Turién
13.10.2010, 19:42


Seine Läufe bewegten sich von alleine, während er noch nicht mal darüber nachdachte, wohin er sich bewegte. Er konnte nur nicht mehr sitzen und nichts tun - das was er schon die ganze Zeit getan hatte. Das was sich gestern im Rudel abgespielt hatte, was er gestern unter dem Federbaum beobachten konnte - davon wussten die anderen gar nichts. Niemand wusste wie schwerwiegend und wichtig alles war, und er konnte es niemandem sagen.
Das war das schlimmste. Es fühlte sich an, als müsst er platzen. Er wollte es sagen, hinausschreien - so wie Chanuka es getan hatte, als er einfach in das Rudel hineingeschrieen hatte. "Ihr habt doch alle keine Ahnung." ... sie hatten wirklich alle keine Ahnung.
Wollte er Gesellschaft, wollte er keine? Selten hatte sich der Silberne so zerrissen gefühlt. Wo sollte er hin, wo wollte er hin? Schuldgefühle, Angst, Beklommenheit, Wissen. Alles machte ihm auf einmal zu schaffen.

Als er aufblickte sah er, dass er am Aufstieg zum Himmelsfelsen stand. Sein Himmelsfelsen. Ohne zu zögern machte er sich schnell daran ihn zu erklimmen, um an seinen Lieblingsort zu gelangen...
Am schönsten Ort, den die Welt für ihn zu bieten hatte, legte er sich nieder, am Abgrund um in die Tiefe zu blicken und einfach die Stille die ihn hier umgab zu genießen. Den Ausblick, die unendliche Weite. So weit wie ein Wolf nur sehen konnte, so weit wie bestimmt noch kein Wolf dieses Rudel gelaufen ist...


Atalya
13.10.2010, 20:17

Die ganze Nacht hatte Atalya wach gelegen. Einen winzigen Moment hatte sie Ruhe gefunden, in der schreckliche Bilder ihren Traum beherrscht hatten. Sie hatte sich vom Rudel fern gehalten, hatte niemanden von ihnen sehen wollen. Nur Avendal und Madoc hatte sie ertragen.. auch wenn sie lieber allein gewesen wäre. Immer wieder war sie unruhig aufgestanden, war herum geirrt, nur um an einem anderen Ort erschöpft liegen zu bleiben. Irgendwann hatten die Sonnenstrahlen dann auch die anderen Wölfe geweckt, sodass sie erst recht nicht schlafen konnte. Das Fell ihrer Wangen war noch von Tränen verklebt, die immer wieder in ihre Augen getreten waren.
Irgendwann hatte sie sich von ihrem Platz erhoben, und hatte sich vom Rudel entfernt. Sie wollte keinen von ihnen sehen, noch nicht. Aber wo sollte sie hin? Wo hatte sie einen ruhigen Ort, an dem auch Madoc sie nicht finden würde? Atalya lief einfach los, die Schritte müde und doch zügig. Der Boden war noch weich vom Regen, und immer wieder rutschte die Graue aus. Und doch wurde sie erst langsamer, als sie keinen Geruch des Rudels mehr wahr nahm. Hier draußen war niemand.. Ein leises Seufzen entfloh der Kehle der grauen Fähe. Und dann.. ganz plötzlich stieg ihr doch ein bekannter Geruch in die Nase, der sie den Blick leicht herum wenden ließ. Sie erkannte ihren silbernen Bruder, der dem Weg zu einem großen Felsen folgte, um diesen dann zu erklimmen. Einen Moment zögerte die Graue. Auch ihr Bruder sah nicht glücklich aus. Stille Momente vergingen, ehe sie sich in Bewegung setzte, dem Rüden folgte. Vielleicht war Gesellschaft das Beste, was sie gebrauchen konnten?
Nur wenige Herzschläge vergingen, ehe Atalya dicht hinter ihrem Bruder angekommen war. Mit langsamen Schritten näherte sie sich Turién, den Kopf leicht gesenkt und den hellen Blick auf ihren Bruder gerichtet.

“Turi..?“

Kurz folgte ihr Blick seinem, zum Horizont, ehe sich die rot-braunen Augen wieder auf den silbernen Rüden legten. Was sollte sie nun sagen? In diesem Moment bereute sie ihre Entscheidung. Fest biß die Graue die Fänge aufeinander. Was.. sollte sie nun tun? Einfach wieder gehen..? Sie seufzte leise.

“Erträgst du die Nähe der anderen.. auch nicht?“

Ihre Stimme war leise, fast nur ein Flüstern. Die Stimme voller Unsicherheit.

Turién
13.10.2010, 20:35

Wenn er ausatmete, wirbelte Staub vor seiner Nase auf und rieselte langsam den weiten Weg vom Himmelsfelsen hinunter, um irgendwann ganz unten anzukommen. Wie lange der Staub wohl für diese Reise brauchen würde? So leicht wie er war, trieb er noch endlich lang umher.
Der Rüde zuckte zusammen und hob in einer Drehbewegung den Kopf, als er hinter sich hörte, wie sein Name erklang. Sein Ohr zuckte leicht, als er erkannte, dass es Atalya war, und seine Glieder entspannten sich wieder, die sich zuvor angespannt hatten. Er seufzte leise auf ihre Frage hin und legte sich wieder so hin, wie er zuvor gelegen hatte.

"Hmmm."

Was sollte er schon darauf antworten? Er ertrug im Moment nichts. Seine Gedanken waren verworren und versponnen - brachen auseinander und fielen wieder in sich zusammen. Sein Weltbild war ins Wanken geraten. Nichts war so, wie es sein sollte. Am liebsten hätte er sich nun in Tyraleens dichtem Brustfell verkrochen und den Duft seiner lieben Mutter einzuatmen. Aber das konnt er nicht. Er konnte sie noch nichtmal ansehen. Er konnte einfach nicht.

"Was glaubst du, wo Tascurio jetzt ist?"

Atalya
13.10.2010, 20:49

Abwartend stand Atalya da, neigte die Ohren leicht zurück, als ihr Bruder den Kopf hob, und sie ruckartig anblickte. Zuerst wollte die Graue einen Schritt zurück weichen, blieb jedoch stehen und atmete tief durch, als Turién sich wieder nach vorn wandte, in der gleichen Position wie zuvor verharrte. Seine Antwort war nicht wirklich Aussagekräftig, aber sie verstand das. Sie hatten alle mit dieser Last zu kämpfen, die ihnen auferlegt wurde. Und was gab es in solch einer Situation schon für eine Lösung? Würde die Zeit diese Wunden heilen? Sie wußte es nicht.
Langsam ließ Atalya sich hinter ihrem Bruder auf die Hinterläufe sinken, den hellen Blick einen Moment auf ihn gerichtet, dann wieder zum Horizont schauend. Als der Silberne eine Frage stellte, hob die Graue den Blick zum Himmel, blieb einige Herzschläge stumm sitzen. Wo war ihr Bruder jetzt? Es gab eigentlich nur eine Antwort auf diese Frage.

“Ich denke.. er ist bei Oma Banshee.. zusammen mit Nyota. Sie beobachten uns sicher..“

Noch immer war ihre Stimme nicht lauter als ein zaghaftes Flüstern. Atalya senkte den Kopf wieder, und schloß einen Moment die Augen.

“Sie vermissen uns sicher, so wie wir sie..“

Turién
13.10.2010, 21:06

Jetzt wo er darauf achtete, konnt er hören, wie er atmete. Wenn die Luft in seine Lungen strömte und sich dann wieder auf der Welt verteilte. Wie es wohl war, tot zu sein? Einfach... er konnte es sicht nicht vorstellen. Engaya und Fenris, Banshee und Acollon. Götter? Und dann?
Nur an seinen Ohren konnte man sehen, dass er Atalya ganz genau zu hörte - sie drehten sich sofort in ihre Richtung als sie sprach. Das war auch nötig, denn den Dunkelgraue sprach so leise, dass es einem Flüstern glich. Nachdenklich bettete der Silberne seinen Kopf auf seinen Vorderpfoten.

"Und du findest es nicht gruselig, dass sie dich dann immer sehen würden, wenn es so wäre? Dass sie dich bei allem beobachten könnten?"

Was sollte er glauben - jetzt wo seine bekannte Welt irgendwo dort unten im Tal lag und er sich hier oben über der Erde befand.

"Glaubst du wirklich, dass sie noch vermissen können? Wie soll das gehen, ohne Körper? Braucht man dazu keinen Körper?"

Wie viele Wölfe hatte er schon sterben sehen? Und alle hatten sie ihre Körper hier gelassen. Mama Nyota. Kylia. Oma Banshee und Opa Acollon, den er nur einmal in seinem Leben gesehen hatte. Und auf der weiße, blutbefleckte Körper von Tascurio war hier geblieben. Wo gingen denn alle hin, ohne Körper, mit denen sie gehen konnten?

Atalya
13.10.2010, 21:33

Die Graue öffnete erst wieder die Augen, als die Stimme ihres Bruder zu ihr vor drang. Nur seine Ohren hatten sich ihr zu gewandt. Und seine Frage brachte sie wieder zum nachdenken. Die Graue überlegte einen Moment zu lange, den schon im nächsten Moment sprach der Silberne weiter. Und wieder eine Frage, die sie unzählige Male durchging. Brauchte man einen Körper, um jemanden zu vermissen? Stille Momente strichen vorbei, in denen Atalya stumm nachdachte. Wie sollte sie nun antworten?

“Ich.. weiß es nicht. Oma Banshee hat gesagt, sie wird auf uns warten.. wenn sie warten kann, kann sie uns dann nicht auch vermissen?“

Ihr heller Blick legte sich wieder auf ihren Bruder, ehe sie aufstand und neben ihn trat. Nun wandte sich ihr Blick über das Tal, wieder vergingen fast erdrückende Momente.

“Glaubst du.. es wird je wieder normal? Meinst du, es wird alles wieder gut?“

Turién
13.10.2010, 22:01

Der Silberprinz hatte die Augen geschlossen, und versuchte sich vorzustellen, wie es nach dem Tod war. Seine Rute wischte einmal über den kalten Stein auf dem er lag, als er über die Worte von Atalya nachdachte und sogar leicht schmunzeln musste.

"Stimmt."

Aber wer sagt, dass Banshee recht hat? Sie war doch auch nur einmal gestorben, sie konnte doch nicht wissen wo sie hinging. Fenris - Engaya. Doch Turién wollte es dabei beruhen lassen. Es war egal, Atalya würde es doch auch nicht wissen - sie fragte sich bestimmt das gleiche.

Auf ihre Frage hin, hob der Jungwolf den Kopf und blickte hinauf in den Himmel. Einige Wolken hinderten die Sonne daran sie zu wärmen.

"Was ist normal? Was ist gut?"

Seine Augen, gelb und hell, musterten seine dunkle Schwester. War es jemals gut gewesen? Mit dem Tod von Oma Banshee hatte alles angefangen - der Priesterin Engayas. Seitdem war alles schlecht. Alles. Gab es doch Götter? Gab es sie wirklich? Konnte es ein Zufall sein, dass mit ihrem Tod, alls fiel und zerbrach? Langsam aber sicher. Aber trotzdem waren schöne Dinge geschehen. Dieser Himmelsfelsen zum Beispiel.

Atalya
13.10.2010, 22:22

Turién antwortete nur mit einem Wort, und damit war dieses Thema wohl.. erledigt. Sie wußte dazu nichts mehr zu sagen, würde es doch sowieso nichts an dieser Situation ändern. Leider.. Erneut seufzte die graue Fähe, zuckte leicht mit den Ohren und wandte den Blick leicht zur Seite, als sie den Blick ihres Bruders auf sich spürte. Ihr Leben wurde von Fragen beherrscht, die doch nie eine klare Antwort bekommen würden. Wer konnte einem schon sagen, was nach dem Tod geschah?
Und wieder stellte Turién eine Frage, über deren Antwort sie nachdenken musste. Was war normal? Sie hatten von klein auf mit dem Tod zu tun gehabt. Sie waren in Oma Banshees Nähe gewesen. Dann waren da noch Tante Nyota.. und schließlich Tascurio. Sie erwiderte den Blick ihres Bruders.

“So wie es war, bevor Oma Banshee gestorben ist.. so war es gut. Aber normal.. es ist doch normal.. dass Wölfe sterben.“

Die Graue ließ den Kopf ein wenig hängen.

“Es ist alles wie ein böser Traum..“

Turién
13.10.2010, 22:42

So wie es war, bevor Oma Banshee gestorben ist.. so war es gut. Oh, wie Recht Atalya doch hatte, wie sehr Turién ihr zustimmen konnte. Am liebsten wäre er wieder der kleine Welpen, der zwischen seinen Eltern und Geschwistern lag, behütet und geborgen. Bei dem Gedanken musste er hart schlucken - denn so würde es wohl nie mehr sein. Averic und Tyraleen hassten sich. Es würde nie wieder so sein, wie es einmal war. Alles veränderte sich. Auch wenn der Silberne das nicht wollte - es lag nicht in seiner Hand das zu entscheiden. Wölfe starben nunmal. Ob gerechtfertigt oder nicht.

"Denkst du, es ist auch normal gewesen, dass Tascurio gestorben ist?"

Diesmal war seine Stimme anders, seltsam angriffslustig, während seine Augen seine Schwester zu traktieren schienen. Doch diese Situation hielt nur einen Moment, dann blickten die sonnengelben Augen wieder weg.

"Tut mir leid, du musst dadrauf nicht antworten."

Atalya
13.10.2010, 23:03

Ihr Blick hing Richtung Boden, während tausende von Gedanken durch ihren Kopf schwirrten. So sehr sie es sich auch wünschen mochten.. es würde nicht wieder gut werden. Tascurio war tot, und mit ihm war ihrer aller Welt zerbrochen. Sein Tod hatte ihr Schicksal besiegelt. Atalya hob den Kopf erst wieder, als erneut Turiéns Stimme an ihre Ohren drang. Sie sah seinen Blick, und lehnte sich darauf hin ein Stück zurück. Ihr Körper spannte sich einen Moment an. Wieso blickte er sie nun so an? Seine Worte waren wie ein Schlag, der einen Moment wieder Wut in ihr hochkochen ließ. Aber sie biß die Fänge aufeinander, verwarf die Wut mit einem leichten Kopfschütteln. Und auch Turién entspannte sich im nächsten Moment wieder. Sollte sie nun trotz seiner weiteren Worte antworten? Sie schloß die Augen.

Vielleicht nicht normal.. Sicher nicht. Aber.. wenn.. Mama.. wenn sie nicht gelogen hat.. was wäre passiert, wenn dieser Tag anders ausgegangen wäre?“

Ihre Stimme wurde leiser, Tränen füllten ihre Augen. Sie hatte nicht mehr daran denken wollen.

Turién
13.10.2010, 23:22

Sein Herz machte einen Hüpfer und schlug dann mit einem Mal schneller, als die den Namen ihrer Mutter erwähnte. Mama. Zum Glück sah er gerade weg, sodass sie seinen Gesichtsausdruck nicht sehen konnte, der vom schlechten Gewissen geplagt war. Konnte man ihr glauben? War alles eine Lüge? Was war richtig, was war falsch. Aber sie hatte das gleiche gesehen wie Tascurio. Es war genau das gleiche. Turién schloss die Augen und hielt die Luft an, um nicht durch zu drehen. Er durfte nichts sagen, er hatte es versprochen.

Mit einem Mal stand er auf und blickte seine Schwester an. Seine Stimme hatte etwas bestimmtes.

"Ein Wolf kann immer selbst entscheiden was er tut. Er kann sich immer anders entscheiden. Immer."

Engaya. Fenris. Alles erdachte Wesen, die einfach nur Gute und Schlechte Gefühle beschrieben. Er drehte sich wieder zum Abgrund und trat noch einen Schritt näher heran, sodass er nur nach unten sehen musste, ohne sich vorzubeugen, um das Tal unter ihm zu sehen. Die Tiefe. Ein untergründiges Grollen verließ seine Kehle.

"Man scheiße, wieso musste das denn passieren?!" , der Jungwolf holte Luft. "Es ist doch jetzt alles kaputt."

...
So stand er einige Minuten, dann drehte er sich wieder Atalya zu, nachdem er sich einigermaßen beruhigt hatte.

"Auf welcher Seite stehst du? Papa oder Tyraleen?"

Nach seinen Worten lachte er bitter und ohne Freude kurz auf.

Atalya
13.10.2010, 23:36

Atalya mit hatte mit vielem gerechnet, nur nicht mit dem, was nun geschah. Die Graue schlug die Augen auf, als ihr Bruder neben ihr aufstand. Ihre Ihren drehten sich leicht nach hinten, die Stimmlage des Silbernen hatte sich mit einem Mal vollkommen geändert. Als er geendet hatte, seufzte sie leise. Für diese Situation zählten seine Worte nicht mehr. Es war zu spät. Stumm beobachtete sie Turién, wie er an den Abgrund trat. Mit einem leichten Schütteln des Kopfes verwarf die Graue die Tränen, die in ihre Augen getreten waren. Ihr Kopf senkte sich bei seinen Worten wieder. Alles kaputt. Egal, an was sie dachte, immer wieder kehrten ihre Gedanken zu diesem einen Punkt zurück. Sie konnte nicht einmal etwas auf seine Worte erwidern. Er hatte alles gesagt, was es zu sagen gab.
Irgendwann hob sie den Kopf wieder, als Turién sie direkt ansprach. Ihre Blicke trafen sich, und sie konnte den Ausdruck in seinen Augen nicht definieren. Bei dem Lachen ihres Bruder neigten sich die Ohren Atalyas nach hinten. Was wollte er mit seiner Nummer erreichen? Einen kurzen Herzschlag schloß sie die Augen, öffnete sie dann wieder, um Turién direkt in die Augen zu blicken.

“Ich will mich nicht zwischen ihnen entscheiden. Ich liebe beide zu sehr, als mich gegen einen zu richten. Selbst.. nach dem, was geschehen ist, kann ich unserer Mutter nicht den Rücken kehren. Auch wenn es im Moment so aussieht..“

Ihre Stimme hatte jegliche Unsicherheit verloren, klang nun fester und sicherer.

Turién
14.10.2010, 00:07

Sein Lachen in seinen Ohren klang seltsam Hohl und unglaubwürdig - es machte ihm irgendwie selbst Angst. Seine strahlenden Augen wichen nicht vor dem Blick seiner Schwester, die erst entschlossen einatmen musste, bevor sie ihm antworten konnte. Er schüttelte nur den Kopf und trat einen Schritt auf die Graue zu.

"Das gilt nicht! Tyraleen wollte sich auch nicht entscheiden - das glaube ich ihr. Aber sie MUSSTE sich entscheiden. Zwischen Papa und Tascurio. Sie hat sich für Papa entschieden."

Alles, was ihn bedrückte strömte nun aus ihm heraus, bahnte sich seinen Weg in die Freiheit. Seine Stimme war seltsam kalt, als er den nächsten Satz formte.

"Mama und Papa sind an zwei Abgründen. Einen kannst du retten. Tust du nichts, sterben beide. Für wen entscheidest du dich?"

Atalya
14.10.2010, 00:34

(*kichert* Ok.. wenn der Text jetzt komisch is‘.. .. .. ich wurde abgelenkt und musste lachen xD‘ Maaaahhh û.u Ich töte dich Montag! X.x)

Atalya hielt einen Moment die Luft an, als ihr Bruder einen Schritt auf sie zu trat. Ihre Fänge bißen sich fester aufeinander, während ihr Blick noch immer auf den stechenden Augen des Silbernen ruhten. Atalya verengte leicht die Augen, erhob sich dann auch langsam vom kühlen Boden. Er stellte sie vor eine Entscheidung. Er verlangte mit kalter Stimme von ihr, sich zwischen ihren Eltern zu entscheiden. Es galt also nicht, wenn sie beide liebte, und keinen von ihnen verlieren wollte? Sie kniff einen Moment die Augen zusammen, als wolle sie dieser Welt entfliehen. Was geschah hier bloß? Egal, was sie sagen würde, es konnte nur falsch sein. Sie konnte nur ihre Mutter oder ihren Vater verraten. Leicht schüttelte Atalya den Kopf,. Sie wollte keinen von beiden verlieren. Sie musste auf ihr Herz hören. Sie versuchte sich an den ersten Moment nach der Frage ihres Bruder zu erinnern? Wer war ihr zuerst in den Kopf gekommen? Was war ihr erster Gedanke gewesen? Sie dachte an gestern zurück. Dachte an die Reaktionen ihrer Eltern. Wie würde sie sich entscheiden, wenn sie nur einen von ihnen retten konnte?

“Ich.. ich denke.. ich würde mich für.. Papa entscheiden..“

Ihre Stimme versagte, und musste schlucken. Die Graue spannte ihre Muskeln an, ihr ganzer Körper verkrampfte sich. Sie stand ihrem Bruder gegenüber, und fühlte sich trotz dessen nicht wohl in ihrer Situation. Aber sie konnte nicht fliehen. Sie hörte nur auf die Stimme ihres Herzens. Was hätte sie sonst tun sollen?

Turién
14.10.2010, 00:53

Für wen hätte er sich entschieden? Was hätte der Silberne getan? Turién hatte seinen Körper und seinen Blick abgewandt, und lauschte nur noch mit starren Gesichtsausdruck den Worten seiner Schwester, die stockend sprach und dann brach sie schließlich ab. Ein Schnaufen war zu hören, dann blickte er über die Schulter zu seiner Schwester zurück.

"So ist das also."

Die Härte war aus seiner Stimme gewichen, und nur noch ein Ton, der Entgültigkeit bedeuten konnte oder auc hnicht, war in ihr zu hören - wenn man genau lauschte.

"Und warum...?"

Die Aggressivität, mit der er vorhin auf Atalya förmlich losgegangen war, schien wie weggeblasen. Der Silberprinz fühlte sich mit einem Mal unheimlich schwach und angreifbar. Jede Entscheidung war falsch. Und gleichzeitig richtig. Es war schrecklich und gleichzeitig wunderschön. War das fair? Konnte das fair sein? Wenn es Götter gab, WARUM WAREN SIE DANN NICHT FAIR?!

Atalya
14.10.2010, 15:50

Es fühlte sich so an, als wäre sie einen Moment nicht sie selbst gewesen. Sie konnte nicht glaube, was sie eben gesagt hatte. Und doch war es ihr so klar. Aber.. würde sie sich wirklich so entscheiden? Sie wollte nie in solch eine Situation kommen, wollte sich nie zwischen ihren Eltern entscheiden müssen. Sie.. wollte das alles nicht. Die Worte ihres Bruders ließen die Zweifel weiter aufkochen. Atalya neigte die Ohren nach hinten, den hellen Blick auf ihren Bruder gerichtet. Sie verstand noch immer nicht, was er mit dieser Frage bezweckte. Was er erreichen wollte. Seine Stimme klang so anders als zuvor, und trotzdem schmerzte seine Frage. Ihr Blick wandte sich zur Seite, zum Horizont. Erwartete er wirklich eine Antwort?

“Ich weiß es nicht, Turién. Ich weiß nicht, wie ich in solch einer Situation reagieren würde. Und wieso ich so reagieren würde.."

Ihr Blick legte sich wieder auf den Silbernen. Wie würde er sich in solch einer Situation reagieren?

“Was würdest du wählen? Leben oder Tod?“

Turién
14.10.2010, 23:41

In diesem winzigen Moment, bezweifelte er das Leben. Einen Sinn zu haben, wenn man am Ende doch derjenige ist, der tot ist. Was hatte es für einen Sinn, das Leben zu "genießen" - wenn es doch normal war, dass Wölfe starben, dass man Leiden musste, dass Wölfe, die man von ganzem Herzen liebte, das Vertrauen das man ihnen entgegen brachte, mit einem Mal von sich warfen und ihn maßlos enttäuschten. Was waren die guten Momente des Lebens, wenn man doch wusste, dass es eh wieder schlechte geben würde?
Er horchte auf, verzog seine Lefzen und lächelte dann. Wer wusste das schon? Wer wusste, wie er wie reagieren würde, wenn er nicht gerade jetzt in dieser Situation war?
Der Rüde war in einer philosophischen Stimmung, die er selten zu Tag brachte - es waren aber Fragen, die ihn Tagtäglich durch den Kopf schwirrten, die er nur nicht wagte zu denken.

"Ich?"

Seine Augen musterten seine Schwester wieder, während sein Brustkorb sich langsam hob und senkte. Als er wieder sprach schlug er seine Augenlider nieder und blickte zu Boden.

"Wer kann das schon sagen? Ist das eine Frage der Liebe? Oder der Vernunft? Was wäre besser? Leben oder Tod? Das ist außerdem gar keine Entscheidung zwischen Leben und Tod. Das ist die Entscheidung zwischen Vater und Mutter. Niemand sollte sich entscheiden müssen - wer sind wir, dass wir entscheiden sollen, wer leben darf und wer nicht...?"

Er fing wieder an zu lachen. Bitter und irgendwie kalt.

"Warum hat sie ihn getötet? Sie hätte warten können. Sie hätte doch- ..."

Atalya
18.12.2010, 15:11

Die hellen Augen der jungen Fähe ruhten auf ihrem Bruder, noch immer kreisten die Worte ihrer eigenen Entscheidung in ihrem Kopf. Würde sie sich wirklich so entscheiden? Sie wünschte niemandem, je in solch eine Situation zu geraten. Auf sein Lächeln hin neigte die Graue den Kopf leicht zur Seite, wartete auf die Worte, die ihr als Antwort gelten sollten. Und als er geendet hatte und die Augen schloß, wandte auch Atalya den Blick ab. Wer waren sie, dass sie so etwas entscheiden durften? Sicher würde es weniger Leid geben, wenn sie darüber entscheiden konnten.. aber über so etwas nachdenken brachte niemandem etwas. Erst als das Lachen ihres Bruder an ihre Ohren drang, so voller Kälte, wandte die Graue den Blick wieder zu dem Rüden herum. Die Augen voller Trauer hörte sie seine weiteren Worte, schluckte, als er plötzlich abbrach. Was sollte sie dazu sagen? Was für Worte könnten ausdrücken, was sie spürte? Atalya holte tief Luft, trat an Turiéns Seite und berührte seine Wange mit der Nase. Sie mussten zusammen halten.. als Geschwister, als Familie. Keine Worte der Welt konnten ausdrücken, was ihr durch den Kopf ging. Und wieder schloß die Graue die hellen Augen.