. A L L G E M E I N E S .


Ihr Name ist Tyraleen. Sie weiß nicht, ob ihn ihre Mutter oder ihr Vater einst ausgesucht hat, aber in manchen Momenten ist sie sich ganz sicher, dass Acollon ihn ihr gab. Seiner Tyraleen. Deshalb ist es auch nicht schlimm, dass er keine Bedeutung hat. Das braucht er auch nicht, denn für sie wird er immer ein Teil ihres Vaters und damit bedeutungsschwerer als tausend Berge bleiben. Sie bin jetzt zweieinhalb Jahre alt und wurde mit zwei Jahren bereits Mutter – ist also ziemlich eindeutig eine Fähe. Vielleicht findet manch einer zwei Jahre zu früh um Welpen auf die Welt zu bringen, doch Tyraleen ist aufopferungsvoll und verantwortungsbewusst und liebt ihre Welpen von ganzem Herzen. Sieht man ihr glattes, rein weißes Fell und beobachtete ihr fließenden, weichen Bewegungen, glaubt manch einer, ein Weißes Lied zu hören, das die Stille ihrer kleinen Welt erfüllt. Doch noch ist Tyraleen nicht erblüht, stolpert über zu viele Fehler, ist ein Taumelnder Engel des Lebens. Doch das Leben ist stark in ihr, stärker noch die Bindung zu Engaya und ihrer Mutter Banshee, die als einstige Tochter des Lebens nun langsam mit der Göttin verschmilzt. Vielleicht wird auch Tyraleen irgendwann diesen Weg gehen, denn sie ist die neue Tochter des Lebens, Fenris und dem Tod näher als je eine andere Fähe des Lebens.



. Ä U ß E R L I C H K E I T E N .


Wie jede, dem Jungwolfalter gerade entwachsene Fähe, ist auch Tyraleen kräftig, athletisch und ohne auffällige körperliche Makel. Vielleicht ist sie ein wenig hübscher als andere, bedingt durch viele kleine, verzaubernde Merkmale. Ihr rein weißes Fell schimmert manchmal in der Sonne, als würden tausend Wassertropfen in ihm hängen. Weich und dicht schmiegt es sich an ihren Körper, betont ihre auffallende Größe von 92 Zentimeter und ist besonders um ihr Gesicht sehr lang. Als Jungwolf hatten freche Fellsträhnen ihr Gesicht verspielt und jugendlich aussehen lassen, jetzt sind sie zwar nicht mehr ganz so lang und zahlreich, stehen jedoch noch immer ein wenig ab. Sie lassen sie fröhlicher und jünger aussehen, als sie tatsächlich ist. Auch an ihrer Rute und am Bauch ist ihr Fell auffällig lang, im Sommer sieht sie manchmal aus, als hätte sie ihren Winterpelz noch nicht verloren. Doch das Schönste an Tyraleen sind ihre Augen, die sie von ihrer Mutter geerbt hat. Bernsteinern schimmert ihr Blick im Licht manchmal in allen Farben der Welt; wenn sie fröhlich ist, scheint die Sonne aus ihnen zu leuchten. Ist sie traurig, wirkt die Farbe ihrer Augen wie stumpfes Harz, das glanzlos und im Schatten aus einer Baumwunde tritt. Doch immer ist der Glanz von etwas Höherem in ihnen, ganz so, als würde die Göttin durch sie ihre Welt betrachten. Ein feinfühliger Beobachter würde das Leben erkennen, das in Tyraleen und ihrem leuchtenden Blick steht. Er lenkt gerne von ihrer kräftigen Statur ab – die einer Leitwölfin. Sie war die älteste ihres Wurfes und hat sich schon zu Welpentagen in den wenigen Rangeleien, die es zwischen ihr und ihren Geschwistern gegeben hatte, stets durchsetzen können. Doch trotz ihrer Größe und ihr für den Kampf geeigneter Körper, ist sie ebenso wie ihre Mutter niemals auf Streit und Kampf aus. Nur in Notfällen setzt sie ihre Stärke gegen andere ein, versucht immer den friedlichen Weg zu finden. Ihr Gewicht von 59 kg ist durch ihre Größe und die vielen Muskeln zu erklären, die gut von ihrem langen Fell kaschiert werden. Insgesamt gleicht sie ihrer Mutter Banshee in fast allen Punkten. Nur das Leben leuchtet noch nicht so deutlich aus ihr hervor und wird das auch erst tun, wenn Tyraleen ihren Weg gefunden hat.




. I N N E R L I C H K E I T E N .


Tyraleen ist eine junge, kräftige Fähe, deren Leben weit aus einfacher sein könnte, als sie selbst es sich macht. Ihr grundsätzlicher Charakter ist offen und freundlich. Aufmerksam und interessiert hat sie keine Probleme, auf Fremde zuzugehen oder sich in eine Rudelgemeinschaft einzufügen. Das Leben, durch das sie geboren wurde, glänzt jetzt schon weit heller in ihr, als bei ihrer Geburt. Sie verabscheut Gewalt und liebt den Frieden, hat einen ruhigen Charakter und versucht erstmal zu jedem freundlich zu sein. Doch so einfach wie es sein könnte, macht sie es natürlich nicht. Zum einen ist da die Rebellion, die wohl jeder Jungwolf in sich trägt. Seit sie denken kann, fühlt sie sich gleichzeitig zu ihrer Mutter hingezogen und von ihr abgestoßen. Sie ähnelt Banshee auch im Charakter so sehr, dass sie sich nach Anderssein sehnt, so wie ein jeder ein Individuum sein will. Dadurch kehrt sie sich manchmal nach innen und verschließt sich vor allen. Ihre Augen betrachten die Welt dann aus einem ganz anderen Winkel, sie fühlt sich alleine und unverstanden und entwickelt ab und an auch eine große Abneigung gegen all die normalen Wölfe. Einzig Averic bleibt sie dann offen und das ist der zweite Punkt, mit dem sie sich ihr Leben schwer macht. Averic ist ihr Bruder aus dem Vorjahr, dennoch verbindet die beiden jungen Wölfe eine große Liebe. Wie sich die beiden Außenseiter gefunden haben, wissen sie beide nicht mehr, nur geben sie sich mittlerweile gegenseitig Kraft. Sie sieht in dem Schwarzen wohl als eine der Wenigen den Kern des Guten in dem sonst abweisenden und kalten Wolf. Doch die Verbindung zwischen den beiden, hat anfangs, bevor die Liebe zu keimen begann, auch den Hass Averics auf Tyraleen übertragen, mit dem sie nun kämpft. Als die Tochter des Lebens, voller Liebe und Leben hat der Hass keinen Platz in ihrem Herzen und an diesem würde sie auch zerbrechen, würde sie sich nicht an Averic festhalten könnten. Paradoxerweise eben an jenem, der ihr überhaupt erst diesen Hass gebracht hatte. Doch sie ist entschlossen, zusammen mit ihm diesen Hass loszuwerden und ihren Weg zu gehen, der sie an die Spitze des Rudels führen wird. Sie ist sich der Tatsache bewusst, dass sie eines Tages Leitwölfin sein wird und sieht diesem Posten entgegen. Natürlich wird sie dafür noch viel lernen müssen und ihre Rebellion, vor allem gegen ihre Mutter, ablegen müssen, doch sie ist auf dem richtigen Weg. Einer ihrer größten Wünsche ist es, ihren Vater wiederzusehen. In ihrem ganzen, jetzt fast zwei Jahre dauernden, Leben hat sie Acollon nur sehr selten gesehen, trotzdem flammt eine tiefe Liebe zu ihm in ihrem Herzen. Bedingungslos hält sich diese Liebe gegen alle bösen Argumente gegen ihren Vater und ebenso gegen den Hass Averics gegenüber Acollon. Auch in dieser Hinsicht ist sie ein großes Gegenteil zu Averic, der doch ihre Mutter liebt und seinen Vater hasst, genau andersrum verhält es sich bei Tyraleen. Ihr Versprechen zum Leben ist so tief wie das Averics zum Tod, ihr Fell so weiß wie das Averics schwarz und ihre Augen so golden wie die Averics blau. Zusammen sind sie wie Banshee und Acollon, ein Zusammenhang, der ihr noch nicht bewusst ist, den sie jedoch irgendwann erfahren wird. Vielleicht dann, wenn Banshees Zeit als Wolf um ist und Tyraleen ihrer Bestimmung gerecht wird. Die Ausbildung als Priesterin hat sie bereits begonnen und wird sie im Endeffekt sich auf dem Pfad Engayas führen, den sie auch Averic näher bringen will. Denn selbst seinen Hang zu Fenris schreckt sie jetzt, in der Ausbildung, nicht ab. Ihre Liebe, egal ob zu Averic, Acollon oder anderen, ist stark und ebenso schwer wie man sie geschenkt bekommt, kann man sie wieder brechen. Ebenso ihre Treue und ihr fester Wille, der sie bereits jetzt über jeden noch so beschwerlichen Weg führen würde.
Hinter all diesen Problemen und der jugendlichen Unsicherheit und Rebellion, steht eine starke Fähe, die weiß, was sie will und die sich schwer von ihrem Weg abbringen lässt. Wenn sie erst erwachsen ist, werden sich diese Eigenschaften noch viel mehr zeigen und damit ihre Eignung für den Posten der Leitwölfin offenbaren. Denn wenn sie erstmal die Verantwortung für das Rudel trägt, wird sie ihr Leben für jeden einzelnen Wolf geben und in unerschütterlicher Treue zu ihrem Rudel stehen.

(+) - freundlich
- ruhig
- sanft
- liebend

(-) - kann arrogant wirken
- verschlossen
- von Hass infiziert
- rebellisch

• Stärken / Schwächen •

• Herkunft •
Tal der Sternenwinde

• Geburtsrudel •
Wölfe der Sternenwinde

• Rang •
Leitwölfin
• Familie im Rudel •

Vater: Acollon
Mutter: Banshee
Geschwister
Wurfbrüder:Merawin (†)
Wurfschwestern: Daylight, Amáya
Brüder: Averic, Cylin (†), Hiryoga
Schwestern: Kisha, Parveen, Malicia
Tante: Nyota
Cousine: Neruí
Neffe: Jakash Caiyé
Nichten: Ahkuna Caiyé, Kursaí Akihiko, Sharíku, Rakshee
Gefährte: Averic
Welpen: Chanuka, Chardím, Caylee, Turién, Amúr, Tascurio, Atalya, Avendal

• Geschichte •

Ich soll von meinem Leben erzählen? Mein erster Gedanke ist, dass es da noch nicht viel zu erzählen gibt. Schließlich wurde ich erst vor zwei Jahren geboren und in diesen zwei Jahren habe ich nicht viel erlebt. Und doch so viel, dass ich ewig reden könnte. Mein zweiter Gedanke ist, dass es sehr viel zu erzählen gibt.
Bei meiner Geburt war wohl noch alles ganz normal. Ich war Erstgeborene und damit eine der Stärksten aus dem Wurf. Ich hatte Geschwister, eine Mutter und einen Vater und ein großes Rudel, das sich nichts mehr wünschte, als mich zu beschützen. Doch lange blieb es nicht normal, schon verschwand mein Vater. Hätte ich gewusst, dass er lange weg bleiben und immer nur kurz und selten zurückkommen würde, hätte ich wohl versucht, meine Liebe zu ihm zurückzuhalten. So aber habe ich immer zu Acollon aufgeblickt und wünschte mir nichts mehr, als von ihm ebenso geliebt zu werden. Ein Wunsch, von dem ich noch heute nicht weiß, ob er mir erfüllt wurde. Ebenso wie ich meinen Vater liebte, verlor ich die Zuneigung zu meiner Mutter. Banshee war Leitwölfin und hatte immer schrecklich viel zu tun, viel zu selten Zeit für mich und war dabei doch immer so endlos lieb und gütig, dass mir dabei irgendwann die Galle hochkam. Keine Zeit für ihre Tochter, aber Äonen für irgendwelche fremden Bettler. Es hat eine lange Zeit gedauert, bis ich sie verstehen konnte.
Der nächste Abschnitt meines Lebens begann mit dem Geschenk eines Paten. Face Taihéiyo, stiller Ozean, kalt um sich, warm in sich. Ich war sehr schüchtern und traute mich kaum an ihn heran, trotzdem schrecklich eifersüchtig, wenn er sich mit irgendjemand anderem als mir beschäftigte. Zum Glück tat er das selten. So fasste ich langsam Vertrauen zu dem großen Schwarzen, in dem ich sicherlich teilweise meinen Vater widergespiegelt sah. Mein Herz hängt sich gerne an große, tiefschwarze Wölfe mit dem dunklen Blau des Meeres in den Augen. Face kümmerte sich auf seine Art viel um mich und war in dieser Zeit meines Lebens der einzige, der mir ein wenig Freude und Trost spenden konnte. Mit meinem Geschwistern konnte und wollte ich nichts anfangen, von meiner Mutter hielt ich mich fern und mein Vater war weit fort irgendwo an einem Ort, an dem ich ihn nicht rufen konnte.
Aus diesem Leben wurden das gesamte Rudel und ich jäh von der fremden Schar herausgerissen. Viel zu klein um zu verstehen, worum es ging und warum wir fliehen mussten, wurde ich von Face die Berge hinaufgetragen. Und dort begann ein ganz anderes Leben. Ich lernte tief im Sommer, wo im Tal alles heiß und grün war, den Schnee und die Kälte kennen. Nie hat mich etwas mehr fasziniert, nichts lernte ich so lieben wie die Stille der Berge. In Einsamkeit, Ruhe und klirrender Kälte fand ich eine Heimat, die zwar lebensfeindlich und doch von atemberaubender Schönheit war. Ich verlor mein Herz an diese Welt und sehne mich noch heute jeden Tag hinauf in das ewige Eis. Für das Rudel war es eine weniger schöne Zeit, Hunger und die ewige Gefahr von Lawinen, der gefährliche Gletscher und nicht zuletzt die Kälte machten allen schwer zu schaffen und kosteten etliche Leben. Es möchte sich bei mir ein schlechtes Gewissen regen, dass ich mir noch immer wünsche, wir wären in den Bergen geblieben, doch es geht nicht. Auch, weil sich dort noch auf eine ganz andere Art mein Leben veränderte. Zunächst wurde ich ein wenig offener. Ein Jahr alt, fand ich nicht nur ein paar Freunde in meinen Geschwistern und wurde Tante, sondern lernte auch meinen Bruder auf eine ganz andere Art kennen. Averic war für mich immer der unnahbare Stinkstiefel gewesen, der niemand mochte und der am liebsten alleine war. Mein erstes Gespräch mit ihm kam nur zu Stande, weil ich mich vor dem Rudel verkrochen hatte – ebenso wie er. Wir stritten uns – ich weiß gar nicht mehr worum – aber aus dem Streit wurde eine Unterhaltung und erstaunt stellte ich fest, dass mein schwarzer Bruder weniger böse war, als er tat und weniger zufrieden mit seinem Leben, als er uns allen weiß machen wollte. Wir wurden von einer der seltenen Ankünfte unseres Vaters unterbrochen und während mir das Herz aufging, begriff ich zum ersten Mal den Hass Averics gegenüber Acollon. Nein, ich begriff ihn nicht – das habe ich bis jetzt noch nicht - aber ich sah ihn. In diesem Moment konnte ich meinen Bruder noch davon abhalten, unseren Vater zu töten, doch nur ein paar Nächte später kam ich zu spät. Und es geschah etwas mit mir, was ich nie begreifen werde. Ich starb. Mit mir meine Mutter, mein Vater und Averic. Wir alle wurden von den Fängen Averics und Acollons und von dem Hass Averics getötet. Warum wir in der nächsten Sekunde wieder die Augen aufschlugen, ebenso wie mein Vater und mein Bruder – jeweils noch die Kehle des anderen im Fang – verstand ich nicht und noch heute kann ich das kaum. Der Tod wurde vom Tod getötet und mit diesem starb das Leben. Doch weil ohne Tod und Leben und ohne deren Nachfolger die Welt in Chaos versinken und sterben würde, schenkte uns Engaya Leben. Ich verstehe es nicht. Und wie ihr merkt, kann ich es auch nicht erklären. Es ist einfach so und wird immer so sein.
Aber natürlich war jetzt nicht einfach wieder alles gut. Averic hatte mich getötet. Averic, zudem ich bereits die ersten zarten Bande geknüpft hatte, der mir manchmal in der Einsamkeit Gesellschaft geleistet hatte und zu dem ich mich plötzlich hingezogen fühlte. Irgendwo zu diesem Zeitpunkt musste auch sein Hass auf mich übergesprungen sein. Eigentlich schon bei unserem aller ersten Streit, wo ich gespürt hatte, wie ich die Kontrolle verlor. Aber nach meinem Tod wurde er mir richtig bewusst. Nicht der Hass auf Acollon. Sondern der Hass auf die Welt. Auf alle, die etwas tun, was mir nicht passt, auf alle die mich nicht verstehen oder die ich nicht verstehe, auf alle, die anders handeln und denken als ich. Also auf viele. Und auch auf Averic, wenn auch ganz anders, denn ein anderes Gefühl wollte hervorbrechen. Zurückgehalten von Scham, Unsicherheit, Enttäuschung, Trauer, Schmerz und eben jenem Hass. Dass ich ihn liebte, wusste ich wohl schon. Ich schrie ihm schließlich all meinen Schmerz entgegen, warf ihm alle Schuld der Welt auf die Schultern und wünschte, ihn so zu verletzen wie er mich. Und liebte ihn. Unendlich. Ich weiß nicht mehr, wie wir diesen Tag überstanden haben, aber an seinem Ende hatte ich akzeptieren gelernt, hatte ich ihm ebenso meine Liebe gestanden wie er mir seine und verstanden, dass ich den Hass kontrollieren musste. Und nur mit Averics Hilfe vernichten konnte, ebenso wie ich ihm helfen wollte, seinen Hass zu vernichten. Zurück blieb das Problem, Bruder und Schwester zu sein und es vor dem Rudel und unserer Familie geheim halten zu wollen. Unsicher hielten wir oft viel Abstand und in der ersten Zeit kannte ich meinen Bruder kaum, auch wenn ich mich manchmal im Stillen seine Gefährtin nannte.
Ein Jahr nach unserer Flucht kam jedoch schließlich die Entscheidung, die kommen musste. Wir würden zurück ins Tal gehen, gegen die fremde Schar kämpfen und unser Tal zurückerobern. Mein Herz brach. Ich würde die Berge verlassen müssen und die Wahrscheinlichkeit sie irgendwann wieder zu sehen, war so gering, dass ich mich gleich für immer verabschieden konnte. Doch wieder war es Averic, der mich ein wenig aufbaute. Er gab mir das Versprechen, eines Tages mit mir zurückzukehren. Vielleicht nur deshalb zog ich mit dem Rudel wieder ins Tal – auch wenn ich ganz alleine dort oben verhungert wäre.
Die Rückkehr verlief zunächst unspektakulär, dann wurde aber doch nicht alles so, wie von Banshee gewünscht. Dank dem viel stärker gewordenen Rudel hatten wir alle gehofft, dass die fremde Schar kampflos fliehen würde, so wie wir es einst getan hatten. Leider war dem nicht so. Wir Jungwölfe blieben im Schutz der Bäume, konnten jedoch den grausamen Kampf mit ansehen. Sie alle sollten so viele Leben schonen wie möglich und doch starben viele der Fremden und wir mussten viele Verletzen pflegen. Dieser Kampf war ein entscheidender Einschnitt in meinem Leben. Ganz ähnlich einer Erleuchtung. Früher war für mich Kämpfen, Gewalt und Aggressivität eine normale Tatsache im Leben von Wölfen. Es kämpften nun mal Wölfe gegeneinander, verletzen sich, töteten sich manchmal und hassten sich. Doch bei dieser Rückeroberung unseres Reviers sah ich den Kampf plötzlich aus anderen Augen und erkannte, wie endlos sinnlos und traurig es war. Ich verstand plötzlich den tiefen Schmerz meiner Mutter über jede Verletzung, jeden Toten, egal ob er zu uns oder zu unseren Gegnern gehörte. Ich verstand die Thränen, die sie weinte und ihre Sehnsucht nach Frieden. Ich verstand sie. Das war sowohl der Moment, in dem ich mich meiner Mutter wieder mit großen Sprüngen näherte, als auch der, in dem ich zum ersten Mal Engaya ganz nahe bei mir spürte. Ein Teil von mir.
Dies läutete schließlich den nächsten Lebensabschnitt ein. Die Ausbildung zur Priesterin. Als Banshee Sheena, Rakshee und mir verkündete, uns ausbilden zu wollen, hatte ich es schon längst geahnt, freute mich aber dennoch unbändig darüber. Ich würde eine Dienerin des Lebens werden mich Engaya noch mehr nähern können. Früher war ich nicht mit der Ähnlichkeit zwischen meiner Mutter und mir zu Recht gekommen. Jetzt war ich fast stolz. Ich würde nicht nur ihre Nachfolgerin werden – das wusste ich schon lange – sondern ebenso Priesterin wie sie und Leben noch auf eine ganz andere Art schenken können. Die Ausbildung wurde zu einem festen Bestandteil meines Lebens, der zwar oft anstrengend aber dennoch mein größter Traum war.
Averic und ich näherten uns einander. Wir lernten uns kennen, auf viele andere Arten als zuvor und unsere Beziehung festigte sich. Schließlich war es nicht mehr möglich, unsere Gefühle vor dem Rudel zu verbergen. Am wenigsten vor unserer Mutter. Ein unschöner Moment musste kommen und schließlich kam er auch. Mit ihm reifte eine Idee in meinem Kopf, die auf den ersten Blick vielleicht absurd klingen mag. Ich wollte Welpen, von Averic. Und von Engaya gesegnet. Alle, besonders meine Mutter, sollten sehen, dass auch Geschwister sich lieben dürfen. Dass es keinen Grund gibt, ihnen diese Liebe zu verbieten. Denn der einzige wirkliche Grund könnte der sein, dass es unseren Welpen körperlich schlecht gehen könnte. Doch ich war überzeugt davon, dass Engaya unsere Beziehung und unsere Welpen akzeptieren würde. Schließlich fand ich sie und bekam meine Antwort, das Versprechen gesunde Welpen zu bekommen und damit war es entschieden. Der Schritt dorthin war wieder eine große Überwindung, betrat ich doch vollkommenes Neuland. Dennoch hat er im Endeffekt meine Beziehung zu Averic nur noch gestärkt und jetzt werde ich bald Welpen zur Welt bringen. Ein ganz neues Leben wird beginnen und … oh … ich freue mich darauf!


• Schriftfarbe •
stardust