14.01.2012, 18:27
Der Herbst nahm seinen Lauf, als wäre nichts geschehen. Es war kühler geworden, an manchen Tagen wehte ein steter, eiskalter Wind aus Norden, der vom bald kommenden Winter zu grüßen schien und die Sonne verlor mehr und mehr an Kraft. Die Theorie, dass sie nun ein zweiter Winter in diesem Jahr erwarten würde, schien immer wahrscheinlicher und trotz der damit aufkommenden Gefahren für die noch so jungen Welpen, waren die meisten Wölfe über diese Normalität erleichtert. Winter bedeutete nun vor allem, dass keine weiteren Fehler begangen wurden und neben Schnee, Eis und Kälte auch neues Leben tief unter der Erde wachsen konnte. Noch war nicht abzusehen, ob all die verstorbenen Jungtiere im Sommer zu große Lücken in den Herden der Beutetiere hinterlassen hatten oder ob es ein weniger reicher Winter werden würde. Deshalb hatte die Rudelführung beschlossen, auch die sonst eher gemiedenen Waldabschnitte ganz im Süden des Reviers genau zu erkunden um ihren Bestand einschätzen zu können. Außerdem konnte es nicht schaden, die Welpen mit allen Teilen des Gebiets vertraut zu machen. So war das Rudel vom Wasserfall weiter nach Süden gewandert, fast bis zur südlichen Reviergrenze. Doch dort waren sie auf gleich zwei Umstände gestoßen, die sie zum Bleiben bewogen hatten. Zum einen war dort Neruís Spur entdeckt worden – irgendwann zu verwaschen und undeutlich, um ihr noch länger zu folgen und doch eindeutig aus dem Revier hinausführend. Alle hatten von der Prügelei zwischen Krolock und Neruí gehört, die damit geendet hatte, dass die Alphatochter verschwunden war. Ihr Vater brach sofort zu einer Suche auf, doch nach wenigen Tagen kehrte er erfolglos zurück. Neruí war und blieb verschwunden. Diese Nachricht wurde mit Entsetzen aufgenommen, wurde aber durch die zweite Auffälligkeit etwas in den Hintergrund gedrängt. Ganz im Südosten, im hintersten Teil des Reviers, der fast nie betreten wurde, lag das Sumpfgebiet, das aus unerfindlichen Gründen das Nichts überlebt hatte. Es war kein Ort für Wölfe und hatte auch nie die Aufmerksamkeit des Rudels erregt. Jetzt aber schien es sich verändert zu haben. Schon früher hatte es meist vermodert und etwas seltsam gerochen, unangenehm und stickig. Doch nun stank es wahrhaft, als wären tausende von Tieren in ihm verendet und würden dort nun vor sich hin modern. Auch war an einigen Stellen das Wasser warm, wenn nicht schon heiß – eine Hitze, die die Wölfe kaum mehr kannten. Wie im höchsten Sommer, wenn die Sonne auf den dünnen Pelz schien. Auch aufgrund dieser mehr als positiven Assoziation empfanden die Wölfe keine Furcht vor diesen seltsamen Veränderungen, sondern waren viel eher neugierig und wollten das sonst so sorgfältig gemiedene Gebiet weiter erkunden. Natürlich hatten die Leitwölfe Vorbehalte, riefen zur Vorsicht auf und schwankten zwischen Bleiben und Gehen. Doch die Vorgänge im eigenen Revier zu kennen, schien dann doch über das Misstrauen und die Sorge zu triumphieren.
Das Rudel hält sich am Rande des Sumpfgebietes auf, in dem es sehr stark riecht und an einigen Stellen große Hitze herrscht. Die normale Lufttemperatur liegt bei 0 °C, im Sumpf liegt sie jedoch bei mindestens 10 °C bis zu 40 °C. Durch die Bäume lässt sich ein von wenigen Wolken verhangener Mittagshimmel erahnen, ein leichter Wind wiegt die Zweige hin und her. Seit dem letzten Plot sind 2 Wochen vergangen, die Welpen sind schon wieder gewachsen und mit 8 Wochen reichen sie ihrer kleinen Oma schon bis zu den Schultern.
Mit aufgestellten Ohren und leicht angehobener Pfote stand Tyraleen, den Kopf nach vorne gereckt, da und schnupperte in die stickige Luft. Es roch gleichzeitig widerwärtig und verlockend. Ihre Nase wollte ihr immer wieder vorgaukeln, dass sich Aas hier befand – riesige Mengen von Aas – doch gleichzeitig hing noch etwas anderes in der Luft, etwas Unbekanntes, das ganz und gar nicht angenehm war. Sie hatte keine Ahnung, was sie davon halten sollte. Es schien nicht gefährlich, doch die Unbekanntheit machte ihr Angst. Und dann kam noch diese Hitze dazu. Hier, wo sie stand, war es angenehm kühl, doch nur ein paar Schritte weiter nach links und eine unangenehme Wärme würde ihr ins Gesicht schlagen. Und noch etwas weiter, wo ihre Pfoten im Wasser versinken würden, war es dann so warm, als würde sie ihre Läufe der Sommersonne entgegenrecken. Sie hatte nicht die geringste Ahnung, wie das sein konnte. Dieser Sumpf hatte schon immer etwas Unheimliches an sich gehabt und sowohl Banshee als auch Nyota schienen ihn stets gemieden zu haben. Wieder einmal wünschte sich die Weiße ihre Mutter oder ihre Tante, vielleicht wussten sie ja etwas über diesen Sumpf, was sie nie erzählt hatten. Allerdings brauchte es kein großes Geheimnis, um dieses Gebiet großflächig zu umgehen. Es war unangenehm feucht, im Sommer von Moskitos bevölkert und sonst weitestgehend leer. Kein Wolf würde sich dafür interessieren. Umso seltsamer war es nun, dass hier ganz offensichtlich irgendetwas vor sich ging. Nur was? Wer machte Wasser warm und erzeugte einen so intensiven Geruch, widerlich und interessant gleichermaßen? Wie immer suchte Tyraleen eine Antwort bei den Göttern, aber weder Engaya noch Fenris waren für solche Vorgänge bekannt.
Die Weiße warf einen prüfenden Rundumblick, betrachtete ihr Rudel aufmerksam um jede Veränderung zu bemerken, aber keinem schien Gefahr zu drohen. Die Weiße war sich noch immer nicht sicher, ob diese ganze Sache eine gute Idee gewesen war. Insbesondere mit den Welpen. Auch wenn diese bereits erschreckend groß geworden waren und diese ganze Sache sicher als fantastisches Abenteuer ansahen. Es gab eigentlich auch keinen Grund, ihnen zu verbieten hier zu sein und sie mit ein paar Aufpassen zurück in den normalen Wald zu schicken. Hier drohte ihnen nicht mehr Gefahr, als jedem Erwachsenen … denen eigentlich auch keine Gefahr drohte. Hoffentlich. Was sollte denn auch schon passieren? Ein bisschen warmes Wasser und absonderlicher Geruch konnte keinem schaden. Mit derlei Gedanken versuchte sich die Weiße zu beruhigen, während sie vorsichtig ein paar Schritte weiter ging, mittlerweile mit den Pfoten im irgendwie angenehm warmen Wasser.
[ beim Rudel | alleine und anspielbar ]
14.01.2012, 23:10
Kisha hatte sich die Umgebung ein wenig allein angesehen, hatte sich von diesem Geruch locken lassen. Und dennoch war es merkwürdig, so sehr er neugierig machte, so abstoßend war er auch. Aber sie schien nicht allein mit diesem Gedanken, der Rest des Rudels schien dies ganz genauso zu empfinden. So ließ dieser Geruch einige sogar das Verschwinden Nerúis zur Seite drängen, während sie sich ganz auf diesen merkwürdigen Ort konzentrierten. Aber sie selbst hatte nichts gefunden, nichts erkennen können, was darauf schließen ließ, warum dieser Ort sie anzog... und gleichzeitig abstieß. Es blieb der Dunklen nach wie vor ein Rätsel, es schien alles einfach so zu sein. Kursaí hatte sich inzwischen wieder einen Überblick über das Rudel verschaffen können. Es schien ihr fast so, als wäre gar nicht lange weg gewesen. Jedoch hatte sich auch so vieles verändert. Da war zum einen das fehlen ihres Vaters, was ihr noch immer auf der Seele lastete. Auf der Anderen Seite waren da aber auch der süße Nachwuchs ihres Bruders. Die Welpen hatte sie schon am ersten Tag in ihr Herz geschlossen. Eine einzige Sache konnte dies ein wenig weniger schön machen. Perfekt wäre es gewesen, wenn sie von Anfang an dabei gewesen wäre. Doch auch so war es gut und sie konnte fast täglich sehen, wie die kleinen Fellknäule wuchsen und inzwischen gar nicht mehr so Klein waren. Bäh! Das roch ganz und gar nicht gut. Von dieser Tatsache völlig angeekelt drückte die junge Fähe ihre Schnauze noch mehr an den Boden. Ihre Pfoten auf ihrem sensiblen Nasenrücken. Seufzend schloss sie ihre Augen und versuchte an etwas anderes zu Denken. An etwas, was sie nicht an diesen üblen Geruch erinnern ließ. Was sie noch mehr erstaunte war: Das es tatsächlich klappte! Ihre Ohren schmiegten sich an ihren Hinterkopf. Kurz dachte die weiße Fähe darüber nach, was seit ihrer Ankunft in diesem Rudel nicht schon alles passiert war. Das freudige Wiedersehen mit ihrer Mutter. Der dämliche Streit mit Jakash, was dazu führte, dass sie immer noch kein Wort miteinander sprachen. Die Nachricht, dass sie Tante geworden war. Die Überraschung, dass Samirez plötzlich dem Rudel beigetreten war. Samirez. Ungewollt öffnete sie ihre hellen Augen und ließ sie umher huschen. Gleich darauf verfluchte sie sich selbst, dass sie nach dem Rüden suchte. Sie kniff trotzig wieder ihre Augen zu und wollte an ihn nicht mehr denken. Trotzdem war es mehr als irritierend, dass er da war. Er sollte doch der Alpha seines Rudels werden. Warum war er hier hin gekommen? Egal wie viel sie sich darüber den Kopf zerbrach. Sie wusste einfach nicht, was in dem Rüden vor sich ging. Er war ein verschlossenes Buch. Wenn jemand wusste wie er tickte oder was er dachte, dann war er es nur selbst. Sie zweifelte selbst daran, dass seine Familie viel von ihm wusste. Sie hatte das Gefühl bei ihm, dass er sich hinter einer Maske versteckte. Eine Maske die man nicht wirklich durchschauen konnte. Wieder drang ein schweres Seufzen aus ihren Lefzen. Jetzt in diesem Moment wünschte sie sich die Anwesenheit von einem Wolf. Sie kam nicht drum herum sich einsam zu fühlen. Wie sehr sie manchmal diese Einsamkeit auch brauchte, um ihre Gedanken und Gefühle zu ordnen, so sehr verabscheute sie sie manchmal. Wie jetzt eben. Wo war ihre Mutter? Ihre Geschwister? Lunar und dieser stets grinsende Malakím? Vielleicht auch Samir … Blinzelnd öffnete sie wieder ihre Augen und erkannte einen der Welpen. Obwohl man Welpen gar nicht mehr so richtig sagen konnte. Sie waren schon Jungwölfe. Sie waren größer geworden. Nicht mehr lange, dann würden sie sich kaum mehr von der Größe den Anderen unterscheiden. Ein sanftes Lächeln schlich sich auf ihre Lefzen, als sich ihre Augenlider wieder schlossen. Himmel war die Zeit schnell vergangen, fast schon zu schnell. Es war ungewohnt für Kirov, sich in einem Rudel für so lange Zeit aufzuhalten, aber der Gemusterte hatte sich langsam daran gewöhnt, dass so viele Wölfe um ihn herum waren. Mit vielen hatte er noch nicht geredet. Stattdessen hatte er sie beobachtete, er der Stalker-Wolf. Nein, wirklich, es war schon interessant zuzusehen wie die Welpen, oder vielmehr Jungwölfe gewachsen waren und so langsam hatte er auch ein Bild von den Familienzweigen hier. Aber nur ein dunstiges, nebliges Bild, denn diese ganzen Bande hier waren einfach zu kompliziert, um sie sich in so kurzer Zeit zu merken. Die Regentochter blickte hinauf zum Himmel, hinter den trockenen Zweigen und dem knorrigen Geäst der Bäume. Er war düster, doch trocken. Es würd nicht regnen, eine Tatsache, die sie betrübte. Der leichte Wind, der das Holz hin und her schwenken ließ, machte sich in ihrem Pelz nicht bemerkbar. Es war viel zu warm hier in diesem Sumpf, unnatürlich warm. Vielleicht war es ein Segen für das Rudel, wer wusste schon wie hart dieser zweite Winter werden würde? Trotzdem, irgendetwas schien mit diesem Ort nicht in Ordnung zu sein, egal wie man es drehte. Die regenblauen Seelenspiegel abwendend, blickte sie nun zu den übrigen Wölfen hinüber. Einige prüften das Wasser, mehr oder minder skeptisch andere wechselten einige Worte. Sie saß allein, vor ihr ein einsames Stück Morast in welches niemand seine Pfoten tauchen wollte. Kein Wunder, er stank ja auch, als wären tausend Geschöpfe darin ertrunken. Die Schnauze leicht kraus ziehend betrachtete sie den Ausläufer des verdreckten, schlammigen Wassers. Wenn sie genau hinschaute schien sogar Nebel von der Oberfläche zu steigen, warmer Nebel. Woher sollte sie auch wissen, dass es Dampf war? Doch der Geruch war wirklich ziemlich ätzend. Amáya würde noch Zeit brauchen um sich daran zu gewöhnen. Sie wusste nicht, was die Rudelleitung beschlossen hatte, wie lange sie hier bleiben würden. Sie selbst hatte kein Recht darüber zu Urteilen, nicht sie, und deswegen tat sie es auch nicht. Nicht einmal in ihren Gedanken. Der Sumpf war einfach da. Er machte sie skeptisch, doch die Wärme war gut, auch wenn der Gestank schlecht war. Sie würde einfach bleiben, wo das Rudel war. Ihren Gedanken nachhängen, ab und zu mal einige Worte wechseln. Einige würden es als ein ödes Leben bezeichnen. Sie tat es auch. Dennoch musste sie sich damit zufrieden geben, was sie hatte. Ihr Leben war nicht mehr wert als eine Pfote voll Schlamm aus diesem Sumpf, dass wusste sie. Trotzdem, sie selbst, mit alll ihren Fehlern und Sünden, sie war etwas Wert. Sie war etwas, was es sonst nicht gab und sie wünschte auch niemandem, sie zu sein. Egal, es würde sowieso niemand sie sein. Eine Seele konnte nicht einfach überspringen, oder? Die Regentochter war sich nicht mehr sicher, an was sie glauben konnte. Schließlich war ihre Schwester zurückgekommen. Sie war da... Sie spürte es. Irgendwo da tief im Morast. Unter tausend Schichten Schlamm. Sie spürte sie lauern. Ein tief vibrierender Seuftzer wollte sich aus den tiefen ihres Brustkrobs bahnen, doch sie hielt ihn auf. Sie durfte keine Schwäche zeigen. Sie musste sich wenigstens stark geben, wenn sie es schon nicht war. Die kalten Augen blickten in das Spiegelbild im Schlamm, verzerrt und hässlich. In einer spontanen Fügung der Wut patschte sie mit ihrer Pfote hinein, sodass das schmutzige Wasser zur Seite spritzte. Schnell zog sie es jedoch zurück, mit einem unterdrückten Zischlaut, wie eine Schlange ihn geben würde. Das Wasser war heiß! Brennend heiß. Ihre Pfote pulsierte leicht, brannte noch, als sie sie längst aus dem Wasser herausgefischt hatte. Der dunkle Leib der Fähe war aufgesprungen und sie runzelte ärgerlich ihre Stirn. Nutzloses Zeug. In diesem Suff hier könnten sie ihre Beute braten! Sie ging einige Schritte weiter, ein wenig näher in die Richtung der Anderen und ließ sich mit einer eleganten Bewegung auf ihre Hinterläufe nieder, ihre Pfote leicht in die Höhe haltend. Ihre blauen Augen musterten die Unterseite eindringlich. Die Ballen waren gerötet und brannten. Bei Fenris, eine schöne Gebung mal wieder. Egal, sie konnte damit laufen. Nur würde sie mit dem Wasser in Zukunft vorsichtiger sein. Anscheinend hatte es immer wieder eine Unterschiedliche Temperatur. Sie schien ihn aus seiner tiefen Konzentration gerissen zu haben, und dennoch begrüßte der junge Wolf sie mit einer freudigen Geste, ließ auch gleich von seiner bisherigen Beschäftigung ab, um sich ihr zu zu wenden. Nun, wo er nicht mehr ganz im Wasser stand, konnte sie auch erkennen, dass er ein wenig... wüst aussah, voller Wasser, Dreck und zerzaustes Fell. Aber er grinste, schien glücklich, dass sie nun zu ihm gekommen war. Die Dunkle erwiderte das Lächeln, wartete mit ihren Worten jedoch, bis ihr Patensohn bei ihr angekommen war, sie nun sanft begrüßte. Überrascht flatterten ihre Augenlider auf und sie blinzelte in die hellen Seelenspiegel eines Rüden. Ungewollt musste sie schmunzeln, als sie ihren Kopf hob und ihn leicht schräg legte. War es nur Zufall, dass sie nur Rüden ansprachen und keine Fähen? Sie unterdrückte ein Kichern und musterte den Fremden. Ein schneller Blick und sie war sich sicher, dass er Recht hatte. Sie hatte ihn tatsächlich noch nicht wirklich bemerkt. Was auch daran lag, dass das Rudel wirklich groß war und Ahkuna meistens etwas abseits sich herum trieb. Kishas Blick lag warm auf dem jungen Rüden, als dieser ihr zulächelte, auf ihre Worte hin aber nickte. Und still fragte sich die Schwarze, was sie mit ihren Worten eigentlich erreichen wollte. Was versprach sie sich davon, wenn sie zu zweit suchten? Ob sie damit mehr Erfolgt hatten, ob es hier überhaupt ein Rätsel zu lösen gab? Aber sie ließ sich von all diesen Gedanken nichts anmerken, immerhin konnte das Ziel auch einfach der Spaß sein, den sie zusammen haben würden, wenn sie diese Suche antraten. Und vielleicht kam noch jemand zu ihnen, half ihnen dabei? Je mehr sie wurden, desto mehr Spaß konnte es doch machen. Und sie hatte keinen Zweifel daran, dass man den jungen Wolf so sehr gut beschäftigen konnte. Was zählte schon das Rätsel, wenn sie einfach Spaß haben konnten? Tyraleen war viel zu konzentriert um die Unterhaltung Kishas und Isaís ganz in ihrer Nähe mitzubekommen. Sie hatte einen weiteren Schritt nach vorne gewagt und war auf irgendetwas getreten. Nach genauerem Hinsehen war es aber weder etwas Wärmendes, noch etwas Stinkendes, sondern sah eher nach etwas Hartem, Länglichen aus. Aus irgendeinem Grund scheute die Weiße davor zurück, ihre Schnauze in das Sumpfwasser zu tauchen, deshalb blinzelte sie angestrengt um das Ding zwischen ihren Pfoten erkennen zu können. Es war bedeckt mit irgendwelchen kleinen Partikeln, die Tyraleen mit ihren Krallen schon unabsichtlich an einigen Stellen abgeschabt hatte. Darunter schimmerte es weißlich. Doch im Schatten der Bäume war es zu dunkel um mehr zu erkennen, und sei es nur die Größe, weshalb sie gerade die Pfote heben wollte, um das Ding hin und her zu schieben, als etwas platschend auf sie zugehüpft kam. So lautstark konnte das nur ein Welpe sein und als die Weiße den Kopf hob, sah sie wie erwartet ihren kleinen roten Alphaneffen auf sich zukommen. Mit schiefem Lächeln bat er sie, mit ihnen – nach einem kurzen Blick entdeckte Tyraleen auch ihre Schwester – auf die Suche zu gehen. Er erwähnte nicht, nach was er suchen wollte, schien aber überzeugt davon zu sein, dass sie es gemeinsam finden würden. Vermutlich ging es ihm um das Selbe wie ihnen allen – die Ursache der Veränderungen hier. Dabei wusste Isaí doch gar nicht, wie es vorher gewesen war. Aber Tyraleen war zu besorgt, um den Kleinen nun mit Fragen zu necken und machte sich viel lieber darüber Gedanken, ob Isaí vielleicht mit der richtigeren Einstellung an die ganze Sache heranging. Ein Abenteuer; sie waren alle Abenteurer. So ein bisschen Wärme und Gestank konnten ihnen ja nichts antun und standen auch für keine großen Gefahren, die sie in Kürze heimsuchen könnten. Also beschloss Tyraleen, sich von dem Kleinen eine Scheibe abzuschneiden und etwas beschwingter mit dieser ungewöhnlichen Situation umzugehen. Zunächst einmal erwiderte sie das schiefe Lächeln sicher ganz genauso schief und zupfte Isaí dann am Ohr. Parveen setzte vorsichtig eine Pfote nach vorne, genau darauf bedacht, nicht falsch zu treten und tiefer zu versinken, als ihr lieb war. Dieser Sumpf war ihr alles andere als geheuer. Nicht allein die Tatsache, dass sie Wasser verabscheute, verursachte dieses Gefühl. Die Abneigung gegen das nasse Element hatte sie schon gehabt, seit sie denken konnte. Es war vielmehr der Gestank nach verwesendem Aas, der ihre Nachenhaare in die Höhe stehen ließ. Dazu kamen die Unsicherheit des Rudels und die Ahnungslosigkeit über den Grund für den Gestank und die unnatürliche Hitze. Im Allgemeinen eine sehr unangenehme Situation für die Schwarze, selbst, wenn man ihre immer noch greifbare Angst außer Acht ließ, etwas falsch zu machen und wieder in den Zustand zurück zu kehren, der vor einigen Wochen noch bei ihr herrschte. Sie war zwar endlich wieder ein Teil des Rudels, aber fühlte sich ein wenig wie der einzige schwarze Fleck in reinem Schnee. Alles so anders, was ihr doch vertraut sein sollte. Vor ihr standen Fremde, die eigentlich ihre Familie waren. Kirov war erleichtert, dass die Fähe einen recht freundlichen Eindurck machte. Freundlich lächlend blinzelte er und seine Ohren zuckten, als sie sich als Ahkuna Caiyé vorstellte. Diesen Namen hatte er noch nicht gehört, doch das Caiyé kam ihm bekannt vor. War dieser Name nicht hier schon öfter gefallen? Ein Zweitnamen, wie auch er einen besaß? Er wollte nicht nachfragen, nicht dass die Fähe ihn noch für total unwissend hielt. Doch wie sich herausstellte, klärte Ahkuna das Geheimnis ohne irgendeine Aufforderung auf und Kirov verkniff sich ein leises Auflachen. Auch der Name Shani Caiyé sagte ihm nichts, der von Tyraleen allerdings schon - schließlich war sie Alpha und man musste sie kennen. Er nickte bedächtig. Caylee war durchaus bewusst, dass sie sich eigentlich mit an der Lösung des Problems oder Findung der Ursachen oder irgendwie so beteiligen sollte, aber ihre Gedanken waren mit ganz anderem beschäftigt und wie in letzter Zeit üblich, unterdrückte sie ihren eigenen Wunsch nicht mehr. Sie saß etwas abseits, dort wo kein Wasser – ob warm oder kalt – um ihre Pfoten schwappte und betrachtete das Rudel, das dort im Sumpf herumstapfte und sich die Köpfe zerbrach. Die meisten von ihnen waren irgendwie mit ihr verwandt und eigentlich kannte sie jeden zumindest beim Namen, dennoch fühlte sie sich seltsam außenvor. Seit sie Fenris in sich entdeckt hatte, verlor sie mehr und mehr den Draht zu ihren Geschwistern und ihrer Mutter und nun war Neruí auch noch fort. Der einzige, dem sie sich zugehörig fühlte war Krolock, aber auch der war nicht zu entdecken. Ihr Vater hatte ihr ein wenig Angst genommen und wäre so oder so momentan wohl ihre wichtiges Vertrauensperson, aber ihn beschäftigte ganz anderes und er war nun mal ihr Vater und sie ein Jungwolf kurz vor dem Erwachsensein. Da sehnte man sich nach anderen, Gleichaltrigen, die aber dennoch ein wenig so waren wie man selbst. Das Traurige, Erschreckende und gleichzeitig doch irgendwie Aufregende an der ganzen Sache war, dass einzig Krolock diese Voraussetzungen zu erfüllen schien. Zumindest, seitdem Neruí fort war. Sie ertappte sich bei dem Wunsch, er wäre bei ihr, ärgerte sich über sich selbst und stand ruckartig auf, nur um den Gedanken loszuwerden. So konnte das nicht weitergehen, entweder sie würde Krolock suchen – was einfach vollkommen ausgeschlossen war – oder sie suchte sich irgendwen, um sich mit ihm zu beschäftigen. Nur wen? Vielleicht irgendwer, mit dem sie einigermaßen gut klarkam. Also vielleicht eine ihrer Schwestern, Tanten oder Cousinen. Sie sah sich um und entdeckte ganz in ihrer Nähe, ebenfalls etwas abseits und mäßig vom Sumpfsuchen begeistert, Parveen. Das war eine Tante, allerdings eine, mit der Caylee praktisch nichts zu tun hatte. Die Schwarze mit dem weißen Stern auf der Stirn war seltsam. Eine lange Zeit war sie fort gewesen, dann war sie irgendwann einmal da und dann da aber nicht wirklich da. Und jetzt war sie wieder ganz da. Ob da oder nicht oder nur halb – sie sagte nicht viel und schien auch nicht wirklich viel mit ihrer Familie zu tun zu haben. Auf eine gewisse Weise freute das Caylee, auch wenn sie den Grund für dieses Verhalten nicht kannte. Ob sie wohl einfach zu ihr gehen und sie ansprechen sollte? Aber sie konnte ja nicht einfach fragen, warum sie sich von ihnen fernhielt oder zumindest ferngehalten hatte. So nahe hatte die Weiße ihre Tante die letzten Monate nicht mehr gesehen. Im nächsten Moment entdeckte sie Amúr, die sich ebenfalls ganz in ihrer Nähe aufhielt und immerhin eine vertraute Schwester war, auch wenn die Graue ebenfalls eine Zeit lang fortgewesen war und Caylee somit nicht mehr so richtig wusste, wie sie mit ihr umgehen sollte. Gerade weil sie die schlimme Zeit nach Tascurios Tod verpasst hatte. Er hatte sich eigentlich vorgenommen selbstbewusster zu werden, die Tatzen weiter an die Front zu setzen, um über den eigenen Schatten, den er noch nicht ganz definieren konnte, zu springen, oder zumindest über ihn zu tapsen wie ein junger Welpe. Daraus war bisher allerdings nicht viel geworden. Zwar war Nihilus Isaí bis nach vorne an die Spitze gefolgt, doch hielt er sich lieber weiter im Hintergrund, auch wenn die drei Wölfe vor ihm anscheinend eine neue Entdeckung gemacht hatten. Der Helle begnügte sich damit die Schnauze neugierig vor zu recken, um zwischen all den Läufen hindurch nach vorne spähen zu können, wo sich Kisha, Tyraleen und der kleine Fuchspelz versammelt hatten. Viel zu sehen gab es allerdings noch nicht, oder zumindest konnte er in der zweiten Reihe nichts genaues erkennen – was jedoch kein Grund war die widerwillig aufgesetzten Pfoten wieder anzuheben von dem Morast auf dem sie sich befanden. Es hatte einige Überwindung gekostet dem Sumpf nicht den Rücken zu kehren und einfach mal zu folgen. Das Ergebnis war eine missmutig verzogene Schnauze und angelegte Lauscher, die sofort den Eindruck erweckten, als wollte ihr Besitze so schnell wie möglich das Weite suchen. Aber wo sollte er denn hin? Einen Blick über die Schulter wollte er nicht werfen, hinterher würde er noch das Gleichgewicht verlieren und dem Boden noch näher kommen, als er es sowieso schon war. Da blieb Nihilus lieber wie angewurzelt stehen und hoffte auf ein Wunder. Einen Regenbogen oder sowas in der Art, das sowohl den sonderbaren Geruch – der Helle konnte nichts verlockendes daran erkennen – als auch das triste Bild vor seiner Nase, überdecken konnte. Der einzige Funken Interesse wurde eben nur von der kleinen Familie vor sich geweckt, die nun anscheinend plante den Winzling vorzuschicken, um ihren Fund zu veröffentlichen. War das Ding, um dass die drei kontrastreichen Tierchen sich ringten vielleicht der Grund für ihre Anwesenheit in diesem Loch? Würden sie danach vielleicht so schnell wie es ging wieder zurück in ihre heimische Idylle tappsen? Wenn es so wäre würde Nihilus höchstpersönlich die Schnauze in das Gesöff drücken! Auch wenn er sich jetzt grade noch nicht ein Mal dazu in der Lage sah zu hecheln, um die Wärme zu kompensieren, die seit einigen Wolfslängen anherrschte. Hinterher schmeckte die Luft noch genau so wie sie roch! Die helle Fähe fragte sich, wie lange wohl Tyraleen vor hatte an diesem Ort zu bleiben. Sollte es etwa wirklich etwas geben, was die anderen hier heraus fanden? Kursaí konnte sich gut vorstellen, dass sie und gewiss auch einige der Anderen nicht so genau wissen wollten, was es hier für Geheimnisse gab. Jedoch schien ihre Rudelleitung da anderer Meinung zu sein und auch so einige andere. Zumindest suchte nicht nur einer der beiden kleinen Welpen engagiert, sondern auch noch ein paar der Großen. Wobei - sie musste sich kurz korrigieren: So klein waren diese gar nicht mehr. Und nun bekam Isaí auch noch Suchgesellschaft und es dauerte auch nicht lange, bis Tyraleen etwas fand. Sie fragte sich, ob es spannend war, ob es vielleicht doch doch nicht so schrecklich war, was hier geschah. Jedoch konnte sie dies nicht ganz glauben und auch ihre Vermutung, dass Fenris in der ganz ursprünglichen Kausalität dahinter steckte, konnte sie nicht abschütteln. So kam es, dass sie nicht aufstand und zu den Suchern ging. Stattdessen kam etwas anderes auf sie zu. Im aller ersten Moment musste sie sich neu orientieren, um fest zu stellen, dass Isaís Bruder auf sie zu kam. Es schien so, als ob dieser die Leidenschaft seines Bruders nicht teilen würde. Nein gewiss nicht, stattdessen stakste er in dem Versuch möglichst trocken zu bleiben, durch diese Fläche und kam auf sie zu. Es schien ihm wirklich ernst zu sein, und er wollte beschäftigt werden? Was sollte sie machen? Kursaí überlegte kurz. Dies viel ihr gar nicht so einfach, viel doch die Standartbeschäftigung weg mit den Welpen. Eine Richtige Rauferei oder ein Wettrennen in dieser Landschaft: Sie glaubte, dass keiner von ihnen Beiden damit glücklich werden konnte. So musste eine Andere Beschäftigung her. Sie verschaffte sich erst einmal zusätzliche Zeit, indem sie sich aufsetzte und dem Jungrüden freundlich entgegen lächelte. Jakashs grüne Augen streiften wachsam über die Umgebung und suchten seine Welpen. Es lag nicht in seiner Absicht, ihnen lange Vorträge darüber zu halten, dass sie vorsichtig sein und sich nicht naiver Weise in alle Winde zerstreuen sollten. Sie wuchsen schnell, waren kräftig und gesund, und sollten im Gegenteil ruhig die Welt um sich erkunden, selbst wenn sie so seltsam war wie der Sumpf momentan. Er wollte sie lediglich ein wenig im Auge behalten, auch wenn das in dieser dicht bewachsenen Umgebung nicht ganz einfach war. Im Grunde reichte ihm schon zu wissen, dass seine Kinder nicht völlig allein umher streiften. Nerúi war... fort. Nicht tot, nein - Aszrem verbat sich selbst jeden Gedanken an diese Möglichkeit, und außerdem hätten sie sonst längst eine... nun, sie hätten sie sonst längst finden müssen. ER hätte sie sonst finden müssen. Er war sich ziemlich sicher, den Abgrund gefunden zu haben, an dem sie und Krolock gekämpft hatten und sie gestürzt war. Er hatte hinunter geblickt, mit der furchtbaren Angst vor einem Déjà vu, und war erleichtert gewesen, keinen schwarzen zerschmetterten Körper dort unten zu sehen. Amúr blickte auf die Pfütze vor sich. Durch grünes Zeug wurde ihr die Sicht auf das sonst in Pfützen zu sehende verzerrte Selbstbild versperrt. Sie hob den Kopf und sah sich um. Das ganze Rudel war mehr oder minder zusammen. Hier am Sumpf, der sich irgendwie sonderbar verändert haben zu schien. Sie blickte wieder auf die Pfütze wischte das grüne zeug mit ihrer Pfote weg, was aber nicht sehr viel half. Schwach waren nun ihre Konturen im Wasser zu sehen. Das war aber auch alles. Sie seufze leise. Seitdem sie wieder hier war hatte sie eine Achterbahn der Gefühle durchgemacht. Blankes Entsetzen traf auf Wiedersehensfreude. Durch Euphorie wurde die Trauer unterdrückt. Doch nun war irgendwie alles da. So seltsam wenn man nicht wirklich beschrieben konnte wie man sich fühlte. Sie war eigentlich doch glücklich nun wieder bei ihrer Familie zu sein. Doch es war nun alles so anders. Das betraf nicht nur ihre Eltern, sondern auch ihre Geschwister. Sie hatte Atalya und Avendal nach dem sie wieder hier war gesprochen. Mit Atalya hat sie über das geschehene gesprochen, aber sie selbst war da sehr verwirrt und wenn sie ehrlich war wusste sie nicht was Atalya nun dachte. Bei Avendal hat die Flucht in die Euphorie begonnen. Und sonst? Sonst hatte sie nicht wirklich mit ihren Geschwistern geredet. Warum eigentlich nicht? Vielleicht weil sie Angst hatte. Das Gespräch mit Atalya war nicht leicht gewesen und bei ihren andern Geschwister wusste sie nicht wie sie die ganze Sache aufgefasst hatten. Das gestaltete die ganze Sache ein wenig kompliziert. „Es freut mich auch, Kirov.“ Mit warmem Blick bedachte die schwarze Wölfin ihren kleinen Patensohn, der nun ganz stolz darüber zu sein schien, Held genannt worden zu sein. Kishas Ohren zuckten kurz durch die Luft, als Isaí begann, um sie herum zu laufen, dabei den Kopf sowie die Rute stolz in die Luft streckte. Die dunkle Wölfin lachte leise bei diesem Anblick, verfolgte die Bewegungen des Rüden mit den Augen. Darin schien er also seine Berufung zu sehen, ein Held zu sein! Vor ihm lag noch viel Zeit, in der er die verwirklichen konnte. Nun hatte er sie umrundet, berührte sie sanft mit der Nase. Auch Kisha senkte den Kopf, schleckte dem Kleinen einmal sachte über den Kopf, als er ihr noch einmal versprach, vorsichtig zu sein. Das Lächeln auf seinen Lefzen erwiderte sie, nickte dann ruhig. Als sie vorschlug, Tyraleen mit auf ihre Reise zu nehmen, blickte er sich zuerst anscheinend suchend um, ehe er voller Begeisterung davon lief. Das Lächeln auf den Lefzen seiner Patin wurde ein wenig breiter, ehe sie ihm mit ruhigen Schritten in die Richtung ihrer Schwester folgte. Skeptisch blickte die Graue über das Rudel, versuchte in den einzelnen Gesichtern zu lesen, was in ihren Köpfen vor sich ging. Und dabei schien es so eindeutig, wie die meisten über diesen Ort nachdachten, sich den Kopf darüber zerbrachen, was hier vor sich ging. Aber sie schloß sich selbst nicht aus, empfand sie auch dieses Gefühl von gleichzeitiger Abneigung und Interesse an dem, was diesen Ort so... merkwürdig machte. Sie selbst blieb lieber dabei, still zu beobachten, was die anderen taten. So hatten ihre Augen eine Momente auf ihrer Mutter geruht, bis Kisha und Isaí zu ihr gestoßen waren. Dieser Anblick ließ sie kurz die Ohren anlegen, ehe sie den Kopf herum wandte, den Blick ziellos schweifen ließ. Wie konnte man sich anders beschäftigen, um nicht die ganze Zeit darüber nachzudenken, was hier vor sich ging? Ein leises Schnaufen verließ den Fang der Fähe, ehe sie sich erhob, kurz den grauen Pelz schüttelte. Vielleicht wußte ja einer ihrer Geschwister einen Ausweg, wenn sie nicht gerade selbst damit beschäftigt waren, diesen Dingen auf den Grund zu gehen. So blickte Atalya sich suchend um. Erkannte schnell den schwarz-weißen Wolf, der ganz in der Nähe war. Noch ein kurzer, prüfender Blick über die Umgebung, dann setzte sich die graue langsam in Bewegung, ohne jede Hast. Chardím wußte doch sicher etwas zum ablenken, zumindest hoffte die Fähe es. Zumal sie noch immer der Verlust ihres Paten belastete. Aber diesen Gedanken vertrieb sie nun mit einem Schütteln ihres Kopfes, nicht jetzt. Sie wollte nicht mehr darüber nachdenken, wollte nicht vergessen, aber auch nicht jede Minute daran denken. Parveen blickte gedankenverloren in die Pfütze zu ihren Pfoten und tauchte die Ballen immer wieder vorsichtig hinein. Es war weniger unangenehm, als sie erwartet hatte. Die Wärme war seltsam wohltuend und ließ sie gleichzeitig schaudern. Es war etwas merkwürdiges im Gange und genauso, wie dieser Sumpf und der Geruch eine nicht zu begreifende Anziehungskraft zu haben schienen, konnte sie sich auch nicht ohne weiteres von dem Wasser wenden. Insgeheim fragte sie sich sogar, wie sich ein Bad in einer tieferen Stelle wohl anfühlen würde. Das wäre dumm, oder? Wer weiß, was unter der Wasseroberfläche auf sie wartete… Pav versuchte die Gedanken zu vertreiben, dass sie von Tieren des Sumpfes in die Tiefe gezogen wurde, als ein Ruf sie aufschauen ließ. Eine weiße Fähe hüpfte übermütig auf sie zu. Wer war das noch gleich…? Parveen überlegte angestrengt, um auf den Namen der Fähe zu kommen und schämte sich dabei. Sie war ihre Tante, das hatte die Junge doch gerade gesagt? Und sie kam nicht einmal sofort auf ihren Namen… Was sie doch für ein wertvolles Mitglied des Rudels war. Die stille und zurückgezogene Tante Parveen, die nicht einmal die Namen von Tyraleens Welpen im Kopf hatte. Sie wurde schließlich auch erkannt, war als eigenbrötlerische Wölfin der Familie wahrscheinlich nicht zu übersehen. Wenn ein Name vergessen wurde, dann wohl eher ihrer, aber Caylee kannte ihn. Caylee! Ja, das war der Name! Sie musste bei Gelegenheit zusehen, dass sie zumindest ihre Verwandtschaft benennen konnte, denn schließlich legte sie es nicht darauf an, jemanden auf den Schwanz zu treten. Tatsächlich beruhigte es Tyraleen etwas, dass sie nun ihre Schwester an ihrer Seite hatte. War Kisha früher noch so verspielt, kopflos und wenig ernst zu nehmend – heute strahlte sie eine freundliche Ruhe und angenehme Sicherheit aus, die der Weißen schon damals, auf dem Himmelsfelsen, geholfen hatte. Auch jetzt verfehlten diese Eigenschaften nicht ihre Wirkung und die Leitwölfin versuchte sich wieder auf die Suche und das Abenteuer mit Isaí einzulassen. Der schien von ihrem Fund begeistert und machte sich gleich daran ihn zu untersuchen. Seinen ersten Eindruck verkündete er dann auch, allerdings half er nicht wirklich weiter. Soviel hatte die Weiße auch schon gesehen, aber weiße Stöcke gab es nicht und zudem war er viel zu hart für Holz, das im Wasser lag. Interessanter wurde es schon, als Isaí sich nun scheinbar daran machen wollte, das Indiz – er schien dieses Wort zu mögen – aus dem Wasser zu holen, wovor sowohl Tyraleen als auch Kisha zurückgeschreckt waren. Kurz überlegte die Weiße, ob sie den jungen Wolf von diesem Vorhaben abhalten sollte, doch der Rote schien selbst eine natürliche Scheu vor diesem unbekannten Gebräu zu haben und zog die leicht angenässte Nase wieder zurück. Er schien etwas irritiert, stellte aber eine Frage, die in Tyraleens Ohren sehr schlau klang. Schließlich konnte er nicht wissen, nach was er suchen sollte, wenn er gar nicht wusste, was sich verändert hatte, denn ihre einzige Chance war der Rückschluss von der Ursache auf den Verursacher. Anerkennend lächelte sie den Kleinen an. Schneller, schneller, flieg, flieg dem Schatten voraus. Die Sehnen unter den kräftigen, trainierten Pfoten spannten sich an und wurden wieder locker, konnten mächtige Sprünge hervor bringen, oder den Körper des kräftigen Rüden abfedern. Seit Nerúi fort war – welch Wunder, das Rudel hatte davon Notiz genommen – war es unendlich langweilig geworden. Er hatte sich zwar am Kampf mit Turién ergötzt, aber es war doch etwas ganz anderes. Neu, überraschend ernst und spannend, aber nur einmalig gut. Nicht wiederholt gut, so wie mit Nerúi. Ihm war also nichts anderes übrig geblieben, als eine ausgleichende Beschäftigung zu finden. Leider war ihm da nur das Laufen übrig geblieben und diese tiefe Besessenheit hatte ihn zum seltenen Gast in den Reihen des Rudels werden lassen. Nie war er viel unter ihnen gewesen, aber nun ließ er sich meist gar nicht mehr blicken. Er versorgte sich wie ein Wanderer selbst, war hier und dort anzutreffen, aber nie lange genug an einem Ort, um gefunden zu werden. Wenn man ihn überhaupt fand, dann weil sich die Wege zufällig kreuzten, oder er gerade irgendwo schlief. Krolock glaubte manchmal, seine eigene Rastlosigkeit würde ihn früher oder später wahnsinnig machen, aber wenn er es nüchtern betrachtete, war er dies längst. Wie sollte es auch anders sein? Die einzige Gesellschaft, die er gesucht hatte, war verschwunden. Alle wussten es inzwischen, aber er interessierte sich nicht dafür, ob sie ihm die Schuld anhängten. Wenn dies so war, sollte Nerúi doch kommen und es ihm ins Gesicht sagen, so lächerlich konnte die Fähe gar nicht sein, als dass sie wie ein beleidigter Welpe verschwand. Ein wenig mulmig war der hellen Fähe schon zu Mute, als sie ihre Pfoten vorsichtig auf den weichen, sumpfigen Boden setzte. Der modrige Geruch der Verwesung biss in ihrer Nase und in ihrem Hinterkopf schwirrte die Sorge um ihre Welpen. Diese waren mittlerweile acht Wochen alt und bestimmt nicht alleine unterwegs, dennoch versuchte sie immer und immer wieder ihre Witterung aufzunehmen um etwaige Gesellschaft herausfinden zu können. Doch der Gestank verwehrte ihr auch diese elterliche Kontrolle und da sie sich einige Schritte vom Rudel entfernt hatte, konnte sie ihre Kleinen auch nicht erspähen. Vergeblich also sich weiter Gedanken zu machen. Caylee bemerkte die Unsicherheit, kaum war sie auf dem Gesicht ihrer Tante aufgetaucht. Interessant. Sie war also nicht wie Amáya oder seit neuestem Caylee selbst, die einfach keine Lust auf die anderen Wölfe hatten und sich deshalb fernhielten. Viel eher schien sich Parveen tatsächlich zu freuen, dass gerade zwei ihrer pubertierenden Nichten auf sie zusprangen und war sich wohl doch nicht sicher, ob sie sich richtig verhalten würde. Sofort versuchte die Weiße Rückschlüsse zu ziehen und kramte in ihrer Erinnerungen nach dem früheren Verhalten der Schwarzen. Aber sie erinnerte sich kaum mehr – womöglich war das einfach der Charakter Parveens. Das war zwar ein wenig untantig, aber Caylee hatte sich längst daran gewöhnt, dass einige ihrer Tanten und auch ihre älteren Cousinen in Sachen Charakterstärke nicht mit ihr mithalten konnten. Malicia wäre da noch so ein Beispiel – noch ein wenig seltsamer als Parveen, aber dennoch im gleichen Alter und Familienstand. Manchmal fragte sich Caylee, ob es nicht schöner war ein Welpe zu sein, da dachte man noch, dass jeder Erwachsene groß und stark und schlau war. Doch je älter man wurde, desto mehr verloren die Wölfe um einen herum an Glanz und irgendwann kam man dann in die Phase, in der man nur noch enttäuscht sein konnte. Neruí machte das schon ganz richtig … vielleicht sollte Caylee auch einfach mal abhauen, die weite Welt sehen, anderes kennenlernen. Aber dieser Gedanke machte sie nicht glücklich, irgendwie hing sie an ihrer Familie, an diesem Tal und an den vertrauten Kindheitsgefährten. Bevor ihre Gedanken in eine ungünstige Richtung abglitten widmete sie sich wieder Parveen, die sie mittlerweile erreicht hatte und mit einem nicht unbedingt sanften aber dennoch freundlich gemeinten Nasenstüber begrüßte. Amúrs Beitrag zur aufkommenden Unterhaltung war nicht direkt geistreich, aber ihre Tante parierte und schien tatsächlich der Meinung zu sein, dass sie gerne im pisswarmen, modrigen Wasser herumstapften. Caylee verzog das Gesicht und schüttelte zunächst den Kopf, dann den ganzen Körper bei der Vorstellung sich wie die anderen die Pfoten nass und schlammig zu machen. Die Fenrisgläubige wandte ihren Blick von den leicht geröteten Pfotenballen ab und ließ ihn nun weiter in der Ferne des Sumpfes ruhen. Dieses bisschen Schmerz hatte es nicht verdient, dass ihm zu viel Beachtung geschenkt wurde. Physischer Schmerz wurde sowieso immer überschätzt. Wunden heilten immer mit der Zeit, doch die der Seele manchmal nie. Die regenblauen Seelenspiegel verengten sich leicht, während sie sich fragte, ob man sich vielleicht an manchen Stellen im Sumpf ernsthaft Haut und Fell abbrutzeln konnte. Unmöglich war es wohl nicht, das hatte ihr das kochend heiße Wasser erst eben bewiesen. Klar, die Wärme war gut für das Rudel, da sie so keine Angst vor Kälte und Eis haben mussten, trotzdem sehnte sich Amáya nach dem Gefühl von kühlem Wind in ihrem Fell und dem kalten Wasser des Sternensees. Aus ihren Augenwinkeln bemerkte sie Isaí, der mit Tyraleen und einer ihrer Schwestern unterwegs waren. Die Welpen waren im Herbst geboren, was an sich schon ungewöhnlich war, auch wenn man bedachte das es diesen Sommer Winter gewesen war. Die kleinen Fellknäuel waren zwar schon mächtig gewachsen, doch sie waren noch längst nicht stark genug um den Winter wirklich bewältigen zu können. Doch dies war ja auch nur Amáyas Einschätzung und dieser Hinsicht war es gut, dass sie in das Sumpfgebiet gezogen waren. Wer weiß, vielleicht lockte die Wärme auch andere Tiere hierhin, sodass sie genug zu jagen hatten. Es war so offensichtlich wie sehr dem Kleinen alles missfiel. Es war schon fast wieder amüsant ihm dies anzusehen - aber nur fast, denn sie konnte gut mit ihm mitfühlen. Sie war sich nicht ganz sicher, ob zwischen dem ganzen Unmut auf seine Umgebung auch noch ein wenig über ihre Worte hinzu kam, doch sie erstmal nicht, sagte oder tat er doch nichts dazu. Das einzige was war, dass er noch seine Rute nass machte und wohl gar nicht glücklich mit dem Geschehen war. Es lief ja eigentlich ab, wie jedes Gespräch, dass annähernd gut lief. Beide lächelten, etwas wurde gesagt und der andere erwiderte etwas. Zumindestens kam es Kirov gerade so vor, dass dieses Gespräch zwischen ihm und Ahkuna lief wie jedes Normale. Er musterte die Weiße nochmals und grinste ebenfalls, als sie kurz auflachte. Es freute ihn wirklich, dass er sich gut mit ihr verstand, dennoch drückte ihn die Langeweile dieses Ortes wirklich zu Boden. Was sollte man hier machen? Frösche zählen? Kräfte mit einem Rehbein, dass halb aus dem Wasser stand messen? Oder am Rand des Sumpfes entlang balancieren? Der Gemusterte unterdrückte ein Seufzen, lauschte danach jedoch aufmerksam Ahkunas Worten. Hier müsste mehr sein? Automatisch blickte er sich um, als würde gleich hinter ihnen etwas lauern? Schließlich blickte er sie wieder an und hatte ein leichtes Funkeln in den klaren Augen. Der schwarzweiße Rüde rümpfte leicht die Nase, und musste anschließend niesen. Er hatte den Kopf zu tief über die eklig stinkende Grütze gesenkt, neugierig eine Blase im Wasser fixierend, die schließlich geplatzt und gegen seine Nase gespritzt war. Dieser Geruch war wirklich unangenehm und das Wasser so seltsam warm. Normalerweise war Wasser doch entweder viel kälter als die Luft außerhalb, oder es gab keinen großen Unterschied. Aber jetzt war das Wasser richtig heiß im Vergleich zur eigentlich kalten Winterluft. Der junge Wolf sah sich um. Die meisten standen dem Sumpf genau so skeptisch gegenüber wie er, manche vermuteten sogar irgend einen Sinn dahinter. Vielleicht schon wieder etwas, womit die Götter zutun hatten. Aber irgendwie wusste Chardím nicht so recht. Er fühlte sich normal, es ging ihm gut. Nichts, was ihm einen Hinweis auf irgend eine Göttersache gegeben hätte. Um genau zu sein war er vom Sumpf nicht mal sonderlich beeindruckt. Es stank einfach nur etwas mehr als sonst und die Temperaturen schienen sich nicht an der Jahreszeit zu orientieren. Aber Chardím war sich sicher, dass es sehr viel gab was sie sich nicht erklären und nicht verstehen konnten. Weniger sicher war er, dass dies immer gleich etwas bedeuten musste. Seine Blick fixierte eine dunkelgraue, bekannte Wölfin die direkt auf ihn zusteuerte. Seine Augen, die in den letzten Wochen nur noch Bernstein gefärbt gewesen waren, wiesen inzwischen wieder dunkelblaue Schlieren auf. Es war nicht mehr nötig sich auf eine Seite zu beschränken. Dafür war er nicht gemacht. Etwas trüb schaute er auf den Boden zu seinen Füßen. Eigentlich sah er den Boden gar nicht richtig, seine Gedanken waren weit fort, seine Schwester hatte sie mit sich genommen in die Vergangenheit. Zu diesem Ort war er durch sie gelangt, nachdem die Leitwölfin Tyraleen ihn in ihr Rudel aufgenommen hatte. Er hatte das Gefühl gehabt, sie wäre reichlich verwirrt durch seine Reaktionen und die Tatsache, dass er seine tote Schwester sehen konnte. Der schwarze Rüde hinter ihr hatte diese Tatsache aber sozusagen aufgeweckt und Leben war in ihn gekommen. Anschließend hatte er sich abgewandt, ihm wurde von einem Wolf, dessen Namen er sich nicht hatte merken können, durch das Revier etwas geführt. Seinen Führer hatte er jedoch schon bald mit dem anderen neuen Wolf alleine gelassen und war seinen eigenen Weg durch das Revier gegangen. Hier eine freundliche Begrüßung, dort ein Nicken und ein paar nette Worte. Namen waren kaum in seinem Gedächtnis geblieben. Lediglich seine Schwester war immer bei ihm geblieben, auch wenn er sie die ganze Zeit ignoriert hatte und sie so nur ihm hinterher getrottet war. Cassy hatte keine Versuche unternommen, ihn aufzuheitern, war nur eine Stille Verfolgerin gewesen, die ihrem Bruder zuliebe mal die Klappe hielt, weil sie wusste, dass seine Gedanken weit fort waren. Sie hatte ihn mit ihrer Aktion dorthin geführt und sie würde nun warten, bis er wieder zu ihr zurückkehren würde. Joké war darüber auch sehr dankbar, eine so verständnisvolle Schwester konnte man sich einfach nur wünschen. Und er hatte sie. Nachdenklich hob er den Kopf etwas, seufzte leise und der Schmerz von vor all den Jahren spiegelte sich in seinen Augen einen Moment wieder. Doch er wollte das nicht mehr, schüttelte den Kopf und wollte schon wieder weiter gehen, als er von jemandem angesprochen wurde. Erschrocken fuhr er zusammen und wandte sich etwas ruckartig zu dem schwarzen um. Er musterte ihn einen Moment, dann hellte sich sein Blick auf, ein Lächeln schlich sich auf seine Lefzen und er nickte Aszrem freundlich zu. Einer der wenigen Namen, die er sich hatte merken können. Sein Blick wanderte wieder nach vorne, wo der Sumpf sich zu seinen Pfoten erstreckte. Aszrem hatte ihn auch freundlich begrüßt, aber ein Wortwechsel hatte nicht stattgefunden. Das galt es nun nachzuholen. Ihre Ohren schnippten nach vorne und überrascht kippte ihr Kopf leicht zur Seite. Sie hatte zwar selbst gesagt, dass dieser Sumpf noch viel mehr her gab als diesen fürchterlichen Gestank und Dreck. Doch das auch Kirov gleich von ihren Gedanken zum nachdenken angeregt wurde, daran hatte sie nicht geglaubt. Einen Moment glaubte sie sogar der Rüde wollte sie veralbern. Sich über Ahkuna lustig machen, weil sie so eine alberne Vorstellung hatte. Doch spätestens dann, als der Graue sich aufgerappelt hatte, war die weiße Fähe sich sicher, dass Kirov es ernst meinte. Noch immer von der Unsicherheit gepackt, setzte sich die Fähe langsam auf und blinzelte den Grauen an. Amúr blickte ihre Tante an. Ließ ihren Blick von oben nach unten gleiten, ehe dieser zu Caylee schweifte und dann wieder zu Parveen zurück. Auf deren Begrüßung hin nickte Amúr einmal und fing dann an wieder mit ihren Gedanken zu spielen. Wie es wohl gewesen wäre wenn sie nie fort gewesen wäre? Würde sie ihre Familie dann besser kennen? Und war es nicht auch so das von ihrer Familie viele fort waren und auch erst wieder gekehrt sind? Sie wusste nicht ob sie ihr gehen von damals bereuen sollte oder nicht. Sie dachte an ihr Gespräch mit Jumaana, als sie auf dem Weg nach Süden waren. Sie hatte gesagt Veränderungen seien gut aber selten. Komischerweise kam es ihr ganz anders vor. Sie fand nämlich das es häufig Veränderungen gab. Die Frage ob das gut oder schlecht war, erscheint manchen überflüssig, andere könnten drüber streiten. Doch am Ende bleibt alles so wie Jumaana meinte: Wir müssen es so hinnehmen. Doch war dies nicht leicht. Es war diese Sache mit den Gefühlen, die einen so sehr beeinflussen konnten. Vielleicht war Gefühlskälte manchmal gar nicht so schlecht. Gedanken über Gedanken wirbelten in ihrem Kopf. SL direkt bei Kursaí und Malik und jedem, der nahe genug ist und reagieren möchte: Ihr waren die Worte des Kleinen eindeutig sympathisch. Auch sie wollte möglichst schnell weiter, und doch konnte sie das wohl nicht sofort einfach beschließen. Außerdem war der Gesang Maliks einfach nur zu süß, um sofort unterbrochen zu werden. So antwortete sie erst, als er wieder verstummte: Parveen blickte ein wenig amüsiert zwischen den beiden jungen Fähen hin und her. Es war schön, wieder innerhalb des Rudels zu verweilen und nicht mehr wie ein Schatten nebenher zu schleichen. Ja, es kam ihr sogar so vor, als würde sie ihr Leben wieder realer wahrnehmen und es zog nicht mehr an ihr vorbei, wie ein kühler Windzug. Womöglich waren Caylee und Amúr genau das, was sie brauchte. Zwei Geschwister, die sich doch so sehr voneinander unterschieden. Parveen viel auf, dass sie zwar die gleiche Meinung zu ihrer Frage äußerten, aber sich die Antworten trotz allem unterschieden. Caylee schien von der Gesamtsituation mehr als genervt zu sein. Die Schwarze hatte den Eindruck, dass sie sich um nichts als ihre eigenen Belange zu kümmern schien. Der Sumpf widerte sie an, interessierte sie nicht und auch wenn Parveen selbst lieber einen anderen Ort aufsuchen würde, war ihr klar, dass sie sich nicht einfach abwenden und das warme, stinkende Gewässer verlassen konnten. Die andere Fähe sprach ihr aus der Seele. Auch Amúr wollte nicht hier sein und wie manch andere durch den Morast stapfen. Trotzdem vermutete sie, genau wie Pav, dass hier etwas merkwürdiges vor sich ging. Die Schwarze seufzte kurz und ließ den Blick über das Rudel schweifen, bevor sie sich an die Schneeweiße wandte und sich einen wenig tadelnden Unterton nicht ganz verkneifen konnte. Wahrscheinlich, weil sie älter war… und ihr die Worte von Caylee wie die eines störrischen Welpen vorkamen. Shani fühlte sich in letzter Zeit etwas seltsam. Gleichzeitig mittendrin und außen vor. Sie war Mutter und Oma, hatte quicklebendige Enkel, hatte immerhin noch drei ihrer Kinder um sich, hatte eine – wenn auch etwas zurückgezogene – Ziehtochter und war inmitten eines Rudels, das zu ihrer Familie geworden war. Und doch war sie nicht so richtig dabei, sah oft in den sternenverhangenen Himmel und dachte an Hiryoga. War es normal, dass sie über seinen Tod nicht hinwegkam? Dass sie noch immer täglich an ihn dachte und sich nicht vorstellen konnte, je wieder einen Rüden zu lieben? Vielleicht hing es damit zusammen, dass ihr Gefährte nicht wirklich gestorben war; dass das Nichts ihn verschluckt hatte und gerade so Fälle wie Nihilus‘ zeigten, dass das nicht unbedingt den Tod bedeutete. Aber das Nichts war nun fort, schon sehr lange, somit konnte Hiryoga nicht wie der weiße Freund Krolocks einfach daraus hervor in die Welt springen. Manchmal hatte sich Shani schon aberwitzige Gedanken gemacht, ob sie sich nicht auf die Suche nach dem Nichts begeben sollte. Aber wo sollte sie es schon finden? Möglicherweise musste sie warten, bis auch die nächste Generation der Götterkinder ihr Ende fand, aber das würde mehr als ein Wolfsleben dauern. Länger, als sie noch Zeit hatte. Also hatte sie sich eigentlich längst damit abgefunden, dass Hiryoga für immer verschwunden war. Aber die Möglichkeit, dass er gar nicht wirklich tot, sondern nur fort war, beschäftigte sie mehr, als sie sich eingestehen wollte. So saß sie immer wieder da, starrte in den Himmel und vermisste diesen Wolf, der nun schon so lange kein Teil ihres Lebens mehr war. Und dann war etwas passiert. Die meisten Wölfe schienen davon erschreckend unbeeindruckt, dabei war doch ein recht hochrangiger Wolf dabei ums Leben gekommen. Takashi soll den Verstand verloren haben, seine Gefährtin Jumaana hatte töten wollen und nur durch Averics Fang davon abgehalten worden sein. Jetzt war Takashi tot, Jumaana alleine und für immer in der Gewissheit, dass ihr Gefährte in dem Wunsch, sie tot zu sehen, von ihr gegangen war. Sie teilte mit Shani das schlimme Schicksal der Ungewissheit. Und sie hatten beide den Moment miterleben müssen, in dem ihr Gefährte von ihnen gegangen war. Shani fühlte sich seltsam verbunden mit der weißen Fähe, mit der sie schon so lange in diesem Rudel lebte und doch immerhin schon das eine oder andere Mal miteinander geredet hatte. Nur hatte sie sich bisher nicht getraut, mit ihr zu reden, waren sie sich doch nicht nahe genug, um selbstverständlich davon ausgehen zu können, dass Jumaana den Trost Shanis wünschte. Es war widerlich. Dieser Gestank, dieser elendige Gestank. Daylight konnte dem Aufenthalt beim Sumpfgebiet nichts abgewinnen. Wieso sollte es auch nützlich sein? Die zögerlichen Instinkte der Weißen schrien geradezu danach, sich von diesem Ort zu entfernen. Auch wenn Tyraleen und die anderen sichtlich anderer Meinung waren, so fühlte sich das Lichterkind dort einfach unwohl. Der Geruch von Tod lag in der Luft. Und das war für Daylight mehr als genug Grund, sich eher zurückzuziehen, und mit misstrauischem Blick das Treiben der anderen zu beobachten. Der einzige Vorteil, den dieser beunruhigende Aufenthalt für sie hatte, waren die Temperaturen. Manchmal war das moderige Wasser warm. Und bei diesen geradezu winterlichen Winden begrüßte die Fähe den Umstand sehr, wenigstens ein wenig Wärme empfangen zu dürfen. Das Lichterkind hatte sich etwas abseits niedergelassen und ließ ihre Vorderpfoten abwesend im eigenartig warmen Wasser baumeln. Bei dem Gedanken, was da wohl schon alles seinen Tod in diesen verdorbenen Gewässern gefunden hatte, schluckte sie kurz. Wohlmöglich würde jeden Augenblick ein Tierschädel aus dem Sumpf emporsteigen. Mit zusammengekniffenen Augen verscheuchte Daylight dieses Angstschauspiel jedoch sogleich wieder. Lächerlich. Dennoch, das Nichts hatte diesen Ort verschont. Wieso? Sie kam nicht drauf. Und doch schlug das sonst so ruhige Herz schneller, bei dem Gedanken daran, dass dieser Ort hier mehr verbergen konnte, als sie wussten. Sie musste sich Gesellschaft suchen. Das Lichterkind fühlte sich immer unwohler, dort, mit dem Blick in das dreckige, stinkende Wasser. Darum beschloss sie nun auch, sich zu erheben. Bevor ein Sumpfmonster ihr den endgültigen Herzinfarkt bescheren könnte. Den Blick über die versammelten Wölfe schweifend, streckte sie ihre müden Glieder durch. Wem könnte die Fähe sich denn anschließen? Beiläufig registrierte sie, dass die Welpen, deren Geburt sie leider nicht miterleben durfte, auch gewachsen waren. So schnell. Ja, Welpen waren schon immer ein Wunder der Zeit und des Lebens gewesen. Doch noch ehe sie sich weitere Gedanken machen konnte, stach Kirov in ihr Blickfeld. Mit seinem gräulichen Fell hob er sich deutlich vom Rest der Anwesenden ab. Und auch Ahkuna war bei ihm. Ahkuna Caiyé, ihre Nichte! Mit einem warmen Gefühl im Herzen trabte sie zu den beiden herüber. Sie sahen aufgeregt aus. Im positiven Sinne. Es dauerte ein paar Sekunden, bis Ahkuna scheinbar bemerkte, dass Kirov es ernst meinte. Etwas verunsichert zuckten die graubraunen Ohren des Rüden. Hielt sie ihn jetzt für lächerlich, weil er auf diese Idee gekommen war? Ahkuna sah mit ihrem reinweißen Fell nicht unbedingt so aus, als würde sie gerne durch ein Sumpfgebiet wandern, einfach nur zum Spaß. Eigentlich war es auch nicht gerade Kirovs Lieblingsbeschäftigung, aber er war nur durch Ahkuna dadrauf gekommen, sich hier mal genauer umzusehen. Noch immer etwas verunsichert, blickte der Gemusterte sie an. Bevor er jedoch weiter auf sie reagieren konnte, sprang die Weiße auf. Kirov lächelte erleichtert und grinste sie an. Na also. Sie hielt ihn also doch nicht für einen kleinen Jungwolf. Er tappte einige Schritte hinter Ahkuna her und blickte sich schließlich um. Tja, wohin nun? Statt dass alles seinen geregelten Alltag ging – sofern dies hier überhaupt jemals möglich war – hatte das Rudel sich auf dem Weg in den kleinsten Fitzel des Reviers auf gemacht. Wobei klein wohl das falsche Wort war. Aber – was zum Geier wollten sie hier? Es stank bestialisch und diese Betitelung war in den Augen der Jungfähe noch maßlos untertrieben. Jede erneute Wolke, die nach vermoderter Erde, gammeligem Wasser und irgendwelche verwesenden Tieren stank, ließ Aléya den Magen noch ein Stück weiter umdrehen. Am liebsten würde sie ihre letzte Mahlzeit rückwärts genießen, doch sie riss sich zusammen. Den Sinn dieses „Ausflugs“ verstand man vermutlich nur, wenn man ein Mitglied der Rudelspitze war. Es war ja nicht so, dass ihr neues Tal keinen Platz und keine bedeutend schönere Orte bieten konnte. Was sich also die Leitwölfe davon versprachen, war ihr mehr als nur schleierhaft. Zumal dieser schlammige Boden heimtückisch, trotz seines harmlosen Aussehens, war. Blieb man an einer Stelle zu lange stehen, konnte man, ohne es zu bemerken, immer tiefer im Morast versinken. Ein ziemlich riskanter Ort für die Welpen. Aber gut, sie konnte nicht in die Köpfe der anderen Wölfe sehen. Leicht schnippte die Helle mit einem Ohr und hob dann eine Pfote an, die sich mit einem schmatzenden Geräusch aus dem Schlamm befreite. Ein unangenehmes Frösteln rann über ihren Rücken. Ekelhaft. Und gar kein schöner, geschweige denn passender Ort für einen Wolf. Innerlich seufzte die Jungfähe und trottete dann langsam, mit bedachten Schritten, weiter. Sie hatte einen Neuling ausfindig gemacht, der einen so verlorenen Eindruck machte, wie sie sich fühlte. “Hallo,“ grüßte sie, bemüht munter und freundlich. “Du siehst auch nicht so begeistert über dieses Feststecken aus…“, merkte sie an, den Anflug eines ehrlichen Lächelns auf den Lefzen. Es dauerte nicht sehr lange, der ebenfalls weiße Wolf hatte noch nicht geantwortet, als eine Fähenstimme neben ihnen erklang. Eine dunkle Gestalt war es, die sich zu ihnen gesellt hatte und Aléya erkannte eine Tochter Banshees. Die Fähe heftete den intensiven Blick in die blauen Augen. “Amaya.“ Taleesha watete nachdenklich durch das erstaunlich warme Wasser in diesem für sie noch völlig fremden Gebiet. Hier war es irgendwie wärmer und die Luft war so … komisch. Mal lag etwas besonders Lockendes, mal etwas Stickiges, Abstoßendes in der Luft. Einerseits fand Taleesha die neue Umgebung spannend, andererseits hatte sie ein ungutes Gefühl. Sie wusste selbst nicht warum. Sie hatte die ungeklärten Fragen und die erschütterten Blicke der „Großen“ in letzter Zeit wahrgenommen. Das hatte begonnen, als Neruí verschwunden war. Aber sie hatte noch nicht nachgefragt. Die Welpin wollte einen günstigen Moment abwarten, indem sie ihre Patin fragen konnte. Überhaupt … Tyraleen konnte immer die besten Antworten geben. Taleesha war so stolz, dass sie ausgerechnet ihre Patin geworden war. Durch einen femininen Schrei – der ganz sicher nicht von Kirov stammte – erstarrte der zierliche Körper von Ahkuna und erschrocken stolperte sie einige Schritte zurück. Sie hatte ehrlich gesagt mit niemandem gerechnet. Umso mehr wunderte sich die weiße Fähe über das strahlende Gesicht von Daylight, welches ihr förmlich entgegensprang. Auf Kirovs Worte folgte keine Antwort. Kirov wiederzusehen tat gut. Er hatte eine beruhigende Art an sich. Und Ruhe brauchte Daylight immer. Schließlich konnte kaum jemand solche hektischen, aufgeregten Gedanken sein Eigen nennen. Zurück in der Realität, blickte auch sie unwissend auf Kirovs Frage drein. Eilig trugen Liels Pfoten sie über den matschigen Sumpfboden. Sie hatte kein Ziel, wollte jedoch nicht zu lange an einer Stelle verweilen, aus Sorge, dass die blubbernden Löcher ihr irgendetwas anhaben könnten. Sie fühlte sich in dieser Umgebung gar nicht wohl. Sicherlich trug dazu bei, dass sie keinen anderen Wolf neben sich hatte, aber auch die Anwesenheit der anderen Wölfe in ihrer Umgebung konnten ihr kein beruhigendes Gefühl vermitteln. Sie musste tief in Gedanken versunken gewesen sein, wenn sie sein Näherkommen nicht bemerkt hate. Jakash konnte sich denken, was ihr im Kopf herum geisterte. Sicherlich war es ihr gar nicht recht, dass ihre Welpen sich in diesem seltsamen Sumpf herum trieben. Besonders angesichts der Seltsamkeiten und unbekannten Gefahren, die das Rudel in letzter Zeit hatte erdulden müssen. Nicht, dass der Schwarze ihre Bedenken nicht teilen würde, aber was eventuelle mögliche Bedrohungen anging, war er inzwischen nicht mehr so überfurchtsam wie früher einmal. Offensichtlich hatte Tyraleen mit ihren Fragen einen Stein in Isaís Kopf zum Rollen gebracht, denn der Kleine wirkte nun hochkonzentriert und schien sich tatsächlich dem Versuch eine Antwort zu finden zu widmen. Die Weiße kam nicht umhin wieder einmal festzustellen, dass in dem Roten alle nötigen Eigenschaften eines zukünftigen Leitwolfs steckten. Mut, Neugierde, Intelligenz, Verantwortungsbewusstsein und der Wille, etwas zu bewegen, herauszufinden, zu helfen. Ob sie wohl eine schlechte Mutter war, weil sie keinen ihrer eigenen Welpen in dieser Rolle sah oder gar in diese Rolle hineinerzog? So wie Banshee das von Anfang an bei ihr getan hatte? Aber vielleicht gerade weil sie dieser Erfahrung selbst gemacht hatte – schon als junger Wolf stets als zukünftige Leitwölfin betrachtet zu werden; mit all den Sorgen und Versagensängsten – bemühte sie sich nun, keinem Welpen eine solche Bürde zu übertragen. Gerade nicht ihren eigenen Kindern, von denen keines wirkliche Leitwolfstärken gezeigt hatte. Und Isaí … den würde sie auch niemals drängen oder gar ihm nahelegen, dass sie Hoffnungen in ihn steckte. Doch der Kleine schien sich stets zu freuen, wenn sie ihn mit sich als Leitwölfin und ebenfalls Erstgeborene verglich. Vielleicht sollte sie ihn irgendwann einmal fragen, ob er gerne Leitwolf wäre. Aber das hatte noch viel Zeit und nun gab es erst einmal Wichtigeres zu tun. Für Isaí, seine Überlegungen zu verkünden und für Tyraleen, eine gute Antwort darauf zu finden. Zunächst einmal war die Weiße mit dem Gedankengang ihres Großneffen sehr zufrieden. Genau die richtige Art und Weise mit Problemen im Tal der Sternenwinde umzugehen, denn tatsächlich ließ sich das meiste durch die Götter erklären. Aber Isaí lieferte sich auch gleich den Fehler in seinen Gedanken mit, denn es gab keinen Grund für Wärme und Gestank. Und überhaupt hatte Tyraleen noch nie von solchen Taten der Götter gehört. Sicher, Engaya und Wärme hing zusammen, aber ein bisschen Sumpfwasser erwärmen? Zudem musste die Wärme mit dem Gestank zusammenhängen und dafür wiederrum war eigentlich keiner der Götter bekannt. Sicher berichteten auch einige vom Gestank des Todes, aber hier lag sehr viel mehr in der Luft und außerdem war der Gestank stets nur eine Begleiterscheinung zu sehr viel mehr. Es war also irgendwie alles nicht ganz logisch. Tyraleen schüttelte den Kopf, schenkte Isaí aber ein Lächeln. Später einmal mussten sie beide das Gespräch unbedingt fortsetzen. Sie konnte es noch immer nicht fassen, dass Atalya Engaya sein konnte, und doch verstand sie zu gut, dass dieses nicht da sein und doch im Geiste ihnen beistehen können etwas hoch für den Welpen war. Selbst für die junge Fähe war es kaum zu begreifen und dennoch musste es so sein. Und auch wie Engaya ihr geholfen hatte, das musste sie Malik wohl auch noch erzählen. Wahrscheinlich würde dies auch nicht gerade einfach werden. Zum Glück konnte sie wohl nur sagen, dass sie den Tod ihres Gefährten inzwischen mehr oder weniger vollständig überwunden hatte. Wie wäre es nur, wäre das nicht der Fall und würde der Welpe auf ihrem Herzen rumtrampeln? Sie wollte sich dies gar nicht ausmalen, konnte es auch gar nicht. Die Direktheit und Unverblühmtheit des jungen Lebens war ein Segen - jedoch manchmal auch ein Fluch zugleich. Seine Berührung tat ihr gut. Natürlich. Was auch sonst? Seine Berührungen taten ihr immer gut und beruhigten sie – zumindest in diesem Moment- ungemein. Er hatte Recht. Sie durfte sie nicht immer so leicht verrückt machen lassen. Schließlich konnte sie – sehr wahrscheinlich- sowieso nicht verhindern, wenn die Natur wieder gruselige Dinge mit ihnen vorhatte. Also sollte sie lieber versuchen sich mit der momentanen Situation abzufinden und vielleicht sogar ein bisschen anzufreunden. Wobei ihr letzteres bei dem bestialischen Gestank sehr schwer fallen würde. Bis jetzt war ihnen schließlich noch nichts passiert. Es blubberte hier und da und immer mal wieder stiegen große, stinkige Blasen aus den Sumpflöchern hervor, doch schien die Atmosphäre dennoch recht friedlich. Soweit man dies zu diesem bewegten Landstrich sagen konnte. Erleichterung machte sich in dem Körper der grauen Fähe breit, als Malik und auch Kursaí ihr versicherten, dass ihnen nichts zugestoßen war. Auch wenn sie sich bei Kursaí nicht ganz sicher war. Einen kurzen Augenblick meinte sie gesehen zu haben, wie sich das Gesicht der Fähe ein wenig schmerzvoll verzogen hatte. Vielleicht wollte sie dem Welpen auch einfach keine Angst einjagen. Also schwieg Liel bezüglich der Aussage und nahm sich vor die Fähe im Auge zu behalten. Nicht, dass sie doch größere Schmerzen hatte, als Liel ihrer Mimik hatte entnehmen können. Nachdem Daylight da war, schien Kirov für Ahkuna scheinbar wieder vergessene Welt zu sein. Sie antwortete ihm nicht, doch der Gemusterte nahm es gelassen mit einem verständnisvollen Blick hin. Sie waren verwandt und hatten in letzter Zeit wohl nicht viel zu tun miteinander ... da konnte sowas schon mal passieren. Oder so. Wie auch immer, Daylight schien zwar immer noch nicht sehr angetan von dem Erdkundungstrip, doch sie versprach, nichts zu sagen. Kirov musste ein Grinsen unterdrücken. Nicht, dass er die Goldaugenfähe gut kannte, doch er hatte sich nicht vorstellen können, dass sie sie begleitet hätte. Doch es gefiel ihm, dass sie irgendwo auch mutig war. Kirov war sich sicher, dass er in beiden Fähen eine gute Freundin finden würde. Es war schon etwas komisch, dass er bisher mit keinem einzigen Rüden hier Kontakt gehabt hatte. Das musste er dringend mal ändern. Er war schließlich nicht hier, um Fähen aufzureißen, das warf bestimmt kein gutes Licht auf den sonst so ruhigen, freundlichen Rüden. Kirov seufzte leise und blickte wieder zu den beiden Fähen. Doch deren Blicke galten jemand anderem. Seine Stirn krauste sich leicht, als er ihren Blicken folgte und bei Amáya und einem, ihm unbekannten, weißen Rüden hängen blieb. Ein leichter Stich der Eifersucht traf seinen Magen, als er sah, wie Amáya sich mit dem Weißen unterhielt. Es störte ihn. Er hatte sich so viel Mühe gegeben, um mit ihr warm zu werden, um ihre Fassade zu brechen und jetzt ging sie freiwillig zu anderen und redete. Seine Augen verengten sich etwas, als er den Weißen anblickte. Klar, Fähenheld. Vermutlich war Amáya deswegen zu ihm gegangen. Schnell wand er die himmelblauen Augen wieder ab und versuchte eine ausdruckslose Mimik aufzusetzen, auch wenn er innerlich etwas verletzt war. Wieder einmal ein Beispiel dafür, dass man nicht alles erreichen konnte. Unbeteiligt lag der Pechschwarze abseits, neben einer noch etwas kräftigeren Birke und beobachtete nur halb geistesanwesend das Geschehen. Die Vorderpfoten hatte er übereinander gekreuzt, den großen Kopf auf sie gebettet. Er war furchtbar müde und gleichzeitig doch so rastlos. Seit er Takashi getötet und die Erste seiner Aufgaben erledigt hatte, waren die Tage so furchtbar zäh dahingeflossen und das quälende Harren näherte sich einem Grad der Unerträglichkeit. Es gab nichts was er tun konnte, kaum noch etwas womit er sich ablenken konnte. Zeitweilens ließ ihn jedes Rascheln im Gebüsch erstarren und die Muskeln und Nerven spannten sich erwartungsvoll an. Aber es geschah nichts, Fenris ließ ihn warten, ein zermürbendes Warten. Ruhig wog die graue Fähe die Ohren durch die warme Luft, ließ die hellen Augen dabei aber auf ihrem Bruder ruhen. Nur aus den Augenwinkeln beobachtete Atalya die anderen Wölfe, von denen einige sich sichtlich einen Kopf darum machten, was an diesem Ort vor sich ging, während der andere Teil sich wenig dafür interessierte. Sie selbst konnte sich keinen Reim daraus machen, zerbrach sich aber auch nicht angestrengt den Kopf darüber. Was brachte es schon, etwas zu finden, was erklärte, was hier vor sich ging? Was änderte es? Als Chardím nun antwortete, neigte die Wölfin leicht den Kopf, atmete die merkwürdige Luft tief ein, kam jedoch nicht mehr zu einer Antwort, da einen Herzschlag später ein weiterer, dunkler Wolf zu ihnen trat. Nun hob die Fähe eine Augenbraue, blickte Krolock still entgegen. Viel hatte sie mit diesem Wolf nie zu tun gehabt, nur an diesem einen Tag, an dem der Bär Nihilus unter sich begraben hatte... als sich die Augen des Schwarzen mit einem Mal so rot gefärbt hatten. Nun waren sie wieder blau, so wie man es von ihm gewohnt war. Die Graue zuckte nur leicht mit den Ohren, aber wirklich begeistert war sie von dieser Gesellschaft nicht. Der Schwarze gehört nicht unbedingt zu den sympathischten Wölfen. Sie schnaufte nur leise auf seine Worte hin, aber sie musste zugeben, dass er Recht hatte. Genau wie Chardím mit seinen weiteren Worten, ein paar weniger Wölfe würden diesem Rudel nur gut tun. Kurz schloß die Graue die Augen, blickte dann beide Wölfe für einen Moment an. Schließlich ließ sie den hellen Blick erneut über das Rudel schweifen. Schade, die Überraschung war hinüber! Taleesha hätte nur zu gerne ihren klugen Bruder geärgert – stattdessen durfte sie sich nun einen kleinen Tadel von ihm anhören. Für einen kurzen Moment schaute sie grimmig, dann wurde ihr jedoch klar, dass ihr Bruder ähnlich nass und leicht verdreckt war. Aszrem beobachtete, wie sein gegenüber die Begrüßung erwiderte und ihm freundlich zulächelte. Er hätte das Lächeln gern erwidert, abe es wollte ihm noch immer nicht gelingen. So warm wie es hier im Sumpf untypischer Weise war, so wenig inner Wärme fand er in sich, die er hätte ausdrücken können. Nicht, dass da Kälte in ihm gewesen wäre, im Gegenteil, es war vielmehr so, dass er weder das Eine noch das Andere derzeit in sich finde konnte. Da war nur Schmerz - seelisch, abe auch körperlich. Krolock schien kurz irritiert, über Chardíms zustimmende Worte und dachte dann darüber nach, was diese bedeuten haben könnten. Zu viele? Während er überlegte, sah er ein bisschen dämlich aus. Seiner Mimik konnte man leicht entnehmen, dass er sich Mühe gab, die Worte zu erfassen und offensichtlich war ihm noch nie die Idee gekommen, dass sie zu viele sein könnten. Seine Gedanken hatten nur soweit gereicht, dass alle die hier waren und her kamen dämlich waren. Dämlich und dämlich passte immer zusammen. Schließlich war noch nie jemand nicht dämliches zu ihnen gestoßen. Wie es wohl wäre, wenn die Dummheit mal auf demselben Niveau bleiben würde? Nur ab und zu von einem Blinzeln durchbrochen musterte die dunkle Fähe die hellen Züge des Rüden vor ihr. Man sah ihm an, dass er nicht dem Tal der Sternenwinde entsammte. Seine Gesichtszüge waren anders, die Augen hatten einen fast schon exotischen Ton eines gelben Bernsteins, welches ziemlich ausgebleicht schien. Sein Fell war nicht rein weiß, sondern mit beigefarbenen Schattierungen durchzogen. Aber nun gut, es war auch kein Wunder, dass er nicht die Statur der hier heimischen Wölfe besaß, wenn seine Abstammung wahrscheinlich weit weit entfernt lag. Nicht, dass Amáya Vorurteile gehen würde, doch sie sah es im allgemeinen nicht sehr gern, Fremde in ihren Reihen begrüßen zu müssen. Wie dieser seltsame Kirov. Ihre regenblauer Blick wanderte für einige kurze Augenblicke über die Ansammlung der vielen Wölfe, bevor er auf eben jenem Gräuling liegen blieb, mit dem sie in jener regenschweren Nacht ein kleines Pläuschchen gehalten hatte. Scheinbar amüsierte er sich ganz gut. Sollte er nur. Desinteressiert wandte die Regentochter sich ab, als genau in dem Moment ein sprudelnder Wasserstrahl nur einige Pfützen weiter entfernt emporschoss und zwei Wölfe scheinbar erschreckte. Verblüfft schloss Amáya das Phänomen ins Auge, ehe es gänzlich verschwand und nur noch die blauäugige Kursaí und der Welpe Malik verwundert einander anschauten. Missträuisch betrachtete sie nun das Wasser, dicht neben ihren nassen Pfoten. Vielleicht sollte man in der Zukunft doch vorsichtiger sein. Ihr Gegenüber schien sich noch eine Antwort zu überlegen, sodass es nur ganz gelegen kam als eine muntere, junge Stimme die Beiden begrüßte. Der Kopf der Schwarzen ruckte zu ihr hinüber und nahm den weiblichen Jährling kurz kühl in Augenschein. Sie hatte sie schon oft gesehen, seitdem sie zurück beim Rudel war, jedoch nie mit ihr gesprochen, auch wenn sie wusste, dass sie Aléya hieß. Sie war wohl in der Zeit auf das Rudel getroffen, in der sie nicht da gewesen war. Die junge Fähe hatte auffalend schöne Augen von fast undefinierbarer Farbe, ein Gemisch aus blau, grau und lila. Sie war beträchtlich kleiner als Amáya und der helle Fremde, sodass sie wahrscheinlich zu ihnen beiden aufblicken musste. Ernst nickte sie ihr zu, bevor sie ansetzte um zu antworten. Ihre Ohren drehten sich etwas unsicher nachhinten. Ahkuna hatte nicht darüber nachgedacht, dass dieser Ort noch gefährlich für sie werden könnte. Umso mehr wunderte sie sich deswegen, dass Daylight etwas befürchtete. Oder lag es einfach daran das solche Orte allgemein ihr sorgen bereiteten? Ihre Tante war ein Sonnenschein. Verkörperte stets das Gute. Sie musste man einfach mögen. Sie stupste Daylight leicht an und schnippte lächelnd mit ihren Ohren. Ihr Blick schweifte zu Kirov und sie blinzelte ihn an. Auf die Frage ihrer Tante über den Tod, schien die Blauäugige nicht die einzige zu sein, die etwas verwundert zu sein schien. Sie kräuselte leicht ihre Schnauze und blickte leicht unsicher von dem Rüden zur Fähe. Amúr war wunderbar vorhersehbar, sodass Caylee ihrer Schwester auch nach deren Antwort keinen weiteren Blick schenkte. Ein wenig erinnerte die Graue sie an ihrer beider Mutter, wenn diese ihnen in Welpenzeiten höchst lehrreiche Antworten gegeben hatte. Die waren sicher auch nicht sonderlich geistreich gewesen, aber hatten eine enorm bedeutsame Lehre enthalten. In diesem Fall: Oberfläche ist nicht gleich Inhalt. Eine Erkenntnis, auf die man schon nach wenigen Monden in diesem Tal unweigerlich kommen musste. Aber das war auch schon der springende Punkt: Hier geschah einfach dauernd irgendetwas Seltsames und wenn es sich dabei nur um ein bisschen Wärme und Gestank im uninteressantesten Teil des Reviers handelte, schien das Caylee durchaus vernachlässigbar. Außerdem: Selbst wenn diese ganze Sache sich ausbreiten würde, zu einer Art Problem werden sollte – was konnten sie schon dagegen tun? Das hatten das Nichts, die Tode Banshees und Nyotas und nicht zuletzt der Tod Tascurios eindrucksvoll bewiesen. Die Götter trieben ihre Spielchen, die Wölfe bemerkten Fehler erst, wenn es zu spät war, irgendetwas zu ändern und ansonsten würde es kommen wie es kommen musste. Bevor sie diese Gedanken mit ihrer Schwester und ihrer Tante teilte, galt es noch die Antwort Parveens abzuwarten und als diese kam, vertrieb sie zunächst Caylees Überlegungen. Den tadelnden Ton hörte sie sofort und der schwermütige Ratschlag weckte neue Gedanken. Der Blick der Weißen verengte sich etwas, jedoch nicht böse, sondern viel eher plötzlich wacher und aufmerksamer, beinahe erfreut. Parveen hatte sich soeben interessant gemacht, hatte ihr vielleicht nicht direkt die Stirn geboten, war aber auch nicht in ihrer Unsicherheit vor ihrer Nichte zurückgewichen. Die Weiße lächelte plötzlich und ihre Rutenspitze begann zu zucken. Es dauerte einen Moment, bis Liel wieder das Wort ergriff. Wahrscheinlich hatte es sie genauso erschreckt, auch wenn sie nicht direkt selber davon betroffen war. Wahrscheinlich hatten es auch noch einige andere im Umkreis mitbekommen, jedoch zogen diese es wohl vor nicht auch noch nach zu schauen. Es war ja offensichtlich, dass dies nicht unbedingt nötig war. Tyraleen war froh, dass sowohl Isaí als auch Taleesha motiviert und fröhlich an diese Suche herangingen, sie noch immer anstrahlten und keine Anzeichen von Müdigkeit zeigten. Dieser erste, nichtssagende Fund eines Knochens hatte die Weiße selbst etwas enttäuscht und wenn sie einen unauffälligen Blick hinter sich warf, so musste sie allzu viele Wölfe sehen, die offensichtlich nicht das geringste Interesse an diesen seltsamen Veränderungen und der Suche nach Ursachen hatten. Kaum einer wagte sich wie sie etwas tiefer hinein, nicht einmal Tinca und Malik schienen es ihren beiden älteren Geschwistern nachmachen zu wollen. Vielleicht wurden die Wölfe langsam aber sicher der immer neuen Abnormalitäten dieses Tals müde? Die Leitwölfin könnte es ihnen kaum verübeln, auch sie fand, dass ihnen trotz der Bedeutung ihrer Heimat ein zumindest abschnittsweise normales Leben zustehen könnte. Vielleicht gab es aber auch nur all diese ungewöhnlichen Ereignisse und Zustände, weil sie alle sie so sehr beachteten? Vielleicht sollten sie diesen Sumpf einfach in Ruhe lassen und es wäre alles in Ordnung? Eine gewisse Überempfindlichkeit konnte sich die Weiße nicht absprechen, sie reagierte mittlerweile auf jede noch so kleine Veränderung mit Sorge. Das könnte auch eines der zu entdeckenden Probleme sein. Die Welpen jedenfalls sollten sich allerdings nicht um ihre Psyche kümmern, sondern lieber ihren Entdeckerdrang befriedigen und fördern – offensichtlich waren sie ja die Einzigen in diesem Rudel, die damit gesegnet waren. Taleesha sprang ganz begeistert hinter ihrem Bruder her und wisperte ihm dann eine Frage zu, die Tyraleen natürlich dennoch verstand. Sie musste schmunzeln, offensichtlich hatte ihre Patentochter keine Ahnung, was sie mit dem Begriff „Indiz“ anfangen sollte. Isaí vermutlich auch nicht so richtig – zumindest würde er keine perfekte Definition liefern können – aber die Leitwölfin beschloss, sich nicht einzumischen. Sie wollte nicht immer die weise, erklärende Tante sein, die beabsichtigte so viel Wissen wir möglich in einen Welpen hineinzudrücken. Ob sie nun wussten, was ein Indiz war, schien reichlich unerheblich. Außerdem sprach Taleesha schon den erwarteten Umstand an, dass Knochen allgemein Stöcken recht ähnlich sahen. Die Welpen fraßen schon immer wieder etwas Fleisch, bald würden sie gar keine Milch mehr bekommen, aber einen Knochen hatten sie bisher nicht abgenagt. Tyraleen war sich nicht einmal ganz sicher, ob sie schon einmal ein erlegtes und angefressenes Beutetier gesehen hatten. Doch Isaí schaffte es einmal mehr sie zu überraschen. Zunächst führte er aus, dass ein Stock eigentlich nicht weiß ist und auch die Form war nicht unbedingt perfekt stockartig. Damit wandte er sich das erste Mal an sie und Tyraleen nickte. Kisha hatte still den Erklärungen ihrer Schwester gelauscht, hatte ihr nicht ins Wort fallen wollen. Und so hing sie selbst ihren eigenen Gedanken nach, grübelte über das, was hier geschah nah. Aber sie kam zu keiner Antwort, und so war sie auch ein bisschen froh darüber, dass Tyraleen in diesem Fall die Rolle der Erzählerin übernahm. Sie hätte wohl an manchen Stellen einfach nicht gewußt, was sie hätte sagen sollen. Die Schwarze hatte also alles mit einem Lächeln beobachtet, wie ihre Schwester das merkwürdige Ding bewegt hatte. Taleesha hatte sie mit einem sachten Lächeln begrüßt, sie einen Moment mit Isaí beobachtet, ehe sich alle wieder dem eigentlichen Geschehen gewidmet hatten. Die letzte Frage ihrer Schwester hatte die Schwarze mit einem Zucken ihrer Ohren kommentiert, ließ sie jedoch für die Welpen offen. Ihre eigenen Augen richteten sich noch einmal auf das... Indiz, drehte dabei leicht die Ohren hin und her. Nun hob sie jedoch leicht den Kopf, blickte dann von Isaí und Taleesha zu ihrer hellen Schwester, Ratlosigkeit lag in ihrem Blick. Die Erleichterung in den Augen des jungen Welpen war nicht zu übersehen. Verstärkt wurde dies durch sein rasches aufstehen und die motiviert aufgestellten Ohren. Auch sein freudiges Strahlen unterstrich die Zustimmung ihres Vorschlags und sie war froh ihn gemacht zu haben. Parveen verfolgte aufmerksam, wie die beiden Fähen reagierten. Ihr entging nicht, wie Caylees Blick gleichgültig auf Amúr liegen blieb und sie sich dann abwandte, als wäre ihre Schwester für sie nichts weiter als ein uninteressantes Geschöpf. Wenn Wölfe noch jung waren, dann konnte man sie oft kaum voneinander trennen, aber das änderte sich meist so schnell. Man brauchte sich nur die Schwestern vor ihr ansehen. Oder gar Parveen selbst, die ihre Schwestern so lange aus ihrem Leben heraus gehalten hatte. Sie konnte es der Weißen nicht einmal als schlechtes Verhalten vorwerfen, hatte sie doch verheerendere Verhaltensweisen an den Tag gelegt. Sich nicht nur desinteressiert gezeigt, sondern sich abgekapselt. Aber das war jetzt nicht der Punkt. Parveen spitzte die Ohren nach Caylees Antwort. Ob sie den tadelnden Ton ihrer Tante bemerkt hatte, vermochte Parveen nicht zu sagen, aber ihr fiel sehr wohl die ungewöhnliche Härte in der Stimme ihrer Nichte auf. Eine Härte, die sie einer so jungen Wölfin nicht zugetraut hätte. Sie passte viel mehr so einem Wolf, der in einem schweren Leben viel Leid und Trauer erlebt hatte und nun mit einer abgeklärten Gleichgültigkeit auf das Leben blickte. Eine Einjährige sollte nicht so reden, aber was erlaubte sich Parveen ein Urteil, wusste sie doch nicht, was Caylee erlebt hatte. Waren Lebensjahre eine Grundlage für die Ungerechtigkeit, die man durchlebt haben musste? Nein… Taleesha war erstaunt über die Klugheit ihres Bruders. Zwar wusste sie inzwischen, dass er um kaum eine Antwort verlegen war und stets mit Kreativität und Wissen gepaarte, logische Schlussfolgerungen auf Lager hatte. Aber dass er wusste, dass das der Stock aus einer bunten Beute war … das erstaunte sie nun wirklich! Wieso tat sie das eigentlich? Wieso war sie zu den beiden Jüngeren hinzugetreten? Gesellschaft lag ihr doch sonst nicht so. Aber es musste sein, dass wusste sie. Sie musste sich manchmal dazu zwingen, auf andere zuzugehen. Ihre Isolation durfte nicht noch größer werden, als sie jetzt schon war, sie musste dagegen ankämpfen. Deswegen stand sie hier, auch wenn sie es hasste. Auch wenn ein Teil von ihr, sich gegen dieses dumme Gespräch sträubte, dass erst jetzt seinen Anfang nahm. Wenn sie Glück hatte, würde es nicht lange dauern. Nein, dass durfte sie nicht zulassen! Es musste lange dauern. Die Regentochter zwang sich dazu, darüber nicht nachzudenken. Ihr innerer Zwist machte das alles nicht umbedingt einfacher, da war es besser, wenn sie es so gut wie möglich in den Hintergrund drängte. Gesagt, getan. Chardím betrachtete mit neutralem Ausdruck Krolocks Gesicht und fragte sich, was er in dem Schwarzen wohl gerade losgetreten hatte. Der junge Rüde machte den Eindruck, als hätte ihm der Schwarzweiße etwas gesagt, womit er nie gerechnet hätte. Chardím musste grübeln, was an seinen Worten wohl so irritierend gewesen war. Dass sie zu viele waren? Das er Krolock praktisch zugestimmt hatte? Vielleicht war er auch einfach verdattert, dass seine Schwester und er ganz normal auf ihn reagiert und nicht gleich ein großes Gezicke angefangen hatten. In dem Fall wäre das fast schon ein wenig bemitleidenswert gewesen. Chardím aber beschloss einfach darüber hinweg zu sehen, dass Krolock gerade so aussah, als ob er ihre Sprache nicht verstehen würde. Atalya sprach gerade davon, dass die Wölfe nach einer Lösung suchen würden, worauf hin Krolock gleich genauer nachfragte und dabei so klang, als könnten nur Idioten sich ernsthaft auf die Suche nach einer Lösung machen. Tyraleen war ebenso wie die Welpen, vertieft in den Anblick des grün-bläulichen Knochens, auch wenn sie – ganz im Gegensatz zu ihrer Patentochter und deren Bruder - schon einige erlegte Beutetiere samt Inhalt gesehen hatte. Mal abgesehen von diesen wenigen blauen Sprenklern, die der Weißen ziemlich unbedeutend vorkamen, hatte dieser Knochen absolut nichts Außergewöhnliches an sich und doch starrte sie auf den fahlen Gegenstand, als würde er gleich zu ihr sprechen. Es musste irgendeine Lösung gegeben und weit und breit schien es nichts Auffälligeres zu geben, als eben jenen Knochen – auch wenn es nur ein Knochen war. In das gespannte Schweigen, das auf ihre Frage gefolgt war, sprach schließlich Taleesha hinein und äußerte immerhin eine erste Idee. Etwas sollte in dem Knochen gewesen sein, das es warm machte und diesen Geruch erzeugte. Irgendwie schien der Knochen dafür reichlich klein zu sein und zudem wüsste sie nicht, wie irgendetwas in einen ganz gewöhnlichen Knochen hineinkommen sollte. Dennoch warf sie ihrer Patentochter einen kurzen, anerkennenden und nachdenklichen Blick zu und folgte Isaí dann einen Schritt nach vorne, um ihr Indiz noch genauer zu betrachten. Auch aus unmittelbarer Nähe blieb er ein gewöhnlicher Knochen, wirkte auch nicht so, als wäre er im Inneren hohl. Gerade war die Weiße im Begriff gewesen, ihren Fund einmal ins Maul zu nehmen, da lenkte ein Geräusch hinter ihr sie ab. Noch während sie den Kopf umwandte, schlug ihr eine wahrhaft tausendfache Verstärkung des üblen Geruchs entgegen und aus dem Augenwinkel sah sie eine kleine Wasserfontäne nach oben schießen, offenbar mit genug Druck, um die arme Taleesha nach vorne zu schleudern. Das geschah alles so schnell, dass Tyraleen zunächst gar nichts verstand, erschrocken die Stelle anstarrte, aus der das Wasser geschossen war um sich dann eilig in Bewegung zu setzen und Kisha zu ihrer Patentochter zu folgen. Diese schien sich ordentlich erschrocken zu haben, eilte ihnen aber schon entgegen und wurde von ihrem Bruder besorgt in Empfang genommen. Tyraleen ließ es sich jedoch nicht nehmen, Taleeshas Kopf leicht mit der Schnauze anzuheben, ihr aufmerksam ins Gesicht zu blicken und dann mit der Nase an ihren Läufen und über ihren Rücken entlang zu schnüffeln. Die Kleine war unverletzt, schien mit einem gehörigen Schrecken davongekommen zu sein. Aber leider war das nur ein kleiner Trost, denn wenn es nun begann, im Sumpf gefährlich zu werden, wurde ihr lockeres Spiel zu bitterem Ernst und von einer beinahe fröhlichen Suche konnte keine Rede mehr sein. Isaí verkündete in etwa ihre Gedanken – die Weiße stellte zum wiederholten Mal fest, dass er ganz wie ein Leitwolf dachte – und wollte die anderen warnen. Rasch warf Tyraleen einen Blick zum Rudel, nur um erneut festzustellen, dass ihnen sowieso niemand in den Sumpf gefolgt war. In Gefahr befanden sich also allerhöchstens noch sie selbst, auch wenn es der Weißen, je länger sie darüber nachdachte, immer weniger gefährlich und immer mehr einfach nur seltsam vorkam. Isaí sprach von einem „es“, aber Tyraleen war sich sicher, Wasser gesehen zu haben. Wasser, das aus dem Sumpf geschossen war, wie ein verkehrtherum gehaltener Wasserfall. Würde sich Taleesha unmittelbar neben den Wasserfall stellen, würde sie dem Druck des Wassers sie wohl ebenfalls nicht standhalten können. Aber für gewöhnlich gab es keine auf dem Kopf stehenden Wasserfälle und erst Recht nicht solche, die nur für einen Sekundenbruchteil bestanden. Sie musste die Stelle genauer unter die Lupe nehmen. Als Kursaí nun an Malik vorbei ging, bemerkte sie seinen Blick, sein Nicken. Ja, auch ihr gefiel es so wesentlich besser und sie erwiderte den Blick freundlich. Die Temperatur war wieder wesentlich angenehmer und auch der Gestank ist schwächer geworden. Ein wenig wunderte es sie, wie viel diese paar Schritte, die sie gegangen waren, ausmachten. Es stimmte zwar, dass der Einfluss des grausigen Wassers, des Sumpfes nicht völlig verschwunden war und dennoch war es deutlich geschmälert. Joké kam nicht dazu zu antworten, denn da erklang mit einem mal ein Ruf, der Aszrem die Ohren spitzen und aufmerksam lauschen ließ. Tyraleen rief nach ihm und Averic, und das konnte nur bedeuten, dass sie etwas Wichtiges (heraus-)gefunden hatte - oder eine Gefahr sich dem Rudel näherte. Aszrem sah das Bild eines lebendigen Varg vor seinem geistigen Auge aufblitzen, und sofort war er auf den Beinen. Gleich darauf gab seine Vernunft zu bedenken, dass Tyraleen im Falle eines Vargangriffs wohl viel panischer geklungen hätte, trotzdem hatte nun Unruhe den schwarzbraunen Alpha erfasst. Einfach daliegen zu können, ganz ruhig und dabei zuzusehen, wie seine Kinder seinen Bruder kennen lernten und nebenbei neugierig den Sumpf erkundigten, hatte etwas sehr beruhigendes. Averic dachte nicht mehr an das, was ihn bedrückte, was ihn erwartete und was er bald zurücklassen musste, denn im Traum gab es keinerlei Probleme für ihn. Jetzt, wo er eh eingeschlafen war, wäre es wirklich schön gewesen einfach ein wenig weiterruhen zu können. Der Pechschwarze hätte es dringend gebraucht. Tyraleen rief ihn und kurz glaubte er zu sehen, dass sich seine Gefährtin zu ihm umgedrehte und ihn lächelnd aufgeforderte zu ihnen zu kommen. Doch etwas passte nicht, die Stimme klang anders, dröhnender und irgendwie hallte sie von überall her an ihn heran. Er lächelte zufrieden, als Sheena sich an ihn lehnte und die Augen schloss. Sie ließ sich auf seine Worte ein, und es erfüllte ihn mit einem gewissen stolz, dass er für sie dasein und ihr Halt geben konnte. Und war das da ein Lächeln auf ihren Lefzen? Ja, ohne Zweifel - Sheenas Schönheit war nie größer als in den Momenten, in denen sie lächelte. Ort und Zeit spielten dabei keine Rolle. Selbst auf der Blumenwiese am Wasserfall hätte seine Gefährten nicht schöner sein können als hier, inmitten des stinkenden Sumpfes. Es wäre nur romantischer gewesen. Sie stand noch immer etwas unter Schock, als Kisha, Tyraleen und Isaí um sie herum waren und sich nach Taleeshas Wohlbefinden erkundigten. Sie konnte kaum wahrnehmen, was um sie herum geschah. Sie hätte nie gedacht, dass dieses stinkende Wasser plötzlich böse werden und sie beißen konnte. Immer wieder starrte sie auf die schlammige Wasseroberfläche. Kleine Schmutzpartikel verdeckten die Sicht auf das, was sich etwas tiefer befand. Was, wenn sie noch einmal angegriffen würde? Wie sollte sie sich verteidigen? Und würde sie dieses Mal auch wieder ausgespuckt werden oder musste sie für immer in dieser übel riechenden Brühe bleiben? Bei dem Gedanken schüttelte es sie. Doch Tyraleens Berührung hatte etwas Beruhigendes. Auch Kisha und ihr Bruder machten den Eindruck, dass ihr nichts passieren konnte. Sie würden aufpassen, ganz bestimmt. Und trotzdem lag da so viel Ungewissheit und Unklarheit in der Luft. Diese Befürchtung bestätigte sich, als Tyraleen sie aufforderte, nicht von der Stelle zu weichen. Als ihre Patentante sich dem komischen In-diz näherte, hatte Taleesha sogar ein bisschen Angst. Sie wollte Tyraleen beschützen, falls das Wasser noch einmal angriff. Dann fiel ihr allerdings ein, dass sie ja Alphawölfin war und sehr stark. Ihr konnte ja gar nichts passieren. Bestimmt hatte das Wasser sogar Angst vor ihr. Gespannt verfolgte sie also die Reaktion der Weißen, als diese das In-diz nochmals begutachtete. Taleesha hatte ein seltsames Gefühl. Tyraleen wirkte irgendwie … nicht mehr so lächelnd. Vorhin war alles schön gewesen. Und jetzt war da so etwas wie Angst. Oder war das nur ihre eigene Angst? Eigentlich wollte sie gar nicht mehr in dem dunklen, hässlichen Wasser bleiben. Sie blickte kurz zu Isaí und war sich sicher, dass sie noch eine Mission zu erfüllen hatten. Sie würde noch gebraucht werden und würde sich schon zusammenreißen. So schlimm war der Schlamm zu ihren Pfoten vielleicht gar nicht. Wenn da nur nicht dieser Gestank gewesen wäre … Etwas unruhig tappte der Gemusterte mit einer Pfote auf den Boden und sah wieder zu Ahkuna und Daylight. Die Beiden schienen noch kurz zu flüstern und er hoffte inständig, dass es nicht um ihn ging. Allerdings verwarf er diesen unsinnigen Gedanken wieder ... er konnte sich nicht vorstellen, dass die Beiden schlecht über ihn reden würden. Kirov atmete leise aus und blickte wieder zu Amáya und dem weißen Rüden. Als Amáya sich aber plötzlich umdrehte und ihn anblickte, zuckte er fast schon zusammen. Er erwiderte den Blick ihrer schönen, blauen Augen einige Sekunden, in denen sie ihn etwas ärgerlich anschaute, ehe sie sich wieder abwandte. Kirov drehte den Kopf zur Seite und verengte die Augen ein wenig. Seit ihrem Gespräch am Sternensee hatten sie kein Wort mehr gewechselt und mit jedem Tag wuchs die Sehnsucht, endlich mal wieder mit ihr zu reden. Allerdings hatte sie ihn eben so verärgert angesehen, dass er es nicht mehr wagte, daran zu denken. Natürlich wusste er den Grund für ihre Wut auf ihn nicht ... und am Anfang hatte sie fast schon erschrocken ausgesehen. Eine derartige Mimik, die er bei Amáya noch nie gesehen hatte. Er war ihr ausdrucksloses, unterkühltes Gesicht gewohnt. Er wusste aus eigener Erfahrung, dass es sehr schwer war, diese Fassade von Amáya zu zerbrechen. Und genau das war aber gerade passiert. Ungewollt trat ein kleines Lächeln auf seine Lefzen und er schloss kurz die Augen und senkte den Kopf. Keiner konnte dies sehen, weder seine zwei schneeweißen Gefährtinnen, denen er den Rücken zugewandt hatte, noch Amáya. Außerdem war die gerade wohl wieder dabei sich mit dem anderen Rüden zu unterhalten, was ihm immer noch nicht behagte. Kirov seufzte leise, hob den Kopf wieder und rümpfte die Schnauze. Wie stand es nun eigentlich? Daylight war auf seine Frage nicht weiter eingegangen und so langsam fühlte der Rüde sich wirklich etwas übergangen. Seine Ohren zuckten etwas unsicher und er zog die Augenbrauen hoch, als er sah wie Daylight sich langsam entfernte. Ihre Schritte waren langsam und sie wirkte müde. Dabei ging es ihr doch eben noch so gut? Verwundert starrte er der Goldaugenfähe nach, ehe sein blauer Blick langsam zu Ahkuna wanderte. Er ging wieder einige Schritte zu ihr und blieb in ihrer Nähe stehen. Er befand es nicht für richtig, zu fragen, über was sie getuschelt hatten, schließlich gingen ihn ihre Privatgespräche nichts an. Doch trotzdem brannte ihm diese Frage kurz auf der Zunge. Er zuckte abermals mit den Ohren. Kishas Blick lag besorgt auf Taleesha, auf ihrer Schwester und Isaí. Mit jedem Moment, der verstrich, wuchs die Sorge der dunklen Wölfin über diese Situation. Es hatte so harmlos angefangen, und nun konnte sie nur noch verunsichert zu dem Wasser blicken, als wäre dies im Moment ihr größter Feind. Aber zum Glück schien es Taleesha nicht all zu schlecht zu gehen. Sie humpelte zwar, sah auch nicht besonders glücklich aus, aber immerhin schien sie in diesem Moment nicht in größerer Gefahr. Auch Isaí hatte dieser unerwartete Wechsel verschreckt, er hatte sich auf dem Boden zusammen gekauert. Kishas Ohren neigten sich bei diesem Anblick ein wenig zurück, und voller Sorge erwiderte sie den Blick ihrer hellen Schwester. Aber die Stimme ihres kleinen Paten, der zuerst seine Schwester trösten wollte, ließ sie den Kopf wieder in seine Richtung wenden. Die Sorge des kleinen Rüden um das Rudel rührte die Fähe, und erneut schlich sich ein kurzes Lächeln auf ihre Lefzen. Dann sprach Tyraleen erneut, bat die Welpen, bei ihr selbst zu bleiben und trat noch einmal zurück zu dem stinkenden Wasser. Sie Verunsicherung ihrer Schwester ging auch auf die Schwarze über, selbst, wenn sie sich darum bemühte, es sich nicht anmerken zu lassen. Ein leises Seufzen verließ ihren Fang, während sie sonst schweigend die Weiße beobachtete. Und als sie schließlich zurück kam, verkündete, dass ihre Suche hiermit beendet war, nickte die dunkle Fähe sachte, konnte diese Entscheidung nur mehr als verstehen. Und es beruhigte Kisha ein wenig, dass die beiden anscheinend ohne Widerspruch gehen wollten, den Ernst der Situation verstanden. Sie selbst wußte nun nicht wirklich, was sie tun sollte. So richtete sie die hellen Augen auf die beiden Welpen, nickte dann mit einem ruhigen Lächeln. Die junge Caiyé war etwas überrascht. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Daylight doch noch einen Rückzug machen würde. Auf Ahkuna hatte sie einen entschlossenen – wenn auch besorgten – Eindruck gemacht. Deswegen verstand sie den plötzlichen Wandel nicht und zerbrach sich den Kopf darüber, woran es liegen könnte. Nachdenklich legte sie ihren Kopf schief und sah ihre Tante nachdenklich hinterher. Es stimmte sie irgendwie traurig. Daylight sah wirklich so aus, als ob sie eine Ablenkung nötig hatte. Sie war ein Lichterkind, der Sonnenschein an einem trüben Tag. Dieser Ort schien sie am Meisten runter zu ziehen. Deswegen hatte Ahkuna auch vorgehabt sie auf andere Gedanken zu bringen. Ihr wieder zu zeigen, was es hieß Spaß zu haben. Denn sie war sich sicher, dass es mit Kirov noch lustig werden könnte. Den Rüden hatte sie nicht vergessen. Im Gegenteil sie hörte seine leisen Schritte, als er sich wieder näherte. Trotzdem zuckte sie sachte zusammen, als er zu ihr sprach. Kurz blickte sie zu ihm, um anschließend seinen Blick zu folgen und auf das Lichterkind zu sehen. Atalya konnte über Krolocks nachdenkliches Gesicht – wenn man das so nennen konnte – nur kurz schmunzeln. Er sah wirklich ein wenig aus, als könne er Chardíms Worten nicht ganz folgen, wäre mit ihnen ein wenig überfordert. Kurz wandte die Graue die hellen Augen zu ihrem Bruder herum, der wohl auch ein wenig über die Reaktion des Schwarzen nachdachte. Sie selbst schüttelte schließlich nur den Kopf, blickte Krolock dann aber bei seiner Frage wieder direkt an. Einen Moment verharrend nickte sie mit dem Kopf in die Richtung des Rudels, untermalte diese Geste dann mit einigen Worten, die nicht begeistert klangen. Der Weiße betrat ein für ihn völlig fremdes Gebiet unwissend, dass er bereits die ersten Schritte über eine Grenze tat, die seinem Leben eine leichte Wendung gaben. Er näherte sich von Südosten an eine Umgebung, die klimatisch und in einigen weiteren Punkten stark von der vorangehenden abwich. Der Hüne rümpfte seine Nase bei dem Gestank, der je tiefer es hinein in den Sumpf ging rapide anstieg. Was ihn hier her verschlug? Na wenn er das mal wüsste. Wer begab sich schon freiwillig in solch modrige Gefilde, in denen jeder Schritt der letzte sein konnte. Wachsamkeit und Bedacht waren Pflicht. Eine falsch eingeschätzte Gegebenheit und man lief Gefahr von dem stinkenden Gemisch aus Schlamm und organischen Überresten verschlungen zu werden. Ansem wollte gewiss kein Teil dieser Überreste werden und achtete deshalb mehr denn je auf seine Bewegungen. Er nahm einen halbwegs befestigten Pfad, auch wenn hier und da ein Sprung nötig war, mied er es durch das warme Nass waten zu müssen. Was hier wohl so alles vor sich hin vegetierte? Fragte sich der Rüde, während eines skeptischen Blickes entlang seines weiteren Weges. Entweder hatte Tyraleen wirklich panisch geklungen, oder Aszrem vertraute ihr so sehr, dass wenn sie rief, er alles und jeden stehen ließ um sofort zu ihr zu eilen. Doch ein klein wenig verblüfft sah sie ihn bereits Sekunden nach ihrem Ruf zwischen den anderen Wölfen auftauchen und sich zielsicher einen Weg zu ihr bahnen. Averic war nur ein wenig langsamer, beeilte sich nicht ganz so sehr. Noch immer war die Weiße ab und an verblüfft, was der Rang der Leitwölfin aus ihr machte. Sie musste nur einmal rufen und schon eilte ein Wolf wie Aszrem ohne zu zögern zu ihr. Einerseits konnte sich nicht umhin, diese Macht ein wenig zu genießen, andererseits machte es ihr Angst, schließlich hieß Macht auch stets Verantwortung. Sie wollte Aszrem nicht enttäuschen und ihn so aufscheuchen, obwohl es vielleicht gar nicht so wichtig war. Aber sie wollte auch keine Welpen oder gar das ganze Rudel gefährden, weil sie Wasser aus dem Sumpf hervorschießend als nicht weiter bedeutsam betrachtete. Damals, als Averic noch ihr engster Vertrauter und unerschütterliche Stütze gewesen war, hatte sie sich nicht ganz so sehr vor all diesen Fragen und Risiken gefürchtet. Mit ihrem Gefährten an ihrer Seite, war sie sich sicher gewesen, keine falschen Entscheidungen treffen zu können. Aber jetzt teilte sie nur noch die oberflächlichen Gedanken mit ihm und das Vertrauen war ebenfalls dahin. Außerdem – daran erinnert sie sich immer wieder voller Schmerz – würde er bald nicht mehr hier sein, ob Gefährte oder nicht. Was im Kopf ihrer Tante vorging, war Caylee schleierhaft, ging sie doch grundsätzlich davon aus, dass ihre Gedanken sich komplett von denen anderer unterschieden. Deshalb verstand man sie auch nicht und deshalb fühlte sie sich auch unverstanden und konnte Handlungen und Meinungen anderer nicht nachvollziehen. Also schloss sie, dass Parveen wohl nicht ihre Ansicht teilte, endlich einmal ein interessantes Gespräch zu führen. Vermutlich war sie schwer damit beschäftigt, überhaupt ein Gespräch zu führen. Das schien sie ja schon eine längere Zeit nicht mehr gemacht zu haben, erst Recht nicht mit Jungwölfen. Ihre Meinung über Amúr blieb ebenfalls im Dunklen, auch wenn die Graue verstummt war und wohl nicht mehr mitkam, bei ihrem Gespräch. Parveen schien aber nicht der Ansicht zu sein, dass sie ihre zweite Nichte großartig miteinbeziehen sollte. Das könnte darauf hinweisen, dass sie sich doch einig waren, aber wie auch immer. Spielte eigentlich alles keine Rolle, interessanter waren doch ihre Worte. Sie interpretierte reichlich viel in Caylee rein, was der Weißen mit dem Sternenblick selbstverständlich missfiel. Kaum versuchte ihr jemand eine Charaktereigenschaft zu quittieren, würde sie ihr möglichstes tun, dies zu widerlegen. In diesem Fall würde ihr das nicht einmal schwer fallen, denn dass man an seiner Zukunft an sich etwas ändern konnte, stand außer Frage. Schließlich hatte sie ihre Zukunft zeitlebens in den Pfoten Engayas gesehen, bis Krolock etwas daran änderte. Der Plan schien aufzugehen. Nachdem ihr Bruder sie kurz verwundert angeblickt hatte, hatte Taleesha schon befürchtet, dass er sich weigern würde, einfach so kampflos das Feld zu räumen und freiwillig die neuen Abenteuer-Entdeckungs-Taten aufzugeben. Sie appellierte aber insgeheim an seine Intelligenz und daran, dass er sie gut genug kannte, um zu wissen, dass auch sie sich nicht einfach so wegschicken lassen würde ohne eine kleine Geste des Protests. Und tatsächlich: Ihr Bruder enttäuschte sie nicht! Taleesha hüpfte innerlich vor Freude über diese gelungene Aktion und malte sich schon aus, was sie jetzt alles zusammen erleben würden: Vielleicht würden sie geheime Wesen im Wasser finden, oder etwas Unsichtbares, dass plötzlich spritzte und dass man nur schwer fangen konnte, oder sie fanden einen geheimen Platz, so etwas wie eine Höhle, in der man auch unter Wasser leben konnte … sicher würden sie das Geheimnis lüften und das ganze Rudel beeindrucken! Auf eine bittere Art und Weise störte es Averic, dass Tyraleen ihn genau so routiniert begrüßte, wie Aszrem. Obwohl ihm ja klar war, dass zwischen ihm und Tyraleen nichts mehr war, außer ihren in letzter Zeit wiederholten, für ihn aber quälenden Anwandlungen. Vielleicht war es eine Nachwirkung des kurzen Traums, die ihm das jetzt so vor Augen führte. Tja, vielleicht sollte er sich auch viel eher glücklich schätzen, dass ihm überhaupt eine Berührung zuteil geworden war, denn wer hätte vor einiger Zeit schon noch gedacht, dass sie je wieder halbwegs normal miteinander reden würden? Das Gefühl der Entfremdung blieb jedenfalls an ihm kleben, wie das modrige Sumpfwasser an Taleeshas Fell. Etwas, das man nicht wollte und trotzdem nicht los wurde. Und da war noch etwas anderes, wie ein leises Surren in seinen Ohren. War das die verdammte Müdigkeit? Er versuchte sich auf Tyraleens Worte zu konzentrieren, obwohl es ihm irgendwann so vorkam, als würden sie allmählich dumpfer klingen. Der Pechschwarze versuchte sie beisammen zu halten; der Sumpf spuckte also heißes Wasser. Das war natürlich etwas unangenehm, hörte sich für Averic aber immer noch nicht lebensbedrohlich an. Hier war einfach nichts, was sich irgendwie mit der Gefahr des Nichts vergleichen ließ. Es war ein Sumpf, ein Gebiet, das sie nun mal nicht sonderlich gut kannten. Das Rudel hatte sich ins Moor begeben. Ein durchdringender Geruch nach Schwefel hing in der Luft, ein Duft nach Verwesung und Tod, der einem augenblicklich einen kalten schauer über den Rücken jagte, obwohl sie in diesem Gebiet geradezu unnatürlich warme Luft staute. In diesem Gebiet, welches halb Wald, halb morastige Brachfläche war schien es den ganzen Tag lang nicht richtig hell zu werden, so als scheute sogar die Sonne vor dem Bereich zurück, in welchem ein falscher Schritt einen langsamen qualvollen Tod bedeuten konnte. Jarrèll Nathaniêl verstand nicht wieso die Rädelsführer ausgerechnet diesen Ort zum Ziel einer Erkundung erkoren hatten, gerade jetzt wo die jungen Welpen, trotz der Tatsache, dass sie mit jedem Tag an Erfahrung und Wissen gewannen, doch eigentlich noch eher tollpatschig durch ihr Leben wandelten. Doch der Silbernen wusste, dass es ihm nicht zustand den Vorstand zu kritisieren und ihm persönlich war dieser Ort genauso recht, wie jeder andere. Unangenehm warme, stinkende Dämpfe stiegen aus Spalten in Felsen auf, teilweise begleitet von heißem Wasser, teilweise in großen Blasen die aus dem Sumpf selbst hervorquollen. Die meisten Bäume schienen mehr tot als lebendig, standen da, wie wahrenden Mahnmale, die zu jeder Gelegenheit an die Lebensfeindlichkeit dieses Waldstücks erinnerten. Ihre kahlen Äste ragten in den Himmel und am Boden tanzten ihre Schattenwürfe, huschten durch das lichte Unterholz, rastlos als wären sie auf der Suche nach Hilfe, nach jemandem, der sie erretten würde vor dem ewigen Tod. Jarrèll ließ seinen Blick über die dürren Äste gleiten, Schlieren von heißem Dampf tanzten um die knorrigen Baumstämme und die feucht warme Luft verursachte ein unangenehmes Prickeln auf Jarrèlls Haut. Der silbergraue Rüde schüttelte sich instinktiv und winzige Wassertröpfchen regneten aus seinem Fell. Er war rastlos und das schon seit geraumer Zeit. Den Frieden den er gesucht hatte war ihm ferner als je zuvor. Zorn war einer stetigen Unruhe gewichen, dem Glauben, dass es auf der Welt noch Aufgaben gab, für ihn, die ihm über die Gründe der Sternenwinde hinausführen würden. Seine Verzweiflung wich langsam dem Wissen, dass dieses Tal nicht der Ende seiner Reise sein konnte, wie er anfangs angenommen hatte, vielmehr schien es ein Schritt auf einer Reise, dessen Ziel er erst noch finden musste. Er wusste nicht warum oder wohin die Winde ihn verschlagen würde, doch er wusste, dass dies nicht der Ort war, an dem er fand was er suchte. Zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt, denn war wusste schon zu sagen, was sie Zukunft bereithielt? Zu viele Fragen, zu wenige Antworten, immer die gleichen Fragen, immer die gleichen unzulänglichen Antworten, die ihn nie zufriedenstellten. Noch nicht. Doch die Angst war gewichen einer Zuversicht, dass er sie finden würde, die Lösungen für seine Rätsel, irgendwo und Jarrèll Nathaniêl war bereit sich auf ein weiteres, vielleicht letztes großes Abenteuer einzulassen. Zu vieles war passiert, zu viele neue Pfade hatten sich ihm eröffnet, ein Meer der Möglichkeiten, einige so verlockend wie süße Beeren, einige düster und verschlungen, doch der Nebel aus Schuld, Angst und Hass hatte begonnen sich zu lichten und dem Silbernen wurde bewusst, dass er weitergehen musste, auch um wiederzufinden, was seine Vergangenheit mit in den Abgrund gerissen hatte. Es würde nicht leicht, nein, nichts konnte von heute auf morgen vergeben und vergessen sein, doch ein Schritt nach dem andren, langsam, behutsam, würde er letztendlich wohl seinen weg finden. Der Rüde tat einen tiefen Atemzug, als seine Entscheidung fiel, hier in dieser fatalen Umgebung. Das Rudel erkundete diese Moor, ganz gleich wie gefährlich es anmuten wollte und so, so würde er hinausziehen um sich seiner Vergangenheit zu stellen, die Gegenwart zu leben und in die Zukunft zu gehen. So viel Neues hatte sich angebahnt, aus der Asche war eine golden leuchtende Zukunft auferstanden, eine goldene Zukunft mit einer weißen Hoffnungsträgerin. Majibáh. Der Gedanke an die weiße Fähe mit den blauen Augen ließ den Rüden unwillkürlich lächeln, als er eine Pfote vor die andere setzte, traumwandlerisch sicher und dennoch stets aufmerksam auf das was vor ihm lag. Majibáh war eines der Rätsel, dessen Schlüssel er erst noch suchen musste. Ihre Verbindung, so stark und doch so zart würde ihre Zeit brauchen, er würde Zeit brauchen um herauszufinden woran er war und er die Zeit würde zeigen zu welchen Ufern sie vor hatte die beiden weißen Wölfe zu bringen, doch er, Jarréll Nathaniêl, war bereit, den ersten Schritt zu tun und als er durch das Moorgebiet streifte übersschritt die Sonne ihren Zenit. Ein Aufbruch in die nächste Hälfte des Tages. Gemeinsam. Kisha war sich ziemlich sicher, was sie erwarten würde, wenn die beiden Welpen sie bemerkten. Es schien fast so, als gäbe es nur diese eine Möglichkeit, diesen einen Weg. Aber umso besser für sie, so konnte sie sich genau darauf vorbereiten, konnte schon darüber nachdenken, bevor ihr Patenwelpe und seine Schwester sie überhaupt wahrgenommen hatten. Und so blickte sie die beiden gespannt an, als sie sie begrüßt hatte und den Kopf ein wenig anheben konnte. Talesha war zusammen gezuckt, deutlich erschrocken über die plötzliche Anwesenheit Kishas. Die Schwarze konnte darüber nur fast belustigt lächeln, neigte jedoch auf die zarte Begrüßung der jungen Wölfin hin leicht den Kopf. Bei ihren Worten blinzelte Kisha jedoch kurz, schnippte mit den Ohren und fand darin doch nur eine Bestätigung für sich selbst. Schwang da nicht etwas in der Stimme der Welpin mit, was dort nicht hinein gehörte? Tonlos seufzte die schwarze Fähe, den Kopf sachte schüttelnd. War es nicht zu erwarten gewesen? Nun wandte die dunkle Wepin sich an ihren Bruder, der nun seinerseits nach einer Ausrede suchte, einen Bestechungsversuch startete, und setzte ein zuckersüßes Lächeln auf, ehe er noch einmal zu sprechen begann. Einen Moment schloß die Schwarze die hellen Augen, atmete die stickige Luft ein, und blickte dann mit ruhigen Kopfbewegungen von einem zum anderen Welpe. Sie wußte nicht mehr, wie sie damals gewesen war, in diesem Alter. Aber so schien es sein zu müssen, so kam es ihr richtig vor. Die Fähe lachte leise auf. Nachdem nun Sie ihr und ihre Schwester sich zum Thema Sumpf geäußert hatten, kam ihre Tante wieder zu Wort. Bei den Worten ihrer Tante unterdrückte sie ein Seufzen. Mann kann sich schon vor Veränderungen verschließen, dachte sie bei sich. Was anderes hatte sie die letzte zeit nicht getan. Oder besser gesagt sie versuchte es immer noch. Sie konnte es einfach nicht akzeptieren, wollte es nicht so hinnehmen wie es nun war. Sie hatte geglaubt sie käme nun besser zurecht, mit sich selbst und mit dem Leben. Nachdem sie wiederkam und erfuhr was alles passiert war, stürzte sie sich in Euphorie über ihre Rückkehr, nun wo sie das nicht mehr konnte musste sie sich mit den eigentretenden Veränderungen beschäftigen, da blieb ihr keine Wahl. Doch sie wollte diese nicht akzeptieren und deshalb kam sie nicht zurecht. Schon wieder war sie in Gedanken versunken. Dennoch richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf ihre Schwester, als diese zu sprechen anfing. Nach deren Worten schloss Amur kurz die Augen, hob den Kopf zum Himmel und senkte ihn gleich daraufhin wieder. Es war ganz so wie sie sagte, man konnte es eh nicht ändern. Zumindest wenn man es auf ihr derzeitiges Problem übertrug. Ob man das Schicksal nicht irgendwie ändern konnte, war so eine andere Frage. Sicher hätte sich Amur, wenn sie in einer anderen Gefühlslage gewesen wäre mehr Gedanken um diese Frage gemacht und etwas erwidert. Doch so nahm sie es nur stumm hin. Sie wusste nicht ob sie sich öffnen sollte und ihr Problem freigeben sollte. Wusste nicht vor wem und würde es bestimmt nicht vor Caylee und ihrer Tante Parveen tun. Da sie Angst hatte. Wovor genau wusste sie selbst nicht. Doch irgendwie würde se damit alleine fertig werden müssen. Sie hatte schon mit einigen über das Thema Veränderungen geredet und im Grunde kam überall das gleiche bei raus. Man musste sie akzeptieren. Die letzten Tage waren völlig ereignislos verlaufen. Das klang, als wären sie langweilig gewesen, und vielleicht waren sie es auch, aber Majibáh hatte sich bewusst dafür entschieden. Dafür, regungslos auf dem Boden zu liegen und zu fühlen, wie er im Laufe des Tages abkühlte, sich aufwärmte, sich wieder abkühlte. Bestimmt hatte sie in dieser Zeit mit jemandem gesprochen, bestimmt war sie aufgestanden und manchmal umhergegangen, doch sie nahm es nicht wahr. Es schien, als spiele das Leben sich um sie herum ab, und sie, sie existierte zwar, wusste jedoch nicht, wie sie sich bemerkbar machen und am Geschehen beteiligen könnte – und egal wie sie den wirren Knäuel aus Gedanken zu entwirren versuchte, sie blieb immer wieder an einer Stelle hängen, die so sehr verknotet war, dass es ihr unmöglich schien sie zu ordnen, und dann war sie dazu gezwungen, wieder neu anzusetzen. All das erforderte Kraft, und dabei fühlte sie sich so leblos, so unendlich müde, wie in den ersten Minuten nach dem Aufwachen, wenn man noch etwas schläfrig war. Dass sie etwas verändern musste, wusste sie, nur nicht was. Es musste irgendetwas geben, das ihr helfen konnte, nur anstatt sich darum zu bemühen, es zu finden, hoffte sie auf eine Idee, dass sie direkt darauf stieß und sich dafür nicht anstrengen musste. Ansem blieb urplötzlich stehen. Seine Ohren nach vorn gerichtet, starte er ins Dickicht. Da kam etwas, er spürte es und das immer deutlicher. Anscheinend war es nicht mehr nötig weiter zu suchen, denn was auch immer sich hinter dem Gefühl verbarg, es hatte ihn schon gefunden. Was planst du Fenris, fragte sich der Weiße, fest davon überzeugt, dass hier jemand seine Hand im Spiel hatte. Scharfen Blickes ließ der Hüne die Stelle, an dem jeden Moment etwas auftauchen würde, nicht aus den Augen und Minuten später waren dunkle Schemen erkennbar. Ansem kniff die Augen zusammen, um besser zu sehen, was da auf ihn zukam. Doch dies war kaum mehr nötig, die Gestalt näherte sich so zügig, das ihr wahres Gesicht darbot. Ein Wolf. Seine Lefze zog sich an einer Seite leicht nach oben, entblößte für einen kurzen Moment den spitzen Reißzahn. Der Unbekannte stoppe mit nötigem Sicherheitsabstand vor Ansem. Es dauerte nicht lange und der schwarze Wolf erhob seine Stimme, beißend – als wolle er irgendetwas übertönen. Auch dieses Mal ließ ihr Bruder sie nicht im Stich. Es war wie immer Verlass auf ihn und seine rasche Auffassungsgabe. Nachdem auch er kurz gestutzt hatte, hatte er rasch in Taleeshas Worte mit eingestimmt, um seine Patentante mit ruhigen, vertrauenserweckenden Worten davon zu überzeugen, dass sie sehr gut alleine klar kamen. Um nicht zu sagen: besser! Mit einem sanften Lächeln auf den Lefzen bemerkte Kirov, dass Ahkuna ihm doch gefolgt war und nicht Daylight, wie er eigentlich hatte angenommen. Vermutlich war sie der Meinung, dass die Goldaugenfähe erstmal etwas Ruhe braucht. Doch es freute den Gemusterten, dass er nun nicht ganz alleine umherstreifen musste, sondern in weiblicher, schneeweißer Begleitung. Natürlich fand er es schade, dass Daylight nun nicht mehr dabei war, aber warum sollte sie sich die ganze Zeit mit ihnen abquälen, wenn sie schon von Anfang an nicht begeistert von dieser Idee gewesen war? Daylight war eben vernünftig und das schätzte Kirov sehr an ihr, genauso wie ihre warme und hilfsbereite Art. Doch er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Ahkuna wieder ihre Stimme erhob. Bei ihren Worten zuckten seine Ohren etwas erschrocken und er blickte sie kurz verständnislos an. Woher ... oder hatte er doch zu auffällig zu Amáya geschaut? Unsicher wandte er den Kopf zur Seite und seine noch erschrocken blickenden, himmelblauen Augen starrten in die Ferne. Für einen kurzen Moment haderte er mit sich selbst, was er Ahkuna nun erzählen sollte. Eine Lüge? Die Wahrheit? Nein, sie würde ihn womöglich auslachen. Auch wenn Kirov sie nicht so einschätzte, dass sie über seine Sehnsucht zu einem Gespräch mit Amáya lachen würde. Doch trotzdem wollte er es ihr nicht erzählen. Er kannte sie nicht gut genug. Er erzählte keinem etwas, so würde es wohl immer sein. Auch wenn Kirov eigentlich immer offen wirkte, war er doch vollkommen verschlossen, doch dank seiner freundlichen Ausstrahlung achtete da zum Glück kein Anderer drauf. Er blickte die Weiße wieder gefasst an und setzte ein Grinsen auf. Der Herr der Masken, niemand wusste wie er nun eigentlich gucken würde und jenes Gesicht mit Sicherheit nicht freundlich und fröhlich. Er war kaum bei tyraleen angelangt, da erschien auch schon Averic bei ihnen. Der Alpha nickte dem schwarzen Fenrissohn grüßend zu, ohne jedoch etwas zu sagen, wie es eben für den Schwarzbraunen typisch war. Tyraleen begann auch sogleich ihnen beiden von dem Vorfall zu berichten, der sich hier vor kurzem ereignet hatte. Aszrems Blick wanderte zurück zu den Welpen, die sich gerade entfernten und denen Kisha wie ein Schatten folgte, um auf sie Acht zu geben. Taleeshas Rut wirkte etwas zottelig und ihm schien, dass sie für einen kurzen Moment ein wenig ihren einen Hinterlauf schonte, ansonsten wirkten jedoch beide Welpen munter und ausgelassen. Vielleicht musste sie einfach hinnehmen, dass sie heute etwas schräg drauf war. Das würde schon vorbeigehen - hoffte sie - und vielleicht musste sie ja nicht einmal bis morgen warten. Das es mit diesem elendig stinkenden Sumpf zusammenhing, daran glaubte die Nachtschwarze eher nicht. Aber nun gut, wer wusste schon, wo die Götter alle ihre Pfoten drin hatten. Schließlich roch dieser Platz hier ziemlich nach Fenris. Demnach hätte sie sich eigentlich wohl fühlen müssen. Na gut, was hieß wohlfühlen? Sie fühlte sich ja eigentlich nie wohl. Ebenso jetzt gerade nicht. Totes Fleisch wie sie es war konnte gar nicht gut empfinden. Zu viele Maden nagten an ihr und sie wurde durchlöchert von diesen Fliegenkindern. Ein Schauer lief ihren Rücken hinunter und sie war froh, wieder die Düsternis in ihrem Gemüt zu spüren. Sie war eben nur in ihrer Sündhaftigkeit und Hoffnungslosigkeit komplett - und garantiert nicht wenn sie herumsponn. Parveen spitzte aufmerksam die Ohren und reckte den Kopf ein wenig nach oben. Das Gespräch schien eine etwas andere Richtung zu nehmen und die pessimistische Wölfin sog die Veränderung auf, wie eine Pflanze sich zum Licht reckte. Anfangs kam es ihr so vor, als hätte Caylee eine "alles ist furchtbar und schrecklich ungerecht Einstellung", aber vielleicht war dies doch nicht ganz der Fall. Parveen fiel es unglaublich schwer, die junge Fähe einzuschätzen, aber vielleicht würde sie ihre Nichten bald besser kennen lernen. Amúrs Worte gefielen der Schwarzen und mit einem freundlichen Lächeln auf den Lefzen wandte sie sich zu ihr. Jetzt, da Tyraleen Zeit hatte, ihre beiden Gegenüber zu betrachten, fiel ihr auf, dass Averic ein wenig fahrig, irgendwie abgelenkt oder mit den Gedanken an anderen Stellen war. Vielleicht lag es auch an der so eiligen und wenig herzlichen Begrüßung, die die Weiße beiden Rüden gleichermaßen hatte zuteilwerden lassen. Für Aszrem war sie ganz normal, hatten Tyraleen und ihn doch noch nie wahrhaft herzliche Gefühle verbunden. In letzter Zeit hatte die Weiße zwar den Eindruck, sich zumindest dem Verhältnis zwischen ihnen, das vor dem Tod Tascurios geherrscht hatte, wieder anzunähern, aber natürlich würden sie niemals den Grad an Verbundenheit erreichen, der Averic und sie so untrennbar verband. Dass sie selbst lieber ganz anders mit ihrem Bruder umgegangen wäre, musste ihm ebenso bewusst sein wie ihr, aber vielleicht löste auch gerade das diese fahrige Unaufmerksamkeit aus. Ziemlich schnell, als wären ihre Sorgen ziemlich überzogen und nur wenige Gedanken wert, wiederholte er mehr oder weniger Tyraleens Ansichten vor dem Ereignis von eben gerade. Für sie hatte sich das Blatt aber nun gewendet, denn Wärme und Gestank waren die eine Sache, aus dem Boden schießendes Wasser eine ganz andere. Averic war wohl nicht dieser Meinung und schloss seine ungewöhnlich ausführliche Ausführung mit der Empfehlung, den Sumpf Sumpf sein zu lassen. Das klang in den Ohren der Weißen irgendwie so, als wolle Averic die Augen vor der möglichen Gefahr verschließen. Offensichtlich hatte er nämlich ebenfalls nicht die geringste Ahnung, was hier vorgehen könnte, jedoch genauso wenig Interesse daran. Das war nicht der erhoffte andere Blickwinkel. Vielleicht war es auch nicht gut, dass sie sich immer Sorgen machte und mittlerweile hinter jedem unnormalen Vorgang eine Gefahr witterte, aber nun einfach fortzulaufen und sich nicht um die seltsamen Umstände in einem Teil ihres Reviers zu kümmern, schien ihr mehr als falsch. Nun also musste sie ihre Hoffnung auf Aszrem legen und nach einem nachdenklichen Blick über den Sumpf, enttäuschte immerhin er ihre Erwartungen nicht. Der Schwarze hatte viel gesehen und viel gehört, hatte von Vargen gewusst und die Berge gekannt, auch seltsame Wasserfontänen waren ihm bereits begegnet. Seine Erklärungen irritierten sie zwar eher, denn weder Geister noch riesige Tiere schienen in diesem Sumpf zu leben, aber alleine die Tatsache, dass Aszrem von ihnen wusste, beruhigt sie etwas. Gerade wollte sie ihm antworten und genauer nachfragen, da drehte Averic den Kopf weg, starrte in den Wald, sträubte sein Fell und war dann schon mit einer hastigen Entschuldigung fortgeeilt. Verdutzt sah Tyraleen ihm nach und drehte die Ohren leicht zurück. Das war kein typisches Verhalten Averics, aber schon zuvor hatte ihn diese Unaufmerksamkeit umgeben. Offensichtlich war sie nicht dem Verhalten seiner Schwester zu zuschreiben, sondern resultierte aus irgendetwas, das er nun geortet hatte. Was konnte so wichtig sein, dass er eine Besprechung mit den Leitwölfen dafür unterbrach? Auch wenn ihn das Thema wenig interessiert hatte, musste es etwas wirklich wichtiges sein. Noch immer irritiert wandte sie ihren Blick wieder Aszrem zu, als der erneut das Wort erhob. Diesmal jedoch mit Gedanken, die sie nicht denken und einer Vermutung, die sie nicht glauben wollte. Ihrem Mitleitwolf schien es zwar wichtig zu sein, dass sie nicht vermutete, er würde Averic misstrauen, aber genau betrachtet tat er doch genau dies. Genau jetzt wäre der richtige Augenblick gewesen, eine zuvor für sich behaltene Ansicht mitzuteilen, selbst wenn sie irgendetwas mit Fenris zu tun haben sollte. Ihr wurde kalt, als sie plötzlich eine Verbindung zwischen den Aufträgen, die Fenris Averic erteilt hatte, und seinem seltsamen Verhalten jetzt herzustellen begann. Aber ihr Bruder würde niemals etwas im Dienste Fenris tun, was seiner Familie in irgendeiner Art und Weise schaden könnte. Und überhaupt, als ob Averic den Sumpf heiß und stinkend und Wasser speiend machen könnte. Ihre Gedanken waren absurd, aber das Misstrauen war gesät. Sie musste einmal schlucken und die aufkeimende Angst aus ihrer Stimme vertreiben. Dennoch klang sie etwas heiser, als sie schließlich sprach. Ohne dass sich auch nur eine Miene des Pechschwarzen verzog starrte er den Weißen mit kühlem, durchdringenden Blick an. Was er vor sich hatte war offensichtlich ein bockiger Rüde, der einfach so in ein fremdes Revier hineinspaziert kam und sich dann über eine simple und berechtigte Frage von einem Anwohner aufregte. Normalerweise wäre Averic bereits jetzt genervt gewesen, doch dieses Mal hatte er nicht vor sich auf den Nerven rumtanzen zu lassen. Es musste einen Grund geben, warum Fenris ihn zu diesem weißen Wolf geführt hatte. Aber er würde keine Spielchen spielen, um das herauszufinden. Nur seine dunklen Augen verfolgten den Rüden, als dieser Anstalten machte ihn zu umkreisen. Auch auf den Kommentar des hellen Wolfes nahm er auf ohne mit der Wimper zu zucken. Unsicher drehte Kisha die Ohren ein wenig hin und her, wußte nicht recht, was sie mit dieser Situation anfangen sollte. Ihr war ganz klar, dass die beiden Welpen nicht davon begeistert waren, dass sie nicht allein auf Abenteuersuche gehen konnten. Aber auch dies würde die Schwarze nicht davon abhalten, ihnen zu folgen. Und so ruhte der braune Blick abwechselnd auf den beiden jungen Wölfen, und zumindest Taleesha konnte man im ersten Moment nach ihren Worten die Enttäuschung ansehen. Die Schwarze sackte förmlich in sich zusammen, festigte den Blick dabei auf ihren roten Bruder. Dieser schien einen neuen Plan zu schmieden, und Kisha lauschte mit aufgestellten Ohren den Worten ihres Patensohnes. Einen Moment schloß die Schwarze die Augen, neigte den Kopf mit einem leisen Seufzen. Mit einem lahmen Seufzen stieß Ahkuna die angestaute Luft, in ihren Wangen, aus. Ihre Ohren waren leicht nach hinten geneigt und ihre Augen schienen in die Ferne zu starren. Nachdenklich trippelte sie einen Moment auf der Stelle herum, bevor sie etwas vorlief und Kirov so zeigte, dass sie weiterlaufen wollte. Schließlich haben sie sich nicht zusammen getan um sich darüber aufzuregen wie abstoßend es hier war. Selbstverständlich war es hier einfach nur ekelig, jedoch musste man darüber nicht sprechen um es zu wissen. Amúr schaltete sich wieder in das Gespräch ein, sodass Caylees Sternenblick sich erneut zu ihrer Schwester verirrte. Wieder einmal empfand die Weiße den Beitrag ihrer Schwester nicht gerade geistreich, aber immerhin war das angesprochene Thema nicht uninteressant. Die kleine Graue zweifelte also daran, dass es Schicksal gab. Zweifelte sie dann nicht auch daran, dass es die Götter gab? Oder hingen diese beiden übernatürlichen Aspekte des Lebens für sie nicht zusammen? Erstmals wurde der Blick Caylees etwas konzentrierter, während sie ihre Schwester musterte, aber Amúr hatte sich schon wieder einem anderen Teil des Themas zugewandt. Ob sie nun der Meinung war, dass sich das Schicksal ändern ließ oder nicht und was man bei dem Versuch zumindest lernen konnte, interessierte Caylee reichlich wenig. Lieber wollte sie wissen, ob Amúr tatsächlich den Mut hatte, einige Lehren ihrer Mutter und Großmutter in Frage zu stellen. Das würde sie ihr nicht zutrauen. Parveen warf ein, dass sie selbst nicht an der Existenz des Schicksals zweifelte und somit ganz brav dem folgte, was man ihr erzählt hatte. Ihre weiteren Worte überhörte Caylee beinahe, betrachtete sie doch noch immer Amúr und hatte sich bereits ihre Frage zu Recht gelegt. War ihre Mutter wirklich Banshee? Konnte eine so reine Seele wie sie, eine Tochter Engayas, überhaupt solch ein Ungetüm wie sie gebären? Sie war immer nachsichtig und sanft zu ihr gewesen, ihre liebe Mutter. Und was war der Dank dafür? Spott, Mord und hasserfüllte Worte! Sie hasste sich selbst dafür, ummso mehr, weil es zu spät war. Krolock zog die Stirn kraus. Was ging jetzt ab? Sie saßen hier in diesem stinkigen, blöden Sumpf und glaubten, alles war normal? Nach aufeinander folgenden Jahren in denen nie irgendetwas so gelaufen war, wie es hätte sein sollen? Darüber konnte der Schwarze nur die Nase rümpfen. Kursaí betrachtete während des Gespräches die Landschaft genau. Würden sie etwas interessantes Entdecken können? Wer weiß. Bis jetzt ist ihr Spaziergang nur soweit von der Erkenntnis her gekommen, als dass sie den Rand des sumpfigen Sumpfgebietes abgingen und es hatte sich noch keine neue, spannende Erkenntnis gezeigt. Aus diesem Grund, und auch weil es interessant war, lag ein großer Teil ihrer Aufmerksamkeit auf dem Gespräch. Dennoch vernachlässigte sie es nicht, ihre Umgebung und jeweils das vor ihnen liegende Gebiet zu überprüfen. Sie würde es sich niemals verzeihen, wenn einem der Welpen wegen ihr etwas zustieß. Als ihr Brüderlein ebenso traurig und resigniert dreinblickte, fühlte sich Taleesha in ihrer ausweglosen Situation bestätigt. Sie konnten ja schließlich nicht einfach weglaufen, oder? Erstens wäre Kisha dann zurecht wirklich böse auf sie und zweitens würde sie sie sowieso schnell genug einholen. Zwar hatten Isaí und Taleesha schon sehr viel geübt und waren bestimmt schon so schnell wie der Wind, aber in ihrem Optimismus war selbst der Welpin klar, dass sie keine Chance gegen einen ausgewachsenen Wolf hatte. Sie würden also nur mit Überredung weiterkommen und momentan schien Kisha sich ihrer Sache so sicher, dass es schon wahren Engelszungen bedurfte, um sie umzustimmen. Schweigsam war Madoc dem Rudel gefolgt und hatte sich absichtlich etwas am Rande der Gruppe bewegt. Er war skeptisch gewesen, als sie aufgerufen wurden, das Sumpfgebiet zu erforschen, wenn auch er nicht leugnen würde, dass auch in ihm ein Funke von Neugier loderte. Wieso war dieser Ort vom Nichts verschont worden? Was machte ihn Besonders? Ohnehin war es eine sonderbare Landschaft, erfüllt von Verwesung und Moder und zudem war die Umgebungstemperatur höher als in jeglichem Bereich des Reviers. Und trotz der vielen Fragen, die in dem Geiste des Rüden umherjagten, zeigte er keinerlei Interesse, sondern warf vielmehr in regelmäßigen Abständen einen Blick auf Malik, seinen kleinen Patensohn, welchen er bereits so ins Herz geschlossen hatte (was er natürlich in solchem Maße nie zugeben würde). Auch galt Atalya ein verstohlener Blick, doch machte er keine Anstalten ihre Gesellschaft zu suchen, da sie offensichtlich in einem Gespräch mit Krolock und Chardím verwickelt schien. Der silberweiße Hüne seufzte, welch undankbarer Tag in an diesem unheilvollen Ort, dessen Gestank seine Sinne zu benebeln schien. Mit leichtem Missmut ließ sich Madoc an einem verhältnismäßig kühleren Fleck des Sumpfgebietes auf seine Hinterläufe sinken und beobachtete das Geschehen aus gewisser Distanz. Eine recht unschöne, wenn auch wohl interessante Erfahrung für die Welpen, doch ginge es nach ihm, hätte er andere Orte als Spielplatz für die Jungtiere im Sinn gehabt. Der Fluss, an dem er neulich mit Malik gewesen war, kam ihm in den Sinn und egal wie er die Tatsachen verdrehte, er war doch einladender als dieser modrige Sumpf. Doch hatte Madoc natürlich nicht zu entscheiden und so fügte er sich belanglos den Vorhaben des Rudels, war es doch ohnehin nicht seine Art, vergebliche Kritik zu äußern. Überall war moderig stinkender Morast. Die Fähe blickte mit grimmig verzogener Mimik um sich und fluchte innerlich über ihre Dummheit. Wo und bei welchem von irgendwelchen Göttern verdammten Rudel war sie hier nur gelandet?! Erst war es bitter kalt, was ihr doch weitaus genehmer war, als dieses hier. Sie hob widerstrebend ihre Pfote aus dem triefenden Schlamm und betrachtete den zähen Tropfen der sich von ihren schmierigen Krallen gen Boden zog. Hier war es verdammt heiß, stinkend und dauerhaft feucht. Es gab nichts, wieso ein Wolf in solch eine Region ziehen sollte und bislang war Hilel wohl wieder die einzige die den Grund des unnötigen Umzugs nicht mitbekommen hatte oder nicht wahrlich verstand...Wie üblich. Sie fühlte sich immer noch nicht richtig integriert in diese Gemeinschaft und begann zu zweifeln ob es ihr noch gelingen konnte. Es lag nicht nur an ihr. Diese sturen Gedanken konnte sie nicht ablegen. Es war nicht nur ihre Schuld allein, dass sie stets am Rande des Rudels umher strich und keinen entdeckte. Die anderen hielten sich meist in großen Gruppen auf und dies war immer noch etwas, was sie versuchte zu vermeiden. Zu viele dieser komischen Wölfe verbrauchte zu schnell ihre Kraft und ihre genügsame Stimmung. Sie redeten von Gott und Glauben, von Schicksal und Prüfung. Es waren alles Dinge die Hilel nicht glauben mochte und wollte, dennoch schlich sich die Vorstellung von der Verdammnis dieses sonst normalen Rudels immer mehr und mehr in ihr Inneres. Oder diese Wölfe waren alle so verwirrt von ihren Legenden, dass sie sich unbewusst selber in solche unmöglichen Situationen reinritten. Bislang kannte die Schwarze immer noch wenig andere, aber jene die sie nahe genug kennenlernen durfte, waren die die mit ihrem Glauben meinten Berge versetzten zu können. So sollte ja auch nur die Kälte heran gebrochen sein, weil das Gleichgewicht durcheinander kam. Ja, wahrscheinlich das der Natur! Genervt schnaufte die Fähe und ließ ihre Pfote wieder sinken. Ein lautes 'Matsch' entstand, als ihre Pranke sich mit dem Gewicht auf dem Schlamm niederließ und sofort verschlungen wurde. Es war ihr zu wider und sie bebte tief in ihrem Innerem. Der Eindruck täuschte nicht, wenn man an einen Vulkan kurz vor dem Ausbruch denken musste. Dies war vielleicht der nächste Schicksalsschlag den dieses Rudel verkraftet müsste. Eine wild gewordene einäugige ungläubige Irre...Noch einmal schnaubte sie, worauf sie tief ein- und ausatmete. Irgendwoher musste sie wieder Ruhe schöpfen. Diese jedoch zerplatzte, wie die kleinen Blasen um sie herum. Immer wieder zog der stickige Gestank von Tod und Schwefel in ihre Nase und beleidigte das feine Sinnesorgan zutiefst. Gerade die warme Luft speicherte diese widerlichen Gerüche hervorragend, musste Hilel mit Gräuel feststellen. So erschrak sie als auf einmal etwas kleines und quirliges unter ihr hindurch schlüpfte und sie einen verstörten Schritt nach hinten tat, der natürlich mit dem ziehenden und quakenden Schlamm bestraft wurde. Manchmal fragte Kirov sich ernsthaft, wie sein Leben wohl weiter gegangen wäre, hätte er sich nicht diesem außergewöhnlichen Rudel angeschlossen. Und außergewöhnlich war gewiss das richtige Wort. Im Grunde genommen, war er ein Außenseiter, jemand, der nicht hier geboren war. Einer der Wenigen, der hier keine Verwandten, Bekannten oder sonst etwas hatte. So wie Daylight und Ahkuna ihm erzählt hatten, schien hier nämlich jeder mit Jedem irgendwie verwandt zu sein, über tausend Ecken und Kanten. Also, wie wäre es geworden, wenn er sich nicht kurzerhand entschieden hätte, als Außenseiter einem so großen Rudel bei zu treten? Er wäre einfach weiter gezogen. Still und einsam, niemand würde sich an ihn erinnern, seinen Namen behalten. Er, der aus dem Wald der Lügen kam, dessen pelz eine ungewöhnliche Musterung hatte und er, der nicht an die Götter dieses Rudels glaubte. Er war ein Außenseiter. Ein Fremder. Und trotzdem gehörte er irgendwie dazu. Oder? Das der Welpe verwirrt war in seiner Gefühlsregungen, durch die ihren ausgelöst, erkannte Hilel ohne große Verwunderung und ging auch nicht weiter drauf ein. Bald wackelte seine Rute wieder wie zuvor und sein Blick verriet, dass er das vorige Durcheinander gut verkraftet hatte. Schnell plapperte er auf ihre Worte wieder weiter. Folgsam wandte die Schwarze ihre Aufmerksamkeit in die Richtung aus der er kam und nun hin verwies. Natürlich sah sie nicht viel. Die Pflanzen in diesem Sumpf gediehen gut und waren hoch gewachsen, obgleich sie wohl immer noch mehr erblicken sollte als dem Kleinen offenbart wurde. Daraufhin wurde ihr bewusst, dass es doch ungewöhnlich war, wenn Isaí hier alleine rumgelaufen wäre. Ein Indiz für die Seltsamkeit dieses Ortes und ein alleinstreifender Welpe verhieß wahrscheinlich nicht so viel gutes, wie Hilel zu hoffen vermochte. Übersetzt: Es war möglich das gleich eine ganze Meute von auf geschreckten Wölfe hinterher gerannt kamen, die Schwarze stören und auf sie nieder reden würden, wieso sie den Welpen nicht sofort zu seiner Mutter und seinen Geschwistern gebracht habe, immerhin ist dies ein gefährlicher Ort, der für Kinder ungeeignet war. Besonders da er meinte irgendetwas wollte irgendwen beißen und die Leitwölfe waren damit beschäftigt. Ein genervtes Schnaufen entging der Dunklen. Gerade die hatten sie doch in diesen Gott verlassenen Ort getrieben, warum auch immer und nun stellten sie wieder mal fest, dass es hier bedrohliche und unerklärliche Geschehnisse gab. Müde von diesem ganzen Gewirr an Tatsachen wandte sie sich wieder zu dem Fuchs um. Auch ein Welpe sollte erkennen können, wie ihre Stimmungen zu schwanken schienen, doch obwohl ihr Lächeln sich wieder rasch verzogen hatte, wirkte sie nicht bedrohlicher als sonst. Mit positiver Überraschung nahm Hilel die Ruhe und die Aufmerksamkeit des jungen Rüdens zur Kenntnis. Sie hatte nicht erwartet, dass er wahrlich so gut zuhören würde und noch weniger hatte sie damit gerechnet, dass er willig war mehr zu hören. Immerhin war sie nicht die beste Rednerin, dazu kam sie viel zu selten zu dem Genuss. Ein leichtes Schmunzeln huschte ihr über die Lefzen, als sie erkannte, dass Isaí sich beinahe in den feuchten schlammigen Boden zurückgelassen hätte und nur knapp diesem ekligen Erlebnis entwichen war. Auch sie hätte gern ihr Hinterteil herab gelassen, allein um den Willen mehr auf seiner Höhe zu sein, aber der Gedanke war ihr zu wider, so stand sie weiterhin steif vor dem Welpen und senkte nur ab und an ihren Kopf zu ihm herab, als würde sie ihn dadurch besser im Auge behalten können oder als wolle sie ihm eines ihrer tief vergrabenen Geheimnisse berichten. "Ich selbst komme aus einem Winterland und habe stets davon geträumt, der Sonne näher zu kommen. Wie sie hier am Himmel steht und die Tiere wie Pflanzen mit ihrer Hitze nährt. Danach habe ich mich, als ich noch ein Welpe war, oft gesehnt, wenn es bei uns frostig und dunkel war. Doch die Länder sind weit von einander entfernt, jedes für sich allein hat etwas Besonderes. Aber wahrscheinlich würdest du überall frieren, sobald du dieses Tal verlassen würdest, denn hier ist deine Heimat. Deine Familie die über dich wacht und an deiner Seite steht, um dich zu schützen und um dir die wahre Wärme zu bringen. Für die muss nicht die Sonne scheinen, die wird nur durch die Herzen entfacht die einen lieben und einem Geborgenheit spenden. Daher bin ich mir sicher, dass es keinen besseren Ort für dich geben mag. Außer hier, bei deiner Mutter, deinem Vater und all deinen Verwandten, obgleich es vielleicht einen Tag gibt, an dem ihr euch streitet oder sie dich mit ihrem Beschützerinstinkt nerven. So wollen sie alle nur das Beste für dich. Und wenn irgendwann ein Tag grau und kalt in deinem Leben ist, weil die Wolken schwer am Himmel hängen, denn werden sie dir das nötige Licht geben, welches du brauchst um wieder die innere Glut zu finden." Ihre Tante wandte sich an sie und äußerte sich zu ihren Worten, sie schenkte ihr ein lächeln und eigentlich gab es nichts weiter zu ihren Worten zu sagen, dennoch überlegte Amúr wie sie sich weiter ins Gespräch einbinden könnte. Das was sie gesagt und geäußert hatte bezog sich vielmehr af ihre Reise und das dort erlebte. Insbesondere auf ihre Gabe und wie sie gelernt hatte diese zu akzeptieren. Auf dieses Thema stimmten ihre Äuerungen. Und ihre Worte “Die Frage ist ob es Schicksal überhaupt gibt...“ waren mehr oder weniger ein Produkt ihrer Verwirrtheit und ihres Zweifels. Still beobachtete sie Parveen einen Moment, bis auch Caylee reagierte und etwas sagte. Ihre Frage machte Amúr stutzig und sie öffnete den Fang um ihn direkt danach wieder zuzuklappen, was sollte sie den nun darauf antworten. Ihre Augen verengten sich kurz ehe sie anfing Noch vor wenigen Stunden hätte sie alles darum gegeben endlich im Sumpf anzukommen und ihn erkunden zu können und angesteckt von den Welpen hatte sie sich nichts sehnlicher gewünscht als ein Abenteuer, doch jetzt wo es soweit war, war ihr die Abenteuerlust vergangen. Der Sumpf stank fürchterlich und sah nicht annähernd so abenteuerlich aus, wie sie ihn sich vorgestellt hätte, sondern wirkte düster und bedrohlich auf die junge Fähe. Selbst ihr stärkster Verbündeter, der Wind, ließ sie hier im Stich, denn er trug ihr so Fremde Luft zu, die ihr abwechselnd furchtbar heiß und angenehm kühl durch das Fell fuhr, so dass sie kaum verstand, was er ihr nun eigentlich sagen wollte. Anstatt ihr zu helfen und ihr angenehm leise zuzuflüstern, wie er es sonst tat, trug er ihr lediglich gurgelnde und zischende Geräusche zu, die sie nur noch mehr beunruhigten und all die fremden Gerüche, die er mit sich trug verwirrten sie. Anfangs war sie in der Nähe von Atalya geblieben, doch nachdem Krolock sich zu ihr gesellt hatte, war sie die Flucht angetreten, denn neben ihren eigenen unwohlen Gefühlen konnte sie die, die der Schwarze zumeist heraufbeschwor nicht auch noch ertragen. So war sie ein wenig rastlos durch die Reihen des Rudels geschlichen, ohne das Bedürfnis sich zu einer Gruppe zu gesellen und war schließlich am Rand der Wölfe zum Stehen gekommen, den Blick im schaurigen Moor verankert und den Wind in ihrem Fell spielend. Viel zu spät verriet er ihr neben dem höhnischen Glucksen des Sumpfes, dass sich ihr jemand näherte und ihr Kopf fuhr so erschrocken herum, als eine Stimme neben ihr erklang. Für einen Moment war die Fähe Gefahr gelaufen aus ihrer inneren Mitte zu kippen, doch nun, da sie in die Blutrot schimmernden Augen blickte, die ihr trotz des wenigen Kontakts in letzter Zeit so vertraut geworden waren, pendelte sich ihr Gemüt langsam wieder ein. Ihr Herz, das einen Moment ausgesetzt und dann zu Rasen begonnen hatte beruhigte sich und sie neigte den Kopf mit einem Lächeln auf den Lefzen. Averic zeigte sich weiterhin kühl und unberührt, auch als der Weiße sich anmaßte ihm entgegen zu treten. Es war nicht so, dass der Pechschwarze erwartete, dass man vor ihm im Dreck kroch, das hatte sein Ego gewiss nicht nötig. Aber noch musste sich zeigen, ob der Weiße einfach ein nur ein unerschrockenes Selbstbewusstsein besaß, ohne dabei Dummheiten zu begehen, oder ob er einer von den vielen sich selbst überschätzenden Vollidioten war, wie Averic sie schon zu Hauf kennen gelernt hatte. Takashi war da ein Paradebeispiel gewesen, bevor der Todessohn ihn hatte töten müssen. Chardím zog nur eine Augenbraue hoch, als Krolock plötzlich anfing sie als wahnsinnig zu bezeichnen und erneut anfing sich über die Götter auszukotzen. Den Schwarzweißen nervte es letztendlich nur noch und langweilte ihn gleichermaßen. Der Schwarze war nur ein dummer Wolf, der sein Leben nicht in den Griff bekam und sich deshalb das Götterpaar als Sündenböcke ausgesucht hatte. Das war schließlich am Einfachsten, sie würden sich nicht wehren, ihm nicht Kontra geben, denn im Großen und Ganzen interessierten auch sie sich für einen Wolf wie Krolock nicht. Sie hätten auch wahrlich viel zutun gehabt, wenn sie sich mit jedem Wolf auseinander setzen würden, der sich über sie beschwerte. Chardím ließ sich jedenfalls nicht auf Krolocks Provokation ein. Im Gegenteil, je mehr er redete und je tiefer sein Niveau dabei rutschte, desto überlegener fühlte sich der Zweifarbige. Er schmunzelte und sah den Schwarzen an, als würde er ihn für seinen schwachen Geisteszustand bemitleiden. Parveen beobachtete Amúr. Die Wölfin hatte sich plötzlich verändert. Sie wirkte härter, zorniger, entschlossener. Ihre Schwester bedachte sie mit wütenden Blicken und die Worte kamen bissiger als vorher. Nein, wirklich nicht mehr wie eine kleine, schüchterne Amúr. Pav legte den Kopf leicht schief, als sie die Schritte der jungen Wölfin verfolgte. Sie hätte ihre Nichte gerne genauer kennen gelernt, aber dann war sie fort, einfach so. Sie seufzte ernüchtert. Anscheinend war es doch nicht so einfach das Rudel kennen zu lernen, denn schon waren sie nur noch zu zweit. Sie und Caylee. Die weiße und die schwarze Wölfin. Eine, die vor Selbstbewusstsein strotzte und eine, die gerne zumindest einen Teil ihres Stolzes wiederfinden wollte. Dieser war irgendwo in ihr, dessen war sie sich bewusst. Immerhin war sie nicht immer so gewesen, wie sie sich jetzt gab. Es war seltsam, sich so mit jemanden zu unterhalten. Sonst mied sie Wölfe, die nicht ihre Blutsverwandte waren eher, jedenfalls hatte sie diese bis jetzt immer so behandelt. Die Frage, wieso dies sich gerade jetzt änderte, hatte sich tief in ihrem Kopf eingenistet. Irgendwie war vieles im Moment im Umbruch. Sie war seltsam aufgeputscht, unruhig. Nicht ganz das selbst, welches sich verschwiegen und bitter in seinem Schneckengehäuse aus Glas und Marmor verkroch. Ehrlich gesagt mochte sie dieses Gefühl nicht. Sie fühlte sich unwohl, als würde ihre Haut pellen, gleich einer Schlange, die am Ende doch genau das gleiche Schuppenkleid bekommt. Natürlich hoffte sie, dass sie irgendwann ein Leben haben könnte, welches sie nicht in die tiefen der Verzweiflung trieb, aber es war nur Wunschdenken. Nicht eine reale Option, nicht mal eine ehrliche Hoffnung. Nur ein mickriges 'was wäre, wenn...'. Aber es gab keine 'Wenns' in ihrer Geschichte. Blind setzte Ahkuna eine Pfote vor die Andere und lief im langsamen Tempo neben dem Grauen her. Die kurzzeitige Stille zwischen den Beiden war nicht unangenehm. Sie wirkte sogar sehr beruhigend auf die Fähe. Würden die beiden Wölfe sich inmitten einer wunderschönen Wiese, mit einem plätscherndem Fluss und lachenden Stimmen im Hintergrund befinden, so könnte das Schweigen noch länger andauern. Doch stattdessen bot sich der Fähe ein widerlicher Ausblick. Egal wohin die Caiyé ihren Kopf auch umdrehte und ihren eisblauen Blick auch schweifen ließ, es ließ sie stets die Nase rümpfen. Schleichend und fast sogar spöttisch schlich der modrige Gestank umher und schien vor ihren Nasen aufzugehen, wie eine Blüte aus den Pfoten Fenris. Doch Ahkuna geriet ins Zweifeln, ob tatsächlich ein Gott hinter dieser abscheulichen Tat stecken könnte. Die junge Fähe hatte ihre Ohren eng an ihren Hinterkopf gepresst und seufzte tonlos. Einzig allein die Hoffnung keimte in ihrem schlagenden Herzen, dass sie schnell weiterziehen würden. Dieser Ort war nicht gut für sie … Es war irgendwie klar. Die beiden Welpen beachteten sie nicht wirklich, vielleicht taten sie auch einfach so, als würden sie sie nicht mehr hören. So oder so war es egal, sie konnte die Beiden nicht allein hier herum laufen lassen. Vielleicht... war ihre Angst übertrieben, aber sie wollte Nichts dem Zufall überlassen, und wer wußte schon, was hier noch lauerte. Die Wölfin schluckte bei diesem Gedanken, folgte dabei jedoch den beiden Welpe ohne inne zu halten. Diese steuerten einen Busch an, was die Wölfin leicht den Kopf zur Seite neigen ließ. Isaí war der erste, der verschwand, und Taleesha setzte ihm nach. Kisha seufzte nur noch einmal leise, trabte den beiden hinterher um zu erkennen, dass ihr kleiner Patensohn bei einem anderen Wolf angekommen war. Mit einem kurzen Blinzeln ruhte der braune Blick auf Hilel und Isaí, ein kurzes Zucken der Ohren folgte, ehe sie mit letzten Schritten Taleesha eingeholt hatte und leicht den Kopf zu der Schwarzen neigte. Ab dem ersten Moment hatte Atalya sich gefragt, wie lange Krolock so... einigermaßen ruhig bleiben würde. Bisher war es fast verwundernswert, wie er sprach, das kannte sie ganz anders. Aber schließlich konnte er doch nicht anders, als herablassend zu werden, was Atalya nur ein freudloses Grinsen auf die Lefzen zauberte. Er war so durchschaubar, und doch machte es der Grauen fast Spaß zu testen, wie weit sie bei ihm gehen konnte. Seine Ansicht über die Götter kannten sie ja nun inzwischen, aber dem Schwarzen schien es einfach Spaß zu machen, sich weiter darüber aufzuregen, was Atalya nur leicht den Kopf schütteln ließ. Viel mehr als das, was Chardím dazu sagte, gab es kaum zu sagen, aber Krolock nahm ihr nach seinem Lachen auch jede Möglichkeit auf weitere Reaktionen. Die Worte, die dann folgten, brachten nicht einmal einen Moment der Verwunderung mit sich, die Graue blinzelte nicht einmal. Alles, was dann folgte, war ein kühles Lachen, abwertend. Ihm blieb anscheinend wirklich Nichts anderes als sie zu beleidigen, irgendwie seine Wut zu kompensieren. Sie schüttelte leicht den Kopf, das verachtende Grinsen auf den Lefzen der Fähe schwand jedoch nicht. Ihr ruhender Blick verlor sich von dem kleinen Welpen. Bedächtig wanderte er von ihm ab und verlief wieder in die Ferne. War die Situation nun vorbei? Gerettet oder verloren? Sieg oder Niederlage, was war welches und was jenes wonach sie sich sehnte? Die zielstrebige und kontrollierte Fähe zauderte mit sich. Innerlich gab es Fragen, jener der Art die sie zu verdrängen versuchte. Wieso zweifelte sie nun an ihren Taten? War ihr Ziel falsch oder der Weg es gewesen? Isaí hatte kein Wort verloren, über den Frost den sie in sich verspürte, dennoch war sie nun selbst mit diesem Rätsel beschäftigt und erhielt nicht jene Antwort, nach der sie sich wünschte. Es war ein fadenscheiniger Entschluss, der einzige den sie fassen konnte. Es war ihr gleich und somit würde sie damit leben...müssen. Obgleich hier kein Schnee mehr lag würde sie frieren und auch diese Zeit würde vergehen, wie es alles auf dieser sich wandelnden Welt tat. Das Leben lag nahe am Tod. Glück nahe dem Unglück. Wunsch und Erfüllung eine Spannweite unendlich und doch so nahe. Jeder Schritt glich einem eng geschlungenen Pfad auf Bergen und jede falsche Pfote voran gesetzt, konnte das eine oder das andere bedeuten. Die Schwarze wusste wohl, dass sie eine Weile schwieg und lauschte auf die vergangenen Worten von dem Fuchs in ihrem Kopf. Er schien nicht verbittert, nur etwas zögerlich, wie auch ihr Herz stockte. Ein flüchtiges und einsames Lächeln schenkte sie ihm. Er hatte so vieles erkannt, wofür manch einer blind war - sein Leben lang. Der noch junge Rüde war ein kleiner Goldjunge. Hilel konnte sich entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit vorstellen, dass er Glück und Besonnenheit über seine Familie bringen konnte, wie er es auch bei ihr konnte, wenn er nicht in das eine oder andere Fettnäpfchen trampelte. Bei ihm schmolz der Raureif und hinterließ die einzelnen zarten Tautropfen. Bei all dem hirnlosen Gerede schüttelte es Krolock geradezu von Kopf bis Krallenspitze durch. Er lachte auf, düster, böse, feindselig und mit deutlichem Wahnsinn in der Stimme. Er sagte nichts mehr, sparte sich die Puste, die sowieso verschwendet war, an die beiden Wölfe, die diesen Gutwölfen angehörten und scheinbar genetisch bedingt einen Knacks weg hatten. Sein Blick lag auf Tyraleen, während sie ihm antwortete. Er musste in ihrem Gesicht nicht nach Regungen suchen, denn ihre Stimme verriet ihm bereits mehr als ihre Worte es taten. Tyraleen war nicht ganz von ihren eigenen Worten überzeugt. Sie wollte Averic nicht misstrauen, was verständlich war und richtig unter Gefährten, aber deshalb durfte man die Augen nicht vor unangenehmen Wahrheiten verschließen. Andererseits durfte man es nicht bei paranoiden Vermutungen belassen, wenn man sich eines Wolfes, der einem nahe stand oder der einen hohen Rang inne hatte, nicht sicher war. Und wieder war das Abenteuer beendet, ehe es wirklich entstanden war. Noch während Taleesha sich ihrer Unsichtbarkeit völlig sicher durchs Gestrüpp schlich, hörte sich unmittelbar hinter sich ein leises Knacken und wurde jäh aus ihrem Wunschtraum gerissen. Da verfolgte sie wohl jemand. Und wer außer Kisha konnte das wohl sein …? Eben. Toll, dass ihr Bruder mal wieder entwischt war und sie selbst es nicht geschafft hatte. SL für ALLE: Natürlich war Tyraleen klar, dass Aszrem mehr oder weniger wusste, was in ihr vorging. Sie war momentan nicht allzu gut darin, ihre Gedanken und Gefühle zu verbergen, erst Recht nicht vor ihrem Mitalpha, der dazu noch ein Wolf war, der sie fast ihr ganzes Leben lang kannte. Aber ihr war auch bewusst, dass nun nicht der richtige Zeitpunkt war, um sich mit ihren Beziehungsproblemen auseinander zu setzen, erst Recht nicht vor Aszrem, und dass sie nun professionell weitermachen musste. Sie hatte diesem seltsamen Vorfall mit Averic nachzugehen und würde sich mit ihm unterhalten. Ansonsten galt es nun, eine Entscheidung bezüglich des Sumpfes zu treffen. Zum Glück unterstützte der Schwarze sie in diesem Vorhaben und ritt nicht weiter auf ihren Worten, Gefühlen oder Ansichten herum. Seine schlichten zwei Worte drückten auch so etwas wie Vertrauen aus, die Sicherheit, dass Tyraleen dieses Problem lösen und sich nicht davon beeinflussen lassen würde. Das gab ihr ein wenig Mut. Auf seinen Vorschlag hin nickte sie nur – sie würde ihn danach fragen und es wäre sicher keine gute Idee, Aszrem vorzuschicken. Wenn sie ehrlich war, wusste sie zwar nicht genau, was Averic eigentlich von seinem Leitwolf hielt, aber ein wirkliches Vertrauensverhältnis hatte sich nie zwischen ihnen bilden können. Und falls Averic irgendwem etwas anvertrauen würde, dann wohl tatsächlich noch immer am ehesten ihr. Aber auch dieser Umstand hatte sie nun nicht zu beschäftigen, immerhin hatte sie Aszrem gerufen, um mit ihm über die Vorkommnisse im Sumpf zu sprechen. Ihre Gedanken hatten sich dabei auch auf den Sumpf beschränkt, aber ihr schwarzer Mitalpha brachte nun eine ganz neue Möglichkeit ein. Was, wenn sich Gestank, Wärme und vor allem diese Fontänen auf das ganze Revier ausbreiten würden? Ein sicherer Ort … wo wäre denn dann ein sicherer Ort? Flüchtig dachte sie an die Berge, erinnerte sich aber im gleichen Moment daran, was mit ihrem Bruder Merawin bei der Flucht ins Hochgebirge geschehen war und dass die Welpen, die ihr Rudel heute zu beschützen hatte, kaum älter waren. Immer noch verdrossen stand Hilel in der Nähe von den Dreien. Ihre kleine beschauliche Gruppe war um zwei beinahe fremde Wölfe gewachsen und dies ließ in ihr ein widerwilliges Unbehagen heranwachsen. Die Miene war steif und nichts sagend, auch wenn sie nicht gleich unhöfflich oder gar feindlich wirkte, war in ihr zu erkennen, dass in ihrem Inneren etwas sich sträubte und wehrte. Durch ihre schweigende Art hatte der noch junge Isaí das Wort diplomatisch und fürsprechend ergriffen. Wahrscheinlich würde seine Aussage nicht mit dem Bildnis der Schwarzen übereintreffen, aber er versprach eine nette und hilfsbereite Begleiterin. Lauschend wandten sich ein Ohr in seine Richtung und auch ihr Blick schwenkte langsam zu ihm. Er hatte sich näher an ihre Seite gestellt, als wolle er sie beschützen. Vor den Anderen oder auch nur vor ihrer eigenen Scheu. Unausgesprochene Dankbarkeit erkannte Hilel in ihrem Selbst wieder. Sie glaubte daran, dass er seine Worte ernst und ehrlich meinte. Sanft begann sie zu Nicken. Gänzlich wollte sie ihn nicht allein lassen und bestätigte zaghaft seine Ansicht, als hätte ihre Mutter sie gerade bei einer verbotenen Tat erwischt. Ungläubig betrachtete sie die andere Dunkle. Unter ihrer sanften und freundlichen Art glaubte Hilel mindestens genauso viel Skepsis zu erkennen, wie sie selber in sich verspürte. Obwohl sie in einem Rudel waren, in einer Gemeinschaft, waren sie sich fremd und dies war sich die Fähe wohl bewusst. Vermutlich konnte es zur Verwirrung führen und war für manch einen Wolf eigenartig, aber irgendwie war es doch beinahe gar nicht zu hinterfragen, wenn man bedachte welche Größe dieses Rudel angenommen hatte. Dies war nicht der Norm. Wie sollte man dort jeden kennen oder gar mit jedem Freundschaft schließen. Die eigene Schuld wie das eigene Mitwirken dieser Tatsache der Fremdheit schob Hilel fort. Es war nun mal so...Gerade als sie ihre Stimme erheben wollte, zu wohl überlegten Worten und einem Beweis der Friedlichkeit, unterbrach sie ein seltsames Gefühl. Es hatte die Schwarze ungemein beruhigt, dass Isaí bei Hilel angehalten hatte, auch wenn diese vielleicht nicht wirklich begeistert davon war, dass sie nun noch mehr Besuch bekam. Für’s Erste schienen die beiden Welpen in Sicherheit, und so wie es für den Moment aussah, planten sie auch keinen weiteren Ausriss. Kisha entspannte sich also sichtlich, auch wenn der misstrauische Ausdruck in den Augen der Dunklen blieb. Zu unsicher war sie dieser unbekannten Vielleicht-Gefahr gegenüber, als das sie es ganz hätte vergessen können. Sie warf der anderen Fähe einen weiteren Blick zu, wollte sich dann wieder an Isaí und Taleesha wenden, als erneut etwas geschah, was wohl niemand erwartet hätte. Kisha selbst hatte nie ein Erbeben erlebt, hatte nur davon gehört und konnte diese Gefahr nicht einschätzen, als mit einem Mal der Boden unter ihren Läufen zu beben begann. Mit einem Mal schien der Rest der Umwelt vergessen, auch die beiden Welpen existierten für diesen Moment nicht im Kopf der Wölfin. Panik wurde durch ihren Körper gepumpt, und schließlich verlor die Schwarze den Halt, wurde zur Seite geschleudert und schlug mit einem Fiepen hart auf den Boden auf. Den damit verbundenen Schmerz registrierte sie nicht, versuchte nur in Panik wieder auf die Pfoten zu kommen, wurde jedoch immer wieder zurück gezwungen. Kisha konnte nur die Augen zusammen kneifen, nahm nicht einmal die Paniklaute der anderen wahr. Mit einem Mal war der Kopf der Fähe leer, in diesem Moment schien sie nur aus Angst zu bestehen. Und dann, so schnell, wie es gekommen war, war es wieder vorbei. Kishas Herz schlug noch rasend gegen ihre Brust, nahm ihr beinah die Luft zum atmen, als die Erde wieder still stand, sich nichts mehr regte. Und einige rasende Herzschläge schien wirklich die ganze Welt zu stehen, als hielten sie alle den Atem an. Und mit einem Mal sprang die Schwarze auf, die Erkenntnis, das Verstehen, was geschehen war, traf sie wie ein Schlag, jagte eine erneute Welle der Panik durch ihren Körper, der nun erzitterte. Ihre Läufe drohten unter ihrem Gewicht einzuknicken, nachzugeben, aber sie hielt dem Stand, getrieben von der Angst um die, die sie schützen wollte. Sie ließ sich selbst keinen Moment zum nachdenken, ließ den Blick nur hektisch herum wandern. Die Bäume, die umknickten, das Rudel in Gefahr brachten, all das schien so weit fort. Die braunen Augen erkannten Isaí, während die feinen Ohren Hilels Stimme wahrnahm, die nach ihrem Patensohn rief. Die Schwarze kümmerte sich um ihn, und auch, wenn Kisha nun den Drang verspürte, zu ihm zu laufen, bei ihm zu sein, zu sehen, ob alles in Ordnung war, sie blieb stehen. Ein Wolf genügte, und Hilel würde helfen können, ihr Bescheid sagen können, wenn etwas nicht stimmte. Sie selbst musste sich um die Schwester ihres Patensohnes kümmern, sie konnte sie nicht allein lassen. Mit noch immer rasendem Herzen suchte ihr Blick die schwarze Welpin, erkannte sie in der Nähe und trat zu ihr, atmete tief durch, um die Angst in ihrer Stimme möglichst unhörbar zu machen. Der blaue Blick krallte sich an den roten Welpen, den Hilel entdeckt hatte. Wie gebannt betrachtete sie seine Erscheinung, die einige Zeit - gefühlt eine Ewigkeit - regungslos blieb. Sein Fell glich ihrem. Es triefte vor Wasser und war befleckt von Matsch. Nur wenige Stellen ließen den rötlichen Hauch noch erahnen, aber er war es gewesen, der die Aufmerksamkeit von Hilel angezogen hatte, ohne den Willen diese wieder aufzugeben. Ihr wackelnder Schritt hatte sich beruhigt und so eilte sie auf ihn zu. Ihre schwache Stimme war verblichen, während sie atemlos ihren Kopf über den Rücken wandte. Nun konnte sie auch Kisha erkennen, aber nicht die kleine Fähe. Noch nicht. Die Schwarze würde sich um sie kümmern, dass wusste Hilel, die zuvor keinen einzigen Gedanken an die Beiden verschwendet hatte. Dennoch gab es einen Funken der Erleichterung der in ihr aufloderte mit der Erkenntnis das die andere Fähe wohlauf schien. Jedenfalls so wie es in solch einer Situation möglich sein sollte. Die nackte Panik war verstrichen und es blieb nur noch ihr schwammiger Nebel um den gepeinigten Verstand zurück. Parveen stand fest auf ihren vier Pfoten und hatte den Kopf erhoben. Eine Körperhaltung, die sie lange nicht mehr eingenommen, oder sogar vermieden hatte. Sie war Tochter von großen Wölfen und ihre Familie war eben dies. Allmählich wurde ihr auch klar, dass sie genauso dazu gehörte. Mit einem Lächeln – zum einen Teil schelmisch, zum anderen nervös – schaute sie zu Caylee. Es waren die wenigen Herzschläge in denen sie auf eine Antwort wartete – der kleine Moment der Stille – in der sich die Erde auftat und sich gegen die schwarze Wölfin erhob. Der marastische Untergrund hatte jede Stabilität verloren, Wasser waberte auf die trockenen Flächen und das Brodeln drang an die vor Anspannung und Angst angelegten Ohren. Jede stolze Körperhaltung war vergessen, der Unterricht nichtig. Parveens Beine zitterten und mit verschrecktem Blick schwenkte sie den Kopf von einer auf die andere Seite. Sie wollte springen, einfach weg von diesem Ort, aber sie konnte nicht. Jeder Schritt schien ihr unmöglich, denn ihr Körper wollte ihr nicht mehr gehorchen. Jeder Muskel schien darauf getrimmt, den bebenden Körper oben zu halten, aber ein weiterer Stoß der Erde beförderte Parveen auf den zornig–schnaubenden Untergrund. Mit großer Anstrengung vermied sie, dass sie auf den Rücken geschleudert wurde und dann… war alles vorbei. In der Ferne tiefes Grollen und Knacken, aber der Boden war still und rührte sich nicht mehr. Allein das wabernde Wasser verriet das Ereignis und Angstgeruch erfüllte den gesamten Sumpf. Langsam waren sie drei schon recht weit vom Rudel entfernt - was nicht hieß, dass sie sich komplett abgesondert hatten. Und langsam wurden auch die Spuren des Rudels weniger. War etwa das Revierende hier am Sumpf wirklich nicht markiert? Deis würde wohl verändert werden müssen, jetzt wo sie auch hier im Rudel waren. Auf der anderen Seite schien es in diesem stinkendem Muff recht aussichtslos eine Reviermarkierung erhalten zu wollen. Dennoch würden sie wohl mit Tyraleen darüber reden können, und so würde auch Malik wahrscheinlich mehr über Reviermarkierungen und "Markierränge" von der Alpha hören können, beziehungsweise hatte sie das Gefühl, dass dies wichtig für den Kleinen sein könnte. So wollte sie ihren Entschluss gerade Malik mitteilen, da wurde sie abrupt unterbrochen. Unauffällig sah sich der Gemusterte um. Die meisten Wölfe saßen genau wie er und Ahkuna in einem kleinen Grüppchen zusammen und schienen zu reden – was sollten sie hier auch sonst tun? Letztendlich legte sich der Blick seiner himmelsblauen Augen wieder auf Ahkuna, die wenigstens nicht mehr so bedrückt gestimmt zu sein schien, nachdem Daylight sie zuvor einfach verlassen hatte. Es heiterte ihn auf, dass die Weiße an einem solchen Ort, den er meilenweit umgangen wär, wäre noch ein Einzelläufer, noch so amüsiert drein blicken konnte. Er lächelte sanft und zuckte auf ihre Antwort hin mit der Rute, während er sich seine Worte zurechtlegte. Nein, eigentlich glaubte er nicht an einen Sumpfgott – wie sich das schon anhörte. Oder doch? Er glaubte schließlich gar nicht an die Götter, die mit diesem Rudel eng verbunden zu sein schienen. Oh Himmel. Dieses Rudel war vielleicht doch … etwas ZU besonders für seinen Geschmack. Aber es war interessant. Vor allem die Wölfe hier waren interessant. Und jetzt würde er es ohnehin nicht mehr verlassen, nachdem er hier ein paar – merkwürdigerweise nur weibliche -, Freunde gefunden hatte. Und natürlich spielte auch Amáya mittlerweile eine relativ große Rolle und er wollte sie nicht enttäuschen. Von dem Gedanken abgekommen, schüttelte der überwiegend Graue den Kopf, um Ahkuna zu antworten. Schade, doch kein In-diz! Taleesha war sich ziemlich sicher gewesen, dass Isaí und die ihr noch ziemlich fremde Hilel etwas Spannendes entdeckt hatten! Auf jeden Fall aber hatte Isaí sehr nett über Hilel gesprochen und war wohl doch nicht gemein zu ihr gewesen. Seine Worte ließen auf weitere Abenteuer hoffen und Taleesha ließ freudig ihre Rute hin und her schwingen. Ihr Blick verriet Neugier und ihre Ohren wippten aufgeregt. Sie blickte Hilel freundlich an und bekräftigte nochmals die Worte ihres Bruders. Ihr Herz machte einen Freudensprung, als Jakash ihre Gefühle erwiderte und sie drückte sich als Reaktion eng an ihren Rüden. Doch schnell wurde die traute Zweisamkeit unterbrochen. Tyraleen rief – allerdings nicht nach ihr. So schüttelte sie leicht den Kopf auf Jakashs Frage, ob auch sie zu ihrer Alphafähe eilen wollte. Lieber wollte sie mit ihm zusammen noch weiter die Umgebung erkunden, um ein Sicherheitsgefühl entwickeln zu können, um sich weniger Sorgen um ihre Welpen machen zu müssen. Doch auch dieses Unterfangen wurde abrupt unterbrochen… Es gab wohl kaum einen Wolf in diesem Rudel, der so am Rande lebte, wie sie. Sie war keine Ausgestoßene mehr, wie zu Zeiten Banshees, dennoch fühlte und verhielt sie sich oft noch so. Damals schon war sie seltsam gewesen, hatte die böse Fähe gemiemt und versucht, diejenigen, die ihr zu nahe kamen, mit beißenden Worten zu verscheuchen. Was war sie heute bitteschön? Nun, das perfekte Beispiel einer Verrückten natürlich! Willkommen in der Welt der Stimmungsschwankungen in der sich doch nichts ändert. Armer Samirez, langsam tat er ihr wirklich leid, dass er sich mit so einer wie ihr selbst abgeben musste. Wie anstrengend sie wohl sein musste, dass wollte die Düstere nicht einmal an der eigenen Haut erfahren. Schade. Es war alles so anders gelaufen. Amúr hatte sich immer gewünscht, einen festen Familienzusammenhalt zu haben. Wo man sich unter Geschwistern unterstützte. Und nun? Ihre Schwester war nun so anders… Oder war sie es, die anders war? Die sich verändert hatte, in dieser kurzen Zeit? Sie wollte nicht, dass es so endete. Immerhin brauchte Caylee sie doch! Aber dennoch konnte Amúr sich nicht davon überzeugen, umzudrehen und wieder zu ihr zu gehen. Noch zu tief war ihre Scharm. Ihre Scharm darüber, so gegen ihre Schwester anzugehen. Was war nur in sie gefahren? Sie war eine schlechte Schwester. Belustigt zuckten ihre Lefzen. Sumpfgeist. Allein der Name war nicht ernst zu nehmen und deswegen fiel es der jungen Caiyé auch so schwer überhaupt ein Fünkchen Glauben in dieses Märchen zu stecken. Ihre Augen huschten umher, streiften die einzelnen Wölfe und tastete die trostlose Gegend ab. Plötzlich spürte die Caiyé ein merkwürdiges Kribbeln unter ihren Pfoten. Ihr Magen drehte sich um, ihr wurde schlecht. – Etwas stimmte hier ganz gewaltig nicht. Sie schaffte es noch zu Kirov zu blicken, seine Stimme kurzzeitig zu hören, bevor ein zerreißender Laut die Luft zerriss. Ihre Augen weiteten sich und ihr Herz krampfte sich zusammen. Ihre Schnauze öffnete sich, doch ihre Kehle war zu trocken um einen Ton rauszukriegen. Sie konnte nichts machen. Selbst Kirov geriet in die tiefste Ecke ihrer Gedanken. Der Boden bebte, teilte sich. Die Welt stand Kopf. Ahkunas Beine zitterten gewaltig. Vor Angst oder von den Bewegungen. Vor ihren Augen drehte sich alles. Sie taumelte zur Seite, versuchte sich auf ihren Pfoten zu halten, doch ein weiterer Ruck ging durch den Boden und mit einem markanten Schrei schlug ihr Körper in eine schlammige Pfütze. Hoch spritzte das Wasser, durch den Aufprall, in alle Richtungen. Ihre Schulter schmerzte, trotzdem schien sie wie betäubt. Ihre Augen waren fest zugekniffen. Sie hatte Angst vor dem was sie sehen würde, wenn sie ihre Seelenspiegel öffnen würde. Sie wollte nichts sehen. Sie wollte nichts mehr spüren. Sie wollte sich abkapseln von allen anderen. Wild rüttelte der Boden, ließ Bäume mit einem Krächzen umstürzen und der Schrei der Wölfe quälte sie. Ihre Ohren schmiegten sich an ihren Hinterkopf und sie zog ihren Kopf ein. Sie wollte sich zusammenrollen, doch ihre Glieder brannten, als ob kochendheiße Lava ihren Körper liebkosten würde. In diesem Moment, wo die Schreie die wütenden Geräusche der Natur übertönten, ging einem nichts durch den Kopf. Ahkuna fühlte nichts und dachte an nichts. Sie war betäubt. Alles um Tyraleen herum war Angst. Irgendwo, weit hinten in ihrem Kopf und gänzlich unwichtig in ihrem Moment, teilte ihr eine Stimme mit, dass sie sich beruhigen musste, dass sie Vorbild und Leitwölfin war. Wenn sie ruhig von Wolf zu Wolf gehen und ihnen sagen würde, dass der kurze Schrecken vorbei war und nicht wiederkommen würde, wäre es ein Leichtes, die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Aber Tyraleen war in diesem Moment nicht dazu fähig, viel zu unbegreiflich war das Geschehene und viel zu viel Angst machte ihr dieses Unwissen. Wie war es entstanden? Würde es wieder kommen? Konnten sie daran etwas ändern? Oder würde schon im nächsten Moment die Welt wirklich untergehen? Diese Fragen stellte sie sich nicht bewusst, aber sie wirbelten in ihrem Kopf durcheinander und vermischten sich mit der Angst um ihr Rudel. Orientierungslos hetzte sie zu ihrem Rudel, sah meist auf dem Boden liegende oder sich aufrappelnde Wölfe. Dann ertönte Isaís Stimme, der ihr antwortete und sofort stürzte sie in die Richtung des Rufes. Da war der Rote, neben ihm stand … eine schwarze Fähe. Irgendwoher kannte Tyraleen sie, aber der Schock ließ nicht zu, dass sie in ihrem Gedächtnis nach dem Namen der Schwarzen kramte und es war sowieso vollkommen egal, wie sie hieß. Sie schien sich tatsächlich um Isaí zu kümmern und abgesehen von einem großen Schrecken, der sich noch immer deutlich auf dem Gesicht des Kleinen zeigte, war ihm wohl nichts passiert. Ihre Schritte wurden langsamer und noch bevor sie die kleine Gruppe erreicht hatte, kam sie ganz zum Stehen. Etwas an der Art wie die schwarze Fähe in Ruhe Isaí begutachtete und sich zwar um ihn sorgte, aber kein Anzeichen von ausufernder Panik zeigte, verlieh der Stimme in Tyraleens Hinterkopf neue Kraft. Wenn sie panisch war, waren auch die anderen Wölfe panisch und erst Recht diejenigen – die Welpen – die sie beruhigen wollte. Die Schultern der Weißen strafften sich, sie hob den Kopf und atmete erstmals ruhig ein uns aus. Sie musste wie ein Sumpfmonster aussehen, wie ein Wesen aus Schlamm, Dreck, Algen und Wasser, aber das spielte nun keine Rolle. Sie musste nun vor allem eine Leitwölfin sein. Nachdem sie Isaí so gut versorgt sah, wandte sie sich um und suchte nun sehr viel präziser nach den anderen Welpen und ihren eigenen Kindern. Sie entdeckte einige Gesichter, sah Sheena an sich vorbei stürzen und wollte zu ihr treten, um sie zu beruhigen, dann hörte sie jedoch einen leisen Hilferuf. Er klang ziemlich dumpf und irgendwie etwas entfernt, aber sie meinte Maliks Stimme erkannt zu haben. Sofort drehte sie sich um und eilte in Richtung des neuerlichen Rufes, diesmal jedoch nicht in Panik sondern ganz gefasst und mit der Absicht, Malik nicht nur aus seiner wie auch immer gearteten Not zu befreien, sondern ihm in all ihrer Ruhe zu zeigen, dass die Welt in Ordnung war. Bald erreichte sie einen der umgestürzten Bäume, es war eine hohe Tanne, deren dichte Äste nun wie das Federkleid eines gefallenen Vogels aufgefächert den ganzen Boden bedeckten. Wieder ziemlich dumpf vernahm sie ein Knurren von irgendwo aus diesem Berg von immergrünen Nadeln und Holz und unter dem penetranten Harzgeruch ließ sich auch eindeutig Malik wittern. Steckte er etwa irgendwo da drinnen? Die Welt ließ ihnen keine Zeit dieses Gespräch weiterzuführen und zu ergründen, warum der Gott des Todes sie zueinander geführt hatte. Denn mit einem Mal bäumte sich die Erde unter ihnen auf, wie ein verärgertes Untier, welches in seinem Schlaf gestört worden war, einatmete und dann seinen ganzen Zorn entlud. Es riss den unvorbereiteten Todessohn mit solcher Mühelosigkeit von den Pfoten, dass er selbst ganz entsetzt war, nicht verstehend, was gerade geschah. Averic stürzte zu Boden und hatte doch das Gefühl, als würde die Erde unter ihm nachgeben und ihn einen Abhang hinunter stoßen. Alles um sie herum bebte und dröhnte, unheilvolles Ächzen wurde lauter. Ganze Astgabelungen fielen um sie herum zu Boden, Bäume kippten. Verbissen versuchte der Pechschwarze sich zu bewegen, sich zu wehren. Als das Schütteln um ihn herum tatsächlich abebbte, kam er gerade dazu sich wieder halb auf die Pfoten zu stemmen. Dann konnte Averic gerade noch aus den Augenwinkeln etwas auf ihn herabsausen sehen und den Kopf wegziehen. Fast noch in der selben Sekunde blühte ein brennender Schmerz auf seiner Stirn auf und einen Augenblick lang fühlte es sich fast so an, als hätte etwas seinen Schädel gespalten. Ein wütendes, fast fauchendes Grollen verließ seinen Rachen, während ihn sein eigener Schwung fast wieder umriss. Das Einknicken konnte er nicht verhindern, aber immerhin blieb er auf den Pfoten. Der Schmerz war lodernd heiß und genau so warm rann etwas Flüssiges über sein zusammengekniffenes Auge die Wange hinunter. Caylee folgte Amúrs Abgang milde lächelnd und mit einem amüsierten Funkeln in den Augen. Das könnte man ja schon fast als aufmüpfig bezeichnen und das von dieser kleinen, uninteressanten Person. Ihre Worte waren nun nicht unbedingt super intelligent, sodass sich die Meinung der Weißen bezüglich ihrer Schwester nicht groß ändern konnte, aber immerhin hatte sich Amúr provokant aufgelehnt und ihr unter die Nase gerieben, dass sie sich um ihre Meinung nicht scherte. Naja, zumindest hatte sie das versucht. Aber bei der Grauen ging das immer irgendwie unter, wenn sie dann in einem Nebensatz wieder Unsicherheit oder Kapitulation nachschob oder eine reichlich seltsame Meinung von sich gab. Gehörte denn nicht gerade die Unfehlbarkeit zur Definition von Göttern? Aber sei’s drum, das brauchte Caylee nun wirklich gerade nicht zu interessieren und da sich ihre Schwester sowieso davongemacht hatte, musste sie sich auch keine Antwort für sie überlegen. Und ob sie irgendwann Lust hatte, Amúr ihre Meinung bezüglich der Götter mitzuteilen blieb abzuwarten. Momentan wollte sie sich jedenfalls lieber Parveen widmen, die ein wenig resigniert ihrer beleidigt abziehenden Nichte hinterher starrte. Ob sie sich einen vernünftigen Abschluss des Gesprächs gewünscht hätte oder ob sie den „Streit“ der Schwestern eher als kindisches Jungwolfgehabe abtat, ließ sie nicht durchblicken, wandte sich nun nur ihrer neuen Lehrmeisterin zu und hatte sich immerhin offensichtlich nicht demotivieren lassen. Es glomm sogar so etwas wie Energie in ihren Augen auf und sie reckte den Kopf nach oben. Dann stellte sie sich an Caylees Seite, was die Weiße irgendwie nicht erwartet hatte; aber erstaunlicherweise fühlte sich das ganz gut an. Sie selbst hatte sich direkt vor ihre Tante gestellt, hatte sie provoziert und sich praktisch als ihr Gegner positioniert. Parveen dagegen verlagerte wie selbstverständlich den Schwerpunkt und wählte den Platz an der Seite ihrer Nichte um ebenso stolz und aufrecht mit ihr in die gleiche Richtung – zum gemeinsamen Gegner – zu blicken. Irgendetwas rührte sich in der Weißen und ihr Sternenblick wurde für einen kurzen Moment beinahe sanft. Dann fragte Parveen nach ihrer Meinung und schon legte sich ein etwas lehrmeisterhaft Gönnerisches in ihre Züge. Noch immer etwas benommen wandte Kirov mehrmals den Kopf. Er sah keinen weißen Pelz, der ihm ins Auge stach und er vernahm auch keine Stimme, die ihm antwortete. Der Rüde presste die Kiefer aufeinander und ging einige Schritte weiter. Alles schien zerstört zu sein. Bäume lagen herum, als sei es vollkommen natürlich und der gesamte Erdboden war mit Ästen, Blättern und Steinen übersät. Aber das alles war nun unwichtig, er könnte sich später noch Gedanken um das Erdrütteln und die Landschaft danach machen. Es war ein jammer. Ihr ganzer Kopf füllte sich an, als wäre er mit warmen Schlamm gefüllt und matschig. Es war ihr, asl würden Bleigewichte ihre Läufe zu Boden ziehen, sodass sie sich keinen Zentimeter rühren konnte. Selbst denken viel ihr schwer, nein, es erfüllte sie eher ein Verlangen danach, überhaupt nicht mehr denken zu müssen. Die Erde rebellierte gegen die lästigen Parasiten die sich an ihr labten. Rechtmäßig? Wer mochte darüber schon urteilen! Ihr war es egal, in diesem Moment war ihr vieles egal. Vieles, doch nicht ihre Familie. Ein banges Gefühl machte sich in ihrer Brust breit. Ging es ihnen gut? Sie hatte keine Ahnung, war zu benebelt, um sich Klarheit zu beschaffen. Sie lag einfach da, im warmen Wasser und merkte nicht, wie sie immer tiefer rutschte. Bald würden ihre Lungenflügel vom warmen Wasser erfüllt sein. War das das Ende? Ein Ende, wie der Anfang. Warm, wie im Mutterleib, nur mit einem Unterschied. Sie war allein. Dort, im Bauch Banshees war sie nicht allein gewesen. Sie wusste nicht, wie ihr geschah. Viel zu viele Gefühle prallten in dem erschöpften Körper aufeinander und schienen zu explodieren und alles zu zerreißen. Doch die kurze Berührung von Samirez wirkte beruhigend auf Ahkuna. Für einen kurzen Moment dachte sie an über nichts nach. Weggeweht von allen Sorgen und Ängsten. Sie atmete ein paar mal die modrige Luft ein und wieder aus, bevor seine Wärme verblasste und sie ihre Augenlider aufschlug. Dieses Trugbild hielt nur wenige Sekunden an und zerbrach in dem Moment in tausend kleine Scherben, als Samir sich ihr wieder entzog. Nun war sie wieder alleine mit ihren Gefühlen, die wie kalter Regen auf sie peitschten. Chardím hatte nicht mehr als ein Augenrollen für den Schwarzen übrig, als der etwas von physischer Jugend faselte. Oh natürlich. Aber sein Geist war natürlich viel schneller gealtert als der anderen, gleichaltrigen Jungwölfe. Er hatte gewiss auch schon so viel gesehen und so viel erfahren, dass seine Psyche inzwischen schon uralt war. Nun, wenn er so empfand, dann lag in seinem tatterigen Verstand vielleicht die Ursache seiner Gestörtheit. Der Schwarzweiße war nahe dran ihm wieder sein Beileid auszusprechen. Seine drohende Haltung und das gesträubte Fell missachtete der junge Wolf weiterhin, auch wenn er sehr konzentriert auf jede Krolocks sonstiger Bewegungen achtete. Er wollte sich nicht von einem Angriff des Jungwolfes überraschen lassen. Averic wartete nur den Moment ab, als Ansem über den umgefallenen Baum zu ihm herüber sprang und setzte sich sogleich in Bewegung. In seiner Stirn pochte es heftig und jedes Mal, wenn er das linke Auge wieder öffnen wollte, zog sich ein blutiger Schleier über sein Blickfeld, so stechend rot, dass es fast verstörend war. Der Schnitt auf seiner linken Stirnhälfte ließ das Blut durch sein Fell sickern und er hielt das Auge nun lieber geschlossen, damit nicht noch mehr davon hinein gelangte. Das schränkte seine eh schon farblose Sicht noch viel weiter ein, was dem Pechschwarzen ein kurzes, wütendes Grollen entlockte. Er musste seinen Weg über umgestürzte Baumstämme, zerbrochene Äste und durch aufgewühlten Schlamm finden, zurück zum Rudel. Nach Ansem drehte sich Averic nicht noch einmal um, nur eines seiner Ohren war ihm zugewandt, während er so schnell es ihm möglich war, über die ganzen Hindernisse lief, kletterte und sprang. Sein Herz trommelte unbarmherzig heftig gegen seine Brust und mit dem Gedanken, dass einem seiner Welpen, oder Tyraleen etwas zugestoßen sein könnte, wollte er sich nicht einmal beschäftigen, so sehr graute ihm vor der Vorstellung. Parveen sah sich immer noch leicht verwirrt um. Die Geschehnisse der vergangenen Herzschläge waren viel zu… merkwürdig. Die Beine der Schwarzen zitterten immer noch, aber langsam bekam sie einen festeren Stand und auch die verworrene Umgebung wurde zusehends klarer. Die anfänglichen Schemen wurden zu den Wölfen die sie kannte, die winselnden Laute zu Worten. Sie atmete einmal ruhig durch, versuchte ihren Herzschlag zu beruhigen und die Aufregung zu dämpfen – und es klappte. Kurz schloss sie die blauen Augen und als sie die Seelenspiegel wieder aufschlug, konnte sie die Situation anders beurteilen. Jetzt galt es die Wölfin zu finden, die sie aus den Augen verloren hatte – Caylee. Sie sah sich um und nur wenige Schritte von ihr entfernt lag die weiße Wölfin. Ein Winseln, das sie jetzt viel deutlicher aus dem restlichen Stimmengewirr heraus hören konnte, drang an ihre Ohren. Gerade machte Pav einen Schritt in ihre Richtung, als ein schwarzer Schatten über einen nahen Baumstamm sprang und auf Caylee zu eilte. Kurz dachte sie, bezogen auf den schnellen Lauf, an einen Angriff, aber dann erkannte sie Averic. Ihr Bruder begutachtete seine Tochter und senkte dann den Kopf. Leise waren seine Worte und Parveen schlich ein paar Schritte näher. Sie schaute besorgt zu der jungen Fähe. Was war mit ihr passiert und war sie schwer verletzt? Zwar war sie bei Bewusstsein, aber ohne eine Verletzung würde die stolze Fähe nicht zusammengesunken liegen bleiben und ein Winseln ertönen lassen, dass der Schwarzen ins Herz schnitt. Einen kleinen Hüpfer machte Tyraleens Herz dann doch, als Malik ihr endlich antwortete und dabei auch noch vergnügt klang, als hätten der Baum und er nur ein bisschen gespielt. Offensichtlich war ihm in keinster Weise bewusst, wie knapp er soeben mit dem Leben davon gekommen war. Und das war vielleicht auch nur gut so. Ein lachender Welpe, war auch in dieser Situation besser, als ein Verängstigter. Seine knappe Umschreibung des Vorgefallenen hatte einen wunderbar verharmlosenden Ton, von dem sich die Weiße bereitwillig anstecken ließ. Es würde schließlich auch nichts ändern, würde sie nun damit beginnen sich vorzustellen, was mit Malik hätte passieren können. Lieber orientierte sie sich an seiner Stimme, die sie ein paar Schritte weiter nach rechts gelockt hatte. Doch bevor sie einen ernsthafteren und auch sehr viel unangenehmeren zweiten Versuch zur Auffindung Maliks starten konnte, stand schon ein grauer Rüde an ihrer Seite. Kurz war sie irritiert, dann erkannte sie Kirov, den sie erst vor kurzem im Rudel willkommen geheißen hatte. Er bot ihr seine Hilfe an und zögerte auch nicht, sich in die Nadeln zu werfen. Egal, was man nun sagen würde. Das Gespräch mit diesem dummen Wolf würde sich immer wieder im Kreis drehen. Er konnte wohl einfach nicht anders als zu provozieren, und im Gegensatz zu ihr selbst ließ Chardím sich auf eine Diskussion ein. Für sie war es nicht mehr als verschwendete Luft und Nerven, die sie an anderer Stelle sicher besser gebrauchen konnte. Die Graue lauschte den beiden also nur, ging nicht einmal mehr darauf an, als Krolock sie direkt ansprach. Sie schnaufte nur verächtlich, schüttelte mit einem herablassendem Blick den Kopf. Außerdem hatte Chardím alles gesagt, was es dazu zu sagen gab, sie hätte ihm so oder so nur beipflichten können, was schwer nach Papagei und willenlosem Getue ausgesehen hätte. Ihr hellen Augen betrachteten nur beinah gelangweilt den Ausdruck auf den Zügen des schwarzen Wolfes, die den Wahnsinn in ihm deutlich machten. Und sie brauchte sich die Frage, wieso er sich so verhielt, nicht einmal stellen, sie kannte die Antwort. Provozieren, um einen Streit herauf zu beschwören. Herrlich stumpf. Die Graue zuckte kurz mit der Schnauze, stellte die Ohren auf, als Krolock erneut zu sprechen begann. Und mit einem Schlag wurde ein Schalten in ihrem Kopf umgelegt, seine Worte, die sich gegen ihre Mutter richteten, ließen ihn sein Ziel doch erreichen. In diesem Moment schlug ihre Abneigung um, wurde zu Zorn, der ausbrechen wollte. Ihr Körper spannte sich an, die Lefzen hoch gezogen wollte sie an Chardím vorbei springen, um Krolock direkt erwischen zu können. Jedoch stand der Schwarz-weiße mit einem Mal in ihrem Weg, ließ sie nicht weiter und sprach mit selbiger, ruhiger Stimme zu dem Schwarzen. Atalya selbst verstand seine Worte kaum, nahm sie einfach so hin und konnte den Zorn in diesem Moment doch nicht unterdrücken. Shani hatte sich sicherlich auf allerlei Reaktionen Jumaanas eingestellt; von einen tränenreichen Ausbruch bis kühle Abweisung. Aber die weiße Fähe schaffte es doch, sie zu überraschen, indem sie sich zunächst ziemlich ruckartig erhob und sie dann mit einem seltsamen Blick betrachtete, der weder Trauer noch Missmut über ihre Annährung enthielt. Schon drehten sich Shanis Ohren leicht zurück, aber das, was dann folgte, verwunderte sie so sehr, dass sie ihre Unsicherheit vergaß. Jumaana teilte ihr mit klarer und ungewöhnlich entschlossener Stimme mit, dass sie das Tal verlassen würde. Vor lauter Erstaunen wusste Shani dazu zunächst nichts zu sagen, sodass die andere gleich fortfuhr und in knappen Worten erklärte, dass sie sich seit Takashis Tod nur noch unwohl fühlte und dass sie einen Neuanfang starten wollte, in der Hoffnung, wieder glücklich zu werden. Das erschien mehr als verständlich und so wusste Shani nichts mehr zu tun, als Jumaana alles Glück der Welt zu wünschen, ihr zu versprechen, den Leitwölfen ihre Entscheidung mitzuteilen und sie dann ziehen zu lassen. Eine ganze Zeit lang starrte die Weiße der längst verschwundenen Fähe hinterher und fragte sich, ob sie diesen Schritt nicht ebenfalls wagen sollte. Einen Neuanfang, irgendwo in der Ferne, weit fort von diesem Tal, das auch sie untrennbar mit dem Tod Hiryogas verband. Aber dann sah sie ihre Kinder und ihre Enkel vor Augen und schon entflammte ihr Herz und sie sehnte sich unbändig danach, mit Tinca oder Malik zu sprechen, sodass jeder Gedanke an Fortgehen verblasste. Schon wandte sie sich um und suchte den Wind nach dem Geruch der Welpen ab, als sich mit einem Mal die Erde unter ihren Pfoten zu bewegen begann. Sie bäumte sich so plötzlich auf, dass Shani keinen Herzschlag lang das Gleichgewicht halten konnte und augenblicklich zu Boden stürzte. Um sie herum knackte und ächzte es und die Panik, unter einem umstürzenden Baum begraben zu werden, packte sie heftig, doch kaum hatte sie den Gedanken richtig erfasst, beruhigte sich die Erde wieder und stand endlich still. Sofort sprang die Weiße wieder auf die Pfoten, hörte nun wilde Rufe aus dem Rudel und begann zu laufen, bevor sie selbst mit dem Kopf die Ereignisse hatte erfassen können. Wie konnte die Erde plötzlich beben? Hing das mit diesem seltsamen Sumpf zusammen? Und … ihre Enkel! Sie erreichte das Rudel, entdeckte Isaí und Taleesha bei ihrer Mutter, hörte auch bald Maliks Stimme, auf die Tyraleen und ein Rüde antworteten, aber Tinca konnte sie nirgendwo entdecken. Die Luft roch nach Angst und der Gestank des Sumpfes war dominanter denn je. Nur schwer konnte sie den Geruch ihrer Enkelin herausfiltern und sicherlich war es auch der Instinkt einer Großmutter, dass sie gleich in die richtige Richtung lief und bald schon entdeckte sie einen kleinen schwarzen Berg aus zitternden und wimmerndem Fell, der sich unter einem Busch versteckt hatte. In Caylees Kopf musste sich ein Wesen befinden, das unablässig mit aller Kraft gegen ihre Stirn hämmerte und in ihre Schulter hatte sich ein weiteres Wesen verbissen, das drauf und dran war, ihren Lauf zu verschlingen. Oder war er schon fort? Beinahe fühlte es sich so an, so taub war er mittlerweile, aber ein Fünkchen Verstand war der Weißen doch noch geblieben und so war ihr bewusst, dass irgendetwas in ihrem Körper kaputt gegangen war. Zu dem Schmerz gesellte sich jetzt die Angst, dass sie ein Krüppel wurde. Ihr Winseln wurde stärker, bis plötzlich etwas oder jemand bei ihr war und eine Schnauze sie berührte. Sie verstummte, dann hörte sie dumpf die Stimme ihres Vaters und schon fuhr seine Zunge über ihren Kopf – fast ein bisschen so, als wäre sie wieder ein Welpe. Normalerweise hätte Caylee mit Sicherheit etwas dagegen gehabt, aber jetzt spürte sie nur grenzenlose Erleichterung, dass ihr Vater da war; er würde alles wieder gut machen. Panisch schlug Kishas Herz noch immer schneller, als es sollte. Die Schwarze glaubte, den Boden unter ihren Läufen noch immer beben zu spüren, selbst, wo er schon still stand und sich nichts mehr regte. Sie hörte die Rude, die über den Platz hallten, reagierte jedoch nicht darauf. Viel mehr war sie auf die junge Wölfin bei sich konzentriert, die nicht reagierte, trotz jeder Berührung, trotz des Rufen ihres Namens. Kishas Kehle schnürte sich mit einem Mal zu, und sie stubste noch ein wenig energischer gegen den leblosen Körper der Welpin. Ahkuna blickte in seine goldenen Seelenspiegel. Sie verspürte den Wunsch sich in ihnen zu verlieren und alles andere zur Nebensache werden zu lassen. Sie wollte sich fallen lassen in die Grube des Vergessens. Nur für einen Moment. – Es musste nicht lange sein, sie wollte nur für Sekundenbruchteile an nichts denken müssen, zu Kräften kommen und letztendlich würde sie dann auch ihre Gedanken ordnen. Doch es geschah nichts. Ahkuna schlug ihre Augenlider nieder. Sie fühlte sich schwach. Eine schwache Fähe, die in dieser Situation nichts verändern konnte. Gar nichts. Das Adrenalin, welches vorher noch wild durch ihren Körper pulsiert wurde, verblasste allmählich. Ahkunas Brustkorb senkte und hob sich gleichmäßiger und ihr Gesicht wirkte erschöpft. Samirs Stimme holte sie aus ihren Gedanken. Ihre Augen waren weiterhin geschlossen. Die Dunkelheit beruhigte sie aus einem unbestimmten Grund. Doch seine Worte gingen nicht spurlos an der Fähe vorbei. Ein hauchdünnes Lächeln, welches leicht zu übersehen war, stahl sich auf ihre Lefzen. Warum machte er sich so viele Sorgen? Sah er denn nicht, dass es ihr gut ging? Oder war es auch nur etwas, was sie versuchte sich einzureden? Kirov nahm die kurze „danke“ seiner Leitwölfin mit einem sanften Lächeln auf und kniff dann ein Auge zusammen, da er doch etwas Angst hatte, dass er dieses für die Nadeln opfern mussten, die ihm unangenehm piekten. Wäre sein Pelz nicht so dicht gewesen, wäre sein Lächeln wohl eher umgekehrt gewesen. Sein noch geöffnetes Auge blickte durch das Geäst der Tanne und beobachtete interessiert, wie das weiße Bündel in dem Tannenkäfig umherlief. Anschließend huschte sein Blick wieder zu Tyraleen, die dem Welpen antwortete. Ein Grinsen schlich sich auf seine Lefzen. Soso, wollte der Winzling also erraten wer er war? Kirov hatte bis eben noch nicht einmal seinen Namen gewusst, also bezweifelte er, dass Malik seinen überhaupt schon mal gehört hatte. Schließlich sah der Gemusterte sich selber eher als weniger wichtiges und neutrales Mitglied des Rudels, das bisher kaum Bekanntschaften hatte. Immerhin schien Tyraleen sich an ihn zu erinnern, trotz der hohen Anzahl an Wölfen, die ihr großes Rudel ausmachten. Vermutlich war die Hälfte davon auch ein Teil, ihrer Familie, denn laut Ahkunas Erklärung schien hier scheinbar jeder mit jedem verwandt zu sein, was Kirov doch immer wieder gerne das Gefühl gab, ein Außenseiter zu sein. Daylight hatte sich gleich nach Beginn der Erkundung wieder an den Rand des Rudels zurückgezogen. Sie war nie eine Einzelgängerin gewesen, aber der Anblick des Sumpfes bereitete ihr Unbehagen und die Hitze und der Gestank setzten ihr zu. Sie fühlte sich schwach und hilflos und eine unbestimmte Angst breitete sich in ihr aus – das, was sie zuvor nur als mulmiges Gefühl hätte bezeichnen können, war zu einer dunklen Vorahnung herangewachsen. Unsicher, wie sie ihre Besorgnis am besten äußern könnte, ohne wie ein Feigling dazustehen, hielt Daylight mit wachsender Panik in der Brust weiterhin Abstand zu den anderen Wölfen und wünschte sich Tyraleen würde alsbald die Rückkehr ins Tal verkünden. So erleichtert Caylees Stimme klang, so erleichtert war auch Averic, als seine Tochter ein „Papa“ hervorpresste. Sie war also bei Bewusstsein und da sie ihn sofort erkannte schien auch ihr Wahrnehmungsvermögen nicht eingeschränkt zu sein. Der Pechschwarze hielt inne und zog die Schnauze ein wenig zurück, um der Weißen ins Gesicht zu sehen. Ihre Mimik sprach allerdings von starken Schmerzen und so blieb Averic besorgt, obwohl Caylee natürlich gleich behauptete, dass alles nicht so schlimm war. Immerhin konnte er es als gutes Zeichen werten, dass sie dazu in der Lage war derartiges zu behaupten und ihre Schmerzen zumindest nicht das Sprechen verhinderten. Ihre Worte klangen gepresst, aber der Satz war vollständig und zusammenhängend. Krolock's Augen verengten sich, als Chardím zu Lachen begann. Kriegserklärung? Er würde es jedenfalls so interpretieren. Eigentlich kratzte es ihn nicht, aber man musste ja nicht immer ehrlich zu sich selbst sein. Wichtiger war, dass er kämpfen, streiten, beißen wollte. Und dazu war ihm jeder Recht. Fast jeder, zugegeben. Es gab Vorlieben und solche, die von der Liste gestrichen werden mussten. Am liebsten hätte er sich mal wieder mit Neruí geprügelt, aber diese schien nicht wieder kommen zu wollen. Bei Zeiten konnte er Turién vielleicht mal wieder deswegen anstacheln, aber blöder Weise war mit dem augenblicklich nicht viel anzufangen. Sie musste stark bleiben. Ihre Kraft vollkommen ausnutzen. Keiner ihrer Muskeln sollte sich ausruhen. Sie musste doch da sein, für die Anderen. Es war ihre Pflicht. Immerhin glaubten sie alle an sie. Zumindest war das der Gedanke, den sie immer hatte. Alle anderen verpflichteten sie dazu, sich selbst aufzugeben. Dass dies jedoch in Wirklichkeit nicht der Wahrheit entsprach… daran dachte Amúr nicht. Aber sie hatte wenigstens eine Aufgabe. Irgendwie, hatte sie so einen Grund, hierzubleiben. Sie musste den anderen helfen. Parveen verengte misstrauisch die Augen, als der weiße Rüde zu sprechen begann. Die Worten strotzten vor Selbstbewusstsein und ihm war, wie Parveen selbst, klar, dass er ihr körperlich überlegen war. In ihrem Kopf reimte sich eine Antwort zusammen, die sie einem Wolf gegeben hätte, den sie länger als ein paar Herzschläge kannte. Irgendetwas von 'Es ist ein gutes Stück von beidem. Von Selbstbewusstsein und Dummheit, die mich hier stehen lässt', aber sie schwieg und blies nur die Luft ärgerlich aus. Die Schwarze begnügte sich damit, abzuwarten und der Hüne öffnete tatsächlich noch einmal den Fang und Pav machte sich steif und versuchte selbst möglichst emotionslos zu klingen. Ahkuna blickte demonstrativ zur Seite, ohne dabei etwas zu beobachten. Diese Geste war nur zu dem Nutzen gedacht, um den intensiven Blick von Samirez zu entgehen. Sie hatte Angst in seine goldenen Seelentore zu sehen. Sie fürchtete sich davor, was der Rüde womöglich in ihrem Blick erkennen konnte. Ahkuna selbst wusste nicht so recht, was man in ihnen lesen sollte, trotzdem war sie nicht bereit den Blickkontakt zu dem Rüden herzustellen. Ihre Rute schlang sich enger um ihren zarten Körper und sie wünschte sich in diesem Moment ganz klein zu werden. Sie spürte Samirs durchdringenden Blick und ein leichter Schauer lief ihr den Rücken runter. Ihr Körper war angespannt und ihr Gesichtsausdruck etwas verbissen. Sie zwang sich zur Seite zu sehen. Wie gern würde sie ihr Köpfchen herumdrehen und den Rüden mit ihren hellblauen Augen anschauen. Sie wollte etwas aus seinem Gesicht lesen. Doch dieser Gedanke war absurd. Ahkuna hatte es nie geschafft etwas aus dem hübschen Antlitz von Samir zu erraten. Dafür war er ihr zu fremd und unnahbar gewesen. Tja, als ob es jetzt anders wär … Irgendwie hatte sie nie von sich gedacht, je in solch eine Situation zu kommen. Natürlich war sie nicht so naiv zu denken, sie könnte nie verletzt werden, nein, das meinte sie nicht. Jedoch hatte sie nie wirklich geglaubt, jemand würde ihr ernsthaft helfen. Es gab bestimmt viel mehr Wölfe, die durch das Beben irgendwie verletzt worden waren, wieso sollte Amúr dann auch gerade zu ihr rennen? Nun, wie es aussah, hatte sie sich auch dieses mal geirrt. Aus schleierhaft blauen Augen riskierte sie einen Blick zu ihrer Nichte. Sie hatte nie an Familienbande geglaubt, jedenfalls nicht an die, die Amáya mit ihrem Geblüt verband. Wahrscheinlich würde auch diese Situation nichts daran ändern. Amúr gehörte zwar zu ihrer Familie, war im Endeffekt doch aber erst ein Individuum. Ein Individuum, welches Amáyas Dankbarkeit verdiente. Ruhig atmete sie ein und aus und versuchte, dass taube Gefühl in ihrem Kopf zu verbannen. Ihr war immer noch ein bisschen schwindelig und es rumorte in ihrem Körper unheilverheißend. Sie strengte ihre Muskeln an und hiefte ihren Körper vorsichtig in eine Position, in der sie ihren Kopf besser selbst schützen konnte. Sie schätzte Amúrs Hilfe, dennoch wollte sie sich nicht zu lange auf sie verlassen. Das Gras unter Taleeshas Pfoten war noch feucht vom Tau und die aufgehende Sonne wurde von kleinen Wassertröpfen reflektiert. Es war, als seien unzählige Sterne zwischen den Grashalmen versteckt und leuchteten unbeirrt weiter, auch wenn es bereits Tag war. Die kleine Welpin berührte einige der hellsten Stellen, indem sie mit ihrer rechten Pfote vorsichtig durchs Gras fuhr. Manchmal kitzelte es ein bisschen und sie zuckte mit einem freudigen Fiepen zurück. Sie war so vertieft in dieses Wunder der Natur, dass sie es nicht merkte, als sich ihr eine weiße Fähe näherte. Erst als eine samtig-weiche, unendlich melodiöse Stimme erklang, wurde Taleesha aufmerksam. Sie erschrak aber nicht, sie fühlte eine ungewohnte Ruhe in sich aufsteigen. Es war, als würde sie genau wissen, wer neben ihr stand und als kannten sie sich schon ewige Zeiten. Dabei hatte Taleesha ihren Blick noch gar nicht gehoben, sie hatte die wunderschöne Fähe noch gar nicht mit ihren Augen erfasst. Und dennoch wusste sie genau wie jene aussah und ließ ihren Blick, wo er war. Ihr wurde warm und sie wollte nichts mehr, als dieser einzigartigen Stimme zu lauschen. Unendlich viel Zeit schien zu verstreichen, dabei waren es gewiss nur wenige Sekunden, bis Kisha anfing zu sprechen. Kisha wartete auf ihren kleinen Patensohn, achtete dabei jedoch genauso auf jede Regung seiner Schwester sowie seiner Mutter. Sie hoffte still, dass Sheena verstand – wenn jemand der kleinen Taleesha helfen konnte, dann war es jetzt sicher sie. Der kleine Welpe hatte seine Mutter begrüßt, und nun widmete sich die Weiße ihrer Tochter, und schon kurz darauf traf auch Isaí bei ihnen ein, versteckte sich unter seiner Mutter und sank schließlich bei seiner Schwester auf den Boden. Dieser Anblick ließ die Schwarze schwer schlucken, wußte sie in diesem Moment nicht, was sie ihm nun sagen sollte. Fast ein wenig verzweifelt blickte sie zu Sheena, jedoch schien die Weiße nun zu wissen, was zu tun war. Nachdem sie ihren Sohn begrüßt hatte, senkte sie die Schnauze zu Taleesha, kümmerte sich um die bewußtlose Welpin. Isaí, der nun leise danach fragte, was mit seiner Schwester los war, verharrte weiter bei seiner dunklen Schwester – jedoch wußte Kisha Nichts auf seine Fragen zu antworten, ihre Kehle fühlte sich noch immer wie zugeschnürt an. Sie senkte also nur den Kopf, strich mit der Nase durch das Fell des Roten und hielt den Kopf schließlich bei ihm, abwartend und unruhig zu Taleesha und ihrer Mutter blickend. Die Schwarze glaubte, ihren Herzschlag für einen Moment aussetzen zu spüren, als Taleesha leicht die Augen aufschlug, und leise Worte an sie richtete. Die braunen Augen richteten sich auf Sheena, und auch der Fähe schien ein Stein vom herzen zu fallen. Sie zögerte nicht lang, zog ihre Tochter aus dem Wasser und begab sich mit ihr auf festen Boden. Kisha blickte den beiden erst nach, hielt den Kopf jedoch bei Isaí. Ein leises, erleichtertes Seufzen verließ ihren Fang, ehe sie noch einmal mit der Nase durch das Fell ihres Patensohnes fuhr. Ganz automatisch ließ sie den Blick schweifen, konnte auf den ersten Blick keinen Wolf erkennen, der sich in Gefahr befand. Sie schloß also die Augen, stubste dem Roten dann sachte gegen die Nase. Dass nicht einmal Averic wusste, warum die Erde gebebt hatte und Caylee gegen diesen Baum geschleudert hatte, beunruhigte die Weiße mehr, als ihre schmerzende Schulter. Sie war zwar aus dem Alter heraus, in dem man noch glaubte, dass die Eltern allwissend waren, aber in Extremsituationen wie diesen klammerte sich auch ein noch so selbstbewusster Jungwolf an die Hoffnung, ihr Vater würde die Welt wieder in Ordnung bringen können. Es war mehr als ernüchternd, wenn er dazu nicht fähig war. Schon tat ihr die Schulter wieder mehr weh und sie hätte am liebsten ein Schluchzen von sich gegeben, wurde aber vor allem von der Anwesenheit dieses Fremden davon abgehalten. Außerdem hatte ihr Vater dennoch einen Plan, was nun zu tun war und das war immerhin etwas. Er wollte, dass sie sich aufrichtete, indem er ihre verletzte Seite stützte, sofern der Rest ihres Körpers einigermaßen heile war. Mit wirrem Kopf und Schmerzen konnte das Caylee eigentlich nicht so richtig beurteilen, aber sie nickte trotzdem. Das Krolock nun in der Nähe aus dem Unterholz brach senkte Averics Laune auf einen Tiefpunkt. Ohne auch nur den Hauch eines schlechten Gewissens zu verspüren hätte er den Gedanken als angenehm empfunden, wenn sie sich durch das Erdbeben dieses Wolfes hätten entledigen können. Leider war es nicht mal dazu gut gewesen. Averic wollte nur hoffen, wenn sogar dieser Nichtsnutz von Wolf überlebt hatte, dass dann auch seine anderen Kinder nicht umgekommen waren. Das Tyraleen zumindest am Leben sein musste, war ihm klar. Denn andernfalls würde er hier nicht mehr stehen und sich um Caylee kümmern können. Der pechschwarze Todessohn entschloss sich nun Krolock geflissentlich zu ignorieren und keines Blickes zu würdigen. Seine Witterung in der Nase zu haben reichte vollkommen. Sollte er auf die Idee kommen jetzt Schwierigkeiten zu machen, konnte sich Averic immer noch um ihn kümmern. Vielleicht würde aber auch Ansem daran Gefallen finden, wenn er dem Weißen vorschlug den Jungwolf ein Ohr abzubeißen, sollte er Terz machen. Wie schön es doch gewesen war, in diesem willenlosen, steten Sein. Es gab kein Gefühl für Tag und Nacht und Taleesha war sich sicher, dass mehrere Sonnenuntergänge das Tal beschattet hatten, während sie in eine andere Welt schaute. Das Tal … wie mochte es inzwischen aussehen dort? War sie alleine, wenn sie zurückkehrte? Das Gefühl, dass dies bald geschehen würde, wurde immer stärker. Doch weshalb war sie überhaupt weggegangen? Sie konnte sich einfach nicht erinnern… wie hatte es passieren können, dass sie den Zugang zu einem anderen Leben gefunden hatte? Oder war es das gleiche, nur anders? Sie würde sich selbst keine Antwort darauf geben können – und es war an der Zeit, heimzukommen. Krolock wäre es völlig einerlei gewesen, wenn seine Anwesenheit im Chaos der Situation untergegangen wäre, als stiller Beobachter hätte er sich auch die Zeit vertreiben können, stattdessen folgte er dem Ausruf Caylees ohne das geringste Zögern. Er gehörte wohl kaum zum schüchternen Teil des Rudels und die Feindseligkeiten beflügelten ihn eher, als dass sie ihn abgehalten hätten, näher zu treten. Wenn er auch nicht viel mochte, dann doch immerhin die Abneigung, die jeder früher oder später gegen ihn entwickelte. Die von Averic mochte er dabei besonders und sie beruhte auf Gegenseitigkeit. Ihr Kopf ruhte schwer auf ihren Pfoten. Ihre Augenlider wurden immer schwerer. Vielleicht fühlten sie sich mittlerweile so schwer wie Blei an. Sie konnte ihre Augen nicht lange offen halten. Es genervtes Seufzen drang aus ihrer trockenen Kehle. Ihr Körper entspannte sich und Ahkuna wurde von Minute zu Minute immer ruhiger. Ihr äußeres sah erschreckend erschöpft aus. Trotzdem konnte ihre Seele keine Ruhe finden. Sie war hellwach und ihre Gedanken liefen auf Hochtouren und das nicht gerade im angenehmen Sinne. Es war, ehrlich gesagt, das Letzte was sie jetzt wollte. Ihre Ohren spitzen sich, drehten sich einmal und zuckten kurz in bestimmte Richtungen. Sie hörte kein Heulen oder keine Stimmen der Trauer. An diese Hoffnung hielt sie sich fest. Es war ihr Anker in der stürmischen Nacht. Es war nichts passiert. – Ganz sicher. Parveen senkte ein wenig den Kopf in Richtung Caylee. Die junge Wölfin schwankte leicht und so wollte sie verhindern, dass sie das Gleichgewicht verlor und wieder zu Boden sank. Misstrauisch behielt die Schwarze die Situation im Blick. Der weiße Hüne kam auch näher und seine Bemerkung, ebenso wie Averics Antwort, ließ sie die Seelenspiegel leicht verengen. Es war fast so, als kannten sich die beiden Rüden bereits lange – als würde sie etwas verbinden. Zu gern wüsste sie, woher der Fremde kam und was er hier wollte. Suchte er ein neues Rudel? Parveen ließ es so stehen. Sie war kein neugieriger Welpe, der jede Lage hinterfragte. Sicherlich würde sie genaueres später erfahren und jetzt gab es wichtigeres und ihr Bruder sprach es auch. Caylee konnte nicht hier bleiben. Zu groß war die Gefahr, dass ein neues Beben der Erde sie in Schwierigkeiten brachte. Das Problem allerdings, wie sie einen sicheren Flecken Erde erreichen wollten, blieb. Parveens Blick schweifte umher. Halb auf der Suche nach einem Weg und halb folgte sie dem Ruf von Caylee nach Krolock. Sie musterte den Pechschwarzen kurz, als er sich näherte und sie nun endlich wusste, zu wem der Geruch gehörte. Im Grunde war ihm dieser Rüde unbekannt. Sie hatte ihn gesehen, seinen Namen hin und wieder gehört… Mehr nicht. Da er beim Klang seines Namens aber keine Sekunde zögerte, sondern zu der Verwundeten kam, sprach für ihn. Was sie von dem Ausspruch Krolocks halten sollte, wusste sie allerdings nicht recht. Ein Scherz in dieser Situation war… unangebracht… Aber bedeutete es , dass dieser Wolf nicht besorgt war? Sicherlich nicht, denn er ließ die Fähe nicht aus den Augen. Ob nun aus Besorgnis für Caylee oder Respektlosigkeit gegenüber den anderen, Parveen würde sich ihre Meinung noch bilden. Amúr war sich noch nicht ganz sicher, was sie nun tun sollte. Hier liegen bleiben und aufpassen? Und wenn wieder die Erde anfangen würde zu wackeln? Was würde sie dann tun? Wegrennen konnte sie nicht. Nicht mit einer Verletzten. Und jetzt nach Hilfe rufen? Nein. Das würde die Schwarze nicht wollen. Auch könnte Amúr sich so etwas beweisen. Der Beweis dafür, dass sie das auch kann. Das sie auch stark sein und anderen auch helfen. Somit würde sie so verharren. Selbst als die Schwarze den Kopf von ihr nahm, so bleib die Graue trotzdem noch in Position. Niemand weiß, wann die Kraft wieder gehen würde. Gerade hatte sie noch neben Madoc gestanden und hatte sich mit ihm unterhalten, darüber wie furchteinflößend der Sumpf auf sie wirkte, als dieser es beiwesen zu wollen schien. Hatte sie gerade noch gedacht das Moor läge friedlich und schaurig ruhig da, so bäumte es sich im nächsten Moment auf wie ein wildes Tier. Die Erde unter ihren Pfoten begann zu beben, entglitt ihr und stieß sie im nächsten Moment so hart zu Boden, dass sie benommen liegen blieb. Oben und unten vertauschten sich, Madoc war verschwunden und sie konnte nicht sagen, ob sie lag oder stand oder fiel. Sie spürte wie die harte Erde in ihre Rippen stieß, dann plötzlich erneut wegsackte und sie mit sich riss. Etwas Schweres traf sie am Kopf, sie konnte nicht sagen ob es ein Ast, ein Stein oder ein Wolf war, doch für einen Moment sah sie nichts mehr. Es musste etwas seltsam wirken, wie zwei Erwachsene in einem umgestürzten Baum herumwühlten, aus dem eine fröhliche Welpenstimme hervorquäkte, die so klang, als würden die drei Gestalten gerade ein witziges Spiel spielen. Vermutlich war es nur für den kleinen Malik wirklich lustig, aber Tyraleen ließ sich von seiner sorglosen Stimmung zumindest ein bisschen anstecken. Eben noch war sie außer sich vor Angst, Sorge und Verwirrung, jetzt zeigte sich wieder ein wenig Ordnung, Malik war unverletzt und Kirov war ihr ganz selbstverständlich zur Hilfe geeilt. Die Rettungsaktion schien auch zu fruchten und die Stimmen aus dem Rudel wurden zunehmend ruhiger. Dementsprechend beruhigte sich auch die Leitwölfin und sie konnte schon über Maliks ziemlich falsche Vermutungen bezüglich seines zweiten Retters schmunzeln. Sowohl Averic, als auch Aszrem hätten ihr selbstverständlich geholfen, aber vermutlich sehr viel mehr dazu gesagt und wären ganz anders mit ihr selbst umgegangen. Eigentlich war sie ganz froh darüber, dass Kirov Kirov war. Er machte seine Aufgabe auch sehr gut, auch wenn sie bei einem kurzen Blick zu ihm erkannte, dass sich seine Kräfte langsam aber sicher erschöpften. Sie schenkte ihm zwar ein aufmunterndes Lächeln, aber sah auch die ersten Äste, die sich gefährlich in die falsche Richtung bewegten. Also galt es nun, sich zu beeilen und auch wenn Malik mit dem Raten und der Beschwerde über das Wissen um seinen Namen beschäftigt war, hatte er sie jetzt endlich erreicht und stand unmittelbar vor ihrem Fang. Chardím scherte sich nicht um das Gefasel, das Krolock noch von sich gab und auch nicht darum, dass dieser dumme Wolf selbst in dieser Situation noch seinen Nutzen daraus zog und irgend etwas gegen andere wandte. Der schwarzweiße Wolf ignorierte es komplett und rappelte sich stattdessen auf, um sich seiner Schwester zuzuwenden. Im Prinzip war der junge Rüde ja weich gelandet und die Welt drehte sich nur ein bisschen vor seinen Augen, als wäre er zu lange und zu schnell im Kreis gelaufen. Atalya hingegen sah nicht ganz so gut aus, sie lag weiterhin auf dem Boden und schien nicht aufstehen zu wollen. Chardím senkte die Schnauze zu ihrem Kopf und stupste ihr leicht gegen die Schnauze. Shani war ungemein erleichtert, als Tinca sich sofort regte, kaum dass die Nase ihrer Großmutter an ihr herumschnüffelte. Und auch die sonst so typische Scheu der kleinen Schwarzen schien jetzt vergessen, viel zu froh war sie, dass sich jemand ihrer annahm. Das Verhalten Tincas verfehlte seine Wirkung nicht, kaum spürte Shani, wie dringend sie gebraucht wurde, quoll ihr Herz über vor Liebe und Zuwendung. Nichts machte die Weiße glücklicher, als für ihre Enkel in einer solchen Notsituation da zu sein und schon war jeder Gedanke ans Fortgehen wie weggeblasen. Die hilflosen, ein bisschen naiven, unschuldigen und flehenden Worte Tincas und ihr Einkuscheln in das Fell ihrer Großmutter ließen Shani das Herz aufgehen und kurz wusste sie vor lauter Glück gar nichts zu sagen. Sie konnte nur immer wieder mit der Zunge über das schwarze Fell fahren und sich noch ein bisschen enger um den kleinen Körper legen, sodass Tincas Welt nur noch aus weißem Fell und zwei großen, liebevollen, tannengrünen Augen bestehen musste. Sie konnte sich aber auch schnell wieder fassen, immerhin wollte sie sich auf gar keinen Fall an dem Leid ihrer Enkelin laben. Es war ein schmaler Grat zwischen dem Glücksgefühl, gebraucht zu werden und des Genießens von etwas, das man nicht zu genießen hatte. Aber Shani kannte ihn nur zu gut, geriet nicht in die Gefahr, Tinca auf die Folter zu spannen. Als sich die Augen ihrer Tochter öffneten, huschte ein strahlendes Lächeln über die Lefzen der weißen Fähe. Sie hatte es geschafft, zusammen mit Engaya und dem starken Willen ihrer Tochter. Sie ließ von der kleinen Fähe ab um sie eingehend zu betrachten. Zwar konnte sie noch nicht wieder aufstehen und auch ihr Lachen klang eher wie ein heiseres Bellen, aber ihren Augen konnte sie die Freude, dass sie anwesend war, entnehmen. Ein verwirrter Ausdruck trat in Daylights Züge, als sie den Worten der Grauen aufmerksam lauschte, die Ohren nach vorn gerichtet, den Kopf fragend zur Seite geneigt. Wer war diese Fähe? Woher kannte sie ihren Namen? Und warum kam sie Daylight so seltsam vertraut vor? Und dann, endlich, schon als sie sich, wie automatisch, neben der vermeidlich Fremden zu Boden sinken ließ, da wurde es ihr mit einem Male klar. Sie erkannte das graue-weiße Fell, die blauen Augen. Die Welt um Atalya schien einen Moment nicht aufhören zu wollen, sich zu drehen, und für weitere Momente nahm es der jungen Wölfin die Luft. Sie nahm nicht einmal mehr wirklich war, dass Krolock nun verschwand, aber es war ihr auch egal. Sie war froh, wenn dieser Wolf verschwand, ihr nicht weiter auf die Nerven ging. Dass dazu nun die Erde hatten beben müssen, war nun vielleicht nicht optimal, aber so war sie diesen furchtbaren Genossen für den Moment los, auch wenn sie für einige Herzschläge wie gelähmt am Boden lag. Erst die fast vorsichtige Berührung ihres Bruder rief dir zurück, ließ ihre Ohren durch die kühle Luft schnippen und sie schließlich den Blick auf ihren zweifarbigen Bruder richten, der sich noch immer ein wenig zu schnell bewegte. Erneut kniff die Graue die Augen zu, lauschte den etwas verschwommenen Worten Chardíms, und atmete dann tief durch, um die Kraft wieder zu finden, die sie wohl für einen Moment verlassen hatte. Ein geflüstertes „Geht gleich schon wieder“ verließ den Fang der Jungwölfin, als ihr Bruder den Blick schon abgewandt hatte. Es kostete die Graue noch einmal einiges an Kraft, jedoch schaffte sie es, sich auf den Bauch zu drehen, und auch wenn sie dabei noch immer die Augen zusammen kniff, war der erste Schritt geschafft. Mit einem kraftlosen Blinzeln folgte sie den Augen ihres Bruders, bis sich dieser wieder an sie wandte. Mit einem leisen Schnaufen nickte die Fähe, biß dann die Fänge aufeinander und erhob sich mit einem leisen Schnaufen. Nun wankte sie kurz, hatte sie doch noch immer das Gefühl, dass die Erde sich noch immer bewegte, noch nicht wieder still stand. Jetzt wandte sich Chardím wieder an sie, senkte leicht den Kopf und auf seine Wort ehin nickte die graue Fähe vorsichtig. Sie stand zwar, glaubte jedoch nicht, dass sie schnell voran kam. Dennoch sorgte auch sie sich um ihre Familie, wenn sie den hellen Blick so schweifen ließ, konnte sie sich kaum vorstellen, dass sie alle heil davon gekommen waren. Sie nahm also alle Kraft zusammen, trat nach vorn. Für viel mehr Worte blieb‘ ihr keine Kraft, dem Zweifarbigen galt nur ein vielsagender Blick. Jetzt ging es darum, nach ihrer Familie zu sehen. Kisha dankte ihrer Göttin noch immer dafür, dass Taleesha die Augen wieder aufschlug. Sie hatten sich in diesem Moment dem Schutz der beiden Welpen aufgeladen, und sie hätte es sich nicht verziehen können, wäre der dunklen Welpin unter ihrem Schutz etwas zugestoßen. Und ebenso schien es Isaí gut zu gehen, und auch dafür schickte die dunkle Fähe den Dank zu Engaya. Sheena kümmerte sich ein wenig abseits um ihre erschöpfte Tochter, so konnte sie ihre Aufmerksamkeit dem kleinen Roten zukommen lassen, dem man die Sorge um seine eben noch bewußtlose Schwester ansah. Aber das war nur verständlich, sodass Kisha nun alles daran setzen konnte, ihrem kleinen Patensohn das Lächeln zurück auf die Lefzen zu zaubern. Er brauchte sich jetzt keine Sorgen mehr machen, auch wenn Taleesha vielleicht nicht so wirkte, aber sie war wohl über den Berg. Vielleicht lag es daran, dass sie allgemein verwirrt und seltsam drauf war. Vielleicht lag es daran, dass sie einen dummen Stein an den Kopf geschleudert bekommen hatte. Vielleicht lag es aber auch einfach an Amúr, dass sie vor ihr ihre Fassade nicht einmal aufrecht erhalten wollte. Das tiefe Blau ihrer Augen wirbelte immer noch ein wenig planlos zu ihrer Nichte, aus deren Richtung ein besorgtes, viel helleres Blau zu ihr zurückstrahlte. Sie spürte, dass sie schwankte, aber sie war zu erschöpft, um dagegen anzukämpfen. Sie ließ ihr schmales, feminines Haupt weiter sanft auf Amúrs Fell ruhen. Ihr Atem wurde ruhiger, doch dies traf bei weitem nicht auf ihre Gefühlswelt zu. In ihr wirbelte und quirlte es, als würde das Erdbeben immer noch an den Gewässern ihrer Seele rütteln. Sie hasste Umbrüche. Sie hatte sich ihr Leben lang danach gesehnt und gleichzeitig war sie ihnen feige geflohen. Oh, sie betete zu Fenris. Sie hatte Angst und sie wollte es nicht zugeben. Doch diese Angst musste jetzt erst mal unterdrückt werden. Es nützte nichts, sich in einem Schlammloch zu verkriechen. Vielleicht musste sie einmal in ihrem Leben versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. In Krolock wurde es unruhig, als sich die Bewusstlosigkeit langsam verflüchtigte. Nach außen sah man zunächst nichts. Die Regungslosigkeit umgab den Rüden wie eine Mauer, hinter der sich ein Krieg abspielte. Gier zuckte durch seine Kehle, ehe er in die Höhe schoss und kurz wankend auf seinen Pfoten stand. Seine Augen schweiften orientierungslos umher, flackerten. Das Blau hatte einen purpurnen Schimmer, der sich langsam verflüchtigte.
Der junge Rüde winkelte die Ohren unentschlossen an, während sein Blick über diesen merkwürdigen Ort wanderte. Er hatte den Kopf gehoben, den er sogleich allerdings auch schon schüttelte und sich schließlich mit einer Vorderpfote über seinen Nasenrücken fuhr. Das Feuerherz wusste nicht recht, was er von diesem Geruch halten sollte – es war intensiv, fast schon beißend, doch andererseits auch unglaublich interessant und lockend. Kein Wunder, dass sich der junge Wolf davon angezogen fühlte und unbedingt herausfinden wollte, woher er kam, was sich in Anbetracht dessen, dass es hier überall gleich stark roch, allerdings als ziemlich schwierig herausstellte. Wo sollte man anfangen? Etwas entmutigt schob sich der kleine, unproportionierte Körper ein Stück weiter durch das merkwürdige Wasser. Er war es nicht gewohnt, dass Wasser auch mal nicht kalt war, doch das war wesentlich uninteressanter als die Sache mit dem Geruch. Er fand es sogar recht angenehm, wusste er diese Wärme ja noch mit nichts zu verbinden. Für ihn war es nur ein ferner Traum, dass es draußen mal nicht so kalt war. So etwas wie Sommer überstieg noch lange seine Vorstellungskraft. Seine Seelenspiegel waren die leeren, kargen Bäume gewohnt. Alles andere schien unnormal.
Leicht entmutigt von der Unwissenheit, wo es sich zu suchen lohnte, schmiegte er die großen Ohren noch etwas enger an den Kopf, ehe er sich frohen Mutes doch an etwas heranwagte, was einem dieser Büsche ähnelte, die er bereits kannte, allerdings mitten im Wasser wuchs. Neugierig steckte er die Nase herein, doch wie nicht anders zu erwarten, war darin rein gar nichts zu finden, was nicht den Eindruck machte, dorthin zu gehören. Schade aber auch, andererseits wäre das Ganze ja auch langweilig gewesen, wenn er das Spiel so schnell gewonnen hätte. Er ließ sich also nicht davon abhalten, einfach weiter zu suchen, bewegte sich noch ein Stück weiter und trug die Nase dicht über der Wasseroberfläche. Anfangs war er noch etwas stelzig gelaufen, doch inzwischen hatte er sich daran gewöhnt. Das Wasser tropfte von seinem Bauchfell hinab und – Ein erschrockener, kurzer Laut verließ den Fang des jungen Roten, als seine Vorderpfote beim nächsten Schritt plötzlich den Boden unter den Pfoten zu verlieren schien und er unweigerlich vorne einsackte. Erschrocken sprang er ein Stück zurück, nun auch Brust und Kopf nass und blickte sich verwirrt um. Dass der Boden plötzlich weiter weg war, war das letzte gewesen, mit dem er gerechnet hatte, doch er hatte sich ja gerade noch so aus der Affäre ziehen können. Welch Glück! Isaí schüttelte sich erneut, was allerdings nur dazu beitrug, dass er noch etwas zerzauster aussah. Egal. War ja nichts, was ihn auf seiner Suche behinderte!
15.01.2012, 12:28
Nun hatte sie den Weg zurück zum Rudel angetreten, konnte wieder die Gerüche des Rudels genießen, unter die sich auch dieser verwirrende Geruch des Moores gemischt hatte. Vielleicht hatte ja inzwischen ein anderer Wolf das Geheimnis gelöst? So ließ sie den braunen Blick kurz wandern, blickte in einige Gesichter, in denen deutlich die Ahnungslosigkeit stand. Noch waren sie also keinen Schritt weiter, und vielleicht war es ja auch ein Rätsel, das sich nicht lösen lassen wollte? Seit ihrer Rückkehr hatte sie einiges erkannt, und vor allem, dass manche Dinge, die in diesem Tal passierten, einfach unerklärlich waren, so sehr man auch nach einer Antwort suchte. Und so schien es auch mit diesem Ort. Kishas Blick suchte weiter, bis ihre Augen ein Ziel gefunden hatten, welches ein sanftes Lächeln auf ihre Lefzen zauberte. Der kleine rote Rüde tappste durch das Wasser, schien schwer beschäftigt mit der Suche nach etwas. Und im nächsten Moment sackte er ein, tauchte noch ein wenig weiter in das Wasser ein und Kisha musste sich ein leises Lachen verkneifen. Er war zu niedlich. Aber was sie zuvor auch schon bemerkt hatte, schien hier nicht anders zu sein. Unterschiedlichste Temperaturen herrschten hier, sie schien an jedem Ort zu variieren. Noch etwas, was diesen Ort interessanter machte.
Ein kurzes Schnippen der Ohren, dann setzte sich die Fähe in Bewegung, steuerte auf Isaí zu, der mit den Pfoten im Wasser stand und weiter suchte. Ein sanftes Lächeln auf den Lefzen trat die Schwarze an das Wasser heran, der helle Blick ruhte nun auf dem jungen Rüden.
„Hallo Isaí. Hast du schon etwas gefunden?“
Ihr Kopf neigte sich fragend ein wenig zur Seite, ehe sie den Blick noch einmal suchend schweifen ließ. Auch hier schien es keinen Hinweis auf diese Merkwürdigkeiten zu geben.
[Beim Rudel – Isaí]
15.01.2012, 13:37
Doch es gab noch mehr. Da war vorallem das Verschwinden von Nerúi. Ihrer Spur folgend, hatten sie sie doch nicht einholen können. Die Helle dachte sich so für sich selbst, dass die Fähe vielleicht nicht gefunden werden wollte. Wer sagte denn, dass sie nicht ein eigenes Leben anfangen wollte, so wie auch Kursaí damals auf eigenen Füßen stehen wollte. Jedoch wusste sie wenig von der Fähe und noch weniger konnte sie über ihre Motivationen sagen.
So machte sie sich lieber Gedanken um das hier und jetzt und um ihre aktuelle Umgebung. Wie die meisten, fand sie diesen Ort wohl einfach nur außergewöhnlich und ein wenig verwirrend. Zum einen war es hier so warm, ungewohnt warm. Dies jedoch löste eigentlich eher ein Wohlgefühl bei ihr aus, natürlich nur solange, wie sie nicht an den heißen Stellen war. Doch zum Anderen war dieser Geruch wirklich eher abstoßend. Zunächst hatte er sie einfach nur irritiert, doch dann war sie dazu übergegangen, dass er einfach nichts gutes bedeuten konnte. Ihr Instinkt sagte ihr, dass keine guten Mächte daran beteiligt waren, insgeheim hatte sie ja Fenris im Verdacht, auch wenn sie nicht wusste wieso. Zumindest nicht spontan. Während sie aber noch darüber nachdachte kam ihr die Idee warum: Es roch so vermodert, so abstoßend. Sie musste einfach an den Tod denken, an altes Fleisch. Und da es hier überall so roch, musste hier etwas großes am Werke sein. Der Gedanke, dass altes Fleisch als Aas gut auf ihren Speißeplan passte, tauchte kurz auf, doch irgendwie konnte er sich nicht so recht halten.
So ging sich nicht sonderlich weit in dieses Gebiet hinein, suchte sich eher ein halbwegs trockenes Fleckchen. Gleichzeitig dachte sie, wenn sie hier schon sind und alle hier sein wollten, dann konnte man auch das Beste daraus machen. Mit diesen Gedanken suchte sie sich ihr Plätzchen auch mit der Überlegung aus, dass es eine angenehme Temperatur hatte, die an den letzten Sommer erinnerte, oder eher erinnern sollte, wäre er wie ein Sommer gewesen.
Als sie sich nun hingelegt hatte, sah sie sich um und sah, wie die meisten der Anderen dieses Gebiet auf die ein oder andere Weise untersuchten, auch wenn dies natürlich nicht alle taten.
[Beim Rudel / Noch allein, aber anspielbar]
15.01.2012, 17:20
[Beim Rudel | Alleine – Anspielbar]
15.01.2012, 19:00
Noch bevor seine Seelenspiegel die Gestalt Kishas ausmachten, begann die kleine Rute freudig zu pendeln. Seine Ohren stellten sich aufmerksam auf und er vergas vollkommen, dass er noch immer etwas zerzaust aussah. Ein breites Lächeln galt seiner Patin, während er sich – nun wieder etwas vorsichtiger – durch das Wasser auf sie zubewegte.
„Nein, leider nicht. Aber man weiß auch nicht wirklich, wo man anfangen soll.“
Sein linkes Ohr kippte leicht zur Seite, doch er ließ sich von dieser Tatsache nicht mehr entmutigen. Irgendjemand würde schon den richtigen Ort zum Anfangen finden – im besten Falle war er es eben, aber das war nur nebensächlich. Bei der schwarzen Fähe angekommen begrüßte er sie, indem er ihr liebevoll über die Lefzen leckte. Schließlich wollte er sich gewohnheitsbedingt auf den Hinterläufen niederlassen, hielt allerdings inne, als er bemerkte, dass er noch immer im Wasser stand und schnippte unschlüssig mit den Ohren.
„Und du? Irgendetwas Auffälliges gesehen auf deinem Rundgang?“
Er schenkte ihr ein weiteres, freundliches Lächeln, als er sie wissen ließ, dass ihm ihre Abwesenheit keineswegs entgangen war. Mal sehen, ob es etwas gebracht hatte!
15.01.2012, 20:09
Der Rüde zog die Stirn kraus, während er näher an den Sumpf herantrat. Der Gestank verpestete soziemlich alles hier. Was hatte die Alphas nur dazu gebracht hier her zu gehen? Kirov hatte den Grund nicht ganz mitbekommen, aber natürlich war er dem Rudel gefolgt, er gehörte schließlich nun dazu. Aber es stank. Bestialisch. Mittlerweile hatte er sich sehr nahe am Wasser auf die Hinterläufe gleiten lassen und blickte angewidert in das Wasser. Fast schon erwartete er, dass ein Huf oder eine Pfote herauskommen würde, halb verfault und knochig. Nicht gerade angetan von diesem Gedanken erhob der Rüde sich wieder und entfernte sich von dem stinkenden Gesöff. Sein himmelblauer Blick schweifte über das bunte Rudel und blieb bei einer weißen Fähe hängen, die ihre Schnauze in die Erde drückte. Seine Lefzen zuckten amüsiert. Eigentlich wollte er ja zu Daylight gehen, seiner einzigen Freundin hier, aber zurzeit sah er sie nicht. Vielleicht war dies ja eine Möglichkeit, um endlich mal neue Kontakte zu knüpfen? Er warf noch einen letzten, angeekelten Blick zurück zum Sumpf, ehe er erneut zu der Weißen blickte und schließlich zu ihr hin trottete.
Es überraschte den Rüden ein wenig, dass sie lächelte. Aber wirklich angetan von dem Gestank schien sie auch nicht, sonst würde sie wohl kaum mit ihrer Schnauze am Boden liegen. Kirov setzte ebenfalls ein Lächeln auf die Lefzen und ließ sich, mit ein wenig Abstand, vor der Weißen nieder. Hoffentlich erschrak sie nun nicht, denn Kirov war nicht sicher, ob sie bei dem überlagernden Sumpf-Geruch überhaupt etwas anderes wahrnahm.
"Hallo. Ich glaube, wir kennen uns noch nicht, oder?",
fragte er mit sanfter, freundlicher Stimme, wie es eben so seine Art war. Dennoch taten sich ihm innerlich einige Zweifel auf. Würde sie ihn wegschicken? Angiften? Genervt sein? Er wollte wirklich keinen nerven und kam sich schon reichlich doof vor, wenn er zu jemanden ging und zwei Minuten später wieder alleine rumstand. Zudem kannte er hier so gut wie keinen. Naja, da waren Daylight und natürlich Aléya, mit denen er sehr gut auskam. Aber sonst? Da war eine gähnende Leere in seiner Kontaktliste umd demnächst würde noch ein vertrockneter Busch vorbeifliegen. Kirovs Ohren zuckten und er scheuchte die negativen Gedanken aus seinem Kopf, um sich auf die Fähe vor sich zu konzentrieren.
15.01.2012, 20:38
16.01.2012, 13:42
„Du musst immer tapfer weiter suchen, du findest sicher einen Hinweis!“
Sie lächelte still, fuhr dann ruhig mit der Nase durch das rote Fell des Welpen. Er war so groß geworden, dabei kam es ihr vor, als wäre es nur wenige Tage her, dass sie zu seiner Patin ernannt worden war. Bei seiner Frage schnippten die Ohren der Wölfin kurz durch die frische Luft, ehe sie den Kopf nachdenkend zur Seite neigte.
„Nein... leider habe auch ich nichts gefunden. Aber alleine ist es auch schwerer, erfolgreich zu sein. Also wirklich Erfolg zu haben.“
Nun war es an Kisha, sich auf die Hinterläufe sinken zu lassen, dabei ließ sie den Blick jedoch auf dem Roten ruhen, auf dessen Lefzen ein Lächeln lag. Aber sie wußte ja nicht einmal, wonach sie suchen sollte. Wo fing man an, wenn man nicht einmal wußte, wonach man genau suchte? Es war schwierig, und erforderte sicher eine aufwendigere Suche, als sie selbst sie betrieben hatte. Den Kopf kurz zum Rudel wendend, einen stillen Moment nachdenkend, richteten sich die braunen Augen schließlich wieder auf Isaí, der noch immer im Wasser stand. Sie senkte leicht den Kopf zu seinem Ohr, flüsterte.
„Was hälst du davon, wenn wir gemeinsam suchen, und niemand anders davon erzählen? Dann kannst du allen erzählen, wie wir das Rätsel gemeinsam gelöst haben! Aber du musst mir etwas versprechen ja?“ Nun hob sie den Kopf wieder ein wenig an, blickte Isaí jedoch noch immer entgegen. Und das Lächeln auf den Lefzen der dunklen Wölfen blieb ebenso bestehen. „Du musst hier vorsichtig sein, ja? Es ist nicht ungefährlich an diesem Ort, und nicht immer kann jemand auf dich aufpassen. Versprichst du mir das?“
[Beim Rudel – Isaí]
16.01.2012, 16:39
Mit einem spielerischen Knurren konterte er auf ihre Berührung und pfotete schließlich mit wenig Elan nach der schwarzen Nase seiner Patin, ehe er den Kopf herumwandte und erneut den Blick über den vor ihnen liegenden Sumpf wandern ließ. Mit einer skeptischen Miene bedachte er die Umgebung einen kurzen Augenblick, ganz so, als würde er überlegen, ob es überhaupt was brachte, weiterzusuchen, allerdings kam ihm diese Frage gar nicht in den Sinn. Mehr beobachtete er die anderen bei ihrer Suche, überlegte, wo sie nun mit ihrer Suche fortfahren sollten und fixierte dann erneut den hellen Blick der Fähe mit einem ehrgeizigen Schmunzeln auf den Lefzen.
„Jetzt sind wir ja zu zweit. Und so viele, wie wir insgesamt sind – wir haben sicher schnell gefunden, was wir suchen! Was auch immer das ist.“
Er tat ihre Unwissenheit mit guter Laune kund, als würde ihn diese Tatsache nicht im Geringsten stören. Sie wussten alle gleich viel – sie hatten also alle gleich viele Chancen. Und in seinem Kopf hatte es sich schon so eingebrannt, dass er sich sicher war, es einfach zu erkennen, wenn es vor ihnen lag. Auch Kishas Blick wanderte kurz über die Menge, während Isaí sie stumm dabei beobachtete. Als sie den Kopf zu ihm hinunter senkte, begann seine Rute wieder stärker zu pendeln, seine Ohren waren aufmerksam aufgestellt, um ja nichts von dem zu verpassen, was Kisha zu sagen hatte. Vielleicht hatte sie ja Tipps! Und ihre Worte klangen tatsächlich danach. Ihr Optimismus steckte ihn an und hätte sich nicht in seinem kleinen Herzen soeben die Hoffnung aufgetürmt, sie wüsste bereits wo das war, was sie suchten und nun würde sie ihn hinführen, hätte er diese Aussage wohl eher mit Skepsis betrachtet. Er schnippte kurz mit den Ohren, sah sie schließlich voller Erwartung an, als sie ihn um ein Versprechen bat – natürlich! Er würde ihr jedes Versprechen erfüllen. Was auch immer sie wollte. Auf ihre Erläuterung schließlich blickte er sie einen Moment fast schon tadelnd an.
„Ich bin doch immer vorsichtig!“, klärte er sie auf und stupste sie auffordernd mit der Nase an. „Aber ich verspreche es! Ich werde noch vorsichtiger sein als sonst.“
Großspurig klangen seine Worte, doch teils konnte man ihm anhören, dass er gewollt vorwurfsvoll klang und es eigentlich gar nicht so meinte. Also, natürlich war er der Meinung, stets vorsichtig zu sein, doch zwischen der Welpendefinition von ‚vorsichtig‘ und der Erwachsenendefinition lagen dann ja doch Welten. Mit schlammigen Pfoten machte er einen Satz auf ihre Seite und blickte mit pendelnder Rute abwartend zu ihr hinauf. Jetzt lag es an ihr, ihm die Richtung zum Schatz vorzugeben. Ha! Bestimmt war das Ganze nur ein Spiel für die Welpen und die Erwachsenen taten bloß ahnungslos. Und er würde gewinnen!
16.01.2012, 16:41
„Wir hatten das Vergnügen noch nicht. Ich bin Ahkuna Caiyé.“ Die weiße Fähe überlegte, ob der Rüde etwas mit Caiyé anfangen konnte. Doch sie glaubte, dass er viel zu neu war, um die ganzen Familienmitglieder wirklich zu kennen und von anderen zu unterscheiden. „Tochter von Shani Caiyé und die Nichte Tyraleens.“ Na, jetzt sollte es aber klingeln! Tyraleen war er schon über den Weg gestolpert. Nun konnte er vielleicht etwas mehr mit ihrem Namen anfangen. „Und dein Name war?“, fragte sie schließlich und erwiderte sein sanftes Lächeln mit einem kecken Grinsen.
Ihre Ohren zuckten leicht. Schon aus Gewohnheit den Impuls verspürend, drehte die junge Fähe ihren Kopf leicht zur Seite und musterte durch ihre hellblauen Augen die Anderen. Auch wenn sie den Rüden nicht kannte. Weder seinen Namen, noch seine Persönlichkeit, so war es sein sympathisches Auftreten, was sie dazu bewegte ihn nicht gleich wie ein begossener Pudel stehen zu lassen, sondern sich mit ihm zu Unterhalten.
„Dieser Ort ist nicht sonderlich schön, oder?“
Mit einem schiefen Grinsen richtete sie ihre Augen wieder auf den grauen Rüden.
[Beim Rudel | Kirov]
16.01.2012, 20:57
Als Isaí mit der Pfote nach ihr pfotete, den Blick dann unachtsam abwandte, zog die schwarze Wölfin ihm in einer kurzen Bewegung und ganz sanft am Ohr. Niemals die Deckung verlieren! So folgte sie seinem Blick, ohne den Kopf zu bewegen. Erst, als Isaí seine Stimme an sie richtete, blickten ihn die braunen Augen wieder direkt an. Ein leises Lachen verließ ihren Fang, bei den Worten ihres Patensohnes, den sie nun mit warmen Blick bedachte.
„Das werden wir schon noch heraus finden, wir müssen nur geduldig sein und den Mut nicht verlieren!“
Nun, wo sie sich zu ihm wandte, begann die Rute des Kleinen wieder durch die Luft zu schwingen, und Kisha tat es ihm gleich, trug dabei das sanfte Lächeln auf den Lefzen. Er hörte ihr aufmerksam zu, und sie erkannte das Leuchten in seinen Augen, konnte fast die Vorfreude spüren, die von dem jungen Wolf ausging. Es machte sie unsagbar glücklich, ihn so zu sehen, diesen Moment mit ihm teilen zu können. Der Blick, der ihr schon im nächsten Moment zugeworfen wurde, ließ die dunkle Fähe nur noch breiter grinsen, dann jedoch setzte sie eine schuldbewußte Miene auf, als Isaí zu sprechen begann, und sie den Vorwurf aus der jungen Stimme heraus hörte. Natürlich, wie konnte sie nur übersehen, dass er immer vorsichtig war?
„Verzeihung, kleiner Held! Natürlich bist du immer vorsichtig, aber jeder kann diese Vorsicht Mal vergessen. Und die Momente sind die gefährlichen, selbst wenn man sonst wirklich immer aufpasst.“
Als er jedoch versprach, noch vorsichtiger als sonst zu sein, nickte sie dankend, berührte dann mit ihrer Nase die des Rüden, als dieser sich mit den Pfoten gegen sie stemmte und zu ihr aufblickte.
„Na dann los, Abenteurer!“
Mit einem Lächeln nickte sie in eine Richtung, setzte sich dann langsam in Bewegung, den Blick einmal schweifen lassend.
„Was hälst du davon, wenn wir Tyraleen fragen, ob sie helfen möchte? Du könntest vor laufen und sie fragen, da sagt sie bestimmt nicht nein!“
Mit einem Lächeln deutete sie in die Richtung ihrer weißen Schwester, die allein am Wasser stand.
[Beim Rudel – Isaí – Nähe Tyraleen]
16.01.2012, 21:35
Aus der eben erwähnten Rache von Seiten des Jungspunds wurde übrigens nur ein weiteres, spielerisches Murren, als er den Angriff vernahm und den Kopf blitzschnell wieder herumwendete; die richtige Rache hob er sich lieber für später auf. Berechnend legten sich die großen Ohren einen kurzen Augenblick an den Kopf, als erwarte er, dass dieser spätere Moment jeden Augenblick gekommen wäre, doch er beließ es auch weiterhin einfach dabei. Im Grunde reichte ja der vorwurfsvolle Blick schon mal als kleine Wiedergutmachung. Ha! Und tatsächlich schien er Kisha damit dabei erwischt zu haben, den Glauben in ihn verloren zu haben! Zum Glück verstand sie genau, wie man das wieder gutmachte. Held! Der junge Wolf reckte den Kopf so weit in die Höhe wie er konnte, ehe er mit einem breiten, glücklichen Grinsen um seine Patin herumstolzierte und die Rute dabei stolz in die Luft hob. Ha! Ja! Genau das war er! Ein Held! Nachdem er seine Runde um die Fähe beendet hatte, stupste er sie erneut liebevoll in die Seite.
„Ich pass schon auf.“, wiederholte er erneut, dieses Mal allerdings leiser und mit einem vielversprechenden Lächeln auf den Lefzen.
Mit fröhlich pendelnder Rute erwiderte er ihre Geste und drückte seinerseits mit der kleinen Nase gegen die wesentlich Größere Kishas, ehe sie zum Aufbruch aufrief. Das letzte Wort klang wie Musik in seinen Ohren und schien seine Vorfreude erneut um einiges zu heben. Abenteuer! Die ersten Schritte folgte er der Fähe langsam, bemühte sich allerdings jedes Mal, damit besonders viel Wasser in die Luft spritzte, wenn er eine Pfote vor die andere setzte. Voller Spannung blieb er stehen, als Kisha ihm den Vorschlag machte, Tyraleen mit zu ihrem Abenteuer einzuladen, seine Ohren sprangen förmlich nach vorne und er nickte begeistert von der Idee. Doch bevor er loslief, wanderte erneut ein wachsamer Blick über die Umgebung, ehe er erneut auf der weißen Fähe ruhen blieb, die er unglaublich gern gewonnen hatte. Ha! Keiner seiner Geschwister schien in Hörweite! Die Luft war also rein, im übertragenen Sinne zumindest, denn würde einer von ihnen (mit Ausnahme von Tinca) das Wort ‚Abenteuer‘ hören, wären sie sicher die ersten, die mitkommen wollten. Aber das hier war ganz allein ihr Abenteuer. Kishas, Tyraleens und seins! Schließlich lief er los, bewegte sich mit kleineren Hüpfern durchs Wasser auf die weiße Alpha zu und wurde erst knapp vor ihr langsamer. Mit einem schiefen Lächeln begrüßte er sie.
„Magst du mir uns suchen gehen? Wir werden ganz sicher finden, was wir suchen, wenn wir zu dritt suchen! Komm schon! Wir sind Abenteurer!“, verkündete er glücklich.
Abenteuer! Damit hatte ihn auch Kisha gelockt, da konnte Tyraleen doch unmöglich ‚Nein‘ sagen! Und dann würden die beiden ihm gleich zeigen können, wie man ein großer Held wurde. Wunderbar. Ein kleiner Held als Lehrling bei zwei großen Helden auf der Suche nach einem Geheimnis. Das versprach doch schon Spannung, Spaß und Erfolg!
16.01.2012, 22:05
“Das mag ich gerne. Dann machen wir drei Abenteurer uns mal auf den Weg, ja? Schau mal, ich habe hier schon etwas Seltsames gefunden, möglicherweise ein Indiz, worum es hier geht?“
Sie stupste den Roten zu ihrem seltsamen Fund, der noch immer an Ort und Stelle unter Wasser lag. Hier war es zwar wirklich nicht tief, aber noch immer hatte Tyraleen keine Lust, ihre Schnauze einzutauchen und das Ding herauszuholen. Eigentlich war es auch nicht in ihrem Sinne, dass Isaí dieser Aufgabe übernahm, aber vielleicht kam der auch auf eine clevere Idee. Oder aber Kisha. Die Leitwölfin hob den Kopf und sah mit einem leichten Lächeln zu ihrer Schwester. Anders als bei Isaí lag nun aber auch Sorge in ihrem Blick und die Unsicherheit über diese so ungewöhnliche Situation. Sie hatte einfach keinen blassen Schimmer, ob diese Suche eine gute Idee war und nun Isaí bei sich zu haben, machte sie doch unruhiger, als sie sich eingestehen wollte. Sie würde es sich nie verzeihen, wenn ihm irgendetwas passieren würde. Er musste doch schließlich einmal Leitwolf werden. Vielleicht.
[ mit den Pfoten im Sumpfwasser | Isaí und Kisha ]
((sollte einer von euch das Ding aus dem Wasser ziehen oder erkennen: Es ist ein großer Oberschenkelknochen von einem Hirsch oder Elch. Er ist mit grünen aber teilweise auch leicht bläulichen Partikeln bedeckt, die leicht abzuschaben sind.))
17.01.2012, 18:08
Pav atmete tief durch, aber bereute es bereits, als sie es tat. Der Gestank war für sie schrecklich greifbar und breitete sich in ihrem Maul aus, dass sie die Kadaver praktisch schmecken konnte. Sie mochte sich lieber nicht vorstellen, wie ihr Pelz nach einem längeren Aufenthalt stinken mochte… Aber, das war ein Problem, mit dem sie sich später beschäftigen sollte. Immerhin war sie jetzt, nach so langer Zeit, wieder richtig mit dabei und diese Ehre sollte sie nutzen und den anderen bei der Lösung des Problems helfen. Ein wenig hilflos ließ sie den Blick schweifen. Das Problem war nur, wo anfangen? Die Schwarze wusste es nicht genau und blickte zu den anderen, die etwas abseits verstreut waren. Ob von ihnen jemand etwas heraus gefunden hatte? Womöglich nur ein Indiz, an dem sie ansetzen konnten. So etwas wäre immerhin besser als nichts. Ob das alles hier nun mit dem Verschwinden des Rudelmitgliedes zu tun hatte, oder nicht, sie würden sich zuerst um dieses unwirkliche Gebiet kümmern. Pav war sich nur nicht vollends sicher, ob sie alle Antworten wissen wollte. Ihr Bauchgefühl schrie ihr entgegen, dass das alles nicht unbedingt etwas Gutes zu bedeuten hatte.
Sehr langsam setzte sie sich nieder und blickte auf die Pfütze vor sich. Wie in Trance erhob sie eine Pfote und ließ sie in das Wasser gleiten, dass die Ballen mit Wasser benetzt wurden. Sie hatte gehofft, dass es kalt war. So wie es sich für Wasser gehörte, aber dem war nicht so. Eine angenehme Wärme breitete sich in ihrer Pfote aus und sie rührte ein paar Momente in dem Wasser. Einfach zu komisch…
17.01.2012, 20:16
"Ahkuna Caiyé.",
widerholte er und stellte sich nun selbst vor:
"Mein Name lautet Kirov. Freut mich wirklich, dich kennenzulernen!"
Er grinste die Weiße fröhlich an und pendelte zweimal mit der Rute hin und her. Ungewollt glitt sein Blick dann jedoch wieder zum Sumpf und fiel kurz auf Amáya. Sie war wirklich ein schwieriger, unlösbarer Fall. Dann schwenkte seine Seelenspiegel jedoch wieder hin zu den dunstigen Dampfschwaden, die vom dunklen Wassergebräu aufstiegen. Ahkuna schien langsam wirklich seine Gedanken lesen zu können, als sie den scheußlichen Ort erwähnte. Erneut verkniff er sich ein Lachen und blickte wieder zu Ahkuna. Kirov verzog sein Gesicht zu einer Grimasse, die seinen Ekel wohl aussprach.
"Oh nein, schön ist er nicht. Scheußlich trifft es eher. Ich will garnicht wissen was hier verendet ist."
Der Rüde rümpfte die Nase und schüttelte den Kopf. Sein Fell wippte dabei mit. Alleine schon der Gedanke daran, in diesem Sumpf baden zu gehen ... buah. Man konnte es garnicht aussprechen. Letztendlich erwiderte er Ahkunas Grinsen und musste feststellen, dass er zu weißen Fähen offenbar einen guten Draht hatte. Aléya, Daylight und nun Ahkuna. Nunja. Der Rest würde schon noch kommen.
18.01.2012, 15:03
Die Weiße tappte einen Schritt in Amúrs Richtung, zögerte dann noch einmal und fragte sich, ob sie wirklich schon so genervt von ihren Gedanken war, dann gab sie sich einen Ruck und näherte sich ihrer Schwester. Sie konnte sich ja immer noch aus dem Staub machen, wenn es ihr zu blöd wurde.
“He, Amúr, Lust auf ein bisschen Familie? Ich hab‘ gerade Parveen entdeckt, du weißt schon, unsere Tante. Ihr beide kennt euch praktisch gar nicht, oder? Naja, ich auch nicht so richtig. Deshalb dachte ich mir, dass wir doch mal zu ihr gehen könnten, mh?“
Es war halb Frage, halb Aufforderung, deshalb wartete die Weiße auch keine Antwort ab, sondern hob die Rute leicht an und sprang flink und ohne sich die Pfoten nass zu machen auf ihre Tante zu. Währenddessen krähte sie – vielleicht ein wenig übertrieben – fröhlich:
“Tante Parveeeeheeeeen!“
Irgendwie musste sie sich ja von ihren Gedanken ablenken.
[ Sumpf | Amúr und Parveen ]
18.01.2012, 20:28
Aus diesem Grund hielt sich der Welpe auch nicht weiter in das Sumpfgebiet vorgewagt, sondern patrouillierte missmutig an den gerade noch trockenen Rändern entlang. Sein Bruder hatte sich verkrümelt, der schien Spaß an dem stinkenden Wasserloch zu haben. Momentan spielgefährtenlos stromerte der junge Rüde an Ausläufern des Gebietes entlang und konnte es nicht vermeiden, dass er hin und wieder in eine weitläufige Pfütze trat. Inzwischen wusste er, dass der kleine Wolf, der ihm dann von unten entgegenblickte, sein eigenes Abbild war – die Entzauberung dieses Mysteriums trug zu seiner schlechten Laune bei. Grummelig setzte er eine Pfote vor die andere, unzufrieden, weil er das Wasser nicht leiden konnte und ihm so das Abenteuer verwehrt blieb, alles um ihn herum stank und nicht besonders schön aussah und überhaupt – alle waren beschäftigt. Er schnaufte leise und entdeckte genau in dem Moment eine Wölfin, die scheinbar nichts zu tun hatte und auch nicht so eklig begeistert aussah wie die ganzen anderen. Obwohl er sie nicht auf Anhieb erkannte, änderte Malik seine Richtung, opferte dafür sogar die Trockenheit seiner Läufe und watete durch eine ziemlich kalte Wasserpfütze, bis er wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Angewidert schüttelte er sich und plusterte das weiße Fell auf, dann stakste er zu der grauen Fähe, die sich bei näherer Betrachtung als seine vor Kurzem aufgetauchte Tante Kursaí herausstellte. Maliks Miene hellte sich ein wenig aus – immerhin jemand, der zu seinem Papa gehörte.
„Tante Kursaí, mir ist langweilig. Mach was, biiiitte.“, bettelte er schon von Weitem.
Wie ein begossener Pudel sah er sie an, die Augen groß und flehend, die Ohren leicht zurückgelegt. Wenn sie ihm jetzt soetwas wie eine Wasserschlacht oder ein Wettrennen vorschlug, würde er kommentarlos wieder abziehen und sich schlafen legen, bis sie hier endlich wieder wegkamen. Konnte doch nicht sein, dass alle so begeistert von diesem stinkenden, nassen Fleckchen Erde waren.
19.01.2012, 15:10
Noch immer war ihm noch nicht ganz schlüssig, warum er eigentlich wirklich hier geblieben war. Weil Akhuna hier ist du Dummkopf neckte es ihm selben Augenblick in seinem Kopf. Murrend hob der Rüde die Pfote und strich sich über die Schnauze, beinah so, als könne er auf diese Weise alle störenden Gedanken verscheuchen. Vergeblich. Allerdings konnte er mit dieser Begründung öffentlich mal so gar nichts anfangen. Samirez hoffte zumindest, dass er nicht allzu deutlich hatte durchblicken lassen, dass er Akhuna bereits vor ihrem Treffen hier gekannt hatte. Ansonsten hatte er bestmöglich versucht sie so unangenehm wie nötig zu behandeln, was vielleicht nicht schön, aber in seinen Augen bitter notwendig war. Warum? Keine Ahnung. Eigentlich hatte er ihr ja folgen wollen, um nicht mehr Verstecken zu spielen, allerdings konnte er seine alten Gewohnheiten einfach nicht ablegen. Wie verhext. Es war einfach zum verrückt werden, sobald er sie sah spielten Gedanken und Worte in zwei völlig anderen Sprachen. Sein Kopf war ein einziger Trümmerhaufen und die Nervenbahnen waren nicht weiter im Stande mit dem Mundwerk zu kommunizieren. Blöde Sache.
Mit einem Seufzen ließ er den Blick herum gleiten. Er war nun bereits einige Wochen in diesem Rudel und doch war die Zahl der Mitglieder so unermesslich hoch, dass er die meisten lediglich von sehen her kannte. Es war nicht seine Art sich zurück zu halten und doch wollte sich der junge Wolf irgendwie auch keinem anderen aufdrängen und damit vielleicht für Missgunst sorgen. Samirez war es gewohnt von allen gemocht zu werden, plötzlich als Außenseiter zu stehen schien ihm einfach keine sonderlich erstrebenswerte Erfahrung. Somit versuchte er sich in Maßen einzubringen, zu helfen wo er nur konnte und doch nicht als Schleimer zu wirken.
Und so suchte er auch jetzt nach einem Wolf, der ihm vielleicht so erschien, als könne er die Anwesenheit eines Samirez gebrauchen. Kurz fasste er auch Akhuna ins Auge die mit einem grauen Rüden sprach. Ein seltsames Gefühl der Eifersucht kroch durch seine Eingeweide, doch der Weiße zwang sich dazu, brav sitzen zu bleiben und seinen Blick – vorerst – weiter schweifen zu lassen. Man konnte ja nie wissen.
19.01.2012, 22:34
Den Welpenelan konnte der Nichtswolf trotz aller guten Vorsätze nämlich kaum nachempfinden. Also blieb er lieber still dort stehen, wo seine Tatzen so wenig wie möglich versanken, und beobachtete von Weiten. Spannend war es – nach seinem empfinden – alle mal, auch wenn das Umfeld gerne weniger abstoßend hätte sein dürfen. Unwohl brummelnd versuchte der Jährling den Kopf ohne viele Bewegungen in eine Position zu legen, in der er ungestörten Blick auf das spiegelnde Wasser erhaschen konnte. Was war denn da, dass die drei so gespannt drum rum standen?!
(Hinter Kisha, Isaí, Tyraleen – weites gehend alleine)
19.01.2012, 23:20
"Hallo Malik! Was willst du denn machen?"
Es klang zwar nicht so, doch vielleicht hatte der Kleine ja eine gute Idee dafür, was man an einem solch tristen Ort schönes machen konnte, natürlich außer schlafen. Doch allein schon der Anblick des Jungtieres heiterte sie ein wenig auf, und auch der Blick von ihm. Er wirkte einfach so herzallerliebst mit seinem Welpenblick, und gleichzeitig setzte es sie auch ein wenig unter Druck. Da viel ihr auch schon eine Idee ein:
"Soll ich dir eine Geschichte erzählen?"
Doch dann fiel ihr noch etwas anderes ein, etwas ziemlich offensichtliches und doch erst jetzt ihr wahrgenommen. Der Kleine mochte dies alles genauso wenig wie sie, diesen stinkenden Morast.
"Komm doch erst einmal zu mir - hier ist ein halbwegs trockenes Fleckchen - also zumindest für diese Umgebung."
Bei diesen Worten rückte sie ein wenig, sodass das Fleckchen für sie beide reichte. Der Kleine konnte nun entscheiden, ob er einen bequeme Position an ihrer Seite wählte oder doch lieber wieder allein weiter durch diese trostlose Landschaft zog. Doch ehrlich gesagt glaubte sie nicht wirklich, dass Malik hoffen würde, eine bessere, angenehmere Gesellschaft als die ihre zu suchen, nun wo er schon so verzweifelt zu ihr gekommen ist, wie es nur ein Welpe konnte. Kursaí erfreute sich an dem Kleinen, hatte sie doch nicht mehr wirklich auf etwas wirklich positives an diesem Tag gehofft.
[Oh ich hab die Angabe vergessen: mit Malik / Sumpf]
21.01.2012, 11:56
Da vorn war zum Beispiel Isaí bei Kisha und Tyraleen an einem der unzähligen Tümpel. Was sie da genau taten, war für den Schwarzen nicht ersichtlich, aber er würde sich auch nicht die Mühe machen, es heraus zu finden. Sicherlich würde sein Sohn ihm später von seinen vielen Entdeckungen berichten. Jakash lächelte leicht, während seine Pfoten ihn gemächlich voran trugen, und ließ den Blick weiter schweifen. Seine Töchter hatte er noch nicht entdecken können, dafür jedoch Malik, der sich gerade zu Kursaí gesellte. Jakashs Lächeln verschwand. Er würde seinem Sohn den Umgang mit seiner 'Tante' nicht verbieten, aber noch immer stolperte der Schwarze bei jedem Gedanken an seine Schwester über die Enttäuschung, die ihn bei ihrer Rückkehr ergriffen hatte. Ein kleiner Teil von ihm hoffte irgendwie noch immer, dass sie plötzlich diese Maskerade beenden und all die Eigenschaften offenbaren würde, die er an dieser seiner Schwester so geliebt hatte. Aber da tat sich nichts und würde sich wohl auch nie wieder etwas tun, und diese Erkenntnis schmeckte jedes Mals auf's Neue bitter. Für einen Moment überlegte er, ob er zu ihnen gehen sollte, entschied sich dann jedoch dagegen und setzte seinen Weg einfach fort. Um seine Gedanken in andere Bahnen zu lenken, sog er einmal tief die feucht-warme Luft ein und kräuselte die Lefzen angesichts des süßlichen Gestanks, der widerlich und seltsam verlockend zugleich war. Was war mit dem Sumpf nur geschehen, oder geschah mit ihm noch immer? Jakash war nur ein oder vielleicht zweimal überhaupt in der Nähe des 'alten' Sumpfgebietes gewesen, bevor das Nichts gekommen war. Er erinnerte sich an Feuchtigkeit und den Geruch von Moder und Fäulnis, jedoch weder an diesen verwesungsähnlichen Gestank und erst recht nicht an diese Hitze, die mancher Orts vorherrschte. War das vielleicht schon wieder ein seltsames Spiel der Götter?
Derart grübelnd erreichte der Schwarze seine Gefährtin und rieb zur Begrüßung sein Gesicht an ihre Wange, bevor er sich neben sie setzte. Er lächelte liebevoll, schwieg jedoch noch für ein paar Momente und ließ den Blick nocheinmal über den Sumpf schweifen.
"Was hälst du davon?",
fragte er sie schließlich und sah sie wieder an.
[beim Rudel im Sumpf | Sheena]
21.01.2012, 12:37
Gefunden hatte er sie jedoch auch nicht. Auch keinen Weg hinab, zumindest keinen, den er auch wieder herauf hätte nehmen können. Erst recht nicht Nerúi, denn auch wenn sie am Leben war, musste sie sich bei diesem Sturz dennoch verletzt haben. Offenbar konnte sie gut genug laufen, um selbst nach einem Rückweg zu suchen, denn mit nichts anderem konnte Aszrem sich erklären, dass sie nirgends zu erblicken war. Sie blieb verschwunden. Fort.
Er hatte zwei Tage nach ihr gesucht, bevor er eingesehen hatte, dass er sie nicht finden konnte, ohne dauerhaft dem Rudel fern zu bleiben. Aszrem hatte lange und hart mit sich gerungen - Nerúi war alles, was ihm von seiner Familie noch geblieben war nach Nyotas Tod. Er war ihr Vater und diese Teil verlangte danach, unter allen Umstände nach ihr zu suchen und ihr zu helfen. Aber er war auch Alpha. Er hatte Pflichten gegenüber dem Rudel und die schrecklichen Ereignisse, die das Rudel fast gespalten hätten, lagen noch nicht lang genug zurück, als das Aszrem keine Gefahr mehr für den Rudelfrieden gesehen hätte. Immerhin hatte er diesen Rang angenommen, um Tyraleen zu helfen die Ordnung im Rude wieder herzustellen, trotz der Differenzen, die zwischen ihnen geherrscht hatten. 'Zwischen persönlich und wichtig gibt es einen Unterschied', hatte er zu ihr gesagt. Jetzt musste er wieder nach dieser Maxime entscheiden.
Aszrem gab die Suche auf und kehrte zum Rudel zurück. Unterwegs war ihm Malakím begegnet, der sich gerade seiner Suche hatte anschließen wollen. Der immer lächelnde Engayawolf hatte sich bereit erklärt, an Aszrems Statt das Rudel zu verlassen und nach der 'Prinzessin' zu suchen. Aszrem hatte seinen Dank kaum angemessen ausdrücken können, aber Malakím schien auch keine großen Worte zu brauchen.
Nun ruhten alle seine Hoffnung auf dem Schwarzen, während sich im Revier bereit wieder neue Seltsamkeiten auftaten. Das Sumpfgebiet hatte sich gewandelt und verströmt nun sowohl Wärme als auch einen penetranten Gestank, der andererseits eine merkwürdige Anziehungskraft besaß. Aszrems düstere Gedanken dazu hatten mehr als einmal die Götter gestreift, aber wenn dem so war, verschloss sich ihm der Sinn und Zweck dieser neuen 'Prüfung', wenn es denn wirklich eine war.
Der Schwarzbraune hob den Blick von dem ungewöhnlich warmen Wasser zu seinen Pfoten und ließ den Blick einmal mehr über die Umgebung schweifen. Er hoffte, dass die Rudelmitglieder klug genug waren um sich nicht allzu sehr zu zertreuen. Niemand von ihnen wusste, welche Gefahren mit diesen Veränderungen des Sumpfes vielleicht einhergingen. Sein Blick blieb an einem der Rüden hängen, die vor kurzem erst zum Rudel gestoßen waren. Joké. Sie hatten noch nicht viele Worte miteinander gewechselt, kaum mehr als ein 'Willkommen' und der Austausch von Rang und Namen. Aszrem hatte anderes im Kopf gehabt als sich um Neulinge zu kümmern, aber nun wollte er dieses Versäumnis nachholen. Der Schwarzbarune näherte sich dem jüngeren Rüden und nickte ihm grüßend zu, als er ihn erreichte.
"Joké."
Aszrem versucht sich automatisch an einem leichten Lächeln, wie er es inzwischen bei Begrüßungen zu tun pflegte, aber es wollte ihm nicht gelingen, und so blieb seine Miene ernst bis neutral.
"Wie geht es dir? Ich hoffe, du konntest das Rudel bereits näher kennen lernen?"
[beim Rudel im Sumpf | Joké]
21.01.2012, 21:20
Doch war es nicht das einzige was sich in den Gedanken der grauen Fähe breit gemacht hatte. Sie war damals fortgegangen weil sie nicht verstand warum sie die Gabe hatte, weil sie so vieles einfach nicht verstand. Nun wusste sie zwar auch nicht warum sie diese Gabe hatte, aber sie hatte gelernt mit ihr zurecht zu kommen und konnte sie kontrollieren. Außerdem hat ihr der weiße Altwolf mit dem sie ein Teil ihrer zeit zusammen war eine menge geholfen. Geduldig hatte er sich all ihren Fragen gewidmet. Würde das nun auch jemand für sie tun? Und wenn ja wer? Wen würde sie damit nicht belasten, denn das wollte sie auf keinen Fall.
Zudem waren es ja keine einfachen Fragen. Wie Amúr selbst fand. Eigentlich waren es fragen die keiner beantworten konnte. Fragen über die Götter und über die Zukunft. Fragen über Gefühle und über das Lebens. Auch wenn Amúr bei so vielen Fragen wusste das niemand ihr die Antwort darauf geben konnte, stellte sie sich immer wieder. Als Welpe war es doch so schön einfach. Unbeschwert und frei. Nun verstand sie das Leben immer weniger.
Sie blickte sich erneut um und entdeckte Isaí. Waren die Welpen wirklich ein Zeichen Engayas? Hieß es das alles wieder gut werden würde? Aber auch diese Fragen, was müsste den passieren das alles wieder gut ist? Da hat doch bestimmt jeder seine eigenen Vorstellungen. Sie schüttelte den Kopf und trat einen Schritt nach vorne. Somit trat sie mit der Pfote in die Pfütze die seltsam und gleichzeitig angenehm warm war. Sie hob die Pfote aus der Pfütze raus und neigte den Kopf leicht schräg. Irgendwas ging hier vor. Es waren auch so gut wie keine Tiere zu hören, neben dem Rudel. Eine eigenartige Stille, die nicht von Amúr selbst erzeugt wurde. Unbehaglich und doch angenehm. Dieses ewige dazwischen.
Als sie angesprochen wurde zuckte sie kurz zusammen.
“Caylee.“
sagte sie und setzte ein lächeln auf. Auch Caylee war eine Schwester. Wie es ihr wohl hing? Wie sie wohl zu den Göttern stand? Wie sie das mit Tascurio erlebt hatte? Im Grunde musste sie alle neu kennen lernen. Ihre Eltern, ihre Geschwister. Alles hatte sich geändert und das fand Amúr nicht unbedingt toll. Sie wollte Anschluss finden, an ihre Geschwister oder an andere. Doch fiel ihr es doch recht schwer. Dabei war sie doch viel offener geworden.
“Dann lass uns unsere Familie kennenlernen.“
sagte sie und grinste leicht. Doch es steckte soviel Wahrheit in diesem Satz. Es passte zu ihren Gedanken. Dann war Caylee auch schon auf den Weg zu ihrer Tante. Amúr lief hinterher, unbedacht ob sie in Pfützen trat oder nicht und musterte kurz ihre Schwester. Dann lächelte sie erneut, es war freundlich ja aber nicht so wie es hätte sein können.
“Wir dachten uns wir leisten dir mal Gesellschaft, Tante.“
sagte sie nach Caylees Worten und sah diese kurz an, ehe sie Parveens Reaktion abwartete.
[beim Rudel/ direkt bei Caylee & Parveen]
21.01.2012, 23:20
Ahkuna nickte und ein sanftes Lächeln hatte sich auf ihre Lefzen gelegt. Kirov, also. Den Namen hatte sie noch nirgends aufgeschnappt. Aber nett schien er ja zu sein. Ein Glück. Einen weiteren Fenriswolf bräuchte das Rudel ganz sicher nicht. Jemand der ihnen Ärger machte oder sonstiges. Als der Graue sein Gesicht zu einer Grimasse verzog, musste die junge Fähe leise auflachen.
„Nicht wahr?!“, fragte sie schließlich und legte ihren Kopf leicht schief. „Hier ist es wirklich gruselig. Aber doch glaube ich, dass hier noch viel mehr sein muss. Meinst du nicht?“
Nicht umsonst waren sie schließlich an so einem Ort gelandet. Hier musste mehr sein. Viel mehr. So recht wusste Ahkuna allerding auch nicht, was man sich hier erhoffte zu finden. Außer, dass man eine Fährte gefunden hatte von der verschollenen Tochter des Alpharüden. Sie glaubte, dass es hier noch unentdeckte Geheimnisse gab. Doch ob sie sie wirklich heraus finden wollte? Manche Dinge mussten einfach unentdeckt bleiben. Zählte dieser Ort vielleicht auch dazu? Sie schluckte und legte ihre Ohren leicht unsicher an. Ihr Kopf drehte sich leicht zur Seite und sie blickte um sich. Beobachtete kurz alle Wölfe in ihrer Nähe und entdeckte dabei auch gleich einen Rüden, der ihr ungewollt ins Auge stach. Samirez. Sie warf ihm einen Blick zu, der eine Mischung aus Traurigkeit und Unverständnis bestand. Warum war er gekommen, wenn er sich weiterhin so ekelhaft so zu ihr verhielt? Sie seufzte. Sie wurde aus dem Rüden einfach nicht schlau. Warum verhielt er sich ihr gegenüber stets so abwesend? Ihre Ohren schnippten durch die stinkende Luft, als sie sich wieder zu Kirov wandte und versuchte ihn keck angrinste.
[Beim Rudel | Kirov]
22.01.2012, 11:51
Bei ihnen angekommen konnte sie noch den Worten Tyraleens lauschen, legte dann leicht die Ohren zurück, als die helle Wölfin ihren sorgenschweren Blick auf sie richtete, die Lefzen dennoch von einem Lächeln gezeichnet. Zuerst zögerte die Schwarze, bemühte sich dann jedoch um ein aufmunterndes Lächeln für ihre Schwester. Sie konnte sich gut vorstellen, was in ihr vorging, verspürte sie doch die selbe Sorge um den kleinen Welpen. Aber immerhin hatte er versprochen, ganz vorsichtig zu sein, zudem waren sie beide da, und Kisha war sich sicher, dass keiner von ihnen zulassen würde, dass Isaí etwas geschah. Und... wenn es zu gefährlich wurde, konnte man dieses Abenteuer noch immer abbrechen, so ungern sie dem Roten diese Chance auch nehmen würde. Aber manchmal war es einfach nicht anders möglich. Sie versuchte also ein aufmunterndes Nicken, ehe sich die brauen Augen auf die Entdeckung Tyraleens richteten. Den Kopf leicht zur Seite neigend senkte die dunkle Wölfin den Kopf, blickte ein wenig verwirrt dieses... Ding an, welches dort im Wasser lag. Es sah merkwürdig aus, fast unmöglich zu definieren. Ein weiterer, verwirrter Blick galt Tyraleen, in deren Gesicht sie selbe Ratlosigkeit stand. Kisha trat einen Schritt vor, berührte dieses... Ding mit einer Pfote, bewegte es nur ein winziges Stück. Die Ohren Kishas stellten sich auf, dann wandte sie den Blick zu Isaí herum.
„ Weißt du, was das sein könnte, Isaí?“
Wie auch Tyraleen zuvor scheute sich die Dunkle, die Schnauze zu senken, dieses Gebilde heraus zu ziehen. Zu unbekannt war es, zu sehr erfüllte sie es mit Furcht. Gleichzeitig weckte es ihre Neugierde, war es doch so verlockend, mehr über diesen Ort zu erfahren, zu wissen, was hier vor sich ging. Aber ob die Lösung des Rätsels wirklich hier vor ihnen im Wasser lag? Ein leises Seufzen verließ ihren Fang, ehe sie den Kopf hob, den braunen Blick noch immer auf das Wasser gerichtet.
„Ein wirklich seltsamer Ort.“
[Beim Rudel – Tyraleen & Isaí]
22.01.2012, 12:18
Sie brauchte nicht viele Schritte, bis sie ihren Bruder erreicht hatte, mit ruhigen Schritten auf ihn zu trat, und ihn mit einem ruhigen Lächeln und einem Nicken begrüßte. Nun atmete sie tief ein, ließ den Blick dabei von Chardím über das Rudel schweifen.
„Schon verrückt, wie dieser Geruch das ganze Rudel in Aufruhr bringt. Eigentlich doch unnötig, oder?“
Nun gut, nicht wirklich ein anderes Thema, wie sie es eigentlich beabsichtigt hatte. Und doch interessierte die Graue die Meinung ihres zweifarbigen Bruders, was sie nun mit einem aufmerksamen Blick auf ihn gerichtet untermalte.
[Beim Rudel - Chardím]
22.01.2012, 14:56
Kurz nur schaute er zu Kisha auf, als sie es ihm gleichtat und versuchte, das Ding dort zu erkennen. Allerdings schien auch sie nicht wirklich eine Idee zu haben, auch nicht, nachdem sie es leicht bewegt hatte, denn auch die neue Lage schien nicht wirklich Auskunft zu geben. Seine Ohren drehten sich überlegend zur Seite, während er ein weiteres Mal die Sache betrachtete und den Blick seiner Patin schließlich erwiderte.
„Es sieht aus wie ein Stock. Ein großer, merkwürdiger, weißer Stock.“, tat er schließlich doch einen Eindruck kund und sah abwartend von Kisha zu Tyraleen hinüber.
Noch immer war in seiner Haltung die Spannung zu erkennen, die seinen Körper unter Strom setzte. Die Spannung des erwarteten Abenteuers, in dem sie sich nun mit einem Mal bereits mittendrin befanden. Der junge Wolf rümpfte einen Moment die Nase, während sein Blick erneut dieses stockähnliche Gebilde fixierte, welches durch die Spiegelung des Wassers so schwer zu erkennen war. Und dann war da auch noch diese Trübung des Gewässers. Am besten wäre es doch, wenn man es erst mal herausholte! Dann konnte man es sich viel besser ansehen. Ein fragender Blick galt den beiden Fähen, ehe er sich dazu entschloss, diese Aufgabe einfach zu übernehmen. So schwer konnte das doch nicht sein! Mit einer langsamen, zögerlichen Bewegung senkte er die Nase, doch je näher er dem Gesöff kam, desto weniger überzeugt war er von seinem Plan. Schließlich endete dieses heldenhafte vorhaben darin, lediglich die Nase kurz hineinzustecken, ehe er sie auch schon wieder voller Überraschung hinauszog. Es war ein unangenehmes Gefühl, doch mehr noch verwirrten ihn die Blasen, die plötzlich aus dem Wasser aufstiegen. Wer kam den auch schon auf die Idee, seine Nase mal ins Wasser zu stecken? Das Gesetz, dass all das, was man hineinbließ, in Form von Luftblasen wieder aufstieg, war für ihn vollkommen neu. Doch er versuchte, es gekonnt zu überspielen, indem er die Aussage Kishas aufnahm und mit zu einer Frage ansetzte, die ihn schon die ganze Zeit beschäftigt hatte.
„Wie war es denn vorher?“, fragte er interessiert und sah erneut auf, ehe er sich wieder dem Ding widmete und es ein weiteres Mal wie Tyraleen und Kisha vor ihm, ein kleines Stückchen mit der Pfote bewegte. „Es lässt sich ja bewegen. Vielleicht, wenn wir das Indiz zum Ufer schieben und…“
Ihm gefiel das Wort, es klang so schlau, so gebildet und somit war es kein Wunder, dass er es – hoffentlich im richtigen Zusammenhang – verwendete. Ein nüchternes Lächeln zierte erneut seine Lefzen, abwartend, wie seine Idee ankommen würde. Während sein Blick wieder von einem Wolf zum anderen wanderte, fiel ihm auch Nihilus auf, der wenig Begeistert in einiger Entfernung stand. Ihm galt ein kurzes Grinsen, ehe er sich wieder voll auf die beiden Fähen an seiner Seite konzentrierte.
22.01.2012, 20:56
„Ich weiß auch nicht. Das ist so nass und stinkig hier und alle finden das toll. Du findest das doch nicht toll, oder?“
Er brauchte hier dringend ein paar Verbündete, die sich auf seine Seite stellten, wenn er Tyraleen seine Meinung zu dem Standort hier sagen wollte. Er wollte hier weg, zurück zum Rudelplatz vielleicht oder wo anders hin, Hauptsache da roch es nicht so eklig und es war nicht nass. Zwar war es überall sonst deutlich kälter, aber das nahm er tapfer in Kauf, wenn es dafür nur nicht so … sumpfig war. Und er war sich nun auch sicher, dass er nicht der Einzige im Rudel war, der so dachte. Allein dass Tyraleen zusammen mit Isaí irgendwelche ekligen, stinkenden Reste aus dem Sumpf zerrte und daran Spaß zu haben schien, enttäuschte Malik ein wenig. Er war sich sicher gewesen, dass die hübschen weißen Wölfe alle seine Meinung über den matschigen Aufenthaltsort teilten, aber Tyraleen … sicherlich machte sie das nur, damit Isaí seinen Spaß hatte. Malik warf dem Roten einen missgünstigen Blick zu und kräuselte den Nasenrücken ein wenig, besann sich dann jedoch schnell, weil Kursaí ihn beobachtete und er mitbekommen hatte, dass die Erwachsenen den Streit unter den Brüdern nicht wünschten. Ergeben legte der Weiße die Ohren an und kam wie aufgefordert näher zu ihr, als sie ihm Platz machte. Noch etwas schüchtern nahm er an ihrer Seite platz und schob die Nase in ihr Fell. Es roch ein bisschen wie das seines Vaters, nach Familie. Ein leises, von Zufriedenheit und Geborgenheit zeugendes Winseln entwich seinem Fang und er schmiegte sich an den Körper der Fähe, dann setzte er sich nieder und sah sie von der Seite her mit großen Augen an.
„Wenn du eine spannende Geschichte weißt, mag ich eine Geschichte hören.“, erklärte er ihr mit gewinnendem Lächeln.
Seine Oma konnte die besten Geschichten erzählen, aber er konnte ja Anderen aus der Familie auch die Möglichkeit geben, sich indirekt mit ihr zu messen. Vielleicht konnte er seiner Tante eine Hilfestellung geben, indem er sich ein Geschichtenthema überlegte, das er noch nicht kannte – was wiederum ziemlich schwierig war. Er grübelte mit schief gelegtem Kopf darüber nach, was Isaí schon wusste und ihm nicht genauer erzählt hatte – aber Isaí konnte eh keine Geschichten erzählen, von daher … die Götter! Seine Miene hellte sich auf und er wandte sich aufgeregt an die Graue.
„Kannst du mir was über Fenris und Engaya erzählen? Die haben hier doch alles gemacht, nicht wahr? Hat Fenris diesen hässlichen Sumpf gebaut? Und wen findest du denn besser?“
Oh ja, da vielen ihm gleich so unendlich viele Fragen ein, dass er sich selbst bremsen musste. Bittend sah er Kursaí an und hoffte darauf, dass sie von den Göttern genug Ahnung hatte, um ihm alles zu erzählen. Aber jeder Wolf kannte sich damit aus, also wusste seine Tante das bestimmt.
23.01.2012, 17:56
Parveen lächelte schüchtern und erwartete die Wölfin, als ihr auch die andere Fähe auffiel, die ein wenig langsamer hinter Caylee herlief und genau darauf zu achten schien, nicht in eines der Sumpflöcher zu treten. Der Schwarzen fiel es nun leichter, sich zu erinnern und erkannte Amúr. Sie hatte also doch nicht alles vergessen…
"Caylee, Amúr, schön euch zu sehen. Ich freue mich, dass ihr mir Gesellschaft leisten wollt."
Die Schwarze blickte den beiden jungen Fähen freundlich, wenn auch immer noch etwas schüchtern, entgegen. Sie konnte gar nicht sagen, wie sehr es sie freute, dass sie ausgerechnet zu ihr gekommen waren. Das hieß anscheinend, dass sie doch nicht mehr als Geist wahrgenommen wurde. Sie erinnerte sich auch an ihr Gespräch mit Tyraleen. Sie war bis jetzt der einzige Wolf gewesen, mit dem sie wirklich viele Worte gewechselt hatte und auch die Einzige, die sie einigermaßen zu kennen glaubte. Es wurde wirklich langsam Zeit, dass sie sich bemühte auch den Rest der Familie kennen zu lernen und sich mit ihnen beschäftigte.
"Dieser Sumpf… Sind zwei junge Fähen nicht darauf aus, diesen Ort kennen zu erkunden?"
Parveen wollte sie keineswegs vertreiben. Vielmehr wollte sie erfahren, warum sie nicht mit den anderen durch den Morast stapften und nach Hinweisen suchten. Vielleicht wussten sie auch einfach nicht, ähnlich wie ihre Tante, nach was sie überhaupt Ausschau halten sollten. Die Schwarze wollte helfen und nicht unnütz herum sitzen, aber konnte sie auch nicht leugnen, dass ihr dieser Ort alles andere als geheuer war.
24.01.2012, 22:24
“Eine sehr gute Frage. Normalerweise ist es hier so kalt wie überall sonst. Die Temperatur des Wassers gleicht der des Sees und der Flüsse. Du weißt sicher noch, wie kalt das Wasserfallwasser war, oder? So kalt müsste es hier eigentlich auch sein. Und riechst du diesen seltsamen Geruch? Es stinkt ziemlich, aber irgendwie ist er auch interessant, oder? Eigentlich riecht es sonst hier nur etwas modrig und nach viel Wasser und Pflanzen.“ Sie machte eine kurze Pause und sah den Roten auffordernd an. “Das heißt, wir suchen nach etwas, das Wasser warm macht und einen solchen Gestank erzeugt. Hast du eine Ahnung, wer oder was so etwas kann?“
Sie erwartete nicht wirklich die große Erkenntnis Isaís und des Rätsels Lösung aus seinem Fang, aber ein wenig Nachdenken würde ihm vielleicht Spaß machen und wer wusste es schon … vielleicht kam er auch auf eine Idee, die ein Erwachsener einfach nicht denken würde. Das bewies er auch gleich mit seinem Vorschlag, wie sie nun dieses verflixte Indiz – Er hatte das Wort schon wieder benutzt! Wäre er kein Welpe, hätte sich Tyraleen sicher gefragt, ob er sich über sie lustig machen wollte. – näher betrachten könnten. Auf diese Idee hätten zwar sowohl Kisha als auch sie selbst kommen können, aber die Weiße war dennoch stolz auf den Kleinen. Er bewies Erfindergeist. Deshalb schenkte sie ihm erneut einen anerkennenden Blick und prüfte dann die Entfernung von dem Ding zum „Ufer“, oder eher zu einer Erdfläche, die aus dem Matschwasser hervorschaute. Da sie sich noch nicht sonderlich weit vorgewagt hatten, würden sie keine große Distanz überwinden müssen. Möglicherweise mit einem beherzten Schlag … Tyraleen trat neben Isaí, grinste ihm zu und gab dem Indiz dann einen harten Schlag von der Seite, der es mit Schwung einige Pfotenschritte weiter wirbelte. Tatsächlich kam es zur Hälfte aus dem dort noch seichteren Wasser hervorragend zum Stillstand und ragte nun beinahe ein wenig bedrohlich aus dem Sumpf hervor. Das eine, nun freigelegte Ende sah verdächtig nach einem Knochen aus, aber die Weiße näherte sich dem Indiz zunächst, bevor sie eine Einschätzung von sich gab.
[ beim Rudel | Kisha und Isaí ]
25.01.2012, 17:12
Das Rudel war im Sumpfgebiet unterwegs, wie dem Schwarzen plötzlich bewusst wurde und so verlangsamte er seine Schritte, um der Sache auf den Grund zu gehen. Was sollte das denn jetzt? Wie ein Schatten bewegte er sich durch die Reihen, hielt sich im Verborgenen und war sich sicher, für die meisten gänzlich unsichtbar zu sein. Seine Verletzungen waren noch nicht gänzlich verheilt, aber auf dem besten Weg dort hin. Lustig könnte es sein, einen Blick auf seinen Kontrahenten von vor wenigen Tagen zu werfen, letztlich blieb Krolocks Blick aber an einer weißen Wölfin hängen, die zwischen den Bäumen in seinem Blickfeld auftauchte. Still und regungslos sah er ihr eine Weile zu, stand einfach verborgen zwischen einigen, muffigen Pflanzen. Auch sie hatte er in den letzten Tagen nicht gesprochen, obwohl sie manchmal eine Art Kompass haben musste, der dazu führte, dass sie ineinander liefen. Oder war er es, der in sie hinein lief?
Als Caylee sich entfernte, erwachte auch er aus seiner Starre. Die wenigen Augenblicke des Rastens waren vorbei und er spürte schon wieder Unruhe in sich aufsteigen. Wenn er aber doch schon einmal hier war, ließ sich vielleicht auch die ein oder andere spitze Bemerkung an das richtige Gemüt richten. Er wusste nicht einmal, ob jemand sauer auf ihn war, weil er Turién zerfetzt hatte, so lange war er den armseligen Gutwölfen nun schon aus dem Weg gegangen. Hoch erfreut bei dem Gedanken an eine Auseinandersetzung steuerte er also auf zwei von dessen Geschwistern zu. Es waren auch Caylees Geschwister, aber das war Krolock egal. Seiner Meinung bestand da nicht viel Ähnlichkeit zu der schneeweißen Fähe. Dazu war das Pack das er hier antraf viel zu gewöhnlich.
„Völlig richtig erkannt. Bald wird das Rudel denselben Geruch tragen und keiner wird ihn als weiter sonderbar erkennen. Merken wird man es nur am geringer werdenden Zulauf an Wölfen, die sich alle von ihrer Nase werden leiten lassen, um das Weite zu suchen.“
[Zunächst verborgen in Caylees Nähe, dann bei Chardim und Atalya]
25.01.2012, 23:03
Lieber sollte sie sich diesem unheimlichen Gebiet widmen, in welches Tyraleen das Rudel geführt hatte. Natürlich hatten sie lange zusammen gesessen und überlegt, ob es wirklich das Richtige war hier her zu kommen, doch sie alle waren zu dem Entschluss gekommen, dass es wichtig war das ganze Revier zu kennen. Und da sie das Sumpfgebiet schon vor dem ‚Nichts‘ gemieden hatten, war es nun wahrscheinlich einfach an der Zeit es genauer zu erkunden.
Zwar hatte sich das Wetter wieder in normale Bahnen bewegt, der Herbst hatte ganz normal Einzug erhalten und nun kündigte sich ein weiterer Winter- mit der Ausnahme, dass wirklich Winterzeit war- an. Ihre Welpen würden ihn überstehen, sie hatten ein großes Rudel im Rücken, welches sie auch während der Winterstürme warm halten würden und ihre Ernährung sicherstellen würden. Wenn auch es sein konnte, dass sie alle ein wenig zurücktreten mussten. Wer wusste schon, wie sich das Wild über den Sommerwinter gebracht hatte!?
Vielleicht bestand aber auch die Möglichkeit hier im Sumpfgebiet zu überwintern. Sollten die Schneestürme zu eisig werden und die Kälte dem Rudel und vor allem den Welpen zu sehr zusetzen sollte, hätten sie hier die Möglichkeit sich zurück zu ziehen und auch wenn der Gestank sie fast um den Verstand brachte, wäre es hier immerhin schön warm.
Nachdenklich war Sheena mittlerweile zum Stehen gekommen, die Stirn in leichte Falten gelegt und die Lefzen gedankenverloren verzogen. Sie versuchte abzuwägen ob dieses Gebiet mehr positive oder mehr negative Punkte mit sich brachte.
Über diese Grübeleien hatte Jakash sich unbemerkt ihr genähert und so erschrak sie einen kurzen Moment, als sie plötzlich seine sanfte Berührung verspürte. Langsam ließ sie sich neben ihn sinken und leckte ihm liebevoll über die Schnauze. Seinem anfänglichen Schweigen konnte sie sich nur zu gut anschließen, viel zu viele Gedanken wirbelten in ihrem Kopf umher, als dass sie nun die richtigen Worte gefunden hätte. Doch Jakash schwieg nicht lange. Schon erhob er seine Stimme und stellte ihr eine Frage. Eine Frage, die sie nur zu gerne umgangen wäre. Ja, was hielt sie von der Situation, von dem Sumpf.
Obwohl sie noch eben die Gedanken nicht von dem Sumpf hatte lassen können, fiel es ihr nun schwer eine Antwort zu formulieren.
„Mein lieber Jakash… Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Einerseits denke ich, es ist eine Chance um den kommenden Winter gut zu überstehen, andererseits habe ich ein merkwürdiges Gefühl. Diese Hitze, dieser Gestank. Das war früher nicht so schlimm.
Ich sorge mich ein wenig, was das zu bedeuten hat!?“
Wer sollte ihr darauf eine Antwort geben können? Ihre einzige Hoffnung bestand darin, dass Engaya sie rechtzeitig warnen würde, wenn sich wieder irgendetwas Unheilvolles über das Tal legen würde.
[Sumpfgebiet| Jakash]
26.01.2012, 20:39
“Uäh, nein - es stinkt, ist nass, dreckig und abgesehen davon scheint mir hier ein bisschen viel Wirbel um nichts gemacht zu werden. Wen stört es schon, wenn dieser Sumpf, der vorher jeden einen Dreck interessiert hat, nun warm und eklig ist? Soll er doch.“
Sie machte ein etwas miesepetriges Gesicht und warf dann ihrer Schwester einen Blick zu. Eigentlich interessierte es sie nicht sonderlich, ob Amúr dieser Einschätzung zustimmte, aber sie wollte ja ihre Familie kennenlernen, dazu gehörte vermutlich auch das Wissen über die Einstellungen ihrer Schwester. Trotzdem wandte sie sich wieder Parveen zu, legte beinahe keck den Kopf schief und grinste schon wieder.
“Und du? Weder Interesse am Sumpf noch an anderen Wölfen?“
Es mochte provokant klingen, war aber tatsächlich nicht so gemeint. Es war einfach Caylees neue Art, Fragen direkt und ehrlich zu stellen, das war weitaus angenehmer als das ewige Drumherumgerede.
[ Sumpf | Amúr und Parveen ]
29.01.2012, 17:44
Die Dunkle erhob sich mit einer geschmeidigen Bewegung und Schritt langsam, doch elegant zurück weiter zurück zum Rudel, von welchen sich Gesprächsfetzen lösten und zu ihr hingetrieben wurden. Die Ohren leicht angewinkelt stakste sie über eine angenehm warme Fütze hinweg um ihre Pfoten dann auf rutschigen Erdboden wieder aufsetzen zu können. Sie wusste gar nicht, wo hin sie gehen wollte oder sollte. Vielleicht würde sie auch einfach eine Runde um die große Ansammlung von Wölfen drehen und sich dann wieder irgendwo niederlassen. Sie blieb trotzdem so gut es möglich war auf Distanz von den Anderen, die sie möglicherweise ansprechen konnten. Das war wohl das Letzte, was sie brauchte. Trotzdem, sie würde einfach darauf vertrauen das Fenris ihr das nächste Opfer zwischen die Pfoten schicken würde. Was auch immer.
Ein junger Rüde, den sie gerade erst bemerkt hatte, schien sich genau auf ihrer Laufbahn niedergelassen zu haben schien und das Rudel beobachtete. Es schien fast, als würde er jemanden suchen. Schulterzuckend entschied sie sich dagegen ihre Route abzuändern und blieb zwei Fuchslängen vor dem Hellen stehen. Kühl blickte sie auf den Jüngling nieder, der nicht ein Mitglied ihrer Familie war und sogar ziemlich neu zu sein schien. Oh nein. Die Regentochter Endeffekt auch egal. Sie ließ sich mit einer sanften und langsamen Bewegung auf ihre Hinterläufe wieder und nickte dem Rüden zu. Auch wenn er neu war, sie vermeinte ihn mit seinen hübsch goldfarbenen Augen schon einmal gesichtet zu haben. Er schien ungefähr gleichgroß mit der Schwarzen zu sein, auch wenn er ein wenig jünger zu sein schien. Kein Jährling, nein, jedoch immernoch jung. Nicht, dass Amáya auch nicht jung gewesen wäre. Doch war sie trotz ihrer spärlichen drei Jahren eben anders. Anders als all die anderen Engayakinder.
"Sei gegrüßt, mich nennt man Amáya. Ich vermute einfach mal, du bist noch nicht lange im Rudel. Wie gefällt es dir hier im Tal der Sternenwinde ? Mal abgesehen davon, dass dieses Sumpfloch hier wirklich stinkt."
Ihre Stimme nahm bei ihrem letzten Satz einen leicht amüsierten Unterton an, während ihre regenblauen Augen den Rüden erneut kurz musterten. In solch einem Rudel konnte man Wölfen allgemein nicht lange aus dem Weg gehen. Trotzdem, auch für diese Maßstäbe war sie überdurschnittlich viel abseits und dies war gut so. Vielleicht lebte sie nicht mehr direkt nach Banshees Regeln und hatte nun auch keinen Aufpasser mehr, der den Namen Akru trug, doch galten für sie eben diese Regeln und eben jene Lebensweise immer noch. Akru hatte sie damals als Todesengel betitelt. Ob sie ein Engel war, war dabei nun wirklich fraglich, auch wenn sie wusste, dass er es damals wohl eher auf ihr Aussehen bezogen hatte. Das mit dem Tod, nun was sollte man sagen? Sie war wirklich tot, in gewissen Sinne. Vielleicht nicht ihr Körper, doch ihre Seele gewiss. Tot und in der ständigen Angst vor der Angst, die ihr Fluch ihr brachte. Ihr Fluch, ihr Segen, was auch immer. Ihr Wunsch, der ihr dann um Fluch wurde. Das passte da schon besser. Aber es war wahrscheinlich eine gerechte Strafe, für all die Sünden die sie begangen hatte. Für all das, wofür auf ihrer Seele das Wort 'schuldig' geschrieben stand.
29.01.2012, 20:50
Kursaí erwiderte das Lächeln von ihm und fügte auch noch einen freundlichen Nasenstupser an. Auf seine Worte konnte sie nur zustimmend nicken. Auch sie fand es nicht sonderlich verlockend hier und eigentlich war ihr auch nicht ganz so offensichtlich wie sich manche so stark für diese Gegend begeistern konnten.
"Das stimmt. Zwar ist es hier auch warm, doch der Winter kommt und der hat nun einmal kalt zu sein - das ist das Leben." Nach einer kurzen Pause fügte sie noch hinzu: "Die anderen werden bestimmt auch bald die Lust an diesem Sumpf verlieren - hoffentlich bevor unsere Nasen abstumpfen."
Sie hoffte Malik damit zuminest ein wenig erheitern zu können, auch wenn es nicht gerade der freundlichste Humor war, den es gab.
Bevor er nun zu ihr kam, folgte sie seinem Blick zu seinem Bruder. Dieser schien ganz im Gegensatz völlig erfreut von dieser Landschaft zu sein, ganz zum Missgefallen seines Bruders an ihrer Seite.
Sie sagte dazu jedoch nichts weiter, sondern wartete ab, bis sich der Jungrüde an ihre Seite gekuschelt hatte. Sie schleckte, auch etwas vorsichtig, über seinen Kopf. Sie hatte die Kleinen vom ersten Moment an gemocht und erfreute sich der Zeit, die sie mit ihnen verbringen konnte.
Als er sie nun auffordernd ansah, überlegte sie sich, was sie ihm erzählen konnte. Bei ihrem Angebot hatte sie an nichts spezielles gedacht und als sie sich noch das Gehirn zermaterte, kam von ihm auch schon ein Vorschlag. Sie lächelte ihn freundlich zu:
"Ja, gerne erzähle ich dir über sie. Doch alles der Reihe nach."
Sie wusste wie es wahr, alles wissen zu wollen. Jedoch konnte sie nicht alle Fragen auf einmal beantworten, und so musste sie die Fragen wohl der Reihe nach abarbeiten. So begann sie zu erzählen:
"Der Kreis des Lebens, das ist das Vermächtnis der Götter an uns. Engaya, das Leben steht an dem Anfang unseres Seins und Fenris, der Tod am Ende. Und wir alle hier auf der Welt sind mitten drin, zwischen den Beiden. Besonders du und deine Geschwister, ihr habt noch fast das ganze Leben vor euch, andere haben die Schwelle zum Tod schon überschritten." Bei diesen Worten musste sie sowohl an ihren Vater als auch an ihren Geliebten denken. Jedoch verbannte sie diese Gedanken sofort wieder, sodass sie sich weiter auf die Geschichte konzentrieren konnte. "Diese Welt wurde von ihnen geformt und überall gibt es sowohl das Leben als auch den Tod, man muss zum Teil nur genau hinsehen. Wenn es nur einen Teil gibt, dass ist alles dem Untergang geweiht. Sowohl das ewige Leben, als auch der ewige Tod ist nicht erstrebenswert. Dies mussten die beiden Götter auch feststellen, hatten sie beide doch versucht dies in ihren Tälern zu leben. Engaya hier im Tal der Sternenwinden hatte das ewige Leben und Fenris im Tal des Raben lebte in der ständigen Existenz des Todes. Doch beides hatte die Wölfe in den Wahn getrieben und so mussten beide erkennen, dass ihre Rudel so nicht existieren konnten. In ihrer Verzweiflung verließen sie jeweils ihre Rudel und entdeckten sich. So gegensätzlich sie auch waren, sie liebten sich und sie setzten neues Leben in die Welt aus ihnen selber. Welpen, die sowohl die Kinder des Todes als auch die Kinder des Lebens waren. Mit diesen kamen sie nach einer langen Wanderung wieder in dieses Tal, die Heimat von Engaya. Jedoch es war nicht herrlich was sie entdeckten, sondern ein Lebenstolles Rudel.
Jedoch dauerte es nicht lange, bis das Gleichgewicht wieder hergestellt war. Nun war sowohl Engaya als auch Fenris dort. Jedoch blieben sie nicht für immer, denn es gab noch ein anderes Tal, welches zurück in den Kreislauf geführt werden musste. Nachdem auch in dem Tal der Raben der Untergang verhindert wurde, wollte Fenris wieder in das Tal der Sternenwinde, wo er bis an sein Lebensende lebte, während Engaya im Tal des Raben blieb."
An dieser Stelle machte sie ein Kleine Pause. Ihr Blick glitt von dem Welpen zu dem Sumpf. Sie blickte einmal über den Ganzen - zumindest über den Teil, den sie sehen konnte. Dann kehrte ihr Blick zu ihm zurück.
"Ich will eherlich sein, ich weiß es nicht. Doch meine Vermutung ist die selbe. Vorhin habe ich selber gedacht, dass dies gewiss das Werk von Fenris sein muss. Und mein Herz liegt bei Engaya. Dies habe ich herausgefunden, bevor ich wieder zu meinem Rudel, zu unserem Rudel zurückgekehrt bin."
[mit Malik / Sumpf]
30.01.2012, 10:41
"Vielleicht hast du Recht. Sie haben uns bestimmt nicht nur hergeführt, weil es interessant aussah. Hier muss noch irgendwas sein. Vielleicht ... etwas gruseliges."
So langsam war Kirovs Abenteuerlust geweckt worden. Er spürte ein starkes Verlangen, sich hier nochmal genauer umzusehen. Dennoch spürte er ein kaltes Kribbeln im Nacken, wenn er daran dachte, was sie finden könnten. Aber es würde schon nocht schlimm werden. Wieso jetzt schon Hoffnungen machen, wenn der Gestank nur von verendeten Rehen ausging? Das wäre wirklich unspektakulär. Der Rüde erhob sich und blickte Ahkuna freudig an.
"Wollen wir uns mal etwas umsehen? Wir gehen auch nicht weit weg.",
versprach er und nickte etwas, wie um sich selbst zu überzeugen. Er wollte auf keinen Fall, dass Ahkuna wegen ihm Ärger bekam. Schließlich war sie Tyraleens Nichte, wie sie es gesagt hatte. Abwartend blickte er die Weiße aus seinen blauen Seelenspiegeln an.
31.01.2012, 20:22
Chardím nickte auf die Worte hin, die Atalya als Begrüßung wählte. Ein kurzer Seitenblick zum trüben Wasser, indem schon wieder eine Blase platzte.
„Es ist schon etwas seltsam ... aber ob es deshalb wieder irgend ein Zeichen soll, bin mir nicht sicher.“
Als ein weiterer Wolf auf ihn und seine Schwester zutrat, spitzte der ungewöhnlich gefärbte Rüde die Ohren. Krolock – dass er sich zu ihnen gesellte war ja fast noch ungewöhnlicher als sein Aussehen. Chardím ließ nicht durchblicken, ob ihm dieser seltene Gast gefiel, oder nicht. Bisher hatte er immerhin nichts weiter getan, als einen Krolock-typischen Spruch abzulassen. Er wusste zwar von Turiéns und dessen Kampf, aber da er keine detaillierten Hintergründe kannte, machte er sich auch kein Urteil. Es gehörte auch zu Chardíms Wesen nicht automatisch auf der Seite seines Bruders zu stehen, was aber nicht etwa bedeutete, dass er seinen silbernen Bruder nicht gern hatte und sehr schätzte. Der Schwarzweiße lächelte amüsiert.
„Da hätte ich ehrlich gesagt nicht mal was gegen, wir sind meiner Meinung nach eh zu viele.“
[ Beim Rudel | Atalya, Krolock ]
01.02.2012, 10:51
"Es freut mich, dich hier zu sehen, Aszrem.", fing Joké an.
Sein Blick wanderte noch einmal kurz zu ihm zurück, dann ließ er ihn über das nahe Rudel schweifen. Der Sumpf schien sie irgendwie anzuziehen. Auch ihn hatte es hierher gezogen.
"Von besser kennen lernen kann ich eher weniger sprechen. Freundliche Begrüßungen und tausende Namen, die ich mir kaum merken konnte. So viele Namen auf einmal sind eben doch immer etwas viel. Nicht wahr?"
Lächelnd schaute er Aszrem an. Dann sprach er die Frage aus, die ihn gerade beschäftigte.
"Warum gehen wir alle in den Sumpf? Ist hier etwas wichtiges oder so?"
Stirnrunzelnd schaute er in den Sumpf und schüttelte unbehaglich sein Fell. Sümpfe waren nicht seine Welt, er wollte hier lieber wieder fort. Dennoch blieb er noch hier. Auch Cassy blieb bei ihm, ging nicht, obwohl auch sie Sümpfe hasste.
[Aszrem nahe des Rudels | Sumpf]
01.02.2012, 17:44
„Meinst du das ernst?“, hauchte sie leise.
Doch gleich im nächsten Moment kam es ihr idiotisch vor. Sie würden schließlich nichts Verbotenes tun. Oder doch? Sie konnten doch schlecht die ganze Zeit nur an einem Platz hocken und hoffen, dass es bald weiter ging. Es wäre sicherlich kein Problem, wenn man sich etwas umschauen würde. Ja, das war es! Sie würden nach nichts suchen! – Sie wollten sich bloß etwas umschauen! Zufrieden mit dem Gedanken, mit dem Ahkuna ihr schlechtes Gewissen gestillt hatte, breitete sich auch gleich ein Lächeln auf ihren Lefzen aus.
„Warum nicht! Wird sicher lustig!“, sagte Ahkuna voller Enthusiasmus und sprang auf ihre Pfoten.
Sie grinste keck und lief hüpfend etwas vor, bevor sie sich schwungvoll wieder zu Kirov drehte und ihn anblinzelte.
„In welche Richtung geht es zuerst, Abenteurer?“, fragte Ahkuna schmunzelnd und legte ihren Kopf leicht schräg
[Beim Rudel | Kirov]
01.02.2012, 19:44
Abwesend der Blick zwischen ihrer Schwester und ihrer Tante. Als Parveen eine Frage an die beiden richtete, wandte sie den Blick zu ihr um und schaute zu Caylee, diese beantwortete auch sogleich die Frage. Auf den kurzen Blick von Caylee öffnete sie auch den fang und gab eine Meinung ab.
“Ob sich der Sumpf verändert oder nicht kann uns eigentlich egal sein, das mag schon stimmen. Doch vielleicht steckt mehr dahinter als man vermutet.“
sagte sie und lächelte dann ehe sie meinte
“Aber das erkunden können wir schön denen überlassen die Spaß daran haben. Außerdem würde ja auch immer noch Zeit dazu bleiben.“
erklärte sie dann, was ihre Absichten schon zeigte. Sie hatte nicht vor zu erkunden. Waren doch so schon genug Fragen in ihr für die sie eine Antwort suchte. Sollte sie sich nun wirklich auch noch fragen wieso der Sumpf so war wie er nun war? Doch vielleicht war dies auch gut, würde sie ablenken. Doch dabei war sie sich noch nicht mal sicher und es gibt sicher genug Wölfe des Rudels die erkunden gehen würden: So würden sie schon mitbekommen wenn etwas interessantes gefunden werden würde, oder dergleichen. So wandte sie den Blick an ihre Tante, die eine ziemlich direkte Frage von Caylee bekam. Amúr lies diese so stehen und schwieg, abwartend auf die Antwort ihrer Tante.
[PArveen&Caylee]
01.02.2012, 20:55
„Ja – bald – müssen – wir – weiteeer.“, stimmte er einen kleinen Singsang an, ehe er sich wieder bremste und hoffnungsvoll zu ihr aufsah. „Kannst du Tyraleen sagen, dass wir weitergehen wollen? Vielleicht dürfen wir auch schon vorgehen.“
Tyraleen davon zu überzeugen würde schwierig werden. Aber noch schwieriger würde es sein, seine Mama da zustimmen zu lassen. Sie machte sich doch immer so viele Sorgen. Aber wenn Tinca Dummheiten machte, musste sie sich um sie kümmern, da hatte Malik ohnehin das Gefühl, das er gar nicht so wichtig war. Der Blick seiner schwarzen Augen schien trüber zu werden und er senkte den Kopf etwas, als er überlegte, ob seine Mama Tinca vielleicht lieber hatte als ihn, obwohl sie so viel dummes Zeug machte. Vielleicht hatte sie ihn deshalb nicht ganz so gern, weil er ein braver Welpe war. Er warf Kursaí einen prüfenden Blick zu, so als könnte er damit feststellen, ob sie die richtige Ansprechpartnerin für seine Zweifel war. Vielleicht war sie es, immerhin teilte sie seine Meinung zu dem Stinkesumpf hier. Aber er würde seine Probleme nach hinten schieben, denn zuerst musste sie ihm eine Geschichte erzählen. Er reckte den Kopf ein wenig, als sie ihn abschleckte, dann spitzte er die Ohren, um ja nichts zu verpassen. Dass solche Geschichten oft sehr kompliziert waren, kannte er ja schon von seiner Oma.
Es fing schon gut an. Kreis des Lebens. Vermächtnis. Maliks Ohren begannen schon nach den ersten Worten zu rauschen und sein Kopf hielt sich bei der unbekannten Bedeutung einzelner Wörter auf, während seine Tante munter weiter erzählte. Er hörte erst wieder zu als sie erklärte, dass er und seine Geschwister zwischen den Göttern waren und ein ganzes Leben vor sich hatten. Was war eine Schwelle? Und was war der Tod? Eine Schwelle klang so wie eine Welle, die gab es auf dem Wasser, wenn er mit der Pfote hineintrat. Eine Welle zum Tod vielleicht. Was ein Tod war, konnte er sich aber beim besten Willen nicht herleiten. Vielleicht hieß so ein Wolf. Manche, nicht er und seine Geschwister aber waren schon über die Welle geklettert – wie ging das denn...? - die sie zum Wolf namens Tod brachte. Das war merkwürdig. Eine seltsame Geschichte. Malik legte kurz die Ohren an und konzentrierte sich auf die weiteren Worte, er durfte ja nichts verpassen. Vielleicht war Tod doch kein Wolf, wenn es ihn überall gab. Was Leben war, wusste er zumindest ansatzweise. Der begriff war noch nicht so abstrakt für ihn, er bedeutete einfach zu sein. Es gab schönes Leben und nicht so schönes Leben. Vielleicht war der Tod nicht so schönes Leben. Es gab Wellen, die einen zu nicht so schönem Leben bringen konnten. Na da wusste er ja jetzt schon, dass er bei Wasser demnächst noch mehr auf der Hut sein musste, es konnte ihn einfach von seinem schönen leben wegbringen! Böses Wasser. Er hatte ja schon immer gewusst, dass es heimtückisch war.
Seine Theorie schien stimmig zu sein, denn die Fortsetzung der Geschichte passte dazu. Und jetzt kamen auch die beiden Götter dazu, Fenris und Engaya. Dass sie schon lange erwähnt waren, hatte er vorhin überhört. Wieder aufmerksamer und konzentrierter spitzte er die Ohren und lauschte aufmerksam. Engaya war also die, die ihm ein schönes Leben gab, während Fenris in seinem spannend klingenden Tal der Raben (das musste er unbedingt mal sehen!) ein schlechtes Leben führte. Ein nicht so schönes. Und er wollte das auch noch. Verwundert legte der Welpe den Kopf zur Seite, hörte aber angestrengt weiter zu. Oho, jetzt kam das mit dem Lieben und Welpen machen dazu. Er fragte sich kurz, ob Fenris und Engaya beide Welpen in sich gehabt hatten, weil sie sich gleich doll geliebt hatten, jedenfalls klang es ganz danach. Und dann hatten sie ihre Täler getauscht. Das bedeutete doch …
„Ist Fenris jetzt hier irgendwo im Tal versteckt und Engaya ist im Tal der Raben? Wieso wollte sie denn freiwillig ein nicht so schönes Leben haben?“
Er war verwundert und konnte sich keinen Grund vorstellen, weshalb ein Wolf das tun sollte. Wie die beiden wohl aussahen? Wenn Fenris vielleicht solche Sümpfe baute, dann hatte er bestimmt so rötliches Fell wie Isaí. Und Engaya musste weiß sein. Oder vielleicht war sie inzwischen auch grau, weil Raben ja schwarz waren. Dann sah sie aus wie Atalya. Seine Gedanken machten unkontrollierbare Sprünge.
„Vielleicht ist Atalya ja Engaya. Sie ist nämlich grau. Und sie tut nur so, als würde sie Atalya heißen, weil sie nicht will dass Fenris mitbekommt, dass sie gar nicht mehr im Tal der Raben ist. Magst du Fenris nicht, Tante Kursaí?“
Er wusste, dass sein Papa Fenris gut fand. Und sein Papa hatte trotzdem ein schönes Leben und er war nicht hässlich. Das bedeutete, dass auch Malik nicht hässlich wurde und über die Welle zum nicht so schönen Leben kletterte wenn er Fenris gut fand. Auf Nummer sicher gehen wollte er aber trotzdem. Behutsam pfotete er nach Kursaís Lauf und sah sie besorgt an.
„Hat man ein schlechtes Leben, wenn man Fenris besser findet als Engaya? Mein Papa mag Fenris, weißt du.“
Natürlich wusste sie das, sie war ja seine Schwester. Aber in den Wirren der Sternenwindfamilie hatte Malik das mal wieder vergessen.
01.02.2012, 21:31
Nur einen Pfotenschritt von Kursaí und Malik entfernt, in einer kleinen Pfütze voll mit warmem Sumpfwasser, begann es auf einmal zu blubbern. Große Luftblasen stiegen aus dem seichten Sumpfausläufertümpel hervor und steigerten sich zu einem Gebrodel. Der intensive Geruch nach Verwesung und unbekannten Abscheulichkeiten verstärkte sich und schien das Gras rundherum zum Welken zu bringen. Im Höhepunkt des Blubberns spritzte Wasser hervor, beinahe so hoch wie ein Wolf und weitflächig genug um als heiße Tropfen in Kursaís und Maliks Gesichtern zu landen. Dann wurde das Blubbern wieder schwächer und verschwand schließlich ganz, nur der Gestank hüllte die beiden Attackierten noch ein.
SL für Volk Zubami und Lyerra:
Während das Rudel sich rund um die ersten Ausläufer des Sumpfes aufhielt und das Rätsel der Veränderung zu ergründen versuchte, standen sich gar nicht weit entfernt und doch in einer anderen Welt zwei Wölfe gegenüber. Volk Zubami und Lyerra, beides Rudelmitglieder, die schon eine längere Zeit im Tal der Sternenwinde lebten und treue Begleiter gewesen waren, hatten sich gemeinsam an der Reviergrenze getroffen. Keiner von beiden hätte es wohl geglaubt, dass sie ernst machen würden, aber beide hatten einen gemeinsamen Wunsch: Mehr von der Welt sehen. Seit sie entdeckt hatten, dass sie beide diesen Wunsch hegten, spielten sie mit dem Gedanken das Tal zu verlassen und hatten es doch nicht gewagt. Nun sollte es wohl so weit sein. Beide sahen noch einmal zurück auf ihre Heimat und erinnerten sich an die schöne Zeit in diesem Tal. Aber dort draußen gab es noch so viel mehr und da sie nicht alleine waren, fürchteten sie sich auch nicht. Sie würden nicht einsam werden. So taten sie schließlich gemeinsam die ersten Schritte, ließen die Reviergrenze hinter sich und suchten neue Wege in unbekanntem Land. Schon bald nahm der Wind ihren Geruch mit und Volk Zubami und Lyerra waren fort.
02.02.2012, 19:29
"Ich werd versuchen mit Tyraleen zu sprechen. Vorgehen, dass klingt verlockend, jedoch denke ich, dass es unwahrscheinlich ist, dass wir das dürfen. Es gibt so viele, die etwas dagegen haben könnten."
Wäre Malik nicht ein Welpe, dann wäre dies vielleicht ein wenig anders, so jedoch hatten viele mitzureden und wahrscheinlich alle etwas dagegen. Früher hätte sie vielleicht dennoch den Weg genommen, den Problemen zum Trotz. Nun war aber nicht mehr früher, nun war es hier und jetzt. Ganz im Gegensatz zu seinem Vater, wird Malik dies aber wohl kaum auffallen, kannte er sie doch nicht von früher.
Jedoch hatte sie das Gefühl, als ob da noch mehr bei dem Welpen war, und so sah sie ihn ein wenig fragend an. Er würde ihr erzählen, was ihm auf der Seele lag, wenn er wollte. Wenn nicht, dann würde sie dies auch nicht unbedingt stören, gab es doch genug anderes zu reden.
Sie hatte die Geschichte erzählt, zumindest Teile davon in einer Variante. Wie es halt mit Legenden war, es gab viele Formen von, dass wusste Kursaí nur zu gut. Sie erzählte sie so, wie sie sie kannte, wie sie die Geschichte liebte. Und sie hätte es sich denken können: Es dauerte nicht lange, bis dem Kleinen auch schon die ersten Fragen einfielen. Kursaí bemerkte an der ersten Frage, dass der Kleine noch nicht wirklich einen Begriff vom Tod hatte. Oder dachte er nur, sie würde noch da sein, weil sie eine Göttin war? Intuitiv ging sie vom ersterem aus. Jedoch wusste sie, dass es so nun schwer sein würde, dies zu erklären und so fing sie mit der Zweiten Frage an, war diese doch wesentlich einfacher und die Antwort darauf in der "Langfassung" der Legende mit enthalten.
"Dies hatte einen Grund. Denn obwohl die beiden sich mochten, merkte Engaya, dass sie nicht einfach das Tal der Raben verlassen konnte. Die Wölfe in diesem hatten sich so weit vom Leben abgewandt, dass sie auf die Hilfe der Wölfin angewiesen waren. Dies blieb Engaya natürlich nicht verborgen und so erkannte sie, dass ihr Einsatz umsonst gewesen wäre, wäre sie wieder zu ihrem Ursprung zurückgekehrt. So kam es, dass die Göttin dort blieb."
Kursaí fand es immer wieder erstaunlich, auf was für Fragen wohl nur die Kleinsten, die Jüngsten kamen. Vieles wäre ihr Fremd zu Hinterfragen und sie dachte für sich, dass dies auch für viele andere Erwachsene galt. Die Welt war nicht mehr ein großes Mysterium, nicht mehr alles Neu und Unbekannt. Die Neugierde war zwar noch immer vorhanden, jedoch bei den Jungtieren war sie frisch und allumfassend.
Dies galt auch, um nicht zu sagen besonders, für die nächsten Worte des Jungrüdens. Sie kamen, noch bevor sie weiter über eine Antwort über die zuvor gestellte Frage nachdenken konnte. So hörte sie lieber nur zu, und musste bei seiner Vermutung auflachen. Atalya sollte Engaya sein. Zunächst war es für sie so abwegig, dass diese noch auf der Welt verweilte, jedoch wie sie zuvor festgestellt hatte, war dies ja für Malik nicht so unwahrscheinlich. Doch zweitens war Atalya nun wirklich nicht der erste Wolf an den sie bei Engaya dachte, beileibe nicht. Wie kam der Kleine nur darauf? Sie war grau - na und? So fragte sie neugierig und auch noch immer mit einem leicht amüsierten grinsen auf den Leftzen:
"Wie kommst du auf Atalya? Doch bestimmt nicht nur wegen ihrer Fellfarbe?"
Jedoch sagte sie dann auch noch ihre Meinung, und wie es war:
"Jedoch kann ich dich beruhigen. Atalya ist Atalya und nichts anderes. Engaya kann gar nicht unter uns sein. Ihre Zeit auf der Welt ist schon lange her, sogar für die Ältesten aus unserem Rudel. Sie existieren nicht mehr so wie wir, die wir hier sitzen. Stattdessen wachen sie über uns, ähnlich wie Tyraleen, jedoch nicht mit Körper und als Alpha. Stattdessen hat eines Tages der Tod sie geholt und es gibt keine Engaya und keinen Fenris mehr, dem du einfach "Hallo" sagen kannst. Und dennoch existieren sie noch."
Sie wusste nicht, ob der Welpe dies verstehen würde. Sie wusste nicht mal, ob sie es gut erklärt hatte. So sah sie ihn leicht fragend an. Vielleicht hatte sie ja Glück und es war nicht zu kompliziert und sie hatte es rüber bringen können. Jedoch gab es da noch eine zweite Frage, und der wandte sie sich nun zu:
"Fenris und das, wofür er steht gehört genauso wie Engaya und ihre Bedeutung dazu. Jedoch finde ich persönlich, dass allen, den Lebenden, Engaya näher stehen sollte, als Fenris. Hinzu kommt, dass sie mir schon einmal geholfen hat, und ich dafür unendlich dankbar bin."
Sie hätte es noch mehr ausführen können, jedoch hatte sie sich zuvor schon so schwer mit dem Erklären von dem Tod getan, dass sie es lieber ließ. Von ihrem Gefährten könnte sie immernoch erzählen, dies war nicht unbedingt so wichtig. Besonders, da schon die nächste Frage kam, die keineswegs einfacher war. Ein gutes beziehungsweise ein schlechtes Leben, was war dies überhaupt? Noch während sie über diese philosphische Frage nachdachte, kam ihr der Gedanke, dass es wohl schwer wäre mit so einem jungen Mitwolf über ein so schwieriges Thema zu philosophieren und so suchte sie sich eine einfache Antwort, und fand sie auch recht schnell:
"Ob allein durch den Glauben das Leben schlechter oder besser wird, dies ist schwer zu sagen. Jedoch ist es dann ein völlig anderes."
Dies war wahrscheinlich nicht die beste Antwort und doch würde sie vorerst wohl genügen. Da war aber auch noch die Sache mit ihrem Bruder. Dass dieser an Fenris glaubte, dies konnte sie sich gut vorstellen. Hatte er es ihr mal so rundheraus gesagt? Sie wusste es nicht wirklich, war es doch auch nicht wichtig. Sie wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als es direkt neben ihr brodelte. Zuvor hatte es auch schon geblubbert, jedoch hatte sie sich dabei nichts gedacht. Jedoch nun steigerte es sich und auch der Gestank wurde schlimmer. Sie stöhnte leicht und musste feststellen, das ihr vormals trockener Platz nun in Gefahr war.
Als nun wirklich Wasser stinkend und heiß hervorschoß, knirschte sie mit den Zähnen und sprang auf. Schon beinahe intuitiv brachte sie sich zumindest größtenteils zwischen Malik und diese unsagbare Quelle des Ungemachs. Sie hatte zwar noch keine eigenen Jungen gehabt, und doch war der Mutterinstinkt tief in ihr verankert. Was fiel dem Sumpf ein, gerade sie anzugreifen, die nun wirklich keine Lust auf dies alles hier hatten. Doch sogleich musste sie sich selber schelten. Dies war eine Landschaft und nicht ein Wesen, welches bösartig handelte. Als nun das Blubbern nach ließ, schüttelte sie sich und wandte sich zu Malik um, während ihr selber wohl deutlich ihr Missfallen ins Gesicht geschrieben stand:
"Alles okay?"
[Sumpf; Malik]
04.02.2012, 11:34
"Dieser Ort ist ohne Zweifel nicht schön und mir behagt es ebenso wenig wie euch, hier zu sein… Trotzdem kann man sich nicht vor diesen Veränderungen verschließen und so tun, als wäre nichts passiert, nur, weil es nicht schön ist. Wie im Leben, Caylee, kann man sich nicht nur das Makellose und Wunderbare wählen und die Augen vor der dreckigen Realität verschließen."
Noch vor wenigen Monden, hätte sie solche Worte nicht von sich gegeben. Immerhin war sie selbst so lange vor der Wahrheit und dem Schmerz davon gelaufen. Sie war ein wenig stolz auf sich, dass sie das Leben nun aus dieser Perspektive sehen konnte. Es war… Richtig.
"Ich weiß nicht, was hier vorgegangen ist. An diesen Ort kann ich mich nur dunkel erinnern, aber was hier passiert, es kommt mir unnatürlich und falsch vor. Wir können nur hoffen, dass es keine Auswirkungen, außer der Wärme und dem Gestank gibt."
Parveen war sich immer noch nicht sicher, ob sie die Antwort wissen wollte. Weder die Ursache, noch die möglichen Folgen, die sie vielleicht noch ereilen mochten. Dieser Sumpf bereitete ihr Bauchschmerzen. Hier schien etwas vor sich zu gehen, dass wie mit einem dunklen Schleier behangen war und die Schwarze wollte, trotz der Neugier, nicht darunter blicken. Vielleicht war es nichts weiter als Angst, sie konnte es selbst nicht sagen.
Die Frage von Caylee riss sie ein wenig fort aus ihren bisherigen Gedanken und sie blickte sie ein wenig traurig an. Die wusste nicht recht, wie sie damit umgehen sollte und wie die Fähe die Worte gemeint haben konnte. Anscheinend, so wurde ihr bewusst, blieb den anderen ihre Unsicherheit nicht verborgen. Sie hatte versucht, eine Welle neuen Mutes auszustrahlen und da weiter zu machen, wo sie vor ihrem Verschwinden aufgehört hatte, aber das schien nun einmal nicht möglich zu sein. Parveen entschied sich für nichts weiter als die Wahrheit:
"Nichts von dem, Caylee. Interesse habe ich an beidem, aber mit anderen Wölfen verhält es sich ähnlich wie mit diesem Sumpf. Ich möchte Antworten finden, aber weiß nicht, wie ich fragen soll."
Sie hoffte, dass die Beiden mit ihren Worten etwas anfangen konnten und ein wenig ihre Situation verstanden. Das Rudel kam ihr, wie dieser Ort, immer noch fremd und unwirklich vor. Sie wollte alles kennen lernen, aber hatte Angst davor etwas zu finden, dass sie wieder abschrecken würde.
04.02.2012, 13:47
Jetzt aber hatte sich eine neue Situation ergeben. Das ganze Rudel war in heller Aufregung wegen des Sumpfes, der eine zugegebenermaßen sehr seltsame Wandlung durchgemacht hatte. Sicher hätte sich auch Shani dafür interessiert – ihre kindliche Neugierde war noch immer nicht verschwunden – aber sie hatte ganz anderes im Kopf. Und nun würde sowieso niemand auf zwei traurige Fähe achten, die nicht von warmem Wasser und Gestank sprachen, sondern nur mit sich und ihrer Trauer beschäftigt waren. Dennoch blieb Shani unsicher und näherte sich der abseits stehenden Jumaana mit leicht angelegten Ohren und beinahe so, als würde sie einfach nur in den Wald hineingehen wollen. Wie zufällig stolperte sie dabei über diese einsame Fähe, die den gleichen Verlust wie sie erlitten hatte.
“Hallo Jumaana.“,
grüßte sie zwar mit freundlichem Wortlaut aber leicht belegter Stimme. Wie immer war ihr das Meiste ihres Innenlebens offen anzusehen, die Unsicherheit aber auch das Verständnis und der Wunsch, Trost ebenso zu spenden wie auch zu erhalten.
“Ich habe von Takashis Tod gehört. Es tut mir sehr leid.“
[ abseits | Jumaana ]
04.02.2012, 15:49
"Kirov, Ahkuna!"
Die Rute, freudig wedelnd, stupste sie Ahkuna leicht an. Das Lichterkind hegte Sympathie für diese junge Wölfin. In den blauen Augen loderte genau jene Neugierde, die Daylight mit auch ihrer ehemaligen Jugend verband. Gerade konnte sie noch Wortfetzen aufschnappen. Richtung? Die beiden wollten den Sumpf hier erkunden? Ein gewisses Pflichtgefühl machte sich in ihr bemerkbar. Kirov hatte sich hier zwar schon relativ eingelebt, und die Jungfähe war gewiss nicht übermütig, aber Daylight empfand Unbehagen beim Gedanken daran, die beiden hier alleine herumstromern zu lassen. Abenteuerlust hin oder her. Sie würde die beiden begleiten.
Besorgnis spiegelte sich in den leuchtenden Zügen wider.
"Ihr wollt hier herumwandern?"
Sie schleckte ihrer Nichte einmal fürsorglich über die Schnauze.
"Was wenn euch etwas zustößt? Dieser Ort ist ungewöhnlich. Gestank, Dreck und ein Gefühl, als wäre der Tod über jedes Lebewesen hier hergefallen."
Die Wölfin zog sich zurück und seufzte einmal laut auf. Es war nicht an ihr, irgendjemandem etwas zu verbieten, dennoch fühlte sie sich verpflichtet für Sicherheit zu sorgen. Das Lichterkind ließ bewusst die Wärme Engayas in ihr Herz strömen. Sie würde die beiden begleiten. So konnte sie zum Einen sicherstellen, das alle heil blieben, und zum anderen war dies ihre Chance, diesem komischen Gefühl auf den Grund zu gehen.
"Ich möchte mich euch ja nicht aufdrängen, aber wäre es okay wenn ich euch begleite? Ich fühle mich hier sehr unwohl. Und bei euch bin ich ja in bester Gesellschaft!"
Ein zaghaftes Lächeln erhellte ihre Augen, als sie einen mutigen Schritt nach vorne machte. Besser in der Gruppe als allein.
04.02.2012, 17:23
"Ich würde sagen ... da hin. Oder was meinst du, Abenteurerin?"
Er deutete mit der graubraunen Schnauze auf einen Teil des Sumpfgebietes, wo seiner Meinung nach, das Wasser besonders tief und warm aussah. Seine Augen blitzten Ahkuna freudig an und seine Rute pendelte ein wenig. Endlich mal was spannendes, anstatt hier rumzuliegen und darauf zu warten, dass es weiterging.
Als aufeinmal jemand seinen Namen rief, zuckten seine Ohren nach vorne und er wand den Kopf. Daylight kam auf sie zu und er blickte ihr mit warmen Lächeln entgegen. Er mochte die Weiße, sie war immer nett zu ihm gewesen, hatte ihn rumgeführt und Tyraleen vorgestellt. Er wusste nicht genau, ob sie nun Freunde waren, oder nur gute Bekannte. Doch er schätzte und mochte sie mit ihrer warmen, lichtbringenden Art.
"Daylight.",
begrüßte er sie und nickte ihr lächelnd zu. Seine Augen zuckten über ihre Gestalt und blieben an ihrem besorgten Gesicht hängen. Daylight fand die Idee, sich hier umzusehen scheinbar nicht sehr gut und Kirov konnte es auch nachvollziehen. Dennoch war es auch anziehend für die Neugierde. Lächelnd schüttelte der Rüde seinen Kopf und schleckte sich über die Lefzen.
"Uns wird schon nichts passieren. Die anderen wandern hier auch so rum und es ist nichts geschehen. Außerdem ... fragst du dich nicht, was hier wohl geschehen sein mag, Daylight?"
Seine blauen Augen blickten Daylight fragend an, doch nach wie vor war ein leichtes Grinsen auf seinen Lefzen. Das die Goldaugenfähe ihn und Ahkuna begleiten wollte, begrüßte Kirov eigentlich. Sechs Augen waren besser als vier. Er seufzte glücklich über seine weibliche Gesellschaft und trat wieder einige Schritte vor. Kurz huschte sein Blick über Ahkuna und wieder zurück zu Daylight, der er auffordernd zunickte.
"Spricht bestimmt nichts dagegen, oder? Lieber mehr als weniger. Wenn es brenzlig wird, passen wir schon auf dich auf! Also mach dir keine Sorgen."
Er lachte und blinzelte Daylight fröhlich zu, ehe er darauf wartete, dass die beiden nachkamen.
04.02.2012, 18:37
[bei Samirez und Amaya]
05.02.2012, 16:31
Sie hielt den Kopf gesenkt, sodass ihre Schnauze fast die Wasseroberfläche berührte. Interessant, wie anders hier alles war. Es gab Stellen, da nahm die Wärme des Wassers sogar noch etwas zu – und einen Schritt weiter wurde es wieder kalt. Fast so, wie sie es als „normal“ bezeichnet hätte. Und überhaupt nicht zu vergleichen mit dem so faszinierenden Schnee, der sie damals, als sie das erste Mal die Höhle verlassen durften, erwartet hatte. Es schien Taleesha, als wäre es schon eine Ewigkeit her. Sie hatte seit dem schon so viel erlebt und gesehen und gelernt. Sie liebte es, Dinge zu erforschen und zu ergründen und verspürte auch jetzt den Drang, auf einige Fragen Antworten zu finden.
Manchmal wurde das Wasser mit einem einzigen Pfotenschlag sofort trüb – so, als wäre ganz viel Dreck auf dem Boden. Nicht nur Steine und Pflanzen und ein bisschen Erde, nein, noch mehr. An anderen Stellen war das Wasser ganz normal. Die Dunkle versuchte mit ihrem Blick möglichst tief auf den Grund hinunter zu blicken und erschrak, als plötzlich ganz viel Schlamm aufgewirbelt wurde. Wie konnte das sein? Sie hatte sich doch kaum bewegt …
Noch während sie über dieses Phänomen nachdachte, drang eine wohlbekannte, erregte Stimme an ihr Ohr. Sie hob den Blick und lächelte. Da war ja einer ihrer lieben Brüder!
Da Isaí im Begriff war, auf Tyraleen einzureden, die Taleesha zuvor noch gar nicht entdeckt hatte, näherte sie sich den beiden langsam von hinten. Vielleicht konnte daraus ein kleines Isaí-Erschreck-Spiel werden …
Inzwischen hatte Taleesha auch Kisha entdeckt, freute sich, dass diese auch nicht in ihre Richtung blickte und war nahe genug, um ein paar Wortfetzen Isaís zu verstehen. Er sagte etwas von einem Stock … dann war er kurz still … und dann sprach er von etwas, das Taleesha noch nie gehört hatte. Er nannte es „Indiz“. Was sollte das denn sein? Noch neugieriger als zuvor bewegte sich die Welpin noch etwas schneller auf die anderen zu – durch den Widerstand des Wassers war das aber gar nicht so einfach. Außerdem musste sie ziemlich aufpassen, wo sie hin trat, an manchen Stellen war der Boden sehr weich und gab plötzlich nach. Sie hatte es jedoch fast geschafft und war noch immer nicht entdeckt worden! Im Anschleichen war sie wirklich gut!
Kurz bevor sie Isaí nahe genug war, um ihn von hinten nass zu spritzen, übernahm das allerdings schon Tyraleen, indem sie auf irgendetwas im Wasser schlug. Es spritzte zwar gar nicht so sehr und war auch nicht laut, aber Taleesha, die so völlig konzentriert gelauert hatte, erschrak sich so sehr, dass sie zusammenzuckte, ausrutschte und während sie Luft holte ins Wasser fiel. Japsend und keuchend kam sie wieder nach oben und spuckte die seltsam schmeckende Flüssigkeit aus.
[zuerst allein; schleicht sich an Isaí heran, bei dem auch Tyraleen und Kisha sind]
06.02.2012, 20:46
„Light!“
Ein keckes Lächeln zierte die Lefzen der jungen Fähe. Ihre Rute fing an sanft in der Luft zu schaukeln, als sie ihr Gesicht kurzzeitig an das weiche Fell ihrer Tante drückte. Ihr äußerliches Erscheinungsbild erinnerte Ahkuna stets an Tyraleen. Doch waren die Fähen, ihrer Meinung nach, völlig verschieden. Sie sah Daylight nie mit solchen Augen, wie sie es bei Tyra getan hatte. Trotzdem war diese Wölfin in ihren Erinnerungen eine warmherzige, liebevolle Fähe geblieben. Ahkuna war froh, dass sie es anscheinend immer noch war. Veränderungen konnten manchmal erfreulich sein. – Doch meistens waren sie schmerzhaft. Vor allem wenn man immer noch an der Vergangenheit hing. Sie hob ihr Gesicht an und blinzelte ihre Tante überrascht an.
„Du wirst doch Tyraleen nichts sagen, oder?“
Ahkuna Caiyé hatte nicht die Befürchtung, dass die Alphafähe ihnen einen kleinen Rundgang verbieten wollte. Es war nur so, dass kurzzeitig die Sorge aufflackerte, das Daylight in ihrer Angst übertrieb und ihr Plan damit zunichte gehen würde. Schnell linste sie aus dem Augenwinkel zu Kirov, bevor ihre engelsblauen Seelenspiegel wieder in die Honiggelben von ihrer Tante blickten.
„Du drängst dich doch nicht auf! Wir freuen uns über deine Gesellschaft!“
Und das war auch so. Sie sprach bewusst auch im Namen von Kirov. Der Rüde erweckte nicht gerade den Eindruck, als ob er davon abgeneigt war, dass ihre Tante nun ebenfalls mit von der Partie war. Ahkuna konnte sich sogar eingebildet haben, dass er Rüde noch einen Tick fröhlicher wurde. Huch, würde sich da vielleicht was entwickeln? Ein sanftes Lächeln schlich sich auf ihre Lefzen. Es war Musik in ihren Ohren, wenn jemand sagte, er würde einen beschützen. Ungewollt blickte sie aus dem Augenwinkel zu dem weißen Rüden der weiter Entfernt bei zwei Fähen Gesellschaft gefunden hatte. Ein mulmiges Gefühl machte sich in ihrer Magengegend breit, als sie ihn so sah. Eifersucht? Etwas … Trotzdem stellte sich ihr die ungewollte Frage, ob Samirez sie auch beschützen würde, wenn sie in einer unangenehmen Situationen landen würde? Vielleicht sollte sie es einfach ausprobieren …
Ihre Ohren winkelten sich leicht an als sie ihren Kopf leicht zur Seite legte und ihren Blick vom weißen Rüden abwandte und zu Kirov und Daylight blickte.
„Na schön! Dann lasst uns sehen was dieses hässliche Fleckchen zu bieten hat!“
[Kirov und Daylight]
06.02.2012, 22:43
„Was ist… mit den Göttern? Kann Engaya es hier so warm machen? Und Fenris, dass es hier so komisch riecht? Aber warum sollten sie sowas tun?“
Die Stirn des jungen Wolfs legte sich kurz in Falten, während er weiter überlegte. Seine Meinung tat er mit diesen Worten unbewusst kund – sagte aus, worin das Gute und das Schlechte für ihn an diesem Ort lag. Er winkelte die Ohren kurz an, sah in die Ferne, während er weiter überlegte, doch Tyraleen befreite ihn von dieser Aufgabe. Mit einem glücklichen Lächeln fing er ihnen anerkennenden Blick auf, rutschte ein Stück zur Seite und erwiderte ihr Grinsen, ehe sie seine Idee aufnahm und das Indiz (er fühlte sich so unglaublich schlau, wenn er das Wort benutzte und selbst, wenn es nur in Gedanken war) aus dem Wasser beförderte. Die Ohren des jungen Wolfs legten sich kurz an den Kopf, ehe er neugierig die Nase reckte und zu dem nun weitaus besser betrachtbaren Indiz hinüberspähte, doch bevor er es sich genau betrachten konnte, brachte ihn ein Geräusch von hinten aus dem Konzept. Mit einer ruckartigen Bewegung wirbelte er herum, der Stand nun breitbeinig und angespannt und die Rute erschrocken angehoben. Seine verhältnismäßig großen Ohren drückten sich an den Kopf, ehe er erkannte, dass wohl keine große Gefahr lauerte. Isaí legte den Kopf leicht schräg, betrachtete das schwarze Ding, was sich offensichtlich an sie angeschlichen hatte und erkannte schließlich seine Schwester Taleesha, die ihm nun – so, wie sie aussah (nämlich nass und schmutzig) – wirklich Konkurrenz machte. Isaí schenkte ihr ein erfreutes Lächeln, überwand schließlich die letzte Entfernung zu ihr hinüber und berührte sie sanft mit der Nase an der Flanke.
„Du musst besser aufpassen, Schwesterherz!“, klärte er sie mit einer in die Luft gereckten Nase auf und stupste sie schließlich erneut aufmunternd an.
Er war froh, dass sie es war, doch eigentlich – wenn er recht überlegte – konnte es ohnehin kein anderer sein. Er mochte Taleesha, mehr als die anderen, obwohl er sich für diesen Gedanken schämte. Doch vor dem Umgang mit Tinca fürchtete er sich noch immer ein bisschen, fürchtete sich vor ihren merkwürdigen Reaktionen, die für ihn unverständlich waren. Und Malik… war einfach Malik. Doch die beiden anderen Geschwister waren im Moment wirklich das letzte, woran er dachte. Er musterte Taleesha einen kurzen Moment, schenkte ihr ein schiefes Lächeln, während er sich von dem schlechten Gewissen zu befreien versuchte, ihr die Patin geklaut zu haben und freute sich umso mehr darüber, dass sie die Runde nun ergänzen würde. Je mehr sie waren, desto besser – das hatte Kisha ja schon gesagt!
„Komm, schnell! Wir haben ein Indiz gefunden!“, erklärte er schließlich und wandte sich erneut zu den beiden Erwachsenen um.
Seine Ohren legten sich kurz an den Kopf, ehe er mit zögerlichen Schritten Tyraleen näher an das Indiz folgte und etwas hinter der weißen Fähe stehen blieb. Sein Kopf neigte sich erneut leicht zur Seite, seine Nase schnupperte, doch dieses Mal wollte er sich lieber auf Kisha und Tyraleen verlassen.
08.02.2012, 18:30
"Die Frage stellt sich mir natürlich auch. Aber weißt du, meine Sorge gilt eher dem, was hier noch geschehen könnte."
Hoffentlich würde er sie verstehen. Sicher würde er das, denn der blauäugige Rüde war ja bekanntlich nicht von der dummen Sorte. Die tosenden Wellen der Unruhe im Inneren glätteten sich ebenfalls, als sie sich dann auch Ahkuna widmen konnte. Diese typische freche, junge Art. Hach. Die Fähe sollte sich diese Jugendlichkeit bewahren. So würde sie niemals Gefahr laufen, irgendwann ein trostloses, unerfülltes Leben zu führen. Aber... Daylight war längst nicht alt genug, um solche Gedanken zu hegen. Also schüttelte sie kurz den Kopf und berief sich erneut auf vorangegangene Worte.
"Äh..Natürlich werde ich ihr nichts sagen. Schließlich ist das hier unser ganz eigener, spezieller Erkundungstrip!"
Na, da sieh mal einer an. Sie konnte also auch die Erkunderin raushängen lassen.Sie war wohl doch nicht so ängstlich, wie sie dachte. Mit dem Blick wieder auf Kirov, fühlte sie sich für einen Moment wieder wirklich wie Zuhause. Seit das Lichterkind fort gewesen war, hatte sie die Befürchtung gehabt, sich nie wieder so einleben zu können, wie es früher der Fall gewesen war. Doch jetzt – So mitten zwischen Kirov und Ahkuna – Fühlte sie sich endlich wieder wie Daylight. Das Lichterkind. Tochter von Banshee. Und als sie kurz etwas zu ihrer Nichte sagen wollte, ein liebes Kommentar, fiel ihr auf, wie Ahkuna seltsam zu jemand anderem schaute. Überrascht folgte Daylight dem Blick. Samirez. Sie hatte schon von ihm gehört, niemand, den sie wirklich gut kannte. Als die Aufmerksamkeit der jungen Fähe wieder zu Kirov und dem Lichterkind wanderte, fing sie den Blick grinsend auf. Vorerst – In Kirovs Gegenwart – Bräuchte Ahkuna keine Sorge zu haben, dass dieses Thema angesprochen werden würde. Vorerst.
"Habt ihr auch das Gefühl, dass der Tod hier haust? Zwar nicht im wörtlichen Sinne aber... Ich weiß nicht. Ich übertreibe wohl nur."
Mit hoch erhobenem Haupt blickte sie nach vorne. Es sah irgendwie alles gleich aus. Das ekelhafte Sumpfwasser, diese seltsamen Pflanzen... Zum Glück war sie nicht allein. Gemächlich trabte sie Kirov nach, er schien als Rüde und Anführer des Trupps zu entscheiden, wo es langging. Sollte ihr Recht sein. Und auch wenn sie sich nicht sicher war, ob sie die Geste von Ahkuna wirklich richtig gedeutet hatte, stupste sie die Jüngere kurz an. In einem Moment, der dem Rüden eigentlich nicht hätte auffallen dürfen. Die Stimme senkte sich in einen sehr leisen, unmerklichen Radius. Nur die weiße, tapfere Fähe sollte es hören.
"Samirez, hm? Ein Raufbold wie er passt zu dir."
Leise kicherte sie. Vielleicht hatte sie es sich auch nur eingebildet.
09.02.2012, 15:16
Der faulige Gestank hatte sich in ihrer Nase eingebrannt, ihr Fell war voll mit dem verwesenden Geruch und sie fragte sich, ob sie irgendwann wieder nur nach sich riechen würde oder ob der Geruch nun immer an ihr haften würde. Vor lauter Ekel schüttelte sie sich in ihrem raschen Lauf, sorgsam darauf bedacht, dass sie nicht von ihrem sicheren Weg abwich.
Sie konnte nicht verstehen, warum die ranghöheren Tiere es für wichtig hielten diesen Ort genauer zu erkunden. Natürlich war es ein Teil des Reviers und es war immer gut, das ganze Revier zu kennen. Aber hätten sie diese Gegend nicht auch alleine erkunden können und das Rudel in Ruhe und in Sicherheit irgendwo abseits zurück lassen können?
Beklommen suchte sie ein ihr bekanntes Gesicht, doch sie konnte niemanden erspähen. Alle Rudelmitglieder die sie bis jetzt getroffen hatte, waren in Gespräche vertieft. Einschließlich ihrer Ersatzmutter Shani. Diese unterhielt sich mit Jumaana und da wollte sie wahrlich nicht störend dazwischenfunken. Auch wenn sie sich so elendig fühlte, dass sie gerne die Gesellschaft ihrer Ziehmutter genießen würde. Doch daran ließ sich nun nichts ändern. Sie würde schon jemanden finden, der sie auf andere Gedanken bringen konnte.
In der Nähe konnte sie Kursaí und Malik ausmachen. Gerade entschied sie sich den beiden Gesellschaft zu leisten, da vernahm sie ein leises Brodeln. Innerhalb von Sekunden steigerte sich die Lautstärke und mit weit aufgerissenen Augen beobachtete sie, wie aus einer kleinen Pfütze große Luftblasen hervor stiegen um letztendlich zu platzen und ihre Wassertropfen in der näheren Umgebung zu verteilen. Gleichzeitig stieg ein noch abscheulicherer Gestank aus dem Loch hervor, als er sowieso schon in diesem Gebiet herrschte. Wie versteinert war Liel stehen geblieben und fasziniert und gleichzeitig angewidert hatte sie den Vorgang betrachtet. Genauso schnell wie alles angefangen hatte, war es auch wieder zu Ende und blitzschnell sprang sie nach vorne zu den beiden Wölfen hin.
Eigentlich wollte sie lieber weglaufen, raus aus diesem furchterregenden Areal, doch sie sorgte sich um die beiden Wölfe. Hoffentlich, hoffentlich war den beiden nichts passiert.
Schliddernd, denn ihre Pfoten fanden auf dem sumpfigen Untergrund nicht den richtigen Halt, kam sie der Fähe und dem Welpen Sheenas zum Stehen.
„Ist alles okay bei euch? Ist euch irgendetwas passiert?“
Mit hastig, stolpernder Stimme, gleichzeitig kaum hörbar vor Furcht, purzelten die Worte aus ihrem Fang heraus. Dann erst traute sie sich die beiden genauer zu mustern. Kursaí hatte sich, wie es sich gehörte, schützend über den kleinen Malik geworfen. Dieser dürfte also unversehrt sein. Aber Kursaí auch?
[sumpfgebiet - kursaí & malik]
(ich hoffe es ist in Ordnung, dass ich zu euch gekommen bin...? Wenn nicht - PN)
10.02.2012, 20:53
Oha, nun wurde es ganz kompliziert. Engaya war im nicht so schönen Tal geblieben, weil die Wölfe dort gar keine Lust mehr auf ihr schönes Leben gehabt hatten – so reimte er sich die Worte der Fähe zusammen. Und sie wollte ihnen helfen, glücklich zu sein. Das war aber nett und ziemlich … ihm fehlte das Wort dafür, das die Erwachsenen nun mit aufopferungsvoll beschrieben hätten. Und ein bisschen seltsam war es auch, denn wer kam denn auf so eine Idee? Sein eigenes Leben unschön machen, damit andere dagegen ein schönes hatten – das war schon fast dumm. Er würde doch niemals durch den Matsch hier schwimmen, damit Tinca sich freute. Ob das ein passender Vergleich war, wusste er nicht so genau, aber er stellte es sich so ähnlich vor. Engaya schien eine seltsame Wölfin zu sein. Das würde ja auch dafür sprechen, dass es Atalya war...
„Doch doch! Und weil sie mal von Fenris erzählt hat, ich glaube sie mag ihn. Und sie ist ein bisschen seltsam, so wie Engaya. Passt alles zusammen.“, erwiderte er strahlend.
Leider war Kursaí ganz anderer Meinung. Der Tod hätte Engaya und Fenris geholt und sie würden nicht mehr existieren, aber irgendwie doch. Verwirrt legte er den Kopf schief und winselte leise. Egal wie er es drehte und wendete, das verstand er einfach nicht. Unglücklich pfotete er nach Kursaís Lauf und schüttelte den Kopf.
„Das verstehe ich nicht.“, war seine frustrierte Antwort auf ihre Erklärung, dann seufzte er niedergeschlagen.
Er hatte sich doch alles so gut erklärt. Nun hatte Kursaí seine Überzeugung mit einem Schwall komplizierter, unverständlicher Wörter umgeworfen und vor seinen Pfoten geworfen wie gesplittertes Eis. Betroffen blickte nach unten und murrte leise, als Kursaí mit der Erläuterung zu Fenris fortfuhr. Was sie erzählte ließ ihn die Stirn runzeln und unzufrieden mit einer Pfote über den Boden scharren. Erst als sie erwähnte, dass Engaya ihr einmal geholfen hatte, horchte er auf und beendete sein Schmollen augenblicklich.
„Sie hat dir geholfen? Warum?“, fragte er mit großen Augen, gar nicht interessiert am Umstand der Hilfe an sich.
Ihre darauffolgende Theorie ignorierte er gleich mal vollkommen und überlegte stattdessen, wie es wohl war, wenn Engaya einem half. Ob Kursaí vielleicht mal in Richtung schlechtes Leben gewellt worden war? Und dann hatte die Göttin sie zurückgehlt und ihr das schöne leben gegeben, damit sie glücklich war. Die komische Engaya. Aber dass sie seiner Tante geholfen hatte, fand er grundsätzlich gut, auch wenn er das wahrscheinlich nicht so machen würde wie sie. Er wollte ja kein schlechtes Leben haben, nur weil er nett zu Anderen war, dann war er lieber unfreundlich. Ehe er Kursaí darüber in Kenntnis setzen konnte, fing der blöde Sumpf seine Aufmerksamkeit ein, als es neben ihnen gehörig zu brodeln begann. Mit bösem Blick strafte Malik das Wasserloch, als könnte er es damit zum Schweigen und Nicht-Stinken bringen, doch es wurde nur mit jeder Sekunde schlimmer. Schließlich zog der Welpe den Kopf ein und legte die Ohren an den Hinterkopf, wich aber trotz des Gestanks nicht zurück. Dass er nicht richtig verbrüht wurde, als das Wasser plötzlich unerwartet in die Höhe schoss, verdankte er Kursaí.
Plötzlich blockierte ihr graues Fell den Blick auf die Fontäne und Malik blieb von den meisten Wassertropfen verschont. Nur der Gestank war unvermindert grausig und er würgte einmal, ohne etwas dagegen tun zu können. Dann brachte er ein schüchternes Nicken zustande, als sich seine Tante nach seinem Befinden erkundigte und stand mit zittrigen Beinen auf. Gerade noch rechtzeitig, ehe sich noch ein Wolf zu ihnen gesellte.
„Hallo Liel. Jaja, ich glaube alles in Ordnung.“, begrüßte er die Wölfin mit den Himmelsaugen weniger euphorisch als das sonst der Fall gewesen wäre. „Was ist mit dem Wasser? Versteckt sich da ein Tier drunter?“, flüsterte er dann ängstlich und schielte unter Kursaí hindurch.
11.02.2012, 11:13
"Ich weiß",
erwiderte er zunächst nur liebevoll und leckte ihr tröstend und beschwichtigend über die Schnauze.
"Aber sorge dich nicht zu viel, solange es noch keinen konkreten Anlass dazu gibt, sonst frisst dich deine Sorge noch innerlich auf. Vorsicht und Wachsamkeit sind angebracht, aber mehr noch nicht",
meinte er zärtlich, aber auch mit einer gewissen Bestimmtheit in der Stimme. Er suchte ihren Blick, um ihr zu zeigen, dass da keine Angst in seinen Augen zu finden war. 'Ich bin da, hab keine Angst. Kein Leid wird unserer Familie geschehen', schien dieser Blick sagen zu wollen.
"Ich könnte mir vorstellen, dass die Veränderungen hier irgendwie noch mit dem Wintersommer zusammen hängen. Der Rhythmus des Tals ist dabei ziemlich durcheinander geraten, und auch wenn er sich jetzt wieder zu normalisieren scheint, so kann ich mir durchaus vorstellen, dass das hier oder da länger dauert. Es ist vielleicht wie mit Verletzungen: Dem tal wurde eine Wunde geschlagen, und nun heilt sie langsam und bildet Schorf und Narbengewebe."
Dem Schwarzen zumindest erschien diese Möglichkeit gar nicht mal so abwegig.
[Sumpf | Sheena]
12.02.2012, 15:40
“An sich eine sehr gute Überlegung, aber leider passt das nicht zusammen. Engaya könnte es warm machen, aber sicher nicht an diesem Ort, den wir sonst meiden und zudem ist die Wärme hier auch nicht überall angenehm. Der Gestank könnte wenn überhaupt eine Begleiterscheinung zu einer Fenristat sein, aber diese hätten wir sicher bemerken müssen. Ich glaube, wir müssen nach irgendetwas Auffälligem suchen, etwas, das direkt oder indirekt zwei so unterschiedliche Umstände hervorruft.“
Und etwas Auffälliges könnte dieses Indiz sein, das sie im Sumpf gefunden und mittlerweile hinausbefördert hatten. Neben dem Platschen von Tyraleens Pfote, fiel aber knapp hinter hier noch etwas ins Wasser, sodass sich die Weiße zunächst umwandte, bevor sie das Indiz weiter untersuchen konnte. Dort rappelte sich gerade Taleesha wieder auf, die aus irgendeinem Grund umgefallen und im Wasser gelandet war. So vorsorglich Tyraleen, Kisha und Isaí ihre Schnauze aus dem Wasser gehalten hatten – so deutlich zeigte ihre kleine Patenwelpin nun, dass das Sumpfwasser zwar warm und übelriechend war, aber ihnen offensichtlich nichts antat. Naja, zumindest sah Taleesha noch gut aus. Ihr Bruder hoppelte zu ihr und ermahnte sie zunächst, forderte sie dann aber begeistert dazu auf, mit ihm zusammen ihren Fund zu untersuchen. Etwas zögerlich war er dann aber doch, konnte das Indiz wohl nirgendwo einordnen. Tyraleen lächelte ihrem Patenkind zu und fuhr der Kleinen begrüßend durch den Pelz.
“Gut, dass du da bist. Wir wollen das Rätsel lösen, warum es hier so warm und stinkend ist und brauchen deine Hilfe. Komm, schauen wir uns mal an, was wir da entdeckt haben.“
Jetzt mit zwei Welpen im Schlepptau näherte sich die Weiße dem Indiz weiter und blieb schließlich direkt davor stehen. Er war ziemlich grün und teilweise sogar bläulich, aber ziemlich eindeutig ein Knochen. Vermutlich aus dem Lauf eines großen Beutetieres und schon recht alt – zumindest sah er nicht frisch abgenagt aus. Alles in allem eine etwas enttäuschende Erkenntnis, denn ein Knochen im Sumpf war nicht direkt ungewöhnlich. Selbst den grünen Bewuchs kannte man von hier, einzig die bläulichen Verfärbungen waren der Weißen unbekannt. Aber so besonders schienen sie nun nicht. Tyraleen ließ sich nichts anmerken und beschloss, wenn es sie schon der Lösung des Rätsels nicht weiterbrachte, wenigstens den Welpen ihre Entdeckerfreude zu lassen.
“Mh, erkennt ihr, was das ist?“
[ Sumpf | Taleesha, Isaí und Kisha ]
13.02.2012, 20:52
Dies alles rückte aber in den Hintergrund. Nun war eher die Sorge um den kleinen Rüden ihn ihrem Schädel. Irgendwie machte er schon einen bemitleidenswerten Anblick, wie er so mit zurückgelegten Ohren und an dem Boden gepressten Körper dalag. Gleichzeitig war sie wohl nicht wesentlich besser dran, auch wenn man es ihr vielleicht nicht auf den ersten Anblick ansah. Sarkastische Meinungen würden jetzt vielleicht sagen, dass sie ein wenig Glück hatte, indem dies von ihrem Gespräch ablenkte und sie nicht dem Kleinen antworten konnte. Sie selber würde dies jedoch nie so sehen. Es war vielleicht nicht einfach Antworten zu finden und noch wesentlich schwerer war es die Richtigen zu finden. Dies würde sie aber nicht davon abhalten es zu versuchen. Die Fähe wollte dem Kleinen weiter helfen oder zumindest ihn ein wenig glücklicher machen. Und dazu trug dieses Geblubber und der Gestank gewiss nicht bei.
Noch während sie ein wenig sorgend Malik ansah, bemerkte sie, wie eine weitere Fähe zu ihnen kam. Es dauerte einen Moment, doch dann erkannte sie die Fähe. Liel erkundigte sich wie es ihnen geht. Und Malik ging es auch wirklich noch gut, hoffte sie zumindest. Ganz super hatte er nicht gewirkt, als er sich aufgerappelt hatte, doch wahrscheinlich war das nicht unerwartet. Sie wollte also grade beruhigend auf die Frage der Fähe antworten, da wandte sie sich ihr selber zu.
Zuvor hatte sie sich instinktiv schon einmal gesechüttelt, jedoch hatten alle ihre Gedanken dem Rüden gegolten und nicht ihr selber, nun musste sie aber feststellen, dass das Wasser keineswegs harmlos gewesen war. Die Stellen, wo ein paar der Spritzer gelandet waren, brannten nun, und sie hoffte, dies würde bald aufhören. Jedoch wusste sie nicht, wie hoch ihre Chancen dafür war, und so gab sich schon damit ab, dass sie nur noch schneller wieder in Kältere Gefilde wollte. Bevor sie antwortete sah sie noch mal zu Malik und dann wieder zu Liel.
"Hallo. Nun denke ich ist wieder alles halbwegs in Ordnung."
Kursaí wollte nicht, dass sich Malik Sorgen machte. Es reichte, wenn sie die Unannehmlichkeiten auf der Haut hatte und am liebsten in einen See springen wollte. Jedoch nicht in so warme Pfützen, wie sie sich hier bildeten sondern in einen richtig schön kühlen, dass sie das Gefühl bekommen würde, ihre Haut würde gefrieren. Diese Fantasie war wohl aber nicht sehr bald erreichbar und so wand sie sich lieber wieder der Frage von Malik zu. Dieser hatte wohl immer Fragen, musste sie leicht amüsiert feststellen. Wobei diese Frage wohl offensichtlich war, und sie wusste auch keine Antwort, so fragte sie zunächst:
"Weißt du mehr, Liel?"
Wer weiß, vielleicht hatte die Fähe ja etwas herausgefunden, vielleicht wusste sie was hier los war. Jedoch gab sie dann noch ihre eigene Meinung kund:
"Ich jedenfalls kann mir nicht vorstellen, dass da ein Tier lauert, so heiß wie das Wasser ist. Und wenn doch, dann hat es bestimmt keine Chance gegen uns."
Ihre letzten Worte waren mit einem leichten Schmunzeln unterlegt. Sie glaubte ja nicht dran, jedoch wenn dem so wäre, dann musste es ein sehr merkwürdiges Tier sein und ob Liel und sie Malik wirklich dann vor diesem schützen könnte, das stand wohl in den Sternen geschrieben.
[Malik, Liel]
(@Malik: Ich glaub ein Nebenplay ruftxD)
16.02.2012, 17:34
Sachte schmiegte sie sich an ihren Gefährten und war dankbar, dass sie eine starke Schulter zum Anlehnen hatte. Denn auch eine Betafähe benötigte hin und wieder mal eine Verschnaufpause. Ein sanftes Lächeln zierte ihre Lefzen und sie drückte ihren Kopf liebevoll unter seine Schnauze und schloss genießerisch die Augen. Wie wunderbar, dass sie Jakash gefunden hatte. Sie wusste sich sehr glücklich zu schätzen, wenn auch sie sich hin und wieder fragte, wie es dazu eigentlich gekommen war. Plötzlich war dieses Gefühl der Verbundenheit, der Verliebtheit in ihrem Körper aufgetaucht ohne, dass sie sich dagegen hatte wehren oder darauf einstellen können. Aber das war wohl eine der vielen Tücken bei der Liebe. Wie gut, dass es Jakash ebenso ergangen war. Und auch immer noch so erging. Wie elendig sie sich gefühlt hätte, wenn er ihre Gefühle nicht erwidert hätte oder sie gar verspotten hätte. Und jetzt durfte sie vier gesunde Welpen ihre – und natürlich seine- nennen. Und diese würde sie verteidigen, auch gegen die Schwankungen der eher launischen Natur.
„Wahrscheinlich liegt es wirklich daran, dass das Tal so großen Schaden genommen hat. Ich weiß zwar nicht, wie der Sumpf im Wintersommer ausgesehen hat und verstehe auch nicht ganz, warum dieser Teil des Reviers das ‚Nichts‘ einfach so überstanden hat, aber ich hoffe einfach, dass das ein gutes Zeichen ist und werde meine Furcht vergessen, bis es einen konkreten Grund gibt, um sich zu sorgen.“
Ihre Schnauze schob sich unter seiner hervor, fuhr langsam an seinem Kopf entlang und hielt an seinen Ohren erst wieder an. An diesen knabberte sie nun verspielt und sehr liebevoll. Ja, dieser Rüde hatte ihr wahrlich den Kopf verdreht und den Verstand geraubt. Letzteres hatte sie zwar wiedererlangt, verlor ihn aber gelegentlich. So wie jetzt. Dabei hatte sie sich vorgenommen das Sumpfgebiet genauestens zu inspizieren um mögliche Gefahrenquellen ausfindig zu machen. Doch daran vermochte sie gerade nicht zu denken. Sanft leckte sie ihm über die Schnauze, ehe sie sich erneut seinem Ohr widmete.
„Ich liebe dich.“
Flüsternd offenbarte sie ihm ihre Gefühle – die er natürlich schon längst kannte. Seufzend richtete sie sich dann etwas unentschlossen auf und streckte sich ausgiebig.
Er würde sie gewiss begleiten um das Gebiet weiter zu erkunden. Zumindest würde sie sich dies wünschen. Sie mochte ihn nicht missen und schätzte zudem die Sicherheit die er ihr zu vermitteln verstand.
[Sumpfgebiet. Jakash.]
16.02.2012, 17:50
Malik schien noch mehr Angst zu haben, als Liel in ihrer Brust verspürte. Verständlich, er war viel jünger als sie und wenn sie sich vorstellen würde, dass sie dies in seinem Alter erlebt hätte. Gruselig! Also riss sie sich zusammen und atmete mehrmals tief ein. Erst danach fühlte sie sich in der Lage wieder zu sprechen ohne, dass ihre Stimme vor Misstrauen zitterte.
„Gut, dass euch nichts zugestoßen ist!
Nein Malik, ich glaube nicht, dass in diesem Loch irgendein Tier lebt. Ich wüsste nicht, wer sich freiwillig solcher Hitze und solch einem Gestank aussetzen möchte. Und wenn doch, wäre es ihm hier draußen sicherlich viel zu kalt, zu trocken und zu wenig miefig.
Aber wenn es dir lieber ist, entfernen wir uns einfach ein wenig von diesem Loch und suchen uns ein Plätzchen etwas weiter entfernt?“
Geschickt hatte sie ausgelassen, dass sie sich liebend gerne von dem Loch entfernen würde. Natürlich nur, weil es ja sein konnte, dass es sich nochmal entschied Wasser auszuspucken. Dass in diesem Loch irgendein Tier lebte, konnte sie sich nicht vorstellen. Das war eine zu abscheuliche Vorstellung. Und dennoch wollte sie nicht viel länger darüber nachdenken. Was wenn doch…
Aber was wenn und niemand wüsste es. Vielleicht war es ihre Aufgabe das heraus zu finden? Vielleicht würde man irgendetwas versuchen müssen um ein, möglicherweise dort drin lebendes, Tier heraus zu locken um das Rudel zu warnen. Oder zu berichten, wenn es harmlos war, nur, damit sich niemand erschrecken würde. Aber wie sollten sie das anstellen? Außerdem konnte das ganz schön gefährlich werden.
Hin und her gerissen war sie – mal wieder- in Gedanken versunken und drehte – wie immer- dabei mit ihren Ohren. Zumindest mit ihrem rechten. Dann lachte sie kurz und herzhaft auf und schalt sich innerlich ob ihrer wilden Fantasien. Nein, sie sollte wirklich aufhören sich irgendetwas vorzustellen und über so viel wenn und vielleicht nachzudenken. Das brachte sie schließlich niemals weiter.
Aufmunternd lächelte sie dem kleinen Rüden und anschließend der Fähe vor ihr zu.
„Leider kann ich euch keine weiteren Informationen über dieses Gebiet hier geben. Ich habe es nun das erste Mal in meinem Leben betreten. Aber wenn ihr Lust habt, können wir natürlich zusammen weiterziehen und uns ein Bild von diesem Revierstück machen.
Ist wahrscheinlich sogar sehr klug, damit wir uns besser auskennen…“
Und beim Fangen spielen oder Verstecken bessere Chancen haben, hätte sie am Liebsten hinzugefügt. Aber realistisch betrachtet, war es wohl doch eher sinnvoll um mögliche Fluchtwege in Erfahrung zu bringen, wenn sich die Löcher dazu entschließen sollten irgendwelche Tiere auszuspucken.
[Sumpfgebiet. Malik& Kursaí.]
17.02.2012, 20:39
"Wie ...?", brachte er schon mal äußerst intelligent auf Daylights Frage über den Tod heraus. Er hatte sie gar nicht richtig beachtet und beschämt zuckte ein Ohr nach hinten. Unhöflich. "Ich kann es mir gut vorstellen ... dass er hier haust. Aber genau können wir es ja nicht wissen.",
ein leichtes Lächeln umspielte seine Lefzen, als er die Goldaugenfähe anblickte. Als sie sich dann wieder an Ahkuna wand, drehte auch er sich wieder weg und warf einen bedrückten Blick auf das unschöne Sumpfwasser, das grünbraun vor sich hin dampfte und blubberte. Seine Lust auf den Erkundungstrip hatte etwas abgenommen, doch das sollten Daylight und Ahkuna nicht sehen. Es war unwichtig. Kirov wollte nicht darüber reden und er würde es auch nicht und aus diesem Grund setzte er wieder eine freundlich und gleichzeitig neutrale Mine auf. Es ging niemanden etwas an, was in ihm vorging, außer ihm selbst. Egoistisch? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Es war schon etwas kompliziert, was in seinem Kopf zu abging, auch wenn er nach außen hin vollkommen normal und einfach wirkte ... abgesehen von seinem ungewöhnlichen Fellfarben Zusammenspiel. Etwas distanzierter als zuvor, blickte er die miteinander redenden Fähen an und zuckte mit den Ohren.
"Kommt ihr nun?"
Fragend blickte er sie an, ehe seine Augen wieder an die Sumpfstelle wanderten, wo das Wasser ekeliger aussah als an anderen Stellen. Ja, fast schon warm schien die Brühe dort zu sein. Das abstoßende Verlangen, die Pfoten in das warme Wasser zu halten, überfiel ihn kurz. Unweigerlich stellten sich seine Nackenhaare bei dem Gedanken daran auf und legten sich schließlich wieder. Bloß nicht an die Ekelpampe denken. Am besten an Garnichts denken. Kurz schloss der braungraue seine blauen Seelenspiegel und amtete tief die stinkende Luft ein, ehe er sich wieder gefasst hatte. Die Sache, dass seine Mühen, Amáya zum Reden zu bringen, nicht ganz gefruchtet hatten (zu mindestens nicht mit ihm) deprimierte ihn. Man kann nun mal nicht immer nur lächeln, hieß es nicht so?
18.02.2012, 23:52
Natürlich ließ sich der schwarze Todessohn nichts anmerken. Nur jene, die ihn gut kannten würden seine Ruhelosigkeit überhaupt wahrnehmen, die sich hauptsächlich darin äußerte, dass er des Nachts oft schlaflos umherwanderte. Das Wissen gehen zu müssen zerrte an ihm und ließ ihn still zwischen haltloser Wut und matter Resignation wanken. Manchmal hatte er das Gefühl, dass sich sein Gott über ihn lustig machte, war sich sogar sicher, dass alles auf eine gewisse Weise von ihm geplant worden war. Er zwang Averic dazu das zutun, wovon er sich immer distanziert hatte, wogegen er gewettert und geschworen hatte. Als wollte Fenris ihm auf schmerzhafteste Weise zeigen, wie zerbrechlich alles war, auch seine großen, edlen Versprechen. Jedes Versprechen. Andererseits wusste Averic, dass es seine Pflicht war und egal welchen Lauf sein Leben eingenommen hätte, letztendlich hätte er ins Tal der Raben geführt, weg von seiner Familie. Fenris hatte sich nur darum gekümmert seine Fesseln zu lösen. Manchmal kam er sich selbst lächerlich, gar dämlich vor. Von Anfang an hätte ihm das klar sein müssen und dann war er wieder wütend auf sich selbst, weil er so ein Narr gewesen war. Er, Averic, war der Sohn das Todes und deshalb rückten alle eigenen Bedürfnisse vor seinem Gott in den Hintergrund, sie zählten nicht. Und schließlich wusste der Pechschwarze nicht mehr, ob er Fenris hassen, oder ihm sogar dankbar sein sollte für das, was er bis zu Tascurios Tod geduldet hatte. Je länger seine wirren, müden Gedanken haltlos und dämmrig in letztere Richtung drifteten, desto wahrscheinlicher kam sie ihm vor. Aber diese Erkenntnis war genau so leer und erleichterte nichts. Am Ende hatte es niemanden glücklich gemacht.
Die dunkelblauen Augen durchkämmten ihre farblose Welt und hefteten den Blick an seine ehemalige Gefährtin. Tyraleen würde klar kommen, denn sein Gott hatte ihre Bande bereits gelöst und dafür gesorgt, dass sie ihn nicht mehr brauchte. Sie hatte das Rudel, Aszrem als Mitleitwolf und ihre gemeinsamen Kinder. Auch jene würden zurecht kommen, sie waren jetzt nahezu erwachsen und bereit auf sich selbst gestellt zu sein. Eigentlich war es gar kein so schlechter Zeitpunkt, um zu verschwinden. Für ihn gab es hier nichts mehr zutun.
All diese Gedanken blieben als ein dumpf pochender Schmerz in seiner Brust, verschwanden aber langsam aus seinem Kopf und wurden durch einen leichten Dämmerschlaf ersetzt. Womit sich die Wölfe um ihn herum beschäftigten interessierte den Pechschwarzen nicht. Was den Sumpf anging, so hatte er ihn bereits letzte Nacht abgelaufen und soweit es möglich war auf Gefahren kontrolliert. Der Gestank war zwar weiterhin nicht besonders angenehm, aber im Prinzip schien es doch nichts weiter als das. Irgend ein Geruch. Und die zusätzliche Wärme tat ihnen auch nichts. Es gab also keinen Grund zur Beunruhigung, oder zu besonderer Aufmerksamkeit.
Averic zwang sich dazu die Augen, die ihm zeitweilens zugefallen waren, wieder zu öffnen. Immer noch ging sein Blick in die Richtung, wo Tyraleen stand. Bei ihr waren zwei der Welpen und Kisha. Sein halb dösender Geist formte das, was er sah ein wenig um und aus Isaí wurde ein wieder junger Turién, Taleesha neben ihm zu Chanuka. Seine dunkle Schwester störte das Bild ein wenig, aber weil Träume keinen Sinn für Realität, Mögliches und Unmögliches, ob tot oder lebendig hatten, wurde sie zu Cylin. Es entspannte ihn ein wenig seinen Kindern dabei zuzusehen, wie sie mit ihrer Mutter das Sumpfgebiet erkundigten und sogar sein Bruder war dabei. Den kannten sie immerhin noch gar nicht, aber Averic zweifelte nicht daran, dass seine Welpen Cylin mögen würden. Und während er weiter zusah, blieben die Augen schließlich geschlossen.
[ Sumpf | etwas abseits | Theoretisch anspielbar, muss aber nicht, da ich aktuell ja so wenig Zeit habe. xD Aber ich war etwas sehnsüchtig und da der Beitrag eh schon länger angefangen rumlag, wollte ihn auch posten. ]
19.02.2012, 11:17
„Und trotzdem lassen sich die meisten davon verunsichern, und suchen zwanghaft nach einer Lösung – als wenn das irgend etwas bringen würde.“
Ihre Ohren legten sich leicht an den Hinterkopf, einen Moment verharrte sie so, richtete den Blick dann wieder herum, um ihren Bruder und den schwarzen Wolf anzublicken.
„Es ist immer das Selbe. Eine Katastrophe folgt der anderen, das Rudel bricht in Panik aus und sucht nach einer Lösung. Wenn wir von hier fort sind, dauert es sicher nicht lange, bis die nächste Unmöglichkeit folgt.“
[Chardím & Krolock]
19.02.2012, 11:52
„So so – und weil du so gut aufgepasst hast, bist du auch noch ganz sauber?!“
Taleesha zwinkerte ihrem Bruder neckisch zu und begrüßte ihn dann ebenfalls, indem sie kurz ihre Schnauze in seinem nach dem komischen Wasser stinkenden Fell vergrub. Zwar konkurrierten sie sich in letzter Zeit des Öfteren, aber dennoch mochte die Dunkle ihren mutigen, so viel wissenden Bruder sehr. Es überraschte sie nicht wirklich, als er wieder dieses seltsame Wort verwendete, das Taleesha völlig fremd war. … In-diz … Sie murmelte leise vor sich hin, so, als würde der Klang dieses eigenartigen Wortes etwas über dessen Bedeutung verraten. … Indi-z … Ind-iz … nein, es fiel ihr rein gar nichts ein, wenn die diese Silben hörte. Sie hatte zwar Fantasie, aber bei diesem Wort … eines wusste sie jedoch: Sie würde Isaí auf keinen Fall fragen! Sie wollte das alleine herausfinden!
Die Begrüßung Tyraleens lenkte Taleesha von ihren Überlegungen ab. Die kleine Welpin stupste ihre Patin erfreut an. Sanft rieb sie ihren Kopf am Fell Tyraleens. Dann blickte sie noch einmal bewundernd zu der weißen Fähe auf, um ihr schließlich zu folgen.
Sie war natürlich stolz, als Tyraleen erwähnte, dass sie ihre Hilfe gut gebrauchen konnten. Sie blickte zu ihrem Bruder und fühlte nun eine eindeutige Zusammengehörigkeit innerhalb dieses Abenteuers. Sie würden nun gut zusammenarbeiten müssen, vielleicht kämen sie dann bald diesem Rätsel auf den Grund. Dann würden sie im ganzen Rudel berühmt werden und Tyraleen wäre richtig stolz auf sie. Isaí und sie waren ja auch eindeutig die schlauesten der Welpen – sie würden ihren Eltern bestimmt eine Freude machen, wenn sie die Lösung kannten! Ja, zusammen mit ihrem Bruder konnte sie das schaffen! Sie signalisierte ihm mit ihrem Blick wie ernst es ihr war und dass sie auf ihn zählte.
Tyraleen blieb plötzlich stehen, schaute auf den Boden und richtete ihre Frage direkt an die Welpen. Euphorisch sah sich Taleesha dieses grünlich-blaue, seltsam geformte Stück Ast an. Es war ein dicker, aber kurzer Ast. Es war schon verdächtig, dass er so komisch aussah. War es wirklich ein Ast? Und warum hatte er diese seltsame Farbe? Nun galt es, gut zu kombinieren. Isaí hatte vorhin gerufen: Wir haben ein Indiz gefunden! Damit hatte er doch dieses Ding da gemeint, oder? Also war es ganz einfach ein In-diz. Grübelnd blickte Taleesha zu ihrem Bruder. Sie raunte ihm verschwörerisch zu:
„Das ist doch das In-diz, das du gemeint hast, oder? Es sieht aus wie ein falsch geratener Ast. Ist das In-diz etwas, das von weit her kommt? Meinst du, es ist gefährlich?“
[Sumpf | Isaí, Tyraleen, Kisha]
19.02.2012, 11:58
"Das stimmt, wir sind ja aber auch ein außergewöhnlich großes Rudel. Da braucht es immer etwas mehr Zeit",
erwiderte er und unterstrich seine Worte mit einem leichten, knappen Nicken. Joké war bei Weitem nicht der Erste, der Probleme mit der Vielzahl der Rudelmitglieder hatte, und er würde auch nicht der Letzte sein. Noch verwirrender würde es für den jungen Schwarzen werden, wenn er versuchte, sich die verwandschaftlichen Beziehungen seiner Mitwölfe einzuprägen. Die Familie de Götterkinder war groß.
Aszrems Blick glitt noch einmal über den Sumpf und die Wölfe in ihrer Nähe, während Joké ihm nach dem Sinn und Zweck ihres Hierseins fragte. Der Schwarzbraune ließ sich nichts anmerken, aber ihm behagte noch immer nicht ganz, dass das gesamte Rudel hier weilte. Es gab sowohl gute Argumente dagegen als auch dafür, und ob sie gerade einen Fehler machtn, würden sie erst im Nachhinein wissen.
"In den letzten Monaten haben sich ein paar seltsame Begebenheiten ereignet, und dies ist eine Weitere. Neben dem prsktischen Aspekt, dass der Winter naht und es hier warm ist, können wir vielleicht auch herausfinden, warum der Sumpf sich so verändert hat. Der Gestank, die Wärme..."
Aszrem wählte seine ersten Worte gezielt vage, immerhin war es nicht nötig, Joké gleich mit sämtlichen Details der Kette von Ereignissen vertraut zu machen, die vielleicht zu den Veränderungen im Sumpf geführt hatten.
"Hast du auf deiner Reise zu uns schonmal von einem Ort wie diesem Sumpf gehört?",
fragte er schließlich nach. Von sich selbst wusste er immerhin, dass Reisende immer eine gute Möglichkeite waren, von Geschichten und Gerüchten zu hören.
[Sumpf | Joké]
19.02.2012, 23:36
Soweit so gut, damit war der Gedankengang allerdings auch abgeschlossen. Stattdessen beschäftigte er sich nun damit, diese Aussage gegen den anderen schwarzen – komisch weiß gezeichneten – Rüden zu verwenden. Konnte man ihn wohl ein bisschen aufhetzen? Hatte Krolock dazu gerade Lust?
Als könne sie ihm die Entscheidung abnehmen, betrachtete er die aschefarbene Fähe. Beides waren Geschwister von Caylee, aber das machte sie nicht sympathisch. Niemals. Caylees Geschwister hatten nichts mit ihrer Schwester gemeinsam und das – so fand jedenfalls Krolock – machte sie deutlich unsympathischer. Wieso war ihm dabei nicht so ganz klar. Weil es eben so war. Eine Art der Argumentation, die ihm ziemlich gut gefiel. Manche Dinge waren eben wie sie waren. Fertig.
„Wer sucht nach einer Lösung?“
Und für was eigentlich? Jedenfalls klangen die Worte, als frage er sich, wie dumm manche Wölfe eigentlich sein konnten. Und egal, von was Atalya gerade redete – offensichtlich konnte er dem Gespräch nicht ganz folgen – der Tonfall passte garantiert. Der passte in diesem Rudel immer. Außer bei Caylee, aber da passte er meistens dennoch. Weil er ja nicht mit Caylee über Caylee redete. Er redete niemals über Caylee.
„Ohne Götter wären wir zweifelsohne besser dran. Dann gäbe es nicht ständig irgendwelche Ungleichgewichte und blödsinnige Geheimnisse. Die Katastrophen kommen doch nur von dem blöden Götterkram. Und was ist eurer Meinung nach hier schon wieder los? Schicken die nun die ganzen Toten wieder zurück, damit die hier vergammeln? Oder schicken sie nur den Geruch, einfach um uns zu nerven?“
Das war nun irgendwie ein halbwegs annehmbares Thema. Vielleicht konnten die beiden damit auch etwas anfangen und er konnte ein bisschen über die blöden Spielmeister lästern. Er wollte über die Obrigkeit am liebsten nur abkotzen, die ständig damit beschäftigt war, ihnen irgendwelche Plagen zu schicken. Am besten wäre dabei gewesen, die Toten zu ignorieren und mit dieser gequirlten Welpenkacke aufzuhören. Aber was erwartete er von der stumpfen Gutwolfwelt? Die wären doch unglücklich, wenn sie nicht dauernd über irgendetwas nachgrübeln könnten.
[Bei Chardim und Atalya]
20.02.2012, 15:35
"Also, gefällt es dir hier nicht... Aléya?"
Es war eher eine Feststellung als eine Frage, jedoch trug dies nicht zur Sache bei. Die Regentochter schwieg eine Weile, folgte diversen Gedankengängen, bevor sie schließlich doch noch einmal die Stimme erhob.
"Es ist seltsam hier, dass muss selbst ich zugeben. Hast du die Fontäne gesehen, die dort drüben aus dem Wasser gestoben ist, völlig ohne Vorwarnung?"
Hach, dummer Smalltalk. Egal, vielleicht würde ja doch noch irgendetwas sinnvolles am Ende herauskommen, auch wenn sie dies ehrlich gesagt ziemlich bezweifelte. Das Bernsteinauge hatte nicht einmal ihre Begrüßung erwiedert. Vielleicht war er ja taubstumm?
21.02.2012, 18:08
„Hmm … ich glaube Kirov hat recht. Ist das denn nicht aufregend? Etwas gruselig vielleicht – aber aufregend!“
Sie nickte leicht, um ihren Worten noch einen gewissen Ausdruck zu verleihen. Kirov hatte sich abgewandt und lief bereits etwas vor. Mit einem selbstsicheren Lächeln trabte die Weiße hinterher. Sie hatte nicht gemerkt, wie Daylight neben ihr her lief. Sie war viel zu sehr damit beschäftigt dem widerwärtigem Sumpf einen angewiderten Blick zuzuwerfen. Ihr lief ein kalter Schauer den Rücken runter und ungewollt stellte sich ihr Nackenfell auf. Naserümpfend blickte sie wieder nach vorne und starrte stattdessen Kirovs Rücken an. Gerade in dem Moment, wo sie den Rüden fragen wollte, wo hin es gehen sollte, stupste Daylight sie an. Überrascht blinzelte sie die Weiße an und legte ihren Kopf leicht schief. Ahkuna musste ihre Ohren weiter nach vorne kippen lassen, um die leise Stimme ihrer Tante zu hören. Doch als sie die gehauchten Wörter verstanden hatte, schmiegten sich ihre Ohren, peinlich berührt, an ihren Hinterkopf. Woher? … Wann? … Was?! Ihr verschlug es regelrecht den Atem und sie konnte keinen einzigen Laut von sich geben. Vorsichtig schielte sie aus dem Augenwinkel zu Kirov und sie hätte beinahe erleichtert ausgeatmet – der Rüde hatte anscheinend nichts mitbekommen – doch konnte sich noch im letzten Moment zusammen reißen.
„Was für ein Unsinn … Ich – Er erinnert mich bloß an seine Schwester“, nuschelte Ahkuna leise. Und es war nur ein Teil der Wahrheit.
[Daylight & Kirov]
22.02.2012, 20:50
Dieser galt übrigens ein glückliches Grinsen, als sie ihre Kombinationsgabe zur Schau stellte und Isaí war überzeugt davon, dass sie in Zusammenarbeit sicherlich ganz schnell das Rätsel gelöst hätten. Sie würden Helden sein an diesem Tag, allesamt! Heldenhafte Abenteuer, zu denen das ganze Rudel aufsehen würde. Kurz tippelte er ungeduldig auf der Stelle bei diesem Gedanken, ehe er seine kleine Schnauze erneut in ihrem nicht minder nassen Fell verbarg und sie sanft, aber auffordernd zwickte.
„Richtig!“, lachte er, ehe er kurz eine Runde um sie drehte und sie einen Augenblick mit einem abenteuerlustigen Lächeln bedachte. „Komm, schnell! Wir sind der Lösung bestimmt ganz nah!“
Sein Blick glitt kurz zu Tyraleen, die die Schwarze nun auch begrüßte, ehe er seiner Schwester zunickte und sich seine Miene schließlich wieder zu etwas Ernsterem wandte. Nun galt es, sich wieder den wichtigen Dingen zuzuwenden! An der Seite der Erwachsenen wagten sich die beiden jungen Wölfe näher heran und – ganz, wie der Rote erwartet hatte – kroch oder lief das Indiz nicht vor ihnen weg. Neugierig setzte er – je näher sie kamen – immer vorsichtiger die Pfoten voreinander, immerhin hatte er das Kisha versprochen. Der kleine Kopf neigte sich leicht zur Seite, während er mit den Ohren spielte und dieses fremde Ding begutachtete. Aus der Frage Tyraleens schloss er, dass sie wusste, worum es sich handelte, doch das machte ihm gar nichts aus. Das nahm den beiden sicherlich nicht den Spaß an der Entdeckung. Immerhin waren sie weiter als alle anderen! Ha!
„Genau, das ist das Indiz.“, bestätigte er und machte schließlich ein paar Schritte nach links, um es aus einem anderen Blickwinkel betrachten zu können. „Das dachte ich auch anfangs, aber hast du schon mal einen weißen Stock gesehen? Gibt es weiße Stöcke, Tyraleen? Aber er ist ja auch grün und braun und blau und… so unstockig… Ein bunter, unstockiger stockiger Stock…“
Er spielte wenig begeistert von dieser Aussage mit den Ohren, ehe er sich wieder an seine Schwester wandte.
„Aber sind die komischen Stöcke in der Beute nicht weiß? Es sind keine Stöcke, aber… die sehen auch so aus. Nur weniger bunt. Vielleicht war das einfach eine bunte Beute.“
24.02.2012, 12:35
Er war erleichtert über Liels Vorschlag, ein trockenes Plätzchen aufzusuchen und nickte heftig. Dann wäre es zwar auch kälter, aber er hatte ja zwei kuschelige Wärmespender, bei denen er sich verstecken konnte, wenn er zu frieren begann. Hoffnungsvoll sah er von Liel zu Kursaí und wieder zurück und suchte dann mit den Augen bereits nach einem hübscheren Ort für sie.
„Jaa, ich glaube wir suchen lieber ein trockenes Plätzchen, wo es nicht so stinkt.“, stimmte er endgültig zu und schnaufte leise.
Liel hatte gute Ideen, das musste er ja zugeben. Erfreut und deutlich motivierter stellte er die Ohren auf und wedelte verhalten mit der kleinen Rute. Auf eine Erkundung des Reviers hatte der Welpe aber nur so lange Lust, wie es weniger stank und das Wasser aus der Entfernung betrachtet werden konnte. Wie groß war das hier wohl alles und was zählte noch zum Revier? Ob Tyraleen wohl Grenzmarkierungen gesetzt hatte, als sie es betreten hatten? Schon wieder geisterten die verschiedensten Fragen durch seinen Kopf und er musste aufpassen, nicht den Anschluss an seine Tante und Liel zu verlieren. Während er das Wasser weiter im Blick behielt, erhob er sich wieder und sprang dann über eine kleine Pfütze, um auf den Weg zurückzukehren, auf dem er vorhin schon entlanggelaufen war, ehe er Kursaí begegnet war. Da war es fast nicht nass und sie konnten leichter aus dem Sumpf herausgelangen.
„Wir könnten auch die Grenze ablaufen, da ist es dann trocken und trotzdem spannend. Wenn ihr wisst, wo die Grenze ist.“
Er klang ein wenig herausfordernd und strahlte den beiden Fähen offen entgegen. Sie sollten ihm folgen, er wusste den sichersten Weg aus dem bösen Wasser heraus. Die Grenze kannte er zwar selbst nicht, er wusste nicht einmal, ob es überhaupt schon eine Grenze gab. Aber was machte das schon, dann zogen sie halt selbst eine. Jedes Revier musste eine Grenze haben, auch wenn das Rudel nur kurzzeitig hier verweilte. Und wenn sich Tyraleen nicht darum kümmerte, machten sie das halt. Er warf der Alpha einen Blick zu und legte kurz die Ohren an, als er sie ihm gespräch mit Isaí und Taleesha sah. Sie machten immer noch an diesem komischen, ekelhaft aussehenden Ding rum, das war nichts, was er auch tun wollte. Also musste das Gespräch mit der Leitwölfin noch warten, indem er und Kursaí sie darum bitten wollten, weiterziehen zu dürfen.
„Liel? Meinst du, dass Kursaí und ich schon weitergehen und den Weg für das Rudel erkunden dürfen? Denkst du, dass Tyraleen das erlaubt?“, fragte er euphorisch und trat von einer Pfote auf die andere.
Vielleicht wollte Liel auch mitkommen, dann wäre das alles natürlich noch viel toller. Und wenn sich genug Wölfe bei Tyraleen beschwerten, würden sie vielleicht sogar alle sofort weiterziehen. Er konnte doch wahrlich nicht der Einzige mit seiner Tante sein, der den Sumpf ziemlich blöd und ungemütlich fand. Und nun war er auch noch gefährlich, das hatten sie ja gemerkt. Normalerweise wäre er zu Tyraleen gelaufen und hätte ihr erzählt, dass das Wasser sie angriff. Aber jetzt, wo Isaí und Taleesha bei ihr waren, konnte er sich schon denken, wie sie reagierten. Sie würden ihn doch eh nur auslachen und ihn als Angstwelpen bezeichnen. Wieso also sollte er sie warnen? Die würden schon sehen, was sie davon hatten, wenn sie so ekelhaftes Zeug aus dem Sumpf zogen und nicht aufpassten. Malik warf der kleinen Gruppe weiter hinten einen bitteren Blick zu, dann wandte er sich wieder an Liel und Kursaí und wartete darauf, dass sie mit ihm kamen.
25.02.2012, 11:41
“Tante, wir sind beide im gleichen Tal geboren, in der gleichen Familie aufgewachsen; wenn man hier die Augen vor der Realität verschließt, kann man sie nie mehr öffnen. Aber wenn man hier blind durchs Leben geht, fällt man ins Nichts. Also musst du dir keine Sorgen machen, meine Augen sind weit geöffnet und betrachten sich den Dreck, der an unseren Pfoten klebt mit Trotz und Gleichgültigkeit gleichermaßen. Aber um auf das eigentliche Thema zurückzukommen …“ Jetzt warf sie einen kurzen Blick zu ihrer Schwester. “… werden wir selbst wenn wir tatsächlich irgendetwas finden sollten – was ich nicht glaube – sowieso rein gar nichts an unserem Schicksal ändern können. Falls überhaupt irgendetwas passieren sollte.“
Caylee sprudelte wie immer über vor Selbstbewusstsein, sah sich aber erneut mit ihrer immer wahnwitzigeren Veränderung konfrontiert. Dieses Augenverschließen, dieses Nicht-wahrhaben-wollen … genau das hatte sie unmittelbar nach dem Tod von Tascurio getan. Sie war sogar so weit gegangen, dass ihr Kopf ihr schreckliche Träume vorgegaukelt hatte und Blut aus ihrer Nase lief. Sie konnte nicht mehr verstehen, wie sie jemals so gewesen sein konnte. Aber wie gut war es, dass weder Parveen noch Amúr davon wussten, insgesamt reichlich wenig Ahnung von Caylee und ihrem Befinden hatten. Auch wenn möglicherweise ausgerechnet ihre Tante jemand sein könnte, dem sie mehr erzählen und von dem sie mehr hören wollte. Aber sicher nicht jetzt und hier. Parveen dagegen schien weniger Probleme mit Offenheit zu haben, zumindest lag ihr Blick nun voll ehrlicher Traurigkeit auf ihrer Nichte, vielleicht doch etwas getroffen von der direkten Frage. Die Antwort gefiel der Weißen, sie war das, was Caylee als geistreich bezeichnen würde. Geistreich, ehrlich und ein bisschen kompliziert. Aber interessant kompliziert, mehr als dieses flache Gerede und der Austausch von gewichtigen Tatsachen. Wieder wurden die Sternenaugen der Weißen etwas schmaler, wieder keinesfalls bösartig.
“Wir sollten uns zusammentun. Ich habe viele Fragen und du hast das Interesse an den Antworten.“
Ob es allerdings die Fragen waren, die Parveen vorschwebten, blieb zweifelhaft. Vermutlich teilte sie Caylees neue Ansichten über Götter, Glaube, Engaya, das Rudel und dem Leben allgemein nicht. Und die Weiße war jemand, der seine Meinung bereits in jede Frage legte, sie dadurch lenkte und nicht jede Antwort zuließ. Provokant nannte man das wohl. Parveen war nicht gerade provokant, andererseits … neben Amúr wirkte sie schon fast wie ein Rebell.
[ Sumpf | Amúr und Parveen ]
26.02.2012, 11:11
Cirádan fand das ganze zwar stinkend, aber er gewöhnte sich schnell an den üblen Geruch. Viel zu sehr genoss er die Wärme die in diesem Teil des Reviers herrschte.
Wie ein junger Welpe erforschte er in der Nähe des Rudels die Sümpfe. Versank jedoch auch immer wieder etwas tiefer im Morast. Er sollte aufpassen, das sagte ihm sein Instinkt. Doch so dreckig und nass und stinkend wie er schon war, fand er es furchtbar langweilig darauf zu hören.
Dennoch blieb er vorsichtig. Und nachdem er mal wieder fast zu tief eingesunken war und sich nur noch mit größter Mühe wieder auf etwas festeren Boden retten konnte, beschloss der Jungrüde eine Pause vom Erkunden einzulegen.
Hechelnd mit leichten Erschöpfungszuständen ging er zurück zum größeren Rest des Rudels und überlegte ob er sich einfach nur hinlegen und dösen sollte, oder ob er doch mal wieder mit jemanden reden könnte...
Als er Nihilus entdeckte, war die Sache klar. Er wollte mal wieder etwas mit dem Nichtswolf unternehmen. Und selbst wenn es nur beisammen sitzen war.
Sofort steuerte er den hellen Rüden an und machte einen halben Sprung um diesen Anzutapsen. Man merkte Cirádan seine momentan gute Laune deutlich an.
"Hey, lang nicht gesehen! Weißt du was hier los ist?", fragte er neugierig und versuchte sich durch Umsehen einen Überblick über die momentane Lage zu verschaffen.
[bei Nihilus, Sumpf, bin mir noch nicht sicher wo genau]
26.02.2012, 14:34
Jedoch als sie nun die Stimme erhob, klangen ihre Worte gut. Zum einen ging sie nicht weiter auf Kursaí ein. Die Fähe wusste nicht so recht, ob die andere es ihr glaubte, dass mit ihr nichts sei und doch hatte sie sie zumindest genügend beruhigt. Eigentlich war mit ihr auch nicht allzu viel. Mit dem bisschen Schmerz konnte Kursaí schon leben, auch wenn Linderung schön gewesen wäre. Vielleicht fanden sie ja in nicht allzu ferner Zukunft einen kühlen Tümpel.
Nun drehten sich ihre Gedanken um die Weiteren Worte von Liel. Es verwunderte sie nicht wirklich, dass auch die andere Fähe davon ausging, dass dort kein Tier lebte, und doch musste sie bei den nächsten Worten schmunzeln. Der Gedankengang war gut, sehr gut. So nickte sie beifällig, und brachte so zum Ausdruck, dass auch sie der Meinung war, dass das "Ungeheuer" wohl gar nicht in ihrer Welt leben wollen würde. Noch besser waren aber die Schlussworte. Eigentlich hatte die helle Fähe nach diesen Kriterien diesen Platz ausgesucht, jedoch dies verschwieg sie mal lieber. Anscheinend musste man nicht nur den Liegeplatz sondern auch noch das ganze Umfeld in diesem heimtückischen Sumpf betrachten.
"Na, dann lasst uns aufbrechen."
Sagte, sie mehr als übereinstimmend mit den anderen beiden. Sie machte die ersten Schritte, wobei sie aber genau aufpasste nicht in irgend ein Loch zu treten. Hier musste man wirklich aufpassen. Dabei ging es den Weg, von dem Malik aus gekommen war. Dies schien wohl die trockenste Richtung.
Sie bemerkte wie Liel nachdachte. Was die Fähe wohl hatte. Sie konnte drauf wetten, dass sie über das Loch nachdachte, oder vielleicht auch über den ganzen Sumpf. Es lag wohl auf der Pfote, das dies so war.
Kursaí hörte zunächst einmal den Worten der beiden anderen zu. Wo war hier wohl die Grenze? Darüber hatte sie sich noch nie so richtig Gedanken gemacht. Doch dann kam ihr ein recht wahrscheinlicher Gedanke:
"Wahrscheinlich sind wir nicht die Einzigen denen es so geht. Ich würde fast vermuten, dass niemand so richtig viel über diese Gegend weiß.
Und so denke ich auch, dass mit diesem Gebiet das Revier endet. Wahrscheinlich weiß niemand, wie lange es sich noch erstreckt, und gleichzeitig kann es wohl auch niemand herausfinden, wäre es doch viel zu gefährlich durch den Sumpf zu wandern."
Kursaí kannte ja nur den Rand dieses Gebietes und doch hatte sie schon gesehen, wie plötzlich ein Wolf bis zum Bauchfell eingesunken ist. Vielleicht war es ja überall so, und doch dachte sie, dass es sich tiefer in dem Gebiet nur noch riskanter war. Sie drei waren ja aber gar nicht aus die Untiefen dieses Geländes zu erkunden, wohl eher das Gegenteil. Sie würden also wohl eher den Rand des Gebietes suchen, auch wenn sie sich nicht zuweit von dem Rest entfernten. Wobei, es gab ja noch die Frage des Auskundschaften - natürlich hauptsächlich um dieses Gebiet zu verlassen. So fügte sie zu Maliks Worten hinzu:
"Meinst du nicht, dass es wahrscheinlicher ist, dass sie es zulässt, wenn Liel noch mitkommt?" fragte sie an Malik gewandt. Nur um gleich darauf an Liel gewandt zu sagen: "Natürlich nur, wenn du auch willst."
05.03.2012, 12:24
“Weiße Stöcke gibt es eigentlich nicht. Und Holz wird im Wasser sehr dunkel und sehr weich.“
Ob es diese Zusatzinformationen noch brauchte, bezweifelte sie, denn Isaí schien in Gedanken schon weiter zu sein. Er hatte sich wieder seiner Schwester zugewandt und sprach nun tatsächlich von Knochen – ohne das Wort zu kennen. Die Idee mit der bunten Beute war wieder ein wenig danebengegriffen, aber das machte überhaupt nichts. Schon so hatte der kleine Rote ein weiteres Mal seinen schlauen Kopf unter Beweis gestellt. Mit einem breiten Lächeln nickte die Weiße erneut.
“Super, Isaí, du passt wirklich gut auf. Die weißen Stöcke in der Beute nennen wir Knochen und die sind auch in uns drin.“ Sie hob ihren linken Vorderlauf und ließ ihn ein wenig vor den Gesichtern der Welpen hin und her pendeln. “Seht ihr, ich halte meinen Lauf ganz locker, dennoch ist er hier grade und hart. Das liegt an dem Knochen darin.“
So viel zu der Sache mit der ewig erklärenden Tante. Aber es gab so viel zu erklären – hatten ihre Welpen auch schon so viel gefragt und entdeckt?
“Das ist wohl ein Knochen aus einem Elch oder Hirsch, vermutlich liegt er schon sehr lange hier. Das Grüne sind kleine Pflanzen, die im Laufe der Zeit darauf gewachsen sind. Meint ihr, es könnte irgendeine Verbindung zwischen diesem Knochen und der Wärme bestehen?“
Die letzte Frage war tatsächlich wieder ernsthaft gestellt, die Weiße selbst konnte sich zwar nicht vorstellen, wie ein Knochen, der nun nicht gerade selten war, so etwas auslösen könnte, aber wieder war sie gespannt auf die Ideen der Welpen. Die dachten ja auch an bunte Beute, wenn der Knochen von kleinen Pflanzen bewachsen war.
[ Sumpf | Taleesha, Isaí und Kisha ]
Bei Tyraleen, Taleesha, Isaí und Kisha:
Noch während die kleine Gruppe Tyraleen, Taleesha, Isaí und die etwas schweigsamere Kisha den gefundenen Knochen aufmerksam betrachtete, begann es schon wieder im Sumpf zu brodeln. Kaum zwei Schritte hinter Taleesha blubberte es, wurde dieses Mal aber sehr viel schneller größer und noch bevor einer der Wölfe reagieren konnte, schoss eine mehr als wolfsgroße Fontäne aus dem Sumpf hervor, so nahe an Taleesha, das der Druck den kleinen Welpen nach vorne schleuderte. Der Geruch nach Verwesung und einem unbekannten Ekel war so stark, dass man ihn in der Luft zu sehen meinte und die Hitze musste vor allem Taleeshas Rute unangenehm angegriffen haben.
05.03.2012, 12:55
Nur, dass ihm dieser Moment viel zu schnell wieder genommen wurde.
Denn wie aus dem Nichts, vermutlich hatte ihm der Gestank inzwischen wahrhaftig die Sinne genommen, stand plötzlich eine Fähe vor ihm, weiß, nur heller als er, mit interessanten Augen und vermutlich hatte sie gerade etwas gesagt und er Vollpfosten hatte es, total versunken, gar nicht mitbekommen. Unruhig schnippten die Ohren zur Seite, während der Rüde sich wieder zu voller Größe aufrichtete und seine verworrenen Gedanken zu ordnen versuchte. Heilige Scheiße, was war hier nur los? Konnte man eine Geruchsvergiftung bekommen? Wenn ja, dann hatte man mit ihm nun vermutlich ein lebendes Beispiel gefunden. Applaus, Applaus! Grummelnd schüttelte der Wolf den Kopf, dumme Gedanken.
Gerade wollte er das Wort erheben, da drang bereits die nächste, weiblich Stimme an seine Ohren und Samirez musste den Kopf ein wenig wenden um den Neuankömmling ins Sichtfeld zu bekommen. Noch eine Wölfin, eine schwarze. Unwohl blinzelte der Rüde einfach, als die beiden Fähen sich kurzweilig unterhielten und ihn dabei vollkommen außer Acht ließen. Hey, hey...HEY! Was zum Teufel. Man ignorierte doch keinen Samirez. Was ritt ihn also gerade dazu, sich zu benehmen wie ein benebelter Nichtskönner. Ein Knurren bahnte sich seine Kehle hinauf, wurde jedoch schnell noch unterdrückt. Er wollte jawohl kaum, dass die beiden dachten er wäre ein Psychopath. Erst die ganze Zeit schweigen und dann auf einem hier herum Knurren. Ja, das käme natürlich super an.
“Das Tal ist ganz nett, aber dieser Ort hier...also einfach gesagt: zum brechen.“
Klinkte er sich also fluchst mit ein und reckte das Kinn etwas vor. Amáya hatte sich die Dunkle vorgestellt, jetzt fiel s ihm wieder ein. Und die Weiße hatte sie Aléya genannt. Zweimal A, war doch sogar einfach zu merken. Oh man, er hatte gerade den Kopf buchstäblich in den Wolken gehabt. Jetzt allerdings schienen zumindest wieder alle Tassen dort, wo sie auch hin gehörten. Aber irgendwie schienen sie hier alle auf A zu beginnen. Amáya, Aléya, Akhuna... okay, halt, halt, alles auf Anfang. Damit hatte er weiß Wolf noch genügend Zeit drüber zu philosophieren.
“Weiß eine von euch zumindest, was wir hier eigentlich sollen?“
Dabei fixierte er unmissverständlich den zweiten Wasserstrahl, der plötzlich gefährlich nah neben einer der Welpen aus der Erde geschossen kam. Skeptisch begutachtete der Rüde den Platz, an dem sie selbst gerade saßen.
“Zumindest habe ich wenig Interesse daran mich grillen zu lassen...“
[Amáya & Aléya]
05.03.2012, 15:22
Aber noch ehe sie weiter reagieren konnte, sprangen sie schon wieder in eine neue Situation, die einen großen Wechsel mit sich brachte. Hinter Taleesha brodelete der Sumpf, und wenige, schnelle Herzschläge später, quoll eine Fontäne hervor, die den Geruch in der Luft verstärkte, der schwarzen Fähe einen Moment die Luft nahm. Sie war zusammen gezuckt, einen Schritt zurück gewichen, als die Fontäne in ihrer Nähe hervor stieß. Sie hielt die Luft einen Moment an, verharrte einen kleinen Moment so. Von Sekunde zu Sekunde wurde diese Situation absurder, merkwürdiger. Sie versuchte ruhig zu atmen, auch wenn dieser Geruch ihr eigentlich jede Möglichkeit dazu nahm. Kisha schnaufte leise, blickte dann zu den anderen Wölfen. Kurz schloß sie die braunen Augen, neigte dann leicht den Kopf, blickte schließlich zu Taleesha, die ziemlich nah an der Fontäne gestanden hatte. Sie trat einen kleinen Schritt auf die Welpin zu, neigte dann den Kopf ein wenig nach unten.
„Alles in Ordnung bei dir, Taleesha?“
Von der kleinen Fähe blickte Kisha nun auch zu Isaí, erkundigte sich mit einem Blick zu ihrem Patenwelpen, wie es ihm erging. Ein kurzes Lächeln galt dem Roten, dann legten sich ihre Augen auf ihre Schwester. Selbst, wenn sie der Lösung des Rätsels um den Knochen näher kamen – Stück für Stück – brachte es wohl keine Antwort mit sich, was an diesem Ort vor sich ging. Aber welche andere Möglichkeit blieb ihnen? Sie zuckte also ein wenig nervös mit den Ohren, ehe sie sich wieder Taleesha zuwandte.
[Sumpf – Isaí, Taleesha, Tyraleen]
05.03.2012, 19:43
Auch Kursaí war einverstanden und schritt langsam voran. Einen, soweit Liel das beurteilen konnte, trocken wirkenden Pfad, der sich um die Wasserlöcher schlängelte. Vorsichtig schritt sie nun hinter Malik her, es erschien ihr sehr wichtig, dass er zwischen den beiden Fähen ging. Auch wenn sie selbst auch gerne einen erwachsenen Wolf hinter sich gewusst hätte. Auch wenn sie sich meistens deutlich älter fühlte, als sie es war, fehlte ihr einiges an der Sicherheit die die Erwachsenen immer ausstrahlten. Aber vielleicht strahlten sie die Sicherheit auch wirklich nur aus und waren gar nicht so sicher? Dann konnte es auch gut sein, dass sie ebenfalls Sicherheit ausstrahlte, obwohl sie diese nicht besaß. Dann würde sich das vielleicht nie ändern und sie würde sich immer mal wieder unsicher fühlen.
Dieser Gedankengang kam ihr mittlerweile sogar sehr wahrscheinlich vor. Warum sollten die Erwachsenen, nur weil sie älter waren, nicht auch unsicher sein? Mist. Sie hatte gehofft und sich ein wenig gewünscht, dass dies nur ein Zustand der Jugend war. Sie würde bei Gelegenheit Shani dazu befragen. Diese würde ihre Frage sicherlich beantworten können.
Doch nun wollte sie sich lieber wieder auf den Weg konzentrieren, nicht, dass sie noch daneben trat und jämmerlich verendete. Außerdem wollte sie, als Letzte, auch die Umgebung hinter sich im Auge, besser, im Ohre behalten. Ihre Ohren klappten sich leicht nach hinten und lauschten auf irgendwelche unheimlichen oder gefahranzeigenden Geräusche. Dabei entgingen ihr dennoch nicht die Worte Maliks und Kursaís.
Doch sie wusste keine Antwort. Woher sollte sie wissen, wie weit das Revier ging, ob Tyraleen die Grenze auch hinter, oder inmitten, des Sumpfgebietes gesetzt hatte. Die beste Möglichkeit um dies herauszufinden, war es einfach zu erforschen.
„Ehrlich gesagt habe ich nicht die leiseste Ahnung, ob das Revier auch in diese Richtung hin markiert ist. Es würde mich wundern wenn nicht. Vielleicht nicht frisch von Tyraleen, aber bestimmt haben Banshee und Acollon ihr Revier früher ordentlich abgesichert. Aber das werden wir ja riechen, sollten wir bis an die Grenze laufen.
Und wenn keine existiert. Nun, dann halten wir uns einfach daran, dass wir uns nicht zu weit von unserem Rudel entfernen sollten.
Nur selber markieren würde ich mir verbitten. Dafür haben wir einen zu niedrigen Rang, das ist Tyraleens Aufgabe. Wenn wir keine Grenzmarkierung wittern können, sollten wir ihr das lieber mitteilen, als uns durch eigenständiges Handeln unbeliebt zu machen.“
Damit hatte sie sich in die kleine Gruppe integriert und eine gesonderte Antwort auf Kursaís Frage, ob Liel die beiden begleiten würde, war nicht mehr nötig. Natürlich würde sie dies. Alleine wollte sie hier nicht weiter umherwandern. Außerdem erschien es ihr mehr als wichtig, dass die Welpen der Beta so gut wie möglich beschützt wurden. Da zählte jeder Wolf mehr.
Und es tat ihr gut neue Kontakte zu knüpfen. Schließlich wollte sie irgendwann mal in die Fußstapfen ihrer Mama treten. Und dazu musste sie das ganze Rudel kennen. Und sie wollte die Wölfe nicht nur flüchtig kennen, nicht nur ihren Namen, sondern am besten möglichst viel. Woher sie kamen, warum sie hier waren, wie sie sich bei Gefahr verhielten, wie auf der Jagd, wie gegenüber Welpen. Wie sie sich provozieren ließen, wie man ihre Gemüter beruhigen konnte und, und, und.
Ja, es war wirklich gut, dass sie die beiden Wölfe getroffen hatte. Mit Malik begann die neue Generation des Rudels. Die ersten Welpen nach den chaotischen Geschehnissen. Das war ein Neuanfang.
[Sumpfgebiet. Kursaí& Malik.]
06.03.2012, 19:37
Die Frage, warum ihre Nichte so redete, schwang bereits in der Luft, aber Parveen schluckte sie wieder herunter. Dies schien kaum der angemessene Ort dafür und sie bezweifelte, dass sie eine Antwort in dieser Situation bekommen würde. Die Weiße schien ihr nicht sehr offen zu sein, wenn es um ihre Gefühle ging, auch wenn sie in anderen Dingen nicht sonderlich schweigsam wirkte. Zu den nächsten Worten aber, konnte sie sich ihre Meinung nicht verkneifen. Eine Fähe, die noch ihr ganzes Leben vor sich hatte, sollte nicht so reden, als wäre ihre gesamte Zukunft bis hin zum Tode bereits geplant.
"Dein Verstand sagt dir, dass man nichts an seiner eigenen Zukunft ändern kann...?" Es war vielmehr eine Feststellung, keine Frage. "Ich kann ahnen, was dich zu dieser Einstellung treibt und ich muss zugeben, dass ich ähnlich denke, auch wenn ich es wohl nicht so direkt aussprechen würde."
Ja, Caylee war direkter als sie und ihre Worte erschütterten die schwarze Fähe auf beklemmende Weise, auch wenn sie nicht viel anders dachte, aber es bis jetzt nie so eingemeißelt gesehen hatte. Mutlos blickte sie sich um und hätte sich für dieses Gefühl am liebsten selbst in den Schwanz gebissen. Sie war vielleicht nicht weiser, aber älter, und hätte den Jungwölfen ein Vorbild sein sollten. Aber was würde sie schon ausrichten, wenn sie wirklich etwas in diesem Sumpf fanden? Welche Chancen hätte selbst das gesamte Rudel gegen etwas, was solche weitreichenden Veränderungen bewirken konnte. Dies schien zu groß für sie. Nicht greifbar. Sie blickte ihre weiße Nichte wieder an und stieß ein ernüchterndes Schnauben aus.
"Ich hoffe wirklich, du hast recht und wir finden nichts von größerem Ausmaß."
Parveen würde es wirklich interessieren, ob Amúr ebenso missmutig an die Sache heran ging oder offener für das war, was sie vielleicht noch erwarten würde. Eine positiv–denkende würde ihr, und wahrscheinlich auch Caylee, nicht schlecht tun. Bekanntschaften und Freunde veränderten einen ja unverkennbar und Pav beschlich das ungute Gefühl, dass die Weiße viele von ihren wieder vergrabenen, mutlosen Gefühlen an die Oberfläche holen würde. Womöglich war das auch ein guter Weg um sich ihnen bewusst zu werden und selbst zu verstehen, wie man eigentlich zu den Dingen des Lebens stand. Aber war die provokante Fähe der richtige Gesprächspartner? Vielleicht würde sie auch die noch leicht formlosen Einstellungen von Parveen in eine Richtung treiben.
Sie wollte diese Möglichkeiten beiseite schieben. Ihr kam es jetzt noch surreal vor, dass sich jemand mit der so kompliziert und zurückgezogenen Wölfin Parveen befassen wollte. Umso mehr überraschten sie die Worte der Jungen und ließen sie interessiert den Blick mit ihr kreuzen.
"Ob ich deine Fragen beantworten kann, weiß ich nicht, aber an den Antworten wäre ich ohne Zweifel interessiert. Vielleicht kannst du mir sogar über einen Teil meiner Ungewissheit helfen."
Parveen war sich nicht vollends klar, was sie sich erhoffte. Wahrscheinlich einfach jemanden, der ihr zuhörte und außerdem wollte sie mehr über diese Fähe erfahren. Ob sie ihre Ansichten teilte, genauso dachte, oder sich doch mehr von ihr unterschied, konnte sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.
"Ratschläge werde ich dir dabei am Wenigsten geben können, aber das sind auch nicht die Antworten, die du erwarten würdest." Wieder eine Feststellung. Caylee schien nun wirklich niemand zu sein, der Predigten verlangte oder sich solche anhören würde.
08.03.2012, 14:33
Anfangs grinste sie vor sich hin, als er über den unstockig stockigen Stock sinnierte, doch was er danach anführte, brachte sie zum Grübeln. Die Stöcke in einer Beute … das war eine gute Frage: Wie sahen sie aus? Bisher war ihr gar nicht so klar gewesen, dass es in einer Beute Stöcke gab, sie hatte sich zwar schon einmal an so eine tote, lecker riechende Beute angeschlichen, aber sie war so abgelenkt gewesen von der Beute an sich und dem guten Geruch, dass sie gar keine weißen Stöcke bemerkt hatte … außerdem war dieser Stock hier ja alles andere als weiß. Er war auch grün und blau und … und übrigens gab es sehr wohl weiße Stöcke, also sie hatte schon welche gesehen und vielleicht sollte sie das ihrem Bruder mal erklären, damit sie nicht in die falsche Richtung ermittelten und …
Als Isaí überschwänglich von Tyraleen gelobt wurde, stutze Taleesha. Sie stand mit ungläubigen Augen da und schaute immer abwechselnd zu ihrer Patentante und zu ihrem Bruder. Er hatte also tatsächlich Recht gehabt?
Aber … Für einen kurzen Moment fühlte sich Taleesha irgendwie doof neben ihrem Bruder. Sie wollte auch ein Lob und vor allem von Tyraleen. Dass ausgerechnet Isaí das Rätsel zuerst gelöst hatte, ärgerte sie. Andererseits war es wichtig, dass sie wussten, was hier vor sich ging. Und ein kleines bisschen stolz auf ihren intelligenten Bruder konnte sie ja sein. Als Tyraleen schließlich eine neue Frage stellte, arbeitete es rasch in Taleeshas Kopf. Dieses Mal würde sie wissen, was die richtige Antwort war. Sie überlegte und überlegte … Stock und Wärme … also Knochen und Wärme … wie konnte das zusammen hängen? Und was hatte der Gestank damit zu tun?
Letztendlich blickte sie doch wieder fragend ihren großen Bruder an. Hatte er schon eine Idee? Das Rätsel war wirklich schwer! Dann sah Taleesha nochmal zu Tyraleen – vielleicht gab es ja noch einen kleinen Tipp? Aber nichts … dabei wollte sie doch unbedingt zeigen, dass sie genauso viel wusste wie Isaí! Schließlich hielt sie es vor Spannung nicht mehr aus und plapperte drauf los:
"Also die Wärme … ja … vielleicht war ja was in dem In-diz, also in dem Stock, also in dem Knochen, drin … etwas, das da heraus wollte. Etwas, das ganz warm ist und stinkt."
Naja, sie war alles andere als zufrieden mit ihrer Antwort. Es hatte nicht so viel Sinn gemacht, was sie sich da zusammengereimt hatte. Sie begann, schnell einer andere Lösung zu suchen.
"… oder vielleicht war es ja so, dass …"
Weiter kam die kleine Welpin leider nicht, weil sie plötzlich ein Brodeln unter sich spürte, keinen Boden mehr unter den Pfoten hatte und hochgewirbelt wurde. Sie erschrak zutiefst, japste wie schon zuvor aufgeregt nach Luft und spürte im nächsten Moment einen stechenden Schmerz in ihrer Schwanzspitze. Zuerst konnte sie gar nicht wahrnehmen, dass es ein heißer, pochender Schmerz war. Sie merkte nur, dass etwas nicht stimmte und konnte die anderen nicht sehen, als das Wasser über und vor und unter ihr - und um sie herum - zusammenschwappte. Außerdem stank es nicht mehr, sondern es roch inzwischen bestialisch. Sie glaubte, nicht mehr atmen zu können und hielt angewidert die Luft an. Gleichzeitig wollte sie um Hilfe rufen und wollte, dass es nicht mehr so weh tat. Im nächsten Moment war der Spuk jedoch vorbei und Taleesha sah die anderen nun ein paar Pfotenlängen weiter weg, aufgeregt dreinblickend. In dem Moment kam es ihr, dass die anderen vielleicht auch etwas abbekommen hatten. Ging es ihrem Bruder auch gut? Hastig auf die anderen zurennend, keuchend und mit hängendem Schwanz hinkte sie zurück.
[ Sumpf | Tyraleen, Isaí und Kisha ]
09.03.2012, 18:22
Ihr regenblauer Blick musterte nur kurz Aléya, die dem Cremeweißen wohl das erste Wort überlassen wollte. Was, hatte sie Angst gekriegt, nur weil die böse Fenristochter Amáya aufgekreuzt war? Dass sie nicht lachte! Eigentlich hatte niemand einen Grund Angst vor ihr zu haben, oder? Oder... doch? Unsicherheit keimte in ihr auf, doch ihre Maske blieb perfekt. Sie hatte Zack umgebracht. Sie hatte das Versprechen gegenüber Jakash gebrochen, sie hatte nicht auf Tascurio aufgepasst, sie hatte ihre Mutter enttäuscht und fügte Daylight Tag für Tag Schmerzen zu. Das war alles auch nur ein Fragment der Liste ihrer Sünden. Natürlich sollte man Angst vor ihr haben. Ja, sie durften alle nicht in ihrer Nähe sein. Sie durften ihr nicht vertrauen, niemand durfte Amáya vertrauen! Es war das Beste so, dass wusste die Dunkle. Das Beste für sich selbst und das Beste für jeden. Egal, egal. Nicht darüber nachdenken, bloß nicht darüber nachdenken. Ihr Blick huschte weiter um sich abzulenken und fand wie von Zauberhand ein paar blauer Augen. Himmelsblauer Augen, die so intensiv blickten, dass es ihr ein leichtes Kribbeln unters Fell fuhr. Der Blickkontakt dauerte nicht lange, doch sie zeigte unbewusst mehr, als sie wollte. Leichte Verblüffung war in ihren Seelenspiegeln zu lesen und Schuldgefühle keimten in ihrer Brust hoch. Wieso blickte er so wütend? Ihre Leftzen öffneten sich und sie wollte einen Schritt auf Kirov zumachen, als sie sich besann und irhen Kopf schüttelte, als wäre sie aus einer Trance erwachte. Sie schenkte Kirov noch einen letzten ärgerlichen Blick, bei dem sich ihre Leftzen aber ungewollt ein klein wenig nach oben bogen. Wütend verscheuchte sie ihre wirren Gedanken und Gefühle und wandte sich zurück zu Samirez. Was starrte Kirov sie auch so an? Brachte sie ja völlig aus dem Konzept! So verdattert hatte sie sich ja noch nei vorher gefühlt. Ging ja gar nicht, pah! Oh nein, sie merkte wie sie immer gefühlvoller wurde. Nein, nein, nein. Meine Gedanken sind grad im Schwachsinn-Modus. So geht das nicht. Geht ja gar nicht. Pah, pah, pah.", dachte sie abfällig und zwang sich in die pastellgoldenen Augen des Rüden vor ihr zu blicken. Wie bitte? War das da eben ein Knurren? Kalt und die Gesicht wieder perfekt statuenhaft hob Amáya leicht eine Augenbraue hoch. Hatte dieser Rüde denn keine Manieren?!
"Und das ist auch noch wörtlich gemeint, hm. Würde mich nicht wundern, wenn einer aus dem Rudel schon so reagiert hätte. Vielleicht du...wie heisst du nochmal?", fügte sie hinzu und ihre Gesichtszüge verzogen sich leicht, sodass sie ein wenig amüsiert aussah.
"Nein" , fügte sie kurz gefasst hinzu und ließ danach ihren Blick abschwenken. "Da musst du schon Tyraleen fragen, du fängst sie bestimmt irgendwo ab. Falls du es schafft, kannst du es mir ja dann erzählen. Es wäre nicht schlecht, es zu erfahren." , ihre Stimme hörte sich so hart und trocken an, dass es selbst Amáya überraschte. Trotzdem war keine Unsympathie in ihnen. Zugegeben war sie eigentlich schon ganz gut drauf. Naja, sie war eben Tag für Tag anders drauf, daran musste sie sich langsam gewöhnen. Schließlich leb - nein - existierte sie ja schon drei Jahre.
"Keine Angst, Mister. Ich glaube, das Wasser ist auf die Welpen aus. Eben Malik, jetzt Taleesha. Es würde mich nicht wundern, wenn in absehbarer Zeit die anderen beiden gekockt würden."
Zum Ende hin mischte sich ungewollt ein wenig Sorge in ihre Stimme. Ja, sie machte sie Sorgen um sie. Sie wusste nich wie es kam, doch nachdem sie von ihrer langen, einsamen Wanderschaft zurückgekehrt war, hatte sie gemerkt, dass sie Welpen zugeneigt war. Sie waren so reine Wesen, sie glaubte nicht, dass sie ihnen etwas antun konnte. Glaubte - und sie hoffte, dass es so bleiben würde. Welpen... Tyraleen hatte sie vor Tagen mal gefragt, ob sie selbst gerne welche haben würde. Mittlerweile wusste sie die Antwort genau, auch wenn sie sie abstieß, auch wenn es ihr unmöglich erschien. Ja, sie wünschte sich Welpen und sie hasste sich dafür. Sie war verdammt noch mal tot. Totes Fleisch dufte nichts lebendiges Gebären, das war absurd. Es war alles so absurd und ihr Kopf spielte heute sowieso so ziemlich verrückt.
10.03.2012, 19:50
Und auch der Lösung schienen sie nach und nach näher zu kommen, auch, wenn die Lösung nur noch für die beiden Welpen wirklich spannend war und im Allgemeinen nichts mit alledem zu tun haben schien, was sie eigentlich suchten. Isaí war noch immer fest in diesem Glauben und so schnell würde er davon auch sicher nicht ablassen. Er suchte Taleeshas Blick, als er seine Meinung kundtat und spähte schließlich fragend zu Tyraleen. Sie bestätigte seinen Eindruck, dass ein Stock ja doch eigentlich anders aussah und so wandte er sich wieder prüfend an das Ding vor ihnen, ehe ihm die Verbindung kam. Während er sprach, blickte er zu seiner Patin, die mit einem Mal erstaunlich still geworden war, doch das fiel ihm gar nicht so auf. Zu sehr war er mit den Überlegungen beschäftigt, die ihm nun durch den Kopf gingen, so versessen war er darauf, dass sie alle dieses Rätsel lösen mussten. Er hatte Spaß und gleichzeitig nahm er es unglaublich ernst. Seine Ohren zuckten, während er vorsichtig aussprach, was ihm durch den Kopf ging, aber sicher war er sich damit überhaupt nicht. Kisha hatte ihm schon manchmal Beute gezeigt und er hatte sich etwas davon stibitzt. Es war auch nicht wirklich schlecht gewesen, doch irgendwie schien es ihm unglaublich schwer zu kauen. Dabei hatte er die weißen Stöcke das erste Mal gesehen, zumindest ein Teil davon und das erinnerte ihn wiederum an die mattweiße Oberfläche, die unter den anderen Farben hindurch schimmerte. So kam es auch, dass er die Patin seiner Schwester erstaunt ansah, als sie erneut bestätigte, was er sagte. Ein Augenblick verging, ehe sich erneut ein stolzes Lächeln auf seinen Lefzen bildete und er erst zu Kisha und dann zu Taleesha sah, um mit ihnen ihren Erfolg zu teilen. Für ihn war alles, was sie hier herausfanden, ein Erfolg für die ganze Gruppe. Sie arbeiteten zusammen und keiner machte mehr oder weniger. Daher verstand er den Blick seiner Schwester auch nicht ganz, als er ihre Gestalt mit seinen pfützigen Seelenspiegeln fixierte und spielte unschlüssig mit den Ohren. Zum Glück lenkte ihn die Alpha kurz darauf wieder mit einer spannenden Erklärung ab, der er natürlich aufmerksam lauschte. Die unstockigen Stöcke waren also Knochen und der Knochen war ein Indiz. Engaya nochmal, war das alles kompliziert! Nachdenklich machte er die Bewegung nach, hob die Pfote an und ließ sie kurz baumeln, sie ganz vertieft betrachtend, ehe die nächste Frage in den Sumpf geworden wurde und er erneut aufsah. Dieses Mal ergriff Taleesha zuerst das Wort und Isaí sah seine Schwester begeistert an, bereit, ihrem Gedankengang zu folgen. Sie sprach aus, was er sich auch schon gedacht hatte und so nickte er kurz, ehe er erneut den Knochen begutachtete. Seine Ohren zuckten, während er erneut paar Schritte darum machte, als wolle er die Idee Taleeshas überprüfen; als suche er nach einer Höhle, in dem das Etwas, von dem sie sprach, hauste.
Plötzlich gab es ein komisches Geräusch und noch bevor Isaí hatte aufsehen können, herrschte ein merkwürdiges Chaos dort, wo sie gerade standen. Überfordert mit der plötzlichen Veränderung, dem komischen Ding, was plötzlich aus dem Wasser sprang, machte er sich instinktiv kleiner und kauerte sich zusammen, während eine Mischung aus Fiepen und Knurren seine Kehle verließ. Das unsichtbare Ding aus dem Wasser schien nach Taleesha zu schnappen und sie auch zu erwischen. Er wollte ihr helfen, doch in diesem Sekundenbruchteil überwog die Furcht, die ihn für diesen Moment an Ort und Stelle fesselte. Sein leises Knurren überwog, als er das Japsen seiner Schwester hörte, doch er bewegte sich dennoch nicht vom Fleck. Erst, als das Ding wieder im Sumpf verschwunden war, sah er sich aufgeregt nach ihr um, die sie im Chaos irgendwie verschwunden schien. Gleichzeitig rümpfte er die Nase, denn plötzlich schien dieser Geruch viel intensiver und kniff in seiner Nase. Taleesha war aber wichtiger und so hob er nach einem kurzen Schnauben und Kopfschütteln wieder den Kopf und lief unschlüssig ein paar Schritte nach vorne, ehe er sie entdeckte und beruhigter feststellen konnte, dass Kisha bereits bei ihr war. Aufgeregt sah er sich um, die Ohren noch immer angewinkelt und schenkte Kisha ein kurzes Nicken auf ihren Blick hin. Das Lächeln konnte er nicht erwidern, zu sehr war er nun durch den Wind, aufgeregt und angespannt. Er überwand auch die letzten Schritte zu den beiden Wölfen hinüber, steckte die Nase kurz in das nasse, riechende Fell seiner Schwester und leckte ihr kurz besorgt über die Lefzen. Die Frage Kishas wiederholte er nicht, wartete stattdessen bloß auf Antwort und sah sich erneut um.
„Was war das? Wir müssen die anderen warnen, bevor es sie auch noch angreift!“, gab er aufgeregt von sich, fest davon überzeugt, dass es vielleicht das war, was Taleesha angesprochen hatte – das übelriechende, warmmachende Ding, was aus dem Knochen rausgewollt hatte und sie hatten es gestört.
Er ging davon aus, dass Kisha und Tyraleen okay waren – die Sorge um seine hinkende Schwester und das nichtsahnende Rudel war erst einmal größer.
11.03.2012, 13:09
Als Kursaí bei ihm war, sah er lächelnd zu ihr hoch und nickte. Ja, sie waren nun die Entdecker, niemand kannte dieses Gebiet. Wenn sie die Ersten waren, die es erkundeten, dann halfen sie dem ganzen Rudel. Vielleicht fanden sie einen gemütlicheren Ort, an dem sie die Zeit verbringen konnten, möglichst genauso warm aber überhaupt nicht stinkig. Oder ein totes Karibu, ein Riesenkaribu vielleicht, von dem das ganze Rudel satt wurde. Ganz gewiss würden sie etwas entdecken. Und wenn es nur die Grenze war, die Banshee und Acollon gezogen hatten. Mit Staunen im Blick wandte Malik den Kopf zu Liel und hörte gespannt zu, was sie erklärte. Er wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dass sie das Revier nicht selbst markieren durften und sich ansonsten unbeliebt gemacht hätten. Es erschien ihm auch nicht wirklich logisch. Nachdenklich runzelte er die Stirn und blickte dann fragend zwischen den beiden Fähen hin und her. Er wollte keinen niedrigen Rang haben, das war doch nicht fair.
„Wieso darf Tyraleen das einfach machen und wir nicht? Ich will auch so einen Rang wie sie, einen Markierrang. Den können wir doch bestimmt beide haben. Kommt ihr mit wenn ich sie frage, ob ich auch einen hohen Rang haben darf?“
Gewinnend sah er die beiden an und hoffte inständig, dass sie zustimmten. Er wollte nicht so ganz alleine zu ihr gehen, weil er doch ein wenig befürchtete, dass Tyraleen nicht teilen wollte. Es kam ihm aber schon etwas unfair vor, dass die Alpha so einfach über alles bestimmen konnte. Er durfte sich nicht vom Rudel entfernen ohne sie zu fragen, nicht einmal wenn Kursaí mitkam. Er durfte kein Revier markieren, weil sein Rang zu niedrig war und überhaupt. Das war doch nicht fair, wieso durften denn nicht alle das Gleiche?
„Wir können auch einfach selber bestimmen, wie weit wir gehen. Wenn wir das gut machen, merkt Tyraleen das doch gar nicht.“, schlug er hoffnungsvoll vor, immer noch darauf aus, richtig weit vor zu gehen.
Natürlich war ihm inzwischen klar, dass er für so etwas keine Erlaubnis bekommen würde. Aber je mehr Einschränkungen es gab, desto mehr sträubte er sich gegen die Regeln. Es wäre doch viel zu einfach, fragen zu gehen und dann eine Absage zu kassieren. Viel spannender wäre es, sich einfach im Geheimen vom Rudel zu entfernen und das Umland auf eigene Pfote zu erkunden. Wenn Kursaí und Liel da nicht mitmachten, würde Malik das bald allein probieren. Auf Isaí konnte er garantiert nicht zählen, der würde das sofort Tyraleen petzen, so toll wie er sich mit ihr verstand. Und dann würden alle darauf achten, dass Malik sich nicht davonstahl. Nein, er musste das wirklich ganz für sich machen. Vielleicht mit Madoc, aber er hatte gemerkt, dass fast alle Erwachsenen großen Respekt vor der Alpha hatten und nichts machten, was ihnen ärger mit ihr einbringen könnte. Das war eigentlich ziemlich schade. Aber vielleicht ließen sich Kursaí und Liel ja doch noch überreden.
12.03.2012, 15:49
„Muss es eine geben? Oder viel mehr: Muss sie uns interessieren?“
Er zuckte mit den Schultern. Wenn er sich so umsah konnte sich Chardím eigentlich nicht vorstellen, dass es hier irgend etwas zu lösen gab. Den Ursprung des Gestankes? War das nicht fast so, als wenn man herausfinden wollte warum der Wind wehte und warum Regen fiel, wenn die Wolken besonders grau und dunkel waren? Und wenn sie es herausfänden, was fingen sie dann mit dieser Information an? Er glaubte nicht, dass sie irgendwas daran würden ändern können, dass es hier warm war und stank. Das war doch eigentlich ganz einfach zu begreifen. Sie mussten nicht an allem und jedem etwas ändern, was ihnen nicht so gut gefiel. Das wäre zweifelsohne ziemlich anmaßend. Und wenn die Götter wirklich etwas damit zutun hatten, dann hatten sie ihre Gründe.
„Ich glaube nicht, dass du eine Welt ohne die Götter so viel besser fändest. Sie würde aus lauter nicht wirklich lebenden Wesen ohne Gefühle und Gedanken bestehen, die zudem nicht mal sterben könnten. Abgesehen davon beschränkt sich die Welt nicht nur auf unser Rudel und die Götter. Das hier muss nichts mit uns zutun haben. Immerhin könnten wir dem Gestank auch einfach entkommen, indem wir woanders hingehen.“
14.03.2012, 19:38
“Ist schon in Ordnung, Isaí, die anderen scheinen in Sicherheit zu sein. Aber ich fürchte, wir müssen unsere Suche abbrechen. Hier schießt Wasser aus dem Sumpf, so etwas habe ich noch nie gesehen. Bleibt ihr bei Kisha, ja? Ich schaue mir kurz die Stelle an.“
Sie tappte die wenigen Schritte zurück zum Knochen, der sie mittlerweile kein bisschen mehr interessierte, und senkte die Nase bis knapp über den Wasserspiegel. Es war rein gar nichts zu sehen. Abgesehen von dem Gestank und der noch stärker gewordenen Wärme, schien der Sumpf hier wie überall zu sein. Vorsichtig streckte sie die Pfote vor und fuhr über den dunklen Boden; uneben, morastig sehr weich, wie ein Sumpf eben so war. Irritiert und plötzlich verunsichert, wie sie mit dieser Situation umgehen sollte, zog sie den Kopf zurück, ließ ihren Blick über den Sumpf gleiten und spürte, wie sich ihre Ohren zurückdrehten. Ein erster Hauch von Furcht umwehte ihren Blick, dann traf sie eine Entscheidung, wandte sich um und stapfte zurück zu Kisha und den Welpen.
“Wir brechen die Suche ab. Taleesha, Isaí, wo sind eure Geschwister und eure Eltern? Ihr solltet zusammenbleiben. Ich werde Aszrem und Averic rufen, dann entscheiden wir, wie es weitergeht.“
Sorge hatte sich in ihren Blick geschlichen, dennoch brachte sie in Lächeln zustande und blickte noch einmal zu den beiden Welpen.
“Ihr habt das wirklich toll gemacht.“
Kurz suchten ihre Augen noch den Blick ihrer Schwester, dann hob sie die Schnauze und rief nach ihrem Mitleitwolf und ihrem Bruder. Vielleicht verstanden sie, was diese Wasserfontäne bedeuten konnte und ein bisschen hoffte Tyraleen auch darauf, dass sie wussten, was sie nun tun sollten. Die Welpen sollten nicht mehr in den Sumpf, das war klar, aber einem erwachsenen Wolf schien noch immer keine Gefahr zu drohen und vielleicht gab es ja doch eine Ursache und möglicherweise eine Möglichkeit diese zu beseitigen.
[ im Sumpf | Kisha, Taleesha und Isaí; ruft Averic und Aszrem ]
15.03.2012, 13:30
Nun nahm sie die Position an der Spitze ein, hielt die Landschaft vor ihnen gut im Blick. Gleichzeitig jedoch führte sie aber auch aufmerksam das Gespräch mit Malik und Liel. Sie freute sich darüber, dass die andere Fähe sie begleitete, und auch sogleich ihren Platz am Ende ihrer kleinen Gruppe einnahm. Der Welpe in der Mitte, wie es sich gehörte. Und doch war da noch mehr. Sie hatte ja von Anfang an nicht wirklich geglaubt, dass die andere nun wieder gehen würde und alleine ihres Weges gehen würde und doch war diese Möglichkeit existent gewesen.
Und auch Liel wusste nicht so genau, wie es mit ihrem Revier in dieser eher uninteressanten Landschaft stand. Und doch fand sie die Idee der anderen mehr als gut. Mit einem leichten Grinsen sagte sie so:
"Das stimmt. Es wäre bestimmt gut für Tyraleen zu wissen, wie es mit dem Revier in dieser Richtung stand, besonders auch mit den Reviermarkierungen. So können wir uns nützlich machen, ohne unsere Pfoten allzu sehr nass zu machen."
Vielleicht war ihre Erleichterung zu deutlich und zu wenig höflich verpackt, jedoch dachte sie, dass weder Liel, noch der kleine Malik ihr das übel nehmen würde. Doch wo sie gerade gedanklich bei dem Welpen war, musste sie feststellen, dass dieser wieder Fragen hatte. Nicht als dass etwas anderes zu erwarten gewesen wäre. Es war doch irgendwie toll, wie so kleine Wesen die ganze Welt erkunden wollten, alles wissen wollten. Sie wollte ihm so viel erklären, erzählen wie sie konnte und doch schien es ihr, dass es mit jeder Antwort, die sie ihm gab, mindestens zwei weitere Fragen aufgeworfen wurden.
"Tyraleen ist unsere Alpha. Als solche kümmert sie sich um das Revier und um uns. Sie ist die, die uns vertritt und so muss auch sie das Revier abgrenzen. Wenn wir ohne ihr Einverständnis die Markierungen einfach machen würden, würden wir sie in Frage stellen, und das willst du doch nicht, oder?"
Die Vorstellung, wie Malik die Alpha nach einem "Makierrang" fragen würde, fand Kursaí irgendwie amüsant. Als Welpe konnte man sowas wahrscheinlich machen, es würde wahrscheinlich nicht einmal in einem Desaster enden. Dafür war Tyraleen ihrer Meinung nach zu gewandt. Dennoch versuchte sie freundlich und dezent ihm dies auszureden:
"Markieren ist aber auch nicht die einzige Aufgabe, die man dann hat. Dazu gehören auch noch weitere Pflichten. Es könnte ja sein, dass ein Fremder die Markierung nicht beachtet, und um diesen muss man sich dann kümmern und im äußersten Notfall muss man das Rudel vor Fremden schützen. Das du das Rudel beschützt hat noch Zeit. Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, dass du eines Tages in der vorderen Front des Rudels stehen wirst."
Bei diesen letzten Worten drehte sie sich kurz um, und sah ihn freundlich und aufbauend an. Kursaí ahnte schon, dass der Welpe dieses "irgendwann", "bald", oder auch "eines Tages" nicht leiden konnte, und doch musste er damit Leben. Er war noch zu klein, noch zu jung, um das Rudel zu beschützen. Stattdessen war er und seine Geschwister die, die beschützt werden mussten.
Bevor Kursaí auf seine Weiteren Worte antworten konnte, erklang schon eine andere Stimme. Ein wenig überrascht drehten sich ihre Ohren in die Richtung. Die Stimme war ein ganzes Stückchen entfernt, und doch war ihr sofort klar, von wem sie war. Tyraleen rief jemanden zu sich. Als der Ruf verklang und es deutlich war, dass er für sie keine Bedeutung hatte, drehten sich ihre Ohren wieder nach vorne, und sie musste leicht grinsen, schien dies doch wie eine Antwort auf Maliks Aussage. Leicht verschmitzt sagte sie:
"Bist du dir da wirklich sicher, dass sie es nicht mitbekommen würde?"
{ Rand des Sumpfes | Malik & Liel }
18.03.2012, 13:48
"Entschuldige mich bitte, Joké, aber wir müsen unser Gespräch später fortsetzen",
meinte er nur knapp an den jungen Rüden gewandt und machte sich dann schon auf den Weg. Im schnellen Trab verließ er das lagernde Rudel, tiefer in de Sumpf hinein. Ein Teil von ihm war danach loszusprinten, ein anderer Teil mahnte ihn zur Ruhe. Aufmerksam lauschte er voraus, aber keine Hinweise auf einen Kampf oder etwas dergleichen drang an seine Ohren. So oder so musste er zudem auf den Weg achten, der zunehmend tückischer wurde und so zusätzlich verhinderte, dass er wesentlich schneller als ohnehin schon voran kommen konnte. Zum Glück dauerte es jedoch nicht allzu lange, da erblickte er eine Gruppe von Wölfen voraus, zu denen auch Tyraleen zählte. Desweiteren erkannte Aszrem Kisha und zwei der Welpen Sheenas und Jakashs, aber kein anderes Lebewesen war in der Nähe zu entdecken. Das einzig auffällige war der Gestank, der hier noch stärker war als anderswo und ihm schier in die Nase biss.
"Was gibtes, Tyraleen, ist etwas passiert?",
fragte er sogleich nach, kaum dass er die Weiße erreicht hatte, und sah sich noch einmal prüfend um.
[Sumpf | Tyraleen, Kisha, Isaí, Taleesha]
19.03.2012, 00:57
Ein leichtes Zucken ging durch den Körper des großen Rüden und er schlug die dunklen Augen wieder auf. Einige Herzschläge lang bewegte er sich nicht und starrte nur geradeaus, zur Hälfte noch im Traum, doch die andere Hälfte mühte sich schon darum ihn in die harte Realität zurück zu schieben. Ein schwaches Gefühl von Benommenheit wurde schließlich wieder zu schwerer Müdigkeit, als hätten ihn die paar Minuten des Schlafes noch müder werden lassen. Und da vorne waren immer noch Tyraleen und die Welpen. Aber als Averic sich wieder daran erinnerte, dass dort vorne nicht seine eigenen Kinder waren, denn die waren schon groß und die schöne weiße Wölfin nicht mehr seine Gefährtin, sondern nur seine Schwester, ergriff ihn mit einem Mal ein unangenehmes Gefühl von Entfremdung. Kurz suchte er, fand aber zu dem Bild, was sich ihm bot keinerlei Zugehörigkeit mehr.
Seine Gedanken wurden unterbrochen, als Aszrem an ihm vorbei eilte und ziemlich zielstrebig auf Tyraleen zusteuerte. Dem Pechschwarzen fiel wieder ein, dass er gerufen worden war und kam zu dem Schluss, dass er sich zumindest das nicht eingebildet hatte. Er richtete sich wieder auf und schüttelte sich kurz, als könne er so die Müdigkeit wieder abstreifen. Anschließend trat er zwischen den Bäumen hervor und folgte dem Leitrüden hin zu seiner Schwester. Averic hatte keinerlei Ahnung warum sie ihn und Aszrem gerufen hatte, auch ein Blick auf die Umgebung gab ihm keine Antwort. Er konnte nichts entdecken, was auf ihn besorgniserregend gewirkt hätte. Da war nur der Sumpf, blubbernd, widerlich stinkend, aber sonst? Es sah noch genau so aus, wie auf seinem Kontrollgang letzte Nacht.
Bei Aszrem und Tyraleen angekommen zog er es vorerst vor nichts zu sagen, denn es hätte wenig Sinn gehabt Aszrems Frage zu wiederholen. Warum machte seine Schwester so ein besorgtes Gesicht? Auch Sheenas Welpen schienen allesamt in Ordnung zu sein, nur Taleesha sah etwas zerzaust aus.
[ Sumpf | Tyraleen, Aszrem, Isaí, Taleesha, Kisha ]
21.03.2012, 17:10
Jakash wollte gerade den Kopf schütteln über die Wege, die seine Gedanken einschlugen, als Sheena ihm schon zärtlich am Ohr knabberte. Der Schwarze befreite sich grinsend mit einigen Ohrenschnipsern und schnappte dann spielerisch zurück.
"So ist's richtig, das ist meine tapfere Sheena",
erwiderte er auf ihre Worte hin und zuckte leicht mit den Schultern, als sie auf das Nichts zu sprechen kam und den Umstand, dass der Sumpf offenbar verschont worden war.
"Vielleicht liegt das daran, dass das Rudel nie einen bedeutenden Bezug zum Sumpf entwickelt hat, im Gegensatz zum Rest des Tals. Er war einfach da, als eine Grenze des Reviers, und wurde fast die ganze Zeit über gemieden, soweit ich weiß. Das Nichts hat vielleicht nur verschhlungen, was für uns eine Bedeutung hatte, woran unsere Herzen hingen. Den Sumpf hätte wohl aber niemand jemals vermisst."
Sie würden es wohl niemals erfahren, aber darum sprach auch nichts gegen seine Theorie, und für Jakash selbst war sie schlüssig. Es spielte vermutlich aber ohnehin keine Rolle, zumindest glaubte er nicht, dass das Nichts - oder besse gesagt, dessen Fehlen - irgendwie mit dem zu tun hatte, was jetzt im Sumpf vorging.
Er war wieder ernster geworden, während er seine Gedanken dazu erläutert hatte, aber das Lächeln kehrte auf Sheenas Ich-liebe-dich wieder zurück.
"Ich liebe dich auch",
erwiderte er und erhob sich mit ihr. Fast im selben Moment erklang das Heulen Tyraleens, und jakash hob lauschend den Kopf. Worum auch immer es ging, es musst wichtig sein, aber dem Klang Tyraleens Stimme nach zu urteilen, nicht sonderlich gefährlich. Fragend wanderte sein Blick zu Sheena. Sie war Beta, also war das, worum immer es ging, vermutlich auch für sie interessant. Andererseits war sie nicht gerufen worden, also war das Auftauchen weiterer Wölfe vielleicht noch nicht erwünscht. Jakash war es, ehrlich gesagt, einerlei.
"Willst du auch dorthin?",
fragte er also direkt nach, nachdem auch Aszrem und Averic bereits in die gewiesene Richtung geeilt waren.
[Sumpfgebiet | Sheena]
28.03.2012, 18:02
Als Tyraleen ihre Entscheidung kundtat, war Taleesha überrascht, traurig und ein ganz kleines bisschen froh. Sie würde ihre Pfoten wieder in weiches, frisches, grünes Gras stecken und nicht mehr jeden Moment auf eine erneute Attacke warten. Andererseits hatte das Abenteuer schon längst begonnen und sie war unglaublich neugierig wie es weitergehen würde. War es nicht gemein, sie jetzt wegzuschicken? Sie sah abwechselnd zu Kisha und Tyraleen, um zu schauen, was passieren würde. Dann sah sie ihren Bruder an, der wahrscheinlich ähnlich dachte und sie hatte eine Idee. Natürlich würde Kisha das tun, was Tyraleen ihr sagte. Aber vielleicht gab es noch eine andere Möglichkeit, wenn Isaí und sie schnell genug waren. Schließlich waren sie ja ein supertolles Erforschungs-Entdeckungs-Team!
"Naja, wenn es zu gefährlich für uns ist …"
Taleesha sah einmal bedauernd nach hinten auf ihre schmerzenden Schwanzspitze.
"… dann müssen Isaí und ich vielleicht wirklich gehen. Wir könnten uns noch um Malik und Tinca kümmern. Sie sind ja nicht so weit weg. Das schaffen wir schon alleine. Dann kann Kisha vielleicht weiter mithelfen beim Forschungs-In-diz."
Zufrieden mit dieser Lösung lächelte sie in die Runde, in der sich inzwischen auch Aszrem und Averic befanden, wartete auf eine Reaktion ihres Bruders und war bereit, loszumarschieren. Sie würden sich schon um ihre Geschwister kümmern, wie versprochen. Aber vielleicht konnte man ja noch einen kleinen Umweg gehen und ein neues In-diz finden … schließlich waren sie ja keine Anfänger mehr …
[ im Sumpf | Isaí, Kisha, Tyraleen, Averic und Aszrem ]
29.03.2012, 13:07
Er seufzte. Er wollte nicht aufhören, zu suchen. Tyraleen kam zurück und er wollte einen weiteren Versuch starten, sie vom Gegenteil zu überzeugen, allerdings hielt ihn ihr Anblick davon ab. Unsicher drehte auch er nun die Ohren leicht nach hinten. Hatte sie was gefunden, was ihr Angst machte? Vorsichtig lehnte er sich ein Stück zur Seite, um an ihr vorbei einen Blick auf die Stelle zu erhaschen, doch sie war ruhig wie zuvor. Vollkommen ruhig, als wäre nie etwas dort gewesen. Dennoch schien die Alpha es vorzuziehen, abzubrechen. Isaí schwieg, überlegend, wie sie das vielleicht doch noch kippen konnten, während Tyraleen Aszrem und Averic zu sich rief. Und dann schien auch Taleesha nachzugeben. Irritiert sah er sie an, schien die Welt nicht mehr zu verstehen, dass sie es einfach so akzeptierte, doch kurz darauf verstand er, worauf sie hinaus wollte. Er setzte eine unschuldige Miene auf und stimmte ihr mit einem noch immer leicht widerwilligen Nicken zu, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. In Angesicht dieses Planes schenkte er den beiden Rüden, die sich ihnen schließlich anschlossen, nur einen kurzen Blick, ehe er wieder zu Kisha und Tyraleen sah und so dreinblickte, als könne er sich schweren Herzens damit abfinden, dass sie hier Schluss machten. Immerhin hatten sie ja schon ein spannendes Abenteuer gehabt!
„Aber wenn ihr was findet, dann wollen wir das auch sehen. Wir sind doch ein Team!“, erinnerte er die beiden Erwachsenen ihres Heldenerkunderabenteurerentdeckerteams und lächelte. „Wir gehen Tinca suchen. Komm, Taleesha! Wir müssen ihr erzählen, was wir erlebt haben.“, wendete er sich schließlich versucht überzeugend an seine Schwester.
Er wandte sich um und steuerte nun in eine Richtung, die sie fort von der Gruppe führte. Sie würden schon ganz alleine zu Tinca finden! Und dabei vielleicht gleich noch das Ding fangen, was hier im Sumpf und in Knochen lebte. Anerkennend berührte er seine Schwester am Hals, als sie sich ein kleines Stück entfernt hatten, denn Isaí hatte nicht auf eine Antwort von den Erwachsenen gewartet. Tyraleen hatte sicher so schnell wie möglich mit der Besprechung beginnen wollen.
„Na? Welche Richtung schlägst du vor, Schwesterherz?“
30.03.2012, 02:35
"Ich denke mal ... die stickige Luft hier hat sie müde gemacht. Dann sind wir wohl nur noch zu Zweit.",
meinte er ruhig und blickte die Weiße kurz an. Natürlich fand er es schade, dass Daylight nun weg war. Doch sie schien von Anfang an, nicht Recht begeistert von der Idee zu sein und er konnte es ihr auch nicht verübeln jetzt zu gehen.
"Nun ... gehen wir?"
Etwas Unsicherheit schwang wieder in Kirovs klarer Stimme mit. Wollte Ahkuna jetzt überhaupt noch los? Oder wollte sie lieber nach Daylight sehen? Er konnte die Weiße in der Situation nicht so richtig einschätzen, was hauptsächlich daran lag dass er sie kaum kannte. Letzt endlich entschied er für sich selbst, nun los zu gehen. Ob Ahkuna ihm dann folgte oder nicht, lag an ihr selbst. Sonst würden sie hier noch Ewigkeiten festsitzen und niemals weiter kommen. Mit einem leichten Lächeln auf den Lefzen, wandte er sich wieder ab und trabte los. Nur eines konnte er nicht lassen. Seine himmelblauen Seelenspiegel flogen kurz zurück und suchten Amáyas schwarze Gestalt. Dann blickte er wieder auf den Weg vor sich. Die Sumpfsuppe kam langsam immer näher und er hatte das sichere Gefühl, dass der Gestank noch intensiver wurde. Als er sie erreicht hatte, musste er schließlich niesen. Der Gemusterte schüttelte den Kopf und sein flauschiges Fell am Hals wippte dabei mit. Und er musste feststellen, dass das Sumpfwasser von näherer Nähe noch ekeliger aussah, als es roch. Angeekelt trat er zwei Schritte zurück und ließ sich auf den Hinterläufen nieder, um auf Ahkuna zu warten … fall sie ihm gefolgt war.
(Daylight wurde aus der Szene rausgespielt)
31.03.2012, 11:37
„Ihr werdet es natürlich als erste erfahren!“
Damit richtete sie den Blick wider auf ihre Schwester, die nun nach Averic und Aszrem rief, die sich recht schnell bei ihnen einfanden. Beiden Wölfen galt ein freundlicher Blick, ein kurzes Nicken. Die Augen der Fähe folgten im nächsten Moment den Bewegungen der Welpen, die sich langsam von ihnen entfernte. Und in diesem Moment fasste die Dunkle einen Entschluss. Wieder neigte sie den Kopf zu Tyraleen, nickte in die Richtung der beiden kleinen Wölfe.
„Ich werde ihnen folgen, ein wenig auf sie Acht geben.“
Sie verharrte noch einen Moment, blickte ihren Bruder und Leitwolf kurz an, ehe sie Isaí und Taleesha folgte, die zu ihren Geschwistern wollten. Es dauerte nicht lang, bis sie sie eingeholt hatte, fuhr Isaí kurz mit der Nase durch den rötlichen Pelz, und berührte auch die dunkle Fähe kurz mit der Nase. Es ging ihr einfach besser, wenn sie die beiden jetzt in Sicherheit wußte.
[Rudel – Isaí & Taleesha]
31.03.2012, 23:13
„Du hast wohl recht.“, murmelte sie leise. Ihre Ohren drehten sich sachte nachhinten, als sie wieder zu dem Grauen sah. „Aber wir können auch zu Zweit eine Menge Spaß haben, hm?“, fing die Caiyé an zu scherzen und stupste ihn freundschaftlich mit ihrer Schnauze gegen seine Schulter.
Auf seine nächsten Worte nickte Ahkuna. Eigentlich hatte sie schon gesagt, dass sie nach wie vor dabei war. Nichts auf der Welt würde sie etwas verpassen, was sie womöglich auf andere Gedanken bringen könnte und in diesem stinkigen Drecksloch noch etwas Spaß zu haben. Ihre hellblauen Seelenspiegel huschten noch kurz zu Daylight, bevor sie sich endgültig umdrehte und überrascht feststellte, dass Kirov schon einige Schritte wieder vorgelaufen war. Jedoch nicht, ohne ihr einen Blick zuzuwerfen. Sie musste schmunzeln. Mit schnellen Schritten holte sie auf und musterte den Grauen amüsiert.
„Hey, Kirov. Schielst du? Ich bekomm das Gefühl, dass deine Augen an mir vorbeisehen.“, schmunzelte sie.
Natürlich war ihr schon längst der Gedanke gekommen, er würde stets zu jemand anderem schielen. Sie hatte sich umgesehen, jedoch waren hinter ihnen viel zu viele Wölfe um eindeutig zu wissen, zu wem Kirov blickte.
[Am Sumpf | Kirov]
01.04.2012, 14:00
„Die meisten von ihnen, wie du siehst. Krampfhafte Reaktion, etwas ist nicht gewohnt, es muss sofort irgendeine eigentlich unerklärliche Lösung geben.“
Damit wandte sie selbst den Blick herum, betrachtete kurz ihre Mutter, ließ den Blick dann weiter über das Rudel schweifen. Eigentlich hatte sie selbst ja nicht einmal darüber reden wollen, war das Thema stinkender Matsch nicht unbedingt spannend – aber da die anderen beiden dies wohl ebenso sahen, war es schon in Ordnung. Sie glaubte kaum, dass Krolock sich auf einmal in den Schlamm warf, um eine Lösung zu finden, ebenso wenig wie ihr schwarz-weißer Bruder. Dieser sprach nun ebenso von einer Lösung, die sie – wie er es fragte – nicht interessieren brauchte. Sie schüttelte als Antwort leicht den Kopf, richtete den Blick dann auf ihren dunklen Bruder.
„Selbst wenn es eine gibt, was wollen sie dann damit anfangen? Die Welt zu einem besseren Ort machen?“
Kurz ließ die Graue die Ohren durch die Luft schnippen, ehe Krolock erneut sprach, die Götter und ihre Taten kritisierte. Die Fähe hob bei seinen Worten nur leicht eine Augenbraue, den schwarzen Rüden anblickend. Chardím gab ihm die passende Antwort, der Atalyas nur zustimmen konnte. Was wäre diese Welt ohne die Götter, ohne Fenris? Sie schnaufte leise bei dieser Vorstellung. Ein Haufen Marionetten ohne Willen, die nicht sterben konnten. Was für ein Paradies. Aber vielleicht gefiel dem Schwarzen genau dies? Auf Chardíms letzte Worte hin nickte die Graue, richtete den Blick dann wieder auf den reinschwarzen Wolf.
„Ich glaube eher weniger, dass sie es hier stinken lassen, um uns zu nerven. Aber egal, ob es nun etwas zu bedeuten hat, oder nicht, wir meiden diesen Ort doch sowieso. Es bringt also rein gar nichts, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob wir die Götter verärgert haben, oder ob es hier einfach immer so stinkt. Sie haben einfach Angst vor dem ungewohnten, müssen dafür eine Erklärung finden, und wenn sie die nicht finden, laufen sie weiter panisch durch die Welt, in Angst, sie könnten die Götter verägern.“
Erneut schnaufte die Graue, als das kurze Heulen ihrer Mutter an ihre Ohren drang. Kurz richtete sie den Blick herum, betrachtete einen Moment auch Averic und Aszrem, die zu der kleinen Gruppe traten. Ob sie nun alle zusammen gerufen wurden, um darüber aufgeklärt zu werden, was an diesem Ort falsch lief? Konnte ja nur spannend werden.
[Rudel - Krolock & Chardím]
02.04.2012, 14:43
Mit seiner neu gewonnen Erkenntnis, wandte er den Blick aus den Bernsteinspiegeln abwartend von Wölfin zu Wölfin. Er suchte nach Parallelen oder Unebenheiten in ihren Gesichtern im Vergleich zu Akhunas, aus reiner Interesse heraus, wer wohl nun alles zum Familienkreis der Weißen gehörte. Eigentlich hätte es ihn so ziemlich gar nicht interessieren müssen, aber in seinem Kopf drehte sich die gesamte verdammte Welt nun einmal in eine gegensätzliche Richtung als normal. In seinem Kopf konnte er zumindest noch jene unsichtbaren Nachforschungen anstellen, die ihn vielleicht selbst Spott und Hohn straften, jedoch von jeglichen Zuhörern unbemerkt blieben. Leider musste der Cremefarbene sich selbst eingestehen, dass er niemals besonders gut im Auseinanderhalten dieser Fähen war, woher sollte er also nun an einem einfachen Gesicht erkennen, dass ein Verwandtschaftsgrad bestand. Hm, Amaya hatte blaue Augen genauso wie Akhuna. Aléya dafür wiederum den weißen Pelz, hach, dass war doch alles so ernüchternd...
Erst als die Schwarze ihn schlussendlich nach seinem Namen fragte und dabei selbst reichlich abgelenkt rüberkam, lehnte der Helle die Ohren zur Seite. So so. Schnell war er dem Blick aus den blauen Augen gefolgt und hatten einen grauen Rüden ins Auge gefasst, bei dem eine weiße Fähe war. Akhuna. Sogleich verwandelten sich die belustigten Züge in einem versucht steinerne Maske. Allerdings hatte er das dumme Gefühl, dass das nicht ganz so gut hinhaute, wie er es eigentlich gedacht hatte. Was bildete sich dieses Weibsbild eigentlich ein, mit einem fremden Rüden herum zu rennen. Halt. Stopp. Pfui. Aus. Sollte sie doch, ja genau, sollte sie doch! Ging ihn doch nicht an. Nein, er war nicht wie ein dämlicher Trottel hinter ihr her gerannt, hatte sich in ein verdammtes Rudel eingeschlichen, nur wegen ihr. Nein. Das. War. Natürlich. Nicht So. Oh er war solch ein Idiot.
Schnell versuchte er seine wirren Gedanken wieder auf die Frage und Worte der Fähe umzulenken, während die Andere, Wolf sei Dank, zumindest vorerst schweig.
“Samirez.“
Gab er schließlich beinahe schon tonlos kund. Was sollte er sich auch groß und breit vorstellen, sein Name reichte vollständig oder erwartete man hier etwa von ihm, dass er seinen Hofknicks übte? Ja, ganz sicher.
“Ein welpenfressendes Moorungeheuer, dass uns alle umbringen wird. Na, das wärs doch.“
Murmelte er voller Sarkasmus und suchte nach einem Funken Belustigung in den blauen Augen der sonst ziemlich kalt wirkenden Fähe, wenngleich sie nach wie vor abgelenkt wirkte. Kamen sie irgendwie nur schwer auf einen Nenner. Vielleicht auch, weil sie beide einfach vollkommen abgelenkt waren. Die Bemerkung zu Tyraleen überging der Weiße dann allerdings völlig. Er hatte eigentlich keinerlei Interesse ein erneutes, seltsames Gespräch mit dieser Leitwölfin zu führen. Für ihn war die Sache ja sowieso schon klar. Die Alpha hatte sie allesamt hierher gebracht um sie an ihr leibeigenes Moorungetüm zu verfüttern. War doch klar. Oh, Sarkasmus war der treue Begleiter, der ihm noch geblieben war.
Aléya #
03.04.2012, 16:37
Aber zurück zu der Frage, warum sich der weiße Wolf in eine solch unangenehme Situation begab. Wie schon erwähnt, war es keine geplante Absicht. Ansem hatte seinem Tal den Rücken gekehrt, es zog ihn aus ihm unbekannten Gründen in die Richtung, die er nun einschlug. Kennt ihr diese Momente, in denen man etwas tut, obwohl man keine vernünftige Erklärung dafür hat, aber wohl weißlich dass es das richtige ist? Das war so ein Moment. Eine innere Stimme leitete den Rüden, ein Gefühl, das sich nicht mit Worten beschreiben ließ. Ein Rudel hatte der Hüne schon lang nicht mehr. Verstoßen von den Eigenen und verbannt als Außenseiter, hatte man seinem weitestgehend angenehmen Leben ein Ende bereitet. An den vergangenen Tagen hängend, verblieb der Rotäugige stets in der Nähe seiner Familie, jedoch nie in Sichtweite. Das Tal der Raben nannte er seine Geburtsstätte, aber war es auch seine Heimat – es füllte sich nicht so an. Alle dem gleichen Glauben verschrieben und doch hatte Ansem das unbehagliche Gefühl, sie verstanden ihn nicht.
Der Rüde schüttelte den Kopf, er wollte nicht in Gedanken versinken.
„Verblendete Gestalten, verfallen ihrem Glauben und fürchten ihn doch. Nichts haben sie verstanden, nichts…“
Grummelte Ansem vor sich hin. Es waren die letzten Worte, die er an seine Vergangenheit verschwendete. Unbeirrt setzte er seinen Weg fort, durch das Sumpfgebiet. Das sich in diesem Gebiet ein Rudel Wölfe aufhielt hatte und konnte er noch nicht bemerken. Der Gestank von Moder und Fäulnis verdeckte jeden Geruch, auch seinen eigenen. Was nicht unbedingt ein Nachteil sein musste, für den Einzelgänger wohl eher vorteilhaft. Außerdem erwartete man in solch einer abscheulichen Umgebung nicht unbedingt Artgenossen. Schließlich barg dieser Ort eine Menge Gefahren, die nur darauf warteten, dass man auf sie hereinfiel.
Der Weiße wollte sich nicht lange an einer Stelle aufhalten und erst recht nicht hier im Sumpf, aber er spürte etwas, was ihn neugierig machte. Es kam ihm vertraut vor, dieses Gefühl und doch war er sich sicher es noch nie gespürt zu haben. Ansem lief nun am östlichen Randgebiet des Sumpfes entlang, um nicht noch tiefer hinein zu geraten, hier war es ihm schon modrig genug. Mitten durch, war vermutlich keine so gute Idee.
[Sumpf | allein]
04.04.2012, 21:20
Zum Glück unterbrach Taleesha ihre schon wieder bedrohlich abschweifende Gedankenspirale und stimmte ihrer Patentante zu. Wirklichen Widerstand hatte diese zwar nicht erwartet, aber eine so kampflose Aufgabe ihres Heldenabenteuers war gleichzeitig erfreulich und misstrauenerregend. Taleesha und Isaí waren zu aufgeweckt, um sich nun zu Tinca und Malik zu setzen und nichts zu tun. Dennoch war Tyraleen nicht allzu besorgt und hatte auch nicht vor, nachzubohren, schließlich gab es ja noch immer Kisha. Sie würde schon darauf achten, dass die Welpen keinen Unsinn anstellten. Zunächst begrüßte Tyraleen Aszrem und Averic gleichsam mit einer kurzen Berührung an der Lefze und einem Lächeln, dann wandte sie sich noch einmal ihrer vorherigen kleinen Abenteurergruppe zu.
“Super, ihr zwei, dann könnt ihr euren Geschwistern alles erzählen und ein wenig überlegen, was hier wohl passiert. Und Kisha hilft euch beim Suchen.“
Sie lächelte auch ihrer Schwester zu und legte ganz leicht den Kopf schief. Kisha schien ebenfalls verstanden zu haben, dass sie nun ein Auge auf die Welpen haben musste und Tyraleen signalisierte ihr ihr Vertrauen. Mit einem Nicken ließ sie sie hinter den Welpen hertraben, dann wandte sie sich endlich an die beiden gerufenen Rüden.
“Danke Aszrem, Averic, dass ihr so schnell gekommen seid. Kisha, Isaí, Taleesha und ich wollten ein wenig spielerisch den Sumpf erkunden um herauszufinden, was hier vorgeht. Wir haben einen Knochen gefunden und die Welpen ein wenig rätseln lassen, bedeutsam war er sicher nicht. Aber während wir uns noch damit beschäftigten, schoss plötzlich eine Wasserfontäne unmittelbar hinter Taleesha aus dem Sumpf in die Höhe. Sie war heiß, stickig und so stark, dass sie Taleesha nach vorne geschleudert hat. Ihr ist nicht viel passiert, außer einem großen Schreck und einer juckenden Rute. Aber wer weiß, ob das nur eine kleine Fontäne war? Was geht hier vor? Wie entsteht so etwas? Müssen wir uns wirklich Sorgen machen? Was schlagt ihr vor, was wir nun tun sollten?“
Eine Menge Fragen, Tyraleen konnte nur hoffen, dass sie nicht so aussah, als hätte sie nicht die geringste Ahnung, was sie nun tun sollten. Wieder einmal spürte sie schmerzhaft die fehlende Erfahrung und konnte nur auf Aszrems Routine und Weisheit hoffen. Und auf Averics anderen Blickwinkel.
[ Sumpf | Aszrem und Averic, schwindend Isaí, Taleesha und Kisha ]
04.04.2012, 21:52
“Oh nein, nein, liebe Tante. Du bist viel zu pessimistisch. Wenn ich immer alleine wäre und kein Wort mit anderen geredet hätte, wäre ich sicher auch irgendwann zu dieser Einstellung gekommen, aber zum Glück hast du jetzt ja wieder uns. Wir Jungwölfe sind der beste Beweis, dass sich an der Zukunft schon etwas ändern lässt. Amúr hier zum Beispiel war einmal ein Angsthase und jetzt ist sie nur noch ein bisschen ein Angsthase. Das hat sie sich hart erarbeitet, stimmt’s?“ Sie stupste ihre Schwester neckend an, aber ob sie freundlich oder nicht doch eher voller Spott sprach, blieb unklar. “Wenn allerdings die Götter diesen Sumpf stinken lassen wollen, dann tun sie das und da kann eine kleine Amúr noch so mutig werden, daran wird sie nichts ändern können.“
Caylee kam sich enorm schlau vor. Vor ihrer älteren Tante ein bisschen aufzutrumpfen tat irgendwie gut. Und sie sagte dabei ja nicht mal etwas Dummes, das war alles so richtig, wie sie es sagte. Und sie selbst hatte Amúr wieder in das Gespräch gezogen, das war ja richtiggehend nett. Dabei legte sie gar keinen Wert mehr darauf, nett zu sein. Parveen jedenfalls wirkte wieder ein wenig eingeknickt, als wäre das Scheitern ihres Versuchs Caylee zu tadeln, ein Eingeständnis ihrer Schwäche. Zumindest aus Caylees Sicht könnte das durchaus passen. Gleichzeitig hatte die Weiße das unerklärliche Bedürfnis, ihrer Tante etwas Selbstbewusstsein und Stärke abzugeben. Sie war ja sogar älter als Caylees Mutter, da musste mal die Nase nach vorne und die Rute nach oben! Die Weiße wäre für eine solche Mission doch nicht einmal ungeeignet, denn immerhin war sie ein geballtes Bündel Selbstbewusstsein, Stärke, Intelligenz, Schönheit, Mut und Optimismus – ihrer Ansicht nach. Indirekt bat Parveen sie ja beinahe darum, meinte mögliche Hilfe gegen ihre Unsicherheit in ihrer Nichte zu sehen! Wenn das keine Einladung war. Ein Grinsen legte sich auf Caylees Lefzen, reichlich selbstzufrieden, aber auch beinahe freundlich.
“Ah, wie gesagt, ich habe gar kein großes Interesse an den Antworten auf meine Fragen. Aber ich könnte sie dir abgeben, Fragen und Antworten, und vielleicht auch ein wenig … na … nennen wir es … Durchschlagsvermögen! Da könnte auch deiner Suche nach den richtigen Fragen helfen.“
Es war eine Art Angebot und nun schob Caylee ihre Nase leicht nach vorne. Ihre Berührung käme einem Handschlag gleich und wäre endlich einmal eine interessante Aufgabe für die Weiße. Ihre blauen Sternenaugen funkelten.
[ Sumpf | Parveen und Amúr ]
05.04.2012, 19:12
Als Isaí loslief – er war ja nun kaum mehr zu bremsen – folgte Taleesha ihm mit abenteuerlustigem Blick. Die Wasser- und Stinkattacke war so gut wie vergessen. Auch sie hatte ihre Gedanken schon ganz auf die neue Entdeckungsreise gerichtet, so dass Tyraleens Worte und das folgende Gespräch sie gar nicht mehr erreichten. Wäre sie nicht so abgelenkt gewesen, hätte sie gewusst, dass der Plan doch nicht ganz erfolgreich verlaufen würde.
Taleesha stupste ihren Bruder liebevoll in die Seite und steigerte mit federndem Gang ihr Tempo. Sie spritzte dabei ein bisschen Wasser auf und war nicht wirklich betrübt darüber, dass auch Isaí ein bisschen davon abbekam. Auffordernd blickte sie ihn an, wohl wissend, dass der Gegenangriff nicht lange auf sich warten lassen würde.
"Na, wir geh’n da hin, wo’s am meisten stinkt. Da ist bestimmt die Antwort auf alle Fragen! Und auf dem Weg dorthin bekommst du noch ein bisschen was von diesem wundervoll riechenden Wasser ab!"
Sie wollte gerade ihre zu einem Sprung ansetzen, um eine ordentliche Ladung Wasser in Richtung ihres Bruders zu befördern, als sie plötzlich berührt wurde. Taleesha erschrak und zuckte zusammen. Für einen Moment glaubte sie, dass das Wasser sie schon wieder angreifen würde und wollte so schnell wie möglich fliehen, doch dann erinnerte sie sich, dass das Wasser sie nicht so sanft berührt hatte und drehte sich rasch um. Vor ihr stand Kisha und die kleine Welpin war sich nun nicht so ganz sicher, ob sie froh sein sollte, dass es nichts Schlimmes war, das sie da berührt hatte, oder ob sie traurig sein sollte, da die Mission hier wohl ihr rasches Ende finden würde.
"Hallo Kisha."
sagte sie schließlich mit einem leisen Unterton von Enttäuschung. Dann begrüßte sie Isaís Patentante mit einem kurzen Stupser.
"Was machst du denn … ähm, ich meine … wir finden den Weg zu Tinca ganz sicher! Stimmt’s, Isaí?"
Sie blickte hilfesuchend zu ihrem Verbündeten. Vielleicht konnte er Kisha ja davon überzeugen, dass es unnötig war, sie zu begleiten.
[im Sumpf | zuerst allein mit Isaí, dann kommt Kisha hinzu]
09.04.2012, 16:24
„Das sagt gerade die Richtige! Du bist doch eben unter Wasser atmen gewesen!“, erinnerte er sie neckend an ihren Tauchgang und grinste sie an. „Im Moment bist du wohl der Ort, der am meisten stinkt. Puuuuuuuh!“
Er zupfte sie kurz am Pelz, ganz so, als wolle er sie erneut ins Wasser schubsen, ehe ihn Wasserspritzer von hinten aufmerksam werden ließen. Und schließlich spürte er die warme, bekannte Zunge auf seinem Pelz, lächelte Kisha kurz an, ehe ihm einfiel, dass das ihren Plan vollkommen zerschlug. Die kleinen Lauscher winkelten sich etwas an, während er hilfesuchend zu Taleesha blickte und schließlich wieder zurück zu Kisha. Er mochte sie ja gerne bei sich, aber er ahnte, dass sie ihnen das, was sie vor hatten, nicht erlauben würde. Dabei war es doch gar nicht gefährlich! Sie waren doch vorsichtig! Als Taleesha den Versuch startete, sie abzuwimmeln nickte er zustimmend und lächelte seiner Patin ganz mutig entgegen.
„Natürlich! Und wir sind auch ganz sicher vorsichtig, wie versprochen.“
Er fuhr Kisha kurz mit seiner kleinen Zunge über die Lefzen und strahlte sie dann voller Vertrauen an.
„Und du beendest unsere Mission und hilfst Tyraleen bei dem Indiz, versprochen?“
09.04.2012, 18:21
„Ich habe mich bereits gestern Nacht sehr genau umgesehen und außer blubberndem Wasser, Gestank und ein paar Knochen nicht besonders viel Ungewöhnliches entdeckt. Sicherlich hat die Natur viel zu bieten, was wir einfach nicht kennen und wogegen wir auch nichts ausrichten können. Es fühlt sich jedenfalls nicht so an, als hätte eine höhere Macht wie das Nichts ihre Fänge im Spiel. Wir sollten uns einfach von hier fern halten.“,
erklärte er sachlich und sogar einigermaßen ausführlich, denn trotz allem war Averic nicht entgangen, dass seine Schwester die Sache ziemlich ernst zu nehmen schien und sehr besorgt betrachtete.
Ein paar Herzschläge verstrichen und der Pechschwarze wusste nicht mal, ob Aszrem inzwischen auch zu einer Antwort angesetzt hatte, denn etwas ganz anderes lenkte plötzlich seine Aufmerksamkeit auf sich. Das Surren war wieder lauter geworden und ganz unwillkürlich wandte er den Kopf herum. Das war nicht die Müdigkeit, die ihn plötzlich halluzinieren ließ, nein, er spürte mit aller Deutlichkeit die Aura Fenris’. Jemand näherte sich. Averic verengte die dunklen Augen und sie begannen einen dunklen Punkt in der Ferne zu fixieren, bis dort auf einmal das bekannte, rote Augenpaar seines Gottes das farblose Blickfeld durchschnitt. Das Nackenfell des Pechschwarzen sträubte sich kurz.
„Entschuldigt mich bitte einen Moment.“
Ohne auf eine Reaktion Tyraleens und Aszrems zu warten, oder die beiden überhaupt noch einmal anzusehen, steuerte Averic auf die Stelle zu, wo er das rote Glühen gesehen hatte. Ein klammerndes Gefühl schlang sich um seine Brust. War dies das Zeichen, auf das er seit einer gefühlten Ewigkeit warten musste? War seine Zeit gekommen? Der Pechschwarze beschleunigte seinen Schritt und meinte einen Schatten zu sehen, der vor ihm im Sumpf verschwand. Er schlug genau diese Richtung ein und suchte sich geschickt und schnell seinen Weg über den feuchten Morast. Averic fühlte, dass dort irgendwo ein Wolf war, nicht Fenris selbst. Viel mehr schien dieser ihm nur die Route gezeigt zu haben. Hatte sein Gott jemanden geschickt, um ihn abzuholen? Er biss die Zähne fest aufeinander und fühlte Widerwillen mit immensem Druck in sich aufsteigen, sodass es fast schmerzte. Aber ihm war klar, dass das egal war. Völlig egal.
Ein heller Fleck tauchte langsam in seinem Blick auf und nahm die Gestalt eines Wolfes an. Da war der Typ und auch Fenris schien greifbar nah, obwohl Averic ihn dieses Mal nicht in seiner Nähe sehen konnte. Wenige Wolfslängen vor dem fremden Eindringling blieb der schwarze Todessohn stehen und musterte ihn scharf, die Rute hoch erhoben und auch das Fell weiterhin leicht gesträubt.
„Wer bist du?“,
durchbrach seine dunkle Stimme schneidend und rau das laute Surren.
[ Sumpf | zuerst Tyraleen und Aszrem, dann Ansem ]
09.04.2012, 23:53
[Austiegspost von Jarrèll Nathaniêl | Am Rande des Moorgebiets | Bei Majibáh]
11.04.2012, 18:59
„Es tut mir Leid für euch beide, aber ich kann euch nicht einfach so gehen lassen. Ich würde euch gerne auf euer Abenteuer gehen lassen, aber so lange wir nicht wissen, wie gefährlich es hier wirklich für euch ist, muss ich bei euch bleiben.“
Einen kurzen Moment überdachte sie ihre Worte, legte viel Sicherheit in ihre Stimme. Ein stilles Ausatmen folgte.
„Wir machen uns einfach Sorgen. Egal wie vorsichtig ihr seid, es kann immer sein, dass euch dennoch etwas passiert. Wir könnten es uns nie verzeihen, wenn euch etwas zustößt. Jetzt findet ihr das vielleicht unfair – und das verstehe ich. Aber ihr werdet lernen, es zu verstehen, versprochen. Und wenn Gefahren gebannt sind, steht eurem Abenteuer nichts mehr im Weg.“
Damit blickte sie die beiden Welpen ein weiteres Mal an, ehe sie den Kopf hob und zu der Stelle zurück blickte, an der sie selbst ihre Geschwister und Aszrem zurück gelassen hatte. Hm. Wenn es denn überhaupt Gefahren gab, die man finden konnte.
[Isaí & Taleesha]
12.04.2012, 21:07
„Ich weiß schon ganz lange, dass Tyraleen eine Alpha ist. Aber sie hat noch niemanden getreten, wenn ich dabei war. Sie ist nämlich eigentlich ganz nett und sie hat auch ganz bestimmt nichts dagegen, dass ich ihr Fragen stelle. Du darfst nicht so ein schlechtes Bild von Anderen haben, Tante Kursaí.“, belehrte er sie mit einem untermalenden Nicken.
Was hatte seine Tante auch für komische Vorstellungen von Tyraleen? Sie war doch eine nette, geduldige Alpha, der man so viele Fragen stellen konnte wie man wollte. Natürlich war ihm die leicht abgewandelte Formulierung Kursaís nicht aufgefallen, die ihren Worten einen komplett anderen Sinn gaben. Für Malik hörte sich „Fragen stellen“ und „in Frage stellen“ einfach viel zu ähnlich an – woher sollte er wissen, dass der Sinn durch das kleine Wörtchen ein vollkommen anderer wurde? Aber er freute sich, dass ausnahmsweise er seiner Tante mal etwas erklären konnte, das sie nicht zu wissen schien. Er half doch gerne, egal ob bei fehlendem Wissen oder bei der Verteidigung des guten Rufes eines anderen, hübschen Wolfs. Und das hatte er gerade definitiv für Tyraleen getan, schade dass sie nichts davon wusste. Aber er würde lieber nicht verraten, wie schlecht Kursaí von ihr gedacht hatte, dann wurde sie vielleicht traurig. Oder ärgerlich und böse auf seine Tante und das wollte er ja auch nicht.
Als Kursaí ihm die Aufgaben erklärte, die mit einem Markierrang einhergingen, hob er gespannt den Kopf, um ja nichts zu überhören. Er wollte ja wissen, was seine Aufgaben sein würden, denn so leicht ließ er die Idee nicht fallen. Und was er da zu hören bekam, bestärkte ihn in seinem Wunsch, genau so einen Rang von Tyraleen zu bekommen. In seine Augen schlich sich ein träumerisches und gleichzeitig abenteuerlustiges Funkeln, als er sich vorstellte, wie er das Rudel heldenhaft verteidigte und den fremden Eindringling verjagte. Wenn das nichts Tolles war! Er seufzte verzückt und nickte dann stolz, als Kursaí seinen kleinen Tagtraum unterstützte. Für den Moment war er kurz stehen geblieben und einige Meter zurückgefallen – als er nun blinzelnd wieder in die Realität zurückkehrte, musste er mit einer Mischung aus Rennen und Hoppeln zu Kursaí aufschließen.
„Glaubst du wirklich? Wann? Können wir Tyraleen gleich fragen gehen, ob ich den Markierrang bekommen kann? Ich wiiiiill das bald machen können!“
Er wuselte aufgeregt um Kursaí herum und hätte sie am liebsten sofort zurück zu Tyraleen geschoben, wenn die nicht immer noch im stinkenden Sumpf gestanden hätte. Vielleicht aber trug seine Tante ihn ja zu ihr, wenn er ein bisschen bettelte und verscheuchte dann gleich noch seine Geschwister. Als er einen wehmütigen Blick zu der Alpha hinüber warf, sah er aber, dass sie inzwischen mehr mit Averic und Aszrem zu tun hatte, das war schon mal ein klein wenig erfreulich.
„Denkst du dass Tyraleen mit Aszrem Welpen bekommt? Er ist doch auch ein Alpha, oder? Vielleicht gibt er mit einen Markierrang.“, überlegte er in seine Frage hinein.
Hach, das war alles so spannend und aufregend gerade, am liebsten wäre er sofort in den Sumpf zurück gewatet. Für einen Markierrang hätte er auch den Gestank und das böse Wasser nochmal in Kauf genommen, denn wer das Rudel beschützen wollte, durfte auch vor soetwas keine Angst haben.
15.04.2012, 15:20
Als nun ihre Tante sich wieder äußerte spitze Amúr die Ohren. Sie dachte ähnlich, doch würde es nicht so direkt aussprechen?
“Die Frage müsste doch sein, ob es so was wie Schicksal überhaupt gibt...“
murmelte sie. Es war an sich eine interessante frage, aber auch keine einfache. Wieder eine wo wohl jeder seine eigene Meinung zu hatte. Sie setzte erneut zum sprechen an
“Ich meine nur das ich mir nicht so sicher bin ob wir nichts daran ändern können würden.“
nach diesen Worten bahnte sich ein spontaner Gedanke aus ihrem Kopf den Weg nach draußen, mit einem sachten Lächeln sagte sie also
“Aber selbst wenn es so sein sollte, man könnte es doch immer noch versuchen. Sein Schicksal zu ändern. Vielleicht hilft einem dieser Versuch sein Schicksal zu akzeptieren.“
War sie doch einerseits mit ihren Gedanken in ihr Problem verstrickt gewesen, so war der Fokus ihrer Gedanken nun auf etwas anderes gelegt. Sie war fortgegangen um sich mit ihrer Fähigkeit anzufreunden. Zu verstehen warum sie diese hatte. Das war doch in gewisser Art und Weise auch ein teil ihres Schicksals und durch diese reise hatte sie gelernt damit zurecht zu kommen. Hatte ihre Gabe akzeptiert und sie kontrollieren gelernt. Sie erinnerte sich an den alten weisen Wolf zurück, der ihr so viel geholfen hatte. Was würde er wohl sagen und was würde er ihr raten? Was würde er zu ihr sagen? Könnte er ihr wohl bei ihren jetzigen Sorgen auch helfen? Amúr biss sich schmerzhaft auf die Zunge. Der leicht mettsalische Geschmack lenkte sie von ihren Gedanken ab. So konzentrierte sie sich auf Parveen und Caylee und wartete deren nächste Worte ab.
Als sich ihre Schwester ihr zuwandte und anstupste sah sie diese an und meinte
“Ich war noch nie ein Angsthase! Ich war nur ruhig. Und ja ich habe mich verändert. Was ich auch weiterhin tun werde.“
sie war sich nicht sicher ob ihre Schwester nun freundlich war, oder ob doch Spott hinter diesen Worten gesteckt hatten. Sie konnte das so schwer einschätzen. Wie sie selbst über die Worte von Caylee die den Sumpf betrafen dachte, lies sie erst mal im Unklaren, indem sie keinen Kommentar dazu abgab. Das konnte wohl stimmen und dennoch würde es doch wohl möglich sein auch das zu beeinflussen. Hatten sie nicht auch andere große Dinge überstanden, von denen viele sagen würden es sei unmöglich?! Amúr suchte nach Worten, wollte sie doch nicht unüberlegt antworten. Gerade auch weil es ihr so schwer viel ihre Schwester einzuschätzen.
Nach den nächsten Worten von Caylee, die sich an ihre Tante richteten grinste Amúr kurz. Sie war momentan ganz gut abgelenkt von ihrem Problem. Zumindest etwas, oder zumindest für den Moment.
[Parveen&caylee|Sumpf]
15.04.2012, 21:01
Die Weiße wusste nicht, woran sie seine Anwesenheit erkannte. An seinem Duft, den sie sich eingeprägt hatte, an seinen Bewegungen, die ebenso kräftig wie elegant wirkten oder an den Geräuschen, die seine Pfoten auf dem Untergrund verursachten. Möglicherweise auch an allem gleichzeitig. Jedenfalls war er wohl nur Bruchteile von Sekunden in ihrer Nähe, bis sie ihn bemerkt hatte, und es dauerte auch nicht viel länger, bis sie ihren Kopf gehoben und ihn mit ihrem Blick gefunden hatte.
„Hallo ...“
Ihre Stimme war so schwach, dass sie sich nicht einmal sicher war, ob sie diese kurze, deswegen allerdings nicht weniger freudige Begrüßung überhaupt ausgesprochen hatte, und dennoch zweifelte sie nicht daran, dass er mitbekommen hatte, was sie hatte sagen wollen und ihre Erleichterung über sein Erscheinen hatte heraushören können, bis sich ihr die Frage stellte, ob er wegen ihr hier war oder weil er irgendwohin hatte gehen wollen – besser gesagt, immer noch wollte, wenn sie ihn nicht abgelenkt hätte.
„Wohin warst du unterwegs?“
Die Wölfin hoffte, dass man ihre Neugier nicht zu einfach bemerken konnte, auch wenn das realistisch gesehen ziemlich unwahrscheinlich war. Jarrèll Nathaniêl hatte ihr immer aufmerksam zugehört und sie zu Ende sprechen lassen, wäre niemals auf die Idee gekommen, sie zu unterbrechen, und sie hatte außerdem das Gefühl, dass er auf jegliche Gefühlsregung ihrerseits reagierte. Während sie sich im ersten Moment darüber ziemlich geärgert hatte, erschien es ihr im zweiten schon vollkommen irrelevant. Schließlich musste er es ihr ja nicht erzählen, sollte er das aus welchem Grund auch immer nicht wollen, und er kannte sie gut genug, oder jedenfalls ging sie davon aus, um zu wissen, dass sie das akzeptieren konnte.
Sie trat noch einen Schritt näher an ihn heran und blickte erwartungsvoll zu ihm hoch, die Andeutung eines erwartungsvollen Lächelns auf ihrem Gesicht.
[bei Jarrèll Nathaniêl l am Sumpfrand]
16.04.2012, 18:05
Ein tiefes Grummeln war vom Weißen zu hören, allerdings weniger aggressiv, als genervt. Ansem hatte die Rute leicht angehoben, jedoch nicht das Fell gesträubt. Er hatte nicht vor zu drohen, aber ihm missfiel dieser fordernde Ton seines Gegenüber. Keinen Moment ließ er den Schwarzen aus den Augen.
„Das gleiche könnte ich dich fragen“,
gab der Rüde vorerst stur zurück. Sicher, er war in einem fremden Revier und die Frage nach seiner Identität durchaus berechtigt. Und dennoch ließ der Rüde ungern so mit sich umgehen. Die Frage des Fremden übergehend, setzte er nach.
„Du hast mich gefunden, obwohl es hier nach faulenden Überresten stinkt und man Kilometerweit nichts außer diesem Moder wahrnehmen kann. Was für ein Zufall.“
Leichte Ironie schwang in seiner dunklen Stimme mit. Die feurigen roten Augen fixierten den Anderen weiterhin, abwartend wie er reagieren würde. Diese Aura, irgendwie kam sie Ansem bekannt vor, so präsent hatte er sie schon lang nicht mehr gespürt. Langsam setzte er eine paar Schritte zur Seite, als wollte er einen Kreis um den unbekannten Rüden ziehen, damit er ihn komplett betrachten konnte oder aber sah, ob sich nicht doch noch jemand hinter ihm befand. Bot dem Fremden dabei allerdings nicht zu viel seiner Flanke dar.
[Sumpf | bei Averic]
16.04.2012, 20:20
Taleesha mochte Kisha und es tat ihr fast ein wenig leid, wie sie in diesem Moment über die freundliche Fähe dachte. Aber sie störte wirklich und würde sie bestimmt von ihrem tollen Plan und allen folgenden Abenteuern abhalten. Hoffnungsvoll wartete Taleesha auf eine Reaktion der Schwarzen. Sie selbst würde ihrem Bruder restlos glauben und ihm nicht widersprechen können. Bei so viel Charme! Sie blickte Kisha mit großen Augen an und bekräftigte wortlos Isaís Versprechen. Doch leider nützte es nichts. Nachdem die schwarze Fähe verkündet hatte, dass sie sie nicht alleine lassen würde, sah Taleesha niedergeschmettert zu ihrem Verbündeten. Sie war sich auf einmal sehr sicher, dass Kisha nicht vom Gegenteil zu überzeugen war. Ihre Worte waren zwar auf eine besondere Art liebevoll gewesen, aber sie waren auch deutlich und hallten noch immer in den Ohren der Welpin nach. So ein Ärger! Dabei hatte sie sich so gefreut … und ganz ohne Gefahren war doch jedes Abenteuer langweilig. Mit hängendem Schwanz, nass triefenden Fell und kummervollen Augen stand Taleesha da und fühlte sich grausam ihrer Euphorie beraubt.
Sie schaute immernoch zu Isaí, ganz so, als wolle sie ihn fragen: Und jetzt?
[Kisha und Isaí]
16.04.2012, 21:07
„Tyraleen meinte doch, dass es nicht gefährlich ist…“, gab er kleinlaut zurück und spähte wieder zu Kisha hinüber. „Ihr könnt doch nicht ewig auf uns aufpassen. Wir sind schon groß und können das ganz alleine. Aber wenn man uns nie die Chance lässt, das zu beweisen… Dass man Tinca und Malik nicht alleine lassen kann, verstehe ich ja, aber uns?“
Sein Blick wanderte demonstrativ erneut zu Taleesha hinüber, ehe er mit großen Welpenkulleraugen erneut zu Kisha sah und Ohren und Rute hängen ließ. Er wollte doch nur, dass sie stolz auf sie war und sah, wie stark und groß und vernünftig er schon war. Aber das konnte er nicht, wenn sie immer da war, um auf ihn aufzupassen, so gern er sie auch hatte. Doch schließlich kam ihm eine andere Idee, die ihn dazu brachte, die kleinen Öhrchen wieder aufzustellen und Kisha zuzunicken.
„Aber wenn ihr uns nicht vertraut, dann kommst du eben mit.“
Er bemühte sich, noch immer missmutig zu klingen, obwohl ihm gar nicht mehr danach war. Er hatte DEN Plan und der MUSSTE einfach funktionieren. Er verzog kurz überlegend die Lefzen, ehe sich wieder ein Strahlen auf seine Lefzen stahl und er beiden Fähen zulächelte. Die kleine Rute pendelte wieder fröhlich durch die Luft – sicherlich wunderte sich auch Taleesha über die plötzliche Sinneswandlung. Aber die kannte ja auch seinen Plan noch nicht.
„Aber als Entschädigung musst du mit uns spielen!“, verkündete er fröhlich und nickte begeistert. „Duuuuuu machst die Augen zu und Taleesha und ich verstecken uns! Fertig? Lauf Taleesha! Und nicht schummeln!“
Mit einem ungekonnten, ernsten Blick schielte er zu Kisha, damit sie ja nicht auf die Idee kam, zu lunzen, ehe er sich umwandte und freudig davon hüpfte. Jetzt brauchten sie nur noch ein gutes Versteck, in dem sie nicht gefunden wurden und sobald Kisha woanders suchte, konnte ihr Abenteuer weitergehen. Sie waren ja nicht von Vorgestern.
17.04.2012, 17:09
„Ich schiele doch nicht. Das hast du dir bestimmt eingebildet.“, meinte er, während er seine Lüge sehr gut hinter den Worten versteckte und knuffte der Fähe sanft in den Hals. Dann fiel sein Blick wieder auf das trübe Sumpfwasser. Wie ekelig es dort vor sich hin blubberte ... allein schon der Gedanke daran, dass ihn so eine schlammige Sumpffontäne treffen könnte, wie einen der Welpen, löste tiefen Ekel in ihm aus, wie schon einmal zuvor. Sein angewiderter Blick traf wieder auf die klaren Augen Ahkunas.
„Das ist so ekelig ... ich frage mich ernsthaft, wieso Tyraleen uns hierher geleitet hat.“ Der Gemusterte seufzte und ließ sich auf die Hinterbeine nieder. „Kennst du sie gut? Vielleicht kannst du dir vorstellen, was sie hier will ... kein Wolf würde freiwillig hierhergehen.“
Aus irgendeinem Grund hoffte er doch unständig, dass es nichts mit den Göttern zutun hatte, die dem Rudel so hinterher hingen. Er war noch immer davon überzeugt, dass es sie nicht gab. Obwohl er doch eigentlich nur zu stur war, sich nun umstimmen zu lassen, also ging er den Gesprächen über die Götter meistens aus dem Weg. Es gab noch immer keine Beweise, die ihm absolut klar machten, dass es sie gab, dass dieses Rudel nicht nur die Weissagungen von Hirngespinsten annahm. Es gab nichts, dass es schaffte ihn umzustimmen. Natürlich vermilderte er die Worte immer höflich, wenn man ihn auf seine Glaubensrichtung ansprach, doch eigentlich interessierte es den Rüden nicht die Bohne, wer Wer war und was sie taten. So war Kirov eben, er dachte sich seinen Teil dazu, was natürlich niemand wissen würde. Noch immer lag ein sanfter Ausdruck auf seinem Gesicht, während er Ahkuna anblickte. Er war so geübt darin, dass es ihm gar nicht schwer fiel. Doch bei Ahkuna war es wahrlich nicht schwer, da der Bunte sie doch sehr sympathisch fand und sie doch irgendwo als Freundin einordnete. Auch wenn ihm immer noch die Frage im Gehirn hatte, worüber sie vorhin mit Daylight getuschelt hatte, doch er verscheuchte sie immer wieder - Fähengespräche gingen ihn nichts an und damit hatte er sich abzufinden. Abermals seufzte der Rüde und blickte wieder das braune Sumpfwasser an, das mit Sicherheit sehr tief war. Obwohl er sich so davor ekelte, wie kaum ein anderer Rüde, spürte er doch das Verlangen, seine Pfote reinzustecken und einfach zu testen, ob es wirklich so warm und schlammig war, wie es aussah. Mit einem „Hm“-Laut zuckten seine Ohren und er schüttelte den gemusterten Kopf, um sich wieder auf seine weiße Begleiterin zu konzentrieren.
{Bei Ahkuna am Sumpf; redet}
18.04.2012, 16:48
Sein Blick glitt weiter zu den allgegenwärtigen Wasserstellen im Sumpf um sie herum, während Averic bereits antwortete. Seiner Meinung nach war hier im Sumpf nichts Ungewöhnliches am Werk, wenn man einmal davon absah, dass der Sumpf eben nicht mehr so war wie früher. Aber würden die beiden Götterkinder es auch tatsächlich wissen, wenn einer oder beide Gottheiten hier am Wirken wären? Wahrscheinlich nicht unbedingt immerhin hatten sie auch beim Wintersommer und dem Nichts nicht gewusst, ob und welche Rolle die Götter dabei gespielt hatten. Sie konnten es nur vermuten - nachträglich, auch wenn es die eine oder andere direkte Offenbahrung schließlich gegeben hatte. Was für die aktuelle Situation wohl hieß, dass auch diesmal wieder erst hinterher Bescheid wissen würden, wenn überhaupt. Wann auch immer dieses "Hinterher" war...
Aszrem wandte den Blick von der landschaft ab und zu Tyraleen und Averic, um seine Gedanken zu verscheuchen. Sie glitten ihm viel zu sehr in eine pessimistische Richtung ab, nichts, was er jetzt gebrauchen konnte oder sich für einen Leitwolf ziemte.
"Ich habe auf meinen reisen ein paar Geschichten über diese Fontänen gehört, aber nichts, was uns weiter helfen würde. Einige Rudel machten böse Geister dafür verantwortlich, andee dachte, es handle sich um den Atem riesiger Tiere, die unter der Wasseroberfläche schlafen würden, und so weiter. Nichts von alledem schien mir je glaubwürdig, aber ich muss zugeben, dass ich selbst auch keine bessere Erklärung dafür habe. Das Wasser war also heiß, sagst du? Etwa heißer noch als hier ohnehin schon alles ist?",
hakte er nach, aber bevor Tyraleen etwas erwidern konnte, schien Averic etwas entdeckt zu haben und entfernte sich von ihnen. Aszrem ließ ihn ziehen und sah ihm nur hinterher, dann wandte er sich wieder an die weiße Mitalpha.
"Du kennst ihn länger und besser als ich, Tyraleen - hälst du es für möglich, dass er es uns verschweigen würde, wenn er doch mehr über diese Sache wüsste? Versteh mich nicht falsch, ich vertraue ihm..."
'...aber ich könnte mir vorstellen, dass er Manches für sich behält, wenn ihm das richtig erscheinen würde',
schloss er in Gedanken, ohne die Worte laut auszusprechen. Er ging davon aus, dass Tyraleen seine Worte und auch sein Schweigen richtig zu deuten wissen würde.
[Sumpf | Tyraleen]
19.04.2012, 21:02
Um ihre Gedanken von ihren Gedanken abzulenken - das hörte sich zugegeben ziemlich komisch an, wie sie fand - musterte sie nun wieder die Züge des hellen Fremdlings. Gut, er war Teil des Rudels aber für sie trotzdem ein Ausländer. Auch wenn der Jüngere eben noch ziemlich amüsiert gewirkt hatte, hatten sich seine Züge scheinbar schlagartig geändert und schienen nun ziemlich hart, ja fast eisern zu sein. Unauffällig folgte sie dem Blick seiner blassgoldenen Augen und zu ihrer Überraschung landete sie wieder genau da, wo sie eben schon mit ihrem Seelenspiegel entlanggestrichen war : Kirov. Verblüfft starrte sie erst den Grauen und dann wieder den Weißen neben ihr an. Was wollte der denn von Kirov? Dann fiel ihr aber noch eine andere, weiße Fähe auf. Ahkuna, ihre Nichte. Ihr wurde ein wenig unwohl zu Mute und betrachtete sie kritisch. Scheinbar schienen sich die beiden zu unterhalten. Zum Glück retette dieser Samirez sie nun aus ihren argwöhnischen Gedanken und sie nickte ihm kühl zurück.
"Klingt nach fremden Gegenden. Sag mal, kennst du Kirov? Oder Ahkuna?"
Sie hatte gerade keine sonderliche Lust auf langweiliges Dahergerede, deswegen kam sie schlicht und einfach in ihrer forschen Weise auf den Punkt. Sie hob eine ihrer Augenbrauen kurz, wahrte aber ihren distanzierten Gesichtsausdruck. Sie fragte sich wirklich, was heute eigentlich mit ihr los war, wahrscheinlich das fünfzehnte Mal. Langsam sollte sie vielleicht damit aufhören, da sie nicht mal wirklich versuchte, eine Antwort zu finden. Eher wollte sie gar keine Antwort finden. In ihrem Leben hatte es schon zu viele enttäuschende Antworten gegeben. Nur kurz erlaubte sie sich ein leicht belustigtes "Heh." und schüttelte dann mit einem leichten Verziehen der Leftzen ihr schmales Haupt.
"Oh ja. Der Sumpf der Schrecken. Aber so oder so verstehe ich nicht, was die anderen dazu veranlasst durch die matschigsten und verfaultesten Stellen zu staksen. Du vielleicht?"
Damit deutete sie mit ihrer feminin geformten Schnauze in Richtung der Welpen und ihrer Begleiter die durch den blubbernden Wasserschlamm latschten. Nein, sie wollte ihre Pfoten nicht noch mit Realem beschmutzen. Sie troffen schon zu sehr von all dem Blut, dem Unrecht und dem Dreck, den sie selber absonderte.
21.04.2012, 12:41
"Ich denke schon, dass es etwas wie das Schicksal gibt. Vielleicht geschieht wirklich alles aus einem bestimmten Grund. Nur schade, dass wir das vorher nie sagen können."
Sie schloss kurz die Augen und nickte sich fast unmerklich zu.
"Man sollte wirklich immer versuchen, sein Schicksal zu ändern. Entweder funktioniert es und die Zukunft ändert sich in die gewünschte Richtung… oder… naja man findet sich damit ab. Vielleicht kann einem sogar das helfen."
Manchmal sind es vielleicht auch einfach die Kleinigkeiten, überlegte Parveen. Keine großen Sachen, wie zu erreichen, dass dieser Sumpf wieder normal wird. Möglicherweise auch allein schon ihre eigene Entscheidung dieses Gespräch zu führen und sich damit wieder am Rudelleben teilzunehmen. Eine einfache Möglichkeit, ihr Leben in eine andere Richtung zu führen. Sie war sich ja selbst noch nicht sicher, was es für Auswirkungen haben würde. Es konnte immerhin auch möglich sein, dass sie sich wieder wie eine Schnecke in ihr Haus zurück zog… Dann wäre das alles nichts wert gewesen… Aber bestand nicht auch die Option, dass sie wieder so wie früher wurde? Ein klein wenig zumindest?
Ihr fiel aus den Augenwinkeln das Glitzern in den blauen Augen von Caylee auf und ein wenig misstrauisch legte sie den Kopf schief und sah die junge Wölfin an. Sie wirkte fast so, als hätte sie einen Plan und Parveen schien einen Anteil daran zu haben. Die Worte schließlich überraschten sie. Caylee wirkte nicht unbedingt wie jemand, der anderen ein Rettungsseil zuwarf, aber es schien genau etwas in der Richtung zu sein. Das Selbstbewusstsein der Weißen war wirklich fast greifbar und Pav musste schmunzeln. Es war wirklich unglaublich, wie sich Charaktere unterscheiden konnten. So wie diese Wölfin würde sie nie werden, aber womöglich würde sie sich ein wenig bei ihr abschauen können. Für Amúr war es bestimmt unterhaltend. Ihr Lächeln fiel Parveen auf und deswegen sprach sie zuerst nur in Richtung der Grau–Weißen und dann zu Caylee.
"Caylee hat meinen Hilfeschrei also gehört. Ich denke, von dir könnte ich wirklich ein wenig Durchschlagsvermögen lernen."
Ihr Ton war keinesfalls sarkastisch. Er war eigentlich eher ernst, aber gespickt mit Interesse. Parveen war gespannt, wie ihre Nichte versuchen würde, ihr wieder richtig auf die Beine zu helfen.
25.04.2012, 10:32
“Nein, ich halte es nicht für möglich.“ Das hatte nicht ganz so überzeugend geklungen. “Er würde seine Familie niemals absichtlich gefährden. Aber … vielleicht ahnt er nicht, was manches auslösen kann. Du weißt von den Aufträgen Fenris‘? Ich habe keine Ahnung, wie diese beiden Umstände zusammenhängen könnten, aber ich kann auch nicht sagen, dass es unmöglich wäre.“
Sie verstummte und fühlte sich schrecklich. Sie wollte nicht mit Aszrem über Averic reden, aber natürlich hatten zwei Leitwölfe ein solches Thema, einmal angesprochen, nicht zu verschweigen. Sie würde Averic darauf ansprechen müssen, nur hatte der ja nun irgendetwas Wichtiges zu tun. Beinahe fühlte sie sich erneut im Stich gelassen, war es doch seine Schuld, dass sie nun mit Aszrem über ihn sprechen musste. Wäre er da geblieben, hätte es dieses Gespräch nie gegeben. Aber sie verscheuchte diesen Gedanken energisch, wusste sie doch, dass er trotz allem unfair war. Sie bemühte sich, wieder zu Aszrems Fragen zurückzukommen und war froh, über diesen viel einfacheren Aspekt des Themas sprechen zu können.
“Dass du diese Fontänen kennst, ist zumindest ein Anfang. Du hast aber nie eine gesehen? Erzählten dir Wölfe, die sie gesehen haben, unter welchen Umständen und wo Wasser hervor geschossen ist?“ Sie hatte an Selbstsicherheit zurückgewonnen. “Das Wasser war sehr heiß, ja. Es scheint Taleeshas Rute beinahe verbrüht zu haben, wäre es überall so warm, könnten wir sicher nicht im Sumpf waten ohne uns die Pfoten zu verbrennen.“
[ Sumpf | Aszrem ]
26.04.2012, 00:59
„Der Gestank scheint dein Aufnahmevermögen getrübt zu haben. Wie bedauerlich. Aber ich helfe dir auf die Sprünge: du befindest dich in einem fremden Revier. Du tätest also gut daran dich nicht unangemessen aufzuspielen, wenn du dir Unannehmlichkeiten ersparen willst.“
Obgleich der Todessohn diese Drohung nahezu tonlos zum Ausdruck brachte und seine Stimme außer Kälte keine Rückschlüsse zuließ, wurde ihr Inhalt von einem gewissen Spott über das Verhalten seines Gegenüber begleitet.
Wo lag der Sinn hinter dieser Begegnung? Wenn Fenris nach einer weiteren Opfergabe war, hätte er Averic diesen Auftrag deutlicher erteilt, so wie schon zuvor und ihn nicht einfach nur hergelotst. Es ärgerte ihn dass sein Gott ihn hier vor diesem Rüden abstellte, aber keinen Hinweis darauf gab, was er mit ihm anfangen sollte. Die Worte des Hellen ließen darauf schließen, dass er ebenfalls irgendetwas erwartete. Sein Kommentar über den „Zufallsfund“ war zu eindeutig.
Ohne die überlegene, hoch aufgerichtete Haltung abzulegen trat der Pechschwarze schließlich ein paar Schritte direkt auf den Rüden zu und machte sich nicht die Mühe ihn seinerseits albern zu umkreisen. Er hatte schließlich nichts zu befürchten.
„Aber tatsächlich stehe ich nicht aus Zufall hier vor dir und ich wage zu behaupten, dass du es ebenso wenig tust. Ich wiederhole meine Frage also noch mal: Wer in Fenris’ Namen bist du und was willst du?“
Die Erwähnung seines Gottes schenkte Averic dem Rüden als einzige Anspielung und hoffentlich würde sie ausreichen, um ihn endlich zum Reden zu bringen. Seine Geduld war nicht unermesslich und wie bereits erwähnt hatte er keine Lust auf Spielereien. Die Nerven waren strapaziert genug.
[ Sumpf | Ansem ]
26.04.2012, 15:26
Die Schwarze war nach wie vor nicht besonders erbaulich, was das Gespräch anging, denn während sie immer wieder zu dem Graufang starrte, nutzte er die Gelegenheit, zu Akhuna zu blicken. Als wäre er irgend so ein dämlicher, liebestoller Volltrottel. Okay ein dämlicher Volltrottel war er vermutlich wirklich, aber liebestoll? Nein, Nein und nochmals Nein! Ihre Frage wurde daher natürlich erneut vollkommen unvorbereitet aufgenommen und unweigerlich fragte sich der Helle, wie bescheuert er sich eigentlich aufführen musste, wenn der Schwarzpelz ihn so schnell durchschaute. Oder sah er etwa Gespenster? Ach nein, halt, Moorleichen, besser.
“Ähhh, wie kommst du darauf?“
Entgegnete er ausweichend und schüttelte leicht den Kopf, während er mit den Pfoten auf dem Boden herum kratzte, als wollte er erneut überprüfen, ob unter ihnen nicht vielleicht doch eine lustige, blubbernde Dampffontäne hervorschielen wollte und ihnen den Allerwertesten versengen würde.
“Akhuna war mal eine Weile in meiner Heimat, bei meinem Rudel. Ich habe allerdings nicht viel mit ihr zutun gehabt. Sie hat sich gut mit meiner Schwester verstanden.“ Erklärte er dann schließlich doch. Konnte ja nicht allzu verräterisch sein, wenn man die Wahrheit mal anschnitt. “Jetzt hab ich sie hier wieder getroffen, aber sie scheint nicht sonderlich erfreut über meine Anwesenheit zu sein. kann man nichts machen.“
Es schlich sich tatsächlich ein Grinsen auf die dunkel angehauchten Lefzen und er schnippte kurz mit den Ohren. Eigentlich konnte ihm das alles hier so ziemlich egal sein, einzig aus Interesse an den beiden Fähen hier vor ihm, blieb er. Wisperte ihm zumindest die alles verdrängende, bittersüße Stimme in seinem Gehirn zu. Da war es doch interessanter, von Moorleichen und Ungeheuern zu reden, oder auch von kannibalistischen Leitwölfen die Interesse an gut gekochten Wolfsfleisch hatten, mit der herben Note von Verwesung. Hmmm, lecker!
“Siehst du mich etwa hier herum trampeln? Sicher nicht. Im Gegenzug zu einigen Anderen hier, liegt mir meine Körperhygiene doch ziemlich am Herzen. Vielleicht sollten wir einfach verschwinden, was meinst du? Oder glaubst du, man jagt uns dann das Moorungeheuer auf den Hals?“
Ein frecher Hauch schlich sich auf seine Züge und für den Moment war Akhuna sogar ein wenig vergessen. Amáya war gar nicht mal so schlimm und da sich Aléya eher an den Rand verzogen hatte, sagte ihm die Konversation mit der Schwarzen sogar ein wenig zu.
[Amáya – Aléya an den Rand gesetzt]
28.04.2012, 11:37
„Wir wissen nichts über das, was hier vor sich geht. Es gibt vielleicht Gefahren, die wir nicht einschätze können, die wir nicht einmal sehen. Und wir werden so lange auf euch aufpassen, wie es nötig ist. Noch seit ihr zu klein, um gegen Gefahren vorgehen zu können. Ihr müsst nicht beweisen, wie mutig ihr seid, und dass ihr auf euch allein aufpassen könnt. Das wissen wir, aber dieser Mut bringt leider oft Blindheit mit sich. Und wenn ihr einmal in Gefahr seid, kann es zu schon zu spät sein, um das einzusehen. Und vielleicht benötigt gerade ihr deswegen mehr Aufsicht als eure Geschwister. Sie stürzen sich nicht blind ins Abenteuer, um uns etwas zu beweisen. Ihr werdet noch früh genug eure Chance bekommen.“
Nun hatte ihre Stimme etwas ernsteres angenommen, keinen Widerstand duldend. Sie wußte, dass Isaí alles daran setzen würde, sie in diesem Moment los zu werden. Aber sie musste über diesem Stechen stehen, welches ihr dieser Gedanke verpasste. Er war ein Welpe, neugierig und wissensdurstig. Da störte ein erwachsener Wolf... ob es nun seine Patin war oder jemand anderes. Kurz folgten die hellen Augen der Fähe dem Blick zu Taleesha, die dazu nicht viel zu sagen hatte. Aber auf verwunderliche Weise fiel es der Schwarzen nicht schwer, diesen beiden das Spiel zu versagen. Es ging um ihre Sicherheit, sie musste also die eigenen Interessen nach hinten schieben. Isaís Worte ließen die Schwarze dann leise seufzen. Das hatte nichts mir Vertrauen zu tun, aber das würde er vielleicht irgendwann verstehen. Jedoch glaubte die Dunkle nicht einen Moment daran, dass er nun wirklich aufgegeben hatte. Er strahlte in die Runde, schien von etwas ziemlich begeistert zu sein. Kisha verdrehte erneut die Ohren, beobachtete den Welpen dabei, wie er zu Taleesha blickte und einen Moment später seinen tollen Plan verkündete. Die Schwarze blinzelte, senkte dann ein wenig den Kopf. Zum einen war ihr in diesem Moment nicht wirklich nach spielen und zum anderen... es war so offensichtlich. Einen tiefen Atemzug nehmend ruhten die braunen Augen kurz auf Taleesha, ehe sie sich wieder an Isaí wandte, der schon davon sprang.
„Tut mir Leid, Isaí. Ich werde jetzt nicht mit euch spielen, dafür ist die Situation zu ernst.“
Der Dunklen war durchaus bewußt, dass sie nun vielleicht den Groll der Welpen auf sich ziehen würde, aber damit musste sie leben. Sie würden wohl enttäuscht sein, aber sie waren Welpen. Die Schwarze konnte nur darauf hoffen, dass sie verstehen würden, dass es ihr in dieser Situation nicht behagte, sich auf die Vorsichtigkeit der beiden zu verlassen. Nicht jetzt, wo sie nicht wußten, was sie an diesem Ort erwartete.
[Isaí & Taleesha]
29.04.2012, 18:29
„Du stellst vielleicht Fragen.“ Spielerisch tadelnd sah sie zu ihm hoch. Ja, bei solchen Fragen geriet selbst Ahkuna ins stocken und musste einen Moment länger, als unbedingt nötig, nachdenken.
„Tyraleen ist meine Tante. Als Neuankömmling ist es vielleicht nicht ganz einfach ein großes Rudel kennenzulernen und gleichzeitig die ganzen Familien auseinanderhalten, nicht wahr? Tatsächlich ist mehr als die Hälfte dieser Wölfe mit mir verwandt. Tante, Onkel, Cousine, Cousin, Mutter, Bruder, Schwester, Nichten …“ Ahkuna schmunzelte. Oh ja, sie waren eine überaus große Familie. Trotz mancher Merkwürdigkeiten hielten sie auch zusammen und das war doch warum es für die junge Caiyé nur ein Rudel geben könnte.
„Ich war Tyraleens größter Anhänger damals!“ Ahkuna konnte nicht anders als zu lächeln. Damals war sie hin und weg mit ihrer Bewunderung ihrer weißen Tante gegenüber. Sie wollte wie sie werden. Tyraleen war einfach ihr Vorbild gewesen. „Ich habe stets versucht ihr nachzueifern … Was sie aber hier will, kann ich dir nicht sagen. Aber wir befinden uns sicher nicht hier, weil sie uns ärgern möchte. Es muss einen anderen Grund. Einen ziemlich Wichtigen. Aszrem wirkte auch sehr … aufgewühlt.“ Ihre Mundwinkel etwas nach unten gezogen, blickte sie sich um. „Nicht besonders schön hier, hm?“
[Kirov | Sumpf]
02.05.2012, 14:21
“Zweifelst du an der Existenz des Schicksals? Ist das Schicksal nicht der Weg, den die Götter für uns vorgesehen haben? Zweifelst du an der Existenz dieses Weges? Oder gleich an den Göttern?“
Was sie selbst darüber dachte und ob sie zweifelte oder nicht, blieb im Dunklen und Caylee hatte auch nicht vor, ihre Gedanken preiszugeben. Amúr war jemand, der gerne nachplapperte, Meinungen von anderen übernahm und dann als ihre eigene ausgab. Diesen Gefallen würde die Weiße ihr nicht machen. Inwieweit sich ihre Ansichten über ihre Schwester auf Beobachtungen stützten und wie viel davon reine Spekulation aufgrund der bisher erlebten Situationen mit Amúr war, konnte Caylee selbst nicht so ganz sagen. Überzeugt von ihrer Meinung war sie natürlich dennoch.
Kaum reagierte ihre Schwester auf die neckenden Worte der Weißen, breitete sich auf deren Gesicht ein Grinsen aus. Natürlich, Amúr war nie ein Angsthase gewesen! Sie hatte sich zwar immer bei ihrer Mutter oder ihrer Oma versteckt und jedes Abenteuer gescheut, als würde sie bei nur einem Schritt aus dem sicheren weißen Fell auf der Stelle tot umfallen, aber Amúr und ein Angsthase – ach was! Jetzt funkelten Caylees Augen wirklich spöttisch. Die Umschreibung „ruhig“ für Amúr passte zwar auch, aber das Wörtchen „nur“ war mehr als fehl am Platze. Die Weiße hatte jedoch keine Lust sich darüber zu streiten, zeigte nur ganz kurz ihre Eckzähne und blinzelte ihrer Schwester zu. „Nur ruhig.“ - jaja.
Damit war die Studie ihrer Schwester abgeschlossen und die Weiße wandte sich wieder ihrer Tante zu. Ihre Reaktion auf Caylees Angebot musste sie aufschnappen, zu neugierig war sie, ob Parveen sich tatsächlich uneingeschränkt darauf einlassen würde. Immerhin war die Weiße noch immer ihre kleine Nichte, die Tochter ihrer jüngeren Schwester. Nicht unbedingt die erste Wahl für einen Lehrmeister; erst Recht nicht in Sachen Charakterstärke. Aber Parveen schien angetan zu sein, war zunächst ein wenig überrascht, dann schmunzelte die Schwarze sogar. Auch Amúr grinste und ganz offensichtlich hatten alle Teilnehmer dieses Gesprächs ihre Freude an der Vorstellung, einem Unterricht Caylees beizuwohnen. Das gefiel der Weißen natürlich außerordentlich und die Worte ihrer Tante pushten sie zusätzlich. Durchschlagsvermögen hatte sie, ohja. Der interessierte Tonfall trieb die Weiße zu Höchstleistungen an und ganz ohne es zu merken, ließ sie all ihre trüben Gedanken zumindest für einen Moment hinter sich und widmete sich ausschließlich der Überlegung, wie sie ihrer Tante helfen konnte. Ein erster Schritt war schnell gefunden, er war wohl der Naheliegendste.
“Gut.“, leitete sie ein und stellte sich aufrecht mit erhobener Rute, aufgestellten Ohren und leicht nach oben gereckter Schnauze vor Parveen. “Dann fangen wir doch gleich mal an. Erste Lektion: Ausstrahlung. Rute nach oben, Körperhaltung aufrecht, Nase nach vorne, Ohren hoch, Blick geradeaus.“
Es hatte etwas äußerst Dominantes wie Caylee vor ihrer Tante stand, definitiv zu dominant für eine Jungwölfin gegenüber ihrer Tante. Es lag nun eindeutig an Parveen, ihre Nichte zu übertrumpfen, in Haltung und Gebaren aber auch mit dem Bewusstsein, dass sich eine Tante nicht ihrer Nichte unterordnete, zumindest nicht, wenn diese nicht einmal zwei Jahre alt und definitiv viel zu respektlos war.
[ Sumpf | Parveen und Amúr ]
06.05.2012, 19:43
Nein, sie war kein Götterkind.
Sie war die Regengeburt.
Das Blau ihrer Augen änderte sich um keine Nuance. Keine ihrer Gefühlsregungen ließ sich auf ihren Zügen erkennen. Marmor, dunkler Marmor. Kalt und nur der Regen mochte ihn zum Singen bringen. Plitsch Platsch. Doch hier war kein Regen, hier war alles falsch. Was wollten sie in dem dreckigen Sumpf? Die Fenrisgläubige spürte das Verlangen, zu dem Sternensee zurückzukehren und dort sehnsüchtig und in Einsamkeit auf den Regen zu warten. Jedoch durfte sie das Rudel nicht verlassen. Da draussen war sie Mayhem bedingunglos ausgesetzt. Eigentlich war sie das überall, aber das Rudel gab ihr eine Art falsche Sicherheit. Oh, Verderben, oh grässliches Verderben! Sie würde eines Tages noch ein größeres Verderben über ihr Rudel bringen, als sie es je vorher getan hatte. Wenn sie allein bedachte, was passiert wäre, wenn die Sache mit dem Menschwolf Caleb und Minyala herausgekommen wäre. Nein. Es wäre nur gerecht gewesen, hätte Tyraleen sie verbannt. Eigentlich hätte sie Amáya überhaupt nicht in den Bund der Familie wieder aufnehmen dürfen. Wieso taten sie das ihr an? Wieso schickten sie sie nicht weg? Sie wussten genau, dass sie nicht zu der Familie gehörte. Sie war das schwarze Schaf. Das Unglückskind. Sie verursachte nur Probleme...
Plötzlich schob sich das Bild von Kirov in ihren Kopf. Der grau Melierte mit den himmelblauen Seelenspiegeln. Was suchte er da? Was suchte er da in dieser dunklen Zelle, die eine undurchdringliche Glaswand von der Realität abtrennte. Gitter. Wie konnte er hinter die Gitter gelangen? Sie fühlte sich auf einmal verletzlich. Wieso hatte sie es zugelassen, dass er ihr so nahe kam? Sie hätte abblocken können, eiskalt. So kalt, wie eine Regennacht.
Aber sie hatte es nicht getan und jetzt wusste sie nicht mehr, was sie mit sich selbst anfangen sollte. Hatte sie es denn je gewusst?
"Ich wollte nur wissen, ob die Beiden sich kennen. Aber vergiss es.", antwortete sie etwas zu unwirsch.
Wie Scherben auf Stein : So schepperte es durch ihren Kopf! Siehe da, was dieser Kirov alles mit ihr anstellte. Sie redete vor sich hin, als hätte sie ihren Verstand verloren. Wieso fragte sie Samirez das? Nein, wer hatte ihn das gefragt? Musste sie jetzt Angst vor sich selber haben, oder...? Sie konzentrierte sich auf den jungen Exoten - haha - und nickte kum merkbar.
"Ich hatte ganz vergessen, dass meine Nichte auch das Rudel verlassen hatte. Hm..." Ein süffisanter Ausdruck legte sich fließend auf ihre Züge. "Wie enttäuschend das für dich sein muss."
Sie hatte eigentlich keine Lust, weitere Feinde für sich zu gewinnen, aber was konnte man machen? Sie war nunmal das Regenkind. Trotzdem begann sie allmählich Gefallen an dem um ein knappes Jahr jüngeren zu entwickeln. Eine gemaßregelte Sympathie einfach. Plaudern, ohne wirklichen Sinn, war schon etwas seltsames. Ob es effektiv war? Das stand in den Sternen.
"Das glaube ich kaum, Samirez. Wenn du nur eine kurze Zeit bleibst, wirst du schon sehen in welch regen Tempo man hier kommt und geht. Ich selbst habe schon zweimal das Rudel verlassen und bin zweimal zurückgekehrt. Auch wenn ich nicht weiß, wie es um Zugewanderte wie dich steht... Vielleicht solltest du dich doch in acht nehmen, nicht als Dessert irgendwelcher... Tiere zu enden."
Na also. Sie konnte ja doch noch ein wenig kommunizieren. So ein frischer, heller Geist tat ihr gut. Vielleicht sollte sie sich mal öfter mit 'Ausländern' unterhalten. Erst Kirov, dann dieser Weißpelz hier. Irgendwie kam es ihr so vor, als würde sie besser mit ihnen zurechtkommen, als mit manch einem Mitlgied ihrer Familie. Pah, Familie! Wieso machte Amáya sich eigentlich überhaupt noch die Mühe, sie so zu betiteln?
09.05.2012, 20:31
„Seit ihr mit dem Kopf irgendwo dagegen gelaufen, oder so?“
Die Worte klangen tatsächlich besorgt, wenn auf abfällig. Er konnte kaum glauben, was er da hörte und verdrehte nur die Augen. Was hatte er eigentlich erwartet? Abgesehen davon fühlte er, wie Zorn in ihm hoch kroch, altbekannt, ungezügelt und in keinerlei Abhängigkeit zu dem Gesagten oder der Anwesenheit der beiden Gleichaltrigen. Aber sie boten eine super Angriffsfläche, um sich abzureagieren. Hätte sich Krolock irgendetwas daraus gemacht, was die Welt von ihm hielt, hätte er sich aus dem Staub gemacht, aber dem war nicht so.
„Wir erleben einen zweiten Winter in diesem Jahr… Die ganze Welt spinnt schon wieder, als wäre das Nichts nicht schon genug gewesen. Ständig dreht sich alles um irgendwelche Anomalien! Aber hey, nein, es muss uns nicht interessieren. Wir wären damals nur beinahe drauf gegangen. Und jetzt? Der Winter hätte vermutlich die Welpen das Leben gekostet… als Wiedergutmachung, schicken die Götter uns nun einen stinkenden, warmen Sumpf, damit uns der Nachwuchs nicht unter den Pfoten wegstirbt. Welch grenzenlose Güte! Wir hinterfragen besser nichts von dem, was passiert. Vertrauen wir auf die Götter, die haben ja schon immer so verdammt gut auf uns aufgepasst!“
Er lachte kalt und böse.
„Oh man, Atalya, geh sterben. Wenn sich der Lauf der Natur ändert, kann das ja auch gut sein. Alle Lebewesen hier sind ja bestens darauf eingestellt. Wieso ist nicht gleich das ganze Jahr Winter? Super Idee von den Göttern. Auch wenn’s stinkt, als würde die Erde totes Getier kotzen. Man gewöhnt sich schließlich an alles. Auch daran, dass das ganze Leben von irgendwelchen Mächten bestimmt wird, die alle Entscheidungen allein treffen.“
Sein Blick schwenkte zurück zu Chardím. Verfluchtes Göttergeschwätz. Es machte ihn rasend, füllte ihn mit Hass, bis er das Gefühl hatte, aus nichts anderem mehr zu bestehen. Er sah sich um, lachte innerlich dämonisch über sich selbst. Wo war Nihil? Hatte er den Sumpf verlassen? Musste er ihn suchen gehen? Sollte er stillhalten. Er wollte laufen, aber er wollte sich nicht die Blöße geben und einfach so davon laufen. Er wollte einen Streit vom Zaun brechen. Eine Rangelei wie mit Turién wäre nicht schlecht gewesen. Früher hatte er Neruí gehabt.
Seine Lefzen zuckten, sein Blick verdüsterte sich. Es fühlte sich an, als würde jemand alles was er war in sich aufsaugen und nichts zurück lassen. Passend zu Chardíms Beschreibung von der Welt ohne Götter. Nur dass es falsch war. Das war nämlich die Welt mit den verfluchten Spielern, die alle Schicksalsfäden in der Hand hielten. Seine Haltung wurde drohend, nicht aber in der Gebärdensprache der Wölfe.
„Nicht sterben? Was soll daran schlimm sein, nicht zu sterben, wenn man nicht lebt? Aber Chardím…“, er trat näher, mit steifen, harten und schweren Schritten. „Hättest du Lust mich zu töten?“
Der Schwarze hauchte ihm die Frage provokant ins Ohr. Sie klang drohend und verspielt zu gleichen Teilen, aber es war Sehnsucht, was er fühlte. Sehnsucht nach dieser Welt ohne Gedanken und Gefühle. Die leere Hülle hätte er bereitwillig gegen seine Existenz getauscht.
Atalyas nerviger Vortrag riss ihn wieder in die Realität zurück.
„Das Ungewohnte ist wirklich und wahrhaftig unheimlich“, höhnte er. „Kommt aus deinem Fang jemals ein Wort, dass du eigenständig erdacht hast? Oder ist dein Hirn so schmalspurig, dass du vor Gleichgültigkeit triefend jeden neuen Anflug von Götterwahnsinn als Unabänderlichkeit hinnimmst?“
[Bei Atalya und Chardím]
09.05.2012, 23:58
Als sie nun kurz zu ihm blickte, sah sie ein Lächeln auf seinen Leftzen, was nicht so recht zu ihm passen wollte. Jedoch war ihr Blick nur kurz nach hinten gerichtet, musste sie doch ihren Weg nach vorne sichern. Dies hielt sie aber nicht davon ab, über seinen Blick nachzudenken. Hatte er diesen von der eben erwähnten Tyraleen? So ganz war es natürlich nicht dieses und doch war es eine schwache Erinnerung daran. Und die nächsten Worte von ihm, zeigten auch, weshalb er es gezeigt hatte. Gleichzeitig hatte sie das Gefühl, dass er nicht ganz das verstanden hatte, was sie ihm gesagt hatte. Dennoch hörte sie geduldig zu und dachte einen Moment darüber nach, bevor sie sagte:
"Ich habe kein schlechtes Bild von Tyraleen und ich weiß auch, dass sie immer fair und gut mit allen umgeht. Gleichzeitig kenne ich aber auch ihre Pflichten und Aufgaben. Wenn du sie fragen solltest, dann wird sie es dir nicht erlauben, nicht erlauben können, so nett sie auch ist. Sie muss das ganze Rudel sehen und so gut du es auch machen würdest, müssen am Rand des Rudels die Stärksten stehen."
Ihre Stimme war bei diesen Worten keineswegs belehrend. Es war eher so, als ob sie einfühlsam mit dem Welpen redete und bei den ersten Worten war sie sogar ein wenig entschuldigend.
Plötzlich bemerkte Kursaí, dass Malik hinterher hing. Was hatte ihn abgelenkt? Kurz glitt ihr Blick prüfend über die Landschaft und auch kurz zu der Fähe am Schluss. Jedoch schien es nicht aus der Umgebung zu kommen, und ein Blick zu dem Welpen bestätigte dies auch: Er schien in Gedanken gewesen zu sein. Jedoch als es wieder weiter ging, war sie sich nicht so sicher, ob sie klug gehandelt hatte. Nach kurzem überlegen entschied sie sich, dass es so war, auch wenn sie ihn jetzt von seiner Euphoriewelle herunter holen musste:
"Es wird schon noch eine Weile dauern. Du musst erst einmal so groß und stark werden, wie es auch dein Papa ist. Dies wird wohl noch Monde dauern."
Kursaí hoffte, dass sie ein wenig mehr Akzeptanz bei dem Welpen erzeugen können würde, durch die Erwähnung seines Vaters. An diesem Beispiel würde er wohl am ehesten sehen, dass er noch wachsen und stark werden musste. Gleichzeitig wusste sie selber noch genau, dass dieses Warten als Welpe ganz besonders unerträglich war und so schweifte ihr Blick wieder nach hinten und lächelte Malik aufbauend zu, während sie ihn beobachtete, wie er um sie herum wuselte.
Der nächste Gesprächssprung kam für sie zunächst etwas überraschend, doch sie dachte sich schnell ein. Und so sagte sie:
"Auch wenn sie beide Leitwölfe sind, sind sie nicht wirklich ein Paar. Somit werden die beiden wohl auch demnächst keine Welpen bekommen. "
Und auch das Thema mit dem Markierrang tauchte natürlich prompt wieder auf. Sie versuchte es mit einer wichtigen Frage:
"Weißt du denn überhaupt, wer hier im Rudel zurzeit von dir so genannte "Markierränge" hat?"
{ Rand des Sumpfes | Malik & Liel }
11.05.2012, 11:09
Wie sie da so ihren Bruder sitzen sah, konnte sie sich auch gut vorstellen, dass er Kisha irgendwie schon überreden würde. Schon allein seine Trauerhaltung mit großen, flehenden Welpenaugen und hängender Rute weckten in Taleesha den Drang, sich ihm zu nähern und ihm zärtlich mit der Schnauze durchs Fell zu fahren. Immerhin konnten sie sich jetzt gegenseitig bemitleiden und sich einig darüber sein, welch Gemeinheit es doch war, dass ihr Abenteuer schon zu Ende sein sollte, bevor es wirklich angefangen hatte. Und dieses Bild der beiden enttäuschten Geschwister würde Kisha doch nicht kalt lassen! Taleesha bemühte sich, einen ebenso tiefleidenden Blick aufzusetzen und schaute auf zur Patentante ihres Bruders. Sie schickte noch ein leises Jammern in Form eines kurzen Fiepens hinterher.
Zwischenzeitlich waren Isaís Überredungskünste leider nur auf eine Mauer der Ablehnung und Vernunft gestoßen und er schien erneut einen Entschluss gefasst zu haben, denn plötzlich spürte Taleesha wie er freudig neben ihr aufsprang und seine neueste Idee kundtat. Die Schwarze lauschte gespannt und war mehr als beeindruckt! Natürlich, das war es! Und es klang ganz nach ihrem klugen, verschmitzten Brüderchen! Aufgeregt sprang nun auch sie auf und wartete auf kein zweites Kommando. Sie folgte sofort der Aufforderung Isaís und hüpfte auch schon davon. Kishas kurz darauf folgenden Einwand irgnorierte sie erst einmal, schließlich spritzte das stinkende Sumpfwasser um sie herum so laut, dass sie nichts anderes hören konnte. Außerdem blieb abzuwarten, ob ihr Bruder seiner Patentante sofort gehorchte. Sie blickte kurz über die Schulter um ihm anerkennend zuzuzwinkern, aber er war schon verschwunden. Zufrieden hastete sie schnell weiter, bis sie einen Busch in der Nähe erreichte, um sich dann ganz langsam und unauffällig weiter an dieser Art von Ufer zu bewegen. Der Boden war nach wie vor matschig und gab nach, aber außer ein paar Pfützen gab es nicht mehr so viel von dem Wasser, das ihr ja sowieso nicht ganz geheuer gewesen war. Sie schlich sich auf dem weichen Boden wie auf Samtpfoten davon …
[Isaí & Kisha, dann allein | im Sumpf]
12.05.2012, 11:08
Abermals drang ein Seufzen aus der Kehle des Sternentänzers und sein blutroter Blick wanderte ziellos umher, bis er an Avendal hängen blieb. Auch sie war allein. Er entsann sich, dass es eine ganze Weile her war, seit er das letzte Mal zu ihr gesprochen hatte, der Streit zwischen ihr und Atalya war wohl der letzte Vorfall gewesen, an dem sie aufeinandergetroffen waren. Nur zu gut erinnerte sich der Rüde daran, wie erbärmlich sie ausgesehen hatte in jenen Tagen der Unstimmigkeiten, doch wenn er sie nun betrachtete, schien ihre Gemütslage wieder deutlich gehoben zu sein. Jedenfalls zu solchem Maße, dass sie keine körperliche Schwäche mehr verursachte. Mit einer ruckartigen Bewegung schüttelte Madoc das kräftige Haupt und erhob sich schließlich, um die Gesellschaft der kleinen Fähe aufzusuchen. Nicht seine Art, sich anderen so zielstrebig anzuschließen, doch vielleicht war dies nun doch Teil seiner Persönlichkeit geworden. Avendal war ihm beinahe wie eine Schwester, ähnlich wie Atalya, aber doch nur beinahe. Sie stand ihr weniger nahe, akzeptierte sie jedoch so, wie sie war und scherte sich in gewisser Weise um ihre Wohlbefinden, nicht mehr, nicht weniger.
"Avendal.", grüßte der Rüde mit einem kurzen Nicken, als er an ihrer Seite stand. "Wie geht es dir heute?"
Erkundigte er sich knapp und sein rubinroter Blick musterte sie sorgsam. Ein Funke von Wärme war in die sonst so ausdruckslos erscheinenden Seelentore getreten und er spürte, wie er die Gesellschaft ausgewählter Rudelmitglieder zu schätzen begann, so auch die ihre.
"Ein schauriger, undurchdringlicher Ort, dieser Sumpf, doch auf gewisser Hinsicht eine lohnende Erkenntnis für die Welpen. Es ist wichtig, dass sie schon früh die schönen, aber auch die weniger ansehnlichen Seiten des Lebens kennenlernen, denn ihr Weg wird gespickt sein von beidem. Wer Glück hat, erfährt mehr von jenem, das sie wünschen und ich glaube, dass diese Welpe sich alle glücklich schätzen können."
Sprach Madoc mit seiner ruhigen Tenorstimme und sein Ton war neutral wie eh und je. Seit er als Pate auserkoren wurde, hatte er häufig ein Auge auf die Aktivitäten des Jungvolkes geworfen und hatte fast in jeder Tat die guten und schlechten Seiten hervorgehoben. Vielleicht war er fast ein wenig zu belehrend, aber andererseits hatte seine eigene Lebensgeschichte auch viel zu bieten, es gab noch so viel, was er seinem kleinen Paten noch erzählen konnte, wenn dieser nur zuhören wollte.
[Am Rande des Rudels | Avendal]
15.05.2012, 19:44
Dennoch hielt ihn die Stimme Kishas davon ab, etwas zu entgegnen und so konnte er seinen Unmut lediglich durch ein leises Schnauben zum Ausdruck bringen. Jetzt hatte er noch weniger Lust, an ihrer Seite zu bleiben, obschon ihn das selbst irgendwie verwirrte. Er versuchte aber, sich nichts groß anmerken zu lassen, wenn er schon keine Widerworte geben durfte und ging dazu über, seinen wunderbaren Plan zu verkünden – und tatsächlich, Taleesha sprang direkt auf und Isaí hoppelte genau wie sie durch den Sumpf davon in eine andere Richtung, um es Kisha nicht ganz so einfach zu machen. Dass sie hinter ihnen protestierte, bekam er schon mit, zumindest konnte er es sich denken, denn die genauen Worte verstand er nicht. Taleesha driftete ab und Isaí übernahm mit einem kurzen Blick zu seiner Schwester die andere Richtung, ehe er sich in einen Farnenbusch verzog und ihn wesentlich langsamer als zuvor durchquerte, um dahinter den Kopf hinauszustrecken und sich umzusehen, ob Kisha ihm vielleicht schon auf den Fersen war. Doch weder sie noch Taleesha konnte er sehen, stattdessen erkannten seine Seelenspiegel ein paar Wolfslängen entfernt eine schwarze Fähe, die er sogleich als Hilel identifizierte. Was machte sie denn da so alleine? Hatte sie etwa etwas gefunden, was kein anderer sehen durfte, weil es sie zum Helden machen würde? Ein anderes Indiz? Mit strahlendem Lächeln verließ der junge Rüde das Gestrüpp und hüpfte auf die Fähe zu. Sein Fell triefte förmlich und die Läufe waren fast bis zum Bauch mit Schlamm beschmiert, als er aufgeregt unter ihr hindurch schlupfte und mit pendelnder Rute neben ihr zum Stehen kam.
„Hast du etwas Spannendes gefunden, Hilel? Ein Indiz?“, fragte er neugierig und suchte danach, was sie hätte finden können.
Dass Kisha und Taleesha ihm sicher auf den Fersen waren – hallo? Er hatte ein neues Abenteuer gefunden! Da war das doch nebensächlich. Nein, jetzt zählte wieder, dass sie zu mehrt viel mehr Chancen hatten! Jetzt fehlten nur noch ihre Kollegen und das Indiz, was Hilel mit Sicherheit gefunden hatte.
16.05.2012, 11:56
Mit weitem Auge betrachtete die Fähe den kleinen Welpen und legte darauf den Kopf schief. Die Zähne die bereits ein Tick gefletscht waren, verzogen sich wieder unter ihre Lefzen und ließen sie einigermaßen normal aussehen. Still musterte sie ihn mit ihrem einseitigen Blick und musste grübeln. Sofort schoss es aus dem kleinen Leben heraus, was er begehrte. Verwundert stellte Hilel fest, dass selbst ihr Name bekannt war. Daher strengte sie ihr Erinnerungsvermögen an, immerhin gab es nur eine Handvoll Welpen, da sollte der Name ihr doch schnell wieder ins Gedächtnis eilen. Sein Lächeln war einladend und die Rute freudig schwenkend. So kam ein verzagtes Lächeln auf ihr Gesicht und die Hoffnung, dass er ihre verrutschte Laune begleichen konnte. Hauptsache er machte sie nicht weit aus schlimmer...Meistens waren Welpen doch ein aufgewecktes kleines Bündel voll Leben, dies konnte ansteckend sein, aber mindestens auch genauso nervtötend. Sie stellten Fragen über Fragen, schien stets unter irgendwelchen Dämpfen zu leiden, da sie immer hibbelig und aufgeregt erschienen und besaßen absolut keine Geduld und Anstand. Doch bevor die Fähe, die absolut keine mütterlichen Gefühle besaß, sich zu tief in ihre Abneigungen hineinsteigerte, war sie mehr versucht ihm zu antworten. Für den jungen Rüden konnte dies ein Vorteil sein, sie war nicht darauf bedacht ihn vor der Welt zu beschützen, aber genauso lief er auf die Gefahr hinaus wie jeder andere Wolf behandelt zu werden.
Aufgrund seiner doch außergewöhnlichen Farbe, war Hilel recht schnell wieder der Name seiner bewusst geworden und sie schien innerlich etwas stolz auf sich, solch unwichtige Nebensächlichkeit zu erinnern. Immerhin hatte sie bislang nicht viel mit diesen Welpen zu tun. Sie war nicht die übliche Tante zum Spielen oder Kuscheln.
"Oh... Isaí. Ein Indiz?! Was soll ich hier für Indizien finden, außer dass wir uns in einem stinkenden, von Verwesung blubbernden Sumpf befinden, der kein Ort für Wölfe ist?!"
Bei ihren höhnischen Worten reckte sich Hilel etwas zu dem Kleinen hinab und blickte ihn skeptisch an. Worauf war er denn nun wieder hinaus? Auf ein Abenteuer? Ohje...
"Oder meinst du etwa die ganzen verwesten Tiere die hier rum liegen, wie in einem Massengrab?"
Herausfordernd hob sie die Stimme, wie um eine Gruselgeschichte zu erzählen und betrachtete gebannt die Reaktion des kleinen Wolfes.
[Beim Rudel | ärgert sich | erschreckt sich vor Isaí und redet mit ihm]
16.05.2012, 14:17
Zugegebenermaßen hatte Ansem den Schwarzen zu voreilig in eine Schublade geschoben, er war nicht so arrogant wie er vermutete. Die Kommentare des Fremden entlockten ihm beinahe ein Grinsen. Er mochte diese Direktheit, die ihm der Schwarze entgegenbrachte. Der Rüde nahm kein Blatt vor den Mund und anders als die Meisten, spielte er sich damit nicht auf eine überhebliche unangemessene Weise auf. Doch Ansems Aufmerksamkeit lag weiterhin auf der dunklen Aura, die diesen Wolf umgab. Sie erinnerte ihn an die seines Gottes und es gab nur eine Möglichkeit, die dies bewerkstelligte.
„Du bist der, den sie den Sohn des Fenris nennen …“
brachte der Weiße seine Feststellung gerade und unverblümt heraus, fügte in Gedanken allerdings noch an, deine Anwesenheit spüre ich kilometerweit gegen den Wind. Nichtmals dieser Gestank hier im Sumpf änderte etwas daran, diese Aura war unverkennbar. Aber aus welchem Grund sollte er auf den Todessohn treffen, bis jetzt kannte der Weiße ihn ja doch nur aus Erzählungen.
Ansem machte, als der Dunkle sich näherte, ebenfalls ein paar Schritte auf ihn zu, sie standen sich nun direkt gegenüber. Auf die meisten hätte der Hüne nun herab gesehen, aber dieser war ihm ebenbürtig – und damit spielte er nicht auf die Größe an. Es reizte ihn sich mit seinem Gegenüber zu messen.
„Meines Gleichen nennt mich Ansem. Ich komme aus dem Tal der Raben, verrufen als die Gefilde der Fenriswölfe. Aber das muss ich dir wohl nicht erklären …“
Vermerkte er im gewohnten rauen und kalten Ton. Unter seinen Bekannten galt der Todessohn nicht unbedingt als beliebt. Die Fenriswölfe, wie sie sich selbst nannten, hegten seit einiger Zeit eine gewisse Abneigung gegen ihn. Sie neideten seine Bindung zu ihrem Gott - eine völlig absurde Empfindung. Es kamen derweilen sogar Gerüchte von einem Hochstapler auf, die Ansem wenig Achtung schenkte. Im Allgemeinen war es sehr unruhig in diesem Tal geworden, zumindest hatte der Hüne so seine Vermutungen. Aber um wieder auf das wesentliche zurück zu kommen und die Frage des Schwarzen vollständig zu beantworten, fügte der weiße Rüde noch hinzu
„Wenn du den Grund für mein Erscheinen wissen willst, da muss ich Unwissenheit gestehen. Zu meinem Bedauern hat Fenris noch keine Anstalten gemacht mir sein Vorhaben kund zu tun und wie es scheint, dir ebenso wenig.“
Ansem stand weiterhin aufrecht vor dem Fenrissohn, er ließ sich durch die Tatsache seiner Identität nicht einschüchtern, respektierte ihn aber wohl. Er maßte sich nicht an ihn in Frage zu stellen, gab es doch auch keinen Grund dazu, denn sein Gefühl betrog ihn nicht.
[Sumpf | bei Averic]
16.05.2012, 20:20
Seine Augen hellten sich leicht auf, als Ahkuna ihn mit einem Grinsen auf den Lefzen tadelte. Ein kurzes Lachen von ihm folgte und er blickte noch immer lächelnd zur Seite, als würde jetzt ein Wolf kommen, den er schon ewig lange kannte - natürlich war es nicht so. Als Ahkuna ihm dann antwortete, blickte er sie wieder an. Ja, eine große Familie, das konnte er sich wirklich sehr gut vorstellen. Ahkuna hatte wohl Glück, in einer so großen Gemeinschaft aufzuwachsen - ganz im Gegensatz zu ihm. Neugierig zuckten seine himmelblauen Augen über Ahkunas Gesicht, die ihm seine andere Frage beantwortete.
"Ich frage mich wirklich, was es hier gibt. Ich würde Tyraleen auch nicht so einschätzen, dass sie uns nur so hier herschickt. War da nicht vorhin etwas mit einem Welpen? Sumpffontäne oder so? Wahrscheinlich haust hier irgendein alter Gott, der es nicht unbedingt gut findet, dass hier jetzt ein ganzes Rudel rumschnüffelt."
Der Gemusterte rümpfte die Nase. Obwohl man aus seinen Worten eher einen Witz raus interpretieren konnte, war sein Ausdruck doch recht ernst. Wahrscheinlich war es tatsächlich so, er konnte es sich gut vorstellen. Wenn es Götter gab, gab es bestimmt auch alte Sumpfgeister. Ach, würde er doch nur an solche Dinge glauben wie alle anderen hier!
16.05.2012, 23:00
Hilel genoss nun die ungeteilte Aufmerksamkeit des jungen Wolfes, der vollkommen gebannt auf ihre Antwort und somit auf die Preisgabe des Indizes wartete. Allerdings schien er sich da getäuscht zu haben und die Wölfin hatte kein Indiz sondern bloß den Sumpf gefunden, den sie ja schon alle gefunden hatten. Die Bewegung seiner Rute wurde etwas elanloser, während sich sein Fang mit leichter Enttäuschung ein Stück öffnete und er den Blick kurz abwandte. Doch der junge Rote ließ sich ja nur selten von so etwas die Laune verderben, sodass er im nächsten Moment schon wieder fröhlich aufsah. Ihre wenig beeindruckte Tonlage ignorierte er gekonnt. Er schob es darauf, dass sie einfach noch keinen Erfolg gehabt hatte bei ihrer Suche, aber das konnten sie ja noch ändern! Er war bereit, sie in seinem Team aufzunehmen. Dann würde sie auch ein Abenteuerentdecker werden!
„Oh, doch, doch. Hier gibt’s Indizien. Wir haben eins gefunden. Da drüben, siehst du? Da, wo Tyraleen steht mit Anzem.“ Instinktiv wies er mit der Nase in die Richtung, aus der er gekommen war, musste aber feststellen, dass er die beiden Wölfe gar nicht mehr sehen konnte. Das Farn versperrte ihm die Sicht. „Naja. Ehm. Auf jeden Fall haben wir eins gefunden und da kam etwas raus und wollte Taleesha beißen. Es ist hier irgendwo! Wir müssen es fangen, damit es nicht nochmal versucht, meine Schwester oder jemand anderen zu beißen.“
Gute Tat vollbracht und einen Wolf des Rudels gewarnt, ha! Da war er gleich beruhigter und Hilel würde nun sicher auf der Jagd helfen. Doch als Hilel fortfuhr, runzelte er fragend die Stirn. Was ein Massengrab war, wusste er noch nicht, zumindest erinnerte er sich nicht daran, dass das mal irgendjemand erwähnt hatte. Dennoch zögerte er, verlagerte sein Gewicht nachdenklich von der einen zur anderen Pfote, ehe er sich doch dazu durchrang, nachzufragen, da er sich nichts darunter vorstellen konnte. Also, was Massen waren, wusste er ja, aber was war ein Grab? Naja, im Grunde sagte es Hilel ja bereits, oder?
„Ein Massengrab ist ein Ort mit vielen verwesenden Tieren? Sind wir hier in einem Massengrab?“ Er schwieg kurz, doch sein Blick blieb neugierig zu der Schwarzen gerichtet. „Weißt du, wie es hier vorher war? Es heißt, dass der Sumpf sich verändert hat. Wurde er zu einem Massengrab?“
Nun winkelte er die Lauscher etwas unsicher und besorgt an. Wie wurde ein Ort denn einfach zu einem Massengrab mit vielen verwesenden Tieren? Bestimmt war das Ding schuld, dass Taleesha angesprungen hatte! Aber andererseits waren die Tiere dann ganz schön schwach gewesen, immerhin konnten sie es doch mit dem Ding aufnehmen, oder?
17.05.2012, 11:04
"Hm...Genau, dass trifft es schon ganz gut. Weißt du was ein Grab ist? Wenn wir irgendwann sterben, denn wird unser Leib in die Erde gebetet, um uns Ruhe und Frieden im Tod zu geben. Dieser Brauch wird nicht überall gehandhabt, aber es sind doch recht viele die so handeln. Es ist der Beweis von Ehre gegenüber dem Toten und den Trauernden, denn so haben sie stets eine Stelle zu der sie gehen können, um an den Anderen zudenken, obgleich das natürlich überall anders auch möglich wäre...Bei einem Massengrab ist es meistens anders, wie du schon sagtest, es sind viel Tote. Nicht immer werden sie aber von ihren Angehörigen beerdigt, sondern finden ihr Ende an Ort und Stelle. Es ist kein Ort des Friedens und der Achtung. Daher wird es meistens eher negativ angesehen....
Ich war hier zuvor nicht oft, bin nur am Randgebiet des Sumpfes umher gestrichen, aber es war hier nicht so widerlich stinkend, obwohl unsere Nasen immer sehr empfindlich sind und es bereits gerochen hat, war es niemals so wie jetzt....Ich glaube es war, bevor du geboren wurdest, da spielte die Natur den Wölfen in diesem Tal einen Streich, zu diesen Stunden bin ich dazu gestoßen. Ein plötzlicher Winteranbruch hat die Tiere verwirrt und viele in den Tod gerissen, da sie sich nicht mit ihrem Winterfell oder dem Schlaf schützen konnten. Wahrscheinlich haben sich viele von ihnen hierher retten wollen, denn wärmer war es hier alle Male. Aber auch hier gibt es Gefahren, gerade für Wesen die nicht so gute Sinne wie wir haben oder einfach dumm wie ein Fuchs sind. An manchen Stellen muss man Acht geben, vielleicht hast du es schon gesehen, aber der Schlamm kann einen in die Tiefen ziehen, wenn man zu schwach ist sich selbst hochzuziehen oder keine Hilfe an seiner Seite hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass unter diesem ganzen Morast und Gestank, viele ihren Tod gefunden haben. Wahrscheinlich stinkt es hier deswegen so extrem...Wenn du frische Beute gelegt hast, dann läuft dir durch den Geruch alleine das Maul voll Wasser, wenn das Fleisch reift, dann ist es die ersten Tage auch noch so, aber irgendwann stinkt es so sehr, dass es nur noch für die Raben und Maden ein Festmahl ist und jeder Wolf angewidert das Weite sucht."
Wahrlich hatte sie sich bemüht ihm die Erklärungen zu schenken und dies so leicht wie möglich, dass er verstehen konnte was sie ihm sagen wollte. Der Welpe war nicht dumm, so glaubte Hilel, dennoch wusste sie um die kurze Aufmerksamkeitsspanne eines jungen Lebewesen. Sie ließen sich zu schnell von Allem und Jedem ablenken. Hoffentlich reichte ihm ihre Erzählungen und Erklärungen, genauso wie ihre fehlende Antwort auf den ersten Teil seiner Worte nicht bemerkbar wurde. Aber ihre letzten Worte konnte sie sich wieder einmal nicht verkneifen und ließ ihren ketzerischen Anmerkungen freien Lauf.
"Aber ich weiß schon, ihr werdet bestimmt wieder sagen es ist die Strafe oder Prüfung eines Gottes, wie auch immer sie hießen, Fenris und Engaine oder so was. Nur um den Glauben der Wölfe zu testen." Ungläubig und genervt verdrehte sie das Auge.
[Beim Rudel | redet mit Isaí]
17.05.2012, 16:50
Sie genoss seine vollste Aufmerksamkeit und während er so lauschte, machte er ganz instinktiv Anstalten, sich hinzusetzen. Dass er dabei das sumpfige Wasser vergaß, in dem sie standen, stellte er spätestens fest, als er es mit dem Hinterteil berührte und sich schnell wieder aufrichtete, ohne allerdings wirklich davon abgelenkt zu werden. Was die Wölfin ihm erzählte, war ungeheuer interessant und er merkte, dass sie wohl nicht hier geboren war. Tyraleen hatte ihm bereits erzählt, wie das hier war und hier gab es keine Gräber, soweit er wusste. Offensichtlich war der Sinn eines Grabes allerdings der gleiche wie der, des Brauches, den sie hier pflegten. Die Weiße hatte erzählt, dass sie die Körper dem Fluss übergaben, damit dieser sie zu Engaya geleitete. Daran, dass man das an anderen Orten anders regelte, hatte er noch nie gedacht, aber nun schien es ihm zum Teil irgendwie logisch. Direkt etwas dazu sagen, konnte er nicht, denn die Dunkle sprach direkt weiter und der Kleine war voll damit beschäftigt, ihr genau zuzuhören. Und Hilels Worten zufolge war es tatsächlich der Ursprung dieses merkwürdigen Geruchs, der hier überall in der Luft lag. Als hätte sie ihn daran erinnert, rümpfte er kurz die Nase und schüttelte schließlich den Kopf, ehe er wieder zu ihr aufblickte und interessiert zuhörte. Er nickte, als Zeichen, dass er ihr folgen konnte und schwieg anschließend einen kurzen Moment, um darüber nachzudenken, was sie gesagt hatte.
„Also ist ein Massengrab ein Grab für die, um die niemand trauert?“, fragte er und blinzelte Hilel kurz an. „Du kommst von woanders, oder? Wir haben hier nämlich keine Gräber. Wir übergeben die leeren Körper dem Fluss und der geleitet sie dann zu Engaya. Gab es vieles, was anders war, da, wo du herkommst, als hier?“ Er überlegte kurz, was Hilel noch gesagt hatte und ordnete es in seinem Köpfchen. „Der Winter? Du meist den Schnee und die Kälte? Der hat ganz viele dazu gebracht, zu sterben? Aber du hast Recht. Hier würde ich nicht unbedingt irgendwas fressen wollen…“
Berechnend spielte der junge Wolf mit den Ohren und schüttelte sich schließlich erneut. Er hatte den Namen Engayas mit Absicht betont, nachdem Hilel ihr richtiger Name nicht eingefallen zu sein schien, aber irgendwie schien ihr das auch nicht wirklich wichtig, was den jungen Wolf verwirrte. Schließlich schüttelte er kurz den Kopf und wandte sich wieder mit einem vorsichtigen Lächeln an Hilel.
„Ich weiß nicht, ob Fenris und Engaya was damit zu tun haben. Tyraleen meinte, dass Fenris nichts davon hätte, zu machen, dass es hier stinkt. Deshalb suchen wir ja nach der Quelle.“
Er schwieg erneut einen Moment, überlegte, ob er das aussprechen sollte, was ihm auf der Zunge lag und kam zum Entschluss, dass es wohl das beste war.
„Hilel? Darf ich dich was fragen? … Magst du das Rudel nicht? Ich habe dich immer nur weiter weg gesehen…“, sprach er leise und winkelte die Ohren besorgt an.
17.05.2012, 17:41
Nach seinen Worten nickte sie bedächtig und stimmte ihm seiner Erkenntnis zu einem Massengrab bei. "So kann man es sagen." Kurz stockte die dunkle Fähe, erhob ihren Kopf wieder und blickte geistesabwesend in die Ferne. So schnell hatte er sie enttarnt und so schnell konnte sie etwas über den Gewohnheiten dieser Wölfe lernen. "Jah, ich komme von weiter her. Mir war nicht bekannt, dass ihr eure Toten dem Wasser übergebt." Einen Moment verschwieg sie ihre restlichen Gedanken, in ihrer Vorstellung würden wohl kaum die seelenlosen Körper einem Gott übergeben werden, viel mehr würden sie irgendwann einen Wasserfall hinabstürzen oder auf dem Grund des Flusses herabsinken und dort liegen bleiben. Ein eigenartig absurder Gedanken, wenn sie bedachte, dass sie aus dem selben Fluss ihren Durst stillte. Schnell schüttelte die Fähe ihren Kopf und lauschte seinen Worten. Engaya. Nun gut, erneut etwas gelernt, diesmal würde sie versuchen diesen Namen in sich zu vergewissern. Sie wollte nicht respektlos erscheinen, auch wenn es ihr schwer fiel.
"Bei mir war vieles anders...Daher bin ich wohl auch so anders. Bei uns gab es keine Götter, aber wir haben auch nach keinen gesucht. Wir lebten für uns und haben unsere Zukunft selbst in die Pfoten genommen, ohne das wir an Schicksal oder weiteres glaubten. In diesem Fall waren wir wohl freier als ihr. Es scheint mir eure Götter grenzen euch sehr in eurem Handeln ein, denn alles kann irgendwie eine Folge haben, so wie ich es bis jetzt beobachtet habe. Nun ja, aber es ist mir gleich, jedem das seine, ich kann es nur nicht verstehen. Als ich damals herkam, war der Winter, also die Kälte und der Schnee keine große Umstellung, in meiner Heimat gab es selten Wärme. Die Winter waren länger und härter, aber dies ist bedingt von der Lage. Je näher du der Sonne bist, umso wärmer wird es nun mal...Hier hingegen war es für die Tiere eine schwere Bürde, die Vögel waren bereits beim Brüten und ihre Jungen starben in den Nestern vor Frost und Hungersnot. So erging es einigen Tieren und das Rudel selbst war auch in heller Aufregung...Aber das würde ich als eine andere Geschichte bezeichnen."
Ihre Stimme klang belegt, als ihr Blick immer noch in die Ferne reichte und nur langsam wieder zu dem Rötlichen wieder fand. Sie träumte von einer Heimat die viel zu fern war, aber dies war unabdingbar. Es gab keinen anderen Weg und dies wusste sie, daher rang sie schnell wieder um ihre Fassung und erreichte sie bei ihre letzten Sätzen wieder.
"Hm, dass kann ich dir nicht sagen. Meine Vermutung kennst nun ja. Für was stehen denn die Beiden? Ich weiß, dass die Engaya dem Leben verschrieben wurde, so ähnlich hatte mir es mal jemand erklärt, aber welche Auswirkungen das weiter hat, habe ich nicht erfahren...."
Hilel beobachtete den Jungen, der lange schwieg und zu überlegen schien. Seine Worte zerbrachen die angenehme Stille wie ein messerscharfer Schnitt. Unruhig spielte die Dunkle mit ihren Ohren, als wollte sie glauben sich verhört zu haben. Leider war dies nicht der Fall und es war Isaí anzusehen. Lag da so etwas wie Scham oder Unsicherheit in seinen Zügen? Welpen handelten oft gedankenlos, wobei ihr dies bei diesem Exemplar nicht so rüber kam. Er hatte es bedacht, aber noch trug er seine Unschuld in sich, die ihn nicht vor Fehlern bewahrte. Tief sog sie die stinkende Luft in ihre Lungen und füllte sie mit dem Geruch von Tod und Schwefel. Obgleich der Gestank abartig war, behielt sie ihn für einen Augenblick in sich gespeichert. Bevor sie ihren verbrauchten Odem ausstieß und nicht wusste wie sie solch einer Frage gerecht werden sollte. War es so oder war es nicht so? Hatte sie je darüber nachgedacht ob sie dieses Rudel mochte oder ob sie hier nur verblieb aufgrund der Geschehnisse und der schwer einschätzbaren Situation ihrer? Eine Weile musste sie wohl geschwiegen haben, während neben den Beiden kleine Luftblasen aus dem Sumpf emporstiegen und in einem ruhigen Blubbern zerplatzten.
"Es hat weniger mit mögen oder nicht mögen zu tun..."
Was sollte sie sagen? Wie viel war möglich ohne all zuviel von ihrem Inneren zu offenbaren? Sie lag in Zweifeln und zog die Stirn kraus. Ihr Gesicht schien so nachdenklich, wie betrübt. Welpen waren zu ehrlich, zu ungeblümt und zu neugierig, wie sie feststellen musste. Das Gespräch nahm eine Wendung die ihr nicht zu sagte, obgleich es eine Erlösung sein konnte. Wahrscheinlich schätzte sie das Rudel ebenso falsch ein, wie dieses Hilel selbst, denn so wie Isaí es aussprach, war es sicherlich die Meinung der meisten, die sie nur von der Entfernung wahrgenommen hatten.
"Du hast Recht, ich halte mich meistens Abseits auf...Es liegt mir näher, als in dem Tumult des Rudels zu sein, dort sind mir zu viele...Vor allem kenne ich nur sehr wenige näher, daher...habe ich wenig Anlass zwischen den mir meist noch sehr fremden Wölfen zu verweilen. Aber ich wäre nicht hier, hätte mir nicht irgendetwas zu gesagt und damals war es die Gemeinschaft die hier wahrlich vorhanden ist, auch wenn ich kein richtiger Teil von ihr bin..."
[Beim Rudel | redet mit Isaí]
17.05.2012, 20:19
Kurz folgte er ihrem Blick, erkannte allerdings nichts, was sich gelohnt hätte, angesehen zu werden, da sich nach wie vor nur Sumpf um sie herum befand und die anderen Wölfe waren meist nur in Form von dunklen Gestalten zwischen den Bäumen zu erkennen. Kaum hatte Hilel wieder zu sprechen begonnen, hatte sich die blauen Seelenspiegel wieder zu ihr gewandt. Er lächelte, doch als sie schließlich kurz in Schweigen verfiel, neigte er den Kopf fragend etwas zur Seite.
„Und ich nicht, dass man anderswo ein Grab hat.“, verkündete er schließlich, da er dachte, dass die Fähe durch ihre Unwissenheit so still geworden war. Aber das war doch gar nicht schlimm. Man konnte ja nie alles wissen!
Und dann begann sie wieder zu sprechen und Isaí freute sich darüber, dass sie dazu bereit war, ihm so unheimlich viel zu erklären, was er noch nicht wusste. Er war gespannt, wie es außerhalb des Tals war und wie andere Wölfe lebten. Es war vollkommen fremd für ihn, was allerdings in Anbetracht seines Alters kein großes Wunder war. Für ihn waren die Geschichten, die Hilel vielleicht erzählen würde, wie Legenden und spannende Abenteuer, die sie erlebt hatte. Allein, dass sie berichtete, dass sie keine Götter gehabt hatten, war unvorstellbar für ihn. Er hatte geglaubt, dass Engaya und Fenris über alle Wölfe und über die anderen Tiere wachten und sich um sie kümmerten, doch offensichtlich lag er damit falsch. Es tat ihm leid, dass die beiden Götter nicht auch über das Rudel der Schwarzen gewacht hatten und er fühlte sich plötzlich schlecht, da ihm etwas gegeben war, was Hilel niemals gehabt hatte – von Anfang hat fühlte er sich im Schutz der Götter, doch die Wölfin war mit ihrer Familie auf sich allein gestellt gewesen. Er wollte sich davon nun aber nicht ablenken lassen, denn die Aussage, dass es Orte gab, die wärmer waren, weil sie näher an der Sonne waren, war viel, viel spannender! Neugierig spitzte er die Ohren und reckte die Nase etwas weiter in ihre Richtung, um ja kein Wort zu verpassen. Die Vorstellung war atemberaubend und seine Seelenspiegel fingen an zu glänzen.
„Dann sind wir der Sonne hier näher als am See oder auf dem Rudelplatz?“, fragte er neugierig und strahlte förmlich. „Gibt es auch einen Ort, wo sie so nah ist, dass wir sie mit der Nase berühren können?“ Doch er wollte sich nun nicht vollkommen davon hinreißen lassen, immerhin war da ja noch eine Sorge, die ihm auf dem Herzen lag. „Und Hilel? Jetzt musst du dir keine Sorgen mehr machen. Du bist nicht auf dich alleine gestellt. Jetzt achten Engaya und Fenris auch auf dich, du bist ja jetzt ein Sternenwind.“ Er schenkte ihr ein vertrauenvolles, aufmunterndes Lächeln und war froh, dass er der Wölfin diese Sorge nehmen konnte. „Erzählst du mir die Geschichte irgendwann? Also, nur, wenn du Lust hast…“, erfragte er schließlich mit einem bittenden Ausdruck in den Augen.
Sie hatte unglaublich spannend erzählt und er war neugierig auf mehr Geschichten – ganz egal, ob das nun über das Tal oder ihr Leben vorher war. Nun jedoch schien zuerst er in die Rolle des Erzählers zu rutschen, was ihn erneut unheimlich stolz machte. Dass die Frage allerdings nicht wirklich einfach war, musste er kurz darauf feststellen. Dennoch würde er es probieren. Wäre doch gelacht!
„Genau. Engaya steht für das Leben und Fenris mehr für die düsteren Dinge, glaube ich. Ihm gefällt es, Zwietracht zu sähen und… Ich glaube, Tyraleen kann das viel besser erklären. Ich komm gerne mit, wenn du sie fragen willst.“
Na, okay. Hatte dann doch nicht ganz so hingehauen, aber das war auch alles unheimlich kompliziert. Er hoffte, dass die Schwarze es ihm nicht übel nahm und das Angebot, Tyraleen zu fragen, irgendwann annehmen würde. Stattdessen hatte er sich nun dazu durchgerungen, seinen Eindruck auszusprechen. Fast zeitgleich zog er die Nase etwas zurück und sah sie zum Teil besorgt und zum anderen Teil schuldbewusst an. Es schien nicht wirklich das richtige gewesen zu sein, zumindest schien die Dunkle nicht unbedingt begeistert von der Frage, doch dem jungen Wolf hatte sie auf dem Herzen gelegen. Es lag in seiner Natur, diese Dinge anzusprechen, Eindrücke kundzugeben und über die Dinge zu reden, die ihn bedrückten. Dies gehörte irgendwie dazu, auch, wenn es ihn nicht persönlich betraf. Er behielt den Blick von unten her zu ihr gerichtet und ließ sich nur kurz von einer merkwürdigen Bewegung im Sumpf ablenken, die er nicht zuordnen konnte. Es sah ähnlich aus wie das, was vorhin aufgestiegen war, als er seine Nase in das Wasser getaucht hatte, um das Indiz hervorzuholen und da die Fähe nicht beunruhigt reagierte, hielt er es für nicht sonderlich gefährlich. Nur zaghaft stellten sich seine Ohren wieder, als sie zu sprechen begann, doch das beruhigte ihn schon mal etwas. Dann lag der Grund also woanders und das blieb nun die Frage. Doch sie verfiel erneut in Schweigen und wirkte nun bedrückter als zuvor. Isaí fühlte sich schuldig und schob zögerlich die Schnauze in ihre Richtung, um sie tröstend an der Flanke zu berühren. Als sie weitersprach, lauschte er wieder aufmerksam und schließlich bildete sich ein aufmunterndes Lächeln auf seinen Lefzen.
„Dann stelle ich dir am besten gleich welche vor und dann sind sie gar nicht mehr so fremd!“, schloss er tadellos und nickte. „Ich mag dich, Hilel. Und die anderen werden dich ganz bestimmt auch mögen.“
Da war er sich sicher! Aber trotzdem würde er nichts ohne ihre Zustimmung tun. Er wusste nicht, wie schwer es war, in eine Gruppe hineinzukommen, immerhin war er von Anfang an ein Teil davon gewesen. Deshalb auch stellte er es sich unheimlich leicht vor, sie irgendwie mit den anderen bekannt zu machen. Sicherlich würde Kisha gleich sowieso um die Ecke kommen und dann wäre der erste Schritt getan. Überzeugt blickte er in die beiden verschiedenfarbigen Augen der Dunklen. Er ahnte nicht, dass sie unterschiedlich waren, weil sie auf dem einen nichts mehr sehen konnte – vielmehr hielt er es noch für eine Laune der Natur.
17.05.2012, 22:11
Ein leichtes Lächeln huschte in ihre Mimik und umhüllte die häufig reglosen Gesichtszüge. Noch nie hatte sie ein Herz für Welpen gehabt, doch dieser Bengel, er war gar nicht mal so schlimm. Vielleicht lag es an diesen stinkenden Dämpfe, die ihr Hirn umnebelten, aber sie fand Gefallen an dem kleinen Bündel. Er war ein fröhlicher Zeitgeist, bis lang noch kaum so nervig und quengelig wie sie es sich zu Beginn vorgestellt hatte.
"Du bist noch jung, du musst noch nicht alles wissen, es kommt mit der Zeit. Solang deine Neugier dich voran treibt."
Ja, die Begierde des Wissens, die kannte die Fähe doch selbst, aber irgendwie war ihr dieses Interesse immer mehr abhanden gekommen. Vielleicht würde es ja wieder erweckt werden, denn auch sie war doch noch eine junge Wölfin. Zwar war sie einiges älter als ihr Gesprächspartner, aber immer noch wurde sie zu den Jungwölfen gezählt.
"Oh, nein nein, so war es nicht gemeint. Hier ist die Wärme anderer Ursache...Vielleicht ein unterirdischer Strom oder sonst irgendwelche Begebenheit die unserem Auge sich entzieht. Aber es gibt Orte und Länder die sind der Sonne näher. So ist es doch auch Mittags viel wärmer, wenn die Sonne hoch am Himmel steht, als wenn sie gerade am Horizont untergeht und verschwindet. Ihre Strahlen erreichen uns dann nicht mehr und sie kann uns nicht mehr wärmen. Wie bei Sommer und Winter. Die Jahreszeiten unterscheiden sich wie die Länder. In manchen Gegenden, wie in meiner Heimat war die Sonne so weit entfernt, dass wir wenig Pflanzen hatten, da es so kalt und meist dunkel war. In anderen Orten wächst kein Grashalm da sie verdorren, weil es so heiß ist und die Sonne alles verbrennt. So erzählte es mir zumindest meine Mutter...Berühren können wir sie jedoch nicht, genauso wenig wie den Mond, egal ob rund oder Sichel. Die Sterne sind viel zu weit entfernt für uns. Deine Pfoten könnten dich nie so weit tragen. Zudem wandern die Himmelslichter immer über unseren Köpfen mit uns, bis sie verglühen."
Ein irrwitziger Gedanke war es, die Sterne mit der Nase berühren zu können, andererseits hatte Hilel schon von angeblichen Wundern gehört, wo die Lichter vom Himmel gestürzt sind und jemand sie gefunden haben sollte. Sie allerdings hatte noch nie solch ein Phänomen gesehen, nur am Himmelszelt, wenn ein heller Schweif in hohem Bogen hinab glitt und in der dunklen Nacht funkelte. Dies kannte sie, ja, aber niemals hatte sie diesen glühenden Stein dann auf dem Erdboden gefunden.
"Meinst du sie achten auf jene, die nicht an sie glauben? Sie werden doch nur durch euren Glauben am Leben erhalten, daher werden die Götter wenn, wohl nur auf jene ihre schützende Pfote erheben, die ihnen mit Leib und Seele gehorchen. Nun ja, mir kann es nicht in den Kopf gehen, dass es etwas 'Anderes' geben kann. Ich glaube nur an das, was ich mit meinen Sinnen wahrnehmen kann. So muss ich es sehen, hören, riechen, schmecken oder fühlen können, aber nichts davon erfüllt einer von euren Göttern, egal ob er das Dunkle oder das Leben symbolisiert...."
Bevor Hilel weiter sprach, senkte sie ihr Haupt, stellte die Ohren aufmerksam auf und blickte den rötlichen Fuchs eindringlich an.
"Wenn ich dir irgendwann eine meiner Geschichten erzählen soll, so musst du mir versprechen, dass du mir eure Götter erklärst und nicht Tyraleen. Ich vermag nicht zu bezweifeln, dass sie das kann, dennoch werde ich mir die Legenden doch viel lieber aus deinen kleinen Fang anhören und ihnen aufmerksam lauschen. Abgemacht?!"
Kurz zwinkerte sie ihm zu und zog ihre verschmierte Pfote aus dem Schlamm, um diese Isaí hinzuhalten. Wahrscheinlich zum ersten Mal lag ein verschmitzter und dynamischer Ausdruck in ihrer Mimik, der sie so jung erscheinen ließ wie sie in Wahrheit war. Erwartungsvoll schwebte ihre Pranke auf der Höhe von der seinen, sie wollte seine ehrliche Antwort und damit diesen Handel ehrenhaft besiegeln. Obgleich sie nicht wusste, ob es je dazu kommen sollte ihn auch einzulösen. Dies war jedoch nach ihrer Meinung auch völlig gleich, der Wille zählte und keiner wusste was die Zeit zubringen vermochte.
Auf ihre Antwort hin betrachtete der Rüde die Schwarze von unten demütig beinahe. Sie verzog kaum eine Miene, es war so deutlich und unverkennbar, dass es ein wunder Punkt war, den er getroffen hatte. Auch ihre Worte halfen nicht darüber hinweg, egal wie gerungen und sporadisch sie diese auch verlauten wollte. Dennoch hatte sie nie mit seiner Geste gerechnet und schreckte erneut vor ihm zurück, wie zu Beginn ihres Sehens. Seine feine Schnauze hatte sich zu ihrer Flanke bewegt und ein misstrauischer Blick fiel auf ihn herab. Ähnlich einer Schicht aus Eis legte sich über sie und ließ sie erstarren in ihrer Bewegung. Das Gefühl seiner vorsichtigen Berührung, bevor sie gewichen war, bebte noch lange in ihrem Leib wieder. Innerlich tadelte sich die Fähe für ihre Unachtsamkeit, wieder einmal. War sie so töricht geworden oder womit hatte dies einen Zusammenhang? Als er erschienen war, unter ihr hindurch geschlüpft wie ein kleines Wiesel, da konnte sie es noch ihrem Geruchssinn zu schreiben, der aufgrund des Gestanks abgelenkt war und ihrem Blick der behindert sein sollte. Doch welche Rechtfertigung hatte sie nun? Ihre Wahrnehmung hätte sie nicht enttäuschen dürfen, nicht in einem Moment, in dem er ihr so nahe war und jeder mit einem einzigen Schritt dem anderem zu nahe kommen konnte, eine Bedrohung sein konnte. Auch wenn Hilel wohl wahr wusste, dass er ihr nichts tun konnte und sie ihn mit einem Bissen in das Reich der Toten schaffen konnte, war sie sichtlich irritiert über ihre Leichtsinnigkeit. Zudem über noch eine sonderbare Tatsache mehr. Dieses Gefühl des Trostes, trotz ihres Schreckens, steckte ihr immer noch in der Seele und dies war es doch wahrlich was sie wundern und erschaudern ließ. Vorsichtig bewegte sie sich wieder zu ihm, schüttelte die Starre ab, wie Wasser von ihrem schwarzen Pelz. In ihr erwuchs wieder die selbstbewusste Fähe, die sich von so etwas niemals hätte verwirren lassen dürfen und so sprach sie ihre Worte unpassend kühl.
"Das musst du wohl kaum, nein. Dies ist nicht deine Aufgabe..."
Wieder musste sie stocken und sich sammeln. Verdammt, was sollte dieses ganze Gefühlsgedusel. Ein Schnaufen entglitt ihr, gereizt und doch nur auf sich selbst bezogen.
"Verzeih, du hattest mich erschrocken. Ich scheine zur Zeit dieser Schwäche sehr verfallen zu sein. Aber ich danke dir..."
Diesmal streckte sie sich selbst ihm entgegen, hielt ihren Fang nahe auf seiner Höhe und bewahrte ihn da. Auf das er sich der Situation bewusst wurde, bevor sie den seinen Versuch nachspielte und ihn sachte an die Seite stupsen wollte. Dies sollte ihre Bestätigung gegenüber seiner Worte werden. Denn auch sie mochte ihn, auf seltsame Art und Weise hatte sie Zuneigung zu diesem Welpen entwickelt, ungeachtet der kurzen Zeit.
[Beim Rudel | redet mit Isaí]
18.05.2012, 09:51
“Hey, hör Mal, wenn du zu diesem Wolf dort hinüber magst, zu diesem Kirov, dann kann man diesen Weg sicherlich in Angriff nehmen. Außer du fürchtest dich auf den paar Metern im Morast zu versinken.!
Versuchte er es provisorisch noch einmal mit einem Hauch von Witz. Man konnte ja nie wissen, welche Kaninchen diese Wölfin noch so aus ihrem Rabenfell hervorzaubern würde. Einige Sekunden lang musterte er ihre regenblauen Augen, die erneut irgendwie soweit fern erschienen, als lebte Amáya nicht in ihrer, sondern in einer vollkommen anderen Welt. Einer Parallelwelt in der es immer regnete – so schoss es dem hellen Jäger unweigerlich durch den Kopf. Seltsam.
Als sie ihm jedoch wie von selbst im nächsten Augenblick in die Parade fuhr und ihn indirekt damit sogar maßgeblich traf (was er natürlich nicht zeigte) verzog er die Lefzen einen Moment und neigte den Kopf etwas zurück.
“Wie man sieht, ich lebe noch und bin tatsächlich immer noch hier. Wobei ich nicht sagen kann, wie lang das noch anhalten mag. Aber wenn du sagst das des öfteren Wölfe gehen, wundert mich natürlich gar nichts mehr. Vergrault ihr gerne eure Rudelmitglieder?“
Diese Frage war keineswegs böswillig gemeint, viel eher schwang bereits wieder dieser Hauch von amüsiertem Charme in seiner Stimme mit und er hob für einen Moment die Tatzen und ließ sie beinah sanft über den Moorastboden gleiten, als würde er lediglich mit dem matschigen Untergrund spielen . Dann fiel ihm auf, dass die Schwarze ja auch noch etwas anderes gesagt hatte, was sichtlich von Belang sein konnte. Sie war also ihre Nichte? So, so.
“Dann gehörst du also auch zur hoheitlichen Königsfamilie? Ich bitte eure Verzeihung, eure Majestät“
Er grinste schelmisch und deutete im nächsten Augenblick so etwas wie eine Verbeugung an, indem er den Oberkörper tief hinter beugte (jedoch nicht tief genug, damit sein kostbares Brustfell die Erde berührte) und senkte den Kopf wenige Zentimeter, wobei die glänzenden Bernsteinaugen nach wie vor auf die Rabenfellige gerichtet waren. Er wollte sie und ihre Familie keineswegs ins Lächerliche ziehen, dennoch behielt seine Version von Spaß eben jene kleinen in manchen Fällen sicherlich auch verletzenden Spielchen bei.
Um sich selbst jedoch nicht noch weiter in die womögliche Abseitsstellung zu bugsieren, richtete sich der Cremefarbene im nächsten Moment jedoch bereits wieder auf und neigte den Kopf ein wenig zur Seite.
“Spaß beiseite, willst du nun rüber zu den beiden, oder nicht?“
Er ließ ihr die Wahl, obgleich er sich selbst doch eine Antwort wünschte, die doch im geheimen blieb. Der Gedanke an Akhuna war eben doch leider nicht in so weite Ferne gerutscht, wie er selbst es sich gewünscht hatte. Nein, im Gegenteil, er war so nah wie zu jeder Tag und Nachtzeit auch.
[Sumpf | Amáya]
18.05.2012, 10:38
Dieses Mal enttäuschte es ihn nicht mal, dass seine Kombinationsgabe falsch kombiniert hatte, sondern lauschte wieder aufmerksam, um zu verstehen, wie es richtig aussah. Der Sumpf war hier also dafür verantwortlich, dass es hier angenehm warm war an manchen Stellen, denn das sah der junge Rote wirklich als Positives an diesem matschigen, stickigen Ort. Also viel mehr nannte Hilel Dinge, die sie nicht sehen konnten – sie sprach von einem unterirdischen Strom. Also war hier ein Fluss unter dem Sumpf? Ein warmer Fluss unter der Erde? Das war ja unglaublich spannend! Aber noch spannender war die Vorstellung die Sonne mit der Nase zu berühren. Er versuchte, sich alles zu merken, was er gerade erfuhr und speicherte die Information, dass Orte unterschiedlich nah zur Sonne waren, behutsam in seinem Gedächtnis ab. Zumindest versuchte er es, denn groß Einfluss hatte man da ja nicht drauf. Auch das Wort Jahreszeiten hörte er – wie er glaubte – zum ersten Mal, doch was der Winter war, wusste er. Hinzu kam nun noch die Bezeichnung ‚Sommer‘ und ließ den jungen Wolf neugierig die Nase recken. Sie wusste so viel! Die Vorstellung von Orten, an denen es kaum Pflanzen gab, weil es entweder zu warm oder zu kalt war, weckte seine Abenteuerlust und er malte sich aus, wie das wohl aussehen mochte. Er kam allerdings schnell zu dem Schluss, dass es nicht unbedingt schön sein konnte – da war doch alles leer! Und letztendlich kam sie zum letzten Punkt, bei dem die kleinen Ohren noch ein Stück nach vorne schnellten, um ja kein Wort zu verpassen. Leider jedoch wurde seine Hoffnung enttäuscht, doch das war nun gar nicht mehr so schlimm. Wenn es Orte gab, an dem die Sonne so nah war, dass sie die Pflanzen verbrannte, dann wollte er sie gar nicht mehr berühren. Dann würde er sich ja auch verbrennen!
„Deine Mutter weiß viel. Und du auch.“, meinte er schließlich mit einem ehrlichen Lächeln und dankte ihr so, dass sie ihm das alles erzählte. „Meine Mutter weiß auch viel, aber von der Sonne hat sie mir noch nicht erzählt. Kommst du also aus einem Winterland? Sind warme Sommerländer weit entfernt? Ich finde es ja manchmal ein bisschen kalt.“ Er schnippte kurz nachdenklich mit den Ohren, doch schnell verlor sich dieser Ausdruck wieder und wich einem neugierigen, aber auch etwas niedergeschlagenen Funkeln. „Heißt das, dass auch die Sterne sterben müssen?“
Die Aussage, dass es wärmer war, wenn die Sonne hoch am Himmel stand, wollte für ihn zwar keinen Sinn machen, weil sie doch viel näher war, wenn es dämmerte, doch er akzeptierte diese Ungereimtheit einfach und glaubte der Schwarzen. Wenn sie das sagte, dann war es sicherlich so, obschon er etwas skeptisch war. Aber er wurde ohnehin davon abgehalten, weiter darüber nachzudenken, denn die nächste Frage, die Hilel nun an ihn richtete, ermöglichte es ihm, ihr ein paar Sorgen zu nehmen – so dachte er zumindest.
„Natürlich, sie wachen über uns alle. Und wir halten sie mit Geschichten am leben, so, wie wir auch Oma Banshee hier am Leben halten. Aber das ändert nichts daran, dass sie da sind, auch wenn wir sie nicht sehen können. Weißt du, Hilel. Wir können sie vielleicht nicht sehen, nicht immer zumindest, aber manchmal kann man sie ganz deutlich fühlen. Und dann weiß man, dass sie da sind.“, erklärte er zuversichtlich.
Er erinnerte sich daran, dass Atalya mal gesagt hatte, dass sie Fenris sehen könnte, auch, wenn er daran noch immer zweifelte. Dennoch musste er es der Dunklen vor ihm so sagen, denn vielleicht war ja doch was dran. In erster Linie dachte er allerdings an das einzigartige Gefühl, was ihn im Trauerweidenhain erfüllt hatte, als er mit Tyraleen Banshee und Acollon besucht hatte. Sie waren zwar nicht sichtbar gewesen, doch ihre Anwesenheit hatte er deutlich in seinem kleinen Herzen gespürt. Und wenn Hilel das auch spüren würde, dann würde sie an sie glauben, oder? Diese jedoch versuchte nun zuerst, ihm ein Versprechen abzuringen. Er stellte die Ohren und sah sie verwundert an, fühlte sich gleichzeitig aber unglaublich geehrt und stolz. Sie wollte, dass er ihr die Geschichten erzählte, obwohl er das lange nicht so gut konnte wie die Alpha, seine Eltern oder seine Oma. Voller Begeisterung und fast ungläubig sah er mit strahlenden Seelenspiegeln zu ihr auf, senkte den Blick kurz zu der Pfote, die sie ihm schließlich hinhielt und erwiderte dann wieder ihren Blick, ehe er langsam den eigenen schlammigen Lauf hob, um ihr Versprechen zu besiedeln. Wie glücklich sie ihn damit machte, konnte sie sich sicherlich nicht einmal ansatzweise vorstellen.
„Abgemacht!“
Dass hier nicht der richtige Ort für Geschichten war – darin schienen sie sich ja einig zu sein, doch der junge Wolf freute sich darauf, dass somit auch gleich abgemacht war, dass sie nicht weiterhin allein am Rande des Rudels sein würde. Er würde wieder zu ihr kommen dürfen und vielleicht würde er ihr ja das Gefühl nehmen können, dass sie sich fremd fühlte. Er nahm es sich auf jeden Fall ganz fest vor! Dieser Wille steckte auch in seinen nächsten Worten, seinen Fragen, die er nur ganz vorsichtig aussprach, als vermutete er, er könnte damit das kaputt machen, was sie soeben in der kurzen Zeit aufgebaut hatten. Dass man mit ihr vorsichtig umgehen musste, hatte er längst, wenn auch nur unbewusst, gemerkt und gab sich diesbezüglich auch alle Mühe. Offenbar nicht genug, denn kaum hatte er seine Schnauze sanft in ihre Richtung gestreckt, schreckte sie zurück. Isaí selbst wich seinerseits erschrocken zurück und machte sich überrascht etwas kleiner als er war, während er seine Ohren dicht an den Kopf legte. Das hatte er nicht gewollt und damit gerechnet hatte er auch auf keinster Weise. Schuldbewusst sah er zu ihr hinauf und hielt ihrem Blick stand und unterdrückte dabei ein verwirrtes, entschuldigendes Winseln. Kurze Zeit schien zu vergehen, in der sich weder die Wölfin noch der Welpe wirklich rührte, ehe sie den ersten Schritt machte und Isaí fast schon instinktiv zurückweichen wollte, um sie nicht noch mal zu erschrecken. Doch er blieb stehen, spielte unsicher mit den Ohren. Nun wirkte sie gar nicht mehr glücklich und der Rote fühlte sich dafür verantwortlich. Erst, als um Entschuldigung bat, löste sich auch seine Starre wieder und er richtete sich zögerlich wieder auf, während seinem Blick noch immer etwas Entschuldigendes innewohnte.
„Ich wollte dich nicht erschrecken. Das tut mir leid.“, murmelte er leise und senkte schuldbewusst das Haupt.
Was sie mit ‚Schwäche‘ meinte, wusste er nicht, aber er glaubte nicht, dass es nun gut war, danach zu fragen. Manches konnte man eben nicht immer wissen und musste akzeptieren, dass man es später oder vielleicht auch nie erfahren würde. Er verfolgte ihre zögerliche Bewegung mit den Seelenspiegeln und spürte schließlich, dass auch sie ihn sanft an der Seite berührte. Seine Rute begann erneut zu pendeln, während er erneut den Kopf zur Seite neigte und ihre Schnauze mit dem eigenen Fang leicht berührte. Es war nur ein Zeichen mehr dafür, dass man unglaublich vorsichtig mit ihr umgehen musste. Aber Isaí fühlte sich in der Lage dazu. Ja! Das würde schon werden, wenn sie es ihm nicht übel nahm, dass er sie erschreckt hatte. Seine zweite Bewegung war noch vorsichtiger gewesen als die erste schon, doch er hatte ihre Reaktion auf seinen ersten Versuch gekannt – er hatte sie doch auf keinen Fall nochmal erschrecken wollen.
18.05.2012, 20:42
Diese Worte kamen mit einer Inbrunst aus der Fähe hervor geschossen, dass sie den kleinen Rüden gar verwundern könnten. Immerhin sollte dies wohl ihr stärkster Gefühlsausbruch gewesen sein. In ihrem blauen Auge lag ein unverschleierter Glanz, der von der bitteren Wahrheit dieser Worte sprach. Sie hatte ihre Bedeutung am eigenen Leib erfahren und sie wusste, dass es dennoch gut war ihren Weg bis hierhin beschritten zu haben. Ihre Pfoten hatten sie unendlich weit getragen, waren jeder Last entgegen geschritten und nie würde sie von ihrem Weg abweichen. Obgleich sie diese Zielstrebigkeit in sich spürte, wollte sie niemals den Wunsch in seinem neugierigen Herzen wecken ein neues Zuhause zu suchen. Denn auch wenn sie sich mit diesen Ritualen und Gewohnheiten jener Wölfe in dem Tal nicht identifizieren konnte, so wusste sie es mit klarer Bestimmtheit, dass er es konnte und das dies hier sein Leben sein sollte, egal wie viel Fernweh er je in seiner Brust verspürte. Vielleicht würde irgendwann ein Morgen einbrechen, wie jenen den es bei ihr gab, dies allerdings war etwas anders. All dies würde bei ihm noch in ferner Zukunft liegen. In einer Zukunft die nicht für ihn bestimmt war.
Seine Frage löste bei ihr ein leichtes Wackeln der Ohren aus. Konnten Sterne sterben? Seine Frage war so niedlich wie kindlich gestellt und ließ die Schwarze seicht Schmunzeln. Es war die Naivität einer jungen Seele, die noch so wenig von dieser Welt gesehen hatte und dies war es doch, was Hilel in jenen gemeinsamen Momenten mit Isaí betörte. Er war frei von den weltlichen Sünden. Jedenfalls erschien es ihr so und in ihrem Glauben wollte sie diesen Gedanken festhalten. Er ließ sie friedfertig werden und sanftmütig wie eine junge Fähe es sein sollte. Vielleicht war es auch anders. Vielleicht lag in ihm die Bedrohung wie in jedem der Anderen. Sicherlich würde in seiner Seele tief verborgen dieser Keimling ruhen, bis er aufbrach und seine Wurzeln schlug. Geifernd und mit starken Widerhaken, auf dass ein Entfernen nur schwer möglich werden sollte. Das Ebenbild dieser Welt mit ihren Freveln. Ein falsches Wort, eine falsche Tat und keiner konnte ahnen was aus dem Gegenüber zu werden vermochte. Doch noch spross die Saat nicht, da war sie sich sicher und so verwarf sie eigensinnig den bedrohlichen Gedanken, der in ihr Argwohn sähen wollte. Ein leichtes Kopfnicken tat sie zu ihrem wohl gesonnenem Geistesgut und gab zeitgleich eine durchaus passende Antwort dem fragenden Welpen.
"Irgendwann müssen auch sie gehen, wenn ihr Licht sie nicht mehr erhellen kann, dann fallen sie wie Steine vom Himmel. Aber noch nie habe ich einen Stern gefunden. Nur den silbrigen Schweif am Horizont erblickt, wenn er von seinem Untergang kund tat und uns verlassen hat...Jedes Dasein ist dazu bestimmt irgendwann zu vergehen. Ohne den Tod gibt es auch kein Leben. Wie auch anders rum. Dies haben euch eure Götter sicherlich auch gelehrt. Das Gleichgewicht von Leben und Tod muss bestehen..."
Die Schwarze glitt in nachdenklicher Stille bei ihren Worten. War dies nicht die Botschaft die der frühzeitige Einbruch des Winters vermitteln sollte. Sollte nicht die Waage zwischen Leben und Tod, oder auch Fenris und Engaya ungleich gewesen sein? War dies der Glauben, den die Wölfe hier hegten und pflegten wie ein Schatz ihrer eigenen Geschichte? Hilel hielt ihren Kopf in fragender Schräge, als könne der Rötliche ihren Gedankengang verstehen und ihr die passende Antwort erteilen. Seine darauf folgenden Worte glichen wahrlich ihren Überlegungen und erklärten ein Stück, was sie vermutete. Die Erwähnung seiner Ahnin war es, die für sie besonderer Bedeutung war. Es klang als würden sie wahrlich nur ihrer Vergangenheit einem tieferen Sinn geben. Aus normalen Wölfen wurden Geister, Schatten oder auch Götter?! Waren es einfach nur alte verblichene Toten, in ihren Erzählungen und Gedanken am Leben gehalten um ihrer zu ehren und aus ihnen Kraft wie Hoffnung für jede Katastrophe zu ziehen. Möglicherweise war das der Sinn eines Glaubens und jedem Beten. Eine Form von seelischen Balsam, der unbekannte und unerklärbare Ereignisse zu Wundern erhob, die anerkennen zu waren. Jedes Schaudern und Zweifeln der Ungläubigkeit der unheilvollen Ketzerei verschrieben. Ein kritisches Schnaufen entwich ihr. Zu wissen das etwas sei, ohne es zu sehen und ohne die Gewissheit. Nur allein aufgrund von einem fühlen, wie ein Nebenschleier durch den einen die Pfoten trug oder wie ein warmer Atemzug der einem im Nacken wehte? Tröstlich, die Einigkeit im Geiste.
Er würde ihr mehr berichten, so stand es nun fest! Ihr aufgetauter Blick senkte sich von seinem Seelenspiegel zu ihren gemeinsamen verschmierten Pfoten. Ein leises Matschen ertönte, als er seine zierliche Pranke erhob und auf ihrem schlickigen Fell niederließ. Die angewinkelten Läufe beendeten das kleine Ritual ihrer. Es war ein Siegel zu ihrer Übereinkunft und ihrem momentan Geheimnis ihrer Einigkeit. Wieder zierte ein Hauch eines Lächelns die Fähe. Er war ein verfluchter Bengel. Immer wieder trieb er die Schwarze zu solchen Gesten und Mimiken und verdammt, sie genoss seine Nähe wahrlich. Langsam und bedächtig pendelte ihre Rute über den matschigen Erdboden, auf den sich immer noch keiner von ihnen niedergelassen hatte. Wären sie an einem anderen Ort, da war sie sich sicher, hätte sie sich längst zurück sinken lassen, vielleicht gar gänzlich auf den Boden gebettet. Zwischen weichem Gras und trockenwarmer Erde mit ihrem lebendigen Geruch, der nicht nur von Tod und Verfall sprach.
Danach...Einen Wimperschlag stand alles auf der Kippe, wackelte bedrohlich und hielt sich nur knapp in der Schwebe, die dieses zerbrechliche Band zwischen den beiden vorm Zerbersten bewahrte. Sie hielt inne und er bewahrte seine Zweifel und Verwirrung in sich. Kein Ton entwich seiner Kehle, während er sich zurückzog und zu einem unwürdigen Bündel Fell schrumpfte. Sein Kleinmut war so sichtbar wie der Zorn auf ihrer selbst. Seufzend senkte sie die Ohren, und wartete auf seine Reaktion. Kein anderer würde wie Hilel verstehen, wenn er auf ihren weiteren Versuch mit abwertender Abweisung reagieren würde. Ihr Stolz würde in seiner Situation keinen anderen Ausweg dulden, als zu verneinen wonach sich ihr Herz zu sehnen glaubte. Es war einerlei, welche Gefühlsregung empfunden wurde, stand sie dem eigenem Selbst im Wege oder auch nur dem, was man zum Schein sein wollte. Daher bangte die Fähe in den wenigen Sekunden, in denen er zwischen Ausweichen und Erwidern zauderte, nachdem sie ihre eigene Schnauze in seine Richtung gereckt hatte. Abwartend schloss sie ihre Augen und ihren verschiedenen Blick, den andere bedrohlich und unheilsvoll empfanden. Isaí nahm ihn aber ohne weitere Fragen hin und erkannte ihn als ein Teil ihrer. Es war eine Laune der Natur oder auch ein hässliches Merkmal eines Kampfes. Für ihn schien es gleich. Der junge Rüde ließ sich nicht wie jene, die sich ausgewachsen schimpften, von alte Überbleibseln abschrecken. Während sie Gewissenbisse plagte ihn mit ihrem Schrecken abgewiesen zu haben und vielleicht gar vertrieben, spürte sie seicht seine Wärme an ihrer Haut. Sein Fell stach durch ihren Pelz und kitzelte ihre feinen Sinne am Fang. Zum zweiten Male an diesem Tag fing ihre Rute seiner wegen leicht an zu wedeln und fegte wie ein Blatt im Wind an ihrem Leib. Schnell zog sie ihr Maul wieder fort, als könnte sie sich an der kurzen Nähe verbrennen und schlug die Augen wieder auf. Der eisige Frost lag in einem davon. Klar und ungetrübt stand dort eine Erkenntnis nieder geschrieben. Die achtsame Fähe zog sich wieder in genehmen Abstand zu ihm zurück und nickte dem Welpen zur Bestätigung seiner Worte zu. Sie glaubte ihm, er wollte es nicht und dies war gewiss. Es war ein delikates und fragiles Spiel, welches die beiden versuchten. Freilich. Aber sie hatten eine Chance es zu gewinnen. Dort gab es diesen kleinen Funken an Hoffnung, der in ihr entfacht wurde und sie innerlich wärmte. Nie, niemals hätte diese Fähe je vermutet das ein Welpe solch eine Genugtuung sein konnte. Ein Ausgleich zu all der Bosheit die auf Erden wandelte. War dies der Grund, weshalb jedes Tier seine Nachkommen bis zu dem bitteren Tod beschützte? Um dieses einzigartige Gut zu wahren, obgleich es sich irgendwann verlieren würde und nichts bleiben würde als die bedauerliche Wiederholung diese Vorganges? Gab es solch junge Seelen, die bereits als verdorben bezeichnet wurden oder waren sie alle so rein und sanft wie die seine? Ein Herz für andere Herzen bestimmt. Ohne einen festen Bezug zu einander zu haben, empfand sie Stolz auf seine Reinheit und hoffte vergebens sie würde nie befleckt werden.
"Du bist ein guter Wolf...Ich erfreue mich deiner Nähe."
[Beim Rudel | redet mit Isaí]
18.05.2012, 20:54
“Wenn es so wäre, wäre es schlimm?“
fragte sie mit ernster Miene. Sie wusste nicht ob sie bereit dazu war ihre Gedanken preiszugeben. Oder vielmehr sie vor Caylee preiszugeben. Sie zweifelte, ja. Sie zweifelte daran ob die Entscheidungen die, die Götter trafen richtig waren. Sie zweifelte an dem handeln der Götter und vor allem verstand sie es nicht. Niemand verstand es...doch sie wollte es verstehen. Sie wollte das Leben verstehen mit allen Tücken und Macken. Es quälte sie...weil sie nicht verstand. Sie war noch jung und hatte auf ihrer Reise viel Wissen erlangt und war immer noch so unwissend. Wieder waren ihre Gedanken bei einem Thema was sie störte und sie fühlte sich plötzlich unwohl. Obwohl Caylee ihre Schwester war, oder gerade deswegen konnte sie, sie nicht richtig einschätzen.
“Ich verstehe die Götter nicht. Und ganz ehrlich...wer sagt das nicht auch Götter Fehler machen können? Und wenn dem so sein sollte will ich lieber an der Existenz des Schicksals zweifeln, anstatt die Gefahr einzugehen das die Götter ausgerechnet bei meinem einen Fehler begangen haben könnten.“
kam es plötzlich relativ aggressiv von ihr. Dann drehte sie sich um und ging einige Schritte weg.
“Damit hast du nicht gerechnet, oder Caylee. Ich die kleine ängstliche Amúr wagt es die Götter in gewisser Art und Weise anzuzweifeln. Ja, ich... Aber vielleicht hilft mir das ja das Leben zu verstehen.“
sagte sie ohne den beiden den Blick zuzuwenden. Erst nahc diesen Worten drehte sie den Kopf und sagte
“Ich werde euch nun verlassen. Parveen ich wünsche dir viel glück mit Caylee und viel Spaß. Bei unserem nächsten Gespräch kannst du mir ja mal deinen Meinung zu den Göttern mitteilen Caylee.“
meinet sie dann, ehe sie losging. Sie würde sich zurückziehen, das wusste sie schon jetzt. Würde wohl seltener beim Rudel auftauchen zumindest vorerst. Sie würde ihren Lieblingsort, den Steinwald aufsuchen. Ein friedlicher Ort. Voller Ruhe, sogar für Amúr.
[ABSCHIEDPOST (Caylee und Parveen| verlässt die Gruppe)]
19.05.2012, 14:56
„Es geht mir gut, danke Madoc. Ich hoffe doch dir auch, wir haben viel zu lange nicht miteinander gesprochen“
Ihre Worte waren aufrichtig, denn sie genoss die Gespräche mit dem großen Rüden sehr, vielleicht ein wenig zu sehr, wenn man bedachte, dass er doch der beste Freund ihrer Schwester war. Und obwohl ihr Herz schwach und kaum merkbar höher zu schlagen begann, während sich ihre Blicke trafen, wandte sie ihn ab, diesmal dem Rudel zu, wobei sie einen Blick über ihren Rücken warf, wo sie Isaí entdeckte, der bei Hliel verweilte.
„Wie Recht du hast – und nicht nur für die Welpen“, ein kurzer Schauder durchlief sie, als der modrig riechenden Wind durch ihr Fell fuhr und sie schüttelte sich um das Gefühl der Unreinheit und des Ekels loszuwerden. „Ich bin froh diesen Ort nie allein aufgesucht zu haben, denn selbst jetzt, wo wir alle zusammen hier sind, ist er furchteinflößend und wirkt bedrohlich, selbst der Wind wirkt fremd. Ich bin froh, wenn wir alle heil wieder hier herauskommen“
Tatsächlich begann sie sich allmählich vor diesem Moor zu fürchten und ihr Respekt vor diesem Gebiet wuchs von Augenblick zu Augenblick mehr, denn es wirkte unergründlich in seiner Vielfalt und allein sein bedrohliches Gluckern ließ sie vermuten wie gierig es wahrscheinlich gern mal nach einem ihrer Artgenossen langte und ihn nicht wieder freigab. Ihre Ohren spielten nervös im leichten Windzug und ihr Blick richtete sich wieder auf den Sumpf vor ihr, der schauerlich ruhig und vermeintlich friedlich dalag.
19.05.2012, 19:07
Der Gedanke daran, einen Ort zu suchen, an dem es wärmer war, hatte tatsächlich noch nicht in seinem Kopf zu keimen begonnen. Hier war seine Heimat und sein Herz war an jeden Wolf dieses Rudels gebunden. Es war nicht bloß das Versprechen, welches er Tyraleen damals gegeben hatte, als diese um ihre Eltern getrauert hatte, nein, es war einfach dieses einfache, reine Gefühl, hierher zu gehören. Noch hatte dieser Boden keinem Keim von Zweifeln erlaubt, Wurzeln zu ziehen und ob dies in Zukunft je so sein würde, war noch ungewiss. Vielleicht würde es auch nie dazu kommen und sein Herz würde sich all die Zeit damit zufrieden geben, seinen Platz gefunden zu haben, egal, was passieren würde. Und doch war es genauso möglich, dass irgendwann der Tag kommen würde, an dem es ihn fortzog, fort in die Welt und ihn die Abenteuer rufen würden, die dort draußen warteten. Ähnlich wie Hilel würde er dann auf die Suche nach einem neuen Ort gehen, der ihm ähnlich wie dieser hier eine Heimat sein würde, bloß um festzustellen, dass – ganz, wie die Dunkle es gesagt hatte – kein solcher irgendwo existierte. Für ihn gab es nur dieses Tal, nur diese Wölfe und so selbstverständlich es für ihn auch gewesen war, dass sie alle hierher gehörten – die Worte der Fähe hatten ihm auf merkwürdige Weise bewusst gemacht, dass es allen nicht gleich ging. Es war noch schwer für ihn, wirklich zu verstehen, was es hieß, sich fremd zu fühlen, kannte er dieses Gefühl doch überhaupt nicht, doch nach und nach wurde ihm bewusst, dass sich die Wölfin nicht so fühlte, wie er es in dieser Runde tat. Hieß das, dass sie wieder fort wollte, weil sie hier fror? Dabei waren sie doch sicherlich näher an der Sonne als dort, wo sie herkam und das war doch ihr Ziel gewesen, oder? Er grübelte, wie er ihr diese Kälte nehmen konnte, doch kein grüner Zweig wollte sich ihm auftun. Besonders, nachdem die einzige Geste, die er diesbezüglich kennengelernt hatte, so sehr fehlgeschlagen war.
Wenn ihm kalt war, hatten ihm immer die anderen Wölfe beigestanden. Sie waren ihm nahe gewesen und er hatte sich in ihr wärmendes Fell kuscheln können oder einfach bloß eine Berührung genießen, die ihm die Wärme bis tief unters Fell jagte. Er erinnerte sich an das eigenartige, warme Gefühl, als sie die Höhle erstmals verlassen hatten und Tyraleen sie im Rudel willkommengehießen hatte. Kannte Hilel diese Wärme auch? War es die Wärme, von der sie gesprochen hatte, die einem nur die Heimat und die Familie geben konnte? Schreckte sie deshalb so sehr davor zurück, weil es ihr fremd und unbekannt geworden war? Der junge Wolf hatte im ersten Moment gedacht, er hätte ihr weh getan, obwohl seine Berührung doch so sanft gewesen war. Genau deshalb auch hatte er den Gedanken schnell verworfen und daran festgehalten, dass es wohl doch sein musste, weil sie diese Wärme nicht mehr kannte. Besonders nach ihrem abgeschlossenen Packt, nach dem Versprechen, das sie nun verband, fühlte er sich diesbezüglich irgendwie wackelig. Sollte diese kleine Bewegung alles kaputt machen; diese kleine Geste, die er genießen konnte, während es für sie wie ein Schreck, wie etwas Unwillkommenes war? Doch auch, wenn sie dies unterschied, so schien keiner der beiden – weder die ältere junge Wölfin noch der Welpe – schienen es darauf beruhen zu lassen. Vorsichtig schob die Dunkle ihren Fang in seine Richtung und Isaí erwiderte die Geste, wenn auch wesentlich zögerlicher und zaghafter als zuvor. Doch es hatte ihm klar gemacht, dass Hilel anders war als die anderen. Mit ihr musste man vorsichtiger umgehen, sanfter und aufmerksamer, als er es von den anderen Wölfen kannte, mit denen er Umgang hatte. Keiner war zuvor vor ihm zurückgeschreckt und auch, wenn es ihn noch immer verunsicherte im Umgang mit der Schwarzen, so fragte er sich nicht, warum. Nein, er glaubte, es bereits verstanden zu haben, nachdem, was sie ihm anvertraut hatte und auch, wenn er nicht verstehen konnte, wie viel dies bereits bedeutete, so nahm er sich fest vor, vorsichtig mit ihr umzugehen. Er akzeptierte, dass sie der Nähe, die er so sehr schätzte, nicht viel abgewinnen konnte, ja, dass sie sie gar verschreckte, doch das stand noch lange nicht zwischen ihnen. Er kannte es von seiner Schwester, auch, wenn Hilel ihn noch lange nicht so verunsicherte, wie es Tinca tat. Sie ähnelte ihr, zumindest, was die Nähe anbelangte, doch im Rest unterschied sie sich wieder von seiner kleinen, scheuen Schwester. Die Berührung, die sie ihm dann doch gewährte nahm ihm die Angst und auch, wenn seine Ohren weiterhin unsicher zurückgedreht waren, so begann seine Rute doch wieder zu pendeln. Mit einer langsamen Bewegung stellten sich auch seine Ohren wieder auf, als ihre ehrenden Worte an seine Lauscher drangen. Er nahm es als Antwort auf seine vorherige Aussage – als Erwiderung seiner Worte, dass er sie mochte.
„Danke.“, sprach er schließlich mit welpenhafter Einfachheit und schenkte ihr wieder ein vorsichtiges Lächeln.
Am liebsten hätte er sie nun erneut freudig angestupst, doch nachdem er nun gemerkt hatte, dass es der Wölfin nicht so geheuer war, beließ er es bei einem freundlichen Rutenpendeln und grübelte schließlich, ob er die vorherigen Themen wieder aufnehmen sollte. Doch er wollte nicht nachfragen, ob Hilel fror – er fürchtete, dass sie dann niedergeschlagen sein würde, wenn er sie darauf ansprach und das wollte er nicht, weshalb er hoffte, dass sie nicht weiter daran denken würde, wenn sie es nun erst einmal beiseiteschoben. Er hoffte, dass dieser Ort für sie auch so werden konnte, wie er für ihn war – eine Heimat. Stattdessen also nahm er sich lieber die Sache mit den Sternen und dem Gleichgewicht vor, überlegte kurz noch einmal, was sie genau gesagt hatte und begann schließlich, erneut darüber nachzudenken.
„Und siehst du? Du weißt doch schon was über Fenris und Engaya. Du hast Recht. Wenn kein Gleichgewicht zwischen Tod und Leben besteht, dann passiert Chaos. Und wahrscheinlich würde auch Chaos am Himmel passieren, wenn keine Sterne sterben würden und Chaos ist nichts Schönes. Nicht so schön jedenfalls, wie der Sternenhimmel, glaube ich.“
Er hatte noch nie ein Chaos gesehen und deshalb blieb ihm nicht mehr als vermuten. Hilel bekam nun wieder einen zuversichtlichen Blick geschenkt und Isaí nickte fast schon überzeugt.
„Vielleicht finden wir ja mal einen Stern und dann können wir ihm ein Grab bauen wie da, wo du herkommst und ihm die letzte Ehre erweisen. Dann freut er sich sicher in den ewigen Hallen.“
20.05.2012, 17:43
Tatsächlich sagte der Weiße nun etwas, womit Averic nicht gerechnet hatte. Verraten tat dies einzig ein kurzes Glimmen in seinen Augen; kurz zuvor war sein Interesse an diesem Wolf fast schon wieder erloschen, aber nun interessierte es ihn in der Tat doch sehr, wer dieser Fremde war.
„Eine tote Nase, aber ein wacher Geist. Glückwunsch, das erkennen nicht viele von selbst.“
Der Weiße mochte ihn nicht kennen, aber man musste das in der Tat schon als ein großes Lob von Seiten Averics nennen, wenn es auch etwas verpackt war. Ungläubige erkannten ihn nicht und auch von jenen, die sich Gläubige schimpften, waren die meisten doch zu stumpf und zu blind um die Präsenzen der Götterkinder wahrzunehmen. Er erinnerte sich nicht, dass jemals ein Fremdling Tyraleen oder ihn auf anhieb enttarnt hätte. Seiner Aura nach zu Urteilen musste er einen wahren Fenriswolf vor sich haben. Und als der Fremde sich dann endlich vorstellte, kam Averic nicht umhin kurz die Augen zu verengen, als Ansem ein bestimmtes Detail erwähnte. Er kam aus dem Tal der Raben. Welch Zufall. Der Pechschwarze spürte, wie sich wieder ein etwas bitterer Geschmack auf seiner Zunge ausbreitete und der Schlag seines Herzens dumpfer wurde. Das ließ nicht viele Möglichkeiten offen, warum Fenris sie zueinander geführt hatte. Nein, bedachte man den Umstand dass er bald dieses Tal aufsuchen sollte, wo er nie zuvor gewesen war und Ansem von dort stammte, dann ließ das nur einen einzigen Rückschluss zu. Auch wenn Fenris sich scheinbar nicht die Mühe gemacht hatte, dem Fremden zu verraten, warum er ihn hier hergeschickt hatte. Allerdings war Averic auch nicht bekannt, dass sein Gott überhaupt engeren Kontakt zu normalsterblichen Wölfen suchte. Gewissermaßen war er als Todessohn da privilegiert.
„Mein Name ist Averic. Du kommst aus dem Tal der Raben, sagst du? Doch, dann weiß ich vielleicht ein wenig mehr. Zufälliger Weise hat mir Fenris aufgetragen, diesen Ort in nächster Zeit aufzusuchen.“
[ Sumpf | Ansem ]
20.05.2012, 18:14
„Du hältst einen stinkenden Sumpf, der bisher niemandem etwas getan hat, also für vergleichbar mit all diesen Abnormalitäten? Beispielsweise dem Nichts, das Wölfe für immer verschluckt und unser Tal fast ausgelöscht hätte?“
Er ignorierte die „Drohung“ des Schwarzen an seine Schwester und hoffte, dass sie es ihm gleich tat und sich von dem Jungwolf weder reizen, noch ihn überhaupt ernstnehmen würde. Erst als Krolock näher an ihn heran trat und langsam wirklich zu weit ging, spannte Chardím seine Haltung aufmerksam an und hob demonstrativ die Rute, um dem Schwarzen deutlich zu machen, dass er sich weder von ihm einschüchtern ließ, noch so mit sich umspringen lassen würde. Dennoch lächelte er erneut, wenn auch spöttisch dieses Mal.
„Bist du nicht noch etwas zu jung, um schon einen Todeswunsch zu verspüren?“
Die dunkelblauen Augen, in denen inzwischen deutlich geringere Bernsteinanteile waberten, ließen nicht von den Hellblauen seines Gegenüber ab. Er hatte keine Angst vor diesem armen Verrückten mit schwerer Kindheit. Als sich der Gleichaltrige wieder an Atalya wandte, rollte Chardím mit den Augen und seufzte in bedauerndem Ton.
„Krolock, du bist nur ein dummer, bemitleidenswerter Wolf, der nichts versteht, weil er in seiner grenzenlosen Wut überhaupt nichts verstehen will.“
[ Sumpf | Atalya, Krolock ]
22.05.2012, 10:53
"Dann lass es uns versuchen."
Parveen war unsicher, wie das von statten gehen sollte. Sie kam sich ein wenig… komisch vor. Vor ihr stand ihre Nichte, eine Wölfin die über zwei Jahre jünger war als sie. In der Schwarzen regte sich etwas. Ein kleiner Teil des alten Stolzes, des Selbstbewusstseins. Dann kam das Bewusstsein, dass es eigentlich sie sein sollte, die so vor einer anderen Wölfin stand, zumindest wenn es ihre Nichte war.
In den blauen Augen entflammte ein kleiner Funken und mit erhobenem Kopf stellte sie sich neben die Weiße. Selbst das Fell an ihrem Nacken stellte sich vor leichter Erregung auf und sie konnte nicht umhin zu gestehen, dass es ein gutes Gefühl war.
Ein Glucksen kam aus ihrer Kehle, als sie nach unten zu Caylee blickte. Ja, sie blickte nach unten, denn sie war ein ganzes Stück größer als die junge Wölfin. Sie wollte nicht spottend wirken, aber ihr wurde wieder ein Stück bewusst, wer sie war. Zwar würde sie an geistiger Stärke wahrscheinlich nie mit der Wölfin mit den Sternaugen mithalten können, aber körperlich war es Parveen, die überlegen war.
Kurz streckte sie die Nase in den Wind. Das hatte sie früher oft gemacht, aber nun bereute sie diese Entscheidung fast augenblicklich. Keine frische Brise wehte um ihre Schnauze… Vielmehr der modernde Gestank des Sumpfes. Parveen verzog die Lefzen. Was für ein schöner Ort für eine Unterrichtsstunde. Aufmerksam schaute sie wieder zu Caylee.
"Was meinst du? Kann sich meine Lehrerin mit dieser Körperhaltung anfreunden?"
Sie war gespannt, wie Caylee reagieren würde. Immerhin würde sie sich damit anfreunden müssen, dass ihre Tante nicht mehr total das verwundete Kaninchen war. Aber war das nicht auch das Ziel des Ganzen? Bestimmt würde ihr der Titel als Lehrerin gefallen. Und das war sie im Moment ja auch. Parveen hatte sich darauf eingelassen und wartete gespannt, was die Weiße noch so mit ihr vor haben würde.
23.05.2012, 22:30
Keine Lichtblicke.
Nur Finsternis.
Ein wenig beruhigt durch die spirituelle Dunkelheit, die sie wieder um sich spürte, ließ sie von dem Gedanken ab. Sie wusste schon längst, dass ihr Schiksalsweg unveränderbar war. Er war zwar nicht vorbestimmt, nein, das verstand sie nicht unter Schiksal. Amáya würde sich am Ende doch nur selbst immer im Weg sein, so wie es jetzt bis immer gewesen war. Es sollte sich nicht ändern, das wäre nicht realistisch. Es war ein 'wenn' und für sie gab es diese nicht.
"Du kannst mich ja tragen, wenn es dir so beliebt.", meinte sie ruhig und das Blau ihrer Augen blitzte ein wenig listig auf. "Eine Königsschwester trägt man doch auf einer Sänfte, hm?", damit spielte sie auf seinen Kommentar über ihre Fam - nein ! - Abstammung an.
"Ich weiß nicht - was meinst du denn? Möchte ich hinüber? Möchte ich nicht?", sie blickte den Jüngeren herausfordernd an, ihren schmalen Kopf leicht schiefgelegt.
Ja, sie hatte Gefallen an ihm gefunden. Seltsam, dieses Gefühl. Jemand war ihr sympathisch. Wow. Sie war beeindruckt von sich selbst. Aber Fortschritte? Nein, nein. Das war eine ganz andere Liga, eine Liga, in der sie nie spielen würde. Trotzdem war es etwas Neues, dass sie sogar etwas ähnliches wie Freude an dem Gespräch fand. Es war nicht zu vergleichen mit einem Gespräch mit Tyraleen oder Kirov... Äh?! Hatte sie gerade Kirov in einem Atemzug mit Tyraleen genannt? Oh, heiliger Fenris. Das konnte ja noch mal was werden. Trotzdem musste sie zugeben, dass die Worte, die der Graue und sie gewechselt hatten, sie nachdenklich gemacht hatten und immer noch beschäftigten. Fenris weiß warum, aber es war so. Über Glocken und Regen hatten sie gesprochen. Über Grinsebacken und Geheimnisse. Ja. Sie war wieder abgeschweift und wandte deswegen ihre Aufmerksamkeit wieder dem jungen Exoten zu.
"Wahrscheinlich bin sogar ich diejenige, die sie vergrault. Heute ist Ausnahmezustand, schätze dich glücklich.", antwortete sie ein wenig trockener als zuvor, trotzdem nicht unfreundlich. Eben nur simpler Sarkasmus. Die Nachtschwarze beobachtete die kleine Schauspiellerei des Beigefarbenen und schüttelte den Kopf leicht. "Ich bin die böse Hexe, weißt du? Die Abtrünnige. Ich bin das Moormonster, welches diejenige frisst, die unsere Sekte als unwürdig empfindet.", sponn sie weiter mit einem nun bewegungslosen Pokerface. Natürlich war das Alles nur Murks. Soviel Nonsens sie redete, da würde es für Samirez nicht leicht sein, es zu verwerten. Sie glaubte zumindest so. Sie ließ ihren Blick ruhig und kühl wie er war, mit ungeahnten Turbulenzen in den Tiefen auf ihm ruhen.
"Ja, nun. Will ich zu ihnen oder will ich nicht? Will ich... Oder nicht?", murmelte sie leise, während sich ihre Seelenspiegel minimal verengten. "Wenn du so hartnäckig auf dieser Frage bestehst, muss ich annehmen ich mus wollen." Im Vergleich zu den humorvollen Worten vorhin klang ihre Stimme nun ernst und schneidend. Ob es dem Kleinen wohl endlich aufgefallen war, dass er hier es mit einer Verrückten zu tun hatte?
24.05.2012, 22:39
Ihre Ohren schnippten nach vorne und amüsiert blickte sie zu Kirov hoch. Sein Lachen klang hell und ehrlich. Es war nicht gespielt und es freute die Fähe, dass man einem Wolf – an so einem Ort – ein Lachen entlocken konnte. Kurzzeitig vergaß sie den matschigen Boden unter ihren Pfoten und auch das außergewöhnliche Aroma war zur Seite geschoben.
„Du glaubst also an einen weiteren Gott?“ Ihre Lefzen zogen sich zu einem sanften Lächeln hoch. „Ich glaube niemand weiß, was hier wirklich los ist. Nun muss also eine Lösung gefunden werden. – Auch wenn ich nicht nachvollziehen kann, warum überhaupt.“
Ein leises Seufzen glitt ihr über die Lefzen. Womöglich war hier was, womöglich bildeten sie sich aber auch bloß etwas ein. Ahkuna teilte nicht wirklich die Vermutung mit Kirov, dass ein Sumpfgeist hier hauste. Wieso auch? Kurz bevor die junge Fähe vom Rudel weggerannt war, hatte sie auch ihren glauben an die Götter hinter sich gelassen. Ihr Glaube – so hatte sie das Gefühl – wurde zerrissen, zerknüllt, weggeschmissen und mit den Pfoten drauf rumgetrampelt. Langsam tastete sich Ahkuna nun wieder in die Nähe von Engaya. Doch ein Sumpfgeist? Der Gedanke war etwas absurd. Trotzdem war die Tatsache nicht zu vergessen, dass plötzlich eine Fontäne einen Welpen angegriffen hatte. Wenn man es so nennen könnte.
„Ich hoffe nur, dass wir hier schnell wegkommen. Der Sumpf zieht meine Laune runter“, sagte Ahkuna mit einem Schmunzeln und ließ ihren Blick erneut schweifen. Welch trostloser Ort.
[Bei Kirov]
27.05.2012, 12:05
„Siehst du. Dein Bruder hat etwas viel Besseres als den Sumpf gefunden. Was hälst du davon, wenn wir ihm und Hilel ein wenig Gesellschaft leisten?“
Sie wog leicht den Kopf, senkte kurz die Schnauze um der Schwarzen vorsichtig mit der Nase durch das Fell zu fahren, ehe sie in die Richtung der beiden Wölfe deutete. So war es ihr lieber, wenn sie beide Welpen in Sicherheit wußte, fern von dem Ort, den sie alle nicht ganz einschätzen konnten. Noch nicht. Einen Moment verharrte sie noch, ehe sie sich wieder in Bewegung setzte, nun direkt auf Hilel und Isaí zu, jedoch achteten ihre Ohren noch auf die Bewegungen der kleinen Fähe. Nicht, dass sie wieder davon lief. Allein war es noch unsicherer.
Bei den beiden Wölfen angekommen neigte Kisha den Kopf begrüßend in Hilels Richtung, schenkte ihr ein sanftes Lächeln, ehe sie den Kopf erneut senkte und kurz ihrem Patensohn am Fell zupfte, ihm dann einen kurzen, ernsten Blick zuwarf, welcher dann in ein sanftes Lächeln überging. Ein weiterer Blick zu Taleesha, ehe sie sich wieder an die Schwarze und ihren Patensohn wandte.
„Habt ihr beide etwas rausgefunden?“
Mit diesen Worten sprach sie auch die schwarze Fähe an, jedoch mehr den roten Welpen. Aber nach wie vor... alles war besser als sich direkt bei diesem Sumpf aufzuhalten.
[Rudel – Hileil, Isaí & Taleesha]
27.05.2012, 15:03
„Du kannst einem fast Leid tun, Krolock. Du scheinst einiges nicht verstanden zu haben.“
Seine Drohung hatte sie schon längst wieder vergessen, sie konnte dieses schwarze Ungetüm nicht einen Moment ernst nehmen. Ob er überhaupt bemerkte, dass weder Chardím noch sie ihn nicht wirklich ernst nahmen? Sie hatte ihre Zweifel daran, aber es konnte ihr auch egal sein. So hatten die Geschwister den Spaß auf ihrer Seite, wenn man das so nennen konnte. Das spottende Lächeln ruhte noch immer auf ihren Lefzen, auch als Krolock auf ihren Bruder zu trat, welcher einen Moment später die Rute hob. Und auch die Worte, die nun gesprochen wurden, ließen die Graue nur den Kopf schütteln. Nicht, dass sie wirklich darüber nachdachte, aber einen Moment fragte sie sich still, was im Kopf dieses kranken Wolfes vor sich ging. Sie schüttelte nur den Kopf, spannte ihre Haltung jedoch nicht an. Chardím würde sicher allein mit diesem Wolf fertig werden, und im Notfall konnte sie noch immer eingreifen. Und Krolock wäre wirklich zu bemitleiden, wenn er glaubte, gegen zwei Wölfe eine Chance zu haben. Schließlich wandte sich der Schwarze jedoch wieder an sie selbst, und noch einmal verließ ein spottendes Lachen den Fang der Wölfin. Armer, dummer Krolock, genau wie Chardím es so schön beschrieben hatte. Er schien wirklich Nichts verstanden zu haben.
„Wenigstens verschließe ich die Augen nicht vor der Wirklichkeit und laufe blind durch die Welt, nicht wahr?“
Ein kurzer Blick galt Chardím, ein Grinsen, welches Bände sprach, ehe sich die bräunlichen Augen wieder auf den Schwarzen wandten. Armer, dummer Krolock.
[Chardím & Krolock]
27.05.2012, 22:45
Vor ihren Augen tauchte die Klarheit der Welt auf. Die alten Bäume verteilt am Rande des Sumpfes. Der Wald der in den Winter ging. Karge Landschaften, ähnlich ihrer Heimat und doch voller Leben. Die Blätter hingen nur noch träge und rar an den Ästen. Das bunte Laub hatte sich auf dem Boden verteilt und die Luft zog kalt um die Nase, würde das Rudel nur ein einziges Mal diesen Sumpf verlassen, der von unheilvoller Wärme sprach. So unnatürlich wie der Winter im Sommer. Bald würde wieder erneut Schnee liegen und hier wurde ihr bewusst, es wäre der Erste des Welpen. Er war noch zu jung, hatte den seltsamen Winter dieses Jahres nicht erlebt. Der Zweite wäre sein Erster und so schmunzelte sie leicht. Der Anblick von der kalten weißen Pracht, sie konnte sich vorstellen wie die kleinen Augen groß werden würden. Ungestüm und dennoch vorsichtig würde er dieses Geschehnis beobachten und spielend erforschen. Die weißen weichen Flocken würden um seinen Pelz fliegen und in dem Moment würde er vergessen welche Kälte sie mit sich brachten, auch wenn diese schnell wieder in seine Glieder wanderte und ihn mit der Nacht grausam einholte.
"Und weißt du was Chaos ist?"
Unvermittelt stellte sie ihm diese Frage, ohne das sie ihm einen weiteren Blick schenkte. Vorsichtig trippelte sie auf ihrer zähen Stelle herum, müde des Stehens und des Verdruss. Ihr Gedanken glichen dem stinkenden Morast unter ihren Füßen. Immer wieder wurde sie von ihnen eingeholt und zurück gezogen, in eine Welt deren Anblick sie nicht erneut ertragen wollte. Der stinkende Schleier umzog sie und sprach von Beschwerlichkeit. Sie musste sich retten. Ihre Rettung war er, heute sprach er davon und so hielt sie sich an diesem Gedanken fest, dass er es konnte. Unruhig folgte sie seiner Gestalt und näherte sich ihm wieder mit gereckter Schnauze. Ehe sie ihre Stimme erneut heben konnte, zuckten ihren Ohren willkürlich. Aufmerksam wandten sie sich in die Richtung aus der Isaí einst gehuscht kam und sie erschrocken hatte. Nun aber herrschte kein Schreck in ihr. Der schwache Lächeln in ihren Zügen verzog sich so geschwind wie es ereilt war. Hilel dämmerte was es mit dem Rascheln der müden Pflanzen des Sumpfes auf sich hatte. Ihr feines Gehör war diesmal gewappnet, daher zog sie schnell die einladende Schnauze von dem Welpen wieder zurück. Statt ihm näher zu kommen wich sie und sog gierig die Luft in sich ein. Trotz des Gestankes konnte sie noch einige Hinweise aus der lehmigen Luft herausfiltern. Ihre Sinne arbeiteten und sie versuchte sich zu erinnern ob ihr die Rudelmitglieder vertrauter waren, als nur einer von den schemenhaften Schatten ihrer Erinnerung. Unschlüssig schüttelte sie den Kopf. Groll zog auf, wie eine dunkle verschleierte Wolke legte sich dieser über ihr Wesen. Nicht wirklich erfreut davon, musste sie erkennen, dass ihre Vermutung leider der Wahrheit entsprach. Zu Beginn hätte sie wohl nicht damit gerechnet, dass sie es störend empfinden konnte, wenn dieser Welpe wieder verschwinden würde, doch zurzeit - Nun war es anders. Widerwillig erwartete sie die Erscheinung von den Anderen.
Aus dem wackelnden Gestrüpp entwich ein weiteres Fellbündel. Ein Stück kleiner als Isaí, dafür deutlich dunkler und beinahe so schwarz wie Hilel's eigenes Fell sein sollte. Ein skeptischer Blick was noch kommen würde ruhte auf den Strauch und ignorierte beinahe das neu entdeckte Leben. Das letzte Krachen und Biegen der Äste verstummte mit einer schwarzen Fähe, die mit wenigen Schritten hinter dem einen Welpen zur Ruhe kam. Eine sanfte Berührung vollzog sie und wandte sich dann zu den anderen beiden um, ohne auch nur die geringste Aufmerksamkeit von ihrer Gefährtin zu nehmen. Jedenfalls würde Hilel das behaupten, wenn jemand sie nach der Fürsorge der anderen Fähe befragt hätte. Sorgfältig beobachtete die Schwarze jede Bewegung der anderen. Jetzt gab es die Begrüßung, bevor auch der Rote nach seinem Wohlbefinden untersucht wurde. Kurz zögerte Hilel, bis auch sie sich regte und sich neigte, allerdings ohne das sanfte und offene Lächeln ihres Gegenübers. Bei der folgenden Frage schwieg sie dezent, denn so wenig wie sie willig zu sein schien, fühlte sie sich angesprochen. Zudem wäre ihr wohl keine genehme Antwort in den Sinn gekommen, außer der Tatsache, dass sie bei sich selbst den Gefallen an Welpen, zumindest an diesen Welpen, gefunden hatte und von diesem Geschehen eigens überrascht wurde.
[Rudel – Isaí, Taleesha & Kisha]
28.05.2012, 12:02
Die warnende Haltung Chardíms ließ ihn seinen Kamm aufstellen, der vom Nacken bis zur Rute ging und binnen weniger Sekunden steil zum Himmel empor ragte. Ein geisteskrankes, wissendes Lächeln lag auf seinen Lefzen, während der seltsam gezeichnete – von den Göttern berührte – Rüde ihm antwortete.
„Physische Jugend bedeutet gar nichts.“, brachte er zwischen zusammen gepressten Zähnen hervor. So wurde aus dem Flüstern etwas, dass dem züngeln einer Schlange glich. In den Sphären, in denen er schwebte, war er unantastbar für den Hohn, den er der nichtsnutzigen Dummheit der Gutwölfe zuschrieb.
„Chardím, du bist arrogant und im selben Maße bemitleidenswert, weil du keine Ahnung hast, wovon du redest. Du würdest nicht tauschen wollen.“
Das bedrohliche Grinsen blieb auf seinem Gesicht, während in ihm Flammen zu lodern schienen. Unberechenbar, ab diesem Augenblick. Dennoch nahm er sich genüsslich die Zeit, von oben auf Atalya hinunter zu blicken, die den Kopf über ihn schüttelte.
„Es ist ja auch so verdammt viel einfacher, dem den man nicht versteht an den Kopf zu werfen, dass er keinen Plan hat, als seine eigene Perspektive zu überdenken.“
Sein Grinsen formte sich wieder zu einem amüsierten Lächeln, ein bisschen zu friedfertig für seine Verhältnisse. Darin lag beinahe mehr Drohung als in den Grimassen, die er bisher gezogen hatte. Durchdringend und provokant sah er die Fähe an, wissend, dass das nicht ausreichen würde, um sie genug zu reizen, damit sie ihre erhaben-gelassene Haltung fallen ließ. Sie war nicht wie ihr Bruder, der nicht hatte an sich halten können, weil er sich mit Neruí geprügelt hatte. Ha! Als hätten sie je etwas anderes getan.
Es war schwer einschätzbar, wie viel noch fehlte, damit Chardím so reagierte, wie er das gerne hätte. Sollte er womöglich einfach den ersten Schritt machen? So überheblich wie die beiden sich aufführen, würden sie wohl kaum auf weitere Provokationen eingehen. Oder vielleicht doch?
„Ach, vom Nachwuchs einer Mutter, die ihren eigenen Sohn ermordet, erwarte ich sicherlich nichts anderes, als einen geblendeten Blick.“
Wenn das nicht reichte, konnte er es immer noch darauf ankommen lassen. Seine Rute peitschte übermütig von einer auf die andere Seite, wurde dabei zunehmend langsamer, zuckender, wie bei einer Raubkatze kurz vor dem Angriff. Die Gesichtszüge entgleisten ihm leicht, verzogen sich zu einem belustigten Knurren. Eine neue Zorneswelle erfasste ihn und ließ ihn beinahe dem Impuls nachgeben, das Zögern aufzugeben und einem der beiden Wölfe an die Kehle zu springen.
[Bei Chardím und Atalya]
30.05.2012, 15:58
"Ich verstehe",
erwiderte er knapp und nickte schließlich, als sie auf Averics Aufträge zu sprechen kam. Ja, sie hatte ihm davon erzählt, eines nachts, als sie den Versuch gewagt hatten sich besser kennen zu lernen und die Geschehnisse der Vergangenheit aufzuarbeiten.
"Vielleicht solltest du ihn danach fragen, nachher. Er würde dir mehr anvertrauen als mir",
fügte er schließlich hinzu und legte diese Problematik damit in ihre Pfoten. Es schien ihm besser so, Averic war Tyraleens Gefährte und die Situation, in der die beiden sich befanden, war nach wie vor nicht gerade leicht. Er wollte das nicht noch verkomplizieren, indem er sich als Alpha da miteinmischte, selbst wenn er jetzt das Recht dazu gehabt hätte.
Das Gespräch kehrte zum eigentlichen Anlass zurück. Nachdenklich schüttelte Aszrem den Kopf.
"Nein, selbst gesehen habe ich so eine Fontäne noch nie... Kannst du dich an irgendetwas erinnern, dass auf den Ausbruch dieses heißen Wasser zuvor hingedeutet haben könnte? Wenn wir einen Weg finden, die Fontänen zu erkennen, bevor sie empor schießen, könnten wir das restliche Rudel darauf hinweisen, damit niemand überraschend hineingerät und verletzt wird. Taleesha hat offenbar Glück gehabt, aber das nächste Mal könnte nicht so glimpflich ablaufen. Wenn diese Fontänen auf im Lagerplatz auftreten, müssen wir das Rudel an einen sichereren Ort führen."
Sein Blick, de während seiner Worte erneut aufmerksam umher geschweift war, kehrte nun zu Tyraleen zurück, ihre Meinung erwartend.
[Sumpf | Tyraleen]
03.06.2012, 14:29
Sie versuchte gar nicht erst sich aus der schleichenden Haltung begeben und davonzulaufen. Jetzt war es halt vorüber. Taleesha blieb einfach stehen und drehte sich langsam um. Ihr Gesichtsausdruck sprach Bände: man sah sofort, dass sie inzwischen keine Hoffnung mehr hatte an diesem Tag noch irgendetwas Spannendes zu erleben. Es war einfach alles schief gegangen! Ihre Augen blickten Kisha fast schon anklagend und beleidigt an. Spielverderberin!
Auf die Worte der Fähe hin sagte sie nichts. Auch ihre kurze Berührung ignorierte sie und trottete schließlich lustlos hinter ihr her. Sie machte keine Anstalten, sich wieder schnurstracks zu entfernen. Dennoch hatte die Aussage Kishas sie nicht ganz kalt gelassen. Dann hatte die Schwarze also Isaí bereits erwischt und sie erst als zweite? Dann war es vielleicht nicht ganz so schlimm. Dann war sie ja trotzdem ein bisschen schneller gewesen und überhaupt … sie hatte das bessere Versteck gehabt!
Während sie sich auf diese Art gedanklich selbst beweihräucherte, wurde Kisha vor ihr etwas langsamer, drehte sich kurz zu ihr um und ging ein wenig zur Seite - und Taleesha stand plötzlich wieder ihrem Bruderherz gegenüber. Sie schaute noch immer miesepetrig drein, zwinkerte Isaí aber kurz zu, um sich dann sofort neugierig seine Gesprächspartnerin anzusehen. Kisha hatte von einer Hilel gesprochen, oder? Taleesha musterte die dunkle Fähe einen kurzen Moment und versuchte ihr nett zuzulächeln. Sie erinnerte sich wieder … ja, sie hatte sie bereits ein paar Mal gesehen, aber eher abseits und sie hatte nie ein Wort mit ihr gewechselt. Deshalb war sie jetzt etwas unsicher. Sollte sie etwas sagen? Was hatte denn Isaí mit ihr gesprochen? Oder hatten sie etwas Neues herausgefunden? Kishas Frage war wirklich berechtigt … und schon wieder meldete sich Taleeshas vor kurzem tot geglaubter Entdeckergeist.
"Habt ihr … ein … ein In-diz?"
Ihre kleine Stimme überschlug sich fast. Sie blickte Isaí erfolgsverheißend an und ließ ihren Blick wieder zu Hilel streifen. Sie war gespannt, was sie erzählen würde. Doch zugleich spürte sie erneut eine Unsicherheit. Irgendwie schien Hilel nicht ganz so erfeut über ihr Auftauchen zu sein. Sie war irgendwie … irgendwie hatte sie etwas im Blick, das Taleesha an ihre Schwester Tinca erinnerte. Sofort hatte sie das Gefühl, dass Hilel traurig war, so wie Tinca auch oft. Warum war Hilel bloß traurig? Hatte Isaí sie geärgert? Sie schaute wieder zu ihrem Bruder, diesmal nicht besonders freundlich.
[Rudel – Isaí, Hilel & Kisha]
03.06.2012, 17:39
Isaí drehte kurz die Ohren, als Hilel den Weg zurückgefunden hatte und seine Rute pendelte erneut kurz durch die Luft. Er behielt nun den Abstand ein, den sie offenbar brauchte, obwohl er doch mehr ein Wolf war, der die Nähe anderer suchte. Hilel mochte es nicht, das hatte er verstanden und akzeptiert und wenn es ihr gut ging, so war auch er zufrieden. Sie sah nicht zu ihm, sondern allein ihre Frage war es, die ihn davon in Kenntnis setzte, dass sie aus ihrer Welt wieder aufgetaucht war. Der junge Wolf wog überlegend den Kopf. Chaos war… eben Chaos. Es war… falsch. Doch er fand nicht wirklich die Worte, um seine Vorstellung von Chaos auszusprechen.
„Naja. Chaos ist…Chaos…“, schloss er unglaublich schlau und wirkte etwas hilflos mit der Frage.
Aber das war gar nicht schlimm. Seine Ohren stellten sich aufmerksam auf, als sie ihm wieder näher kam und ein sanftes Lächeln legte sich auf seine Lefzen, während er die eigene Schnauze wieder ein Stück in ihre Richtung streckte. Doch noch bevor sich die beiden Nasen wieder berühren konnten, wandte sie den Blick ab. Isaí blinzelte verdutzt, ehe auch er den Kopf in besagte Richtung wandte und versuchte, ein Geräusch auszumachen. Tatsächlich stapfte etwas durch den Sumpf und neugierig stellten sich seine kleinen Lauscher auf. Wer da wohl kam? Aber eigentlich war die Antwort gar nicht weit. Doch bevor Kisha aus dem Farn heraustrat, nahm er wahr, wie sich Hilel ein Stück zurück zog. Besorgt winkelte ein Ohr an und sah zu ihr hinüber, ehe auch schon die dunkle Gestalt seiner Patin auftauchte und auch noch seine Schwester im Schlepptau hatte. Sie hatte also nicht geschafft, ihr zu entkommen. Ein entschuldigendes Lächeln galt ihr. Sie sah nicht sonderlich begeistert aus, aber im Grunde war dieses Ende ja klar gewesen. Isaí ließ die kurze Berührung über sich ergehen, empfand sie allerdings aus eigenem Schuldbewusstsein heraus leicht tadelnt, was ihn aber nicht daran hinderte, den Blick seiner Patin mit schüchternem Trotz zu erwidern. Ganz so, als wolle er damit sagen, dass sie es sowieso nicht schaffte, lange böse auf ihn zu sein. Und er behielt Recht – kurz darauf schon wirkte ihr Ausdruck wieder sanft und so, wie er sie kannte und liebte. Isaí erwiderte das Lächeln und die Sache war für ihn damit abgeschlossen. Jetzt erst rieb er seine Nase kurz liebevoll an ihren Lefzen, bis er sich seiner Schwester zuwandte und sie kurz beschnupperte. Ein aufmunternder Blick galt ihr und ein Hauch von Abenteuerlust lag nach wie vor in seinen Seelenspiegeln. Hilel würde ihr sicherlich gefallen, davon war er überzeugt. Lange würde ihr missmutiger Blick nicht mehr währen. Erwartungsvoll und stolz zugleich, dass er ihnen die Dunkle vorstellen konnte, wandte er sich wieder zu seiner neuen Freundin herum, doch sie schien alles andere als begeistert. Besorgt sah er sie an und ging schließlich wieder etwas näher an sie heran. Er war da, sie brauchte keine Angst vor den anderen zu haben. Erst, als er mit leichter Schräge vor Hilel stand, blickte er wieder zu Kisha und schüttelte leicht den Kopf.
„Nein, nein. Hier ist kein Indiz. Und auch das Ding, das aus dem Indiz kam, ist hier nicht. Aber wir werden es finden, ganz sicher, Taleesha! Hilel hilft uns. Sie ist ganz nett, ich mag sie.“ Wieder warf er der Schwarzen einen aufmunternden Blick zu. Er war da, sie brauchte sich nicht fürchten. „Hilel, das sind meine Patin Kisha und meine Schwester Taleesha.“
Er wusste nicht, ob sie sich schon kannten. Also Taleesha und sie sicherlich nicht, aber auch bei Kisha war er sich nicht sicher. Es verwirrte ihn, wie man zu einem Rudel gehören konnte, ohne sich in seiner Nähe aufzuhalten, aber das war nicht wichtig. Jetzt kannten sie sich ja! Und von seiner Patin hatte er auch ganz stolz gesprochen, so, wie von Hilel. Und von Taleesha, aber das war ja klar. Immerhin war sie seine Lieblingsschwester.
07.06.2012, 11:23
Ohne eine Vorwarnung und ohne ein einziges Geräusch erhob sich mit einem Mal die Kraft der Erde und schien voller Zorn. Sie begann zu beben, nur einen Herzschlag lang schwach, dann scheinbar voll von Wut und Erregung, wild und zügellos. Sie bebte und wackelte, ließ Bäume stürzen, das Wasser des Sumpfes höher als die Wölfe schwappen und brachte einen jeden von ihnen zum Fall. Ebenso plötzlich wie es gekommen war, verebbte das Erdbeben auch wieder, verstummte wie ein wildes Tier, das erneut in tiefen Schlaf gefallen war und tat, als wäre nichts geschehen. Voller Schrecken, Erstaunen und Angst vor dieser unbekannten Macht lag das Rudel verstreut im durchnässten Gras.
07.06.2012, 11:24
“Nein, es schien mir alles normal zu sein … vielleicht hat das Wasser ein wenig gebrodelt. Aber wenn dann nur sehr kurz, die Fontäne hat uns alle überrascht. Wir sollten das Rudel wohl lieber von hier fortführen und herausfinden, ob auch in den anderen Teilen des Reviers so etwas vorgeht … oder?“
Sie war sich bewusst, dass ihre angehängte Nachfrage nicht gerade selbstsicher klang, aber sie war ihr einfach herausgerutscht. Viel zu unsicher war sie, ob dieser Plan wirklich eine gute Idee war und ob sie überhaupt ernsthaft wissen wollte, ob sich ihr Revier auch noch an anderen Stellen veränderte. Denn wenn ja, hatte sie nicht den blassesten Schimmer, was sie tun sollte und fühlte sich mit jeder Sekunde weniger würdig für den Rang, den sie beanspruchte. Ohne Aszrem wäre sie längst aufgeschmissen.
Und dann erhob sich die Erde gegen sie und schien die Welt untergehen zu lassen. Schon bei der ersten heftigen Bewegung des Bodens unter ihren Pfoten wurde Tyraleen zur Seite geschleudert und prallte halt- und wehrlos hart auf die Seite, kaum abgefedert von dem spärlichen Sumpfgras. Das Wasser um sie herum tobte, schwappte über ihr zusammen, kurz fürchtete sie in Panik es wolle sie ertränken, dann wurde es von dem tobenden Boden unter ihr in eine andere Richtung geschleudert und sie selbst meinte selbst im Liegen zu fallen und wieder zu stürzen. In ihrer Panik versuchte sie dennoch sich wieder aufzurichten, kippte, lag wieder und versuchte es doch erneut, um plötzlich zu stehen und festzustellen, dass die Erde wieder stillstand. Sie war nicht untergegangen. Aber sie war im Chaos, das Wasser um sie herum schwappte noch immer wild, nur wenige Wolfslängen entfernt schoss eine weitere Fontäne in die Höhe und sie erkannte im Wald umgestürzte Bäume. Eine neue Panik kam auf. Das Rudel, die Welpen!
“Isaí, Taleesha!“
Wo waren sie mit Kisha hingegangen? Und was war mit ihren Geschwistern? Und ihre eigenen Welpen? War ihnen etwas geschehen? Was, wenn ein Baum sie getroffen hatte?
“Malik, Tinca, Chanuka, Caylee, Chardím, Atalya, Turién, Amúr, Avendal!”
Unzusammenhängend rief sie ihre Namen, während sie durchnässt und mit Algen und Schlamm bedeckt lossprang, voller Furcht die Gesichter ihrer Schutzbefohlenen suchend und noch nicht fähig, überhaupt zu begreifen, was gerade geschehen war.
[ Sumpf | Nähe von Aszrem, zu ihrem Rudel stürzend ]
07.06.2012, 21:43
Das eisige Auge weitete sich und ließ einen Funken ihrer Seele offen. Furcht stieg in ihr Gesicht. Ihre Beine zitterten, als würde ihr jede Kraft des Körpers entzogen. Ein Bruchteil einer Sekunde verrann, bis Hilel begriff, dass nicht ihre Beine zitterten, sondern die Erde bebte. Das Bildnis ihrer eingeschränkten Wahrnehmung geriet in bedrohliches Schwanken. Noch nie zuvor hatte sie solch ein Gefühl erlebt. Unter ihren Pfoten glich der Boden einem eigenem Lebewesen. Das stetige Blubbern des Sumpfes dem Atem jenes Monsters. Unwillkürlich begann die Schwarze aus tiefster Kehle zu knurren. Der Halt wurde ihr unter den Pfoten weg gezogen und die Welt begann sich um ihren Leib zu drehen und zu wenden. Einen kurzen Moment rauschte Schwärze an ihr vorbei. Moderige undurchdringliche Dunkelheit und sie fürchtete um ihr zweites, nur noch einziges Augenlicht. Die Welt war dunkel, nun vielleicht für immer...Dieser Gedanke brannte sich wie Säure in ihren Kopf. Hinter ihr hörte sie lautes Rumsen, weit entfernt, aber noch so nah das der Aufprall von einem Baum gen Boden hörbar war. Wie ein Schauer zog er sich durch ihre Knochen und bohrte sich beißend in ihre Glieder. Wasserrauschen folgte darauf, nahend und bedrohlich. Nicht wie das sanfte Plätschern eines Baches, welcher den Durst stillte. Dem Geräusch nach klang es einer Bedrohung gleich. Verschlingend und schreiend.
Plötzliche Stille ließ schwarze Ohren wild in jede Richtung zucken. Monoton zerschnitt ihr immer noch schweres Grollen jede Ruhe. Erst jetzt wurde sie sich jener Tat bewusst und verstummte unter Selbstbeherrschung. Die Erde stand wieder still. Das Getöse von Fontänen war verklungen, wie der schwere Atem der Bestie unter ihren Pranken. Nun begriff die Schwarze erst das sie zusammen gesackt war. Ihre Läufe hingen bis zur Brust tief im stinkenden Schlamm. Umschlossen wie zu einer viel zu festen und beengenden Umarmung, nicht aus wohlbesonnener Liebe sondern aus gieriger Eifersucht. Ihre Schnauze lag schwer auf dem Morast und drohte ebenfalls einzusinken. Träge und betreten öffnete sie ihre Augen wieder, welche sie beharrt zusammen gekniffen hatte, als ihr Wasser und Matsch entgegen geflogen waren. Bestürzt versuchte sie ihre eingeschlossenen Beine aus dem erdrückenden Zog zu befreien. Immer wieder warf sie verstreute Blicke umher. Versuchte Geräusche zu erhaschen und die Welt zu erblicken. Ob es vorbei war und im zweiten Moment, ob es den anderen gut ginge. Bald darauf erklang in voller Klarheit die Rufe der Alpha an ihr Gehör. Sie rief wie von Sinnen nach unendlich vielen Namen, nach Welpen, Verwandten und Schutzbefohlene, auch Isaí war dabei. Mit einigen kräftigen Rucken hatte sie sich aus dem Schlamm erlöst und taumelte los. Suchend wandte sie sich um. Ab und an schien es ihr immer noch als konnte sie da ein Wackeln vernehmen, aber diesmal war es ihr bewusst, dass dieses wirklich von ihr selbst kam. Ihr Schritte waren unbeholfen und glichen einem Wolf der entweder Altersschwäche oder Irrsinnigkeit hatte.
"I-isaí?"
Die kraftvolle Stimme glich nun mehr einem Flüstern, als ob sie befürchtete mit einem zu lauten Wort das Tier unter ihren Pfoten erneut erwecken zu können. Auch wenn Hilel nicht an Götter oder Dämonen oder irgendeinem anderem Hirngespenst glaubte, so hatte sie dieses Rütteln der Erde noch nie erlebt. Ihre Meinung das der Sumpf ein schlechter Ort für einen Wolf war hatte sich noch mehr verstärkt und der Gedanke an ein Massengrab verfestigte sich wie eine Warnung in ihrem Hirn. Jetzt geriet sie in Eile. Was wäre würde der kleine Welpe nicht rechtzeitig aus dem Morast kommen und das schlammige Wasser seine Lungen fluten - ohne das er sich wehren konnte. Ihre Nase brachte ihr nichts. Überall waren Gerüche. Von Wölfen, von Angst, aber am meisten hing ein widerwärtiger Gestank der Verwesung in der Schwebe.
"Isaí! Isaí! "
Die anderen Beiden waren vergessen und selbst wenn sie noch einen törichten Gedanken an jene verschwendet hätte. Dann wäre sie sich sicher gewesen das Kisha alles in bester Pfote hatte und sich um die junge Fähe kümmern würde. Ihre Läufe gewannen an Kraft und Zielsicherheit wieder, als sie ein kleines rotes Bündel glaubte zu erkennen und darauf zu stürmte. War er das?
[Rudel – Isaí, Taleesha & Kisha | sucht Isaí]
08.06.2012, 11:51
Er schnaufte hektisch und blieb für einen Moment einfach reglos liegen, als befürchte er, dass der Sumpf erneut nach ihm packen würde, wenn er sich bewegte. Nur sein Herz raste vor Angst und seine Atmung war zu schnell, das dass er tatsächlich viel von einem Atemzug gehabt hätte. Erst, als eine Stimme – fern, weit und mit derselben Angst im Ton, wie er sie gerade verspürte, an seine Ohren drang, zuckten diese schwach und er begann erneut, leise zu winseln. Kurz darauf drang eine weitere Stimme an seine Ohren und er hob noch immer vor Angst zitternd den Kopf. Hilel kam auf ihn zu, doch er realisierte es erst, als sie fast bei ihm angekommen war. Der Schlamm klebte in seinem triefenden Fell.
„Hilel…“, antwortete er leise und noch immer schnaufend.
Doch dann glitten seine Gedanken zu den anderen. Er sprang auf, stolperte und fühlte sich noch immer unsicher auf den Beinen, doch das war egal. Wo waren Taleesha und Kisha? Hektisch sah er sich um.
„Wo sind die anderen? Ist alles in Ordnung bei dir? Wo sind Kisha und Taleesha? Wir müssen sie finden! Und die anderen. Was ist mit den anderen? Mit Mama und Papa und Tinca und Malik.“
Wirr, alles war wirr und die Angst verbat es ihm, einen klaren Gedanken zu fassen. Als hoffte er, dass Hilel mehr wusste, richteten sich seine angsterfüllten Seelenspiegel auf die dunkle Wölfin, bis er in der Ferne erneut eine Stimme rufen hörte.
„Tyraleen!“
Es spielte keine Rolle, was geschehen war. Der junge Wolf war ohnehin nicht in der Lage, es zu verstehen. Er hatte Angst – Angst um die anderen und Angst vor der Angst, die er in Hilels Antlitz sehen und in der Stimme Tyraleens hören konnte. So laut er in seiner Panik konnte, versuchte er der Leitwölfin zu antworten.
08.06.2012, 21:00
„Taleesha...“
Die Schwarze senkte den Kopf, atmete schwer.
„Ist bei dir alles in Ordnung?“
Sie sprach nur leise, ihre Stimme zitterte.
[Taleesha – Nähe Isaí & Hilel]
08.06.2012, 23:12
Hilel hatte Isaí endlich erreicht. Ein leises sachtes Winseln entkam der jungen Kehle. Er war bereits beim aufspringen und versuchte den sicheren Halt auf den wackeligen Läufen zu finden. In seinem Gesicht stand Besorgnis, wie in dem Klang der Namen die widerhallten durch den toten Sumpf drangen. Vorsichtig schob die Fähe ihre verschmutzte Schnauze zu dem Fuchs und bat ihm ihren Hilfe an, indem sie ihre Nase unter seinen Bauch heben und ihn stützen wollte. Auch wenn sie selber noch durch einander war, von dem Beben verwirrt und unsicher, versuchte sie ihn zu unterstützen wie es ihr möglich war. Die hilflose und verängstige Stimme gab ihr einen Stich und ließ die Schwarze ihre eigene Furcht vergessen. Langsam gewann sie an Ruhe.
"Kisha ist wohlauf, ich habe sie gesehen, sie sucht nach deiner Schwester. Wir haben uns aufgeteilt..."
Ihre Worte entsprachen der Wahrheit, obgleich dies keine geplante Handlung sein sollte, war es das vernünftigste was die beiden erwachsenen Wölfinnen hätte tun können. Sie mussten sich aufteilen, um das Leben der beiden Welpen zu sichern. Wen hätte Hilel also suchen sollen, außer Isaí?! In diesem Moment war sie dankbar um die Nähe ihrer Rudelmitglieder. Sie wollte sich nicht ausmalen was ihr alles hätte geschehen können, wäre sie wie üblich allein. Dumpf pochte die Erkenntnis in ihrer Seele das keiner auch nur je ihren Namen rufen würde. Schmerzende Bitterkeit erkannte sie daran, aber so schnell sie in ihr hoch gekommen war, begann sie sich aufzulösen. Die Schwäche des jungen Rüdens rüttelte an ihr. Seine Antwort klang nur schwach an ihr Ohr und so ergriff Hilel selbst die Initiative und antwortete der Alpha in einem langgezogenen Laut. Der Aussage entsprechend, dass es Isaí und Kisha gut erginge. Über die Wurfschwester Taleesha verlor sie keine Anmerkung. Zu diesem Augenblick gab es nichts, was sie hätte sagen können. Die Leitwölfin würde in der Schwebe hängen, so wie sie alle.
Jetzt sprudelte all ihre Besorgnis aus ihr hervor. Der Rüde wirkte zwar unverletzt, dennoch konnte die Schwarze unter all dem Schlamm nicht alles erkennen. Vielleicht trug er Wunden, außer jener der seelischen Betroffenheit. Der Sumpf war ein schlechter Ort und am Liebsten wäre die Fähe mit ihm sofort weit weg. Ihre Stimme trug wieder ein Zeichen ihrer Ruhe, dennoch bebte sie vor Fürsorge um den kleinen Leib.
"Ist alles in Ordnung mit dir? Hast du dich verletzt? Kannst du wieder richtig laufen?"
Achtsam begutachtete sie seine Erscheinung noch einmal im Ganzen. Wahrlich kannte sie nicht, außer einen verwirrten und schlammig verschmierten Welpen.
"Es ist vorbei, was immer es war...Das war Chaos! Absolutes! Aber wir müssen zu den Anderen, zu deiner Schwester und dann weg von diesem verfluchten Ort."
Für sie gab es keinen weiteren Weg, als raus aus dem Sumpf. Aus dem stinkenden modernden Morast, der nicht nur blubberte, Fontänen spuckte, sondern bebte wie ein wildes Tier. Sie hatte keine Erklärung für das Zittern der Erde, aber sie wusste es zu verstehen, dass es einem das Leben kosten konnte und auch wenn Hilel kein gottesfürchtiger Wolf war, so wäre sie beinahe geneigt dazu nicht nur zu hoffen, sondern zu beten, auf dass dieses nicht noch mal geschah und das alle wohlauf sein sollten.
[Rudel – bei Isaí | will wieder zu Taleesha & Kisha]
09.06.2012, 15:19
„Taleesha! Was ist mit Taleesha? Wo ist sie?“, brachte er erneut wirr heraus und sah sich hastig nach seiner Schwester um, doch ihre Gestalt blieb für seine Augen fürs erste ungesehen. „Und was ist mit dir? Geht es dir gut?“
Nun war es die Dunkle, die er mit einem besorgten, angsterfüllten Blick begutachtete und kurz beschnupperte. Sie tat es ihm in einem Zug gleich und antwortete Tyraleen weitaus lauter, als er im Augenblick in der Lage gewesen wäre und instinktiv wandte er den Blick erneut in die Ferne, als hoffe er, die Leitwölfin gleich erspähen zu können. Schließlich war sie es, die sich erneut um seine Unversehrtheit sorgte und die Ruhe, die sie bewahrte, ging langsam auf ihn über. Zwar zitterte sein kleiner Leib noch immer, aber ihm ging es soweit gut und sie mussten sich auf die anderen konzentrieren. Er schüttelte sachte und verwirrt den Kopf als Antwort, doch ein beruhigendes Lächeln brachte er nicht zustande.
„Ja, geht schon wieder. Wir müssen nach den anderen sehen!“
Darin schienen sie ja übereinzustimmen. Allmählich erkannte er hinter der dunklen Wölfin eine Gestalt, die unweigerlich Kisha sein musste und er hoffte, dass das, wozu sie sich runterbeugte, seine Schwester war. Seine Ohren schnippten mit einem Hauch von Erleichterung nach vorne, ehe er Hilel mit einem kurzen Zucken der Schnauze in diese Richtung darauf aufmerksam machte. Auf ihre beruhigenden Worte nickte er nur schwach. Es war vorbei und das war alles, was zählte, obschon die Angst tief in ihm saß, dass es zurückkommen würde. Chaos. Er war nicht in der Lage, zu verbinden, was es bedeutete, dass Chaos aufgetreten war. Hatten sie es vielleicht mit ihrem Gespräch heraufbeschworen? War er dafür verantwortlich, dass es gekommen war? Waren die Götter etwa böse auf ihn? Glücklicher Weise konnte er sich all die Gedanken nur unterbewusst machen. In erster Linie stimmte er Hilel stumm zu und war bereit, zu Kisha und Taleesha zu gehen, doch er wollte den ersten Schritt nicht machen. Vollkommen außer Acht lassend, dass seine neue Freundin nur ungern Nähe einging, rutschte er näher an sie heran und drückte sich an ihren Hinterlauf, um so dicht an ihrer Seite erneut den Sumpf zu betreten. Zaghaft und zurückhaltend war der erste Schritt zurück in das schlammige, nun braune und durchmischte Wasser, doch er gewann die Sicherheit schnell wieder zurück.
„Mama! Papa!“, rief er schließlich so laut er konnte und drehte unsicher die Ohren zurück. Zu gern hätte er sich davon vergewissert, dass es ihnen gut ging, doch Taleesha und Kisha waren im Augenblick wichtiger. Er hoffte allerdings zumindest auf eine Antwort. „Sheeeeeeena! Jaaaaaakaaaaash!“
Es war, als erhoffte er sich, dass sie darauf besser hören würden. Und diese Hoffnung keimte in ihm und ließen ihn sich wieder auf die beiden Gestalten vor sich konzentrieren. Sie würden ganz sicher antworten. Sie mussten doch!
„Kisha! Ist alles in Ordnung bei dir?“, lautete schließlich seine Frage, als sie näher an seine Patin herankamen, obwohl sie noch ein paar Wolfslängen von ihr entfernt waren.
09.06.2012, 22:01
Parveen drehte sich mir einem Rück wieder auf den Bauch und erhob sich langsam und vorsichtig auf die immer noch zitternden Beine. Hecktisch sah sie sich nach der weißen Fähe um, die eben noch neben ihr war.
"Cay–Ceylee?
Sie war aus ihrem Blickfeld verschwunden, oder Parveen übersah sie in der Hektik. Von überall vernahm sie Rufe und winselnde Laute.
"Was war das, was ist hier geschehen?"
Sie sprach zu sich selbst, wollte wissen, was hier passiert war und sich durch die Worte vielleicht auch selbst beruhigen.
10.06.2012, 12:16
Plötzlich bebte nämlich die Erde. Die Welt stand Kopf und nichts war mehr so, wie zuvor - Noch bevor die Fähe richtig erfassen konnte, was geschehen war, wurde sie auch schon weggeschleudert, wie die anderen auch. Sie konnte gar nicht begreifen, was geschehen war, war doch von einem Moment zum anderen ihre ganze Welt verändert. Wie konnte die Erde selber beben? Was war geschehen? Und wo waren die Anderen. Von dem Sturz taten ihre Gliedmaßen weh, doch es ging. Dies wurde von dem Gedanken nach Malik überstrahlt. Wo war der Welpe? Wieso war sie mit ihm so weit gegangen? Eigentlich waren sie ja nicht wirklich weit weg von den anderen und dennoch hatte sie ihn nun aus den Augen verloren. Was war, wenn er nun verloren gehen würde, wo sie - und Liel - auf den Kleinen aufgepasst hatte. Die anderen würden bestimmt ihr die Schuld geben, und sie fühlte sich wieder an den noch so jungen Verlust ihres Gefährten erinnert. Dabei kam auch das Vertrauen auf Engaya wieder hervor, und doch würde das nicht ausreichen, falls es ihr wirklich geschehen wäre, die Zukunft, das neue Leben des Rudels verloren zu haben. So rief sie:
"MALIK, wo bist du? - LIEL, bist du hier?"
Auch Liel sollte nicht verloren gehen, auch die Fähe war wichtig.
Es hatte nur wenige Augenblicke gedauert, bis sie wieder auf den Beinen war und sie machte sich Richtung Rudel auf, nachdem sie in ihrer Umgebung keinen der beiden gesehen hatte. Sie hatte die Hoffnung, dass die beiden auch den Weg zum Rudel suchen würden und sie so dort die Beiden am ehesten wieder sehen würde. Und falls sie dort nicht waren, hätte sie wenigstens zum Durchsuchen des Gebietes Hilfe.
Jedoch als sie nun immer wieder rufend zum Rudel rannte, achtete sie nicht mehr so wie zuvor auf den Weg und es dauerte nicht lange, bis sie in einem Wassersumpfloch landete. Nach einer ersten Schrecksekunde, versuchte sie so schnell wie möglich aus diesem Loch wieder herauszukommen, jedoch je mehr sie strampelte, desto schwieriger wurde es. Als Kursaí nun weiter unter ging, da schaffte sie es sich zu beruhigen und hielt erst einmal die Beine ruhig. Nun rief sie nicht mehr nach den beiden anderen sondern:
"HILFE...!"
Sie war ja nicht mehr weit vom Rudel entfernt, und so würde gewiss einer sie hören und ihr helfen - hoffte sie zumindest. Sie wusste nämlich nicht, wie sie hier selber ohne Hilfe herauskommen sollte.
[Rand des Rudels - zuerst mit Malik und Liel - dann erstmal alleine - auf hilfe wartend]
10.06.2012, 14:05
„Wirklich glauben, dass es hier einen Sumpfgeist gibt … naja, eher nicht. Aber wer weiß das schon. Ich kann dir nur zustimmen, ich hoffe wir sind hier bald weg und können einen schöneren Ort besuchen, anstatt diesem Schlammloch hier. Mir ist hier nichts geheuer.“,
meinte er und streckte den Rücken ein wenig. Ohja, Ahkuna hatte Recht, der Sumpf zog die Laune runter und ließ den negativen Gefühlen freie Bahn, um wieder ein wenig Unruhe zu stiften. So spürte Kirov noch immer die Eifersucht in seinem Magen, wenn er an Amáya und diesen weißen Idioten dachte. Es musste wohl an diesem Ort liegen, dass seine Gefühlswelt einen Riss hatte … ganz sicher. Er hielt sich an diesem Gedanken fest und blickte sich um, abermals, wie es ihm schien. Doch es war nichts Neues zu entdecken, keine fremden Wolfsnasen und vor allem ein alter, modriger, verschlammter Geist, der hier sein Unwesen trieb. Wäre auch mehr als lachhaft gewesen, wenn hier tatsächlich einer rumschwirren würde. Kirov wäre dann wohl nicht der Einzige gewesen, der heimlich gekichert hätte. Gott. Nein, Himmel. Es gab keine Götter. Der Rüde schloss für ein paar Sekunden die Augen, um seine wirren Gedanken zu ordnen, die ziellos in seinem Kopf umher tanzten.
Mit einemmal riss der Rüde die Augen wieder auf, als der Boden unter seinen Pfoten zu rumoren schien. Verwirrt blickte er Ahkuna in die mittlerweile vertrauten Augen.
„Was geht denn-“,
begann er, wurde aber von einem noch viel schlimmeren Rumoren unterbrochen. Der Boden schien zu schwenken, zu beben und zu zittern, als hätte er Angst und wollte fliehen. Und Kirov wollte gerade auch nur fliehen. Er war kein Wolf, der oft Angst hatte, doch gerade wurde sein Fluchtinstinkt so groß, dass seine Augen wild und unruhig umher zuckten und seine Ohren flach an den Hinterkopf gelegt waren. Wohin sollte er gehen?! Und wo war Ahkuna? In seiner Panik fand er die Fähe nicht und beschäftigte sich eher mit dem Gedanken, dass die Bäume, die gerade umfielen wie Figuren, ihn erschlagen könnten. Vollkommen perplex schaffte er es, seinen Körper zur Seite zu schaffen, ehe ein Baum direkt auf ihn drauf fallen konnte. Er spürte langsam, wie seine Beine dem Druck des Bebens nachgeben wollten. Eine Welle Schlammwasser machte sein buntes Fell an einer Seite klatschnass und bei der Berührung des Wassers auf seiner Haut zuckte er zusammen. Er wusste nicht wohin und nicht wo lang. Alles schien versperrt worden zu sein. Überall lagen Bäume und Wölfe und …
Der Ast eines Baumes traf ihn direkt an den Beinen und ließ ihn ganz umfallen. Auf den Boden gedrückt und das Beben noch immer spürend, lag der Rüde also da, die Augen weit aufgerissen und mit klopfendem Herzen. Und mit einem Mal war alles vorbei. Ein paar Sekunden pure Stille, bevor die Schreie begannen. Er hörte etliche Namen, die er auf die Schnelle nicht einordnen konnte und er wusste auch nicht, nach wem er suchen sollte. Sofort schlich sich Amáya in seine Gedanken, aber das würde zu auffällig kommen. Er befand es für besser, einfach den Wolf zu suchen, mit dem er zuletzt geredet hatte – und das war ganz klar Ahkuna Caiyé. Noch immer etwas zitternd erhob sich der Gemusterte und blickte sich um. Die Wölfe, die gerufen hatten, waren doch nicht so nah gewesen, wie er gedacht hatte. Und da überall Chaos herrschte, ging auch sein Orientierungssinn verloren, der ihm sonst immer ein treuer Begleiter war. Kirov spürte deutlich, wie sie Beine noch immer drohten Nachzugeben und alles um ihn herum schien etwas zu schwanken. Er schloss die Augen, atmete mehrmals tief die stickige Luft ein und öffnete die Augen dann wieder. Es ging ihm nicht viel besser, doch er musste sich zusammenreißen. Schließlich konnte er oft genug einen kühlen Kopf bewahren. Kirov zuckte mit den Ohren und machte einen Schritt über ein paar abgebrochene Äste hinweg.
„Ahkuna? Bist du hier irgendwo?“
Er kam sich unglaublich dämlich vor, als er den wohlklingenden Namen der Weißen rief. Wenn sie verletzt war, würde sie ihm vielleicht gar nicht antworten können. Ein paar Gewissensbisse plagten ihn. Er hätte sie beschützen können, schließlich war er der Stärkere gewesen. Doch nun war es ohnehin zu spät. Was passiert war, war passiert. Unschlüssig tappten seine Pfoten weiter und er hielt den Kopf gesenkt, um nach dem weißen Fell der Fähe Ausschau zu halten. Irgendwo hier musste sie ja stecken … oder hatte der Erdboden sie verschluckt?
11.06.2012, 09:00
“Dann wird es dich eventuell enttäuschen, dass du mich nicht so schnell vergraulen wirst können,“ er blinzelte kurz und sprach dann weiter, “Außerdem schaust du mir für ein Moormonster definitiv noch zu gut aus“.
Es war kein wirkliches Kompliment. Wenn man es etwas näher durchschaute, dann war es ganz einfach Samirez wie er eben war. Ein Moormonster, das stellte er sich in den Farben von Schlick und Moos vor, in Grün und Braun schattiert und mit leblosen schwarzen Höhlen als Augen. Keinesfalls ein Anblick mit dem er Amáya verglichen hätte. Doch bevor die Situation aufgeklärt werden konnte, bevor der Rüde die Chance hatte sie ganz einfach zu ihrem grauen Aufpasser (wie es schien) hinüber zu geleiten, passierte etwas, womit der Jäger weder gerechnet hatte, noch darauf eingestellt war.
Die Erde erhob sich mit einem irrsinnigen Getöse, brach an mehreren Stellen und setzte Massen von stinkendem Sumpfwasser und Dampf frei. In seiner Heimat hatte es in den Bergen öfters Mal solche Schauspiele gegeben, in denen sich die Erde verselbstständigt hatte, doch persönlich erlebt hatte er es noch nie. Geschichten waren es gewesen, einfache, lächerliche Geschichten, die dem großen Samirez doch niemals passieren konnten. Pah, so sehr konnte man sich irren. Der Bernsteinblick huschte suchend nach Amáya, die neben ihm zu Boden gegangen war. Schmutz, Erde und stinkendes Sumpfwasser benetzte sie. Die Pfoten des Rüden fanden auf dem tobenden Untergrund keinen Halt mehr. Gegen seinen eigenen Willen drückte sich der schlanke Wolf schließlich eng an den bebenden Boden, während die Augen immer wieder versuchten, die Anderen zu finden. Er keuchten leise, den Kopf dicht auf die Pfoten gedrückt.
Und dann hörte es plötzlich so schnell auf, wie es gekommen war. Ruckartig und im nächsten Atemzug taumelnd kam der Helle auf die Pfoten, den Blick suchend umher schweifend. Das Augenmerk huschte zu Amáya, sondierte kurz, ob es ihr gut ging, doch zumindest auf den ersten Blick konnte er keine Schäden feststellen. Ein erleichtertes Seufzen drang aus seiner Kehle, ehe eine fremde Stimme, aber ein allzu bekannter Wortlaut seine Aufmerksamkeit weckte. „Ahkuna? Bist du hier irgendwo?“ Sogleich überkam ihn ein unangenehmes Frösteln. Die Pfoten bewegten sich wie von selbst, als er in Richtung der Stimmgewalt trottete, behindert durch das Chaos welches ihm zu Füßen lag.
“Akhuna!?“
Drang es auch ihm sogleich selbst von den Lefzen. Innerlich betete er bereits darauf, eine Antwort zu erhalten. Sie durfte nicht verletzt sein, ihr konnte doch nichts passiert sein, es durfte einfach nicht so sein. Die Furcht saß wie ein eiserner Dorn in seinem Nacken. Die Schnauze des Wolfes drängte gen Boden, versuchte fieberhaft eine Fährte aufzunehmen, irgendetwas zu finden ,sie zu finden.
“Akhuna!“
Rief er noch einmal, diesmal mehr flehend als alles Andere. Ihr durfte nichts passiert sein. Oh, bitte...bitte...
11.06.2012, 20:10
"Hallo Hilel, ich bin Taleesha."
Während sie diese Worte sprach ertönte völlig unerwartet ein dunkles, tiefes Grollen. Es war jedoch nicht wie ein drohendes Knurren ausgewachsener Wölfe, sondern es war so fundamental und omnipräsent, dass Taleesha diese Gewalt an Geräusch gar nicht zuordnen konnte. Bevor sie sich überhaupt erschrecken konnte oder in der Lage war, Angst zu empfinden, bebte bereits der Boden unter ihren Pfoten und ihre Welt wurde aufs Extremste durcheinander gewirbelt. Sie wusste weder, wo oben und unten, noch wo Licht oder Dunkel waren. Es war alles Eins. Ein schlammiges, stinkendes, drohendes, Unheil verkündendes Ganzes. Sie hielt ihre Augen fest geschlossen und hoffte, dass es irgendwie vorüber gehen würde, dass sie nur ganz schlimm träumte. Sie war zwar noch nie so schnell eingeschlafen, aber vielleicht hatte sie ja den ganzen Tag nur geträumt und wurde gleich liebevoll von Mama Sheena geweckt. Sie lag bestimmt zwischen ihre Brüder gekuschelt da und die Welt war vollkommen heil geblieben. Noch während sie sich dies vorzustellen versuchte, war ihr bewusst, dass es kein Traum sein konnte, dass es schmerzlich echt war, was sie gerade erlebte. Solche Schmerzen, solche markerschütternden Laute, solche Finsternis konnte es im Traum nicht geben. Es musste wahr sein und es wollte nicht aufhören. Sie war in einen Strudel von brackigem Sumpfwasser gezogen worden und bekam nun kaum mehr Luft. Sie strampelte, japste und fiepte vor sich hin und fühlte einfach keinen Boden unter ihren Pfoten. Noch immer hatte sie die Augen fest zusammen gepresst, aus Angst, diesem Schrecken entgegenblicken zu müssen. Ihre Ohren, ihre Nase, ihr Maul, ihre Pfoten und ihre Haut hatten das Finstere bereits in sich aufgenommen und waren gefangen – der letzte Sinn, der ihr gehörte war ihr Sehsinn. Und sie würde ihn nicht hergeben, niemals. Sie würde ihre Augen erst wieder öffnen, wenn sie eine vertraute Stimme hörte, wenn sie weiches, kühles Gras unter ihren Pfoten spürte, wenn sie erfrischendes Wasser trinken konnte und wenn sie ihre Nase in das Fell ihres Papas stecken konnte und seinen beruhigenden Geruch einsog …
Taleesha war nicht mehr bei sich, als Kisha sie fand. Sie regte sich nicht mehr und lag in einer großen Pfütze aus Sumpfwasser. Sie atmete zwar, jedoch nur ganz flach und kaum wahrnehmbar. In ihren Träumen spazierte sie über eine große grüne Wiese.
[im Sumpfwasser liegend| Kisha direkt bei ihr, der Rest des Rudels in der Nähe]
12.06.2012, 17:18
Kaum wahrnehmbar begann die Erde unter ihren Füßen zu wackeln, innerhalb eines Herzschlags, noch ehe Sheena also in absolute Panik verfallen konnte, schien sich die Erde aufzubäumen, als ob in ihr eine wilde Bestie ausbrechen wollte, um sie alle zu verschlingen. Noch ehe sie reagieren konnte, stürzten die Bäume um sie herum in den Schlamm, das Wasser schlug hoch aus den Löchern heraus und irgendwann dann fand sie sich selber im Matsch wieder. Alles war so schnell geschehen, Sheena kniff erschrocken die Augen zusammen. Das konnte doch alles nur ein böser Traum sein, oder?
Mit zitternden Läufen raffte die Fähe sich hoch und blickte um sich. Unfähig in den ersten Sekunden auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Alles um sie herum war im Chaos versunken. Die entwurzelten Bäume, voll mit Matsch und Schlamm. Sie selber – ihr weißes Fell war dunkelbraun gefärbt und sie musste mittlerweile ganz genauso stinken, wie der Sumpf selber. Auch durch ihr kurzes Schütteln löste sich der Schlamm nicht aus ihrem Fell und ihre braun- goldenen Augen funkelten nun nicht mehr aus einem weißen Pelz heraus, sondern aus einem schlammfarbenen.
Langsam begann es in ihrem Kopf zu rumoren, Jakash, ging es ihm gut?
„Jakash? Alles in Ordnung?“
Ihre Frage, kaum mehr als ein Flüstern, so erschrocken war sie. Erst jetzt fielen ihr ihre Welpen ein, das Rudel. Ging es allen gut? Ging es ihren kostbaren Schätzen gut?
In der Ferne vernahm sie Tyraleens aufgebrachte Stimme, sie rief wahllos Namen in den Sumpf hinein. Hoffentlich war auch sie unverletzt! Aber immerhin schien sie so fit zu sein, dass sie reagieren konnte. Aufgebracht wirbelte sie herum. Sie musste zu ihren Welpen, sie musste sich vergewissern, dass mit ihnen alles in Ordnung war. Soweit sie es einschätzen konnte, ging es Jakash gut, er würde ihr schon folgen.
Mit großen Schritten begann sie zu laufen, zu rennen. Wohin? Erst einmal in Tyraleens Richtung! Wild heulend setzte sie ihre Pfoten auf den rutschigen Grund, glitt aus, taumelte und fing sich doch wieder.
„Isaaaaaaaí! Maaaaaalik! Tiiiiiiiiiiiiiinca! Taleeeeeeesha!!!“
Da, da, sie hörte den kleinen Isaí nach ihr und Jakash rufen. Eilig änderte sie ihren Kurs ein wenig. Sie würde ihren Sohn finden. Mit großen Sätzen übersprang sie die kleineren Wasserlöcher, schlidderte knapp an den größeren vorbei. Hechelnd ließ sie ihre Zunge aus dem Hals hängen, dieser Gewaltsprint durch den Matsch war unglaublich Kräftezehrend. Doch die Kraft einer Mutter erhöhte sich mit jedem Schritt den sie ihren Kindern näher kommen konnte.
„Isaí. Isaí!“ rutschend bremste sie neben ihm und passte sich seinem Tempo an. „Isaí, ist alles in Ordnung bei dir?“
Erst dann bemerkte sie Kisha und Taleesha. Taleesha die regungslos mit flachem Atem auf dem Boden lag. Mit einem großen Satz war sie bei ihrer Tochter angekommen. Da Isái auf den Beinen war musste es ihm einfach gut gehe. Doch was war mit Taleesha?
Sanft berührte sie die junge Fähe mit ihrer Schnauze, stupste sie sachte an und rief ihren Namen. Scheinbar war die Fähe nicht bei Bewusstsein. Was konnte sie tun? Hatte sich die Fähe verletzt? In der Hektik dachte sie nicht daran, dass sie nicht daran, dass sie durchaus in der Lage war, mehr über den Zustand ihrer Tochter zu erfahren. Regungslos, wie erstarrt stand sie wie eine Wächterin über ihrer Tochter und langsam perlte eine Träne aus ihrem Augenwinkel.
[Jakash - Dann Hilel, Isaí, Kisha und Taleesha]
(Ich hoffe es passt...)
12.06.2012, 17:51
Trotzdem blieb der Jüngere gentlemanlike und ziemlich amüsant. Der Beigefarbene war doch wirklich ein exotisches Relikt, dass man sich gut auf der Zunge vergehen lassen sollte. Vielleicht würde er das Rudel wirklich eines Tages ein wenig auffrischen, sie hatten es absolut nötig. Natürlich führte Tyraleen ihr Rudel hervorragend, trotzdem schien es Amáya, als wäre dem Rudel mit dem Tod ihrer Eltern ein wenig seines Glanzes genommen worden. Wahrscheinlich mussten sie sich diesen erst wieder richtig verdienen. Nur schade, dass die Fenrisgläubige nicht gerade jemand war, der viel dazu beitragen konnte.
"Ich würde es eher als eine willkommene Abwechslung bezeichnen.", erwiederte sie süffisant und kreuzte ihre Läufe mit einer entschiedenen Geste. Sie waren schlammgesäumt, doch der Dreck würde bald abblättern. Das Blut, welches an ihren Pfoten klebte würde allerdings nie verschwinden. "Nun, Samirez. Soetwas hört man doch immer gern.", schloss sie und ihre Leftzen verzogen sich zu einer Andeutung des Lächelns.
Fast als hätte sie sich mit den Mächten, die das Tal regierten abgestimmt, erzitterte der Boden plötzlich heftig und dann brach das Chaos aus. Schlamm und Wasser spritzte aus, während sich der Boden regelrecht unter ihren Pfoten aufzubäumen schien. Erst presste sie sich an den schlammigen Grund und verengte die Augen, wobei sie Samirez weglaufen sah, in die Richtung ihrer Nichte Ahkuna. Sie hatte noch nie erlebt, dass die Erde sich so verhielt. Ein Zeichen der Götter? Sie wusste es nicht. Sie hatte sich gerade aufgerappelt und wollte sich vom Ort des Geschehens schleppen - Unheil und Unruhe ahnend, die Lust und Laune am gesellschaftlichen Leben war ihr augenblicklich vergangen - als plötzlich infolge eines neuen, heftigeren Bebens eine kochend heiße Wasserfontäne direkt neben ihr aufschoss. Das brennend heiße Wasser streifte sie nicht, dafür beförderte es einen scharfkantigen Stein mit in die Luft, der Amáya an der Schläfe traf und eine blutige Schramme hinterließ. Benommen kniff sie die Augen zusammen und ihr Körper sackte in das viel zu warme Wasser unter ihr. Sie vernahm noch einzelne, verängstigte Rufe ihrer Rudelmitglieder, fast ausschließlich die Welpen betreffend. Vor ihren glasigen Regenaugen wirbelte die Sumpfwelt durcheinander. Flecken hüpften umher, die früher Wölfe waren. Ihr Atem, der ein wenig flach aber sonst normal war, sandte sanfte Kringel über die aufgwühlte Wasseroberfläche.
12.06.2012, 21:44
Und sie war sauer. Sauer auf sich selbst, dass sie so unfähig war. Sie musste doch endlich mal den Mut dazu haben, mit ihrer Schwester zu reden, ohne irgendwann vollkommen zum Schweigen gebracht zu werden. Auch wenn sie nun einmal eine solche Persönlichkeit war. Lieber ließ sie sich von den anderen dominieren und ins Wort reden, als dass sie irgendwas sagen würde. Sie war einfach… langweilig. Dagegen musste sie doch etwas tun können. Ob sie nun umdrehen und zu ihrer Schwester gehen sollte? Oder zu ihrer Mutter? Wer konnte ihr nun helfen? Gerne würde sie zu Banshee gehen. Die Fähe, die ihr halt gegeben hatte, selbst dann, wenn sie nicht mehr dagewesen war. Und nun? Ihr Blick glitt zum Himmel. Ob sie ihr nun auch helfen konnte?
In diesem Moment fing der Boden unter ihren Füßen zu beben. Es erschütterte sie, brachte sie ins Taumeln und ließ ihren Körper auf den Boden aufschlagen. Was war hier nur los? Hatte sie irgendjemanden verärgert? Verzweifelt versuchte sie immer wieder, halt auf dem matschigen Boden zubekommen, doch immer wieder rutschte sie aus und landete mit ihrer Nase im Dreck. Sie geriet in Panik, während Wasserfontänen aus dem Boden in den Himmel brachen und sumpfiges Wasser auf den Boden prasselte. Sie würde den Anblick genießen, wenn sie bloß wüsste, was hier los war! Sie würden bestimmt nun alle sterben! Der Boden würde unter ihnen durchbrechen und sie in die unendliche Tiefe reißen!
Aber warum hatten sie das verdient? Was hatten sie nur getan, um die Mutter Natur so zu verärgern? War es vielleicht der Tod ihres Bruders? Aber warum erst jetzt? Warum hier? Sie konnte es nicht glauben.
Und dann… war alles vorbei. Die Erde war still. Immer noch voller Schreck sprang Amúr auf und sie wollte rennen. Weit weg. Es sollte sie nie wieder einholen, diese Erdenwut. Und doch… sie blieb stehen. Keiner ihrer verspannten Muskeln bewegte sich. Alles wartete darauf, dass die Erde wieder wütete. Das sich irgendwas hier bewegte. Aber es bewegte sich nichts mehr. Außer ihr aufgewühltes Herz. Erst jetzt fing sie wieder an, zu atmen. Die ganze Zeit, hatte sie einfach den Atem angehalten.
Was wohl aus den Anderen geworden war? Oh nein! Was war, wenn sie nun alle verschollen waren? Wenn die Erde sie verschlungen hatte?! Ihre Muskeln bewegten sich. Sie musste sie suchen. Sie musste ihnen helfen!
„MAMA! PAPA! CAYLEE? PARVEEN? WO SEID IHR ALLE?“
Wo waren sie nur? Aus reinem Reflex rief sie nach ihren Eltern. Warum sie nur nach Caylee und Parveen rief und nicht nach ihren anderen Geschwister? Dies waren die letzten Gesichter gewesen, die sie gesehen hatte. Sie hatte so unendlich große Angst. Noch immer roch sie nach Angst. Auch konnte man ihr ansehen, dass sie gekämpft hatte. Überall an ihr war schlamm, der ihr schönes graues Fell verschmutzte und verklebte. Sie sah mittlerweile eher wie ein Streuner aus.
Und dann sah sie es. Ein schwarzer Körper, der am Boden lag. Averic! Ein quietschendes Geräusch entrang ihrer Kehle, ehe sie schnell auf den Körper zu rannte. Aber es war nicht Averic. Sie blieb stehen. Amáya. Und es roch nach Blut.
Sie ertrank. Panik ergriff sie abermals und sie bewegte sich wieder schnell vorwärts. Stoßweise kam ihr Atem aus ihrer Kehle, während sie in das Wasser trat. Auch wenn man nicht wirklich erkennen konnte, wann es Wasser und wann es Sumpfland wurde. Aber Amúr war es egal. Sie musste doch helfen! Immerhin eine gute Tat, die sie heute verrichten musste.
„Amáya… ich hol dich hier raus. Ruhig liegen bleiben. Ich helfe dir.“
Ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, während sie überlegte, was sie tun sollte. Oh nein. Sie war doch noch so jung und nun war sie hier alleine mit einer Verletzten! Was sollte sie nur tun?! Am besten wäre es wohl, ihren Kopf übers Wasser zu halten… und dann? Ob Amáya wiederaufwachen würde? Bestimmt. Ganz sicher würde sie wieder aufstehen und ihr helfen. Auch wenn Amúr nicht wusste, wie sie ihre Tante einschätzen sollte. War das nicht traurig? Ihre eigene Tante und die Graue wusste nicht, was sie mit ihr anfangen sollte.
Amúr hielt die Luft an und zwang ihren Kopf unter den, von der schwarzen. Sie durchwühlte dabei den Schlamm auf dem Boden und sah nun noch schlimmer aus, als vorher. Nun drückte sie ihren Kopf nach oben und somit auch den, von Amáya. Nun lag der Kopf von der schwarzen Gestalt auf dem Kopf von Amúr, die nun versuchte, diese Poste irgendwie zu halten. Ob sie nun besser Luft bekam? Ertrinken konnte sie nun sicher nicht.
Um einiges angenehmer machte diese Situation das Wasser, welches merkwürdiger Weise hier viel wärmer war, als sonst wo. Oder bildete sie sich das nur ein? Das konnte sicher auch sein, immerhin war sie gerannt und ihr ganzer Körper war noch von einem Hormoncocktail durchtränkt, der sie irgendwo zwischen Panik, Adrenalin und Verzweiflung schwimmen ließ.
12.06.2012, 22:52
Sie blieb liegen, auch als das Beben verstummte. Ihre Augen fest zugekniffen lag sie einen Moment länger als nötig in ihrer Pfütze. Ihr Kopf drehte sich und sie konnte nicht sagen, ob die Welt sich nicht noch immer bewegte. Ahkunas Gedanken waren kopfgestellt und solange hatte sie kein Gefühl für gar nichts. Erst die Schreie der Wölfe, die dieses Mal Namen riefen, brachte sie wieder zu sich. Namen wurden gerufen, von Wölfen die sie liebte und mochte. Ein Ruck ging durch ihren zierlichen Körper. Ahkuna richtete sich so schnell auf, dass ihr Schwindelig und Übel wurde. Sie schloss ihre Augen und riss sie im nächsten Moment wieder auf. Ihr verstörter Blick erfasste eine Situation, die sie am liebsten wieder vergessen würde. Unzählige Bäume waren umgestürzt. Wölfe lagen benommen auf dem Boden, ihre Felle waren beschmutzt durch den Matsch. Auch ihr Fell war verdreckt. Besonders die rechte Seite, auf die sie gestürzt war. Mit zitternden Läufen rappelte sie sich auf. Sie fühlte sich hilflos, sie wusste nicht was sie sagen sollte, was sie machen sollte oder was sie denken sollte. Doch die Rufe nach weiteren Wölfen rüttelte sie erneut aus dem Trauma und sie strauchelte einige Schritte nach vorne.
„Mama!?“
Ahkuna fühlte sich hilflos, wie noch nie in ihrem Leben zuvor. Ihr Kopf wurde von rechts nach links geworfen und wieder zurück. Wo war Kursaí? Geht es Jakash gut? War den Welpen etwas passiert? Wieso war Kirov nicht in ihrer Nähe? Oh, Himmel, was war mit Samirez? Ihre Gedanken brachen ab, bevor sie sich etwas ausmalen konnten. Sie hörte eine wohlbekannte Stimme und atmete ein paar Mal erleichtert aus.
„Kirov!“
Ihre Stimme bebte. Klang nicht so kräftig wie sie es sonst immer tat. Die Sorge schlang sich weiterhin wie ein durchsichtiger Schleier um sie und schien ihr Herz zu erdrücken. Sie spürte das harte Schlagen gegen ihren Brustkorb und sie hörte das Rauschen ihres Blutes in ihren Ohren. Mit kleinen, unscheinbaren Schritten lief sie in die Richtung, aus die sie seine Stimme vernommen hatte.
„Geht es dir gut?“, fragte sie, als sie sein mausgraues Fell entdeckt hatte.
Dass im Moment sie es war, die schlimmer aussah, ahnte sie nicht. Bevor sie etwas anderes sagen konnte hörte sie eine Stimme, die sie sofort herumfahren ließ. Sie drehte sich und blieb stehen. Ihr Kopf jedoch schien diese schnelle Bewegung nicht ganz zu verkraften. Sie bekam Kopfschmerzen und taumelte etwas zur Seite.
„I-ich bin hier!“ Samir! Ihm ging es gut. Ihm war nichts passiert! Erneut viel ihr ein Stein vom Herzen. „Ich muss zu ihm, Kirov“, hauchte sie leise und blickte den Rüden mit ihren eisblauen Seelenspiegeln an.
Ohne auf seine Antwort abzuwarten, ob er mitkommen würde oder nicht, setzte sie eine Pfote vor die Andere. Sie stolperte mehr, als das sie rennen würde. Sie kniff ihre Augen leicht zusammen. Warum sah sie alles so verschwommen? Trotzdem erkannte sie das beige Fell unter den ganzen Anderen. Sie lächelte leicht. Erleichtert und trotzdem immer noch voller Sorge um die Anderen.
„Dir geht es gut.“, stellte sie fest, als sie vor ihm stehen blieb.
Nun war sie sich jedoch endgültig sicher. Sie wollte ihre Schnauze in sein Fell tauchen, ihn zwicken und ihn ärgern. Sie wollte wieder seine frechen Züge im Gesicht sehen. In seine spöttischen Seelenspiegel blicken. Sogar seine höhnische Stimme wollte sie wieder hören. Trotzdem rührte sie sich nicht. Sie wagte es nicht ihm noch etwas näher zu kommen. In sein Gesicht zu schauen reichte ihr vollkommen.
13.06.2012, 19:13
Malik hatte keine Ahnung, wie ihm geschah und woher dieses Gewackel kam. Er hatte keinen Vergleich für das Beben, das es ihm unmöglich machte, auf seinen vier Pfoten noch Halt zu finden. Als er vergeblich versuchte, durch ein paar Schritte zur Seite noch das Gleichgewicht zu halten und schließlich doch stürzte, gab er keinen Laut von sich. Nur seine schwarzen Augen waren so weit aufgerissen, dass man den weißen Rand dahinter sah – vor lauter Schreck und Angst wurde der Welpe gänzlich starr und purzelte hilflos über den Boden. Erst ein aus dem Gras ragender, größerer Stein stoppte ihn schließlich ziemlich unsanft, obwohl die Erde weiterhin bebte. Malik winselte leise und machte sich so klein wie möglich, zog den Kopf ein, legte eine Pfote über seine Nase und den Großteil seines Gesichts, so dass er diese ganze, schwankende Welt nicht mehr sehen konnte und verharrte so. Auch als es knackte und krachte, blieb er einfach mit zusammengekniffenen Augen dort, wo er war. Den heftigen Aufprall des umstürzenden Baumes direkt neben sich bemerkte er aufgrund der ohnehin wütenden Erde nicht.
Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis der Boden wieder zur Ruhe kam. Als er endlich wieder still hielt, traute sich Malik nicht, die Augen wieder zu öffnen. In seinen Ohren summte es und Kopf und Schultern schmerzten vom Zusammenprall mit dem Stein. Hatte er während des Bebens nichts gehört außer dem dumpfen Donnern und Rumpeln, so ertönten nun so viele Stimmen gleichzeitig, dass er sie niemandem zuordnen konnte. Mehr als einmal hörte er, wie sie seinen Namen riefen, aber er antwortete nicht. Die Stimme von Kursaí drang an seine Ohren und sie klang so panisch, dass er jede Hoffnung fallen ließ, das hier könnte normal gewesen sein. Sofort durchflutete auch ihn entsetzliche Angst, vor allem vor diesem Unbekannten und dem Umstand, dass sich sogar die Erwachsenen fürchteten. Aber er schwieg, blieb zusammengerollt wie eine weiße Kugel und durch den Stein vor Blicken verborgen liegen, ohne sich zu trauen, die Augen zu öffnen. Die Erde blieb ruhig, fühlte sich wieder genau so fest und sicher an, wie bisher doch immer. Maliks Herz raste und er bekam noch mehr Angst, je mehr Stimmen nach ihm riefen. Niemand würde ihn von seinem sicheren Stein wegbekommen, gar niemand! Und doch wünschte er sich, dass seine Mutter zu ihm kommen würde, ihn anstupste und ihm zuflüsterte, dass alles in Ordnung war.
Er lag noch eine ganze Weile so verborgen hinter dem Stein und wagte sich erst zu bewegen, als ihm ein Käfer in die Nase zu krabbeln versuchte. Verwirrt und ängstlich fuhr Malik hoch, schnaubte und wurde das Insekt so los – und starrte in ihn umgebendes Grün. Tannengrün, kein Grasgrün. Mit riesigen Augen starrte er den gefallenen Baum an, dessen Stamm direkt neben ihm lag und von dessen Zweigen er so gut versteckt wurde, dass er nicht einmal den Himmel sehen konnte. Um ihn herum schwirrten irritierte Insekten, deren Behausung soeben einer gewaltigen Macht zum Opfer gefallen war und nun umsiedeln mussten. Ganz langsam und durch den Schock etwas neben sich stehend stand Malik auf, ignorierte seinen dröhnenden Kopf und stupste die dicken Zweige um ihn herum prüfend an. Er hatte noch niemals in einer Baumkrone gesessen, natürlich nicht. Er kam schließlich nicht auf Bäume herauf – nun war ein Baum zu ihm herunter gekommen und hatte ihn gegen seinen Willen unter seiner Baumkrone begraben.
„Mamaaaaa?“, rief er kläglich. „Maaaaaaaaaaaaaaaamaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!“
Verwirrt drehte er sich um sich selbst, suchte nach einem Ausgang. An manchen Stellen brach Licht durch die dicht aufeinander liegenden Äste und Nadeln piekten ihn ins Ohr, als er den Kopf hob. Überall roch es unglaublich stark nach Harz. Das unsagbare Glück, das er gehabt hatte, erkannte er in diesem Moment noch gar nicht. Er sah sich gerade als Gefangener eines doofen Baumes, der ihn nicht nach draußen lassen wollte, dabei riefen doch alle nach ihm.
„Das ist nicht nett. Ich möchte zu meiner Mama, du kannst mich nicht einfach einsperren. Onkel Madoc beißt dich, wenn du mich nicht zu den Anderen gehen lässt, ganz bestimmt. Ich maaaag keine Bäume.“, maulte er herum und schnappte einen Zweig, an dem er so lange knurrend zog, bis ihn der Harzgeschmack so ekelte, dass er es wieder sein ließ.
14.06.2012, 19:02
“Malik?!“,
rief sie laut, aber weder ängstlich noch wirklich besorgt. Wenn der Kleine noch welpisch knurren konnte, würde er wohl nicht verletzt sein. Nun galt es allerdings, ihn hier herauszubekommen. Und wo war er überhaupt? Sicherlich dicht am Hauptstamm, aber die Tanne war groß und es ließ sich kein Härchen weißes Fell zwischen dem dichten Geäst erahnen.
“Malik, wo bist du? Ich hol dich da raus, aber ich kann dich nicht sehen.“
Sie setzte die ersten Schritte auf die am Boden liegenden Äste und spürte die Nadeln unangenehm in ihre Pfotenballen pieksen. Zögerlich schob sie mit der Schnauze einige abstehenden Äste zur Seite, aber sie spürte die Kraft des Holzes und hatte schon jetzt Mühe, sich weiter nach vorne zu schieben. Sie konnte einen ersten Blick auf den Hauptstamm erhaschen und kurz stockte ihr wieder das Herz. Er war breiter als Malik. Die Gedanke, er hätte den kleinen Welpen treffen können, ließ sie kurz schwindeln und sie musste erneut rufen.
“Malik, dir geht es doch gut?“
Bisher schien niemand verletzt worden zu sein, ausgerechnet einen Welpen durfte es nicht doch getroffen haben.
[ umgestürzter Baum | erst nahe bei Isaí und Hilel, dann bei Malik ]
14.06.2012, 21:20
Dennoch war der Schreck über das gerade passierte – oder viel mehr was es für Konsequenzen haben könnte – viel größer, als das sich sein Geist nun großartig damit beschäftigte. Der Schwarze schüttelte nur aus einem Reflex heraus schnell den Kopf und riss die dunklen Augen wieder auf. Was war das!? Um ihn herum zeichnete sich ein Bild der Verwüstung ab. Äste lagen überall verstreut, zertrümmerte, umgestürzte Bäume, selbst der schlammige Grund war völlig aufgewühlt. Alarmiert schoss sein Haupt in die Höhe; ein Stich in der linken Stirnhälfte ließ ihn nur kurz zusammenzucken. Meine Kinder! Tyraleen! Ihm wurde augenblicklich speiübel bei der Vorstellung, ihnen könnte etwas zugestoßen sein, ein schwerer Ast könnte einen von ihnen nicht nur gestreift, sondern erschlagen haben. Sofort wollte Averic lospreschen und zurück zum Rudel laufen, als ihn doch noch die wiederkehrende Erinnerung daran festhielt, dass er nicht alleine war. Den weißen Fremden hatte er gänzlich ausgeblendet, so wandte er aber doch noch hastig den Kopf herum, nur um sich rasch zu überzeugen, dass Ansem nicht von einem Baum begraben worden war.
„Ansem?! Ich muss zurück, du kommst mit, mit dir will ich später noch reden!“, befahl er nur unwirsch, während die blauen Augen noch gehetzt die graue Umgebung nach weißem Fell absuchten.
[ Sumpf | Ansem ]
15.06.2012, 10:49
Und dann hörte er endlich die erlösenden Worte. Die einzige Stimme, die bis in sein tiefstes Gehirn vordrang und ein erleichtertes Seufzen aus seiner Kehle dringen ließ. Die Augen schlossen sich für einen Moment, während er einfach die Erleichterung genoss, dass sie am Leben war. Doch ging es ihr auch gut? Ruckartig öffneten sich die Bernsteinspiegel, suchten erneut panisch die Umgebung ab. Er sah so viele Wölfe, die alle auf der Suche waren oder bereits gefunden hatte. Und da, endlich fasste er sie ins Auge. Wie von selbst bewegten sich die kräftigen Pfoten, alles um ihn herum war vergessen, alles ungesehen, nur sie war wichtig. Akhuna. Als sie vor ihm stehen blieb, taumelnd, erschöpft, war es der Blick des Rüden, der über ihren Körper huschte, keineswegs flegelhaft, sondern einzig auf der Suche nach Verletzungen, Wunden oder Ähnlichem. Als ihre Stimme erneut an seine Ohren drang, schmunzelte er leicht, machte aber von seiner Untersuchung nicht halt und lief einmal um die Weiße herum, u auch ja sicher zu gehen, dass sie nicht verletzt war. Doch bis auf ein paar Probleme gerade zu stehen, schien sie in Ordnung. Wolf sei Dank! Leicht lehnte er die Schnauze vor, als er wieder vor ihr stehen blieb und berührte ganz leicht ihre Stirn.
“Du weißt doch, Unkraut vergeht nicht“, erwiderte er scherzhaft.
Dann flackerte erneut eine Besorgnis in seinem Innersten auf. Sie stand so still da, was hatte sie denn? Vorsichtig zog er das Haupt zurück. Vielleicht wollte sie das ja garnicht. Er hatte sich ja benommen wie der letzte Idiot und was wusste er denn, was sie nun von ihm dachte? Erst machte er sie fertig und dann litt er Todesängste ob es ihr denn gut ging? Er war ja so ein Wechselbalg. Dennoch, er musste wissen was...
“Und dir? Geht es dir gut? Bist du verletzt? Willst du dich lieber hinlegen?“
Die Sorge in seiner Stimme war unüberhörbar, als all diese Fragen aus ihm heraus sprudelten und von einem zaghaften Winseln untermalt wurden. Seine Kumpels hätten ihn nun sicherlich ein Weichei genannt und ihn ausgelacht, aber das war ihm so ziemlich egal. Sie waren nicht hier, keiner von ihnen und er konnte einfach Mal sein, wie er es wollte. Und für ihn war nur eines wichtig, Akhuna.
15.06.2012, 17:24
“Ja, das sieht schon ganz passabel aus. Lass dich von dem Gestank nicht irritieren, man muss alles ausblenden, was die stolze Haltung weniger respekteinflößend aussehen lassen könnte.“
Wichtigtuerisch versuchte sie ihre seltsam gerührte Stimmung zu überspielen. Es hatte etwas tief Berührendes wie sie gemeinsam, Seite an Seite, stolz und aufrecht, stark und selbstbewusst, nebeneinander standen und so ein Bild von Kraft und Einigkeit ausstrahlen mussten. Beinahe wünschte sich die Weiße, es würde nun irgendwer vorbeikommen und sie sehen. Dieser Wunsch erfüllte sich leider so ganz und gar nicht. Denn die Erde musste beschlossen haben, dieses Bild lieber so schnell wie möglich zu zerstören, bevor irgendwer mitbekam, welche Einheiten Caylee noch immer bilden konnte. Sie bäumte sich auf und tobte unter Caylees Pfoten, sodass sie augenblicklich das Gleichgewicht verlor. Sie fiel zu Boden, schlug mit dem Kopf gegen einen Stein und sah kurz nur noch Schwärze. Dann spürte sie, wie sie zur Seite geschleudert wurde und prallte mit der Schulter gegen einen Baumstamm. Sie jaulte auf, rutschte an dem harten Holz hinab und wurde noch einmal fest gegen den Baum gedrückt … dann war alles wieder still. Schwer atmend und jetzt leise winselnd lag sie auf der feuchten Erde und spürt den Schmerz wild in ihrer Schulter wüten. Ihr ganzer linker Vorderlauf pochte unaufhörlich und gleichzeitig spürte sie ihn kaum. Als sie versuchte sich aufzurichten, jaulte sie vor Schmerz unwillkürlich auf und sackte wieder in sich zusammen. Erste Tränen traten ihr in die Augen und sie musste die Zähne fest zusammenbeißen um nicht weiter zu jaulen. Sie hörte Parveens Stimme – hatte sie sie gerufen? – aber konnte nicht antworten, zu sehr fürchtete sie, erneut vor Schmerzen aufzuheulen, sollte sie das Maul wieder öffnen. Nur das Winseln drang weiterhin aus ihrer zusammengepressten Schnauze und sie war nicht fähig, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.
[ Sumpf an einem Baumstamm | ein paar Schritte von Parveen entfernt ]
16.06.2012, 14:11
Die Ohren des Rüden zuckten nach vorne und er riss den gesenkten Kopf hoch, als er tatsächlich Ahkuna Stimme hörte. Ein Stein fiel ihm vom Herzen und er lief eilig ihrer Stimme nach. Als er sie entdeckte, lächelte er. Es ging ihr gut. Ein Glück. Er hätte sich vermutlich noch lange schuldig gefühlt, wenn ihr etwas passiert wäre. Gerne hätte er ihr seine Freude gezeigt, ihr über das weiße Wangenfell geleckt oder so etwas. Doch er ließ es. Auf ihre Frage hin, ob es ihm gut ging, streckte er vergleichsweise seinen Rücken durch. Sein Herzschlag hatte sich wieder beruhigt und das Adrenalin, das durch seinen Körper gepumpt worden war, nahm ab. Und abgesehen davon, dass seine Beine etwas schmerzten, was ihm gerade aber sonderlich unwichtig vorkam, fehlte ihm nichts.
„Alles in Ordnung. Und bei dir? Geht es dir gut?“
Sein Blick strich über ihr einst weißes Fell, was nun vollkommen mit Erde und Dreckwasser durchtränkt war. Wäre es eine andere Situation gewesen, hätte Kirov vermutlich erst einmal herzlich gelacht, doch der Schreck saß ihm noch immer in den Knochen. Ein Zucken durchfuhr seinen Körper, als eine weitere Stimme nach Ahkuna rief und er wandte den Kopf. Etwas weiter entfernt, sah er einen weißen Rüden. Als er ihn erkannte, formten seine Augen sich leicht zu Schlitzen. Es war der, der vorhin noch bei Amáya war. Doch … wo war die Schwarze jetzt? Sein Herz machte einen erschrockenen Hüpfer, als er sie in der Nähe des Weißen nicht sehen konnte. Einen Moment blickte er sich noch suchend um, ehe Ahkuna wieder mit ihm sprach. Er hatte sie gar nicht mehr wahrgenommen. Endlich blickte er sie wieder an und erwiderte den Blick ihrer blauen Augen. Sie wollte zu dem Weißen und im Moment verstand Kirov den Grund noch nicht. Also starrte er nur kurz zurück, brachte ein sanftes Lächeln auf die Lefzen und neigte leicht den Kopf. Dann war Ahkuna auch schon weg und er stand alleine da. Obwohl es wohl noch etliche andere Wölfe hier gab, spürte er das Verlangen, Amáya zu suchen, so stark das er meinte, es würde aus ihm herausbrechen. Sein Herz pochte vor Sorge unregelmäßig gegen seinen Brustkorb und er lief ziellos an einem umgefallenen Baum vorbei. Ein jämmerlicher Schrei erreichte seine Ohren und er blieb stehen. Was war das? Ein verletztes Tier? Hörte sich eher nach Jungwolf oder auch Welpe an. Seine Augen weiteten sich leicht. Hier gab es Welpen. Mehrere sogar, wenn er sich nicht täuschte. Er atmete tief aus und lief in die Richtung, von der er meinte den Jammerlaut gehört zu haben. Zur selben Zeit bemerkte er, dass sich noch ein weißer Wolf aufmachte und eilig auf eine umgefallene Tanne zusteuerte. Die Leitwölfin. Kirov verfiel in einen schnellen Trab und er erreichte die Tanne einige Sekunden nach Tyraleen, die ihren Kopf zwischen das Geäst gesteckt hatte. Der Welpe war da drin? Himmel. Und zu leben schien er auch noch. Entweder meinten die „Götter“ es wohl gut, oder er hatte einfach nur mordsmäßiges Glück gehabt, von dem Baum nicht erschlagen geworden zu sein.
„Tyraleen, ich helfe dir“, begann der Gemusterte etwas unbeholfen. „Warte“
Kirov überlegte kurz, wie er das Gesicht der Weißen wohl am besten schützen konnte, damit sie genug Platz hatte, um den Welpen hinaus zu holen. Unsicher blickte er die Leitwölfin an, die ihn damals so freundlich im Rudel aufgenommen hatte. Dann begab er sich neben sie, steckte ebenfalls seinen Kopf in das piksende Geäst und kniff die Augen zusammen, damit diese verschont blieben. Er zog den Kopf ein wenig zurück und die Nadeln verfingen sich in seinem langen Fell. Er hatte ihr Schutz vor den Nadeln geschaffen, wenigstens ein bisschen. Kirov rückte noch weiter zur Seite und spürte wie unangenehm die Tannenblätter doch waren. Kontakt damit hatte er immer gewissenhaft vermieden, doch nun gab es keinen anderen Weg.
20.06.2012, 15:15
Nein, das konnte nicht der Tod sein. Plötzlich, wusste sie es, klar wie noch nie. Am Ende ihres Weges, würden sie und Mayhem wieder beisammen sein. Es war noch nicht so weit.
Das Geräusch platschender Pfoten erregte ihre Aufmerksamkeit, die nun langsam wieder zurückkehrte. Jemand sprach ihren Namen, nein, jemand flüsterte ihn. Sie kannte die Stimme natürlich, konnte sie auf die schnelle in ihrer momentanigen Situation jedoch nicht gleich einordnen. Zaghaft flatterten ihre Augenlider. Trotzdem blieb sie liegen, wie eine ihrer Verwandten - denn es war zweifelsohne Eine - es ihr gehieß. Erst jetzt bemerkte sie das leichte Pochen an ihrer Schläfe, wo die kleine Wunde sich bemerkbar machte. Ein bisschen Blut hatte sich mit dem lauwarmen Wasser vermischt, mehr nicht. Die roten Schlieren waren schön anzusehen, aber sie fühlte sich immer noch ein wenig benommen. Es war nicht leicht, ihre Augen geöffnet zu halten, aber sie begann, sich besser zu fühlen. Kurz konnte sie das Gesicht der jungen Fähe erkennen. Amúr, ihre Nichte. Eine von Tyraleens vielen Töchtern. Dann spürte sie, wie ihr Kopf leicht angehoben wurde. Der Schädel der Grauendrückte gegen ihren Hals und ihr Kopf gelangte endlich wieder an die frische Luft. Sie strömte in ihre Lungen hinab und ihre Brust begann sich wieder schneller zu heben und zu senken. Kurz schluckte die Schwarze und schwieg einige Herzschläge lang. Wie seltsam das alles war. Dieser Sumpf war gefährlicher, als sie angenommen hatte.
"Danke, Amúr."
Das Flüstern der Finsteren war leise, aber nicht umbedingt kraftlos. Dennoch würde sie noch ein wenig Zeit brauchen, um vollends zu Kräften zu kommen.
"Ich kann bald wieder, keine Sorge."
Es überraschte sie selbst wie harmlos, ja vielleicht sogar eine Spur sanft ihre Worte klangen. Gefasst. Sie konzentrierte sich darauf, ihre Gedanken wieder zu klären. Sie konnte das Herz ihrer Nichte fast klopfen hören und ihr eigenes war auch im Aufruhr. Das Beben war so willkürlich gekommen, ohne jegliche Vorwarnung. Aus heiterem Himmel, könnte man sagen.
21.06.2012, 20:34
„Huhu Tyraleen, ich bin hier drunter!“, rief er vergnügt und drehte sich so, dass er in die Richtung blickte, aus der ihre Stimme gekommen war. „Ich kann dich auch nicht sehen, der Baum ist ganz schön grün. Er ist einfach auf mich drauf gefallen und will nicht weggehen.“
In seiner Stimme schwang seine volle Entrüstung über diese Frechheit mit. Die Frage, ob es ihm gut ging, beantwortete er nur mit einem zustimmenden Brummeln, das ein wenig ungeduldig klang. Wieso sollte es ihm denn nicht gut gehen? Es war nur nicht so toll hier drunter, wenn man nicht raus konnte. Ansonsten wäre das ein supertolles Versteck, aber eingesperrt zu sein war etwas Anderes. Es war ein bisschen bedrohlich und beunruhigend. Aber bevor doch noch Angst aufkommen konnte, lenkte ihn eine andere Stimme von diesen Gedanken ab. Maliks Kopf ruckte nach oben und er stieß prompt gegen den Stamm, aber seine Ohren stellten sich trotzdem neugierig auf. Wer war das denn?
„Wer will dir helfen, Tyraleen? Darf ich raten?“, freute er sich und versuchte nun wieder, einen Blick durch die Zweige auf seine beiden Retter zu erhaschen.
Aber es knackte nur, als kleinere Zweige zerbrachen, weil sich jemand mit mehr Kraft einen Weg hindurch zu bahnen versuchte. Maliks Rute begann erfreut hin und her zu pendeln und er gab sich Mühe, es aus der entgegengesetzten Richtung genau so zu machen. Schließlich wollte er dabei helfen, dieses Gefängnis in ein Versteck zu verwandeln. Da nahm er auch in Kauf, dass Harz das Fell auf seinem Nasenrücken verklebte und Nadeln in die empfindliche Haut pieksten. Er wollte ja schließlich nach draußen, gewiss hatte er eine Menge verpasst. Vielleicht gab es noch mehr Bäume, die statt wegzulaufen einfach umgefallen waren und Wölfe des Rudels eingesperrt hatten und … ja, ganz sicher gab es noch mehr aufregende Veränderungen, die er jetzt wegen des doofen Baumes nicht sehen konnte.
24.06.2012, 11:35
„Samir“, flüsterte sie leise.
Was sollte sie ihm sagen? Brachte es jetzt überhaupt Worte um einander zu verstehen? Lag es nicht eindeutig auf der Pfote, dass die Welt gerade Kopf stand? Ein leichtes Zittern ging durch ihren Körper. Die Angst um ihre Familie schnürte ihr die Kehle zu. Wie eine unsichtbare Kette schlang sich das Gefühl der Ahnungslosigkeit um ihren Hals und schien mit jedem Atemzug immer enger zusammenzuziehen. Sie fühlte sich wie ein Fisch an Land. So hilflos. Leicht schüttelte sie ihren Kopf. Sie merkte nicht, dass sie verletzt war. Sie spürte nichts, außer den harten Schlägen in ihrem Brustkorb.
„I-ich muss erst wissen was mit meiner Mutter und meinen Geschwistern ist. Samir, was wenn ihnen was passiert ist?!“
Ihr Zittern nahm zu. Es schien sich ein dunkler Schleier auf ihre Seelenspiegel zu legen und ließ diese farbloser erscheinen, als sie eigentlich waren.
{ Bei Samir }
24.06.2012, 15:37
Als Akhuna auf ihre Familie zu sprechen kam, nickte Samirez brav. Leicht trippelten die dreckigen Pfoten hin und her (ein Umstand den er später definitiv ändern musste), während seine Zunge nach den richtigen Worten tastete.
“Shht, beruhige dich erst einmal. Ihnen wird bestimmt nicht passiert sein.“
Zaghaft lehnte er das markante Haupt schief, schob die Schnauze vor, berühre die Fähe vor sich aber nicht. Die Bernsteinspiegel waren aufmerksam und aufrichtig auf eben jene gerichtet. Er wünschte er hätte sie irgendwie durch seine pure Anwesenheit beruhigen können, doch dazu hatte er scheinbar nicht die Macht.
“Wenn du denkst, du bist ruhig genug. Dann gehen wir deine Familie suchen okay? Aber ich möchte nicht, dass du dich vielleicht noch verletzt, indem du jetzt überstürzt handelst. Atme erst einmal ruhig durch und lass deinen Körper zur Ruhe kommen, bitte.“
Leise Worte, beinahe flehentlich gesprochen. Seine leuchtenden Augen sprachen Bände. Er konnte nicht riskieren, dass sie sich eventuell noch in größere Gefahr begab. Er spürte regelrecht, dass es ihr nicht gut ging und das Zittern war ebenfalls kein gutes Zeichen.
“Möchtest du dich wirklich nicht erst einmal kurz hinlegen? Nur ein paar Augenblicke, damit du wieder zu Kräften kommst.“
Er musste sie irgendwie dazu bringen, vernünftig zu sein. Sie konnte jetzt nicht los rennen und ihre Familie suchen. Das würde sie sicherlich nicht verkraften und er konnte nicht zulassen, dass ihr etwas passierte. Nein, niemals.
24.06.2012, 18:56
Ansem musste fast ein wenig schmunzeln, als er den Kommentar des Schwarzen vernahm. Das sollte wohl als Kompliment gedacht sein, wertete der Hüne. Wohlmöglich waren die zwei doch nicht so unterschiedlich, wie er anfangs vermutete. Nachdem der Schwarze seinen Namen nannte, nickte Ansem und senkte seinen Kopf, zur Anerkennung, leicht. Ohne jegliche Anmerkungen lauschte er den Worten seines Gegenüber. Averic hatte also vor das Tal der Raben auszusuchen. Seiner Meinung nach eine vielleicht nicht ganz so gute Idee.
Ehe er auch nur anfangen konnte zu antworten, um den Todessohn über eventuelle Gegebenheiten in seinem Tal aufzuklären, hinderte ihn ein völlig unerwartetes Ereignis. Ihr Gespräch wurde jäh unterbrochen. Die Erde fing an sich zu regen, wie eine Wasseroberfläche, die vom Wind bewegt wurde, erst nur sanft, dann immer heftiger, bis es eher einem Sturm glich. Ansem stürzte nach hinten und wurde plötzlich zu Boden gerissen. Seine Beine konnten ihm unter diesen enormen Schwankungen keinen Halt mehr bieten. Angesichts dieser Naturgewalt war er machtlos, niemand von ihnen wurde verschont. Sogar Bäume rissen aus ihren Verankerungen, Wurzeln wölbten sich aus dem Boden, verzweifelt Halt suchend an ihrem sonst so sicheren Standort, mussten manche von ihnen unter der enormen Last aufgeben. Es knarzte grauenhaft laut um sie herum. Äste brachen und rissen im Fall weitere mit sich in die Tiefe.
Einer der Bäume rasselte zwischen den beiden Wölfen nieder, trennte sie voneinander. Der Baumstamm streifte Ansems Schulter, erschrocken und vor Schmerz fuhr er zusammen. Ein paar Zentimeter weiter und er wäre begraben gewesen unter dem hölzernen Ungetüm. Wieder halbwegs gefasst versuchte der Rüde sich aufzurappeln. Nun erschwerte ihm zwar das Beben, welches mittlerweile nachgelassen hatte, das Aufstehen nicht mehr, aber seine Schulter pochte schmerzhaft. Das weißes Fell war dort leicht rot gefärbt, allerdings nichts dramatisches, die Prellung bereitete dem Hünen mehr Sorgen. Er brauchte eine Weile um vollends auf den Beinen zu stehen. Erst noch die angeschlagene rechte Schulter entlastend, schüttelte er das Blätterwerk von sich, welches sich auf ihm niedergelassen hatte. Erst jetzt kam ihm der Schwarze in den Sinn. Averic, wie war es ihm ergangen? Ansem hob den Kopf, er hörte seinen Namen. Averics Stimme klang aufgewühlt, irgendetwas beschäftigte den Rüden. Der Weiße sprang auf den Baumstamm, der ihn eben noch beinahe begraben hatte, um auf die andere Seite zu gelangen. Dort befand sich der andere Wolf.
„Averic.“ Er sah den Ausdruck in den blauen Augen und wusste, dass es der Rüde eilig hatte. „Wir sollten uns beeilen,“ bestätigte Ansem, immerhin lag es ebenfalls in seinem Interesse zu erfahren warum ihr Gott ihre Zusammenkunft beabsichtigte. Außerdem war er neugierig über was sich Averic gerade so den Kopf zerbrach. Der Weiße sah in die Richtung aus der sein Gegenüber zuvor gekommen war. Ihnen lagen einige Hindernisse im Weg, aber ein Durchkommen war nicht unmöglich. Die Sumpflandschaft sah vollkommen verwüstet aus, nichts war wie vor dem Beben. Ansem war sich sicher, dass diese Naturgewalt ihre Opfer gefordert hatte. Die beiden Wölfe zahlten mit etwas Blut, andere Geschöpfe vielleicht mit mehr.
[Sumpf | bei Averic]
24.06.2012, 20:52
Jetzt lag sie also hier, das Beben irgendwie überstanden, zugegebener Maßen noch ziemlich verwirrt und benommen. Die großen Bernsteigaugen blickten wässrig umher, Tinca schniefte. Von ihrem Vorsatz, sich mutig durch das Unterholz zu schlagen und zu beweisen, dass sie es schaffen konnte – selbst wenn sie sich hier nicht auskannte und sich vor jedem wiegendem Grashalm zu fürchten schien – war nicht mehr viel übrig. Sie wollte einfach nur noch zu ihrer Mutter und Heim, in die sichere Höhle, wo sich der Boden hier nicht mehr dazu entscheiden konnte, zu zittern. Unter Umständen hätte Tinca gedacht, dass der Boden so gezittert hatte, weil er sich ebenfalls fürchtete – dann hätte sie sogar Mitleid mit ihm gehabt… allerdings hatte sie einfach nur noch Angst. Panisch drehte sie sich, nachdem sie wieder etwas klarer im Kopf geworden war, im Kreis.
“H- h- hallo?“, verließ beinahe lautlos ihren kleinen Fang.
Sie wollte schreien, sie wollte rufen, irgendwie auf sich aufmerksam machen – wo waren denn nur alle?! – doch sie bekam kaum einen Ton heraus. Ihr Herz schien sich gar nicht beruhigen wollen, so schnell trommelte es in ihrer Brust. Einen Augenblick lang war Tinca davon überzeugt, dass es ihr jeden Moment gemeinsam mit den leicht hervorstechenden Rippen der dünnen Fähe aus ihr herausspringen würde Sie schluckte heftig, wandte sich verzweifelt um sich selbst und rief nochmals schwach den Namen ihrer Mutter. Nicht einmal genug Mut übrig hatte sie, um sich vom Fleck zu bewegen und den Rest des Rudels selbst zu suchen! Was, wenn ihnen etwas passiert war? Was, wenn sie sie nicht retten konnten? Wenn sie dachten, sie wäre… sie wäre gestorben? Tinca schnappte nach Luft, Tränen rannen ihr durch das dunkle Fell. Dann würden sie sie hier zurücklassen! Sie würden sie gar nicht suchen! Sie… sie war verloren!
Wimmernd rollte sich die junge Fähe neben einem leicht mitgenommen aussehendem Busch zusammen und presste die Äuglein aufeinander. Ihr blieb nichts anderes übrig, als zu warten… darauf zu warten, dass der Tod sie holen würde. Sie versuchte, sich an eine Geschichte zu erinnern, die sie bereits gehört hatte – eine über die Götter, die nett und freundlich und hell war, ganz anders, als dieser Ort. Ob man zu den Göttern kam, wenn man starb? Schade, sie hatte nie danach fragen können – und jetzt… jetzt war es vorbei. Schluchzend und hicksend schob Tinca ihre Schnauze unter die Rute, die langen Ohren matt herunterhängend.
Alles war so dunkel. . .
25.06.2012, 21:54
Nachdem Krolock sich dann aber erst an ihn und schließlich an Atalya gewandt hatte, konnte Chardím nicht anders und fing an zu lachen. Es hatte sicherlich auch etwas Auslachendes an sich, aber die Widersprüchlichkeit, die der Schwarze ihnen gerade entgegengeschleudert hatte, war wirklich köstlich.
„Oh, Krolock. In einem Atemzug sagst du mir, ich wisse nicht wovon ich rede und im nächsten beschuldigst du Atalya dir das selbe vorgeworfen zu haben. Und dass das ja so viel einfacher wäre, als seine Perspektiven zu überdenken. Hörst du dir eigentlich selbst mal zu? Ich habe selten jemanden gehört, der in nur zwei Sätzen so widersprüchlich war.“
Das Lachen war verstummt und er beobachtete den Schwarzen weiterhin ganz genau, wenngleich sein Gesichtsausdruck weiterhin keine Spur von Feindseeligkeit aufzeigte.
„Und was für eine Perspektive überhaupt?“ Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Deine Perspektive besteht darin einfach alles blöd und schlecht zu finden und das kann man kaum Perspektive nennen. Du wirst immer alles doof finden, meckern und dich aufspielen, egal was passiert.“
Als Krolock dann aber seine Taktik änderte und Tyraleen mit ins Spiel brachte, zuckten Chardíms Ohren leicht und er machte ein paar Schritte, sich dabei unauffällig halb vor Atalya schiebend. Bei seiner Schwester mochte der Schwarze mit so einem Satz vielleicht den falschen Nerv getroffen haben, aber bei ihm regte sich nicht viel. Sein Gefühlsleben lief anders, als das der meisten Wölfe. Wenn hätte er sich vielleicht von dem Vorwurf des geblendeten Blickes provozieren lassen können, aber das seine Mutter ihren Sohn ermordet hatte, entsprach nun einmal der Wahrheit. Die Aussage war für ihn kein Grund wütend zu werden. Die zweifarbig wabernden Augen starrten dem anderen Wolf direkt in die Augen, ruhig aber eindringlich. Auch seine Haltung blieb selbstsicher.
„Achso, du meinst also, wenn du anfängst schlecht von meiner Mutter zu reden, dann raste ich schon noch aus, ja? Wenn du dich mit mir prügeln willst, dann sag’ das direkt und rede nicht so drum herum.“
Chardím war sich recht sicher, dass nun bald ein Angriff seitens Krolock folgen würde, aber er war darauf gefasst.
Was dann allerdings wirklich geschah, darauf war er keineswegs gefasst gewesen. Erst klang es wie ein Ächzen, ein Aufstöhnen – und dann brach die Hölle los. Die Erde krümmte sich wie unter Schmerzen und fing an zu toben, wie ein leidgeplagtes Tier. Sie selbst hatten keinerlei Chance irgendwie dabei Halt zu finden und Chardím wurde unsanft von den Pfoten gerissen, prallte direkt mit Krolock zusammen und konnte sich weder abfangen, noch sonst irgendetwas dagegen tun, dass sie zu Boden gerissen wurden. Das Schütteln verzerrte das Blickfeld vor seinen Augen, ließ selbst seine Gedanken verschwimmen und der Jungrüde wusste, dass der unsanfte Umgang der Erde mit ihnen schmerzte, aber wo er die Schmerzen hatte, wusste er in dem Moment auch nicht.
Selbst als das Beben nachließ, hatte der Schwarzweiße immer noch das Gefühl, als würde sich alles drehen. Was zum Teufel war das gewesen!? Wirr den Kopf schüttelnd öffnete er wieder die Augen.
„Atalya?“,
fragte er sogleich noch bevor sein Blickfeld wieder ganz klar war und er das Gefühl in seinen Knochen den richtigen Gliedmaßen zugeordnet hatte. In dem Augenblick war ihm nicht mal klar, ob er auf Krolock, oder unter ihm lag.
[ Sumpf | Krolock, Atalya ]
25.06.2012, 21:55
Ein Jaulen und Winseln lenkten ließen Averic schließlich innehalten, alarmiert spitzten sich die Ohren und er öffnete kurz auch das andere Auge, um im blutigen Schleier seine Tochter zu finden. Ihre Stimme hätte er nicht verwechseln können. Etwas Helles erschien in seinem Blickfeld und mit einem großen Sprung setzte er über einen Baumstamm hinweg, schnell zu der jungen, weißen Wölfin am Boden eilend. Seine Schwester bemerkte er nur kurz, feststellend dass sie lebte. Aber das war nun nicht halb so wichtig, wie das Wohlergehen seiner Tochter. Das sie noch winseln konnte deutete Averic vorerst als ein halbwegs gutes Zeichen. Besorgt huschte sein Blick über ihren bebenden Körper, um Wunden auszumachen. An ihrer Schulter war das Fell zerzaust und verklebt, die Haut aufgeschrabbt und so wie seinen eigener, schien auch ihr Kopf etwas abbekommen zu haben. Das war nicht gut. Der große Rüde senkte den Kopf zu Caylee hinunter.
„Caylee! Kannst du mich hören?“
Vorsichtig begann er mit der Zunge die Wunde an ihrem Kopf zu säubern.
[ Sumpf | erst nur Ansem, dann bei Caylee und Parveen, Ansem im Schlepptau ]
26.06.2012, 18:23
Am liebsten wäre sie weiter nach vorne gegangen, hätte sich Caylee genau betrachtet, aber ebenso wollte sie sich nicht neben ihren Bruder drängeln. Immerhin war er ihr Vater und würde eine Ablenkung gewiss nicht zulassen.
Unruhig trat Parveen von einer Pfote auf die andere und hätte die Augen wohl nicht von den Beiden gewandt, wenn nicht ein weißer Schemen am Rande ihres Blickfeldes aufgetaucht wäre. Ein fremder Geruch drang an ihre Nase und ihr Nackenfell sträubte sich, als sie einen weißen Rüden sah, der auf sie zu kam. Parveen war keine angriffslustige Wölfin, aber Misstrauen konnte sie in dieser Situation nicht vermeiden. Die roten Augen kamen ihr vor wie Blutstropfen in frisch gefallenem Schnee… Wie die Augen Fenris'. Mit der selbstbewusster Haltung stellte sie sich zwischen ihre Familie und den weißen Hünen. 'Du wirst niemals gegen diesen Wolf ankommen', schoss es ihr durch den Kopf und dies versetzte ihr einen kleinen Stich. Es war nicht zu leugnen, dass er sowohl größer als sie war und demnach wahrscheinlich auch stärker, aber trotzdem wandte sie sich an ihn.
"Wer bist du, Fremder? Und was willst du hier?"
Mit einem Gedanken an die verletzte Caylee, wurde sie zumindest ein wenig selbstbewusster. Zwar zeugte ihr Frage nicht gerade von… Einfallsreichtum, aber es war im Moment wahrscheinlich erst einmal am Wichtigsten zu wissen, wer dieser Wolf war.
26.06.2012, 19:10
“Danke.“
War vorerst das Einzige, was Tyraleen einfiel, außerdem krähte Malik schon wieder aus dem Baum hervor und wollte erraten, wer zu seiner Rettung herbeigeeilt war. Nun musste die Weiße beinahe schmunzeln und warf Kirov einen “Welpen“-Blick zu.
“Dann rate mal, Malik, aber wenn du mich siehst, komm so nahe zu mir wie möglich, ja?“
Jetzt schob sie sich an Kirov vorbei, der mit seinem Körper eine beachtliche Menge an Ästen und Nadeln aus ihrem Weg hielt. Er war vielleicht nicht der größte Rüde des Rudels, aber er schien kräftig zu sein und machte sich auch nichts daraus, die weniger angenehme Arbeit zu übernehmen, sodass sie im Idealfall nur noch den Welpen zwischen den Ästen hervorziehen musste. Ein wertvolles Rudelmitglied, was Tyraleen sehr erfreute. Gedanken konnte sie sich darüber aber nun nicht machen, viel eher versuchte sie sich immer weiter nach vorne zu schieben und irgendetwas Weißes zu entdecken. Die Nadeln pieksten noch immer in ihre Pfotenballen, aber dank Kirov konnte sie den Hauptstamm fast erreichen und entdeckte dann auch endlich Malik, der auf sie zu kroch.
“Da bist du ja! Wenn du noch ein bisschen näher kommst, kann ich dich hochnehmen und nach draußen setzen.“
Er würde die Rute einziehen und die Läufe eng anlegen müssen, aber durch zwei Äste könnte sie ihn hindurchquetschen. Er war doch schon etwas größer geworden und war zum Glück so ordentlich genährt, dass es nicht mehr so leicht war, ihn herumzutragen. Aber ganz kurz würden sie das beide schaffen und wenn Kirov noch genug Kraft hatte, um dem unerbittlichen Holz zu widerstehen, würde ihre kleine Rettungsaktion schnell erfolgreich abgeschlossen sein.
[ Sumpf, Baum | Kirov und Malik ]
27.06.2012, 10:43
Die Umgebung machte es nicht leicht und der Schmerz in seiner Schulter noch weniger, aber Ansem folgte dem Todessohn so schnell er konnte. Einen gewollten Abstand ließ er jedoch fortwährend, um auf Nummer Sicherheit zu gehen. Der stechende Schmerz in seiner Schulter drängte sich in den Vordergrund, Ansem versuchte ihn auszublenden, anfangs noch wenig erfolgreich. Doch je länger er lief, desto geringer war das Leiden zu spüren.
Ein tiefes Grollen verließ seinen Fang, den er dabei ein paar Mal leicht öffnete, um ihn gleich darauf wieder zuschnappen zu lassen. Es war beinahe mit Kauen zu vergleichen, drückte aber eher seinen Missmut aus. Ihm stiegen verdammt viele unbekannte Gerüche in die empfindliche Wolfsnase. Averic führte ihn geradewegs zu einem ganzen Rudel, vermutlich seinem Rudel, ob das für Ansem so vorteilhaft war würde sich wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt herausstellen. Das schmerzliche Pochen kam zurück, als die Pfoten des Weißen ihre Bewegung einstellten, aber ihn interessierten nun andere Dinge. Gänzlich ins Geschehen trat der Hüne vorerst nicht. Er beobachtete Averic und wem er sich näherte, um die Lage einschätzen zu können, der er sich aussetzen sollte. Der schwarze Wolf machte einen letzten Satz und kam dann bei einer zu Boden gegangenen weißen Fähe zum Stehen. Sie war von Schmerzen geplagt - wohl größer als die seinen - so laut wie sie winselte.
Averic verlangte wahrlich viel von ihm: In ein fremdes Rudel hinein platzen, ohne auch nur ansatzweise zu wissen, wie groß die ganze Bagage war und welche Anfeindungen ihm entgegen gebracht wurden. Immerhin war Ansem nicht gerade der unauffälligste und vertrauenerweckendste Wolf unter seinen Artgenossen. Misstrauen und Argwohn begegnetem ihm Tag täglich, allerdings nicht unbedingt zum Missfallen des weißen Rüden. Häufig legte er es sogar auf eine Rangelei an.
Sein Blick fiel letzten Endes auf die ebenfalls anwesende schwarze Fähe, deren Kopf feine helle Zeichnungen aufwies, immerhin war auch sie es, die ihn - beinahe vorwurfsvoll - ansprach. Ansem trat ihr mit seiner vollen Körpergröße entgegen, genauso aufrecht wie sie es tat, nur überragte er die Schwarze ohne Mühe. Seine blutroten Augen fixierten ihre Seelenspiegel, so als wolle er in ihre tiefsten Abgründe blicken. Da Averic mit der am Boden liegenden Unbekannten beschäftig war, galt Ansems Aufmerksamkeit nur der Schwarzen.
„Entweder ist es Selbstbewusstsein oder Dummheit die dich veranlasst mir im Weg zu stehen.“ Es war nicht Überheblichkeit, die ihm diese Worte in die Schnauze legte, die Fähe war ihm ganz klar unterlegen. Ihr war allerdings zu Gute zu halten, dass man die Situation vermutlich schnell falsch einschätzen konnte. Sowohl Averic als auch er selbst hatten Blut an ihren Körpern von den chaosartigen Umständen, die zuvor geherrscht hatten, es hätte aber ebenso von einem Kampf herrühren können. Belustigende Gedanken schossen dem Rüden durch den Kopf. Die Vorstellung, einen Kampf mit dem Todessohn auszutragen, nahm verlockende Ausmaße an. Um die tapfere Fähe jedoch nicht weiter ihren schlimmsten Befürchtungen ausgesetzt zu lassen, erbarmte sich Ansem die Situation abzumildern – natürlich auf seine Art.
„Ich hätte schon längst angegriffen, wäre es meine Absicht gewesen,“ stellte der Rüde somit nüchtern klar.
[ Sumpf | erst nur Averic, dann bei Averic, Caylee und Parveen ]
28.06.2012, 18:08
Gerade setzte die Graue zum Sprung an, an ihrem Bruder vorbei, als die Erde unter ihren Läufen erzitterte. Vollkommen unerwartet begann sie mit einem Mal zu wanken, und schwankte im nächsten Moment so bedrohlich, dass Atalya den Halt verlor, mit einem dumpfen Geräusch auf den Boden aufschlug. Ihr Kopf prallte auf den Boden und das Bild vor ihren Augen verschwamm zu einer dunklen Masse. Die Welt um sie herum war mit einem Mal schwarz, und einige Momente presste es ihr die Luft aus der Lunge. Auch als die Welt wieder still stand, regte sich die Fähe noch nicht, nahm nicht einmal das ferne Knacken von Bäumen und Ästen war, sowie die Schreie, die über den Platz hallten. Erst einige, rasende Herzschläge später, als sie wieder atmete, die Erde sich endgültig beruhigt hatte, kehrte ihr Bewußtsein zurück, auch wenn sich trotzdem alles um sie herum drehte. Ihr Kopf tat furchtbar weh, und außer die Augen zu öffnen konnte sie Nichts tun, sich nur auf ihren Atem konzentrieren. Die Stimme ihres Bruders war mehr ein fernes Rauschen, auf welches sie nicht reagierte. Atalya öffnete leicht den Fang, blieb sonst jedoch unbeweglich liegen. Erst mit den verstreichenden Momenten schien es, als kehrte sie in diese Welt zurück. Trotzdem glaubte sie nicht, dass sie aufstehen konnte, versuchte es nicht einmal. Leise flüsterte sie nach ihrem Bruder, was war mit ihm? Sie hatte noch nicht ganz realisiert, was geschehen war, und hoffte dass es ihrem Bruder gut ging, während sie Krolock vollkommen aus ihren Gedanken strich.
[Sumpf – Chardím & Krolock]
29.06.2012, 11:16
“Tinca!“, rief sie ihr sofort zu und fuhr ihrer Enkelin, kaum erreicht, prüfend und tröstend mit der Nase durch das Fell um zu sehen, ob sie verletzt war. “Tinca, keine Angst, ich bin doch jetzt da, jetzt wird alles gut.“
Schon hatte sie sich ebenfalls unter den Busch gequetscht und ihren Körper wie eine schützende Mauer zwischen die Welt und Tinca gerollt. Die kleine Schwarze war zwar total verängstigt, aber offensichtlich unverletzt und das war das wichtigste. Gegen die Angst war ja nun Shani da. Immer wieder fuhr sie der Kleinen mit der Zunge über Kopf und Körper und flüsterte dabei beruhigende Worte.
“Es ist alles gut, das war nur ein bisschen Erdschütteln, das passiert manchmal, aber davor musst du keine Angst haben. Allen geht es gut und jetzt bin ich da und beschütze dich, wenn es noch einmal rüttelt.“
In Wirklichkeit hatte Shani natürlich keine Ahnung, was das war und ob man davor Angst haben musste. Das sollte Tinca aber ganz bestimmt nicht erfahren und sollte sie Fragen stellen, würde sich ihre Oma schon irgendwelche guten Antworten ausdenken können.
[ im Sumpf | Tinca ]
29.06.2012, 13:07
“Papa.“,
kam es gepresst aber unglaublich erleichtert zwischen ihren Zähnen hervor. Jetzt öffnete sie erstmals die Augen und auch wenn der Schmerz ihren Blick mit Tränen verschleierte, sah sie das besorgte Gesicht ihres Vaters, das ebenfalls nicht ganz unverletzt schien. War das Blut auf seiner Stirn? Die Möglichkeit, sich mit etwas anderem zu beschäftigen und das Wissen, dass sich nun jemand um sie kümmerte, lenkte sie von ihren eigenen Schmerzen ab und schon konnte sie tapfer nicken.
“Ist alles nicht so schlimm … aber meine Schulter tut so weh. Und du blutest. Was ist überhaupt passiert? Und mein Kopf tut weh.“
Ein bisschen durcheinander aber nicht wirr sprach sie mit noch immer etwas gepresster Stimme, aber schon viel entspannter, aus, was ihr im Kopf herumwirbelte. Allein die Anwesenheit ihres Vaters schien ihre Verletzung bereits zur Hälfte geheilt zu haben. Schon wollte sie erneut versuchen, sich aufzurichten, doch natürlich hielt ihr Lauf auch durch Averics Danebenstehen der starken Belastung nicht stand und schon sank sie wieder zu Boden. Jetzt konnte sie auch ein weiteres Winseln nicht zurückhalten, zu stark war der Schmerz, der durch ihre Schulter schoss.
Ich kann nicht aufstehen.“,
winselte sie, als hätte Averic das nicht sehen können und klang schon wieder weniger entspannt. Am Rande ihres Gesichtsfeldes bemerkte sie dann auch noch zwei Gestalten – einmal Parveens, die sie eher erleichterte; aber auch die eines großen Fremden und schon drehten sich ihre Ohren zurück und sie versuchte sich hinter Averic zu verstecken. Sie wollte von irgendeinem Neuling nicht wie ein Welpe winselnd am Boden liegend gesehen werden. Der Stolz blieb ihr auch in einer solchen Situation erhalten.
[ Sumpf, an einem Baumstamm | Averic, Parveen und Ansem ]
01.07.2012, 12:25
„Taleesha! Taleesha, hörst du mich?“
Ein Flehen schwang in der Stimme der Schwarzren mit, völlig verzweifelt beobachtete sie jeden Atemzug der jungen Fähe, die sich weiterhin nicht regte. Wieder berührte die Schwarze den reglosen Körper, fuhr mit der Zunge über ihren Kopf und spürte dabei ebenso, wie die Angst sie mehr und mehr einnahm. Sie hatte auf die beiden Welpen aufpassen wollen, und nun lag die Welpin hier vor ihr, regte sich nicht. Tränen traten in die Augen der dunklen Fähe, als sie den Blick kurz umwandte, nach Hilfe suchen wollte. Sie wußte sonst Nichts, was sie hätte tun sollen, um der Schwarzen zu helfen, aber sie konnte auch nicht tatenlos bei ihr stehen, darauf warten, dass sie von allein wieder auf die Beine kam. Ein panisches Schlucken folgte, als sie erkannte, wer auf sie zugerannt kam. Sheena, die Mutter der Kleinen. Zuerst wollte Kisha zurück weichen, Platz für die Weiße machen. Aber sie blieb stehen, betrachtete nun die ängstliche Mutter, auf deren Wangen Tränen glitzerten. Und es traf sie in diesem Moment wie ein Schlag, die Lösung hatte sich gerade von ganz allein gefunden. Mit einer vorsichtigen Berührung stubste Kisha die helle Fähe an, die völlig ausgelöst schien. Wer könnte es ihr verübeln? Erneut schluckte Kisha, versuchte sich mit einem tiefen Atemzug zu beruhigen.
„Sheena... Sheena, du kannst ihr helfen...!“
Hoffnung lag nun wieder in der Stimme der Dunklen, und wieder richteten sich die braunen Augen auf die am Boden liegende Welpin. Wer hätte ihr nun mehr helfen können, als Sheena? Es nahm für einen Moment die Last von Kishas Schultern, auch wenn die Sorge um Taleesha dadurch nicht abgeschwächt wurde. Und dann drang eine Stimme an ihre Ohren, die sie laut aufseufzen ließ. Eine weitere Last wurde ihr genommen, als Isaí nach ihr rief, sich nach ihr erkundigte. Ihr kleiner Patensohn schien wohlauf zu sein, und die Schwarze dankte Engaya unendlich dafür. So richtete sie den Blick von Mutter und Tochter ab, blickte dem Roten entgegen und ein erschöpftes, und doch ehrliches Lächeln galt dem Welpen. Und die Sorge würde nicht schwer zu überhören sein.
„Isaí, es ist alles in Ordnung mit mir.“
Das mit Taleesha nicht alles in Ordnung war würde er selbst sehen, aber sie wollte ihm in diesem Moment nicht eine Last auflegen, die er nicht tragen musste. Sheena war bei ihnen, sie würde wissen, was zu tun war.
[Sumpf – Sheena, Taleesha – Nähe Isaí & Hilel]
02.07.2012, 20:35
Trotzdem, je länger sie ihr Gewicht auf ihre Läufe verlagerte, desto mehr bekam sie das Gefühl, dass sie ihr Gleichgewicht verlieren würde. Ihr Körper spannte sich an und krampfhaft versuchte Ahkuna keinen Schwenker zur Seite zu machen. Ansonsten würde Samir ihr niemals glauben, dass mit ihr wirklich alles in Ordnung war. Sie würde dann nur noch länger in dieser Ungewissheit bleiben, die sie immer mehr von innen zu zerreißen schien. Doch es war nicht so einfach, wie es die junge Fähe nun mal hätte. Sie drohte nach vorne zu stolpern. Bevor dies jedoch geschah und sie unbewusst Samirs Sorge bestätigen würde, ließ sie sich auf ihre Hinterpfoten nieder und schlug ihre Augenlider auf. Sie versuchte zu Schauspielerin und Samir vorzulügen, dass es ihr prächtig ging!
„Mir geht es gut, Samirez. Bitte lass uns gehen!“
Dieses Mal war sie es, die ihn mit ihren eisblauen Seelenspiegeln durchdringend anblickte. Ihr Lächeln bröckelte. Aber nur aus dem Grund, weil sie den Rüden im Moment nicht einschätzen konnte. Sie konnte nicht erahnen was seine nächsten Worte sein würden. Ob er ihr zustimmen oder sich gegen sie stellen würde. Was wusste sie schon, was in einem Samir vorging?
{ Sumpf | Samirez }
03.07.2012, 22:10
Der Rüde verwarf seine Gedanken und beobachtete, wie die Weiße ihren Kopf durch das Geäst schob. Er hörte ihre Stimme aus dem Inneren des Baumes und drückte sich bei ihren Worten noch etwas mehr zur Seite, um ihr vielleicht doch noch etwas mehr Platz ermöglichen, damit sie den Welpen gefahrlos befreien konnte. Malik schien die Situation nicht besonders ernst zu sehen, auch wenn er nach einiger Zeit in dem Käfig aus Ästen wohl ein ziemliches Problem bekommen hätte. Es war schon mehr als Glück gewesen, dass er überhaupt überlebt hatte.
„Mach dich so klein wie eine Maus, Malik“,
schlug er vor und zuckte mit den Ohren, was er sofort bereute, da die Tannennadeln ihn umzingelt hatten wie ein frisches Stück Beute. Sein Vergleich mit der Maus war jetzt vielleicht nicht überragend gewesen, doch Malik würde wissen, was gemeint war … hoffte er.
Weiterhin drückte er seinen Leib gegen die Äste und Tannenwedel. Ein stiller Wunsch äußerte sich in ihm, den er natürlich nicht aussprechen würde, schließlich „arbeitete“ er hier gerade mit der Leitwölfin persönlich zusammen, was für ihn eine doch recht ungewohnte Situation war. Aber wollte nur, dass Tyraleen sich beeilte mit ihrer Rettungsaktion, da seine Haltung langsam anfing etwas wackelig zu werden. Er bemühte sich zwar, seine Pfoten fest am Erdboden stehen zu lassen, doch da er sich auch nicht direkt in die Nadeln legen wollte, spürte er langsam, wie er etwas wegrutschte. Er konnte bloß hoffen, dass Malik sich wirklich klein machte, ansonsten würden er und Tyraleen wohl noch etwas länger hier stehen und ihre Köpfe durch die Äste des Baumes stecken.
05.07.2012, 21:26
Aus der Entfernung beobachtete sie, wie das Rudel, in kleinen Gruppen, durch das Sumpfgebiet streifte und allmählich spürte sie, wie die Anspannung sich ein wenig von ihr löste, bis, plötzlich und ohne jede Vorwarnung der Boden zu beben begann. Die Erde bäumte sich auf, riss Daylight scheinbar mühelos von den Pfoten und schleuderte sie ins Gras, wo sie für einen kurzen Augenblick benommen liegen blieb, ehe sie sich mühsam aufrappelte. In ihrem Kopf drehte sich alles, doch es blieb keine Zeit, um einen klaren Gedanken zu fassen, das Beben der Erde hatte das Rudel in Panik versetzt, und Chaos war nun das herrschende Element. Panisch wandte Daylight den Kopf in alle Richtungen, in dem Versuch die Situation auch nur ansatzweise zu erfassen – überall waren Wölfe zu Boden gestürzt und nur einige waren gleich wieder auf die Pfoten gekommen, andere lagen noch immer wie reglos da. Einige Wolfslängen von ihr entfernt entdeckte sie eine große graue Fähe, die sich ebenfalls recht schnell wieder erholt zu haben schien, zumindest bemerkte Daylight auf den ersten Blick keine äußeren Verletzungen, doch um sicher zu gehen und weil sie ihr am nächsten war näherte sie sich ihr mit einigen raschen Schritten.
„Hey“, rief sie aus, noch ehe sie die vermeidlich Fremde ganz erreicht hatte, „ist alles in Ordnung bei dir? Bist du unverletzt?“,
und kam schließlich neben ihr zum stehen, sie ausgiebig musternd. Irgendetwas an ihr kam Daylight merkwürdig bekannt vor, aber sie kam einfach nicht darauf, was es war und so verwarf sie diesen Gedanken rasch wieder und ein nun sorgevoller Ausdruck trat in ihre hellen Augen – die Hauptsache war vorerst, dass niemand verletzt worden war.
05.07.2012, 23:30
Nach diesen wenigen Sekunden der Stille, in welchen sie nachdenklich verharrt hatte, beschloss die Welpin, dass es wieder das Beste wäre, sich selbst zu bemitleiden. Erneut schniefend und wimmernd vergrub sie ihre Schnauze unter ihrer eigenen Rute – perfekt eingekringelt, relativ gut versteckt und eigentlich nur darauf wartend, dass die Welt, die sie kannte, das zeitliche segnete.
Und dann. ganz plötzlich, unerwartet und eigentlich schon vollkommen außer Möglichkeit gelassen, rief eine Stimme ihren Namen. Dieses Mal drückte die kleine Fähe ihre Augen allerdings fester aufeinander, fürchtend, sie würde sich wieder irgendwas einbilden. Die anderen hatten sie doch vergessen, waren ohne sie gegangen! Aus ihrer vorherigen Hypothese war mittlerweile felsenfeste Überzeugung geworden, feshalb sie gar nicht auf die Stimme reagierte, sondern weiterhin darauf bestand, dass alles finster, dunkel, fies und hoffnungslos war.
Die stupsende Schnauze allerdings, die sie kurz darauf aus ihren Untergangstheorien riss, konnte Tinca nicht ignorieren. Sofort riss sie den Kopf nach oben, die Ohren wild schlackernd und erst mit etwas Verzögerung sich aufstellend, starrte in das helle Antlitz ihrer … Großmutter!
“Oh – oh, Großmutter!“, schluchzte die Kleine und legte alle falsche Zurückhaltung ab – das weiße Fell Shanis war so einladend wie schon lange nicht mehr. Sie schmiegte ihr Gesicht daran, wie sie es zuvor unter ihrer eigenen Rute versteckt hatte, und wimmerte hinein. “D-du machst a-a-alles g-gut, ja? A-alles!“, nuschelte sie weinend in das Fell der älteren Fähe, “e-e-es w-war so sch-…rreckllllich!“
Es war so tröstend, so wundervoll, als sich Shani dazu erbarmte, sich neben Tinca nieder zu lassen und ihren schützenden Körper um die Kleine zu legen. So nahe sie konnte kroch diese an sie heran – was sie unter anderen Umständen vermutlich nicht getan hätte. Tinca war schließlich eine Fähe, die sich vor absolut allem fürchtete, die einfach jeden mit einer gewissen Scheu behandelte – warum nicht auch die eigene Großmutter? Dieses Mal allerdings hatte sie nicht einen Gedanken dafür übrig, war im Bereich ihres Möglichen lag, sie suchte einfach nur Schutz und Trost.
Nachdem sie eine Weile in das weiße Fell geweint und sich besänftigen hatte lassen, hob Tinca ihren fragilen Kopf und starrte mit wässrigen Augen zu Shani hinauf. Es lag ein flehender Ausdruck darin, ganz so, als wollte sie das Grünauge bitten, nie, nie wieder fort zu gehen. Doch außerdem wollte sie auch noch auf etwas anderes hinaus.
“K-kannst du nicht… also… kannst du nicht m-machen, dass e-es nie wieder r-rüttelt?“, wollte sie mit flüsternder Stimme wissen und drückte sich noch einmal kurz an ihre Großmutter, ehe sie etwas dringlicher, aber noch immer sehr leise, dazustotterte, “i-ich glaube n-nicht, d-dass dir dann jemand b-böse w-wäre, Groß- … Großmutter!“
Schließlich wollte sie Shani ja auch nicht um etwas bitten, dass sich am Ende als etwas Falsches, Schreckliches herausstellte! Oh, wie furchtbar wäre es, wenn sie eine Untat begehen würde, nur, weil Tinca sie darum gebeten hatte…! Allein der Gedanke mischte eine leichte Panik in den Blick der Schwarzen, mit welchem sie ihre Großmutter ansah. Zwar konnte sich Tinca nicht wirklich vorstellen, wer etwas so toll an diesem Erdschütteln finden konnte – immerhin waren Bäume umgefallen und sie hatte andere Wölfe laut rufen und schreien hören! – doch wer wusste schon, was in dieser verwirrend und Furcht einflößend großen Welt schon alles richtig und falsch war. . . ?
05.07.2012, 23:52
„Bist du …. Averic? Oder vielleicht Aszrem?“
Schon war sein Repertoire erschöpft und er musste innehalten mit dem Ratespiel. Herrje, wen gab es denn noch, der das sein konnte? Sein Papa war es ebenso wie Madoc nicht, da blieben doch gar nicht mehr so viele Wölfe übrig. Grübelnd legte der Welpe die Ohren zurück und stemmte die Vorderpfoten gegen den Mittelstamm, in der Hoffnung, doch mal einen Blick auf seinen unbekannten Retter zu erhaschen. Doch das was dann auftauchte, gehörte eindeutig zu Tyraleen, deren Geruch ihn gleichzeitig erreichte. Erfreut winselte er und seine Rute begann zu wedeln, dann zwängte er sich zwischen zwei dickeren Ästen hindurch, um näher zu ihr zu kommen und ihr die Rettungsarbeit zu erleichtern. Dabei sah er nur kurz ein wenig graues Fell, das sicherlich seinem Retter gehört – und damit sowohl Averic als auch Aszrem ausschloss. Hmm, eine wirklich knifflige Sache. Fast wäre er stehen geblieben, um in Ruhe nachdenken zu können, aber da bat Tyraleen ihn, noch näher zu kommen und von draußen kam die Aufforderung, sich so klein wie eine Maus zu machen. Malik lachte vergnügt auf.
„Das geht ja gar nicht.“, belehrte er den grauen Wolf glucksend, doch seine Belustigung schlug schnell in kindliche Empörung um. „Du weißt ja meinen Namen!“
Das war ja wohl mal gar nicht fair. Der da wusste seinen Namen, andersherum funktionierte das aber nicht. Malik schob sich trotzdem so weit nach vorn, bis er sich fast zwischen drei Ästen verklemmte und Tyraleens Nase mit seiner hätte berühren können. Seine Augen funkelten voller Abenteuerlust, als er den Blick der Alphawölfin strahlend erwiderte.
„Du hast mich gefunden!“, freute er sich und gab sich noch mehr Mühe, selbstständig mit nach draußen zu gelangen.
So richtig funktionierte das aber nicht, das Loch, durch das Tyraleens Kopf guckte, wurde von ihr komplett ausgefüllt. Fragend blinzelte er sie an und wartete auf einen Einfall, wie sie das Problem lösen konnten. So festzustecken war nämlich nicht wirklich bequem.
06.07.2012, 11:31
„Ja, alles in Ordnung.“, murmelte er ihr noch nach, obschon sie längst verschwunden war, um nach Taleesha zu sehen.
Ein ungutes Gefühl überkam den jungen Wolf, als er die Eile seiner Mutter sah. Etwas, was ihm sagte, dass die Sorge in seinem Inneren doch nicht ganz unbegründet war. Etwas stimmte nicht, auch, wenn er noch nicht wirklich wusste, was es war. Sein Gefühl sagte es ihm, sein Instinkt und der täuschte einen nur selten. Der Rote hielt inne, beobachtete kurz die beiden Fähen, die in einigen Wolfslängen bei seiner Schwester standen und sah schließlich ängstlich zu Hilel hinauf. Etwas in ihm sträubte sich dagegen, sich den anderen zu nähern, doch er wollte zu seiner Schwester, zu seiner Mutter und seiner Patin und so hatte er keine andere Wahl. Mit einem letzten Blick zu Hilel setzte er sich schließlich wieder in Bewegung und schlich förmlich mit kleinen Schritten auf die kleine Gruppe zu. Wenn die Schwarze ihm nicht folgen würde – er hätte es nur zu gut verstanden. Er hörte die Stimme Kishas, hörte ihre Worte, die ihn noch mehr beunruhigten. Abermals wuffte er leise nach den beiden Wölfinnen – besorgt und ängstlich. Schließlich traf in der Blick Kishas, die ihm versicherte, dass bei ihr alles in Ordnung war, doch das beruhigte ihn im Augenblick nicht. Er schlüpfte unter Sheena hindurch, berührte sie kurz tröstend an der Lefze und stupste schließlich ganz sanft seine Schwester an.
„Taleesha, du kannst die Augen wieder aufmachen. Es ist vorbei. Es ist alles wieder gut. Mama ist auch hier und Kisha.“, flüsterte er ihr mit welpenhafter Manier entgegen und hoffte, dass sie daraufhin einfach wieder aufwachen würde. „… Was ist mit ihr? Warum macht sie die Augen nicht auf?“
Langsam sank er etwas tiefer zu Boden, legte sich in die Pfütze und bettete seinen Kopf ganz vorsichtig auf dem durchnässten Pelz seiner Schwester. Leise winselnd wartete er darauf, dass sie endlich wieder die Augen aufmachte, denn sein Instinkt sagte ihm, dass es kein gutes Zeichen war, wenn man nach einem Erdzittern schlief.
06.07.2012, 17:10
„Ein Kratzer, mich hat nur ein Ast gestreift. Aber ich kann dir leider auch nicht mehr sagen, als das die Erde gebebt hat. Ich weiß nicht warum.“
Der Gedanke, dass dieses Beben erneut passieren könnte, beunruhigte ihn. Averic wusste ja nicht mal, was die Erde dazu veranlasst hatte sich wütend aufzubäumen, ebenso wenig wusste er also, ob ihr Zorn schon wieder so weit abgeebt war, dass sie nicht wieder damit anfing. Für den schlimmsten Fall musste er seine Tochter sofort an irgend eine Stelle bringen, wo sie bei einem neuerlichen Beben zumindest nicht von Bäumen erschlagen, oder an andere geschleudert werden konnte. Der Pechschwarze festigte seinen Stand und blieb dicht neben Caylee stehen, als diese versuchte sich zu erheben und winselnd wieder zu Boden ging. Die Ohren zurückdrehend senkte Averic den Kopf und witterte sachte an der Wunde ihrer Schulter.
„Tut nur die Schulter weh wenn du aufstehst, oder auch die anderen Läufe? Kannst du aufstehen, wenn du die Pfote nicht aufstellst und dich gegen mich stützt?“
Er warf noch einen prüfenden Blick in die Augen seiner Tochter, dann drehte Averic kurzzeitig den Kopf herum zu Ansem und Parveen. Seine Lefzen kräuselten sich und gaben kurz den Blick auf seine Zähne frei. Hatten die dahinten nichts besseres zutun als sich anzugiften? Klar, für Parveen war Ansem ein Fremder, aber seine Schwester sollte ja wohl so schlau sein und wissen, dass Averic nicht irgend einen gefährlichen, blutrünstigen Fremden hinter sich herlaufen und dann auch noch in die Nähe seiner Tochter ließ. Genau so wenig war die provokante Antwort des Weißen angebracht.
„Jetzt ist wirklich nicht der richtige Augenblick für euer Kindergartengehabe! Ich habe ihn in Empfang genommen, Parveen und nun hilf mir lieber!“, wies er die beiden barsch zurecht und wandte sich wieder seiner Tochter zu.
[ Sumpf | Caylee, Parveen, Ansem ]
06.07.2012, 19:58
Irgendwelches Blabla kam aus Chardíms Fang, aber Krolock hörte gar nicht richtig zu. Erst gegen Ende wurde er dann wieder aufmerksam und nahm gierig zur Kenntnis, dass seine Worte auf Atalyas Gesicht ein wahres Feuerwerk an Emotionen ausgelöst hatten.
„Okay, prügeln wir-“
Er brach ab, aber wahrscheinlich waren auch die beginnenden Worte bereits vom Getöse, das plötzlich über sie hereinbrach, verschluckt worden. Reflexartig schnappte er nach dem Angreifer, der sich auf ihn geworfen hatte – gegen ihn gefallen war. Die Zähne schlugen neben dem Gesicht des Rüden aufeinander. Das Wackeln ging nämlich weiter und Krolock selbst verlor das Gleichgewicht, überschlug sich und blieb noch kurz liegen, als alles wieder ruhig und starr war. An seinem Rücken spürte er einen anderen Wolfskörper.
Panik, Angst, Schmerz... angenehme Gefühle flatterten durch die Wölfe des Rudels. Da konnte man ja fast gute Laune bekommen!
Krolock erhob sich und lachte.
„Ein stinkender Sumpf... der mir nichts getan hat...“, äffte er Chardím lautstark und von Gelächter geschüttelt nach. „Klar... das eben war auch mal wieder voll normal.“
Er schüttelte seinen Pelz. Seltsamer Schmerz zuckte durch ihn, aber er konnte nicht lokalisieren, wo dieser hergekommen war. Im einen Moment war nichts gewesen, dann war nichts anderes als Schmerz da und nun blieb nur ein Pochen zurück. Irgendwo. Hatte er sich den Kopf gestoßen? Vielleicht. War auch egal.
„Auf das Angebot mit der Prügelei komm ich gerne ein anderes Mal zurück.“, sagte er förmlich, in übertriebener Höflichkeit. War beinahe so, als würde er sich mal eben bei den beiden Wölfen dafür entschuldigen, dass er nun das Weite suchte. Er ging jedenfalls. Huschte wie ein Schatten zwischen den dichtwachsenden Pflanzen hindurch, vorbei an einem Baum, blind für die Probleme der anderen Wölfe, bis er einen weißen Fleck im langweiligen Farbenmischmasch ausmachte. Caylee, am Boden und um sie herum nichts als Armleuchter. Der Schlimmste von allen war ihr Vater, aber wenn Krolock auch sonst immer gern für eine Prügelei zu haben war, jetzt nicht. Dennoch blieb er, wo er war und versuchte abzuschätzen, was dort los war. Schien zumindest mal niemand tot zu sein. Ein Fremder war aber da und die eine Wölfin, deren Namen er gerade vergessen hatte, spielte die Verteidigerin. Musste er etwa jemanden beißen? Vorsichtshalber blieb er mal kampfbereit stehen.
[Erst bei Atalya und Chardím, dann Beobachter der Gruppe Caylee, Averic, Parveen und Fremder (Ansem)]
08.07.2012, 22:14
Aber das machte ihr Freude. So hatte sie genügend Zeit, ihre Gedanken und Gefühle zu sammeln. Ihre Welt in Ordnung zu bringen, ehe sie heraustrat und allen ihre Meinung verkündete. Wie lange sie sich wohl davor drücken konnte? Sie versuchte es einfach so lange wie möglich. Schließlich musste sie erstmal wissen, was sie sagen wollte. Und zu wem. Das war alles so kompliziert. Konnte es nicht einmal etwas einfacher sein? Aber wahrscheinlich wäre es dann langweilig und zu einfach. Ohne Herausforderung.
„Natürlich kannst du bald wieder! Das liegt doch in der Familie, nicht wahr?“
Ihr Herz klopfte aufgeregt und ihr Blut schoss ihr durch die Venen. Sie war so aufgeregt. Ihr Fell würde normalerweise in allen Himmelsrichtungen abstehen. Jedoch wurde dies vom Wasser und Schlamm erschwert, weshalb nur vereinzelt Fell abstand.
„Vor allem du, nicht wahr? Du bist stark!“
Amáya war schon immer die Fähe gewesen, die so unnahbar aber auch stark wirkte. Selbst wenn sie etwas abstoßend war. Aber niemand war perfekt. Vielleicht konnte sich Amúr noch viel von ihr abgucken, auch wenn sie ihre weiche Seite behalten wollte. Immerhin wollte die Graue von allen akzeptiert werden und wer akzeptierte schon jemanden, der andere nicht respektierte? Aber Amáya respektierte die anderen doch oder?
Es war ja nicht schwer genug, bei dieser ganzen bebenden Erde hier zu sein. Das es auch noch eine Fähe traf, war schlimm. Eine Tante von ihr. Amúr kuschelte sich vorsichtig an die Schwarze. Es sollte alles aufhören. Kein Beben mehr. Kein Leid mehr.
09.07.2012, 19:32
"Natürlich hättest du das. Anscheinend hast du aber deinen gesunden Verstand gesammelt und bist zu dem Schluss gekommen, dass es nicht gerade klug wäre."
Die Fähe wandte ein wenig den Kopf um klar zu machen, dass sie keineswegs sich selbst meinte, sondern eher den Rest des Rudels. Ein kluger Geist würde nicht hier her kommen und Streit suchen. Ein solch starkes Rudel anzugreifen, wäre mehr als töricht.
Parveen zuckte leicht zusammen, als sie die schneidende Stimme von Averic vernahm. Leicht legte sie die Ohren an und wandte sich zu ihrem Bruder und Caylee, nachdem sie dem Fremden noch einen misstrauischen Blick zugeworfen hatte. Sich von ihm abzuwenden und den Rücken zu zu wenden, behagte ihr nicht. Auch wenn Averic in seinen Worten unterschwellig versicherte, dass keine Gefahr von dem weißen Wolf ausging. Er würde keinen Feind zu seiner verletzten Tochter führen… Mit diesem Gedanken versuchte sie zu verstehen, warum dieser Rüde hier war, aber kam im Moment nicht weiter als vorher.
Ihre Nackenhaare legten sich langsam und auch die steifen Beine waren bei dem barsche Befehlston ihres Bruders verschwunden. Es bestand also keine Gefahr – nun schön. Wenn er es sagte, würde sie ihm vertrauen, auch wenn sie den Wolf mit den Blutaugen nicht vollends aus ihren misstrauischen Gedanken vertreiben konnte. Ihr Selbstbewusstsein bekam auch einen kleinen Knacks als sie merkte, dass sie immer noch nicht den Namen des Rüden kannte, aber er sehr wohl ihren – wirklich toll…
Parveen versuchte sich nichts anmerken zu lassen, als sie den Kopf nach Caylee reckte. Sie kannte die junge Wölfin nicht gut genug um zu wissen, ob sie eine Berührung von ihr dulden würde und deswegen hielt sie sich zurück. Die Weiße wirkte nicht wie jemand – selbst bei einer Verletzung und Schmerzsituation – der Geschmuse und Liebkosungen ohne Gegenwehr zulassen würde. Zumindest nicht von jemandem, dem sie nicht vertraute.
"Versuche, was dein Vater dir rät. Stützte dich gegen ihn und ich werde Acht geben, dass du auf der anderen Seite nicht das Gleichgewicht verlierst. Ich unterstützte dich, wenn du mich brauchst."
Liebevoll blickte sie in das schmerzerfüllten Augen ihrer Nichte. Sie war nicht sicher, ob sie ihr Angebot überhaupt annehmen sollte. Jedenfalls war es Parveen wichtig, dass Caylee die Gewissheit hatte, sich auf ihre Tante verlassen zu können.
Nur im Unterbewusstsein vernahm sie den Geruch eines weiteren Wolfes und nach ein paar weiteren Herzschlägen, verspürte sie ein Ziehen im Nacken, als würde sie jemand beobachten. Den Kopf wandte Parveen zwar nicht von der Verletzten, aber die Ohren drehten sich in eine andere Richtung, um heraus zu finden, ob ihr merkwürdiges Gefühl nur Einbildung war.
12.07.2012, 10:53
“Du bist unverbesserlich“
Gab er leise von sich und ein wenig schien er sogar beruhigt, als er das dünne Lächeln an der Schnauze der Wölfin sah. Leider hielt dieser Umstand jedoch nicht lange an, denn im nächsten Moment schien Akhuna bereits wieder zu schwanken, beinahe so, als würde sie jeden Augenblick zusammenbrechen. Samirez zuckte einen kurzen Moment lang, schien vorschnellen zu wollen und hielt sich doch in der nächstbesten Bewegung zurück. Und dann, kurz bevor sie tatsächlich das Gleichgewicht zu verlieren schien, ließ sich die Fähe ganz einfach auf die Hinterläufe nieder. Ihre Miene sprach Bände, doch der Cremefarbene ließ sich nicht blenden. Das goldene Augenmerk war starr auf sie gerichtet, gab keinen Spalt breit Raum.
“Du kannst ja noch nicht einmal richtig stehen, geschweige denn Laufen. Wie soll es also funktionieren, hier durch die Pampa zu rennen und eventuell gleich vom nächsten Beben überrascht zu werden?“
Die Frage war rhetorisch, die Antwort gegeben. Er würde sie unter keinen Umständen jetzt sofort aufstehen und losrennen lassen. Das konnte sie ja sowieso nicht. Beinahe schon bestimmend trat er einen Schritt vor und ließ den Kopf auf ihre Schulterblätter nieder. Mit sanfter Gewalt drückte er sie nach unten, eventuell würde sie das ja dazu bringen, sich zumindest für ein paar Minuten hinzulegen.
“Du ruhst dich kurz aus, danach können wie sie suchen gehen“
Ende der Durchsage. Er widerholte ganz einfach seine zu vorigen Worte. In ihrer derzeitigen Verfassung war sie sowieso die Letzte, die Widerworte geben sollte.
14.07.2012, 17:53
Der Hüne wartete eine Antwort der Schwarzen ab und betrachtete beinahe vergnügt ihre Reaktionen.
„Ich bin mir durchaus im klarem mit wem ich mich besser nicht anlegen sollte,“
fügte der Weiße mit einem leichten Lächeln zu Parveens Worten hinzu. Nur weil er die Gefahr kannte, hieß es jedoch noch lange nicht, dass er sie auch mied. Es gab Situation, in denen es sogar von Nöten war sich seiner Unterlegenheit zu stellen – aber Erklärungen würden jetzt zu weit führen und in der Vergangenheit schwelgen konnte er ein anderes Mal. Die befehlenden Worte Averics erreichten auch Ansem, doch achtete er wenig darauf, der raue Ton war ihm nicht fremd und löste wenig Reaktion in ihm aus. Im Tal der Raben war solch ein Umgangston an der Tagesordnung, Nettigkeiten drangen dort selten an seine Ohren.
Parveen gehorchte dem schwarzen Rüden aufs Wort und Ansem merkte, dass sie zwar etwas lockerer wurde, aber dennoch Unbehagen verspürte. Einem fremden Wolf den Rücken zudrehen und sie eventuellen Angriffen aussetzten - die zwar verneint, aber dennoch möglich waren - tat wohl niemand gern. Nun machte allerdings auch der Hüne ein paar Schritte auf die anderen Beiden zu – natürlich trotz allem mit gebührendem Abstand. Sein Blick blieb für einige Momente auf der am Boden liegenden Fähe hängen. Sie schien sich hinter Averic verstecken zu wollen, was bei ihrer Größe kaum möglich war, höchstens einem Welpen wäre das gelungen. Der Weiße wandte sich an den Sohn des Todes, der die verletzte Fähe stützen wollte, und tat seine Gedanken offen kund.
„Du als treusorgender Vater?!“
sagte Ansem mit einer Miene die Bände sprach, sie spiegelte einen großen – einen wirklich großen - Haufen an Bedenken wieder. Averic sollte eigentlich verstehen, was er damit meinte. Der Todessohn in der Rolle eines gewissenhaften Familienvaters, war für den Weißen eine unerfüllbare Aufgabe. Er verdrängte doch nicht etwa seine Bestimmung oder glaube der Schwarze trotz allem den Anforderungen seiner Familie nachkommen zu können? Früher oder später würde er sie enttäuschen müssen. Vielleicht nahm Averic das in Kauf? Ansem konnte es wohl nicht nachvollziehen. Zudem kannte er den Schwarzen nicht einmal eine Stunde lang. Dennoch wollte ihm diese Vorstellung nicht behagen. Wenn sich Ansem recht entsinnte, hatte Averics Vorgänger auch nie den Eindruck eines geeigneten Familienwolfes hinterlassen.
Dann eroberte etwas anderes seine Aufmerksamkeit. Die weißen Ohren drehten sich, noch bevor es ihnen der Kopf gleich tat. Ein weiterer Wolf hatte Interesse an der kleinen Gruppe gefunden und das blieb nicht unbemerkt. Parveen hatte ihn wohl auch schon wahrgenommen und ihre Ohren gespitzt.
[ Sumpf | Averic, Caylee, Parveen | im Hintergrund Krolock ]
14.07.2012, 18:52
Egal wie sehr sie sich gegen den Impuls wehrte, irgendwann hielt sie es nicht aus – spätestens als er erneut das Wort ergriff – und warf ihren Kopf zur Seite. Im selben Moment, wo sie in seine Augen blickte, bereute sie diese Geste. Sie öffnete ihr Maul, weil sie widersprechen wollte. Leider merkte sie, dass ihr die Argumente fehlten. Was sollte sie schon großartiges sagen ohne, dass sie wie ein nörgelnder Welpe wirkte? Noch dazu kam, dass sie tief im Inneren eigentlich wusste, dass er recht hatte. Trotzdem ließ sie mit einem Schnaufen erkennen, dass sie nicht wirklich glücklich mit seiner Feststellung war. Widerwillig ließ die junge Caiyé sich von Samir auf den Boden drücken. Sie presste ihren Kopf auf ihre schmutzigen Pfoten und ihre Schwanzspitze zuckte ungeduldig. Die Fähe blickte etwas nachdenklich hoch zu dem Rüden und ihre Ohren legten sich an.
„Musst du dich nicht auch ausruhen?“
Zum Ende hin wurde ihre Stimme immer leiser und glich am Ende einem Flüstern. Irgendwie war es ihr unangenehm ihm solche Fragen stellen zu müssen. Zum Einen, weil sie nun erwartete, dass Samirez sich über die dumme, naive Caiyé lustig machen würde. Schließlich hatte sie ihn als einen Macho kennengelernt und der erste Eindruck war doch immer der Richtige oder nicht?
{ Samirez | Sumpf }
15.07.2012, 14:54
"Ach, die Familie...", murmelte sie leise und ein wenig abschätzig, während sie ihre Vorderläufe tiefer in den schlamm grub und ihren Kopf leicht anhob. Das Quirlen in ihrem Haupt wurde stärker und für einige Sekunden verlor sie wieder die Orientierung. Schnell schloss sie die Augen und wartete, dass das Gefühl aufhörte. Aber es hörte nicht auf. Mit einem ergebenem Seuftzer ließ sie ihren Kopf schließlich wieder in das nasse aber weiche Fell Amúrs senken, deren Körper sich scheinbar noch enger an sie schmiegte. So war es besser, auch wenn die plötzliche Nähe einer Person ihr sehr seltsam vorkam. Kein Wunder, sie hatte solche Nähe schon seit Jahren von sich gebannt.
"Es freut mich, dass du so denkst, auch wenn ich es nie gedacht hätte. Aber das was du gerade tust, erfordert auch Stärke. Und diese Stärke hat auch nicht jeder."
Zum Glück wusste die graue Tochter Tyraleens nicht, wie schwer es ihr fiel, diese Worte auszusprechen. Es war so nicht die übliche Amáya, die da grad sprach. Aber was war schon üblich in diesen Tagen? Ihr ganzes Leben schien plötzlich auf den Kopf gestellt, dabei gab es eigentlich keinen wirklichen Grund dafür. Eher sollte dieser Grund gar kein Grund für Nichts sein. Wieso ließ sie Kirov einfach nicht kalt? Wieso erwachten Hoffnungen in ihr, die sie schon längst eiskalt unterdrückt hatte? Sie wusste es nicht und es bereitete ihr Kopfschmerzen, darüber nachzudenken. Der warme Schlamm und der warme Körper neben ihr beruhigten sie und das Schwindelgefühl wurde weiter schwächer.
"Sag, ist die Wunde an meiner Stirn tief? Ich will die Blutung nicht durch plötzliche Bewegungen wieder anregen."
{ mit Amúr | will Kopf heben | schwindelig | lehnt sich an Amúr }
17.07.2012, 13:48
„Taleesha, wie schön, dir zu begegnen. Deine Geschwister und du, ihr seid mir eine große Freude. So seid ihr auch eurem Rudel ein ganz besonderes Vergnügen. Eure Eltern lieben euch, eure Paten ebenso … Taleesha, du musst mir versprechen, dass ihr aufeinander aufpasst. Ihr müsst füreinander da sein und das Rudel unterstützen. Vertrau deinen Instinkten, vergiss das nie. Und nun, geh zurück zu deinem Bruder, er macht sich Sorgen. Sag ihm, dass alles gut ist.“
Taleesha wollte eigentlich noch nicht zurück, sie wollte weiter diese Wärme spüren und alle Worte in sich aufnehmen. Gleichzeitig spürte sie, dass es vorbei war. Sie blickte ein letztes Mal auf die wunderschöne Sternenwiese, dann schloss sie die Augen. Sie hatte keine Angst und schlief sofort ein.
Diesmal träumte sie nichts. Um sie herum war Dunkelheit und ein leises Rauschen. So, als wären über ihr viele Bäume, deren Äste sich im Wind wiegten. Wenn sie sie Augen öffnete, würde sie die Bäume bestimmt sehen, aber sie wollte noch ein wenig im warmen Dunklen, in diesem Schwebezustand, bleiben. Irgendwann vernahm sie wieder ein vertraute Stimme, aber eine etwas höhere und aufgeregtere als zuvor. Was war denn los? Warum verspürte die diese Nervosität? Sie wollte doch nur schlafen … Doch die Stimme ließ nicht nach, sondern wurde lauter und lauter und Taleesha glaubte, ihr Kopf müsse gleich platzen. Um sie herum waren plötzlich viele Geräusche. Das Rauschen war weg, dafür hörte sie jetzt Rufe, vorbeihastende Pfoten, Wasserplatschen, Seufzer und andere seltsame, irgendwie störende Geräusche, die sie nicht zuordnen konnte. Alles vermischte sich miteinander und schwoll in ihren Ohren zu einem unglaublichen Getöse an, eine wirre Kakophonie. Doch nach und nach erkannte sie darin ein leises Winseln, dass sie sofort an ihre Aufgabe erinnerte. Sie sollte zurück gehen zu … ihrem Bruder … zu … ja, zu Isaí! Das war Isaís Winseln und Taleesha wusste nun, dass etwas nicht stimmte. Er brauchte Hilfe und sie würde da sein. Sie würde aus der Dunkelheit zu ihm kommen und ihn retten … sie wollte der Dunkelheit sagen, dass sie jetzt weggehen konnte, dass sie nun genug geschlafen hatte und nun zu ihrem Bruder wollte. Aber es klappte nicht. Sie wollte ihre schweren Pfoten heben, doch die waren absolut willenlos und ließen sich nicht bewegen. Sie nahm sie alle verbliebenen Kräfte zusammen, die sie noch hatte und murmelte ein schwaches
„Alles ist gut.“
Dann versuchte sie zu lächeln und bemühte sich, nicht wieder einzuschlafen.
[zwischen den Welten | Sumpf – Sheena, Isaí & Kisha]
18.07.2012, 18:22
‚Sheena, Du kannst ihr helfen.‘
Dumpf klangen die Worte in ihren Ohren, wanden sich durch den Pelz, der diese bedeckte. Auf der Suche nach Gehör, auf der Suche nach einer Reaktion.
‚Du kannst ihr helfen, Du kannst ihr helfen…‘
Irritiert schloss Sheena die Augen, kurz, ganz kurz nur. Die Träne perlte hinaus, hinab gen Boden, bis Taleeshas Pelz sie auffing. Ja, sie konnte ihr wirklich helfen! Die Lieder gingen wieder auf, ein leichter, hoffnungsvoller Glanz trat in ihre braun- goldenen Augen. Dankbar warf sie der grauen Fähe neben ihr ein Lächeln zu. Bevor sie sich wieder ihrer Tochter widmen konnte, spürte sie, wie sich ein kleiner Rüde unter ihren Bauch schob, um seinen Kopf zwischen ihren Vorderpfoten heraus zu strecken. Isaí! Welch Freude! Sanft berührte sie den Rüden am Hinterkopf, dieser hatte seinen Kopf bereits auf dem nassen Fell seiner Schwester platziert, ganz behutsam natürlich. Er sorgte sich um sie, ganz genauso wie sie es tat. Doch nun wusste sie, was zu tun war.
Sachte senkte sich ihre Schnauze hinab zu der schwarzen, regungslosen Fähe. Nur noch wenige Millimeter, sie spürte schon die feuchten Haare an ihrer Schnauze, dann berührte sie die Kleine am Kopf und strich vorsichtig hinab zu ihrer Schnauze. Erneut schloss sie die Augen und machte sich auf die Reise in ihr Inneres. Ohne die Verbindung zu Engaya, würde sie nichts ausrichten können. Nicht, ohne den direkten Kontakt.
Doch dann fühlte sie etwas, es war ihr, als ob Engaya schon anwesend war, sie spürte eine sanfte Wärme aus Taleeshas Körper zu ihr hinüber fließen. Das war interessant, das hatte sie bis jetzt nur in der Verbindung mit anderen Engayawölfen gekannt. War Taleesha möglicherweise auch eine Fähe die Engaya mit dieser besonderen Gabe beschenkt hatte? Diesem Gedanken würde sie nachgehen, wenn Taleesha wieder fit war. Vorsichtig ging sie, im Geiste, weiter vorwärts und trat auf die ihr bekannte Ebene, auf der sie Engaya das erste Mal getroffen hatte. Damals war die Ebene noch zerklüftet gewesen, im direkten Angesicht mit Fenris hatte sie die Göttin damals noch erblickt. Der erbitterte Kampf in ihr drin, hatte die Gegend dort karg gemacht. Doch nun gab es fast keinen schöneren Ort mehr als diesen. Außer natürlich jene Orte, an denen sie zusammen mit ihren Liebsten war. Sie spürte, wie die weiße Götterfähe an ihre Seite trat und ein lächeln zog sich über ihre Lefzen. Gerade als sie zu sprechen beginnen wollte, öffnete Taleesha ganz vorsichtig ihr Maul und ein leise gehauchtes ‚Alles ist gut‘ verließ ihren Fang.
Erleichtert seufze Sheena auf, anscheinend war die Fähe immerhin schon wieder bei ihnen. Auch wenn sie spürte, dass Taleesha noch in einem dunklen Sumpf feststeckte. Nun würde sie die Kleine daraus befreien. Noch war sie nicht alt genug, um diesen Weg alleine zu schaffen. Oder es würde sie zumindest sehr viel Kraft kosten und gewiss einige Zeit brauchen. Da konnte sie ihr doch ein wenig unter die Läufe packen.
Vor ihrem inneren Auge sah sie die kleine Fähe wirklich in einem Sumpf liegen, besser, ein kleiner, dreckiger Tümpel, dessen Schlick ihren Liebling gefangen hielt. Vorsichtig näherte sie sich dem Tümpel, die Pfoten bedacht auf die trockensten Stellen gesetzt, damit der tückische Schlick sie nicht auch gefangen nehmen konnte. Sachte senkte sie ihre Schnauze, bis sie Taleesha am Nackenfell packen konnte und zog sie so, Stück für Stück, mit jedem Schritt rückwärts ein bisschen mehr, aus dem trüben Gewässer. Bis sie schließlich wieder auf sicherem Boden stand und die Fähe vor sich ablegte und sie anfing sauber zu lecken.
Tatsächlich hatte sie auch wirklich angefangen der Fähe über den nassen Pelz zu lecken und so ihre, Engayas Wärme, über den ganzen Körper zu verteilen. Noch hielt sie die Augen geschlossen, doch eigentlich müsste Taleesha nun wieder ganz unter ihnen Weilen. Eigentlich dürfte sie nun die Kraft besitzen, die Augen zu öffnen und vielleicht sogar schon genug, um sich wieder hochzustemmen. Die Augen öffnend, aber nicht aufhörend die Fähe zu säubern, hieß es nun abwarten.
[Sumpf. Isaí, Taleesha und Kisha]
20.07.2012, 08:16
„Du musst dir keine Sorgen machen, Taleesha braucht ein wenig Ruhe, dann ist sie sicher wieder auf den Beinen.“
Diese Worte galten nicht nur dem Welpen als Beruhigung, sie fand darin auch selbst ein wenig Ruhe für sich selbst. Der anfängliche Schock war vergessen, nun konnte sie sich wieder ein wenig konzentrieren und mit einem ruhigen Nicken und einem aufmunterndem Lächeln nickte sie in Sheenas Richtung, die sich noch immer um ihre Tochter kümmerte.
„Sie braucht jetzt bestimmt ihren großen Bruder. Lass uns zu ihr gehen.“
Noch einen Augenblick verharrend setzte sich die Schwarze schließlich in Bewegung, trat langsam auf die beiden Wölfe zu.
[Sumpf – Taleesha, Isaí, Sheena]
20.07.2012, 11:03
Seine sanften Worte brachten sie schließlich dazu, ihren Kopf zu wenden und ihn endlich anzublicken. Leicht hob er den Kopf an, zuckte mit den Ohren, als könnte er ihr irgendwie Mut machen, das Augenmerk nicht gleich wieder ab zu wenden. Sie zuckte zusammen, beinahe so, als hätte er sie gebissen. Gott, was hatte er dieser Wölfin angetan? Er hatte hier ganz eindeutig noch so einiges wieder gut zu machen. Die Schwierigkeit dabei blieb nun also nur, wie er dies anstellen sollte.
Als sie sich schließlich von ihm sanft zu Boden drängen ließ, entfuhr dem Rüden ein leises, zufriedenes Seufzen. Immerhin dazu ließ sie sich von ihm bewegen, wenn er sie auch schon nicht zur Vernunft bringen konnte. Mit wachsamem Blick setzte er sich neben die Wölfin und streckte die sehnigen Läufe aus. Ihre Frage traf ihn ein wenig unerwartet. Ob er sich ausruhen musste? Beinahe hätte er gelacht. Er und ausruhen, er war der geborene Überlebenskünstler, da ließ er sich doch nicht von einem lächerlichen Erdbeben aus der Fassung bringen. Betont lässig streckte er die Schnauze vor und tippte der Hellen mit der Nase frech gegen die Stirn.
“Abgesehen von der Tatsache, dass ich Stunden brauchen werde um diesen Schlamm wieder aus meinem Pelz zu bekommen, geht’s mir bestens.“
Erwiderte er gelassen und zog sich wieder zurück, wobei er das Schmunzeln auf den dunklen Lefzen nicht verbergen konnte. Er wollte nicht, dass sie dachte er mache sich über ihre Schwäche lustig, wenngleich er genau dies doch immer getan hatte. Doch nun sollten sich die Zeiten ändern. Er wollte sich ändern. Für sie. Auch wenn es unmöglich war ihr dies zu sagen.
“Um mich brauchst du dir wirklich keine Sorgen machen.“
Fügte er noch leise hinzu um auch ja sicher zu gehen, dass sich ihre Besorgnis zerstreute. Er war der Letzte, um den sie sich sorgen sollte. Das hatte er definitiv noch nicht verdient.
20.07.2012, 14:44
Die Ohren des Roten legten sich wieder zurück, während er beobachtete, wie seine Mutter seine Schwester aus der Pfütze zog und auf trockenen Boden brachte. Ein weiteres Winseln verließ seinen Fang, bevor er sich zu seiner Patin umwandte und den Kopf kurz an ihren Lauf drückte. Ein sachtes Nicken galt ihren Worten und er wünschte sich nicht mehr, als einfach daran glauben zu können. Aber Kisha musste es wissen. Sie musste wissen, dass alles wieder gut wurde. Und auch Taleesha wusste es. Sie hatte es gesagt. Wieso war er der einzige, der es nicht wusste? Isaí wandte den Kopf herum und spähte zu seiner Familie.
„Was war das, Kisha? Wieso hat sich die Erde plötzlich bewegt?“, fragte er schließlich leise.
Dann setzte auch er sich in Bewegung und folgte seiner Patin hinüber zu Taleesha und seiner Mutter. Sich selbst und Sheena zugleich tröstend drückte er seinen Kopf kurz an ihre Flanke, ging einmal drum herum und ließ sich vor seiner Schwester nieder – Schnauze an Schnauze, damit ihm nicht entging, wenn sie endlich wieder die Augen aufschlug. Nur am Rande nahm er die anderen Wölfe wahr, doch solange sie sich bewegten, konnte nichts Schlimmes mit ihnen sein. Das hatte er nun gelernt.
20.07.2012, 20:33
“Nur die Schulter. Ich versuch’s.“
Während Averic Parveen und den Fremden anschnauzte, versuchte seine Tochter diesmal etwas vorbereiteter an das Aufstehen zu gehen und ignorierte das Treiben der anderen. Dafür hatte sie nun einfach keine Gedanken übrig. Ziemlich mühsam aber verbissen drückte sie sich mit drei Läufen und schwer an ihren Vater gelehnt nach oben, schwankte das eine oder andere Mal aber stand dann tatsächlich auf drei Pfoten auf Averic gestützt im nassen Gras. Sie zitterte leicht und sah mehr als zerzaust aus, aber die so entlastete Schulter dankte es ihr durch etwas weniger Schmerz und Parveen war auch schon an ihrer anderen Seite erschienen. Es war ein wenig seltsam, dass Caylee ihr eben noch etwas hatte beibringen wollen und sich ziemlich wichtigtuerisch benommen hatte und nun war sie vollkommen hilflos zwischen ihrem Vater und ihrer Tante verkeilt. Es fühlte sich aber dennoch grundsätzlich irgendwie nicht schlecht an … es war schön, dass sich jemand um sie kümmerte. Mittlerweile war auch der fremde Weiße näher gekommen und ließ einen seltsamen Satz in Richtung Averic fallen. Offensichtlich traute er ihm keine Vaterqualitäten zu, was Caylee irritierte. Flüchtig huschte ihr Blick über den Neuling und auch wenn sie in keiner sonderlich aufnahmefähigen Verfassung war, so stellte sie doch überzeugt fest, dass sie diesen Fremden nur hassen oder sehr gern haben konnte. Nur für welche Richtung sie sich entscheiden würde, konnte sie jetzt unmöglich beurteilen. Außerdem … was würde nun eigentlich passieren? Jetzt stand sie hier zwischen Averic und Parveen und fühlte sich halb elend halb gut.
“Und … jetzt?“,
fragte sie etwas kläglich und hätte sich doch lieber wieder hingelegt. Ihre drei Läufe waren die ungewöhnliche Belastung nicht gewohnt und ziepten bereits ein bisschen. Und ihr Kopf dröhnte weiter vor sich hin, laut und unangenehm. So hätte sie auch ohne die Reaktionen von Parveen und dem Fremden nicht mitbekommen, dass sich ein weiterer Wolf zu ihnen gesellt hatte – als aber beide den Kopf umwandten folgte Caylee ihnen ganz aus Reflex und wohl anders als sie, erkannte die Weiße sofort, wer sich dort noch verborgen hielt.
“Krolock!“,
rief sie ebenso reflexartig und bemerkte erst danach, wie erleichtert ihre Stimme geklungen hatte. Schon hätte sie sich am liebsten auf die Zunge gebissen, aber nun war es zu spät. Eilig huschte ihr Blick zu Averic, wusste sie doch, wie wenig ihr Vater den schwarzen Jungwolf leiden konnte und aus irgendeinem Grund fürchtete sie auch Parveens unausgesprochene Meinung.
[ Sumpf, an einem Baumstamm | Averic, Krolock, Parveen und Ansem ]
23.07.2012, 14:41
Der große Wolf überging also ebenso den flüchtigen Seitenblick seiner Tochter, die wusste Fenris warum irgend etwas an diesem Vollidioten fand. Das war ihm jetzt alles mehr als egal, ihm ging es nur darum Caylee in Sicherheit zu bringen und sich nach dem Wohl ihrer Geschwister zu erkundigen. Gut klang schon mal, dass ihr wohl wirklich nur die Schulter weh tat. Und sie war zwar sehr wackelig dabei, aber immerhin stand sie schon bald auf drei Pfoten an seine Schulter gelehnt. Kühl richtete sich sein dunkler Blick auf Ansem, als der ein paar Schritte auf ihn zumachte und sich anmaßte eine Bemerkung zu äußern, die Averic dazu brachte seine Lefze kurz zu einer stummen Warnung zu heben.
„Sieht wohl so aus, was?“,
bemerkte er rau und wandte den Blick wieder zu Caylee herum, worauf hin jener gleich wieder ein wenig milder wurde. Immerhin hatte sich Parveen inzwischen nützlich gemacht und gab von der anderen Seite auf seine Tochter ab.
„Wenn du laufen kannst, suchen wir jetzt einen Platz auf, an dem möglichst wenige Bäume stehen, oder Trümmer herumliegen. Falls die Erde noch mal beben sollte, ist dann die Gefahr deutlich geringer von irgend etwas getroffen zu werden.“,
erklärte er ruhig und sah sich bereits um, um eine Richtung aus zumachen. Sie würden mit Caylee nicht besonders schnell voran kommen, praktisch wäre es also, wenn er irgendjemanden vorschicken könnte, um schon mal so einen Platz zu suchen. Das Problem war nur, dass er diese Aufgabe einem Fremden nicht übertragen wollte und es erschien ihm auch die bessere Wahl Parveen bei seiner Tochter zu haben. Blieb Krolock. Ein Wolf, der sowieso zu nichts zu gebrauchen war, weil er sich sicher keine Anweisungen geben lassen würde.
[ Sumpf | Caylee, Parveen, Ansem, Krolock ]
23.07.2012, 17:14
Tatsächlich fühlte es sich an, als würde sie sanft zurückgezogen werden. Stück für Stück wurden die Geräusche um sie her vertrauter und schöner und es war, als würde das Leben doppelt so laut in ihr pulsieren als zuvor. Sie spürte eine sanfte Berührung an ihrer Schnauze. Es kitzelte fast ein bisschen; nun wusste sie, dass sie nicht alleine war und im selben Moment sah sie vor ihrem inneren Auge das sanfte, wunderwunderschöne Lächeln ihrer Mutter. Ihre goldfarbenen Augen strahlten so liebevoll und warm, dass Taleesha nicht mehr länger warten wollte. Sie öffnete nun selbst die Augen und erblickte zuerst die Schnauze Isaís, die direkt vor ihr schwebte. Taleesha musste lachen, brachte statt eines überschwänglichen Glucksens, aber nur ein heiseres Keuchen heraus. Man musste ihr jedoch ansehen, wie erleichtert und glücklich sie war. Inzwischen hatte sie auch ihre Mutter und unweit davon Kisha entdeckt. Sie blickte beide vielsagend und dankbar an, schleckte ihrem Brüderchen über die Schnauze und versuchte sich über die Seite wieder aufzurichten. Sie war allerdings noch viel zu schwach und plumpste schließlich zurück auf den Boden. Sie erblickte die Bäume und den grau-blauen Himmel über sich. Interessante Wolkengebilde ließen sie innehalten und staunen. Wie schön es doch hier war! Während sie so vor sich hin träumte, kam eine Frage immer wieder erneut in ihr auf und ließ ihr einfach keine Ruhe. Sie hustete leise und fragte mit belegter Stimme:
„Mama, was ist passiert? Wo war ich?“
[Sumpf – Sheena, Isaí & Kisha]
24.07.2012, 12:08
Unabhängig von Caylees Vater hatte er entschieden, das Pack um die weiße Fähe gekonnt zu ignorieren, dennoch sträubte sich sein Fell ein wenig, als er zu ihnen heran getreten war.
„Wieder mal gegen einen Baum gelaufen?“
Die saloppe Bemerkung klang belustigt und besorgt zugleich, wobei der letztere Teil überwog, während er nun aus der Nähe musterte, ob alles in Ordnung war. Mehr oder weniger, offensichtlich war, dass Caylee Schmerzen hatte und gestützt werden musste. Zwei Lakaien hatten sich bereits dafür gefunden, er war also im Großen und Ganzen unnütz.
„Und irgendwohin, wo deine Söhne nicht als Geschosse durch die Luft fliegen und mich von den Pfoten reißen.“
Soviel zum Thema ignorieren. Er sah nicht einmal zu Averic hinüber, die Bemerkung war völlig nüchtern gesprochen, statt sich von dem Alten nerven zu lassen, machte er eine Kopfbewegung und übernahm damit die Führung der Gruppe, um die Worte des Todessohnes in die Tat umzusetzen.
„Da hinten ist eine freie Fläche, wenn man durch das schlammige Wasser geht.“
Eine kurze, sachliche Information und schon lief er weiter. Er hatte weder das Bedürfnis, sich den Unbekannten genauer anzusehen, noch hatte er Lust, den Rest von Caylees Geleits eines Blickes zu würdigen.
[Bei Caylee, Averic, Ansem und Parveen]
27.07.2012, 16:19
„Schnösel!“, flüsterte Ahkuna mit einem Anflug eines Lächelns.
Ein kurzer Blick aus dem Augenwinkel genügte ihr, um den Rüden an ihrer Seite zu wissen. Es war ein schönes Gefühl, welches sich wärmend um ihren zierlichen Körper schlang und ihr half, sich von ihren Sorgen zu lösen. Ihre Rute peitschte zur Seite. Die Berührung zwischen ihr uns Samirez dauerte nur wenige Herzschläge an und war so leicht wie eine sanfte Brise.
„Du machst dir doch Sorgen um mich oder? Warum soll ich mir dann keine Sorgen machen.“
Es war eine ehrliche Aussage, auf die sie noch nicht mal eine Antwort erwartete. Sie wollte einfach, dass Samir wusste, dass er sich auf sie verlassen konnte. Immer und jederzeit. Ihr Herzschlag war ruhig und sie hörte wie das Blut durch ihre Adern pulsiert wurde und durch ihren Körper rauschte. Das Schwindelgefühl ließ nach und auch der dichte Nebel in ihrem Kopf lichtete sich. Die Last wurde leichter und es war ein schönes, befreiendes Gefühl.
„Ich bin für dich da. Wie du es jetzt für mich bist.“
Sie schlug ihre Augenlider langsam auf und mit einem kecken Grinsen blickte sie zu ihm hoch.
{ Bei Samirez }
28.07.2012, 11:53
Krolock machte sich nützlich und übernahm die Führung der kleinen Gruppe. Aus den Augenwinkeln sah Pav kurz zu ihrem Bruder. Seine Abneigung gegen den jungen Rüden war fast greifbar, aber er war über eine offene Anfeindung erhaben und bedachte ihn mit so wenig Aufmerksamkeit, wie es auch Krolock hat.
"Versuch ganz langsam zu gehen", ermutigte sie Caylee und setzte eine Pfote nach vorne. Ganz langsam kamen sie vorwärts und als die Rede von einem sicheren Platz war, spitzte sie die Ohren. Skeptisch blickte sie nach vorne und ließ die Worte Revue passieren.
"Gibt es keinen Weg um das Wasser herum? Wir wissen nicht, wie tief es ist."
Mit einem innerlichen Schaudern dachte sie an die Wasserlöcher des Sumpfes. Viele wiesen eine ungewöhnliche Wärme auf. Das hatte sie zu spüren bekommen, als sie die Pfoten hinein gesetzt hatte. Außerdem weckte der Schlamm ihre Angst. Mit Schrecken sah sie vor ihrem inneren Auge, wie ein Wolf in den Tiefen versank… Besorgt blickte sie über Caylee zu Averic. Er würde seine Tochter sicherlich nicht in irgendeine Gefahr bringen.
01.08.2012, 09:02
Es gefiel ihm, dass die Weiße immer ruhiger zu werden schien, sie machte nach wenigen Minuten einen wesentlich entspannteren Eindruck und lachte sogar über die Witzeleien des Rüden. Das war gut so. Sie konnte ihn nennen wie sie denn wollte, solange es ihr dabei gut ging, war Samir damit zufrieden, selbst wenn sie ihn wüst beschimpfen würde, dann würde er zumindest wissen, dass es ihr wieder gut ging. Ein kurzes Schmunzeln huschte über die Lefzenbögen des Polarwolfes und ein kurzes Zwinkern verließ seine Augen.
“Ich? Nieemals.“
Erwiderte er betont empört. Er war doch kein Schnösel, oder? Puh, das kränkte ihn aber. Gemeinheit!
Dann sprach sie weiter und die Ohren des Rüden zuckten leicht, als sie vom Sorgen machen sprach und darum, dass sie sich doch auch um ihn sorgen durfte. Das sprach eigentlich nicht ganz auf die philosophie an, die er hier verfolgte. Eigentlich hatte er vor gehabt, diesen Teil des Gespräches ganz schnell zu vergraben, denn in so etwas war er einfach nicht gut drin. Er war definitiv nicht dafür geschaffen, sich selbst umsorgen zu lassen. Was würde denn das nun wieder für sein Image bedeuten? Dennoch nahm er eine leise Wärme war, die sich um seine Brust schlang und umklammerte, wie ein haltender Rettungsring.
Um seine plötzliche Unsicherheit zu überspielen, winkelte der Kindskopf jedoch die Ohren etwas an und beugte das markante Haupt noch einmal kurz vor, wobei er mit dem Blick beinahe suchend über den Leib der Fähe fuhr.
“Du musst dir wohl doch irgendwie den Kopf angeschlagen haben, du redest ganz wirres Zeug. Sicher das du keine Gehirnerschütterung hast?“
Neckte er schließlich frech und verzog die Schnauze zu einer fragenden Miene. Gekonnt abgewehrt. Mal wieder lückenlos aus einer unangenehmen Situation heraus manövriert, ja, da konnte er doch wohl stolz auf sich sein.
01.08.2012, 16:59
„Wieso distanzierst du dich eigentlich immer von uns? Du gehörst doch zur Familie.“
Sie hatte noch nie wirklich ihre Tante verstanden. Die, die immer außer Reichweite war. Die, die niemals jemanden näher heran ließ. Nicht einmal ihre Neffen und Nichten. War das nicht alles schon ein bisschen traurig? Tat es etwa weh, die Nachkommen ihres Bruders zu sehen? Hatte sie selbst je Welpen gehabt? Ob sie wohl gestorben sind? Die Graue wollte schon gar nicht darüber nachdenken. Es tat schon weh, als ihre Gedanken durch diese Fragen streiften. Wie schwer wäre es denn, wenn es wirklich so war? Zerschmetternd.
„Nein. Ich bin nicht stark. Zumindest bin ich noch nicht stark genug. Deswegen bewundere ich dich irgendwie. Dich scheint nichts wirklich zu berühren. Deine Nerven scheinen stärker zu sein, als die meine je sein könnten.“
Sie seufzte und versuchte dann. Amáya wieder anzusehen. Ihre Kopfwunde? Sie sah schmerzhaft aus. Sehr schmerzhaft. Ob sie sich wohl auch so anfühlte? Wirklich wissen, wollte die Graue das nicht. Aber woher sollte sie herausfinden, dass die Wunde tief ist, ohne sie zu berühren? Vorallem, wie sollte sie dies hinbekommen, ohne aufzustehen?
„Ich weiß nicht. Fühlt sie sich tief an? Oder soll ich… mal versuchen… vorsichtig sie zu säubern?“
02.08.2012, 13:40
Als sie wieder zu sich kam, hörte sie verschiedene Stimmen durcheinanderrufen, leises Wimmern und Ächtzen von den Wölfen um sie herum. Die Augen geschlossen blieb sie liegen und horchte in ihren Körper hinein. Sie schien nicht stark verletzt zu sein, zumindest schmerzte nichts so sehr, dass es ihre Aufmerksamkeit besonders stark auf sich gezogen hätte. Ein paar wenige tiefe Atemzüge später öffnete sie die Augen und fand sich auf dem Boden liegend wieder. Die Erinnerung kehrte Augenblicklich zurück und sie richtete sich auf, um nach Madoc zu sehen, doch als sie den Kopf auch nur ein kleines Stück anhob, verschwamm ihre Sicht und ein stechender Schmerz jagte durch ihren Schädel. Aufstehen war also eine weniger gute Idee. Seufzend ließ die Fähe den Kopf wieder sinken und atmete langsam und bewusst, um sich zu beruhigen.
Schließlich, als die Rufe um sie herum allmälich zu Gesprächen wurden, startete sie einen weiteren Versuch, sich aufzurichten und diesmal klappte es schon besser. Sie fühlte sich noch etwas benommen und ihr Kopf schmerzte, doch sie schien nicht weiter verletzt zu sein und begann sich langsam – um nicht wieder einen Rückfall zu provozieren – umzusehen. Als ihr die so unheimlich bekannte Stimme an die Ohren drang, zuckten diese in die Richtung, aus der sie kam und auch ihr Kopf schoss herum. Ihr wurde kurz schwarz vor Augen und erneut schien der Boden unter ihr zu verschwinden, doch auf eine andere Weise als zuvor und sie keuchte vernehmlich.
„Daylight?“, ihre Augen weiteten sich überrascht, ehe sie die Lider erneut schloss. „Um Engayas Willen, ich fürchte es hat mich härter getroffen als ich dachte, ich halluziniere!“
Mit einem höllischen Schmerz im Kopf ließ sie sich wieder auf den Boden sinken, damit das Drehen aufhören konnte und seufzte schwer, ohne die Augen wieder zu öffnen. Es war ohnehin zu schmerzhaft hier so vor sich zu sehen, ihre Patentante, als wäre sie wirklich wieder bei ihr.
„Oder bist du gekommen, um mich zu Engaya zu nehmen?“
Vielleicht war Daylight auf ihrer Reise dahingeschieden und war nun zu ihr gekommen. War sie tot? Sie fühle sich nicht tot! Sie hatte sich das Sterben immer ganz anders vorgestellt, viel... sagenhafter und man musste sich doch dann verändert fühlen, oder? Sie fühlte sich wie immer, mal abgesehen von ihrem fürchterlichen Kopfschmerz.
06.08.2012, 11:40
“Fast so klein wie eine Maus, Malik. Die Pfoten musst du ganz eng an den Körper pressen und versuch mit der Nase deine Brust zu berühren.“
Eine kleine Akrobatikübung würde dieses lustige Unterfangen nur noch komplettieren. Tyraleen selbst reckte sich noch ein bisschen tiefer in das Geäst und packte Maliks Nacken. Schon beim leichten Anheben spürte sie, dass der Welpe eigentlich zu groß zum Herumtragen geworden war und somit der Spaß für sie beide gleich vorbei sein würde.
“Dasch könnke jetsch gleich ein bischen wehkun.“,
bereitete sie den Welpen noch schnell vor und zog dann mit einem kräftigen Ruck nach oben. Irgendwo musste Malik kurz fest gehangen haben, aber Tyraleen hatte genug Kraft aufgewandt um ihn daran vorbeischrammen zu lassen. Tatsächlich war er nun draußen, sofort setzt sie ihn wieder ab und bewegte kurz ihren leicht schmerzenden Kiefer, dann entdeckte sie eine kleine Wunde auf seiner Schulter. Irgendein Ästchen musste sie aufgeschrammt haben und einige Tropfen Blut perlten in sein weißes Fell, das an einigen Stellen von Harz verklebt war. Kurz fuhr sie ihm mit der Zunge über Wunde und Harzklumpen, dann stupste sie ihn mit der Schnauze in Richtung astfreien Boden, sodass Kirov sich aus seiner verkrampften Haltung lösen konnte.
“Alles in Ordnung?“,
fragte sie noch in die Runde, sowohl an Malik, als auch an Kirov gewandt.
[ Baum | Kirov und Malik ]
07.08.2012, 18:47
„Atalya? Kannst du nicht aufstehen?“,
fragte er und richtete anschließend das Haupt wieder in die Höhe. Hastig wirbelte sein zweifarbiger Blick umher, als wäre ihm gerade erst eingefallen, dass vielleicht auch andere Wölfe verletzt waren. Richtig verletzt. Was war mit Tinca, seinem Patenkind? Und seinen übrigen Geschwistern und den Eltern? Was war das überhaupt gewesen? Klar, Krolock hatte gleich gespottet, dass der Sumpf ihnen nun doch etwas getan hatte, aber das Beben war doch nicht aus dem Sumpf gekommen, sondern von überall her! Die Erde hatte sicherlich auch außerhalb des Sumpfes gebebt, so wie es um sie herum aussah. Der Boden war völlig aufgewühlt, Bäume lagen umgeknickt und umgestoßen herum. Hoffentlich war niemandem ernsthaft was passiert. Chardím senkte den Kopf wieder zu Atalya hinunter und begutachtete witternd ihren Körper. Er roch kein Blut und sah auch nichts Auffälliges. So viel konnte ihr also nicht passiert sein.
„Komm schon, wir müssen gucken, ob es den anderen gut geht!“
[ Sumpf | Atalya ]
08.08.2012, 17:10
“Ja, alles, mein Schatz. Wie schlimm es auch immer für dich eben gewesen sein muss, jetzt ist nichts mehr schrecklich. Jetzt musst du nicht mehr weinen und Angst brauchst du auch keine mehr zu haben. Wir sind alle unverletzt und auch du bist noch ganz genauso wie vor dem Beben, oder?“
Sie wühlte sich durch ihren eigenen dichten Winterpelz und knabberte liebevoll an den Läufen, Pfoten und der Rute ihrer Enkelin. Alles war noch da, wo es sein sollte. Tinca hatte sich einfach nur furchtbar erschreckt, was Shani gut nachvollziehen konnte und würde sich sicher in den nächsten Momenten auch wieder beruhigen. Natürlich war es Tinca, was bedeutete, dass es sehr viel mehr sanfte Worte und sichere Überzeugungen brauchte, um ihr die Angst zu nehmen, aber auch da war Shani zuversichtlich. Immerhin war sie selbst nun hier. Tatsächlich wurde Tinca ein wenig ruhiger, zumindest so weit, dass sie ihren Kopf etwas hob und mit mitleiderregendem Gesichtsausdruck zu ihrer Großmutter aufsah, um weiterhin zitternd und bebend ihre Bitte hervorbrachte. Es berührte die Weiße, dass ihre Enkelin sich wohl sogar in dieser Situation Gedanken darüber machte, was andere Wölfe wollten und sich wünschten. Ein wenig musste Shani lächeln, wie schön wäre es, wenn sie verhindern könnte, dass es erneut bebte – sicherlich würde ihr kein einziger Wolf des Rudels nicht dankbar sein.
“Das würde ich sehr gerne tun, mein armer kleiner Schatz – mir wäre wirklich niemand böse. Aber das kann ich leider nicht. Wir müssten schon die Erde oder die Götter darum bitten. Sollen wir das versuchen? Vielleicht können wir Engaya dazu überreden, dass sie die Erde am Rütteln hindert.“
Sie reckte die Nase zu ihrer Enkelin und leckte ihr zunächst die Tränen von den Wangen, dann schob sie ihre Schnauze unter die Tincas und hob ihren kleinen Kopf ein wenig an.
“Wenn wir ganz lieb bitten, wird sie es sich vielleicht überlegen. Guck, da oben wartet sie darauf, dir zuzuhören.“
Vielleicht würde der Plan ja gelingen und Tinca ließ sich von dieser Aufgabe ein wenig ablenken. Noch immer wirkte sie so verschreckt, leicht panisch und unglücklich, auch wenn es unübersehbar war, dass Shanis Anwesenheit ihr schon sehr half. Das streichelte die Seele der Weißen und während sie ihre Enkelin noch immer mit der Nase berührte und ihre tränenverhangenen Augen beobachtete, fragte sie sich, ob es etwas Schöneres auf der Welt gab, als Welpen und Enkelwelpen zu bekommen.
[ im Sumpf | Tinca ]
08.08.2012, 17:15
Ihre Rute wischte sachte durch den Matsch, glücklich betrachtete sie ihre zwei Welpen, wie sie zufrieden gegenüber in dem Sumpf lagen und musste über diese Ironie leicht lachen. Glockenhell und voller Leichtigkeit erklang dieser Ton und während der Klang verhallte, wand sie sich zu Kisha um und berührte die Fähe sanft an der Schulter.
Als Taleesha ihr Stimmchen erneut erhob und eine Frage an sie richtete, drehte Sheena sich wieder zu ihr um. Ja, wo war sie gewesen? Sie schweifte mit ihren Gedanken ab, hin zu den vorhergehenden Minuten. Die Anwesenheit Engayas, die nicht nur durch ihre Kontaktaufnahme entstanden war. Das musste die Lösung sein, Taleesha war bestimmt in Engayas Reich gegangen, nachdem sie ihr Bewusstsein verloren hatte. Doch sicher konnte sie sich nicht sein.
„Liebes, ich nehme an, dass Du die Ehre hattest, Engaya näher kennen zu lernen. Während Du nur körperlich bei uns anwesend warst, verspürte ich die Anwesenheit unserer Göttin, ohne, dass ich in direkter Verbindung mit ihr stand. Ich vermute, dass sie Dich zu sich gerufen hatte, vielleicht um Dir etwas mitzuteilen!? Ich weiß nicht, was Du dort erlebt oder gesehen hast, vielleicht magst Du es mir ja erzählen?“
Mit leuchtenden Augen wartete sie nun auf die Antwort ihrer Tochter. Sie würde mit Tyraleen über dieses Ereignis sprechen, wenn sie die Gelegenheit dazu bieten würde. Denn auch wenn sie ebenfalls eine Priesterin war, empfand sie es als nicht verkehrt, vorher mit Tyraleen zu sprechen. Vielleicht hatten sie hier eine weitere Anwärterin für eine Ausbildung zur Priesterin? Normalerweise wäre Sheena sich bei einem solchen Ereignis relativ sicher, doch sie wusste nicht, ob es jemals eine schwarze Engaya Priesterin gegeben hatte? Vielleicht änderte sich hier noch mehr im Tal, als sie alle bisher angenommen hatten!?
Gedanklich nur halb anwesend schweifte ihr Blick über Isaí und Kisha gen Himmel. Vielleicht würde Engaya ihr noch ein weiteres Zeichen geben? Vielleicht hatte Tyraleen auch etwas mitbekommen? Oder lag es nur daran, dass Taleesha ihre Tochter war und somit eine intensivere Verbindung zu ihrer Göttin als andere Wölfe. Hatten gar ihre anderen Welpen auch schon solche Erlebnisse gehabt?
Fragend blickte sie zu Isaí, die Worte brannten auf ihrer Zunge, sie würde so gerne ein wenig mehr Transparenz in das Geschehen bringen. Aber vorerst wartete sie auf die Antwort ihrer kleinen Tochter, vielleicht würde diese schon ein wenig Licht ins Dunkel bringen.
[Sumpf - Kisha, Isaí, Taleesha]
08.08.2012, 22:39
„Avendal“, wisperte sie und begann ohne Scheu ihr Gesicht zu lecken, fuhr tröstend mit der Zunge über die geschlossenen Lider und wünschte sich, sie könne mit der Berührung allen Schmerz aus dem Gesicht ihrer Patentochter tilgen.
Glück und Sorge durchflutete Daylights Körper, als sie sich dichter an Avendal schmiegte, ihren Namen wieder und wieder flüsterte, wiederholte, wie ein geheimes Mantra, und nicht in der Lage war ihre Freude in Worte zu fassen.
Das Chaos um sie herum begann allmählich abzuflauen, das Stimmengewirr wurde leiser, ruhiger, doch Daylight hörte nicht auf Avendals Fell zu reinigen, sog den vertrauten Duft ein. Sie wollte nicht daran denken, wie Avendal nun vielleicht von ihr dachte, wollte nicht hören, dass sie ihr ihr Verschwinden übel nahm. Sie wollte einfach nur hier liegen und sich zu Hause fühlen.
„Ich bin es Daylight“, wiederholte sie, schließlich, das Offensichtliche, das Gesicht an Avendals Hals vergraben, Sorge in der von Freude erstickten Stimme, „Ich bin es wirklich... und ich bin genauso lebendig wie du.“
Dann begann sie erneut mit der Zunge ihr Gesicht zu lecken, diesmal sanfter und weniger stürmisch, so, wie sie es bei dem Welpen getan hätte, der Avendal einst gewesen war, und dem sie die Feder geschenkt hatte und mit ihr das Versprechen eines Tages gemeinsam den Sternenberg zu erklimmen.
{bei Avendal}
09.08.2012, 00:55
[Am Sumpf – Chardím]
09.08.2012, 01:11
Vorsichtig fuhr Kisha mit der Zunge über den Kopf ihres Patensohnes, als dieser sich kurz an ihren Lauf drückte, und sie versuchte dabei so viel Trost wie möglich in diese kleine Geste zu legen. Gerade für einen Welpen war dies sicher nicht leicht, solch eine neue Erfahrung. Ihre braunen Augen folgten seinem Blick, und als er leise Worte an sie richtete, neigte die Schwarze den Kopf ein wenig gen Boden, ein leises Seufzen verließ ihren Fang. Wie sollte sie ihm erklären, was das gewesen war? Einen Moment noch verharrte die Fähe so, ehe sich die dunklen Augen wieder auf den rötlichen Welpen richteten.
„Das war ein Erdbeben, Isaí. Woher sie kommen weiß niemand wirklich... aber wenn sie zu stark sind, können sie gefährlich sein. Manchmal wackelt die Erde nur ein bisschen, dann nimmt man es fast nicht wahr. Aber andere können so stark sein, dass sie Bäume aus der Erde reißen. Dann sind die gefährlich, so wie das Erdbeben eben.“
Ein leises Seufzen, ehe sie den Welpen kurz mit der Schnauze anstubste, ehe sie sich gemeinsam zu den beiden Wölfen begaben, die am Boden lagen. Kisha ließ sich neben Sheena auf die Hinterläufe sinken, den Blick auf die Geschwister gewandt. Ein warmes Lächeln legte sich auf ihre Lefzen, als sie beobachtete, wie Isaí sich zu seiner Schwester bewegte, nah bei ihr zum liegen kam. Dann richteten sich die Augen voller Hoffnung – wenn auch noch immer mit Angst vermischt – auf Sheena, die sich mütterlich um ihre Tochter kümmerte. Aber der Welpin schien es besser zu gehen, und damit fiel auch eine Last von Kishas Schultern. Dennoch besorgt wandte sie den Blick kurz herum, nur um sicher zu gehen, dass ihre Familie in Sicherheit war.
[Sumpf – Isaí, Taleesha & Sheena]
09.08.2012, 01:34
Er schwieg, als sich die dunkle Fähe an ihre Mutter wendete und sah mit einem welpenhaften Lächeln zu seiner Patin. Es war ein Leichtes für ihn, nun fürs erste wieder sorglos zu sein, immerhin konnte er all den Ernst und die Dringlichkeit der Situation noch lange nicht verstehen. Er verstand nicht, dass es damit nicht getan war und für den Augenblick war alles wieder gut. Das reichte, um ihn zu beruhigen. Und die Worte, die Sheena schließlich sprach, machten ihn unheimlich neugierig. Ein stolzes Lächeln galt seiner Schwester, während seine Rute noch immer über den nassen Boden glitt.
„Du hast Engaya kennengelernt? Du musst unbedingt erzählen, Taleesha! Wie ist sie?“
Und schon war auch die Sorge vergessen, dass Taleesha bei diesem Tumult hatte schlafen können. Es musste so sein, wenn sie dabei Engaya getroffen hatte und so gerne er auch selbst die Göttin getroffen hätte, im Augenblick war er schlicht gespannt, was seine Schwester zu berichten hatte.
„Hat sie etwas über das Erdbeben gesagt und woher es kam?“
Er hatte die Worte Kishas natürlich vernommen, obschon er so hektisch bereits weitergewuselt war und keine Zeit gehabt hatte, um auf ihre Worte einzugehen. Allerdings hoffte er, dass so auch seine Patin eine Antwort auf ihre Frage bekommen würde, immerhin hatte sie gemeint, dass niemand so recht zu wissen schien, woher sie kamen. Vielleicht hatte ja Engaya eine Antwort darauf gehabt, die Taleesha ihnen nun übermitteln konnte. Einer Antwort ziemlich sicher schweifte sein Blick ein weiteres Mal zu seiner Patin und schließlich zu seiner Mutter, wo er kurz hängen blieb. Isaí legte den Kopf leicht schräg und erwiderte den fragenden Blick seiner Mutter, doch kaum begann Taleesha zu antworten, sah er wieder zu ihr.
09.08.2012, 11:42
Ihr Blick, der immer noch den von Amúr hielt, erstarrte, als sie ihre Frage stellte. Ihr ganzer Körper spannte sich für einen Augenblick an, die Muskeln wurden hart und steif. Die Nachtschwarze hielt den Atem an, Herzschläge verstrichen, dann entließ sie die Verkrampftheit schließlich wiederstrebend aus ihrem schlammbesudelten Körper. Schon so einige Male hatten ihre Verwandte diese oder ähnliche Fragen gestellt. Meistens ihre Schwestern, Wölfe, die ihr am nähesten stehen mussten. Nur manchmal hatte sie ihnen geantwortet. Zersplittert und ungenau, wie sie es immer tat. Sie wusste eigentlich gar nicht mehr, was sie ihnen erzählt hatte. Wahrscheinlich waren es die üblichen, spöttelnden, kühlen Worte gewesen. Die Fenrisgläubige wandte ihren Blick von Amúr ab und schloss die Seelenspiegel für eine Sekunde. Sie hatte das brennende Gefühl, ihr eine Antwort schuldig zu sein. Bis jetzt hatte sie kaum ein Wort mit der Tochter Tyraleens gesprochen. Trotzdem, irgendetwas war da, was sie nicht die übliche Eiskönigin spielen ließ.
"Das Bittere ist, dass ich den genauen Grund eigentlich selbst nicht kenne. Eigentlich war es schon immer so, dass ich mich dieser Familie fremd gefühlt habe. Wie...ein Fremdkörper, ein Störenfried. Unvollkommen. Schon als Welpe. Mit einem Jahr wurde ich von einem fremden Rudel geraubt und als ich zurückkehrte, wurde alles nur noch schlimmer."
Erklärte sie leise und sachlich, als wäre es das Natürlichste der Welt, ihrer Nichte die Geschichte einer bitteren und unglücklichen Fähe zu erzählen. Aber es war die Wahrheit. Sie war aus dem Minusbereich gestartet. Wie sollte man sich denn auch unter den Lebenden glüchlich fühlen, wenn ein Teil ihrer selbst tot war? Sie räusperte sich und gab Amúr einen seltsamen Blick. Ein Blick, wie wenn man gequält lächelt. Wenn man etwas zugibt, was man noch nie zugegeben hat.
"Ich... fühlte mich tot, weisst du. Auch wenn es lange gedauert hat, das zu begreifen."
Und so fühlte sie sich immer noch. Sie hoffte, Amúr würde dieses kleine Eingeständnis für sich behalten. Sie war nicht der Typ, der alle Welt mit ihren Angelegenheiten belasten wolllte. Deswegen hatte sie sich ja auch nie bei ihren Geschwistern über ihr ach so schlimmes Leben ausgeheult. Deswegen hatte sie sich jahrelang auf Distanz gehalten. Schließlich wusste ihre Familie schon ohne weitere Erklärung genug, auch wenn keine Details. So hatte sie all die Zeit über gedacht. Sie schwieg und konzentrierte sich eine Weile lang auf das Pochen an ihrer Stirn und ihre Atmung. Es war irgendwie lustig, denn es fühlte sich ein wenig an, als hätte sie ein zweites Herz an ihrem Kopf. Der Gedanke war absurd, aber er beruhigte sie ein bisschen. Als sie Amúrs erneute Worte hörte schnaubte sie auf, was sie zusammenzucken ließ, da diese abrupte Reaktion den Schmerz ein wenig schärfer werden ließ.
"Dann musst du noch lernen, hinter den Schein zu sehen. Wenn ich so stark wäre, wie du es behauptest, wäre ich nie so geendet. Stärke ist, Schmerz und Probleme überwinden zu können, so tief sie einen auch treffen. Und Stärke ist bestimmt nicht, sich vor diesen zu verstecken und eine unbeteiligte Miene zu ziehen."
Ihr Wortlaut war schärfer geworden und es schwang ein leicht düsterer Klang mit. Trotzdem war sie nicht laut geworden, nur etwas belebter. Sie hatte immer versucht, Stärke zu zeigen. Wie es schien, hatte es auch halbwegs geklappt, ihr Umfeld davon zu überzeugen. Auf jeden Fall, die Jüngeren, naiveren. Die Wahrheit war vielleicht zu niederschmetternd, aber Amáya glaubte daran, dass Amúr damit schon klar wurde. Irgendwer musste es ihr ja einmal sagen. Sie hatte gesagt, sie würde sie bewundern. Bewundern! Sie! Amáya! Es war zwar irgendwie tröstlich, dennoch wehrte sich die Fenrisgläubige automatisch dagegen. An ihr gab es bei weitem nichts zu bewundern. Erschöpft gab sie der jungen Fähe ein sehr sehr blasses Lächeln.
"Ja, mach das bitte. Es wäre sehr nett von dir."
Es kam nicht oft vor, dass sie lächelte. Aber hier und jetzt hatte sie schon so viel Ehrlichkeit zugelassen, dass es eigentlich gar nicht mehr wichtig war.
02.03.2013, 13:34
Die Glieder des jungen Rüden zitterten, während er mit lauernd gesenktem Kopf die Umgebung in Augenschein nahm. Bei dieser Gelegenheit fixierten seine Augen Liel und Hilel kurz, Wie altbekannte Feinde aus einem anderen Leben. Er schleckte sich über die Lefzen und schien auf etwas zu lauschen, das nur er wahrnehmen konnte. Mürrisch und misstrauisch huschten die blauen Augen über die Umgebung, dann ließ er sich an Ort und Stelle wieder zu Boden sinken und schloss röchelnd die Augen.
Er fühlte sich benebelt und elend, als breite sich ein Gift in seinen Adern aus, dass ihn langsam dahin raffen wollte.
„Nihil ist tot.“, stellte er mit rauer, keuchender Stimme fest. Es war keine Vermutung, sondern eine Gewissheit. Ob er mit sich selbst sprach, oder die beiden anwesenden Wölfe über den Verlust des Rudelmitglieds in Kenntnis setzte, wurde nicht ersichtlich. Er sagte auch nichts weiter dazu, sondern fiel zurück in die Regungslosigkeit, die ihn so lange umgeben hatte, aber das Bewusstsein blieb, auch wenn es sich nicht mehr gänzlich klärte. Er schwebte eine Weile zwischen Schlaf und Wachen, ohne dass man das eine vom anderen hätte unterscheiden können. Ein paar mal hustete er kraftlos, aber das blieb alles, was man von ihm im Augenblick erwarten konnte.
[Bei Liel und Hilel]