Isaí Caiyé
06.03.2013, 12:03
06.03.2013, 12:03
Jakash's wachender Blick lag noch eine Weile auf seinem Sohn, bis Malik endlich eingeschlafen war, vermutlich vor Erschöpfung. Der Schwarze lächelte leicht, dann sah er sich um, auf de Suche nach Sheena. Ihr Ruf war vom hinteren Ende des Trosses erklungen, also musste sie- Jakash's Blick verharrte auf einer Gruppe von Wölfen, die aus einem Großteil seiner Familie bestand und einem Fremden... Nur, dass dieser Fremde gar kein Fremder war. Jakash blinzelte, wollzte er doch seinen eigenen Augen nicht trauen. Das konnte gar nicht sein! Und doch... so, wie seine Mutter und seine Schwester auf de grauen Rüden reagierten, der so unverändert schien als wäre er Jakash Erinnerungen direkt entsprungen, konnte es gar nicht anders sein. Welches Spiel trieben die Götter jetzt wieder mit ihnen?! Ganz langsam erhob sich der Schwarze und ließ Malik schlafend zurück, während er sich der kleinen Gruppe näherte, bei der er nun auch Isai entdeckte. Einige Meter entfernt blieb er schließlich stehen, den Blick starr auf seinen Vater gerichtet.
Shani freute sich über den Anblick ihrer Tochter zusammen mit Hiryoga. Endlich wieder eine Familie ... und Isaí daneben passte so wunderbar dazu, dass sie beinahe vergessen hätte, dass zwischen Hiryoga und ihr noch einiges ungeklärt war. Er hatte keine Schmerzen gehabt ... immerhin. Sie schluckte und sah auf, als sie einen weiteren Blick in ihre Richtung spürte. Jakash stand da. Ihre Rute pendelte wieder leicht hin und her, lächelte ihm entgegen war sich aber der Tatsache bewusst, dass sein Blick nur auf seinen Vater ging.
Kursai es hatte nicht mehr lange gedauert, bis sie stehen geblieben waren. Das Laufen hatte zunächst erst einmal eine Pause. Besonders für den kleinen Isaí beruhigte das die graue Fähe. Und so hatten sie noch mehr Zeit nun zusammen zu sein. So konnten sie gemeinsam die Pause geniesen. Zunächst hatte sie es nicht richtig gemerkt, doch dann bemerkte sie, dass der Blick ihrer Mutter gar nicht mehr bei ihnen war. Als sie nun diesem folgte, entdeckte sie ihren Bruder, dem Vater von Isaí. Auch dieser konnte nun seinen Vater wieder zurück haben.
Hiyo seufzte, er wusste nicht, ob er nun erleichtert sein sollte wegen der Pause oder betrübt durch die vielen, ungeliebten Informationen. Sein Blick huschte zu Shani und sah sie einen Moment bedrückt an, ehe er ihrem Blick folgte und Jakash auf sie zu kommen sah, mit dem Blick, starr auf ihn, seinen Vater, gerichtet. Hiryoga schluckte und legte die Ohren an den Kopf. Er wusste nun, wie viel Zeit verstrichen war und er wusste, dass er nun hier stehen konnte, war nur durch ein Wunder von Engaya möglich, er konnte sich das alles selbst kaum erklären. Doch wie würde sein Sohn reagieren? Hiyo fiepte kurz auf, ehe er sich selbst dazu ermahnte zu verstummen.
Isai blickte einen Augenblick in die Ferne, nachdem er seine Sorge kundgetan hatte. Doch wenige Herzschläge später schon, sah er abermals zu Shani auf, da die erwartete Antwort ausgeblieben war. Irritiert spielte er mit den Ohren, fixierte kurz Hiryoga und Kursaí und blickte dann wieder zu seiner Großmutter auf, deren Blick mittlerweile in einer anderen Richtung lag. Die blauen Seelenspiegel des Roten folgten ihm und erkannten den Wolf, um den er eben noch Sorge bekundet hatte. Der Welpe sprang auf, machte ein paar Sätze in die Richtung des Dunklen, blieb aber auf halbem Wege stehen und wandte sich wieder um. „Guck mal, Papa, wen ich gefunden habe!“, rief er erfreut und fühlte jetzt schon die Wärme in sich aufsteigen, die das Gefühl mit sich brachte, einen anderen Wolf glücklich gemacht zu haben.
Jakash musterte seinen Vater zunächst stumm, ohne dabei auf seine Mutter oder seine Schwester zu achten. Isaí kam freudestrahlend zu ihm gelaufen, aber in Jakash's Augen glomm keinerlei Wärme auf. "Ja, Isaí. Ich sehe es." In seiner Stimme lag keine Freude, dafür aber eine fatalistische Ruhe. "Du bist also zurück von den Toten", sagte er schließlich an seinen Vater gewandt, und sein Blick verdüsterte sich.
Shani lief ein Schauer über den Rücken. Jakash schien sich nicht zu freuen und stierte seltsam stumpf zu ihnen. Nicht einmal Isaí, der begeistert auf ihn zukam, beachtete er wirklich. Seine kalte Stimme schnürte ihr die Kehle zu. Sie verstand nicht, was in seinem Kopf vorging. Nach kurzen Zögern folgte Shani Isaí und blieb neben ihm stehen, den Lauf an seiner Schulter, die Nase zu seinem Ohr gesenkt. Aber ihr fiel nichts ein, was sie sagen könnte.
Kursai beobachtete ihre wiedervereinte Familie. Dabei verzerrte sich das Bild von dieser immer weiter. ES begann damit, dass Hiryoga sich gar nicht so richtig über den Anblick seines Sohnes zu freuen. Wieso nur? Kursaí verstand es nicht. Und noch verwirrter war sie nach der Reaktion von Jakash. Besonders da diese so stark im Kontrast zu seinem Welpen stand. Was war mit ihrem Bruder nicht in Ordnung? Wollte er Vater etwa dafür verantwortlich machen, dass er nicht mehr da gewesen war. Dies konnte sie einfach nicht verstehen - war sie doch Engaya nur dankbar, dass sie ihnen ihren Vater zurückgebracht hatte, und so machte sie wieder einen Schritt auf ihren Vater zu, wollte dass er sich nicht unwohl fühlte. Nun kuschelte sie sachte ein wenig an ihres Vaters Seite, sagte aber nichts. Hatte das Gefühl, nicht das Recht in diesem Augenblick dazu zu haben.
Hiyo zuckte unter dem Blick von Jakash zusammen, ein stechender Schmerz machte sich in seiner Brust breit, ihm fehlten die Worte und auch die Luft blieb im Weg. Für einen Moment schloss er die Augen, ermahnte sich ruhig durch zu atmen, denn immerhin war es für sie alle eine nerven aufreibende Situation. "Ich war niemals tot...zumindest glaube ich das." In diesem Augenblick schmiegte sich Kursai an ihn, er legte die Ohren einen Moment zurück, schob seine Schnauze kurz durch ihr Fell und dankte ihr damit für die Unterstützung. "Es ist wohl ein Wunder Engayas, dass ich hier stehe...aber ich freue mich dich zu sehen Jakash. Wie es scheint, geht es dir prächtig." Dabei huschte sein Blick zu Isai und ein Lächeln legte sich auf seine Lefzen. Doch sobald er den Blick zu Jakash hob, fühlte er sich schuldig und das Lächeln verschwand. Zu gerne, hätte er ihn begrüßt, seinen Kopf an den seinen gedrückt, aber dies wäre wohl zu viel gewesen.
Isai fiel aus allen Wolken. Seine Rute erstarrte in der Bewegung, während sich die großen Ohren nach hinten legten und er dreinblickte, als würde er die Welt nicht mehr verstehen. Da war kein Funken von der Freude, die er sich die ganze Zeit erhofft hatte – nichts außer eine kühle Feststellung, während er ihn nicht einmal ansah. Er spürte, dass Shani ihm folgte und neben ihm stehen blieb, doch in erster Linie lag sein Blick auf dem Antlitz seines Vaters, aus dem er gerade einfach nicht schlau wurde. „Von den Toten?“, wiederholte er fast tonlos, ohne die Bedeutung ganz aufzunehmen, obwohl er durchaus wusste, was es bedeutete. Es war mehr ein Versuch, die Sache irgendwie zu verstehen. Sein Vater sollte nicht so sein, er sollte glücklich sein, er wollte doch, dass er glücklich war, seinen Vater wiederzusehen. Langsam ließ er den Kopf gegen den Shanis fallen, den er dicht an seinen Lauschern wusste. Erst, als hinter ihnen Hiryogas Stimme erklang, drehte er den Kopf zurück und lauschte, schwieg nun aber, als seine Augen wieder zu Jakash wanderten. Vielleicht sagte der Ausdruck seiner Augen genug. „Der graue Schnee hat ihn krank gemacht...“, wiederholte er nur für Shani hörbar, ohne sie anzusehen.
Jakash war sich der Blicke seiner Familie genauso bewusst wie der Gefühle, die sein Verhalten in ihnen auslösen musste. Hier standen sie und freuten sich und erwarteten dasselbe von ihm. Aber Jakash konnte sich nicht freuen. genausowenig wie verzeihen. "In der Tat, es geht mir prächtig.", erwiderte er. "Aber nicht dank dir", fügte er kalt hinzu. Seine grüne Augen bohrten sich in die seines Vaters und fanden, was er erwartet hatte: Schuld. "Ein Wunder Engayas... ja, vielleicht. Wäre ja nicht das erste", fuhr er fort, und sein Blick wanderte kurz zu Kursaí und wieder zurück zu dem Grauen. "Auch wenn sich das mehr wie eines von Fenris' Spielchen anfühlt."
Shani hätte Isaí am liebsten die Ohren zugehalten, allerdings war es wohl bereits zu spät. Sie sah das Entsetzen in seinem Blick und wollte doch unbedingt verhindern, dass Jakash alles kaputt machen würde. "Nein, er war nicht tot, Isaí. Wir haben nur gedacht, dass er es war." Sie schluckte. "Vielleicht hat dein Papa wirklich zu viel Asche eingeatmet. Ihm geht es nicht gut." Aber Jakash schien sich von seinem Sohn nicht weiter beeinflussen zu lassen. Er sprach unbeirrt weiter und verwirrte Shani ebenso wie er sie verletzte. Er freute sich nicht ... aber sie verstand nicht, warum. Glaubte er, Fenris würde ihnen Hiryoga vorgaukeln? "Manchmal passieren Wunder, Jakash."
Kursai war offensichtlicher Weise nicht die Einzige, die sich unwohl fühlte, was sie auch nicht wunderte. Und so hörte sie den Worten von ihrem Vater verspannt zu. Wenigstens schien es wirklich ihren Vater zu gefallen, dass sie sich zu ihm gelehnt hatte. Jedoch die nächsten Worte ihres Bruders machten es nicht besser. Wieso konnte er es nicht so nehmen, wie es war. Wieso wollte er unbedingt, dass ihr Vater wieder hier war und dies nun ihre Familie im guten wiedervereinte. Da sie genau wusste, dass Jakash Fenris zugeschrieben war, konnte sie verstehen, dass sie Engaya dies vielleicht nicht so ganz zuschreiben wollte. Und dennoch musste er nicht so tun, als ob ein Feind wieder auftauchen würde. So sagte sie, auch ruhig, jedoch völlig ohne feindlichen oder negativen Unterton: "Vater wollte bestimmt nicht euch - uns – verlassen." Bei diesen Worten war sie einen Schritt von ihrem Vater weggegangen, stand nun wieder alleine da, und sah ihren Bruder an. Wollte, dass dieser nicht ihren Vater völlig nieder machte.
Hiyo starrte Jakash ungläubig an. Dieser Wolf, der vor ihm stand, war sein Sohn, ohne Zweifel und doch war er auch der Enkel seines Vaters und dies merkte man ihm an. Und wieder glomm der Schmerz in ihm auf und wie Öl das Feuer entfachte, so entfachte Jakash einen neuen Schwall an Schmerzen, an Schuldgefühlen und Angst. Doch grade jetzt, wo er das Gefühl hatte, all dies würde ihn zerfressen, spürte er...er spürte einen Moment lang nichts. Sein Körper entspannte sich, er hob den Kopf und wirkte...befreit, ja beinahe selbstbewusst, zum ersten Mal in seinem Leben. Erst Shanis Worte holte Hiyo wieder zurück. Sein Blick huschte zu Isai und er runzelte die Stirn. "Vielleicht sollte sich dein Vater ein wenig ausruhen, wer weiß, was dieser graue Schnee noch so alles mit uns macht..." Kurzerhand stellte er sich neben Isais leere Seite und lehnte den Kopf zu Shani rüber um seine Schnauze in ihrem Fell zu verstecken.
Isai hatte wirklich das Gefühl, irgendetwas falsch gemacht zu haben und dass, obwohl sich der Großteil um ihn herum bis eben tatsächlich noch über die Anwesenheit Hiryogas gefreut hatte. Doch mit Jakash verband ihn nach wie vor mehr und so übertünchte auch das Gefühl, ihn enttäuscht zu haben, jegliche Freude, die ihn eben noch erfüllt hatte. Er ließ den Kopf etwas hängen, blickte kurz zu Shani, als sie ihm etwas erklärte und fixierte direkt wieder seinen Vater. Auch Kursai mischte sich nun ein und versuchte, dem Dunklen wieder Vernunft einzureden. Jakash aber verblieb bei seiner kalten, freudlosen Stimme, als er Shanis Bemerkung umkehrte und die Erscheinung seines Vaters Fenris in die Pfoten schob. Der Kleine stellte die Ohren, als auch Hiryoga an seine Seite trat. „Du bist unfair.“, sagte er schließlich leise, denn eigentlich behagte es ihm gar nicht, diese Worte an seinen Vater zu richten. „Er ist so weit gelaufen, um uns einzuholen und du freust dich gar nicht, dass er endlich da ist und dass, nachdem uns die Dunkelheit verschlucken wollte.“
Jakash's Augen wandten sich nun endlich auch seiner Mutter zu. "Wenn du es so sehen willst, Mutter. Aber du verzeihst ihm ja ohnehin alles", erwiderte er frostig. Sein Blick zuckte schier zu seiner Schwester, und seine Lefzen kräuselten sich erstmals, als auch sie nun das Wort an ihn richtete. "Meinst du, ja? Dabei wollte er das schon einmal - ganz still und heimlich, über Nacht!", den letzten Satz schnappte er ihr förmlich entgegen. Sein Fell sträubte sich jedoch erst, als sein Vater plötzlich den Kopf hob, alle Unsicherheit fallen ließ... und da stand, als wäre er stolz auf sich und seine Taten. In Jakash stieg die Galle hoch. "Wage es nicht, meinem Sohn irgendwelche Dinge einzuflüstern, Hiryoga", knurrte er drohend und trat einen Schritt vor. Sein Grollen verstummte, und seine Zähne verschwanden zum Teil wieder hinter seinen Lefzen, als er sich daraufhin Isaí zuwandte. "Unfair? Nein, Isaí, er hat es verdient! Unfair ist, seine Welpen ohne ein Wort des Abschiedes zu verlassen, und seine Gefährtin! Unfair ist, nicht für seine Welpen da zu sein, wie ein Vater es sollte!" Sein Blick hob sich zu Hiryoga. "Und jetzt kommt er auf einmal zurück und erwartet, dass alles vergeben und vergessen ist? Ich frage mich, wann du wohl wieder wortlos verschwinden und Mutter erneut das Herz brechen wirst!"
Shani war froh, dass auch Kursaí die Stimme für ihren Vater erhob, sah aber nicht zu ihr. Der grasgrüne Blick war auf ihren Sohn gerichtet, auch als Hiryoga zu ihnen trat und seinen Kopf an sie lehnte. Nur Isais leisen Worte lenkten ihren Blick kurz zu dem Kleinen, ließ seine Worte so stehen und berührte ihn nur zustimmend am rechten Ohr. Dann huschte ihr Blick zurück zu Jakash, der sich nun erstmals direkt an ihn wandte und ihr einen Vorwurf daraus machte, dass sie nie Streit wollte. Was war nur aus ihm geworden? Und was sollte sie Hiryoga überhaupt verzeihen? An seinem Sturz ins Nichts trug sie genauso Schuld ... aber das schien überhaupt keine Rolle zu spielen - in Jakashs kleiner merkwürdigen Fenriswelt. Was redete er da nur? Hiryoga war nicht gegangen, er war ins Nichts gestürzt! Zorn war Shani weitestgehend fremd, aber nun verzerrte sich ihr Gesicht ein klein wenig. Jakash versuchte auch seinem Sohn diese verdrehte Wahrheit einzureden und in diesem Moment kam plötzlich tatsächlich soetwas wie ein Knurren aus Shanis Maul. Sie trat einen Schritt auf ihren Sohn zu und richtete sich voll auf, auch wenn sie lächerlich klein neben ihm wirkte. "Was redest du da, Jakash? Dein Vater ist ins Nichts gefallen. Er ist nicht fortgegangen, er ist nicht verschwunden, er hat mir nicht das Herz gebrochen! Bevor du nicht weißt, was im Nichts passiert ist, was überhaupt dort ist, zügele deine Zunge und höre auf zu urteilen! Du bist mein Sohn, ich bin deine Mutter, er ist dein Vater. Vergiss nicht deinen Respekt, sonst wirst du vergessen, was wirklich zählt." Hoch aufgerichtet stand sie vor ihrem Sohn und sah ihm starr in die Augen - wohl zum ersten Mal in ihrem ganzen Leben.
Kursai glaubte nicht wie ihre Eltern, dass die Asche an dem Verhalten ihres Bruders verantwortlich war. Oder dachten sie das überhaupt, oder hatten sie es nur gesagt, um den Welpen zu beruhigen? So genau wusste sie es nicht, wollte es vielleicht auch nicht wissen. Denn inzwischen standen die drei fast wie eine Einheit zwischen den beiden Geschwistern. Nun schien es sogar so, dass Isaí es schaffte, sich zu Worten aufzuraffen. Er sprach sogar gegen seinen eigenen Vater, was von viel Willen zeugte. Sie musste insgeheim den kleinen Wolf bewundern, von seiner Stärke beeindruckt. Doch inzwischen hatte auch ihr Bruder sein Maul wieder geöffnet - und zwar keineswegs beschwichtigt. Seine Worte taten ihr Leid, auch wenn sie nun wirklich nichts dafür konnte. Sie wollte nicht, dass er so über ihren Vater dachte, und auch nicht über die Mutter. Das Unwohlsein in ihr, hätte früher bestimmt in einer Explosion ihrer Gefühle geendet - sie wäre zu ihrem Bruder gerannt, doch nun war da mehr Leere, und sie blieb vielmehr starr, bis ihre Mutter ihre Stimme erhob. Auch wenn sie froh war, dass diese sich um ihren Bruder "kümmerte", war sie doch überrascht. Sie hatte ihre Mutter noch nie so wütend gesehen. Als sie nun zu den drei Anderen ging, um nicht hinten zu stehen, ihnen bei zu stehen. Jedoch kam ihre Mutter ihr in diesen Momenten nicht sicher vor, und so ging sie vielmehr auf die Seite ihres Vaters, und hoffte, dass Jakash nun klein bei geben würde und dass Isaí nicht den Schock seines Lebens bekam.
Hiyo schaute kurz zu Kursai, auch wenn ihre Worte freundlich waren, taten sie ihm dennoch weh. Und nun sprach sich auch sein Enkel für ihn aus, stolz machte sich für einen Moment in ihn breit, sein kleiner Enkel traute sich jetzt schon mehr, als er jemals in seinem ganzen Leben. Wieder hob Jakash das Wort und wieder versetzten ihm seine Worte weitere Stiche. Ganz besonders weil sie wahr waren. Er hatte sie damals verlassen, er war nicht für sie da gewesen, sein Sohn sprach die Wahrheit. Daher kam all der Groll und Hiryoga hatte es verdient. Er war jung und dumm gewesen, unbeholfen und überfordert und vor allem ängstlich, doch all dies war nicht Grund genug, um seine Familie zu verlassen, er hätte es nicht tun dürfen. Seine Augen spiegelten seine Trauer wieder, sein Magen verkrampfte sich und er wich Jakashs Blick aus. Erst ein Knurren ließ ihn hochschrecken. Ein Knurren, dass er noch nie gehört hatte, denn es kam von Shani. Mit aufgerissenen Augen betrachtete er seine Gefährtin, aufgerichtet, voller Selbstsicherheit, aber sie stand auf der falschen Seite. Der Braune schloss die Augen für einen Moment und tatsächlich wünschte er sich schon fast, er hätte das Nichts nie verlassen. Doch dieser Gedanke verschwand wieder, als Kursai an seine Seite trat und er wieder wusste, warum er hier sein wollte. "Shani...er hat...er hat recht. Ich habe euch damals verlassen und dafür gibt es keine Entschuldigung...Jakash...ich wünschte, ich wünschte ich könnte die Vergangenheit ändern, doch ich kann es nicht..." Sein Blick sank zu Boden, seine Ohren waren angelegt und seine Rute eingezogen "... Es tut mir wirklich Leid...ich kann verstehen, wenn du mir dies nie verzeihen wirst..."
Isai fühlte sich bestärkt durch die Berührung seiner Großmutter und fasste so den Mut, sich etwas aufzurichten – bloß um gleich darauf wieder vor die Wahl gestellt zu werden. Die verhältnismäßig großen Ohren pressten sich bei den Worten seines Vaters dicht an den Hinterkopf und er warf einen fast scheuen Blick von der Seite her zu Hiryoga. Er konnte sich nicht vorstellen, dass das, was sein Vater sagte, stimmte, denn sein Bild wollte da so gar nicht zu passen. Und vor allem hätte sich Shani doch sicherlich nicht so sehr darüber gefreut, wenn es gestimmt hätte, oder? Doch Isaí war gezwungen, Jakash zu glauben – er war sein Vater und er würde ihn ganz bestimmt nicht anlügen. Genauso wenig wie Shani oder Kursaí. Aber irgendwie blickte Hiryoga nun drein, als würde Jakash gar nicht mal so verkehrt liegen. Ein lautloses Winseln verlor sich in seiner Kehle, während er keinen blassen Schimmer hatte, was er nun glauben sollte und was nicht. Die Worte Jakashs hatten ihn schnell wieder zum Schweigen gebracht, aber ohnehin trat nun Shani vor und stellte sich seinem Vater entgegen. Am liebsten hätte sich der Rote dazwischen gedrängt, doch bereits nach dem ersten Schritt nach vorne, verwarf er diesen Gedanken und beobachtete stattdessen unsicher die Situation zwischen seiner Großmutter und seinem Vater. Die Anspannung war deutlich zu spüren, denn er hatte Shani noch nie zuvor so gesehen wie jetzt. Vielleicht war auch das der Grund, warum er sich nun zurück hielt. Doch bevor die Sache zwischen den beiden sich weiter aufbaute, meldete sich sein Großvater zu Wort und gab Jakash – tatsächlich! - Recht. Isaí fühlte sich elend. Zum einen, weil er sich unrechtmäßiger Weise gegen seinen Vater gestellt hatte und zum anderen, weil ihn diese ganze Sache überforderte. Doch bei dem Bild, welches Hiryoga einen Moment später schon abgab, reckte er vorsichtig die Schnauze in seine Richtung und berührte ihn soweit es ging an der Schulter. Vielleicht hatte Jakash ja Recht, aber hatte nicht jeder eine zweite Chance verdient? Für ihn klang das alles ziemlich überzeugend. Unsicher, aber entschlossen sah er wieder auf und suchte den Blick des dunklen Rüden, als wolle er ihm wortlos berichten, dass er der Meinung war, dass Hiryoga eine weitere Chance verdient hatte. Auch Kursaí stand inzwischen an ihrer Seite – Isaí wurde dennoch nicht das Gefühl los, dass es für ihn die falsche Front sein sollte.
Jakash hielt der wütenden Rede seiner Mutter sowie ihrem Blick gnadenlos stand. "Ach Mutter, es wundert mich eigentlich nicht, dass all das verdrängt hast, was vor dem Nichts war. Aber Ich erinnere mich! Ich erinnere mich an deine ewige Traurigkeit, weil du jeden Tag auf's neue gehofft hast, dass er wiederkäme. Aber kam und kam und kam nicht! Für wie lange? Ein halbes Jahr, ein dreiviertel Jahr? Länger noch? Verdammt, ich erinnere mich nicht mehr daran, wie alt ich war, als er uns verließ, und Kursaí ebenso! Ohne ein Wort, ohne ein Heulen! Wäre das so schwer gewesen? Nur ein einziges Heulen!" Sein Blick hatte sich mit so viel Zorn gefüllt, wie in seiner Stimme lag, aber brach den Blickkontakt zu seiner Mutter erst ab, als Hiryoga wieder das Wort ergriff. Jakash starrte ihn an, dann trat er an seiner Mutter vorbei auf seinen Vater zu. Ganz dicht vor ihn. "Kannst du das wirklich? Weißt du, ich sehe meine Welpen jeden Tag, und auch wenn ich nicht jeden Tag mit ihnen spiele oder auf Entdeckungsreise gehe, so bin ich doch für sie da, und das wissen sie. Und immer wieder ertappe ich mich bei der Frage, was das wohl für ein Gefühl gewesen wäre, damals, wenn du dagewesen wärst..." Seine Stimme war ganz leise, obgleich der Schwarze wusste, dass Kursaí und Shani ohnehin dicht genug standen, um jedes Wort zu verstehen. Sein Blick war immernoch kalt, aber der Zorn war sichtlich in den Hintergrund gerückt. Für einen Moment huschte sein Blick hinab zu seinem Sohn, als hätte er dessen Blick gespürt, dann sah er wieder seinen Vater an. "Ich hoffe, dass du deinen Enkeln wenigstens ein besserer Großvater sein kannst als du ein Vater warst", fügte er hinzu, wandte sich um und schickte sich an, zu Malik zurück zu kehren.
Shani verstand nicht, was all das, was ihr Sohn sagte jetzt mit Hiryogas Rückkehr zutun hatte. Sie hatte ihm verziehen und er hatte es nicht wieder getan - er war ins Nichts gefallen, er hatte sie nicht wortlos verlassen. Wie konnte in Jakash dieser Zorn so lange köcheln? Er hatte nie darüber gesprochen. Als er an ihr vorbeitrat, auf Hiryoga eingehend, der schwächlich plötzlich seinem Sohn zustimmte, verpuffte der Zorn in Shani und unendliche Traurigkeit blieb zurück. Alles zerbrach, die Rückkehr ihres Gefährten war keine Wiedervereinigung ihrer Familie ... sie zerstörte sie. Alles war zerstört und ihr Sohn zeigte das am deutlichsten. Ohne es verhindern zu können, begannen die Tränen über ihr Gesicht zu strömen und jede Stärke fiel von ihr ab. Sie wandte sich nicht zu ihrer Familie um, als sie langsam Pfote vor Pfote setze und sich von ihnen entfernte. Jakash hatte ihr gezeigt, dass sie nicht mehr seine Mutter war, Hiryoga wollte mit ihm alles kaputt machen ... sie waren nicht mehr ihre Familie.
Kursai war verwirrt. Es schien mit einem Mal so schwierig die Familie zusammen zu halten. Und nun gab ihr Vater Jakash auch noch völlig recht. Ja, er hatte sie mal verlassen. Diese Worte schienen direkt von ihrem Bruder aus an sie gerichtet zu sein, und doch waren sie wahrscheinlich vielmehr an ihre Mutter gerichtet. Es schien als ob der Konflikt alles aufwirbelte. Wieso konnten die anderen nicht das annehmen, was geschehen war? Engaya hatte ihnen ein Geschenk gemacht, und Jakash konnte darauf nur alten Gröll schmeißen, und nicht mehr veränderbares seinem Vater vorwerfen. Als dieser sich nun um wandte, entspannte sie sich ein wenig. Auch wenn die Rückkunft nicht mehr ein freudiges Fest war, so hoffte sie doch, dass sie ein wenig Frieden damit finden würden können. Jedoch als nun ihre Mutter ihnen auch noch den Rücken zukehrte, schien selbst diese Illusion völlig zu zerfallen. Es schien als ob ihr Bruder auch diese gebrochen hätte, ihr Hoffnungen nahm. Sie verstand nicht, wie er nur so unbarmherzig sein konnte, und so stark an den Festen ihrer und auch seiner Familie rütteln musste. Sie konnte einfach nur so darstehen und den beiden nachsehen, wie sie davon zogen.
Hiyo verlor sich in den Worten seines Sohnes, sie klangen noch lange, nachdem er sie ausgesprochen hatte, in seinen Ohren wieder. Es war lange her, dass er sie damals verlassen hatte und er wusste selbst nicht einmal mehr, was ihn dazu geritten hatte, er wusste nur, dass er es bereute, mehr als alles andere auf der Welt. Wenn er sich nun den kleinen Isai ansah, dann wünschte er sich, er hätte auch seine Welpen so aufwachsen sehen. Aber das hatte er nicht und würde er nie mehr sehen. Ja, es blieben ihm nur noch seine Enkel, für die er da sein könnte, Jakash würde ihm nie verzeihen, er hatte ihn verloren. Erst als Shani davon trat, merkte er, dass sie sich von ihnen wegbewegte und weinte. Doch zu tief saß sein Schmerz, zu groß war er doch, um ihr jetzt folgen zu können. Er hatte alles zerstört. Hiyo ließ sich zu Boden sinken, vergrub die Schnauze unter den Pfoten und winselte kaum hörbar vor sich hin. Er hatte vergessen, das Isai und Kursai noch neben ihm standen, es war ihm auch egal. Alles war falsch gelaufen, er hatte alles zerstört. Shanis Freude war gestorben und die Wiedervereinigung war ein einziges Chaos.
Isai musste einsehen, dass es nichts brachte. Er konnte nichts ändern, er war machtlos und zerrissen, wem er nun glauben sollte, davon abgesehen, dass er gänzlich zwischen Groll und Trauer unterzugehen schien. Jakash hielt dem Blick Shanis Stand, spuckte ihr schließlich seine Auffassung der Geschichte vor die Pfoten, die der Rote nicht beurteilen konnte, und trat schließlich auf Hiryoga zu, was ihn in Alarmbereitschaft versetzen wollte. Doch schnell verpuffte dieses Gefühl und wich unendlich tiefem Mitleid seinem Vater gegenüber, als er erstmals in den Fang nahm, was genau er ihm nie verzeihen wollte. Mit angelegten Ohren sah er zu ihm auf, während er sprach und sich schließlich umwandte. Fast zeitgleich wendete sich auch Shani ab und kehrte ihnen den Rücken zu. Hastig wechselte der Blick zwischen Jakash und Shani, denn er wusste, dass er einem von beiden folgen musste, folgen wollte. Die Entscheidung aber trafen schließlich seine Läufe, als er Hiryoga ein letztes, misslungenes Lächeln und ein leises „Ich freue mich trotzdem, dass du da bist...“ schenkte, um die niederschmetternden Worte seines Vaters zumindest in Ansätzen etwas abschwächen zu können. Und schon machte er sich mit einem letzten, wehmütigen Blick gen Shani auf, um zu seinem Vater aufzuschließen. Er hielt sich dicht bei seinen Hinterläufen, wagte es nicht, weiter nach vorne zu laufen und ließ den Blick gesenkt, als fürchte er, die grünen Seelenspiegel seines Vaters auf sich zu sehen. Erst ein paar Herzschläge später rang er sich zu einem leisen „Vater...“ durch, wünschte sich aber direkt darauf wieder, es gelassen zu haben. Er wollte ihn nicht ansehen. Er spürte den Groll in sich, dass Jakash ihnen allen die Freude geraubt hatte – auf der anderen Seite aber spürte er die Furcht, dass auch er verschwand und Isaí ihn verlor. Er wollte sich nicht vorstellen, wie es sein würde, wenn Jakash ohne ein Wort verschwinden würde. Vielleicht war das der Grund, weshalb seine Läufe ihm gefolgt waren – vielleicht umspielte deshalb zugleich Hoffnung und Furcht sein Herz, dass der Dunkle irgendetwas sagte.
Jakash bemerkte nicht mehr, wie seine Mutter sich weinend abwandte und ebenfalls davonging. Auch nicht, wie Hiryoga anschließend in sich zusammen sackte. Er warf keinen Blick zurück, obgleich etwas in ihm drängte, seinen Sohn zu sich zu rufen. Doch Isaí kam bereits von allein, und Jakash kam nicht umhin eine gewisse Zufriedenheit darob zu empfinden. Isaí setzte dazu an etwas zu sagen und brach dann doch ab. Jakash sah seinem Sohn an, dass er bedrückt war, und ahnte warum. "Schon gut, Isaí. Du hast nichts falsch gemacht. Du konntest es nicht wissen", beschwichtigte er den kleinen Rote und lächelte endlich ein wenig.
Kursai dachte für sich: Wie war das gerade nur geschehen können? Kursaí war sicher, dass Engaya bestimmt von ihnen allen enttäuscht war. Aus der so hoffnungsvollen Situation, dem Geschenk für sie, hatte Jakash einen Fluch gemacht - oder es zumindest versucht. Zwar schien er auch einen gewissen Erfolg zu haben. Und so in den Gedanken bemerkte sie erst nicht, wie Isaí seinen Vater folgte. Doch dann bemerkte sie, dass nur noch sie bei ihrem Vater war. Selbst dieser schien nicht mehr er selber zu sein, schien zerschmettert, von den Anschuldigungen. Ja, er hatte sie alleine gelassen, doch er war auch wieder gekommen. Er hatte gezeigt, dass er zu der Familie gehört und nun war er ein zweites Mal wiedergekehrt. Jedoch schien es nicht so, als ob er hier sein wollte. Es schien gerade so, als ob ihm nicht einmal bewusst wäre, dass sie noch da war. Zunächst war sie verunsichert, was sie tun wollte, doch dann riss sie sich zusammen. Sie wollte sich das Glück, das Geschenk nicht nehmen lassen, und so machte sie den letzten Schritt auf ihn zu, setzte sich zu ihm. Sie sagte nichts, wüsste nicht, was es zu sagen gäbe. Vielmehr lehnte sie sich sachte an ihn und war für ihn da. Zurück aus dem Nichts, schien er halt zu brauchen, und sie wollte ihm helfen, diesen zu finden.
Isai warf nur einen kurzen Blick zurück, ehe sich seine Seelenspiegel wieder auf dem trostlosen, steinigen Boden vor seinen Läufen verloren. Er schluckte trocken und zuckte schließlich leicht zusammen, als die Stimme Jakashs doch die Stimme durchbrach, die sich über sie gelegt hatte. Er spürte seinen Blick auf sich, hob aber erst Sekunden später den seinen und spähte zu ihm herüber. Das schwache Lächeln auf seinen Lefzen beruhigte ihn zwar und ermutigte ihn, etwas dichter an den Hinterlauf zu rücken, während er ihm weiter folgte, doch wirklich besser fühlte er sich nicht. „Ich wollte nicht...“, setzte er an, um sich für seine Worte zu entschuldigen. „Du warst nicht unfair, wenn er einfach verschwunden ist.“ Er konnte nichts damit anfangen, dass Hiryoga ins Nichts gefallen sein sollte. „Aber hast du ihn jemals gefragt, warum? Vielleicht hat er ja einen Grund...“ Nur vorsichtig wagte er sich an seine Worte.
Shani freute sich über den Anblick ihrer Tochter zusammen mit Hiryoga. Endlich wieder eine Familie ... und Isaí daneben passte so wunderbar dazu, dass sie beinahe vergessen hätte, dass zwischen Hiryoga und ihr noch einiges ungeklärt war. Er hatte keine Schmerzen gehabt ... immerhin. Sie schluckte und sah auf, als sie einen weiteren Blick in ihre Richtung spürte. Jakash stand da. Ihre Rute pendelte wieder leicht hin und her, lächelte ihm entgegen war sich aber der Tatsache bewusst, dass sein Blick nur auf seinen Vater ging.
Kursai es hatte nicht mehr lange gedauert, bis sie stehen geblieben waren. Das Laufen hatte zunächst erst einmal eine Pause. Besonders für den kleinen Isaí beruhigte das die graue Fähe. Und so hatten sie noch mehr Zeit nun zusammen zu sein. So konnten sie gemeinsam die Pause geniesen. Zunächst hatte sie es nicht richtig gemerkt, doch dann bemerkte sie, dass der Blick ihrer Mutter gar nicht mehr bei ihnen war. Als sie nun diesem folgte, entdeckte sie ihren Bruder, dem Vater von Isaí. Auch dieser konnte nun seinen Vater wieder zurück haben.
Hiyo seufzte, er wusste nicht, ob er nun erleichtert sein sollte wegen der Pause oder betrübt durch die vielen, ungeliebten Informationen. Sein Blick huschte zu Shani und sah sie einen Moment bedrückt an, ehe er ihrem Blick folgte und Jakash auf sie zu kommen sah, mit dem Blick, starr auf ihn, seinen Vater, gerichtet. Hiryoga schluckte und legte die Ohren an den Kopf. Er wusste nun, wie viel Zeit verstrichen war und er wusste, dass er nun hier stehen konnte, war nur durch ein Wunder von Engaya möglich, er konnte sich das alles selbst kaum erklären. Doch wie würde sein Sohn reagieren? Hiyo fiepte kurz auf, ehe er sich selbst dazu ermahnte zu verstummen.
Isai blickte einen Augenblick in die Ferne, nachdem er seine Sorge kundgetan hatte. Doch wenige Herzschläge später schon, sah er abermals zu Shani auf, da die erwartete Antwort ausgeblieben war. Irritiert spielte er mit den Ohren, fixierte kurz Hiryoga und Kursaí und blickte dann wieder zu seiner Großmutter auf, deren Blick mittlerweile in einer anderen Richtung lag. Die blauen Seelenspiegel des Roten folgten ihm und erkannten den Wolf, um den er eben noch Sorge bekundet hatte. Der Welpe sprang auf, machte ein paar Sätze in die Richtung des Dunklen, blieb aber auf halbem Wege stehen und wandte sich wieder um. „Guck mal, Papa, wen ich gefunden habe!“, rief er erfreut und fühlte jetzt schon die Wärme in sich aufsteigen, die das Gefühl mit sich brachte, einen anderen Wolf glücklich gemacht zu haben.
Jakash musterte seinen Vater zunächst stumm, ohne dabei auf seine Mutter oder seine Schwester zu achten. Isaí kam freudestrahlend zu ihm gelaufen, aber in Jakash's Augen glomm keinerlei Wärme auf. "Ja, Isaí. Ich sehe es." In seiner Stimme lag keine Freude, dafür aber eine fatalistische Ruhe. "Du bist also zurück von den Toten", sagte er schließlich an seinen Vater gewandt, und sein Blick verdüsterte sich.
Shani lief ein Schauer über den Rücken. Jakash schien sich nicht zu freuen und stierte seltsam stumpf zu ihnen. Nicht einmal Isaí, der begeistert auf ihn zukam, beachtete er wirklich. Seine kalte Stimme schnürte ihr die Kehle zu. Sie verstand nicht, was in seinem Kopf vorging. Nach kurzen Zögern folgte Shani Isaí und blieb neben ihm stehen, den Lauf an seiner Schulter, die Nase zu seinem Ohr gesenkt. Aber ihr fiel nichts ein, was sie sagen könnte.
Kursai beobachtete ihre wiedervereinte Familie. Dabei verzerrte sich das Bild von dieser immer weiter. ES begann damit, dass Hiryoga sich gar nicht so richtig über den Anblick seines Sohnes zu freuen. Wieso nur? Kursaí verstand es nicht. Und noch verwirrter war sie nach der Reaktion von Jakash. Besonders da diese so stark im Kontrast zu seinem Welpen stand. Was war mit ihrem Bruder nicht in Ordnung? Wollte er Vater etwa dafür verantwortlich machen, dass er nicht mehr da gewesen war. Dies konnte sie einfach nicht verstehen - war sie doch Engaya nur dankbar, dass sie ihnen ihren Vater zurückgebracht hatte, und so machte sie wieder einen Schritt auf ihren Vater zu, wollte dass er sich nicht unwohl fühlte. Nun kuschelte sie sachte ein wenig an ihres Vaters Seite, sagte aber nichts. Hatte das Gefühl, nicht das Recht in diesem Augenblick dazu zu haben.
Hiyo zuckte unter dem Blick von Jakash zusammen, ein stechender Schmerz machte sich in seiner Brust breit, ihm fehlten die Worte und auch die Luft blieb im Weg. Für einen Moment schloss er die Augen, ermahnte sich ruhig durch zu atmen, denn immerhin war es für sie alle eine nerven aufreibende Situation. "Ich war niemals tot...zumindest glaube ich das." In diesem Augenblick schmiegte sich Kursai an ihn, er legte die Ohren einen Moment zurück, schob seine Schnauze kurz durch ihr Fell und dankte ihr damit für die Unterstützung. "Es ist wohl ein Wunder Engayas, dass ich hier stehe...aber ich freue mich dich zu sehen Jakash. Wie es scheint, geht es dir prächtig." Dabei huschte sein Blick zu Isai und ein Lächeln legte sich auf seine Lefzen. Doch sobald er den Blick zu Jakash hob, fühlte er sich schuldig und das Lächeln verschwand. Zu gerne, hätte er ihn begrüßt, seinen Kopf an den seinen gedrückt, aber dies wäre wohl zu viel gewesen.
Isai fiel aus allen Wolken. Seine Rute erstarrte in der Bewegung, während sich die großen Ohren nach hinten legten und er dreinblickte, als würde er die Welt nicht mehr verstehen. Da war kein Funken von der Freude, die er sich die ganze Zeit erhofft hatte – nichts außer eine kühle Feststellung, während er ihn nicht einmal ansah. Er spürte, dass Shani ihm folgte und neben ihm stehen blieb, doch in erster Linie lag sein Blick auf dem Antlitz seines Vaters, aus dem er gerade einfach nicht schlau wurde. „Von den Toten?“, wiederholte er fast tonlos, ohne die Bedeutung ganz aufzunehmen, obwohl er durchaus wusste, was es bedeutete. Es war mehr ein Versuch, die Sache irgendwie zu verstehen. Sein Vater sollte nicht so sein, er sollte glücklich sein, er wollte doch, dass er glücklich war, seinen Vater wiederzusehen. Langsam ließ er den Kopf gegen den Shanis fallen, den er dicht an seinen Lauschern wusste. Erst, als hinter ihnen Hiryogas Stimme erklang, drehte er den Kopf zurück und lauschte, schwieg nun aber, als seine Augen wieder zu Jakash wanderten. Vielleicht sagte der Ausdruck seiner Augen genug. „Der graue Schnee hat ihn krank gemacht...“, wiederholte er nur für Shani hörbar, ohne sie anzusehen.
Jakash war sich der Blicke seiner Familie genauso bewusst wie der Gefühle, die sein Verhalten in ihnen auslösen musste. Hier standen sie und freuten sich und erwarteten dasselbe von ihm. Aber Jakash konnte sich nicht freuen. genausowenig wie verzeihen. "In der Tat, es geht mir prächtig.", erwiderte er. "Aber nicht dank dir", fügte er kalt hinzu. Seine grüne Augen bohrten sich in die seines Vaters und fanden, was er erwartet hatte: Schuld. "Ein Wunder Engayas... ja, vielleicht. Wäre ja nicht das erste", fuhr er fort, und sein Blick wanderte kurz zu Kursaí und wieder zurück zu dem Grauen. "Auch wenn sich das mehr wie eines von Fenris' Spielchen anfühlt."
Shani hätte Isaí am liebsten die Ohren zugehalten, allerdings war es wohl bereits zu spät. Sie sah das Entsetzen in seinem Blick und wollte doch unbedingt verhindern, dass Jakash alles kaputt machen würde. "Nein, er war nicht tot, Isaí. Wir haben nur gedacht, dass er es war." Sie schluckte. "Vielleicht hat dein Papa wirklich zu viel Asche eingeatmet. Ihm geht es nicht gut." Aber Jakash schien sich von seinem Sohn nicht weiter beeinflussen zu lassen. Er sprach unbeirrt weiter und verwirrte Shani ebenso wie er sie verletzte. Er freute sich nicht ... aber sie verstand nicht, warum. Glaubte er, Fenris würde ihnen Hiryoga vorgaukeln? "Manchmal passieren Wunder, Jakash."
Kursai war offensichtlicher Weise nicht die Einzige, die sich unwohl fühlte, was sie auch nicht wunderte. Und so hörte sie den Worten von ihrem Vater verspannt zu. Wenigstens schien es wirklich ihren Vater zu gefallen, dass sie sich zu ihm gelehnt hatte. Jedoch die nächsten Worte ihres Bruders machten es nicht besser. Wieso konnte er es nicht so nehmen, wie es war. Wieso wollte er unbedingt, dass ihr Vater wieder hier war und dies nun ihre Familie im guten wiedervereinte. Da sie genau wusste, dass Jakash Fenris zugeschrieben war, konnte sie verstehen, dass sie Engaya dies vielleicht nicht so ganz zuschreiben wollte. Und dennoch musste er nicht so tun, als ob ein Feind wieder auftauchen würde. So sagte sie, auch ruhig, jedoch völlig ohne feindlichen oder negativen Unterton: "Vater wollte bestimmt nicht euch - uns – verlassen." Bei diesen Worten war sie einen Schritt von ihrem Vater weggegangen, stand nun wieder alleine da, und sah ihren Bruder an. Wollte, dass dieser nicht ihren Vater völlig nieder machte.
Hiyo starrte Jakash ungläubig an. Dieser Wolf, der vor ihm stand, war sein Sohn, ohne Zweifel und doch war er auch der Enkel seines Vaters und dies merkte man ihm an. Und wieder glomm der Schmerz in ihm auf und wie Öl das Feuer entfachte, so entfachte Jakash einen neuen Schwall an Schmerzen, an Schuldgefühlen und Angst. Doch grade jetzt, wo er das Gefühl hatte, all dies würde ihn zerfressen, spürte er...er spürte einen Moment lang nichts. Sein Körper entspannte sich, er hob den Kopf und wirkte...befreit, ja beinahe selbstbewusst, zum ersten Mal in seinem Leben. Erst Shanis Worte holte Hiyo wieder zurück. Sein Blick huschte zu Isai und er runzelte die Stirn. "Vielleicht sollte sich dein Vater ein wenig ausruhen, wer weiß, was dieser graue Schnee noch so alles mit uns macht..." Kurzerhand stellte er sich neben Isais leere Seite und lehnte den Kopf zu Shani rüber um seine Schnauze in ihrem Fell zu verstecken.
Isai hatte wirklich das Gefühl, irgendetwas falsch gemacht zu haben und dass, obwohl sich der Großteil um ihn herum bis eben tatsächlich noch über die Anwesenheit Hiryogas gefreut hatte. Doch mit Jakash verband ihn nach wie vor mehr und so übertünchte auch das Gefühl, ihn enttäuscht zu haben, jegliche Freude, die ihn eben noch erfüllt hatte. Er ließ den Kopf etwas hängen, blickte kurz zu Shani, als sie ihm etwas erklärte und fixierte direkt wieder seinen Vater. Auch Kursai mischte sich nun ein und versuchte, dem Dunklen wieder Vernunft einzureden. Jakash aber verblieb bei seiner kalten, freudlosen Stimme, als er Shanis Bemerkung umkehrte und die Erscheinung seines Vaters Fenris in die Pfoten schob. Der Kleine stellte die Ohren, als auch Hiryoga an seine Seite trat. „Du bist unfair.“, sagte er schließlich leise, denn eigentlich behagte es ihm gar nicht, diese Worte an seinen Vater zu richten. „Er ist so weit gelaufen, um uns einzuholen und du freust dich gar nicht, dass er endlich da ist und dass, nachdem uns die Dunkelheit verschlucken wollte.“
Jakash's Augen wandten sich nun endlich auch seiner Mutter zu. "Wenn du es so sehen willst, Mutter. Aber du verzeihst ihm ja ohnehin alles", erwiderte er frostig. Sein Blick zuckte schier zu seiner Schwester, und seine Lefzen kräuselten sich erstmals, als auch sie nun das Wort an ihn richtete. "Meinst du, ja? Dabei wollte er das schon einmal - ganz still und heimlich, über Nacht!", den letzten Satz schnappte er ihr förmlich entgegen. Sein Fell sträubte sich jedoch erst, als sein Vater plötzlich den Kopf hob, alle Unsicherheit fallen ließ... und da stand, als wäre er stolz auf sich und seine Taten. In Jakash stieg die Galle hoch. "Wage es nicht, meinem Sohn irgendwelche Dinge einzuflüstern, Hiryoga", knurrte er drohend und trat einen Schritt vor. Sein Grollen verstummte, und seine Zähne verschwanden zum Teil wieder hinter seinen Lefzen, als er sich daraufhin Isaí zuwandte. "Unfair? Nein, Isaí, er hat es verdient! Unfair ist, seine Welpen ohne ein Wort des Abschiedes zu verlassen, und seine Gefährtin! Unfair ist, nicht für seine Welpen da zu sein, wie ein Vater es sollte!" Sein Blick hob sich zu Hiryoga. "Und jetzt kommt er auf einmal zurück und erwartet, dass alles vergeben und vergessen ist? Ich frage mich, wann du wohl wieder wortlos verschwinden und Mutter erneut das Herz brechen wirst!"
Shani war froh, dass auch Kursaí die Stimme für ihren Vater erhob, sah aber nicht zu ihr. Der grasgrüne Blick war auf ihren Sohn gerichtet, auch als Hiryoga zu ihnen trat und seinen Kopf an sie lehnte. Nur Isais leisen Worte lenkten ihren Blick kurz zu dem Kleinen, ließ seine Worte so stehen und berührte ihn nur zustimmend am rechten Ohr. Dann huschte ihr Blick zurück zu Jakash, der sich nun erstmals direkt an ihn wandte und ihr einen Vorwurf daraus machte, dass sie nie Streit wollte. Was war nur aus ihm geworden? Und was sollte sie Hiryoga überhaupt verzeihen? An seinem Sturz ins Nichts trug sie genauso Schuld ... aber das schien überhaupt keine Rolle zu spielen - in Jakashs kleiner merkwürdigen Fenriswelt. Was redete er da nur? Hiryoga war nicht gegangen, er war ins Nichts gestürzt! Zorn war Shani weitestgehend fremd, aber nun verzerrte sich ihr Gesicht ein klein wenig. Jakash versuchte auch seinem Sohn diese verdrehte Wahrheit einzureden und in diesem Moment kam plötzlich tatsächlich soetwas wie ein Knurren aus Shanis Maul. Sie trat einen Schritt auf ihren Sohn zu und richtete sich voll auf, auch wenn sie lächerlich klein neben ihm wirkte. "Was redest du da, Jakash? Dein Vater ist ins Nichts gefallen. Er ist nicht fortgegangen, er ist nicht verschwunden, er hat mir nicht das Herz gebrochen! Bevor du nicht weißt, was im Nichts passiert ist, was überhaupt dort ist, zügele deine Zunge und höre auf zu urteilen! Du bist mein Sohn, ich bin deine Mutter, er ist dein Vater. Vergiss nicht deinen Respekt, sonst wirst du vergessen, was wirklich zählt." Hoch aufgerichtet stand sie vor ihrem Sohn und sah ihm starr in die Augen - wohl zum ersten Mal in ihrem ganzen Leben.
Kursai glaubte nicht wie ihre Eltern, dass die Asche an dem Verhalten ihres Bruders verantwortlich war. Oder dachten sie das überhaupt, oder hatten sie es nur gesagt, um den Welpen zu beruhigen? So genau wusste sie es nicht, wollte es vielleicht auch nicht wissen. Denn inzwischen standen die drei fast wie eine Einheit zwischen den beiden Geschwistern. Nun schien es sogar so, dass Isaí es schaffte, sich zu Worten aufzuraffen. Er sprach sogar gegen seinen eigenen Vater, was von viel Willen zeugte. Sie musste insgeheim den kleinen Wolf bewundern, von seiner Stärke beeindruckt. Doch inzwischen hatte auch ihr Bruder sein Maul wieder geöffnet - und zwar keineswegs beschwichtigt. Seine Worte taten ihr Leid, auch wenn sie nun wirklich nichts dafür konnte. Sie wollte nicht, dass er so über ihren Vater dachte, und auch nicht über die Mutter. Das Unwohlsein in ihr, hätte früher bestimmt in einer Explosion ihrer Gefühle geendet - sie wäre zu ihrem Bruder gerannt, doch nun war da mehr Leere, und sie blieb vielmehr starr, bis ihre Mutter ihre Stimme erhob. Auch wenn sie froh war, dass diese sich um ihren Bruder "kümmerte", war sie doch überrascht. Sie hatte ihre Mutter noch nie so wütend gesehen. Als sie nun zu den drei Anderen ging, um nicht hinten zu stehen, ihnen bei zu stehen. Jedoch kam ihre Mutter ihr in diesen Momenten nicht sicher vor, und so ging sie vielmehr auf die Seite ihres Vaters, und hoffte, dass Jakash nun klein bei geben würde und dass Isaí nicht den Schock seines Lebens bekam.
Hiyo schaute kurz zu Kursai, auch wenn ihre Worte freundlich waren, taten sie ihm dennoch weh. Und nun sprach sich auch sein Enkel für ihn aus, stolz machte sich für einen Moment in ihn breit, sein kleiner Enkel traute sich jetzt schon mehr, als er jemals in seinem ganzen Leben. Wieder hob Jakash das Wort und wieder versetzten ihm seine Worte weitere Stiche. Ganz besonders weil sie wahr waren. Er hatte sie damals verlassen, er war nicht für sie da gewesen, sein Sohn sprach die Wahrheit. Daher kam all der Groll und Hiryoga hatte es verdient. Er war jung und dumm gewesen, unbeholfen und überfordert und vor allem ängstlich, doch all dies war nicht Grund genug, um seine Familie zu verlassen, er hätte es nicht tun dürfen. Seine Augen spiegelten seine Trauer wieder, sein Magen verkrampfte sich und er wich Jakashs Blick aus. Erst ein Knurren ließ ihn hochschrecken. Ein Knurren, dass er noch nie gehört hatte, denn es kam von Shani. Mit aufgerissenen Augen betrachtete er seine Gefährtin, aufgerichtet, voller Selbstsicherheit, aber sie stand auf der falschen Seite. Der Braune schloss die Augen für einen Moment und tatsächlich wünschte er sich schon fast, er hätte das Nichts nie verlassen. Doch dieser Gedanke verschwand wieder, als Kursai an seine Seite trat und er wieder wusste, warum er hier sein wollte. "Shani...er hat...er hat recht. Ich habe euch damals verlassen und dafür gibt es keine Entschuldigung...Jakash...ich wünschte, ich wünschte ich könnte die Vergangenheit ändern, doch ich kann es nicht..." Sein Blick sank zu Boden, seine Ohren waren angelegt und seine Rute eingezogen "... Es tut mir wirklich Leid...ich kann verstehen, wenn du mir dies nie verzeihen wirst..."
Isai fühlte sich bestärkt durch die Berührung seiner Großmutter und fasste so den Mut, sich etwas aufzurichten – bloß um gleich darauf wieder vor die Wahl gestellt zu werden. Die verhältnismäßig großen Ohren pressten sich bei den Worten seines Vaters dicht an den Hinterkopf und er warf einen fast scheuen Blick von der Seite her zu Hiryoga. Er konnte sich nicht vorstellen, dass das, was sein Vater sagte, stimmte, denn sein Bild wollte da so gar nicht zu passen. Und vor allem hätte sich Shani doch sicherlich nicht so sehr darüber gefreut, wenn es gestimmt hätte, oder? Doch Isaí war gezwungen, Jakash zu glauben – er war sein Vater und er würde ihn ganz bestimmt nicht anlügen. Genauso wenig wie Shani oder Kursaí. Aber irgendwie blickte Hiryoga nun drein, als würde Jakash gar nicht mal so verkehrt liegen. Ein lautloses Winseln verlor sich in seiner Kehle, während er keinen blassen Schimmer hatte, was er nun glauben sollte und was nicht. Die Worte Jakashs hatten ihn schnell wieder zum Schweigen gebracht, aber ohnehin trat nun Shani vor und stellte sich seinem Vater entgegen. Am liebsten hätte sich der Rote dazwischen gedrängt, doch bereits nach dem ersten Schritt nach vorne, verwarf er diesen Gedanken und beobachtete stattdessen unsicher die Situation zwischen seiner Großmutter und seinem Vater. Die Anspannung war deutlich zu spüren, denn er hatte Shani noch nie zuvor so gesehen wie jetzt. Vielleicht war auch das der Grund, warum er sich nun zurück hielt. Doch bevor die Sache zwischen den beiden sich weiter aufbaute, meldete sich sein Großvater zu Wort und gab Jakash – tatsächlich! - Recht. Isaí fühlte sich elend. Zum einen, weil er sich unrechtmäßiger Weise gegen seinen Vater gestellt hatte und zum anderen, weil ihn diese ganze Sache überforderte. Doch bei dem Bild, welches Hiryoga einen Moment später schon abgab, reckte er vorsichtig die Schnauze in seine Richtung und berührte ihn soweit es ging an der Schulter. Vielleicht hatte Jakash ja Recht, aber hatte nicht jeder eine zweite Chance verdient? Für ihn klang das alles ziemlich überzeugend. Unsicher, aber entschlossen sah er wieder auf und suchte den Blick des dunklen Rüden, als wolle er ihm wortlos berichten, dass er der Meinung war, dass Hiryoga eine weitere Chance verdient hatte. Auch Kursaí stand inzwischen an ihrer Seite – Isaí wurde dennoch nicht das Gefühl los, dass es für ihn die falsche Front sein sollte.
Jakash hielt der wütenden Rede seiner Mutter sowie ihrem Blick gnadenlos stand. "Ach Mutter, es wundert mich eigentlich nicht, dass all das verdrängt hast, was vor dem Nichts war. Aber Ich erinnere mich! Ich erinnere mich an deine ewige Traurigkeit, weil du jeden Tag auf's neue gehofft hast, dass er wiederkäme. Aber kam und kam und kam nicht! Für wie lange? Ein halbes Jahr, ein dreiviertel Jahr? Länger noch? Verdammt, ich erinnere mich nicht mehr daran, wie alt ich war, als er uns verließ, und Kursaí ebenso! Ohne ein Wort, ohne ein Heulen! Wäre das so schwer gewesen? Nur ein einziges Heulen!" Sein Blick hatte sich mit so viel Zorn gefüllt, wie in seiner Stimme lag, aber brach den Blickkontakt zu seiner Mutter erst ab, als Hiryoga wieder das Wort ergriff. Jakash starrte ihn an, dann trat er an seiner Mutter vorbei auf seinen Vater zu. Ganz dicht vor ihn. "Kannst du das wirklich? Weißt du, ich sehe meine Welpen jeden Tag, und auch wenn ich nicht jeden Tag mit ihnen spiele oder auf Entdeckungsreise gehe, so bin ich doch für sie da, und das wissen sie. Und immer wieder ertappe ich mich bei der Frage, was das wohl für ein Gefühl gewesen wäre, damals, wenn du dagewesen wärst..." Seine Stimme war ganz leise, obgleich der Schwarze wusste, dass Kursaí und Shani ohnehin dicht genug standen, um jedes Wort zu verstehen. Sein Blick war immernoch kalt, aber der Zorn war sichtlich in den Hintergrund gerückt. Für einen Moment huschte sein Blick hinab zu seinem Sohn, als hätte er dessen Blick gespürt, dann sah er wieder seinen Vater an. "Ich hoffe, dass du deinen Enkeln wenigstens ein besserer Großvater sein kannst als du ein Vater warst", fügte er hinzu, wandte sich um und schickte sich an, zu Malik zurück zu kehren.
Shani verstand nicht, was all das, was ihr Sohn sagte jetzt mit Hiryogas Rückkehr zutun hatte. Sie hatte ihm verziehen und er hatte es nicht wieder getan - er war ins Nichts gefallen, er hatte sie nicht wortlos verlassen. Wie konnte in Jakash dieser Zorn so lange köcheln? Er hatte nie darüber gesprochen. Als er an ihr vorbeitrat, auf Hiryoga eingehend, der schwächlich plötzlich seinem Sohn zustimmte, verpuffte der Zorn in Shani und unendliche Traurigkeit blieb zurück. Alles zerbrach, die Rückkehr ihres Gefährten war keine Wiedervereinigung ihrer Familie ... sie zerstörte sie. Alles war zerstört und ihr Sohn zeigte das am deutlichsten. Ohne es verhindern zu können, begannen die Tränen über ihr Gesicht zu strömen und jede Stärke fiel von ihr ab. Sie wandte sich nicht zu ihrer Familie um, als sie langsam Pfote vor Pfote setze und sich von ihnen entfernte. Jakash hatte ihr gezeigt, dass sie nicht mehr seine Mutter war, Hiryoga wollte mit ihm alles kaputt machen ... sie waren nicht mehr ihre Familie.
Kursai war verwirrt. Es schien mit einem Mal so schwierig die Familie zusammen zu halten. Und nun gab ihr Vater Jakash auch noch völlig recht. Ja, er hatte sie mal verlassen. Diese Worte schienen direkt von ihrem Bruder aus an sie gerichtet zu sein, und doch waren sie wahrscheinlich vielmehr an ihre Mutter gerichtet. Es schien als ob der Konflikt alles aufwirbelte. Wieso konnten die anderen nicht das annehmen, was geschehen war? Engaya hatte ihnen ein Geschenk gemacht, und Jakash konnte darauf nur alten Gröll schmeißen, und nicht mehr veränderbares seinem Vater vorwerfen. Als dieser sich nun um wandte, entspannte sie sich ein wenig. Auch wenn die Rückkunft nicht mehr ein freudiges Fest war, so hoffte sie doch, dass sie ein wenig Frieden damit finden würden können. Jedoch als nun ihre Mutter ihnen auch noch den Rücken zukehrte, schien selbst diese Illusion völlig zu zerfallen. Es schien als ob ihr Bruder auch diese gebrochen hätte, ihr Hoffnungen nahm. Sie verstand nicht, wie er nur so unbarmherzig sein konnte, und so stark an den Festen ihrer und auch seiner Familie rütteln musste. Sie konnte einfach nur so darstehen und den beiden nachsehen, wie sie davon zogen.
Hiyo verlor sich in den Worten seines Sohnes, sie klangen noch lange, nachdem er sie ausgesprochen hatte, in seinen Ohren wieder. Es war lange her, dass er sie damals verlassen hatte und er wusste selbst nicht einmal mehr, was ihn dazu geritten hatte, er wusste nur, dass er es bereute, mehr als alles andere auf der Welt. Wenn er sich nun den kleinen Isai ansah, dann wünschte er sich, er hätte auch seine Welpen so aufwachsen sehen. Aber das hatte er nicht und würde er nie mehr sehen. Ja, es blieben ihm nur noch seine Enkel, für die er da sein könnte, Jakash würde ihm nie verzeihen, er hatte ihn verloren. Erst als Shani davon trat, merkte er, dass sie sich von ihnen wegbewegte und weinte. Doch zu tief saß sein Schmerz, zu groß war er doch, um ihr jetzt folgen zu können. Er hatte alles zerstört. Hiyo ließ sich zu Boden sinken, vergrub die Schnauze unter den Pfoten und winselte kaum hörbar vor sich hin. Er hatte vergessen, das Isai und Kursai noch neben ihm standen, es war ihm auch egal. Alles war falsch gelaufen, er hatte alles zerstört. Shanis Freude war gestorben und die Wiedervereinigung war ein einziges Chaos.
Isai musste einsehen, dass es nichts brachte. Er konnte nichts ändern, er war machtlos und zerrissen, wem er nun glauben sollte, davon abgesehen, dass er gänzlich zwischen Groll und Trauer unterzugehen schien. Jakash hielt dem Blick Shanis Stand, spuckte ihr schließlich seine Auffassung der Geschichte vor die Pfoten, die der Rote nicht beurteilen konnte, und trat schließlich auf Hiryoga zu, was ihn in Alarmbereitschaft versetzen wollte. Doch schnell verpuffte dieses Gefühl und wich unendlich tiefem Mitleid seinem Vater gegenüber, als er erstmals in den Fang nahm, was genau er ihm nie verzeihen wollte. Mit angelegten Ohren sah er zu ihm auf, während er sprach und sich schließlich umwandte. Fast zeitgleich wendete sich auch Shani ab und kehrte ihnen den Rücken zu. Hastig wechselte der Blick zwischen Jakash und Shani, denn er wusste, dass er einem von beiden folgen musste, folgen wollte. Die Entscheidung aber trafen schließlich seine Läufe, als er Hiryoga ein letztes, misslungenes Lächeln und ein leises „Ich freue mich trotzdem, dass du da bist...“ schenkte, um die niederschmetternden Worte seines Vaters zumindest in Ansätzen etwas abschwächen zu können. Und schon machte er sich mit einem letzten, wehmütigen Blick gen Shani auf, um zu seinem Vater aufzuschließen. Er hielt sich dicht bei seinen Hinterläufen, wagte es nicht, weiter nach vorne zu laufen und ließ den Blick gesenkt, als fürchte er, die grünen Seelenspiegel seines Vaters auf sich zu sehen. Erst ein paar Herzschläge später rang er sich zu einem leisen „Vater...“ durch, wünschte sich aber direkt darauf wieder, es gelassen zu haben. Er wollte ihn nicht ansehen. Er spürte den Groll in sich, dass Jakash ihnen allen die Freude geraubt hatte – auf der anderen Seite aber spürte er die Furcht, dass auch er verschwand und Isaí ihn verlor. Er wollte sich nicht vorstellen, wie es sein würde, wenn Jakash ohne ein Wort verschwinden würde. Vielleicht war das der Grund, weshalb seine Läufe ihm gefolgt waren – vielleicht umspielte deshalb zugleich Hoffnung und Furcht sein Herz, dass der Dunkle irgendetwas sagte.
Jakash bemerkte nicht mehr, wie seine Mutter sich weinend abwandte und ebenfalls davonging. Auch nicht, wie Hiryoga anschließend in sich zusammen sackte. Er warf keinen Blick zurück, obgleich etwas in ihm drängte, seinen Sohn zu sich zu rufen. Doch Isaí kam bereits von allein, und Jakash kam nicht umhin eine gewisse Zufriedenheit darob zu empfinden. Isaí setzte dazu an etwas zu sagen und brach dann doch ab. Jakash sah seinem Sohn an, dass er bedrückt war, und ahnte warum. "Schon gut, Isaí. Du hast nichts falsch gemacht. Du konntest es nicht wissen", beschwichtigte er den kleinen Rote und lächelte endlich ein wenig.
Kursai dachte für sich: Wie war das gerade nur geschehen können? Kursaí war sicher, dass Engaya bestimmt von ihnen allen enttäuscht war. Aus der so hoffnungsvollen Situation, dem Geschenk für sie, hatte Jakash einen Fluch gemacht - oder es zumindest versucht. Zwar schien er auch einen gewissen Erfolg zu haben. Und so in den Gedanken bemerkte sie erst nicht, wie Isaí seinen Vater folgte. Doch dann bemerkte sie, dass nur noch sie bei ihrem Vater war. Selbst dieser schien nicht mehr er selber zu sein, schien zerschmettert, von den Anschuldigungen. Ja, er hatte sie alleine gelassen, doch er war auch wieder gekommen. Er hatte gezeigt, dass er zu der Familie gehört und nun war er ein zweites Mal wiedergekehrt. Jedoch schien es nicht so, als ob er hier sein wollte. Es schien gerade so, als ob ihm nicht einmal bewusst wäre, dass sie noch da war. Zunächst war sie verunsichert, was sie tun wollte, doch dann riss sie sich zusammen. Sie wollte sich das Glück, das Geschenk nicht nehmen lassen, und so machte sie den letzten Schritt auf ihn zu, setzte sich zu ihm. Sie sagte nichts, wüsste nicht, was es zu sagen gäbe. Vielmehr lehnte sie sich sachte an ihn und war für ihn da. Zurück aus dem Nichts, schien er halt zu brauchen, und sie wollte ihm helfen, diesen zu finden.
Isai warf nur einen kurzen Blick zurück, ehe sich seine Seelenspiegel wieder auf dem trostlosen, steinigen Boden vor seinen Läufen verloren. Er schluckte trocken und zuckte schließlich leicht zusammen, als die Stimme Jakashs doch die Stimme durchbrach, die sich über sie gelegt hatte. Er spürte seinen Blick auf sich, hob aber erst Sekunden später den seinen und spähte zu ihm herüber. Das schwache Lächeln auf seinen Lefzen beruhigte ihn zwar und ermutigte ihn, etwas dichter an den Hinterlauf zu rücken, während er ihm weiter folgte, doch wirklich besser fühlte er sich nicht. „Ich wollte nicht...“, setzte er an, um sich für seine Worte zu entschuldigen. „Du warst nicht unfair, wenn er einfach verschwunden ist.“ Er konnte nichts damit anfangen, dass Hiryoga ins Nichts gefallen sein sollte. „Aber hast du ihn jemals gefragt, warum? Vielleicht hat er ja einen Grund...“ Nur vorsichtig wagte er sich an seine Worte.