24.12.2009, 19:00
Gruppe 1: Hetzer
Banshee
Hidoi
Neyla
Shit
Riku
Cylin
Hiryoga
Malicia
Sheena
Gruppe 2: Hetzer
Eris
Hanako
Kaede
Face
Bastar
Alduran
Hikaji
Gruppe 3: Jäger
Acollon
Ninniach Fávell
Zahára Kitsumi
Amatsuhiko
Simariel
Nirian
Parveen
Averic
Kisha
Gruppe 4: Jäger
Ayala
Falk
Leé
Laios
Noaku
Crawltimore
Die Gruppen waren alle aufgebrochen, Ayala und Eris schon weiter voraus, Banshee und Acollon mit etwas Abstand. Eris udn Ayala hatten den Auftrag, sich bereits gemäß ihrer Gruppen zu positionieren. Damit würde Banshee einfach nur Eris' Fährte folgen müssen und Acollon lediglich Ayalas. Es klang wundervoll einfach. Wenn alles klappen würden, wären sie schon bald am Ziel und die Jagd könnte beginnen. Acollons Gruppe lief so weit von der Banshees entfernt, das sich die beiden nicht mehr sehen und hören konnten. Lediglich der Geruch zeugte von ihrer Existenz. Es würde nicht mehr lange dauern, sie waren schon ganz nahe bei der Herde, die Wölfe wurden bereits dazu angehalten leise zu sein, sich vorsichtig zu bewegen. Die Welpen liefen in der Mitte der Gruppen, damit man sich bewachen und aufpassen konnte, dass sie nicht zu viel Lärm machten.
Banshee warf immer wieder einen leicht nervösen Blick nach hinten. Es war das erste Mal, dass sie so eine groß angelegte Jagd geplant hatte und nun dabei war, sie auszuführen. Normalerweise jagte sie alleine oder höchsten zu viert. Jetzt waren sie schon vier Gruppen. Und sie musste sich darauf verlassen, dass sowohl Acollon, als auch Ayala und Eris auf jedes noch so kleinste Zeichen achten würden. Mit Eris musste sie sich besodners abstimmen ... und diese musste ihre Gruppe unter Kontrolle haben ... es würde anstregend werden, aber Banshee war davon überzeugt, dass sie das schaffen würden. Ihr Kopf drehte sich erneut nach hinten, ihre Gruppe folgte ihr brav, sie warf ein Lächeln in die Runde und schlankerte leicht mti der Rute, mehr um die anderen zu beruhigen ... obwohl sie wahrscheinlich weniger nervös waren, als sie selbst.
Nun war es endlich so weit. Die Jagd hatte begonnen, sie alle waren aufgebrochen. Sheena lief leichtfüßig in der Mitte der Großen Wölfe, neben ihrem Vater Hidoi. Es war doch schon etwas anderes, alleine versuchen zu jagen oder in einer so großen Gruppe, doch machte sich Sheena damit keinen großen Stress. Natürlich war sie sich den Gefahren bewusst. Sie wusste was alles passieren konnte und doch war sie sich sicher, dass alles gut verlief. Dann konnte sie endlich nach ihrem Bruder suchen gehen. Sie wollte nicht die Beute genüßlich verspeisen, wenn sie nicht wusste wo er war und wie es ihm ging. Auch war das schlechte Gefühl noch nicht von ihr gewichen, doch stets bemühte sie sich dieses zu unterdrücken. Sie konnte sowieso nichts daran ändern, wenn ihm etwas zugestoßen war. Dann hatte es das Leben wohl so vorgesehen. Das Leben war eben nicht immer gerecht, das hatte Sheena ebenfalls schon gelernt und doch hoffte sie, dass es in diesem Fall anders war. Sie hatte auch das Gefühl, als ob etwas in ihr vorging. Noch war sie die kleine fröhliche und junge Fähe, doch etwas steckte in ihr. Etwas was bald aufwachen würde. Sie konnte es nicht besser ausdrücken. Nun wurden sie zur Ruhe gemahnt. Da sie sowieso schon die ganze Zeit über vorsichtig und ruhig mitgelaufen war, machte sie sich keine Gedanken darüber, sondern beobachtete nur Banshee, damit sie jedes Zeichen sofort bemerken würde. Denn soetwas war wichtig auf einer Jagd, schnell zu handeln, damit man nicht in Gefahr geriet. Die andere Gruppe war nicht mehr zu hören oder zu sehen nur der Geruch lag in der Luft. Der Geruch von vielen Wölfen. Würde die Herde, die sie jagen wollten, dies nicht auch riechen? Doch der Wind standt gut, er trug den Wölfen den Geruch zu und Sheena konnte so erkennen, dass es nicht mehr allzuweit war. Sie blickte kurz auf ihren Vater. Sie in der Gruppe der Hetzer. Sie freute sich schon darauf, sie liebte es schnell zu rennen, eben etwas zu hetzen. Ihren Instinkten zu vertrauen und einfach zu laufen. Das zu tun, was sie tun mussten um am Leben zu bleiben. Sheena kam es vor, als wäre der ganze Wald verstummt und wartete nur auf den Angriff. Wie in einem Film kam sie sich vor. Beobachtet von allen, Kritisiert. Es musste wogl spannend sein den Welpen dabei zuzuschauen, wie sie das jagen lernten. Doch musste sie recht geben. Es gab selten eine solche große Rudeljagd, vor allem weil das Rudel in den letzten Tagen auch noch sehr viel größer geworden ist. Viele neue waren dabei, was ebenfalls ein Risiko darstellte.
Die Gruppe von Eris war nun etwas langsamer geworden. Sie waren nicht mehr weit von der Herde entfernt, so kam es Kaede auf jeden Fall vor und sie mussten noch auf Banshee warten, welche sich nun deutlich näherte. Auch wenn Kaede noch nichts hörte, roch sie die größere Hetzer Gruppe doch schon deutlich. Bis jetzt war sie auch gut mitgekommen, sie waren ja nicht irgendwie bedeutend schnell gelaufen, das war ein Tempo gewesen, welches sie gut mithalten konnte, doch nun wusste sie würde es gleich an der Zeit sein die Herde in die Richtung der Jäger zu hetzen und das machte ihr Angst. Ein falscher Schritt und sie konnte zertrampelt werden von abertausend Hufen. Die Fähe unterdrückte ein Zittern und blinzelte leicht. Der grau schwarze Umriss den sie von den anderen Wölfen sah war so verschwommen und die Umgebung sowieso nur ein unbedeutender grau schwarzer Fleck, welcher sie ein wenig verwirrte. sie waren eine kleiner Hetzer Gruppe, als die andere. Sie schlug eicht mit ihrer Rute. Nun mussten sie sich still verhalten, sodass die Tiere sie nicht hörten und schon vorher flüchteten. Denn dann wären die Jäger noch nicht bereit und etwas verheerendes konnte geschehen. So eine große Jagdgruppe. So viele neue. Das alles war viel und sie war stolz auf Banshee, dass sie diese Jagd veranstaltete.
Eris musste sich ein kratziges Husten verkneifen. Ihr Hals war wie ausgetrocknet und sie war sich nicht sicher, ob das nun an der wohl leider nahenden Erkältung lag oder an Nervosität. Sie war nervös, das musste sie zugeben. Die Schwarze hatte das Tempo schon gedrosselt, die Fährten waren gelegt und die Herde kündigte sich bereits durch ihre Vorhut an, ihren Duft. Laute Geräusche sollten jetzt die Ausnahme sein und am besten nicht einmal das.
Ihre Nase hatte auch schon etwas abbekommen von Eris´ schlechter Tagesform, doch die Gerüche waren schon so stark, dass sie sich lebhaft vorstellen konnte, wie in kurzer Zeit hier ein Donnergrollen aus Hufenschlägen den Boden erschüttern würde. Es schüttelte sie leicht, sie trug eine ziemliche Verantwortung für ihre Gruppe, obwohl am Ende jeder auf seine eigene Vorsicht angewiesen war. Eris kam nun zum Stehen und drehte sich ihnen zu, musterte sie stumm. Ihr Blick huschte kurz zu Hikaji, bei dem sie besonders Angst hatte, dass ihm etwas passieren könnte. bestimmt war er fitter als sie alle, aber er hatte ja keine Ahnung, wie sich plötzlich ein klarer Verstand im Staub zwischen den trommelnden Hufen verlieren konnte. Noch etwas beunruhigter schaute sie zu Kaede, das ging doch nicht gut, das war doch Wahnsinn. Auf leisen Pfoten ging zu der Fähe, die ihre Schritte wahrscheinlich trotzdem hörte, und ging nah mit der Schnauze an ihr graues Ohr.
"Kaede, ich habe da so meine Bedenken. Traust du dir das hetzen zu? Ich meine, willst du uns nicht lieber von einem sichereren Punkt aus zur Seite stehen? Das ist jetzt kein Mitleidsgefasel, es würde uns genauso oder mehr helfen, wenn du mit etwas Abstand wachen würdest. Während wir hetzen, sind wir beschäftigt und es könnte gut sein, dass von der Seite plötzlich ein Ausreißer aus der Herde auf uns zukommt. Da wären wir nicht drauf gefasst und würde es nicht mitbekommen und dann ... gute Nacht. Du würdest es hören, also wären solche Warnungen von dir sehr hilfreich."
Schließlich nahm Eris ihren warmen Atem aus Kaedes Ohr, denn sie musste kurz überlegen. Es war auch nicht ungefährlich, aber geeigneter für die Wölfin.
"Ich vermute mal, dein Gehörsinn ist top, oder? Aber es wird trotzdem kein Lenz, du müsstest neben dem Geschehen herrennen und horchen, was das Zeug hält. Es ist auch nicht sicher, aber immerhin sicherer, als mittendrin."
Sie hielt prüfenderweise die Schnauze in die Höhe und sie meinte, der Duft wäre stärker geworden, aber vielleicht spielte ihre Angst ihr auch einen Streich. Hoffentlich waren die anderen auch etwas aufmerksam, was das anging.
Kaede hatte Eris schon gehört, als sie auf sie zugekommen war und lauschte ihren Worten sorgfältig. Also hatte auch sie bedenken was das Hetzen anging. Da war sie ja dann nicht die einzige. Sie überlegte. Die ganze Jagd war schon riskant, also war es ihr eigentlich egal, ob sie mittendrin war, oder eher am rande, wenn sie dor lief musste sie wirklich angestrengt lauschen und die anderen warnen, sollte irgendein Tier ausbrechen. Das war nämlich meist noc hdas gefährlichste daran. Sie stupste Eris liebevoll an.
"Ich denke schon, dass ich einigermaßen gut hören kann, auch wenn ich renne. Ich kann nur hoffen, dass ich es auch rechtzeitig höre, sodass ich euch warnen kann. . . Sollte irgendein Tier ausbrechen. Was ich nicht hoffe aber ich sage dir ich gebe mein bestes, und "
die Wölfin schwieg. sie würde auch ihr Leben auf das Spiel setzen, konnte sie damit irgendeinen anderen wolf retten. Sie hatte sowieso ein ungutes Gefühl, so als ob irgendetwas bei dieser Jagd passieren würde, und zwar nicht irgendeinem Wolf sondern ihr. Je näher sie der Herde gekommen waren, desto mehr hatte sich dieses GEfühl verstärkt, doch Kaede kämpfte dagegen an und schenkte Eris ein lächeln.
"Das wird schon gut gehen, mach die keine sorgen. Jeder Wolf ist letzendlich selbst für sich verantwortlich, also sollte was passieren bist nicht du schuld, weil du die leiterin der gruppe bist und es nicht rechtzeitig bemerkt hast, das ist nicht nur deine Aufgabe. Jeder Wolf hier kann selber jagen bis auf die Welpen und die sind sicher bei ihren Eltern und Paten aufgehoben."
Sie saugte die Luft ein. Sie war geschwängert von dem Geruch der Herde und dem der Wölfe. Nun würde es gleich wirklich losgehen, sonst würden die Tiere sie wittern. Kaede dachte an Hiryoga. Wie ging es ihrem kleinen wohl? Sie hoffte dass er nicht zu sehr in Panik verfiel. Es würde schon gut gehen . . .
Die kleine und zierliche Fähe vom Great Bear Lake tapste mit ihren samtartigen Pfoten ruhig und langsam über den Boden. Sie spürte die Jahreszeit auf sie einwirken. Es war Herbst. Der Herbst versprach etwas Goldenes, es würde zwar nicht mehr blühen in der Außenwelt, aber innerlich würden nun einige Herzen erwärmt sein. Sie lächelte sanft. Eine gemischte Fähe, die den Namen Neria Callidorá trug. Ihre Familie trug Legenden, Namen, die man in dem Tal, in dem sie gelebt hatte, kannte und von denen man Geschichten erzählte. Wieso sie gegangen war? Wegen einer Erscheinung in ihrem Traum, wegen sich selbst. Ihr Leben war schief gelaufen, sie war auf einen Rüden hinein gefallen, nun glaubte sie nur noch dem Engel in ihr. Sie schloss die Augen und spürte einen sanften Wind mit ihrem Fell spielen.
[Geht es dir gut?]
Neria öffnete die Augen, sie spürte den Flügel des Engels, der sie sanft berührte, sie konnte die Augen der Frau sehen, die irgendwo ein Mensch war. Der einzige Mensch, dem sie traute. Ein Mensch mit Flügeln, mit einem sanften Kleid in einem tiefen Schwarz. Tiefrote Flügel mit tiefroten Feder, Neria war glücklich, sie zu haben.
„Liannaka…“
[Ich bin bei dir, Neria, mein Engel.]
„Der Weg war leichter, als ich es erwartet habe. Ich bin dir so dankbar, dass du mich begleitest, Liannaka. Werde ich wohl ein Rudel finden? Oh bitte sag mir, ob hier Wölfe sind.“
Die weiche und niedliche Stimme der Fähe war nur leise. Immer, wenn sie mit dem Engel in ihren Gedanken sprach, war dies sehr leise, niemals auch nur hatte ein Wolf ihre Worte verstanden oder ihre Stimme gehört (!). Sie schloss wieder die Augen, sie spürte, wie die tiefroten Federn ihren Körper sanft umspielten. Der Engel summte ein Lied, welches ihre Ohren sanft berührte und die weichen Hände des Frauenkörpers erregten die Fähe für einen Moment zur Freude des Lebens. Dann aber schien alles wie eine Seifenblase zu platzen. Neria befand sich wieder in der Realität. Ihr Engel war verschwunden, die Federn, die gerade noch neben ihrem Körper lagen, waren verschwunden. Doch eine einzige tiefrote Feder lag tatsächlich vor den Pfoten der gemischten Fähe.
„Du warst wirklich hier.“
Flüsterte Neria, sicher gegangen, das keiner hier war, der sie hören konnte. Sie berührte die Feder sanft mit ihrer Nase, dann entdeckte sie Wasser vor sich. Wasser, sie liebte das Wasser doch irgendwie. Ihr Spiegelbild befand sich dort, sie selbst konnte sie wieder finden und ihren Engel sah sie dort auch manchmal. Es war doch wundervoll, dass es solche Elemente gab, die die Fähe beherrschen wollte. Kurz warf Neria einen Blick hinauf in den Himmel. Wo war ihr Engel nur hin? Sie brauchte Hilfe, eine Erklärung. Unsicher trat sie auf das Wasser zu und sah hinein, tatsächlich konnte sie sich erkennen. Neria lächelte sanft, ihre Augen glänzten, dann konnte sie den Engel neben sich erkennen. Sie hockte dort, ihre Hand lag sanft auf dem Rückenpelz der Fähe und strich beruhigend darüber.
„Liannaka. Ich habe Angst vor der Begegnung mit den Wölfen. Meine seltsame Art, werden die Wölfe diese akzeptieren? Schau mich an, bin ich dem würdig?“
[Meine Süße, du weißt, dass du wie eine Tochter für mich bist und deswegen glaube meinen Worten, die ich dir jetzt schenke. Du bist eine Fähe, die intelligent ist. Du weißt mehr vom Leben als du zugibst, du kennst deine Handlungen und tust nichts unüberlegt. Außerdem bist du wunderschön, du hast ein wundervolles Fell, Kleine, du bist wundervoll gebaut. So zierlich, eben wie ein Engel. Würden dir Flügel wachsen, so würdest du über das Tal hinweg schweben und für immer Leben. Diese Wölfe, die dich dort erwarten, sind freundlich und erwarten dich. Es ist ein großes Rudel mit vielen Welpen. Es sind viele Neue dort, du wirst dich nicht alleine fühlen. Maus…sie behandeln dich gut, glaub mir. Sie sind zuvorkommend und verstoßen niemanden, egal, wie er ist. Selbst ein Wolf, der nur noch drei Beine hat würde dort leben, denn er würde unterstützt werden. Und auch dich werden sie in deinen Schwächen unterstützen. Sie werden dich kennen lernen und irgendwann, meine Liebe, dann werden sie dich lieben und vielleicht…irgendwann, wenn Zeit verrinnt ist, wirst du einen Rüden kennen lernen, der dir mehr bieten kann, als es Kaipo „Agátoné“ Elek jemals getan hat. Glaub mir und nun gehe mit einem ruhigen gewissen dort hinten zu dem Bein und heule den Frieden eine Rudel entgegen, welches in annehmen wird mit deinem Herzen. Ich stehe dir bei!]
Neria fasste den Mut, den man ihr gab, entfernte sich tänzelnd von dem Element und ging zu dem Baum, den ihr Engel angedeutet hatte. Sie setzte sich auf die Hinterläufe, wollte dort verharren bis zu einer Antwort. Ihr kleiner und süßer Kopf wollte sich erheben, aber dann spürte sie etwas. Sie hatte gelernt, darauf zu achten, was unter ihren Poften geschah, es vibrierte, irgendetwas war anders. Das Rudel schien nicht versammelt zu sein, sondern zu jagen. Ja, natürlich…die Zeit passte, die Herden waren in der Nähe. Sie seufzte, sie konnte nicht in eine Rudeljagd eindringen. Doch hier sitzen war ebenso gefährlich. Sie ging noch etwas mehr um den Baum herum und konnte in der Ferne tatsächlich einige Wölfe erkennen. Wie seltsam. Was nun? Sie durfte nicht stehen bleiben, aber ein Heulen war auch nicht gut, es würde alles unterbrechen…und dann wären die Leitwölfe sicherlich sauer.
„Verdammt…“
Sie setzte sich unruhig hin, verstummte dann aber weder und sah mit ihren Augen nur wortlos in die Richtung, der Wind trug ihren Duft in die seltsamsten Richtungen, nur hoffentlich nicht in die Richtung des Rudels.
Hanako hatte immer einen guten Blick auf ihre Gruppe und die Umgebung. Vor allem auf Kaede und auf ihren Sohn, von dem sie sich ein wenig gehasst fühlte, achtete sie besonders. Kaede schien immer noch ein wenig Zweifel zu haben, ein wenig verwirrt zu wirken, aber Hanako freute sich auf die Momente nach der Jagd, sie würde endlich ihre Familie wieder sehen und dann konnte sie ein ausführliches Gespräch mit Kaede führen und alles würde geklärt werden. Kurz seufzte sie, sah auf Hikaji hinunter und nickte sicher, dass er hier war und nicht ausbüchsen würde. Dann aber vernahm sie es, dass auch Eris wieder die Aufmerksamkeit auf ihre Gruppe richtete und Hanako lächelte kurz in die Richtung der schwarzen Fähe. Eris hatte es wohl darauf abgesehen, mit Kaede zu reden und Hanako blickte kurz ihre Freundin an, dann aber richtete sie ihre Augen wieder auf den Weg voraus. Die Herde war in keiner großen Entfernung mehr, man nahm den Geruch bereits auf und nun durften sie keine großen Fehler mehr machen. Somit war es wichtig, dass alle auf den Weg ihre Konzentration legten und nicht abwichen. Und immer wieder war Hanako darauf bedacht, Fährten zu legen, die Banshee dann finden würde und der sie nur noch mit ihrer Gruppe folgen musste. So würde alles gut gehen, welche Fehler sollten dann schon noch passieren? Konnte bei der Jagd denn irgendetwas schief gehen? Hanako schüttelte leicht ihren Kopf, an so etwas durfte man gar nicht erst denken, sonst würde wirklich noch etwas passieren. Sie seufzte leise und lächelte, dann sah sie wieder zu Eris und Kaede. Sie bekam nichts von dem Gespräch mit, aber es schien um die Jagd hier zu gehen und um Kaedes Aufgabe. Hanako bekam erst ein ungutes Gefühl, dann nickte sie nur wieder für sich. Was war mit den beiden Rüden, die bei ihrer Gruppe bei waren? Sie waren so still, verschwiegen und liefen vollkommen lautlos hinter ihnen her. Kurz stupste Hanako ihren Sohn an und lächelte gequält, es kränkte sie immer noch, das er sie nicht als ein Vorbild sah, das er sie einfach nur als die dumme Mutter sah, die ihn damals versorgt hatte. Sie seufzte leise und sah wieder voraus, das Wetter war nicht gerade das Beste, aber es würde schon klappen, schief gehen hoffentlich nicht, sonst hätten sie wirklich ein Problem. Wenn ein Sturm aufkommen würde, wäre die Jagd erfolglos, aber an so etwas durfte man nicht denken. Wieso war sie nur so verwirrt?
„Eris? Ich glaube, wir sind sehr nah dran, denkst du nicht, wir sollten langsam stoppen, bevor wir uns noch verraten?“
Fragte Hanako unsicher und leise in die Richtung, wie lange würde der Weg sie noch sicher tragen bis zur Jagd?
Lange waren Ayala und Noaku schweigend weitergegangen. Jedoch nicht, weil sie dessen Frage übergehen wollte, sondern weil sie über diese eigenartige und doch so fundamentale Frage nachdachte. Und nicht nur das, gleichzeitig überschlugen sich auch ihre Gedanken diesen Rüden betreffend. Diese verborgene Art von Traurigkeit, die von seiner ganzen Gestalt ausging, wirkte so authentisch und doch so realitätsfern. Er wirkte gleichzeitig in seine eigene Welt versunken und dennoch gegenwärtig. Auch seine sorgfältig gewählten Worte zeugten von einem wachen Geist – trotz allem wirkte er müde und verletzt, soweit es Ayala möglich war, unter die Oberfläche zu sehen. Sie wollte ihn weder analysieren, noch seinen Zustand ignorieren. Sie wusste selbst nicht, was ihr Ziel war. Doch dieses ständige Gefühl in die Vergangenheit zurückgeholt zu werden, wenn sie in seine Augen sah, verstärkte sich bei jedem Schritt, den sie weiter dachte.
Er hatte sie gefragt, ob sie glücklich sei. Ayala lächelte innerlich bei diesem Gedanken. Glück, das sie einst nicht einmal zu definieren bereit gewesen war, geschweige denn es irgendwo in der Zukunft erblicken zu können. Wie viel sich doch verändert hatte, wie viel Schmerz sie verdrängt und teilweise auch verloren hatte. Die Ahnung der dunklen Tage war lange nicht mehr gegenwärtig – doch ob sie für immer fern bleiben würde, wusste niemand. Niemand außer Engaya und Fenris.
„Ich muss gestehen, ich weiß es nicht. Glück hat so etwas Unerreichbares, findest du nicht auch? Glück ist gleichzusetzen mit dem Ende – denn was strebt man an, nachdem man das glück gefunden hat?
Und dennoch wächst in mir das Gefühl, nahe am Glück zu sein. In sehr seltenen Momenten war ich glücklich, diese Momente werde ich auch nie vergessen.“
Ein imaginäres Bild des Sternsees, der Sternenwinde und das Prickeln auf Ayalas Haut, als sie an die Berührungen ihres Gefährten und dessen liebevollen Worte dachte, ließen sie für einen kurzen Moment die Sehnsucht nach Falk vergessen, die danach jedoch umso stärker von ihr Besitz ergriff.
„Als ich anfangs hierher fand, hatte ich beinahe aufgegeben. Alles schien so unglaublich … wertlos, um dafür weiterhin zu kämpfen. Dieses Tal war meine letzte Hoffnung – und sie liegt immer noch hier verwurzelt.“
Sie hätte viel zu erzählen gehabt, doch sie wollte Noaku die Gelegenheit geben, zu antworten. Außerdem waren sie bereits sehr nahe den Hirschen, um Position einzunehmen. Sie blickte einmal zurück zu Falk, Leé, Laios und Crawltimore, die sie hinter sich gelassen hatten und gab jenen ein Zeichen sich relativ still zu verhalten und langsam Stellung zu beziehen.
Dann sah sie wieder auffordernd zu Noaku und wartete auf dessen Reaktion, sie hoffte, sie hatte ihn nicht unangenehm mit ihrer Vergangenheit belastet.
Shit folgte der Gruppe um Banshee, leichter Pfote und sichtlich glücklich. Er hatte sich bis an den Schluss zurückfallen lassen, weil er fand, das sich dies so gehörte. Er war immerhin ein Neuling, alle Anderen hatten zweifelsohne den Vortritt. Aufmerksam folgte er dem Geschehen, lauschte den Stimmen des Waldes und musterte alle Bewegungen, die die Wölfe taten. Es fiel ihm schwer, nicht einfach muter los zu reden, am liebsten hätte er alle Wölfe nach ihrem Namen gefragt und herausgefunden, ob sie auch so lieb waren, wie Banshee. Doch bis nach der Jagd, würden sie wohl alle noch fremd bleiben. Vielleicht war das auch besser so, wer wusste schon, ob sie Shit mögen würden. Bestimmt fanden sie ihn seltsam. Die Wölfe seines Geburtsrudels hatten sich immer über ihn lustig gemacht, mochte ja sein das die Rudelmitglieder hier auch gefallen daran finden würden. Für Shit spielte das keine Rolle, er freute sich umso mehr über Banshee, weil sie so nett war. Er war einfach immer glücklich, das machte das Leben viel einfacher.
Hoffentlich würden sie aber nicht richtig böse werden und ihn auf ganz gemeine Art und Weise bloß stellen, meistens verstand Shit sein Verhalten dann selbst nicht mehr. Soweit sollte es nicht kommen, Banshee durfte nicht durch ihn enttäuscht werden. Ob der Schwarze ihn merkwürdig fand? Womöglich. Shit jedenfalls lief weiterhin grinsend und zufrieden hinter der Gruppe her, der er helfen sollte. Jagen konnte er, in einer solch großen Gemeinschaft hatte er das aber noch nie getan. Jagen und Kämpfen. Wer nur das und wirklich nur das allein mit auf den Weg bekam, musste ja seltsam werden. Shit fand sich zwar nicht allzu komisch, doch er wusste das er von Anderen oft als verrückt bezeichnet wurde. Das fand er nun wieder garnicht. Er war nicht verrückt, nur ein wenig anders und das war ja wohl in Ordnung?
Manch ein anderer Wolf hätte sich wohl konzentriert und wäre sehr aufmerksam mit seinen Gedanken bei der Jagd gewesen, Shit beschäftigte sich eigentlich mit allem anderen, nur nicht mit der beforstehenden Hetzjagd. Dennoch setzte er seine Pfoten geschickt und leise voreinander, das man davon ausgehen musste, er würde hochkonzentriert darauf achten, kein Geräusch zu verursachen. Als er die Nase etwas anhob und die Luft einsog war es, als würde er einen Wolf wittern. Nicht hier beim Rudel, sondern am Rande des Reviers? Vielleicht ein Neuankömling, so wie er es war? Seine Neugierde war geweckt und etwas unsicher wägte er ab, ob es schlimm war, wenn er nun verschwand, oder ob es gut war, weil die Alphas ja bescheftigt waren. Man durfte eigentlich sicher nicht einfach abhauen, aber was sollte er denn tun? Vielleicht brauchte die Fremde Hilfe?
Und schon war Shit von der Bildfläche verschwunden. So leise, wie er eben noch dem Rudel gefolgt war, hatte er sich nun in die Büsche verdrückt. Eine kurze Zeit war er garnicht mehr sicher, ob er wirklich etwas gewittert hatte, denn der Geruch war nur einen Herzschlag lang in der Luft gewesen. Und doch musste da irgendetwas sein. Irgendwo war eine Wölfin. Immer wieder konnte er ihren Geruch wahrnehmen, ehe er wieder vom Wind davon getrugen wurde. Schnell folgte er der Witterung, schließlich wollte er noch bei der Jagd helfen. Dieses Vorhaben trieb ihn zu äußerster Eile an, obwohl es gut möglich war, das er die Treibjagd verpasste. Zu dumm, aber die Neugierde siegte. Je näher er der Wölfin kam, desto sicherer wurde er auch, das sie keine Einbildung gewesen war. Es war Gewissheit geworden.
Die Fähe, die er zu suchen begonnen hatte, saß neben einem Baum und schien das Rudel im Auge zu behalten. Er näherte sich von der Seite. Am Anfang noch schnell, doch dann wurde er immer langsamer. Seine Rute stand steil nach oben und schwenkte immer wieder hin und her. Den Kopf hatte er ebenso angehoben, außerdem war sein Körper zu voller Größe aufgerichtet. Die Haltung des Alphawolfs.
"Grüße der fremden Wölfin, die das Rudel aus der Ferne beobachtet. Hattet ihr vor, hier einzudringen?"
Fragte er, mit leicht vorwurfsvollem Tonfall. Doch seine Augen strahlten.
"Wer seit ihr und was führt euch hier her, in dieses Revier, welches Shit gehört? Shit ist der Wolf, der vor euch steht. Der Alpha dieses Rudels."
Der riesige Rüde, mit dem kräftigen Körperbau sah die Wölfin fragend an. Nicht unfreundlich, im Gegenteil. Er strahlte Glück aus, Zufriedenheit und eine gewisse unreife Art. Jedenfalls lächelte er breit, über das ganze Wolfsgesicht.
Neria war immer darauf bedacht, dass die Wölfe in der Ferne in Ruhe weiterjagen konnten und sie nicht entdeckten. Sie wollte jetzt einfach nicht stören, sie fühlte sich doch schon so klein, wieso also darauf anlegen? Nerias Kopf schwang leicht im Wind hin und her, sie wollte irgendetwas genießen, wenige Dinge verstehen und dadurch einen Vorteil sehen. Mit einem leisen Seufzer legte sie sich neben dem Baum hin, ihre Läufe zitterten leicht, denn es war nicht ungefährlich, wie sie hier lag und sich Preis gab, wie sie doch eine Gefahr darstellte ohne es überhaupt tun zu wollen. Kurz zuckte die graue Fähe, dann aber konzentrierte sich die blauäugige Fähe wieder auf das Rudel. Was würde denn nur geschehen?
[Neria Callidorá, Mut….Mut.]
Neria hob den Kopf sanft an, ihre Augen schienen müde in den Himmel hinauf zu blicken, ihre Weggefährtin zu suchen, die ihr Herz so bereicherte und es wärmte. Der Engel vor ihren Augen, Liannaka saß auf einem großen Ast auf dem Baum neben ihr und auf den blutroten Lippen lag ein Lächeln. Die schwarz umrandeten Augen sahen auf die Fähe hinab und einige Federn fielen wieder auf Neria hinab. Sie berührten die Fähe sanft und spielten darauf an, dass Neria sich erhob und an dem Baum festhielt. Ihre Vorderpfoten stemmten sich so hoch, wie sie konnte und die Krallen drangen tief in den dicken Baumstamm ein, sie wollte ihrem Engel doch nur so nah wie möglich sein. Liannaka beugte sich hinunter und strich der Kleinen sanft über den grauen Kopf, dann pustete sie die Federn beiseite und nickte. Neria sah wundervoll aus und in dem Rudel würde sie sicherlich keine Probleme haben. Die Fähe spürte, dass es keine Zeit der Zurückhaltung mehr geben würde und nahm wieder ihre sitzende Position ein, plötzlich nahm sie Geräusche war, die Federn waren verschwunden, Liannaka saß nicht mehr auf dem Stamm und das Geräusch kam immer näher. Sie schreckte zusammen, Panik durchlief ihren Körper, als eine männliche Stimme an ihr Ohr drang. Ein Rüde – oh nein, ausgerechnet das und er klang nicht gerade begeistert darüber, dass sie hier war. Sie sah zu ihm, ihre Kugelrunden Augen waren leicht wässrig, sie wusste nicht, ob sie etwas sagen sollte oder konnte, ob es gut war, sich zu verteidigen oder sich gleich zu ergeben.
„N-nein….ich….ich will die Jagd nicht stören…“
Flüsterte sie, wahrscheinlich kaum hörbar, aber sie wollte sich doch nicht zu erkennen geben. Die weiteren Worte des Rüden schockten sie umso mehr, Alpha des Rudels? Oh gott, in was war sie hier nur hinein geraten?
oO(Liannaka! Hilfe!)Oo
[Du kannst das, Kleine. Er tut dir bestimmt nichts, verhalte dich natürlich und sei ehrlich zu ihm, er wird darüber hinweg sehen und dich bestimmt aufnehmen!]
Neria schluckte etwas, dann seufzte sie und ließ den Kopf hängen. In ihrer Geste lag großer Respekt und Hoffnung auf die Zukunft.
„Mein Name…ist…Neria Callidorá und….ich…ich suche ein…Rudel…“
Ihre Stimme bebte vor Sorge, vor Ungewissheit, was dieser Rüde wohl mit ihr tun würde. Er wirkte vollkommen glücklich, strahlte irgendetwas aus, was Neria nicht nachvollziehen konnte, da seine Worte am Anfang wirklich vollkommen vorwurfsvoll geklungen hatten. Aber nun war alles gesagt, er würde sie entweder töten, verjagen oder etwas mit ihr reden. Sie hoffte, dass er ihr nichts tun würde, davor hatte sie dann doch wieder irgendwie Angst. Niemals auch nur war sie so geplagt von vielen Gedanken und Sorgen gewesen wie jetzt. Was würde nur passieren? Sie schluckte und wartete ab.
Shit näherte sich der Wölfin einfach weiter. Er registrierte ihre Angst, doch das hielt ihn nicht davon ab.
"Wenn ihr die Jagd nicht stören wollt, dann ist ja alles gut."
Er sah sie grinsend an und schien gefallen daran zu finden, wie viel Angst er ihr machte. Natürlich wollte er das ganze nicht so stehen lassen. Niemand brauchte vor Shit Angst zu haben, jedenfalls nicht, wenn er einfach nur daher gelaufen kam.
"Ein Rudel suchst ihr also, Neria Callidorá, dann seit ihr hier genau richtig. In Shits Rudel ist für alle Wölfe genug platz."
Noch zwei Schritte trat er zu ihr hin. Vielleicht genoss er den Effekt ein bisschen, das sie nun noch mehr angst haben würde, aber doch nur, weil er es absurd fand. Als er direkt vor ihr stand, berührte er ihre Schnauze mit seiner Name und suchte Blickkontakt. Er sah sie kurz schweigend an.
"Es ist zwar ein ungünstiger Zeitpunkt, dennoch bist du natürlich herzlich willkommen. Keine Angst also, es wird dir schon nichts passieren."
Er lächelte. Von einem zum anderen Satz hatte er die förmliche Anrede auf 'Du' geändert. Mit pendelnder Rute stand er vor der neuen Wölfin und schien nicht im geringsten ein schlechtes Gewissen zu haben, das er sie einfach angelogen hatte und behauptete, er wäre der Alpha. Im Gegenteil, für ihn war es eher so, als wäre er wirklich der Alpha. Da sie aber nicht wissen konnte, das er ein Neuling war, so wie sie auch, würde das alles erst auffliegen, wenn sie zurück beim Rudel waren. Doch darüber machte sich Shit erst garkeine Gedanken.
Neria wusste nicht, was sie darüber denken sollte, dass er sich ihr einfach näherte, seltsame Gefühle loderten wie heiße Flammen in ihrem Körper und sie spürte, dass ihr dabei wirklich heiß wurde. Mit den Vorderpfoten trat sie unabsichtlich abwechselnd auf und ab, wollte damit ihre Angst wegtreten und die Nervosität unterdrücken, die sie überfielen. Es war wirklich keine leichte Situation für sie und sie wollte am Liebsten schreien und Liannaka um Hilfe fragen, aber leider war dies unmöglich, so würde alles auffliegen und dieser Rüde hier würde denken, sie wäre vollkommen verrückt, weil sie mit imaginären Dingen sprach. Doch irgendwie fiel auf Neria etwas auf, dieser Rüde war auch anders und nicht so wie die Wölfe aus ihrer so edlen Familie. Mit dem nächsten Satz bemerkte sie, wie der Rüde von sich immer wieder nur in der dritten Person sprach und Neria sah ihn erst etwas verwirrt, dann aber wieder respektvoll an, sie durfte sich nichts anmerken lassen, das könnte Ärger geben. Aber er sagte, dass für alle Wölfe genug Platz sei? Das hieße, er würde jeden aufnehmen, egal mit welcher Macke? Das war gut, so lange aber keiner bemerkte, was mit ihr los war, ging es ihr besser, das würde ihr doch niemand glauben, aber Liannaka gab es doch wirklich. Kurz seufzte sie, dann nickte sie.
„Danke…“
War die knappe und auch leise Antwort, sie wollte dazu einfach nicht mehr noch viel mehr sagen. Er war der Alpharüde und hatte sicherlich auch eine Gefährtin, sie leiteten zusammen das Rudel mit Erfolg und würden große Fehler sicherlich nicht akzeptieren. Sie nickte kurz innerlich für sich, sah in den Himmel hinauf und hätte an ihren Engel doch eine Frage gestellt, wenn sie da nicht gespürt hätte, wie viel näher ihr der Rüde namens Shit kam. Immer näher, Angst in ihr wuchs, was würde er mit ihr anstellen? Dann aber bemerkte sie, wie er sie sanft berührte. Am Anfang hatte sie das alles gar nicht so wahrgenommen, aber dann, als es wie eine eisige Kälte über sie lief, spürte sie die Berührung des Rüden tief in ihr. Sie wollte am Liebsten wegrennen, aber irgendetwas hielt sie hier, fest auf dem Boden. Sie wollte hier eine Weile mit ihm bleiben und genießen, sich aussprechen und ihn verstehen.
„Wenn Ihr dies sagt…“
Neria konnte einfach nicht mehr antworten, was hätte es schon noch zum Antworten gegeben? Sie wusste keine Frage zu stellen, sie wusste nicht wohin zu gehen, sie wusste einfach gar nichts außer dass in ihrem Herzen irgendetwas schrie und wie ein Schmerz über sie fiel. Sie hätte heulen können, alles hinter sich lassen können, aber er behielt sie mit seinem Blick allein hier. Der Blickkontakt zwischen ihnen hatte eine kurze Zeit ein seltsames Funken zwischen ihnen ausgelöst, dann war es aber schon vorbei gewesen.
Shit musterte die Wölfin nachdenklich, ohne sein Lächeln zu verlieren. Er fühlte sich hin und hergerissen, denn eigentlich sollte er ja beim Jagen helfen. Ein bisschen Zeit würden sie aber doch noch haben? Irgendwie kam es ihm sovor, als würde er Neria ein wenig überfordern. Er konnte doch nicht einfach sagen, das sie jetzt schnell zurück mussten, ehe jemand bemerkte, das er verschwunden war. Bestimmt hatten sie es ohnehin schon bemerkt.
"Shit muss nicht so förmlich angesprochen werden, wir sind doch alle nur Wölfe."
Sagte grade er.
"Wo kommst du denn her, Neria? Hast du einen weiten Weg hinter dich bringen müssen, oder bist du hier in der Nähe aufgewachsen? Wieso bist du von dort fort gegangen?"
Er tat sich schwer darin, einfach mit dem Fragen aufzuhören. Er hätte noch endlos lange weiter irgendwelche Fragen an sie richten können, doch er wollte erst einmal die Antworten hören. Zugegeben, eigentlich wollte er lieber Fragen stellen, aber dennoch sollte sie die Chance bekommen, ihm zu antworten. Strahlend setzte er sich vor die Wölfin, völlig gelassen, als hätte er alle Zeit der Welt. Was war wichtiger? Eine Frage über die Shit nicht nachdenken wollte. Zweifelsohne wollte er Banshee nicht enttäuschen, dennoch musste man sich um die neue Wölfin kümmern. Er selbst hätte das auch nur fair gefunden, wenn jemand ihn begrüßt hätte. Selbst wenn gerade eine Jagd im Gange war. Es waren so viele Wölfe in diesem Rudel, sie würden schon ohne Shit auskommen.
Der Rüde schien nicht damit aufhören zu wollen, sich um sie zu kümmern. Er hätte sie auch einfach nur in die Schranken weisen können, Neria hätte dies auch verstanden, immerhin war er der Leitwolf, aber warum musste das ausgerechnet so einen Lauf nehmen? Sie schluckte, ein schwerer Kloß saß in ihrem Hals und hinderte sie daran, irgendetwas zu tun und zu sagen. Nur ihre Augen wanderten hin und her, kontrollierten den Rüden, den Himmel und die Umgebung. Erst jetzt wurde ihr etwas klar – wieso ließ denn der Alpharüde seinen Jagdtrupp alleine? War das Rudel wirklich so erfahren oder leitete er das Rudel gar nicht alleine? Sie schmunzelte etwas, ihre Leftzen zuckten nervös, dann aber versuchte sie sich zu beruhigen und wieder ein wenig von ihrem Trip runterzukommen. Ein Seufzen verließ die Kehle der kleinen Fähe, dann schloss sie ein wenig die Augen.
oO(Ich bin so schrecklich verwirrt, Liannaka.)Oo
[Meine Maus, ich verstehe, welche Sorgen dich plagen und was du denkst und fühlst. Doch denke immer daran, dass du dich niemanden verraten wirst. Auch nicht diesem Rüden, oder glaubst du etwa, er ist einer der leichten Sorte? Er scheint der Leitwolf zu sein und so stolz und glücklich er hier wirkt, kann es auch eine einfache Fassade sein und er belügt dich, ist vielleicht trotzig und aggressiv. Also verrate dich ihm nicht, er kann auch eine Gefahr darstellen.]
oO(Und wenn er mir etwas tut?)Oo
Neria spürte den warmen Luftzug, der sie berührte, eine Beruhigungswelle überschlug sie und sie verstand, was der Engel damit sagen sollte. Liannaka war da, sollte irgendetwas geschehen, würde sie eingreifen und Neria aus dieser Situation helfen, sie retten, wie hilflos sie auch war. Dann aber nahm sie sie die fielen Worte des Rüden war, er wollte nicht so höflich angesprochen werden und ehe sie hätte nachdenken können darüber, folgten viele Fragen, die Neria erst einmal ordnen musste, ehe sie irgendetwas hätte sagen können. Sie seufzte leise, wusste nicht, ob sie jetzt wirklich nur schweigen konnte, denn was war, wenn Liannaka Recht hatte? Plötzlich kam es wie ein Schock über Neria, sie hatte doch eine Beziehung mit einem Alpharüden – und dies hier vor ihr war ebenso ein Alpharüde! Oh nein, ein Betrüger, ein brutaler Nichtsnutz, sie hatte doch gewusst, dass sie in Schwierigkeiten geraten würde wenn sie hier war. Was sollte sie denn jetzt tun? Er setzte sich auch noch vor ihr nieder, das durfte er doch nicht tun. Sie senkte den Kopf, eine Geste der Zurückhaltung, des Schweigens. Sie wollte sich dort unten verstecken und ignorieren, was vor ihr geschah. Sie konnte diese Fragen nicht beantworten, es war zuviel verlangt.
Von der Ferne her hörte der Graue seltsame Geräusche. Das Pfotentrommeln irgendwelcher Wölfe. Tahashy schloss die Augen. Sie würden ihn hier finden, liegend, hilflos und ohne Ziel. Wie ein Häufchen Dreck, das gut zu dem aufgeweichten Boden passte auf dem es lag. Der ruhige und so friedfertige Ausdruck auf seinem Gesicht wich einer reinen Verzweiflung. Es sollten keine Wölfe ihn erblicken, ihn fragen, wohlmöglich helfen. Nein, sie sollten fern bleiben, den Rüden einfach sterben lassen. Er wollte doch nur befreit werden, erlöst von all dem Schmerz. Nur wenige Momente später hatte der Graue sich für seine Gedanken selbst gescholten. Selbstmitleid wollte er keiner Zeit verspüren.
Seine schwachen Muskeln verhärteten sich und er schaffte es unter großen Kraftaufwand seinen Körper auf den Bauch zu hieven. Der Kopf immer noch zu Boden gesenkt, holte er Luft und verharrte mit gefüllter Lunge einen Augenblick lang, dann ließ erst ein leises Heulen, schließlich immer ein stärkeres verlauten. Er hob den Kopf an. Er verspürte etwas von Gehörigkeit, er fühlte sich für wenige Sekunden lang als wäre er endlich zu Hause, angelangt an seinem Wohlbefinden. Doch mit seinem Heulen verstarb auch die Zuversicht. Er rührte sich nicht, brauchte die restliche Kraft für die Mobilisierung seines stolzen aufrechten Stehens. Tahashy stemmte seinen schlanken Körper hoch. Sein ausgezehrter Leib war knochig und mager. Der Anblick war nicht der Schönste. Das einst so hübsche Gesicht sah müde und ernst aus.
Als er es geschafft hatte sich auf die Pfoten zu stellen, verlor er das Gleichgewicht und fiel, wieder ohne großen Widerstand zu Boden.
Mit der Zeit hatte sich das leicht gereizte Gemüt des Jünglings wieder abgekühlt. Locker lief er zwischen den anderen Wölfen, die Schwarze, die seine Gruppe anführte genau im Blick. Als er bemerkte, das sie etwas besorgt zu ihm hinsah, wandte er den Blick von ihr ab, schloss die Augen, lief aber genauso leise weiter. Er konnte sich ungefähr vorstellen, was sie dachte. Er wäre das Nesthäkchen vom Dienst und daher neben der Blinden ebenso gefährdet. Aber die Blöße eines Versagers zu geben, das kam für ihn absolut nicht in Frage. Erstrecht nicht seit er den bekümmerten Ausdruck seiner Mutter gesehen hatte. Er wusste, das sie sich Vorwürfe machte ihrem Sohn kein gutes Vorbild zu sein. Dennoch hatte er eigentlich erwartet von seinem Vater das Jagen zu erlernen und nicht in so einer großen Gruppe. Er war sich eh nicht sicher, ob das gut gehen würde. Aber aufgeben kam für ihn absolut nicht in Frage. Zudem kam noch der 'tröstliche' Gedanke, das es noch immer das Kämpfen gab, was sein Vater ihm beibringen konnte. Nach einer Weile öffnete er die bronzefarbenen Augen wieder, genau zum rechten Zeitpunkt wie ihm schien, denn gerade war Eris zu der Blinden gegangen. Gerade wollte er hinzutreten, als seine Mutter ihn sachte anstubste. Er sah den gekränkten Ausdruck in ihren Augen, dennoch strich er mit seiner Nase sachte durch ihr Fell. Sie war eben seine Mutter, die Wölfin, die sein Vater über alles liebte. Vielleicht war es wirklich nicht so schrecklich, wie er dachte. Aber darüber konnte er auch nach der Jagt nachdenken. Er hoffte nur, das sie ihn nicht die ganze Zeit über bei sich haben wollte. So würde er nämlich nie selbstständig werden. Das weiche Fell an seiner Nase tat ihm gut, auch wenn er es niemals zugeben würde. Diese Fähe war wirklich etwas besonderes. Er schenkte ihr den Anflug eines Lächelns, ehe er sich von ihrer Seite löste und auf leisen Pfoten zu der Blinden und Eris ging. Er hatte so nur den letzten Teil der Unterhaltung mitbekommen können.
" Die Idee ist nicht schlecht, hat aber wie einiges einen Haken. Wenn wir anfangen die Herde zu hetzten, werden von überall die Geräusche der Hufe zu hören sein. Wie sollte sie ein flüchtendes Tier von den anderen unterscheiden, die um ihr Leben laufen? "
Kurz ließ er den stechenden Blick auf beiden Fähen liegen, ehe er stehen blieb und den Blick über die Gruppe schweifen ließ. Ein Ohr schnippte leicht. Er konnte ja nicht ahnen, das er nicht der Einzige war, der sich Gedanken machte. Er spürte seine Anspannung, dennoch blieb er äußerlich vollkommen ruhig, auch wenn es in seinen Nackenhaaren kribbelte. Etwas lag in der Luft, was das vermochte er nicht zu sagen. Doch etwas würde passieren. Sein Blick huschte noch einmal zu der Grauen. Er war gesünder als sie und auch dynamischer als die anderen. Denn auch die Anführerin der Gruppe sah in seinen Augen nicht gesund aus. Hoffentlich überforderte sie sich nicht. Aber eigentlich war es dementsprechend auch eine Anforderung an ihn und die anderen aus der Gruppe, die uneingeschränkt handeln konnten. Die mussten sich dann besonders anstrengen um die anderen zu entlasten.
Sie empfand ihre Idee nicht als allzu angekratzt trotz der Einwände Hikajis, mit denen er auch gut recht haben könnte. Eris vertraute Kaedes geschärften Sinnen da doch ziemlich, aber ihr kamen andere Bedenken. Das war ein einziger Irrsinn, wurde ihr immer klarer und sie kaute, wie so oft, wenn sie sich den Kopf über etwas zerbrach, nachdenklich an den Innenseiten ihrer Lefzen.
"Das klingt jetzt vielleicht etwas blöd, aber ehrlich, du könntest gegen einen Baum laufen, Kaede und der würde dich ausknocken. Also, eigentlich ist das Augenlicht unentbehrlich bei einer Jagd, seien wir ehrlich. Bäume, Steine, Äste, die kannst du nicht hören und zwischen dem ganzen aufgewirbelten Staub auch nicht riechen und wenn du sie spürst, dann ist es zu spät ...",
erklärte die Schwarze mittlerweie ziemlich nervös, die entscheidung müsste jetzt fallen, die Herde war gefährlich im Anmarsch.
"Das ist nicht mehr irrwitzig, dass ist saugefährlich für dich. Kaede, ich will dich jetzt nicht entmündigen, aber es wäre besser, wenn du dich fernhälst von der Jagd, tut mir leid, aber ich pflanze dir da sicher keine neuen Sorgen ein, was?"
Eris verspürte das Bedürfnis sich erschöpft auf den Boden sinken zu lassen, aber sie war zu verspannt und das war unaufmerksam, damit durfte gar nicht erst anfangen. Was hatte Banshee sich da eigentloch bei gedacht? Nur um Kaedes Gefühle zu schonen ... ach, das war doch verkorkst. Sie wollte sie ja auch nicht verletzen, aber lieber auf diese Weise, als auf´s Blut und Schlimmeres.
Cylin sah nicht auf, beim laufen hielt er den Kopf gesenkt, starrte entweder auf den Boden oder leicht seitwärts zwischen den Pfoten der Wölfe seiner Gruppe hindurch. Die ganze Situation behagte dem jungen schwarzen Rüden nicht sonderlich, er war hier inmitten einiger Wölfe die er so gar nicht direkt kannte... aber das schlimmste war, das sein Bruder nicht hier war. Ohne Averic, machte das hier doch bestimmt gar keinen Spaß... mit seinem schwarzen Bruder an seiner Seite hätte diese Jagd wahrscheinlich spaß machen können, aber so. Naja der verträumte Welpe,wenn man den jungen Wolf eigentlich noch so nennen konnte, denn er war in den letzten Monaten schon um einiges gewachsen, war ja im eigentlich nicht der Fan von besonders aufregenden und anstregenden Sachen. Aber so, ne eigentlich hatte er da so gar keine Lust drauf. Aber was sollte man machen? Die letzten Minuten hatte er versucht eine Lüche zwischen den Wolgspfoten um sich herum ausfindig zu machen, so dass er vielleicht hätte fliehen und zu seinem Bruder laufen können, aber irgendwie. War da so gar nichts zu machen, verdammt! Der junge Wolf malte mit dem Kiefer und bis sich dabei ausversehen leicht auf die Lefzen.
"Autsch..."
murrte er mit fast schon fauchender Stimme und wandte hecktisch den Kopf herum, sollte nur keiner der anderen auf die Idee kommen ihn zu fragen wie es ihm ginge. Er hatte nun gerade keine Lust auf niemanden, ausser auf Averic und der war ja nicht da. Also sollten sie ihm bloß fern bleiben. Deprimiert ließ der Träumer den angehobenen Kopf wieder in Richtung Boden sinken und stierte den aufwirbelnden Boden an. Ach Wolf verdammt, das passte ihm nun so gar nicht, und in dem Sinne hatte sein Bruder wohl ein wenig auf ihn abgefärbt, denn was er nicht wollte das machte er halt nicht einfach so mit. Ein Versuch wars doch wohl wert! Der bernsteinfarbende Blick Cylin's schweifte umher, suchte erneut nach einer Möglichkeit sich zu Averic zu verdrücken. Und tatsächlich dort hinten hatte sich eine Lücke aufgetan. Dieser irgendwie fremde Rüde, der schwarze Welpe konnte sich nicht einmal an seinen Namen entsinnen, war irgendwie verschwunden. Aber dabei war er doch eben noch da gewesen, da war er sich doch ganz sicher! Hatte er nur wieder geträumt? Oder war das wieder so eine sonderbare Wirklichkeit Traum Geschichte die nur er sah? Das wäre jawohl nicht das erste Mal gewesen, aber, ne die waren ja anders gewesen und Cylin war sich sicher das der Wolf bis vor wenigen Sekunden noch genau dort gelaufen war! Und nun war er weg, wirklich sonderbar, doch die passende Gelegenheit wollte sich der Träumer nicht entgehen lassen. Versucht unauffällig ließ sich der Welpe einige Schritte zurückfallen. Wenn es seiner Mutter, oder diesem Rüden, Hidoi auffiel oder auch nur einem der anderen, würde er wahrscheinlich ganz schön Ärger bekommen. Aber er wäre ja wohl nicht Averic's Träumer wenn er es nicht versuchen würde! Die anderen Wölfe konnte er nicht wirklich einschätzen, aber egal, er musste nun seine Gedanken bei seinem 'Fluchtversuch' gesammelt halten.
Okay, warten, warten... jetzt!
Der junge Wolf machte einen flinken Satz zur Seite und schlüpfte durch die Lücke die der fremde, weggegangene Wolf hinterlassen hatte. Okay, soweit so gut. Nun vorsichtig zur Seite und durch die Büsche, dann wäre er in Sicherheit. Wenn ihn nun nur nicht jemand sah. Er setze seine Pfoten vorsichtig auf, versuchte keinen Unnötigen Lärm zu machen. Sein bernsteinernder Blick war dabei unentwegt auf seine Mutter gerichtet. Hoffentlich drehte sie sich jetzt nicht um um nach ihm oder einem der anderen zu sehen. Nur noch ein paar Bewegungen und er wäre bei den Büschen, noch ein paar Bewegungen und er wäre quasi unsichtbar und könnte sich auf die Suche nach seinem bruder begeben. Die Sekunden verstrichen...
Kaede hatte gemerkt, wie der Welpe ihrer Gruppe zu Eris und ihr gekommen war und hatte ihren Blick auf ihn gesetzt. Wie immer hörte sie aufmerksam zu. Doch was er sagte war nichts Neues für sie. Sie hatte wohl nicht daran gedacht, dass ihre Ohren sie im Stich lassen würden nein, aber trotzdem war es sicher zu viel, denn auch wenn sie gut lauschen konnte, während sie rannte würde dies eine unerfüllbare Aufgabe sein, und rennen musste sie, da führte kein Weg dran vorbei. Seufzend legte sie den Kopf schief. Hatte sie es nicht schon immer gesagt? Sie war ein Krüppel. Eine Wölfin, die es nicht mehr wert war zu leben. Es musste sich doch sowieso immer jemand um sie kümmern. Nun sprach Eris wieder. Sie klang extrem nervös und kam anfangs gar nicht zum Thema. Doch Kaede war auch so klar was kommen würde und schon sprach Eris es aus. Um all die Dinge der Natur hatte Kaede nicht gedacht. Wenn sie langsam ging, schien es kein Problem zu sein, sie konnte alles ungefähr erahnen, doch wie gesagt gerannt war sie noch nie. Dabei konnte sie nicht achten was kam. Das konnte sie ja sowieso selten, doch wenn man eben langsam ging, konnte man sich an die Trampelwege halten. So würde sie kreuz und quer der Herde folgen müssen, welche garantiert keinen breiten Weg einschlagen würden. So hatte die Blinde gar keine Chance. Sie würde irgendwo gegen rennen, stolpern oder hängen bleiben. Sie nickte Eris leicht zu. Dann sprach sie leise flüsternd, damit die Herde sie nicht entdeckte.
„Es stimmt was du sagst Eris. Daran habe ich nicht gedacht. Banshee sicher auch nicht. Es war naiv zu denken, dass es irgendwie klappen würde. Ich habe nicht gut genug nachgedacht. Als ich das letzte Mal jagen war, habe ich immerhin noch ein wenig gesehen und war mit Tyrael alleine. Kleine Tiere. Doch das hier ist was anderes. Das hier ist nichts mehr für mich. Es tut mir so Leid. Eigentlich war es mir von Anfang an klar. Ich war mir bewusst, dass es sowieso nicht gut gehen würde und ich war mir bewusst, dass ich nicht mitjagen kann. Und doch habe ich mich daran festgeklammert. An einem Wunder. Als ob ich irgendwie wegen einer Jagd wieder sehen würde. Es war dumm von mir überhaupt bis hier hin mitzukommen. Ich habe euch alle nur belastet. So wie ich es immer tue. Ich will mich jetzt nicht in Selbstmitleid baden, auch von euch möchte ich kein Mitleid. Jedem Wolf ist ein Schicksal zugeteilt, und dies ist also meins. Ich werde mich ihm beugen.“
Ein leiser Seufzer entwich Kaede nun doch. Sie blickte Eris, jedoch mit einem Lächeln auf den Lefzen an.
„Ich wünsche euch viel Spaß und Erfolg bei der Jagd. Passt alle auf euch auch. Auch dir mein kleiner wünsche ich viel Spaß und ich hoffe du lernst viel! Ich freue mich euch alle danach auf dem Rudelplatz wieder zu treffen. Seid vorsichtig!“
Sie drückte ihre Schnauze leicht an Eris Brust, und drehte sich dann langsam um.
„Hanako, wir sehen uns dann später. Face, Bastar. Machts gut!“
Dann schritt die Blinde langsam und vorsichtig an den anderen vorbei. Hier zu bleiben, wäre ebenfalls zu gefährlich, sie musste möglichst schnell und möglichst weit von hier weg. Sie tappte jedoch langsam und bedächtig über den Boden, bis sie an der Reviersgrenze zwei Gerüche wahrnahm. Sie drehte sich noch einmal zu den anderen um. Wedelte leicht und verfiel dann in einen leichten Trab. So konnte sie immer noch sicher den Weg ertasten, halb war es sowieso der, den sie gekommen waren. Doch sie witterte Banshees Gruppe und überlegte kurz. Hier führte ein Weg hinein den sie kannte und welchen sie oft gegangen war. Doch nun war es schon lange Zeit her. Sie hoffte, dass sie es trotzdem finden würde und bog ab. Nun hatte sie nur noch die Reviersgrenze mit den beiden Wölfen in ihrer Nase. Sie lächelte, als sie bemerkte, dass sie den Weg noch genau in ihrem Kopf hatte und so trabte sie sicher und frohen Mutes voran. Sie spürte die beiden immer näher und wieder seufzte sie leicht. Dann war sie sich sicher, dass sie in der Nähe sein mussten und wurde langsamer.
„Hallo?“
Leicht erahnte sie die Umrisse von den zweien und ging langsam auf sie zu. Es schien, dem Geruch zu Urteilen ein Rüde und eine Fähe zu sein. Aber den Geruch des Rüden kannte sie doch. . .
„Shit? Bist du nicht der Wolf, der gerade neu in unser Rudel gekommen bist? Warum bist du nicht bei der Jagd? Wer hat dir erlaubt, davon zu gehen. Na gut erlaubt ist wohl ein zu hartes Wort aber hast du dich abgemeldet und hast du einen guten Grund, warum du hier bist? Die Jagd ist doch dafür da, dass wir, wir Wölfe und besser kennen lernen und es war eine gute Art auch die Neuen zu integrieren.“
Beschämt stellte sie fest, dass sie die Fähe gar nicht begrüßt hatte.
Entschuldige bitte. Mein Name ist Kaede. Wer bist du, wenn ich dich dies fragen darf? Du scheinst ebenfalls neu hier zu sein oder? Kennt ihr euch? Störe ich euch etwa? Nicht dass ich irgendwie eine hohe Position in dem Rudel hätte ich bin bloß Omikron und will jetzt nicht zwischen irgendetwas gehen, was Banshee vielleicht ja erlaubt hat und . . .“
Stockend brach die blinde ab. Was tat sie hier eigentlich? Nun konnte sie nicht mitjagen und lief gleich zu den nächst besten Wölfen.
„also. Es tut mir natürlich Leid, wenn ich sie gestört haben sollte“
Jetzt reichlich in Panik ging die Fähe zwei Schritte zurück, beschimpfte sich dann aber selber.
oO War tue ich hier. Wenn es wirklich Shit ist wie ich vermute, dann sollte er bei der Jagd sein und selbst wenn ich nicht so hoch stehe, stehe ich doch ein wenig über ihm. Banshee hat mir vertraut, ich mache hier doch nichts kaputt oder? Vielleicht hatte sie ja ihre guten gründe, aber andererseits. Sie hatte doch extra alle eingeteilt . . .
Mit neuem Mut ging sie wieder einen Schritt vor.
„Also Shit. Es wäre lieb, wenn du mir erklären würdest. Da ich selber nicht mitjagen kann, und es mir schwer fällt mich alleine zu Recht zu finden, fände ich es schön wenn ich hier bleiben könnte. Insofern du nicht zur Jagd musst Shit . . .“
Eigentlich band Kaede nicht jedem sofort ihre Schwäche auf, doch musste sie ja irgendwie erklären warum sie hier war, und die Wahrheit war immer das Beste . . .
Shit wandte energisch den Blick von Neria auf die Wölfin, die sich ihnen näherte. Erst dachte er, ein Wolf seiner Gruppe wolle ihn wieder einfangen, doch er hatte diese Wölfin nur ganz flüchtig gesehen, als sie aufgebrochen waren. Er stand ruckartig auf und hob wieder den Kopf und die Rute an.
"Du nimmst dich ja sehr wichtig."
Meinte er mit ernstem Tonfall. Wie konnte sie nur diese Zweisamkeit hier stören?
"Shit ist der Alpha dieses Rudels. Außerdem wollte er bald wieder zur Hetzergruppe hinzustoßen, doch erst einmal musste er die Fremde Wölfin in Augenschein nehmen."
Er schien schon wieder weniger ernst und begann nun, die Wölfin vor sich zu mustern. Sie gehörte schon zum Rudel, sie würde ihn sicher nicht mögen. Doch was sah er da in ihren Augen? Waren sie etwa trüb? Bestand die Möglichkeit, das die Fähe blind war? Ob sie deshalb nicht an der Jagd teilnahm?
24.12.2009, 19:02
Der Schwarze verbannte jegliche Sorgen oder Befürchtungen. Die Jagd hatte begonnen, jeder wurde seiner Gruppe zugeteilt und alle waren auf dem Weg. Langsam aber sicher wurde es dunkel. Die Wolken verwandelten den Tag in die Nacht. Der störrische Nieselregen wollte einfach nicht enden und wurde immer schwerer. Acollon ging dieses Wetter etwas auf sein so Nervenzitterndes Gemüt. Mit schwerem Atem sah er sich nach seiner Gruppe. Sie waren alle vollzählig und schienen wachsam die Umstände zu begutachten. Tja, es war die erste Jagd die Acollon nicht alleine bewältigen würde. Es war wirklich das erste Mal, dass er mit einer größeren Gruppe jagte. Aber der Rüde war sich sicher, dass es nicht viel schwerer sein könnte, als alleine zu jagen.
Hirsch- Post
Scheinbar unberührt und in friedlicher Ruhe grasten die Huftiere. Es war nicht ein Hauch von Unbehagen oder vorsichtiger Aufmerksamkeit zu spüren. Doch es der Anschein war einer reiner Trugschluss. Die letzten Kitze wurden geboren und die davor gekalbten Jungtiere tollten herum. Die Bullen waren in größter Anspannung, jedes Geräusch als eine Warnung aufzunehmen. Die Hirschkühe suchten immer wieder den Waldrand ab, um einen Feind auszumachen. Sie waren in einer gefährlich hohen Anzahl zu Gaste. Die Herde war ein gebührender Gegner, den man nicht unterschätzen sollte.
Sie würden wissen, wie sie sich zu verteidigen hätten.
Hiko stand etwas abseits der Jagdgruppe und betrachtete alle. Er wusste nicht so recht was von ihm eigentlich erwartet wurde, er hatte noch gejagt, es war ihm völlig unbekannt. Ruki lag neben ihm im Gras und folgte seinem Blick.
"Sag kleiner Bruder, ist dies das Rudel?"
Ruki gähnte und strich auf lautlosen Pfoten um Hiko herum. Die Ohren gespitzt lauschte er den irdischen Geräuschen und sog die weltlichen Gerüche ein welche doch ihm keine Bedeutung mehr hatten.
Der Wind fuhr fauchend durch den Geistbegleiter des Rüden hindurch und entschwand in der unendlichkeit der Welt
Hiko lächelte blass und nickte leicht. Es war nun sein Rudel. auch wenn es groß war, zu groß für seinen Geschmack. Doch was sollte er schon tun.
Er ließ ein Beben durch seinen Körper wandern und streckte sich dann gähnend. Den schwarzen Rüden beobachtend ließ er sich im Gras nieder und gähnte erneut
Ruki strich mit der Pfote sanft über Hiko´s Kopf und streckte sich ebenfalls ehe er sich dem schwarzen Rüden näherte und ihn schwebend umkreiste, ihn beschnupperte, obwohl dies nicht wichtig war da er auch so ihm in die Seele blicken konnte, aber auch Ruki war eben ein wolf der sich auf die Nase verließ
Die Gerüche durchströmten Leés Nase und machten sie ganz kribbelig. Ihre Schritten wirkten nach aussen sicher und ruhig. Doch in Wirklichkeit fühlte sie sich etwas unsicher, was das Jagen anbetrifft und wusste nicht genau, was sie tun würde, wenn es begonnen hatte. Sie dachte sich.
.oO(Nur warten Leé...)
Und sie musste dabei leicht lächeln über sich selber. Diese Denkweise entsprach nicht ihrer Person. Sie würde natürlich gerne alles so machen, wie es ihr passte, doch in dieser Situation ordnete sie sich Ayala selbstverständlich unter und folgte ihren Anweisungen. Ihr Blick lag auf der weissen Fähe Ayala. Sie bemerkte ihren auffordernden Blick und fiel in einen leicht schleichenden Trab und lief bis direkt hinter Ayala und blickte angestrengt nach vorne. Sie roch nun die Beute sehr stark und zog geräuschvoll die Luft ein. Soe roch nasses Gras, darunter einen holzigen beruhigenden Duft und die Huftiere. Sie stellte sich das warme Fleisch vor, in welches sie ihre Zähne hineinschlagen könnte, doch sie hatte auch irgendwie bammel davor, denn sie war noch immer sehr jagdunerfahren. Wer hätte denn zur Welpenzeit mit ihr jagen gehen können? Einmal war sie gegangen, mit ihrem Vater. Sofort erschien sein Antliz mit dem rötlichen Feuerschimmer. Leé drückte kurz die Augen zusammen, das Bild verschwand.
.oO(Wann lässt du mich in Ruhe...Feuer...?)
Neria sah den Rüden vor sich einfach nur an, sie hatte keine besonders große Lust mehr, sich mit ihm zu unterhalten, sie fürchtete sich immer noch ein wenig und wollte einfach weg oder zu diesem Rudel. Man würde sie aufnehmen oder nicht, es war ihr nun wirklich egal, die Zeit flog nur so dahin und die Fähe spürte, wie der Wind sie sanft liebkoste und Liannaka nah bei ihr war und ihr Unterstützung gab. So lange ihr Engel keine Gefahr in dem Rüden hier sah, war es gut und er schien nicht boshaft zu sein, aber trotzdem war es irgendwie anders. Sie senkte ihr Haupt und seufzte leise, ihre tiefblauen Augen wussten nicht mehr wohin, bis sie erneut ein Geräusch war nahm und eine Fähe zu ihnen brach. Die Augen dieser Fähe – das bemerkte Neria sofort – waren vollkommen trüb und schwach, sie schien nicht mehr sehen zu können. Aber es war ihr im Moment wirklich vollkommen egal, sie hatte keine Lust und keine Kraft, sich jetzt damit auseinander zu setzen. Sie sah zu dem braunen Rüden, der ein wenig erschrocken darüber zu sein schien, das plötzlich jemand hier war, eine andere Wölfin, kannten sie sich? Eigentlich wollte sich die kleine schlanke Fähe gerade niederlassen und etwas Kraft sammeln, als sie die Worte der blinden Fähe vernahm und sie erschrak. Shit – neu ins Rudel gekommen – von der Jagd weggelaufen? Sie machte große Augen, ihre blauen großen Augen, die so treu und so hilflos ausschauten und nur nach etwas Sorge baten.
oO(Lügner! Lügner! Lügner!)Oo
Sie schüttelte sich, erhob sich und sah erschrocken in die Runde, sah erschrocken zu Shit, der sich versuchte dagegen zu wehren, dabei aber irgendwie nicht mehr sehr sicher klang und dann konnte Neria – es lief alles blitzschnell an ihr vorbei – die boshaften Worte der anderen Fähe hören, sie schien nicht glücklich zu sein, sondern sehr sauer auf den Rüden vor ihr. Neria schluckte.
[Ganz ruhig, mein Engel, ganz ruhig. Nun renn weg und versuche woanders dein Leben zu leben, hier kann es nicht sein, nein. Beruhig dich und geh! Dein Leben scheint hier nur in Gefahr zu sein!]
Liannaka hatte Recht, ihr Engel hatte doch immer Recht, sie musste hier weg, ganz schnell, vielleicht auch für immer, aber das spielte nun wirklich keine Rolle mehr. Sie seufzte leise, wandte ihren Kopf ein letztes Mal zu dem Rüden, sah ihn so enttäuscht mit ihren blauen Augen an, wie sie es wohl noch nie getan hatte bei jemanden, rannte dann aber los. Sie konnte nicht einmal diese fremde Fähe dort ansehen, nein, das tat ihr weh und wofür auch? Sie kannte diese Wölfin nicht, es gab keinen Grund, sich damit nun noch auseinander zu setzen. Neria wollte nur noch weg und in die Welt hinaus rennen, für immer. Also rannte sie nur los, dies waren doch nur Grenzen gewesen, die sie von einem Leben getrennt hatten, welches vielleicht genau das Richtige gewesen wäre für sie. Sie weinte, Tränen liefen aus ihren Augen ihren Pelz hinunter und nässten diesen. Sie war wirklich enttäuscht und nun wusste sie auch nicht mehr wohin. Wie konnte er sie anlügen und behaupten, er wäre der Alpharüde? Er hatte seine Situation ausgenutzt an einer schwachen Fähe wie sie es war. Sie blieb stehen, hatte keine Kraft mehr zum rennen und sah sich um. Wohin nur?
Shit sah aus den Augenwinkeln, wie Neria davon lief. Sein Blick verfinsterte sich und seine welpische Art verschwand völlig aus seiner Haltung. Auch aus seiner Stimme, seiner Aura und alles was zu ihm gehörte.
"Du Klugscheißerin! Shit kann dich auch auf der Stelle töten, könnte dafür sorgen das du überhaupt keine Gelegenheit hast, dich an Banshee zu wenden."
Er knurrte, ein tiefes, zorniges Knurren.
"Shit ist Alpha. Ab jetzt, klar?!"
Doch mehr hatte er nicht für Kaede übrig. Viel wichtiger war die kleine Wölfin, mit den niedlichen Augen. So schnell wie sie davon lief, so schnell lief er ihr nach. Klar im Vorteil. Sein Körper war kräftig gebaut, seine Beine lang, er groß.
War Neria sauer, weil er gesagt hatte, das er Alpha war? Er meinte das doch auch so. Er wollte Alpha sein und er würde so schnell nicht davon abweichen. Zugegeben, das musste sogar er sich eingestehen, so wirklich war er es noch nicht und schon garnicht in diesem Rudel.
Er stürmte geradezu dahin, folgte der frischen Witterung, dem Geruch einer Wölfin, die vor ihm davon lief. Vor ihm! Das war wohl so etwas wie ein neuer Tiefpunkt in seinem Leben, denn normalerweise war er der, der davon lief. Weil sie lachten und ihn hassten. Aber Neria sollte ihn nicht hassen, für etwas das in seinen Augen so nichtig war.
"Neria, Neria warte!"
Neria war immer noch furchtbar enttäuscht und konnte noch immer nicht weiterlaufen. Es war doch einfach nur gemein von diesem Rüden gewesen, nun hetzte er sie hin und her, dabei tat es ihr doch so weh, zu laufen, sie wollte doch gar nicht wieder fliehen, sondern einen festen Standpunkt haben, alles anders als zuvor sehen. Wieso konnte denn nie etwas so eintreffen? Das Leben war so gemein zu ihr. Was würde Liannaka nur dazu sagen? Neria wollte wissen, ob ihr Engel dazu eine Meinung hatte, ob ihr Engel einen Rat hatte und ihr helfen konnte, so wie sie es doch erwartete.
oO(Liannaka? Bitte hilf mir doch. Was soll ich tun? Wegrennen oder zurückgehen? Ich weiß nicht mehr, was richtig oder falsch ist und was ich über diesen Rüden denken soll….)Oo
Hatte ihr Engel überhaupt noch Antworten auf so etwas? Oder hatte selbst dieser schon all diese Hoffnungen darauf aufgegeben, dass etwas Gutes in diesem Rudel lag, welches sie hier aufgesucht hatte? Es war einfach kein leichtes Spiel mehr, sie würde sich wohl länger damit beschäftigen müssen, wenn es doch noch irgendetwas anderes gab, außer diese ganzen Ängste.
[Es ist nichts falsch, es ist im Moment auch nichts richtig. Was du tun willst, musst du entscheiden. Weglaufen bedeutet, dass du dieses Rudel aufgibst und dir ein neues Suchen musst. Zurückgehen bedeutet, dem allem eine Chance zu geben. Rede mit ihm, denn er kommt.]
Neria wollte noch etwas sagen, etwas fragen und verstehen, was Liannaka damit meinte, mit den Worten, dass er kommt und all dem Anderen, als sie plötzlich eine Stimme vernahm, eine Stimme eines Rüden. Es war Shit. Was wollte Shit denn hier? Sie wusste nicht, wie sie nun reagieren sollte, was sie zu ihm sagen sollte, aber sie konnte nicht weglaufen und einen Wolf ignorieren konnte sie auch nicht. So etwas tat ihr weh, denn auch dem Wolf ging es bei so etwas nicht gut. Sie drehte sich also in die Richtung, aus der Shit gelaufen kam und sah ihn an. Verzweifelt, enttäuscht, aber mit neuen Hoffnungen, sie war sich unsicher über ihre Gefühle, aber würde dem allen vielleicht eine Chance geben.
Parveen fühlte sich weiterhin schlecht, denn noch immer hatte niemand auf sie geachtet, niemand hatte bemerkt, wie schlecht sie sich fühlte und ihr Vater hatte immer noch kein Auge auf sie geworfen. Sie lief mit gesenktem Kopf in der Mitte der Gruppe. Falk war auch nicht mehr hier, er war nun doch in einer anderen Gruppe, selbst bei ihm konnte sie niemanden finden, der sie aufmunterte. Und sonst? Ihre Geschwister schienen sich zu lieben und zu brauchen, aber irgendwie fühlte sie sich in die Außenseiterrolle geschoben, als wenn sie nicht dazu gehören würde. Eine kleine schwarze Welpin, das schwarze Schaf in einer Herde vom strahlenden Weiß, sie fühlte sich so. Es war beinahe wie Selbstmitleid, aber wenigstens redete sie sich so etwas nicht ein. Es machte ihr keinen Spaß, darüber nachzudenken, aber es änderte eh nichts daran. Sie wollte es nicht in sich hineinfressen, fand aber auch niemanden, mit dem sie darüber reden konnte. Mit der Fähe von vorhin konnte sie auch nicht mehr reden, die Jagd war nun angesagt, aber Parveen hatte ihr gesamtes Interesse verloren, zu jagen. Sie wollte es gar nicht mehr lernen. Es war ihr egal, sie wäre am Liebsten wieder zurückgegangen, hätte die Gruppe alleine gehen lassen, sie war doch nur eine unnötige Last, mehr nicht. Eine kleine Welpin mit Depressionen, die sich selbst nicht mehr wieder fand in einer Welt aus Glasscherben, die man auf den Boden zertrümmert hatte. Immer wieder sah sie klein zu ihrem Vater hoch, aber es brachte doch nichts. Sie hasste sich so dafür, dass sie so still und zurückgezogen war, dass sie niemand mochte, das konnte sie selbst nicht leiden. Sie gab sich irgendwie die Schuld dafür, sie wusste auch nicht, wieso. Wo war ihre Mutter? Wo war das Familiengefühl von früher? Die Wärme und die Liebe? Ihr Stern auf der Stirn war vollkommen blass, eisig kalt, sofern man ihn berührte und hatte furchtbare Kopfschmerzen wegen diesem Stern, denn er war frustriert und drückte die Gefühle so stark aus. Schmerzen in ihrem Kopf, Depressionen und kein Interesse, die kleine Welpin fühlte sich schrecklich, diese Jagd war nicht mehr wirklich das, was sie durchhalten wollte und konnte.
Kaede sah die Fähe weglaufen, doch ändern konnte sie daran nichts. Sie vernahm auch Shits Worte doch schüttelte sie darüber nur belustigt den Kopf. Natürlich konnte er si töten, doch auch wenn sie nichts sehen konnte, würde sie nicht kampflos aufgeben und da sie ein große und kräftige Fähe war, hätte Shit es nicht so leicht. außerdem wäre es sehr unklug gewesen sie zu töten, nicht nur da die anderen Wölfe sie suchen würden, sondern auch weil es feige war einedoch relativ wehrlose, aber auf jeden fall hilflose Wölfin zu töten. Es wäre Ehrenlos. Er lief nun auch der Fähe hinterher. Eigentlich wollte Kaede ihm noch ihre Meinung sagen, doch hoffte sie dass sie nicht schon zu viel Unheil angerichtet hatte, hoffte sie das Banshee nicht sauer auf sie war. Außerdem wollte sie nicht das Revier verlassen ohne Bescheid z usagen. Wollte auch nicht einfach ohne zu wissen wohin sie lief fort. Also drehte sie sich seufzend und etwas unsicher um und tappte wieder weiter in das Revier hinein. die beiden würden gewiss wiederkommen. Noch immer verstand _Kaede nicht wie dreist shit war um einer armen und unschuldigen Wölfin zu erzählen, dass er, der neu war, der Alpha dieses Rudels war. Außerdem hatte sie deutlich die Angst der Fähe wahrnehmen können, denn auch wenn sie nichts sah, wahrnemungen trafen sie meist doller als andere Wölfe sie mitbekamen. Sie lauchte. Noch war kein Hufengedonner zu hören. Theoretisch war sie in dem ganzen Umfeld hier gefährder denn niemand konnte wissen, wo die flüchtenden Tiere langlaufen würden, doch sie vertraute auf die Künste der anderen und versuchte sich zu orientieren. So weit sie ihren Sinn vertraute, war der Rudelplatz nicht allzuweit und so beschloss sie sich dorthin zu begeben. Vorsichtig tappend schritt sie durch den Wald, spürte immer wieder Äste an ihrem Körper vorbei schrabben und auch eine kleine Wunde welche leicht blutete, doch störte sie dies jetzt nicht, Immer noch beschäftigte Shit sie und außerdem konnte sie sowieso nichts daran ändern und ausweichen erst recht nicht.
Shit blieb stehen, als er Neria eingeholt hatte. Sie drehte sich zu ihm um, lief nicht davon. Er war heilfroh darüber. Ganz langsam setzte er eine Pfote vor die Andere.
"Shit wäre gerne Alpha. Er versucht es zu werden."
Er trat noch weiter auf sie zu. Suchte wieder Kontakt zu ihren Augen, die ihn so entäuscht ansahen. Seine Ohren zuckten und seine Rute pendelte lagsam hin und her.
"Neria ist herzlich willkommen in diesem Rudel. Shit lügt nicht. Banshee ist eine liebe Alphawölfin, sie hat sogar gesagt das Shit bleiben darf und dass auch er herzlich willkommen ist."
Unschlüssig stand er, wie ein verloren gegangener Welpe vor ihr und musterte sie. Er blieb stehen wo er war, näher kam er nicht. Es war die Entscheidung von Neria, was sie nun tun würde, nicht die von Shit. Es stand ihr frei zu gehen, oder zu bleiben, aber nur ungern wollte sich der Rüde daran schuldig fühlen. Er lächelte sacht.
Neria senkte etwas ihr Haupt, als Shit wieder etwas näher zu ihr trat, sie wusste nicht, wie er reagieren würde, ob er etwas tun würde, aber dies Haltung war keine Kampfhaltung, sie drückte eher eine Bitte aus und die Angst, die diese junge Fähe nun hier verspürte. Der Rüde namens Shit schien sie nicht aufgeben zu wollen, obwohl er gelogen hatte und wissen musste, wie sie sich nun fühlte. Er hatte es wirklich ausgenutzt, aber vielleicht konnte er auch nicht anders? Er erschien ihr so hilflos und jung, erinnerte sie irgendwie ein wenig an sich selbst. Shit war vielleicht etwas seltsam, aber es war doch genau das, was Neria so nett fand an ihm, was ihr doch letzten Endes sogar ein Lächeln auf die Leftzen gejagt hatte. Er versuchte also Alpha zu werden? Aber wieso denn?
„Wieso willst du Alphawolf sein? Wenn die Leitwölfe hier doch so nett sind, gibt es doch gar keinen Grund oder glaubst du, dass du Vorteile mit dir bringst?“
Selten redete sie, höchstens mit Wölfen, die ihr nah standen, vielleicht war Shit ja so einer. Aber diese Frage belastete sie gerade wirklich. Auch wenn sie ihre Worte nur müde und leise ausgesprochen hatte, wollte sie wissen, was er empfand dazu, warum ausgerechnet er dies erreichen wollte, wo doch alles so perfekt in der Welt dieses Rudel zu sein schien. Der Rüde trat ein wenig näher zu ihr, er sah tief in ihre Augen und sie spürte ein unschlüssiges Stechen in ihrem Herzen, schluckte, aber ihre Rute blieb still und eng an ihrem Körper liegen. Sie würde bleiben können? Wenn er dies ernst meinte und sich so sicher war, würde sie dies nutzen und auch bleiben. Ein Rudel war das Ziel ihrer Suche gewesen und hier schienen die Wölfe dem friedlichen Lauf zu folgen und ein Rudel voll Gemeinschaft zu bilden. Natürlich würde es nicht dasselbe sein wie damals bei ihrer Familie, aber sie war mittlerweile auch keine junge Welpin mehr und würde sich dem ergeben müssen.
[Geh nur, Neria. Geh nur. Dies ist sicherlich keine Lüge. Sieh in seine Augen, er wirkt ehrlich, jung und verloren, er wird es dir bestimmt danken.]
Neria sah kurz in den Himmel hinauf, zuckte mit den Leftzen und spürte die sanfte Hand von Liannaka, die über ihren Kopf strich und sie beruhigen sollte. In diesem Moment schloss Neria nur die Augen und spielte diese Szene vor sich ab und sie erkannte immer wieder Shit, vielleicht war es wirklich der richtige Weg. Sie nickte in sich hinein, Liannaka ließ sie nun los und flog davon. Neria räusperte sich kurz, versucht etwas müde zu lächeln und sah aufrichtig und dankbar zu Shit.
„Wenn deine Worte stimmen, komme ich mit dir.“
Sie ging etwas auf ihn zu und setzte sich vor ihm hin, wartete seine Reaktion ab und lächelte dabei, wenn auch immer noch erschöpft, in seine Augen.
Shit begann wieder amüsiert zu grinsen und freudig mit der Rute zu wedeln. Sie setzte sich vor ihn und sie wollte mir ihm mitkommen!
"Shit kennt den Alphawolf noch nicht, oder weiß jedenfalls nicht genau, wer es sein könnte. Vielleicht der Schwarze. Aber der Schwarze hatte nichts mehr gesagt."
Wieder war er wie ein Welpe, als gäbe es nichts schlechtes in dieser Welt.
"Shit möchte mit Banshee, die ja so lieb ist, das Rudel führen. So das alle Wölfe willkommen sind."
Shit machte einige Schritte, bis er genau neben Neria stand und umrundete sie dann, bis er wieder neben ihr stand. Seine Schulter berührte ihren Körper und er senkte den Kopf, um sie mit der Nase am Ohr zu berühren.
Grinsend zupfte er ganz zaghaft daran und flüsterte dann:
"Sie stimmen. Neria wird es sehen. Aber jetzt ist es mitten in der Jagd. Shit weiß nicht genau, was er nun machen soll. Er kann zurück gehen, mit Neria und sie einfach mitnehmen, aber vielleicht lenkt er damit die Anderen ab. Aber Shit mag Neria auch nicht einfach warten lassen und dazu kommt noch, das er Banshee gesagt hat, das er das Rudel unterstützen will!"
Er schien angestrengt nachzudenken, auch wenn er dabei kein passendes Gesicht machte, da er immer noch grinste. Plötzlich schien er sich entschlossen zu haben und lief los, sich zu Neria umdrehend.
"Lass uns zu ihnen gehen, dann wird sich sicher auch eine Antwort finden."
Im Gegenteil zu Neria redete Shit immer viel. Manchmal auch mit sich selbst. Oder er dachte laut. Nun wieder sehr erfreut wartete er, bis die kleine Wölfin ihm folgen würde.
Falk war nicht bei der Sache. Eigentlich war er schon seit Tagen nicht mehr bei der Sache und er dachte, dass er irgendwann einmal für sich klären müsste, woran das lag. Er kriegte nichts mehr mit. Das mit der Jagd hatte er auch erst im letzten Moment gecheckt, hatte sich dann einfach Ayalas Gruppe angeschlossen und trabte jetzt so hinterher, während Ayala sich mit irgendwem anders unterhielt. Irgendetwas lief hier einfach von Grund auf falsch. Eigentlich hatte er sich aus den ganzen Führungsgeschichten im Rudel ein bisschen heraushalten wollen, zumal beide Alphas wieder da waren. Er hatte an sich nur Zeit mit Ayala verbringen wollen. Und das war irgendwie einfach nicht so gelaufen, wie Falk es sich gewünscht hatte. Also, was war Sache? Ayala führte eine Gruppe, wie möglicherweise er selbst eine hätte führen sollen, weil es ihm in seiner Position als Beta einfach zustand und wie es das Schicksal so wollte, konnte er jetzt noch nicht einmal bei Ayala sein, weil irgendein Hanswurst, den Falk nicht kannte, sich ihr aufgedrängt hatte. Und Ayala hatte das zugelassen.
Wer außer ihm war eigentlich noch in dieser Gruppe? Neben Ayala und dem Trottel an ihrer Seite? Falk hatte keine Ahnung. Doch seit einer ganzen Weile schon nährte sich in ihm das dumpfe Gefühl, dass es sinnvoll und gut wäre, sich mal wieder Überblick über die Situation zu verschaffen. Wirklich. Er war doch früher immer derjenige gewesen, der die Situation gekannt und alle Möglichkeiten abgecheckt hatte. Bevor es alle anderen getan hatten. Also - wer außer ihm und... Leé. Die kannte er, zumindest vom Sehen einigermaßen, denn er hatte nie viel mit ihr zu tun gehabt, eigentlich überhaupt nichts, wenn sich der graue Hüne recht entsann. War sie nicht immer bei Hanako und Hidoi gewesen? Hatte Hanako sie damals adoptiert? Falk versuchte sich zu erinnern, und beschloss für den Moment, dass es so gewesen sein musste. Okay. Wer waren die anderen? Falk sah sich um, musterte die beiden anderen Wölfe, die ebenso wie er Ayala folgten. Er wühlte in den Tiefen seiner Erinnerung. Er kannte keinen von ihnen. Wer waren diese beiden?
Falk verlangsamte sein Tempo, sah dann beide an.
"Sagt mal... Wer zur Hölle seid ihr eigentlich? Ich hab das Gefühl, dass ich euch kennen sollte, nur ehrlich gesagt, ich tu's nicht... Doch da ihr beiden in meiner Gruppe seid, sollte ich doch zumindest wissen, wie ich euch rufen soll... Später dann...?"
Seine Stimme war ruhig und sachlich, doch konnte Falk es nicht verhindern, dass Bitterkeit und Zynismus ebenfalls in seinen Worten mitschwangen. Aber eigentlich war das falsch. Eigentlich hatte Falk es gar nicht verhindern wollen. Er hatte in diesem Moment einfach Bock, ordentlich auf den Putz zu hauen und wollte, dass Ayala es richtig gut mitbekam. Dieses Gefühl war gerade über alle Maße dominierend.
Ein tiefes Seuftzen entglitt der Kehle des Rüden.Er schüttelte sich ernneut und machte langsam ein paar Schritte auf Eris zu.Wenige Meter vor ihr blieb er stehen und tappte ungeduldig von einer Pfote auf die andere.
Es war zwar nicht seine erste Jagd,doch war er genauso aufgeregt,wie er als Welpe gewesen war.Schon immer hatte er gerne andere verfolgt.Und auch,als er immer mit seinen Geschwistern war er der Jäger gewesen...jemand...der gerne aus dem Hinterhalt angriff und alles genau plante.Trotzdem war er spontan und somit der Wiederspruch in sich.Bastar jedoch verstand seine vorgehensweise und war nicht der Meinung,dass andere es verstehen mussten.Seine Rute wedelte sachte hin und her und leise erhob er die Stimme.
"Eris?Wir sind zusammen in einer Gruppe,nichwar?"
Er neigte den Kopf leicht in die Schräge und sah sie aus,neugierigen aber entschlossenen Augen an.Sein Blick konnte einem wirklich Angst machen,jedoch die,die ihn kannten verstanden schon.Einige seiner Knochen knackten mit einem Gerräusch,dass man sich am liebsten übergeben wollte,als er die Forderpfoten nach vorne schob und sich streckte,so das sein Hinterrerteil noch standt.Dann richtete er sich wieder auf.Der Rüde war wirklich nicht gerade der kleinste...
Also, überlegte Simariel, während sie sich darum bemühte in Acollons Nähe zu bleiben, Verwandlung pro oder contra? Zur Zeit war sich noch in ihrer normalen Gestalt. Ihr Fell war im Herbst dichter geworden und bedeckte flauschig und glänzend ihren auch in Wolfsgestalt kräftigen und hochgewachsenen Körper. Es war von einem schönen Weiß, das in einem hellen Blauton schimmerte. Simariels goldene Augen blickten wach und aufmerksam aus dem leuchtenden Weiß hervor, ihr Geist jedoch war weit fort, wenn auch nicht auf Wanderschaft. Nicht jetzt. Simariel hatte das Gefühl, dringend eine wirkliche Pause zu brauchen, eine Pause, in der sie nicht versuchte, die Gefühle der anderen zu ergründen und analysieren. Außerdem brauchte sie eine Pause von all dem Misstrauen, das unangenehm kribbelnd immer wieder an die Oberfläche drängte. Bisher hatte dieses Misstrauen es ihr unmöglich gemacht, in diesem Rudel irgendjemanden wirklich kennenzulernen. Möglicherweise brachte diese Jagd Abwechslung. Und ansonsten würde sie eben weiterhin trainieren. Ab und an hatte Simariel abends auf Felsblöcken gelegen und ihr ruhiger Atem hatte ganze Schwärme von dunkelroten Ahornblättern durch das Tal der Sternenwinde getrieben und jeden einzelnen Wolf im Rudel begrüßt. Überhaupt konnte Simariel stundenlag so liegen.
.oO(Okay - zurück zum Wesentlichen... Verwandlung... Jetzt schon oder später? Oder...überhaupt?)Oo.
Die weiße Werwölfin mit dem Polarwolfsblut spürte den Wind durch ihr Fell fahren, hier und da entblößte es ein wenig die darunter liegende Haut, sodass sie fast fröstelte, dann wieder kraulten sie mehrere Windstöße im Nacken. Ihr Nacken. Ihr langes Haar. Wenn sich Simariel in einen Werwolf verwandelte, wuchs auch ihr Haar im Nacken übermäßig. Zwar trug sie es zu einem Zopf zusammengebunden, dennoch spürte sie jetzt schon, wie der Wind an ihrem Zopf riss, ihr Haar verfilzte und sie irgendwann im Gewirr der Äste mit diesem verfilzten Haar hängenblieb und sich ganze Strähnen ausriss. Sie spürte es im anhaltenden Nieselregen schwerer werden und in feuchten Strähnen über ihre Schultern hängen.
Simariel musste plötzlich unvermittelt kichern. Was für eine abstruse Vorstellung, während alle anderen hier wahrscheinlich ernsthaft jagden.
Cráwltimore war ziemlich übeerumpelt ein paar Schatten begegnet, die eigentlich so gut wie gar nicht zu ihm sprachen. Ihnen war sein Zusammenzucken nicht aufgefallen, als aufeinmal ihre Spuren nahe seinen Pfoten auftauchten und dass er sie nicht angeblickt hatte ebenfalls nicht. Ohne wirklich nach einem Namen oder einem Erscheinungsgrund zu fragen hatten sie den Rüden einer Fähe zugeordnet, deren Namen er am Rande mitbekommen hatte. Es war nicht leicht von einer fast vollkommenen Stille in dieses Stimmgewirr zu kommen. Er hatte den Namen 'Ayala' aufgeschnappt und die zugehörige Stimme hatte sich sofort bei ihm eingeprägt. Andere ordneten den Schatten ihre Gesichter zu, er tat es mit ihren Stimmen. Die Führerin der Gruppe hatte sich mit irgendeinem Rüden aufgemacht und Cráwl und noch ein paar andere Schatten, die ziemlich still blieben, machten sich auf den Weg den beiden zu folgen. Es ging um eine Jagdt. Gut. Jagen konnte er. Aber er wusste nicht welche Jäger und Hetzer in welchen Positionen postiert waren. Das könnte knifflig werden. Die abgerundeten Ohren wanderten schnell hin und her. Er durfte den Anschluss schließlich nicht verlieren. Die dunkelvioletten Augen hafteten an den Spuren von einem wohl auffallend großen Quartett Pfoten, als der Nothern Rocky Mountain Wolf aufschreckte. Eine kraftvolle irgendwie zynisch unterlegte Stimme durchbrach die Stille. Das musste der große Schatten sein, und anscheinend hatte er in diesem Rudel eine hohe Position inne, sonst würde er bestimmt nicht in der Gegenwart der Gruppenführerin so laut werden. Die Augen des seltsamen Rüden hafteten weiter auf den in immer größeren Zeitabständen entstehenden Pfotenspuren. Er drosselte seinen Schritt im gleichen Tempo wie die Puren kurz vor ihm. Schließlich hob er den Kopf, doch wie immer erfassten seine Augen kein Ziel.
"Mein Name ist Cráwltimore Koritsu. Ich denke nicht, dass Ihr mich kennen werdet.."
Ihm fehlte ein Name zu der Stimme des Schattens vor ihm. Aber überging sein kaum merkliches Stocken sofort wieder.
"Ich bin erst seit sehr kurzer Zeit hier."
Das sollte als Antwort doch vorerst genügen. Die dicke Rute hing mit nur der Schwanzspitze nach oben an seinem Rumpf hinunter. Cráwl sah wieder auf die Karte. Was sollten sie eigentlich jagen?
Bevor Noaku im Begriff war zu antworten, hörte Ayala die näher kommende Gruppe – der Lautstärke voran ihr geliebter Gefährte. Mit fragendem Blick sah sie sich um, da standen Leé mit etwas aufmerksamem Blick und dennoch schien er gerade in eine andere Welt abgetaucht, Laios, weiterhin so, als gehöre er nur bedingt dazu, Cráwltimore Koritsu, den Ayala noch nie persönlich gesprochen hatte und weswegen plötzlich eine Art schlechten Gewissens über sie kam, die keinen wirklichen Ursprung hatte – und schließlich – Falk von Scharfenberg.
Schon bevor sie ihn richtig erblickt hatte, spürte sie, dass etwas nicht stimmte. Seine Gesichtszüge waren angespannter, seine ganze Haltung irgendwie so, als fühle er sich absolut nicht in seinem Körper wohl. Und sein Blick … sie war sich nicht sicher, ob er sie direkt ansah und sicher würde ein Fremder nichts bemerken, doch er hatte etwas Provokantes an sich, wobei eine Unternote der Verletztheit mitschwang. Zu alledem gipfelte sein Verhalten in seiner Lautstärke. Was glaubte er eigentlich, sie trugen die Verantwortung für die gesamte Gruppe, sie …
War es das? Der fehlende Zusammenhalt der beiden, das sich aus-dem-Weg-gehen, das ihr soeben wie Schuppen von den Augen gefallen war? Oder hatte ihn gestört, dass sie vorausgegangen war? Sie sah unwillkürlich zurück zu Noaku. Natürlich … das wäre ein typischer Grund. Wie lächerlich. Was war schon dabei sich mit einem Fremden zu unterhalten? Langsam begann die Weiße wütend zu werden – über Falk, über das herrschende Chaos und über sich selbst. Was auch immer nun der Grund war, sie fand sein Verhalten völlig fehl am Platz – diesmal würde sie ihm kein Verständnis schenken. Doch sie gab ihm auch kein verbales Kontra, er hätte sowieso nicht auf sie gehört, wenn er in Rage war – und dass es unverantwortlich war so laut zu reden, wenn man sich so nahe an der Herde, die man jagen wollte, befand, das wusste er selbst.
Das Einzige, zudem sie fähig war, war ein kühler, Fragen beinhaltender Blick. Wahrscheinlich hätte sie ihn versuchen sollen zu verstehen, ihn freundlich begrüßen oder Sonstiges … doch sie war einfach nicht dazu fähig. Einerseits war die Lage zu Nerven aufreibend, zu kritisch, um solche Dinge auszutragen und andererseits war es einfacher sich in Isolation zu üben, so sehr sie sich auch nach dem Falk sehnte, mit dem sie hatte in die Berge gehen wollen… bevor die Trauer aus ihren Augen sprechen konnte, sah sie zu Crawl, nickte ihm begrüßend zu und versuchte ein Lächeln zustande zu bringen, um nicht in der eigenen Wut und der gleichzeitigen Reue zu ertrinken.
Sie sagte nichts, und dennoch hatte Falk das Gefühl, alles aus ihrem Gesicht lesen zu können. Gut so, sagte er sich, und noch einmal mit Nachdruck, gut so, dabei stach es ihm in der Brust, doch er tat so, als merkte er es nicht, als wäre es ihm egal. Vielleicht war ihr Schweigen auch die deutlichste Reaktion und Falk hörte tief im Innern eine leise Stimme murmeln, die ihm sagte, dass er ein verdammtes Arschloch war und dass sie im Recht war und er im Unrecht. Leah hatte er nicht so behandelt. Warum behandelte er jetzt Ayala so als ob... Falk ließ es nicht zu. Es tat ihm gerade gut, es war sein Ventil, und er wusste jetzt, was er vermisst hatte, was ihm so lange gefehlt hatte: die Führung zu übernehmen. Möglicherweise machte er darum den dicken Mann. Aber es ging auch um Ayala, irgendwie ging es auch immer um Ayala...
Falk ordnete seine Gesichtszüge in einer ihm gefälligen Weise an. In seinem Kopf sprangen Gedanken hin und her. Er könnte jetzt versuchen es auszureizen. Es war der denkbar unpassendste Zeitpunkt, und genau das erregte den Hünen auf eine sonderbare Art und Weise. Also wie vorgehen? Den anderen Rüden ignorieren? Aber wenn er den anderen an Ayalas Seite gleich anging, was dann, dann würde er wirken wie ein dümmlicher, alberner, aufgeblasener, eifersüchtiger Jungwolf, ein ausgemachter Trottel, kurz gesagt. Welche Worte wählen, welche Stimmlage... Falk fühlte den Spaß, spürte ihn in seinem ganzen Körper. War es denn nur das gewesen, was er gebraucht hatte? Dann glaubte der Hüne plötzlich, die Worte auf seiner Zunge zu spüren. Er drehte sich langsam und mit einem gönnerhaften Lächeln zu Cráwltimore um, steigerte jedoch das Tempo der Bewegung nach einem kurzen Augenblick, in dem dem Hünen bewusst wurde, dass er sich gerade zum Affen machte.
"Brav. Setzen."
Dann drehte er sich wieder zu Ayala um. War es richtig gewesen? Hatte er es nicht übertrieben? Der Hüne spürte erneute Zweifel in sich aufsteigen. Schnell wischte er sie mit einem lauten Schnalzen der Zunge weg. Barsch sagte er an Ayala gewandt:
"Und wer ist der da?"
Er sah sie dabei nicht an. Nicht einmal. Möglicherweise - eine unbewusste Reaktion, denn Falk glaubte es schon: dass er sie ansah, mit einem Blick, den er vielleicht als stechend beschreiben würde. Aber das war nicht der Fall.
24.12.2009, 19:03
Bei dem erneuten Ertönen der Stimme des großen Schattens zuckten die Ohren des Rüden nichteinmal mehr. Er hatte ihn auf seiner inneren Karte eingezeichnet und dann die anderen Spuren beobachtet. Als er die Worte realisierte - und dies ging bei ihm sehr schnell - hob er den Kopf wieder und starrte in die Richtung des großen Schattens. Die zweite Frage war wohl an Ayala, die Gruppenführerin gerichtet, sie klang sehr fordernd. Der Klang hatte etwas von Eifersucht, zumindest interpretiere Cráwl sie hinein. Also bestand eine Verbindung zwischen den beiden Schatten - sie kannten sich. Wohl nicht sehr ungewöhnlich, aber es war eine weitere Information für ihn. Sein Blick schwiff ab; er bedachte die Landschaft mit einem analysierenden, leich verträumt wirkenden Blick. Dann - nicht wissend, ob er nun störte und/oder eine aggressive Reaktion zu erwarten hatte - wandte er sich an den Großen. Hirsch- Post
"Entschuldigt. Was jagen wir eigentlich und vorallem; wie. Ich kenne eure Namen zwar nicht, aber ihr könnt mir doch schildern, wer wo steht."
Für viele wäre diese Frage bestimmt albern und der Rüde würde sicherlich nicht sehr begeistert sein, so aufgetan wie er war, aber wie bitteschön sollte er sonst behilflich sein bzw. nicht im Weg rumstehen. Er kannte keine Strategie, keine Schatten und er hatte noch keine vollständige Karte. Sollte er es erklären. Wieder wandte sich sein Blick auf die Position, wo der Rüde stehen müsste.
"Tut mir Leid, aber ich kann euch nicht sehen."
Jetzt war es schonwieder raus. Er hatte seinen Schatten noch nicht gefunden, also musste er jetzt entweder fliehen, wenn die Reaktion negativ ausfallen würde, oder genau zuhören, weil ein zweites Erklären bekäme er sicherlich auch nicht.
.o(Und jetzt fragt mich nicht, ob ich bliund sei..)
seufzte er in sich hinein. Aber er blieb immer auf gleicher Positionshöhe wie die großen Spuren. Er schien nach außen hin wohl ein wenig desinteressiert, aber er konnte es ja schlecht wissen. Er sah nirgendwo eine Spiegelfläche. Das Wasser schien sich hier nirgendwo ruhig zu sammeln. Zumindest nicht in dieser Gegend.
Leé blieb dort stehen, wo sie gerade war und blickte unbeholfen in die Runde. Sie spührte die argen Spannungen zwischen Ayala und Falk. Die Braune liess ihren Blick etwas wandern und blieb bei dem Fremden hängen, der Falk anscheinend nicht sehen konnte. Leé fühlte sich in diesem Moment so seltsam Fremd in dieser Gruppe. Ein Rudel. Man sollte doch so ziemlich jeden kennen, so war das doch in einem Rudel...Leés Augen wurden grösser. Sie kannte hier nur Ayala und Falk. Doch auch diese Beiden waren ihr im Grunde genommen fremd. Sie wusste rein gar nichts über die Beiden und warcsheindlich wussten Ayala und Falk genausowenig wie sie. Die Fähe erinnerte sich an ihre Ankunft im Rudel. Sie wurde behütet von Jorun, als sie ankam. So genau erinnerte sie sich nicht mehr an Jorun. Als Jorun dann einfach verschwand, ohne ihr auf wiedersehen zu sagen, brach für sie damals eine kleinere Welt zusammen. Bald kam dann Hanako...In Leés Brust begann es schmerzhaft zu stechen. Sie senkte automatisch ihren Blick. Als sie wieder aufblickte und den Wölfen zusah, wie sie sich gegenseitig Fragen stellten, kam sie sich sehr dumm vor. Trotzdem begann sie sich zu nerven, was man an ihren Augen sofort erkennen konnte. Schliesslich war das hier eine Jagd und keine Sprech- und kennenlernstunde. Hier kam es nicht darauf an, ob man sich kannte. Hier musste man nicht sprechen. leé frgate sich wieder einmal mehr, warum man nicht einfach mal still sein konnte. Ja, sie war still. Doch am liebsten hätte sie etwas gesagt, doch dann wäre sie ja genau wie die anderen und das wollte sie nicht. Fast gleichgültig wante sie sich ab und blickte Richtung Beute, auch wenn sie es nicht sehen konnte. In ihren Augen wiederspiegelte sich Ruhe und gleichzeitig konzentration.
Oh, wie er wieder in seinem Element war … diese aufgeblasene Art von Arroganz und diese herablassende Art mit anderen umzugehen …
Ayala kochte innerlich. Am liebsten hätte sie jetzt Wortschwälle über ihn ergossen. Was er sich einbildete, was mit der Verantwortung, dem restlichen Rudel war, was er sich überhaupt anmaßte, wie er mit Fremden umging, die schon zum Rudel gehörten, und und und …
Verdammt, in welche Situation brachte er sie mit seinem Verhalten! Dachte er auch nur eine Sekunde an sie?
Schlagartig wurde der Weißen klar, dass er wohl nur an sie dachte. Er raste nur so vor Eifersucht, doch es war unmöglich sich ihm jetzt zu erklären. Er würde eine Weile brauchen, sich zu beruhigen.
„Falk …“
Ayala seufzte innerlich. Obwohl sie bis zum Rande mit blanker Wut gefüllt war, lagen in ihrem Anruf viel zu viele davon verschiedene Emotionen. Zuviel Angst um ihn, zuviel Verbundenheit, zuviel Verletztheit. Sie hatte eigentlich gegen ihn antreten wollen, ihm zeigen wollen, dass sie fähig war auch ohne ihn die Gruppe zu leiten. Stattdessen zeigte sie ihm, dass sie ihn mehr brauchte denn je. Gleichzeitig war sie so angespannt, dass sie jeden Moment explodieren konnte.
„Noaku soll selbst die Gelegenheit bekommen, sich vorzustellen. Er ist jedenfalls gerade erst zu uns gestoßen.“
Ayala bedachte Falk mit einem scharfen, vielsagenden Blick. Treib es nicht zu weit.
Dann sah sie hinüber zu Cráwltimore, der etwas sehr Rätselhaftes begonnen hatte zu erklären. Sie verstand nicht ganz. Und um ehrlich zu sein, hatte sie auch keinen Kopf für solche Dinge. Wie leichtfertig das klang. Natürlich hatte Cráwltimore ein schwer wiegendes Problem, doch sie sah sich außerstande dies im Moment zu lösen.
„Cráwltimore, du sprichst zu rätselhaft. Erklär uns doch was du damit gemeint hast. Im Übrigen bin ich Ayala, das weißt du und wo ich stehe, hast du soeben gehört. Ebenso wie Falk von Scharfenberg. Wir werden eine Herde von Hirschen jagen und übernehmen die Aufgabe der Hetzer. Ich bitte die anderen sich dir selbst vorzustellen, dann kannst du dir sogleich ihre Stimmen merken.“
Sie hoffte nicht zu gereizt geklungen zu haben. Crawl konnte schließlich absolut nichts für ihre Gemütsverfassung.
Die anderen hatten nun eine Aufgabe, Ayala wusste, es würde nicht mehr lange dauern, bis die Jagd begann. Sie mussten sich beeilen. Es war keine Zeit mehr, sich mit Falk gut zu stellen, außerdem war sie dafür innerlich viel zu sehr aufgebracht. Sollte er doch den eifersüchtigen Trottel spielen, wenn es ihm Spaß machte. Ihr machte es jedenfalls keinen.
.oO(Sie reagiert. Möglicherweise kocht sie innerlich. Obwohl das schlecht passt zu Ayala... Oder vielleicht doch? Sie wird denken, du bist eifersüchtig. Nein, sie denkt es jetzt schon. Gut so. Sie liegt falsch, von Grund auf so falsch...)Oo.
Dabei war er doch auch zu einem gewissen Maße eifersüchtig. Weil dieser Noaku gerade in Ayalas Nähe war, und er zwar hier stand, doch das wie von einer unsichtbaren Mauer umgeben. Seine Festung der Einsamkeit. Falk dachte, dass es früher wohl ähnlich gewesen war. Nur Leah hatte er näher an sich herangelassen, hatte ihr Zutritt gewährt. Oder redete er sich dies im Nachhinein nur ein? Hatte er sie wirklich richtig an sich herangelassen? Hatte er das? Das waren Fragen, die sich Falk in diesem Moment nicht stellte. Das war so, weil er selbst natürlich auch - auch wenn er es sich nie eingestehen würde - in einem gewissen Maß Sklave psychischer Vorgänge war. Einer dieser Vorgänge war es, Beziehungen zu idealisieren. Irgendwann später würde er vielleicht sagen, dass er nie jemanden so sehr geliebt hatte wie Ayala. Doch stand dies im Moment einfach nicht zur Debatte. Hier ging es um anderes. Und Falk wusste, dass er sich jetzt würde zügeln müssen. Sonst wäre er nach einer - missglückten? - Jagd der Buhmann des Rudels.
.oO(Und dann würden alle unter meiner beschissenen Laune leiden.)Oo.
Vorerst ließ er die ja nur an Leé, Cráwltimore, Noaku, dem anderen Idioten und Ayala aus. Ayala...
Cráwltimore laberte irgendetwas vor sich hin, was Falk nicht ganz mitbekam, schlicht und ergreifend weil sein Geist und all seine Sinne vollständig auf Ayala ausgerichtet waren. Nichts sollte ihm entgehen. Außerdem hatte Cráwltimore scheinbar ein ernsthaftes psychisches Problem, so wie Falk das mitbekam. Und so etwas wurde hier im Rudel durchgeschleppt. Falk musste unwillkürlich an Kaede denken. Dass die nicht schon tot war, war fast ein Wunder. Ayalas scharfer Blick ließ den Hünen wieder auffahren aus seinen Gedanken. Ayalas scharfer Blick... Dass etwas wie ein scharfer Blick überhaupt möglich war aus diesen Augen - schoss es Falk in einem Anflug von übertriebener Sentimentalität durch den Kopf, eine Gefühl, dass auf eine merkwürdige Art und Weise sich wunderbar in seine Grundstimmung einfügen ließ. Und auch in seinen Charakter. Falk fühlte ein Kribbeln. Eigentlich war er ja so, und gar nicht so...so wie sonst...?
Ayalas Blick...
.oO(Maßregelst du mich, Liebe?)Oo.
Die Arroganz und Überheblichkeit schwoll in seiner Brust und drückte sein schmerzhaft schlagendes Herz hart gegen seine Lungenflügel, oder was war es, was ihm flacher atmen ließ...
"Vielleicht dürfte ich doch wissen, mit wem ich es zu tun habe, der da zum Beispiel scheint ja auch ein wenig... Und damit ich weiß, ob ich darauf achten muss, dass mir nicht gleich einer in den Rücken fällt... Oder dir, vielleicht sogar - ein vermeintlicher Freund."
Das war eine böse Anspielung. Schmerz durchzog Falks Brust und ließ ihn unwillkürlich zucken. Übrigens, zucken: Sein rechtes Ohr zuckte bereits seit geraumer Zeit wie rasend.
"Ansonsten, bitte - mein niederes Anliegen wäre erfüllt."
.oO(Und jetzt...? Jetzt kannst du sowieso nicht mehr zurück.)Oo.
Hinter einem Strauch verborgen lauerte der pechschwarze Jungwolf, die saphirblauen Augen auf eine Büffelherde gerichtet. Hinter ihm duckten sich zwei Wildhunde, scheinbar unschlüssig, wie sie sich verhalten sollten. Die Sonne brannte schon ziemlich heiß vom Himmel herab, dabei hatte sie ihren höchsten Punkt noch gar nicht erreicht. Aus den Augenwinkeln konnte der Jüngling ein Wildpferd sehen und so wusste er, dass die rothäutigen Meister der Jagd auch da sein mussten. Sie ließen sich immer auf die andere Seite des Pferdes fallen und hielten sich fest. So konnten die wilden Tiere die Indianer nicht sehen und, da der Wind günstig stand, auch nicht wittern. Aber die Wildhunde standen noch immer nicht still, wahrscheinlich waren es zu junge und unerfahrene 'Welpen', die mit der Situation nicht klar kamen. Egal, sie würden es lernen - Hauptsache der junge Wolf wusste, was er zutun hatte. Langsam würde er nach rechts loslaufen und die Herde nach links drängen, zu den Wildpferden und verborgenen Reitern. Dann würde die Jagd sofort beginnen...
Stumm trabte Face Taihéiyo bei seiner Gruppe mit, driftete aber gedanklich irgendwo in der Vergangenheit. Viele dieser Jagden hingen noch in seinem Kopf, abgespeichert. Welche grade vor seinem geistlichen Augen daher schwebte, war eine der ersten gewesen. Damals hatte er noch hetzen müssen, wenig später schon hatten die Wildhunde ihre Aufgabe verstanden und Face wurde als Jäger eingesetzt. Sogar Wachteln hatte er manchmal fangen müssen. Für jemanden wie ihn keine leichte Aufgabe, wo es so wenige Möglichkeiten gegeben hatte sich zu verstecken, damit die Geflügelten einen nicht sahen und davon flogen. Als ein sachter Windstoß an seinem Fell rüttelte und die Adlerfedern gegen seine Brust wehte, nahm der Tiefschwarze auch wahr, dass die Gruppe stehen geblieben war. Stumm stoppte der langbeinige Rüde und wartete ab, ohne jemanden bestimmt anzusehen. Was sie redeten, hörte er gar nicht. Es hatte mit einer Wölfin zutun, nicht mit der Jagd. Also musste er sich nicht darum scheren. Tatsache, sobald das vorbei war, musste er das Weite suchen. Er würde es nicht soweit kommen lassen, dass man ihm zum ‚Mal’ mit einlud. Der Tiefschwarze konnte nicht. Ein weiterer Grund, warum er sich immer entfernt vom Rudel aufhielt. Es war nicht gut, wenn sie merkten, dass jener eh schon seltsame Wolf überhaupt nichts fraß oder trank. Sein Inneres krampfte sich ein wenig zusammen, wie mahnend. Er durfte sich nicht zu viel heraus nehmen, er wollte doch einfach nur in Ruhe gelassen werden. Hoffentlich setzten sich die anderen gleich wieder in Bewegung, die Blinde war inzwischen verschwunden, also wanderte sein leerer Blick voran zu Eris, die irgendwie nicht sehr frisch wirkte... Egal, das würde schon gehen. Weiter... Bis ans Ende der Welt oder so, damit er vergessen konnte, dass er eh schon stehen geblieben war.
Hidoi lief aufmerksam mit seiner Gruppe mit, den Blick manchmal neben sich werfend, wo seine Tochter lief. Zwischendurch kamen ihm doch immer wieder Zweifel, was seinen anderen Sohn bei Hanako anbelangte. Hoffentlich verhielt er sich seines Alters entsprechend und nahm sich nicht zu viel heraus. Dieser kleine Rebell war einfach zu sehr wie er in ganz jungen Jahren. Innerlich seufzte der Stahlgraue kurz auf. An seine Vergangenheit verschwendete er nur selten noch einen Gedanken. Sie schien zu einem anderen Leben zu gehören. Karge, staubige Flächen und die einzige Beschäftigung die man hatte war das Kämpfen mit Gleichaltrigen. Damals war selbst das sehr langweilig gewesen, da er ja bloß einen Bruder hatte. Andere Jungwölfe gab es nicht. Und sein Kurayami war einfach nur ein Waschlappen gewesen. Wenn er so daran zurück dachte, was mit ihm passiert war, spürte er noch diesen Sadismus in sich und musste fast grinsen. Bestimmt schmorte dieser Bastard inzwischen in der Hölle, den perfekten Ort zum übergehen hatte er sich da ja ausgesucht. Idiot, fiel einfach in den Vulkankrater hinein und blieb dann bedeppert, wie ein Hundewelpe auf einem Vorsprung sitzen. Und wie dann noch alle anderen angelaufen kamen und in ihrer Hysterie nicht wussten, was sie machen sollten – einfach zu komisch. Nun gut, dass sein Bruder in den Krater gefallen war, daran hatte Hidoi sogar Schuld, aber das interessierte ihn nicht. Er war abgehauen und hier gelandet, das Beste, was ihm je hätte passieren können. Hier, bei seiner Geliebten und drei Welpen... Doch halt, irgendwie waren es nur noch zwei. Nach der Jagd würden sie Katsu Kyoto unbedingt suchen müssen. Oder vielleicht... Wusste jemand schon mehr als sie? Sein stechend gelber Blick wanderte nach vorne zu Banshee, vielleicht sollte er nachher einmal mit ihr reden. Nun aber zählte erst einmal die Jagd.
Die Stimme Ayalas war sehr viel wohltuender als das aufbrausende Geblaffe des Hünen. Die empfindlichen Ohren des Rüden wandten sich zu der Fähe.
.o(Wenn euch das schon ein Rätsel war, meine Teure, dann müsst ihr wohl möglichst viel mit anderen sprechen..)
seufzte er abermals in sich hinein. Cráwltimore zuckte mit der Rute, als der Schatten, der dann wohl Falk von Schafenberg hieß, in ziemlich abwertenden Ton, zum Teil sogar schon feindseelig, die Gruppe ansprach.
.o(Entweder er ist jemand unglaublich arrogantes, der jeden für seine Fehler und Makel selbst verantwortlich macht, oder er hat einfach nur verdammt miese Laune..)
Wenn es nicht so überhaupt nicht in die ruhige Natur des Nothern Rocky Mountain Wolfes gepasst hätte, hätte er vielleicht auf diese Anspielung böswillig geantwortet, aber so war es ihm relativ egal.
.o(Ich kann euch eh nicht sehen, wenn ihr mich verachtend anseht. Also warum sollte ich euch überhaupt etwas erklären, Falk von Schafenberg..)
Jetzt grummelte der Graue schon mehr in sich hinein als zu seufzen. Aber schließlich hatte die Gruppenführerin gefragt und nicht der Rüde. Jemand, der sich noch nicht zu Wort gemeldet hatte hieß Noaku, dass war dann wohl der Rüde neben Ayala. Und eine Fähe war auch noch in der Nähe, sie schien jedoch keine Anstalten zu machen etwas zu dieser Situation zu sagen.
Cráwl lächelte ruhig, als er Ayala freundlich, wie es nunmal der Ton seiner Stimme war, antwortete:
"Ich bin verflucht worden. Als ich ein Welpe war nahm man mir das Seelenlicht. Ich werde euch nicht sehen können, aber ich kann Beute und Landschaft wohl besser lesen als die meisten anderen. Und ganz gewiss werde ich niemandem in den Rücken fallen. Ich bin schließlich nicht lebensmüde, sondern auf der Suche."
Deutlicher würde er sich nicht ausdrücken. Die dunkelvioletten Augen wanderten wieder auf die Karte hinab. So wie man ihn eigentlich immer sah.
.o(Oh und wie lange ich schon auf der Suche bin. Und verzeiht, ich werde erst sterben, wenn ich mein Seelenlicht gefunden habe. Wo es auch sein mag..)
Cráwltimore Koritsu dachte an die gelben Augen seiner Schwester Mornéy. Und dieses Bild von den beiden kleinen Schatten, die sich über den klaren Gebirgsbach in seiner Heimat im Norden beugten, ließ sein Lächeln wieder entschwinden. Denn es glänzte in seinen Augen.
.o(Irgendwann werde ich Dich sehen, meine Schwester. Und Du wirst mich sehen, mit meinem Seelenlicht an meiner Seite. Wer das auch immer sein mag..)
Was sollte das? Warum musste er weiter und weiter auf ihr herumhacken? Warum musste er sie so bloßstellen? So verletzen, so demütigen?
.oO(Den, der mir in den Rücken fällt, habe ich wohl schon.)Oo.
Mit seiner arroganten Art schnitt er sich allerdings selbst ins Fleisch. Sollte er nur so weitermachen … sie würde mit Sicherheit keine Antwort geben. So nicht. Wenn Ayala auch für ihr sanftmütiges, sensibles Wesen bekannt war, in diesem Fall warf sie sämtliche Grundsätze über Bord und nutzte ihre Sturheit und ihren Stolz als Schutzwall.
Er hatte sie angesehen. In seinem Blick lag so etwas … Zorniges, Herausforderndes, so, als wären sie alte Rivalen. Was hatte sie nur getan, das ihn so aufbrachte?
Während sie angespannt und wütend über alle möglichen Gründe nachdachte, meldete sich Crawltimore zu Wort. Sie hörte nicht wirklich darauf, was er sagte. In einer weniger verfahrenen Situation hätte sie ihm interessiert gelauscht und hätte womöglich schon deine erste Andeutung verstanden. Doch das Einzige, das sie raushörte, war, dass er für die Jagd keine Gefahr darstellte. Gut so. Dann konnten sie jetzt beginnen.
Für Ayala war klar, dass sie Falk keine Angriffsfläche mehr bieten würde. Sollte er es doch versuchen, er würde ab jetzt auf Ignoranz stoßen. Die unendliche Trauer über den Bruch des nahezu unzerstörbaren Vertrauens zu ihm würde erst später einsetzen, wenn die Jagd vorbei war und sie Zeit zum Nachdenken hatte.
„Lasst uns langsam unsere Positionen einnehmen und warten, bis wir Banshees Kommando erhalten. Wir müssen nahe beieinander bleiben und die Herde systematisch einkreisen. Aber wir haben wir ja keine Welpen in unserer Gruppe, die noch nie gejagt haben.“
Ayala würdigte Falk keines Blickes. Sie wollte nur noch eines: Lospreschen, auf diese Herde zu und ihre ganze Wut währenddessen verfliegen lassen.
Der Regen wurde stärker, die einzelnen Tropfen fielen nun nicht mehr sanft zur Erde, sondern prasselten auf den bereits aufgeweichte Boden. Dieser verwandelte sich nach und nach zu Schlamm, es wurde schwieriger Halt zu finden. Im Wald ging es noch, blieb nur zu Hoffen, dass auch die Herde nicht gerne im Regen herumstand und sich zwischen den Bäumen Zuflucht gesucht hatte. Auch die Sicht wurde schwächer, alles wurde seltsam schemenhaft, Schatten tauchten auf, wo sie nicht hingehörten und weiter weg Liegendes verschwamm zur Unerkennbarkeit.
Banshee lief weiterhin stumm voraus. Es war eine seltsam bedrückte Stimmung, das spürte auch sie ... vielleicht lag es auch an dem Regen, der spürbar stärker geworden war. Genau so wie sie es nicht hatte haben wollen. Aber vielleicht meinte Engaya es auch gut mit ihr und würde die Hirsche unaufmerksam machen ... Aber wie dem auch sei, sie würden bald da sein, die Witterung der großen Herde lag deutlich in der Luft und nun galt es, die anderen noch einmal kurz zu informieren. Das Schweigen während des ganzen Weges lastete auf ihr, dennoch lief sie langsamer, bis sie ganz anhielt und sich umdrehte. Sofort wurde ihr klar, warum alles still war ... Shit war nicht da. Und Cylin lief soeben davon! Banshee stieß einen verblüfften, danach einen entnervten Laut aus, sprang auf die Pfoten, hatte ihren Sohn mit zwei großen Schritten eingeholt und packte ihm im Nacken. Er war zu schwer, als dass sie ihn einfach hochheben könnte, aber sie zog ihn ein wenig unsanft in Richtung der Gruppe, achtete darauf, dass er keinen weiteren Fluchtversuch machen würde und schob ihre Schnauze zu seinem kleinen Ohr.
"Cylin, wir sidn schon so nahe bei der Herde, du bist schon in wenigen Minuten bei Averic, aber bitte, tu mir den Gefallen, und mach jetzt das, was ich dir sage. Du sollst etwas lernen und dich nicht selbst in Gefahr bringen."
Ihre Stimme war eindringlich aber leise, keiner von den Anderen hatte sie hören können. Sie seufzte noch einmal, hoffte dass ihr Sohn wenigstens jetzt auf sie hören würde und wandte sich zu ihrer Gruppe. Hidoi, Neyla und Riku ... hoffentlich würden das nicht zu wenige an Erwachsenen sein. Sie hatten ein paar zu viele Welpen. Und warum Shit fortgelaufen war, auch noch ohne ihr etwas zu sagen, fragte sie sich auch. Sie war nicht direkt wütend darüber, eher enttäuscht.
"Hidoi, Neyla und Riku, wir sind Hetzer, wir müssen also mit Eris' Gruppe zusammen die Herde auf das Versteck der anderen beiden Gruppen zu treiben. Allerdings haben wir auch vier Welpen dabei, diese können nicht so schnell rennen wie wir, sie werden zurückbleiben, dabei gilt es, darauf zu achten, dass kein Tier der Herde ebenfalls zurückfällt und damit die Welpen in Gefahr bringt. Slebstverständlich können wir aber nicht die ganze Herde treiben, sie ist zu groß, also müssen wir geschickt Tiere abtrennen und die anderen trotzdem weiterhin treiben ... oder vertreiben. Da Eris' Gruppe daran möglicherweise nicht denkt, werden wir in erster Linie die Aufgabe des Vertreibens übernehmen. Die Herde trennen erledigen beide Gruppen zusammen, danach treibt Eris die Ausgewählten Tiere auf die Jäger zu, wir treiben die Anderen weg und achten dabei darauf, dass die Ausgewählten sich nicht mit ihnen vermischen. Alles klar soweit?"
Es war möglicherweise ein bisschen zu viel auf einmal, aber es waren auch nur drei Wölfe die es verstehen mussten. Sollte Shit wieder auftauchen würde er eben nicht richtig mitjagen können. Vielleicht war Banshee doch sauer ... sowieso fühlte sie sich irgendwie seltsam, ganz so, als ob irgendeine Gefahr drohen würde, die sie nur nicht erkennen konnte. Ihr linkes Ohr zuckte einmal, das einzige Zeichen von Nervosität, sonst war sie ganz ruhig. Sie musste es auch sein.
Cráwltimore sagte irgendetwas, Falk hörte gar nicht erst zu, es interessierte ihn nicht. Er hatte genug Zeit gehabt, um den fremden Rüden einzuschätzen und zu dem Ergebnis zu kommen, dass er ihm nicht gefährlich werden könnte. Zu Überraschungen konnte es natürlich immer kommen, doch dann wüsste Falk im Notfall immer noch Ayala an seiner Seite. Auch wenn sie jetzt wütend war, in der Not würde sie ihn doch nicht im Stich lassen.
Ayala selbst sagte momentan nichts, in Ordnung, Falk würde auch nichts sagen. Es wäre schwachsinnig gewesen, in dieser Situation noch weiter in Wunden herumzustochern, Wunden, von denen Falk nicht ganz sicher war, ob er sie nicht zu weit aufgerissen hatte. Man konnte überhaupt nicht nicht kommunizieren, und Falk fragte sich, was Ayala ihm mit ihrem Schweigen und diesen Blicken sagen wollte; war es Schmerz, war es Verachtung, war es Unverständnis, war es das alles, war es noch mehr, war es etwas völlig anderes, war es überhaupt nichts?
Das dumpfe Gefühl des Funktionierens, das Falk in den letzten Monaten verspürt hatte... Erst das lange Schweigen zwischen ihnen, das Schweigen, was ihn halb wahnsinnig gemacht hatte und das niemand von ihnen über lange Zeit zu brechen gewusst hatte. Dann: die Geburt der Welpen, die neue Belastung für das Rudel, die Patenschaften. In einer Zeit, in der Falk am liebsten nur für Ayala da sein wollte, war es praktisch nie dazu gekommen, weil er dauernd irgendwelchen Pflichten nachzukommen hatte, wie Ayala selbst auch. Danach der Schwung von fremden Wölfen, der ins Tal gekommen war. Falk hatte schon nach seiner Rückkehr aus den Bergen das Gefühl gehabt als Fremder unter Fremden zu weilen, jetzt war dieses Gefühl noch stärker geworden. Er hatte geschwiegen. Aus Rücksicht, aus Pflichtgefühl... Brach das alles jetzt aus ihm heraus? War es das? Was war der Auslöser? Dass er plötzlich den Gedanken gehabt hatte, auch Ayala könnte ihm jetzt so fremd werden, so fremd, wie ihm damals Dayon geworden war, damals, nachdem sich herausgestellt hatte, dass er der Seelensammler war? Warum ließ er es an ihr aus?
.oO(Sie ist doch auch schuld...)Oo.
War sie wirklich schuldig?
Falk fühlte sich plötzlich sehr schwer, überrannt von all den Fragen und Gefühlen, die in ihm aufstiegen. Am liebsten hätte er sich gesetzt, doch das war jetzt nicht möglich. Jetzt musste er Beta sein, ganz und gar, trotz des schweren Körpers voller Fragen und widerstreitender Emotionen; trotz des zuckenden rechten Ohrs. Zum Teufel damit. Zum Teufel mit allem.
Der Regen wurde stärker und Simariel senkte unwillkürlich den Kopf, immer noch ab und an albern kichernd. Überhaupt war sie in einer äußerst merkwürdigen Verfassung: Ihre Stimmung schwankte zwischen alberner Überdrehtheit und dumpfem, schweigsamem Ernst. Möglicherweise brauchte die weiße Werwölfin mit den goldenen Augen auch einfach nur ein Ventil, damit sich ihre angestauten Kräfte auf eine sozial verträgliche Art und Weise entladen konnten. Dauernd Massen von dunkelroten Herbstblättern durch ein Tal tanzen zu lassen war eben auf Dauer auch nicht die gewünschte Erlösung. Auch wenn sie sich mit den Blättern wirklich Mühe gegeben hatte. Einige hatten goldgelbe Spitzen gehabt, als hätte sie jemand in einen Eimer gelber Farbe getaucht. Das Kribbeln ihrer Kräfte in all ihren Gliedmaßen erregte Simariel über alle Maßen und ließ sie über die nichtigsten Dinge lachen. Dennoch hatte sie sich gezwungen, sich ganz in sich zurückzuziehen. Ab und an kam es zu dieser Situation: Einerseits strömte sie über vor Kraft, eine Kraft, die sie zurückzuhalten kaum fähig war, andererseits wünschte sie sich so sehr Ruhe und nur das süße Geräusch der Stille um sich herum. Die Weiße war unkonzentriert.
.oO(Wo sind die anderen jetzt schon wieder? Man sieht ja auch die Hand vor Augen nicht, verdammter Regen aber auch... Dabei müsste doch zumindest ich leuchten wie der Mond am Nachthimmel... Leute, wo seid ihr?)Oo.
Hatte sie die Gruppe verloren? Das alte, Simariel nur zu gut bekannte Gefühl von Angst stieg in ihr auf, bahnte sich langsam den Weg in ihre Luftröhre: das Gefühl, nicht nur in einen schwarzen Abgrund zu fallen, sondern regelrecht von ihm eingesogen zu werden. Diese Jagd war groß angelegt worden und Simariel wollte die Letzte sein, die jetzt alles in den Sand setzte...
Ehe sie etwas dagegen tun konnte, spürte sie das bekannte Ziehen in ihrem Körper, sah, wie sich der Boden unter ihren Augen entfernte. Den Blick nach oben; die Wipfel der Bäume kamen näher, der Wind wehte ihr langes Haar in ihr Gesicht. Nun, für eines war ihre Werwolfsgestalt in diesem Moment verdammt nützlich: Sie konnte sich hervorragend orientieren. Die Kraft kribbelte in ihren Gliedmaßen. Simariel zwang sich, jetzt nicht daran zu denken.
Die ohnehin nicht vorhandene Lust auf die Anwesenheit bei einer Jagd war nur noch weiter, tiefer unter den Nullpunkt gefallen, als Acollon sie zu der Gruppe geschoben hatte. Aber sie spielte nicht kleine Diva, aus dem Alter war sie raus - oder besser noch: nie gewesen. Eine Wölfin ohne Kindheit lernt sich nunmal anzupassen. Der Regen störte sie nicht, wenn sie die Augen schloss spürte sie kaum, dass er da war. Doch sie sollte ja aufmerksam sein... Oder? Ihr Blick huschte über die Gruppe. Sie kannte kaum jemanden, hatte auch nicht ein sonderliches Bedürfnis danach soziale Kontakte zu knüpfen.
Aufmerksam hüllte sie die Ohren nach vorn und lauschte. Vielleicht ließ der Alpha irgendwann wichtige Worte verlauten. Es wäre dumm ihn zu verärgern, schließlich stand sie tiefer, sehr viel tiefer als er in diesem Rudel. Allerdings hatte sie nicht vor in ihrer Position zu steigen. Das Außenseiterdasein war ihr sehr lieb. Es gab ihr nicht die Hoffnung, fälschlicherweise, irgendwohin zu gehören. Ihr Blick wandte kurz vom aufgeweichten Boden ab. Stimmen im Wind drangen an ihr Ohr, die beruhigende Verse sangen. Eigentlich liebte die Nachtschwarze ihr Umfeld, verbrachte viel Zeit damit es zu untersuchen und jedes noch so kleine Detail unter die Lupe zunehmen. Aber das einzig interessante hier schien ihr die weiße Wölfin, hinter der sie hertrottete um den Anschluss nicht zu verlieren. Sie hatte von irgendwem, irgendwann den Namen Simariel gehört und glaubte er gehöre zu ihr. Kurz überlegte sie etwas zu sagen; scheinbar schien diese aber mit sich selbst beschäftigt. Zwischendurch kicherte sie sogar.
oO( Es muss schön sein, noch lachen zu können. Welchen Grund sie wohl hat? Ob sie überhaupt einen braucht? Nur weil ich einen suche um überhaupt etwas Ähnliches wie ein Lächeln hervorzupressen müssen andere das noch lange nicht..)
Dennoch, es machte sie glücklicher, wenn andere sich freuten. Obwohl man von Glück wie dem Pechvogel wohl kaum reden konnte. Ein unscheinbares Lächeln huschte über ihre Lefzen. Doch es verschwand so schnell, wie es gekommen war. Innerlich verblieb es noch, bevor auch dort ein innerer Regenschauer es von dannan spülte. Sie fasste sich ein Herz. Diese Wölfin schien ihr nicht, als würde sie gleich aus der Haut fahren, wenn man sie etwas fragte. Ihre Stimme, sehr leise und reserviert klang in einem sanften, warmen Ton dahin. Vermutlich wurde der kurze Anhalt der Frage, die nicht böse gemeint war, gar nicht beachtet.
"Worüber lachst du?"
Nein, keine Böswilligkeit. Es war nur Neugier. Neugier, ob sie einen Grund hatte oder nicht... und vielleicht, obwohl sie es sich selbst nie eingestehen würde, der Versuch wieder Verbindung zu einer sozialen Welt zu erlangen. Plagte die Einsamkeit sie doch, war nicht ein guter Freund sondern eher eine Last? Schnell räumte sie die Gedanken weg. Nein, nein, nein! So war es nicht!
Die Weiße sah sich um. Es klebten bereits jetzt nasse Blätter in ihrem Haar, die sie immer wieder durch Drehen ihres Kopfes abzuschütteln versuchte. Aus den Augenwinkeln nahm sie eine Bewegung war - denn natürlich war ihr bewusster Blick bereits wieder vom Himmel über angezogen worden, so als suchte sie dort unbewusst immer wieder nach einer Antwort ihre Herkunft betreffend - und suchte sofort, doch niemand war zu sehen. Allmählich wurde Simariel ärgerlich. Natürlich hätte auch sie etwas mehr aufpassen können, doch letztlich lag es ja wohl auch an Acollon seine Gruppe zusammenzuhalten, oder nicht? Der Wind fuhr durch ihr Haar, schlang spielerisch Strähne um Strähne, und während sie allmählich wieder in ihre Wolfsgestalt zurückschrumpfte, flüsterte er mit ihr, lockte sie, nannte den Preis, lockte wieder. Ärgerlich schüttelte die Weiße den nassen Kopf. Der Wind ließ nicht locker, er streichelte ihr Fell, hob wieder seine Stimme und flüsterte in ihr verärgert und abwehrend zuckendes Ohr:
"Worüber lachst du?"
"Jetzt halt die Klappe, ich lach-"
Abrupt stockte die weiße Werwölfin und schluckte. Der Wind konnte überhaupt nicht sprechen. Blitzschnell schossen ihr mehrere Möglichkeiten durch den Kopf, die alle gleichermaßen abstrus und verrückt waren; erst dann kam ihr die logische Antwort.
.oO(Eine Wölfin.)Oo.
Simariel drehte sich um, und tatsächlich, hinter ihr stand eine schwarze Fähe. Ihre Frage hatte neugierig geklungen, und so, wie sie gestellt worden war, implizierte sie, dass Simariel und die Schwarze dort sich schon lange kannten. Kannten sie sich? Die Weiße betrachtete ihre schwarze Gegenüber mit einer Mischung aus Neugierde und Ernst. Sie spüren ihren Geist bereits zucken und tänzeln; wie er es gewohnt war, wollte er den Körper der Weißen verlassen und den Geist der Schwarzen erforschen - gleichwohl, Simariel ließ es nicht zu. Jetzt war kein guter Zeitpunkt. Sie würde die Schwarze so kennenlernen, an die sie sich jetzt schwach zu erinnern glaubte.
"Ich...weiß nicht recht... Ich bin ein bisschen hyperaktiv gerade...und die Energie sucht sich ein Ventil..."
Sie sah zur Seite und musterte dann die schwarze Fähe noch eingehender als bisher.
"Ich glaube, dass wir uns kennen, aber...wer bist du..."
Simariel sagte es so, als ob sie eigentlich noch weiterreden wollte, doch tat sie es nicht, sondern ließ den Satz sich langsam in der nassen Luft verflüchtigen. Wieder sah sie zur Seite, ganz so, als könne sie ihren Worten hinterhersehen - dann sah sie nur noch die schwarze Wölfin an.
Ein wenig dumm kam sie sich schon vor, einfach so irgendwas zu fragen. Am liebsten hätte sie ihre Worte wieder eingefangen und zurück dorthin gepresst wo sie herkamen - und hätte zeitlebens weiter bloß geschwiegen. Die erste Reaktion Simariels verunsicherte sie nur noch mehr, dass es besser gewesen wäre letztere Lösung beizubehalten. Folglich hätte sie nichts gesagt und wäre einfach nur weiter hinterhergelaufen, ohne jegliche Ahnung wohin es ging und warum. Nein, halt. Warum? Wegen einer Jagd. Eine Jagd von der sie so wenig verstand wie ein Baum vom Fliegen. Nun, kein wirklich beruhigender Gedanke, wenn sie bedachte, dass sie bei der Gruppe war, die dazu zuständig war, das Wild zu erlegen. Sie tötete nicht gern, schon gar nicht wenn es Zeugen gab. Viele Facetten der Vergangenheit hatten ihr den Tod zum Hassfeind und gleichzeitig größtem Verbündeten und Freund gemacht.
Ihre Ohren schnippten nach vorn, als ihre Frage sich zu beantworten schien. Hm, sie hatte keinen Grund? Innerlich huschte ein Lächeln in ihr herauf. Doch sie verbat ihm mit eiserne Miene ans Tageslicht zu treten und so verwischte es wieder irgendwo in ihr und geriet, wie so oft, in Vergessenheit. Es war schön, wenn man keinen Grund hatte und doch lachte - nun, irgendwie hatte sie ja schon eins. Vielleicht war es grade dieser Grund, der sie innerlich hatte schmunzeln lassen. Hyperaktiv... anders als sie selbst - eher hyperpassiv. Doch kurz darauf folgte eine Frage. Sie dachte nach, nur eine kurze Weile, während sich ihre Worte zu Sätzen formten.
" Wer ich bin? Wenn es dich nach einem Namen verlangt - Ninniach Favéll. Anders kann ich dir die Frage nicht beantworten."
Wer sie war? Das wusste sie selbst nicht so genau. Sie wusste, wie ihr Name lautete - doch das war schließlich nur ein Titel. Sie überlegte kurz. Ihre Worte klangen vermutlich nicht grade höflich. Und grade das sollte nicht so sein. Sie zuckte etwas durcheinander mit einem Ohr hin und her. Zerstreut wirkte sie, trotzdem geordnet. Seltsam - wer war sie?
" Ich wüsste nicht woher ich dich kenne. Allerdings... spielt mir mein Gedächtnis schonmal den ein oder anderen Streich. Ich glaube dennoch, dass wir bisher noch nicht das Vergnügen hatten - wie dem auch sei. Ninniach, erfreut dich.. 'kennen' zu lernen"
Wie dumm ihre Worte wohl klangen. Kennen... wann kannte man jemanden schon? Oh, sie hätte sich ohrfeigen können für ihre stupiden Worte - dumm, dümmer, nein noch viel dümmer. Nein; ruhe! Sie musste ihre Ruhe wieder finden. Den Blick wieder zu Boden richtend, suchte sie Schutz hinter sich selbst. Hinter der Fassade einer Halbstarken. Einer Schwachen...
Der Regen wurde stärker. Malicia spührte die Tropfen auf ihrem bereits durchnässten Fell. Sie hielt sich dicht hinter der Gruppe, wenn auch am Ende und ihre Sinne waren so scharf, dass das Prasseln der Tropfen in ihren Ohren hallte und nie zu verstummen glaubte. Jeder andere schien den Regen zu nerven. Malicia liebte den Regen. Sie blickte nach vorne, doch jeder Schatten, jede Gestalt verschwamm im Regen und schien einen dichten Nebel zu bilden. Auf ihren Lefzen legte sich ein seltsames Lächeln. Fast schadenfreudig schien es. Doch im Regen bemerkte es warscheindlich niemand. Jeder war mit sich selbst beschäftigt, so schien es Malicia. Sie konnte die Gefühle der anderen förmlich spühren. Ihr stechend blauer Blick wanderte von Wolf zu Wolf. Sie wusste, dass die anderen ihren Blick spühren werden. Und doch fühlte sie sich unbeobachtet. der Geruch der Herde wurde stärker. Sie waren nicht mehr weit. Im Hintergrund des lauten Prasselns nahm sie die Stimme ihrer Mutter undeutlich wahr. Sie war zu weit hinten, um sie genau zu verstehen. Ihre Stimme hatte einen selbstsicheren Ton und sofort spührte sie, wie sich jeder Wolf ungewollt an dieser Stimme festhielt. Jeder lauschte ihr. Ihrer ruhigen und sanften Stimme. Doch Malicia spührte ihre Unruhe. Ihre Augen verengten sich. Sie konnte das zucken ihres Ohres zwar nicht sehen, doch die Nervosität ihrer Mutter war deutlich zu spühren. Malicia gähnte. Nicht aus Langeweile oder Müdigkeit. Nein, sie selber war sehr aufgeregt und aufgewühlt von all diesen Gefühlen. Doch anders als beim letzten Mal, liess sie sich davon nicht überrumpeln. Sie versuchte sich auf den stömenden Regen zu konzentrieren und versuchte diese Gefühle der anderen auszuschalten. Und wirklich, es funktionierte. Malicia war über sich selbst erstaunt. Unruhig wurde sie schneller und versuchte die Gruppe wieder aufzuhohlen und trabte zu Banshee. Nun hielt sie sich dicht hinter ihr, damit sie nicht wieder nach hinten fallen konnte. Der Regen prasselte auf ihre Schulterblätter und grosse Tropfen kullerten ihr an der Nase herunter, auf den aufgeweichten Boden. Malicia blickte nach vorn.
Mit einem scharfen Blick sah er nach hinten, wollte den anderen bedeuten, dass sie leiser sein sollten. Als er sein Augenmerk wieder nach vorne gerichtet hatte wurde ihm erst klar, was er gesehen hatte. Fast widerwillig bremste er seinen Eifer der Jagd gegenüber. Familie haben war nicht leicht. Acollon wurde langsamer, ließ einige Gruppenmitglieder an ihm vorbei schreiten, bis er schließlich neben Parveen laufen konnte. Er mochte die kleine Welpin nicht ansehen und entschied sich lieber den Blick fest geradeaus gerichtet zu behalten. Sicher, die richtigen Worte konnte die Schwarze nicht von ihrem Vater hören, dafür war er einfach nicht geschaffen. Dennoch befand der Fenrissohn, der ja selbst ein Sohn war, dass es sich lohnen würde seiner Tochter Gehör zu schenken. Er selbst hatte nie erfahren was „Familie“ bedeutete. Früh hatte er schon seine Mordgier besessen, damals jedoch war er nicht in der Lage diesem Einheit zu gebieten. Er ermordete seine Eltern. Im Nachhinein empfand der Hüne es nicht einmal mehr für schlimm, dass er keine Eltern gehabt hat. Seine Existenz wäre eh dem Töten zu gefallen und wenn er nicht seinen Vater getötet hätte, dann hätte es irgendein anderer getan. Lieber starben sie durch seine Pfote.
“Parveen“,
meinte er. Ein sanftes Lächeln zierte seine Lefzen. Es sprach von ungeheurem Glück. Ja, der Tod war glücklich. Und dem Schwarzen wurde erst jetzt bewusst, was er alles mit einer Familie hatte… er hatte ein zu Hause. Ein Heimat- Gefühl.
“Du scheinst verstimmt zu sein“,
damit war eigentlich schon alles gesagt, was der Rüde hätte sagen können.
Die Wiederkäuer hatten sich zusammengerauft gegen die Kälte. Zumindest die Kleinen unter ihnen. Sie lagen oder standen zusammen gepfercht in einem kleinen Haufen. Die gewaltigen Hirschbullen traten wieder einen ihrer Machtkämpfe an. Das Aufeinanderkrachen der Geweihe machte einen ungeheuren Lärm und führte die Wölfe des Sternenwindtales direkt auf sie zu. Lautes Röhren und Hufdonnern kündigten die Hirsch an.
Parveens Blick haftete auf dem Boden, die Gruppe an sich verhielt sich etwas laut, sie war irgendwie der stille Punkt mitten drin, den man nicht wahr nahm, den niemand ansah. Sie verhielt sich sehr ruhig, ihre Pfoten schwebten irgendwie über den Boden, hin und wieder blickte Parveen nach Links und nach Rechts und versuchte einen Ort zu finden, an den sie fliehen konnte, aber es gab keinen Ort. Nirgends wäre sie sicher gewesen und wenn sie von der Gruppe weggelaufen wäre, dann hätte man sie bestimmt betraft und der letzte Funken an Liebe und Gefühl in ihr wäre gestorben. Noch einmal blickte sie die vielen Wölfe an, ihr Stern pochte immer mehr, das Gefühl betäubte sie fast, ihr Blick war einige Zeit unklar, warum musste es so sein wie es war? Parveen hob den Kopf, als sie plötzlich einen kühlen Luftzug vernahm. Der eiskalte Regen prasselte auf sie nieder und nässte die Fähe ebenso, die Kälte beruhigte sie etwas und linderte anfangs die Schmerzen, dann bemerkte sie, dass neben ihr jemand herlief. Genauso tiefschwarz wie sie es war, ihr Vater, sie erkannte ihn sofort. Seine Art spürte sie und ihn zu erkennen war leicht für ein Familienmitglied. Nur kurz sah sie zu ihrem Vater auf, dann aber wieder auf den Boden. Es war ihr natürlich recht, das endlich jemand aus ihrer Familie auch ihr etwas schenkte von so vielem, aber sie wusste trotzdem nicht, ob sie es jemals wirklich gewollt hatte.
„Vater…“
Flüsterte Parveen fast gleichzeitig mit seiner Stimme, die ihren Namen nannte. Sie konnte nicht Lächeln, nicht so, wie es ihr Vater tat. Sie war immer noch traurig, fühlte sich unwohl und hatte ein schmerzendes Pochen im Kopf. Und ihr Vater war schlau genug um zu bemerken, dass es ihr nicht gut ging, er erkannte die Situation und wahrscheinlich war es auch nicht zu übersehen. Selbst ein blinder Wolf würde es wahrscheinlich irgendwie merken.
„Könnte man vielleicht so ausdrücken. Ich bin traurig und ich fühl mich nicht gut…Papa…“
Sie wusste, dass es Acollon vielleicht nicht gewohnt war, wenn sie so liebevoll und hilflos das ‚Papa’ in seine Richtung flüsterte, aber sie suchte doch nur die Hilfe, die sie vermisste.
24.12.2009, 19:04
Simariel spürte fast ungläubig die Mauern Sahagúns auf sich zukommen, jene Mauern, die aus lebenden Steinen gebaut worden waren, und die die Wölfin vor hunderten von Jahren in einem immer kleiner und enger werdenden, sozusagen implodieren Labyrinth zu fangen und zu zermalmen gesucht hatten. Die weiße Werwölfin war um ihr Leben gerannt, in Panik immer weiter, ohne einen klaren Gedanken, und als das Labyrinth nur noch aus einer immer schmaler werdenden, hohlen Gasse bestand, hatte sich die Fähe verzweifelt verwandelt und all ihre Kraft in einen Sprung gesteckt, der ihr zwar den rechten Hinterlauf verstaucht, aber ansonsten das Leben gerettet hatte. [Es war beinahe ein Witz gewesen, dass nur wenige Jahrzehnte später Sahagún zerstört worden war, von Wesen, so sagte man, die keine Menschen gewesen sein konnten, so grausam waren sie. Als ob denn die Menschen nicht auch grausam sein konnten.] Und jetzt war dieses Gefühl von damals wieder da, eigentlich war es so häufig da und es war wie eine Art Alarmglocke, die sich durch erhöhten Herzschlag, schnelles, flaches Atmen, das Zusammenziehens des Magens, Hitzewallungen, Gedankenblockade und rasches Pochen des Pulses bemerkbar machte. Machte sich diese Wölfin über sie lustig? Die Art und Weise, wie sie das Wort "kennen" betonte, als ob sie sie verhöhnte, als ob sie genau Bescheid wusste. Simariel spürte Zorn und Angst gleichzeitig in sich aufsteigen.
.oO(Wieso... Wieso hab ich nichts gemerkt... Sie war die ganze Zeit da... Ich hab nicht... Sie war im Rudel, die ganze Zeit über... Ich... Ihr Geruch, ich kenne ihn... Wie lange verfolgt sie mich schon... Warum wartet sie ausgerechnet auf diesen Moment... Hab ich eine Chance, ich...)Oo.
Plötzlich wurde es still in ihr. Simariels Augen verengten sich. Sie wich einige Schritte zurück, spürte schützend die Rinde eines Baumes in ihrem aufgebrachten Rücken. Sie federte leicht, sprungbereit. Und dann kam die Wut.
"Du..."
Ihre Kräfte waren jetzt nicht mehr zu halten und brachen aus ihr hervor. Für sie beide verdunkelte sich der Himmel schlagartig, aus der Schwärze heraus warf ein irres Licht unbekannter Quelle scharfe Schatten. Alle Blätter und Nadeln des Waldbodens wirbelten mit einem gewaltigen Brausen auf, verharrten über der Fremden in der Luft, wie tausende Pfeilspitzen. (!) .
"Du... Du glaubst wohl, ich hätte dich nicht durchschaut, oder? Wie lange verfolgst du mich schon, hä? Was muss ich tun, um das Wissen über meine Vergangenheit aus dir herauszuprügeln? Gib mir meinen Namen zurück!"
Eris war geistig einen Moment weg gewesen. Das hatte seine Vorteile, hätte aber auch seine Nachteile haben können. Da aber nichts gefährliches passiert war, vergnügte sie sich am positives Effekt, dass nun Alles etwas klarer für sie war. Heute musste sie immer mal wieder nachhelfen, um Unwichtiges auszublenden, denn bekanntlich wurde man ja verrückt, wenn man keine Prioritäten setzte. Allerdings war die Schwarze nun, wieder unter den Wachenden, etwas überrascht, wie stark der Regen niederprasselte und dass sich die Erde unter ihren Pfoten schon eher in Schlamm verwandelt hatte. Sie ließ den Blick schweifen, doch erfasste nichts, da sie eigentlich aufhorchte. Da waren sehr tiefe Töne, die Eris entsprechend tief beeindruckten und irgendwo erschütterten. Sie schaute ihre Leute mit großen Augen an und bedeutete ihnen, ruhig zu sein. Dann schlich sie ein kleines Stück bis zu einer Front aus Büschen und lugte durch nasse Blätter hindurch und da waren sie. Mächtig und röhrend, sich raufend und mit ziemlich aufdringlichem Geruch, was sogar Eris mit ihrer mittlerweile recht verstopften Nase deutlich wahrnahm. Sie konnte sich ein intensives Schlucken nicht verkneifen und wandte sich langsam zu den Anderen um, tat die Schritte zurück.
"So ...",
sagte sie und wirkte nicht sonderlich zurechnungsfähig, da sie ihre Nervosität zu bekämpfen versuchte.
"Jetzt ... geht es wohl gleich los. Wir müssen nur noch auf ein Zeichen Banshees warten und ab da dürfen wir dann keine Sekunde mehr verlieren."
Kaede war schon gegangen, wie Eris bemerkte und nun sah sie alle der Reihe nach an. Hanako und Hakaji standen beieinander und Bastar und Face daneben ... und waren sie tatsächlich alle viel ruhiger als sie?
Durch die Worte seiner Tochter hatte Acollon das Gefühl, er müsse seine Schutzmauer weiter aufrichten, sich gänzlich von den anderen fern halten. Andererseits empfand er es als schmeichelnd, dass jemand ihm etwas sehr persönliches anvertrauter, ohne dass er weiß war und Banshee hieß. Eine Art Pflichtgefühl erfüllte den Schwarzen.
“Das passiert jeden einmal.“
Nun gut, das waren mit Sicherheit nicht die Worte, die eine Welpin von ihrem Vater hören wollte. Es klang ziemlich kalt und bedeutungslos, geradeso als würde den Hünen Parveens Probleme nicht interessieren. Doch wie gesagt, es schien nur so. Und um die Schwarze nicht vor dem Kopf zu stoßen, lächelte er sie freundlich an.
“Parveen, Du wirst erwachsen. Du machst Dir Gedanken um viele Sachen, Du empfindest ganz anders als zuvor. Als Du noch ein Welpe warst. Ich bin sicher nicht derjenige, der Dir aus Deinen Problemen helfen kann; und eigentlich denke ich, dass jeder so etwas mit sich ausmachen muss; dennoch versuche ich Dir zu sagen, dass es okay ist traurig zu sein. Ja, manchmal ist es ganz richtig egoistisch zu denken und sich mies zu fühlen. Auch wenn ein offensichtlicher Grund nicht vorliegt“,
es waren seltsame Worte aus der Schnauze des Hünen und sie klangen so unpassend. Diese Worte machten das Bild, dass Acollon allen anderen immer vorhielt kaputt. Doch es war Zeit geworden sich seinen Kindern zu stellen, sich zu offenbaren und entschuldigen.
“Auch wenn Dir manchmal etwas komisch, ungerecht oder irgendwie trist und traurig vorkommt muss es nicht unbedingt so sein. Siehe lieber in Sachen etwas... Gutes“,
dieser Tag würde in die Geschichte eingehen, der Tod hatte das Wort „Gut“ in die Schnauze genommen. Ihm wurde etwas schlecht, unterdrückte aber die aufkommende Übelkeit.
Nach einer langen Pause in der er einfach nur schwieg und sich die eben gesagten Worte noch einmal vor Augen hielt, wurde ihm bewusst wie er sich geändert hatte.
Er seufzte und sah wieder in den Regenschleier vor sich. Die Tropfen hatten sein Fell gänzlich durchnässt und nun wurde der schmale hängende Körper sichtbar. Die großen Schulterblätter stachen aus seinem Rücken hervor. Sein magerer und knochiger Kopf sah nunmehr denn je wie der eines Todes aus. Die Augenhöhlen schienen wie eingedrückt und die grauen leblosen Augen schimmerten unheilvoll. Die schlaffe Rute war nur noch ein Gerippe aneinander gereihter Wirbel. Eigentlich ziemlich grausig der Anblick, doch selbst in diesem Zustand, wo jeder andere Wolf den Ekel bekam, war doch etwas Hübsches an Acollon. Die unzähligen Narben und Knochenbrüche waren deutlich zu sehen und irgendwie prägte es den schwarzen Leib. Es machte ihn unverkennbar.
“Ich kann Dir nicht das sagen, was Du gerne hören würdest“,
flüsterte er leise.
Skeptisch hatte die Mitternachtschwarze die Ohren nach vorn schnippen lassen. Sie stufte die Situation von dem Moment als Simariel erneut angefangen hatte zu reden als höchst gefährlich ein. Entschieden blieb sie stehen, krallte tief ins Erdreich hinein und verengte die Augen um durch das umherfliegende Gezeugs bessere Sicht zu erlangen. Es kam kein Gefühl von Panik in ihr hoch, doch unmissverständlich machte ihr Kopf ihr klar, dass sie eine ziemlich zugespitzte Situation heraufbeschworen hatte. Sie verstand nicht, was falsch an ihrer Frage - aber dass sie falsch war hatte sie mittlerweile auch begriffen. Ein ungutes Gefühl kam in ihr hoch, als die Weiße erneut die Stimme erhob. Was war falsch an ihren Worten, was!? Schnell sammelte sie in der Luft die vor wenigen Augenblicken gesagten Worte wieder auf und reihte sie vor ihren Augen zu Sätzen aneinander. Ihr inneres Auge huschte mit bösen Vorahnungen über die Zeilen, entdeckte jedoch nichts böswilliges darin. Dann plötzlich aber fiel es ihr auf. Simariel hatte das Gefühl gehabt, sie zu kennen. Vermutlich lag es nicht daran, was Ni geantwortet hatte sondern wie sie es getan hatte. Unsicher drückte sie sich einen Schritt nach hinten, verlagerte schützend ihr Gewicht auf die Hinterpfoten. Das Fell sträubte sich angesichts der Tatsache, dass Ni die Situation als gefährlich einstufte, in alle Richtungen ab.
Moment... Vergangenheit? Ni legte ein Ohr schief. Die leeren, glanzlosen Augen richtete sie genau in die ihres Gegenübers. Zweifel kamen in ihr hoch, Misstrauen überwuchs den Verstand und die Vernunft. Sie musste sich beherrschen, wollte es nicht noch weiter eskalieren lassen. Sich selbst mit inneren Monologen zur Ruhe führend versuchte sie aus den Augen Simariels zu lesen, was ihr zugestoßen sei. Sie, Simariel, machte Ni für etwas verantwortlich, von dem diese scheinbar nichts verstand.
oO( Du darfst nicht zu lassen, dass sie wütender wird. Reiz sie nicht. Tu doch irgendwas! )
Angespannt drückten sich die schwarzen Ballen gegen den Boden. Die leicht abgerundeten Ohren neigten sich leicht nach hinten, unruhig pendelte die Rute taktlos über den Boden. Unschlüssigkeit.
oO(Sag etwas, oder schweige auf ewig! Sag etwas - oder schweige auf ewig!)
Simariels Verlangen war zu groß für die junge Fähe. Sie wusste nicht was zu tun ist. Da sie sich bereits mit der falschen Wortwahl in dieses Missgeschick gebracht hatte, schien es ihr besser gar nichts zu sagen. Ihre Miene versteinerte sich, die Mauer um Geist und Herz wurde nur dicker und undurchdringlicher. Abgestumpft von all dem was sie angerichtet hatte, wuchs der Hass gegen sich selbst, einen Fehler der Natur. Erkaltet, wie das Gesicht einer Toten. Ihr Herzschlag setzte einen Augenblick aus, fand keinen reinen Rythmus mehr und das Bild vor ihren Augen verschwamm. Es war nur noch ein buntes Farbenspiel, ein Gemisch aus dunkel und hell. Rede verdammt!
"Warte! Ich kenne dich nicht, wenn überhaupt nur flüchtig weil ich mein Umfeld beobachte. Alles was ich von dir weiß, ist das du diesem Rudel mehr oder weniger angehörst und das du in Gestalt und geistigem Befinden; scheint mir; anders bist. Wer ist das nicht, wir alle sind Individuen und unterscheiden uns. Deinen Namen kenne ich nicht, ich habe ihn nie gehört - ich halte mich nicht in der Nähe von den ganzen Wölfen aus; ich gehöre nicht hier her und dennoch lebe ich zurzeit hier."
Wunderbar... der Anfang einer Erklärung war gegeben, vermutlich milderte das die Laune der Weißen nicht sonderlich. Sie trieb sich weiter an die Dinge zu erklären die geschehen waren. Verdammt, sie war keine Rednerin sondern eine Denkerin. Was in ihrem Kopf wundervoll harmonierte kam nie und nimmer aus ihrem Maul und es spielte sich nie so ab wie sie es sich zusammen gelegt hatte und für das Beste hielt. Also; weiter, weiter!
"Vielleicht war es nicht was, sondern wie ich es gesagt habe, dass dich wütend macht. Aber ich nutze selten das Wort 'Kennen'. Ich kenne nie jemanden. Vielleicht weiß ich den Namen und auch wie derjenige aussieht - aber kennen. Nein. Ich kenne die anderen so wenig wie sie mich und so wird es in alle Ewigkeit verbleib finden. Entschuldige, wenn ich dich verletzt habe mit Worten oder auf andere Weise. Aber ich bin nicht die, die dir Antworten auf deine Fragen geben kann - ich habe selbst viele die womöglich nie eine Antwort finden... Gefolgt bin ich dir, weil ich mich an irgendwas orientieren wollte - ich konnte nicht viel sehen. Verzeih auch das, sofern es dich verunsichert oder gestört hatte."
Verdammt viele Worte, für ein Stimmchen wie ihres. Man merkte schnell, dass sie nicht oft benutzt wurde, soch sie klang immernoch ruhig und irgendwie sogar warm. Dennoch... es lag etwas darin, was von einigen ihrer Gefühle sprach. Was man aus der Körperhaltung so oft nie hatte lesen können sprach gern aus ihrer Stimme, ein Grund sie sehr selten zu benutzen. Ein Seufzen ging matt aus ihr hervor. Würde sie ihr Glauben schenken, ihr, einer Fremden, die nirgendwo je heimisch sein würde?
Averic hatte sich zuerst an die Spitze, doch etwas leicht hinter seinen Vater gesetzt. Er, sein Vater und noch so ein komischer Wolf waren die einzigen Rüden in diesem Trupp, also lag es wohl auch mit an ihm auf die anderen zu Achten – vor allem auf seine Geschwister. Der schon recht große Jungrüde hatte die Ohren ein wenig zurück gedreht, um die empfindlichen Ohrmuscheln vor dem heftigen Regen zu schützen. Es war verdammt schwer für den Pechschwarzen sich zurecht zu finden, alles was er sehen konnte war ein verschleiertes Bild aus vielen hundert Grautönen. Auch mit verengten, tiefblauen Augen wurde dies nicht besser. Mit angespanntem Körper stellte Averic fest, dass sich Acollon nach hinten zu seiner Schwester hatte fallen lassen. Auch das noch, nun lief er an der Spitze. Oh nein, er würde jetzt nicht stehen bleiben. Die Worte seines Vaters hallten ihm immer noch in den Ohren, er würde ihm beweisen, dass er schon lange kein dummer Jungspund mehr war! Verbissen richtete er seinen Blick wieder nach vorne und federte gekonnt die eigenen Schritte vom Boden ab. Wenn man sich auf die Sehkraft nicht verlassen konnte, mussten eben die anderen Sinne ausreichen. Dieser unnütze Sinn... Der Pechschwarze schloss sogar die Lider und konzentrierte sich auf Geruch und Gehör. Das Röhren der Hirsche und Rehe klang voll und laut, sie mussten also schon sehr nah sein.
Der Regen hatte auch sein Äußeres mitgenommen, das struppige Fell klebte an den Flanken des schmalen Rüden, doch im Gegensatz zu Acollon zierte seinen jungen Körper keine einzige Narbe. Und so mager, dass man irgendwelche Knochen überdeutlich sehen konnte, war er auch nicht. Die Proportionen seines Körpers setzten sich schön, fast perfekt zusammen. Ein schlanker Jungwolf in dem Mengen von Energie steckten, die er jetzt durch seine dünnen Venen pochen spürte. Sein Gehirn war leicht vernebelt, neben den Geräuschen vom Wild war immer noch dieses böse Zischen, ein weiterer Atem. Aber er konnte jetzt nicht darauf achten, er hatte seinen Stolz – seine Ehre zu verteidigen!
Alienna hatte den Kopf auf das Gras gelegt, nicht aus Langweile, Desinteresse oder Gemütlichkeit, sondern aus Müdigkeit und Erschöpfung. Auch nicht des Körpers, sondern der Seele. Dennoch waren ihre Ohren lauschend aufgestellt, fingen jedes Wort Leylas auf und verstanden sie. Es waren Lehren, Regeln und Hinweise, die sie alle beachten musste, weil sie etwas in sich trug, das sie nicht verstand und das ihr diese weiße einfach Fähe gezeigt hatte. Sie war noch immer schrecklich verwirrt, aber der Vorschlag Leylas einen anderen Platz aufzusuchen beruhigt sie auf eine seltsame Art und Weise. Unter anderem wohl deshalb, weil es nun auch noch stärke zu regnen begann, die Tropfen prasselten auf ihr schon nasses Fell und ließen sie leicht zittern. Der See lag grau und trist zwischen den Bäumen, der Felsen ragte bedrohlich und düster zwischen den Regenschleiern hervor. Wäre Leyla nicht in ihre Nähe, so hätte sie wohl Angst bekommen. So aber war sie nicht alleine, hatte sie jemand bei sich, der ihr half und der sie auch nicht alleine lassen würde.
Langsam erhob sie sich wieder, zögernd, weil die Erde noch immer wärmer als die Luft um sie herum war und weil sie so ihren ganzen Körper dem Regen preis gab. Als sie ersteinmal stand, kam sie näher zu Leyla, nicht zu nahe, doch die halbe Wolfslänge zwischen ihnen schien nur ein winziger Schritt im Gegensatz zu vorher. Der Regen ließ sie alles verschwommen sehen, der weiße Pelz Leylas schien fast unterzugehen, dennoch konnte Alienna das schimmernde Grün ihre Augen gut erkennen. Sie musste leise husten, kniff kurz die Augen zusammen und sah dann wieder in das Grün.
"Danke, Leyla. Ich habe viele Fragen, aber sie alle will ich erst stellen, wenn wir einen Unterschlupf gefunden haben. Auch mir macht dieser Ort Angst, es ist ein trauriger Ort aber vielleicht doch ein wenig ... unser Ort?"
Sie lächelte leicht, eher ein kurzes Zucken, erhob sich dann und trat einige Schritte auf den Wald zu, drehte den Kopf zurück und wartete, bis Leyla an ihrer Seite, nicht zu nahe, aber auch nicht zu weit weg, war. Vielleicht würden sie ja irgendeine Höhle oder sonst einen Schutz finden. Im Wald schien es schlecht, der Regen prasselt so stark vom Himmel, dass er auch das dichte Blätterdach der Bäume durchschlug. Ob es wohl im Gebirge eine Höhle oder etwas ähnliches gab? Aber wollten sie so weit laufen? Konnten sie das?
"Leyla?"
Alienna hatte ihren Kopf wieder zu der Weißen gedreht, sah sie mit einem leichten Lächeln an, schien fast ein wenig besorgt, ohne, dass es schien, als würde sie sich Sorgen machen. Sie machte sich auch lediglich Gedanken über das, was sie gleich fragen würde. Die Worte hatten sich einfach auf ihre Zunge geschlichen, wollten gesprochen werden, wollten eine Antwort erfahren.
"Sind wir ... sind wir soetwas wie Freundinnen?"
Alienna hatte noch nie eine Freundin gehabt und sie wusste auch nicht, ob man jemanden danach fragen durfte, oder ob man es einfach wusste. Sie meinte etwas zu wissen ... aber wusste das Leyla auch? Oder waren sie nur zwei Wölfinnen, die alleine gewesen waren und nun nicht mehr waren ... zwei, die sich vielleicht halfen ... aber das war ja nicht gleich Freundschaft ...
Es wurde kalt. Sehr kalt. Leylas Pelz wärmte sie nicht. Das konnte er gar nicht. Denn es war eine innere Kälte. Die dunklen Wolken, die Atmosphäre..die Melancholie. Das alles wirkte so kalt. Leyla schüttelte sich ein klein wenig, nur ein Mal kurz. Dann sah sie zu der Braunen. Sie schien so offen. So sehr offen.. Obwohl Leyla wußte, daß Alienna durchaus ein Selbstbewußtsein hatte, so bekam sie es wenig zu spüren. Aber was war Selbstbewußtsein? Zähne zeigen? Drohen? Laut sprechen? Viel Platz einnehmen? Das alles tat Alienna nicht. Aber Leyla wußte, daß sie es dann konnte, wenn es angebracht war. Das hatte sie nun schon bemerkt. Aber sie bereute es nicht. Es wäre nicht gut gewesen, wenn sie beide, als wenig selbstbwußte Wölfinnen, durch die Gegend gingen und Angst vor den Geschehnissen auf der Welt haben mußten. Leyla tat es. Aber Alienna gab ihr Mut..sie gab ihr, trotz, daß sie sich nicht oft so typisch selbstbewußt äußerte, ein starkes Gefühl. Leyla erfuhr daß erste Mal, wie es aussehen konnte, selbstbewußt zu sein ohne anderen weh zu tun. Weder körperlich, noch mit Worten. Denn so taten es alle vor ihr..die Lelya kenne gelernt hatte. Leyla sah, daß Alienna zitterte. Obwohl sie das bedenklich fand, weil es ein Zeichen von Schwäche war, so sah es doch irgendwie etwas..süß aus. Es bewies ihr, daß niemand unverletzbar ist. Niemand ist nur stark. Auch Alienna nicht. Und erst recht nicht Leyla. Leyla begann Aliennas Art zu mögen. Es war außergewöhnlich. Sie war so anders als alle Wölfe, die Leyla kennen gelernt hatte, in ihrem jungen Leben. Leyla mochte diese Art einfach. Lieb, innerlich optimistisch und bis zu einem gewissen Punkt stark. Eine positive Stärke. Keine, die andere verletzte, sondern nur dem Überleben diente. Dem eigenen sowohl als auch dem anderer. Sie half Lelya damit. Als Alienna von „diesem Ort“ sprach und dabei ein liebes Lächeln preisgab, war es mit einem Mal nicht mehr so sehr kalt. Die Wärme der Geselligkeit war zu spüren. Die Wärme der Fürsorge, des Interesses am anderen und der Freundlichkeit untereinander. Es wurde sehr warm. Leyla vergaß die physische Kälte. Diese Wärme war allemal mehr wert als die Wärme der Sonne. Es vermochte die Sonne für einige Zeit..zu ersetzen. Aliennas Wärme ersetzte die fehlende Sonne und gab Kraft zum Weitermachen..zum Nichtaufgeben. Diese Erfahrung war für Leyla so sehr wichtig. Es war wichtig für sie..diese Wölfin kennen gelernt zu haben und weiter kennen zu lernen. Leyla wollte sie nicht mehr verlassen. Nicht jetzt. Nicht örtlich, nicht zeitlich und erst recht nicht aus dem Leben. Leyla hatte der Satz und noch dazu das Lächeln Aliennas sehr ins Überlegen gebracht. Ihre Gefühle schienen sie zu beherrschen. Sie war für ein paar Augenblicke völlig abwesend, mußte Aliennas Worte innerlich erst ein Mal verarbeiten.
Sie wiederholte ihre Worte, leicht und sehr leise, dabei auf den Boden blickend.
„Ja..unser..unser..Ort.“
Wie schön das klang. Woher nur nahm Alienna diese Worte? Leyla empfand das Gleiche. Sie fühlte sich ähnlich. Aber sie konnte es nicht annähernd in Worte fassen. Alienna sprach das, was Leyla nur fühlte. Wie konnte sie das? Sie war so..begabt in vielem. Vieles zu können. Leyla war beeindruckt von ihrer Stärke, so vieles zu können. Leyla hätte fast noch ein Mal weinen können, als sie das hörte. Es klang wie Musik.
Unser..Ort
Das Wort „unser“ beschrieb sie beide. Alienna und Leyla. Nur sie beide. Unser konnten so viele sein..aber es waren doch nur sie beide. Dieses Wort schien für sie beide gemacht zu sein. Es war scheinbar..ihr Wort. Ihr Ort, ihr Wort. Sie hatten schon Gemeinsamkeiten. Das war schön..sehr schön. Es umfaßte nur sie beide. Es gab ihnen eine zweisame Gemeinschaft. Das Gefühl für jeden, nicht allein zu sein. Eine liebe Seele die Gutes wollte. Leben, Wohlgefühl, Reaktionen des anderen, Blicke und Bewegungen des Körpers. Friedlichkeit. Keine Spur von Gier, Haß, Wut, Kampf, Neid oder so etwas in dieser Art. Kein Teil des Bösen. Nur Gutes. Rein Gutes. Zumindest schien es Leyla so. Alles andere würde sie, wenn es so wäre, wie ein Spieß ins Herz treffen und alles zerstören. Sie wiederholte noch ein zweites Mal diese wunderschönen Worte. Es waren wohl die schönsten, die sie je gehört hatte. Sie standen für so viel schöne Dinge. Worte, Reaktionen und Freundlichkeit. Bei dem Wiederholen Aliennas Worte nickte sie ganz sanft und sah zu ihr auf. In ihre blauen Augen. Aber sie sah sofort wieder nach unten. Wenn sie diese Augen sah, wurde es nur noch schlimmer. Dieses Gefühl der Zerrissenheit. Sie fühlte sich so elendig vor ihr. Alienna konnte so viel, hatte Kraft und Mut zum Leben. Und Leyla wollte aufgeben, hatte sich richtig blöd benommen vor ihr. Sie hatte sie sogar beschimpft. Jetzt trat Haß auf, wieder. Lange war sie nicht von ihm frei. Sie haßte nur sich. Wieder ein Mal sich. Wieso hatte sie das zu Alienna gesagt? Wieso sagte sie so etwas und bekam trotzdem so nette Worte von ihr geschenkt..nur für ihre weißen Ohren bestimmt? Nur für ihre Ohren gemacht. Und was hatte Leya für Worte gemacht? Verletzende Worte. Auch nur für sie. Nur Alienna verletzend. Leyla kniff die Augen zusammen. Sie biß sich auf die Zunge. Hatte sie das wirklich zu ihr gesagt oder war das nur ein Alptraum? Nein..sie hatte es wirklich getan. Für sie war es ein Verbechen. Und jetzt konnte sie es nicht mehr rückgängig machen. Alienna würde es nie vergessen. Niemals. Leyla holte tief Luft. Es würde noch ewig dauern, bis Alienna verstehen würde, daß sie es keinesfalls wirklich böse gemeint hatte und daß sie ihr niemals etwas tun wollte, daß sie ihr nicht weh tun wollte. Sondern daß es Leylas Schwäche war. Schwäche, sich selbst nicht unter Kontrolle zu haben. Das klang fast etwas schitzophrän. Vielleicht war sie das sogar. Die Vergangenheit hatte sie so kaputt gemacht. Leyla hatte so viel mit ihr zu bereden. Sie wollte so viel erzählen, damit Alienna sie vertsand und wußte, wo Lelyas Probleme lagen und was sie dann tun konnte, um damit richtig um zu gehen. Es lag eine lange Zeit vor ihnen. Leyla hoffte, daß sie sie hätten. Aber gebrauchen konnten sie sie. Hoffentlich nur würde niemandem etwas passieren. Die Gefahr von außen war nie auszuschließen. Aber daran wollte sie jetzt besser gar nicht denken. Bloß nicht..
Doch das Schlimmste von Aliennas Seite folgte erst noch.
Alienna nannte ihren Namen. „Leyla“ Leyla mochte ihren Namen nicht. Aber wenn sie ihn aussprach, erklang sogar er wunderschön. Was für magische Worte. War es die Stimme? Die Zunge, die sie zurecht formte? Oder die Blicke, die Leyla gar nicht mehr sah, weil sie Alienna einfach nicht in die Augen sehen konnte? Warum nur sah Alienna permanent zu ihr? Wollte sie ihre Blicke ablesen und ihr Inneres verstehen?
So wie Alienna „Leyla“ aussprach, wußte sie, daß jetzt etwas sehr Besonderes kam. Leyla spitzte die Ohren. Wenigstens die gingen zu ihr. Wenn Alienna so sprach..mit so einem Klang, mußte sie auch ihren Blick sehen. Es fiel Leyla so sehr schwer, ihren Blick zu sehen, ihre Augen. Denn nichts gab mehr Aufschluß über ihren emotionalen Zustand als ihre Augen, wie bei jedem Tier. Nichts war ehrlicher als die Blicke in den Augen. Auch in ihren Augen. Also sah sie auf, sah in sie hinein. Und was sah sie dort? Freundlichkeit, Wärme, Fürsorge, so viele Fragen, Offenheit, Neugier, auch ein wenig Angst und..sich selbst. Leyla spiegelte sich in ihren blauen Augen wieder. Sie sah ihr eigenes Gesicht. Sie öffnete ihr Maul ein kleines Stück. Sie starrte wie gebannt in ihre Augen. Sie konnte den Blick, ob sie wollte oder nicht, gar nicht mehr abwenden. Jetzt hatten Aliennas Augen sie gefesselt. Sie befahlen Leylas unbewußt, auf sie zu gucken. Als Alienna gesprochen hatte, so fragend, so offen und fast ein wenig, wie ein ganz junger Wolf, der die Welt noch nicht verstand und seine Mutter fragte. Aber nur von der Art und Weise des Fragens her. Und ihr Blick, ihre Augen, verdeutlichten die Ernsthaftigkeit dieser Frage. Daher wußte Leyla, daß diese Frage so sehr ernst war, wie das Leben. Obwohl die Worte so welpenhaft klangen, sah Leyla, daß Alienna es absolut ernst meinte und es ihr so sehr ernst war, darauf eine Antwort zu bekommen. Ein heftiger Emotionsschub schoß durch Leylas ganzen Körper. Sie sah sofort weg, weg von diesen Augen. Diese Augen, die jetzt auf eine Reaktion warteten und sie konnte auch nicht verhindern, daß sie eine sahen. Sie konnte Alienna schließlich nicht die Augen zuhalten. Innerlich würgte Leyla. Sie verschluckte ihre eigene Spucke vor Erschrecken. Ihr Maul füllte sich mit Luft und sie hielt sie danach an. Sie schloß die Augen. Freundinnen. Dieses Wort. Es war noch viel schlimmer als „unser“. Freundinnen..das waren..sie beide! Alienna..und Leyla. Niemand anders von all den Wesen auf dieser großen Welt. Leyla hätte jetzt am liebsten erst ein Mal ein
„Wie bitte? Ich habe dich eben nicht verstanden, es war so laut.“
nachgeschoben. Aber das wäre das Letzte. Es wäre..eine Lüge. Eine Lüge der Wölfin gegenüber, die ihr so viel Gutes getan hatte und nur Gutes im Sinn zu haben schien. Sollte sie es vielleicht doch sagen, um etwas Zeit zum Nachdenken zu gewinnen? Nein, lieber nicht. Sie wollte eine Antwort, also sollte sie auch eine bekommen. Aber..wie sollte das überhaupt gehen? Alienna hatte nicht im Geringsten eine Ahnung, wie sehr schwer es Leyla fiel darauf zu antworten. Nicht etwa, weil Leylas Antwort nicht feststand. Aber Alienna wußte einfach überhaupt nicht, wie schwer es für Leyla war, so offen Gefühle in Worte zu fassen. Sie erkannte nicht, daß das ihre eigene Stärke nur war. Nicht aber Leylas. Leyla sah sich und Alienna schon seit langem als..Freundinnen, wie sie sagte. Schon seit sehr langem. Nicht erst, seit Alienna ihr das Leben gerettet hatte. Lelya wurde durch ihre Gutherzigkeit überrannt. Sie hatte keine Chance sich mit Mißtrauen zu wehren. Und daß Alienna so ewas mit Worten ausdrücken konnte, war für Leyla vielleicht einfacher zu verstehen. Aber es war auch sehr schwer zu verstehen, woher sie diese Kraft nahm, das auszusprechen. Das konnte sie nicht. Überhaupt nicht. Leyla hatte die Augen geschlossen. Das Letzte, was sie jetzt sehen wollte, war Aliennas fragender Blick auf eine Antwort. Aber einfaches Fell nutzte rein gar nichts um den Blick auf Alienna zu verfinstern. Egal wo sie war, egal ob sie blind gewesen wäre. Aliennas Anwesenheit war immer so stark, daß Leyla, ob sie wollte oder nicht, sie im klaren Bild sah. Sie sah auch so ihren Blick. Lieb, fragend, neugierig. Viel zu schön..einfach viel zu schön, als daß Leyla damit umgehen konnte. Warum tat Alienna ihr das an? Warum brachte sie Leylas Gefühle so zum Hin- und Herwirbeln? Wußte sie nicht, wie es in Leylas Innerem aussah? Dort veränderte sich mit diesen Worten soeben ihr ganzes Leben. Nichts war mehr wie vorher. Alienna kam, lief entlang und hinterließ ihre deutlichen, sanften Pfotenabdrücke. Sie zierte den tristen, grauen Boden mit ihrem Pfotenmuster. Aber irgendwie war es auch ein Trampeln. Sie tat damit nur Gutes. Aber das war Leyla nicht gewohnt. Sie war so viel Gutes nicht gewohnt. Und so war es für sie nicht einfacher zu verdauen als das viele Böse, was sie schon zu spüren bekommen hatte. Leyla schluckte sehr schwer. Sie hustete kurz ein klein wenig, weil sie sich verschluckt hatte. Doch, wie gesagt, es brachte überhaupt nichts, die Augen zu schließen. Aliennas schöner Blick durchstach ihr Fell. Er drang tief in ihren Kopf hinein und hinterließ Aliennas Pfotenabdrücke. Es war zu schön. Und doch so schwer. Und jetzt? Jetzt…saß dort diese liebenswürdige, braune Wölfin und erwartete allen Ernstes, daß die Weiße es in Worte faßte. Ja..sie waren..so fühlte Leyla es, Freundinnen. Aber das konnte sie niemals..niemals in Worte fassen. Sie konnte diese Aufgabe nicht erfüllen. Das war unmöglich. Was sollte Leyla tun? Wie konnte sie ihr nur klarmachen, daß es so war? Wie nur? Ein einfaches „Ja, so ist es“ hätte genügt. So aber mußte sie es anders herüberbingen. Für sie war so etwas einfaches, wie das in-Worte-fassen so schwierig wie für Alienna vielleicht, jemanden zu berühren. Das mußte Alienna, so wie so vieles, früher oder später von Leyla erfahren. Früher oder später..besser früher. Nicht, daß sie noch glaubte, Leyla redete nicht gern mit ihr. Leyla äußerte ihre Gefühle sehr gern zu Wölfen, zu denen sie Vertrauen hatte. Und..da gab es nur Alienna. Aber nicht so, daß man es einfach verstand. Nicht in der Sprache, in der Alienna es wollte. Leyla mußte es lernen. Aber das brauchte seine Zeit. Wenn sie noch länger mit Alienna zu tun hatte, mußte sie so viele Probleme von sich in den Griff bekommen, um das Zusammenleben schön zu machen. Aber dadurch, daß sie Alienna auch Dinge beibrachte, sah sie Hoffnung. Beide waren nicht perfekt und beide lernten von einander. Das war schön. Denn beide waren noch jung. Hoffentlich nur hatten sie diese viele Zeit. Leben war leider gefährlich. Und weil sie Wölfe waren..wohl erst recht.
Jetzt öffnete Leyla die Augen. Das tat sie, weil sie Mut bekommen hatte, wie sie es Alienna klar aber trotzdem einfach sagen konnte. Sie würde etwas sagen. Aber hauptsächlich war es jetzt Aliennas Aufgabe, das aus ihrem Gesicht, ihren Augen und von ihrer Körpersprache abzulesen. Nur so..nur so konnte Lelya ihre Gefühle äußern. So aber umso besser.
Leyla lockerte ihre Mine. Dann schloß sie noch ein Mal kurz ihre Augen. Sie wollte ihre Seele sprechen lassen. Ihre Seele allein sollte jetzt mit Leylas Körper antworten. Leyla war selbst gespannt, wie das aussehen würde. Sie begann zu lächeln. Sie konnte lächeln. Das war selten. Aber jetzt brauchte ihre Seele, die durch Aliennas Worte so erwärmt worden war, dieses Mittel, um zu antworten. Es lag nun an Alienna, ob sie das verstand, oder nicht. Hoffentlich nur mißverstand sie Leyla nicht oder wunderte sich, warum sie „nicht“ antwortete. Aber Alienna war nicht oberflächlich. Sie würde es sicher verstehen.
Leyla lächelte lieb, gutherzig und ein wenig, wie Alienna es immer tat. Ein Zeichen von Verbundenheit. Kein anderes Lächeln konnte Alienna sicher besser verstehen als ihr eigenes. So wüßte sie bestimmt sofort, daß es ein bejaendes, liebes und freundliches Lächeln war, daß zustimmte und zu verstehen gab. Plötzlich schlug Leylas Schwanz zwei Mal, ein kleinwenig, hin und her. Nur die Spitze aber trotzdem deutlich. Leyla erschrak kurz. Was tat ihr Unterbewußtsein da? Leyla hatte Angst, daß es albern aussah und welpenhaft herüberkam. Doch warum eigentlich sollte sie sich dafür schämen? Sie hatte ihre Seele „beauftragt“, es mit Hilfe ihres Körpers zu äußern. Und ihre Gefühle schienen so stark zu sein, überraschend stark, daß sie sogar ein kurzes Schwanzwedeln symbolisierte. Es war Freude. Freude darüber, daß Alienna offen sagte, daß sie eine Freundin von Leyla war. Auch sie hatte noch nie so etwas wie eine Freundin oder einen Freund. Alle die, die vorgaben, das zu sein, hatten das nur, um Nutzen aus ihr zu ziehen. Aber es stand nie etwas Wahres dahinter. Doch weil Alienna es von sich aus sagte, wußte sie, daß sie es ernst meinte. Sehr ernst. Es war sehr schön. Dann hob Leyla ihre Pfote. Nur ein ganz kleines Bißchen. Nah über dem Boden. Sie hielt sie. Sie sah auf sie herab. Ihre linke, schneeweiße Pfote. Langsam, ganz langsam bewegte sie sie, unter großer Anstrengung, hin zu Aliennas brauner Pfote. Ihr braunes Fell sah kein Bißchen weniger schön aus. Dunkel, aber trotzdem sehr schön. Braun und weiß..dieser Kontrast sah so wunderschön aus. Sogar Leylas Pfote sah so kurz vor Aliennas richtig hübsch aus. Die Pfoten zweier Wölfinnen auf dem matschigen, nassen Boden. So viel Leben steckte in ihnen. Und doch hatten beide ihre Körper auf ganz unterschiedlichen Orten dieser Welt entlanggetragen. Zu einander. Sie haben sich zu sich gegenseitig getragen und dann..an „unserem“ Ort..sind sie sich begegnet. Hier, an diesem Ort, sind sich die Pfoten „begegnet“. Nicht erst hier,
aber auch hier. Dieser Boden schien nur ihren Pfoten zu gehören. Nur sie waren hier entlanggelaufen. Das braune Fell war naß. Es schimmerte schön. Das weiße Fell strahlte ein wenig, als es langsam vom Regen naß wurde. Die Krallen waren ernst, aber dennoch nicht böse. Sie waren nicht dazu da, die jeweilige andere Pfote zu verletzen. Sie standen sich gegenüber und waren einfach nur da. Leyla mußte sich nach unten beugen, um ihre Pfote zu ihr bewegen zu können. Plötzlich fiel ihr wieder ein, daß Alienna ja Berührungsängste hatte. Sie durfte ihr auf keinen Fall näher kommen. Sie wollte diesen wunderschönen Augenblick jetzt nicht mit ihrer Pfote kaputt machen. Bloß nicht..
Dann sah sie etwas ängstlich zu ihr auf. Nur langsam kam ihr Kopf wieder auf die selbe Höhe wie der von Aliennas. Sie sah sie an. In ihre blauen Augen. So fragend, zusehend, was jetzt geschah. Wenige Zentimeter vor Aliennas schöner Pfote hatte sie angehalten. Sie mußte sich zurück nehmen. Zu gern hätte sie sie so freundschaftlich berührt, um ihr auch wirklich ganz deutlich und klar zu machen, ja, sie waren Freundinnen. Doch das durfte Leyla nicht. Leyla war traurig, daß Alienna diese Ängste hatte. Es hielt immer noch so eine Grenze zwichen den beiden. Eine unüberwindbare Grenze. Aber dafür konnte Alienna ja nichts. Absolut nichts. Und das durfte Leyla nie vergessen. Alienna tat das nicht aus Boshaftigkeit oder weil sie Leyla widerlich fand..hoffte sie. Sondern weil sie im tiefsten Inneren diese Ängste hatte.
Woher..eigentlich?
Würde Leyla sie das eine Tages fragen? Ja..sicher. Aber nicht jetzt. Jetzt war es wichtig, ihr klar zu machen, daß sie auch das Gefühl hatte, daß sie Freundinnen waren. Noch ein Mal verfiel Leyla in einem sehr freundlichen, lieben Blick und sah zu ihr. Sie hatte ihre Pfote gestreckt, ihren Körper aber immer noch in einer halben Wolfslänge entfernt stehen. Aber daß sie ihre Pfote so dicht an Aliennas brauner Pfote hatte, mußte sie aushalten. Das..war einfach Bedingung für „Freundinnen-sein“. Oder war das schon zu viel verlangt? Lelya hoffte so sehr, daß sie das durfte. Sie wollte es so gern. Ihr nah sein. Und wenn nur mit der Pfote. Aber es war für Leyla die beste Möglichkeit, Alienna klar zu machen, was sie fühlte. Zwei Dinge machten die Kommunikation der beiden so sehr schwer und bildeten diese Mauer. Aliennas Berührungsangst. Und Leylas Problem, ihre Gefühle in Worte zu fassen. Sie mußte erst ein Mal eine Mitte finden. So nur konnte es gehen. Also vesuchte auch Leyla innerlich einen Schritt auf Alienna zuzugehen und sich zu überwinden. Obwohl sie gerade überhaupt nicht im Stande war, zu sprechen, das konnte sie nicht, wenn sie mit dem Körper ihre Gefühle äußerte und das so sehr stark, mußte sie noch etwas sagen, um auch mit einem Wort klar zu machen..ja..Freundninnen, das waren sie.
In einem sehr schwachen, zarten Ton, sagte sie lieb, unterwürfig und so, wie sie fühlte..
„Alienna“
Sie mußte fast weinen, als sie Alienna dabei in die Augen sah. Sie war so schwch..weil sie nur dabei war, diese Gefühle zu äußern. Nicht mehr und nicht weniger. Sie sah auf ihre beider Pfoten. Dann wieder zu Alienna, in ihr Gesicht. Sie forderte sie mit ihrer Körpersprache zu etwas auf. Jetzt versuchte sie, mit ihrer eigenen Sprache klar zu machen, was Alienna tun sollte. Dann auch wußte Leyla, ob sie sie die ganze Zeit mit ihrer Körpersprache verstanden hatte oder nicht. Sie hoffte so sehr, daß sie das hatte. Leyla forderte sie mit Gebärden und Blicken auf, ihre braune Pfote auf ihre weiße zu legen. Als Verbundenheitssymbol..ewige Treue. Verstand sie das? Leyla machte es mit allen Mittlen deutlich. Wenn Alienna das wollte und konnte. So verstand sie das und würde es tun. Oder sie würde ganz klar und deutlich sagen, daß ihre Angst es nicht zuließ. In Worte fassen konnte sie ihre Gefühle wohl gut. Wie wichtig ihr die Freundschaft war, sollte sie jetzt schon das erste Mal beweisen. Auch Alienna sollte ein Mal aus sich heraus gehen und ihre Pfote auf Leylas legen. Wenigstens dieses eine Mal. War das möglich? Der Tatsache zu Liebe, daß sie..Freundinnen..waren?
Zitat:
Ihr Ort, ihr Wort.
Der Reim war keine Absicht.. Aber diese beiden Worte nötig.
Tut mir Leid, daß dieser Text etwas länger geworden ist. Aber Du hast so viele Dinge in Deinem Beitrag angesprochen (Freundinnen, Ort usw.), die ich nicht nur selbst etwas überraschend fand, gut überraschend, sondern die in mir so viele Gedanken für Leyla, den Rollenspielcharakter, hervorriefen, daß ich der „Feder“ einfach freien Lauf lassen mußte. Ich hoffe das war okay..
Parveen ließ den Kopf wieder hängen, der Regen schien auf sie einzuschlagen, ihr weh tun zu wollen, aber so wie Parveen neben ihrem Vater herlief, so versuchte sie auch etwas Stärke zu zeigen, wenn es auch eigentlich nicht klappte, die kleine Welpin spürte, dass irgendetwas vielleicht bald anders werden würde. Sie sah wieder zu ihrem Vater hoch und fragte sich, was in seinem Kopf vorging, wieso er noch nicht geantwortet hatte, was er wohl überlegt. Parveen schielte in den grauen und kalten Himmel hinauf, die Jagd. Hielt sie nun auch noch die Jagd auf? Was machte sie überhaupt gut? Die kleine Welpin, die doch eigentlich schon so erwachsen war und bald eine junge Fähe sein würde fühlte sich immer kleiner und deprimierter, da vernahm sie die Worte ihres Vaters. Waren diese vier Worte alles gewesen? Es würde jedem Mal passieren, ja, vielleicht, aber was würde ihr das denn helfen? Erwartete sie nicht auch irgendwie von ihrem Vater etwas mehr? Ehe sie irgendwie weiter hätte nachdenken können, sprach ihr Vater schon weiter und nun hob Parveen den Kopf ganz und sah ihn aus vollen Augen an, die zwar genässt von Tränen waren, aber erwartend waren, was ihr Vater ihr an Hilfe nun schenkte.
„Wirklich? Also ist mir keiner böse, dass ich traurig bin?“
Parveen verstand langsam den Sinn, sah auf den Boden vor ihren kleinen Pfoten und versuchte zu spüren, was das Leben für sie bedeuten konnte. Sie durfte traurig sein, ja, es war gut, dass sie traurig war, denn so würden sicherlich auch ihre Geschwister sie mögen und sehen, dass sie etwas belastete. So würde vielleicht das Verhältnis besser werden. Parveen seufzte leise, ihr Charakter schien genau so zu werden, wie sie es nicht geahnt hätte, wie sie doch niemals dachte, dass sie anders als ihre Mutter werden würde. Dann hörte sie ihren Vater weiter reden und sah ihn an.
„Etwas Gutes…“
Sprach sie ihm leise nach und nickte, sie würde es versuchen, für die Zukunft war es vielleicht nötig, würde ihr auch helfen und die Dinge würden sicherlich leichter fallen.
„Danke Papa.“
Parveen konnte nicht lächeln, nein, dafür ging es ihr vielleicht nicht gut genug, aber sie konnte ihre Dankbarkeit auch mit ihrem offenen Blick und der kurzen Berührung an dem Lauf ihres Vaters deuten. Ihr Kopf strich sanft an ihm vorbei, dann sah sie voraus in das Regenbild und nickte innerlich. Sie würde es schaffen.
Neria sah den Rüden mit ihren großen Augen einfach nur an und wartete ab, ob er noch irgendetwas zu seinen Worten beilegen würde. Sie verstand ihn immer noch nicht wirklich, versuchte sich aber in den Rüden hinein zu versetzen. Er würde sie wahrscheinlich auch nicht verstehen, wenn er wüsste, dass Neria mit einem Engel sprach und durch ihn irgendwie die richtigen Entscheidungen treffen konnten, ihr Leben gut lebte mit dem Engel an ihrer Seite. Die junge Fähe ließ ihren Blick also nicht abweichen, er sollte sich nicht ignoriert fühlen und sie wollte ja doch mit zurück, da konnte auch seine Lüge nichts dran ändern. Außerdem war Shit viel zu nett und aufmerksam, als dass sie ihm irgendwie böse sein konnte, aber er musste trotzdem jetzt gerade spüren, dass er einen Fehler gemacht hatte. Dann lauschte sie ihm weiter, sie kannte den Alpharüden auch nicht, sie kannte ja nicht einmal die Alphafähe, aber im Moment war ihr dies wirklich egal. Sie nickte zu den Worten, wusste aber noch keine Antwort, außerdem redete sie eh nicht so gern, aber war er nicht doch irgendwie sehr vertraut?
„Mit Banshee? Aber traust du dem Alpharüden das nicht zu?“
Fragte sie dann, sie verstand das alles nicht so ganz, aber sie ließ es vielleicht auch einfach bei der Frage bleiben. Dann ging Shit wieder zu ihr, er umrundete sie und Neria spürte eine seltsame Wärme in sich aufkommen. Shit setzte sich neben sie nieder, seine Schulter berührte ihren Körper ganz sanft und sie schielte zu ihm, als er seinen Kopf senkte, merkte Neria, wie klein sie doch eigentlich war, dann zupfte er sanft an ihrem Ohr und egal, wie schlecht es der Fähe gehen konnte, sie lächelte darüber und kicherte etwas. Seine Worte verunsicherten sie etwas, sie hatte richtig geahnt, sie war in eine Jagd eingedrungen, konnte sie wirklich stören? Selbst Shit schien zu überlegen, als er plötzlich aufsprang und etwas los lief. Neria war verwirrt, suchte den Blick ihres Engels.
[Keine Sorge, er geht nicht ohne dich.]
Neria nickte, sah wieder zu Shit, seine Worte flogen praktisch zu ihr, er war so lebhaft, wie ein kleiner Welpe, aber irgendwie gefiel ihr das an ihm. Neria dachte kurz nach, dann nickte sie innerlich, es würde schon klappen. Sie lief schnell los, damit sie bei Shit sein konnte, dann war sie neben ihm, rieb ihren Kopf kurz an seiner Schulter entlang und lief an seiner Seite zu Wölfen, die ihr alle fremd waren. Wie würde es ausgehen?
Shit legte ein ruhiges, gleichmäßiges Tempo an den Tag, was sicher nicht zu schnell war. Er grinste Neria an und stupste sie sacht gegen die Schnauze, als sie seine Schulter berührte.
„Sag, Neria, magst du nicht erzählen, wo du her kommst? Shit hatte dich doch vorher gefragt, er möchte dich auch nicht drängen, doch vielleicht wolltest du antworten?“
Fragend wandte er den Blick zu der Wölfin hinüber. Kaede hatte sie gestört, bei ihrem Gespräch, auch wenn er es der Blinden nicht übel nahm. Ganz anders sah es bei ihren weiteren Worten aus. Sie hatte es geschafft, das Neria davon lief und verletzt war. Shit wusste zwar genau, das seine falsche Aussage einen großen Teil dazu beigetragen hatte, aber wegen Kaede hatte er keine Zeit mehr gehabt, sich zu erklären.
„Shit würde verstehen, wenn du nicht erzählen willst. Er hat mit der Vergangenheit abgeschlossen und findet sie nicht erwähnenswert.“
Nachdenklich und dennoch vergnügt wandte er den Blick von Neria und sah auf den Weg vor sich. Ob er wirklich Alpha sein konnte? Er würde es bestmöglich machen, doch akzeptieren würden sie es nicht. Shit wusste es, dennoch hielt er daran fest.
"Shit beantwortet aber im Allgemeinen alle Fragen. Wenn du was wissen magst, frag ruhig."
Mit einem breiten Lächeln sah er wieder zu der kleineren Wölfin neben sich. Seine Rute pendelte hin und her und scheinbar konnte nichts seine Laune trüben. Wie er sich Kaede gegenüber verhalten hatte, konnte Neria ja nicht wissen. Dafür schämte sich Shit aber auch nicht. Er akzeptierte sich, genau so wie er war und störte sich dabei auch nicht, an den Meinungen anderer.
Shit verlangsamte sein Tempo und Neria lächelte müde, es war wirklich nett von ihm, so konnte sie sich von den vielen Dingen die geschehen waren in Ruhe erholen. Die junge Fähe sah auf den Boden, dann spürte sie Shits Nähe wieder bei sich, er berührte ihre Schnauze sanft und die Fähe kicherte wieder etwas, dann seufzte sie leise. Die Frage, die Shit stellte, war nicht schwer zu beantworten, aber irgendwie hatte sie immer wieder ein Problem damit einfach über alles zu sprechen, weil sie ihre Familie doch viel zu sehr vermisste wenn ihr doch klar wurde, dass sie der Ehre nach gegangen war.
„Ähm….nein, du drängst mich nicht, ich habe nur irgendwie immer ein kleines Problem damit, meine Vergangenheit zu offenbaren vor Fremden. Aber du bist mir ja eigentlich nicht fremd und ich mag dich…“
Sie flüsterte diese Worte in seine Richtung, es sollte ein süßes Geheimnis sein, welches nur für Shit bestimmt war, sie wollte ihn damit vielleicht auch irgendwie glücklich machen, denn er schien sich in dem Rudel selbst noch nicht so ganz einzufinden. Shit war einfach liebevoll und nett, sie hatte keine Sorgen wenn sie bei ihm war und Wärme strahlte er aus, die sie nie zuvor gespürt hatte.
„Ich komme aus dem Great Bear Lake, das Rudel, in dem ich lebte hieß Southern Island Wolves, wir waren ein Rudel, welches nach dem Anstand des Adels lebte. Vernunft und Liebe standen an erster Stelle und jene Regel wurde eingehalten und niemals gebrochen. Das Rudel lebte voller Harmonie zusammen und wir hatten Rituale. Die Leitwölfe bekommen nach einiger Zeit immer Welpen und sobald dies geschah, mussten neue Leitwölfe oder auch nur ein Leitwolf her, denn die Eltern mussten voll und ganz für die Welpen da sein, damit sie ein wundervolles Leben hatten. Nun, bei mir war dies auch alles so, aber am Ende ist es doch etwas schief gelaufen, als ich mich auf den neuen Leitwolf eingelassen hatte. Ich hatte mich in ihn verliebt, aber er wollte nur Beherrschen und gab einem nichts zurück. Deswegen fürchte ich mich etwas vor der Liebe, ich hab Angst, dass man mich wieder schlecht behandeln würde…“
oO(Oh Liannaka, habe ich ihm nicht zuviel verraten?)Oo
[Nein, ganz und gar nicht, Kleine. Er wird dich bestimmt nun verstehen und außerdem musst du ja auch nicht weiter erzählen, wenn du das Gefühl hast, er würde dich auslachen. Aber glaube mir meine Kleine, dieser junge Rüde hier ist verständnisvoll, er wird dich unterstützen, irgendwie und irgendwo, höre einfach auf dein Herz!]
Shits Stimme drang wieder an ihre Ohren, sie durfte ihm also auch Fragen stellen? Was konnte sie einen so lebhaften Rüden denn nur fragen? Er war seltsam, aber das im positiven Sinne und er erinnerte sie an einen Welpen, der einfach seines Lebens glücklich war und jedem helfen wollte, der sich selbst vielleicht nicht immer verstand, aber dafür die Anderen…
„Würdest du mir denn verraten, wo du herkommst?“
Sie war daran wirklich interessiert, was machte diesen Rüden denn nur aus?
Shit sah sehr aufmerksam zu Neria hinüber und lauschte ihren Worten. Die Ohren waren in ihre Richtung gedreht, damit ihm auch nichts entging, von dem was sie erzählte.
"Als Eltern ein Leben leben, bestehend aus der Liebe zu ihrem Nachwuchs. Das ist eine schöne Regel. Ein Wolf der aus solch einer wundervollen Familie hervorging, hat nur herrschen wollen? Oder war er ein Fremder? Würde Shit diesem Wolf begegnen, dann könnte dieser aber was erleben!"
Aufgebracht sträubte sich Shits Fell und er sah finster zu Neria hinüber, schüttelte seinen Kopf. Ein Lächeln schlich sich so gleich wieder auf seine Lefzen, es war ihm zwar ernst gewesen und doch war es großtenteils nur gespielt. Er wollte damit ausdrücken, das er nicht zulassen würde, wenn man ihr wieder weh tun würde.
"Vertrauen geht mit jedem Tag verloren, den man lebt. So sieht Shit das jedenfalls. Irgendwann lernt jeder, das es besser ist, zu misstrauen, als zu vertrauen. Mag sein, das man aus seinen Fehlern lernt, aber hier liegt dann auch ein Fehler vor. Nur weil man nicht mehr blind vertrauen kann, muss das noch lange nicht heißen, das andere Wölfe dieses misstrauen verdient haben. Shit versucht also ohne Vorurteile auf Fremde zuzugehen."
Er trabte gemütlich neben Neria her, hoppste ein wenig oder lief sonst irgendwie eher wie ein Welpe. Ganz einfach vergnügt.
"Shit verrät dir natürlich, wo er herkommt. Aus dem Nordland nämlich. Ein Ort, der immer kalt ist und in der es doch so viel Wärme unter seinen Bewohnern gibt. Das Rudel, in dem Shit geboren wurde, benannte sich nach dem Land, Nordwölfe. Sie liebten sich alle, jedes Wesen. Nur Shit nicht, das war immer so gewesen. Also ging Shit fort, denn wieso sollte jemand da bleiben, wo ihn keiner haben wollte? Sie haben immer gelacht, kein schönes Lachen, es war böse."
Sein Gesicht wurde nicht ernst, wurde nicht betrübt. Er lächelte immer noch, als wäre alles in dieser Welt, ein einziges Paradies. Es war auch nicht gespielt, für Shit hatte seine Vergangenheit keine Bedeutung, es verletzte ihn nicht. Es hatte ihn nie wirklich verletzt, denn er war damit aufgewachsen, hatte nichts anderes kennen gelernt.
Neria sah auch zu Shit hinüber, sie wollte wissen was er dazu wohl sagen würde, sie wollte ihn eigentlich nicht mehr so schnell aus den Augen verlieren, denn sie mochte ihn wirklich mehr als sie es manchmal zugeben wollte und dabei kannte sie ihn doch kaum. Es war ein seltsames Netz, welches Shit und sie verband, denn sie kannten sich nicht einmal einen Tag und waren vollkommen vertraut zueinander und gingen miteinander um wie ein Liebespaar im frischen Frühling. Sie lächelte bei diesem Gedanken verträumt, dann aber nahm sie war, dass Shit wieder bei ihr war mit seinen Gedanken und Worten und ihr antwortete.
24.12.2009, 19:07
„Oh, nein, er war nicht aus dieser Familie. Der Rüde war von einer Rudellosen Fähe, die sich nicht zu helfen wusste und meine Eltern brauchten einen Nachfolger. Also haben sie beschlossen einen Welpen dieser Fähe aufzuziehen als Zieheltern, die Fähe durfte mit ihren Welpen in unserem Rudel leben, aber sie blieb eine Arbeitsfähe, sie hatte kein adliges Blut wie wir. Nun und dieser Welpe wurde groß, er hatte eigentlich eine gute Erziehung meines Vaters genossen, aber sobald er erfahren hatte, dass er ein Alphawolf sein würde, war er durchgedreht. Er hat am Anfang immer einen perfekten Rüden gespielt und genau darauf bin ich reingefallen und als er hatte, was er wollte – nämlich eine Sklavin der Liebe – hat er seine Situation schamlos ausgenutzt und jedem gezeigt, dass er der Herrscher war. Meine einzige Möglichkeit dem zu entkommen war die Flucht, denn in dem Rudel hätte er mich nieder gemacht…“
Sie seufzte leise, es war keine schöne Erinnerung und umso mehr sie zurück dachte, umso mehr stach es schmerzhaft in ihrem Herzen. Neria lehnte ihren Kopf in dem langsamen Trab sanft gegen Shits starke Schulter, bei ihm fühlte sie sich etwas geborgen und geholfen. Er schien sie mehr als nur nötig zu verstehen.
„Ich verstehe, was du sagen willst und seit ich dich kenne, Shit, geht es mir so. Du hast mir bewiesen, dass alles so anders sein kann. Du bist ein Rüde, denn man einfach gern haben muss und ich bin sehr froh, dich zu kennen. Ich mag dich sehr, Shit. Ich brauch dich an meiner Seite in diesem Rudel um dies überleben zu können.“
Neria lächelte, diese Worte waren vollkommen ernst gemeint. Dann hörte sie ihm zu, sie wollte Shit genauso viel Aufmerksamkeit und Worte schenken zu seiner Vergangenheit, doch sie war geschockt von dem, was sie hörte.
„Wieso lacht man dich aus? Das ist ja schrecklich. Ich finde dich so einzigartig, ich bin richtig froh dich zu kennen, wie können diese Wölfe so etwas tun?“
Neria war wirklich fassungslos, das war doch gemein und unfair. Sie sah den Rüden mitleidig an, aber er schien vollkommen desinteressiert von diesem Thema. Hatte er so gut damit abgeschlossen?
Der Regen wurde stärker und prasselte mit voller Wucht auf den Waldboden nieder. Tiefe und schlammige Pfützen bildeten sich. Auch der Sturm zog an. Die Wolken schlugen nun mit einem großen Getöse auf das Tal nieder.
Die schwarze Brust füllte sich ein wenig mit Stolz. Seine Schnauze berührte die zarte Flanke der Welpin, ein wenig stärker als gewollt, aber eindeutig als nette Geste. Parveen würde sich auf die Jagd konzentrieren können und sie mit Bravur meistern.
Der graue Blick sah wieder nach vorne, mit einem zügigeren Gang schritt er wieder an die Spitze, dort wo Averic die Stellung gehalten hatte.
Der Hüne überholte seinen Sohn nicht, lief an der Seite Averics weiter.
Acollon spannte jeden Muskel in seinem Körper an. Das Getier, die Jagdbeute lugte durch das dichte Dickicht hindurch. Geschmeidig passte sich der Rüde den Fissuren der Bäume an. Nur aus den Augenwinkeln erkannte er Eris, sie hatte bereits Position bezogen. Mit einem knappen Kopfnicken deutete er den anderen Jagdgruppenmitgliedern, dass sie sich nun bereit machen sollten. Die Jungwölfe würden sich den älteren Tieren anpassen. Tief gebeugt verharrte der Schwarze still. Weiterhin prasselte der Regen von oben herab. Immer heftiger und stürmischer.
Jeden Moment würde die Jagd beginnen.
Neyla Zárá war die meiste Zeit nur stumm in der Gruppe mitgelaufen, am Liebsten wäre sie noch einmal zu ihrem Geliebten Laios gegangen und hätte ihm gesagt, wie sehr sie in liebte, wie gerne sie nun doch an seiner Seite wäre, aber es hatte keinen Sinn, dass sie noch mehr daran dachte, es würde doch sowieso nichts bringen, sie durfte jetzt nicht bei ihm sein, sie musste sich nun auf ihre Aufgabe konzentrieren, auch wenn ihr dies nicht unbedingt leicht fiel. Das Wetter wurde immer schlechter und sie hatten noch sehr viele Welpen dabei, auf die aufgepasst werden musste, die Aufgaben waren nicht sehr leicht, aber sie nahm dies alles so hin. Gerne hätte sie sich auch noch mit dem grauen Rüden unterhalten, aber mit anderen Wölfen konnte sie nach der anstrengenden Jagd bestimmt viel besser reden. In der ganzen Gruppe herrschte eine bedrückte Stille, die Neyla nicht ganz verstand, aber sie ließ es dabei bleiben, das Schweigen war ihr eindeutig lieber als große Aufregung, denn die würde gleich kommen.
Dann konnte Neyla erkennen, wie Banshee sich umsah und nun viel auch Neyla auf, dass ein Rüde fehlte, aber es kümmerte sie nicht unbedingt. Außerdem versuchte einer der Welpen auszubüchsen und Neyla seufzte leise, das würde alles sehr anstrengend werden, leicht klang anders und sah auch besser aus. Nun stand die Gruppe und Neyla sah sich um. Sie waren mit Banshee nur noch vier erwachsene Wölfe, sonst waren es nur Welpen, konnte das klappen? Neyla wusste es nicht, es war ihr doch alles so unbekannt, so fremd. Banshee war nun wieder bei ihnen und schenkte ihnen nun ihre Worte, Neyla lauschte, sehr aufmerksam vor allem, damit sie nichts falsch machen würde. Sie verstand das Prinzip ihrer Alphafähe und nickte.
„Verstanden…“
Antwortete sie leise, denn alle anderen schienen schweigen zu wollen und Neyla wollte zumindest von ihrer Seite ausdrücken dass sie trotz einer gewissen Angst bereit war dies einzugehen und ihre Aufgabe hoffentlich verstanden hatte. Was wäre, wenn sie einen Fehler machen würde? Das würde wirklich schrecklich werden, sie hatte Angst, dass sie bei einem Fehler vielleicht sterben würde. Neyla schüttelte sich, so etwas durfte sie nicht denken. Neyla sah sich um, was würde nun geschehen?
Shit verstummte, eine ganze Weile. Er konnte die Überraschung über Nerias Worte nicht so ganz verbergen. Die Wölfin sagte Dinge, die noch nie jemand zu ihm gesagt hatte und die er zu hören nie erwartet hätte. Heute schien ein ganz besonderer Tag zusein, ein Tag der sein Leben für immer verändern würde. Erst hatte Banshee gesagt, das ER, Shit, herzlich willkommen war und nun sagte Neria so unendlich liebe Worte zu ihm.
"Sei dir gewiss Neria, das Shit an deiner Seite sein wird. Er wird sein Bestes tun, um dich vorallem Schlechten zu beschützen."
Er lächelte sie liebevoll an und rieb seinen Kopf an ihrem. Irgendwie konnte er garnicht richtig begreifen, was sie da gerade gesagt hatte. Er hatte es aufgenommen, könnte es auch wiedergeben, aber verstehen konnte er es nicht. Er hatte nichts besonderes getan, er war einfach nur der, der er war und auf diese Art und Weise war er bisher immer nur ausgelacht worden.
"Du bist etwas ganz besonderes, kleine Neria!"
Er grinste und zupfte sie erneut sanft am Ohr. Ein verwegenes Lächeln huschte über seine Lefzen, dann atmete er tief ein, um ihre letzte Frage zu beantworten. An sich wusste er selbst nicht, warum sie ihn von Anfang an nicht mochten. Alle Wölfe, denen er bisher begegnet war.
"Es war immer so. So lang Shit denken kann und bis zum heutigen Tag, hat er nie einen Wolf getroffen, der anders auf ihn reagiert hätte. Da kann man sich schon fragen, wieso Shit ausgerechnet hier in diesem Revier gelandet ist, wo Banshee sagte, das er herzlich willkommen sie. Ausgerechnet Shit! Und dann muss man wohl noch dem Schicksal danken, das nicht nur Shits Wege hier her führten, sondern auch die von dir, Neria."
Verheißungsvoll zog er seine Augenbraue etwas hoch.
"Und deshalb sollte man nie anfangen zu glauben, das sich nie etwas ändern wird."
Mit einem kräftigen Nicken beendete er den Satz und wandte den Blick wieder zu Neria. Warme, liebevolle Augen, die wach und klar auf einer Wölfin ruhten, die im nu einen Platz in seinem Herzen eingenommen hatte, der sicher nicht unbedeutend war. Er stellte sich gerade die Frage, ob er wirklich so frei von Vorurteilen auf andere Wölfe zugehen konnte, denn hätten ihn dann Nerias Worte so überraschen können?
Aliennas Blick lag auf Leyla, nicht wartend oder gar fordernd … viel eher bittend, aber auch nicht auf eine flehende, sondern eher auf eine wiederum abwartende Art … einfach so wie nur Alienna schauen konnte, ein Stück ihrer Seele schimmerte auch jetzt in ihren Augen, in diesem, für sie noch unwichtigen, Moment, bis Lelya antworten würde, dann würde er plötzlich bedeutungsschwerer als die meisten anderen Momente ihres Lebens werden. Aber entgegen aller Vermutungen, ob nun vernünftig oder unvernünftig, realistisch oder unrealistisch, schwieg Leyla. Eine lange, schier endlose Zeit. Es war eine Stille, die sich auf Aliennas Schultern drückte, sie niederzwingen wollte, in die Knie gehen lassen, versinken, ertrinken. Sie schien ihre Ohren zu umschließen, sie taub – sprachlos machen, das Einzige, was Alienna jetzt noch zerstören konnte. Worte waren etwas unglaublich wichtiges in ihrem Leben. Worte waren es, mit denen sie sich ausdrücken konnte, Worte konnte sie verstehen, Worte konnte sie interpretieren, den tieferen Sinn erkennen, ihre Aussage, das Geschenk in ihnen und die Verletzung. Mitten in ihre Gedanken hinein hob Leyla den Kopf, sah sie an, mir einem Blick, von dem Alienna sofort wusste, dass er ebenso bedeutungsschwer wie ihre Worte war. Aber sie verstand ihn nicht. So nahe ihr Worte auch lagen, so vertraut und verbergend, so fern und unverständlich waren für sie Gesten und Blicke. Sie, die Berührungen fürchtete wie kein anderer, hatte auch den Körper an sich zu fürchten begonnen. Ungern beobachtete sie ihn oder den eines Anderen. Auch Blicke hatten die Eigenschaft, sie zu berühren, obwohl sie doch jede Art der Berührung verstörte. Sie konnten sie abtasten, ohne bei ihr zu sein, vor ihnen konnte man kaum davonrennen, ihnen nicht entfliehen und man konnte sie auch nicht verbieten. Es war ein Teufelsreigen, der um sie herum tanzte und nur durch Flucht oder Worte konnte sie ihn durchbrechen. Und nun … nun schenkte ihr Leyla diesen Blick und in dem Moment verstand auch Alienna, was sie beide von Grund auf unterschied, wie viele Gemeinsamkeiten sie auch haben mochten. Leyla fand keine Worte … und Alienna keine Gesten. Vielleicht, weil sie beide jeweils durch das andere verletzt worden waren. Aber war das deshalb ein Unverständnis fürs Leben? Alienna würde lernen wollen … und vielleicht auch Leyla. Vielleicht konnten sie noch viel mehr von einander bekommen, als Wissen und Stärke. Vielleicht würden sie gemeinsam diese Barrikaden überwinden können. Vielleicht … aber zuerst musste die Braune diesen Blick verstehen und mit der Gewissheit, dass sie dies nicht konnte, mochte sie noch so sehr verstehen, dass er wichtig war, kam auch die Verzweiflung einher. Sie würde es Leyla vielleicht erklären können … aber für Leyla zählten die Gesten und sie, Alienna, sie wollte Leylas Freundin sein und Freundschaft bedeutete auch, dass man sich selbst ein wenig aufgibt um den anderen mehr zu verstehen. Doch dann, als hätte Leyla verstanden, dass Alienna nicht wusste, was sie tun sollte, schob die Weiße ihre Pfote nach vorne, zögernd und ganz flach über dem Boden, aber hin zu ihrer, so fürchterlich schmerzlich zerstörend nah zu ihrer. Und nur so wenige Zentimeter entfernt, so wenig, dass ein Blatt sie verbunden hätte. Aliennas Atem stockte, sie konnte den Luftzug, den die Bewegung verursacht hatte, so deutlich spüren, als wäre sie berührt worden. Sie hatte Leyla schon einmal berührt, sie hatte es nicht vergessen, auf dem Felsen, ganz kurz, gestupst, in der Bewegung, dann weg … jetzt aber, jetzt würde sie nicht nur angestupst werden. Jetzt würde sie nicht nur für einen Bruchteil einer Sekunden den Abdruck fremden Fleisches spüren, sondern lange, so lange, dass es sie verbinden konnte. Es war klar, dass Leyla genau dies wünschte, mochte sie den Blick auch nicht verstanden haben, diese Geste war auch für sie unmissverständlich.
.oO(Willst du ihre Freundin sein? Willst du?)
Es wäre ein übertreten einer Grenze, die noch nie überschritten wurde, ein Brechen alter Schranken … wäre es vielleicht die Befreiung? Bräuchte sie vielleicht nur einem diese weiße, strahlende Pfote an ihrer spüren und sie würde keine Angst mehr haben? Keine unkontrollierten Zitteranfälle, keine Schmerzen, keine Schwärze um sie herum? Ganz langsam schob sie ihre Pfote nach vorne, es war ein so sachter Druck, dass man die Pfote sich kaum bewegen sah. Aber doch, sie verringerte den Abstand zwischen dem Braun und dem Weiß immer mehr, irgendwann schloss sie die Augen, auf die Berührung wartend und was auch immer danach folgen würde. Und dann spürte sie etwas, die sanft geschwungene Kralle Leylas stieß an ihre, ebenso so sacht und ungefährlich. Alienna spürte das Zittern ihres Körpers aber sie selbst war ganz ruhig. Das Gefühl war seltsam, ihre Kralle schien in diesem Moment nicht ihr zu gehören, sie spürte sie wie sie einen Stock spürte, der in ihrem Maul gegen einen Baum schlug. Hatte sie davor Angst? Wenn sie mit einem Stock im Maul herumlaufen würde und damit gegen einen anderen Wolf stoßen würde? Aber sie würde nie mit einem Stock im Maul herumlaufen … es war ein kindisches, freudiges Spiel, etwas, das sie nie gespielt hatte.
Sie schlug die Augen wieder auf, sah zu Leyla, die ihr einen seltsam ängstlichen Blick zuwarf. Aber Alienna lächelte nur, es war ein anderes Lächeln als sonst, seltsam frei. Und dann hob sie die Pfote, verließ die Kralle Leylas, schob sie nur in der Luft etwas weiter … und ließ sie sachte auf das Weiß herabsinken, bis sich das Braun der Erde und das Braun ihres eigenen Fells mit dem Weiß Leylas verband. Es war ein seltsames Gefühl, es schränkte sie nicht ein, sie spürte nur unter sich anstatt kalter, lebloser Erde etwas Pulsierendes, es war als würde sie Leylas Herzschlag spüren … und es fühlte sich schön an. Die Anspannung löste sich aus ihren Muskeln, sie ließ das ganze Gewicht ihrer Pfote, klein und schmächtig, auf Leylas ruhen. Und dann sah sie wieder auf, Leyla in das Grün ihrer Augen und lächelte, lächelte wie ein heimgekehrter Krieger nach erfolgreicher Schlacht, wie ein stolzer Welpe, der zum ersten Mal eine Maus erbeutet hatte …
“Danke“
… wie eine Wölfin, die erkennen durfte, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben eine Freundin hatte.
Leyla sah Alienna deutlich an, wie schwer es ihr fiel. Sie hatte große Überwindungsmühe. Doch um so größer der Beweis des Verstanden-Habens und der Willigkeit, das zu wollen und dem einverstanden zu sein, als sie ihre nasse Wolfspfote auf ihrer spürte. Es war ein überraschendes Gefühl. Leyla hatte nicht unbedingt Angst, jemand anderen zu spüren. Und doch durchfuhr sie ein sehr eigenartiges, fremdes und neues Gefühl, als Aliennas Pfote auf ihrer lag. Sie sah die Pfoten an. Es sah hübsch aus. So symbolisch vereint. Ein Zeichen, füreinander da zu sein, einander zu helfen. Leyla hob die Schnauze und sah Alienna an. Ihre Schnauzenspitze war jetzt noch näher an Aliennas, weil sie näher an ihr sein mußte, damit sie sich berühren konnten. Leyla hatte das Gefühl, die Kraft Aliennas Augen war noch durchdringender als sonst. Sie versuchte in ihnen zu lesen, was Alienna spürte, jetzt, wo sie sich berührten. Angst? Qual? Freude? Wohlgefühl? Nachdem Leyla sich an das Gefühl gewöhnt hatte, war es richtig schön. Auch wenn sie eben keine Berührungsangst hatte, so hätte sie sicher nach einer Weile Panik bekommen, weil da etwas auf ihrer Pfote stand, wodurch sie sie nicht ansich nehmen konnte. Jemand anderes „besaß“ ihre Pfote. Aber bei Alienna war diese Panik nicht da. Es war nicht das Gefühl, gefangen zu sein. Es war ein Geborgenheitsgefühl. Unter ihrer Pfote war ihre eigene geschützt.
Danke.
Was hieß danke? Das verstand Leyla nicht. Mit Wortinterpretation hatte sie große Probleme. Dieses Wort paßte nun überhaupt nicht in die Situation. Die ganze Zeit über haben sie es mit Gesten versucht, Gefühle zu zeigen und jetzt sagte Alienna etwas und brachte Leyla erneut ins Überlegen. War das gut? War das schlecht? Danke war ansich ein positives Wort. Doch konnte es auch mißverstanden werden. Für was bedankte sie sich? Weil sie ihr zugestimmt hatte auf ihre Frage, ob sie Freundinnen seien? Dafür war doch kein Danke nötig. Es war einfach so. Leyla hatte es nicht entschieden, daß sie es waren. Es kam einfach so. Sie hatte keine Bitte erfüllt. Sie hatte lediglich klar gemacht, daß es so war. Sie hatte ihre Frage bejat. Auf ihre Art. Sie wollte sie aber auch nicht fragen, was das zu bedeuten hatte. Denn dann würde sie diese Art der Unterhaltung, die sie zuvor gerade hatten. Nur weiter unterbechen. Vielleicht fragte sie sie das später ein Mal. Leyla lächelte zurück, als sie sah, daß Alienna es tat. Sie war wirklich nett und machte einen gutherzigen Einruck, wenn sie ein Lächeln schenkte. Nur für Leylas Augen bestimmt.
Erst später wurde Leyla allmälig klar, was diese Berührung für Alienna zu bedeuten hatte. Es gab kaum einen größeren Beweis, mit dem Alienna klarmachen konnte, daß sie es ernst meinte. Es war das erste Mal, daß Leyla wirklich das Gefühl hatte, daß eine Freundschaft ernst gemeint war. Alienna hatte Probleme damit, andere Wesen zu berühren. Und auf Leylas Bitte hin, es doch für sie ein Mal zu tun, hatte sie es getan. Sie hatte sich überwunden. Leyla war so glücklich, daß Alienna ihre Freundschaft so viel wert war, daß sie ein Mal über ihren Schatten hinwegsprang. Leyla konnte ihre Pfote nicht wieder anisch nehmen. Das wäre eine Katastrophe gewesen. Das wäre ein seelischer Biß gewesen. Ein Biß zu jemandem, der so viel getan hatte, sogar sich selbst überwunden. Sie mußte warten, daß Alienna ihre Pfote selbst wieder ansich nahm. Und trotzdem kam Leyla langsam wieder zu sich und suchte nach einigen Worten. Aber jetzt war ihr klar, daß Alienna sie auch ohne Worte zu verstehen vermochte.
„Alienna..um die Kunst der Gabe zu erlernen, ist das Überwinden der Berührungsangst ein sehr wichtiger Schritt. Sei stolz auf dich. Was du geleistet hast war der erste Schritt, die erste Lektion! Ein Schritt für unsere Freundschaft, aber auch ein Schritt für dich in deinem Leben. Um die Gabe nutzen zu können, mußt du berühren können. Ohne Berührungen kannst du sie kaum einsetzen und nutzen. Es ist sehr wichtig, daß du lernst, keine Angst zu haben. Du kannst mit der Gabe anderen Wesen helfen. Und ich denke, das tust du gern. Du..bist gut. Es ist auch für uns beide sehr wichtig. Denn wenn eine von uns Hilfe durch die Gabe braucht, so ist die jeweilige andere lebenswichtig.“
Leyla lächelte freundlich. Sie wollte einen vertrauenswürdigen Eindruck geben. Denn Alienna mußte ihren Worten vertrauen. Sonst würde sie vielleicht große Fehler begehen. Leyla war auch etwas wütend auf sich. Dadurch, daß sie Alienna von ihrer eigenen Begabung erzählte, brachte sie sie schon in Lebensgefahr. Doch sie war sich sicher, daß Alienna stark genug war, diese Aufgabe zu meistern und den Weg des Verstehens unbeschadet zu überstehen. Wenn es so etwas wie Schutzengel gab, so sollte einer bei ihr bleiben. Denn diese Magie zu verstehen war ein Weg, der dem durch die Hölle glich. Leyla würde sie nicht allein lassen. Aber auch sie war noch dabei, die Gabe voll zu entdecken und zu verstehen. Sie war auch noch jung und hatte nicht alles kennen gelernt. Sie hatte nie einen Lehrer. Und deshalb mußte sie so viele Schmerzen erfahren.
„Laß uns..laß uns eine sichere Bleibe für die Nacht suchen. Aber nicht zu weit in der Ferne..von..unserem Ort.“
Leyla wartete, daß sie ihre schöne Pfote wieder an sich nahm. Doch sie hoffte sehr, daß es das jetzt nicht für immer war. Sie war sich im Klaren, daß es nur der Beginn eines langen Weges für Alienna sein konnte. Sie hatte einen großen Erfolg gemacht. Doch sicher würde es noch eine Weile dauern, bis Alienna ihre Berührungsängste ganz überwunden hätte. Aber Leyla war bereit, ihr auch dabei zu helfen, so gut sie das konnte. Doch eines wollte sie unbedingt noch wissen. Es ließ sie nicht mehr los. Woher Alienna diese Ängste hatte. Aber alles mit seiner Zeit. Das würde sie sie schon noch fragen..
((Leute -.- es ist schwierig eine Jagd zu gestalten, wenn ihr aus meiner Gruppe nicht schreibt. Von allen (und es sind einige) haben bis jetzt nur Malicia und Neyla geschrieben ... das ist mager. Naja, ihr werdet per SL nachgezogen, wie immer.))
((Noch einmal für alle: Es rennen zuerst die Hetzer los - sie treiben die Herde aus die Jäger zu, die erst im letzten Moment aufspringen und den Hirschen damit keine Chance lassen. Für alles weitere: Banshees letzter Post, da hab ich einiges für die Hetzer erklärt.))
Banshee sah zu Malicia, ihre Tochter kam zu ihr, sie schien seltsam, nicht direkt unglücklich, aber ... seltsam. Banshee rückte ein wengi näher zu ihr, bot ihr Schutz vor dem Regen soweit das ging und wollte ihr ein wengi Zuversicht in dieser trostlosen Atmosphäre geben. Der Rest des Rudels schien ebenso niedergeschlagen, Neyla murmelte ein leises "Verstanden", sie schien leicht ängstlich. Niedergeschlagen lies Banshee ihren Blick über die anderen wandern, bis einer nach dem anderen zustimmend nickte und Banshee sich wieder erhob. Dann würde es jetzt wohl losgehen ... Eris Gruppe lag mit Sicherheit schon auf der Lauer.
"Gut ... jetzt folgt mir, ab jetzt müssen wir uns lautlos der Herde nähern. Auf mein Zeichen wird es losgehen."
Sie wandte sich wieder nach vorne, lief jetzt langsamer, jede Pfote wurde mit Bedacht aufgesetzt, in wenigen Minuten würden sie die kritische Zone erreichen. Wenn da jemand auf einen Stock treten würde, wäre alles vorbei.
Zwischen den Bäumen erkannte man nun die Lichtung, auf der die Herde stand. Es herrschte reges Treiben, einige Bullen kämpften miteinander, offensichtlich war aber schon der Stärkste bestimmt, ein riesiger Bulle mit beeindruckendem Geweih stand in mitten von einer ganzen Schar von Riken. Sie mussten diese Tiere erschrecken, sonst würden sie sie nicht als Gefahr wahrnehmen. Banshee lief nun tief geduckt, mit langsamen Schritten pirschte sie näher heran, sah dann zur Seite, auch ihre Grupep vertielte sich langsam um sie herum, die Welpen waren hinter ihnen. Eris lag schräg seitlich von ihnen, sie konnte sie nur undeutlich erkennen, aber das war egal. Es wurde Zeit ...
Banshee riss ihre Schnauze in die Höhe, ließ ein tiefes kraftvolles Heulen ertönen und stieß sich mit aller Kraft vom Boden ab.
Die Jagd hatte begonnen.
Irgendwo in den Schleiern des Regens, zwischen all den prasselnden Tropfen, die knallhart vom Himmel fielen, tappte ein schwarzer Schatten hin und her. Spielerisch sprang sie vor, und im nächsten Moment setze sie wieder zurück oder blieb einfach ruckartig stehen. Der Regen, der ihr ins Gesicht prasselte störte sie kein bisschen, sie freute sich über das Wasser, das vom Himmel fiel. Der Boden unter ihren Pfoten war ziemlich aufgeweicht, und bei jedem Schritt musste Kisha aufpassen, das sie nicht ausrutschte und mit einem lauten, dumpfen Geräusch im Schlick landete. Da schwarze Fell klebte so ziemlich am ganzen Körper, was ihr den Eindruck von einer ziemlich mageren, jungen Wölfin verlieh. Alle paar Sekunden sprang sie einige Zentimeter in die Höhe, es sah als wollte sie anfangen zu fliegen, oder eher den Versuch dazu starten, denn diese Sprünge nahmen immer mehr zu. Die schwarze Rute pendelte ohne Unterbrechung hin und her, zeugte von der ungebändigten Freude Kisha’s. Und dieses aufgedrehte Bündel wollte man jagen lassen? Naja, viel Spaß dabei... Mit einem wuffenden Geräusch landete sie vom letzten Sprung auf den Läufen und schüttelte kurz den gesamten Körper. Was das bringen sollte wußte sie nicht, aber zu Irgendetwas musste es jawohl gut sein. Irgendwie war ihr schon ziemlich langweilig. Ohne lange nachdenken zu müssen, sprang die Schwarze los. Ihr Ziel war ihr eigentlich sofort bewußt. Wen konnte man besser ärgern als seinen eigenen Bruder, der eh ziemlich mies drauf war? Niemanden. Richtig! Mit schnellen und gut gesteuerten Sätzen setzte sie auf Averic an, der sich ganz in ihrer Nähe befand. Den Fang leicht geöffnet preschte Kisha durch den Regen, der einen leichten Nebel über den Boden zauberte. Angestrengt kniff sie etwas die Augen zu Schlitzen zusammen, um besser sehen zu können. Ein Fehler, wie sie fest stellen sollte. Ein Mal zu viel Schwung geholt, zu schnell das Tempo erhöht und der Schlick wurde ihr zum Verhängnis. Kurz vor ihrem Bruder reiß sie den Fang auf und wollte ihm etwas zurufen...
“Aver....“
Das war das einzige, was die Kehle Kisha’s verlassen konnte. Den ihr Tempo war doch etwas zu hoch für den schlammigen Boden gewesen. Mit weit aufgerissenen Augen stolperte sie über ihre eigenen Pfoten, rutschte im Schlick weiter und blieb wenige Augenblicke mit leicht angelegten Ohren liegen. Etwas überrascht hievte sie sich mit zitternden Beinen aus dem Schlamm, schüttelte erneut das schwarze Fell. Weiterhin etwas verblüfft drehte sie sich um und musterte Averic. Er würde seiner Schwester wohl ansehen, was ihr durch den Kopf geisterte. Die dunklen Augen immer noch ziemlich weit geöffnet, blickte sie durch den Regen zu ihrem schwarzen Bruder. Was wollte sie doch gleich von ihm? Leicht stellte sie die Ohren auf und neigte den Kopf zur Seite, den Blick immer noch auf Averic gerichtet.
“Jetzt...jetzt hab ich vergessen was ich dich fragen wollte...“
Die Herde, die in der Nähe verharrte würde wohl von alle dem wohl nichts mitkriegen, den trotz alledem sprach Kisha leise und auch das Rutschen über den Matsch würde wohl nicht auf die Entfernung zu hören sein. Also brauchte sich niemand Sorgen machen, dass die aufgewckte Fähe die Jagd vermasselte...
24.12.2009, 19:08
In langen, erhabenen Schritten ging der Rüde vorran. Der Regen der schwer vom Himmel fiel, drückte ihm auf das Gemüt und die tief hängenden Wolken schienen nach ihm greifen zu wollen.
Ohne es zu bemerken lief Shamus schon die ganze Zeit geduckt durch den Wald, mit gesenktem kopf, die Rute etwas mutlos hängend. Seine Aufmunterung war der Wind. Es bließ ihm wenigstens selten Wasser ins Gesicht. Kurz hielt der große Rüde inne.....lauschte dem Wald..dem seuftzen der Blätter, die immer wieder von dem Regen geschlagen wurden und das prasseln des Regens selbst, wie er in den Boden zog. Der Regen ließ kaum Gerüche wandern, die Wassertropfen drückten sie alle zu Boden!
Verärgert über diesen Zustand lief er wieder an und fielh dann in einem schnellen Trab, eh er dann doch etwas roch.
*Wolf* schoss es ihm durch den Kopf und er sah sich um...dennoch..er sah noch niemanden. Erwatungsvoll hob er den kopf weit hoch und lief vorran..dem Geruch folgend. Er hatte Glück! Obwohl er nicht der beste Sucher war...er fand zwei Wölfe.
"Seid gegrüst"
sagte der Rüde freundlich und neigte sein Haupt zur Begrüßung. Dennoch blieb er Ort und Stelle um sicher zu gehen, an keine Missgelaunten Wölfe zu geraten...
*was bei diesem Wetter jedoch kein wunder wär* dachte der rüde und musste verschmitz Grinsen bei diesem Gedanken.
Schweigen. Nichts als Schweigen. Ayala blickte immer wieder zu ihm hinüber, doch Falk schien ebenfalls den Weg der Sturheit gewählt zu haben. Es war ja abzusehen gewesen …
Ayala hatte einzig das Bedürfnis lange und tief zu seufzen, sie wollte alle angestaute Emotion mit einem Mal herauslassen, um für die vor ihr liegende Aufgabe gewappnet zu sein. Doch es war ihr nicht möglich – sei es nun, weil sie sich selbst im Wege stand, oder sei es, weil sie umgeben war von anderen – nicht Fremden – aber doch Uneingeweihten.
Uneingeweihte, die sich ebenfalls in einen dichten, beinahe undurchdringlichen Mantel von Schweigen gehüllt hatten. Die Unsicherheit in der weißen Fähe wuchs mit einem Mal zu einem schier unüberwindbaren Berg an, der sich unerbittlich und monströs vor ihr aufbaute. Wenn sie länger stehen blieb und nichts tat, würde er sie zermalmen.
Ayala hob ihr Haupt etwas und richtete ihren Blick auf die sie umgebenden Mitglieder des Rudels, um deutlich zu machen, dass nun Aufmerksamkeit gefragt war. Es konnte nicht mehr lange dauern und die Jagd würde beginnen.
Doch erneut überkam sie eine Welle der Schwäche. Was, wenn sie dem ganzen nicht gewachsen war? Sie war nicht gerade kraftlos oder dumm, dennoch gab es Fähigere. Sie musste unweigerlich an ihren Gefährten denken. Wie gerne würde sie jetzt auf seine Stütze bauen, wissen, dass sie sich auf ihn verlassen konnte, dass er sie nicht im Stich ließ und dass er die anderen leiten würde, wenn sie versagte. Wenn er doch nur ihre Angst begreifen, seine Arroganz und seinen stolz ablegen könnte und ihr mit wenigen Worten oder Gesten der Zusammengehörigkeit ein Stück des Himmels schenken könnte. Spätestens jetzt war es an der zeit zu seufzen. Hier stand sie nun, alle Blicke auf sich gerichtet und war nicht fähig, Befehle zu erteilen oder die Aufgaben aller näher zu erläutern. Hier stand sie und war im Begriff, zu versagen. Bis zu dem Moment, in welchem ein Laut ertönte, der die sofortige Reaktion aller Rudelmitglieder erntete. Banshee hatte zum Start gerufen, nun würde die Jagd beginnen. Ayala hatte nun keine Zeit mehr, ihrer Gruppe der Hetzer etwas zu erklären, sie hoffte darauf, dass alle in der Jagd erfahren waren und es keine Probleme geben würde. Nochmals nickte sie allen, auch Falk, dem sie jedoch einen Schmerz erfüllteren Blick als allen anderen schenkte, zu und begann zu laufen. Die Hetzer hatten eine Aufgabe.
Leé stand einfach nur hinter Ayala. Ohne Gedanken, ja, diesmal ohne. Sie wartete, so geduldig wie noch wie, auf das Startzeichen. Sie war nicht so erfahren wie die anderen hier, das wusste sie. Ihr Blick überflog hastig die Anwesenden. In diesem Moment wünschte sie sich Bastar her und fühlte sich etwas fehl am Platz. Sie spührte die Blicke zwischen Ayala und Falk, doch um was es genau ging, musste sie wohl verpasst haben. Nervös verlagerte sie vom einen Bein zum anderen und so weiter. Ihre Ohren zuckten. Mit der Geduld war es vorbei. Sie wollte, dass die Jagd begann. Schon zu lange warteten sie jetzt. Und plötzlich, ohne Vorwarnung ertönte Banshees Stimme, die alle wie aus einer Trance aufzuwecken schien. Und da schoss Ayala auch schon davon. Da Leés Reaktion eher lam war, würde sie bestimmt am Ende der Gruppe laufen, was ihr sicher recht kam. Sie war froh, dass sie den anderen etwas abschauen konnte, was die so machten. Ohne es zu merken, fühlte sie sich wieder kindlich und so seltsam klein.
Cráwltimore hatte wie der Rest im Schweigen verharrt. Er sah von Zeit zu Zeit auf, aber nie wirklich in eine Richtung der Schatten. Er sah auf ihre Spuren und wartete darauf, dass etwas geschah. Sein Gehör fing jedes Geräusch ein. Seine Muskeln waren für diese Situation genau wie er eigenlich schon fast zu entspannt. Der Northern Rocky Mountain Wolf konnte zwar sehr gut jagen, aber hatte er dies für gewöhnlich immer alleine getan. Nungut, sie waren Hetzer, diese Position war nicht unbedingt zu schwer zu erfüllen. Seine violetten Seelenspiegel starrten auf die Abdrücke im Boden, die von Ayala sein mussten. Sie war die Gruppenführerin, also musste sie auch das Startsignal geben. Seine Ohren zuckten. Dann, als er gerade die Augen schloss hörte er eine ihm fremde Stimme das Startsignal geben. Das musste die Alphafähe des Rudels sein, ansonsten hätte keine Fähe das Recht alle zu koordinieren und zu befehligen. Nun schaltete der Rüde wie in einem Modus vom Beobachten zum Handeln. Seine Hinterläufe spannten sich an und im nächsten Augenblick war er schon lautlos, wie er es sich über die Jahre der Wanderschaft angeeignet hatte, und schnell auf den Pfoten. Er folgte Ayala erst ein Stück und wich dann rechts von ihrer Rute ab. Sie hetzten schließlich nicht in einer Reihe, das wäre lächerlich und sinnlos. Auf der Lichtung stand eine bewundernswerte Herde, denn der Leithirsch, wie er es zu sein schien, war beeindruckend. Doch er hatte keine Zeit sich weiter mit diesem Gedanken zu beschäftigen. Wenn sie jetzt einen Gegenangriff kassieren würden, wäre die Jagdt eh vorbei. Es war bloß der Überraschungsmoment, über Erfolg und Misserfolg entschied. Immer Ayalas Spuren im Auge behaltend lief er ein wenig hinter ihr, aber parallel zu ihrer Spur. Er konnte sie vielleicht nicht sehen, aber jagen, dass konnte er.
Laios war die ganze Zeit still Ayala und Falk gefolgt. Er hatte den Streit zwischen den beiden nicht belauschen wollen, aber es war scher gewesen, die ganze Zeit wegzuhören. Zudem war dann da noch dieser Cráwltimore, ein Fremder. Er war seltsam, sehr seltsam, Laios mochte ihn nicht, aber das war nicht weiter erstaunlich, er mochte kaum wen. Sowieso begann sich jetzt seine Aufmerksamkeit eher auf die Jagd zu konzentrieren. Vorher noch so elanlos, spürte er jetzt, wie ihn das Jagdfieber packte. Hier, in ihrem Versteck konnte er zwar nicht sehen, wie sich die Schlinge, die die verschiedenen Gruppen bildeten, sich zu zuog, aber er konnte es wittern. Banshees Guppe links gegenüber, Eris' Gruppe rechts gegenüber und neben ihnen irgendwo verborgen Acollons Gruppe. Er war froh, zu den Jägern zugeteilt worden zu sein. Er war stark, aber mit Schnelligkeit hatte er es nicht so. Er würde den Tieren gut an die Kehle gehen können, schon schmeckte er das Blut in seinem Fang. Er war nicht blutrünstig oder brutal, aber die Jagdlust hatte ihn gepackt, auch Hunger hatte er bekommen - die Natur nahm ihren Lauf. Und dann gab, ganz plötzlich, Banshee das Signal, ihr weißer Körper schoss aus dem Dickicht hervor und dann geschah es. Ayala sprang ebenso mit, ohne zu zögern folgten Lee und Cráwltimore. Was war hier los? Waren sie nicht Jäger? Laios war sich ganz sicher, sie mussten Jäger sein ... aber ...? Er sprang ebenfalls auf, vielleicht irrte er sich ja, er war hier in einem Rudel, der Einzelne durfte nicht denken, wenn seine Gruppenführerin sie für Treiber hielt, so waren sie Treiber ... so einfach war das. Aber ... Laios rannte und rannte, hinter den anderen her, aber sein Körper war nicht aus Rennen eingestellt gewesen. Und dann sah er auch die Katastrophe voraus ... sie trieben die Herde ja praktisch genau auf Banshees Gruppe zu! Aber Banshee war doch Treiber, sie rannte genauso ... kalte Angst überlief seinen Rücken ... es ging etwas schief. Ganz gewaltig schief ...
"Neyla!"
Mit dem Ruf brachen überall in ihr brennend heiß die Feuer aus. Jeder Muskel spannte sich beinahe unheimlich an und schon lange hatte Eris sich bei einem Absprung nicht mehr so kraftvoll gefühlt. Zuvor hatte sie in der Erwartung und Vorsicht immer flacher geatmet, doch jetzt entfesselte sich ihr Atem plötzlich.
Sie schleuderte ein scharf gebelltes "Los!" in die stürmische Luft und schaute nicht mehr mehr zu ihrer Gruppe, sondern schoss nach vorn durch die kalten, harten Regentropfen. Eris durchbrach das Gebüsch und spürte die damit losgelöste schreckliche Erkenntnis des Zusammenhaltes vor ihr mit einer Wucht auf sich zukommen. Die Angst schimmerte in ihren Augen, aber die ersten Momente schienen sie noch unfähig sich zu bewegen, doch dann begann es. Ein Sturm aus Hufenschläge löste den des Himmels ab. Eris streifte durch die davonhetzenden Beine den Blick einer weißen Gestalt und sie drehte in die selbe Richtung wie Banshee. Die Schwarze traute sich nicht einen Blick zurückzuwerfen, sie musste darauf vertrauen, dass ihre Leute es ihr nachtaten und wünschte sich lautlos, dass jemand neben ihr lief. Die Vorstellung umgeworfen und im Matsch zertrampelt zu werden, dass ihr Blut sich mit der flüssigen Erde vereinte ... sie schob den Gedanken in ein entferntes Kämmerchen ihres Bewusstseins, das war tückische Ablenkung, die letztendlich genau jene Vorstellung ins Leben rufen konnte und ihr Leben zurück zu den Göttern.
Eris wusste nicht mehr, wo ihr Herzschlag zwischen den Hufenschlägen seine Stimme verteidigte, aber sie biss die Zähne zusammen und wetzte durch den Schlamm, im Augenwinkel stets ihre weiße Alpha.
Die graue hörte Banshees heulen durch den ganzen Wald hallen. Sie stellte die Ohren auf. Nun hatte die Jagd also begonnen. Sie konnte lautes Hufgetrappel wahrnehmen. Auch wenn es von dem Rauschen des Regens verschwomm. Sie versuchte sich zu konzentrieren. Sie spürte, wie ihr Fell die Wassertropfen auf den Boden leitete und schüttelte sich kurz. Das Wasser spritzte zu allen Seiten. Sie stellte sich wieder aufrecht hin, denn bei der Aktion war sie im Schlamm gerutscht. Sie grübelte nach. Das würde die Jagd sehr erschweren. Abermals schüttelte sie den Kopf. So einen starken Regen hasste die graue Fähe. Sie duckte sich etwas und tappte gegen den Wind und den Regen an. Sie kam nur langsam vorwärts, jedoch hatte sie keine Eile. sie wusste nicht genau, wo sie hinwollte, jedoch näherte sie sich unbewusst der Herde. Sie blieb wieder stehen und lauschte. Nun nahm sie fast nur noch das Regenprasseln wahr. Der aufgeweichte schlammige Boden verschluckte fast alle anderen Geräusche. Weiter tappend achtete Kaede nicht mehr auf den Weg. Die Jagd musste weiter weg sein als sie dachte. Wenn sie sie nicht hörte. An den Regen der die Geräusche verschluckte dachte die Fähe nicht. Immer einfach etwas weiter. Langsam und auch unsicher, aber eben weiter vorwärts.
Die weiße Fähe hörte den Ruf des Alphas und sah die ältere weiße nach vorne springen. Ihr und den anderen Erwachsenen folgend sprang sie durch das Gebüsch. Waren sie nicht die Jäger gewesen? Gejagt hatte sie auch schon für sich selber, aber da sie anscheinend doch Hetzter waren musste sie sich nun wohl auf ihre Geschwindikeit verlassen. Doch plötzlich sah sie eine andere Gruppe von vorne auf die Herde zurennen. Erschrocken quiekte die kleine auf. Das konnte doch nicht sein? Auf dem rutschigen Boden kam Sheena zum stolpern. Ihre Beine überkreuzten sich und mit einem leisen aufschrei viel die kleine vorne über in den Matsch. Erschrocken sprang sie wieder auf, rutschte weiter und hörte nur noch das donnern der Hufen auf dem aufgewühlten Boden.- Sie hatte die Orientierung verloren und wusste nciht mehr in welche Richtung die Herde eigentlich laufen sollte. Unsicher blickte sie im Rennen hinter sich. Wo waren nur die Erwachsenen? Sie waren verschwunden und die kleine rannte anscheinend genau in die falsche Richtung.
Shit schnaubte und sah den fremden Wolf an. Kühl, im ersten Moment, denn er störte. Er störte die Nähe zu dieser Wölfin, die er liebgewonnen hatte. Dann nahm er die Haltung eines Alphas an und musterte den Wanderer amüsiert.
"Shit ist der Alpha dieses Rudels, was will ein Wolf hier, unerlaubt in einem fremden Revier?"
Der Graue setzte sein Pokerface auf, während seine gutmütigen Augen durchdringend auf dem Fremdling ruhten. Das Heulen Banshees hallte in seinen Ohren wider und er brummte innerlich, weil er nicht rechtzeitig wieder zurück war.
Auch diesem Wolf, der gerade die Zweisamkeit zwischen Neria und ihm gestört hatte, erzählte er, was er Alpha war. Verspielt grinste er Neria an und ein - für den Fremden undeutbarer Blick - stellte es der Wölfin frei, ob sie ihn verriet, oder sein Spielchen duldete. Ein wenig fürchtete er sich, sie könne böse sein, doch dann konnte er sich immer noch entschuldigen.
Es hatte begonnen und nun rannten sie alle kreuz und quer. Trotzdem ergab es ein bestimmtes Muster, so war es noch richtig. Face hatte instinktiv – seltsamerweise waren sie ihm geblieben – reagiert, als das Signal zum loshetzen ertönt war. Es war schwierig sich fortzubewegen, er fühlte den Boden unter seinen Pfoten nicht, spürte nicht wie ihm der Regen in die saphirblauen Augen klatschte. Jeden Moment könnte der Tiefschwarze auf eine glitschige Stelle treten und ausrutschen, er würde es nicht merken. Aber noch ging alles glatt. Auch wenn er einst ein guter Jäger gewesen war, in dieser Situation musste er sich leider an anderen festhalten und so striff sein toter Blick die schwarze Eris. Seine Haltung wirkte trotzdem so abnormal, die Ohren aufgestellt und nicht zurück gelegt, auch konnte man keine Anspannung seiner Muskel erkennen, es war als würde er einen Spatziergang machen. Gott, was würden die anderen denken, wenn sie ihn so laufen sehen würden, er versuchte ja einen anderen, normalen Eindruck zu machen, aber wie sollte man das schaffen, wenn man nicht lebte? Face Taihéiyo, er war keiner mehr von ihnen, er war kein lebender Wolf mehr. Allerdings mussten sich jetzt auch alle anderen konzentrieren, keiner würde also auf den Pechschwarzen ohne Ausdruck und Gefühle achten. Gefühle, die dafür innerlich den Rest zerstörten, der noch geblieben war.
Face sprintete geschickt an den aufgehetzten Tieren vorbei und hielt sich neben Eris, er hinterfragte nichts und hoffte einfach nur, dass sie alle wussten, was sie zutun hatten. Auch meinte der Pechschwarze die Leitwölfin durch die hundert Paar Beine gesehen zu haben. Oh und diese verdammten Gedanken mochten ihn doch nun bitte ein einziges Mal in Ruhe lassen, er war schon oft genug an ihnen zerbrochen, jetzt konnte er sie am wenigsten gebrauchen und auch das Gesicht Cloud’s wollte er jetzt nicht sehen. Noch lieber wollte er verdammt noch mal gar nichts sehen, aber das war ja unmöglich. Scheiße! Früher hätte er versucht seinen Kopf zu schütteln um alles wegzuscheuchen, aber das funktionierte jetzt nicht mehr, außerdem würde er dann aus dem Takt geraten, den er eh nur erraten und mimen konnte. Körperlich nichts zu fühlen konnte ja so grausam sein...
Der saphirblaue Blick wanderte wieder zu Eris, neben der er in einem doch gebührendem Abstand lief. Wo waren nun eigentlich die Jäger? Instinktiv beschlich ihn plötzlich ein ungutes Gefühl, warum hatte er diese verdammten Instinkte eigentlich noch? Er war tot! Am liebsten hätte er sich trotzdem kurz umgedreht und vergewissert, doch nein! Vorne spielte die Musik!
Leés Pfoten drückten sich in den weichen Boden hinein und machten ihr das Laufen schwerer. Ihr Glücksgefühl, endlich laufen zu können, schwand schlagartig, als sie sah, wie Banshee ebenfalls aus dem Gebüsch drang. Sie hatte wirklich keine Ahnung in Sache Jagen, doch hier konnte sie sehen, das etwas nicht stimmte. Als dann auch noch der Rüde nach Leyla rief, war dies nur wieder eine Bestätigung ihrer Vermutung. Ohne viel zu denken schloss sie eine innerliche Entscheidung. Ohne zu überlegen beschleunigte sie. Sie wusste, das die anderen langsamer als sie handeln würden. Sie wusste es einfacj und war sich sicher. Ihre Muskeln begannen nun richtig zu arbeiten. Sie nuzte die weniger aufgeweichten Teile des Bodens und zog an Ayala vorbei. Sie wusste, das sie eigenetlich hätte halten sollen. Doch was hätte es gebracht? Nichts! Leé versuchte in dieser Situation etwas zu vollbringen, was nicht ihrer Persönlichkeit entsprach. Ob es klappen würde, wusste sie nicht. Wie besessen stürmte sie voran, lief nun an der Spitze der Meute und lag bald weit voraus. Sie holte in einem weiten Bogen aus, beschleunigte noch mehr, ergab sich dem grossen Risiko zu fallen und setzte alles auf ihre Beine. Sie lief nun, viele Meter neben dem mächtigen Hirsch. Sie konnte seine Augen beobachten. Er schien in Panik. Ohne zu zögern beschleunigte sie noch einmal aufs Höchste hinaus und brach nun stark nach rechts aus, auf den Hirsch zu, der im selben Moment laut röhrte. Uneingeschüchtert setzte sie ihren Plan fort und raste in unglaublicher Geschwindikeit auf ihn zu und begann, ihn abzudrängen, in der Hoffnung, er würde nach rechts, weg von den Hetzern laufen. Sie hoffte innig, das es die anderen dem Hirsch gleichtun würden...Es war ihr in diesem Moment egal, ob Banshee oder die anderen ihre Handlung als richtig einstuften. Sie wollte nicht tadellos zusehen, wie jemand starb. Nicht schon wieder. Während sie lief, tauchten Bilder der Vergangenheit auf und Leé gab sich Mühe, sie zu ignorieren. Schlammspritzer bedeckten ihr braunes Fell. Ihre Läufe schienen immer tiefer in den Boden einzusinken. Sie spührte wie ihre Kraft nachliess. Doch sie hielt durch.
Die kalten und sonst so harmlosen Regentropfen schlugen gegen Ayalas bis zur letzten Faser angespanntes, kontrolliertes Haupt und perlten an dem inzwischen schon nassen, grau schimmernden Fell hinab. Sie sah schlecht, doch es genügte, um nicht zu stolpern und auf dem aufgeweichten Waldboden auszurutschen. Sie preschte weiter, nichts und niemand würde sie aufhalten können, alle Probleme, alle Sorgen waren nun verdrängt und weit hinter ihr, irgendwo auf der Lichtung, die zu ihrem Gefängnis geworden war. Ihre Konzentration galt nur noch den vielen laubfarbenen, dünnen Beinen, denen sie sich immer mehr näherte. Das Braun des Waldbodens mischte sich mit dem Ocker der Herde und verschwamm zusammen mit dem Grün der Kiefernnadeln zu einem verzerrten, mit Grau überzogenen Bild, das Ayala für immer im Gedächtnis bleiben sollte. Denn in dem Moment erblickte Ayala im linken Augenwinkel ein durchstechendes Weiß, das trotz Regen klar und unverändert war. Dieses Weiß konnte nur das Banshees sein. Als sich deren Blick mit dem von Ayala vereinte, verstand sie sofort. Die Graue wusste unwillkürlich, dass etwas Unverzeihliches, etwas mit weit größerem Ausmaß, als sie jemals geglaubt hätte, passiert war. Sie wusste zwar nicht, um was es sich handelte, doch sie spürte das Schreckliche nahen, erkannte es am Ausdruck ihrer Blutsschwester. Weder Maß, noch Schuld waren ihr bewusst – doch was immer schief gelaufen sein mochte, sie mussten weiter, es gab kein Zurück.
Die eben noch so friedlich grasende Rike, hatte sich in einem Augenblick zum anderen von einer Gestalt des inneren Friedens zu einer Ausgeburt der panischen Angst gewandelt. Die so ruhige, durch nichts zu trübende Welt war von einem Heulen durchschnitten worden und hatte sich gegen sie gekehrt. Ihr Herz trommelte nahezu im selben Rhythmus wie die vielen auf die weiche Erde aufschlagenden Pfoten – die Bringer des Unheils. Mit weit aufgerissenen Augen und die Flucht als einziges Ziel, nahm sie kaum mehr das Geschehen um sich herum wahr. Weder den röhrenden Hirsch, noch die panischen Reaktionen der anderen. Das einzige, was zählte, war nun ihr eigenes Leben zu retten. Sie war erst neun Monde alt, war durchaus flink, sogar ziemlich kräftig für einen weiblichen Hirsch. Und sie wollte noch nicht sterben, sie wollte nicht verbluten, sie wollte keine grausamen Zähne spüren, die sich in ihrem Leib bohrten. Sie wollte nur eins: Fliehen.
Shamus neigte sein Haupt, zeigte dem Rüden gebührenden Respekt, obwohl er es sehr ungewöhnlich fand, das ein Alpha seine Stellung so offen preis gab. Ungefährlich war es nicht!
"Ich nehme an ihr seid Shit? Dann seid gegrüst!"
sagte der Rüde und trat weiter auf die beiden Wölfe zu. Immernoch regnete es und der boden hatte sich in eine einzige große Schlammffütze verwandelt.
*Verdammt* dachte der Rüde und wendete dann seine Aufmerksamkeit wieder dem Rüden zu....
"Ich habe vor durch euer Revier zu wandern, möglicherweise etwas zu evrweilen....gewährt ihr mit zutritt?"
fragte der Rüde ganz formal und zwinkerte dann der Fähe zu, die neben dem Rüden stand. Sie schien etwas schüchtern, aber eine Schönheit war sie! Ein verschmitztes Lächeln stahl sich wieder über seine Lippen bis er seinen Bilck gen Himmel wandte und, wenn auch nur einen Herzschlag lang, dem Wald lauschte.
Es musste eine Jagd statt finden...
"Einen schnellen Tod dem Gejagden und erfolg den Jägern!"
flüsterte er etwas abwedend.....
Shit spürte unter seinen Pfoten, das sich die Hornträger in Bewegung gesetzt hatten. Die Luft war erfüllt von Jagdlust und Panik. Es war nicht etwa ein Geruch, denn Gerüche wusch der Regen weg. Es waren auch keine Geräusche, denn nur der Regen war zu hören und die Stimme des Fremden. Nein, es war ein Gefühl, eine Atmosphäre die das ganze Revier erfüllte.
"Nun Fremder, wollt ihr euch nicht vorstellen?"
Sein Blick glitt zu Neria. Eine seltsame innere Unruhe hatte ihn erfasst, gemischt mit dem schlechten Gewissen, das er dem Rudel nicht zur Seite stand. Er wollte zu ihnen stoßen, wollte sein Versprechen gegenüber Banshee einlösen und sie nicht enttäuschen.
"Lasst uns zum Rudel gehen und sehen, ob wir noch helfen können."
Er glaubte nicht daran. Die Jagd würde zuende sein, ehe sie ankamen. Dennoch setzte er sich in Bewegung. Der Neuling konnte unterwegs seinen Namen nennen und diverse Dinge erklären.
"Eingetreten seit ihr ja bereits, Fremder. Shit glaubt nicht, das man euch den Zutritt verwehren wird. Wegen ihm könnt ihr bleiben."
Seltsam ernst schritt er voran. Sein Verlangen nach spielerischem Leichtsinn war verflogen. Ein seltenes Phänomen, das er sich nicht erklären konnte.
Shamus war etwas verwirrt von dem Rüden....seine Art zu reden...aber gut
*warum auch nicht* dachte er sich und schritt vorran.
"ja, ich bin eingetreten, doch ihr seid die ersten die mir über den Weg liefen. Welche ein zufall gleich den Alpha zu treffen was?"
fragte der rüde schelmisch und lachte innerlich, doch an seinem Gesichtausdruck war dies nicht abzusehen.
Dannstallte sich der rüde höflich vor:
"Mein Name ist Shamus.....ich bin nur ein einfacher Wanderer"
so hatte auch er sich vorgestellt. Der Wald ächtzte auf unter dem Geschehen was in einiger Entfernug statfinden musste. Die bäum erzählten ihre Geschichten....und der Rüde lauschte ihnen....doch bald schon zog die Fähe seine Aufmerksamkeit wieder auf sich.
"Und wie ist euer Name, Verehrteste?"
erkundigte sich Shamus und sah über den Rüden hinweg neben dem er lief.....
Shit behielt er im Auge....
"Eure Gefährtin?"
grinste der Rüde unverfrohren....
Der Regen viel nun deutlich stärker als vorher vom Himmel. Er fiel nicht nur, nein er prasselte nur so auf die Erde. Schnell hatte sich der Boden vor dem mächtigen Rüden in ein wahres Schlammfeld verwandelt. Nun war er gezwungen seine Schritte vorsichtiger zu setzten, wollte er es vermeiden ins Rutschen zu kommen und sich so etwas zu tun. Er blickte mit zusammen gekniffenen Augen nach vorne. Er konnte nicht sehr viel erkennen und so musste er sich relativ auf seinen Geruchssinn verlassen. Er blieb kurz stehen und schüttelte sich kräftig. Die Tropfen flogen nur so um die Wette mit denen, welche sowieso vom Himmel kamen und schnell war er genauso nass wie vorher. Aber immerhin hatte sich sein Fell, was von dem Schütteln in alle Richtungen abgestanden hatte, wieder geglättet. So würde er, wenn er auf das Rudel treffen würde nicht gleich einen so Rüpelhaften Eindruck hinterlassen. Um den Regen nicht in seine Ohren zu bekommen, hatte er diese leicht nach hinten geklappt und hörte so auch das rauschen des Regens nicht so deutlich. Doch als er plötzlich ein weit entferntes heulen wahrnahm, klappte er seine Ohren schnell auf. Nun rasselte der Regen in seinen Ohren. Er hasste dieses Geräusch, doch hatte er einen Wolf gehört. Besser noch eine Fähe. Sollte das Sternenwind Rudel nicht von einer Fähe geleitet werden. Er war sich sehr sicher, dass es eine Fähe war, so wie sich das heulen angehört hatte. Und es war deutlich ein Zeichen. Für was war er sich nicht sicher, als erstes hätte er ja auf eine Jagd getippt, doch bei diesem Wetter. Doch dann erinnerte er sich daran, dass der Regen sehr plötzlich eingesetzt hatte. Eine Jagd bei diesem Wetter konnte eine Katastrophe sein, doch wenn sie angefangen war, musste man sie auch zu ende führen. Oder waren das jetzt nur wieder die Gedanken des miesen Rüden in ihm? Er zweifelte mittlerweile sehr stark an sich. Mit dem Gedanken, dass er bald am Rudel sein würde, trat er doch wieder eifriger aus. Wenn er die Grenze erreichte, konnte er dort ja auch warten, bis die Jagd zu Ende war. Das war ja nicht das Problem. Sicher konnte er auch am Anfang, am Rande der Grenze hinein und warten, sodass er nicht ganz so herrenlos erschien. Er blinzelte und Witterte. Roch er da nicht sogar schon die Reviersgrenze. Er wedelte leicht und da war sie wirklich. Nun konnte er auch unverkennbar den Duft von mehreren Wölfen erkennen. Drei davon schienen nicht weit von hier entfernt zu sein. Eine ortete er mit seinem guten Geruchssinn etwas weiter innerhalb und viele andere relativ in der Mitte. Also doch eine Jagd. Aber sollte da nicht jeder dran teilnehmen? Vielleicht wieder einfach nur eine Regel die bei ihm gegolten hatte. Er jaulte kurz, sodass es die Wölfe der Jagd nicht mitbekommen würden, er wollte diese nicht stören, hoffte aber, dass ihn einer der anderen vier Wölfe bemerken würde, auch wenn er die eine Fähe wie er annahm dafür zu weit weg einschätzte. Er ordnete sie eher näher bei der wahrscheinlichen Jagd ein, auch wenn dies Unsinn war, denn alleine . . . Aber so sicher war er sich ja auch nicht. Nun würde er erst einmal warten, ob jemand kommen würde . . .
Er hatte keinen Ton von sich gegeben, während der ganzen Jagd nicht, auch nicht auf dem Weg zu der Herde, er war stumm geblieben, so sparte er auch einiges an Kraft, denn der Regen hatte stark zugenommen, sowie der Wind, sodass Hiryoga sich lieber seine Kraft sparte, anstatt nun unsinniges Zeug irgendwem an den Kopf zu schreien. Er hatte Angst, zu viel Angst als dass er hätte einfach umdrehen können und zurück zum Rudelplatz laufen können, er war orientierungslos, er wusste, sein Schicksal wäre beschlossen, wenn er sich nun jetzt verlieren würde. Außerdem konnte er nicht von seiner Mutter weg, sein Blick war die ganze Zeit auf die Schneeweiße vorne gerichtet, zumindest lief er in der Mitte der Gruppe, sodass er nicht vollkommen eingeschüchtert war. Es schien nicht mehr aufzuhören zu regnen, das ganze Fell des Welpen war durchnässt, die hellen Pfoten bis zum Bauch hin voll Schlamm, doch sah man kaum einen Kontrast zu dem seinen Fell. Das nasse am Körper anliegende Fell, zeigte nun nur zu deutlich, wie abgemagert der Welpe tatsächlich war, doch lag es nicht daran, dass er nichts abbekam, er hatte einfach nur keinen Hunger. Je intensiver der Geruch der ‚Beute’ wurde, umso mehr verabscheute der Rüde ihn, der Gedanke daran zu töten, diese großen Geschöpfe, es jagte ihm eine Gänsehaut den Rücken hinab. Er wusste über die Gefahr bescheid, wenn eines dieser großen Tiere ausbrechen würde, dann…
Doch blieb dem Hellbraunen keine Zeit diesen Gedanken zu Ende zu denken, denn schon waren diese Geschöpfe kaum einige Meter von ihnen entfernt. Er begann zu schleichen, wie seine Mutter, sein Nackenfell sträubte sich, Schauer rannen ihm weiterhin den Rücken hinab, jeder schwächliche Muskeln im schmächtigen Körper war angespannt. Jetzt musste er sich auf seinen Instinkt verlassen, er wusste, sie hatten keine gefährliche Aufgabe, sie sollten diese Tiere nur jagen mehr nicht… . Plötzlich schoss seine Mutter hervor, gefolgt von der Gruppe und auch ihm, er spürte wie das Blut durch seine Adern rauschte, wie das Klopfen seines Herzens das einzige wurde, was er vernahm. Immer schneller trommelten die sanften Pfoten auf den schlammigen Boden, als Banshee plötzlich stoppte. Sofort spürte Hiryoga das etwas falsch war, das etwas hier nicht richtig lief! Der Hellbraune sah sich nur panisch um, die Herde kam auf sie zu, bis auch sie stoppte, die Wölfe jagten die Herde zu ihnen! In diesem Moment konnte Hiryoga nicht laufen, er blieb stehen, verharrte, seine Pfoten schienen sich in dem Boden zu verwurzeln, er konnte nicht weg…die Herde war eingekesselt, umzingelt von ihnen.
Laut schnaufte der Hirsch, er rannte, er rannte um sein Leben, er war noch einer der jüngeren der Herde, aber wie konnte es sein, wie konnte es sein, dass sie die verdammten schnellen Läufer nicht gesehen hatten? Sie waren zu unvorsichtig gewesen und nun waren sie eingekesselt, Panik hatte sich über die Herde gelegt, auch er hatte Panik, er wollte rennen, um sein Leben, er wollte nur weg von hier, doch würde es nichts bringen, wenn er nun als einziger losstürmen würde, dann wäre er gefundenes Fressen für die Wölfe. In seinem Kopf war kein Platz um einen klaren Gedanken zu fassen, er wusste nur eins, wenn sie nicht endlich von hier verschwinden würden, dann würden einige von ihnen des Todes geweiht sein! Er wollte nicht sterben, er würde nicht sterben! Wutentbrannt schnaufte der Hirsch nochmals laut auf, auch wenn es in dem Sturm aus Regen und peitschendem Wind unterging, genervt scharrte er mit dem Hufe in der feuchten Erde, er wollte hier nicht länger stehen bleiben, doch was sollte er tun, alleine davon stürmen, vielleicht würde es Panik in der Herde verursachen? Plötzlich fiel ihm etwas auf, die Wölfe kesselten sie tatsächlich ein, aber zu welchem Zweck? War nicht auch etwas Panik und Unsicherheit unter ihnen zu spüren, oder spielte ihm seine Angst schon einen Streich? Sie konnten weder nach vorne oder hinten, auch nicht zu den Seiten, sie waren gefangen…
Ihre Herzsprünge schienen sich nun selbst zu überschlagen und als sie die massige Gestalt auf sich zukommen sah, griff sie der kalte Schweiß im Nacken. Eris wich ungeschickt aus und spürte den Windsog unheimlich an ihrer Flanke entlangziehen, meinte den viel kräftigeren Herzschlag des Hirsches warm gehört zu haben. Sie stolperte rennend zur Seite und erkannte in dem Moment, dass Face sich neben ihr eingefunden hatte und so dankbar sie ihm war, so erleichtert war sie auch, dass er etwas weiter von ihr entfernt lief, denn so rammte sie ihn nicht unglücklich zur Seite, sondern striff ihn nur etwas unsanft. Mit entschuldigendem Blick löste sie sich von ihm und fand sich innerlich keuchend wieder in ihre Bahn ein. Der feurige Blick der Schwarzen schweifte in großen Kreisen durch die trommelnden Beine und den aufspritzenden Schlamm, sie hatte die weiße Gestalt Banshees verloren, sah dafür aber eine andere Freundin, die sie nicht erhofft hatte zu sehen. Nach und nach entdeckte sie die, die nicht hier im zerfurchten Schlamm sein sollten. Was sollte denn das? Und nun traf Eris auch wieder den Blick von Banshee, in deren Augen das blanke, hilflos erkennende Grauen stand.
"Hey, was soll ...?",
Eris versagte die krächzende Stimme und sah wie hoffnungslos das Unglück seinen Lauf nahm. Und sie konnten nichts tun, weder Banshee, noch Ayala, noch sie selber und es tat ihr leid, so leid, die Hirsche, Rehe, Kitz taten ihr leid und all die Anderen, sie hätte weinen wollen, hätte sie gekonnt. Ihr fiel nichts Anderes ein, als stehenzubleiben, so dass ihre Pfoten zitternd in den Schlamm einsanken. Eris hoffte, der Herde hier einen Fluchtweg zu zeigen, weg von Banshee, vieleicht flohen sie ja wegen der bewegungsfreien Ruhe hierher, aber sie konnte es auch nicht wirklich glauben, ihre Gruppe lief ja selbst immer noch. Die Schwarze hatte das Gefühl, sich übergeben zu wollen.
Schweigend war der Graue seiner Gruppe gefolgt. Er hatte zu niemanden mehr etwas gesagt und auch keinem mehr zu gehört. Er war stur einfach weiter gelaufen, hatte versucht möglichst keine Geräusche von sich zu geben. In Gedanken war er schon mitten im Geschehen der Jagt. Seine ganzen Muskeln spannten sich merklich an und er bereitete sich auf das kommende vor. Es war seine erste Jagt, bei der verdammt viel schief gehen konnte, doch schwor er sich, alles dafür zu tun, das nichts außer Kontrolle verlief. Als die Gruppe anhielt und gespannt wartete, hatte er nur kurz noch einmal zu seiner Mutter geblickt. Sie und den Rest seiner Familie würde er mit allen mitteln schützen und auch die anderen aus dem Rudel. Selbst die, die er nicht kannte. Er musste es einfach tun. Er konnte nicht mit ansehen, wie vielleicht durch einen Fehler ein Wolf ums Leben kam. Das würde er auf Biegen und Brechen verhindern, egal was kommen würde. Noch mit seinem stillen Schwur beschäftigt, registrierte er das Kommando zur beginn der Jagt fast gar nicht. Erst als Eris losstürmte und die anderen ihr einer nach dem anderen folgte, schnellte auch er hervor. Sofort versuchten die stechenden bronzefarbenen Augen seine Schwester aus zu machen, ebenso seinen Vater Hidoi. Doch um den Krieger machte er sich weit weniger Sorgen. Was, wenn seiner Schwester etwas zustieß? Sie war in sicherer Begleitung, doch plötzlich umklammerte ihn das Gefühl, wie eine kalte Hand. Etwas lief schief. Er spürte es, ohne sagen zu können, woher er dies wusste. Seine Innereien verkrampften sich. Plötzlich sah er sie. Seine Schwester stürzte! Das war wie ein Albtraum. Seine Lunge füllte sich mit Luft, er versuchte gegen das Donnern der Hufe an zu schreien, seine Stimme wurde von dem Regen verschleiert.
" Sheena! "
So ein verdammter Mist! Wie konnte das bloß passieren? Entsetzt musste er mit ansehen, wie die Herde in die falsche Richtung gelenkt wurden, auf die Alpha Banshee zu. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Ein wahrer Albtraum. Dennoch konnte er seinen Pfoten keinen Einhalt gebieten, rannte immer weiter. Der Regen klatschte hart in sein Gesicht, die stechenden Augen hatte er verengt. Immer wieder rutschte er, schlidderte herum und doch rannte er weiter. Man musste doch etwas tun! Sein Kopf wandte sich zu Eris, die stehen geblieben war.
" Tu doch was! "
rief er verzweifelt, doch sie konnte ihn vermutlich sowieso nicht hören. Er schrie zwar mit allem was er konnte, doch war es einfach viel zu laut.
" Verdammt! "
fluchte er, sowohl in Gedanken, als auch laut. Die Ohren angespannt nach hinten angelegt, den Körper geduckt, um nur ja windschnittig zu bleiben, löste er sich von seiner Gruppe. Beine wirbelten umher, er konnte kaum zuordnen, wo sie herkamen oder in welche Richtung sie dann verschwanden. Er war einfach...außer sich? So konnte man es wohl am Besten beschreiben. Doch war jetzt keine zeit sich über den Zustand Gedanken zu machen. Schliddernd kam er zu Stehen und duckte sich gerade noch rechtzeitig weg, als eine Rike in völliger Panik über ihn hinweg sprang. Schnell setzte er wieder zum Spurt an, rannte kreuz und quer, seine Schwester als sicheres Ziel.
Neyla sah Banshee gebannt an, der Rest der Gruppe schien noch immer nicht wirklich wahrnehmen zu wollen, was nun passieren würde und auch Neyla hatte noch keine Lust, irgendetwas zu sagen oder zu machen. Sie war einfach nur auf ihre Alphafähe fixiert und sah dieser dabei zu, wie sich konzentrierte und bald das Startkommando zur Jagd geben würde. Neyla sammelte innerlich ihre Kräfte, auch sie versuchte nicht nervös zu werden, sondern sicht zu konzentrieren, dann schallte der Ruf von Banshee durch ihre Ohren und sofort stieß Neyla sich vom Boden ab und rannte los, sie tat es ihrer Alphafähe gleich, fühlte sich noch unsicher und unerfahren und vertraute einfach auf ihre Schnelligkeit. Banshee sah sich nicht mehr um, aber Neyla war es egal, sie versuchte sich auf sich allein zu stellen, sie musste es irgendwie schaffen, es zählte Schnelligkeit und Geschickt. Neylas Atem war vollkommen flach, sie spürte den Regen auf sich einschlagen und eigentlich war ihr gar nicht mehr nach irgendwelchen Dingen wie das Treiben bzw. Vertreiben gewesen. Plötzlich bemerkte sie Unruhe und sie konnte ihren Gefährten erkennen. Er sagte irgendetwas, aber der Regen, die Hufschläge und der Wind trugen seine Worte weg und Neyla sah zu Banshee, die plötzlich einen Schock bekam. Was war los? War etwas passiert? Neyla sah voraus, plötzlich erkannte sie, wie die Herde immer mehr auf sie zukam. Nein, das konnte nicht sein. Wieso lief das schief? Sie hatten doch alles durchplant gehabt. Neyla jaulte auf, blieb vollkommen regungslos stehen und starrte die mächtigen Hirsche an.
„Laios!“
Schrie sie, sie bekam Panik, sie war der Situation nicht gewachsen, noch viel zu jung, gerade mal eine junge Wölfin und ihre erste Jagd wurde zur Dramatik. Hatte sie etwas falsch gemacht?
Die junge Rike hatte gegrast, aber als eine allgemeine Unruhe herrschte, nahm auch sie war, was geschehen war. Wölfe! Das war unmöglich, wieso waren es so viele? Wo kamen sie denn alle her? Und sie hatten nichts mitbekommen. Das war wirklich einfach nur schrecklich. Die Rike schluckte, ihr Körper begann zu vibrieren und ihre Hufe stampften unruhig auf. Nein, Fliehen! Sie wollte leben, sie musste fliehen. Sie tat es ihrer Herde gleich und rannte los, so schnell ihre Hufe sie tragen konnten und sie spürte, dass sie voller Panik war, ihr ganzer Körper bebte vor Angst und sie wusste einfach nicht, in welche Richtung sie laufen sollte. Einfach geradeaus, das war vielleicht das Beste, so wie sie es alle taten. Denn jeder Weg war von den Wölfen versperrt. Schock. Eine einfache Schocksituation, sie wollte doch nicht als Fressen für diese Tiere enden. Sie floh nur noch, rannte ohne auf irgendetwas um sich herum zu achten!
24.12.2009, 19:10
Hanako sah der Herde zu, sie stand Nahe bei Eris und bei ihrem Sohn und hoffte, dass alles gut gehen würde. Sie wusste, wie viel schief laufen konnte bei einer Jagd und es packte sie auch etwas die Angst, aber was war eine Jagd schon ohne ein wenig Angst im Blut? Die Angst musste sein, ohne sie würde es sowieso nicht klappen. Hanako freute sich schon richtig und außerdem war sie angespannt, wollte endlich anfangen und wartete nur noch auf Banshees Ruf. Sie war sich innerlich sicher, dass bei Hidoi und Sheena alles in Ordnung war, Panik würde sich hoffentlich auch keine Breit machen, also konnte doch alles gut gehen oder nicht? Hanako seufzte leise, sie spannte ihre Muskeln an, dann nahm sie Banshees Ruf war, Eris rannte los und Hanako tat es ihr gleich, sie stützte sich mit einer so mächtigen Kraft vom Boden ab, das sie einen weiten Sprung hinter sich legte und dann mit aller Geschwindigkeit die sie besaß losrannte und die Herde anfing zu treiben. Hanako blieb etwas in der Nähe von Eris, das sie das Gefühl hatte, dass die schwarze Fähe unsicher war und sich nicht sehr wohl fühlte, aber Hanako war sich sicher, dass Eris ihr ganzes Vertrauen in die Gruppe gelegt hatte und alles gut gehen würde mit diesen Gedanken. Hanako lief noch schneller, so schnell sie konnte, aber sie bekam gleich zwei Schrecken auf einmal. Die Herde lief in eine vollkommen falsche Richtung, sie rannte auf Banshee und ihre Gruppe zu, noch nicht alle Wölfe waren hinter Banshee, aber eine Fähe war bereits bei Banshee – blieb geschockt stehen – und auch die anderen Wölfe machten sich auf den Weg. Auch Sheena, aber das war Hanakos zweiter Schock. Ihre Tochter stolperte plötzlich und Hanako jaulte auf. Ihre Tochter rutschte mitten in die Gefahr hinein, sie musste irgendetwas tun!
Sie konnte wahrnehmen, wie ihr Sohn loslief und sich auf den Weg zu Sheena machte, Hanako spürte ihren Mutterinstinkt, keiner dieser Hirsche würde ihre Kinder auch nur anpacken, sie knurrte und rannte sofort in die Richtung ihrer Kinder. Sie wusste, dass sie treiben musste, aber ihre Kinder waren ihr um einiges wichtiger und das Leben dieser wollte sie nicht aufs Spiel setzen. Sie kämpfte sich durch die Hektik, einige Hirsche rannten auch in ihre Richtung und Hanako beeilte sich, ihre Pfoten schmerzten durch den schlammigen und rutschigen Boden, der Regen klatschte auf sie nieder und die Gefahr machte sich in ihrem gesamtem Körper breit, Anspannung war in ihren Augen zu erkennen, Hikaji war bereits bei Sheena, beide lagen sie nun da und Hanako nahm noch einmal ihre Kräfte zusammen, ehe sie bei ihren Kindern ankam.
„Ganz ruhig….“
Sie stützte sich über ihre Kinder, um sie so zu schützen, natürlich war Hanako klar, dass sie jenen Schmerz auf sich nahm nun, aber für ihre Kinder musste sie dies tun und sie konnte sie nicht mehr tragen. Außerdem wäre es bei dieser Hektik zu gefährlich gewesen, ihre Welpen im Maul zu tragen. Hatte Hidoi auch mitbekommen, was los war?
Neria stand einfach neben Shit und tat einen Moment gar nichts, ehe sie spürte, dass hier jemand in der Nähe war, der normalerweise nicht hierher gehörte. Wenige Sekunden später bestätigte sich ihr Verdacht und ein fremder Rüde trat auf Shit und Neria zu und die junge und kleine Fähe legte den Kopf etwas schief, ihre blauen Augen betrachteten den Rüden eine Weile musternd, dann seufzte sie leise, sah Shit kurz an und dann den Himmel. Irgendwie war heut ein sehr seltsamer Tag. Sie war zu dem Rudel gestoßen, hatte Shit auf eine seltsame Art kennen gelernt und nun verstanden sie sich so blendend und Neria fühlte sich zu ihm verbunden. Dann tauchten so viele Wölfe auf und kamen zu ihnen, teilten irgendetwas mit und nebenbei lief in dem Rudel auch noch eine Jagd und machte Neria noch viel nervöser als sie schon war. Dann aber wurde sie aufmerksam. Shit erzählte dem fremden Rüden, dass er der Alphawolf sei und Neria wusste nicht so ganz, ob sie irgendetwas sagen sollte. Es war eigentlich Shits Angelegenheit und auch sein Problem am Ende. Sie wollte sich einfach daraus halten und nickte dem Rüden nur freundlich zu.
Die beiden klärten die Angelegenheiten recht schnell und Shit erwähnte nur wenig später, dass er zur Jagd wollte. Natürlich, dass war Neria von Anfang an klar gewesen, der Rüde hatte auch Jagen wollen, aber er war wegen ihr gegangen. Ein Ruf einer Fähe hatte die Jagd schon lange angekündigt, wie es wohl ausgehen würde? Aber was fragte sie? Es war ihr nicht gestattet zu Fressen, so lange sie sich keinen Respekt erkämpft hatte, da war sie sich sehr sicher. Als Shit sich in Bewegung setzte, lächelte Neria kurz beide Rüden an und ging neben Shit ganz ruhig her, der Rüde folgte ihnen. Bisher hatte sie noch keinen Ton gesagt, warum auch? Bis der Rüde eine Frage stellte,…eigentlich sogar zwei, nur die zweite ließ sie den Kopf schief legen.
„Mein Name ist Neria Callidorá.“
Sagte sie zu dem Rüden und war gespannt, was Shit auf die Frage zur Gefährtin antworten würde.
Shit lauschte Nerias süßen Stimme und grinste kurz. Ihm war eigentlich nicht danach, doch er konnte nicht anders, als er zu ihr hinüber sah. Sie beantwortete die Frage von Shamus nicht und er wurde das ungute Gefühl nicht los, das er nun eine Antwort geben sollte.
"Auch Neria kam gerade erst in dieses Revier."
Soviel wurde dem Fremden gesagt, mehr brauchte er garnicht zu wissen. Shits Augen ruhten warm auf der Wölfin. Das war ihre Antwort. Wer wusste schon, was noch werden würde, wenn sich zwei gefunden hatten, die sich geben konnten, was sie immer gesucht hatten.
Shit zog das Tempo ein wenig an, weit entfernt waren sie nicht mehr. Der Boden begann auch hier im Wald immer mehr aufzuweichen und so setzte Shit seine Pfoten gezielt auf Stellen, auf denen die Rutschgefahr nicht so groß war. Wurzeln, Steine.
Unruhe erfüllte die Luft, Panik. Die Hornträger?
Shamus brachte nur ein kurzes
"Ah"
hervor und musste grinsen..sah er doch genau die unsicherheit der beiden....
"Halt die hübsche in Ehren! sonst tut es wohl ein anderer"
lachte er und passte sein Tempo dem der anderen an...auch er spürte das etwas in der Luft lag.
Tief athmete er ein und lauschte....noch war kaum etwas zu hören, die bäume flüsterten..das reichte ihm. Eine Jagd ging von statten....etwas was den Rüden immer wieder faszinierte. Die Einheit die das rudel bildete....wenn es gut lief, ja dann schien es als wären die Seelen aller, der Hetzer, Treiber und Kämpfer eins...eine Seele die denkt und handelt.
Mit gesenkltem Kopf, aber schnellen Schrittes lief der Rüde weiter.
"Ist euer ganzes Rudel auf der Jagd? Ich habe kein großes Interesse daran sie mitzuerleben. Es sei denn ihr könnt meine Dienste brauchen. Geleitet ihr die Seelen eurer opfer auf die dunklen Pfade?"
fragte der rüde und erwartete schon eine ächtende Antowort. Wie es immer war. In jedem neuen Rudel in dem er verweilte, wurde er wieder davongeschickt. Nur weil er die alten Traditionen ehrte? Nur weil er jemand war, der vielleicht etwas wie Pflichtbewusstsein, nein sogar Respekt vor dem Leben hatte? Dem Leben der Gejagdten?
Bei den Erinnerungen an die Vorkomnisse dswegeb verfinsterte sich der Blick des Rüden......
.oO(und dann noch der Regen!)
beschwerte er sich in Gedanken........
Hidoi hatte sich an Banshee gehalten, seiner Tochter aufmunternd zugenickt. Sie brauchte sich nur hinter ihm zu halten, dann würde schon alles glatt gehen, doch leider wurde ihm schon nach den ersten Metern klar, dass es ganz und gar nicht so werden würde. Dieser verdammte Regen, der Boden war so aufgeschlammt, das man wirklich haarscharf auf jeden Schritt achten musste und sehen konnte man auch kaum. Das die Alphafähe so strahlend weiß war, schien fast schon eine Erleichterung. Der Stahlgraue spannte die Muskeln fest an, als es richtig los ging, jetzt kamen die Hindernisse des Parcours, das Wild war losgehetzt. Hidoi steckte sein ganzes Vertrauen darin, dass Sheena ihm jetzt folgte - dicht hinter ihm blieb. Doch wurde ihm ganz schnell klar, dass etwas gewaltig schief lief. Es waren viel zu viele Wölfe auf einmal hier! Und wenn er sich so umdrehte - dahinten war Eris' Gruppe, aber was machte Ayalas dahinten schon? Waren sie des Wahnsinns, so würde die Herde doch direkt auf sie zugetrieben, die Hetzer!
Hidoi musste ganz plötzlich stoppen und zur Seite hechten, beinahe hätte ihn ein verdammt riesiges Tier über den Haufen gerannt. Schliddernd drehte er sich um, wo war seine Tochter?! Verdammter Mist, er konnte sie nicht sehen, wo waren sie alle hin?! Überall diese verdammten Biester, jetzt hatte sich das Blatt gewendet und die Wölfe mussten aufpassen nicht tot getrampelt zu werden. Bei Gott, hoffentlich ging es Hanako und Hikaji gut...
"Sheena!!!"
brüllte er so laut es nur ging durch den Regen, das donnergrollen tausender Hufe und ihre Schreie. Aber es war einfach unmöglich zu denken, dass jemand ihn gehört haben konnte - mochte sein Organ auch noch so laut sein und das war es normalerweise. Es half nichts, seine Tochter war ihm wichtiger als diese Jagd. Er musste sich von Banshee trennen und sie suchen! Nun rannte er mit dem Strom flüchtender Tiere und versuchte hektisch irgend einen hellen Fleck in dem Getümmel zu entdecken, die stechend scharfen Augen flogen nur so über jeden schwarzen Punkt, denn es war verdammt dunkel.
"Scheiße!"
Fluchte der Stahlgraue laut und stolperte so heftig, dass er fast auf die Schnauze flog. Doch die Vorstellung gleich von zentnerschweren Tieren überrannt zu werden gefiel ihm überhaupt nicht und so konnte er sich grade noch abfangen. Durch sein kurzes Zusammentreffen mit der Erde hatten die Augen plötzlich doch etwas helles wahrgenommen, schräg vor ihm. Mit einem kräftigen Satz stieß sich der Hüne wieder vom Boden ab und zischte haarscharf an einem Bullen vorbei, der sich verschreckt auch schon halb überschlug. Da war ja nicht nur Sheena, was zum Teufel taten Hikaji und Hanako noch da?! Wussten sie ihre Läufe nicht mehr zu gebrauchen, waren sie lebensmüde?!
"Was zur Hölle tut ihr da!?! RENNT verdammt nochmal!"
Schleuderte er ihnen entgegen, als sie nur noch wenige Meter trennten.
Immer noch sehr verwirrt blickte die kleine umsich. Nun voller Panik, war sie davor doch ein so fröhlicher und liebevoller Wolf gewesen. Doch wieso musste es Regnen? Nun war alles anders verlaufen, als sich es irgendwer erträumt hatte. Panisch blickte sie auf als sie ihren Bruder schemenhaft durch den Regen warhnahm. Wieso war er hier? War er nicht in einer ganz anderen Gruppe gewesen? Zitternd schlug sie die Ohren nach hinten. Was war nun wieder passiert? Und plötzlich sah sie auch Hanako ihre Mutter ankommen, sie schmiss sich über die beiden jungen Wölfe. Sheena war vollkommen verwirrt. Wollte ihre Mutter sich umbringen?
"Mama. Mama wir müssen hier weg. Hier holen wir uns den tot Mama!"
Und dann hörte sie einen Ruf. Er befahlt ihr zu rennen. Ihr Vater. Immer noch panisch drehte die weiße den Kopf. Waren sie etwa alle wegen ihr hier? Nur weil sie nicht laufen konnte bei diesem Boden? War sie es die die ganze Familie jetzt in gefahr gebracht hatte? Ein leises jaulen entkam Sheenas Kehle. Sie blickte ihre Eltern und ihren Bruder schuldbewusst an.
"rennt doch, rettet euer leben"
brachte sie zitternd hervor. jedoch nicht wirklich in der Lage sich zu bewegen. Das Chaos welches die panischen Hirsche verursachten, war zuviel für die kleine. Haarschaf waren nun noch mehrere entweder über sie gesprungen, oder knapp an ihnen vorbei gekommen. Es konnte nicht mehr lange dauern, dann würden sie alle eines quaalvollen Todes sterben. Hufe würden sie zertrampeln, aus vielen Wunden würde das Blut schießen und . . .
Sheena jaulte wieder auf, rappelte sich hoch und so schnell sie ihre zitternden Pfoten trugen versuchte sie zu laufen. Doch der Matsch behinderte sie stark. Immer und immer wieder stolperte sie und als sie sich nach dem Rest ihrer Familie umschaute sprang ein Hirsch über sie. Ein heulen durchbrach den Regen, als der Hirsch die Fähe leicht streifte. Erschrocken viel diese zur Seite. Schmerzen erfüllten ihre Brust. Hektisch senkte sich ihr kleiner bebender Körper immer und immer wieder. Sie wollte doch nicht sterben. Und sie wusste sie hatte sich selber in diese Situation gebracht, indem sie in der Matsche hingefallen war. Was weiter passierte nahm sie nicht mehr richtig wahr. . .
Simariel zögerte, gleichzeitig tobte es in ihr, so als ballten sich all ihre Gefühle zu dunklen, grauen Wolken zusammen, um sich in einem harten Schauer zu erlösen. Die Weiße hatte einen denkbar schlechten Zeitpunkt gewählt, denn gleich würde die Jagd beginnen, und sie stand hier und fürchtete sich: Sie fürchtete um ihren Frieden, fürchtete wieder fliehen zu müssen, gleichzeitig fürchtete sie zu versagen, den falschen Weg zu wählen. Woher sollte sie denn wissen, ob diese schwarze Fähe ihr ins Gesicht log oder ob sie tatsächlich die Wahrheit sagte? Wie konnte sie es wissen? Fast automatisch wollte Simariel ihren Geist entsenden, doch fiel ihr gerade noch ein, dass sie so schlecht kämpfen konnte, was sie ärgerte und gleichzeitig ängstigte. Die Werwölfin hatte eine Ahnung: die Ahnung, dass sie früher noch mächtiger gewesen und noch viel größere Kräfte gehabt hatte als jetzt, doch wusste sie nicht um sie und konnte jetzt auch schlecht experimentieren.
.oO(Was nun? Was nun?? Was die Schwarze sagt, klingt einleuchtend, und doch... Man kann es nie wissen, nie, aber was wäre dies für ein Zufall, nun gerade hier jemanden zu treffen, der... Dabei muss ich doch ehrlich sein, muss doch ehrlich zugeben, dass ich meinen Namen und meine Identität zurückhaben will, ich wünschte, es wäre eine Lüge, dann wäre alles viel einfach, dann würde ich mich jetzt verwandeln und mich auf sie werfen und meine Seele würde ihr Blut trinken... Ach, wäre das gut - so gut und so einfach...)Oo.
Doch so einfach war es nun einmal nicht.
Die Werwölfin kämpfte - wer sie beobachtete in diesem Augenblick, der hätte sich möglicherweise gewundert, denn die Stirn Simariels, die eigentlich die Stirn der Alexis Emerald of Rohán war, kräuselte sich wie von Windböen bewegt, ganz so, als ob die Fähe keine Kontrolle über sie hätte...
Plötzlich spürte Simariel, wie sich die realen Wolken - nicht die von ihr geschaffenen - sich über ihr zusammenzogen. Dann waren von überall verschiedene Stimmen zu hören, eilige Schritte auf weichem Boden, das Knistern der Luft... Also ging es los? Simariel hatte keine Ahnung, aber sie spürte, wie sehr sie allmählich von der Situation genauso überrannt wurde, wie die anderen Wölfe wohl gleich die Hirsche überrennen würden... Sie musste jetzt laufen, wie die anderen, dachte sie, dann würde sie denken... Vielleicht war ja auch alles gar nicht so... Aber sie fühlte tief in ihrer Brust, wie sich ein gewisses Unbehagen in ihr regte. Und dachte gleichzeitig, dass sie das Gefühl des Zweifelns so satt hatte, so satt.
Die Weiße sah nach oben - ihre Illusion verpuffte im Nichts, so als hätte ein Windstoß ein hauchdünnes Gewebe fortgeweht. Dann trat sie zur Seite.
"Lass uns später..."
Dann drehte sie sich wieder um und lief in die Richtung, aus welcher kommend sie die Hirsche witterte, und während sie lief, verwandelte sie sich, und Zweige und Äste schlugen ihr beim Laufen mit einem angenehmen Schmerz ins Gesicht. Wut und Schmerz - etwas Greifbares, nichts Diffuses wie Zweifel und Misstrauen...
((Ich habe es extra nicht blutig gemacht... >.> ))
Die kalten grauen Augen sahen auf das Geschehen. Das nasse Fell bebte unter der Spannung seiner Muskeln. Doch seine Gelassenheit schien fast unheimlich und unwirklich. Acollon machte keine Anstalten sich in das Getümmel zu werfen. Im Gegenteil, es schien seiner Belustigung und Unterhaltung beizutragen. Nur innerlich sah es anders aus. Er brodelte, war zornig über das Planlose Handeln der anderen Wölfe. Der Hüne schätzte seine Möglichkeiten ab, sah sich aber gezwungen irgendwie in das Handeln einzugreifen.
Sein Knurren kratzte in seiner Kehle, es klang rau.
“Worauf wartet ihr eigentlich?!“,
warf er seinen Jagdgruppenmitgliedern zu. Sein Blick haftete einen grausamen Moment lang an Averic. Nun würde sich herausstellen, was sein Sohn an Genen von seinem Vater geerbt hatte.
Der Körper setzte sich in Bewegung, zieldirekt auf das Durcheinander zu. Immer schneller trommelten seine Pfoten auf dem schlammigen Boden. Die Balance zu halten war schwierig und mühsam unter der Perspektive des matschigen Bodens. Alles wurde um Acollon herum still, das Blut pochte in seinen Adern, weitete sie um das dreifache. Den kalten Regen ignorierte er. Hart preschte er auf einen Hirschbullen zu.
Dieser besagte Hirschbulle schien es auf eine schwarze Wölfin (Eris) abgesehen zu haben. Der empfindliche Gleichgewichtssinn des Huftieres war enorm belastet, immer wieder rutschte es seitwärts weg. Das Geweih jedoch war gefährlich gesenkt und zum Angriff bereit. Und in einem denkwürdigen Augenblick erwischte der Hirsch die Wölfin, die harte Krone bohrte sich in das schwarze Fell. Die Halsmuskeln spannten sich an, ohne Mühe, so schien es, warf der Bulle die zierliche Wölfin in die Luft. Bevor die Wölfin zu Boden schlug, war das Geweih schon wieder zu Boden gerichtet.
Mit suchendem Blick versuchte der Schwarze seine weiße Gefährtin auszumachen. Wo war seine Liebe? Um sich einen Überblick zu verschaffen sprang er auf den Hirschbullen der Eris traktiert hatte. Tatsächlich, einen kurzen Blick konnte er auf das seidige weiße Fell werfen, rutschte dann aber über den Kopf des Hirsches hinab. Die Krallen der Hinterpfoten verletzten die schmerzempfindlichen Augen.
Das Hufentier bäumte sich senkrecht auf, nicht nur vor Schmerz- den es wohl eh in einer Gefahrensituation vergaß- sondern auch wegen des Verlustes des Orientierungssinns. Arme Eris. Die Hufen suchten auch auf ihren Leib Halt.
Die Nasenflügel blähten sich. Wirklich? Hatte er sich nicht geirrt? Für einen kurzen Moment lang war Tahashy der Meinung er hätte seine Schwester gewittert. Die Augen hielt er geschlossen, sah das weiße Fell, das zarte Gesicht. Es wäre eine so schöne Vorstellung, wenn es wahr wäre. Wenn seine Schwester vor ihm stehen würde, wohl behütet, geschützt. Dieser dringende Wunsch, dass sie lebten, war treibend, Kraft gebend. Dass Banshee und Nyota hier waren, wäre eine Erlösung seines dringenden Wunsches sie irgendwann beschützen zu können. Tränen flossen sein Gesicht hinab. Vermischten sich mit dem Dreck, vermischten sich mit dem Regen. Der Graue versuchte seine Kraft zu mobilisieren. Der große Drang linderte die Schmerzen, die Erschöpfung. Geradeso als hätte er erholsam geschlafen. Die Augen öffneten sich, ein merkwürdiger Ausdruck stand auf seinem Gesicht geschrieben. Nicht nur das Wunder, dass der Rüde Tränen vergossen hatte, sondern auch diese Entschlossenheit wieder aufzustehen, zu kämpfen, war erstaunlich.
Der Hüne stand auf den Pfoten. Wackelig schritt er voran, immer schneller versuchte er sich in Richtung der Ahnung zu bewegen.
Tahashy rannte, das Geäst flog schnell an ihm vorbei, der Regen schlug hart gegen sein hübsches ausgemergeltes Gesicht- er achtete nicht darauf. Doch je näher er der Witterung kam, desto lauter wurde der Lärm, er hörte sich so an, als würden gewaltige Geweihe aufeinander krachen, wie Donner. Die Pfoten wollten sich von einem Felsen heben, rutschten aber seitwärts weg. Krachend schlitterte der Graue einen kleinen Abhang hinab. Ohne sich zu sammeln sprang der Bruder wieder auf und lief seinem Ziel entgegen. Durch die kahlen Bäume sah er ein Gewirr aus Wölfen und Hirschen.
“Banshee! Nyota!“,
keuchte er. Gleich würde er ihnen beiseite stehen können. Und umso mehr er sich in seinen Wunsch und seinen Vorstellung hinein steigerte, umso mehr Kraft schien er zu haben. Klar, der Körper war immer noch schwach, ausgehungert. Aber der Graue war nicht mehr zu bremsen in seinem Wahn.
Ein schwaches und eindeutig gebrechliches Heulen ertönte. Und wir (nur für Dich Eris) könnten darüber streiten, ob es wirklich ein Heulen sein sollte.
Er sah nur Hirsche, fremde Wölfe. Sah viele weiße Fähen, sah auch schwarze. Wo waren sie? Verblüfft blieb er stehen. War nicht ganz so sicher, was nun zu machen war.
“Banshee“,
jaulte er laut und verzweifelt.
“Nyota“,
wisperte er. Die Augen weit geöffnet, huschten hin und her. Wo waren seine Schwestern?
Anspannung, Angst machten sich in ihr breit. Wieso zum Teufel hatte sie bloß wieder etwas gesagt. Vielleicht sollte sie demnächst einfach schweigen. Nun, das würde die Kontaktaufnahme zu Fremden erschweren - aber mittlerweile war sie sich nicht mehr sicher ob sie überhaupt je wieder mit irgendwem Kontakt haben wollte. Ihr Gewicht bedrohlich nach hinten verlagernd suchte sie Schutz im Nichts. Hier war nichts womit man sich schützen konnte, und einen Augenblick später gab es nicht einmal mehr etwas wovor man sie schützen musste. Ni merkte auf, ihre Ohren schnellten nach oben. Was zum... Später? Oh nein, gar nicht klang schon besser. Doch Acollons tiefe Stimme riss ihre Aufmerksamkeit zu ihm, schon im nächsten Moment war er auf und davon - genau wie Simariel. Zeit zu handeln... irgendwas stimmte nicht - was ihr erst jetzt auffiel; schließlich gab es grade noch eine kleine Auseinandersetzung mit einer mysteriösen weißen Fähe; vor der sie wohl vorläufig großen Abstand halten würde. Ein wenig verstört leistete sie Folge und brachte ihre Pfoten dazu sich voran zu bewegen. Es dauerte kurze Zeit, bis sie sich endgültig in Bewegung gesetzt hatte. Doch dann endlich hatte sie einen Rythmus in dem sie relativ gut voran kam.
Was sich vor ihren Augen abspielte zauberte blankes Entsetzen in ihre meergrünen Augen. Das Ausbrechen der Tiere bereitete ihr Sorge... doch. Verdammt! Die Welpen waren mitten drin. War sie etwa schuld? Weiter in Gedanken versinkend näherte sie sich der panischen Herde. Sie war wieder schuld - oder? Wenn sie geschwiegen hätte, wäre Simariel nicht in Rage geraten - hatte das vielleicht die Herde so aufgebracht? Das Röhren hallte in ihren Ohren. Sie wollte helfen - bloß wie war die Frage. Sie sah noch wie Acollon einen Hirsch seines Sehsinns beraubte; doch dort wäre sie nur hinderlich und weniger hilfreich. Noch saß der Mut in ihr, der Wunsch zu helfen; wie schnell sich das ändern konnte wusste sie allerdings genauso gut.
Im Tumult erspähte sie Leé, die mit aller Kraft versuchte einen Hirsch fort zu treiben. Egal was sie sagen würde, egal was sie denken würden. Mit einem Ruck hetzte sie voran, zu Leé. Ihr konnte sie helfen den Bullen fortzudrängen ihn in die Flucht zu schlagen. Und momentan erschien es ihr wichtiger das Leben der Wölfe zu bewahren als das der Hirsche aus Hunger und Gier zu beenden. Ihre vom Wandern trainierten Läufe ermöglichten ihr ein schnelles Laufen, querfeldein arbeitete sie sich zu Leé vor. Zwar kannte sie den Namen der braunen Fähe nicht - aber das war ihr jetzt momentan egal. Zu zweit waren sie stärker, konnten mehr ausrichten... vielleicht. Doch sie ahnte, das irgendwas misslingen würde. Und schon jetzt gab sie sich die Schuld daran.
Alles um Banshee herum begann außer Kontrolle zu geraten. Plötzlich hallten Rufe umher, jeder rief jemanden, die Hirsche begannen zu röhren, der lockend grausame Duft der Panik lag in der Luft, ebenso Blut und Schweiß, die Thränen des Himmels begannen sich mit den roten der Lebewesen zu mischen. Sie war inmitten dieses Chaos, sie wusste, in welcher Gefahr ihr Rudel schwebte, gleichzeitig sah sie nur eine Chance, es hier hinaus zu retten ... die Hirsche mussten sterben! Sie alle mussten umkommen, jeder einzelne, bis sie keinem Wolf mehr etwas zu Leide tun konnten. Banshee jaulte auf, es war ein verzweifeltes und gleichzeitg aggressives Heulen gewesen, sie mussten sich wehren, die Tiere töten, sonst würde jemand von ihnen sterben. Sie sah nur noch braune Leiber, spürte Hufen, die nach ihr traten, dann sprang sie federnd ab, den Fang aufgerissen, wartend auf etwas, das sie packen konnte. Und das kam auch. Sie verbiss sich, schmeckte Blut.
Der Hirsch bäumte sich erneut auf, eine weitere Gruppe Wölfe preschte plötzlich auf sie zu, er röhrte wieder, und als er mit den Hufen die aufgeweichte Erde erreichte, rannte er wieder drauf los, jetzt in eine andere Richtung. Sein schlimmster Konkurrent hatte sich eine Bahn geschlagen, er wusste nicht, ob er ihm folgen sollte, wollte in die Richtugn rennen, als plötzlich etwas an seinen Hals sprang. Rasend bäumte er sich weider auf, spürte, wie der Wolf abglitt und rannte los, fand keinen Halt auf dem blendend weißen Fell, spürte den Körper unter sich und sprang dann darüber hinweg, genau auf einen tiefschwarzen Wolf (Face) zu. Seine Augen drehten sich panisch in den Himmel, jetzt schrie er eher, als dass er röhrte, sein Blut am Hals rann ihm in Strömen herab, vermischte sich mit dme Regen und wurde zu einem rosaroten Teufelsreigen ... und er rannte weiter, immer weiter, egal, wer ihm im Weg war.
Banshee wurde abgeworfen, voller Panik spürte sie ihre Zähne vom nassen Fell ihres Opfers abgleiten, dann lag sie plötzlich unten, sie spürte den heißen Atem des Tieres über ihr ... und die Hufe prasselten auf sie herab. Sie keuchte auf, spürte etwas krachen, heulte schmezhaft auf, verzweifelt, ein einziger Schrei, dann wurde es Schwarz.
Eine kräftige Rike schien von allen eingekesselt zu sein, alle Hirsche schienen sie zu umgeben, aber auch die Wölfe blitzten immer wieder heraus. Sie hatte panische Angst, alle tanzten um sie her, sie musste hier weg, hier raus. Panisch senkte sie ihren Kopf ... und rannte drauf los, einfach durch alle hindurch. Und dann kamen die Wölfe, aber kein großer, nur kleine, herumrennende, der Hirschkuh war das vollkommen egal, sie rannte weiter, spürte einen Leib unter sich (Hiryoga) und rannte einfach weiter, was auch imemr da unter ihre Hufen gekommen war ...
Neyla starrte noch immer den ganzen Trubel an, wie festgefroren stand sie auf dieser einzigen Stelle, ihre Läufe bewegten sich kein bisschen, ihr Körper bebte vor Angst, ihre Augen waren groß und starr. In ihrem Kopf rief sie nach ihrem Gefährten, aber er konnte ihr hier nicht helfen, nicht jetzt, nicht so, sie war doch auf sich allein gestellt. Es ging schief. Es ging alles schief. Banshee – wo war ihre Alphafähe nun hin? Sie war noch weiter gerannt, hatte aber ebenso Angst bekommen. Neyla konnte sie sehen, erkannte, wie die weiße Fähe versuchte, den einen Hirsch zu töten und Neyla bekam Angst. Es war ein einfaches Chaos. Plötzlich wurde Banshee abgeschüttelt und lag auf dem Boden, regungslos. Neyla spürte in ihrem Körper etwas, was sie fast heulen ließ. Panik! Sie musste Banshee helfen, sonst würde es doch nur wie in ihrer Vergangenheit ausgehen. Plötzlich spürte Neyla etwas weniger Kräfte in sich und sprang von der Stelle weg auf der sie stand, sie wollte zu Banshee und sie da wegholen, aber plötzlich sah sie eine andere Gefahr auf sich selbst zukommen…
Die Rike wollte jetzt endlich hier weg, es reichte ihr, es waren überall nur noch diese Wölfe und gingen auf sie los. Voller Panik stellte sich die Ricke auf die Vorderhufe, dann lief sie mit einem gewaltigen Schrei los. Nun war es ihr egal, wer im Weg war, sie wurde sie wegtreten, umrennen, es spielte keine Rolle mehr, eine Flucht war wichtig. Vor sich erkannte sie plötzlich einen weißen Wolf [Neyla Zárá], der nicht schnell, aber hektisch rannte. Die Ricke spürte Wut auf dieses Tier und Angst, sie hatte Angst, dass genau dieser Wolf sie töten könnte. Somit nahm sie sogar noch an Geschwindigkeit zu und rannte den weißen Wolf um. Mit ihrem Kopf stieß sie gegen die Brust des Wolfes, schmiss ihn damit fast drei Meter vor sich weg und rannte dann noch einmal panisch über den Körper. Dann schlug sie schnell irgendeine Richtung ein, in der kein Wolf war.
Neyla sah, wie die Hirschkuh immer näher kam, sie fühlte sich wie gelähmt, hob nur ängstlich den Kopf und sah das Tier an, plötzlich spürte sie, wie der kleine und zierliche Kopf des großen Tieres gegen ihre Brust preschte und sie damit ein gutes Stück zurück schleuderte. Neyla kam mit einem lauten Jaulen au dem Boden auf, der Boden fühlte sich furchtbar hart an und ihr gesamter Körper schmerzte. Sie schloss krampfhaft die Augen, plötzlich spürte sie die harten Hufe über sich und bei einem Schlag auf ihren Kopf wurde ihr schwarz vor Augen. Laios…
Die Rike bekam immer mehr Panik, rannte immer weiter weg, unkontrolliert und vollkommen am durchdrehen, plötzlich sah sie eine graue Wölfin [Kaede] und wurde wieder vollkommen hysterisch. Aber sie konnte nicht mehr ausweichen, sie wollte, aber sie konnte nicht. Sie rutschte auf dem harten Schlamm aus und ihr ganzer Körper knallte gegen den Körper der Wölfin, zusammen stießen sie gegen einen Baumstamm, die Rike wurde ohnmächtig, lag mit ihrem Gewicht auf dem Körper von der grauen Wölfin und rutschte nur langsam durch den Schlamm leblos hinunter. Ihr Herz hörte von alleine auf zu schlagen.
Erschrocken hob die blinde Fähe den Kopf. Hörte sie da nicht durch den Regen Hufgetrampel. Das konnte nicht sein es war ein einzelnes Tier, es war eine große Herde gewesen, das Rudel hatte sicher alles unter kontrolle. Sie tat noch einen Schritt ehe alles in ihr sich verkrampfte. Sie konnte nichts sehen, doch ihr Instinkt verriet ihr, dass eben nicht alles okay war. Sie hob den Kopf. Hoffte zu sehen. Das donnern kam näher. Etwas schien auf der Flucht. Viele Gedanken schossen der Fähe durch den Kopf. Was wenn das Rudel doch nicht alles unter Kontrolle hatte? Was wenn einer der Hirsche ausgebrochen war. Was wenn . . .
Mit einem lauten aufheulen spürte sie, wie etwas großes mächtiges gegen sie sprang. Nun war wohl alles vorbei. Kaedes letzte Gedanken galten ihrem Patenkind.
~ Hiryoga. Ich hab dich sehr sehr lieb. Ich hoffe dir geht es gut. Ich hoffe du meisterst dein Leben gut! ~
Doch sie spürte, dass auch mit Hiryoga irgendetwas passiert sein musste. All dies geschah nur in sekundenschnelle. Sie spürte das schwere Gewicht. Spürte wie sie mit dem Tier, es musste eine Rike sein, einige Meter weit geschleudert wurde. Kaede rechnete mit dem Tod. Sie konnte auf nichts anderes mehr hoffen. Da sah man es doch wieder. Ein blinder Wolf war noch mehr verloren als irgendein anderer Wolf. Sie hoffte nur noch, dass nicht zu viele Wölfe sterben würden. Es wäre ein noch schwererer Schlag für das Rudel, als wenn es mehrere verletzte geben würde. Dann spürte sie den mächtigen Aufprall. Ein Baum stoppte ihren rasanten Flug. Kaede wurde die Luft aus der Lunge gepresst, doch so richtig bekam sie dies nicht mehr mit. Schon fast ganz hatte sie ihr Bewusstsein verloren. Konnte nichts mehr machen. Das letzte was sie spürte war das schwere Gewicht der Rike auf sich, welche gerade ihre letzten Atemzüge nahm, ehe ihr Herz verstummte.
Dunkelheit umringte die Fähe. Doch vor ihren Augen sah sie Farben. Viele bunte Farben. Sie vermischten sich und plötzlich hörte sie eine Stimme: " Keine Angst Kaede. Ich bin bei dir. Keiner tut dir was. Sei ganz beruhigt." Insgeheim wusste Kaede, dass sie tot sein musste. Es konnte doch nicht anders sein, wenn sie Farbe sah und jemand zu ihr sprach. Sie spürte nicht mehr, dass sie noch atmete. War vollkommen bewusstlos unter der Rike vergraben. Diese rutschte nur langsam von der Fähe, welche über und über mit Matsche und Blut bedeckt war. Es war schwer sie durch den Regen irgendwie auszumachen. Auch die Rike war mit Blut und Matsche verschmiert und lag nun auf dem nassen kalten Boden vor Kaede. Diese hatte nun kein graues Fell mehr. Es passte sich dem Boden an. Ihr Atem kam nur unregelmäßig, keuchend, stoßhaft. Langsam sickerte das Blut in den Schlamm und vermischte sich mit diesem. Beide Tiere lagen also in einer Blutigenschlamm lache. Doch noch lebte Kaede. Sie selber wusste es wohl nicht, aber es war so. Jedoch würde sie sicher nicht mehr lange in dieser Welt bleiben. Doch sie hatte sich auf den Tod eingestellt .
Die drei Wölfe schienen sich eher noch weiter von dem Rüden zu entfernen. Nun doch genervt schüttelte sich dieser und betrat das vor ihm liegende Revier. Er hoffte, dass es wirklich das legendäre Sternenwind Rudel wäre, denn dann würde er sicher freundlich empfangen werden, auch wenn er es ohne Erlaubnis betreten hatte. Er witterte. Die Wölfe schienen immer noch alle an einem Fleck zu sein, bis auf ein paar Ausnahmen. so beschloss er einfach zu ihnen zu laufen. sollte wirklich eine Jagd im Gange sein würde er eben am Rande warten. Nun, dieser Gedanke gefiel ihm und so setzte er seine Pfoten weiter vorsichtig voreinander, immer darauf bedacht nicht auf die Schnauze zu fallen. Das würde ja noch fehlen, wenn er schlammbesudelt ankommen würde. Ein bisschen war ja normal bei diesem Wetter, aber man sollte schon noch seine Fellfarbe erkennen. Wieder grinste der Rüde leicht. Seine Muskeln spielten unter seinem Fell und schnell durchquerte er das kleine Waldstück und spürte dass er den Wölfen näher kam. Er hob den Kopf. Es roch nach Panik, Angst und Schrecken. Also eine Jagd. Jedoch roch es auch nach Tod. Nicht nur von Hirschen sondern auch nach dem von Wölfen. Nach Blut. Was konnte passiert sein? Ein wenig nahm der Rüde an Tempo auf, seine Pfoten trugen ihn auf bei diesen Umständen sicher weiter. Er sah eine leblose Fähe nicht unweit eines Baumes liegen, erblickte jedoch nicht die bewusstlose Fähe dahinter, so konnte er sich nicht den Duft der Wölfin erklären, doch war er aufgeregt und wollte wissen was passiert war, so schaute er sich dort auch nicht weiter um. Nun war er nicht mehr weit, er konnte das verschreckte heulen von Wölfen hören. Das Röhren von Hirschbullen und das Donnern von Unmengen an Hufen. Er durchbrach das Dickicht und sah das perfekte Chaos. Kurz schoss ihm noch der Gedanke des Wartens in den Kopf, dann, dass es so was in seinem Rudel nie gegeben hätte und dann sah er eine weiße Fähe, die aussah wie Neyla auf dem Boden liegen. Zumindest vermutete er, dass es seine Gefährtin war. Sie sah so aus. Eine weiße Fähe. Er sah noch mehr weiße, aber erkannte doch wer seine Gefährtin war. Er blickte auf die in Panik blind umher rennenden Hirsche. Heulte kraftvoll auf und spürte das Blut durch seine Andern pulsieren. Er spürte, wie der Hass in ihm hochkam. Sollte ihm nun auch noch seine geliebte Gefährtin genommen werden? Er wäre ebenfalls Schuld. Er heulte abermals auf.
~Neyla? Neyla ist du es? Ich bin es. Zack, dein Gefährte. Es tut mir Leid. Doch dazu ist jetzt keine Zeit. Neyla ich liebe dich. Du bist mir geblieben. Neyla . . .~
Er verstummte und sprang gleichzeitig kraftvoll nach vorne. Er schnellte durch den Regen, nahm schemenhaft die anderen sich wehrenden Wölfe wahr. Er blinzelte nicht, als ihm der Regen in die Augen peitschte. Er landete sicher in der Matsche und rannte weiter. Direkt auf einen großen Bullen zu, welcher sich in die Richtung von seiner Gefährtin bewegte. Er knurrte diesen im Laufen böse an. Lenkte ihn aus der Bahn seines Schatzes. Doch kümmern konnte er sich nicht um sie. Es kam ihm der Gedanke, dass alle Hirsche getötet werden mussten. Hatte die Alphawölfin dies wohl auch vor? Er wusste es nicht, doch tat einfach was er am besten hielt und so beschloss er zu töten. Ohne erbarmen die Hirsche zu töten. Und der Bulle sollte sein erstes Opfer sein. Doc der Bulle, welcher sowieso schon in Panik war hatte beschlossen zu Leben und ging auf den Rüden zu. Dieser sprang geschickt zur Seite und gleich weiter an den Bullen, biss diesen in die Flanken. Er knurrte wieder, schmeckte das Blut. Und dieses ließ wohl für einige Momente ein Monster in dem Rüden los. Er tobte um den Bullen. Riss das Fleisch aus dem röhrendem Tier. Dieses schrie vor Schmerzen, vor Angst. Er hatte doch leben wollen und doch war er dem Wolf zum Opfer geworden. Unbarmherzig rammte der Wolf seine Krallen und Zähne in das Fleisch. Es war gut, dass er ausgeruht und trainiert war. Er erreichte die Kehle des Tieres. Die Hiebe, welche er von dem Tier einsteckte interessierten ihn nicht. Später würde er sie merken, so war es doch immer aber jetzt war er wie in eine Art Raserei verfallen. Wollte seine Gefährtin retten. Das Rudel welches sie so lieb aufgenommen hatte. Verzweifelt biss er ein letztes Mal zu und spürte einen Schwall Blut aus der Kehle sprudeln. Der Bulle torkelte und kippte dann hart in den Schlamm. Der Rüde sprang rechtzeitig von dem nun leblosen Körper und blickte sich um. Momentan drohte Neyla keine weitere Gefahr. Wo wurde er gebraucht? Er wollte hier bleiben, die abwehren welche sich seiner Gefährtin näherten. Konzentriert stand er also da. Aufmerksam die Ohren nach vorne. Es waren noch so viele, doch viele rannten auch weg. Er musste kurz Atem holen dann würde er auch wissen wo er weitermachen musste.
Er konnte nicht fliehen, er konnte nicht verschwinden, er konnte sich nicht in Sicherheit bringen. Sein Blick war die ganze Zeit nur auf seine Mutter gerichtet, bis sie sich in den Tumult schmiss, er sah, wie sie einem Hirsch an die Kehle sprang, wie dieser einen schwarzen Rüden umrannte, wie seine Mutter zu Boden fiel. Im selben Augenblick wandte sich sein Kopf um, jemand kam auf Kaede zu gerannt, auf seine große Schwester, auf seine Kaede! Hiryoga konnte jedoch nicht mehr sehen wie die Rike seine Patin mitriss. Denn eine Rike selbst kam auf ihn zu gerannt. In seinem Kopf herrschte ein riesiges Chaos, er wollte weg, er musste jetzt weg, er musste zu seiner Mutter, er musste zu Kaede!! Er konnte nicht, wieso konnte er nicht? Wieso verdammt, wieso konnte er sich nicht bewegen? Er sah hinab, seine Pfoten steckten im Schlamm fest, der Regen lastete schwer auf ihm, doch war dies alles nicht der Grund, nein, er war ein Feigling, ein verdammter Feigling! Der Hellbraune konnte nicht mehr fliehen, die Rike erwischte ihn, überrannte ihn, er wurde ein kurzes Stück von ihren Hufen mitgerissen und lag in einem tiefen Schlammloch. Sein Herz schlug noch, es schien sogar immer schneller zu schlagen, er verstand es nicht, er verstand nichts mehr, wieso lag er hier? Wieso war alles so verwischt in seinem Kopf? Plötzlich wachte er auf, es schmerzte, all seine Glieder schmerzten, das Blut in seinen Adern pulsierte, er konnte die Augen nicht richtig öffnen, auf seinem Kopf lastete ein unheimliches Gewicht, er konnte seine Pfoten nicht bewegen, er spürte sie noch nicht einmal. Aber dann wurde auf einmal alles um ihn herum ruhig, nichts hörte er mehr, weder das Trampeln der Hufe, noch das Geheul der anderen Wölfe, auch musste er nicht mehr an seine Mutter und Kaede denken. Er hörte es wieder, diese Eule, immer weiter hörte er ihre Rufe, vielleicht sogar Minuten lang, in dieser Zeit sah er Bilder, Bilder welche er noch nie gesehen hatte, er sah Wölfe, zertrampelt von Huftieren, er sah sich selbst unter diesen Hufen und wieder wurde es still. Sein Kopf sank in den Schlamm, sein Atem wurde flach, bereit ihn gehen zu lassen. Zumindest dachte er das, aber er wollte sie noch ein letztes Mal sehen, sie beide, er wollte noch einmal ihre Nähe spüren. Der kleine Rüde öffnete die Augen, sein Blick fiel dorthin, wo eben noch Kaede stand, sie war nicht da! Jedoch einige Meter weiter sah er sie, ihr schwacher Körper gegen einen Baum gepresst, eine tote Rike vor ihr, drückte die graue Fähe an den Baum.
In dem Moment wurde dem Welpen bewusst, er würde nicht sterben, er konnte nicht sterben, sie brauchte ihn! Mit aller Kraft, die ihm noch übrig war, zog sich der Schwächste des Rudels auf die Läufe. Drei Anläufe brauchte er, bis er tatsächlich stand, seine Läufe zitterten, sein hellbraunes Fell war rot gefärbt, die Ohren an den Kopf gelegt. Ohne sich umzusehen, ohne auf irgendetwas zu achten taumelte er langsam voran, sein Ziel war seine Patin, er musste nun zu ihr, sie durfte nicht sterben!
Der Bulle sah nur, wie alle in Panik gerieten, wie die Herde sich auflöste, jeder Amok lief, ohne darauf zu achten, ob er einem Wolf in den Fang lief. Ein tiefes Röhren entglitt seiner Kehle, sein Blick huschte umher, er musste hier weg, er war doch noch jung, er musste unbedingt hier weg! So lief er los, doch er wurde gestoppt, als er eine weiße Fähe vor sich sah. Sein Körper wandte um und er lief in eine andere Richtung los. Er schaffte es kaum, Halt in dem schlammigen Untergrund zu finden, seine Hufe rutschten weg, er taumelte die meiste Strecke hin und her, vor ihm tat sich eine Lücke auf, das war seine Chance! So preschte der Hirsch los, doch plötzlich hatte er eine schwarze Fähe (Ninniach Favéll) auf seinem Weg, nun war es ihm egal, es war ihm alles egal, er musste hier weg, sodass sie, dieses Hindernis ihn auch nicht aufhalten würde! So gut es ging beschleunigte er, rammte die Fähe frontal, sah wie sie ein Stück nach vorne geschleudert wurde. Sein Geweih senkte sich zu Boden, er stoßte sie damit aus seiner Bahn und rannte weiter, die Freiheit winkte ihm. Doch noch etwas war ihm auf einmal im Weg, ein kleiner Welpe, hellbraun, ohne Rücksicht auf Verluste überrannte er das schon verletzte Tier und jagte in den Wald hinein, doch zu früh hatte sich das Tier gefreut. Als er über den Welpen rannte, so blieb er hängen, sein Leib fiel zu Boden und sein mächtiger Kopf auf einen großen Stein, eine Blutlaiche bildetet sich um das Tier, welches nicht lange mit dem Tod zu kämpfen hatte.
Er kam nur langsam voran, als ein Tier ihn nochmals erwischte, zwar nicht besonders schlimm, doch immerhin nochmals, sodass er aus der Bahn geworden wurde, sein Körper sich zweimal überschlug und liegen blieb. Diesmal hatte er Glück gehabt, denn keiner der gefährlichen Hufe hatte sich in seinen Leib gebohrt, doch die Wucht des Aufpralls hatte ihn all seine Kraft gekostet. Langsam öffnete Hiryoga die Augen, er konnte sich nicht mehr bewegen, sein Körper verweigerte es ihm. Sein Blick huschte wieder zu Kaede, wehmütig betrachtete er sie. Mit letzter Kraft hob er seine Stimme an.
"Kaede...verlass mich nicht...bitte!"
Verzweifelt ließ der Welpe den Kopf zurück in den Schlamm sinken, er hasste sich, er war Schuld an ihrem Tod, er hätte doch bei ihr sein sollen, sie sah nichts, wieso hatte seine Mutter ihn nicht bei Kaede gelassen?! Wenn sie nun sterben würde, es war seine Schuld, verdammt, er brachte sie um, er brachte sie gerade um. Es war so, als würde er seinen Schmerz fühlen und zusätzlich noch den ihren, er spürte das Gewicht der Rike, er spürte den schwachen Atem der Fähe, obwohl gute sechs Meter sie trennten. Der Hellbraune wusste nicht woher er die Kraft nun nahm, doch der Gedanke daran, dass die Fähe nun vor seinen Augen starb, das ertrug er nicht. Wehmütig winselnd erhob er sich schwermütig auf die Läufe, besser gesagt, er zog sich leicht voran, die Hinterläufe versagten ihm, bald auch die Vorderläufe, doch immer weiter zog er sich, so gut er konnte, er wollte sie doch nicht verlieren…
((Wird gemacht, Bani^^))
Geschickt wich Acollon dem Hufgetrampel aus. Und da war sie, Banshee. Sie war zu Boden gegangen. Er setzte aus, blieb stehen. Das Herz pochte schmerzhaft. War sie tot? Nein, sie regte sich ein wenig. Das Nackenfell sträubte sich gen Himmel. Nun war es soweit, er war wieder an dem Punkt angelangt, wo er seine Mordgier, seine Bestimmung nicht vergessen, nicht mehr leugnen können. Die zierliche Schnauze öffnete sich, die Zähne knirschten übereinander.
Ein weiter Hirsch von ungefährer Größe des Hirsches, der Eris platt gemacht hatte, lief panisch an ihm vorbei.
Das Gebiss öffnete sich, er packte zu. Das Blut des Tieres gespritzte das schwarze Fell, vermischte sich mit Dreck und Regen. Das Tier fiel zu Boden. Zuckte.
Wie besessen warf er sich auf Alles, was sich bewegte. Selbst die Körper, die auf dem Boden lagen, blieben vor seinem Gebiss nicht verschont. Um ein Haar hätte er die graue Wölfin (Kaede) getötet, doch er bemerkte rechtzeitig, dass sie nicht zu den Feinden gehörte. Er sah ihr in die blinden Augen. Sie selbst würde nur seinen tiefen schweren, bluttriefenden Atem spüren.
Das Gewicht der Hirschkuh zog sie zu Boden und blieb vor Hiryoga liegen. Zuckend und immer wieder aufrappelnd. Sie war nicht verletzt, nur vom Chaos durcheinander.
Der schwarze Körper setzte sich in Bewegung. Biss der Rike, genau vor den Augen seines Sohnes, scharf in den Hals, bis auch sie tot war. Das schwarze Fell war nicht mehr schwarz, es war rot, mit Dreck überseht. Das Knurren, welches einem hektischen Atem glich, wurde immer lauter.
Er verharrte nicht lange, sprang über Keade hinweg und bewegte sich auf die nächsten Huftiere zu.
Er war nicht mehr bei Verstand, der Tod war nun überall zu spüren. Ein Festmahl für den Fenrissohn. Er war nicht mehr der Gefährte Banshees, nicht mehr der Vater seiner Kinder, er war ein Mörder. Der mit dem größten Eifer alles zwischen die Zähne nahm, was noch lief.
Die Zähne krachten immer wieder in die Hälse der eleganten Huftiere. Er vergaß Zeit und Raum. Vergaß, dass es kaum noch einen Sinn hatte, die fliehenden Tiere zu töten. Nur noch einzelne Hirsche waren voller Panik, trampelten auf den Wolfs- und Hirschkörper, die am Boden lagen herum.
Der Hüne warf sich zurück und lief auf Banshee zu, der Regen prasselte gnadenlos auf sie hinab.
“Banshee“,
murmelte er leise und legte noch ein wenig an Tempo zu. Warf eine Hirschkuh, die nach gefährlich in der Nähe seiner Gefährtin war um. Schlitternd blieb er vor Banshee stehen.
Panik machte sich abermals in ihm breit.
“Banshee, sag doch was!“,
sprach er drängend, fast befehlerisch. Es durfte nicht so sein. Die schwarze Schnauze glitt über das weiße Fell. Eine Blutspur zierte war an der Stelle zu sehen, wo der Schwarze sie berührte. Vorsichtig hob er die Schnauze seiner Gefährtin an.
“Bitte, bleib bei mir.“,
es klang flehend. Solche Worte waren dem eines Mörders fremd, eigentlich. Aber die Liebe, die Acollon bei Banshee hielt, hatte ihn wieder einmal zur Vernunft gebracht.
Der Regen prasselte immer noch auf den fas leblosen Körper. War sie jetzt schon tod? Ging dies so schnell? Kaede wusset es nicht. Konnte es nicht wissen. Für sich selbst war sie schon gestorben. Aber hörte sie da nicht Worte. Verzweifelte Worte. Die Worte von Hiryoga ? Dann musste er ebenfalls Tod sein. Verzweiflung überschwemmte die Fähe. Diese verdammte Jagd. Er war noch nicht bereit dafür gewesen. Genauso wie sie von Anfang an auf dem Rudelplatz hätte bleiben müssen. aber sie wollte es ja unbedingt. Sie hatte ihm gesagt das alle gut gehen würde. Sie hoffte nur, dass er ihr keine Vorwürfe machen würden. Sie war froh ihn auch in der anderen Welt bei sich zu haben. Doch wenn er böse auf sie war? Langsam öffnete sie die Augen. Schwärze umringte sie. Wo waren die Farben? Wo war die Stimme die zu ihr gesprochen hatte? Was war passiert? Verzweifelt wollte sie sich bewegen. Schmerzen durchzuckten ihren ganzen Körper. Was konnte das heißen? War sie nicht eben geheilt gewesen. Da war doch eben jemand bei ihr gewesen!
Wie ein brausen kamen alle Geräusche zurück und ließen sie fast taub werden. Erschrocken legte sie langsam und angestrengd die Ohren an. Sie hörte das rauschen des Regens. Ihren keuchenden Atem. Das donnern vereinzelter Hufe. Verzweifelte Rufe von anderen Wölfen. Verwirrt versuchte sie sich zu bewegen, spürte aber dass sie gegen etwas gedrückt wurde. Dann kamen die Erinnerungen sturzflutartig zu ihr zurück. Der Körper mit dem sie zusammen einige Meter geflogen war. Von einem Baum oder so etwas aufgehalten, zu Boden gedonnert und nur langsam war das Tier von ihr gerutscht. Es musste noch immer dort liegen. Sie konnte sich nämlich nicht bewegen und das kam nicht nur von den Schmerzen. Sie spürte den nassen kalten Schlamm und es roch nach Blut.
Plötzlich hörte sie ein lautes heulen. Es schien von einem Rüden zu kommen welchen sie nicht kannte. Was geschah jetzt ? Dann spürte sie den heißen blutigen Atem eines Wolfes vor sich. Wollte er sie umrbingen? Sie schätzte es als Acollon ein, ein verzweifeltes seufzen verließ ihre Kehle da spürte sie den Wolf schon weiterspringen. Warum half ihr niemand? Es musste ein so großes Chaos ausgebrochen sein, wie es sich niemand vorstellen konnte. Sie seuftzte wieder und spürte den Geruch Hiryogas in ihrer Nähe. Einige Meter nur entfernt. War er etwa tot? Oder lebte er noch genauso wie sie?
"Hiryoga? Mein kleiner Hiryoga? Lebst du noch? Geht es dir gut oder bist du verletzt?"
Mühevoll robbte sie sich von dem Baum fort. Spürte wie ihre Läufe versagten. Sie musste zu ihm und konnte sie es doch nicht. Aber vielleicht langsam robbend. So quälte sich die verletzte Wölfin durch den Schlamm. Langsam kam sie nur vorran, wusste das noch immer Tiere umherliefen. Doch sie wollte zu ihrem Paten. Ihrem kleinen Hiryoga welcher ihr so vertraut hatte.
"Mein kleiner? Ist alles okay? Was ist nur passiert? Es tut mir so leid mein kleiner . . ."
Nun versagte ihre Stimme. Sie schob ihren schmerzenden Köprer vorwärts. Sie spürte wie sie sich ihm näherte und blieb ungefähr einen Meter vor ihm erschöpft liegen. Sie konnte nicht mehr. Ihr Herz klopfte unregelmäßig, Blut pulsierte durch ihren Kröper. Alles tat ihr weh, noch immer blutete sie. Ihr einer Lauf war etwas verdreht. Sie schloss die Augen und seufzte. Er konnte nicht tot sein. Doch er rührte sich nicht mehr. . .
Der Rüde sah einen anderen Rüden durch die Hirsche wüten. Dieser sprang jedem Hirsch an die Kehle und brachte es um. Koros kam es so vor, als ob er in die Mordlust verfallen war. Er blickte um sich. Es waren merklich weniger Hirsche geworden und Neyla drohte nun nicht mehr so viele und so machte er sich auf um die restlichen noch zu töten. Denn noch immer waren sie in Panik und viele Wölfe lagen am Boden. Er stürzte sich auf den nächst besten Bullen der von einer Rike verfolgt wurde, welche schliddernd zum stehen kam und den Wolf panisch ansah, als dieser mit einem kräftigen Satz dem Bullen direkt an die Kehle sprang und kräftig zubiss. Mit solchen Tieren hatte er früher oft gekämpft. Er kannte wie man mit ihnen umgehen musste und hatte so auch den kräftigen Bullen schnell zu Fall gebracht. Die Rike welche sich erschrocken umgedreht hatte und nun auf seine Gefährtin zusteuerte hatte er mit ein paar kräftigen Sprüngen eingeholt und sprang auf ihren Rücken. Diese knickte in ihren Läufen ein und gab erschrocken Laut. Er grub seine Krallen tief in ihr Fleisch welches sie taumeln ließ und als sie fiel sprang er geschickt von ihr und sie landete einige Meter von einer anderen weißen Wölfin, auf welche der Schwarze zulief. (Banshee und Acollon) Er biss dem Tier in die Kehle blickte zu den zwei Wölfen, sah dass die Weiße lebte und blickte den Schwarzen an. Waren dies die Alphas? War ihm nicht so etwas erzählt worden?
Er hörte erneut ein Donnern doch waren es nur noch wenige die in den Wald rannten um zu flüchten. Eines der Tiere sah er auf zwei Wölfe welche am Boden lagen zu rennen. Er setzte mit einem Sprung zu ihm. Sah dass die beiden Wölfe am Boden fast tot waren (Kaede und Hiryoga) und trieb die Rike so aus deren Bahn. Diese ging hektisch in die Kurve und stürzte zu Boden. Er sprang auf sie und zerfleischte sie fast ganz ehe er von ihr abließ. Es war ruhiger auf der Lichtung geworden. Er hoffte dass das sinnlose Morden nun zu Ende war, war jedoch bereit einen weiteren Hirsch zu töten. Sein Blick glitt zu Neyla und geschwind rannte er zu ihr, blieb aber einen Meter von ihr entfernt stehen.
"Neyla ?"
Die Unsicherheit lag in seiner Stimme. War sie es?
Augenblicklich warf sich der Graue über Banshee, berührte sie nicht einmal. Hielt sich nur flach gedrückt. Das grollende Knurren galt dem Schwarzen. Dieser war wahnsinnig, er mordete ohne zu zögern. Manchmal hatte es sogar so ausgesehen, dass er seines Gleichens toten wollte. Das würde Tahashy nicht zulassen, keiner tötete seine Schwester.
“Rühr sie nicht an, du Mörder!“,
grollte er laut. Die Ohren tief an den Kopf gelegt. Blind vor Wut und von seinem Wunsch geblendet bemerkte er nicht die Verbindung der beiden. Er sah nur seine Chance einer seiner Geschwister zu schützen. Das graue Nackenfell richtete sich auf.
“Solch einen Mörder habe ich noch nie gesehen, du tötest Alles und Jeden. So brutal und herzlos. Kaltblütig. Du bist schlimmer als der Tod selbst.“,
giftete er den Schwarzen an. Ihm war es gleich, falls er ihn töten wollte. Hauptsache Banshee würde überleben. Der Regen tropfte sein Brustfell hinab und beträufelte das weiße Fell seiner Schwester.
“Immer wieder bin ich verrückten, mordgierigen und widerlichen Wölfen begegnet, aber du übertriffst Alles. Was willst Du mit meiner Schwester? Lass sie am leben. Du hast doch schon genug getötet. Lass es bleiben, oder Du wirst es mit mir zu tun kriegen“,
eigentlich eine schwachsinnige Drohung, da er schon Schwierigkeiten hatte, sich auf den Beinen zu halten. Doch auch recht imposant, wie er es schaffte so überzeugt von sich zu wirken.
24.12.2009, 19:12
Laios war langsamer geowrden, kaum hatte er erkannt, was geschah. Neyla hatte er zu dem Zeitpunkt nicht sehen können, aber sie würde mit Sicherheit Banshee folgen, sie hatte ihr schließlich zu folgen. Er selbst war hin und her gerissen, hörte die ersten Schreie, roch die Panik und das Blut, spürte die Tropfen auf seinen Körper schlagen und war doch blind und taub. Er sollte sie retten, so gut er konnte, es war nun sein Rudel, aber er wollte nicht. Ihm war sein Leben ... und das Neylas wichtiger. Er war egoistisch, natürlich. Er sah die Alpha zu Boden gehen, ein Hirsch trampelte über sie, Laios Herz stockte kurz, nicht, weil dort die Alpha lag, sondern weil er plötzlich meinte zu füheln, wie Hufe ihn niedertrampelten. Es musste ein furchtbarer Schmerz sein. Welpen rannten herum, Panik in den Augen und plötzlich war auch Laio mitten im Chaos, die Hirsche brachen nach allen Richtungen aus, plötzlich auch auf ihn zu. Er konnte und wollte die Flucht nicht mehr ergreifen, wappnete sich für einen ersten Angriff und packte den nächstbesten Hirsch, der an ihm vorbei kam. Er hatte Glück, Blut tropfte bereits von seinem Hals, ein Opfer von ihm, der tiefschwarze Wolf, lag weiter vorne. Mit einem kräftigen Biss brachte er das Tier zum Fallen, nach einem erneuten Zubeißen erlahmten die Läufe. Der Hirsch war noch nicht tot, aber Laios war das egal. Wo war Neyla? Noch immer preschte die Herde durcheinander, alles in seinem Kopf drehte sich, dann sah er sie. Am Boden ... tot?
"NEYLA!"
Er bemerkte aus dem Augenwinkel, dass etwas Schwarzes, Rasendes ganz in seiner Nähe wütete, aber das war ihm egal, vollkommen egal. Sollten die Wölfe doch sterben, solang seine Neyla am Leben blieb. Wie ein gehetztes Tier stürzte er auf sie zu, ein anderer Wolf stand in ihrer Nähe, Laios hätte ihn wohl erkannt, hätte er auch nur einen Blick für den Rüden übrig gehabt. Keuchend stürzte er neben ihr nieder, sie blutete, Hufabdrücke hoben sich leutend rot von ihrem grauen Fell ab, ihr ganzer Kopf schien zu bluten, es roch metallisch, grausam, falsch. Er schnupperte hecktisch, winselte, stupste sie an, zuerst sachte, dann fester.
"Neyla, wach auf, wach auf!"
Er leckte ihr das Blut von der Stirn, hecktisch, rasend, doch Neues kam, vermischte sich mit dem Regen, lief ihren Körper hinab, sammelte sich zu seinen Pfoten, färbte sie rot, so rot. Er winselte erneut, drückte seine Schnauze in ihr Fell, zuckte, stupste, wollte sie aufwecken und spürte doch nur ihren leblosen Körper.
"Neyla, wach auf! Wach auf verdammt, wach endlich auf! Neyla, nein ... nein, nein, nein!"
Wie ein Rasender begann er zu zittern, die blutbesudelte Schnauze noch immer in ihr Fell gedrückt, die Augen blind, die Ohren taub.
Als es dann plötzlich losging, regte es Falk nicht sonderlich auf. Eigentlich bemerkte er den Beginn der Jagd auch gar nicht richtig, denn 80% seines Geistes, seiner Gedanken und seiner Wahrnehmung waren voll und ganz auf die wunderschöne weiße Fähe gerichtet, die er seine Gefährtin nennen durfte, zumindest jetzt noch, die anderen 20% waren es nur, die die Geräuschkulisse aufnahmen: Das leise Trappeln der Wolfspfoten auf dem weichen Waldboden. Das Donnern der Hirschhufe, die im aufgewühlten Erdreich mahlten. Das Schreien Verwundeter. Das Röhren der Hirschbullen. Das Zischen der durch die fliegenden Körper verdrängten Luft. Keuchen und lautes Atmen. Seinen eigenen Herzschlag. Falk sah aus den Augenwinkeln, wie die anderen Wölfe aus seiner Gruppe an ihm vorbeizogen, ihm kam der kurze Gedanke, dass auch er jetzt eigentlich laufen und treiben und jagen sollte, gleichwohl, der Hüne blieb stehen und verfolgte mit wachsamen Augen nur ein einziges Ziel, und das war kein Hirsch, der von der Gruppe isoliert worden war, sondern es war die weiße Ayala, die Falk von Scharfenberg, Beta des Rudels, von sich fortgestoßen und isoliert hatte. Ob er sie nun jagen sollte?
Während die schwarzen Augen des grauen Hünen mit dem schwarzen Rücken den weißen Körper der Gefährtin durch den Regen, unter dem verdunkelten Himmel, zwischen Gestrüpp und Baumstämmen, über dem durchnässten Erdboden verfolgten, kam ihm der Gedanke, wie er sein Verhalten wohl später erklären würde. Er roch das Blut und er sah schon die Verletzten vor sich, und er hörte sich Dinge sagen wie:
"Nein. So schlimm war es? Ach, hätte ich das gemerkt... Nein, ich hab nach hinten hin alles abgesichert... Sollte ja keiner entkommen... Ja, und wer alles? Ja... Ja, Ayala auch? Nein... Nein, das konnte man ja alles nicht wissen... Totgetrampelt? Verblutet? Das Herz rausgerissen?"
Falk redete, nein, dachte sich in Rage. Er spürte fauligen, süßlichen und doch so bitteren Geschmack aus seinem Magen aufsteigen, der Geschmack, den die Übelkeit vorauseilen ließ, und er spürte den Puls in seinem Kopf, seinen Läufen, im Hals und im ganzen Körper, er spürte ihn gegen seine Arterien schlagen, als wollte er ihm sagen, er solle doch aufhören, und er wollte aber nicht aufhören, er spürte sich zu gerne erwachen. Der Graue schlug sich ins Bewusstsein zurück.
Dann kam plötzlich und mit voller Wucht seine bewusste Wahrnehmung zurück. Der Geruch von Blut lag metallisch in der Luft und bedeckte als feine Membran auch die Zunge des Hünen, das Blut um ihn schien omnipräsent, gleichwohl, Ayala war es nicht mehr, sie war zwischen den Bäumen aus seinem Blickfeld verschwunden. Da begann der Hüne zu gehen, er langsam, dann verfiel er in einen Trab, dann ins Laufen, wie von einem unsichtbaren Takt getrieben lief er gleichmäßig über den Waldboden. Der Takt lautete:
"Wenn Ayala was passiert, verzeih ich mir das nie... So dürfen wir nicht scheiden... Ayala - Ayala - Ayala - Ayala - Ayala - Ayala - Ayala -"
Eben noch mit dem Gedanken Leé helfen zu wollen blieb sie schlagartig stehen. Ihr Blick rutschte zu einem Welpen, verletzt nieder getreten. Sie wollte den Braunen (Hiryoga) aus irgendeinem ihr nicht ersichtlichen Grund schützen. Bisher hatte sie sich weitestgehend von Halbwüchsigen fern gehalten - aus Angst. Doch etwas riss ihre Aufmerksamkeit an sich. Ruckartig riss sie den Kopf zur Seite, als das Trampeln von Hufen sich unmittelbar auf sie selbst zu bewegte. Doch noch bevor ihr Augenlicht das in Schein nehmen konnte das Momente später keine Zentimeter mehr von ihr entfernt war spürte sie nur noch stechende Schmerzen und wie ihr minderes Gewicht den Boden unter den Füßen verlor. Das mächtige Geweih des Hirsches hatte sich unter ihre Haut gegraben und sich ruckartig wieder daraus gelöst. Schmerzen zerrissen ihr die Seele und ließen ihr Herz panisch schlagen. Ein stoßartiges Stöhnen drang aus dem Leib als er hart auf den Boden aufschlug. Der aufgeweichte Boden spritzte unter ihr hervor und bedeckte das nachtschwarze Fell fast vollkommen. Die Schnauze aufgerissen und nach Luft ringend kniff sie die Augen zu. Irgendwas verhinderte die Aufnahme von Luft, irgendwas blockierte... sie ahnte böses. Doch diese Ahnung blieb nicht lange... alles wurde Dunkel um sie herum als ein Paar Hufe über sie hinweg trampelte. Das Gewicht... dieser Schmerz.
Erinnerungen ummalten die gespenstische Welt zwischen Leben und Tod. Vorwürfe durchzogen die Stille in ihrem Kopf. Sie hätte sich von dem Welpen fern halten sollen. Es war ihre Schuld wenn er nun starb. Wegen ihr war der Hirsch auf sie zugerannt - hatte vermutlich den Welpen weiter geschädigt; er war ohnehin schon verletzt. Aber war sie daran nicht auch Schuld? War sie nicht einfach bloß zu dumm und zu langsam gewesen? Sie erinnerte sich an einen sonnigen Tag. Das Tageslicht erhellte eine wunderschöne Blumenwiese. "Warte hier. Ich werde wieder kommen!" Ni hatte lächelnd genickt. Sie hatte ihm geglaubt... dem schwarzen Rüden Tóhros. Als sie des Nachts so auf der Wiese lag und wartete hatte sie eine böse Vorahnung gepackt. Kaum eine Sternstunde später hatte das Rudel Jagd auf sie gemacht. Fast alle Welpen des Rudels waren verblichen - eigentlich an verschmutztem Wasser. Doch sie gaben Ni die Schuld daran; sie habe Krankheit ins Tal gebracht, die verdammte Streunerin! Tóhros war nicht unter ihnen gewesen... sie hatten ihn getötet, weil er sie hatte schützen wollen. Alles war ihre Schuld! Über Täler und Felder hatten sie sie getrieben, bis sie letztlich keine Kraft mehr hatte sich zu verstecken und zu rennen... es war still geworden. Das Rudel war umgekehrt... Und sie? Sie war gewandert. Fast immer wieder kam sie in diese Situationen, bis ihr Herz das alles streikte. Ein stressbedingter Herzfehler, der nie wieder von ihr ablassen würde, und sie war selbst Schuld! Nur sie. Kein Wunder, dass sie immer verstoßen wollte. Sie war nicht nur eine dreckige Streunerin, sondern auch noch eine kranke, unheilbare. Wer wollte sich mit einer lästigen Fremden abgeben.
Die Erinnerungen verblassten, alles was blieb war das Dröhnen in ihrem Schädel und die stechenden Schmerzen, das warme Blut, das über ihre Flanken lief und der Geruch des Lebenselixier - genauso wie die Regungslosigkeit... kraftlos... machtlos... ratlos? Leer...
Das Keuchen eines verendenden Atemzuges verließ Eris ruckartig, als sie erwischt wurde. Die Äste des Hirschgeweihs stachen ihr mit einer Wucht in die Rippen und sie wollte erschrocken einatmen, aber da war nur Leere, als sie betäubt durch den Regen flog und bei dem Aufprall fühlte es sich an, wie ein Schlag in die trockene Lunge. Mit einem kalten Schauer und einem lechzenden Geräusch sog sie nun die nasse Luft in sich ein und ihr Herz schlug heftig gegen ihren schmerzvergessenden Brustkorb, wiederbelebt. Für ein erleichtertes Husten blieb ihr jedoch keine Möglichkeit mehr, denn die Erleichterung verflüchtigte sich eiligst.
"Scheiße ...",
fluchte sie mit wispernder Stimme und wollte weg, doch der Hirsch hatte ein Tempo drauf ... Eris sank in den Schlamm und bemerkte, dass das Gefühl irgendwie ziemlich angenehm war und sie war müde und sie konnte eh nichts tun. Mit schmalem, leidig ahnenden Blick schaute sie zu den irren Augen über ihr, der Hirsch schnaufte und Eris hätte auf diesen letzten warmen Atem auf ihrem Gesicht verzichten können. Dann bäumte er sich auf und die Schwarze drehte den Kopf zur Seite, wollte die Augen schließen, doch dann hörte sich der Kampfschrei eher nach einem Schmerzensschrei an und sie blickte verschwommen wieder auf. Eris erkannte etwas Schwarzes, Blutiges und obwohl sie ihn nicht wirklich sah, wusste sie, dass es Acollon war, wer sonst. Und auch wusste sie, dass er nicht wegen ihr hier war, sondern wegen Banshee und dann kam es genauso, er war wieder weg und hinterließ einen noch viel wütenderen Bullen. Auf Augen zu und durch senkte sie die Lider und der Hirsch senkte sein Haupt und Eris war taub. Es war erstaunlich, aber sie war dem sehr dankbar, es wurde dumpf still um sie herum, nur noch sehr leise und unverständlich hörte sie Regen, Stimmen, Schreie, Hufgetrommel, es war alles ein Murmeln und sie fühlte, wie sie tief in den Schlamm gedrückt wurde, in dem sie benommen einschlummerte.
Face Taihéiyo wandte den Kopf rasch zur Seite, sein Gefühl hatte verfluchter Weise mal wieder Recht behalten. Irgend etwas lief hier gewaltig schief. Da Eris plötzlich nicht mehr neben ihm lief, wandte der Pechschwarze seinen Kopf unwillkürlich nach hinten. Warum verdammt war sie stehen geblieben? Face wurde langsamer, was nun? Sollte er auch stehen bleiben? Am Einfachsten wäre es doch weiter zu laufen, so lang er den Hirschen jedenfalls schon halb auf dem Präsentierteller! Aber nein, auch der Leblose war stehen geblieben und hatte sich umgedreht. Er musste wohl oder übel zurück gehen und sie zum Weiterlaufen drängen, er hasste es nämlich zu schreien. Aber leider erblickte der Pechschwarze aus den Augenwinkeln einen Hirsch, der genau auf die Wölfin zulief, jetzt musste er doch schreien ...
Verdammt! Es drang kein einziger Ton mehr aus seiner Kehle, er... er konnte einfach nicht! Seine Seele zog sich bei dem Versuch zusammen und löste ein ähnliches Gefühl wie Ekel aus. Scheiße! Und genau in diesem Moment stieß der Hirsch sein Geweih in die Seite der Wölfin, blieb anschließend auch noch auf ihr stehen. Wie ein Blitzgewitter schossen plötzlich ganz viele Bilder vor seinem geistigen Auge entlang, so schnell – trotzdem konnte er sie ganz genau erkennen.
Cloud, Mord, Cloud, Blut, Cloud, der Mann auf seinem Pferd, Cloud, ein Schuss –vorbei.
Face rannte wieder, das Einzige was er davon jedoch wahrnahm war das Donnern seiner eigenen Pfoten. Er musste ihr helfen, dieses Mistvieh von ihr runter bekommen! Der Regen schlug ihm hart ins Gesicht, doch nichts davon merkte er.
Der Junge lag vor ihm, Blut rann schon seine Mundwinkel hinab und unter seinem kleinen, jungen Körper bildete sich eine Lache. Ein klammerndes Gefühl erfasste den jungen, schwarzen Wolf. Entsetzt starrte er das sterbende Kind an. Es lächelte schwach und streckte seine Hand aus. Der Jungrüde trat zittrig an ihn heran und ließ die Hand des Jungen an seinen Hals gleiten. Irgendwas flüsterte er, mit einem leisen Klicken öffnete sich das Lederhalsband und die Lider schlossen sich. Dann rutschte der Arm, samt Halsband, leblos auf den Boden.
Als sich Face aus der Erinnerung reißen konnte, was es bereits zu spät. Er sah einen weiteren der Bullen mit voller Geschwindigkeit auf sich zukommen und auch der tiefschwarze Wolf rannte schließlich noch. Taub es, seine Läufe nicht mehr kontrollfähig, nur ein langgezogenes Piepen drang durch die entsetzliche Stille. Wie in einem Film, der auf einem alten Gerät abgespielt wurde, kam der Bulle tonlos näher – das Bild flimmerte.
Im nächsten Moment rammten sich die Kreaturen. Es war ein Wunder, dass das riesige Tier sich nicht überschlug. Einen Moment befand es sich mit seinem gesamten Gewicht auf dem Rüden, ein Tritt traf den Pechschwarzen genau in das Genick. Der Druck schleuderte Face ein wenig über den Boden, wie eine armselige Marionette, die man weggeschmissen hatte. Der Schlamm wies eine furchtbare Schleifspur auf, doch diese stammte ja nicht allein von ihm. Nur wenige Meter von Eris entfernt war Face liegen geblieben. Er hatte nichts gespürt – rein gar nichts. Doch der tote Körper wollte ihm nicht mehr gehorchen, es schien fast so als könne er von oben auf sich selbst herab schauen, als hätte man die leiderfüllte Seele vom toten Körper getrennt. Die saphirblauen Augen waren geschlossen, die Schnauze einen winzigen Spalt geöffnet. Die gekrümmte Haltung ließ auf einen mörderischen Sturz schließen, aber sichtbare Verletzungen? Nicht eine Einzige. Trotzdem – kein Atem, keine Regung. War’s das jetzt? War es das jetzt bitte entgültig?
Nein... Durch die Todesstille drang nun wieder das Rauschen des monotonen Regens und die Seele befand sich wieder im Körper des schon längst Toten. Ein verzweifeltes und schier aussichtsloses Gefühl übermannte ihn und so trist wie schon lange alles aussah, konnte er sich auch weiterhin nicht bewegen – hielt die Augen geschlossen. Es würde nie vorbei sein... Bitte, bitte nur eine kurze Pause...
Die Ohren Simariels drehten sich unabhängig voneinander hin und her - immer den Geräuschen nach, die sich in ihre Gehörgänge gruben und alsbald zu einer einheitlichen Masse wurden, aus der lediglich das Geschrei dominant hervorstach. Die Werwölfin kannte solche Schreie.
~ Athena Carrie Ford und sie, im Wald. Die schlanke Athena mit der eigentümlich grau-braunen Fellfärbung und den stechenden, gelben Augen sah aufgeregt nach oben, Simariel folgte ihrem Blick, sah aber abgesehen von den breiten gelb und braun verfärbten Blättern der jungen Birken um sie herum und einige Flecken blauen Himmels nichts Auffälliges. Athenas Augen dagegen funkelten und blitzten vor Begeisterung, und immer wieder verzogen sich ihre Lefzen ganz von selbst zu einem breiten Grinsen. Die Werwölfin fühlte ein leises Flattern zwischen ihren Schläfen und in ihrer Brust... Sie reiste nun schon eine ganze Weile mit Athena und nie wurde sie müde, der jungen Fähe dabei zuzusehen, wie sie die Welt in sich aufsaugte...
"Was ist das?"
"Ich weiß es nicht..."
"Du hörst es doch, oder? Das Schreien?"
"Ja, natürlich, aber ich habe ein komisches Gefühl dabei..."
"Lass uns bitte nachsehen, Simariel. Vielleicht ist jemand verletzt..."
"Athena..."
Athena lief. Simariel immer ihr nach. Dann blieben sie beide stehen. Was sie beide sahen, war ein Menschenkind, das heulend unter einem Baum saß, das Bein merkwürdig verdreht. Sie beide sahen es, nur Simariels Gehirn setzte das Gesehene auch in einen Fluchtreflex um.
"Athena, komm, lass uns abhauen, bitte..."
Athena rührte sich nicht. Dann wurde es plötzlich für den Bruchteil einer Sekunde sehr laut und dann nahm das Brausen Simariel den Atem - als die Stille wie eine riesige Welle über ihr zusammenbrach... Dann fuhr die Werwölfin herum, sammelte ihre Kräfte, spürte, wie sich ihr Geist löste und sie zielte, zielte genau auf... ~
Simariel wich im Lauf einer Pilzgruppe aus und blieb stehen, um sich zu orientieren. Warum fiel ihr das jetzt ein? Warum dachte sie an Athena in diesem Augenblick? Das war doch auch alles Jahre her... Die Weiße dachte, dass sie der kurze Dialog mit Ninniach aufgewühlt hatte und jetzt diese Erinnerungsfetzen nach oben kamen...
Sie schloss die Augen und zwang sich, ruhig zu atmen. Der Wind griff ihr von hinten ins Haar und zerrte an ihr. Dann hörte sie das Donnern der Hufe, Hufe, die Körper auf sie zutrugen. Simariel öffnete die Augen. Drei junge Hirsche liefen auf sie zu, die Angst knisterte leise in ihrem aufgeregten Keuchen... Die drei waren kräftig, aber noch nicht ausgewachsen. Simariel bemühte sich, die drei einzuschätzen. Würde ihre Kraft reichen?
Dann rannte auch sie los und nutzte den Moment der Überraschung der drei Hirsche, um einen mit der Pranke gegen den Baum zu schlagen. Ihre Krallen bohrten sich wie Nadeln in den weichen und verletztlichen Bauch des jungen Hirsches; die Werwölfin hörte das leise Platzen der gespannten Haut, dann spritzte ihr Blut entgegen. Am harten Stamm des Baumes brach das Rückgrat des jungen Hirschbullen sofort, und mit einem überraschten Keuchen verließ das Leben den noch zuckenden Körper. Während sich ein silbriger Schleier über die schreckverzerrten Augen des Tieres legte, hatte sich Simariel bereits abgewandt, um den beiden flüchtigen Tieren nachzujagen. In ihrer Werwolfsgestalt war die Weiße klar im Vorteil - sowohl in Größe, Kraft und Schnelligkeit übertraf sie die beiden flüchtenden Hirsche. Den einen packten ihre Zähne im Nacken; die Fangzähne zerrissen Muskeln, Blut färbte die weißen Lefzen der Werwölfin. Aus der Drehung heraus schleuderte Simariel den vor Schmerz Schreienden dem Verbliebenen zwischen die Beine - um ihm blitzschnell die Kehle durchzubeißen.
Kurz ließ Simariel den Anblick der toten Körper auf sich wirken. Den aufgerissenen Hals des einen, dessen Herz immer noch Blut aus der klaffenden Wunde zu pumpen schien; den zerbissenen Nacken des anderen, aus dessen tödlicher Verletzung in beinahe perversem Weiß ein Stück der Wirbelsäule schimmerte... Dann zerrte sie die Leichen in den Schutz einer Kuhle.
Shit sah Shamus mit einem undeutbaren Blick an. Die Worte des Rüden hallten in seinem Kopf wider. ~Halt die hübsche in Ehren! sonst tut es wohl ein anderer~ Das erste Mal in seinem Leben verspürte Shit so etwas wie Eifersucht. Ein anderer Rüde? Möglicherweise einer, der seiner Neria weh tat? Das würde er nicht zulassen! In der nächsten Sekunde schlich sich aber wieder die Vernunft in seine Gedanken, er überzeugte sich selbst davon, das Neria entscheiden musste, für wen ihr Herz schlug. Da konnte sich niemand einfach zwischen sie stellen, denn entweder, sie liebte den Rüden, oder sie blieb bei Shit.
"Shit würde es auch begrüßen, wenn du dich ein wenig im Hintergrund hieltest, denn du musst erst vorgestellt werden."
Kühl sah er Shamus an. Diese kalte Art passte so absolut garnicht zu Shit. Vielleicht würde Neria das auffallen, dem Fremdling vermutlich nicht. Er hatte nicht erlebt, wie Shit normalerweise war. Seit Shamus aufgetaucht war, war Shit eher ernst und normal.
"Auch du, Neria, du weißt ja warum."
Er schenkte ihr kurz ein Grinsen, ehe er weiter lief. Shamus Frage bezüglich des Begleitens der Seelen ließ Shit im Raum stehen, unbeantwortet. Der Graue wusste nicht wirklich etwas mit dieser Frage anzufangen und befand sie als nicht so wichtig.
Wichtiger war die Unruhe, die ihn ergriffen hatte und das Jagdgeschehen. Er führte Neria und Shamus zielsicher zu der Stelle, an der er verschwunden war und folgte dann der frischen Witterung des Rudels.
"Am besten ihr wartet hier."
Ernst wandte er seine Worte an die Beiden, ohne das er sich nocheinmal umdrehte. Nicht weil er beabsichtigt so kühl sein wollte, nein, jetzt wusste er es so sicher, das es ihm ganz kalt wurde: Hier war etwas nicht in Ordnung!
Schnell rannte er los, bis er die Lichtung erreichte, auf der zuvor noch Hirsche geweidet hatten. Der Anblick der sich ihm bot war noch chaotischer, als sein Charakter. Blut. Verletzte. Tote. Schockiert versuchte Shit sich zu orientieren. Blut von Wölfen, Blut von Hornträgern und deren Herde. Verletzte Wölfe, tote Hirsche. Was war hier nur passiert? Konnte eine Jagd derart schief laufen? Shit erblickte Banshee und sie war das einzige, was er wirklich zu finden gehofft hatte. Nicht weil ihm alle Anderen völlig egal waren, aber nur sie hatte er wirklich kennen gelernt und ins Herz geschlossen.
.oO(Wirklich kennen gelernt, Shit du bist so lächerlich. Du kennst ihren Namen und weißt das sie Alpha ist, mehr nicht!)
Er trat schnell auf sie zu, besorgt. Der Schwarze, den Shit schon am Rudelplatz flüchtig gesehen hatte, lief ebenfalls auf die weiße Wölfin zu, sichtlich besorgt. Sie mussten also wirklich Gefährten sein und vermutlich war er der Alpha. Shit hörte seine Worte und beobachtete die Szenerie zwischen ihm und Tahashy. Mörder. Mörder schimpfte ihn der Rüde, der schützend über Banshee stand. Ihr Bruder? Die Informationen wurden Shit einfach so zugetragen und er speicherte sie zuverlässig in seinem Kopf.
Kurz glitt sein Blick über die toten Beutetiere. Mord war es schon, trotzdem war Tahashy eindeutig im Unrecht. In voller Alphahaltung tappte Shit auf den Bruder seiner Banshee zu und murrte ihn gnadenlos an:
"Spiel dich nicht so auf, siehst du nicht das er besorgt ist?! Was bildest du dir ein hier und jetzt von Mord zu reden? Willst du mir erzählen, das normal war, was hier passiert ist?"
Shits Stimme war laut geworden, hatte nichts mehr mit ihm zu tun, wie er normalerweise war. Hätte Banshee sie gehört, hätte sie sie nichteinmal zuordnen können. Nach dem er Tahashy noch einen vernichtenden Blick zugeworfen hatte, senkte er besorgt den Kopf zu Banshee nach unten und witterte in ihre Richtung.
"Banshee, gütige Leitwölfin?"
Hauchte er.
Leé rannte, wie noch nie in ihrem Leben. Ihre Kraft war nahe dem bitteren Ende und doch rannte sie weiter. Ihr Blickfeld verengte sich und sie sah nur noch diesen Hirsch. Sie war so dicht an ihm dran und er sah sie nicht einmal. Leés Kehle war wie ausgetrocknet. Sie fühlte sich so hilflos. Wie ein Geist, dessen Seele unscheinbar durch die Welt wanderte. Für einen Kurzen Augenblick blieb das Gesamtbild dieses schrecklichen Momentes stehen. Wie das geräuschvoll langezogene Einsaugen des Todeshauchs...Sie sah den Platz des Verderbens vor sich, vor Flammenwänden stehend und unfähig, die Welt zu ändern, ein Schicksal zu stürzen und ein Leben zu retten. Sie versuchte zu atmen, doch es gelang ihr nicht. Taumelnd stürzte sie weiter in die wieder zum Leben erwachte Welt. Ihre Pfoten verloren an Halt und sie stolperte ungeschickt, doch seltsamerweise fing sie sich wieder, verlor zwar an Boden, doch sie rannte weiter. Ihre Ohren flach angelegt und die Rute angezogen. Dann ging alles viel zu schnell. Eine schwarze Gestalt stürzte sich von vorne links in ihr Blickfeld und der Hirsch stürmte unentwegt auf sie zu. Leé stockte der Atem. Trieb sie ihn dorthin? Leé bremste, was nicht ganz so einfach war. Als sie dann auch noch das kleine hilflose Fellbündel direkt vor dem Hirsch sah, bellte sie grell vor Entsetzen und gleichzeitig beschleunigte sie wieder. Der Hirsch überrannte das Fellknäuel kaltherzig und rücksichtslos und Leé sah im gleichen Moment, wie die schwarze Wölfin gerammt wurde und zu Boden sank. Ihre Richtung änderte sich, als sie sah, wie Kaede sich zu dem Welpen robbte. Leé kannte die Graue nicht und doch ging sie zu ihr. Sie hatte in diesem Moment niemanden und schien auch so ziemlich verloren in dieser grausam unberechenbaren Welt... Sie lief vorsichtig zu ihr hin. Leicht geduckt und unsicher.
"Hey du! Schau mich an! Fehlt dir was?"
Die ersten Worte kamen leise, ja fast ängstlich, doch die letzten rief sie beinahe. Sie wollte, das die Fähe sie anschaute und sagte, das es ihr gut ging...Ihr Blick flog über das Fellbündel. Sie wollte keine Tote mehr sehen...
Erschrocken fuhr der Kopf der Fähe zur seite. Sie hatte niemanden kommen gehört, hatte sich so sehr angestrengt zu Hirygoa zu kommen und hatte es doch nicht ganz geschafft. Auch wenn es nicht mehr viel war, was sie von ihm trennte. Sie blickte in die Richtung in der sie die andere Fähe vermutete. Sie hatte angefangen zu sprechen. Ängstlich wie es schien, dann wurde sie aber von wort zu Wort lauter. Langsam spitzten sich Kaedes Ohren. Sie sog den Duft der Fähe ein. Konnte dies Leé sein? Die graue junge Fähe? Soweit sich Kaede erinnern konnte hatte Leé einen ähnlichen grauton wie sie selbst, doch war sie sich nicht sonderlich sicher. außerdem würde man ihren Grauton jetzt wohl nicht mehr erkennen. Er war unter einer Blut und Schlammkruste verborgen. Sie seufzte leise.
"Wer bist du? Bist du Leé? Geht es dir gut? Ich bin Kaede. Falls du mich nicht kennst. Ehrlich gesagt geht es mir nicht so gut. "
Kaede fragte sich ob man ihr dies nicht ansehen konnte.
"Aber ich lebe noch. auch wenn ich es teilweise bedauer."
die schmerzen trieben der blinden Fähe tränen in die augen, welche unter den geschlossenen Liedern hervortraten. sie leckte sie müsham weg. Schmeckte das Salz der Tränen, schlamm und Blut und gab ein keuchenden Husten von sich, wobei sie das Blut und den Schlamm wieder ausspuckte.
"Tut mir leid ich will dich nicht erschrecken. Aber sag, wenn bei dir alles heile ist. Lebt der Welpe kurz vor mir noch? Sein name ist Hiryoga. Er ist mein Patekind. Lebt er noch? Ist alles okay mit ihm? Ich bin zu schwach, ich schaffe es nicht mehr zu ihm . . ."
Sie verstummte. Schwach ließ sie ihren Kopf wieder auf den Boden sinken. Sie konnte sich kein Bild davon machen wie es hier aussah.
"Was ist den überhaupt passiert? Ist jemand tot? Sind viele verletzt worden? Es ist schlimm nichts zu sehen. Ich hoffe wirklich du bist einigermaßen verschont geblieben"
Kaede seuftze wieder leicht. Sie hatte keine Ahnung was sie machen konnte. Was sie sagen sollte. Da durchlief sie ein Schauer. Sie schüttelte sich leicht und hatte das Gefühl, dass sie sich erheben musste. Sie sammelte ihre kaum vorhandenen Kräfte und schob ihre Läufe unter ihren Körper. Sie mobiliserte wirklich all ihre vorhandenen Kräfte und schob sich so zu Hiryoga. Sie wusste dass es vor der anderen Fähe merkwürdig aussehen musste und hoffte sie würde nicht wieder davon laufen. Hilfe konnte sie und Hiryoga wirklich gebrauchen, doch wusste sie nicht wie es dem Rest des Rudels ginge. Doch das donnern von Hufen war nun kaum mehr zu hören.
"Wäre es nicht besser, wenn wir alle veruschen würden zum Rudelplatz zu kommen? Zumindest die die gehen können? Und wenn wir den verletzten helfen?"
Schon hatte Kaede wieder vergessen, dass sie selbst kaum gehen konnte, besser gesagt sich gar nicht rühen konnte. sie hoffte nur, dass der Rudelplatz nicht so kalt sein würde. Sie spürte mittlerweile die Feuchtigkeit druch ihr Fell deutlich hindurch und wieder gab sie ein keuchenden Huster von sich.
Was zum Teufel faselte dieser Graue eigentlich? Und wer war dieser Depp, der meinte Acollon etwas sagen zu können, ihm drohen zu dürfen. Das Knurren wurde wieder lauter. Das Blut röchelte in seiner Kehle, ein ekeliges würgendes Geräusch. Das nasse und durchtränkte Nackenfell stellte sich empor. Die Wut kochte erneut in ihm auf. Eine Woge der Verbitterung und des Grolles. Ihm war dies Spektakel außerordentlich an die Nerven gegangen. Blut, soviel Blut. Soviel tot. Nein, den Schwarzen sollte man keineswegs noch weiter provozieren. Es kostete alle Mühe und Kraft nicht seiner Bestimmung nachzugehen. Alles zu fressen, was er fand, alles zu vernichten, was ihm in den Weg kam. Die gewaltige Anstrengung, diesem Rüden nicht gehörig in den Arsch zu treten, war im Vergleich alle Hirsch auf einmal zu töten eine leichte Aufgabe.
“Noch mal zum mitschreiben, Du Idiot: Ich bin der Tod und nicht schlimmer als dieser. Und falls Du törichtes Arschloch nicht gucken kannst: Diese Fähe ist meine Gefährtin. Also, mäßige Deinen verdammten scheiß Ton und verschwinde, Du Klappergestell!“,
der Zorn ließ ihn diese Worte sprechen, doch er würde es selbst im Nachhinein nicht bereuen so etwas zu dem angeblichen Bruder Banshees gesagt zu haben. Keiner hatte das Recht; zumindest nicht ohne Konsequenzen; den Hünen dermaßen anzuschnauzen. Der Rüde Shit mischte sich ein. Eigentlich wäre der Rüde sofort an die Decke gegangen, nur wegen des Alphagleichen Auftretens, doch etwas besänftigte ihn.
Doch schon im nächsten Moment war ihm dieser Shit wieder zu viel. Was erlaubten sich eigentlich die anderen? Wer hatte ihnen erlaubt Banshee so nahe zu kommen? Die Augen weiteten sich, er ließ seine Schulterknochen aneinander krachen. Vernichtend, wie zuvor Shit, sah er den Grauen an, danach Shit selbst. Eindeutiges Zeichen für beide, es nicht auf die Spitze zu treiben. Vor allem den ihm merkwürdigen Shit sah er drohend an. Vielleicht bildete er es sich nur ein, aber dieser Wolf schien mehr für seine Gefährtin zu empfinden.
Aber zugleich wusste er, seine Weiße würde ihn nicht verlassen, für keinen Wolf der Welt.
“Falls Du Bruder von Banshee mal nützlich sein willst, beweg´ Deinen netten zierlichen Hintern zu den anderen! Sieh nach, ob ihnen was fehlt. Beweg Dich, Du Stück Dreck!“,
was war nur mit Acollon los? Warum diese ansteigende Wut? Wer war noch da? Er brauchte jemanden den er kannte. Falk, ja, da war der Betawolf.
Ohne zu zögern, dennoch mit einem taxierenden Blick für die beiden Wölfe bei Banshee, lief er auf den Halbwerwolf zu.
“Falk“,
brummte er, unterbrach den Betawolf in seinem Gebet.
“Siehe nach den Verletzten. Sage mir bitte, wie viele es sind. Ich werde währenddessen die Unverletzen; falls es noch welche gibt; zusammenrufen“,
der scharfe Blick galt dem Betawolf eigentlich gar nicht, doch im Moment war er ziemlich angespannt.
“Aber zuerst kümmere Dich um Deine Fähe!“
Er mochte Ayala. Irgendwie. Die grauen Augen fegten über den Platz. Immer noch wütend. Mit einem Satz sprang er los. Auf den Hirschbullen in der Nähe von Eris zu. Biss ihn nieder. Riss einige Fleischstücke heraus, um sich ein wenig abzureagieren. Dabei zog er den Nacken nach hinten. Erst jetzt bemerkte er, dass einige Rippen gebrochen sein mussten. Und tatsächlich, als er an seinem Körper entlang sah, stachen zwei Knubbel aus dem schwarzen Fell hervor.
Ignorierend der Schmerzen wandte er sich an die Schwarze. Einst hatte sie ihn mal ansprechen wollen, meinte aber nur unbetrübt „Killerschmetterling“ zu ihm.
“Eris, bleib einfach liegen, wir kümmern uns gleich um Dich!“,
was hieß eigentlich wir? So viele waren sie ja nicht mehr. Die Hälfte des Rudels schien platt gemacht worden zu sein. Widerwillig senkte er seinen Kopf und stupste die Schwarze an.
“Hey“,
meinte er ehrlich. Irgendwie hatte er das Gefühl sie ungerecht behandelt zu haben, in ihrer Schuld zu stehen.
Inzwischen war sie sich des Fehlers bewusst; des Ausmaßes und der Schuldzugehörigkeit ebenfalls. Sie hatte versagt – vollkommen. Als sie Banshees Blick aufgefangen und begonnen hatte, zu begreifen, dass sie völlig falsch vorgegangen war, dass sie das Vertrauen des gesamten Rudels enttäuscht und ihrer Verantwortung absolut nicht gerecht geworden war, war es ihr, als ob ein Teil in ihr stürbe. Das, wofür sie die letzten Monde gekämpft hatte, das, wofür sie überhaupt wieder angefangen hatte zu leben, alle Grundsätze, die sie vertrat und für die sie sich eingesetzt hatte, alle Beziehungen, die sie aufgebaut hatte – sprich: alles, was mit diesem Rudel zusammenhing, schien mit einem Mal völlig zerstört. Zersplitterte Bilder der Vergangenheit tauchten auf, zeigten sie, wie sie abgemagert und völlig verängstigt hier aufgekreuzt war, aufgenommen wurde … versagt hatte. Versagt, wie immer. Verlasse dich auf alle um dich, aber nicht auf dich selbst – und lass niemals zu, dass andere die vertrauen, du enttäuschst sie doch nur. Gläserne Stimmen hallten wider, Spitzes, Zweigähnliches bohrte sich in sie hinein und zerbrach sie, am Ende konnte sie nicht einmal mehr das Rauschen des eigenen Blutes hören.
Und sie rannte. Die Rike trampelte alles nieder, was ihr in den Weg kam, stolperte über die leblosen Körper, die noch vor kurzem so voller Leben gewesen waren, sackte immer wieder im Schlamm ein, blieb stecken. Immer wieder entfuhren ihr Geräusche der Panik, der Ausweglosigkeit und der schieren Angst. Die Augen geweitet, nahm sie ihre Gegner visuell nicht wahr – im Gegenteil, sie rannte, schleppte sich immer weiter, riss sich los, gab nicht auf – dafür jedoch mit jeder anderen Faser ihres Körpers. Der Gegner steckte überall. Schnürte ihr die Luft ab, blockierte ihr Denkvermögen, lähmte ihre Bewegungen.
Wann die Farben zurückkehrten, wusste Ayala nicht. Wie sie es geschafft hatte, sich aus der Menge zu befreien, bevor die schwarze Nacht sie umgab, war ihr völlig unerklärlich. Doch ihr war, als hätte sie irgendwo in den Wipfeln der Bäume über ihr die Stimme ihres Gefährten gehört, die alte Stimme, die so vertraute, die, die sie so liebte. Ihr war, als hätte er sie gerufen.
Und über eines war sie sich inzwischen definitiv im Klaren: Sie würde kämpfen. Sie musste alles geben, wenn es auch das Letzte war. Sie war es den anderen und sich selbst schuldig. Sie musste darum kämpfen, dass es keine Verletzten gab, keine Toten, … bei diesen Gedanken rannte Ayala los, verbiss sich in die Flanken einer scheinbar völlig orientierungslosen, aufgelösten Rike und bemerkte zum ersten Mal, dass der Geschmack des Blutes überall in der Luft hing. Unwiderruflich und grausam.
Um Himmels Willen, wie lange war sie so dagelegen. Wie viel Zeit hatte sie verschenkt. Sie musste weiter, weiter, weiter, bis sie ihre Liebsten fand, Eris, Riku, Leé, Hanako; bis sie wusste, dass es Banshee gut ging, bis sie
Shit lächelte Acollon sanft zu, als Reaktion auf dessen aggression ihm gegenüber. Das war es, was er gewohnt war. Endlich wieder ein Hauch von Normalität. Seine Ohren drehten sich zu Acollon. Dreck. Das war sein Name, doch der Alphawolf nannte Banshees Bruder so. Irritiert folgte er dem Schwarzen mit den Augen und beobachtete, wie er sich um eine Wölfin kümmerte und hier und da Anweisungen erteilte. Auch Tahashy sollte sich um die Anderen kümmern, damit stand für Shit fest, das er bei der gütigen Alphawölfin bleiben würde. Seine Augen fixierten sein Gegenüber, wollten eine Reaktion erhaschen. Auf das was er gesagt hatte oder auf das Gesagte von Acollon, doch dann war es plötzlich egal.
„Banshee.“
Blick glitt wieder zu der weißen Wölfin hinunter und die Besorgnis über ihren Zustand schlich zurück ins Gesicht des Grauen. Seine Stimme war begleitet von Sorge, er flüsterte den Namen der Leitwölfin sanft und liebevoll.
.oO(Alles wird gut!)
Flehte er eher, als er es dachte. Shits Schnauze näherte sich sich der von Banshee, berührte sie sanft und stupste sie unsicher ab, als erhoffe er sich eine Reaktion.
Der Regen klatschte dem grauen ins Gesicht. Er konnte kaum etwas erkennen, doch er hörte und fühlte. Und das reichte ihm auch vollkommen. Panisches Röhren der Hirsche, Schreie, wilde Rufe – alles vermischte sich zu einem seltsamen Singsang, der einem Kopfschmerzen bereitete. Als ob die Todesengel ihren Gesang für jene unglücklichen Seelen angestimmt hätten. Die stechenden Augen lagen auf seiner Schwester. Was zum Henker tat sie da? Und dann kamen auch noch seine Mutter angestürmt und sein Vater kam dazu noch angesegelt. Hatten die beiden so wenig Vertrauen in ihn, das er seine Schwester beschützen konnte? Niemals! Er achtete nicht auf seine Mutter, die sich schützend über ihn und Sheena geduckt hatte. Wollte sie selber drauf gehen? Sein Blick richtete sich auf den Hünen, der sie anbrüllte. Sein Vater wollte genau wie er seine Familie schützen. Endlich regte sich Sheena, taumelte vorwärts, doch kam sie kaum von der Stelle. Dann sprang einer der Hirsche direkt über sie drüber. Mit vor Schrecken geweiteten Augen starrte er dem Hirsch hinterher, dann rannte er. Kopflos, ohne nach zu denken auf Sheena zu. Aus dem Augenwinkel hatte er noch einen Hirsch bemerkt, der sie über den Haufen rennen würde. Ohne Sinnen rannte er los. Krallte sich, so gut es ging im Boden fest, der glitschiger als Schleim war. Auch er schlidderte, doch jetzt... Er stieß so fest er konnte vom Boden ab und stieß mit einem Hechtsprung seine Schulter gegen seine Schwester, beförderte sie so aus der Gefahrenzone – er hörte das Donnern der schweren, harten Hufe hinter sich, die panischen Augen des Tieres, als es dann ach schon direkt über ihm war. Er spürte einen Schmerz an seinem Nacken, der sich über seine Schulter zog. Nur ein Streiftritt. Dennoch sickerte dunkles Blut aus der Wunde, tropfte durch sein Fell und vermischte sich mit Dreck und regen. Er keuchte, sein Atmen ging nur Stoßweise, dennoch bekrabbelte er sich wieder, drängte seine Schwester einfach zurück, bis er sie in Sicherheit wusste. Er wandte den Kopf mit den scharfen Zügen, die er so deutlich von Hidoi geerbt hatte. Er lief wieder zurück, die paar Meter kamen ihm wie eine Ewigkeit vor. Er musste jetzt auf ihn zählen können und der Graue musste ihm vertrauen. Das Rudel brauchte ihre Unterstützung. Denn solange noch immer so viele Hörnertiere unterwegs waren, schwebten sie alle in Gefahr. Der Kriegersohn blickte dem Kämpfer mit einem kalten Blick in die Augen. Sie mussten jetzt helfen. Er war keiner, der sich so schnell verkroch. Das musste endlich Mal verstanden werden. Seine Mutter schenkte er auch noch einen kurzen, entschuldigenden Blick, ehe er sich von seinen Eltern abwandte und losstürmte, ins Kampfgetümmel hinein. Wo sollte er zuerst hin? Eine Rike stand mit ihrem Jungen in der Nähe, doch plötzlich löste sich das Kitz, rannte voller Furcht und ohne Sinnen durch das Getümmel. Die erkalteten Augen blitzten auf, als sich der junge Wolf bereit zum Sprint machte. Seine schon angespannten Muskeln waren nun zum Zerreißen gespannt, die Ohren waren fest angelegt, die bronzenen Augen zu Schlitzen verengt. Mit einem brüllähnlichem Laut stürzte er sich auf das junge Leben und riss es mit einem Sprung zu Boden, ehe er darüber hinweggeschleudert wurde, schliddern weiter rutschte, sich noch immer rutschend um drehte, zum nächsten Hechtsprung ausholte und die Kehle zerriss. Er schmeckte Blut auf seiner Zunge und eigentlich würde es ihm den Magen umdrehen. Es war einfach noch ungewohnt. Doch er war einfach nicht mehr Herr seiner Sinne. Die Lefzen zurückgezogen stand er dort auf dem leblosen Leib des Kitz, nicht ahnend das die Mutter alles mit angesehen hatte und wohl oder Übel Vergeltung üben würde.
Die Realität hämmerte auf den Grauen ein. Die Trance ließ nach, er spürte wieder den harten kalten Regen. Der Hunger wurde wieder unerträglich, die Kraft schwand. Für einen Moment lang hatte vergessen wie schwach und ausgehungert er doch war. Er hatte nur sein Ziel vor Augen gehabt. Seine Schwester endlich vor dem Grauen zu treten... sie zu beschützen. Ganz zum Gegenteil hin hatte er sie aber nun tatsächlich bewahrt. Ihren Gefährten hatte er verärgert. Doch Tahashy kam nicht drum rum und ließ einen verächtlichen Blick dem Alphawolf zukommen. Wie kam dieser Schwarze zu der Meinung er wäre der Tod? Wenn gleich doch ein seltsame Aura von ihm ausging.
“Und wenn schon“,
murrte er,
“Selbst der Tod braucht Respekt vor den Lebenden, ansonsten wäre seine Existenz unbegründet!“
Mit der zurückkehrenden Wahrheit, wurde auch sein Stolz größer. Eine faszinierende Ruhe schlich in sein Herz. Während er den so unschönen Befehl des Schwarzen ausführte, schloss er genüsslich und vielleicht sogar etwas glücklich die Augen. Gefühle waren nicht seine Welt, dieser Tag war halt eine Ausnahme gewesen. Er hatte nun endlich wieder eine Aufgabe gefunden. Er schritt an dem Schwarzen vorbei.
“Und nennst Du mich noch einmal Klappergestell, Du Depp, dann setzt es was!“,
damit war wohl die Feindschaft ausgesprochen. Hier würde der Graue nicht willkommen sein. Sollte ihm gleich sein. Denn er war einst hier geboren und würde sein Zuhause vorerst nicht wieder verlassen. Sein Weg führte ihn zu einer grauen Wölfin (Kaede). Die bei sich einen Welpen hatte (Hiryoga). Mit einer gleichgültigen, dennoch sanften Miene trat er auf die beiden zu:
“Seid ihr okay?“,
eine unbeholfene Frage für diese so miese Situation.
Erst jetzt fiel ihm auf, dass die Wölfin erblindete Augen hatte, entschuldigend sah er zur Seite, um ihr nicht Nahe zu treten. Wenngleich er doch wusste, dass sie es nicht sehen konnte.
Fest schloss der Welpe die Augenlieder, er wollte es nicht sehen, all den Hass, den Schmerz, all die Verwüstung und er wollte sie nicht sehen. Er wollte nicht wissen, wie schlimm sie wirklich aussah, wie sehr sie verletzt worden war, doch konnte er es sich denken, es sah schlimm aus, wie die Rike auf sie zugelaufen war, wie sie dagelegen hatte. Er fühlte sich jämmerlich, er fühlte sich schwach, aber nicht weil er kaum noch am Leben war, nicht weil sein Körper sich wie zertrampelt anfühlte, nein, weil er nicht für sie da gewesen war. In den letzten Monaten hatte er sie fast so sehr lieben gelernt, wie seine Mutter, sie folgte direkt nach ihr, in manchen Hinsichten war sie hin und wieder eine Art 'Ersatzmutter' für ihn gewesen, doch meist nur eine gute Patin, eine wunderbare große Schwester. Er hatte sich vor einiger Zeit geschworen, das er ihr Augenlicht sein wollte, dass er ihr Kraft und Hoffnung geben wollte, dass er sie beschützen würde und so für sie da sein würde, wie sie es für ihn war, sie nahm ihm die Angst und er wollte ihr die Angst vor dem Unbekannten nehmen, vor dem Unbekannten welches sie nicht sah. Er hatte es nicht geschafft, zum ersten Mal in seinem Leben hatte er sich etwas vorgenommen und noch nicht einmal das hatte er geschafft, er war nicht für sie da gewesen, er war ein schlechtes Patenkind, ein schlechter kleiner Bruder. Er schämte sich schon fast, er begann sich selbst zu hassen, zu nichts war er zu gebrauchen, zu rein gar nichts in diesem Leben, er war nur eine Last, eine Last die man nicht brauchte...
Plötzlich vernahm er Kaede's Stimme, doch konnte er darauf nicht antworten, seine eigene Stimme versagte ihm, er spürte den Drang zu husten, sich zu winden, als er versuchte die Stimme zu heben, doch tat er nichts, er drückte nur die Schnauze gegen den schlammigen Boden. Als er merkte, dass sich Kaede näherte, zuckten seine Ohren kurz hoch, doch nur für einen Augenblick, bis sie sich wieder anlegten. Er winselte nicht mehr, er gab keinen Laut von sich, nur hörte man von ihm immer wieder ein Jappsen nach Luft, er selbst spürte schon, dass etwas nicht in Ordnung war mit ihm, er konnte schlecht atmen, es schmerzte und es war schon fast zu schwer für den geschwächten Körper. Auf einmal spürte er ihre Nähe, sie musste kaum ein Stücken von ihm entfernt sein, als plötzlich eine junge Fähe auftauchte und sie ansprach. Hiryoga legte die Ohren zurück, nun war er gezwungen die Augen zu öffnen und so tat er es. Er kannte die Fähe vom Sehen her, seine Patin hatte Recht gehabt, es war Leé. Stumm betrachtete der Welpe die Fähe, es schien ihr gut zu gehen, zumindest jemand, doch wie mochte er wohl aussehen? Er wusste, dass sein Fell von Kopf bis Pfoten braun war, verklebt von Blut und Schlamm, welches selbst der Regen nicht so einfach raus waschen konnte. Er lag platt auf dem Bauch, die Ohren an den Kopf gelegt, übersät mit Schrammen, seine linke Hinterpfote wirkte ziemlich gequetscht -zweimal wurde er einfach überrannt und einmal erwischte es auch seine Hinterpfote...- doch ansonsten wirkte er nicht wirklich verletzt äußerlich, eigentlich sah es schlimmer aus, als es war. Doch was nahm ihm dann so die Kraft, was ließ ihn dann ermatten? Er spürte es, immer wieder den Drang zu spucken und er hatte Angst davor es zu tun, er wusste nicht was er dann sehen würde, doch sein Instinkt sagte ihm, es würde nichts gutes sein. Er wollte sich nichts anmerken lassen, und er war sich noch nicht einmal sicher, niemand konnte es gemerkt haben, dass er innerlich verwundet war und niemand wusste es.
Langsam schwenkte der Hellbraune den Blick zu der Grauen vor ihm, er kniff die Augen zu Schlitzen zusammen, sie sah nicht gut aus, ob sie überleben würde, war wohl eine Frage des Willens. Eben hatte er sich noch aufgerichtet, schwermütig, um die angekommene Fähe zu betrachten, nun ließ er sich wieder in den Schlamm zurücksinken, ein tiefer Seufzer entfloh seiner Kehle. Instinktiv hob Hiryoga wieder den Kopf, als er merkte, wie Kaede versuchte das letzte Stück welches sie trennte zu überwinden, ohne groß über die Folgen nachzudenken, versuchte der Welpe sich zu erheben, doch seine Läufe versagten ihm. Abermals versuchte er sich hochzuziehen, taumelnd überwand er das letzte Stück und ließ sich zwischen den Vorderpfoten seiner 'großen Schwester' nieder. Vorsichtig hob er den Kopf an und drückte ihn gegen ihren Hals, er vergrub die Schnauze in dem von Schlamm und Matsch verklebten Fell und schloss die Augen für einen Moment. Doch sofort wieder ließ er sich in den Schlamm fallen, als ein ihm fremder Rüde zu ihnen trat und sie ansprach. Beobachtend blieb er bei Kaede sitzen, ließ den Blick immer wieder über den Fremden wandern, doch auf keine der Fragen antwortete er.
Leise murmelnd drückte er seine Schnauze gegen einen Vorderlauf der Grauen, presste die Ohren an den Kopf und bettete diesen auf der kühlen Erde.
"Es ist meine Schuld..."
Kaum zu hören, höchstens nur für seine Patin, murmelte er die Worte mit letzter Stimme vor sich hin, bis er wieder die Augen schloss und nur noch ruhen wollte.
24.12.2009, 19:15
Was hatte Averic eigentlich getrieben? Och er... Natürlich hatte er fast schon mustergültig auf seinen Vater gehört und war ihm gefolgt, eine Weile. Kisha hatte er vorhin noch einfach überhört. Seine Aufmerksamkeit lenkte sich jedoch immer wieder in eine andere Richtung und der Pechschwarze versuchte mit allen Mitteln seinen Cylin ausfindig zu machen. Aber er fand ihn nicht, nicht den kleinen Träumer mit den bernsteinfarbenen Augen, dafür weitaus schlimmere Dinge. Die Wildtiere waren vollkommen durchgedreht und rannten wild umher, die Wölfe über den Haufen, was zur Folge hatte, dass auch sie den Verstand verloren. Zumindest die, die sich noch auf den Beinen halten konnten. So auch Acollon. Und da war es schon wieder, dieses schwarze, gefährliche Gefühl schlich durch seine Glider, Interesse an den mörderischen Dingen, die sein Vater tat. Er beobachtete jeden Schritt Acollons, wie er auf die Hirsche losging und wirklich alles kopflos nieder metzelte. Wenn man Averic so ansah, so wüsste man wahrscheinlich nicht, was man denken sollte. Die dunkelblauen Augen verengt und wirkten trotzdem irgendwie unbegeistert, fast gelangweilt.
Er wandte sich vom irren Treiben seines Vaters ab und schritt lautlos auf einen der hingerichteten Kadaver zu. Stehen bleibend befanden sich seine Vorderpfoten nun in einem Gemisch aus Blut und Regen, auch der Anblick des toten Tieres war nicht der Schönste. Averic interessierte sich jedoch gar nicht daran, eher wartete der junge Rüde auf jemanden. Dieses Tier hatte sein Vater gerichtet, also würde er ganz sicher auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Ja, er konnte es fühlen, bald war er da. Als sich Averic umdrehte, stand er genau in einer Linie zu seiner Mutter, einem Fremden und Acollon – welcher sich natürlich schon wieder aufregte. Doch der Schwarze achtete eher darauf, was sich noch ein Stück weiter hinter ihnen abspielte. In grausamer Gelassenheit ließ sich der Jungrüde auf die Hinterläufe sinken und heftete seinen kalten Blick starr auf einen rabenschwarzen Schatten, der doch erkennbar durch den Regen wandelte. Wie er saß, wie er schaute – das Ganze wirkte furchtbar unreal, irre und fast schon beängstigend. Dämonisch und besessen, ja das war wohl am Passendsten.
„Der Tod geht um, er wandelt schon um zu nehmen, dein Leben. Schau mal, wie wertlos es jetzt ist.“,
summte Averic kurz leise hin und her wippend und verzog die Lefzen zu einem eiskalten Grinsen. Er erhob sich wieder von dem blutgetränktem Boden und schritt lautlos mit geducktem Kopf einfach grade aus. Sie waren schon dumm, jetzt ließen sie seine Mutter wieder allein dort liegen und kümmerten sich um andere? Okay, dieser Neuling war noch da, aber er würde sicherlich keine Hilfe darstellen. Seine Ohren drehten sich zur Seite, er hörte noch ein schwächliches Röhren. Einer der Hirsche bewegte sich noch und versuchte mit panisch rollenden Augen wieder auf die Beine zu kommen. Stumm suchend sah sich der Pechschwarze nach dem Schatten um, er war leider noch nicht in der Nähe. Die Haltung des Jungrüden war gefährlich und drohend, als er auf das verletzte Tier zulief. Je näher Averic an das Tier – dessen Tod eh schon besiegelt war – heran kam, desto weiter richtete es sich auf. In einem ruckartigen Moment stand es wieder und riss die Hufe nach oben. Zeitgleich sprang Averic dem Hirsch an die Kehle und dieser rutschte vom Druck erfasst im Schlamm aus, viel mit einem Knacken in der Wirbelsäule auf den Boden. Der junge Rüde war federnd auf allen vier Läufen wieder aufgekommen, hatte aber die Kehle noch im Maul – biss zu. Er schmeckte das warme Blut, welches um seine Lefzen rauschte, seinen Hals entlang tropfte, ein .. gutes Gefühl. Von dem Kadaver ablassend schleckte sich der Dunkle über die besudelten Lefzen, blinzelte kurz. Überall ein Gemisch aus dem bekannten Grau und der Blutsfarbe. Das Ganze sah wirklich wahnsinnig und grausam aus, doch es faszinierte Averic. Seine nassen, befleckten Pfoten trugen ihn weiter, seiner Mutter entgegen, doch fixieren tat er weiterhin den Tod, welcher von Kadaver zu Kadaver wanderte. Vor Banshee blieb er stehen, würdigte diesen Shit keines Blickes und legte den Kopf schief. Kalt fixierten seine Augen das Gesicht seiner Mutter, sie war das Gegenteil von Acollon.
„Sie wird er nicht holen...“
Murmelte er und wandte den Kopf zur Seite. Wo verdammt war Cylin? Sein geliebter Bruder hatte sich doch in der selben Gruppe wie Banshee befunden, wo war er!? Ein raues Knurren verließ die Kehle des jungen Rüden, den man nur noch wegen seiner Größe und den Gesichtszügen für einen halten konnte. Er war kein Welpe mehr. Rasch trabte Averic los, die spitzen Ohren aufmerksam aufgestellt wollte er sich dem Todesschatten nähern, ja eine Weile lief er fast neben ihm. Ein fieses Grinsen stand auf seinen Lefzen, während er die rot glühenden Augen betrachtete. Seine eigenen Gedanken waren klar – Cylin bekam er nicht. Niemals. Fast hinter Acollon blieb Averic stehen und ließ den Schatten weiterwandern, würde sein Vater etwas merken? Wieder ein weiterer Kadaver und da zwei Wölfe. Acollon stand bei Eris, doch ein paar Meter weiter lag noch ein Wolf. War der etwa schon tot? Langsam lief Averic auf diesen zu, es handelte sich um den merkwürdigen, gefühllosen Fremden – Face Taihéiyo. Er konnte keinen Atem und keine Regung bei ihm feststellen, trotzdem lief der Schatten aber an ihm vorbei.
„Hm...“
Die tiefblauen Augen verengend musterte er den Tiefschwarzen, irgend etwas stimmte mit ihm nicht, aber das war eigentlich nichts Neues mehr. Sein Blick wanderte hinüber zu seinem Vater, warum machte der eigentlich plötzlich einen auf besorgt? Seine Art war es nicht und zu ihm passen tat sie auch nicht. Der bluttriefende Acollon. Wusste er auch, wie es nun weiter ging? Schließlich lag das halbe Rudel im Matsch. Die Situation war bedenklich und für einige vielleicht noch lebensgefährlich, trotzdem fand es Averic irgendwie .. belustigend. Er lief ein Stückchen weiter und wieder nach Cylin zu suchen, entfernte sich von den 3 Wölfen, bis er sich nicht mehr in unmittelbarer Nähe von jemandem befand. Noch immer lag dieses fiese Lächeln auf seinen Lefzen.
Müde hob die Fähe abermals leicht ihren Kopf als sie einen Rüden sprechen hörte. Hiryoga hatte es geschafft und das letzte Stück zu ihr überwunden und sie dankte ihm.
"Mein Schatz geht es dir gut? Es hört sich leider nicht so an? Du bekommst schlecht Luft oder?"
Die Fähe musste die Wahrheit wissen. Sie Hustete trocken. Sie wusste nicht was bei ihr eigentlich noch in Ordung war. Sie drükte ihre Schnaute ebenfalls leicht in sein Fell und flüsterte zu ihm.
"Nein es ist nicht deine Schuld mein kleiner. Ich war doch schon wieder zurück gegangen. Eris hat mir doch schlauer Weise gesagt ich soll der Jagd lieber Fern bleiben und ich bin zum Rudelplatz. Leider habe ich dann wohl die Richtung verfehlt, aber ich werde leben das verpsreche ich dir."
Wieder hustete sie trocken und ihr _Körper zog sich vor Schmerzen zusammen.
"Ich werde für dich weiterleben mein kleiner Schatz!"
Sie spitze leicht die Ohren. Den Rüden der nun eine Weile bei ihnen stand kannte sie nicht.
"Wer bist du? Es geht würde ich sagen. Ich weiß nicht wie schwer mein kleiner Schatz verletzt ist und ich hoffe, dass er am leben bleibt"
Von sich selber sprach sie gar nicht erst, doch sie hörte den Rüden im Matsch zurück treten.
"Wegen mir brauchst du dich nicht schämen. Es ist nicht schlimm dass du erst hinterher bemerkt hast das ich blind bin"
Sie verzog ihre Lefzen zu einem kurzen gezwungenem lächeln. sie konnte oft aus reaktionen schließen, wie die Wölfe es meinten. Sie ließ ihren Kopf wieder sinken, pustete Hiryoga liebevoll an.
"Alles wird gut!"
Sie schloss die Augen erschöpft.
"Aber euch beiden. Leé und dir, fremder Wolf, euch geht es gut?"
Da kam der Instinkt für die anderen wieder auf. Wenigstens war dieser nicht kaputt gegangen. Wieder musste die Fähe husten. wie sie es hasste,dann tat alles doch nur noch mehr weh. Und wieso hustete sie eigentlich?
"Sind die Hirsche endlich weg?"
Fragte sie erschöpft, spürte dass sie schon wieder zu viel geredet hatte. Musste sich aber doch verstädnigen.
Wann die Farben zurückkehrten, wusste Ayala nicht. Wie sie es geschafft hatte, sich aus der Menge zu befreien, bevor die schwarze Nacht sie umgab, war ihr völlig unerklärlich. Doch ihr war, als hätte sie irgendwo in den Wipfeln der Bäume über ihr die Stimme ihres Gefährten gehört, die alte Stimme, die so vertraute, die, die sie so liebte. Ihr war, als hätte er sie gerufen.
Und über eines war sie sich inzwischen definitiv im Klaren: Sie würde kämpfen. Sie musste alles geben, wenn es auch das Letzte war. Sie war es den anderen und sich selbst schuldig. Sie musste darum kämpfen, dass es keine Verletzten gab, keine Toten, … bei diesen Gedanken rannte Ayala los, verbiss sich in die Flanken einer scheinbar völlig orientierungslosen, aufgelösten Rike und bemerkte zum ersten Mal, dass der Geschmack des Blutes überall in der Luft hing. Unwiderruflich und grausam.
Um Himmels Willen, wie lange war sie so dagelegen. Wie viel Zeit hatte sie verschenkt. Sie musste weiter, weiter, weiter, bis sie ihre Liebsten fand, Eris, Riku, Leé, Hanako; bis sie wusste, dass es Banshee gut ging, bis sie wusste, dass sie Falk noch nicht verloren hatte und ihn niemals verlieren würde.
Leé stand etwas unbeholfen da. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Sichtlich gerührt von der Situiation zwischen Kaede und dem Welpen lächelte sie kurz. Als dann der Fremde auftauchte wich sie zuerst zurück. Sie wusste nicht so genau warum. Ihre Ohren schnippten nervös. Wer war denn das? So viele neue Wölfe haben das Tal betreten. Sie fühlte sich unwissend. Klang seltsam, doch es war so. Am liebsten hätte sie wieder alles über den Fremden erfahren. Plötzlich fiel ihr auf, dass sie wieder wie früher war. Sie wollte wieder alles wissen und war nicht mehr so verträumt. Es fühlte sich besser an. Wacher. Leé blickte mit grossen, ja fast schuldbewussten Augen zu Kaede.
"Ja mir geht es gut...mir fehlt nichts."
Ja, ihr ging es gut. Doch was war mit den anderen. Leé fühlte sich auf einmal so mies. Sie hatte versagt. Warum war sie nicht schneller gelaufen? Warum hatte sie nicht mehr als alles gegeben? Mehr als alles, was sie gegeben hat, wäre genug gewesen um zu verhindern das der Hirsch weiterraste. Hinein in den Welpen und in die Schwarze (schwarz). Leé blickte zu Boden.
Das Gefühl in die Tiefe gezogen zu werden umfing sie, in ein endlos schwarzes Nichts. Immer mehr Bilder tauchten vor ihr auf, mehr und mehr von denen sie glaubte sie hätten längst jegliche Bedeutung verloren. Doch da hatte sie sich getäuscht, gewaltig getäuscht. Diese Bilder, vergangen und doch da machten ihr ganzes Hier und Jetzt aus. Immer flacher wurde ihre Atmung, immer kälter die Luft um sie herum; und doch war es warm... Irgendwo in ihr drin war etwas im Begriff zu sterben. Ihr warmes Blut noch immer so den Wunden triefend und sich mit Regen und Schlamm mischend schien ihr dieses seltsame Gefühl von Wärme zu geben...
Was war das?! Da war ein Bild... von einem tiefschwarzen Rüden. Sie hatte ihn gesehen, kurz bevor der Hirsch sie einfach überrannt hatte. Er war zu einer schwarzen Fähe gelaufen. Wie hieß diese noch gleich? Eris? Ja, Eris war ihr Name. Aber wie hieß der Schwarze? Sie kannte ihn nicht... Aber. Halt! Da war es wieder, das Bild. Ein gewaltiger Hirsch war auf ihn zu gestürmt, ohne Rücksicht. Sie waren kollidiert wie Züge... Und sein Sturz. Fatal... Sie sah jedes kleinste Detail nun genau vor Augen. Nein! In ihrem Kopf rastete irgendwas aus und es war ein stummer Schrei des Entsetzens der immer und immer wieder in ihr hallte. Er war so gestürzt. Er konnte es nicht überlegt haben. Und dann? Dann rannte eines dieser Tiere auf sie zu - sie und den Welpen an dem sie zu Nahe gestanden hatte. Verdammt wieso war sie in der Nähe des Welpen gewesen! Der Hirsch hatte sie frontal gerammt und mehrere Meter geschleudert. Ihr Brustkorp hatte sich schmerzhaft zusammengezogen, war von dem harten Aufprall so sehr gequetscht. Verdammt. Sie bekam keine Luft! Raspelnd drang ihr Atem ach draußen, aus ihrem Körper hinaus in die Freiheit, doch es kam nichts zurück. Nur dieses monotone Raspeln. Was zum Teufel blockierte ihre Atmung?! Es tat so scheußlich weh... Dann gelang es ihr wieder einzuatmen... Dankend bließ sie sie seufzend aus - bekam es aber nicht wirklich mit. Sie spürte nur Schmerzen, unglaubliche Schmerzen. Seelische wie körperliches Leid spannte ein Tauch über sie.
Die halbgeöffneten Augen waren von einem nebligen Schleier verhangen. Wann würde es endlich enden. Sie sah alles was geschah nicht mehr, hörte nicht mehr, war vollkommen weggetreten in eine andere Welt. Und wenn sich ihre Atmung nicht bald neutralisierte würde sie nie wieder in das Diesseits zurückkehren. Ihr war für einen Moment als könne sie auf sich selbst herab sehen, aus den Augen eines Anderen, vielleicht eines Vogels? Sie sah, wie sich kleine Gruppen bildeten - um die Verletzten... wie sie liebevoll umsorgt wurden und es schien ein Lächeln zu bewirken. Leider drang es nicht mehr nach außen, bevor es die Möglichkeit hatte war es in ihr zerfallen, gestorben. Sie sah von ihrer Vogelperspektive aus weiter zu... der Schwarze, dessen Bidlniss sie gesehen hatte, es grade erst wirklich realisiert hatte und noch immer dabei war zu verarbeiten... er war auch allein. War er tot? War sie tot? Wie viele waren tot? Und... war es wirklich so, wenn man tot war, oder war es nur wieder eine Zwischenebene?
Die Frage beantwortete sich von allein, als sie wieder nur Schwarz vor Augen hatte. Sie lebte noch - und das bekundigte auch ihr Schmerz. Dieses endlose Brennen der offenen, klaffenden Wunden, der stechende Schmerz in ihrer Brust und die Kraftlosigeit... Schmerzen gaben einem die Gewissheit, dass man noch lebte. Aber wieso konnte sie die Augen nicht öffnen. Dumpf klangen Stimmen, schienen Kilometer entfernt und so... unwirklich und verzerrt. Sie sah die Bilder von Toten. Alle Tode an denen sie schuld gewesen war krochen vor ihrem inneren Auge, schleifen durch ihren Geist und hinterließen tiefe, verletztende Furchen... Ihr Herz verkrampfte sich, hämmerte matt gegen ihre Brust, wurde schwächer und schlug dann plötzlich wieder so kräftig zu, dass sie am liebsten zusammengezuckt wäre. Doch kein Muskel rührte sich. Und irgendwie... ja irgendwie wünschte sie sich, dass das hier wahrlich die letzten Minuten in ihrem Leben waren. Sie kannte es ja, wenn ihr Herz plötzlich aussetzte und seinen Rhythmus verlor... da war es. Genau das... weiter driftete ihr Geist in eine unerreichbare Gegend ab. Atmung.. kaum. Herzschlag... nicht mehr zu hören? Doch! Da war er wieder. Setzte wieder ein. Erst langsam, dann flatternd und unregelmäßig. Wieso endete es nicht einfach. Würde doch nur noch ein Hirsch über sie rennen und ihr den Gnadenstoß versetzten. Aber scheinbar war es nicht ihre Bestimmung... Sie wollte nicht Leben, sie hatte doch gar keine Kraft dazu. Sie war allein; war es selbst jetzt - und es tat irgendwie gut. Wenigstens darauf konnte sie sich verlassen, immer allein zu sein - so leicht zu verletzten wie ein dünnes Glas... und Simariel hatte schon vorher mit Kiseln dagegen geworfen, obwohl es brüchig war. Doch jetzt war es, so schien es ihr, ein für alle Male zu einem einzigen kleinen Schrebenhaufen zerfallen. Ewiges Schweigen würde sie umfangen. Stille... Stille... ewiges Schweigen...
Wie Ebbe und Flut kam der pochende Kopfschmerz und mit jedem Wellenschlag schwemmte er sie wieder weiter ins Bewusstsein zurück. Oh, ihr Kopf tat so weh und es war kalt geworden. Der Schlamm war nichts mehr von einem warmen Bett, sondern nass und frierend. Die Schwarze spannte mit noch geschlossenen Lidern die verspannten Muskeln an und spürte ein warmes Kribbeln in den kalten in lehmigen Matsch gebetteten Pfoten. Das erleichterte Eris stark, denn irgendwie hatte sie die Befürchtung gehabt, nichts mehr spüren zu können, ihr kurzer Schlaf war unendlich tief gewesen und es hatte quälend lange gedauert, aus dieser Betäubtheit ans traute Ufer geschwemmt zu werden.
Bei diesem erneuten Gedanken daran, sprang die zierliche, zerrupfte Fähe demonstrativ auf, um ihn abzuschütteln und sich mit den Pfoten in das Ufer zu klammern. Ein kaltes Zittern durchfuhr sie, dass sie nicht an sich halten konnte, aber danach erwachte die zögerliche Wärme wieder in ihr, trotzdem fühlte sie sich noch wie ausgekotzt und ihr selber war auch nicht so gut.
Mit den weit geöffneten Augen blickte sie sich um und sah die letzten Rehe davontrippeln, versuchte gleichzeitig das Schlachtfeld zu ihren Pfoten bestmöglich zu übersehen. Erschöpft fand ihr Blick Banshee, die am Boden lag und deren weißer Pelz von Blut gefärbt war, aber zu ihrer Erleichterung hob und senkte sie den Brustkorb ruhig. Brüchig atmete Eris aus und ihr Atem fühlte sich unangenehm kühl an. Nun erblickte sie auch Acollon, der zu ihrem Erstaunen eigentlich direkt neben ihr stand, irgendwie war er ihr nicht aufgefallen. Doch jetzt schenkte sie ihm ein etwas kaputtes Lächeln und musste den Kopf zur Seite legen, denn da war etwas ... irgendw ... sie hatte seine Stimme ihm Ohr, keine verständlichen Worte, nur eine Stimme aus verklärten Lauten, eine rauhe und gleichzeitig erstaunlich sanfte Stimme ... war das ein Hirngespinst von ihr? Aber ihr war so, als kenne sie Acollon anders, als früher.
"Hey, Aco.",
grüßte sie ihn mit leiser, angegriffener Stimme und ging langsam an ihm vorbei, er sollte mal zu Banshee gehen, irgenwie war es nicht richtig anzusehen, dass Andere bei ihr standen ... dann auch noch welche, die Eris nicht einmal kannte, fiel ihr auf, als sie mit gerecktem Hals während des humpelnden Gehens zu ihnen schaute. Beim Auftreten spürte sie die Stiche in den Rippen am deutlichsten und sie musste die Zähne zusammenbeißen, aber gütigst, sie wollte sich kein zweites Mal hinlegen, das war ihr zu gruselig.
Sie entdeckte Face im Schlamm liegen und die skurrile Haltung, mit der er da lag, trieb Eris die Falten auf die Stirn und sie biss sich auf die Lippe. Sie senkte die letzten Schritte ihre Pfoten in den Matsch und stand nun über ihn gebeugt. Sein Atem ging nicht, aber sie meinte zu erkennen, dass sein Brustkorb sich sehr, sehr langsam bewegte ... oder irrte sie sich? Sie stand einige Zeit so da und starrte auf sein Brustfell, ob sein Herz ging, vermochte sie nicht zu sagen, aber ihr eigenes rappelte sich merkwürdig ihren Hals hoch. Tot? Einfach so ... tot?
"Face ...?",
fragte sie, als säße sie vermutlich allein in völliger Finsternis und schaute auf sein Gesicht.
Parveen hatte doch nur gedacht, dass nach den Worten ihres Vaters alles besser werden würde, alles anders, aber wieso spürte sie den Stich in ihrem Herzen das es nicht stimmte? Noch immer hatte keines ihrer Geschwister bemerkt, dass sie weinte, dass es ihr weh tat nicht beachtet zu werden, nicht einmal angesehen zu werden von irgendeinem der vielen Welpen. Nicht mal in dieser Gruppe reagierten ihre Geschwister auf sie und Parveen ließ weiterhin ihr Haupt hängen, sie fühlte sich noch immer so klein und unbeholfen. Kurz seufzte sie, sah auch wieder auf, diese Jagd würde doch gar keinen Sinn machen, sie stand doch sowieso nur rum und würde ignoriert werden, ihr Vater würde doch seinen Sohn vorziehen um ihm die Jagd beizubringen, welche Rolle spielte sie da denn noch? Parveen schüttelte sich kurz, um den harten Regen aus ihrem Fell zu bekommen, natürlich hatte dies keinen Zweck, denn es hörte gar nicht mehr auf zu regnen, sie hatte das Gefühl, als würden harte Blitze ihren Stern berührten, denn in ihrem Kopf pochte es wieder unerträglich, aber da irrte sie sich, es war nur der Regen da, mehr nicht. Und irgendein schlechtes Gefühl in ihr, ein Gefühl, das ihr Herz zerstörte, dass ihr all die Hoffnungen der letzten Monate nahm. Irgendwann, als Parveen es gar nicht richtig wahrnahm, begann die Jagd, ein Zeichen ihrer Mutter, welches auch die Jungwölfin wahrgenommen hatte, ließ die Wölfe aufschrecken und in ihren verrückten Bluthunger verfallen. Parveen sah kurz zu ihrem Vater, dann drückte sie ihren Körper gegen einen Baum, der in ihrer Nähe stand, und sah die Wölfe nur traurig an. Von ihrer Stirn, ihrem Stern, rollte ein Regentropfen über ihre Nase und tropfte dann auf den Boden, sie spürte die Kälte wie ein Netz über sich fallen. Die Kälte, die von ihrem Herzen, ihrem Stern ausging. Sie spürte das Stechen in ihrem Herzen, welches sich nun in ihre Brust zog und Parveen kurz die Luft raubte. Dann aber sah die Jungwölfin auf und der Horror machte sich vor ihren Augen breit. So hatte sie doch geahnt, dass die Jagd nichts für sie war, geschah eine riesige Katastrophe, die Hirsche waren von dem ganzen Rudel umzingelt, aber was brachte es? Nichts, denn die Tiere drehten durch, wurden hysterisch und griffen die Wölfe der Sternenwinde an. Parveen machte riesige Augen und sie schrie auf, als ihre Mutter von einem Hirsch niedergerissen wurde.
„MAMA!“
Sie konnte ihren Augen kaum glauben, Tränen liefen den pechschwarzen Pelz der Fähe hinunter, eine weitere weiße junge Fähe, die neu im Rudel war, wurde stark verletzt, die Fähe Eris wurde stark verletzt, so viele Wölfe mussten auf einmal leiden, so viele Wölfe wurden zu Boden gedrückt und kämpften um Leben und Tod und dazu gehörte auch ihre Mutter. Parveen wäre am Liebsten zu ihrer Mutter gerannt und hätte um sie geweint, aber immer mehr verließ sie das Gefühl, dass ihre Mutter sie bei sich haben wollte. Liebte Banshee Parveen überhaupt noch? Liebte sie irgendwer aus ihrer Familie noch? Warum bekam sie diese Verlustängste, diese Depressionen? Parveen wollte eigentlich noch irgendwem aus ihrer Familie klar machen, was sie gerade fühlte, was ihr dieser Horror hier bedeutete, aber sie konnte nicht mehr. Ihre Augen waren noch immer wässrig, ihr Stern eiskalt und er löste starke Kopfschmerzen aus, der kleinen Fähe wurde schwummrig, die Bilder vor ihren Augen verschwammen für einige Sekunden, die Schmerzen zogen durch ihren Körper, dann drehte sie sich weg und rannte davon. Sie rannte weg von der ganzen Jagd, von den ganzen Wölfen, tief in einen Wald hinein. Parveen wollte nur noch alleine sein, wollte nichts mehr fühlen und sehen, nichts mehr sagen und riechen, einfach nur noch aufgeben. Irgendwann, nach vielen Metern, nahm sie nur noch ganz schwach Kampfgeräusche dar und es stieg ihr kein Wolfsgeruch in die Nase, hier war sie allein(!). Sie legte sich auf den Boden nieder, der Regen durchnässte sie immer mehr und Parveen schloss die Augen. Sie spürte ihren Stern nicht mehr…sie fühlte sich von ihren eigenen Schmerzen betäubt…ihr war nur noch nach schreien und weinen.
Neria reagierte nicht mehr darauf, was dieser fremde Rüde namens Shamus noch sagte, auch seine dämliche Bemerkung rannte an der jungen und kleinen Fähe nur so vorbei, im Moment spürte sie, das irgendetwas nicht mehr in Ordnung war beim Rudel und das hatte Vorrang, mit dem Rüden konnte sie auch später noch reden und klären, was sie von diesen Dingen hielt. Die Fähe sah sich kurz um, dann aber blieb Shit auf einmal stehen und verlangte von ihr und dem Rüden, dass die Beiden hier warten sollten, Neria war dies nicht gerade wohl, aber was hätte sie denn schon tun sollen? Sie konnte da nicht rein brechen, allein weil die Alphawölfe sie noch nicht kannten und sie somit auch töten konnten, aber daran mochte die kleine Fähe gar nicht denken, die sich doch oft schon so hilflos vorkam in den Pfoten ihres Exgefährten. Als Shit davon lief, in den Horror hinein, schielte Neria kurz den Rüden Shamus an, dann sah sie in den regnerischen Himmel hinaus und seufzte leise.
oO(Liannaka? Was soll ich tun? Umworben von zwei Rüden. Ich will nicht, dass sie sich streiten und um mich kämpfen. Bald kommt der Frühling. Der Frühling voller Liebe und Welpen. Das kann nicht sein, dass ich so unschlüssig bin, was soll ich tun?)Oo
[Höre auf dein Herz, meine Kleine.]
Neria hätte ihr so gerne widersprochen, aber leider hatte ihr Engel doch recht, die Blutroten Federn strichen kurz über ihren sanften Pelz, dann senkte die Fähe ihr Haupt wieder und verstand, das Liannaka aber Recht hatte. Sie musste auf ihr Herz hören, denn nur ihr Herz konnte ihr diese Dinge beantworten.
Aber das war nun nicht wichtig, die Fähe konzentrierte sich auf Shit und sie beobachtete ihn. So wie er Banshee liebkoste, bekam Neria ein seltsames Gefühl. Es versetzte ihr einen Stich im Herzen, er wollte Alpha werden, also würde er auch seine Alphafähe lieben und mit ihr zusammen sein, er bewies es doch sogar gerade, wie nah er ihr war, wie offen und lieblich er mit ihr umging. Neria war traurig, sie war enttäuscht, er war schon so viel länger hier, anscheinend hatte er schon Verbindungen aufgebaut, von denen die junge Fähe nichts wusste.
„So wie du es willst wird es sein…“
Flüsterte Neria, wandte sich von Shamus ab und legte sich etwas entfernt des Rüden auf den Boden und sah zu ihm auf.
„Ich hatte gedacht, Shit würde mich lieben und wir würden im Frühling eine Chance bekommen, aber ich habe das Gefühl, dass er sich zu der weißen Fähe hingezogen fühlt. Rüde, sag mir – täusche ich mich oder siehst du das auch so?“
Neria sah ihn nun ganz direkt an und sie hatte noch nie so ernst, so laut und so offen gesprochen wie sie es nun getan hatte.
Cylin, der kleine Träumer, Sohn Banshees und Acollons, hatte sich zurückfallen lassen. Als die Jagd begann hatte er nicht auf seine Mutter gehört. Er war stumm liegen geblieben. Und dann hatte er ihn gerochen, den Tod, und Panik und Blut. Er hatte zu Averic gewollt, doch dieser war da drin, in diesem Gemetzel, in diesem Tod. Es war alles egal geworden, Cylin hatte sich umgedreht und war davon gestürmt, weg und weiter weg, nur nicht dort. ((Cylin nicht nachgehen, er wurde vorerst wegen Abmeldung heraus geplayt))
Der Regen schlug noch immer erbarmungslos auf die Erde hinab, prasselte im aufgewühlten Schlamm und spülte das Blut zum See, ließ es sich vermischen und unkenntlich werden, auf dass kein Zeuge dieser Blutorgie bleiben würde. Acollon hatte sie getötet, alle, oder so verletzt, dass sie nur noch liegend auf ihren Tod warten konnten. Einzig einer, noch recht jung, bewgte sich noch auf seinen Läufen. Seine Kehle war aufgerissen, er verlor Blut, aber noch stolperte er weiter, wankte zwischen den Kadavern seiner Eltern und Geschwistern, stolperte über sie, roch nur noch Blut und Wölfe, wusste, dass er sterben würde und lief doch weiter. Keiner der Wölfe kümmerte sich mehr um ihn, er könnte fliehen ... ein kleiner Wolf, tief schwarz mit eigentümlichen Augen saß dort, unverletzt und fast ... belustigt. Er schien ihn nicht zu sehen, und auch der Hirsch merkte zwar, dass dort ein Wolf saß, wusste es aber nicht. Er stolperte nur weiter, direkt auf den Kleinen zu, ohne es zu bemerken, schwankte dann, ragte fast bedrohlich über dem Schwarzen auf, ließ rotes Blut auf ihn tropfen und brach dann zusammen. Begrub den Kleinen unter seinem Körper und schenkte ihm den letzten Atemhauch. Damit war auch der letzte Hirsch der riesigen Herde gestorben, nur so wenige Wölfe und ein Fehler hatten so viel Leben gestohlen, das noch hätte leben sollen.
Banshee hatte streitende Stimmen gehört, sie aber nicht zuordnen oder verstehen können. Sie hatte nur den brummenden Schmerz in ihrem Kopf gefühlt, hämmernd und erbarmunglos hatte er gegen ihre Stirn geschlagen. Sie hatte Tritte von dem Hirsch abbekommen, aber er hatte sie nicht wirklich verletzt. Nur einen Schlag an den Kopf, brennend spürte sie noch, wo der Huf sie getroffen hatte, war ernster, er schien sie vom Denken abhalten zu wollen, verzerrte alles und verführte sie zum schlafen. Oder versuchte es ... aber sie musste wach bleiben, ihr Rudel war in Gefahr, sie war sich sicher, dass jemand nach ihr gerufen hatte. Sie musste doch ... jetzt spürte sie eine Brührung, mehrer, ein vertrauter und doch so fremder Geruch wehte an ihr vorrüber, ihre Lider flatterten. dann war es plötzlich leise, schrecklich still, als wäre alles vorbei. Es roch nach Tod, nach und nach schalteten sich ihre Sinne wieder ein. Sie spürte etwas nahe bei sich, etwas kaltes, schrecklich kaltes, leer war es und ... tot. Ihr Körper erschauerte, ohne dass sie ihn in ihrer Gewalt hatte, sie meinte Averic bei sich zu haben, dann war es wieder still und ihr Sohn war fort. Ebenso wie das Kalte, Leere ... was? Dann wieder eine Stimme, ganz nah bei ihrer. Shit ... ja, es war Shit, sie hörte ihn, verstand ihn nicht, aber er war da. Er war wieder da ... dann wurde sie angestupst, er berührte ihre Schnauze. Wieder zuckte Schmerz durch die Stirn, jetzt schlug sie aber die Augen auf. Sie sah Shit vor sich. Er schien besorgt, besorgter, als sie erwartete hätte. Sie musste es noch am harmlostesten erwischt haben.
"Shit."
Sie lächelte, als würde sie einen verlorenen Sohn zurückgewonnen haben. Leicht hob sie den Kopf, sah ih genauer an, nicht, weil sie nun wissen wollte, wo er gewesen war, diese Gedanken waren längst verschwunden, in ihrem Kopf drehte sich noch alles. Sie wusste kaum mehr, was passiert war, niedergetrampelt, aber ... ihr Blick glitt über die Lichtung ... und ihr Herz begann zu weinen. Wo sie auch hinblickte, alles war blutig, tausende und abertausende Kadaver lagen herum, Wölfe, niedergetrampelt und verletzt, alles stank nach tot, nach weggeworfenem Leben, nach Leben, das hätte leben sollen. Sie keuchte leise, plötzlich war ihr Schmerz nebensächlich, egal, sollte ihr Kopf doch hämmern, sie alle ... sie hatten sterben müssen. Für was?
.oO(Oh Engaya ... warum ... warum nur?)
Sie sah wieder zu Shit, schluchzte leise und setzte sich auf. Erneut begann ihr Blick zu wandern, blieb an Wölfen hängen, erkannte sie aber nicht, schwirrte umher, sah nur Tod und immer mehr Tod und blieb schließlich thränenverhangen an Shit hängen.
"Oh Shit ... welch furchtbares Schauspiel musste sich hier ereignen."
Sie drehte den Kopf zur Seite, schien in de Thränen des Himmels zu verschwinden, untergehen, in Tod und Verzweiflung.
Und rotes Blut sickerte um ihre Pfoten.
Etwas verwirrt sah Shamus von Shit zu Neria und wieder zurück...
"Nun..ich denke er ist..ich..." stotterte er..."du stellst fragen" fügte er hinzu und setzte sich dort hin wo er stand.
"Ich denke er würde sich eine große chance vertuen wenn er mehr Interesse an der Weißen hat" sagte er und lächelte verschmitzt.
"Er ist gar nicht der Alpha, oder?" lachte Shamus und sankte sein Haupt...."er ist viel zu....weiß nicht...merkwürdig? Einen Alphaposten wirde er so kaum erlangen können. Wer vertraute ihm denn?" sagte er eher an sich selbst und sah dann zu der Fähe, die sichtilich mitgenommen ausah.
"Hey, macht euch keine Sorgen Neria Callidorá! Er wird das richtige tun" zwinkerte er ihr zu.[/COLOR]
Neyla Zárá war in einen tiefen Traum gefallen. Die Schwärze hatte sich um ihren ganzen Körper gelegt, sie spürte nichts mehr, weder Schmerzen noch den Regen, sie spürte keine Wärme, keine Kälte. Keine Liebe und auch keinen Hass. Was war nur mit ihr los? Vor ihren Augen sah sie ihre Vergangenheit, wie sie als hilflose Welpin in dieser Familie voller Hass aufgewachsen war, wie sie ihre Mutter und ihre Geschwister verloren hatte und doch auch ihren Vater nie mehr wieder gesehen hatte. Ihr Vater war vor ihren Augen, das weiche Fell von ihm, welches doch so staubig war als er sie mit einem tötenden Blick angesehen hatte. Der Körper der Fähe zuckte unruhig, wahrscheinlich hatte sie gemerkt, dass das Chaos der Jagd noch immer anhielt. Wie viele Wölfe doch leiden mussten, Neyla Zárá konnte es nicht sehen, nicht hören, nicht fühlen, sie nahm es nicht wahr, ihr Körper lag einfach nur in dem schlammigen Boden, der Regen fiel auf sie hinab und sie spürte Einsamkeit und Angst, Kälte in ihrem Herzen, welches nicht mehr schlagen wollte. Natürlich, noch lebte die junge Fähe und innerlich kämpfte sie natürlich. Sie kämpfte darum, sich nicht von diesen Tieren niederstrecken zu lassen, außerdem war sie noch viel zu jung, um zu sterben, sie hatte doch noch so vieles vor sich. Und Laios! Ihr Geliebter Rüde, er war doch bei ihr oder? Würde sie denn nicht selbst in ihrem leblosen Zustand seine Wärme und Liebe spüren? Natürlich würde sie, wenn sie doch nur irgendetwas fühlen würde. Der Körper war immer noch voller Wunden, noch immer regungslos und innerlich schien alles zu beben und zu zittern. Wann würde diese Fähe denn nur ihre grünen Augen öffnen und in die Augen des Wolfes sehen können, den sie so unsterblich liebte? Wann war dieser einzigartige und schmerzende Zeitpunkt, an dem Neyla Zárá wahrnehmen würde, was ihr zugestoßen war in dieser grausamen Zeit der Rudeljagd? Warum war es nur schief gelaufen? Konnte man diese Frage denn irgendwann wohl beantworten?
Umso mehr geschah, umso mehr Leben kam in den Körper der grauweißen Fähe zurück und ihre Pfoten zuckten unruhig, sie stieß mit ihrer Vorderpfote etwas leicht an – es war die Pfote von Laios, aber das konnte sie noch nicht wahrnehmen. Sie spürte auf einmal schreckliche Schmerzen in ihrem Körper. Ihre Brust pochte, ihr Körper bebte und es brannte aus einigen offenen Wunden, deren Stellen sie jetzt noch nicht zuordnen konnte. Es dauerte, bis die ganzen Gefühle wieder in ihrem Körper waren, bis Regung in sie kam und Leben. Nun spürte sie den Regen, der sie nässte und die Kälte, die ihren Körper umworben hatte und sie zittern ließ. Mit jedem Zittern öffnete sie ihre Augen ein Stück mehr und hob vorsichtig und langsam ihren Kopf an. Vor ihren Augen erschien das Bild noch etwas verschwommen und unruhig, aber sie konnte Laios wahrnehmen, sie spürte seinen Atem und seine Angst und es ließ ihr Herz für einige Sekunden erschaudern. Dann – mit jedem Blinzeln mehr – erkannte sie ihren Rüden, ihre grünen Augen waren nun ganz geöffnet, es kostete sie Kraft und es war anstrengend, aber Neyla Zárá hatte gekämpft und dieser Kampfgeist war nun in ihr und wollte alles wieder gut machen.
„Laios…mein….Rüde…“
Flüsterte sie mit einer leisen Stimme, sie legte ihren Kopf wieder etwas erschöpft auf den Boden und seufzte, kam zur Ruhe, umso leichter würde es ihr fallen. Dann nahm sie weitere Pfoten wahr, deren Fellfarbe nicht der von Laios entsprach. Es verwirrte die Fähe, wer war denn noch bei ihr? Unsicher sahen ihre Augen hoch und sie erkannte einen Rüden der ihr vollkommen fremd war. Er kannte ihren Namen, aber sie kannte ihn nicht und es verwirrte sie in ihrem schwachen Zustand vollkommen.
„Wer…bist du…Rüde?“
Hätte sie mehr Kraft gehabt, wäre sie aufgestanden, aber sie wollte noch etwas Kraft schöpfen und fühlte sich im Moment bei Laios sicher genug um liegen bleiben zu können.
Verdutzt sah er die Schwarze an. Aco? Tatsache, Eris hatte den Alpha mit einem Kosenamen betitelt. Eigentlich war keiner dazu bereit ihm je einen Gedanken zu schenken, geschweige denn ihn mit etwas freundlichen zu benennen. Still folgte er dem Blick der Schwarzen. Dieser Halbtote- sie war besorgt um sein Wohl. Töricht, er konnte nicht sterben.
“Sorge Dich nicht um jemanden, der nicht sterben will, Eris. Er wird uns mit Sicherheit nicht das Vergnügen schenken und sterben.“,
die leichte Verbitterung war aus der Stimme zu lesen. Wie gerne würde er auch diese Seele bekommen. Fenris sehnte sich nach dem Tod von Face, dem Rüden, der nicht lebte, aber auch nicht starb. Und Acollon konnte es seinem Vater nicht verübeln, er selbst war der Versuchung groß, diese Seele zu fressen. Sie zu verschlingen.
Der graue Blick glitt über das Trümmerfeld. Wie heimisch es doch war. Das Wohlbefinden war groß. Mit einem ruhigen Gang schritt er zu einem nahe liegendem Kadaver, nickte im Vorbeigehen seinem Sohn zu. Er solle ihm folgen.
Das Blut sickerte in die Erde. Bevor alles vorbei sein würde, wäre Averic in den Genuss des Todes gekommen. Nein, er war bereits schon dem verfallen. Sah er ihn?
Mit knackendem Halswirbel senkte der Schwarze sein Haupt. Mit zufriedenem Blick trank er das Blut seines Opfers. Und erst jetzt spürte er die tiefe Zufriedenheit. Endlich war er mal wieder seiner Gier zu Opfer gefallen.
Nun komm, Averic. Koste vom Tod!
Langsam nahm Face Taihéiyo leise Stimmen in seiner Nähe war, es dauerte einen Moment bis er sie zuordnen konnte. Es musste sich um Acollon, den Alpharüden dieses Packs handeln. Was er genau sagte, hörte der Tiefschwarze nicht und ehrlich gesagt interessierte es ihn auch herzlich wenig. ZU ihm sprechen tat er sowieso nicht, dass war auch gut so. Unsichtbar bleiben, unbeachtet.
Sein Atem ging weiterhin nicht, aber das würde er auch nie wieder tun. Er ertappte sich bei dem Gedanken, was für Schmerzen er wohl nun durchleiden müsste, wenn er noch am Leben wäre. Aber dieser Gedanke war genau so unsinnig wie alle anderen, spätestens als der Hirsch sein Genick „brach“, wäre alles vorbei gewesen. Egal wie man es drehte und wandte, am Ende war er wieder .. hier...
Face hörte plötzlich etwas neben sich, öffnete die saphirblauen Augen aber nicht. Seine Seele nahm etwas kaltes und bedrohliches wahr, fast wie der Tod, welcher höhnisch auf ihn herab sah und doch nichts tat. Warum verdammt, warum? Das einzige was er wollte war endlich ganz tot zu sein, von ihm aus konnte man auch seine Seele zerstören, Hauptsache es wäre endlich alles aus... Die Aura hier war zu jung und unwillkürlich erschien das Bild des Jungwolfes mit den blauen Augen in seinem Kopf, doch da war die Kälte bereits abgezogen. Dafür war nun jemand anderes da. Face hörte seinen Namen und zuckte innerlich zusammen, während sich äußerlich rein gar nichts an der toten Erscheinung änderte. Das war Eris’ Stimme, warum blieb sie nicht weg von ihm? Der Tiefschwarze sah aus wie tot, nein er war es, aber halt irgendwie auch nicht .. verdammt! Um so jemanden brauchte man sich doch nicht mehr kümmern, toter als tot ging nicht, was nun? Sollte er einfach weiterhin liegen bleiben bis auch die letzten Zweifel verschwanden, oder sollte er reagieren? Ach, eigentlich war es doch vollkommen egal, was er tat, es kam auf das Selbe hinaus. Was sollte er eigentlich noch alles tun und aushalten nur um ein einziges Mal Frieden zu finden?
Langsam öffnete er die Augen, starr und leer durch den Regen gerichtet. Er konnte nur darauf hoffen, dass Eris jetzt auf sein Gesicht achtete und nicht merkte, das der Atmen weiterhin ausblieb. Doch nachdem er Acollons Worte hörte, war es eh egal. Ein leises Knurren floh aus seiner Kehle und schwankend richtete sich der große Rüde wieder auf. Das er sein Gleichgewicht noch nicht ganz wiedergefunden hatte, lag nicht etwa daran, dass er sich schwach fühlte oder gar Schmerzen hatte, sondern weil er seinen Körper einfach nicht richtig spüren konnte. Der ausdruckslose Blick fixierte den Schwarzen starr, sogar ein kurzes, kaltes Glimmern huschte durch sie hindurch.
„Du hast Unrecht. Ich bin schon tot und sterbe noch. Ich werde ewig sterben ohne das es ein Ende finden wird... Also rede nicht von Dingen, von denen du nicht einmal annähernd eine Ahnung hast...“
zischte Face Taihéiyo ihm zu und in diesem Moment war es ihm auch egal, welch verwirrenden Klang diese Worte für Eris haben mussten. Ihn ihm wallte es, brodelte es. Was wusste der Tod schon davon, was es hieß zu sterben? Denn er war ja schon immer Tod gewesen, also hatte er nie diese Qualen durchleiden müssen und befand sich auch nicht auf einer luftlosen Ebene zwischen Allem. Er konnte Atmen, spüren, weinen, lachen, traurig sein, sauer sein, schreien, lächeln, fühlen, so das andere es sehen konnten, das er es selbst wahrnahm. All das, gab es nur noch in seinem Inneren, dort wo andere nicht hinkamen, dort wo es keiner sah, wo seine Schreie vergebens sein würden. Der Tiefschwarze wandte den Kopf ab und sah grade noch, wie der letzte lebende Hirsch auf einen der Jungwölfe zurannte und über ihm schließlich zusammen brach, sein Leben aushauchte. Autsch... Das war er doch, oder? Jener mit den dunkelblauen Augen, die Kälte von eben? Sein ausdrucksloser Blick wanderte an Eris vorbei, bei der er sich grade gern für das hier entschuldigt hätte, setzte sich aber wieder auf Acollon fest.
„Du solltest lieber deinem Sohn helfen, wenn du ihn nicht auch tot sehen willst.“
Ja, es war schon scheiße, wenn man seine Aussprache nicht mit der gewollten Kälte betonen konnte. So klang alles aus seinem Munde nur müde, leer, ausdruckslos...
Shits Herz machte einen erfreuten Hüpfer, als sich seine Alphawölfin bewegte. Sie erkannte ihn sogar sofort, nannte ihn beim Namen. In seinem Blick stand noch immer grenzenlose Besorgnis geschrieben, aber auch die Erleichterung über das Lebenszeichen.
Sanft versuchte er, ihr beim Aufrichten zu helfen. Als ihr Blick umher schweifte, sah auch er sich um. Banshees Stimme ließ ihn den Blick wieder abwenden und zu seiner Leitwölfin zurück sehen. Ihr Anblick war viel angenehmer.
"Tollheit, nannte sich dieses Schauspiel. Shit hat so etwas noch nie gesehen, soviele sinnlos getöteten Beutetiere. Dennoch haben die Hornträger angegriffen, auch dich, Banshee und viele der Anderen. Lieber sieht Shit die Beutetiere tot am Boden, als dich."
Shit biss sich auf die Lefzen und erneut spürte er ein Gefühl tiefer Befreiung, weil seine Leitwölfin noch lebte. Er setzte sich neben sie und kuschelte sich an sie. Seinen Kopf legte er auf ihre Schulter.
"Shit hatte solche Angst um dich! Ein Glück, dass du noch lebst. Eine so liebe Alphawölfin darf nicht sterben, niemals. Shit wird dafür sorgen!"
Der Kopf wandte sich nur langsam von der Blutlache ab. Der Anblick Acollons war grausam. Die Lefzen in Blut getränkt. Die Augen von tiefer Gier unterlaufen. Die Ohren schmal und knochig. Der Blick ein wenig abschweifend. Wie unter Drogen gesetzt schritt auf den Schwarzen zu. Sicher, er war der Tod, er musste die Qualen nicht mehr durchleiden. Aber um welchen Preis? Den Preis das Glück mit Hass aufzufassen? Die Freude des Gewollten nicht zu erkennen? Er, Acollon, der Sohn des Todes war anders als die meisten Wölfe. Er war tot, wandelte dennoch unter den Lebenden.
“Was bildest Du Dir eigentlich ein? Wandelst einfach zwischen den tiefen Abgründen des Kreislaufes- brichst jedes Gesetzt, dass der Tod kennt, aber auch jedes, welches das Leben beschenkt. Erwähne nicht, dass ich keine Ahnung haben kann, mein Lieber. Nun gut, gestorben bin ich in meiner Existenz nie. Aber mein Körper und das anstrebende Leben welches ich immer wieder erleben muss, wird geboren und stirbt. Ja, auch der Tod stirbt, aber wird auch immer wieder zum Leben erweckt. Doch Du, Du hast kein Naturgesetz, deswegen bist Du dem Tod zu Wider. Dennoch hast Du etwas, was noch lebt, dass jede Sekunde erneut sterben wird. Wenn ich wollte, so könnte ich Dich erlösen. Aber glaubst allen Ernstes, dass sich der Tod an etwas laben kann, dass schon so viele Male gestorben ist? Wohl kaum.“,
murrte er leise. Es klang ausdruckslos. Der Schwarze wandte sich ab, es waren zu viele Worte verschwendet. Dieser Face kannte die Gesetzte nicht, also würde er sich auch kein Urteil erlauben dürfen. Nicht über das Erzählte des Alpharüden. Und auch nicht über den Kreislauf des Normalen. Der tiefschwarze war dem einfach nur entflohen.
Torkelnd wankte der Fenrissohn auf seinen Sohn zu, der unter dem Hirschkörper begraben lag. Mühelos stemmte der Schwarze den schlaffen Kadaver von seinem Sohn herunter. Die Augen fixierten das hübsche dem Vater so gleichende Gesicht.
“Averic!“,
flüsterte er. Vorsichtig legte er eine Pfote unter den Kopf des Schwarzen. Hob ihn ein wenig an. Schlaff. So als wären die Knochen verschwunden. Seufzend ließ er den Kopf Averics zurück in den Schlamm gleiten.
Die Trunkenheit wurde stärker, der Wille die Seelen zu jagen war unerträglich. Etwas schwankend sah er zu Eris, doch eigentlich sah er sie nicht wirklich an, eher durch sie hindurch.
Abschätzend blickte er den Rüden an, welcher bei seiner Gefährtin stand. Was wollte der denn hier? Das war seine Fähe! Er wusste nicht genau ob er erst um Alpha gehen sollte, doch in diesem Chaos war es wohl vorerst besser zu bleiben, wo er war. Er blickte seine alles geliebte Gefährtin an. Noch rührte sie sich nicht und so blieb auch er in Entfernung zu ihr stehen. Doch als sie die Augen öffnete erkannte er den Schmerz in ihren Augen und seufzte leicht. Dann ertönte ihre schwache und kraftlose Stimme. Aber er hatte nicht mit einer solsche Situation gerechnet und als er die Augen der Fähe sah, wusste er, dass es nicht seine Neyla war, sondern eine Andere. Sie hatte stechende grüne Augen, doch seine Geliebte hatte blaue Augen gehabt, wunderschöne meerblaue Augen. Sollte er sich unterwerfen? Noch nie hatte er sich unterworfen, doch gerade hier, jetzt in diesem Chaos aus Leichen, verletzten. Aus Blut und Schlamm erschien es ihm als richtig. Er knickte leicht mit den Beinen ein. Wenn schon dann auch ganz. Sein vorher so sauberes Fell wurde von Matsch bespritzt und als er sich hinlegte und auf den Rücken drehte verschwand es unter eine Schlamm Maske. Er gab seine Kehle frei. Nun sollte sie über sein Leben entscheiden. Er hatte sich hier einfach diesem Paar genähert, hatte sie bedrängt, den Rüden hätte er fast angegriffen, dabei war diese Fähe nicht einmal seine Gefährtin, sondern irgendwer ganz anderes. Sollten sie ihn doch töten, bestrafen dafür, dass er sich in das Geschehen eingemischt hatte, es war ein Fehler von ihm gewesen, ja. So in dem kalten Schlamm liegen dachte er kurz an die letzten Minuten. Er hatte viele Hirsche getötet. Nicht der Nahrung wegen, sondern weil sie sonst sicher das Rudel ausgerottet hätten. Er hatte es tun müssen. Von unten blickte er die beiden an. Er kam sich schon komisch vor und immer noch dachte er dass es das richtige war. Niemand sonst schien ihn zu bemerken und so blieb er still liegen.
Falk stoppte abrupt in seinem von dem sich wie eine Gebetsmühle immer wiederholenden Vers begleiteten Lauf, er sagte aber nichts, er nickte auch nicht, und wandte sich auch gleich wieder ab, kaum dass er dem Alpha einen Blick schenkte. In diesem Moment hatte er einfach überhaupt keine Lust, dem Schwarzen die Dankbarkeit zu zeigen, die er für ihn empfand, ausgelöst durch die Möglichkeit der Ablenkung, die dieser ihm geboten hatte. Und Acollon würde sich auch sowieso nicht vergewissern müssen, ob und wie der graue Hüne die Aufgabe ausführen würde; ja, Falk ging davon aus, dass Acollon wusste, dass auf den Beta Verlass war, jedenfalls gewesen war, aber dass sich daran nichts geändert hatte. Ihm konnte man vertrauen, auch jetzt noch - erst recht jetzt.
Wie sehr Falk das jetzt gebraucht hatte - eine Aufgabe, in der er völlig aufgehen und sich entfalten konnte! Etwas, dass ihn aus der Verwirrung reißen, etwas, dass ihn seine Stärken ausspielen lassen konnte - ein rasch arbeitender Verstand, ein kühler Kopf. Überhaupt, wo war Falks kühler Kopf geblieben? Jetzt fühlte er sich wie von 100 Feuern durchrast. Doch diese Feuer hatte er gebraucht - sie hatten das Leben zurück in seine Brust geweht. Nie wieder wollte er dieses dumpfe Gefühl spüren müssen, dass ein immerwährender Trott und zu viele unverarbeitete Erlebnisse wohl mit sich brachten, oder lagen die Ursachen noch wo ganz anders? Falk war sich nicht sicher, er war sich auch unsicher über die weitere Entwicklung, denn es war lange nichts in Ordnung damit. Aber Ayala war nicht schuld. Und es war einfach nur unfair ihr gegenüber gewesen, dass er alles an ihr ausgelassen hatte. Der Hüne setzte sich langsam in Bewegung, seine Augen schossen bereits rasch hin und her. Er machte sich Vorwürfe, auch wenn er gleichzeitig wusste, dass genau das schwachsinnig war. Wäre er jetzt wieder in derselben Situation, er hätte noch einmal so gehandelt. Er durfte jetzt einfach nicht mehr darüber nachdenken. Das Wichtigste war, dass er jetzt Ayala fand. Ob er sie vielleicht rufen sollte? Und wenn er es tat, würde sie auch reagieren? Oder hatte sie bereits allen Glauben in ihn verloren?
Falk erkannte, wie unsicher er sich Ayalas Gefühle war. In der letzten Zeit war es kaum zu vertrauten Gesprächen gekommen, zu sehr hatten die Pflichten sie beide abgelenkt. Noch dazu hatte Ayala alle Kraft und Zeit für sich selbst gebraucht, um sich selbst zu heilen, wie hätte Falk da etwas verlangen können? Der Hüne seufzte.
.oO(Und jetzt ist es genau die Situation... Sie liegt irgendwo, verletzt vielleicht, oder sogar... Und ich habe es mir einen Moment lang sogar vorgestellt, ohne den Verlust wirklich zu begreifen... Sie muss doch jetzt glauben, dass das, was ich ihr versprach und zu ihr sagte, eine Lüge war, auch wenn ich jetzt zurückkomme... Eine Laune, abhängig von...)Oo.
Er drehte sich suchend um. Noch immer keine Spur von Ayala. Oder lag sie hier irgendwo in seiner Nähe, verwundet und seinen Blicken verborgen? Sah sie ihn gar und regte sich nur nicht? Wünschte sie sich, er würde sie übersehen und weitergehen? Oder wollte sie, dass er sie fand, dass er zu ihr kam? Was war es?
.oO(Ach, Ayala... Gib mir doch ein Zeichen...wo ich dich finden kann, bitte, Ayala... Ayala!)Oo.
Er rief aber nicht. Er dachte es nur, und es hallte laut in seinem Kopf. Vielleicht glaubte Falk unterbewusst, sie könnte seine Gedanken hören.
Alienna sah Leyla an, dass sie dachte, dass ihr viele verschiedene Gedanken durch den Kop wirbelten, wohl die meisten darüber, was Alienna dachte, oder meinte. Alienna hätte ihr gerne einiges erklärt, aber sie wusste, dass sie genau das nicht tun sollte. Es war der Moment des Schweigens, zumindest wo es jetzt um diesen heiligen Bund ging. Sie zuckte innerlich ganz leicht zusammen. Heiliger Bund? Wahrscheinlich war es für Leyla und für die anderen Wölfe ganz sicher überhaupt nichts heiliges, wenn man eine Freundin hatte. Aber für sie hatte es etwas heilig, fast verschwörendes. Wobei das natürlich Quatsch war, sie sollte nicht zu viel nachdenken, jetzt, da ihre Pfote noch immer auf der Leylas lag. Denn in diesem Zustand konnte sie wirklich kaum denken, viel mehr spürte sie plötzlich alles mit einer solchen Eindringlichkeit, dass sie nicht wusste, worauf sie sich konzentrieren sollte. Ihr Blick war wieder von Leylas Augen gewichen und hing an ihren Pfoten, sie wollte ihre Pfote zurückziehen, aber so ganz gehorchten ihre Muskeln ihr nicht. Ganz so, als wüssten sie, dass es ein ganz besonderer Moment war, der nicht sehr schnell wieder kommen würde und eben diesen wollten sie jetzt auskosten. Aber Alienna meinte zum einen ganz deutlich zu spüren, dass es Leyla unwohl wurde und, noch etwas wichtiger, dass dieser Moment kurz sein musste, sonst würde er seinen Zauber verlieren. Langsam hob sie nun ihre Pfote wieder an, so unendlich langsam, als wäre sie plötzlich schwer geworden. Schließlich aber löste sie sich ganz von dem Fell Leylas und dann war plötzlich alles vorbei. Alienna zog ihre Pfote ruckartig an sich, so schnell und hastig, dass sie einige Schritte zurückstolperte, sie wehrte sich aber auch nicht gegen den Schwung, ging auch nicht wieder zurück, was sie gestolpert war. Kurz flackerte sogar Panik in ihren Augen auf, doch ebenso schnell war er auch wieder verschwunden, ließ sie wieder eine Wolfslänge entfernt von Leyla zurück. Es wollte sich schon ihr schuldbewusster Blick einstellen, als ihr etwas klar wurde. Leyla hatte gewusst, dass es Alienna als Freundin nur mit dieser Angst gab und trotzdem hatte sie ihre Freundschaft bestätigt. Die Braune sollte sich nicht schämen … vorsichtig sah sie zu der Weißen auf, wollte keine Enttäuschung sehen und stand so gleich wieder auf, zum Aufbruch bereit, nur ja nicht diesen Blick sehen, der von einer verlorenen Hoffnung sprach.
“Ich … ich würde gerne zuerst einen trockenen Platz suchen. Danach … danach sollten wir über alles reden.“
Jetzt sah sie doch zu Leyla zurück, lächelte aber leicht, auch ihre Stimme hatte im Verlauf ihres Satzes an Stärke gewonnen. Sie wollte sich nicht schämen, das war sie und Leyla wusste das. Es war ein schönes Gefühl zu wissen, dass jemand anders wusste, warum man etwas tat, das normalerweise verletzend wäre. Irgendwie bergend.
Banshee sah Shit durch einen Thränenschleier hindurch an. Ihre eigenen Thränen vermischten sich mit denen des Himmels und den Roten der Toten. Sie konnte Shit kaum erkennen, er war seltsam verschwommen, auch seine Stimme klang entrückt. Dennoch begriff sie seine Worte. Aber er verstand nicht. Ja, das war die Tollheit, die Wölfe im Blutrausch überfiel, aber das gab ihnen trotzdem kein Recht all dieses Leben zu verschwenden. Niemand hatte dieses Recht … und Shit legitimierte diese Tat, als wäre sie natürlich. Banshee machte ihm keinen Vorwurf, er war jung und er kannte nicht die Schmerzen des Lebens … dennoch zuckte sie zusammen, als er seinen Kopf auf ihre Schulter legte. Sie freute sich über seine Worte und seine liebevoll vertrauten Berührungen, aber gleichzeitig war sie noch immer wie erstarrt von dem Schreckensbild, das sich ihr bot. Der Geruch nach Tod und Blut verstopfte ihr die Atemwege, schien sie ersticken zu wollen.
“Nein Shit … könnten all diese Hornträger wieder leben, ich würde dafür sterben.“
.oO(Du kannst nicht sterben.)
Sie meinte es ernst, würde sie es können, sie wollte dafür sterben. Sie hatten zwei, drei, vielleicht auch vier, dann hätte es ein Freudenfest gegeben, Tiere reißen wollen … aber jetzt, jetzt war es die ganze Herde. Sie hatten so viele Generationen von ihnen getötet, so viele Leben zerstört, alles vernichtete, jeden Atemhauch genommen, so sinnlos, so grausam.
.oO(Oh Engaya, warum nur, warum? Lass sie wieder leben, lass sie wieder lachen, gib ihnen, was sie verdienen und nimm mir dafür, was ich nicht haben sollte.)
Jemand an ihrer Seite zu fühlen, der sich um sie sorgte und sich freute, sie so physisch heil zu finden tat gut, gleichzeitig wollte sie Shit schütteln, ihm das Elend bewusst machen, der Verlust, das Grausame, das Verstoßen gegen das Gesetz des Lebens. Sie blinzelte einige Male heftig, versuchte die Thränen zu verscheuchen, sie war nicht nur diejenige, die um das Leben trauern musste … sie war auch Leitwölfin. Aber jetzt, jetzt wollte sie es nicht sein. Jetzt wollte sie den Hirschen Thränen schenken, um so vielleicht ein wenig Erlösung zu finden.
24.12.2009, 19:16
Shit spürte Banshees Körper, spürte jeden Atemzug. Trösten konnte er sie wohl kaum und all das hier ungeschehen machen, konnte er auch nicht. Gerne hätte er es getan, für seine Alphawölfin, damit sie nicht mehr weinen musste.
„Bloß nicht!“
Platzte es dann erschrocken aus ihm heraus, als sie äußerte, sterben zu wollen, um dieses Blutbad rückgängig zu machen. Shit drückte sich noch etwas mehr an seine Leitwölfin.
„Wenn etwas geschieht, was niemand wollte, nützt es nichts, danach zu fragen, was gewesen wäre, wenn man anders gehandelt hätte. Man soll nie in die Vergangenheit sehen und fragen ‚Hätte ich anders gehandelt, wäre es dann nicht so passiert?’“
Seine Schnauze näherte sich ihrem Gesicht und schleckte sanft eine ihrer Tränen fort.
„Was zurück liegt, lässt sich nicht ändern. Es macht vieles einfacher, wenn man dies akzeptiert.“
Was konnte er sagen, um sie zu trösten? Seine Worte hörten sich so altklug und nüchtern an. So unnahbar und distanziert.
„Wir können es nicht mehr ändern, aber wir können das Beste daraus machen, liebe Leitwölfin. Das ganze Rudel wird sich satt fressen, danach könnten wir einiges Fleisch sichern und vergraben. Selbst dann wird noch genügend übrig sein. Das können wir teilen, mit den anderen Raubtieren des Reviers.“
Begann er, mit seiner welpischen und naiven Art nach Lösungen zu suchen. Dann seufzte er, als ihm nichts mehr einfiel. Er überdachte seine Worte und legte demütig die Ohren an.
„Shit ist ein Dummkopf. Er spricht immer von ‚wir’, dabei hat er an der Jagd nicht teilgenommen! Banshee, Shit folgte einer Witterung und traf auf eine fremde Wölfin, an der Reviergrenze. Sie ist sehr nett! Auf dem Rückweg zum Rudel war da noch ein Rüde. Er ist auch harmlos. Shit wollte die Jagd nicht durcheinander bringen, sie warten am Waldrand.“
Er redete und redete, dabei wollte seine Alphawölfin sicher auch etwas sagen, doch schnell schob er noch ein:
„Es tut Shit sehr leid, er hätte hier sein müssen, um dich zu beschützen!“
Der Regen tropfte von ihrem nachtschwarzen Fell. Sie atmete ruhig. Ein und aus und wieder ein und aus, schon eine sehr lange Zeit ging das so. Sie lag in einer Welt der Stille, doch sie war verwirrt. Suchend nach der Ruhe des Rudels und der Wärme und der Dunkelheit des Bauches ihrer Mutter verlor sie sich in ihren leeren Gedankenwelt. Sie legte den Kopf flach auf die Pfoten. Ein leichter Wind kam auf. Blut...Tod...Sie konnte es genau spühren. Die Schmerzen durchströmten matt ihren Körper, obwohl sie unversehrt dalag. Die Blätterdecke über ihr zitterte. Die Ästchen wiegten hin und her. So friedlich. Während viele litten und ihr Blut der Erde schenkten. Während die Seelen der Toten durch das Tal strömten. Sie berührte mit ihrer feinen Nase den Boden.
.oO(Blut...)
Sie konnte es riechen. Das Blut ihres Rudels. Das Rudel ihrer Eltern. Wo waren sie...Die Nachtschwarze schloss die Augen. Ein Brauner und das Weisse Fell, wie das ihrer Mutter. Sie wusste es. Ihre Mutter lebte noch. Sie schloss wieder die Augenlieder. Schwarz wie sie selbst. Ihr Vater. Er lebte. Malicia öffnete die Augen ruckartig und blickte ins Leere. Der Wind berührte sanft ihr Gesicht. Sie sog ihn ein.
.oO(Malicia. Schliesse deine Augen... Sie leben. Du brauchst nicht über sie nachzudenken... Du musst schlafen... Ruh dich aus. Sei unbesorgt. Leere deine Gedanken...)
zischte eine seltsame Stimme. Ganz langsam, jede Silbe langsam sprechend. So betörend klang die Stimme. Malicia gehorchte. Sie schloss ihre Lieder. Dunkelheit. Sie leerte ihre Gedankenwelt. So leer. So leer. Sie sank in einen tiefen Schlaf...
Mit Begeisterung, und dem genügendem Respekt war Kuri dem Geschehen gefolgt. Nun, wo sich Alles etwas beruhigt hatte und nur noch Trümmer zu sehen waren, wagte sie sich aus ihrem Versteck. Die großen Augen waren auf einen schwarzen Rüden gerichtet (Face). Seine blauen Augen waren faszinierend und er war es diesmal bestimmt. Anders würde es nicht sein. Etwas vernarrt wurde sie schneller, bis sie in einen gleichmäßigen Trott fiel.
Das Matschblutregen- Gemisch spritzte an ihre Flanken hoch. Alle anderen ignorierend sprang sie auf den Rüden zu.
Ohne zu zögern schmiegte sie sich an den Schwarzen (immer noch Face), kuschelte sich fest bei ihm ein.
“Na, da bist du ja endlich. Wo warst du die ganze Zeit? Ich habe nach dir gesucht“,
sagte sie in einem verträumten Ton und legte den Kopf ein wenig schief. Dass dieser Rüde die Welpin nicht kannte, ignorierte sie wie immer geschickt. Wollte nicht einsehen, dass sie sich wieder irrte. Verrannte sich weiter in ihre erträumte Welt.
“Nun sag, tut dir etwas weh?“
Ihr Blick fiel auf eine Wölfin, die in der Nähe lag (Eris). Mit einem süffisanten Lächeln schloss sie die Augen verschmitzt. Ja, anders konnte es doch nicht sein.
Oh, arme Kuri. Sie würde nur wieder unendlich traurig sein, wenn die Realität eingreifen wird. Sie war eigentlich nur auf der Suche nach ihrem Zuhause. Sie war eine so verträumte Welpin. Verlor oft den Gedanken den sie doch eben noch hatte. Verlor sich in tiefe Tagesträume. Resultat dieser Träumerei war ein schwerer Wahrheitsverlust. Was für andere witzig erscheinen mag, war Kuri´ s kleines Leben.
Wortlos starrte der Pechschwarze Acollon hinterher. Ein Schleier des Entsetzen hatte sich auf seine Seele gelegt, was zur Hölle laberte dieser verdammte Bastard da?! Glaubte er etwa allen ernstes, dass er freiwillig auf dieser Grenze zwischen Leben und Tod herum taumelte? Face wollte schreien, schreien so laut es nur ging, sein Inneres rotierte als würde es gleich explodieren. Er trotzte den Gesetzen nicht, sie trotzten ihm! Er war derjenige, der endlich in die ewige Schwärze springen wollte und der Tod war jener, der ihn nicht wollte. Die Erkenntnis traf ihn wie ein dumpfer Schlag und sein Kopf senkte sich langsam. Vorbei der Gefühlsschwall, der eben in ihm ausgebrochen war. Außen hatte man eh nichts beobachten können. Jetzt spürte er nur noch eine triste Leere, hörte das Rauschen des Regens und würde fast genau so gerne wie der Himmel nun weinen.
Der Tod wollte ihn nicht, weil er jede Minute auf’s Neue erstickte und sein Sterben ewig währte. Machte es tatsächlich so viel Spaß ihn zu quälen? Qual war zu milde ausgedrückt, es gab kein Wort, welches annähernd beschrieb was er fühlte, aber nicht wiedergeben konnte. Auch der kleinste Funken Hoffnung war zerstört. Das Hier und Jetzt war ein luftloser Raum nur für ihn alleine – das Vakuum.
Der Regen perlte an seinem rabenschwarzen Pelz herab wie Tränen und schien ihn doch nicht zu berühren. Das war’s dann wohl, hier hatte er nichts mehr zu suchen. Der schrecklich leere Blick richtete sich auf Eris, sie würde wie jeder andere nur die kalte Ausdruckslosigkeit in seinen saphirblauen Augen sehen, nichts von all dem Grauen auch nur erahnen.
„Entschuldigung... Ich bin dann mal .. weg...“
erklang die leise, tiefe Stimme so klar und doch vollkommen müde. Face Taihéiyo wollte sich grade abwenden, als plötzlich ein schwarzes Wesen an seine Seite geflitzt kam. Was zum - ? Leer starrte er auf die Welpin hinab, in seinem Inneren wallte nun totale Verwirrung auf. Was sollte das? Einen Schritt trat er zurück, dann erst antwortete der große Rüde.
„Wer bist du?“
fragte er so klanglos, dass er sich schon wieder darüber aufregen konnte. Was wollte man von ihm? Was nur, was?! Was hatte er getan, dass man mit ihm umgehen konnte, wie mit einem Spielzeug, eine Puppe die man verletzen, töten und verwirren konnte, ohne das sie verschwand.
.oO°(Ich kann nicht mehr...)
Wer war diese Welpin nun aufeinmal, wie kam sie hier überhaupt hin? Sah sie nicht, auf was für einem grausamen Schlachtfeld sie sich befand?
Averic war nicht mehr viel weiter über dieses trostlose Schlachtfeld gewandert. Irgendwann hatte er sich in diesem Gemisch aus Blut, Matsch und Regen auf die Hinterläufe sinken lassen. Ehrlich gesagt, wenn er den Blick so schweifen ließ, wusste er gar nicht mehr, ob das fiese Grinsen auf deinen Lippen berechtigt war. Nein, das war es eigentlich ganz und gar nicht, nur wusste auch Averic langsam nicht mehr, ob das wirklich alles so belustigend war.
Mehr Zeit zum nachdenken blieb ihm nicht, er war so versunken, dass er plötzlich nur noch einen röchelnden Atem über sich hören konnte und Blut klatschte an ihm vorbei auf den Boden. Seine Augen weiteten sich, als er grade den Blick heben wollte, fiel etwas mit voller Wucht auf ihn hinauf. Irgendetwas knackte gewaltig, doch Averic war so perplex, dass er es erst wahrnahm, als sein Körper plötzlich von wahnsinnigen Schmerzen durchströmt wurde und er kaum noch Luft bekam. Der pechschwarze Jungwolf wollte versuchen frei zu kommen, doch konnte er nicht ein einziges Glied bewegen. Er fühlte den kalten Matsch um sich herum, warmes, flüssiges Blut überall auf seinem Körper und in seinem Mund. Er hatte wohl noch auf die Zunge gebissen, ein metallischer Geschmack breitete sich aus. In seinen Ohren piepte es grässlich und er hatte das Gefühl, dass alles noch schwärzer wurde, als es eh schon war. Die Lider flatterten kurz und ganz viele Punkte erschienen vor seinen Augen. Er hatte das Gefühl zu fallen...
Das der Regen irgendwann wieder auf seinen Körper prasselte und begann das Blut weg zu waschen, bemerkte Averic nicht. Erst als man seinen Kopf anhob, reagierte etwas in ihm. Er hörte wieder und fing an wahrzunehmen. Einen Spalt weit öffnete er auch die Augen, meinte seinen Vater zu hören. Nun spürte er wieder Schmerzen in seiner rechten Pfote, merkte erst jetzt, wie komisch sie unter seinem Bauch begraben wurde. Auch die Rippen taten entsetzlich weh, es war unglaublich, was dieses Hirschvieh für ein Gewicht gehabt hatte. Benommen wankend hob er den Kopf von selbst wieder an und blinzelte verschwommen hinauf zu einer schemenhaft, schwarzen Gestalt.
„Papa?“
Ihm war in dem Moment gar nicht bewusst, mit welch kindlichem Wort er seinen Vater da angeredet hatte, aber .. es war wieder vorbei, diese andere, böse Seite in ihm – die Besessenheit. Er war nur Averic. Und der andere Averic .. war Enkel des Todes. Und ja, er hatte ihn gesehen, er hatte genau neben seinem „Großvater“ gestanden.
Eris schaute mit ihrem müden grauen Blick erst erstaunt, da er sich zu ihr gesellte und dann der harten Worte missbilligend zu ihm. Warum konnten Rüden eigentlich so treffsicher so bitterböse Sätze von sich geben? Das war ihr schon oft aufgefallen und einerseits hatte sie sie dafür beneidet, denn sie hatte nicht die Gabe, allein mit Lauten solch scharfe Scherben zu erschaffen und um sich zu feuern. Und andererseits hasste sie sie dafür abgrundtief, denn diese Scherben taten verdammt weh, wenn sie einen schnitten und traurigerweise machten diese Schützen manchmal auch vor der zarten Seele einer Fähe nicht Halt.
Eris hatte Acollon gerade zurechtweisen wollen, als Face aufsprang ... und die maßlose Verwirrung ihren Marsch begann.
Eris zornig angespannte Haltung lockerte sich angesichts ihrer Hilflosigkeit und ihre Augen folgten den lauschenden Ohren von Face zu Acollon und zurück. Sie konnte sich gar nicht richtig darüber erleichtern, dass ihre Befürchtung sich verflüchtigt hatte, denn die düsteren Worte verpassten ihr einen Schlag, den sie nur verwundert einstecken konnte.
Was ist hier zum Henker eigentlich los? Tod, Leben, Abgründe, trotzen ... laben? Das ist ... makaber und ... warum bekomme ich das eigentlich immer mit? Vor ein paar Monden hat sich Acollon auch zu dieser üblen Gestalt erwachsen, aber hey, cool, soll er doch machen, wenn ihn das erfreut, aber warum muss er mich damit verwirren? Und jetzt schon wieder, hirngespinstet doch woanders rum, ihr Penner ... ihr macht mich fertig, ich gehe jetzt, ich ... sollte mal mit Banshee reden ...
Eris kämpfte mit sich, diese Gedanken nicht wieder einmal laut zu murmeln, das tat sie für gewöhnlich, wenn es zu weit ging.
Ja, Face, willst du gehen? Mach nur, würde ich ja jetzt auch gerne, ihr Pisser ...
Sie konnte nur schwer an sich halten und als eine kleine Welpin, die sie vorher noch nie gesehen hatte, über den grausigen Platz gelaufen kam, sich an den Schwarzen kuschelte und mit ihm sprach, als würden sie sich schon lange kennen, wandte die Schwarze sich ab, sie würde jetzt in den Wald gehen und mit Bäumen reden, zur Not.
Etwas erschrocken wich die Dunkelbraune zurück. Ihre wachen Augen allerdings ruhten immer noch auf den großen Schwarzen. Der Brustkorb hob und senkte sich ein wenig. Der Regen zerrte an dem kleinen Körper Kuri´ s. Zaghafte Schritte wagte sie sich auf den Rüden mit den saphirblauen Augen zu. Die Welpin trat in den Pfotenabdruck seiner. Wie klein ihre eigenen Pfoten doch noch waren. Wie hilflos, ungeschützt. Unpassend war sie auf einem Schlachtfeld von Leben und Tod gelandet. Verträumt schaute sie vom Boden auf.
“Erkennst du mich denn nicht? Ich bin es, Kuri, deine Tochter, Papa!“,
die verzweifelten Worte waren ausgesprochen. Und gleich würde ihr Herz wieder in Einzelteile zerbrechen. Sie würde an der Tiefe der Realität brechen, wie die Welle an der Brandung. Sie war doch noch so jung und voller Hoffnung. Oh arme Kuri, sie verrannte sich wieder in eine Vorstellung. Dabei waren schon so viele schwarze Rüden ihrem Vater gleich.
Die Welpin musste sich fast den Hals verrenken, um ihren geglaubten „Papa“ in die Augen sehen zu können. Ihre Augen sprachen von großer Lebendigkeit und von Lebensfreude, aber war da nicht auch Trauer zu sehen? Tatsächlich, in ihrem kleinen Herzen wünschte sich die Dunkelbraune nichts sehnlicher als eine Art Zuhause.
“Aber das ist schon nicht so schlimm, wenn du mich nicht mehr kennst. Schließlich haben wir uns wieder gefunden, nicht wahr?“,
sie zwinkerte ein wenig.
Als Alienna ihre Pfote von Leylas nahm, kam es Leyla so vor, als würde sich die gesamte Alienna, ihr ganzer Körper, wieder entfernen. Und das so weit..daß sie sie bald gar nicht mehr sehen würde. Als würde sie hinfortfliegen. In die Tiefen des Weltalls. Bald war sie nicht mehr zu sehen. Traurig sah Leyla ihr hinterher, hatte Angst, sie nie wieder zu sehen. Und als Alienna mit einem Mal auch noch zurücktrat und das fast stolperhaft..erschrak Leyla. Hatte sie Angst? Vor ihr? War es ihr..eklig sie berührt zu haben? Hatte sie das nur ohne ihr Bewußtsein getan? War es gar nicht mit Gefühlen verbunden? Leyla wurde traurig und sie sah Alienna fragend an, wie ein junger Welpe. „Was tut du? Warum tust du das?“ waren die passenden Worte zu Leylas Gesichtsausdruck. Doch als Alienna zum Stehen kam und sie wieder einigermaßen normal anblickte, wurde Leyla klar, daß es nur das Lösen war, daß für Alienna schwierig war, weil es wieder das „nichts Halbes und nichts Ganzes“ war, als sie Leylas Körper, durch das langsame Entfernen, nur noch halb berührte. Sie verstand, daß Alienna es nicht tat, weil sie erschrocken darüber war, sie berührt zu haben. Sie hatte sie berührt. Leyla wurde innerlich warm. Es war so ein schönes Gefühl, daß Alienna ihr diese Bitte erfüllt hatte und sich überwunden hatte, als Beweis für eine ernst gemeinte Freundschaft. Leyla sah ihr auf die Pfoten die auf ihrer gelegen hatte. Es war schon etwas unglaublich, daß sie sie damit berührt hatte, wobei das sonst so unmöglich schien. Es war etwas traurig, daß Alienna diese Angst hatte. Natürlich hätte Leyla es lieber gehabt, Alienna hätte diese Schwäche nicht gehabt. Aber so war es nun mal, und Leyla mußte zeigen, daß sie sie dafür trotzdem gern hatte und nicht verstieß, so wie das vielleicht andere Freunde von ihr früher taten. Daß es noch nie Freunde in ihrem Leben gab, wußte Leyla nicht. Doch insgeheim hoffte sie, daß Alienna eines Tages ein normales Leben führen konnte, ohne diese Angst. Sie tat ihr dafür Leid. Und daher wollte sie, daß Alienna es ein Mal schaffen würde. Alienna schlug vor, daß sie sich einen trockenen Platz suchten. Leyla freute es, daß sie weiterhin zusammen durch die Lande streiften. Es war eine schöne Zeit. Oftmals lernt man schöne Zeiten erst zu schätzen, wenn sie nicht mehr sind. Doch Leyla tat es schon jetzt. Leyla folgte ihr im respektvollen Abstand, wollte ihr nur nicht zu nahe treten..im wahrsten Sinne des Wortes. Nie wieder wollte sie es sich mit ihr „verspielen“. Dafür war ihr die Freundschaft zu wichtig. Auf Aliennas Lächeln gab sie ein freundliches zurück. Es stand für ein herzliches „danke, für dein Vertrauen“. Doch sagen konnte sie das so nicht..
Mit einer leicht hochgezogenen Augenbraue beobachtete Kisha das wilde Treiben, was s sich nur wenige Meter von ihr entfernt abspielte. Was war bloß so besonders daran, Viechern hinter zu jagen, die eh schneller waren als man selber? Brachte doch alles nicht. Und nur weil die Durst auf Blut hatten, wie die Vampire... Stumm legte sie die schwarze Rute im ihre Hinterläufe und gähnt kurz kräftig. Der Regen wollte wohl nicht mehr enden, das konnte der Schwarzen aber auch nur Recht sein. Vielleicht rutschte ja jemand aus und Kisha hatte etwas, wa sie allen erzählen konnte. Viel lieber hätte sie jetzt irgendwem am Ohr gezogen, anstatt hier im Regen zu sitzen und darauf zu warten, das sich jemand um sie kümmerte. Genervt verließ ein lauter Seufzer die Kehle der jungen Fähe. Konnten sie die dummen Tiere nich einfach weg laufen lassen und sich in irgendeine Höhle verziehen? Es war doch nun wirklich nicht zu viel verlangt, dass Kisha diesen Schlamm unter ihren Pfoten nicht mehr haben wollte. Mürrisch hob sie eine Pfote und betrachtete stumm den Schlick, der mit einem leisen Platschen sich wieder mit dem Rest verband. Ruckartig zuckte sie zusammen, als sie eine schreiende Stimme vernahm, die nach Mama rief. Aufmerksam stellte sie die Ohren auf, saß da, als würde sie jeden Moment los rennen wollen. Kurz darauf erblickte sie einen braunen Schatten, durch den Regen davon laufen. Leicht neigte sie den Kopf zur Seite und versuchte etwas zu erkennen. Seufzend erhob sie sich, um dem Schatten zu folgen. Von dem ganzen Troubel bekam sie nichts mit, bemerkte nicht das, was sich bei ihren Eltern abspielte. (Das is auch begründet o.o) Langsam trabte sie los, den Kopf leicht zur einen Seite und zurück wippend. Es dauerte eine ganze Zeit, bis sie Parveen fand, doch sie blieb keines Falles stehen, als sie erblickte. Da ließ sich ihre Schwester doch glatt auf den Rücken in den Matsch fallen. Mit einem kleinen Satz war sie an der Seite der kleinen Fähe angekommen, stellte ihre Vorderpfoten locker auf die Brust Parveen’s und schleckte ihr ein Mal quer durchs Gesicht. Hektisch schlug die Rute Kisha’s aus, ein Lächeln lag auf den dunklen Lefzen. Sie tat ihrer Schwester nicht weh, sie versuchte ihr Gewicht extra nicht auf sie zu verlagern. Und wen sie ihr weh tun würde sich Parveen wohl melden.
“Was ist los, Schwesterchen? Hey, guck doch nicht so traurig! Da wird man ja traurig bei, wenn man dich so sieht! Willst du nicht lieber wieder mit zurück kommen? Zu den anderen? Das ist bestimmt lustig, wenn sie im Schlamm ausrutschen und ihr Fell verdreckt wird!“
Vielleicht merkte Parveen es, dass Kisha sich wirklich bemühte, den traurigen Blick aus ihren Augen zu bekommen. Und da war wieder dieses komische Ding an einer Schulter. Langsam schleckte sie ihr erneut durchs Gesicht und nahm dann die Pfoten von ihr, um sich auf die Hinterläufe sinken zu lassen. Auffordernd musterte sie ihre Schwester, mit einem Blick der liebevoll war und mit einem lieben Lächeln endete.
Banshees Blick, weiterhin leer auf die Kadaver gerichtet, driftete nur mühsam weiter. Er schleppte sich von einem Toten zum nächsten, blieb immer wieder hängen, sah das Zucken eines Hirschlaufes und erzitterte selbst, nicht mal der schnelle Tod war ihnen gewährt worden. Dann ging es weiter, Höllenfahrt über regungslose Leiber, blutend, leblos, tot. Und immer weiter regnete es, regnete und regntete, als würd Engaya weinen um all dieses Blut von ihrer heiligen Erde zu waschen. Und ebenso monoton wie der Regen fiel und an Banshees Pelz perlte, glitt auch Shits Stimme an ihren Ohren vorbei. Sie wusste, dass er sie aufheitern wollte, ihr zeigen wollte, dass das alles nicht so schlimm war, wie sie es darstellte, aber er war doch nur ein Unwissender unter Unwissenden inmitten von einem Schauspiel, dass ungewusst bleiben sollte. Und ihr Blick glitt weiter, auf und ab, zum Todesreigen tanzend, springend, sich drehend ... bis er jäh endete. Zwischen den abertausenden Leibern von Hirschen ragte einer heraus, der nicht wie die anderen aussah. Braun-weißes Fell, spitze Ohren, lange Schnauze ... Nirian. Ihr Blick wurde klarer, sie zuckte zusammen, blinzelte, sah genauer hin ... es ging kein Leben mehr von ihm aus. Er hatte sein Leben gelassen. Nirian war ... tot.
Banshee erhob sich ruckartig, ganz kurz ging ein Schmerzensblitz durch ihren Kopf, verging aber ebenso schnell wieder, ihre Verletzung war nebensächlich, zweitrangig. Sie drehte sich leicht zu Shit, sah ihn nun richtig an, klarer, als hätte sie einen Entschluss fassen müssen.
"Shit ... ich bin froh, dich bei mir zu haben und auch wenn all deine Worte mich doch nicht überzeugen können, so bewirken sie trotzdem etwas. Ich danke dir, aber jetzt ... jetzt muss ich zu meinem Rudel. Sie sind verletzt ... manche schwer. Sie brauchen mich. Und ich muss ihnen klar machen, wie furchtbar das Geschehene ist. Wenn du nicht länger hier, auf dieser Lichtung des Todes bleiben willst, dann warte auf dem Rudelplatz oder irgendwo auf uns, du wirst uns sicher finden. Vielleicht auch mit der Neuen, die ich dann hoffentlich bald kennenlernen werde, auch ihr soll dieser Anblick erspart bleiben."
Ihr Blick kreuzte sich mit dem unschuldig naiven Blick Shits und ein jäher Schauer mütterlicher Zuneigung durchzog sie. Er hätte das alles nicht sehen sollen ... es hätte nicht geschehen sollen.
Wortlos betrachtete Face Taihéiyo die verträumten Augen der Kleinen. Er brauchte nicht länger zu überlegen, auch nach ihren irritierenden Worten nicht. Der Tiefschwarze hatte niemals auch nur annähernd eine Gefährtenschaft zu jemandem aufgebaut, nur Freundschaft. Zu mehr hatte es nicht gereicht, da das befreundete Leben immer schon nach kurzer Zeit aus seinem Leben gelöscht wurde. So konnte er auch unmöglich eine Tochter haben. Kuri hieß die Kleine also und wusste wahrscheinlich auch nicht einmal annähernd, was für eine niedere Kreatur sie sich da ausgesucht hatte, nein, da würde er nicht mitspielen. Das war nur besser für sie, besser für ihn. Sein Blick wanderte ausdruckslos zu Acollon. Sie konnte es ja mal bei dem probieren, von ihm wuselte schließlich gleich ein ganzes Pack Welpen herum. Nein, dass war gemein. Doch diese schier triste Aussichtslosigkeit seiner Lage schien sich negativ auf sein inneres Empfinden auszuwirken, wohl ganz langsam verabschiedete sich nun auch dort jede Moral, bis schließlich auch jedes seelische Gefühl von dannen war. Na, er hatte eh nichts mehr zu verlieren. Er verspürte kein Bedauern, erinnerte sich in diesem Moment nur wage daran, wie er selbst früher in einer solch verzwickten Lage gesteckt hatte. Zwar bei seinen Eltern, doch der Vater hatte ihn gehasst, die Mutter war bloß eine Sklavin. Vollkommen anders eigentlich und trotzdem musste auch hier das Gefühl der Einsamkeit stark ausgeprägt sein, dieses Unwissen, wo man hingehörte. Doch zu ihm gehörte niemand, er war ein Toter. Der Einzige, zu dem er gehören könnte, der wollte ihn nicht.
Face wandte den Blick ab, starr grade aus. Es tat weh, so verdammt weh... Doch langsam gewöhnte er sich daran, krankhaft. Und wenn seine Seele irgendwann nur noch weinte, so würde es scheinen, als wäre es immer so gewesen, weil man sich an etwas anderes nicht mehr erinnerte.
Still ging er an der Welpin vorbei.
„Ich habe keine Tochter.“
sagte er leise und mit leerer Stimme. Ein Zwicken durchfuhr seine Seele, okay.. Kurz wandte er den saphirblauen Blick noch zurück auf die Welpin.
„Tut mir Leid.“
Es war seine Natur, diese verdammte Unsicherheit, die ihn zwang sich zu entschuldigen. Und nun wollte er wirklich nur noch weg, nicht mehr aufgehalten werden, von diesem verfluchten Schlachtfeld runter, weg vom Leben, weg vom Tod, dorthin, wo er war. Im Nichts. Nein, er war das Nichts. Diesen monotonen Gedanken bestätigend, senkten sich die Lider sogar noch ein bisschen, so gab es seinem Gesicht tatsächlich einen traurigen Ausdruck, auch wenn dies nicht einmal ein Hundertstel von dem war, was in ihm schrie. Alles war so verdammt aussichtslos, was sollte er noch tun, welchen Sinn hatte er noch hier? Dieser Gedanke an die Unendlichkeit war für ihn nicht zu beenden, nein wie auch? Er machte ihn wahnsinnig! Seine Seele blutete aus, zerfiel zu Staub. Und dann, die Asche seines Körpers zum Staub seiner Seele. Asche zu Staub, Staub zu Asche und Stein.
Es war nicht von Nöten eine bestimmte Richtung einzuschlagen, es gab eh kein Ziel für den Tiefschwarzen. So lief er am Leben Banshee vorbei, wie ein armer Geist, der einfach nicht frei sein konnte. So war es. Seine großen Pfoten gaben im Matsch keinen Laut von sich, als wären sie nicht da und auch seine Pfotenabdrücke würden sich in Kürze im Nichts auflösen, schließlich gab es ihn eigentlich nicht mehr.
Face wollte im Wald verschwinden, bis ihm plötzlich eine Gestalt im Matsch auffiel (Ninniach). Verdammt, bloß einen Bogen machen, er wollte um keinen Preis schon wieder an jemanden geraten, der seinen Wunden neue hinzufügte oder sie noch weiter aufriss. Sie klafften doch eh schon alle. Doch er blieb stehen. Die Schwarze hatte er doch vor Jagdbeginn kurz fixiert, jene die auch nicht wirklich in die Rudelgemeinschaft zu passen schien. War sie tot? Eigentlich konnte es ihm ja egal sein, sie würde bestimmt in Frieden ruhen können... Die Umstände waren zwar schrecklich, aber dafür hatte sie dann jetzt keine Sorgen und keine Schmerzen mehr. Aber halt, die Bauchdecke hob und senkte sich noch. Er stand zwar fast zwei Meter von ihr entfernt, sah es aber trotzdem. Nun denn, dann konnte er ja trotzdem weiter gehen. Dann war doch alles in Ordnung, nur bei ihm nicht... Seine Seele krampfte sich bitter zusammen. Was hatte er nur falsch gemacht? Face konnte doch auch nichts dafür geboren worden zu sein... Für was strafte man ihn? Gedankenverhangen bewegte er sich nicht weiter, löste den müden und stumpfen Blick aber auch nicht von der Fähe. Das hatte keinen weiteren Grund, er sah sie nicht einmal. Der leere Rüde sah durch die Fähe hindurch, auf irgendwelche vergangenen Bilder... Warum nur, warum?
Shit sprang neben die Leitwölfin und wollte mit ihr gehen. Es dauerte eine Weile, bis er abgewägt hatte, ob er lieber tun sollte, was sie verlangte, oder besser worum sie bat, oder ob er stur neben ihr bleiben sollte.
.oO(Neria!)
Unentschlossen nickte er.
"Ich werde dich finden."
Sanft drückte er sich gegen die weiße Wölfin, schleckte ihr über die Schnauze und steuerte Neria und Shamus an. Je näher er den Beiden kam, desto weniger war von der 'Schlacht' die hier getobt hatte zu sehen. Bald verschwanden die Kadaver auch aus seinen Augenwinkeln und er atmete hörbar aus.
Als er wieder in den Wald trat, erblickte er Neria und Shamus, lächelte ihnen angestrengt zu.
Sein Blick fixierte einzig Neria und fragte sie stumm, ob sie ihn begleiten wollte. Er stellte es ihr frei. Seine Pfoten trugen ihn davon, weg von Tod und Blut, zurück in den dichteren Wald.
Pfeifend strich der flache Atem aus ihrer Lunge, raspelnd drang er ungleichmäßig wieder hinein. Verdammt... es schmerzte so sehr. Wieso hörte es nicht einfach auf! Irgendwas blockierte ständig ihre Atmung. Heraus pressen funktionierte unter stechenden Schmerzen - aber wieso drang die Luft so schwer wieder in ihre Lungen hinein.
Wie gern hätte sich ihre Seele entgültig in den Momenten dieser endlosen Grausamkeit zerrissen und Gevatter Tod hingegeben. Doch ihre Zeit schien noch nicht abgelaufen zu sein. Sie würde weiter das arme, verängstigte Püppchen sein, in welches man Nadeln hineinrammte und mit gemeiner Langsamkeit wieder hinauszog, nachdem man sie noch ein paar Mal in die selben Wunden hineinstieß. Es war kalt... wurde immer kälter wenn der Wind um sie stieß. Sie konnte nicht aufstehen, dazu fehlte ihr sämtliche Kraft. Atmen konnte sie kaum - was also wollte sie hier? Das warme Schlick war nur noch ein qualvolles Verhängnis, und es drohte der Wunsch endgültig darin zu versinken sie zu übermannen... Die halbgeöffneten Augen sahen nichts, nur schwarz; alles leer. Blinzelnd versuchte sie das Bild zu bereinigen, was ihr erst nach mehreren Versuchen gelang. Matt und kläglich erschöpft versuchte sie den Kopf zu heben, als dumpfe Schläge zu ihr drangen, plötzlich inne hielten.
Ihr Herz tat einen Schlag, als wolle es jeden Moment einfach aufhören je wieder zu schlagen. Flatternd zog sie Luft ein, die scheinbar nicht einmal zur Hälfte ihre Lunge zu füllen vermochte. Der Blick ihrer meeresgrünen Augen erkannte einen tiefschwarzen Rüden... er war doch?
oO( Er...)
Zu behaubten er lebe schien ihr irgendwie verkehrt... Sie hatte seinen Sturz gesehen, ihn aber erst in ihrem Schmerzensschlaf verarbeitet, realisiert. Ihr Kopf drohte in den Schlamm zu sacken. Doch sie wollte noch einmal über sie saphirblauen Augen streifen, einmal in irgendwas sehen, bevor sie ihre Kraft verließ. Was sie sah ließ sie erschaudern, und tief in ihrer Seele zog es sich schmerzhaft zusammen... Dort war nichts... rein gar nichts, nicht die kleinste Regung irgendeines Gefühls... War er gefährlich? Sie hatte Angst irgendwas zu sagen. Simariels Begegnung hatte sie förmlich zerschlagen, sie fühlte sich doch eh schon wie ein Wrack. Was bitte war sie jetzt? Ein Häuflein Elend? Bestehend aus Scherben an denen sie selbst die größte Schuld trug? Sie machte sich solche Vorwürfe.
Flehend ließ sie den Blick auf dem Augenschein des Rüden ruhen, flehend ihr nicht weh zu tun, flehend weil sie sich nirgendhin begeben konnte; weil sie nirgends zugehörig war. Würde er es verstehen? Vermutlich nicht... Er schien so leblos, so leer... Was fühlte er? Wie fühlte man sich, wenn man so war wie er? Fragen über Fragen, die nie jemand beantworten würde, weil sie sich nicht mehr wagte eine von ihnen zu stellen. Müde ließ sie den Kopf sinken, sah noch immer das Saphirblau seiner Augen. Wenn es das letzte war, der letzte Atemzug den sie nun tat, dann wollte sie diese Augen sehen, irgendwann wieder sehen.
Doch nach einem Zug folgte der nächste, und jeder quälte sich ein bisschen mehr. Der Schwarze konnte ihr nicht helfen, dass wusste sie. Er konnte sie weder erlösen noch ihr sonst irgendwie helfen... doch bitte, bitte sollte er ihr nicht weh tun. Nicht verletztend sein - so wie Acollon es zu ihm gewesen war... Sie konnte ihn nicht einschätzen, und berechtigt dazu ein urteil zu fällen war sie auch nicht. Zu was war sie eigentlich zu gebrauchen. Schlaff hingen ihre schwarzen Ohren hinunter, trüb war der Blick ihrer Augen, so stumpf und verloren. Auch sonst schien sie verletzt, verletzt in ihrer Haltung, gepeinigt von einem Leben, dass sie; Ninniach, niemandem wünschte... Ihr fehlte die Kraft den Kopf zu heben, doch noch einmal sah sie ihm in die Augen, diese wunderschönen Augen, so leer... welch Ironie, dass sie so schön waren, so schön in ihrem endlosen Leid, dessen Ni sich nicht einmal einen Bruchteil ausmalen hätte können. Abermals schloss sie die Augen, hielt ihn vor ihrem inneren Auge... würde er sie geleiten, an die Stufen des letzten Tunnels? Wäre das das Ende; ihr Ende?
Parveen lag immer noch nur dort auf dem Boden, sah vor sich hin oder auch in den regnerischen Himmel hinauf und fühlte sich vollkommen betäubt von ihrer Trauer. Ihr kalter Stern erschien nur blass auf der Stirn der Welpin und pochte, es war ein unerträglicher Kopfschmerz hinter ihrer Stirn, der sie für einige Zeit lähmte und ihren Blick verschwommen darstellen ließ. Sie seufzte leise, plötzlich vernahm sie etwas, Geräusche, laute Geräusche, die in ihrem Kopf pochten und sie immer fester die Augen schließen ließen. Es war Schritte, Pfotenschritte, von wem stammen diese nur? Parveen wollte doch einfach nur alleine sein und diese Einsamkeit genießen um über alles nachdenken zu können. Plötzlich spürte Parveen zwei Pfoten, die sich auf ihre Brust stellten und die kleine Welpin öffnete nun doch die Augen, im selben Moment schleckte ihr ihre Schwester Kisha über das Gesicht und durch Parveens Herz zog sich ein stechender Schmerz, was wollte sie denn? Sie war doch eh allen egal…
„Nein…das ist nicht lustig, alles, was dort geschehen ist, ist nicht lustig und ich will im Moment auch nicht lachen.“
Parveen hatte die Worte ziemlich leise gesprochen und ließ sich die Worte ihrer Schwester noch einmal durch den Kopf gehen, man wurde traurig wenn man sie sah? War das vielleicht auch irgendwo der Sinn gewesen, den die kleine Welpin erreichen wollte? Damit endlich auch andere spürten, wie es Parveen ging? Nun war Kisha hier, nun konnte sie endlich loswerden, was sie schon so lange belastete.
„Und warum ich traurig bin, kann ich auch gerne erklären. Ich bin traurig, weil sich keiner von euch um mich gekümmert hat in letzter Zeit. Nicht unsere Eltern und nicht mal ihr habt mich beachtet, nur mit euch gespielt und nie gesehen, wie ich daneben stand, geweint habe und ein schmerzendes Herz hatte, weil ihr nie gefragt hattet, ob ich nicht auch mitspielen will. Mama hat auch nie nach mir gesehen und Papa hat nur einmal kurz mit mir geredet, aber er kann auch nichts daran ändern. Habt ihr denn nie gemerkt, wie es mir geht? Wirklich nie? Dann habt ihr anscheinend wirklich nie in meine Augen gesehen. Wenn ich wollte, könnte ich nun sagen, dass du gehen sollst…aber ich brauche euch….sonst sterbe ich daran…“
Parveen liefen wieder die Tränen ihren Pelz hinunter und ihr Stern pochte wieder, schmerzte ihr im Kopf und drückte damit aus, dass es ihr wirklich nicht gut ging. Parveen sah zu ihrer Schwester, erkannte den liebevollen und warmen Blick und eigentlich hätte man nie gedacht, dass so eine Jungwölfin wie Kisha Parveen nicht mögen würde, aber trotzdem hatte sie das Gefühl.
„Ich habe das Gefühl, dass ihr mich alle nicht mehr lieb habt…“
Parveen schloss die Augen, die Tränen kullerten aus ihren Augen und die Welpin drückte ihren Kopf an die Pfoten von Kisha.
Die Augen waren einst nur auf seinen Sohn gerichtet. Was hatte der Schwarze angerichtet? Wollte er Averic schon so früh mit dem Tod vertraut machen? Wollte er, dass sein Sohn genau so leiden würde, wie er es früher musste? Nein, es reichte wenn Acollon sich dem Schicksal hingab. Er war ein Mörder, sein Sohn aber nicht. Zwar sah er den Tod, da war sich der Vater sicher, aber er sollte nicht in die Gier und Verzweifelung sie nicht zu beherrschen geraten. Die Übelkeit wurde stärker. Um Himmels Willen, was hatte er dem Schwarzen angetan? Er hätte es wissen müssen. Er kannte doch dieses Gefühl.
Ein Gebet an Vorwürfen ratterte in seinem Kopf. Bis die Worte „Papa“ sein Gedächtnis erreichten. Etwas rastete ein. Die Gefühle schnellten wieder in den Körper zurück. Der Fenrissohn sah nur leblos auf seinen Sohn hinab.
Angst; ja, es war tatsächlich Angst; machte sich in ihm breit. Es war ein unbekanntes und seltsames Gefühl. Es war drückend und erschaudernd. Niemals zuvor war der Schwarze in dieser Bedrängnis gewesen. Niemals zuvor war er so zwischen dem Leben als Mörder und als Wolf gefangen.
Er legte sich nieder, dicht gedrängt an seinem Sohn. Averic war stark, er hatte es geschafft dem zu entrinnen.
“Ich bin stolz auf Dich, mein Sohn!,
wisperte er. Seine Schnauze war dicht an den Ohren seines Sohnes. Der leere und kalte Ausdruck auf seinem Gesicht verschwand allmählich. Wie ausgewechselt, mehr er selbst lag er nun dort im Dreck, niedergeschlagen von der Wucht des Wortes Averics.
Langsam wurde es wieder Farbe um den Mörder herum. Die Realität ließ ihn langsam wieder zu dem werden, was er war.
“Wir schaffen das schon, Averic.“,
seltsame, ungewohnte Worte aus der Kehle des Schwarzen. Vorsichtig legte er die Pfote unter den kleinen Kopf des Schwarzen. Er war hübsch, so wie einst Acollon selbst. Doch sein Körper war nun mit Narben überseht. Nicht mehr glanzvoll.
Das Blut das an Acollon haftete wusch sich nicht mit dem Regen heraus. Er würde wieder Tage lang an dem Geruch des Todes zerren müssen.
Face Taihéiyo’s Blick fand sich wieder, als plötzlich ein paar grüne Augen vor ihm aufgeschlagen wurden. Ein Zucken ging durch seinen Körper, eigentlich wollte doch ungesehen weiter gehen, irgendwann würde sich sowieso niemand mehr an ihn erinnern, niemand würde wissen, dass es auf dieser Welt irgendwo einen Wolf gab, weder lebendig noch ganz tot. Welch’ grausamer Gedanke. Vergessen und verachtet von allem. Aber warum sah ihn die Schwarze so flehend an? Warum berührte ihr Blick die ganze Zeit seine Augen? Und doch, genau so wandte auch der Tiefschwarze seinen Blick nicht an. Die Wölfin erinnerte ihn so schwer an etwas... Er konnte sich vorstellen, könnte sein Blick Gefühle wiedergeben, wäre Ihrer wohl ein Spiegelbild. Nirgendwo gehörte man hin, weder hier her, noch woanders hin. Auf Schienen taumelnd, die Grenze gleich neben einem, ohne das man sie überschreiten konnte. Ja, sie wirkte anders als der Rest Wölfe hier. Aber was sollte er tun? Er war niemand, der durch irgendwelche Taten helfen konnte, dass hatte er sich schon so oft klar machen müssen. Alles ging nach hinten los. Wie damals bei Cloud und was hatte er getan?
Face ließ sich ruhig auf die Hinterläufe sinken.
Genau das.. Der leblose Blick auf die Schwarze gerichtet, dass einzig Gute an dieser Leere war wohl, dass es keinem das Gefühl geben konnte, angestarrt zu werden. Welchen Sinn machte das hier eigentlich? Wieso ging er nicht einfach weiter und ließ Fähe Fähe sein? Vielleicht, weil er einfach zu dumm war. Trotz allem, was man ihm angetan hatte, wollte er nicht, dass jemand anders das Selbe durchmachen musste. Nein, so etwas verdiente wirklich keiner. Das Gefühl der Einsamkeit war das Schlimmste, was es gab. Und wenn man dann noch hilfloser als ein kleiner Welpe war, war das Ganze wirklich unerträglich. Ihm konnte niemand beistehen, niemand könnte ihm die Hilflosigkeit nehmen, das war unmöglich. Aber nicht für einen Lebenden. Also konnte er einfach nur da sein. Sobald jemand anders anfing sich um alle Verletzten zu kümmern, würde er weiter gehen. Dann musste er kein schlechtes Gewissen haben. Oh ja, er war einfach dumm. Vielleicht würde es ein Anderer als naiv bezeichnen, aber wenn er etwas überhaupt nicht war, dann das. Face glaubte an nichts mehr. An nichts Gutes, an nichts Hoffnungsvolles, rein gar nichts. Naivität kam der Narretei schon sehr nah. Für ihn würde es nicht mehr besser werden. Aber deshalb sollte es anderen nicht genau so schlecht gehen.
Seine ausdruckslosen Augen hielten sich an denen der Wölfin fest, die Lider senkten sich wieder ein wenig, müde, leblos...
.oO°( Will you walk me to the edge again? )
Müde; einfach müde vom Leben, von der Zeit die nur gedehnt verstrich, vom täglichen Spiel, dass aus lauter Lügen bestand und jedes Mal zerfiel, wenn jemand sich nicht an die Regeln hielt. Waren sie blind? Geblendet von dieser falschen Perfektion, dass sie nicht wahrnahmen, was alles geschah? Leben erlosch, egal wie kurz oder lang es geweilt hatte – einfach so verwirkt. Verwelkt wie die letzten Blüten, bevor der Winter sein Tuch spannte. Und genau wie eine solche fühlte sie sich. Welche Blume sie wohl wahr? Vielleicht eine Rose. Ob sie wohl eine schwarze war? Eine schwarze Rose, inmitten einer verschneiten Landschaft. Ja, genau so fühlte sie sich. Einerseits stach sie aus der Masse, dem Eigentlichen, dem Ganzen und vor allem dem Perfekten hervor – aber andererseits… fiel sie niemandem auf. Es bedurfte ihrer keinerlei Beachtung. Sie war es gewöhnt, hatte es schon früh kennen gelernt. Arme kleine Ni, so verletzlich und zart wie ein Vogel, aber dennoch nicht einmal dieses Leben wert. Man wurde übergangen, Gesichter zogen an einem vorbei, sahen einen an, nahmen einen aber nicht wahr. Aber er. Ja, er. Face, er hatte sie gesehen. Wieso? Wieso hatte er das getan, was ihr ganzes Leben lang niemand getan hatte, wozu niemand im Stande gewesen war? Er hatte ihr für einen flüchtigen Moment Aufmerksamkeit geschenkt, indem er sie angesehen hatte. Es war nur ein kurzer Blick, bis auch er nur noch durch sie hindurch gesehen hatte. Aber es war anders gewesen. Tief in ihrem Inneren gab es ihrer Seele, dem zersplitterten Glas, was sich tief in ihren Geist gefressen hatte, eine Art Besänftigung. Doch sie glaubte nicht an den Frieden, sie klammerte sich nicht wie die Anderen an eine Hoffnung, die es eigentlich nicht gab, der eigene Glaube es ihnen aber weiß machte. Vermutlich wusste er nicht einmal, was dieser Augenblick bewirkte, wie es ihr geholfen hatte und schon gar nicht warum. Sie rechnete damit, dass der Tiefschwarze weiterziehen würde, irgendwohin, an einen Ort den sie nicht kannte. Von diesem Punkt aus wäre es vollkommen egal gewesen, was gekommen wäre. Sie hätte für einen Moment in ihrem verletzlichen Dasein das Gefühl gehabt wahrlich beachtet worden zu sein. Hätte sie Gewissheit gehabt, dass sie weiter Leben würde, dass dies hier nie und nimmer ihr Ende sei, so hätte sie ihn noch etwas gefragt, nur noch einmal die Stimme gehoben, um noch einmal die gleiche Frage zu stellen, auf die sie immer das gleiche Versprechen erhalten hatte. Aber nie, wirklich nie hatte es jemand gehalten. Sehen wir uns wieder? War es denn so schwer, das Versprechen sich wieder zu sehen einzuhalten? Lag es an ihr, das sie alle gingen; nie wieder kamen? Das sie immer verlassen wurde und ewig allein blieb? Verschwenderisch und naiv wäre die Frage gewesen, aber sie hätte sie gestellt, dass wusste sie. Doch es kam nicht so, wie sie gedacht hatte, zu müde um die Augen zu öffnen, zu müde um überhaupt irgendeinen Muskel zu rühren lauschte sie in die Stille - er hatte sich nieder gelassen, war nicht gegangen. Vermutlich aber nur für kurze Zeit, wieso sollte er auch bleiben. Schließlich kannte Face sie gar nicht. Und sie ihn ebenso wenig. Ruhig versuchte sie zu atmen; wieder und wieder stieß sie auf Blockaden, auf Schmerzen… Doch sie dankte ihm, dem Schwarzen. Dankte ihm, dass er sie angesehen hatte, dass er noch immer da war… und dafür, dass er schwieg. Wenn niemand mit ihr redete, zwang sie auch nichts dazu, auf irgendwas eine Antwort zu geben. Sie wollte nicht mehr reden, ihre Stimme hätte ohnehin versagt. Die Angst vor den Konsequenzen wäre zu groß, zu belastend und erdrückend. Schmerzhaft verkrampfte sich ihr Herz, es verlor seinen Rhythmus wieder. Wieso? Wieso jetzt! Die Luft wurde ihr knapp, ähnlich wie die Zeit auf dieser Erde, in diesem Leben…
Weiter und weiter ebbte sie in ihre Traumwelt ab, der Widerstand gegen das Einschlafen, gegen einen nie mehr endenden Schlaf war gebrochen…
oO( Bringst du mich fort von hier? Wirst du mich dorthin begleiten; an den Ort, an den es mich ruft? Wirst du…)
Doch die Kraft weiter zu denken erlosch. Alles in ihr erlosch, nur noch ein winziger Funke glomm vor sich hin, rief verzweifelt nach Schutz, Geborgenheit – Wärme um nicht zu erfrieren und so kläglich zu erlischen wie der Rest des einst lodernden Infernos. Ja, sie hatte das Leben einst geliebt…
Sanft fiel Schnee auf die schwarze Rose, benetzte liebevoll ihre Blätter. In Zittern durchlief den schwachen Körper der Fähe, der keinerlei Widerstand mehr Bot. Wie real ihre Träume waren… immer mehr Schnee umfing die Rose, wollte sie ersticken, ihre jede Luft zum Atmen rauben. Sanft hielt die Blüte ihren Kopf empor, bis die letzten Windstöße über das Land strichen, in den Schnee griffen und ihn aufwirbelten. Und der Rose letzte Kraft schien endlich gebrochen… Schwarze Blütenblätter trug der Wind davon, ließ sie tanzen, kreiseln, drehen… Und irgendwann würden sich die Spuren im Schnee verlaufen, und von der weißen Decke begraben werden. Irgendwann, vermutlich nach sehr kurzer Zeit, wären sie vergessen. Es hatte eh nie jemand auf die Blume geachtet. Einsam stand dort ein bedornter Stiel, Blütenlos, erfrierend. Zerdrückt von dem Schnee und ergriffen vom Niewiedererblühen, versank auch er in ewigem Dunkel, ewiger Eiseskälte. Hier würde niemals mehr eine Blume blühen… Das Rauschen vom Meer… Irgendwelche anderen Gedanken schienen sich noch mit in ihren Traum zu mischen. Ein dunkler Ozean. Und das letzte Blütenblatt trieb noch im Wind, bevor dieser es sanft fallen ließ, auf den Wellen bettete und liebkosend Abschied nahm. Noch ein, zweimal überdauerte es den Wellengang, bis die dritte es unter sich begrub und die endlosen tiefen des stillen Ozeans riss. Stille… eisige Kälte umfing den Körper, es fühlte sich an, als läge ihr Herz längst im Sterben; aber das tat es doch schon weiß Gott wie viele Jahre. Oder? Ihre Seele war schon zerfallen, es musste nur endlich aufhören, dass die Luft hinein in die Lungen trieb, wieder heraus flutete und letztlich wieder hinein gesogen wurde. Vielleicht sollte sie einfach die Luft anhalten? Vielleicht… würde das Wasser ihr irgendwann die Luft zum Atmen rauben. Es fühlte sich so real, so wirklich an. In den tiefen Wellen des Meeres versinkend sah sie sie wieder. Diese Augen, von einzigartiger Schönheit, die einen weinen lassen könnte. So leer… nicht stumpf und trüb wie ihre, nicht meergrün. Nein. Saphirblau. Ja, so wollte sie es. Das letzte was sie sehen wollte, war der Augenblick indem jemand sie beachtet hatte. Das Glimmen des letztlich verblieben Funken wurde schwächer, immer schwächer… er gab den Kampf auf.
oO(Führst du mich zu meinem Ozean?...)
24.12.2009, 19:18
Die Enttäuschung traf die Welpin hart, riss sie aus dem Rhythmus ihres Atems. Für wenige Sekunden schien sie eingefroren in ihren Bewegungen und Worten. Nur langsam taute sie auf. Wie ein Schneeglöckchen, das sich den Weg durch den Schnee kämpfen musste. Die hellen Augen waren nur auf den davon schreitenden Schwarzen gerichtet. Ihre Pfoten wollten sich nicht rühren. Aber der Entschluss stand fest. Das war ihr Vater. Sie straffte ihren Nacken und setzte sich widerwillig in Bewegung. Nachlaufend der Enttäuschung- dem Schwarzen mit den leeren Augen. Dem Rüde, der keine Seele hatte.
Die Pfoten sprangen um die leblosen Körper herum, wichen den Kadavern aus. Die Nässe durchweichte sie vollkommen.
Sie musste eine Weile laufen, bis sie es schaffte den Schwarzen einzuholen, doch er war nicht allein. Vor ihm war eine schwarze Wölfin. Sie sahen sich stumm an. Eigentlich hielt sich Kuri aus den Angelegenheiten anderer heraus. Doch in diesem Fall nicht.
Der zierliche Leib zitterte vor Kälte und bebte vor Aufregung. Die Sehnsucht bestärkte sich. Das Gefühl die endlose Suche zu beenden schuf eine hartnäckige Beharrlichkeit.
Den eisernen Blick auf den schwarzen Rücken gerichtet. Ihre Augen funkelten vor Zorn. Wie konnte es dieser Rüde wagen ihr zu sagen, dass er nicht ihr Vater zu sein scheint. Und dann tat es ihm auch noch leid? Wie sollte das möglich sein? Dieser Wolf hatte keine Gefühle, war anders als so manch anderer Rassengenosse, den Kuri schon in ihrem kleinen Leben gesehen hatte. Dieser Wolf war ihr Vater, gewiss.
“Behaupte doch nicht, dass Du nicht mein Vater bist!,
keuchte sie laut. Die Verzweiflung schluckte sie herunter. Ein dicker Klumpen versperrte ihr die Atemwege. Stoßweise und hektisch holte sie Luft. Ein recht unglaubwürdiger Ausdruck stand in ihrem Gesicht geschrieben. Noch nie hatte ein Wolf zu ihr gesagt, er sei nicht ihr Vater und anschließend behauptet, es täte ihm leid. Die Aufregung wurde immer zerreißender.
“Warum lässt Du mich denn alleine? Kann ich nicht bei Dir bleiben? Ich werde Dich nicht einmal nerven. Lass mich bei Dir bleiben, bitte!“
Warum die Welpin so darauf beharrte, dass sie bei diesem Rüden bleiben wollte, wusste Kuri nicht mal selbst. Die junge Wölfin war nur im Begriff an ihrer Einsamkeit zu zerbrechen. Andererseits war das Aussehen dieses Wolfes den Erzählungen und Beschreibungen ihres Vaters so ähnlich. Verwirrt war die Dunkelbraune.
.oO(Ich werde Dich auch niemals alleine lassen, wenn Du bei mir bleibst.)Oo.
Schmerzvoll füllten sich die Zornverengten Augen mit Tränen. Es widerstrebte ihr, in diesem Moment Schwäche zu zeigen. So viele Gefühle sprachen aus dem hellen wachen Blick der Welpin.
Die Frage konnte der Graue nicht einmal beantworten. Ihm versagten die Kräfte. Wie langsam er doch fiel. Die Luft war warm und weich, er segelte, er flog. Die Erschöpfung war nicht mehr zu spüren, zurück blieb das Gefühl, verloren zu haben. Ja, er hatte seine Schwester im Verteidigungsfall nicht mehr schützen können. Der Schwarze, ihr Gefährte war da. Sie brauchte niemanden mehr, der sie vor Gefahren bewahrte, denn es stand schon jemand an ihrer Seite. Und er, Tahashy, war nicht einmal erkannt worden. Wie es wohl seiner kleinen Schwester ging? War sie immer noch bewusstlos? Eigentlich ein schlecht ausgedachter Zeitpunkt um selbst schwach zu werden, sich den Mängeln des Körpers hinzugeben. Aber es kam so plötzlich, wie eine gut passende Ausrede. Eine Ausrede sich nicht behaupten zu müssen, einfach selbst in Gedankenleere Träume zu fallen. Allerdings waren seine Träume alles andere als Gedankenlos. Nichts als Vorwürfe sah er. Nichts als Schuldgefühle.
Sein Körper zuckte im schlammigen Boden, krümmte und zog sich zusammen. Und seltsamer Weise sickerte Blut aus seiner Schnauze hervor. Der Magen fraß sich selbst. Zulange war er ohne Nahrung und ohne Nährwerte geblieben.
Das Krampfen wurde schlimmer, bis der Körper einen Rhythmus erlangte.
Es tat so gut, die Schwärze verschluckte ihn.
.oO(Ja, führe mich fort. Weitweg. Lass mich Alles vergessen und ein neues Leben beginnen, lass die Vorwürfe verglühen. Es muss aufhören, führe mich aus dem Weg hier heraus. Bringe mich dort hin, wo ich vergessen kann. Führe mich in die Ewigkeit!)Oo.
Die Persönlichkeit hatte der gierige Hunger verschluckt. Nichts war übrig geblieben, von dem ruhigen und gelassenen, sehr sortierten und berechenbaren Wolf.
.oO(Oder soll ich hier bleiben? Vielleicht werde ich mal diese Reue vergessen?)Oo.
Ungewissheit zog ihn in eine langen dunklen Schlaf, der teils Traumlos war…
Face’s Geist drohte fast schon wieder in irgendwelchen unsinnigen Gedanken abzudriften, doch während er so weiterhin die Fähe ansah, leuchtete immer wieder ein Paar junge, braune Augen vor ihm auf. Ein sterbendes Gesicht, verzerrt vor Trauer, aber als hätte es keine Schmerzen. Warum? Vielleicht, weil die Fähe vor ihm gar nicht gut aussah, so schwach und zerbrechlich wie ein furchtbar kleines Wesen, bei dem man aufpassen musste, das nicht die kleinste Bewegung ihr die Luft nahm und es vielleicht sogar erdrückte. Etwas verkrampfte sich in ihm, diese braunen Augen wurden immer deutlicher, eindringlicher – Cloud!
Der junge Rüde hatte sich umgedreht als eine angsterfüllte Stimme seinen Namen rief. Seine blauen Augen weiteten sich, als er sah, was sich dort hinten abspielte. Ein großer, weißer Mann zielte auf seinen kleinen Freund. Sofort rannte der Schwarze los, überschlug sich fast in aufkommender Panik, fasste den Blick auf, den der Indianerjunge ihm zuwarf, so entschuldigend, traurig .. Nein, wie sollte man diesen Blick deuten? Noch im selben Moment war es zu spät und der Mann hatte abgedrückt. Das wohl grässlichste Geräusch, welches er je gehört hatte, scholl durch die Luft und der Junge brach zusammen wie ein zerstörter Gegenstand. Vor Schreck war der Jungrüde stehen geblieben, unfähig sich zu bewegen, die Augen schreckstarr aufgerissen fing er an zu zittern. Nein, nein, nein! Der Mann hatte den Kopf seines Pferdes herum gerissen und galoppierte nun genau auf ihn zu. Der junge Wolf realisierte dies erst im letzen Moment und wich aus, doch noch vorher striffen ihn die Hufe des großen Tieres schmerzhaft, sodass er von den Pfoten gerissen wurde. Mit stark heftig klopfendem Herzen blieb er liegen, die dunkelblauen Augen fest zusammengekniffen. Erst als nach und nach alle Geräusche verschwunden waren öffnete er sie wieder und rannte aufs Neue hektisch los. Keine Minute später stand er vor seinem kleinen Freund. Eine Blutlache hatte sich unter ihm gebildet, so groß, dass der Rüde kaum glauben konnte, dass es allein das Blut des Indianerjungen war. Und doch regte der Kleine sich noch. Dieser Anblick zerriss ihm fast das Herz, wie er die Hand nach ihm ausstreckte und seinen Namen wisperte. Seine Läufe fühlten sich so schwer an, als würde er keinen Schritt mehr gehen können, gleich genau so getroffen zu Boden gehen. Und doch senkte er den Kopf zu seinem Freund hinab, ließ sich von ihm den Nacken kraulen. Die eigenen, noch so jungen Augen füllten sich mehr und mehr mit stiller Leere. Er wusste, dass sein kleiner Freund keine Chance hatte zu überleben, er spürte das es jeden Moment aus sein würde. Ein Klicken und das, mit zwei Rabenfedern, verzierte Halsband fiel zu Boden. Die noch so winzige Hand strich über seine Schnauze und der Schwarze schloss schluckend die Augen. Wieder flüsterte der Indianerjunge etwas, doch dieses Mal verstand der Wolf es nicht. Alles schien so weit entfernt, dumpf, als wären seine Ohren taub. Und die Hand rutschte ab, blieb leblos auf dem Boden liegen und die braunen Augen hatten sich längst geschlossen. Der Jungwolf legte sich nieder, dicht neben seinem gefallenen Freund. Die nächsten Tage wachte er dort.
Face Taihéiyo spürte wie seine Seele zitterte, wahrscheinlich würde sein ganzer Körper zittern, wenn es ihm möglich wäre. Doch nichts, wie immer. Seine saphirblauen Augen lagen noch immer auf der Fähe, sie starb, genau wie sie alle starben. Wie jeder einzelne starb und nur er würde am Ende noch da bleiben. Egal ob er jemanden gekannt hatte oder nicht, sie würden alle gehen und ihn zurück lassen, ganz alleine. Er war ein Verdammter, dem das wohl Grausamste Schicksal zugeteilt wurde. War sie schon tot? Irgend etwas schrie gegen diese Tatsache an und er fixierte das Heben und Senken ihres Brustkorbes. Der Tiefschwarze kannte sie nicht, richtig. Und doch wollte er nicht das sie starb. Eine furchtbare Unruhe machte sich in ihm breit und als er plötzlich eine Stimme neben sich wahr nahm, schreckte seine Seele auf. Langsam wandte er den Kopf zu der kleinen Welpin, die ihm gefolgt war. Verdammtes Blag, konnte oder wollte sie nicht verstehen, was er gesagt hatte? Es gab niemandem in seinem Leben und dementsprechend auch keine Tochter!
„Das ist keine Behauptung gewesen, dass war eine Tatsache. Ich habe keine Tochter. Und bei mir bleiben kannst du auch nicht. Niemand bleibt bei mir, es tut niemandem gut. Sie gehen alle fort. Such dir einen anderen Rüden aus, hier gibt es genug!“
Oh diese verdammte Leere in seiner Stimme, wäre es ihm möglich gewesen, hätte er eher geschrieen. Wieder wollte er aufspringen und weglaufen, doch die Tatsache, dass die schwarze Wölfin immer noch dort im Matsch lag und keiner herkam um sich um sie zu kümmern, ließ ihn sitzen bleiben. Diese Welpin sollte ihn in Ruhe lassen und weggehen, er war niemand der sich um Welpen kümmern konnte, wie auch? Mein Gott er war tot, wie sollte er einem Welpen geben, was er brauchte? Hier gab es genügend Wölfe, die mehr konnten, mehr für die Kleine tun konnten. Schließlich waren ein Paar selbst Eltern. Sie sollte es nicht wagen ihm zunahe zu kommen, es würde ihr nicht gut tun, nein es hatte noch nie jemandem gut getan. Sie alle gingen, alle gingen. Er war noch da, immer noch hier und sie gingen, starben, ließen ihn alleine.
Seine Seele rang nach Luft, er erstickte wieder.. und wieder... und wieder.... und wieder.....
Kurz wandte Kisha den Blick zum Himmel, der mit dunklen Wolken verhangen war. Ein leises Jaulen und das darauf folgende Jaulen ließ darauf schließen, das ein harter Tropfen ihr genau ins Auge gefallen war. Ruckartig schüttelte sie ein Mal ihren gesamten Körper, die Tropfen flogen umher. Es machte jedoch keinen Unterschied, was eh schon nass war, konnte nicht noch nasser werden. Also mussten sich weder Parveen noch der Boden Sorgen machen, das sie nass werden könnten. Parveen reagierte also auf Kisha. Sie antwortete... Nicht lustig? Also Kisha selbst fand das alles doch ziemlich amüsierend, was die Erwachsenen und auch die Welpen dort hinten trieben. Ein kräftiges Grinsen legte sich auf die schwarzen Lefzen, die weißen Fänge blitzten leicht hervor. Ja ja, bestimmt war in ihrer Abwesenheit irgendwer ausgerutscht und lag nun bespritzt mit Schlamm auf dem Boden, musste unter dem Lachen der anderen leiden. Und vielleicht lachten sogar die Viecher mit, die die Gejagten spielen mussten. Aufmerksam legte sie den Blick auf ihre braune Schwester, als diese erneut die Stimme erhob. Jedes Wort der kleinen verbannte das Grinsen immer weiter aus dem Gesicht der Schwarzen. Hatte sie selbst den nie auf Parveen geachtet? War sie so beschäftigt, dass sie nie auf ihre Schwester geachtet hatte? Etwas bedrückt legte sie die Ohren an und senkte stumm den Kopf. Eine Haltung Kisha’s, die man wohl bei niemandem sonst so selten sah. Leicht pendelte die schwarze Rute über den nassen Boden.
“ Weißt du was? Du kommst jetzt mit zu den anderen und dann spielen wir alle zusammen! Tut mir leid, wenn ich dich vielleicht übersehen habe, wird nie wieder vorkommen! Ich versprech’s dir! Und wenn es dir dann mal nicht gut geht dann kommst du zu mir und ich bringe dich zum lachen! OK? Und weißt du warum du zu mir kommen kannst? Weil ich dich liebe! Und zwar ganz doll! “
Sofort legte sich wieder das Grinsen auf Kisha’s Lefzen. Auch wenn man es ihr nicht anmerkte, es tat ihr wirklich leid. Jedoch wußte sie keine andere Art, sich bei Parveen zu entschuldigen, als ihr zu versprechen, das so etwas nie wieder vorkommen sollte. Vorsichtig stupste sie die Braune an, als sie Tränen auf dem braunen Pelz entdeckte. Der Stern auf Parveen’s Stirn faszinierte Kisha. So etwas wollte sie auch haben! Ohne auch nur eine weitere Sekunde über irgendetwas nach zu Denken ließ sich Kisha in den Schlamm fallen. Schnell drehte sie sich auf den Rücken und legte sich neben ihre Schwester. Spielerisch streckte sie die 4 Läufe in die Luft und drehte den Kopf leicht zu der Braunen, die neben ihr lag. Der Regen prasselte hart auf ihren Bauch, doch das störte sie nicht im Geringsten.
“Siehst du, ist das nicht schon Mal ein kleiner Anfang?“
Parveen hatte ihren Blick immer noch in den Himmel gerichtet, sie wusste eigentlich nicht mehr, was sie darauf sagen sollte, sie hatte nun einmal gesagt, was sie wirklich dachte und fühlte, aber das nur vor ihrer Schwester und Kisha war doch auch noch so jung, sie wusste doch wahrscheinlich selbst nicht so wirklich, was sie tun sollte. Parveen nahm sich vor bald auch mit ihren Eltern zu reden. Es würde bestimmt helfen, vielleicht sogar für immer. Und dann hatte sie klare Antworten. Dann richtete sich der Blick von der schwarzbraunen auf Kisha, denn diese schenkte ihr nun eine Antwort. Parveen hätte gelächelt, aber der Stern hinterließ immer noch ein schmerzendes Pochen und ihr war nicht nach einer so guten Laune.
„Das ist wirklich nett von dir, Schwesterherz. Ich werde zu dir kommen, wenn ich etwas habe, denn ich liebe dich auch ganz doll. Aber sei mir nicht böse, dass ich jetzt nicht spielen will. Ich muss ein wenig nachdenken…“
Parveen hatte schmal gelächelt und sah zu Kisha, in den Augen der tiefschwarzen konnte sie lesen, dass es ihrer Schwester leid tat und Parveen nahm dies auch an. Es war in Ordnung für heute, ein anderes Mal würden sie das alles komplett klären. Mit der ganzen Familie und dann konnte jeder einmal sagen, was ihn störte, was er gerne anders hätte. Als Kisha sich in den Schlamm fallen spitzte Parveen kurz die Ohren, denn es hinterließ ein sehr dumpfes Geräusch. Dann aber erhob sie ich aus ihrer liegenden Position, schüttelte sich kurz und ihr Fell wurde von dem Schlamm befreit.
„Kisha…ich werde ein wenig an den See gehen…sag Mama und Papa das ich bald wieder komme…aber ich brauche noch etwas Zeit für mich…“
Parveen schleckte ihrer Schwester liebevoll über die Leftzen, rieb ihren Kopf kurz an dem tiefen schwarzen Fell, dann lief sie los, in Richtung See…
Neria sah zu Shamus, nickte auf seine Worte hin nur, aber ließ es dabei auch bleiben, sie hatte nun kein großes Interesse, dem allem zu antworten, es würde so sein und gut war. Sie ließ den Kopf auf ihre Pfoten sinken, spürte, wie ihr Engel sie mit den warmen Flügeln zudeckte und sie sich wohl fühlte und sie hätte nun schlafen können, aber es war viel zu gefährlich hier, das würde keinen Sinn machen. Wo hätte sie auch hier schon Ruhe finden können? Vor ihrem geistigen Auge sah sie immer wieder Shit und die Alphafähe, es war doch nicht zu verkennen, dass er an der Weißen Interesse hatte, dass er sie liebkoste und dabei Nerias Herz brach. Oh wie sie sich nun wünschte, dass Liannaka zu ihr sprach und ihr mitteilte, was in der Zukunft geschehen würde, aber nicht einmal ihr Engel würde dies wissen können. Neria sah unsicher um sich herum, Shamus hatte erkannt, dass Shit nicht der Alpharüde war und er gab seine Chancen nicht auf, gut, er hatte ja auch Recht irgendwo.
„Nein,…er ist nicht der Alpharüde…“
Sie erhob sich aus ihrer liegenden Position, sah den Rüden noch einmal aufmerksam an und blickte dann in den Himmel hinauf, aus dem noch immer große Regentropfen fielen. Sie seufzte leise, plötzlich vernahm sie Schritte, Schritte die ihnen näher kamen, die immer tiefer in diesem Schlamm versanken und ihr Blick wandte sich in diese Richtung. Es war Shit. Er blickte sie an, eine Frage lag in seinen Augen, mit der er sich abwandte von ihr. Nerias Augen wurden klein, sie war wütend auf diesen Rüden und sie würde das jetzt mit ihm klären. Ihre Aufmerksamkeit schenkte sie noch einmal Shamus.
„Ich werde nun mit Shit reden. Wir sehen uns bald wieder.“
Sie nickte dem Rüden zu, drehte sich in Shits Richtung und lief ihm nach. In ihren Augen konnte der Rüde Enttäuschung lesen, Wut und Fragen, tausende Fragen. Wenn Shit ihr nicht endlich klar machen würde – bald, an einem stillen Ort – was er fühlte, dann würde sie gehen und nie wieder zu ihm zurückkommen. Er sollte dann ruhig spüren, was er getan hatte. Sie folgte ihm also in den dichten Wald hinein…für wie lange?....
Gezwungen lauschte der Hellbraune den Worten seiner Patin, Worte die ihm noch mehr das Herz zerrissen. Sie würde nur für ihn weiterleben, sie würde sich dazu zwingen, sie musste doch einfach, sie konnte ihn doch nicht alleine hier lassen! Er hätte da sein sollen, dann würde sie sich nicht zum weiterleben zwingen müssen, dann würde sie keine Schmerzen haben, nicht so elendig aussehen, genau wie er. Hiryoga drückte die Schnauze in den schlammigen Boden, er hasste sich, ja verdammt, sich selbst und seine Angst, die ihn zu einem vollkommenen Egoisten gemacht hatte, wieso war er nur so, wieso konnte er nicht wie Kisha, Averic, Parveen, Cylin oder Mailica sein? Wieso war er er? Ohne es zu wollen öffnete der Welpe die Augen, ließ den Blick zu seinen Pfoten wandern, schmächtige, kraftlose, wertlose Pfoten, genau wie sein Körper, genau wie er selbst. Er war nur eine Last, eine Last für alles und jeden, für seine Mutter, seinen Vater, seine Geschwister und seine Patin. Er war eine Last für das Rudel, zu nichts zu gebrauchen, selbst jeder Hirsch hier war wertvoller als er, denn sie gaben Nahrung, würden dem Rudel Kraft geben, was er nicht konnte. Hiryoga entzog sich Kaede, er wollte ihr nicht so nah sein, er hatte ihre Nähe und Liebe nicht verdient, er wollte am liebsten verschwinden von hier, er wollte dem Rudel keine Last mehr sein. Es war seine Schuld das seine Mutter verletzt worden war, das es Kaede nun schlecht ging, er hätte auf beide aufpassen sollen, er hätte dieses scheiß Gerufe dieser verdammten Eule wahrnehmen sollen, er hätte darauf hören sollen! Er hatte verstanden, das etwas schlimmes passieren würde, wieso hatte er nicht vorher reagiert, hatte mit seiner Mutter geredet?! Es schienen auch einige Wölfe tot zu sein, das war wieder sein Werk, vielleicht hätte er es verhindern können, nein er hätte es wahrscheinlich verhindern können. Der Hellbraune hatte kaum Kraft sich hochzuziehen und doch schaffte er es. Schwerfällig zog er sich ein Stücken nur von Kaede weg, sodass sie ungefähr 20cm trennten, sein Blick fiel zu dem Rüden, zurück zu der Fähe mit dem Namen Leé, welche er schon kannte. Hiryoga merkte noch nicht einmal, dass er keine Angst verspürte, obwohl er den Rüden nicht kannte, was sollte es ihm auch jetzt bedeuten? Seine Gedanken kreisten umher, immer wieder trafen sie alle zusammen, ein Ziel, eine Lösung, er war schuld!
Der Rüde ließ sich langsam in den matschigen Boden sinken, er atmete schwer, seine Lungen wollten ihn nicht atmen lassen, der Druck auf diese war unheimlich, doch man konnte es kaum glauben, der Hellbraune versteckte die Schmerzen recht gut, sein Gesichtsausdruck war die meiste Zeit abweisend, er verzerrte kaum das Gesicht vor Schmerzen, nur dann, wenn er sich groß bewegte, dann spürte er sofort ein Stechen in seinem schmächtigen Körper, er wollte sich zusammenkrümmen, nur dies löste noch stärkere Schmerzen aus, sodass er es bleiben lies und einfach nur da liegen wollte, die Schmerzen ignorieren musste, so gut es ging. Er wollte nicht auf die Worte seiner großen Schwester antworten, er wollte sie nicht mehr vernehmen, es machte für ihn keinen Sinn, sie konnte ihm doch nicht diese Schuldgefühle nehmen, diese, die er sich selbst einredete.
.oO( Und der Schwächste wird einmal der Stärkste sein…verdammter Spruch, stimmt doch gar nicht! Schwach bleibt schwach, stark bleibt stark, schwach gleichbedeutend mit wertlos, wer stark ist, der ist Leben! )Oo.
Ein nur für ihn hörbares Grollen verließ die Kehle des Rüden, er war wirklich ein nichts, er war wirklich wertlos, ein Geschöpf welches nie hätte geboren werden dürfen.
Wundervolle warme Hände griffen nach der Schwarzen, wollten sie abwärts ziehen; wie sie so zeitlos und ziellos auf dem Ozean des ewigen Vergessens trieb. Mehr und mehr schloss sich der Kreis der Wellen um sie, bis sie untergehen würde – in die endlose Tiefe. Es wäre nur noch eine Hülle, die in dieser Welt lag und irgendwann verrotten würde. Es würde nur wenige Tage, wenn nicht bloß Stunden dauern, dann hätte man sie vergessen. Ihr Tod wäre nun wirklich kein Verlust, viel mehr eine Bereicherung…
Und wie sie so trieb, immer weiter vom Strand des Lebens fortgeschwemmt wurde, fielen ihr nach und nach Dinge ein, die sie so lange hatte aufgeschoben. Dinge die sie hatte noch tun wollen… Wie lebensfroh sie in ihren Träumen aussah. Sie tolle über Wiesen, dort war sie nicht allein. Sie jagten Schmetterlinge, den Frühlingsduft… aber alles nur ein Traum. Sie lächelte nicht einmal, denn ihr Lächeln hatte sie lange vorher irgendwo zurückgelassen, verloren und nie wieder danach gesucht. Aber wozu auch… Gefühle waren doch bloß ein Hindernis. Doch die schwarzen Wellen vernichteten alle schönen Träume und es brach wie Feuer in ihr hoch. Brennende Schmerzen durchfackelten jeden Muskeln. Sie hätte geschrieen, wenn sie doch nur die Kraft dazu gehabt hätte. Sie atmete nicht, ihr Herzschlag würde verstummen.
oO( Ist das der richtige Weg? Ist das der Weg den du gehen willst? Ni… mach die Augen auf. Atme!)
Sanft strich etwas über ihre Seele, wollte den Schmerz lindern und schenkte ihr Bilder. Bilder die sie trösteten, ihr etwas offenbarten, dass sie in all ihrem Kummer untergehen lassen hatte. Sie sah dort eine weiße Fähe, Ayala. Sie erkannte sie. Woran wusste sie nicht. Aber sie hatte sie hier bei den Sternenwinden empfangen, willkommen geheißen. Und sie hatte die Schwarze angesehen. Sie hatte die Weiße gemocht, oder? Das hatte sie sich nicht eingebildet, dass sie jemanden mochte, kam nun wirklich nicht häufig vor. Aber bei Ayala war es so. Und da war noch eine weiße Fähe, Banshee. Banshee hatte ihr eine Chance gegeben, in dem sie Ni hier hatte bleiben lassen, an der Jagd teilnehmen. Die Augen der beiden, sie spürte förmlich noch den Blick. Er war nie und nimmer feindselig gewesen… Und da, da waren noch mehr. Schwarzes Fell, kleine Pfoten… Welpen. Sie hatte viele Welpen gesehen, die meisten hatte sie gemocht… aber viele hatte sie das Leben gekostet. Ein stechender Schmerz schoss wie ein Speer durch ihr Herz.
oO(Wer bist du? …nein. Ich will nicht, ich kann nicht! Ich bin müde, ich will schlafen. Das Leben hat mich müde gemacht, es ist Zeit einzuschlafen.)
Immer mehr Bilder fanden den Weg in ihren Kopf. Cylin, der kleine Träumer. Er war damals auch gekommen! Von ganz allein hatte er den Weg zu ihr gefunden, war zu ihr gegangen und hatte versucht mit ihr Kontakt aufzunehmen. Er hatte gesagt sie solle nicht weggehen, er würde wiederkommen. Sie hatte es nicht geglaubt und war gegangen… und bei ihm war noch ein Welpe. Averic. Er hatte zwar kein Interesse an ihr gehabt; aber auch keine Scheu. Auf irgendeine Art und Weise beruhigte sie das. Und dann war da Face. Er hatte sie ebenso angesehen, hatte sie bemerkt. Nun… vermutlich war er längst gegangen.
oO( Wach auf, Ni. Atme! Es ist bald Winter, bald fällt der Schnee… Du liebst doch den Schnee! Du kennst doch noch den Schnee, oder? Willst du ihn nicht noch einmal sehen?)
Schnee… sie liebte den Schnee. Er war kalt und hatte etwas Beruhigendes an sich. Mit einem Mal schlug ihr Herz wieder kräftiger und die Luft bahnte sich wieder einen Weg hinein in ihre Lunge. Der brennende Schmerz, der durch ihre Muskeln ging ließ sie zusammen zucken. Scheinbar enttäuscht, dass sie leer ausgingen, spülten die trostlosen Wellen sie zurück an den Strand des Lebens. Matt spürte sie, wie das tödliche Wasser um sie herum abebbte. Müde hob sie die Augenlider, versuchte zu erkennen, was geschehen war. Was passiert war, während sie geschlafen hatte. Geschlafen um nie wieder zu erwachen… da war er noch. Sie wollte etwas sagen, doch ihre Stimme versagte ihr beim bloßen Gedanken daran. Zudem… war da eine braunschwarze Welpin. Was suchte sie hier, so nüchtern, munter, inmitten eines Schlachtfeldes? Sie sah die Welpin eine blutende Weile an, spürte wie ihr Herz verkrampfte. Dieses arme Ding war so hilflos, verwahrlost. Ni hatte Mitleid mit ihr. Dennoch, sie wollte jetzt hier weg. Kurz sah sie Face an, sie wusste nicht ob er ihren Blick deuten konnte, doch sie konnte einfach keinen Ton hervor bringen, zu groß war die Angst missverstanden zu werden.
oO(Darf ich… kann ich eine Weile mit dir ziehen? Ich denke nicht, dass du beim Rudel bleibst… und, ich würde dich gern eine Weile begleiten. Die Stille genießen – verstehe es aber durchaus, wenn du deiner Wege alleine ziehst. Ein so stiller Wanderer… scheint lieber allein zu sein.)
Benommen blinzelte Averic zu seinem Vater hoch, wandte den Blick mit seinen Bewegungen und doch wurde ihm nur schwindelig dabei. Acollon schien plötzlich ganz ausgewechselt, er spürte den Schwarzen neben sich und drehte die Ohren schwach nach hinten. Was, was war das jetzt? Nun, vielleicht gab es dafür ja eine ganz einfache Erklärung.. Besessenheit. Vielleicht war nicht nur der pechschwarze Jungwolf von ihr betroffen? Leise drang die Stimme seines Vaters an die spitz zulaufenden Ohren des groß gewordenen Welpen. .. Wie? .. Er war stolz auf Averic? .. Auf ihn? Aber wieso? Er hatte sich grade, unvorsichtig wie er war, von einem Hirsch platt machen lassen, darauf war Acollon stolz? Das graurötliche Bild vor seinen blauen Augen verzerrte sich und Averic kniff die Augen unter einem stechendem Kopfschmerz zusammen. Nein, nein, Unsinn. Sein Vater musste etwas anderes meinen, irgend etwas.. Er wollte sich jetzt keinen Reim daraus machen, später. Ihm konnten diese Worte – welche er vorher noch nie gehört hatte – reichen. Ja, sie waren etwas Besonderes. Der Pechschwarze zuckte mit einem Ohr, spürte die Schnauze Acollons ganz nah, ließ den Kopf auf seine Pfote sinken. Ja, er ließ sich nicht unterkriegen, war nur müde. Sie würden das schon schaffen, wie sein Vater gesagt hatte. Leicht peinlich bedrückt lehnte Averic seinen schmalen Kopf an die Schulter des Schwarzen neben ihm.
Er erinnerte sich nicht daran, dass er seinem Vater jemals so nah war, viel mehr erschien es ihm vorher, beziehungsweise eben fast wie ein Konkurrenzkampf. Wer war kühler, eigensinniger und wahrscheinlich auch dämlicher? Der Pechschwarze legte die Ohren leicht an seinen Kopf, mein Gott, dass war doch dämlich gewesen. Wie ein kleines Kind hatte er sich benommen.
„Tut mir Leid, dass ich mich vorhin so bescheuert angestellt habe...“,
wisperte der Jungwolf leise. Es kostete ihn seinen ganzen Stolz, seine gesamte Überwindungskraft diese Entschuldigung auszusprechen. Es stand unter seiner Würde und war doch notwendig. Langsam wurde sein Gedankengang wieder klarer, auch wenn ihm immer noch die Rippen schmerzten, wovon er sich bestimmt einige Angeknackst hatte. Cylin, genau Cylin! Wo war er? Wo verdammt? Vielleicht lief noch eines von diesen Wahnsinnigen Hirschviechern hier herum und sein Bruder stand ungeschützt irgendwo herum und endete nachher schlimmer als er! Sein Fell sträubte sich leicht und ein Winseln floh aus seiner Kehle. Sollte er seinen Vater fragen? Nein, der wusste bestimmt auch nicht wo sein kleiner Cylin war, schließlich hatte er Acollon die ganze Zeit in seiner eigenen Nähe gewusst. Vielleicht hatte seine Mutter ja längst mit gedacht und sich auf die Suche nach ihren Welpen gemacht? Denkbar wäre es zumindest. Noch bevor Averic die Augenlider wieder weiter senkte, wurde es schon dunkel um ihn herum und er sah winzige, kleine Flämmchen überall tanzen. So klein und alle farblos grau, nach und nach gingen sie alle aus. Dazwischen tummelten sich noch große Flammen, hier eine die der Blutsfarbe recht ähnelte und doch heller, matter war. Er nutzte seine enorme Vorstellungskraft auf, als er den Blick wieder gleiten ließ. Dort eine, kalt und doch kräftig, wie .. Wasser? Welche Farbe hatte denn Wasser? Der Pechschwarze blinzelte und hob den Blick zum Gesicht seines Vaters. Zumindest müsste es sich dort befinden. Alles war er sah war eine blutfarbene Flamme, groß und doch flimmernd. Nicht so wie ein aufgebrachtes, heftiges Feuer, eher eines, dass im Wind stand und mit aller Kraft trotzte.
Der Jungwolf hielt es für besser die Augen wieder zu schließen und einzig eine Flamme blieb übrig, eine kräftige, dunkle Farbe. Ähnlich wie Blut und doch war es ganz anders. Die gleiche Farbe wie seine Augen besaßen, doch hatte er sie ja noch nie gesehen.
Die kalten Augen auf seinen Sohn gerichtet, betrachtete er ihn. Nicht heischend, nicht vorwurfsvoll und nicht einmal auslachend. Sah ihn einfach nur an. Das Interesse des Schwarzen zu gewinnen war wahrlich nicht leicht, doch Averic weckte nicht nur Interesse, sondern auch etwas, was Acollon beschützen wollte. Die vorher gewesene Konkurrenz war erloschen. Der Schwarze, ohne es wirklich zu wollen, hatte mit seinem eigenen Sohn um den Platz neben Fenris gekämpft. Und erst jetzt, wo der Jungwolf jemanden wie seines Vaters brauchte, nahm er wieder Willen entgegen. Der Atem hob und senkte sich gleichmäßig und leise. Der graue Regen wurde von der Stille des Windes unterbrochen. Und für einen Moment war der Schwarze wieder der Wind, der frei und herrenlos über die Länder rannte. Warum hatte er so viel vergessen? Damals ignorierte er die Bestimmung als Mörder. Und heute musste er schon mit seinem Sohn darum konkurrieren, wer Fenris größeren Gefallen bringen könnte. Wie erbärmlich es doch war. Warum nahm der Gott des Todes mehr von der Leere ein, als seine Familie? Weil er selbst nie eine hatte? Sie von Anfang an, immer töten musste?
Der stille Blick sah tief in die blauen Augen. War Blut für ihn Farbe? Das sanfte, leichte Lächeln trat auf seine Lefzen. Wenn eines mir Angst macht, sagte Banshee einst dann ist es Dein Lächeln.
Vielleicht hatte sie Recht. Alles an dem Todessohn war falsch, niedermetzelnd, mörderisch und gefährlich, brutal, herausfordernd und ekelig. Nur das Lächeln war für Ehrlichkeit stehend. Auch für seine Besonnenheit dem Wohl anderer gegenüber. Es stand im Zeichen des Todes für etwas Verdammtes.
“Du hast kein Fehler gemacht, Averic. Du nicht. Ich hätte wissen müssen…“,
der Schwarze sprach nicht weiter. Sein Sohn lehnte sich an seine Schulter, zeigte Erschöpfung und Kraftlosigkeit. Hatte seinen Stolz überwältigt. Averic war stärker als Acollon. Niemals hätte der Schwarze sich entschuldigen können. Der Stolz schwoll an.
Das schwarze Fell wog leicht hin und her, nur langsam senkte sich die Schnauze. Sie war schmal und von Narben zerfurcht. Langsam strich er an der Schnauze seines Sohnes entlang. Das leise Winseln drückte wohl das Unwissen, die Besorgnis um Cylin aus. Die eben noch kalten Augen nahmen einen müden und leeren Ausdruck an.
“Ich gehe ihn suchen, sobald sich das Chaos etwas gelegt hat. Ihm wird nichts passiert sein. Und Du ruhst Dich lieber aus und lässt Deine Gedanken sinken. Schließlich brauche ich einen starken Sohn an meiner Seite und Cylin kann sich nur auf jemanden verlassen, der nicht selbst mit sich zu kämpfen hat.“
Der Regen erholte sich und schien mit voller stärke niederzugehen.
Ebenso wie sein Blick auf der sich hebenden und senkenden Brust der Welpin verweilt hatte, so sah sie auch auf seine. Ein Schock fror sich durch die Adern der Dunkelbraunen. Zu einer äußerlichen Reaktion war sich nicht fähig. Starrte gebannt auf den stillen, sich nicht bewegenden Brustkorb des Schwarzen. Er atmete nicht. Aber wie um Himmels Willen konnte jemand der nicht mehr Luft holte; das doch so lebensnotwendig war; vor ihr stehen und so aussehen als lebte er. Er lebte nicht und dennoch stand er vor ihr? Kuri´ s Augen weiteten sich, ihr Brustkorb hingegen seinem arbeitete nun schnell. Hob und senkte sich mit rasender Geschwindigkeit. Die Ohren schnippten leicht, legten sich dann ehrfürchtig an den Kopf. Die kleine Rute suchte sich den Weg zwischen die mageren Hinterbeine. Sie zog die Schulterblätter höher, geradeso als müsse sie sich vor Wind schützen. Ihren zierlichen Kopf senkte sie etwas. Dieser Rüde war ein lebender Toter. Ein komisches Gefühl, welches auch durchaus seinen Worten entstammte kroch ihr die Kehle hinauf, ließ sie leicht würgen und hastig schlucken.
“Ich möchte aber bei Dir bleiben“,
sagte sie mit belegter Stimme. Tatsächlich, sie wollte bei diesem Schwarzen bleiben. Vielleicht sogar nicht nur der Annahme nach, dass er hätte ihr Vater sein können. Die Tatsache, dass er so beruhigend und unwidersprüchlich- obwohl er ja ein Widerspruch in sich war- wirkte, machte sie froh. Sie konnte Verwirrung nicht gebrauchen, schon zuviel Chaos hatte in ihrem Leben Platz gefunden.
Doch gleich diesen Worten ihrerseits kam ein Gefühl der Schuld auf. Sie war zu egoistisch. Wie war es denn, wenn sie nicht mehr bei ihm sein konnte, weil die Zeit sie nahm? Nun gut, es würde noch ein wenig Zeit vergehen, bis ihr Ende nahte. Dennoch, lebte dieser Wolf nicht ewig, selbst wenn er schon tot ist?
Es war einfach selbst verherrlichend was die Dunkelbraune von dem Schwarzen verlangte. Aber hatte Kuri nicht auch mal ein wenig Egoismus verdient? Durfte sie denn endlich nicht nur hoffen, sondern auch wissen?
“Mein Verlangen ist selbstsüchtig, nicht wahr? Aber kann ich denn nicht vielleicht ein Weilchen bei Dir bleiben, nur so lange, bis ich einsam sein kann.“,
die Worte gingen in einem Schluchzen unter. Wieder hatte sie das Gefühl weinen zu müssen. Die gesammelte Einsamkeit warf ihren Lebensmut um, den sie doch so lange ohne Hilfe aufrechterhalten hatte. Die Tränen kamen, unweigerlich und unverhofft. Sie tropften leise von der zierlichen Schnauze hinunter. Vermischten sich mit dem Regen. Sie legte die Ohren nun ganz an, nicht aus einer respektheischenden Geste her. Es war zu Zeiten das erste Mal, dass die Welpin Schwäche und Hoffnungslosigkeit zeigte. Sie war schon so lange auf der Suche, glaubte jedes Mal ihr Glück gefunden zu haben, wurde nur immer wieder enttäuscht. Nicht durch die verneinenden Worte allein. Sie wurde abgewiesen und weggestoßen. Keiner wollte sich mit dem lästigen „Thema“ Kuri befassen. Die Dunkelbraune hat diese Abneigung immer geschickt überspielt. Zeigte sich nur von der positiven Seite her. Glaubte an die Hoffnung und hoffte auf das Glück. Die Schläge und Verachtung ließ sie über sich zerbrechen. Spielte mit dem Gedanken bald nicht mehr alleine sein zu müssen. Die Realität war einfach zu hart. Und auf harten Boden konnte man nur einsam sein. Träume mussten herhalten. Träume, die die Hoffnung so bestärkten, dass es den Eindruck machte, sie brauche keinen Freund.
.oO(Nur bis ich allein sein kann. Bis ich es schaffe nachts zu schlafen, bis der Schlaf ohne Träume erscheint.)Oo.
Ihre Gedanken würden unerhört bleiben. Ihr Bitten und Flehen würde wieder abprallen. Einzig und allein ihre Lebensfreude brachte sie bis an die äußersten Grenzen.
Sie hob ihr Tränenverschmiertes Gesicht, sah dem Schwarzen in die saphirblauen Augen. Nichts, kein Verstehen, keine Abneigung. Leere, gähnende Leere.
.oO(Was für´n scheiß Wetter. Nur Schlamm, wo das Auge auch hinsieht. Und der Regen pisst freundlich weiter. Na prost Mahlzeit.)Oo.
Zum letzten Mal war der Rüde als Jüngling hier gewesen. Damals war er auf die weißen Alphafähe und dem schwarzen Alpharüden, so wie dem baumgroßen Gammawolf gestoßen. Nach einer kleinen Auseinandersetzung hatte Athür sich auf den Weg zum See gemacht und war nicht mehr zurück gekehrt.
Jeder Wolf ging seinen eigenen Weg. Und der graubraune Rüde war der größte Zielgänger.
.oO(Ob die Faulenzer mit ihren fetten Bäuchen wieder nur herumhängen? Genug Schlamm haben die ja, um sich darin wälzen zu können.)Oo.
Eine allzu gute Meinung von dem Rüden zu hören war wohl mehr oder weniger eine Illusion. Das freche Gesicht stolz erhoben und mit passend senkrechter Rute schritt er auf einen seltsamen metallischen Geruch zu.
.oO(Blut)Oo.
Sein Tempo steigerte sich, die Neugier zog ihn magisch an. Auch war er gespannt, ob die weiße Alphafähe immer noch auf den autoritären Posten war oder ob sich schon ein anderer den Platz neben dem Schwarzen erkämpft hatte. Die gräulichen Augen waren funkelt durch den Regen gerichtet, auf der Suche nach einer Regung.
Das Geäst knarrte und rutschte unter den Tatzen des Wolfes weg.
Wie erwachsen der Rüde doch jetzt wirkte. Zwar war sein frecher, fast immer noch arroganter Ausdruck auf dem Gesicht nicht gewichen, dennoch schienen diese Emotionen tiefer in das Gesicht gebrannt.
Na einer kleinen Weile trat er auf ein Schlachtfeld. Leiber waren auf dem schlammigen Boden verstreut. Die stolzen Augen sahen nur leblos, fast belustigend auf das Passierte hinab.
.oO(Für Nahrung ist auf jeden Fall gesorgt.)Oo.
Was sich gleich nach Sheena’s und Hikaji’s Verschwinden noch abspielte, ging so schnell, dass er es kaum noch richtig im Kopf hatte. Nun stand er auf jeden Fall bei seiner verletzten Tochter und seinem Sohn, der mit blutverschmierter Schnauze noch ziemlich perplex dreinblickte. Auch er hatte sich eine Verletzung an der Schulter zugezogen, Hidoi hingegen, war unversehrt geblieben. Dann befand sich neben dem Stahlgrauen natürlich auch noch seine Hanako, eigentlich wäre die Familie damit wieder vollkommen, doch da fehlte immer noch Katsu .. Aber er glaubte inzwischen nicht mehr daran, ihn jemals wieder zu Gesicht zu bekommen. Nein, er hatte da so ein Gefühl, noch schluckte er es runter, aber .. Nun ja.
Sachte beugte sich der große Rüde zu seiner Tochter hinab und fuhr ihr mit der Zunge über den Kopf und dann über die Wunde. Auch Hikaji schenkte er aus stechend gelben Augen einen aufmunternden Blick, mehr jedoch nicht. Er wusste genau, dass sein junger Rebell das nicht leiden konnte.
„Jetzt ist alles vorbei.“
Schließlich ließ er den Blick über das ‚Schlachtfeld’ gleiten, überall ragten die Kadaver von Hirschen und Riken empor, hier und dort Wölfe, manche verletzt, manche nicht. Ein paar standen, ein paar saßen und ein paar lagen noch dort im Matsch. Wie grausam. Sie befanden sich nun recht außen, nahe des Waldes, wo auch noch ein paar Wölfe waren, lagen .. wie auch immer. Welch’ deprimierendes Ausmaß diese Jagd angenommen hatte, auch wenn man meinen konnte – Nahrung gab es nun genug. Aber zu welchem Preis? Kopfschüttelnd ließ Hidoi einen Seufzer seine raue Kehle hinauf kriechen.
Mit einem leichten, fast undeutlichen Lächeln marschierte der graubraune Rüde weiter in das Schlachtfeld hinein. Die Pfoten gruben sich tief in das Blutmatschgemisch.
.oO(Na, da ist die weiße Alphafähe ja. Und wer ist dieser Rüde? Hat die sich wohl etwa wirklich einen neuen Rüden angelacht?)Oo.
Doch ein zweiter Blick; eher eine Witterung; verriet ihm, dass seine Vermutung nur ein Schwall aus Rauch war. Unbeirrt und vor allen Dingen mit hochgestellter Rute blickte er zu der Weißen und dem beistehenden Rüden. Sie war verletzt, sah müde und ein wenig angeschlagen aus.
.oO(Hm, woran erinnert mich dieses Bild? Ach ja, an meine Mutter. Sie lag ebenso im Dreck und starb vor meinen Augen, allerdings war sie weitaus schlimmer verletzt.)Oo.
Zum ersten Mal seit langem erinnerte sich der grau Braune an die Vergangenheit, wenn er sie doch sonst so gleich immer verwarf. Ein Augenblick lang verspürte er Reue, Demut und sogar ein wenig Verzweiflung, ignorierte aber dieses Aufkommen an Gefühlen.
“Alphafähe, seid mir ein erneutes Mal gegrüßt.“,
ohne einen weiteren Atemzug fügte er:
“Sieht nicht gut aus“
hinzu. Den Abstand zu den beiden Wölfen behielt er bei. Die bloße Nähe oder die Berührungen anderer Wölfe machte den Rüden immer noch ein wenig zu schaffen. Doch wie graziös überspielte er den Kummer. Ließ es wie beabsichtigt und standhaltend aussehen.
Banshee sah Shit eine Zeit lang hinterher, zwei Fremde, eine davon wohl die Fähe, folgten ihm. Er war ein seltsamer Rüde, aber er berührte etwas in ihr, das sich stets um ihn sorgte, wohin ihn seine noch jungen Pfoten auch trugen. Dennoch ... um Shit musste sie sich jetzt keine Sorgen machen. Nirian war tot und vielleicht auch noch andere Wölfe ... zudem waren viele verletzt, alles in einem Tropfentanz aus Blut und Regen. Sie erhob sich, ihre Pfoten setzten sich langsam, Schritt für Schritt, vorwärts, sie kam sich vor wie ein Geist, der über ein lebloses Schlachtfeld wandelte. Der Regen hatte ihre blutgetränkten Pfoten und Schnauze wieder reingewaschen, ihr Fell war glänzte wieder weiß und schimmerte sachte ... dennoch stumpf. Sie fühlte sich wie weit weit fort. Ihre Pfoten, waren es ihre?, trugen sie zum leblosen Leib Nirians, eine sanfte Berührung an dessen Nase zeigte ihr, dass er wirklich tot war. Der Rüde war nie ins Rudel eingegliedert worden, keine Freunde sondern eher nur Feinde wegen der Sache mit den Welpen ... dennoch war er ein Mitglied gewesen und er hatte unter ihrem Schutz gestanden. Sie hatte versagt ... leicht drehte sie die Schnauze zur Seite, starrte in den verschwommenen Wald und entdeckte dabei einen weiteren bewegungslosen Körper, der kein Hirsch war. Erneut erhob sie sich, wieder schien sie fast zu schweben, glitt dahin, ohne an einen Toten zu stoßen bis sie vor Alduran stand. Bei ihm gab es keine Nase mehr zum berühren, sein Schädel war zertrümmert, breite, tödliche Hufe hatten ihn zermalmt. Jezt erzitterte Banshee doch, erneut presste sie die Lefzen zusammen. Zwei Opfer ... zwei Leben neben all denen der Hirsche. Welch grauenvoller Tag hatte Engaya ihnen beschert ...
Eine Stimme riss sie aus ihrem Geistdasein. Ein brauner Rüde stand vor ihr, nicht zu nahe aber er sprach zu ihr. Etwas regte sich in Banshee, sie kannte seinen Geruch, sie kannte sein Aussehen ... sie ... wer stand da vor ihr? Er schien sie zu kennen und auch sie wusste, dass er bei ihnen gewesen war. Aber ...
"Es sieht furchtbar aus."
Sie hatte ihren Blick weiterhin auf ihn gerichtet, durchforstete ihr Gedächtnis während sie gleichzeitig an den Toten zu ihren Pfoten und all die anderen verschwendeten Leben denken musste. Braun, stolz, kalt ... Athür! Der seltsame Rüde, der gekommen war, als ... als Dayon sich verwandelt hatte. Und bevor es zu dem grausamen "Finale", es klang so lächerlich, kam, war der Braune wieder verschwunden. Der Jungwolf, der mittlerweile 2 Jahre alt war ... kein Jungwolf mehr, vielleicht dann auch nicht mehr dieses Halbstarke-Verhalten.
"Athür."
Sie hätte geschmunzelt, ständen sie nicht inmitten eines Schlachtfeldes.
Die kühlen Augen verschwanden für einen Moment in einer Sänfte. Etwas regte sich in dem Rüden. Nichts, was man hätte auf einen Schlag deuten können. Die Rute senkte sich langsam, das aufbrausende und anfeindende Verhalten war gebannt. Nicht für immer, nur für diesen kurzen und denkwürdigen Moment.
.oO(Ja, es sieht nicht gut aus. Im Gegenteil. Es sieht verloren und verdammt aus. Hier hat der Tod gewütet. Aber weiße Alphafähe, warst nicht du die Wölfin, die mit einem unerschütterten und beständigen Lebensmut und Optimismus durch das Leben geht? Wo ist diese Hingabe geblieben, und vor allem jetzt, wo es am nötigsten ist?)Oo.
Eher war die Frage, wo der immer bleibende Hochmut des grau Braunen war. Er wagte sich zwei Schritte näher an die weiße Wölfin. Sah ihr in die Augen. Als Jungwolf hatte er die Blicke der anderen gemieden, hatte mit seinem provokanten Auftreten allerdings verständlich gemacht, dass er nicht antastbar war. Und jetzt war die Fassade nicht mehr aufrecht. Die Hörner waren abgestoßen, nicht mehr so groß.
.oO(Wenn sie sich weiterhin in diese Trauer stürzt, gibt sie sich bald selbst die Schuld hieran. Und dann zerbricht sie. So wie meine Mutter.)Oo.
“Weiße Alphafähe“,
gab er als Antwort auf seinen ausgesprochenen Namen. Die Schulter strafte er und hob sein Haupt noch ein wenig höher.
.oO(Ja, trauere. Du kannst ruhig trauern, aber siehe auch auf die noch Lebenden, die diesen Kampf überstanden haben. Sie brauchen dich.)Oo.
Warum diese Gedanken? Erschrocken über die allzu große Sänfte schüttelte er seinen Kopf. Das Gesicht wieder mit Hohn und Abstand bedeckt schaute er zu den Leichen, die zu Pfoten der Alphawölfin lagen-
“Vielleicht ist es grausam. Aber ist es nicht auch das Leben, dass so grausam den Leidenden zuspielt? So mancher wünscht sich den Tod, gequält und zermürbt vom harten und ungerechten Leben. Sicher, andere lieben das Leben, denn sie hatten ein glückliches, vielleicht auch ein zufriedenes. Ist es denn dann nicht okay, dass auch sie sterben müssen? Sie hatten doch etwas vom Leben. Vielleicht sieht es furchtbar aus, bald wird aber auch davon nichts mehr übrig bleiben. Das Gras wächst, die Zeit wird verstreichen. Die Erinnerungen verblassen. Das ist das Leben, weiße Alphafähe.“
Die ausgesprochenen Worte klangen Zweckentfremdend. Zugleich aber auch nützlich und verständlich. Es waren Worte eines Wolfes, der diesen Zyklus des Lebens kannte und davon auch geprägt war. Ja, es waren erschütternde und auch kräftezehrende Worte.
.oO(Schätze dich glücklich, Alphawölfin, keiner wird diese Worte jemals wieder von mir hören. Ich habe es schon oft erlebt, habe meine Mutter verloren. Mein Vater ist wahrscheinlich auch daran gestorben. Und du, du kennst das Lebens besser als du jetzt zugibst, geblendet von Trauer siehst du nicht das Gras, das ihre Körper verwandelt.)Oo.
Für Tahashy
Die Tiefe war schwebend, der Traum nur aus großer Leere und Schwärze bestehend. Ein starkes Pochen gab einen stechenden Rhythmus vor. Das Bewusstsein war hellwach und aufmerksam. Das Gehör jedoch, war nur dumpf aufgerichtet. Ein gleichmäßiges Prasseln hämmerte auf seinem Körper nieder.
Mit einem plötzlichen Ruck öffneten sich die Augen, nur verschwommen nahm er seine Umwelt wahr. Alles schien im Schleier gehüllt. Doch die übliche Härte gewann an Ausdruck. Tahashy blieb liegen. Rührte sich nicht. Was war mit ihm geschehen?
Warum hat dieser Wunsch so sehr Besitz von mir ergriffen, warum war alles so unwirklich geworden? Du hast Dich selbst verloren, einsamer Wanderer. Du hast Deine Ziele in einen Wahn gestellt. Das falsche Licht raubte Dir den Verstand. Und jetzt? Bist Du wieder Du selbst? Kannst Du Dich wieder dem Wahren öffnen? Du hast sie gefunden. Sie war so schön wie nie zu vor gesehen. Sie ist Deine Schwester. Deine vermeintlich selbst gestellte Aufgabe, der Sinn warum Du überhaupt noch lebst, nicht wahr? Und bist Du glücklich? Ist die Traumwelt nicht wunderschön, der Schmerz ist so unwichtig. Die Persönlichkeit brauchst Du hier nicht, das was zählt, ist der blanke Wahnsinn. Schade aber auch, dass Du hier vor fliehen musst. Die Realität ist hart, einsamerer Wanderer. Sehr hart, wirst Du es schaffen?
“Und wie ich es schaffen werde. Die Wahrheit hat mich zurück. Der Boden ist nun mein Weg. Der blanke Wahnsinn hört endlich auf, verschwindet mit dem pochenden Schmerz in meinem Kopf“,
wisperte er leise. Und tatsächlich. Seine Gelassenheit und Ruhe fand die Heimat zurück. Fast so, als wäre er ein anderer Wolf erhob er sich. Auf wackeligen Pfoten und mit starken Kopfschmerzen, doch er stand wirklich. Nicht auf einen ausgedachten Untergrund, sondern auf der bestehenden Realität. Das Bild gewann an deutlicher Schärfe. Dort hinten sah er sie, seine Schwester. Mit einem kurzen Knacken des Genicks hob er die rechte Vorderpfote an und setzte sie wieder behutsam auf die Erde. Er zog den Rest seines Körpers nach.
Banshee sah den braunen Wolf, noch immer wollte sie ihn in Gedanken Jungwolf nennen, mit einer seltsamen Ruhe an. Es war ein wenig so, als hätte Athür sie aus dem geisterhaften Dahindämmern, von Trauer und Schuld umspült, gezogen, mit seinem Auftauchen und seinen wenigen Worten sie vom Tod zu ihren Pfoten abgelenkt. Ein leichtes Lächeln huschte über ihre Lefzen, ihr Blick glitt kurz über ihn, als er sich erhob und näher kam und wanderte zurück zu seinen Augen, als er wieder zu sprechen begann. Sie fühlte sich noch immer so leicht, wie schwebend, im Vakuum, jetzt mit dem Rüden, abgetrennt von der Außenwelt, allein mit dem Tod und dem Regen, dem monotonen, prasselnden Regen. Sie blinzelte einmal, ein Tropfen perlte an ihrer Lefze hinab und rann hinab in ihr dichtes Nackenfell. Sie lauschte Athür aufmerksam, gleichzeitig aber fühlte sie sich wieder so weit fort. Sie wusste viele Worte auf die seinen zu erwidern, aber sie war so müde, sie wollte jetzt nicht mit dem Braunen diskutieren ...
"Nein, Athür. Das Leben - die Göttin Engaya - ist nicht grausam, das Grausame aber Unvermeidbare, sogar Lebensnotwendige, ist Fenris. Engaya und Fenris zusammen ergeben unser Leben. Hatte jemand ein grausames Leben, sucht vielleicht den Tod, dann kennt er Engaya nicht. Und natürlich, jeder muss einmal sterben, das ist das Leben, aber nicht so früh. Die beiden Rüden hier hätten noch so viele Stunden erleben sollen ... aber noch viel mehr all diese Hirsche. Sie hätten uns Leben geschenkt, wir brauchen sie und sie hätten dem Gras Tod geschenkt wodurch vielleicht ein neuer Baum hier entstanden wäre auf dem wiederrum Vögel und Eichhörnchen und tausend Insekten ihr Nest hätten gründen können. Es geht nicht direkt um die Toten ... es geht um den zerstörten Kreislauf des Lebens. Wir haben eine Grenze überschritten, das Rad gebrochen, uns selbst und all den anderen Tieren des Waldes udn auch den Pflanzen geschadet."
Sie blinzelte erneut, jetzt noch müde, ihre Kehle war rau und ihre Zunge trocken. Sie nahm jede Aufgabe ernst, erst Recht jemandem das Leben zu erklären, aber jetzt wollte sie nicht mehr, jetzt wollte sie sich hinlegen und nicht mehr so schnell aufwachen. Was sie natürlich nie tun würde ... das durfte sie nicht.
.oO(Und doch, weiße Alphafähe, ist das Leben grausam. Es verlangt manchmal zuviel. Du selbst müsstest es doch bestimmt am besten wissen. Tochter Engayas. Ja, du wunderst dich sicherlich warum ich darüber Bescheid weiß. Auch ich bin ein Packt eingegangen, ein Packt mit dem Leben. Sinnloser Worte sollten wir einander nicht jetzt verschwenden. Bleib bei dem Leben. Der Tod kann sich genug um dessen Verderben machen.)Oo.
Der grau Braune sah die Müdigkeit. Spürte, dass die Weiße nicht länger darüber vermochte. Ihm war es Recht. Das Leben war nicht in wahre Worten zu fassen, ebenso wenig wie der Tod. Es war eine Endlosschleife, die jedem Wolf den Verstand rauben konnte. Mit zuckenden Lefzen nahm er den Blick der Wölfin auf. Bemerkbar ruhig und vertraut. Nein, er war nicht mehr der provokante Jüngling, versteckte sich nur hinter dieser Täuschung. Es hielt andere Wölfe von ihm fern. Zur Zeit brauchte er die Nähe nicht, er verabscheute sie sogar. Vielleicht mag dieser Gedanke auch nur aus Schutz existieren, aber es war ihm nicht gegeben ihn einfach fallen zu lassen. Zwei weitere Schritte ging er auf die Alphafähe zu, stand nun fast vor ihr. Selbst wenn er sich von anderen fern halten wollte, der Weißen jetzt in die bernsteinfarbenen Augen zu sehen, war mehr als ein Beweis seiner Treue zum Leben hin.
.oO(Und nun, Engayas Tochter? Vermagst du mich zu sehen, so wie ich vor dir stehe und dir in deine Augen sehe? Siehst du die alte Verzweiflung, den Schmerz, die Verbitterung, die Enttäuschung... und die Angst? Kannst du meine Rufe noch schallen hören? Das Leben vor dir hat sich schon oft den Tod gewünscht, doch war es zu feige diesen Weg der Einsamkeit allein zu gehen. Du hast jemanden der an deiner Seite mit dir geht. Du hast viele Wesen die dir die Treue schworen. Verzeihst du einem Verräter wie Athür? Verzeihst du mir?)Oo.
Die grauen Augen schlossen sich für einige Sekunden. Öffneten sich mit vollem Hochmut und der gewohnten Arroganz. Mit einem seltsamen Lächeln betrachtete er die Wölfin. Ein Lächeln, dass er noch niemanden geschenkt hatte. Ein Lächeln der Zuversicht, des Glaubens.
“Wie dem auch sei, weiße Alphawölfin. Vielleicht suchen wir ein Gespräch in späteren, erholsameren Zeiten. Deine Erschöpfung ist nicht zu übersehen. Auch du brauchst eine Pause von dem Geschwafel eines Unwissenden, nicht wahr? Was also kann ich für die Verbliebenen tun? Was gedenkst du als nächstes zu tun?“
.oO(Denk an die Lebenden. Es geht weiter. Viele mögen gestorben sein, aber für sie kann der Tod nur noch da sein. Und der Tod, Fenris, wie du sagtest, mag sie auf einen einsamen und doch erholsamen Pfad führen. Er wird sich um sie kümmern.)Oo.
Die Ohren senkten sich ein wenig an den Kopf. Die Rute glitt wieder nieder. Mit einem vielleicht provokanten Ausdruck auf dem Gesicht wisperte er:
“Die Leidenden sind die Verbliebenen.“
.oO(Nicht wahr, Mutter?)Oo.
Banshee spürte, dass Athür ihre Worte verstanden und aufgenommen hatte, gleichzeitig aber auch ihre Müdigkeit und Erschöpfung bemerkt hatte und jetzt nicht weiter darüber zu reden gedachte … warum auch? Sie hatte die Wahrheit gesprochen, er ebenso … sie beide kannten Wahrheiten, jeder eine eigene und jeder sah sie auf seine Weise. Als er einige Schritte näher trat, erstaunlich nahe, so nahe, dass sie leicht die Pfote anheben wollte um sich ein wenig nach hinten zu schieben, spürte sie noch etwas ganz anderes. Sie blieb an ihrer Stelle, sah dem Braunen in die Augen und fühlte sich plötzlich noch seltsamer. Sie sah nicht nur Athür in diesen Augen, einfach Athür, so wie sie in Ayalas Augen Ayala sah … sondern sie sah Leben in ihnen. Leben, wie man in ihren Augen sehen musste. So wie man in Acollons Augen nicht nur Acollon, sondern auch den Tod sehen konnte. Es war nicht das Leben … aber es war ein Teil von Leben, wie ein heiliger Bund und Banshee spürte, jetzt, da der Wolf so nahe war, eine eigenartige Verbundenheit. Was auch immer Athür getan hatte … er war von Engaya mehr bemerkt worden, als andere … oder von ihr? Banshees Ohren drehten sich leicht nach hinten, nur ansatzweise, sie war nicht verunsichert, nur erstaunt. Denn es war nicht nur Leben, es war auch Ehrlichkeit, und … das Flehen um Vergebung. Erneut huschte ein Lächeln über ihre Lefzen, dann schob sie ihren Kopf nach vorne, wohl wissend, dass Athür keine Berührungen mochte, und berührte für wenige Sekunden seine Nase mit der Ihren. Dann zog sie sie zurück, ging sogar einen Schritt nach hinten und nickte. Das Vakuum war verschwunden. Die Müdigkeit war geblieben. Oder zurückgekommen.
“Ja, wir sollten ein Gespräch suchen, aber nicht jetzt. Ich muss das Rudel zusammenrufen, Verletzte suchen und … und dann sollten wir mit all diesen Kadavern so umgehen, wie es das Beste ist. Nahrung …“
Sie drehte den Kopf, sah zu den anderen, die sich zusammengefunden hatten und schloss kurz die Augen. Als Athür noch etwas sagte, drehte sie ihren Kopf wieder zu ihm, lächelte ein Lächeln, das nicht lächelte und trat einen Schritt nach vorne. Es war Zeit.