Caylee
03.10.2010, 17:28

Wie betäubt lag Caylee im Meer der blauen Caylees, nur wenige Pfotentapser von Nyotas Grab entfernt. Nach dem Chaos am Rudelplatz war sie hier her geflohen, wusste selbst nicht so genau, warum. Vielleicht, weil hier so viele Blumen standen, die alle wie sie waren und doch nicht vor Traurigkeit ihre Köpfchen hängen ließen. Ihre Mama und ihr Papa hassten sich. Sie würden nicht mehr zusammen leben, würden sich von nun an beschimpfen und beleidigen, wann immer sie sich sahen. Caylee würde nicht mehr zwischen sie beide gekuschelt einschlafen können und wann immer sie mit einem von ihnen sprach, würde sie Ausschau nach dem anderen halten, um danach gleich zu ihm wuseln zu können - weil sie doch beide lieb hatte. Auch Tyraleen. Auch wenn sie den doofen Tascurio umgebracht hatte. Caylee verstand noch nicht viel von Göttern, sie kannte nur die Legenden und Geschichten, aber die reichten aus, um zu wissen, dass Fenris' böse war. Es war nicht richtig, dass Mama ihm nicht hatte widerstehen können, aber sie hatte sich entschuldigt. Und hatte Oma Banshee nicht immer gesagt, dass man verzeihen soll? Das wollte Caylee tun.

Krolock
12.10.2010, 20:36

Nie war Krolock an diesem Ort gewesen, der für ihn ein unentdecktes Fleckchen Land darstellte, mitten in diesem Revier, dass er beinahe besser kannte, als ihm lieb war. Auf all seinen einsamen Streifzügen hatte er einen großen Bogen um die Gedenkstädten und den Hain gemacht und auch heute wäre er anderen Pfaden gefolgt, hätte seine gute Laune nicht bis hier her angehalten. Nun, da er hier war, weit fort von den anderen Wölfen und natürlich von dem einen Wolf der auf merkwürdige Weise sein verzweifeltes Tanzen wieder und wieder aufs Neue enden ließ, zog sich die Euphorie langsam zurück. Er konnte sie nicht festhalten, wusste, dass er sie verlieren würde. Der große Streit der Wölfe war verklungen und hatte trostlose, erbärmliche Gestalten zurückgelassen. Es hatte keinen Spaß gemacht, ihnen weiter beizuwohnen. Sie waren in ihr übliches Muster zurückgekehrt und sprühten vor Heuchelei.
Krolock wollte kehrt machen, als er merkte, wie seine Pfoten zu kribbeln begannen und er laufen wollte, bis er sich selbst vergaß, bis der Schmerz in seinen Sehnen sein Bewusstsein ausfüllte, doch plötzlich trug der Wind eine bekannte Witterung heran. Zögerlich blieb er stehen und sah sich in diesem völlig unbekannten Revierteil um. Wollte er nicht doch lieber gehen? Seine Pfoten setzten sich in Bewegung, fort, nur fort, doch dann war es der Wind, der ihn hinters Licht führte. Plötzlich befand er sich gegenüber der kleinen, weißen Wölfin, die er schon beinahe so lange kannte, wie seine Geschwister. Der Schreck, dass er nicht in die entgegengesetzte Richtung davongelaufen war, sondern direkt auf sie zugesteuerte, spiegelte sich in seinen geweiteten Augen und seinem Fell wieder, dass sich aufgestellt hatte.
Krolock besinnte sich eines Besseren und tat schließlich, als wäre es Absicht gewesen, dass er hier her gekommen war. Er trat langsam auf Caylee zu und betrachtete sie dabei schweigend. Er hatte nicht viel verpasst, als er diesen Ort gemieden hatte, wie er fand und er wusste nicht, was sie hier suchte.

"Du hast ja geweint!?"

Fragte er, als würde ihn dieser Gefühlsausdruck irritieren. Eigentlich wusste er natürlich, wie die Wölfe so tickten, mit denen er hier zusammen lebte. Ein bisschen dämlich wirkte er, wie er so vor ihr stand und nichts zu sagen wusste. Was zur Hölle sagte man auch jemandem, der traurig war?!

Caylee
17.10.2010, 16:29

Der Wind trug Krolocks Geruch heran und ließ Caylee ihre Sternenaugen aufschlagen. Sie hatte eigentlich alleine sein wollen, war nun aber zwiegespalten wenn sie an den schwarzen Jungwolf dachte. Früher hatten Krolock und sie eine Art Freundschaft verbunden. Zwar wollten sie sich immer gegenseitig übertreffen und dem anderen beweisen, dass man selbst viel besser war; trotzdem hatte sie ihren Bruder-oder-so gemocht. Doch er hatte sich verändert. Er war bösartiger geworden und hatte sich kaum mehr beim Rudel aufgehalten. Sie war ein wenig verwirrt über seine langsame, aber erkennbare Wandlung und hatte sich manchmal die sorglosen Welpentage zurückgewünscht, an denen sie Wettschwimmen veranstaltet oder sich spaßeshalber gestritten hatten. Jetzt hatte sie ganz andere Dinge im Kopf, sah immer wieder ihre Mama und ihren Papa furchtbar streiten und wollte nun weder mit Krolock zanken, noch mit ihm über seine Veränderung reden. So blieb sie reglos liegen, bis er schließlich in ihrem Gesichtsfeld auftauchte und zu ihr hinab sah. Sein Blick war ein wenig seltsam, so als wüsste er selbst nicht, was er eigentlich denken sollte.

“Ja.“

Eine leise Spur eines bissigen Fauchens war in diesem einen Wort zu hören, deutlich überschattet von Müdigkeit und Trauer. Was gab es dazu schon zu sagen? Hatte Krolock nicht auch geweint, als seine Eltern gestorben waren? War es nicht eine Art Tod, den Caylee jetzt erleben musste? Vielleicht waren weder Averic, noch Tyraleen gestorben, aber ihre Eltern, Averic und Tyraleen, waren tot.
Ihr wurde es unangenehm so ausgestreckt vor Krolock zu liegen, ein wenig ungeschickt richtete sie sich auf und schob sich in eine sitzende Position.

“Wusstest du, dass diese Blumen Caylees heißen?“

Sie hatte keine Ahnung, warum sie ausgerechnet jetzt, ausgerechnet Krolock diese Frage stellte. Vielleicht wollte sie einfach davon ablenken, dass sie geweint hatte. So wie in alten Zeiten. Da hätte sie das vor Krolock niemals zugegeben.

Krolock
18.10.2010, 14:59

Krolock grinste schief, bei Caylees gereizter Antwort. Ob es für sie unbegreiflich war, dass er nun in einer Welt lebte, in der es keine Tränen mehr gab? Doch woher sollte er wissen, ob sie so etwas überhaupt realisierte. Sie hatten sich aus den Augen verloren, so wie er jeden aus den Augen verloren hatte. Und nun waren sie bald erwachsen, ohne sich noch zu kennen. Störte es ihn? Wohl kaum. Er war schließlich kein Idiot und nicht Opfer dieser heuchlerischen Meute. Störte es sie? Um eine Antwort zu finden betrachtete sie, schmunzelte dann. Nicht wirklich. Sie war doch ein Teil der Verlogenheiten, hatte nun eine Mörderin zur Mutter, zwar einen Bruder weniger, aber es waren noch genug Verwandte da. Ja, auch er hatte noch seine Geschwister, doch was brachte ihm das? Sollte er als Beschützer auftreten und sie behüten? Liel hielt sich für die geborene Heldin, die die Stärke für sich gepachtet hatte und dazu den einzig richtigen Weg zu Stärke kannte und sein Bruder wusste wahrscheinlich selbst nicht, was er wollte. Zwischen Angst und Pflichtgefühl von Zuneigung war er beinahe noch schlimmer als seine Schwester.
Krolock kam sich immer noch dämlich vor, wie er so vor Caylee stand. Die Irritation durch ihre Tränen war sogleich verebbt und nun waren sie nur zwei alte Bekannte, die sich nichts zusagen hatten. Er wollte auch gar nicht wirklich etwas sagen. Die kindischen Zeiten hatte er längst hinter sich gelassen und sah keinerlei Grund, sie wieder aufzuwärmen. Albernheiten waren es, nichts weiter. Eigentlich wartete er darauf, dass sie ihn genervt wegschickte und verhöhnte, dafür dass er hier so dumm herumstand, stattdessen füllte sie das Schweigen mit einer grotesk wirkenden Frage. Belanglosigkeiten.

"Und bist du nun nach ihnen benannt oder sind sie nach dir benannt worden?"

Wieso redeten sie nun über Blumen? Sollte ihm das nun sagen, dass er verschwinden sollte, oder wollte sie ihn damit vertreiben? Oder wollte sie schlicht etwas gesagt haben? Das taten die Wölfe doch manchmal, für die Krolock kein Verständnis aufbrachte. Reden ohne etwas zusagen.

Caylee
01.11.2010, 22:18

Vielleicht war es ein Überbleibsel aus den Tagen, an denen sich Krolock und Caylee noch gut gekannt hatten, vielleicht war es auch einfach nur offensichtlich – Krolock kam sich ein wenig dämlich und fehl am Platze vor. Das merkte Caylee ganz genau. Kurz juckte es sie in den Pfoten ihn zu necken, aufleben lassen, was einmal war, dann schob sie den Gedanken achtlos fort. Nur weil sie stark wirken wollte, würde sie jetzt keine dummen Welpenscherze machen. Sie war traurig. Und wenn Krolock das noch so sehr verlachte – ihr war es egal was er dachte. Zumindest jetzt.

“Sie sind nach mir benannt worden. Turién und Neruí haben sie so genannt und dann haben sie sie Nyota und Kylia geschenkt. Jetzt blühen sie plötzlich überall hier.“

Interessierte das Krolock? Wohl kaum. Aber es war schön über eine Belanglosigkeit zu plaudern, dann musste man nicht darüber nachdenken, dass seine Mutter seinen Bruder umgebracht hatte und sein Vater sie deshalb nun hasste. Auch wenn man mit Krolock plauderte, der eigentlich wirkte, als könne er nicht plaudern. Ihre noch leicht tränenfeuchten Augen richteten sich auf den pechschwarzen Wolf, der sie irgendwie an ein aus dem Nest gefallenes Vogelküken erinnerte.

“Furchtbar interessant, nicht wahr? Soll ich dir noch etwas über das Gras erzählen? Es heißt Gras und wurde nicht nach mir benannt. Ich übrigens auch nicht nach ihm. Es wächst hier, seitdem das Nichts vertrieben wurde und ein ganz besonders einfallsreiches Rudelmitglied von Gras geträumt hat.“

Ihre Augen hatten sich leicht verengt, während sie Krolock betrachtete, irgendwo zwischen bissiger Trauer und ironischem Necken.

Krolock
06.11.2010, 13:46

Krolock betrachtete die Blumen. Die Welt, in der zwei Welpen Blumen nach einer anderen Welpin benannten schien soweit von seiner eigenen entfernt zu sein, dass es sich mehr wie ein Märchen anhörte. Eins dass er nicht geglaubt hätte, wenn er Caylee nicht selbst kennen würde. Die Stimmung schwang um. Krolock verdrehte genervt sie Augen und legte die Ohren zurück, als könne er so verhindern, dass er ihr zynisches Gewäsch anhören musste.

„Sie hätten eher einen Kaktus nach dir benennen sollen, oder vielleicht irgendeine giftige Pflanze.“

Konterte er und blickte auf das Gras.

„Klar, jemand der Gras in seinem Bewusstsein in das neue Revier trägt kann natürlich nur primitiv sein. Nur spezielle und besondere Wölfe wie du können sich Blumen erdenken. Wer braucht schon Gras! Die Welt wäre viel schöner ohne, oder? So… ungrün. Und uch, unsere Beute würde verhungern. Es sei denn sie entscheiden sich, Caylees zu fressen. Dann können sie ja bei dir anfangen.“

Krolock schnaubte.

Caylee
03.12.2010, 16:01

Krolock reagierte aggressiver, als Caylee erwartet hatte. Ihre Worte waren zwar leicht bissig, jedoch weder unfreundlich noch böse gewesen, doch die Ohren des Schwarzen drehten sich ungemütlich zurück und er verdrehte die Augen.

“Eine solche haben sie wohl leider noch nicht gefunden, aber sollte das mal passieren, wird ihnen wohl zuerst der Name Krolock einfallen.“

Sein nächster Konter ließ nun auch ihre Ohren zurückschnellen und kurz zeigten sich ihre noch sehr spitzen Zähne.

“Was ist los, Krol, willst du mit mir streiten? Da hast du dir leider den falschen Zeitpunkt für ausgesucht, was dir vielleicht auch selbst in den Kopf hätte kommen können, aber über so etwas denkst du ja nicht nach.“

Beinahe hätte sie noch etwas über Urion und Kaede gesagt, konnte sich aber gerade noch zügeln. Sie wollte nicht gemein werden und auch wenn es sicher schön wäre, ihren Schmerz ein wenig durch Anschreien von Krolock zu überdecken, käme sie sich dabei schäbig vor. Sie hatte immer noch das Bild ihrer fuchsteufelswild streitenden Eltern im Kopf.

Krolock
04.12.2010, 08:20

Krolock grinste freudlos zu Caylees Worten, wollte ihm ihr Gedankengang doch beinahe gefallen. Eine Blume konnte sich nicht wehren, eine giftige Pflanze schon. Seine Haltung straffte sich, während er ihren weiteren Ausführungen lauschte. Nach ihrer Frage fiel er ihr ins Wort:

„Du hast angefangen.“

Der welpische Klang war ihm völlig gleichgültig. Er brachte die Aussage ohne jegliche Emotion vor, verpackt als simple Feststellung, mit der er sich nicht weiter gedanklich auseinander setzte. Eigentlich war das auch die entsprechende Rechtfertigung dafür, was sie danach noch sagte. Doch was sollte er dazu noch sagen?
Er sah zu Nyotas Grab, dann wieder zu Caylee.

„Und warum sitzt du hier?“

Er hatte sichtlich keine Ahnung und konnte sich nicht den geringsten Reim darauf machen, wieso die weiße Jungwölfin sich von allen Orten im Revier ausgerechnet diesen ausgesucht hatte.

Caylee
08.01.2011, 23:41

Krolocks kindischer Erwiderung schenkte Caylee keine Beachtung. Nicht, dass sie unter anderen Umständen nicht sogar darauf eingegangen wäre, nur um ein wenig zu plaudern – auf ihre neckende Art eben, immer ein wenig frech aber nie böse gemeint. Aber jetzt hatte sie ganz anderes im Kopf und war weder zum Streiten noch zum Scherzen aufgelegt. Seine zweite Frage nervte sie zunächst nur wieder und schon wollte sie ihm eine gereizte Antwort geben, als ihr klar wurde, dass er vielleicht wissen wollte, warum sie ausgerechnet hier und nicht irgendwo anders war. Ihr Blick traf leicht verengt auf Krolocks, unschlüssig ob sie ihm die Wahrheit verraten sollte. In einer anderen Situation hätte sie es vielleicht nicht getan, aber momentan schien ihr einfach alles egal, ihre kleine Welt war untergegangen.

“Nach der Besiegung des Nichts ist Aszrem mit Neruí und mir hierher gekommen. Er hat uns zu Nyotas Tod geführt und wir haben ihr Muscheln geschenkt. Ich war Nyota aber auch Aszrem und Neruí ganz nah. Sie sind für mich ein Teil meiner Familie und heute derjenige, der noch immer zusammenhält.“

Der Gedanke an das Versprechen von Neruí und ihr immer auf einander Acht zu geben spendete ein klein wenig Wärme. Und Aszrem war eine Art Vater, konstant und ruhig, mit dem Versprechen immer so zu sein, wie er jetzt war. Sicherheit, die ihre richtigen Eltern ihr nicht mehr geben konnten.

Krolock
08.01.2011, 23:54

Krolock beobachtete, wie sich Caylees Mimik wieder und wieder veränderte. Er hatte keine Ahnung, auf was für eine Art von Antwort er sich gefasst machen musste und nicht genug Zeit, darüber nachzudenken. Caylee entschied sich wohl, einfach zu sagen, wie es war, ohne doofen Spruch oder bissigen Unterton.
Er sah sich noch einmal um. Ihm war neu, dass sie Aszrem und Neruí als Teil ihrer Familie sah. Vielleicht hatte er es auch einfach nur vergessen, es klang jedenfalls komisch. Keine Frage dass sie meinte, was sie sagte.

„War Aszrem nicht total sauer?“

Krolock, der mitten in der Menge gestanden hatte, als sich das Rudel stritt, meinte gehört zu haben, wie der Rüde sich gegen Tyraleen stellte und seine Tochter gleich mit einbezog. Er überlegte kurz. Caylee lag zwar hier und weinte, aber vielleicht teilte sie seine Meinung?

„Und bist du wütend?“

Er verkniff sich jeglichen Kommentar zu Familienzusammenhalt und Pseudofreundschaften. Bei jedem Wolf in diesem Rudel stieß er damit ohnehin nur auf taube Ohren.

Caylee
09.01.2011, 00:11

Die Information, die Krolock Caylee großzügig auf ihr offenes Wort schenkte, löste ein leichtes Stirnkrausen auf dem Gesicht der Weißen aus. Sie vergaß sogar die Augen zusammenzukneifen. Aszrem war nicht sauer gewesen, zumindest nicht zu ihr. Aber auch sonst hatte er sehr ruhig geschienen, hatte sie getröstet und ihr ohne einen Funken Wut erzählt, was geschehen war. Er hatte gesagt, dass es falsch war, aber er war zuversichtlich gewesen, dass alles wieder besser werden würde. Sie schüttelte den Kopf.

“Aszrem war nicht sauer. Er war traurig über das Geschehene, hat aber zuversichtlich in die Zukunft gesehen.“

Sie merkte selbst, dass ihre Worte ziemlich hohl klangen, wusste aber auch nichts anderes zu sagen. Wie kam Krolock darauf? Auch auf seine nächste Frage schüttelte sie den Kopf, noch immer mit gekrauster Stirn.

“Nein, warum sollte ich? Ich bin traurig.“

Krolock
09.01.2011, 01:25

Krolock war die ganze Sache zu hoch, also nahm er ihre Worte an, wie sie sie sagte. Bei ihrer zweiten Antwort verzog sich dann jedoch sein Gesicht. Er bildete sich nicht ein, den Durchblick zu haben, aber war Traurigkeit das einzige, was ein Wolf wie Caylee spürte, wenn man ihr den Bruder nahm?

„Bist du nicht wütend, dass dein Bruder getötet wurde?“

Und über was war sie eigentlich traurig? Darüber dass er Tod war, oder dass sich ihre Eltern gestritten hatten?

„Ich glaube Liel wäre sehr wütend, wenn mich jemand töten würde… oder Cirádan.“

Er dachte an seine Schwester. Eigentlich war diese ohnehin immer wütend. Zumindest wenn er sie sah. Konnte natürlich an ihm liegen, aber so genau wusste er das nicht. Er machte sich nicht die Mühe zu beobachten, wie sie mit anderen Wölfen umging. Er wusste noch nicht mal mit wem sie sich herumtrieb, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt war, ihn zu nerven.

Caylee
25.02.2011, 15:51

Caylee war klar, dass ihre Antwort für den Schwarzen nicht sehr einleuchtend war. Meist schien Krolock auch nur zu existieren, weil er wütend war. Momente wie diesen jetzt gerade, gab es selten in seinem Leben, zumindest in seinem Rudelleben. Keine Wut zu empfinden, gerade bei einem solchen Vorfall würde ihm nie in den Sinn kommen. Sie zuckte die Schultern, wirkte dabei lockerer, als sie sich fühlte.

“Liel liebt dich ja auch, genauso wie Cirádan. Ihr beide seid das Einzige, was sie noch hat. Tascurio dagegen war ein abweisender, meist ziemlich griesgrämiger Wolf, den ich kaum kannte.“

Natürlich war er dennoch ihr Bruder. Aber hätte man ihr Neruí oder Atalya genommen, hätte sie sicher ganz anders reagiert.

“Außerdem ist Wut nicht der richtige Weg. Wir sollen nicht wütend sein und hassen. Wir sollen vergeben.“

Krolock
05.03.2011, 11:52

Krolock sah sie an, Widerstand regte sich in seinen Augen, doch er schwieg. Caylees Vater schien die Meinung seiner Tochter da eher weniger zu teilen. Und ihre Mutter auch nicht. Aber das würde sie wohl wissen, er brauchte es ihr nicht erst zu sagen.

„Das kannst du ja auch nur sagen, weil du ihn nicht mochtest. Ist aber auch egal. Wäre ja nur Heuchlerei, wenn du nun nach Außen traurig wärst, ohne es wirklich zu sein.“

Wer wusste schon besser als er, wie gut es war, wenn man andere nicht mochte? Dann konnte man völlig gleichgültig dastehen, wenn sie starben oder verschwanden und sich allen überlegen fühlen.

„Und was haben wir von der Vergebung? Du magst deine Mama lieber als deinen toten Bruder, also vergibst du ihr… wenn’s anders herum wäre, würdest du auch vergeben? Hast du schon mal jemanden oder etwas gehasst?“

Caylee
29.03.2011, 10:45

Caylees Kopf kippte leicht zur Seite und ihr Sternenblick verengte sich wieder ein wenig. Dass Krolock Heuchelei nicht mochte, hatte sie schon bemerkt, aber er verstand trotzdem nicht ganz. Nur weil man Tascurio nicht mochte, konnte man dennoch sehr traurig sein. Nicht nur, weil Tyraleen und Averic sich nun nicht mehr mochten und ihre Familie zerstritten war – sondern auch, weil jemand unnütz sterben musste. Jemand so junges wie Tascurio. Das war traurig, ganz egal wie unsympathisch ihr Bruder nun gewesen war. Und auch die Sache mit der Vergebung schien dem Schwarzen nicht einzuleuchten.

“Vergebung macht glücklich. Hass macht unglücklich. Ich würde immer versuchen zu vergeben, auch wenn es mir bei meiner Mama natürlich leichter fällt. Es ist schön, Wölfe zu mögen und wenn man Streit hat, dann muss man Verzeihen, damit man wieder mögen kann.“

Ihre Argumentation schien ihr vollkommen schlüssig und logisch. Und sie wusste, dass ihre Oma darauf sehr stolz gewesen wäre, es war nämlich in etwa das, wofür Engaya stand. Und Caylee liebte Engaya, ebenso wie Engaya sie liebte. Krolocks zweite Frage war zwar seltsam, aber immerhin leicht zu beantworten.

“Nein. Warum?“

Krolock
04.05.2011, 17:06

Krolock wurde dieses ganze Gerede zu kompliziert. Er hing zwar an Caylees Lefzen und verfolgte ihren Monolog, erfasste aber nicht wirklich, was sie sagte. Zum Glück war seine Welt da viel einfacher. Er mochte niemanden und somit brauchte er sich über Vergebung überhaupt keine Gedanken zu machen. Er konnte einfach mit jedem Streiten, ohne verzeihen zu müssen. Und worin das Glück liegen sollte, vergeben zu dürfen, davon verstand er ebenfalls nichts.

"Wieso sollte man traurig sein, über den Tod von jemandem, den man gar nicht mochte und kannte? Nur weil er noch nicht alt war? Dem Tod ist es doch völlig egal, ob jemand alt oder jung ist. Was macht das eine trauriger als das andere?"

Bestimmt war das wieder so etwas, dass alle für unglaublich einleuchtend hielten und nur er total unlogisch fand. Sein Blick huschte eine Runde durch die Umgebung, als wüsste er nicht, was er sonst mit seinen Augen tun sollte.

„Einfach so…“