Tyraleen
14.09.2011, 11:43

Seit der Welpenzeremonie sind 6 Tage vergangen. Das Rudel hat sich ein wenig in Richtung Gebirge bewegt und hält sich momentan auf der Blumenwiese am Wasserfall auf. Es ist wolkig und riecht nach Regen - die Sonne geht gerade unter.

Tyraleen lag auf der noch immer leicht mit Schnee bedeckten Blumenwiese und sah dem Wasser beim Fallen zu.

Averic stand am Ufer des Wasserfallbeckens und hatte den Kopf zum Trinken gesenkt. Das Wasser war erfrischend und gedankenabkühlend. Er hob den Kopf wieder und ließ den Blick schweifen, über Jakash in seiner Nähe, bis er an Tyraleen hängen blieb, die ebenfalls nicht unweit war.

Isaí fand das alles viel zu aufregend, um es mit einem Blick zu begutachten. Das Geräusch des herunterfallenden Bodens dröhnte in seinen kleinen Öhrchen und dennoch hatte er sich ein Stück von seinen Eltern entfernt, um die neue Umgebung zu erkunden, doch sein Blick suchte immer wieder die Gestalten der anderen.

Jakash näherte sich der weißen Alpha, dabei seinen Kindern beim Spielen zusehend. Recht nah bei ihr ließ er sich nieder, aber auch nicht zu nah. Ein Gespräch mochte sich so entwickeln können, ohne dabei aus Zwang zu entstehen.

Tyraleen bemerkte den Blick Averics und erwiderte ihn zögernd. Was gestern zwischen ihnen passiert war, wirkte noch immer genauso irreal aber dennoch beinahe schön. Sie war dennoch froh, als sie eine Bewegung neben sich bemerkte und Jakash entdeckte, der sich in ihrer Nähe niederließ. Sie lächelte ihm zu. "Hallo Jakash."

Amúr stand auf der Blumenwiese und ließ ihren Blick über die anderen Anwesenden schweifen. Sie war gerade dabei zum Wasser zu laufen, als ihr auch einer der Welpen - Isaí um genau zu sein - ins Blickfeld fiel. Dennoch beschloss sie sich erst einmal in die Nähe des Wasserfalls zu begeben, bei dem sich die anderen aufhielten.

Jakash erwiderte das Lächeln der weißen Alpha und legte sich nun ebenfalls nieder. "Tyraleen.", grüßte er sie knapp, aber nicht unfreundlich, und ließ den Blick dann wieder schweifen. "Ihr versteht euch sehr gut, Taleesha und du, hm?", fragte er nach einer kleinen Weile des Schweigens.

Isaí hob den Kopf, als er eine Bewegung in seiner Nähe vernahm. Mit gespitzten Ohren beobachtete er Amúr einen Augenblick, ehe er die Nase erneut hinunter zum Boden senkte, nur um sie direkt danach wieder zu heben. Sein Blick fiel auf Averic, den Gebruder Kishas. Zögernd spielte er mit den Ohren.

Averics Blick wurde von einer kleinen Gestalt abgelenkt, die sich näher an den Wasserfall heranwagte. Auch wenn er eigentlich nicht viel für Welpen übrig hatte - außer es waren seine eigenen - ließ er die Augen einen Moment lang wachsam auf ihm verharren. Welpen waren sich vieler Gefahren noch nicht bewusst und der Wasserfall war definitiv eine. War das nicht auch der Welpe, den Kisha zu ihm gebracht hatte?

Tyraleen folgte Jakash schweifendem Blick und fiel auf Isaí. Der Kleine hielt sich in der Nähe des Wasserfalls aber auch bei Averic auf. Ihr Bruder wirkte nicht direkt begeistert, aber er hatte ein Auge auf Isaí. Als Jakash das Schweigen brach, sah sie ihn wieder an und nickte lächelnd. "Ja, sie ist eine bezaubernde kleine Fähe. Manchmal scheint sie mir schon viel zu viel zu denken."

Isaí zuckte kurz zusammen, als er den Blick Averics auf sich spürte und erwiderte ihn, während er überlegend mit den Ohren spielte. Kisha hatte gemeint, dass er viel lieber alleine war, aber andererseits hatte Isaí ihm versprochen, ihn mal zum Spielen mitzunehmen. Vielleicht wäre das ja der Zeitpunkt, um ihn mal zu fragen? Gedacht - Beschlossen. Mit leicht zögerlichen Schritten trabte der kleine rote Körper auf den Gebruder Kishas zu.

Amúr war nun nahe des Wasserfalls. Sie selbst neigte den Kopf zum Wasser und ließ das kühle Wasser in ihre Kehle rinnen. Dann blickte sie auf, Tyraleen sprach gerade mit Jakash. Da wollte sie sich nicht einmischen, also begab sie sich in Richtung ihres Vaters, hielt aber inne um erneut zu Isaí zu blicken, der den Blick auf Averic gerichtet hatte. Sie begab sich wie Isaí zu ihrem Vater. "Danke für gestern nochmal, auch wenn ich schnell wieder gegangen bin.", sagte sie und lächelte, heute war ein schöner Tag. Amúr war schon den ganzen Tag gut gelaunt und hoffentlich würde das auch so bleiben.

Jakashs wachsamer Blick ruhte ebenfalls auf seinem Sohn, aber er war nicht übermäßig beunruhigt. Isaí wusste bereits um die Tücke des Wasser, und außerdem waren sowohl Averic als auch Amúr in seiner Nähe, um ihm im Notfall zur Hilfe zu eilen. Und siehe da, schon war der schwarze Todessohn interessanter als das Wasser geworden. Jakash wandte seine Aufmerksamkeit wieder Tyraleen zu. "Stimmt. Manchmal überraschen uns Welpen mit Erkenntnissen und Einsichten, die man ihnen noch gar nicht zugetraut hat. Nur begreifen sie meistens dann nicht ganz das Ausmaß ihrer Erkenntnis. Was auch ganz gut so ist. Sie werden noch schnell genug erwachsen.", erwiderte er leicht grinsend.

Averic war tatsächlich nicht unbedingt begeistert, als der Welpe munter auf ihn zuwackelte. Einerseits war so zwar sichergestellt, dass dem Kleinen sicher nichts passieren konnte, andererseits könnte es dennoch anstrengend für ihn werden. Averic versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Als seine Tochter allerdings zu ihm trat, legte sich ein leichtes Lächeln auf seine Lefzen - eigene Kinder waren definitiv etwas anderes. Musste wohl die Natur absichtlich so arrangiert haben. "Nichts für ungut, dir geht es jetzt besser?"

Tyraleen wunderte sich im Stillen, wie erwachsen Jakash wirkte und sprach. Eigentlich war das nicht weiter erstaunlich ... aber manchmal kam ihr der Schwarze doch noch wie der Jungwolf vor, dem sie Chardím als Patensohn anvertraut hatte - durchaus verantwortungsbewusst, aber noch unerfahren und grün hinter den Ohren. "Bei Taleesha kommt es mir manchmal vor, als wäre noch mehr dahinter. Sie stellt seltsame Fragen. Über Dinge, die sie eigentlich gar nicht wissen kann und auch nicht versteht."

Jakash wandte den Blick nun von seinem Sohn ab und Tyraleen zu. Er hob eine Augenbraue. "Zum Beispiel?"

Isaí war erfreut, als er sah, dass auch Amúr das gleiche Ziel ansteuerte wie er selbst. Es überzeugte ihn etwas davon, dass Averic im Moment vielleicht wirklich nicht alleine sein wollte und hinterließ ein gutes Gefühl. Auf seine eben noch schüchterne Miene trat ein leichtes Lächeln, ehe er Amúr kurz angrinste und sich schließlich mit einer etwas zurückhaltenderen Miene an Averic wandte. Er musterte ihn einen Augenblick, unwissend, was er nun sagen sollte und je länger er schwieg, desto verunsicherter wurde er. So entschied er sich also zu einem einfachen "Haaaaallooo.". Schön langezogen, verstand sich.

Amúr nickte. "Ja, denn du hast Recht. Wir können es nur besser machen und das werden wir bestimmt. Schließlich gibt es auch noch Engaya und unsere kleinen Herbstwelpen sind der beste Beweis dafür, dass sie bei uns ist.", sagte sie und stupste ihren Vater kurz mit der Nase ins Fell. Sie musste einfach positiv denken, sie konnte nicht alles gleich und auf Anhieb verstehen, auch wenn sie das wollte. Aber sie konnte glauben und hoffen und das würde sie tun. Sie wandte sich an Isaí. "Na, Isaí, wie findest du den Wasserfall?"

Tyraleen versuchte sich an die Situation vor der Zeremonie zu erinnern. "Ich hatte sie zu Atalya und Turién mitgenommen ... es war eine seltsame Situation. Turién hatte Atalya das Ohr angerissen und ich kam, um nachzusehen, ob alles in Ordnung war. Danach meinte Taleesha zu mir, dass sie seltsam traurig gewesen war. Nicht wegen Atalyas Wunde, aber sie konnte mir auch nicht sagen, warum sonst."

Averic lächelte und nickte, zog es aber vor nichts weiter dazu zu sagen. Er war nun mal der Todessohn und so lag es ihm fern zu glauben, dass ausschließlich Engaya ein Zeichen dafür war, dass alles besser wurde. Nur sie allein konnten daran arbeiten, die Götter würden ihnen nicht helfen. Als ein langgezogenes 'Haaalloo' ertönte, wandte er den Kopf nach unten, wo der winzige Welpe nun vor seinen riesigen Pfoten stand. "Hallo.", entgegnete er, im Gegensatz zu dem Welpen aber recht knapp.

Jakash legte den Kopf ein wenig schief und ließ den Blick dann wieder langsam zu dem Dreiergespann am Wasserfall wandern, während er über Tyraleens Erzählung nachdachte. "Hmm.", machte er. "Vielleicht hat sie einfach gespürt, dass etwas nicht in Ordnung war. Oft ist es ja eher so, dass Welpen eher nicht mitbekommen, wenn unterschwellige Spannungen herrschen. Und dann scheint es mir aber manchmal so, als hätten sie doch wieder ein intuitives Gespür dafür.", versuchte er sich an einer Erklärung.

Isaí lauschte aufmerksam dem Gespräch zwischen Amúr und Averic, wenn er auch nicht genau wusste, worum es ging. Doch bei den Worten Engaya und Herbstwelpen wedelte er interessiert mit der Rute. Er schenkte Averic ein schüchternes Lächeln, ehe er den Kopf leicht zur Seite neigte. Der erste Schritt war also geschafft, er war schon mal da bei dem Lieber-Allein-Sein-Wolf. Doch bevor er seine Frage stellen konnte, wandte sich Amúr an ihn und Isaí sah neugierig zu ihr hinauf, ehe er mit den Ohren zuckte. Kurz darauf warf er einen bösen Blick in die Richtung des Wasserfalls, schüttelte kurz den Kopf als weiteren Versuch, das Dröhnen in seinen Ohren zu verscheuchen, nur, um festzustellen, dass es nichts brachte. "Laut.", gab er schief grinsend von von sich. Gute Erkenntnis.

Tyraleen nickte langsam, auch wenn sie sich nicht sicher war, ob diese Erklärung ausreichte. "Ja, das hat sie wohl. Es kam mir nur seltsam vor, in dieser Situation. Unerwartet." Sie lächelte und machte eine wegwischende Schnauzenbewegung. "Es ist auf jeden Fall eine interessante Charaktereigenschaft, deren Ausprägung wir sicher noch genauer beobachten können." Sie legte leicht den Kopf schief. "Und wie geht es dir?"

Amúr grinste kurz als Isaí sagte, was er von dem Wasserfall hielt. "Ja, das kann man nicht bestreiten." Dann war sie still, weil sie sich sicher war, dass Isaí bestimmt auch Fragen hatte und diese sollte er stellen. Deswegen gab sie ihm Gelegenheit dazu.

Averic ließ die Zwei erst einmal reden. Es gab sowieso nichts, was er großartig dazu ergänzen könnte. Er wandte den Blick noch einmal in Tyraleens Richtung, wo nun auch Jakash war. Dann senkte er den Kopf erneut, um noch ein paar Züge des eisigen Wassers zu sich zu nehmen.

Jakash nickte. "Welpen tun viele unerwartete Dinge. Erlebe ich fast jeden Tag wieder.", erwiderte er erneut grinsend und musste daran denken, dass Isaí ihm von seinem Versuch erzählt hatte, Atalya vor dem Ertrinken retten zu wollen. "Gut.", erwiderte er schlicht auf ihre Frage hin, auch wenn dieses eine Wort eigentlich nicht angemessen war um seine Zufriedenheit auszudrücken. Dann verblasste sein Lächeln jedoch langsam, und ein ernster Ausdruck erschien auf seinem Gesicht. Ihre Frage hatte ihn auch noch an etwas erinnert, dass er schon viel zu lange vor sich hergeschoben hatte. Jakash richtete sich in eine sitzende Position auf und wandte sich mehr Tyraleen zu. "Da ist aber etwas, das ich dir erzählen muss. Und.. ich hätte es eigentlich schon längst tun sollen."

Tyraleen erwiderte das Grinsen Jakash. "Ja, das tun sie." Sie hatte acht kleine Welpen gehabt und jeder für sich hatte sie jeden Tag überrascht, erfreut, gefordert und ab und an auch geärgert. Dass ihr Neffe nun die gleichen Erfahrungen machte, war schön wenn auch ungewohnt. Während sie noch in ihren Gedanken an die Zeit ihrer Welpen dachte, wandelte sich Jakashs Gesichtsausdruck. Als er sich aufrichtete, wirkte sie kurz ob seiner Ernsthaftigkeit irritiert, dann tat sie es ihm nach. "Ich höre dir zu."

Jakash zögerte nur noch einen kurzen Moment, um zu überlegen, wo er beginnen sollte. "Es geht um Chardím. Es war an dem Tag, als der Varg auftauchte. da ist nicht nur dieses Untier erschienen, sondern auch ... Fenris persönlich. Ich war schon seit einiger Zeit innerlich zerrissen - beide Götter versuchten mich auf ihre Seite zu ziehen, aber Fenris war besonders... energisch dabei. Als er erschien, und Neytíri plötzlich auftauchte ... Ich sah sie als Engayawolf, und es brannte in mir vor Hass und Blutdurst. Ich griff sie an - und Fenris weiß, was ich getan hätte, wäre Chardím nicht dazwischen gegangen. Aber auch dein Sohn ist innerlich zerrissen, mehr noch als ich es je war, und um mich zu stoppen ... Ich weiß nicht genau, was er getan hat, aber es hat ihn zu viel Kraft gekostet und plötzlich fiel er in Ohnmacht. Schlimmer noch, es war, als läge er im Sterben. Ich hatte furchtbare Angst, dass mein Patensohn vor meinen Pfoten stirbt, und in meiner Verzweiflung flehte ich Fenris an, ihn zu verschonen. Er erhörte mich - aber er forderte einen Preis dafür. Ich sollte fortan sein Jünger sein, und um mich an meinen Treueschwur zu binden, warnte er mich, dass er Chardíms Leben wieder einfordern würde, wenn ich ihn hintergehen sollte." Jakash hielt inne, aber nur für einen kurzen Moment. "Chardíms Leben ist an mich gebunden.", schloss er.

Isaí genoß es, seine Geschwestern und Gebrüder nicht in der Nähe zu wissen. Er machte sich keine Sorgen um sie, waren sie sicherlich bei seiner Mutter. Doch solange sie weg waren, stand er im Mittelpunkt, und wem würde das nicht gefallen (mit Ausnahme von Averic natürlich, der das leugnete)? Doch er ließ sich nichts anmerken (soweit das ging). Stattdessen senkte er die Nase erneut und fuhr mit ihr durch Gras. Schon die ganze Zeit lag so ein komischer Geruch in der Luft. Fragend legte er den Kopf schief und fixierte dann zuerst Averic und dann Amúr mit seinen Seelenspiegeln. "Nach was riecht es hier so merkwürdig?" Fragend schnippte er mit den Ohren, unschlüssig, von wem er eine Antwort zu erwarten hatte.

Amúr schaute zu Isaí. Sie lächelte, dieser Geruch, der in der Luft war sprach für Regen, soweit sie das einschätzen konnte. "Regen ...", murmelte sie. "Es scheint Regen zu geben, danach riecht es hier. Weißt du was Regen ist?", fragte sie und schaute zu ihrem Vater, sie wollte nicht, dass er außen vor war, deswegen blickte sie ihn an und lächelte. "Das ist doch Regengeruch?", fragte sie und grinste, denn eigentlich war sie sich ziemlich sicher.

Tyraleen lauschte Jakash aufmerksam und fühlte sich zunehmend beunruhigt. Fenris ist erschienen? Jakash wollte Neytíri angreifen? Sie kannte diese Seite nicht an ihm, auch wenn sie wusste, dass Jakash zwischen den Göttern stand. Oder eher gestanden war. Doch wirkliches Erschrecken zeichnete sich erst auf ihrem Gesicht ab, als der Schwarze die volle Tragweite des Ereignis' beschrieb. Von ihm hing Chardíms Leben ab. Sie atmete langsam aus und holte hörbar wieder Luft. "Ich danke dir dafür, dass du meinem Sohn das Leben gerettet hast." Auch wenn er es wohl nicht verloren hätte, wäre Jakash nicht auf Neytíri losgegangen. "Das heißt also, dass ein Fehler von dir, meinem Sohn das Leben kosten wird?"

Averic schleckte sich die letzten Wassertropfen von den Lefzen und richtete sich wieder auf. Er musste erst gar nicht witternd nachprüfen, um die Antwort zu geben. "Ja, es wird wohl einen ziemlichen Regenguss geben."

Nihilus war mal wieder den Gerüchen seiner Mitwölfe gefolgt, die ihm die schönste und angenehmste Rute bescherten. An diesem Abend war es der Weg zum Wasserfall und dessen unruhiges Tosen den der Rüde beschlich. Die drei Gerüche die sich zusammengefügt und nun zu einer Gruppe mutierten konnte er nicht genau einordnen, abgesehen von dem schwächsten von ihnen: der Welpe. Na, zumindest war dies ein Grund sich öffentlich als Verfolger zu outen, als er die zwei ein halb Wölfe in naher Entfernung wahr nahm. Den Mut zusammen nehmend straffte Nihilus die Brust, um den Gang aufrechter zu halten. Er müsste selbstbewusst aussehen! Leider verriet seine Stimme nur zu gut, dass er in Wirklichkeit lieber im Schatten geblieben wäre. ýGuten Abend ihre Drei." Zwar verzogen sich die Lefzen zu einer freundlichen Linie, allerdings half dies nicht darüber hinweg, dass der Blick abschweifte und gleich den besten Fluchtweg suchte. Eine Antwort auf die letzte Frage konnte er sich allerdings nicht verkneifen: "Ja, es müsste wohl bald regnen.", auch wenn es nur eine Wiederholung der Worte des dunklen Pelzträgers war.

Jakash sah Tyraleen an und war von ihrer Ruhe überrascht, auch wenn ihr anzusehen war, wie sehr sie das eben Gehörte erschreckte. Dennoch hatte er mit Wut gerechnet - Wut darüber, erst jetzt von dieser Sache zu erfahren, lag der Vorfall doch nun schon ein paar Monde zurück. "Es ist nicht auszuschließen, obgleich Averic eher der Ansicht ist, dass Fenris dieser Angelegenheit nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenken wird. Aber selbst, wenn Chardíms Tod nur eine Drohung seitens des Todesgottes gewesen sein sollte, werde ich das Risiko nicht eingehen es herauszufinden."

Isaí blickte interessiert von Averic zurück zu Amúr. Regen. Er überlegte kurz und kam zu dem Schluss, dass Atalya es wohl mal erwähnt hatte, doch recht daran erinnern konnte er sich nicht. Ohnehin hatte sie meistens alles nur oberflächlich erklärt. Bestimmt, weil sie es selbst nicht genau wusste. Eine zufriedene Miene zeichnete sich in seinem Gesicht ab, ehe er zu Amúr aufsah und ihr Angebot, ihm mal richtig was zu erklären, mit einen Kopfschütteln annahm. Als sie sich selbst nochmal bei Averic vergewissern wollte, richtig zu liegen, wanderten seine Seelenspiegel zu dem Papafellfarbenen Wolf, abwartend, ob er nun auch Amúrs Angebot übernehmen und erklären würde. Doch bevor er dazu kam, gesellte sich ein weiterer Wolf zu ihnen. Interessiert musterte er den mamafellfarbenen Papa, Er erinnerte sich nicht daran, ihn je gesehen zu haben, doch war er inzwischen irgendwie daran gewöhnt, immer neue Wölfe kennenzulernen. "Hallo, du! Ich bin Isaí.", hieß er ihn willkommen, als wäre er auch den anderen vollkommen fremd.

Turién hatte Nihilus in der Nähe vorbeitraben sehen, und weil ihn die Neugierde gepackt hatte, entschloss er sich, dem Weißen unauffällig in einigem Abstand zu folgen. Aus einiger Entfernung konnte er also beobachten, wie er sich Amúr, Averic und Isaí näherte, unschlüssig, ob er sich ebenfalls nähern, oder lieber alleine weiterstreifen sollte.

Tyraleens Blick glitt zu ihrem Bruder, während Jakash erklärte, dass Fenris sich um so etwas wie ein einziges Leben ihres Kindes nicht kümmern würde. Averic wusste also davon und hatte ihr nichts gesagt. Ihr Blick huschte zurück zu Jakash, nun ein wenig ungehaltener. "Warum erfahre ich das erst jetzt?" Aber eigentlich trugen eher Chardím und Averic Schuld, sie hätten sie aufsuchen sollen. "Ich glaube nicht, dass Fenris sich von einem Wolf wie dir auf der Nase herumtanzen lassen wird." Jetzt begann ihr Kopf zu arbeiten. Ein winziger Fehler Jakashs und ihr Sohn war tot. Eine unhaltbare Situation. "Ich bin nicht bereit, das Leben meines Sohnes aufs Spiel zu setzen."

Amúr lächelte. Sie setzte gerade zu ihrer Erklärung an, als ein neuer Wolf zu ihrer Gruppe trat. Es war Nihilius, der Wolf, der auch gestern bei der Gruppe war und sich mit Malik unterhalten hatte. "Hallo Nihilius, richtig oder?", fragte sie und wandte sich dann dennoch zu Isaí. "Wie gesagt, Regen ist wenn Wasser vom Himmel fällt. Ganz kleine Tropfen. Also nur kleine Mengen an Wasser. Nur eben ganz viel davon." Ob ihre Erklärung Sinn machte, konnte sie nicht sagen, aber sie ließ es so stehen. Dann nahm sie einen Geruch wahr. Turiéns. Sie hatte ihren Bruder seitdem sie wieder da war, nicht gesehen, allgemein hatte sie noch keinen ihrer Brüder gesehen. Sie schaute sich um und hoffte er würde zu ihnen kommen.

Jakash sah, wie sich Tyraleens Miene verfinsterte. Ah, da war sie nun doch, die Wut. "Weil ich erst seit kurzem Verstehe, wie wichtig und auch richtig es ist, dass ihr als Eltern darüber bescheid wisst. Auch Averic weiß das erst seit Kurzem, ich habe kurz vor der Zeremonie mit ihm gesprochen." Er ließ Rakshee ebenso wie Shani unerwähnt und erinnert Tyraleen auch nicht daran, dass Neytíri in den Vorfall involviert gewesen war. Zu ihren letzten Worten sagte er nichts, sondern sah sie nur aufmerksam an. Er ging davon aus, dass da noch mehr kommen würde.

Averic nickte Nihilus kurz zu und ließ den Blick an ihm vorbei wandern. Er hatte nicht besonders Lust sich an einer Erklärung für Regen zu beteiligen, aber etwas Interessanteres trat in sein Sichtfeld. Turién bewegte sich auf sie zu, schien dann aber zu zögern. Der Pechschwarze klopfte ein paar Mal aufmunternd mit der Rute.

Turién entschied sich letztendlich doch dazu, sich zu den vier Wölfen zu gesellen, aber erst nachdem er die Einladung seines Vaters bemerkt hatte. Sanft mit der Rute schwingend lief er auf das Grüppchen zu, hielt an und nickte, als er bei ihnen war. "Hallo ..." Ein leicht unsicheres Lächeln zierte seine Gesichtszüge.

Nihilus war sein Verfolger nicht aufgefallen. Vielleicht war er selbst zu viel damit beschäftigt gewesen unauffällig zu bleiben. Doch wie es schien hätte er diese Vorsicht gar nicht treffen müssen: Amúr kannte ihn sogar noch beim Namen! Überrascht stellten sich die Ohren auf. Damit hatte er nicht gerechnet. "Ja, richtig.", stimmte er ihr innerlich strahlend zu. Sie kannten sich, das war beruhigend. Leider schien Averic mit etwas anderem beschäftigt zu sein. Als Nihilus seinem Blick folgte bemerkte er nun endlich den grauen Wolf und zuckte zusammen. Nur leise nuschelte er ein "Hallo." zurück, bevor er einige Schritte beiseite trat.

Tyraleen war froh über Jakashs Erklärung, die sie wieder etwas beruhigte. Zwar war ihr nicht ganz klar, wie man den Eltern seines Patensohnes nicht erzählen konnte, dass ihr Sohn so gut wie gestorben war, insbesondere wenn diese den Göttern so nahe standen, aber sie war ein Engayakind und unterstellte Jakash somit keine Lügen. Er war schon immer ein wenig egozentrisch gewesen, vielleicht fehlte ihm die nötige Weitsicht. Nun galt es sowieso, seine Gedanken nicht an Wut zu verschwenden, sondern lieber darüber nachzudenken, wie sie die Situation ändern könnten. "Wir müssen Engaya um Hilfe bitten. Das könnte allerdings dazu führen, dass du dich ihr versprechen musst." Noch immer rasten Tyraleens Gedanken. Wie würden sie das anstellen können, ohne Chardím zu gefährden?

Isaí blinzelte Amúr fragend an, als sie erklärte, dass Regen Wasser war, der in geringen Mengen viel vom Himmel fiel, ehe sein Blick skeptisch wurde. In seinen Ohren hörte es sich fast so an, als wüsste sie es selbst nicht so genau. Er warf Nihilus und Averic einen vielsagenden Blick zu, ehe er sich räusperte und Amúr zunickte, als wüsste er nun genau Bescheid. Man musste ja nicht drauf rumreiten. Nihilus galt ein verärgerter Blick, als er gar nicht auf ihn einging, doch auch das war schnell wieder vergessen, als ein weiterer unbekannter, bekannter Papa zu ihnen stieß. Isaí stellte aufmerksam die Ohren, als er das undeutliche Wort hörte und sprang dann aufgeregt auf. Er glaubte genau zu wissen, wen er da vor sich hatte. "Turién!", rief er erfreut und wedelte mit der Rute, nicht bedenkend, dass der Papa ihm ja noch gar nicht wirklich begegnet war. Doch für Isaí hatte er bereits eine feste Stellung in seinen Beziehungsschubladen.

Amúr lächelte als sie sah, dass Turíen wirklich zu ihnen kam. "Hallo Bruder.", sagte sie und blickte ihn offen an. Dann sah sie kurz zu Isaí um sich zu überzeugen, dass er verstand, was Regen war, dieser nickte. Auch wenn sich Amúr nicht so sicher war, ob das stimmte, beließ sie es dabei, sobald es regnen würde, würde er es genau wissen. Sie schaute nochmal zu Turién, ehe sie dann den Kopf zu Nihilius wandte. "Ich bin Amúr, du hast gestern mit Malik gesprochen, dabei habe ich deinen Namen gehört.", erklärte sie, woher sie ihn kannte.

Jakash beobachtete Tyraleen gespannt. Seine Gedanken rasten, er hatte diesen Moment gefürchtet, näherten sich die Überlegungen doch einem riskanten Grad an Eidbruch, wie er fand. Tatsächlich gingen ihre Überlegungen sogar weiter, als er gedacht hätte. Jakash war auf den Beinen, bevor ihm die Reaktion seines Körpers selbst bewusst war. "NEIN!", donnerte er. "Ich würde damit meinen Schwur brechen, dagegen wären sämtliche anderen möglichen Fehltritte ein Witz! Es würde ihn töten!"

Tyraleen betrachtete Jakash nun ungewohnt kühl. War er so außer sich, weil er wirklich um Chardíms Leben fürchtete, oder ging es ihm um etwas ganz anderes? Zudem störte sie es, wie er mit ihr sprach. Langsam erhob sie sich ebenfalls, jetzt war ihr Blick stechend mit seinem verschränkt. "Ich denke, ich weiß besser, wie man mit den Göttern umgehen sollte. Ich werde mit Averic darüber sprechen, gemeinsam werden wir die richtige Lösung finden. Und du wirst tun, was wir von dir verlangen. Du bist der Pate meines Sohnes, du hast mir geschworen, alles für ihn zu tun."

Averic schenkte seinem Sohn ein Lächeln. Es war schon recht deutlich, wie anders sich der Pechschwarze gegenüber seiner eigenen Familie verhielt. "Guten Abend, Turién." Auch der Welpe schien übermäßig erfreut und Averic hob kurz eine Augenbraue.

Turién nickte Amúr nochmal zur Begrüßung zu. "Amúr ..." Die freudige Begrüßung durch Isaí entlockte ihm doch ein freudiges Rutenschwenken und einen erfreuten Gesichtsausdruck mit einem breitem Lächeln. Von Isaí wanderten seine sonnengelben Augen weiter zu Averic, dem er nochmals zunickte. Mit einem Auge schielte er auf Nihilus, und ein kleines Stück von schlechtem Gewissen machte sich in ihm breit, bevor auch dieses ungute Gefühl schnell verschwand, als er Isaí anblickte, und die Freude die er empfand ihn zu sehen. Turién wusste nicht warum, aber es war ein schönes Gefühl, dass die Wölfe hier sich so freuten ihn zu sehen. Aufmerksam blickte er in die Runde und ließ sich auf seine Hinterläufe nieder. "Stör ich grade, bei einem wichtigen Gespräch?"

Nihilus wurde trotz geringer Größe von Isaís Blick eingeschüchtert. Der Kleine war so aufgeweckt, dass Nihilus seine Art nur bewundern konnte. Daher blieb das Lächeln, nun Amúr zugewandt. "Ja, ich erinnere mich." Ihr Name war also Amúr, das war schon ein Mal gut zu wissen. Den Fang zur Frage geöffnet, wie es gestern noch verlaufen war, legten sich erschrocken die Ohren zurück, als der Welpe den Neuankömmling begrüßte. Turién? Turién. Auch wenn die Euphorie ansteckend war, hielt Averic abweisende Haltung ihn auf Abstand, so dass er den grauen Wolf nur schweigend ansah. Auf die Frage für den Moment den Kopf einziehend. Darum hatte er selbst sich gar nicht geschert, als er hier aufkreuzte.

Jakash hielt ihrem Blick zunächst stand. Sein Herz hämmerte wild in seiner Brust und ließ sein Blut in seinen Ohren rauschen. Er dachte an Chardím, seinen Patensohn, der nun seinerseits Tincas Pate war. Es stand jetzt so viel mehr noch auf dem Spiel. Ein Stimmchen in ihm flüsterte jedoch, dass er an Tyraleens Stelle ebenfalls fordern würden, was er selbst als Elternteil für das Beste für sein Kind hielt. Aber was, wenn sie sich irrte? Wenn es nicht das Beste war? Jakash biss sich auf die Lefzen, senkte jedoch endlich den Blick und zog die Rute ein wenig ein. Schweigend.

Isaí schenkte Turién ein glückliches Lächeln. So viel, wie er bereits von ihm gehört hatte, ließ ihn von dem Gedanken abkommen, Turién gerade im Grunde das erste mal zu sehen. Da Isaí bereits von Kisha mehr oder minder vorgewarnt worden war, ließ er sich nicht lange von der abweisenden Haltung Averics ihm gegenüber runterziehen und überging es gekonnt. Immerhin waren die anderen ja da, um ihn zu beachten. "Turiéeen.", rief er noch einmal erfreut und tänzelte ein Stück auf ihn zu. "Du bist der ohrlochbissernde Gebruder, gell? Du musst ihr auch noch das andere Ohr lochbissern!", verkündete er vergnügt und vergaß, dass er sicherlich gar nicht wusste, worum es ihm ging. Doch im nächsten Moment legte er etwas verängstigt die Ohren an den Kopf, während sein Blick automatisch den des Ältesten suchte. "Was ist denn mit Papa...?"

Amúr schaute zu Turién und meinte "Nein, ich habe versucht zu erklären was Regen ist, das ist gar nicht so leicht zu beschreiben.", erklärte sie und hatte Turién gleich etwas von dem Inhalt ihres Gespräch wiedergegeben. Dann lächelte sie noch einmal Nihilius entgegen. "Kannst du das erklären?", fragte sie. Man merkte ihr eindeutig an, dass sie gut drauf war. Sie hörte Isaí zu und schaute Turién dann fragend an. Wusste ihr Bruder wovon der Welpe da sprach? Dann galt noch ein Blick Averic, der eher leise war und wenig sagte.

Tyraleen beruhigte sich augenblicklich, als Jakash den Blick senkte. Sofort kam ihr ihre Reaktion übertrieben vor, aber sie spürte auch ihr Herz schmerzhaft in ihrer Brust hämmern und die Sorge um Chardíms Leben machte alles nur noch schlimmer. Sie fuhr sich über die Lefzen und berührte Jakash dann an der Stirn. "Ich will nicht, dass meinem Sohn irgendetwas passiert. Nicht noch einem." Sie warf einen Blick zu Averic, bei dem mittlerweile noch Nihilus und Turién aufgetaucht waren und vergaß beim Anblick ihres Sohnes jeden restlichen Ärger.

Jakash fühlte die leichte Berührung an der Stirn, wagte jedoch nicht sofort, sich zu rühren. Erst auf ihre Worte hin entspannte er sich wieder, aber nicht gänzlich. "Ich weiß. Ich fürchte nicht minder um ihn, glaub mir.", erwiderte er und wandte sich dann langsam um. Er hatte nicht vor, dieses Gespräch noch länger fort zu setzen. Zumal Tyraleen jetzt sicherlich ohnehin Zeit zum Nachdenken brauchen würde. Jakash entfernte sich etwas und legte sich dann nieder, um wieder ein Auge auf seine Kinder zu haben.

Averic war nicht Hundertprozentig begeistert von der Gruppe, die sich um ihn versammelt hatte. Er konnte mit dem schüchternen Nihil, der ihm nur unsichere Blicke zuwarf, nicht wirklich etwas anfangen. Und auch Isaí ... "Nein, das sollte er besser nicht tun.", antwortete er bestimmt und folgte dann dem Blick des Kleinen zu Tyraleen und Jakash. Er runzelte die Stirn, als er die Haltungen der beiden sah. "Das kann ich von hier nicht hören.", antwortete er, konnte sich insgeheim aber denken, worum es ging. Hatte Jakash Tyraleen etwa erst jetzt gesagt, was zwischen ihm, Chardím und Fenris passiert war?

Nihilus verstand die Worte des Welpen an Turién nicht wirklich. Der war bissig? Mit angelegten Ohren wich er skeptisch einen Schritt zurück, die Lauscher schützend. Amúr lenkte ihn allerdings wieder ab. "Regen? Das ist doch genauso wie die vielen Tropfen die der Wasserfall versprüht. Daneben ist es genau so nass wie im Regen.", mehr fiel auch ihm nicht ein, musste auch nicht, denn Isaí schien eh Averic mehr Aufmerksamkeit zu schenken, der bedeutungsvoll zu Tyraleen und Jakash hinübersah, die vor kurzer Zeit auch lauter geworden waren. Leise brummelnd wandte er den Kopf ab zurück zu Turién. Die Sache ging ihm nichts an. "Wem hast du das Ohr abgebissen?" , fragte er absichernd, als wäre das alles nur ein großes Missverständnis.

Turién verzog die Miene leicht, als Isaí ihn als den "ohrlochbisernden Gebruder" bezeichnete. Jaaa ... das war er in der Tat. In der Situation hatte er sich ziemlich schlecht gefühlt, mittlerweile konnte er aber über den Vorfall wieder lachen. Und Atalya sah doch ganz schick aus? "Jaaa, Isaí. Ich bin der ohrlochbeißende Bruder... aber wenn ich Atalya nochmal ins Ohr beiße - auch wenn es das andere ist -, wird sie mich Fenris zum Fraß vorwerfen, glaube ich!" Er würde wahrscheinlich für immer der Ohrlochbeißer sein; jedenfalls für die Welpen. Ja, der erste Eindruck hinterlässt den stärksten Eindruck. Der Kommentar von Averic ließ seine gute Laune etwas sinken, während er ihm einen bedeutungsvollen Blick zuwarf und dann schnell das Thema wechseln wollte. Zuvor blickte er aber Nihilus an, den er etwas misstrauisch beäugte, weil er etwas von ihm fortgerutscht war. Er nuschelte "Atalya ..." bevor er spielerisch seine Zähne zeigte. "Ich bin ganz gefährlich und beiße gerne Ohren durch." Er zwinkerte, vermied aber den Blick von Averic, weil er nicht genau wusste, wie sein Vater auf diesen Spaß reagieren würde - Seine Augen huschten zu Amúr. "Regen? Oh... ja... schwierig...am besten erlebt man es selbst, und bildet sich seine eigene Meinung." Seine Augen folgten daraufhin Averics; und erst jetzt bemerkte er richtig, dass Tyraleen und Jakash in der Nähe waren. Das erklärte auch den Einwurf von Isaí.

Tyraleen nickte langsam zu Jakashs Worten, auch wenn sie bezweifelte, dass er ebenso um Chardím fürchtete wie sie. Ebenso wie Tyraleen nie so sehr um Taleesha fürchten würde, wie Sheena. Sie sah Jakash nach und war sich nicht sicher, ob das Gespräch erfolgreich verlaufen war, aber immerhin gingen sie nicht im Streit auseinander. Auch sie wandte sich um und lief auf die Gruppe rund um Averic zu. Isaí zulächelnd und dem kleinen mit der Zunge über das Fell fahrend, stellte sie sich neben den Kleinen und warf Turién ein warmes Lächeln zu. Averic galt ein kurzer Blick, der ihm sagen würde, dass es Gesprächsbedarf gab. "Hallo zusammen."

Amúr betrachtete die Gruppe um sich herum. Nun, wo sich so viele um sie sammelten und sie so viel sagte wurde ihr erst bewusst, wie müde sie eigentlich war. Es war schon recht spät geworden und somit beschloss sie, sich heute früh schlafen zu legen. "Ich werde mich von euch verabschieden, ich bin unheimlich müde." Sie wandte ihren Blick zu Nihilius. "Es würde mich freuen, wenn wir uns mal irgendwann unterhalten würden.", meinte sie freundlich und sah dann zu Isaí. "Tschüss Isaí, was anderes kann ich bestimmt besser erklären, als ich dir den Regen erklären konnte." ýTurién, das mit dem Ohrbeißen musst du mir irgendwann nochmal genauer erzählen, ich verstehe irgendwie gar nichts ...", meinte sie an ihren Bruder gewandt. Dann kuschelte sie sich an ihren Vater. "Gute Nacht, Vater. Danke, dass du immer da bist, wenn man dich braucht.", sagte sie und schritt rüber zu ihrer Mutter. Schmiegte sich kurz an sie, ehe sie auch ihr mitteilte, dass sie nun gehen würde um zu ruhen. Dann schritt sie langsam von der Blumenwiese.

Isaí war etwas enttäuscht darüber, dass ihm niemand weiterhelfen konnte und auch der Einwand Averics verpasste ihm einen kleinen Dämpfer, wonach er Turién einen entschuldigenden Blick zuwarf. "... Dich will sie auch an Fenris verfüttern?", fragte er dennoch flüsternd an den Atalyabruder gewandt, ehe er sich auf die Definitionen von Regen konzentrierte. Selbst lernen - das war auch Turiéns Auffassung und Isaí hatte ja ohnehin vor ein Geduldwolf zu werden. Da war das ja nur eine perfekte Gelegenheit. Als dann aber Tyraleen und sein Vater auseinander gingen, warf er ihm einen besorgten Blick zu. "Wir reden später, ja, Turién? Versprochen?", fragte er etwas hastig, ehe er an Tyraleen vorbei Richtung Jakash huschte. Da war doch irgendwas im Busch.

Averic musste den Blick abwenden, als sich seine Tochter an ihn schmiegte. Kurz fuhr er ihr mit der Zunge über die Stirn und lächelte bei ihren Worten. "Bitte." Er sagte nichts zu Turiéns Behauptung. Der Pechschwarze wusste, dass er seiner Schwester nicht absichtlich wehgetan hatte. Sie waren noch jung und manchmal raufte man sich eben ein bisschen zu wild. Der Vernunft nach war es dann zwar nicht besonders richtig, sich damit auch noch zu brüsten, aber als ein Wolf, der auch mal jung gewesen war, konnte er nicht böse sein. Er schüttelte nur leicht den Kopf, konnte ein kleines Lächeln aber nicht verbergen. Es verschwand allerdings, als Tyraleen zu ihnen kam und er ihren Blick auffing. Er hatte mit seiner Vermutung also recht gehabt und ließ dementsprechend in seinem Blick erscheinen, dass er verstanden hatte. Dennoch grüßte er erst mal auch sie mit einem "Hallo."

Turién nickte Amúr wieder zu, als sie sich verabschiedete. Es war irgendwie seltsam so mit seiner Schwester zu sprechen; Er kannte Amúr kaum, hatte nicht so viel Kontakt. Und mit einem bitteren Gedanken, nahm er sich vor, daran auf jeden Fall etwas zu ändern. "Ich kann's dir gerne mal ganz erklären... ist aber keine lange Geschichte." Dann nickte er Isái ernst zu. "Ja, mich würde sie dann bestimmt verfüttern. Dich auch?" - doch auf die Antwort würde er warten müssen, denn der junge Wolf wollte sich seinem Vater anschließen, der sein Gespräch mit Tyraleen offenbar nun beendet hatte. Turién schmunzelte etwas und rief dem jungen Rüden noch ein "Versprochen...!" hinterher. Dass dann Tyraleen so plötzlich bei ihnen stand, überraschte ihn kurz, und ließ sein Herz kurz stolpern - er erwiderte das Lächeln, wusste aber nicht, ob es überzeugend wirkte. Sein Blick huschte von seiner Mutter zu seinem Vater, irgendwie ihm Gefühl, dass etwas Unausgesprochenes zwischen den beiden lag. Er hauchte seiner Mutter aber noch ein sanftes "Hey..." zu.

Nihilus sah sowohl Amúr, als auch Isaí wortlos nach, die Ohren betreten angewinkelt. Die beiden gingen weg! Beinahe ängstlich schwang der Blick von dem Beißer zu dem Ignorant, entschied sich jedoch auf gut Fuß mit dem Grauen zu bleiben. "Das klingt ... ungefährlich.", erwiderte er auf die Erklärung, war aber komplett anderer Meinung. Zu seinem Glück trat jedoch Tyraleen bald zu ihnen und ließ Nihilus aufatmen, jedoch sogleich wieder skeptisch brummend, als Turién und Averic wenig begeistert reagierten. "Guten Abend.", versuchte er sich wenigstens diesmal mit schwacher Stimme ein wenig einzubringen, wenn die andern beiden schon so Furcht einflößen waren.

Tyraleen erwiderte die Liebkosung ihrer Tochter und sah ihr dann kurz nach. Auch Isaí lief zu seinem Vater, sodass nur noch Nihilus, Turién, Averic und sie zurückblieben. Averic schien ihren Wink verstanden zu haben und begrüßte sie so wie die anderen beiden Anwesenden. Truiéns Lächeln wirkte nicht direkt überzeugend, dennoch freute es Tyraleen. Dann kehrte Schweigen ein. "Wie geht es dir, mein Sohn?", versuchte sie es zu brechen.

Averic In ihm war noch immer präsent, was Gestern zwischen ihm und seiner ehemaligen Gefährtin gewesen war und nachdem die Nacht verstrichen war, wusste er nicht mehr, wie er darüber denken sollte. Tatsächlich hatte er sich am nächsten Morgen erst gefragt, ob es wirklich nur ein Traum gewesen war. Averic bemerkte jedoch, dass Turién nach wie vor noch etwas distanziert gegenüber seiner Mutter war. Er ditschte seinen Sohn unauffällig mit einer Pfote an und wandte sich dann - wieder seinem Willen, aber zum Wohle der Familie - Nihilus zu. "Was ist eigentlich mit dir, du siehst ein bisschen verklemmt aus."

Turién unterdrückte ein breites Lächeln, bei den Worten Nihilus', die ihn irgendwie unheimlich amüsierten. Er senkte den Blick, als Tyraleen ihn direkt ansprach, und eine seltsame Art von Panik machte sich in ihm breit. Er hatte es so lange geschafft, ein Gespräch zu umgehen, irgendwie auszuweichen und einer anderen Sache nachzugehen. Diesmal schien es kein Entkommen zu geben; Nicht ohne jemandem total vor den Kopf zu stoßen und das war das letzte, was er wollte. Als er die Pfote seines Vaters spürte, wandte er ihm (im Gegensatz zu Averic) sehr auffällig den Kopf zu und starrte ihn kurz mürrisch an, bevor er Tyraleen anblickte. "Ganz gut, und dir...?"

Nihilus half, entgegen der Hoffnung nun beruhigt zu werden, die Anwesenheit Tyraleens nur wenig weiter. Stattdessen verwirrte ihre Wirkung auf Averic und ihrer beider Sohn ihn nur noch mehr, so dass Nihilus viel zu spät Averics Blick-Attacke bemerkte und völlig unvorbereitet die Worte registrieren musste. "Ich... also... nein.", stammelte er völlig verloren und senkte die Schnauze ertappt ein Stück. "Störe ich?", fragte er dann auch an die anderen beiden gewandt, die mit familienuntypischen Floskeln die Situation überbrückten. Er kam sich zwar fehl am Platz vor, seltsamerweise schienen die anderen aber auch nicht besser hier her zu passen. Die traten sich ja sogar gegenseitig! Allerdings kommentierte er die ruppige Umgangsart lieber nicht.

Tyraleen s Stirn krauste sich leicht, als sie zunächst den Anstupser Averics sah und dann seine mäßig freundliche Frage an Nihilus hörte. Auch die Reaktion ihres Sohnes war nicht gerade schön und schließlich wirkte Nihilus komplett verloren zwischen ihnen und fragte auch gleich noch, ob er hier gewünscht war. Am liebsten hätte Tyraleen laut geseufzt. Dann beschloss sie, das Zepter in die Hand zu nehmen und lächelte zunächst Nihilus zu. "Nein, keine Sorge." Schon wandte sie sich an ihren Sohn. "Würdest du ein paar Schritte mit mir gehen?"

Turién wollte weg. Plötzlich hatte er Angst, wollte sich verstecken. Er hatte so ein Gespräch so lange herausgezögert ... so lange war es ihm gelungen, erfolgreich irgendwie zu entfliehen, und jetzt war weit und breit keine Rettung in Sicht. Er war einen kurzen Moment wie erstarrt, sein Kopf drehte sich leicht in Averics Richtung, den er verzweifelt, hilfesuchend anblickte, um sich seinem Schicksal zu fügen (nicht ohne noch die letzte Hoffnung zu haben, dass Averic ihm helfen könnte). Sein Hals war plötzlich ganz trocken, sein Blick starr nach vorn gerichtet, während er sich steif aufrichtete und seltsam mechanisch voranging. "... Ja, klar..." Seine Stimme war unnatürlich hoch.

Nihilus gab sich nicht so ganz zufrieden mit der einzigen Antwort auf seine Frage, fand aber sofort eine passende Antwort: irgendwer musste ja den Miesepeter beschäftigen! Völlig verdattert beobachtete er Turién und Tyraleen, das sichtliche Unwohl des Ersten, bevor er sich zögernd Averic vornahm. "Dann bleiben wohl nur wir beide.", versuchte er das Eis zu brechen, ließ die Rute sogar pendeln um seine guten Absichten zu zeigen - also vor ihm musste keiner Angst haben. "Guckst du eigentlich immer... so böse?", rutschte es ihm heraus.

Averic ignorierte den Blick Turiéns und sah Nihilus etwas unbegeistert an. Da hatte er ja einen wunderbaren, neuen Gesprächspartner vor sich. Was war das denn nun für eine Antwort gewesen? Noch einmal sah er aus den Augenwinkeln zu seinem Sohn, da er seinen verzweifelten Blick auf sich spürte und vermied es, die Stirn zu runzeln. Wovor hatte er eigentlich so Angst? Er wandte sich wieder Nihil zu. "Und guckst du immer so, als hättest du Angst, dass dich jemand frisst?", antwortete der Pechschwarze, ohne die Frage des Silbernen zu beantworten.

Tyraleen entging es keinesfalls, dass Turién nicht wirklich mit ihr gehen wollte. Aber er war ihr Sohn und momentan verhielt er sich wie ein Feigling. Als sie außer Hörweite waren, sah sie ihn lange einfach nur an, Traurigkeit lag in ihrem Blick. "Warum verhältst du dich so?"

Nihilus zog den Kopf zurück, als Averics Antwort kam, die Augen jedoch sogleich beleidigt verengt. "Würdest du dir selbst begegnen, würdest du auch so gucken!" Es klang wie eine Verteidigung, nur leiser hervor gebracht, als fürchte er sich vor Rückmeldung. Sehnsüchtig sah er den beiden Wölfen nach, die wenigstens gelächelt hatten, bevor er die Schultern straffte. "Wie es aussieht hast du ja schon alle anderen vertrieben." Vielleicht half es ja, dem Anderen Schuldgefühle einzutrichtern.

Turién schritt stumm neben Tyraleen her, und blickte erst auf, als er die Stimme seiner Mutter hörte. Sein Herz schlug so schnell - warum? Ja, warum mied er seine Mutter so sehr, warum wollte er regelrecht weg von ihr? Er wusste es selbst nicht genau, aber eines, das konnte er ihr sagen. Es war einfach die Wahrheit. Er wollte jetzt nicht lügen, nicht schwindeln. "Weil ich Angst habe ..."

Tyraleen schluckte schwer. "Vor mir?" Mehr Aussage, als Frage.

Averic verengte leicht die Augen und zeigte dem jungen Wolf kurz warnend die Zähne. "Vorsicht Freundchen, werde nicht beleidigend, oder willst du mir Grund geben dich wirklich zu fressen?" Er hob die Rute an, deutlich machend, dass er so nicht mit sich reden lassen würde.

Turién schüttelte schnell den Kopf und antwortete hastig: "Nein!" Warum er dieses Gefühl hatte, verstand er selbst nicht so genau. "Ich weiß nicht, aber nicht vor dir direkt... vieleicht Angst vor diesem Gespräch? Ich weiß nicht. Aber ich habe keine Angst vor dir."

Tyraleens Herz wurde von purer Erleichterung geflutet, auch wenn die Euphorie sich in Grenzen hielt. Sie lächelte, um zu zeigen, dass sie es freute. "Was könnte dieses Gespräch bewirken, dass du Angst davor hast? Dieses Gespräch ... soll mir nur sagen, was ich tun kann, damit du mich nicht mehr meidest."

Nihilus wich abermals einige Schritte zurück, den Kopf gesenkt. Damit hatte er nicht gerechnet. "Be...leidigend?", fragte er beinahe versöhnend, bevor er sich entsann, dass er wirklich höflich gewesen war. Die Ohren angelegt schnaubte er. "Tu nicht so böse! Ein nettes Wort ist so leicht gesprochen!" Obwohl die Stimme zitterte waren sie hörbar ernst gemeint.

"Ich habe Angst, dass wir uns streiten, und dass alles kaputt geht." Als Turién diesen Satz aussprach, fühlte er sich leicht und leer. Und mit einem Mal auch sehr traurig. Er versuchte immer wieder Tyraleen anzublicken, konnte ihren Blick jedoch nie lange standhalten und senkte dann mit einem Wimpernschlag den Blick wieder. "Ich will das gar nicht ... also, die meiden. Aber irgendwie ..." Er senkte entschuldigend den Kopf.

Tyraleen erwiderte den Blick Turiéns solange es ging. "Geht es nicht eher kaputt, wenn wir kein Wort miteinander sprechen?" Sie schluckte. "Was quält dich?"

Averic ging die Schritte, die Nihilus zurückgewichen war in erhobener Haltung nach. Er würde sich nicht von einem dahergelaufenen Grünschnabel auf der Nase herumtanzen lassen. "Dann fang mal an.", antwortete der Pechschwarze.

Turién lächelte gequält. Wenn sie es so sagte, hörte es sich so leicht an. So unkompliziert. "Ja... und nein..." Er machte eine Pause, dachte nach. "Solange ich nicht mit dir gesprochen habe, warst du noch die alte Tyraleen. Meine liebe Mama... aber seit... seit... naja, also. Irgendwas ist kaputt gegangen. Und ich wollte die neue Tyraleen nicht. Ich wollte die alte - und die bleibt am besten erhalten, wenn keine neuen Erinnerungen dazu kommen?" So versucht er es sich selbst wenigstens zu erklären.

Tyraleen versuchte die Erklärungen Turiéns nachzuvollziehen, aber es fiel ihr schwer. Es klang nach Welpenlogik. "Ich glaube nicht, dass das funktioniert ... zumindest habe ich neue Erinnerungen an dich und die zeigen mir einen Turién, der mich meidet." Ihre Stimme klang nicht vorwurfsvoll, nur traurig. "Ich kann nicht abstreiten, dass ich mich verändert habe. Aber ich kann noch immer deine Mama sein. Du musst mich nur lassen."

Nihilus hatte die Rute immer enger zwischen die Hinterläufe gepresst und wich weiter zurück. Er würde sich doch nach dem kalten Sommer nun nicht messen wollen! Die Antwort kannte er ja sowieso schon. "Ich fange gar nichts an.", erwiderte er schlicht, sichtlich eingeschüchtert, bevor er sich mit einer flinken Bewegung abwandte, um dem Gegenüber nicht länger als nötig en Rücken zuzukehren. "Du solltest dich lieber um deine Familie kümmer,.", mit der Schnauze wies er in die Richtung in der Mutter und Sohn verschwunden waren, "anstatt dich hier wichtig zu machen." Die zerbrechliche Stimme fasste langsam mehr Mut, dieses Mal wusste er was er sagen wollte, auch wenn er sich damit einen Feind bescherte. "Als ob eure Blicke nicht reichen würden, damit Wolf erkennt was du dir eigentlich wünscht!" Familie! Jeder wünschte sich Familie! Nur weil Averic jetzt alleine war, musste er ja nicht auf Nihilus sauer sein, der sich mit eingezogener Rute davon stahl; weit weg.

Turién wandte den Blick ab. "Ich weiß, dass es nicht funktioniert. Aber, wenn man es sich einredet..." Er blickte schließlich auf, unsicher. Seine Stimme war kaum mehr ein Flüstern. "Das ist schwerer, als man denkt. Die anderen haben dich nicht gesehen ..." Zum Schluss zitterte seine Stimme.

Tyraleen hatte wieder das Gefühl, einen Stein verschluckt zu haben, der ihr nun im Hals hing. "Es tut mir so leid, Turién, dass du das sehen musstest. Ich kann verstehen, dass du das Bild nicht mehr vergessen kannst." Sie wusste nicht, was sie sagen sollte.

Wäre Nihil Averic ein paar Jahre zuvor begegnet, hätte sich der Helle sicher sein können, dass Averic ihm augenblicklich hinterher setzen würde. So aber schnaubte er verächtlich und fragte sich, was sich dieser Dreikäsehoch einbildete, irgendeine Meinung rumzuposaunen, als hätte er irgend eine Ahnung. Es war lächerlich, der Wolf kannte ihn nicht mal und wusste vermutlich auch nicht, wer seine Familie überhaupt war. Mit einem Augenrollen wandte er sich ab und trat ein paar Schritte in das Wasser des Beckens.

Turién nickte sanft. Aus seiner Sicht war es einfacher für die anderen, Tyraleen wieder so zu sehen, wie vor dem... Vorfall, weil sie alle nicht gesehen hatten, wie Tyraleen ausgesehen hatte. Angsteinflößend und überhaupt nicht mehr seine Mama. Und jedes Mal, wenn seine Gedanken wieder an diesen Tag zurückkehrten dichtete seine Phantasie noch mehr Blut, noch mehr Tod, der in der Luft gelegen hatte hinzu. "Mir auch ..." Er schluckte und atmete tief ein. Er erzählte ihr nun, was sie noch niemandem erzählt hatte, und was nur Chanuka wusste, weil er dabei gewesen war. "Ich habe Tascurio versprochen, dass du ihm nichts tun würdest. Ich hatte es versprochen ..."

Tyraleen s Augen weiteten sich leicht. "Er wusste, dass ich ihm etwas tun würde?"

Turién zuckte zusammen. "Ich also ... ich ..." Er wollte das Gespräch beenden. Turién öffnete den Fang, doch seine Stimme war nicht stark genug, um etwas zu sagen. Also wandte er den Kopf und Blick ab und nickte nur. Was hatte er nur gesagt?

Tyraleen sah nun beinahe verzweifelt aus. "Turién, wusste Tascurio, dass ich ihn töten wurde? Wusste er von der Vision? Kannte er sein Schicksal?"

Turién 's Körper spannte sich an. Er hatte grade sein Versprechen Tascurio gegenüber gebrochen. Er hatte es gesagt. Er durfte es nicht sagen. Turién wich einen Schritt zurück. "Ich... kann nicht. Ich hab's versprochen... ich...kann...nicht." Er konnte seine Mutter nicht angucken.

Tyraleen holte tief Luft und versuchte sich zu beruhigen. Dass Turién nun, da es sowieso zu spät war, auf seinem Versprechen bestand, konnte sie nicht verstehen, aber sie durfte ihn nicht bedängen. "In Ordnung ... dann lieber nicht. Ich hab dein Versprechen gebrochen und dich enttäuscht. Aber glaubst du nicht, dass man manchmal verzeihen muss?"

Turiéns Atem ging schnell, sein Herz schlug laut gegen seine Brust. Es war nicht gut gewesen, zu reden. Es war nicht gut. Er hatte gewusst, dass er nie den Erwartungen beider entsprechen konnte, nie. Vielleicht hatte er sich deshalb gefürchtet? Er befand sich zwischen beiden, und die Treue, die er beiden gegenüber verspürte schien ihn schier zu zerreißen. Er war der Verlierer, egal was er tat. Durch die Worte der Weißen wurde er aus diesen Gedanken gerissen ... "Natürlich glaube ich, dass man verzeihen muss! Natürlich, was denkst du denn... aber es klingt einfacher als es ist. Ich glaube ich habe dir sogar schon irgendwie verziehen... aber vergessen kann ich nicht."

Tyraleen konnte ihrem Sohn nicht mehr ganz folgen, bemühte sich aber, verständnisvoll zu wirken. "Aber wenn du mir verziehen hast ... warum sprichst du dann nicht mit mir? Vergessen können wir alle nicht und sollten es auch nicht. Es gehört nun zu uns und unserer Familie."

Turién war dankbar dafür, dass Tyraleen ihn nicht dazu drängte, etwas zu sagen, was er nicht wollte. Obwohl er es wollte; Es war so furchtbar kompliziert. "Ich glaube, weil es irgendwie... normal geworden ist... außerdem habe ich mit dir geredet... nur nicht so." Er versuchte sich noch etwas zu verteidigen, wusste aber, dass diese Worte leer waren. "Ich weiß... ich weiß. Du tust doch auch nicht immer Sachen, die logisch sind oder...? Ich kann nicht erklären, was ich fühle. Es ist so viel auf einmal..." Den Schritt, den er vorhin zurückgewichen war, ging er nun wieder auf seine Mutter zu. "Tut mir leid... ich liebe dich doch... und ich möchte bei dir sein." Es kostete ihn weniger Überwindung diese Worte zu sagen, als er Gedacht hatte.

Tyraleen war versucht, das Gespräch abzubrechen. Ihr Sohn wirkte so überfordert und zerrissen, dass es ihr wehtat, ihm zuzusehen. Aber als er einen Schritt auf sie zukam und dann plötzlich sagte, dass er sie liebte, waren die Gedanken vergessen. Damit hatte sie nicht gerechnet. Ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. "Danke, Turién ... ich bin wirklich froh, dass du so denkst." Sie zögerte kurz und berührte ihn dann erst an der Lefze und schließlich an der Stirn, nicht wagend, sich an sein Fell zu drücken. "Du setzt dich so unter Druck. Niemand verlangt etwas von dir. Du brauchst keine Angst zu haben und musst auch nichts beweisen."

Turién entspannte sich etwas, und fühlte sich plötzlich schwach und ausgelaugt. Kaum einen sekundenbruchteil wollte er der Berührung durch Tyraleen ausweichen, ließ sie aber doch zu und bereute es nicht. Es war ein schönes Gefühl, er hatte es vermisst. Die Sicherheit, die man nur bei seiner eigenen Mutter spüren konnte. "Danke." Mehr hatte er nicht zu sagen. Es war einfach das Wort, das es nun ausdrückte, als er den nächsten Schritt machte, und seinen Kopf, wie damals als Welpe gegen ihr Brustfell drückte.

Tyraleen hatte das Gefühl, zum ersten Mal seit dem Beginn ihres Gesprächs wirklich atmen zu können. Sie vergrub ihre Schnauze in seinem Fell und schloss die Augen. Endlich.