24.12.2009, 14:33
Es war Sommer geworden, die Hitze drückte nicht so schwer auf das Tal wie noch im letzten Jahr, dennoch nutzen die Wölfe den Schatten des Waldes, auch wenn sie nur all zu oft herumwirbelnden Welpen hinterher rennen mussten. Die Kleinen waren mittlerweile fünf Monate alt, Energiebündel und selten das tuend, was man von ihnen wollte. Das Rudel lag im Schatten des Waldes herum, ((also: ALLE)) dösend und die Ruhe vor dem Sturm genießend, auch die Welpen müssten jede Sekunde aufwachen. Ninniach war bereits von Banshee aufgenommen worden, mehr auf das Urteil Ayalas vertrauend, als ihr eigenes gebildet zu haben. Die Sonne schob sich jetzt langsam über die Berge im Osten, spiegelte sich im Wasser des Sees und gab den Blick auf einen wolkenlosen Himmel frei. Es würde ein heißer, sonniger Tag werden.
Banshee erhob sich langsam, ihr Blick glitt eilig und suchend über die vielen Wolfskörper, die teils schlafend, teils dösend zwischen den Stämmen lagen. Sie erkannte ihre Welpen, sie lagen nah beieinander, noch reglos außer dem leichten Heben und Senken ihrer Brustkörbe. Auch Hanakos Welpen waren noch ruhig, sehr gut, es würden keine Fragen kommen können. Als sie zu laufen begann, konnte man keinen Laut hören, weder das Rascheln vom Gras noch ihren Atem. Es war, als würde sie schweben, sanft zwischen den Baumstämmen hindurch gleiten, auf Ayala und Falk zu. Bei ihnen angekommen, berührte sie nach einander an der Schnauze, eine fließende Bewegung, fast als würde sie die beiden segnen wollen.
"Ich werde aufbrechen und nach Acollon suchen. Ich weiß nicht, wie lange ich fort bin, wo mich mein Weg hinführen wird und ob ich mit oder ohne ihm zurückkehren werde, aber ihr beide müsste mir versprechen auf dieses Rudel zu achten. Ich übergebe euch die Verantwortung, kümmert euch um sie. Ihr beide seid Paten, doch jetzt muss ich euch bitten auf alle Welpen Acht zu geben. Und sucht nicht nach mir, auch wenn ich lange fort bleibe."
Sie hatte nicht gewartet, bis die beiden zeigten, dass sie wach waren, aber Banshee war überzeugt, dass sie sie gehört udn verstanden hatten. Und auch wenn sie nicht auf eine Antwort wartete, wusste sie, dass sie ihr diesen Wunsch erfüllen würden. Rasch wandte sie sich nun um, warf noch einmal einen Blick zu ihren Welpen, fast Abschiednehmend. Sie würde sie vermissen, aber mehr noch vermisste sie Acollon. Zu lange war er schon fort, zu sehr schmerzte sein Fehlen. Wenn sie ihn nicht finden würde, so würde sie das Akzeptieren müssen, dennoch hegte sie Hoffnung. Mit schnellen, noch immer lautlosen Schritten entfernte sie sich vom Rudel, verschwand vor ihren Blick und ließ schließlich nur noch ihren Duft an den Grashalmen zurück.
(( ;__; Das könnt ihr mir jetzt doch nicht antun, nur 5000 Zeichen? Na egal òO Ich sterbe wenn ich jetzt nicht abschicke! ))
Rot, Orange, so viele Farben leuchteten, Licht sendete Signale – Gefahr. Wildtiere flüchteten panisch in alle Richtungen davon, waren blind in ihrer Hast. Trotz dieser Angst in ihnen allen schien die Welt stehen zu bleiben, erdrückt in einer knisternden Stille. In fast grausiger Ruhe sah ein rabenschwarzer Schatten all dem zu. Die Flammen des Feuers spiegelten sich in den glanzstumpfen Augen wieder, tauchten das vergessene Wesen in ein dunkel-mysteriöses Zwielicht. Während alles Leben von diesem Platz verschwand blieb er sitzen. Aber befand sich in ihm überhaupt noch wirkliches Leben? Er zweifelte daran nicht, nein er hatte es aufgegeben daran zu glauben. Früher noch, aber nun nicht mehr. Sein Kopf war einfach leer gefegt. Alles weg. Worüber nachdenken, wenn man von den vielen Gedanken ausgelaugt war? Es würde ihn halten, das heilige Feuer. Der Schwarze wollte nicht mehr sehen und nicht mehr fühlen. Wer kannte diese Welt schon so wie er sie erlebt hatte? Nein, er besaß kein Mitleid, nicht für sich. Kein Selbstmitleid. Langsam erhob sich der große Wolf, sein Blick wanderte kurz umher, über den Platz welchen er schon fast so gut kannte wie sich selbst. Und so gut er ihn auch kannte, so sehr hasste er ihn auch. Jede Sekunde, jede Minute, jeden Tag, jede Woche, jeden Monat und jedes Jahr stieg sein Hass nur weiter an. Lachhaft mochte das in den Ohren anderer klingen. Es war doch wirklich ein schöner Platz gewesen. Diese riesige Ebene in der ein großer Wald lebte. Und irgendwo lag dieser See. Kein großer See, aber sein Wasser war so klar wie sonst nirgendwo. Ein paar breiter Sand kreiste ihn bis zur Hälfte ein. Danach kam der Wald – auch nur zum Teil. Die zweite Hälfte zierte eine hohe und steile Klippe, welche zu einem Berg mit weißem Hut gehörte. Er kannte jeden Winkel dieser Lichtung. Ebenso wusste der Tiefschwarze das der See nicht tiefer als mindestens 70 cm unter dem Meeresspiegel lag. Naja bis auf den großen Riss im Wasser direkt unter der Klippe. Da ging es bestimmt bis zu 6 Meter runter. Der Rüde hatte dort immer eine Unterwasserhöhle im Berg vermutet, war aber nie bis dort hin gegangen. Ja wirklich lachhaft, das er diesen Ort so sehr hasste, der in Vollmondnächten in ein völlig unwirkliches Licht getaucht wurde – wunderschön. Und der schwarze Wolf hasste es, war aber nie wirklich gegangen. Es hatte ihn immer wieder her getrieben, egal wo er sich auch war. Warum nur? Er wusste sich diese verdammte Frage nicht zu beantworten. Niemand sah die Welt durch diese tiefen Augen von so traurigem Saphirblau.
Tranceartig setzte der Tiefschwarze eine Pfote vor die andere, auf trockenen Boden der sicherlich auch bald von dem Wunder – das sich Feuer nannte – erfasst wurde. Eine unglaubliche Wärme die ihn selbst gar nicht mehr erreichte, flimmerte in der geringen Luft. Das meiste war dem Rauch und Kohlenstoff gewichen. Er hustete nicht, blinzelte nicht, wanderte einfach nur geisterhaft durch die Flammen. Sein Blick war starr grade aus gerichtet. Machte das Feuer seinen Weg frei? Vielleicht den Weg in die Hölle, oder befand er sich schon dort? Wie lang schon? Vielleicht war sein ganzes Leben ja die Hölle gewesen... Ein Spiel der Hölle, ja. Wie zerstörte man am qualvollsten das Leben eines einsamen Rüden, der sich nichts sehnlicheres als nur ein bisschen Glück wünschte? Nur ein klein wenig... Eine Minute würde ihm reichen, eine Minute die nicht mehr zerstört wurde...
Man pickte sich ein Wesen heraus, machte es mit ihm vertraut – vielleicht zu einem Freund – und löschte es dann wieder aus. Krank. Einfach nur krank...
Gefühllos lag sein saphirblauer Blick auf dem feuerrotem Wasser, das so verräterisch funkelte. Rauch schuf Formen und Illusionen, machte blind, betäubte die Sinne, verschwamm und tauchte wieder auf. Gebannt sah der Tiefschwarze in den Smog. Wirbelnd erzeugte er bekannte Gestalten – Lächelnd, dass es weh tat. Seine Großmutter Meraya, der Kojote Bakunò, Alail, seine beste Freundin...und... Akári...
In Form eines kleinen Jungen bewegte sich der graue Qualm nicht mehr. Flammen schossen um den Körper eines Indianerjungen, welcher ihn ruhig grinsend ansah. Leicht durchsichtig schimmerte die Gestalt und schritt dann auf den Rüden zu, welcher als Einzigster noch im Feuer aufrecht stand. Keinen Meter vor ihm hielt der Junge inne und hockte sich leicht hin. Er schwebte über den Flammen, war nicht echt und doch real.
„Happy Birthday, Face Taihéiyo.”
Drang eine Stimme aus dem Mund des jungen Indianers, die dem schwarzen Wolf so schrecklich vertraut war. Wie ein dumpfer Schlag in die Magengrube trafen ihn seine Worte und er schloss die Augen, dessen einzigster Glanz nur noch das sich spiegelnde Feuer war.
„Erlös mich... ...Cloud...“
Wisperte Face Taihéiyo und der Name seines verstorbenen Freundes klang so seltsam auf seiner Zunge. Er hatte oft über ihn nachgedacht, aber seinen Namen nie ausgesprochen. Er schien so unwirklich wie die Person dahinter selbst. Lächelnd strich Cloud mit seiner schmächtigen Hand über den Kopf dessen, der es nicht mehr spürte – es nicht mehr konnte. Allein das der Junge nun nickte ließ seinen Körper schwer werden und gleichzeitig fühlte – ja er fühlte – sich fast schon ein wenig befreiter. Kein Körper... Kein Wolf... Nichts mehr wollte er haben oder sein. Cloud streckte die Hand aus und Face sah erst den Indianerjungen, dann die kleine Hand an. Doch nun glitzerten Tränen über seine Wangen. Kein Fell, eine menschliche Gestalt, der des Jungen so furchtbar ähnlich. Ja bis auf die Augen und das erwachsene Aussehen.
„...Danke...“
Hauchte Face und griff nach seiner Hand. Flammen züngelten hoch und schlangen sich um seine Beine, doch er wurde hoch gezogen, aus seinem Leben heraus. Es wurde schwarz und doch tanzte es weiter. Feuer. Wieder umschlang es seinen Körper – nun wieder wölfisch. Und es wurde warm... Angenehm warm... Ja er konnte die Wärme wieder spüren. Wärme die er gespürt hatte, wenn Cloud ihn früher gekrault hatte, wenn er mit Akári lachen konnte. Dass das Feuer sein Fell versengte und das Fleisch verbrannte spürte er nicht. Es tat nicht weh. Der Tiefschwarze konnte jetzt in Frieden einschlafen... Oder? Endlich...
Ruhe?
Da war es; Clouds Gesicht. Es ragte aus den Flammen hervor, nur noch schwach konnte er ihn erkennen, es wurde immer dunkler um ihn herum. Doch warum blickte er so traurig? Warum schüttelte er den Kopf, unter Tränen? Nein... Sollten sich seine Lider wieder heben?
Game again...
Stille. Aber nicht die, die Face sich erhofft hatte. Sie war laut und schmerzte in den Ohren. Sein Körper war schwer wie Blei und doch schien er nicht wirklich mehr da zu sein. Es fühlte sich seltsam an. Er öffnete die Augen – kein Bild, langsame Umrisse, dunkle Gestalten, eine unklare Welt. Das Maul des Tiefschwarzen war leicht geöffnet und doch schien er keinen Atem zu holen. Der Wolf lag auf der Seite, doch wo? Mehr und mehr konnte er scharf sehen, einen Wald um genau zu sein. Aber kennen tat er ihn nicht, er war vollkommen Fremd und auch der Geruch von Wölfen lag in der Luft. Aber er selbst... Schmerzverzerrt verzog Face das Gesicht, ohne dabei körperliches Leid zu spüren, es war eher seelisches, falls er noch Eine besaß. Warum nur? Warum? Das war nicht die Erlösung, sondern bloß ein neues Spiel...
Ein weiteres Spiel voller Qualen mit einem toten Wolf.
Eine Zeit lang hatte er sich noch einfach hingelegt, gehofft dass das alles wieder verschwinden würde, dass er einschlief und nie wieder aufwachte, doch es passierte nichts. Rein gar nichts. Und er fühlte nichts mehr. Starr richtete sich sein Blick auf den Boden, einfach nur starr grade aus. Er fühlte die Hitze nicht, welche durch die Sonne verursacht auf seinen Pelz brannte. Atmete er überhaupt noch? Egal, es machte ja eh nichts mehr aus. Vollkommen lautlos erhob sich der rabenschwarze Rüde, sah sich still um. Was jetzt? Ach er wollte doch nicht mehr... Nein... Er wollte das nicht mehr! Face öffnete den langen Fang und wollte los schreien, so laut es ging, egal wer oder was ihn hörte, egal wenn es ihn zerstören würde, er war ja eh schon tot, er wollte einfach nur schreien! Doch dann verschloss das Maul wieder, schluckte alles runter, wie schon so oft. Es war eine der wenigen Male in denen er am liebsten geweint hätte. Aber der Schwarze konnte nicht, durfte nicht, wollte nicht. Bloß ein tiefes Seufzen entfloh seiner Kehle. Wackelig stand er auf den Beinen, obwohl er keine Schwäche spürte. Alles war weg. Ein wunder das er noch denken konnte und den seelischen Schmerz leider immer noch verspürte. Wie unfair... All der körperliche Pein, oder egal was wurde ihm genommen nur das was ihn wirklich belastete, das war geblieben. Vorsichtig setzte Face einen Schritt nach vorne. Fast schon hoffte er dass der Boden sich unter ihm auftun würde und ihn verschluckte. Aber natürlich tat sich nichts. Tonlos lief er auf den Wald zu, nicht einmal das Gras raschelte, als wäre er gar nicht da. Wo sollte er jetzt hin gehen? In den Wald, oder umdrehen, einfach stehen blieben, links, rechts. Was auch immer. Es war vollkommen egal. Unbeteiligt lief er direkt auf den Wald zu. Der Tiefschwarze gab keine Witterung mehr ab. Also war es egal wo er hinlief, er war schließlich tot. Sahen ihn andere überhaupt? Egal.. Ja alles war egal. Face Taihéiyo, verfluchter Wolf. Vielleicht bis in alle Ewigkeit, allein der Gedanke machte ihn wahnsinnig und kirre. Das konnte doch nicht gehen. Naja... Irgendwann würde ihm eh alles unwichtig und egal erscheinen, dann... Tja dann gab es nichts mehr.
Schatten spiegelten sich unwirklich in seinem eh schon rabenschwarzen Pelz, fast als sei der Schatten heller als sein Fell. Irgendwo waren Wölfe, wahrscheinlich ein Rudel. Was für eine Zeit war jetzt eigentlich? Bestimmt noch Sommer, war überhaupt Zeit vergangen, seid seinem Tod? Nein, im Sommer wurde er geboren. Und Cloud hatte es ihm ja gesagt, auch wenn Face nicht einmal wusste woher er das geahnt hatte. Egal. Egal, egal, egal. Ohne Ziel ließ er seinen Blick umher schweifen, irgendwo hin, zwischen die Bäume, er konnte die Wölfe inzwischen hören. Naja, vielleicht sollte er jetzt einen anderen Weg einschlagen? Ach, ein Toter hatte nichts mehr zu verlieren.
(( Okay x) Tötet mich nicht o.O
Wäre nett wenn er auch komplett gelesen würde.
Bitte ja? ;__; sonst bin ich traurig. Nehmt euch einfach mal Zeit dazu >.<
Kleine Zusatzinfo. Man kann Face - wie im Charabogen schon steht - nicht wittern. Erst wenn man ihn sieht, oder man weiß das er da ist. Das ist so eine Art Trugbild o.O Wäre nett wenn das beachtet würde +grummel+ ))
Es war recht still, als Hiryoga erwachte, nur das leise Atmen seiner Geschwister und das sanfte Wiegen des Grases waren die einzigen Laute die der Welpe vernahm. Die grauen Augen öffneten sich nur einen Schlitz breit, die stechende Sonne erhellte das ganze Tal, auch wenn sie im Schatten lagen, so blendete die Sonne den Hellbraunen. Langsam gewöhnten sich die Augen an das helle Licht und schlugen sich ganz auf. Der Rüde rümpfte die Nase und vergrub die Schnauze in dem Fell seiner Schwester Kisha, er sog ihren Geruch ein und beobachtete wie sie schlief. Die noch recht kleine Rute wedelte leicht über den Boden her, wirbelte etwas Staub auf, doch senkte sie sich wieder, als der Hellbraune den Blick über das Rudel gleiten ließ und seine Mutter nicht entdeckte. Schwerfällig zog er sich auf die Hinterläufe und setzte sich auf den Boden. Musternd huschte sein Blick über das Rudel, um sicherzugehen, dass sie wirklich nicht da war. Enttäuscht senkte der Welpe die Ohren, Banshee war wirklich nicht da, aber er hatte sich daran gewöhnt, dass sie als Alphawölfin vielem nachgehen musste. Etwas frustriert schnappte sich Hiryoga einen Grashalm zwischen die Zähne, der neben ihm aus dem Boden ragte und nagte auf diesem rum. Der etwas bittere Geschmack brachte ihn dazu, den Grashalm fallen zu lassen und den Kopf heftig zu schütteln.
Seine Mutter war nicht da und Kisha schlief, was sollte er nun tun? Sein Blick huschte erneut über die Rudelmitglieder und er erblickte Kaede. Seine Patin, seine große Schwester. Kurz fuhr der Rüde mit der Schnauze durch das Fell seiner schwarzen Schwester, nur vorsichtig, damit sie nicht erwachte und schon schlich er um die Geschwister herum, Richtung Kaede. Mit der Zeit hatte sich Hiryoga an die vielen Rudelmitglieder gewöhnt, er musste besser gesagt, denn wie sollte er bei seiner Mutter sein, die andauernd in der Gesellschaft von Rudelmitgliedern war, wenn er Angst vor ihnen hatte? So hatte er seinen Groll gegen all die Fremden abgelegt und sich damit abgefunden, dass das Rudel nun mal sehr groß war. Aufmerksam schlich er um die Schlafenden herum, wollte sie nicht wecken. Sanft schwang die Rute hin und her, als er Kaede vor sich schlafen oder auch nur dösen sah. Die kleinen Pfoten hatten gelernt sich behutsam aufzusetzen, zwar ging er nicht so lautlos wie seine Mutter, doch immerhin machte er kaum Laute mehr beim Gehen. Hiryoga drückte die Schnauze in das graue Fell, fuhr mit der Zunge über Kaedes Schnauze und rieb den seinen Kopf an den ihren. Leise fiepte er,behutsam drückte er die Pfötchen gegen ihren Körper, schnappte sich ihr Ohr und knabberte daran sanft. Nur sachte, er wollte ihr nicht wehtun. Mehrmals zupfte er an ihrem Fell, striff mit seinem ganzen Körper die ihre Seite und drückte seine Schnauze in ihr Fell. Es war erstaunlich, dass der kleine Rüde sich so sehr an die Fähe gewöhnt hatte, dass er so viel Vertrauen fassen konnte. Selten vertraute er jemandem wirklich, doch ihr vertraute er voll und ganz. In den letzten Monaten war seine Patin wirklich wichtig für ihn geworden, eine Bezugsperson bei der er sich verstecken konnte, wenn er Angst hatte und seine Mutter beschäftigt war. Eine gute Freundin und auch Spielkameradin,eine große Schwester, ja auch wenn sie blind war, es machte ihm nichts aus, er mochte sie so, wie sie war.
Die kleinen Pfoten zuckten und vergruben die Schnauze des träumenden Wolfswelpen unter sich. Cylin rollte sich im Schlaf zur Seite, strich sanft mit den Hinterpfoten am Körper seines Bruders Averic, doch bemerkte er es in seinem verstand nicht. Er schlief, träumte, sah in seinen Träumen etwas anderes, eine Wirklichkeit die nur für ihn existieren zu schien. Im Traum jagte er wie es schon öfters gewesen war über eine Wiese, ungebremst und frei von allem was ihn fesseln konnte. Er war frei und unbändig wie der Wind der sein schwarzes Fell zerzauste, der ihn dazu zwang die bernsteinfarbenden Augen leicht zu schließen und der doch immer sein Freund war. Der Wind trug Geräusche und Farben mit sich, verschwommene Zeichnungen in den Wolken und bizarre Astformationen hatte er zu seinem wollen geformt. Im Traum war der Wind auf der Seite des Träumers, formte die Gegend so, wie der junge schwarze Rüde der in seinen Weiten lief es gern haben wollte. Alles war unantastbar, doch so wunderschön für den kleinen Schwarzen, alles war so einzigartig, wie es es eben nur in den Träumen gab. Immer weiter trieb es Cylin, weit weg von seiner gewohnten Umgebung, weit weg vom Revier des Rudels das seiner Mutter gehörte, weit weg von seiner Familie. Doch er verspürte keine Einsamkeit in seinem Träumen, kein Heimweg und keine Sehnsucht, nicht, es war nur ein Traum, der die eigentlichen Gefühle wohl nicht wahr nahm. Seltsam, und doch gefiel es dem Schwarzen, der sich keine richtigen Gedanken machte, wohl nur flüchtig an ihnen vorbeistreifte und weiter in seiner Freiheit lief. Dies war seine Freiheit, seine ganz allein, eine Freiheit in die kein anderer Eindringen konnte, die ganz allein ihm gehörte. Und doch fielen ihn oftmals Schemenhafte Wesen in seiner Nähe auf, die er aber ignorierte, es war sein Traum, er wollte ihn nicht in einen Alptraum kippen lassen. Ein paar Mal war er ihnen zu nah gekommen, sie sahen merkwürdig aus, waren meist ähnlich der Tiere die er kannte, nur ohne jegliche Festigkeit, ohne jegliches Innenleben, sie schienen durchsichtig und ohne richtigen Geist dennoch konnte er sie flüstern hören, wenn er zu nah in ihre Nähe kam. Der Welpe mochte sie nicht, nein. Keinesfalls. Doch jetzt dachte er nicht daran sich mit den Wesen zu beschäftigen, sein Traum führte ihn zu einem größeren, scheinbar viel wichtigerem Ziel, von dem er keine Ahnung hatte was es war.
Doch plötzlich, wie im Bruchteil einer Sekunde loderte der Wald vor dem er sih befand, in hellen Flammen auf. Feuer mordete alles Lebewesen was sich in ihn befand. Der Welpe duckte sich im Gras zusammen, die Augen fest auf dem lodernte Schauspiel vor ihm gerichtet. Er konnte den bernsteinernden Blick nicht von den lodernten Flammen abwenden. Er sah wie es Leben verschlang und wie andere ihr Leben retteten. Cylin stieß die Schnauze nach unten, er wollte nicht mehr sehen, er wollte aufwachen, das war zuviel des Traumes, er war doch gekippt, schlimm, zu schlimm, er wollte aufwachen, zu viel für den kleinen Welpen. Das Gras um ihn herum wurde plattgedrückt, doch der junge Schwarze konnte keine Witterung aufnehmen. Vorsichtig hob er den Blick, suchte, fand die Ursache des Geschehens. Es war einer von ihnen, von jenen dessen Name er nicht kannte und doch, diese Gestalt hatte festere Konturen, war nicht genau wie sie, doch auch nicht wie er, er war anders, anders als alles andere was der Welpe zuvor gesehen hatte, egal ob Traum oder Wirklichkeit.
Keuchend schoss der Schwarze aus dem Traum hoch, verwirrt sah er sich um. Es war alles beim alten, dass Rudel war zusammen, größtenteils schliefen alle... Immer noch leicht Zittern wandte der Traumtänzer suchend den Blick nach seiner Mutter um, doch fand er die Weiße nicht, nirgends. Schließlich entschied er sich dazu seinen Bruder Averic zu wecken, vorsichtig gab er diesem einen Stups mit der Nasenspitze, einen entschuldigenden Ausdruck in den Augen. Er machte dies nicht gern, doch er brauchte jemandem der ihm die Angst nahm, die Angst vor etwas, was er nicht kannte, das so sonderbar war, das es zwischen Leben und Traum wandelte, zwischen Realität und eben Illusion... Es machte den Welpen nervöser, als je ein Traum zuvor. Sein Blick flackerte und es dauerte einen Weile bis er die Fänge zum Sprechen auseinander bekam.
" Es kommt jemand... es ist sonderbar. Es macht mir Angst. Nicht normal... "
murmelte, mit einem leichten Stottern in der eigentlich sonst so klaren Stimme. Ohja, es machte ihm Angst, es war nicht normal, überstieg seinen Hozizont um weiten. Doch vielleicht konnte sich die anderen einen Reim darauf machen, er war ja schließlich noch ein Welpe, doch wieso sah er dann solche Dinge überhaupt? Was da normal?
(Wow... Soviel schaff ich nie im Leben XD Aba willkommen ^^)
Lighto gähnte. Er hatte gedöst und dem Rüden war Heiß. Er stand auf und schüttelte den Kopf. Neben ihm lag Alienna und schlief und der Rüde lächelte. Er stubste sie sanft an und sah sich um. Langsam drehte er sich Richtugn See. Er brauchte eine Abkühlung. Lighto spürte schon den See und auch ein Durst machte sich bemerkbar. Der Rüde trabte die letzten paar Meter zum See und ließ sich ins Wasser fallen. Er wältzte sich im Wasser und schüttelte dann sein Fell.
Der weiße Rüde blieb im Wasser liegen und trank in großen Schlücken. Er war rundum zufrieden und gähnte. Die Sonne schien warm auf den Rücken des weißen und er hatte auch keine Lust mehr, im Wasser zu bleiben.
Der Rüde erhob sich und trabte auf einem anderem Weg zum Rudel zurück. Plötzlich blieb er erschrocken stehen. Das Rudel war nicht mehr weit entfernt udn der Rüde sah einen schwarzen Rüden. Erschrocken sah er ihn an.
oO(Wo kommt der aufeinmal her?)Oo
Dachte er und sah sich um. Er konnte den Rüden nicht wittern, hatte ihn auch nicht gespürt. Doch der weiße hatte keien Angst. Er wusste nicht, warum er den Fremden nicht gerochen hatte doch er trat vor und meinte:
"Heul Fremder, kommst du mit friedlichen Absichten? Ich bin Lighto, ein Mitglied dieses Rudels."
Lighto lächelte freundlich doch er blieb misstrauisch.
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Katsu wachte neben Bastar auf. Er hatte neben seinem Paten geschlafen und nun sprang er voller Lebensfreude auf den Rüden.
"bastar steh auf..... Ich will spielen"
Katsu sah dem Rüden in die Augen und biss ihn in den Nacken. Mit aller Macht versuchte er den Rüden zum aufstehen zu zwingen. Doch schnell gab er auf und legte sich neben ihn. Mit einem aufgesetzten dackelblick sah er den Rüden an.
"Duhuuuu es ist warm, gehen wir schwimmen?"
Katsu wartete nicht auf bastar und lief schon los.
Eris spürte die Wärme auf ihrem schwarzen, noch so kalten Gesicht, die ihr einige Sonnenstrahlen schenkten, welche sich gerade einen Weg durch das dichte Blätterdach gesucht hatten. Sie war so dankbar für diese Wärme, diese noch so zerbrechliche Erleichterung, die in sie einzog. Der neue Tag war da und hatte die Nacht abgelöst.
Erschöpft kniff die Schwarze die geschwollenen Augen ein paar mal fest zu und öffnete sie wieder, um sich lebendiger zu fühlen nach dieser kalten Zeit, in der sie nicht wusste, was sie war.
Es war mal wieder eine dieser Nächte gewesen, in denen Eris in ihr altes Muster zurückgefallen war. Ohne erdenklichen Grund, war die Angst wieder eingekehrt und hatte in ihr gehaust. In der Dunkelheit, als alle schliefen, nur sie nicht die Ruhe fand, um wegzunicken, hatte sie wieder das Gefühl überkommen, so klein zu sein unter dem nächtlichen Himmel und dann hatte die Angst ihren schwachen Moment genutzt und sich eingeschlichen. Und so sehr es sich auch gebessert hatte, im letzten Jahr hier, diesmal hatte ihr die Kraft und das Selbstbewusstsein gefehlt, um innere Ruhe zu bewahren. Ihre Gedanken hatten angefangen ihr Streiche zu spielen, sich selbstständig zu machen und Eris zu quälen. Mit dabei immer die Angst, die ihr den Willen nahm.
Genau wie früher, hatte sie wirklich Panik wahnsinnig zu werden. Einfach verrückt. Denn in ihr tobte ein Sturm und sie wusste sich nicht zu helfen, gelähmt von der unbestimmten Angst. Doch um sie herum waren Wölfe, in deren Nähe sie sich so wohl fühlte, gestern Nacht nur getrennt von ihnen durch die eigene Hülle und ihren Schlaf. Doch auch, wenn sie wach gewesen wären, war sich Eris nicht sicher, ob sie ihr hätten helfen können. Hätte sie beschreiben können, was sie quälte, hätte man sie verstanden? Und sie wollte ja auch nicht für verrückt gehalten werden, auch wenn sie selbst sich da nicht immer ganz sicher war.
Also war Eris still gewesen, hatte geweint und den Sturm in ihr über sich ergehen lassen.
Mittlerweile war Eris etwas wärmer und sie spürte wieder, dass Sommer war. Ziemlich am Ende mit den Nerven, gähnte sie leicht und ließ den Blick, etwas zittrig noch, von der Erschöpfung, schweifen. Banshee war weg, aber sie meinte auch, sie kurz sprechen gehört zu haben, bevor die Weiße gegangen war, genau, als sie kurz einmal weggedöst war. Acollon suchen, vermutete Eris stark.
Es waren noch immer sehr wenige wach, aber sie spürte das Leben wieder und der Sturm hatte sich gelegt und sie heil, wenn auch etwas zerrüttet, zurückgelassen.
Die innere Ruhe genießed, sackte sie ein bisschen zusammen und ließ den müden Blick in der Leere des Waldes dümpeln. Schlafen würde sie nicht, sie war froh über die vorerst gekappte Verbindung zur Nacht und versuchte nicht, an die kommende zu denken.
Ninniach war bereits länger in jenem Tal, als sie eingeplant hatte. Wieso wusste sie nicht genau, doch immer hingen ihre Gedanken an einem möglichen Aufbruch. Sie war nicht dafür bestimmt in einer Gruppe zu leben. Ein Rudel war nicht das, was ihr Leben durchzog. Sie, eine Streunerin hatte kein Gruppengefühl und sie glaubte nie wirklich eines finden zu können. Viele von ihnen dösten und sie? Sie beobachtete die Vögel am Himmel und seufzte leise. Die Einzige die wusste, was Ninniach war, war Ayala und die hatte sie aus den Augen verloren. Ayala... Der Name blieb ihr immernoch in Gedanken. Trotz ihrer Worte fühlte die Schwarze nur enormes Unbehagen, ein weiterer Grund warum sie sich einen Platz abseits der Rudelmitglieder gesucht hatte. Den Blick hielt sie nur dem Himmel zugewand, ließ ihn auf keinem Wolf ruhen. Weder auf den Ausgewachsenen noch auf den Welpen - bloß auf den Vögeln die in ihrer Freiheit unbeschränkt waren. Zudem wollte sie mit ihrem Blick niemanden belästigen oder sich in fernster Weise falsch verhalten. Nicht selten verstand man ihre Körpersprache falsch. Nicht selten verstand man ihre Worte falsch. Wo war es dann ein Wunder, dass sie niemanden an sich heran ließ und nur selten mit jemandem sprach. Nichts destotrotz konnte sie lächeln. Wie auch jetzt, ein Lächeln, das den gefiederten Flugkünstlern galt. Doch bald schon senkte sie den Kopf und legte ihn auf die Pfoten zurück. Dies hier war nicht ihre Welt, hier gab es nicht für sie, nichts zu finden, nichts das sie halten könnte. Tiefausatmend schloss sie kurzweilig die Augen. Ein klarer Weg zeichnete sich vor ihren Augen ab - ein Weg, der sie weiterführen würde. Selbst als sie die Augen wieder öffnete sah sie den Weg noch klar vor sich. Den meergrünen Blick hatte die Schwarze weitentfernt vom Rudel gehalten, ihn irgendwo ins Nichts geworfen.
~*Ninniach, die Tage ziehen weiter - ohne dich. Und du verweilst hier seelenruhig im Schatten eines Baumes und beobachtest den Himmel. Dies hier ist kein Ort für dich. Ayala kennt deine Herkunft - niemand sonst. Du fühlst dich jetzt schon als würde man dir den Rücken zuweden. Was glaubst du, wie du dich fühlen wirst, wenn sie alle dein so wohlbewahrtes Geheimnis kennen? Niemand würde dein Gehen verhindern. Woran denkst du? Warum du Selbstgespräche mit dir in deinen Gedanken führst? Warum du nicht aufstehst und gehst.*~
Erneut schloss die FÄhe ihre seltsam grünen Augen um die Gedanken abzuwerfen, was ihr relativ gut gelang. Doch nicht wirklich lange hielt die Ruhe. Aufgewühlt von den eigenen Gedanken stämmte sie die Vorderpfoten auf den grasigen Grund und drückte den zierlichen Oberkörper in eine aufrechte Haltung. Auf den Hinterläufen ruhend warf sie einen sehnsüchtigen Blick in die entfernten Weiten. Warum zog sie nicht einfach weiter...?
Averic döste ruhig vor sich hin. Er schien unnormal friedlich wenn der Schwarze schlief. Sobald er aufwachte zeichnete sich wieder dieser kühle Ausdruck in seinem Gesicht ab, den er unwillkürlich von seinem Vater geerbt haben musste. Er musste zugeben, am Ende der Namensvergebung vor ein paar Monaten war er doch recht stolz gewesen. Sein Name war der einzigste gewesen, der dem seines Vaters ähnelte. Aber leider hatte er ihn noch nicht wieder sehen können, was ihn manchmal richtig aufgeregt hatte. Mehrmals musste er seine Mutter nerven, und nun? Nur noch halbschlafend konnte er hören das seine Mutter fort ging. Doch der pechschwarze Welpe verspürte keine Lust den Kopf zu heben. Sie würde schon wieder kommen und dann hoffentlich mit Acollon. Sich genüsslich streckend drehte Averic sich auf den Rücken und verdrehte seinen Kopf so, dass seine Schnauze immer noch das Fell seines Bruders berührte. Als dieser ihn plötzlich anstuppste rollte er sich automatisch wieder auf die Seite. Einen Moment benommen schwank sein Kopf herum, dann richtete er seinen Blick auf Cylin. Noch bevor der junge Rüde irgendwas sagen konnte stammelte sein Bruder auch schon irgendwas daher. Besorgt schaute er seinem Bruder in die Augen. Sein 'kleiner' Bruder war eine der wenigen Personen denen er einen solchen Blick schenkte. Niemand anders außer vielleicht seiner Mutter würde einen so gefühlvollen Blick von ihm sehen. Misstrauisch hob Averic dann den Blick. Wer würde kommen und wer machte Cylin angst?
"Komm wir sehen nach, du brauchst keine Angst haben ich beschütze dich doch."
sagte er ruhig und stupste seinen Bruder aufmunternd an. Dann erhob er sich auch schon, streckte seinen langen und schlanken Körper. Groß war er geworden in den paar Monaten. Und doch wirkte er schmächtig, aber keines Falls schwächlich. Wartend blickte er zu seinem Bruder herab, das machte ihn ironischer Weise neugierig, was da seltsames war. Der Schwarze reckte den Kopf und versuchte irgendwas in seiner näheren Umgebung zu erkennen. Viel war es nicht. Alles grau, schwarz und weiß - farblos. Wie immer. So sonderbar seine blauen Augen auch schienen, so konnte er mit ihnen keine Farben wahrnehmen. Zumindest nicht das er es bissher wüsste. Aber doch tatsächlich war dahinten was. Ein wenig entfernt vom Rudel konnte er den weißen Rüden Lighto erkennen, Cylins Paten. Und da schien noch ein Wolf, oder bildete er sich das ein? Er konnte nichts wittern, stellte er sich das bloß vor? Plötzlich verschwamm das eh schon nicht sehr aufschlussreiche Blickfeld vor seinen Augen, wurde in schwarze Streifen getaucht, bis alles dunkel war und der junge Rüde nur noch schemenhaft die Umrisse von allem erkennen konnte. Erschrocken wich er zurück, lief dabei fast seinen Bruder über den Haufen und wirbelte auch schon herum. Was war das zum Teufel, er sah nichts mehr? Er starrte mit einem komischen Ausdruck - einem Lodern gleich - in den Augen auf Cylin herab. Und dann, ganz plötzlich... erschien eine kleine Flamme dort wo eigentlich sein Bruder sein müsste. Verwirrt drehte er die Ohren zurück, bannte seinen Blick jedoch weiterhin auf die Flamme. Sie war grau, logischerweise, oder? Sie flackerte seltsam, verstört und funkte, er hörte dieses leise Knistern und lodern, dann war sie aber plötzlich nicht mehr grau.
"Cylin... Cylin! Was ist das, ich sehe nichts und da wo du bist brennt es! Komm da weg!"
grollte er mit einem leicht verstörtem Unterton. Er drehte sich um, wo waren die anderen? Verdammt sie mussten das doch auch sehen! Er roch seltsamerweise kein Feuer, aber er hörte - sah es doch! Geschockt stellte er fest, das in den Umrissen jedes Wolfes den er knapp erkennen konnte eine Flamme aufloderte. War er jetzt komplett bescheuert? Und sie waren nicht grau, nicht weiß und auch nicht schwarz, das mussten Farben sein, richtige Farben! Da waren mehrere, ganz ruhig am prasseln, eine wiederrum flimmerte unsicher, wer war das? Und was waren das für Farben?
"Was für Farben gibt es und wie sehen sie aus?"
flüsterte er jetzt mit einem leicht ängstlichen Unterton und plumpste auf die Hinterläufe. Er kniff die Augen zusammen, Umrisse verschwanden, aber eine Flamme blieb. Direkt vor ihm, zum greifen nah, auch nicht grau, sondern in einer kräftigen, hellen, kühlen Farbe. Was war los? Schnappte er über? Verdammt!
Bastar schreckte erschrocken hoch und starrte den kleinen Rüden mit großen AUgen an.Schlieslich grinste der Große und nickte.Sanft stupste er den Welpen an und erhob sich dann langsam.Bastar schüttelte sein grau gläntzendes Fell und streckte sich.Schlieslich sah er wieder zu Katsu.
"Also schön..gehen wir schwimmen.."
Abermals stuppste der Große den kleinen an und lief dann mit ihm in richtung See.Es war wirklich sehr warm und die Vögel zwitcherten fröhlich in den Baumwipfeln.Bastars schwarze Augen musterten die Umgebung heute nur gering.Ob es wohl bald wieder neue mitglieder geben würde? Und würde es ein Rüde,oder eine weitere Fähe sein?Ein kleines Lächeln zierte Bastars gesicht,was seine Narbe quer über der Schnautze,eigenartig verzog.Dennoch achtete er immer wieder auf den Welpen neben sich,und das er auch ja nicht verloren ging.
"Gehst du gerne schwimmen?"
Frage der Graue gespannt und lspitzte die Ohren.Auch den Kopf legte er schief.Trotzdem lief er gegen keinen einzigen Baum.Obwohl er nicht hinsah...
Katsu lächelte freudig und sprang in den See. Sofort fing er das Paddeln an und schwamm im See herum.
Als er genug hatte, kam er an Land und schüttelte sein Fell, schüttelte das Wasser aus dem Fell und lächelte Bastar an. Er hatte sich so hingestellt, dass das Wasser genau auf Bastar spritzte.
"Ja ich gehe gerne schwimmen... Aber ich war noch nicht oft schwimmen."
Mit diesen Worten lief Katsu Kyoot wiede rins Wasser.
Bastar sah dem Kleinen beim schwimmen zu.Doch als er den großen Rüden nass spritzte,musste er lachen.
Hahaha...kleiner Frechdachs...
Bastar hatte den kleinen sehr lieb gewonnen,jedoch war er bei dem kleinen auch um einiges gesprächiger geworden.Bastar setzte sich in bewegung und breschte mit schnellen sprüngen in das angenehm kühle Wasser.In großen zügen schwamm er in die Mitte des Sees und sah wieder zu dem Welpen,der sich noch im etwas seichteren Wasser aufhielt.
Komm zu mir Katsu,wir werden deine Kondition etwas aufbessern..
Der Große heulte dem Kleinen zu und verzog die lefzen zu einem warmen Lächeln.Sachte paddelte er mit allen vier Pfoten auf der Stelle.
((Vorweg: Simariel hat die Fähigkeit, Illusionen zu erschaffen, den Geist anderer in begrenztem Maße zu kontrollieren, psychische Schäden hervorzurufen, aber auch zu heilen, desweiteren spürt sie geistige Aktivitäten etc. Das ist mit Banshee abgesprochen! Ich habe ihr das Versprechen gegeben, dass ich diese Fähigkeiten nur in begrenztem Maße ausspielen werde, PP soll das hier schließlich nicht werden. Wenn Simariel allerdings eine Illusion erschafft, dann kann keiner sagen, dass er merkt, dass es sich um eine Illusion handelt. Sie erscheinen einem dann wie die Wirklichkeit. Okay? Okay ^^))
Blinzeln. Die zwei Meter hohe Gestalt der weißen Wölfin ragte fast bis in die lichtdurchfluteten Wipfel der niedrigeren Bäume hinein. Für einen Moment ließ sie es zu: die Wachsamkeit zu verlieren, die Augen zu schließen und einzutauchen in diese ersten wärmenden Flecken des neuen Morgens, die der Wind auf ihrem kräftigen Körper hin- und herschob. Der frühe Wind fuhr ihr in das Haar, das Haar in ihrem Nacken, das, wenn sie in Werwolfsgestalt war, überaus lang war, das sie normalerweise mit einem Band bändigte. Aber nicht heute Morgen. Heute wollte sie es spüren: Das verschlafene Wehen des Windes, das junge Licht - das Kitzeln. Erneutes Blinzeln. Die noch nicht sehr kräftigen Sonnenstrahlen fielen ihr in die Augen, erzeugten bunte, transparente Formen, die zerbrachen, sobald die Lider sich wieder über den staunenden Augen schlossen. Iris, Pupille, goldene Schwimmerin. Lid, Flimmertier. Wieder blinzelte die Weiße, blinzelte, dass es sie fast schmerzte, aber es gelang ihr: Ein wenig Feuchtigkeit war an den Härchen an ihren Lidern hängen geblieben - ach, wie brach sich das junge Licht doch in ihnen! Das Herz der Wölfin klopfte schneller. Noch tat es nicht so sehr weh - dieser Blick in die Sonne. Ihr Licht war noch geschwächt, kaum mehr eine Vorahnung. Die Weiße wusste es aber: Sie würde gewinnen. Würde wieder gewinnen, so wie jeden Tag. Ihr Sieg war nur eine Frage der Zeit.
Sie schloss die Augen, zog die Schultern zusammen und schrumpfte, schrumpfte auf ihre Wolfsgestalt zusammen. Auch jetzt war die weiße Fähe eine beeindruckende Erscheinung, eine Mischung aus Werwolf und Polarwolf, kräftig gebaut, mit goldenen Augen und dichtem Fell. Einen Moment lang versteckte die Fähe ihre goldenen Augen hinter den Lidern, ließ sich von der Vorstellung überkommen zu kreisen - die Welt drehte sich um sie, schneller, immer schneller - wenn sie nur die Augen öffnete, dann würde sie es sehen können, ihr Geist könnte es für sie Wirklichkeit werden lassen, aber - Ruhe. Tiefes Einatmen. Sie ließ die Welt in sich zur Ruhe kommen. Nicht jetzt. Nur ein letzter Blick in die jungen Strahlen der Sonne, die noch unverbraucht die Welt betasteten und befühlten, als wollten sie ihre Qualität testen. Erinnerungsbild: Aufsteigende Feuchtigkeit. Wald. Das Sonnenlicht, sichtbar gemacht als Lichtfinger. Die weiße Wölfin hatte viele Erinnerungsbilder in ihrem Kopf, die mit dem Licht zusammenhingen. Nur keine Erinnerung an ihren Namen. Der Name: die Identität. Jeder identifizierte sich doch über seinen Namen.
.oO(Kann ich mich über "Simariel" identifizieren?)Oo.
Sie begann zu gehen.
.oO(Nein.)Oo.
Die Weiße nahm die Natur um sich herum praktisch gar nicht mehr wahr, das war selten. Für eine Wölfin, die die Welt genau betrachtete, war es wahrhaftig selten.
.oO(Eigentlich könnte ich nicht mehr "ich" sagen.)Oo.
Simariel, so genannt, blieb stehen. Sie wurde sich darüber klar, dass sie nicht wusste, wo sie eigentlich hinlief. Blick zurück: die Lichtung, ihr Nachtlager - bereits aus dem Blick verschwunden. Der Boden vor ihr, der Bewuchs, Flora: keine Anzeichen von Fauna, Zeichen von belebter Natur im Sinne von Bewegung. Bewegung - so wie sie selbst. Spurenlos.
.oO(Obwohl ja manche Pflanzen ihre Blätter bei Berührung verschließen können... Hm... Memo: Bedeutung des Wortes "Bewegung" überdenken.)Oo.
Verärgert wischte die weiße Fähe die immer wieder wandernden Gedanken fort. Es war jetzt nicht wichtig. Sie musste sich konzentrieren. Nur weil keine Gerüche an ihre feine Nase drangen und sie keine Fährten auf dem tauweichen Boden wahrnehmen konnte, musste das nicht heißen, dass diese Gegend nicht belebt war. Sie würde sie suchen - die Wölfe. Und wenn sie sie gefunden hatte, würde sie zu ihnen gehen. Simariel schloss die Augen, konzentrierte sich. Ihr Geist ging auf Wanderung, flog durch den Wald, tastend, suchend. Eine Weile spürte sie nichts - dann wurde sie fündig. Eine Gestalt, die sich von ihr fortbewegte. Dann - eine größere Gruppe. Aufgeregt öffnete Simariel die Augen: ein Rudel! Wieder konzentrierte sich die Weiße, suchte weiter, versuchte die Größe des Rudels zu ergründen. An und für sich waren alle erkennbaren geistigen Präsenzen an einem Ort konzentriert, abgesehen von dem fortgehenden Wolf und-
Simariel stockte, presste die Lider aufeinander. Da war noch etwas: Jemand bewegte sich in nicht allzu weiter Entfernung von ihr durch den Wald, würde möglicherweise ebenfalls auf das Rudel stoßen wollen. Doch mit diesem Jemand war etwas anders... Simariel konnte es nicht genau erklären, doch seine geistige Präsenz war äußerst sonderbar. Befremdet öffnete die Werwölfin die Augen. An und für sich stand der Wind so, dass sie diesen Jemand hätte wittern müssen, doch da war - nichts. Und dieses merkwürdige Gefühl... Die weiße Fähe begann zu gehen. Sie würde sich nun zum Rudel begeben. Möglicherweise würde sie diesem Jemand dort auch begegnen. Sonderbar - Simariel vermochte nicht einmal genau zu entscheiden, ob es sich um einen Wolf handelte. Sie begann schneller zu gehen. Und dann rief sie das Rudel.
Mit langsamen, müde wirkenden Schritten war Face Taihéiyo noch ein wenig weiter gegangen. Es war ihm egal ob er auf einen Wolf, oder sonstiges treffen würde, vielleicht würden sie ihn auch gar nicht sehen. Wäre zumindest besser so, ihm rechter. Zu dieser Zeit waren viele Kreaturen im Wald unterwegs, manche schliefen noch fest oder dösten nur in der Sonne. Hier und da konnte er es mal rascheln hören, ein Eichhörnchen das von Baum zu Baum sprang und ihn keckernd betrachtete. Ein Hase der sich töricht aus seinem Versteck hochreckte und ihm nachäugte, oder ein Vogel der tief tschilpend über seinen Kopf hinweg sauste. Er konnte den Schatten auf seinem Rücken spüren. War er denn so sonderbar? Face achtete auf keinen der Blicke, schritt weiter in der Hoffnung einfach nur still voran zu kommen. Wohin auch immer. Doch leider hatte der Tiefschwarze Pech gehabt, in einem unachtsamen Moment, als er auf eine kleine Lichtung trat hielt sich nicht weit vor ihm ein weißer Rüde auf. Als dieser ihn erblickte schien der Fremde sichtlich überrascht. Er hatte ihn wohl weder gerochen noch gewittert? Welch Ironie das er nun hier stand. Unbeteiligt und vollkommen ausdruckslos fixierten die leeren, saphirblauen Augen den hellen Wolf, selbst als ihm eine Frage gestellt wurde regte sich kein Muskel ihn ihm. Face schien Momente lang wie erstarrt. Der Weiße hieß Lighto und nun sollte er antworten... Das Problem war nur, er wusste sie nicht. Friedlich, Bösartig... Beides passte nicht. Eines wusste der Schwarze und so hielt er es vor damit zu antworten.
“Ich komme in gar keiner Absicht...“
erklang seine tiefe und leise Stimme. Sie war nicht rau sondern vollkommen klar, hatte aber irgendwie an Echtheit verloren. War das nur für ihn so? Als würde man sich die Ohren zuhalten, so klang dieser Satz in seinem Kopf. Aber wirklich, bestimmt nur für sich selbst. Vielleicht... Weil er in einem toten Körper lebte? Langsam regte sich der große, schlaksige Rüde wieder, senkte seinen Kopf etwas, ließ seinen Blick an dem Rüden vorbei ins Nichts führen. Er konnte jetzt weiter gehen, verschwinden als sei nie etwas gewesen, doch was wäre wenn dieser Lighto ihn verfolgen würde? Nun ja, eigentlich konnte ihm das ebenfalls egal sein, schließlich hatte er nichts mehr zu verlieren. Aber Face war nicht gerade scharf auf Verfolger und so blieb er einfach stehen, was immer dieser Wolf nun machen würde, es würde ihn weder stören noch was scheren. Scheinbar matt drehte sich sein rechtes Ohr zur Seite, während das linke unbeteiligt nach vorne gehüllt war. Wölfe, Welpen, Nagetiere, Vögel, typische Waldbewohner gab es hier. Und doch, da näherte sich auch noch etwas. Etwas, das Face Taihéiyo nicht kannte. Na was auch immer. Es gab vieles, dass er noch nicht kannte, oh ja. Wann kannte man schon alles? Wann hatte man alles gesehen? Wann würde das Leben langweilig werden? Nein, es würde niemals jemanden geben können, der wahrheitlich behaupten konnte alles zu kennen. Jeden Tag fügte sich etwas Neues in diese verdammte Welt ein, ein neues Schicksal oder ein neuer Gegenstand. Und wenn man bedachte, dass man jederzeit von Leben umringt war, konnte man auch nicht behaupten jeden zu kennen. Genau so wie ein Wolf, so lebte auch jeder Baum, ja jeder Grashalm lebte, verdorrte ohne Wasser, wuchs aber zugleich in heller Sonne. Aber was machte er sich überhaupt darüber Gedanken. Der Pechschwarze gehörte nicht mehr zu ihnen und warum er das so genau wusste, konnte er sich seltsamer Weise nicht erklären. Es war einfach so. Sein Körper war in Flammen verbrannt und nun schwirrte seine Seele in diesem toten Körper haltlos umher und man ließ sie nicht gehen. Verrückte Welt, verdammte Welt, gehasstes Dasein.
Den Blick noch immer müde in den Wald gerichtet, kam Eris gerade wieder in die Realität zurück, als eine junge Stimme, welche sie mittlerweile gut kannte, auf eine Weise ertönte, die so noch nie an ihr Ohr gedrungen war. Aufgemerkt drehte die Schwarze den Kopf zur Seite und überflog das schlafende Rudel, bis ihr Blick an Averic hängen blieb, der mit Cylin sprach.
Sie stand auf. Sie wusste nicht, was er sagte, aber der Blick in seinen Augen sprach Beunruhigendes und Angst klang in seiner Stimme mit. Angst ... Eris hatte ihn mit so etwas wie Angst noch nie sprechen hören.
Mit wenigen großen Schritten kam sie auf die beiden zu und stellte sich neben die Geschwister. Unsicher, ob sie sich setzen sollte, blieb sie lieber einfach so stehen.
"Averic, Clyin, was ist passiert?",
fragte Eris vorsichtig, denn sie sah dabei in die Augen ihres Patensohnes und die Panik darin, beunruhigte sie wirklich. Das passte so gar nicht zu Averic.
Und auch Cylin, der kleine Träumer, der oft in seiner eigenen Welt zu leben schien. Er schien aus genau dieser getrieben worden zu sein.
Eris sagte nichts mehr und wartete lieber unsicher auf eine Antwort. Was sollte sie auch groß anderes tun?
Die Schwarze, immernoch in Gedanken versunken öffnete die Augen wieder. Irgendwas rief sie - Stimmen... Sie verfolgten sie. Laute, raue Stimmen zu den kalten Klauen die nach ihr griffen. Ihr Herz raste, doch etwas zerbrach die Stimmen in ihrem Kopf. Ein wundervoll gemusterter Schmetterling landete auf ihrer Schnauze. Vorsicht schnippten ihre Ohren nach vorn, die Lefzen zu einem seichten Lächeln verzogen. So zerbrechlich, zart und klein. Und doch so wunder, wunderschön. Doch jäh wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. Ein schwarzer Schatten hatte sich bewegt. Eris, eine von denen, die sie nicht kannte, vermutlich nie kennen lernen würde. Als würde jemand ihr Gehör Isolieren drangen verschiedene Stimmen an ihr Ohr. Nicht jene Stimmen, die nach ihr gerufen hatten. Stimmen von Wölfen. Sie fühlte sich seltsam, blinzelte ein paar Mal kräftig mit den Augen. Riefen diese Stimmen sie, damit sie ging? Nie wieder kehren - das kannte sie doch irgendwoher. Sie drückte den Kiefer fest aufeinander und kniff die Augen zusammen, die Ohren fest an den Kopf gepresst. So ging das nicht weiter. Etwas rief sie - sie konnte kaum eine Minute ruhig liegen ohne diese Stimmen zu hören. Die junge Fähe stämmte sich auf die schlanken Läufe.
~* Ruhig, nur ruhig... Vielleicht sollte ich gehen - ja vielleicht.*~
Noch in Gedanken setzten sich ihre Läufe in Bewegung. Sie hatte Bastar doch irgendwo gesehen, mit einem Welpen, den man Katsu genannt hatte... Sie folgte Bastars Witterung in Richtung des Sees. Die Bilder der Wölfe zogen bloß an ihr vorbei. Sie wusste nicht, an wen sie sich wenden konnte. Ayala hatte sie nirgends finden können und Riku ebensowenig. Also - blieb noch Bastar, dessen Witterung ihr in der Nase hing. Er hatte sie ebenso empfangen, war zwar kurz danach wieder aufgebrochen - aber er war da gewesen. Die schnellen Schritte wurden langsamer, immer langsamer, dehnten sich wie endloses Schleichen als sie den See ins Blickfeld bekam. Sie senkte den Kopf und schritt ans kühle Wasser. Abwartend ließ sie sich auf die Hinterläufe sinken und spitzte die Ohren. Ihr meergrünes Augenlicht haftete nur kurz auf Katsu - die Fähe mied Welpen, was ebenso mit ihrer Vergangenheit zu tun hatte.
~* Nicht unkonzentriert werden. Schweif jetzt nicht in die Vergangenheit ab!*~
Augenblicklich fand sie zurück in die Realität und musterte Bastar. Da war er. Sie würde warten, bis er sie bemerkte und dann etwas sagen. Da er so weit im Wasser war, würde er sie vermutlich nciht hören. So verblieb sie sitzend, geschützt im Schatten eines Baumes wie eine Jägerin die nach Beutete trachtete.
Lighto sah den Rüden an.
oO(Ein komischer Wolf... Was soll ich jetzt mit ihm machen?)OO
Lighto schüttelte den Kopf.
Bitte folge mir zum Rudel. Ich werde dich zu unseren betas führen.
Lighto sah den Rüden kalt an. Dieser Rüde gefiel ihm nicht. Er war irgednwie leer, als ob in ihm keine Seele mehr wäre. Auch störte es ihn, dass er den Rüden nicht wisstern konnte.
Sagts Fremder, obwohl der Wind mir ihren Geruch in die Nase wehen musste, witterte ich sie nur, als ich sie sah... Warum?
Lighto schüttelte den Kopf. Er verstand es nicht. Und doch wollte er es wissen. War der Rüde etwas besonderes?
Der weiße Rüde lief weiter. Vor dem Rudel blieb er stehen und heulte.
Ayala? Falk? könntet ihr mal kurz herkommen?
Lighto lächelte und nickte dem Fremden zu. Er sollte hier mit ihm warten.
Katsu sah Bastar an. Dieser Rüde hatte sich in den wenigen Wochen wo sie zusammen unterwegs waren sehr verändert. Früher war er verschwiegen und hatte kaum ein Wort gesgat. Und jetzt? Jetzt spielte er ihm und laberte wie ein Wasserfall. Katsu wedelte mit der Rute.
Was ist Konditiiiiiiiiin? Oder wie des heißt?
Katsu versuchte das ihm neue Wort auszusprechen doch konnte er nicht. Ers chüttelte den Kopf.
Falk von Scharfenberg blinzelte. Träumte er? War das eben Banshee gewesen, die vor ihm gestanden hatte? Er schüttelte behutsam den Kopf, so als wollte er die Müdigkeit wie lästige Spinnweben abschütteln, die einem mit einer unglaublichen Penetranz das Fell zu verkleben pflegten. Noch einmal schüttelte er den Kopf, blinzelte wieder. Kurz verschwamm die Sicht, wurde klarer. Dann sah der Hüne seine Umgebung wieder in der gewohnten Schärfe: den morgendlichen Himmel, die Sonne, die noch feuchte Erde, die Bäume, ihr grünes Laub, den fleckigen Schatten, den das Blattwerk warf. Er stand auf, sah sich um, und meinte, Banshee irgendwo zwischen den Stämmen der Bäume im Unterholz zu verschwinden. Leise seufzte der Hüne. Banshee war weg, Acollon war weg. Nun würden er und Ayala das Rudel führen müssen. Lieber hätte er sich auf seinem Rang als Beta noch etwas ausgeruht und mehr Zeit mit Ayala verbracht. Nun würde das Rudel an erste Stelle rücken müssen. Falk lächelte. Es war beinahe wie früher. Eigentlich hatte er zu lange nicht mehr den Macher spielen dürfen. Viel zu lange. Zärtlich hauchte er einen leichten Kuss auf Ayalas Augenlider, dann erhob er sich. Rufe. Aus derselben Richtung. Die eine Stimme war die Lightos, die andere war weiblich und Falk unbekannt.
"Warte, Lighto, ich komme!"
Er begann im leichten Trab auf Lighto zuzulaufen, dann stockte er, legte den Kopf in den Nacken und antwortete der fremden Fähe.
"Du darfst dich dem Rudel nähern, wenn deine Absichten friedlich sind!"
Falk verdrehte die Augen und trabte weiter. Unbewusst hatte seine Stimme einen etwas unfreundlichen Tonfall angenommen. Ihm war das immer noch nicht recht geheuer - dieses dauernde Aufnehmen von irgendwelchen dahergelaufenen Wölfen, bei denen man sich nicht sicher sein konnte, ob sie vertrauenswürdig waren. Wer war diese Fähe? Schleppte sie andere an? Falk schnupperte, atmete die frische Morgenluft tief ein. Nein - es war nur ihr fremder Geruch. Er lief weiter, blieb vor Lighto stehen und - schrak zusammen. Bei Lighto stand ein Fremder. Warum hatte Falk seinen Geruch nicht aufgenommen? Er hatte doch eben noch...
"Lighto, wer ist das?"
Seine Stimme war schneidend und aggressiv. Falk war beunruhigt. Wenn er diesen Rüden hier schon nicht gewittert hatte - wen mochte diese Fähe anschleppen?
Bastar grinste den Kleinen an.
"Kondition.."
verbesserte er den kleinen verspielt und hob dann den Blick.Er sah zu Ninniach Fuin.
.oO(Was sie wol hier her führt? sie sieht betrübt aus..armes mädchen..) Oo.
Der Graue schwamm zu dem Welpen zurück und stuppste diesen kurz ,aber sanft an.
Warte kurz mein kleiner Freund,wir machen gleich weiter..
Er lächelt eund lief an Lannd.Kurz schüttelte er sich,ehe er sich zu der fähe bewegte.
Hallo Ninniach Fuin...was führt dich denn hier her?Ist alels in Ordnung? du siehst traurig aus..
Knapp vor ihr Blieb er stehen und wedelte sachte mit der Rute.Die ohren gespitzt und die Augen aufmerksam auf die Fähe gerichtet.Om wohl alles in ordnung war?Doch hätte sie Probleme würde er ihr gewiss zuhören.Er legte den Kopf leicht schief.
Die Schwarze stellte die Ohren auf als Bastar sich auf sie zubewegte. Er hatte sie scheinbar schneller bemerkt als es ihr beabsichtigt war. Nun, egal - er war da, das war was nun der entscheidende Punkt war. Ein gedehntes Seufzen entwich ihr bis ihre meergrünen Augen nach dem Blick Bastars suchten und ihn letztlich fanden. Für einen Wolf wie ihn, oder eher ihrer Einschätzung nach, stellte er zu viele Fragen. Nicht auf alle würde er eine Antwort bekommen - erwarten konnte er es ohnehin nicht. Ninniach war nicht jemand, der gern auf Fragen antwortete geschweigedenn überhaupt redete.
"Ich bin hier, weil ich niemanden finde, an den ich mich sonst wenden kann. Du warst einer von denen, die mich als Neuling begrüßt haben. Ich komme mir dumm vor, meinen illusionen Glauben zu schenken aber - ich gehöre nicht hier her. Und viele von ihnen wissen das. Ich beabsichtige in den nächsten Tagen zu gehen, weiterzuziehen."
Ihre Stimme blieb gesenkt, eher ein Murmeln, ein Flüstern. Sie wollte nicht, dass der Welpe sie wahr nahm. Am Liebsten wäre es ihr, wenn keines der Jungtiere sie bemerkte.
"Da ich nicht weiß an wen es sich zu wenden gilt, wäre ich dir dankbar, wenn du es irgendeinem, der damit etwas anfangen kann ausrichtest... am Tag meiner fortwährenden Wanderschaft."
Der Blick der Schwarzen blieb unverändert am Augenlicht ihres Gegenübers haften. Ein bohrender Blick. Sie wollte nicht, dass er versuchte sie aufzuhalten. Das würde eine Weiterreise nur erschweren, da es bloß ein Gefühl aufbringen würde... aktzeptiert zu werden. Doch ihr Blick währte nicht mehr lange, so wandte sie ihn ab und sah gen Himmel. Vögel...
~* Lasst mich frei, lasst mich fliegen... nehmt die Ketten von mir. Nehmt sie fort, die Ketten, die sie Vergangenheit schimpfen. Nehmt sie weg, Fesseln, die sie Gegenwart nennen. Gebt mir Freiheit, gebt mir Zukunft...*~
Kurzfristig versank die Fähe in ihren Gedanken, den verträumten Blick auf die Schwingen der gefiederten Luftkünstler gerichtet. Sie war ebenso verträumt wie sie es als Welpe gewesen war, immer darauf bedacht wieder zur Realität zurückzufinden. Manches mal fragte sie sich jedoch warum. Die Realität schmerzte, war nie so schön wie die Träume...
Ungehalten zuckten die Ohren des jungen Rüden hin und her, keine Antwort drang an sein Ohr, warum verdammt sagte sein Bruder nichts? War er es vielleicht doch nicht, diese Flamme da? Averic verengte die Augen und biss die Zähne fest aufeinander. Er musste sich zusammen reißen, nur nicht losschreien, diesen ganzen Druck. In einem seltsam pfeifendem Ton ließ er die Luft wieder zwischen seinen spitzen Reißzähnen hervor, kniff die Augen noch einmal zusammen und öffnete sie wieder. Ganz ruhig... Dafür musste es eine logische Erklärung geben, es war gar nicht schlimm, es passierte ihm schließlich nichts. Der Pechschwarze atmete noch einmal tief durch, sein Ausdruck wurde ruhiger aber das seltsame Flimmern und Flackern, wie das einer Flamme, verschwand nicht aus seinen Augen. Ein erneuter Laut hinter sich ließ ihn herum wirbeln. Wieder eine Flamme. Auch nicht grau sondern auch wieder kräftiger... Hm... Er versuchte sich zu erinnern. Vielleicht diese Farbe, wie er sich Gras vor stellte? Und von der Form her... Nicht flackernd, eher schien sich das Feuer in Wellen nach oben zu flammen und es stob keine Funken. Also... War das kein Feuer? Ohne auf die Frage Eris zu antworten erhob sich der schwarze Welpe und lief genau auf die Flamme zu. Da war keine Wärme, die normalerweise von Feuer ausging, nur die selben Geräusche, dieses Rauschen. Averic blieb stehen, nur noch ein paar Zentimeter, dann würde er die Flamme mit der Schnauze berühren können. Zögernd reckte er seinen Kopf nach vorne, immer weiter, bis in das Feuer und da berührte seine Nase etwas. Etwas weiches, warmes aber auch hartes...
Die Flamme verschwand und ihm wurde klar das er seine Schnauze an Eris Bein drückte. Schnell wich er zurück, die Ohren angelegt und mit dem typisch kühlen und grimmigen Ausdruck in den Augen. Alles war wieder grau, so gewohnt wie immer. Vielleicht hatte er sich das alles nur eingebildet? Um nicht wie der letzte Vollidiot da zu stehen hob er stolz den Kopf.
“Cylin hatte einen Albtraum und ich muss wohl auch geträumt haben.“
antwortete Averic. Ja so musste es gewesen sein. Sein Brüderchen hatte ihn verwirrt und in ihm eine Illusion oder sowas hervor gerufen. Wie auch immer, er hatte sich diese Flammen mit Sicherheit nur vorgestellt. Peinlich. Er hatte Angst gezeigt... So etwas durfte ihm nicht wieder passieren, denn Angst zu zeigen war Feige und niemals wollte er vor seinem Vater als ein Feigling da stehen, ihn dem er so nacheiferte. Er musste stolz und kühl sein. Naja, vielleicht konnte man da bei Cylin eine Ausnahme machen, schließlich tat Acollon das selbe bei seiner Mutter.
24.12.2009, 14:35
Ohne sich auch nur einen winzigen Zentimeter zu bewegen verharrte Face Taihéiyo noch auf der selben Stelle wo er den weißen Rüden angetroffen hatte. Er starrte leeren Blickes an ihm vorbei, irgendwo ins Nichts, schien gar nicht zu hören was dieser Lighto zu ihm sagte. Hauptsache er verschwand wieder, wohin auch immer, es konnte ihm egal sein. Aber er, der Tiefschwarze wollte ihm nicht zum Rudel folgen. Keinen Trubel, kein Chaos, er würde es alles mitbringen und das wollte er nicht. Er hasste es genau so sehr wie angestarrt zu werden, warum ließ man ihn nicht in Ruhe? Verdammt es tat weh, es schmerzte seine Seele, machte ihn Wahnsinnig! Der schmale, hochgewachsene Rüde spürte den Blick Lightos zwar nicht auf seinem Fell liegen, aber er konnte ihn innen drin spüren, als befände er sich in einer Kugel aus Glas, in einer schwerelosen Hülle an die nichts heran drang, höchstens in sein Inneres. Tote Hülle und umso lebhafteres Inneres. Face schloss die saphirblauen Augen, so ausdruckslos und gebrochen wie bei einem Toten. Und doch spiegelten sie dieses gewisse Leben, diese Traurigkeit und den Schmerz manchmal darin wieder. Dann wenn Face es zuließ, wenn auch unbewusst. Deshalb schloss er sie. Sollte man ihn doch alleine lassen, er war es immer gewesen, sein ganzes Leben lang und auch jetzt würde ihm niemand die Einsamkeit nehmen können, er war tot gehörte nicht zu den Lebenden, wie jedes Wesen, jedes Insekt, ja sogar jeder Baum und all die kleinen Grashalme. Sie lebten alle. Wuchsen bei Regen und in der Sonne, hielten ächzend das Gewicht derer aus, die über sie liefen, die sie bogen und zu Boden drückten. Aber nicht er. Er war eine tote Hülle, gequält zurück gelassen. Warum? Warum er? Warum nur?
Kein Zucken, keine Regung zeigte sich in seinem Gesicht, oder irgendwo an dem schmächtigen, langen Körper als ihm diese Frage gestellt wurde. Man konnte ihn nicht wittern? Nicht solange man ihn nicht sah? Als ob er das geahnt hätte... Ja klar, er war ja auch tot. Sollte er ihm das sagen? Diese Vorstellung war so lachhaft, dass er sich innerlich selbst zum Narren hielt und schal. Diese Frage konnte er ihm nicht beantworten. Er wollte es auch gar nicht. Vielleicht... Ja das war jetzt sein Geheimnis, niemand würde es erfahren oder gar erahnen. Man würde ihn für einen verrückten, vielleicht sogar psychisch gestörten Rüden halten, was auch immer... Es war Face Taihéiyo egal. So war es immer gewesen. Ein Verrückter war er, jemand der sich mal nach etwas gesehnt hatte, jemand der mal vorwärts gehen wollte um ans Ziel zu kommen. Klar war er verrückt, er war ein naiver Idiot, ein Narr.
Lighto rief zwei andere Wölfe, das hatte ihm grade noch gefehlt und schon lief ein großer, hünenhafter Rüde auf ihn zu. Na toll. Aber eigentlich.. war es auch egal. Schließlich hatte der Tiefschwarze nichts mehr zu verlieren oder? Was sollte es, wenn man mit ihm spielte, warum fing er dann nicht ein Spiel mit anderen an? Warum sollte er sich nicht wehren, zeigen das er auch anders konnte? Niemand konnte ihm mehr was antun, er war schließlich schon tot. Er konnte spielen, mit den Lebenden...
Face schloss und öffnete die Augen sogleich wieder. Nein... Er hatte sich einmal geschworen niemals so zu werden wie sein Vater oder sein Großvater. Die beiden hatten ihre kranken Spiele gemacht, aber nicht er. Und jetzt würde er damit auch nicht anfangen. Er konnte sich entscheiden, am liebsten würde er sich wieder umdrehen und weiter gehen. Gar kein Problem. Wenn er weg war, würden sie seine Witterung wieder verlieren, so wie sie ihn erst nicht gerochen hatten, würde auch diese Illusion verklingen. Klar, so musste es sein. Das sie ihn nun witterten war eine Illusion. Tote gaben keine Witterung mehr ab, es war sein eigener Schutz. Aber wenn er verschwinden würde, dann würde sie auch wieder verschwinden, er würde in Ruhe weiter ziehen können, irgendwo hin, bis ans Ende der Welt und weiter, weil es kein Aus für ihn gab. Allerdings hatten sie ihn jetzt gesehen, waren fast da und er hatte keine Lust auf Verfolger. Und da war noch jemand, diese Fähe die er eben schon gespürt hatte, diese mit der seltsamen Aura, der dieser große Graue nun Antwortete. Ihre Aufmerksamkeit war abgelenkt, jetzt konnte er das Weite suchen. Belustigend. Dieser Hüne fragte den Weißen wer er war. Erwartete er allen Ernstes eine konkrete Antwort von ihm? Niemand wusste wer er war. Er wusste es ja selbst nicht. Der Tiefschwarze wusste nur was er war und wie er hieß. Aber nicht wer er war. Vielleicht würde er das niemals heraus finden.
"Ich bin ein Niemand..."
sagte Face schließlich leise. Ihm war egal ob der große Wolf es gehört hatte, ihm war alles egal und er drehte sich wieder um. Ruhig trottete er weiter, ohne Hast, er hatte schließlich alle Zeit der Welt. Sie würden ihm folgen, das war klar, aber es stimmte doch. Er war ein Niemand. Also warum sollten sie sich noch lange mit ihm beschäftigen? Er hegte keinerlei Absichten. Weder böse noch gute. Sie konnten mit ihm machen was sie wollten, es würde nichts nützen. Face würde es wahrscheinlich nicht einmal spüren. Bei einer hohen Tanne mit tief hängenden Zweigen blieb er stehen. Vor ihm konnte er eine große weiße Wölfin sehen. War das die, welche er gespürt hatte, welche gerufen hatte und von dem Hünen eine Antwort bekommen hatte? Er konnte weiter gehen, warum tat er es nicht? Er war stehen geblieben, mitten auf dem Weg, sah die Weiße ruhig, kalt vollkommen ausdruckslos und leer an. Gebrochen, ohne Gefühle. Nicht einmal erahnen würde man sie können. Leer und kalt, wie ein Toter.
Der Rüde verdrehte die Augen.Er seuftzte kurz leise und dachte für einen moment nach,ehe er Antwortete.Warum waren hier alle so depremiert? wusste keiner das leben zu geniesen?Es gab nicht nur schlechte Dinge auf der Welt,doch vermutlich sah das niemand auser Bastar.Wenn man denkt alles ist schlecht,ist es auch schlecht.So seine Meinnung.Leise brummte er zur Antwort.
Ich versteh euch nicht..alle so depremiert..aber ghut ich werde bescheid sagen..
Seine Rute lag nun still da.Seine ohren legte er zurück.Seine ,mitlerweile wieder,ausdruckslosen Augen musterten die Fähe kurz ehe er den Blick ebenfalls abwand und dem kleinen Welpen hinter sich zulächelte.
Simariel wartete nicht erst, bis die Antwort kam. Sie spürte nun, dass bei dem merkwürdigen Jemand mit der sonderbaren Ausstrahlung ein weiterer Wolf war, wahrscheinlich gehörte er zum Rudel. Also waren sie bereits aufeinander getroffen. Die weiße Fähe begann langsam zu laufen. Sie würde auf diesen Jemand treffen. Seine geistigen Aktivitäten würden sie zu ihm leiten. Nichts war so untrüglich wie der Geist eines jeden. Und nichts war so sonderbar verschwommen und von einer solch merkwürdigen Aura wie der Geist dieser - Gestalt... Ja, Simariel war sich nicht einmal sicher, ob es sich um einen Wolf handelte. Und genau das weckte ihre Neugierde. Sie suchte geradezu nach dem Außergewöhnlichen. Und nach dem ganz Alltäglichen sowieso.
"Reise, mein Geist, reise... Führe mich, führe mich..."
Beinahe blind lief sie. Die Natur, all das, was sich unmittelbar um Simariel abspielte, war in den Hintergrund geraten. Die Werwölfin straffte den Rücken. Der Klang einer Antwort - schallend, ein wenig verzerrt durch die ständigen Bewegungen des Windes, sich hinaufschraubend in den langsam erblauenden Himmel - drang an ihr Ohr; Simariel spürte in ihr den unfreundlichen Ton eines Rüden und lächelte. Sie hatte das ja gar nicht erwartet: dass man ihr mit begeisterter Freundlichkeit begegnete. Eigentlich hatte sie erwartet, man würde sie ignorieren - oder noch viel eher sie harsch zurückweisen.
"Nun gut - es ist keine wirkliche Einladung... Aber ich werde kommen."
Ein weiterer Rüde bewegte sich jetzt auf die Gestalt zu, diese Gestalt, der es gelungen war, Simariels volles Interesse und ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Sie schob sich zwischen den Baumstämmen hindurch, berührte manche, wie zufällig, spürte die rauhe und doch glatte und warme Rinde bis unter die Haut, Zweige, Blätter und trocknende Erde unter ihren Pfoten. Die Gestalt begann sich zu bewegen und sie kam direkt auf Simariel zu. Die weiße Fähe blieb stehen, wartete. Ja. Es kam näher. Simariel schloss die Augen. Sie wollte den Moment noch etwas herauszögern, den Moment, in dem sie ihn sehen würde. Ihr Geist klammerte sich an seinem fest, ließ ihn nicht los, tastete, fühlte. Simariel hatte sich immer gefragt, ob die Wölfe, deren Geist sie zu ergründen versuchte, ihre fremde Präsenz tief in sich spürten. Sie konnte sich nicht erinnern, das jemals jemand-
Er war jetzt da. Die weiße Fähe seufzte hohl - ihr Geist sauste zurück, zurück in ihren Körper. Was fühlte diese Gestalt? Simariel konnte nichts fühlen - höchstens die schwache Präsenz von Gleichgültigkeit, aber das konnte auch eine Täuschung sein. Sie öffnete die Augen. Jetzt wollte sie es selbst sehen.
.oO(Huh.)Oo.
Ein Wolf. Ein schwarzer Wolf mit blauen Augen - Augen, die Simariel sofort anzogen. Sie blinzelte - dieses Bild wollte sie in ihrem Kopf bewahren. Es war ein gutes Gefühl, dieser Moment, er machte den Tag gleich wertvoller. In diesem Augenblick beschloss sie, dass sie diesen Rüden fragen würde.
"Hast du es gefühlt? In dir?"
Lighto konnte gerade noch ein knurren unterdrücken. Er wollte sich nicht mit Falk anlegen, wusste das er verlieren würde. Doch der Rüde hat keine Lust sich blöd anmachen zu lassen.
"Ich habe ihn im Wald angetroffen. Ich überlasse ihn dir und ziehe mich zurück"
Lighto verschwand im Unterholz. Was hätte er auch gegen Falk ausrichten können. Als der Rüde wusste, dass Falk das Knurren nicht hören würde, knurrte er und ließ seinen Unmut aus sich raus.
Langsam trabte der Rüde zum See. Die letzten Meter dorthin rannte er und stürzte sich in das ruhige Wasser. Er liebte das Wasser. Als er wieder an Land kam, sah er Bastar, Ninn, und weiter weg Katsu. Lächelnd lief er auf sie zu und gesellte sich zu ihnen.
Katsu sah bastar hinterher.
oO(Wieso geht Bastar jetzt?" )Oo
Katsu ließ es sich ncht gefallen und rannte hinter Bastar her. Er sprang auf dessen Rücken und blieb dort. Er lächelte Lighto zu und schüttelte den Kopf.
Seuftztend sah bastar auf seinen Rücken und stuppste katsu an.Dann fiehl sein Blick auf Lighto.Auch Batsar nickte ihm lächelnd zu und sah dann kurz zu Ninniach.Er verstand sie wirklich nicht.Aber warum sollte er etwas gegen ihr Vorhaben sagen? Er wusste ja doch,das sie trotzdem gehen würde.
Ein klammes Gefühl von Unsicherheit und einem Gemisch aus Angst breitete sich in der Fähe aus, als Katsu näher kam. Ein leichtes Zittern, was sie allerdings in einem schütteln des pechschwarzen Fells verstecken konnte, durchfuhr ihren Körper. Welpen... Man konnte nicht sagen, dass sie vor ihnen Angst hatte sondern vor dem Umgang mit ihnen. Ihr Blick wanderte zu Lighto, dem sie nur ein Nicken als Gruß schenkte. Sie sah es Bastar förmlich an, dass er nicht verstand und fast hätte sie darüber gelächelt. Wenn sie Bastar als vertrauten kennen würde, hätte sie ihm anvertrauen können, dass sie eine Streunerin war. Doch immernoch nagte es an ihr wie eine Krankheit.
"Lass den Welpen nicht in meine Nähe!"
Fast schon ein Knurren, doch spiegelte sich ein Hauch von Angst in den meergrünen Augen. Die Schwarze krallte tief ins Erdreich hinein, presste die Ballen fest auf den Boden und legte die Ohren leicht an, den Blick in Angst auf Katsu geworfen. Sie sträubte sich gegen Welpen auf. Zu viel war passiert, viel zu viel.
"Bastar, ich würde dir erklären was mich fortzieht. Aber die Zeit dafür ist nicht gekommen. Aber... vielleicht so viel. Mich zieht etwas fort, dass mich ruft. Ich konnte nie lange bleiben. Ich bin nicht in der Lage mich einer Gruppe anzupassen. Der Versuch würde misslingen sobald ich ihn anfinge"
Eher ein Murmeln, dennoch blieb ihre Stimme klar. Sie spitzte die Ohren und hielt den Blick von Katsu entfernt, als würde sie ihn ignorieren. Zwischendurch musterte sie Lighto. Er war ihr mehrmals ins Augenlicht geraten, dennoch hatte sie ihn nie bemerkt. Er war nicht auffällig, verhielt sich scheinbar ruhig.
Mit einem unruhigen Gefühl erwachte Ayala. Blinzelnd sah sie sich um, suchte mit ihren Augen nach Falk. Er war fort. Sofort richtete sie sich mit aufgestellten Ohren auf.
Wieso war er plötzlich verschwunden ... war er nicht gerade eben noch hier gelegen, bei ihr, hatte die selben Träume geträumt wie sie, hatte sich gesehnt nach dem fernen Land, nach ... ?
Banshee! Die warme Stimme jener hatte sie im Schlaf gestreichelt. Unbewusst hatte Ayala die Worte aufgenommen, deren Inhalt eher weniger von Wärme handelten ... ein Seufzen drang aus Ayalas Kehle. Sie erinnerte sich. Acollon ...
Sie hoffte für ihre Schwester, dass jene keine Enttäuschungen ernten musste. Sie hoffte, sie würde ihn finden. Sie glaubte jedoch selbst nicht daran. Ein Spross der Wot keimte wieder in ihr auf, wuchs an. Kannte sie auch Acollons Motive nicht - in ihren Augen gab es keine Rechtfertigung. Er hatte seine Gefährtin mit den Welpen alleine gelassen - er hatte die Welpen nicht einmal mehr gesehen ...
.oO(Die Welpen! Sie verlässt sich auf uns – und was mache ich – liege hier und döse!)Oo.
Nicht lange und Ayala hatte Falks Fährte gefunden. Mit raschem Tempo näherte sie sich seiner Gestalt, Lighto musste auch bei ihm sein. Lighto! Er hatte sie gerufen, genau! Wie hatte sie das nur vergessen können.
Ein ungutes Gefühl beschlich die Weiße. Eine seltsame aufrührerische Atmosphäre schien am heutigen Morgen auf dem Tal zu liegen. Plötzlich musste sie an Ninn denken – ob sie noch da war? Sie hätte sich doch sicher von ihr verabschiedet – oder? Und wo mochte Eris stecken?
Dieses Gedankenwirrwarr endete rasch, als sie schier an Falk stieß. Fragend sah sie abwechselnd zu ihm und Lighto – und blieb unwillkürlich an einem Blick hängen, der geheimnisvoller nicht hätte sein können. Geheimnisvoll und abweisend … und auf eine bedrückende Weise für ewig gezeichnet. Doch wieso hatte sie seine Anwesenheit nicht riechen können? Ayala verwarf diese Gedanken – was war heute nur mit ihr los?
Und nun erblickte sie eine Fähe unglaublichen Aussehens, die wohl gerade erst dazugekommen war. Jene besaß Nackenfell von einer Länge, das die Weiße noch nie gesehen hatte. Fell war die falsche Bezeichnung, es war etwas wertvolleres …
Ayalas Aufmerksamkeit wurde von Lighto gefordert. Scheinbar beleidigt ging jener ab. Völlig verwirrt versuchte Ayala Herrin der Lage zu werden. Hilflos blickte sie zu Falk. Was, um Himmels Willen, war heute nur los?
Der Graue hatte nicht viel geschlafen.Er hatte nur einen leichten Schlaf und döste nun einfach vor sich hin.Im Schatten hatte er sich niedergelassen.Wo seine Geschwister steckten interessierte ihn nicht.Er würde erstamal abwarten.Schweigend genoss er die Ruhe an einem so warmen Tag.Hin und wieder strich eine Briese durch sein Fell,ansonsten ließ er sich die von Blättern und Ästen abgeschwächte Sonne auf den Pelz scheinen.In den vergangenen Wochen war er mächtig gewachsen und war immer stärker geworden.Er konnte es kaum noch abwarten,das sein Vater ihm alles beibringen würde.Eines Tages würde er genauso groß und stattlich werden wie der Stahlgraue.Die bronzefarbenen Augen öffneten sich und der für sein Alter kühle Blick musterte die Umgebung.Die Sonne schien hell vom Himmel herab,das Wasser des Sees schimmerte und das Rudel hielt sich größtenteils im Schatten auf.Langsam erhob sich der Graue, streckte seine steifgewordenen Muskeln,schüttelte sich den Staub aus dem Fell und blickte zu seinem Vater.Nachdenklich ließ er sich auf die Hinterläufe sinken und leckte sich über Lefzen und Nase.Irgendtwie war ihm langweilig.Er wollte endlich was unternehmen.Fast sehnsüchtig blickte er in den Wald.
Völlig verwirrt senkte der kleine schwarze Welpe den Kopf, verbarg die Schnauze unter den kleinen Pfoten. Er wollte nicht sehen, wollte nicht wissen. Was war das, wer kam der und was sollte das? Er wollte nicht fühlen wollte einfach nicht wissen, nein... Sein Bruder redete irgendwas, doch Cylin nahm es gar nicht mehr richtig war. Das Augenlicht zu Boden gerichtet, zwischend den Pfoten verborgen. Er wollte nicht wissen wer da kam, doch er war da, er konnte es schier körperlich spüren, es machte ihm Angst, große Angst. Er war weder einer von ihnen noch einer von denen ihm bekannten Wölfen. Es war eine einzigartige Gestalt, doch wieso kam er in seinen Träumen vor? Das machte ihm Angst, in seinem Träumen und jetzt auch noch hier, nicht gut, nicht gut, verdammt!
Ruckartig hob der Schwarze den Kopf an, suchte seinen Bruder und folgte ihm mit dem Blick. Wieder sagte er was. Flammen? Wie, Wo, Was? Wo waren Flammen, hier brannte es nicht, er konnte weder Feuer sehen, noch richen noch sonstirgendwas. Also was war mit seinem Bruder? Sonderbar?
Wie Farben aussahen? Farben waren eben Farben, wie sollte er sie erklären? Da gab es Rot, wie Blut oder ja... eben wie Feuer. Und Blau wie der Himmel oder das Wasser, obwohl er gar nicht genau wusste ob es blau war oder nur so aussah, wegen irgendwas. Und dann gabs noch gelb, grün und die ganzen anderen Farben, aber wie sollte er das bitte erklären? Hilfesuchend blickte er sich um, wusste nicht mit sich anzufangen, wusste nicht wie er erklären sollte, dass Farben eben, alle verschieden aussahen, warm und kalt aber irgendwie... konnte der Welpe den genauen Unterschied zwischen ihnen noch nicht wirklich ausmachen. Er konnte sie ja sehen, brauchte es nicht so genau zu wissen, aber sein Bruder. Leicht senkte Cylin den Kopf, er konnte ja die Farben nicht erkennen, aber er sprach von ihnen, Feuer? Sah er feuer? Wollte er wissen welche Farben das Feuer hatte oder wie? Verwirrt neigte er den Kopf zur Seite, vergaß für einen Moment in dem er nachdachte seine zuvorige Angst. Wo konnte sein Bruder bloß Feuer sehn? Hier war doch nichts.
Eine weitere Regung ließ den schwarzen Welpen wieder aufsehen, Die schwarze Fähe Eris, Averic's Paten hatte sich zu ihnengesellt. Sie schien aufgebracht, weswegen? Etwa wegen ihm und seinem Bruder? Hatte sie etwa etwas mitbekommen? Nein, direkt wohl nicht, sonst würde sie nicht nachfragen, und in seine Traum konnte sie ja auch nicht sehen, welch ein Glück, dass sollte niemand! Als sich sein Bruder auf merkwürdige Art und Weise der Schwarzen näherte, sie kurz berühte und sofort wieder zurück stob, blinzelte Cylin leicht, seltsam. Alles war so seltsam, so anders als die Tage zuvor. Erneut richtete der Welpe seinen Blick neu aus, suchte den Platz ab an dem das Rudel lagerte. Und was war da hinten los? Der junge Welpe schauderte als er zwischen den Wölfen die er aus dem Rudel kannte eine Fremde, schwarze Gestalt erkannte. Er schluckte kurz und zog den Kopf ein, blickte seinen Bruder aus den bernsteinfarbenden Augen aus an.
"Er ist da... ich hab ihn kommen sehen... und nun ist er da..."
murmelte er leise. Ja eer wusste das dieser schwarze Schatten die Gestalt war. Aber warum kam ein völlig Fremder den er noch nie zuvor gesehen hatte in seinen Träumen vor? Sonst waren es immer nur die Wesen gewesen die ihn beobachtet hatten, die der Traumtänzer nicht kannte. Und nun diese Gestalt, dieser Wolf... war er einer? Wenn ja war er keiner der anderen, er war anders, etwas Einzigartiges. Etwas was sogleich Angst als auch Ehrfurch in dem jungen Rüden auslöste.
Der Rüde meinte es nicht so,dennoch knurrte er die Fähe pöltzlich mit einer annährenden Agrresivität an.
Warum kommst du überhaupt her,wenn du sowieso nicht bleibst,du streuner?
Bissig sah er sie an.In seinem inneren hoffte er,das sie wusste das er es nicht so meinte.Seine Ohren hatte er feste angelegt und seine Zähne blitzten in der seichten Sonne auf.Er achtete nicht auf den Welpen,und auch nichtmehr auf Lighto.Er würde die Fähe auf garkeinenfall angreifen.Nein das würde er gewiss nicht,doch war er wütend auf sie.Vielleicht hat sie ihm ja gefallen? Vieleicht auch nicht? Vieleicht hatet er sie gern? vielleicht auch nicht?Bastar kannte sie ja nun nciht lange und doch,mochte er sie.Auch wenn sie solche panik vor Welpen schob.Er fragte erst garnihct nach dem Grund.das entscheidente war letztendlich,das er wusste ,das sie eine Streunerin war.Er konnte sich das schon denken.
"Für einen Niemand wirkst du aber verdammt real!"
Der Schwarze entfernte sich ein Stück, so auch Lighto nach ein paar beleidigten Worten. Falk schüttelte den Kopf. Dass Lighto das aber auch unbedingt auf sich beziehen musste! Eigentlich hatte Falk ihn schließlich gar nicht gemeint, er war nur besorgt, besorgt, weil dieser merkwürdige schwarze Rüde im Revier aufgetaucht war, ein Wolf, der keinen Geruch besaß, und noch dazu eine weiße Fähe, die ihrerseits eine unheimliche Aura verbreitete. Falk dachte, dass er sich um Lighto jetzt nicht würde kümmern können. Irgendwann würde er das Missverständnis schon einmal aufklären. Oder eben auch nicht. Letztlich war es Falk eigentlich auch egal. Lighto würde sich niemals trauen, sich mit ihm anzulegen. Falk von seiner Seite aus suchte aber an sich auch gar keinen Streit mit dem weißen Rüden.
Der Hüne erinnerte sich an seine erste Begegnung mit dem weißen Rüden - das war, als er aus den Bergen zurück ins Tal der Sternenwinde gekommen war. Er dachte daran, dass er schon damals den Rüden eher unfreundlich behandelt hatte. Nun gut. Es war jetzt nicht mehr zu ändern. Außerdem hatte er gerade wirklich wichtigere Sorgen. Der Schwarze hatte zwar eben noch so gewirkt als ob er das Revier verlassen wollte, war jetzt aber wie eingefroren vor einer weißen Fähe stehen geblieben, jene fähe vermutlich, der Falk vorhin - ebenfalls nicht sehr freundlich - geantwortet hatte. Der Hüne zögerte einen Moment. Sollte er die beiden nun wegscheuchen? Früher, als er noch in den Bergen lebte, hätte er es einfach getan. Hier war die Situation anders geworden. Es gab praktisch keinen Wolf, der nicht freundlich in das Revier aufgenommen und beinahe ins Rudel gedrängt wurde. Falk hatte das nie gefallen.
Plötzlich spürte er jemanden neben sich. Er fuhr herum - Ayala! Falks Herz klopfte aufgeregt und Wärme füllte seine Brust. Ayala. Sie ließ sich nicht so sehr von ihren Aggressionen und Trieben leiten wie Falk. Mit ihr an seiner Seite würde die Situation nicht aus dem Ruder laufen. Kurz nahm er sich den Moment, fuhr ihr mit der Zunge über die Schnauze.
"Guten Morgen! Banshee ist gegangen, sie will Acollon suchen und hat uns solange die Verantwortung übertragen. Nun, und jetzt haben wir Besuch."
Er stupste sie leicht an, dann ging Falk einige Schritte hinter dem schwarzen Rüden hinterher und rief die beiden:
"Fremde! Ich würde gerne wissen, ob ihr für einige Zeit im Tal bleiben wollt! Wenn ja, dann verhaltet euch friedlich - alle Störenfriede werden von mir persönlich rausgeschmissen."
Was zum...? Bastars Worte versetzten ihr einen Stich ins Herz, welcher es bluten ließ. Bluten... Tränen der Verzweiflung, Wut, Verdammniss. Alles kroch in ihr hoch bahnte sich in ihr hoch. Ihre Augen wandten sich rasant von Bastar ab. Was verstand er schon, nichts! Rein gar nichts! Hatte er das Leben eines Welpen so führen müssen wie sie? Nein, und jetzt fuhr er sie an, weil sie gehen wollte. Ihr Herz hämmerte schmerzend gegen ihre Brust. Bilder, Erinnerungen, Gedanken, Visionen, Illusionen, Vorstellungen und Träume, alles was sie durchlebt hatte kam hoch und erdrückte das leidende Herz. Welche Ironie die Welt an den Tag legte. Man begrüßte sie herzhaft, um ihr dann den Pflock durch das ohnehin schwache Herz zu jagen? Die Meeresgrünen Augen tasteten am Horizont entlang. Warum... Warum war sie es? Eine Streunerin. Ein Niemand, der nicht gesehen wurde... Bemerkt aber ignoriert, unberührt, unsichtbar. Sie wollte gehen, fliegen wie die Alder am Himmel. Wandern über die Berge nur fort von jenen Orten, die sie einst bewanderte, fort von Orten die sie kannte, wo man sie kannte, wo man wusste wer und noch schlimmer was sie war. Die Schatten der Vergangenheit nisteten sich tief in ihr ein... Dann brach es aus ihr heraus, kaum noch zu halten, nicht mehr zu bändigen oder zu widerrufen, es rückgängig zu machen.
"Was weißt du schon! Du hast keine Ahnung was es bedeutet so ein Leben zu führen. Keiner versteht es, weil keiner es verstehen will. Weil Wölfe wie du blind sind! Nur empfänglich für Dinge die sie sehen und berühren können!"
Sie erstickte die Tränen indem sie den Kopf abwandte und sich ruckartig erhob. Ihre Stimme bebte, Trauer, Verzweiflung, Zweifel an sich, Hass gegen die Vergangenheit aber auch Zorn, Wut auf Bastar. Wenn er es wusste, wieso schwieg er dann nicht. Vielleicht wusste er es von Ayala? Ein leichter Groll auf die Weiße blieb nicht erspart. Sie verschwand von ihrem Standpunkt, trieb sich selbst voran. Richtung des Rudels - aber nicht um dort zu bleiben. Ihr Blick hastete nur kurz über die Gruppe. Ob Bastar oder Lighto ihr folgen würden war ihr vollkommen gleich. Sie könnten sie tot beißen, wenn sie es für nötig hielten. Ihr Blick blieb an Eris und den beiden Welpen Cylin und Averick hängen. Erneut stach es in ihr Herz, doch noch viel schlimmer als zuvor... Sie glaubte es zerspringen zu hören, ein Scherbenhaufen ihrer Seele. Wann wohl jemand kommen würde die Scherben fortzufegen? Niemand, genausowenig wie jemand kommen würde ihr helfen die Scheiben wieder zu einem Ganzen zusammenzusetzen. Ein Herz wie aus Sand, und der Sturm, den man gerade in sie hinein gesträut hatte, hatte es zerstört. Jahr um Jahr hatte sie daran gebaut, gearbeitet sich etwas aufzubauen, dass sie Existenz oder Leben nennen konnte. Binnen weniger Sekunden war es zerstört, ihr einziges Hab und Gut - ruiniert.
~*Streuner... verschwinde! Wie anmaßend von mir was es zu glauben, jemals Schutz zu finden. Niemals werde ich ihr entkommen. Geschehenes ist geschehen, kommendes wird kommen. Welch Ironie... Als Streuner in einem Rudel Schutz zu suchen... Ich könnte in einer Wüste nach Regen suchen, in einem Stein nach jemandem, der mich mag... Und die Suche bliebe immer, immer erfolglos... *~
Gedehnt blies sie die Luft aus ihren Lungen und wandte den Kopf ab. Sie spürte wie etwas kaltes ihre Augen verließ und die Schnauze entlang rann. Eine Träne? Sie hatte geglaubt die wären längst versiegt... Aufgebraucht... Würde sich jemand ihrer erbarmen? Sie von dem was man nicht mehr Leben nennen konnte erlösen? Nein - sie musste kämpfen. Doch es viel ihr so unheimlich schwer. Ihr Blick strich in die Ferne. Vielleicht sollte sie das Beste daraus machen und gehen. Kurz wanderte der Blick zurück zum Rudel, prüfend über jedes Mitglied. Vorsichtig setzte sie eine Pfote voran. Wie gern wäre sie umgefallen in einen endlosen Schlaf - bloß fort. Gedanklich sah sie sich schon in der Ferne. Blutenden Herzens fasste sie den Beschluss erst in der Nacht aufzubrechen. Solange würde sie abseits bleiben. Schritt für Schritt entfernte sie sich vom Rudel. Wohin sie ging, es war egal - sie verfolgte sie... Die Vergangenheit. Im Schatten eines Baum ließ sie sich kraftlos nieder. Sie fühlte sich so klein in dieser großen Welt, so schwach unter so vielen... Angst? Nein, das war es nicht. Sie hoffte niemand hätte sie bemerkt - sie den zu ignorierenden Schatten.
Bastars Knurren wurde von Wort zu Wort lauter.
Du weist es nicht.Du weist garnichts über mich und behauptest ich würde nich wissen wie das ist?"
Bastars Augen zeigten entzsetzen wie auch überraschung.Wieso behauptete sie soetwas? War er nicht selbst einmal ein Streuner? Hatte er nicht auch hier her gefunden um endlich eine Familie zu haben?Gerreitzt ,aber vorsichtig setzte er den Kleinen Welpen auf den Boden.Er stuppste ihn an,sah zu Lighto und lief der Fähe schlieslich nach.Bissig maulte er sie an.
Was hast du daon wenn du gehst? Denk doch darüber nach,du könntest hier Freunde finden..eine Familie gründen...warum willst du gehen? Igrendwann wirst du dadrausen jämmerlich sterben und die Geier werde über deinen leblosen Körper herfallen.
Mit einem gewaltigen Satz sprang der Rüde vor die Fähe und versperrte ihr den Weg.Seine Ohren stellte er auf und sein Knurren verstummte.Sanft Sties er sie an der Schnautze an und lächelte.
Geh nicht..was hast du davon immer allein zu sein? SIeht du diese Wölfe?"
Er stuppste die Fähe abermals an und drängte ihren Kopf zurseite in richtung Rudelplatz,woe sich einige Wölfe tummelten,und spielten.
Es könnte dort welche sein,die dich gern haben...warum willst du das wirklich verschenken? Ist es so grausam eine Familie zuhaben?
Er sprach leise und sanft,um die Fähe nicht nochmehr in Schrecken zu verstezen und sie zu verkraulen.Normalerweise hätte er sie gehen lassen,doch wollte er es nicht.Er sah sie fragend an und wartete geband auf eine Antwort.
Lighto schüttelte den Kopf. oO(Musste dieser Streit sein?)Oo fragrte sich der Rüde. Mit einer gelassenen Geste, nahm er bastar Katsu vom Rücken, setzte den kleinen Welpen auf den Boden, lächelte ihm zu und stellte sich dann zwischen die beiden Wölfe.
"Hört auf!!! Dieser Streit ist Sinnlos..."
Lighto hörte bastar reden. oO(Er ändert seine Meinung aber schnell...)Oo dachte er und schüttelte den Kopf. Doch er nickte ihm zustimmend.
"Ninn... Ich darf dich doch so nennen? Bitte bleibe... Gehe nicht... Ich kenne dich zwar kaum, habe selten mit dir zu tun, doch du interessierst mich, bitte bleibe und werde meine Freundin."
Lighto lächelte und sah die Fähe an. Mit einem Nicken zog sich der Rüde ein bisschen zurück und ließ sich neben Katsu Kyoto fallen. Liegend beobachtete er die Wölfe.
Schatten, er tat so gut auf dem schwarzen Fell. Und kaum hatte sie sich einen Platz entfernter des Rudels gesucht um kurz zu pausieren. Wer tauchte auf? Bastar. Wie hätte es anders kommen sollen. Er entgegnete ihr, oder eher er versuchte ihr freundlicher zu entgegnen. Kühl ignorierte sie seine Worte und stierte ins Leere. Da legte man sich schon so weit wie möglich weg, dass man nicht länger ein Dorn im Auge war und wurde dann noch verfolgt. Ironie des Schicksals. Er hatte ihrem Herz einen einmaligen Stich versetzt, er würde sich tief in ihr fest brennen, wie eine Narbe. Als er es wagte sie zu berühren riss sie den Kopf weg. Was fiel ihm eigentlich ein?
"Was fällt dir eigentlich ein? Erst stößt du mir mit deinen Worten vor den Kopf und willst mir dann den Weg verwehren, dessen Entschluss du für mich nur gefestigt hast? Bastar du bist lächerlich! Nicht mehr als eine Witzfigur in meinen Augen! Verschwinde, lass mich in Ruhe. "
Nur selten erhob die verträumte Fähe die Stimme zu einem Knurren, doch dieses Mal tat sie es. Er hatte ihr ganz klar zu verstehen gegeben, dass sie nicht erwünscht war. Was verstand er schon davon? Schließlich war es ihm doch gelungen in eine Gruppe zu finden und akzeptiert zu werden, etwas das ihr nie gelingen würde. Wer wusste schon wie es war, immer wieder vertrieben zu werden, gehasst zu werden, allein der Abstammung wegen, was es hieß eine Welt aus Lügen zu Leben, die ganzen Lügen zu erzählen. Und niemand würde je erfahren was alles hinter den meergrünen Augen war, sich dort hinter verbarg. Augen, die nichts Preis gaben, von nichts erzählten und nur gelegentlich Gefühle spiegelten. Und dieses Mal war es Wut, blinde Wut. Ihre Verzweiflung ließ sie nicht mehr an die Oberfläche dringen, die salzigen Tränen ließ sie ersticken. Eine hatte sie rinnen lassen, niemand hatte sie gesehen. Und es gefiel ihr besser so. Die anderen schluckte sie runter. Eine Welt so schwarz und weiß, dennoch voller Farbe. Sie kehrte Bastar den Rücken, bettete den Kopf auf den schwarzen Läufen und stierte den mächtigen Baumstamm an, vor welchem sie lag. Sollten sie spielen, sollten sie lachen. Sie war kein Teil des Ganzen, nicht von diesem Bild. Sie war ein Stück eines Puzzles, das nicht existierte. Immer noch spürte sie etwas in ihrem Herzen, als würde man so viele, kleine Nadeln in es hinein rammen, wieder heraus ziehen und erneut hineinjagen. Ninn legte die leicht abgerundeten Ohren nach hinten. Er sollte verschwinden, zurück zu diesem Welpen gehen. Welpen… Sie brachte ihnen immer nur Unglück. Wo auch immer sie hinging. In einem Rudel war ein Welpe erkrankt als er sie berührt hatte. Ihre Geschwister waren dem Schnee in der Tundra zum Tode verfallen… Pech klebte an ihr wie ihr Schatten. Sie schloss die Augen für einen Moment und hoffte alles würde jeden Moment enden. Da waren sie wieder… Bilder, gebrochene Träume… Vermutlich waren es nur Illusionen, Halluzinationen. Was hatten Bilder schon noch für eine Bedeutung, wenn man längst vergessen hatte was die Realität für Bedeutungen hatten. Wen man vergaß was Leben ist, so vergaß man was Träume sind. Man vergaß, vergaß sich irgendwann an Dinge zu erinnern bis man sich letztlich selbst vergaß. Und auf diesen Tag würde sie warten. Warten, warten, Stunden lang, Tage, Monate, Jahre. Egal wie lang. Käme erst der Tag an dem sie sich vergessen konnte, ihre Gegenwart, ihre Vergangenheit, so würde der Tag des jüngsten Gerichts ebenso kommen. Sekunden verstrichen, sie kamen ihr Tag ein Tag aus wie Stunden vor. Sie glaubte an keine Zukunft mehr, nicht daran eine Familie zu haben. Und Freunde? Oh ja, Freunde. Die einen daran erinnerten wer man war, die angeblich immer für einen da waren? Nein, an all die Dinge hatte sie Hoffnung und Glauben verloren.
~* Liebe? Etwas aufbauen wie Familie? Nein… dafür ist es zu spät. Zu spät obwohl nicht viel Zeit vergangen ist. Lachen? Freunde finden, Freude durchleben? Nein, die Zeit kennt keine Gnade mehr was dies anbelangt…*~
Nichts von ihren Gedanken drang ans Äußere. Nie, und würde es nie tat. Manchmal würde sie die störenden Gedanken gerne wegwischen, oder sie teilen. Aber es gab niemanden und es würde auch keinen geben. Dafür sorgte sie allein schon mit ihrer Einstellung und ihrem Verhalten.
Der Rüde knurrt die Fähe an.Am liebsten hätte er seine scharfen reiszähne in ihrem Hals versenkt,doch legte er die Ohren zurück und verschwand im dickicht.Niemals hatte man ihn so sehr beleidigt wie heute.Er trabte zurück zu Lighto und lies sich neben diesem Fallen.
Ich habe das gefühl,man kann uns nicht leiden..
Brummte er Lighto zu und sah zu dem Rüden Hoch.Er seuftzte leis eund bettete seinen Kopf dann auf seinen Pfoten..oO(grimmiges Folk..da will man helfen und dann kommt sowas...soll sie doch verschwinden...diese..)Oo.
Er führte die Gedanken nicht zuende und sah zu Katsu.Schlieslich schloss er die AUgen und blieb stumm liegen,der Schweif um sich rum gelegt.
24.12.2009, 14:37
Was war mit ihm los? Der Schwarzen blieb nichts übrig, als das merkwürdige Verhalten des kleinen Kühlen wortlos mit anzusehen. Er gab keine Antwort, schien abgerückt. Sein Blick ebenso, er war nicht klar wie sonst, nicht fixiert, eher so ... als sei etwas vor seinem inneren Augen aufgetaucht, dass ihn in seinen Bann zog. Als Averic dann langsam auf sie zukam, beobachtete sie ihn unruhig. Es war fast, als würde man merken, dass jemand einen Albtraum hatte, es aber unmöglich für einen ist, ihn aufzuwecken und davon zu befreien. Ihr Blick schwang zu Cylin, doch dieser starrte auch nur auf seinen Bruder.
Nun stupste der Schwarze mit seiner kleinen Schnauze gegen ihr Bein und schlagartig konnte sie erkennen, wie sein Blick wieder normal wurde und er sich sogleich zurückzog. Sein Image konnte er ja selbst in solchen Situationen nicht vernachlässigen und obwohl viel größere Verwirrung in Eris herrschte, lockte das ein klitzekleines lächeln auf ihre Lefzen. Doch sogleich kniff sie die Augen zweifelnd zusammen. Seine Antwort war nicht sehr überzeugend, auch wenn sein Zustand eben tatsächlich träumerisch wirkte.
"Ah ja ...",
murmelte sie und keinen Augenblick später, entkräftete Cylin Averics dürftige Erklärung. Eris folgte seinem Blick durch die Bäume und wollte gerade fragen, wen er meinte, als sie ihn sah. Als sie beide sah. Zwei skurrile Gestalten. Einen Rüden, der ein Fell hatte, von noch tieferer Schwärze, als das ihre und der merkwürdig schattenartig wirkte. Irgendwie ... unfassbar, selbst aus der Ferne. Und eine weiße Fähe, neben der Falk irgendwie ziemlich klein wirkte. Nicht von der Höhe her, aber sie hatte eine gewaltige Aura. Eris starrte entgeistert durch en Wald hindurch und verdrängte den gedanken, dass sie sich immer weniger auf ihren Geruchssinn verlassen konnte.
Mit verengtem Blick starrte Face Taihéiyo die übergroße Fähe vor sich an. Er spürte wie sich etwas in ihm zusammen krampfte, wie sich etwas sträubte. Irgend etwas war seltsam an dieser weißen Wölfin, er konnte eine mächtige Aura spüren, doch trotzdem blieben seine Ohren steil und aufmerksam aufgestellt. Merkwürdig... Doch was es genau war konnte er nicht sagen, es musste etwas sein das über das hinaus ging, was er kannte. Keine Regung zeigte sich in seiner Mimik, als wäre er eine bloße Statur mit diesem leeren, totenähnlichen Blick. Der Tiefschwarze bewegte sich nicht von der Stelle, obwohl er immer mehr Blicke spürte, auch das noch eine Wölfin zu dem grauen Hünen gekommen war und dieser Große sie wieder ansprach. Es schien als würde er sie ignorieren, doch eigentlich nahm er sie einfach nur nicht wahr. Irgend etwas hielt ihn klammernd fest, erst als sie ihn ansprach und er die ausdruckslosen Augen schloss, als wolle er nicht mehr sehen was um ihn herum geschah löste sich dies... Oder hatte er sich das nur eingebildet? Nein. Er hatte schon viel erlebt, es gab nichts mehr, was ihn überraschen konnte... Doch langsam öffnete er die Augen wieder, antwortete aber noch nicht, blieb stumm und sah die große Fähe auch nicht an. Sein blick traf irgendwo hin, vielleicht den Boden, vielleicht auch nichts. Erst langsam konnte er die Geräusche wieder hören, die alltäglichen Dinge die um ihn herum geschahen und die Stimmen hallten fern in seinen Ohren wieder. Der Blick leer - und doch funkte kurzes Misstrauen darin wieder - wandte sich Face wieder an die Wölfin vor sich. Ihre Frage... Worauf bezog sie sich? Danach zu urteilen hatte sie irgend etwas mit ihm angestellt, er war doch nicht dumm. Der Rabenschwarze erinnerte sich an das Klamme Gefühl von eben. Wie in Zeitlupe hüllte sich sein linkes Ohr nach außen.
“Was hast du mit mir gemacht?“
Erklang schließlich seine leise und tiefe, aber klare Stimme, wenn sie auch einen vollkommen ausdruckslosen Klang innehielt. Das nach außen gedrehte Ohr zuckte noch ein wenig weiter, zu den Wölfen hinter sich. Von ihm aus konnte dieser graue Hüne sagen was er wollte, dass war ihm egal, aber nicht egal war ihm was die seltsame Fähe vor ihm war. Er hatte keine Lust mehr auf irgendwelche Spielchen in denen er Opfer sein musste, oder irgend etwas der gleichen. Konnte man ihn nicht einfach in Ruhe lassen? Leben tat er nun schon nicht mehr, wollte man ihn selbst im Tot noch weiter quälen? Hätte er nicht schon fast vergessen wie es sich anfühlte würde er fast sagen das seine Seele langsam wütend wurde, oder das er einfach verzweifelte, weil er dem nicht mehr stand hielt. Eher war er schon verzweifelt und zerstörte sich langsam selbst... Doch ändern konnte er daran auch nichts mehr.
Der kleine Träumer starrte immer noch entgeistert auf den schwarzen Rüde und als er sich ein wenig weiter streckte konnte er auch sehen, was dieser so anstarrte. Eine weiße Fähe, größer als er Fähen kannte stand da, dem schwarzen gegenüber. In Cylin verkrampfte sich etwas, sie war genauso sonderbar wie der Schwarze selbst. Gerne wäre er hingegangen, hätte den beiden in die Augen gesehen, vielleicht hätte er ja dann rausbekommen wer sie waren? Der schwarze Welpe machte einen ausfallenden Schritt zur Seite so das er die beiden Fremden aus dem Blickfeld verlor und lehnte sich an seinen Bruder. Es brachte ihm nichts die beiden weiter aus der Ferne zu beobachten, vielmehr würde ihn das nur noch nervöser machen. Er schüttelte den Kopf, nein, dass war nicht gut. Er hörte wie die schwarze Fähe Eris etwas sagte, sah aus den Augenwinkeln heraus wie sie zur gleichen Stelle blickte wie er. Der Welpe sagte nichts, es schien ihm als hätte er schon genug geredet, für diesen einen Tag, es war genug, zumindest für jetzt. Er wusste ja auch nichts genaues, nur das die beiden Fremnden anders waren, doch mehr konnte er eben nicht ausmachen.
Leicht strich sich der Schwarze mit der pfote über die Augen, wischte so die letzten Anmerkungen des Schlafes beiseite. Im nächsten Moment erhob er sich wieder auf die Pfoten, sah hinüber zu einer schwarzen Fähe die er bisher nur aus der ferne gesehen hatte und dem grauen Rüden Bastar, den er zwar auch nicht genau kannte, von dem er aber zumindest den Namen wusste. Schweigsam erhob er sich und stießn seinem Bruder noch einmal freundlich die Schnauze in die Seite, ehe er sich einige Schritte von ihm und seiner Patin entfernte. Die beiden Wölfe schienen zu streiten und Bastar verschwand dann schließlich. Die Ohren des jungen Welpen drehten sich zur Seite und dann wieder nach vorn. Was war da wohl los gewesen?
In einiger Entfernung der schwarzen Fähe ließ sich der Welpe auf den Boden sinken und robbte langsam etwas näher auf die Schwarze zu. Warum er das tat, wusste er selbst nicht, es war einfach so ein inneres Gefühl das ihm sagte er sollte sich etwas vorsichter Nähern. Erst als er nur noch eine knappe Wolfslänge vor der Fähe war, richtete sich der junge Rüde auf, ließ sich auf die Hinterpfoten sinken und beobachtete die Fähe mit den seltsamen grünlichen Augen, die ihn irgendwie an Wasser erinnerten. Still beobachtete er sie weiter, hoffte sie würde nicht alzu Abweisend reagieren. Leicht hob der Schwarze den Kopf an, suchte ihren Blick, suchte ihre Aufmerksamkeit. Wieso? Sie war auch so anders, aber auf eine andere Weise. Die schwarze Fähe war ein Wolf, genauso ein schwarze Wolf wie er selbst, sein Bruder oder dessen Patin Eris. dennoch hatte sie etwas besonderes an sich, noch etwas was der Welpe mit den Bernsteinfarbenden Augen nicht kannte.
Also konnte man es spüren. Konnte man es spüren? Simariel hatte sich zurückgezogen. Sie wollte den schwarzen Rüden jetzt nur von außen betrachten, ihn so kennenlernen, wie er sich vor anderen gab, wollte erst die Schale sehen. Später würde sie noch alle Gelegenheit haben, sein Innerstes richtig kennenzulernen. Wenn er es zuließ. Man würde sehen. In diesem Augenblick jedoch hätte Simariel alles darum gegeben, das Innere des Schwarzen nach außen kehren zu können. Sie wollte wissen, was er jetzt dachte. Denn seine Reaktion war so unerwartet gewesen. Sie passte auf gewisse Art und Weise einfach nicht zu diesem sonderbaren Rüden, wenngleich sie zu jedem anderen Wolf gepasst hätte. Wie nun vorgehen? Wie mehr über den Schwarzen erfahren, ohne ihn dabei zu verschrecken? Wie Vertrauen zu ihm aufbauen? (Sie selbst war sich ja noch nicht einmal sicher, ob sie ihm vertrauen konnte. Keine Erinnerung: Das bedeutete auch, dass jeder ein Feind sein könnte. Oder ein Freund. Wie sehr Simariel diese Zweifel hasste.)
"Also hast du es gespürt, nicht wahr? Nun, gemacht habe ich mit dir gar nichts. Ich habe dich lediglich aufgespürt - ich bin stark sensibilisiert, was geistige Aktivitäten anbelangt. Jeder Gedanke, jedes Gefühl, jede noch so feine innere Regung, praktisch deine bloße Existenz wird mich immer zu dir leiten. Daher weiß ich auch, dass du nicht bist, wie all die anderen hier, die wir gerade anziehen wie das Licht die Motten."
Mit scharfem Blick sah sie sich um. Der Graue, der sie wohl gerufen hatte, eine weiße Fähe, dort noch eine Schwarze... Ihrer beider Ankunft konnte dem Rudel nicht länger entgangen sein. Noch störte sie beide niemand ernstlich, lediglich der wütende Ruf das Grauen hallte durch den Wald und brach sich zwischen den Stämmen der Bäume. Dann wandte sich Simariel wieder dem schwarzen Rüden zu. Dass sie auch ein wenig in seinem Geist gestöbert hatte, verschwieg sie ihm vorerst. Je später jedem ihrer Gegenüber das tatsächliche Ausmaß all ihrer Kräfte bewusst wurde, umso besser für sie selbst. Außerdem war es ja nun nicht ganz so - so, dass sie einfach im Geist eines jeden Lebewesens ein- und ausgehen konnte. An und für sich konnte sie nur etwas an der Oberfläche kratzen. Dadurch erfuhr sie zwar viel, aber all das war nur ein kleiner Teil des Geistes. Bis tief hinein auch ins Unterbewusstsein dringen konnte sie nur, wenn man sich ihr gegenüber auch willentlich öffnete. Der Rest blieb ihr verschlossen.
Sie sah Bastar nicht nach, hatte nichts mehr für seine Worte übrig - nein, sie starrte nur die borkige Rinde das Baumes an, bis auch die ihr zu bedeuten schien, dass sie nicht angestarrt werden wollte. Sacht wandte sie den Kopf ab und bettete ihn abermals auf den schwarzen Läufen. Schwarz, genau wie das, was in ihr Hauste - Schatten. Schatten die alles verbargen, sie wie eiserne Ketten und Schilde um alles in ihr legten. Schemen von etwas Kleinem huschten in ihr Augenlicht. Unmerklich stellte sie Stück für Stück eines der abgerundeten schwarzen Ohren auf. Danach folgte das andere, bis sie den Kopf ein Stück hoch. Ein Welpe? Ihr Herz schlug so rasant an, dass sie hätte glauben können, es wolle ihr zum Hals hinaus springen. So heftig schlug es gegen die schwarze Brust, dass sie glaubte es würde jeden Moment zespringen. Welpen, ein mulmiges Gefühl machte sich in ihr breit. Ihr klebte das Pech am Körper wie ein zweiter Schatten, vor allem was Welpen anbelangte. Stumm entgegnete sie den Blick des ebenfalls schwarzen Wolf, wenn man ihn so nennen wollte. Ein Wölfchen, Heranwachsender. Bersteinfarbene Augen... Sonderbar aber treffend. Ein sichtes Lächeln huschte über ihre Lefzen, dass nicht zu dem traurig tiefem Blick passen wollte. Erinnerungen, so viele Erinnerungen. Nur die Gewissheit, dass ein neuer Tag die Nacht vertrieb, die geliebte Nacht, sonst nur Erinnerungen, bitter und trüb, und immer waren Welpen die Leidträger - sie ausgenommen. Sanft hob sie die Stimme, darauf bedacht nicht in Panik auszubrechen. Zeiten änderte sich. Auch wenn sie es nicht begreifen, oder eher glauben wollte und nicht konnte.
"Ich glaube, du solltest nicht hier sein. Viele in meiner Nähe bleiben nicht lange dort, oft weil kalte Klauen ihnen den letzten Hauch ihres unbenutzen Lebens aus den Augen wischen."
So sanft und leise sie doch war. Sanftmütigkeit, ja, das konnte man ihr auf den Leib schreiben. Eine der Tugenden die das Leben ihr geschenkt hatte, wie auch emense Geduld. Dennoch, sie war sensibel, leicht verletzlich, auf einer Seite auch stur, da sie niemandem ihre Verletzlichkeit, ihre Tränen, ihr Leid zeigen wollte. Und doch lächelte sie, gern sogar wenn es Gelegenheiten gab. Der Groll auf die Weiße Fähe Ayala war abgedusen - vielleicht hatte sie Bastar tatsächlich nichts gesagt? Wieso hegte sie nur Miss- als Vertrauen? Doch der Welpe, sie vermutete, dass es der, den sie Cylin nannten war, er hatte irgendwas. Irgendwas wie ein Band, das vorsichtig tastete nach dem ihren, dass so oft und gerne riss. Anknüpfen, abreißen, zerreißen. Ein monotoner Trott. Dieses Mal schien es anders, oder? War es nicht doch wieder Einbildung?
(( Dein Lob ehrt mich Landana-Käse ^^ ))
Face Taihéiyo hatte bis die weiße Wölfin sprach seinen Kopf ein wenig gesenkt, den Blick dennoch gehoben, was seiner Haltung einen seltsamen Ausdruck verlieh. Vor seinem geistigen Auge erschien wieder das mitleidige, traurige Gesicht dieses kleinen Indianerjungen, die Seele die ihn begleitete, die seine eigene Schützte. Doch der saphirblaue Blick ging durch ihn hindurch, schien allerdings auch die große Fähe nicht mehr zu treffen. Der kleine, tote Freund schüttelte stumm den Kopf und verschwand vor seinen Augen wieder. Was auch immer er ihm hatte damit sagen wollen, Face hörte nicht mehr zu... Er hatte es oft genug getan, irgendwann konnte man einfach nicht mehr. Nur Millimeterweise hob der Tiefschwarze seinen Kopf. Es begann mit einer Sache, doch am Ende interessierte sie nicht mehr. Ja wirklich, jetzt wo er tot war, scherte es doch keinen mehr, dass er mal geboren wurde, oder? Wusste überhaupt noch jemand das es ihn gegeben hatte? Und es war auch egal geworden, wie hart er versucht hatte sich selbst zu helfen. Doch es ging nicht, es ritt ihn bloß immer tiefer in die Scheiße rein und nun – war er hier angelangt, an diesem Punkt. Wäre es ihm möglich gewesen, so hätte nun wahrscheinlich ein kaltes Lächeln seine Lefzen geziert, welches es so eigentlich gar nicht geben konnte. Kein Lächeln das Freude ausdrückte oder Glück, somit wäre es einfach nur schwarz ironisch gewesen.
All diese Gedanken, schwirrten in einem unendlichen Labyrinth durch seine Seele, da sein Körper ja tot war. Und seine Seele wurde schon seid langem von dem Geist des Jungen begleitet und geschützt, darum tauchte er auch immer wieder bei ihm auf. Trotzdem, nachdem die Worte der großen Weißen gesprochen waren wusste Face, dass er aufpassen musste. Niemand, wirklich niemanden gingen seine Gedanken etwas an, niemand sollte sie je auch nur erahnen. Das war seine Sache, nichts weiter. Wer wusste auch nur irgend eine Kleinigkeit über ihn? Niemand. Vielleicht wussten da drei Seelen zumindest ein wenig, doch diese Seelen hatten keinen Körper mehr und nur noch eine war bei ihm. Die beiden anderen mochten im Jenseits oder sonst wo gelandet sein – dort wo er jetzt eigentlich auch sein müsste. Warum? Warum durfte er nicht? Sein leerer Blick richtete sich genau auf die Augen seiner Gegenüber. In einem hatte sie recht. Diese Wölfe konnten sich wirklich nicht um ihren eigenen Kram kümmern. Das einzige was er wollte, war doch nur in Ruhe gelassen werden...
“Wer ist schon wie die anderen... Ich suche nur den mir verwährten Frieden.“
Wer konnte schon mit diesem letzten Satz etwas anfangen? Es war gerade zu lachhaft sich vor zustellen das ein Toter vor einem stand und sprach. Ohne ein weiteres Wort wandte sich der Stille um und schritt in den Wald hinein, so wie er gekommen war. Spätestens wenn er außer Sichtweite war und niemand mehr wissen konnte in welche Richtung er lief würde seine Witterung verklingen, so als wäre sie nie da gewesen. Trotz das er körperlich nichts mehr wahr nehmen konnte verspürte er den Drang nach Rast, nach einer Pause. Und eigentlich gar nicht mal so weit entfernt von diesem Rudelplatz ließ Face Taihéiyo sich unter einem Baum nieder – viel mehr ließ er sich einfach fallen. Den langen, schlanken Körper auf die Seite gelegt zog er die langen Läufe an, den Kopf jedoch drückte er mit dem Kiefer auf den Boden. Sein saphirblauer, gebrochener Blick führte irgendwo in den Wald hinein, traf keinen bestimmten Punkt. Wer ihn jetzt so gesehen hätte, der würde ihn wirklich für tot erklären. Denn da war kein atmen und auch kein Leben. Nur eine Seele. Was sollte er jetzt machen? Wohl gar nichts, oder? ... Selbst wenn er einfach liegen bleiben würde, ändern täte es nichts. Auch wenn er immer weiter wanderte, es gab kein Ende. Es tat so weh, so schrecklich weh. Allein das Denken daran war qualvoller als sein Tot. Er konnte nichts dagegen tun, wer tot war konnte nicht noch einmal sterben, das war unmöglich. Warum wurde ihm nur der Frieden verwährt, wer veranstaltete dieses kranke Spiel? Stumm drehte der Tiefschwarze den Kopf auf die Seite und legte die rechte Pfote so auf seine Schnauze das seine Augen verdeckt wurden. Er wollte nichts mehr sehen, seine Seele sollte aufhören zu spüren, zu denken, sich einfach leeren und ihn schlafen lassen. Ging das? Nein natürlich nicht. Und in der Nähe befand sich dieses Rudel, welches ihm bestimmt gleich wieder auf den Leim ging, selbst von hier aus konnte er sie noch sehen, noch hören. Nur die Bäume und Sträucher konnten ihm einigermaßen Schutz bieten, doch er wusste jetzt schon das es zwecklos werden würde. Doch er hatte nichts zu verlieren, wenn er wollte würde er einfach liegen bleiben, egal was sie mit ihm anstellten, es bewirkte eh nichts mehr. Seinen Namen hatte er nicht genannt, wusste auch den der Weißen nicht, nicht den des Hünen, nur den dieses Lightos. Selbst wenn sie ihn fragen würden wusste der Pechschwarze noch nicht ob er antwortete, oder viel mehr den wahren Namen nannte. Eigentlich war es doch egal. Doch es wäre Verleugnung seiner selbst... Nein, damit würde er erst gar nicht anfangen.
Averic reckte aufmerksam den Kopf als sich Cylin gegen ihn lehnte. Was immer auch da war, er musste aufpassen das es einem kleinen Träumer nicht zu nahe kam. Nur kurz folgte der dunkelblaue Blick des jungen Rüden denen Eris’ und Cylins. Er konnte diesen Fremden sehen und wusste wohl auch sofort von wem sein kleines Brüderchen solche Angst hatte, auch wenn die imposante Fähe vor dem Fremden nicht minder sonderbar war. Doch dieser Tiefschwarze, schien so leblos und er hatte ihn nicht wittern können, es war verrückt. Der Welpe hatte ihn nicht bemerkt. Dieser Fremde hatte so dunkles Fell, schwärzer als sein eigenes, was eigentlich fast unmöglich war. Es schauderte selbst ihm. Allerdings wurde er sofort wieder abgelenkt, da er die Nähe seines Bruders nicht mehr spüren konnte. Hektisch wirbelte sein schwarzweißer Blick herum, fasste den Welpen auf, der sich doch recht weit entfernt hatte. Ohne nach zudenken sprang er auf, ließ seine Patin stehen. Er musste Cylin beschützen! Er hatte Angst, und er fühlte sich für ihn verantwortlich. Sein Bruder war in die Nähe einer schmächtigen, schwarzen Fähe gekrochen mit sonderbar meeresgrünen Augen. Averic wurde langsamer, vorsichtiger da er ihre Worte hören konnte. Sollte sie es auch nur wagen seinem Cylin etwas anzutun... Selbst in Gedanken waren das große Töne für einen Jungspund wie ihn, doch seinen Bernsteinbeäugten würde er mit seinem Leben schützen! Stumm ließ er sich ein Stück hinter ihm auf die Hinterläufe sinken, den Blick kühl und abweisend wie immer, aber auch vollkommen ruhig, wachend. Dieses saphirblau seiner Augen, welches er selbst im eigenen Spiegelbild niemals sehen würde.
Er sagte nichts. Es reichte wenn er da war. Das da eben ein seltsamer Fremder gewesen war hatte er fast schon vergessen, was auch daran lag das er ihn nun nicht mehr witterte. Nur kurz sah sich Averic prüfend um, bevor er wieder still nach vorne sah.
~ "Wieso siehst du immer in die Sonne, Simariel? Immer wenn ich dich seh', dann siehst du in die Sonne. Wieso siehst du in die Sonne?"
"Sag du es mir doch - warum ich in die Sonne sehe."
"Also...ich weiß es nicht..."
"Warum siehst du denn in die Sonne?"
"Ich sehe doch gar nicht in die Sonne..."
"Na, und warum tust du das nicht?"
"Meine Mutter hat mir das gesagt... Sie hat mir gesagt, ich soll nicht in die Sonne blicken. Und ich hab das auch nicht getan."
"..."
"Also, bis ich sechs Monate alt war hab ich's nicht getan. Und dann hab ich doch in die Sonne geguckt. Ganz lange. Und dann war ich blind. Ich hab gedacht, ich könnte nie wieder gucken. Es war nur dunkel um mich. Ich hab gedacht, ich würde die Sonne nicht mehr sehen. Aber jetzt sehe ich doch wieder. Und warum guckst du in die Sonne, Simariel?"
"Also... Ich schätze, gerade weil man es nicht tun sollte, oder? Nein, das ist falsch. Ich hab auch so ein Erlebnis gehabt mit der Sonne. Das war das Erste, was ich wusste, nachdem ich wieder begann etwas zu wissen. Ich sah die Sonne und plötzlich kam mir der Gedanke, dass alles...alles irgendwie zusammenhängt. Das etwas hinter allen Dingen steht. Und wo die Antwort suchen?"
"Das...das glaub' ich nicht."
"Aber es gibt einem zumindest Kraft, oder?" ~
Simariel sah dem Schwarzen nach. Eine merkwürdige Spannung - ähnlich einem Seil, das zwischen ihnen geknüpft war - löste sich in einzelne Fäden auf, wurde schwächer. Die weiße Fähe suchte nach Worten - sie suchte eigentlich immer nach irgendwas: Es war, als ob sie auf eine sonderbare Art und Weise einander sehr vertraut waren und doch einander gleichzeitig weltfremd, entrückt, entfremdet. Entfremdet - Simariel musste es sich leise vorsagen:
"I feel alienated..."
Und in diesem Moment dachte sie, dass es das war, was sie verband: Beide waren sie der Welt auf verschiedene Art und Weise entfremdet. Und beide waren sie Suchende. Jeder auf seine Art. Simariel kannte nicht einmal den Namen des schwarzen Rüden. Und er kannte auch ihren Namen nicht. Möglicherweise kannten sie beide nicht einmal selbst ihre Namen. Möglicherweise wussten sie beide nicht einmal selbst wer sie waren. Wonach sie suchten.
.oO(Und du, Schwarzer - weißt du, was du meinst, wenn du sagst, du suchst den Frieden? Was ist Frieden? Was suchst du? - Und wenn du still bist, wirst du mich in deinem Kopf hören.)Oo.
Für einen Moment erlaubte es sich Simariel noch, einfach nur dazustehen, die Stille um sich herum zu genießen. Manchmal konnte sie es wirklich spüren - wie entfremdet sie der Welt tatsächlich war. Dann kam sie wieder im Alltag an. Natürlich würde sie dem schwarzen Rüden nicht folgen. Er würde kommen - er würde gehen - er würde entscheiden. Stattdessen ging die Weiße auf den Grauwolf und die weiße Fähe an seiner Seite zu. Eine Weile würde sie bleiben. Vielleicht würde ihr jemand hier helfen können. Und auch ansonsten würde sie eine Weile hier rasten können. Simariel trug noch Chaos in sich. Zuviel Chaos für einen weiteren Weg, der ihr gestatten würde, noch mehr zu erfahren, aber ohne sie wissen zu lassen, ob das, was sie erfuhr, das war, was sie erfahren wollte. Vielleicht gab es in diesem Rudel noch einen anderen Wolf wie sie, jemand, dem sie würde erlauben können, ihre Erinnerung wiederzufinden.
Einen kurzen Augenblick - Blinzeln der Zeit - glaubte es Simariel tatsächlich.
.oO(Ansprache an den Grauen, die Weiße.)Oo.
"Ja. Ich werde das Angebot annehmen und eine Weile hier bleiben. Ich bin friedlich. Und ich bin Simariel."
Sie blieb abwartend stehen. So ein paar Namen würde sie dann doch ganz gerne erfahren.
Ayala war dankbar für seine Erklärungen etwas näher an Falk gerückt. Er schien etwas aufgewühlt, jedoch erschien so ziemlich alles etwas abnormal im Vergleich zu sonst. Sie sah wieder zu dem schwarzen Rüden, dessen Geruch sie nicht wahrgenommen hatte ... und dessen Augen von diesem unglaublichen Blau waren. Schnell ließ die Fähe ihren Blick abscheifen - nicht, dass sie jenen zu lange anstarrte - der sofort an der anderen Fremden hängen blieb. Auch sie war irgendwie ... anders als andere Fremde. Auch die Unterhaltung mit dem Schwarzen war irgendwie seltsam, einerseits so, als wären sie sich bereits vertraut, andererseits ...
Ja. Ich werde das Angebot annehmen und eine Weile hier bleiben. Ich bin friedlich. Und ich bin Simariel.
Erschrocken fuhr Ayala auf. Es war ihr unangenehm, als hätte man sie bei etwas Verbotenem ertappt. Sofort verdrängte sie die Fragen und lächelte die Fremde namens Simariel an.
"Jiàye, Simariel, Willkommen."
Fragend blickte sie zu dem Schwarzen. Wollte auch er bleiben?
"Ich bin Ayala, Beta dieses Rudels."
Lächelnd setzte sich die Weiße hin. Irgendwie fühlte sie sich plötzlich viel entspannter. Sie wartete nun auf Falk, er wollte sich sicher selber vorstellen.
Inuki war lange gewandert sie hatte mal s´die ruhe gebraucht und war etwas in der Gegend herumgestriffen auch mal auserhalb des Reviers um einfach mal von allem abzulassen was sie so alles zum Nachdenken gebracht hatte nun streifte sie an der Rudelgrenze entlang und ihr weisses fell schimmerte sachte in der Sonne obwohl sie im Schatten der Bäume dahinlief. Die weisse war wieder mal in Gedanken versunken und nahm ihre Umwelt nicht wirklich wahr leise tat sie eine Pfote vor die andere und richtete den Blick auf den Boden der unter ihr herlief wie ein sachter Fluss. Sie wusste nicht was sie die ganze Zeit so getrieben hatte aber nun wollte sie zurück zu ihrem Rudel das sie schon so lange kannte.. Seit dem Sturm der damals die kleine Welpin so Ängstlich gemacht hatte war im moment nicht mehr da verschwunden.. Schließlich bog sie in das Revier ein und verschwand unter den Bäumen des Waldes. Irgendwo im Wald lies sie sich unter einer Tanne nieder und rollte sich ein. Sie war müde und wollte etwas ruhen ehe sie zurück zum Rudel gehen würde.. Wenn dieses sie nicht sowieso schon witterte.
24.12.2009, 14:38
Langsam begann der schwarze Rüde zu begreifen, es war nicht sein Fehler gewesen. Es war einfach ein Stück Schicksal in das er sich widerwillig gefügt hatte, nicht, dass es ihm etwas ausgemacht hätte, oder ausmachen würde. Er war nur der Tragweite nicht allzu bewusst gewesen, oder anders und vielleicht zutreffender ausgedrückt, ihm war es gänzlich egal. Und obwohl er eigentlich den Lauf des Universums damit geändert hatte, war er gespannt, wie seine Welpen aussahen und wie sie herangewachsen waren, in der Zeit, in der er mit Diablo in den Bergen war und dem Rüden mit dem Meeresgeruch versuchte die Kunst des Kämpfens zu zeigen. Nun war Acollon mit erhobenen Hauptes auf dem Weg, den ihn direkt zu seiner geliebten Fähe führte. Wie sie sich wohl gemacht hatte? War sie immer noch die gleiche weiße geschmeidige, unkomplizierte, geheimnisvolle, hübsche, freundlich und hilfsbereite Wölfin wie er sie zurück gelassen hatte? Unweigerlich stieg ein Glücksgefühl in ihm auf, das sich jedoch eher anfühlte, als würde ein Apfel in ihm gären. Der Gang des Rüden wurde schneller und er sog den herben Duft des Windes tief ein, er spürte die Freiheit, die ihn umgab. Seit er hier in den Bergen war, war er zerrissen, er schätzte die Unabhängigkeit und vor allem seine Ruhe, doch war der Drang so groß, seine Geliebte wieder bei sich zu haben, dass seine Tatzen schon wie von allein den Weg aus den Bergen kannten. Schon seltsam, dass der Wolf des Todes, der Sohn Fernis´, so etwas wie Sehnsucht verspürte.
Der Wald wurde immer dichter, je weiter er sich dem Tal nährte, der Wald wechselte, statt nur karge Nadelbäume, wuchsen nun auch dichte Laubbäume. Der Boden war von einem Beet aus Blättern bedeckt. Ein modriger Geruch zog sich in der Luft. Nun hatte der Wind auch ein richtiges Flüstern, er raschelte Geräuschvoll durch die Baumkronen. In den Bergen gab es nu eintöniges Pfeifen.
Acollon verschwand keinen einzigen Gedanken an Diablo, der nun jetzt alleine weiter durch die Wälder ziehen sollte, um Erfahrungen zusammeln und schließlich als guter Kämpfer zurück zu kehren. Das Training in den Bergen hatte viel von beiden abgefordert, die ständige Eiseskälte, die Einsamkeit, die Naturgewalten und mangelndes Nahrungsangebot. Es hatte einige Tage gedauert, bis Acollon seinen verwöhnten Körper wieder umgewöhnen konnte um mit wenig Nahrung aus zu kommen und die langen Kämpfe mit Bravur zu überstehen. Es war gerade so, als wäre er aus einem lauwarmen Bad in den kalten Schnee geworfen, er lernte wieder viel von sich selbst, entdeckte immer wieder neue Fähigkeiten und Kräfte, die eingeschlummert waren. Der Schwarze war wieder auf dem besten Stand seines Könnens und nun war es auch sicherlich nicht mehr schwer, andere Gewalten aus seinem Revier zu verjagen.
Oft war der Gedanke an Banshee und ihrer Welpen tödlich gewesen, denn immer wenn Diablo und Acollon nach einem Kampf ruhig im Schnee lagen und der eisige Wind sich versuchte langsam einschlafen zu lassen, und er dann noch an sie dachte, wurde es fasst unerträglich. Doch auch so hatte der Schwarze gelernt einwenig seine Gefühle außer Acht zu lassen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Seine alte gewohnte Kälte umgab ihn wieder, die Leere fand wieder Platz in seinen Augen, starr und diesmal fest eingefroren. Sein Körper war von unzähligen Narben geschunden und seit dem er in den Bergen gewesen war, wies er noch mehr Schändungen auf.
Langsam würde es Zeit für einen neuen Körper werden.
Er kam immer näher der Reviergrenzen des Sternentals. Nun wurde alles wieder etwas vertrauter und vor allem wärmer. Die Kälte jedoch, wich nicht von Acollons Seite.
Auf einem Felsen blieb er stehen und richtete seine Schnauze in den Himmel, ließ ein mächtiges kaltes und raues Heulen verlauten. Er war wieder hier.
Der Tod kehrt zurück.
Ungeduldig blickte sich Averic immer wieder zum Wald um, er musste aufpassen, aufpassen das der Tiefschwarze nicht wieder kam und seinem Bruder angst machte. Kühl verengten sich seine dunkelblauen Augen, den würde er nicht vorbei lassen! Allerdings tat sich nirgends etwas, auch Cylin und die schwarze Wölfin schienen Gefallen am Schweigen gefunden zu haben. Ihm machte das nichts aus, im Gegenteil. Doch heute erdrückte ihn diese Unruhe quasi. Irgend etwas lag in der Luft und dafür waren ganz klar die zwei Fremden verantwortlich, wenn nicht sogar nur der Schwarze, welcher wie ein Toter wirkt. Seine Muskeln spannten sich an, sein Blick gehörte gar nicht mehr zu einem jungen Welpen wie ihm. Doch als plötzlich ein mächtiges Heulen vernahm, das einem das Blut in den Adern gefrieren lassen konnte. Und die tiefblauen Augen des jungen Rüden weiteten sich. Das war er! Das musste er sein! Sein Vater war zurück! Hieß das, dass Banshee auch bei ihm war? Hatte seine Mutter Acollon wirklich so schnell gefunden? Averic konnte es kaum glauben, oder hatten sie sich etwa verpasst? Das wäre nicht sehr gut...
Ohne nachzudenken sprang der pechschwarze Welpe auf, warf einen flüchtigen Blick zu seinem Bruder und trabte dann in das Dickicht des Waldes davon. Das Rudel war in Aufruhr, es würde niemandem auffallen wenn der Welpe verschwand um seinem Vater entgegen zu kommen. Und so klein war er schließlich auch nicht mehr, er konnte ganz gut auf sich alleine Acht geben. Beabsichtig huschte der Schwarze in den dunklen Schatten der Bäume entlang, so konnte er besser sehen und die anderen ihn weniger sehen, da sein rabenschwarzes Fell so gut wie darin verschmolz. Nur war es noch dunkler als die Schatten, da es noch recht hell war. Seine Bewegungen mit Körper und den schlanken Läufen passten sich perfekt an den unebenen Grund an, sodass er sich fast lautlos bewegte. Er musste schnell zur Reviergrenze kommen, von wo kam denn der Ruf seines Vaters, wo lag die Witterung? Aufmerksam richtete Averic seine spitz zulaufenden Ohren auf und ließ mit verengten Augen den Blick schweifen. Schließlich entschied er anders und warf im Lauf den Kopf zurück in den Nacken und öffnete den Fang. Er stieß ein lautes, langgezogenes Heulen aus, recht tief und schon ganz passabel für einen Welpen. Es war allein für Acollon bestimmt, für seine Rückkehr. Aber er konnte seine Mutter immer noch nicht wittern. Die raumgreifenden Schritte des jungen Wolfes wurden langsamer bis er schließlich stehen blieb und misstrauisch hinter sich blickte. Da nagte etwas an ihm und zwar die Tatsache das sich hier ein Fremder herum schlich, den man nicht wittern konnte, solange man ihn nicht sah, oder wusste wo er sich befand. Es gab zwar keine Anzeichen, aber vielleicht war er ein Feind? Averic beschloss sich ein wenig vorsichtiger fort zu bewegen, auch wenn er keinerlei Angst verspürte. Das hatte er noch nie, nur vorhin, als diese seltsamen Flammen auftauchten war ihm doch ein wenig mulmig geworden, aber er hatte sie sich gewiss bloß eingebildet, das war klar. Niemand anders hatte sie schließlich gesehen. Einbildung, er musste bescheuert gewesen sein. Töricht und diese Tatsache entlockte ihm ein mürrisches Grollen.
Eris stand da, wortlos abserviert von den kleinen Fellbündeln ... sie konnte es ihnen nicht einmal so verübeln.
Du bist bestimmt eine ziemlich uncoole Patentante, Eris ... Allein das Wort Tante! Und dann kommst du besorgt daher und fragst die beiden aus ... entsetzliches Grauen der Peinlichkeit. Immer schön gelassen bleiben, Erilein, sonst versaust du dir das. Averic ist der Einzelkämpfer, er muss den ersten Schritt machen, wenn denn.
Die Schwarze seufzte ergeben und schaute sich etwas planlos um. Sie wollte nicht nur so dastehen, heute war sie etwas geselliger. Also beschloss sie, mal zu den Fremden und ihrem Begrüßungskomitee zu schlendern. Bereits aus einiger Entfernung bemerkte sie, dass der schwarze Unfassbare schon nicht mehr da war, dafür aber die Weiße, die Eris im Näherkommen interessiert musterte. Da war dieses auffällige Fell, leicht bläulich, wenn sie sich nicht täuschte, vor allen Dingen aber das Nackenfell, was man eigentlich schon gar nicht mehr so nennen konnte und welches bedeutsam zusammengehalten wurde. Es erinnerte sie irgendwie an zeremonielle Ereignisse.
Ayala und der etwas muffelig dreischauende Falk standen bei ihr. Eris verzog die Schnauze, sie hatte sich mehr oder minder damit zufrieden gegeben, dass Falk nunmal so war, wie er eben war und sein Ausreißer nur wölfisch, aber in Gedanken nannte sie ihn insgeheim trotzdem noch des öfteren Kotzbrocken.
"Tag, Ayala.",
sagte sie lächelnd und kam langsam zum Halt.
"Tag, Falk."
Etwas weniger begeisterter Ton. Dennoch nichts, auf das man sie ansprechen konnte. Sie schaute wieder zu der Fremden. Ihr Name interessierte sie. Bestimmt passte er zu ihrer bemerkenswerten Erscheinung. Eris fiel auch auf, dass ihre Augen mehr als nur bernsteinfarben waren, wie es so oft vorkam. Irgendwie schillernder. Aber als sie bermerkte, dass sie die Weiße wohl ziemlich unhöflich anstarrte, senkte etwas unbeholfen den Blick und wandte sich über den Boden wieder an die beiden Freunde.
"Mhh, Zuwachs im Rudel?",
murmelte sie und hörte gleichzeitig entfernt das Rufen eines Rüden, der wohl ständig Präsenz hatte, wenn er doch nie im Revier war. Acollon hatte seine Wertschätzung in Eris Augen nicht gerade aufpoliert. Sie hielt ihn mittlerweile für eine ziemliche Pflaume, eine arrogante unzuverlässige Pflaume, die es nicht verdient hatte, dass Banshee so mit Herz und Seele an ihm hing.
Wie viel Zeit war verstrichen? An dem Rüden war sie wie ein unsichtbarerer Geist vorbei gezogen, wie ein Windhauch der stillschweigend durch sein Fell raschelte. In der Ferne hörte der Welpe, das flüstern der Blätter im Wind, das leise rauschen der Büsche und Sträucher, doch andererseits nahm er dies nur halb wahr. Seine Aufmerksamkeit war auf die schwarze Fähe vor ihm gerichtet. Sie war anders, ja ganz sicher. Aber nicht anders im Sinne dieses schwarzen Rüdens der eben irgendwie anders anders war. Brr, irgendwie ganz schön verwirrend, doch diesmal schaffte es der junge Rüde sich mal nicht von seinen eigenen Gedanken verwirren zu lassen, wie er es doch im eigentlichen so gerne tat. Obwohl tat er es gerne? Es war einfach nun schon öfters so gewesen, ob es extra war, dass wusste er nicht. Egal, Extra hin oder her, dass war jetzt Bedeutungslos. Irgendwie war alles um ihn herum für einige Sekunden bedeutungslos, als wäre es alles gar nicht dar, so unsichtbar für den Welpen. Sonderbar, diese Augen. So ein blaugrün wie er es gar nicht wirklich kannte. Dennoch schien es ihm als würde er in seinen Ohren ads Rauschen des Wassers hören wenn er sie anblickte. Warum? weil sie ihn daran erinnerten? Seltsam, aber irgendwie toll.
Vorsichtig erhob sich der schwarze Welpe wieder auf alle vier Pfoten, blickte unsicher weiter zu der schwarzen Fähe empor, auch als sie einige wenige Worte sprach, wandte er den Blick nicht ab. Wie jetzt, er sollte besser gehen? Warum denn? Kalte Klauen? Letzter Hauch? Häh, was hieß das nun wieder? Der Schwarze wusste es nicht, doch war es ihm egal, im Moment jedenfalls noch. Er wollte nicht gehen, warum sollte er? Wegen ein paar Worten die er nicht wirklich verstand? Kurz zuckte eines der feinen Ohren nach hinten, dann drehte er den Kopf halb herum und blickte hinter sich. Averic war ihm also gefolgt. Ein kurzes Lächeln erschien auf den Lefzen Cylin's. Sein Bruder war wirklich immer für ihn da, wie ein Wachposten und der welpe wusste genau das Averic das nur für ihn tat. Das sein Bruder nur ihn beschützte und das erfüllte ihn mit Stolz und Dankbarkeit für seinen blauäugigen Bruder. Zu den anderen war er immer anders, so kalt geradezu unantastbar, warum das so war, wusste er nicht doch er würde sicherlich später noch etwas Zeit haben darüber nachzudenken.
Die bernsteinfarbenden Augen wandten sich wieder der schwarzen Fähe zu, schlicht setzten sich die Pfoten des Welpen in Bewegung während er sich ihr einige Schritte näherte.
"Sagst du mir, was deine Worte heißen?"
fragte er mit leiser, interessierter Stimme. Seine Ohren zuckten und schließlich hielt er genau vor der Fähe mit den Meeresblauen Augen inne und blickte sie still an. Dieses Schweigen fand er schön, es klang nicht so doll in den Ohren und er verspürte auch nicht diesen Nachhall in seinen Gedanken. Logisch. Wenn niemand sprach...
Mit einem blinzeln wandte er den Kopf noch einmal herum, suchte mit dem Blick seinen Bruder, doch dieser war nicht mehr da. Verwirrt bewegte Cylin seine Ohren zu und zurück und kippte sie dann zur Seite. War sein Bruder etwa dem heulen gefolgt das er eben im Hintergrund gehört hatte, aber nicht hatte zuordnen können? Bestimmt und nun konnte er sich auch Denken wem diese Stimme gehörte die ihn selbst in seinen gedanken erreicht hatte. Es gab nur einen den er kannte und der hier her gehörte der so ein mächtiges Heulen schicken würde. Ein grinsen zog sich über seine Lefzen und er blickte erneut in die Meerblauen Augen
"Mein Papa ist wieder da!"
Ja genau, Acollon wäre der einzige wegen dem sich Averic von den anderen und insbesondere von ihm, seinem Bruder entfernen würde. leicht senkte er den Kopf zu dem tiefschwarzen Fell der Fähe und zog leicht an einer Fellsträhne
"Wollen wir Averic hinterher? Na los, lass uns meinem Papa entgegen kommen, bitte!"
Richtig wollten diese Worte nicht zu dem schwarzen Welpen passen, der doch eigentlich viel lieber vor sich hin träumte, doch er brannte darauf seinen Vater zu sehen und ausserdem vermisste er seinen Bruder jetzt schon, er mochte es nicht von ihm getrennt zu sein. Aber diese schwarze Fähe wollte er auch nicht hier stehen lassen. Also musste sie mit.
Falk stieß etwas hervor, was wie eine Art Gemisch aus trockenem Husten und hohlem Räuspern anmutete. Ihm gefiel das Ganze einfach nicht, er konnte nichts dagegen tun, schon gar nicht seine Instinkte verdrängen, die ihm sagten, dass es das Beste wäre, einfach alle Fremden wegzuschicken, dass sie eine Bedrohung für das Rudel darstellten. Aber es wäre Banshees Wunsch - allen Fremden erstmal tolerant zu begegnen. Und der graue Hüne würde ganz gewiss nicht dagegen verstoßen, aber dennoch - das alles wollte ihm nicht gefallen. Auch Ayalas beruhigende Anwesenheit konnte das nervöse Prickeln in seinen Gliedmaßen nicht vertreiben, so sehr es sich der Hüne auch gewünscht hätte. Widerwillig spürte er sein rechtes Ohr zucken und scharrte wütend mit der linken Vorderpfote den vom Morgentau noch weichen Waldboden auf, schob die Erde zu einem unförmigen Häufchen zusammen und verteilte es wieder gleichmäßig auf dem Waldboden, nur um im nächsten Moment wieder mit dem Scharren zu beginnen. Er konnte den geruchslosen schwarzen Rüden nicht sehen, er konnte überall sein, möglicherweise machte er sich gerade an die Welpen heran. Dagegen stand ihm die weiße Simariel direkt gegenüber und musterte alles mit scharfem Blick. Falk mochte es nicht, dass ihn jemand so ansah, ganz so, als könnte ihr Blick ihn durchleuchten, sein Innerstes lesen. Es schürte sein Wut.
In diesem Moment erklang der Ruf eines ihm bekannten Rüden - es war Acollon, der zurückkehrte. Falk konnte ihn zwar nicht wittern, doch die Stimme erkannte er. Ein wenig erleichterte Falk die Rückkehr des Alphas schon, allerdings fragte sich der Hüne auch, wie schnell Banshee die Rückkehr ihres Gefährten zum Rudel bemerken würde - immerhin war sie aufgebrochen um ihn zu suchen. Falk legte etwas zögernd den Kopf in den Nacken und hieß den Alpha zurück im Rudel willkommen. Dann wandte er sich an den Schwarzen, der aus seinem Blickfeld verschwunden war und rief:
"Fremder! Wenn du im Revier bleiben willst, dann halte dich vorerst in der Nähe des Rudels auf. Da du scheinbar keine Witterung hast, möchte ich dich zunächst im Blick behalten können. Wenn du dich weiterhin friedlich verhältst, dann darfst du dich freier bewegen."
Er drehte sich um zu Simariel, versuchte ihren Blick zu erwidern. Eine steile Falte teilte die Stirn des Grauen.
"Du... Für dich gilt dasselbe. Erstmal."
Erst jetzt bemerkte der Hüne, dass sich Eris zu ihnen gesellte hatte. Er nickte ihr kurz zu, wandte sich dann wieder Ayala zu und drückte sich enger an sie.
Langsam, mit zielstrebigen Schritten, trat der Rüde über die Reviergrenze. Seine Augen waren still auf einen nicht allzu weiten Fleck im Unterholz gerichtet, von dort war ein Heulen gekommen, es klang noch recht jung. Acollon war sich nicht sicher, ob er den jungen Wolf kennen würde, der dem Schwarzen geantwortet hatte, doch etwas Vertrautes lag darin. Die Witterung wurde eindeutiger und klarer, wie Linien, die sich durch die Luft zogen. Und mit einem Schlag wurde Acollon klar, dass er gleich einem seiner eigenen Welpen gegenüber stehen würde. Sicherlich war der Schwarze keineswegs aufgeregt, oder neugierig, in Prinzip regte sich kein Gefühl in ihm, wäre da nicht ein gewisser Stolz gewesen. Dieser Welpe hatte schon bereits in diesem jungen Lebenswesen ein wesentlich tiefes und raues Heulen gehabt-.
Das Einzige, was dem Schwarzen etwas zu denken gab, war, dass er sein eigenes Blut nach ihren Namen fragen musste. Ein leichtes Schmunzeln, welches ziemlcih eingefroren schien, hob sich auf seine Lefzen und ließ ihn leicht irre damit aussehen. Seine Ohren richteten sich ein wenig weiter auf, seine Schultern glitten zurück, es änderte jedoch nicht viel an seinem Anblick, trotz der kühlen gelassenen Haltung, wirkte er imposant und mächtig, trotz seines schmächtigen und schlanken Körpers, war keine Sekunde an seiner Stäke zu zweifeln. Und vielleicht war auch gerade dieses Erscheinen den meisten Wölfen unheimlich. Vielleicht würden auch seine Welpen ihn meiden, was der Schwarze absolut verstehen konnte. Denn der Tod hing ihm nach, jeder Wolf, in jedem Alter, spürte und roch es.
Seine gelblich grauen Augen erblickten etwas Schwarzes im Unterholz. Wie erwartet ein Welpe und unverkennbar sein Welpe, er hatte verblüfende Ähnlichkeit mit Banshee und sogar etwas von ihm. In dem Moment war ihm bewusst geworden, dass es törricht war, zu denken, es wäre ein Fehler gewesen, diese Welpen in die Welt zu setzen.
Der Vater blieb vor dem Welpen stehen und betrachtete ihn, wieder ein leicht unheimliches Lächeln zierte seine Lefzen. Seine kalten Augen fixierten den Pechschwarzen, nicht unfreundlich gemeint.
Wortlos und still verharrte er so, er erwartete keine Willkommensheißung, nein, nach seinem so langen Fehlen erwartete er nicht einmal mehr von Banshee Liebe.
Die schwarze Fähe legte die Ohren leicht an. Sie sollte dem Welpen erklären, was ihre Worte bedeuteten? Hm, wie töricht war es auch zu glauben, dass jeder ihre Wortwahl so verstand wie sie es bevorzugte sie zu nutzen - ein fast unbegrenzter Wortschatz, der allerdings lange brauchte um gehoben zu werden, denn sie bevorzugte es zu schweigen. Dennoch - sie konnte den Welpen doch nicht einfach anschweigen. Oder doch? Rein theoretisch hätte sie gekonnt aber etwas regte sich in ihr.
" Du möchtest wissen, was meine Worte bedeuten? Es ist nicht ganz einfach zu erklären, also.. behelfe ich mir mit wenigen Worten. Von mir geht Gefahr aus, immer, überall. Wie ein zweiter Schatten folgt sie mir. Viele, die mit mir in Kontakt geraten haben nicht mehr lange gelebt. Und ich will nicht noch mehr Leben auf dem Gewissen haben."
Sie hatte kaum anworten können, als der Welpe ihr eine neue Frage stellte. Rufen? Welches Rufen? Hatte sie etwa überhört, dass jemand geheult hatte? Ja, das hatte sie. Sie hatte Acollons Ruf nicht wahrgenommen - an und für sich nahm sie nicht viel wahr, wenn sie nicht gerade ein gesondertes Interesse zeigte. Manchmal waren es kleine Regungen die ihr förmlich ins Auge sprangen und manchmal übersah sie sogar, dass jemand auf sie zu kam. So verträumt und doch wach, versunken in den Träumen und gedanken aber verwurzelt in der schmerzvollen Realität. Gedanken... sie zerfraßen sie innerlich, töteten sie, jede Sekunde, Minute und Stunde etwas mehr - bis irgendwann nichts mehr über wehre. Und sie tat es schon wieder! In Erinnerungen zurückkehren. Erinnerungen die mit einem Schlag Angst in die meeresgrünen Augen jagten - wie Spiegel erzählten sie Geschichten. Tote, so viele Tote. Urplötzlich schnippten ihre Ohren nach vor. Sie sollte ihm folgen? Cylin? Die übliche Tiefe kam in die augen zurück - so leer, tief, als könne man darin versinken, eintauchen in eine Welt, so fremd und doch sooft vertraut. Eine kurze Anspannung durchflog den Körper als hätte man auf sie geschossen, als Cylin sie berührte.
" Ich glaube, das ist keine gute Idee. Lauf du nur, dein.. Vater wird dich bestimmt sehen wollen"
Ein sachtes, eher zurückhaltendes Lächeln flog über ihre Lefzen. Hm. Sie hatte gezögert als sie das Wort Vater ins Maul genommen hatte. Warum? Ein Stechen, als würde man eine Nadel hineinrammen und mit Wucht wieder herausziehen durchschlug ihr Herz und ließ es verkrampfen. Angespannt suchte sie einen Fleck an den sie sehen konnte ohne das Risiko zu haben an ihre Vergangenheit erinnert zu werden.
Averic hatte sich noch eine kurze Weile umgesehen, festgestellt das der mysteriöse Fremde wohl nicht in der Nähe war und dann auch schon das Rascheln von Laub vor sich wahr genommen. Schnell wirbelte er herum, die dunkelblauen Augen misstrauisch verengt, hatte er sich vielleicht doch geirrt? Nein, es war Acollon! Seine Muskeln entspannten sich wieder, doch der Stolz aus seiner Haltung wollte nicht weichen. Es war auch der Stolz, als erster seinen Vater begrüßen zu dürfen. Natürlich musterte er seinen Vater, wollte doch wissen ob er noch so aussah, wie er ihn in Erinnerung hatte. Vernarbt, stolze und imposante Haltung, trotz des schmalen Körpers und kalte Augen. Der pechschwarze Welpe hob den Kopf etwas. Averic war nun 5 Monate alt und ungefähr halb so groß wie sein Vater, den er noch viel größer in Erinnerung hatte. Aber das lag wahrscheinlich daran, dass er ihn das letzte Mal gesehen hatte, als sein Leben erst ein paar Wochen zählte.
Kühl ließ er den Blick von seinem Vater ab und sah kurz an ihm vorbei, prüfte die Umgebung. Seine Mutter war wirklich nicht hier.
“Willkommen zurück Vater, hast du Mama nicht getroffen? Sie ist losgezogen um dich zu suchen.“
sagte der junge Wolf als er sich wieder seinem Vater zuwandte. So lange war das doch noch gar nicht her, hatten sie sich wirklich so arg verpasst? Hauptsache, Acollon drehte sich nun nicht wieder um damit er Banshee suchen konnte. Womöglich würden sie sich nur wieder verpassen. Eine ernsthafte Angelegenheit aber doch irgendwie amüsant sich vorzustellen das beide aneinander vorbei liefen ohne es zu bemerken, doch jetzt war Sarkasmus eher unangebracht. Der schmächtige Welpe mit dem leicht struppigen, schwarzem Fell ließ sich auf die Hinterläufe sinken. Vielleicht würde Cylin ja auch gleich nachkommen, war es ein fehler gewesen sein kleines Brüderchen alleine zu lassen? Den Träumer, den er mit seinem Leben schützte? Hoffentlich tat ihm diese schwarze Wölfin mit den meergrünen Augen nichts, bis eben hatten sie sich zumindest nur angeschwiegen. Darin bestand keine Gefahr, aber nun konnte er kein Auge mehr auf sie werfen, ob es auch dabei blieb. Mürrisch drehte er die Ohren zurück um Geräusche hinter sich auf zunehmen, aber das einzige was er eben noch gehört hatte waren Falks Rufe, die einmal seinem Vater und dem witterungslosem Fremden gegolten hatten. Würde der Tiefschwarze auch auf die Stimme des grauen Hünen hören? Er hatte Cylin angst gemacht, dass war schon ein enormer Grund misstrauisch zu sein, denn normalerweise hatte sein Bruder doch nicht einfach so angst vor Wölfen, ohne das er sie schon zu Gesicht bekommen hatte. Erst hatte Averic ja selbst gedacht, sein schwarzer Bruder hätte das bloß geträumt, doch als er dann da war, schien im ganzen Rudel sofort die Stimmung um zuschlagen. Und jetzt war da auch noch diese überdimensionale, weiße Wölfin aufgetaucht, die Nackenfell besaß, das man schon als Mähne bezeichnen musste. Alles sehr merkwürdig und viel auf einmal. Da musste er einfach vorsichtig sein. Doch jetzt war ja auch der Vater des Pechschwarzen wieder da. Er würde sich schon darum kümmern, oder?
Irgendwann hatte Face Taihéiyo einfach die Augen geschlossen, versucht nichts mehr um sich herum wahr zu nehmen, doch es war einfach nicht möglich. Immer wieder konnte er die Stimmen der anderen Wölfe hören, einmal schall sogar ein tiefes und raues Heulen durch die Luft, auf das ein jüngeres, aber ähnliches antwortete und dieser graue Hüne. Mit müde verschleiertem Blick hob der Tiefschwarze seine Lider zur Hälfte. Die Stimme des Wolfes, der als erster Geheult hatte, erinnerte ihn an irgend etwas, an Flammen und an Dunkelheit, an seinen Tod. Doch was sollte er schon davon halten? Was auch immer... Ihm blieb keine Zeit nachzudenken, da schall schon wieder ein Ruf zu ihm herüber. Wieder dieser Graue. Konnte man ihn denn nicht einfach in Ruhe lassen? Er befand sich doch schon in der Nähe dieses verdammten Rudels! Der Tiefschwarze konnte sie von hier alle sehen. Sie wohl ihn nicht, also wussten sie auch nichts mit seinem Aufenthaltsort an zufangen. Eigentlich konnte er doch auch einfach liegen bleiben, sie konnten ihm eh nichts mehr anhaben, aber so würde er seine Ruhe auch nicht finden. Stumm hob Face sein Haupt mit der rabenschwarzen Nackenkrause und der schmalen, langen Schnauze. Leer blickten die saphirblauen Augen auf den Platz der sich zwischen Sträuchern und Bäumen auftat, dahin sollte er gehen? Ach verdammt... Ihm wurde wirklich nirgends Frieden gewährt. Lautlos seufzend richtete sich der große aber schmale Wolf auf und senkte den Kopf willenlos. Dann setzte er langsam die tiefdunklen Pfoten voran, zwischen den Sträuchern die seine Flanken strichen ohne das er es spürte, vorbei bis zu den Bäumen, welche diese Lichtung abgrenzten. Jetzt mussten diese Wölfe sich nur noch umdrehen, ihn sehen, dann würden sie vielleicht aufhören ihn zu nerven, weil dann wieder die Illusion einer Witterung in Erscheinung treten würden. Allerdings machte sich Face keine all zu großen Hoffnungen darauf. Seinen Namen kannten sie schließlich immer noch nicht. Die Verzweifelung in ihm würde keiner sehen können solange er nicht genau in seine Augen sah und dabei suchte. Der Körper spiegelte kein Gefühl mehr wieder, schließlich war er leblos, tot. Den Blick gen Boden gerichtet lehnte er seinen Kopf an den Stamm des Baumes, konnte die angenehme Kühle welche von ihm ausging nicht mehr spüren, nur noch das innerliche Rotieren seiner Seele. Es war einfach grässlich, dieses Wissen das seine T age nun unendlich waren und es keinen Weg zum Ende mehr gab. Das Labyrinth hatte sich mit seinem Tod ins endlose vergrößert, die Wand mit der Aufschrift „The End“ gab es nun nicht mehr. Aber einen Anfang gab es auch nicht mehr, oder?
Face zuckte augenblicklich zusammen als ihn etwas in der Seele berührte und rasch sah er hinter sich. Da war er ja schon wieder! Hatte dieser kleine Indianerjunge denn gar nicht mehr vor ihn in Ruhe zu lassen? Innerlich brodelte eine Wut auf den Kleinen auf, er hatte doch versprochen ihn zu erlösen! Und was war daraus jetzt geworden? Ein unendliches Leid!
~Sorry Face... I'm awfully sorry, do you hear that?~
Da war auch wieder seine Stimme, gesprochen in der Sprache, die er in dem Indianerdorf ebenfalls gelernt hatte. Er wusste auch, dass es da noch eine andere Indianersprache gab, aber diese war anders als jene Völkersprache. Face wollte nicht hören, warum hatte er das getan? Dafür gab es keine Entschuldigung, er hatte dem Jungen vertraut, mehr als jedem anderen auf dieser grausamen Welt.
.oO°(Go away...)
Antwortete der Tiefschwarze in seinen Gedanken, wandte sich schließlich ab und rutschte mit den Vorderläufen runter. Clouds Arme schlangen sich um seinen Hals, er spürte es nicht und der Junge verschwand wieder. Face zog die Beine an und legte seinen Kopf zu Boden. Von ihm aus sollten die anderen ihn doch für tot halten, vielleicht ließen sie ihn ja dann in Ruhe? Da kein Atem sichtbar war und er sich auch nicht regte... Aber er ließ die Augen geöffnet. Alles weitere war ihm egal.
Die Ohren des schwarzen Rüden zuckten leicht zur Seite als er die Antwort auf seine erste Frage hörte. Er hatte gar keine Antwort mehr erwartet, vielleicht auch, weil der Ruf seines Vaters und das verschwinden seines Bruders die Frage fast gänzlich aus seinem Kopf verdrängt hatte. Aber jetzt fand er die Antwort doch ganz interessant, sie war sonderbar und doch klar und trieb dem Welpen einen kurzen kühlen Schauer über den Rücken. Aber diese Worte... die Fähe sollte für den Tod von Wölfen schuldig sein? Sie sollte Wölfe zu Ihnen gemacht haben? Zu diesen komischen Schatten die ihn immer in seinen Träumen besuchten? Ihre Nähe sollte daran Schuld sein? Und er sollte aufpassen das ihm nicht das gleiche passierte? Das war komisch, irgendwie sehr seltsam, gefiel ihm nicht und trotzdem hatte er keine Angst vor der Schwarzen. Nein, sie war doch wie jeder andere Wolf, also, zumindest so halb, von der Statur und vom Fell eben, dass war eben gleich, aber ihre Augen und ihre Art war anders als der Welpe es gewohnt war, irgendwie trauriger und leerer. Wiese wurden die Augen eines Wolfes eigentlich leer? Und wieso ihre? Diese Frage beschäftigte ihn kurzzeitig, doch wollte er nicht nachfragen, es ging ihn sicher nicht an und er war auch gar nicht so sicher ob er es überhaupt verstanden würde wenn sie es ihm erklären würde.
Doch eine weitere Antwort der Schwarzen mit den Meerblauen Augen beendete den Gedankenfaden und ließ ihn wieder in die Realotät zurückkehren. Sie wollte nicht mit zu seinem Vater gekommen? Aber er sollte ruhig gehen? Ein wenig deprimiert ließ er die Ohren sinken und hob den Kopf zu der Fähe hoch. Sie schien nachdenklich und diese Gedanken schienen keine guzten zu sein. Sie schienen ihr zu Schmerzen, sollte er sie wirklich besser in Ruhe lassen? Kurz trippelte der Rüde von einer Pfote auf die andere, suchte nach einer guten Lösung. Er konnte ja jetzt seinem Bruder nach und seinen Vater Willkommen heißen und später wieder zu der schwarzen Fähe zurück kehren! Genau, so konnte er es machen. Seine Ohren richtete sich wieder auf und kurz bewegte er die Rute demonstrativ, ein, zwei mal hin und her.
"Na gut, dann geh ich jetzt erstmal Averic und Vater suchen. Dann komm ich wieder!"
antwortete er ruhig und schon wandte sich der Welpe auf den Hinterläufen um und tappste in den Wald hinein. Noch einmal kurz sah er sich um, ein kurzes Kribbeln ging ihm über den Nacken. Der sonderbare Schwarze hatte sich wieder in Sichtweite des Rudels gelegt. Brr... der junge schwarze Rüde wandte den Blick wieder nach vorne. Der war wirklich seltsam, lag da wie Tod, jedenfalls sah es von dieser Entfernung so aus. Doch schließlich ließ der Welpe den Rastplatz des Rudels hinter sich und war von den tiefen des Waldes umgeben. Es war irgendwie unheimlich, besonders weil er zum ersten Mal allein durch den Wald wanderte. Kein Averic der ihn beschützte. Keine übermütige Kisha die um sie herum tollte und auch keine Mutter hinter der man sich verstecken konnte. Eigentlich war der Schwarze mit den Bernsteinfarbenden Augen nicht ängstlich, nur versetzte ihn die Größe der Bäume und des gesamten Waldes unweigerlich in eine Art Respektslage.
Die Pfoten des fünf Monate alten Welpen setzten sich immer schneller fort, er hatte keine Ahnung wie lange er lief, er hatte nicht mal einen genauen Plan wohin überhaupt, er folgte einfach nur der Witterung seines Bruders die eben hier lang führte. Doch schließlich teilte sich vor ihm das Laub und sein schwarzer Bruder erschien, genauso wie ein ebenso tiefschwarzer Rüde mit vielen Narben. Das musste er sein, ja das war sein Vater, er war tatsächlich wieder da! Vergnügt sprang Cylin auf seinen Bruder zu, und blieb neben ihm stehen, stieß kurz die Schnauze gegen seine Schulter.
"Averic... "
mit einem Blick zur Seite und zu seinem großen Vater verschluckte er die Worte die er noch weiter sagen wollte. Staunend blickte er in die Augen des großen schwarzen Wolfes vor ihm. Doch auch diese Augen waren anders, wieder auf eine andere Art anders. Oder bildete er sich das alles nur ein?
Der schwarze Rüde betrachtete noch eine Weile seinen Sohn. Hier schien sich viel getan zu haben, im Revier des Sternenwindes. Fremde Witterungen, ihm fremde Wölfe; was allerdings keine große Ausnahme war, Acollon hatte sich nie mit den Fremden beschäftigt, er war ihn eher zufällig begegnet, und im Wesentlichen war ihm es ziemlich gleichgültig, ob Wölfe des Rudels zuwuchsen oder wieder verschwanden. Das, was dem Fenrissohn am meisten merkwürdig und suspekt vorkam, waren jedoch seine Welpen. Der Sohn, mit dem pechschwarzem Fell und dem verblüffend großen Stolz; was Acollon wieder etwas an sich selbst erinnerte, gab ihm zu verstehen, dass er noch länger auf ein Wiedertreffen mit seiner Fähe, der Mutter seiner Welpen, warten musste. Wunderte es Acollon noch? Nein, ihm war selten ein Wunsch gegönnt und wenn, war dieser widerlegt oder in den Wind geschlagen.
Der Hüne zog die Schultern zurück, die Rumpfknochen rieben still aneinander. Sein recht strubbeliges langes Fell wehte im flüchtigen Wind hin und her.
Sein Sohn schien ihm es nicht übel zu nehmen, dass sein Vater für so lange Zeit abwesend war und einen Teil seines Lebensabschnittes verpasst hatte- Banshee hatte gute Erziehung geleistet.
Sein Blick huschte von dem Pechschwarzen zu einem anderen Welpen, der gerade aus dem Unterholz erschien war. Er nannte den stolzen Welpen 'Averic'.
Auch dem neu erschienen Welpen schenkte er versucht zartes Lächeln, welches doch wieder etwas grausam ausfiel. Es war ein seltsames Zenarium, hier traf der Tod auf seine eigenen Welpen, die später vielleicht seine größten Feinde werden konnte. Denn trotz das Acollon zurück gekehrt war, um weitere Zeit bei seiner Geliebten zu verbringen, war irgendwann der Tag gekommen, an dem er wieder morden würde und mit Leib und Seele; wenn gleich er keine hatte; dieser Bestimmung nachgehen musste. Kein Zweifel, er würde seine Welpen vor jeder Gefahr schützen, wenn dennoch sie ihn nie zu lieben versuchen oder gar Sympathie für aufbringen sollten.
"Averic",
wisperte der Schwarze mit rauer und leerer Stimme, die Anstrengung diese Worten auszusprechen, war nicht zu überhören. Lange war er nicht in den Genuss gekommen, sich mit einem Wolf zu unterhalten.
"Eure Mutter und ich haben uns wohl anscheinend verpasst",
es klang recht desinteressiert und argwöhnlich gelangweilt. Er betrachtete den anderen schwarzen Welpen. Er kannte dessen Namen nicht, hatte kaum ein Bild seiner Welpen vor Augen, denn nach der Geburt hatte er die anderen Wölfe gemieden, hatte nur flüchtig seine Kinder gesehen.
Der Schwarze beschloss, Banshee später zu rufen. Jetzt war es erst einmal wichtig, wieder Ordnung in dieses Rudel zu bringen, Strenge und Kontrolle. Mal sehen, wie die Anderen auf ihn reagieren würden. Dieses Schauspiel konnte sich der Schwarze nicht ersparren und empfand soetwas wie Vorfreude, gar Schadenfreude.
Acollon musste, nachdem er etwas Zeit mit seinen Welpen verbracht hatte, Falk aufsuchen, ihn fragen, was in der Zwischenzeit so geschehen war.
"Es mag grob klingen, aber wie war Dein Name?",
fragte er den zweiterschienen Welpen, eine recht merkwürdige Frage, für einen Vater an sein eigenes Kind.
Gelangweilt verdrehte der Graue die bronzefarbenen Augen.Hier war aber auch wirklich nichts los.Zumindest nicht etwas, was ihn interessierte.Seine Mutter schwieg,sein Vater und seine Geschwister ebenso.Tonlos seufzent blickte der junge Rüde in den wald. Wölfe kamen, Wölfe gingen. Ein ständiges kommen und gehen. Aber besonders spannend fand er es nicht.er luschte einem tiefen,rauen Heulen und einem weiter,jüngeren.Desinteressiert schnippten die Ohren.So ein Mist.Warum ignorierten ihn alle?So unauffällig war er immerhin auch nicht.Sein Fell war von grauer Farbe mit ähnlichen Marmorierungen wie die von seinem Vater,einer Nackenkrause,und recht große Pfoten für sein zartes Alter. Nicht zuletzt die bronzefarbenen Augen mit dem gleichen stechendem Blick wie der von Hidoi.Aber auch dieser hatte wohl gerade anderweitig was zu tun.Aber nur herumsitzen und nichts tun wollte der Graue nun auch wieder nicht.Also stand er auf und machte sich auf den Weg die Umgebung etwas zu erkunden.Aufmerksam blickte sich Hikaji um.Die Bäume waren alle so riesig.Er hingegen war bloß so klein.Aber er war sich sicher,das er auch eines Tages groß sein würde.Gleichmäßig bewegten sich die die langen silberweißen Läufe,während die Ohren sich hin und her drehten.Der kühle Blick war zielgerichtet auf den Wald fixiert.Ein paar Blätter die herab geschwebt waren raschelten hin und wieder leise unter seinen Pfoten oder es knackte leise ein Ast.Ansonsten war alles still und friedlich.Für den aufgeweckten Rüden zu ruhig.Natürlich mochte er die Stille,aber auf dauer wurde es ihm einfach zu langweilig.Also machte er sich auf den Weg,der ihn immer weiter in den Wald hinein führte.Viele neue Gerüche strömten auf ihn ein.Hier,mitten im Wald, war es noch ruhiger als beim Rudel.Hier war er ganz für sich alleine,denn das Rudel lag in der anderen Richtung.Auch die Neuen,die er vorhin noch wittern konnte lagen in der entgegengesetzten Richtung.Ob man ihn vermissen würde?Leicht neigten sich die Ohren zur Seite,doch lief Hikaji mit stolz erhobenem Kopf weiter,immer tiefer in den wald hinein.Wohin ihn seine Läufe wohl tragen würden?Noch konnte man ihn einholen,ihn wieder zurück zum Rudel bringen,wo er sich doch nur wieder langweilte.Bei diesem gedanken beschleunigte er seine Schritte.So schnell wollte er nicht seinen Ausflug beenden und wieder zurück zum Rudel.
Den mächtigen Kopf auf die Pfoten gebettet schlief ein großer, stahlgrauer Rüde im Schatten eines Baumes. Die Ohren ruhig nach vorne geneigt, verlieh es dem kriegerischem Wolf sogar einen friedlichen Ausdruck. Wirklich, er hatte sich auch geändert, war nicht mehr so kalt und interesselos gegenüber anderen wie früher. Gewiss trat er immer noch mit Würde und Stolz auf, sagte jedem klipp und klar seine Meinung, aber er hatte sich in dieses Rudel eingelebt und wollte es auch nicht mehr verlassen. Hier lebte schließlich seine Familie, so komisch es auch klang, hier hatte der grausame Bloodyard Wolf eine gefunden und lieben gelernt. Brummend streckte er seine muskulösen Glieder und legte den Kopf seitlich auf den Boden, ließ sich den Pelz von Sonnenstrahlen erwärmen. Dann schließlich weckten ihn die gewöhnlichen Laute des Rudels, mehr oder weniger, es schien doch unruhig zu werden. Prüfend hob Zangyaku Hidoi den Kopf und ließ den stechend gelben Blick schweifen. Nanu? Wann war denn dieser schwarze Fremde hier her gekommen? War hatte der Stahlgraue wirklich so fest geschlafen, dass er ihn nicht gewittert hatte? So musste es wohl sein... Lebte der Kerl überhaupt noch? Er sah irgendwie so leblos und leer aus... Doch einen Toten würden die Wölfe nicht so einfach beim Rudel liegen lassen, hier gab es schließlich Welpen! Apropos... Hidoi spitzte die Ohren und sah wie sich ein grauer Schatten davon schlich. Die neuen interessierten ihn grade weniger, auch Acollons Wiederkunft war für den großen Wolf nicht von Bedeutung. Er sollte sich nach so langer Zeit des Wegbleibens auf jeden Fall nicht gleich wieder als großer Alpha aufspielen, dass hatte er nicht verdient. Ein Grummeln verließ seine raue Kehle. Wo war eigentlich Banshee? Scheinbar hatte er die Ereignisse der letzten Stunde vollkommen verschlafen, aber das Wetter lud auch grade dazu ein.
Rasch erhob sich der kräftige Hüne und setzte seinem Sohn nach. Wohin sollte denn diese Reise gehen? Und das ohne Bescheid zu sagen. Seufzend beschleunigte Hidoi die Schritte seiner großen Pfoten, kam recht schnell voran. Lange musste er nicht laufen, da konnte er schon das hellgraue, von dunklen Schlieren durchzogene Fell Hikajis sehen. Lautlos schlich er von hinten an den jungen Welpen heran und stupste ihn dann kräftig, aber nicht grob, eher neckisch nach vorne.
“Na mein Sohn, wo soll’s denn hingehen?“
Nicht sonderlich beruhigt der Worte Cylins wegen wandte sie die Ohren leicht zur Seite und ließ ihre Erinnerungen vorerst nicht wieder die Überhand gewinnen. Er wollte wieder kommen? Schwer das zu glauben, wo doch so viele es versprochen hatte und nie einer dieses Versprechen gehalten hatte. Nicht einer... kein einziger. Sanft wandte sie den Kopf von der Richtung ab, in welche der schwarze Welpe entlaufen war. Schwermütig sog sie die frische Luft in ihre Lungen. Was suchte sie hier? Es war nicht einfach in einer Gruppe zu leben, zu der man keinen Kontakt aufbauen konnte, nicht einfach eine Freude zu empfinden, wenn ringsherum alles zwist und dunkel ist, nicht einfach Freund von Feind zu unterscheiden, wenn doch jeder beides ist, nicht einfach zu leben, wenn doch der Tod hinter einem Stand - nach einem rief. Wo er wohl war - der Tod? Ob er kommen würde um sie zu holen? Die Fähe nickte nur leicht, kaum sichtbar und drückte sich langsam und gemäßigt auf die vier schmalen Pfoten zurück. Wie konnte sie hier ruhig herumliegen, wenn so viele weinten, trauerten. Wie konnte sie so herum liegen, wo andere nicht die Chance hatten ihren Geliebten Lebe wohl zu sagen? Dass sie anderen Wölfen noch in die Augen sehen konnte verstand sie nicht. Und jeder Andere wohl auch nicht. Mied man deswegen ihre Blicke? Vielleicht... es wäre doch bloß ein weiterer Grund unter unzähligen. Wer einen suchte fand auch einen - so war das Leben. Und ändern konnte sie ganz sicherlich nichts mehr daran. Ihre Ohren blieben schlaff hängen, während sie eine Pfote vor die andere setzte, gemäßigtes Tempo. Sie hatte es nicht eilig. Zeit hatte sie genug. Irgendwann hätte sie begonnen, irgendwann würde sie halt enden. Ob heute, ob morgen. Ganz gleich - wo bestand der Sinn in Hecktick, selbst das hatte keinen Sinn - und daran konnte sie ebensowenig ändern wie am Lauf der Dinge. Die grünen Augen tasteten sich vorsichtig an Sträuchern entlang. Wohin sie ging? Das wusste sie nicht, hatte es nie gewusst seit sie aufgebrochen ward und wirklich interessiert hatte es sie auch nie. Man wanderte, wanderte, wanderte - ein Ziel gab es nicht. Wünsche und Hoffnungen - gab es nicht. Wärme - gab es auch nicht. Was zur Hölle gab es überhaupt?! Ja, Angst, dass war ihr klar. Angst, Tod, Kälte. Egal - sie wollte wissen was es gab, dass das Leben zum Leben machte. Nicht was es unerträglich machte. Aber Antworten gab es nicht - nie, wie immer. Ihr Blick richtete sich zum Himmel. Seufzend gestand sie sich ein, dass das Vogeldasein ebensowenig ihre Welt sei, wie das Leben, das sie hier vor sich hinlebte. Ihr langer Schwanz strich matt über den Boden, Laub flog kurz auf, legte sich wieder hin. Ein Kreislauf, ein Gefängnis - ein beendetes Leben. Anfang - Ende - Neubeginn. Sinnig? Nein. Wieso dachte sie über all das nach? Interessierte sie das alles? Möglich, sonst würde sie es nicht tun. Wie fühlte es sich an tot zu sein, wieder zu leben, oder immernoch? Es war keine Neugier, die in ihr aufstieg, etwas anderes. Ein Durst an Fragen, der mit Antworten gestillt werden wollte. Aber was sollte das alles? Es gab keine Antworten, nur auf die Fragen, die sie nicht stellte, weil sie wusste, was die Antwort war, ohne darüber nachdenken zu müssen. Jäh wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. Wasser, direkt unter ihrer linken Vorderpfote. Sie schreckte zurück und sah gen Boden. Bloß eine Pfütze. Sie senkte den Kopf hinunter - ihr Spiegelbild. Starre Augen spiegelten sich, als würde jemand anderes sie ansehen. War sie das? Das konnte nicht sein, es durfte nicht. Ihre Augen - glanzlos, vollkommen leer. Als sie einst ins Wasser geblickt hatte war es doch anders gewesen. Geknickt seufzte sie, schloss für einen Moment die Augen. Warum? Wer trieb hier ein übles Spiel mit ihr, als sei sie ein Ball, den man nach Lust und Laune hin und her werfen konnte. Sie öffnete die Augen wieder und hob den Kopf. Mit einem kräftigen Schritt zerbarst sie ihr Spiegelbild und schritt darüber hinweg. Quälerisch schleppte sie den seltsamerweise entkräfteten Körper voran. Baum für Baum strich an ihr vorbei - oder war sie es die vorbeistrich, wie die Zeit? Nein, dummer Vergleich. Sie war nicht die Zeit - vielleicht ein Teil davon. Ruckartig blieb sie stehen. Passte sie nicht dazu? Zu der Natur und der Zeit? Sie war doch bloß ein Puzzleteil zu einem bisher nie gefundenem Puzzle. Vielleicht war dies das Bild in welchem sie fehlte! Obwohl - es war zu absurd, zu unecht. Wie ein Traum. Sie schüttelte unweigerlich den Kopf und schritt weiter. Ob sie nun im Kreislief, einfach im Sternenwindtal herum oder aber auf die Grenzen zu wusste sie nicht. Vermutlich würde sie es nicht einmal merken, wenn sie die Grenze verließ, wenn sie lange nicht mehr bei diesem Rudel war, in welchem sie nie Teil werden würde. Sie passte nicht zu ihnen. Von Geburt an war sie einsam, allein. Und jetzt? Jetzt war da eine Gruppe, eine Gruppe, in die sie nicht hineinfinden konnte, obwohl man ihr offene Arme gab - Eintritt gewährte. Sogar verhindert hatte, den Wunsch zu Gehen in Zwiespalt gezogen hatte. Unsicherheit. Wollte sie wirklich gehen? War es das, was sie wollte? Ewige Wanderschaft, irgendwann tatsächlich nur noch eine gepeinigte Seele die in einem hohlen Körper schlief, weil sie den Weg zum Ende nicht mehr nehmen konnte sein? Barsch drückte sie die Kiefer aufeinander. Nein, wollte sie nicht! Ein hönisches Lachen dröhnte in ihrem Kopf, fragte, was sie denn wollte? Was sie wollte? Ruhe, einfach Ruhe, Frieden. Egal - Einsamkeit, wenn sie denn das versprach wonach ihr Herz so traurig rief. Verschollen die Träume, in Visionen gewandelt. Vielleicht Illusionen, das wusste man nie so genau. Sie war anders, das wusste sie. Sie wusste es nur zu gut. Ihr Blick fiel nur knapp zurück über die Schulter. Sie konnte das Rudel noch wittern, aber nicht wirklich sehen. Den Kopf wieder abwendend suchte sie etwas. Was genau wusste ihr Kopf nicht, nur ihr Herz, und das ignorierte sie generell vom Kopf aus. Sie redete nicht mit ihm, hörte nicht auf seine Worte und sah nicht, was es ihr zeigte. Oder eher - sich versuchte es. Ihrem Herz zu trauen hatte sie schon in große Schwierigkeiten gebracht. Dumme Erinnerungen. Tunichst verscheuchte sie die üblen Geister wieder, die kurz davor waren wieder die Überhand zu gewinnen und ließ sich letztlich weit abseits fallen. Egal wo sie war, wenigstens war es ruhig. Für wie lange wohl? Auch egal... seien es nur wenige Minuten. Ihr folgen würde ohnehin niemand. Von daher... oder? Vielleicht der Welpe. Aber wieso sollte er? Sie war für ihn ebenso nur eine Fremde. Auch wenn der Welpe etwas in ihr bewegt hatte, ihr war für einen Moment von tiefer Trautheit das Gefühl. Als hätte etwas ihrer Seele einen leichten Stoß versetzt. Der gebrochene Geist, irgendwo in einer dunkeln, verhangenen und vergessenen Ecke hockend wie von einer warmen Hand berührt, von kleinen Fingern. Doch das Gefühl gefror nach kurzer Zeit. Nein - diese Eisschicht zu brechen verlangte mehr, mehr als nur ein paar warme Worte. Am Besten das Löschen aller Erinnerungen... aber leider war gerade das nahezu.. unmöglich.
Lighto, der Rüde mit dem weißen Fell ärgerte sich. Er ärgerte sich über Falk, der ihn, seit er ihn kannte, mies behandelte hatte, er ärgerte sich über Bastar, überhaupt, das ganze Klima im Rudel war so gereizt und feindselig, dass Lighto in seinem Inneren einen wachsenden Unmut zu verspüren begann. Er sah Katsu Kyoto neben sich an, er dachte an Alienna, die er mochte. Es hätte schön werden können, aber Lighto hatte das Gefühl, dass es hier im Revier einfach zu viele Wölfe gab, die ihm das verderben wollten. Und als Resultat dieser wütenden Gedanken begann in Lighto die Idee zu keimen, dass er einfach gehen könnte. Die hier zurücklassen würde, in ihrem eigenen Saft schmorend. Ein Lächeln glitt über seine Lefzen, dann stand er auf, stupste den Welpen neben sich noch einmal kurz an. Alienna - um sie tat es ihm leid. Aber er würde sie nicht drängen mit ihm zu gehen. Wenn sie seine Fährte wahrnahm - vielleicht würd sie ihm folgen. Lighto zumindest würde ein Stück außerhalb des Revieres ein paar Tage auf sie warten. Und dann würde er gehen. Es wäre ja nicht das erste Mal. Ein letztes Mal sah Lighto sich um, dann ging er hoch erhobenen Hauptes davon. Zu beschäftigt war das Rudel, als dass es den fortwandernden Rüden bemerken würde.
Die weißen Pfoten setzten nach einander auf den Laubbedeckten Boden, leicht und gezielt gesetzt. Geschmeidig schwang die Kruppe mit. Das lange braune und weiße Fell war zerzaust und struppig. Der kühle Rüde war einem Wolf nicht unähnlich. Der Stolz der Freiheit blühte genauso in seiner Brust, der Gang war fast der Gleiche, die Wachsamkeit hatte keine Lücken und die Lebensart war genauso in ihm geboren. Doch Sirius war kein Wolf, zumindest kein reinblütiger. Seine Mutter war eine Hündin gewesen, sein Vater war reiner Wolf.
Das Leben allerdings, als Halbwolf, war alles Andere als angenehm zu leben. Es stellte Fallen und schenkte ihm nur Missgunst. Kein reiner Wolf schien sich mit einem anderen Artgenossen einer fast gleichenden Gattung verstehen zu wollen. Auch seine Mutter wurde von anderen Wölfen getötet, mit der lächerlichen Begründung, sie sei eine Missgeburt der Natur, geformt von Menschen Hand. Das Alles stärkte den Hass in der Brust des Mischlings und trieb ihn in einem nie enden wollenden Wahnsinn. Die Wut, die immer seine Brust hochschnellte, wenn er einen Wolf sah, erwürgte ihn beinahe und stahl ihm jedes vernünftige Argument nicht auf ihn loszugehen und zu töten, so wie sie es mit seiner Mutter getan hatten.
Und so war es für den Mischling nur leichter und vor allem gesünder, andere Wölfe zu vermeiden. Was aber nicht hieß, dass die Sehnsucht nach einer Familie, nach Freunden und nach einem Zuhause einfach erloschen war. Nein, dieses einsame Verlangen suchte endlich Befriedigung. So war der Rüde zerrissen, gefangen in einem Körper, der nichts Ganzes war.
Sirius hatte in den schwersten Tagen auch oft an Selbstmord gedacht, doch wenn er ehrlich zu sich selbst war, wollte er noch nicht sterben, seine Verzweiflung war enorm, doch er war noch nicht dem Selbstmitleid zerfallen.
Die Suche nach einer neuen Heimat erwies sich als problematisch und sehr schwierig. Er fand bei keinem Rudel Unterkunft, da auch sie Abstand zu einem Halbblüter hielten, wenn gleich sie doch immer höflich und aufmerksam waren, wenn er gesprochen hatte, doch die Abneigung und die Angst ihm gegenüber war nie verschwunden. Nun war er verdammt von Rudel zu Rudel zu ziehen, um die Hoffnung, irgendwann ein Zuhause zu finden, nicht sterben zu lassen.
Der Rüde ließ seinen Blick über den Horizont schweifen, die so blauen Augen suchten nach einem Zeichen des Winters, doch es war noch weit entfernt, bis die Traurigkeit, der lange Schlaf einsetzen würde und er für keinen wirklichen Wolf mehr relevant war. Denn wenn Winter war, fühlten sich die Reinblüter immer sehr wohl und waren auch viel aufgeschlossener.
Die Sinne des Hünen schärften sich und er spitzte die Ohren, die Witterung anderer Wölfe lag in der Luft, sofort spannte sich sein ganzer Körper an und er fiel ins alte Muster, mit einem Knurren auf seinen Lefzen sah er umher. Die langen Nackenhaare waren gesträubt und seine Ohren waren tief angelegt, die Rute schlaff herabhängend. Erst nach ein Paar Momenten konnte er sich zusammenreißen und beruhigte sich ein wenig.
Sirius, bleib ganz locker. Wenn sie dich hier nicht haben wollen, dann ziehst du halt weiter. Oder du setzt dich einfach mal durch.
ermahnte sich der Rüde selbst. Sein Atem wurde wieder flacher und sein Nackenfell legte sich wieder flach. Noch war kein Wolf zu sehen, einige Pfotenabdrücke waren in den Boden gebohrt.
Wenn ich etwas nicht leiden kann, dann ist es der Gestank der Reinblüter. Ihre Arroganz trieft selbst aus ihren Poren. Widerwertig.
Der Hüne streckte seine Schnauze in den Himmel, hielt kurz inne, nahm seinen Mut zusammen und stieß ein lautes und recht kräftiges Heulen aus. Doch ohne Antwort abzuwarten überschritt er die Reviergrenze. Er nahm rechtherzlich wenig Acht auf die Regeln und Höflichkeitsformen der Reinblüter.
Sollen die sich nicht so anstellen, schließlich nehmen sie es eh nicht so genau, mit den Vorschriften des Lebens und töten einfach unschuldige Mitgenossen
Sicher, seine Mutter war zwar keine reine Wolfsfähe gewesen, aber sie stand den anderen Fähen nie in etwas nach. Sie hatte Stolz gehabt und vor allem war sie bildhübsch gewesen.
Der Hünen stieß noch einen Heuler aus, mehr als Siegesruf. Er würde sich diesmal nicht unterkriegen lassen, in guter Rache für seine Mutter.
Nirian wältzte sich am Boden. Lange war er nciht mehr hier gewesen. Er sah schwach aus,und das war er auch. Sein Fell war struppig und zerzaust, seine rechte Vorderpfote gebrochen. Aus seinem Maul tropfte Specihel und vermischte sich mit dem Blut unzähliger Wunden an Nacken, Bauch und Beinen. Er hatte doch nur dem Ruf seiner Welpen, seiner Gefährtin, seiner Freunde folgen wollen, als er loszog. Nach unzähligen Stunden des Wanderns hatte er sich verirrt und kam nach mehreren Wohen wieder zurück zum Sternenwind-Rudel. Langsam stand er auf, folgte der Witterung des ihm so fremden und doch so vertrauten Rudels und stieß plötzlich auf einen Halbwolf. Der Rüde begann zu knurrend. Grollend, Drohend, etwas schleifend und vielleicht etwas stumpf, aber eindrucksvoll. "Wer bist du? Was willst du?" fragte er mit kalten Unterton. Seine Augen hafteten auf dem Fremden. Knurrend und Zähnefletschnd stand er da vor dem Fremden...
[Sry, wa ja längere Zeit nciht da und will mir jetzt nicht alle Beiträge durchlesen -.- Kann mir irgendjemand eine kurze Zusammenfassung schreiben?]
Gerade noch war der Jüngling in Gedanken darum versunken,was wohl passieren würde,sollte man sein Verschwinden bemerken,als er aus dem Nichts angestubst wurde. Er wollte gerade sein Gewicht mit seinen Vorderläufen auffangen, als er über eine Baumwurzel stolperte und kopfüber über den Weg purzelte. Doch sofort richtete sich der Garue wieder auf und wollte gerade den kleinen,mit spitzen Zähnen gesäumten fang öffnen,um laut los zu fluchen und eine Schimpftriade los zu lassen, als er seinen Vater erkannte.Vor Schreck atmete er viel mehr Luft ein,als er brauchte,was zur Folge hatte,das er sich kräftig verschluckte.Er hustete und schnappte nach Luft. So ein Mist.Er war zu unaufmerksam gewesen...Aber den Hünen hätte wohl auch ein andeerer an seiner Stelle nicht bemerkt, so wie Hidoi geschlichen war.Wahrlich unglaublich...Eine Welle der Faszination schwappte über ihn weg.So wie der Stahlgraue wollte er auch werden.genauso mutig und stark,wie er es war.Er war so fasziniert,das er die Frage Hidoi's fast vergass.Leicht wich er vor dem Großen zurück.
"Ähm...Ich..."
stotterte er,während er seinen Blick nicht von den gelblichen Augen lösen konnte.Was sollte er tun?Er saß in der Klemme.Seinen Vater auszu tricksen erschien ihm schier unmöglich.
.oO(Sei mutig Hikaji.Du wirst nie wie dein Vater werden,wenn du jetzt kneifst.)Oo.
In Gedanken sprach er sich kurz Mut zu,öffnete dann seinen Fang mit den dunklen Lefzen um zu antworten.
"Ich wollte etwas spazieren.Es ist so langweilig..."
Nicht sicher,was sein Vater dazu sagen würde,blickte er ihn an.Er hatte kein interesse wieder zurück zum Rudel zu gehen.Er wollte lieber die Umgebung erkunden.Oh,wie sehr wünschte er sich,schon größer zu sein...Er wollte nicht immer der Kleine sein,auf den man aufpasste.Er konnt selber auf sich acht geben.Ein Ohr schnippte leicht als eine Biene sich darauf nieder ließ.Es würde wohl so warm bleiben,da war er im Wald,wo es schittiger und kühler war,deutlich besser aufgehoben.
Leicht grinsend stand der stahlgraue Hüne noch vor seinem Sohn, den Kopf aufrecht gehoben sahen seine stechend gelben Augen auf ihn herab. Den Respekt Hikajis hatte er, das freute ihn irgendwie. Doch dann schnippte langsam eines der abgerundeten Ohren nach vorne und er erhob die Stimme.
“Pass auf, du hörst das sicherlich nicht gerne, aber ohne Begleitung sollst du eigentlich noch nicht in den Wald gehen und schon gar nicht ohne Bescheid zu sagen.“
Sprach er in einem ernsten Ton, auch wenn er innerlich überhaupt nicht böse war. Einen kurzen Augenblick sah er seinen Sohn noch scharf an, dann lachte er kurz und stubste ihn an. Er hatte ja Recht, es war wirklich langweilig einfach nur beim Rudel herum zu liegen. Es sprach sicherlich nichts dagegen wenn sie beide ein wenig durch den Wald liefen und sich die Pfoten vertraten. Schließlich wollte der muskulöse Wolf auch nicht einrosten. Beim Rudel lag im Moment so eine seltsame Stimmung, er hatte auch noch die Stimme Acollons im Kopf, dem schwarzen Alpharüden lief er nicht so gerne über den Weg. Das letzte Mal war es fast in einen Streit ausgeartet, aber Angst? Sowas kannte er nicht, dieses Wort existierte in seinem Wortschatz überhaupt nicht. Das Hanako auch irgendwie weg war machte ihm schon zu schaffen, doch glaubte er das sie bestimmt bald wieder kam. Sie würde ihn doch niemals mit den Welpen sitzen lassen, so ein Quatsch. Hidoi wollte grade den Kopf zu Hikaji hinunter neigen um ihm zu sagen, dass sie ja noch ein Stückchen weiter gehen konnten, als er ein Knurren weiter hinten zwischen den Bäumen wahr nahm. Richtig, das Heulen von eben hatte er fast überhört, da war doch was gewesen, kurzer, inhaltsloser Ruf der irgendwie gar nicht wirklich zu einem Wolf passen wollte. Schon wusste er nur von Wölfen das sie so kräftig heulen konnten, aber da schien noch etwas anderes zu sein. Ein Mischling? Hidoi verengte die Augen, nickte seinem Sohn kurz zu und lief dann an ihm vorbei, den Kopf leicht gesenkt und doch in einer imponierenden, straffen Haltung. Dieses Grollen kannte er doch auch von irgendwo her... Der kräftige Hüne musste nicht weit laufen da konnte er schon diesen Fremden von damals sehen, der sich eingeschlichen hatte um an die Welpen zu kommen. Alleine diese Tatsache löste in ihm schon ein brodeln aus. Hatte er von seiner Abreibung, die er ihm da verpasst hatte, noch nicht genug? Und warum fiel er gleich den Neuankömmling an, der doch grade erst das Revier betreten hatte? Sein stahlgraues Fell stellte sich bedrohlich aus und seine Lefzen legten sich in gefährliche Falten. Mit kräftigen, raumgreifenden Schritten trat er zu den zwei Wölfen hinüber, einer ein seltsam Brauner mit unglaublich hellen Augen. Doch in diesem Moment war er eher auf den anderen fixiert.
“Wenn du das nicht sofort unterlässt spürtst du meine Zähne in deiner Kehle!“
knurrte Hidoi laut und verengte die Pupillen zu kleinen Schlitzen. Mit ihm legte man sich besser nicht an und schon gar nicht, wenn man schon einmal schlechten Eindruck bei ihm gemacht hatte und der erste war Weißgott nicht der Beste gewesen. Seine Drohung bekräftigend schnappte er nach dem zerrupften Wolf und ließ kurz vor ihm seinen kräftigen Kiefer aufeinander krachen.. Vor allem in einem solchen Zustand hatte dieser Widerling keine Chance. Hidoi hatte nicht vor ihm was zutun um sich damit bloß wieder Ärger beim Rudel zu machen, aber sollte er nicht mit diesem Aufstand aufhören würde er auch nicht zögern ihm eine erneute Lektion zu erteilen. Noch ein drohendes Grollen verließ seine Kehle, dann wandte sich der Stahlgraue dem braunen Fremden zu. Erst jetzt musterte er ihn richtig. Er sah wirklich nicht wie ein richtiger Wolf aus, roch auch nicht ganz so, also musste er wirklich ein Mischling sein. Denn Wolf steckte auf jedem Fall in ihm.
“Sei gegrüßt Fremder, mein Name ist Hidoi ein Mitglied des hierlebenden Rudels. Dürfte ich nach deinem Namen fragen?“
Fragte er im gewohnt kühlen Ton und noch leicht gereizt, was allerdings nicht Rüden galt, der vor ihm stand. Nach seinem Sohn schaute er sich dennoch prüfend um. Wenn dieser struppige Wolf (Nirian) ihm auch nur ein Haar krümmte...
Der Mischling geriet in eine steife Haltung, seine ganze Körpersprache zeigte deutlich, dass er den beiden Wölfen abgeneigt war, dem verletzten, sowie dem Stahlgrauen. Sein Nackenhaar sträubte sich enorm. Und dafür, dass er nur ein Mischling war, entfuhr ihm ein stattliches und warnendes Knurren. Es war sichtlich, dass die beiden erkannt hatten, dass er nur zu Hälfte mit Wolfsblut beglückt war. Und die leichte Abneigung, obwohl ihn der graue „Hidoi“ ihn gegrüßt hatte, war in seinen Augen deutlich abzulesen. Sirius verengte die Augen noch ein wenig weiter, als er zu sprechen begann:
„Mein Name lautet Sirius, Reinblüter“
Knapp waren die Worten, und nicht sonderlich höflich und freundlich gewählt, wie es sonst seine Art war. Die Betitelung hatte er mit einem bissigen Unterton gewählt. Irgendetwas hatte ihn so zornig gemacht, dass er vergaß, dass er ‚nur’ ein Mischling war. Der Selbsthass wurde mit jedem tiefen Atemzug immer größer. Er spürte wie sein Herz pochte und das Adrenalin in seinen ganzen Körper gepumpt wurde. Seine faszinierenden blauen richteten sich auf und er sah dem Grauen in die Augen. Er schien mutig, stark und selbstbewusst. Von außen wirkte er unnahbar, doch war er das auch? Sirius hatte schon viele Wölfe getroffen, die den gleichen ersten Eindruck machten wie Hidoi. Dennoch, einen direkten Vergleich vermied Sirius.
„Ich hatte angenommen, dass immer die Alpha im Rudel einen Fremdling begrüßen“ ,
stellte er eher als Frage an den Wind gestellt. Seine Haltung wurde etwas ruhiger, doch immer noch zum Angriff bereit.
Was der Braune auch immer wieder erlebt hatte, war das törichte Unterschätzen seiner Gegner in Sirius´ Kraft. Zwar war ein Halbblüter, doch sein Durchhaltevermögen war nicht zu verachten.
24.12.2009, 14:39
Hidois stechend gelbe Augen verengten sich leicht als der braune Wolfsmischling so aggressiv reagierte, aber nun denn, ein grade freundlicher Empfang war es nicht gewesen, er hätte wohl genau so reagiert. Damals. Heute auch noch? Kurz warf er einen prüfenden Blick zu dem grauen Welpen zurück, es war besser er hielt seinen Sohn trotzdem von dem verletzen Fremden fern. Dieser Wolf widerte ihn einfach nur an. Aber inzwischen beachtete er diesen gar nicht mehr. Stumm lauschte er den Worten seines Gegenübers der sich als ‚Sirius’ vorstellte. Als dieser ihn so deutlich als Reinblüter anredete wusste der Stahlgraue nicht so recht was er darüber denken sollte, seine Pupillen verengten sich noch ein wenig, sollte er das als Provokation nehmen? Früher hätte er das mit Sicherheit, aber ihm war nicht nach Streit mit dem Rudel, er hatte schon genug Schwierigkeiten gemacht, es gab immer Wege sich zu bessern, außerdem wollte er Hikaji ein Vorbild sein und so blieb er ruhig, ging auf die Anspielung nicht ein.
“Ich denke das dich unsere Betas in Empfang nehmen werden. Unsere Alphawölfin ist zur Zeit nicht im Revier und der Alpharüde ist wohl grade erst wieder gekommen, ich war grade nur in der Nähe.“
sprach er mit gewohnt rauer und kühler Stimme, aber sonst keiner Gefühlsregung. Es war unmöglich daraus zu schließen, ob er den Braunen Mischling nun abstoßend, sympathisch oder sonst etwas fand. Seine Haltung war stramm, berechnend, was auch immer die nächste Reaktion Sirius war, er wäre darauf gefasst, vor allem um seinen Sohn zu schützen. Allerdings erwartete er nicht wirklich einen Angriff, auch wenn es eben fast so ausgesehen hatte, dennoch wäre er auch dafür gewappnet.
Sein durchdringend stechender Blick wandte sich damit an den zerrupften Streuner, ein leises, aber imponierendes Grollen verließ erneut seine Kehle.
“Und du! Entweder du weißt wie du dich zu verhalten hast oder verschwindest!“
ertönte seine nicht grade freundliche, tiefe Stimme an ihn. Seinen Namen kannte er nicht einmal, er war dem Stahlgrauen auch ehrlich gesagt ziemlich egal. Dieser erste Eindruck und jetzt auch der zweite Eindruck war nicht grade gut gewesen, hatte sich auch nicht verbessert. Hidoi richtete seinen Blick ein wenig hinter sich um noch einmal nach Hikaji sehen zu können, wo war der Welpe hin?
Wie lange hatte Leé das Rudel wieder alleine gelassen...Wie lange genau, dass wusste die Fähe nicht. Es kam ihr länger vor, als es war. Sie liebte nun mal die Einsamkeit. Die Zeit alleine, nur mit der Natur. Mehr mit der Natur verbunden als jemals zuvor fühlte sich Leé nun, als sie durch den sehr vertrauten Wald. Matt schien die Sonne durch den dichten Blätterhimmel und warf seltsame Schatten auf den Waldboden. Mit raumgreifenden Schritten, schritt Leé durch "ihren" Palast. Sie liebte diesen Ort...Es war eine winzige Lichtung, umgeben von sieben dicken Bäumen, die das Zeichen der Ewigkeit bestens wiedergeben konnte. Um die Bäume herum war dichtestes Dickicht, bis weit hinein in den Wald. Nur ein sehr schmaler und beinah unmöglich zu findener Pfad führte zum Ort von Leés Gedankenmeer. Als die Braune die Lichtung betrat, durchströmte sie das Gefühl von Zufriedenheit. In der Mitte legte sie sich flach auf die Seite hin und schaute hinauf in den Himmel...Sie dachte zurück an die Vergangenheit. An ihre Familie...und an ihren Bruder. Was Leé nicht wissen konnte, war, dass sie ihren Bruder im Tal der Sternenwinde beinahe gekreuzt hätte. Sie wusste nicht, dass er beinahe denselben Weg gegangen wäre, wie sie. Doch sie wusste auch nicht, dass er vor Erschöpfung den Tod in dem Fluss, nahe des Rudelplatzes, gefunden hatte. All' das konnte die Fähe nicht wissen und war auch besser so.
Nun lag sie da...War eine junge, erwachsene Fähe und hatte eine Heimat die ihr sehr am Herzen lag...Es war so still, sodass Leé die Augen schloss. Erst als sie mit geschlossenen Augan dalag, höhrte sie ihr eigenes Herz pochen. Reglos lag sie da, nur ihrem Herzen lauschend, dann schlief sie ein. Kurz bevor sie ganz wegtauchte, dachte sie:
.oO(Wer mich wohl vermisst...?)
Falks Blick war für eine Weile noch an der weißen Fähe mit den goldenen Augen hängen geblieben, dann riss ihn das Heulen eines fremden Rüden aus der gedankenverlorenen Ruhepause. Der Hüne seufzte; er sah sich um, maß Simariel noch einmal mit einem strengen Blick - innerlich hatte er beinahe schon vor ihr kapituliert, aber nur beinahe. Irgendetwas stimmte an dieser weißen Fähe nicht, und Falk war sich sicher, dass der Zauber, der Simariel für den Moment umgab sich in Luft auflösen würde, würde er sie näher kennenlernen. Mancher Wolf hatte sich nach einem beeindruckenden Entrée schon als farbloser Langweiler entpuppt. Falk wandte seinen Blick von Simariel ab und Ayala zu. Er küsste seine weiße Geliebte auf die Stirn und flüsterte in ihr Ohr:
"Lass nur. Ich kümmere mich. Bleib doch hier bei Eris und...Simariel. Ich denke, Acollon wird erstmal bei seinen Welpen sein wollen... Bis gleich."
Noch einmal küsste er sie auf die Stirn, dann drehte er sich um und folgte der fremden Witterung. Während er sich dem Fremden näherte, bei dem sich unter anderem auch Hidoi befand, dachte Falk über Acollon und seine Welpen nach. Er stellte fest, dass er nie wirklich an Acollon als den Vater von Banshees Welpen nachgedacht hatte: Für ihn waren es immer Banshees Welpen gewesen, und zwar nur Banshees, es war, als hätte ein Vater nie existiert.
Der Hüne schob den Gedanken von sich - das war jetzt unwichtig. Er spürte schon von fern, dass Ärger in der Luft lag. Sowohl Hidoi als auch der fremde Rüde wirkten angespannt und gereizt. Rasch stieg auch in Falk Wut auf. Der Tag wollte einfach nicht besser werden. Erst dieser geruchslose schwarze Rüde, dann diese seltsame weiße Fähe, in gewisser Hinsicht auch die unerwartete Rückkehr Acollons, der Zusammenstoß mit Lighto...
"Also, was ist hier los?"
Falk war auf die Gruppe gestoßen und musterte den Fremden, versuchte ihn einzuschätzen. Nein, Gefahr ging von dem sicherlich nicht aus - obwohl auch der Fremde sich von den anderen Wölfen unterschied, aber Falk achtete erst einmal nicht groß darauf inwiefern jener das tat und wandte sich direkt an Hidoi. Zuerst wollte er von dem grauen Rüden mit den gelben Augen erfahren, warum es hier Ärger gegeben hatte - aus Erfahrung wusste der Hüne, dass sich jene fremden Wölfe, welche zumeist die Auslöser des Ärgers waren nicht unbedingt auskunftsfreudig und in noch geringerem Maße freundlich waren.
Der Mischling wirbelte wieder herum, ein weiterer Reinblüter war erschienen. Nun war das Stechen in seiner Brust so groß, dass sich alles zu drehen begann. Seine Ohren zuckten kaum merklich, sein Nackenfell stellte sich wieder auf, seine Lefzen spannten sich unangenehm an. Das war ein wenig zu viel Wolf um ihn herum. Sirius´ Verstand schaltete aus. Ein schlechtes Zeichnen, denn immer wenn so etwas eintraf, verlor er die Kontrolle. Es war sein zweites „Ich“, der Wolf in ihm. Und mit einem stählernen Ruck befreite sich Sirius von der angespannten Haltung, Lässigkeit und vor allem Provokation war nun in jeder seiner Faser des Körpers zu lesen. Ein hämisches Lächeln trat auf seine Lefzen und die Augen sprachen Bänder von Kühle und Aggression.
Sirius, Du hattest Deine Chance, nun lass mich auch mal meinen Spaß haben
Du die Hundeseite in Sirius schien zu schweigen. Verborgen im Inneren und vom Geschehen abgegrenzt. Der Wolf war nun mehr der Beschützer der schwächlichen Hundeseite, doch waren diese beiden Gegenüber nie Freunde gewesen, waren sich auch nicht wohl gesonnen.
Der Wolf schien dennoch das schwache und wimmernde Etwas in Schutz zu nehmen. Oft die Wolfsseite daran Schuld gewesen, dass Sirius seinen Hass noch weiter gegen Wölfe schürte.
„Soso, und Du, wer bist Du?“,
die Provokation triefte schon beinahe, doch er trieb es nicht soweit, dass man ihn hätte für etwas schuldig schreiben müssen. Er schnippte kurz mit den Ohren und trat einen Schritt voran, sodass sein Stand nun mit gekreuzten Vorderläufen war.
Falk hatte es satt. Es war immer dasselbe, aber wirklich immer. Da kam ein neuer Wolf daher, der entweder lebensmüde war oder einfach nur ein Ventil zum Abreagieren suchte, einfach ins Revier latschte, dort mit jemandem, der ihn einfach nur begrüßen wollte Streit suchte und dann jeden provozierte, der ihm über den Weg lief. Falk kannte diese Art von Wölfen, besonders hier im Tal der Sternenwinde begegneten sie ihm beinahe regelmäßig, aber auch damals in den Bergen waren immer wieder solche Wölfe ins Revier eingedrungen. Sie hatten nie lange überlebt. Und nicht selten war es Falk gewesen, der diesen Eindringlingen den Garaus gemacht hatte, da er dank seiner Abstammung von Werwölfen besonders groß und auch besonders kräftig war. Wenn man ihn gelassen hätte, Falk hätte sich hier nicht großartig anders verhalten. Aber Banshee wollte es so. Und da Acollon gerade wieder da war, hatte Falk auch kein gesteigertes Interesse an einem Blutbad oder Gemetzel, geschweige denn an einem Streit. Eigentlich hätte er nur gerne den Tag gemeinsam mit Ayala verbracht, vielleicht auch mal wieder mit Eris oder noch anderen Wölfen, die möglicherweise ganz nett waren. Aber scheinbar schien daraus nichts mehr zu werden. Oder vielleicht doch. Es kam jetzt nur darauf an, wie Falk mit seinem Gegenüber umging und wie dieser auf ihn reagierte.
"Tja, ich bin Falk von Scharfenberg und ich bin Beta hier in diesem Rudel. Und du bist in unser Revier eingedrungen und suchst scheinbar Streit. Korrigier mich, wenn ich mich irre."
Falsch, völlig falscher Weg, kalt, kalt, kalt. So ging Falk nur auf die allzu offensichtliche Provokation seines Gegenübers ein, der scheinbar noch nicht einmal ein richtiger Wolf war. Ja, zunächst hatte Falk es noch nicht bemerkt, aber jetzt war es sich langsam sicher, da war auch etwas Hündisches an seinem Gegenüber. Einiges deutete darauf hin. Dennoch unterließ es Falk den Fremden darauf anusprechen. Eigentlich war es ihm auch ziemlich egal, er wusste nur eines, nämlich dass ihm dieser Fremde etwas an sich hatte, was ihm gewaltig auf die Nerven ging.
Wieder warf der graue Hüne mit dem schwarzen Rücken Hidoi einen Blick zu. Was der wohl über den Fremden dachte?
Ein unheimliches Zucken ging durch den Körper des Mischlings. Der Wolf in ihm reagierte, wie es hätte nicht anders sein können. Nach der kalten Frage des Betas, ob er Streit suche, war das Selbstwertgefühl des Hundes im Keller, doch die rubuste Ader in ihm flammte auf. Kurz und knapp: ja, er suchte Streit, gewaltigen Streit. Und er sah mit dem größten Vergnügen, dass es sogar hingehauen hatte und dieser Falk mit einer abwährenden Antwort darauf einging. Ein falsches Lachen röhrte in seiner Kehle. Streit war nun genau das, was er brauchte, einfach sinnlos provozieren und drauf los schnauzen, die anderen bis zum Nervenzusammenbruch treiben. Dafür war dieser Charakter, das andere Ich geboren. Die Augen des Hünen leuchteten auf und gierten direkt nach mehr Aggression und Provokation. Dieser Adrenalinstoß, der den ganzen Körper beben ließ war enorm. Klasse, dachte sich das Wölfische. Einfach Klasse.
"Streit? Wäre nicht schlecht, ja! Aber so wie es aussieht, machst Du es nicht lange mit, Betachen. Siehst schon leicht eingeschrupelt aus. Wie ein Fisch der zu lange an der heißen Sommersonne lag und nach dem Wasser dürstet, dass nur zwei Meter von ihm entfernt liegt. Nun, wie ich sehe, bin ich bei Dir an der falschen Adresse!
Das Hündische erschrak. Solche Sätze aus seinem Körper war mehr als ungewohnt. Fast beschähmt schlich der Verstand in Sirius´ Körper zurück. Er starrte den Beta verwirrt und gleichzeitig entschuldigend an. Was konnte er noch sagen, was das rechtfertigte, was er gerade gesagt hatte? Wie wäre es mit der Wahrheit? Klar, klang auch so einleuchtend und glaubwürdig: Ey Du Falk, bin eine gespaltene Persönlichkeit, durch die Demütigung, dass ich nur Halbblut bin.
Nein, das war nicht mehr wirklich gut zu machen. Und so brachte er nur ein halbherzig genuscheltes:
"`Tschludigung."
Die Ohren klappten wie automatisch nach unten, das aufgestellte Nackenfell legte sich wieder feinsäuberlich zurück.
Meine Güte, ich bin einfach nur reif für eine Abreibung, ich bin einfach nur krank. Aber dieses Selbstgeständnis bringt mich nicht weiter als ich jetzt bin... ich muss dringend eine Lösung für dieses gespaltene Verhältnis in mir finden, ansonsten habe ich auf Dauer ein echtes und sehr provozierendes Problem.
Er schaute zu Falk, da er sich noch nicht wirklich vorgestellt hatte, meinte er wie eine beiläufige Bemerkung:
"Grüß dich, Falk. Mein Name ist Sirius!"
In mehr oder minder schleichenden Schritten hatte sie sich vom Rudel entfernt und irgendwo, einem ihr unbekannten Platz niedergelegt, war eingeschlafen. Oder eher in einen Strom aus Gedanken gefallen, der sie unaufmerksam machte. Erst als die Stille um sie herum wieder eintrat und selbst die Geräusche in ihren Erinnerungen verstummten kehrte sie in das wahre Hier und Jetzt zurück. Seufzend musterte sie den Boden unter ihren schmalen Pfoten. Was hatte sie gedacht? Dass sie, wenn sie die meergrünen Augen wieder öffnete nicht mehr allein hier wäre? Oh nein, das hatte sie nicht. Was genau sie erwartet hatte konnte sie nicht genau sagen... Natürlich war der Welpe Cylin, so hieß er, nicht wieder gekehrt. Aber damit hatte sie ohnehin nicht gerechnet. Denn auf die Worte Ich komme wieder legte sie lange schon keinen Wert mehr. Denn Tag um Tag verlor dies Versprechen mehr und mehr von seiner kaum noch vorhandenen Bedeutung. Bedeutungslose Worte... wieso sprach man sie dann? Es war zum Verzweifeln - aber Ninniach tat es nicht. Verzweiflung war etwas, dass nur ihr Geist kannte. Und alles was in Geist und Seele herrschte drang nicht nach außen vor. Als wäre ihre Hülle bloß ein Stein. Doch die Gedanken an das törichte Versprechen ließen nicht von ihr ab, somit verharrte sie noch immer liegend an Ort und Stelle. Niemand hatte sich je an das Versprechen gehalten. Nie... Nicht ein Einziger. Oder? War da irgendwas, dass sie vergessen hatte? Irgendwas, dass nach und nach in den Hintergrund gerückt war? Seufzend stämmte sie sich auf die schlanken Pfoten. Wenn ja, dann war es mittlerweile nicht mehr abrufbar... Die nachtschwarze verlor sich für einige Zeit in ihren Gedanken, den Blick starr auf irgendwas gerichtet, und doch traf er auf nichts. Sie sah nichts, es war dunkel, schwarz. Stummes schweigen, dass in ihrem Kopf wie Todesschreie dröhnte. Wann zum Teufel hörten diese Visionen auf! Ruckartig wandte sie den Kopf auf und jäh verharrte sie. Ihr Fang schnappte auf und ein rasselndes Atmen brach für kurze Zeit die Stille um sie. Das Herz verkrampfte sich, die Muskeln spannten zum Zerreißen an, während die Nachtschwarze nach Luft rang. Ein prickelndes Stechen und verkrampftes Stechen in ihrem herzen trieb die Luft aus ihren Lungen. Taumelnd kniff sie die Augen zusammen, torkelte trunken auf den nächsten Baum zu, der sich vor ihren Augen wandt und verschwamm, klarer wurde, verdoppelte und wieder zu einem wurde. Sie brauchte Luft... Es raubte ihr die Luft, schnürte ihren Herzschlag ab. Als würde sich alles drehen, drehen immerzu drehen. Sie war nicht im Stande eine gerade Linie zu laufen, schleppte sich voran. Sollte es so enden? War der Tod im Revier? Ja, eigentlich war er das - aber der tiefschwarze Tote war wohl kaum dafür verantwortlich, mal davon abgesehen, dass Ninniach ihn noch lange nicht gesehen hatte. Vielleicht war es auch besser so. Mit ihrem Herz hatte sie oft schon zu kämpfen gehabt, allerdings noch nie auf diese Art und Weise. Schlaff sackte der dünne, schmächtige Körper in sich zusammen. Mit einem dumpfen Geräusch schlug der nachtschwarze Kopf auf den Boden. Rasselnde Atemzüge. Langsam, ganz langsam entspannten sich die Muskeln, doch das Rasseln ließ nicht nach, immernoch verließ sie ihr Atem, doch neuer drang nicht in die Lungen ein. Laub kräuselte ihre Pfoten entlang, legte sich darauf, verstummte. Stille... ewiglich? Ruhe in Frieden? Das Singen der Vögel drang nicht an ihr Ohr, das Rascheln der Blätter ward nicht gehört, das Spielen der Eichhörnchen im Baum blieb unsichtbar... Schweigen..Stille... Ruhe?
Nur langsam erwachte die Braune. Das Hier und Jetzt schien beinah ungreifbar, als Leé versuchte die Augen zu öffnen und sich zu bewegen. Doch es wollte ihr einfach nicht gelingen. Immer und wieder versuchte sie sich mit einem Ruck zum aufwachen zu bringen, doch ihre Glieder ruckten nur im Traumbild von der Stelle, doch in Wirklichkeit lag sie ruhig da, jedoch mit klopfendem Herzen. Schliesslich liess sie es erschöpft und missmutig sein und fügte sich seinem Schicksal.
Plötzlich öffnete sie die Augen und blinzelte in den hellen Sonnenschein. Ihre Ohren zuckten in alle Richtungen, doch die Stille umgab sie und nichts schien ausser ihr zu existieren, so leise war es. Doch wie aus dem Nichts ertönten seltsame Geräusche, ganz in der Nähe und liessel Leé schliesslich ganz wach werden. Sie erhob sie langsam und schaute geduckt ins Dickicht, woher es kam. Schleichend lief sie auf das Gebüsch zu und lief Richtung Geräusch. Doch so wie es kam, verstummte es wieder. Leés Interesse war jedoch so sehr geweckt, dass sie weiterlief. Ihre Läufe wurden immer schneller und schliesslich rannte sie. Urplötzlich erschien, direkt vor ihr, eine dunkle, ja nachtschwarze Gestalt, am Boden liegend und seltsam atmend. Leé umging die Gestalt und stellte fest, das es eine Wölfin war, der es nicht sehr gut zu gehen schien. Unsicher schrit sie hin und her und konnte sich ihrer Entscheidung nicht sicher werden. Dann trat sie jedoch auf die Fremde zu und stubste sie vorsichtig an und schrit dan Rückwärts. Unsicher duckte sie sich und kauerte auf dem Boden, wartend.
Hidois Ohren drehten sich nach außen als Falk zu ihnen hinzu traf. Ob ihm das nun recht war oder nicht konnte der Stahlgraue nicht sagen, sein stechend gelber Blick richtete sich kurz auf den Hünen, der bloß ein paar Zentimeter größer als er selbst war.
Klar, nun wollte der Beta wissen warum er hier wieder rummeckerte, die Augen auf den verletzten Wolf gerichtet wollte er gerade den Fang öffnen, als der Mischling Sirius sich zu wenigen Worten meldete. Seine hellen Augen verengten sich und er hob den Kopf still wieder zu Falk und dem Braunen herüber. Die Stimme Sirius hatte sich verändert, triefte grade zu vor Arroganz und Provokation. Den Auslöser für dieses unglückliche Treffen beachtete er nun gar nicht mehr. Falks Laune schien auch nicht mehr gerade die beste zu sein. Ließ er sich etwa provozieren von dieser Aufmachung? So wie es eben noch ausgesehen hatte war eher der andere Wolf derjenige gewesen der Streit gesucht hatte. Stumm lag sein Blick auf Falk, bis plötzlich wirklich beleidigende Worte aus dem Fang des Mischlings erklangen. Baff wandte sich sein Blick wieder zu Sirius herum. War er lebensmüde? Vor ihm standen wohl zwei der kräftigsten Wölfe des Sternenwindrudels und er wagte es Falk einen Fisch auf dem Trockenen zu nennen? Wäre die Situation eine andere gewesen hätte ihn diese Wortwahl vielleicht amüsiert, doch nun legte sich seine Schnauze in leichte Falten. Allerdings änderte sich Sirius Haltung sofort wieder. Was war das denn für Einer? Nun entschuldigte er sich und nannte brav seinen Namen? Hidoi schielte leicht zu dem Hünen neben sich, würde er diese halbherzige Entschuldigung annehmen? Er wusste nicht, hätte er sie an seiner Stelle angenommen? Wahrscheinlich eher weniger, wahrscheinlich hätte er wohl ziemlich mit sich ringen müssen nicht in sein altes Muster zu verfallen und anzugreifen. Was würde nun geschehen?
Es war eine viel zu lange Zeit vergangen und die Erinnerungen der Fähe waren irgendwie schwächer als sonst. Was war alles geschehen bevor sie gegangen war? Wohl doch viel zu viel. Die Geburt der Welpen, sie war so glücklich gewesen, ihre Liebe zu Hidoi, die größer war als alles Andere, vieles, was nur noch schwach in Hanako drin war. Sie liebte den Rüden noch immer, aber sie hatte Angst, ihm gegenüber zu treten. Sie war einfach verschwunden, vollkommen wort- und geräuschlos. Hatte ihre Welpen einfach ihm überlassen, nur weil sie es nicht mehr ausgehalten hatte. Tief in ihr brodelte ein Schmerz, unerträglich und sie war nur noch ihren Gedanken und ihrem Herzen gefolgt. Sie hatte nur ihre Mutter gesucht, die vor so langer und geraumer Zeit doch wieder in das Tal der Sternenwinde gekommen war, aber dennoch wieder verschollen wirkte. Ohne eine einzige Spur musste Hanako sich auf die Suche machen und spürte, dass es vollkommen sinnlos war. Sie hatte die Fährte nie wirklich gefunden, nur winzige Anhaltspunkte. Orte, an denen sie mit ihrer Mutter im Revier gewesen war, erinnerten sie daran, was die Wünsche der alten Fähe gewesen waren. Der Rachezug an ihrem Vater, von dem niemand wusste, ob er lebte oder nicht. Ja, ihre Mutter hatte gesagt, sie hätte ihn getötet, doch Hanako hatte nie wirklich daran geglaubt. Vielleicht lag es an der Schwäche ihrer Mutter? Oh ja, wohl möglich. Sie war durch das Revier gelaufen, Tagelang, dann irgendwann hatte sie die Reviergrenze überschritten und alles dem Schicksal überlassen. Hanako hatte nie darüber nachgedacht, was es für ihre Welpen und ihren Gefährten bedeutete, sie hatte täglich, jede Minute an ihre Familie gedacht, aber war nie zurückgekehrt, nein, ganz im Gegenteil. Sie war immer weiter weggegangen und hatte gesucht, nach ihrer Mutter und nach Antworten auf all die vielen Fragen, die es zu beantworten gab. Tränen waren etliche Male über die Wangen der Fähe gelaufen. Es schmerzte sie, dass Hidoi sie vielleicht hassen würde, dass ihre Welpen sie vielleicht gar nicht kennen würden. Dann waren dort noch Leé und ihre verschollene Tochter Alienna. Würde sie diese Beiden jemals wieder antreffen? Oder hatte ihr eigener Vater damals alle getötet? Woran hatte Hanako da nur gedacht? Sie war sich mehr als sicher, dass Alienna tot war und Leé war erwachsen geworden, sie war eine stille und glückliche Wanderin, sie würde wieder kommen, wenn sie es wollte. Seufzend hatte Hanako dann Blutspuren angetroffen und war erschrocken über den Fund gewesen. Sie roch es, eindeutig, ihre Mutter. Sofort war sie dem Blut gefolgt, das einzige, was sie noch antreffen konnte, war ihr grausamer Vater, der sich die Schnauze ableckte und mit einem brutalen Hieb den Kopf ihrer Mutter zur Seite schlug. Eine aufgerissene Kehle, erstarrte Augen vor Angst, Hanako war wie verhext, gelähmt, konnte sich nicht rühren. Erst, als sie selbst einen Schlag in ihrem Gesicht spürte, wurde sie von der Realität geweckt, aber ihr wurde so schwummrig, dass ihr Schwarz vor Augen wurde und sie umkippte.
Einen Tag war ein starker Regen gefallen, Hanako war durch diesen aufgewacht und auf ihrem Gesicht brannte eine Stelle brutal durch das Wasser. Eine lange Narbe zierte ihr niedliches Gesicht nun und erinnerte sie immer wieder an das, was geschehen war. Wie traumatisiert hatte sie sich auf den Weg zurück zum Rudel gemacht, ohne zu wissen, welchen Sinn es machte, sie spürte, dass etwas nicht stimme, aber so oft hatte sie sich getäuscht. Nur mit ihrer Mutter – da hatte sie Recht gehabt. Der Weg zurück zum Revier war lang, Hanakos Pfoten schmerzten, sie war traumatisiert von dem Fund, vor ihren Augen war immer wieder der tote Blick ihrer Mutter, in dem man genau ablesen konnte, was sie erlebt hatte, was sie erleiden musste im Kampf gegen Peavy. In ihren Augen war eine Leere, Schmerz und Trauer, Tränen rannten über ihr Gesicht, aber Hanako schien dies nicht zu spüren, sie nahm es einfach nicht war. Egal, was nun passiert wäre, sie hätte sich nicht gewehrt, sie nahm kaum einen Geruch war, war wie in Trance, glitt nur über diesen Weg, denn die Schmerzen tief in ihr überwuchsen sie bald. Es dauerte lange, bis Hanako die Grenze erreicht hatte, zumindest schien sie das gespürt zu haben, doch wen sie dort antraf, das nahm ihr für wenige Sekunden den Schmerz. An dieser Grenze hatte sie Banshee angetroffen, sie war weinend auf ihre Alphafähe zu gerannt, hatte ihr nicht erzählt, was passiert war, sondern sich einfach nur entschuldigt und bat sie, den Weg nun mit ihr zu teilen.
Das alles lag nun eine Weile zurück, aber Hanako hatte an alles noch die Beste Erinnerungen. Dicht neben ihr ging die Weiße Alphafähe Banshee, ebenso von Trauer und Schmerz versunken, sie hatte Acollon gesucht und wie es schien, so hatte sie ihn nicht gefunden. Hanako hatte Mitleid mit ihrer Alphafähe und tröstete sie immer wieder, die Beiden schienen sich mehr Wärme und Liebe nun zu geben, als jemals auf einen Weg mit anderen Wölfen. Was wirklich auf Banshees Weg geschehen war, das wusste Hanako nicht, denn bisher hatten die beiden Fähe keine großen Worte ausgewechselt, immer wieder warteten sie nur darauf, dass sie beim Rudel ankommen würden und das irgendetwas geschehen würde. Aber nur was? Hanako hatte Angst vor der Rückkehr, ging es Banshee genauso? Hanako tat es einfach nur weh, alles irgendwie. Wie ging es Hidoi und den Welpen? Würde der Rüde sie nicht mehr wollen? Sie konnte es irgendwie verstehen, wieso war sie nur so?
„Der Weg ist noch weit oder…?“
Fragte Hanako ausdruckslos ihre Leiterin, ihre Begleiterin auf diesem Weg, ob es ein wirkliches Interesse von Hanako war würde man niemals behaupten, denn sie wollte nie ankommen, aber diese quälende Stille schien nichts zu verbessern. Wie weit war es wohl noch? Ihre Narbe brannte, hatte Banshee diese überhaupt bemerkt? Hanako wollte am Liebsten vergessen, was geschehen war, lieber schwieg sie ein Leben lang, dann würde es nie mehr passieren. Aber würden die Probleme davon gelöst werden? Wohl kaum.
Banshee hatte den Kopf gesenkt. Ihr Atem ging ruhig und gleichmäßig, ihre Schritte waren leicht und nicht zu langsam und fast könnte man glauben, dass sie gleich aufsehen und lächeln würde. Doch Banshee war traurig. Selten hatte sie jemand so erlebt und auch jetzt würde es nur Hanako sein, bevor sie beim Rudel ankommen würden, würde ein leichtes Lächeln auf ihre Lefzen gezaubert worden sein. Ob glücklich oder nicht. Jetzt aber durfte sie noch traurig sein, durfte sie noch an ihre erfolglose Suche denken. Ihre Pfoten waren wund und ihre Augen müde, sie war das Revier abgegangen, von Süden bis Norden, von Westen bis Osten ... ohne eine Spur von Acollon zu finden. Bis sie auf Hanako getroffen war. Die weiße hatte ebenso unglücklich ausgesehen wie Banshee sich gefühlt hatte und trug zudem eine frische Narbe quer über ihr einst so hübsches Gesicht. Es war noch immer hübsch, doch jetzt sah es aus, wie das Gesicht einer Fähe, die schon viel erleben musste, älter, weiser. Bis jetzt hatte Banshee noch nicht gewagt, zu fragen, wie sie diese Narbe bekommen hatte. Bis jetzt hatten die beiden sowieso kaum gesprochen. Nur die Trauer der jeweils anderen gespürt und sie immer wieder tröstend an der Flanke berührt, kurz die Schnauze in ihrem Nackenfell vergraben oder liebevoll ihr Ohr beknabbert. Dennoch blieb die Traurigkeit. Und das Schweigen. Bis jetzt Hanako zum ersten Mal seit vielen Stunden das Wort erhob und ausdruckslos die Frage in die Thränengetränkte Luft hauchte.
"Ja ... wir müssen erst diesen Wald hier durchqueren bis wir in den Mischwald, der den See umgibt, erreichen. Wenn wir erstmal dort sind, kann es aber nicht mehr lange dauern."
Sie war sich nicht sicher, ob Hanako überhaupt das Verlangen hatte, den See und das Rudel zu erreichen. Sie war sich selbst nicht sicher, ob sie zurück wollte. Ohne Acollon zu kommen, hatten vielleicht einige erwartet, aber zumindest die Welpen hatten sich sicher Hoffnungen gemacht. Aber vielleicht hatte ihnen auch niemand erzählt, warum ihre Mutter fortging ...
Abrupt hielt sie an.
"Vielleicht sollten wir eine Rast einlegen?"
Ihr Blick ruhte auf der anderen Fähe, wieder sah sie die leuchtende Narbe, die so auffällig eine unbekannte Geschichte erzählte, dass sich Banshee fragte, warum sie nicht einfach fragte. Vielleicht, wenn sie hier rasten würden, würde sie die Worte finden. Es musste etwas passiert sein, dass Hanako sehr sehr wehgetan hatte. Und darüber zu sprechen war nie leicht.
Hanako spürte nicht unbedingt viel, nur die Anwesenheit einer guten Freundin, einer Vertrauen, Verbündeten. Die Trauer ihrer Alphafähe lag in der Luft, Tränen schienen die beiden Fähen zu tränken, ebenso die Schmerzen, die leeren Hoffnungen, all die geplatzten Träume. Banshee würde wohl genauso wenig darüber reden wollen, wie es Hanako wollte, aber die Fähen wussten beide zu gut, dass es sinnlos war, ewig zu schweigen. Hanakos Augen schienen irgendetwas zu suchen, was ihr die Gewissheit gab, niemals ankommen zu wollen, aber sie allein wusste dies und es reichte wohl zu Gut. Seufzend sah die Weiße zu ihrer Begleiterin, niemals würde auch nur ein Lächeln über ihre Leftzen tanzen, nicht jetzt, nicht einmal zum Zwang. Ob sie es in der Nähe des Rudels konnte war fraglich, denn allein wenn sie ihrem Gefährten gegenüber stand wusste sie, dass es nur noch Schmerzen waren und die Angst und Trauer, keine Freude und kein Lächeln mehr, es würde nicht gehen. Sie ließ den Kopf erneut hängen und sah auf ihre schmerzenden Pfoten, der lange Weg war also wirklich vollkommen umsonst gewesen? Nur für dieses schreckliche Bild hatte sie es mitgemacht.
Nachdem sie ihre Frage an Banshee gestellt hatte, war einige Zeit vergangen, ehe die trauernde und ebenso mit Schmerzen übersäte Weiße antwortete und Hanako lauschte aufmerksam ihren Worten, da sie diese sonst wohl nicht gehört hätte. Ihre Gedanken kreisten ganz wo anders und spielten mit so vielen Gründen und Auswegen, dass es unmöglich war, eine Lösung zu finden.
„Mhm.“
Mehr konnte Hanako nicht mehr antworten, der Weg war zwar noch ein stück lang, aber nicht ewig lang und sie würden es noch bald schaffen anzukommen. Anzukommen bei dem Rudel, dass beiden Fähen viel bedeutete, aber das Banshee ein ganzes Leben bedeutete. Und Hanako würde bei einer Familie ankommen, die sie im Stich gelassen hatte. Wie sollte sie sich erklären? Und wie sollte sie den Welpen den Tod ihrer Oma erklären? Das ihr eigener Opa ein einziger Mörder war? Hoffnungslos.
Banshees Frage drang leise an Hanakos Ohren und Hanako erschrak, ehe sie antwortete:
„Eine Rast? Ja, das ist…eine gute Idee.“
Die leisen Stimmen der beiden Fähen waren doch nur noch ein Trugbild, mehr nicht. Es steckte so vieles in ihnen, das war einfach nur noch grausam und sie wirkten gequält. Einige Schritte gingen die zwei Fähen noch, ehe sie sich wirklich nieder ließen und gequält und geschwächt einander ansehen und sich tausende stumme Fragen stellten. Wie würde es nun weitergehen? Der Weg war bald zu Ende, wie waren die Reaktion? Hanako hoffte nur noch, dass das Leid ein Ende nehmen würde, aber es schien jetzt erst zu beginnen.
Banshees Läufe knickten voller Dankbarkeit und scheinbar plötzlich selbstständig ein, sie sank ins Gras und genoss gleichzeitig die Last von ihren Pfoten genommen zu haben. Hanako glitt gleich neben ihr zu Boden, eine Rast, die sie nicht umbedingt nötig hatten, aber die sie beide beruhigte. Banshees Blick blieb eine Zeit lang ausdruckslos in die Ferne gerichtet. Die Tatsache, dass sie Acollon nicht gefunden hatte, stürzte sie in Traurigkeit, nicht aber in die tiefe Verzweiflung, die aufkommen würde, wenn sie sich sicher sein würde, dass er nie zurückkommen würde. Sie wusste, dass er nicht auf ewig fort war. Es war unerklärbar, aber so fest wie Leben und Tod zusammenhingen, würde eher die Welt sterben, als dass Acollon für immer fort gegangen war. Er würde wieder kommen. Nur wann? Und wo war er? Sie hatte sich so gewünscht an seiner Seite die Welpen aufwachsen zu sehen. Er war nie ein Vater gewesen, aber wenn er einmal seine Welpen zu Gesicht bekam und sie Vater rufend auf ihn zu sprangen, so würde er vielleicht doch ein wenig von dem Leben verstehen, das er gezeugt hatte ... und das er lebte. So aber war er fort und nicht nur der werdende Vater sondern auch der liebende Gefährte fehlte. Sie konnte es nicht ertragen, von ihm getrennt zu sein. Nicht nur, weil er sie liebte und sie ihn liebte und jede Berührung von ihm sie verrückt machte und jedes Wort sie glücklich werden ließ ... nein, auch, weil er der Tod und sie das Leben war. Weil sie beide auf ewig untrennbar verbunden waren und war er fort, so fehlte etwas von ihr. Plötzlich war sie nicht mehr sie, denn was war das Leben ohne den Tod? Ein einziges Leid, niemals zu ende, ewig gefangen in sich selbst. Und genau deshalb war ihr Herz jetzt so fest zusammengezogen, schmerzte bei jedem Schlag, deshalb waren ihre Augen rot von Thränen und ihre Schritte schwer von Trauer.
Ihr Blick wanderte zu Hanako, leicht schob sie die Schnauze vor, berührte ihre Freundin an der Stirn, sie beide wussten, woran die andere dachte. Oder zumindest was sie empfand.
"Hanako ... was ist geschehen? Warum schweigt dein Blick vor Trauer? Warum ziert dein Gesicht diese Narbe wie ein Schnitt durch deine und meine Seele? Wo bist du gewesen?"
Die Worte waren sanft und leise gesprochen, sie hatten nichts Anklagendes, nichts Forderndes an sich. Sie bedeuteten der Fähe, dass sie ebenso schweigen durfte, wenn sie keine Worte fand oder der Schmerz zu groß zum reden war. Banshee fragte nicht aus Neugierde oder Wissensdurst, sie wollte der Weißen eine Zuhörerin schenken, wenn sie einer bedurfte und sie wollte ihr die Sicherheit einer wissenden Seele schenken, die eine ebensolche Trauer empfand, wenn auch aus anderen Gründen.
"Huh!"
Simariel hatte missgestimmt gemaunzt ob jener Worte des großgewachsenen Grauwolfes. Ihr Freiheit ließ sich die weiße Polarwölfin nur ungern nehmen und sie hätte nur zu gerne einmal das Revier, ihre neue Umgebung für die nächsten Wochen etwas in Augenschein genommen ehe sie sich dem ganzen Rudel vorgestellt hatte. Trotzdem wusste Simariel, dass sie sich würde fügen müssen. Zumindest zu Beginn. Sie lächelte. Von ihr ging keine Gefahr aus, das würde sie diesem Rudel schon sehr rasch klarmachen, und wenn sie im Notfall dafür ein wenig in die Trickkiste greifen musste. Simariel schloss die Augen, legte den Kopf in den Nacken und seufzte hohl. Als sie die Augen wieder öffnete, sah sie den Grauwolf Falk gerade davontrotten. Jemand hatte das Revier betreten und Simariel, die sensibel auf geistige Regungen und Gefühle reagierte, hatte die Lage schnell eingeschätzt:
.oO(Da liegt Ärger in der Luft. Ob ich es mir ansehen sollte?)Oo.
Zögernd sah sie die beiden verbliebenen Fähen an, ging dann einige Schritte hinter Falk her, räusperte sich und verfiel in einen leichten Trab. Sie war nun sowieso dazu gezwungen in großen Schritten vorzugehen. Die Umgebung, die dieses Rudel prägen und beeinflussen musste, würde ihr vorerst verschlossen bleiben. Simariel würde direkt an die Quelle vorstoßen müssen.
.oO(Außerdem wächst mit jedem Wolf, den ich hier oder wo auch immer kennenlerne, die Chance, bald mein Gedächtnis wiederzufinden. Mein Gott, ich warte nun wirklich schon...lange... Zu lange! Ich, kann ich das noch sagen, ich... Was ist ein "Ich" ohne Vergangenheit, was denn...)Oo.
Apropos Wolf. Dieser Wolf war kein reinblütiger Wolf, seine geistige Präsenz war einfach anders - der deutliche Einschlag eines Hundes.
"Hund... Soso..."
Und noch etwas: Simariel konnte es nicht genau sagen - viel tiefer hätte sie dafür in den Geist dieses Wolfhundes eintauchen müssen, was ihr vorerst verwehrt war - doch es erschien ihr, als ob der Geist dieses Fremden zwiegespalten war.
"Multiple Persönlichkeit - möglicherweise. Memo: Sollte man alles wagen, was man wagen könnte?"
Die weiße Fähe entschied, sich vorerst im Hintergrund aufzuhalten, gut zehn Schritte hinter Falk und einem anderen grauen Rüden, den Simariel noch nicht kannte. Sie würde sich nicht einmischen. Noch nicht. Und überhaupt: Zwei Fähen näherten sich dem Rudel.
Hanako war in Gedanken versunken gewesen, nun lag die Zukunft vor der Fähe und noch immer fragte sie sich, wie Hidoi reagieren würde, wenn er sie sehen würde. Es war so vieles geschehen, sie war diese ewige Zeit weg gewesen, hatte eine Schmerzhafte Entdeckung gemacht und nun musste sich ihrer Familie gegenüber stellen und ihnen erklären, was geschehen war. Und dann war dort diese Narbe, Hanako spürte sie noch deutlich, was würde Hidoi nur denken? Sie fürchtete sich so sehr vor der Rückkehr, aber es gab keinen anderen Ausweg mehr. Seufzend hatte die Fähe den Kopf auf ihre Läufe gelegt, plötzlich spürte sie eine sanfte und warme Berührung ihrer Freundin Banshee. Ihre Schnauze berührte ihre Stirn und Hanako war sich sicher, dass in diesem Gefühl mehr als nur ein wenig Trost und Aufmunterung lag. Wie sollten sie sich schon noch aufmuntern? Es war so vieles geschehen. Hanako spürte, dass es Banshee nicht leichter ging. Einen Moment rieb Hanako ihren Kopf leicht und zärtlich an Banshees Hals entlang, dann vernahm sie aber die Fragen und wurde etwas ruhiger, sie wirkte fast erschrocken darüber. Aber es war ihr klar gewesen, dass Banshee fragen würde.
„Oh Banshee.“
Hanako seufzte leise, sah schwach in den Himmel hinauf und nickte dann nur kurz, kaum merkbar, ehe sie ihrer Freundin das anvertraute, was in ihrem Herzen fest gefressen war und sie immer mehr und mehr zerstörte. Innerlich wie Äußerlich.
„Als ich das Rudel verlassen hatte, war es nur noch mein Ziel gewesen, meine Mutter zu finden. Sie war schon wieder spurlos verschwunden, wo doch nun alles hätte besser werden können. Meine Wege führten mich außerhalb des Reviers entlang, bis ich Blutsspuren fand. Es war das Blut meiner Mutter. Ich war der Spur gefolgt, aber das was ich fand, hatte mich innerlich zerfressen. Mein Vater…er…er hat sie getötet, einfach so, ohne Gefühle, eiskalt. Ich konnte nur noch ihren toten Körper sehen, dann….ich habe kaum Erinnerungen, ich habe einen heftigen Prankenhieb von meinem Vater gespürt, dann wurde mir Schwarz vor Augen. Als es geregnet hatte, bin ich erwacht…da habe ich diesen Schmerz im Gesicht gespürt. In dem Spiegelbild einer Fütze habe ich die Narbe erkannt und nun ist mir klar, was sein Ziel war.“
Hanako seufzte leise, sie hatte sehr schnell, fast hektisch und auch ängstlich gesprochen, sie wollte dies nur noch loswerden.
„Denkst du, er will mich auch töten?“
Fragte Hanako dann leise, in ihren Augen war Angst geschrieben, sie fürchtete sich doch so sehr vor diesem Rüden.
„Aber sag…was belastet dich so sehr, dein Herz scheint vor Schmerz zu schreien, Banshee. Ist es wegen Acollon…?“
Hanako ahnte es, aber mehr wollte sie nicht aussprechen, sie schwieg, es war zuviel. Zuviel auf einmal.
Banshees Blick hatte kurz auf Hanako geruht, als sie jedoch zu erzählen begann, war er langsam von ihr abgeglitten und in den Wald gestreift, an einem verdorrten Busch hängen geblieben und nun ohne ihn zu sehen darauf verweilend. Die kurze, zärtliche Berührung ihrer Freundin hatte sie beruhigt, nicht dass sie schon zuvor solch tröstende Berührungen ausgetauscht hatten, nur jetzt, in dem kühlen, leicht feuchten Gras, fühlte sie erst den wahren Trost durch ihren Körper spülen. Die feuchte Erde drückte sich fast belebend an ihr weißes Fell, der Sommer war außergewöhnlich kühl, es schien zwar die Sonne, doch immer wieder schoben sich Wolken vor ihre Strahlen und in der Nacht musste es geregnet haben. Banshee hatte es nicht wahrgenommen. Erst jetzt, wo es auch Hanako bestätigte, wurde ihr klar, dass sie nicht mal mehr wusste, was sie in der Nacht getan hatte. Leicht schüttelte sie den Kopf, riss ihren Blick von dem Busch los und ließ ihn wieder zurück zu Hanako wandern, deren Augen schwer vor Trauer und Angst auf ihr hingen. Sie hatte ihre Mutter verloren. Den Schmerz konnte Banshee ihr nicht nachfühlen, würde ihr jemand die Kunde bringen, dass ihre Mutter gestorben war, so würde sie keine Trauer empfinden, es war ihre Mutter, aber sie hatte sie lange nicht gesehen und mittlerweile hatte sie längst neue Welpen. Aber wie musste es sein, wenn man allein mit seiner Mutter gegen seinen Vater antreten musste, sie sich verloren und dann wiederfanden, nur um sich erneut zu verlieren und am Ende seine Mutter sterben zu sehen, erneut von den Pfoten ihres Vaters? Banshee konnte es sich nicht vorstellen, dennoch konnte sie den Schmerz an sich zutiefst nachfühlen. Und die Angst. Füher, als sie all das hier noch nicht kannte, ihre Bestimmung und ihren Weg, da hatte sie oft Angst gehabt. Angst vor ihrem Vater, Angst vor ihren Brüdern, Angst vor dem ganzen Rudel.
"Hanako, es tut mir so leid."
Sie rückte etwas näher zu der Weißen, drückte ihren Kopf tröstend gegen die Schulter der Fähe und schloss kurz die Augen. Sie wusste, dass Hanako eine Tochter verloren hatte und jetzt auch noch ihre Mutter ... beide hatte ihr Vater auf dem Gewissen.
"Er hat dich einmal nur mit einer Narbe davon kommen lassen, er wird dich nicht töten, das glaube ich nicht ... und selbstwenn ... an uns wird er nicht vorbeikommen können."
Noch einmal rieb sie ihre Strin sanft an der Schulter Hanakos, dann hob sie ihren Kopf, reckte die Schnauze leicht nach vorne und legte sie dann in das feuchte Gras ab. Der süßliche Geruch beruhigte sie etwas. Das Gespräch tat ihr gut, das spürte sie. Andere Wölfe, ihr Rudel, ihre Freunde, auch das hatte sie auf ihrer einsamen Suche vermisst. Sie brauchte jemand, mit dem sie reden konnte, sie brauchte einfach Leben um sich. Sich jetzt mit Hanako unterhalten zu dürfen ließ ihr erfrorenes Herz wieder tauen.
"Ich habe ihn gesucht ... und nicht gefunden."
Es bedurfte nicht mehr Worte um ihren Schmerz Hanako begreiflich zu machen. Die Worte waren getränkt von Trauer und Sehnsucht, erzählten ihre Gesichte von selbst. Sie drehte leicht den Kopf weg, drückte ihre Stirn in das Gras, als würde es sie weniger glühend machen können.
Der Mischling weitete die Augen. Hund? Dieser komische weiße Wolf, der dem Beta gefolgt war, wagte es auszusprechen, dass er ein Hund war? Unergründliche Wut machte sich in den Leib von Sirius breit. Es war die Wahrheit, aber war diese Wahrheit denn so grausam? Oh ja, das war sie. Er würde für sein ganzes Leben ein einfacher „Hund“ sein. Doch es war nicht die Tatsache, dass Alle wussten, dass er ein Mischling war, es war die Tatsache, dass es ausgesprochen wurde, so direkt. Wieder zogen sich die Lefzen hoch, still, ohne weiteren Mucks. Im Inneren des Hundes begann es zu kochen. Und was sollte dieses Geschwafel von Multipler Persönlichkeit?
In Prinzip hat diese Weiße doch recht, du hast zwei Seiten, aber welche Seite bist nun du? Oder bist du von beiden Seiten etwas? Aber was ist denn das andere, dass dich lenkt?
Der kochende Zorn schmerzte schon direkt in seiner Brust. Er weitete die Augen noch ein Stück, nun verlieh es ihm den Anblick großer Irre. Es schritt an Falk vorbei und trat vor die weiße Fähe, blickte ihr direkt in die Augen. Trotz der großen Verbitterung in seinem Inneren, war das Licht seiner Augen schon längst erloschen. Er trat so dicht an das Gesicht der Fähe, dass sich die Nasen schon fast berührten.
“Hund? Du wagst es mich Hund zu nennen? Kannst du es nicht stillschweigend für dich behalten? Hast dir wohl gedacht: Hm, der hat so ein niedriges Selbstbewusstsein, warum schicken wir ihn nicht gleich auch noch in den Keller?! Schon mal was von Rücksichtsnahme gehört?“
Der Hüne schnaubte vor Empörung, doch etwas löste sich in ihm. Es tat wahnsinnig gut, einfach Alles mal auszusprechen, zu oft hatte er sich von der Wahrheit getrennt.
“Ach, was erwarte ich eigentlich. Ihr Reinblüter habt ja eh nur euren Stolz, Gefühle von Anderen, was ist das? So habt ihr doch auch meine Mutter getötet… nicht wahr? Ist ja nicht unser Problem, warum denn Acht auf andere ‚Objekte’ geben`?!“
Die Wahnsinnigkeit blühte auf. Sein Verstand löste sich gänzlich, befreit von Hund und Wolf. Die Zwiegespaltenheit war vorbei. Nur noch der blanke Hass existierte. Soviel Unverständnis, soviel Egoismus.
Ein kaltes Lächeln trat auf die Lefzen, die Augen zu Schlitzen verengt und die Schultern in den Himmel gestreckt.
Der Schwarze sah auf seine Welpen hinab und unwillkürlich trat ein Lächeln auf seine rauen Lefzen. Er war Vater dieser prächtigen Welpen. Sie waren gut gewachsen, waren hübsch und noch dazu intelligent. Sie kamen demnach also ganz nach ihrer Mutter. Und Acollon hoffte, dass sie nie den Trieb des Tötens entdeckten, denn dann wäre der Tod wiedergeboren. Der Hüne hoffte nun Ruhe in seinem Leben finden zu können, doch er wusste genau, er würde wieder gerufen werden, zum Kampf, zum Töten. Er würde dem Ruf folgen, er würde seiner Pflicht als Tod nachgehen, und doch, er würde immer zurückkehren, nie seine Familie hier zurücklassen. Und jetzt, wo er Welpen hatte, war dies auch seine Aufgabe. Acollon war klar, er konnte nie ein richtiger Vater werden, er war zu kalt, zu distanziert, zu leer, aber immerhin, erkannte er seine Kinder, sein eigenes Blut.
Oh Banshee, wie wunderbar sind Deine Kinder. Es ist nicht zu glauben, dass sie neben dem Tod aufwachsen sollen. Ach, Geliebte, wo bist Du?
Der Schwarze war alt geworden. Seine Art war ruhiger und gelassener als zuvor. Sein Auftreten hatte etwas von Weisheit und Würde. Wenn er sich doch gleich immer seinen Trieben des Mordens, der Schadenfreunde und des Verderbens hingab.
Der schwarze Kopf reckte sich dem Himmel entgegen.
Ein lang gezogenes Heulen fand im Wind seine Ruhe und wurde über das ganze Revier getragen. Vielleicht würden die alten Rudelmitglieder es verstehen, schon einmal waren sie alle dem Ruf gefolgt und hatten geantwortet.
Acollon schritt voran, und bedeutete, dass seine Welpen mitkommen sollten. Er folgte dem Geruch Falks, immer wieder irritiert von den Duftresten Banshees, die immer noch an den Bäumen und in der Luft hingen. Nicht lange musste er gehen, dann traf er schließlich auf seinen Beta, Hidoi und drei Fremden. Ihm unbekannte Wölfe, aber vielleicht waren sie dem Rudel schon längst beigetreten.
Er nickte Falk zu, ein kaum merkliches Lächeln zeigte dem Beta, dass der Tod sich freute, einen alten „Freund“ wieder zu sehen. Auch Hidoi nickte er zu. Der Stahlgraue und er hatten sich nie wirklich leiden können. Aber eine sinnvollere Frage wäre, wer konnte Acollon schon leiden? Er war nie sonderlich freundlich zu den Rudelmitgliedern gewesen.
“Falk, alter Junge“,
sagte er im rauen Ton.
Hanako wirkte noch immer verzweifelt, es tat ihr weiterhin in der Seele weh, dass ihr Vater so grausam, so brutal war. Es konnte sich wohl niemand vorstellen, was wirklich hinter all dem steckte, sie fühlte sich einsamer als früher, obwohl sie wusste, dass ihre Familie auf sie wartete und sie wahrscheinlich empfangen würde. Auch Hidoi? Noch immer machte es ihr Sorgen, der Stahlgraue Rüde wartete vielleicht auf sie, aber vielleicht war er auch sauer und wollte sie nicht sehen, die Gedanken um diesen Punkt zu drehen war sinnlos, aber sie versuchte es trotzdem, sie hoffte praktisch, eine Antwort in all dem zu finden. Dann aber nahm sie wieder wahr, wo sie wirklich war, in der Gegenwart, neben ihrer Freundin Banshee, die nun dichter an sie gerückt war. Warme Berührungen schenkte ihr die Alphafähe und Hanako ließ den Kopf etwas hängen, aber sie konnte nichts sagen, in diesem Moment schien es das Beste zu sein, einfach nur zu schweigen. Kurz entglitt ihr ein Seufzen, dann hob sie ihren Kopf etwas an und legte ihn sanft an den von Banshee, als eine Art Stütze, als Schutz, die Fähe gab ihr in diesem Moment so vieles.
„Es muss dir nicht Leid tun. Vielleicht war es nun das Ende von der Grausamkeit. Mein Schicksal.“
Die Fähe seufzte wieder, es war wohl wirklich ein Schicksal, aber wenn ihr Vater nun erreicht hatte, was sie wollte, dann würde er vielleicht wirklich aufhören. Vielleicht hatte Banshee ebenso mit ihren Worten Recht und Hanako hätte fast gelächelt, denn die Alphafähe hatte Recht. Dieser grausame Rüde würde nicht an dem Rudel vorbei kommen. Und letzten Endes würde doch selbst Hidoi für sie kämpfen, egal, was passieren würde bei de Rückkehr der beiden Fähen. Sie nickte kurz und stupste Banshee ganz sanft und liebevoll an, denn die Worte, die von ihrer Freundin folgten, waren nur kurz, aber sehr bedeutungsvoll. In ihnen steckte eine ganz lange Erklärung, die Hanako nun nur zu gut verstand und die Körper der Fähen lagen so eng beieinander, dass sie schon eher als enge Freunde kuschelten.
„Das tut mir schrecklich Leid für Dich, Banshee. Aber glaube mir, Acollon wird wieder kommen, Banshee. Er würde dich niemals im Stich lassen. Nicht Dich und auch nicht Eure Kinder. Es wäre gemein, zu sagen, Du musst auf ihn warten, denn das tust Du. Du musst an Acollon glauben, denn Du liebst Ihn!“
Hanako wusste nicht, ob dies die richtigen Worte waren und sie schüttelte den Kopf, es waren bestimmt die Falschen gewesen, wieso fiel ihr dies alles jetzt so schwer? Sie seufzte nur wieder und legte ihre Pfote sanft auf die von Banshee.
„Lass uns zurück zum Rudel, ich muss zurück. Wir müssen zurück. Sie warten auf uns.“
Bat Hanako mit leiser, aber bittender Stimme. Nun wollte sie doch zurück, wollte zurück in die Nähe ihrer Familie und das war eine klare Entscheidung. Sie wollte sich erklären, die Situation erklären und wieder geliebt werden. Den ganzen Schmerz und Hass für immer vergessen.
24.12.2009, 14:44
Banshee drehte den Kopf wieder leicht zu Hanako, ihr Blick wanderte noch einmal die Narbe über der Schnauze hinauf und hielt bei den Augen ihrer Freundin inne, nicht nur Schmerz, Trauer und Angst spiegelten sich darin, sondern auch große Sorge und fast Verzweiflung. Banshee meinte zu ahnen, woher diese Gefühle kamen, sie war zwar nicht dabei gewesen, als Hanako das Rudel verlassen hatte, doch schien es nicht so, als hätte sie jemandem erzählt, wohin ihr Weg sie führen würde. Tröstent schmiegte sie sich an sie, für ihr Schicksal, für den blutbefleckten Weg, für die Tatsache, dass sie sie nicht davor hatte bewahren können. Als Hanako dann weiter sprach und über Acollon redete, begann ein Lächeln auf Banshees Lefzen zu tanzen. Nicht, weil sie fröhlich war, viel mehr, weil Hanako das bestätigte, was die Feentochter schon wusste. Nur reichte ihr das nicht. Vielleicht verlangte sie zu viel, vielleicht stand das Glück der Erde Engayas Tochter auf eben jener Erde nicht zu. Trotzdem durfte sie sich danach sehnen und eben dies machte sie jetzt so traurig und ihr Herz so stumm. Leicht lehnte sie ihren Kopf an den der anderen Fähe und schüttelte ihn sachte, sodass die Weiße die Bewegung fühlen musste.
"Oh Hanako, nur wann? Wie lange müssen seine Welpen und ich leiden? Haben sie keinen Vater verdient?"
Vielleicht war es ja wirklich so. Vielleicht hatte sie kein Glück verdient und ihre Welpen sollten dieses Schicksal geerbt haben. Vielleicht aber woltle sie nur zu viel zu schnell. Sie hatte Junge bekommen dürfen, keines war gestorben und keines schien seltsam, wie sie es beinahe erwartet hätte.
Mit einer ruckartigen Bewegung stand sie auf, nicht, weil sie nur darauf gewartet hatte, dass es weiter gehen würde, viel mehr, weil sie das Verlangen Hanakos gespürt hatte und ihr selbst klar geworden war, dass sie zu ihrem jetztigen Glück zurück musste und wollte. Ihre Welpen.
"Ja, lass uns gehen. Unsere Welpen warten."
Sie schenkte der Fähe ein ehrliches Lächeln, die kurze Erkenntnis, dass sie beide ihre Jungen erwarteten, sicher voller Vorfreude sie wieder zu sehen. Es war gut, zu wissen, dass sie beide zusammen Leben in diese Welt gesetzt hatten, sie beide, mit weißem Fell und Trauer im Herzen.
Falks Augen verengten sich. Wut sprudelte, heißer Zorn flammte in ihm auf. Der graue Hüne mit dem schwarzen Rücken richtete sich nun zu voller Größe auf, seine schwarzen Augen funkelten vor kaum unterdrücktem Hass. Doch ehe er noch etwas sagen konnte, entschuldigte sich der Fremde plötzlich, nannte fast freundlich seinen Namen - Sirius. Falk schwieg. Sein rechtes Ohr zuckte in wilder Aufregung und Wut. Was sollte das nun wieder? Was spielte dieser Fremde für ein Spiel? Eine plötzliche Erinnerung durchzuckte den Hünen, ein kurzes Bild nur, aber deutlich genug für den Grauen: Vor längerer Zeit war ein Wolf im Rudel gewesen, der sich ähnlich verhalten hatte und scheinbar plötzlich immer wieder seinen Charakter komplett veränderte. Falk dachte nach. Acollon hatte ihn sehr gemocht. Wie war sein Name doch gewesen? Kaya? Kamui? Sayo? Oder hatte er gar auf alle drei Namen gehört? Falk schüttelte den Kopf. Das war jetzt nicht wichtig. Es konnte auch sein, dass dieser Sirius ihn einfach nur verwirren wollte, ihn gründlich verarschte. Falk spürte Hidois Blick auf sich ruhen und er knurrte wütend.
"Hör mal, Freundchen... Wenn du mich verarsch- Hey!"
Sirius - wenn das sein tatsächlicher Name war - hatte sich längst abgewandt und beschimpfte Simariel, die weiße Fremde, die Falk scheinbar gefolgt war. Sollte er eingreifen? Sollte er die Fremde verteidigen? Nein - etwas hielt Falk davon ab, vorerst in die Diskussion einzugreifen. Er wollte sehen, wie Simariel jetzt reagierte. Vorhin war sie ihm so groß erschienen - ob sie dieses erste Bild nun würde bestätigen können? Fast hoffte Falk, dass diese Fremde gegen den fremden Rüden nicht bestehen würde. Wirklich daran glauben tat er nicht.
Eine Bewegung erregte die Aufmerksamkeit des Hünen. Falk drehte sich um. Es war Acollon, der ihn jetzt begrüßte. Ein wenig war Falk verwundert, vermutete er den Schwarzen doch bei seinen Welpen. Dass er nur hierher gekommen war, um ihn, Falk, zu begrüßen, schied als Möglichkeit auch völlig aus. Der Hüne überlegte kurz, dann entschloss er sich zu einem kurzen Nicken.
"Acollon. Willkommen daheim."
Hanako wusste nicht mehr, wie sie noch inniger reagieren sollte, dieser Moment hier war etwas Besonderes für die beiden Fähen, sie spürten so viel Wärme und Zuneigung wie schon lange nicht mehr. In der ganzen Zeit, in der sie nicht da gewesen waren, da hatte ihnen diese Wärme gefehlt, ihre Herzen waren eingefroren, doch die Freundinnen gaben sich diese Wärme, die man benötigte, um ein Herz aufzutauen, ein Stück wieder. Nicht komplett, nein, denn dafür musste man ihnen den Schmerz und die Trauer nehmen, aber ein wenig. Als Hanako die Worte von Banshee vernahm, schützte sie ihre Freundin, in dem sie den Kopf auf ihren Rücken legte und kurz warm ausatmete, ehe sie Banshee wieder aufmunternd anstupste und sie mit einem festen Blick, aber weiterhin leeren und schwachen Augen ansah.
„Sie haben mehr als nur einen Vater verdient. Auch eine Mutter, die ihnen Stärke und Wärme schenkt. Und du bist ihre Mutter, Banshee. Acollon ist bald hier, wann, dass kann ich dir leider nicht sagen, aber ich spüre, dass er dich nicht mehr lange alleine lässt.“
Hanako tat alles dafür, dass es Banshee etwas den Mut zurückgab, aber dies war nicht so leicht, denn Hanako selbst hatte all ihren Mut verloren und wusste nicht, wie sie diesen zurück gewinnen sollte. Allein der Weg zurück zum Rudel war der Sinn, wieder Mut zu finden. Bei einer Familie, bei den Welpen, die ihre Mutter brauchten und bei dem Rüden, der die Liebe einer Fähe vermisste. Hanako stemmte sich auf ihre schmerzenden Pfoten, drückte sich mit diesen vom Boden ab und sah nun Banshee noch einmal an, in den Blicken der beiden Fähe konnte man sehen, wie sie mit der Trauer erfüllt waren, aber nun hatten sie auch ein Ziel. Das Ziel, zurück zu ihren Welpen zu gehen, die ihre Mutter brauchten. Hanako spürte, dass sich etwas geändert hatte, sie wollte vor wenigen Minuten noch nicht zurück ins Rudel, wollte es meiden, ihren Gefährten zu sehen, da sie sich fürchtete, aber nun war dort dieses Verlangen. Nun wusste sie wieder, wofür sie hier war, wofür sie noch lebte. Ihr Vater hatte sie am Leben gelassen, damit sie das Leben weiterführte und beschützte, was sie in die Welt gesetzt hatte. Nun hatte die weiße Fähe es eilig, aber nicht zu eilig, denn die Schmerzen saßen noch immer. Mit ihrer Alphafähe dicht an ihrer Seite schritt Hanako voran, der Weg war nun nicht mehr lang, sie hatten Kräfte gesammelt, denn die Rast hatte vieles zurück geholt, was verloren gegangen war. Es lag nur ein kleines Lächeln auf den Leftzen Hanakos, es war die Freude auf ihre Familie, aber die Schmerzen tief in ihr, die Trauer, die ihr Herz umschloss, nahm all die Gefühle wieder und die Weiße spürte wieder die Narbe so tief in ihrem Gesicht, dass sie jeder sehen würde, der sie gut kannte und wusste, dass diese vorher nicht da war.
Der Weg wurde kürzer und kürzer, Hanako spürte, dass sich in der Nähe die Wölfe des Reviers befanden, sie sah nur unsicher zu Banshee, dann wieder voraus, die Fährten, die Hanako roch, waren so klar. Zwei Fremde Gerüche mischten sich unter die von Falk und von….Hidoi. Sie meinte sogar, Acollon wahr zu nehmen, täuschte sie sich da? Nahm Banshee dies auch war? Hanakos Augen wurden etwas größer, nun stand sie Hidoi doch schneller als erwartet gegenüber. Aber noch lagen einige Meter zwischen ihnen, ob Hidoi sie auch wahr nahm? Und wo waren die Welpen? Hanako war verwirrt, es war so viel auf einmal. Noch einmal warf sie unsicher einen Blick zu ihrer weißen Freundin, mit einem Flüstern sagte sie zu ihr:
„Wir sind ihnen ganz nah. Ich nehme Hidoi wahr.“
In ihrer Stimme zitterte etwas ganz unerträglich, die Sorge, vor der Reaktion Hidois, war noch da, aber vielleicht war sie umsonst? Seufzend sah sie zu Boden, während sie sich dem Ort näherte und näherte, dann brachen sie durch die Bäume, die Büsche, hindurch und Hanako konnte ihren Stahlgrauen Gefährten nun ganz genau erkennen. Wortlos und mit traurigen Augen sah sie ihn an, die Narbe leuchtete und pochte unerträglich, in den Augen der Fähe spiegelten sich Tränen wieder.
Simariel stutzte überrascht, fing sich aber rasch wieder. Sie hatte nicht gemerkt, dass sie so laut gesprochen hatte, eigentlich hatte sie gedacht, sie würde nur leise murmeln. Oder dieser Wolfshund hatte bessere Ohren als sie. Nun war es jedenfalls zu spät, er war zu ihr getreten und fing nun an, sie wüst zu beschimpfen.
.oO(Memo, Memo, Memo: Gedanken behalten. Und Gedanken behalten. Ganz tief, ganz fest.)Oo.
Erst tat es ihr fast noch Leid. Diesem Fremden musste es ja beinahe wie eine Beleidigung vorkommen. Also setzte Simariel ein entschuldigendes Lächeln auf. Sie hatte es ja nicht so gemeint. Es war eine Feststellung gewesen. Keine Beleidigung. Es war ihr eigentlich herzlich egal, dass er ein halber Hund war. Das würde sie ihm erklären. Gleich.
Aber dann wurde sie allmählich etwas verstimmt. Dieser Sirius, wie er sich eben noch recht friedlich vorgestellt hatte, begann nun wirklich patzig zu werden, warf ihr Dinge vor, von denen er keine Ahnung haben konnte, weil er sie nicht kannte, das waren Vorurteile, Vorurteile übelster Sorte und die weiße Fähe begann einen bitteren Geschmack im Mund zu spüren. Ihre Augen blitzten. In ihren Knochen juckte es unangenehm. Sie blinzelte. Sie hätte es jetzt tun können. Sie könnte sich jetzt langsam aufrichten und dann auf zwei Meter Schulterhöhe anwachsen. Dann würde sie dem Wolfshund sagen, was sie von seinen Äußerungen hielt. Er war nicht der Einzige, der Probleme hatte. Ihm hatte man nicht die Vergangenheit gestohlen. Er musste nicht kopflos durch die Lande reisen und würde dabei niemals jemandem zur Gänze vertrauen können. Er war auch kein Sucher - zumindest keiner seit fast 2000 Jahren.
.oO(Vorsicht, Simariel, vorsicht - er hat eine gespaltene Persönlichkeit, zumindest ist er unberechenbar, er weiß nicht, was er tut, und mit wem er es zu tun hat, das weiß er auch nicht... Mäßige dich. Und achte auf deine eigenen Gedanken. Du wirst ungerecht.)Oo.
Kurz schloss Simariel die Augen. Als sie sie wieder öffnete, war jeder Funken einer leidenschaftlichen Wut aus ihnen verschwunden. Sachlich, aber doch nicht kühl, sagte sie:
"Ich werde dir etwas erklären."
Sie sah kurz nach oben und dann dem Wolfshund direkt in die Augen. Sie würde ihn festhalten - mit ihren Augen würde sie ihn festhalten.
"Hör zu: Es ist mir gleichgültig, ob du Hund oder Wolf oder alles gleichzeitig bist. Oder was auch immer. Ich habe es lediglich bemerkt. Ich würde mir kein Urteil anmaßen, niemals. Mein Blut ist genauso wenig rein, wie es das deine ist. Ich bin halb Polarwölfin, halb bin ich aber auch ein Werwolf. Und der da..."
Sie nickte zu Falk hinüber.
"...der da hat auch etwas von einem Werwolf. Der Schwarze hier nun wieder..."
Sie verstummte. Man musste es nicht übertreiben.
"Tatsache ist, dass es nicht das ist, was uns ausmacht. Ich suche tiefer. Was ich bis jetzt sehe, ist ein Lebewesen, das auf vier Beinen geht, so wie ich es in dieser Gestalt auch tue, ein Lebewesen, dass zwei Augen hat, eine Nase und einen Mund. Ich sehe jemandem, dessen Mutter man offenbar Leid zugefügt und ihm selbst wohl auch, jemand, der sich deswegen zu schützen versucht - auf vielerlei Arten. Wir allen haben unsere Geschichten. Mir wurde auch übel mitgespielt. Ich bin eine ruhelose Sucherin - und möglicherweise finde ich den Frieden nie. Und jene anderen hier - würde ich suchen, auch sie hätten ähnliche Geschichten zu erzählen und wohl zumindest gehört. Das werde ich nicht tun. Du kannst es mir selbst erzählen - oder du lässt es. Aber was du auch tust - ich werde nie ein Urteil fällen über dich."
Weiterhin sah sie ihn an, behielt ihn im Auge. Würde er den Blick jetzt lösen? Was würde er überhaupt tun? Simariel kapselte ihn ab, ihren Geist - sie wollte Sirius nur von außen sehen, nur von außen - der Rest ergab sich.
Abwartend sah Averic sein kleines Brüderchen an. Was war denn los mit dem schwarzen Träumer? Nun gut, bis eben war er auch noch ein wenig aufgeregt gewesen seinen Vater endlich mal wieder zu sehen, aber jetzt wo er vor ihm stand war jegliche Unruhe von ihm geflogen und er wirkte vollkommen gelassen. Aber Cylin sagte ja kein Wort, das einzige was er gehört hatte war wie er seinen Namen nannte. Nach einer kurzen Pause der Stille stupste Averic seinen Bruder an, lauschte aber dann aufmerksam dem mächtigen Geheul Acollons. Fast sehnsüchtig richteten sich seine Ohren scharf auf, so wie sein Vater wollte er auch einmal werden. Groß und mächtig, Ehrfurchterbietend. Seine Stimme klang wie der Tod in Person und doch faszinierte es ihn.
Als sein schwarzer Vater loslief, stieß Averic Cylin kurz in die Seite, aber nicht grob, seinem kleinen Bruder würde er doch niemals weh tun wollen. Aber der Pechschwarze wollte auch Acollon folgen, Cylin jedoch in keinem Fall alleine lassen.
“Komm Cylin! Mama ist bestimmt auch gleich wieder zurück!”
sprach er beruhigend auf den Träumer ein, dann lief auch er los. Seine Pfoten waren zwar schon sehr lang und robust geworden, doch musste er schon noch deutlich an Tempo zulegen damit er mit Acollon Schritt halten konnte. Seine spitzen Ohren waren jeden Laut aufnehmend aufgestellt, der dunkelblaue Blick starr und kühl, wie es für den jungen Wolf typisch war, nach vorne gerichtet, auch wenn er nicht so viel erkennen konnte wie manch anderer. Seine Welt war grau. Zumindest dachte er so, inzwischen schien das ja nicht immer so zu sein...
Schon bald konnte er andere Wölfe sehen, und nicht grade wenig. Den Hünen Falk und den stahlgrauen Hidoi, Vater der anderen Welpen. Einen von ihnen konnte Averic sogar wittern. Aber sein Blick blieb eher auf einer unglaublich großen, weißen Wölfin hängen, so groß das selbst Falk fast klein neben ihr schien. Was für ein sonderbares Geschöpf... Ob sie auch so normal war wie die meisten, oder steckte in ihr so etwas mysteriöses wie an dem tiefschwarzen Fremden, von dem er jetzt natürlich nicht wusste, wo er war und ob er überhaupt noch im Revier verweilte. Ganz ehrlich, jetzt interessierte es ihn auch nicht mehr sonderlich, so viele Gerüche trafen plötzlich an diesem einen Ort zusammen, Drei, Fünf, noch Einer und dann näherten sich auf einmal noch Zwei. Und der Pechschwarze erkannte sie sofort. Ein kurzes Japsen verließ seine junge Kehle, dann sprang er durch das Gewimmel hindurch an den vielen Wölfen vorbei. Was sie redeten und für Probleme hatten interessierte ihn nicht. Seine Mutter war schon wieder zurück. Hatte sie Acollon bemerkt? Der groß gewordene Welpe stand dann schon vor seiner schneeweißen Mutter, blieb stehen und schwang die Rute leicht durch die Luft. Ein stolzes Grinsen lag auf seinen dunklen Lefzen, nicht oft sah man so eine Regung in seiner Mimik und auch jetzt lag kaum etwas kindliches darin, aber das Grinsen war echt.
“Mama! Guck mal wen Cylin und ich gefunden haben!“
Sagte er stolz und deutete mit einem Kopfnicken zu Falk, neben dem ein ebenso pechschwarzer Rüde wie er selbst stand. Sein Vater, Acollon.
Banshee genoss den ruhigen Lauf, den die beiden Fähen nun eingeschlagen hatten. Die Worte Hanakos hatte sie zwar nicht zweifellos glauben können, aber sie spürte die Wärme und Zuversicht der Fähe hinter ihren Worten und es machte sie doch in irgendeiner Weise glücklicher. Jetzt liefen sie wieder schweigend und sich nur ab und zu berührend dahin, aber es war anders als zuvor. Sie wussten nicht nur, was die andere erlebt hatte, sie hatten auch die Kraft geschöpft an sich selbst zu glauben. Miteinander und füreinander ... und für das Rudel und ihre Welpen. Stumm zogen sie so dahin, erreichten den bekannten Mischwald und verließen die unbekannteren Teile des Reviers, liefen über Moos und Farn, einzelne, grasbewachsene Stellen und verrottetem Laub, bis sie plötzlich ein Geruch traf, den sie zuerst nicht ganz glauben konnte. Acollon. Es war nicht sein Geruch, wie er in der Höhle hing oder an manchen Felsen am See; nicht alt und abgetragen, schon lange nicht mehr berührt. Nein, er war frisch und gleichmäßig, wehte stetig aus seiner Richtung. Er war wahr. Konnte es sein, dass Acollon an genau der Stelle war, die Banshee nicht abgesucht hatte. Beim Rudel? Bei seinen Welpen? Da, wo er hingehörte? Ihr Herz begann wild zu pochen, als wäre es so eben zum Leben erwacht, ihr Blick huschte zu Hanako, entweder sie hatte den Geruch noch nicht bemerkt, oder sie ließ sich nichts anmerken. Ihre Schritte beschleunigten sich etwas, jetzt meinte sie auch die Aufregung Hanakos zu spüren, ob es nun an dem Geruch Acollons oder an dem baldigen Wiedersehen mit Hidoi lag, kontne die Fähe nicht sagen. Nach erneut endlos vielen Schritten war Banshee sich sicher, Acollon war dort, zusammen mit Hidoi und Falk und einigen Fremden. Und auch den Duft ihrer Welpen konnte sie wahrnehmen, sie alle wuselten dort herum. Glück explodierte und gleichzeitig wurde sie doch ruhiger. Sie lie wieder gleichmäßiger, ihre Schritte wurden weicher, sie bekam ihren schwebenden Gang zurück, ihr Gleiten durch die Luft und durch das Leben. Jetzt waren sie ganz nah, Hanako überholte sie, Banshee ließ sie ziehen. Mit einem mal kamen ihre Welpen auf sie zugesprungen, Averic und Cylin, freudig rufend und so stolz auf ihren schwarzen Vater, der dort drüben stand, er, wie sie ihn so vermisst hatte. Kurz blieb sie stehen, senkte ihre Schnauze zu Averic, ihre Augen glitzerten vor Freude.
"Averic, mein Schatz, ich bin so stolz auf euch. Kommt, lasst uns zu euerem Vater gehen."
Liebevoll stirch sie mit der Schnauze über ihren Welpen, freute sich fast ebenso ihn zu sehen wie seinen Vater. Plötzlich war die Welt wie ein glitzernder Blütenpalast, Glück und Freude sprudelten so über sie, wie sie es selten erlebt hatte. Fast wie im Traum ging sie auf Acollon zu, bemerkte weder die fast beängstigend große, weiße Fähe, noch den seltsamen Mischlingsrüde. Nur noch Acollon war da und würde immer da sein. Ihr Tod, ihr Leben. Endlich berührten sich ihre Schnauzen, Banshees Leben fand Sinn, ihr Kopf glitt an seinen, berührte seine Schulter und vergrub sich in seinem Nackenfell. Wie sehr hatte sie sich danach gesehnt, wie lange darauf gewartet. Sehnsuchtsvoll sog sie seinen Geruch ein, solange hatte sie nach ihm gesucht und nun endlich hatte sie ihn ganz um sich, alles war von ihm, nichts trennte sie mehr. Wenn es Momente im Leben gibt, in dem man nur glücklich ist, nichts als glücklich, dann war nun einer dieser Momente.
"Acollon, ich hab dich so vermisst."
Keine Fragen, wo er gewesen war, was er getan hatte. Es interessierte sie nicht. Er war wieder da und das war alles, was zählte. Er stand hier, eng neben ihr, sie durfte ihn fühlen, riechen, hören, sehen und schmecken und das war alles, was sie wollte. Nur langsam nahm sie jetzt die weiße Fähe, die sich gerade scheinbar mit einem seltsamen Wolf stritt, zusammen waren sie eine bizaare Erscheinung. Scheinbar war aber alles zumindest in einer eingermaßen sicheren Lage, denn die Welpen tollten glücklich herum. Sie wandte ihren Blick wieder Acollon zu, er war zunächst einmal weit aus wichtiger als die Fremden. Liebevoll küsste sie ihn auf die Nase, die erste explodierende Freude überstanden, jetzt einfach nru noch das Glück genießend.
Leise genervt brummend wandte Hidoi schließlich den Blick von beiden Streithähnen ab. Sollten sie sich doch gegenseitig die Köpfe abreißen... Nun kam auch noch eine fremde, überdimensionierte Fähe hinzu, und der Streit begann von Neuem. Ein raues Seufzen verließ seine Kehle und als dann auch noch das Heulen seines Alpharüden zu ihnen schall, drehten sich seine Ohren ganz nach hinten. Da kam er zurück, im Schlepptau doch tatsächlich mit Zweien seiner Welpen, beide so schwarz wie der kalte Rüde. Ja auch er war Vater, irgendwie wurde Hidoi das erst jetzt wirklich bewusst und fast schon suchend blickte er sich nach Hikaji um, bis ihm plötzlich ein nur all zu vertrauter Geruch entgegen strich, der seine Gedanken für einen Moment gänzlich betäubte. Still richtete er den stahlgrauen Kopf nach vorne, ließ seinen gelben Blick direkt ins Dickicht grade aus führen, bekam von seiner Umgebung nichts mehr mit. Und dann konnte er sie sehen, seine Hanako, die er so vermisst hatte, dass er es manchmal schon vergessen hatte, so schlimm war es geworden. Erschien das nicht unlogisch? Aber es war so und jetzt stieg es wieder in dem Hünen auf, sodass er sich Momente lang regungslos fühlte. Aber dann durchfuhr ein kräftiger Ruck seinen kräftigen Körper und wie in Trance trabte er an dem Gerangel vorbei, bis hin zu seiner Geliebten. Doch was er sah erschrak ihn. Hanako sah so traurig und verletzt aus, dass es ihm selbst furchtbar weh tat. Ihr zartes Gesicht kennzeichnete nun eine Narbe, es sah so aus als hätte sie viel durchgemacht. Ihm stockte der Atem, als er so dicht vor ihr stand, dass seine Schnauze die ihre fast berührte und der Graue in ihre wunderschönen Augen blicken konnten, die nun mit Tränen gefüllt waren. Was war nur passiert? Galte ihm dieser traurige Blick? Eine so unbekannte Welle der Angst überflutete ihn, Angst das sie wieder gehen könnte. Hidoi drückte seine Schnauze zaghaft an ihre Schnauze, vorsichtig als würde sie an seiner Berührung zerbrechen, während sich sein Blick nicht von ihren endlos traurigen Augen lösen konnte.
“Hanako...“
Leise hauchte er ihren Namen, als würde er sich damit bestätigen, dass sie hier wirklich vor ihm stand und das wirklich seine Gefährtin war, dessen warme Schnauze er berührte. Tausend Fragen schossen ihm durch den Kopf, als erstes die, warum sie einfach so gegangen war, doch je mehrere sich ihm stellten, desto weiter rückte diese in die Ferne und sie schien unwichtig zu werden. Die Hauptsache war doch, dass sie wieder zurück war, oder würde sich etwas ändern? Der Stahlgraue hoffte einfach nur das sie bei ihm bleiben würde, für immer und sie beide mit ihren Welpen leben konnten, sie aufwachsen zu sehen. Er wollte gar nicht wissen warum sie gegangen war, vielleicht aus Furcht vor der Antwort? Aber ein paar Fragen waren da doch hängen geblieben. Warum sah sie ihn so voller Schmerz an, dass es ihm selbst schmerzte? Hatte sie Angst vor ihm? Woher stammte diese Narbe und...
“Was ist nur mit dir geschehen?“
Irgendwann hatte der Tiefschwarze einfach nur noch versucht alles weg zu drücken. Alles vergessen sodass nur noch eine leere Hülle zurück bleiben würde, der tote Körper – gänzlich leblos. Doch die Stille, welche ihn mit geschlossenen Augen umgab war so laut und dröhnend, dass er es kaum aushielt. Es schien so als könnte er jeden Schmerzensschrei seiner eigenen Seele innerlich hören. Die leicht abgerundeten Ohren legten sich knapp an, doch in der kalten Mimik seines tiefdunklen Gesichts zeigte sich keine Regung. Seine Hoffnungen, seine Wünsche, wen hatten sie je interessiert? Wer hatte sie je beachtet oder gar überhaupt gekannt? Sie waren egal, zählten nicht mehr und würden niemals in Erfüllung gehen.
Verpatzt.
…Take everything from the Inside – and throw it all away…
Ja, er brauchte nichts mehr, konnte hier eigentlich für immer liegen bleiben, so sinnlos es auch war. Wenigstens ließ man ihn bisher in Ruhe, einfach liegen gelassen und jeder kümmerte sich um seine Sachen. Face musste verdauen, auch wenn es nicht möglich war. Wie sollte man schon damit umgehen können ein Toter unter Lebenden zu sein? Das hieß soviel wie; Er war gar nichts mehr. Ein Nichts und Niemand. Der Tiefschwarze wollte weder Schwierigkeiten noch verspürte er den Drang beachtet zu werden. Aber das es so blieb war nahe zu unmöglich.
Wann lief man schon ohne jeglichen bösen Gedanken über den Rudelplatz und erblickte auf einmal einen tiefschwarzen Wolf den man nie zuvor gesehen oder gewittert hatte? Face konnte sie förmlich schon vor sich hören, alle mit der selben Frage, die auch schon dieser weiße Rüde gestellt hatte, welcher nun nicht mehr da war. Er würde diese Frage nie beantworten.
Ganz langsam hob Face Taihéiyo die Lider wieder, welche seine leeren und getrübten Augen verborgen gehalten hatten. Der Rudelplatz dieses Reviers hatte sich so ziemlich geleert, die Stimmen drangen von anderswo, so fern und es war ihm nur recht. In dem ganzen fand er auch noch die Ironie, dass auch der graue Hüne verschwunden war, der ihn doch unbedingt im Blick behalten wollte. Die saphirblauen Augen konnten nur noch seine Gefährtin erkennen und eine schwarze Wölfin. Egal, solange sie ihn in Ruhe ließen. Stumm setzte sich der tiefschwarze, für die Rudelmitglieder immer noch namenlose Wolf auf, neigte die Schnauze tief herab und richtete den müde wirkenden Blick irgendwo hin.
Hass... Cloud hatte ihn belogen, sein Versprechen nicht eingelöst, nicht gehalten. Sein kleiner Freund, wie lange war er es schon, der dieses kranke Spiel steuerte? Vielleicht... Von Anfang an? Face wusste es nicht, wusste auch nicht ob es wirklich so war, das Einzige was er sagen konnte...
Der Indianerjunge hatte ihn schwer enttäuscht.
“Don’t stay – Go away...“
Und der Schwarze? Acollon hatte ein wenig dem Gespräch der beiden ihm unbekannten zugehört. Beeindruckend, wie viele Werwölfe sich in diesem Rudel eingefunden hatten, zwei, stattliche Zahl. Der Schwarze hatte angenommen er hätte genügend von ihnen getötet, sodass es höchstens einer hierher schafft. War dem wohl nicht so.
Ein strahlender Ruck glitt durch den Körper des Schwarzen, eben noch halbherzig dem Gespräch des Mischlings und der Halbwerwölfin zugehört, nun mit ganzem Herzen bei seiner Gefährtin. Ein wahres Lachen fand den Weg ins freie. Die Augen des Hünen verloren den matten und leeren Blick. Sie glitzerten als sie Banshee ansahen. Er stand vor ihr, sie hatte ihn auf der Nase geküsst. Und erst jetzt konnte er sich aus der Starre des Glücks befreien. Wirsch biss er in ihr Brustfell zog sie an sich heran und drückten ihren Kopf nochmals an seinen Hals. Genüsslich schloss er die Augen. Nun hatte er das, was er am meisten begehrte wieder, seine Banshee. Seine weiße, hübsche, intelligente Gefährtin. Ein kurzer Blick galt den Welpen, seinen Welpen. Schon merkwürdig. Jetzt empfand er so etwas wie Zusammengehörigkeit und das Schönste war, er ließ es einfach zu.
”Hübsche Welpen hast Du, Banshee!”,
sagte er und sah seiner Gefährtin lächelnd ins Gesicht. Liebevoll knabberte er an ihrem Nackenfell. Die Wölfe ringsum vollkommen außer Acht gelassen. Acollon befand, so könnte es noch Tage anhalten, ohne dass die Beiden sich lösen mussten. Aber beide hatten als Alphapärchen Pflichten, denen sie auch bald nachgehen mussten. Acollon war es doch ziemlich egal, was die anderen Wölfe nun taten. Er genoss einfach erstmal nur.
“Sie sind nach Dir gekommen.“
Leés Augen lagen ruhig auf der schwarzen Fähe. Sie fühlte sich für sie keineswegs verantwortlich, und doch war sie bei ihr. Seltsam, aber wahr. Unbeirrt trottete sie auf ein grosses Ahornblatt zu und nahm es in die Schnauze und trug es zu der Fremden und legte es unter ihre Pfote. Warum sie das tat, wusste die Braune nicht. Dann drehte sie sich um und ging davon, so als wäre die Fremde bereots tot. Und doch trug sie sie in ihrem Herzen und fühlte sich mit ihr verbunden. Doch sie selbst musste ihren Weg finden. So wie auch Leé. Entschlossen, sich zum Rudel zurückzuwenden, schritt sie Richtung Rudelplatz. Die Stille brach herein und nur sie, Leé, lief durch den Wald, begleitet von kleinen Wolken und der Sonne. Ein durchdringend sehnsüchtiges Heulen Acollos durchbrach die Stille und erschreckte Leé so sehr, dass sie heftig zusammenzuckte. Ihre Ohren schnippten nach vorn und sie wurde schneller und legte den Rest des Weges im zügigen Tempo zurück. Beinahe lautlos durchbrach sie das Gebüsch. Zögernd blieb sie stehen. Ihr Blick hüpfte verwirrt von Gesicht zu Gesicht. Schon die Ansammlung von lauter Fremden Gesichtern, liess Leé erschreckt innehalten. Doch als sie Hanako erblickte lief sie rückwärts und rannte zurück. Immer weiter, wusste nicht wohin, sührte nicht den Boden unter sich, nicht ihren Schrecken, doch plötzlich fühlte sie sich ruhig und geborgen. Sie legte sich hin und bevor sie die Augen schloss und sich zusammenrollte, sah sie die vetrauten Bäume, lauschte der Stille und spührte die Wiese von ihrer Lichtung....
Eine ganze Weile schon hatte sich der große Graue nicht blicken lassen.Sein letzter Zug Nin gegenüber war ihm nicht gut bekommen.Er hatte ein schlechtes Gewissen.Doch lies er die Ohren eng an den Kopf angelegt.Langsam trottete der Rüde zum Rudelplatz zurück.Er würde sich nicht entschuldigen.Ob es Stolz oder eher feigheit war,wusste er nicht.Doch wenn es Stolz sein sollte,dann wäre es falscher Stolz.Immerhin lag die Schuld ja bei ihm.Leichtfüßig drückten sich seine Pranken in den weichen Waldboden unter ihm.Hin und wieder sah er einen Vogel an sich vorbeihuschen.Nur manchmal hob er seinen mächtigen Kopf träge in die Richtung,aus der das Gerräusch gekommen war.Er Gähnte leise und spitzte ein Ohr,als er langsm in die Nähe des Rudels kahm.O)der besser gesagt zum Platz des Rudels.Wer alles dort war, und wer nicht,war ihm momentan ziemlich gleich.Er wollte nur zurück zu dem vertrauten Ort um zu wissen,das er nicht alleine war.Ein Seichter Windstoß durchfuhr sein Fell.
".oO(der wind kann weinen...)Oo."
Kurz blieb Bastar stehen und sah in den Himmel.Er vermisste seine Freundin.Kaede.Sie fehlte ihm sehr,auch wenn er es nicht wahrhabenwollte.Leise drang ein Jaulen aus der kehle des Großen und vorsichtig setzte er seinen Weg fort.Endlich war er angekommen.Nur kurz sah er sich auf dem Rudelplatz um,ehe er sich lustlos auf den Boden fallen lies und den Kopf auf die Pfoten gleiten lies.Auch Lighto vermisste er sehr.Doch schloss er kurz die AUgen und legte abermals beide Ohren an.Doch nicht etwa bösartig.Nur einfach so...
Banshee schloss erneut die Augen, die Berührungen Acollons, die für manch einen vielleicht eher unsanft erschienen, waren für sie reines Glück. Schon damals, als sie ihn zum ersten Mal gesehen hatte, war er so gewesen und auch in den darauffolgenden Monaten und Jahren, hatte er vor Wut Vögel zerfetzt und anderen ein Ohr eingerissen ... lebhaft erinnerte sie sich an all diese Szenen, aber im Gegensatz zu damals, wo sie voller Entsetzen war, musste sie jetzt fast lächeln. Es war ihre Vergangenheit und sie wusste, dass sie ihm Einhalt gebieten konnte. Zu genau hatte sich das Bild eingebrannt wie ihr Gefährte über einer Vogelleiche stand, das Maul noch blutbefleckt und mit wütenden Augen selbst sie anestarrt hatte, ihr gesagt hatte, dass sie gehen solle, dass er sie verletzen könnte, wenn sie nun nicht ging. Sie war nicht gegangen, sie hatte sich neben ihn gestellt, hatte seine Wut aufgesogen, seine Aggression getrunken und in sich verflüchtigen lassen ... und für diese Erlebenisse liebte sie ihn. Dafür, dass er anders war. Und vielleicht war auch sie anders, vielleicht würden viele Fähen sich von ihm abwenden und nur sie bei ihm bleiben, aber dafür war sie noch viel lieber bei ihm.
"Nach mir? Sieh dir Averic an ... Averic, komm zu uns! ... Er sieht aus wie du. Sein Fell, seine Augen ... oder Cylin ... sie sind alle wie du."
Auffordernd sah sie zu ihren beiden Söhnen, lud sie ein, ihre kleine Familie zu vervollständigen. Dann wandte sie ihren Blick wieder Acollon zu, sah aus dem Augenwinkel Leé auftauchen und seltsam schnell wieder davon rennen. Ihr BLick huschte zu Hanako, halb fragend, halb unsicher. Sie war mit Hidoi beschäftigt, hoffentlich hatte sie ihre Tochter trotzdem gesehen. Doch lange hielt ihre Sorge darüber nicht an, viel zu schnell musste sie ihren Gefährten wieder ansehen und erneut ihre Stirn an seine Flanke drücken.
"Wer sind all die Neuen hier?"
Es war keine Frage aus Interesse, sondern mehr ein Seufzer, das Wissen, dass sie sie alle begrüßen musste, feststellen, ob sie den Welpen gefährlich werden konnten, was sie hier suchten, ob sie bleiben wollten. Gleichzeitig woltle sie nur ewig so verharren, Acollon dicht neben sich spürend, seinen Atem auf ihrer Haut und sein Blick in ihren Augen.
Malicia sass hinter einem grossen Stein und schaute zu Boden. Ein winziger Marienkäfer mit nur einem Punkt auf den roten Flügelchen, weckte schon seit einiger Zeit das Interesse der Welpin. Leicht wedelnd sah sie ihm zu, wie er immer und immer wieder über ihre Pfote krabbeln musste, da sie sie immer inmitten seines Weges legte. Malicia grinste. Wie hilflos er doch war. Jederzeit hätte sie ihn mit einem Pfotenschlag töten können. Das Gefiel ihr, die Überlegene zu sein, auch wenn sie ihn niemals getötet hätte.
Das ewige Zuschauen liess die Welpin ermüden und zu Boden sinken. Langsam rollte sie sich zusammen und steckte ihre Schnauze unter ihre Rute und fühlte die Wärme und Geborgenheit. Stille umgab sie. Sie fühle sich wohl in dieser Stille. So ganz alleine. Noch einige Zeit dachte sie über den Marienkäfer nach...über seinen einzigen Punkt...über seine flinken Beine, über seine geschwinden Flügel, und über sein Leben. Dann wurde alles noch stiller und dunkler, sie verfiel der macht des Schlafes...
Das plötzliche durchdringende Heulen ihres Vaters liess sie hochschrecken. Ihre Ohren schnippten beinahe im gleichen Moment nach vorne, wie der Ruf erklang. Sie sprang auf und flitzte in hohem Tempo hinter dem Stein hervor, direkt auf ihre Eltern zu. Wild wedelnd blieb sie stehen, unschlüssig, was sie tun wollte.
Hanako sah Hidoi einfach nur an, ihm schien es ähnlich wie der weißen Fähe zu gehen, denn auch seine gelben Augen blickten eine Zeit nur zu ihr. Dann aber setzte sich der graue Rüde in Bewegung und Hanako schluckte, würde er ihr nun sagen, dass er sie hasste? Dass er sie nicht mehr sehen wollte? In seinem Blick konnte man nichts dergleichen feststellen, aber dennoch lag dieser Gedanke tief in Hanako drin, wann würde er denn nur gehen? Umso näher Hidoi ihr kam, umso mehr spürte Hanako, dass er erkannt hatte, was passiert war. Ihre Schnauzen berührten sich nur ganz leicht, ganz kurz, Hanako hatte noch nie ein Gefühl solcher Wärme gespürt, glücklich wurde sie dadurch, ihr Gefährte, ihr Geliebter Rüde war bei ihr und schenkte ihr alles, was sie brauchte. Aber er wirkte erschrocken, erschrocken von ihrem Anblick, von dem schmerzerfüllten Anschein, der Narbe und den Tränen. Wie sollte sie dies alles nur erklären? So viele Dinge gab es zu erklären, womit sollte man nur beginnen? Wieder berührten sich die Schnauzen der Wölfe und Hanako schloss einen kurzen Moment, gab ihren Gefährten einen sanften Kuss und innerlich lachte ihr Herz vor Freude, dass er einfach nur hier war und ihr ein Gefühl von Sicherheit und Liebe gab. Doch die Berührung von Hidoi war sehr zaghaft, Hanako ahnte so vieles.
Als er ihren Namen so leise wie möglich nannte, als wenn er ihn ewig nicht mehr ausgesprochen hatte, stellten sich kurz die Haare von Hanako auf, eine Gänsehaut überfuhr sie, es war ein angenehmes Kältegefühl, dass sie nur von diesem Rüden kannte und liebte und es nie mehr missen wollte. Doch in seiner Stimme schien noch so vieles anderes zu liegen, dass sie daran zweifelte, dies alles jemals herausfinden zu können. Ehe Hanako noch weiter über irgendetwas nachdenken konnte, da stellte Hidoi diese eine Frage, die all die Freude für wenige Sekunden nahm. Wortlos strich Hanako ihren Kopf an der kräftigen Schulter ihres Geliebten entlang, sie spürte so viel Zuneigung dabei, suchte eine Stütze, die sie für immer haben würde. Ihre Pfoten berührten sanft die von Hidoi, sie suchte seine Nähe und Wärme, etwas, das ihr den Mut zu der Erklärung gab.
„Hidoi…“
Flüsterte ihre Stimme so zaghaft wie noch nie in sein stahlgraues Fell, dann löste sie sich leicht von ihm, gab ihm wieder einen sanften Kuss mit ihrer Schnauze und sah tief in seine gelblichen Augen. Sie ahnte Reaktionen und Worte, aber damit würde sie vielleicht sehr viele Dinge nun klären können.
„Ich war auf der Suche nach meiner Mutter gewesen, doch das einzige, was ich fand, war ein Haufen Scherben. Mein Weg führte mich immer weiter aus dem Revier der Sternenwinde hinaus, ich ahnte, dass es nicht gut enden konnte, dafür entfernte ich mich viel zu sehr, aber ich folgte meinem Herzen, wollte ein Ziel haben. Im Tal dort draußen fand ich dann Blutspuren, etliche Blutspuren und das Blut roch so eindeutig nach meiner Mutter, dass es mir einen Stich in mein Herz versetzte. Ich war verwirrt und wollte sofort wissen, was passiert war, so folgte ich zaghaft und mit langsamen Schritten, die doch immer schneller wurden, dieser Spur, dem gewalterfüllten Geruch, der mich immer mehr erschrak. Als ich durch ein Gebüsch brach, hörte ich ein Knurren, ein tiefes Knurren und ich erkannte meinen tiefschwarzen Vater, er war so dunkel wie die Nacht, in der es geschehen war. Er lachte gehässig, von seiner Schnauze tropfte warmes und frisches Blut und unter ihm erlag der Körper meiner schneeweißen Mutter. Der Fähe, der ich ewig gefolgt war. Mit einem kräftigen Pfotenhieb hatte er ihren Kopf in meine Richtung geschlagen, ich sah in ihre Augen, die erstarrt waren. Eingefroren vor Angst und Trauer, vor dem Schmerz, den er ihr zugefügt hatte. Ich wollte fliehen, aber mein Körper war von Blei gefüllt, ließ mich nicht laufen, da entdeckte er mich, er roch mich und er hasste mich. Er kam auf mich zu, meine Augen waren geweitet, voller Angst und Schmerz, ich fühlte mit meiner Mutter, jeder Muskel in mir zuckte, doch da holte er erneut aus. Er verpasste mir einen kräftigen Pfotenhieb, sodass mir Schwarz vor Augen wurde. Als ich von einem starken Regenguss geweckt wurde, war ich sofort geflohen, auf meinem Weg traf ich Banshee. Unsere lange und tagelange Reise endete hier bei euch, bei dir.“
Hanako schluckte, nun hatte sie dem Rüden alles erzählt und ließ den Kopf etwas hängen.
„Es tut mir leid, dass ich einfach verschwunden bin. Wo sind die Welpen?“
Es wurden immer mehr Wölfe, die sich auf dieser Lichtung einfanden. Zwei weiße Fähen waren erschienen. Die eine hatte sich auf den schwarzen getürmt, die andere blieb bei dem Stahlgrauen stehen. Diese Liebeleien machte Sirius unersättlich, gleichzeitig, stieg aber die Wut erneut in ihm hoch. Wie kochendes Wasser, das auf einen abgekühlten Stein trifft, so zischte es in ihm. Notgedrungen hielt er die Luft an, er schien wieder explodieren zu können. Und dann war es so weit, der Mischling fand plötzlich eine neue Seite an sich selbst. Und diesmal war er wirklich nur Zuschauer. Der Mischling musste nur den Schwarzen oder die weiße Werwölfin angucken und schon schien es in ihm heftiger und schneller zu brodeln. Und es hörte gar nicht mehr auf. Es spritzte in ihm, tobte und schien alles vernichten zu wollen. Den Worten der Halbwerwölfin waren wie ein Donnerschlag auf ihn eingedrungen. Sie hatte es geschafft, er war nicht mehr er selbst.
Er richtete sich zur vollen Größe auf, riss das Maul auf und sprang mit einem großen Satz zu dem Welpen der gerade neu erschienen und das Kind von dem Schwarzen und seiner Gefährtin war. Er packte das kleine Lebewesen grob am Genick und riss es hin und her. Er spürte, wie seine Reißzähne sich in das Fell des Kleinen bohrten, doch das schien ihm kein Einhalt gebieten zu wollen. Im Gegenteil, es machte ihn heißer, auf mehr.
Wie wahnsinnig spürte er die Gier, die von seinem tiefsten Inneren freigelassen wurde.
Der Schwarze lächelte seine Gefährtin an, wieder warmherziger, als es von ihm gewohnt war. Auf den Hinweis hin, dass die Welpen ihm ähnlich sahen, schaute er hinab. Sie hatten wirklich etwas von ihm, nicht die mordsgierige Ausstrahlung, nein, aber so ein wenig konnte man erahnen, dass es seine waren. Acollon sog den Duft von Banshee tief in sich ein und genoss die Süße darin. Es war herrlich zu wissen, dass er eine Familie hatte, um die er sich kümmern konnte. Zärtlich schleckte Acollon seiner Geliebten über die Lefzen.
Ein weiterer seiner Welpen tauchte auf, der Schwarze sah die Welpin eingehend an, schenkte auch ihr ein leichtes und kaum merkliches Lächeln. Doch plötzlich sprang der Mischling zu seiner Tochter, packte sie und riss sie hin und her. Es dauerte nicht einmal eine Sekunde und der Rüde war auf den Rücken des Mischlings gesprungen und biss mit einer brutalen Gewalt in die Kehle des Angreifers. Acollon war es egal, welchen Grund dieser Rüde haben sollte, um seine Familie anzugreifen, in den Augen des Fenrissohn gab es nicht mal einen Grund. Das schwarze zottige Fell richtete sich auf, die Augen blitzten kalt. Erneut hauten sich die großen Fangzähne in den Hals seines Opfers. Blut spritzte über den Boden und verteilte sich, mischte sich unter den Dreck. Keine Chance, Acollon hatte zugebissen und würde diesen Eindringling auch töten, doch dieser hielt seine Tochter immer in der Schnauze. Acollon riss den Fremden auf den Rücken. Er holte mit seiner gewaltigen Pranke aus und hinterließ eine weitreichende Narbe, Vom Oberlid bis zum Brustfell klaffte nun eine riesige Wunde. Der Mischling schien sehr mit seinen Schmerzen beschäftigt zu sein, deshalb schnappte der Schwarze behutsam nach seiner Tochter. Grob im Maul hängend trug er sie zu Banshee. Acollons Augen hatten sich zu Schlitzen verengt, nachdem er die Welpin bei seiner Gefährtin niedergelegt hatte, und sein Blick den Verletzten suchte. Drohend stellte er sich über ihn und ließ ein respektheischendes Knurren verlauten.
“Wage es ja nicht, wieder meiner Familie nahe zukommen“,
grollte er zwischen den zusammengepressten Zähnen hindurch.
Banshees Blick löste sich erst von Acollon, als sie einem kleinen schwarzen Punkt gewahr wurde, der auf sie zu gesprungen kam. Malicia. Schon löste sich ihre Schnauze von ihrem Gefährten und woltle sich zu ihrer Tochter senken, als ein rasend schneller, weiß-brauner Blitz zwischen sie sprang und ehe sie richtig verstand, was geschehen war, ihre kleine Tochter wild hin udn her schüttelte. Banshees Mutterinstinkte explodierten, Wut, Sorge, Hass, Liebe, Angst, sie wollte sich schon auf den Rüden stürzen, als sich ihr Gefährte schon von ihr gelöst hatte und bei dem anderen Rüden war. Das Nachfolgende sah sie nur mit Entsetzen, die Angst um ihre Tochter und ihre uralten Instinkte des Lebens vermischten sich und beinahe hätte sie sich zwischen Acollon und den Rüden geworfen, auch wenn sie Chancenlos gewesen wäre, als Acollon bereits zurückkam und eine blutbefleckte Welpin vor sie setzte. Die Gedanken an den fremden Rüden setzten wieder aus, ihre kleine Tochter so vor sich zu sehen brach ihr das Herz. Kein Welpe sollte so etwas sehen müssen, kein Welpe sollte wimmernd und mit Blut in ihrem Fell aus den Fängen eines Ungeheuers gerissen werden müssen. Voller Sorge und Angst rollte sie sich um Malicia, begann ihr das Blut aus dem Fell zu waschen, versperrte ihr mit ihrem Körper den Blick auf Acollon und den Rüden, flüsterte leise.
"Malicia, meine Süße, hast du Schmerzen? Weine nur, mein Kind, spül diesen Augenblick aus dir hinaus, ich bin jetzt da, er wird dir nichts mehr tun können."
Sie wusste nicht, ob ihre Worte Sinn ergaben, gleichzeitig war es ihr auch egal. Es kam auf ihre sanfte Stimme und ihren warmen Atem an, es kam darauf an, dass sie ihre Tochter beruhigen konnte. Gleichzeitig schaltete sich jetzt auch ihr Verstand wieder ein, die Sorge um die anderen Welpen, zumindest Averic und Cylin liefen hier noch herum. Ihr Blick huschte wie gehetzt über die Wölfe, entdeckte ihre beiden Söhne und rief sie leise.
"Averic, Cylin ... kommt her zu mir, schnell!"
Kurz streifte sie auch Acollon und den Fremden, es bestand keine Gefahr, dass der Rüde so schnell wieder aufstehen würde, trotzdem wollte sie ihre Welpen bei sich haben. Zu viel Angst hatte sie um sie und zu schlimm war das Bild gewesen, das jetzt in ihren Köpfen sein musste.
Malicia wedelte immer heftiger und hatte nur Augen für ihre Eltern. Den anderen Rüden hatte sie gar nicht gesehen... Erst als er sich schmerzhaft bemerkbar machte. Alles ging viel zu schnell für die Welpin. Sie sah den Braunen Mischlingsrüden erst als er über ihr war und liess einen panischen Quietscher ertönen und zappelte wild, als dieser sie brutal am Nacken hin und her riss und sie in der Luft herumschwang. Sie presste verzweifelt und fast zu Tode erschrocken die Augen zu. Doch beinahe im selben Moment schoss ihr Vater hinzu und biss dem Fremden in die Kehle. Malicia öffnete ihre Augen und riss sie weit auf, als sie das viele Blut sah. Es ronn auf alle Seiten an ihr herab, mischte sich mit ihrem eigenen und zum ersten Mal, roch Malicia Blut, spürte Schmerz und all das veränderte das Denken der Welpin über das Leben. Zum ersten Mal, hatte ihr jemand Schmerzen zugefügt.
In diesem Moment, als Acollon sie wegtrug und sie zu ihrer Mutter legte, wurde Malicia ganz schwummrig. Alles war so zittrig und wackelig, so, als würde ihr Leben ihr einfach aus der Pfote fallen. Doch Malicia blieb wach und doch auch die Wärme ihrer Mutter beruhigte die Welpin keineswegs. Sie rollte sich zusammen, zu einer Kugel, zitterte am ganzen Körper und spürte einen pochenden Schmerz in ihrem Nackenfell. Doch die Zunge Banshees, liess die Wunde weniger schmerzen. Ihr Fell war verklebt und triefte vor Blut, aber mehr das des Hundswolfes, als des ihres. Nun lag sie wimmernd da, jedoch fühlte sie sich behütet und sicher. Sie hörte das Knurren ihres Vaters und auch das machte ihr angst, hörte das klopfen ihres Herzens und die beruhigenden Worte ihrer Mutter...
Eine ganze Weile genoss der Rüde die STille um ihn herum,und den Wind der mit seinem flauschigen grauen Fell spielte.Seine Ohren schnippten manchmal hin und her,ehe der Rüde seine Müden Pranken ernneut in den Boden stemmte und seinen gut gebauten,muskolösen Körper aufrichtete.Er schüttelte sich kräftig und sah zum zweiten mal in den Himmel,ehe er sich ernneut langsam in Bewegung setzte.Bastar verfiehl in einen seichten Trab,und seine Pfoten waren leicht eingestaubt.Sein Weg führte zur Lichtung,auf der sch wohl auch die anderen Wölfe aufhielten.Leicht lächelte er,als sein blick auf Leé fiehl.[bist du auf der Lichtung bei den anderen ?wenn nicht änder ich meinen Text..*durcheinander bin*]
Immernich leicht lächelnd lief er auf die Fähe zu und stuppste sie leicht,jedoch sanft an.
"Nadu.."
hauchte der Rüde ihr sanft zu,ehe er einmal kurz zurück sah.Er lies sich neben der Fähe sinken und sah sie ruig an.Er war gutmütig doch ein wenig nervös.Ob man es ihm anmerkte? Er hoffte nicht,denn wenn er etwas nicht leiden konnte,dann war es nervosität.Nur für einen Moment betrachtete er die Braune mit einem Blick,der sie fast zu durchbohren schien,ehe er den Kopf schüttelte und grinste.Er wollte sie nicht bedrängen doch musterte er fast jeden,mit dem er sprach.
"Ist alles...in Ordnung?"
Fragte er vorsichtig,wärend er die Fähe ernneut zärtlich anstuppste.Seine Rute lag ruig neben ihm.Und auch der Graue saß ganz ruig und erwartungsvoll da.
Eine ganze Weile schon hatte er nach der Fähe gesucht,auch wenn es ihm selbst nicht wirklich aufgefallen war,doch wollte er unbedingt einmal mit ihr sprechen,und sie näher kennen lernen.Ein ungewohntes,warmes Gefühl stieg in ihm auf.Ein gefühl,das er nicht kannte,und das er nichteinmal bei Kaede so arrg verspürt hatte...
Wie im Traumen waren die letzten Minuten an dem jungen schwarzen Welpen vorbei gezogen. Er wusste noch genau das er Averic zu ihrem Vater gefolgt war. Das dieser auf einmal so imposant und groß vor ihnen stand und es Cylin einfach irgendwie die Sprache verschlagen hatte. Acollon hatte ihn nach seinem Namen gefragt, auch das wusste der Welpe noch, doch an der Stelle wo er ihm eigentlich Antworten sollte, herrschte auf einmal nur eine nebelige Schwärze.Er konnte sich Patu nicht erinnern was geschehen war. Hatte er seinem Vater seinen Namen genannt? Oder hatte er geschwiegen? Der Träumer schüttelte den Kopf und sah sich um. Wie kam er eigentlich hierher? Und warum war er hier und wer zum Wolf nochmal waren diese ganzen Wölfe hier? Irgendwie musste er wohl seinem Bruder gefolgt sein neben dem er saß. Und wer war alles hier? Der Blick des schwarzen Wolfswelpe flog neugierig umher. Averic, sein Bruder, klar und sein Vater war auch hier. Dann war seine Mutter wieder da mit der weißen Fähe Hanako die Mutter des anderen Wurfes Welpen. Dahinten erkannte er auch den stahlglauen Rüden Hidoi, der Vater des anderen Wurfes und irgendwo in der Nähe meinte er auch den Sohn der beiden Hikaji ausmachen zu können. Aber da war er sich nicht so sicher. Und der hünenhafte Beta Falk war auch da, Cylin kannte ihn zwar nicht sonderlich gut, dennoch hatte er wenigstens mal den Namen ausgekunschaftet, ausserdem hatte er den großen Rüden einige Male beobachtete, sein Vater war nicht da gewesen, also hatte er eben von dem Betawolf ein paar Dinge abgeguckt die der Welpe selbst eben für wichtig hielt. Ausserdem war da noch diese hünenhafte weiße Wölfin die er bei dem gruselig schwarzen Rüden gesehen hatte, die Fähe war aber irgendwie nicht minder gruselig. Mit einem leichten zucken seiner Ohren ließ der Welpe seinen Blick weiter durch die Gegend gleitend. Da waren noch ein paar Wölfe dessen name er nicht wusste einer von ihnen roch gar nicht richtig nach Wolf, sondern viel eher wie irgendwie eine Mischung zwischen Wolf und eben irgendwas ähnlichem. Aber was? Nur leise hörte er den Wortwechsel seines Bruder mit seinem Vater und seiner Mutter. Viel zu sehr war der Welpe mit dem beobachten seiner Umgebung und den Fremden beschäftigt. Würden sie wohl beim Rudel seiner Eltern bleiben?
Ein weiterer schwarze Welpe erschien in seinem Blickfeld, seine Schwester Malicia, leicht öffnete Cylin den Fang und blickte seiner Schwester freudig entgegen. Doch dann schon wie aus dem Nichts der sonderbare 'nicht ganz Wolf' in die Szene und packte seine Schwester, schleuderte sie wie ein Stück Beute umher. Perplex drehte Cylin die Ohren nach hinten und zog den Kopf hinter den Körper seines Bruder zurück. Er sah aus den Augenwinkeln heraus wie sein Vater sich von seiner Mutter löste und den Fremden attackierte. Vorsichtig hob der Träumer den Blick wieder an, spähte hinter den Ohren seines Bruders zu der Szene hinüber. Es war wie in einem seiner schlimmsten Alpträume, nur in denen war das Blut immer Falblos, doch hier war es real, blutrot, so tödlich. Ein zittern glitt über den Rücken den Welpen mit einem Ruck drrückte er sich zu Boden und legte die Pfoten über die Augen. Er wollte sich einreden das dies hier nicht real war, es war bloß ein Traum, bloß ein böser Alptraum, er würde gleich aufwachen und fröhlich wieder bei seiner Familie sein. Er machte sich Sorgen um seine Schwester, er hatte Angst um sie. Einige sekundenlang hörte er noch die Geräusche des Kampfes, dann Schritte und die drohende Stimme seines Vaters. Leicht hob Cylin den Kopf an und drehte ihn zur Seite, Banshee ging es gut und Acollon anscheinend auch.
.oO° Werden sie den Verlierer nun holen kommen?°Oo.
Unwillkürlich schoss ihm dieser Gedanke durch den Kopf. Wenn der Fremde, sonderbare weiß braune Rüde starb, würde Sie ihn doch sicher zu sich holen? Oder? Dann würde er den Sonderbaren vielleicht unter ihnen in seinen Träumen wiedersehen können. Die Stimme seiner Mutter die ihn und Averic zu sich rief, riss den schwarzen Welpen wieder zurück in die Gegendwart. Auf zitternde Pfoten richtete er sich auf und trat einen Schritt vor, nicht ohne sich vorher noch einmal zu seinem Bruder umzublicken. Dann jedoch trat er mit flinken Schritten zu seiner Mutter hinüber und drückte sich an ihren rechten Vorderlauf. Aus seinen klaren Bernsteibfarbenen Augen blickte er zu Banshee hinauf.
"Warum hat der Fremde Malicia angegriffen Mama?"
Fragte er mit leiser Stimme, doch im eigentlich wusste er gar nicht ob er das wirklich wissen wollte. Mit mitfühlendem Blick sah er nun zu seiner schwarzen Schwester, vorsichtig trat er einen Schritt näher und setzte sich neben sie, fast so als wollte er sie bewachen. Doch das wollte er nicht direkt, er wusste nur zu gut das er keine Chance gegen einen ausgewachsenen Wolf hatte. Nein das Bewachen und Beschützen würde er Averic und seinem Vater überlassen, der junge Schwarze wollte einfach nur Nähe spenden.
24.12.2009, 14:54
Hidoi achtete gar nicht mehr auf seine Umwelt ihn interessierte nur noch seine geliebte Fähe, die endlich wieder da war, hier bei ihm. Er konnte sie berühren, spüren und bei ihr sein, das war die Hauptsache. Als sie ihren immer noch so hübschen Kopf an seine Schulter lehnte, fuhr er ihr mit der Zunge liebevoll über den Nacken. Sie erzählte ihre Erlebnisse in der Zeit wo sie verschwunden war, damit klärte sich auch die Frage warum sie ging. Es war erschreckend, musste für seine Hanako die Hölle auf Erden gewesen sein, auch wenn er sich das ganze nicht so recht vorstellen konnte. Zu seinen eigenen Eltern hatte er niemals irgendwelche Zuneigung verspürt. Als sie dann erzählte wie ihr eigener Vater sie verletzte fing es an in ihm zu brodeln, er hatte seiner Geliebten weh getan... Tröstend und gleichzeitig schützend legte er seine Schnauze ganz sachte auf ihren Kopf und schloss einige Momente die gelben Augen.
“Es tut mir Leid für dich, was du ansehen und spüren musstest... Wisse jedoch das ich dich für immer beschützen werde, du brauchst keine Angst zu haben...“
flüsterte er leise in ihr Ohr und drehte dann den Kopf wieder so zu ihr, dass der Stahlgraue in Hanakos Gesicht schauen konnte. Aufmunternd schleckte er ihr über die Schnauze, wandte sich dann auf ihre Frage hin um, damit er nach Hikaji sehen konnte.
“Hikaji ist hier, die anderen zwei müssten sich bei den anderen Wölfen befinden, die beim Rudelplatz geblieben sind... Also -“
Mitten im Satz stoppte er, weil ihm genau in den Blick viel, wie der Mischlingsrüde Sirius einen Welpen attackierte. Hidoi wollte schon losspringen, doch Acollon hatte das schon erledigt und richtete Sirius übel zu. Ein raues Knurren verließ seine Kehle und die stechenden Augen verengten sich zu kleinen Schlitzen. Verdammter Mistkerl! Was für ein Spiel trieb er nur?! Wenn er sich immer so verhielt war es kein Wunder, dass andere Wölfe ihn nicht leiden konnten und davon jagten. Glaubte er allen ernstes mit diesem Verhalten würde es hier anders laufen? Narr! Vom eigenen Vaterinstinkt ergriffen drehte sich der Stahlgraue komplett um und haschte nach seinem Sohn, der ihm gefolgt war und sich scheinbar wieder aus dem Staub machen wollte wie eben. Rasch griff er ihn im Nacken und hob ihn zu sich und Hanako hinüber, ließ ihn erst zwischen seinen Pfoten wieder hinunter, sodass er nicht mehr abhauen konnte.
“Hikaji, du bleibst hier!“
sagte er in einem strengen Ton, der keine Widerworte duldete, mit denen man bei seinem Sohn normalerweise rechnen musste. Er kam halt ganz nach ihm... Hidoi blieb mit erregt angelegten Ohren ganz dicht bei seiner Hanako stehen. Sie hatte schon so viel durchmachen müssen, warum passierte dann jetzt sowas? Verdammt und was konnte diese arme Welpin für die Aggressionen dieses minderbemittelten Mischlings? Damit hatte sich es Sirius wohl bei ihm verscherzt, was der graue Hüne nun noch empfand war Ekel gegenüber dieses Wesens.
Averic’s Brust wölbte sich stolz, als er des Mutters Lob hörte. Doch gleich im nächsten Moment kam er sich furchtbar albern und welpisch vor. Ein Grummeln verließ seine Kehle und er ließ sich neben Cylin auf die Hinterläufe sinken. Sein kühler, tiefblauer Blick war allerdings aufmerksam auf seine Mutter und seinen Vater gerichtet, die sich so stürmisch begrüßten. Acollon konnte auch so sein? Es sah kurzzeitig aus als würden sich zwei verspielte Welpen kabbeln und Averic legte seinen Kopf auf Cylins Nacken, begutachtete schließlich die anderen Wölfe. Der Vater des anderen Wurfs war nun auch mit seiner Gefährtin beschäftigt, diese Lichtung entwickelte sich doch nicht zu einem Liebesnest? Langweilig für ihn. Der Pechschwarze linste zum Wald hinüber, wo plötzlich seine Schwester Malicia erschien. Averic spürte das sich Cylin neben ihm regte und er selbst streckte sich bloß gelassen und gähnte. Mitten in der Bewegung hielt er allerdings inne und seine Augen weiteten sich, viel zu schnell um es in diesem grauen Sichtfeld überhaupt aufnehmen zu können sprang dieser braunweiße Fremde hervor, der scheinbar kein richtiger Wolf war, denn es sah so aus als besäße er überhaupt keine Würde. Und er packte seine Schwester so brutal, das etwas auf den Boden tropfte. Doch es war nicht grau sondern eine Farbe, so unglaublich stechend das er die Augen zusammen kneifen musste. Blut, welche Farbe hatte Blut? Diese Frage beantwortete sich grade nicht und Averic stand auf einmal wieder – gesträubt und die Zähne gefletscht. Dieser Bastard wagte es sich an seiner Familie zu vergreifen?
Acollon schoss ebenso schnell hervor und immer mehr Blutfarbe befleckte seine Sicht, welches er fast entzückt betrachtete. Warum war es nicht farblos? Sein Vater zeigte diesem Mischling schon was passierte wenn man sich mit ihm anlegte, denn genau das bedeutete ein angriff auf seine Schwester.
Ein Knistern... Averic’s Ohr zuckte nach hinten. Welch komischer Laut, mit einem so unnormalen Nachhall... Der tiefschwarze Welpe drehte den Kopf leicht zurück, was war da? Stellte er sich das bloß vor oder konnte er die schemenhaften Umrisse eines riesigen Wolfes sehen? Es war so dunkel, war das sein Fell? Da funkelten zwei paar blutfarbene Augen so eiskalt wie er es nicht einmal von Acollon kannte, so gehässig und gierig, als würde er alles Leben aufsaugen wollten. Doch Averic verspürte keine Angst, nicht einmal Furcht oder Respekt. Im Gegenteil, der Welpe erhob sich und schritt auf den Schatten zu, vor dem Dickicht blieb er stehen. Dieser Wolf war keiner von ihnen...
“Willst du ihn holen? Aber meine Schwester bekommst du nicht!“
zischte er leise und für jeden anderen vollkommen unverständlich. Ein Knurren hallte in seinen Ohren wieder, so grausam wie es nur der Tod persönlich sein konnte. Er konnte ihn sehen... Denjenigen der sie alle irgendwann holen würde... Und nur er. Nur er konnte es sehen, nur er konnte es hören. Und der Pechschwarze würde trotzig sein. Von ihm aus durfte der Tod holen wen er wollte, aber niemanden aus seiner Familie! Seine tiefblauen Augen waren verengt und so kalt, dass es Angst machen konnte, hatte man jemals einen Welpen so gucken sehen?
Weg war das hallende Knurren, weg der Todeswolf, wollte er bloß gucken ob es etwas für ihn zutun gab oder würde er gleich an anderer Stelle wieder kommen? Suchend wanderte Averic’s Blick umher, fand jedoch nichts. Also wandte er sich wieder dem Kampffeld zu. Vielleicht kam er ja wieder wenn Acollon den Mischling tötete? Er würde den Todeswolf gerne genauer ansehen und fast schon wünschte er sich das sein Vater diesen Halbwolf umbrachte.
Der Pechschwarze achtete auch nicht auf die Worte seiner Mutter sondern blieb sitzen wo er war, je näher am Geschehen desto besser. Wurde er verrückt? Nein, gewiss nicht... Aber er war nun einmal ein Welpe der alles ausprobieren und auskundschaften wollte. Wie Vorteilhaft das doch manchmal war...
Leé erwachte aus ihrem Schwummrigen Zustand sofort, als Bastar sie anstubste und mit ihr zu sprechen begann. Sie verstand die Worte nicht, sie hallten so seltsam laut und lange in ihren Ohren. Perplex, dass jemand die Lichtung gefunden hatte, schaute sie ihn an. Sie spührte seinen Blick, fühlte sich dennoch nicht bedrängt. Als er sich niederliess, spürte Leé seine Wärme und es beruhigte sie zutiefst. Warum war sie vorhin weggelaufen, was hatte sie an Hanako so erschreckt...Ja, Hanako hatte sehr ausgelaugt und zutiefst traurig ausgesehen, aber da war noch was, an das sich Leé nicht errinnern konnte. Erschöpft liess sie den Kopf auf ihre braunen Pfoten sinken und rückte näher an Bastar, fast so, als wäre es selbstverständlich. Welch seltsame Situation. Sie kannte den Rüden kaum, doch sie fühlte sich behütet in seiner Gegenwart. Seine Worte hallten in ihrem Kopf und sie schloss die Augen und flüsterte leise:
"Jetzt schon..."
Dann war alles still. Der Wind blies leise und liess ihre Schnauzhaare zittern. Die Zeit schien Still zu stehen und auf einmal spürte sie wieder die Blätter unter sich. Der Wind blieb stehen und nur das knarren der Bäume war vorerst zu höhren. Dann spührte sie etwas, was ihr Herz schneller schlagen liess...Sein Herz...
Acollon verengte die Augen weiter, sein eisiger Blick senkte den Mischling weiter zu Boden. Sein Körper schien in Kampfbereitschaft, schien in jeden Moment richtig agieren zu können, sein Herzschlag wurde immer langsamer, sein Atem tief und ruhig. Er roch es, Blut. Wieder einmal war er im Begriff beinahe zu töten. Die Lust schnürte ihm die Kehle zu, er wollte diesen Bastart töten, er wollte ihn leiden sehen, auch wenn er ihn gleichzeitig von seiner Vergangenheit erlösen würde. Das Einzige, was der Schwarze Tod wollte, war ihn umbringen. Er hielt sich zurück. Seine Welpen sollten diesen Augenblick noch nicht erleben, wenn nie erleben. Er wusste, einer von ihnen war so stark wie er es war, er wusste, einer seiner Welpen würde sein Erbe als Todessohn antreten müssen, wenn auch gleich der Fenrissohn nicht sterben konnte, außer von der Pfote seines eigenen Blutes. Vielleicht hatte Acollon sich deswegen so lange vor dem Wiedersehen seiner Familie gedrückt. Weil er im Wissen war, dass einer dieser Welpen sein Ende bedeuten würde.
Der Schwarze riss sich aus seinen Gedanken, aus seinen Begierden, aus seiner eigenen Lust diesen Narren umzubringen.
Der schwarze Kopf richtete sich auf und die kühlen Augen sahen auf den Mischling hinab. Seine Lefzen spannten sich kurz an, seine Reißzähne funkelten hervor. Und für einen Moment ließ er den Mischling seine wahre Gestalt erblicken. Acollon hatte dies nur drei Male davor getan, danach waren die Wölfe, die es gesehen hatten, gestorben. Der Tod war nun so nahe, wie nie zuvor. Die traurige Schönheit des Todes erblühte in Acollon, die Gestalt in seiner Brust flammte auf. Der Gestank von Blut härtete sich. Für diesen einen Moment war dieser Mischling in den Gunsten den Tod in seiner wahren Gestalt zu sehen.
“Hast Du nun einen Eindruck von der Gewalt und der Hässlichkeit meiner gewonnen? Sei auf der Hut, solange Du nicht alleine bist, wird Dir nichts passieren. Doch wenn die Nacht Deinen Schlaf stielt, werde ich Dir Dein Todeslied singen. Ich verfolge Dich, bis ans Ende der Welt.“
Der Schwarze hatte die Lefzen kaum beim reden bewegt. Er hatte es geflüstert, vielmehr hatte er es in Gedanken dem Mischling erzählt.
Als der schwarze Alpha sich zu seiner Gefährtin und zu seinen Welpen umdrehte, erhaschte er einen komischen Moment. Averic, sein Blick. Was hatte dieser Welpe gesehen? Der Schwarze erahnte nichts Gutes. War Averic sein Erbe? War er im Begriff den Tod nachzueifern? Alles Liebe und all die Güte schienen Acollon nicht mehr zu beherbergen. Sein Blick starr auf Averic gerichtet. Diese Welpen hatten einen besseren Vater verdient, nicht einen, der in der Hässlichkeit des Todes gefangen war.
Wieder einmal ließ Acollon seine Rumpfknochen aneinander knacken und knirschen. Er trat an seine kleine Familie heran.
“Malicia, bist Du in Ordnung?“,
eine Spur der Besorgnis war nicht zu unterdrücken, im rauen Klang der Worte, schien es fast gequält unterzugehen. Die Augen des Schwarzen ruhten nun auf der Welpin. Mit Averic würde er später immer noch reden können.
Seiner Gefährtin legte er eine Pfote auf den Rücken, es sollte ihr nun als leichte Stütze dienen. Acollon konnte gut verstehen, dass sie nach diesem Angriff nur schwer ihre Mutterinstinkte unterdrücken konnte, was auch vollkommen zwecksgemäß und gut war. Es waren ihre Kinder, und wäre der Schwarze dem Angreifer nicht an die Kehle gegangen, so hätte es Banshee selbst getan, oder Hidoi hätte eingegriffen.
Der Todessohn war langsam in Wut schwimmend, nicht einmal an dem Tag seiner Ankunft konnte er es vermeiden irgendwelche Wölfe fast zu töten oder anzugreifen.
Seine leisen Pfoten setzten still auf den Boden unter sich. Das Laub knisterte nicht. Die blauen Augen starr geradeaus gerichtet, kalt und leer war sein Gesichtsausdruck. Sein Fell war kurz und glatt, bis auf das Nackenhaar, dies stand strubbelig dem Himmel entgegen. Die Ohren fest nach oben gerichtet, die Rute senkrecht zur Körperhaltung. Man konnte diesem Welpen nicht ansehen, dass er einer war. Seine Körperhaltung entsprach der, eines ausgewachsenen Wolfes. Aber was war schon großartig zu erwarten, schon früh war er auf sich selbst gestellt. Verlassen von Familie, Rudel und Freunden. Und den verbitterten Kampf sich alles neu aufzubauen, hatte er von vornherein als sinnlose Beschäftigung angesehen. Doch der Welpe war auf der Suche nach einem Rudel, seine Vernunft hatte gesiegt. Wenn er wirklich eines Tages auf Großbeutezug gehen wollte, musste er es lernen. Und was wäre da nicht praktischer, als sich in ein Rudel einzuschleichen und sich dort wichtige Überlebenstipps zu holen?!
Und jetzt wo er noch Welpe war, war so jedes Rudel dazu verpflichtet ihn aufzunehmen, er stand noch selbstverständlich unter dem so genannten Welpenschutz.
Colón roch in der Nähe Blut. Und tatsächlich, in seiner Nähe war eine Lichtung, wo sich eine Ansammlung von Wölfen befand. Sich selbst verfluchend; seiner Unaufmerksamkeit wegen; betrachtete er eine Weile das Szenario, bevor er auf sich aufmerksam machte.
Er trat aus dem Schatten des Unterholzes. Seine kalten blauen Augen sahen umher, die Körperhaltung war dieselbe wie zuvor.
Die Situation eskalierte. Schnell, viel zu schnell folgten plötzlich die Ereignisse aufeinander, so schnell, dass die weiße Werwölfin Probleme bekam, dem Ganzen zu folgen. Um sie herum hatten sich erst viele Wölfe eingefunden. Auch Welpen - und zwei Fähen, deren sich nähernde Präsenz Simariel bereits gespürt hatte, als sie zu Falk und dem Wolfshund gestoßen war. Diese zwei Fähen schienen zu dem einen Grauwolf und dem schwarzen Rüden zu gehören, die sich ebenfalls bei ihr, Falk und dem Wolfshund befanden, die Welpen waren ihre Welpen. Dann war der Wolfshund plötzlich ausgerastet, hatte einen Welpen angefallen, plötzlich, fast wie aus heiterem Himmel.
.oO(Und was war denn der Auslöser? War ich es, möglicherweise, weil meine Worte ihn beleidigten, oder weil er nichts mehr wusste, weil die Situation ihn überforderte, oder war es denn die Stimmung, all die Liebe, die hier fließt in goldenen Strömen, war ich die Ursache und die Liebe der Anlass? Ach, schlechtes Arrangement...)Oo.
Der Vater des Welpen - der schwarze Rüde, dessen Name Acollon war, und der scheinbar Alpha dieses Rudels war - griff ein, zumindest, beherzt, er wies den Wolfshund zurecht, bestrafte ihn. Dennoch würgte Simariel ein ungewisses Gefühl, der diffuse Gedanke, dass all das möglicherweise ihr gegolten haben könnte, dass es nur der Welpe war, der dazwischen gekommen war. Sie hätte es herausfinden können, hätte im Geist des Rüden danach suchen können, aber es hätte sowieso nicht geklappt. Er hätte ihr Eindringen erlauben müssen. Ein oberflächlicher Blick, das war alles, was ihr so geblieben wäre. Ein alter Instinkt erwachte in der weißen Fähe, jener Instinkt, der ihr nicht unbekannt war, der Instinkt die Situation zu lenken.
Es erschien Simariel ein wenig zu viel des Guten gleich ihre Werwolfsgestalt anzunehmen, doch schuf die Illusionskünstlerin einen von der Erde her aufsteigenden Wind, der Brocken trockener Erde mit sich riss und sie umwirbelte, sodass sie beinahe darin verschwand. Jeder konnte dies sehen, doch nur der Wolfshund war fähig, ihr Stimme zu hören, die jetzt in seinem Kopf schrie:
"So etwas regeln wir in Zukunft unter uns, haben wir uns verstanden?!"
Dann blieb der Wind, diese Illusion stehen und alle Erdbrocken hagelten zu Boden, ohne dass einer der Umstehenden davon getroffen wurde. Simariel drehte sich um. Sie fühlte sich schwach. Sie dachte, dass auch das vermutlich ein Fehler gewesen war und dass man sie vielleicht fortschicken würde. Sie dachte, dass sie es auch nach fast 2000 Jahren immer noch nicht besser wusste und dass das keine Leistung war, auf die man stolz sein konnte. Sie sah zwischen den Umstehenden hin und her.
"Es tut mir Leid. Ich glaube, dass ich eine gewisse Schuld an dem trage, was eben geschehen ist und dass ich natürlich die Konsequenzen tragen werde. Ja. Ich werde alles dafür tun, dass solche...solche Dinge einfach nicht mehr geschehen."
Im Laufe der Erklärung war ihre Stimme wieder fester geworden. Nur innen drin fühlte sich die Weiße immer noch ein wenig zittrig. Die Angst etwas falsch zu machen - ach, überhaupt, der alte Affe Angst! Zum Teufel damit.
Bastar lächelte die Fähe zärtlich an und drückte sich sanft an sie.Diese "selbstverständlich keit" gefiehl ihm gut.noch nie war er so liebevollmit einem anderen Wolf umgegangen.Ebenso zärtlich leckte er ihr über die Schnautze und seine Rute legte er sanft auf die ihre.
Eigentlich wollte er sie noch fragen,warum sie hier so alleine lag..und so einsam wirkte,doch wollte er dies auf später verschiebe.Momentan genoss er nur ihre Nähe.Sein Herz fing so schnell an zu klopfen,das er befürchtete,es würde ihm gleich aus der Brust springen.Seine runden Ohren waren zufrieden nach vorne gerichtet und seine Nase soog den angenehmen Duft Leés auf.
.oO(eine wunderschöne Fähe..)Oo.
Dachte der Rüde sich,als er Leé für einen weiteren Augenblick betrachtete,ehe er seine Schnautze ganz dicht an ihre Legte.Noch immer lächelte er.Er wolltegarnicht meh aufhören.Die Sonne gab ebenso wie Leé eine beruigende Wärme von sich,so das Bastar aufpassen musste,das er nicht einschlief.
Schlieslich fragte er doch.Ganz leise.Ganz zart.
"Warum liegst du hier so alleine? Willst du nicht auch beim Rudel sein?!"
Dieses "auch" war nicht auf Bastar bezogen,sondern auf den restder Wölfe.Er jedoch mochte es nicht so,in einem Trubel vonRudelmitgliedern unterzugehen.Ein oder zwei Wölfe um ihn herum,genügten.
Hanako sah nur stumm, einfach nur schweigend, in die gelben Augen ihres geliebten Rüden, sie konnte all die Gefühle, die er spürte nach dieser Erzählung, ebenso fühlen, es gab ihr etwas Wärme, aber dennoch blieb ihr Kopf gesenkt und sie seufzte leise. Der stahlgraue Kopf ihres Gefährten bewegte sich, sie erkannte den Schatten, der sich rührte und die Schnauze, die er nun auf ihren weißen Kopf legte, war sofort zu spüren. Ein schmales Lächeln lag auf ihren Leftzen, es machte sie glücklich, dass Hidoi bei ihr war, sie hatte ihn so sehr vermisst, erst jetzt kam all das wieder hoch, was so lange verdrängt worden war. All die Gefühle, die ganze Liebe, die in ihr hing, nur für ihre Familie, sie war so glücklich, so stolz. Die Worte ihres Geliebten, den sie wieder bei sich hatte, den sie riechen konnte und dessen Wärme nur sie spürte, ließen sie wieder ruhiger werden, er würde sie niemals wegschicken. Er hasste sie auch nicht, nein, er liebte sie, er schenkte ihr Ruhe, Gefühle, Liebe. All das, was sie brauchte um zu verstehen, dass es wieder besser werden würde.
„Ich danke dir so, Hidoi. Ich liebe Dich, mein Rüde!“
Diese Worte waren mehr als nur Gefühle. Sie bedeuteten alles, es war ein ganzes Leben, eine ganze Geschichte, die hinter diesen wenigen Worten steckte. Sie sah ihren Rüden mit einem liebevollen und dankbaren Blick an, die Worte waren klar gewesen, ganz deutlich, ohne irgendein Zittern, ohne Angst, nur mit Wärme und Liebe gesprochen. Sie waren so fest gewesen, dass Hanako es deutlich machte, dass sich dies niemals ändern würde. Sie würde sich dies niemals nehmen lassen. Niemals. Die Frage nach ihren Kindern war ebenso schnell beantwortet, doch vorher hatte ihr Geliebter ihr all die Gefühle wieder gegeben. Sein liebevolles Schlecken erwiderte Hanako nur zu gerne und sie strich ihren Kopf sanft an seiner Schulter entlang, dann lauschte sie seinen Worten und lächelte ihrem Sohn zu. Sie war so froh, ihn zu sehen, sie freute sich schon so unendlich sehr darauf, ihre Welpen wieder sehen zu können, wie es nur eine Mutter konnte.
Plötzlich aber schien die ganze Sache wieder in einem Alptraum zu enden und Hanako begriff viel zu spät, was passierte. Der fremde Rüde, der ihr auf den ersten Blick schon seltsam vorgekommen war, war aufgesprungen und er griff einen kleinen hilflosen Welpen an. Nicht irgendeinen Welpen, sogar ein Kind von Banshee und Acollon. Geschockt sah die weiße Fähe zu ihrer Freundin, zu Banshee, die Mutter dieses Welpen. Hanako erkannte, wie Acollon sofort eingriff, wie auch Hidoi seinen Beschützerinstinkt weckte und Hanako machte sich Sorgen um all die Welpen. Es tat ihr so weh, zu sehen, was dieser Rüde anstellte. Ihre Muttergefühle spielten verrückt, ein Instinkt wurde geweckt und hektisch sah sich die weiße Fähe nach ihrem Sohn um, den Hidoi bereits am Nacken genommen hatte und zu sich gelegt hatte. Hanako ließ ihre Schnauze tiefer gehen und berührte ihren Sohn sanft an der Stirn, küsste ihn auf die Nase und lauschte Hidois Worten. Normalerweise hätte sie vielleicht gewollt, dass er nicht so hart mit Hikaji redete, aber in dieser Situation war es genau das Richtige, ihr Sohn musste verstehen, dass die Gefahr groß war.
„Hikaji, mein Süßer, ganz ruhig, es wird dir nichts geschehen.“
Flüsterte sie ihrem Welpen ganz leise zu, dann wandte sie sich an Hidoi, der beschützend vor ihr und dem Kleinen stand. Sie fürchtete sich, dass Sirius durchdrehen würde, dass dieser Rüde noch mehr anstellen würde, also zog sie ihren Sohn ganz sanft zwischen ihre Pfoten und hatte ihren Kopf weiterhin gesenkt, um ihn zu beschützen. Sie würden dies schaffen, sie waren nicht allein, dieser Rüde hatte keine Chance.
Die kleinen Pfoten setzten übereinander verkreuzt auf den Boden, trat somit näher an das Geschehen. Ein blutüberströmter Wolf lag am Boden. Kein bisschen Mitleid oder Gefühl schenkte er diesem Rüden, lediglich einen Blick voller Hohn streifte ihn und musterte die einzelnen Wunden und Risse. Interessant mit welcher Brutalität sie diesen Mischling zugerichtet hatten. Die kühlen Augen sahen auf und suchten nach einem Wolf, der ihm als Alpha würdig auszusehen schien. Doch keiner dieser Wölfe machte demnach so einen Eindruck. Und wie sein Blick so über die einzelnen Wölfe glitt, blieb er hängen. Zwei Wölfe unter diesen hier, hatten; wie er; Werwolfblut in sich. Der Unterschied: Sie waren es nur zur Hälfte. Colón hingegen hatte nicht einmal ein Drittel unreines Blut in seinen Adern fließen.
“Ich will euch ja nicht bei eurer kleinen Orgie stören, dennoch wollte ich mich vorstellen, um Erlaubnis zu fragen, ob ich für einige Zeit in diesem herrlichen Revier verweilen kann?!“
sagte der Welpe in einem schnarrenden und kühlen Ton. Seine Augen ruhten nun auf der weißen Werwolfsfähe. Durchdringend sah er sie an.
Der kühle Wind ließ eine kleine Erfrischung zu, sein Nackenfell richtete sich gegen den Wind auf.
In Gedanken noch immer im Wald und an die Fremden und ach, einfach an alles was passiert war, bekam er gar nicht mit, was um ihn herum geschah. Er konnte einfach das Bild der schwarzen Welpin, die von dem Fremden geschüttelt wurde, nicht mehr aus seinen Gedanken verbannen. Er konnte förmlich die Wut wie einen elektrischen Impuls spüren. Er war nicht panisch, nein, aber ihm missfiel die Lage. Die silbernen Ohren des jungen Rüden drehten sich zurück und leicht sträubte sich der seidige Welpenpelz. Wieder einmal mehr wünschte er sich, groß und stark zu sein, wie sein Vater es war. Dann würde er diesen Fremden Manieren beibringen. Aber warum sollte er überhaupt so lange warten? Konnte er es nicht auch schon jetzt? Er konnte doch schon jetzt...er gehörte nicht zu der Familie des Welpen, doch der Braune hatte sich an jemand kleinerem und schwächeren vergriffen. Ein für sein Alter erstaunlich tiefes und kaltes Knurren drang aus der dunklen Kehle, die bronzefarbenen Augen drohen zusammen gekniffen. Er wollte sich von einer anderen Seite dem Braunen nähern, ihn überraschen, als die warnende Stimme Hidoi’s ihn wieder zur Vernunft brachte. Er konnte die Worte seines Vaters verstehen, aber ...Ein leises Seufzen entfloh ihm. Es gab diesmal kein aber. Nun saß er zwischen den Pranken seines Vaters und starrte mit lodernden Augen zu dem Fremden hinüber, der sich noch nicht weiter geregt hatte. Ob er nun tot war? Hass erfüllte das junge Herz Hikaji’s, doch die sanfte Berührung seiner Mutter ließ ihn etwas ruhiger werden. Unruhig zucken die silbergrauen, schwarz umrahmten Ohren hin und her. Unruhe machte sich in ihm breit, da er am liebsten...Solch harte Gedanken in seinem Alter...Aber was sollte es? Er war immerhin eines Kriegers. Leicht stupste er gegen die Nase seiner Mutter.
.oO( Mutter...Du siehst schlimm aus. Wenn ich groß bin, werde ich dich beschützen, so wie Vater es tut...)Oo.
Wenn er groß war... Wie lange es wohl noch dauern würde? Noch immer grollte ein leises Knurren aus seiner Kehle. Es gefiel ihm nicht. Absolut nicht. Pfoten drehend nichts zu tun, außer zu warten. Oh, wie er diese Warterei satt hatte. Sein Blick schweifte kurz umher, musterte die anderen. Dann neigte er vorerst den Kopf und stierte zu Boden. Noch immer sah der das Bild der Welpin vor sich, was wohl auch so schnell nicht mehr verschwinden würde.
Banshee hatte keine Antwort von ihrer Tochter erhalten, aber das war auch nicht nötig. Schon nach wenigen Sekunden des Betrachtens, hatte sie erkannt, dass Malicia eine noch immer leicht blutende Wunde im Nacken hatte. Und sie hörte sie wimmern, wenn auch ihre Körper sich entspannte. Zusammen gerollt zu einer Kugel lag sie jetzt in ihr Fell gedrückt, Banshee leckte sie weiterhin, bis auch der letzte Tropfen Blut aus ihrem Fell gewaschen war und die Wunde nicht weiter blutete. Als Cylin brav auf ihren Ruf hörte, spürte sie kurz so etwas wie Erleichterung, der Blick aus seinen bernsteinfarbenen Augen, die sie erneut so sehr an ihre eigenen erinnerten, spendete etwas Wärme, seine Frage mehr Fragen.
"Ich weiß es nicht, Cylin. Manchmal tun Lebewesen Dinge, die andere Lebewesen nicht verstehen können. Wahrscheinlich ist er aber sehr sehr einsam und traurig. Gewalt wächst oft in Wölfen, die alleine sind und sich nach Nähe sehnen."
Wieder eine kleine Lektion, etwas neues im Leben ihrer Welpen. Ob sie diese schon verstanden war fraglich, aber jetzt kam es ihr auch nicht auf die Erziehung ihrer Jungen an. Jetzt wollte sie ihre Sicherheit. Als sie Acollons Pfote spürte und seine Stimme hörte, die selbst bei ihm nicht ohne Sorge war, entspannte sie sich etwas, drehte den Kopf zu ihm, und berührte ihn kurz an den Lefzen. Dann richtete sie sich halb auf, Averic war nicht zu ihr gekommen, wie er es hätte tun sollen. Sie entdeckte ihren Welpen abseits, er starrte in die Schwärze des Schattens. Banshee lief ein Schauer über den Rücken. Sie fühlte Kälte in ihrem Herzen und doch etwas unwiderstehlich anziehendes. Irgendetwas war in diesem Schatten und mit einem raschen Blick auf Acollon ahnte sie seinen Namen. Es verwirrte sie, dass Averic offensichtlich seine Anwesenheit noch stärker spürte, als sie selbst, er schien wütend und gleichzeitig neugierig, wandte sich ab und trat näher an das Chaos. Mit einer schnellen Bewegung war Banshee auf den Pfoten, Cylin war jetzt bei Malicia und ihr Vater würde sie beschützen, sie selbst, Banshee, musste nun für Ordnung sorgen. Mit einem sanften Schnappen hatte sie Averic im Maul und trug ihn zu dem Rest ihrer Familie, setzte ihn sanft auf den Boden neben seinen Bruder und seine Schwester und wandte sich wieder um. Die seltsam große Fähe neben Falk redete etwas von Schuld und plötzlich hatte sich ein unbekannter Welpe vor sie gestellt. Viel aufeinmal.
"Niemand trägt an diesem Ereignis Schuld. Es ist geschehen und niemand außer der Rüde hat ernsthaften Schaden davon getragen. Wir sollten nicht über Schuld reden, auch wenn ich nicht weiß, wer ihr seid, was ihr hier tut und woher ihr kommt."
Ihr Blick war auf die weiße Fähe gerichtet, ihre Worte waren weder feindlich noch zurechtweisend, viel mehr hatte sie ihre Sanftheit zurückgewonnen. Sie trat ein paar Schritte näher, ihr Blick war freundlich und leicht fragend. Dem Welpen schenkte sie einen kurzen Blick, da sie jedoch nicht gehört hatte, was er zu der Fähe gesagt hatte, schwieg sie zunächst.
Leé war inzwischen eingeschlafen. Ein kalter, wohltuender Schlecker Bastars, liess sie jedoch nicht afwachen. Doch ihr Herz begann zu pochen und sie fühlte ein seltsames Kribbeln in der Bauchgegend. Die Wärme, sowohl von Bastars Körper, als auch die Strahlen der Sonne liessen Leé sehr schläfrig werden und sie war einfach weggedöst. Trotzdem nahm sie Bastars Stimme wahr und sie hallte in ihrem Kopf und gleichzeitig stürzten sich Antworten auf die Frage, doch Leé suchte noch die Richtige. Sie nahm sich bei Antworten meist genug Zeit. Dabei fiel ihr auf, wie sehr sie sich verändert hatte. Früher als Welpe liebte sie die Herausforderung. Früher war sie schlagfertig und frech und damals stellte sie sich gern den grössten und ranghöchsten in den Weg. Zum Beispiel Acollon. Sie hatte diesen Rüden sehr bewundert, wünschte sich von jedem anderen Wolf genau so viel Respekt, wie es jedem Acollon darbot. Wie anders sie doch jetzt war. Eher still, verträumt und trug nicht mehr dieselbe Art von Fröhlichkeit in sich. Leé öffnete die Augen und blickte Bastar geradewegs in die Augen. Sie versuchte sich selbst zu sein. So wie sie sich kannte und versuchte nicht sich selber Fremd zu sein. Ihre Augen leuchteten auf, bei seinem Lächeln, seinem Blick...Sie spührte so etwas wie Zuneigung, wie sie es von niemandem sonst kannte. Ja, Hanako liebte sie und vielleicht auch Hidoi,doch das wusste Leé nicht. Doch Bastar gefiel ihr sehr. Seine Art mit ihr zu sprechen, seine Art wie er es akzeptierte, wenn sie nicht antwortete. Doch nun gab sie ihm eine Antwort und ihre Lefzen zierte ein sanftes Lächeln.
"Dies ist der Ort, an dem ich mich zurückziehe, wenn ich alleine sein möchte. Versteh das nicht falsch, Bastar! Ich bin sehr froh, dass du da bist."
sagte sie leise. Sie versuchte aus seinem Gesicht etwas zu lesen, fand aber nur seinen beruhigenden und warmen Blick und sein süsses Lächeln.
Sie legte den Kopf auf seine Vorderpfote und drückte sich leicht an seinen Hals. Die Wärme tat so gut. Sie fühlte sich so seltsam. Sie war glücklich.
"Ich will nicht zu den andreren... Jetzt bist du da..."
sagte sie im flüsterton und ein Lächeln huschte über ihre Lefzen.
Einsamkeit in ihrem Herzen, aber dennoch eine unheimliche Wärme umgab die Fähe, denn ihre Fell berührte das wundervolle ihres Gefährten, ihres Rüden, den sie so sehr in ihr eigenes Ich eingeschlossen hatte, dass sie ihn niemals mehr vergessen wollte. Ganz im Gegenteil, sie wollte ihr Leben für immer mit ihm teilen, in ewiger Liebe mit diesem Rüden leben, ihm täglich zeigen, was sie spürte, aber niemals auch nur weh tun. Mit einem Blick aus den Kristallgrünen Augen, den nur er verstehen konnte, sah sie zu ihm auf, ihr weißes Fell erzitterte für wenige Sekunden, in diesem Blick lag Liebe und Wärme, niemals würde ein anderer Wolf dies sehen. Jener andere sah wahrscheinlich nur Trauer, Schmerz und Kälte, aber was sie für Laios empfand, das war umwerfend, es war unbeschreiblich schön. Er hatte sie zum Leben erweckt, er hatte in ihr etwas hervor geholt, was sie nie zuvor gekannt hatte. Ein Stück Leben. Doch wohin ging der Weg dieser beiden Wölfe? Neyla Zárá war mit Laios aus Weißrussland geflohen, sie war vor ihrem Vater geflohen, stand hilflos neben diesem wundervollen weißen Rüden, den sie einst getroffen hatte und niemals mehr missen wollte. Eine weite Reise stand ihnen bevor, die Kälte ihrer Heimat verließen sie, sie war nicht nur von Natur aus Kalt, sondern auch von Erinnerungen, die nur tief in den Herzen der beiden Wölfe schlummerten. Viele schlaflose Nächte lagen hinter ihnen, in Neylas Kopf schien es unendlich sehr zu brummen, ein Schlag in ihr löste sich aus, sie fühlte sich erschöpft, ihre wunden Pfoten schmerzten etwas, aber Laios hatte ihr Versprochen, dass der Weg nicht mehr weit sein würde.
Doch wo waren die beiden Wölfe nun? Viele Kilometer hatten sie hinter sich gelassen, Tage und Wochen waren vergangen, wenn nicht sogar Monate, Neyla konnte es gar nicht mehr einschätzen. In ihren Augen lag die Anstrengung beschrieben, aber die Liebe zu Laios war niemals erloschen, nein, sie strahlte immer weiter aus. Auf ihrem langsamen Weg strich Neyla ihren Kopf sanft an der kräftigen Schulter des Rüden entlang und schloss einen kurzen Moment die Augen, dann stupste sie ihn sanft an und ging weiter voraus in einem angenehmen Tempo, in dem sie mithalten konnte. Was in ihrem Rüden wohl vorging? Was fühlte ihr Geliebter gerade? Hatte er irgendetwas auf dem Herzen zu sagen?
„Ich bin vollkommen erschöpft, Geliebter, der Weg ist so weit…“
Flüsterte Neyla zu ihm, ganz nah an seinem Ohr befand sich ihre Schnauze, sie wollte von niemand anderen gehört werden, nein, sie wollte ganz allein mit Laios diese Sekunden genießen, niemand sollte ihre Bemühungen und ihre Pläne wissen. Sie befanden sich in einem wundervollen Tal in diesen Momenten, es war sehr groß, das bemerkte Neyla Zárá sofort, aber es blühte viel mehr auf, als es die Täler in Weißrussland getan hatten. Das einzige, was die Wölfe dort kannten war die Kälte, Schnee, so viel wie manch ein Welpe nur träumen konnte, aber natürlich waren die Wälder oft nicht so stark beschneit gewesen, sondern meist mit Sonnenschein erfüllt, aber niemals strahlten sie so wie hier. Die Unterschiede waren sofort zu erkennen, Neyla fühlte sich im ersten Moment in diesem Tal wohl, aber sehr wohl war beiden Wölfen bewusst, dass sie niemals allein sein konnten. Wenn in diesem Revier ein Rudel lebte, waren sie dann schon in das Territorium eingedrungen?
„Oh Laios, was ist, wenn hier Wölfe leben? Wir dürfen hier doch nicht einfach durchstreifen oder? Denkst du, sie werden uns etwas tun?“
Ihr stolzer Gefährte würde sie sicherlich beschützen, doch mittlerweile schien es Neyla sehr klar zu sein, dass diese Acht Pfoten in einem Revier standen. Der Geruch von Wölfen wurde immer klarer, sie war sich mehr als sicher. Unsicher schmiegte sie sich enger an Laios, ihr Kopf lehnte an seinem Hals und suchte Wärme und Schutz. Sie würden hier doch heil durchkommen?
„Ich liebe Dich…“
Simariel sah sich um. Scheinbar war etwas anderes vorgefallen, sodass niemand ihre kleine Vorführung bemerkt hatte. Einerseits war die weiße Fähe fast ein wenig enttäuscht, andererseits aber war sie auch froh. So konnte sie selbst entscheiden, wem und ob sie etwas über ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten berichtete. Erst einmal würde sie vielleicht hier zur Ruhe kommen und als normale Wölfin unter Wölfen leben können. Im selben Moment noch dachte die Weiße, dass das nicht stimmte. Sie würde nicht zur Ruhe kommen. Nicht, bevor sie nicht wieder in vollständigem Besitz ihrer Erinnerung war. Außerdem würde Sirius es erzählen können. Auch, dass er ihre Stimme in seinem Kopf gehört hatte, wenn er es nicht als Eingebung verbuchte oder möglicherweise beginnenden Wahnsinn. Und dann würde man sie rauswerfen wollen. Aber das war alles nicht so wichtig, das Wichtigste war, dass sie immer eine Suchende bleiben würde. Auch hier - fürchtete Simariel.
"Mein Name ist - Simariel. Ich bin eine Wölfin auf Wanderschaft und würde in diesem Revier gerne für einige Zeit bleiben. Ich sollte das vielleicht erwähnen: Ich habe gewisse Fähigkeiten. Einmal bin ich eine Illusionistin, das heißt, ich habe die Fähigkeit Illusionen zu erschaffen. Außerdem bin ich sensibilisiert, was die Psyche anbelangt. Ich kann psychische Störungen sowohl hervorrufen als auch heilen, aber in größerem Maße nur, wenn es mir gestattet wird. Ich denke, dass ich das mitteilen sollte, damit gar nicht erst Misstrauen entsteht."
Simariel musterte die weiße Fähe, die sie angesprochen hatte und die zu dem seltsamen schwarzen Acollon gehörte. Der weißen Fähe kam es so vor, als ob diese beiden Wölfe einst sehr unterschiedlich gewesen waren, sich aber langsam einander annäherten. Sie fragte sich, was die beiden zueinander gebracht haben mochte.
Aber was geistige Präsenz anbelangte - schon wieder nahm Simariel zwei fremde Wölfe wahr, die sich dem Rudel näherten.
"Zwei kommen."
Laios Schritte waren zielstrebig und fest, als wüsste er ganz genau, wo sie sich befanden und wohin ihr weiterer Weg sie führen würde. Ebenso sicher und vorrausdenkend war sein Blick, der allerdings nur ab und zu den Weg streifte, viel öfter lag er liebevoll auf seiner Gefährtin, die eben diese Sicherheit brauchte, die er ausstrahlte. In Wirklichkeit hatte er keine Ahnung, wo sie sich befanden, er wusste auch nicht, ob ihr Weg der richtige war und eigentlich wusste er nicht einmal, was richtig und falsch in diesem Sinne war, aber er wusste das wichtigste. Dass er Neyla liebte und sie ihn und dass sie zusammen einen Weg und ein Ziel finden würden. Und damit war seine Sicherheit doch wieder echt und seine Gewissheit angebracht. Außerdem brauchte sie Neyla, sie war noch immer recht schwach, die Flucht war anstregender gewesen, als erwartet, und ihr Herz war noch immer mit Trauer angefüllt, die sich mit Unsicherheit schnell zu einem schwarzen Loch der Leere entwickeln konnte. Aber Laios würde sie davor bewahren, niemals würde er zulassen, dass sie in ein solches Loch fiele, niemals würde er zulassen, dass sie wirklich unglücklich werden würde.
Angesichts Neylas Sorge und der Wahrheit ihrer Worte, wurden Laios' Schritte langsamer, bis er ganz stehen blieb. Zärtlich rieb er seine Schnauze an der Neylas und knabberte ihr sanft am Ohr während er leise flüsterte.
"Ja, so wie es aussieht, sind wir in einem fremden Revier. Neyla, mein Engel, lass uns bis zu ihnen gehen, schaffst du das noch? Sollten sie uns nicht friedlich gewillt sein, so werde ich dich beschützen, hab keine Angst. Aber ich denke, sie werden nichts gehen zwei Wanderer auf der Flucht haben. Vielleicht kannst du dort neue Kraft schöpfen?"
Er drehte den Kopf leicht zur Seite, schob seine Schnauze dem Geruch der Wölfe entgegen und sog die Luft ein. Er roch Blut, zuckte leicht zurück und warf einen schnellen Blick in die müden Augen seiner Gefährtin. Liebe und der Drang sie zu beschützen wallte in ihm auf und der Duft des Blutes ließ ihn an der Richtigkeit seiner Entscheidung zweifeln, dann wurde ihm aber klar, dass es kein Fremder gewesen sein konnte, den sie verjagt hatten, denn der Blutgeruch kam gleichmäßig aus einer Richtung ... vielleicht ein Rangkampf. Laios drehte den Kopf zurück, küsste seine Gefährtin auf die Lefzen und drehte dann einen Kreis um sie, nicht spielerisch, sondern bedächtig, wie zur Kontrolle und um am Ende wieder neben ihr, und nicht mehr vor ihr, zu stehen.
"Sie sind im Westen ... dort scheint auch ein See zu sein. Kannst du noch soweit laufen?"
Sein Kopf glitt hinab zu ihren Pfoten, liebevoll beschnupperte er sie, leckte zärtlich darüber, wie als wolle er sie damit wieder kräftiger machen. Sanft drückte er seine Strin gegen ihre Läufe, wanderte dann zu ihren Schultern und vergrub schließlich seine Schnauze in ihrem Nackenfell.
Die Augen von Neyla lagen noch immer auf ihrem Gefährten, der geliebte Rüde war ihr ein und Alles, er bedeutete ihr so viel, wie sie es gar nicht beschreiben konnte. Mit einem Lächeln hätte sie ihn am Liebsten angesehen und ihm gesagt, was sie alles fühlte, was ihr alles auf dem Herzen lag, aber sie schien nicht Lächeln zu können, alles war noch eingefroren, taute nur in zu großen Abständen auf, es würde ewig dauern, viel zu lange. Plötzlich blieb Laios stehen und Neyla stoppte ihren Lauf ebenso, es tat ihren Pfoten gut, etwas Ruhe zu haben, ihre Läufe zitterten leicht von der weite Streckte, der Aufregung, aber vielleicht würden sie bald etwas Ruhe haben? Ruhig betrachtete sie ihren Geliebten, sein schönes weißes Fell, dessen Gelbstich sie schon immer so sehr fasziniert hatte. Ein Blick in seine Augen verriet ihr wieder, wie viel sie doch gemeinsam hatten. So gerne sah sie in seine grünen Augen, die ihren so gleich waren, nur etwas vollkommen anderes ausstrahlten als es die ihren taten. Während Laios so sanft an ihrem Ohr knabberte, wie es kein anderer jemals hätte tun können, hatte Neyla ruhig die Augen geschlossen, so, wie sie jetzt waren, so fühlte sie sich wohl, war irgendwo etwas gesünder als vorher und voller Gewissheit, dass ihr Leben einen Sinn in der Nähe dieses Rüden hatte, nirgendwo anders. Ein Grinsen zierte nur ihr Herz, ein Grinsen voller Liebe, voller Gefühl und Freude, aber nur Laios würde es sehen, wenn er in sie hinein sah und spürte, was in ihr vorging.
„Laios, mein Geliebter, ich werde jeden Weg – bis in den Tod – mit dir gehen. Ich werde dies schaffen, ich werde neue Kraft in einem neuen Gebiet finden. Vielleicht dürfen wir dort vorerst verweilen, dann können wir uns ausruhen. Es ist mir egal, wo wir rasten, solange die Wölfe uns friedlich gesinnt sind und…so lange ich bei dir sein kann, mein Schatz.“
Sie drückte ihre Schnauze eng an seinem Hals entlang und sog seinen wundervollen Duft auf. Den Kuss von Laios nahm sie mit einem warmen Blick auf und sie beobachtete ihren Süßen dabei, wie er den Kreis um sie drehte, in seinen Augen lag etwas Festes, etwas ganz bestimmtes, sie war glücklich, dass er bei ihr war. Bei diesem Wolf konnte sie ihr Leben sicher sein, dass sie ihm den Rücken zudrehen konnte und er ihr nichts tat. Woanders hatte sie dieses Gefühl nie gehabt und sie liebte es, genoss es bei Laios, wollte es nicht mehr missen.
„Ja, dies werde ich schaffen. Nur für dich. Für uns.“
Neyla folgte seinem Kopf, der sich in die Tiefe zog und sanft über ihre Pfoten leckte. Sie schloss einen Moment die Augen, schien etwas Gutes zu fühlen, als wenn er ihr helfen konnte, sie heilen konnte. Jene Berührung, die von ihrem wundervollen Rüden folgte, sog Neyla mit allen Fasern ihres Körpers auf. Sie hatte die Augen fest geschlossen, genoss die Nähe, die Laios ihr in so wenigen Sekunden so stark und einzigartig übermittelte. Seine Schnauze in ihrem Nackenfell verursachte eine kurze Gänsehaut, aber auch wieder das übliche Glücksgefühl, welches sie nie mehr missen konnte und wollte.
„Lass uns den Weg nun vollenden, wir werden es schaffen.“
Flüsterte sie zärtlich zu ihm hinunter, sie bewegte sich etwas, sodass seine Schnauze sich von ihrem Nackenfell löste. Dann gab sie ihm einen Sanften Kuss auf die Nase, schleckte ihn kurz mit einem Gefühl der Liebe über die Schnauze und schmiegte sich wieder dicht an seine Seite. Nur so schaffte sie den Weg. Nur so fühlte sie sich wohl. Mit pochenden Pfoten und zittrigen Läufen setzte Neyla den Weg fort, dicht bei ihr Laios, der sie begleitete, egal, was geschah.
Banshees Blick während der gesamten Erklärung der seltsamen Fähe nicht von ihr. Die ausfühlriche Information über sie hatte sie nicht erwartet, gleichzeitig war sie auch ein wenig stutzig. Was ihr da erzählt wurde, klang seltsam, wenn nicht sogar erschreckend, aber irgendwie hatte Banshee das Gefühl, es schon vorher gewusst zu haben. Unbewusst warf sie Acollon einen Blick zu und auch Averic streifte sie, ihre Familie musste es ebenso spüren, da war etwas anders ... und es jetzt gleich zu erfahren, dass sie recht hatte, war beruhigend. Dennoch verstand sie nicht alles von dem, was ihr da gesagt wurde, was sie jedoch auch nicht weiter störte, die Fähe schien friedlich und woltle offensichtlich nicht, dass es aussah, als würde sie ihre Fähigkeiten benutzen, um jemandem zu schaden. Banshee nickte.
"Gut, Simariel. Willkommen. Ich bin Banshee, Leitwölfin, du scheinst schon ein wenig länger hier zu sein, du kennst wohl das restliche Rudel. Es tut mir leid, was hier geschehen ist, Acollon und ich hätten früher eingreifen sollen. Ich hoffe, du wirst trotzdem hier bleiben wollen."
Zu den Fähigkeiten der Fähe sagte sie nichts mehr, ihr Blick barg aber etwas Warmes und Wissendes, das der Weißen bedeuten sollte, dass sie verstand und akzeptierte. Auf ihren seltsamen Hinweis hin, legte sie leicht den Kopf schräg und sog dann die Luft ein. SIe witterte undeutlich etwas. Hätte Simariel nicht mit Überzeugung gesprochen und ihr nicht vorher erklärt, dass sie mehr als nur ihre gewöhnlichen 5 Sinne besaß, hätte Banshee den Geruch nicht für zwei Fremde gehalten, so aber war sie sofort überzeugt davon, dass die Weiße Recht hatte.
"Lassen wir sie kommen ... aber wer ist dieser Welpe hier? Kennst du ihn?"
Banshee hatte sich an den Kleinen gewandt. Simariel hatte ihm keine Antwort gegeben und mittlerweile war sich Banshee nicht mehr sicher, ob er wirklich etwas zu der Werwolfsfähe gesagt hatte. Fragend blieb ihr Blick auf ihm liegen.
Laios spürte die Kraft seiner Fähe, die noch immer in ihr steckte. Es machte ihn glücklich zu sehen, dass er sie in ihr wecken konnte. Schon allein für diesen Umstand liebte er sie und würde mit ihr bis zum Ende der Welt laufen. Sie schöpfte ihre Kraft aus seiner Liebe und auch wenn er es wohl nicht so deutlich zeigte, auch er brauchte die ihre ... anders wäre er wohl längst im eisigen Winter Weißrusslands erfroren. Mit einer sanften Schnauzenbewegung fuhr er ihr an der Schulter entlang, als sie wieder begann Pfote vor Pfote zu setzen. Ihre Worte stärkten ihn noch mehr, sie würde ihm folgen, ebenso wie er es tun würde und sie hatte auch noch die Kraft bis zu dem erlösenden Rudel zu kommen. Jedenfalls hoffte er von Herzen, dass es erlösend war. Mit langsamen, aber starken und zielstrebigen Schritten bewegte er sich jetzt nach Westen, den Körper seiner geliebten Gefährtin an seiner breiten Schulter stützend. Er spürte ihr Zittern und ihr Schwanken und mit jedem Schritt nagte die Sorge mehr an ihm, trotzdem ging er weiter. Er musste seine Stärke ihr schenken. So weit es ging.
Nach scheinbar endlos vielen Schritten nahm er schließlich den Geruch der Wölfe klar und deutlich wahr, es waren Welpen unter ihnen und noch immer sehr viel Blut. Bald darauf konnte er sie zwischen den Bäum sehen. Vorne standen zwei weiße Fähen, die eine fast erschreckend groß, vor einem kleinen Welpen. Hinter ihnen lag ein blutender Rüde auf dem Boden, keiner schien sich um ihn zu kümmern. Eine weiße Fähe stand eng bei einem grauen Rüden, zwischen sich offensichtlich ihren Welpen. Etwas abseits ein schwarzer Rüde mit drei Welpen ... ein sehr seltsames Bild. Der blutende Rüde schien fast tot und wer sein (fast-)Mörder war, verriet das Blut an seinen schwarzen Lefzen. Allerdings war auch die Welpin vor ihm, seine?, blutgetränkt ... offensichtlich war hier etwas hässliches vorgefallen.
Trotzdem trat er mit einem bestimmten Schritt auf die Lichtung, Neyla eng an seiner Schulter, er würde sie beschützen ... vor allem und jedem.
"Ich grüße euch, fremdes Rudel. Entschuldigt unser Eindringen in euer Revier. Wir sind zwei Flüchtlinge auf der Suche nach einem sicheren Platz zu rasten."
Seine Augen glitten auf den verblutenden Rüden udn wenn er nicht an genug andere Dinge zu denken gehabt hätte, hätte wohl jetzt ein Funken Ironie in seinen Augen geblitzt. So allerdings drückte er sich fester an Neyla, gab ihr Sicherheit und richtete dabei seine Augen abwechselnt auf eine der beiden weißen Fähen. Sie schienen ihm hier die Macht zu haben, besonders die seltsam große.
Der Weg war nicht unbedingt lang, aber er kam Neyla irgendwie so vor. Sie schien daran zu verzweifeln, dass ihr Weg einfach kein Ende mehr nahm, aber was würde sie schon ohne Laios tun? Ihr Vater hätte sie ebenso getötet wie ihre Geschwister. Er hätte sie die Klippe hinunter gestoßen, hätte sich darüber totgelacht und erfreut, aber was war nun geschehen? Nach all den verwirrenden Szenen vor ihrer Flucht war das Rudel dazu gestoßen und in dem Moment hatte Koros gespürt, wie ihn alle hassten. Ob er sich geändert hatte? Wohl kaum, er hatte es sich vorgenommen, auch Laios und Neyla zu töten. Ob er wohl hinter ihnen war? Auf dem Weg? Neyla schüttelte den Kopf, niemals, und selbst wenn – Laios war bei ihr, sie spürte es, sie spürte seine Kraft, seine Nähe, seine Wärme, seine Liebe. Einfach alles, was sie von diesem Rüden wissen wollte. Noch immer zitterte der Körper von Neyla, die Schwäche machte sich trotz all den Versuchen ihres Geliebten in ihr breit, noch nie war sie so benommen gewesen, die weite Reise aus Weißrussland bis hier her zu dem fremden Tal war ewig lang gewesen. Zwei Monate hatte sie gebraucht, um hier anzugelangen, wo sie waren. Ganze zwei Monate hatte sie um ihr Überleben gekämpft, hatten gelernt, mit wenig zu leben und so fühlte Neyla sich auch. Die Schwäche hatte sie eingeholt und sie war froh, bald in einem Rudel leben zu können, ansonsten würde sie es wohl kaum überleben. Aber warum war sie sich so sicher, in diesem Rudel leben zu dürfen? In der Luft lagen Gerüche von Wölfen, aber auch Blut mischte sich dem unter und Neyla hatte Angst, was geschah dort nun? Ängstlich drückte sie sich an ihren weißen Rüden und suchte seinen Blick, der aber ebenso wenig Klarheit über die Zukunft gab. Wieso nur?
Der Weg schien kürzer und kürzer zu werden und ehe Neyla sich versah, konnte sie ebenso wie Laios durch die Büsche und Bäume hindurch sehen und erkannte all die Wölfe, doch das Szenario war seltsam, vollkommen verwirrend, es verwirrte die Weiße und sie senkte etwas ihren Kopf, sie konnte sich keine Klarheit verschaffen.
„Was ist dort nur geschehen?“
Flüsterte sie kaum hörbar, ob Laios es wahr genommen hatte wusste die Junge nicht, aber es war ihr im Moment auch gleichgültig, es gab Wichtigeres zu klären und deshalb hoffte sie auf die Stärke ihres Gefährten. Sie traten auf die Lichtung zu, Neyla fürchtete sich, waren die Wölfe wirklich friedlich? Im Moment schien es ihr komplett anders, sie schüttelte unruhig ihren Pelz und drückte sich mehr an Laios, ihre zitternden Läufe gaben immer mehr und mehr nach, aber sie bemühte sich, stehen zu bleiben.
oO(Du darfst keine Schwäche zeigen, Neyla Zárá, sei Stark.)Oo
Sie schloss krampfhaft die Augen, lauschte den Worten ihres Geliebten, ihres Beschützer und Kriegers, aber es nützte nichts. Mit einem hilflosen Laut, einem Laut, den man kaum definieren konnte, der voller Schmerz und Leid lag, der die Trauer widerspiegelte, die in Neylas Augen und in ihren Gedanken lag, brach die Fähe auf den Boden zusammen, ihre Pfoten konnten sie nicht mehr halten, es schmerzte, ihre Läufe taten weh, die Pfoten waren wund geblutet und sie sah nur mit Thränen erfüllten Augen zu Laios auf, die Schmerzen waren so unerträglich, sie spürte sie kaum noch.
Einsam und mit Schmerz in der Seele schleppte Leyla sich durch den Wald. Sie war noch zu geschafft von dem, was geschehen war. Sie mußte Abstand gewinnen. Abstand von ihrer Vergangenheit. Abstand von ihrer Familie. Von ihrer völlig zerütteten Familie. Der Glanz ihrer Augen war stumpf geworden. Sie suchte etwas, wo sie die Nacht verbringen konnte. Doch es sah schlecht aus. Der Hunger quälte ihren Magen und sie spürte wie die Luft schlechter wurde. Bald würde sie zusammenbrechen und von wer weiß wem gefunden. Das wollte sie auch nicht und so ging sie weiter. Nur die Angst hielt sie wach. Sie wollte jetzt niemanden sehen. Keine Tiere und schon gar nicht Menschen. Sie wünschte sich so sehr alles rückgängig machen zu können. Die Erlebnisse. Das Gesagte. Das Gesehene und das Gehörte. Aber vor allem sich selbst, ihre eigene Anknuft auf dieser Welt. Warum nur hat man ihr das Leben geschenkt? Sie wollte es doch gar nicht. Erst schenkt man es ihr und dann ist man ungerecht zu ihr. Aber was soll der Vorwurf. Geschehenes ist geschehen und sie kann jetzt nur versuchen, das beste daraus zu machen. Einen Versuch, Schluß zu machen, hatte sie schon. Doch sie ist viel zu feige es durch zu ziehen. Sie haßt sich für ihre Schwächen. Sie denkt nicht, daß sie irgend etwas positives an ihrem Charakter hat. Und so schiebt sie letztenendes wieder alle Schuld auf sich und wünscht sich nur schlechtes. Sie tappst weiter durch die unbekannten Täler und Wiesen. Wo wird das Schicksal sie hinführen? In den direkten Tod? Oder gibt es ihr noch ein weiteres Mal eine neue Chance zu leben? Wird sie es noch ein Mal versuchen dürfen? Will sie das überhaupt? Gibt es so etwas wie Gerechtigkeit überhaupt noch? Sie hat Angst vor der Zukunft. Leyla läuft weiter bis es doch passiert- sie bricht zusammen und bleibt liegen. Alles wird schwarz. Das Bewußtsein löst sich im Nichts auf. Stille.
24.12.2009, 14:59
Alienna hatte geschlafen, abseits, um nicht zu nahe bei den anderen Wölfen zu sein. Vielleicht etwas zu tief, denn als sie erwachte, war keine Spur von irgendwem. Und Lightos Duft war so erschreckend schwach. Zuerst meinte sie zu müde zu sein, um ihn richtig wittern zu können, doch auch nachdem sie sich aufgesetzt und ein wenig stumm umhergesehen hatte, ohne an etwas zu denken, roch sie ihn nicht mehr. Nur noch der Duft vergangener Tage hing in der Luft. Jetzt begannen ihre Ohren nervös zu zucken. Kein anderer Wolf war zu sehen, sie roch sie deutlich, sie mussten in der Nähe sein, aber Lighto war nicht bei ihnen. Sie erhob sich, etwas zu schnell, begann herum zu schnüffeln ... seine Spur zu finden, war nicht schwer. Viel schwerer war es, zu verstehen, dass sie geradewegs weg vom Rudel und ihr führte, auf die Reviergrenze zu. Ihre Pfoten bewegten sich immer schneller, sie bemerkte nicht mal richtig, dass sie mittlerweile rannte, die Schnauze noch immer dicht am Boden, in fanatischer Eile seiner Spur hinterher hetzend. Sie musste nicht lange so rennen, bald schon stand sie an der Reviergrenze, den Blick in die Ferne, der Spur hitnerhersehend, die Lighto gelegt hatte, als er sie ohne ein Wort verlassen hatte. Ihre Lefzen zitterten leicht, sie spürte nicht umbedingt Trauer, es war fast eher Wut, auch wenn die Fähe nicht mal richtig wusste, was Wut war. Und sie spürte Enttäuschung. Er war der einzige Wolf gewesen, dem sie sich hatte nähern können, ohne diese Angst zu verspüren und nun war er einfach davon gegangen.
Mit einem Ruck drehte sie sich wieder um. Sie war sich nicht sicher, was sie für diesen Rüden empfunden hatte, aber jetzt hatte sie ihn verstoßen. Er war nicht anders gewesen ... er war wie alle anderen, nur irgendetwas hatte sie an ihm geblendet ... und auch wenn es schön war, die Angst dadurch nicht mehr zu sehen, ewig blind konnte sie nicht sein. Mit entschiedenen Schritten, das bekannte Lächel wieder auf den Lefzen, trat sie den Rückweg an. Diesmal nicht auf der Spur Lightos, sie lief einen kleinen Bogen, sie hatte ja Zeit. Während sie so entspannt über den moosigen Boden lief, stiegen ihr viele fremde Gerüche in die Nase, offensichtlich hatte sie wieder Zuwachs ... nur einer war sehr nahe und es roch nicht nur nach jemand fremdem, sondern auch nach Not. Sie bog leicht von ihrem Weg ab, dem Geruch nach und schon nach kurzer Zeit sah sie eine weiße Fähe im Gras liegen. ((Leyla)) Vorsichtig begann sie sich ihr zu nähern und wie immer einige Meter von der Fähe entfernt stehen zu bleiben. War sie tot? Mit gespitzten Ohren lauschte sie auf einen Laut und tatsächlich hörte sie nach einigen Sekunden leisen Atem. Vielleicht hätte sie die Fähe berühren sollen, aber so weit vor wagte sich Alienna nicht.
"Geht es euch gut?"
Eine selten blöde Frage, aber Alienna begann sich allmählich hilflos zu fühlen. Definitiv ging es der Fähe schlecht und trotzdem traute sich die Braune nicht näher an sie heran. Lighto und sein Gehen hatte sie schon wieder vergesssen.
Bastars Herz klopfte zehn mal schneller,so das er tatsächlich das Gefühl bekahm,das sie es spürte.Stolz strahlte er die Fähe mit einem verträumten Blick an.So hatte er sie noch nie angesehen.Nun konnte man tatsächlich etwas aus seinen Augen lesen.Es schien...ja durchaus..es schien als hätte Bastar sich verliebt.Doch so schnell?! Der junge Rüde konnte seine Gefühle einfach nichtmehr zügel.Sanft legte erseinen Kopf auf ihen Nacken.Doch lies er ihn nicht komplett sinken.Er wollte sich nicht so schwer auf sie legen.Er schob seine Schnautze dicht an ihr Ohr.
"Leé..."
setzte er vorsichtig an.Seine Stimme war nur ein Flüstern in ihren Ohren.
"Leé du bist..bist die schönste Wölfin die ich je gesehen habe..für..für dich würde ich sogar,mein Leben geben!."
Kurz schloss er die Augen.Was er gesagt hatte war ihm peinlich,doch rückgänig konnte er es nicht machen.Das wollte er auch garnicht.Doch beschämt hob er seinen Kopf wieder,lies die Ohren sinken und betrachtete die Fähe.Er erwartete keine Antwort.Er sah sie nur stumm an.Doch dann kahm seine Schnautze ernneut auf sie zu.Liebevoll leckte er ihr über die Nase und legte dann den Kopf schief.
Es schien ihr...als wäre dort etwas. Etwas das Leben in sich trägt. Etwas das Kraft von sich gibt. Eine Kraft des Lebens. Doch Magie schien es nicht zu sein. Leyla öffnete langsam die Augen. Ganz langsam, so daß das Licht sie nicht blind machen konnte. Sie sah den Sonnenschein. Ein Schatten fiel auf sie. Er verlief vor sie. Es war der Schatten einese Tieres- eines Wolfs. Als ihr das klar wurde, war sie wieder völlig bei Bewußtsein. Die Angst und der Schrecken rüttelten sie wach. Dooch das war ihr nicht anzusehen. Sie blieb unverändert liegen. Hatte sie eine Stimme vernommen? War es eine weibliche Stimme? Oder ist das alles gar nicht real? Ist sie nun völlig von der Realität entfernt? Ist sie vielleicht gar nicht mehr am Leben? Nun wäre vielleicht ihr größter Wunsch in Erfüllung geangen. Das Leben nach dem Tod. Eine zweite Chance voller Harmonie. Die Sonne deckt das Tal mit ihrer Wärme und ihrem Licht, die Vögel singen. Doch Moment- dann war da noch der unbekannte Wolf. Sie sah noch ein Mal zum Boden. Der Schatten war noch immer da. Sie mußte es jetzt wagen. Egal was der Wolf von ihr möchte. Er konnte ihr jetzt auch schon wehtun. Oder gerade jetzt. Sie war hilflos und völlig fertig. Von inneren Narben gekennzeichnet und Trauer geschwächt. Trauer um die vergebene Zeit ihres Lebens. Warum durfte sie leben, unglücklich wie sie ist, und andere, die Freude am Leben haben, mussten es viel zu früh abgeben?
Sie dreht den Kopf langsam nach hinten. Sie sieht braune Pfoten. Sie traut sich nicht, nach oben zu gucken. Sie riecht den Geruch.
Ihr gehen so viele Gedanken durch den Kopf. Ist es jemand Gutes oder jemand Böses? Was wird geschehen? Ist der Wolf überhaupt da?
Und ist sie auf Erden?
Sie neigt den Kopf noch ein kleines Stück nach oben um dem Wolf ins Gesicht zu gucken. Nur so kann sie herausfinden, in welcher Stimmung der andere Wolf gerade ist. Doch als sie nach oben sieht, blendet sie die Sonne. Sie kann das Gesicht nicht erkennen. Sie zwinkert hilflos mit den Augen, ist zu schwach, um zu sprechen oder sogar aufzustehen. Sie neigt den Kopf wieder nach unten und sieht wieder nur die Pfoten. Was auch immer jetzt kommt- es solle geschehen.
Alienna sah nicht sofort, dass die Fähe ihre Augen geöffnet hatte. Eine ganze Zeit lang saß sie nur da und starrte das weiße Geschöpf an, in ihrem Kopf rasten die Gedanken und doch wagte sie weder näher zu kommen, noch wegzugehen und Hilfe zu holen, dabei jedoch die Weiße alleine lassen. In ihren Augen begann sich allmählich Panik zu spiegeln, die Angst hielt sie noch immer von der Fähe fern, doch eine neue Angst über die Fähe breitete sich in ihr aus. Als sie gerade erneut etwas sagen wollte, erkannte sie, dass die Fähe ihre Augen geöffnet hatte und nun langsam ihren Blick wandern ließ. Sie hatte klare, grüne Augen von einer seltsamen Tiefe. Alienna spürte ihren Blick an ihr hochwandern und wartete, bis sie ihr in die Augen sah, doch dazu kam es nicht. Die Fähe senkte den Blick wieder und starrte auf ihre Pfoten. Alienna begann zu verzweifeln. Sie saß mindestens vier Wolfslängen entfernt von der Weißen, möglicherweise verstand das die Fähe nicht. Vielleicht sollte sie das erklären ...
"Fremde ... ich ... ich kann nicht näher kommen, verzeiht. Aber vielleicht könnt ihr mir trotzdem sagen, ob es euch gut geht und ob ich euch helfen kann ... ich bin Alienna."
Jetzt starrte sie auf ihre Pfoten, sie wusste, dass sich in ihrem Blick Hass und Verwirrung und jetzt auch noch Scham spiegelten und sie schämte sich noch mehr dafür, dass man es wohl sah. Sie rückte noch etwas weiter weg, mittlerweile waren es wohl vier einhalb Wolfslängen und allmählich wurde es schwierig sich zu verstehen. Alienna erinnerte sich an Eris, die schwarze Fähe, die sie nicht verstanden hatte und die sie jetzt wohl nicht mehr mochte ... neue Angst kam, dass das gleiche mit der weißen Fähe vor ihr passieren würde. Alienna senkte den Kopf noch etwas mehr, sie sehnte sich nach jemandem, bei dem sie sitzen konnte, ohne Angst zu verspüren ... an Lighto dachte sie nicht dabei.
Ein Ohr begann leicht zu zucken. Verschlafen hob die graue Wölfin ihren Kopf. Zwinkerte mit den Augen und hob ihre Schnauze gen Himmel. Unsicher sog sie die vielen Gerüche ein. Lange Zeit hatte sie sich von dem Rudel abgewendet. Tyrael war gegangen. Traurig war Kaede geblieben. Er hatte ihr versprochen ihr augenlicht zu sein, doch es war ihr von Anfang an bewusst gewesen. Er wollte weiterziehen. Hatte wenig Zeit und Ruhe um an einem Ort zu bleiben und so war er gegangen. Das war sicher das beste für ihn, doch Kaede viel es nun schwer. Sie hatte sogar ihren kleinen Hiroyoga zurück gelassen. Sie seufzte und schleckte sich über die Lefzen, ehe sie ihr linkes Auge öffnete und die Gegend betrachtete. Auch wenn sie nur noch alles verschwommen sehen konnte, wollte sie solange die Farben wahrnehmen, wie es ihr noch erlaubt war. Schließlich war die Dunkelheit früh genug über sie gekommen. Sie streckte sich, ehe sie sich ganz aufrichtete und leicht mit der Rute wedelte. Sie hatte beschlossen Banshee suchen zu gehen. sie konnte schließlich schlecht ihr ganzes restliches Leben rumliegen und trauern. Irgendwie würdedas Leben schon weiter gehen. Sie würde sich durchkämpfen auch wenn sie gar nichts mehr sehen konnte.
Schon jetzt viel ihr das gehen schwer. Sie musste sich immer mehr auf ihre Sinne verlassen. Hatte sie doch früher viel zu sehr auf ihr Augenlicht vertraut. Sie fiepte, als sie plötzlich ein rascheln vernahm und sprang herum. Fixierte den Busch mit ihrem linken Auge. Wie schrecklich es war schon jetzt auf einer Seite nichts mehr sehen zu können. Sie erschreckte sich immer leichter. Da sie in dem Busch nichts erkennen konnte, hob sie abermals die nase und witterte. War das nicht Banshees Duft? Konnte er es wirklich sein oder irrte sie sich? Doch eigentlich war ihr geruchssinn eher besser als schlechter geworden.
Langsam setzte die Fähe sich in bewegung, wohl bedacht niergendwo gegen zu laufen. Sie tapte leise über den Boden, sodass man sie nicht hörte. Wenn ein Wolf sie wittern würde, war das okay aber sie wollte nicht zu früh auffallen. Sie bemerkte, dass Banshee mit vielen anderen Wölfen auf einer Lichtung war, welche Kaede zu gut kannte. Früher war sie des öfteren auf dieser Lichtung gewesen und sie war nicht allzuweit von ihrem jetzigem Standort entfernt, so würde sie sie rasch erreichen.
Sie versuchte heraus zu finden, wer noch auf der Lichtung war, doch gelang es ihr nicht sonderlich gut. Mit etwas Glück würde sie sie gleich einigermaßen gut erkennen. Sie erinnerte sich, dass um die Lichtung reltiv viel Gestrüpp war und so tappte sie nun langsamer vorran. Spürte die Äste und Zweige und schob sich langsam vorwärts nur um die Lichtung langsam zu betreten und am Rand stehen zu bleiben.
4 Fremde Wölfe nahm sie sofort wahr, ebenso viele Welpen, welche auf der Lichtung waren. Und 4 Wölfe kamen ihr bekannt vor. Banshee erkannte sie sofort auch am Geruch doch um die anderen zu erkennen musste sie stark blinzeln, wovon ihr auge anfing zu tränen.
"Hanako, Hidoi, Falk und Acollon"
murmelte die Fähe leise, sodass nur sie es wirklich wahrhaben konnte und doch war sie froh die Wölfe noch zu erkennen. Nun wartete sie ruhig ab, was sie sagen würden. Sie war bereit für Ärger. Sie würde sogar eine Rüde oder einen Tadel über sich ergehen lassen. Ihr Verhalten war nicht fair gewesen, das wusste Kaede und nun wollte sie die Konsequenzen tragen.
Die dicken Pfoten trugen die kleine weiße fähe rasch voran. Sie schnupperte leicht im Wind, so wie sie es von den anderen Wölfen gelernt hatte. Lange war sie umhergezogen in dem Revier. Immer wieder zu ihrer Patin und zu ihren eltern zurück gekehrt. Doch war sie auch oft alleine unterwegs gewesen. Nun verspürte sie den Drang ihre Eltern zu sehen. Und ihre Patin. Sie wollte ihre Mutter spüren und kuscheln.
Diese kleine verschmuste Welpin sah etwas zerzaust aus, so lange war sie durch das Gebüsch geschlichen und ihr Fell war leicht Dreck verklebt. Insgesamt sah die junge Fähe etwas lächerlich aus, so als ob sie sich nicht selber pflegen konnte, doch war sie wohl nur lange unterwegs gewesen.
Da schon hatte sie den Geruch ihrer mutter wahrgenommen und rannte freudig in die Richtung. Er kam von einer Lichtung und ungeachtet dem was ihr in den Weg kam rannte sie in die richtung.
Äste schlugen über ihren schlanken und muskulösen Körper, doch hetzte sie einfach weiter. Hoffte, dass ihre Eltern nicht sauer sein würde. Sie müssten sich ja langsam an ihre unternehmungslustige Tocher gewöhnt haben, doch trotzdem würde die Fähe verstehen wenn sie sauer wären weil sie sich sorgen gemacht haben.
Außer atem kam die kleine Sheena auf der Lichtung an und stoppe nicht erst sondern lief weiter zu Hanako und Hidoi, welche mit Banshee der alphawölfin, ihrem gefährtem acollon und falk da standen. 4 weitee Wölfe, welche sie noch nicht kannte waren ebenfalls anwesendund ein großteil von den Welpen. Gerade schien noch eine andere Wölfin dazugestoßen zu sein. Irgendwie kam diese ihr bekannt vor, doch konnte sie ihr keinen Namen zuordnen, doch war sie sich sicher sie schon gesehen zu haben. doch plötzlich war sie wohl verschwunden gewesen. Sie näherte sich auch nicht weiter sondern blieb am Rand der Lichtung stehen.
Doch darum wollte Sheena sich nun nicht kümmern. Freudig umsprang sie ihre Eltern und kuschelte sich dann an diese, nachdem sie beiden einen beherzten stups mit der Schnauze gegeben hatte.
Dicht angeschmiegt fühlte sie sich doch immer noch am wohlsten stellte sie fest und rollte sich an ihrem Vater zusammen, blinzelte zu ihrer Mutter und seufzte wohlig. Sie schwieg um die Erwachsenen Wölfe nicht zu stören.
Hatte jemand gesprochen? War es nur eine Illusion? Hörte sie Stimmen? War ihr Leben vorrüber? Ihr kam es wieder so vor, als würde sie eine Fähe sprechen hören. Doch das kann nicht wahr sein. Wenn sie tot ist, kann niemand bei ihr sein. Oder doch? Sie öffnete nochmals die Augen. Der Schatten war immer noch da. Sie sah lange Schatten, die die Beine sein mußten. Und sie konnte die Form eines Wolfskopfes erkennen. Doch sie war zu schwach, um näheres zu deuten. Sie hat die Stimme nicht verstanden. Es hörte sich an, als ob sie viele Täler enfernt wäre. Aber spüren konnte sie, daß sie das nicht war. Die Anwesenheit eines andeen Wolfs war für sie kein Geheimnis mehr. Egal ob auf Erden oder im Reich, wo die Toten weiterleben. Vielleicht ist es aber auch nur ein Traum. Das ganze Leben- ein wahnsinniger Alptraum. Sie wollte nicht aufwachen, sie wollte nur aufhören zu träumen. Schluß mit den Qualen des Lebens, Schluß mit dem Leid, den sie in diesem Traum zu spüren bekam. Sie konnte den Wind in ihrem Fell spüren. Es war der einsame Wind der Stille. Doch das Lebewesen war trotzdem noch da. Sie wußte nicht, ob es gut oder böse gesinnt war, also war es egal, ob sie versuchte, es zu identifizieren oder das so wie so noch geschen wird. Sie holte alle Kraft aus sich heraus und strengte sich an um sich zu dem Wesen um zu drehen. Sie neigte den Kopf noch ein Mal nach hinten und sah wieder die braunen Pfoten und die Krallen. Die Pfoten wirkten weiblich. Es mußte eine Fähe sein. Sie sah noch mal nach oben und versuchte, ihr in das Gesicht zu sehen. Sie wollte ihr Gemüt deuten. Doch die Sonne blendete sie und ihre schwachen Augen. Sie wollte aber nicht wieder aufgeben wie beim letzten Mal. Bevor sie die Kraft wieder verlor, wollte sie nun wissen, was die Fremde von ihr wollte. Vielleicht war sie ja gut gesinnt. Leyla stotterte langsam und sehr leise aus sich heraus, so daß es kaum zu hören war.
„Wer..bist..du?“
Kaum hatte sie diese Worte über die Lefzen gebracht, fiel ihr Kopf wieder in die richtige Position und sie schloß die Augen und ließ alles über sich ergehen, was nun als Reaktion kommen mochte.
Leé lag entspannt auf dem Bauch und schaute auf die Pfoten von Bastar. Sie waren gross und von flauschigem, grauen Pelz. Sie mochte diese Farbe. Ihr Herz hatte sich etwas beruhigt, was den Takt anbelangte, doch tief im inneren hatte sich ein Schloss geöffnet, dass sonst immer und für jeden geschlossen war. Die Zärtlichkeit Bastars war anders als alles Andere, was sie je gefühlt hatte. Jedes Wort aus seinem Munde knackte jeden weiteren Code ihres Schlosses, bis es schliesslich ganz geknackt war. Leé fühlte sich befreit und unendlich glücklich.
.oO(Ist das wohl Liebe? Die Liebe, von der Jeder spricht und die Jeder finden möchte?)
fragte sich Leé und im selben Moment sprach Bastar zu ihr, im gleichen sanften Ton wie zuvor und unverzüglich musste Leé lächeln. Es war eher ein schüchternes Lächeln. Er findet sie hübsch? Leé drehte sich alles. Ja, sie fand diesen Rüden hübsch. Sehr sogar. Aber das jemand sie hübsch findet, anders als Andere, so hübsch wie es nur jemand der verliebt ist, sehen konnte? Ihr Herz begann wieder schneller zu schlagen und schien gar nicht mehr zu pochen aufzuhören, als Bastar ihr über die Schnauze leckte. Ohne lange zu überlegen, gab sie ihrer Zuneigung freien Lauf. Sie drehte ihren Kopf zu Bastar und leckte ihm über das Gesicht, putzte ihm die Schnauze, die Backe und zuletzt noch die Ohren. Dann hielt sie inne und betrachtete ihn. Sie sah, das er verlegen war und lächelte.
"Danke Bastar..."
sagte sie flüsternd und dann fügte sie noch hinzu:
"...mein Leben gehört dir!"
Bei den letzten Worten verbreiterte sich ihr Grinsen noch mehr und ihre Ohren schnippten nach vorn und sie berührte leicht seine feuchte Nase. Sie witterte seinen Geruch. Er roch irgendwie nach Honig,stellte sie fest und lachte im Stillen über sich selbst. Es war lange ruhig und sie schaute ihn nur an.
"Erzähl mir etwas von dir, Bastar! Was hast du erlebt, bevor du hierher kamst?"
fragte sie ihn schliesslich und spührte dabei, wie ihr altes Ich hervorsprudelte. Würde sie nun wieder sich selber werden?
Der junge Rüde war nochmehr als nur verwundertüber die Reaktion der Fähe.Das einzige mit dem er gerechnet hatte war,das sie ihn auslachte oder vertrieb.DOch das sie ihn so zärtlich behandelte..Auch er lächelte nun.Das verblüffen sah man in seinen Augen.Hätte er kein Fell gehabt,wäre er röter geworden,als eine Tomate.Vorsichtig rückte der Rüde noch fester an den zierlichen Körper der Fähe.Wie süß sie doch wahr.
"Feuer.."
Antwortete er leise auf ihre Aussage hinweg,ihm zu erzählen,warum er hierher gekommen war,und was geschehen war.
"Und Menschen..es fing harmlos an.."
Einen momentlang zögerte Bastar,doch sprach er dann etwas überlegt weiter.
"Wir waren ein großes Rudel..meine Familie war auch recht groß..doch dann...naja...in jener Nacht drangen Menschen in unser Revir.Wir versuchten zu fliehen,doch kecherten sie uns,mit einem riesigen Feuerbogen ein.Viele wurden gefangen und weggebracht.Andere wurden getötet.Nur wenige konnten entkommen.Und dann liefen wir alle in verschiedene Richtungen.Keiner wusste wohin.Nur einfach weg.Tja..und jetzt bin ich hier."
Abermals lächelte er.Wie oft er dasschon getan hatte,konnte er nichtmehr zählen.Aber es war ihm egal.Das er verliebt war wurde ihm jetzt erst recht bewusst.Doch störte es ihn ausnahmsweise garnicht.Liebevoll rieb er seinen Kopf an ihrem Hals.Das Fell gläntze schön und war angenehm warm,so das Bastar seinen Kopf erstgarnichtmehr wegnehmen wollte.Doch dann kahm er Leé ganz nah und sah ihr direkt in die Augen.Seine blitzten kurz angenehm im fahlen Sonnenlicht auf.
"Und..wie siehts mit dir aus?möchtest du auch erzählen?"
Er sprach,wie die ganze Zeit schon,recht leise.
Simariel sah Banshee für einen Moment misstrauisch an. Was für ein Welpe? Was sollte das? Wovon war hier die Rede? Dann bemerkte sie eine Bewegung in ihrer Nähe und sie wandte sich um. Tatsächlich. Ein Welpe. Helle Fellfarbe und auch dieser Welpe trug das Blut eines Werwolfes in sich. Für einen Augenblick war Simariel verwundert - sie hatte nicht damit gerechnet, hier so viele Wölfe mit einer gewissen magisch-mystischen Ausstrahlung anzutreffen. Wenn ihr Geist gewandert war, völlig losgelöst von ihrem ruhenden Körper, so hatte er selten das für eine solche Präsenz typische Prickeln verspürt. Doch hier schien es sich mit einem Male zu konzentrieren. Was hatte dieses Tal? Was zog diese Wesen an? Simariel dachte wieder an die Frage Banshees. Kannte sie diesen Welpen? Sie musterte ihn. Nein, sie kannte ihn nicht. Er jedoch schien sich an sie gewandt zu haben, möglicherweise war es das Blut des Werwolfes, das, vermischt mit dem Blut des Polarwolfes in ihren Adern floss. Wahrscheinlich hatte dieser Werwolfswelpe in ihr eine Art Bezugsperson gesehen, eine Verbündete. Die weiße Fähe wandte sich wieder an Banshee.
"Nein, ich kenne ihn nicht. Ich sehe ihn zum ersten Mal. Und ich bin auch noch nicht lange hier, erst vor kurzem hier eingetroffen, allerdings erlauben es mir meine...besonderen Fähigkeiten, viele hier gut einschätzen zu können. Man könnte also sagen, ja, dass ich das Rudel schon recht gut kenne."
Zum Beispiel dachte sie, dass diese Banshee eine gewisse Reinheit in sich trug. Dass sie den schwarzen Acollon als ihren Gefährten erwählt hatte, reizte Simariel immer noch in großen Maße. Es interessierte sie - diese Verbindung. Außerdem dachte Simariel, dass Banshee das Tal wahrscheinlich am besten kannte. Wenn ihr jemand eine Antwort geben konnte, dann Banshee.
"Ich würde gerne etwas fragen. Und zwar was dieses Tal so besonders macht. Denn ich habe das Gefühl, dass es etwas Besonderes an sich hat. Irgendetwas hat schließlich auch mich hierher geleitet."
.oO(Ob ich hier Antworten finden kann? Ob ich hier etwas finden werde, was mir zumindest einen Weg weist? Ich weiß es nicht. Ich weiß, es wäre schön. Aber ich will nicht hoffen, nein. - Ich hoffe ja doch immer.)Oo.
Banshees Augen hatten noch immer nachdenklich auf dem Welpen gelegen, als der Wind ihr immer deutlicher die Witterung der beiden Fremden zutrug. Sie näherten sich, ein Rüde und eine Fähe. Es dauerte nicht lange und ein seltsames Paar tauchte zwischen dne Bäum auf. Sie beide hatten stechend grüne Augen und sie beide waren fast weiß, die Fähe mit grauen Abzeichen. Die Graue stützte sich schwach auf die Schultern des Rüden, der seine Umgebung mit scharfen Augen fast eilig erkundete. Seine Stimme war tief und ein wenig abweisend, die Fähe flüsterte etwas zu ihm, das Banshee nicht verstand. Sie schienen beide sehr müde.
"Jìjaye, Wanderer. Ich bin Banshee, darf ich auch eure Namen erfahren? Wenn ihr friedlich seid, so könnt ihr hier bleiben."
Andernfalls sagte das Beispiel des noch immer blutenden Rüden am Boden genug aus. Sie sah den kurzen Blick des weißen Fremden zu dem Mischling und konnte fast seine Gedanken hören. Aber so waren sie immerhin gewarnt, auch wenn sie nicht sehr gefährlich aussahen. Sie überlegte gerade, ob sie noch etwas zu der Fähe sagen sollte, als sie Kaede auftauchen sah und nahe bei ihnen stehen blieb. Banshee trat die wneigne Schritte auf sie zu und blinzelte kurz, sie konnte an dem milchigen Film, der über den Augen der Fähe lag erkennen, dass Kaedes Augenlicht mehr und mehr schwandt. Sanft drückte sie ihre Schnauze kurz an die der anderen Fähe.
"Kaede, ich freue mich, dich mal wieder zu sehen. Es sind Fremde angekommen, das dort ist Simariel und bald werde ich auch die Namen von den beiden Fremden vor uns erfahren. Simariel, das ist Kaede."
Sie hatte das Bedrüfnis Kaede ein wenig zu helfen, dadurch, dass sie nicht mehr sah, sollte sie trotzdem nicht ausgeschlossen werden. Vielleicht würde sie sich mit den beiden Neuen unterhalten können, denn schon nahm Simariel wieder ihre Aufmerksamkeit in Anspruch. Ein Lächeln begann auf Banshees Lefzen zu tanzen. Es war eine interessante Frage ... und nur eine mögliche Antwort fiel ihr dazu ein.
"Nun, Simariel ... es ist schwer zu erklären und noch nie hat mich jemand so deutlich danach gefragt. Ich denke, viele in diesem Rudel wissen davon, aber niemand spricht es aus. Es ist nicht das Tal, dass besonders ist, sondern wohl seine Bewohner."
Banshee trat ein wenig näher an Simariel heran. Es war ihr unangenehm vor den Fremden darüber zu sprechen. Sie würden es nicht verstehen können, Simariel war zwar ebenfalls fremd, dennoch schien sie mehr verstehen zu können, sie war ebenfalls nicht nur natürlich. Wie man auch immer den Begriff "natürlich" definieren konnte, denn alles war von der Natur gegeben worden ... selbst sie selbst.
Alienna schöpfte neue Hoffnung, als sich der Kopf der Fremden wieder langsam zu heben begann. Erneut spürte sie den Blick der Weißen über sich wandern, über ihre Pfoten, an ihrem Rumpf hinauf bis zu ihren Augen. Diesmal senkte sie ihren Blick nicht sofort wieder, aber es lag auch kein Erkennen darin, kein Verstehen, dass dort eine fremde Fähe vor ihr saß und dass sie sie als ein fremdes Individuum erkannt hatte. Zuerst meinte sie sich nur getäuscht zu haben, doch dann sah sie, wie sich um die Augen der Fähe die Haut in Fältchen legte und sie sie zusammenkniff. Die Sonne! Alienna hätte beinahe gelacht. Es war erleichternd zu wissen, dass dieses seltsame Verhalten nicht an ihr lag ... oder zumindest nicht nur. Nach dem die drei keuchenden Worte aus dem Mund der Fähe gekommen waren und ihr Blick wieder zu Boden fiel, erhob sich Alienna und lief einen großen Bogen um die Fähe, immer darauf bedacht vier Wolfslängen Abstand zu halten. Auf der anderen Seite ließ sie sich wieder nieder. Jetzt blendete sie die Sonne, trotzdem konnte sie die Fähe noch gut genug erkennen.
"Ich bin Alienna ... und ... du?"
Sie sah sie unsicher an, auf ihre Frage, ob es ihr gut ging, hatte sie keine Antwort bekommen, also war die Frage, wer diese Fähe überhaupt war, vielleicht noch die vernünftigste. Danach käme vielleicht noch einmal, ob es ihr gut ging udn schließlich was sie hier tat ... oder so. Die Situation blieb weiterhin ein wenig makaber für sie, weiterhin saß sie viel zu weit von der Fähe entfernt und versuchte nun gegen die Sonne genug zu erkennen, um zu sehen, ob die Fähe sie jetzt ansah.
Die Gegenwart der anderen Wölfin war spürbar wie die Wärme der Sonne. Wie die Angst in der Finstenris. Wie der Schmerz beim Tod. Plötzlich bewegte sich der Schatten. Sie könnte ein dumpfes Stampfgeräusch hören. Doch es konnte niemals ein so heftiges Stampfen sein. Leylas Ohren nahmen die Geräusche völlig fehl auf. Ihr kam jedes noch so kleine Ding ungeheuer riesig vor. Alls war jetzt größere und gewaltiger als sie. Sie war nur ein kleines, verletzliches Ding am Boden. Leyla öffnete die Augen, nachdem sich der Schatten wegbewegt hatte. Doch Teile des Schattens wurden größer. Er verschwand plötzlich ganz. Aber dann geschah etwas noch Erschreckenderes. Die braunen Pfoten tauchten wieder auf. Sie liefen. Sie blinzelte und konnte eine braune Gestalt erkennen. Sie sah das Fell. Sie sah sie. Leyla konnte die Wölfin sehen. Sie öffnete ihr Maul ein kleines Stück und sah zu der Wölfin. Sie spürte Schmerz in ihren Augen. Schmerz durch das erschrockene Aufreißen.
Die Wölfin blieb stehen und setzte sich hin, das konnte sie erkennen. Doch sie war sehr weit weg und Leyla war zu schwach, um aufzustehen und zu ihr zu gehen. Die Wölfin sagte etwas. Aber Leyla verstand es nicht. Sie war so schwach und ihre Sonne betäubt.
Sicherlich hatte sie ihren Namen gesagt, danach hatte sie ja gefragt. Schwach sprach Leyla.
„Was..mache..mache ich..hier?“
Sie atmete schwer und stöhnte leicht vor Erschöpfung. Die letzen Tage haben sie so sehr mitgenommen und sie war am Verhungern. Leyla konnte ihr Gesicht nicht gut erkennen. Aber sie war vielleicht doch nicht böse. Der Klang ihrer Stimme war- beruhigend. Ja sogar etwas liebevoll. Aber das hieß nicht, daß sie die nächste Nacht überleben würde, wenn sie weiter keinen Schutz findet und hungern mußte.
Alienna betrachtete die Fähe weiterhin aufmerksam und auch wenn sie nun schlechter sah, meinte sie doch zu erkennen, dass die Weiße sie nun klarer betrachtete. Ihre Antwort war dagegen alles andere als klar. Sie antwortete wieder nicht auf ihre Frage und allmälich fragte sich die Braune wieder, ob sie überhaupt verstanden wurde. Wenn sie lauter reden würde, könnte das als aggressives Schreien empfunden werden ... aber näher zu kommen wagte sie auch nicht. Als ein verzweifelter Kompromiss schob sie die Schnauze nach vorne und beschloss gleichzeitig ein wenig lauter zu reden, dabei aber nicht die Sanftheit aus ihrer Stimme zu verbannen. Soweit sie das einschätzen konnte. Und gerade war sie sehr verwirrt und verunsichert, sodass sie nicht viel nachdachte, wie immer, in solch erschreckenden Situationen. Die seltsame Frage der Fähe forderte allerdings Nachdenken, das allerdings auch zu nichts führte. Woher sollte Alienna wissen, was die Fähe hier machte? Um trotzdem etwas zu sagen, rief sie zu der Weißen einige stotternde Worte.
"Du lagst hier ... ähm ... wahrscheinlich geht es deinem Körper sehr schlecht ... wenn du mir deinen Namen sagst und mir erklärst, was dir fehlt, kann ich dir vielleicht helfen."
Es war ein erneuter Versuch, irgendeine Antwort zu erhalten, diesmal lauter und hoffentlich auch deutlicher. Langsam überlegte sie ernsthaft, ob sie nicht eifnach zum Rudle laufen sollte und Banshee oder Eris holen sollte. Die anderen Fähen wirkten immer so sicher und ganz genau wissend, was man in dieser oder jener Situation zu tun hatte. Doch noch immer hielt sie die Sorge davon ab, die Fähe allein zu lassen. Vielleicht würde sie das Rudel nicht sofort finden und sicher würde es wieder Missverständnisse geben und solange die Weiße hier liegen zu lassen, würde auch nicht gehen.
Unbewusst hatte sie leise gewinselt, fuhr sich jetzt nervös über die Schnauze und sah wieder zu der weißen Fremden.
Leyla hörte, daß die braune Wölfin wieder etwas gesagt hatte. Es klang vibrierend im Ton. Es war ein durchstoßender Ton der sie leicht erschrak. Sie verstand nur Fetzen
..deinem Körper sehr schlecht..
..kann ich dir vielleicht helfen
Die Wölfin bot ihr Hilfe an. Oder war das nur Einbildung? Das wäre das erste Mal, daß IHR jemand hilft. Das hatte sie vorher noch nie gehabt. Doch was bedeutet das schon? Wenn die Wölfin erst merken würde, daß Leyla nie so recht nein sagen konnte wenn andere etwas von ihr wollen, wird auch sie bald erkennen, was man von ihr alles haben kann und sie genau so ausnutzen.
Leylas Bestimmung flatterte ihr durch den Kopf.
(Niemand- niemand darf es je erfahren. Niemand!)
Leyla sammelte alle Kraft und wollte ein paar Worte von sich geben. Sie fühlte sich schrecklich. Wie ein Gegenstand. Zum Wegtreten oder Draufherumtrampeln. Und sie konnte nichts tun. Leyla versuchte auf zu stehen. Sie erhob sich ein kleines Stückchen und wollte ihre vorderen Läufe auf den Boden stellen. Sie schaffte es mit sichtbar aller Mühe und einem enormen Kraftaufwand ihren Vorderkörper ein Stück nach oben zu bewegen. Sie biß die Zähne zusammen. Speichel tropfte ihr herunter. Sie fühlte sich so widerwärtig. Sie war Dreck..in ihren eigenen Augen. Sie wurde doch von niemandem je wirklich gemocht. Sie versuchte immer gut zu sein und Gutes zu tun. Wo lagen die Fehler? Wirklich bei ihr? Konnte sie nicht sagen „Stop! Jetzt reicht es mir!“ ?
Kurz nachdem sie sich so weit erhoben hatte, drohte sie zusammen zu brechen. Sie spürte, wie die Kraft sie wieder verließ. Die Kraft zum Leben war nicht da, die Kraft in ihrem Körper längst nicht mehr. Nicht mehr seit dem das damals passiert ist. Sie wird es nie vergessen. Nie.
Sie zitterte und ihre Pfoten standen wie Streichhölzer beladen mit Steinen. Sie flüsterte mit zu genkiffenen Augen und flehte unter größter Anstrengung.
„B-bitte hilf..mir!“
Laios hatte starr auf die fremden Wölfe geachtete, sein Blick war angespannt und misstrauisch umher geflogen, seine Schulter fest an die seiner Gefährtin gepresst. Ihre leise Frage hatte er kaum verstanden, drehte leicht den Kopf zu ihr und sah sie besorgt an. Sie sah nicht gut aus, sie brauchte dringend Ruhe. Gerade wollte er irh einige bruhigende Worte ins Ohr flüstern, als sie mit einem schmerzerfüllten Laut zu Boden sank.
"Oh nein, Neyla, Engel, gib jetzt nicht auf ..."
Er flüsterte die Worte nur, die Fremden würden ihn nicht verstehen können, während er langsam zu seiner Gefährtin auf den Boden sank und sie an der Stirn berührte. Sie atmete, zwar unregelmäßig und zu schnell, aber ihr ging es den Verhältnissen entsprechend eher gut als schlecht. Auch ihr Herz schlug zu schnell, als er lauschend seinen Kopf auf ihre Brust legte, hämmerte es ihm schmerzhaft entgegen. Sanft begann er über ihre Schnauze zu lecken und seinen Kopf an ihrem zu reiben. Sie musste sich jetzt einfach ausruhen.
"Neyla, noch ein paar Schritte, bleib nicht hier liegen, zwischen all den Wölfen."
Er sah wieder auf, als ihn die offensichtliche Leitwölfin ansprach und sie beide dabei etwas verwirrt musterte. Er nickte dankbar, rang sich ein Lächeln ab und schob dann die Schnauze leicht vor. Er hatte nicht vor, böse zu sein und Neyla würde dafür keine Kraft mehr haben. Er sah leicht zitternd auf sie hinab und ließ seinen Blick dann über die drei Fähen fliegen. Eine wurde soeben vorgestellt, sie hatte seltsame Augen, schien aber fest in die Gesellschaft eingegliedert zu sein. Erneut wanderte sein Blick zu Neyla udn schließlich zurück zu der weißen Banshee.
"Ich bin Laios, das ist meine Gefährtin Neyla Zárá. Könnte mir jemand helfen, sie dort drüben unter den Baum zu bringen? Sie braucht Ruhe."
Eindringlich blieb sein Blick an der Fähe namens Kaede hängen. Banshee war seltsam und die große Simariel fast schon einschüchternd, sie war nicht normals, das spürte selbst er und auch wenn sie ihm wohl am besten hätte helfen können, woltle er Abstand wahren; sich nicht eingestehend, dass er ein wenig Angst vor ihr hatte.
Alienna beobachtete mit immer größerer Sorge wie die Fähe jetzt anfing sich aufzurichten. Es sah mühsam, schmerzhaft und unbeholfen aus. Ihre Körper begann sich ein wenig nach vorne zu schieben, so offensichtlich brauchte die Fähe Hilfe, obwohl die Angst jetzt stärker wurde. In Alienna tobte ein Kampf, die Angst gegen die Sorge, aber selbst die Braune selbst wusste, dass die Angst diesen Kampf gewinnen würde und auch schon nach wenigen Zentimetern hielt sie wieder an, sah nru auf die Weiße und kam sich elend vor. Jetzt hatte sie es geschafft ihre Läufe durchzudrücken, sie stand, aber alles an ihr zitterte und ihr Gesicht war verkrampft vor Anstregung. Und dann sagte sie wieder etwas ... drei Worte, die Aliennas einen eisigen Schauer über den Rücken laufen ließen.
Bitte hilf mir ...
Und die einzige Möglichkeit ihr zu helfen, war, aufzustehen udn zu ihr zu gehen, ihre Läufe zu stützen. Fast panisch begann jetzt auch Alienna zu zittern, gleichzeitig nahm sie dne Kampf erneut auf, diesmal bestimmter. Sie musste dieser Fähe helfen, sie flehte um Hilfe und nu sie konnte jetzt dieses Leben retten. Denn wenn die Weiße erneut zusammen brechen würde, war sich Alienna nicht sicher, ob sie erneut die Kraft haben würde, wieder aufzustehen. Langsam stand Alienna jetzt auf, begann Pfote vor Pfote zu setzen. Die ersten Schritte waren noch einfach, eine Wolfslänge brachte sie hinter sich, drei lagen noch vor ihr. Doch jetzt begann das kämpfen, wie verrückt begann sie zu zittern, immer wieder musste sie winseln. Eine weitere Wolfslänge war geschafft, noch zwei. Die Braune schloss die Augen, schluckte einmal und warf trotzdem panisch den Kopf nach hinten. Die Gedanken an ihr Aussehen, dass die Fremde sie für verrückt halten musste, waren fort, jetzt zählte es nru noch zu gewinnen und ein Leben zu retten. Noch eine Wolfslänge, nur noch eine. Und doch war es wie tausend Schritte. Sie musste wieder die Augen öffnen, schob sich vorwärts, spürte bereits, wie ihr Herz sich verkrampfte, sie war unfähig zu schlucken, konnte nicht mehr atmen. Aber sie war da. Sie schob ihren Kopf und halben Rumpf unter die Fähe, würde sie stützen können, noch ohne sie zu berühren. Speicheln tropfte aus ihrem Maul, ihre Augen verdrehten sich nach oben und dann berührte sie das weiße Fell der Fähe. Tausend gleißend helle Lichter explodierten in ihrem Kopf, ein lautes, schmerzhaftes Winseln drang aus ihrer Kehle, ihre Haut brannte, alles wurde dunkel, hyperventilierend brach sie zusammen, dennoch noch immer die Fähe stützend, unter ihr.
24.12.2009, 15:02
Endlich! Leyla spürte wie ein warmer Körper unter ihr war, der dafür sorgte, daß sie weniger Kraft aufwänden mußte um nicht wie ein Stück Müll am Boden liegen zu müssen. Die Fremde hatte ihr geholfen. Oder gehörte das alles zu einem perfiden Plan? Hatte die braune Wölfin etwas mit ihr vor, aus dem sie einen Nutzen für sich ziehen könnte? Vertrauen zu schenken fiel ihr so verdammt schwer. Er wurde so oft mißbraucht. Nie war es wahre Freundschaft. Wenn man ihr danke sagte, sagte man das nur damit sie beim nächsten Mal noch mehr tut. Wie elendig sie doch war. Aus ihr würde nie mehr etwas werden. Ihr Leben war nur da damit sie anderen diente. Zumindest hatte sie immer nur Gründe das zu empfinden. Das hier wäre der erste Gegengrund gewesen.
Sie konnte diesen eigenartig sanften Körper spüren. Sie konnte die Energie spüren, die ihr zu floß. Es war die Energie des Lebens. Sie fühlte sich zum ersten Mal seit Tagen wieder etwas stärker. Sie fühlte, daß jemand bei ihr war. Sie konnte fast weinen vor Glückseligkeit, daß man sie nicht einfach liegen ließ oder gar tötete um sie zu fressen oder an ihr weißes Fell zu kommen, wie Menschen das sicher getan hätten. Leyla war zu schwach um sich allein weiter zu bewegen. Sie war so gerührt, daß ihr zum ersten Mal jemand half. Denn jetzt hatte sie Hilfe nötiger denn je. Aber sie konnte auch fühlen, daß die Fähe zitterte. Warum zitterte sie? Was hatte sie? Hatte Leyla ihr Angst gemacht? Wirkte sie unheimlich, dämonisch? Oder ekelt sie sich vor ihr? Sie könnte Krankheiten übertragen. Die Fähe wußte ja nicht, daß leyla keine Krankheit in dem Sinne hatte. Leyla hätte gern so viel zu ihr gesagt..abr es reichte nur für ein kurzes und leises, tuschelndes
„Dan-ke!“
in das linke Ohr der Wölfin, wodurch die kleinen Fellhaare etwas Bewegung aufwiesen.
Danach viel sie in eine erneute Bewußtlosigkeit. Ihrem Körper fehlte es an allen lebenswichtigen Nährstoffen und ihr Herz schlug von Minute zu Mionute langsamer und ihr Atem wurde schwächer.
Aliennas Augenlider flatterten. Einen kurzen Moment lang wusste sie nicht, wo sie war, dann spürte sie schwer das Gewicht eines Körpers auf sich und erinnerte sich. Mit einem schlag war die erstickende Angst wieder da, aber jetzt war es anders. Es war ein Konflikt tief in ihren Instinkten. Normalerweise hätte sie jetzt erneut hyperventiliert, doch würde sie sich ewig im Kreis drehen, erneut in Ohnmacht fallen, aufwachen, wieder klarer sehen und wieder hyperventilieren. Bei anderen Phobikern war das einfacher. Hat man zum Beispiel Angst vor Höhe und tritt unvermittlet an einen Abgrund, hyperventiliert und wacht wieder auf, so kann man die Augen geschlossen halten udn ruhig ein udn ausatmen und sich irgendwann vom Abgrund wegschieben. Man kan die Augen schließen und so die Angst abhalten. Auch wenn man Angst vor Gerüchen hat, so kann man zumindest eine Zeit lang die Luft anhalten. Hat man Angst vor Geräuschen, so kann man fest die Pfoten auf die Ohren drücken und nichts mehr hören. Hat man aber Angst vor Berührungen, kann man nichts verdrängen. Man spürt etwas und man kann seinen Tastsinn nicht einfach abschalten oder verschleiern. Und das war das Problem Aliennas oder besser gesagt, ihres Körpers. Aus diesem Grund auch, hyperventilierte sie nicht sofort wieder, als sie verstand, wo sie war. Viel eher überfiel sie Panik, mit ruckartigen und gehetzten Bewegungen grub sie sich unter dem Körper herovr, floh wankend einige Schritte und brach dann zitternd zusammen. Ihre Augen begannen sich wieder ins Nichts zu drehen und das hilflose WInseln stellte sich nicht mehr ein, aber sie verlor nicht erneut das Bewusstsein.
Wie lange sie so da lag, wusste sie selbst nicht mehr, irgendwann nur, beruhigte sie sich, ihr Verstand begann wieder zu arbeiten und die Sorge um die Weiße schaltete sich wieder ein. Ebenso mechanisch begann sie auch den Schock zu verdrängen, die Berührungen und das Elend. Sie drehte sich, noch immer schwach, auf dem Boden herum, so dass sie die Fähe sehen konnte. Auch sie hatte wieder die Augen geschlossen, lag zusammengesunken da. Alienna blinzelte und schob die Shcnuaze etwas nach vorne, nur, da sie bereits wieder knapp vier Wolfslängen zwischen sich und die Fähe gebracht hatte.
"Fremde?"
Ihre Stimme war schwach und zitterig, sie woltle sich nur noch ausruhen. Das gerade eben Passierte war schon in weite Ferne gerückt, verdrängt wie nach jedem Schock, Überlebensinstinkt.
Leyla atmete. Schwach aber sie tat es. Ihr Rückenfell bewegte sich ganz leicht auf und ab. Ihre Pfoten lagen duch einander liegend, wie zerstreut, vor ihr auf dem Boden. Ihr weißes Fell- auf der Erde neben alten Blättern und Stöckern, spitzen Steinchen. Sie war nach wie vor bewußtlos. Ihre Augen zuckten, obwohl sie geschlossen waren. Sie gab einen leisen, sehr tief im Köprer verborgenen und somit sehr leisen Seufzer von sich. Es war ein hohes Geräusch welches sehr verletzlich klang. Doch wie schwach sie auch war und um das zu sehen, mußte man wirklich nicht hellsehen können, so sah man ihr die schlimmsten Verletzungen gar nicht an. Ihre Rute lag zerzaust und abstehend vom Körper auf dem Rasen entlang. Sie bewegte leicht ihre Schnauze, aber nur sehr leicht und kaum wahr zu nehmen, ein Stückchen nach links. Ihre Ohrenspitzen zuckten. Ihr Blut floß langsam. Ihr Magen gab einen leisen aber tiefen Grummler von sich. Sie atmete unruhig ein und aus. Ihr Rückenfell war glatt, strahlte förmlich vor weiß und sie sah körperlich völlig unversehrt aus. Keine Verletzung der Narbe. Ihre schwarze Nase, feucht und kalt, wie es sein muß. Ihr Gesichtsausdruck war leicht verzerrt und einige Gesichtsfellhaare bewegten sich durch den Wind, der sie umflog. Ihre Pfoten waren dünn. Nur die Läufe selber, die Pfotenspitzen, hatten die Größe, wie es sich für eine Wölfin gehörte. Ihre Krallen waren abengutzt vom Marsch duch die vielen Täler, die sie durchwandert hatte. Ihre Leftzen trockneten im Wind. Die Zeit raste an ihr vorbei, ließ sie einfach dort liegen. Nur einer wird nicht untätig an ihr vorbei sausen- der Tod. Und auf den würde sie nicht mehr lange warten müssen. Und ohne fremde Hilfe würde sie ihn bald entgegen nehmen müssen.
Aliennas Atem wurde flacher, ihr Herz schlug noch immer stark unregelmäßig und aufzustehen wagte sie noch nicht, trotzdem wuchs mit der Zeit, die ohne eine Regung der Fähe verging, ihre Sorge und Verzweiflung. Nunmehr war es vollkommen unmöglich Hilfe vom Rudel zu holen. Sie spürte schon jetzt, wie sehr ihre Läufe zittern würden, wenn sie versuchen würde, sich aufzurichten. Während ihre Brust sich unregelmäßig hob und senkte und ihr Kopf schwach ins Gras sank, versuchte sie ihre Gedanken zu ordnen. Jetzt musste sie intelligent vorgehen, wenn sie dieser Fähe helfen wollte. Was konnte sie tun? Oder nicht tun? Sie kontne nicht zu ihr hingehen und sie durch Berührungen aufwecken/am Leben halten, sie konnte ihr auch nichts zu Fressen oder zu Trinken bringen, ebenso konnte sie keine Hilfe holen. Alles in allem eine sehr bedrückende Bilanz. Und was blieb ihr noch? Sie hatte ihre Stimme, sie könnte auf die Fähe einreden, einfach irgendetwas reden, nur damit sie wusste, dass sie noch am Leben war und dass Alienna noch immer bei ihr war. Es war eine magere Hilfe, aber immerhin. Alienna dachte nicht lange darüber nach, was sie sagen sollte, sie fing einfach an zu plappern. Darin war sie zwar noch nie gut gewesen, aber jetzt könnte sie es immerhin üben.
"Fremde, vielleicht rede ich jetzt seltsame Dinge und etwas zu viel udn etwas zu schnell und vielleicht auch verwirrend, aber ich will einfach nur, dass du wach bleibst und weißt, dass ich noch hier bin. Ich bin Alienna und ich lebe in diesem Rudel. Ich glaube, sie nennen sich Sternenwind Rudel und ihre Leitwölfe sind Banshee und ihr Gefährte, der aber irgendwie seit ich angekommen bin, nie da war. Ansonsten kenne ich nicht viele aus diesem Rudel. Da sind die neugeborenen Welpen, Cylin, das ist der Sohn Banshees und mein Patensohn. Als ich das erfahren habe, war ich sehr sehr glücklich, denn ich mag Welpen, wenn ich auch zu viel Angst habe, um selbst welche zu bekommen. Außerdem sind in diesem Rudel auch noch Ayala und Eris und Kaede. Viel mehr kenne ich auch nicht beim Namen außer Lighto ... er ..."
Sie stockte. In ihrem gedankenlosen Geplappere war sie auf ein Thema gekommen, das sie verunsicherte. Während sie noch darüber nachdachte, wie viel sie der Weißen von dem Rüden erzählen soltle, drängte ihre innere Stimme schon zum weiterreden.
.oO(Alienna, rede ... rede!)
"... er ist vor wenigen Stunden aus diesem Revier verschwunden. Ich weiß nicht, warum und ich finde es auch sehr schade, aber eigentlich kann es mir egal sein. Es war sogar gut, denn dadurch, dass ich ihm gefolgt bin, habe ich dich entdeckt. Leider bin ich aber auch eine miserable Hilfe, wenn wir das hier überstanden haben, hoffe ich, dass du mir verzeihen kannst. Ich hätte von Anfang an Hilfe holen sollen, aber vielleicht kennst du das ... dieser Wunsch zu helfen obwohl man weiß, dass man sehr viele Dinge nicht tun kann. Wenn man so ist wie ich ... du kannst mich zwar wahrscheinlich nicht verstehen, aber ich will dir trotzdem erklären, warum ich so seltsam bin, in der Hoffnung, dass du mich nicht verurteilst wie es wohl leider schon eine Fähe aus diesem Rudel getan hat. Ich habe sehr große Angst vor Berührungen, wenn ich anderen Wölfen zu nahe komme, beginne ich zu zittern, bekomme Panikattacken und wenn ich dann berührt werde oder kur davor stehe, so wird plötzlich alles ganz hell und danach alles schwarz. Ich bin immer nur wenige Sekunden weg, aber danach fühle ich mich so schwach, als wäre ich tausend Tage gerannt."
Alienna holte tief Luft, ihr Mund war trocken und ihr sie musste neuen Atem schöpfen. Sie musste etwas trinken, erst der Schock und jetzt das viele Reden. Langsam fühlte sie entgültig ihre Kraft schwinden. Erschöpft blinzelte sie zu der Fähe, flehte um eine Reaktion.
Die liebsamen Worte der Wölfin schenkten Leyla allmälig das Bewußtsein zurück. Die Worte klangen so nett. So hat nich jemand zu ihr gesprochen. Sie fühlte sich etwas geborgener. Sie hatte das Gefühl, von etwas geschützt zu werden. Nicht von einer physikalischen Gewalt. Aber von einer seelischen Freundlichkeit. Sie verstand ein paar Sätze.
du kannst mich zwar wahrscheinlich nicht verstehen, aber ich will dir trotzdem erklären, warum ich so seltsam bin, in der Hoffnung, dass du mich nicht verurteilst wie es wohl leider schon eine Fähe aus diesem Rudel getan hat. Ich habe sehr große Angst vor Berührungen, wenn ich anderen Wölfen zu nahe komme, beginne ich zu zittern, bekomme Panikattacken und wenn ich dann berührt werde oder kur davor stehe, so wird plötzlich alles ganz hell und danach alles schwarz. Ich bin immer nur wenige Sekunden weg, aber danach fühle ich mich so schwach, als wäre ich tausend Tage gerannt."
Leyla hob ihren Kopf. Ganz langsam. Sie war sehr gebrechlich vor Schwäche. Sie sah zur Seite zu der Wölfin. Sie sah, wie sie redete. Ihre Augen waren freundlich. Sie sah aber auch etwas traurig aus. Ihr ging es wohl auch nicht besonders gut. Obwohl sie selbst große Schwierigkeiten hatte, ließ sie Leyla nicht allein.
Leyla wollte reden. Sie mußte einfach etrwas sagen. Sie wußte jetzt, daß ihr die Wölfin nicht einfach so helfen konnte. Sie blickte zu ihr, ihre Augen guckten traurig und ihre Mine war eingefallen.
„Kannst..du mir etwas..Nahrung beschaff-en?“
Sie zitterte leicht und hielt ihr Maul ein kleines Stück offen. Sie sah hilflos aus und wollte unbedingt wieder Kraft. Sie wußte aber auch, daß sie nicht einfach Hilfe von einer Wölfin annehmen konnte, der es selbst schlecht ging. Also mußte sie etwas für sie tun. Doch was konnte das sein? Sie hatte nichts. Sie war völlig fertig. Sie überlegte. Dann versuchte sie noch etwas zu sagen, wisperte leise zu ihr.
„Vielleicht..kann..ich dir auch..helfen Aber dafür mußt du..dich ein Mal überwinden!“
Sie atmete unregelmäßig. Ihr Herz schlug zu langsam.
Sie versuchte, sich zu ihr zu robben. Doch sie fiel nach wenigen Pfotenlängen mit dem Kopf erschöpft hin. Sie keuchte erschöpft. Ihr Blutdruck war niedrig. Sie sah hilflos zu der Wölfin. Sie erzählte mit wenigen Blicken ihr Leid und ihren Schmerz und versuchte den der anderen zu verstehen. Vielleicht sind sich die beiden ähnlicher, als es zunächst schien.
Alienna meinte zuerst sich es einzubilden, als die weiße Fähe langsam ihren Kopf anhob. Es war wie ein Sonnenstrahl nach einem schrecklichen Sturm, wie Regen nach langer Dürre; unwillkürlich musste Alienna lächeln. Die Worte, die die Fähe dann jedoch sprach, machten sie verzweifelt. Nahrung besorgen ... vielleicht könnte sie noch Beeren finden oder nach Wurzeln graben, aber ein Tier erbeuten schien so unmöglich wie zu fliegen. Und jetzt, am Ende des Sommers würden wohl auch keine Sträucher mehr Früchte tragen ... Das Lächeln verschwand und wich einer verzweifelten Miene, die nur noch tiefer und erschreckter wurde, als die Weiße noch einmal zu sprechen begann.
.oO(... ein Mal überwinden ...)
Sie drückte die Schnauze in die weiche Erde, senkte den Blick. Überwinden. Es war anders, sie war nicht wie jemand, der zum Beispiel kein Wasser mochte. So jemand konnte sich überwinden, so jemand konnte ins Wasser gehen, wenn er nur wirklich wollte, denn nur seine Gedanken und seine Gefühle rebellierten gegen das Wasser. Aber bei Alienna machte der Körper genauso mit. Oder zumindest glaubte das die Fähe. Dass alles von ihrem Gehirn gesteuert wurde, wusste sie nicht, sie wusste nur, dass sie ihren Körper nicht abhalten könnte erneut eine vasovagale Synkope auszulösen. Gleichzeitig wurde ihr aber auch klar, dass sie beide zu schwach zum laufen waren, zusammen aber hätten sie die Kraft. Die Weiße versuchte etwas näher zu rücken und schon spannten sich Aliennas Muskeln an, entspannten sich erst, als die Fähe nach wenigen Versuchen aufgab. Und dann fing sie ihren Blick auf. Diesen Blick voller Leid und Schmerz und sie sah sich selbst darin. Einige Herzschläge lang sah sie nur die Fähe an, dann senkte sie den Blick. Ihr wurde bewusst, dass die Weiße ebenso viel Leid erfahren haben musste wie sie selbst. Auf eine seltsame Art und Weise fühlte sie sich verbunden, wie sie beide hier hilflos auf der Lichtung lagen, fast vier Wolfslängen auseinander und zusammen einen Ausweg aus ihrer schmerzhaften Situation suchend. Schwach musste sie lächeln.
"Ich ... ich kann nicht jagen. Meine Läufe sind zu schwach. Aber vielleicht könnte ich Wurzeln oder Früchte finden."
Sie stockte, noch war sie auf die zweite Frage nicht eingegangen. Es graute ihr vor dem Gedanken erneut einen Versuch zu starten, der nur wie der erste enden konnte. Lighto schoss ihr durch den Kopf. Sie erinnerte sich an seine Berührungen mit der Schnauze, an seine Stirn an ihrer Schulter. Bei ihm hatte sie nie diese Panik gehabt, nur ein wenig Angst. Warum? Er war nichts besonderes, niemand war das ...
"Wie heißt du, Fähe?"
Ihren Namen zu erfahren würde sie nicht bekannter machen, würde sie nicht zu einem zweiten Lighto werden lassen und zu verlangen, dass sie isch jetzt mit ihr unterhielt war auch unmöglich. Vielleicht, wenn sie sie kennen würde ...
Was hatte sie nur? Konnte es wirklich so schlimm sein? Leyla wußte nicht, was die Ursache ihrer Angst war. Sie vermutete daher, daß ihr das Gleiche passiert sein mußte wie ihr. Sie hatte sie nach ihrem Namen gefragt. Doch das war es nicht, was Leyla jetzt als wichtig empfand. Sie neigte den Kopf nach unten, schloß die Augen und sprach leise.
„Ley-la“
Sie hob den Kopf wieder und sah zu ihr.
„Ein..ein schrecklicher Name, nicht? Hilfst..hilfst du mir trotzdem?“
Sie überlegte noch ein Mal kurz. Sie überlegte was sie gesagt hatte. Sie sah zur Seite und murmelte leise, etwas enttäuscht, das aber auf keinen Fall zeigen wollend.
„Wurzeln..Früchte. Ja. Ja warum nicht?“
Sie konnte nicht nein sagen. Das erste Mal wollte jemand etwas für sie tun und dann sollte sie noch nein sagen? Das ging nicht, sie mußte es annehmen. Aber ihr war klar, daß sie das nicht wieder zu Kräften bringen würde. Aber was sollte sie tun? Sie konnte das Schicksal nicht beeinflussen. Spätestens wenn Leyla in den nächsten Tagen vor Schwäche sterben würde, würde die Wölfin wissen, daß ihr das nicht geholfen hatte. Und dann wird sie sich vielleicht große Vorwürfe machen und vielleicht auch sich einen Teil der Schuld geben. Das wollte Leyla nicht. Sie konnte langsam wieder etwas klar denken. Die Betreuung verlieh ihr wieder etwas geistige Kraft. Der Gedanke daran, daß sie nicht allein war. Sie sah zu ihr und sprach bittend.
„Kannst du..mich vielleicht mit Laub bedeck-en, wenn du jetzt weggehst? Ich- will nicht- gesehen werden.“
Sie mußte immer wieder Pausen machen. Sie konnte nicht normal sprechen. Sie war einfach zu schwach. Doch sie sehnte sich so sehr nach jemanden, der ihr Gutes tat ohne dabei an sich zu denken. Nur an sich. Leyla hätte sie dafür am liebsten mit allem Guten dieser Welt belohnt. Diese Wölfin bedeutete ihr sofort schon viel mehr, als alle, die sie bisher kennengelernt hatte. Niemand war so wie sie. Es kam ihr so vor-
als würde sie sie schon seit Ewigkeiten kennen.
Nur schemenhaft hatte die weiß graue Wölfin mitbekommen, was sich auf dem Platz abgespielt hatte. Soweit sie es mitbekommen hatte, waren 2 Fremde Wölfe auf den Platz getreten. Dann sprach Banshee auch schon zu ihr und ein lächeln zierte sekundenlang die Lefzen der Fähe. Ja sie freute sich auch Banshee wiederzu "sehen" auch wenn es hart für sie war und es sie noch mehr an früher erinnerte. Doch sie riss sich zusammen. Der Wolf der am Boden lag war also Simariel. Schon stellten sich die anderen beiden Wölfe vor. Oder, Kaede musste sich verbessern. Der Rüde redete, da die Fähe neben ihm zusammen gebrochen war. Schnell eilte Kaede zu den beiden, nahm nur unsicher den Blick des Rüdens wahr, der sie etwas seltsam beobachtete. Als er den Namen der Fähe nannte, wendete sie ihren Kopf und blickte ihn stechend mit ihrem teilweise noch gesundem auge an. Obwohl sie verschwommen sah, fixierte sie den Rüden.
"Ist es wahr !? Ist das Neyla ? Die Neyla?"
Kaede drehte ihren Kopf zu der Fähe. Das Fell erinnerte sie an die Fähe. Sie trat vorsichtig einen Schritt näher und senkte ihre Schnauze. Sog langsam den Duft der Wölfin ein und stupste diese dann sanft an.
"Komm Neyla. Es ist nicht mehr weit, dort unter dem Baum kannst du dich ausruhen. Nur noch wenige Schritte. Laios und ich helfen dir ! Keine angst du schaffst das los nur noch die paar Schritte. Du bist eine kräftige Fähe das weiß ich ! "
Sie wagte kaum zu atmen. auch wenn es eine kräfige Fähe war. Ihr Vater hatte sie anscheinend so weit getrieben. Abgemagert ohne dass man es ihr großartig ansah. Sie schenkte dem Rüden nur noch einen kurzen Blick und forderte Neyla wieder zum aufstehen auf.
Ihr Blick glitt zu Banshee, während sie wartete. Sie nickte ihr kaum merklich zu.
"Sie kann bleiben! sie wird nichts tun. sie ist in friedlicher Absicht gekommen und der Rüde wohl ebenfalls ! Trau ihnen Banshee ! Ich werde mich um sie kümmern ! Sie wird wieder auf die Beine kommen ! Und später unterhalten wir uns ! JA Banshee ?"
Fast schon lag ein bittender Unterton in Kaedes stimme. Doch in diesem Rudel hatte sie gelernt sich nicht immer zu unterwerfen. Sie hatte sich stark verändert in der Zeit welche sie hier war ! sie hatte gelernt, dass Banshee und die anderen ihr nichts böses wollten. Und sie versuchte ihnen zu glauben und zu vertrauen ! Und sie spürte dass es immer besser wurde.
Musste es schließlich auch. Wie sollte es sonst werden ? Ihr Augenlicht würde bald ganz erloschen sein. Das war Kaede klar und sie versuchte erst gar nicht sich dagegen zu wehren. Sie war in diesem Fall ihrem Körper hilflos ausgesetzt. Doch sie hatte es akzeptiert. Sie würde trotzdem kein Krüppel sein. Nein dass hatten ihr die anderen gezeigt.
"Ein paar Schritte noch Neyla ! "
Alienna spürte fast soetwas wie Erleichterung, als sie endlich den Namen der Fähe erfuhr. Nun war sie nicht mehr die Fremde ohne Gesicht, sondern Leyla. Leyla, die ihr so seltsam ähnlich war, Leyla, in deren Augen ebensoviel Leid stand wie in ihren eigenen. Alienna lächelte. Sie verspürte den Drang Leyla sanft an der Schnauze zu berühren, wie sie es so oft bei anderen Wölfen gesehen hatte, wenn sie Verbundenheit ausdrücken wollten, aber natürlich hinderte ihr Körper daran. Lächelnd blieb sie liegen.
"Leyla ... ich danke dir. Jetzt kenne ich deinen Namen, jetzt sind wir nicht mehr Fremde. Es ist ein schöner Name."
DIe Weiße hatte zwar ihren eigenen Namen verurteilt, trotzdem sagte Alienna den Satz nicht, weil sie Leyla ihre Meinung ausreden wollte oder überhaupt als Antwort darauf, sondern, weil sie es ehrlich beim ersten Klang der Worte empfunden hatte. Und auf eine seltsame Art und Weise kam der Name auch vertraut vor. Dennoch verscheuchte sie nun die Gedanken an Namen und Gefühle, jetzt musste sie Futter finden oder zumindest erst einmal aufstehen. Mühsam stämmte sie ihre Pfoten auf die leicht nachgebende Erde, drückte sich ab und blieb tatsächlich aufrecht stehen. Ihre Läufe zitterten nicht einmal so stark, sie fühlte sich nur so müde ... so unendlich müde. Beinahe wäre sie wieder ins Gras gesunken. Blinzelnd richtete sich ihr Blick wieder auf Leyla. Sie mit Laub zu bedecken würde sein, als wäre Leyla tot und Alienna wolle sie verbergen vor den anderen Tierend es Waldes.
"Dich ... mit Blätern bedecken? Leyla ... ich will nicht die einzige Fähe, der ich vertrauen will, zu Grabe tragen. Du bist schön und ich bin bald wieder hier. Es wird auch niemand vorbei kommen ..."
.oO(... und ich bin zu schwach um auch noch Blätter zu holen und so nahe zu dir zu kommen.)
Sie sah eindringlich zu Leyla, nicht ohne ein Lächeln, ihr war es ernst damit. Mit langsam, schwachen Schritten begann sie dann zu laufen, zuerst konzentriert darauf, Pfote vor Pfote zu setzen, dann etwas routinierter, jedoch noch immer sehr langsam. Ihre Schnauze glitt zum Boden, sie schwankte kur, als sie dadurch das Gleichgewicht verlor, fing sich aber wieder. Aufmerksam schnupperte sie am Boden, dann etwas höher. Ein süßlicher Geruch wurde ihr zugetragen. Schwankend lief sie in seine Richtung, sog noch einmal den Geruch ein und lächelte. Holunder. Die kleinen Beeren schmeckten nicht sehr gut, aber sie waren eine der wenigen Beerensorten, die es im späten Sommer zu holen gab und sie gaben dem Körper neue Kraft. Der Holunderbeerbusch, den sie kurz darauf erreichte, hing voll von seinen dunkelroten Früchten. Im oberen Geäst pickten eifrige Vögel, aber tieferliegend waren noch ganze Stauden unberührt. Zufrieden ließ sich Alienna auf den Boden sinken, schöpfte Kraft und begann dabei die Früchte abzureißen. Das gute an den kleinen Beeren war, dass sie sehr viele von ihnen in ihrem Maul transportieren konnte, sie konnte sogar einen ganzen Ast abreißen und ihn mit Beeren gefülltem Maul tragen. Nach wenigen Minuten hatte sie so viel geerntet wie sie tragen konnte und erhob sich wieder, diesmal schon etwas sicherer. Der Ast behinderte sie erheblich und die Beeren im Maul verhinderten, dass sie hecheln konnte, trotzdem schaffte sie es irgendwie zurück zu Leyla. Diesmal war es einfacher sich zu nähern, weil sie schon wusste, dass sie sie nicht berühren musste. Auch wenn ab der zweiten Wolfslänge Entfernung sie zittern musste und ihr Herz erheblich schneller klopfte, schaffte sie es bis knapp vor Leyla. Behutsam legte sie ihre bitter süßlich schmeckende Fracht ab und schob sie noch etwas näher zu Leylas Schnauze.
"Sie geben dir neue Kraft."
Sie selbst trat wieder einige Schritte zurück, sank dann zu Boden und blieb erstmal schwer atmend liegen. Sie fühlte sich besser, da sie nun etwas wirklich nützliches getan hatte, dennoch war ihr noch immer etwas schwindelig.
Leyla hätte nicht gedacht, daß die Wölfin wieder kehrte. Wäre sie stark genug gewesen, wäre sie aufgestanden und davongelaufen. Sie hatte das Gefühl, daß die Wölfin nur einen Vorwand suchte um wieder zu gehen, es aber nicht so aussehen zu lassen, als wöllte sie nichts mit der schlappen Wölfin zu tun haben. Sie ist erfreut gewesen, als sie sah, daß Alienna zurück kam. Doch sie konnte ihre Freude kaum zeigen. Sie war so schwach, daß ihr sogar das Atmen wehtat. Sie versuchte ihre Rute etwas zu bewegen, doch mehr als das minimale Hin- und Herstreifen der Schwanzspitze erreichte sie nicht. Warum wollte Alienna ihren Namen unbedingt wissen? Das sagte doch gar nichts über Leylas Charkater aus.
Sie mußte noch mal an ihre Worte denken, die sie so berührte hatten.
Dich ... mit Blätern bedecken? Leyla ... ich will nicht die einzige Fähe, der ich vertrauen will, zu Grabe tragen. Du bist schön und ich bin bald wieder hier. Es wird auch niemand vorbei kommen ..."
Zu Grabe tragen..aber Leyla wollte doch nur, daß man sie nicht sah, damit sie getarnt war.
Du bist schön. Schön? Sie fand sie schön? Wie schön..was meinte sie damit? Ihre Fell? Ihre Augen? Ihre Art? Leyla war die geborene Verliererin. Die, aus der andere immer nur eigenen Nutzen zogen. Leyla hatte sich fast schon etwas daran gewöhnt, daß man ihr immer nur Undankbarkeit zurück gab.
Sie hörte ihren Satz.
"Sie geben dir neue Kraft."
Kraft gaben sie ihr gewiß nicht. Sie waren nicht das, was sie benötigte. Ihr Körper brauchte Fleisch. Aber sie bekam Kraft durch diese Zuneigung und das Mitgefühl. Das eigene Gefühl, ein Mal nicht allein gelassen zu werden. Das gab ihr Kraft. Die Kleinigkeit hinter der Tatsache, nur eine alte Frucht zu fressen zu bekommen. Sie sah sie etwas verwundert und traurig an. Sie verstand ihre Angst immer noch nicht. Leyla würde ihrer Helferin doch niemals etwas tun. Außerdem war sie viel zu schwach. Warum also machte sie so eine komplizierte Sache daraus, sich ihr zu nähern? Sie hatte nur gesagt, daß es so ist. Aber nicht, warum. Hatte sie von jemandem Leid erfahren? Das schien ihr nicht normal..obwohl es ihr nicht viel anders ging. Das war erstaunlich. Vielleicht..ja vielleicht hatte sie es auch. Diese- besondere Gabe. Diese Kraft..vielleicht.
Sie nahm die Frucht an, sotterte ein schwaches
„Danke“
hervor und begann es zu fressen. Sie mochte es nicht, daß sie ihr zusah. Aber sie mußte es fressen. Es war solch eine liebe Geste. Sie konnte ihr die Wahrheit nicht sagen. Das Zeug schmeckte bitter und sie hatte Mühe, daß man es ihrer Mine nicht ansah und sie schloß die Augen, hielt die Luft an. Sie würgte es sich herunter und spürte es. Es kam ihr wieder hoch. Das bittere Zeug auf den leeren Magen, das konnte nicht gut sein. Sie konnte nicht aufstehen und weg gehen zum nächsten See. Zwischen ihren Vorderpfoten brach sie sich alles wieder aus. Auch das wenige, was sie noch vorher im Magen hatte. Ihr Körper reagierte abstoßend auf das Vegetarium. Sie hatte noch versucht, es zu unterdrücken. Aber sie konnte es nicht verhindern. Es dauerte einige Sekunden, bis alles wieder draußen war. Jetzt war sie wirklich elendig. Das war ihr so peinlich. Sie konnte nicht zur Wölfin sehen, schloß die Augen und schämte sich zu tiefst. Alienna wollte ihr doch nur Gutes tun. Aber Leyla hat den Kampf gegen ihren Körper verloren. Und sie würde, trotz aller netten Hilfe Aliennas, bald noch einen viel größeren Kampf verlieren. Den Kampf gegen das Aufgeben ihres Körpers..in wenigen Tagen.
Alienna sah Leyla mit müden Augen an. Als die Weiße die Beeren wieder erbrach und voller Scham die Augen schloss, zeigte die Braune keine Reaktion, nur wurde ihr Körper noch schwerer und der Drang die Augen zu schließen und zu schlafen verstärkte sich. Eine ganze Zeit lang blieb sie so reglos liegen, sagte nichts, sah ins Nichts und schine fast, als würde sie schlafen. Aber sie tankte Kraft. Kraft für mehr als Beeren sammeln. Sie wusste, dass ganz in ihrer Nähe ein Kaninchenbau lag, in diesem Teil des Reviers war sie angekommen und hatte damals etwas erbeutet. Zwra war sie sich nicht mal sicher, ob sie es bis zu dem Bau schaffen würde, aber zumindest versuchen musste sie es. Nach einiger, scheinbar endloser Zeit, richtete sich ihr BLick wieder auf Leyla, die noch immer so da saß.
"Es ist okay ..."
SIe erhob sich schwerfällig, die Pause hatte irhe Läufe gestärkt, dennoch war sie noch immer so endlos müde. Schwer atmend und mit langsam Schritten entfernte sie sich diesmal in die andere Richtung, erst nach einigen Schritten fort von Leyla wurde ihr klar, dass es aussehen könnte, als ob sie sie im Stich lassen würde.
"Ich versuche zu jagen ..."
Sie verschluckte den Satz, dass sie es wahrscheinlich nicht schaffen würde, Hoffnung konnte wieder beleben. Mit schwach Schritten verschwand sie dann zwischen den Bäumen, wurde etwas schneller und roch bereits die Kaninchen. Der Wind strich ihr entgegen, also perfekte Vorraussetzung. Sie wusste, dass sie die flinken Tiere diesmal anders jagen musste. Sie würde ihnen nicht nachjetzen können wie sonst, sie musste sie überraschen, mit einem Sprung sie haben und nicht mehr loslassen. Es war die Art zu jagen, die man sich bei den Samtpfoten, den Pumas und Luchsen abschauen konnte und diese waren auch meist gut genährt, also würde es Alienna vielleicht genauso können. Als sie endlich den Bau im Blickfeld hatte, sank sie hinter einem Busch nieder, schöpfte neue Kraft und kroch etwas näher. Zwischen jeder kleinsten Bewegung vergingen endlose Sekunden, immer wieder beobachtete sie den noch reglosen Bau, bis sie nahe genug war, um ein nichts ahnendes Kaninchen, das aus dem Bau kam zu überraschen. Und dann began das Warten. Es schien ihr wie eine Ewigkeit, wenn es vielleicht auch nur wenige Sekunden waren, bis endlich eine kleine Schnauze am Höhleneingang auftauchte. Vorsichtig schnuppernd, nahm das Tier Alienna noch nicht wahr, sprang sich sicher fühlend aus dem Bau und sah sich hochaufgerichtet um. Alienna hielt den Atem an, nicht ein Grashalm bewegte sich. Das Kaninchen drehte sich zwei Mal, hoppelte noch ein wenig nach vorne und begann dann an einem Grashalm zu nesteln. Jetzt. Ihre Muskeln zitterten bereits bevor sie absprang, sie legte all ihre verbliebene Kraft in diesen einen Sprung, landete unsanft und spürte Fell zwischen ihren Zähnen. Ihre Kiefer krachten aufeinander, ein angsterfülltes Quiecken kam von dem Kaninchen, es war nicht ganz erwischt, riss sich los, doch Alienna war zwischen ihm und seinem Bau, wollte einen Hacken schlagen und wurde wieder von dem Fang der Braunen erwischt. Diesmal hatte sie es richtig gepackt, biss zu und spürte endlich das warme Blut in ihr Maul fließen. Stolz erfüllte sie. Sie hatte es geschafft dieses Tier mit eienr neuen Jagdmethode und vollkommen kraftlos zu erbeuten ... für Leyla. Einige Zeit lang blieb sie reglos mit dem blutenden kaninchen im Maul vor seinem Bau liegen, atemete schwer und lächelte glücklich. Es war eines der seltenen Erfolgserlebnisse in ihrem Leben. Schließlich erhob sie sich wieder, schwankte jetzt noch mehr beim Laufen und blieb immer wieder auf der Strecke liegen, dennoch ließ sie nie ihre Beute los, fest hielt sie sie, würde sie zu Leyla bringen. Nach endloser Zeit sah sie endlich wieder die weiße Fähe, tappte langsam und fast schlurfend auf sie zu. Mit einer fast liebevollen Geste schob sie das blutbesudelte Kaninchen zu der Fähe, leckte sich das Blut von den Lefzen und ließ sich ins Gras fallen. Ihre Augen schlossen sich.
Leyla war gerührt. Sie kam sich nur selbst so bescheuert vor. Warum gab sie sich mit ihr ab? Leyla war doch ein Nichtsnutz. Das verstand Leyla nicht. Sie nahm die Beute mit einem schwachen Lächeln an. Sie biß daran und zerrte. Es tat so gut, wieder etwas zum Fressen zu haben. Sie fraß sehr langsam, damit ihr Magen das aufnehmen konnte. Sie spürte, wie es ihr langsam wieder etwas besser ging. Zwar würde es keine Wunderheilung geben, aber nach und nach würde es sicher werden. Nach ungefähr einer dreifachen Gradwanderung der Sonne war sie fertig. Sie schleckte sich das Maul, schloß die Augen. Sie hatte, als Alienna weg war, ihr Erbrochenes mit Erde zugeschart. Leylas Dreck. Sie schämte sich noch immer dafür. Sie wollte kaum etwas sagen, auch, wenn es ihr nun wieder besser ging. Aber sie wollte nichts falsch machen. Sie war der braunen Wölfin so dankbar. Sie wollte es ihr eines Tages zurück geben. Das sollte nicht unbelohnt bleiben. Leylas innerer Schmerz würde trotzdem bleiben. Der Schmerz über das, was sie verloren hatte und der Schmerz über das, was sie nie hatte. Wölfe um sich wie Alienna. Was mußte das für eine liebe Wölfin sein? Wurde sie auch nur ausgenutzt oder war man ihr über alles dankbar? Leyla war beindruckt. Und sie wollte nicht, daß es Alienna so erging, wie es ihr jedes Mal erging. Sie wollte, daß es auch Alienna wieder besser geht. Doch bevor sie so richtig etwas sagen konnte, kullerten ihr die Tränen über das Fell. Ihre grünen Augen wurden ganz glasig. Sie war so gerührt. Noch nie war jemand so freundlich zu ihr. Noch nie. Eine fremde Wölfin, die sie gar nicht kannte. Für einen kurzen Augenblick lang vergaß Leyla all ihren Schmerz und fühlte sich so glücklich wie noch nie zuvor, in ihrem noch relativ jungen Leben. Sollte nun alles besser werden? Bestimmt nicht. Es wird der letzte und einzige schöne Moment gewesen sein, bevor sie ihren letzten Weg antrat. Ein Abschiedsgeschenk. Alienna hatte sicher noch andere, um die sie sich kümmern mußte. Villeicht eine Famile, oder auch nur andere Wölfe, die sie so sehr schätzte, wie Leyla, obwohl sie sie kaum kannte.
Neylas Augen sahen nur weit auf den Boden vor ihr hinab, sie fühlte sich so geschwächt, die lange Reise, ohne eine richtige Pause, hatte sich tief in ihren bereits mageren Körper gebissen und jetzt, wo sie doch langsam liegen konnte, Ruhe auf sich wirken spürte, da kam alles auf einmal auf sie zu. Das neue Rudel, neue Wölfe, ihr Gefährte, der Kraft von ihr wünschte, aber all die Qualen der letzten Zeit lagerten sich nun richtig auf der weißen Fähe ab. Sie schluckte kurz und sah wieder nur hilflos zu Laios hinauf, wie er seinen Kopf zu ihr senkte, Neyla wollte ihn nicht enttäuschen, aber es ging einfach nicht mehr. Es tat so weh… Ihr Geliebter sank langsam zu ihr hinab und küsste sie auf die Stirn, Neyla schloss beruhigend die Augen, sie liebte seine Anwesenheit so sehr, ihr heißer und schneller Atem wollte sich dennoch vorerst nicht unbedingt beruhigen. Der Rüde schien sie praktisch zu untersuchen, wie er doch so schützend neben ihr lag, seinen Kopf auf ihre Brust gelegt hatte und Neyla nur still schweigend zu den Wölfen hinauf sah und sich fragte, was dort alles um sie herum geschah. Ihr Rüde leckte ihr sanft über die Schnauze und Neyla hob etwas zittrig den Kopf, er schien vollkommen schwer in diesen Momenten zu sein, dann küsste sie ihn sanft auf die Nase und lächelte schwach in seine Augen.
„Ich weiß nicht, ob ich die wenigen Schritte schaffe….ich würde so gerne…“
Laios schien Recht zu haben, zwischen all den Wölfen zu liegen war einfach nicht die Beste Idee, wer wusste denn schon, ob sie wirklich sicher waren in dieser Gegend? Wenn die Wölfe ihre Ruhe nutzen? Und Laios quälten? Seltsame Bilder spielten sich vor den Augen der Fähe ab und sie schluckte, so unsicher wirkte sie nun. Würde alles wieder kommen, was sie hinter sich gelassen hatte? Nein, niemals, Koros würde nicht folgen, er würde töten und er würde die Mitglieder nun quälen, aber Neyla war sich sicher, dass er schon lange selbst gequält wurde. Nun, nach dem Tod der Welpen und nach ihrem Verschwinden musste Koros den Hass spüren, den all die Wölfe für ihn fühlten.
Plötzlich wurde Neyla von einem leichten Stupsen aus ihren Gedanken geweckt und sie erkannte eine Fähe über sich, deren Erscheinung sie eine Weile stutzen ließ. Unsicher und leicht ängstlich legte sie erst den Kopf schief, suchte Erinnerungen, da schien ihr all dies wieder einzufallen, was vor so ewiger Zeit einmal gewesen war. Neyla war noch sehr jung gewesen und wuchs erst richtig zu einer Fähe heran, als diese Fähe, Kaede, soweit Neyla sich erinnern konnte, ankam und ein Rudel suchte. Wie sie der Wölfin doch das Leben gerettet hatte, indem sie diese weggeschickt hatte. Neyla war verwirrt, was tat sie hier? In der Stimme von Kaede lag eine Menge Kraft, sie schien es sich praktisch zu wünschen, dass Neyla Zárá wieder auf die Beine kam und den Platz unter dem Baum, den sie benannte, einnahm. Erst blickte Neyla zu ihrem Geliebten, schenkte ihm einen liebevollen Blick und nickte dann kurz.
„In Ordnung…“
Flüsterte sie kaum hörbar, dann kämpfte sie sich zitternd auf die Pfoten und hatte nur ganz schweren Halt. Sie stützte sich gegen Kaede und wusste, dass auch Laios ihr helfen würde. Ganz sicher.
Hanako war verwirrt, alles, was geschehen war, war auf einmal sehr viel geworden und sie blieb in der Sicherheit ihres Rüden, hatte ihren Sohn ganz eng an sich geschmiegt und beschützte ihn sanft und liebevoll, wie es nur eine Mutter tun konnte. Auf einmal schienen Wölfe dazu zu stoßen, von denen man vorerst gar nicht einmal eine Witterung richtig aufnehmen konnte. Die große Weiße war schon länger da gewesen, aber sie hatte sich nun bei Banshee vorgestellt. Zwei weiße Wölfe, eine Fähe und ein Rüde, kamen ebenso dazu. Sie schienen ein Paar zu sein und geschwächt von einer langen Reise. Die Fähe brach neben dem Rüden zusammen, der sie vorstellte. Und auch Kaede brach auf einmal durch die Büsche und Hanako seufzte leise, lächelte die Fähe fröhlich an und wedelte leicht mit der Rute. Aber ihr fiel dennoch auf, dass mit der Wölfin etwas nicht stimmte. Nein, ganz und gar nicht. Verwirrt suchte Hanako mit ihren Blick etwas in Kaedes Augen, etwas, was ihr sagen konnte, was mit der Fähe geschehen war, aber es war aussichtslos.
„Kaede, was ist mit dir geschehen?“
Sagte Hanako leise in ihre Richtung, aber ehe sie es wirklich registrierte, wurde sie an ihrem Lauf angestupst und Hanako senkte den Kopf, hatte ihr Sohn irgendwelche Sorgen? Nein, es war das genaue Gegenteil gewesen, denn plötzlich war ihre liebliche Tochter an ihrer Seite und Hanako sah liebevoll zu ihr. Ihre Kleine war hergekommen, wie sehr sie doch ihre Welpen vermisst hatte.
„Meine Kleine, wie geht es dir?“
Fragte sie mit sanfter und ruhiger Stimme und stupste die Welpin an, die sich bei ihrem Vater eingerollt hatte und vollkommen geschwiegen hatte. Warum war Sheena so ruhig? Wollte sie nicht stören oder fürchtete sie sich? Ruhig blickte Hanako ihre Tochter an, schleckte ihr sanft über den kleinen Kopf und stupste dann auch noch einmal Hikaji an, der ebenso ruhig wirkte. Und was war mit Hidoi? Er hatte auch nichts mehr gesagt, alles war verschwiegen. Hanako beobachtete deswegen mit einem leisen Seufzer, wie Kaede zu dem fremden Pärchen ging und er weißen Fähe versuchte, aufzuhelfen, sie schien sehr schwach und ausgehungert zu sein.
Hidoi hatte gar nicht mehr darauf geachtet, was so um ihn herum alles noch geschehen war, es war ihm auch viel zu viel. Der stahlgraue Rüde hatte sich lieber zu seiner kleinen Familie gewandt, wurde auch ganz plötzlich so stürmisch von seiner Tochter begrüßt. Lächelnd beugte er sich zu der Weißen hinab, die seiner Geliebten wirklich verdammt ähnlich sah.
"Sheena - auch mal wieder im Lande?"
sagte er mit gedämpfter, ruhiger Stimme und hob den Kopf um Hanako ansehen zu können. Ihrem Blick kurz folgend sah er zu Kaede hinüber, die sich nun um die Fremdlinge kümmerte. Ihm fiel jetzt erst auf, das er die alte Wölfin lange nicht beim Rudel gesehen hatte. Naja. Das Lächeln legte sich wieder auf seine stählernen Lefzen als er sich zu Hanako umdrehte und mit einem Kopfnicken auf die Welpin deutete, welche sich neben ihm zusammen gerollt hatte.
"Sie kommt ganz nach dir."
Erklang seine tiefe, raue aber in diesem Moment völlig ruhige und fast schon neckische Stimme und er stupste Hanako an. Vielleicht war es besser wenn sie zum Rudelplatz zurück gingen, weg von den Wölfen hier, vor allem weg von dem Mischling. Nicht weil er befürchtete das er wieder angriff, sondern eher weil er diesen Anblick seinen noch so jungen Kindern gerne auf's weitere ersparen würde. Also erhob sich der große Hüne, nickte seiner Familie zu und trat ein paar Schritte näher Richtung Wald.
"Wir sollten zum Rudelplatz zurück gehen."
Mit ruhigen Schritten lief er durch das Unterholz, so das ihn jeder einholen könnte, setzte bedacht seine großen Pfoten auf den Boden, hatte ein Ohr nach hinten gedreht und eines nach vorne gehüllt. Als er den Rudelplatz dann schließlich nach wenigen Minuten wieder erreicht hatte erschrack er sich kurz, als dort wieder dieser tiefschwarze Fremde war. Verdammt, den hatte er total vergessen und damit war auch seine Witterung verloren gegangen. Hidoi war sich sicher, das Banshee und Acollon nicht einmal etwas von seiner Anwesenheit wussten, hätte er ihnen Bescheid sagen sollen? Falk hatte auch eher geschwiegen, nachdem der Platz bei Sirius sich so plötzlich gefüllt hatte.
Das man diesen namenlosen Fremden einfach nicht wittern konnte, wenn man ihn nicht sah - irgend etwas stimmte absolut nicht mit ihm. Er wirkte so leer, irgendwie tot und doch war es Unsinn. Manchmal fragte er sich, ob sie alle in Wahnsinn verfielen, schließlich konnte er jetzt die ebenso seltsame Witterung des Schwarzen aufnehmen, nur dann wenn er ihn nicht mehr sah oder keine Ahnung hatte wo er sich befand, dann schien sein Geruch zu verschwinden, als hätte er niemals existiert... Irgendwie fast schon unheimlich.
Noch saß der jung Rüde völlig versteinert da, das Bild der kleinen Fähe vor Augen, zuckten seine Lefzen drohend.Die schwarz umrahmten Ohren waren fast vollständig an den Kopf angelget,das Herz des grauen schwamm regelrecht in einem Meer aus Hass und etwas sagte ihm,das es ein Meer aus Blut war. Kurz huschte der stechende Blick zu seiner Schwester die auch hier aufgetaucht war.Das auch noch...Er konnte nicht zu lassen,das auch sie von dem schrecklichen Geschehen etwas mitbekam.Schnell war er auf den Beinen,als auch sein Vater zum Aufbruch rief.Hikaji war der gleichen Ansicht,schirmte den Anblick des Braunen,der wohl auf allen Seiten auf Hass oder Verachtung stieß,außer bei denen,die gerade erst angekommen waren oder seine Tat nicht mit bekommen hatten, mit seinem Körper ab und drängte seine weiße Schwester so, ihrem Vater zu folgen. Ein fauchartiges Zischen entfloh noch seiner Kehle,ehe er beton munter hinter Hidoi herrannte,seine Schwester im Schlepptau.
"Komm schon Sheena!"
rief er,um sie noch mehr zu locken.Sie sollte nichts erfahren.Es reichte,wenn sein Herz in Hass gehüllt war.Mit federen Schritten sprang er dem großen Graunen hinterher.Ein schönes Spiel,was er da spielte.Lockend und getarnt fröhlich,hielt er Sheena von dem Braunen fern.Geschickt sprang er aus dem Lauf in Richtung eines dicken Astes eines alten Baumes,um über die buschige Rute auf den stahlgrauen Rücken zu klettern,als sein Vater gerade an jenem Baum vorbei in Richtung Rudelplatz lief.
"Komm auch hinauf Sheena.hier oben sieht man viel mehr..."
Das war nicht gelogen,doch die Zurückgebliebenen konnte man nicht mehr sehen.Sheena war also außer Gefahr.Genau das,was er erreichen wollte.Vorsichtig kletterte er weiter nach vorne und lugte schließlich Kopfüber in die stechenden Augen Hidois,als dieser am Rudelplatz wieder stehn blieb,den Blick auf einen Tiefschwarzen geheftet.Wer das wohl war?Dieser Schwarze wirkte so...leer?Es sich zwischen den Ohren gemütlich machend blickte Hikaji nun auch zu dem Fremden.
"Papa?Wer ist das?"
24.12.2009, 15:05
Wäre Simariel in ihrer menschlichen Gestalt gewesen, so hätte sie sich vielleicht mit der rechten schmalen Hand das weiße Haar, das in Strähnen in ihr Gesicht fiel hinter das Ohr gestrichen, hätte dann einen Finger auf die Lippen gelegt und die goldenen Augen nachdenklich gen Himmel gerichtet, Banshees Worte abwägend und überdenkend. Also nur die Bewohner? Nichts weiter an dem Tal? Aber was war es denn dann, was die Bewohner dieses Tals angezogen hatte? Oder waren es einfach immer die gewesen, die schon dort gewesen waren? Wie man es auch drehte und wendete - etwas hatte sie alle hergeführt. Auch Simariel. Möglicherweise würde sie hier Informationen erhalten. Oder etwas Wichtiges lernen. Manchmal glaubte die weiße Fähe an das Schicksal. Weil es etwas war, an was sie sich festhalten konnte. Es tat so gut, sich auf etwas verlassen zu können, manchmal einen bereits vorbereiteten Weg durch das Leben gehen zu können und ihn sich nicht immer selbst schaffen zu müssen. Es war großartig. Vor dem Schicksal musste man keine Angst haben. Man musste es nur akzeptieren. Und es dankte einem, indem es immer da war. Genauso wie die Magie bestimmter Orte. Wie in diesem Tal.
.oO(Und vielleicht lehrt es mich Ruhe. Meinen inneren Frieden zu finden, ach, ich bin ja immer so aufgewühlt, so... Wenn ich nicht praktisch unsterblich wäre, ich hätte noch mehr Angst, Angst davor zu sterben ohne vorher... Frieden... Aber wenn ich noch weitere 2000 Jahre so...)Oo.
Sie zuckte ein wenig und biss sich fest auf die Zunge, so lange bis sie ein wenig Blut schmeckte, das warm aus ihrer Zungen quellen musste. Die Werwölfin überlegte, ob sie Banshee etwas antworten konnte, doch fiel ihr nichts Wirkliches ein, etwas, was den Informationen gerecht wurde. So sagte Simariel nur ein wenig hilflos:
"Ich möchte das gerne herausfinden."
Dann wandte Simariel sich Kaede zu, jedoch vorerst ohne ihr größere Aufmerksamkeit zu schenken. Die so empfängliche Wölfin wäre vermutlich unter all den Informationen, die ihr ihr Geist senden würde zusammengebrochen, hätte sie ihn geöffnet - zu viele Wölfe waren hier. Schon seit einiger Weile spürte sie eine Art heißes Kribbeln, das sich wie eine starke Erregung langsam im ganzen Körper auszubreiten begann. Es ließ sich immer schlechter zurückdrängen.
Alienna schlief nicht, ihre Ohren lauschten auf die leisen Fressgeräusche von Leyla und ihre Nase witterte das frische Blut den auch ein wenig den Hunger der Weißen. Eine ganze Zeit lang genoss sie einfach die Ruhe, ihr Atem ging wieder normal und ihr Herz klopfte gleichmäßig; noch immer etwas zu schnell, aber kaum merkbar. Erst als sie hörte, dass Leyla ihr Mal beendet hatte, öffneten sich ihre Augen wieder, zuerst reglos in den dunkler werdeneden Himmel gerichtet, dann langsam zu Leyla gleitend. Was sie sah, erschreckte sie zunächst. Große Tränen perlten an ihrer Schnauze, suchten sich ihren Weg durch das weiße Fell und ließen ihre Augen glasig spiegeln. Doch dann sah Alienna das Lächeln und das glückliche Schimmern ihres Blickes und ihr wurde klar, dass Leyla aus Freude weinte. Alienna musste lächeln, sentke kurz den Blick und kam dann ein wenig näher gekroch. Nicht wirklich nah, aber eben so, dass sie leiser sprechen konnte und die Fähe sie trotzdem verstand. Die Angst meldete sich kurz, aber nicht stark, Alienna war noch weit genug entfernt und sie wusste, dass sie jetzt keine Berührung zu fürchten hatte.
"Leyla, es macht mich glücklich, zu sehen, dass du glücklich bist. Zusammen werden wir wieder Kräfte finden."
Besser gesagt, Alienna würde in jedem Fall wieder Kräfte finden, wenn sie ein wenig schlafen könnte, würde sie sich wieder wie immer fühlen, bei Leyla würde das schwieriger werden, aber die Braune wusste, dass sie es überleben würde, wenn sie es wollte. Und dies zu wollen, dabei würde Alienna ihr helfen. Jedenfalls beschloss sie das, während sie lächelnd den fallenden Tränen zusah und sich fragte, ob jemals jemand so glücklich in ihrer Anwesenheit gewesen war. Es fühlte sich wunderbar an, etwas getan zu haben, ein Stück dieser Welt verändert zu haben. Noch nie zuvor hatte sie sich irgendwie als nützlich erweisen können und jetzt hatte sie das Gefühl jemandem sehr geholfen zu haben. Beinahe hätte auch sie angefangen zu weinen.
Ein leises Schnauben entglitt Averic's Kehle als sich alles wieder vom Chaos abwandte, auch sein Vater ließ den Versager einfach liegen. Er spürte den Blick des Pechschwarzen im Nacken und statt sich um zu drehen reckte er bloß seinen Kopf ein wenig höher - stolz. Auch den Blick seiner Mutter hatte der junge Rüde wahr genommen, seine Eltern schienen beide bemerkt zu haben das dort etwas in den Schatten gewesen war. Ein kühles Grinsen ziehrte seine Lefzen doch dann packte ihn plötzlich seine Mutter und trug ihn zu seinen Geschwistern. Mürrisch grummelte der Schwarze auf. Er hasste es so wie ein Kleinkind behandelt zu werden, es würde ihm schon nichts geschehen - dafür würde er selbst sorgen! Missgelaunt starrte er zu seiner Mutter hoch als diese ihn Absetzte und den braunen Bastard nicht einmal die Schuld zusprach. Natürlich war er schuld! Wer sonst?! Zum Teufel!
Averic war sichtlich wütend, sein Nackenfell sogar ein wenig gesträubt, aber doch blieb der Welpe still. Einen Moment noch starrte er diesen Mischling eiskalt an, als würde er ihm am liebsten an die Kehle springen, so wie sein Vater. Aber er hätte es zuende gebracht!
Als der Pechschwarze dann plötzlich die Nähe seines kleinen Bruders neben sich spürte schlug dieser enorme Jähzorn - welcher ihn so eingenommen hatte wie noch nie - sofort um. Kurz war er sogar erschreckt über sein Verhalten. Es war ihm zwar wirklich egal was mit diesem Wolfshund geschah, aber noch nie hatte er eine solche Mordlust verspürt. War das die Schuld dieses seltsamen Schattens? Verwirrt drückte Averic kurz die kalte Schnauze in das welche Fell Cylins. Langsam löste sich der ganze Trubel hier auf, der stahlgraue Hidoi wollte wohl zum Rudelplatz zurück, war auch schon verschwunden. Da fiel Averic dieser seltsame Tiefschwarze wieder ein. Rasch hob er seinen dunkelblauen Blick zu Banshee hoch und rappelte sich auf.
"Mama, gehen wir auch zum Rudelplatz zurück?"
fragte er bloß. Der Welpe war nun neugierig geworden - die anderen hatten diesen Fremden nicht wittern können, als er plötzlich einfach so da stand. Würden sein Vater oder seine Mutter ihn bemerken? Vielleicht hatten sie es ja schon, nur noch keine Gelegenheit gehabt zu ihm zu gehen. Oder sie wollten es nicht, hatten wie Cylin Angst - obwohl er sich das von Acollon nie vorstellen könne. Nein, sein Vater doch nicht! Sein Vorbild kannte keine Angst, oder?
Ohne abzuwarten sprang der Pechschwarze auf und trottete von der Lichtung hinunter, zielstrebig auf dem schnellsten Weg zurück. Jetzt wollte er es ganz genau wissen... Würden sie erschrecken?
Leyla versuchte sich wieder etwas zurück zu nehmen. Sie schuchzte laut und schloß die Augen. Doch sie mußte ihre überraschenden Tränen irgendwie rechtfertigen. Sie redete leider kaum verständlich.
„Weißt du- noch nie- noch nie hat mir jemand gezeigt, daß ich auch einen Platz auf dieser Welt habe. Ich- habe es mir nur immer eingebildet. Ich- ich hatte mir die Hoffnung zum Schluß nicht mehr gegeben. Und als ich keinen- Ausweg mehr sah, wollte ich nicht länger- nur ein Stück Dreck auf dieser Welt sein. Ich- ich habe versucht es frühzeitig zu been-den. Doch..“
ihr fiel es schwerer zu reden und sie sah Alienna nicht an.
„..ich war zu feige. Nicht ein Mal das habe ich geschafft.“
Sie knickte die Ohren ein, holte tief Luft und öffnete die Augen. Dann sah sie zu der braunen Wölfin und sagte leise.
„Wenn du schon nicht berührt werden möchtest, dann laß uns wenigstens heraus finden, was wir noch alles gemeinsam haben!“
Leyla versuchte auf zu stehen. Das fiel ihr sichtbar schwer. Doch diese Zuneigung der braunen Wölfin gaben ihr neuen Lebensmut. Leyla stand wackelig auf ihren vier Pfoten. Sie sah zu der Wölfin. Sie lächelte so gut sie es konnte. Ein ganz kleines Bißchen. Es war noch ein sehr schwaches Lächeln. Leyla blickte zu einem kleinen Fels zwischen ein paar engstehenden Bäumen, der aber auf der anderen Seite einen wunderschönen Panoramablick auf den Wald und den Nachthimmel bot. Leyla fragte vorsichtig.
„Kom-mmst du mit?“
Der Himmel hatte sich unmerklich dunkler gefärbt, die Sonne war von keiner Wolke verdeckt, trotzdem nahm man ihren Untergang kaum wahr, schwach schimmerte etwas rot auf, dann war ihr Anlitz verschwunden. Das Licht hielt sich noch einige wenige Minuten lang am Himmel, dann überzog von Osten her die Dunkelheit sein sanftes Blau. Erst Sterne glommen auf, doch ebenso schwach und undeutlich wie schon die Sonne. Kein Mond stand am Himmel, es würde noch einige Stunden dauern, bis er sich hinter den Bergen hevorschieben würde. Wahrscheinlich ein genauso sanftes und unauffälliges Licht verströmend wie seine Schwester.
Banshee musterte die schwache Neyla, ihren seltsamen Gefährten Laios und die dazu sehr aufedrehte Kaede. Sie schien zumindest die Fähe zu kennen und sich über ihr Treffen zu freuen. Banshee freute sich ebenfalls, einfach, weil Kaede glücklich war. Ihre hasten Worte ließen sie schmunzeln, sie kippte leicht den Kopf zur Seite und bedachte Kaede mit einem vertrauensvollen Lächeln.
"Du weißt doch, dass ich selten Wölfe fortschicke. Aber ja, kümmere dich um sie, komm dann einfach zu mir, ich freue mich auf ein Gespräch."
Sie wandte sich wieder Simariel zu. Dass die weiße Fähe ihre Worte nicht ganz verstand, war ihr anzusehen, offensichtlich war es schwer nachzuvollziehen, was an ihnen allen besonders war ... oder zumindest an ihrer kleinen Familie. Aber Banshee beschloss es Simariel in dieser Hinsicht nicht so eifnach zu machen und es ihr zu erklären. Zudem konnte man da nichts erklären. Man kontne es spüren, es sehen, es herausfinden, aber mit Worten würde es nur seltsam klingen. Unwirklich. Unmöglich. Sie lächelte und nickte dabei leicht.
"Ja, finde es heraus. Es zu erklären ist unmöglich. Aber vielleicht findest du auch die Worte, die ich nicht suchen will."
Mit ihrem Blick forschte sie nach einer Regung in Simariels Augen, wurde aber von einer fragenden Stimme abgelenkt. Averic saß zu ihren Pfoten und sah sie mit seinen dunkelblauen Augen bittend an. Er wollte zurück zum Rudelplatz ... und sie meinte zu erkennen, dass er das nicht ganz ohne Grund wollte. Er hatte etwas vor oder wollte ihr zumindest etwas zeigen, dass sah sie schon an der Art wie er fragte ... wie man das immer bei Welpen sah. Mit einem entschuldigenden Lächeln zu Simariel stand sie schon auf und meinte kurz.
"Ich begleite meinen Sohn zu unserem Rudlplatz, wenn du willst, kannst du mitkommen."
Dann war sie schon fort, mit ruhigem Schritt, schnell genug um ihren Sohn wieder einzuholen. Als sie neben ihm war, sagte sie nichts, verlangsamte ihre Schritte nur so, dass Averic und sie auf einer Höhe weiter liefen. Jetzt näherten sie sich dem See und damit dem Rudelplatz und plötzlich meinte Banshee etwas zu spüren. Da war ein Kribbeln, tief in ihrer Seele, wie viele tausend Ameisen auf der Haut und gleichzeitig eine erschreckende Leere, ein Nichts wie eine Lücke in Zeit und Raum. Banshees Ohren drehten sich nach hinten, sie war gleichzeitig erschrocken als auch wie magisch angezogen ohne sich eines der beiden Gefühle erklären zu können. Instinktiv begann sie zu wittern und zu lauschen, doch weder ein auffälliges Geräusch noch ein fremder Geruch erreichte sie. Ihr Blick wanderte zu ihrem Sohn, erinnerte sich an seinen Blick, hatte er etwas damit zu tun?
"Averic, ist etwas passiert, in der Zeit, die ich fort war?"
Ihre Augen glitten über die Bäume, noch hatten sie den Rudelplatz noch nicht erreicht, aber schon jetzt wusste sie, dass dort irgendetwas war, das nicht in dieses Revier gehörte. Das gar nicht in diese Welt gehörte.
Leyla verstand nicht ganz. Es schien da noch ein paar gewisse Unterschiede zu geben. Sie sah die Braune etwas verwirrt an, lächelte dann aber freundlich. Beide hatten Dinge erlebt, die ihr Leben noch weiter negativ beeinflußt haben. Und doch müssen es zwei verschiedene Sachen gewesen sein. Leyla sah sie an und überlegte. Doch für sie kam es in Frage. Sie würde es ihr auf keinen Fall erzählen. Entweder fand sie es selbst heraus oder sie hatte es nicht. Diese Gabe. Diese ganze besondere Gabe. Doch Leyla konnte sich gut vorstellen, daß Alienna sie hatte. Es war etwas Besonderes. Leyla wollte sehen, was passierte, wenn sie mit ihr das machte, was sie vor hatte. Leyla schleppte sich mühsam zu dem Stein. Sie wackelte entlang und konnte sich nur schwerlich auf den Pfoten halten. Sie setzte sich langsam auf den Stein. Das tat ihr gut. Sie konnte ihren Körper ausruhen und endlich wieder in die Landschaft blicken. Und da war er auch. Der Mond. Er war so wundervoll. Geistig gab er Leyla schon jetzt neue Kraft. Doch die Kraft, die sie früher durch ihn erlangte, konnte sie nun nicht mehr bekommen. Der Stein war leider nicht all zu sehr groß. Alienna hatte sich eng neben sie zu setzen. Es würde schwer werden, auch wenn sie sich nicht berühren würden. Aber sie wären sich sehr nah. Leyla freute sich, es ihr noch zeigen zu dürfen. Vielleicht..hatte sie es selbst noch gar nicht gewußt. Vielleicht wußte die braune Wölfin es gar nicht. Dann würde es Zeit, daß Leyla ihr die Augen für eine neue Seite am Leben öffnete. Leyla wollte, daß sie es erfährt, wenn es denn so sein sollte. Schuldig war sie es ihr auf alle Fälle. Leyla war für einen Moment lang wieder etwas glücklich. Endlich konnte sie ihrer Heflerin, ja sogar ihrer Lebensretterin helfen. Alienna würde neue Kraft erlangen. Doch das sollte nicht alles sein. Sie würde noch eine ganz andere Kaft in sich kennenlernen. Leyla sprach leise wie die Nacht.
Komm her! Setz dich zu mir. Und du wirst sehen, daß du etwas ganz Besonderes bist. Vergiß für einen Moment alles und komm her. Laß kurz ein Mal alles hinter dir. Du wirst es nicht bereuen, ich möchte dir etwas zeigen. Bitte komm her.
Alienna betrachtete Leyla, wie sie sich langsam auf dem Stein niederließ, ihr Blick richtete sich auf den Mond, sie schien ihn zu lieben. Einige Sekunden verharrte sie so, dann sah sie zu ihr, die sie unsicher noch im Gras stehen geblieben war. Der Stein war nich übermäßig groß, Platz für zwei Wölfe war allemal, aber auch für die Luft zwischen ihnen? Alienna spähte etwas unsicher nach oben, sie spürte bereits den Zauber der Nacht, dennoch musste sie an die Angst denken, wie sie dort oben auf dem Stein lauern könnte. Erst als Leylas Blick wieder auf sie fiel und sie leise zu sich bat, bekam Alienna etwas mehr Mut.
Vergiß für einen Moment alles ... Laß kurz ein Mal alles hinter dir ... Du wirst es nicht bereuen
Alles vergessen, alles hinter sich lassen ... was für ein wundervoller Traum würde das sein, aber nie würde sie alles vergessen können. Oder vielleicht köntne sie es sogar, aber die Angst würde sie nicht vergessen und bei Zeiten sie an sich erinnern. Dennoch setzte sie nun die Pfote vorsichtig auf den Stein und sprang mit einem leicht flatternden Sprung auf den Stein. Es war erschreckend eng, Leyla saß unerwartet nahe, die Braune stolperte etwas zurück, wäre beinahe wieder ins Nichts hinter sich gefallen, hielt sich ab noch. Sie wusste, dass sie den Zauber kaputt machte, aber noch musste sie sich kurz daauf einstellen. Ihr Blick flog eilig über den Stein, maß seine Größe und dann noch einmal Leyla. Mit vorsichtigen Schritten kam sie etwas näher, setzte sich dann. Es sah noch immer weit entfernt aus, aber mit knapp einer halben Wolfslänge, die sie nun von Leyla trennte, brach sie nicht nur ein Stück von der Willensstärke der Angst, sondern gab Leyla auch einen großen Vertrauensbeweis. Locker hätte die Fähe sie jetzt mit der Schnauze berühren können, aber Alienna hoffte und wusste eigentlich zugleich, dass sie es nicht tun würde. Sie schloss kurz die Augen, atmetet langsam ein und aus, bis sie spürte, wie sich ihr Körper entspannte. Die Nacht beruhigte sie und bestätigte ihr nur, dass sie von der ruhigen Fähe neben sich jetzt etwas lernen würde, das möglicherweise ihr Leben verändenr konnte ... sie hatte keine Ahnung, was es war, aber Leyla schien es wichtig zu sein.
Alienna wandte der Weißen den Kopf zu und lächelte, zeigte ihr, dass sie bereit war, dass sie sich wohl fühlte, trotz der Nähe.
Leyla war erfreut, daß die Wölfin ihre Bitte einging. Sie würde es sicher nicht bereuen. Das Schlimmste was passieren konnte war, daß sie nichts spürte. Nicht das, was Leyla erhoffte. Nun abgesehen natürlich von Außengefahren, wie Menschen oder Luchsen. Leyla erwiderte ihr Lächeln noch ein Mal. Sie war geschwächt, versuchte sie trotzdem, auf den Weg zu führen. Leise, sehr leise sprach sie in stillster Nacht bei sternenklarem Himmel zu der braunen Wölfin.
Und jetzt sieh zu dem Mond. Guck in das weiße Licht. Nimm es in deinen Körper auf. Versuch eins mit der Umgebung zu werden. Ohne daß du mich oder irgend einen anderen Körper, außer den Untergrund, berührst, sollst du mit allem tief verbunden sein. Als ob du dazu gehören würdest. Und dann tu, was ich tue. Dabei mußt du deine Gedanken frei machen. Du darfst auch mich für einen Moment lang vergssen. Meine Anwesenheit wirst du auf eine andere Art und Weise spüren. Atme flach und schließ alle anderen Sinne. Du sollst nur spüren.
Leyla schloß die Augen und streckte ihren Körper, so daß er sehr gerade und aufrecht stand. Sie verlagterte ihr ganzes Körpergewicht auf ihre sitzenden Hinterbeine und ließ die Rute den Stein herunterreichen. Sie streckte den Hals und folgte dem hellen Licht, das es sogar durch ihre geschlossenen Augen schaffte. Leyla ragte die Nasenspitze in das helle Mondlicht. Die Luft war kühl. Sie streckte ihre Voderpfoten aus. In Brusthöhe dem Mond entgegen. Als würde sie veruchen ihn zu berühren. Ihn zu erreichen. Sie war völlig abwesend. Sie war in Gedanken nur bei sich und dem Mond. Das weiße Licht ließ ihr Fell in einem neuen Glanze erstrahlen, nachdem sie bis vor Kurzem noch wie das Laub selber aussah. Ihr Gesicht enspannte sich und sie blieb erstaunlich lange in dieser Haltung. Sie war sehr still und man sah ihr kaum an, daß sie noch atmete. Dich eine gewisse Anstrengung war ihr auch anzumerken. Sie konzentrierte sich nur darauf. Ihr ganzes Bewußtsein galt dieser Zeremonie.
Aliennas Blick lag zuerst etwas verwundert auf Leyla, noch verstand sie nicht ganz. Der Mond und sein Licht war schon immer rein und magisch gewesen, aber noch nie hatte sie daran gedacht, dass er mehr als nur das bewirken könnte. Einige Sekundne lang beobachtete sie sie noch, wie sie sich dem runden Lichtball am Himmel zuwandte, ihre Schnauze ihm entgegen streckte und plötzlich nicht mehr die Fähe war, die hilflos im Gras gelegen hatte. Ihr Fell strahlte und ihre Aura wurde stärker, fast konnte sie die Kraft spüren. Sie wirkte wie ein Engel, wie ein Engel wie ihn sich Alienna als Welpe vorgestellt hatte. Ein guter Engel, der kommen würde und sie von ihrem Vater und dem Leid fortholen würde. Fast musste sie sich zwingen den Blick von Leyla abzuwenden ... sie war kein Engel und selbst wenn ... jetzt brauchte sie auch keinen mehr. Sie schloss die Augen, auch so war es hell genug, mühelos durchdrang der Mond die dünne Haut ihrer Augenlider. Langsam schob sie ihren Oberkörper nach vorne, streckte die Schnauze ebenso zum Himmel wie es Leyla getan hatte und versuchte zu vergessen, was geschehen war, geschah und geschehen würde. Versuchte die Welt loszulassen, die Angst, den Stein und ihren müden Körper. Sie fühlte sich schwebend, als würden ihre Pfoten tatsächlich den Stein nicht mehr berühren, sie fühlte sich, als würde sie rennen, dem Mond entgegen, der Freiheit, dem Paradies. Sie konnte sich mphelos bewegen, keine müden Glieder schränkten sie ein, es gab keine Schmerzen oder Mühen. Einen kurzen Moment lang glaubte sie fast, sie wäre tot und würde nun ins Paradies kommen, dann spürte sie ihren Körper sich strecken, hingebungsvoll dem Mond entgegen, nicht mehr darauf bedacht es Leyla nachzutun ...
Leyla inzwischen hatte sich wieder normal hingesetzt und sah zu der braunen Wölfin. Ihr war anzusehen, daß sie etwas völlig Neues entdeckt hatte. Sie sah angespannt und gleichzeitig entspannt aus. Ja sie spürte es. Da war Leyla sich sicher. Sie beobachtete wie Alienna die Magie des Mondes spürte. Leyla freute sich, da sie glaubte, ihr geholfen haben zu können. Das erste Mal hatte Leyla jemandem etwas wiedergegeben, nachdem sie gut von ihm behandelt wurde. Leyla war hoch erfreut, daß es auch andere Wölfe gab, die das empfanden. Dieses Gefühl. Sie hatte bisher in ihrer näheren Verwandschaft und Bekanntschaft niemanden, dem es auch nur annähernd ähnlich ging. Leyla spürte aber ihre Schmerzen wieder. Die Schmerzen in der Seele, die Angeschlagenheit ihres Körpers. Sie war ziemlich schwach. Es würde wohl das beste sein, wenn sie jetzt wieder schlafen ging. Doch vorher wollte sie es noch wissen. Hatte Alienna es gespürt? Und konnte sie damit umgehen? Konnte Leyla es von ihr erzählen? Oder ist es alles noch zu früh gewesen? Leyla überlegte kurz, ob sie ihre rechte, sitzende Hinterpfote leicht berühren sollte. Einfach so um zu spüren, ob sie diese gewisse Spannung hatte, die sie von sich kannte. Sie schob ihre weiße Vorderpfote ein Stück zu ihrem Körper. Sie hatte ihre Pfote fast erreicht. Alienna war immer noch tief versunken und bekam es nicht mit. Jetzt hatte sie sie fast berührt. Nur noch einen kleinen Zentimeter, dann war es so weit. Doch blitzartig zog sie ihre Pfote wieder ansich. Was tat sie da? Drehte sie jetzt völlig durch? Ihre Lebensretterin wollte das nicht. Sie hatte Angst davor. Also warum sollte sie ihr etwas antun, wo sie doch wußte, daß sie darunter leiden würde? Leyla schämte sich zutiefst. Sie ließ den Kopf hängen und schloß die Augen. Dann hob sie ihn wieder und sah zu ihr. Leise, um sie nicht zu erschrecken, sprach sie mit lieber Stimme.
Alienna. Alienna komm wieder zurück! Das reicht fürs Erste! Hast du es gespürt? Die Magie? Die heilige Kraft, die er die spendete? Wie fühlst du dich?
Leyla war ganz besessen darauf, zu erfahren, was sie gespürt hatte und wie sie es jetzt noch spürte.
Falk hatte sich in die Nähe des Mischlings gelegt, der blutend zusammengesackt war und seither geschwiegen hatte. Er würde bei ihm wachen, nur für den Fall, dass es ihm plötzlich schlechter ging oder eher besser und er wieder Stress machen würde. Der Abend brach bereits an und Falk wunderte sich ein wenig darüber, wie schnell doch dieser merkwürdige und chaotische Tag vergangen war. Viele waren ins Revier gekommen, äußerst sonderbare Gestalten unter ihnen - wie viele würden bleiben? Der Hüne ließ seinen Blick über die Wölfe gleiten, dort jene, die er kannte, dort andere, die er nicht kannte und bei denen er sich fragte, ob er sich tatsächlich ihre Namen merken sollte. Der Graue mit dem schwarzen Rücken mochte die Beständigkeit. Und er fragte sich, wie es wohl jenen Wölfen gehen musste, die er hier kennengelernt hatte, damals, zu Beginn, als er vor über einem Jahr in dieses Rudel gekommen war. Varloc - ob sie sich einem anderen Rudel angeschlossen hatte? Dayon - wohin war er wohl gegangen, hatte er vielleicht endlich Frieden gefunden? Moon - dieser altkluge, so erwachsen wirkende Welpe, ob er wohl wieder zu Dayon gestoßen war? Und Sayo - oder Chyran, Kamui, Kaya - hatte er sich von seinen Brüdern, die seinen Körper teilten, befreien können? Oder waren sie alle tot, die Kehle zerrissen, das Rückgrat gebrochen, den Nacken zerbissen. Falk schloss die Augen, blinzelte.
Wieder glitt sein Blick über den blutenden Körper des jungen Rüden. Was trieb ihn an? Und was würde mit ihm geschehen? Würde er bleiben? Würde er gehen? Oder hatte er bereits durch Acollon seinen Tod gefunden? Der Hüne verschloss die Lider seiner Augen zu einem schmalen Spalt. Floss noch frisches Blut nach? Oder verklebten und verkrusteten die Wunden allmählich? Durch eine beiläufige Bewegung seiner Rute vertrieb Falk immer wieder Fliegen, die sich auf den verletzten Körper des jungen Rüden setzen wollten, doch kaum einer ließ sich durch den Grauwolf noch beeindrucken. Falk dachte, dass es bald kühler werden würde und das den Zustand des jungen Rüden vielleicht etwas verbessern würde. Halb erhob sich der Grauwolf, beugte sich vor. Er konnte das Gesicht Sirius' nicht erkennen, es blieb ihm verborgen, da es im Schatten lag. Leise rief Falk den Verletzten:
"Hey! Hey, Sirius, hey!"
Weiter blieb der Hüne in der gebeugten Haltung, wenngleich sie auch unbequem für ihn war. Doch er wollte nicht, dass ihm auch nur die kleinste Bewegung des Rüden entging. Wenn er noch am Leben war, dann würde Falk vielleicht aufstehen und sich nach Ayala umsehen. Oder er würde hier bleiben und auf Ayala warten.
Aliennas Ohren zuckten leicht, als sie Leylas Stimme erreichte. Nur langsam kerhte sie zurück zu dem Stein und ihrem Platz neben der Weißen. Selbst als sie die Augen aufschlug und zu der anderen Fähe sah, fühlte sie sich trunken, von Kraft und Glück. Sie blinzelte mehrmals, noch immer war alles etwas entrückt, schimmerte silbern im Licht des Mondes. Einige Sekunden saß sie so da, dann fuhr sie sich mti der Pfote über die Schnauze, hielt die Augen mehrere Herzschläge lang geschlossen und richtete sie dann wieder glücklich auf Leyla.
"Ich fühle mich wundervoll. Danke Leyla, danke."
Ohne richtig nachzudenken, noch immer in ihrem schwebenden Glückszustand reckte sie ihre Schnauze nach vorne und berührte die andere Fähe an der Nase, die Geste, die sie so oft gesehen hatte und so oft hatte nachmachen wollen. Schon hatte sie ihre Schnauze wieder zurück gezogen und redete weiter, ob sie es überhaupt richtig bemerkt hatte, konnte man nicht sagen.
"Ich weiß nicht, ich habe diese Kraft gespürt, es war, als würde ich fliegen, ich konnte alles tun. Und auch jetzt fühle ich mich viel stärker, so losgelöst."
Sie blinzelte zu Leyla, verstand sie, was sie meinte? Oder spürte sie möglicherweise etwas ganz anderes? Was geschah da eigentlich? War es nur das Licht des Mondes, das einen so glücklich machen konnte? Hatte dieser gleißend helle Ball am Himmel so viel Macht? Aliennas Blick huschte wieder zum Mond und blieb an ihm hängen, diesmal nicht mehr versinkend, nur nachdenklich.
Leyla erschrak sehr, als Alienna sie leicht anstubste. Sie schielte auf ihre Nase und zog die linke Vorderpfote ein Stück an sich. Ein innerer Schock durchfuhr sie. Aber es war ein Schock , der sich positiv auswirkte. Leyla erschrak sehr. Sie hatte es gespürt. Sie hatte das gespürt, welches die gespürt haben, die sie geheilt hatte. Es war die gleiche Kraft. Leyla war sprachlos. Sie wurde traurig. Sie senkte den Kopf und schloß die Augen. Dann stand sie auf und verließ den Stein. Sie wankte leicht zurück zu der Stelle, an der sie gefunden wurde. Sie legte sich hin und steckte ihre Schnauze zwischen ihre Pfoten. Kaum hörbar begann sie noch ein Mal zu weinen. Sie war glücklich, daß sie es auch hatte. Aber sie war auch traurig, daß sie selbst es nicht mehr hatte. Diese braune Wölfin war so nett. Sie hatte ihr geholfen. Sie hat Liebes für sie getan, obwohl sie sie gar nicht kannte. Und sie wußte es womöglich selbst noch gar nicht. Weder über Leyla, noch..über sich selbst. Sie konnte diese Kraft wahrscheinlich gar nicht so recht interpretieren und begründen. Doch leyla wuaßte es. Was war Alienna doch für eine besondere und wertvolle Wölfin. Leyla hätte ihr gern so viel erzählt und doch sagte sie nichts. Sie mußte das erst ein Mal verkraften. Sie kam damit nicht zu recht. Es war schön aber auch zu tiefst traurig. Warum mußte Leyla das nur passieren? Ein Teil von ihr war tot. Wäre es vielleicht doch besser gewesen, der andere wäre auch noch gestorben?
Es hatte überhaupt keinen Sinn hier starr zu verharren. Der graue Hüne hatte ihm genau so wenig zu sagen, wie der Tiefschwarze jenem Wolf. Ein leichtes Schwanken der Gefühllosigkeit durchdrang seinen schlanken Körper als Face Taihéiyo sich erhob und den Blick zum dichten Geäst gleiten ließ. Am besten war es jetzt einfach zu gehen. Als eine verlorene Seele durch die Lande streifen, nicht grade die Erfüllung aller Träume. Ja, was bedeuteten sie eigentlich? Was die Guten betraf, so war man sich immer klar dass sie niemals real sein konnten, während man bei den Schrecklichen grübelte bis sie schließlich Wahrheit wurden. So spielte das Schicksal mit einem und bei ihm schien es ganz kräftig mitmischen zu wollen. Nicht einmal im Tod fand er seinen Frieden, eigentlich konnte man seinen jetzigen Zustand auch gar nicht so nennen. Es schien als sei der Rabenschwarze in einem Raum nach dem Leben und vor dem Tod hängen geblieben, eine Spanne ohne Zeit. Grausam klang es in seinen Ohren nach, zog sich zu einem betäubendem Rauschen hin. Egal was er auch tat, so fest er die Augen auch zusammen kniff, es tat sich nichts. Schließlich sprang er auf, wie Einer in Hast und doch mit unverwandtem Gesichtsausdruck. Nein, es hatte nicht einmal mehr einen. Vollkommen leere Mimik, ein hilfloses ‚Etwas’ in seinen Augen, das man weder Funken noch Glanz nennen könnte. Schnell und doch vollkommen gleichmäßig, in einem rhythmischem Zusammenspiel mit dem ganzen, toten Körper, bewegte sich Face von diesem Platz hinunter, an jenen Kreaturen vorbei, die seiner Rasse angehörten und noch prasselndes Leben in sich trugen. Es scherte nicht welchen Pfad er einschlagen würde, von ihm aus konnte er bis an das Ende der Welt führen. Irgend etwas würde ihn schon leiten. Tatsächlich entsann sich ein Gedanke an das schaurige Geheul von vorhin, das wie der Tod persönlich geklungen hatte. Eine lockende Versuchung, doch was würde es schon nützen? Der Tod schien ihn abzustoßen und das Leben konnte ihn nicht zurück wollen. In spröder Ausdruckslosigkeit lief er trotzdem einfach dem nach, irgendwelche Wege entlang, als er auf einmal noch etwas wahrnehmen konnte. Viel mehr, seine Seele nahm es war. In seiner Nähe brannte enormes Lebensfeuer, höher und heller als an anderen Stellen, aber was sollte ihn das anziehen? Schon zu Existenzzeiten hatte sich der Tiefschwarze gegen das Leben entschieden, der Tod war ihm willkommen gewesen. Aber es hatte nichts genützt. Jemandem dem er über den Weg laufen würde käme es wahrscheinlich vor wie ein Geist der unbemerkt seines Weges zog, vollkommen ungeahnt auftauchte und sofort wieder verschwand als seie er bloß eine Illusion, niemals da gewesen. Genau so wie jetzt. Aus den Augenwinkeln konnte er eine weiße Fähe mit pechschwarzem Kind an der Seite sehen, als er einen Weg quer überschritt. Doch gleich danach blieb er stehen, kurz irritiert. Den Kopf zurückhebend ging trotzdem nicht das kleinste Zucken durch seine Ohren. Diese Wölfin... Von ihr ging das Leben auszugehen, welches er eben gespürt hatte. Aber wieso verwirrte es ihn? Musste nicht alles, was noch fühlen und spüren könnte dieses Leben ausstrahlen? Gewiss, aber warum so stark? Ohne es recht kontrollieren zu können hatte sich Face umgedreht und starrte zwischen zwei schmalen Bäumen zu ihr und dem Welpen herüber. Etwas regte sich in ihm. Dieser Welpe, seine Augen... Die eigenen musste er schließen um von Erinnerungen verschont zu bleiben. Schließlich konnte er sich einigermaßen Fassen, welch närrischer Unsinn. Wäre er wieder tiefer im Wald verschwunden, einfach weiter gegangen, hätte er eine Illusion bleiben können. Aber so nah wie er ihnen nun stand mussten sie ihn sehen und damit auch wittern können. Also trat er – den Blick so leer wie es selbst der Tod nie hätte sein können – wieder auf den Weg zurück, nicht um diesen den Vorbeiziehenden zu versperren. Face befand sich sogar eher seitlich darauf, sollte er etwas sagen? Vielleicht irrte sich seine zurückgebliebene Seele vor lauter Konfusion schon und diese Flamme loderte wie jede andere. Einfach nur ein wenig heller, denkbar aus Glück...
„Seid Ihr die Leitfähe dieses Rudels?“
Erklang seine leise, tiefe und trotzdem vollkommen klare Stimme, auch wenn man nicht wirklich sagen konnte, ob sie wirklich aus seiner Schnauze kam, auch wenn sich die Lefzen bewegten. Der Tiefschwarze hatte sich selbst in die Falle gelockt, einfach stumm auf dem Weg stehen zu bleiben wäre ebenso nach hinten los gegangen, also musste er den Mund öffnen und eine Frage stellen dessen Antwort er schon kannte. Ja, irgendwie musste diese weiße Wölfin einfach das Leittier sein. Diese Ausstrahlung, die ihn noch immer irritierte – wenn auch nicht sichtbar – hatte es ihm verraten.
Aufmerksam richtete Averic den Blick zu seiner Mutter hinauf. Sie schien jetzt sichtbar etwas zu spüren. Interessiert fixierte er jede Regung an Banshee. Er hatte Recht gehabt, sie schien erschrocken als sich die weißen Ohren nach hinten drehten. Irgendwie zufrieden wandte der pechschwarze Welpe den schmalgeschnittenen Kopf wieder nach vorne, lief weiterhin zielstrebig. Als die Frage seiner Mutter ihm an die Ohren drang wog er kurz das Haupt nachdenklich. Wirklich etwas passiert? Außer das seine Schwester von einem tollwütigen Bastard angegriffen wurde war nichts schlimmes passiert, aber das Auftauchen dieses Fremden hatte Unruhe gestiftet ohne das er etwas getan hatte. Das nannte er schon eine Kunst. Als der junge Rüde grade antworten wollte lief ein schwarzer Schatten – den er nach seinem Verschwinden erst als Wolf erkannte – über ihren Weg. Jetzt selbst erschrocken blieb Averic sofort stehen und wich im Stand sogar noch einen Schritt nach hinten zurück und knurrte instinktiv auf. Damit hatte er nicht gerechnet. Ihn hatte er seiner Mutter zeigen wollen, er war es hundertprozentig gewesen. Aber der Schwarze hatte nicht daran gedacht, das jener Rüde sich vielleicht gar nicht mehr dort befand. Es ging einfach über seine Vorstellungen hinaus, dass man nicht anhand der Witterung kontrollieren konnte wo sich dieser Fremde grade befand. Jetzt war er hier und wieder weg.
Ohne das Averic es gemerkt hatte, hatte sich sein Fell im Schock gesträubt. Fast schon gekränkt legte er die Ohren an. Ihm einfach so einen Schrecken ein zujagen... Sein Blick wanderte automatisch in die Richtung, in die jener seltsame Wolf verschwunden war. Er konnte direkt zwischen den Bäumen ein Paar helle Augen erkennen. Auch wenn er die Farbe nicht sah, so konnte er irgendwie spüren das sie sehr kräftig sein musste, irgendwie wie sie dreinblickten, hell und doch ohne Ausdruck. Irgendwie konnte er jetzt verstehen, warum sein Bruder Angst vor ihm hatte, auch wenn er sie selbst nicht verspürte. Dennoch konnte er verstehen. Ruckartig sah er zu Banshee empor. Und sie?
„Da.“
Sagte er bloß, merkwürdig abgehackt fand er den Nachhall seiner Stimme. So als hätte er sich zwingen müssen ein Wort hervor bringen zu können, da stand er plötzlich vor ihnen. Der Welpe wusste wirklich nicht was er denken oder fühlen sollte, es war einfach verrückt, nicht deutbar – glich Wahnsinn.
Wieder hatte der Tiefschwarze, dessen Pelz sogar dunkler als das seine oder Acollons war. Aber doch konnte man noch jede Proportion sehen. Seltsam... Irgendwie kam es Averic so vor, als wäre diesem seidigen, langem Fell der Glanz verloren gegangen.
Nachdenklich und ohne ein weiteres Wort war der Alpha seinem Sohn und dessen Mutter gefolgt. Ein leichtes Grollen war seiner Kehle entsprungen, Averic hatte bereits den Tod gesehen, da war sich der Vater sicher. Und seine Art, wie er Banshee angesehen hatte, war bereits der beste Beweis dafür. Nach kurzer Zeit blieb er stehen, direkt neben Averic, sah jedoch in die Ferne. Das Alles war sicherlich nicht ein Grund, um seinen Sohn mit anderen Augen betrachten zu müssen. Doch wäre er nun wirklich sein Erbe, so würde die Zeit mit Gewissheit kommen, in der Averic seinen Vater töten würde.
Der Gedanke war lächerlich, in Betracht darauf, dass Acollon selbst der Tod war, oder ihn zumindest als Begleiter in sich trug. Der Schwarze legte die Stirn in Falten. Ein ungewöhnliches Bild, das da nun von Acollon ausging. Seit wann machte sich der Fenrissohn Gedanken? Seit wann zeigte er es?
Keineswegs machte Acollon sich selbst keinen Vorwurf, dessen, welcher Gefahr er Banshee ausgesetzt hatte. Schließlich waren es immer noch ihre Welpen.
Ein merkwürdiges Lächeln, welches nur an den hochgezogenen Lefzen zu erkennen war, breitete sich auf dem Gesicht des Schwarzen breit.
“Averic, ich will mit Dir sprechen“,
die Tatsache, dass es wirklich ein Wunsch war, mit seinem Sohn zu reden, macht den Schwarzen keineswegs unsicher. Auch wenn er niemals vollkommen diese Bosheit ihn sich auslöschen konnte, er war schließlich Vater!
Nun sah er seinen Sohn mit einem scharfen, dennoch aufmerksamen Blick an, seine Augen bohrten sich in die seines Sohnes. Nicht unfreundlich, nicht ernsthaft böse, mehr auffordernd.
Die schwache Fähe kämpfte sich wieder auf die Beine. Schwer gestützt von dem Rüden und der Wölfin Kaede. Kaede würde sie sicher zu dem Baum bringen. Dort sollte sie sich dann ausruhen. Sie verdankte sicherlich ihr Leben dieser noch jungen Fähe, darüber wurde sie sich jetzt noch bewusster. Sie brachte Neyla zu dem Baum. Diese paar Schritte raubten ihr sichtlich ihre letzten Kräfte und sanft ließ Kaede sie dort zu Boden gleiten. Ein liebevolles stupsen und Kaede drehte sich langsam um. Wollte die beiden lieber nicht zu sehr bedrängen. Sollten sie irgendwie Hilfe brauchen waren sie ja in der Nähe und konnten sie rufen. Was die Fähe als erstes brauchte war Ruhe und diese sollte sie nun bekommen.
Mit langsamen Schritten ging Kaede zu Banshee und den anderen. Sie hatte Hanakos Frage mitbekommen und nickte ihr leicht zu.
"Schön euch wiederzusehen. Es erfreut mich wirklich sehr."
Sie blickte Hidoi und den beiden Welpen hinterher, welche gerade den Rudelplatz verließen und sprach dann weiter.
"Mein Augenlicht war schon immer schwach. Zu schwach, als das es lange bleiben würde und doch ist es schneller gegangen als ich es erwartet habe. Mein eines Auge ist schon ganz in Dunkelheit gehüllt und auch auf dem anderen kommen die Schatten immer näher. Um genau zu sein erkenne ich nur noch schemenhaft eure Umrisse und muss mich auf meinen Geruchssinn verlassen um euch zu erkennen, wenn ihr nicht redet. Mein Pech ist, dass ich mich früher viel zu viel auf meine augen verlassen habe und doch sollte ich es wohl irgendwie schaffen!"
Sie seuftze leicht und wedelte dann aber mit der Rute.
"Das da drüben ist Neyla, wie ihr ja auch schon mitbekommen habt. Ich denke erstmal sollte sie sich ausruhen. Ich kenne sie, sie hat eine weite und anstrengende Reise hinter sich. Mehr wird sie euch vielleicht selber erzählen, aber ich verdanke ihr wohl mein Leben."
Nachdenklich senkte die Fähe den Blick. Hätte sie überlebt, wenn sie in dem Rudel geblieben wäre? Sicherlich, denn sie hatte sich doch sowieso immer jedem unterworfen. Ihre Stärken sind ihr doch erst in diesem Rudel bewusst geworden. Nur in diesem Rudel hatte sie doch einen großteil ihrer Ängste niedergelegt. Hatte es geschafft diese zu überwinden. Sanft hob Kaede eine Pfote um sie etwas zu entlasten, stellte sie doch rasch wieder ab als sie leicht wankte. Hatte sie sich doch in letzter Zeit zu sehr beansprucht. Oder besser gesagt mit karger Nahrung gelebt. Doch das machte Kaede nichts. Sie blickte in die Runde und wartete das weitere geschehen ab. Die Trauer um Tyrael durfte Anhalten, war aber nicht das wichtigste. Es gab immer Wölfe, welchen es schlechter ging als ihr und welche hilfe benötigten.
Die kleine Fähe war etwas erstaunt darüber, dass ihr Bruder und ihr Vater so schleunig aufbrachen und so hüpfte sie nur noch kurz an ihrer Mutter hoch und schleckte ihr über die Nase. Eigentlich war sie müde und wollte lieber liegen bleiben, doch ihr Bruder rief nach ihr und sie konnte ihm seinen Wunsch nicht abschlagen, auch wenn sie merkte, dass etwas in der Luft lag. Sie meinte nur noch kurz
"Mama ich habe euch vermisst. Aber trotzdem hat es spaß gemacht. Ich komme wieder sobald ich wieder sauber bin. Mit Papa und meinem Bruder."
Sie sprang leicht in die Luft und rannte so schnell sie konnte ihrem Papa und ihrem Bruder hinterher, welche schon ein Stück voraus waren.
"nein danke ich laufe lieber selber. Ich sehe auch hier unten sehr gut"
Meinte sie leicht lachend. Was hatte ihr Bruder denn blos? sie machte sicht sorgen um ihn und die andere, doch ließ sie sich nichts anmerken.
"Papa? Ich habe euch beide und Mama und die anderen ganz dolle lieb! Weißt du was ich alles gesehen habe? so viele neue sachen! Aber ich habe euch vermisst!"
Sie tapte nun bedächtig neben den beiden her. Es ging zum See dann konnte sie sich wenigstens waschen und sauber wieder zu den anderen zurück kehren. Darauf freute sie sich denn sie mochte ihr schönes weißes reines Fell.
24.12.2009, 15:07
Banshees Schritte wurden immer langsamer, ihr Sohn schien keine Antwort auf ihre Frage geben zu wollen, machte aber ein irgendwie zufriedenes Gesicht. Wäre da nicht dieses erschreckende Nichts, diese vollkommene Leere, hätte sie jetzt mit Averic geschimpft, doch so war sie viel zu sehr abgelenkt. Da ihre Nase ihr noch immer nichts verriet begann sie aufmerksam zu lauschen und ihre Augen jede noch so kleine Bewegung verfolgen. Und sie kam. Nicht mal klein, eher ein großer, schwarzer Schatten der zwischen den Bäumen floss und wieder verschwand. Wenn Averic nicht stehen geblieben wäre, so hätte es Banshee für eine Einbildung gehalten. Er schien entsetzt und auch sie fühlte die Leere noch viel näher, sie verwandelte sich zu Kälte, ein Ort zu dem kein lebendes Wesen kommen sollte, ein toter Ort, unwirklich und leer. Averics leise Stimme ließ sie zu ihm sehen, sein Fell war gesträubt wie sie es noch nie bei einem Welpen gesehen hatte, seine Augen weit aufgerissen. Ihre Schnauze senkte sich zu ihm herab, berührte seine angelegten Ohren, ihre wurde klar, dass er es ebenso fühlen musste wie sie. Und dann plötzlich drang eine Stimme an ihr Ohr, so nahe, dass der Sprechende direkt vor ihnen stehen musste. Sie fuhr hoch, zu tiefst erschrocken. Vor ihnen stand ein schwarzer Rüde, so unendlich schwarz, dass man die einzelnen Haare nicht erkennen konnte, er war nur schwarz und zwischen diesem Schatten stachen zwei Augen hervor, so saphirblau und stechend wie der Grund eines Sees. Banshee hatte ihn nicht gehört, sie hatte ihn nicht gerochen, auch jetzt noch nicht und besonders, das schlimmste, sie fühlte ihn nicht. Vor ihr war Nichts, schlimmer als Nichts, so leer und öd, dass er schon wieder fühlbar war. Obwohl sie ihn vor sich sah, konnten selbst ihre Augen nicht glauben, dass er da war, immer wieder wollten sie abgleiten in die Wildniss, ebenso wie sie auch nur selten an einem leeren Fleck Waldboden hingen. Sie musste sich zwingen ihn weiterhin anzusehen, gleichzeitig begann jetzt ein Schauer ihren Körper zu druchfließen. Von einem Kribbeln in ihrem Herzen ausgelöst, floss er langsam über ihren Bauch an ihren Läufen entlang und breitete sich selbst über ihre Schultern zu ihrem Kopf aus. Sie konnte es nicht verhindern, wich einige Schritte zurück und stellte sich dabei halb über Averic. Sie konnte sich all das nicht erklären, es fühlte sich an wie der Tod, wie der Schauer, der über Banshee geflossen war, als Nygero mit ihr im Maul gestroben war. Es war mehr, es war noch kälter, noch lebloser, als wäre der Rüde tot, doch er lebte so eindeutig, so kalt und schneidend stachen seine Augen zwischen dem Schwarz hervor, und so deutlich hatte sie seine tiefe Stimme gehört, dass er leben musste, ein Lebewesen wie jedes andere.
Ja, ich bin Banshee. Und ihr seid?"
Sie musste sich zwingen ihre Stimme ruhig zu halten, gleichzeitig den Strum an Gefühlen abhalten. Etwas zog sie magisch zu diesem Rüden und gleichzeitig zog sie etwas fort, noch stärker als es je bei Acollon der Fall gewesen war. Es war Liebe, die sie stets zu Acollon führte, doch auch noch etwas anderes. Ein magischer Sog, wie es das Leben zum Tod zieht und doch wieder abstößt. Und hier war es noch stärker, die Liebe fehlte, aber das Gefühl zu ihm zu gehen, ihm ganz nahe zu sein und das Gefühl weg zu rennen, so schnell ihre Pfoten sie trugen, kämpften gegen einander. Wer, oder was, war dieser Rüde?
Alienna öffnete die Augen wieder, als Leyla den Kopf senkte, es sah seltsam traurig aus, was Alienna nicht ganz verstand. Dennoch verstand sie die Weiße, als diese aufstand und vom Stein sprang, langsam in die Dunkelheit entschwandt und höchst wahrscheinlich zurück zu ihrem Platz ging. Irgendetwas musste se traurig gemacht haben ... die Braune hoffte inständig, dass es nicht sie gewesen war. Noch einige Minuten blieb sie sitzen, zum einen, um sich etwas zu beruhigen und das sanfte Licht des Mondes noch ein wenig auf ihren Pelz scheinen zu lassen; zum anderen, um Leyla etwas Zeit zu geben, falls sie alleine sein wollte sich zu verstecken oder zumindest ein wenig ihre Gedanken zu ordnen, bevor Alienna wieder kommen würde.
Ihre schlanke Schnauze richtete sich wieder auf den schimmernden Silberball am Himmel, sie sog die frische Nachtluft ein und ließ denn lauen Wind um ihre Ohren streichen. Dieser Tag war etwas ganz besonderes ... nie würde sie ihn vergessen.
Mit einem leisen Satz sprang sie vom Felsen und landete sanft im Gras. Ihr Blick streifte noch ein letztes Mal den Mond, dann machte sie sich auf wieder zurück zu dem Platz, an dem sie Leyla gefunden hatte. Und sie hatte Recht, schon von weiter weg sah sie den weißen Pelz der Fähe im Mondlicht schimmern, Leyla hatte die Schnauze zwischen den Pfoten vegraben, als die Braune näher kam, hörte sie leises Weinen. Auch hierbei hatte sie Recht gehabt, Leyla war traurig, aber warum? Einige Herzschläge lang blieb Alienna unschlüssig in der Nähe der Weißen stehen, dann legte sie sich ebenfalls hin und kam nach weiteren Sekunden etwas näher zu der Weißen gekrochen.
"Leyla? Willst du ... willst du reden? Oder soll ich gehen?"
Sie drückte unsicher die Schnauze ins Gras und sah dabei Leyla von unten her fragend an. Ihre Schnauze war knapp eine halbe Wolfslänge entfernt von den Pfoten Leylas, die Nähe, die auf dem Stein geherrscht hatte, machte ihr auch jetzt noch nichts aus, solang sie nur nicht berührt wurde, Fast hoffte sie, dass dieser Zauber der Nacht ewig halten würde.
Leé schwieg lange. Sie brauchte etwas Zeit, um zu begreifen, dass Bastar beinahe das gleiche Schicksal erlitten hatte, wie sie selbst. Bei dem Wort 'Feuer' stach ein alter Schmerz in ihrem Herzen. Im selben Moment erschien, beinahe durchsichtig und mit der Wirklichkeit überschnitten, ein Bild, dass sie schon lange verfolgt, jedoch seit der Zeit im Tal der Sternenwinde in Ruhe gelassen hatte. Die Bräune des Waldbodens, die herbstlich gelbroten Blätter des Ahornbaumes über ihr. Ein grosses Blatt, dass Leé sehr gefiel, fing urplötzlich Feuer. Es wirbelte alles herum, immer mehr und immer höhere Flammen frassen sich in ihre Heimat, in ihr Herz. Pfoten und zugleich die Füsse der Menschen rannten vorrüber, ohne auch nur Notiz von der kleinen, verschüchterten Welpin zu nehmen. Es war das Schicksal des Waldes, so zu Enden. Lautes knarren, aufdringliches Knistern. leé spührte fürmlich die Hitze und sie frass sich in ihre Seele hinein. Leé schloss die Augen und versuchte aus ihrem Welpenkörper herauszugelangen. Sie wandte die gleiche Technik, wie immer wenn sie diese Bilder sah, an. Die Braune lag nun mit verschlossenen Liedern da. Lauschte innig dem Knistern und Knarren und stellte sich bildlich vor, wie eine eisige Hülle sie umgibt. Sie lauschte in sich hinein, bis sie ihr Herz pochen hören konnte. Dann verstummten die Schreie des Waldes. Sie öffnete die Augen und blickte Bastar an. Ihr Blick strahlte Glück aus. Sie wusste, dass sie immer bei ihm bleiben wollte. Auch wenn das Feuer sich in beide Seelen hineingefressen hatte.
"Wie dich hatte mich das Feuer weggeschickt. Es zeigte mir den Weg ins Tal der Sternenwinde. Das Feuer nahm mir die Familie, die Heimat und meine Kindheit. Doch nun glaube ich das Feuer zu verstehen. Wer weiss, ob ich dich jemals ohne das Feuer gefunden hätte..."
sagte Leé und ihre Stimme klang anders als sonst. Viel wacher und nicht mehr so verträumt und schläfrig. Leé lächelte und berührte sanft die Nase Bastars mit der ihrer.
Als Leyla merkte, dass Alienna das gehört hatte, wofür sie sich schämte, hörte sie sofort auf. Sie ließ die Schnauze aber so versteckt. Sie lauschte ihren Worten. Sollte sie mit ihr reden? Sie überlegte. Sie schämte sich für ihren Neid. Was sollte das? Erst wollte sie herausfinden, ob sie es auch hat und dann ist sie sauer auf ihre Retterin, nur weil sie die Gabe noch hat? Das war doch schrecklich gemein von ihr selbst, dachte sie sich. Das hatte Alienna nicht verdient. Sie wußte es ja auch gar nicht. Leyla hob den Kopf und sah sie mit verweinten Augen an. Ihr Bild war verschwommen. Durch Leylas Tränen. Sie wischte sich die Pfote übers Gesicht, so gt das ging und schniefte traurig.
„Ich- ich. Nein“
Sie wurde wieder still. Sie versank in Gedanken. War es so gut, jetzt alles zu erzählen? Vielleicht sollte sie es. Doch.
„Alienna. Du, du weißt es vielleicht gar nicht. Du weißt noch, wie es sich angefühlt hat? Der Höhepunkt der Zeremonie, der Magie? Das Gefühl im ganzen Körper unter elektrischer Spannung zu stehen. Was du gespürt hast, war etwas-
etwas-
was ich so nicht mehr spüre. Weil-
ich kann es nicht sagen. Es war- etwas sehr Besonderes.
Ich hätte nie gedacht, daß es noch andere Wölfe gibt, die diese Fähigkeit besitzen. Was du gespürt hast war sehr wahrscheinlich eine ungeahnte Kraft die du besitzt. Eine Art..Magie. Vielleicht hast du die Fähigkeit zu heilen oder hell zu sehen. Vielleicht hast du es schon gewußt und wolltest nichts davon sagen. Doch wenn es so ist, dann brauchst du es nicht länger verheimlichen. Ich kenne dieses Gefühl. Es ist ein schönes Gefühl. Doch erzähle nie jemandem anderes davon. Sonst wird deine Magie wie ein Fluch auf dir lasten. Und sie kann dich umbringen. Ich wünschte fast, du hättest sie nicht. Doch..es muß ja nicht allen so schlecht ergehen wie es mir passiert ist. Hoffen wir, daß du nur Gutes mit deiner Fähigkeit hast. Ich wünsche es dir. Dazu bist du einfach zu lieb im Herzen.“
Leyla sah sie traurig an. Sie überlegte..doch sie wollte es nicht sagen. Das größte und schlimmste von allem. Doch vielleicht sollte sie gereade das wissen.
Bastar erschrack etwas,als Leé ihm erklärte,das ihr dasselbe wiederfahren war.Oder jedenfalls so etwas ähnliches.Bei ihrer Berührung bekahm er Gänsehaut.Sein Herz fühlte sich an wie ein kleiner Vogel,der wild hin und her flatterte.Sanft setzte er die Schnautze dicht an ihr Ohr.Schüchtern und etwas kleinlaut flüsterte er ihr Zärtlich zu.
"Uns ist das selbe zugestoßen..wir wissen beide wie das gefühl ist..das gefühl von Angst und leid..dennoch..ich..Ich..liebe dich Leé.."
Beschähmt über sich selbst sah der Rüde zurseite und wich ihrem Blick aus.Sein Lächeln blieb jedoch leicht.Vorsichtig luukte er aus den AUgenwinkeln zu der Fähe.Auch wenn sie ihn abwies,würde er sie mit dem Leben beschützen.Da war er sich 100% sicher.Ganz zärtlich schob er seine Pfote zu ihrer,und legte diese übereinander.
Alienna zeigte keine Reaktion, als sie sah, dass Leyla wirklich weinte, dass sie wirklich aus irgendeinem Grund sehr sehr traurig war. Nur im Herz der BRaunen tat es ihr weh, denn sie wusste, dass nur sie der Auslöser für diese Traurigkeit sein konnte. Schließlich war nur sie hier und es war nichts passiert, dass sie nicht ausgelöst hatte ... vielleicht hatte sie nur traurige Erinnerungen geweckt, doch auch das hatte sie niemals gewollt. Aus ihrer ersten Antwort wurde sie nicht ganz schlau, wusste nicht, ob sie nun nicht gehen sollte oder ob Leyla nicht reden wollte, aber schon begann die Weiße wieder zu reden und Alienna hörte ihr zu, zunächst nur verwundert, dann verstehender.
.oO(Vielleicht hast du die Fähigkeit zu heilen oder hellzusehen.)
Ein kalter Schauer durchlief ihren Körper. Sie sollte etwas können, was sonst niemand konnte? Sie sollte anderen wirklich helfen können? Ihre Gedanken rasten umher, so ganz war ihr das Ausmaß dieser Nacht noch nicht bewusst. Doch so wenig sie diese Tatsache verstand, um so besser erkannte sie, dass Leyla diese Gabe offensichtlich auch mal besessen hatte oder noch immer besaß. Aber sie schien ihr nichts Gutes zu tun.
.oO(... wie ein Fluch auf dir lasten. Und sie kann dich umbringen ... es muß ja nicht allen so schlecht ergehen wie es mir passiert ist.)
Es musste etwas Schreckliches passiert sein ... bevor sie irgendetwas fragen würde, auch wenn es viele Fragen gab, wollte sie sich als erstes um Leyla kümmern. Sie wusste nicht, ob sie erzählen wollte, was passiert war, aber Alienna würde fragen ... schon allein, weil sie Leyla vielleicht damit helfen konnte.
"Was ... was ist passiert?"
Ihr Blick war traurig auf die Weiße gerichtet, zeigte ihr aber gleichzeitig, dass sie nichts sagen musste, wenn sie nicht wollte. Aber diese Macht, diese Gabe hatte einen schrecklichen Nachteil und vielleicht sollte auch Alienna ihn erfahren ... wenn sie sie überhaupt hatte. Wer wusste das schon. Noch nie zuvor hatte sie so etwas bemerkt ... aber vielleicht hatte sie bis jetzt ihre Angst davon abgehalten, diese Gabe zu entdecken. Heilen kann man doch nur durch Berührung und Sehen ... wer wusste das schon. Alienna wusste nicht mehr, was sie denken sollte ...
Leyla überlegte noch mal. Doch sie ging zunächst nicht direkt auf die Worte der braunen Wölfin ein sondern sprach weiter.
„Das Schlimme an diesen Fähigkeiten ist, daß du ausgenutzt wirst. Daß du die größten Wunden, die inneren Wunden, damit doch nicht heilen kannst und daß dir das Hellsehen die Freude am Leben verdirbt. Denn egal was du unternimmst, es ändert nichts an dem, was du hell gesehen hast. Ich habe es versucht. Doch das Schicksal hat mich jedes Mal ausgetrickst. Meine Visionen hatten immer Recht. Ich bin einerseits froh, die Gabe nicht mehr zu haben. Ich möchte nicht wissen, was mit uns beiden passiert, in ferner Zukunft. Aber ich würde andererseits gern weiterhin heilen können. Zumindest die, die es verdient haben. Die mich dafür nicht ausnutzen. Nur so lange es ein Geheimnis bleibt, kannst du sicher sein, daß du für deine Gabe nicht ausgenutzt wirst. Doch die Gabe ist so empfindlich wie die Gefühle. Ein schlimmes Erlebnis, ein Trauma..ein Verbrchen an der eigenen Person durch jemanden anders..das alles sind Dinge, die diese Gabe für immer zu Nichte machen können. Und mehr mußt du nicht wissen. Mehr sollst du nicht wissen. Jeder muß seine Fähigkeiten für sich selbst entdecken. Mehr kann ich dir nicht helfen. Es tut mir leid. Ich denke, du hast gute Chancen, es besser zu machen. Kein Leben, so denke ich, ist besser als ein Leben mit schrecklichen Erinnerungen. Trotzdem vielen Dank, daß du so lieb warst und mich gerettet hast. Ich hoffe, daß du auch immer einen Engel an deiner Seite hast. Einen, so wie ich ihn hatte. Du warst mein Engel. Und Engel können überall und kann jeder sein. Engel müssen nichts Fernes sein. Das bemerkt man, wenn es ein Mal so weit ist und man dem Tod direkt in seine häßlichen Augen geblickt hat. Vielleicht weißt du, was ich meine. Mehr kann ich dir nicht sagen. Ich weiß auch nicht mehr. Nicht alles. Ich bin auch nicht perfekt. Erst recht nicht ich. Ich habe so vieles Falsch gemacht.“
Leyla sah Alienna nicht in die Augen. Sie konnte sie nicht anssehen, jetzt, wo sie es wußte. Aber sie tat ihr leid. Leyla sah diese Begabung immer als Strafe. Sie kam mit sich selbst nicht zu recht und jetzt versuchte sie anderen wichtige Tips zu geben.
Vielleicht, ja vielleicht hatte Leyla einen Rest dieser Gabe in sich und gefährdete Alienna jetzt auch damit. Nicht daß ihr noch etwas passiert weil sie Gutes tun wollte. Leyla ist nicht nur eine Bedrohung für sich selbst, meinte sie sondern auch für alle, die um sie herum sind. Ihre Mutter starb nach ihrer Geburt, ein schreckliches Omen und viele andere auch. Bald würde sicher der Punkt kommen, an dem sie endlich an der Reihe war. Dann hätte die Welt endlich wieder ihre Ruhe vor ihr. So dachte sie.
Bei den Worten Bastars begann Leés Herz zu rasen. Es beruhigte sich jedoch schnell wieder und verwandelte sich aber zu einem aufgeregten Klopfen. Noch nie hatte Leé jemanden vor sich, der sie so in ihren Bann zog. Seine Augen fesselten sie, seine Stimme gab ihr Sicherheit und seine Art liess sie förmlich schmelzen. Das musste Liebe sein... Bastars Worte jagten ihr einen Schauer über den Rücken. Sie wusste, dass er auf eine Antwort hoffte, doch Leé hatte ihre Stimme verloren. Sie wollte um jeden Preis bei ihm bleiben. Das war klar. Die Braune wollte die Zeit einfrieren, genau in diesem Moment. Einfach nur bei ihm sein. Seine Wärme spüren, seine Stimme hören und die Welt, ausserhalb der Lichtung vergessen. Plötzlich kam ein leichter Wind auf. Leé fröstelte. Die Sonne war bereits seit einiger Zeit hinter den Bergen verschwunden. Leé blickte zum Himmel. Es waren keine Sterne zu sehen, auch der Mond liess sich nicht blicken. Langsam blickte sie zu Bastar.
".oO(Du bist mein Stern...)"
dachte sie und verfiel beinahe ihren Gedanken und Träumen. Nein...Sie musste sich der Realität hingeben. Bastar war nun da und sie musste nicht danach träumen, dass er da war. Nie hatte Leé gewusst, was sie nachträum. Doch nun glaubte sie zu wissen, dass Bastar der Grund ihrer Gedankenwege war. Nun wusste sie, dass sie im Hier und Jetzt war und sich nie mehr der Traumwelt hingeben durfte. Und nun wusste Leé auch die Richtige Antwort auf allles.
"Ich liebe dich Bastar...ich habe noch nie etwas mehr geliebt...wie dich!"
sagte sie mit klarer Stimme und doch sanft. Und noch nie hatte hatte Leé etwas aus der Tiefe ihres Herzens heraus gesagt. Bis jetzt...
Auf Bastars Gesichtszügen machte sich ein Grinsen breit.Er war glücklich,und das sah man genau.Zärtlich leckte er ihr über das zierliche Gesicht und rieb seinen Kopf an ihrem Hals.
"Um keinen Preis der Welt gebe ich dich her.."
Er sprach nun in normaler lautstärke.Doch hielt er seinen Freudensausbruch noch etwa szurück.Er versuchte es zumindest.Seine Pfoten zitterten vor AUfregung und seine Rute wedelte sachte hin und her.Seine schwarzen Augen glitzerten,und man konnte meinen,das der junge Rüde bald in Tränen ausbrach.Fast schon gierig drückte er seinen Körper gegen den der Fähe doch so,das es ihr nicht weh tat.
Noch einen wachsamen Blick auf seine Schwester werfend ließ sich Hikaji vom Rücken seines stahlgrauen Vaters gleiten.Im nachhinein fragte er sich,warum er sich so zum Affen gemacht hatte.Er hatte seiner Schwester den Anblick ersparen wollen,doch was wat dabei raus gekommen?Immerhin hatte er erreicht,das sie diesen seltsamen Braunen nicht zu Gesicht bekam und selbst wenn,nur kurz.Aber noch so eine Aktion würde er mit Sicherheit nicht vollziehn.Er war doch kein Clown.Selbstverständlich würde er seine Familie immer beschützen,aber er ließ sich mit Sicherheit nicht zum Narren machen.Hidoi stand irgendtwie noch immer wie angewurzelt herum,warum auch immer.Leicht schlenkerte die Rute des jungen Rüden hin und her.Was denn hier bloß los?Seit dieser Fremde aufgetaucht war,lag eine Stimmung über den meisten Anwesenden wie bei einer Beerdigung oder sie war zum Zerreißen gespannt.Ihn kümerte es eher wenig.Er wollte eigentlich nur die Langeweile los werden,die ihn plagte und alles von seinem Vater lernen,der sich so langsam aber sicher zu einer Salzsäule zu entwickeln schien.Also lief er erst seiner Schwester hinterher,die auf den See zu hielt,um kurz davor in Richtung Wald ab zu biegen.Vielleicht würde es ihm ja dieses Mal gelingen?So schnell ihn seine langen,schlanken Läufe trugen lief er durch den Wald.Bald kam er wieder an dem Platz an,an dem sich die anderen befanden.Noch hatte sich wohl nichts getan...Leise schlich er sich näher,immer darauf bedacht,außerhalb der Hörweite seiner Mutter zu bleiben.Was nun passieren würde?Die Spannung knisterte in der Luft,ließ sein Nackenfell leicht zu berge stehen.Aber nur so minimal,das man es kaum bemerken würde.Die bronzefarbenen Augen aufgerissen um nicht zu blinzeln und etwas wichtiges zu verpassen,hockter er zusammen gekauert hinter einem Gebüsch,ganz in der Nähe des Braunen.Würde dieser sich umdrehen,würde er das marmorierte Fell des graunen Welpen bemerken,doch daran dachte Hikaji nicht.
Die saphirblauen Augen des Rüden verfolgten jede Bewegung der weißen Wölfin. Sie reagierte anders als die Rudelmitglieder, die er bissher hier angetroffen hatte. Eine direkte Furcht, ein Schreck... Sie wich vor ihm zurück während er unentwegt auf den Welpen hinab sah. Dieser... Warum? Warum erinnerte er ihn so stark an die jüngste Zeit seines vergangenen Lebens? Die Seele im Vakuum füllte sich mit gähnender Leere... Für Face Taihéiyo war klar, er befand sich zwischen den Fronten Leben und Tod, irgendwo im Nichts, dass ihn verschlang bis er den Weg nicht mehr sah. Kein Zurück und kein nach Vorn, einfach nichts - Verdammnis. Fast schon überhörte der Pechschwarze die Worte der Weißen. Er musste den Blick von dem jungen Rüden reißen, von den Augen weg. Schließlich wandte sich der ausdruckslose Blick der Leitwölfin zu. Er hatte Recht gehabt und Banshee war also ihr Name... Sie wollte also seinen Namen wissen. Aber der Tiefschwarze schwieg, keine Regung war an ihm zu erkennen. Den leeren Blick auf die Fähe gerichtet sah man ihn nicht einmal atmen - wie eine leblose Puppe ohne Fäden. Ihm war, als hätte er seinen Namen vergessen, oder keinen gehabt. Wieso war er überhaupt relevant, wichtig?
"Namen... Das sind bloß bedeutungslose Wörter... Gebt mir einen, der Eurer Meinung nach passt."
Antwortete er leise, dunkel. Sein eigener Name lag ihm auf der Zunge, doch noch konnte er ihn nicht aussprechen - wusste auch gar nicht ob er das je wollte. Wozu auch? Er blieb auch ohne immer noch der selbe, verlorene Wolf.
.oO°(Face Taihéiyo - stiller Ozean...)
Warum hatte ihn seine Großmutter bloß so genannt? Wieso hatte Cloud es gewusst? Was war das eigentlich... für eine verrückte Welt? Wer spielte, wer entschied wer das Opfer war und weshalb? Warum konnte er nicht einfach sterben und dann auch wirklich tot sein?
Der schwarze Rüde war seiner kleinen Familie gefolgt. Nur einige Momente später traf er dort ein, wo seine Gefährtin auf einen schwarzen Wolf getroffen war. Sofort stellte sich die Ohren des Hünen auf. Alles wirkte seltsam fremd, dennoch schien ihm dieser Anblick vertraut. Wie Banshee da stand und diesen Rüden ansah, Faszination und zugleich diese Abneigung war in ihrer Mimik, in ihrer Haltung zu lesen. So wie damals, als die Weiße auf ihn, Acollon getroffen war. Der Rüde hob eine Braue an und holte tief Luft, nur dass leise rasseln in seiner Kehle zeigte das gebrechliches Alter des Körpers. Es wurde Zeit sich eines neuen Körpers zu bedienen, der diesen Wolfes gefiel ihm recht gut. Leicht grinsend trat er neben seine Gefährtin.
“Er gefällt Dir, Banshee, nicht wahr?“,
hauchte er ihr ins Ohr. Vorbei an Banshee trat er auf den Schwarzen. Acollon hatte viele Feinde, und hatte auch immer um etwas gekämpft, um sein Leben, um das Revier und um die Sicherheit seiner Gefährtin, aber nie um das Herz Banshees. Doch Eifersucht war nicht zu spüren, in keiner Faser seines Körpers. Er neigte den Kopf leicht zur Seite und schaute sich den Rüden aufmerksam an, kannte keinen Respekt, dem gegenüber. Alles ein Handeln aus Unsicherheit? Gewiss nicht. Es war nur ein weiteres Spiel seines Lebens.
“Gut gebaut, noch jung, sieht stark aus“,
bemerkte er am Rande.
“So wie ich einst, Banshee, stimmt´ s? Er hat was Verbotenes und Gefährliches an sich, aber das liebst Du so, nichts lässt Dich mehr erregter scheinen, als solche Wölfe, solche Rüden“,
es war nicht mal persönlich gemeint, es war nur eine reine Feststellung. Er sah von dem Schwarzen ab und betrachtete seine Fähe mit einem liebevollen, dennoch schmerzhaften leidenschaftlichen Blick, der in einer Kälte erlosch. Sein Blick huschte zu dem kleinen Averic, der unter Banshees Schutz stand. Seine Augen verengten sich kurz.
Alienna war verwirrt. Leyla hatte diese einzigartige Gabe verloren? Doch warum? Was war ihr angetan worden? Sie schwieg darüber, aber Alienna würde auch nicht nachfragen, offensichtlich wollte sie es nicht erzählen, was Alienna gut verstand. Sie kannten sich ja auch erst seit einigen Stunden ... und Leylas Worte jetzt klangen so nach Abschied. Als würde sie sie nicht mehr wieder sehen, obwohl sich die Weiße weder erhob noch sonst Anstalten machte, zu gehen. Aliennas Gedanken waren wirr, sprangen von einem zum anderen, noch immer verstand sie es nicht ganz. Dennoch brannten tausend Fragen auf ihrer Zunge.
"Woher weißt du, dass du nicht mehr heilen kannst? Vielleicht ... vielleicht nur schwerer, oder auf andere Art, aber ich habe die Kraft, die dich dürchströmt hat gesehen ... da hast du auf mich wie ein Engel gewirkt. Warum gibst du die Hoffnung schon auf?"
Sie schwieg einige Sekunden, dachte nach. Sie hätten zusammen diese Gabe, ihr gemeinsames Geheimnis, dass niemand erfahren durfte.
"Wie kann ich heilen; wie sehen? Was muss ich tun? Und ... bleibst du bei mir?"
Noch immer waren das nicht alle Fragen, aber je mehr sie stellte, desto verwirrender würde es werden und die wichtigste Frage war nun die, die sie zuletzt gestellt hatte. Sollte sie nicht bleiben, war Alienna wieder alleine ... und jetzt mit einer Gabe, die sie nicht verstand und die ihr offensichtlich so gefährlich werden konnte ...
Leyla war erstaunt über ihre Neugier. Sie hatte geglaubt, daß die Wölfin es nicht für besonders ernst nehmen würde und Leyla vielleicht sogar für verrückt erklären würde. Was sollte sie jetzt zu ihr sagen? Leyla wußte doch selber nicht, ob sie den Verlust schätzen oder vermissen sollte. Leyla dachte nach. Sie sah dabei nicht zu Alienna. Sie wollte erst ein Mal selber wissen, was sie jetzt sagen sollte. Sie sah zum Mond auf. Was hatte er angerichtet? Was hatte SIE angerichtet? Jetzt hatte sie ihr klar gemacht, was für eine besondere Wölfin sie war und nun wollte sie gehen? Sie hatte vor, in der Nacht heimlich zu verschwinden. Ihr war klar, daß Alienna sie nie einfach gehen lassen würde. Leyla ist noch schwach und würde allein nicht überleben. Aber Alienna würde ihren Tod sicher nicht zu lassen wenn sie ihn verhindern könnte. Sollte sie wirklich gehen? Sie würde Alienna vielleicht traurig machen und besorgt darüber, was es mit der Gabe auf sich hat. Leyla seufzte sehr schwer, schloß kurz die Augen und begann dann zu sprechen.
„Die Gabe kann unterschiedlich erfordert werden und unterschiedlich einegsetzt werden. Je nach dem wie das Gemüt, dessen der sie besitzt, ist, wirkt sie sich aus. Nicht jeder wird sie gleich zu spüren bekommen. Doch da du offenbar auch die Kraft des Mondes für diese besondere Energie beziehst, scheinen wir auch in dieser Hinsicht gleich zu sein. Wenn ich an den See gehen wollte um etwas zu trinken, erschrak ich wenn ich sie wieder sah. Die Visionen. Ich wollte doch einfach nur meine Kehle befeuchten und dann kamen diese Blitze auf. Blitze, Bilder, Schreie ja sogar Feuer. Diese schreckliche Gewißheit alles zu wissen aber trotzdem nichts tun zu können, bringt einen um. Hingegen ist die Heilung für sich eine gute Sache. Allein druch den Körperkontakt können körperliche Wunden schnell zu einer Heilung gebracht werden, wenn beide es wollen. Der Verletzte und der Heiler. Die enorme Lebenskraft des Heilers geht in den Verletzten über und kämpft mit seinem Leben gegen die lebensbedrohlichen Wunden an. Aber wenn man dem Tod so nah war wie ich, herrscht diese Lebenskraft des Körpers nicht mehr. Ich habe meine normale Lebenskraft, wie jedes Tier. Aber sie können nur das Leben in mir voran treiben, nicht länger das Anderer. Ein Teil von mir ist tot. Und deshalb habe ich sie nicht mehr. Es war die Vorstufe zum vollendeten Tod."
Woher weißt du, dass du nicht mehr heilen kannst? Vielleicht ... vielleicht nur schwerer, oder auf andere Art, aber ich habe die Kraft, die dich dürchströmt hat gesehen ... da hast du auf mich wie ein Engel gewirkt. Warum gibst du die Hoffnung schon auf?"
„Ich weiß, wie es sich anfühlt diese Kraft zu besitzen. Nach dem Geschehenen fühle ich sie nicht mehr. Ich fühle mich müde, trostlos und allezeit schwach. Ein Teil meines Lebens ist versiegt.
Wie ein Engel gewirkt? Was uns verbindet, ist nicht diese Kraft. Es ist die Tatsache, daß du die einzige Wölfin bist, die mir je Gutes getan hat und die es je gut mit mir gemeint hat..hoffe ich."
Sie blickte auf den Boden vor sich.
„Ja. Ich ..ich werde wieder gehen. So wie wir uns kennengelernt ahben so werden wir usn wieder trennen. Jede muß ihren eigenen Weg gehen,. Ich kann dir mit deiner Fähigkeit auch nicht weiter helfen. ich besitze sie nicht mehr Ich bin nichts anderes als irgend ein anderer Wof auch. Abgesehen von meinen Erinnerungen. Vielleicht hast du ja Glück und findest noch andere, die auch diese Gabe haben. Nachdem ich dich kennengelernt habe, habe ich erfahren, daß es noch andere Wölfe gibt, die auch diese Magie besitzen. Das wußte ich vorher nicht. Ich war so egoistisch..dachte, ich könnte mit meiner Magie die Welt verbessern. Leyla die Träumerin. Aber mein Traum wurde mit einem lauten Knall zerstört. Das war wohl besser so. Wer weiß wo mich dieser Größenwahn noch hingebracht hätte."
Sie schloß erneut die Augen und seuftzte. Sie war müde.
Anders müde.
Die schwarze Fähe setzte mit stolzer Haltung grazil eine Pfote vor die andere, als sie die Reviergrenze überschritt.
Sie hatte den Sonnenuntergang knapp verpasst, der versinkende Feuerball im Hintergrund hätte ihre Rückkehr natürlich optisch um einiges aufgewertet, aber nun war die Gelegenheit halt schwupps und was konnte der Käfer schon gegen den Koloss? Bloß nicht drüber ärgern.
Eris blieb stehen. Hob ruckartig den Kopf in den sanften Nachthimmel und sog sich die Lungen voll heimatliche Luft. Oh, Nostalgie, zum Greifen nah. Na gut, Nostalgie war jetzt nicht der richtige Begriff, aber er klang schon ziemlich gut an dieser Stelle. Die Fähe sprang kurz in die Luft und setzte stämmig wieder auf den Boden auf, schüttelte kurz selbstgefällig und nur der Romanisierung wegen den Kopf und lachte leise.
"Freunde, die Zeit der Abstinenz ist vorüber."
Sie setzte sich wieder in Bewegung und ließ die Bäume an sich vorbeiziehen, auf ihrem Weg zum Rudelplatz. In der Zeit gesellte sich eine Motte zu ihr und umschwirrte den schwarzen Kopf. Eris lächelte.
"Na, dir wird auch schon ganz heiß und kalt, angesichts meiner unerwarteten Wiederkehr, was?
... Ich dachte immer, Motten werden vom Licht angezogen. Oh, verstehe schon, ich strahle heller als der hellste Stern am Firmament, sagst du? Ja, das macht mich schon etwas verlegen."
Der Wald wurde langsam heller und Eris spürte ein freudiges Kribbeln in ihren Pfoten. Heimat ist, wo Freunde sind ... konnte sie sie überhaupt als ihre Freunde bezeichnen, sie war sich da nicht so sicher. Wottäva, Heimat ist, wohin seele sich freut zurückzukommen. Na also.
Nur noch ein paar Büsche trennten sie von dem geselligen Plätzchen mit der Bademöglichkeit.
"Oho, ich höre ja noch gar keine Freudenrufe. Vielleicht, weil sie mich noch nicht gesehen haben. Oder ist es andächtiges Schweigen?"
Eris holte aus und sprang mit einem Satz über das letzte Grünzeug hinweg und was sie erwartete ... war Nichts. Die Grillen zirpten unbeeindruckt und sie machte langsam ein Auge auf, ließ es schweifen, dann das Zweite. Kein Schwein weit und breit war zu sehen, geschweige denn ein Wolf, noch ein Freund. Die Schwarze grummelte verstimmt.
"Also, ein bisschen mehr hatte ich jetzt schon erwartet ..."
Nach einigen wenigen Momenten der Resignation jedoch, empfand sie es als doch ganz cool, den Rudelplatz mal ganz für sich allein zu haben. Sie schlenderte über das Gras zum ruhigen See hin, in dem sich der blasse Mond widerspiegelte. Die schwarze Fähe gönnte sich ein paar Schlucke und zauberte Ringe auf die glatte Oberfläche. Sie spitzte die Ohren und meinte etwas aus dem Wald zu hören, dem anderen.
Oh, oh, Überraschungsparty? Nein, Eris hatte sich den Zahn so ziemlich gezogen, lediglich die Motte hatte an sie gedacht, da sah seele mal, wer die richtigen Freunde waren.
So stakste sie also wieder in den Wald, den anderen.
Und es brauchte nicht lange, bis Eris die weiße Gestalt Banshees erkannte, dazu zwei weitere schwarze Schatten und ... Averic. Sollte sie hingehen? Irgendwie hatte sie ja Pflichten als Patin, wenigstens mal Hallo sagen, wo sie schon sonst nicht sooo den Draht zu ihm hatte. Ehrlich gesagt, hatte sie eher das Gefühl, sie nervte ihn ein bisschen.
Nach dem letzten gesprochenen Satz, passierte erst mal gar nichts. Der Alpharüde stand da, im Nichtwissen, ob heute noch jemand auf seine Worte antworten würde. Einen stillen Moment dachte er nach und konnte ein wenig nachvollziehen, dass man sich durch seine Äußerungen auch verletzt fühlen könnte.
Ein schwarzer einsamer Wicht kehrte auf die Lichtung, dort wo sich so eben ein Szenario von unglaublicher Kraft abgespielt hatte. Wo Acollon wohl ein wenig zu tief in ein Loch geguckt hatte.
Langsam und mit großer Vorsichtigkeit drehte er den Anderen den Rücken zu und schritt andächtig zu dem vermeidlichen Wicht. Er war davon überzeugt, dass er sie schon einmal gesehen hatte. Genau, die Tante mit ihrem Killerschmetterling!
Unweigerlich trat an amüsierendes Lächeln auf die Lefzen des so benannten Killerschmetterlings. Er schritt auch die Schwarze zu und musterte sie. An ihr hingen viele Gerüche, die man nicht diesem Revier zuordnen konnte.
An dieser Stelle könnte man auch feststellen, dass viele männliche Rüdengerüche an ihr hingen, aber werden wir mal nicht allzu persönlich.
“Willkommen zurück… äh, Fähe, hm“,
so ein verdammter Dreck. Er kannte ihren Namen nicht einmal. Obwohl er doch glaubte zu wissen, dass er sie kannte und auch mal ihren Namen gewusst hatte. Ein schräges Lächeln verriet sein Unwissen, dennoch schien es beschwichtigend zu sein. Der schwarze Kopf drehte sich zurück zu Banshee, seinem Sohn und dem Widersacher. Dieser schwarze Mistkerl war wirklich im Begriff, seiner Fähe zu gefallen, was dachte er sich bloß dabei?
Mit einem Ruck wendete sich der Blick wieder der erschienenen Schwarzen zu, ein gefährliches und erleuchtendes Blitzen war in ihnen zu sehen. Mit einen breitem Lächeln glitt er um die Schwarze herum und begutachtete sie. Das war wirklich eine verzweifelte Eifersuchtstat.
“Und wie war Deine Reise, schwarze Fähe?“
24.12.2009, 15:08
Ninniach Fuin, die unauffällig und mit ihrem schwarzen Fell unbemerkt zwischen den Schatten der Bäume lag, wurde weder von Eris, die ganz in ihrer Nähe stand, noch von Acollon, Banshee, Averic oder Face bemerkt, die alle zufällig an dieser Stelle des Waldes sich versammelt hatten. Erst als Acollon auf Eris zukam und sie begrüßte schreckte Ninniach aus ihren unruhigen Schlaf auf.
Banshee sagte eine lange Zeit überhaupt nichts. Um genau zu sein, schien sie fast, als würde sie nichts hören, nichts riechen, nichts sehen, nur dieses Gefühl tief in ihr drin spüren, das sie warnte, das sie fortschickte, das sie bleiben ließ, das sie verwirrte. Sie wusste in diesem Moment nichts mehr, nur noch die Tatsache, dass sie jemandem gegenüberstand, der gegen alles verstieß, was sie je gewusst hatte, gegen Engaya und Fenris und damit gegen Banshee und Acollon. Ein logisches Resultat wäre daraus, dass sie ihn töten oder vertreiben sollten und danach am besten schnellstmöglich vergessen, aber Banshee agierte selten nach der Logik. Und das war jetzt auch kaum möglich, denn ein Gefühl zog sie zu diesem Loch in der Zeit, zu diesem Nichts im Gefüge des Lebens hin, als wäre es von den Göttern gegeben ... es musste von den Göttern gegeben sein. Einige Zeit lang stand sie so bewegungslos da, scheinbar vollkommen abwesend, bis sie der Hauch einer Berührung erreicht und sie Acollon neben sich spürte. Da war es, so deutlich wie nie zuvor. Auch von ihm ging dieses Abstoßen und Anziehen aus, nur dass sie das Abstoßen längst niedergekämpft hatte und sie das Anziehen mit einer tiefen Liebe verband. Dies beides kam bei dem Schwarzen vor ihr noch nicht vor. Aber ... sie blinzelte. Jetzt erreichten sie die Worte Acollons, sie waren nicht vorwurfsvoll, auch nicht verbittert oder eifersüchtig, aber trotzdem schnitten sie Banshee tief ins Herz. Dass Acollon dies alles spüren musste, war ihr klar, zu eng waren sie verbunden, aber dass er meinte, der Rüde würde ihr mehr bedeuten, wegen Stärke und Jugend, verletzte sie. Nicht nur ihre Herkunft verband sie mit Acollon ... da war noch viel mehr. Sie sah ihn lange an, stürzte mit diesem Blick all ihre Gefühle in ihn und unterbrach erst den Blickkontakt, als ein Geräusch und der herannahende Duft Eris' ihren Blick auf ein Gebüsch lenkte aus dem kurz darauf auch die Schwarze auftauchte. Banshee konnte ihr nur schwach zu lächlen, eine Entschuldigung inbegriffen und wusste nicht genau, ob sie traurig oder erleichtert sein sollte, als Acollon sich von ihr und dem Schwarzen abwand und zu Eris ging. Sie würde später mt ihm reden. Langsam, fast zögernd sah sie wieder zu dem Schwarzen, der weiterhin reglos dastand. Einmal musste sie tief Luft holen, alles in ihr spielte verrückt, etwas war falsch, so falsch.
"Um Euch einen Namen zu geben, müsste ich euch besser kennen. So aber gibt es etwas, das weitaus interessanter ist. Wer seid Ihr? Oder vielleicht ... was seid Ihr?"
Die Frage war deutlich. Banshee wusste nicht, was es sonst außer Leben und Tod geben sollte ... gab es soetwas wie Engel? Und was sollte das bedeuten? Aber warum fühlte sich ein Engel wie ein Nichts an? Selbst Acollon war kein Nichts, er war eine unglaublich starke, abstoßend anziehende Präsenz, verwirrend und aufwühlend, gefährlich und nur für sie ungefährlich. Aber selbst das war der Schwarze nicht. Er war nur ... leer.
.oO(Engaya ... was?)
Doch noch schwieg alles.
Eris verfolgte das Vorgehen des schwarzen Rüden vorerst wortlos, dafür aber mit lebendiger, sehr skeptischer Mimik. Das war Acollon, der überhebliche Alpharüde, der meinte sich Beschützer, Gefährte und Rudelführer nennen zu können und gleichzeitig für einen ganzen Sommer fortzugehen, dann einmal kurz in schwierigen Situationen auftauchen, den Macker raushängen lassen und anschließend wieder verschwinden zu können (sich selbst finden!) und Banshee dabei ins emotionale Chaos, wenn nicht gar in die Unglücklichkeit stürzte. Außerdem wagte er es dann - um dem Fass den Boden auszuschlagen- noch, sich die Ähnlichkeit zu Kamui aufzuerlegen. Aber das ließ sie mittlerweile ziemlich kalt. Er war zwar nicht für sie gestorben, dennoch hatte sie ihn sich aus dem Blickfeld geschafft und in diesem Fall stimmte es irgendwie: aus den Augen, aus dem Sinn. So ziemlich, zumindest.
Der Fähe trat ein überlegener Blick in die eben Angesprochenen. Sie hatte seine seitliche Ablenkung mitbekommen ...
So, so, dem lieben guten Acollon war nun wohl doch aufgefallen, dass seine Banshee so etwas wie Gefühle hatte und scheinbar auch für Andere, als nur für ihn. Aiai, welch gefährliches Blitzen in den Augen des großen Kriegers und, aha, jetzt sollte Eris also das Mittel zum verzweifelten Zweck sein. Sein beschwichtigendes Lächeln beeindruckte sie nicht im Geringsten.
So, du penetranter Sack ...
Es schlich sich ein zuckersüßer, irgendwo auch bedrohlicher Ausdruck in ihr Gesicht. Sie setzte die schlanken Pfoten voreinander und umkreiste den Rüden, so wie er sie zuvor umglitten hatte.
"Ja, äh, Rüde, mh ...",
machte sie ihn forsch nach, wechselte dann aber in einen seichten Ton.
"Ganz nett eigentlich, muss ich sagen. Ja wirklich."
Sie ging trotzdem auf seine merklich nicht ernsthaft interessierte Frage ein, bevor sie nun mit der Schnauze nah an sein linkes Ohr kam und mit geölter Stimme bemerkte:
"Scheint so, als fände der neue Anklang bei Banshee, oder?"
Ja, sie war provokant, aber hätte sie sich lieber umgarnen lassen oder wegen der Beachtung gar noch treudämlich kichern sollen? Nein.
Er erinnerte sich ganz genau, damals, als er voller Hast und ohne Ziel durch die Steppen jagte – verwiesen vom eigenen Vater, aus krankhafter Konkurrenzangst – hatten schon die Geier über ihm gekreist, da er irgendwann einfach nicht mehr konnte. Und doch hatte man ihn nicht sterben lassen wollen, nein man hatte ihm sogar die Hoffnung auf ein neues Leben geschenkt. Diese schemenhaften Gestalten, die er auf sich zukommen sehen hatte, er glaubte den Verstand verloren zu haben. Es waren Wesen die auf zwei Beinen gingen, Kreaturen ohne Fell am ganzen Körper, sie hatten bloß komische Fetzen aus Pelz und Leder an sich. Aber das merkwürdigste waren ja noch diese auffallenden Zeichen im Gesicht gewesen, die Federn im Haar. Eigentlich hatten sie alle schwarzes, sehr langes und strähniges Fell auf dem Kopf gehabt, nur einer schien schon alt und grau. Die dunkelroten Zeichen in seinem Gesicht rochen nach Wildpferdeblut und Erde, daran erinnerte sich der Tiefschwarze noch ganz genau. Lange hatten sich ihre Blicke berührt, sein saphirblauer und der graue Blick des Alten. Dann hatte man ihn plötzlich gepackt und auf einen Karren geschuftet, welcher von einem dieser wilden Huftiere gezogen wurde. Aber er war so benommen gewesen, dass er sich weder hätte wehren, noch etwas anderes tun können. Erst als es um ihn herum so laut wie noch nie wurde, wachte er wieder auf. Viele Augen beobachteten, jeden Blick hatte er in seinem dichten Pelz brennen spüren. Man redete, wahrscheinlich über ihn. Eine seltsame Sprache, eine die er nicht verstand. Erst da hatte er die harten Stäbe um sich herum bemerkt, man hielt ihn gefangen. Sein ganzer Körper hatte sich so verkrampft und aggressiv wie noch nie wollte er sich unbedingt befreien. Man hatte ihm die Freiheit geraubt! Doch seine Zähne schmerzten und Blut schmeckte seine Zunge, die Stäbe waren viel zu hart für sein eigentlich recht kräftiges Gebiss. Diese seltsamen Wesen hatten ihn nur ausgelacht...
Warum er grade jetzt an seine Gefangenschaft zurück dachte wusste Face Taihéiyo nicht. Denn eigentlich war es ihm nach dieser kurzen Zeit besser als je zuvor gegangen, vielleicht weil er sich jetzt wieder ähnlich fühlte? Er war in irgend einem Raum gefangen, konnte weder vor noch zurück. Weder Leben noch tot.
Noch bevor die weiße Fähe irgendetwas auf seine unsinnigen Worte erwidern konnte war ein Schwarzer aufgetaucht, ihm von der Statur her recht ähnlich. Nur war er selbst größer und noch schwärzer. Auch von ihm ging etwas seltsames aus, wie bei jener Fähe, vor der er noch immer stand. Aber bei ihm war es so vollkommen anders, ja, das genaue Gegenteil. Während sie so viel Leben in sich trug, dass er fast davor schon zurück wich, schien der Finstere mit dem Tod gesandt. Das, was er ja eigentlich wollte. Sein blauer Blick hatte sich auf den Wolf geheftet, so durchdringend, als suche er etwas in ihm. Vielleicht den Ausweg? Weder Tod, noch lebendig, dass war er und hier hatte er beide Phänomene vor sich. Erstes zog ihn an, vor dem Zweiten wollte er flüchten. Doch er war stehen geblieben, nichts ging mehr. Nicht vor, nicht zurück. Der Rabenschwarze war gefangen, wie in dem Käfig, nur dass die Stäbe nicht sichtbar waren. Was man ebenfalls nicht sah, – man musste schon genau hinschauen – unter seinem Pelz trug er noch immer den schwarzen Lederriemen, welcher in seinem Fell ja auch völlig unter ging. Und vorne an seiner Brust, wurde von den länglichen Haaren ein kleiner, ovaler Saphir vollkommen verdeckt. Auch die Rabenfedern schienen unsichtbar. Kaum jemand hatte Clouds Geschenk bemerkt, dass zeugte, wie wenig andere Wesen noch von ihrer Umwelt wahr nahmen. Ja er hatte ihn immer noch, mit der seltsamen Kraft, die er ihm damals verlieh, hätte er ihn jederzeit problemlos abnehmen können, doch sein Vertrauen war zu groß gewesen, selbst nach dem Tod des kleinen Indianerjungen. Außerdem war es das einzige Stück, was er von ihm besaß, was ihn immer an den Jungen erinnern sollte. Die Kette...
Face war in Gedanken vollkommen abgedriftet, während der seltsame Schwarze mit der ebenso merkwürdigen Weißen geredet hatte, doch die Worte hatte er dennoch vernommen. Was sollte das? Wieder etwas, dass ihn an die Zeit im Käfig erinnerte, man stellte ihn wie ein Objekt zur Schau, als ob man dabei war sich das beste und kräftigste Arbeitstier auszusuchen, es zu benutzen und klar, man wollte etwas haben das sich lange hielt, von dem man wirklich profitieren konnte. Sein tiefblauer Blick folgte jeder Bewegung des Wolfes und auch wenn seine Augen kein Gefühl, keine Regung zeigten, wie als wäre er wirklich mechanisch, seine Seele empfand tiefe Empörung und auch Erniedrigung. Er lag auf dem Präsentierteller und erwartete von der Weißen, die sich ihm als Banshee vorgestellt hatte, dass sie ebenso auf sein Urteil einging, doch schwieg sie, sah ihren Gefährten – zumindest vermutete Face das er das war – nur an. Ihren Blick sah er allerdings nicht.
Schließlich wandte man sich wieder ihm zu, der Dunkle war verschwunden, zu einer anderen Fähe hingegangen.
Was seid ihr...
Seltsam, diese Frage hatte er sich auch schon gestellt, ein Wolf und wieder nicht, manchmal auch ein Mensch und jetzt irgendwie gar nichts mehr. Ja einfach nur das Nichts – diese Welt war schon verrückt. Aber all das war seine Schuld. Cloud hatte ihn da reingeritten, immer tiefer in den Dreck und nun saß er hier fest, verzweifelt und bestimmt würde er irgendwann auch noch den Verstand verlieren. Eigentlich könnte er ihn dafür hassen, doch noch war es schmerzhafte Enttäuschung, die er empfand. Dabei hatte der Junge ihm doch die Erlösung versprochen...
„Face Taihéiyo, so lautet mein Name, dass ist das Einzige was ich von mir preisgeben kann.“
Er widersprach sich selbst, so hatte er seinen Namen doch eigentlich nicht verraten wollen und tat es nun trotzdem. Aber warum auch nicht? Was sagte das schon aus? ...Stiller Ozean... Wahrscheinlich kannte sie die Bedeutung seines Namens nicht einmal und wenn schon... Warum Cloud das alles gewusst hatte, warum er ihn schon gekannt hatte als sie sich das erste Mal in die Augen gesehen hatten, das hatte der Schwarze nie heraus gefunden. Inzwischen beschäftigte er sich auch nicht mehr damit, zu einer Antwort würde er es nie schaffen.
Als das karge Gespräch zwischen seiner Mutter und dem Fremden begonnen hatte, beruhigte sich auch langsam der junge Rüde wieder. Das dichte Fell hatte sich wieder geglättet, der kühle, ruhige Blick hatte sich wieder in seine Augen geschlichen, dieser Welpe wirkte unantastbar. Dieser Tiefschwarze vor ihm benahm sich wie jeder andere Wolf und wieder nicht. Aber er stellte keine Bedrohung dar, zumindest sah er es so. Und die Interesse war auch verloren gegangen, erst als sein Vater hinzu traf, richten sich seine spitzen Ohren wieder aufmerksam auf. Averic sog jedes Wort Acollons in sich auf und durchdachte seine Sätze bis ins kleinste Detail. Und er kam zu dem Entschluss... Das er seinem Vater folgen würde und nicht hier zwischen den Pfoten seiner Mutter sitzen blieb. Überhaupt, er konnte sich schon recht gut selbst schützen. Das einzige was er noch aufnahm, was der Name des Schwarzen - "Face Taihéiyo"
Hm... ein seltsamer Name. Nicht einmal annähernd hatte er jemals einen ähnlich klingenden gehört. Aber, tz, Namen... Was sagten die schon aus? Er war nie von ihnen begeistert gewesen, auch wenn sein Name ihn mit stolz erfüllte, weil er fand, dass er den selben bedrohlichen Klang beinhielt, wie der seines Vaters. Averic, Acollon... Ja, sein Name hatte ihm von Anfang an gefallen.
Lautlos war er hinter seinem Vater hergeschlichen, sein Gang hatte schon jetzt nichts welpisches mehr an sich. Hinter Acollon war Averic stehen geblieben, betrachtete die schwarze Fähe, welche vor ein paar Monaten zu seiner Patin ernannt worden war. Nun ja, wirklichen Kontakt hatte er bissher trotzdem nicht zu ihr gehabt. Doch ihrem Gespräch lauschte er mit Neugier, vor allem als Eris folgendes sagte:
Scheint so, als findet der neue Anklang bei Banshee, oder?
Und Acollon hatte dies ja eben bekräftigt, er hatte noch jedes einzelne Wort im Kopf. Dafür das seinen Augen vom ersten Augenblick an die Farbe genommen wurde war sein Gedächtnis und die Erinnerungskraft enorm. Der schmächtige Welpe war ein kluger Kopf. Und in ihm steckte kalte Neugierde.
"Papa, willst du dem Schwarzen Mama einfach überlassen?"
Er miemte die unschuldige Stimme des Welpen, der er ja eigentlich noch war und doch hatte es fast etwas aufhetzendes in sich. Aber er wollte auch verstehen warum sein Vater einfach so resignierend gegangen war. Natürlich glaubte Averic nicht daran, dass seine Mutter je Gefallen an diesem seltsamen Typ finden würde, aber seinen Vater und seine Gedanken, die wollte er bis ins kleinste Detail kennen. Schließlich war er sein Vorbild und um jemandem irgendwann ähnlich sein zu können, musste man denjenigen genau kennen. Solange Cylin nicht in seiner Nähe war, den er beschützen und umsorgen konnte, kam diese gefährliche Seite an ihm zum Vorschein. Sein Bruder dämmte diese immer und ließ ihn trotz mürrischer Art fürsorglich sein.
Ja, wo war Cylin eigentlich?
Die Worte der schwarzen Fähe fanden nur schwerlich Begeisterung und Zustimmung. Eigentlich waren sie dem Hünen eine Art Dorn im Auge. Und tatsächlich, er kniff das linke Auge gequält zu. Er fing sich erst nach Averic´ s Worten wieder und konnte eine schlagfertige Antwort auf die so frechen Bemerkungen der Fähe geben. Und ihm fiel jetzt auch wieder der Namen der Schwarzen ein, klar, wenn man wirklich wollte, konnte man sich an etwas Unwichtiges erinnern. Mit einem kalten Lächeln zwinkerte er seinem Sohn zu.
“Wenn Du glaubst, dass meine Fähe sich bei einem anderen Rüden wohler fühlen würde, so werde ich Dich leider enttäuschen müssen. Ich bin mit Sicherheit nicht der beste Vater, Gefährte oder Alpha, aber ich bin es nun mal, Eris.“
Etwas wurde tief in ihm entfacht. Wie damals, als er Banshee begegnet war, der reine Eifer. Sie zu betören, sie in die Leidenschaft zu reißen und ihm ihr erstes Blut zu schenken. Das kalte Lächeln war nicht gewichen, es war nur gefährlicher geworden, durch das niederstrecken seiner Augenbrauen.
Der leicht unsanfte Prankenhieb traf Averic hart gegen die Kruppe und bedeutete ihm, dass er gerne folgen könne, wenn er wollte. Der Schwarze schritt auf den schwarzen Fremdling zu, bog nur kurz davor ab und wendete sich seiner Gefährtin zu. Unpassend sanft sagte er ihr:
“Liebes, nun lass Dich nicht verwirren von dem Schwarzen, wie viele ungewöhnliche Wölfe, mit den komischsten oder stärksten Eigenschaften hatten wir schon hier, hm?! Das waren schon etliche, und Du hast jede Eigenschaft eines jeden Wolfes gemeistert und bewundern können, so mache Face nicht besonderer, als er vielleicht sein mag. Außerdem, was kann gefährlicher sein, als der einfache und wiederholende Kreislauf zwischen Tod und Leben?“
Vielleicht war es Vernunft die aus ihm heraus sprach, aber Acollon hatte nie etwas wie Vernunft oder Verstand besessen. Ein letzter Blick galt Eris, die er so ohne weiteres stehen gelassen hatte.
“Du kennst meine wahre Gestalt nicht, so urteile noch nicht über meine Kraft“,
hatte er so leise geflüstert, dass es Banshee nicht gehört haben konnte. Und es war wahr, seine Geliebte hatte ihn nie in der Gestalt des Todes gesehen, und würde sie ihn so erblicken, so würde sie mit Sicherheit Abneigung, gar Abscheu entwickeln. Seine Augen ruhte auf Averic, sahen ihn aber in Prinzip gar nicht.
Banshees Ohrne zuckten leicht nach hinten, als der Schwarze wieder zu sprechen begann. Seine Stimme war genauso kalt und klanglos wie zuvor, als wäre nichts passiert. Als hätte er gar nicht bemerkt, was gerade alles passierte. Zunächst einmal das mit Acollon. Wäre vor ihr ein Beziehungsstreit ausgebrochen, hätte sie alles mögliche getan, sich entschuldigt, sich zurückgezogen, sich auf jeden fall geschämt und das gezeigt ... aber dieser Face Taihéiyo stand da, als hätte er kein Wort von Acollon gehört. Und scheinbar fühlte er auch nichts das, was Banshee fühlte. Nicht so wie Acollon, der ebenso von ihr angezogen werden musste ... also war es etwas anderes ... was zog das Leben an wurde aber nicht vom Leben angezogen? Und wie stand es mit dem Tod? Ihr Blick huschte zu Acollon, der sich gerade umwandte. Aber in seinem Blick konnte sie jetzt nichts lesen ... er war ... wütend? Sie schluckte. Ihr Blick wanderte zurück zu dem Schwarzen und plötzlich zuckte in greller Lichtblitz vor ihren Augen auf. Für Sekundenbruchteile sah sie ein seltsames Bild, der schwarze Face stand auf einer grellen Linie, die rechte Seite des Körpers auf der dunklen Seite, die Linke in der Hellen. Auf der rechten Seite war sein Fell stumpf udn ohne glanz, das Auge gebrochen, alles schlaff; auf der linken Seite glänzte sein Fell, sein Auge schimmerte wachsam in dem tiefen blau und seine Muskeln waren angespannt. Das Bild verschamm, ihr Blick klärte sich, der Schwarze stand wieder genauso unbewegt vor ihr.
.oO(Danke, Engaya ... ich danke dir.)
SIe war sich nicht sicher, ob sie es verstanden hatte, aber die Ahnung brodelte nun lauter in ihr und sie schnekte dem Schwarzen ein Lächeln ... ein wenig wissend, etwas angehaucht ...
"Ihr gebt mehr von Euch preis, als Ihr glaubt, Face Taihéiyo."
Sie schenkte ihm erneut ein Lächeln und sah dann zu ihrem Gefährten. Das Lächeln verblasste, verschwand aber nicht ganz. Spürte er es nicht? Gab ihm Fenris kein Zeichen? Sie trat einen Schritt näher zu ihm udn schob ihre Schnauze langsam an sein Ohr, nicht ohne sanft und ein wenig provozierend an seiner Schnauze hinauf über seine Stirn zu streichen.
"Fenris, frag Fenris. Geliebter, spürst du es nicht?"
Sie hauchte es nur ganz leise in sein Ohr, sodass keiner von den Anwesenden es hören konnte. Mit einem Lächeln blies sie ganz sanft gegen es und zog sich dann zurück auf ihren ursprünglichen Platz, sah ihn mit einem geheimnisvollen Lächeln an, ließ ihren BLick über Averic streifen, der wohl ein wenig verloren sich vorkommen musste udn wandet sich weider Face zu.
Mit einem leeren, starren, süß- schmerzlichen Blick lächelte der Hüne seiner Fähe zu. Schmerz war in seinen Augen zu lesen; Schmerz wie man ihn nie bei ihm zuvor gesehen hatte. Der Schwarze fügte sich seinem Wissen, seiner Erkenntnis, seinem Dasein. Dieser Schmerz erfüllte seinen ganzen Körper, fesselte ihn mit ganzer Kraft, ließ ihn leicht beben. Es war nicht Angst, die seiner Gefährtin zeigen musste, dass sie es nicht verstehen konnte, es war nur ein Lächeln, ein ehrliches und charakterliches Lächeln. Eines von der Sorte, die er nur einige Male seiner Banshee gezeigt hatte. Keine Albernheiten seiner Spiele, die ihm die Langeweile vertreiben sollten, keine Mordgier, die ihn schon unzählige Male töten ließ –nein- nur dieses eine Lächeln zeigte die wahre Stärke Acollons.
Der Rüde erhob den Kopf stolz, seine ruhigen, immer noch schmerzerfüllten Augen richteten sich auf Face, dessen Name er mitbekommen hatte, und nicht vergessen würde. Sicherlich, dieser Rüde schien etwas in sich zu tragen, was dem Leben gefährlich werden konnte, sogar dem Tod, dennoch schien dem Alpha das wenig zu beeindrucken. Wie oft hatte er gegen Fenris spielen müssen? Wie oft wäre er, der Tod, der Ewigkeit verschmolzen gewesen? Ob nun eine Gefahr, eine Herausforderung mehr oder weniger?! Was machte das schon? Es war doch nur ein weiterer Kampf auf der nie enden wollenden Existenz.
Was sollte Acollon Banshee schon sagen können, um ihr begreiflich zu machen, dass dieser Rüde, egal, wie viel Tod und wie viel Leben er in sich trug, den Schwarzen nicht fesselte, nicht wie dieser Schmerz, der für andere Wölfe unbegreiflich war. Er litt, unter den gebannten Seelen in seinem Körper, der eh dem Verfall des Alterns ausgesetzt war. Nein, auch der nicht lebende, aber nicht tote Wolf würde ihn beeindrucken. Wenn man die Schreie Sterbender hörte, den Verwesungsgeruch in der Nase trug, so würde ihn das auch nicht erschüttern.
Der Hüne schwieg lange, nur dieses Lächeln, dieser Schmerz. Keine Schwäche, keine Aggression. Nur der ehrliche Tod, der miserabelste Vater, schlechtester Alpha und grausamster Gefährte. Mehr war und würde Acollon nie werden. Er war nun einmal etwas, was die anderen mieden, was bei anderen für Verständnislosigkeit sorgte. Was andere von ihm fern hielt, etwas, was der Ewigkeit grausamer war. Nein, Face würde ihm keine Furcht einjagen, keinen Respekt, kein Erstaunen abverlangen. Kein Wolf würde ihm je diese Gefühle vermitteln können.
“Ich brauche Fenris nicht zu fragen, ich bin Fenris.“
Die Erkenntnis, dass er lediglich nur immer gegen sich selbst gekämpft hatte, war nicht halb so schlimm, wie es Banshee zu gestehen.
“Ich bin der Tod, kein Wolf, keine Existenz, nur ein bestehender Schleier, der allen einmal die Freude am Leben nimmt. Ich brauche Fenris nicht zu fragen, was es mit diesem Wolf auf sich hat, denn ich sehe es, spüre es, rieche es. Nichts zog mich mehr an, als diese Seele, die mich zur Höchstform auffahren lassen könnte. Nie könnte der Hunger größer sein, dieses Verlangen, diese Seele zu verschlingen. Es ist kein Spiel mehr, es ist vielleicht ein schwerer Schritt, aber ich bin der Tod, und ich war nie Acollon. Es ist keine Unsicherheit, die mich dies sagen lässt, es ist das Wissen, Dich belogen zu haben. Hier geht es nicht um die Frage des Seins dieses Wolfes, Face, nein, es geht um die Frage, wer Du bist!? Bist Du Banshee, die Tochter des Lebens? Oder bist Du Engaya, ein Teil von ihr? Oder ist beides so bei einander liegend, dass man es nicht unterscheiden kann? Ich will nicht behaupten, dass der Todesgott keine eigene Existenz hat, keineswegs, aber dieser Gott liebt in mir, in meiner Seele, denn ich bin, war und werde immer Fenris bleiben. Ich kämpfte gegen mich, nicht gegen einen Gott, der launenhaft entschieden hatte, ein Leben zu fordern. Damals, erinnerst Du Dich noch? Als ich fast starb, ich war im Begriff mich selbst zu zerstören, das Gleichgewicht der ganzen Welt durcheinander zu bringen. Niemand glaubte, ich könnte soviel Macht haben. Ich, der Alpha, der doch keinen Wolf aus seinem Rudel kennt, der keine Gefühle hat, der verschwindet, wenn seine Welpen geborgen werden. Aber, es ist wirklich so, ich habe die Macht und das nötige Wissen dazu, all das zu bewirken, dass das Leben zum stürzen bringen würde.“
Lange hatte Acollon gesprochen, seine Kehle war trocken und er spürte etwas, wie Mitleid. Selbstmitleid? Vielleicht.
Er würde seine Fähe nicht alleine lassen, seinen Sohn Averiv ebenfalls nicht, doch musste er jetzt, für diesen Moment, die anderen mit dem neuen Wissen alleine lassen. Er wusste, sie hatten Zeit verdient um sich dieser Situation bewusst zu werden, um vielleicht einen noch größeren Groll gegen ihn hegen zu können.
Er drehte sich um, schritt, mit einer Pfote vor die andere setztend, davon. In die Nacht.
Face Taihéiyo hob den Kopf leicht an. Was erzählte sein Name denn? Verdammt was verstand sie schon?! Und schon wieder kam der schwarze Wolf zurück, konnte er sich nicht entscheiden was er tat? Doch er stand weiter da wie ein Geschöpf ohne Innenleben, das man betrachten konnte, über das man urteilte ohne zu wissen was dahinter steckte und welcher verdammte Schmerz. Sein saphirblauer Blick richtete sich mechanisch wieder auf den Rüden. Er wusste genau so wenig.
Was kann gefährlicher sein, als der einfache und wiederholende Kreislauf zwischen Tod und Leben?
In ihm verkrampfte es sich, am liebsten hätte er geschrieben. Was für eine Gefahr ging dann von einem Wesen wie ihm aus? Von einem Ding das weder Tod noch Lebendig war, etwas was es verdammt noch einmal gar nicht geben durfte?! Doch das einzige was ihm geblieben war, war seine Seele, die so viel Leid ertragen konnte, so gedemütigt wurde und es sah trotzdem keiner, sein Körper lebte ja nicht mehr... Sie sollten nicht weiter reden, es zerriss ihn. Und als der Wolf dann anfing zu sprechen konnte Face nur noch resignierend die dunklen Augen schließen. Tod, Tod, das Einzige was er sein wollte und jener stand vor ihm. Doch was er dachte konnte er nicht aussprechen, seine Kehle war wie zugeschnürt.
.oO°( Jetzt ist das Spiel vorbei
Und die Karten liegen auf dem Tisch
Ich habe verloren
Doch ihr habt es so gewollt
Also nehmt euch was ich hab
Ich geb euch meine Einsamkeit
Auf das der Tod uns scheidet
Ich schenke meine kranken Gedanken
Findet euch darin zurecht
Ich geb euch diesen Fluch
Nicht lebend und nicht tot
Ich schenk euch meine Gefühle
Voller Hass und Verzweiflung
Ich überlass euch meine Seele
So leer und wertlos sie auch ist
Game Over
Verdammt nehmt sie doch endlich!!)
Mit einem Ruck riss er die Augen wieder auf und keuchte leicht auf. Der Rüde, welcher sich ‚Fenris, der Tod’ nannte, war verschwunden, wieder hatte ihn der Tod nicht haben wollen und weiterhin stand er im Nichts, kein Raum, keine Zeit, nichts, dieses verdammte Nichts.
Sein Haupt senkte sich plötzlich schlaff herab und hing leblos über der Erde. Seine glanzlosen Augen blickten nichts an, er wirkte wie getötet, allerdings stand er noch. So würde es nun also immer weiter gehen. Der Tiefschwarze würde gehen – irgendwo anders ankommen. Gehasst werden – wieder verschwinden. Für immer und immer und immer. Immer, immer... Kein Ende, nimmer.
“Ich gehöre nicht in diese Welt...“
flüsterte Face ganz leise, sodass er es selbst kaum hörte. Es war ihm egal ob diese Banshee oder Engaya, wer auch immer es hörte. Er sollte weg gehen, an irgend einen Ort wo ihn niemand sah, niemand wusste das er existierte und dort, bis die Welt unterging und noch länger, verweilen.
Der Hüne schritt mit einer gewissen Stärke, er brauchte nicht einmal auf den Weg zu sehen, und er wusste wo seine Pfoten ihn hintragen wollten. Dieser Rüde, Face Taihéiyo, nennte er sich, er wollte den Weg des Todes gehen. Doch der Tod war nicht gewillt nach Wunsch zu töten, er ließ es mehr wie ein Schicksal aussehen, und der Rüde würde das Schicksal haben, auf Ewigkeiten in dieser Zwiespältigkeit zu bleiben. Und Acollon würde nur Gefallen daran haben ihn dort zu lassen, wo er war. Wenn der Rüde mit den einsamen saphirblauen Augen sterben wollte, so würde er dies früher oder später noch tun.
Es war fast unerträglich von der schönsten Malzeit einfach weg zuschreiten. Der Alpha empfand es für einen schon gezeichneten Begnadigungsschuss, wenn er den Schwarzen erlösen würde und sich seinem eigenen Vergnügen zu widmen. Und da war es wieder, dieses Verlangen, dem man nicht stand haben konnte. Töten, das wäre jetzt nicht schlecht. Den nicht lebenden töten und seine Seele in sich aufsaugen, das wäre jetzt ein größtes Vergnügen, und er wollte es doch auch!
Die Pfoten des Hünen machten kehrt, hastig und stolpernd wollten sie wieder auf die Lichtung zu laufen. Für das Bündel Wölfe, das dort noch stand, musste es belustigend aussehen, was Acollon tat. Jetzt war guter Wille gegen einen vernünftigen und gierenden Trieb gefragt. Er versuchte sich abzuhalten. Sprang vorwärts und wieder rückwärts.
Na, geht´s noch? Du wirst diesen Trieb doch wohl ignorieren können
Denkste, war nicht einmal eine Spur von Widerstand zu sehen. Er kam den anderen wieder erstaunlich näher. Immer noch im Kampf gegen sich selbst.
“Verschwinde doch endlich, Du Depp!“,
zischte Acollon zwischen den Zähnen hervor und sprach damit Face an, der ihn aber sicherlich nicht verstanden haben konnte. Der Schwarze schmiss den Kopf in die Seile und versuchte seine Pfoten zu überzeugen, dass es besser so wäre.
Doch irgendwie war sein Körper nicht davon überzeugt, dass es so sinnvoll ist, eine treibende und freiwillige Malzeit einfach nicht zu beachten.
Kann der Sack nicht einfach seine Pfoten bewegen.
Zu spät, nicht einmal zwei Sätze brauchte Acollon, um vor dem Schwarzen zu stehen. Er riss sein Maul auf.
Und dann, geschah es.
Sein Körper wurde groß, unförmig. Eine schleimige Substanz breitete sich aus. Acollons Kopf hob sich empor. Die Reißzähne erreichten eine unglaubliche Dimension.
Verdammtes lahmes Arschloch
waren die letzten begreiflichen Gedanken.
Ein fauler, Übelkeit erregender Geruch suchte sich den Weg in alle Richtungen. Die Schreie wurden laut, dieses Wehklagen, diese Verzweiflung. Alles schrie. Unerträglich laut und schmerzvoll. Dieses Schreien war im Begriff den anderen die Trommelfelle zu zerreißen.
Da stand er, in wahrer Gestalt. Ungewollt. Ungeliebt. Und verdammt gierig.
Bis er verstehen konnte, dass das passierte, was er nicht gewollt hatte.
Er wandte fassungslos den hässlichen Kopf um, sah Banshee an. Sie ekelte sich vor ihm, das wusste er.
Sein Körper wurde wieder klein, schmal und ungefährlich. Doch der Geruch hing noch immer in der Luft, das Schreien klang nur allmählich ab. Er sah erschrocken um sich. Sie hatten es gesehen. Sie hatten die wahre Gestalt seines Selbst gesehen, gerochen, gehört und gespürt. Das Dunkle und Erdrückende war im Begriff ihn zu umschwirren.
Nur mählich, langsam und schleichend kam die Kühle zurück. Und als wäre nichts passiert, setzte er sein Lächeln auf, aber war da nicht auch ein Hauch Schuld zu lesen?
Seine Augen huschten von Banshee, zu Averic und schließlich zu Eris, sein Blick ruhte kurzweilig auf dieser Fähe, dann sah er zu Face. Geschickt, er lockte ihn, nicht sein Verstand, aber seine Seele. Er sollte sich im Wahren zeigen, und durfte etwas an ihm zerren.
“Nun ja, und wenn wir schon einmal bei der Wahrheit sind, das ist meine wahre, andere Gestalt.“,
sagte er in einem leicht beschwichtigten Ton.
Du elendes Arschloch, wegen Dir muss ich mich auch noch zeigen, nur weil die Gier größer war, als der Verstand. Pah, selbst Schuld, wer den Hals nicht voll genug kriegt!
Erhob die Brauen an und sah eindringlich seine Fähe an, eine Entschuldigung, brachte er nicht über seine Lefzen. Nur dieses leichte, ehrliche Lächeln.
Was nach ihren Worten geschah, ging so schnelll und doch so verwirrend langsam, das Banshee nur schwer verstehen konnte. Der Schwall an Worten, den Acollon über sie schickte, musste sie zunächst verstehen und war froh, dass ihr Gefährte sich umdrehte und ersteinmal ging. Was meinte er damit? Er war Fenris' Sohn so wie sie Engayas Tochter war, er war der Tod, hatte das Erbe Fernis angetreten so wie sie das Engayas angereten hatte ... aber er war nicht Fenris. Er war Acollon. Ein neuer Name, der irgendwann, wenn Fenris vergessen war, von Müttern ihren Welpen erzählt werden würde, als Gott, der den Tod brachte. Und dann würde auch von Banshee erzählt werden, die Göttin, die Leben brachte, aber jetzt, jetzt war es noch nicht so weit. Noch sprach man von Fenris und Engaya, noch fürchtete sich jeder Welpe vor dem grausamen Anlitz Fernis'. Erts wenn die Sterne sie rufen würden und die ewigen Hallen ihre Tore für sie öffnen würden, würden Acollon und Banshee ihr Erbe antreten. Aber jetzt war es noch nicht so weit. Natürlich jagte Fernis' Blut durch Acollons Adern und sein Blick sah durch die Augen ihres Gefährten ... aber Fenris war er nicht, er war nur ein Teil von ihm.
Das alles schoss ihr mit rasend schneller Geschwindigkeit durch den Kopf, wollte verstanden und geordnet werden. Sie musste mit Acollon reden, sie beide wussten doch um ihr Schicksal und ihre Bestimmung. Die Unsterblichkeit, die aber nicht ihre Körper betraf, der Tod des einen würde der des anderen mit sich ziehen und zusammen würden die Pfoten des Himmels geöffnet werden und sie eintreten um von da an als Götter und nicht mehr als Leitwölfe über ihr Rudel zu wachen. Und bis dahin würde ein neues Leben und ein neuer Tod geboren worden sein, vielleicht von ihnen, vielleicht von irgendeinem Wolf in dieser weiten Welt ... so wie sie von irgendeiner Mutter geboren wurde, die nicht gewusst hatte, welches Schicksal ihrer Tochter bevorstand.
Sie straffte ihren Körper, sah zu Face, hörte seine leisen Worte und schüttelte den Kopf. Jetzt kannte sie den Sinn, warum Engaya ihn zu ihr geführt hatte. Sie sollte ihn zurück zum Leben holen, ihn auf diesen Pfad führen ... so wie Acollon ihm den Tod schenken konnte, aber sie wusste, schon beim ersten Wort aus der Kehle ihres Gefährten, das er nicht diese Absicht mit sich trug. So würde sie es versuchen, so würde sie ihm zeigen was Leben war, bis er selbst wieder leben würde. Noch bevor sie ein Wort sagen konnte, tauchte Acollon wieder auf, jetzt wütend, fast gierend, aufgeregt und anders als noch zuvor. Er fauchte Face an, er wollte ihm wirklich nicht helfen und dann geschah mit einem Mal etwas, das Banshee vollkommen aus der Bahn warf, die sie schon so lange gefahren war. Acollon verwandelte sich. Er wurde zu dem, was so viele Wölfe als Fenris bezeichnet hätten, aber Banshee wusste, dass es nur eine Kopie war, eine Kopie, so wie ein Sohn eine Kopie seines Vaters war. So verwirrte und verängstigte sie nicht die Tatsache, wie Acollon aussah, was für einen Geruch er verströmte oder die Schreie so vieler Leidender, sondern viel mehr, die Tatsache, dass er sich verwandeln konnte. Denn sie wusste ganz genau, wenn er es konnte, so konnte sie es auch. So würde sie auch die Gestalt Engayas als eine Kopie annehmen können. Ihr wurde schwindelig, ncoh war ihr nicht klar, was das alles für sie bedeuten würde, im nächsten Moment schon stand Acollon wieder in seiner alten Gestalt da, sah sie an mit diesem Lächeln, das er sonst nie anderen außer ihr gezeigt hatte, dieses sanfte, ehrliche Lächeln ... das einzige, das sie an ihm fürchten konnte. Sie amtete ruhig ein und aus, versuchte ihren Körper wieder zu beruhigen und noch mehr ihre Gedanken. Was sie soeben gesehen hatte, musste für alle anderen ekelhaft, widerwärtig und verhasst aussehen ... für sie war es, als hätte sie es schon tausendmal gesehen ... so wie Engaya schon tausendmal Fenris gesehen haben musste. Nur der stechende Geruch blieb und jetzt, wo der Zauber vorbei war, musste auch sie leise husten. Was hatte Acollon zu dieser Verwandlung getrieben? Wie war es dazu gekommen? Erst jetzt sah sie langsam zu ihm auf, aber es war kein fragender, vorwurfsvoller oder erschrockener Blick. Es war ein Blick, der nichts sagte und doch so viel ihrem Gefährte zeigt, als würde sie ihm all ihre Gedanken erzählen. Sie sah wieder zu Boden, erst jetzt wurde ihr bewusst, was diese Verwandlung ausgelöst haben könnte. Ihr Sohn. Banshees Blick hsuchte blitzschnell zu Averic. Wie tief war er in dem Strudel aus Leben und Tod, den Acollon und sie zusammen ergaben, um dies zu verstehen oder nicht? Und die anderen? Was mochten sie jetzt denken, von ihrem Leitwolf, der zu soetwas werden konnte. War es jetzt nicht ihre Aufgabe sie zu beruhigen?
"Die Wahrheit ..."
Es war nur ein Flüstern, sie sah niemanden dabei an, schien zu keinem etwas sagen zu wollen. Wer von ihnen hatte was gewusst? Wie viel verstand Averic davon? Wusste er, welches Blut in seinen Adern floss? Wusste er, das sowohl Fenris als auch Engaya sein Leben erhielten? Und Eris, ihre lange Begleiterin, was hatte sie von ihren Leitwölfen mitbekommen? War das alles neu? Und ... würde sie nun jemals wieder Vertrauen haben? Was war geschehen ...
Averic sah zu seinem Vater hinauf, prägte sich ein was er zu sagen hatte. Er hielt sich also nicht für den Besten? Das konnte man zweierlei sehen... Entweder positiv oder einfach bemitleidenswert dass er sowas von sich sagte. Der blaue Blick des jungen Rüden huschte zu seiner Patin Eris, doch sie schwieg als hätte man ihr die Sprache genommen. Plötzlich spürte er einen harten Stoß an seiner Kuppe und fiel fast vorne rüber. Ein zischendes Knurren brach über seine Lefzen, grade so hatte er sich noch abfangen können. Averic kniff die Augen leicht zusammen und warf seinem Vater einen deutlosen Blick hinterher. Das hätte er wohl gerne, auch wenn der Schwarze auf einer Seite sein Vorbild war, herumschupsen ließ sich der Welpe längst nicht! Protestierend ließ er sich auf die Hinterläufe sinken, doch scheinbar störte das niemanden. Acollon wandte sich zwar ein paar Mal zu ihm um, sagte aber nichts zu ihm. Als plötzlich jedoch ein Redeschwall aus ihm hervor brach erhob sich Averic automatisch in einer lautlosen, gleißenden Bewegung. Seine Augen kniffen sich leicht zusammen, die spitzen Ohren hatten sich grade aufgestellt, wie ein Trichter der jeden einzelnen Laut aufnehmen wollte. Was laberte sein Vater da?
Fenris, Fenris... Wer zum Teufel war Fenris!? Und antwortgebend blitzte Ein dunkles Bild vor seinen Augen auf, der Schatten, der seltsame Todeswolf und sein Blick füllte sich mit blutiger Farbe bis alles unterlaufen war. Erst wollte er den Kopf schütteln um zu verscheuchen, doch der Welpe war wie gebannt, er durfte kein Wort überhören, er sog sie in sich auf wie eine Droge. Als Acollon geendet hatte war sein Sichtfeld längst wieder vom Blut befreit und er konnte nur noch sehen wie sein Vater verschwand.
.oO°(Ich wusste gar nicht das der Tod sich bemitleidet...)
Dachte er oder, dachte er das gar nicht sondern jemand anderes? Die Stimme in seinem Kopf klang so völlig anders, so viel tiefer, düsterer. Nachdenklich blickte Averic zu seiner Mutter empor, was sagte sie dazu? Seltsamerweise spürte er sein eigenes Blut immer kräftiger durch die dünnen Adern pochen, ja es pulsierte richtig. Der Pechschwarze war längst wieder hinter Banshee erschienen und auch Acollon schien sich nicht recht entscheiden können. Sein unwelpisch kalter Blick heftete sich auf den Auslöser des ganzen Problems, dieser Face Taihéiyo... Seltsam was er allein durch sein Auftreten bewirkt hatte, denn das was er bisher gesagt hatte konnte man zählen. Da war auch etwas an ihm, etwas was er ganz genau wissen wollte, es war anders als das was er kannte. Grade wollte er den Pechschwarzen wie eine zur Schau gestellte Statur umkreisen als sein Vater plötzlich wieder da stand. Es war doch sein Vater oder?
Der Schatten...!
Nein, Acollon sah ganz anders aus, was er da vor sich hatte war wieder der selbe Schatten wie von vorhin. Und die Vernunft in ihm sprach das er lieber zurück treten sollte, doch dafür dass er einen Schritt zurück gewichen war, schob ihn nun die andere Seite zwei nach vorne. Averic wollte es genau wissen, ganz genau betrachten, noch mehr als diesen Face. Der Tod nannte sich also Fenris ja und wer war jetzt Fenris?
.oO°(Averic, du bist besessen!)
Sagte die Stimme in seinem Kopf wieder, fragte sich nur von was? Die Gestalt zu betrachten rief keinen Ekel bei ihm hervor, eher vollstes Interesse, die Schreie schienen ihn zu faszinieren und den Geruch beachtete der junge Wolf gar nicht. Nur sein Fell hatte sich gesträubt, struppig standen seine feinen Haare empor und die kalten Augen starrten dieses Wesen an, was kurz darauf wieder zu seinem Vater wurde. Also war Acollon der Tod? Ruckartig haschte sein Blick nach Banshee – und was war dann seine Mutter? Musste sich das nicht gegenteilig auswirken um im Gleichgewicht zu bleiben? Eigentlich hätte er davon gar nichts verstehen können, doch in seinem Kopf war etwas wie ein Betrüger, der ihm die Antworten und das Wissen heimlich zusteckte. Und er wollte mehr! Aber jetzt war es vorbei, hm, schade...
Aber schon ließ das Interesse wieder nach und wieder war Averic erschrocken über sich selbst. Spürte er da vielleicht sogar Angst? Nicht vor Acollon, nicht vor Face oder Banshee, nein vor sich selbst. Ohne ein Wort zu all dem zu sprechen drehte sich Averic hinter seiner Mutter um und trabte stumm davon, an Eris vorbei in den Wald. Sein einziges Ziel war nun noch zu seinem Bruder zu gelangen. Cylin, der Einzige bei dem er noch wusste wer er war. Als er zwischen den Schatten der Bäume verschwunden und somit für die anderen unsichtbar war, fing er an zu rennen, genau den selben Weg nehmend, den er gekommen war. Bestimmt saß Cylin noch an Ort und Stelle bei seiner Schwester. Die Ohren hatten sich vor dem Fahrtwind zurück gedreht, die Äste, welche seinen Körper schlugen ließen ihn kalt, sodass schließlich ein ziemlich zerzauster und zerrupft wirkender Averic mit Laub und kleinen Ästen im Fell bei seinem Bruder ankam. Nur ein kleines Pfiepen brach über seine Lefzen, als er sich einfach nur an seinen Bruder drückte. Danach flog sein Blick zurück zum Wald und ein leichtes, leises Knurren hallte dauerhaft aus seiner Kehle. Jetzt wirkte wieder alles an ihm so welpisch, wie er eigentlich noch sein musste auch das verwirrte Grollen. Nachdem er wieder an seinen Verstand gelangt war hatte ihn das doch – halt nein, hatte er sich doch sichtlich selbst erschrocken.
Der Schwarze sah seine Gefährtin weiterhin aufmerksam an. Das Szenario war beendet. Es gab nichts mehr zu sagen. Und als Averic verschwand, wandte sich der Alpha an den Neuling der für soviel Verwirrung und Chaos gesorgt hatte.
“Auch ein Willkommen von mir, Face Taihéiyo. Trotz der aufrührenden Situation, willkommen bei den Sternenwinden“,
sagte er tonlos, behielt dabei aber dieses Lächeln. So mancher würde sich jetzt fragen, was Acollon mit dem eben gehobenen Chaos gewollt hatte, doch Gründe dafür wären nicht einmal zu finden, selbst wenn man es seiner Brutalität zuschreiben würde. Und so drehte sich auch der Hüne um. Er glitt dicht an Banshee heran und flüsterte ihr ins puschelige Ohr:
“Wenn Du willst, ich warte am See auf Dich.“
Der Rüde nickte Eris kurz zu, sie ist trotzdem eine komische Fähe, verschwand dann ins dichte Dickicht. Seine Pfoten trommelten schwer über den Waldboden, gewaltig und zugleich Ziel gerichtet sprang und wich er den Bäumen aus. In einem wahnsinnigen Tempo erreichte er den See, bremste kurz vor dem Wasser ab. Der Mond spiegelte sich leicht im Wasser, immer wieder vergraut durch die Wolken am Himmel. Sternenwinde waren heute nicht zu sehen.
Fenris, mittlerweile habe ich Deine Existenz übernommen, mit der Sekunde an, als Averic geboren wurde. Noch bist Du da, und Du wirst es auch bleiben, wenn Averic mich nicht töten, und die Stelle an meinem Platz einnimmt. Was soll ich nur tun? Der Welpe ist mir ähnlich, viel zu ähnlich. Und Du, Vater, wer bist Du?
Mit einem großen Satz war Acollon auf einen herausragenden Felsen gesprungen. Er sah lange in den Himmel. Ließ sich dann fallen.
Ich kann Dein Erbe nicht mehr länger tragen. Aber was bleibt mir übrig, um schon allein meine Familie, meinen Sohn, zu schützen, werde ich diese Last weiter tragen. Doch… ich bin stark geworden. Stärker, vielleicht sogar als Du. Aber ich bin schwach mir selbst gegenüber geworden.
Seufzend legte er seinen Kopf auf die Vorderpfoten.
Der Blick des Tiefschwarzen hatte sich auf den Rüden gerichtet, der scheinbar mit allen erdenklichen Mitteln versuchte ihn von hier zu vertreiben. Dabei hatte er doch gar nichts getan, aber naja, irgendwie grenzte das schon an Gewohnheit. Man hatte ihn schließlich schon immer wie den letzten Dreck behandelt. Das hatte seine Sinne wohl ertauben lassen, machte ihn stumpf und müde, jetzt gehörte er nicht einmal mehr zu den Lebenden. Oh, wenn sie nur seine Seele sehen würden, wenn sie sehen könnten dass sie mit jedem Wort mehr und mehr zersplitterte, wenn sie die Welt aus seinen Augen erblicken könnten, dann würden sie sich nicht mehr so überlegen fühlen. Face kam sich auf ein Objekt zurück gestuft vor und sie sahen nicht das er hier halb Wahnsinnig wurde. Nein, wie auch. Seine Mimik zeigt nichts außer kalter Leere, auch seine Haltung wirkte leblos – puppenhaft. Und dieser Welpe, hatte dieser verdammte Jungwolf noch nie einen anderen schwarzen Rüden gesehen? Was erlaubte er sich überhaupt ihn so an sich selbst zu erinnern?! Nein verdammt, er war kein Objekt! Er war einfach...
Gar nichts...
Sein Kopf schwank zur Seite, konnte sich dieser andere, schwarze Depp denn nicht entscheiden wo er hinlief? Und nun zischte der auch noch, er sollte also verschwinden? Warum hatten sie das nicht gleich gesagt!? Seine Seele pulsierte voller Hass und Verzweifelung, warum konnte man ihn nicht einfach in Ruhe lassen? Lange hielt er das nicht mehr aus und doch musste er es...
Als sich dieser Schwarze plötzlich verwandelte hob er nur den Kopf und starrte ihn unentwegt an. Aber sonst bewegte sich Face keinen Millimeter.
.oO°(Dann hol mich doch, verdammter Feigling! Hol mich und beende diesen ganzen Scheiß hier!)
Auch wenn sein Körper nichts von dieser Anspannung zeigte spürte der Tiefschwarze aber deutlich, dass sich in ihm alles schmerzhaft verkrampfte und weiter pulsierte. Er durfte nicht atmen, konnte es nicht, musste den Druck ertragen, mein Gott, dass war noch schlimmer als es das Leben gewesen war. So hatte Face sich das nicht vorgestellt. Das einzige was er gewollt hatte war doch einfach nur schlafen, für immer, ruhig schlafen, keine Schmerzen mehr, keine Gedanken mehr die einen zerrissen, nichts. Ein Teil hatte sich erfüllt, er war das Nichts und trotzdem fügte es ihm so viel zu. Wäre er nicht schon gestorben würde es ihn umbringen. Aber der Tod war schon wieder vor ihm geflogen, wollte ihn einfach nicht haben, denn abermals befand sich nur dieser Narr vor ihm. Wieder ging es Schlag auf Schlag, die Wölfin hinter ihm murmelte etwas von Wahrheit und der Schwarze begrüßte ihn plötzlich als sei nie etwas gewesen, Cloud war wieder neben ihm erschienen und sah ihn unverwandt an-
„Hört ENDLICH auf mit mir zu spielen!!“
Plötzlich war ein Lebenszeichen in seine saphirblauen Augen, ein kurzer Einblick in das, was er noch hatte – seine Seele. Mochten sie an seinem Hass zugrunde gehen! Sogar der Schnauzenrücken hatte sich in aggressive Falten gelegt, auch wenn kurz danach alles so schnell verflog, wie es erschienen war. Auch der Wolf, denn der hatte sich abgewandt und rannte blindlings in den Wald hinein. Er würde ihnen einen Wunsch erfüllen und verschwinden. Das war es doch was sie wollten, oder? Während er rannte, blieb dieses Vorwurfsvolle Gesicht des Indianerjungen aber genau vor ihm, er machte ihn rasend! Face Taihéiyo, der einst gedacht hatte in Cloud seinen besten Freund gefunden zu haben. Am liebsten würde er ihm den Saphir an seinem Hals ins Gesicht donnern!
„You try to take the best of me – GO AWAY!”
schrie er ihn an und konnte als Ergebnis sehen, wie sich die starre Mimik des Indianerjungen in Entsetzen umwandelte und er dann wieder verschwand. Gut so, sie sollten ihn alle einfach nur ich Ruhe lassen... Seine Witterung würde verliegen, es würde erscheinen als sei er nie da gewesen, das hatte er inzwischen raus und so konnte er sich, nachdem er einige Zeit in einem Wahnsinnstempo durch den Wald gefegt war, einfach neben den Bäumen fallen lassen...
Eris saß da und weinte. Sie zitterte heftig. Nachdem sie das ganze Szenario mit aufgerissenen Augen und starrem Blick beobachtet hatte, war sie nun in sich zusammengesackt und konnte einfach nur noch heulen, wie eine junge Welpin. Banshee starrte sie an, Averic, Acollon ... Sie hatte es nicht verstanden. Die Schwarze wusste, dass es nicht diese alberne eifersüchtige Neckerei war, die das alles ausgelöst hatte, sie war nur der letzte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte. Da war etwas viel größeres zwischen Banshee und Acollon, etwas unausgesprochenes. Aber sie hatte nicht verstanden, die Worte aus Acollons Mund waren ihr schleierhaft. Es war, als wäre sie in diesem Moment am falschesten Ort auf Erden gewesen. Das ging sie nichts an, aber sie wurde mit hineingezogen. Die furcheinflößende Gestalt, die Acollon angenommen hatte, erschreckte sie, aber viel mehr war sie wütend auf Acollon. Dass er sich vor ihr verwandelt hatte, hätten sie es nicht unter sich ausmachen können? Es ging Eris doch nichts an! Ein erstickter Ton kam aus ihrer Kehle, als mit den schwarzen Pfoten auf die Erde schlug und aufstand. Sie schüttelte sich die Tränen aus dem Gesicht und blickte verbittert zu Banshee. Sie konnte zwar nichts dafür, aber Eris wusste gerade nicht, wie sie anders reagieren sollte. Alle anderen waren fort und nun machte auch sie kehrt und ging davon.
Ein andern Mal, ein andern Mal klärst du das ...
Die Weiße brauchte bestimmt auch ihre Zeit und Eris wollte jetzt nicht mit ihr reden. Sie hatten alle so stark gewirkt, so gefasst, sie wussten alle, was passierte. Selbst Averic hatte Alles still in sich aufgesogen, wie Wissen, das ihm später einmal helfen könnte.
Die schwarze Fähe verzerrte das Gesicht und wolte nicht wieder heulen, das reichte jetzt.
Sie blieb stehen und scharrte mit einer Pfote schwach auf dem nadeligen Waldboden herum, sie fühlte sich in diesem Moment sehr leer, ihr Geist war erstaunlich frei für all das, was sie gerade mitbekommen hatte. Wie ernüchtert.
Die schwarze Gestalt blickte sich um und erkannte eine weitere in ihrer Nähe. Da lag dieser Rüde, der der Auslöser für Alles war, dabei hatte er eigentlich nichts getan, soweit Eris wusste.
Der hat stimmungsmäßig aber die volle Breitseite abbekommen ...
Etwas zögerlich räusperte sie sich, war immerhin ein Stückchen weit von ihm entfernt.
"Die haben dich aber gerade ganz schön angepisst, Face ..."
Das weiß er sicherlich selber, Eris , erinnerte sie sich, aber wenn sie ihn schon mit einem so sinnlosen Kommentar belästigte, dann konnte sie ihn wenigstens persönlich ansprechen.
"Also, ich glaube nicht, das liegt an dir, weißt du. Die haben Beziehungsprobeme, eine Art Kommunikationsstöung, denke ich. Da muss noch Einiges geklärt werden, zwischen denen ..."
Eris riss sich zusammen, nicht zuviel Stuss zu labern, sie wollte sich irgendwie ... einfach entschuldigen.
Face Taihéiyo war wirklich so töricht gewesen zu glauben, dass er hier seine Ruhe finden würde. Pustekuchen... Schon keine 5 Minuten später nahm er die Stimme einer Wölfin hinter sich wahr, die ihn innerlich kurz zusammen zucken ließ. Sich vergewissernd drehte der Tiefschwarze den Kopf herum und betrachtete die schwarze Wölfin kurz mit diesen vollkommen ausdruckslosen Augen. Diese freche Ausdrucksweise, aber nein, quatsch. Alail war tot, zumindest schätzte er so. Und alles nur weil sie glaubte, dass dieser Mistkerl von Gefährte nie mehr wieder kommen würde. Und wenn schon!? Musste sie sich deshalb gleich das Leben nehmen? Hatte sie an ihn gar nicht gedacht?! Wohl kaum, denn dann wäre sie jetzt noch da, er nicht hier und nicht... was auch immer er wahr. Am liebsten hätte er den Kopf einfach nur wieder sinken lassen und die schwarze Fähe ignoriert, aber dann hatte er sich die Schuld selbst zuzuschreiben, wenn man ihn vertreiben wollte. Dabei suchte er doch einfach nur einen Platz zum ruhen, ja... Er würde so gerne ... schlafen.
Was hatte sie noch gleich gesagt? Man hatte ihn angepisst, obwohl dem gar nicht so wahr, naja. Und das die zwei Wölfe in einer Beziehungskrise steckten glaubte er noch weniger. Nein, nein, dass war schon seine Schuld.
„Schon gut, wenn ich mich ein wenig ausgeruht habe werde ich gehen.“
fragte sich nur wohin... Seine Stimme klang leise, leer und trotzdem irgendwie müde. Dabei war er das körperlich gar nicht. Die Müdigkeit, welche in seiner Seele steckte konnte selbst durch eine Rast nicht kuriert werden. Aber er wollte jetzt nicht weiter gehen, er wollte hier einfach nur liegen, ohne einen Grund dafür zu haben. Die saphirblauen Augen musterten die Wölfin noch einmal kurz, trotzdem sah sie ihr verdammt ähnlich, bis auf die Augen. Die der Wölfin waren grau, Alails hatten einen klaren Gelbton gehabt. Ach, was driftete er überhaupt wieder in die Vergangenheit ab? Warum konnte man Gedanken nicht einfach abschalten?
Ihm fiel auf, wie viele schon seinen Namen kannten, obwohl er ihn nur so leise zu der weißen Banshee gesprochen hatte. Nun ja, eine Seuche verbreitete sich bekanntlich schnell...
„Wie heißt du?“
Seine Gedanken kamen gar nicht hinterher, so automatisch hatte er diese Frage gestellt. Ruhig und langsam, trotzdem waren die Erinnerungen zu dick, als dass er es schon vorher realisiert hätte. Was soll’s ? Gesprochenes konnte man nicht mehr zurück nehmen, vielleicht bekam er ja auch einfach nur eine Antwort, wie auch immer.
Irgendwie fühlte er sich, für jemanden der eigentlich gestorben war, noch viel zu lebendig. Warum konnte er nicht einfach den Weg finden, warum ließ man ihn nicht, warum Cloud, hast du gelogen?
Die Nacht war undurchsichtig, und der Mond schien sich nicht entscheiden zu können, ob er nun alles in sein gleißendes Licht tauchen oder alles in Düsternis legen wollte. Es war eine klare Nacht, schöne Luft, wenn auch immer noch dieser Gestank an Acollon hing. Der Hüne war es aber gewöhnt, in dieser Wolfsgestalt war er töten gegangen. Hätte dieses Fiasko wirklich nötig getan, oder war es genau so überflüssig, wie sich darüber Gedanken zu machen?
Der Schwarzen erhob sich langsam wieder, es war Zeit ein wenig Vergessenheit zu verteilen, oder war es in Ordnung, dass sie wussten, wer er wirklich war? Es reichte auch erstmals sich zu reinigen. Er sprang leichtpfotig ins Wasser, das kühle Nass spritzte um ihn herum, und perlte in seinem Fell. Wie Tränen schimmerten sie. Doch es konnten keine Tränen sein, denn er hatte nie geweint, nicht aus Verzweiflung, nicht aus Hass oder gar Hilflosigkeit.
In den 356 Jahren, die er schon auf dieser Erde verbringt, hatte er nicht einen Grund gehabt zu weinen. Aber das war auch nicht weiter wild, er war nicht bedacht darauf, Tränen zu zeigen.
Er glitt tiefer ins Wasser, bis sein Brustfell vollkommen mit Wasser bedeckt war. Blödsinn, hat eh nicht viel Wirkung, der Gestank bleibt auch so noch Tage an mir hängen.
Doch die Hoffnung, dass Banshee zu ihm kam war groß, er wollte ihr gefallen, das war sogar ein wahrhafter Wunsch.
Etwas fehl schritt er zurück zum Ufer und legte sich auf die aufgewärmte Stelle auf dem Felsen wo er vorher gelegen hatte. Die Tropfen, die ihm die Schnauze runter kullerten spiegelten den Mond wider.
Oh Banshee… was ist nur aus allem geworden?
Banshee starrte Acollon wortlos hinterher, als er ihr die erlösenden Worte leise ins Ohr geflüstert hatte und dann Richtung See verschwand. Einige Sekunden lang sah sie Averic hinter her, der sich ebenfalls davon machte, wahrscheinlich würde er Cylin suchen. Jähe Schuldgefühle machten ihr klar, dass sie ihren Welpen mit seiner Schwester irgendwo alleine gelassen hatte und war froh, dass sich nun ihr älterer Bruder um sie kümmern würde. Averic schien manchmal um so vieles mehr älter als sie alle, als er in Wirklichkeit war. Kurz nach dem Verschwinden Averics begann auch plötzlich Face zu rennen, in den Wald und fort, Eris schien kurz zu zögern, dann folgte sie ihm ebenfalls. Plötzlich war es still auf der Lichtung. Banshee stand als einziges dort im Gras, nur das Mondlicht spiegelte sich sanft in ihrem Fell wider. Sie schloss kurz die Augen, genoss die Stille für einige Sekunden und wandte sich dann ebenfalls zum See, Acollons Spur folgend. Ihre Schritte waren langsam und bedacht, nicht ganz so leichtfüßig und schwebend wie sonst ... man konnte sehen, dass sie etwas bedrückte oder zumindest zum Nachdenken brachte. Sie umrundete den Rudelplatz, ohne ihn zu betreten, vorbei an Hidoi, Hanako und ihren Welpen, weiter hinaus zu dem Felsen, auf dem sie schon einmal schweigend mti Acollon zusammen die Sternenwinde betrachtete hatte. Nachdenklich hob sie im Laufen den Kopf, schon bald fingen ihre Augen die ersten Sternschnuppen und ein leises Lächeln überflog ihre Lefzen. Das Leben nahm seinen Lauf, was auch immer in diesem kleinen Tal geschah. Sie erreichte den Waldrand, der hier fast unmittelbar am See endete. Zwischen den vereinzelten Bäumen hindurch konnte die Acollon sehen, wie er im Wasser stand, das Wasser reichte ihm bis zum Brustfell, er schien irgendwie nachdenklich. Nach wenigen Sekunden wandte er sich um und schritt zu ihrem Felsen, ließ sich darauf nieder und wirkte im Mondlicht wie mit tausend kleinen Sternen übersäht. Langsam trat sie ganz aus dem Wald heraus und lief die letzten Schritte bis zum Felsen. Sie musste ihm nicht sagen, dass sie da war, er würde es bemerken, auch wenn er nicht zu ihr sah. Leichtfüßig sprang sie auf den kalten Stein, setzte sich neben ihn und fühlte durch die Kälte und Nässe des Wassers hindurch seine Wärme.
"Was ist geschehen?"
Es war keine Frage, die sich auf das unmittelbare Ereignis Acollons Verwandlung bezog, viel mehr auf alles, was seit der Geburt der Welpen passiert war. Insbesondere die Welpen an sich. Averic, zum Beispiel. Aber auch auf ihrer beider Bedeutung, ihre Anwesenheit in diesem Tal, ihr Zusammenspiel ... ihr Aufgaben? Die Nacht lag kühl und still über dem See, nur manchmal wurde eine Welle ans Ufer gespült, während über ihnen die Sternenwinde am Himmel tanzten.
24.12.2009, 15:10
Eris zuckte abwehrend mit den Schultern, stand immer noch in beträchtlichem Abstand zu ihm.
"Hey, ich habe nicht gesagt, dass du gehen sollst."
Das wollte sie klarstellen, außerdem war der Rüde nun wirklich kein nerviger Kandidat, hier waren schon viel merkwürdigere Gestalten aufgetaucht, die dann einen auf Big Family gemacht hatten.
Dieser Face schien eher trübseliger als eine Regennacht im November. Nicht im Selbstmitleid versunken und auch nicht ohne ... Lebensmut, aber irgendwie dennoch nicht glücklich. Müde, vielleicht. Midlife-Crisis? Aber das ging sie auch nichts an, sie wollte sich nicht gleich erdreisten, ihm auf den Zahn zu fühlen. Schließlich hatte sie auch niemand nach ihrer Vergangenheit ausgequetscht, als sie hierher gekommen war. Sie hatte viel mehr von allein und oft nicht so ganz beabsichtigt, ziemlich viel von sich preisgegeben. Besonders an Ayala und Akái. Wolf, die fehlten ihr. Ayala war zwar noch im Rudel, aber sie hatten schon Monate nicht miteinander geredet und Akái war ganz fort. Warum, hatte die Rote ihr nie erzählt ... dabei hatte Eris das sichere Gefühl gehabt, sie sei so viel freier und fröhlicher im Gemüt geworden, seit sie in das Tal gekommen war.
Die Schwarze holte sich zurück in den dunklen Wald und nach kurzem Zögern, schritt sie etwas näher an den Anderen heran.
"Ich glaube auch nicht, dass die Anderen das wollen. Banshee sowieso nicht, weißt du, die nimmt eigentlich jeden auf, die skurrilsten Gestalten, da bist du ein Klacks gegen. Acollon ist einfach ein bisschen blöd, er spielt den großen Macker im Rudel, obwohl er die meiste Zeit im Jahr nicht einmal da ist. Ja und Averic ... der ist mein Patensohn."
Eris stockte, als sie das aussprach. In richtigen Lauten klang das viel merkwürdiger, als in ihrem Kopf. Ihr fiel wieder auf, wie ungewöhnlich sie als Patin war.
"Aber, ich habe das Gefühl, bis jetzt verstehen wir uns noch nicht so wirklich ... toll.",
erklärte sie ihm, obwohl er das wahrscheinlich gar nicht hören wollte. Nun ließ sie sich neben ihm nieder, allderings noch immer in respektvollem Abstand. Privatsphäre und so, schließlich hatte er sie nicht zu ihm gebeten. Eris schaute ihn von der Seite an und ihr fielen seine faszinierend blauen Augen auf. Aber sie waren ebenso erschöpft, wie seine Stimme.
"Warum bist du denn hierher gekommen? Du wirkst nämlich nicht sehr glücklich, weißt du ... nicht erwartungsfroh, als würdest du ein Rudel suchen."
Face Taihéiyo drehte sich langsam auf den Bauch, den Kopf gehoben führte sein Blick starr in den Wald hinein. Ebenso die Ohren, vollkommen regungslos, als würde er gar nicht zuhören. Aber doch nahm er jedes Wort auf, stellte fest – sie hatte auf seine Frage nicht geantwortet und weiter geredet, ohne ihren Namen zu nennen. Innerlich grummelte er auf, wie er es doch hasste wenn man ihm nicht genau zuhörte, ihn nicht beachtete oder sonstiges. Naja, was ärgerte er sich überhaupt darüber? Er war es schließlich gewöhnt...
Schließlich drehte er das pechschwarze Haupt zur Seite um die Wölfin mit seinem leeren Blick anzusehen. Also hieß dieser Rüde, welcher sich vor seinen Augen als Tod erwiesen hatte, Acollon und der Welpe, welcher ihm so ähnlich sah, sein Name lautete Averic? Schien so, aber warum erzählte diese Schwarze ihm das alles? Sie schien eine normale Wölfin zu sein, eine die weder mit dem Leben, noch mit dem Tod zutun hatte und ihn doch sehr an Alail erinnerte. Dieser guten Freundin hatte er es doch zu verdanken, dass er nach der Auslöschung des Indianerdorfes, wieder unter ein paar Wölfe gekommen war, kein Rudel, irgendwie alles Streuner und davon auch nicht viele. War auch besser so gewesen.
Die Schwarze fragte ihn, wie er hier her gekommen war – eine Frage die er nicht beantworten konnte. Der Tiefschwarze wusste es selbst nicht, er war irgendwie “vom Himmel gefallen“. Aber das konnte er ihr ja unmöglich so sagen. Dafür gab es einfach keine Erklärung. Also konnte er bloß sagen:
„Ich weiß es nicht. Und ein Rudel hab ich nie gesucht, ich wa- .. bin ein Einzelgänger.“
Dieses war hätte sie einfach nur falsch verstehen können, so nach dem Motto das er jetzt zum Rudel gehörte – bei Gott, nein! Aber wer kam schon auf die Idee, dass er überhaupt nicht mehr am Leben war? Niemand, denn es klang selbst in den eigenen Ohren einfach nur Lächerlich.
Die schwarze Fähe – nach dessen Namen er nicht noch einmal fragte – hatte sich ohne Scheu in einem mehr oder minder größerem Abstand von ihm nieder gelassen, was suchte sie überhaupt hier? Auf die Bemerkung, dass er nicht glücklich schien sagte er nichts. Wer war schon Glücklich, wenn man sich einfach nur den Tod gewünscht hatte und sich statt dessen in grausamer Ewigkeit wiederfand, wo er doch so nah war und gleichzeitig unerreichbar. Langsam wusste er nicht mehr ob er Cloud nun hasste oder einfach nur gar nichts mehr für ihn übrig hatte. Sein Vertrauen zu dem Indianerjungen war auf jeden Fall zerbrochen wie ein Glas und in tausend Scherben gesplittert, die keiner wieder aufsammelte. Selbst der Lederriemen fühlte sich an, als wolle er ihm die Luft abschneiden, wo er doch eh keine mehr atmen durfte. Der Saphir schien zu schwer für seine Seele geworden zu sein und die Rabenfedern schwangen nicht mehr im Wind mit – genau so tot wie sein Körper.
Kurz richteten sich sein Blick noch einmal auf die Wölfin, dann ließ er den Kopf stumm auf die ausgestreckten Pfoten sinken, nie zeigte sein Gesicht auch nur eine Regung. Nur einmal vorhin, wo es niemand bemerkt hatte. Gesprächig war Face nie gewesen und jetzt sah er erst recht keinen Sinn mehr damit anzufangen mehr zu erzählen. Seine Gedanken waren versiegelt, niemand hatte je Einblick bekommen, nicht einmal Akári. Die hatte man ihm ja auch genommen, wie alle anderen. Vertrauen war gewachsen, doch bevor er Glücklich werden konnte, nein wie schlimm, da löschte man die Quelle einfach aus und ließ sie versiegen, sodass er wieder an dem Nichts verdursten musste. Verdammter Spieler, warum hatte er sich nur ihn als Opfer ausgesucht?!
Der Schwarze hatte den Kopf angehoben, seine Fähe war hinter ihm aufgetaucht. Noch bevor sie gesprochen hatte, fingen die Sternenwinde an zu tanzen. Es war dem Hünen immer noch ein Rätsel, wie sie es mit ihrer Anwesendheit immer wieder schaffte, alles zum leben zu bewegen. Als er in den Himmel gesehen hatte, war nicht eine einzige Sternenschnuppe zu sehen gewesen. Er liebte die Wärme seiner Gefährtin, ihre Nähe schaffte es immer wieder ihn, den kalten Brocken, zu Sachen der Unmöglichkeit zu drängen.
Mit einem strahlenden Ruck, der durch seinen nassen Körper fuhr, warf er Banshee sacht auf den Rücken und legte sich leicht auf sie rauf. Versuchte ein wenig sein Gewicht zu verringern, um sie nicht zu erdrücken. Er konnte nun in ihr wunderschönes Gesicht blicken, in die erwartungsvollen und strahlenden Augen. Ein Lachen, leise, vielleicht sogar zart, drang aus seiner Kehle hervor. Er schnappte liebevoll nach ihrem Ohr und knabberte sich vorsichtig bis zum Brustfell voran.
Langsam fing der schwarze Hüne an, die Schnauze seiner Gefährtin zu säubern, arbeitet sich an die Lefzen vor. Er war gewiss zärtlich, versuchte es zumindest. Auch wenn einige Bewegungen und Handlungen etwas rabiat und hart waren.
Nach einigen Momenten, in denen Acollon die unbeschreibliche Nähe seiner Gefährtin genossen hatte, sah er in die Sterne.
“Nun sind wir Eltern. Wir haben viel Verantwortung, mehr als irgendein anderes Gefährtenpaar. Wir haben uns gegen den Willen sämtlicher Götter aufgelehnt. Unsere Welpen stehen an der Schwelle zum Leben, aber auch direkt vor dem Tod. Averic hat Blut gerochen, er kennt die Gier des Todes. Und ich weiß, er wird mich eines Tages töten, oder ich werde ihn töten müssen. Er will mein Erbe antreten. Aber lass uns diesen Tag noch abwarten. Alles kann eine andere Wendung haben als gedacht!",
flüsterte der schwarze Todessohn. Mit einem leichten Lächeln, wieder ehrlich, wieder etwas geheimnisvoll, stupste er seine Nase an die von Banshee.
“Wir sollten das Rudel irgendwann einmal zusammen rufen, mir scheint es so als würden alle die Charakterzüge eines Streuners annehmen. Und es reicht ja, wenn der eigene Alpha immer wieder abhaut, nicht wahr? Aber nun, schenkt mir Eure Nacht, Tochter des Lebens“
Wieder machte er sich über Banshee her.
Banshee war zuerst etwas verwundert, noch nie zuvor waren Acollon und sie sich so nahe gewesen ... selbst damals, als sie sich gepaart hatten, hatte sie sich nicht so verbunden mit ihm gefühlt. Mit einem leisen Laut des Wohlfühlens ließ sie sich widerstandslos auf den Felsen fallen und schmiegte sich an ihren Gefährten. Sie wusste, dass andere Rüden möglicherweise noch sanfter, noch zärtlicher waren, aber sie genoss es genau so, wie es war ... sie war sanft genug für zwei, für beide von ihnen. Einige Sekunden schloss sie nur die Augen, fühlte sich eins mit Acollon und der Welt und öffnete sie erst wieder, als er leise zu sprechen begann. Sie drehte sich leicht zu ihm, winkelte den Kopf an und sah ihm in die Augen. Die Worte machten ihr ein wenig Angst, doch lag dieses Gefühl in dieser Nacht so weit fort. Sie rechte sich leicht nach oben, berührte ihn an der Schnauze und schüttelte dabei leicht ihren Körper.
"Rede jetzt nicht vom töten. Diese Zukunft liegt in so weiter Ferne ... niemand weiß, wann wir unser Erbe in der Ewigkeit antreten müssen ... bis dahin lass uns die Zeit in unserem Tal genießen."
Ein Schimmern begann in ihren Augen zu tanzen, wie sie dieses Lächeln von ihm liebte, so ehrlich und tief, so anders, als sonst. Sie schloss erneut die Augen, sog den Geruch ihres Gefährten ein und ließ sich treiben, verscheuchte die Gedanken und genoss den Moment. Seine weiteren Worte hörte sie nur halb, lächelte aber bei seinem letzten Satz, rieb ihre Schnauze an seiner und ließ sich wieder fallen. Die Zeit schwamm dahin, wurde nicht mehr greifbar, es war, als würde alles verschwimmen in dem Sog der Unendlichkeit, nur sie und er und ein weites Sternenzelt, ewiges Schwarz übersäht von Lichtern der Hoffnung.
Schließlich drückte sie sich eng an Acollon, rollte sich auf den Bauch und vergrub ihre Schnauze in seinem Fell. Sie woltle jetzt nichts mehr sehen, nichts mehr hören, nichts mehr riechen, nur doch das Schwarz seines Fells und das Streicheln seiner Stimme und den Geruch seiner Liebe.
Es war eine schöne Nacht, ein klarer Himmel, frische Luft, doch konnte sich der Hellbraune daran nicht erfreuen, nein im Gegenteil, je dunkler es wurde, desto größer wurde seine Angst, die stetig wuchs. Auch wenn er diesen Platz hier nur zu gut schon kannte, er hatte immer noch Angst vor dem Platz, dem Revier, jedem einzelnen Wolf, ausgenommen seinen Geschwistern, seiner Mutter und seiner 'großen Schwester', die er gar nicht mehr als Patin ansah. Für ihn gehörte sie zur Familie, sie war diejenige die auf ihn aufpasste, die ihm viel erzählte, mit der er spielen konnte, die immer Zeit hatte für ihn, wenn seine Mutter einmal beschäftigt war. Mit der Zeit verstand er, das Banshee viel zu tun hatte in diesem Rudel, denn sie war bis jetzt immer alleine gewesen, führte das Rudel alleine. Wo sein Vater war, der Vater seiner Geschwister, das wusste er nicht und da er ihn nicht kannte, so fehlte er Hiryoga auch nicht, doch wusste er, dass es noch jemand anderes neben seiner Mutter gab, jemand anderes, der zu ihm gehörte. Er spürte es jeden Tag, so als ob ein Teil von ihm fehlte, ein Teil der ihn zu ihm machte. Es war nicht neidisch auf die Welpen von Hanako weil sie ihren Vater Hidio hatten, denn was man nicht kennt, so vermisst man es nicht und dies war auch so bei dem kleinen Rüden. Doch an diesem Tag war etwas geschehen, er hatte gespürt, dass dieser Teil der noch zu ihm fehlte, gekommen war. Doch hatte ihn die Angst an diesen Platz gebunden, er hatte sich nicht bewegt, seitdem er aufgewacht war. Seine Pfoten zitterten so entsetzlich, wenn er sich erhob, sodass er sich jedes Mal wieder zu Boden fallen ließ. Doch mit der Dunkelheit wurde seine Angst so groß, dass er es nicht mehr lange aushalten würde. Der Geruch seiner Mutter lag in der Luft, genauso wie von einem Fremden. Zwar kannte er den Geruch nicht, doch schien er ihm bekannt, er wusste nicht wieso, doch irgendetwas an ihm war ihm nicht fremd, sondern bekannt. Aber die Neugierde, wer hinter diesem fremden und doch bekannten Geruch steckte, wurde von der Angst unterdrückt.
Der Geruch seiner Mutter verband sich mit dem Geruch des Fremden, er musste also bei ihr sein. Die Ohren des Rüden zuckten kurz hoch, doch senkten sie sich sofort wieder an den kleinen Kopf. Er war alleine hier, niemand war bei ihm, er musste vorsichtig sein, denn man wusste ja nie, wann einen das Unbekannte packte. Doch plötzlich schreckte Hiryoga auf, als hinter ihm etwas raschelte, wahrscheinlich war nur ein Vogel in dem Gebüsch gewesen, doch für den kleinsten seines Wurfes und auch das des anderen, war dieses Rascheln Grund genug aufzuspringen und davon zulaufen. Sein einziger Gedanke war nun seine Mutter, er musste zu ihr, sich bei ihr anschmiegen, die Welt vergessen und diesen Tag. Es war wohl der bisher schlimmste Tag in seinem Leben, ein Tag voller Einsamkeit, ein Tag voller Angst und einer extremen Leere. Wo waren nur Kaede, Kisha und alle anderen? Er wusste es nicht, es interessierte ihn auch nicht mehr, er musste einfach nur zu seiner Mutter. Seine schlanken, zierlichen und kaum muskulösen Läufe trugen ihn in den Wald, Richtung See, doch würde es noch etwas dauern, bis er bei seiner Mutter war. Er merkte noch nicht einmal, wie er in den Wald rannte, den Wald den er alleine mied, in den er sich niemals bis jetzt alleine hinein getraut hatte, doch nun trugen seine Pfoten ihn dort hinein. Immer schneller sah er die Bäume an sich vorbeilaufen, oder lief er an ihnen vorbei? Dem Hellbraunen war es egal, es war ihm egal, dass er nun noch mehr Angst hatte als zuvor, dass er dachte, ihm würde jeden Moment der Himmel auf den Kopf fallen, weil er wohl die Ruhe des Waldes gestört hatte, er wollte doch nur zu seiner Mutter.
Hiryoga schloss die hellen Augen, unterdrückte die Tränen, presste die Ohren an den Kopf, als er plötzlich in etwas rein rannte, Dornen und kleine Äste bohrten sich in sein dichtes Fell, Blätter und Äste klatschten ihm ins Gesicht. Er hatte es gewusst, das Unbekannte hatte ihn gepackt und ließ ihn nicht mehr los! Alles nahm jedoch sein Ende, als er über eine große Wurzel stolperte und der Länge nach zu Boden fiel. Ein klägliches Winseln entwich seiner Kehle, doch war es so leise, das noch nicht mal er es richtig vernehmen konnte. Doch wimmerte er ununterbrochen, es war ein hilfloser Ton, er schrie nach seiner Mutter, aber war all dies einfach zu leise, doch konnte er seiner Kehle keinen lauteren Ton entlocken. Die Augen presste er zusammen, den Kopf versteckte er unter den kleinen Pfoten, die Rute zog er unter den Bauch und so wollte er liegen bleiben, bis ihn irgendwann jemand vermissen und finden würde. Würde jemand ihn vermissen? Was wenn nicht? Dann würde er hier für immer bleiben müssen?! Seine Gedanken wurden unterbrochen, als er ein Geräusch hörte, es erschrak ihn und zugleich beruhigte es ihn. Gegen seinen Willen spitzten sich die Ohren und auch die hellen Augen öffneten sich und entdeckten ein Paar noch hellere Augen. Es war ein Vogel der dieses Geräusch machte, besser gesagt eine Eule. Eindringlich betrachtete der Vogel den kleinen Wolf, der da lag und seiner Art eine Schande war, ein Wolf der sich schreckhafter als eine Maus benahm. Jämmerlich wirkte er, dass wusste auch Hiryoga selbst, doch so war er nun einmal und dagegen konnte er nichts machen. In gewisser Hinsicht beeindruckte das Tier ihn, es zog ihn für einen Augenblick in ihren Bann und er wusste, dies war nicht zufällig geschehen, nein es war Schicksal, es hatte etwas zu bedeuten. Woher er dies wusste? Es war sein Instinkt der ihm das sagte. Als die Eule sich plötzlich erhob und dicht an ihm vorbei flog, schreckte der noch Welpe hoch und rannte wieder los, diesmal würde er jedoch die Augen offen lassen und sich nicht aufhalten lassen, er musste zu seiner Mutter. Er setzte über kleinere Steine und dickere Äste weg, wich Bäumen und Ästen geschickt aus, langsam fasste er sich, denn wenn er zu seiner Mutter wollte, musste er sich konzentrieren und hier raus zukommen.
Heute war der Rüde von sich selbst äußerst überrascht, denn er schaffte es tatsächlich an den See, seine Läufe knickten nicht vorher ein und seine Angst konnte er solange unterdrücken, bis er am See war. Unter dem letzten Baum blieb der Hellbraune stehen, drückte die Ohren an den Kopf und sah zum See, doch gönnte er ihm keinen langen Blick, ließ ihn direkt zu einer weißen Fähe wandern, daneben lag ein schwarzer Rüde. Aus dem Erstaunen, das sich in Hiryoga breit machte, wurde Angst, Angst die jedoch auch seiner Mutter galt, befand sie sich in Gefahr? Doch schnell erkannte der Welpe, das sie in keiner Gefahr schwebte, sie selbst schien auch nicht beunruhigt zu sein, sondern sich wohl zufühlen und so wurde diese Angst zu Eifersucht, zum ersten Mal war er eifersüchtig, er wusste nicht von diesem Gefühl, doch irgendwie spürte er etwas in sich, was sich dagegen sträubte, seine Mutter bei diesem Rüden zu lassen. Auch wenn er ihm irgendwie bekannt schien, er hatte nicht das Recht, ihm seine Mutter wegzunehmen! Denn er und seine Geschwister waren schon vor diesem Rüden hier gewesen, sie hatten also mehr Rechte auf sie! Natürlich konnte Hiryoga nicht wissen, dass der Schwarze sein Vater war und seine Mutter schon viel länger kannte, doch dies würde er auch noch erfahren müssen.
Mit diesem selbstsicheren Gefühl machte der Rüde einige Schritte, doch erstarb es schon nach zwei Schritten und die Angst vor dem Unbekannten kehrte zurück. Mit einigen schnellen, jedoch kurzen Sätzen eilte er zu seiner Mutter, ein leises Wimmern konnte er nicht auf dem Weg zu ihr unterdrücken, ein Wimmern das von Erleichterung sprach. Er sprang auf den Stein auf dem auch sie lag und vergrub seine Schnauze und seinen Körper so gut wie er konnte unter ihr. Ein klägliches, von Angst und doch auch von Freude geprägtes Winseln verließ ganz leise Kehle weiterhin, der Fremde war ihm im Moment egal, denn seine Mutter war hier und würde ihn beschützen, da war er sich ganz sicher.
Der schwarze Körper drückte sich noch fester an den von Banshee. (Wo Banschee jetzt auf den Bauch liegt, liegt Acollon auf ihrem Rücken, oder?!) Acollon konnte die weiße Kruppe gut erkennen. Er schleckte über das weiße Fell seiner Geliebten, es roch süßlich, sehr weiblich. Der Rüde spürte, dass er dieser Weiblichkeit seiner Fähe nicht widerstehen konnte, und davon abgesehen wollte er ihr auch gar nicht mehr widerstehen. Er ließ sich fallen, sein Geeicht drückte nun auf den Rücken Banshees. Zärtlich war er, versuchte harte Bewegungen zu vermeiden. Es kribbelte leicht in seinem ganzen Körper, ein angenehmes Gefühl. Der Hüne beugte sich vor und konnte die Schnauze seiner Geliebten berühren. Vorsichtig leckte er über ihre Lefzen, die weich und sanft waren. Vergessen war nun die Aufruhe und die vergangene Zeit, wo er sich diesem Rudel entzogen hatte. Wie Eris wohl auch andeuten wollte, er war ein schlechter Alpha, Vater und Gefährte. Doch jetzt, wo er hier die Zweisamkeit mit seiner hübschen Fähe verbrachte, konnte er sich nicht vorstellen, dass jemals wieder gehen wollte. Der ersichtlichste Grund für seine Flucht war doch nur das Wissen gewesen, dass seine Welpen geboren werden würde. Und er wusste nicht, ob er jemals einen guten Vater abgeben würde.
Die Gedanken verschwanden, es war kein Vergehen mehr zu spüren, es war nur dieser warme Körper, das liebliche Fell und diese Liebe, die ihm Banshee schenken konnte.
Er warf seinen Blick zur Seite, erschrocken über sich selbst, vielleicht war Banshee seinem Handeln ja abgeneigt, vielleicht war es ihr unangenehm. Er sah in ihr hübsches Gesicht, nein, dieses Gesicht sprach absolut nicht davon, dass sie es nicht wollte.
“Banshee, ich liebe Dich“,
flüsterte er. Seine Stimme hatte jegliche Kühle verloren und auch seine Augen erstrahlten in einen ungewöhnlichen Glanz, zwar immer noch etwas kühl, aber weicher. Er schnappte wieder zärtlich, wenn auch ein bisschen verspielt nach ihrem Ohr.
Leise musste er schmunzeln, sein Lächeln wurde noch ein wenig tiefer.
Banshee spürte Acollon über sich, drückte die Schnauze auf den kalten Stein und schloss erneut die Augen. Seine Worte, so wundervoll liebevoll in ihr Ohr gehaucht lösten als Reaktion nur eine Arte wohliges Schnurren aus. Sie drückte ihren Kopf leicht nach oben, spürte die Erwiderung von ihrem Gefährten und ließ den Kopf wieder sinken. Jedoch nur kurz, nach wenigen Sekunden schnellte er wieder nach oben, jetzt aufmerksam mit offenen Augen. Soeben hatte etwas leise gewimmert, ein Welpe um genau zu sein. Als Mutter hatte sie gelernt selbst in einer solchen Situation auf so einen Laut zu reagieren. Und tatsächlich, kurz darauf spürte sie einen kleinen Körper, der sich an sie drängt, sich unter sie schob und zitternd dort blieb. Sie konnte den Kopf zwar nicht zu ihm drehen, aber auch so wusste sie, dass es Hiryoga war. Sie beugte sich nach hinten, um Acollon in die Augen zu sehen, er schien ihren Sohn nicht bemerkt zu haben. Sanft schob sie ihren Gefährten jetzt etwas zur Seite, irgendetwas musste ihren Kleinen hier her getrieben haben. Wo war Kaede? Jetzt, in diesem Moment brauchte sie sie ... denn jetzt sehnte sie sich danach, einmal Acollon alleine an ihrer Seite zu haben. Langsam richtete sie sich etwas auf und kontne jetzt den Kleinen sehen. Sanft stubste sie ihn mit der Schnauze an und fuhr einmal mit der Zunge über sein noch wolliges Fell.
"Hiryoga, mein Kleiner, was hast du denn?"
Er sah nicht zu ihr auf, so konnte sie ihrem Gefährten einen kurzen, bedauernden Blick zu werfen. So war es als Eltern. Ganz alleine war man nie, immer konnten die Welpen kommen und Angst haben, oder sich einsam fühlen, oder ein Erlebnis erzählen wollen. Aber eigentlich war diese Begegnung jetzt auch nicht von Nachteil, denn ihr Sohn würde endlich seinen Vater kennenlernen. Behutsam fuhr ihre Nasenspitze an der Schnauze Acollons herab, ganz so, als wolle sie ihm zeigen, dass es noch nicht genug war. Aber eine Unterbrechung. Schließlich schien ihr Sohn Angst zu haben und davor würde sie ihn beschützen, jederzeit.
Hanako hatte auf dem Platz noch einige Blicke verloren, dann aber spürte sie, dass eine Wärme fort ging. Ihr Gefährte ging bereits mit ihrem Sohn voran und machte sich auf den Weg zurück zum Rudelplatz. Neyla seufzte leise und sah zu ihrer Tochter hinab, sie war wie ein kleiner Staubwedel, immer wieder aufgedreht, vollkommen wild und liebevoll, sie entdeckte, sie lernte und sie teilte ihr Wissen mit denen, die am meisten davon verstehen würden. Die Kleine war intelligent und Hanako war stolz, stolze Mutter dieser Welpen, die soviel gaben. Die Worte von Hidoi, das die Kleine ihr so ähnlich sah, hatte Hanako ein liebliches Lächeln auf die Leftzen gezaubert, welches noch immer anhielt. Ja, äußerlich war Sheena ihr furchtbar ähnlich, ebenso wie der kleine Hikaji seinem Vater so ähnlich war. Aber Sheena ähnelte ihrer Mutter innerlich in keinem Fall. Hanako hatte selbst gespürt, dass sie sich verändert hatte, aber dass es so schlimm gewesen war, ahnte sie nicht, nein. Sie war zerbrechlicher geworden, vertraute mehr auf die Nähe und Sicherheit ihrer Familie und ließ ungern jemanden zurück oder alleine, der ihr wichtig war. Sie hatte nun gelernt, wie viel doch geschehen konnte, aber es hinderte sie nicht am aufgeben. Noch nicht, doch wie lange konnte sie diese Stärke noch beweisen?
Irgendwann später würde sie mit Kaede reden müssen, jetzt war dafür keine Zeit. Sie erkannte die Worte ihrer Tochter, die schon wenig später der restlichen kleinen Familie folgte, Hikaji saß bereits auf dem Rücken seines Vaters und Sheena tapste glücklich neben her. Hanako zauberte es wieder ein glückliches Lächeln auf die Leftzen, sie war wirklich froh darüber, dass Hidoi seine Vaterrolle und die Rolle eines Gefährten so sehr akzeptiert hatte, dass sie ihn kaum wieder erkannt hatte. Es freute sie, dass er alles so erkannte, wie sie es sich doch damals zu sehnlich gewünscht hatte. Langsam tapste sie ihrer geliebten Familie hinterher, mit einem Glück in den Augen, dass sie kaum beschreiben konnte. Die Wendung des Tages hatte sie auch kaum wahr genommen, die Nacht zog mehr und mehr heran, Hanako spürte die kühle Brise, die wie jene Nacht auftauchte und sie zu etwas erträglichem machte, was Hanako seit ihrem letzten Kampf nachts nicht mehr empfinden konnte. Die Weiße seufzte leise und ließ etwas den Kopf hängen, umso mehr sie wieder an ihre Narbe dachte, umso mehr durchfuhr sie dieser Schmerz, der sie innerlich irgendwie doch Gefangen genommen hatte. Sie ließ den Kopf leicht hängen, schloss ein wenig die Augen und sah sich unruhig um, ein seltsamer Gestank lag in der Luft, ein Gestank, der sie mehr und mehr verwirrte, den sie aber nicht wirklich erkannte, bildete sie sich diesen ein oder gab es ihn wirklich? Unsicher hob sie den Kopf, es konnte keine Einbildung sein, nein, niemals. Sofort rannte sie los, um bei ihrer Familie zu sein. Sie lief neben ihrem Geliebten her, blickte ihren stolzen Sohn auf dem Rücken des Stahlgrauen an und dann ihre kleine Tochter, die ebenso stolz daneben her lief. Die Worte der Kleinen hatte Hanako nicht mehr richtig wahrnehmen können, auch wenn sie als Mutter diese gerne gehört hätte. Sie lächelte nur und warf ihrer Familie einen bedeutenden Blick zu.
„Ich bin froh, dass ich euch habe. Ohne euch hätte ich die letzten Tage wohl kaum so durchgekämpft, damit ich alles hinter mir lassen konnte.“
Sie lächelte, sah dann aber wieder nach vorne, sie war irgendwie verwirrt, irgendetwas geschah, was nicht geschehen sollte, nur was? Sie warf Hidoi einen Blick zu, er hatte etwas Fragendes an sich, aber eine direkte Frage stellte sie nicht. Hanako wollte wissen, was hier geschah, was kommen würde und ob sie sich diesen Geruch wirklich nicht einbildete oder ob er ein Zeichen war. Sie würden es sicherlich herausfinden, alle zusammen.
Hanako sah zu ihren Welpen, ob sie sich auch nicht vor ihrer Mutter fürchteten wenn sie so eine Narbe im Gesicht trug? Kam sie ihnen nicht fremd vor oder irgendwie gefährlich? So eine Narbe sprach nicht immer für etwas gutes, das war leider eine Tatsache, aber vielleicht bewies sie doch an Stärke, Hanako hatte diese Kampf überlebt, überstanden, wenn auch nicht viel bewiesen, aber es war egal. Sie war doch nicht dümmer oder schwächer dadurch und ihre Liebe zu ihrer Familie hatte sie deswegen auch nicht verloren, nicht wegen so etwas.
Die Pechschwarze schaute den ebenso schwarzen Rüden an, der jetzt den Kopf auf seine Pfoten gebettet hatte. Er wirkte so, wie Eris sich in ihrem Leben nur ganz selten gefühlt hatte, vielleicht auch nie, gefühllos. Eigentlich brannte in ihr ständig ein Feuer, ob die Flamme nun rot und prasselnd war und sie glücklich oder ob sie Funken sprühte und Eris das Feuer ausspeihen wollte oder aber ob die Flamme ganz ruhig und sanft und klein war, in tiefer Nacht. Sie war nie erloschen, nicht in die Nähe davon gekommen und darüber war die Schwarze sehr froh, denn was der Blick von diesem Face ausstrahlte, das wollte sie niemals spüren. Solche Leere. Und trotzdem hatte seine Art etwas sehr lebendiges, seine Skepsis, das gefiel Eris.
Sie schaute ihn immer noch an und da fiel ihr etwas an seinem Hals auf. Sie kniff die Augen etwas zusammen, denn es war auch schwarz und deshalb nicht gut zu erkennen. Es war ein Band, glaubte Eris und sie ließ den Blick entlang wandern zu zwei Federn, auch schwarz. Es waren Rabenfedern. Aber dazwischen hing etwas, das nicht von schwarzer Farbe war. Das Mondlicht beleuchtete es schwach und sie meinte, es war blau. Schillernd, aber sie wusste nicht, was es sein sollte.
"Du warst bei Menschen?",
fragte sie nachdenklich, weil Menschen die einzigen waren, die ketten benutzten, wiel sie es für ihr Recht hielten sie anderen Wesen umzulegen, damit sie bei ihnen blieben, das wusste sie aus Erzählungen. Sie hatte allerdings gedacht, die Ketten wären größer und robuster, damit sie einen auch wirklich gefangen hielten. Außerdem fand Eris die Kette irgendwie hübsch, die Federn und das blaue Ding wirkten nicht so kalt, wie die Geschichten über Menschen.
Parveen war viel zu lange weg gewesen, ihre Wege hatten sie in dem Revier ihrer Eltern hin und her getrieben, niemals war sie über die Grenzen hinaus getreten, das hatte sie sich nicht getraut, nicht gewagt, aber sie hatte etwas gefürchtet, irgendetwas war im Wald gewesen, was ihr Angst gemacht hatte. Deswegen war sie auch niemals zurückgegangen. Nun hatte sie heraus gefunden, dass die Natur einfach nur lebte, keinen Streich mit ihr spielte, sondern nur ein wenig alles verzauberte und sie sich davor nicht fürchten musste, sie sehnte sich nun so sehr nach ihrer Familie, nach ihren Eltern und Geschwistern, wo sie wohl alle waren? Verwirrt war sie irgendwo in diesem Wald und hoffte, dass die Richtung, die sie nahm, die richtige sein konnte. Der Stern auf ihrer Stirn war ihr Wegweiser, denn er war kalt und schwach, sie war seh weit von ihren Eltern und das spürte auch der Körper. Parveen fror mittlerweile ziemlich und zitterte deswegen auch, die Sternenwinde spendeten diese Nacht keine Wärme, nein, es war ein komplettes Gegenteil geworden, sie spendete für die Kleine nur Kälte. Also wurde es Zeit, wieder bei den Eltern zu sein.
Frösteln lief die Kleine mit ihren starken Pfoten weiter, sie war noch lange nicht aus der Puste, nein, sie hatte sehr viel Energie, aber wie lange sie wirklich ihre Eltern verlassen hatte wusste sie trotzdem nicht. Es musste aber eine lange Zeit sein, denn sie würden sich sicherlich Sorgen machen, wenn ihre Welpen nicht mehr auftauchten. Oder etwa nicht? Und was war, wenn Parveen nun richtig viel Ärger bekam, weil sie einfach verschwunden war? Wenn ihre Mutter sauer sein würde? Und würde Parveen nun endlich ihren Vater kennen lernen? Er war bestimmt wieder bei ihnen, da war sie die Kleine ganz sicher, irgendwie schien sie dies zu spüren, ja. Mit einem Seufzer wanderte sie weiter durch die Büsche hindurch, was konnte sie ihren Eltern von der langen Reise erzählen? Vieles, aber vorher würde gekuschelt werden und dann wollte sie mal mit ihren Geschwistern spielen, das hatte sie doch schon so lange nicht mehr getan, da würde es doch jetzt wieder Zeit werden. Sie ließ etwas den Kopf hängen, aber sie spürte, wie der Stern auf ihrer Stirn wieder sanft anfing zu leuchten, sich zu erwärmen, sie kam der Familie näher, in der sie lebte, die Wölfe, die sie liebte, spürte sie in ihrer Nähe, bald wäre sie da und dann würde alles wieder in Ordnung sein, niemand würde Böse sein…niemand durfte Böse sein. Fast mit Tränen in den Augen lief die kleine Welpin los, immer schneller, sie wollte ja schnell durch das Gebüsch springen, bei ihren Eltern sein, deren Geruch sie nun wahr nehmen konnte. Der Stern glühte, er schien wie ein Wegweiser für alle zu sein, ein Zeichen für die Entfernten, dass sie kommen würde. Das Licht, dass ihre Mutter sehen würde, würde ihre Tochter sein, so mysteriös und doch so verspielt und noch unerfahren.
Mit einem letzten Sprung kam Parveen bei ihren Eltern an und beobachtete die Szene mit kleinen und fragenden Augen. Ihr Bruder war dort, ihre Mutter lag ebenso dort und ein schwarzer Rüde war ganz dicht bei ihr, den sie liebevoll berührte, so tat sie es bei den Welpen auch immer, nur anders, mit anderer Bedeutung. War das ihr Vater, der Acollon, von dem ihre Mutter immer gesprochen hatte? Er sah toll aus, fast wie die kleine Parveen, nur noch viel dunkler, ein tieferes Schwarz, aber ebenso schwarz.
„Mama, Papa?“
Flüsterte Parveen in die Richtung der großen Wölfe und tapste unsicher zu ihnen, wie würden sie wohl reagieren? Sie war so lange fort gewesen, viel zu lange, hatte niemanden Bescheid gesagt, aber trotzdem hatte sich keiner Sorgen gemacht, musste sie das enttäuschen oder doch beruhigen? Sie wusste es nicht, aber es war ihr nun egal.
„Ich bin wieder da und ich hab so viel zu erzählen Mama! Ganz viel! Hast du mich vermisst? Ich hoffe du hast dir keine Sorgen gemacht, das wollte ich nicht, aber mir geht es gut und ich war auch nicht weit weg! Ich war immer im Revier, Mama.“
Parveen hatte sehr schnell gesprochen, als wollte sie damit alles verdrängen, was an Belehrung nun kommen konnte, sie wollte nur von ihrer tollen Reise erzählen, von all den Dingen, die sie gesehen hatte, die sie so sehr beeindruckt hatten, all das hatte nun für die Kleine Bedeutung. Außerdem wollte sie wissen, ob dieser Rüde wirklich ihr Vater war. Der große Acollon. Aber sie war sich fast sicher, denn der Stern auf ihrer Stirn strahlte und erwärmte sie.
Es war die Nähe und die Wärme der Weißen, die den zitternden Körper beruhigte, langsam entspannte sich der Körper des kleinen Hellbraunen, die Muskeln in den Läufen waren nicht mehr angespannt und das Wimmern erstickte langsam. Es war wohl seltsam, wie schnell die Angst des Rüden verfliegen konnte, doch so war es immer, seine Mutter brauchte nichts Besonderes tun, schon hatte er sich beruhigt und schien wieder glücklich. Zufrieden seufzte er ganz leise, sodass Banshee es wohl nicht hörte, sog ihren Geruch ein und zog seinen Kopf wieder unter ihrem Bauch hervor. Die kleinen Ohren stellten sich langsam auf, mit einem leichten Lächeln betrachtete er seine Mutter, fuhr sich kurz mit der Pfote über die Schnauze und schenkte ihr einen liebevollen Blick. Doch trieb die Neugier Hiryoga dazu, den Kopf langsam zu dem Schwarzen zu wenden, aufmerksam musterte er ihn, doch hatte er keine Angst mehr, seine Mutter schien ihn zu mögen, so würde er ihn auch mögen. Er spürte, wie sein Körper von Wärme und Liebe durchzogen wurde und dieses Gefühl gefiel ihm, wenn er gewusst hätte, das dies sein Vater war, so hätte er wohl ganz anderes reagiert, aber im Moment war er nur ein Freund seiner Mutter, jemand den er nicht fürchten musste. Woher hätte er auch schon wissen sollen, dass dieser Rüde sein Vater war? Er rechnete einfach nicht mit ihm, sodass seine Reaktion nicht verwunderlich war.
Der Hellbraune bekam keine Chance seiner Mutter zu antworten, denn ein helles Licht kam schnell näher. Leicht senkte er den Kopf, seine Ohren drehten sich in die Richtung, aus der das Licht kam, doch wusste er wer nun kommen würde, es war einfach das Gefühl der Verbundenheit. Der Blick und der Ausdruck erhellte sich sofort, als seine Schwester auf sie zugerannt kam, langsamer wurde und bei ihnen anhielt. Ein freudiges Fiepen entwich seiner Kehle, die kleine Rute schwang über den kühlen Stein, neugierig musterte er die Dunkle, sie war einige Zeit fort gewesen, doch seine Schwester Parveen konnte er ja nicht vergessen, vor allem den Stern auf ihrer Stirn. Plump ließ sich der Rüde den Stein runterfallen, schüttelte nur kurz seinen Kopf, bevor er an seine Schwester herantrat, seinen Kopf an den ihren rieb und seine Zunge kurz durch ihr Fell gleiten ließ. Er sog ihren Geruch ein, damit er ihn ja nicht mehr vergessen würde. Er lächelte sie auf Wolfsart an, indem er die Lefzen zurückzog und versuchte, ein freundliches Gesicht zu machen, was ihm nicht ganz gelang, denn sein Gesicht hatte schon diesen ängstlichen Ausdruck immer gehabt. Hiryoga wandte den Kopf zu seiner Mutter und dem Rüden, hätte er nun seiner Mutter den Vortritt geben sollen? Fragend blickte er sie nur einen Moment an, bevor er die Ohren sinken ließ und sich ein kleines Stück weiter auf die Hinterläufe sinken ließ und entschuldigend zu seiner Mutter blickte, es hatte ihn einfach gerade nur gepackt und er hatte die Freude nicht zurückhalten können. Man musste jedoch hinzufügen, dass man den Hellbraunen selten so erlebte, denn grundsätzlich war er sehr zurückhaltend, nur in der Nähe seiner Mutter und auch bei Kaede, konnte er er selbst sein und hatte keine Angst und wurde zu einem richtigen Welpen.
Nur ganz langsam regte sich der Schwarze, ließ von Banshee ab. Er hatte den Welpen nicht bemerkt und nun, wo er ihn sah, wurde er still, ganz nachdenklich. Er legte sich neben Banshee und dem kleinen Welpen. Eigentlich war Acollon ein wenig wütend über die Unterbrechung der schönen Zweisamkeit, aber nun ja, so war es wohl, wenn man Kinder hatte. Also betrachtete er den kleinen Welpen und erkannte, dass auch er die Vorzüge Banshees Wärme erkannte.
Kurz darauf erschien ein weiterer Welpe. Acollon wurde es ein wenig unbehaglich, so viele Welpen, die auch noch seine waren. Sein Blick glitt wieder in den Himmel, in diesem Moment wünschte er sich eigentlich nur eins, diese Welpen um ihre Neugier, ihrer Angst und der Sehnsucht nach Wärme verstehen. Aber wie sollte er plötzlich auf Vater umschalten, wenn er es doch gar nicht gelernt hatte, und vor allem hatte er diese Welpen noch nie gesehen.
Zweifelnd bildeten sich Falten auf seiner Schnauze, leicht gekräuselte er die Lefzen. Ein unauslöschlicher Zweifel hob abermals an, er sah zu seiner weißen Fähe. Ihm behagte diese Situation nicht, und er wünschte sich nicht sehnlicheres als sich einfach zu erheben und einen Abgang zu machen, um einfach diesen Unbequemlichkeiten aus dem Weg zu gehen. Aber er würde nicht mehr abhauen, er würde seine Gefährtin und seine kleine Familie nicht mehr alleine lassen. Und so legte er geschlagen den Kopf zwischen die Pfoten und schloss die Augen. Geschlagen von der Vernunft und von der Liebe seiner Gefährtin.
Er lauschte nun den Worten der Welpin, die eindeutig an Banshee gerichtet waren. Er lauschte dem kühlen Wind und dem leisen Zischen in der Ferne, welches das Eintauchen der Sternschnuppen im See ankündigte. Mit einem Seufzen legte er sich auf die Seite.Geschlagen von seinen eigenen Welpen musste er nun einfach von Banshee ablassen und sich dem fügen, was da gerade passierte. Es war seine Familie, seine Welpen, die Schutz suchten und ein Ohr, das aufmerksam war. Und er, Acollon, konnte zumindest eines bieten, dass offene Ohr. So würde er jedes Wort seiner Welpen aufnehmen und versuchen zu verstehen, nachzuvollziehen. Und da war ja immer noch Banshee, die ihm helfen konnte, falls ihm etwas zu fremd war.
Langsam öffnete der Hüne die Augen wieder, sie sahen stumpf geradeaus, sogleich er doch den Wunsch hegte, seine Welpen zu begutachten. Doch ihm erschien es zu plump und zu forsch. Ja, zu krass. So widmete er sich dem Sternenschauer und verfolgte deren Laufbahn. Das leichte, ehrliche Lächeln fand wieder Platz in seinem Gesicht, ein Zeichen für Banshee, dass er sich schon daran gewöhnen würde, dass er endlich bleiben würde.
Banshee wurde, während sie ihren Welpen liebevoll betrachtete klar, dass weder Hiryoga noch sonst irgendeiner ihrer Welpen, abgesehen von Averic und Malicia, ihren Vater je zu Gesicht bekommen hatten. Sie kannten seinen Namen, aber sie wussten nicht, wer er war. Und jetzt, da Hiryoga seinen Vater so seltsasm musterte, wurde ihr klar, dass ihr Kleiner nicht verstand, wen er da vor sich hatte. Doch bevor sie etwas erklären konnte, hörte sie eine hohe Stimme und gleich darauf kam ihre älteste Tochter, der Stern schimmernd auf ihrer Strin angerannt. Banshee wurde erst bei ihrem Anblick klar, wie lange sie sie nicht gesehen hatte. Sofort stellten sich Schuldgefühle ein, zuerst die Sache mti diesem Mischlingsrüden, dann dieser Face und schließlich Acollon, das alles hatte sie überhaupt nicht mehr so denken lassen, wie sie es als Mutter zu tun hatte. Dennoch überwiegte jetzt die Freude ihre Tochter wieder zu sehen und obwohl auch sie ihren vater noch nie gesehen hatte, schien sie schneller zu verstehen, wer der schwarze Rüde an der Seite ihrer Mutter war. Hiryoga sprang sofort auf und lief zu ihr, den Mut zwar danach offensichtlich wieder bedauernd, aber Banshee schenkte ihnen beiden ein liebevolles Lächeln und machte eine einladende Bewegung. Sie wollte, bevor sie irgendwelche Geschichten hören würde, die ihr nur Angst um ihre Parveen machen würden, Acollon seine Welpen vorstellen.
"Parveen, endlich bist du wieder da, ich habe mir Sorgen gemacht. Geh nicht mehr so weit weg, ohen es uns zu sagen, ja? Aber bevor du etwas erzählst, will ich euch beiden, dir udn Hiryoga erstmal jemanden vorstellen."
Sie sah lächelnd zu Acollon, der jetzt neben ihr lag und in den Himmel sah. Bei jedem anderen Wolf wäre das wohl ein Zeichen für Desinteresse und Langweile gewesen, aber sie erkannte das Lächeln auf seinen Lefzen und berührte ihn kurz liebevoll an der Stirn.
"Das ist euer Vater, Acollon. Acollon, das ist Parveen, deine älteste Tochter und Hiryoga, dein jüngster Sohn."
Es war seltsam den Gefährten und Vater seinen eigenen Welpen vorzustellen, aber an ihrer kleinen Familie war so einiges seltsam, also würde es auch das nicht mehr verändern. Sie zog ihre Welpen etwas näher, bedacht aber, sie nicht zu ihrem Vater zu drängen. Beide Seiten mussten sich wohl zunächst ein wenig beschnuppern, zu bewusst war sie sich der Tatsache, dass es für einen Vater ganz anders war als für eine Mutter, die ihre Welpen schon 2 Monate lang im Bauch herumtrug.
Der Rüde lauschte den Worten seiner weißen Fähe. Und erst als sie ihn an der Stirn berührte sah er auf. Sein Blick war zwar kühl und auch leer, aber ein leichtes Funkeln war zu erkennen. Etwas, das man mit Worten der Neugier, des Interesses, aber auch der Furcht vor dem eigenen Blut beschreiben könnte. Seine Lefzen waren nun wieder geglättet. Wie war es möglich, dass solch kleine Welpen einem die gute Laune nicht nehmen konnten, obwohl sie gerade die schöne Zweisamkeit gebrochen hatten? Acollon war im Begriff das Wunder eigener Kinder zu verstehen, doch war noch vieles zu fremd, vieles einfach zu viel. Kinder waren einfach in die Welt gesetzt, doch sie zu verstehen, sie zu lieben und zu schätzen war eine sehr schwierige Aufgabe. Der Schwarze stemmte sich mit den Vorderpfoten hoch, sodass die Schulterblätter ein ganzes Stück herausragten und zog die Hinterbeine nach. In einer Eingekrümmten Sitzhaltung betrachtete er seine Welpen. Worte fand er nicht, die er nun den Welpen als Gutheißung entgegen bringen konnte. Er dachte angestrengt nach, was meinen seinen Welpen sagen würde, wenn man sie fast ihre ganze Welpenzeit nicht gesehen hatte, sie nicht umsorgt hatte.
“Schön euch mal zu Gesicht zu bekommen“,
sagte er in einem merkwürdigen Ton. Belegt war seine Stimme gewesen und das erste Mal konnte man einen Hauch von Unsicherheit heraus hören. Dem Hünen war bewusst, wie sehr er sich in Gefühle stürzte, unternahm aber nur wenig dagegen, um es zu verhindern. Und eigentlich war es auch gar nicht mal so schlecht zu wissen, dass man seine eigene Familie hatte. Es fehlte nur noch, dass er Banshee endlich seinen ewigen Schwur geben würde. Aber dies brauchte Zeit und im Winter war es ihm um einiges wohler.
Wenn der erste Schnee gefallen ist, werde ich Banshee es sagen
Laios hatte die Fähe, die sich als Kaede vorgestellt hatte noch einige Sekunden lang misstrauisch gemustert, es aber akzeptiert, dass sie Neyla offensichtlich kannte und ihm helfen wollte. Gemeinsam schafften sie es sogar seinen so schwachen Engel sicher unter den Baum zu bekommen. Kaum warens ie dort angekommen, sank die Graue kraftlos zu Boden, aber sie hatten es geschafft. Kaede ging wieder etwas weg, aber Laios ließ sich neben seiner Fähe nieder, wärmte sie und ließ sie sich jetzt ausruhen, auch er selbst legte die Schnauze auf die Pfoten und verschnaufte etwas, es war ein langer, anstregender Weg gewesen.
Nach einiger Zeit, Laios musste eingeschalfen sein, öffneten sich seine Augen wieder und die zwei schimmernden Smaragde suchten sich sofort ihren Weg zu Neyla. Die Fähe lag ruhig da, ihre Brust hob sich regelmäßig auf und ab. Einige Zeit lang blieb der weiße Rüde so liegen und beobachtete seine Gefährtin. Auch wenn sie jetzt so schwach und hilflos war, so war er doch stolz auf sie, so wie sie war, was ihr Rudel und ihr Vater aus ihr gemacht hatten. Der Trubel um sie herum hatte sich gelegt, die Leitwölfe waren verschwunden wie auch die meisten anderen. Nur Kaede war noch da und etwas weiter hinten tummelten sich drei Welpen. Laios Blick verharrte eine lange Zeit auf diesen drei kleinen Gestalten, sie alle hatten tiefschwarzes Fell und seltsame Augen, zwei von ihnen dunkle Saphire, der Kleinste zwei schillernde Bernsteine. Er überlegte kurz, ob er zu ihnen hingehen sollte, ihre Namen erfahren, und wer ihre Eltern waren, so viel hatet er schon bemerkt, dass hier wohl zwei Fähen Welpen bekommen hatten, aber er beschloss doch lieber bei Neyla zu bleiben. Sie brauchte ihn dringender. Jetzt schob er leicht den Kopf nach vorne, suchte ihren Blick, aber noch waren die Augen geschlossen. Trotzdem hatte er das Gefühl, dass sie nicht mehr schlief.
"Neyla, Engel, wie gehts es dir?"
Er fragte es nur ganz leise, die Welpen würden wahrscheinlich nicht mal bemerken, dass er etwas gefragt hatte, Kaede dagegen würde es wohl gehört haben und dadurch wissen, dass sie beide wach waren. Er legte sanft seine Schnauze auf Neylas Schulter, dort in die Vertiefung, die wie für eine liebevolle Schnauze geschaffen schien. Er hoffte, es würde ihr besser gehen, mittlerweile war es stockdunkel und jetzt fühlte er sich ein wenig ausgeliefert. Er mochte sein schillernd weißes Fell nicht.
Alienna saß eine lange Zeit stumm da. Die Erklärungen von Leyla versuchte sie zu verinnerlichen und zu verstehen aber ihre letzten Sätze drängten sich doch immer wieder in den Vordergrund. Sie würde wieder gehen, sie würde Alienna alleine lassen, dabei hatte sie jetzt erst verstanden, was es hieß, jemanden zu haben, den man mochte und dem man sich ähnlich fühlte, bei dem man das Gefühl hatte akzeptiert zu werden und dessen Gesellschaft man genoss. War das bei Leyla nicht so? Irrte sich Alienna, was Leylas Gefühle und Gedanken betrafen? Möglicherweise bildete sie sich das alles nur ein. Oder warum sonst sollte Leyla gehen wollen. Ja, vielleicht hatte sie die Gabe nicht mehr und vielleicht gab es noch andere, die sie jetzt noch haben, aber warum war das ein Grund zum Gehen? Warum sollten sie ihren eigenen Weg gehen, wenn der gemeinsame Weg, vielleicht irgendwann als Freundinnen, Alienna hatte noch nie eine Freundin gehabt, so viel schöner war? Sie schluckte einmal, sah dabei zu Boden und wagte plötzlich nicht mehr in Leylas Augen zu blicken, als würde sie die Abneigung darin schon erwarten.
"Wenn du hierbleiben würdest, könnten wir gemeinsam an den See gehen und sollten dort Bilder erscheinen, so könnten wir es gemeisnam schaffen sie zu überwinden. Wenn du hierbleiben würdest, könnte ich lernen, mit all dem umzugehen und wer weiß, vielleicht würdest du auch alte Kraft wiederfinden, denn wer sagt, dass sie für immer verloren ist? Niemand kann das doch wissen. Wenn du hier bleiben würdest, würden wir vielleicht gemeinsam Glück haben und andere Wölfe mit dieser Gabe finden. Wenn du hierbleiben würdest ..."
Erst jetzt wagte sie aufzusehen, in die grünen Augen der Weißen und all ihren Schmerz und ihre Angst in sie hinein zu legen. Sie holte einmal leise neuen Atem, bevor sie schließlich den Satz zu Ende sprach.
"... dann ... dann wüsste ich vielleicht endlich, was Freundschaft bedeutet und wäre nicht wieder alleine in diesem Rudel voller Wölfe, die sich lieben."
Schon war es vorbei mit dem Mut und sie musste wieder zu Boden sehen. Der Mond erhellte die kleine Lichtung, auf der sie beide lagen und trotzdem hatte Alienna das Gefühl, als wäre alles unglaublich dunkel um sie herum. Sie starrte in den Schatten, den ihr eingener Körper warf, nur dort und im Schatten Leylas war wirklich alles schwarz und wünschte sich, das Leben verändern zu können ... wie so oft.
Parveen sah noch immer zu den Wölfen vor ihr, zu der Familie, zu der auch sie gehörte. Ihr Bruder hatte sofort aufgesehen als sie durch die Büsche gebrochen war, nun war er von dem Stein geplumpst und auf sie zu gerannt. Die Rute der kleinen Welpin schnellte erstaunlich schnell hin und her, sie war furchtbar glücklich, so empfangen zu werden und erst recht froh, ihren Bruder Hiryoga wieder zu sehen. Sie schleckte auf ihm vertraut durch das dichte und kurze Fell und lächelte dann glücklich auf Wolfsart zu ihm. Den Geruch ihres Bruders sog sie tief ein, damit sie ihn niemals auch nur vergessen würde, nein, ihr Leben lang würde dies nicht passieren, sie waren Geschwister, sie durften sich gar nicht aus den Augen verlieren.
Dann aber betrachtete Parveen wieder nachdenklich den schwarzen Rüden, es war ein ungewohntes Gefühl in ihr, dass ihr versuchte klar zu machen, dass dies ihr Vater war, ein starker und mächtiger Rüde, dem sie immer und immer wieder etwas erzählen konnte, der sie etwas lehrte, sie erzog und sie liebte. Doch noch immer war er ein wenig fremd und es war seltsam den leiblichen Vater noch nie gesehen zu haben. Auch Parveens Bruder war verwirrt darüber, denn selbst er schien diesen Rüden noch nicht zu kennen, aber vielleicht änderte sich dies ja noch? Die Welpin trat weiterhin schwanzwedelnd auf ihre Mutter zu und sah sie glücklich und stolz an. Ja, die Welpin war stolz auf sich, sie hatte eine weite Reise hinter sich gelegt und nun hatte sie so vieles erlebt, was sie erzählen wollte. Sie wollte ihrer Mutter beweisen, dass sie gelernt hatte und niemals auch nur noch mal weggehen würde, ohne sie unwissend zu lassen. Ihre Mutter würde jeden Schritt mitbekommen, Parveen wollte ihr keine unnötigen Sorgen mehr machen. Dann, nach einer kurzen Weile, in der sich die Wölfe gegenseitig alle nur betrachteten, erhaschte Banshee das Wort und Parveen lauschte ihrer Mutter sehr deutlich.
„Mama, ich werde nie wieder wegrennen, das verspreche ich dir…“
Flüsterte die Kleine, sie fühlte sich schon ein wenig schuldig, dass ihre Mutter sich jetzt Sorgen machte, das wollte sie niemals auch nur erreichen, hoffentlich war es nicht zu schlimm gewesen. Aber Banshee würde ihr zuhören und das erfreute die Kleine wieder umso mehr, jemand hörte ihr zu, versuchte sie zu verstehen und brachte ihr dadurch wieder viel mehr bei. Nach einer kurzen Pause stellte Banshee dann den schwarzen Rüden vor. Es war der große Acollon, von den Parveen schon so viel gehört hatte, ihr Vater. Ihr Gefühl hatte sie nicht betrogen, nein, niemals, sie hatte vollkommen Recht gehabt. Der schwarze Rüde, der ihr ähnelte, dem sie einmal gleich sein wollte. Sie wollte Stärke beweisen, Willen, aber sie wollte nicht boshaft sein, sie hatte gelernt, dass dies zwecklos in vielen Dingen war. Aber ihr Vater war auch nicht boshaft, niemals, Parveen war sich da sehr sicher.
Banshee schob Hiryoga und sie ein wenig nach vorn und Parveen sah unsicher zu ihrem Bruder und schien ihn mit einem Blick tausende Fragen zu stellen. Wie sollten sie reagieren? Natürlich freute sich die Kleine ihren Vater wieder zu sehen, endlich zu sehen wohl eher, aber es war trotzdem ungewohnt, trotzdem wusste sie noch nicht so ganz, wie sie reagieren sollte. Letzten Endes gab sich die Welpin einen Ruck und trat näher auf den Schwarzen zu, je näher sie ihm kam, desto mehr spürte sie eine Vertrautheit zu ihm, die Ähnlichkeit zwischen ihnen war so deutlich, so klar. Auch Acollon sprach einige Worte und Parveen lächelte ihn an.
„Hallo Papa!“
Sie war richtig glücklich, ihre Stimme drückte dies nur zu deutlich aus, mit wedelnder Rute tanzte sie um ihn herum, letzten Endes kämpfte sie sich dann noch auf seinen Rücken hoch, ihre Kletterkünste waren erstaunlich, vielleicht zwickte sie ihren Vater ein wenig, aber er spürte es wohl kaum, so wenig Kraft wie Parveen sie in dem Alter aufbrauchte. So lag sie seltsamen hängend auf den Rücken ihres kräftigen und tollen Vaters und schleckte ihm über sein Nackenfell, ganz liebevoll um auszudrücken, wie doll sie ihn liebt hatte.
„Ich hab euch Lieb, Mama und Papa.“
Sagte sie dann zu den beiden großen Wölfen und schloss die Augen, sie war ein wenig müde, aber noch immer bereit zu erzählen und zu zuhören.
Nachdem Neyla unter dem Baum angekommen war, hatte sie sich ein letztes Mal in diesem Trubel umgesehen, es war alles sehr viel auf einmal für Laios und sie, sie hatten eine ewige lange Wanderung hinter sich, ganz allein, einsam von Russland in einen Wald voller Schönheiten und Geheimnisse waren sie gegangen. Ein wenig vermisste Neyla ihre Heimat schon, aber nicht zu sehr, nein, ganz im Gegenteil, in Weißrussland hatte sie so viele negative Erfahrungen gemacht, dass sie hier neue Kraft schöpfte und wieder aufsehen konnte. Mit einem glücklichen Seufzer schloss sie dann endgültig die Augen, Laios hatte sich neben sie gelegt, sie spürte seine Nähe, seine Wärme, so wie sie es liebte von ihm. In ihren Augen, die geschlossen waren, lagen nun etwas Ruhe, sie hatten ihren Rüden bei sich und eine alte Freundin wieder gefunden, sie hätte dies niemals gedacht, nein, aber es war so gekommen. Sie hatte alles, was sie brauchte. Eine Freundin, mit der sie über Vergangenes reden konnte, was sie verpasst hatten und einen Geliebten, der nie von ihrer Seite wich und keine Sekunde lang zögerte, an sie zu denken. Neyla Zárá fühlte sich geborgen, beschützt und geliebt, wie schon lange nicht mehr. Die Zeit, die verstrich, flog nur an ihr vorbei, irgendwann musste sie leicht eingeschlafen sein.
Neyla hatte keine wirklichen Träume gehabt, vor ihrem geistigen Auge kreisten nur sehr viele Bilder, Bilder, die sie vielleicht niemals verstehen würde, eine Art Zukunftswunsch. Sie sah vor ihren Augen viele silberne und weiße Welpen, die Laios und sie umspielten. Sie sah sich mit ihrem Gefährten, glücklich auf einer Lichtung stehen, Flanke an Flanke, die Schnauze berührten sich sanft und liebt, ihre Zunge spielten im Fell des Anderen und die Augen drückte Liebe und Lust aus. Würden sie wirklich einmal eine Familie bekommen? Noch war Neyla jung, sie musste heran wachsen, reif werden und alles verstehen. Doch irgendwie war sie schon zu reif für sich selbst, sie hatte zu viel mitgenommen in dieses Leben in einem Rudel, was sie nicht wollte. Würde sie mit ihrem Geliebten und Beschützer hier bleiben? Hatte er sich nun dazu entschlossen in dem Rudel Schutz zu suchen? Sie hatte nichts dagegen, nein, ganz im Gegenteil, aber es würde sie trotzdem überraschen, wenn diese Entscheidung wirklich kommen würde. Mittlerweile war Neyla aufgewacht, aber es lag eine so ergebene Ruhe auf dem Ort, an dem sie ruhten, sodass sie es nicht wagte, die Augen zu öffnen. Der Körper der Fähe hatte sich langsam erholt, sie fühlte sich nicht mehr so schwach wie vorher und genoss die Stille und Wärme, die sie umgab. Neyla spürte Bewegungen neben sich und war sich sicher, dass dies ihr Gefährte war, er war ebenso wieder aufgewacht und suchte nun ihre Nähe, seine Schnauze berührte ihre Schulter, sie hatte ein leichtes Lächeln auf den Leftzen.
Als die Stimme des Rüden an ihr Ohr drang öffnete sie ihren leuchtenden grünen Augen und sah ihn beruhigt, glücklich, erholt, erleichtert, ja auch liebevoll aan und stupste sanft gegen ihn.
„Geliebter, ich fühle mich gleich viel wohler. Mein Körper scheint sich gut erholt zu haben. Es ist bereits Nacht, wie ich sehe. Wohin sollen wir nun? Bleiben wir hier?“
Ihre Worte waren ebenso nicht laut gesprochen, sie waren an Laios allein gerichtet, an den Rüden, den sie nie mehr verlassen wollte, sondern immer an ihrer Seite haben wollte. Er hatte vielleicht auch noch nicht drüber nachgedacht, aber er war erfahrener als sie in diesen Dingen, da war sie sich sehr sicher. Dafür liebte sie ihn.
24.12.2009, 15:16
Leyla war stumm. Sie blieb regungslos sitzen und starrte zum Boden. Aliennas Worte schossen wie Blitze durch ihren Kopf. Sie war erschrocken über das, was sie gesagt hatte. Da waren Wörter dabei, die ihr eine Art Stromstöße verpaßten und ihr Herz in ein unregelmäßiges Schlagen brachten. Sie wußte nicht, ob das gut oder schlecht war. Auf alle Fälle ließen Aliennas Worte sie nicht kalt. Nein. Kein Bißchen. Im Gegenteil.
…Freundschaft…
…. ....in diesem Rudel voller Wölfe, die sich lieben."… ..
..sich lieben. .... .. .... .
.........lieben. ..
Sie brachten Leyla vollkommen durcheinander. Ihre Gefühle brachten ihre Gedanken durcheinander. Sie sah nichts, sie hörte nichts, sie fühlte nichts. Wie gebannt, wie zu Kristall erstarrt, stand sie im Mondeslicht und ließ sich von diesen magischen Worten aus dem Maul der braunen Wölfin steuern..ja sogar ein wenig kontrollieren. Mehr, als ihr lieb war. Leyla hätte nie gedacht, daß es noch einen anderen Wolf auf Erden gab, den sie so außergewöhnlich findet wie sich selbst. Nur, daß sie sich sehr negativ außergewöhnlich fand. Alienna ist..ein sehr positiver und positiv denkender Charakter. Voller Optimismus und Lebensmut. Keine Aufgeberin. Sie selbst hingegen..sie war eine absolute Verliererin. Sie konnte noch nicht ein Mal mit ihren wenigen aber sinnvollen Fähigkeiten umgehen. Oh Leyla, was warst du doch für eine Verliererin! So dachte sie. Es machte sie fertig. Unwissend, was sie Leyla mit ihrer Güte antat, brachte Alienna sie mit ihren Worten zu Boden. Aber nie..nie würde sie auch nur ein Wort darüber verlieren. Zu niemandem. Erst recht nicht zu demjenigen, den es neben ihr selbst, direkt betraf, zu Alienna. Alienna wollte helfen. Sie tat alles. Aber Leyla war einfach zu dumm, als daß man ihr helfen könnte. Sie war so eigenartig vom Charakter her, daß sie diese Worte nur noch mehr verletzten. Sie war Mitleid erregend, unfähig zu überleben, ständig pessimistisch und an sich selbst zweifelnd und krank..traumatisiert krank. Wahrscheinlich war es doch anders als sie dachte. Sie mußte daran arbeiten, Aliennas Worte richtig aufzunehmen. Sie verstand ja, wie gut sie es meinte. Aber ihr Innerstes, ihr tiefstes Innerstes wandelte diese Worte in schlimmeste Beschimpfungen um. Und so verwandelten sich sogar die mutgebenden und lieb gemeinten Worte der freundlichen Alienna in bösartige Parolen.
„Du Nichtsnutz! Sieh doch wer du bist! Ein Nichts! Du kannst nichts, du bist nichts! Du jammerst nur! Ständig brauchst du fremde Hilfe! Du bist weniger überlebensfähig als ein Welpe oder ein alter Wolf! Dein Pessimismus nutzt niemandem etwas! Und du willst dich umbringen..da siehst du, zu was du fähig bist.“
Stille herrschte. Die Stille des Abends. Leyla veränderte ihre Mine nicht. Sie war still. Sie saß da, als hätte gar niemand gesprochen. Keine wohltunden Worte einer netten Wölfin, die auch große Probleme hat, die auch nicht perfekt war und mit sich zu kämpfen hatte. Aber sie hatte eines: Mut zum Weitermachen.
Leyla wußte nicht, was nun. Sie verlor das Bewußtsein. Sie, aber nicht ihr Körper. Ohne ihr seelisches und gedankliches Bewußtsein, das durch diese Wortverdrehungen ausgeschaltet wurde, heulte sie klagend auf. Laut und so kräftig, daß es die Stille der Nacht wie bei einem Steinzerschlag zerfetzte. Sie heulte einen langen Wolfsheuler. Aus tiefster Kehle. Klagend, traurig und scheinbar ihre letzte Kraft. Als sie keinen Atem mehr hatte, sprang sie auf, rannte hinfort- ohne die ahnungslose Alienna noch ein Mal anzugucken oder gar für ihre Hilfe zu würdigen. Sie schien durch zu drehen. Sie rannte durch die Nacht. Äste und Blätter streiften ihr weißes, schönes Fell. Sie guckte starr und ohne Geist geradeaus. Nur ein Rest geistiger Gegenwart sorgte dafür, daß sie nicht gleich gegen den nächsten Baum rannte. Sie rannte immer schneller. Sie wollte gar nicht mehr aufhören. Sie rannte immer weiter in die Finsternis der Nacht. Würde sie jetzt umkehren, müßte sie sehen, wie enttäuscht durch Unverständnis die Braune wäre.
Plötzlich fiel sie hin. Sie brach vor Schwäche zusammen und stürzte einen steilen Hang hinab. Sie blieb unter einem kleinen Felsvorsprung am schlammigen Boden liegen und war still. Absolut still. Ihre Reaktion war wieder still geworden. Nur ihr dreckig gewordenes Rückenfell bewegte sich noch leicht. Sie atmete. Leyla war so ziemlich am Ende aller Lebenskraft. Von Freude konnte noch nie die Rede sein. Freude hatte sie nie kennen gelernt. Sie war einfach vollends überfordert mit der Tatsache, daß dort jemand war, der sie nicht ausnutzen wollte, sondern es wirklich gut mit ihr meinte. Daß dort jemand war, der sich wirklich Sorgen um die weiße Wölfin machte. Das hatte sie nie kennen gelernt. Nie.
Alienna zuckte zusammen, als Leyla plötzlich die Schnauze zum Himmel riss und zu heulen begann. Die Braune hatte sich viele mögliche Reaktionen ausgemalt, schließlich hatte sie eindeutig gezeigt, dass sie eine Freundschaft erhoffte und darauf konnte man eben so eindeutig reagieren. Die Weiße war zwar sehr schwach, aber Alienna hatte bemerkt, dass sie im Herzen auch stärke sein konnte. Viel mehr kam es ihr so vor, als würde Leyla sich selbst etwas zusammenrollen und sich ein wenig selbst leid tun. So wie Alienna das auch schon oft genug getan hatte und seit der Begegnung mit Lighto langsam abgeworfen hatte, bis sein Verschwinden es wieder aufgewühlt hatte. Auch das hatte sie sich vorgestellt, hätten sie gemeinsam aus dem Weg räumen können. Selbstmitleid war etwas für Wölfe, die alleine waren und die niemanden hatten. Aber natürlich hatte Alienna das alles überspitzt. Wie hatte sie auch glauben können, dass diese wenigen Stunden, die gegenseitige Hilfe und der Moment auf dem Felsen soetwas wie Freundschaft ankündigte? Nur, weil sie noch nie gewusst hatte, wie es sich anfühlt, vermutete sie es jetzt hinter jedem netten Wort. Sie war dumm. Zeit, sich selbst leid zu tun. Aber dazu kam es nicht so schnell, denn aufeinmal verstummte Leyla und begann dann plötzlich loszurennen. Besinnungslos raste sie in den Wald hinein und war innerhalb kürzester Zeit aus Aliennas Blickfeld verschwunden.
Eine lange Zeit regte sich die Braune kaum. Nur manchmal ein Liderflattern und ein Zucken der Pfote. Ihr Blick war auf die Stelle gerichtet, an der Leyla verschwunden war. Und auch wenn es so aussah, Alienna war nicht enttäuscht und auch nicht verletzt oder gekränkt. Sie war nur schwach, unglaublich schwach und unendlich müde. Sie wusste nicht, woher Leyla die Kraft genommen hatte wieder zu rennen, aber Alienna hatte sie nicht. Leyla war wohl auf dem Weg hinaus aus deisem Revier und auch wenn sich Alienna Sorgen machte, ob die schwache Weiße dies schaffte, selbstverständlich würde sie ihr noch immer ohne zu zögern helfen, aber jetzt hatte sie es geschafft, sich der Hilfe der Braunen zu entziehen. Diese legte jetzt langsam den Kopf auf die Pfoten. Leyla verschwand wahrscheinlich gerade aus dem Revier. Sie hatte angekündigt zu gehen und jetzt hatte sie es wahr gemacht. Alienna konnte nicht wissen, dass die Weiße nicht aus dem Revier verschwunden war und auch nicht, dass sie gestürzt war. Sie versuchte nur dem Geschehenen ein wenig Sinn zu verleihen und der einzige Sinn, den man darin finden konnte, war, dass Leyla ihre Ankündigung wahr gemacht hatte. Jetzt wurde Alienna doch ein wenig traurig, ihre Worte hatten also nichts genutzt, Leyla wollte gehen und dabei blieb es. Langsam setzte sich die Braune auf, das Einzige, das sie jetzt noch tun konnte, war Leyla noch einmal zu danken ... und ihr zu wünschen, dass sie irgendwo anders Ruhe fand und nicht immer weiter umher wandern musste ... auch wenn es Alienna tief im Inneren irgendwo weh tat.
Schwach setzte sie sich auf und schob langsam die Schnauze gen Himmel, betrachtete einige Sekunden lang die Sterne und begann dann zu heulen, mit zittriger, dünner Stimme, aber auch wenn Leyla das Revier bereits verlassen hatte, so würde sie es dennoch hören müssen.
"Leyla, ich akzeptiere deinen Entschluss, finde Frieden irgendwo, ich wünsche dir viel Glück auf deinen Wegen, wo auch immer sie dich hinführen werden. Danke für alles, lebe wohl."
Als sie verstummte, konnte sie noch einige Sekunden lang ihrer zitternden Stimme nachlauschen, bis der letzte Ton vom Wind fortgetragen wurde. Dann sank sie wieder zu Boden, die Schnauze im feuchten Gras, den Blick zum Himmel gedreht. Ihr Atem ging schwach. An einem Tag wurde sie von zwei Wölfen verlassen, die beide angefangen hatten ihr etwas zu bedeuten ... wie viel konnte ein schon verwundetes Herz noch ertragen?
Face Taihéiyo hatte seinen dunklen Blick wieder etwas zur anderen Seite gleiten lassen, tiefer in den Wald hinein. Obwohl es bereits Nacht war, waren noch immer deutliche Stimmen in der Ferne zu hören. Und es war außergewöhnlich hell... Doch die Frage der schwarzen, für ihn noch namenlosen, Wölfin, ließ ihn innerlich krampfhaft zusammen zucken. Woher wusste sie – ach, die Kette... Das jemand sie bemerkt hatte grenzte schon an eine Meisterleistung. Auf einer Seite war es ihm unangenehm, denn es bedeutete, dass sie ihn musterte. Das wiederum erinnerte ihn an dieses ‚zur Schau stellen’, Gott wie er es hasste. Anderer seits zeigte dies doch, dass man ihn wirklich beachtete, oder? Die Schnauze tief senkend versuchte Face einen Blick auf die Kette zu werfen, gleichzeitig sie auch wieder etwas weiter unter seinem Pelz zu verbergen. Menschen... Ja und nein. Mit Menschen verband man weiße Männer, die ihre Feuerstöcke schwangen und leben auslöschten, aber nicht die Indianer.
„Sie mögen vielleicht zur Spezies ’Mensch’ gehören, sind vom Wesen her aber ganz anders... Man nennt sie Indianer.“
murmelte er leise, aber so, dass es doch verständlich für die Fähe sein musste. Den dunkeln Kopf wieder senkend sah der Schwarze von unten zu ihr hinauf. Einem anderen wäre es vielleicht wichtig gewesen niemals von unten herauf zu schauen, doch ihm war das völlig egal. Der leere Blick wanderte schließlich hinauf in den Himmel, wo sich etwas sehr sonderbares abspielte. Face konnte gleich mehrere Sternschnuppen sehen, welche schweifziehend über das nächtliche Firmament zogen. So etwas hatte er wirklich noch nie gesehen. Doch Interesse konnte man nicht in seinen Augen lesen, rein gar nichts. Ausdruckslosigkeit und das bloße, trübe Spiegelbild des Sternenhimmels. Trotzdem erhob sich noch einmal leise und matt die Stimme des Rüden.
„Ist so ein Sternenschauer hier üblich?“
Dunkel war es. Nacht. Tiefste Nacht. Leyla öffnete die Augen. Ihre grünen Augen blickten in die Finsternis. Sie verspürte Schmerzen im rechten Hinterlauf. Schlimme Schmerzen. Es piekste und stach wie verrückt. Sie bewegte sie ein Stück aber es war, als würde man ihr mit einem spitzen Stein in das Bein hacken. Sie blinzelte schwach mit den Augen. Sie konnte nichts sehen. Alles war dunkel. Den Kopf konnte sie nicht bewegen. Dafür war sie viel zu schwach. Ihre Nase zuckte. Sie versuchte Gerüche auf zu nehmen. Sie konnte frischen Tau schnuppern. Erde, Pflanzen..Rinde. Aber kein Wolf. Gar kein Tier. Nichts. Was war los? Was war geschehen? Sie schaffte es unter größter Anstrengung, den Kopf zu erheben. Sie blickte ein Stück nach rechts. Ganz langsam. Sie konnte ihr Genick etwas knacksen hören. Sie hatte ihren Kopf seit sehr vielen Herzschlägen in dieser unbequemen und ungeeigneten Position. Sie sah auf zum Mond. Sie versuchte sich zu erinnern, was geschehen war. Moment.. da war..da war diese braune Wölfin. Und sie hatte ihr geholfen. Und sie..ja sie hatte diese Fähigkeiten. Sie hatte die Fähigkeiten. Eine Begabung. Leyla wußte nicht, was zuletzt geschehen war. Es dauerte ein wenig, bis ihre Erinnerungen zurückkehrten. Sie sah das weiße Licht des Mondes. Ihre Augen guckten sehr ernst. Sie mußte ein Mal niesen. Es war die Magie des Lichts, die ihr zu körperlichen Reaktionen verhalf. Verhalf, weil sie selbst eigentlich zu schwach war, um größere Dinge zu vollrichten. Dann fiel es ihr ein. Es kam ihr wie ein Knall in die Erinnerung zurück.
Diese Worte..ihr Heulen..ihre Flucht.
Mist! Was hatte sie getan? War sie wahnsinnig geworden? Sie hatte Alienna zutiefst enttäuscht. Sie hatte sie verlassen. Alienna war dabei ihr Mut zu machen, ihr neue Lebenskraft zu geben. Manchmal war Leyla wie schitzophrän. Ihr Trauma hatte aus ihr zwei völlig halbe und zerstörte Persönlichkeiten gemacht. Die arme Leyla, die trauerte und an die schlimmen Erfahrungen zurück dachte und die haßerfüllte Leyla. Die, die ihre größte Bedrohung war, weil sie niemanden mehr haßte als Leyla, sich selbst. Und wieder war die zweite Leyla da. Beide Leylas verurteilen sich gegenseitig. Die eine die andere. Sie haßte sich wieder. Sie haßte sich für das, was sie Alienna hat den Aschein geben lassen. Sie hatte ihre einzige Freundin, wenn man das schon sagen konnte und Alienna das selbst überhaupt so gesagt hätte, zu tiefst enttäuscht. Sie hatte ihre Hilfe auf das Schlimmste verstoßen und sie mit ihrer durchgedrehten Art jemanden schlimm verletzt. Die einzige Wölfin, die wirklich mal etwas für sie getan hatte. Leylas Wut verlieh ihr Kraft. Sie stand auf. Sie neigte ihren Kopf ganz nach hinten und biß sich, so schlimm wie noch nie zuvor, in ihre eigene Rute. Sie drückte lange und fest zu. Richtig tief, so daß sie ihre Wirbelknochen genau spüren konnte. Es knackte und sie merkte, wie das Fleisch gezwungener Maßen die Knochen entlangrutschte. Sie hätte sich noch viel länger zugebissen, wenn sie nicht diese üblen Schmerzen dabei empfunden hätte, die ihr bald im ganzen Körper weh taten. Sie ließ sich mit einem ächtzenden Stöhner los und guckte auf den Boden, kniff die Augen zu und verzog das Gesicht zu einer wütenden Mine. Ihr stechend-rotes Blut tropfte das weiße, buschige Schwanzfell hinunter. Sie machte ihre eigene Schönheit zunichte und ihr Trauma noch schlimmer. Dann hörte sie Aliennas Worte. Der Wind trug sie zu ihr und überbrachte ihr die Botschaft. Alienna nahm Abschied von ihr. Hätte Leyla einen Menschenkörper gehabt..sie hätte angefangen leise zu weinen. So winselte sie und jauchzte. Sie war nicht im Stande Antwort zu geben. Das war es dann wohl. Alienna nahm Abschied. Das hast du wieder schön hinbekommen, Leyla! Nun gab es mal eine, die dir geholfen hat und du hast sie mit deiner krankhaften Art verstoßen! Das ist deine Strafe! Und jetzt zerstöre dich selbst! Tu es!
Leyla ließ sich auf den Boden fallen. Mit schlimmen Schmerzen im Schwanz und noch schlimmeren Gewissensbissen dem, was sie getan hatte und was sie schon wieder verloren hatte, schlief sie nach langen Momenten, unvergeßlich schlimmen ihres Lebens, ein.
Banshee betrachtete liebevoll, wie Acollon reagierte. Sie spürte sein leichtes Zögern, sah die Unsicherheit und in ihrem Herzen begann die Liebe noch wilder zu brennen, so sehr freute sie es, wie er die neue Situation aufnahm. Sie drückte sich leicht an ihn, als wollte sie ihm damit ein wenig Stärke geben, einmal war tatsächlich sie stärker, aber es verschaffte ihr keinen Triumph sondern viel eher das tiefe Gefühl der Verwobenheit. Seine Stimme klang rau, fast ähnlich wie damals, als er ihr seine Liebe gestanden hatte. Sie spürte, dass dieser Moment besonders war und sah mit einem, vielleicht ein wenig zu gerührten Blick auf ihre kleine Familie. Für solche Momente konnte man all den Schmerz und all die Sorgen ertragen, sie machten sie hundert Mal wett. Parveen sah sie kurze Zeit mit reumütigen Augen an uns Banshee erwiderte den Blick wissend, dass sie es ernst meinte. Dann schien sie sich voll und ganz auf Acollon zu konzentrieren und an ihrem kleinen Tanz meinte Banshee zu erkennen, dass sie sich wirklich freute. Hiryoga dagegen saß noch immer dort, er war schon immer ägnstlich gewesen. Plötzlich schien ihre Tochter auf die Idee zu kommen, dass es schön wäre, auf Acollons Rücken zu klettern und erstaunlich flink saß sie schon in dem schwarzen Fell, nur schwer unterscheidbar von ihrem eigenen. Kurze Unsicherheit flammte im Herzen der Weißen auf, sie war sich nicht sicher, wie Acollon reagieren würde, drückte sich zur Sicherheit noch ein wenig enger an ihn und lächelte ihm beruhigend zu. Hätte sie seine Gedanken erahnt, so hätte sie sich wohl nicht mehr ganz auf ihre Welpen konzentrieren können, jetzt aber wurde sie ein wenig unruhig. Sie hoffte, dass diese Berührungen nicht schon zu nah für die erste Begegnung waren. Um die Situation etwas zu entschärfen, ob es nun nötig war oder nicht, und auch um Parveen die Liebe zu geben, die die kleine Welpin brauchte, strich sie sanft mit der Schnauze über den kleinen schwarzen Rücken und flüsterte leise.
"Ich habe dich auch lieb, meine Kleine. Ich bin froh, dass du wieder da bist."
Sie zog Hiryoga etwas näher, nicht zu seinem Vater, sondern nur zu sich, noch immer wollte sie ihn selbstständig auf Acollon zugehen lassen, aber gleichzeitig wollte sie ihn auch in diese kleine Familienversammlung einbeziehen.
Die Augenblicke verflogen, Hiryoga konnte sich nicht rühren, er hörte seine Schwester sprechen, er hörte seine Mutter sprechen und sah den schwarzen Fremden jedoch nur an, dass er sein Vater sein sollte, registrierte er erst im zweiten Augenblick, als die Stimme Banshee's verflogen war. Er konnte nicht reagieren, seine Gedanken überschlugen sich in dem Moment, er wusste nicht, was er tun oder sagen sollte. Doch dies war nicht genug, als er den Ruf einer Eule hörte, zuckte er zusammen, den kleinen Kopf drückte er nach vorne, das Nackenfell sträubte sich, die gelben Augen der Eule erschienen wieder vor seinem Gesicht, es war so, als ob etwas ihn fesseln würde, etwas ihn fesseln wollte und er sich dagegen nicht wehren konnte. Plötzlich, als seine Mutter ihn näher zu sich zog, riss er den Kopf hoch, das Geschrei der Eule verstummte, sein Blickfeld wurde wieder normal, das Fell legte sich wieder an, nur seine gekrümmte Haltung blieb teilweise erhalten. In seinen Augen spiegelte sich nichts wieder, noch nicht einmal Angst, mit diesem starren Ausdruck blickte er zu der weißen Fähe hoch, hatte sie es auch gehört, hatte sie auch diese Eule vernommen? Er seufzte und ließ die Ohren leicht niedergeschlagen hängen, er wurde noch verrückt werden, wenn er so weiter machte!
Er sollte sich besser auf seinen Vater konzentrieren und...sein Vater, sein Vater war hier! Hiryoga weitete die grünen Augen und betrachtete den schwarzen Rüden, Pavreen die auf seinem Rücken saß, ignorierte er, besser gesagt, er nahm sie nicht war. Das war also sein Vater, der Rüde von dem seine Mutter oft erzählt hatte, der große Acollon, doch hatte er dem Hellbraunen nie gefehlt, er hatte nicht oft zugehört, wenn seine Mutter über ihn berichtete, denn er hatte ihn nie kennen gelernt, zudem, wer wusste wie er war. Plötzlich kehrte die Angst in dem Welpen zurück, die Ohren pressten sich an den Kopf, den Körper drückte Hiryoga an seine Mutter, er konnte die Familenversammlung aus ihm, seiner Schwester und seinen Eltern nicht genießen, denn, wie sollte er den Rüden Vater nennen, wenn er doch ein Fremder für ihn war, wenn er ihn nicht kannte?! Er wusste wohl bis gerade eben nichts von der Existenz des Hellbraunen, er war nicht da gewesen als er geboren wurde, als er seinen Namen bekommen hatte, als als als... . Es war unfair was er nun tat, sein Vater konnte wahrscheinlich nichts dafür, er hatte sicherlich gute Gründe gehabt nicht da zu sein, so hoffte es der Rüde zumindest. Doch die Angst konnte er immer noch nicht unterdrücken, nur langsam schien er sich zu entspannen, den für ihn noch Fremden zu akzeptieren. Auch wenn seine Mutter ihn liebte, ihm vertraute, so konnte er doch nicht sofort vertrauen fassen, bei Kaede hatte es geklappt und einigen anderen, aber sein Vater war etwas anders. Ohne ihn wäre er nicht geboren worden, ohne ihn, würde er nicht leben. Es war ein Durcheinander, was in ihm herrschte, sollte er ihm vertrauen, verzeihen, wie seine Mutter? Hiryoga zögerte, er blieb einfach sitzen und würde warten, was geschehen würde.
Acollon spürte die Nähe seiner Fähe. Es war offensichtlich, dass der Rüde mit der Situation nicht wirklich wusste umzugehen. Doch er versuchte sich so gut es ging zu entspannen und es gelang ihm auch für einige Momente. Aber plötzlich geschah etwas, was den Schwarzen ganz aus der Bahn warf. Seine älteste Tochter war ihm einfach auf den Rücken gesprungen. Ein stählernes Zucken durchfuhr seinen Körper. Er war im Begriff aufzuspringen, sie abzuwerfen, allerdings geschah nichts, egal was er hätte seinen Gliedern befehlen wollen, sie blieben ruhig, fast gelassen. Der Hüne merkte die kleinen Pfoten in seinem Fell wuseln, es war nicht unangenehm, aber es war eine neue Erfahrung für den Schwarzen. Schließlich hatte er nie jemanden anderes berührt als Banshee, und niemand war jemals auf den Gedanken zu kommen ihn zu berühren. Jetzt, wo er so nahe seiner Tochter Parveen war, schien es gar nicht verkehrt zu sein, etwas ganz normales. Er lauschte den Worten seiner Tochter: Ich hab euch lieb, Mama und Papa. War dem wirklich so? Konnte Acollon darauf vertrauen? Schließlich war er ein schlechter Vater, hatte sich lange nicht blicken lassen, und so einfach wurde er von der Welpin als „Papa“ akzeptiert? Bevor er eine Antwort geben konnte sah er Hiryoga an, seinen jüngsten Sohn. Er schien dem Hünen nicht recht zu trauen, fast zu verschmähen.
“Hallo Kleines“,
raute er. Mit einem leichten Lachen sah er Banshee an. Es rührte ihn ein wenig. Die kleine Welpin hatte ihm ein Stück weit das Herz geöffnet. Und langsam schloss sich das Bild und das Wissen was Glück bedeutet. Es würde noch ein langer Weg werden, eine gewaltige Wüste voller unbekannten Sachen lag vor ihm. Tatsächlich der Tod konnte lernen was es bedeutete Familie zu haben. Vielleicht würde ihn diese Situation verändern, vielleicht oft zum Kopfverbrechen zwingen, aber weglaufen würde er nicht mehr. Weder vor der Verantwortung, noch vor dem Versuch Glück zu zulassen.
Kaede hatte die ganze Zeit sorgsam über neyla und ihren Gefährten gewacht und nun, da sie beide wieder erwacht waren lächelte sie leise, blieb jedoch sitzen um die beiden nicht zu stören. Sie blickte um sich. Wo waren wohl die anderen Wölfe? Sie schnupperte, konnte aber nichts genaues herausfinden, so senkte sie die Schnauze wieder und schielte zu den beiden herüber. viel konnte sie ja sowieso nicht erkennen. Ein leises seufzen glitt über ihre Lippen und sie legte sich ganz auf den Boden. Ihre Pfoten hatte sie sich teilweise aufgebissen und nun waren sie angeschwollen. Kaede wusste nicht genau wieso sie dies getan hatte, sie konnte sich nur vorstellen, dass es an ihrer überforderung und verzweiflung lag, jedoch ließ sie sich nichts davon anmerken. ihr bester freund tyrael war fort und seit dem hatte sie kaum geredet. noch immer trauerte sie. sie ließ nun auch ihren kopf auf die pfoten sinken und atmete ruhig vor sich hin. sie spürte ihr herz klopfen und hörte auch ein paar geräusche der umgebung. doch nahm sie diese nicht genau wahr. sie war mit ihren gedanken wo anders.
Was sie weiter erwartete wusste sie gar nicht genau, wollte sie das jemand zu ihr kam, oder wollte sie zu jemandem gehen ? Sie war hier schon so weit "ausgetaut" und doch war sie total unschlüssig und so blieb sie einfach still liegen.
Ob Bastar wohl sein Glück gefunden hatte? Den hatte sie noch gar nicht gesehen. Wieder seufzte sie und legte sich etwas anders hin, um nicht auf ihren wunden pfoten ruhen zu müssen. Sie rieb sich müde über die schnauze, wobei sie das blut etwas über ihr graues gesicht verteilte. Sie fühlte sich wie eine uralte wölfin, dabei war sie doch nocht gar nicht so alt . . .
Eris schaute mit verzogenen Mundwinklen zu Face, das war keine beabsichtigte Grimasse, sie dachte nur angestrengt nach. Indianer ... doch, von denen hatte sie schon mal etwas gehört ... aber von wem?
Es waren schöne, träumerische Geschichten gewesen, nicht die von den berechnenden, seelenlosen Monstern, die jedes Gefühl für ihre Herkunft verloren hatten. Vergessen, dass der Boden, den sie achtlos verschmutzen, sie alle trägt, jeden einzelnen von ihnen, ohne einen Unterschied zu machen und ohne etwas zu fordern. Vergessen, dass der Wald, den niederschmettern, ihnen zu jeder Zeit Schutz bietet, ohne etwas zu verlangen. Vergessen, dass das Wasser, welches sie vergiften, ihr Lebenselexier ist und wunderschöne Wesen beherbergt. Die Monster, die vergessen haben, dass andere Wesen, Pflanzen und Tiere, ihr Leben lassen, damit sie weiterleben können und dieses Geschenk nicht im geringsten wertschätzen. Und dabei gehörten diese Monster eigentlich zu ihnen, zu Face und zu Eris und zu Allen, der ganzen Natur, denn eben diese hatte ihnen einfach das Leben geschenkt und den Raum, in dem sie sich entfalten dürfen und die Möglichkeit, all die Schönheit zu sehen und zu riechen und zu fühlen und all die wunderbaren Töne zu hören, aber trotzdem war ihnen das scheinbar nicht genug und das ... verstand Eris nicht.
Ihr Gesichtsausdruck hatte sich verdunkelt und ihr Blick war während ihres Tauchgangs in die Gedanken wieder zu Face´ schwarzer Brust gerutscht. Und als der Rüde jetzt nach den Sternenwinden fragte, da fiel der Schwarzen plötzlich wieder ein, wer ihr von den Indianern erzählt hatte! Es war eine sehr alte Wölfin gewesen, die auf ihrer langen Reise einmal Rast in ihrem Rudel gemacht hatte, als Eris noch ganz klein gewesen war. Und die hatte verzauberte Geschichten erzählt, von denen sie noch im Schlaf geträumt hatte. Von den Indianern hatte sie erzählt, dass sie zwar nicht immer wussten, warum die Dinge so waren, wie sie waren, aber dass sie darüber gerätselt haben und die Rästel der Indianer waren schön ... außerdem liebten sie die Natur und waren sich des großen Geschenks bewusst.
In Eris´ Gesicht lag ein erkenntnisreicher Ausdruck, als sie Face in das seinige schaute. Wahrscheinlich verstand er aber nicht so recht, woher der plötzlich kam, schließlich hatte er ihre Gedanken nicht mitbekommen.
"Wie war es bei den Indianern?",
fragte die Schwarze aufgeregt, aber da sie das Gefühl hatte, Face mochte es nicht, wenn wer nicht auf seine Fragen antwortete, riss sie sich schnell zusammen und lächelte entschuldigend. War ja auch verständlich.
"Tut mir leid. Du meinst die Sternenwinde? Ich habe es früher auch nicht gewusst, aber hier nennen wir sie Sternenwinde, das passt auch viel besser, finde ich. Ja, die haben sozusagen ihr Zuhause hier. Du kannst sie eigentlich immer sehen, wenn der Himmel klar ist. Weshalb, kann ich dir aber leider nicht sagen, weil ich es nicht weiß, das weiß wohl auch niemand so genau. Allerdings ...",
meinte Eris lächelnd, denn das war es, was einem hier dieses unverwechselbare Gefühl gab, hier war eigentlich Alles möglich.
" ... ist dieses Tal sowieso kein gewöhnlicher Ort. Hast du ja schon mitbekommen. Hier geschehen Wunder, wenn du so willst. "
Nach langem Schlaf, der dem Tod so unglaublich Nahe war, erwachte die junge Fähe wieder und kehrte zu den Lebenden zurück. Ihre Lebensgeister brauchten ein wenig, bis sie verstanden, dass sie wieder aktiv werden konnten. Ihr war schwummrig und vor ihren Augen tanzten schwarze Flecken, die nicht verschwinden wollten. Orientierungslos rollte die Fähe sich auf den Bauch, schüttelte matt den Kopf und suchte nach Erinnerungen. Was war geschehen? Sie war gegangen, das wusste sie - eigentlich nur um sich ein wenig zu entfernen. Und dann? Sie kniff die Augen zu; eigentlich konnte sie es sich ja denken.
oO Es ist wieder da... es versucht dich wieder zu holen. Lass es keine Macht gewinnen, führ dein Leben ohne all das...Oo
Immer noch ein wenig benommen zog die Fähe sich ansatzweise auf die Pfoten. Es war doch vollkommen egal wie weit sie versuchte zu kommen, wie viele Versuche es überhaupt erst gekostet hatte bis hier hin zu gelangen. Mit einem kräftigen Ruck zog die Nachtschwarze sich auf die Pfoten. Wankend tastete sie sich voran. Alle zwei Schritte musste sie stehen bleiben, verharrte und verlagerte ihr Gewicht, sodass sie nicht gleich wieder den Boden mit ihrer schmalen Schnauze begrüßte. Als sie glaubte sicher zu stehen schüttelte sie Staub und Laub aus ihrem Fell. Erst dann musterte sie ihre Umgebung eingiebig. Nun, sie war nicht wirklich weit gekommen. Und ehrlich gesagt schien es auch besser so. Wo genau befand sie sich? Kurz hielt sie die Schnauze in die Luft und schloss die Augen. Gerüche, zahllose Gerüche. Darunter Wölfe. Aber was genau brachte ihr das? Die, die sie kannte konnte sie nicht wittern, und die, die sie wittern konnte waren ihr fremder als sie selbst, was relativ selten vorkam.
Die Schwarze kannte sich im Grunde recht gut, und doch war sie sich so fremd. Starrte sie ihr Spiegelbild an, so sah sie in die eigenen Augen. Und jedes Mal erstaunte sie ihr eigenes Antlitz von neuem. Wie konnte man so tief sinken ohne es sich äußerlich anmerken zu lassen. Die Träume in ihr lagen in Scherben verteilt, zerschmissen von denen, die ihr einst ein versprechen gaben, auf der verletzten Seele. Die Flügel gebrochen - dem Engel von Wolf. Sie war ein wirklich liebevolles Wesen, wenn denn dann erst das Eis gebrochen war, dass sich um das zerbrochene Herz gelegt hatte und die blutenden Wunden kühlte, schonte und das Herz vor weiterem Leid zu bewahren versuchte. Ihre wäre es lieb gewesen, wenn dieses Eis ihre Erinnerungen gleich mit eingeforeren hätte. Denn da gab es noch immer verletzliche Punkte.
Die Ohren spitzend versuchte sie wenigstens daran zu identifizieren wer sich irgendwo in ihrer Nähe befand. Unschlüssig richtete sie den Kopf nach recht. Niemand... nur Grün - nach links? Auch niemand - nur Grün. Mit vorsichtigen Schritten, bei denen sie überspitzt auf ihr Gewicht acht gab, wollte sie sich aus der Nähe der Gruppen entfernen.
Das kratzende Gefühl in der Lunge war noch immer da. Als hätte jemand Stacheldraht hineingelegt. Mit tiefen, raspenden Atemzügen lauschte sie angespannt dem Knistern des Laubes unter ihren Pfoten. Nur nicht auf die Atmung achten, das erinnerte sie nur noch mehr daran und würde es nur verschlimmern. Einfach ablenken. Schritt, Schritt, Schritt. Sie konzentrierte sich nur auf den Schritt, den sie gerade tat. Dachte weder an den gerade Getanen noch an den folgenden. Schritt, Schritt, Schritt...
Laios Lächeln erblühte neu, als Neyla langsam ihre Augen aufschlug und ihn ansah, mit diesem liebenden Ausdruck, den er jedesmal vermisste, wenn sie ihre wunderschönen Augen schloss, um zu schlafen oder zu ruhen. Ihre Stimme klang schon viel kräftiger und ihr Blick war aufmerksamer und interessierter. Er hatte es also geschafft, sie waren in Sicherheit udn auch Neyla drohte nicht mehr an allzu großer Erschöpfung einfach zusammern zu brechen und möglicherweise nicht mehr so schnell aufzustehen. Die Frage, was nun passieren würde, ob sie hierbleiben sollten, oder weiterziehen, würde er zunächst noch nicht stellen. Ersteinmal soltle sie sich richtig erholen und dann würde sie es sowieso das Schicksal entscheiden lassen, so wie ihre Wege verlaufen würden ... und er würde ihnen folgen. Die weitaus näherliegende Frage, was sie nun tun sollten, beschäftigte ihn schon mehr. Kaede hatte kurz zu ihnen hergesehen und irgendwo in ihrer Näher lief eine Fähe langsam durchs Unterholz. Die anderen Wölfe zu suchen erschien ihm seltsam. Sie waren noch nicht richtig in der Gemeinschaft und einfach in eine möglicherweise glückliche Versammlung hineinplatzen wollte er auch nicht. Aber vielleicht sollten sie ein paar Wölfe kennenlernen, schließlich war das Tal zumindest für einige Tage ihre Zuflucht.
"Es ist gut, dich wieder so aufgerichtet zu sehen. Ich habe mir wirklich Sorgen gemacht. Wie wäre es, wir rufen Kaede einmal her ... und irgendeine Fähe ist auch in unserer Näher unterwegs."
Laios erhob sich langsam, nicht ohne Neylas Schnauze noch einmal mit der eigenen zu streifen und drehte sich dann ein wenig hin und her. Er schien noch unschlüssig, trat dann aber einige Schritte in den Wald und entdeckte auch die besagte Fähe. (Ninniach Fuin) Sie lief langsam, nicht direkt auf ihn udn Neyla zu, aber auch nicht von ihnen weg. Sie kam aus der Richtung der anderen Wölfe, dort irgendwoher, wo auch der Rudelplatz liegen musste. Erst zögerte er, dachte dann aber an Neylas Liebe zur Gemeinschaft und rief zu der Schwarzen.
"Fremde, wollt Ihr euch nicht zu uns gesellen?"
Er wäre auch nicht direkt traurig, würde sie das Angebot ablehnen oder ignorieren, aber irgendwie würde es doch gut sein, Rudelmitglieder kennen zu lernen. So wie auch diese Kaede ... die Neyla schon kannte.
Alienna lag lange Zeit so da, leblos und nur ein aufmerksamer Beobachter hätte das leichte Heben und Senken ihres Brustkorbes entdecken können. Ihr Atem ging so schwach, dass selbst die Grashalme direkt vor ihrer Nase nur ganz leicht zitterten, wenn sie ausatmete. Einzig ihre Ohren schienen angespannt, bereits jedes noch so leise Heulen aufzunehmen. Aber sie vernahm nichts. Weder ein Heulen, noch sonst irgendein Geräusch, das davon zeugen könnte, dass Leyla ihr antwortete. So lag sie einfach nur da, wartete und mit jedem Sternenwind der über ihrem Kopf aufglomm und wieder erlosch wurden ihre Hoffnungen kleiner. Schließlich ließ sie die Ohren hängen und kippte die Augen auf den Boden. Leyla antwortete ihr nicht. Sie ging ohen jeden Abschiedsgruß. Das war noch entäuschender, als Alienna sich es hätte vorstellen können, aber nun konnte sie auch nichts mehr tun. Sie kontne nur hier liegen und leise Tränen weinen. Dass sie sich zuviel in ihre Begegnung hineingehofft hatte, wusste sie schon, aber dass sie, Alienna, der Weißen nicht mal einen Abschied wert war, schmerzte mehr, als seie gedacht hatte. Es bohrte sich wie ein glühender Stock in ihr Herz und verbrannte die zarten Hoffnungen.
Sie schloss die Augen, jetzt so leblos daliegend, als wäre sie tatsächlich tot. Jetzt kam der Schmerz über Lightos Verschwinden langsam richtig hoch, brodelte in ihr und zeigte ihr so deutlich ihre Einsamkeit, dass sie am liebsten laut geschrien hätte. Aber selbst dazu fehlte ihr die Kraft. Wen hatte sie schon? Eris hatte sie als Feindin, aber das würde ihr Glück nicht steigern, Banshee mochte sie, aber sie mochte wohl jeden und dann war da wohl Cylin ... ihr kleiner Patensohn, aber diesen hatte sie auch noch nicht oft zu Gesicht bekommen und zudem war er ein Welpe ... es war wundervoll ihn zu umsorgen und ihn zu lieben, aber er war niemand, mit dem man Reden konnte, dem man Sorgen und Ängste erzählen konnte ... dafür waren Freundinnen da ... die Alienna nicht hatte. Erneut rann eine Tränen an iher Schnauze hinab, sie weinte sich selbst in den Schlaf und hätte sie die aufkommende Müdigkeit bemerkt, so wäre sie wohl glücklich geworden, nicht mehr über all das nachdenken zu müssen. Aber da sie sie nicht bemerken konnte, schlief sie unglücklich, einsam und schwach ein.
Banshee merkte sofort, als ihr Sohn sich verkrampfte. Er saß nahe bei ihr und kaum verhärtete sich sein Gesichtsaudruck huschtte ihr Blick zu ihm. Er sank etwas in sich zusammen, war aber angespannt, als wolle er gleich aufspringen. Die sonst so ängstlichen Augen zeigten nichts, waren fast beängstigend leer. Sein Fell begann sich zu sträuben und einige Sekunden lang konnte die Weiße ihren Sohn nicht mehr erkennen, dann riss der Kleine den Kopf hoch und sah sie an, noch immer mit diesem starren Ausdruck im Gesicht aber irgendwie auch fragend. Banshee wusste nicht, was gerade passiert war, aber sie zog ihn noch ein wenig enger zu sich, senkte ihre Schnauze zu ihm und fuhr ihm durch den noch wolligen Pelz. Wahrscheinlich hatte ihn irgendetwas erschreckt, auch wenn ihr selbst nichts Außergewöhnliches aufgefallen war.
"Es ist alles gut, mein Kleiner."
Ihre Stimme war leise und nahe an seinem Ohr, selbst Acollon und Parveen hatten es wahrscheinlich nur schwer verstanden. Sowieso spürte sie jetzt wie sich Acollons Körper entspannte, offensichtlich reagierte er nicht wie erwartet auf die Berührungen seiner Tochter. Banshee sah auf und fing sein leichtes Lächeln ein, lächelte zurück und legte den Kopf auf seine Schultern. Jetzt sprach er auch Hiryoga an, vielleicht würde er sich nun auch trauen, wenn er die seltsame Begebenheit gerade wieder vergessen oder zumindest verdaut hatte.
Mit einem heftiken Ruck sprang der Rüde auf die Beine und schüttelte sich kräftig.
"Komm Leé meine süße,wir gehen zum Rudelplatz..."
Er lächelte sie zärtlich an und drückte seinen Kopf in ihr Seitenfell um sie hochzudrücken.Dann lief er etwas vorran und wartete schlieslich auf sie.Seine Ohren zuckten wild hin und her und seine Nase fatse alle fremden Gerüche auf.Seine schwarzen Augen funkelten in der Sonne und warteten mit einem,fast schon gierigem Blick auf seine Fähe.
Das erste mal in seinem kurzen Leben war er sich einer Sache sicher...das er für immer mit Leé zusammen sein wollte.
Der ausdruckslose, müde wirkende Blick Face Taihéiyo’s war am Sternenhimmel hängen geblieben, folgte jedem einzelnen Schweif dieser Kometen. In seinen Vorstellungen nahmen sie festere Gestalt an, farbig, wie Farbbänder flossen sie über das dunkle Firmament hinweg. Oh ja, er erinnerte sich noch gut an das Westwind Desert... Dafür, dass er bloß das vierte Lebensjahr erreicht hatte, war er doch erstaunlich viel rumgekommen. Eine goldene Felswüste, über der das Polarlicht schimmerte. Hatte man je etwas unwirklicheres gehört? Mit Schmerzen musste er an seine kleine Freundin denken, dieses braune Nagervieh, wie er es immer genannt hatte. Seine Alue... Ein Eichhörnchen, hartnäckiger als jede Klette. Aber doch, grade das war es gewesen, was er an ihr so lieb gewonnen hatte. Jene kleine Freundin, die ihn auf Schritt und Tritt begleitet hatte. Es gab schon die ungewöhnlichsten Freundschaften und Face zählte eher zu denen, die weniger Wölfe als andere Kreaturen lieb gewonnen hatte. Doch die Ironie vom Ganzen war ja – keiner lebte mehr von ihnen. Nicht ein Einziger. Wenn man mit naiver Hoffnung bestückt war, könnte man vielleicht glauben dass Alue und vielleicht sogar Alail noch lebten, aber der Tiefschwarze besaß nicht einen Funken Hoffnung. Nein, nie. Er hatte nicht gelernt zu hoffen und das war gut so. Denn es hätte sich doch nicht gelohnt und nur noch mehr Verzweifelung gebracht.
Eine neue Frage riss ihn aus den Gedanken, verbesserte den Zustand seiner verkrampften Seele aber um kein bisschen. Eher wallte sie erzürnt auf. Diese Wölfin hatte bisher noch auf keine Frage von ihm reagiert, weder wusste er seinen Namen und nun überging sie auch seine Frage über diese Sternenschauer. Doch halt, noch ehe der saphirblaue Blick wieder innerlich verbittert in den dunklen Wald huschen konnte entschuldigte sich die Wölfin und antwortete auf seine Frage. Wenigstens ein Fortschritt. Für Face allerdings bloß ein weiterer Anlass sein Haupt wieder müde auf die Pfoten zu senken, erschöpft vom Dasein, ohne dass es noch real schien. Sternenwinde nannte man sie also. Wahrlich, dass passte. Hier war also noch so ein Ort, den man einfach nur verrückt nennen konnte. Und auf welche Art und Weise man ein „Wunder“ bezeichnen konnte, darüber ließ sich streiten. Sein Zustand war doch auch ein Wunder, oder? Und noch dazu ein unvorstellbares, für ihn selbst so verhasst, dass er sich am liebsten noch einmal umbringen würde. Aber scheinbar gab es vor dieser grausamen Ewigkeit kein entkommen, da könnte er noch tausend Mal sterben.
„Ja...“
Die Wölfin konnte seinen knappen Laut auf ihre Frage beziehen, für ihn selbst bestätigte sich nur wieder, es gab keinen Ausweg. Der Tiefschwarze war verdammt, verflucht, für immer und ewig gefangen.
Ich hab' so lange gewartet
Und nichts hat sich geändert
Ich fühl' mich einfach wie der letzte Dreck
Sähest du die Welt durch meine Augen,
dann würdest du dich nicht mehr so überlegen fühlen.
Flüche entstehen in unseren Köpfen
Und wir können das nicht verstehen
Ich bin vernarrt darauf den Weg zu finden
Um am Ende zu sehen, was ich geworden bin.
Face Taihéiyo richtete seinen Blick wieder auf die Schwarze. Sie hatte ihn eben noch gefragt, wie es bei den Indianern war. Hatte er da jetzt noch drauf zu antworten? Wieso stellte er sich diese Frage überhaupt, er wollte es sowieso nicht. Anderer Seits, warum eigentlich nicht? Nie zuvor hatte sich jemand dafür interessiert, also brauchte er nicht darüber reden. Nun, wo es jemanden – scheinbar – einigermaßen interessierte, verspürte der Pechschwarze eher den Drang aufzustehen und weg zugehen. Doch was brachte ihm das? Er konnte bis ans Ende der Welt gehen und nichts würde sich ändern.
Wie war es gewesen, bei den Indianern?
„Anders... Man konnte dort leben, auch als Tier. Heute gibt es das Indianerdorf nicht mehr, weiße Menschen haben es niedergebrannt. Vorher war es schön, nicht unbedingt das Paradies, aber auch nicht die Hölle.“
Die ist hier... Ob sie jetzt noch den Zusammenhang auf ihre erste Frage rekonstruieren konnte, darüber verschwendete Face keine unnützen Gedanken. Denn genau hinter ihm hatte er einen Laut wahr genommen, einen unwirklichen, fernen Laut. Ein Geräusch was die Fähe nicht hören konnte. Langsam, nicht auffällig drehte sich das nachtschwarze Haupt des Wolfes herum, es wirkte nur wieder so, als blicke er starr in den Wald, denn einen bestimmten Punkt schienen seine vollkommen leeren Augen nie zu treffen. Dort hockte ein kleiner Junge und sah ihn unverwandt an. Die braunen Augen des Indianers musterten ihn aufmerksam, lauschend, ja fast wartend. Warum zur Hölle war Cloud schon wieder hier?! Hätte er Kontrolle über Gefühlsdarstellungen seines Körpers gehabt, so hätten sich die leicht abgerundeten Ohren des Schwarzen nun wahrscheinlich angelegt, aber so blieben sie teilnahmslos aufgestellt, wie eh und je. Er knurrte stumm, äußerlich sah man keine Veränderung, für den Jungen musste es aber überdeutlich sein. Er reagierte auch, hob den Kopf hoch, welchen er auf seine Hände gestützt hatte.
~„Face, Face, Face... Seid wann knurrt man denn einen alten Freund an?“~
stockend verengte der Schwarze die saphirblauen Augen. Es war mehr als ungewöhnlich, dass Cloud nicht in seiner Sprache zu dem Rüden redete. Dieser Junge hatte sich verändert, innerhalb von zwei toten Jahren. Wie konnte sowas gehen? Hatte ihn auch die Ewigkeit in den Wahnsinn getrieben? Doch anders als er, war Cloud wirklich tot, was ihn hier hielt – wer wusste das schon? Der Indianerjunge war auch nicht immer da, scheinbar nur noch als ein Unglücksbote. Er war nicht mehr der, denn Face gezwungener Maßen verlassen musste, da es keinen Sinn hatte sein Leben neben einer Leiche zu fristen. Der Rüde spürte seine Seele glühen, da war nur das Gefühl dieses Druckes, welches eigentlich Hitze auslöste, doch die Taubheit seines Körpers ließ dies nicht erfühlen. Wut, Zorn, gar Hass.
.oO°(Ich schwöre dir, dass ich dich umbringen werde. Ich werde dich so oft töten, bis du endlich nicht mehr da bist...)
Seine Gedanken, so unantastbar, selbst Cloud hatte seinen Schwur nicht gehört, er saß einfach nur da – ungesehen von jener Fähe, die sich noch immer neben ihm befand – und schaute ihn kalt grinsend an. Dieses Grinsen, es gehörte nicht zu Cloud.
Plötzlich erhob sich Face Taihéiyo, wartete auf keine weitere Ergänzung oder Frage der Schwarzen.
„Entschuldige, ich würde jetzt gerne alleine weiter gehen. Aber ich denke nicht, dass ich das Revier schon verlassen werde. Danke für deine Gesellschaft, Al-... schwarze Fähe.“
Innerlich versetzte er sich selbst einen Schlag in die Schnauze. Fast hätte er die Wölfin „Alail“ genannt. Aber ja verdammt, sie war ihr auch so ähnlich!
Ein ausdrucksloses Nicken galt ihr noch, dann bewegte sich der lange, schlanke Körper des Rüden langsam voran, direkt auf den – nur für ihn sichtbaren – Jungen zu. Sollte dieser Mistkerl jetzt nicht auf der Stelle verschwinden, würde Face ihn umrennen, oder durch ihn hindurch, wie auch immer. Aber er verschwand, genau so wie der tiefschwarze Wolf, dessen Fell mit den dunklen Schatten der Nacht Eins zu werden schien. Auf dem Weg irgendwo hin, durch das Revier, die Witterung würde verblassen und alles wieder so sein, als seie er nie da gewesen. Vergessen werden...
Wesen, wesen, dieser Wolf war tatsächlich noch abwesender als Kamui ein manches Mal. Allerdings war einem Face dabei um einiges sympathischer, weil er in seiner eigenen, persönlichen Stille versank, Kamui hingegen hatte den Blick trotzdem weiterhin schweifen lassen, denn er hatte gewusst, Alles was er mitbekam, konnte später einmal für ihn von Nutzen sein. Und du hattest gewusst, dass er während seines schweifenden Blickes die wenigsten Gedanken an sich selbst verschwendete, als viel mehr an jede erdenkliche Art von Verbindungen, die andere Wölfe zusammenführten, denn da fand er ihre Schwachpunkte. Kamui war ein Stratege gewesen ... war es wohl immernoch. Ein strategischer Eisblock.
Eris war etwas enttäuscht über den viel zu kleinen Einblick in das Leben der Indianer, sie hatte ihm mit dem Blick am Himmel zugehört, aber er war viel zu schnell verstummt. Sie senkte den Kopf wieder und schaute zu ihm, versuchte die kleine Enttäuschung zu verbergen, aber da war Face schon wieder ganz woanders. Er starrte in den Wald und die Schwarze beugte sich leicht zur Seite, um zu sehen was da so interessantes war, aber ehrlich gesagt fiel ihr nichts auf. Sie beobachete ihn eine ganze Weile dabei, wie er sich keinen Millimeter bewegte, legte schließlich ihren Kopf auf die Pfoten und blinzelte ihn von unten her an. Und plötzlich stand der Schwarze wie mechanisch auf und Eris verjagte sich, dass sie wieder auf ihrem Hintern saß. Sie wollte ihn gerade anschimpfen, als er zu sprechen begann und ihr promt noch eine verbal reinhaute. Ja natürlich hatte er das Recht ein wenig allein zu sein und er hatte auch das recht, sie nicht zu mögen, aber sie hasste es, wenn jemand einfach wegging. Und da war Face auch schon weggegangen, in den Wald hinein und die Schwarze rief:
"Ja, geh halt, Face, ist ein freies Land hier! War auch nett dich kennengelernt zu haben, Face! Ich heiße übrigens Eris, für´s nächste Mal!"
Sie schnaubte genervt aus, dass er sich nichtmal ihren Namen hatte merken können! Und sprang auf und ging in die entgegengesetzte Richtung in den Wald hinein, sie wollte ja nicht wie sitzengelassen sitzenbleiben. Stattdessen war sie Al-?! Was hatte er ihr da eigentlich an den Kopf werfen wollen? Danke für deine Gesellschaft, Alberne Kuh. Alter Sack, nein das war männlich. Albinotuse, Almosenschmarotzerin, Alterssenile Tattertante, Aloeverawölfin, Alpenhornbläserin, Altglascontainer auf vier Beinen, Alles zu Grund und Boden redende Wölfin, Alptraum meiner schlaflosen Nächte? Ja, sie steigerte sich da etwas rein, das wusste sie auch und es tat gut, sie hätte auch Bäume anschreien können, aber die konnten da ja nichts für.