24.12.2009, 19:37
Es war einige Zeit vergangen, das Rudel hatte von der viel zu reichen Beute gezehrt und die Überfülle so gut wie möglich genutzt. Andere Tiere des Waldes haben ihren Teil abbekommen, dennoch blieb genügend übrig, das der Zeit ausgesetzt war. Die Verletzten wurden umsorgt so gut es ging, die Toten wurden zum Fluss gebracht. Schließlich zog das Rudel zurück zum Rudelplatz, schweigend und gezeichnet von diesem einen Tag. Der Regen verstummte, der Herbst ließ sie alleine und mit schweren Schritten betrat der Winter das Tal, hauchte seinen eisigen Atem über die Wölfe und ließ die ersten Flocken vom Himmel fallen. Noch hatte niemand über diese Jagd geredet, aber jeder wusste, dass es kommen würde. Noch immer waren einige verletzt, die Hirsche hatten sie so schwer gezeichnet, dass selbst jetzt noch Schmerzen regierten.
Es war ein eiskalter Tag, die Atemwölkchen der Wölfe standen wie eingefroren in der Luft, der See war von einer festen Eisdecke überzogen, nur in der Mitte war es noch tückisch, immer wieder konnte man das gefrorene Wasser stöhnen hören. Es schneite noch nicht, aber die Wolken kündigten tief hängend und grau-schwarz einen baldigen Schneefall an … diesmal würde er liegen bleiben, die Erde hatte sich über Nacht abgekühlt, war hart wie Stein geworden.
Banshee war nicht beim Rudel, alle anderen lagen beim Rudelplatz, aber sie selbst hatte sich verzogen. Sie brauchte ein wenig Zeit für sich, besonders, weil sie jetzt, an diesem kalten Tag, beschlossen hatte mit den anderen über diese Jagd zu sprechen. Die Kälte spiegelte ihre Trauer auf eine seltsame Art und Weise wider, es schien ihr wie ein Zeichen. Jetzt suchte sie nach Worten, wollte sie abseits von anderen finden. Ob dies erfolgreich sein würde, wusste sie noch nicht, aber sie hoffte alleine zu bleiben, um es wenigstens zu versuchen. Ihr Blick richtete sich langsam zum Himmel, sie dachte an Engaya und das Leben, schloss die Augen und sog langsam die kristallklare Luft ein. Sie war klirrend kalt.
Zwischen Entspannung und Kraftlosigkeit zusammengesunken, saß die Schwarze auf dem harten Boden und die ersten, flüchtigen Schneeflöckchen setzten sich leuchtend in ihr weiches Fell. Eris hatte sich an den See zurückgezogen und schaute ziellos auf das gefrorene Wasser, durch dass sich dichtere Schlieren zogen. Eigentlich war es ein schöner Tag, glasklar und von kristallener Kälte und es war schön, dem eigenen weißen Atem zuzuschauen. Aber die Schwarze fühlte sich absolut bewegungsunfähig, die Kräfte versunken in sich selbst und im schweren Kopf. Nein, ihre Wunden waren längst am verschwinden, allein ein Ziepen im Brustkorp nervte sie ab und an, wenn sie falsche Bewegungen machte, das lag an den Rippen, die der Hirsch getroffen hatte, aber im Großen und Ganzen war das nichts Beschwerliches. Es war einfach ... ach, sie wusste es auch nicht, der Winter halt und es war auch eine schöne Müdigkeit, eine wiegende.
Eris gähnte ausgelassen und schaute nüchtern durch den Nebel. Ah, war sie eigentlich eine schlechte Gruppenführerin gewesen? Mh, schwer zu ergründen, wohl irgendwie mittelmäßig, die ganze Jagd war ziemlich verkorkst gewesen. Nein, das war wohl zu milde ausgedrückt ... soweit Eris mittlerweile wusste, waren auch einige von ihnen gestorben ... allerdings niemand, den sie wirklich gekannt hatte. Die zierliche Fähe schluckte, das war es, was die Jagd und ihre Auswirkungen ihr wirklich gezeigt hatten, dass sie wirklich kein richtiges Rudel waren, wenn sie doch nicht einmal wusste, wer sie waren, die ihr Leben verloren hatten? Und so wenig Bindung hatte, dass sie nur ein wenig Bitterkeit verspürte?
Eris senkte den Blick genauso verschwommen wie zuvor, auf den Boden. Sie hätte sich jetzt um Viele Sorgen machen können, um Ayala, der es wahrscheinlich ziemlich dreckig ging, da sie den entscheidenden Fehltritt gemacht hatte, natürlich - Eris schüttelte unmerklich den Kopf - nie, nie mit einer Absicht, es war einfach zu verworren gewesen, aber Ayala würde das bestimmt nicht so einfach verkraften können, um Banshee, die angesichts des Blutbades ziemlich zerrüttet gewirkt hatte und nun im Wald eine kurze Ruhe für sich suchte, um Averic, den sie bei dem ganzen Szenario völlig aus den Augen verloren hatte, um Face weniger, den schien ja nichts zu erschüttern, Acollon auch, aber da waren noch welche, die Eris irgendwo in ihrem Herzen spürte, die sie aber gerade nicht auf dem Bildschirm hatte. Das war ja aber auch nicht so schlimm, denn sie fühlte sich ungewöhnlich sorgenfrei in diesem Moment, es war, als hätte die Aussicht auf den dunklen, konturlosen Winter ihr versichert, dass es noch genug Zeit gab, sich das Herz etwas schwärzer zu machen.
Der flüchtige Blick ruhte auf dem weißen Fell. Leise wirbelte der Wind die Flocken um sein Fell. Athür wusste, dass die weiße Alphawölfin alleine sein wollte. Gegen ihren Willen war er ihr gefolgt, ließ sie trotz seiner leichten Müdigkeit nicht aus den Augen. Eigentlich wollte er selbst gerne zum See, wollte die dicke Eisschicht testen. Schon als Welpe wollte er das Eis einer Scholle begutachten, wollte dessen härte und Kälte spüren. Schließlich war er mit heißem Sand und viel Sonne aufgewachsen. Und sein Welpendasein hatte ihm jeglichen Spaß und die Neugier verboten.
.oO(Engaya, wie du wünschtest, bleibe ich bei deiner Tochter, lasse sie nicht aus den Augen. Bin dabei still und leise. Lasse sie in ihren Träumen und Gedanken schwelgen. Störe sie nicht, will sie auch nicht bedrängen. Wie es meine Aufgabe ist.)Oo.
Der Packt mit Engaya band ihn an die Weiße. Band ihn an den Schwur sie zu beschützen, vor dem was noch kommen sollte. Sollte sie in Schutz nehmen, vor Widrigkeiten und Gefahren, vor Leid und Schmerz, auch vor ihren Gefährten, den schwarzen Tod. Was auch immer noch Fenris tun sollte, Athür war mit genügend Kraft gesegnet, um die Alphafähe zu schützen.
Im Gegenzug bekam er sein Leben erneut geschenkt.
.oO(Und ihren Namen werde ich auch nicht aussprechen. Ich werde mich nicht verraten.)Oo.
Eine weitere Bedingung zur Tarnung seiner Selbst. Er durfte ihren Namen nicht aussprechen, sie würde an dem Klang erkennen können, wer er wirklich war.
Warum der noch so junge Wolf sich soviel antat, um ein wenig weiter leben zu können, war wohl das tiefste Geheimnis. Ja, die offensive Art war nur ein Schleier. In Wirklichkeit bewegte ihn eine ganze Menge.
Die Erinnerungen an seinen Tod kehrten in jenen Momenten zurück, wo er seine Pflicht erfüllen musste. So auch jetzt. Jetzt, wo er an der Weißen dranblieb. Sie beobachtete.
Die Kälte des Schnees war im Gegensatz nichts zur Kälte seines Todes. Die Einsamkeit war unerträglich in der tiefen Schwärze.
-oO(Verdammte Scheiße. Langsam ist es gut, Wüstenkind. Reiß dich zusammen.)Oo.
Mit einem ordentlichen Ruck, den er seinem Körper verpasste, riss er sich aus den Gedanken.
Die grauen Augen wieder auf die Alphawölfin gerichtet. Eine Spur Hohn fand in seinem hübschen Gesicht Platz.
.oO(Banshee, Banshee, Banshee.)Oo.
Seine Gefährtin hatte den Weg der Einsamkeit gesucht. Der Schwarze war ihr auch nicht gefolgt, hatte sie in Ruhe gelassen, wenngleich ein unerklärliches Gefühl der Wut in ihm hochstieg. Eine Wut, die zum größtenteils wohl gegen sich selbst gerichtet war. Der Alpharüde wollte eigentlich Banshee Gesellschaft leisten, wollte ihr Unterschützung geben. Doch ihm war es nicht gegeben. Sie hatte sich vor ihm zurückgezogen, sah den unweigerlichen Tod in ihm. Wie sollte es auch anders sein? Was für ihn das reinste Vergnügen war, war für sie verletzend und ekelig.
Die Wut steigerte sich noch ein wenig. Die kalten Augen verengten sich zu Schlitzen. Die Pfoten gruben sich tiefer in den Schnee.
Acollon fühlte sich so unendlich nutzlos, was wiederum dazu führte, dass seine Aufgabe zum Mörder mehr Verlangen stellte.
Banshee, ich werde Dich noch mehr enttäuschen, ich werde Dich immer mehr in Mitleidenschaft ziehen. Nicht weil es mein Wunsch ist, sondern meine Aufgabe. Hörst Du seine Rufe? Fenris spürt meinen Zorn und versucht mich zu blenden. Und wenn ich nicht bald wieder bei Dir sein kann, Deine Liebe nicht bald spüren darf, dann werde ich den Verstand verlieren. Dann bin ich nur wieder ein nutzloser Mörder. Ein Mörder mit wenigen Prioritäten.
Mit einem zügigen Gang war er am See angekommen. Die wunderschöne Pracht des Schnees ignorierte er vollkommen, sowie auch Eris, die sich hierher zurückgezogen hatte. Hätte der Schwarze nicht damit zu kämpfen, was ihn eigentlich beruft, so würde er sich auch mit der Schwarze auseinander setzen. Brachte aber nur wenig Mühe dafür auf.
“Verdammt, ich bin ein Mörder. Aber Du hast Dich auch so auf mich eingelassen. Und jetzt verweigerst Du mir Deine Nähe?“,
stieß er flüsternd hervor. Die Schulterblätter hoben sich nun ganz aus seinem schwarzen Fell. Die knochigen Pranken berührten das Eis des Sees. Der kalte und leere Blick suchte den Himmel ab. Als hoffte er auf eine Erklärung.
Fenris ließ nicht lange auf sich warten. Was führte der Tod im Schilde?
Oh, Acollon. Habe ich Dich nicht genau davor gewarnt? Du bist nun von der Tochter des Lebens abhängig. Ich sehe doch, wie wütend Du bist, wie verzweifelt. Mein Sohn, denk an Deine Aufgabe. Denk daran, was Dich und mich glücklich machen kann.
Wie in Trance setzte sich Fenrissohn in den Schnee antwortete mechanisch:
“Was soll ich Deiner Meinung nach tun, Vater“
Es klang monoton und ein wenig höhnisch. Für die schwarze Eris bot sich jetzt ein seltsames Szenario. Ein Gespräch zwischen Vater und Sohn, wobei ihr die Stimme des Vaters versteckt blieb.
Ist das nicht offensichtlich? Du musst Deinen Platz an meiner Seite einnehmen. Ich verzeihe Dir auch Dein Fehlen und Deinen Ungehorsam.
Die Lefzen des Schwarzen hoben sich an, ein Knurren drang aus seiner Kehle. Mit einem hasserfüllten Grollen presste er zwischen seinen Zähnen:
“Ich soll Dir Gehorsam zollen? Glaubst Du allen Ernstes, dass ich mein Platz an Deiner Seite finde? Ich habe eine Familie, anders als Du!“,
hervor. Der Zorn schritt ins Unermessliche. Die Knochen knirschten unter den aufbauenden Muskeln. Die Ohren legten sich kampfbereit an den Kopf.
Aber, aber. Mein Lieber, ich kann verzeihen und Du bist mir auch nicht abscheulich. Schließlich stehe auf Deiner Seite. Kann das auch Deine Familie? Zwar findet mich Averic faszinierend. Aber er verliert bei weitem nicht so sehr den Verstand wie Du. Irgendwann wird auch Dein kleiner Schwarze neben mir stehen. Was ist mit Deiner Gefährtin? Steht sie Dir bei? Kann sie in einer so schwierigen Situation für Dich da sein?
“Ziehe meine Familie, die auch Deine ist, nicht so in den Dreck. Und scheiße, lass Deine Pfoten von meinem Sohn. Ich werde dafür sorgen, dass Du ihm nicht zu nahe kommst“,
brach es aus dem Schwarzen heraus. Okay, er war zornig auf Banshee, und dennoch war es keinem erlaubt jemals über seine Familie zu sprechen, im Schlechten. Und eigentlich war er nicht sauer auf Banshee, sondern auf sich selbst. Er suchte nur verzweifelt eine Erklärung, eine Hilfe.
Deine Familie ist mir der größte Feind, mein Sohn. So nenne sie nicht meine Familie, ich würde sie töten an Deiner Stelle. Also, schlafe nicht. Denn in Deinem Schlaf werde auch ich sein. Und dann gehörst Du wieder mir.
Der Schwarze wand sich vom See ab. Jetzt noch aufgebrachter und verwirrter. Wie rastlos schritt er auf und ab. Warf ab und zu Eris einen Blick zu. Die Lefzen zogen sich bis zum Anschlag an. Warum konnte er seiner Banshee nur wehtun?
Dabei liebe ich sie doch.
Langsam schleppte sich die graue Fähe durch den Wald. Nach der Jagd hatte sie sich schon wieder gut erholt. Konnte gehen, wenn auch nur kurze Stücke. sie keuchte leicht. Noch immer tat ihr Körper weh, doch sie hatte begriffen dass es nun immer so sein würde. Sie war geboren um ein KRüppel zu werden und sie konnte sich freuen, dass sie überhaupt so lange einigermaßen okay war. sie seufzte. Sie wusste nicht wo Hiryoga war, doch sie sehnte sich nach ihm. Sie hob witternd die Schnauze. Sog die Luft ein.
Lange Zeit hatten sie von dem Fleisch gelebt, welches die "Jagd" eingebracht hatte. Die Kälte ließ sie erschauern. Dieses Jahr würde sie es schwer haben, so geschwächt und voller Narben einige Stellen kahl. Und es wurde schnell kälter. Wieder seufzte die Fähe und spürte das kalte Nass an ihren Pfoten. Es musste schneien. Sie erhob abermals ihre Schnauze.
"Hiryoga? Mein Schätzchen wo bis du?"
Heulte die Fähe. Sie setzte sich auf den Boden und wartete
Wie in Zeitlupe drehte Eris ihren Kopf zu Acollon und ihr Gesicht verfinsterte sich dabei zusehends. Es hörte sich ernst an, was der Schwarze dort von sich gab ... er redete mit seinem Vater. Der war aber wohl tot, wie sie vermutete, denn es war ein vertrauter Anblick, dass er zum Himmel sprach. So ernst dieser Monolog ... oder vielleicht auch Dialog klang, an der Fähe kratzte der Verdacht, dass Acollon es darauf abgesehen hatte, sie zu schocken, sie mit seinem Wahnsinn in den Wahnsinn zu treiben. Er suchte sich ja verdächtig oft einen Platz in ihrer Nähe aus, um seine Zustände zu bekommen.
Der ist doch nicht verrückt, also gut, der Begriff hat eine beachtliche Spannweite ... äh, ich bin auch verrückt, aber nicht verrückt verrückt und er schon gar nicht. Ich beobachte dich, mein Freundchen, bin ich dein Opfer, oder was?! Du blöde Socke, ich, du, was soll das? Ich bekomme übelste Aggressionen wegen dir, ernsthaft, und du wirst sie abbekommen, oh ja, das wirst du. Hier, austeilen, aber nicht einstecken, nech?
In ihrer Wut begann sie, ohne es zu merken, langsam zu knurren und ließ den Blick nicht mehr von Acollon.
Oh ja, fühl dich nur von meinen Blicken durchbohrt ... und du steckst mit Face, diesem Spinner, unter einer Decke, ihr habt euch alle gegen mich verschworen, ist doch so, oder?
Mit zuckendem rechten Auge erhob sie sich und stackste auf den schwarzen Rüden zu.
Ich ...
will ...
dir ...
nur ein bisschen ...
wehtun ...
Strib!
Acollon bekam von Eris eine gewischt. Nein, kein ihren Gedanken entsprechend wirklich tödlicher Schlag, eigentlich gar nicht. Aber es hatte schon seine befreiende Wirkung für Eris, dennoch ließ sie es sich nicht nehmen, ihn noch einmal drohend anzuschnaufen.
"Geschieht dir recht.",
sagte sie scharf und stolz und drehte sich von ihm weg, schritt in merkwürdiger Haltung, irgendwo triumphierend, in den Wald hinein. Sie war vielleicht doch noch etwas überspannt von der Jagd, bei manchen wurde so etwas ja sehr eigen verarbeitet.
Eris ging zu dem Baum, der auch letztes Mal ihren Selbstgesprächen hatte lauschen müssen. Irgendwie tat er ihr leid, sie war bestimmt nervig, aber er hätte ja etwas sagen können. Sie stellte sich schwer atmend vor ihn und starrte die Rinde an.
"Tag."
Sie schwieg einen Moment.
"Tut mir leid. Ich hatte das dringende Bedürfnis mal wieder mit einem normalen Wesen zu reden, so etwas scheint hier nämlich eine Rarität zu sein."
"Die Normalität ist eine gepflasterte Straße; man kann gut darauf gehen - doch es wachsen keine Blumen auf ihr."
erklang eine ruhige Stimme aus Richtung des Baumes.
"Zudem kann es kaum als normal betrachtet werden mit einem Baum zu sprechen, nicht wahr?"
Mir diesen Worten schaute das augemergelte Gesicht eines grauen Rüden am Baumstamm vorbei zur jungen Fähe.
Er trat langsam, den linken Hinterlauf hinter sich herziehend, hinter dem Baum hervor und neigte seinen Kopf zu Eris.
"Ich sollte mich wohl vorstellen. Mein Name ist Devotio und ich habe eine Bitte an Euch. Ich rieche, dass Ihr Euch in der Nähe von anderen Wölfen aufgehalten habt. Wenn es in diesem Tal ein Rudel gibt, könnt Ihr mich zu ihm führen?"
Bei dem Versuch sich zu Räuspern bekam der alte Wolf einen Hustenanfall und brauchte einige Zeit um sich wieder zu fassen.
Ein merkwürdiger Moment war entstanden. Die Schwarze war auf den Alpharüden zugeschritten und hatte ihn eine verpasst. Es dauerte eine Weile bis er ihr folgte. Nicht mit der Absicht sich für sein; in ihren Augen falsches Verhalten zu entschuldigen, eher sie in die rechten Schranken eines Gammas zu weisen. Als er sie bei einem Baum sah und sie mit ihm auch noch sprechen hörte, drehte sich Acollon der Magen um. Die Augen verengten sich immer mehr. Bis seine Rage den Höhepunkt erlangt hatte.
Er baute sich vor ihr auf und sein Nackenfell, dass ohnehin schon immer aufrecht stand sträubte sich.
“Nun pass mal auf, was fällt Dir eigentlich ein? Habe ich Dir im Entferntesten irgendetwas getan? Wenn ich Dir lästig bin; oder Dir generell alle Rüden auf den Sack gehen, dann benutze Deine Schnauze! Schließlich dienst Du als Gammawölfin auch leicht als Vorbild und als Hilfe der Alphawölfe. Und nicht als ein zerstreutes, wirres und mit sich uneiniges Jammerbündel, Eris!“,
erstaunlich ruhig war seine Stimme, die Rage staute sich viel mehr in seine Pfoten, die sich tief in den Boden gruben. Doch seine eigentlichen Worte gingen in seinen Gedanken den Weg.
Du verdammte blöde Fähe. Ihr Wölfinnen habt allesamt einen Schaden. Glaubt auch alle, dass Rüden sich alles gefallen lassen können. Ja, auch wenn es so unwahrscheinlich klingt, aber auch wir haben Gefühle und Probleme und sind nicht allein dafür da, dass man uns wie Dreck, wie ein Stück Scheiße behandelt.
Erneut öffnete sich seine Schnauze, die nächsten Worte waren noch ruhiger und monotoner als zuvor, sogar etwas leer.
“Vielleicht interessiert es Dich einfach nicht, aber Du hast doch nicht im Geringsten eine Ahnung, was in einem Mörder vorgeht. Du mit Deinen kleinen süßen Komplexen.“
Die Augen sanken in eine eisige Kälte. War Eris jetzt der endgültige Auslöser für sein Überschreiten zu Fenris gewesen? Im Innersten des Schwarzen sah es ein wenig anders aus, er brachte sie nicht mal in Verbindung mit seinem Vater. Er war enttäuscht.
“Und das ist der Dank dafür, dass ich mir Sorgen um Dich gemacht habe? Dass ich dachte, einen Freund gefunden zu haben? Aber ihr seid alle gleich, erst macht ihr Hoffnung auf Besseres und dann schlagt ihr zu; verbal oder nonverbal.“,
meinte er dann, drehte sich um. Für ihn war alles gesagt. Er würde sie jetzt in Ruhe mit dem Baum reden lassen. Wenn sie glaubte keinen Anhang im Rudel finden zu können; und sich nicht dafür bemühen wollte; so sollte sie beim stummen Geäst bleiben. Erschöpft schlossen sich die grauen Augen.
Ein alter Rüde tauchte auf und suchte das Gespräch mit der eigensinnigen Wölfin, so wäre es eine gute Gelegenheit sich zu entfernen.
Sollte sich jemand anderes, wennauch fremdes um die Schwarze kümmern, wenn ihr seine Nähe lästig war, brauchte der Alpharüde auch nicht den Kontakt oder eine weitere Erklärung suchen.
Der Baum sprach mit ihr. Eris machte große Augen und konnte seinen Weisheiten nur zustimmen.
"Öh ... ja.",
sagte sie irritiert und war fast erleichtert, als sie sah, wie sich ein Gesicht hinter dem Baumstamm hervorschob. Ein sehr alter, magerer Wolf stand vor ihr und sie fühlte sich plötzlich wie in kaltes Wasser getaucht. So naiv und jung, wie sie eben war, neben diesen alten Knochen und einem so erfahrenen Geist.
Doch das unerwartete Gefühl von Kindlichkeit, was Eris irgendetwas zu sagen schien, wurde augenblicklich von einem scharfen Schnitt zerrissen. Sie fuhr mit dem ganzen Körper herum und und als der Wind ihr dabei um die Gesichtszüge wehte, schien er sie wieder stark zu verzerren. Acollon stand vor ihr und bäumte sich gefährlich auf, was sie neben seinen Worten noch ein wenig wütender machte. Lass das ... schoss es ihr instinktiv durch den Kopf und als er zuende gesprochen hatte, spürte die junge Fähe tief in sich einen schwarzen Klumpen Hass. Warum war sie so wütend?
"Na, dann nimm mir doch den Rang des Gamma. Du bist doch Alpha? Wo liegt das Problem? Tu es! Ich wäre dir froh, ich mit meinen süßen Komplexen bin wahrscheinlich eh nicht für so verantwortungsvolle Positionen geschaffen, ich bin bestimmt nicht zurechnungsfähig!"
Das letzte Wort schrie sie Acollon schon ins Gesicht. Sie verstummte und spürte die Hitze aus ihrem schwarzen Fell aufsteigen, sah ihn mit feurigen Augen an und atmete schwer.
"Wie kommst du darauf in mir eine Freundin gefunden zu haben?",
setzte sie dem Ganzen noch den finalen Hieb. Dann war Acollon auch schon gegangen und sie stierte auf den Boden, zog die Luft scharf durch ihre aufeinander gepressten Zähne ein. Warum war sie so böse auf Alles? Warum sagte sie so etwas? Warum dieser brodelnde, schwarze Sud in ihr?
"SCHEISSE!",
schleuderte sie in den Wald und hatte sich dabei von dem alten Wolf weggedreht. Ihr Verhalten war nicht angemessen für ihn.
Hinter der jungen Fähe verzogen sich die Mundwinkel des alten Wolfes zu einem Grinsen. Einem so aufbrausendes Jungwolf war er schon seit einiger Zeit nicht mehr begegnet und sie erinnerte ihn entfernt an sich selbst in jenem Alter. Während des Wortwechsels zwischen den anderen Wölfen hatte er sich im Hintergrund gehalten und sie still beobachtet.
"Oh, ein Streit im Rudel?"
fragte er, während das Grinsen langsam aus seinem Gesicht schwand und sein Ausdruck wieder ernster wurde. Eine von Konflikten gezeichnete Rotte würde ihm besonders in seinem jetzigen Zustand nicht zum Vorteil gereichen.
"Ist der Rest des Rudels ebenfalls so verstritten oder", er hustete abermals leise, " ist das nur eine Sache zwischen euch beiden?"
Ein Knurren ging von dem ergrauten Wolf aus. Es entfuhr jedoch nicht seiner markanten Kehle, sondern seinem eingefallenem Bauch.
"Verzeiht mir. Auf meiner jüngsten Reise lag kein Aas auf meinen Wegen und zum Jagen bin ich schon lange nicht mehr in der Lage."
Die Schwarze erdrückte mit einem letzten Moment, in dem sie die Zähne weiter so fest wie möglich aufeinander presste, die Wut und wandte den grauen, klaren Blick nun langsam dem alten Wolf zu. Schließlich entspannte sie ihr Gebiss und drehte sich ganz dem Fremden zu, verscheuchte die Erschöpfung aus ihrem Gesicht, bis nur noch ein müder Schimmer darauf lag. Eris legte den Kopf entschuldigend zur Seite und lächelte leicht.
"Devotio war Euer Name? Ich bin Eris van Blanvalet, also einfach Eris. Tut mir leid, wegen dieser ... Verwirrung. Nein, das steht nicht in Verbindung mit dem Rudel. Wir sind uns nur nicht so grün. Es ist höchstens so, dass das Rudel gerade etwas erschöpft ist, wir haben eine ziemlich misslungene, blutige Jagd hinter uns, die viele Verluste verursacht hat.",
erklärte sie etwas verlegen. Sonst hatte sie es gar nicht so mit höflichen Anreden, aber jener alte Wolf schien ihr sehr ehrenvoll. Eris Blick lag besorgt auf ihm, als sein Körper sich bei einem unschönen Husten zusammendrang und als er ihr von seinem Hungerleiden erzählte, war sie Feuer und Flamme, richtete sich auf und schaute ihn entschlossen an.
"Ihr habt Euch die Ruhe verdient, da bin ich mir sicher. Ich werde eigens einen Hasen erlegen, um Eurem Hunger ein ende zu bereiten. Allerdings würde das jetzt nicht so erfolgreich sein, denn ...",
sie räusperte sich wieder verlegen.
"Mein Schrei hat die Tiere um uns herum sicherlich erstmal verschreckt. Ich werde Euch erstmal zum Rudelplatz bringen, was haltet Ihr davon?"
"Eine großartige Idee.", erwiderte der Rüde lächelnd, "Ich bin mir sicher Eure Jagd nach einem Hasen wird später bestimmt von mehr Erfolg gekrönt sein. In meiner Not hätte ich selbst Fliegen gefressen, aber noch stinke ich wohl nicht genug um die kleinen Biester anzulocken.
Devotio streckte seine Vorderläufe und dehnte sich genüßlich. Kaum hörbar knackten seine alten Gelenke und bei diesem Geräusch richtete er sich wieder völlig auf und schüttelte leicht seinen Kopf.
Das Angebot der Fähe war ihm Recht gekommen, schließlich hatte er sich in den letzten Tagen tatsächlich zunehmend Sorgen gemacht wie er die kommende Zeit durchstehen sollte. Nun fiel ihm ein großer Stein vom Herzen und seine Muskel schienen nach der langen Wanderung weniger zu schmerzen.
Auch die Nachricht, dass wohl nicht das ganze Rudel zerstritten war, sondern nur diese beiden, beruhigte ihn. Vielleicht hatte er doch einen sicheren Platz für seinen Lebensabend gefunden.
"Dieser Rudelplatz ist doch hoffentlich nicht weit von hier, oder? Ich war die ganze Nacht unterwegs und hatte mich eigentlich gerade zur Ruhe legen wollen als Ihr hier vorbeikamt. "
Eris konnte für den Alten versichernd den Kopf schütteln und seine Sorgen zum Glück als nicht von Nöten verpuffen lassen.
"Nein, wir sind ganz nah ... aber ...",
Jetzt spürte die Schwarze unangenehm die beschämte Röte unter ihrem dunklen Pelz an die Oberfläche tauchen. Sie räusperte sich erneut,
"... das eben war Acollon, der Alpha dieses Rudels, auch wenn er nicht so wirkt. Er scheint sich nicht so viel auf den Titel einzubilden, was ich eigentlich auch an ihm schätze. Die weibliche Alpha ist Banshee, aber sie hat sich zur Zeit in den Wald zurückgezogen. Von daher ...",
Nun verzogen sich ihre Mundwinkel zu einem zögerlichen Lächeln,
"Ist es wohl ganz gut, dass ich mich anschließend zur jagd aufmache und Ihr alleine mit ihm redet. Ich hätte weniger Lust dabei zu sein und er kann da wohl auch drauf verzichten."
Eris bedeutete Devotio mit einem Kopfnicken, dass sie ihn jetzt zum Rudelplatz bringen würde und setzte auch schon leicht die Pfoten in jene Richtung.
"Ein weiterer ausgezeichneter Vorschlag. Ich kann mich wohl glücklich schätzen, von einer so intelligenten Fähe wie Euch gefunden worden zu sein."
sprach der Alte lächelnd. Natürlich war es jedoch nicht nur Glück gewesen, dass er gerade hier auf Eris getroffen war. Er hatte sie, und entfernter auch den Rest des Rudels, schon seit einiger Zeit gerochen und sich geschickt hinter einem Baum versteckt um auf sie zu warten.
Eine tiefe Zufriedenheit erfüllte ihn bei dem Gedanken, dass sein Plan so gut von statten gegangen war.
Devotio ging ein paar Schritte weiter auf die Fähe zu, bereit ihr zu folgen.
"Ich freue mich schon darauf Euren Alpha und den Rest des Rudels kennen zu lernen. Auf dem Weg zum Rudelplatz könnt Ihr mir ja vielleicht ein wenig mehr über das Rudel verraten. Ein Weiser sollte auf alle Ereignisse vorbereitet sein, und noch bin ich es bei weitem nicht."
Bei diesen Worten zwinkerte er ihr zu, seine Lippen wieder von einem leichten Lächeln umspielt und schloß sich Eris ihrem Weg an.
Innerlich hustete Eris etwas. So blöd, zu glauben, dass ihre Worte jetzt sonderlich lobenswert "intelligent" gewesen waren, war sie nicht ... ein etwas ironisches Kompliment, wie sie fand, aber es freute sie irgendwo trotzdem. Die Schwarze schüttelte den Kopf und ging weiter. Was konnte sie ihm über das Rudel erzählen? Sie hatte ja selber das Gefühl, dass hier die meiste Zeit aneinander vorbeigelebt wurde, aber sie wollte schon etwas positives sagen, immerhin schien es ihr ja so gut zu gefallen, dass sie nicht ihrer Wege zog.
"Mhh..."
Eris schaute nachdenklich gen trübweißen Himmel.
"Unsere Alpha Banshee ist Priesterin, es scheint hier der Glaube an die Göttin des Lebens und den Gott des Todes geschätzt zu werden. Ich glaube aber, dass hier im Tal der Sternenwinde ... etwas mehr hinter der ganzen Sache steckt, ich kann noch nicht sagen, was es ist, aber ich will es herausfinden."
Sie schaute aus den Augenwinkeln zu dem Alten, hatte das eben zu großen Teilen aber auch zu sich selbst gesagt. Es war gut Pläne endlich mal auszusprechen, das hatte etwas bestimmteres, vielleicht schaffte Eris es bald ja tatsächlich einmal das Gespräch mit Banshee zu suchen.
Ihr grauer Blick wurde von den vertrauten letzten Büschen eingefangen, die mittlerweile kahl waren und eine ungeschützte Sicht auf den Rudelplatz gaben.
"Tja, wir sind schon da. Ihr seht, ich bin nicht die Informierteste hier, aber Acollon wird Euch sicherlich mehr verraten."
Shit stolzierte durch das Tal der Sternenwinde, als wäre er der Alpha persönlich. Er sah sich um, überall und gab sich alle Mühe, sein neues Zuhause besser kennen zu lernen. Es war wichtig, dass er sich auskannte. Für jede Lebenslage würde es einen Vorteil bringen.
Seine Pfoten trugen ihn von bekannten Pfaden, auf unerforschte Wege. Er genoss die Stille, die Ruhe, all das, was sie Natur mit sich brachte. Es war ein herrliches Gefühl, sich als Teil dieser großen Welt zu fühlen. Nicht auf ihr Leben, sondern mit ihr, in ihrer Mitte. Wenn Shits Pfoten den Erdboden berührten, spürte er etwas, das zu ihm gehörte und zu dem er gehörte. Dem großgewachsenen Rüden war anzusehen, dass er viel Spaß dabei hatte, in diesem Revier auf Entdeckungsreise zu gehen. Wie ein kleiner Welpe untersuchte er jeden Ast, jeden Stein und jeden Grashalm. Vergnügt wurde alles unter die Lupe genommen, als hätte der junge Wolf noch nie ein Blatt gesehen, geschweige denn Moos und Efeuranken.
Alles hier war paradiesisch. Natürlich spukte in Shits Kopf noch die verheerende Jagd herum und das Leid, das Banshee empfand. Banshee. Es war zu spät, etwas daran zu ändern. Dem früher so einsamen Wolf war dies bewusst und so konnte er sehr einfach damit abschließen. Vielleicht auch, weil er sich am Blutbad nicht beteiligt hatte. Schließlich war er erst später hinzugekommen. Seine Leitwölfin trug die Verantwortung für das Rudel, war dies der Unterschied?
„Shit konnte sie kaum trösten, wie traurig!“
Sagte er zu sich selbst, unterließ es dann aber, weiter laut auszusprechen, wie er mit sich selbst redete. Er hing wieder seinen Gedanken nach. Er hatte gesagt, wer würde Banshee finden und so machte er nun kehrt, um sie zu suchen. Seine riesigen Tatzen setzte er abwechselnd voreinander, während er in einem gemütlichen Tempo dahin schritt.
Verwirrt blickte die kleine Fähe umher. Wo war sie hier gelandet? Es schien noch in den Reviersgrenzen des Sternenwindtals zu sein, doch hatte sie keinen blassen Schimmer wo genau. Schmerzhaft kamen immer und immer wieder die Erinnerungen zu ihr zurück. Sie schüttelte ihr weißes Fell. Kalt war es geworden, der Boden war von Frost überzogen. Lag die Leiche ihres Bruders immer noch irgendwo? Dann würde er im Frühjahr immer noch irgendwo liegen. Das Eis würde seinen kleinen leblosen Körper erhalten. Wieder erschauderte die kleine. die Vorstellung, ihren geliebten Bruder irgendwann eingefroren zu sehen. Nein das würde sie nicht aushalten. Schon jetzt war die einmals so fröhliche Fähe tief in ihre Trauer gefallen. Noch immer spürte sie den Verlust. Der Tag an dem etwas plötzlich von ihr gegangen war. Erst später ist ihr klar geworden, dass es ihr Bruder war, der in den Momenten qualvoll gestorben war. Ihr kleines Herz zog sich zusammen. Hätte sie es verhindern können?
Erschrocken wirbelte die kleine herum. Was war das? Hatte sie da nicht das donnern von Hufen gehört? Rannten da hinten nicht Hirsche panisch auf sich zu. Da sprang der Hirsch und aufheulend ließ sich die kleine Fähe zu Boden fallen. Spürte den Schmerz in ihrem kleinen mageren Körper und spürte wie ihr Bewusst wurde, dass es gar keine Hirsche waren. Sie hatte nur wieder den Tag der Jagd durchlebt. Wie schon so oft. IRgendwie ließ es sie nicht los. Immer wieder träumte oder erlebte sie diesen grauevollen Moment. Hinter jedem Baum sah sie die Hirsche auf sie zurennen. Sah sie sich am Boden. Sah das Blut, die verletzten und getöteten Wölfe. Roch den Schrecken und die Panik. Zitternd rührte die kleine sich nun keinen Schritt weiter. Ihre Seele war zu einem Wrack verfallen. sie wusste weder ein noch aus. Wusste nicht wer sie war, wo sie hingehörte oder wo sie hinmusste. Ihre großen Augen blickten aus ihrem schmalen gesicht. Das ganze Tier war abgemagert bis auf die Knochen. Man konnte sich wundern, dass sie überhaupt noch lebte. Ein eisiger Windstoß ließ die kleine Fähe zu Boden fallen. ein leiser aufschrei entfloh dem maul der fähe ehe sie sich auf dem boden zusammenrollte und zitternd dalag. da sie keine ahnung hatte wo sie hinmusste konnte sie auch einfach hier erfrieren. gab es überhaupt jemanden, der sie vermissen würde?
Ein leises grollen war zu vernehmen während der junge Rüde sich durch den Wald schlug. Der Graue hatte es doch irgendwie geschafft sich von seiner Familie los zu eisen und war abgehauen. Noch viel ihm das Laufen schwer. Seine rechte Schulter schmerzte, da wo ihn eins der Huftiere erwischt hatte und eine klaffende Wunde hinterlassen hatte. Die Wunde gehörte nun wie die Jagt der Vergangenheit an und dennoch hatte sie spuren hinterlassen. Nicht nur bei ihm. Viele aus dem Rudel waren in Mitleidenschaft gezogen worden, einige sogar getötet. Auch ihn plagten hin und wieder die Bilder an diesen einen Tag. Er konnte nicht vergessen und würde es auch nicht. Der Tag an dem es Blut regnete. Er hatte mit niemandem darüber gesprochen. Wölfe waren dazu da, die Huftiere zu jagen, um so das Gleichgewicht zu halten und den Kreislauf zu schließen. Dennoch war er sich nicht sicher, ob so viel Blutvergießen wirklich nötig gewesen war. So waren an jenem Tag nicht die Schwächsten sondern alle gestorben. Ein Zucken ging durch das markante Gesicht mit den stechenden Augen, als ein lodernder Schmerz in seiner Schulter aufflammte. Die vergangene Zeit hatte er liegen müssen, damit sich die Wunde schloss und dennoch war die Gefahr eine Entzündung zu bekommen oder das sich die Wunde wieder öffnete nicht vorüber. Richtig laufen konnte er auch noch nicht. Nicht nur das seine Glieder steif geworden waren, der Schmerz und die Härte der Sehnen und Muskeln ließen ihn ruckartig, leicht humpelnd vorwärts bewegen. Natürlich war Hikaji das alles andere als Recht. Und das er so durch den Wald taumelte auch nicht. Aber was sollte er machen? Sheena war wohl in den Wald gegangen und er nun auf der Suche nach ihr. Sie konnte man echt keinen Augenblick aus den Augen lassen, vor allen Dingen nach der Jagt nicht. Sie hatte wohl einen richtigen Schock erlitten. Er spürte es tief in sich drin. Leise seufzte er.
.oO( Wo bist du hin Sheena? Ich hab keinen Bock den kompletten Wald nach dir durch zu forsten... )Oo.
Die kleine hob den Kopf. Sie hatte das Gefühl als ob gerade jemand mit ihr gesprochen hätte, jedoch hatte sie keien Stimme gehört. Verunsichert blickte sie sich um. Außerdem hatte derjenige sie Sheena genannt. War dies ihr Name? Wurde sie so genannt? Sie wusste es nicht mehr, ebensowenig wie sie wusste zu wem diese Stimme gehörte. Sie schaute aufmerksam umher. Die Bilder der Jagd, welche sie eben noch gequält hatten schienen vergessen. Das ganze Blut nie dagewesen. Nie gesehen. Sie fiepte leise.
oOHier bin ich. Wer auch immer du bist, wie auch immer du das gemacht hast . . . Ich bin hier...
Mehr vermochte sie nicht zu sagen. Vor allem weil sie nicht wusste WO sie war. Das machte das ganze ja so problematisch. Ein jeder der sie nun gesehen hätte musste denken, das dies eine geisteskranke Fähe war. Doch das wusste die kleine nicht. Sie richtete ihre kleinen plüschigen Ohren auf und kämpfte sich wackelnd und zitternd auf die Beine. Der Kopf pendelte langsam verwirrt auf und ab. Die Augen ließen das weiße sehen, warum wusste die kleine nicht es war einfach so gekommen. Sehen konnte sie es ja sowieso nicht und spüren auch nicht, sie wusste also nicht, das sie ein grauenvolles bild abgab. Sie hob einmal kräftig pumpend eine Pfote nur um diese gleich wieder sinken zu lassen. der Körper erschauderte und sie setzte sich vorsichtig wieder, die Rute eng um sich geschlungen. Der eisige Wind pfiff noch immer in ihr Fell hinein und um ihren mageren Körper und die fähe klappte ihr maul immer wieder auf und zu, als ob sie irgendetwas zerbeißen würde . . .
24.12.2009, 19:42
Ruhig und flach ging die Atmung des Hellbraunen, der stumm hinter der kleinen Erhöhung und unter den kräftigen Wurzeln eines Baumes lag, zusammen gekauert wirkte er noch kleiner als er von Natur aus schon war, er wollte alleine sein und niemand sollte ihn so sehen. Seit der 'Jagd' hatte sich der Rüde so oft es ging zurückgezogen, vor allem von seiner Mutter und seiner Patin, es war schwer für ihn gewesen, sich von den beiden zu lösen, doch jedes Mal wenn er sie ansah, so sah er sie bei der Jagd, ihre Verletzungen und dann stieg wieder die blanke Angst in ihm hoch, gefolgt von der endlosen Wut gegen sich selbst. Ein recht raues Grollen entfuhr der jungen Kehle, welches jedoch sofort erstickte, als der Welpe das Geheul einer ihm sehr bekannten Fähe vernahm. Erschreckt zuckte sein Kopf sofort hoch, worauf er arg gegen die kühle, harte Erde über ihm stieß. Grummelnd machte er einen Satz zur Seite, schüttelte das Fell, zuckte mit den Ohren, bevor er witternd die Schnauze hob. Es handelte sich tatsächlich um Kaede, seine Patin, die die er fast umgebracht hatte. Die Augen des Rüden verengten sich verärgert über sich selbst, doch schnell stahl sich diese Miene aus seinem Gesicht, als er einen Schmerz in seinem Bauch spürte, unmerklich zuckte er zusammen, jeder Muskel im schwächlichen Körper spannte sich an, die Lungen des Hellbraunen zogen sich zusammen, dauernd kam dieser Schmerz, gefolgt von Gewürge oder ähnlichem. Er wollte gar nicht erst wissen was ihm dieser Hirsch da angetan hatte, doch es war ihm egal geworden, es wurde mit der Zeit besser und würde wohl irgendwann aufhören, so hoffte er.
Sollte er auf den Ruf antworten, sollte er zu Kaede gehen? Sein gesamter Körper sträubte sich dagegen, doch hing sein Herz an ihr und wie würde sie reagieren, wenn er nicht kommen würde? Er könnte sich doch einfach umdrehen und weiter weg laufen, tiefer in den Wald, es trennte sie so schon ein größeres Stück, dann könnte er im Nachhinein sagen, er habe es nicht gehört, oder war das zu unglaubwürdig? Zweifelnd über sich selbst und die Entscheidung die er fällen musste, legte Hiryoga die Ohren an, sein Blick huschte unsicher umher, es war Zeit sich von allem zu lösen, von den Gedanken das er zu klein war, das er zu jung war um endlich für sich selbst Verantwortung zu nehmen, endlich einmal nicht der ängstliche, kleine Welpe zu sein. Mit einem Kopfschwenken trat der Hellbraune zur Seite, genau weg von Kaede, unsicher setzte er die Pfoten auf, schon fast in einem Schleichtempo schritt er nur langsam, in geduckter Haltung voran, wie weit er sich trauen würde, wusste er nicht, aber wohl nicht allzu weit...
Der große kräftige Rüde blickte um sich. Einige Zeit war vergangen, schon länger verweilte er nun hier in diesem Rudel. Inzwischen war Winter geworden. Er hob den Kopf und witterte. der Alpha Wölfin geredet. Er hielt sich also noch immer unerlaubt hier auf, doch finden konnte er die Fähe nicht und er wusste auch nicht, wen er sonst fragen sollte und so hielt er sich fern, bis er die Alphafähe wittern würde, dann würde er sich auf den Weg machen um sie um Erlaubnis zu bitten. Er hörte ein jaulen nicht zu weit entfernt. Er drehte leicht den Kopf und lief langsam in die Richtung aus der es kam. Er entdeckte rasch eine graue Fähe (Kaede) welche dort stand und verwirrt in die Gegend schaute. Er stockte. Wusste nicht genau was er tun sollte und duckte sich leicht. Hatte diese Wölfin ihn etwas nicht bemerkt. Er stand genau in ihrer Blickrichtung, doch der Wind wehte in seine Richtung. Keine Chance für sie ihn zu wittern. Immer noch achtete er unbewusst darauf, dass ihn niemand wittern konnte. Früher konnte er nur so leben und so hatte er es sich angewöhnt immer darauf zu achten und ablegen konnte er dies nun nicht mehr. Seine Lefzen verzogen sich zu einem Lächeln. Komisches Rudel dachte er flüchtig ehe er sich leise umdrehte und wieder davon tappte. Sollte diese Fähe dort doch stehen bleiben und Wurzeln schlagen. Er hoffte immer noch, dass Neyla vielleicht kommen würde und deshalb wollte er hier verweilen, an einem festen Standpunkt. Er tappte weiter durch das Unterholz und erblickte einen kleinen Rüden. Dieser schien gerade einen innerlichen Kampf mit sich zu haben (Hiryoga). Der Rüde blickte den kleinen kurze Zeit an und erhob dann seine kräftige Stimme.
"Sei gegrüßt!"
Mehr brachte er nicht über seine Lippen. Er konnte einfach nicht ein normales Gespräch mit irgendwem führen. Er war nicht so ein einfühlsamer, sensibler Wolf und das erwartete man wohl auch nicht von seinem äußeren. Oft war ihm nicht bewusst, dass er so einschüchternd wirkte und so richtete er sich leicht auf und klappte seine Ohren nach hinten, damit ihm auch kein Geräusch entging. Auch seine Schnauze war leicht erhoben und geöffnet, sodass man seine blitzenden starken Zähne leicht sah. Doch er witterte nur, damit er sofort die Ankunft des Alphas mitbekam. Seine Augen jedoch ruhten auf dem kleinen Fellbündel. Koros dachte nach. Irgendwie weckte dieser Welpe etwas in ihm. Er schien so unentschlossen und doch so . . . stark . . .
Nachdenklich einen tiefen Atemzug durch seine Nase einziehend ließ Devotio einen ruhigen Blick über den Rudelplatz schweifen. Die anwesenden Wölfe schienen ihn kaum zu beachten und auch den Rüden den er im Gespräch mit Eris getroffen hatte, schien nicht anwesend zu sein. Enttäuschung machte sich in ihm breit, es würde wohl doch nicht so einfach werden hier das Gespräch mit einem Alpha zu finden.
Er erinnerte sich daran, was die junge Wölfin gesagt hatte, dass das Alphaweibchen sich in den Wald verzogen hatte.
Trotzdem überlegte er vorsichtig, langsam müsste eine Störung sie sicher nicht mehr zu sehr aufregen. Zudem wollte er ohne eine Unterredung mit einem Alpha nicht allzu lange in der Nähe dieses Rudels bleiben.
Obwohl Eris nur zwischen einem Zwist zwischen ihr und dem Rüden gesprochen hatte spürte er eine Unbehaglichkeit in der Luft die ihn zunehmend wieder nervöser machte.
"Ach Eris... Ich denke, ich werde mich auf die Suche nach ... wie nanntet Ihr sie? ... Banshee machen. Wenn Ihr mir in der Zwischenzeit die Ehre erweisen könntet mir einen kleinen Bissen besorgen könntet wäre ich euch unendlich dankbar."
Er nahm noch Eris Verabschiedung wahr und machte sich dann, noch immer seinen linken Hinterlauf hinterherziehend und von Zeit zu Zeit innehaltend und hustend, auf den Weg in die Richtung des Waldes in den die Fähe ihn gewiesen hatte.
Wie ein schwarzer Schatten wirkte die nachtschwarze kleine Wölfin, als sie schleichenden Schrittes durch den Wald strich. Ihre tiefblauen Augen stets schnurgerade nach vorn gerichtet. Ihr Herz klopfte im beinah selben Takte wie ihre seltsam roboterartigen Schritte. Lautlos schien sie zu wandeln. Das Laub unter ihren Pfoten schien dahin zu sterben, wie gefrorene Gefangene der Winterwinde. Malicias Augen schienen ebenfalls gefroren, hilflos auf das Ende ihres Weges gerichtet. Ein dunkler Schatten im Augenwinkel unterbrach ihr seltsames Verhalten. Stocksteif blieb sie stehen. Ruckartig blickte sie nach oben, ohne einen Hauch von Angst im Gesicht. Ein grosser schwarzer Vogel reckte seine Flügel über ihr und flog über sie hinweg. Seine Schwingen waren so verlockend. Ihre Augen musterten den Körper des Vogels. Eine Krähe...Begierigt leckte sie sich die Lippen. Der Vogel liess sich vom Wind tragen. Malicia erwachte wie aus einem Traum nun und rannte dem Vogel hinterher, den Blick stets auf den Himmel und die Krähe gerichtet. Die Krähe wurde urplötzlich viel schneller, schlug wild mit den Flügeln und gab ein lautes Krächzen von sich, welches wie ein schmerzerfüllter Schrei klang. Malicia sah, wie der schwarze Vogel davonflog.
"Warte, schwarzer Bote!"
schrie sie aus voller Kraft, als ob ihr Leben davon abhinge. Sie stutzte. Ihre Stimme. Sie war so seltsam. Sie öffnete stumm den Mund, keinen Ton brachte sie heraus. Ihre Lefzen formten die Worte:
'Was soll das'
Malicias Blick fiel auf den Horizont. Wo war sie eigentlich, wo war ihre Mutter, wo ihre Geschwister? Wo war sie?! Die kleine Wölfin drehte sich um, in jene Richtung aus der sie kam. Sie lief zurück, doch diesmal war ihr Blick angestrengt auf den Boden gerichtet. Sie folgte ihren eigenen Spuren. Sie würde bis dorthin gehen, wo sie zuerst gestanden hatte...Schneeflocken fielen vom Himmel, wie eine noch unentschlüsselte Botschaft, das spürte Malicia. Blitzschnell wandelte sich Laub zu Schnee, Herbst zu Winter. Malicia glaubte ihre Spur zu verlieren, doch seltsamerweise konnte sie ihre eigenen Pfotenabdrücke nun im Schnee erkennen. Malicia stutzte. Mit eng zusammenstehenden Läufen blieb sie stehen. Die Ohren hellwach aufgestellt, die hellblauen Augen erschrocken nach oben schauend. Ihre Augen weiteten sich, ihr Herz begann schneller zu schlagen, klopfte nun wie wild. Sie konnte es hören. Bummbumm...bummbumm...bummbumm...Ihre Brust hämmerte. Ihr Nackenhaar sträubte sich. Wie ein Blitzlicht kamen Bilder der Jagd, Hirsche und ihre Kälber und Kühe, die tödlichen Hufe dieser Tiere, alles raste an ihr vorbei, gefolgt von einer dunklen Wand. Nein, keine Wand...Raben...Tausende. Malicia sog die kalte Winterluft kräftig ein, mit der Luft schwanden die Bilder. Malicias Herz beruhigte sich ein wenig, noch bevor sie sich im klaren war, was sie gerade sah...Die Schneeflocken. Blutrot gefärbt sanken sie auf diese Welt Malicias, bedeckten alles und jeden. Sie selber war nun triefend voller Blut. Diese seltsamen Schneeflocken fühlten sich so kalt an, doch sie verschmolzen, sobald sie irgendetwas berührten. Entsetzt beobachtete die Welpin das Schauspiel. Mehr den je wünschte sie sich, zuhause zu sein. Blut tropfte von den Ästen der Bäume. Ja selbst von ihr. Überall war Blut... Malicia drehte sich um sich selber, atmete nun schnell und unregelmässig, angst machte sich in ihr breit.
Als sie die Augen aufschlug blickte sie in eine vertraute Umgebung. Nun erinnerte sie sich wieder. Ihr Herzschlag war so ruhig. Malicia blickte um sich. Ein Lächeln zierte ihre Lefzen. Ein befreiendes Ausatmen, dann erhob sie sich. Ihr Blick fiel auf etwas schwarzes vor ihr. Eine Krähe. Sie war tot. Die Federn waren gefroren und doch zitterten sie leicht im Wind. Malicia zögerte keinen Moment, stand auf und biss in die Krähe. Knochen knackten, die Federn zerrissen, das Fleisch war noch warm, Malicia ass. Sie ass den schwarzen Boten...
Den Kopf auf den Vorderpfoten gebettet lag die Weiße, ungeachtet, unter einem Baum. Die blauen Augen blickten nach vorn, beobachten die Bäume ohne wirklich Notiz von ihrer Umgebung zu nehmen. Der Boden war hart, und grausig kalt, doch das schien die Weiße nicht zu stören. Der Himmel war trüb und grau, bald würde es wieder anfangen zu schneien... bald wieder würde die Zeit des Winters beginnen. Für einen Moment schloss Zahára Kitsumi ihre Augen... ja bald war es wieder so weit. Der Winter würde kommen, der Schnee würde all die Erinnerungen wieder hochspülen, sie wieder von Alpträumen verfolgt werden.
.oO(Schnee gleich Blut, Blut gleich Tod...)
Vieleicht würde sie diesen Winter ihrer Immunschwäche erliegen? Obwohl sie noch längst nicht vorhatte den Löffel abzugeben, so war sich die Weiße stets bewusst, dass sie einen zu schwachen Körper besaß. Schon bei der Geburt war sie beinahe gestorben, letzten Winter hatte sie eine schlimme Lungenentzündung. Beinahe wäre sie den PForten des Himmels gefolgt, selbst ihr Vater hatte sie schon längst aufgegeben. "Die kleine Schwache aus dem schändlichen Wurf" solle nicht überleben. Wahrscheinlich wäre es ihrem Vater tatsächlich lieber gewesen, wäre sie nicht mehr am Leben... Doch halt. So war ihr Vater nicht, so dachte er nicht. Nein. Er liebte sie, auch wenn er es nicht so zeigen konnte... Zahára wusste es. Vater liebte sie. Und ihm zu Liebe war sie gegangen. Wenn sie nicht mehr im Rudel war, dann würde niemand mehr über seine schändliche und schwache Tochter lachen. Er würde nicht mehr beleidigt, und würde in ruhe ohne sie Leben. Es war besser so. Wenn nicht für sie, dann wengistens für ihren Vater. Ein leises Seufzen war zu hören, als die Weiße die Augen öffnete, ihren Kopf leicht schief legte um sich so in eine bequemere Position zu schaffen. Hoffentlich würde es kein alzu kalter Winter, mit vielen Stürmen und eisigem Wind. Zu schnell konnte man Erkranken...
Die schweren, tiefhängenden Wolken begannen nun endlich ihrer Bestimmung nachzugehen. Die ersten, schillernd weißen Flocken rieselten vom Himmel. Jede einzelne setzte sich auf dem Boden fest, die Erde war nicht mehr im Stande sie zu schmelzen. Noch tanzten sie im Wind, noch nicht stark genug sich gegen ihn zu wehren, doch dies schien nur der sanfte Anfang zu sein, schon wurde die Flocken größer und fielen schneller. Es würde kein Sturm werden, aber ein starker Schneefall. Schon nach kurzer Zeit beugte sich der Wind und schien sich zu legen, monoton tauchte der Schnee das Tal in eine weiße, rieselnde Landschaft.
Banshee hatte eine ganze lange Zeit weiterhin nur so da gesessen. Sie hatte Geräusche vom Rudel gehört, es schien, als würde sich jemand streiten, jedenfalls vermeinte sie einmal ganz deutlich Eris wütend aufschreien zu hören. Dennoch achtete sie nicht darauf, Eris war nicht nur eine erwachsene Fähe und würde sich schon behaupten können, es gab auch wichtigeres, als eine kleine Streiterei. Einmal vermeinte sie einen Blick auf sich zu spüren, sie wandte den Kopf, suchte die Bäume nach der schmalen Schnauze eines Wolfes ab, hatte jedoch keinen Erfolg. Nur eine Illusion. Dann starrte sie wieder auf ihre Pfoten. Sie waren wieder weiß, rein wie sie geboren war und auch sterben sollte, aber sie hatte das Blut, das an ihnen geklebt hatte, nicht vergessen. Das Blut von Wölfen und Hirsch gleichermaßen, Jägern und Gejagten, Gefährten und Beute. Erst als das Weiß ihres Fells scheinbar noch strahlender wurde, sah sie auf, die tiefgrauen Wolken gaben nun endlich ihre weiße Pracht frei, schenkten sie dem Tal. Banshee mochte keinen Schnee, er war kalt und er verdeckte all das Leben, das auf und in der Erde schlummerte, aber jetzt erfreute sie sich doch an den schillernden Flocken. Sie schienen ihr wie ein Zeichen, auch wenn sie eigentlich wusste, dass dies nicht sehr wahrscheinlich war. Aber es war auch egal, sie sollte so oder so gehen. Sie erhob sich langsam, reckte den Kopf dann noch einmal in die klare Luft, spürte die Flocken, die sich auf ihre Nase setzten und pustete sie mit einem leichten Lächeln davon. Doch schon wurde sie wieder ernst und trat den Heimweg zum Rudelplatz an. Auf dem Weg strömten ihr viele Gerüche ihrer Mitglieder zu, aber sie traf keines von ihnen. Erst am Rande des Rudelplatzes – kaum ein Wolf hielt sich dort auf – trat sie Zahára Kitsumi, die unter einem Baum lag, die Augen offen und anscheinend nicht sehr glücklich auf die Bäume starrte.
“Zahára, es ist gut, dich einmal wieder zu sehen. Ich habe dich bei der Jagd vermisst, aber ich bin ebenso froh, dass du nicht dabei warst.“
Sie war kurz stehen geblieben, lächelte zu der weißen Wölfin, ebenso reines Fell wie ihr eigenes, und deutete mit einer leichten Schnauzenbewegung auf die Mitte des Rudelplatzes. Sie wollte Zahára nicht nach ihrem Aufenthaltsort während der Jagd fragen und ihr auch keinen Vorwurf machen. Jeden, der nicht dabei gewesen war, hatte Engaya wohl schützen wollen und Banshee war ihr für jeden Einzelnen so dankbar.
“Ich werde das Rudel zusammen rufen und mit ihnen reden. Auch wenn du möglicherweise den Inhalt nicht verstehst, würde ich mich freuen, wenn du dabei wärest.“
Sie trat an der Weißen vorbei, schritt auf den Rudelplatz, warf ihr aber einen auffordernden Blick zu, ihr zu folgen und zu antworten. Bis das Rudel, das sie nun rufen würde, geschlossen erschienen war, würde Zeit vergehen, solange konnte sie sich mit der Weißen unterhalten. In einer fließenden Bewegung hob sie die Schnauze zum Himmel und rief das Rudel zusammen.
Nun hatte Eris wirklich gute Chancen Beute für den alten Wolf zu finden, der Schnee hatte beschlossen das Tal für sich einzunehmen und verschluckte dabei fast alle Geräusche. Selbst sie fühlte sich in Sicherheit gewogen, aber sie wusste ja, dass sie einen Plan hatte.
Die Hasen sind in ihrem Weiß zwar gut getarnt,
dachte Eris und setzte die Pfoten in den tiefen Schnee,
aber der Schnee hat auch den Nachteil, dass er Spuren zeigt.
Die Schwarze atmete leise durch die kalte Nase und hielt hinter einem alten Baum scharfe Ausschau. Glücklich konnte sie feststellen, dass zarte Spuren ihren Blick zu einem kleinen Geschöpf führten, das sich auch auf die Suche nach Essen gemacht hatte und damit beschäftigt war, sich über einen Fund zu freuen. Eigentlich genau wie sie ... Eris drehte verstohlen den Kopf nach hinten, doch wie erwartet lag ihr niemand auf der Lauer. Ein bisschen albern dieses Misstrauen, aber ehrlich, es war nicht klug, sich für den Stärksten zu halten, das konnte einem zum Verhängnis werden, Wolfsfleisch war bestimmt auch nicht zu verachten.
Mit einem Schlucken wandte sie den Blick wieder dem Hasen zu und er wurde traurig. Sie hatte schon immer Probleme damit Anderen das Leben zu nehmen, um es selbst weiterleben zu können, aber so lief es nun einmal, selbst der Hase tat es, auch wenn seine Beute nicht wegrennen konnte.
Okay, ich bin bereit, rüstete sie sich innerlich und spannte die Laufe an, senkte die Pfoten bis zum Erdboden und sprang los. Sie hatte Glück, dass der Hase so vertieft in sein eigenes war, so konnte sie es mit einem gezielten Kieferschnappen ins Genick und einem Ruck unblutig hinter sich bringen. Eris legte das Geschöpf aus der Schnauze auf den weißen Boden und blickte es sanft an.
Schade ... dachte sie und sprach dann ein"Danke" in die stille Luft. Nach einem Schütteln nahm sie das Tier wieder in die Schnauze und rannte zurück durch den Schnee. Auf ihrem Weg scheuchte sie viele Tiere auf, die panisch flohen.
Auf dass ihr achtsamer seid.
Eris kam auf den Rudelplatz gelaufen, hatte gerade auch Banshees Ruf vernommen und entdeckte schnell Devotio. Die beiden hatten sich wohl schon unterhalten, sie standen jedenfalls nicht beieinander.
Erst ganz unscheinbar und kaum sichtbar, dann immer stärker und schließlich unübersehbar. Schnee. Er fiel vom Himmel, gefrorene Tropfen von Wasser, die sich ihren Weg suchten, langsam hinabschwebten um sich ihrem Dasein auf der Erde zu ergeben. Leicht abwesend beobachtete Zahára einzelne Flocken, die geschickt zwischen anderen umherflogen, und schließlich auf der Erde landeten ohne zu schmelzen, was keineswegs wunderlich war, schließlich war der Boden gefroren, hart wie Stein und ziemlich kalt. Schnee musste sich unweigerlich wohlfühlen. Nicht aber die weiße Fähe. Die Zeit war wieder gekommen... die Zeit ihrer Alpträume. Ein seufzen entglitt ihrem Fang, wieso schon so früh? Doch machen konnte sie nichts..., Mutter Natur tat was sie für richtig hielt. Als sie Schritte vernahm und kurz darauf Banshee, die Leitwölfin des Rudels erblickte, hob sie ihren Kopf leicht an.
"Banshee..."
Ruckartig schnellten die zarten und flauschigen Ohren nach vorn um auch ja nicht zu verpassen was ihr gesagt wurde. 'Ich habe dich bei der Jagd vermisst, aber ich bin ebenso froh, dass du nicht dabei warst.' Ja, das war sie auch. Wie sie gehört und teilweise auch gesehen hatte, war Blut gefloßen und teilweise gab es schwerwiegende Verletzungen. Ob sie das nocheinmal ertragen hätte? Blut, welches aus unzähligen Wunden floss, Wölfe die verletzt am Boden lagen.. nocheinmal so ein Szenario? Nein... sie war wirklich dankbar nicht mitgegangen zu sein. Als Banshee ihren Weg zur Mitte des Rudelplatzes fortsetze, erhob sich die noch junge Fähe geschwind, und folgte der Alphafähe. Vielleicht war es wirklich interessant, zu hören, was Banshee dem Rudel, zu dem sie schließlich auch gehörte, zu sagen hatte. Dochauch wenn sie sichdie Jagt grausig vorstellte interessierten sie doch die Tatsachen...sich neben Benshee haltend öffnete sie ihren Fang und fragte, dass was ihr schon lange auf dem Herzen lag.
"Was ist eigentlich passiert... bei der Jagd? Ich hatte ein paar Verletzte gesehen, aber was wirklich passiert ist.. das weiß ich nicht."
Das weiße Fell stellte sich leicht auf, als eine leichte, aber kalte Brise durch ihr Gesicht fuhr. Die Flocken wurden wild umhergewirbelt, bevor sie wieder auf dem weißen Fell, wo sie nicht besonders auffielen niederließen.
Leicht hinkend kam der junge Rüde vorwärts. Seine Schulter, wo ihn eines der Huftiere getroffen hatte, tat noch immer weh und eine feine Narbe würde bleiben. Was sollte es? Ändern konnte er dran nichts und so war seine Herkunft, als Sohn eines Kriegers, vielleicht auch deutlicher. Aber im Augenblick dachte der Graue darüber nicht nach. Seine Gedanken hingen in der Schwebe, nicht hier und nicht da. Seine Nase suchte nach der Fährte seiner Schwester, die verwirrt irgendwo herum stromerte. Er spürte es, er spürte es ganz deutlich, dennoch hatte er sie noch nicht gefunden. Also flogen seine Gedanken wieder zum Rudel zurück. Es gab haufenweise Verletzte, teilweise auch Tote. Die Ohren des Rüden drehten sich nach hinten und die stechenden Augen blickten in den Himmel, als eine weiße Flocke auf seiner Schnauze landete. Jetzt fing es auch noch an zu schneien. Er sollte sich besser beeilen und Sheena aufgabeln und zum Rudelplatz zurückkehren, bevor der Schnee sich zu einem Sturm entwickelte. Das konnten sie jetzt wirklich am wenigsten gebrauchen. Er fluchte leise, als seine Schulter sich verkrampfte und er in seiner Bewegung eingeschränkt wurde. So ein verdammter Mist! Das war auch etwas, das er nicht gebrauchen konnte. Vielleicht war seine Schwester verletzt und er musste schnell Hilfe holen gehen. Wenn er sich dann so wie in Zeitlupe bewegte, dann bräuchte sie auch keine Hilfe mehr, sondern nur noch ein Loch im Boden, wo man sie verbuddeln konnte. Missmutig holte er mit dem verletzten Lauf etwas aus und drehte den Körper so, das es in seiner Schulter einmal Knackte. Immerhin war es jetzt ein wenig besser und die Blockade verschwunden. Das Tempo nun ein wenig anziehend trabte Hikaji weiter der Fährte seiner Schwester nach.
.oO(Meine Güte, wo ist die denn hingetrampt? Will die 'ne Sightseeingtour machen oder was?)Oo.
,dachte er, während er immer weiter sich vom Rudelplatz entfernte. Hoffentlich fand er sie bald. Denn ein Mal durch das Revier wandern wollte er nu auch wieder nicht. Eine Tour reichte ihm vollkommen. Die aufmerksamen Ohren schnellten nach vorne und er hob prüfend den Kopf.
"Sheena?"
,murmelte er und lief dann schnellen Schrittes auf seine kleine Schwester zu und erstarrte. Was war bloß mit ihr passiert? Sie gab ein grauenvolles Bild ab. Das Weiße ihrer Augen war sichtbar , sie zitterte am ganzen Leib und ihr Kopf pendelte verwirrt hin und her. Der Schock saß tief in den Knochen Hikajis. So hatte er seine Schwester noch nie zuvor gesehen. Was war bloß mit ihr passiert? Alles wegen der Jagt? Ihr schienen diese Bilder auch nicht aus dem Kopf zu gehen. Dennoch konnten sie nicht hier bleiben.
"Sheena? Hörst du mich? Ich bin es, dein Bruder Hikaji. Wir müssen fort von hier..."
,murmelte er leise, doch verständlich, während er langsam näher trat. Er wollte sie nicht noch mehr verängstigen, das sie panisch in den Wald rannte. Also riss er sich zusammen und zwang seine Stimme zur Ruhe. Bei ihr angekommen fuhr er ihr mit der Zunge sanft durch das Fell, stupste sie dann an, um sie zum Gehen zu bewegen.
Shits Wege führten weiter durch den Wald und nichts als Stille umgab ihn. Er hörte nur seine Schritte, das knistern im Laub. Blieb er stehen, war kein Laut zu vernehmen. Er reckte die Nase in Richtung Himmel und suchte jenseits der Baumkronen nach einer Bestätigung, dass es schneien würde. Der Geruch von gefrorenem Wasser lag zu deutlich in der Luft, es war klirrend kalt und doch warm genug für Schnee. Ein Schauer durchfuhr ihn, obwohl im warm war. Als er den Blick vom Himmel löste, nahm er aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr. War er nicht allein? Das Rudel war groß, viele irrten womöglich durch den Wald, auf der Suche nach Einsamkeit und Zeit zum Nachdenken. Witternd rümpfte Shit ein paar mal die Nase, doch kein Wolf war in seiner unmittelbaren Nähe.
"Shit, du bist wirklich ein ulkiger Zeitgenosse."
Schelte er sich selbst, reichlich amüsiert. Mit gespieltem Misstrauen ließ er seinen Blick noch einmal umher wandern, mit demselben Ergebnis: Da war nichts.
„Halunke, deine Wahrnehmung hat dir wohl einen Streich gespielt.“
Zwei Schritte machte er, dann blieb er erneut stehen und wandte den Kopf abrupt nach links. Nichts. Wieder konnte er nichts erspähen. Er schnaufte hörbar aus und drehte sich einmal um die eigene Achse. Vor seinen Augen glitt eine Schneeflocke auf den Boden. Der junge Rüde legte den Kopf schief und sah sie fragend an, auch, als sie schon wieder verschwunden war.
„Der Wald scheint heute zu Scherzen aufgelegt zu sein, Shit ist natürlich ein grandioses Opfer!“
Amüsiert wandte er sich wieder ab und setzte seinen Weg fort. Das Gefühl, irgendetwas könnte ihn beobachten, wurde er dennoch nicht los. Pfote vor Pfote, immer weiter. Inzwischen tanzten mehrere Schneeflocken um den Silbergrauen herum. Verspielt sprang er ihnen nach und versuchte sie noch in der Luft zu fangen und auf seiner Zunge schmelzen zu lassen. Eine Größere hatte er fast, als er in der Bewegung erstarrte. Banshee rief das Rudel zusammen.
Ihre Stimme durchschnitt die Stille und die Einsamkeit, in welcher sich Shit eigentlich befand. Er lauschte dem Klang andächtig, ein Gefühl beschlich ihn, als würde er etwas Richtiges tun. Er folgte dem Ruf gehorsam. Hier an diesem Ort war sein neues Zuhause, er spürte es. Diese Stimme war so bekannt, so nah, als wäre sie schon immer ein Teil seines Lebens, seines Herzens gewesen. Während er wie früher, als Wanderer, die Pfoten abwechselnd voreinander setzte, da kam es ihm so vor, als wäre er schon immer diesem einen Ruf gefolgt, dem Heulen einer weißen Wölfin.
„Shit, du gehörst nun hier her, in dieses Land, in dieses Revier, zu diesem Rudel. Schätze dieses Privileg, solang du daran teilhaben darfst.“
Seine Schritte wurden schneller, sein Laufen bald zu einem Springen, bei dem nie mehr als eine Pfote den Boden berührte. Er eilte der Stimme nach, die ihn leitete und kaum hatte er den Rudelplatz erreicht, visierte er die Alphawölfin an. Sein Körper befand sich noch in der Luft und kaum spürte er die Erde, war er auch schon dabei auf Banshee zu zu rennen. Eine Sekunde später saß er an ihrer Seite und drückte sich in ihr Fell.
„Shit hat dich gefunden, wie er es gesagt hat.“
Vergnügt strahlte er sie an, als hätte er gerade etwas schier Unmögliches zustande gebracht.
Damaru trabte gemächlich neben seinem Bruder Korosu her, warf diesem nur manchmal verstohlene Blicke zu, sonst sah der braune Rüde starr grade aus. Sie näherten sich einem, noch fremden Revier, insgeheim hoffte Damaru, von diesem aufgenommen zu werden, doch was würde Korosu davon halten? Sicherlich nicht besonders viel, doch vielleicht dachte er ja genau so wie sein jüngerer Bruder, der zwar oft wie eine Klette an dem Rüden klebte und trotzdem lieber alleine war. Damaru war eben ein etwas seltsamer Kerl. Sonst war er wie jeder andere Wolf auch, weshalb er sich eben wünschte, sich endlich wieder einem Rudel anzuschließen, überlegte, wie er Korosu überreden könnte, doch einfach fragen kostete schließlich auch nichts. Eine Weile wartete er noch, beobachtete seinen Bruder, um den richtigen Moment abzupassen, dann brach er das Schweigen
„Bruder, was hältst du davon, uns einem Rudel anzuschließen? Ich bin das ständige wandern langsam Leid....“
sagte er mit seiner üblichen ruhigen Stimme, drehte die Ohren etwas nach hinten und hoffte, dass Korosu der gleichen Meinung war, schnaubte leicht und wartete angespannt auf eine Antwort oder Reaktion. Leichter Wind kam auf, der Rüde schloss die Augen, reckte die Schnauze in die Luft, brummte leise, was in einen zufriedenen Seufzer überging. Wie lange die beiden Brüder schon unterwegs waren, wusste der Braune gar nicht, hatte die Tage und Wochen nicht mitgezählt, am wichtigsten war Damaru eh, das er nicht alleine durch die Wälder streifen musste, sondern einen, wenn auch launischen und leicht reizbaren, Gefährten an seiner Seite hatte. Dafür war der Rüde seinem Bruder sehr dankbar, hätte dieser ihn schon längst verlassen können. Ein leichtes Lächeln bildete sich auf den Lefzen des braunen Rüden, als er zu dem größeren und vor allem stärkeren Wolf neben ihm blickte. Korosu war schon immer einige Ränge über ihm gewesen, doch das interessierte Damaru sowieso nicht, hatte keinen Nerv dazu, zu viel Verantwortung zu tragen, wie es in höheren Rängen üblich war. Durchsetzen konnte er sich eh nur schlecht, höchstens in seinen Gedanken, dies brachte nur niemandem was, vor allem ihm nicht. Der schmächtige Wolf blieb stehen, hob die Schnauze und witterte etwas, leckte sich über die Lefzen und blickte sich um. Doch um nicht von seinem Bruder angeschnauzt zu werden, warum er stehen blieb, trabte er vorsorglich langsam weiter.
Langsam trabte der große Rüde neben seinen Bruder her, den er selber als ziemlich nervig empfand, jedenfalls oft. Korosu hasste Fragen über alles und sein Bruder hatte eben diese Art oft Fragen zu stellen und dies hasste der graue Rüde so. Leise brummte er nur vor sich hin, ohne auf dem Weg irgendein Wort mit Damaru zu wechseln. Die Rute wippte gleichmäßig hin und her. Nur kurz warf Korosu seinem Bruder einen abfälligen Blick hinüber, bevor er seinen Kopf wieder nach vorne wand und sich aus den Augenwinkeln umsah. Auch wenn man den Rüden nicht kannte, sah man, dass er viel durchgemacht hatte. Narben im Gesicht, Narben die vom dichten grauen Pelz verdeckt wurden. Die ganze Kindheit war schon eine schwere Zeit für ihn gewesen. Korosu hatte schon immer den Drang der Beste sein zu müssen, immer besser als die anderen, vor allem als sein so ruhiger Bruder, der nicht so schnell, wie sein hitzköpfiger Bruder aus der Ruhe zu bringen war. Manchmal fragte er sich wirklich selbst, warum Damaru dies alles aushielt. Er behandelte seinen Bruder so schlecht und trotzdem blieb er bei ihm. Warum? Korosu konnte sich dies einfach nicht erklären.
„Och, mein kleiner Bruder ist das ständige Wandern leid? Ohh.. das tut mir aber so Leid...“
sagte er mit grollender Stimme und betonte das Wort ‚klein’. Natürlich war dies mit dem leid tun ironisch gemeint, es war ihm egal, ob sein Bruder das ach so lange Wandern leid war, doch um ehrlich zu sein wollte der Graue auch lieber sich diesem Rudel anschließen, als sinnlos in der Umgebung rumzuirren, ohne ein richtiges Ziel. Korosu blieb auf einmal stehen und blickte seinen Bruder mit einem auffordernden Blick an. Die rundlichen Ohren des Rüden zuckten leicht, die Rute war weit erhoben, wohl als Zeichen, dass er seinem Bruder weit überlegen war.
„Na los, mach uns bemerkbar.. oder denkst du ich verschwende meine Stimme? Immerhin willst du doch nicht mehr wandern...“
grollte er leise und ließ sich dann auf die robusten Hinterläufe sinken, ehe er dann einer der Vorderpfoten hob und über diese schleckte. Als er sie dann wieder auf den Boden absetzte, hob er seinen Blick zu seinem Bruder Damaru und wartete mit einer gelangweilten Mimik, die er natürlich extra aufsetzte, ab. Der Graue konnte manchmal so unfair und gemein sein, doch heute hatte sein Bruder wohl ein guten Tag erwischt, immerhin hatte Korosu ihm nicht widersprochen und ihn sogar heulen lassen. Sonst macht der große Bruder ja alles, doch nun wollte dieser auch mal testen, ob sein kleinerer Bruder etwas von ihm gelernt hatte und auch mal etwas selbstständig machen konnte. Abwartend wischte er einige Male mit der Rute über den Boden und blickte dann zu der Reviergrenze und dem weitergehenden Land, in dem das Rudel lebte. Es schien ziemlich ruhig dort zu sein, jedenfalls auf den ersten Blick. Korosu schmunzelte und drehte die runden Ohren nach außen, jedoch schwieg der graue Rüde, wollte seinen Bruder einfach machen lassen...
Auf leisen Pfoten war der Graue der Alphafähe gefolgt. In ihr schien etwas vorzugehen. Und Athür vermochte nicht zu sagen, was es wohl sein könnte.
.oO(Und was geht es mich auch an. Interessiert mich nicht im Geringsten, was für Probleme und Sorgen die Weiße hat, meine Aufgabe hat nichts mit der Persönlichkeit dieser Wölfin zu tun. Also, was auch immer sie beschäftigt, es ist mir so was von egal.)Oo.
Erst nach dem lauten Ausruf der Alphawölfin offenbarte der alte Jüngling sich. Mit einem bestehenden Hohn und einem außergewöhnlichen Stolz präsentierte er sich den schon anwesenden Wölfen. Die Augen hafteten an der Weißen mit den bernsteinfarbenen Augen. Mit einem leichten Seufzen ließ er sich nieder, jedoch Aufsprung bereit und die Ohren leicht nach hinten gedreht - es diente der besseren Hellhörigkeit.
.oO(Aber du willst ihr helfen, du Bastard. Du willst versuchen sie zu schützen, um dich am leben zu erhalten. Wie jämmerlich du doch bist. Manchmal solltest du dich selbst schellten.)Oo.
“Gibt es was Wichtiges?“,
vielleicht ein wenig zu schnarrend und herausfordernd, als es doch nun wirklich angemessen wäre. Schulter zuckend sah er auf den Schnee, zu Pfoten der Alpha.
.oO(Wenn du doch bloß jemanden finden könntest, für den du all den Schmerz auf dich nimmst, für den du alles aufopfern würdest und deine eigene Verliebtheit vergessen könntest.)Oo.
Erschrocken über seinen Gedankengang rümpfte er die Nase. Noch so eine Geste, die ihn aufmüpfig und arrogant aussehen ließ - wenn auch ein wenig nachdenklich.
.oO(Hörst du? Ich rufe dich! Banshee. Banshee. Banshee. Aber nein, du hörst mich nicht, denn deine Erlösung wäre mein Tod. Noch nicht, weiße Alphafähe, noch nicht. Noch will ich nicht sterben. Erst möchte ich erkennen, warum ich verweilen will. Dann kannst du mir das Leben mit deiner Erkenntnis nehmen. Banshee. Banshee. Banshee.)Oo.
Es war für Leyla ein sehr eigenartiges Gefühl. Sie hatte Mühe damit richtig umzgehen. Daß es zum ersten Mal jemanden in ihrem jungen Leben gab, der ihr so sehr das Gefühl gab, etwas wert zu sein. Wenn sie an die vergangenen Tage dachte, war sie immer nur ein Stück Mist, mit dem die anderen machen konnten, was sie wollten. Wenn ihr Bruder sie ärgern wollte, und das war oft mit einer Menge unfreundlicher, schmerzhafter Schabernacks verbunden, dann war das für alle im Rudel okay, auch für ihren Vater. Und nun war alles anders. Zum ersten Mal hatte Leya überhaupt das Gefühl, erwachsen zu sein. Sie war nicht mehr die hilflose, kleine Wölfin, die unter ihrer Familie und ihrem Rudel litt, weil sich niemand für sie interessierte. Aliennas Gegenwart gab ihr Mut. Mut zum Weitermachen, Mut, nicht aufzugeben. Es war die freundliche Art des Starkseins. Ein Befehl, nicht aufzugeben. Erst so langsam wurde sie sich damit wieder bewußt, daß Leben schöner war als Tod. Mitlerweile bereute sie es zunehmend, sich so langsam mit dem Tod angefreundet zu haben und sogar selbst einen Selbstmordversuch unternommen zu haben.
Sie hätte Alienna sicher enttäuscht. Es hätte sie selbst enttäuscht. Denn es hätte ihr das Gefühl gegeben, mit ihrem Dasein nichts bewirken zu können, als wären ihre Gefühle gar nichts wert und man bräuchte ihnen keine Beachtung schenken. So war es nie gewesen. Doch Leyla merkte, daß sie diesen fürchertlichen Eindruck gegeben hatte. Traurig blickte saie zu ihr. Sie konnte es nicht sehen weil sie nicht zu ihr sah. Und erneut begann der Haß auf sich selbst. Doch bestrafen konnte sie sich nicht. Denn damit tat sie nur Schlechtes. Es würde alles wieder zerstören. Alles, was die beiden schon zusammen erreicht haben. Leyla versuchte einfach nur stark zu sein. So gut es ging, setzte sie ihre Pfoten voran und lief mit ihr mit. Sie hatte wieder neuen Mut geschöpft und wollte nun eine Reise ins Unbekannte beginnen. Doch dieses Mal war sie nicht allein. Und sie hatte Vertrauen in Alienna. Wenn sie ihr schaden wollte, so hätte sie das bereits tun können. Oft geung. Denn niemand hier ist verletzbarer als Leyla selbst. Alienna hingegen erschien ihr schon seit der ersten Begegnung stark. Wahrscheinlich stärker, als sie es war. Denn auch sie hatte ihre Schwächen..das bekam sie mit. Doch es war kein Grund, deswegen enttäuscht von ihr zu sein. Denn zusammen konnten sich die beiden helfen und die schweren Zeiten meistern.
Frustriert drehte sich der alte Wolf in die Richtung aus der er soeben gekommen war. Die gleiche Richtung aus der das Heulen erklungen war. Vermutlich war es der Alpha, der für diesen Sammel-Ruf verantwortlich war. Devotio war also tatächlich, wie er bereits befürchtet hatte, in die falsche Richtung gelaufen. Leise verfluchte er die junge Fähe, seine schwindenden Kräfte so zu strapazieren wäre wirklich nicht nötig gewesen.
Seufzend hoffte er, sie habe wenigstens wie versprochen einen kleinen Snack für ihn dabei wenn er sie gleich am Rudelplatz treffen würde.
Doch dann erschrak er plötzlich durch ein leises Pfeifen auf seinem rechten Ohr. Verwirrt versuchte er sich in die Richtung zu wenden aus der er das Geräusch vernommen hatte, schaffte es natürlich aber nicht.
Verflucht...,dachte er, wieso fängt es so verdammt früh an? ...
Ein leichtes Schwindelgefühl erfasste ihn und er legte sich vorsichtig auf den kalten Waldboden. Bald schloss er die Augen und versuchte den Boden unter sich in Gedanken davon zu überzeugen sich weniger zu bewegen. Vielleicht sollte er dem Ruf des Alphas noch nicht folgen und lieber ein bisschen allein im Wald sitzen und sich elend fühlen.
Federn vereint mit den Kindern des Winters. Weisse Flocken, schwarze Federn des Todesboten. Glitzernd wie tausend Sternen der Schnee, dunkel als die finsterste Nacht des Teufelsboten die Federn des Rabens. Malicia stand da, eisern verfroren im Schmerz der Zeit. Schaute auf den Boden, auf das zerrissene Tier, das bis vor kurzem ein wichtiger Teil des Waldes war. Nun hatte dieses Wesen seine Bestimmung verloren, seine Zeit erstickt in einem winzigen Keim der Hoffnung, aus dem Kreis der Boten zu entfliehen. Die Schwarze Fähe lächelte. Sie wirkte glücklich, schien sich wie unter schweigendem Beifall des Windes zu sonnen und erhob die Schnauze. Ihre Lefzen hoben sich und jedem wäre nun der Blick auf ihre makellosen Reisszähne erlaubt gewesen, doch sie war ganz alleine. Mit dem toten Boten, den unzähligen Federn und dem Winterwinde. Malicias Stimme hallte in unentschlüsselnden rufenden und klagenden Worten durch den stillen Wald. Sie sang ein Lied. Es klang traurig und doch feierlich. Ein Lied zugunsten des verlorenen Botens. Mitten im Lied brach sie ab, senkte ruckartig den kleinen Kopf mit den kalten eisblauen Augen und blickte angestrengt in die Ferne. Die Stimme ihrer Mutter hallte, ebenso wie die Stimme ihrer durch den Wald. Malicias Lächeln erfror. Das Rudel...Ihre Zeit allein war zuende. Ihre Pfoten, schon von einer dünnen Schneeschicht überzogen, hoben sich kurz vor Aufregung. Dennoch bedächtig wandte sie sich in jene Richtung und bevor sie losrannte, packte sie eine grosse schwarze Feder.
Der Wald zog an ihr vorbei. In ein weisses Kleid gehüllt, aus dem lächerlichen Grund all das Böse zu verstecken, das in diesem Wald hauste. Doch das konnten sie nicht... Malicias Augen veränderten sich im Laufe. Je näher sie dem Rudel kam, desto mehr Gefühle pochten in ihren Adern. Die Gefühle der anderen. Der Herzschlag wurde schneller. Bummbumm...Bummbumm...bubumm...bubumm
.oO(Folge deinen Wegen Malicia...)
Da war sie wieder. Diese Stimme. Doch der Welpin erschien dies als normal, keinen fetzen Gedanken verlor sie darüber. Sie schielte nur kurz auf ihre Feder, ehe sie bemerkte, dass sie bereits da war. Sie wurde langsamer. Ihre blaueb Augen lagen unentwegt auf ihrer Mutter. Sie versuchte alle anderen zu ignorieren. Sie schlich schnellen Schrittes zu ihrer Mutter und kroch ihr unter den Bauch. Immer noch die Feder zwischen den Zähnen. Bei ihrer Mutter fühlte sie sich sicher. Nicht wie bei den anderen fühlte sie hier keine Gefühle in ihren Adern pochen. Die pechschwarze Feder zitterte im Wind.
Immer noch neben seinem Bruder trabend, sah Damaru kurz zur Seite, richtete die eisblauen Augen auf den Boden und schloss diese etwas. Die Ohren des braunen Wolfes zuckten leicht nach vorne, eines von ihnen drehte sich in Korosus Richtung, auch wenn dieser nichts von sich gab außer immer wieder zu Brummen. Doch es war oft von nutzen aufmerksam zu sein, außerdem konnte er so schnell wie möglich antworten, wenn sein Bruder etwas erwidern würde. Falls er es überhaupt tat. Aber selbst wenn er Damaru anknurren oder gar nach ihm schnappen würde, war das für den Braunen auch eine Antwort und zwar, das beide, auch er, weiterwanderten und nicht an diesem Ort blieben. Wie gern er es auch getan hätte, doch wenn Korosu sich einmal zu etwas entschieden hat, konnte man ihn nur schlecht davon abbringen. Vor allem Damaru war dazu nicht im Stande und das wusste er auch. Ihm war dies allerdings völlig egal, so musste er selber nicht all zu viele Entscheidungen fällen, sondern sie einfach nur zu akzeptieren. Seine dunklen Ohren zuckten noch einmal, als er die grollende Stimme des größeren Rüden hörte. Doch anstatt irgendetwas zu antworten, drehte er nur die Ohren zurück, legte sie an und nickte fast schon demütig. Für ihn war sein Bruder eben der Rudelersatz, da dieser nun mal stärker und höher im Rang als er war, wollte er ihn auch so behandeln, nur nicht zu sehr, sonst würde er vielleicht noch arroganter werden, als er eh schon war. Gleich nachdem der graue Wolf stehen blieb, hielt auch der Braune weiter hinter ihm an und ganz im Gegensatz zu Korosus Rute hing seine ruhig zwischen den Hinterläufen, nur die Spitze kringelte sich ein wenig nach oben. Unsicher sah er ihn an, wich dann doch schnell wieder diesem auffordernden Blick aus und starrte auf den Boden.
„Ich....? Ja, Natürlich..“
murmelte er leise, seine Augen leuchteten leicht, war zum einem froh, das Korosu anscheinend der gleichen Meinung war und auch nicht mehr weiter wandern wollte und zum zweiten, war er auch ein bisschen stolz, heulen zu dürfen. Er schnaubte kurz, schüttelte sich ausgiebig bevor er den Kopf hob und anfing zu heulen, zuerst leise, dann lauter, ziemlich bemüht, selbstsicher und stark zu klingen. Damaru bat um Erlaubnis mit seinem Bruder das Revier betreten zu dürfen. Der schmächtige Rüde verstummte wieder, leckte sich über die Nase und sah lächelnd zu dem anderen Rüden, blickte jedoch eher durch ihn hindurch als richtig an.
Da trat jemand aus dem Wald. Jemand der anscheinend vorher gerufen hatte. Das pendeln stoppte. Der Blick gefror auf dem Rüden der aus dem Wald getreten war. Ein Bruder von ihr nannte er sich und abermals nannte er sie Sheena. War er derjenige, der vorhin ohne Worte zu ihr gesprochen hatte? Oder fantasierte die Kleine nur vor sich hin. Sie blickte ihn an, schaute ihm zu wie er langsam auf sie zu kam und dann kam eine Erinnerung. ebenso schnell wie diese kam, ging sie auch wieder, doch hinterließ sie etwas in Sheena.
"Hikaji? Bruder? Wo bin ich, was ist passiert mit dir?"
Die Kleine schmiegte sich zart und vorsichtig an ihren Bruder. Etwas wusste sie immerhin, das es ihr Bruder war. Doch ihr anderer Bruder. Sie zuckte kurz zusammen, schmiegte sich enger an ihn.
"Wir sind nur noch zu zweit oder? Wo sind Mama und Papa? Geht es ihnen gut?"
Ein beben ging durch den mageren Körper. Lange hatte die kleine nichts mehr gefressen, ihre Lebensmut war verschwunden, trauer umgab die Fähe und der baldige Tod schien an ihr zu haften. Ob es sich jemals wieder ändern würde? Sie schloss ihr Maul, rollte kurz unbewusst mit ihren Augen und schleckte Hikaji dann liebevoll über die Schnauze.
"Mein Bruder. Danke!"
Sie wendete den Kopf, als sie ein heulen vernahm. Was und wer war das nun wieder? Irgendjemand schien sie zu rufen, doch Sheena konnte sich nicht an andere wölfe erinnern, außer ihre Familie. Gab es überhaupt noch andere Wölfe? Sie konnten nicht die einzigen sein, doch warum erinnerte sie sich nicht mehr. Und wohin sollten sie gehen? Wohin würden sie gelangen, wenn sie diesem Ruf folgen würden? Angst durchflutete Sheenas Körper und unter zittern stand sie auf.
"Was nun?"
24.12.2009, 19:43
Banshee hatte sich ruhig niedergelassen, sie würde einfach hier warten, bis sich das Rudel eingefunden hatte. Sie hatte Zeit und jetzt, mit den dichten Flocken die vom Himmel wirbelten und jeden Laut verschluckten, kam es ihr vor, als würde die Zeit sogar still stehen. Der See war zugefroren, kein Plätschern war zu hören und die Vögel blieben stumm im Geäst, als wären sie genauso verzaubert von der plötzlichen Stille wie Banshee selbst. Auch Zaháras Schritte, die den ihrigen folgten, waren kaum hörbar, es lag zu wenig Schnee, als dass er sie hätte verschlucken können … alles wirkte verstummt. Erst als die weiße Fähe antwortete, war der Zauber vorbei, fast erleichtert wandte Banshee ihr den Kopf zu und lächelte traurig. Was war passiert? Banshee war sich nicht sicher, ob es so einfach zu sagen war.
“Eine Gruppe hat einen Fehler begangen und ist zu früh losgelaufen. Daran muss es wohl gelegen haben aber danach verschwimmt alles in meinem Gedächtnis in dichtem Nebel. Die Hirsche haben sich gegen uns gewandt. Und das Töten begann …“
Ihre Stimme klang fast bitter, schmerzhaft waren die Erinnerungen und ebenso entrückt. Es gäbe noch mehr zu erklären, die Verletzungen, die beiden Toten, all das, aber zum Einen wollte Banshee selbst nicht mehr daran denken, zum Anderen würde Zahára bei der Besprechung sicher weiteres erfahren. Der Blick der weißen Leitwölfin verharrte noch eine Zeit lang auf ihrer weißen Schwester, dann schüttelte sie sacht den Kopf und sah wieder in das weiße Flockenmeer. Ihre Augen folgten den wirbelnden Flocken, ihre Gedanken tanzten ebenso durch das stille Tal und wurden erst zurückgeholt, als eine graue Gestalt durch das Schneetreiben auf sie zu rannte. Shit … ihr lächeln wurde ein wenig wärmer, weiterhin traurig aber jetzt auch liebevoll. Sie ließ es zu, dass er sich an ihre Seite setzte und sich in ihr Fell kuschelte, sanft begann sie ihm dann mit der Zunge über den Kopf zu fahren, als wäre er ein junger Welpe, der nun glücklich, von langer Reise zurückgekehrt, empfangen und gelobt werden müsste. Schließlich hielt sie inne und flüsterte leise:
“Ja, er hat mich gefunden. Ich freue mich, dich zu sehen, Shit.“
Sie warf einen lächelnden Blick zu Zahára, sie kannte Shit wohl noch nicht, vielleicht kam ihr sein Verhalten seltsam vor, sein Name wohl sicher, aber mit diesem Blick bat sie die Weiße auch darum, nichts Falsches zu sagen. Erst als Athür auftauchte, wandte sie sich von den beiden Ersten ab und betrachtete den braunen Rüden. Er wirkte wieder wie sonst, nicht mehr so, wie an dem Tag der Jagd, an dem er plötzlich aufgetaucht war und mit ihr geredet hatte. Ein seltsamer Augenblick, vorbei, vergangen, verlebt. Seine Stimme war nicht mehr freundlich, sein Blick nicht mehr tief. Dennoch, als er dann den Kopf senkte und zu ihren Pfoten sah, schlich sich doch ein wissendes Lächeln auf ihre Lefzen und sie streckte sich einfach nach vorne und berührte den Rüden an der Stirn. Zurück neben Shit und Zahára nickte sie leicht und machte eine fließende Bewegung mit der Schnauze.
“Es wird um die Jagd gehen.“
Ihr Blick fixierte ihn, seine Reaktion interessierte sie mehr, als sie selbst erwartet hatte. Dieses seltsame Gefühl, dass sie schon damals gespürt hatte, als er mit ihr über das Leben und den Tod geredet hatte, hatte sich wieder eingestellt, er war nicht einfach nur ein ehemaliger Jungwolf. Etwas hatte sich so verändert. Doch auch ihr durften ihre Gedanken nicht lange verweilen, ein Heulen erklang, schien im stillen Tal tausendfach wider zu hallen und löste ein leises Flattern im Geäst aus. Auch nachdem das Hallen aufgehört hatte, meinte sie nun mehr Geräusche zu hören, ein Rascheln im Gebüsch, ein kratzen auf dem Eis. Weckruf. Die Nase in der reglosen Luft konnte sie nichts wittern, es wehte kein Wind und jeder Geruch wurde von den weißen Flocken verschluckt. Sie war froh, dass sich der Fremde angekündigt hatte.
“Fremder, trete ein und folge meinem Ruf zum Rudelplatz. Du sollst willkommen sein.“
Ihre Stimme klang lauter als sonst, sie hatte Angst, dass sie sonst nicht gehört werden konnte, auch der Ruf des Fremden vorher hatte dumpf geklungen. Die Stille senkte sich wieder auf das Tal.
Flach atmete der kleine Rüde, der sich immer weiter in den Wald wagte, dem es egal geworden war, ob er sich zum negativen veränderte oder nicht, er mochte nicht die Gedanken in seinem Kopf, er mochte nicht die Art wie die meisten ihn ansahen, wie man mit ihm umging, er wusste er war klein, schwächlich, er wusste er war schuld am allen, eine 'Belastung' für das Rudel, doch wer konnte sich schon denken was in seinem Kopf vorging? Niemand konnte die Gedanken erahnen die sich dieser Welpe machte, dass er sich die Schuld für das Unglück während der Jagd gab und so sollte es auch bleiben. Vielleicht hatte seine Mutter etwas gemerkt, seine Patin oder auch seine Geschwister, aber ansonsten wohl niemand, wer achtete schon auf ihn? Völlig in Gedanken versunken, merkte er nicht, wie sich ihm ein Rüde näherte, erst als eine tiefe Stimme erklang, zuckte der Hellbraune zusammen, wandte den Kopf leicht verschreckt zu dem Fremden und ließ den Blick musternd über ihn wandern. Die dunkle Nase rümpfte sich leicht, nahm den Geruch des ihm Fremden auf, er gehörte nicht zum Rudel, das war ihm sofort klar, er schien sich auch nicht angekündigt zu haben, ein völlig Fremder. Musternd ließ er den Blick über den kräftigen und recht großen Rüden wandern, er war auf eine gewisse Weise einschüchternd, doch dachte der Rüde in diesem Moment gar nicht daran, ängstlich zu sein, denn plötzlich vernahm er das Geheul seiner Mutter. Sie rief alle zum Rudelplatz, wahrscheinlich würde sie nun über die Jagd reden wollen, denn irgendwann musste dies ja geschehen, man konnte es nicht dauernd ignorieren. Das Fell Hiryogas sträubte sich, seine Augen verengten sich leicht, er wollte dort nicht hin, doch er wusste das er erscheinen musste, es war wohl wichtig. Sein Blick wandte sich wieder zu dem Fremden.
"Du bist fremd hier, nicht? Es soll mir egal sein, aber die Alphafähe ruft uns zusammen, du kannst mir folgen, wenn du das möchtest..."
Seine Stimme hatte den sonst so zittrigen Unterton verloren, eher leicht betrübt sprach er die Worte aus. Er hatte nicht seine Mutter gesagt, sondern Alphafähe, er hatte es nicht verdient Banshees Sohn zu sein, er hatte versagt, als Sohn, als Bruder, als Patenwelpe. Warum hatte man ihm nur das Leben geschenkt, man hatte es an ihm verschwendet, an einen schwächlichen Welpen, einen unnützen, dummen Welpen, der das Leben nicht wert war. Für einen Moment schlossen sich seine Augen, ein leichter Seufzer verließ seine Kehle, einen Moment brauchte er, um all die in ihm aufsteigenden Gedanken runterzuschlucken, sein Körper sich abwandte von der Tiefe des Waldes und er zum Rudelplatz hinsteuerte. Kurz nur huschte sein Blick zu dem Rüden, ihm war es egal ob er folgen würde oder ging, oder was er auch immer tun würde, ihm war zwar nicht nach Gesellschaft, aber wenn der Fremde dies wünschte, sollte er mitkommen. Extra um Kaede nicht zu begegnen lief er mit einem kleinen Umweg zum Rudelplatz. Recht leise strichen seine Pfoten über den kühlen Boden, bis ihm plötzlich auffiel, dass es schneite. Aufmerksam huschte sein Blick zum Himmel, als das dichte Schneetreiben auch seinen Weg zu ihm fand, die Schneeflocken ihn umtänzelten und den dunklen Boden in ein weißes Paradies verwandelte. Ein kaum bemerkbares Lächeln schlich sich auf die Lefzen des Hellbraunen, das musste also der Schnee sein, das war der Winter, von dem er öfter gehört hatte, noch nie hatte er Schnee gesehen, doch jetzt war er begeistert von ihm. Wie ein Welpe es so tat, begann er nach den Flocken zu schnappen, schwenkte mit der Rute hin und her, blieb stehen und hob die strahlenden Augen zum Himmel und sah die Flocken fallen. Für einen Moment war er zumindest unbeschwert, der Rudelplatz zwar schon in der Nähe, doch wohl bis auf den Fremden würde ihn niemand gesehen haben, wenn der Fremde ihm überhaupt gefolgt war. Es gab so etwas Schönes? Als eine Flocke dem Welpen auf der Nase liegen blieb, spürte er die leichte Kälte in der Schneeflocke, doch in gewisser Weise mochte er die Kälte, die kleinen Kristalle die sich dort durch die Luft bewegten waren einfach unglaublich schön, warum war er nicht solch eine schöne Schneeflocke, die sich so unbeschwert durch den Wind bewegen konnte?
Die Ohren Shit's zuckten und er sah die Leitwölfin mit glizernden Augen an, als sie ihm liebevoll über den Kopf leckte. Sein Herz machte einen freudigen Hüpfer und die Liebe die er zu ihr empfand wuchs, genauso wie seine Treue, die er ihr entgegen zu bringen beabsichtigte. Es war eine naive Art der Liebe, eine Liebe allem, was man gern hatte gegenüber und doch genzenlos. In dieser welpischen Art war sie rein und unverdorben, 'einfach' Liebe. Als die Rudelführerin sich von ihm abwandte, wandte auch er sich ab. Er sah die andere Wölfin interessiert an und rümpfte die Nase. Dieser Geruch? Er ginste vergnügt und stellte sich kurzerpfote vor:
"Shit ist der Name des seltsamen Wolfes vor dir und wie heißt du?"
Er wartete nicht auf ihre Antwort, typisch für ihn, denn ein Rüde hatte seine Aufmerksamkeit erregt, weil Banshee ihn so sacht berührt hatte. Shit legte den Kopf schief, eine Handlung die ihn noch jugendhafter wirken ließ.
"Und du edler Freund? Shit kennt auch dich noch nicht. Ihr alle müsst seine Neugierde entschuldigen, aber irgendwie muss er das riesige Rudel ja kennen lernen."
Grübelnd sah er zwischen den Beiden hin und her und senkte dann den Kopf und blickte zwischen Banshees Pfoten, unter welchen sich eine junge Fähe verkrochen hatte. Auch sie war ihm unbekannt. Fast alle waren sie ihm unbekannt und wie lange würde es wohl dauern, bis er die Namen aller kannte? Was nützten ihm die Namen? Er wollte mehr wissen als Oberflächlichkeiten, er wollte diese ganzen Wölfe hier kennen. Jeden einzelnen von ihnen. Sanft lag sein Blick auf der jungen Lady, die wohl eine Tochter von Banshee war.
"Und du, kleine Freundin, wer bist du?"
Liebevoll lächelte er sie an. Banshee hatte im Frühjahr Welpen geboren und Shit hatte wieder etwas über die Leitwölfin gelernt. Auch über sie wusste er viel zu wenig. Viel mehr wollte er wissen, alles lernen über seine neue Heimat und deren Bewohner.
Flocken von betörender Schönheit fanden ihren Weg von den Himmelspforten hinab in das Tal der Winde voller Sterne. Langsam wie in Zeitlupe verfolgten die stählernen Augen das Schauspiel, das Schauspiel, das sich jedes Jahr zu wiederholen schien. Hirsche die Töten, tötende Hirsche. Was war sie forh nicht an der Jagd teilgenommen zu haben, hier geblieben zu sein, und dieses Massaker nicht miterlebt haben zu müssen. Der Blick der noch kurz an den Weißen Flocken haftete wanderte über den Rudelplatz, noch längst waren nicht alle anwesend, als ein Rüde auf Banshee zusprang und sich an ihr Fell kuschelte. Etwas überrascht hob die Weiße eine nicht vorhandene Augenbraue, musterte den ihrn och unbekannten. Auf irgendeine Weise war er ihr sofort sympatisch, vielleicht war es seine neugierige unbekümmerte Art, für die sie ihn bewunderte? Mit einem Lächeln auf den Lefzen legte sie ihren Kopfl eicht schief. Shit war sein Name... recht ungewöhnlich.
" Ich werde Zahára genannt Shit, freut mich dich kennen zu lernen!"
Die lange weiße Rute, wischte über den Boden der sich langsam mit der weißen Pracht zudeckte. Doch bevor der Rüde ihre antwort abgewartet hatte wandte er sch schon an den nächst Besten, der in der Nähe stand um auch ihn um seinen Namen zufragen, sowie die junge Tochter Banshee's. Mit einen kurzen Lachen schaute sie kurz zu Banshee, musterte nocheinmal den Rudelplatz, bevor ihre Miene einen ernsteren Ton traf. Eine kühle Brise war durch ihr Fell gefahren und hatte sie kurz schaudern lassen. Die Kälte brach herein... doch solange sie noch Gesund war, würde sie wohl noch lachen können. Schnell vertrieb sie ihre Gedanken an KRankheit und Tod, um wieder den lustigen Shit zu mustern. Irgendwie war er doch lustig...
Ein wissendes Lächeln schlich auf die Lefzen der Weißen, die damit zusammenhängende Panik ließ nicht lange auf sich warten. Nur ein trockenes Schlucken verriet sein Nachdenken. Und dann berührte die Alphafähe auch noch seine Stirn. Das war wohl eindeutig zu viel. Der Rüde versuchte ein mitleidiges und mit Hohn verziertes Lächeln zu offenbaren. Es endete in einem schmerzlich, merkwürdig verzerrten Ausdruck- gleichend einer Grimasse. Die trockene Kehle entlockte ein Hüsteln. Es dauerte etwas, bis der Braune seine Gelassenheit wiedergewann. Der Schock allerdings, war nicht so leicht aus dem Gesicht zu bannen.
.oO(Mach das nie wieder. Oh Wolf. Wenn ich Verwirrung und einen Schock brauche, hätte ich dich darum gebeten. Aber… so?)Oo.
Das versuchte und misslungene Lächeln verebbte in einen etwas ausdruckslosen Blick. Vergebens, Stolz und Arroganz ließen auf sich warten. Die Brise einer kleinen Selbstachtung blieb jedoch eisern bestehen.
“Darüber lohnt es sich nicht zu reden. Jeder verarbeitet selbst.“
Was normalerweise ein frecher mit Arroganz überschütteter Spruch gewesen wäre, wurde nur mit einer belegten Stimme gesprochen.
.oO(Die Welt ist nun mal ein wenig ungerecht, meine Liebe. Und die Mitstreiter dieser Jagd werden sich nicht allzu lange um diese Vorkommnisse sorgen. Sie sind nicht mit diesen Gedanken beplagt. Ihnen ergeht es nicht so wie dir.)Oo.
So langsam kehrte wieder Ruhe zurück. Seine Maske setzte sich aus den kleinen Bruchteilen wieder zusammen. Und das gewohnte Bild nahm wieder im Gesamten den Platz ein. Die rebellische Ader pulsierte in den Venen Athürs.
Die Flocken sanken weiterhin auf die Erde. Die blauen Augen folgten den verschiedenen Sternen des Winters aufmerksam. Jedoch bemerkte sie wohl die weisse Fähe, die zu ihnen stiess. Der warme Bauch der Mutter gab ihr Sicherheit, hier fühlte sie sich wohl. Ein kleiner Windstoss wehte eine kleine Schneeflocke zu ihr und diese landete genau auf ihrer schwarzen Pfote. Malicia beäugte sie kurz. Es war eine kleine hübsche Schneeflocke. Die Augen zeigten auf einmal eine ganz andere Seite ihres Blickes. Der Blick wurde so sanft. Nicht mehr so verkrampft und verschlossen. Die Schneeflocke blieb liegen, verblasste nicht wie die anderen vor Wärme auf ihrer Pfote. Viele Gefühle überwältigten sie. Ihr Kopf schien auf einmal so leer zu sein. Malicia glaubte nun die Geschichte des Sternchens zu kennen. Seine ganze Geschichte. Doch sie gab es nicht und trotzdem glaubte sie sie zu wissen. Die Blauäugige schloss die Augen, wartete auf die Stimme, die kommen würde, auch wenn sie angst davor hatte. Doch es blieb still. Nur die Stimme eines grossen braunen Rüden klang in ihren Ohren und nur kurz verlor sie die Konzentration und fiel wieder in die Realität, ohne Gnade. Sie blickte ihm geradewegs in die Augen, sagte nichts, mit ebenso nichtssagendem Blick. Viele würden sie für seltsam halten, das war sie auch...Es war ihr egal, so egal was die anderen über sie zu glauben wissen. Sie dachte aber auch, das sie den anderen egal sei. Niemand hatte einen Grund sie zu mögen, oder zu hassen, noch nicht...Auf einmal zog ein Windstoss ihr die nachtschwarze Feder des Boten aus dem Mund. Erschrocken blickte sie zur Seite, in welche Richtung auch die feder flog. Kurz hob sie aus Reaktion die Pfote, sank dennoch aber wieder zusammen und blickte ihr nur nach. Wie sie sich kringelte und drehte in der Luft, das erschien der Welpin seltsam, wie von Geisterhand geführt flog die Seele des Boten mit der Feder. Enttäuscht blickte sie auf den Boden, dabei sah sie die Schneeflocke. Sie hob überrascht die Augenbrauen. Noch immer war sie da. Oder war es eine andere? Malicia beugte sich vor, um die Schneeflocke wegzuschlecken. Neugierig darauf, wie es sich wohl auf der Zunge anfühlen wird.
.oO(Weiss versteckt Schwarz...)
Malicia hielt erschrocken inne und stutzte. Sie blickte nach oben, als würde sie einen Erklärenden Blick eines Erwachsenen finden. Doch sie fand nur die welpischen Augen des braunen Rüdens.[/COLOR]
Shit grinste und legte den Kopf in die andere Richtung schief. Er war dem Blick der Kleinen gefolgt, hatte der Feder nachgesehen und die scheinbar so beeindruckenden Schneeflocken gemustert.
"Hast du keinen Namen, junge Lady?"
Er zog die Augenbrauen nach oben und sah sie fragend an. Noch immer zierte ein Lächeln seine Lefzen. Dann zuckten seine Ohren und er hob den Kopf. Seine Augen richteten sich auf die Fähe nahe Banshee.
"Zahára also. Auch Shit freut sich, dich kennen zu lernen. Es ist schön, so viele liebe Wölfe kennen zu lernen."
Er zog die Lefzen noch ein wenig höher, ein schelmisches Grinsen, verspielt und ungebändigt. Sein Blick ruhte noch eine Weile auf der Wölfin, dann sah er zurück zu der Kleinen, die ihm immer noch eine Antwort schuldig war.
"Verrätst du Shit nun, wie du heißt, oder ist es ein Geheimnis?"
Verwundert schaute sie ihn an. Zweifelte er an ihrem Denken? Malicia hätte nicht geglaubt, das der braune Rüde so hartnäckig auf ihren Namen wartete. Was bedeutete es ihm, ihren namen zu wissen? Was ist es für ein Gefühl für ihn, wenn er ihren Namen kannte? Bald würde sie es wissen. Sie spührte die Verwunderund seinerseits über sie. Ja, sie war nicht wie die anderen, sie war anders. In ihrer eigenen Welt verschlossen. Ihre Augen wurden irgendwie heller. Das Weisse des Schnees wiederspiegelte sich in dem hellen Blau und vereinte sich zu einem hübschen glänzen. Ihre Fellfarbe dagegen, nachtschwarz, der perfekte Kontrast dazu. Ihre Nase zitterte als sie die verschiedenen gerüche des Windes vernahm. Ihre Ohren zuckten kurz, ehe sie wieder zu dem braunen schaute.
"Mein Name ist Malicia, Shit"
Ihr Gesichtsausdruck war noch unsicher. Zwar konnte sie den Rüden gut einschätzen, da er so berechenbar war. Da er seinen Namen beinahe in jedem Satz einbaute, wusste sie bereits, wie er hiess. Ein seltsamer Rüde... Doch er war wiederum anders seltsam weder sie.
Mit einem wilden Blick und leerem Magen folgte er widerwillig dem Ruf seiner Gefährtin. Wie ein geschlagener und trotziger Welpe, der sich zu etwas durchringen musste. Die gekrümmte Gestalt Acollons war erschreckend. Ausgemergelt. Nächtelang - er hatte deren Anzahl sich nicht einmal gewidmet! – hungerte er, dürstete und schlief nicht. Der Geist brauchte auch nicht die irdischen Bedingungen eines vernünftigen Lebens, sein Körper allerdings benötigte schon Zuwendung, wenn auch nur minimale. Das schwarze Skelett mit den eingesunkenen Augen folgte dem Süßen Todesgeruch; der noch an den Wölfen hing. Der Leib war zerfurchter und die Narben deutlicher als je. Nun tat der Alpharüde seiner Aufgabe aller Ehre.
Während er sich immer weiter dem Ruf nährte, schwelgte er noch in dem Vergnügen und der Freude des Todes, des Tötens, des Mordens. Noch einmal rief er sich die köstlichen Geschmäcker des Blutes. Jedes einzelnen Tieres. Er verharrte darin. Beschwor sich die Wohlerkenntnis dieses Gemetzels.
Mechanisch setzte er sich neben die weiße Alphawölfin. Sah sie nicht an, hielt Abstand zu ihrer Wärme. Eigentlich war der richtige Entschluss schon gefasst. Und so begann er sein monologisches Gebet:
“Das Töten ist ein großes Vergnügen für mich. Doch das größte Vergnügen ist, wenn ich sehen kann, dass es Dir gut geht. Schließlich schwor ich Dir, Dich zu schützen, um den teuersten Preis. Aber leidest Du nicht zu sehr unter dem Tod, der mir tiefe Befriedigung bringt? Es ist Dir zuwider, schmerzt, zermürbt. Mir aber ist es eine Lust. Eine Begierde.“
Schnarrend und ohne Luft zu holen redete er auf Banshee ein. Denn der Hüne war in den Spalt seiner Gedanken – vielleicht sogar seiner Gefühle! – gefangen. Gab es überhaupt einen Weg annährend zufrieden heraus zu kommen, ohne das, was ihm doch so wichtig war, zu verletzen und verlassen?
“Ich sollte gehen. Selbst wenn es einer meiner Versprechen bricht. Erinnerst Du Dich? Ich sagte Dir nach meinem langen Wegbleiben, dass ich bei Dir bleiben wollte, egal was auch geschehen würde. Aber ich kann Dich nicht unter meiner Freude leiden sehen. Du sollst nicht mit der Bedrängnis meiner leben, Banshee.“
Das Gebet war beendet und jetzt sah er in die schönen und leicht traurigen Augen seiner Gefährtin. Oh, wie er seine Worte doch selbst hasste. Und am liebsten hätte er alles als einen üblen Scherz zurück genommen. Aber es gab doch kein Zurück, oder? Und da war dieses Verlangen nach Zärtlichkeit, es verdrängte all die Begierde nach mehr Morden. Es war viel köstlicher, so begehrenswerter. Hätte er sich doch bloß von ihren bernsteinfarbenen Augen lösen können, so wäre dieser erneute, überschwemmende Zweifel nicht wieder aufgekommen. Der wilde Blick glitt in ein Lächeln über.
Der Rüde mit der schwarzen Fellfärbung und dem auch sonst so schwarzen Karma gesellte sich zu diesem nicht voranschreitenden Geschehen. Athür verspürte eine Enttäuschung, irgendwie tat ihm das Erscheinen des Alpharüden weh. Der Graue war ihm so verbunden und seltsamerweise auch dankbar. Eigentlich standen die Beiden in einem eher nicht so guten Verhältnis zueinander. Aber was soll man gegen diese aufbrausenden Wellen tun? Sie ertränkten und benebelten den Verstand.
.oO(Warum willst du sie verlassen, Acollon? Nur weil sie leidet unter deiner Leidenschaft? Wenn sie dich liebt, dann wird auch das sie nicht abhalten können. Gesteh dir selbst, mein Freund, du leidest viel mehr unter ihren traurigen Augen, als sie selbst.)Oo.
Wieder waren es Gedanken, die in Worten aus seiner Schnauze nicht zu hören waren. Gespannt wie die Weiße jetzt reagieren mochte drehte er sich wieder ihr zu. Nervös zuckte sein rechter Hinterlauf, klopfte leicht auf dem Frostbesetzten Boden. Eigentlich sollte er sich nicht für die Probleme von anderen interessieren. Leider hatte er aber zu beiden Wölfen, auch wenn sie ihn nicht kannten, sich nicht um ihn scherten oder anderweitig sich mit seiner Person beschäftigten, ein Band. Die Alphawölfin war er gewillt zu schützen, damit er leben konnte. Und den Schwarzen? Ja, den liebte er einfach.
.oO(So ein Blödsinn! Ich liebe niemanden, schon gar nicht einen Rüden, der vor allem auch noch eine Gefährtin hat.)Oo.
Es war eine sich selbst verleugnende Liebe, die Athür mit Bravur zu unterbinden wusste. Seufzend richtete er sich ein wenig weiter auf.
.oO(Und trotzdem liebe ich ihn nicht!)Oo.
Shit senkte seinen Körper, um die gleiche Größe zu erlangen, wie Malicia. Seine Rute peitschte in der Luft hin und her und er sah die junge Lady freundlich grinsend an:
"Malicia also. Ein hüber Name, findest du nicht? Du bist noch sehr jung, es ist dein erster Winter, hab ich Recht? Dein erster Schnee? Freust du dich? Der erste Schnee ist etwas ganz besonderes, Schnee ist toll, findet Shit jedenfalls!"
Amüsiert blickte er sie einen Augenblick lang schweigend an, ehe er mit seinem Redeschwall fortfuhr:
"Der Winter ist etwas total tolles! Außer Schnee gibt es noch das Eis, gefrorenes Wasser, das ist rutschig und man kann sehr viel Spaß haben. Außerdem kann man sich in hohem Schnee einbuddeln! Man kann sich auch eine Höhle bauen, oder ihn fressen, soll nicht so gut sein, Shit macht es aber trotzdem."
Kurz schien er nachzudenken, ehe er die Zunge rausstreckte und eine Schneeflocke einfing.
"Und, freust du dich jetzt auf den Winter? Man kann viel Spaß haben und eigentlich will doch jeder Spaß haben, oder was meinst du? Du kannst mit deinen Geschwistern auf dem Eis spielen, geht aber auch allein, Shit weiß das nur zu gut."
Sein Grinsen wirkte plötzlich verwegen und die Abenteuerlust packte ihn. Banshee hatte sie zusammen gerufen, um etwas zu besprechen? Ein Abwartender Blick lag kurz auf ihr, doch Shit musste einsehen, das noch zu wenige Wölfe des Rudels anwesend waren. Gut das sie sich nun alle einfinden würden, dann konnte er sie kennen lernen.
Er hob den Blick, als Acollon hinzu kam. Ruhig hörte er sich dessen Worte an, als wären sie für ihn bestimmt und spürte einen stechenden Schmerz in der Brust.
"Du kannst doch nicht eine so liebe Wölfin wie Banshee verlassen, Schwarzer! Du darfst ihr nicht weh tun, das verbiete ich!"
Kaede hatte lange Zeit gewartet und immer mehr war ihre Hoffnung geschrumpft, dass ihr kleiner Pate noch kommen könnte. Sie hatte gemerkt, dass er sich nach der Jagd verändert hatte, jedoch hatte sie ihn zu selten gesehen um mit ihm reden zu können und anscheinend war er auch jetzt nicht gewillt zu ihr zu kommen. Traurig lächelte sie und senkte den Kopf und stieß ihre Schnauze in den weichen, kühlen Schnee unter ihren Pfoten. Im Kopfanheben schleckte sie sich über die Schnauze und spitzte die Ohren. Ein lautes Heulen drang durch den Wald. Banshee rief sie, damit sie alle zum Rudelplatz kommen würden. Seufzend erhob die Fähe sich.
oO (Ein weiter Weg bis zum Rudelplatz, doch sollte ich ihn bewältigen können. Wenn mich nur nichts in die Irre führt . . . )Oo
Sie stand auf und schlug leicht mit ihrer Rute um den Schnee davon zu entfernen. Dann streckte sie sich kräftig, sodass ihre Muskeln wieder warm wurden. Erst dann machte sie sich langsam und bedächtig auf den Weg zu den anderen.
Auf ihrem Weg achtete sie darauf, dass sie nicht wieder gegen irgendwelche Sachen lief, doch solange sie ihr Tempo nicht erhöhen würde, würde sie dies wohl vermeiden können, denn sie hatte in der letzten Zeit gemerkt, dass sich ihre Sinner verschärft hatten. Auch wenn ihr Orientierungssinn der alte geblieben war konnte sie eher erahnen wo Bäume, Büsche und andere Hindernisse waren. Sie beschloss einen kurzen abstecher zum Fluss zu machen und witterte das Wasser. Sie hörte es nur leise rauschen, anscheinend war es noch nicht von dünnen Eisschichten bedeckt. Bei diesem Wetter konnte dies leicht passieren obwohl das Wasser dauernd in bewegung war. Am Fluss angekommen senkte sie ihre Schnauze und nahm ein paar tiefe Züge des eiskalten Wassers. Sie spürte das prickelt ihren Hals entlang und spürte, wie sich trotz der kälte des Wassers eine wohlige Wärme in ihrem körper ausbreitete. Sie leckte sich die restlichen Tropfen ab und beschloss sich etwas zu reinigen, so tappte sie mit den Pfoten in das flache Wasser. Ihre Wunden schmerzten dabei und ihr ganzer Körper schien zu protestieren und doch ließ sie sich einmal blitzschnell, so schnell es eben ging, in das Wasser gleiten um sich dann zu erheben und zu schütteln, doch so war der Dreck abgewaschen worden. Die Tropfen spritzten durch die Gegend, ihr Körper schrie vor Schmerzen, doch fühlte sich die Blinde nun besser. Langsam trat sie aus dem Fluss zurück und marschierte zum Rudelplatz. Nun war es nicht mehr weit und ihr Fell würde in der Wintersonne auch trocknen. Einige Tropfen rannen noch an ihrem Bauch hinunter, doch man konnte das schöne sanft grau schimmernde Fell nun wieder deutlich erkennen. Stolz hob sie den Kopf und betrat den Rudelplatz. Sie jaulte eine begrüßung an alle umstehenden um dann zu Banshee zu sprechen.
"Sei gegrüßt Banshee. Ich bin deinem Ruf gefolgt. Hierf bin ich!"
Sie wedelte mit ihrer Rute und blickte in Banshees Richtung. So hoffte sie zumindest. Dann tappte sie auf diese zu, bis sie nur noch ein paar Meter trennte und setzte sich geschmeidig hin, die Schmerzen ignorierend.
"Auch ihr andeen, seid gegrüßt"
Leider konnte sie nicht einordnen wer außer Acollon noch beoi Banshee anwesend war. Fremde?
Noch immer war der Schock groß für den jungen Rüden, dennoch war ihm bewusste, das seine Schwester ihn jetzt brauchte, sie nicht dort bleiben konnten. Umsichtig trat er noch ein paar Schritte näher, ehe er sie vorsichtig mit der Schnauze berührte. Sie sollte wissen, das er noch immer da war, er ließ sie nicht alleine.
"Komm Sheena. Wir müssen hier weg...Banshee hat das Rudel gerufen. "
Seine Stimme hielt er mit Mühe ruhig. Er durfte nicht selber in Panik verfallen, er musste Sheena jetzt beschützen und er würde sie unversehrt zurück bringen. Sacht stupste er sie an, sie sollte sich in Bewegung setzten und mit ihm kommen. Einen Moment ließ er seinen Blick in den Himmel gleiten, musterte die Wolken und die Schneeflocken, die hinab segelten. Auf die Frage seiner Schwester ging er nicht weiter ein, wollte er sie nicht beunruhigen. Es ging ihm ja auch soweit gut, nur machte ihm seine Schulter beim Laufen noch Probleme und die blutigen Bilder hatten sich in das Gedächtnis Hikajis gebrannt. So schnell würde sie wohl alle nicht vergessen, was passiert war. Wie konnten sie auch? Es war ihre erste Jagt gewesen... Aber darum galt es jetzt keinen Gedanken zu verschwenden. Erst mussten sie beide heil zurück kehren. Aber dazu mussten sie sich erst mal in Bewegung setzten. Der Graue sah zu der Kleinen und forderte sie noch mal auf, ihm zu folgen, ehe er langsamen Schrittes den Weg in Richtung Rudelplatz einschlug – zumindest hoffte er, das es der richtige Weg war.
Spuren, irgendwo im Schnee. Berührungen mit einer so reinen und kalten Decke, das der Atem eines jeden Wesens Gestalt annahm. Pfade verschlangen sich ineinander .. und verschwanden wieder. Ein hartnäckige Macht hatte das Land ergriffen. Und doch – für Einen galt sie nicht. Dort wo das Weiß seinen Abdruck aufweisen müsste, war nichts als blankes Eis und jenen Atem gab es nicht mehr, also auch nichts, was zu Dunst werden könnte. Und dennoch war sie da, jene rabenschwarze Kreatur, die nicht existieren dürfte und es trotzdem musste. In all dem grellen Schnee, wirkte er noch kälter, noch entfernter, noch .. dunkler. Geblendet waren Feinheiten seines Körpers kaum noch zu erkennen, nur Eines. Jene Augen des Ertrunkenen, Verbrannten, Erstickten, Vergifteten und Gehängten – ein endloser Ozean in Mitten vom Eismeer. Der Saphir mitten im Schnee. Und neben ihm tanzten sie, schwebten sie, wandelten hin und her, verfingen sich im kalten, samtigen Fell, schmolzen nicht und bildeten einen seltsamen Kontrast zum reinen Schwarz des länglichen Pelzes. Schneeflocken. Vollkommen leer hing der Blick jener toten Kreatur irgendwo im Nichts, als hätten sie kein Ziel. Er stand starr dort wie eine Statue, reglos und doch wirkte die Erscheinung trist und traurig. Während das Leben neben ihm verlangsamt weiterzulaufen schien - die Flocken tanzten in Zeitlupe zum Boden herab - flimmerten Bilder vor dem Blickfeld des Leblosen auf und ab. Er träumte nicht, das war ihm schon lange nicht mehr vergönnt.
Und der Saphir leuchtete...
Kräftig und blau, während es sonst vollkommen schwarz um ihn herum war. Face blinzelte und langsam nahmen verschwommene Gegenstände in der Dunkelheit Gestalt an. Genau wie er. Er stand auf zwei Beinen, hob die Hände und betrachtete sie ausdruckslos, wieder einmal... Doch dieses Mal passierte alles bloß in seinem Geiste, während der Wolf außen noch immer reglos im Schnee saß.
Langsam schritt der junge Mann auf Bilder zu, Tausende verschiedene Abbildungen. Ein leichtes Zittern machte sich in seiner Seele breit, er wollte gar nicht wissen, was auf diesen Bildern zu sehen war...
Stumm ging er Schritt für Schritt an den Bildtafeln vorbei, es blieb ihm gar nichts anderes übrig als seinen trüben Blick auf sie zu richten. Ein Welpe, scheu und verwirrt. Ein junger Wolf, still und zurückgezogen. Einer mit einem Lederhalsband, an dem jene Rabenfedern befestigt waren – immer der Selbe, er. Und noch registrierte Face es gar nicht, sah die Bilder zwar und dennoch ohne jeden Gedanken. Dort war ein alter Wolf, ergraut mit der Zeit, ein harter, stählerner Gesichtsausdruck, ein erblindetes Auge. Er blieb stehen und strich mit den Fingern über das Bild, blinzelte. Ein Ziehen machte sich in ihm breit. Automatisch setzten sich seine Füße wieder in Bewegung, weiter, weg von dem Bild, hinüber, nur wieder zu einem Anderen. Dieser Wolf hatte grauschwarzes Fell, helle Abzeichen an Schnauze und Brust, der gelbe Blick eiskalt und gemein – zu bekannt. Jetzt taumelte er einen Schritt zurück und wollte am liebsten die Augen zukneifen, doch es ging nicht. Die grausame Fratze starrte ihn genau an, auch als er weiter ging leuchteten seine Augen noch vor ihm. Die Bilder machten sich selbstständig, dort war ein Indianerjunge, dort ein alter Mann, hier wieder ein Wolf, eine Fähe, eine Abbildung die bloß die tödliche, rote Flüssigkeit anzeigte – und er hatte das Gefühl verrückt zu werden. Was auf den Tafeln zu sehen war, fing an sich zu bewegen, kam auf ihn zu, nahmen feste Gestalt an. Die zwei Rüden umkreisten ihn – sein Vater und Großvater, er hörte das Lachen, da waren noch mehr. Seine Mutter, seine Schwester von Oben sahen sie alle auf ihn herab, mit verächtlichen Blicken. Hastig warf Face den Kopf herum, langte nach Atem, den er nicht bekam. Tausend Mal erstickt, gehängt. Von hinten grinste ihn Cloud an und hinter ihm stand der alte Mann mit dem weißen, langen Haar. Medizinmann hatten sie ihn alle genannt. Face Taihéiyo starrte den Alten an, der nun seine Lippen bewegte und eine Stimme in seinem Kopf dröhnen ließ.
~“I wonder why strong men die?”~
Inzwischen hatte eine innerliche Panik den jungen Mann ergriffen, der Geist zitterte und außen saß stumm der große, schwarze Wolf, irgendwo allein im Schnee. Starke Männer sterben, weil sie stark genug sind um ihr Leben selbst zu beenden..? Schwächling, Feigling, Dummkopf!
Er schlug die Arme über seinen Kopf, drückte die Hände an seine Ohren, wollte schreien um nichts mehr zu hören. Ja, aufhören! Es sollte aufhören! Sie standen alle in einer Reihe, um ihn herum, starrten ihn an. Duzend Augenpaare lagen auf ihm und er konnte nur noch rennen. Aus den Beinen und Händen wurden wieder Pfoten die durch endlose Finsternis hetzten und mit ihr verschmolzen.
~“1... 2... 3...“~
Der Countdown in die andere Richtung begann, gesprochen von allen Stimmen. Blankes Entsetzen spiegelte seine Seele wieder, die, die niemand sehen konnte.
Der Tiefschwarze sprang durch Nebel, irgendwo entlang während man ihm die Schlinge umlegte.
~“4... 5... 6...“~
Die Stimme seines Vaters zählte nun, jede Zahl klang so nach wie jene Worte, die er ihm damals immer entgegen geschickt hatte. Er hasste ihn, er war wertlos, warum war er wertlos? Weil er gelebt hatte.
~“7... 8... 9...“~
Cloud stand schon wieder neben ihm und lächelte vielsagend, voller Boshaftigkeit und Hohn. Was hatte er gelernt? Er gehörte nur ihm, einem der starken „Männer“ die gestorben waren. Face blieb stehen, er konnte nicht weiter. Der Strick lag um seinen Hals, er konnte nicht ausweichen und nicht zurück. Es gab nur noch eine Zahl, nur noch eine Möglichkeit.
~“Spring! Spring! SPRING!”~
Er wurde nach unten gerissen, das Seil spannte sich und…
Schnee landete auf seiner Schnauze. Eine Regung ging durch den Körper des rabenschwarzen Wolfes. Er erhob sich und senkte kurz die müden Lider. Dann stapfte er stumm voran, hinterließ keine Spuren und fühlte nur den pochenden Schmerz in seinem Inneren. Ein so heftiger Gedankengang wie eben, eine solche Illusion, aus der er sich nicht hatte befreien können bis er wieder gestorben war, hatte er noch nie gehabt. Kein Dunst bildete sich wo kein Atem war, so schritt Face Taihéiyo wieder allein davon. Jene schwarze Fähe, die ihn kurze Zeit begleitet hatte war längst verschwunden, oder war er es gewesen, der verschwunden war? Unwichtig. Sowieso, es war nichts mehr wichtig. Das ganze Leben, alles was passiert war, egal wie grausam, wie schrecklich, wie toll und wunderbar es gewesen war. Am Ende zählte rein gar nichts mehr, unwichtig. Man verlor es doch eh. Und jetzt war nach wie vor alles unwichtig, also war auch genau so unwichtig, wohin er nun ging. Es gab nichts mehr, dass er verlieren konnte. Weder ein Leben, noch sonst was. Leere hatte sich in ihm ausgebreitet, nein halt – er war die Leere, er war das Nichts. Weder tot noch lebendig, nichts.
Und das Heulen Banshees drang an seine Ohren, er hörte es und er hörte es nicht. Die tote, schwarze Gestalt erschien auf dem Rudelplatz, ganz am Rande bloß und dort blieb sie stehen. Entfernt von all den Wölfen und trotzdem konnte er sie sehen. Es musste krass wirken, wie eine reinschwarze Gestalt dort mitten im Schnee stand ohne sich zu rühren und einfach nur zu allem hinüber sah. Was er hier nun machte wusste er nicht, was er hier nun suchte wusste er auch nicht. Wahrscheinlich war es einfach der Tod, der ihn anzog, obwohl er wusste, dass er ihn abstieß, nicht wollte. Gleichermaßen zog es ihn auch wieder weg, denn das Leben war mit dem Tod zusammen an einem Ort.
Stumm blickten die saphirblauen, leeren und irgendwie müden Augen aus der Schwärze hinaus, sahen nur das Leben und den Tod dort am Platze. Andere Stimmen vernahm er nicht, andere Körper sah er nicht. Auch nicht den Indianerjungen, der wieder einmal hinter ihm stand und zufrieden nickte. Er war wieder hier. Schon wieder. Puppe, oh, Puppe an unsichtbaren Fäden...
oO (Banshee hat das Rudel gerufen. . . Muss eine mächtige Fähe sein, wenn sie das Rudel ruft, vielleicht die Alphafähe. . . Doch wen kümmerts, sie ist zerstört, sie und ihr junges Leben) Oo
Traurig schaute die Fähe ihrem Bruder hinterher, wie er in die Richtung ging aus der das heulen gekommen war. Vorsichtig setzte sie sich in Bewegung. Nur langsam kam sie vorwärts, doch wollte sie ihren Bruder nicht bitten zu warten. Er musste sie schon so gewiss als nervig empfinden. Sie spürte wie ihr heiß wurde. Spürte die Anstrengung an ihrem ausgemergeltem Körper. Ein schnaufen entkam ihren Lefzen.
oO (wozu all der Aufwand der Fähe. Was bringt es ihr, sich so zu verausgaben? Nur ein ihr unbekannter Ort wartet auf sie, mit anscheinend mehreren Wölfen. Vielleicht ihr Rest Familie, doch wenn nicht? Was war wenn sie in die falsche Richtung liefen? Wenn sie gar niemals ankamen und sie irgendwann einfach lautlos zusammenbrach. Bruder würde es nicht merken, war zu weit vorne) Oo
Angst ergriff die kleine wieder und sie machte einen mühsamen Sprung nach vorne, der sie nur wenig ihrem Bruder näher brachte. Sie jaulte kaum hörbar auf, schleppte sich weiter. Ihre Seiten hoben und senkten sich nun immer schneller, ihr Atem ging bald rasselnd und schmerzen zuckten in ihrer Seite, doch sie musste weiter
oO (noch ein Schritt, und noch einer. Immer so weiter. Brüderchen geht vor. Sie muss hinterher) Oo
Schritt für Schritt kämpfte sich die wankende Fähe vorwärts.
Der Rüde sah den Kleinen aufmerksam an. Er sprach nur kurz zu ihm, doch forderte er ihn auf ihm zu folgen. Zu der Alphafähe. Genau dahin wollte er doch auch, oder? Vielleicht würde er da ja auch Neyla treffen . . .
So folgte er dem jungen Rüden in angemessenem Tempo, sodass er ihn auch nicht belästigte und dachte nach. Der Rüde schien etwas anders. Waren etwa alle Welpen hier so? Nach der Jagd war sowieso alles anders geworden, das spürte sogar er, ein Fremder. Die Atmosphäre hatte sich verändert. Doch plötzlich blieb der kleine stehen. Zack konnte den Platz schon wittern, doch wollte er sehen was den kleinen dazu veranlasst hatte. Ein lächeln stahl sich auf seine Lefzen als er bemerkte, dass es der Schnee war, welcher den jüngeren so begeisterte. sicher er hatte bestimmt noch nie Schnee gesehen. Hatte er sich früher wohl auch so gefreut? Nein sicher nicht. Zack hatte das Gefühl, als ob er sein ganzes Leben lang so alt gewesen wäre. Alt und gemein. Wenn er Welpen haben würde, würde er sie auch so glücklich erziehen? Aber er wollte sie nur mit Neyla. Er vertrieb die Gedanken wieder und blickte den Rüden an. Ob er nun weitergehen würde? Vielleicht wollte er auch alleine sein. . .
Um ihn nicht zu stören ging Zack langsam an ihm vorbei auf den Rudelplatz und schaute sich um. Einige Wölfe standen verteilt, unter anderem die Graue die er schon mal gesehen hatte. Und das dort nicht unweit der grauen, dass musste wohl die Alphawölfin sein.
Unbewusst richtete Zack sich auf, deutlich waren seine Muskeln unter seinem dicken Winterfell zu erkennen. Das mächtige an ihm, schien aufzuwachen und aufmerksam stand er am Rand des Platzes und schaute zu der Alphafähe hinüber.
"Seid gegrüßt, Alphafähe des Sternenwind Rudels. Entschuldigt bitte, dass ich mich nicht vorher vorgestellt habe, doch ich kam zu einem ungünstigen Zeitpunkt wie ich meinen möchte"
Damit verstummte er und fixierte die weiße Fähe.
Die Tiefbraune sprang tollend durch den Schnee. Ein herrlicher Schnee war das. Weiß und kühl. Eigentlich wie jeder andere Schnee, aber doch halt etwas besonderes. Ausgelassen und jauchzend lief sie hin und her, ließ sich ab und an einfach fallen, um die Kälte in sich aufzunehmen und festzuhalten. Der Ruf der von einer Wölfin entstammen musste, hätte die Welpin fast überhört. Etwas trotzig brach sie ihre Spielereien ab und trottete wider Willen auf die anderen Wölfe zu, die sich als kleine Punkte in der Ferne entpuppten. Auch der schwarze Punkt ihres angenommenen Vaters war zu erkennen. Unsicher, wie Kuri darauf reagieren sollte, wurde sie langsamer. Zwangsläufig musste sie um diesen Rüden herum. Doch seine kalte Abfuhr hatte ihr das Herz wieder einmal gebrochen. Und die vermeidendliche Liebe steuerte in einen gnadenlosen Hass, wie sie es jedes Mal tat. Mit diesem Hass stieg aber auch der Schmerz, der in ihrem kleinen Brustkorb saß. Auch jetzt erst bemerkte sie, wie schlimm sie keuchen musste. Es zwang die Jungwölfin zu Boden.
.oO(Du Mörder!)Oo.
Ja, es fühlte sich an, wie sterben. Schmerzend und ausmerzend. Die eben noch lebensfrohe Fähe sank tief in den Schnee. Diesmal war er aber nicht mehr erfrischend, sondern erfrierend. Winselnd robbte sie sich vorwärts.
.oO(Warum aber auch, will sich keiner mit mir einlassen? Warum kann mir denn keiner einwenig Heimat schenken? Meine Eltern haben es nicht geschafft, die anderen schaffen es auch nicht? Nur eine Weile lang eine Familie haben. Es muss doch keine Gute sein. Das einzige Kriterium: Es soll eine Familie sein. Bestehend aus ein bisschen Achtung und Sorge. Verlange ich denn immer zu viel?)Oo.
Aus dem bitteren Winseln wurde ein flehendliches Jaulen. Mit den Vorderpfoten zog sie sich Stück für Stück, zu dem Rudel heran.
.oO(Wie jämmerlich ich doch jetzt aussehen muss! Ich will nicht bemitleidet werden, nur ein wenig verstanden. Ach Schwarzer, kann ich denn nicht ein wenig bei dir bleiben?)Oo.
24.12.2009, 19:44
Ein anfängliches Husten drang aus Athürs Richtung. Der Rüde hatte sich keineswegs verschluckt, er war nur dabei seinen gefährlichen Lachanfall zu unterdrücken. Was ihm aber nicht wirklich gelang. So prustete er los, keuchte lachend, bellte rau und hustete etwas heiser. Seine Befangenheit war für diesen Moment so vergessen, dass man sich diesen Lachanfall allein nur seines Hohnes erklären konnte. Nur allmählich verebbte das Lachen, heraussiebte sich das anfängliche Lachen. Mit einem breiten Grinsen wandte er sich einem, ihm unbekannten Wolf zu (Shit).
“Na, du glaubst doch wohl selbst nicht, dass der Schwarze sich etwas von dir, Waschlappen sagen lässt“,
seine Worte waren nicht böse gemeint, oder sollten auch nicht die Absicht verfolgen dem Gegenüber zu entfallen. Es waren typischen „Athür“ – Worte.
Das Husten fand in einem Röcheln das Ende und nur noch das scheinheilige Grinsen fand auf seinem hübschen Gesicht Platz.
.oO(Uh, der wird mich ja hassen, nach diesen Worten. Aber sagte nicht mal irgendein Trottel von Wolf: Man müsse seiner freien Meinung Kund tun? Und ich habe nicht einmal meine Meinung präsentiert, sondern einfach nur Tatsachen in die offenen Karten gelegt!)Oo.
Die grauen Augen fanden im Horizont eine Weile ihre Gedanken wieder. Was war denn dahinten los? Ein schwarzer Rüde saß dort, und ein Stück weiter zum Wald hin, robbte sich etwas durch den Schnee. Begeistert sprang der Rüde auf. Es könnte ja mal eine Art „Wolf mit größerem Humor“ sein, oder zumindest ein Wolf, der nicht so spießig war, wie der Rest des Rudels.
.oO(Wenn ich mal ein zweites Leben haben werde, so beschäftige ich mich mal mit der Frage: Warum sind alle Wölfe immer solche Trauerkekse? Ist ja nicht mehr auszuhalten!)Oo.
Tänzelnd lief er auf das robbende Bündel im Schnee zu – im Vorbaischreiten warf er dem schwarzen Rüden, der seltsam blaue Augen besaß, einen Hohnvollen Blick zu. Angelangt an der Quelle seiner Aufmerksamkeit, erschrak der ehemalige Jungwolf zutiefst.
“Buah“,
vielleicht nicht ganz so die passende Begrüßung für einen Welpen, der gerade so aussah, als würde er jeden Moment sterben.
.oO(Sieht irgendwie übel aus! Ob das eine ansteckende Krankheit ist? Ach was, Welpen sind nicht so verseucht, wie ihre Eltern…)Oo.
“Kann man dir vielleicht noch irgendwie helfen?“,
fragte er nicht ganz so sarkastisch, denn die Welpin schien wirklich nicht ganz so fit zu sein.
Der junge Rüde lag ein wenig Abseits des Rudelplatzes, doch immer noch in Hör und Sichtweite. Eine Pfote lagerte auf seiner Schnauze, die Augen des Schwarzen waren geschlossen und hin und wieder zuckte er vergnügt mit der Schnauze oder den Pfoten. Der Traumtänzer träumte mal wieder. Wie so oft, war er in seiner eigenen Welt verschwunden. Der Welt wo alles gut war und die nur er kannte. Nunja, fast, die sonderbaren schwarzen Gestalten waren immer noch da, doch so lange sie nur weit genug von ihm fort blieben. Manchmal, wenn irgendwas passiert war, oder irgendwer von dieser Erde verschwunden war, kamen sie ganz nah und er konnte sie reden hören, doch in ihre Gesichter sah der junge Wolf nie. Sie machten ihm auf ihre sonderbare Art und Weise Angst. Und auch ihre kalte Stimme mit der sie immer redeten und ihre Worte hatten den Kleinen schon einige male verschreckt. Doch in diesem Moment war alles gut. Die Gestalten waren nicht wirklich in der Näher und dem nun wohl schon eher Jungwolf machte es Spaß durch die weite Landschaft zu toben in dem es weder Zeit noch Grenzen gab. Hin und wieder ließ er sich fallen, rollte sich über die kühle Erde, nur um im nächsten Moment wieder aufzuspringen und weiter zu rennen. Im Traum war der schwarze Wolf wirklich Grenzenlos. Mit zuckenden Ohren drehte er sich einmal im Kreis, stiße die Schnauze in die Luft und vollführte einen kurzen Drehsprung in der Luft. Die Rute pendelte sanft hin und her, während er die bernsteinfarbenden Augen rastlos in der Umgebung herum wandern ließ. Die Traumwelt war wirklich Grenzenlos. Und dafür liebte er so. Sie zwang ihm keine Grenzen und Regeln auf. Er konnte Leben und Laufen wie und wohin er wollte. Er brauchte keine Umwege zu nehmen, jeder Weg stand ihm offen, wenn er es nur wollte. Mit einer ausfallenden Bewegung ließ sich der junge Schwarze auf die Hinterläufe sinken und streckte sich gemächlich. Er könnte ewig hier verweilen, doch dummerweise, waren Träume begrenzt in ihrer Dauer und dieser würde wohl nicht mehr lange dauern. Tatsächlich konnte er bereits ein leichtes prickeln auf der Schnauze verspüren. Wie dumm, in den nächsten Sekunden würde er dann wohl oder übel aufwachen.
Und tatsächlich, mit dem heulen seiner Mutter, öffnete der Welpe die Augen, konnte aber nichts weiter erkennen als seine eigene schwarze Pfote auf seiner Schnauze. Leicht verzog der schwarze Jungwolf die Nase
"Oh..."
Die Pfote von der Schnauze hebend, richtete sich Cylin auf die HInterläufe auf und blickte sich mit noch etwas von schlaf verschwommenem Blick um. Als erstes erkannte er den Baum unter dem er geschlafen hatte, dann erkannte er seinen Bruder Averic und weiter hinten den Rest des Rudels. Grinsend ließ er den Bernsteinblick auf seinem Bruder ruhen und lehnte sich zu diesem herüber. Spielerisch zog der Schwarze mal wieder an dem Ohr seines ebenfalls schwarzen Bruders. Averic war größer als er, halt der große Bruder irgendwie, der Bruder der ihm immer beschütze. Er hing wirklich wie eine Klette immer an Averic, aber er brauchte seinen Bruder halt. Und er würde sich nicht noch einmal von ihm trennen lassen, dmalas bei der Jagd das hatte ihm gereicht, auch wenn er sich daran nicht einmal wirklich erinnern konnte. Er hatte keinen Schimmer was überhaupt passiert war. Naja, war ja auch egal. Einen kurzen Moment kaute Cylin auf dem Ohr seines Bruders herum.
"Hey Averic, bist du wach?"
Der junge Wolf ließ das Ohr los und lehnte sich leicht zurück. Interessiert blickte er nun auf die Stelle wo seine Pfote vor einigen Sekunden noch gelegen hatte. In der hachdünnen Schneeschickt war der Abdruck seiner Pfote eingezeichnet. Verzückt legte er nun seine rechte Pfote in die noch unberührte Schnedecke neben der ersten Pfotenzeichnung. Im nächsten Moment hob er seine Pfote auch schon wieder an und blickte auf den neuen Abdruck. Seine Pfote war ganz schon groß geworden. Klar, er war ja auch kein Welpe mehr, sondern nun schon fast ein ganzes Jahr alt. Er war in der Zeit ein ganz schönes Stück gewachsen, auch wenn er in seiner größe nicht im gerinsten an Averic heran kam. Erneut hob und senkte er die Pfote, blickte seinen Pfotenabdruck an und wiederholte den Vorgang. Ein bescheuerter Zeitvertreib, aber irgendwie machte es Spaß. HIn und wieder warf er auch seinem Bruder einen kurzes Blick zu, oder lauschte auf die Stimmen die vom Rudel herüber wehten. Eigentlich hatte Banshee ja alle zusammen gerufen, aber Cylin würde noch warten bis sein Bruder sich eerhob. Der junge Schwarze würde ihm dann einfach folgen, so wie immer. Wieder lenkte er seine Aufmerksamkeit auf das Pfotenspiel, immer neue Abdrücke entstanden in der leichten Schneeschickt, die immer wieder von den hinuntwer rieselnden Neuschnee gedeckt wurden.
Den Kopf auf die linke Pfote gebettet, starrte der junge Averic zu all den Wölfen hinüber, die in der Zwischenzeit hier nun eingetrudelt waren. Die tiefblauen Augen, die früher an Saphire erinnert hatten, leuchten nicht mehr ganz so kräftig, schienen etwas an Farbe verloren zu haben und verliehen ihm gleichzeitig auch einen kühleren Ausdruck. Groß war er geworden, allerdings nicht viel kräftiger. Der Pechschwarze war immer noch recht schmal, dafür auch immer noch der Größte aus dem Wurf. Averic war allerdings auch aus einem ganz anderen Holz geschnitzt als Hiryoga und sein kleiner Cylin. Der lag übrigens wie immer neben ihm. Irgendwie schien der kleine Träumer gar nichts mehr von damals zu wissen, er was allerdings auch nicht dabei gewesen. Noch immer trug er Schäden von jenem Tag mit sich rum, dass war auch der Grund, warum er fast immer an dieser Stelle hier lag. Bei vielen Bewegungen, vor allem wenn sie hastig vonstatten gingen, schmerzten seine Rippen noch so furchtbar, dass er sich wieder hinlegen musste, um nicht den Schmerz anzuspannen. Und immer noch hinkte er vorne rechts, die Pfote hatte es übel getroffen. Aber das wurde schon wieder! Da war der Jungwolf sehr zuversichtlich. Allerdings gab der junge Pessimist das nicht so von sich. Immer gereizt und ziemlich mürrisch war er drauf und man musste sehr aufpassen, wenn man in seiner Nähe war. Sollte es passieren, dass man ihn aus versehen anstieß, durfte man gleich mit einer bösen Anmache rechnen.
Als nun plötzlich etwas sein Ohr berührte und sachte zukniff, raste sein Blick auch zur Seite, viel mehr aber aus Reflex. Averic wusste ja, dass dies sein geliebter Bruder war und ihn würde er doch niemals anfahren! Der Jungwolf hob den Kopf und kniff seinem Cylin ganz sachte in die Nase.
„Na klar bin ich schon wach! Aber die dahinten scheinen eingeschlafen zu sein... Kommen irgendwie nicht zu Potte.“,
berichtete Averic seinem kleinen Träumer mit einem Grinsen auf den Lefzen. Dann sah er zu, was der Kleine da eigentlich so trieb. Mit schiefgelegtem Kopf beobachtete der Jungwolf seinen Bruder bei seinem Schneeabdruckspiel. Die Ohren zuckten leicht nach hinten, er wurde abgelenkt von den Stimmen. Weiter hinten am Waldrand konnte er plötzlich auch den mysteriösen Schwarzen entdecken. Der hatte sich wirklich lange nicht blicken lassen... Averic legte die Ohren an. Der konnte einem wirklich fast schon unheimlich vorkommen. Aber nun stupste der Pechschwarze seinen Bruder an und rappelte sich vorsichtig auf.
„Komm Cylin! Wir gehen etwas näher zu Mutter und gucken dann auch gleich mal, wo der Rest geblieben ist!“
Das war typisch für ihn. Er war zwar älter geworden, verspürte aber immer noch diesen Beschützerinstinkt gegenüber all seiner Geschwister. Denn oft wirkten sie alle so schwach und hilflos, da musste er halt aufpassen, auch wenn er nicht einmal Wurfältester war!
Der Schnee wirkte so fremd. So kalt und doch so anziehend. Das glänzende Weiss der Schneeflocken faszinierte die Welpin. Auf einmal waren so viele Wölfe da. Gerüche überhäuften die Schwarze. Sie mochte dies nicht. Instinktiv zog sie die Schultern hoch und vergrub ihre feuchtkalte Nase unter ihren Pfoten. In ihren Ohren hallten die vielen unsinnigen Worten des braunen Rüden. Malicia empfand den Rüden als höchst seltsam. Und genau das machte ihn wiederum interessant. Alles was anders war, erweckte ihr Interesse, auch wenn sie es nie zeigen würde. Nicht mehr als ein undeutbaren, vielleicht kalten Blick, würdigte sie ihn. Nur halbwegs bekam sie die Gespräche der anderen mit. Ihr blick streifte herum, ziellos wirkend. Sie fühlte sich nicht wohl. Musste sich zwingen, hier zu bleiben, unter ihrer Mutter. Banshee beachtete sie nicht gross, genau das wirkte auf Malicia beruhigend. Ihre ganze Art wirkte beruhigend. Der Wind liess die Schwarze mit den eisblauen Augen frösteln. Ihre Fellhaare zitterten leicht und sie schloss kurz die Augen. Die Dunkelheit jedoch blieb fern. Auf einmal erinnerte sie sich wieder an den Raben. Sie hatte ihn getötet. Viele Gedanken gingen ihr durch den Kopf.
.oO(Seine Botschaft ist nun in guten Händen, meine Kleine...Sei ganz ruhig, bleib nur hier...Bei mir-)
Ihre Augen wurden klar. Auf einmal fühlte sie sich höchst unwohl. Sie zitterte leicht und wollte nur noch weg. Doch sie sagte ihr, das sie bleiben sollte. Sie musste sitzen bleiben. Genau hier. Nun war ihr der kalte Wind egal. Sie ignorierte alle Zeichen der Natur, alles rund um sie herum. Sie fragte sich, wie ihr Leben weitergehen würde. Seltsame Überlegung, auch das gestand sie sich zu, doch sie wusste nicht, was sie tun sollte. Warum tat sie, was man ihr sagte? Malicia wollte sich dies eigendlich nicht fragen und so begann sie ihre Gedanken zum Schweigen zu bringen.
.oO(Warum?!)
fragte sie sich empört und zugleich unsicher. Sie erwartete diese Stimme, doch sie schwieg. Und so blieb sie...
Irgendwo in der Pampa sitzend hatte Kisha die kleinen rundlichen Ohren aufgestellt, den Blick mit freudigem Ausdruck und totaler Verblüffung zu den grauen Wolken oben am Himmel gerichtet. Wunderbar! So etwas hatte sie vorher noch nie gesehen! Man konnte fast sagen, dass die Schwarze total gebannt war, wie hypnotisiert. Jedoch senkte sie den Kopf leicht, als etwas kaltes ihre Nase berührte. Noch etwas neues, unbekanntes, was ihr Interesse noch ein bisschen mehr weckte. Neugierig schaute sie von unten nach oben, den Kopf leicht geduckt. Unsicherheit zeichnete ihren Blick, aber vielleicht auch nur die steigende Freude auf etwas, was ihr noch völlig unbekannt war. Als die weißen Flocken dann plötzlich schneller fielen, nun mehr und mehr ihr schwarzes Fell bedeckten konnte man ganz gewiß sagen, dass Unsicherheit in ihrem Blick lag. Was... Was war das bloß? Es roch nicht wirklich nach etwas, schmeckte abartig, wie sie feststellte und schien auch nicht einen Sinn zu haben. Etwas mürrisch verzog sie das Gesicht, als eine weitere Flocke ihre Nase traf. Ruckartig stemmte sie sich mit den Pfoten ab und sprang einige Meter weiter. Und immer noch tanzten die Flocken auf sie hinab. Protestierend musterte sie verschiedene der weißen Dinger, warf jeder, die in ihrem Blickfeld lag einen bösen Blick zu.
“Kusch kusch! Macht das ihr weg kommt!“
Fast schon knurrend verließen diese Worte die Kehle Kisha’s. Mit einem leisen Grummeln schüttelte sie ein Mal ihren ganzen Körper, stellte mir Erleichterung fest, das das Zeug eine Schwachstelle hatte. Sich unaufhörlich schüttelnd sprang sie los, sprang immer wieder in die Luft und schüttelte das schwarze Fell, um sich von diesem lästigen Zeug zu befreien. Nach einer längeren Zeit des hüpfens und sich dabei schüttelns erreichte sie wohl den Rudel Platz. Kurz vernahm sie die Umrisse ihrer Mutter, ehe sie erneut in die Luft sprang und den Pelz schüttelte. Taumelnd landete sie auf den Pfoten, schüttelte sich ein letztes Mal und schritt dann mit leicht angelegten Ohren auf die weiße zu. Entsprechend bedrückt war ihr Blick, als ihr schwarzes Fell wieder gezeichnet von weiß war. Dieses Zeug wollte sich also wirklich mit ihr anlegen! Spöttisch schnippte ihr linkes Ohr nach hinten, gefolgt von einem kräftigen Schütteln des gesamten Körpers. Wenige Augenblicke später war jedoch ihr Kampfgeist gebrochen, sie hörte ein für alle Mal auf, ließ dem Zeug den Sieg, bis sie erneut anfangen würde, sich gegen ihn zu wehren. Fragend sah sie zu der Weißen, die nun nur noch einige Meter von ihr entfernt stand. Gelangweilt schleckte sie sich über die dunklen Lefzen, ehe sie sich in das kalte Zeug sinken ließ, den Kopf stur auf den Läufen bettend. Genervt schloß sie die dunklen Augen, ließ die Ohren immer wieder hin und her schnippen. Und irgendwann würde das wieder losgehen, dann würde sie sich wieder und wieder schütteln. Und das alles wegen ein bisschen Schnee...
Die Erinnerungen an vergangene Tage wurden zunehmend blasser und verschwammen, während sie noch daran dachte. Dinge, die sie versuchte zu ergreifen und sich erneut vor Augen zu führen streiften sie nur matt bevor sie rastlos an ihr vorbeizogen. Doch das, was die Nachtschwarze versuchte zu verdrängen schoss geradewegs auf sie zu und erfasse sie in einem Strom aus Erbarmungslosigkeit. Je weiter sie lief, desto schlimmer wurden die Bilder die ohne Mitleid immer wieder auftauchten. Doch hätte es geholfen stehen zu bleiben? Sie hielt inne und lauschte in die Stille. Wo war sie überhaupt? Für einen kurzen Moment schien sie aus ihren Träumen zu erwachen und ringsumher waren Bäume... und Schnee. So weiß wie der indem sie schon in jungen Tagen herumgestapft war. Ein kalter Windhauch umspielte ihr Herz und ließ es förmlich gefrieren. So kalt, so tief in ihr drin, wie ein Eisspeer der ihr Herz durchbohrte und noch tief darin steckte. Matt schlug sie die Augen nieder und bewegte sich langsam schweifend weiter. Spuren waren alles was ihr folgte, Spuren im Schnee die sich wieder füllen würden, unleserlich würden und schließlich verblassen...
Was war geschehen? Warum war sie nicht da, wo andere sich gegenseitig die Wunden leckten? Ihr Stolz konnte sie nicht fern halten, gewiss nicht, schließlich gab es keinen. Eine Zeit lang war sie mit Face, diesem tiefschwarzen Rüden gewandert, bis er irgendwann verschwunden war. Nun, sie hätte ihm vermutlich folgen können. Doch irgendwas hatte ihr gesagt, dass es besser war ihn ziehen zu lassen. Seit dem stapfte sie nun durch den Schnee und gewährte den Flocken, die auf sie niederfielen ihren Leib zu kühlen. Der Schmerz in ihrer Brust war noch lange nicht verblasst. Und die kühle Luft schien auch nicht ihre heilende Wirkung zu entfalten - im Gegenteil. Jeder Atemzug verbreitete stechende Schmerzen, jeder Schritt ließ ihr diesen Schmerz bis in den Kopf schießen. Doch niemals, nein, niemals würde sie das zeigen. Wozu auch?
Ein Heulen, nein, viel mehr ein Rufen drang an ihr Ohr. Den Wortlaut verstand sie nicht, auch nicht wer gerufen hatte. Viel zu sehr war sie in ihre eigene Welt versunken. Träume und Gedanken umschlungen einander, um den Besitzer eben dieser gemeinsam in eine bodenlose Tiefe zu reißen. Aber wie weit reichte das bodenlose denn noch? Hatte sie nicht schon oft genug gedacht, es könne nicht noch schlimmer kommen? Dass der Punkt an dem einem nichts außer leblos zusammenzubrechen bleibt längst erreicht wäre? Aber die Schranke zum Negativen war nach unten hin scheinbar offen. Es kam immer schlimmer, als man es glaubte und vorallem schlimmer, als man es gebrauchen konnte. Ohne wirklich darauf zu achten, wohin sie ging, folgte sie dem verklugenem Ruf, nicht einmal gewiss ob überhaupt jemand gerufen hatte. So hätte es wohl auch niemanden gewundert wenn das Unglücksschaf direkt vor einen Baum gelaufen wäre.
Irgendwann, sie wusste nicht wann, da jegliches Gefühl für Zeit und Raum verstorben in ihrer Seele nach Frieden suchte, erschien sie am Rudelplatz. Sie hätte nicht sagen können, ob dort irgendwer war, oder ob gar niemand hier saß. Die Schwarze nahm es einfach nicht wahr - nur was sich vor ihrem inneren Auge abspielte erhielt ihre Aufmerksamkeit. Was um sie herum geschah schien schlichtweg nicht zu existieren. Kraftlos und vor allem sehr umschleiert senkte sie sich zum Boden und presste sich in den Schnee, jeglichen Schmerz ignorierend. Was hätte sie dafür gegeben atmen zu können, denken zu können, springen und lachen zu können. Aber alles schien irgendwie mit irgendwelchen Schmerzen verbunden zu sein, die ein niemand verstehen konnte... oder wollte.
Die kleine Fähe stand immer noch auf dieser einen Lichtung, sie hatte den Winter um sich herum kaum wahrgenommen, alles, was in der Außenwelt geschah, nahm sie nicht mehr richtig wahr. Irgendetwas in ihr schickte ihr Befehle zu, ihr Herz schrie nach etwas und sie fühlte sich auf eine gewisse Art und Weise sogar schlecht. Die blauen Augen sahen verzweifelt hin und her, was konnte denn noch alles geschehen? Vor einiger Zeit hatte sie noch geglaubt, dass der Rüde Shit, denn sie kennen gelernt hatte, ihr etwas geben konnte, was Neria gar nicht mehr so kannte wie angenommen. Liebe. Ihr Herz hatte laut und starr geschlagen, wenn sie ihn angesehen hatte, ihre Rute hatte sich sanft bewegt, obwohl sie doch gar nicht so ein fröhlicher Wolf war und nun stand sie hier und fühlte sich einsam. Nicht nur einsam, sondern auch betrogen. Liebte Shit nicht eine andere Wölfin? War es nicht so gewesen? Sie senkte ihr Haupt und drehte sich weg. Genau das war einer der Gründe, der sie zum Gehen zwang. Und auch ihr Engel sagte ihr dies, sie spürte dies.
„Du hast mich dazu gezwungen zu bleiben und du hast es sogar geschafft, mich zu halten, doch nun falle ich, denn dein Halt fehlt mir und deine Gefühle hintergehen mich.“
Sie sah zum Himmel hinauf, schloss aber nur wieder die Augen und dachte nach. Es war nicht so einfach, aber eigentlich schon. Sie gehörte ja noch nicht einmal dem Rudel an, sie hatte die Alphafähe nie kennen gelernt, nicht einmal den Alpharüden, sie kannte keine Mitglieder wirklich außer Shit und Shamus hatte sie kurz kennen gelernt. Aber ob er noch da war? Sie brauchte noch nicht einmal etwas sagen. Neria konnte einfach verschwinden, vielleicht noch ein letztes Mal zu Shit sagen, dass sie ihn geliebt hatte und sich nun sicher war. Aber sie wollte ihm nicht mehr gegenüber treten, denn das würde die ganze Situation nur erschweren. Neria verließ die Lichtung und trat in die Nähe der Reviergrenze, es gab keine Gründe mehr zu bleiben, aber es gab eigentlich auch keine zu gehen. Sie schüttelte den Kopf. Das war egal.
[Tu das, was dein Herz dir sagt.]
„Leite mich, Liannaka, bitte leite mich….“
[Ich werde dich nicht nur leiten, sondern auch begleiten. Du weißt, dass ich deine Entscheidung verstehe und unterstütze. Gehe zurück – zurück zu deiner Familie. Sag ihnen, dass du sie liebst du vermisst hast. Du wirst glücklich werden, höre auf deine Gefühle…]
„Aber sie sagen mir, dass ich ihn liebe – Shit.“
[Aber du kannst ihn nicht gewinnen. Kleine. Geh. Geh wohin deine Pfoten dich tragen, ich bin bei dir, meine Süße.]
Neria seufzte leise und nickte. Aber einen letzten Ruf wollte sie aussenden, sich für die Hilfe des Rudels bedanken und vor allem Shit verabschieden, wahrscheinlich hatte er sie auch schon vergessen, wollte sie nicht mehr sehen. Er hatte ja nie nach ihr gesucht, wahrscheinlich wollte er sie auch nicht mehr, trotzdem wollte Neria ihn nun daran erinnern, dass sie lebte und liebte und niemals aufhören würde zu atmen solange es keiner von ihr verlangte außer Liannaka. Sie hob ihren kleinen Kopf an, sah mit traurigen Augen den hellen Himmel an, unter ihren Pfoten löste sich der Schnee mehr und mehr auf, sie genoss dieses Gefühl von Kälte und Ruhe für einige Sekunden, dann öffnete sie ihre Schnauze und sandte den Ruf hinaus.
„Liebe Rudel! Ich danke euch für die Hilfsbereitschaft! Ihr habt mir – obwohl ich kein Mitglied war – einen Platz zum Schlafen und Leben geboten. Es ging mir gut, doch meine Wege leiten mich.
Shit, ich war glücklich, dich kennen gelernt zu haben. Ich liebe Dich, aber dein Herz scheint mich nie gesehen zu haben. Wird glücklich in diesem Rudel, mach dir keine Gedanken um mich, es geht mir gut. Leb Wohl, deine Neria Callidorá.“
Sie senkte ihr Haupt wieder, sah den Weg vor sich an und nickte für sich. Nun war es an der Zeit. Mit schnellen Läufen begann sie zu rennen, zu rennen in die Freiheit…nun wurde es Zeit, das Leben neu zu beginnen, die Kleine Fähe war glücklich…nun war es soweit…
Neyla Zárá, die grauweiße Fähe, lag einfach nur in diesem Schnee, war kaum zu erkennen und ihr Herz schlug langsam und ruhig. In ihr bauten sich viele Fragen auf, Fragen, deren Antworten sie gar nicht kannte. Nach der Jagd war alles anders gewesen, wirklich alles und Dinge, die sie vermutet hatte – ganz still und heimlich, hatten sich bestätigt und ihr nun Zweifel geschenkt. Ihr Rüde war bei ihr, wie immer, er würde sie auch nicht im Stich lassen, aber trotzdem, es änderte nichts mehr an den Geschehnissen und wenn er sie nie im Stich lassen würde, dann würde er ihr auch jetzt ein Herz schenken. Neyla Zárá hob vorsichtig den Kopf an, ein wenig Schnee hatten sich an ihrem Fell festgesetzt, sie sah sich mit ihren grünen Augen um und hoffte, dass es niemanden weh tun würde, wenn sie Dinge tat, die sie nie gedacht hätte zu tun. Der schlanke Körper der Fähe erhob sich nun endgültig aus dem Schnee, die Wunden der Jagd waren äußerlich verheilt, aber tief in ihr waren die Erinnerungen noch da, auch die Schmerzen gingen nicht fort und es fiel ihr wieder ein, wie ihr Vater sie gepeinigt hatte. Nein, es hatte doch keinen Zweck mehr.
„Laios…“
Flüsterte sie hilflos, drückte ihren Kopf an das warme Fell des Rüden und schloss für einige Sekunden die Augen. Sie wusste, dass er ihr immer folgen würde, natürlich. Aber gab es nicht auch Grenzen? Grenzen, die eine auch eine hilflose Fähe wie sie nicht überschreiten durfte? Neyla Zárá blickte auf ihre weißen Pfoten, auf ihre Krallen, die sich für einige Sekunden im Schnee vergruben, die sie dann aber wieder einzog. Es gab Grenzen, aber sie würde diese überschreiten. Sie wollte fort.
„Liebling…ich kann nicht mehr…“
Wahrscheinlich würde Laios nicht ganz verstehen, was sie damit meinte, wahrscheinlich dachte er, dass sie körperlich nicht mehr konnte, aber so selten wie es war ging es ihr doch körperlich einigermaßen gut.
„Ich will fort von hier, ich habe Angst hier…auch hier lauert nur Gefahr…“
Sie senkte ihr Haupt, stupste seine Pfoten an als wenn sie ihm sagen will, dass er gehen sollte, mit ihr, dann sah sie in seine Augen, so verzweifelt und ängstlich wie man es von ihr noch von früher kannte. Von den Zeiten mit ihrem Vater. Verstand der Rüde ihr Denken? Ihren Willen? Würde er den Weg teilen? Die Grenzen mit ihr überschreiten? Wenn sie nun losgehen würde, würde er ihr folgen? Sie seufzte hilflos, wandte sich ab und ging mit zittrigen Läufen vor.
oO(Bitte folge mir, Laios, bitte. Ich brauche deine Nähe und Liebe.)Oo
Ihre Schritte kamen der Reviergrenze immer näher, sie hatte nicht die Kraft, Abschied zu nehmen, wenn Laios ihr folgen würde, dann konnte er ein letztes Heulen aussenden, in das sie einstimmen würde, doch würde er hier bleiben, würde sie dann überhaupt noch leben wollen? Neyla Zárá hoffte einfach, ihren Gefährten gleich an ihrer Seite zu haben. Er würde ihr die Wärme und Liebe schenken, ihr die Nähe geben, die sie brauchte und zusammen würden sie einen Weg finden. Zusammen würden sie in einem anderen Rudel glücklich werden, es musste sich doch niemand darüber irgendwelche Gedanken oder Sorgen machen. War es nicht irgendwie auch in bester Ordnung? War nicht alles so, wie sie es wollte? Es würde so sein, ganz sicher. Neyla Zárá hoffte…denn nun begann für sie und vielleicht auch für Laios ein neues Leben…
Shit hob den Kopf. Ein seltsames Gefühl hatte ihn beschlichten, eine Vorahnung. Er spürte den Abschied noch bevor Neria ihr Heulen begann. Er richtete sich auf, blieb aber neben Banshee sitzen. Warum? Es war schon zu spät, an dieser Stelle war er machtlos. Dieses Mal konnte er der kleinen Wölfin mit den süßen Augen nicht nachlaufen und sie von etwas anderem überzeugen. Sie hatte ihren Entschluss schon gefasst und sie empfand nichts für ihn, rein gar nichts. Wer sonst ging, ohne sich zu verabschieden? Sie hatte ihm ja nicht einmal die Chance gegeben, etwas dazu zu sagen. Es war keine Liebe gewesen, niemals. Das redete sich Shit jedenfalls in diesem Moment ein. Als er dann die Stimme erklingen hörte und vernahm, was die Wölfin ihm zuheulte, senkte er zum ersten Mal seit er bei diesem Rudel war den Kopf, betrübt.
.oO(Lügnerin.)
Bestimmt konnte sie einzig seine Verrücktheit nicht leiden. Es war doch immer so gewesen. Sei anders und du verlierst dein Leben lang. Unwichtig. Wieso interessierte es ihn, dass diese Wölfin, die ihm, als sie aufgetaucht war, noch so nah stand, jetzt ging?
.oO(Gekränkter Stolz, oder was ist jetzt mit dir los Shit? Das ist doch mal wieder typisch. Natürlich ist sie dir egal, du hast sie nicht gemocht und geliebt schon gar nicht. Du Idiot. Sie einfach ein das du es versaut hast und das es nun zu spät ist.)
Hätte er der kleinen Wölfin antworten sollen? Das konnte er nicht. Was hätte er ihr nachrufen sollen? Das er sie liebte? Es auszusprechen bedeutete, es wahr zu machen und nie mehr davon los zu kommen. Also blieb er stumm. Seine Augen richteten sich zum Himmel.
„Mein Herz wird dich begleiten, kleine Neria.“
Der Wind verschluckte das Flüstern, so das es nie an die Ohren eines Anderen dringen würde. Es war allein dem Säuseln und Rascheln in den Bäumen anvertraut. Worte die frei dahin flogen, ziellos.
Parveen war mal hier und da gewesen, nach der Jagd hatte sie sich etwas zurückgezogen, über die liebevollen Worte ihrer Schwester nachgedacht und war zu dem Entschluss gekommen, dass sie die Dinge zu Schwarz gesehen hatte. Sie liebte ihre Familie und diese liebte sie, es gab keinen Grund zur Sorge. Die schwarze Welpin tapste nun mit den Pfoten unsicher durch die weiße Decke, die den Boden bedeckte. Was war das nur? Ein Blick zum Himmel ließ Parveen immer mehr Fragen stellen, aber im Moment war keiner hier um sie zu beantworten. Der Stern der kleinen Fähe leuchtete auf vor Freude, ein Bild, welches sich Tagelang nicht mehr gezeigt hatte, sie konnte sich endlich wieder freuen. Auch vom Himmel kamen seltsame Dinge hinunter, etwas weißes, was kalt war und auf der weißen Decke liegen blieb. War das dasselbe? Sie legte den Welpenkopf schief, dann tapste sie weiter in Richtung des Rudelplatzes. Vielleicht sah sie dort ja jemanden ihrer Familie, als sie hier und da mal gesucht hatte, war nämlich niemand da gewesen. Parveen gähnte einmal kurz, dann hüpfte sie durch die weiße Decke auf den Boden, die sich unter ihren Pfoten auflöste und Spuren hinterließ. Das war doch lustig! Je näher sie dem Rudelplatz kam, umso klarer wurden die Umrisse ihrer Mutter und Kisha!
„Mama! Kisha!“
Rief Parveen fröhlich und nun eilte sie mit dem schnellsten Tempo, welches sie drauf hatte, los zu den beiden Fähen. Dort angekommen tänzelte sie kurz durch die Beine ihrer wie immer viel beschäftigten Mutter, dann warf sie sich auf ihre Schwester, die nicht begeistert von der weißen Decke auf dem Boden schien. Parveen knuffte ihre Schwester ein wenig in den Bauch und schleckte ihr dann sanft über die Schnauze.
„Dachtest wohl, du bist mich los, was?“
Lachte Parveen und schnappte nach Kishas Ohr, in welches sie liebevoll biss, wie es nur eine Schwester tun konnte. Dann blieb sie bei ihrer tiefschwarzen Schwester angekuschelt in der weißen Decke liegen und wartete. Die Augen wachsam zum Himmel gerichtet.
Nach der Jagd und der Schlacht in dieser war Hanako froh, dass die neue Zeit Ruhe brachte. Es war Winter geworden und sie hatte es mit einem müden Lächeln und einem fragenden Blick in den Himmel beobachtet, wie die Schneeflocken zu Boden fielen, die weite Welt des Rudels mit dem Weiß bedeckten uns es so blass und kalt aussehen ließen. Sie fror nicht, nein, ihr weißes Fell zeichnete sich kahl in dem Schnee ab, ihr war Warm. Warm um ihr Herz, denn sie war hier, bei ihrer Familie. Hidoi, ihr geliebter Gefährte, war bei ihr und wenn sie an die Vergangenheit dachte, so hätte sie es gar nicht geglaubt, dass zwischen ihnen wirklich so etwas geschehen würde. Sie hatte ihre Welpen, alle drei, wenn auch Katsu nicht mehr lebte. Sie hatte es mit trauriger Gewissheit aufgenommen und auch akzeptiert, was hätte sie schon tun sollen? Er würde nicht wieder kommen, egal, wie viel sie um ihn weinte. Das hatte sie irgendwie von ihrem Gefährten aufgenommen und behalten. Sie dachte an ihren jungen Rüden und vermisste ihn, sie weinte still und heimlich um ihn, aber sie schrie nicht nach ihm, ihr Herz würde nicht zerbrechen daran, denn er war bei ihnen. Dort oben im Himmel hauste er. Und sie hatte Hikaji und Sheena, ihre beiden Kinder, die sie niemals auch nur in Gefahr bringen würde. Doch wo sie dies alles so erwähnte…wo war ihre Familie überhaupt?
Ein kontrollierender Blick fiel über den Rudelplatz, das stahlgraue Fell ihres Gefährten war zu erkennen, ihre Welpen fand sie nicht, aber es war nicht weiter schlimm. Die kleinen Wölfe sollten dieses Revier auch alleine kennen lernen, sie sollten heraus finden, was Gefahr bedeutete und wie weit sie gehen konnte, Hanako war immer bei ihnen, das wussten die Kleinen. Und weglaufen würden beide nicht. Wenn Gefahr drohte, waren Hidoi und sie sofort bereit, zu handeln. Die weiße Fähe seufzte, blickte wieder hinauf in den Himmel und schloss die Augen. Wie viel hatte sie hier erlebt? Wie viele Dinge blieben ihr in Erinnerung, wenn sie an das Rudel der Sternenwinde dachte? Sie lächelte gequält.
„Mutter…“
~Kind, ich bin immer bei dir…doch hüte dich, schütze dich und deine Familie…~
„Was wird nur geschehen?“
Hanako war etwas verwirrt, wieso konnte sie ihre Mutter hören? Sie seufzte, war dies ein Hinweis? Etwas wichtiges, was ihr Leben bestimmen konnte? Konnte ihre Mutter ihr und ihrer Familie den richtigen Weg weisen?
~Dein Vater…er ist auf den Weg hierher, seine Blutrache wird niemals ein Ende nehmen, stoppt ihn…~
„Aber wie sollen wir das nur tun? Ich will von ihm eine Erklärung…
~Hütet euch, eine Erklärung…sie wirst du nie bekommen. Geht…verlasst das Rudel, es ist euer Leben, welches ihr hütet. Du willst doch deinen Welpen ein schönes Leben bieten nicht wahr? Willst du nicht auch noch einmal mit Hidoi irgendwann Welpen bekommen? Mein Kind, wenn dies deine Zukunft ist, dann geh mit deiner Familie, folgt eurem Herzen…und achtet auf ihn…denn er will euch schaden…~
Hanako riss die Augen auf, langsam drangen die Geräusche der Natur und der Umgebung wieder an sie, die vielen Stimmen. Die weiße Fähe tapste unsicher zu Hidoi, ihre Mutter hatte Recht, ihr Herz verlangte von ihr, einen neuen Weg zu finden und ihn zu gehen…sie musste es tun…es ausprobieren…es wagen. Mit einem unsicheren Blick trat sie neben den Stahlgrauen, rieb ihren Kopf gegen seine starke Schulter und seufzte leise.
„Hidoi…mein Herz leitet mir einen neuen Weg. Mein Vater ist hierhin unterwegs…ich habe Angst, dass er unseren Welpen oder sogar uns beiden etwas tut. Wir haben viele schöne Zeiten hier gehabt, doch langsam…fühlen wir uns nicht mehr der Gemeinschaft angeschlossen oder? Würdest du mir auf einem neuen Weg folgen? Würdest du mit mir zusammen unseren Leitwölfen Lebe Wohl sagen und meinem…deinem Herzen folgen?“
Sie blickte in seine stechenden, aber liebenden gelben Augen und wartete mit einem milden Lächeln und der Frage nach dem neuen Leben auf eine Antwort, die eine Entscheidung darstellen würde.