Kisha
17.08.2010, 19:37

Es hörte nicht auf zu regnen. Zuerst hatte der Regen den jüngeren Wölfen nur die Lehrjagd verdorben, Aber nun schien er dieses Tal gar nicht mehr verlassen zu wollen. Sie selbst hatte nicht an der Jagd teilgenommen. Wieso konnte sie sich selbst nicht ein Mal erklären, ein Gefühl hatte sie davon abgehalten. Kein schlechtes, aber auch kein besonders tolles. Die Schwarze hatte lieber in der Nähe ihrer Gruppe gesessen und stumm beobachtete, wie unterschiedlich die Jungwölfe reagierten. Nunja. Zu einer wirklichen Jagd war es sowieso nicht gekommen. Ruhig hob die Fähe den Kopf, die braunen Augen blinzelten zum Himmel. Wie lange war sie nun schon hier, und wie lange suchte sie nun schon nach sich selbst? Kisha. Kisha.. Niemand hatte hier einen Grund, sie an zu lügen. Wieso zweifelte sie also an den Worten dieser.. Fremden? Sie kniff die Augen zusammen, senkte den Kopf wieder. Sie wollte nicht mehr darüber nachdenken. Banshee hatte sie Tochter genannt. Die Weiße hatte etwas in ihr geweckt, ein Gefühl. Sie hatte sich in ihrer Nähe so wohl gefühlt. Selbst wenn sie schwach gewirkt hatte, war eine Wärme von ihr ausgegangen. Die Wärme einer liebenden Mutter? In ihren Augen hatte die Schwarze so viel Liebe gesehen. Konnte sie eine Fremde wirklich so angesehen haben? So viele Fragen, die nie eine Antwort bekommen würden. Banshee war tot, also war sie auf sich allein gestellt. Langsam erhob sich die Fähe, trat unter den schützenden Ästen eines Baumes hervor und bewegte sich mit langsamen Schritten vorwärts. Sie wollte zurück, zurück zu dem Rudel, das in diesem Tal lebte. Sie würde keine Antworten bekommen, wenn sie einfach hier herum lag, und sich abkapselte.
Ein fremder Geruch weckte die Aufmerksamkeit der Fähe, sodass sie erneut stehen blieb und den Kopf herum wandte. Trotz des Regens nahm sie diesen Geruch deutlich wahr, aber es schien niemand aus diesem Rudel zu sein. Langsam drehte die Wölfin den Kopf in die andere Richtung, blickte sich suchend um. Es musste jemand in der Nähe sein. Irgendwo hier..

Ráyon
17.08.2010, 20:24


Regen.
Regen, Regen, Regen.
In diesem Tal schien es eigentlich nichts anderes zu geben, als diesen elendigen Regen, der einfach nicht enden wollte.
Sicher, Ráyon war erst seit ein, zwei, maximal drei Tagen hier - er hatte es nicht für nötig gehalten nachzuzählen - aber bisher hatte er nur eines gesehen. Regen!
Eigentlich hatte er auch lieber in einem sicheren Unterschlupf bleiben wollten, dort, wo der Regen ihm nicht auf ein neues das Fell auskühlte, doch die Neugierde hatte ihn letztendendes doch aus seinem Versteck geblieben und so suchte er sich nun den Weg durch das Tal, auf der Suche nach irgendetwas, das halbwegs interessant aussah.
Leider gab es da nicht so viel, dessen Schönheit nicht von den Tränen des Himmels geraubt wurde. Eigentlich gar nichts.

Es war der Geruch eines fremden Wolfs, der Ráyon endlich das brachte, was er suchte - etwas interessantes. Sofort begann er zu wedeln und er schaffte es gerade so seine Freude soweit zu zügeln, dass er nicht im Kreis herumsprang, um sie auszudrücken. Stattdessen machte er einige Schritte rückwärts, als wolle er sich ein größeres Bild von der Kulisse vor ihm machen.
Allerdings sah er noch niemanden, zu dem der Geruch passte... bis er geradewegs in eine Fähe hineinlief. Das war jetzt schon das zweite Mal.

»'tschuldigung! 'tschuldigung! «

Er rief er, als dass er die Worte so sagte. Seine Ohren legten sich etwas verlegen an seinen Kopf. Seine Rute wedelte etwas unterwürfig, aber vor allem entschuldigend zwischen seinen Hinterläufen hin und her.
Die Fähe, in die er dieses Mal hineingelaufen war, war schwarz und scheinbar schon ausgewachsen.

» Ich... «

Irgendetwas wollte er sagen, aber es wollte ihm partout nicht mehr einfallen, was es war.
Irgendein Satz musste her, der die Lücke füllte.

» Ich bin Ráyon. Und du? «

Ein langweiliger Satz zu Beginn eines Gespräches, das hoffentlich nicht langweilig werden würde.
Wenigstens hatte sich der Rüde wieder soweit gefasst, dass er stolz - stolzer, als ihm eigentlich zugestanden hätte - den Kopf hob und der Fähe zuzwinkerte. eine zusätzliche Entschuldigung.

Kisha
17.08.2010, 20:53

Aufmerksam suchten die braunen die Umgebung ab, und mit jeder weiteren Sekunde zweifelte sie mehr an ihrem Verstand. Sie nahm diesen Geruch deutlich war, und doch konnte sie keinen Wolf erkennen. Ein leises Seufzen entfloh ihrer Kehle, als sie den Kopf wieder zum Himmel wandte. Spielten ihre Sinne nun schon so verrückt? Und schon im nächsten Moment wurde sie eines besseren belehrt. Sie konnte gerade noch den Kopf senken und den braunen Rüden erkennen, als er auch schon in sie hineinlief. Die Schwarze machte einen Schritt zur Seite, ihre Augen weiteten sich leicht. Anscheinend war sie nicht die einzigem die nicht ganz bei sich war. Ein Herzschlag verging und der Braune entschuldigte sich.

“Schon.. ok.“

Ihr Kopf legte sich leicht zur Seite, als der ihr unbekannte Rüde die Ohren anlegte und sachte mit der Rute wedelte. Dann verließ ein einziges Wort seine Kehle, und er würde ihr wohl ansehen, wie verwirrt sie für den Moment war. Dann stellte er sich vor, und fragte mit dem gleichen Atemzug nach ihrem Namen. Eine Frage, die sie schwer zu beantworten fand. Sie hatte zwei Namen, und dieser Wolf war fremd. Er würde den Namen Kisha also nicht kennen. Kurz biß sich die Schwarze auf die Fänge, atmete dann tief durch und bemühte sich um ein Lächeln. Sie versuchte sich nicht noch mehr von dem Zwinkern des Rüden verunsichern zu lassen.

“Willkommen, Ráyon. Mein Name ist Kisha.“

Leicht pendelte ihre Rute durch die kühle Regenluft, ihr Blick lag ruhig auf den braunen Augen ihres Gegenübers.

“Was treibt dich nach hier draußen, weg vom Rudel?

Nur einige Worte, um nicht die Stille vorherrschen zu lassen.

Ráyon
17.08.2010, 21:11

Auch die Fähe, die sich ihm als Kisha vorstellte, schien etwas verirrt. Vielleicht auch verunsichert. Er war nie sonderlich gut im Einschätzen gewesen.
Zumindest - und das war der positive Punkt in ihrer ersten Begegnung - nahm sie es ihm nicht übel, dass er promt in sie hineingelaufen war. Zum Glück wusste sie ja nicht, dass es gar nicht das erste Mal war, das ihm soetwas passierte. Das würde wohl nur in einer relativen Peinlichkeit ausarten. Und das war eine Sache, die er vermeiden wollte. Irgendwie konnte er es auf Gedeih und Verderb nicht leiden in eine Peinlichkeit verwickelt zu sein. Erstrecht nicht, wenn es sein eigener Verdienst war. Sicher, manche Ereignisse endeten in einem riesigen Missverständnis und sorgten gelegentlich dafür, dass man peinlich berührt reagierte, aber Ráyon wollte das verhindern, wo es nur ging. Und für ihn war es in jedem Fall peinlich, wenn man ständig in irgendwelche fremden Fähen hineinlief.

» Ich ging vom Rudel weg um die bösen Geister aus diesem Tal zu verjagen. Sie sollen vor Angst vor mir erzittern! «

Etwas angeberisch drückte er sich auf den Boden, als würde er irgendwem auf der Lauer liegen und grinste dabei heimtückisch. Er wedelte flach mit seine Rüte, um seine Angriffslust und seine vermeintlich jägerische Ader auszudrücken. Im nächsten Moment nahm er jedoch wieder eine normalere Pose ein und begann zu lachen. Ein rauhes, kehliges, aber doch angenehmes Lachen, dass auf seine eigene Art locker wirkte. Er hoffte, dass er Kisha mit seiner etwas eigenen Art nicht verschreckt hatte, denn für einen Moment hätte man denken können, dass er etwas böses gegen sie im Schilde führte.

» Und du? Ich hab' dich noch nicht bei den anderen gesehen, aber der Geruch des Rudels klebt an dir. Wieso bist du hier so allein? «

Neugierde und Interesse mischten sich in seinen ohnehin schon freundlichen Blick. Er wusste nicht, ob er sich eingebildet hatte, dass sich Kisha um ein Lächeln bemüte, oder ob es tatsächlich so war. Aber wenn es so war, wollte er ihr diesen Zwang um jeden Preis nehmen. Sie sollte lächeln, ohne sich darum bemühen zu müssen.

Kisha
17.08.2010, 21:36

Ihr Gegenüber schien ein aufgewecktes Kerlchen zu sein, zumindest schloß sie das aus dem, was er als nächstes tat. Er legte sich einfach auf den Boden, sprach von Geistern, die er aus dem Tal vertreiben wollte. Sie sollten Angst vor ihm haben? Nur einen Moment lag er auf dem nassen Boden, stand dann schon wieder und begann einfach zu lachen. Irgendwie war seine Leichtigkeit zu beneiden. Das Lächeln noch immer auf den Lefzen neigte sie den Kopf wieder zur Seite, blickte den Rüden fragend an.

“Und? Hattest du Erfolg dabei, sie zu verjagen?“

Auf seine nächste Frage hin biß die Schwarze kaum merklich die Fänge aufeinander. Wieso hatte sie sich vom Rudel entfernt? Sie wußte nicht wirklich, was sie darauf antworten sollte. Wieso überforderte sie die Anwesenheit fremder Wölfe bloß so? Er hatte ihr nichts getan, außer sie fast um zu rennen. Aber.. sie verstand sich selbst nicht mehr. Und doch wollte sie dem Braunen antworten.

“Nunja, wie soll ich es dir erklären? Ich gehöre schon zu diesem Rudel.. irgendwie. Aber ich fühle mich nicht wirklich so. Ich bin hier, weil ich einen Moment für mich brauchte. Weg von den anderen. Aber ich war gerade auf dem Weg zurück zum Rudelplatz. Wenn du die Geister verjagt hast, kannst du mich ja ein Stück begleiten.“

Und wieder musste sie sich fast ein Lächeln erzwingen, auch wenn es ir ein wenig leichter fiel, als zuvor.

Ráyon
17.08.2010, 23:24

Kisha ging auf seine Äußerung ein und das freute ihn ungemein. Wie wild schwenkte er seine Rute hin und her und musste auf ein neues unterdrücken nicht vor guter Laune auf und ab zu springen. Es war schon fast etwas lästig, wenn man andauernd diese Gefühlsausbruchartigen Gute-Laune-Schübe hatte. Aber so war Ráyon nunmal. Und eigentlich machter er persönlich sich keine allzugroßen Gedanken über sein doch eher seltsames Verhalten.

» Ja! Ja! «

Er schnaubte siegessicher und hob die Nase in den Wind, als sei er der große, wahre und einzige Held dieses Universums.

» Ich habe sie allesamt vertrieben und sie haben so große Angst vor mir, dass sie auch niiiiiiiie wieder kommen werden. Niemals. Und wenn doch, dann werden sie ihr blaues Wunder erleben! «

Jedes kleine Kind wusste, dass Geister keine Angst hatten und sich auch nicht durch normale Mittel vertreiben lassen. Auch wenn Ráyon sprach, als wäre das alles absolut real, war nur allzu deutlich, dass es eben das nicht war.
Man konnte auch nicht behaupten, dass der Rüde in einer Fantasiewelt lebte. Doch irgendwie prahlte er gerne. Und am liebsten so, dass man es eher als einen Schwerz, als als wirkliche Prahlerei auffassen konnte.
Trotz seiner Ungestümtheit und seiner fast schon aufdringlichen Freude nahm er Kishas Worte ernst. Besonders, als sie sagte, dass sie sich nicht fühle, als würde sie zum Rudel gehören. Das klang irgendwie... traurig. Da brauchte wohl jemand einen ordentlichen Schub gute Laune - oder zumindest die Hoffnung darauf, dass alles besser werden würde. Als er zu ihr hinüber schlenderte, wirkte er wie ein riesiger, plumper Kuschelbär, obwohl sie selbst nur wenige Zentimeter kleiner war als er.
Seine Schnautze steckte kurz in ihrem Nackenfell, als er sie aufmunternd anstuppste, und wiedereinmal kräftig mit der Rute wedelte.

» Dann lass uns jetzt langsam zurückgehen! Auf dem Weg erzählst du mir am besten auch gleich, warum du dich nicht fühlst, als wärst du ein Teil des Rudels. Liegt es an den Anderen? Gab es irgendein schlimmes Ereignis? «

Hätte sein Blick noch freundlicher werden können, als er ohnehin schon war, so wäre das nun der Fall.

Kisha
18.08.2010, 00:27

(Teddy! *o* *quiek*)

Lächelnd betrachtete Kisha den braunen Rüden, wild mit der Rute durch die Luft schlug, mit überschwenglicher Freude antwortete und dann die Nase in den Wind streckte. Dieser Rüde erinnerte sie an etwas. Es war merkwürdig. Sie konnte nicht erklären was, aber es war, als würde er eine lang verloren geglaubte Erinnerung in ihr wecken. Nur.. woran? Auf seine weiteren Worte hin musste sie leise lachen,

“Dann können wir alle jetzt ja nachts ruhig schlafen, wenn du uns vor den Geistern beschützt.“

Auf ihren Lefzen lag das ehrlichste Lächeln seit langem. Sie erinnerte sich nicht daran, seit sie hier war, so gelächelt zu haben. Aber sie konnte einfach nicht anders. Sie fragte sich, ob Ráyon wohl immer so auftrat. Die Schwarze konnte sich kaum vorstellen, dass es Wölfe gab, die immer.. glücklich waren und es so deutlich zeigen konnten.
Kisha erstarrte, als der Braune auf sie zukam, und seine Schnauze einen Moment in ihren Nacken legte. Im ersten Moment wollte sie zur Seite springen, weg von ihm. Nicht, dass es an ihm lag. Aber sie wußte einfach nicht mit dieser plötzlichen Nähe um zu gehen. Aber sie fühlte sich wie gelähmt, konnte sich kein Stück bewegen. Ihr ganzer Körper blieb angespannt, bis Ráyon wieder zu ihr sprach. Die Schwarze atmete tief durch, wandte dann den Kopf herum zu dem Rüden. Sie nickte auf seine Worte hin, und konnte sich doch nicht erklären, wieso sie sich einem ihr eigentlich völlig fremden anvertraute. Sie glaubte nicht, dass er ihr ihre Fragen beantworten konnte. Aber was hatte sie schon zu verlieren?
Ruhig wandte die Schwarze sich ab, schritt wieder in Richtung Rudelplatz. Einige Momente schwieg sie, bis der Braune wieder neben ihr lief. Das Lächeln war von ihren Lefzen gewichen. Daran änderte auch der warme Blick des Rüden nichts.

“Ich.. kam vor einigen Monaten hier her. Ich weiß nicht, wieso ausgerechnet an diesen Ort. Aber ich fühlte mich fast magisch von diesem Tal angezogen. Ich wurde freundlich empfangen, als würde ich hier her gehören, und jeder nannte mich Kisha. Sie behandelten mich wie eine von ihnen, obwohl ich mir sicher war, noch nie hier gewesen zu sein. Ich kam her mit dem Namen Aceysha.. und nun weiß ich nicht mehr, wer ich bin. Banshee, die Wölfin, die dieses Rudel zu dieser Zeit geleitet hatte, nannte mich Tochter.. Ich weiß nicht wieso sie mich angelogen haben sollte.. aber ich verstehe auch nicht, wie es zu so etwas gekommen sein könnte.“

Die Stimme der Schwarzen war immer leiser geworden, bis sie nur noch geflüstert hatte. Ihr Blick war nach vorn gerichtet, damit sie den Braunen nicht ansehen musste. Leise seufzte die Fähe, schüttelte dann leicht den Kopf.

“Ich wache jeden Morgen auf und habe das Gefühl, dass ich das Leben eines anderen führe. Und nicht mein eigenes. Verwirrend, oder?“

Ráyon
18.08.2010, 15:14

Zuerst realisierte er hoffnungsvoll, dass sein plan aufgegangen war. Kisha lächelte, und diesmal sah es so aus, als war es ein ehrliches Lächeln und keines, dass man aufsetzte, um die Freundlichkeit zu bewahren und sein Gegenüber nicht zu vergraulen. Sie lachte sogar, als er siegessicher verkündete, dass er die geistern fernhalten könne. Obwohl es natürlich ziemlich großer unfug war. Aber auch das verstand sie.
Dennoch bekam er kaum mit, dass sich die Haltung der Schwarzen geändert hatte. Sie war erstarrt, als er ihr näher gekommen war.

» Ja! Ihr werdet nie wieder eine unruhige Nacht erleben, während ich hier bin! Und wehe, wenn ihr mich loswerden wollt, denn wenn ich weg bin, dann kommen auch die bösen Geister wieder, weil sie keine Angst mehr vor mir haben brauchen! «

Er plapperte das schnell vor sich hin und für einen kurzen Moment hing ihm seine rosane Zunge zwischen den Leftzen hervor, als würde er eine Grimasse schneiden. Und in der Tat, dass hatte er auch vor gehabt.
Doch jetzt viel ihm auf, dass sie das Lächeln verlassen hatte, als er sie berührt hatte. Und nun, da sie ihren Weg begannen, konnte Ráyon geradezu die dunkle Wolke sehen, die sich über Kishas Gemüt legte. Aufmerksam lauschte er den Worten, die sie von sich gab und ihm somit einen Teil ihrer eigenen Geschichte erzählte. Eine Geschichte, die nicht klang, als hätte sie momenttan einen guten Aspekt. Kisha schien nicht zu wissen, wer sie eigentlich war.
Er schweig für eine Weile, doch das unangenehme Schweigen brannte in seinen Ohren. Ohnehin war es an ihm etwas zu sagen.

» Ja, das ist verwirrend. «

Für einen Augenblick schwang sein Kopf zu ihr hinüber. Er fixierte sie kurz, doch sie wollte ihn nicht ansehen und das verstand und respektierte er.

» Aber... Mh...« - eine Pause - » Ich weiß nicht. Ich kann nicht behaupten, dass ich das verstehe, immerhin war ich nie in einer solchen Situation. Aber es ist bestimmt sehr bedrückend. Trotzdem... solltest du dir vielleicht Gedanken darüber machen, ob du dich nicht lieber mit dem anfreunden willst, so wie es ist? Du wirst herausfinden, wer du bist, wenn du einfach bist, wie du bist. Dabei macht es keinen Unterschied, wen du kennst, und wen nicht. Letztere kannst du ja neu kennenlernen, oder? Ich meine... ach ich weiß auch nicht. Ich kann das nicht erklären. «

Er seufzte mit einer Spur der Verzweiflung. Er wusste, was er ihr mitteilen wollte, doch er fand einfach nicht die richtigen Worte für das, was er Kisha sagen wollte.

» Sei du selbst, dann wirst du wissen, wer du bist. «

Das klang zu philosophisch. Ráyon hoffte dennoch, dass sie es verstehen würde.

Kisha
19.08.2010, 22:28

Kisha behielt den Blick nach vorn gerichtet, konzentrierte sich für einen Moment nur auf das Rauschen, auf das Prasseln des Regens. Wieso erzählte sie diesem Rüden ihre Geschichte? Was brachte es ihr, ihm ihr Herz so zu öffnen? Sie konnte es sich nicht erklären, aber es war nun einmal so. Erst als Ráyons Stimme durch den Regenschleier an ihre Ohren drang, wandte sie den Blick langsam herum, um den Braunen an zu blicken. Ein leises Seufzen verließ ihre Kehle. Was hatte sie anderes erwartet? Sie war selbst verwirrt, wie sollte da ein Fremder ihre Situation verstehen? Sie konnte nicht von einem fremden erwarten, dass er ihr in solch einer Situation einen Rat geben konnte, der alles änderte. Der ihr Leben wieder in geregelte Bahnen lenkte. Sie musste die Antwort allein finden. Auch wenn noch so viele Wölfe versuchten, ihr zu helfen. Es lief immer auf das Selbe hinaus.
Erst als der Rüde weiter sprach, drehte Kisha den Kopf zu ihm. Erst als das letzte Wort über seine Lefzen gekommen war, dachte sie über eine Anwort nach. Wie sollte sie es am besten erklären, damit er verstand, was sie selbst kaum erklären konnte. Die Schwarze wandte den Blick kurz nach oben, betrachtete die grauen Wolken, die über ihre Köpfe hinweg zogen. Sie wünschte sich Sonnenschein zurück, dieser Regen schien alles nur noch schlimmer zu machen.

“Wenn ich wüßte.. wie ich bin. Es ist wie.. ich weiß nicht wie ich es erklären soll.. ein Kampf in meinem Inneren. Der eine Teil will fröhlich sein, das Leben genießen. Und der andere Teil.. ist wie diese Wolken. Zumindest fühlt es sich so an. Trist.. und grau. Und ich weiß nicht, wie ich bin. Da ist nur dieser Kampf.“

Ihr Kopf wandte sich wieder zu Ráyon, und ein sanftes Lächeln schlich sich auf seine Lefzen. Zumindest bemühte sie sich darum.

Ráyon
21.08.2010, 16:54



» Aber auch Wolken vergehen, Kisha. Man kann Wolken sogar vertreiben! Bestimmte Arten von Wolken zumindest. Ich meine... Nebenschwaden sind doch auch Wolken, richtig? Kleinere Wolken, aber Wolken. Und die kann man wegpusten! Wie wäre es denn, wenn du dich gehen lassen würdest. Geh einmal in dich und vergiss, wer du bist, warst oder sien wirst. Und dann mach, was dir gefällt. Mach irgendwas. Allein oder mit Wölfen, Hauptsache es macht Spaß. Verstehst du, was ich meine? «

Er wusste selbst nicht, ob er es si ganz verstanden hatte. Es ar kompliziert und irgendwie total verquär, aber keinesfalls aussichtslos. Nein, man konnte etwas machen, und das wusste Ráyon. Nur Kisha schien das nicht zu wissen, oder nicht versuchen zu wollen. Also musste er es ihr erzählen, und wenn selbst das nicht helfen sollte, würde er es ihr wohl auch noch zeigen müssen, aber das war kein sonderlich großes Problem. Nein, er hatte das schon oft genug gemacht.
Trotzdem sah er bedrückt, wie die Fähe sich bemühen musste ihm ein Lächeln zuzuwerfen. Das war ganz und gar nicht so, wie er es gern hätte. Wenn man schon nicht lächeln konnte, dann sollte man es lassen. Aber ein falsches Lächeln? Nun, es war ja auch egal.


( Sorry wegen kurz, aber meine Nerven wollen mir gerade nicht entgegenkommen. )

Kisha
31.08.2010, 21:38

(Nächstes Mal gibt’s wieder schneller ne Antwort :) )

Ihr Lächeln fühlte sich furchtbar falsch an. Es ging ihr nicht gut dabei, den Braunen auf diese Art zu belügen. Aber genauso wenig wollte sie mit einem Ausdruck in den Augen herumlaufen, der von ihrer inneren Verzweiflung zeugte. Was sollte sie also tun, außer es wenigsten zu versuchen, zu lächeln? Die Schwarze richtete den Blick wieder nach vorn, lauschte trotzdem aufmerksam den Worten des Wolfes, der neben ihr lief. Das Lächeln war inzwischen von ihren Lefzen gewichen. Wolken konnte man vertreiben. Aber die Schatten, die sie warfen, blieben. Nach Ráyons Worten herrschte Stille, nur das Prasseln des Regens drang an ihre Ohren. Sie seufzte leise.

“Ich verstehe, was du meinst.. aber..“

Sie hörte abrupt auf und blieb stehen. Kisha schloß die Augen, richtete den Blick gen Himmel und atmete die feuchte Luft ein. Sie hatte das Gefühl, dass das alles nichts brachte. Es lag nicht an ihm, er gab sich jede Mühe. Aber.. sie selbst. Sie hatte das Gefühl, dass sich alles in ihr gegen ein ehrliches Lächeln wehrte. Sie konnte es sich selbst nicht erklären. Es war verwirrend. Ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern.

“Alles, was ich tue fühlt sich falsch an. Und trotzdem sagt mir mein Herz, dass es richtig ist..“

Ráyon
01.09.2010, 13:30

Er lief noch einige Schritte weiter, ehe er stehen blieb und sich zu der Fähe umdrehte.
Jedes Wort das er sagte, alles was er versuchte, jede einzelne Chance, die er ergreifen wollte, schien aussichtslos. Es war fast, als wolle die Schwarze gar nicht, dass es ihr besser ging, doch natürlich war das nicht der Fall.
Jeder wollte doch, dass es sich selbst gut ging. Oder?
Unsicherheit und Mitleid kamen zu der gebliebenen Gutmütigkeit in seinem Bliock hinzu, während er sie musterte. Was sollte er ihr noch sagen? Gab es überhaupt eine Möglichkeit ihr klar zumachen, dass alles nur von ihrer Einstellung abhinh? Dass es helfen könnte, wenn sie sich einfach gehen lässt, ohne sich den Kopf zu zerbrechen, wohin?
Es schien aussichtslos, doch Ráyon wollte nicht aufgeben.
Er würde nicht aufgeben!

Gemächlich tappte er zurück zu der Fähe, und stuppste sie kurz an. 'Komm mit' wollte er damit sagen. 'Lass uns ein wenig laufen' wollte er damit sagen.
Dann drehte er sich weg und sprintete die ersten paar Meter. Er war unsicher, und das sah man ihm an. Ráyon wusste nicht, ob Kisha dieses Spiel mitspielen würde. Aber er wollte es so. Er wusste, hoffte, dass es ihr eine Tür öffnen würde. Die Tür zur Wahrheit. Aber wahrscheinlich hatte er selbst keine Ahnung.
Dennoch. Einen Versuch war es wert! Selbst wenn er sich dafür blamierte.
Erwartungsvoll sah er über die Schulter zurück zu der Fähe und hoffte, dass auch sie im nächsten Moment lossprinten würde.

Kisha
01.09.2010, 17:57

Kisha behielt den Kopf in Richtung Himmel gestreckt, die Augen weiterhin geschlossen haltend. Dieser Moment der Stille tat gut, einfach nur den Regen hören und für einen Moment alles vergessen. Sie hatte nicht einmal gemerkt, dass der Braune Rüde ebenfalls stehen geblieben war. Erst als sie seine Schritte wahrnahm, die auf sie zukamen öffnete sie die braunen Seelenspiegel und blickte dem Rüden entgegen. Er stubste sie an, und ihr Kopf neigte sich leicht zur Seite. Und schon im nächsten Moment sprintete Ráyon los, und sie erkannte seinen Stubser als eine Aufforderung. Sie sollte ihm folgen. Ihm nachlaufen. Im ersten Moment verharrte die Schwarze, unsicher, was sie nun tun sollte. Sollte sie ihm einfach nachlaufen? Sie hatte ihm förmlich alle süber sich erzählt, galt es da noch, über Vertrauen oder ähnliches nach zu denken? Wohl kaum. Und doch zögerte die Fähe. Ihre Ohren zuckten leicht durch die kühle Luft. Was sollte sie tun? Aufmerksam ruhte ihr Blick für einige Sekunden auf dem Braunen, der ein kleines Stück vor gelaufen war. Er blickte zurück zu ihr. Eine weitere Aufforderung ihm zu folgen. Die Fähe schluckte, riß sich dann zusammen und rannte los. Für einen Moment hatte sie einfach alles Denken ausgeschaltet, hatte nicht darüber nachgedacht, was richtig und was falsch war. Sie war einfach gerannt, setzte nun dem braunen Rüden nach. Sie wollte etwas ändern. Und doch hatte ihr immer etwas dafür gefehlt. Wann sollte sie also am besten damit anfangen, wenn nicht jetzt?

Ráyon
01.09.2010, 18:15


Endlich, als auch die Fähe losgelaufen war, setzte auch Ráyon sich wieder in Bewegung.
Er rannte.
Sie rannte.
Beide rannten.

Der Rüde fühlte sich, als würde er mit dem Wind um die Wette laufen. Seine Zunge quoll zwischen seinen Lefzen hervor und schlackerte mit jedem Aufprall seiner Vorderpfoten auf dem Boden. Hin und wieder wandte er seinen Blick hinüber zu der Fähe, um sich zu vergewissern, dass sie noch immer dort war.
Dort, wo er sie haben wollte, damit er sie so lange hetzte, bis sie ihren Schmerz, ihre Gedanken, ihre Vergangenheit hinter sich lassen sollte, und einfach sie selbst war.
Rennen half, so glaubte der Braune. Rennen setzte etwas frei. Etwas, das sonst nur durch... seltsame Zufälle ausgelöst wurde. Beim Jagen hatte man manchmal dieses Gefühl, oder, wenn man einen steilen Berghang hinunterlief, ohne genau zu wissen, was einen erwartet. Oder während der Zeit mit den vielen läufigen Weibchen. Oder wenn man einfach Spaß hatte.
Und genau das wollte er Kisha jetzt einflößen. Spaß.
Den Spaß den man hat, wenn einem der Wind um die Ohren fliegt. Wenn die Welt um einen herum seine Konturen verliert und der eigene Herzschlag sich mit dem Poltern der Pfoten vereint, die in gleichmäßigem Galopp auf den Boden aufschlagen. Das war Spaß. Für Ráyon zumindest. Und für Kisha sollte es das auch sein.
Erwartungsvoll wartete der Rüde darauf, dass die Fähe ihm unbewusst ein Zeichen gab, dass es wirkte. Dass auch sie Freude hatte, dass sie diesen... 'Aufbruch' spürte.
Würde es klappen?
Bis er eine Antwort darauf erhalten würde, würde er rennen. Rennen, bis er tot umfiel, denn das war es ihm wert. Er wollte, dass diese Fähe aus ihrem Gefägnis der Gedanken entkam, dass sie wieder Leben konnte, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wer sie war und was sie war. Sie konnte es doch herausfinden, oder nicht? Sie konnte doch fragen und fragen. Und zwar nicht selbst, sondern die, die scheinbar mehr wussten als sie. Die, die schon länger in diesem Rudel waren. Oder sie konnte sich neu entdecken. Sich neu entwickeln. Etwas völlig neues Beginnen. Wer wollte schon, das alles so war, wie es schon immer gewesen ist. Wäre dann der Wolf in seiner heutigen Form überhaupt existent?

Der Wind bließ ihm entgegen. Regen prasselte ihm leicht auf seinen Kopf, der langsam, durch Wind und Kälte zu schmerzen gebegann, doch er kümmerte sich nicht darum. Er genoss dieses Wettrenen mit sich und mit dem bösen Schatten, der Kisha verfolgte.
Und er war sich sicher, dass er letztendlich doch die Geister aus dem Tal verscheuchen würde, auf dass sie nie wiederkommen.

Kisha
04.09.2010, 11:03

Ihre Pfoten trommelten über den feuchten Boden, wirbelten Schlamm auf. Aber die Schwarze blieb nicht stehen, ließ keinen Gedanken für Zweifel übrig. Es war richtig. Sie musste einfach laufen. Alle Zweifel vergessen. Und trotzdem.. war es ein komisches Gefühl. Sie konnte sich nicht daran erinnern, jemals so frei gelaufen zu sein. Sie konnte sich nicht erklären, wieso, aber sie fühlte es sich dem Braunen gegenüber einfach schuldig. Der Regen prasselte ihr ins Gesicht, schmerzte in den empfindlichen Augen. Aber sie wollte nicht stoppen. Würde sie anhalten, hätte sie nur Zeit für neue Zweifel. Also lief sie, ohne Pause. Bis sie Ráyon eingeholt hatte und neben ihm lief. Seine Worte klangen ihr noch in den Ohren, als hätte er sie erst jetzt in den Wind gesprochen. „Und dann mach, was dir gefällt..“
Und mit einem Mal riß die Schwarze den Kopf herum, schnappte spielerisch nach der Schnauze des Rüden. Nicht nachdenken, einfach handeln. Jetzt war die Zeit, etwas zu ändern.

Ráyon
07.09.2010, 20:21


Sie schnappte nach ihm.
Endlich!
Vor Freude überschlugen sich die zuvor gleichmäßigen Pfotenschläge auf dem Boden, so dass er mehrmals hoch hüpfen musste, um wieder in seinen ursprünglichen Lauf zurückzufallen. Dabei jaulte er freudig auf und seine Rute drehte sich fast. Hatte er es geschafft?
Gleichgültig. Jetzt musste er handeln, um sie nicht mit ihrer spontanen Aktion allein stehen zu lassen. Ráyon ließ einen kurzen Laut hören, der einem freudigen Kläffen gleichkam, und schnappte dann spielerisch zurück. Für diesen Moment hatte das Hochgefühl ihn nicht nur ergriffen, sondern er strahlte auch pure Freude aus. Das konnte nicht einmal der nervige, immernoch andauernde Regen ändern. Das Einzige, was als Sorge wage in seinem Hinterkopf zu deuten war, war der Gedanke daran, dass er keine Ahnung hatte, wo er derzeit hin lief. Noch kannte sich der Rüde in dem Revier der Sternenwinde nicht aus und somit wusste er nicht recht, wohin ihn der Weg führte, den er soeben entlanglief. Er konnte sich nur darauf verlassen, dass Kisha wusste, wie sie zurückkommen würden.
Doch für den Moment war auch das nicht wichtig. Es war der Augenblick der zählte und nicht das, was danach kommen würde.