch wirklich traf war der kleine, unscheinbare Anhang ihrer Worte. Sie hatte sich nun umso mehr beeilt vom Fleck zu kommen, dass Papa Aszrem nichts gesagt hatte war ihr nur am Rande bewusst geworden. Denn er hatte gar nichts gesagt. Weder etwas um sie zu strafen noch um sie zu schützen.
Zwischen Turién und Averic gequetscht fühlte sie sich deutlich besser als dort vorne auf dem Schlachtfeld, und als ihr anderer schwarzer Vater sie leicht berührte lehnte sie sich an ihn. Sie wollte sich doch gar nicht ärgern! Aber der Wolf war so doof gewesen...und Mama Tyraleens Worte hatten sie hart getroffen.
'Wir brauchen deine Hilfe nicht'
Ungeachtet dessen was sie damit hatte ausdrücken wollen hatte sie damit Nerúis Stolz entscheidend geschlagen. Sie wollte am Liebsten noch weiter weg, aber der Wald war Ihnen nun verboten. Nicht dass ihr der Grund nicht eingeleuchtet hätte...
Als nächstes trat nun Tiberius nach vorne, der Ihnen gefolgt war. Sie legte die Ohren zurück, wollte keiner salbungsvollen Vorstellungsrede lauschen - und bekam auch keine zu Ohren. Wäre er jeder andere Wolf gewesen wäre sie nun an Ort und Stelle geblieben - hier fühlte sie sich immerhin sicher und beschützt - aber er war kein Anderer. Und in Windeseile war die Schwarze wieder auf den Beinen, drängte sich nun ärgerlich durch die Wölfe, bis sie Tiberius erreicht hatte. Dicht vor ihm standen bereits Aszrem, Tyraleen, Sheena und Rakshee, von Caylee sah sie bloß noch die in der Menge verschwindende Rute. Die Vier dort vorne hatten ihn bereits ihrerseits getadelt, aber Nerúi hatte diesmal keinem von Ihnen zugehört. Mit brennendem Blick knurrte sie den Rüden an, hieb unsanft mit der Pfote nach ihm.
"Lügner!"
Zischte sie, und ignorierte nun mit voller Absicht das Führungsquartett zu ihrer Seite. Das hatte nichts mit Ihnen zu tun.
"Du hast versprochen dass du nett bist! Du bist nichts als ein elender Lügner!"
Grollte sie, und behielt ihre drohende Position bei. Ihre Freundschaft hatte er soeben verloren - nicht weil er ihre Leitwölfe angegriffen hatte, sondern weil er sein Wort gebrochen hatte. Und Leitwolf hin oder her, waren Ziel seiner Angriffe noch immer ihre Eltern gewesen.
[Tiberius | Rudel]
18.03.2011, 15:59
Glücklicher Weise klärte sich die Situation schnell wieder auf und Takashi konnte Cirádan finden. Neugierig hatte sich der Jungwolf dem toten Etwas genähert, von dem er vielleicht besser fern bleiben sollte. Gemächlich näherte sich der Hüne seinem Schützling.
Das wolfsähnliche Wesen trug einen derben Gestank an sich, sodass der Schwarze die Nase etwas rümpfte. Wer diesen Geruch in der Ferne aufnahm, musste einfach fliehen. Takashi senkte seinen Kopf etwas und blickte Cirádan an.
“Komm hier lieber weg, Cirádan. Das da war mal ein gefährliches Wesen; hoffentlich gibt es nicht noch mehr davon!“
Cirádan sollte besser nicht weiterhin den schäbigen Varg betrachten, da es ihm vorhin erst sehr schlecht ergangen war. Das Wichtigste für ihn war jetzt etwas Ruhe. Aber leichter Gesagt als getan: Der ganze Tumult hier war ja gar nicht auszuhalten!
Behutsam strich des Hünen Pfote an der Schulter seines Neffen entlang. Danach drängte sich Takashi erneut durch die Menge und blickte erwartungsvoll zurück. Hoffentlich würde sein Neffe ihm dieses Mal folgen und verstehen, wie wichtig ihm die derzeitige Lage war.
Wer war das überhaupt zuvor gewesen, der da gesprochen hatte? Tyraleen und Aszrem. Warum taten die beiden das? Plötzlich blickte der schwarze Hüne kritisch drein und konnte nicht verstehen, mit welchem Recht die Beiden sich zu den Leitwölfen gemacht hatten.
Und wer war überhaupt dieser unverschämte Fremde mit dieser außergewöhnlichen Fellmusterung, der sich so dreist einmischte?
Für einen Moment sah Takashi arg gereizt aus, während das Rot in seinen Augen wieder förmlich aufflammte und sich sachte mit dem Tiefblau mischte. Die Gesichtszüge des Hüne entspannten sich allmählich, während er selbstbewusst und dominant einen Schritt auf den Fremden, Tiberius hieß er, zu machte. Der Schwarze war von sich überzeugt, und sprach in einem angenehm ruhigen Ton.
“Es ist eben keine einfache Situation, Tiberius. Außerdem halte ich es für noch zu früh, dass du dir eine Meinung über unser Rudel bilden kannst. – Nenn mich Takashi.“
Noch ein tiefer bestimmender Blick in die bernsteinfarbenen Augen von Tiberius und der schwarze Hüne wandte sich ihm ab.
Und was war nun wegen Tyraleen und Aszrem? Die Unruhen und Aufregungen galten wohl genau den Beiden. Der Schwarze konnte nur noch einen kritischen Blick auf das neue Alphapaar ausüben. Sie mussten stark beobachtet werden, ob sie denn auch wirklich fähig waren.
Der Hüne behielt seine Haltung bei, machte sich groß, hob die Rute etwas an und spitzte die Ohren. Es war ihm klar, dass er seinen Rang bei diesen Unruhen verteidigen müsste und war somit auch bereit zu zeigen, wer er war. Von seiner Seite aus würde er nicht aggressiv auf jemanden zugehen und gleich einen Kampf ausfechten wollen. Würde jemand anderes seinen Rang auf angriffslustige Weise streitig machen, würde dieser mit argen Konsequenzen rechnen müssen.
Tyraleen hatte ein hartes Durchsetzungsvermögen dem fremden Tiberius gegenüber. Sie hatte ihm deutlich klar gemacht, dass er sich nicht so aufzuspielen hatte. Gut so.
Dennoch fühlte sich Takashi hier deutlich unwohl.
( Waldrand | Rudel )
18.03.2011, 16:38
IST AUF WUNSCH VON ALPHALEIN ÜBERARBEITET
Ich hoffe, dass es nicht zur Gewohnheit wird
((Entschuldigt bitte, dass nicht jeder eine Antwort bekommen hat, aber wer möchte, der kann ja im nächsten Plot Tiberius noch einmal gehörig die Meinung galgen ^.^))
Whoa. Mal halb lang. Von diesem Emotionschaos bekam Tiberius ja ein Schleudertrauma. Und wie geahnt: null Verständnis und Weitsichtigkeit. Was hatte er erwartet? Intelligenz, die weiter als bis zur eigenen Persönlichkeit und dem sogenannten Stolz reichte? Der Gestromte provozierte, obwohl er es nicht beabsichtigte – unglaublich. Ein Talent, das er sich warm halten sollte. Eine geballte Woge aus verachtenden Worten und Drohgebärden schlug ihm entgegen. Wer wäre er gewesen, wenn er es nicht gefasst und lässig aufgenommen hätte? Eigene Gefühle kannte er nicht, sie standen nicht ihm, sondern seinen Artgenossen im Weg. Und obwohl die Umgebung einen Glanz an Farbe bekommen hatte, so verlor sich dieser in den gegrollten und geknurrten Worten der Anderen. Das Lächeln blieb, auch der Blick wurde keinen Moment von dem gekrönten Königspaar genommen. Oh ja, Kritik tat weh – auch wenn sie nicht persönlich an das Duo gerichtet war. Trotz dieser Tatsache und den wenigen Etwas, das er bei dem Durcheinander verstehen konnte, war ihm bewusst, dass Minyala in gewisser Weise Recht bhielt. Es waren nicht nur schwarze Brummelwölfe, sondern auch Weiße. Er würde sie in naher Zukunft noch einmal darauf ansprechen. Doch jetzt, jetzt sollte er antworten und sich wehren. Die Zurechtweisung schlucken und dann zu Pfote kriechen. Oh je. Um es sich ein wenig einfach zu machen, würde er sich nur der weißen Fähe und dem Altwolf annehmen. Schließlich hatte er mit ihnen gesprochen und ihnen seine Fragen gestellt.
“Nicht Rüde, sondern Tiberius“,
ruhig, gelassen und jeder Drohung aus dem Weg gehend. Wozu auch drohen? Er wollte sie nicht stürzen, er wollte sie nicht in Verlegenheit bringen einen Fragenden bekämpfen zu müssen. In schwerster Stunde sollten sie lieber die Aufmerksamkeit auf wichtige Dinge legen. Den Varg, zum Beispiel.
“Obwohl es scharfe Fragen waren, bekomme ich keine Antworten? Wie soll ich mich sicher fühlen, wenn mein zukünftiges Leitgespann keine Kritik verträgt?“,
ehrlich. Ehrlichkeit. Ernst gemeinte Fragen. Keiner der Ankläger würde daran zweifeln können, wäre da nicht dieses feine, dünne Lächeln gewesen. Zumindest, und er ging zu ihren Gunsten einfach mal davon aus, würde das Leitgespann wissen, dass er kein dummer Wolf war. Kein Mitläufer, der blind in den Irrsinn folgen würde. Noch besser: wenn sie ein richtiges Gespür hatten, würden sie sich darauf verlassen können, dass Tiberius sehr nützlich war. Kein Ja-Sager, kein Schnuten-Abschlecker, kein Winsel-Hündchen. Der Gestromte würde von einem anderen Blickwinkel betrachten, der für die Meisten verschlossen und unergründlich blieb. Ein Ecken-Drum-Herum-Denker, wenn man so wollte. Er würde standhaft bleiben, so wie er auch kein einziges Mal zusammen gezuckt war, als die Weiße ihn mit Drohgebärden einschüchtern wollte.
"Eure Jungwölfe waren so aufmerksam und haben mich in Empfang genommen und bevor es zu einer offiziellen Willkommensfeier kam, habt ihr schon gerufen",
antwortete der Gestromte und fügte nach wenigen Augenblicken und mit einem charmanten Grinsen hinzu:
"Ich würde schon die Gesellschaft der bezaubernden Damen weiterhin genießen",
damit war es zwar keine Bitte oder Frage, aber für seine Verhältnisse ein versöhnlicher Schachzug. Schließlich kam auch der Wildfang Neruí zu einer kurzen Antwort.
"Der große schwarze Altwolf ist Deine Schwester?",
er grinste sie keck an,
"Und die Weiße sieht Dir auch nicht sonderlich ähnlich. Damit habe ich mein Versprechen an Dich nicht gebrochen. Zu Deinen Schwestern war ich immerhin nett",
damit sollte auch das Thema zu einem seltsamen, aber knappen Schluss gekommen sein.
“Ich bin nicht die Gefahr“,
er zuckte belanglos mit den Schultern,
“Viel mehr-,
er hielt inne, stellte die Ohren auf und sah aus dem Augenwinkel, dass die Farben des gewonnenen Bildes gänzlich verschwanden. Caylee hatte etwas gezischt und war im Wald verschwunden. Schock, Atemlosigkeit. Was hatte sie? Der Varg, Gefahr. Beide Ohren drehte sich nach hinten, spielten im leichten Wind. Der rieselnde Schnee verschluckte alle Geräusche.
“Gepriesen sei das Alphapaar“,
warf er schnell ein, drehte sich auf dem Absatz um. Ein kurzer Blick über die Schulter.
“Viel Glück“,
er hatte wieder das seichte Lächeln auf den Lefzen. Ein kurzes, bedeutendes Nicken. Dann war er zwischen den zahlreichen Wölfen verschwunden, ohne, dass ihm hätte jemand folgen können. Lange musste er nicht durch das Gebüsch laufen, bis er sie fand. Auf dem Boden liegend, den Kopf zwischen den Pfoten. Der Gestromte verlangsamte seine Bewegungen. Der Blick ruhig auf ihren hübschen Körper gerichtet. Mit bewegungsloser Haltung starrte sie den gegenüberliegenden Baum an. Tiberius hätte schwören können, dass dem Baum unbehaglich wurde. Der Kopf senkte sich leicht ab, so dass er in gebeugter Haltung näher kam. Abwechselnd sah er von ihren hübschen saphirblauen Augen zum Baum und wieder zurück.
“Er hat dir doch nichts getan, oder?“,
fragte der Gestromte – sie würde wissen, dass er den Baum meinte. Das Lächeln war bei ihrer Präsenz weicher geworden, auch wenn es nichts von seiner unergründlichen Seite verloren hatte. In einem respektablen, aber dennoch sehr geringen Abstand setzte er sich neben sie. Nach einem kurzen Schweigen hob er die Pfote und stieß sie seicht an der Schulter an. Der Kopf leicht schief gelegt. Tiberius konnte ja nicht ahnen, dass er damit verdammt unwiderstehlich aussah und somit vielleicht seine Chancen auf Versöhnung verbesserte. Natürlich stand Caylee den Wölfen aus ihrem Rudel sehr nahe und Tiberius hätte sich denken können, dass es auch sie in gewisser Weise berührt. Was sie aber nicht wusste: er wollte um jeden Preis ihre Sicherheit.
[ erst beim Rudel | schließlich abseits mit Caylee und dem bösen Baum ]
19.03.2011, 10:03
(Ich hoffe, an dem hier gibt es nichts auszusetzen!)
Gani konnte es kaum in Worte fassen, doch Liels Anwesenheit war wie ein Aufblühen ihres früheren, unbesorgten Ichs. Es bedarf keine Worte und auch keine Gesten waren nötig – allein die Anwesenheit der Jungwölfin machte sie glücklich. Glücklich, nicht allein zu sein, glücklich, jemanden bei sich zu haben, der sie wenigstens ansatzweise verstand. Doch das Glücksgefühl wurde jäh von dem Ruf zweier Wölfe – Tyraleen und Aszrem – unterbrochen und die graue Wölfin erhob sich langsam. Das auffordernde Stupsen Liels, eine zarte, freundschaftliche Geste, ließ sie leicht lächeln, bevor sie Kaedes Tochter mit langen Sprüngen folgte.
Als sie am Rudelplatz ankam, sah sie Liel, die sich beim Rudel niedergelassen hatte. Gani tapste an ihre Seite, doch bevor sie den Kopf senken konnte, um zu fragen, was überhaupt los war, ertönte Tyraleens Stimme. Ihren Worten folgten Aszrem. Die Graue folgte ihnen bedächtig, doch sie begriff nicht wirklich, was sie hörte, bis ein scharfer, grausamer Geruch in ihre Nase drang. Sie reckte sich ein wenig, was bei ihrer Größe nicht sonderlich schwer war und blickte in die Richtung, aus der dieser Geruch kam. Ein Zittern fuhr jäh durch ihren Körpern als sie das blutverschmierte, hässliche Vieh erkannte. Den Varg, von dem Tyraleen und der große Rüde sprachen. Einige Wölfe aus der Menge erhoben ihr Wort, doch Gani hörte sie schon gar nicht mehr. Ihre Aufmerksamkeit galt vollkommen dem blutigen Ding, dessen Geruch ihr nicht fremd war. Sie konnte es nicht zuordnen, doch irgendwie kam er ihr bekannt vor. Nicht das Aussehen, ein solches Monster hatte sie noch niemals im Leben erblickt, doch der Geruch, der in ihrer Nase hing, erinnerte sie an etwas. In Ganis Augen flackerte die Trauer der Erinnerung auf, doch sie nahm sich zusammen und versuchte, sich auf den Wolf zu konzentrieren, der soeben sein Wort an die Leitwölfe gerichtet hatte. Moment? Leitwölfe? Wer? Tyraleen und Aszrem? Der Blick der Grauen wurde starr, gebannt lauschte sie den Worten des Rüden, der sich als Tiberius vorstellte. Es war eine Unverschämtheit, die Kompetenz der Sternenwindwölfe in Frage zu stellen, doch irgendwo in den tiefen seines Ausdrucks hatte er auch Recht. Gani fasste einen Entschluss, um ihres Vaters willen. Sie würde sich nicht aufbäumen, nicht rebellieren gegen den plötzlichen Führungswechsel, doch sie musste etwas loswerden.
„Warte hier auf mich, kleine Liel“,
flüsterte sie der Jungwölfin ins Ohr, bevor sie nach vorne trat und sich zwischen zwei Wölfin hindurchzwängte. Der Geruch des grausamen Vargs wurde immer intensiver und die Prinzessin hatte das Gefühl, dass sich all ihre Eingeweiden zusammenzogen und verschrumpelten. Sie atmete verzweifelt durch ihr leicht geöffnetes Maul, um dem Geruch wenigstens ein bisschen zu entfliehen, bevor sie ihm zum Erliegen kam. Zwar war sie gewiss keine schwache Wölfin, aber das Verschwinden ihrer Familie und das Wachkoma hatten sie geschwächt. Das bisschen Kraft in ihrem Körper war Liels Verdienst, ihr Lächeln war der Spender gewesen. Um ihretwillen, um ihres Vaters willen, würde sie jetzt ihr Wort erheben, obwohl sie nicht wusste, warum sie das Bedürfnis hatte, es zu tun. Sie konnte dem Rudel nicht weiterhelfen, die Graue hatte lediglich eine schwache Erinnerung an alte Zeiten, die quasi nichts zu bedeuten hatte. Aufrecht, aber dennoch demütig, postierte sich die Wölfin vor der Rudelmenge, sie achtete darauf, den beiden neuen Leitwölfen nicht zu nahe zu kommen, um ihnen nicht das Gefühl zu geben, dass sie ihre Worte in Frage stelle.
„Ich kenne diesen Geruch“,
wandte sie sich an die beiden Wölfe, die von zwei Engayapriesterinnen flankiert waren und senkte leicht den Kopf. Ein letztes Mal sog sie den Gestank des verwesenden Monsters ein, dessen blutrote Augen beinahe verzweifelt ins Nichts starrten. Gani schluckte schwer, die Ohnmacht lastete bereits auf ihren Gedanken. Als sie zum zweiten Mal ihre Stimme erheben wollte, verließ nur ein klägliches Krächzen ihre Kehle. Sie wandte den Kopf, um einen kurzen Blick auf Liels Antlitz zu erhaschen und sammelte ihre Kräfte, um das zu sagen, was zu sagen war.
„Ich kenne diesen Geruch“, begann sie, dieses Mal mit fester, glockenheller Stimme, „am südlichen Fuß des Gebirges lebte einmal ein Rudel, das diesen Geruch kannte. Das Wesen, das diesen Geruch verströmt hatte, war ihnen nicht bekannt, doch als sie nach einer längeren Reise zu ihrem Rudelplatz zurückkehrten, war er überall – dieser Geruch. Ich hatte mich für einige Zeit diesem Rudel angeschlossen und daher stieß auch ich auf ihn. Das Rudel lebte fortan in Angst und verließ den Versammlungsplatz ein paar Mondläufe nach ihrer Rückkehr. Das ist alles, was ich dazu zu sagen habe.“
Ihre klare, sanfte Stimme verstummte abrupt und die Wölfin senkte erneut demütig den Kopf. Ihre Gedanken kreiselten um die Vergangenheit, um die Gegenwart und letztendlich einzig und allein um dieses schreckliche Wesen, das Varg genannt wurde. Wo kam es her, was war es. Und warum hatte es sich gerade den Rudelplatz der Sternenwinde zum Sterben ausgesucht. Was musste es für ein schwächliches Ding gewesen sein, wenn er durch einen Bär zum Erliegen gekommen war. Verzweifelt drehte die Graue erneut ihr Gesicht, um Liel einen Blick zuzuwerfen – vielleicht, um ihr zu bedeuten, das alles in Ordnung war – war es nicht – oder vielleicht, um aus ihrem Antlitz Kraft zu schöpfen.
[ beim Rudel – das Wort an Tyraleen und Aszrem wendend ]
20.03.2011, 09:17
Und kaum hatte sich Madoc von Avendal abgewandt, so erschien es ihm, erklangen bereits die fordernden Stimmen zweier Wölfe, welche er jedoch nicht sogleich zu deuten wusste. Erst nach einigen Ungewissen Augenblicken vermochte er, diesen imponierenden Chor zu identifizieren, der sich aus dem Heulen von Azrem und Tyraleen zusammensetzte. Doch der schaurige Gesang war kein gewöhnlicher Aufruf, er war einer, den nur die Höchstangesehenen Parteien des Rudels zu verwenden suchten, die Leitwölfe. Zweifelnd hielt Madoc inne, war er doch vor geringer Zeit erst in das Sternenwindtal zurückgekehrt, dessen Lage er sich noch nicht ausreichend erkundigt hatte. Dennoch konnte er sich nicht daran erinnern, dass Azrem und Tyraleen sich in die Ränge der Alphas erhoben hatten und beschloss, aus purer Neugier und Skepsis, den Schauplatz aufzusuchen, zu dem die gesamte Gemeinschaft gefordert wurde. Seine Pfoten setzten sich mit einen trommelndem, gleichmäßigen Rhythmus in Bewegung und wirbelten hier und dort ein paar zarte Schneeflocken auf, welche mit ruhiger Eleganz auf den Untergrund glitten.
Beim Näherkommen drang ein wohlbekannter Geruch in das sensible Geruchsorgan und während er witternd das silberweiße Haupt hob, durchflutete ihn abermals das Gefühl von Triumph, welches ständig bei der Spur des Todes in ihm aufloderte. Doch diese Witterung hatte etwas befremdendes, etwas, was er noch nie zuvor vernommen hatte und doch schien es vom einem Wolfe herzurühren, der sich jedoch deutlich von denen unterschied, dessen Bekanntschaft er bis zu jenem Zeitpunkt gemacht hatte. Und als seine blutroten Seelenspiegel den leblosen Körper erblickten, welcher sich in unmittelbarer Nähe von Tyraleen und Azrem befand, stieg eine Woge von Abscheu in ihm auf, die von der unförmigen Gestalt herrührte. Auch trug er den Geruch des Bären, der zuvor hier verendet war.
Tyraleen erhob ihre helle Stimme und seine Ohren spielten in misstrauischer Aufmerksamkeit, als sie mit selbstbewusstem Tone die Gemeinschaft ansprach, wenngleich sich doch vor nicht langer Zeit, ihren ersten Mord begangen hatte. Welches Recht befugte ihr, sich in die Höhe zu erheben, trotz der frevelhaften Tat, welche sie einst beging? Dennoch, so sagte er sich, würde er sich nicht einmischen, war er doch viel zu unerfahren in der jetzigen Lage, die allmählich immer komplizierter zu werden schien. Kurz sah sich Madoc um, seine rubinroten Augen erfassten mit kurzer Präzision die Anwesenden des Geschehens und jene, die noch, angetrieben von dem heulenden Gesang, in eilender Hast heranstürmten. Als nun auch Azrem seine Stimme erhob, lauschte er ebenfalls in respektvoller Distanz und sah seine Argumentation sogar als gerechtfertigt, wenn er auch nicht zu glauben wagte, dass es so viele solcher unbekannten Biester gäbe. Schließlich waren sie so unbekannt, wie konnte es also sein, dass es sonderlich viele solcher Exemplare gab? Einige Rudelmitglieder erhoben nun ebenfalls ihre Stimmen und widersetzten sich zum Teil den beiden Wölfen, die sich als Leittiere bekanntgegeben hatten. Doch solch ein Konflikt war nicht seine Angelegenheit und er hatte nicht die Absicht, ein Teil von diesem zu werden. Ja, als niveaulos empfand er es, überhitzt und überreagierend zu handeln, daher verharrte er in Schweigen, während sein Blick auf der Suche nach Atalya durch die Reihen wanderte.
[Waldrand | beim Rudel]
20.03.2011, 22:43
Caylee spürte ihren Verfolger, bevor er sie erreicht hatte. Zunächst dachte sie, Neruí wäre ihr nachgelaufen, sie hatte noch mitbekommen, wie sie sich ebenfalls über Tiberius aufregte und vielleicht hätte sie danach die Gesellschaft einer Gleichgesinnten gesucht. Immerhin waren sie wohl beide der Meinung gewesen, einen netten Rüden kennengelernt zu haben. Auch wenn es bei Caylee noch ein wenig mehr war, immerhin hatte er sie so angesehen … so, so, so … besonders. Und sie dumme Kuh war darauf hereingefallen. Trotzdem könnten sie alle – Caylee, Neruí, Atalya, Adsini und Minyala – sich über Tiberius ärgern. Aber es war nicht Neruí, die sie verfolgte, sondern tatsächlich Tiberius selbst. Zuerst wollte sie aufspringen und ihn anschreien, dann entschied sie sich aber für das reine Ignorieren. Das war viel wirkungsvoller – was auch immer er wollte. Er sollte nur ja nicht wagen, sich zu entschuldigen. Erst einmal blieb sie also regungslosliegen, durchbohrte mit ihrem Blick den armen Baum und würdigte Tiberius keines Blickes. Der besaß zunächst die Frechheit, sich ihr zu nähern und fragte dann vollkommen zusammenhangslos und blöde, ob er ihr etwas getan hätte. Wer? Aszrem? Der Spinner Volk? Der Varg? Oder sprach der Gestromte plötzlich in der dritten Person von sich? Dann müsste er aber nicht so scheinheilig tun! Während sie noch darüber nachgrübelte, was Tiberius meinte und weiterhin die Taktik verfolgte, ihn mit Ignoranz zu strafen, hob der plötzlich die Pfote und stupste sie an, als wäre sie ein totes Tier. Das war zu viel, das konnte sie nicht einfach ignorieren. Wie von einer Wespe gestochen, fuhr sie in die Höhe, wirbelte zu ihm herum und zeigte ihm ihre zwar noch nicht ganz so beeindruckenden aber immerhin sehr spitzen Jungwolfzähne.
“Fass mich nicht an!“
Ihre Stimme klang wie das Fauchen einer Katze. Jetzt, wo sie ihn schon notgedrungen beachtete, konnte sie auch dem Rest ihrer Wut ins Gesicht schleudern.
“»Er« hat mir sehr wohl etwas getan! »Er« hat nämlich überhaupt keine Ahnung von irgendetwas, spielt sich aber auf, als wäre er der Götterbote höchstpersönlich und beleidigt meine Familie und mich durch seine dämlich Unwissenheit und Pseudointelligenz! Außerdem kann »Er« von sich ruhig in der ersten Person sprechen, »Er« ist nämlich keinen Deut besser, als irgendwer anderes und muss sich ja nicht einbilden, dass »Er« mich auch nur noch einmal „so“ ansehen darf, sonst kratze ich ihm nämlich die Augen aus!“
Ihr Sternenblick war heute einmal aufs Durchbohren ausgerichtet und erstach nun nicht mehr den armen Baum, sondern denjenigen, der es verdient hatte. Wenn Blicke töten könnten, wäre Tiberius augenblicklich tot umgefallen.
“Und jetzt sollte »Er« mich endlich in Ruhe und seine Pfoten von mir lassen!“
Demonstrativ wandte sie sich ab, von nun an gewillt, ihn keines Blickes mehr zu würdigen und nunmehr ziemlich bemüht, sich nicht anmerken zu lassen, dass er es bereits in so kurzer Zeit geschafft hatte, sie zu verletzen.
[ Wald - nicht weit vom Rudel entfernt | Tiberius ]
21.03.2011, 08:23
Zuerst strafte sie ihn mit Ignoranz. Es gelang ihr, dass Tiberius anfing Zweifel zu entwickeln. Diese Zweifel nagten unablässig an seiner Magenwand. Es waren nicht mehr die Ratten, die umher tanzten und ihn zu seltsamen, heroischen Dingen trieben. Nein, es waren jetzt fiese, fette Bisamratten, die ihn bereits die Magenwand aufgeschlitzt hatten und ihn von innen verbluten ließen. Zumindest fühlte es sich ein wenig danach an. Wie konnte sie ihn denn jetzt ignorieren? Schließlich hat er alle Worte für sie gesagt und für sie hatte er sich über dieses glühende Feuer begeben. Damit sie ihn... so ansah. Mit ihrem kecken, hübschen, unwiderstehlichen Blick. Mit diesem 'ich-finde-Dich-auch-toll'-Blick. Es war wie eine Droge. Er wollte mehr und mehr und mehr davon. Bis es die Grenzen überschritt und eigentlich nicht mehr gut für ihn war. Das war bei einer Sucht so. Man konnte nicht davon ablassen, selbst wenn es zerstörte und komische Sachen tat. Ein schweres Seufzen bahnte sich den Weg ins Freie. Das erleichterte für einen kurzen Moment die schwere Magenlast. Der Gestromte holte tief Luft – und hielt sie an. Caylee war hochgefahren und fauchte ihn katzenartig an. Fast regungslos starrte er nun die aufgeregte Weiße an und verstand die Welt nicht mehr. Das Lächeln verblasste und verzerrte sich. Es drohte ganz zu verschwinden. Offensichtlich war sie so wütend, dass es auf jeden Fall an die Luft musste. Und egal, warum sie wütend war, Tiberius wollte nicht, dass sie ihn so ansah. Dann würde er lieber verschwinden und nie wieder umdrehen, damit sie lächeln und keck gucken konnte. Doch zuerst würde der Gestromte den Baum auf´s Korn nehmen, denn „er“ hatte ihr sehr wohl etwas getan. Denn „er“ hatte überhaupt keine Ahnung, spielt sich auf und beleidigt ihre Fam- sie sprach nicht vom Baum. Soviel stand fest. Caylee meinte ihn. Tiberius. Keine Bisamratten, es waren fiese Bieber. Japp, es waren eine Herde voller großer Nager, die ihn jetzt auffraßen.
“Caylee“,
sein Blick war von einer Mischung aus schierem Erstaunen und einer gewissen Überforderung durchzogen. Aber „er“ wollte ihr doch nicht wehtun.
“Ich dachte“,
sie drehte sich um, demonstrativ schaute sie woanders hin und zeigte ihm ganz deutlich, dass er sie in Ruhe lassen solle. Nein, er würde doch nicht aufgeben. Sie war toll und er war gut für sie. Auch wenn sie nicht mehr so angesehen werden wollte, er konnte nicht anders.
“Ich wollte Dir gefallen. Du solltest mich so ansehen. Ich wollte, dass Du weißt, dass ich stark und mutig genug für Dich bin, weil ich ohne diesen so-Blick nicht mehr so richtig... was machst Du denn auch mit mir? Kaum bist Du da und schaust mich so an, will ich der ganzen Welt beweisen, dass ich für Dich“,
er hielt inne, erstaunt, dass er mit ihrem Rücken so sentimental wurde. Das war nicht einfach und Tiberius fand nicht die passenden Worte für das, was er Caylee unbedingt sagen wollte. Fieberhaft suchte er nach den passenden Umschreibungen für das Chaos in seinem Inneren.
“Du bist etwas Besonderes und ich will, dass ich auch so besonders hervorsteche. Dann passen wir“,
nein, das war auch kein richtiger Ansatz. Zudem erkannte er in ihrem hübschen Rücken keinerlei Züge, die ihm verraten würden, ob es überhaupt noch Sinn machte sich weiter so zu bemühen. Vielleicht sollte es jetzt die Zeit werden, in der er sich ganz auf das verlassen musste, was er Intuition nannte.
“Es war dämlich“,
gestand er,
“keine Ahnung warum ich auf einmal mein lautes Mundwerk nicht mehr zügeln und meine Kritik nicht sinnvoller äußern kann. Ich wollte noch mutiger und stärker sein, damit Du keinen anderen Rüden so ansiehst. Glaub´ mir, ich weiß nicht, was das ist, aber ich finde es schön. Nicht dieses 'ausflippen-ohne-Grund', sondern das, was Du machst, wenn Du mich anschaust. Und wenn Du jetzt sagst, dass Du mich nicht mehr sehen willst, dann würde es sehr wehtun, glaube ich“,
endlich hatte er wieder ein Lächeln auf den Lefzen. Auch wenn es nicht mehr so schön war, sondern eher müde aussah und irgendwie die gut entwickelte Freunde verloren hatte. Tiberius hatte offen gestanden, dass sie ihm einen Stoß versetzen konnte, der ihn trügen und verletzen würde.
“Eigentlich meinte ich den Baum“,
klärte er noch die 'erste und dritte Person'- Geschichte auf. Er hoffte auf das plötzliche Wunder. Auf etwas, das ihm zeigte, was sie empfand. Vielleicht würde es ja gut werden. Vielleicht verstand sie, was er sagen wollte.
[ Wald - nicht weit vom Rudel entfernt | Caylee ]
21.03.2011, 13:00
Während Caylee mit dem Rücken zu Tiberius da saß, die Schnauze leicht eingehoben und den Blick verbissen in den Wald gerichtet, spürte sie die Überforderung und das Erstaunen des Gestromten immer deutlicher. Offensichtlich hatte er nicht damit gerechnet, dass sie so wütend auf ihn war, strenggenommen konnte er auch nicht wissen, dass Tyraleen ihre Mutter und Aszrem ihr Beinahevater war, aber nichts desto trotz hatte er sich nicht dermaßen dämlich zu benehmen. Und auch wenn er jetzt so unschuldig tat, sie nahm ihm das nicht mehr ab. Da konnte er noch so verdattert hinter ihr sitzen und ihren Rücken anstarren – das tat er nämlich, sie spürte es ganz genau, wenn auch nicht so. Noch schien er nicht gehen zu wollen, natürlich ließ er sie nicht das letzte Wort haben und wenn sie ehrlich war, dann interessierte es sie doch, wie er auf die Idee gekommen war, sie so blöde zu benehmen. Als dann die Erklärung kam, spitzten sich zunächst ihre Ohren, dann drehten sie sich ganz langsam erstaunt zurück. Sie hatte nun wirklich mit allem gerechnet, aber nicht damit! Er hatte ihr gefallen wollen und er hatte stark und mutig sein wollen. Das war süß. Ja, das war sehr süß. Beinahe hätte sie sich umgedreht, konnte sich aber im letzten Moment noch einmal zurückhalten. Von ein bisschen freundlichem Gesäusel würde sie sich nicht überzeugen lassen. Das konnte sie jetzt einfach nicht, dafür war sein Verhalten zu dämlich gewesen. Außerdem würde er dann denken, dass er sie ganz einfach um die Kralle wickeln konnte und das würde sie ganz sicher nicht zulassen. Unbeweglich blieb sie also sitzen und wartete auf eine Fortsetzung. Tatsächlich kam bald ein zweiter Ansatz, aber der konnte sie kaum überzeugen. Natürlich war sie besonders, aber was hatte das mit seinem Meckern, dem jede Basis gefehlt hatte zu tun? Er schien der gleichen Meinung zu sein, verstummte und wagte einen dritten Anlauf. Der fing ganz nach ihrem Geschmack an. Und wie dämlich er gewesen war! Gut, dass er es sich eingestand. Und dann wurde er wieder süß. Noch ein wenig mehr eigentlich, er sprach ihr aus der Seele, dabei hatte sie ihn gar keinen Blick darauf werfen lassen und er gestand ihr sogar, dass sie ihn verletzten konnte. Auch wenn sie nicht sagen konnte, warum, spürte sie, dass das etwas Besonderes war. Ihre Rutenspitze zuckte, dann wandte sie sich langsam um, warf zuerst einen Blick über die Schultern, der schon wieder etwas Keckes hatte und schließlich drehte sich auch der Rest ihres Körpers. Sie lächelte, irgendetwas zwischen fröhlich, verlegen, spöttisch und amüsiert mit einer Prise Unsicherheit. Den letzten Satz mit dem Baum verstand sie erst, als sie ihm wieder richtig herum gegenüber stand, da musste sie schon lachen – ihn gleichzeitig an- und auslachend.
“Den Baum? Natürlich, wir haben ihr höchst gefährliche Bäume, manch ein Welpe wurde von ihnen schon verspeist!“
Ihr Lachen wurde zu einem Glucksen, dann blieb nur noch ein leichtes Lächeln auf ihrem Gesicht zurück, das bald zu einem verschmitzten Grinsen werden sollte.
“Du willst also so angesehen werden. Aber weißt du, wie du das am ehesten schaffst? Indem du zu meiner Mutter – Tyraleen, die Weiße – und zu meinem Beinahevater – Aszrem, der Schwarze – gehst und dich bei ihnen entschuldigst. Jawohl. Dann überlege ich mir, ob ich dich so ansehe. Vielleicht, wenn du mich danach auch so ansiehst.“
Ihre Rute begann leicht hin und her zu wedeln und ohne dass sie es richtig registrierte, hatte sie einen kleinen Schritt nach vorne gemacht, ihre Nasen berührten sich nun beinahe.
“Ich mag das nämlich auch, Tib. Deshalb solltest auch nicht aus dem Revier geworfen werden. Und nett zu meiner Familie sein.“
[ Wald - nicht weit vom Rudel entfernt | Tiberius ]
22.03.2011, 10:30
(Madoc, mein Charakter heißt Aszrem - mit SZ, wie in Aszira XD NICHT Azrem! x.x)
In Aszrem stieg Ärger hoch und breitete sich in seinen Gliedern aus. Das Gefühl sorgte dafür, dass seine Muskeln angespannt blieben, sich langsam aber sicher sein Nacken- und Rückenfell sträubte und sich seine Augen noch ein bisschen mehr zu Schlitzen verengten. Allein die Lefzen hatte er noch nicht zurück gezogen, aber wenn dieser Tiberius nicht bald die Klappe hielt, würde sich auch das noch ändern. Und nicht nur das.
"Ich nenne dich 'Rüde', bis du dir den Respekt verdient hast, beim Namen genannt zu werden",
entgegnete er.
"Und weitere Antworten würdest du bekommen, wenn deine Fragen tatsächliche Kritik enthalten würde und nicht bloß hübsch verpackte Beleidigungen und Herausforderungen. Nicht alle Blumen, die hübsch aussehen, duften auch - manche stinken nach Aas!"
In seine Stimme hatte sich derweil ein dunkles GRollen eingeschlichen, aber bevor sich Aszrem Ärger entgültig auf Tiberius entladen konnte, war Nerúi erneut zur Stelle. Und diesmal reagierte der Schwarzbraune sofort.
Seine Tochter hatte kaum geendet, da schloss sich sein Fang für einen kurzen, schmerzhaften Augenblick um ihre Schnauze. Gleich darauf packte er sie am Nacken und drückte sie dicht auf den Boden, nur diesmal ließ er sie nicht gleich wieder los, sondern hielt sie dort. Hart lag sein Blick auf ihren Augen. Es spielte keine Rolle, was sie so aufgebracht hatte, inwiefern der Rüde gelogen hatte - es würde nicht überhört und nicht vergessen werden, was sie Tiberius vorwarf, aber dieser Ausbruch war eine unangemessene Einmischung in die Angelegenheiten der Alphas. Vielleicht war das mit seine Schuld, vielleicht hätte auch er sie bei ihrem ersten Wutanfall tadeln müssen. Vielleicht hätte das aber auch gar keine Rolle gespielt, selbst wenn er es getan hatte. Jetzt jedenfalls sollte selbst für seine Tochter unmissverständlich sein, dass sie sich ein Verhalten leistete, dass ihr nicht zustand.
Erst nach ettlichen Herzschlägen, die sich länger als sonst hinzuziehen schienen, ließ er sie los und wandte sich wieder Tiberius zu, ohne noch ein Wort über diese Szene zu verlieren. Nur jetzt, da er seine Zähne bereits eingesetzt hatte, ließ er sie nicht mehr vollständig hinter den Lefzen verschwinden. Er wollte ihm sein freches Grinsen aus dem Gesicht wischen, das er selbst nach dieser Demonstration noch zur Schau trug, und er hätte es auch getan - wäre Tiberius nicht plötzlich, eine unglaubwürdige Lobpreisung ausgerufend, davon gestürzt. Aszrems Muskeln zuckten, er war drauf und dran, dem Gestromten hinterher zu stürzen, aber er besann sich. Denn auch wenn Aszrem Tiberius durchaus für eine Gefahr hielt, so hatte der vorlaute Fremde doch zumindest in einem halbwegs recht gehabt: es gab noch eine größere Gefahr, die jetzt nicht vernachlässigt werden durfte.
Sein Blick glitt zu Tyraleen, und mit einem leichten Nicken in die Richtung, in die Tiberius verschwunden war, bat er sie darum, sich seiner anzunehmen. Zeitgleich trat Gani zu ihnen, Unterwürfigkeit bezeugend, und berichtete, dass sie den Geruch des Varges kannte. Ihre Erzählung deckte sich mit den Geschichten, die er kannte, und er nickte ihr dankend zu. Dann hob er die Stimme:
"Face, Gani, ihr kommt mit mir. Averic, du leitest den zweiten Spähtrupp, Takashi und Liam begleiten dich!"
Es war ihm nicht leicht gefallen zu entscheiden, ob face oder Averic den zweiten Trupp anführen sollte, letztendlich hatte er nach Instinkt entschieden: Averic sah man den Krieger deutlicher an als Face, und wenn die Varge wirklich Geschöpfe Fenris' waren, so war der Todessohn vielleicht am geeignetsten, mögliche andere Varge rechtzeitig aufzuspüren.
"Wendet euch nach Osten und schlagt dann einen Bogen nach Norden. Wir suchen im Westen und Süden. Die Umgebung nahe des Rudelplatzes hat oberste Priorität! Alle anderen folgen Tyraleen umgehend zum Rudelplatz!",
fuhr er fort und suchte den Blickkontakt zu den namentlich genannten, um sich der Bestätigung seiner Befehle zu vergewissern.
[Waldrand | Rudel]
22.03.2011, 11:14
Seine Augen hatte ihre weiße Gestalt gefunden, und Jakash hatte erst gar nicht begriffen, wie ihm geschah.
Eigentlich hatte er irgendwohin gehen und seine Ruhe haben wollen. Nein, nicht ganz, er hatte vielmehr nach einem Ventil suchen wollen, an dem er all seine Enttäuschung und seine Wut und seine Schuldgefühle abladen konnte - und das ungestört. Rakshee hatte dieses vage Vorhaben mit ihrer Präsenz sogleich zunichte gemacht, und seine Kiefer hatten geschmerzt von der Anstrengung, sie zusammen zu pressen und ihr nicht irgendetwas Gemeines and en Kopf zu werfen. Er hatte Angst gehabt, am Ende noch SIE als Ventil zu gebrauchen. Sie war seine Schwester, er hatte geschworen, sie zu beschützen, und er wollte sich selbst und alle anderen nicht noch mehr verraten, als er es ohnehin schon getan hatte.
Der Ruf Aszrems und Tyraleens war da fast eine Erlösung gewesen. Zumindest hatten seine Pfoten ein Ziel gehabt, und der Ruf selbst war zudem noch Verheißungsvoller gewesen. Tyraleen, die gefallene Bansheestochter, rief gemeinsam mit Aszrem, ihrem ersten Widersprecher bei der letzten Versammlung, das Rudel zusammen. Es musste einen guten Grund dafür geben, dass sie sogar ihre deutlichen Differenzen dafür überwunden hatten. Nur welchen?
Es wurde schnell offensichtlich. Jakashs Schritte hatten sich verlangsamt, und schleichend, mit gesträubtem Fell, hatte er sich der Kreatur genährt, die verzerrt nach Wolf und eindeutig nach Tod stank. Dabei hatte er Aszrem und Tyraleen passieren müssen, die gleich einem Alphapaar die Ankunft des Rudels beobachtete hatten. Jakash war mit eingeklemmter Rute und sich selbst die Lefzen leckend an ihnen vorbei geschlichen, hatten jeweils den Blick der Beiden gesucht, um den Seinen gleich darauf senken zu können. Dann hatte er das Wesen gemustert, das Aszrem kurz darauf als Varg bezeichnete, und sich den herben Gestank eingeprägt. Eine instinktive Angst hatte sich dabei in seine Brust geschlichen, aber auch die Entschlossenheit, seine Familie bis zum Tode beschützen zu wollen. Rakshees Bewegungen hatte er nur aus den Augenwinkeln verfolgt und ansonsten jeden Blick zum Rest des Rudels gemieden, um nicht dem Blick seiner Mutter zu begegnen, die hier irgendwo sein musste und sich vermutlich bereits Sorgen um ihn machte. Jakash war sich sicher, dass seine Mutter wie schon Rakshee die Veränderung an ihm bemerken würde. Vermutlich sogar noch deutlicher als seine Schwester. Als hatte er sich zwischen das Rudel gesetzt und niemanden angesehen bis... ja bis seine Augen Sheena gefunden hatten. Und plötzlich war in seiner Brust ein Gefühl explodiert, von dem er befürchtet - nein, von dem er fast sicher gewesen war, dass der Treueschwur an Fenris es aus ihm getilgt hatte.
Er liebte sie noch immer.
Eigentlich hätte er es wissen oder zumindest erahnen müssen. Averic hatte Tyraleen ja schließlich auch lieben können, warum sollte ihm das verwehrt bleiben? Warum sollte dieses Gefühl überhaupt einem Fenriswolf verwehrt bleiben?
Aber warum hatte er sich Rakshee gegenüber dann plötzlich so... leer gefühlt? So distanziert? Spielte das überhaupt eine Rolle, angesichts dessen, dass er Sheena nicht dadurch verlieren musste, dass er unfähig wäre zu lieben? Seine grünen Augen folgten jeder ihrer Bewegungen, und er trat mit gebleckten Zähnen und gespannten Muskeln neben sie, als sie sich wiederum bei Tyraleen postierte und sich gegen Tiberius wandte. Für Jakash spielte keine Rolle, was Tiberius tat - solange er Sheena nichts antat. Oder jemand anderes, der ihm wichtig war. So entspannte er sich dann auch gleich wieder, als Tiberius sich verzog und Aszrem seine Befehle gab. Aber noch zögerte er, Sheena anzusehen. Was, wenn sie fürchtete oder verabscheute, was er geworden war?
[Waldrand | Rudel, direkt bei Sheena]
22.03.2011, 18:11
(( Letzter Teil wieder umeditiert. ))
Kaum das Nerúi bei ihm und Turién angekommen war, fingen die Ohren des Pechschwarzen eine andere Stimme auf. Averic hob den Kopf und sah zu einem gestromten Wolf hinüber, einem Fremdling, den er noch nie gesehen hatte. Dennoch besaß er die Frechheit sich vor das Rudel zu stellen und Dinge zu kritisieren, von denen er keine Ahnung haben durfte. Er zog die Lefzen zu einem stummen Knurren hoch. Ein besserwisserisches Großmaul, der meinte sich ein wenig aufspielen und rumprotzen zu dürfen hatte ihnen gerade noch gefehlt. Dennoch regte er sich nicht, obwohl Averic ihm gerne gezeigt hätte, was er von dessen unverschämten Worten hielt. Er wollte wissen, wie die anderen, wie die neuen Leitwölfe in Spe mit diesem Großmaul umgehen würden. Zuerst reagierte Sheena auf ihn und das in einem seiner Meinung nach nicht gerade angemessenem Niveau. Und dann kam Tyraleen dazu – Averic zwang sich zum ersten Mal, seit er am Waldrand erschienen war, seine ehemalige Gefährtin anzusehen. Und obwohl er versuchte nichts zu fühlen, ließ sich der kleine Stich in seiner Brust nicht ganz verdrängen. Vor einiger Zeit wäre er vielleicht stolz auf sie gewesen, weil sie harsch genug reagierte und nicht zu lasch, aber jetzt konnte er kein positives Gefühl mehr für sie übrig haben.
Im nächsten Moment aber sah er aus den Augenwinkeln, wie Nerúi wieder nach vorne preschte, die eben schon ihre Rüge erfahren hatte. Da der Pechschwarze nicht damit gerechnet hatte, dass sie sich noch einmal einmischen würde, reagierte er zu spät und konnte sie nicht mehr erwischen, als er sie an der Rute wieder zurückziehen wollte. Ein kurzes Knurren verließ seine Kehle, er überlegte, ob er jetzt hervortreten sollte, doch gleichzeitig widerstrebte es ihm, mit Tyraleen in Kontakt zu kommen. Es war erst drei Tage her und ihr Anblick noch immer nur schwer für ihn zu ertragen. Doch wenige Augenblicke später, hatte sich die Überlegung erledigt. Nerúi hatte den Fremdling als einen Lügner bezeichnet und fast zeitgleich hörte er ein Rascheln nicht zu weit von sich und sah seine Tochter Caylee in den Wald stapfen. Und kurz darauf wagte es jener auch weiterhin unverschämte Fremde, ihr zu folgen. Ein Blick zur Seite – niemand hielt ihn auf. Aszrem war damit beschäftigt Nerúi zurechtzuweisen und die anderen machten keinerlei Anstalten. Verärgert ob dieser Fahrlässigkeit drehte er sich kurz zu Turién um, wollte ihn anweisen hier zubleiben, während er Tiberius folgen würde, da fiel sein Name und eine Anweisung, dass er einen Spähtrupp nach Nordosten führen sollte. Er hielt inne und fixierte Aszrem einen kurzen Moment. Der Befehlston missfiel ihm, doch auch der Varg kam ihm wieder in den Sinn. Der Geruch des Todes und dessen Präsens war ihm über all die Jahre so vertraut geworden, dass er für einen kurzen Augenblick vergessen hatte, dass es sich nun um ein Wesen handelte, das nicht nur er sehen konnte und dem Rudel tatsächlich Schaden zufügen konnte. Die dunkelblauen Augen huschten noch einmal in den Wald zurück und überraschender Weise waren Caylee, als auch Tiberius nah genug geblieben, damit er sie zwischen den Bäumen noch ausmachen konnte. Nun gut.
„Turién, geh zu deiner Mutter. Pass auf deine Geschwister auf.“
Der Pechschwarze stupste seinen Sohn kurz mit der Pfote an, dann trat er ein paar Schritte aus dem Wald hinaus. Hoch aufgerichtet, ebenfalls das Nackenfell leicht aufgestellt und die Rute erhoben. Sein scharfer Blick suchte kurz nach Takashi, nicht einen Moment lang beeindruckt von dessen Haltung, dann nach Liam.
„Folgt mir.“
Seine Worte ließen keinen Widerspruch zu. Das Nicken Richtung Aszrem war sein Zuspruch, seine Art Akzeptanz gegenüber dem neuen Alpharüden. Das hatte ihm zu reichen. Der Pechschwarze wandte sich wieder Richtung Wald, nicht daran zweifelnd, dass Takashi und Liam ihm folgen würden. Er würde sich darauf verlassen müssen, dass sich jemand anderes um den gestromten Rüpel kümmern würde.
[ Waldrand | Nahe Takashi, Liam ]
22.03.2011, 19:44
Eine Welle der Glückseligkeit schwappte durch Jumaanas Körper, doch bevor sie sich über das Wunder der plötzlichen Heilung Gedanken machen konnte, zuckte etwas durch ihren Körper. Ein Nachhall der Worte, die sie für ungehört gehalten hatte. Unsicherheit durchflutete die Seele der Weißen, während sie noch immer auf den Sternensee starrte. Sie spürte die kühle Schnauze ihrer Schwester in ihrem Fell, doch ihre Gedanken waren bereits an einem anderen Ort. An einem Ort, der ihr bei der Lösung des Rätsels helfen konnte. Nur wo genau er sich befand – das wusste Jumaana nicht. Vielleicht bei Takashi, ihrem Gefährten? Oder doch eher, dort, wo sie der Göttin am nächsten zu sein scheint – beim kraftspendenden Wasserfall? Oder war dieser Ort ihr Herz, das noch immer schlug, obwohl sie knapp dem Tod entronnen war … alles war möglich. Sie würde ihn suchen, diesen Ort und die Lösung des Rätsels. Während Aarinath ihr nie ferner erschien, war es, als hätte ihre Seele einen neuen Platz im Gleichgewicht eingenommen. Nicht weit entfernt von ihrem alten Standort und doch hatte sich etwas Entscheidendes geändert, etwas, was auch Jumaanas Gedanken aus dem Gleichgewicht brachte.
Sie hatte die Gedanken von dieser seltsamen Frage auf Majibáh lenken wollen, als sie den nicht weit entfernten Ruf Tyraleens und Aszrems vernahm. Die Wölfin stutzte für einen Moment, doch dann ging ein Ruck durch ihren Körper und sie trat einen Schritt zur Seite, von ihrer Schwester weg. Ein bedauernder Blick auf den Sternensee und einen in die tiefblauen Augen der anderen Weißen, bevor sie leicht den Kopf senkte.
„Habt ihr das gehört?“,
fragte sie, auch an den nicht weit entfernten Jarrèl Nathâniel gewandt. Ihre Stimme hatte wieder ihren alten, glockenhellen Klang zurückerobert, auch wenn sie noch etwas ungeschickt und rau klang. Es war, als wären die letzten Minuten – Stunden? – ereignislos an Jumaana vorbeigezogen, als wäre nichts Außergewöhnliches passiert. Einzig in ihren meergrünen Augen spiegelten sich die Unsicherheit und die Verwirrung über das Geschehene, doch sie verbarg diesen Blick vor ihrer Schwester, denn sie wollte nicht, dass diese sich Sorgen um sie machte. Es würde ihr nicht helfen, nicht jetzt, wo sie selbst nicht wusste, was mit ihr los war.
„Ich muss gehen. Wenn … Tyraleen und Aszrem das Rudel zu sich rufen, wird es nicht einfach so sein. Es ist sicherlich wichtig und wenn nicht, dann muss ich wenigstens nach Cirádan sehen. Wenigstens das!“
Ein leichter Nachhall der Verzweiflung klang in ihrer Stimme mit, doch indem sie sich schon von den beiden Wölfen abwandte und leiser redete als zuvor, verbarg sie auch diese Erscheinung ihrer Furcht. Ohne Majibáh noch einen Blick zuzuwerfen, fiel sie in einen lockeren, kaum noch unsicheren Trab und folgte dem Ruf der beiden Wölfe, die sich zu den neuen Leitwölfen ausgerufen hatten. Fragen über Fragen wanden sich wie kleine Würmer durch ihre Gedanken, doch sie schob sie alle beiseite und konzentrierte sich einzig und allein auf das, was ihr Körper wahrnahm. Der Geschmack der Luft, der irgendwie anders schien als sonst. Die grausame Stille, die sonst zu dieser Zeit durch helles Vogelgezwitscher ausgefüllt war. Ein seltsamer Geruch, der tief in der Wölfin Ekel hervorrief. Und, je näher sie dem Rudel kam, er wurde immer stärker.
Als sie einen Blick auf eine geschlossene Gruppe erhaschen konnte, atmete sie erleichtert auf, doch der Geruch, der darauf durch ihren Körper floss, war beinahe unerträglich. Sie bremste sich und trat mit zaghaften Schritten von hinten an die Gruppe heran, die von Tyraleen und Aszrem dominiert wurde. Die letzten Worte des schwarzbraunen Rüden schnappte sie noch auf, doch sie änderten nichts an ihrem Unwissen. Wie ein heller Schatten wagte sie sich noch ein paar Schritte vor, doch als sie etwas erblickte, dessen Anblick beinahe in ihren Augen brannte, stoppte sie erneut. Das Ding war das hässlichste Wesen, das Jumaana jemals gesehen hatte, doch es war weder sein Aussehen noch der Gestank, der eindeutig von ihm ausging, der sie so irritierte – vielmehr die Furcht in den Augen des Rudels, als sie das tote Wesen ansahen. Mit den Augen, die sie krampfhaft von der Leiche abwenden musste, suchte sie die Blicke eines bekannten Wolfes, eines, der ihr vielleicht Antworten auf ihre niemals endenden Fragen geben konnte. Doch niemand schien sie zu sehen – sie, den hellen Schatten hinter der Gruppe der Rudelanführer.
Hilflosigkeit spiegelte sich in ihren verzweifelten Augen wider. Es war ein seltsames Gefühl, nicht mehr weiter zu wissen, wenn man noch vor kurzer Zeit stets eine Lösung für alle Probleme gefunden hatte. Es zerriss Jumaana beinahe, Angst haben zu müssen. Angst vor der Zukunft, Angst vor dem Jetzt. Sie wunderte sich, wo das Feenkind war, doch als sie in ihrem Innersten nach der Aura der Toten suchte, fand sie nichts außer ein paar zusammenhanglosen Worten. Du hast es so gewollt. Ein Zittern durchlief den Körper der Weißen, sie fühlte sich plötzlich schwerelos – wie in einer anderen Welt. Sie wusste ja nicht, dass es Aarinath war, die ihre Drohung wahrgemacht hatte.
- [ Waldrand | schräg hinter Tyraleens und Aszrems Gruppe ]
22.03.2011, 21:58
Worte schwirrten in seinem Kopf, waren verworren und in einander versponnnen. Da Tyraleen zusammen mit Aszrem zu einer Rudelversammlung gerufen hatte, befanden sich sein Vater und er auf dem Weg dorthin, obwohl der Silberprinz alles andere als begeistert von dieser Aussicht war. Wenn sie eine Versammlung einberufen hatten, dann musste es etwas ernstes sein. Bei guten Nachrichten gab es keine Zusammenkünfte, jedenfalls konnte er sich nicht wirklich erinnern. Er seufzte innerlich; Es würde wohl nochmehr Informationen geben, von denen er nicht wusste, ob er sie wissen wollte oder nicht.
Schweigend liefen Vater und Sohn nebeneinander her, und Turién war froh darum, dass Averic ihn nicht zwang zu reden. Was er genau über das gerade erfahrene denken sollte blieb ihm noch schleierhaft, vielleicht weil er nicht darüber nachdenken wollte. Er brauchte jetzt einen klaren Kopf, wenn er mit vollem Verstand der Versammlung beiwohnen wollte... oder eher sollte.
Averic, der leicht versetzt zum silbrigen Jungrüden vorgelaufen war, blieb nun etwas abseits des Geschehens stehen. Der sonnengelbe Blick Turiéns glitt über die anderen anwesenden Wölfe, und blieb dann an Tyraleen und Aszrem hängen, die dieses Treffen veranlasst hatten. Seine Läufe hielten neben seinem Vater - auch er bezog Stellung, etwas Abseits zwischen den Bäumen. Auch wenn seine Gedanken dem Dunklen gegenüber Zwiespältig waren, so fühlte er sich noch weiterhin irgendwie Sicher in seiner Nähe. In der Nähe des Todessohns.
Nach einigen Sekunden fiel ihm dann plötzlich der unangenehme Geruch des Todes auf. Erschrocken, dass er dieses Geschöpf nicht schon früher gewittert hatte, versuchte er, ohne sich großartig vom Platz zu bewegen, eine bessere Sicht zu erhaschen, was nicht gerade einfach war - er lauschte aufmerksam den Worten der Weißen und des Dunklen an ihrer Seite. Schon an den Stimmen der beiden war ihm vorhin etwas seltsam dominantes aufgefallen, doch was das zu bedeuten hatte, begriff er erst jetzt. Er beobachtete die beiden Wölfe - seine Mutter und seinen zweiten Vater - ihre Körperhaltung war anders als sonst, und instinktiv fühlte er soetwas wie Demut. Als sie geendet hatten legte er unterwürfig seine Ohren an den Hinterkopf, senkte die Rute und wedelte leicht, bewegte sich aber nicht weiter vor. Er wusste nicht, was er davon halten sollte. Kaum sich diese Frage selbst gestellt, sah er, wie Nerúi sich, unüberhörbar über jemanden aufregte, mit der Turién noch nicht ein Wort gewechselt hatte. Dieser Wolf hatte aber eben genau das gefragt, was Papa Aszrem erklärt hatte, oder etwa nicht? Fluchend und grollend, schimpfte sie vor den Augen des ganzen Rudels - dann trafen sich ihre Blicke und die Jungfähe stapfte schnurrstracks auf ihn zu, um sich dann unter seinem Hals zu verkriechen. Es war so typisch für Nerúi, so wie er sie kannte - und so schaffte sie es ihm ein Lächeln abzugewinnen. Ein müde scheinendes Lächeln, doch es war ein Lächeln.
"Lass ihn, er ist dumm." , versuchte er sie etwas zu beruhigen, als auch schon ähnliche Worte von Averic kamen. Er spürte ihr erregtes Zittern, und beinah schon hatte er gedacht, sie würde wieder auf den Rüden losgehen, der es gewagt hatte, wirklich dumme Fragen zu stellen und Tyraleen und Aszrem auf diese Art und Weise anzuzweifeln.
Tyraleens Anfuhr, danach allerdings verschlug Turién die Sprache. Beinah hätte er gedacht;
So hatte er sie noch nie erlebt - als der bittere Gedanke in seinen Sinn kam, dass er sie schonmal viel schlimmer erlebt hatte. Doch weiter an Tascurio denken konnte er nicht, unbewusst duckte er sich unter den Worten seiner Mutter und fühlte sich mindestens genauso angesprochen wie Nerúi. "Wir brauchen deine Hilfe nicht." Mit diesen Worten zerbrach sein Bild der herzensguten Mutter entgültig. Auch wenn sie ihn nicht angesprochen hatte - Nerúi war seine Schwester, wenn die Weiße so etwas zu ihr sagte, so meinte sie es auch ihm gegenüber. Den Worten des neuen Rüden hörte er nicht zu. Nur am Rande nahm er war, dass er Tiberius hieß - warum Nerúi sauer auf diesen Wolf war wusste er nicht. Er als sie den Platz an seiner Seite, zwischen ihm und Averic verließ, und der Wind nun kalt an der Stelle rührte, wo sich seine dunkle Schwester befunden hatte, merkte er überhaupt das sie weg war. Sein Denken drehte sich nun nur noch um Tyraleen. Ihre Worte waren wie eine kalte Klinge, die sich in ihn bohrten, gnadenlos. Und bei diesem Gedanken blitzten wieder Erinnerungen an den verhängnisvollen Todestag Tascurios auf. Das Blut in ihrem Pelz, ihr Schrei.
Turién kniff die Augen zusammen, und duckte sich leicht, als ein stechender Schmerz durch seinen Kopf schoss. Um sich herum nahm er nichts mehr wahr. Er wurde sich bewusst, dass diese Schwere, die sein Herz in die Tiefe zu reißen schien Enttäuschung war. Wieder.
Erst die Worte seines Vaters, so nah neben ihm, rissen ihn wieder ein Stückweit in die Gegenwart. Verwirrt blickten die hellen gelben Augen in die tiefblauen seines Gegenüber, der ihm auftrug, sich zu seiner Mutter zu begeben und auf seine Geschwister acht zu geben.
Turién blickte seinen Vater an, als hätte dieser ihm soeben den Todesstoß gegeben; Ungläubig, beinahe entsetzt. Er wollte nicht zu dieser Fähe, sein Vertrauen hatte sie verloren. Sie hatte sich verändert, vorallem jetzt. Ihre Haltung war anders, ihre Einstellung ihnen gegenüber. Wenn er sie sah. dann sah er nicht mehr die Mutter, die ihn liebevoll getröstet hatte, nachdem Mama Nyota gestorben war. Es war ein anderer Wolf. Er wollte nicht mehr diesen Wolf in ihr sehen...
Und wie sollte er auf seine Geschwister aufpassen? Der Pfotenstubser machte die Sache kaum besser, als er ging und ihn ebenso wie Nerúi vorhin alleine ließ. Scheinbar hatte Aszrem ihm den Auftrag gegeben nach dem Varg Ausschau zu halten...
Nun saß er da also. Alleine. Den Trubel um Tiberius hatte er kaum mitbekommen, und es war ihm egal. Es war ihm alles so egal. Er hatte keine Lust mehr auf irgend etwas und irgendjemanden. Er wollte gerne zum Himmelsfelsen, doch auch das war ihm verboten. Er war also dazu verdammt inmitten dieser Wölfe hier, allein sein zu wollen. Und eine "Aufgabe" hatte er auch noch zu erfüllen, der er sich aber nicht im geringsten gewachsen fühlte. Im Moment hatte er gut Lust nach einem Varg zu suchen. Vielleicht musste er das alles nicht mehr ertragen, wenn sie sich von Angesicht zu Angesicht getroffen hatten. Vielleicht war tot sein doch nicht so schlimm, wie er immer geglaubt hatte, dachte er bitter.
Doch - um wenigstens etwas für sein Gewissen zu tun, raffte er sich auf, und näherte sich Tyraleen. Augenkontakt vermied er dabei. Seine Haltung war tief unterwürfig geduckt, seine Rute eng zwischen die Beine geklemmt, als er ihre Lefzen abschleckte und sich dann wieder entfernte. So hatte er es sich bei den anderen abgeguckt, so würdigte er ihren Rang. Aszrem, der sich in Aufbruchsstimmung befand schenkte er einen unterwürfigen Blick.
Dannach lief er in fast dieselbe Richtung, in die Caylee und Tiberius verschwunden waren, begab sich etwas tiefer ins Dickicht, achtete dabei aber darauf, sich nicht zu weit zu entfernen. Er warf sich mitten in einen Busch, achtete dabei nicht darauf, dass die kleinen Zweige ihm das Gesicht zerkratzen. Es war ihm egal. Alles war ihm egal. Von ihm aus konnte der Varg hier auftauchen und Unruhe stiften. Wenn sie alle tot waren, war doch eh alles egal.
[Waldrand - Beim Rudel | Averic & Nerúi - Tyraleen und Aszrem, Rudel | später alleine ]
23.03.2011, 09:21
Während er sprach, spitzte sie die Ohren, lauschte seinen Erklärungsansätzen. Caylee konnte man nicht leicht um die Kralle wickeln und man würde ihr auch nicht mit falschen Komplimenten ein Lächeln entlocken. Deswegen versuchte Tiberius es erst gar nicht und blieb bei dem, was er wirklich empfand. Was sie auslöste, ob gewollt oder nicht. So war es auch mit jeder ihrer Bewegungen. Fast elektrisiert starrte er ihren bezaubernden Rücken an. Bereit zu reagieren. Da zuckte ihre Rutenspitze und der Gestromte wäre beinahe vor Schreck aufgesprungen. Die grauen Ohren spielten, nahmen jeden kleinen Laut auf. Die Rudelversammlung war nicht weit von ihnen und doch konnte man kaum ein Wort verstehen. Wahrscheinlich besprachen sie gerade, wie sie Tiberius am besten teeren und federn konnten. Beliebt war auch der Gedanke an Folter und Streckbank. Er konnte nicht leugnen, dass ihm dieses schlechte Gerede bekannt vor kam. Nicht zu selten sahen sie nur das Leere, Provokante und Direkte. Kaum jemand verstand Kritik als etwas Sinnvolles. Die Wahrheit und Ehrlichkeit war einfach ungemütlich und daher nicht gefragt. Natürlich bereute Tiberius seinen forschen Ton, nicht aber den Sinn hinter seinen Worten.
Caylee regte sich, warf ihm einen kecken Blick über die Schulter zu. Sofort richtete sich der Rüde auf, das Lächeln auf seinen Lefzen wurde breiter und ein ungewöhnlicher Impuls wollte seine Rute hin und her schwenken lassen. Als würde ihm die Elektrizität einen Schlag verpassen. Und als sie sich ganz zu ihm herumdrehte und ihm ein Lächeln schenkte, wurde es noch schlimmer. Ein seltsamer Laut aus Vorfreude und Erwachen verließ seine Kehle. Ein Wuff-uwah-Wuffh. Ungezwungen stimmte er in ihr Lachen ein. Selbst wenn er gewollt hätte, hätte er es nicht verhindern können. Ob sie ihn nun aus- oder anlachte. Völlig gleich. Caylee war wieder fröhlich und ihm fiel eine ganze Ladung Felsbrocken vom Herzen.
“Zum Glück sind wir keine Welpen mehr“,
dennoch wurden die drei nächstliegenden Bäume streng begutachtet und böse angefunkelt. Doch als sein Blick wieder zu Caylee huschte, verzog sich jeder böser Gedanke. Es blieb die blanke Freude. Das leere Gefühl in seiner Brust füllte sich mit... Luft? Heißer, drückender, aber erleichternder Luft. Als würde er abheben und platzen. Bevor es dazu kommen konnte, piekste die Weiße ein kleines Loch in die Luftblase. Mutter? Beinahe-Vater? Er war so... vorschnell! Es waren auch ausgerechnet noch ihre Eltern gewesen. Unberührt seiner Gedanken schaute er sie ein wenig fragend an. Rein rhetorisch.
“Ich werde mich bei Tyraleen und Aszrem entschuldigen, versprochen. Und ich verspreche Dir noch, dass ich Dich ab jetzt immer so ansehen werde“,
sein Blick wurde intensiver und er ließ es zu, dass auch sie sein wahres Bild erfassen konnte. Auch wenn es nicht gut genug für sie war, es war aber das Einzige, was er ihr schenken konnte. Ihre Rute schwenkte leicht hin und her, sie trat ein Schritt auf ihn zu. Ihre Nasen berührten sich fast. Caylee gestand, dass ihr dieser so-Blick gefiel. Und sie wollte nicht, dass er verschwand.
Tiberius verlor jede Kontrolle über Gedanken und Handlungen. Sein Lächeln wurde ruhiger, stimmiger. Dann tat er den entscheidenden Schritt. Er berührte sacht ihre Nase, ganz kurz. Er wollte ihn ihrem Blick erkennen, ob es in Ordnung war. Bevor sie aber richtig reagieren konnte, berührte er sie erneut an der Nase. Diesmal länger. Einer seiner großen Pfoten legte sich auf ihre Zierliche. Er roch ihren warmen Atem und es gefiel ihm. Ein Schauer wanderte über seine Kruppe und jene Leere, die ihn so oft gefangen hielt, war vergessen. Alles war einfach unwichtig geworden. Denn das Wichtigste stand vor ihm und er berührte sie. Caylee.
[ Waldrand, nicht weit vom Rudel | Caylee ]
23.03.2011, 17:05
Inzwischen hatte sich dazu durch die Menge ganz nach vorne geschlichen, um die beiden neuen Alphas zu betrachten und besser hören zu können. Diesen frechen und vorlauten Tiberius hatte der Hüne inzwischen schon fast wieder vergessen. Er hatte sich sowieso einen schlechten Start im Rudel eingeheimst und würde somit von jedem anderen Wolf unterworfen werden. Respektlosigkeit musste eben bestraft werden!
Der Schwarze lauschte aufmerksam und erwartete aus der Konfliktsituation heraus, dass Aszrem etwas zu diesem Tiberius sagen würde. Aszrem zeigte sich wirklich sehr dominant und wusste den Fremden sofort in seine Schranken einzuweisen. Sogar Nerúi wusste er sofort zu dominieren. Takashis Gesichtsausdruck hielt sich in lockeren Zügen, was ihn ziemlich unbeeindruckt erscheinen ließ.
Viel aufmerksamer wurde der schwarze Hüne dann wieder, als er seinen Namen vernahm. Aszrem hatte zu ihm gesprochen und ihm somit befohlen, mit Averic und Liam einen Spähtrupp zu bilden. Averic? Na super – mit dem war Takashi schon ein Mal aneinander geraten! Und dann meinte Aszrem auch noch, Takashi wie Spielzeug herumschubsen zu können und ihm Befehle zu erteilen. Für einen Moment lang blickte der Hüne mürrisch drein, hob seine Rute wieder erneut, um rangniedrigere zu dominieren. Takashi war Gamma und somit hatte ihm die Großzahl der Wölfe unterwürfig zu sein; nur wenigen musste er respektvoll gegenüber treten.
Aber was sollte der Schwarze nur von diesem Aszrem halten? Natürlich wollte er keine Auseinandersetzung herausprovozieren und entschied sich deshalb dazu, zu gehorchen. Er gab keine Widerworte und unterwarf sich somit dem neuen Alpha. Ein Blick und eine Bestätigung wurden an den ranghöchsten gerichtet, nachdem Takashi einen ernsteren Gesichtsausdruck aufgesetzt und die Ohren gespitzt hatte.
Der Schwarze blickte noch für einen kurzen Moment die neuen Alphas prüfend an; begann danach nach Cirádan zu suchen. Onkel und Neffe waren nur einige Schritte von einander entfernt, was die Sache natürlich viel einfacher gestaltete.
“Cirádan, du wirst jetzt hier bei den anderen Jungwölfen bleiben.“
Es war wohl das erste Mal, dass Takashi so bestimmend zu seinem Neffen gesprochen hatte. Dennoch war die Situation sehr ernst zu nehmen; das musste selbst der Jungwolf begreifen. Mit der Schnauze stupste der Schwarze seinen Schützling in die richtige Richtung. Bei Tyraleen und den anderen Jungwölfen war er ganz bestimmt gut aufgehoben.
Danach wandte sich Takashi endlich Averic und Liam zu. Auch Averic war sehr bestimmend, sodass der Hüne seine Rute etwas senken musste, um ihn nicht gleich indirekt herauszufordern. Somit folgte der Schwarze seiner Gruppe in den Wald.
( Waldrand | Averic, Liam )
23.03.2011, 20:34
Wie eine Wächterin stand Lyerra über Ráyon, versicherte sich immer und immer wieder dass er noch lebte. Sie starrte auf seine Brust, achtete darauf dass sie sich brav weiter hob und senkte, blickte nicht weg als könne er dann aufhören zu atmen, als würde er sterben wenn sie nur wegsah.
Ihr Blick war wie versteinert, dass Tyraleen und Aszrem den Ruf der Leitwölfe geheult hatten, war ihr bewusst, aber irgendwie schien es in diesem Moment nicht wichtig. Überhaupt schien gar nichts wichtig zu sein, bloß Ráyon, bloß dieser sture Dummkopf zu ihren Pfoten.
Sachte stieß sie ihm mit der Nase gegen den Kopf. Nein, jetzt konnte sie gewiss nicht gehen, sie konnte ihn doch nicht alleine lassen, nicht wenn er ohnmächtig war und das ganze, oder fast das ganze Rudel um sie herum standen. Vorsichtig drehte Lyerra den Kopf, entdeckte einige bekannte Gesichter. Volk Zubami zum ‚Beispiel.
„Volk Zubami..“
Flüsterte sie, blickte in seine Richtung. Ob er sie hören würde? Ob überhaupt irgendwer bemerkte dass sie hier war? Unsicher ließ sie den Blick schweifen.
Tyraleen und Aszrem waren jetzt also Leitwölfe. Warum? Woher nahmen sie sich das Recht sich selbst zu bestimmen? Lyerra wusste es nicht, wagte es aber auch nicht ihren Freund hier alleine zu lassen. Immer noch stand sie starr über ihm, drehte bloß den Kopf und die Ohren. Ihr Herz pochte leise. Poch, poch, poch. Ihre Ohren nahmen viele Stimmen war, hörten leises Gemurmel und lautere Gespräche.
Sie hörte die laute Stimme Aszrems, er nannte einige Namen, doch ihrer war nicht dabei. Warum konnte sie nicht helfen?
Ihr kleines Wolfsherz krampfte sich zusammen. Warum nahm anscheinend kein Wolf sie für richtig voll? Die jetzigen Leitwölfe schickten nur Rüden los, oder nicht? Nein. Aber sie konnte doch auch helfen, sie wusste doch jetzt bescheid. Warum konnte sie nicht helfen?
Verdammt noch mal. Kurz seufzte sie, dann glitt ihr Blick wieder du Ráyon, schaute auf seine Brust als hätte er plötzlich aufgehört sich zu regen. Sie sah die schwache aber gleichmäßige Bewegung des Brustkorbes, war unendlich erleichtert das diese Bewegung nicht plötzlich fehlte.
„Ach Ráyon..“
Flüsterte sie. Hoffentlich würde er bald wieder aufstehen. Wachen. Ja, sie wachte tatsächlich über ihn, obwohl er doch immer meinte er wäre der starke Rüde. Tja, wer war hier stark und wer bewachte hier gerade wen? Hah, das würde sie ihm unter die Nase reiben wenn er wieder aufwachte.
Sachte stieß sie ihn an, schaute ob er nicht doch reagierte, aber es geschah nichts. Natürlich. Hoffentlich würde gleich jemand kommen der sie unterstützen würde, denn Lyerra konnte nicht mehr, wollte nicht mehr alleine hier stehen. Dieser Tag war so anstrengend gewesen, irgendwie ein Wunder dass sie noch stand und nicht wie Ráyon umgefallen war.
[beim Rudel &&Ráyon // anspielbar]
24.03.2011, 10:47
Die Stille Akzeptanz ihrer Priesterschwester und, nicht zu vergessen, nun auch Alphafähe des Rudels, löste in Sheena ein freudiges Gefühl aus. Sie hatte mit nichts anderem gerechnet und doch schien sie von einer schweren Last erlöst worden zu sein. So, als ob sie sich doch mehr Gedanken um ihr Handeln gemacht hatte, als sie selber mitbekommen hatte.
Von Aszrems Seite aus kam keine wirkliche Reaktion. Das konnte auch nur Gutes bedeuten, denn hätte sie ihren Rang, seiner Ansicht nach, überzogen, dann hätte er sie sicherlich zurückgewiesen.
Sie lauschte den Worten, die die beiden an Tiberius richteten, noch bevor dieser wieder Antworten konnte, ließ es sich auch Rakshee nicht nehmen, noch einige Worte loszuwerden. Instinktiv spannte sich ihre Haltung wieder an, das passte ihr gar nicht. Doch bevor sie ansetzen konnte, der deutlich jüngeren Fähe etwas zu entgegnen, sprach Tiberius schon wieder. Und verschwand dann einfach.
Augenscheinlich lief er Caylee hinterher, welch ein Interessenskonflikt. Aber sicherlich würden Tyraleen und Aszrem sich darum kümmern, sie würde jetzt erstmal ihren Standpunkt deutlich machen.
So glücklich sie auch gewesen war, dass sie in Rakshee ebenfalls eine Priesterschwester gefunden hatte, so hatte sie jedoch immer schon gespürt, dass zwischen ihnen eindeutig mehr Spannung vorhanden war, als zwischen Tyraleen und ihr. Und diese Spannung trug sie nun vorwärts, sie trat auf Rakshee zu.
Ihr Blick war nicht wütend, aber auch nicht freundlich. In ihren Augen schwang eine gewisse Ungeduld mit, es war ihr selber jedoch nicht ganz klar worüber.
Ihre Haltung war gestrafft, ihr Haupt war erhoben, ihr Kopf mit den gespitzten Ohren eindeutig höher als sonst. Die Rute trug sie ebenfalls hoch, alles an ihr sprach dagegen, dass sie Rakshee direkt an ihrer Seite dulden würde. Dafür erschien sie ihr auch noch zu jung. Es war nicht ihre Position, nicht jetzt zumindest.
So kam sie direkt vor der anderen Fähe zum stehen, ihr Blick bohrte sich in den der jüngeren Fähe, würde Rakshee großartigen Widerstand bieten, oder reichte ihr Gebaren aus?
Und dann spürte sie ihn. Seine Anwesenheit kroch unter ihr Fell und automatisch begann ihr Herz ein bisschen schneller zu schlagen. Doch noch hatte Rakshee keine Rührung gezeigt, sie schürzte die Lefzen, bedrohlich waren nun ihre Zahnspitzen zu sehen. Das würde ihre Absichten deutlicher machen.
„Überschätz dich und deine Position im Rudel nicht Rakshee.“
Es waren sicher nicht die freundlichsten Worte und irgendwo tat es Sheena auch Leid, dass sie so hart zu der Fähe sein musste, doch ihr war klar, ohne deutliche Statements, würde auch sie es nicht weit bringen. Und sie hatte nicht vor, sich von ihrem Betarang schon jetzt wieder vertreiben zu lassen. Sie wusste, fühlte, dass sie diese Aufgabe gut meistern würde. Wenn sie konsequent war.
Doch jetzt war es an der Zeit Jakash einen Blick, eine Berührung zu schenken. Sie hatte schon gespürt, dass etwas vorgefallen war, sie spürte die starke Aura von Fenris um ihn herum. Doch gleichzeitig damit fühlte sie wie Engaya in ihr aufblühte. Sie wollte die Geschichte von ihm hören, die Geschichte über das Vorgefallene, doch dafür war jetzt keine Zeit.
Es war etwas vorgefallen, was die beiden zu einem Gegensatz gemacht hatte. Wer hätte das ahnen können. Aber ein Gegensatz war nicht unbedingt etwas Schlechtes.
Sheena lächelte ihn zaghaft an, innerhalb von Sekunden wurde dieses Lächeln zu einem Strahlen, die pure Freude ließ sich auf ihren Gesichtszügen ablesen.
Durch die Gegenüberstellung mit Rakshee, hatte sie sein drohendes Gebaren Tiberius gegenüber nicht richtig mitbekommen und sah nun einen relativ entspannten Rüden vor sich stehen, der ihren Blick jedoch noch mied. Was stellte er sich vor? Dass sie ihn nun nicht mehr lieben würde? Dass sie ihn nun einfach fallen lassen würde?
Sie berührte ihn zaghaft an der Schnauzenspitze, freudig stellte sie fest, dass auch diese Berührung noch die gleichen Gefühle in ihr auslöste. Fenris und Engaya. Ein ewiges Gleichgewicht. Ja, das war es.
„Jakash…“ zart flüsterte sie seinen Namen. „hab keine Angst.“
Und irgendwie fehlten ihr dann die Worte. Aber das war nicht schlimm, das, was zwischen ihnen war, wie schon zwischen so vielen Wölfen vor ihnen und sicherlich auch noch nach ihnen, fühlte sich so stark an, so unzerstörbar.
Obwohl sie mit ihrem Körper, ihren Gedanken und ihren Gefühlen voll bei Jakash war, drehte sich eines der Ohren wie von selbst ein wenig nach hinten.
Unterbewusst wusste sie, dass es gut möglich war, dass Rakshee jetzt erst recht versuchen würde, ihren Betarang zu beanspruchen. Es war doch schon immer klar gewesen, dass sie beide ein schwieriges Verhältnis haben würden…
[Nahe von Tyraleen und Aszrem, direkt bei Jakash und Rakshee]
24.03.2011, 18:46
Rakshee hatte den gestromten Rüden genau beobachtet, und sein Verhalten war um keinen Deut besser geworden. Als er sich schliesslich aus dem Staub machte musste sie dem Drang wieder stehen sich ihm einfach in den Weg zu stellen und ihn zurück zu treiben. Aber Tyraleen und Aszrem liessen ihn ersteinmal gewähren, und so schob auch sie sich nicht weiter dazwischen, wenngleich sie sich seinen Geruch nun genauso eingeprägt hatte wie den des Varges - auf beides würde sie sehr sorgsam achten. Eine Bewegung auf sie zu lies die Braune den Kopf heben - Sheena war näher getreten, hoch aufgerichtet und mit der Andeutung eines Zähnebleckens. Rakshee zögerte einen Moment, legte dann jedoch die Ohren zurück, und senkte leicht den Kopf vor der Weißen. Nicht unnötig weit, gerade soviel, dass sie ihre Anerkennung klar machte.
"Ja Schwester"
Gab sie zurück, den ruhigen Blick kurz von ihr abwendend, um sie nicht zu provozieren. Sie fand sich auf ihrem Platz unter Sheena ein, und würde sich dort behaupten. Jakash trat näher, und Rakshee hob den Kopf ein wenig, um ihm entgegen zu sehen. Sie wedelte leicht als er sich näherte, doch ihre Bewegung erstarb, als er sich an Sheenas Seite postierte und dort verblieb. Sie sah die beiden zum ersten Mal so zusammen, und ohne ein weiteres Wort wand sie sich von den beiden ab, lauschte stattdessen Aszrems Anweisungen und mied den Blick zu ihrem Bruder und ihrer Priesterinnenschwester. Und doch, aus den Augenwinkeln erkannte sie noch die sanfte Berührung die der Schwarze nicht zurückwies. Es traf sie wie ein Steinschlag, und obwohl sie sicher stand, dem Rudel zugewand und mit sicherer Haltung, fühlte sie sich wie zu Boden geworfen. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie damit zu Kämpfen ihre Gefühle nicht offen zu tragen, denn ihre Enttäuschung wuchs und wuchs. Nicht nur dass ihr Bruder sie zurückwies, und ihr genauso mit Ablehnung gegenüber getreten war wie Chardím, nein, umso mehr schmerzte die Gewissheit dass er statt ihrer Sheena seine Nähe gestattete. Sie hatte keine Zeit für solche Gedanken, und doch drängten sie an sie heran. Die Suchstrupps zogen los, und Rakshee hielt sich an Tyraleen, nun tatsächlich sichtlich gespannt. Sie sah keine Möglichkeit irgendetwas an dieser Situation zu ändern, Sheena zu fordern würde sie beide unnütz Kräfte kosten und sie Jakash doch nicht näher bringen. Stumm sah sie zum kalten Himmel auf, wo sie zwischen all dem Schnee doch nur ein warmes Blinzeln suchte...
[Beim Rudel | Tyraleen, Sheena, Jakash]
24.03.2011, 20:26
Aus den Augenwinkeln beobachtete er Sheena und wartete auf den Moment, da sie den Kopf zu ihm umwenden würde. Noch hatte sie nicht zu erkennen gegeben, ob sie sich seiner Gegenwart bewusst war oder nicht, obgleich er sich nicht vorstellen konnte, dass sie ihn nicht bemerkt hatte. Momentan jedoch erforderten andere Aufgaben ihre Aufmerksamkeit, und Jakash war gleichzeitig froh und erböst darüber. Beides Gefühle, die dadurch entstanden, dass sich der Moment der Entscheidung verzögerte. Und wenn sie es dann endlich tat, wenn sie ihn endlich ansah... was würde er dann in ihren Augen sehen?
Der Schwarze hob schließlich den Blick, als Sheenas Haltung sich ein wenig veränderte. Sie war Tiberius gegenüber bereits dominant gewesen, nun aber spannte sich ihr schöner Körper noch etwas mehr, hielt sie Kopf und Rute noch etwas höher. Neugierig und wachsam zugleich suchte Jakash nach dem Wolf, der diesmal Sheenas Unwillen geweckt hatte - und entdeckte Rakshee. Schweigend blieb er eine halbe Wolfslänge hinter der Weißen zurück und beobachtete, wie Sheena seine Schwester auf einen niedereren Rang verwies. Er selbst durfte sich da nicht einmischen, aber er hatte auch keinerlei Interesse daran. Der Blick, mit dem er seine Schwester bedachte, war nach wie vor neutral - nein, eher immernoch distanziert. Einem Teil von ihm tat das leid, und so flüchtete sich seine Augen schon nach wenigen Herzschlägen irgendwo anders hin. Bis sie die Bewegung ausmachten, die er herbei gesehnt, aber auch gefürchtet hatte.
Sheena wandte sich zu ihm um. Sah ihn an, lächelte. Wenn sie wusste, dass er jetzt anders, so wie Rakshee es gewusst hatte, dann schien es sie nicht zu erschrecken. Keine Furcht, keine Sorge flackerte über ihr hübsches Gesicht. Das Strahlen, mit dem sie ihn bedachte, war ausschließlich voll der Wärme und Herzlichkeit, wie sie es ihm vor zwei Tagen im Steinwald geschenkt hatte. Für einen Moment vermochte Jakash es nicht zu erwidern, als ein kurzer Zweifel in ihm aufflackerte, ob er nicht lediglich sah, was er sich wünschte. Aber dieser Zweifel wurde fortgewischt von der Gewissheit, dass seine Ängste nicht wahr werden würden.
Sie liebte ihn noch immer. Als wäre nichts geschehen, dabei musste gerade sie als Engayapriesterin doch spüren, was er jetzt war. Sie liebte ihn dennoch, ganz so wie er es tat. Ihr Gesicht näherte sich dem Seinen, und dann berührte sie ihn ganz sacht. Wärme strahlte von diesem Punkt in seiner Innerstes. Und was sie dann leise flüsterte, bewies, dass sie sogar besser durchschaute, als er gedacht hatte. Jetzt endlich konnte er ihr Lächeln erwidern, und zärtlich leckte er ihr einmal über die Schnauze, als sie die kurze Verbindung beendete.
"Ich habe keine Angst. Jetzt nicht mehr",
erwiderte er leise. Er trat wieder vollends an ihre Seite, und konnte dann nicht anders, als den Blick zu Rakshee schweifen zu lassen. Ihm war trotz allem nicht entgangen, dass sie sich recht eilig abgewandt hatte. Sie hatte es nicht sehen wollen. Seine Augen bohrten sich in ihren Hinterkopf. Er wusste, dass er ihr weh tat. Er wusste, dass es ungerecht war. Aber er empfand nicht mehr als ein wenig Bedauern für seine Schwester, und für einen Moment hasste er sich dafür. Es war, als würde alle Liebe, die noch in ihm steckte, allein für Sheena reserviert sein. Dabei war ihm Rakshee nicht einmal egal, aber wie konnte er ihr nur das begreiflich machen? Jakash war sich sicher, dass seine Schwester ihm nicht glauben würde, wenn er ihr das einfach sagte - sie war anderes, besseres, gewohnt.
Der Schwarze unterdrückte ein Seufzen und wandte den Blick von Rakshee ab und wieder zu Sheena. Augenblicklich kehrte das Lächeln zurück, sanft und leis'.
Neckisch zog er sie am Ohr und wandte sich in Richtung des Rudelplatzes. Sheena würde Tyraleen bei der Aufsicht über das Rudel helfen müssen, und er selbst gehörte nicht zu einem der Spähtrupps...
[Waldrand | Rudel, Sheena, Rakshee]
24.03.2011, 20:41
Nachdem Volk seine Gedanken ausgesprochen hatte, erhielt er auch schon die erste Antwort, die allerdings negativ ausfiel. Die junge Fähe die auf den Namen Nerui hörte war sehr über Volks Fragen aufgebracht. Sie bleckte ihre Zähne und machte kein Geheimnis daraus ,dass sie ihm am liebsten an die Kehle gesprungen wäre. Sie bezeichnete den Rüden als dumm, ihm hingegen gefiel das natürlich nicht und er musste sich zusammenreißen um nicht zu knurren. Er hatte nichts gegen Kritik allerdings empfand der Schwarze die kleine für etwas vorlaut, apropos vorlaut. Tiberius, ebenfalls ein neuer machte sich mit seiner Rede auch keine Freunde im Rudel, der gestromte war entweder mutig oder komplett suizidgefährdet, denn immerhin war der Graue weder Rangwolf noch Rudelmitglied. Sich so über die Leitwölfe auszulassen war gefährlich, aber irgendwas sprach dieser in dem Schwarzen an. Doch Volk Zubami musste erst einmal seine Gedanken ordnen da es etwas kompliziert wurde. Die beiden, Tyraleen und Aszrem hatten gerade erklärt, dass sie die neuen Leitwölfe wären, dabei hatte der Rüde angenommen das Tyraleen und ihr Gefährte Averic die Leitwölfe gewesen sind. Ein Rudel, 1 Jahr ohne Leitwolf, jetzt war klar warum soviel Chaos entstand, umso wichtiger das die weiße Fähe und der ältere Schwarze ihre Rolle jetzt mit Würde und Ernst entgegentreten. Also war das was Tiberius sagte, wohl oder übel die Wahrheit, aber das, wie er es dem Rudel vorhielt war unangebracht.Schon allein weil dieser nicht den Stand hatte etwas zu sagen, das erinnerte ihn an seine Worte, die wohl auch sehr unangebracht schienen. Vielleicht hatte die junge Fähe recht. Als bald sprach ihn die Weiße an und bestätigte Volk in seiner Vermutung. Dieser senkte den Kopf, legte die Ohren zurück und entschuldigte.
„Entschuldigt bitte, es war unangebracht, Ich bin neu und sollte lieber zuhören anstatt zu reden. Ich wollte nicht euren Rang in Frage, es waren nur Gedanken die aus mir herausgeplatzt sind. Und danke nochmal das ich dem Rudel beitreten durfte.“
Leicht geduckt ging er ein paar Schritte zurück und setzte sich, in der Hoffnung das er die beiden Alphas etwas besänftigen konnte. Ihm war es eigentlich egal wer das Rudel führt, solange die- oder derjenige gerecht, weise und würdevoll ist, würde Volk loyal sein. Es sprach noch ein weiterer Wolf zu Tyraleen und Aszrem, die Fähe sprach davon den Geruch des Vargs zu kennen, nein, mehr noch, sie schien ihn wieder zu erkennen. Sie berichtete davon als wäre sie einem begegnet, nachdem alles gesagt war begann Aszrem zwei Teams zu bilden, mit jeweils drei Wölfen die die nähere Umgebung absichern sollten. Der Rest des Rudels sollte Tyraleen zum Rudelplatz folgen, also wartete der schwarze Rüde darauf das es losging, mit der Hoffnung das etwas Ruhe Einzug halten würde. Um etwas Anschluss zu finden suchte er ein für sich bekanntes Gesicht, Volk suchte Lyerra, vielleicht könnte sie ihm ein paar Wölfe vorstellen. Das wäre zumindest um längen besser als irgendwo allein herumzuliegen.
[Wald-Rudel]
25.03.2011, 14:34
Es schien, als würde der Varg, obwohl tot und somit kein Werkzeug Fenris‘ mehr – sofern er denn je eines gewesen war – bereits seine Wirkung zeigen. Das Rudel war aufgebracht, reagierte extrem und auch die Weiße selbst musste sich zügeln, um die Kontrolle zu behalten. Sie durfte nicht wütend werden, auch wenn dieser Tiberius noch so unverschämt war. Er wollte nur provozieren – ihn interessierte es nicht einmal, was sie ihm geantwortet hatte. Tat so, als hätte er keine Antwort erhalten. Eine solche Art von Ignoranz und absichtlicher Provokation konnte die neue Leitwölfin nicht verstehen – und was man nicht verstand, das mochte man nicht. Doch sie hielt sich im Zaum, sprang dem Gestromten nicht an die Kehle, zeigte ihm nicht, wie sie sein Verhalten verachtete. Anfangs war er ihr noch intelligent erschienen – kritisch, ein wenig arrogant und auch mit der Absicht, sie zu provozieren – aber intelligent. Diese Eigenschaft hatte er in ihren Augen soeben wieder verloren. Dafür traten bei anderen Wölfen ganz neue Eigenschaften zu tage. Rakshee wollte auch noch ein Stück vom Tiberius-Tadel-Kuchen und machte dabei eine Position deutlich, die Tyraleen ihr nicht zugetraut hätte. Takashi tauchte auf und bedachte Aszrem und sie mit deutlichem Misstrauen. Doch er stellte sich nicht gegen sie, sah sich vermutlich in der Rolle des Aufpassers. Solange er ihre Autorität nicht untergraben und sich Anweisungen fügen würde, war dieses Verhalten akzeptabel. Dass er ihnen nicht sofort sein Leben anvertraute, sprach nur für ihn. Und dann kam Neruí. Als wäre der Tadel an ihr wie Wasser am Gefieder der Schwäne abgeperlt, als hätte sie Tyraleen gar nicht gehört. Das Gesicht der Weißen verzog sich erstmals, eine leise Wut zeigte sich in ihren bernsteinernen Augen. Offensichtlich ging es Neruí um etwas Persönliches, um ein Versprechen, dass Tiberius ihr gegeben und nun gebrochen hatte. Nichts desto trotz hatte sie sich nicht so zu verhalten, ganz besonders nicht nach der eben erfolgten Zurechtweisung. Tyraleen verspürte so etwas wie Enttäuschung, versuchte sich jedoch daran zu erinnern, dass Neruí nur eine Jungwölfin war. Bevor sie zu einer Handlung fähig war, reagierte Aszrem bereits und unterwarf seine Tochter auf eine Art und Weise, die Tyraleen nicht gewagt hätte. Eine deutlichere und auch erniedrigendere Bestrafung für unangebrachtes Verhalten gab es wohl nicht. So verzichtete die Weiße auf jeden Kommentar ihrerseits zu Neruí, nur ihr Blick blieb so lange auf der Schwarzen liegen, bis diese sie einmal angesehen und so den Tadel und die Enttäuschung Tyraleens ebenfalls aufgenommen hatte. Eher wollte sie sich Tiberius widmen, ihn am besten schlicht vertreiben, auch wenn er ihr immerhin auf ihre Frage nach seinem Begehr geantwortet hatte. Doch der Gestromte schien noch immer nicht genug provoziert zu haben. Plötzlich veränderte sich sein Gesichtsausdruck, dann lobte er auf übertrieben lächerliche und möglicherweise sogar ironische Art und Weise Aszrem und sie um sich gleich darauf umzudrehen und zwischen den anderen Wölfen zu verschwinden. Fassungslos starrte Tyraleen ihm nach. Es war so unverschämt, dass sie nicht wusste, wie sie sich verhalten sollte. Ihm nachrennen war nicht nur erniedrigend, sondern auch umständlich und das Rudel nun zu verlassen, bevor alles endgültig geklärt war, schien keine gute Idee. Doch sie würde Tiberius so nicht davon kommen lassen, niemals. Sie erhaschte den Blick Aszrems und nickte unmerklich, sie würde ihm gleich folgen. Zunächst lauschte sie den Einteilungen des Schwarzen, die sie zwar nicht besprochen hatten, ihren Vorstellungen jedoch sehr glichen. Gani Amira war als bisher kaum aufgefallenes Rudelmitglied zwar nicht in ihren Plänen vorgekommen, doch ihr Wissen schien sie nun erstmals zu einer großen Hilfe werden lassen. Leicht nickte sie der Grauen zu. Tyraleen selbst würde das Rudel am Rudelplatz zusammen halten müssen – dazu würde sie Hilfe brauchen, doch auf die Hilfe von Sheena und Rakshee konnte sie sich verlassen. Sie wandte sich an die beiden, auch wenn ihre Priesterinnenschwestern mit anderem beschäftigt waren. Sheena hatte Rakshee unterworfen, was Tyraleen als richtig ansah. Ihre Nichte war noch zu jung und zu unerfahren für einen hohen Rang. Außerdem war Jakash zu ihnen gekommen und nun ging etwas vor, das die Weiße nicht ganz verstand. Sheena und Jakash schienen sich näher zu sein, als sie erwartet hätte. Was auch immer zwischen ihnen vorging, die Weiße war nicht gewillt, nun Rücksicht zu nehmen.
“Sheena, führ mit Rakshee zusammen das Rudel zum Rudelplatz, ich werde bald auf euch stoßen, zuerst suche ich Tiberius. Danach werden wir darauf achten müssen, dass sich kein Wolf entfernt, ganz besonders die Jungwölfe.“
Sie schenkte beiden und auch Jakash ein flüchtiges Lächeln, dann wandte sie sich an alle anderen verbliebenen Wölfe.
“Lasst uns zum Rudelplatz gehen! Sheena wird euch führen, ich werde bald dazustoßen.“
Damit brachen sie auf. Es war kein weiter weg, dennoch würden sie, wenn sie am Ziel ankamen, prüfen müssen, ob sie Wölfe verloren hatten. Ganz besonders Jungwölfe. Sie selbst eilte nun voraus, wich dann leicht vom eigentlichen Weg ab und traf bald darauf auf Caylee und Tiberius. Nase an Nase standen sie mitten im Wald. Tyraleen ließ sich nichts anmerken, doch die Innigkeit zwischen ihrer Tochter und dem Gestromten gefiel ihr ganz und gar nicht. Dennoch gab es nun wichtigeres. Sie trat auf die beiden zu, richtete sich auf, hob die Rute und entblößte kurz aber wirkungsvoll ihr Gebiss. Starr hielt sie den Blick auf den Augen des Rüden.
“Niemand hatte dir erlaubt, dich zu entfernen.“
Auch wenn sie nicht viel sagte, schwebte die Drohung doch deutlich greifbar in der kalten Luft. Wenn Tiberius sich nun nicht unterwarf, eine Erklärung abgab, sich seinem Dasein als Fremder entsprechend verhielt, dann würde die Weiße keine Sekunde mehr zögern und ihn verjagen.
[ Wald | Tiberius und Caylee - in der Nähe das Rudel ]
25.03.2011, 15:00
Caylee gefiel Tiberius‘ Reaktion auf ihren Entschluss, ihn doch noch einmal mehr als ihren Rücken sehen zu lassen. Er freute sich ehrlich, sein Lächeln wurde breiter und selbst seine Rute schwang hin und her. Obwohl er sie kaum kannte, schätzte er ihre Anwesenheit, ihren Wohlwollen und ihr Lächeln. Ganz ähnlich ging es ihr auch, nur konnte sie nicht so recht verstehen, warum. Musste man sich nicht kennen, um sich zu mögen? Sie wollte Tiberius zwar sehr gerne kennenlernen, aber sie mochte ihn auch schon mehr als er es verdient hätte. Angesichts seines Verhaltens vorhin müsste sie ihn doch eigentlich hassen. Aber das tat sie nicht. Warum nur? Seine Feststellung, dass die Bäume ihnen dank ihres Jungwolfdaseins – war Tiberius überhaupt noch ein Jungwolf? – wohl nichts mehr antun konnten, lenkte sie dann von ihren Gedanken ab, wofür sie ihm dankbar war.
“Eben gerade hast du dich aber wie ein Welpe verhalten.“
Diese Spitze musste sie ihm geben. Auch wenn er sich bereits entschuldigt hatte, doch ihr schien es nicht so, als ob er verstehen würde, warum sie sich so über ihn aufgeregt hatte. Dafür war er wohl noch immer ein wenig zu sehr von sich selbst überzeugt. Aus irgendeinem Grund konnte sie ihm das trotzdem nicht übelnehmen. Außerdem versprach er dann auch, sich zu entschuldigen, hoffentlich würde das reichen. Caylee konnte nicht mehr einschätzen, was Aszrem und Tyraleen nun tun würden oder könnten, sie wusste nicht, wie Leitwölfe auf so viele Provokationen reagierten. Doch der Gestromte schaffte es erneut, sie von ihren wirbelnden Gedanken abzulenken. Sie hatte sich ihm unbewusst genähert, jetzt reagierte er darauf, berührte sie erst kurz, dann länger – Nase an Nase. Ihre Ohren zuckten zuerst zurück und drehten sich dann wieder nach vorne. Es fühlte sich gut an. Seine Pfote schob sich zu ihrer und während sie sich noch in der Berührung verlor, brach jemand zwischen den Stämmen hervor. Sofort zuckte sie zurück, erkannte ihre Mutter aus dem Augenwinkel und senkte beinahe schuldbewusst den Kopf. Das war jetzt peinlich. Außerdem wirkte es, als wäre sie auf Tiberius‘ Seite, dabei war sie doch auch böse auf ihn gewesen. Ihre Mutter schien es noch immer zu sein. Die Weiße wusste nicht, wem sie nun ihre Solidarität bekunden sollte, wich einen Schritt zurück und blieb neben einem Baum stehen ohne einen der beiden Wölfe anzusehen. Sie wollte nicht, dass ihre Mutter dachte, sie hätte sich mit Tiberius verbündet, aber sie wollte auch nicht, dass Tiberius dachte, ihr wäre es nun recht, wenn Tyraleen ihn hinauswarf. Hilflos und ziemlich verwirrt tat sie so, als wäre sie gar nicht da.
[ Wald - nicht weit vom Rudel entfernt | Tiberius und Tyraleen ]
25.03.2011, 15:50
Chardím zog es vor Rakshees weitere Worte zu ignorieren. Sie waren überflüssig und hatten nichts mit dem zutun, was er hatte aussagen wollen. Es ging ihm nicht um die Richtigkeit, ob es nun ein falscher Weg war, oder um die falsche Abzweigung eines Weges – das war Erbsenzählerei und noch dazu in dieser Situation völlig unangebracht. Eher besserwisserisch, nur weil er ihr vorgeworfen hatte nicht zu wissen, worum es ging. Was sie übrigens auch dementierte. Nun gut, dann war Rakshee eben allwissend. Das sollte ihm Recht sein, er hatte gerade wirklich wichtigeres im Kopf, als mit der Priesterin zu debattieren. Seine Beine waren schwer und wollten ihn kaum tragen, der Boden schien noch immer Wellen zu schlagen und ließen sein Blickfeld wanken.
Die zweifarbigen Augen fanden zurück zu Jakash, der ihm Worte entgegen schleuderte, die sich wie bitterere Galle auf seine Zunge legten. Hatte er mit einem Wort behauptet, dass er seinen Patenonkel gerne tot gesehen hätte, dass der sich dafür entschuldigen musste? Als Jakash aufsprang, legten sich die Ohren des schwarzweißen Jungwolfes zurück und seine Hinterläufe knickten leicht ein.
„Trotzdem bin ich nun derjenige, der zum Tode verurteilt ist, solltest du in Fenris Augen einen Fehler machen.“,
entgegnete Chardím leise. Und Gründe konnten vielfältig sein. Sie mussten nicht einmal BEgründet sein. Als Jakash fortfuhr, konnte er nicht antworten. Seine Zunge war schwer wie Blei und vermutlich war es eh egal, was er nun sagte. Natürlich war er dankbar dafür, dass er Jakash so wichtig gewesen war, dass er so etwas getan hatte. Aber da lag der Punkt. War. Mochte Jakash auch sagen, dass er ihn nur verlieren konnte, wenn er es wollte – und das wollte er auf keinen Fall! – aber was war das noch wert? Wenn Fenris die Gefühle in seinem neuen Jünger verändern konnte, was hatte er schon noch dagegen zu setzen? Auch wenn Jakash immer noch sein Pate war und nicht tot, in wie weit, lebte die Verbindung zwischen ihnen noch, die sie in den letzten Tagen zueinander geknüpft hatten?
„Spielt es denn überhaupt noch eine Rolle, was ich möchte ...?“
Als würde sich seine Befürchtung bewahrheiten, drehte sich sein schwarzer Pate schließlich um und lief davon. Er ließ ihn alleine zurück und seine Schwester folgte ihm. Chardím hatte seinen Worten gegen die Göttin des Lebens nichts entgegen zu setzen. Weder der Tod, noch das Leben waren fair. Trotzdem blieb ihnen keine andere Wahl, als sich nach ihnen zu richten.
Der Schnee rieselte kalt auf sein dünnes Sommerfell und ließ ihn leicht erzittern. Seine Knochen taten ihm weh und er fühlte, dass es nicht einfach werden würde, dabei zu helfen, dass Gleichgewicht wieder herzustellen. Denn Fenris wollte die Hälfte, die er von ihm besaß natürlich nicht gehen lassen. Schwerfällig, langsam und sehr geduckt folgte Chardím schließlich Jakashs und Rakshees Spur. Ein Heulen seiner Mutter und Aszrems hatte das Rudel zusammengerufen und er war sich sicher, dass er zum Rudel kommen würde, wenn er den Spuren folgte. Die bernsteinblauen Augen betrachteten die Abdrücke von Jakashs Pfoten auf dem Weg, auf mehr um sich herum achtete er nicht. Es war nicht leicht zu der Versammlung zu kommen, denn anders, als in den letzten Tagen, hatte er nun niemanden mehr bei sich, der ihn stützte. „Du verlierst mich nur, wenn du das möchtest.“ Er hatte nie gesagt, dass er das wollte. Nicht mit einer Silbe. Und trotzdem war er nun allein. Es war lange her, dass er sich auch so allein gefühlt hatte.
Als der Schwarzweiße am Waldrand auftauchte, war die Diskussion schon voll im Gange. Er sah seine Mutter und Aszrem, die vor dem Rudel standen, Sheena und Takashi, nah bei ihnen und auch Rakshee und – Jakash. Seine Augen sahen nur kurz zu ihnen, dann legte er sich hin. Im Großen und Ganzen bekam er mit, was sich abspielte, nur die Details verschwanden im Gewanke der Welt. Der Geruch des Todes lag in der Luft, es ging um ein Wesen, dass als Varg bezeichnet wurde. Sie durften sich nun nicht mehr weit und nicht alleine entfernen. Aus der Haltung seiner Mutter und seinem Halb-Vater konnte er sofort entnehmen, welche Position sie nun für sich beanspruchten. Und kurz suchte sein Blick auch seinen Vater, sich irgendwo fragend, was wohl nun in ihm vorging. Aber er stand so verdeckt und kam nur einmal kurz hervor, um Takashi und Liam mit sich zu befehligen, dass er ihn kaum gründlich ansehen konnte. Sein Kopf sank auf den Boden und er fluchte kurz innerlich, als seine Mutter veranlasste, dass sie zum Rudelplatz gehen würden. Das bedeutete, dass er wieder aufstehen und sich hinterher kämpfen musste. Mühsam rappelte er sich wieder auf, seufzte und machte sich schon einmal daran den Weg selbst zu gehen. Dann hatte er wenigstens etwas Vorsprung, bevor man ihn überholen würde.
[ Auf dem Weg zum Rudelplatz | nahe der anderen ]
25.03.2011, 17:13
Die kleine Stichelei bemerkte der Gestromte nicht so recht, empfand es auch nicht wirklich als solche. Viel zu sehr war er mit ihrer Nähe, ihrer Schönheit und ihrem Wesen beschäftigt. Und selbst wenn er ihren Tadel aufmerksam aufgenommen hätte, so hätte er es wohl nur mit einem Lächeln geantwortet. Natürlich – er war sich sicher, dass seine Kritik mit der falschen Umsetzung bestückt war. Der ganze Hormonschub tat ihm eindeutig nicht ganz so gut. Doch jetzt, jetzt ging es ihm gut. Die zärtliche Zweisamkeit mit den ersten Berührungen war aufregend, neu und so unglaublich süchtig machend. Er wollte mehr. Mehr von der weißen Caylee. Mehr von diesem gewonnenen Gefühl. Tiberius musste sich zügeln, sich zurückhalten. So sehr er Alles haben wollte, so sehr wurde ihm klar, dass diese neue Situation sehr zerbrechlich war. Einen Schritt zu weit und es hätte alles kaputt machen können. Zudem war hier nicht der richtige Ort und die richtige Zeit war auch noch nicht gekommen, um mit seiner Schönheit andere Welten zu betreten. Hinzu kam der Besuch, der gerade durch das Unterholz brach. Sofort zog sich Caylee zurück. Augenblicklich wusste der Rüde, wer da gerade die schöne Stille unterbrochen hatte. Zuerst blieb er einfach stehen. Hörte Tyraleens Worte und sah die Reaktion seiner... ja, Freundin? Tiberius wusste, warum sie irritiert war und sich offenbar fehl am Platz fühlte. Die weiße Fähe war ihre Mutter und der Gestromte war ihr, ja, Rüde? Ihr charmanter Rüde, der um sie warb. Nein, so nicht.
Der Hüne drehte sich um und wurde sofort von den bohrenden Blicken Tyraleens festgenagelt. Sie entblößte ihr Gebiss, drohte ihm. Ruhig, lässig und wieder mit diesem unbestimmten Lächeln trat er auf sie zu. Zuerst wirkte es so, als wolle er zum Schlag, zur Gegenwehr ansetzen. Keine Reaktion verriet in seiner Mimik, was er dachte. Unberechenbar in allen Zügen. Dann geschah allerdings etwas, das man so von ihm nicht noch einmal erleben würde. Seine Vorderläufe knickten ein und sein Haupt beugte sich dem Boden entgegen. Eine schnelle, aber eindeutige Geste. Er verbeugte sich vor der Weißen. Als er sich wieder aufrichtete, versuchte er sich ein wenig kleiner zu machen. Es gelang ihm lediglich nur auf Augenhöhe mit Tyraleen zu kommen. Langsam kam sein Fang ihrem näher.
“Kritik mit dem falschen Verhalten“,
er machte eine Pause, leckte ihr einmal kurz über die Lefzen,
“Und für dieses Verhalten möchte ich mich entschuldigen“, wohl aber nicht für die Kritik,
erneut leckte er der Weißen kräftig über die Lefzen. Die Gedanken ließ er lieber unausgesprochen. Damit hatte er ausdrücklich bekundet, dass er ihren Rang akzeptierte. Er richtete sich ganz auf und sah ihr nun tief in die Augen. Tiberius wollte der Weißen keine weitere Gelegenheit schenken, einen Groll gegen ihn zu hegen.
“Und mein plötzliches Verschwinden...“,
er hielt inne, warf einen Blick über die Schulter. Caylee stand immer noch an Ort und Stelle, als gehöre sie nicht zu dieser Situation. Ein liebevolles Lächeln huschte über seine Lefzen, nur kurz. Sie schenkte ihm diese Möglichkeit. Sie gab dem grauen Gemisch aus Leere Ausdruck. Der Gestromte wandte sich wieder an Tyraleen.
“ist auf meinen Hormonüberschuss zurück zu führen“,
in Gedanken versunken kniff er die Augen zusammen, als müsse er die Erinnerungen ausgraben. Eine Mischung aus Kopfschütteln und Nicken zeigte, dass er sich bezüglich 'seiner' Weißen nicht sicher war.
“Es ist schwierig“,
verriet er der Mutter,
“ungewohnt, vielleicht deswegen dieser unkontrollierte Ausbruch“,
ein Ansatz, den Tyraleen ruhig wissen durfte. Schließlich sollte sie doch einen guten Eindruck von ihrem 'Schwiegersohn' haben. Auch wenn er wusste, dass seine Ehrlichkeit oft das Gegenteil bewirkte. Ihm schien es nur fair, wenn auch sie die Chance bekam zu erkennen, was in ihm vorging. Schließlich zeigte sie mit ihren Worten, Handlungen und Gestiken was sie empfand. Ein offenes Buch. Tiberius hatte darin lesen dürfen, den gleichen Gefallen wollte er ihr auch tun.
[ Wald - nicht weit vom Rudel | Caylee und Tyraleen ]
26.03.2011, 13:20
Tiberius war ein stolzer Rüde, das war von der ersten Sekunde seines Auftauchens klar gewesen und auch jetzt wusste Tyraleen, dass diese Eigenschaft dem Gestromten angeboren war und so nicht einfach abgelegt werden konnte. Ihr war klar, dass man als Leitwolf die unterschiedlichen Charaktere der Wölfe akzeptieren und bestmöglich einsetzen musste, es sei denn, ihre Charakterzüge waren inkompatibel mit dem Rudel. Doch Tiberius war kein inkompatibler Wolf. Er war nur stolz. Sie würde nicht verlangen, dass er seinen Stolz ablegen sollte, doch sie verlangte, dass er ihr gegenüber Respekt zeigte, seinen Stolz für wenige Momente vergaß. Zunächst schien er genau dazu nicht bereit zu sein. Er trat auf sie zu, ohne eine Regung, doch dann schien auch ihm endlich bewusst zu werden, dass er so nicht mehr lange bei ihnen weilen würde. Er verbeugte sich, duckte sich leicht und leckte ihr dann über die Lefzen. Er unterwarf sich, deutlich und ohne einen Hauch von Spott. Die Weiße entspannte sich innerlich, auch wenn sie es sich nicht anmerken ließ. Es ging ja doch, hätte er sich von Anfang an so verhalten, hätte es all die Wut nicht gebraucht. Seine begleitenden Worte waren nachwievor nicht ganz so einsichtig, wie man es sich wünschte, aber das konnte ja noch kommen. Zudem entschuldigte er sich.
“Du scheinst mir noch immer nicht so ganz zu verstehen, warum deine Kritik unangebracht war – ob mit oder ohne falschem Verhalten. Du hast die Leitwölfe kritisiert, die es zu diesem Chaos hatten kommen lassen – aber sie existieren nicht. Bis zum heutigen Tag gab es keine Leitwölfe, doch nun musste jemand die Führung übernehmen. Es ist das Recht eines jeden, sehen zu wollen, ob Aszrem und ich dazu fähig sein werden. Doch uns jetzt schon zu kritisieren ist unangebracht, das darf dann geschehen, wenn wir versagen.“
Ihr Blick war nun weniger bohrend, eher wirkte er ein wenig müde, sie war es leid, immer wieder erklären zu müssen, was eigentlich offensichtlich sein sollte.
“Das alles konntest du nicht wissen, doch wie ein zeternder Spatz sich wichtig zu machen, war gerade deshalb vollkommen unangebracht. Du solltest erst fragen, merk dir das. Frage von nun an zuerst, bevor du deine momentan noch mehr als nichtige Meinung preisgibst. Dann nehme ich auch deine Entschuldigung an. Bis dahin darfst du bleiben, doch sei dir bewusst, dass Aszrem und ich dich im Auge behalten werden. Wir brauchen keinen Unruhestifter, der nicht nachdenkt, bevor er spricht. Wir müssen uns auf wichtigere Probleme konzentrieren.“
Sie fuhr sich über die Lefzen und betrachtete sich dann erneut ihre Tochter und die Blicke Tiberius‘ zu Caylee. Seine Erklärungen bezüglich des Verschwindens und dessen Gründe reihten sich in die Hinweise auf eine Verbindung zwischen den beiden ein. Sie würde mit ihrer Tochter reden – nicht, weil sie ihr etwas verbieten wollte, doch Caylee sollte sich bewusst sein, auf was sie sich da einließ.
“Halte deine Hormone das nächste Mal im Zaum, ich möchte nun keinen Ärger mehr mit dir.“
Sie wandte sich ab, es war Zeit, das Rudel auf den Rudelplatz zu führen.
“Folgt mir.“
[ Wald | Tiberius und Caylee ]
27.03.2011, 11:28
Ein durchdringender Ruf riss Jarrèll Nathaniêl unsanft aus seinen Tagträumen, ließ die Bilder vor seinem inneren Auge verschwimmen, schließlich verblassen und ließ ein Kribbeln durch seinen Körper fahren. Mit einem Ruck kehrte die Aufmerksamkeit des Silbergrauen an das Ufer des Sees und zu den beiden Fähen zurück, von denen sich eine erhoben hatte und mit fester Stimme sprach. Zu seinem Erstaunen war es jedoch nicht Majibáh die sich erhoben hate, sondern Jumaana, die wieder recht sicher auf den Pfoten schien. Ihre Frage nach danach, ob sie das Heulen ebenso vernommen hatten schien rhetorisch, keinem hörenden Wolf im Umkreis einer halben Tagwanderung konnte es entgangen sein, dessen war sich Jarrèll ziemlich sicher. Kurz nickte er der Weißen zu. Der dringliche Tonfall in dem langgezogenen Jaulen ließ keinen Zweifel daran, dass etwas Bedeutsames vorgefallen war und das Rudel nun Bericht erhalten sollte. Doch das war es nicht, was den Rüden schaudern ließ, es war die Melodie, die Melodie die er in diesem Rudel seit seiner Ankunft noch nie vernommen hatte, die Melodie des Rufes der Leitwölfe. Er hätte ihn aus Millionen wiedererkannt, eine Tonfolge die er einst verinnerlichte und seit vielen, vielen langen Monden nicht mehr gehört hatte. Es war mehr als nur einen Rudelversammlung einberufen worden, es war eine Entscheidung gefallen und verkündet worden, die viel verändern konnte für ihn, aber vermutlich alles veränderte für die, die in diesem Rudel aufgewachsen waren. Diese Verstörung klang auch aus den Worten der grünäugigen Fähe, als sie zwei Namen nannte, die Jarrèll jedoch nur wenig sagten. Als Jumaana sich zum Gehen wandte, folgte Jarrèll nicht sogleich, er zögerte und warf einen langen Blick auf Majibàh. Wieso folgte sie ihrer Schwester nicht? War etwas zwischen den beiden vorgefallen, während er selbst in törichten Tagträumen versunken gewesen war? Er konnte nicht verhindern, dass sich ihm diese Fragen aufdrängten. Etwas in ihm verlangte danach, der Blauäugigen diese Fragen zu stellen, sie zu trösten oder zu beschützen, sie zu fragen ob sie ihn zur Versammlung begleiten wollte, doch sein Verstand befahl dieser Stimme zu schweigen. Was die Fähe tat und was sie unterließ, war allein ihrer Sache, nicht seine und er würde es auch verdammt noch eins nicht zu seiner Angelegenheit machen. Stumm presste er die Lefzen zusammen, bevor er den Blick abwandte und seine Aufmerksamkeit auf den Pfad richtete, über den Jumaana eben die Ufer des Sees verlassen hatte und ihm mit behänden Tritten folgte.
Je näher er dem Versammlungsort kam, desto lauter vernahm er ein wirres Durcheinander von Stimmen. Was auch immer vorgefallen sein mochte, hatte einen Menge Aufsehen erregt und schien jeden dazu zu veranlassen, seine Meinung lautstark kund zu tun. Jarrèll Nathaniêl verlangsamte seine Gangart, als er sich dem Rudel bin auf wenige Schritte näherte. Über der Gruppe der Versammelten hing ein beißender Geruch nach Verwesung und Fäulnis, der sich mit dem Fährten der einzelnen Wölfe des Rudels mischte. Jarrèll unterdrückte den Brechreiz der in ihm hochstieg und zwang sich seine Aufmerksamkeit auf das zu richten, was er hörte, denn etwas erkennen konnte er durch die dichtgedrängten Leiber hindurch nur schwerlich etwas, lediglich auf einen weißen und einen dunklen Wolf fiel sein Blick, die im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen schienen und einen unförmigen, felligen Körper der ausgestreckt zu ihren Pfoten lag und offensichtlich tot war. Daher rührte auch der bestialische Gestank, kein Zweifel. Woran der Silberrüde allerdings zweifelte war die Sinnigkeit und die Struktur dieser Versammlung, die mehr wirkte wie ein lärmender, aufgebrachter Haufen verstörter Schaulustiger, der überhaupt nicht dem zu lauschen schien, was die allem Anschein nach selbst ernannten Leitwölfe dort vorne zu berichten hatten. Einmal davon abgesehen, dass Jarrèlls Meinung nach, die unmittelbare Nähe zu madenzerfressenen Tierkadavern besser mied, wenn man vorhatte Wichtiges zu verkünden. Die Tatsache, dass dieses tote Wesen, dennoch in ihrer Mitte lag ließ somit nur zwei logische Erklärungen zu, entweder, die beiden Wölfe dort vorne hatten völlig den Verstand verloren oder es gab einen triftigen Grund, diese stinkende Tierleiche zum Mittelpunkt einer Rudelsitzung zu erklären. Forschend ließ Jarrèll seinen Blick über die Anwesenden schweifen. Der Rüde und die Fähe, die er als ebenjene Fähe erkannte, die damals angeblich ihren Sohn getötet hatte um einen Gefährten zu retten, der jedoch heute nicht an ihrer Seite stand, wirkten jedoch recht autoritär und nicht so als wohne der Wahnsinn in ihren Köpfen, sah man von möglichem Größenwahn ab, im Angesicht der Tatsache, dass sie sich soeben selbst zu Alphatieren ernannt hatten, traf vermutlich eher letztere Vermutung zu. An diesem Tierkadaver musste es also noch mehr Bemerkenswertes geben, als nur seinen abscheulichen Geruch.
27.03.2011, 14:04
Der junge Wolf bekam von allem was gesagt wurde nur die Hälfte mit.
Besonders dieser fremde Wolf, der da auf Tyraleen und Aszrem rumhackte.
Für ihn war zumindest Tyraleen schon immer die Anführerin dieses Rudels gewesen, was auch der Grund war, dass es ihn kaum überraschte, dass sie zu der Versammlung aufgerufen hatten.
Kaum deshalb, weil er mit mehr Widerstand vom Rudel gerechnet hatte, dass nun Tyraleen doch (wieder) die Anführerin war.
Bei der letzten Versammlung wollte immerhin keiner von den Wölfen dass sie sich was heraus nahm, nachdem was passiert war.
Er hatte sich ein wenig vom Varg entfernt, stand aber immer noch ziemlich nahe an dem Leichnam, als ein Fremder zu sprechen anfing. Er beschuldigte die Alphawölfe nicht genug aufgepasst zu haben. Aber sie konnten doch auch nichts dafür. Und immerhin... es war doch nichts weiter schlimmes passiert, oder?
Es war doch niemand gestorben, oder?
Cirádan wusste es nicht, doch er glaubte, dass der entstellte und wütende Bär, der Nihil verletzt hatte, irgendwie mit diesem Varg zusammen hing. Dessen war er sich sogar hundertprozentig sicher.
Doch zurück zum Geschehen. Dieser Wolf, Tiberius der die Alphawölfe beschuldigte... Cirádan wusste im Grunde nicht, was Alphawölfe taten oder waren. Das einzige was er damit verband war, dass sie zu Versammlungen riefen. Und das hatte in seinem zerstückelten Gedächtnis schon immer Tyraleen gemacht.
Seine Ohren zuckten ungläubig, als so viele neue Informationen auf ihn einprasselten. Cirádan hatte nicht gewusst, dass es im Rudel keine Leitwölfe gegeben hatte. Er hatte nicht einmal darüber nachgedacht. Für ihn war alles immer so gewesen, wie es vorher war. Für ihn war es die Normalität.
Doch nach den Worten des Fremden, der nun von Tyraleen angeknurrt und zurechtgewiesen wurde, war es gar kein so normaler Zustand, wie er immer gedacht hatte – oder eben nicht gedacht hatte.
Nur halb beobachtete Cirádan die ganze Szenerie um den Fremden. Er verstand nicht, was das nun alles genau bedeutete. Ihn verwirrte es viel mehr und er war unheimlich froh, dass er nicht alt genug und auch nicht mutig genug war, um da einzuschreiten.
Außerdem gab es noch etwas, was ihn viel mehr beschäftigte. Nihil und Krolock. Cirádan machte sich furchtbare Sorgen, dass den beiden etwas passieren würde und immer wieder glitt sein Blick verloren in die Richtung, in der er die beiden zurück gelassen hatte.
Das Takashi wieder kurz bei ihm gewesen war, hatte Cirádan zwar wahr genommen, doch mehr auch nicht. Irgendwie fühlte er sich diesem Wolf nicht wirklich verbunden. Er spürte, dass da irgendwas sein musste, aber im Grunde schien ihm dieser Wolf wie ein Fremder. Wie fast alle im Rudel, was jedoch – und das war dem Jungwolf deutlich bewusst – nicht an den Wölfen um ihn herum, sondern an ihm selbst lag. Das es daran lag, dass er sich immer so abkapselte und versteckte. Das er sich selbst nicht zugehörig zum Rudel fühlte, sondern nur wie ein Klotz, eine Klette die sich ins Fell gesaugt hatte und die man schnell wieder loswerden wollte.
Und irgendwie war da noch etwas anderes. Caylee war kurz in seiner Nähe gewesen. Er würde gerne wieder mit ihr so rumrennen wie im Sturm, doch jetzt würde es erstmal unmöglich sein, schließlich mussten sie alle in Sichtweite bleiben... Doch um sie hatte er im Moment weniger Sorgen... Immerhin war sie unverletzt, wenn auch wieder etwas aufbrausend, auch wenn Cirádan nicht wusste warum. Aber das ging ihn wohl auch nichts an.
Und dann war Caylee und kurz darauf auch der Neuankömmling verschwunden.
Erst jetzt reagierte er auch wirklich auf Takashi, dem befohlen wurde sich die Gegend anzusehen. Cirádan hoffte nur, dass es das einzige Wesen seiner Art war, auch wenn manche Worte von den anderen Wölfen was anderes erahnen ließen.
Er nickte auf Takashis Worte hin. Ja, er würde bleiben. Aber es wäre ihm lieber, wenn jemand Nihil und Krolock holen würde.
Doch er war im Moment viel zu erschöpft um die beiden noch zu holen. Außerdem war er sich sicher, dass Krolock mit Nihil hier her kommen würde, sobald dieser sich etwas erholt hatte. Hoffentlich würde bis dahin den beiden nichts passieren...
Also blieb ihm nichts anderes übrig, als in der Nähe von Tyraleen und den anderen zu bleiben. Er wusste im Moment sowieso nichts weiter mit sich anzufangen, außer sich ein wenig auszuruhen. Das alles war einfach viel zu viel für Cirádan.
Dennoch würde er Sheena und Rakshee zurück zum Rudelplatz folgen... wo doch immer noch der Bär lag.
Aber irgendwie.. so entstellt der Bär auch war, war er ihm viel lieber als dieser Varg.
Aber erst einmal würde er sich einfach treiben lassen um sich dann endlich einfach ausruhen zu können.
[ Schlusspost für Cirádan in diesem Kapitel | bei anderen Wölfen]
27.03.2011, 22:51
Nerúi hatte darauf gewartet dass Tiberius ihr endlich antwortete, aber als er es schliesslich tat bekam sie davon kein Wort mit. Unerwartet hatte sie plötzlich Aszrems Kiefer über ihre Schnauze wieder gefunden, und im nächsten Moment sich selbst auf dem Boden. Winselnd und fiepend hatte sie versucht sich dem Griff zu entziehen, und hatte schliesslich nachgegeben und sich so platt wie möglich an den Boden gedrückt, die Augen angstvoll aufgerissen und hektisch hin und her blickend, kein Augenpaar länger als einen Moment im Blick behaltend. Allein Tyraleens Augen hatten sie einen längeren Moment festhalten können, bevor sie sich - geradezu ruckhaft - von ihnen abgewandt hatte. Alles war falsch. Einem dummen Wolf zu sagen dass er zuhören sollte war falsch, und einem Lügner zu sagen dass er ein Lügner war war auch falsch. Am Besten sie sagte überhaupt nichts mehr, zu niemandem. Die vorherigen Worte der Weißen kamen ihr wieder in den Sinn, und schmerzten mehr noch als die bittere Erkenntnis vor dem versammelten Rudel hier zu liegen, zu Boden gezwungen und unfähig sich zu befreien, ja, nicht mal mutig genug sich noch in irgendeiner Weise zu regen. Als Aszrem endlich von ihr ablies hatte Tiberius sich wieder den Leitwölfen zugewand, und Nerúi floh. Mit angelegten Ohren, eingezogener Rute und geduckter Haltung rannte sie davon, fort von der schrecklichen Menge des Rudels, die ihrer demütigenden Strafe völlig selbstverständlich beigewohnt hatte. Sie musste fort von den vielen Augen, aber Turién konnte sie an seinem alten Platz nicht mehr finden. Einen Moment verharrte sie im unseligen Schneegestöber, dann lief sie den Spuren hinter her, die halb am Rudel vorbei führten. Sie bemerkte dass die Wölfe sich sammelten, aber sie wollte Ihnen nicht länger nahe sein, keinem von Ihnen. Die Schwarzbraune fror nun so viel mehr als zuvor schon, und mit steifen Läufen stakste sie Turiéns Fährte nach. Sie konnte die Bestrafungen aktzeptieren, irgendwie, aber immer wieder hallten Tyraleens Worte in ihrem Kopf nach, brannten sich wie heiße Eisen in ihr Gedächtnis. Wir brauchen deine Hilfe nicht. Vielleicht sollte sie einfach gehen. Wenn sie nicht gebraucht wurde, was tat sie dann noch hier? Wenn sie keinen Wert für ihre Leitwölfe, für ihre Eltern hatte, warum lief sie dann nicht einfach so weit sie nur konnte, der Kälte und dem nächsten Varg entgegen? Sie wusste es nicht, und Trotz allein lies sie ihr ursprüngliches Ziel verfolgen. Sie wollte das alles nicht. Als sie Turién schliesslich in einem Busch fand warf sie sich einfach daneben. Er sah genau so aus wie sie sich fühlte, und ohne jedes überflüssige Wort drückte sie sich leicht an ihn, während die Kälte ihr durchs Fell drang und die Ästchen es zerwühlten. Es wurde immer nur schlimmer.
[Waldrand | Turién]
02.05.2011, 18:27
Im Moment war alles schrecklich.
Betrübt lag Turién im Dickicht eines Busches, der ihm Schutz bot - so fühlte er sich nicht mitten im Trubel, von allen Seiten allein gelassen. Wenigstens wusste er Busch in seinem Rücken und Busch an seiner Seite.
Er hatte die Augen geschlossen und versuchte angestrengt einzuschlafen. So wusste er wenigstens, dass er nicht über alles nachdenken, sondern still und ruhig hier liegen und schlummern würde. Leider war das natürlich leichter gedacht als getan. Wenn er die Augen schloss, waren seine anderen Sinne viel stärker. Er hörte die fernen Stimmen lauter, das knirschen des Schnees wenn er sich etwas bewegte, den Wind, wenn er kühl Schnee umherwirbelte und ihn erschaudern ließ. Er spürte den Untergrund intensiver, neben ihm war Schnee... Steinchen, ein kleiner Ast. Seufzend gab er es auf und bettete missmutig seinen Kopf auf seinen Vorderläufen, blinzelte in die Ferne. Immer wieder redete er sich ein, dass morgen alles besser sein würde. Dann würde Winter sein, und die Sonne scheinen - Sein Verständnis von Sommer und Winter war durcheinander; Immerhin hatte er den Winter als angenehm warm kennengelernt und den Sommer als kalt. Er versuchte sich an den Sommer zu erinnern, den er als erstes erlebt hatte. Da war es doch noch wärmer als im Winter gewesen... auch diesen Gedanken verwarf er einfach. Wie würde es sein einfach über nichts nachdenken zu müssen?
Als er gerade angestrengt dabei war, nichts zu denken, hörte er auf einmal Schritte in der Nähe und erstarrte. Die Schritte kamen näher und als sich plötzlich Nerúi neben ihn schmiss, hob er den Kopf und dann durchströmte ihn wohlige Wärme -, wahrscheinlich, weil sie sich an ihn drückte, und ihn so wärmte. Aber auch, weil er einfach glücklich war, sie zu sehen. Nerúi war von allen seine liebste Schwester und beste Freundin. Sie sah aber genauso unglücklich aus wie er.
Behutsam rieb er seinen Kopf an ihr und bettet seinen Kopf wieder auf seinen Vorderläufen, neigte sich dabei aber zu ihr herüber. Betrübt sah er sie aus seinen Augenwinkeln an, und fragte sich, ob sie genauso schrecklich über das gesagte dachte wie er. Vielleicht war auch alles viel einfacher und er machte ein großes Geschrei um nichts - dem Ausdruck auf Nerúis Gesicht zu folge, aber war sie genauso erschüttert über das, was geschehen war. Langsam sog er den Geruch ihres Pelzes auf und war, obgleich der irgendwie für ihn tragischen Entwicklung heute, neben ihr seltsamerweise... zufrieden.
"Ich brauch dich aber."
Sie würde wissen, was er meinte.
[Waldrand | Nerúi ]