Liel
28.07.2010, 18:39

Die durch das Unwetter abgebrochene Lehrjagd lag nun einige Tage zurück. Das Wetter hatte sich wieder beruhigt und die Wölfe waren wieder in ihren Tagesrhythmus zurück gekehrt.
Nun trommelten Liels Pfoten im gleichmäßigen Takt auf den trocknenden Waldboden. Sie war auf der Suche nach einem ganz bestimmten Wolf mit dem sie lange nicht mehr hatte sprechen können.
Nun hatte ihr Herz ihr quasi befohlen sich auf den Weg zu machen und Chanuka aufzuspüren. Doch das erwies sich als gar nicht so einfach. Er war immer ein wenig zurückgezogen und so dauerte es einige Zeit, bis sie seine Witterung aufgenommen hatte. Eben diese führte sie an den Punkt im nördlichen Mischwald, wo dieser dem zentralen Mischwald am nächsten war.
Vielleicht war dies gar nicht so verwunderlich, lag doch die Gedenkstätte von Banshee und Acollon nur unwesentlich weiter innerhalb des nördlichen Waldes.
Liel lief also den Bach in Richtung des Gebirges entlang, da dieser sich dicht am Wald entlangschlängelte. Als sie annahm, dass sie den Punkt erreicht hatte, an dem sie in den Wald gehen musste um auf ihren besten und einzigen Freund zu treffen, blieb sie nur kurz stehen und nahm zwei tiefe Schlücke des kalten Nass. Danach wand sie sich ab und schlängelte sich ihren Weg durch das dichte Gebüsch. Sie musste nicht mehr weit laufen, schon erblickte sie Chanuka wie er unter einem etwas freistehenden Baum lag und gedankenverloren in die Ferne blickte.
So kannte sie den jungen Rüden und sofort spürte sie die Liebe in ihrem kleinen Körper aufwallen, welche sie ihm gegenüber empfand.
Leise wuffte sie auf, nur, um ihn nicht zu erschrecken und dann lief sie weiter langsam auf ihn zu.

„Hallo Chanuka mein Lieber“

Sie begrüßte ihn sanft indem sie ihren Kopf, besser ihre Schnauze, an seine Stirn drückte und vorsichtig pustete, dann ließ sie sich auf ihr Hinterteil fallen und schaute ihn neugierig an. Gut hatte er sich entwickelt. Hübsch war er geworden.

Chanuka
30.07.2010, 17:07

Die Zeit war dahin geschlichen, ohne dass ihr Chanuka größere Beachtung schenkte. Tascurio war tot und der Tag, das Gespräch und die Geschehnisse hatten sich in sein Herz gebrannt. Es war im Augenblick einfacher, allen aus dem Weg zu gehen. Zunächst wollte er das Gefühlschaos in seinem Inneren zur Ruhe kommen lassen und sich neu sortieren, ehe er sich dem Rudel wieder näherte. Er lag nun schon eine ganze Weile auf einer Blumenwiese in der Nähe des Gebirges. Blumen hatten für ihn eine ganz neue Bedeutung bekommen, durch die Worte, die sein Bruder an ihn gerichtet hatte. Für immer würde er in jeder Blüte einen Teil von Tascurio sehen.
Von der Blumenwiese, auf der sich sein Bruder immer aufgehalten hatte und auf der auch sein Federbaum stand, hielt er sich nun schon eine ganze Weile fern. Für immer würde dies der Ort sein, an dem Tyraleen ihren Sohn getötet hatte.
Es war furchtbar. Egal in welche Richtung er all diese Geschehnisse durchdachte, er konnte sich mit dem Schmerz in seinem Herzen nicht aussöhnen. Chanuka fühlte sich zerrissen. Hätten sie wirklich nichts tun können? Wäre es ihr Recht gewesen, Tascurios Entscheidung niederzuschlagen? Was wäre passiert, wenn sie sich ihm früher schon angenommen hätten? Was wurde nun aus seiner Familie? Wie fühlten sich Turién, Averic und Tyraleen? Was war mit dem Rest des Rudels?
In diesem Augenblick trug der Wind ihm die Witterung Liels zu, die sich im nächsten Moment bereits bemerkbar machte. Chanuka wandte den Kopf zu ihr und wusste, dass sie ihn gesucht haben musste. Er war nicht wie sonst bei seinem Federbaum, sondern lag hier, verborgen vor den anderen Rudelmitgliedern.

„Hallo Liel…“

Grüßte er sie herzlich, wenn auch wehmütig.

Liel
03.08.2010, 01:46

Abschätzend blickte sie ihren Freund an. Irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Das hatte sie schnell erkannt. Was es jedoch war, vermochte sie nicht zu sagen. Sie hatte nichts von dem Tod des Jungwolfes Tascurio erfahren, da sie seit der Jagd keinen großartigen Kontakt zu irgendeinem Wolf gehabt hatte. Nicht, weil es ihr unangenehm war, sondern weil sie durch das Gelände gestrichen war um es besser kennen zu lernen.
Sie erinnerte sich daran, wie klein sie sich gefühlt hatte, wenn Erwachsene so von oben herab mit ihr gesprochen hatten als sie noch ein Welpe war und ließ sich ganz auf den Boden gleiten. Nun waren sie auf Augenhöhe.

„Was liegt dir auf dem Herzen?“

Sie hoffte, dass er es ihr erzählen würde. Sie wollte ihm helfen und als Freundin zur Seite stehen. Doch er war nicht der Wolf, der andere zujammerte, wenn es ihm nicht gut ging. Und meistens hatten sie sich auch ohne Worte verstanden.
Sie wusste, dass er nicht viel sagen würde, doch sie war sich sicher, dass sie auch dieses Mal verstehen würde, wenn er ihr die Richtung vorgab. Sie spürte, dass es etwas Größeres war, ein ähnliches Gefühl hatte von ihr Besitz ergriffen, wie zu dem Zeitpunkt als ihre Eltern gestorben waren. Nur nicht so heftig.

Chanuka
04.09.2010, 00:55

Chanuka blickte Liel in die Augen, mit einer so offenen Traurigkeit, die einfach gar nichts zu verbergen suchte. Er vertraute ihr und war ohnehin nicht die Art Wolf, die großes Talent darin hatten, oder großen Sinn darin sahen, sich zu verstellen. Sie war seine beste Freundin und sie hatten sich bisher immer aufeinander verlassen können. Es gab nichts, worüber er nicht mit ihr sprechen konnte, da war er sich sicher. Sie war doch sein Sonnenschein. Und er mochte ihre Nähe, gerade jetzt.
Es war ihm gar nicht aufgefallen, bis sie sich zu ihm gelegt hatte. Er hatte gedacht, er wolle nun einfach gar niemanden sehen. Aber dass sie da war, fühlte sich schön an, beruhigend. Die Verwirrung in seinem Kopf schien nicht mehr so laut, trat in den Hintergrund. Aber was wollte er ihr nun erzählen? Es ging nicht darum, dass er nicht mit ihr reden wollte, sondern darum, dass er Tascurio versprochen hatte, darüber zu schweigen. Natürlich würde er ihr sagen, was geschehen war. Es schien, als wisse sie von nichts. Der Tod seines Bruders hätte sie anders reagieren lassen, wenn sie darum wüsste, da war er sicher. Er wusste auch nicht, wer im Rudel überhaupt Notiz davon genommen hatte, dass seine Mutter den eigenen Sohn getötet hatte. Und er wusste auch nicht, wie sie reagiert hatten. Er wollte aber nicht, dass sie böse auf Tyraleen war, wenn er ihr nun erzählte, dass sie Tascurio die Kehle durchgebissen hatte. Er wollte selbst nicht wütend auf seine Mama sein. Aber wie konnte sie nur? Und wie hatte er es zulassen können? Wie sollte er von all der Schuld sprechen, wenn er doch nichts erzählen durfte? Man musste doch den letzten Wunsch eines Sterbenden achten, oder nicht?
Chanuka fühlte sich überfordert, suchte nach immer noch nach Worten.

„Es war, als das Unwetter losbrach… Auf der Blumenwiese unter meinem Federbaum. Tyraleen hat Tascurio getötet… ich weiß nicht warum, aber Tascurio… Und dennoch… wie konnte sie nur? Was hat sie dazu gebracht? Sie würde niemals ohne Grund… aber… Er war doch erst so alt wie wir.“

Es war ihm unbegreiflich und er wollte keine Worte finden. Seine Frage konnte sie allein beantworten, aber er hatte Angst sie zu stellen. Hatte Angst ihr zu begegnen. Es war nicht, weil er sich vor dem fürchtete, was sie mit ihm tun könnte, sondern weil er nicht wusste, wer sie jetzt war und wie er ihr gegenüber sein würde. Sie hatte seinen Bruder getötet.

Liel
12.09.2010, 18:53

Die Schnauze blieb geöffnet stehen. Wie eine Momentaufnahme mit einem Fotoapparat. Sie fühlte sich unfähig auch nur einen einzigen Muskel zu bewegen.
Tyraleen hatte Tascurio umgebracht.
Die Gedanken kreisten. In was für ein Rudel war sie hier eigentlich rein geboren. Oder war das normal. Bestand die Normalität aus Morden, unglücklichen Zufällen die eine Vielzahl von Wölfen als Opfer suchten, sie an sich rissen und keine Rücksicht auf die Hinterlassenen nahmen?
In Sekundenschnelle schossen ihr die verschiedensten Gedanken und Gefühle durch den Kopf, den Körper. Bis sie sich wieder bewegen konnte. Sie schmiss sich regelrecht an ihren Freund. Dennoch war sie sanft. Wie immer. Sie drückte ihren schmalen Körper an seinen.

„Gemeinsamkeit.“

Ein leises Flüstern. Sie würde ihn nicht alleine lassen. Niemals. Nicht, solange er es nicht von ihr verlangte.
Auf seine Fragen hatte sie keine Antwort. Waren Worte wirklich richtig in einem solchen Moment? Wie konnte es sein, dass sie von dem Geschehen nichts mitbekommen hatte?

„Ich kenne Tyraleen kaum… Aber ich bin mir sicher, sehr sicher, dass sie ihre Gründe für die Tat gehabt hat. Und auch wenn kein Tod gerechtfertig sein kann, wird sie das richtige getan haben. Zumindest für sie wird es das Richtige gewesen sein.
Sieh sie nicht als die Böse. Sie wird so gehandelt haben, wie sie für sich handeln musste.“


Denn handelte nicht jeder so, wie es für ihn am Besten war. Oder wie er es für richtig hielt. Vielleicht hatte sie jemand anderen damit retten wollen, vielleicht hatte sie Tascurio erlösen wollen. Was auch immer es war, Tyraleen hatte es nicht ohne Grund getan, da war Liel sich sicher. Und in ihrem Herzen war ihr bewusst, dass auch Chanuka das wusste. Aber er verstand es nicht. Wie sollte man den Tod eines geliebten Wolfes auch verstehen können.
Wenn Liel auch noch nicht viel gelernt hatte, mit dem Tod kannte sie sich bestens aus. Da gab es kein Verständnis. Nur irgendwann einkehrende Akzeptanz.

Chanuka
15.09.2010, 17:09

Chanuka spürte die plötzliche, warme und sanfte Nähe zu Liel, die sich an ihn drückte. Er ließ den Kopf sinken, so dass er ihn gegen sie lehnen konnte. Danach schloss er, überfallen von einer niegekannten Müdigkeit die Augen. Seine Ohren zuckten, während er ihr lauschte und sie ihn bestätigte. Auch sie war sich sicher, dass Tyraleen nichts ohne Grund tat. Und wie Recht sie doch hatte. Es musste seiner Mutter darum gegangen sein, Averic zu schützen. Nur so ließ sich das Ganze erklären. Nur woher hatte sie die Sicherheit genommen, dass Tascurio wirklich zum Mörder werden würde? Er wollte das doch gar nicht! Es wäre zu Verhindern gewesen, ganz bestimmt.
Dafür war es nun lange zu spät. Niemand konnte Tascurio wieder lebendig machen. Er hatte diese Welt verlassen und hätte am liebsten jegliche Erinnerung an sich ausgelöscht. Bis ihn die Angst erdrückt hatte, dass seine Existenz völlig belanglos gewesen war. Chanuka sah noch das weiße Gesicht vor sich, den Jungrüden, der die Liebe zu dieser Welt in schönen Worten zusammen fasste.

"Tascurio liebte Blumen."

Ließ er Liel wissen. So war es doch Tascurios Wunsch gewesen. Dass die Wölfe, die sich an ihn erinnerten, wussten, wer er war, obwohl er es ihnen nie gezeigt hatte.

"Er... er mochte die Sonne und den Regen und die Wälder und Seen."

Nun vergrub er seine Schnauze komplett im Pelz seiner Freundin. Wie hatten sie sich kennengelernt? In Zeiten, in denen es kaum Sorgen gab. Als alles noch einfach und sonnig war. Eine unreal wirkende Zeit. Bevor das Nichts sie umschlossen hatte. Bevor es überhaupt wirklich da war. Und jetzt waren sie schon fast erwachsen, wurden mit jedem Tag selbstständiger. Er hatte dennoch das Gefühl, dass sie sich noch mit derselben Offenheit begegneten, wie zu Welpenzeiten.

"Tascurio... er war immer allein. Immer."

Sheena
25.10.2010, 22:05

Kannst du mir verraten, warum das hier noch immer vorhanden ist und Krolock und Liel bei abgeschlossenen Gesprächen sind!?

Ich war einfach zu blöd... Kann das jemand umändern? Krolock und Liel zurück hierrein und diesen hier zu abgeschlossenen.
Ich lasse lieber erstmal die Finger davon xD
Vielleicht findet sich wer mit mehr können (:


/edit: doch geschafft (: