23.12.2009, 14:51
Eine knappe Woche war vergangen, seit das Rudel sich gefunden hatte. Es war früh am Morgen, soeben begannen die ersten Strahlen der Sonne über den rosa-blauen Himmel zu ziehen, und die Vögel erwachten mit ihrem Aufgang. Bald schon war der ganze Wald erfüllt von Vogelstimmen, überall eilten Tiere umher, und das Leben schien es sich gut gehen zu lassen. Engaya hatte ihnen einen warmen Morgen geschenkt, was die Stimmung der Schwarzen Fähe deutlich herauf getrieben hatte. Das Rudel war noch in der Höhle, die groß genug war um allen Platz zu bieten, sodass niemand sich vom andern bedrängt fühlen müsste, nur Nyota saß im Eingang, und beobachtete den Wald.
Sanft streichelten die ersten Strahlen der Sonne den Himmel, sickerten durch die Bäume, und legten sich warm und angenehm auf Nyotas dunkles Fell. Ein Lächeln lag auf ihren Lefzen, auch wenn sie noch immer nicht ihre Fehde mit Acollon vergessen konnte, freute sie sich doch sehr über dieses schöne Wetter...
Ayala war in den letzten Tagen sehr zurückgezogen gewesen, sie beobachtete gerne. Sie sah sich Acollons Art genau an und dachte sich manchmal ihren Teil. Aber seit der "Nacht der Sternschnuppen" hatte Acolon kein Wort mehr über Engaya gesagt und sie auch nicht mehr beleidigt. Es war Ruhe eingekehrt, es war zwar eine etwas trügerische Ruhe, da niemand so richtig mit ihm klarkam, aber sie musste zugeben, er hatte sich gebessert und manchmal konnte man beinahe glauben, er gebe sich große Mühe...
Ayala gähnte, streckte sich und stand auf. Sie kam auf Nyota zu und setzte sich neben sie.
"Na, Alphachen, du bist so nachdenklich... bedrückt dich etwas?"
Lächelnd begrüßte Nyota Ayala, die überraschend früh auf war...
"Guten Morgen Ayala..."
Vorerst überging sie ihre Frage, doch schliesslich antwortete sie doch, wenn auch nicht sehr genau.
"Das Leben bringt Sorgen, Sorgen muss ich überdenken..."
Sie lächelte immernoch, und erhob sich.
"Begleitest du mich zum See?"
Acollon hatte in der letzten Woche nichts gefressen und war mies gelaunt durch die Gegend gestapft. Er konnte stundenlang auf einem Felsen sitzen und ins Leere starren und wiederum war er rastlos und war aufgebracht. Die Worte der Göttin und die Bilder die er gesehen hatte, hatten ihn wütend gemacht.
Ab und zu mal war er an das Seeufer geschlendert und hatte vergeblich ins Wasser gestarrt.
Er hatte nichts gefunden was seine Wut lindern würde.
Den Fähen war er aus dem Weg gegangen. Nur einmal hatte er grummelnd aus Langeweile gejagt und das tote Tier vor die Höhle gelegt.
Die Gedanken des Rüden waren wirr und er konnte sie nicht ordnen. Wenn die Göttin die Welpen getötet hat, müsste sie auch ihn töten, denn er genauso grausam.
Acollon lag wieder mal auf dem Felsen und starrte aus das Wasser, die Sonne glitt langsam auf ihn zu. Er wollte nicht das es gemütlich warm wurde, er wollte sich mit Absicht unbequem hinlegen um ja nicht ein zu schlafen.
Ein leichter Wind säuselte durch die Blätter, es rauschte herrlich.
Banshee hatte, wie so oft in wärmeren Nächten, draußen geschlafen und genoss jetzt die ersten Strahlen der Morgensonne. Sie gähnte einmal genüsslich, setzte sich auf und ließ ihre Augen über den moosigen Boden gleiten. Ganz in der Nähe musste die Höhle sein, sie hatte sich gestern Nacht etwas weiter entfernt, als sonst. Jetzt überlegte sie, ob sie zurück sollte, entschied sich aber zuerst zum See zu gehen und ein kühles Morgenbad zu nehmen. Sie erhob sich und lief durch den erwachten Wald, alles lebte und sie erfreute sich an dieser Schönheit. Als sie aus dem Wald trat, schimmerte der See im Licht der Sonne und kurz blieb sie verzaubert stehen, dann entdeckte sie Acollon auf dem Felsen. Noch immer am Seeufer verharrend beobachtete sie Acollon. Schon länger hatte sie ihn nicht mehr gesehen, was er getan hatte, wusste sie nicht, nur einmal hatten sie einen Hasen vor der Höhle gefunden ...
Ayala lächelte Nyota an:
"Warum nicht? Gerne..."
Ayala setzte sich in Bewegung, allerdings langsam und gemächlich, denn sie war noch etwas müde. Sie lief neben Nyota her und wartete, ob diese etwas sagen würde. Dann fragte sie vorsichtig:
"Was meinst du denn mit Sorgen? Hier ist doch alles so wunderschön und friedlich...? Oder meinst du...Acollon?"
Bei diesen Worten blieb Ayala stehen und sah der anderen Fähe in die Augen, aber keinesfalls, als wollte sie ihr drohen, sondern eher, um ihr zu zeigen: Du musst mir nichts sagen, ich kann dich verstehen!
Acollon entdeckte die helle Fähe namens Banshee.
Acollon erhob sich und starrte zu der Fähe. Vielleicht duldete sie seine Anwesenheit nicht?!
Aufrecht und majestätisch starrte er zu ihr.
Ein leichtes und ungewolltes Lächeln huschte über seine Lefzen.
Banshee verharrte noch kurz an ihrem Platz, dann setzte sie sich in Bewegung, auf Acollon zu. Sie wusste nicht, was sie tun sollte, so setzte sie sich in seiner Nähe an Seeufer, fuhr mit der Pfote durch das Wasser und sah dann zu ihm auf.
"Wo bist du gewesen? Wir haben uns gewundert ..."
Still sah Acollon zu Banshee. Sein Blick war kühl und doch bestimmt.
"Ich habe nachgedacht"
sagte er leise, aber so das Banshee seine Worte hören konnte.
Der Wind wurde stärker, doch die Sonne wärmte langsam Acollons Fell. Er zog sich widerwillig zurück. Aus dem Schatten her sah er sie an.
Banshee kräuselte leicht die Lefzen, nicht unfreundlich sonder mehr fragend.
"Ist etwas in deinem Leben passiert, worüber du solange nach denken musst?"
Sie ließ sich nieder und sah ihn an, fragte sich, was für eine Vergangenheit er haben konnte, wo er so geworden war.
Nyota blieb ebenfalls stehen, und beantwortete Ayalas Blick, doch in ihren Augen lag nichts, was man als Antwort hätte auffassen können. Es dauerte einige Minuten bis sie denn sprach.
"Sagen wir, Neuerungen können auch Sorgen bereiten..."
Sie setzte ihren Weg fort, und richtete ihre Augen wieder auf den weg, um zu signalisieren das sie keine weiteren Fragen zu dem Thema beantworten würde. Nicht lang liefen sie, als die Bäume sich vor ihren Pfoten lichteten. Zu ihrem größten Ärger entdeckte Nyota als erstes Banshee und Acollon, nicht weit des Ufers im Schatten liegend. Doch ihre Mimik blieb unverändert, sie nickte Banshee zu und schien Acollon nicht zu sehen, stumm hatte sie die Strafe 'Ignorieren' über ihn verhängt, bis sie die Zeit für gekommen sah, da er ihrer Aufmerksamkeit wieder würdig sei. Sie trank ein wenig, und wartete bis auch Ayala fertig wäre.
Acollon setzte sich hin und sah Banshee in die Augen. Sie hatte hübsche Augen, doch eine Spur von Schärfe lang in ihnen.
"Etwas was nicht lebenswert ist!"
sagte er stur, als er die Schwester von Banshee sah.
.oO(Ja, das Leben! Es war schwer und hart, doch passte man nicht auf, so würde es wunderschön werden! )
Acollons nächste Worte waren gewählt und klar:
"Ich hatten an das geglaubt, was sie tat! Und sie nie verurteilt, doch nach einem gewissen Erfahrungsgrad, fällt es mir schwer zu verzeihen!"
Er hatte kurz zum Wasser genickt. Die Sterne waren noch nicht zu sehen, da es Tag war.
Ayala merkte deutlich, dass Acollons Anwesenheit Nyota nicht gefiel.
Sie bemerkte aber auch, dass Nyo nicht darüber sprechen wollte, es war allein ihre Sache.
Ayala begrüßte Ban mit einem Stups ins Nackenfell und zu Acollon sagte sie ruhig und kurz:
"Hi!"
Dann folgte sie Nyo zur Wasserstelle, bis sie ihren Durst gelöscht hatte. Danach blickte sie Nyota fragend an: Was wollten sie jetzt tun? Weiter hier bleiben? Oder weiter durch den Wald laufen?
Sie suchte in ihren Augen eine Antwort...
Nyotas Blick wanderte noch einmal zu Banshee, und sie unterdrückte das Verlangen ihr eine Grimasse zu schneiden. Dann wand sie den Blick wieder Ayala zu, die neben ihr stand.
"Gehen wir Jagen?"
Fragte sie die Fähe, und legte den Kopf schief. So konnten die beiden sich auch ein wenig auf einander einspielen, und würden sich etwas besser kennen lernen. Zumindest fand Nyota, das eine Jagd so etwas wie eine Verabredung war, um zu sagen 'Hallo, ich mag dich.'
Banshee sah Acollon an, plötzlich empfand sie Mitleid mit dem Rüden, der vor ihr saß. Sie wusste, dass er ihr Mitleid nicht ertragen würde, so sagte sie nichts, sah ihn nur an. Die Narben, die sich auf seinem Körper verteilten zeugten von nichts gutem. Ihre Stimme war plötzlich belegt und sie räusperte sich leise.
"Was ist passiert?"
Sie fühlte sich plötzlich unwohl, als hätte sie etwas gefragt, was ihr verboten war. Noch immer stand Mitleid in ihren Augen, was sie noch immer versuchte zu verbergen.
Ayala freute sich über Nyos Vorschlag sehr...sie wusste, was sie ihr damit sagen wollte...
"Seeeeeehr gerne!"
grinste sie Nyo an.
"Warst du hier schon mal Jagen? Ich kenn mich noch nicht so gut aus, aber vielleicht finden wir ja was Neues, Schönes... Lass uns einfach losgehen!"
Mit diesen Worten fing die weiße Fähe an, loszulaufen und ausgelassen rum zu springen. Sie blickte erfreut zu Nyo. Ayala wusste, dass man so kaum Jagen konnte, aber zuerst konnten sie ja noch etwas Toben, Nyo war zurzeit immer so ernst, vielleicht konnte sie ihre Laune ja etwas aufbessern...
Die andere weiße Fähe hatte Acollon begrüßt. Doch Acollon blieb stumm, Worte würden hier falsch sein. Seine Worte auf jeden Fall. Er sah zum See.
.oO(Engaya, gib doch irgend ein Zeichen von dir, dass du auch mir verziehen hast, bitte! )
Sein Flehen war auf das Geschehen in jener Nacht zurück zu führen.
Er wusste, dass er der Göttin seine Untreue bewiesen hatte.
.oO(Auch ich bin nur ein Wolf, du hast mich auf meinem Weg geführt und geleitet, aber immer hast du mich alleine gelassen.)
Acollon rief sich die Worte einer Wölfin in Erinnerung, die wegen ihm gestorben war.
"Ich teile dich nicht gerne! Ich will dich für mich alleine haben! Deswegen sterbe ich lieber, als das dich jemand aneres vor mir bekommt und ich es sehen muss."
Acollon waren die Worte rätselhaft erschienen und auch jetzt konnte er nichts damit anfangen, vielleicht würde er irgendwann mal fragen ... Hatte die Göttin Engaya ihm es so auferlegt?! Er richtete sich auf und sah zum Himmel...
.oO(Nur ein Zeichen!)
Hoch über den Bäumen, über dem Himmel, an einem unbekannten Ort, hörte Engaya die Gedanken eines Wolfes, die für sie gedacht waren...
Eine weiße Wolke bildete sich, und schwebte langsam, vom Winde getragen und verändert, über den Himmel...die Form der Wolke, war einer einzigen Rune ähnlich. Der Rune für Vergebung.
Nyota lächelte zufrieden bei Ayalas Antwort, und folgte ihr in schnellem Lauf in den Wald zurück. Als sie auf gleicher Höhe mit ihr lief, antwortete sie.
"Noch nicht, aber bald!"
Sie lachte, und schubste Ayala um, während sie schnell davon hüpfte.
Banshee blickte weiterhin Acollon an, wollte er ihr nicht antworten? Oder dachte er noch darüber nach, was er sagen wollte? Sie folgte seinem Blick auf den See ... dachte er an Engaya und die Geschehnisse der vergangenen Nacht?
"Banshee"
sagte Acollon leise, er war erschrocken wie grausam sich dieser Name aus seiner Schnauze anhörte.
"Vergessen wir das alles"
sagte er weiter. Er konnte nicht anders, die Augen der Fähe waren zu rein, zu klar... Er konnte nicht hinein sehen. Engaya vergab ihm... die Wolken. Nun war er dran.
"Ich muss mich entschuldigen."
Er kniff die Augen zusammen, diese Worte taten gar nicht weh, und er konnte sie auch ganz klar aussprechen. Begeistert sah er Banshee an.
Ayala rappelte sich so schnell wie möglich auf und raste Nyota hinterher...Sie war einfach nicht schnell genug!!! Sie musste sich etwas anderes einfallen lassen. Sie blieb stehen und versteckte sich hinter einem Busch - Nyo würde sicher bald merken, dass sie fehlte und sie suchen...
Ayala wartete...sie hörte, wie sich jemand näherte, machte sich zum Angriff bereit - doch sie war mal wieder selbst das Opfer!
Sie wurde von hinten angesprungen und erschrak.
"Hilfeeeeeee! Ach, Nyo, na warte!"
Nyo hatte sie mal wieder durchschaut und ausgetrickst! Aber Aya war schnell genug, rappelte sich auf und warf sich auf die verdutzte Nyo.
Lachend fiel Nyota unter Ayala zu Boden, kugelte ein kleines Stück übers Moos und sah grinsend zu Ayala auf.
"Und wir sollen Jäger sein? Wenn wir noch nicht einmal Reh und Wolf auseinander halten können?"
Sie kicherte und erhob sich wieder, kniff Ayala sanft in die Seite und sauste schnell davon, bis sie hinter einem Baum verschwunden war. Jedoch nicht um Ayala erneut zu überraschen, sondern um das Spiel zu beenden und die Jagd einzuleiten. Ihre letzte Mahlzeit war schon etwas her, und sie war sicher das es hier irgendwo etwas Fressbares gab.
Yakatavo schlich umher, er suchte einen Rastplatz. Irgendetwas wo er sicher war. Er war weit gelaufen und wollte sich endlich ausruhen.
Ayala hatte ebenfalls Hunger ... Mit knurrendem Magen fragte sie Nyo:
"Kennst du eine besonders gute Stelle?"
Dann sah sie die andere Fähe an und wartete ab.
Nyota trat zu Ayala und hielt die Nase in den Wind.
"Nein, leider nicht..."
Sie wollte sich wieder in Bewegung setzen, als ihr plötzlich ein fremder Geruch zugeweht wurde. Ihre Bewegungen gefroren, und sie wand den Blick zu Ayala. Beinah andächtig leise sprach sie.
"Es kommt jemand! Ein Rüde..."
Sie wollte sofort los rasen, um den Neuankömmling zu begrüßen, doch was wäre dann mit ihrer Jagd?
"Wir jagen wenn wir ihn uns angesehen haben ja??"
Sagte sie eilig, und begann zu laufen, dem fremden Geruch entgegen. Wie der Neue wohl war..?
Plötzlich sah Yakatavo einen Wolf zwischen den Bäumen. Er blieb stehen. Sollte er weglaufen, oder lieber stehen bleiben? Er konnte nur bleiben. Er war wie eingefroren. was sollte er tun?
Ayala hatte nichts dagegen einzuwenden, im Gegenteil, gegen einen neuen Rüden hatte sie natürlich auch nichts...inzwischen nahm sie den fremden Geruch auch wahr...sie freute sich...vielleicht ein neues Rudelmitglied...
Ayala raste ebenfalls los, krachte nach kurzer Zeit aber mit Nyota zusammen, die stehen geblieben war.
Sie sah den fremden Rüden - vom ersten Eindruck war sie gleich angetan...er sah sehr nett aus
Banshee sah zu Acollon auf und lächelte.
"Wenn du willst ..."
Sie erhob sich ebenfalls und im gleichen Moment wurde ihr der Geruch eines fremden Rüden zu getragen.
"Ein Fremder ... kommst du mit, ihn begrüßen?"
Banshee sah Acollon an und lächelte noch immer.
Als eine zweite Fähe hinzutrat, fing sich Yakatavo wieder. Er setze sich hin. Herausfordernd? Abwartend? Ruhig? Er wusste es nicht. er setzte sich, weil er nicht wusste was er jetzt tun sollte.
Acollon starrte erst zu Banshee, doch dann lächelte er und sprang von seinem Felsen hinunter.
"Gerne"
sagte er leicht und trabte los. Warum war er so nett?! Er versuchte zu sein wie sie. Er versuchte auch etwas Freude zu verbreiten...
Banshee lächelte Acollon von der Seite an. Spürte sie da nicht etwas an ihm? Freude? Na also .. ihr findet doch jeder sein Glück. Zufrieden sah sie sich um und entdeckte nebn der Schönheit ihres Reviers drei Wölfe, Nyo, Ayala und der fremde Rüde. Freundlich trat sie hinzu und übersah etwas die Schüchternheit des Rüden.
"Hallo, ich bin Banshee, die Alpha des Sternenwind Rudels, und wer bist du?"
Sie lächelte vergnügt und fragte sich gleichzeitig, warum sie eigentlich so glücklich war.
Yakatavo war erleichtert. Die Wölfe schienen nicht sehr böse zu sein. Er schaute sie an.
"Ich bin Yakatavo. ich komme von weit her und suche ein Rudel, das mich aufnimmt."
meinte er dann. seine Stimme war fest und er hatte keine Angst mehr.
Ayala sah, dass sich zwischen Ban und Acollon irgendetwas verändert hatte, so, als würden sie ein Geheimnis teilen ... Sie wollte sich nicht vorstellen, bevor die Alphas dran waren, deshalb wartete sie noch auf Nyos Reaktion.
Acollon gesellte sich zu den Wölfen und starrte den anderen Rüden kurz an, dann wandte er seinen Blick wo anders hin. Genug mit der Freundlichkeit für heute, er musste ja nicht jedem Fremden gleich begrüßend entgegen kommen ...
Still blieb er stehen und lauschte den Worten der anderen.
Banshee antwortet fröhlich und etwas zu ausgelassen.
"Na dann hast du eins gefunden, willkommen!"
Sie drehte sich breit lächelnd zu Nyo und Ayala um und wedelte heftig mit der Rute. Dann bemerkte sie Ayalas Blicke zwischen ihr und Acollon und ihr wurde wieder etwas seltsam ... warum sah Aya sie so an? Sie schüttelte schnell die Gedanken ab und zupfte ihre beiden Schwestern am Fell.
"Nun stellt euch unserem neuen Rudelmitglied auch mal vor!"
Nyotas, eben noch fröhliche, Stimmung schlug schlagartig um, als Banshee und Acollon auftauchten. Wie hatten die so schnell mitgekriegt das ein Neuer da war? Und auch die Blicke die Ayala dem Fremden zuwarf gefielen ihr nicht. Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und jagte davon, sollte Banshee sich doch selbst vorstellen! Sie rannte wie besessen, nur weg, nur weg, dachte sie. Die Bäume flogen an ihr vorbei, sie achtete nicht weiter auf ihren Weg. Keiner würde ihr folgen, dachte sie, und das war auch besser so für die Betreffenden. Immer heftiger schlugen ihre Pfoten auf dem harten Untergrund, wo sie lief war längst kein Moos mehr auf dem Boden, und wie ein finsterer Schatten wirkte sie mit ihrem schwarzen Fell. Immer nur Ärger! Sie hätte die Jagd mit Ayala nicht verschieben sollen, dachte sie bei sich, und versuchte immer noch schneller zu laufen. Wie weit der See nun schon hinter ihr lag, wusste sie nicht, auch hatte sie nicht bemerkt das sie die Reviergrenzen längst überschritten hatte...die Bäume wurden weniger, sie kam in ein felsiges Gebiet, das sie nicht kannte. Für einen Moment blieb sie stehen, und sah sich um, bevor sie begann die Felsen heraufzuklettern. Wann sie zurückginge wusste sie nicht, sie hatte fürs erste genug von Wölfen...vermutlich konnte keiner verstehen was ihren Stimmungsumschwung bewirkt hatte, so genau konnte sie es sich selbst nicht erklären, aber sie fühlte sich einfach nur schlecht, und gab den anderen die Schuld daran. Hoch oben legte sie sich auf einen Fels der es ihr ermöglichte den ganzen Wald zu überblicken...von oben sah das alles so friedlich aus...
Banshee blickte ihrer Schwester verwirrt nach. Oh nein ... Sofort war ihre Freude verschwunden. zu Ayala gewand sagte sie:
"Kannst du dich um Yak kümmern? Ihm alles zeigen?"
Ohne ihre Antwort ab zu warten, raste sie ihrer Schwester hinter her. Sie verstand sie nicht richtig und doch wusste sie, was in Nyota vorging. So war es immer gewesen, Banshee konnte es einfach spüren, auch ohne es in Worte fassen zu können. Als sie die Reviergrenze überschritten zögerte sie kurz, folgte Nyo dann aber weiter, Ayala hatte alles in ihrer sicheren Pfote, ihr konnte sie vertrauen. Endlich hielt Nyo an und ließ sich auf einem Felsen nieder. Leise trat Banshee zu ihr. Ohne Worte zu brauchen, versuchte sie ihrer Schwester Trost zu spenden und ihr zu zeigen, dass sie sie verstand.
Nyota wollte fliehen wovor sie sich niemals verbergen könnte, fliehen vor Engaya, dem Leben, sogar ihrer Schwester...stumm akzeptierte sie nun gezwungenermaßen Banshees Anwesenheit, doch beim näheren Nachdenken musste sie zudenken das sie eigentlich froh darüber war, ihre Anwesenheit spüren zu können. Seufzend drückte sie den Kopf gegen Banshees Lauf, ihre Blicke folgten einem Schwarm Vögel, der über den Bäumen hinweg zog...so sollte das Rudel funktionieren, so koordiniert...die Lieder wurden ihr schwer, und um ihre unbegründeten Tränen zurückzuhalten schloss sie sie.
.oO(...danke...)
dachte sie, es war an Engaya gerichtet, dafür das sie Banshee hatte.
Banshee spürte Nyos Schnauze und sah die winzigen Tränen, die darüber flossen. Langsam legte sie sich neben ihre Schwester und wusch sanft eine Träne vom Fell.
"Für jede Träne wird heute Nacht Engaya dir einen Sternenwind schicken ... glaube an dein Glück, Schwester, so wie ich es für dich tue und immer tun werde."
Liebevoll legte sie ihren Kopf an die Schulter ihrer Schwester.
Ein leichtes Lächeln legte sich auf Nyotas Leftzen, und ihre Blicke wanderten zum wolkenlosen Himmel, an dem die Sonne als Goldball stand, und sie blendete.
"Es wird eine helle Nacht..."
, sagte sie leise, und schmiegte ihren Kopf an den ihrer Schwester...es würde noch ewig dauern bis es Abend wäre, gerade erst war die Sonne gen Himmel gestiegen..aber vorher würde sie nicht wieder unter die Augen der Rüden treten..was mit Ayala war, darüber war sie sich noch nicht im klaren...vielleicht konnten sie ihre Jagd in der Nacht fortsetzen...
Acollon verstand das nun gar nicht mehr, was hatte den diese schwarze Fähe schon wieder?! Vielleicht wollte sie einfach mal alleine sein, vielleicht war es besser Acollon würde weiterziehen. Ja, so würde er sich zwar dem Willen Engayas widersetzen, aber so viel verstand er hier überhaupt nicht. Und auch so hatte er sich das Rudelleben nicht vorgestellt. Erzählt wurde immer, dass die Alpha freundlich und neutral wären. Von wegen... Trotz seines Verhaltens wäre ja eine kleine Starthilfe gar nicht so schlecht!
.oO(Nun denn, ich werde dieses Rudel wohl verlassen müssen!)
Seine Gedanken verdunkelten sich. Er war in den letzten Tagen doch nett gewesen. Nein, das ist nicht wahr, er hatte sich still niedergesetzt und kein Wort gesprochen. Er blickte kurz zum Himmel und nahm all sein Mut zusammen. Schließlich lief er den Fähen hinterher, der Boden wirbelte unter seinem Tempo auf. Er erreichte die Grenzen des Reviers. Da sah er sie beiden. Die Schwester an einander gekuschelt. Langsam schritt er voran und sprang leichtpfotig den Felsen hinauf. Als er vor ihnen stand, setzte er sich und schaute in eine andere Richtung.
Banshee lächelte und nickte leicht.
"Ja, bald ist auch Vollmond ..."
Banshee freute sich auf den Tag, an dem Engaya ihr Gesicht zeigte, diese Nacht war immer heilig. Etwas verträumt dachte sie an das strahlende Antlitz, als plötzlich Acollon auftauchte.
.oO(Oh, oh ...)
Jetzt kam es auf sie an, dass nicht schon wieder Streit ausbrach.
"Bitte vertragt euch, wir sind ein Rudel. Ich bitte euch in Engayas Willen, lasst uns in Frieden leben."
Acollon sah die beiden immer noch nicht an.
"Ich hatte auch nicht vor irgendetwas verletzendes zu sagen"
sprach er leise. Seine Haltung war seltsam entspannt und auch irgendwie freundlich. Er sah zum Himmel. Der Wind war warm und rauschte in den Blättern.
.oO(Engaya, soll ich wirklich dieses Rudel verlassen?!)
Der Rüden saß etwas abseits der anderen beiden Fähen, er wollte mit seiner Anwesenheit niemanden stören, dass er gekommen war sollte eigentlich zeigen, dass er für das Rudel da sein wollte.
"Was ist denn?"
fragte er leise. Doch mochte er die beiden nicht ansehen, dabei wurde ihm schlecht, es war so viel Liebe in den beiden Fähen, so etwas hatte er nie gehabt.
"Der Mond nimmt zu"
sagte er so leise, dass der Wind seine Worte überspielte.
Banshee lächelte, er wollte sich nur unterhalten. Sanft berührte sie ihre Schwester an der Schnauze und antwortete Acollon.
"Ich weiß ..."
Es war eigentlich auf alles bezogen, auf den ersten Satz wohl mehr, aber das wusste ja niemand ...
"Es ist schön, dass du gekommen bist."
Noch einmal berührte sie die Schnauze ihrer Schwester und lächelte dann die beiden an.
Acollon wandte langsam den Blick zu beiden Fähen.
Das erste Mal in seinem Leben lächelte er im wirklichen Sinne jemanden nett an.
"Ja, ich wollte nur wissen ob alles okay ist!"
sagte er leise. Er setzte sich und ließ sich den Wind durch das Fell wehen. Sollte er jetzt bleiben?! Durfte er bleiben?! Schließlich war er immer so unfreundlich gewesen und er würde auch nicht so schnell seine ganze Wesensart ändern können, schließlich war er lange Zeit alleine gewesen.
Banshee lächelte wieder, sie freute sich über seine Worte und hoffte, dass auch Nyo sie verstand.
"Ich denke es ist alles ok ..."
Sie setzte sich langsam auf, wollte Nyo noch hier bleiben? Sie würde so lange bleiben, bis ihre Schwester zurück wollte. Sie ließ ihren Blick über die Landschaft gleiten und blieb an einer Herde Rehe nahe dem See hängen.
"Wir könnten Heute auf Jagd gehen ..."
Ryai tobte voller Lebenslust durch die Berge. Er spürte die Sonne auf seinem Fell und wollte nichts, als mit dem Wind dahin laufen. Seine Pfoten trugen ihn schnell weit hinfort. Als ein Rabe aufflog, weil er mit riesigen Sprüngen auf ihn zu jagte, folgte er ihm aus reiner Lust am Laufen. Es kam ihm vor, als hätte er selbst Flügel und konnte jeder zeit vom Boden abheben. Nichts hielt den Wirbelwind auf, auch nicht die Reviergenze, die er eben überrannt hatte. Als ihm die Witterung von Wölfin in die Nase stieg, hielt er inne. Aufmerksam wurden die Ohren nach vorne gestellt. Wölfe? Noch nie war er welchen begegnet, mit Ausnahme seiner Eltern. Was er jetzt tun sollte, vermochte er nicht zu sagen, denn das hatte er in seinem Leben noch nicht gelehrt bekommen. Seine braunen Augen wanderten zwischen den Bäumen hindurch, ob er jemanden erspähen konnte, doch da war niemand. Nun etwas langsamer, aber immer noch wild wedelnd lief er weiter, immer tiefer in das Revier hinein. Was war er neugierig, nichts entging dem jungen Rüden, kein Geräusch und kein Bild. Noch eine ganze Weile hatte er weiter laufen müssen, ehe er eine schwarze Wölfin erspähte.
Aufeinmal verließen Yakatavo alle Wölfe wieder.
"Ich würd ja gerne bei euch bleiben..."
sagte er mehr zu sich selbst. Dann merkte er, dass eine weiße Fähe noch da war. Er schaute auf.
"Hi du"
meinte er lächelnd. Sie war schön und sie gefiel ihm.
Banshee stellte die Ohren auf und erhob sich ganz.
"Ein weitere Wolf ..."
Sie sah von Acollon zu Nyota und sprang dann vom Felsen. Sie waren außerhalb ihres Reviers aber ganz in ihrer Nähe hatte gerade jemand die Grenze überschritten. Mit schnellen Sprüngen gelangte auch sie wieder in ihr Revier und sah kurz darauf einen Wolf zwischen den Bäumen. Er schien noch recht jung zu sein und unsicher. Sie trat zwischen den Bäumen hervor und lächelte ihn an.
"Willkommen, Fremder. Ich bin Banshee, Alpha des Sternenwind Rudels, dessen Revier du gerade betreten hast."
Sie sah sich kurz nach Nyo und Aco um, doch noch war nichts zu sehen von ihnen. Hoffentlich kamen sie nach.
Acollon sprang auf, warf der schwarzen Fähe noch einen Blick zu und lief Banshee hinterher. Ich lief durch das dichte Unterholz und erreichte sie. Leicht keuchend sah ich auf, wenn dieser Wolf nicht in friedlicher Absicht käme, würde er handeln.
.oO(Engaya, ich habe meine Familie gefunden, lass mich ruhen, lass mich eine Pause. machen! Lass mich hier sterben!)
dachte er und lächelte fast glücklich, doch der Anblick des Fremden entlockte ihm ein Knurren.
Er stand bereit neben Banshee.
Ayalas Gedanken waren bei Nyo, was war mit ihr los gewesen? Hatte sie etwas Schlimmes getan? Sie verstand sie nicht, sie wäre ihr gerne gefolgt, aber sie wusste, dass Nyo das nicht wollte, Ban kannte sie besser und wusste bestimmt, was in ihr vorging. Dann wurde sie von dem fremden Rüden aus ihren Gedanken gerissen - wie hatte sie ihn nur vergessen können?
"Hi, ich bin Ayala, wie du es eben schon gehört hast."
Sie sah ihn musternd an, dann meinte sie:
"Ich freue mich, dass du zu uns gefunden hast, soll ich dich etwas herumführen?"
Sie blinzelte ihn freundlich an und wartete ab...
Ryai drehte sich um, als er Besuch bekam. Wedelnd trat er auf die weiße Wölfin zu.
"Mich nennt man Ryai, ich bin ein Wanderer auf der Suche nach seinen Träumen."
Er lächelte sie freundlich an und begutachtete dann die anderen. Mit einer gewissen Naivität schenkte er auch Acollon ein Wedeln. Als eine weitere Wölfin in seinem Blickfeld auftauchte, nickte er ihr zu.
"Ich grüße euch alle."
Wedelnd stand er da und sah die drei an. Er hatte nie in einem Rudel gelebt und keinerlei Ahnung wie man sich verhielt. Seine hocherhobene Rute hätte man leicht als Herausforderung verstehen können, was dem unerfahrenen Rüden selbstverständlich nicht bewusst war. Er hatte andere Wölfe gefunden, was weiter geschehen würde vermochte er nicht einmal zu erahnen.
Sollte dies Verhalten des Rüden drohend sein?! Sollte sie provozieren?! Ja, dann hatte dieser Wolf erreicht was er wollte. Acollon war fast auf ihn gesprungen, doch er hielt sich zurück und sah ihn wütend an. Kein Laut entfuhr ihm.
Der Himmel senkte sich und Wolken zogen auf. Es wurde leicht windig.
Banshee lächelte, sie sah die Gesten des Rüden und wunderte sich ein wenig, doch schon alleine seine Worte genügten, um zu verstehen, dass er wohl nicht viel verstand. Ein Blick galt Acollon, der wohl auch nicht viel verstand ... eigentlich wer verstand schon etwas? Banshee gluckste amüsiert auf, wurde dann aber wieder ernster.
"Willkommen Ryai, suchst du ein Rudel?"
Dann bemerkte sie Acos Zorn.
"Hey, ..."
sagte sie sanft.
"...er ist noch sehr jung."
Ryai legte den Kopf schief. Hielt man ihn für merkwürdig? Er wedelte einfach tapfer weiter.
"Ich weiß nicht ob ich auf der Suche nach einem Rudel bin, aber ich wollte der Einsamkeit entrinnen. Es ist das erste Mal das ich Wölfe, außer meinen Eltern, sehe."
Er lächelte freundlich, ein bisschen unbeholfen vielleicht.
"Ich hab noch nie zu einem Rudel gehört, gibt es da Dinge die man wissen muss?"
Banshee lächelte, na also, sie hatte ja Recht gehabt.
"Nun, wenn du willst kannst du bei uns bleiben. So lange du willst."
Sie schwieg kurz und fragte sich, wo Ryai gelebt haben musste, ohne etwas über ein Rudel erfahren zu haben.
"Nun, wenn du in einem Rudel lebst, musst du dich Ranghöheren unterwerfen und auch selbst etwas für den Zusammenhalt der Gemeinschaft tun. Nicht andere beleidigen oder so ..."
Ihr fiel es schwer so etwas zu erklären. Eigentlich sollte man so etwas auch nicht erklären, man lernte es als Welpe und ab da war es für immer im Gedächtnis verewigt ... nur bei diesem Rüden schien es anders zu sein.
"Woher kommst du, dass du diese Dinge nicht weißt?"
fragte sie interessiert und setzte sich hin.
Die Schwarze war stumm geblieben als Acollon plötzlich aufgetaucht war. Man konnte sein Verhalten sowohl als freundliche Geste sowie als störendes Verhalten deuten, und ihrer Schwester zu liebe entschied Nyota sich für Ersteres. Seine Worte machten sie nachdenklich, und so nickte sie nur zu Banshees Antworten, sie würde schon das Richtige sagen. Plötzlich trug der Wind einen neuen Geruch herbei, und ehe sie sich versah, war sie wieder alleine. Schwer seufzend erhob sie sich, sie hatte nicht registriert Dass es ein weiterer Rüde war, der da kam. In schnellem, aber sehr gelassenem Lauf folgte sie den Beiden zurück, und bald stand sie neben Acollon, der wiederum neben Banshe stand. Sie hatte ihr Ignorieren ihm gegenüber fürs Erste beendet, und sah ihm kurz in die Augen. Dann erst wanderte ihr Blick zu Ryai, und sie wäre um ein Haar in die Luft gesprungen vor Freude! Endlich ein Rüde, und leeeeeider waren Banshee und Ayala schon vergeben, so hatte sie es zumindest eingestuft. Er hatte sich vorgestellt bevor sie in Hörweite war, und so stellte sie sich zuerst vor.
"Willkommen im Tal der Sternenwinde, Fremder. Mein Name ist Nyota, ich bin, wie auch Banshee, Alpha dieses Rudels. Nennst du mir deinen Namen?"
Es war wohl unverkennbar, dass sie sich Mühe gab höflich zu sein, und höchst zufrieden, und übers ganze Gesicht grinsend, musterte sie ihn.
Ryai sah Banshee nachdenklich an. War es so ungewöhnlich, nicht in einem Rudel groß geworden zu sein? Er hasste das Wandern, das war wohl die Schuld seiner Eltern, da sie ihn dazu zwangen.
"Wie ich schon sagte, ich habe lediglich mit meinen Eltern zusammen gelebt. Mein Bruder starb wenige Wochen nach der Geburt und ich genoss eine sehr liebevolle Erziehung. Meine Eltern waren stets auf Wanderschaft, doch davon hatte ich genug. Als ich ein Jahr alt war, erlaubte mir mein Vater, dass ich fort gehen durfte. Seit einem Jahr sehe ich zum ersten mal Artgenossen."
Unterwerfung? Damit würde er kein Problem haben. Er war zwar ein stolzer Rüde, doch soweit ging es auch nicht, dass er dafür eine Unterwerfung verweigert hätte. Konnte sein das seine Eltern, da sie selbst kein wirkliches Rudel bildeten, nie Wert auf die Rangordnung legten und er so einiges versäumt hatte, doch er hatte sein Leben vor sich und würde alles lernen, was man als Rudelmitglied wissen musste.
Als eine weitere Wölfin auftauchte, wedelte der weiß-braune Rüde auch ihr zu. Er freute sich über die herzliche Begrüßung, denn mit Acollons Misstrauen konnte er nicht umgehen.
"Ich grüße dich Nyota. Mein Name ist Ryai."
Er lächelte, während er etwas unruhig auf seinen Pfoten wurde.
Yakatavo blieb sitzen.
"Mh, ja eigentlich gern"
meinte er dann. Schade das er sich nicht irgendwo ausruhen konnte. Aber er wollte freundlich sein, schließlich war er gerade in ein neues Rudel eingetreten und hatte nicht sehr viel zu melden.
Banshee musste grinsen, als Nyota dazu kam, ihre ganze Art verrieten ihr, was in ihr vorging. Na also, Glück kommt, wenn man nach ihm ruft. Grinsend meinte sie leise zu Acollon:
"Lassen wir die beiden mal alleine ..."
Sie wusste, dass Nyo ihr das nicht verübeln würde und sie selbst hatte nun auch nichts dagegen sich mit Acollon zu unterhalten. Leichtfüßig sprang sie in den Wald und schlug den Weg zum See ein.
Ayala hatte trotz Yakatavos Antwort das Gefühl, er würde sich lieber etwas zurückziehen. Sie entschloss sich, ihm den See zu zeigen, er war ja nicht weit von hier und wenn Yakatavo immer noch so erschöpft war, konnte er sich wenigstens am Wasser ein wenig erfrischen.
"Komm, ich führe dich zu unserem See!"
grinste ihn Ayala freundlich an und wedelte vergnügt, irgendwie guckte er seltsam drein...
"Na, los!"
japste sie fröhlich und aufheiternd, zwickte ihn vorsichtig, aber freundschaftlich in die Seite und spurtete los.
zuerst lief Yakatavo ein paar schritte langsam, aber dann wurde er schneller und war dicht hinter Ayala.
Ayala war sich sicherer denn je, dass Yakatavo müde und erschöpft war...
"Wenn du willst, kannst du dich bis morgen auch erstmal hier ausruhen, ich zeig dir dann unser Revier morgen..."
Sie sah ihn fragend an und wartete auf seine Antwort.
Yakatavo war erstaunt das Ayala ihn das fragte, war ihm das so anzumerken?
"Ne schon in Ordnung. Gehen wir an den See, dann könn wir uns ja hinlegen und du erzählst mir alles über dich und das Rudel."
sagte er etwas verspielt.
Ayala war froh über Yakatavos Antwort. Sie war viel zu aufgedreht, um sich jetzt schon hinzulegen. Sie drehte sich um und bedeutete durch einen Blick, dass er ihr folgen solle.
Sie wäre zwar gerne etwas vorausgetrabt, aber sie wusste, dass Yak erschöpft war und es erschien ihr unhöflich, einfach voraus zu laufen.
Nach kurzer Zeit waren sie beim See angelangt, der wunderschön wie immer, im stillen Mondlicht lag. Ayala war jedes Mal von Neuem von diesem Ort verzaubert.
Yakatavo sah hinter Ayala den See. Still lag er da. Das Wasser bewegte sich kaum. Er ging bis an den Rand und schaute in das Wasser. Sein Spiegelbild schaute ihn an.
Dann viel ihm ein was er mal gehört hatte, leise murmelte er:
"Schau auf dein ich im Spiegel und schließe die Augen, wünsch dir was und dreh dich einmal."
Er schloss die Augen, drehte sich um und stieß mit Ayala zusammen.
"Hi"
sagte er verlegen.
Ayala war etwas perplex, als sie mit Yakatavo zusammenstieß, da sie sich bisher so auf den See konzentriert hatte. Sie musste aber unwillkürlich lachen, als sie Yaks schüchternes "Hi" hörte.
"Was wolltest du eigentlich gerade machen?"
fragte sie interessiert, ihr Grinsen auf den Lefzen verschwand allerdings nicht, innerlich amüsierte sie sich immer noch über den etwas tollpatschigen Rüden.
Yakatavo schaute in Ayalas Augen. Er wusste nicht was er sagen sollte.
"Ähm... ich hab mal sowas gehört... das wollt ich ausprobieren..."
er grinste frech.
"Da darf ich mir jetzt eigentlich noch was wünschen..."
meinte er so als ob er jetzt schmollen müsste.
Zuerst schaute Ayala etwas erstaunt, dann lachte sie.
"Na, dann wünsch dir doch was!"
forderte ihn Ayala übermütig auf, da sie sich nicht vorstellen konnte, was er wollte.
Sie grinste ihn an und setzte sich hin, schaute ihn erwartungsvoll an...
Acollon warf noch einen hässlichen Blick zu dem Rüden. Er wusste nicht warum, doch wollte er nicht, dass sich jemand Banshee nährte. Er trabte ihr hinterher und holte sie ein. Er wusste nicht was er sagen sollte, deswegen schwieg er.
Der See funkelte schön im Sonnenlicht und erfüllte die Luft mit einem leichten Schwingen.
Yakatavo sah noch andere Wölfe am See. Er schaute zu Ayala.
"Mh... bei so einer schönen Wölfin kann ich ja gar nicht lügen."
meinte er mit einem grinsen.
"Ich wünsch mir, dass ich hier im Rudel viele, viele, viele, nette und tolle Wölfe kennen lernen."
meinte er unschlüssig.
"Also Fähen wären mir ja schon lieber als Rüden."
lachte er sie an.
"Und du bist wohl die allerschönste die ich je gesehen hab."
er kam zu ihr und setzte sich vor sie.
Ayala blickte Yakatavo lange in seine bernsteinfarbenen Augen, sie konnte darin versinken und sich in eine eigene Welt träumen. Sie lächelte ihm zu und meinte:
"Jetzt übertreibst du aber..."
verlegen drehte sie ihren Kopf zur Seite. Sie wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte, sie war nervös.
Nun hob sie wieder ihren Blick und schaute Yakatavo verstohlen an, wusste er, was sie fühlte und wollte sie nur aufziehen? Nein, das wollte er gewiss nicht...
Yakatavo kam näher an Ayala heran. dann hob er den Kopf und flüsterte in ihr Ohr:
"Fang mich"
er lief hinter ihr her und verschwand im Wald. Dann wartete auf sie.
Ayala folgte ihm, ohne weitere Gedanken...sie lief ihm einfach hinterher...weiter und weiter, dann sah sie ihn vor einem Busch sitzen, schwenkte allerdings um bevor er sie erblickte und schlich sich von hinten an. Sie wartete kurz, zählte innerlich bis drei und sprang von hinten auf Yak. Sie spürte, wie er erschrak, lachte aber und zwickte ihn in die Flanke.
Yakatavo erschreckte sich zu tode als Ayala auf ihn sprang.
er drehte sich sofort um und hielt sie am Boden fest, sodass sie unter ihm lag.
"Hab dich!"
meinte er stolz.
Ayala versuchte sich zu befreien, doch der Rüde war stärker als sie gedacht hatte. Mit Mühe löste sie sich und raste davon:
"Hol mich doch, wenn du kannst!"
rief sie zurück und rannte so schnell wie möglich weiter. Nach ein paar Metern blickte sie sich um, er war ihr dicht auf den Fersen...nichts wie weiter...
Yakatavo spurtete ihr nach. Dann hatte er sie plötzlich eingeholt.
Er versperrte ihr den Weg und schupste sie um.
"Du entkommst mir nicht mehr."
meinte er lachend.
"So einen Wildfang lass ich doch nicht wieder frei."
er schleckte ihr über die Schnauze. Seine Müdigkeit war wie weggeblasen.
Ayala lachte und schleckte zurück.
"Ist ja schon gut, ich ergebe mich freiwillig"
lachte sie und zwickte ihn liebevoll in seine Ohren. Dann blickte sie ihm tief in die Augen und wünschte sich nichts sehnlicher, als dass dieser Moment nie aufhöre...
Banshee erreichte das Seeufer und ließ sich im warmen Sand nieder, das Wasser schwappte leicht über ihre Pfoten und spülte die letzten Tränen Nyotas fort. Banshee hob den Kopf und sah Acollon an.
"Was hast du gegen Ryai? Er ist noch jung und unerfahren ..."
Sie wollte nicht, dass Acollon mit Ryai streiten würde oder etwas anderes. Sie wollte Frieden und Glück.
Ein Schmunzeln legte sich auf die Lefzen der Schwarzen, als Banshee und Acollon abzogen, und Nyota sah den Beiden noch kurz nach, bevor sie sich wieder Ryai zuwandte.
"So, dann wären wir also alleine"
sagte sie, mühsam ein Grinsen unterdrückend.
"Unser Revier ist recht groß...wenn du möchtest zeige ich dir alles"
Sagte sie, nun wieder ruhiger, und zufrieden wedelnd. So würde die Zeit schneller an ihr vorüberziehen als sie gedacht hatte, und wenn es dämmerte würde sie dann ihre Jagd mit Ayala nachholen. Es dürfte hilfreich sein aufeinander eingespielt zu sein, bevor man im ganzen Rudel oder größeren Gruppen jagte. Mit aufgestellten Ohren wartete sie die Antwort des Rüden ab, und wie sie die Sonne golden durch die Blätter funkeln sah, bildete sie sich ein, in dieser Idylle ein Zwinkern zu erkennen...
Ryai sah Acollon mit zusammen gekniffenen Augen nach. Doch gleich darauf änderte sich sein Blick wieder und er sah die Wölfin freundlich an. Er hatte das Gefühl, mit dem anderen Wolf nicht so bald gut auszukommen.
"Ich weiß nicht. Ich denke ich werde mir das Revier bei Zeiten alleine genauer anschauen. Zeig mir doch einfach mal die wichtigsten Orte."
Meinte er wedelnd. Er hopste auf die Wölfin zu und konnte es kaum erwarten das es los ging. Eben war er noch einem Raben gefolgt und nun hatte er ein Wolfsrudel gefunden. Ein toller Tag!
Acollon stand neben Banshee, die sich in den Sand gelegt hatte. Er musste erst über ihre Worte nachdenken. Er fand nicht so die rechten Worte.
"Ich will nicht, dass dich jemand anderes bekommt"
sagte er trotzig. Doch gleich etwas erstaunt über seine Ehrlichkeit und seine Worte. Er sah kurz verlegen weg und ließ sich in den Sand fallen, dicht neben Banshee.
"Es tut mir leid was ich gegen Engaya gesagt habe, ich habe gemerkt sie bedeutet dir sehr viel"
sagte er schuldig. Das erste Mal versuchte er der Fähe in die Augen zu sehen. Er fühlte sich etwas komisch, war es etwa ein Gefühl, dass anders war als Hass oder Zorn?!
"Mhm...gut, dann mal los..."
, sagte Nyota, und in munterem Trab folgte sie unsichtbaren Pfaden, die Engaya ihnen einst gelegt hatte, als die Welt noch jung war. Den See sollten sie vorerst umgehen, immerhin trafen sie dort sonst auf Acollon. Lang war es her, seit sie und Banshee diesen Ort einst verlassen hatten, doch das eine oder andere war ihr im Gedächtnis geblieben. Weiter diesen Weg entlang würden sie auf eine völlig kahle Lichtung kommen, auf der angeblich einst Riten zu verschiedenen Zwecken ausgeführt wurden..
Banshee stutzte bei seinen Worten, sie wurde seltsam verlegen und tappte wie beiläufig nach einem kleinen Krebs im Sand. Seine winzigen Füße hatten ein seltsames Muster hinterlassen, welches nach einem sanften Schwappen des Wassers im Unendlichen des Sees verschwand. Noch immer schwieg sie und schien sich sehr für diesen Krebs zu interessieren, aber ihre Gedanken rasten hin und her. Als eine weitere Welle den Krebs erfasste und mit sich nahm, musste sie gezwungener Weise aufsehen.
"Mhhh, ist schon ok."
Sie umging den ersten Satz etwas ungeschickt, schwieg aber weiterhin. Jetzt beobachtete sie eine kleine Fliege, die im Sand herum krabbelte.
Acollon sah etwas verwirrt, doch dann lächelnd auf den See.
Etwas war in ihm hoch gekommen. Etwas was er vorher nicht kannte. Es war etwas stolzes, doch wohlwollendes, es war warm, doch irgendwie frisch. Er konnte es nicht fassen oder verstehen. Ein Lachs war aufgetaucht und hatte eine kleine Erschütterung des Wassers verursacht.
.oO(Engaya, ich bleibe!)
"Möchtest du heute Abend mit mir die Sternenwinde sehen?!"
fragte er komisch mutig. Der Wind wehte leicht den Sand in ihre Rücken.
Banshee lächelte und sie spürte, wie ein warmer Schauer ihren Rücken herunter lief. Sie tappte nach der Fliege, die davon schwirrte und im Wald verschwand.
"Sehr gerne."
Sie schüttelte sich leicht, um den Sand los zu werden und setzte sich dann auf, mit Acollon in einer Augenhöhe konnte sie ihn ansehen und ihm zeigen, wie sie sich freute.
Acollon neigte leicht den Kopf zu einer Verbeugung und lächelte.
"Danke"
flüsterte er. Seine Gedanken waren wirr, seltsam benebelt fühlte er sich und als Banshee ihm in die Augen sah, schluckte er. War das wirklich sein Zuhause?! Das Rudel der Sternenwinde?! Nein, nicht das Rudel war sein ganzes Zuhause, Banshee sollte es werden, das wusste er. Der Wind frischte auf und ließ die beiden Wölfe etwas frösteln. Acollon stand auf und schritt ins Wasser, fragend sah er Banshee an.
Banshee folgte Acollon langsam und vorsichtig ins Wasser, es war noch kühl und ihr nasses Fell wurde schwerer, aber sie ging trotzdem weiter rein. Als sie den Boden unter den Füßen verlor, begann sie zu schwimmen, die Bewegungen wurden leichter und bald schwamm sie neben Acollon.
"Wunderschön ..."
sagte sie ganz leise und wusste selbst nicht, was oder wen sie damit meinte. Aber sich war damit auch Acollon gemeint ...
Yakatavo schaute ebenfalls in Ayalas Augen. Er lies sich ins gras fallen und rollte sich neben sie, sodass sie beide die Bäume sehen konnten, die leise im wind hin und her schwingen.
"Woran denkst du gerade"
sagte er leise. er schaute weiter in zu den Bäumen.
Ryai folgte der Wölfin auf leisen Pfoten. Er prägte sich die Umgebung gut ein und hielt neugierig Ausschau, was es hier noch so alles gab.
"Wer ist eigentlich Alpha des Rudels?"
Fragend sah er seine Begleiterin von der Seite an. War es nun Banshee oder Nyota? Und war Acollon der Alpharüde, oder wo befand sich diese im Moment?
Ein Schmunzeln zeigte sich auf den Lefzen der Schwarzen, bevor Nyota antwortete, und ihren Schritt gleichmäßiger werden lies.
"Es gibt zwei. Mich und Banshee"
, erklärte sie, das man die anderen zuerst nannte war ihr nicht nur fremd sondern auch egal. Sie verfiel in einen leichten Laufschritt, und schon nach wenigen Minuten stand sie zwischen den Bäumen und sah auf einen öden Platz heraus. Sie achtete darauf nicht zu nah an den Platz zu kommen, und bedeutete auch Ryai nicht auf die Lichtung zu treten, auf der nicht einmal Gras wuchs. Kein Vogel überflog den Platz, kein flüchtendes Reh wäre in seiner Panik über diesen Ort gelaufen, und so achteten auch die Wölfe den heiligen und zugleich verfluchten Ort.
Acollon lachte etwas und tauchte kurz unter. Jetzt war auch sein Kopf genässt und er sah Banshee grinsend an. Noch nie hatte er so viel Freude empfunden. Seine Fellhaare auf dem Kopf standen geraderecht auf.
"Ja"
sagte er. Er wusste nicht was sie meinte, doch er wollte nicht fragen. Er wollte einfach mit Banshee zusammen sein. Mehr nicht!
.oO(Ich will nur für dich da sein, Banshee! Wenn du schläfst, wache ich über deinen Schlaf! Wenn du jagst, halte ich den Wind zurück!)
dachte er glücklich. Er konnte sich seinen Artwechsel nicht erklären, und auch nur wenn er mit Banshee zusammen war, fühlte er sich so.
"Banshee"
sagte er so leise, dass es Banshee kaum gehört haben konnte. Aber auch jetzt noch klang ihr Name aus seiner Schnauze grauenhaft! Seine Tatzen berührten den Boden und er erreichte eine Sandbank. Seine Flanken standen außer Wasser und er sah sich zu Banshee um. Ihre Augen waren wunderschön und funkelten noch heller als das Wasser des Sees. Die Rüden und die Schwester von Banshee hatte er total vergessen.
Ryai schwieg eine Weile und folgte der Wölfin. Sein ständig anhaltendes Wedelnd erstarrte, als er den Öden Platz sah. Was war hier geschehen, warum war alles krank? Diese Frage hatte die andere in den Schatten gestellt, die Frage, ob es überhaupt zwei Alphas geben konnte. Seines Wissens nach nicht. Die Alpha war die stärkste Wölfin, die gut für Zusammenhalt sorgte, dass es zwei gab, kam ihm ungewöhnlich und fremd vor. Dabei wusste er doch so wenig über Rudel, vielleicht war es ja normal?
Sein Blick glitt über den toten Platz, der ausgestorben da lag. Ein schrecklicher Anblick, der dem Rüden wehtat. Er konnte andere Lebewesen nicht leiden sehen, aber das die Pflanzen hier gar nicht wachsen wollten, war kein gutes Zeichen.
Wohl spürte die dunkle Fähe das Unbehangen des Wolfes neben ihr, und nur schwerlich hätte Nyota behaupten können anderes empfunden zu haben als ihre Augen zum ersten Mal über den Platz schweiften.
"Du darfst diesen Ort niemals betreten, wenngleich er heilig ist, so liegt doch auch ein Fluch auf ihm, und kein Tier wagt sich dorthin..."
Nicht nur Warnung war ihre Stimme, sie war auch sehr bestimmt, so wie Alphas ihre Anordnungen zu verkünden pflegten eben. Sie wartete, bis sich ihre Blicke wieder treffen würden, dann würde sie den Weg mit ihm fortsetzen. Vielleicht wollte er noch ein wenig versuchen die Aura dieses Ortes zu ergründen, wie sie es selbst sooft getan hatte...
Der See wurde von einer heftigeren Windböe erfasst und schlug höhere Wellen. Das Wasser schwappte gierig weiter, während sich der Himmel verdunkelte und tiefe Regenwolken aufzogen. Immer höher wurden die Wellen und traten weit über die Ufer, langsam fing es an zu regnen, der Wind wurde immer stärker, jetzt goss es in Strömen. Plötzlich entstand in der Mitte des Sees ein Strudel, viel Wasser wurde auf einmal nach unten gezogen, Banshee trieb hilflos in den Strömungen.
Banshee strahlte, und versuchte Acollon ans Ufer zu folgen, ihren Namen aus seinem Mund zu hören, so sanft und schön, empfand sie lieblich sanft. Doch dann spürte sie den Sog, sie wurde von Acollon weg getragen, in die Mitte des Sees. Sie heulte erschrocken auf und versuchte gegen die Strömung an zu kämpfen, versagte aber. Aus gehetzten Augen suchte sie einen Fluchtweg, doch es gab keinen. Überall nur Wasser und Wasser. Dann spürte sie, wie das teuflische Wasser sie mit sich in die Tiefe zog. Sie tauchte unter, schnappte hilflos nach Luft und weiter ging es hergab.
Acollon keuchte auf, das Wasser zog ihn weiter in den See, doch er stemmte sich mit aller Kraft dagegen. Er hatte beinahe das Ufer erreicht, dann hörte er ein schwaches und gehetztes Heulen. Acollon schwang sie herum und riss die Augen auf, Banshee wurde weiter in den See getrieben. Er sah sich um, er durfte jetzt nicht die Fassung verlieren. Er wirbelte seinen Kopf herum und erblickte einen fetten Ast, er überlegte nicht, sondern zog ihn aus dem Gebüsch. Mit großen Sprüngen versuchte er Banshee dichter zu kommen.
"Banshee, kämpf dagegen an!"
rief er laut. Er selbst wurde von einer Welle erfasst und wurde unter Wasser gezogen. Es war still, die Bewegungen des Wassers waren geschmeidig, doch auch kräftig. Acollon wurde nach oben getragen und prallte gegen einen Stein, der unter Wasser war. Über seine Schnauze zog sich eine klaffende Wunde. Doch er wollte weiter in den See hinein, dichter an Banshee. Er schwamm und kämpfte sich weiter nach vorne, doch erreichte er sie nicht, ein anderer Strudel zog ihn weg von der Fähe. Er durfte nicht aufgeben. Da fiel ihm die Schwester von Banshee ein, sie konnte jetzt helfen. Er stemmte seine Schnauze über Wasser und heulte so laut es ging auf.
"Nyota"
Es war das erste Mal das er ihren Namen rief, Banshee brauchte Hilfe und er trieb weiter ab. Seine Wunde blutete immer stärker. Der Wind wurde immer stärker.
Das weit entfernte Jaulen Banshees lies Nyota aufhorchen, ohne ein weiteres Wort, oder Ryai auch nur irgendetwas zuzurufen flog sie los, das heißt, ihre Läufe hämmerten auf den Waldboden, flogen nach vorn und schienen eine hektische Melodie zu trommeln, die mit Stress alleine nicht zu erklären war. Größer wurden die Sprünge des Schattens im Wald, stärker der Drang zu hecheln, und noch viel größer die Angst vor was auch immer sie am See erwarten würde. Pfeilschnell raste sie dahin, Ryai hatte sie längst hinter sich gelassen, und am liebsten hätte sie sich zu Boden fallen lassen, als sich die Bäume endlich vor ihr zu öffnen schienen, doch ihre Läufe trugen sie weiter. Ein zweiter Ruf, kurz bevor sie aus den Bäumen tauchte, von Acollon. Panik drohte sie zu ergreifen, als sie den Strudel sah und keine Banshee, doch ihr blieb keine Zeit sich zu erschrecken. Der Geruch ihrer Schwester hing noch über dem Wasser, und so stürzte sie sich in den See, der Strömung folgend. Sie musste Banshee finden, zusammen könnten sie sich vielleicht aus dem Sog befreien! Ein letztes Mal holte sie hastig Atem, als auch sie unter Wasser gedrückt wurde, und mit aller übrig gebliebener Kraft schwamm sie dem Strom nach, runter. Acollon würde, so hoffte sie, von selbst ans Ufer gelangen, und falls nicht musste sie sich auf Ayala, Yakatavo und Ryai verlassen, Banshee war wichtiger!
Banshee hörte schwach eine Stimme, irgendwo, weit fort, in einer anderen Welt. Längst war alles schwarz, wo war oben, wo war unten? Oder gab es überhaupt ein oben und unten? War nicht alles gleich? Sie konnte schweben, leicht wie eine Feder, oder war es nur Wasser? Sie spürte einen erneuten Sog, doch wohin er sie zog, konnte sie nicht wahrnehmen. Sie wurde immer leichter, ihr Fell leichter und alles erschien ihr weich.
"Acollon ... Nyota"
Sprach sie es oder dachte sie es? Konnte sie sprechen? Oder war da etwas, dass sie daran hindern würde, wenn sie ihre Schnauze öffnete? Sie fühlte sich unendlich schwach und wagte es nicht zu probieren. Die Dunkelheit schien noch schwärzer zu werden ... wo war sie? Lebte sie?
Plötzlich sah sie ein Strahlen neben sich. Wie ein Stern ... ein Gedanke kam zurück, Sternenwinde, die vom Himmel in den See fielen ... Der Stern bewegte sich, weiter nach links, immer weiter und Banshee, wusste, sie sollte ihm folgen. Doch hatte sie die Kraft dazu? Sie spürte ihre Pfote zucken, langsam, unendlich langsam, streckte sie sie aus. Folgte dem Licht, wohin es sie auch führen würde.
Acollon tauchte unter und sah sich um, hektisch schwamm er vorwärts. Dann sah er Banshee, sie flog unter Wasser dahin! Nein, sie flog nicht, sie schwebte, sie glitt. Es sah schön und doch traurig aus.
.oO(Fenris, wenn du sie sterben lässt, wirst du meinen Zorn zu spüren bekommen!)
dachte er schnell. Er schwamm vorwärts und erblickte Nyota, er hatte keine Luft, doch er achtete nicht darauf. Er schwamm weiter auf sie zu, ihm wurde schwarz vor Augen, doch ließ er sich nicht irritieren. Er packte Banshee am Nackenfell und zog sie nach oben. Doch leider entglitt ihm Banshees nasses Fell.
"Nyota, hilf ihr"
rief er verzweifelt. Er trampelte verzweifelt gegen die Wassermassen und die Ohnmacht an.
Als Nyota Banshee endlich erkennen konnte zwischen dem Geblubber dort unten, schwamm diese plötzlich vor ihr davon...bald konnte sie den Grund dafür erkennen, doch sie selbst kam kaum nach. Acollon tauchte wieder auf, beziehungsweise unter, und das Wasser verfärbte sich rot, bis das Blut sich verteilte und die Farbe des Wassers nicht weiter beeinflusste. Kurz vor der Oberfläche entwand sie Banshees Körper, eher unbeabsichtigt, seinen Biss. Seine Worte drangen nicht bis zu der Schwarzen, doch immer stärker kämpfte sie gegen die Wassermassen um sich herum, und Banshee landete halb auf ihr, so schnell unter Wasser möglich verbiss sie sich in ihrer Seite, es müsste ihr wehtun, doch alles war besser als wenn sie ertränke. Sie schob ihre Schwester regelrecht vor sich her zur Oberfläche, und nach einer halben Ewigkeit tauchte der weiße Kopf aus dem Wasser, der Körper folgte. Doch kaum das Nyota losgelassen hatte, wurde sie von einer neuen Strömung wieder in die Tiefe gezogen, sie versuchte sich daraus zu befreien wie auch eben schon, doch zudem sie sich in den letzten Minuten, ja Sekunden vielleicht nur, mehr als nur verausgabt hatte, kam dass sie schon zuvor dem umfallen nah gewesen war. Ihre Kräfte versagten, das Wasser hatte sie fest im Griff, und immer tiefer sank das schwarze Wesen nun, ein Spielzeug des Wassers...
Banshee spürte, wie sie gepackt wurde, viel roher und fester, als sonst, gleich darauf, entglitt sie dem Sog und konnte weiter schwimmen. Jetzt sah sie etwas Helles ... Licht. Ihr Stern hatte sie an die Oberfläche geführt. Langsam löste er sich jetzt auf und schickte seine Strahlen zu ihr, sie spürte neue Kraft in sich aufsteigen. Bevor sie sich bewegen konnte, wurde sie erneut gepackt, jetzt fester, ein schwarzer Schatten war neben ihr ... Nyota? Das dunkle Schwarz vermischte sich mit hellerem Rot, ihr eigenes weißes Fell wechselte die Farbe. Dann wurde sie nach oben geschleudert, kurz war sie aus dem Wasser, schnappte gierig nach Luft, doch gleichzeitig verließ sie die eben so kurz gespürte Kraft. Hilflos fiel sie ins Wasser zurück.
23.12.2009, 14:51
Acollon sah kaum noch was geschah. Doch als er unter Wasser glitt entdeckte er den regungslosen Körper Nyotas. Er tauchte tiefer und biss ihr ins Fell. Das Blut strömte weiter aus seiner Wund. Er schob den Kopf der schwarzen Fähe über Wasser. Doch wo war Banshee, sie glitt fast wieder unter Wasser, doch geschickt schwamm Acollon unter Nyotas Körper und schwamm verzweifelt auf Banshee zu, er schnappte nach ihrem Körper und packte sie am Nackenfell. Er sank, doch versuchte er sie weiter zum Land zu bringen. Verzweifelt und der Ohnmacht nahe flehte er um Hilfe.
.oO(Engaya!)
Er schwamm weiter. Immer wieder verlor er eine Fähe und musste sie wieder hoch ziehen. Kraftlos schwamm er weiter. Vielleicht waren es Stunden, Tage, Jahre. Er konnte es nicht sagen. Es war ein Traum, mit bunten Farben!
Ein Albtraum.
Acollons Pfote streifte etwas, es war ein Stein, der an dem er sich auf die Wunde zu gezogen hatte und stemmte sich hoch. Die Körper der beiden Wölfe schwebten im Wasser. Banshee, warum konnte sie nicht lächeln?! Wo war ihr Lächeln?!
Die Sternenwinde, die einst den Himmel und Engaya verlassen hatten, um den Wölfen zu helfen, stiegen aus dem See herauf. Lange Zeiten hatten sie geruht, doch nun wurden sie gerufen. Das Funkeln und Glitzern war überall um die Wölfe herum, in jeden leblosen Körper fuhr neue Kraft, das Blut in den Wunden gerann, die Glieder wurden wieder stark. Langsam erloschen sie wieder, doch ihre Kraft blieb.
Banshee war ohnmächtig, doch gleichzeitig verschwand der Schmerz ihrer Wunde. Sie fühlte sich stark und trotzdem war alles so dunkel, als würde sie schlafen.
Ayala wusste nicht so recht, an was sie dacht, sie war viel zu aufgewühlt, ihre Gefühle spielten verrückt. Sie sah Yakatavo an und meinte:
"Ach ... mmmh ... ich weiß nicht so recht..."
In dem Moment, als sie noch überlegte, hörte sie plötzlich ein verzweifeltes Heulen von Acollon, hatte sie richtig gehört, hatte er nach Nyo gerufen?
Ayala sprang sofort auf, sie wusste, etwas musste geschehen sein, sie warf Yak noch einen kurzen, verzweifelten Blick zu und raste los. Ihr Herz pochte wie wild, könnte sie doch nur schneller laufen!
Sie spürte eindeutig, dass etwas passiert sein musste.
Plötzlich tauchte vor ihrem inneren Auge ein schreckliches Bild auf, sie sah Banshee in einem Strudel treiben, bewusstlos, völlig hilflos...doch, da, da waren auch Acollon und Nyota, die verzweifelt gegen die Strömung ankämpften.
Ayala versuchte noch schneller zu rennen, ihr ganzer Körper schmerze, ihre Läufe waren schwer und ihr Atem ging sehr schnell; aber das war ihr egal, das einzige, woran sie dachte, war rechtzeitig das Ufer zu erreichen...
Acollon fühlte sich als ob er schlief. Doch als er seine Schnauze öffnete war Wasser zu schmecken, nur langsam begriff er. Doch als seine Gedanken wieder bei Banshee und Nyota waren, sprang er auf. Er hatte im seichten Wasser gelegen. Ach, die beiden Fähen lagen am Uferrand. Er lief zu Banshee.
"Banshee! Wach auf."
Dann sah er zu Nyota.
"Nyota, es ist vorbei!".
Er spuckte etwas Wasser und Blut. Es war das Blut seiner Wunde gewesen. Der Sturm hatte sich zurückgezogen. Zornig starrte Acollon nun in den Himmel:
"Fenris, wenn du sie töten willst, dann töte erst mich!"
Er wollte nicht, dass die Fähen seinen Grund für die Einsamkeit erfuhren, doch war er wutentbrannt. Sein Blick wanderte wieder besorgt zu Banshee, er stupste sie leicht an.
Ayala kam es wie eine Ewigkeit vor, sie war schon so lange gerannt...
Doch dann konnte sie das Ufer am Horizont erkennen, sie stolperte weiter, getrieben von Angst um ihre Alphas und auch um Acollon. Nun hatte sie den See erreicht, doch sie konnte niemanden entdecken, kein Strudel überzog mehr die Wasserfläche, wie in ihrem "Traum", hatte sie sich das Alles etwa nur eingebildet???
Doch - was war das?
Am anderen Ende des Sees konnte sie einen schwarzen Wolf humpeln sehen, das musste Acollon sein! Ein Schauer von Freude durchfuhr sie, doch er sollte nicht allzu lange dauern. Wo waren Ban und Nyo - sie waren doch nicht etwa...nein, das durfte einfach nicht geschehen sein!
Ayala hetzte weiter, zum anderen Ende des Sees... Dort angelangt, sah sie zu ihrer großen Freude, dass Nyo und Ban dort lagen - sie wusste zwar nicht, ob sie lebten, aber sie konnte spüren, dass es ihnen bald besser gehen würde. Nun, da alle Anspannung von ihr gewichen war, brach sie erschöpft am Ufer zusammen.
Banshees Nase zuckte, noch immer war alles Schwarz, aber sie hatte deutlich eine Stimme gehört ... Acollon? Sie spürte eine Berührung, Acollon? Ganz langsam öffnete sie die Augen ... alles war verschwommen, doch kein Wasser zog sie mehr in die Tiefe. Ein schwarzer Schatten tauchte auf, bewegte sich hin und her. Banshee blinzelte, doch der Nebel wollte nicht weichen. Erneut versuchte sie es, jetzt konnte sie schemenhaft einen Wolfskörper erkennen. Sie versuchte zu sprechen, konnte aber nur röcheln. Dunkles Blut und rotes Wasser brach sie hervor, schwach blieb sie weiterhin liegen versuchte aber erneut zu sprechen.
"Acollon ...?"
Acollon atmete erleichtert auf und beugte sich zu Banshee.
"Nicht sprechen"
flüsterte er leise in ihr Ohr. Vorsichtig schleckte er über Banshees Gesicht. Dann sah er die andere Fähe am Ufer, sie kam zu ihnen gerannt und sah etwas panisch aus:
"Kümmer dich um Nyota!"
befahl Acollon schnell.
"Banshee, ich bin bei dir"
flüsterte Acollon wieder zärtlich, ihm war schlecht, doch versuchte er die Übelkeit verschwinden zu lassen.
"Ich trage dich jetzt zu der Höhle!"
flüsterte er wieder. Vorsichtig glitt er unter den geschmeidigen Körper der Fähe und hob sie an.
"Nyota hol ich gleich!" sagte er zu Ayala. "Kümmer dich solange um sie!"
Ayala öffnete ihre Augen...um sie herum drehte sich alles, doch dann wusste sie wieder, wo sie war. Von irgendwo in der Ferne hörte sie Acollon etwas zu ihr sagen. Was wollte er denn bloß? Ayala wollte sich einfach nur treiben lassen im Meer von Gedanken, sich ausruhen, die Stille in ihrem Kopf zu genießen.
Doch dann kam ihr Gewissen wieder...DU MUSST NYOTA HELFEN!
Die Fähe schoss nach oben, zwar war sie noch erschöpft, aber sie hatte nicht so viel wie Nyo durchgemacht, sie brauchte jetzt ihre Hilfe! Ayala stolperte zu Nyos leblosem Körper, stupste sie sacht an und wartete ab.
“Nyo, wach auf, bitte wach doch wieder auf!"
fing Aya an zu schluchzen, es war im Moment alles zu viel für sie.
Banshee hörte, wie Acollon ihr antwortete, konnte ihn aber nicht verstehen, eine weitere Stimme kam hinzu, doch Banshee konnte sie nicht zu ordnen. Dann wurde sie getragen, sie fühlte sich leicht und unbeschwert, nichts tat ihr weh, obwohl sie sich dumpf an eine Wunde an ihrer Flanke erinnerte.
Als sie wieder abgelegt wurde, öffnete sie die Augen erneut, jetzt erkannte sie Acollon deutlich, seine Augen lagen auf ihr und sie versuchte schwach zu lächeln.
"Danke ..."
Irgendwann hatte Nyota etwas Wasser geschluckt, und während Acollon mit Banshee verschwand, brach sie plötzlich in Husten aus, bis sie das Wasser los war. Nun wieder mühelos erhob sie sich, und sah Ayala verdutzt an, wieso war deren Blick nur so besorgt? Und wo... sie brauchte nicht zu ende denken, den Acollon trug gerade Banshee davon. Sie wollte den beiden schon folgen, denn Engayas Stern hatte ihr ihre alte Kraft zurückgegeben, doch sie blieb stehen, sie konnte ja nicht ständig vor Ayala weglaufen!
"Was...ist passiert? Wie lange war ich...weg?"
Ein Blick über die Schulter verriet ihr, das der See wieder ruhig und mit einer spiegelglatten Oberfläche dalag, was hatte das Wasser nur so zum tosen gebracht...?
Ein leises Heulen folgte Acollon und Banshee an ihrer statt, zugleich danke wie bitte...
Yakatavo war erschrocken als Ayala, nach dem heulen so schnell aufgebrochen war. Er lief ihr nach. Er sah sie immer weiter von sich entfernt, aber er versuchte weiter zu laufen. Als er am See angekommen war und die Wölfe ganz weit weg sehen konnte lief er zu ihnen und trat zu Ayala.
"Was ist passiert?"
wollte er wissen und schaute erschrocken zu Nyota.
Acollon sah Banshee beruhigt und doch ernst an. Hoffentlich war nichts Schlimmeres passiert. Er trug sie weiter ohne etwas zu sagen, als er an der Höhle ankam, legte er Banshee vorsichtig ab. Ein Heulen vom Seeunfer her war ertönt. Es war Nyotas Heulen gewesen.
"Dafür nicht"
flüsterte er leise. Er hoffte keiner hatte seine Worte über Fenris mitbekommen und er versuchte unbeholfen mit der Rute zu schlenkern. Banshee war wunderschön, ihr Fell war noch nass und hing schlapp an ihr herunter.
Ryai hatte in keinster weise mit Nyota mithalten können. Erschwerend kam hinzu, dass er eine Weile brauchte, bis er reagiert hatte und sich die Alpha schnell seinem Blickfeld entzogen hatte. Er versuchte dem Ruf von Banshee zu folgen, doch er kannte sich in diesem Revier nun mal nicht aus. Ihm blieb nichts anderes übrig, als der Fährte von Nyota zu folgen, was ihn einige Zeit kostete. Erst jetzt erreichte er den See und trat zu seinem neuen Rudel. Ein fragender Blick stand ihm ins Gesicht geschrieben. Sein Blick flog über die Anwesenden.
"Was um Himmelswillen ist geschehen?"
Banshee richtete sich halb auf, obwohl sie sich noch immer benommen fühlte, trugen ihre Läufe sie, als wäre nichts passiert. Ein Blick an ihre Flanke zeigte ihr eine verkrustete Wunde, nicht schlimm, aber der Schmerz wäre wohl normalerweise stark gewesen. Sie sah zu Acollon und bemerkte erneut seinen Blick auf ihr, jetzt machte er sie nicht mehr verlegen, sondern streichelte ihr Herz.
"Wofür nicht?"
Was meinte er?
Ayala war erleichtert, Nyo schien es viel besser zu gehen. Sie trat zu ihr und schleckte ihr erleichtert und dankbar, weil sie wieder aufgewacht war, über die Schnauze.
"Ach, Nyo, bin ich froh, dass euch nichts Schlimmeres passiert ist. Was geschehen ist, willst du wissen? Eigentlich musst du es mir erklären, ich weiß es nicht genau...ich habe Acollons Heulen gehört und bin sofort losgerannt...ich glaube, es gab ein schreckliches Gewitter und es gab einen Strudel im See...da seid ihr wohl hineingeraten, ich dachte schon, ihr seid..."
Ayala konnte den Satz nicht zu Ende sprechen, zu grausam erschien er ihr. Sie blickte sich um und sah erst jetzt neben sich noch Yakatavo und Ryai stehen, die beide ziemlich verdutzt dreinschauten.
Acollon sah die Fähe weiterhin an, sagte aber auf ihre Frage nichts.
"Ich müsste noch mal nach Nyota sehen! Bin aber gleich wieder bei dir!"
sagte er leise. Seine klaffende Wunde war nur eine leicht vernarbte Erscheinung. Etwas blutig sah es noch aus und er fühlte immer noch diese Übelkeit.
"Ich lass dich nicht warten!"
flüsterte er wieder. Er hob den Kopf zum Himmel, ein kurzes Knurren zog über seine Lefzen. Er drehte sich um und lief los. Seine Tatzen trommelten leicht über den Boden und als er am See war, keuchte er etwas, seine Übelkeit gewann über seinen Atem, und er schluckte schwer. Nyota war wohl wieder fit.
"Bist du okay?"
fragte er knapp und überblickte den See.
Banshee sah ihm hinter her ...
.oO(Nein, du lässt mich nicht warten ...)
Sie stadn auf und noch immer trugen sie ihre Läufe, auch die Benommenheit schwand langsam, vorsichtig trat sie aus der Höhle in den Sonnenschein. Die Wolken, die noch ebengerade tief am Himmel hingen waren verschwunden, als wären sie nie da gewesen ... oder waren sie nie da? Hatten sie sich das alles nur eingebildet? Banshee erschien alles so unwirklich, was sie im See erlebt hatte. Die Sternenwinde, die vom Boden aufstiegen, das Gefühl des Schwebens und der Unendlichkeit ... war sie wirklich so nahe am Tod gewesen? Sie ging noch ein paar Schritte weiter und legte sich dann ins Gras, das leicht im Wind schwankte. Ihre Gedanken wanderten zu Acollon, er hatte nicht auf ihre Frage geantwortet ... warum? Sie wollte es wissen, doch gleichzeitig wollte sie ihn nicht durch eine erneute Frage verscheuchen. Sie wollte, dass er bei ihr blieb ...
Acollon sah, das Nyota wieder ganz okay sein musste. Er heulte kurz auf, für Banshee, damit sie wusste, dass es ihrer Schwetser gut ginge. Er trabte wieder los und sah zum Himmel.
.oO(Ich warne dich nur einmal!)
Der Wind wurde stärker und trug Banshees Geruch zu Acollon. Er war süß und lieblich. Wie etwas, was man nicht fassen und erklären konnte. Vielleicht war sie so magisch für ihn, weil sie das Leben und er den Tod verkörperte?! Nein, da war mehr. Er wusste nicht was, aber er konnte etwas Seltsames spüren.
"Banshee"
rief er schon von weitem. Ihr Name klang immer noch seltsam schrecklich aus seiner Schnauze.
Banshee hörte Acollon ihren Namen rufen und setzte sich wieder auf, um ihm zu zeigen, wo sie war. Ihr Name aus seinem Mund klang wieder viel schöner, als sonst, wie schaffte er das eigentlich? Sie sah ihn von weitem zwischen den Bäumen und spürte, wie ihr Herz einen Sprung machte. Sein schwarzes Fell schimmerte in den Sonnenstrahlen und sie musste wieder lächeln.
"Na, alles ok mit Nyo?"
Ayala stupste Nyo noch einmal sanft an.
"Was meinst du? Fühlst du dich schon wieder stark genug, um unsere angebrochene Jagd fort zu setzten, oder willst du dich noch ausruhen? Dann gehe ich mit Yak und Ryai und vielleicht kommt ja auch Acollon mit...?"
Fragend sah die Fähe Nyo an und hoffte, sie würde sie begleiten.
Acollon sah die Fähe im Gras sitzen. Sie sah wunderschön aus, wie sie so zwischen den Blumen und Gräsern saß. Wie schaffte sie es immer so gelassen und hübsch, lieb und ehrlich zu sein?! Der Rüde lief den restlichen Weg schnell auf sie zu.
Er stoppte vor ihr und sah Banshee direkt in die Augen.
"Ja, deiner Schwester geht es gut"
sagte er. Wieder zuckte ein leichtes Lächeln über seine Lefzen. Warum machte sie ihn bloß so glücklich?!
"Hast du Hunger?"
fragte er besorgt und setzte sich vor ihr hin. Die Sonne glänzte in ihren Augen wider.
Banshee lächelte ihn an und wünschte sich plötzlich seine Gedanken lesen zu können. Immer wenn er sie so ansah wüsste sie nur zu gerne, ob er das gleiche dachte, wie sie. Und was dachte sie? Nun ... wusste sie das überhaupt? Nein, sie wusste nur, dass sie gerne bei ihm war ...
"Hunger? Naja ... ein wenig. Wollen wir zusammen auf Jagd gehen?"
Ayala meinte zu Nyo:
"Überlegs dir, ok? Ich schau noch schnell nach Ban, in Ordnung?"
Schon raste sie los, bald hatte sie Ban und Acollon gefunden. Sie hatte das Gefühl, in dem Augenblick zu stören, aber die beiden ließen sich nichts anmerken.
"Hey, Ban..."
sagte sie sanft und fuhr mit der Zunge über ihr Gesicht...
"… ich bin so froh, dass dir nichts Schlimmeres passiert ist! Ich hatte solche Angst um euch drei!
Ich geh noch was mit Nyo jagen, wenn sie will, ja? Dann gehts euch auch bald wieder besser!"
Sie stupste Ban noch einmal liebevoll zum Abschied an und rannte zurück zu Nyo.
Nyota hatte Acollon nur zugenickt, wie im Traum liefen vor ihren Augen die Szenen von eben ab...dann erst registrierte sie, das auch Ryai eine Frage gestellt hatte.
"Ein Strudel...und die beiden waren im Wasser..."
sagte sie, mit dem Kopf in Richtung Banshee und Acollon deutend. Erst würde sie zu ihrer Schwester gehen, doch zuvor musste etwas geklärt werden.
"Nein Ayala, alleine lasse ich euch drei nicht weg. Jagden zu mehreren werden immer von mindestens einem hochrangigen Rudelmitglied geführt, aber da weder ich noch Banshee eure Jagderfahrung kennen, jagen wir höchstens zu zweit. Und nur möglichst einfache Beute, also weder Hirsche noch Wildschweine! Warte hier Ayala, es ist nur unsere Jagd!"
Sie sah auch noch einmal zu Yaka und Ryai, bevor sie loslief, nein rannte. Bei Banshee und Acollon angekommen stoppte sie, und schleckte ihrer Schwester über die Schnauze.
"Tuts noch weh?"
, fragte sie besorgt, da auch Banshee nicht unverletzt geblieben war.
Acollon sah in die hübschen Augen von Banhsee. Sie war so vollkommen! Wie war das bloß möglich?!
"Aber …"
fing er an. Doch er unterbrach sich selbst mit einem Lächeln. Sie würde sagen, wenn es ihr nicht gut ginge.
"Gut."
Etwas durchfloss ihn, warmes Wasser. Ein Schauer lief ihm den Rücken hinunter.
Heute Abend fiel ihm ein, sie würden sich die Sterne angucken. Sie alleine... vielleicht mit den anderen Wölfen!?
Banshee sah verwirrt Aya hinterher, die schon wieder verschwand und kaum wollte sie Acollon antworten, kam auch schon wieder Nyo.
"Nein, mir geht es jetzt wieder gut. Du willst mit Aya auf Jagd? Ich werde jetzt mit Aco gehen, vielleicht treffen wir uns ja."
Sie stand auf und streifte dabei Acos Schulter, noch immer lächelnd ging sie in den Wald und dachte an die heutige Nacht.
Ayala freute sich...endlich würde ihre Jagd weitergehen - ganz allein mit Nyo...sie mochte die Fähe sehr und freute sich alleine mit ihr gehen zu dürfen. Die Fähe blickte Yak entschuldigend an, jetzt würde sie keine Zeit für ihn haben. Sie schlich an ihm vorbei und wisperte:
"Heute Abend zeige ich dir die Sternenwinde, ja?"
ihre Augen glitzerten, während sie das sagte.
Yakatavo schaute die Fähe an, die er so lieb gewonnen hatte. Was sollte er mit Sternenwinden, wenn er nicht bei ihr war?
Aber das sie alleine sein könnten heute Nacht besänftigte ihn.
"Aber nur wir zwei!"
er zwinkerte ihr zu. Er schaute zu Nyo.
“Ich hoff dir gehts auch wirklich wieder gut, ich will nich das du auf die Jagd gehst, wenn du noch erschöpft bist."
meinte er dann, sozial wie er war.
Acollon sah die schwarze Fähe kurz und knapp an, dann erhob er sich und schritt Banshee hinterher. Ein kurzes Jaulen galt Ayala. Er sah noch zum Himmel und schritt schneller und erreichte Banshee.
"Deine Schwester kann mich nicht leiden, was?!"
fragte er eigentlich uninteressiert. Ihm war es eigentlich egal was die anderen taten, oder dachten.
Banshee sah zu Acollon neben sich.
"Ich weiß nicht ... ich glaube sie kennt dich einfach nicht."
Banshee lief weiter neben ihm, eigentlich sollte sie ja aufmerksam umher wittern und nach Beute suchen, aber wenn sie ehrlich war, wollte sie lieber weiter so neben ihm laufen. Sie sah ihm kurz in die Augen, sie waren wunderschön ... Dann glitt ihr Blick wieder in den Wald und sie beobachtete einen kleinen Vogel.
Acollon lief etwas langsamer und genoss etwas die Stille.
Als sich ihre Blicke trafen, wurde ihm warm und er fühlte sich mit neuer Kraft bestückt. Er beobachtete einen Raben, dieser krächzte laut und höhnisch. Etwas durchzuckte ihn, sein Blut gefror und er stürzte los. Ein tiefes Knurren drang aus seiner Kehle und er sprang den großen Vogel, der leider zu spät davon flog. Fest biss Acollon zu und schleuderte den Vogel auf den Boden. Schon längst war er tot, doch er biss immer wieder zu und schleuderte ihn durch die Gegend. Doch als er Banshee aus den Augenwinkeln sah, wurde er still und ließ vom Vogel und wich von ihm weg.
"Ich..."
stammelte er. Das war’s...! Jetzt würde Banshee ihn verabscheuen.
Banshee wich entsetzt ein paar Schritte zurück. Eben gerade war alles noch so ruhig gewesen, jetzt viel Acollon einen Raben an! Sie war verwirrt, der Anblick von dem hilflosen Vogel in den kräftigen Fängen Acollons ließ sie schwer schlucken. Dann war schon alles vorbei, der Vogel lag tot auf dem Boden, Acollon stand neben ihm, wie ein Welpe, der etwas Böses angestellt hatte. Zuerst war sie unfähig sich zu rühren, entsetzt und erschrocken starrte sie nur auf die beiden. Aber dann kam ein neues Gefühl dazu, Mitleid. Sie sah die Augen von Acollon und konnte fast seine Vergangenheit darin erkennen. Langsam trat sie zu ihm, nahm den zerfetzten Raben ins Maul und legte ihn unter einen Busch, wo man ihn nicht mehr sehen konnte. Dann setzte sie sich neben Acollon und legte ihren Kopf auf seine Schulter. Das alles geschah so automatisch, ohne dass sie wirklich etwas steuern konnte. Auch die Worte hatte sie nicht sagen wollen, aber sie kamen, als würde jemand anderes aus ihrem Körper sprechen.
"Verdränge deine Vergangenheit nicht ..."
Sie fragte sich, was sie damit sagen wollte. Sie wusste nur eins, sie wollte den Wolf neben sich nicht verlieren, egal, warum dieser Rabe nun sterben musste.
Ayala blinzelte Nyo an.
"Klar! Nur wir zwei ganz allein!"
sie grinste und schmiegte für einen kurzen Augenblick ihren Kopf an seine starke Schulter. Dann schaute sie Nyo an, wedelte aufgeregt mit dem Schwanz und meinte:
"Wollen wir jetzt los?"
Ihr ganzer Körper war zum Absprung bereit, sie wartete nur noch auf ein Zeichen Nyos.
Ein leises Heulen riss die Revierbesitzer aus ihren Beschäftigungen, denn eine Fremde wartete an den Rudelgrenzen, und bat um Einlass in ein unbekanntes Reich. Weit hatten ihre Läufe die weiße Fähe getragen, die zierlich und schlank war, und somit ihre Kraft gut verbarg. Lagoon tänzelte auf und ab, die Lauscher aufgestellt und auf eine Antwort hoffend. Der Wind zerwuselte das flauschige Fell, welches auf ein eher junges Tier hindeutete. Die dunklen Augen huschten hin und her, suchten nach Bewegungen zwischen den Bäumen, suchten nach Leben. Einige Zeit hatte sie nun danach gesucht, nun schien es gefunden zu sein...
Yakatavo ging langsam zurück Richtung Wald. er wollte erstmal etwas ausruhen.
Acollon kam sich so hilflos vor. Banshee verschleppte den Vogel und versteckte ihn unter einen Busch. Sie setzte sich neben ihn und legte ihren Kopf an seine Schulter. Es war so, als ob sie dieses Verhalten kannte. Sie war so selbstverständlich voran gegangen. Banshee sprach Worte aus, die Acollon fast zucken ließen.
"Danke"
sagte er schwach.
"Aber wenn ich dich eines Tages mit dieses Klauen..."
er mochte seinen Satz nicht weiter aussprechen.
"Ich kann nicht anders, es kommt über mich! Manchmal spiele ich mit dem Tod anderer Tiere!"
gestand er. Wieso war sie bloß so ruhig?! So schön?! So, wie er sich immer es gewünscht hatte, so war sie. Er legte seinen Kopf auf ihren.
"Ich will dich nicht verletzen".
Banshee hörte ein Heulen, doch es war bedeutungslos, sie wollte jetzt hier, neben Acollon sitzen und nicht wieder jemanden begrüßen, Nyo würde sich um ihn schon kümmern.
Was er sagte, könnte wirklich auch für sie gefährlich werden, aber ihr war es egal ... nein, ihr war es nicht egal, aber irgendwie wusste sie, dass sie vor ihm keine Angst zu haben brauchte.
"Was ist passiert?"
Wieder wusste sie selbst nicht, was sie damit meinte ... seine Vergangenheit? Vielleicht ...
Ryai sah von einem der Wölfe zum anderen. So recht hatte er noch nicht verstanden was geschehen war.
Warum wusste sie immer was Acollon fehlte oder bedrückte? War sie ein Wunder? Oder einfach nur sein Lebensinhalt?
"Ich musste so viel töten! Ich habe nichts mehr gesehen... Der Nebel war so dicht. Und das Blut roch so stark."
fing er so leise an wie er konnte. Er mochte nicht darüber reden, doch ihr konnte er es erzählen.
"Wir führten Krieg! Ich war Kriegsführer. Ich habe Befehle des Grauens erteilt. Ich bin ein Mörder!"
fuhr er fort. Er wusste, dass diese Worte sich so grausam anhören mussten. Und er würde gut verstehen können, wenn Banshee ihn verlassen wollte.
"Mein Stand des Krieges erlaubte mir nichts anderes mehr! Ich bin …"
er stockte und wollte nicht weiter reden. Der Wind wurde schneller und heißer. Die Sonne senkte sich etwas und beschien nun den anderen Teil des Waldes. Die Bäume leuchteten so schön auf.
"Fenris ... Du kennst seine Bedeutung?!"
fragte er und kuschelte sein Kopf etwas dichter an ihren.
Ayala sprang ein paar Pfotenlängen voraus und wartete, bis Nyo bei ihr angekommen war. Sie schaute sie an und fragte vorsichtig:
"Hättest du was dagegen, wenn wir Yak mitnehmen? Er kennt sich hier doch noch überhaupt nicht aus und Ban und Acollon sind schon weg...er kann bestimmt gut jagen!"
Aya sah Nyota bittend in die Augen und wartete ab.
Yakatavo hörte wie Ayala fragte ob er mitkommen könne. Er drehte sich um
"Auja, zwei Mädels für mich alleine."
meinte er frech grinsend.
Die Schwarze folgte Ayala, doch auf ihre Frage hin schüttelte Nyota den Kopf.
"Nein. Ich kann mich nicht darauf verlassen, und ich weiß von einem Rudel, das bei einer solchen Aktion beinahe zwei neue Mitglieder verloren hat. Dieses Risiko darf ich nicht eingehend..."
Ein Heulen durchflog die Luft, und ihre Lauscher zuckten in die Richtung aus er es kam. Ein Grinsen zierte ihre Lefzen, als sie sich Yak zuwandte.
"Könntet ihr beide den oder die Neue/n begrüßen?"
Bittemnd sah sie von Ryai zu Yakatavo und zurück, es tat ihr Leid, besonders Ryai schon wieder alleine zu lassen, doch sie hatte die Jagd mit Ayala schon einmal verschoben, und es sollte nur ihre Jagd sein.
Banshee hörte Acollon schweigend zu, sie verstand nicht alles, aber eines wurde ihr klar. Acollon hatte Dinge erlebt, die nie ein Wolf erleben sollte. Sanft schmiegte sie sich an ihn.
"Oh Acollon, das alles ist vorbei, Engaya hat dich aufgenommen, du brauchst keine Angst mehr haben. Und jetzt bin ich bei dir ..."
Fenris ... sie hatte den Namen noch nie gehört. Seit ihrer Kindheit war der einzige Name, der nicht einem Wolf gehörte, Engaya gewesen ...
"Fenris?"
Als Acollon den Namen aus Banshees Schnauze hörte, zuckte er zusammen und konnte gleichzeitig nicht verstehen, wie so ein schrecklicher Name, schön klingen konnte.
"Engaya und Tor sind Wolfgötter des Lebens, beide haben wichtige Aufgaben, beide helfen dem Leben der Wölfe! Auch Banras ist ein guter Wolfgott, auch wenn er der Schattengott ist! Nur Fenris …"
er machte eine kleine Pause und wagte es Banshee an zu sehen, etwas bestärkt sprach er weiter:
"… Fenris ist Gott des Todes! Jener Wolf der als Fenris Gehilfe geboren wird, kann nur aus dem Rudel Darkblood stammen".
Er schluckte schwer.
"Mein Geburtsrudel ist das Rudel Darkblood! Ich bin der Erbe Fenris, ich bin Wächter des Todes! Ich bringe den Tod mit! Ich trage den Tod in mir... Ich werde jedem damit noch umbringen!"
sagte er leise. Er warf seinen Kopf zur Seite und schaute in eine andere Richtung.
"Ja, meine Gedanken sind dann nicht mehr die meine! Ich bin nicht mehr Herr meiner Sinne!".
Der Wind wurde stärker und wehte leicht über die Wiese.
"Ich vermute Fenris wollte dich von mir nehmen! Er will meine Wehmut haben!"
flüsterte er jetzt. Er wollte nie wieder von Banshee getrennt sein!
"Aber was passiert, wenn der Wolf des Fenris auf die Wölfin der Engaya trifft? ..."
Sie sagte es ganz leise, mehr nur für sich, erschrak fast, als sie merkte, dass sie es laut ausgesprochen hatte. Sie glaubte nicht, dass alles Leben in Acollons Nähe vergehen könnte. Sie spürte doch, wie sie auflebte!
Zuerst war Ayala etwas enttäuscht und verstand es nicht, dass Nyo Yak nicht dabei haben wollte. Nach ihrer Begründung allerdings verstand sie es; sie musste wohl noch viel lernen ... Nun zwinkerte sie Yak und Ryai zu:
"Na, untereinander werdet ihr bestimmt auch toll auskommen, na los, zieht doch nicht solche Gesichter!"
Dann wandte sie sich Nyota zu:
"Und? Gehts jetzt endlich los?"
Sie wedelte aufgeregt mit dem Schwanz und hüpfte hin und her.
Acollon dachte nach, er kannte die Antwort, sie war grausam und unheilvoll! Diese Antwort würde jeglichen Frieden brechen. Sie war es also, Banhsee war Gehilfe, Wolfskind der Engaya. Nie hatte er sich die Wölfin so hübsch vorgestellt, sie sah auch nicht sonderlich stark aus. Doch auch stille Wasser sind tief. Ja, manchmal wirkte er selbst so. Sein Auftreten überheblich, arrogant, kühl und zu selbstbewusst! Fremd und einsam wollte er leben und sterben!
"Die Antwort möchtest du gar nicht wissen" flüsterte er. "Nicht dieses Ende erfahren!".
Banshee sah ihn an und schüttelte energisch den Kopf.
"Warum glaubst du nur an das Schlechte? Warum sollte aus Tod und Leben nur Tod entstehen?"
Sie merkte, wie das Gespräch ihren Pfoten entglitt, worüber redeten sie? Warum redeten sie darüber? "aufhören ..."
Nyota trat noch einmal zu Ryai, und stupste ihn an.
"Ich habe es ihr versprochen. Danach essen wir, und dann wirst du denn Rest des Reviers kennen lernen"
Damit wandte sie sich ab, es war schon schade dass sie ihn zurücklassen musste, aber sie wollte und durfte in ihrer Position keinerlei Risiko eingehen! Sie trabte los, und grinste Ayala zu. Auch ihr Hunger war erwacht, und ein bisschen Kleinwild oder verletzte Jungtiere wären kein Problem...vielleicht auch ein Rehherde ohne Bock...
Ayala schaute Nyo erwartungsvoll an, sie wusste, dass diesmal für ihre Spielchen leider keine Zeit blieb.
"Also, wie vorhin? Wir suchen einfach drauf los...?"
Ihr Magen knurrte, sie sehnte sich nach einem saftigen Stück Fleisch...lange würde es hoffentlich nicht mehr dauern... Ayala blickte sich um. Die Sonne stand schon recht tief über dem Wald, das Licht war golden und verzauberte die ganzen Blätter, die im Wind wehten.
Einige Minuten waren verstrichen, ohne eine Antwort. Weder Erlaubnis noch Verbot zum betreten des Waldes hatte die Weiße erhalten, und ohne sich noch länger aufhalten zu lassen, lief Lagoon los. Die dunklen Augen suchten noch immer, wer wusste wem sie über den Weg laufen würde... Finsternis war zu spüren, oder eher, die unmittelbare Anwesenheit davon, gegenüber zu grellem Licht... Der Wind drehte, und trug ihr den Geruch von Banshee und Acollon zu, die nur einige Bäume weiter zu finden waren. Acollon schien von schwarzen Nebeln umgeben, Banshees Fell dagegen strahlte, und das Licht welches von der Alphafähe ausging, die man an ihrer Haltung im ersten Moment nicht als solche erkannte, wurde von dem silbrig-weißen Fell Lagoons reflektiert. Suchend sah sie in die Augen der beiden Wölfe, die wie Yin und Yang schienen... Erneut begann sie zu laufen, schnell die Läufe voreinander setzend, als sie auf zwei andere Rüden stieß. Stumm wedelnd blieb sie ihnen gegenüber stehen, und sah nur in deren Augen, scheinbar bei beiden gleichzeitig...
Ryai sah der Wölfin nach und blieb etwas verloren zurück. Sein Blick huschte zu Yakatavo, war die Ironie der Worte von Nyota nicht lächerlich? Jagen wollte sie nicht mit neuen Rudelmitgliedern, aber die Fremde sollten sie begrüßen? Er war nicht unbedingt wehrlos, doch wie viel Vertrauen setzte Nyota in eine Wölfin, die gerade das Revier betreten hatte? Ryai schüttelte sich und machte sich auf den Weg, der Fremden entgegen. Etwas komisch kam er sich vor, als Fremder eine Fremde zu begrüßen und in einem Revier willkommen zu heißen, in dem er sich nicht auskannte, ein Rudel vorzustellen, das er nicht kannte. Er widersprach der Alpha nicht, kein Wort, doch er machte sich seine Gedanken. Wieder wusste er nicht, ob er nur keine Ahnung hatte, oder ob es wirklich falsch war. Bis er jene Fremde gefunden hatte, dauerte es, Yakatavo hatte ihm folgen können, oder es lassen. Er kannte jenen Rüden nicht und hatte nur erahnen können wer gemeint war. Vielleicht war es ein Fehler gewesen, sich diesem Rudel anzuschließen. Er verstand nichts und fühlte sich in seinem Fell einfach nicht mehr wohl.
Als er Ryai die Fremde erreichte, entdeckte er auch Banshee und Acollon, ehe sie auf ihn zukam. Er blieb stehen und sah ihr entgegen.
Knurrend erhob sich Acollon und sah sich um.
"Komm, wir gehen"
sagte er befehlend, doch dann sank er wieder ins Gras und murmelte etwas von:
"Ich meine... wollen wir gehen?".
Dieses Gespräch passte nicht zu Banshee, diese Sache mit Tod und Leben. Sie kannte das Ende nicht. Entweder sie würde von Acollon oder er von Banshee getötet werden. Nein, er wollte dieses Ende nicht. Er warf seinen Kopf energisch zurück und machte eine ernste Miene.
"Und ich hab immer noch Hunger."
wie auf Befehl knurrte sein Magen. Eine Woche lang hatte er schon nicht mehr gefressen, und der Geschmack des Blutes, das aus dem Vogel gespritzt und in seine Schnauze getropft war, hatte ihn wieder erinnert wie lecker es schmeckte. Er erhob sich, doch dies mal mit einem Lächeln, dass Banshee auch zum lächeln bringen sollte. Sie sollte glücklich aussehen!
Er konnte es nicht zu lassen sie so traurig und entsetzt über dieses Thema sehen!
Banshee sah ihn an, sie verstand ihn nicht ... aber erhob sich gehorsam und versuchte auch sein Lächeln zu erwidern. Es gelang ihr nicht ganz ... noch immer war sie zu verwirrt über seine Worte. Um zu zeigen, dass sie auch jagen wollte, streckte sie die Schnauze in den Wind und witterte, aber als ihr dann der Geruch mehrerer Hasen zugetragen wurde, rührte sie sich nicht von der Stelle ...
Acollon bemerkte, wie unsicher sein Verhalten Banshee machte. Er wusste wie schrecklich er wirken musste.
"Du verstehst mich nicht, was?"
fragte er leise und kam ihr ganz nah.
"Musst du aber auch nicht!".
Er schnappte kurz nach ihrem Ohr und lief davon, drehte sich kurz um und sah Banshee an:
"Na komm!"
Er war wieder mit Glück erfüllt, wenn er diese Fähe ansah spürte er etwas, was nicht ihm gehören konnte. Seine Jagdinstinkte setzten ein. Jetzt wandelte er sich in einen guten Jäger.
Banshee spürte, wie das Glück in Acollon hoch kam und hätte so gerne mit ihm gefühlt, aber seine Antworten lasteten schwer auf ihrem Herzen. Sie stand auf und fegte ihm nach, aber das Glück, das er ausstrahlte, schien sie nicht anstecken zu können. Als er die Hasen bemerkt haben musste, konzentrierte sie sich auf die Jagd und richtete ihre Sinne auf die kleinen Tiere. Doch noch immer versuchte sie zu verstehen ... .oO(Engaya, hilf mir.)
Acollon sah die Hasen kurz an und wusste, dass zwei von ihnen sterben würden. Schon wieder, diese Art Versionen ähnlichen Bilder erschienen vor seinem inneren Auge. Ein kurzes lauschendes Nicken galt Banshee. Dann preschte er los. Geschickt und schnell sprang er die Anhöhe hoch packte sich einen der fliehenden Hasen, ohne noch ein Anzeichen des Lebens hing der Hase schlaff aus seinem Maul, diese Jagd war nicht vorbei, auch Banshee sprang los.Was sollte Acollon bloß sagen, einer von ihnen musste sterben, wenn dann er! Er würde Banshee nicht gehen lassen!
Die Augen blieben an denen von Ryai hängen, und reglos stand Lagoon nun da, ihr Fell ein Spielzeug des Windes. Ein Lächeln formte sich auf den Lefzen, und eine leise, zart klingende, Stimme ertönte.
"Aleya..."
Mehr sprach sie nicht, wohl würde kaum einer dieser Wölfe die Bedeutung des Wortes verstehen, welches noch aus einer sehr alten Sprache kam... Yin und Yang waren zur Jagd aufgebrochen, und der Rüde neben Ryai hatte sie wohl noch nicht registriert. In sanftem Takt strich ihre Rute durch die Luft, den Blick nahm sie nicht von Ryais Augen.
Banshee sprang hervor und raste dem anderen Hasen hinter her, aus dem Augenwinkel sah sie, wie Acollon den anderen schon in der Schnauze hielt. Sie schnappte nach ihrer eigenen Beute, aber in diesem Moment schlug der Hase einen weiteren Hacken. Mit der Pfote erwischte sie ihn noch und schlug ihn von seinen Pfoten, zitternd blieb er liegen und sie senkte ihre Schnauze über ihn. Seinen kleinen Augen sahen in Todesangst zu ihr herauf, sie konnte fast sein Herz schlagen hören. Sie starrte in die winzigen Augen, des wehrlosen Geschöpfes und las nur den Tod daraus. Sie trat zurück und ließ den Hasen frei, für wenige Herzschläge starrte er sie entsetzt an, dann drehte er sich um und verschwand mit schnellen Sprüngen im Gebüsch. Banshee sah ihm nach und fühlte sich seltsam schwebend.
Nyota überlegte noch kurz, auch dieser Entschluss war völlig unsinnig. Aber sie konnte und wollte Ayala nicht länger warten lassen, und, wieso auch immer, vertraute sie auf Ryais Fähigkeiten mit Fremden umzugehen. Vielleicht war das ein Fehler, aber sie konnte an alles denken. Freudig wedelnd schubste sie Ayala und trabte los.
"Natürlich...komm Aya!"
Sie grinste, doch sie brauchten nicht lange zu laufen, bis sich ihre lockere Haltung änderte. Wenn sie tatsächlich etwas fangen wollten, würden sie sich konzentrieren müssen... Mit der Nase am Boden schlich sie durchs Gehölz.
Ayala schnüffelte ebenfalls den Boden ab und versuchte, eine Fährte aufzunehmen. Ihr Magen knurrte, sie hatte entsetzlichen Hunger. Sie glaubte, dass es wohl dauern würde, bis sie etwas fänden.
Ihre Gedanken kreisten um Yak, er war enttäuscht gewesen, dass er zurückbleiben musste, das hatte sie gemerkt. Aber heute Abend würden sie ganz alleine den Sternenwinden zusehen, Ayala freute sich schon darauf...
Plötzlich huschte nicht unweit von ihnen ein Kaninchen über den Pfad. Ayala stellte ihren Schwanz senkrecht auf, spannte ihre Muskeln bis zum Äußersten und schielte zu Nyo - sollte sie sich jetzt einfach drauf los stürzen?
Yakatavo lief hinter Ryai her. Als er ebenfalls bei der neuen Wölfin angekommen war schaute sie auf die neue, die unverwandt Ryai ansah.
"Ähm Hi!"
sagte er, um auf dich aufmerksam zu machen.
"Welche schönheit wagt sich hier in dieses Revier?"
wollte er wissen, um ihren Namen zu erfahren.
Ryai's Ohren schnippten als die Stimme der Wölfin erklang. Er wedelte ihr erfreut zu und lächelte warm.
"Aleya, Wölfin. Mich nennt man Ryai, was führt euch hier her? Ich muss euch sagen, das die beiden Alphas anderen Beschäftigungen nachgehen und euch erst später begrüßen werden, seht uns als Vertretung."
Er nickte ihr zu und erwiderte den direkten Blick regungslos. Gutmütig und freundlich, wie es seine Art war, musterte er die Fremde, alles an ihr. Yakatavo's Bemerkung sagte die Wahrheit aus, sie war sehr hübsch. Er beobachtete den Rüden aus den Augenwinkeln sehr aufmerksam.
Das ewige Lächeln verharrte auf Lagoons Lefzen, nur kurz schienen die dunklen Augen aufzuglühen, als sie den Blick Yakatavo zuwandte. Sie nickte nur, innerlich schmunzelnd, und hob eine Braue. Vermutlich passte sich der junge Wolf nur an, doch es erstaunte sie, dass er mit Aleya antwortete, wer wusste denn hierzulande noch was diese Worte bedeuteten?! War Sharem doch noch nicht vergessen? Später würde sie die Alphas befragen ...
"Meine Pfade sind verschlungen, doch meinen Name kann ich euch wohl verraten. Lagoon nennt man mich, und welche Namen gab man euch, Rüden?"
Sie benutzte letzteres Wort wie eine Art Titel, woher sie diese Angewohnheit hatte? Zumindest aber musste sie weite Wege hinter sich haben...
Weniger kompromissfreudig als Ayala warf sich die schwarze einfach auf das Tier, welches dummerweise ihren Weg gekreuzt hatte. Knochen brachen, und das erste bisschen Beute war erbeutet. Ein Grinsen galt Ayala, dann hob Nyota das recht zerquetscht wirkende Karnickel vom Boden auf, und lief weiter.
"Warfe nift so fange, fonft faun fie fab."
Sprach sie, zwischen den Zähnen hindurch, und beschleunigte ihre Schritte. Von ein paar Kaninchen würde keiner satt werden...
Ayala ärgerte sich etwas über ihre Trägheit...normalerweise war sie gar nicht so, aber sie war unsicher, da sie Nyo zu wenig kannte, um sich sicher zu sein, wie sie reagierte.
.oO(Egal, das nächste Mal bin ich schneller und zeig ihr was ich drauf hab)
Die Fähe lief Nyo hinterher, hoffentlich würde bald etwas Größeres als ein Karnickel folgen. Ayala versuchte fremde Gerüche wahrzunehmen, doch alles schien wie sonst, kein Wild wurde von ihr wahrgenommen.
Acollon sah zu Banshee und wie der Hase entwischte. Hatte sie ihn nicht bekommen, war er zu schnell gewesen?! Aber warum sah er die blutigen Bilder? Warum? Er verstand nicht ganz, doch ein Verlangen dem Hasen hinterher zu laufen drückte ihm die Kehle zu.
Eine Art Husten entfuhr seiner Schnauze.
"Warum hast du ihn entkommen lassen?"
schnauzte er, er hatte Mühe einen Impuls zu unterdrücken. Dieser Impuls war nicht aus seiner Seele entsprungen. Es war etwas anderes was ihn stocken und anders denken ließ. Dieses Etwas ließ Acollon seinen Hasen fallen, er spürte wie er eine Mordlust hatte, Banshee an zu greifen. Doch er wehrte sich. es musste komisch für Banshee aussehen, wie er da mit sich selbst kämpfte.
"Ich habe so ein... ein komisches Gefühl"
knurrte er leise und warf Banshee einen flehenden Blick zu.
Banshee wurde unsanft wieder von Acollons Wort zurück in ihre Welt geholt.
"Was?"
Sie schüttelte sich. Sah Acollon an und versuchte seine Verhalten zu deuten. Was machte er da? Und was hatte sie gemacht?
"Ich ... seine Augen ..."
Sie verstummte, als sie Acollons Blick sah, was war mit ihm los? Sie trat langsam näher und spürte gleichzeitig ein seltsames Gefühl, eines, was wohl normalerweise Angst sein sollte, doch jetzt war es eher die Warnung, dass sie Angst haben sollte. Sie verspürte aber keine. Noch einmal ging sie einen Schritt auf ihn zu und sah ihn mittlerweile besorgt an.
"Was ist?"
Acollon unterdrückte weiterhin dieses komische Gefühl.
"Banshee komm nicht näher"
zischte er hinter seinen Zähnen hervor, die mittlerweile in der Sonne blitzten.
"Ich habe wieder dieses Gefühl von ungewollten und unbestimmtem Tod."
Seine Tatzen vergruben sich im trockenen Erdboden. Er sah die Fähe verzweifelt an.
"Ich kann dieses Gefühl nicht unterdrücken"
flüsterte er unsanft. Er wollte sich gerne einfach nur fallen lassen. Es war alles so eng und kalt.
Banshee blieb wie angewurzelt stehen und starrte Acollon an, was meinte er? Würde er sie angreifen? Jetzt schaltete sich ihr Fluchtinstinkt ein, davon rennen und nicht mehr zurück blicken, aber sie blieb stehen.
.oO(Engaya, hilf mir.)
Langsam trat sie neben Acollon und drückte sich an ihn, sie flüsterte irgendwas, was sie selbst nicht verstand und schloss die Augen.
.oO(Engaya ...)
Acollon spürte Banshee an seiner Seite, sein Atem wurde schlagartig ruhiger. seine ganze Wesensart stellte sich wieder auf ruhiger ein!
"Banshee"
sagte Acollon langsam, und schon wieder, dieser Name klang so schrecklich aus seiner Schnauze, mit der Luft aus seiner Kehle. Er rieb seinen Kopf in ihrem Fell.
"Oh Banshee."
Er schloss die Augen und drückte sich dichter an die weiße Fähe.
Banshee spürte, wie Acollon sich entspannte, sein Atem wurde ruhiger. Glücklich öffnete sie die Augen wieder und sah Acollon an. Ihr Name aus seiner Schnauze jagte ihr einen Schauer über den Rücken.
"Es wird nichts passieren ..."
Sie vergrub ihre Schnauze in seinem dichten schwarzen Fell und spürte, wie ihr eigenes Herz wieder langsamer klopfte.
.oO(Ich danke dir, Engaya.)
Acollon spürte ein neues Gefühl, gemischt aus Panik und Glücklichkeit.
"Ich hoffe es"
sagte er trocken und öffnete die Augen.
"Ich will dich nicht verlieren, ich will nur für dich leben".
Diese Worte hatten die ganze Zeit in seiner Brust geschlummert, endlich brachen sie heraus, und ein leichter Schauer rutschte ihm den Rücken runter.
Die Sonne senkte sich dem Boden entgegen.
Ryai kannte jene Begrüßung, doch er war noch nie einem Wolf begegnet, der dieses Wort ebenfalls benutzte, wenn man es genau nahm, war er ja auch noch kaum einem anderen Wolf begegnet. Einst lehrte es ihm sein Vater, den er für weise hielt. Die Rute des jungen Wolfes schwenkte weiter hin und her. Seine Augen lagen immer noch auf Lagoon.
"Ryai, jenen Namen gaben mir meine Eltern."
Ein wenig neugierig war er, was hatte die Wölfin hier her verschlagen? Eigentlich interessierte er sich für die Vergangenheit aller, die hier aufeinander getroffen waren.
"Erst kurze Zeit vor euch, führten meine Pfoten mich in dieses Revier. Viel habe ich noch nicht gesehen, die Alphawölfin versprach mir nach der Jagd mit der Revierführung weiter zu machen. Sicher kannst du uns begleiten."
Banshees Blick ruhte auf Acollon und sie lächelte glücklich.
"Ich werde bei dir bleiben ... Wir werden zusammen leben."
Die Worte waren wie ein warmer Wind, der um sie herum strich, wie eine Sonne, die ihnen den Pelz wärmte. Sie dachte an den Morgen zurück, wo sie sich noch so angekeift hatten und an das Jetzt ... Sie wunderte sich, warum sie ihn noch nicht vorher so gesehen hatte, wie sie ihn jetzt sah. Und sie wusste, dass sie ihn nie mehr hergeben wollte ...
Acollon starrte kurz in den sich rötenden Himmel.
"Ja, das werden wir"
sagte er leise. Sein Magen knurrte wieder laut.
"Wollen wir jetzt den Hasen verspeisen?"
fragte er mit hungrigen Blick zum Hasen. Die Bilder die ihm erschienen waren, wollte er vergessen. Der Wind war warm und sanft. Wenn Acollon mit Banshee zusammen war, war er genauso wie der Wind. Dieses Gefühl beruhigte ihn, doch er wusste, wenn er sich wieder den anderen näheren würde, würde sein Temperament umschlagen und sein Gemüt wieder kochen.
"Wir wollten uns auch noch die Sternenwinde ansehen"
flüsterte er leise, als ob er Banshee damit erinnern wollte. Langsam erhob er sich und packte den Hasen und legte ihn Banshee vor die Pfoten. Ihre Pfoten waren weiß, sanft und zierlich, er stellte seine schwarzen Tatzen daneben, es kam ihn so vor, als ob es Pranken wären, gegen diese Schönheit ihrer Pfoten. Er wartete bis Banshee anfangen würde zu fressen und dann selbst fressen. Erstens würde das Hirachie in dem Rudel verlangen und zweitens wollte er höflich sein.
"Glaubst ich könnte die Jagdgarde dieses Rudels übernehmen?"
fragte er leise.
"Ich meine, ich kenne die besten Jagdstrategien! Also, ich meine, wenn das okay ist?"
Ihm wurde wieder warm, und leicht verlegen schaute er weg.
Plötzlich veränderte sich der Schrittrythmus, Nyotas Blicke wanderten von Ayala zu einem Reh und zurück, ein Tier das völlig alleine zwischen den Bäumen stand. Welch Irrsinn es dorthin gebracht hatte, sollte der Tod des Tieres werden...sie begann sich ohne das geringste Geräusch, und sich rechts haltend, anzuschleichen, und bemühte sich nach Kräften, Ayala zu bedeuten selbiges von Links zu tun...
Ayala trabte vor sich hin...ihr Magen knurrte...sie war müde - doch sie konnte di plötzliche Angespanntheit von Nyota durch ihren ganzen Körper hindurch spüren - ja, da musste etwas sein. Ganz leise, ohne auch nur das geringste Geräusch zu verursachen, schlich sich Ayala näher und spähte um sich. Inzwischen vernahm auch sie den Geruch des Rehs, sie schlich leise weiter. Ja, da stand es zwischen den Büschen, etwas versteckt, aber trotzdem an einem ungewöhnlichen Ort für das Reh. Ihr Glück! Ayala schielte zu Nyo, die sich immer noch voll und ganz von rechts her auf das Tier konzentrierte. Ayala verstand, sie sollte von links her kommen. Sie bewegte sich vorsichtig weiter. Dann blieb sie stehen - sie war bereit, wie Nyo auch. Dann, im selben Sekundenbruchteil setzten die Wölfe an und sprangen auf das Wild zu, nur verständigt durch kurze Blicke. Ayala verbiss sich in der Flanke des Rehs, es stürzte um und sofort schaute sie nach der Kehle, an der schon Nyo hing.
Banshee schaute auf das Tier zu ihren Pfoten, riss ein Stück Fleisch heraus und hielt es Acollon hin. Sie lächelte, was man wohl nicht erkennen konnte, aber auch so würde Acollon ihre Freude spüren. Ihre Freude darüber, dass er bei ihr war. Ihre Freude darüber, dass er in dieser Nacht mit ihr die Sternenwinde betrachten würde. Ihre Freude über das Leben und ihn.
"Für hich."
Acollon wusste nicht recht wie er mit dieser Fröhlichkeit Banshees umgehen konnte oder sollte. Doch dann lächelte er zaghaft und nahm Banshee das Stück Fleisch vorsichtig aus der Schnauze. Hastig und in einem Schluck schluckte er das Stück Fleisch hinunter.
"Danke"
flüsterte er leise und riss ebenfalls für Banshee ein Stück Fleisch hinaus. Er hielt es ihr vorsichtig hin.
Banshee schlabberte ihm das Fleisch aus der Schnauze und bemerkte gleichzeitig die Unsicherheit Acollons. Sie ließ den Hasen so, wie er war und legte den Kopf auf die Schulter des Rüden. Mittlerweile war die Sonne ganz versunken und die ersten Sterne begannen zu blinken, nicht mehr lange und die Winde würden einsetzen.
"Siehst du die Sterne? Heute Nacht funkeln sie nur für uns alleine."
Die Andeutung eines anderen Lächelns huschte über Lagoons Gesicht, doch das altbekannte verharrte auf ihren Lefzen, und lies sich nicht so schnell verdrängen. Es erschien ihr ziemlich komisch einen beinahe völlig Fremden auf andere Fremde los zu lassen, doch störte es sie im Moment kaum. Die Sonne hatte sich in den schönsten Rot- und Goldtönen verabschiedet, und der schwarzblauen Dunkelheit jener Nacht Platz gemacht. Die ersten Lichter erschienen am Himmel, und sehnsüchtig schien der Blick der Fähe, als sie den Blick en Himmel richtete, es schien als kenne sie jeden einzelnen Stern, und vermisse sie wie gute Freunde...
Sie riss sich vom Anblick der Himmelidylle ab, und sah Ryai und Yakatavo wieder an, doch ihre Augen schienen völlig verändert, obwohl sie noch immer lächelte, lag etwas schmerzhaftes darin...
Ryai folgte dem Blick Lagoon's hinauf zu den Sternen. Nie hatte er einen derart schönen Nachthimmel gesehen. Eine Weile konnte er den Blick nicht mehr davon wegnehmen, so fasziniert war der junge Rüde. Als er die Bewegung der Wölfin aus den Augenwinkeln beobachtete, sah er wieder zu ihr. Der Kopf wurde leicht schief gelegt und er musterte sie prüfend.
"Warum auf einmal so traurig?"
Vielleicht fragte man solche Dinge nicht, doch in welcher Hinsicht war Ryai schon wie andere? Es mangelte ihm an Erfahrung im Umgang mit anderen Wölfen, dennoch lag nichts Böses in seinen Absichten.
Banshee legte ihren Kopf auf die Schulter Acollons. Er war etwas unsicher, doch nun setzte er sich etwas näher zu ihr. Die Sterne hatten tatsächlich einen klaren und funkelnden Glanz.
"Nur für uns"
flüsterte er. Er legte seine Rute auf die von Banshee. Der Himmel war nun von einem dunklen Blau in ein Pechschwarz übergegangen. Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne zehrten an dem nächtlichen Himmel. Die Vögel verstummten in ihren Gesängen und wurden von den zirpenden Grillen abgelöst. Die ersten Sterne schossen leise über das Schwarz.
"Ich habe einen schönen Platz entdeckt, von dem wir sie besser beobachten können!"
sagte er leise.
Banshee nickte langsam.
"Zeig mir deinen Platz ... und bleib bei mir."
Sie stand auf, trat ein paar Schritte voraus in den Wald und drehte sich zu Acollon um. Sein schwarzes Fell schimmerte im Strahl des Mondes und der Sterne und ließen ihn aufleuchten. Sein kräftiger Körper, der von vielen Narben gekennzeichnet war, erschien ihr jetzt so sanft und weich. Das Schwarz, zusammen mit dem Weiß ihres Fells war so gegensätzlich aber doch für einander bestimmt. Ein leises Lächeln umspielte ihre Lefzen.
Acollon erhob sich und stand stolz da. Banshee sah ihn lächelnd an. Sie war wunderschön. Ihr weiß strahlte durch die Finsternis auf ihn zu. Ihre bernsteinfarbenen Augen glitzerten in dem Schein des Mondes. Einzig und allein glich nur sein weißer Hinterlauf dem Fell Banshees, ansonsten war er pechschwarz und sie schneeweiß. Gegensätze der Felle und der Bedeutung ihrer Aufgaben und ihrer Götter.
Acollon erhob seinen Kopf und schloss die Augen, der Wind umspielte sein Fell und er genoss den Duft der weißen Fähe. ein leises Heulen durchfloss die Nacht. Dann trabte er elegant und fast leicht zu Banshee, er tickte sie mit der Schnauze an und lief los.
"Na komm"
lachte er.
23.12.2009, 14:51
Banshee folgte ihm und entdeckte jetzt erst den weißen Hinterlauf. Es kam ihr vor, wie ein Zeichen Engayas, sie selbst suchte an ihrem Fell, fand jedoch keine schwarze Stelle. Naja ... etwas grau war sie schon am Bauch und an den Hinterläufen ... mit den Jahren wurde es dort dunkler. Sie lächelte und holte dann Acollon ein.
"Ich freu mich ... ist es ein Felsen?"
Acollon blickte während des Laufens in den Himmel:
"Ja, es ist ein etwas höherer Felsen! Den habe ich entdeckt, als ich neu zu euch gestoßen war".
Er sprang elegant auf einen alten Baumstumpf und sah kurz über den Waldboden hinweg. Dort hinten streckten sich kleine Gebirgsfelsen in die Höhe. "Komm", er lief los direkt auf den Felsen zu und sprang mit drei großen Sprüngen hinauf und blickte, leicht mit der Rute schlenkernd zu Banshee. Sie selbst sah aus wie ein Stern im dunklen Wald. Acollon sah sie musternd an, ja, dieser Vergleich passte
"Wie ein Stern im Nachthimmel."
Er heulte ihr zu.
Banshee sah zu Acollon hinauf und hörte sein Heulen ... wie ein Halt in der dunklen Nacht. Leise antwortete sie ihm mit einem alten Heulen, das sich an Engaya und die Liebe richtete. Sie lächelte und sprang dann Acollon nach, auf den Felsen. Von oben konnte man weit ins Land hinein blicken und die Sterne schienen zum Greifen nahe. Eine Sternschnuppe zog über den Himmel und versank im See. Sanft lehnte sich Banshee an Acollon und beobachtete einen weiteren Sternenwind ... hatte sie es sich eingebildet, oder war der Lauf des Sternenwindes wirklich die alte Rune der Liebe gewesen? Sie warf Acollon einen Blick zu und sah dann wieder in den Himmel, noch immer schien die Spur am Himmel zu glühen ...
Acollon starrte in den Himmel und erkannte etwas Ähnliches wie Ruhnen.
"Erlaubt Engaya mir, bei dir zu bleiben?"
fragte er beinahe lachend. Der Rüde bemerkte Banshees warmen Körper. Er drückte sich dichter an sie.Die Sternenwinde huschten schnell über den Himmel.
Banshee lächelte und antwortete leise:
"Auch wenn sie es nicht erlauben würde, würde ich wohl zum ersten Mal ihren Willen brechen ..."
Sie küsste ihn sanft auf die Schnauze und fuhr mit der Pfote über den Felsen, auf dem sie saßen, eine leicht verlegenen Geste.
Acollon sah leicht verdutzt, leicht glücklich zu Banshees Pfote.
"Danke"
sagte er leise. Langsam setzte ich mich dichter zu Banshee und legte wieder meine Rute über ihre und schmiegte mich an sie.
"Warum habe ich dich erst jetzt gefunden?" fragte er leise. "Lass mich nie wieder so lange warten und lass mich nie wieder alleine."
Er ließ wieder einen Blick über den Himmel schweifen.
Banshee schmiegte sich an ihn und schloss die Augen.
"Ich verspreche dir, ich lasse dich nicht mehr alleine, und wenn ich es irgendwann tun sollte, dann sollst du wissen, dass nicht ich es bin, die in diesem Moment handelt."
Sie legte sich langsam hin und legte ihren Kopf auf seine Pfoten lächelnd sah sie zu ihm auf.
Acollon genoss die Worte von Banshee und als sie sich auf seine Pfoten legte, musste er wieder richtig lächeln. Er beugte sich nach unten und küsste sie auf die Lefze.
"Danke"
flüsterte er ihr ins Ohr.
Banshee genoss Acollons Zärtlichkeiten und sah in den dunklen Wald.
"Wir sollten bald zurück gehen ..."
Aber sie machte keinerlei Anstalten sich zu erheben, es war eher eine Vernunftsbemerkung, die sie selbst nicht befolgen wollte. Viel lieber wollte sie jetzt hier bei Acollon bleiben.
Widerwillig musste Acollon Banshee Recht geben.
"Ja, sonst reißt mir deine Schwester den Kopf ab"
sagte er lächelnd. Er erhob seinen Kopf und blickte in den Himmel.
"Die Wolken ziehen sich jetzt auch langsam zu, sieht ein wenig nach Gewitter aus".
Acollon schleckte noch einmal über die Lefze von Banshee und lächelte sie viel sagend an.
Yakatavo schaute die Fremde an. Was wollte sie denn hier? Auch wenn er sie schön fand und er generell nichts gegen Fähen hatte, diese hier schien ihm doch etwas zu komisch. Das war zu viel der weiblichen Psyche, er wollte lieber mit Wölfen reden, die etwas offener waren, nicht so verschlossen, arrogand und geheimnisvoll.
"Ich geh dann mal. Ich bin zwar auch neu, aber ich schaue mir das Revier lieber alleine an. "
meinte er, er überlegte kurz und schloss dann:
"Tja meine Teuerste, Lagoon. Dann werde ich dich wohl verlassen müssen, wirklich schade. Und Ryai, ich finds komisch das die anderen uns nich mitnehmen wollten. Wieso lassen sie uns in ihr Rudel, wenn sie und nicht vertrauen?"
Er dachte laut. Es war doch die Wahrheit, wieso ließen sie sie nicht mit? Er schaute beide an und trabte langsam in den Wald.
Banshee erhob sich langsam und sprang vom Felsen runter, lächelte Acollon zu und lief in den Wald. Schon kurz darauf fand sie Yak, Ryai und eine Fremde.
"Na ihr, wo ist Nyo? Und Ayala?"
Verwundert sah sie sich um, sie hatte nicht damit gerechnte die drei neuen alleine vor zu finden. Nach ihrem ersten Erstaunen wandte sie sich dann der Fremden zu.
"Willkommen, mein Name ist Banshee, Alpha des Sternenwindrudels und wer bist du?"
Sie betrachtete interessiert die Gesichte der Anwesenden und versuchte herauszufinden, was sie hier taten.
Langsam trottete Acollon hinterher. Und erreichte auch gleich darauf die anderen Wölfe. Fast provokant stellte er sich neben Banshee. Seine Wesensart hatte sich umgeschlagen und er ließ ein leises Knurren hören.
Die Ohren der Weißen spielten mit dem Wind, der um Lagoon strich, konnten sich einige Zeit nicht einigen, und verharrten doch endlich, auf Ryai gerichtet.
"Nun, meine Heimat wurde mir genommen...ich vermisse sie einfach nur..."
, flüsterte das Geheimnis. Sie wandte den Kopf gen Banshee und Acollon, Yin und Yang waren wieder da. Genau wie es zu erwarten war, begegnete ihr Banshee freundlich, Acollon feindlich. Leicht neigte sie den Kopf bei Banshee, und bedachte Acollon mit einem undefinierbaren Lächeln.
"Ich grüße dich, Banshee, und deinen Begleiter. Mich nennt man Lagoon ..."
Ayala war auf die Sekunde genau losgestürzt, wie auch Nyota selbst, und wenige Momente später lag das Reh. Mit brachialer Gewalt biss sie immer wieder auf den Hals des Tieres ein, längst war ihr Fell von Blut verklebt, doch sie riss weiter an dem Tier herum, immer heftiger die Bisse, bis kein Ruck, kein Zucken mehr durch den Fähenleib ging. Zufrieden begutachtete sie das Tier, und leckte sich das Blut von den Lefzen. Dann erst hob sie den Blick gen Ayala.
"Nicht schlecht...das könnte reichen..."
Im Gebüsch hatte sie den Hasen liegen gelassen, schnell trug sie ihn hin, und warf ihn neben das Reh zu Boden.
"Den sollten wir gleich essen!"
befand sie, und machte sich auch sogleich daran einen Teil des Hasen zu verschlingen, trat dann zurück, und wartete auf Ayala.
Ayala stürzte sich hungrig und glücklich, weil Nyo mit ihr zufrieden gewesen war auf den restlichen Hasen. Immer noch freudig mampfend fragte sie:
"Umd jepfd? Rupfen wir die amnderen zumammen?"
Sie kaute fertig, schluckte und sah Nyo mit wedelndem Schwanz entgegen.
"Glaubst du, Ban und Aco haben etwas so großes gefangen?"
Banshee sah in die Augen der Fähe, die seltsam glänzten, auf eine wissende und rätselhafte Art ... fast erinnerten sie sie an ihre eigenen Augen, die sich im Wasser des Sees widerspiegelten.
"Willkommen, Lagoon, was führt dich zu uns?"
Banshee warf einen Blick zu Acollon, er wirkte jetzt so anders, als vorher, wo er noch alleine mit ihr war ...
Ein breites Grinsen überzog Nyotas Lefzen bei Ayalas Frage, und gespielt überlegend sah sie zur Seite.
"Also, du kannst es auch gerne tragen wenn dir danach ist..."
Sie lachte, und warf dann den Kopf in den Nacken, ein schallendes Jaulen rief die Neuen, Banshee und Acollon her, bald hätten sie zum ersten Mal das ganze neue Rudel zusammen.
"Ich hoffe nur, Ryai ist nicht sauer das ich ihn nicht mitnehmen wollte..."
murmelte sie, mehr zu sich selbst als zu Ayala...
Ayala hüpfte aufgeregt hin und her...ja, bald würde das ganze Rudel hier zusammen sitzen und sie würde die neue Wölfin zum ersten Mal sehen...wie sie wohl war? Auch freute sie sich, dass nun alle satt werden konnten, es war ja genügend da...und sie freute sich auch Yak wieder zusehen - er ging ihr nicht mehr aus dem Kopf, sie hatte dauernd sein breites Grinsen vor Augen. Sie lächelte verstohlen und setzte sich hin, um auf die anderen zu warten.
Das Lächeln veränderte sich ein wenig, nicht möglich zu sagen in welche Richtung, doch es war ein anderes, als das, welches Banshee noch eben gesehen hatte.
"Ich folgte vielen Pfaden, mal leiteten mich die Sterne, mal der Mond. Ich vertraute darauf, dass es der richtige Weg wäre, denn sie mir zeigten..."
Sprach Lagoon, sanft und leise wie zuvor. Ihre Ohren begonnen ein neues Spiel, als sie das Jaulen vernahm. Doch es wäre unhöflich gewesen, der Alpha davon zu laufen, deshalb verharrte sie erst einmal an Ort und Stelle.
Banshee registrierte schweigend die Worte der Wölfin und vernahm dann das Heulen ihrer Schwester. Langsam sah sie die vier Wölfe, die hier waren der Reihe nach an und stand dann auf.
"Kommt, lasst uns zu Nyota gehen, vielleicht haben sie und Ayala etwas erbeutet."
Sie grinste Acollon zu und lief dann los, in der Annahme die anderen würden ihr folgen, bald darauf kam sie bei Nyo und Aya an und lächelte den beiden zu.
Ein leichtes Wedeln umgab Nyota, als Banshee, von den anderen gefolgt, auftauchte, und sofort tänzelte sie auf Ryai zu. Ein fragender Blick lag auf der zweiten Weißen, doch vorerst schwieg sie. Es war klar, dass Banshee und sie zuerst fressen würden, und sie konnten sich genau so gut dann noch vorstellen. Ein Nicken galt Yak, und bei Acollon hatte sie innerlich um ein halbes Lächeln gekämpft. Sie wollte keinen Streit, aber sie würde auch keinem ausweichen... Ihre Rute striff Ryai.
"Ich hoffe du hast Hunger?"
fragte sie lächelnd.
Banshee sah Nyo lächelnd zu und ihr Blick glitt zu Acollon, lange blieb er auf ihm liegen, dann setzte sie sich an den Rand der Lichtung und meinte:
"Ich habe keinen Hunger."
Sie wunderte sich selbst, schließlich hatte sie nur ein Stückchen Hase im Magen, aber irgendwie, fühlte sie sich so satt, wie nie zuvor.
Acollon hatte die fremde weiße Wölfin mit dem Namen Lagoon misstrauisch gemustert und war Banshee gefolgt. Sein Schritt war leicht und doch konnte man seine Tatzen auf dem Waldboden hören.
"Seltsame Fähe"
knurrte er mehr zu sich selbst. Als sie die Schwester von Banshee erreicht hatten, stellte sich Acollon etwas abseits hin und betrachtete das erlegte Tier. Der Blutgeruch kratzte in seinen Lungen und er zog die Lefzen hoch. Die Frage ob sie etwas wollten ließ er an sich vorbei gleiten, sicherlich meinte Nyota nicht ihn. Er bemerkte den Blick von Banshee und lächelte ihr kurz zu. Nun ruhte sein Blick auf der fremden weißen Fähe. Sie kam ihn so unwirklich vor, irgendwie falsch, doch er selbst durfte sich nicht beschweren, denn er war ja nicht anders.
Ayala freute sich...endlich waren alle beisammen. Stürmisch wetzte sie auf Yak zu, wollte ihm eigenlich in die Ohren zwicken - blieb dann aber kurz vor ihm stehen und rieb ihren Kopf leicht an seiner Schulter.
"Hallo, Yak! Schön dich zu sehn...hast du Hunger?"
Dann blickte sie ihm tief in die Augen und hoffte, er wäre nicht mehr traurig, weil sie ohne ihn jagen gegangen waren.
Mit fragendem Blick beobachtete Nyota die, anfangs gemäßigten, Reaktionen der anderen. Hin und wieder huschte ein musternder Blick zu Lagoon, sie strich Ryai noch einmal mit der Rute, und trat dann zu Banshee und Acollon.
"Du isst auch nichts?"
Fragte sie den Schwarzen, mit schief gelegtem Kopf, entweder er brauchte sehr sehr wenig, oder er war nur zu arrogant, dachte sie bei sich... Ihr Blick glitt zu Ryai zurück, doch nicht lange, dann sah sie zu Banshee.
"Was macht dich so satt?"
Irgendwie ärgerlich, am Ende wollten die anderen auch nichts! Dann müssten sie und Ayala alles alleine essen ... naja, man würde sehen...
Acollon sie die schwarze Fähe kurz mit einem undefenierbaren Blick an, dann sagte er langsam:
"Wir hatten gerade gejagt."
Dabei dachte er den Hasen, dem nur ein paar Stücke Fleisch fehlten. Warum fraß er eigentlich so wenig? Er hatte nicht gemerkt wie sehr schon abgemagert war. Etwas schuldbewusst trat er hervor. Er blickte sich um und musterte die ihm noch so fremden Wölfen, etwas regte sich in seiner Brust, er wollte Banshee beschützen, aber wovor? Hier war doch keine Gefahr? Entweder er war sehr eifersüchtig oder es steckte da noch etwas anderes dahinter. Er sah Nyota kurz an und betrachte dann die Beute, es war ein Reh. Wortlos schritt er hin zum Tier und riss ein Stück Flanke heraus und schluckte es hastig hinunter. Auch die nächsten Stücke Fleisch schlang er schnell hinunter. Für einen Moment vergaß er sogar den fürchterlich Blutgeruch. Nun tropfte ihm auch das Blut von der Schnauze hinab, er blickte zu Banshee.
Sie hatte etwas Mutiges und Elegantes wie sie das so saß.
Ryai war Acollon und Banshee gefolgt. Als er Ayala und Nyota erreichte, setzte er sich und wartete. Sein Blick schweifte in jene Richtung in der Yak verschwunden war. Ein bisschen fragend blickte er drein und dann war sein Blick wieder auf die geheimnisvolle Wölfin gerichtet. Dass das Gespräch so plötzlich beendet wurde, missfiel ihm, doch was sollte er schon machen. Während er alle Anwesenden beobachtete, wischte seine Rute den Boden.
Yakatavo blickte in Ayas Augen. Er tat so als ob er schmollen würde, aber in Wirklichkeit freute er sich tierisch, dass sie da war.
Ayala blickte Yak tief in die Augen, er wirkte zwar etwas abwesend, aber sie spürte, dass er sich ebenso freute sie zu sehen.
"Naja...wenn du keinen Hunger mehr hast, dann kann ich dir ja jetzt unser Revier zeigen - wie ich es dir versprochen habe!"
Ayala stand auf, sie wusste, wo sie mit ihm hingehen würde, wenn er wollte ... Ein leichtes Lächeln huschte über ihre Lefzen...sie war glücklich...
Banshee sah zu Nyo und lächelte ... der Hase lag noch immer auf der Lichtung ...
"Ja ... wir haben schon gegessen."
Sie musste leicht schmunzeln und sah dann zu Aya und Yak, die beiden würden also schon wieder gehen ... Sie stand auf und lief in die Mitte der Lichtung.
"Wir alle kennen uns ja noch nicht sehr gut und deshalb werden wir euch kurz durchs Revier führen, schließlich sind wir nun ein Rudel."