Tyraleen
13.11.2011, 15:29

Es ist noch dunkel, aber die Nacht nach "Goldene Tage" weicht langsam dem Morgen. Mond- und wolkenlos ist sie eiskalt gewesen und noch scheint keine wärmende Sonne. Das Rudel ist bereits aktiv auf den Läufen und bricht gen Süden auf.

Tyraleen lief gemütlich aber zielstrebig auf den Wald unterhalb des kleinen Baches zu. Es war Zeit, einmal wieder im südlichen Teil des Reviers Jagdbeute zu suchen und ihre Anwesenheit zu demonstrieren. Die neue Leitwölfin war erstaunt, wie selbstverständlich solche Überlegungen geworden waren. Und wie anderes, über das sie früher ewig nachgedacht hatte, in den Hintergrund rückte.

Amáya blickte sich um, mit einem leichten Stirnrunzeln, dass als alles mögliche interpretiert worden musste. Es war immer noch zwickend kalt, da die Sonne sich wohl noch keine Anstalten machte aufzusteigen. Dennoch herrschte ungewöhnliche Aktivität unter den Wölfen. Stumm folgte sie Tyraleen, während sie ihre Gedanken noch ein wenig träge kreisen ließ.

Caylee spähte nach ihrem Vater. Das Rudel bewegte sich nach Süden, in den Wald hinein - vielleicht würde sie so die Gelegenheit bekommen ungestört mit Averic zu sprechen. Sie war verwirrt, gleichzeitig seltsam grimmig zufrieden. Als sie den schwarzen Wolf entdeckte, drehten sich ihre Ohren zurück und beinahe linkisch lief sie in seiner Nähe und zögerte doch.

Isaí hatte sich ein Stück von seiner Familie entfernt, um in den vordereren Reihen des Rudels mitlaufen zu können. Dort war es meistens viel spannender und man sah früher, wenn etwas Interessantes geschah. Mit einem herzhaften Gähnen blickte er umher, erkannte an der Spitze Tyraleen, und bewunderte still, wie ihr alle folgten. Mit aufmerksam gespitzten Lauschern spähte er ihr nach und wuselte etwas zwischen den Rudelmitgliedern herum.

Averic lief etwas seitlich des Rudels, den Blick zuerst starr nach vorne gerichtet, die Ohren aber aufmerksam aufgestellt. Eine Aufgabe hatte er erledigt, nun musste er sich der Unangenehmsten widmen. Und die lautete erst einmal, nervenzehrendes Ausharren. Aus den Augenwinkeln konnte er weißes Fell erkennen und wandte den Kopf zu seiner Tochter, die etwas seltsam neben ihm herstrakste. Ihr Gesichtsausdruck war ebenso merkwürdig. Averic ließ sich etwas zurückfallen, bis er neben ihr lief. "Alles in Ordnung mit dir?“

Amúr lief zuerst alleine am Rande des Rudels, lies sich vom Rudel mitziehen und horchte auf die Tiere in ihrer Umgebung. Dann beschloss sie, doch etwas weiter vorne mitzulaufen, vielleicht sogar zu ihrer Mutter aufzuschließen? Ja, das würde sie tun. So lief sie schneller und erreichte die vordere Gruppe. Sie entdeckte neben ihrer weißen Mutter, ihre Schwester und den kleinen Isaí.

Amáya hatte so langsam den letzten Fetzen der Schläfrigkeit aus ihrem Kopf verbannt und beobachtete alles nun mit etwas schärferen Sinnen. Sie gingen nach Süden, soviel war sicher. Doch sie hatte nicht den leisesten Schimmer, was Tyraleen plante. Vielleicht musste sie einfach fragen, auch wenn sie es ungern tat. Plötzlich streifte etwas ihre dünnen doch muskulösen Läufe und sie blickte, nach einem kurzen Zusammenzucken zu dem Wuselding hinab. "Isaí?", sprach sie ihn an, weniger kühl als sie zu anderen sprach. "Weißt du, wohin Tyraleen uns zu führen gedenkt?"

Caylee zuckte zusammen, als Averic sie entdeckte. Sie hatte noch nicht genug darüber nachgedacht, wie sie sagen und fragen wollte, was sie beschäftigte. Aber ihr Vater ließ sich schon zurückfallen und fragte nach ihrem Befinden. Sie wandt sich ein wenig hin und her, mit gesenktem Kopf und noch immer recht unsicher. "Ja ... ich weiß nicht." Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lefzen. "Bin ich ein Engayawolf? Muss ich das sein?"

Isaí stockte mitten im Lauf, als jemand seinen Namen sprach, blieb kurz stehen, sah sich um, um dann, als er Amáya erkannte, wieder mit schnellen Schritten zu ihr aufzuschließen. "Amáyaaaaa.", begrüßte er sie mit einem trägen Gähnen und lief schließlich neben ihr her. Als sie ihm eine Frage stellte, blickte er verwundert zu ihr auf, begann aber gleich darauf wieder zu grinsen. Hach, wie schön es war, dass sie alle glaubten, dass er so viel wusste! Er war stolz auf sich, doch die Ernüchterung folgte, als ihm bewusst wurde, dass er die Antwort auf diese Frage nicht kannte. So schüttelte er den Kopf und neigte ihn schließlich leicht zur Seite. "Nein, nein. Aber es ist bestimmt ein ganz toller Ort mit vielen Mäusen und so spannend, wie das stürzende Wasser!"

Averic musterte seine Tochter mit einem wohl väterlich-analytischen Gesichtsausdruck, ließ sich aber die Verwunderung über diese Frage nicht anmerken. "Nein, ein Wolf muss sich keinem Gott verschreiben. Aber warum zweifelst du?"

Caylee betrachtete ihren Vater von unten herauf mit deutlichem Zweifel. "Aber ich bin von Engaya gesegnet."

Amáya verdrehte leicht die Ohren und beobachtete leicht abwesend die Züge des rötlichen Welpen. Auch er schien noch müde zu sein, kein Wunder. Die Dunkelheit und die Schatten beherrschten noch die Landschaft und sie selbst hatte nicht sonderlich viel Schlaf bekommen. Aber wahrscheinlich sah man es ihr nicht so sehr an, sie hatte schon gelernt, ihre Aktionen im Griff zu halten. "Bist du denn nicht auch eine kleine rote Maus?", fragte Amáya leicht dahin geworfen und schloss das eine Auge abwägend. Fenris, sie wurde ja wirklich alt! Irgendwie hatte sie auf ihrer Wanderung einen Narren an Welpen gefressen... So dumm es auch für sie klang. Dennoch, Welpen waren so rein wie kein anderer erwachsener Wolf, sie waren noch nicht verdorben. Lichtkreaturen. Schwachsinn, was redete sie da? Wahrscheinlich war sie einfach nur mit der falschen Pfote aufgestanden.

Averic schnippte leicht mit einem Ohr. "Engaya segnet jeden Welpen. Das ist ihre Pflicht."

Caylee schüttelte heftig den Kopf. "Nein, das war mehr bei mir. Sie hat mich als Welpe zu sich genommen. Als Engayawelpe."

Isaí beobachtete leicht abwesend die Schatten, die immer wieder zwischen den Bäumen hervorkrochen und sich schließlich wieder verzogen, als hätte Tyraleen sie mit ihrer Anwesenheit verjagt. Als er jünger gewesen war, hatte er sich noch davor gefürchtet, doch inzwischen hatte er verstanden, dass ihm im Beisein des Rudels nichts geschehen konnte. Der Gedanke an einen Ort mit vielen Mäusen gefiel ihm und die Vorfreude, endlich dort anzukommen, wuchs und wuchs, wenngleich sie im Grunde gerade erst aufgebrochen waren. Amáyas Worte irritierten ihn dann aber doch. Erstaunt sah er sie an. "Nein, nein. Mäuse sind viiiiiiieeel kleiner als ich! Und sie verstecken sich vor allen, weil sie nicht gefangen werden wollen. Sie verstecken sich im Dunkeln, weißt du?", erklärte er und wiederholte so gedanklich die Unterrichtsstunde mit Nihilus. Freundlich lächelte er zu der Schwarzen hinauf.

Averic dachte einen kurzen Moment nach und beschloss, bevor er weiter etwas dazu sagte, noch einmal nachzuhaken. "Warum denkst du, ist das jetzt anders?"

Caylee war kurz erstaunt, dass Averic ihre Erklärung so hinnahm, wollte aber auch lieber über ihr eigentliches Problem reden. Ihre Ohren zuckten vor und zurück. "Es ist nicht anders. Aber ... ich will nicht bei ihr bleiben. Engayamäßigsein ist ... langweilig. Aber ich kann Fenris doch nicht einfach mehr mögen?"

Malik lief so schnell er konnte. Er musste doch unbedingt üben, noch schneller als Taleesha zu werden und wenn sowieso alle unterwegs waren, konnte man das gleich nutzen. Bisher hatte er auf den Boden geschaut, doch als er nun aufblickte, stellte er fest, dass vor ihm fast niemand mehr war, bis auf Tyraleen. Begeistert hoppelte er soweit, dass er neben ihr gehen konnte und sah fröhlich zu ihr auf. "Ich hab dich eingeholt! Meinst du beim nächsten Wettrennen bin ich schneller als Taleesha?"

Amúr verfolgte kurz das Gespräch zwischen Isaí und Amáya. Dann lief sie noch etwas schneller um die Höhe von ihrer Mutter zu erreichen. "Morgen Mama.", sagte sie und wirkte etwas müde.

Amáya drosselte ihre Schritte so, dass sie nicht zu schnell für Isaí war, jedoch auch nicht zu sehr hinter Tyraleen zurückblieb. Mit einem kurzen aber bedeutungslosen Nicken nahm sie die Anwesenheit einer der Töchter Tyraleens wahr, konzentrierte sich aber doch eher auf den Weg vor ihr und den Welpen neben ihr. "Ach wirklich?", entgegnete sie zweifelnd und mit einem klitzekleinen Anteil von Spott. Kurz maß sie den Welpen, beließ es aber dabei. "Was würdest du denn an ihrer Stelle tun? Wenn die bösen bösen Wölfe kommen würden um dich zu fangen?" Sie betonte das 'böse' besonders und ärgerte sich insgeheim darüber, dass es sie auch noch amüsierte mit der Maus hier zu reden.

Tyraleen bemerkte etwas Weißes am Rande ihres Gesichtsfeldes und senkte den Blick um Malik zu entdecken. Glücklich, aber auch ein wenig so, als wäre er länger gerannt. "Stimmt, du bist wirklich schnell. Wenn du willst, können wir ja noch ein wenig trainieren, dann schlägst du Taleesha bestimmt." Sie lächelte den Kleinen fröhlich an und wandte sich dann um, als Amúr zu ihnen aufschloss. "Guten Morgen, Múr."

Averic kurz schlich ein Lächeln auf die Lefzen des Pechschwarzen, als er hörte wie seine Tochter Engayawölfe beschrieb. "Das musst du auch nicht. Es gibt nicht nur schwarz und weiß. Es gibt viele Wölfe, die sich keinem der Götter näher fühlen, als dem anderen. Oder nur stückweise."

Caylee verunsicherte das Lächeln ihres Vaters. "Aber wenn ich mich Fenris sehr nahe fühle?"

Malik nickte begeistert. "Au ja!" Doch ehe er weiter überlegen konnte, wie das ablaufen sollte, tauchte eine Mamawölfin auf die Tyraleen als Mama bezeichnete. Verwirrt legte Malik kurz die Ohren an den Hinterkopf, doch dann lächelte er. "Hallo du ... Muuuhr. Wollen wir drei um die Wette laufen damit ich euch überholen kann?", fragte er mit gewinnendem Strahlen auf den Lefzen.

Isaí blickte herausgefordert zu Amáya hinauf. Er war keine Maus, er war viel größer und außerdem war er ein Wolf. Oh ja! Und wenn er eine Maus war, war Amáya auch eine Maus! Dann waren sie alle Mäuse. Er verzog die Lefzen kurz zu einer Grimasse wie ein Lehrer, dessen Schüler einfach nicht verstehen wollte. "Ich bin keine Maus! Ich bin ein Wolf, so wie du! Und Wölfe sind keine Mäuse. Sie können aber so feige sein, wie Mäuse.", belehrte er sie erneut und schloss einen Moment die Augen, während er den Kopf stolz gehoben hielt, bis er Schritte hörte und seinen Bruder an ihnen vorbeihoppeln sah. Er fand seine Gangart immer noch ganz schön unwölfisch. Vielleicht war er ja eine Maus? Doch Amáya brachte ihn erneut dazu, sich keine Gedanken darum zu machen. "Ich würde ...", begann er, dachte dann aber erst nach. "Öh. Ich weiß nicht ... Was macht man denn an ihrer Stelle?"

Averic betrachtete Caylee noch ein paar Herzschläge länger. "Das ist nichts Schlechtes."

Caylee hatte mit dieser Antwort gerechnet. Sie schüttelte den Kopf und nickte gleichzeitig. "Ich weiß. Aber ... ich gehöre doch zu Engaya."

Amúr stupste ihre Mutter ins Nackenfell. "Hallo Malik." Dann sah sie ihn skeptisch an. "Können wir machen, kleiner Lichterweple. Doch ich bin ziemlich schnell, ob du das schaffst?" Sie stupste Malik an und sah kurz zu ihrer Mutter, ehe sie Malik betrachtete und seinen Reaktion gespannt abwartete.

Averic kam wieder zu einem vorherigen Gedanken zurück und beschloss ihn jetzt auszusprechen, da er seine Tochter wirklich etwas hilflos wirkte. Sein Gesicht wurde deutlich ernster. "Du meinst, Engaya hätte dich ausgewählt, so wie sie deine Mutter ausgewählt hat?", fragte er ruhig und leise.

Ruhig war Kisha dem Rudel gefolgt, hatte ihr Tempo angepasst, als sie die Gemeinschaft erreicht hat. Kurz hatte sie sich suchend umgeblickt, sich dann mit einigen Sätzen zu ihrem Paten und Amáya begeben. Isaí begrüßte sie mit einem Stubser, einem Schlecker über die Nase. Dann hob die Dunkle den Kopf, blickte ihre schwarze Schwester an. Auch sie wurde mit einem Nicken begrüßt. ,,Hallo zusammen."

Tyraleen hatte sich schon gedacht, dass Malik ihr Vorschlag gefallen würde. Amúrs Auftauchen tat dem keinen Abbruch, auch wenn die Abkürzung des Namens ihrer Tochter den Kleinen wohl etwas verwirrte. "Dann zähle ich bis drei ... bei drei laufen wir los - wer als erstes am Waldrand ist, hat gewonnen." Sie warf ihrer Tochter einen Blick zu, den Malik nicht sehen würde. Den Kleinen gewinnen zu lassen, war für Tyraleen selbstverständlich, vielleicht würde ja auch Amúr mitspielen.

Caylee fühlte sich angesichts Averics Frage noch unsicher. Das klang nun doch etwas ... groß. Wieder wandt sie sich hin und her. "Ich weiß nicht ... vielleicht ... keine Ahnung, wie sie meine Mutter ausgewählt hat. Aber mehr, als einfach nur irgendein Wolf." Sie hatte das Gefühl, wirr zu reden.

Malik machte sich sofort so groß wie er konnte und reckte sich. DAS würden sie ja sehen. "Ich bin ganz schnell, ganz lichtschnell. Und ich muss ja üben, damit ich schneller als Taleesha bin. Tyraleen, wieso ist Taleesha so schnell wie ein Reh? Papa sagt sie ist das. Und wenn ich schneller als sie bin, dann bin ich ... schnell wie ein Malik?" Er blickte fragend von Tyraleen zu Amúr, doch dann ging es auch fast schon los. Malik wollte schließlich die ganze Zeit reden, sondern üben, damit er so schnell werden konnte, dass er mit nichts zu vergleichen war.

Amáya nickte leicht, doch erwiderte sie nichts auf die ersteren Worte des Zwergrüden. Klar konnten Wölfe feige sein, sehr sogar. Ein kleiner Stich durchfuhr ihr Herz und um sich abzulenken wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder Isaí zu. Na, stimmt eigentlich, es war keine leichte Frage gewesen. "Das ist von Person zu Person anders, vielleicht ist es ja ganz nützlich, sich da mal weiter Gedanken drüber zu machen.", antwortete sie also ein wenig ausweichend. Sie selbst hatte einen viel zu großen Stolz, als dass sie sich ständig verstecken würde, wenn sie jedoch eine Maus wäre ... Doch Kisha machte einen Strich durch ihren Gedankengang und sie blickte auf, die Augen ein wenig verengend. Die Temperatur ihres Blicks sank wieder um einige Grad und sie nickte als leichte Begrüßung. "Hallo zurück."

Amúr grinste den Kleinen an und sah Tyraleens Blick. Der Kleine konnte ruhig gewinnen, war doch ein schönes Erlebnis für ihn. "Dann bist du so schnell wie das Licht!", sagte sie und nickte. "Okay, dann los, Mama!" Sie sah die weiße Fähe abwartend an.

Averic sah flüchtig über das Rudel und schließlich blieb sein Blick irgendwo zwischen den Bäumen im Wald hängen. "Ich muss gestehen, dass ich nicht wirklich der Wolf bin, der Engayas Taten und Angewohnheiten nachvollziehen kann. Ich hatte jedenfalls nie Zweifel." Er sah Caylee wieder an. "Du bist auch viel mehr, als irgend ein normaler Wolf. Du bist ein Nachkomme beider Götter."

Isaí sah gespannt auf. Etwas Skepsis lag in seinen Blick, während er auf die Antwort der Schwarzen wartete. Seine Lauscher zuckten, ehe er den Kopf dann doch umwandte und mit einem freudigen Strahlen seine Patin entdeckte, die auch gestern mit ihnen den Ausflug gemacht hatte. Er genoß ihre Begrüßung, drückte schließlich die eigene Nase gegen die ihre und lächelte breit. "Kiiisha!", bemerkte er zufrieden. "Weißt du, wieso uns Tyraleen soo früh wohin führt?", gab er direkt die Frage Amáyas weiter, um zu zeigen, wie schlau seine Patin war!

Tyraleen fragte sich kurz, warum Malik so beeindruckt von Taleeshas Rennkünsten war, musste sich dann aber ausdenken, was schneller war als ein Reh. Ein Reh war sehr schnell. Ihre Tochter kam ihr zu Hilfe und gab tatsächlich eine gute Antwort. Auch wenn wohl niemand wusste, wie schnell das Licht war und ob es überhaupt schnell sein konnte. Es war doch überall. Sie verdrängte die Gedanken und zählte lieber. "Eins ..." Sie brachte sich in Position. "Zwei ..." Ihre Muskeln spannten sich an. "Drei!" Und schon sprang sie los, allerdings nicht gerade schnell.

Kisha zwinkerte Isaí kurz zu, ehe sie die Augen wieder auf Amáya richtete. Die Reaktion der Fähe ließ sie die Ohren kurz zurück legen, das Lächeln verblasste einen Moment. Dann drang ein leises Seufzen aus ihrem Fang. Sie hatte keine wirkliche Beziehung zu Amáya, es war schwierig. Desto glücklicher war sie, dass ihr Pate sie etwas fragte, woraufhin sie den Blick wieder auf den kleinen Roten wandte. ,,Meinst du nicht, wir sollten uns überraschen lassen? Ist doch spannender." Mit einem Lächeln berührte sie ihren Paten erneut mit der Nase, Amáya immer aus den Augenwinkeln anblickend.

Malik fand die Antwort äußert befriedigend und nickte großzügig. Licht war toll. Licht war immer und überall da, nur jetzt irgendwie noch ... nicht. Egal, jetzt musste er sich erst einmal darin üben, so schnell wie das Licht zu sein und außerdem Amúr schlagen. Als Tyraleen startete, schoss auch Malik nach vorn und konzentrierte sich nur noch auf den Boden vor ihm, damit er nicht hinfiel

Caylee verwirrten Averics Worte eher. Er hatte nie Zweifel gehabt ... daran, zu Fenris zu gehören? Das war ja auch leicht. "Mama hat mal gesagt, dass es leicht ist, Fenris zu dienen aber schwer, Engaya zu dienen?" Sie wusste nicht, was sie mit der Information, mehr als ein normaler Wolf zu sein, anfangen sollte. Natürlich war sie das.

Amáya gab es ein unangenehmes Gefühl, dass Kisha sie immer nur aus der Seite betrachtete. Ja gut, war jetzt keine herzliche Begrüßung gewesen, aber das sollte man bei ihr auch nicht erwarten. Schwester hin oder her, sie konnte kaum Erinnerungen mit der ein Jahr älteren Schwester verbinden.

Amúr schaute ihre Mutter an ehe sie losrannte, oder vielmehr trabte. Es war gar nicht so leicht die Bewegungen vom Rennen nur langsam zu machen. Amúr lachte weil sie das Gefühl hatte, dass es ziemlich seltsam aussah. Sie grinste ihre Mutter an und ihr fiel auf, dass sie in letzter Zeit viel spielte. Mit Avendal, mit Nihilius und nun auch mit Malik und ihrer Mutter. Sie fühlte sich fast selbst noch wie ein Welpe. "Los Mama, wir müssen ihn doch einholen können!", rief sie leicht fiepend und lachte leise.

Averics Blick wurde nach Caylees Worten einen Moment lang etwas kühler. "So, meint sie das? Dem kann ich nicht zustimmen. Es ist manchmal schwer auf dem Weg zu bleiben, den man nicht verlassen darf. Das gilt für beide Götter."

Isaí fühlte sich nun wohl zwischen den beiden schwarzen Wölfinnen, während sein Blick von der einen zur anderen wanderte und er stets ein Lächeln auf den Lefzen hatte. Auf Kishas Worte hin nickte er eifrig, das war ja auch seine Vorstellung gewesen! Und dass Kisha sie teilte, erfreute ihn nur noch mehr. Doch irgendwie schien irgendetwas merkwürdig zu sein, seit sie dazugekommen war. Prüfend blickte er von Amáya zu Kisha und wieder zurück und schnaufte besonders auffällig. "Gehen wir irgendwann mal zusammen Mäuse fangen? Dann können wir auch gucken, was wir an ihrer Stelle machen, Amáya!", schlug er schließlich vor.

Tyraleens Blick lag auf Malik, der hochkonzentriert auf den Boden starrte und gleichzeitig rannte, als wäre Fenris hinter ihm her. Amúr und sie dagegen wirkten relativ entspannt, auch wenn das langsame Rennen auf eine andere Art und Weise anstrengend war. "Aber ... puh ... er ist so schnell!" Sie tat so, als müsse sie nach Luft schnappen. "Ich schaff‘s einfach nicht!"

Kisha blinzelte auf Isaís Schnaufen hin kurz, ehe sie wieder lächelte. Kurz richtete sie die braunen Augen auf Amáya, lächelnd, wartete dann einen Moment, ehe sie auf die Worte des kleinen Welpen einging. “Wenn du das möchtest, können wir das natürlich tun. Hast du denn schon etwas über Mäuse gelernt, und wie du sie jagen kannst?"

Caylee fragte sich kurz, ob sie nun etwas Falsches gesagt hatte, spürte aber keinerlei schlechtes Gewissen. "Aber es ist wirklich leichter. Ich muss mich nicht mehr dazu zwingen, nett zu sein und das richtige zu sagen. Ich muss mich nicht immer zurücknehmen und helfen, auch wenn ich nicht will."

Maliks Zunge wedelte zur Seite aus seinem geöffneten Mäulchen wie eine kleine Fahne und er gab alles, um auch ja der Erste zu sein. Amúrs und Tyraleens Worte motivierten ihn zu einem letzten Sprint, dann hatte er die ersten Bäume erreicht. Die Bremsung erfolgte etwas holperig und er stolperte mehr als dass er sich gemächlich auslief, aber das war alles egal. "Ersteeeeer!", rief er keuchend aber übers ganze gesicht strahlend. Dann ließ er sich ausgepowert auf sein Hinterteil fallen, um auf Tyraleen und Amúr zu warten.

Amúr konnte ein Lachen nicht verkneifen und verfiel in eine spielerische Laune. Sie stoppte und ließ sich auf den Bauch fallen um Malik so anzublicken. "Das war schnell!" Dann jedoch tat sie als überlegte sie. "Doch ob das so schnell wie das Licht war? Was meinst du?" Sie sah ihre Mutter an und zwinkerte vergnügt. Ja, auch ein Jährling hatte noch etwas Welpisches, zumindest manchmal.

Amáya winkelte ihre Ohren leicht an und blickte von dem kleinen Roten zu der schwarzen Schwester. Mäusejagd. Na, was hatte sie denn da schon wieder an der Backe? Wunderbar. Ihr Blick wanderte zum Himmel und die Antwort kam nicht sofort. "Wenn es Gelegenheit dazu gibt, gern. Dann könnten wir jenes ...Geheimnis ... lüften." Den Rest überließ sie Kisha. Mäuse zu erlegen, das war wohl wichtig für einen Welpen zu lernen.

Averic schüttelte den Kopf. "Betrachte die andere Seite. Es gibt auch Wölfe, die es nicht über sich bringen können etwas zu tun, was ein anderer als nicht nett erachten könnte. Das hat nichts damit zu tun, dass eine Seite tatsächlich die Leichtere wäre, sondern mit deiner Persönlichkeit. Wenn die von Natur aus mehr Charakterzüge besitzt, oder entwickelt hast, die Fenris entsprechen, ist es natürlich leichter auf Fenris' Seite zu sein."

Tyraleen musste grinsen, als Malik beinahe stolperte, machte aber noch rechtzeitig ein ernstes Gesicht, als er sich umdrehte und strahlend auf Amúr und sie wartete. Mit weit geöffnetem Maul und heftig atmend erreichte sie neben ihrer Tochter den Welpen und ließ sich genauso wie die Graue auf den Bauch fallen um vollkommen erschöpft zu schnaufen. "Ja, wirklich verdammt schnell. Aber das Licht ist auch verdammt schnell. Wir müssten das im Vergleich sehen ..."

Isaí strahlte, als Kisha seine Idee annahm, allerdings schwächte Amáyas nüchterne Antwort diese Freude etwas ab. Unsicher spielte er mit den Ohren, während er sie kurz einen Moment von unten her beobachtete und sich schließlich wieder mit einem Nicken an Kisha wandte. "Oh ja. Nihilus hat's mir gezeigt! Er ist gar nicht so ein Feigwolf, wie ich gedacht hab. Er ist viel cooler als Malik.", erklärte er munter als wäre es das normalste der Welt. "Er kann gut Mäusejagen. Und ich hab ihm geholfen! Ich bin sein Mäusejagdhelfer! Ein ganz guter Mäusejagdhelfer!"

Caylee dachte eingehend über die Worte ihres Vaters nach und nickte nachdenklich. Aber die Konsequenz daraus hieße ja ... "... das heißt, ich bin ein charakterlicher Fenriswolf."

Maliks Strahlen wich schnell einem ratlosen Blick. Im Vergleich sehen? "Ehm ... ich kann ja versuchen, schneller zu laufen als die Sonne aufsteht.", schlug er vor, war sich aber nicht sicher, ob Tyraleen das meinte.

Kisha seufzte nur leise, als sie Amáyas Worte vernahm. Na gut... sie konnte nicht erwarten, dass ihre dunkle Schwester so begeistert von dieser Idee war. Sie blickte ihr also nur kurz in die blauen Augen, ehe sie sich wieder Isaí zuwandte. ,,Ja? Dann kannst du mir ja vielleicht auch etwas zeigen. Du kannst mir beibringen, wie du so gut Mäuse jagst!"

Isaí nickte begeistert, als Kisha ihn für sein Können lobte, obgleich sie ihn dabei noch gar nicht gesehen hatte. Aber wenn er erzählte, dass er es konnte, konnte er es natürlich auch, war ja klar! Da brauchte man keine Zweifel haben! Er strahlte sie förmlich an, ehe er zu sprechen beginnen wollte, sich dann aber irritiert zu Amáya umwandte. Was? Sie musste jemanden suchen? Er spielte kurz mit den Ohren, ehe er ihr ein "Tschüss!" nachwarf und sich dann wieder an seine Patin wandte. "Ich kann dir alles zeigen, was ich kann! Ich war ganz gut! Kannst du keine Mäuse jagen, Kisha? Aber sie sind ja auch flink und schnell und dafür muss man genauso flink und schnell sein wie sie."

Averic betrachtete seine Tochter ein wenig. "Jeder Wolf hat Charaktereigenschaften von beiden Göttern, unterschiedlich ausgewogen. Es gibt keinen nur guten Wolf, oder nur schlechten Wolf."

Amúr schnaufte und rappelte sich langsam hoch. "Kannst du denn überhaupt noch rennen, Malik?", fragte sie und schaute ihn an. "Schneller als die Sonne aufsteht, das kann ich schon. Also musst du schon mal schneller gewesen sein.", sagte sie und stupste Malik an. "Wie machen wir das mit dem Vergleich? Dazu muss doch erst mal die Sonne richtig wach sein, oder?" Ein leicht fiepender Unterton hatte sich eingeschlichen und sie stupste auch ihre Mutter ins Nackenfell.

Kisha blickte Amáya nur kurz hinterher. Sie hatte ihre Zweifel, ob ihre Worte so wahr waren, aber nun gut. Sie richtete sich also wieder Isaí zu, lächelte nun wieder. ,,Es ist lange her, dass ich eine Maus gejagt habe ... ich bin sicher aus der Übung. Du musst mir also alles erzählen, was du weißt!" Wieder neigte sie den Kopf zu dem kleinen Wolf, flüsterte dann leise. ,,Und dann werden wir die beiden besten Mäusejäger im ganzen Tal!"

Tyraleen verzog die Lefzen und macht ein fachmännisch konzentriertes Gesicht. Jetzt wurde es kompliziert. Wie konnte man Malik gegen das Licht antreten lassen? Sie blinzelte, als sie den leichten Schatten sah, den Amúr auf sie warf. Schatten war da, wo kein Licht war. "Malik sollte sich wohl zuerst etwas ausruhen. Aber dann könnte er schneller den Schatten verscheuchen als das Licht."

Caylee kräuselte leicht die Nase. Averics Antwort stellte sie nicht zufrieden. "Dann bin ich eben auch ein klein wenig gut. Aber viel mehr schlecht. Oder Fenris. Dabei ... dabei bin ich doch Engaya." Sie klang fast ein wenig verzweifelt.

Malik sah mit großen Augen Amúr an. "Aber ich war doch jetzt schon schneller als du. Ich hab das Licht also schon längst überholt, wenn du es auch überholt hast." Das fand er logisch und nickte bekräftigend. Er war sowieso schon der Schnellste. Aber Tyraleen schien das anders zu sehen. Sein erstaunter Blick wanderte von Amúr zu Tyraleen, dann schüttelte er heftig den Kopf. "Ich muss mich doch nicht ausruhen, ich schaff das auch so. Bestimmt." Vorsichtig schielte er zu seinem Schatten.

Isaí lauschte der Schwarzen aufmerksam. Sie war also aus der Übung, dann würde das sicher nicht so schwer werden, wie es Nihilus mit ihm gehabt hatte. Er nickte begeistert von der Idee und holte Luft, um kurz Zeit zu gewinnen, sich an alles zu erinnern, was Nihilus ihm erklärt hatte. "Aaaalso! Wichtig ist, dass du gaaaanz leise bist, sonst laufen sie weg. Sie laufen immer weg, wenn sie wen sehen, deshalb muss man darauf achten, nicht bemerkt zu werden und ganz still sein, wenn man sich anschleicht.", erklärte er und nickte Kisha geschäftig zu. "Sie verstecken sich an dunklen Orten, wo keiner ist, damit sie nicht gefangen werden, denn wenn man klein ist, muss man immer darauf achten, nicht gefangen zu werden." Er machte eine Pause und sah Kisha an, als warte er darauf, dass sie Fragen stellte. Als sie sich zu ihm hinunter beugte, stellte er die Ohren aufmerksam auf und lächelte sie dann schelmisch an. "Wir sind doch sowieso die besten im ganzen Tal.", wisperte er ihr verschwörerisch zu.

Averic seuzte leise und beugte die Nase zu seiner Tochter, um ihr mit der Zunge über die Stirn zu fahren. "... Und vor allem, liegt so etwas im Auge des Betrachters. Ich kann dir nur sagen, was ich denke. Ich glaube nicht, dass du dich zwingen musst etwas zu sein, was du nicht kannst oder willst. Du musst dich auch nicht schlecht deswegen fühlen. Vielleicht solltest du mit deiner Mutter darüber reden, was du mir über dich und Engaya erzählt hast."

Kisha nickte ruhig lächelnd, während sie den Worten des Welpen lauschte. Er war einfach zu niedlich. Sie lachte leise, nickte dann erneut. ,,Und was mache ich, wenn ich mich an eine Maus heran geschlichen hab, und sie nicht weg gerannt ist?" Sie zwinkerte, musste dann auf seine folgenden Worte hin erneut auflachen. ,,Natürlich sind wir das!" Und wieder strich sie mit der Nase durch seinen Pelz, lächelte ihm sachte zu.

Amúr grinste. "Oha, das stimmt ja!", sagte sie und sah zu ihrer Mutter. Sie war verdammt kreativ. "Ich will auch meinen Schatten besiegen!", rief sie und meinte dann zu Malik: "Okay, Malik, aber du musst daran denken, das Pausen wichtig sind, denn sie helfen sich zu verbessern." Sie nickte ernst. Das hatte sie auch von Nasun gelernt. Dann sah sie ihre Mutter an. "Also, Laik ist schneller als das Licht, vielleicht sogar schneller, als der Schatten, das wird sich zeigen. Ich bin schneller, als die Sonne aufsteht und du, Mama?" Sie fand es lustig, weil es halb geschauspielert und halb ernst gemeint war, was sie fragte und sagte.

Caylee zuckte ganz leicht, als ihr Vater ihr mit der Zunge über die Stirn fuhr. Nicht unbedingt eine gewohnte Berührung seinerseits. Aber seine Worte taten gut. "Ich fühle mich nicht schlecht deswegen ... ich glaube nur, dass ich es muss. Ich fühle mich gut. Irgendwie ... seltsam. Aber gut." Sie legte die Ohren zurück und nickte dann. "Ja, vielleicht ..." Ihr war es lieber, mit Averic zu reden.

Isaí ging davon aus, dass - dadurch, dass Kisha zu dem bereits erklärten keine Fragen hatte - er ein wunderbarer Lehrer war. Vielleicht war er ja sogar besser als Nihilus? Dann könnte er ihm ja noch was beibringen! Ja, das würde er tun. Schon allein dafür, dass er doch cooler war als Malik, wenngleich er ihm in manchen Dingen glich. Auf ihre Frage hin nickte Isaí erneut. "Das ist eine sehr gute Frage!", ahmte er die Erwachsenen nach und grinste sie schließlich an, ehe er sich bemühte, wieder ernst zu tun. "Daaaaaann fängt man sie!" Als wolle er diese Worte verdeutlichen, machte er einen Satz nach vorne und drückte beide Pfoten fest auf einen Stein, der auf ihrem Weg lag. "Genau so, siehst du?", meinte er und drückte seine Nase erneut liebevoll an die Lefzen seiner Patin. Ja, sie waren die besten und tollsten. Sie waren Superisaí und Superkisha!

Tyraleen war sich nicht sicher, ob Amúr gerade nicht wieder ein halber Welpe war, der genauso wie Malik die Möglichkeit in Betracht zog, ihren Schatten hinter sich lassen zu können. Wieder wog sie den Kopf nachdenklich hin und her. "Aber wir müssen dafür wohl darauf warten, bis zumindest ein bisschen Licht da ist. Solange können wir dann ja Pause machen." Sie lächelte zufrieden, noch ein wenig Zeit zu haben, sich etwas auszudenken und grinste geheimnisvoll auf Amúrs Frage hin. "Ich sorge dafür, dass ihr immer Licht und Sonne habt."

Malik fand es zwar nicht gut, dass er nicht gleich weiter üben konnte, aber wenn das wirklich dabei half, sich zu verbessern ... also nickte er. "Ja, dann machen wir jetzt eine Verbesserungspause und warten auf die Sonne."

Amúr nickte und erhob sich. "Das ist gut." Sie sprang zu ihrer Mutter und schmiegte sich kurz an sie. "Mama ist die Sonne, wie schön!", sagte sie noch ehe sie vergnügt neben ihr und Malik herlief.

Averic neigte kurz den Kopf und sah Richtung Himmel. "Engaya ist selten dafür bekannt irgendwem etwas übel zu nehmen." Er lächelte leicht. "Wenn es sich richtig anfühlt, dann ist es okay."

Kisha beobachtete gespannt, wie Isaí ihr zeigte, wie man richtig eine Maus fing. Sie grinste, nickte dann und machte es ihrem Patensohn gleich. Mit einem kleinen Satz sprang sie mit den Pfoten zuerst auf einen Stien, blickte dann fragend zu Isaí. ,,Habe ich es so richtig gemacht?" Lächelnd schmiegte sie schließlich den Kopf an den kleinen Roten. Sie waren ein Superteam!