Caylee
29.01.2013, 16:34

Am Abend von "Das Ende einer Welt"

Caylee war unruhig. Eigentlich sollte sie schlafen und die einberufene Rast ausnutzen – immerhin schmerzte ihre Schulter noch immer und langsam sollte sich das doch wirklich wieder legen – aber sie war unruhig. Seit dem Tag des ersten Erdbebens im Sumpf schienen Ewigkeiten vergangen zu sein, auch wenn es ihr wohl insbesondere aufgrund ihrer momentanen Lage nur so vorkam. Einfach alles hatte sich verändert. Ihr Tal war unbewohnbar, sie hingen in irgendwelchen fremden Gebirgsausläufern herum, Krolock war durchgedreht, einige fehlten und die Beziehung zu ihrer Familie hat sich nach wie vor nicht wirklich verbessert. Sicher, ihre Geschwister waren ihr geschlossen zur Hilfe geeilt – auch Amúr – und ihr Vater war auch wieder da, aber von einem Familienidyll konnte man nun trotzdem nicht gerade sprechen. Und ihre eigenen Zweifel, ihre innere Zerissenheit und die Schulter taten das Übrige dazu. Außerdem hatten sich zwei Fremde ihnen angeschlossen und zumindest einer von ihnen schien mit diesem seltsamen Yjel gut befreundet zu sein. Und alle drei – Yjel, sein Kumpel und diese merkwürdige Fähe – waren von der Aura Fenris‘ umgeben. Averic hatte sie alle mit zum Rudel gebracht, wobei das bedeutete, dass Yjel bereits mit ihm aus dem Tal der Sternenwinde gegangen war. Hatte ihr Vater diesen merkwürdigen Rüden etwa mitgenommen? Ihn, aber nicht sie und keines ihrer Geschwister? Und was wollten die drei nun von Averic? Schon damals, beim Erdbeben, als Averic ihr zur Hilfe geeilt war und Yjel dabei mitgebracht hatte, war ihr dieser Rüde merkwürdig vorgekommen. Einmal ganz abgesehen von seinen schielenden Augen - die fast witzig wären, würde er nicht irgendetwas an sich haben, das Caylee Respekt einflößte - war da dieser Stempel Fenris‘, der praktisch auf seiner Stirn prangte. Und das machte die Weiße mehr als neugierig. Anders als wohl einige aus ihrer Familie, regte sich bei ihr kein Misstrauen oder die Angst, Yjel und seine Kumpels könnten ihrem Vater irgendetwas antun wollen. Viel eher wollte sie unbedingt erfahren, was der Braune hier tat und warum er Averic gefolgt war. Und dann vielleicht noch, woher man diese schielenden Augen bekam.
Was für ein Zufall, dass sich der dunkle Wolf ganz in ihrer Nähe aufhielt. Wobei, so ein Zufall war das auch wieder nicht, immerhin wollten sie sich beide nicht an die Körper der anderen Rudelmitglieder schmiegen, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen. So war es nicht weiter erstaunlich, dass sie beide praktisch alleine hier am Rande des Rudels saßen. Der Sternenblick der Jungwölfin fixierte ziemlich direkt und wohl auch fast ein bisschen unverschämt den neuen Freund oder zumindest Verfolger ihres Vaters und traute sich doch nicht, zu ihm hinzugehen.

Yjel
02.02.2013, 23:23

Gelangweilt blickten die Seelenspiegel des Rüden über die Rudelmitglieder streifen. Irgendwie verschwommen sie zu einer Masse, alle nur grau oder schwarz oder weiß oder braun. Es war ermüdend, sie zu beobachten und Yjel konnte keinen benennen, der sonderlich heraustach. Bei Averic war das anders gewesen - ihm haftete förmlich etwas an, dass Yjels Aufmerksamkeit in vollem Maße an sich zog. Da war einfach etwas, dass seine Augen, seine Konzentration auf ihn lenkten. Doch die anderen - hauptsächlich Gesichter, denen er weder Namen noch Charakter zu ordnen konnte. Er trank und trank und trank die Luft, die ihn umgab und er trank und ertrank an ihr. Völlig gefasst verharrte er in seiner Pose am Rande des Rudels, seine Gedanken drehten Kreise in einem Kopf, der völlig in den Wogen der Sinnlosigkeit herum trieb. Alles war für ihn derzeit nicht mehr erregend als der Schlaf von Winzwelpen. Dieser Zustand verschlechterte seine Laune zunehmend. Aus den Augenwinkeln erfasste ein Blick eine Fähe, die reinweißes Fell hatte und noch nicht viele Monde zu zählen schien. Eine junge, neugierige Seele, die den Graubraunen zu fixieren schien. Was wollte sie denn von dem Fremden? Er war völlig uninteressant, dachte Yjel über sich selbst, und dennoch hatte er, der Neue des Rudels, ihre Aufmerksamkeit erweckt. Warum war ihm noch immer rätselhaft. Er schnaubte leise, als er ihr direkt in die strahlenden blauen Funkelaugen blickte. Irgendwie war es amüsierend, von einer so jungen Fähe betrachtet zu werden wie der erste Wolf. Schließlich lebte sie in einem großen Rudel, sicherlich hatte sie schon viele Fremde kommen und auch einige andere Wölfe gehen sehen. Was war es nun, dass sie so neugierig machte? Es lockte ihn, sie zu necken. Doch er kannte diese junge Fähe nicht, weswegen er einen sarkastischen Kommentar besser ließ.

Nach einer Weile hauchte er ihr ein kaltes "Buh." entgegen. Er ließ die kleine Feder nicht aus den Augen, begann seine Lefzen süffisant zu verziehen. Der Moment hatte etwas komisches, ein Außenstehender hätte sicherlich zu lachen begonnen, hätte er Einerseits den ernsten Rüden gesehen, der von der Weißen betrachtet wurde. Irgendwie war es doch eine Ehre für Yjel, Objekt der Neugierde zu sein. Zumindest für eine kleine, weiße Wölfin. Ihm schossen plötzlich tausende Gedanken durch den Kopf, was er ihr noch hätte sagen können, doch er wartete noch ihre Reaktionen ab. Ihr Alter konnte er schlecht einschätzen, mit Welpen hatte er keine Ahnung. Er fragte sich, ob sie eher naiv oder schon etwas ernster war. Yjel konnte sich daran erinnern, schnell reif geworden zu sein, mit der entsprechenden Ernsthaftigkeit. Vielleicht machte sie sich auch über seine seltsamen Augen lustig, was Yjel nicht hoffte. Jeden Anderen hätte er daraufhin mit bösen Sprüchen von sich ferngehalten, bei einer so jungen Seele allerdings traute er sich dies nicht. Er wollte sie nicht verstören, allein ihres Alters und ihrer schönen Augen wegen. Geduldig wartete er auf ihre Reakion. Das konnte noch belustigend werden.

Caylee
11.02.2013, 08:51

Caylees Ohren schnippten nach vorne, als Yjel ihren Blick zu bemerken schien und erwiderte. Es hatte etwas Gruseliges, wie er sie mit seinen merkwürdigen Augen ansah und nicht erkennen ließ, was in seinem Kopf vorging. Es war der Weißen mit den Sternenaugen aber nicht unangenehm. Nur eben seltsam und unter den falschen Umständen - die aber ganz und gar nicht herrschten - auch etwas beängstigend. In diesem Moment aber dachte Caylee eher fieberhaft darüber nach, was sie sagen sollte. Denn ansprechen wollte sie den Braunen, jetzt da er sie sowieso schon bemerkt hatte, auf jeden Fall. Es interessierte sie viel zu sehr, was er hier zu suchen hatte und warum er Averic gefolgt war. Bevor sie auf einen guten ersten Satz gekommen war, ließ Yjel ein leises Buh zu ihr herübertragen und grinste dabei auf eine süffisant anzügliche Art. Merkwürdigerweise war aber selbst das Caylee nicht wirklich unangenehm, es amüsierte sie eher.

"Jetzt habe ich mich aber erschreckt."

Gab sie ebenfalls nicht sonderlich laut zurück und richtete sich dabei etwas auf. Mittlerweile kräuselten sich auch ihre Lefzen unter einem spöttischen Grinsen und sie fixierte nach wie vor die seltsam schielenden Augen des Braunen. Ob er da wohl seit seiner Geburt hatte? Oder konnte irgendein äußere oder innere Zustand dazu führen, dass ganz normale Augen sich plötzlich verdrehten? Und war das ein guter Gesprächseinstieg? Caylee war gerade dabei, diese letzte Frage mit Nein zu beantworten, da purzelte sie auch schon aus ihr heraus.

"Es spricht dich bestimmt jeder als erstes auf deine Augen an, stimmt's? Ähnlich wie bei mir, nur im negativen? Meine Sterne habe ich seit meiner Geburt, du deine Schräglage auch?"

Sie hatte das in einem neugierig verschmitztem Ton gesagt, für Spott oder Sticheleien war sie einerseits doch zu nett - zumindest zu interessanten Fremden - und hatte andererseits zu viel Respekt vor der dunklen Ausstrahlung Yjels. Trotzdem befand sie, dass sie durchaus genau das getan hatte, was nach ihrer eigenen Aussage jeder tat, weshalb sie das so nicht alleine stehen lassen konnte.

"Aber deine Augen sind eindeutig nicht das Interessanteste an dir, Yjel. Was willst du von meinem Vater? Klar, er ist ein ziemlich cooler Wolf, aber deshalb muss man ihm ja nicht gleich überall hin nachlaufen?"

Jetzt grinste sie wieder, wobei an beiden Seiten ihres Fangs ein Reißzahn hervorblitzte.

Yjel
13.02.2013, 12:34


Yjel war erstaunt. Er hatte viel eher damit gerechnet, dass die kleine Weiße erschrickt und ihren Blick schnell wieder wegdreht, aber nichts da - vielmehr verstärkte sich ihr neugieriges Bohren und sie lächelte. Eigentlich war Yjel nicht leicht zu verwirren, der Mut der Kleinen war allerdings so eigenartig im Anbetracht der Tatsache, dass Yjel verdutzt betrachtete, wie sie sich erhob. Ihre iornische Antwort ließ Yjel leise vor sich hin lachen. Die Kleine war wirklich immer für eine Überraschung gut.

"Das hoffe ich auch für dich. Ein gesundes Maß an Furcht schadet einem neugierigen Jungwolf nicht."

Er hatte sich wieder beherrscht und die übliche ausdrucksarme Mimik aufgesetzt. Seine ironische Antwort war als leichte Mahnung formuliert, schließlich war es für eine so junge Fähe nicht besonders intelligent, so wenig Furcht zu haben. Natürlich, sie war hier in vollkommener Sicherheit, aber früher oder später konnte sie auch außerhalb der Obhut des Rudels auf Fremde treffen. Und da würde eine solche Vorgehensweise riskant werden. Noch immer behielt sie den forschenden Blick in ihrem Gesicht, bevor ihr einige Fragen aus dem Mund purzelten. Wieder schaute Yjel nicht schlecht. Sie hatte eindeutig Mut bewiesen, was der Rüde an der Kleinen immer mehr schätzte. Auch wenn sie einen wunden Punkt traf, und Yjel war sich sicher, dass sie das wusste, er veränderte seinen Ausdruck nicht.

"Ach, naja. Normalerweise fragt man mich immer zuerst nach meinem Namen. Diejenigen, die das allerdings wissen wollen, sind keine neugierigen, kleinen Jungwölfe."

Als er geendet hatte, betrachtete er bewusst die Seelenspiegel der Weißen. Sie bezeichnete sie selbst als Sterne und sie hatte damit nicht unrecht. Er beschloss aber, nicht lobend darauf einzugehen. Schließlich sollte sie auch ein wenig dabei lernen, wenn sie schon austeilte, sollte sie auch einstecken.

"Nein, mit meinen Monden wurde ich nicht geboren. Die verdrehen sich nur, wenn die Sterne sie mustern und die Federn sie zu lange kitzeln."

Yjel griff den Ton der Kleinen auf und er lockerte seinen Ausdruck auf, fing wieder an zu lächeln. Er kannte die junge Fähe nicht und wusste sie nicht einzuordnen. Mit dem nächsten Satz, den sie von sich gab, verriet sie aber ihre Herkunft. Anscheinend hatte sich seine Ankunft herumgesprochen, denn die Weiße kannte auch seinen Namen. Und das, was er getan hatte. Ihre Frage wollte er zwar beantworten, aber das, was ihn hierher geführt hatte, konnte er unmöglich in Worte fassen. Denn es war vielmehr ein Empfinden und ein Gefühl und darüber zu reden viel Yjel schwer. Dies lies er sich natürlich nicht anmerken und umging ihre Frage. Wieder etwas spitz setzte er eine Gegenfrage an.

"Welchen Namen hat sich dein cooler Vater denn für dich ausgesucht? Oder nennt man dich nur Feder mit den Sternenaugen?"


edit:
Respekt für den iPhone-Post. ôo

Caylee
28.02.2013, 19:29

Caylee war ein bisschen irritiert, als sie das leichte Erstaunen ihres Gegenübers bemerkte. Hatte Yjel erwartet, dass sie furchtsam vor ihm zurückweichen würde? Sowas taten nur Schwächlinge - selbst wenn Caylee wirklich Angst gehabt hätte, wäre sie ganz bestimmt nicht bereit gewesen, den Braunen das merken zu lassen. Offensichtlich kannte er nur langweilige Jungwölfe, die weder Mut noch Stolz in sich trugen. Natürlich ganz im Gegensatz zu Caylee, die sich nun noch ein bisschen mutiger fühlte. Yjel war ganz offensichtlich kein unangenehmer Zeitgenosse, also konnte sie mit ihm umgehen wie sie es mit jedem tat. Sein leises Lachen machte ihr so auch nichts mehr aus und seine Worte kommentierte sie mit einem leisen Zungenschnalzen.

“Ich glaube, eine gesunde Portion Mut tut ihm noch viel besser. Fürchten können sich jene, die Schutz brauchen.“

Nunja, angesichts Yjels Größe und der Tatsache, dass er ein Rüde war, bedurfte Caylee so gesehen unter Umständen durchaus Schutz, aber sie fühlte sich von dem Braunen in keinster Weise bedroht. Und das lag nicht nur an seinen lustigen Augen und seinem eigentlich freundlichen Verhalten. Etwas an dem Rüden schien auf ihrer Seite zu sein, so als gäbe es überhaupt Seiten, auf denen oder gegen die man sein konnte. Jedenfalls schien Yjel ihr es auch nicht übel zu nehmen, dass sie ihn direkt auf seine Augen angesprochen hatte; zumindest regte sich wenig in seinem Gesicht. Mit seiner Antwort brachte er sie wieder zum grinsen, der Braune war genauso wenig auf die Schnauze gefallen wie sie.

“Ich bin nicht klein … nur vielleicht ein bisschen neugierig. Aber vor allem nicht langweilig - nach dem Namen fragen kann und tut jeder. Deine Namen muss ich nicht wissen, du bist Schrägauge mit der schnellen Zunge.“

Jetzt war Caylee stolz auf sich. So schnell hatte sie sich noch nie einen so guten Namen ausgedacht. Naja, vielleicht fand ihn der Braune nicht ganz so gut, aber sie musste ihm ja nicht verraten, dass sie seinen Namen längst kannte. Das war allerdings auch das einzige, was sie von ihm wusste und er setzte alles daran, sie nur noch mehr zu verwirren. Sterne mustern und Federn kitzeln? Welche Sterne? Welche Federn? Hä? Caylee verzog ziemlich verwirrt das Gesicht, legte den Kopf schräg und gab ein brummendes Geräusch von sich.

“Also Nachts und …? Du willst mich doch veralbern. Sprichst du immer in Rätseln?“

Fast war sie ein bisschen beleidigt, ließ sich aber von Yjels weiteren Worten ziemlich schnell besänftigen. Er antwortet zwar nicht auf ihre Fragen - das entging ihr ganz und gar nicht - aber er gab ihr einen schönen Namen. Feder mit den Sternenaugen. Mh, ja, das klang gut. Ihr war auch nicht entgangen, dass wieder Sterne und Federn in seinem Satz vorkam … wollte er damit sagen, dass er nur schielte, wenn sie ihn ansah? Das war aber eine infame Unterstellung! Sie brummte abermals vor sich hin, lächelte aber jetzt schon wieder.

“Nein, so hat mich bisher nur Schrägauge mit der schnellen Zunge genannt. Möchte er mir etwa unterstellen, dass ich für seinen namensgebenden Zustand verantwortlich bin? Ich bin Caylee, Averics und Tyraleens Tochter und Erbin Banshees und Acollons.“

Sie hatte sich schon immer einmal so vorstellen wollen und befand diesen Moment für perfekt passend. Das klang schon verdammt cool … ebenso cool wie ihr Vater eben war.

“Also, Yjel, du hast auf meine Frage nicht geantwortet.“,

stellte sie schließlich spitzfindig fest und grinste wieder ihr Reißzahngrinsen.

Yjel
06.03.2013, 17:29


Seine Bewunderung für die kleine Mutige hielt noch immer an, es war schon seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr vorgekommen, dass er solch ein Interesse weckte. Das mochte zum einem daran liegen, dass er sich stets aus allen möglichen Dingen herauszuhalten versuchte und darum bemüht war, so wenig wie möglich aufzufallen. Allerdings konnte er nicht leugnen, dass auch diese Seite ihre Vorzüge hatte und das ein wenig Beachtung ihm nicht schadete, sondern im Gegenteil, ihm sogar ein wenig gefiel. Man lernt eben täglich hinzu, sei es durch Fügungen der Götter oder durch Jungwölfe. Die Kleine verstand es eben, sie selbst zu sein. Aus ihr würde sicher ein sehr selbstbewusster Wolf werden und ein schöner noch hinzu. Seine Gedanken umkreisten Zukunftsvisionen, während sie ihren Pfotenabdruck hinter seine Jungwolf-These setzte. Dabei hatte sie gar nicht so unrecht und ihre Überlegung betrachtete er mit Wohlwollen, während sein Kopf leicht nickte. Sie hatte den prüfenden Blick nicht abgelegt, schien aber trotz seiner Anwesenheit (und das gab es nicht allzu oft, vor allem nicht bei Fremden) ruhig und entspannt. Andererseits, er hatte ihr nie einen Grund gegeben, sich wirklich vor ihm zu fürchten. Er kannte Wölfe, die da ganz anders waren. Im Tal der Raben gab es die ein oder andere Gestalt, die er einem Jungwolf nicht unbedingt zugemutet hätte. Er dachte an seine Heimat, sinnierte ein wenig und fand, dass ein entscheidender Teil von ihm geprägt war von dieser Gegend. Ihr Lächeln holte ihn allerdings zurück ins Hier und Jetzt, wo er ihre Worte nun mehr aufmerksam verfolgte. "Natürlich bist du nicht klein und neugierig schon lange nicht, wie komme ich bloß darauf?", sprach er betont ironisch und schüttelte leicht sein Haupt. Seine Augen waren halb geschlossen und seine Worte beendete er mit einem Lächeln.

Sie schien ein wenig irritiert zu sein und brummte vor sich hin, eine Art und Weise die ihm fremd schien. Schon wieder fragte sie den Braunen etwas und er hätte lauthals Lachen können. "...Nur vielleicht ein bisschen neugierig" hallte es noch in seinem Kopf. Sicher. Nur ein bisschen. Allerdings blieb er ruhig und behielt Fassung, während Caylee immer eigenartigere Geräusche von sich gab. In ihrem kleinen, hübschen Kopf schien sich gerade einiges zu drehen. Wenn das keine taktische ausgeklügelten Worte gewesen waren... der Jungwolf schien sich einiges um den Namen zu machen. Damit hätte der Braune nicht gerechnet, aber es amüsierte ihn. Er hatte von der Kleinen einiges über Jungwölfe lernen können, was er bisher nicht gewusst hatte. Zuvor hatte er sie alle in eine Schublade gesteckt und sie für scheue, kleine Winzlinge gehalten. Seine Gedanken kreisten weiter, während sie sprach. Allerdings, so nahm er sich vor, würde er ihr auf ihre erste Frage antworten. "Warum dieser Yjel nicht geantwortet hat, liegt daran, dass er selbst unwissend darüber ist. Fenris rief ihn ... aber bisher hielt er es nicht für nötig, genauer Informationen durch zugeben. Vielleicht wurde er durch die Schrägaugen abgelenkt. Oder der große, böse Yjel sprach so lange in Rätseln das er sich abwandte. Wer weiß das schon, kleine, neugierige Caylee mit den Sternenaugen?"
Er sagte es gelassen und ruhig und wandte seinen Blick von ihr ab, um ihn schweifen zu lassen.

Caylee
02.04.2013, 18:25

Dieser Yjel war schon eine merkwürdige Gestalt. Er scherzte mit Caylee, war offensichtlich von ihr und der Situation angetan, amüsierte sich, beobachtete sie immer wieder ganz genau und driftete dann wieder in Gedanken ab und blieb bei all dem reichlich undurchschaubar. Die Weiße fühlte sich noch immer ein bisschen auf den Arm genommen, wirklich ernst nahm er sie jedenfalls nicht. Das tat sie allerdings auch nicht, zumindest versteckte sie ihren durchaus vorhandenen Respekt ziemlich gut. Zusammenfassend könnte man also sagen, dass er sie ziemlich gut spiegelte, was Caylee wiederum ein wenig aufbrachte.

“Neugierde tut nur gut, wer nicht neugierig ist, verpasst das Leben.“

So, pah, jetzt hatte sie es ihm aber gegeben. Mit dem Grinsezahnlächeln und einem Funkeln in den Sternenaugen ließ sie den Rüden nicht mehr aus dem Blick und hätte ihn - wäre er nicht fremd gewesen - am liebsten an einem Ohr gezogen. Das zumindest würde sie bei einem Familienangehörigen machen, wenn er so mit ihr sprach. Aber Yjel war kein Familienmitglied und der bereits erwähnte Respekt hielt sie dann doch davon ab, sich ihm zu nähern und noch eindeutig bestehende Grenze zu überwinden. Das fiel ihr noch schwerer, als der Braune wieder allerlei Fragen von ihr missachtete und nur auf die einging, die sie zum zweiten Mal stellte. Offensichtlich musste man ihm also alles zweimal sagen … na da würden sich Aszrem und ihre Mama ja freuen. Vor allem, weil Yjel selbst beim Antworten immer noch reichlich undeutlich blieb und wenig Wert darauf legte, wirklich Informationen zu vermitteln. Außer vielleicht die Tatsache, dass er von sich behauptete, von Fenris geschickt worden zu sein. Da verblasste das Grinsen auf Caylees Gesicht und ihre Stirn zog sich in Falten. Das war ja interessant.

“Fenris hat dich gerufen? Woher weißt du das? Wie hat er das gemacht? Was hat er gesagt?“

Das klang ja fast ein bisschen wie bei ihrem Vater. Den hatte Fenris ins Tal der Raben gerufen, aber bisher hatte die Weiße immer gedacht, dass das so eine Sohn des Todes-Sache war. Konnte einfach irgendwer von Göttern gerufen werden? Und dann auch noch, ohne dass derjenige wusste, warum? Klang seeehr merkwürdig. Eben so merkwürdig, wie Yjel auch war.

“Bestimmt hat er sich vor deinen Augen erschreckt und fragt sich, warum Engaya das gemacht hat …“,

brummte sie noch vor sich hin, wirkte jetzt aber ziemlich ernst. Das Gespräch hatte eine unerwartete Wendung genommen und Caylee konnte nur hoffen, dass sie gerade nicht schon wieder veralbert wurde.