12.09.2011, 00:31
Seit die Welpen aus der Höhle geführt wurden, sind nun 5 Tage vergangen. Es scheint die Sonne und der wenige, noch liegende Schnee, schmilzt langsam dahin. Es ist Mittag, das Rudel ist auf dem Rudelplatz versammelt und döst vor sich hin.
Tyraleen blickte sich aufmerksam um. Noch schien alles ruhig, aber sie entdeckte Malik, der bereits in den Startlöchern zu liegen schien.
Malik Hikaji hatte eben einen Schmetterling entdeckt, dem er begeistert hinterhersprang.
Malicia lag ein wenig abseits und beobachtete den Welpen Malik wie er voller Lebensfreude einem kleinen Schmetterling hinterhersprang.
Tyraleen erkannte mit einigem Erstaunen, dass Malik einen Schmetterling entdeckt hatte. Waren sie nicht alle gestorben? Sie tappte zu dem Welpen und fragte lächelnd: "Wo hast du den denn entdeckt?"
Amáya lag unweit von Malicia, die sie erst eben bemerkt hatte und musterte sie kühl.
Malik Hikaji hatte in der Aufregung gar nicht bemerkt, dass Tyraleen auf ihn zugekommen war, Etwas erschrocken bremste er und sah sie mit großen Augen von unten an. "Ich ... der war plötzlich da."
Averic lag an einer der wenigen Stellen, wo der Schnee bereits ganz geschmolzen war und sah unbeteiligt dem Treiben zu. Atalya neben ihm war noch am dösen.
Malicia hörte den Atem Amáyas, die sie anscheinend anstarrte. Sie wich dem Blick aus und wuffte. Hoffentlich verstand sie ihre einladende Geste nicht miss.
Tyraleen legte den Kopf leicht schief und blinzelte dem Schmetterling hinterher. "Das ist ein Schmetterling. Und eigentlich verschwinden sie, wenn Schnee liegt. Vielleicht hat Engaya dir ein Geschenk gemacht."
Atalya hatte die Augen noch geschlossen und lauschte nur den Geräuschen aus der Nähe. Irgendwann schlug sie die Augen auf, blinzelte leicht und blickte dann zu ihrem Vater. „Sie sind alle so begeistert von den Welpen ...“ Ihre Ohren zuckten leicht, als sie zu den anderen Wölfen blickte.
Amáya zuckte leicht mit ihrem Ohr, während sie ein ruhiges "Hm?", an Malicia gewandt sagte.
Malik Hikaji nickte brav und blickte dem flatternden Ding gespannt nach. "So wie die Muschel, die mir Onkel Madoc geschenkt hat?" , fragte er neugierig.
Malicia drehte sich träge in Richtung Amáyas und entgegnete: "Ich dachte, du wolltest es etwas? Warum sonst starrst du auf mich? Habe ich etwas falsch gemacht?"
Averic hob den Kopf leicht an und blickte seine Tochter an. "Viele Wölfe sind von Welpen sehr angetan. Aber vor allem Engayawölfe, immerhin stehen Welpen für Leben."
Tyraleen krauste leicht die Stirn und schüttelte dann den Kopf. "Nein, Muscheln kommen immer vor. Man findet sie im Wasser, egal ob es sehr kalt und schrecklich heiß ist." Ihr Blick glitt zu ihren Schwestern, die gerade eine Art Unterhaltung begonnen hatten. "Hast du eigentlich schon meine Schwester Amáya kennengelernt?"
Amáya schüttelte leicht den Kopf. "Darf man seine lang nicht gesehene Schwester denn nicht mustern? Hm?" Sie zog ihre eine Braue leicht hoch.
Atalya schnippte leicht mit den Ohren. „Mir waren Malik und Isaí nicht ganz geheuer.“ Sie musste leicht schmunzeln, richtete den Blick dann wieder auf ihren Vater. „Waren wir auch so in dem Alter?“
Malicia verzog das Gesicht und legte die Ohren an. Sie hatte mit Amáya lange nicht gesprochen. Zu lang. "Es ... du weißt, es war nicht einfach für mich, euch zu verlassen. Dass ich wieder da bin, zählt. "
Malik Hikaji blinzelte überfordert und legte den Kopf leicht schief. "Sind Muscheln denn wie Steine? Denen macht das nämlich auch gar nichts aus." Er freute sich, dass er endlich mal etwas wusste. Dann jedoch schüttelte er den Kopf und schaute sich um, um die benannte auch schnell zu entdecken. "Nein, ich kenne nur meine Geschwestern. Darf ich deine Geschwester kennenlernen?"
Averic sah zu Malik hinüber, der bei Tyraleen stand. Er hatte ihnen bisher keine große Beachtung geschenkt und da die Knirpse sowieso erst seit 5 Tagen außerhalb der Höhle waren, konnte er das noch nicht genau einschätzen. "Was genau meinst du denn mit 'so'?" fragte er also neckend.
Amáya nickte leicht ohne eine weitere Regung zu zeigen. "Es ist nie einfach. Auch ich bin ja damals gegangen ..." Sie blickte Malicia in die Augen. Nie hatte sie sie wirklich kennenlernen können.
Malicia nickte stumm und einen Moment lang schien es, als wollten die beiden in den Augen des Anderen lesen.
Tyraleen fühlte sich überfragt. Waren Muscheln wie Steine? Sie hatte keine Ahnung. damals, als Kylia Neruí eine Muschel geschenkt hatte, war aus ihr ein Baum gewachsen, aber das war wohl kein repräsentatives Beispiel. "Tut mir leid, Malik, aber das weiß ich auch nicht. Ein bisschen sind sie wie Steine, aber sie riechen ganz anders. Vielleicht finden wir ja gemeinsam heraus, was sie sind?" Zumindest irgendwann, jetzt wollte sie Malik ihren beiden Schwestern vorstellen. Hoffentlich waren sie nicht böse, dass sie sie unterbrachen. "Dann komm, gehen wir zu Amáya. Siehst du sie? Sie liegt bei Malicia, das ist auch meine Schwester."
Atalya folgte kurz Averics Blick zu dem Welpen, der bei ihrer Mutter stand. Ein Ohr leicht anwinkelnd wandte sie den Blick dann wieder zurück zu ihrem Vater. „So ... uneinsichtig. Stur.“ Sie hatte Mühe dabei gehabt, die beiden loszuwerden. „Sie waren wie Kletten. Ich bin sie erst los geworden, als ich ihnen gesagt habe, dass Fenris sie holen wird.“
Amáya schwieg, genauso wie ihre Schwester. Sie wusste eigentlich nichts über ihr gegenüber, was sie eigentlich schade fand. Dann blickte sie zu Tyraleen hinüber und runzelte ihre Stirn leicht abweisend. Welpen? Sie konnte auch gerne ohne die auskommen.
Malik Hikaji war überrascht, dass Tyraleen - oder überhaupt einer der Erwachsenen - etwas nicht wissen konnte. Leicht verunsichert legte er die Ohren an, denn bisher hatte alles eine Erklärung gehabt. Dass sie auch gemeinsam eine finden konnte, beruhigte ihn dann aber wieder. So nickte er nur und schaute sich wieder nach dieser Amáya um. So viele Geschwestern hier. "Jaja, ich sehe sie, sie sind beide ganz papafellfarben. Du aber nicht. Das ist aber toll, du bist nämlich so ganz malikfarben und deine Geschwestern sind so papafellfarben wie Tinca und Taleesha." , plapperte er munter.
Averic schnaubte leise, allerdings nicht abfällig, eher ein bisschen belustigt. "Bist du das nicht sogar immer noch?" Er sah kurz über den Rudelplatz. "Welpen sind auf Gesellschaft angewiesen."
Malicia blickte erschrocken zwischen ihren Schwestern her. Papafarben? Welpen? Malik?!
Tyraleen bemerkte den abweisenden Blick ihrer Schwester, ließ sich davon aber nicht entmutigen. Malik schien ihn gar nicht zu bemerken und plapperte fröhlich vor sich hin. Davon ermutigt trat Tyraleen lächelnd näher zu ihren Schwestern und begrüßte sie dann beide mit einer kurzen Berührung an der Schnauze. "Amáya, Malicia - ihr habt Malik Hikaji noch gar nicht kennengelernt, oder? Der Enkel unseres Bruders Hiryoga. Malik, das ist Amáya - du erkennst sie an den blauen Augen - und Malicia - sie kannst du an den weißen Abzeichen erkennen."
Atalya verzog leicht unbegeistert die Lefzen bei der Antwort Averics. „Aber... doch nicht so.“ Sie neigte leicht den Kopf zu ihm, zupfte kurz an seinem dunklen Pelz. „Braucht nicht jeder Wolf irgendwie Gesellschaft?“
Malik Hikaji strahlte die beiden Geschwestern von Tyraleen beglückt an. Auch wenn er keine Ahnung hatte, was nun der seltsame Gebruder in Tyraleens Worten zu suchen hatte. "Hallo hallo, ich heiße Malik. Ihr seid aber sehr hübsch." , stellte er begeistert fest und lächelte versonnen.
Amáya schenkte Malik nur einen kühlen Blick und blickte dann zu ihrer weißen Schwester hoch. "Nein.", antwortete sie knapp auf ihre Frage. Dann blickte sie wieder hinunter zu dem Welpen. "Enkel Hiryogas sagt mir nicht viel. Wer sind denn deine Eltern?" Auf die Worte konnte sie nur leicht schnauben. Hübsch. Die Oberflächigkeit des Welpen störte sie ungemein. Aber was konnte man machen, so waren Welpen. "Amáya", stellte sie sich schroff vor.
Averic ging nicht weiter darauf ein, sondern grinste nur leicht und datschte sanft nach der Schnauze seiner Tochter. "Das kommt ganz darauf an, wie alt der Wolf ist und was für ein Wesen er besitzt."
Malicia blieb erschrocken und verstört zu gleich. Selbst vor einem dummen Welpen schämte sie sich ihrer. "Hallo Malik. Danke. Ich bin Malicia, wie du schon erfahren hast." Hauchte sie dem weißen Welpen entgegen.
Tyraleen betrachtete die unterschiedlichen Reaktionen ihrer beiden Schwestern und wunderte sich, wie zwei sich so ähnlich sehenden Wölfe derart verschieden sein konnten. Ein wenig betrübte sie die schroffe Reaktion Amáyas, aber sie schwieg dazu, auch weil ihre Schwester Malik direkt nach seinen Eltern gefragt hatte. Lieber schenkte sie Malicia ein warmes Lächeln und blinzelte Malik auffordernd zu.
Atalya erwiderte das Grinsen ihres Vaters und ihre Rute schwang leicht durch den schmilzenden Schnee. „Ich glaube, es ist furchtbar, ganz allein zu sein. Wenn man niemanden zum reden hat.“
Malik Hikaji Malik bemerkte zwar die Ablehnung Amáyas, doch er ignorierte sie. So hatte er es mit Atalya ja auch gemacht. Sicher war Amáya auch nur fies und wollte das gar nicht sein. Er lächelte die beiden fröhlich an, auch wenn sein Kompliment nicht zu landen schien. "Meine Mama heißt Sheena und sieht so aus wie ich, nur sie hat Sonnenaugen. Und mein Papa heißt Jakash, der sieht aus wie du, aber er hat bunte Augen. Du hast Himmelsaugen, so wie Avendal." Er blinzelte sie von unten her an und schmiegte sich ein wenig an Tyraleens Vorderlauf. "Malischa ist ein hübscher Name, der klingt ein bisschen wie Malik."
Averics Grinsen verblasste wieder und ein neutraler Ausdruck kehrte zurück. "Da hast du Recht."
Amáya s Blick wanderte in die Ferne. "Jakash, hm?" Sie erinnerte sich, wie sie damals dem jungen Jakash versprochen hatte, auf seine Seele aufzupassen. Es betrübte sie ein wenig, dass sie ihn einfach so verlassen hatte. Eigentlich, hatte sie ihn gemocht. Ein bisschen weniger kalt schenkte sie dem kleinen Malik nun ein leichtes Lefzenzucken, eine Andeutung des Lächelns.
Atalya seufzte leise, als ihr das Grinsen ihres Vaters verblasste. Wieder neigte sie sich vor, lehnte das Gesicht in das dunkle Fell. „Aber wir sind nicht alleine.“
Malicia mochte die Umschreibungen des Welpen und die sanfte Berührung ihrer Schwester. Sie war wieder angekommen, vollkommen. In ihrem Tal der Sternenwinde.
Tyraleen warf mehr zufällig einen Blick über den Rudelplatz und entdeckte dabei Averic und Atalya nebeneinander. Unbewusst warf sie ihnen ein Lächeln zu. Dann antwortete Malik fröhlich auf Amáyas Frage und kuschelte sich leicht an sie und Tyraleen wandte ihren Kopf zu dem Welpen, um ihm sanft durch sein Fell zu fahren. Amáya schien nur halb zuzuhören, aber Tyraleen beschloss dennoch das Gespräch ein wenig zu lenken. "Ja, Jakash - Hiryoga war sein Vater, weißt du sicher noch, oder?" Ihr Blick glitt zu Malicia, sie schien glücklich. "Es ist schade, dass kein Welpe im Tal der Sternenwinde je einen Großvater hatte. "
Malicia nickte langsam. "Vieles ist schade, Schwester. Dafür ist das Glück umso schöner anzusehen ..."
Amáya blickte ausdruckslos in die Augen ihrer Schwester. "Hm. Er war mein Bruder...Oder? Hyrioga, meine ich.“ Es war deutlich zu hören, dass es wirklich als Frage gemeint war. Wie weit konnte es denn noch gehen, dass sie nicht mehr richtig wusste wer ihre Geschwister waren? Auf Tyraleens und Malicias Worte schnaubte sie nur. "Manche haben niemanden. Ist das nicht schlimmer?", bemerkte sie kalt.
Tyraleen war sich nicht sicher, wie viel sie vor Malik diskutieren sollte, aber Amáyas Worte schmerzten sie, gerade weil Malicia so glücklich schien. "Ja, er war dein Bruder. Er ist ins Nichts gestürzt." .oO(Zu dieser Zeit warst du noch da, Amáya.) Tyraleen blinzelte und schüttelte den Kopf. "Das wäre schlimmer, wenn es nicht immer einen Ausweg gäbe. Jeder könnte jemanden haben."
Malicia gab in ihren Gedanken Tyraleen Recht. Von Amáya durfte sie sich nicht runterziehen lassen. "Wir haben alle nicht nur Freude geschenkt bekommen. Keiner hatte es leicht. Nicht Tryaleen, nicht du, Amáya, nicht ich.“ Sie wollte ein -Schon gar nicht ich- ergänzen, lies es aber dabei.
Averic fuhr einmal mit der Schnauze über Atalyas Stirn. "Natürlich nicht." Er wandte den Kopf herum - es konnte ihm nie entgehen, wenn Tyraleen ihm einen Blick zuwarf. Ihr Lächeln verursachte ein etwas drückendes Gefühl in seinem Magen, aber er entschloss sich etwas zögernd dazu es zu erwidern. Kurz blieben seine dunklen Augen jeweils auf den anderen Schwestern hängen, bevor er sich wieder Atalya zuwandte. "Es ist sehr wertvoll, dass du und deine Geschwister zusammenhalten."
Amáya suchte nach Erinnerungen an Hiryoga, doch konnte sie kaum welche finden. "Ja.", antwortete sie lediglich auf Tyraleens Worte. Doch ein Ausweg schien ihr schier unmöglich. Nicht bei ihr. Sie war ein Fall, bei dem es keine Verbesserung geben würde. Malicia schaute sie mit einem leichten Unmut an. "Denkst du ich weiß das nicht?", fragte sie langsam und schüttelte leicht ihren Kopf. Sie wusste es klar, doch wusste sie einfach zu wenig über die Beiden. Eigentlich - musste sie sich selbst zugeben - wusste sie gar nichts.
Malicia durchfuhr ein Stich. Ihr Herz schien gelähmt unter den harten Worten ihrer jüngeren Schwester. Es tat so weh. Sie erwiderte nichts sondern starrte nur stumm auf Tyraleen.
Atalya lächelte leicht, als Averic ihre Stirn berührte. Sie waren nicht allein, immerhin hatten sie sich. Als er den Blick abwandte, hob sie leicht den Kopf, blickte zu ihrer Mutter, die zu ihnen herübersah. Sie erwiderte das Lächeln etwas zögerlich und neigte dann den Kopf herum, als ihr Vater wieder zu ihr sprach. Sie senkte leicht den Kopf, blickte auf den Schnee zu ihren Pfoten. „Ich hatte erst das Gefühl, ihnen ganz fern zu sein. Aber jetzt ... ist es, als könnte alles wieder gut werden.“ Mit einem hoffnungsvollen Augen suchte sie den Blick ihres Vaters.
Tyraleen wusste nicht, was sie sagen sollte. So deprimierende Dinge wollte sie nicht vor Malik ausdiskutieren und auch nicht mit so wenig Freude. Zudem schienen Malicia und Amáya zu verschieden, um in diesem Gespräch glücklich zu werden. Sie entschied sich, umzulenken. "Aber immerhin hatten wir gemeinsam sehr schöne Zeiten, nicht wahr? Unsere Zeit in den Bergen ... Amáya, wir mochten sie beide sehr gerne, weißt du noch? Malicia ... ich kann mich gar nicht mehr erinnern. Mochtest du es da oben?"
Malicia konnte sich nicht mehr genau daran erinnern. Ihre glasklaren Erinnerungen an Banshee und Acollon, über ihre Zeit des Wanderns hatten vieles verdrängt. Sie log. "Ja. Ich mochte diese Zeit."
Amáya blickte zu Tyraleen. Ja, sie erinnerte sie gut an jene Zeiten in den Bergen. Vielleicht wäre es besser gewesen, sie wären dort geblieben in jener kargen Gegend. "Es war schön dort.", stimmte sie ihren beiden Schwestern zu.
Averic nickte langsam. Er hatte sich, nachdem er sie damals in seiner Jugend aufgegeben hatte, seinen Geschwistern nie wieder nah gefühlt, mit zwei Ausnahmen. Auf Atalyas Ausdruck in ihren Augen hin, rang er sich doch noch zu ein paar aufmunternden Worten. "Wo ein Wille ist, ist auch immer ein Weg."
Tyraleen war froh, einmal so viel Einigkeit geschaffen zu haben und lächelte daher ihren beiden Schwestern liebevoll zu. "Ich fand es auch wunderschön." Damit war das Thema auch schon wieder erschöpft. Irgendwie war es keine sonderlich schöne Gesprächsrunde. "Wollt ihr mich zum Trauerweidenhain begleiten?" Das hatte sie gefragt, bevor sie darüber nachgedacht hatte.
Atalya neigte leicht den Kopf schief, als ihr Vater sprach. „Glaubst du daran, dass alles wieder gut wird?“ Sie flüsterte leise, blickte ihren Vater aber gespannt an.
Malicia starrte Tyraleen erst an, bevor sie verstand, dass sie vielleicht nicht darüber nachgedacht hatte daran zu denken, dass dort Banshee und Acollon gestorben waren. Doch sie nickte und meinte leise "Ich begleite dich."
Averic überlegte, wie er darauf antworten konnte. "Ich weiß noch nicht, wie dieses 'Gut' aussehen kann. Wenn ich es weiß, beantworte ich dir diese Frage."
Malik Hikaji hatte mit großen Augen zugehört und weniger als die Hälfte verstanden. Doch nun erwachte er förmlich zu neuem Leben. "Ooooh, wohin? Ich will mitkommen, ja ja!"
Amáya nickte einfach und richtete sich mit einer eleganten Bewegung in eine stehende Position auf. Der Trauerweidenhain. Dort, wo Banshee und Acollon lagen. Dort wo ihre Eltern gestorben waren.
Malicia stand ebenfalls mit einer grazilen Bewegung auf.
Tyraleen erwiderte Malicias Starren mit einem leichten Lächeln - auch wenn sie nicht wusste, worüber ihre Schwester nachdachte. Malik, der während der kurzen Diskussion sehr still gewesen war, wachte nun wieder auf und wollte mit, was Tyraleen ihm am liebsten verboten hätte. Aber das wäre nun nicht fair. Amáya erhob sich, was wohl auch eine Zusage war und so konnte sie eigentlich los. Tyraleen wandte den Kopf wieder zu Averic und Atalya. "Wir könnten unseren Bruder und meine Tochter mitnehmen." Ein Fragezeichen war am Ende des Satzes zu hören.
Atalya neigte leicht die Ohren zurück, nickte dann aber ruhig. Sie wünschte sich nichts mehr. Aber sie wollte lieber von diesem traurigen Thema weg, sie alle hatten sicher genug darüber nachgedacht. Sie wollte die trüben Gedanken ein wenig verjagen. „Erzähl mir etwas über dich, was ich nicht weiß.“ Ihre Ohren schnippten leicht. Die Frage klang nicht so, als wenn sie sie ihrem Vater stellte.
Malik Hikaji hüpfte erfreut um Tyraleen herum und hielt an, als sie vorschlug, ihre Tochter und ihren Gebruder mitzunehmen. Atalya! Verhalten wedelte seine Rute, als er sie erblickte, denn noch immer brachte er sie mit diesem bösen Fenris in Verbindung, an den sie ihn hatte verraten wollen. "Aber du Tyraleen, deine Tochter ist manchmal ein bisschen fies. Das ist nicht so schön.", erklärte er mit gedämpfter Stimme.
Averic lächelte leicht, obwohl das, was ihm gleich einfiel, eigentlich genau so traurig war. Aber es war lange her und die Erinnerungen trotzdem einige seiner Wertvollsten. "Ich hatte auch mal einen Bruder, mit dem ich durch dick und dünn gegangen bin."
Atalya blickte ihren Vater aufmerksam an und nickte dann leicht. Sie war froh, ein leichtes Lächeln auf seinen Lefzen zu sehen. „Wie war er so?“
Amáya zeigte keine Regung, außer dass sie zu den Beiden genannten hinüberblickte. "Wenn Averic es aushalten kann, dass ich auch dabei bin ... Gern." Amáya wusste nicht warum, doch Averic hatte sie noch nie gemocht. Manchmal hatte sie das Gefühl gehabt, dass er sie regelrecht hasste. Aber dies war auch verständlich. Schließlich war sie ... eine Mörderin.
Malicia schwieg und stellte sich neben Tyraleen.
"Meistens recht ruhig und verträumt, aber auch unbeschwert. Er hätte dich und deine Geschwister sicher großartig gefunden." Ein leichter Wehmutstropfen, aber das ließ Averic nicht nach außen.
Atalya berührte ihren Vater sachte mit der Nase an der Schnauze, als er geendet hatte. „Ich hätte ihn gerne kennen gelernt.“ Sie überlegte kurz, sprach dann erneut. „Gibt es etwas, was du wissen willst?“
Tyraleen sah zu Malik hinunter und krauste die Stirn. "Dann muss ich mit ihr schimpfen. Sie soll zu dir nicht fies sein. Und keine Angst, wenn ihre Eltern dabei sind, ist sie zu niemandem fies." Sie lächelte dem Kleinen zu. "Wie wäre es, wenn du und Malicia zu ihnen geht und fragt?" Sie selbst wandte sich an Amáya und betrachtete sie etwas verwundert. "Warum sollte er es nicht aushalten?"
Malik Hikaji lächelte nun schon etwas erleichtert. "Okay, wenn du das sagst. Sie ist ja nur manchmal fies und eigentlich auch nur, wenn Fenris in der Nähe ist.", erklärte er leichthin. Sie zu holen, war für ihn damit auch kein Problem mehr, Fenris war ja gerade nicht da. Ohne auf Malicia zu warten lief er los, direkt zu dem großen Papawolf von Atalya und ihr. "Huhu. Wir gehen jetzt zum ... öhm... irgendwohin und Tyraleen will dass ihr mitkommt.", platzte er heraus.
Amáya schüttelte einfach den Kopf. "Egal, vergiss es.", sagt sie nur knapp, während ihre Augen Malik folgten. "Er ist ... ein nettes Wesen. Malik.", bemerkte sie und blickte aus den Augenwinkeln zu Tyraleen hinüber. Sie hoffte inständig, er würde eine schöne Zukunft haben.
Averic war recht dankbar dafür, dass seine Tochter nicht nachfragte, was mit seinem Bruder geschehen war. Auf ihre Frage hin runzelte er leicht die Stirn. "Gäbe es denn etwas, was ich wissen sollte?", entgegnete er schließlich mit einem leichten Grinsen. Welches verschwand und erneut einem Stirnrunzeln wich, als ein winziger, heller Fellball zu seinen Pfoten auftauchte und ihnen eine Aufforderung stellte. "Aha." Er sah sich nach seiner Schwester um, dann wieder zu Atalya und machte eine auffordernde Bewegung mit dem Kopf, ehe er sich erhob.
Atalya schüttelte leicht grinsend den Kopf. „Nein... ich glaube nicht.“ Als Malik auf sie zu gerannt kam, neigten sich die Ohren der Grauen wieder etwas zurück. Tyraleen wollte, dass sie mitkamen? Etwas hilflos blickte sie zu ihrem Vater, der mit einem Wort antwortete und sie dann mit einer Bewegung seines Kopfes zum aufstehen ermunterte. Ohne ihn wäre sie nicht gegangen, also stand auch Atalya auf, schüttelte kurz den letzten Schnee aus ihrem Fell und bewegte sich dann ruhig in die Richtung ihrer Mutter, jedoch nicht, ohne zu ihrem Vater zurück zu blicken.
Tyraleen legte leicht den Kopf schräg. "Er hat sich verändert." Ob zum positiven oder negativen ließ sie offen. Während sich ihr Blick wieder auf Averic legte, erstaunte Amáya sie mit einem Kompliment. "Ja, Malik ist ein freundlicher kleine Wolf. Magst du Welpen?" Obwohl sie die Patin Tascurios war, hatte Tyraleen sie das nie gefragt.
Amáya schwenkte leicht ihren Kopf hin und her. Sie alle veränderten sich und Amáya schien es als hätte sie sich am meisten geändert. Erst jetzt hatte sie es richtig bemerkt, doch die lange Einsamkeit hatte Spuren in ihr hinterlassen. Sie verzog kurz nachdenklich ihre Lefzen und zuckte mit ihren Schultern. "Nicht alle. Aber eigentlich ... ja." Es war seltsam für sie, solche ehrlichen Worte zu sprechen. So presste sie ihre Lefzen zu einem schmalen Streifen und blickte verbissen zu den Bäumen hoch.
Amúr tappte auf den Rudelplatz. Sie war bei der Zeremonie das letzte Mal hier gewesen. Sie musste sich selbst eingestehen, dass sie sich ja nicht ewig zurück ziehen konnte. Dennoch gab es in ihr immernoch diese Angst und die Verwirrtheit. Sie blickte sich um und sie stellte fest, dass sich viele Wölfe auf dem Rudelplatz aufhielten. Sie entdeckte ihre Mutter und auch ihren Vater, sowie eine ihrer Schwestern. Unschlüssig wohin sie gehen sollte, blieb sie stehen und wollte sich erst einmal einen Überblick verschaffen.
Tyraleen war ehrlich verwundert, dass Amáya zum einen so offen war und zum anderen auch noch grundsätzlich Welpen mochte. Sie wirkte nicht gerade wie die typische Mama. Trotz des verbissenen Blicks, wollte sie ihre Frage stellen. "Würdest du gerne Mutter werden?"
Malik Hikaji erfüllte es irgendwie mit Stolz, dass er die zwei tatsächlich in Bewegung gebracht hatte. Fröhlich begab er sich an Atalyas Seite und blinzelte zu ihr auf. "Fenris hat dich ja gar nicht gefressen, obwohl du mich nicht erwischt hast."
Amáya blickte Tyraleen aus der Fassung gebracht mit offenem Maul an. Sie Mutter? War Tyraleen denn übergeschnappt? Hatte sie denn vergessen wer sie war und was sie getan hatte? "Wer würde denn freiwillig Vater werden? Schwester, du kennst meine Fehler genau.", ihre Stimme war wieder kühl doch war eine leichte Unsicherheit zu hören. Nervös schüttelte sie ihren Kopf. "Na gut. Eigentlich ... wäre ich gerne Mutter.", sie wandte ihren Blick ab um Tyraleen nicht in die Augen sehen zu müssen. Nur bei ihr konnte sie so offen sein, das wusste sie. Und selbst jetzt war es eine Ausnahme. Kurz flitzten ihre Seelenspiegel zu der Weißen hinüber, als ob sie ihr sagen wollte, dass sie darüber ja die Schnauze halten sollte.
Averic folgte den beiden und zog leicht eine Augenbraue auf Maliks Kommentar hin hoch. Und auch wenn das vielleicht in Atalyas Augen eine gute Taktik war, so würde er sie ohne schlechtes Gewissen zerschlagen. "Fenris frisst niemanden, kleiner Welpe.", erklärte er.
Atalya seufzte erneut, als Malik zu ihr kam und mit ihr sprach. Sie biss die Fänge aufeinander, legte die Ohren leicht an den Hinterkopf. Sie wollte erwidern, dass er das vielleicht noch nachholen würde, aber ihr Vater kam ihr zuvor. Sie brummte leicht, blickte jedoch keinen der beiden an. Jetzt musste sie sich etwas Neues überlegen.
Tyraleen fragte sich, warum Amáya so verblüfft über ihre Frage war. Nur weil Amáya ihren Paten getötet hatte, musste sie keine schlechte Mutter sein. Das wusste insbesondere Tyraleen aus ganz eigener Erfahrung. "Auch dir wird irgendwann der richtige Rüde über den Weg laufen. Vielleicht solltest du, um es ihm leichter zu machen, nicht immer so verbissen dreinschauen." Jetzt grinste sie und zupfte ihrer Schwester leicht am Fell. "Dann üb jetzt schon einmal ein wenig. Malik freut sich immer, wenn man sich mit ihm beschäftigt."
Malik Hikaji hatte eben noch mit diebischer Freude auf eine neue Erklärung von Atalya gewartet, als der schwarze Papawolf ihm eine andere lieferte. Malik schaute ihn mit großen Augen an. "Aber deine Tochter hat gesagt, dass er böse mit uns war. Darum wollte sie mich und Isaí an ihn verfüttern. Du hast nämlich eine fiese Tochter.", sagte er, erneut mit gedämpfter Stimme. Ganz so als wäre Atalya gar nicht da und Maliks Aussage eine traurige Erkenntnis, die er dem Vater schonend beibringen wollte.
Averic sah kurz zu seiner Tochter zurück. "Du musst nicht alles glauben, was man dir sagt. Was habt ihr denn gemacht, dass er böse auf euch sein sollte?" Sie kamen bei Tyraleen und Amáya zum Stehen. "Der Kleine sagte, ihr wolltet irgendwo mit uns hin."
Amáya schnaubte leicht und blickte Tyraleen zweifelnd an. "Hm.", murmelte sie nur und schüttelte ihren Kopf. Die Verbissenheit würde wohl nicht so schnell aus ihrer Seele fliehen, außerdem glaubte die Schwarze nicht, dass sie eine gute Mutter sein würde. Doch sie schwieg, da Averic und seine Gefolgschaft bei ihnen ankam.
Atalya blickte nur kurz zu ihrem Vater und Malik, ehe sich ihr Blick wieder nach vorn wandte. Auf Maliks Worte hatte sie nur kurz die Augen geweitet, war aber nicht weiter darauf eingegangen. Als sie Amáya und ihre Mutter erreicht hatten, fuhr Atalya noch einmal mit der Schnauze durch das Fell ihres Vaters, ehe sie zu ihrer Mutter trat und dieser sachte über die Lefzen schleckte.
Tyraleen erwiderte den zweifelnden Blick Amáyas mit einem Zwinkern, bemüht, selbst einmal positiv in die Zukunft zu blicken. Amáya würde ein Wolf, der nur für sie da war, sicher guttun. Vielleicht würde ja schon bald jemand für sie auftauchen ... Das Gespräch der Schwestern wurde unterbrochen, als Averic, Atalya und Malik ankamen. Sie sah ihren Bruder noch immer mit dem Lächeln für Amáya an und nickte zögerlich. "Wir wollten zum Trauerweidenhain und haben uns gefragt, ob ihr mitwollt." Atalya Begrüßung erwiderte sie mit einer sanften Berührung an der Stirn.
Malik Hikaji lächelte Averic fast schon frech an und meinte fröhlich: "Weiß ich nicht mehr." Das stimmte sogar, für ihn war das Auftauchen von Fenris unerklärlich gewesen. Dann waren sie aber auch schon wieder bei Tyraleen und Amáya angelangt. Schnell lief er nach vorn, stellte sich vor Amáya. "Das ist Amáya, hmmh." Da er Averic und sie noch nie zusammen gesehen hatte, ging er einfach davon aus, dass sie sich nicht kannten.
Averic betrachtete Tyraleen einen Moment und nickte dann nur. Sein Blick glitt zurück zu dem Welpen. "Ist mir bekannt.", entgegnete er knapp.
Amùr stand nun lange genug abseits und da nun eh alle beieinander standen trat sie zu der Runde dazu. Sie hörte die Worte ihrer Mutter, sah zu ihr und dann zu ihrem Vater. Sollte sie nun zuerst ihren Vater oder ihre Mutter begrüßen. Unschlüssig stand sie einen Moment da und sagte dann: "Ich würde gerne mit." nach diesen Worten gab sie sich einen Ruck, es würde egal sein wen zuerst. Also ging sie zu ihrem Vater und strich mit der Schnauze durch sein Fell, danach tat sie genau die gleiche Bewegung bei Tyraleen, sie war kurz aber dennoch zärtlich. Dann trat sie zurück.
Amáya blickte von Malik zu Averic und nickte Letzterem knapp und kühl zu.
Atalya lächelte Tyraleen an, als diese ihre Stirn berührte. Dann lächelte sie ihrer Mutter entgegen. Sie nickte, als Tyraleen sagte, sie wollen zum Trauerhain. Einen Blick zu Malik werfend trat sie einen Schritt von ihm weg, spielte kurz mit den Ohren und blickte dann in die Runde. Amúr würde also auch mitkommen. Sie nickte kurz, drehte sich dann um, um sich auf den Weg zu machen, den Kopf zurück gewandt, auf ihre Familie wartend.
Tyraleen lächelte Malik zu und flüsterte ihm leise ins rechte Ohr: "Gut aufgepasst. Jetzt musst du noch Amáya und Amúr vorstellen. Kennst du Amúr? Das ist auch meine Tochter." Dann richtete sie sich auf und berührte auch Amúr an der Stirn. "Lasst uns aufbrechen." Sie folgte Atalya, brachte sich an ihre Seite und legte leicht den Kopf schräg. "Malik sagt, du bist fies. Dabei bist du doch eigentlich sehr nett." Sie lächelte, wollte bei Atalya nicht den Eindruck erwecken, als würde sie sie tadeln.
Malik Hikaji ignorierte, dass Averic Amáya nun offenbar doch schon kannte und hörte gespannt Tyraleen zu. Er kannte Amúr zwar nicht, aber das war ja egal, vorstellen konnte er sie trotzdem. "Also ja, das ist nämlich Amúr. ... Boar du hast aber viele Kinder.", rutschte es ihm heraus und er blinzelte verblüfft. Dann drehte er sich nochmal zu Atalya. "Aber sie ist nur manchmal fies, sie will bestimmt gar nicht fies sein. Das will doch keiner. Ich mag dich trotzdem, Atalya."
Averic nickte Amáya ebenfalls knapp und kühl zu und folgte dann dem Rest. Eine kurze Begrüßung galt auch Amúr, die er kurz an der Wange berührte.
Nihilus war bisher abseits der kleinen Familie geblieben um sich nicht allzu sehr aufzudrängen. Nun, wo es los gehen sollte, setzte er sich in Bewegung um zu folgen, allen Mut zusammen nehmen trat er der Gruppe entgegen, die Stimme so zerbrechlich wie schmelzendes Eis. "Dürfte ich euch folgen?" Er sprach niemanden genau an.
Amúr lächelte ganz kurz. Dann ging sie hinter Tyraleen und Atalya her, begab sich an die Seite ihres Vaters. Sie wollte sich nicht auch noch nach vorne drängeln, außerdem wusste sie ohnehin nicht, wo sie am besten gehen sollte und wie sie mit ihren Eltern umgehen sollte. Jetzt wo sie getrennt waren, war es so anders, das verunsicherte Amúr. Auf die Worte von Malik lächelte sie kurz und fragte dann "Wie viele meiner Geschwister kennst du denn schon?" Dann aber nahm sie eine Stimme von hinten war, schaute kurz zu ihrer Mutter nach vorne und beschloss ihre Meinung mitzuteilen. "Ich glaube, da hat niemand etwas dagegen." sie antwortete zögerlich und mit einem fragenden Unterton.
Amáya folgte der Gruppe mit einem eleganten Schritt während ihre Gedanken irgendwo in der Ferne streunten. Nur kurz registrierte sie das ebenfalls kühl erwiderte Nicken Averics, doch kümmerte es sie nicht sonderlich. Schweigend schritt sie neben Tyraleen daher, während sie mit halbem Ohr zuhörte, was die Anderen sprachen.
Atalya blickte zu Tyraleen, als sie zu ihr kam. Kurz spielte sie mit ihren Ohren, schnaufte dann leise. „Ich war nicht gemein, ich wollte nur meine Ruhe haben!“ Dann richtete sie den Blick auf Malik, der nun auch bei ihnen war. Dass sie in diesem Moment zu seinem Bruder und ihm hatte fies sein wollen, verschwieg sie, blickte nur ein wenig hilflos zu ihrer Mutter. Mit jedem Mal hatte sie mehr das Gefühl, nicht zu wissen, wie sie mit den Welpen umgehen sollte. Sie war froh, als Amúr dazu kam und Malik hoffentlich ein wenig von ihr ablenkte. Nur kurz wandte sie den Blick zu dem weißen Rüden, nickte. Dann sah sie wieder nach vorn.
Tyraleen musste kurz den Moment genießen, mit einem großen Teil ihrer Familie zum Trauerweidenhain gehen zu dürfen. Auch wenn sich dabei nicht alle gegenseitig mochte. Und auch wenn Averic und sie nicht mehr nebeneinander liefen. Wieder huschte ihr Blick zu ihm und kurz wanderte eine Spur Traurigkeit durch den dunklen Bernstein. Dann lenkte sie Malik ab und sie warf dem Welpen ein Lachen zu. "Ja, ich habe viele Kinder. Weil ich Welpen wie dich so mag." Das war nicht direkt der Grund, aber Malik würde das nicht wissen. Als eine Stimme erklang und sie Nihil entdeckte, lächelte sie ihm zu und nickte. "Gerne." auch wenn sie nicht wusste, ob ihm bewusst war, wohin ihr Weg sie führen würde. Den Blick wieder auf Atalya richtend, bemerkte sie Hilflosigkeit ihrer Tochter und fuhr ihr sanft mit der Nase durchs Fell. "Wenn sie dir zu anstrengend werden, kannst du einfach weggehen."
Malik Hikaji strahlte Amúr an und versuchte sich dann zu erinnern. "Ich kenne dich und ich kenne Atalya und ich kenne Atalyas Bruder, der allen hübsche Löcher in die Ohren macht." Über Tyraleens Erklärung war er dann schlicht weg begeistert. "Ouh, du magst mich gern. Ich mag dich auch gern. Ich will auch mal ganz viele Tyraleens haben.", versprach er beglückt. Den Neuankömmling begrüßte er mit einem Rutenwedeln, dann hoppelte er ohne Scheu zu ihm. "Hallo du, ich heiße Malik. Du hast aber hübsches Fell." Die übliche Leier, aber der Neue war ja auch wirklich so hübsch malikfarben ...
Averic machte sich nicht die Mühe Nihil auch noch zu antworten, da alle anderen dies schon getan hatten. Er lauschte schweigend dem, was geredet wurde. Es war seltsam, einfach mit einem Teil der Familie Spazieren zu gehen. Obwohl es sich normal, richtig anfühlen sollte, tat es das nicht. Eher lag ihm irgendetwas Schweres im Magen, als befände er sich nur in einer Erinnerung, in der alles noch wie Früher war. Mit der Ausnahme, dass er und die Mutter seiner Kinder nicht nebeneinander her liefen. Und als hätte sie den gleichen Gedanken gehabt, sahen sie sich kurz an. Um sich aus den Gedanken zu reißen, antwortete er Malik: "Dann kennst du gerade die Hälfte."
Nihilus bereute grade noch die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt zu haben, als die einladende Antwort Amúrs geäußert wurde. "Hoffentlich nicht.", murmelte er vor sich hin, den Kopf ein wenig gesenkt. Die ebenfalls aufmunternde Zustimmung Tyraleens half dabei auch nicht viel weiter seine Stimmung zu heben. Er kam sich fehl am Platz vor, wurde allerdings von dem Wunsch geplagt ein Mal den Ort zu sehen an dem die Wölfin gestorben sein sollte, von denen so viele in Ehrfurcht sprachen. Vielleicht würde er dort sein schlechtes Gewissen reinigen können. Den Blick suchend durch die Reihen kreisend entschied er sich dem winzigsten Mitläufer einfach mal hinterher zu setzen, das schien die einfachste Lösung zu sein. Leider – oder vielleicht zum Glück – hatte dieser ihn schon entdeckt und jagte Nihilus einen Schrecken mit dem plötzlichen Umkehren ein. „Hallo Malik … danke.“, stammelte er vor sich her und trat seinem Vorläufer Atalya gleich mal in die Hintertatzen. „Deins ist aber auch wunderschön. So hell wie das Licht. Putzt du das auch fleißig?“ Mit einem betretenem Blick bedachte er Averic, in der Hoffnung diesem nicht den Gesprächspartner geklaut zu haben.
Amúr hörte Malik zu, viele ihrer Geschwister hatte sie noch nicht wieder gesehen. Turién zum Beispiel. Der Welpe jedoch wandte seinen Aufmerksamkeit dem weißen Rüden, der dazu gekommen war. Amúr kannte ihn nicht, wusste nur das er zum Rudel gehörte. Sie schaute auf ihre Mutter, die vor ihr mit Atalya an ihrer Seite lief. Dann blickte sie zu ihrem Vater, an dessen Seite sie lief. Ein leichtes Schimmern legte sich über ihre Augen. Ob die beiden wohl auch traurig waren, das es so war wie es war? Sie wusste einfach nicht, wie sie damit umgehen sollte. Still stupste sie ihren Vater an und sagte leise "Ich finde es schön, dass wir gemeinsam gehen ... auch wenn …" sie sprach nicht weiter, es fiel ihr zu schwer. Sie würde ja auch gerne irgendwie über das reden was sie fühlte, wusste aber nicht wie und vor allem nicht mit wem. Es war alle so kompliziert. Sie beobachtete kurz den weißen Wolf der sich zu Malik gesellte. Vielleicht könnte sie mit ihm ein Gespräch anfangen, oder vielleicht sagte ja auch ihr Vater irgendetwas, woraus man ein Gespräch formen konnte.
Amáya blickte zu Averic und räusperte sich leise. Um sie herum schien jeder ein Gespräch anzufangen, doch es störte sie nicht sonderlich. Amáya war eben nicht diejenige die ständig reden musste. Außerdem war sie schlecht darin auf Andere zuzugehen.
Atalya seufzte auf die Worte ihrer Mutter hin. Wenn das helfen würde. Aber im nächsten Moment sprang Malik glücklicherweise schon davon, begab sich zu Nihilus, der sich ihnen nun angeschlossen hatte. Der weiße Rüde schien aber nicht darauf zu achten, wohin er lief, den einen Moment später trat er ihr in die Pfoten, brachte sie zum stolpern. Sie kommentierte dies nur mit einem leichten Brummeln und einem Blick zurück zu dem Weißen. Ihre Augen huschten kurz zu ihrem Vater und Amúr, dann sah sie wieder zu Tyraleen, still neben ihr herlaufend.
Tyraleen betrachtete ihre Tochter, die nicht gerade überzeugt schien. Zu allem Überfluss trat ihr Nihilus dann noch aus Versehen in die Hinterhand und senkte damit die Laune ihrer Tochter noch einmal um einige Nuancen. "Komm, wir laufen etwas voraus." Sie stupste Atalya sanft an und warf dann einen auffordernden Blick zu Amáya. Atalya und sie kannten sich wohl auch nicht mehr. "Weißt du noch, wer Amáya ist?"
Malik Hikaji strahlte Nihilus begeistert an. Er hatte Atalya getreten! "Kannst du das nochmal machen?" Dann hatte der Weiße ihn mit seinen nächsten Worten endgültig um die Pfoten gewickelt. Malik schien förmlich zu wachsen und reckte stolz die Brus. "Oh ja, ich putze es immer und immer wieder, weil Isaí mich in den Dreck schubst. Wie heißt du denn?", fragte er dann scheinbar ohne Zusammenhang.
Averic Malik hatte sich allein Nihil zugewandt und außer Amúr lief der Rest der Truppe voraus. Averic wandte sich zu seiner Tochter um, ein Ohr leicht zur Seite drehend, als er ihre Worte vernahm. Er nickte. "Ja, es ist wirklich schön. Kopf hoch."
Amáya bemerkte Tyraleens Blick sofort und nickte leicht, aber kaum erkennbar. Mit einigen geschmeidigen Schritten schloss sie zu den Beiden auf. Sie blickte kurz zu Atalya hinüber, doch ihr Gedächtnis schien wieder nicht so gut mitspielen zu wollen "Ich jedenfalls weiß nicht mehr ... wer du bist.", sagte sie mit neutraler Stimme. Nicht, als ob sie damals einen großen Grund gehabt hätte, sie alle zu kennen.
Nihilus begriff zuerst nicht warum Atalya stolperte, bis er eins und eins zusammenzählte: Mist. „Tut mir leid.“, murmelte er verlegen, doch die Dunkle war schon voraus gelaufen. Allerdings schien der kleine Strahlemann total zufrieden mit dem Versehen zu sein. „Nochmal?“, verwirrt legte er den Kopf schief, bevor er verlegen lächelte. „Sie ist leider schon weg.“ Als würde er ihm leid tun zuckten die Ohren nach vorne, doch der Welpe schien kaum mehr einen Gedanken daran zu verlieren, sondern setzte ein heiteres Grinsen auf. „Oh, dann ist Isaí aber sehr gemein. Hat er denn nicht so tolles Fell?“ Die Schnauze mutig nach vorne gereckt, fuhr er kurz mit der Schnauze durch den hellen Pelz, als könne er dem Kleinen am besten mit Anerkennung eine Freude bereiten. „Ich bin Nihilus.“
Malik Hikaji machte ein etwas betretenes Gesicht. "Schade.", sagte er nur und schaute Atalya hinterher. Dann aber wurde er wieder auf wichtigere Themen gebracht. Isaí und hübsch, wie kam er denn darauf?! "Neeeein, er ist überhaupt nicht hübsch! Er sieht aus wie Dreck." Doch ehe er sich in eine Schimpftirade über seinen Bruder vertiefen konnte, quietschte er glücklich, als Nihilus ihn mit der Schnauze berührte. "Nihilus ist aber ein schöner Name."
Atalya blinzelte leicht, als ihre Mutter vorschlug, ein wenig vor zu laufen und gleichzeitig Amáya zu ihnen holte, die mit einigen Sätzen bei ihnen war. Atalyas Ohren spielten kurz in der Luft, ehe sie auf die Frage ihrer Mutter einging. „Ein bisschen ... eine dunkle Erinnerung.“ Mit diesen Worten sah sie zu Amáya, musterte die dunkle Wölfin leicht. Sie konnte sich zumindest nicht daran erinnern, je viel mit dieser Wölfin gesprochen zu haben.
Tyraleen war nicht weiter darüber erstaunt, dass Amáya sich nicht mehr an Atalya erinnerte und auch ihre Tochter kaum mehr Erinnerungen hatte. Atalya war kaum mehr als 5 Monate alt gewesen, als Amáya verschwunden war. "Sie ist meine Wurfschwester. Mit Daylight zusammen, die auch vor kurzem zurückgekehrt ist. Und Atalya ist meine Tochter." Sie lächelte und betrachtete dann den sich verändernden Wald. "Wir sind gleich da. Wie lange ward ihr nicht mehr im Hain?"
Nihilus musste bei dem Gedanken, dass ein Wolf sich einfach dem modrigen Boden anpassen konnte lachen. „Wie Dreck? Na, dann bin ich aber mal gespannt wie er aussieht.“ So ganz konnte Nihilus den vier Welpen noch keine Namen zuordnen und erinnerte sich auch nicht daran einen Schmutzfink unter ihnen entdeckt zu haben. Kopfschüttelnd rümpfte er die Nase. „Mit einem dreckigen Pelz würden wir allerdings nicht so schnell im Wald auffallen wie jetzt.“, nahm er doch gleich Mal den Posten des Lehrers in Anspruch, klang dabei jedoch so zerknirscht, dass es wenig lehrreiches an sich hatte. „Oh, Dankeschön. Ich find ihn etwas zu quietschig.“ Hätte er rot werden können, so wäre sein Kopf wahrscheinlich alles andere als weiß zu bezeichnen.
Amúr sah Tyraleen, Amáya und Atalya kurz nach. Sie waren vor gelaufen. Malik war mit Nihilius beschäftigt. Dieser hatte sich dem Welpen gerade vorgestellt. Ihr Vater reagierte auf das was sie gesagt hatte. Sie schaute ihn an und lächelte leicht. "Das ist leichter gesagt als getan.", meinte sie auf sein Gesagtes. "Vater, ich ... es ist ..." Sie wusste nicht ob sie wirklich sagen sollte was sie dachte und brach deshalb ab. Sie sah entschuldigend zu ihrem Vater herüber.
Averic musterte seine Tochter. "Du kannst mir ruhig erzählen, was dir auf dem Herzen liegt."
Amáya hörte Tyraleen erst stumm zu, dann musterte sie Atalya. "Ihre Tochter, hm?", murmelte sie leise und mit monotoner Stimmlage. Dann lenkten die Worte ihrer Schwester sie doch wieder ab. "Ein ganzes Jahr. Ich hätte längst zurückkehren sollen um sie zu besuchen. Banshee." Als sie den Namen ihrer Mutter aussprach, war leichte Reue in ihrer Stimme zu hören, wenn auch nur minimal. "Ich habe immer noch nicht begriffen warum ich damals bleiben durfte. Warum man mich nicht vertrieben hat ..." Ihre Stimme wurde düster, genauso wie ihr regenblauer Blick sich verdunkelte.
Lyerra lief durch den Wald. Sie war auf dem Weg Richtung Trauerweidenhain, warum, wusste sie selbst nicht. Soweit die Fähe sich erinnern konnte, war sie noch nie dort gewesen. Sie hörte Stimmen, erkannte in einiger Entfernung Tyraleen und einige andere Wölfe. Die Helle beschleunigte ihre Schritte, wurde bei der Alpha und deren Begleitung langsamer und nickte ihnen zu. "Hallo." Sie lächelte freundlich.
Atalya nickte leicht auf die Erklärung ihrer Mutter hin. Amáya war ihre Tante. Wieder ein Familienmitglied, mit dem sie so wenig zu tun hatte. Aber das konnte sich natürlich alles ändern. Amáya nickte sie leicht zu, ehe einen Moment später Atalyas heller Blick hinter sich zu den anderen Wölfen glitt. Und in diesem Moment trat ein weiterer Wolf zu ihnen, und wurde von Atalya mit einem kurzen Lächeln begrüßt. „Hallo Lyerra.“ Die Graue nickte leicht, dachte dann kurz über die Worte ihrer Mutter nach. Wie lange war sie nicht mehr bei den Trauerweiden gewesen? Es kam ihr so ewig lang vor. „Zu lange. Irgendwie habe ich nie den richtigen Moment erwischt,“, sprach Atalya ruhig, den Blick nun wieder nach vorn gewandt. Zudem war es ihr viel lieber, in einer Gruppe zu diesem Ort zu gehen, als allein.
Amúr schaute ihren Vater an. Sie seufze leise. "Es ist so kompliziert. Ich bin irgendwie verwirrt. Ich weiß irgendwie nicht wie ich mich Verhalten soll, wenn du und Mutter so nahe beieinander seid." sie schauet ihren Vater kurz an ehe sie den Blick senkte. Sie wusste nicht, ob er verstand was sie meinte. Deshalb wartete die erst mal seine Reaktion ab.
Tyraleen betrachtete ihre Schwester aufmerksam. Amáya wirkte melancholisch und noch immer erstaunlich offen. Es war das erste Mal seit Banshees Tod, dass sie zum Trauerweidenhain kam. Beinahe freute sich Tyraleen ihr die schon so hoch gewachsenen Bäumchen zu zeigen. Als Amáya dann auf ihre damalige Tat zu sprechen kam, senkte Tyraleen den Blick, war es doch kein schönes Thema und auch nicht zwangsläufig eines, das vor Atalya diskutiert werden musste. Sie war damals noch nicht geboren. "Du bist ihre Tochter. Sie hat dich geliebt wie uns alle. Und sie wusste, dass du nicht ganz verloren warst." So wie Tyraleen es irgendwann gewusst hatte. Sie hob den Kopf erst wieder, als Lyerra plötzlich auftauchte und sie ansprach. Tyraleen verband mit der Weißen vor allem den Moment, als sie den Varg entdeckt hatten. Damals hatte Lyerra ihr viel Selbstbewusstsein geschenkt. "Hallo, Lyerra. Wohin des Weges?" Sie fragte sich, ob sie Amáya vorstellen sollte, ließ es aber bleiben, zu unsicher war sie sich, ob sich die beiden Fähen damals kennengelernt hatten.
Averic seufzte ebenfalls leise. Eine seltsame Aussage, wo es doch eigentlich eher sie selbst waren, die dies nicht wussten. "Du kannst dich uns gegenüber genau so verhalten, wie immer. Wir sind immer noch deine Eltern.", wiederholte er, was er seiner Tochter schon einmal sagte.
Lyerra blickte Atalya freundlich an, lächelte sanft. "Atalya …" Sie lachte leise, dann wandte sie den Blick zu Tyraleen, lächelte auch diese freundlich an. "Ich bin auf dem Weg zum Trauerweidenhain.. glaube ich. Meine Pfoten trugen mich und hier her und ich dachte mir … dass der Trauerweidenhain ein schöner Ort ist ..." Sie lächelte immer noch, nun allerdings etwas unsicherer. Was für eine dumme Erklärung sie da abgegeben hatte!
Amúr nickte. "Ja, aber ich will nicht, dass einer von euch denkt, ich würde ihn mehr lieben, als den anderen." Sie sagte das , weil sie Sorge hatte, genau dies zu tun. Weil sie Sorge hatte, sie würde ihren Vater mehr lieben weil Tyraleen diese schreckliche Tat begangen hatte oder umgekehrt; sie würde ihre Mutter mehr lieben, weil Averic damals nicht anders reagiert hatte. Sie schüttelte über sich selbst den Kopf. "Es ist wohl einfach so, dass ich einfach noch nicht damit klarkomme, wie es jetzt ist und mit dem was passiert ist. Auch wenn ich versuche es mir einzureden."
Lyerra blickte nur kurz zu der Fremden, schenkte auch dieser ein freundliches Lächeln.
Amáya nickte leicht. Sie war irgendwie dankbar, dass sie wenigstens Tyraleen hatte. Wenigstens eine Schwester, bei der sie so etwas wie Vertrautheit hatte. Mit unbewegten Zügen blickte sie zu der neu dazugekommenen Fähe hinüber, die sie nicht kannte die ihr aber zulächelte. "Amáya.", stellte sie sich nur kurz vor bevor sie wieder schwieg. Sie konnte ihn spüren, den Ort wo ihre Eltern gestorben waren. Sie konnte einen leichten, stechenden Schmerz in ihrer Brust spüren. Sie hatte nie zeigen können, wie dankbar sie ihrer Mutter eigentlich war.
Averic lächelte schwach und freudlos, wissend, dass er Amúr nicht viel helfen konnte. Er konnte ja nicht mal sich selbst helfen. "Es ist schwierig für uns alle. Aber wir müssen leider auch alle akzeptieren, was passiert ist. Wir können nichts ungeschehen machen. Aber wir können versuchen, es besser zu machen und nicht zuzulassen, dass noch mal etwas so Schreckliches passiert." Der Pechschwarze wusste allerdings nicht, was er zu ihrer Angst sagen sollte. Dass sie unbegründet war? Woher sollte er das Wissen nehmen?
Atalya lauschte nur halb dem Gespräch ihrer Mutter und ihrer Tante, schnippte daraufhin nur leicht mit den Ohren. Es ging um Banshee, so viel hatte sie verstanden. Sie blickte zu Lyerra, die lachte. Die Graue erwiderte das Lächeln leicht, sah dann nach vorn, wo langsam ihr Ziel sichtbar wurde. Ihre Ohren neigten sich zurück, und kurz versteckte sie die Nase im Fell ihrer Mutter. Es war komisch, hierher zu kommen. Wenn auch nicht unbedingt negativ.
Tyraleen wunderte sich im Stillen darüber, dass Lyerra ebenfalls den Trauerweidenhain als Ziel hatte. Sie hatte immer gedacht, dass nur die Familienmitglieder ihn aufsuchten. Aber eigentlich war er tatsächlich auch schlicht ein schöner Ort, den man ebenso als Unbetroffener besuchen konnte. Also lächelte sie Lyerra zu und legte den Kopf leicht schräg. "Du kannst uns gerne begleiten." Mittlerweile waren sie angekommen. Sie spürte Atalyas Nase in ihrem Fell und fuhr ihrer Tochter sanft mit der Schnauze durch ihr Fell. Unter ihren Pfoten wuchs mittlerweile Gras und die Trauerweiden ragten neben ihnen auf. Wie immer hielt Tyraleen einige Sekunden lang ehrfürchtig den Atem an und begrüßte die Bäume stumm. .oO(Hallo Mama, hallo Papa. Ich bin wieder einmal hier. Und ich habe euch unsere Familie mitgebracht.)
Lyerra fühlte sich etwas unwohl, als sie sah, dass Atalya die Nase in Tyraleens Fell vergrub und eben diese, ehrfürchtig inne hielt. Die Grünäugige selbst blieb ebenfalls stehen, neigte den Kopf leicht, und betrachtete die Bäume anschließend. Es war seltsam einfach nur so hier zu sein. Seltsam und unsinnig, aber jetzt war sie nun mal an diesem Ort. Abermals neigte sie leicht den Kopf, wagte es nicht zu sprechen.
Atalya s Rute pendelte kurz durch die Luft, als ihre Mutter durch ihr Fell fuhr. Wie auch die Weiße war sie stehen geblieben, blickte nun still zu den zwei Bäumen, die vor ihnen lagen. Ihre Augen suchten die Umgebung ab, als erwartete sie, etwas Neues zu sehen. „Ich habe das Gefühl, sie sind uns hier ganz nah ...“ Atalya flüsterte nur leise, dann ruhte ihr Blick wieder auf den beiden Bäumen. So viel Trauer sie auch an diesem Ort empfand, er war dennoch wunderschön.
Langsam lief die kleine Gruppe weiter und ohne dass es den anderen bewusst wurde, liefen Averic und Tyraleen irgendwann an der Spitze. Nihilus und Malik blieben zunächst zurück, Amáya und Atalya blieben bei Lyerra. Auf die Lichtung mit den zwei Bäumchen gingen Averic und Tyraleen schließlich alleine.
Amúr hatte sich von Averic verabschiedet, wollte Zeit für sich und ihre Gedanken sortieren. Am Rande der Lichtung blieb der Pechschwarze schließlich stehen, realisierend, dass niemand anderes mehr nachgekommen war und nur noch er und Tyraleen hier bei der Ruhestätte ihrer verstorbenen Eltern waren. Der schwere Stein fiel zurück in seinen Magen, dennoch wollte er sich nicht umdrehen. Langsam setzte er sich wieder in Bewegung, näher an die gewachsenen Bäumchen heran. Hin und wieder war auch er einfach nur hier. Langsam wanderten seine Augen die Umgebung ab, bis sie doch wieder bei Tyraleen hängen blieben.
Tyraleen merkte nicht, dass niemand außer Averic und ihr die Lichtung betreten hatte. Wie immer war sie zunächst gebannt von der Präsenz ihrer Eltern, trat zu den Bäumchen und berührte die hellen und dunklen Blätter. Ein warmes Gefühl flutete ihr Herz und für einen kurzen Moment waren sie wieder bei ihr. Dann hob sie erstmals die Augen und merkte, dass nur Averic bei ihr stand. Kurz trat Irritation in ihren Blick, dann fragte sie sich, was die Götter ihnen sagen wollten. "Ich vermisse sie so schrecklich."
Averic ließ den dunklen Blick zurück zu den zwei kleinen Bäumchen wandern und schwieg einen Moment lang. "Ich auch.", sagte er schließlich leise, auch wenn er Acollon bedeutend weniger vermisste, als Banshee. Aber das tat nun nichts zur Sache. Seit sie beide tot waren, fühlte sich die Welt, wie ein schlechterer Ort an, an dem jeder Hoffnungsschimmer auf bessere Zeiten schon nach kurzer Zeit wieder verblasst war.
Tyraleen versuchte sich ihre Unsicherheit nicht anmerken zu lassen, auch wenn sie seit langer Zeit zum ersten Mal wieder wirklich alleine mit Averic war. "Und ich vermisse meine Familie."
Averic hob den Kopf wieder und sah die weiße Wölfin an, ohne sich dieses Mal die Mühe zu machen die leise trauer in seinem Blick zu verbergen. Anstatt eines neuerlichen 'Ich auch.', lag ihm auf der Zunge, was 'er' vermisste. Sie stecken ihm im Hals, aber er wusste nicht, ob er es wagen konnte sie auszusprechen. "Und ich vermisse meine Gefährtin.", flüsterte er schließlich, ohne sie zurückhalten zu können.
Tyraleen erwiderte den Blick ihres ehemaligen Gefährten und spürte die Trauer darin langsam auch in ihre Augen fließen. Als er leise antwortete, meinte sie zuerst sich verhört zu haben, doch das Flüstern und der Blick Averics sagte ihr, dass der Sohn des Todes ihr soeben gestanden hatte, wie sehr er sie vermisste. Diese Direktheit und seine Ehrlichkeit, obwohl sie noch so wenig zu ihm passen wollte, berührten sie an einer Stelle ihres Herzens, die sie stets sorgfältig unter Verschluss gehalten hatte. "Ich vermisse dich auch, Averic. Ich vermisse das Gefühl so sehr, jemanden an meiner Seite zu wissen, der mich nicht kritisch beäugt und von dem ich jeden Moment einen Tadel erwarte. Ich vermisse das Wissen, dich zu haben."
Averic wünschte die Worte, kurz nachdem sie seinen Mund verlassen hatten, wieder zurück. Diese Ehrlichkeit hatte schon beim letzten Mal nichts Gutes bewirkt. Doch umso mehr verschlug es ihm die Sprache, als sie etwas sagte, was er nicht erwartet hätte. Etwas, dass sein Herz zwar trotzdem schmerzen ließ, aber nicht auf die erwartete Weise. Er biss die Zähne etwas fester aufeinander. "... Ich mag Fehler gemacht haben, aber ich war nie wirklich fort. Ich bin immer noch hier, auch wenn es mir manchmal sehr schwer fällt."
Tyraleen betrachtete ihren Bruder, er schien über ihre Worte nicht direkt glücklich, auch wenn sie spürte, dass er mit etwas anderem gerechnet hatte. Seine Worte irritierten sie. "Was fällt dir schwer?" Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lefzen, das letzte Zeichen ihrer Unsicherheit. "Für mich bist du sehr weit fort. Irgendwo dort, wo mein Herz dir nicht nachfolgen kann."
Averic drehte die Ohren leicht nach hinten. Ja, es stand eine Mauer zwischen ihnen. Und wenn sie beide sie nicht überwinden konnten, war es nicht mehr als bittersüßes Wissen, dass sie ihn ebenso sehr vermisste, wie er sie. "Da zu sein, wenn du auch für mich so weit weg bist, dass ich das Gefühl habe dich nicht mehr erreichen zu können."
Tyraleen konnte ihr Erstaunen nicht ganz verbergen und sah Averic einige Sekunden lang verblüfft an. Sie hatte nicht erwartet, dass er sich darum bemühte. Dass er sie erreichen wollte, ohne es zu können. Diesmal kam die Wärme in ihrer Brust nicht von den beiden Bäumchen neben ihr. Vorsichtig, als könne sie Averic verschrecken, trat sie einen Schritt näher zu ihm und berührte ihn einen Wimpernschlag lang an der Lefze. "Ich wusste nicht, dass du versuchst, mich zu erreichen. Ich bin hier, inmitten eines Rudels, das ich mein eigenes nenne und doch alleine. Und hier kannst du mich erreichen." Ganz vorsichtig nahm sie seine Schnauze in ihren Fang und schob ihn zu ihrer Brust, in der ihr Herz schmerzhaft pochte.
Averic stand selbst angewurzelt da, als Tyraleen auf ihn zukam und schließlich sogar berührte. Er hatte ihre Berührung so lange nicht gespürt, so viele Monate, dass er bei dem warmen Gefühl, welche sie jetzt verursachte leicht zusammenzuckte. Plötzlich war es wie ein Traum, so irreal, dass es einfach nicht wahr sein konnte. Er war nahezu irritiert von ihr und ihren Worten, als sie seinen Fang zu ihrem Brustfell schob. In dem Moment, wagte er es nicht zu atmen. Er hörte ihren Herzschlag, sog den Duft ihres Felles nach so langer Zeit wieder ein und drückte sich schließlich noch ein wenig enger an sie heran. "Ich wusste nicht, ob du noch erreicht werden wolltest." Er schloss die Augen, hoffend, aber nicht überzeugt, dass dies wirklich kein Traum war.
Tyraleen fühlte sich seltsam schwerelos und für einen kurzen Moment lang hatte sie den Eindruck, auf sich und Averic hinab zu blicken, wie sie dort standen, plötzlich wieder so nahe aneinander. Sie spürte Averics Nase in ihrem Fell und ihr Herz, dass gegen seine Schnauze schlug. Sie wusste nicht mehr, ob sie wirklich wollte, dass er ihr so nahe war, aber sie wich nicht zurück. "Ich wünsche es mir mehr, als alles andere." Ihr Fang schwebte neben Averics Kopf, jetzt ließ sie ihre Lefzen an seinen entlanggleiten und verharrte kurz, als sich ihre Nasen in ihrem Fell trafen. Dann trat sie einen Schritt zurück und merkte, dass sie erst jetzt wieder Luft holte. Ihr Blick glitt zu den beiden Bäumchen, wieder voller Unsicherheit.
Averic schien es, als würde er zum ersten Mal seit langem, seinen eigenen Herzschlag wieder hören. Als wäre nur sie dazu in der Lage, es zu bewegen. Es wurde lauter und schneller, als er ihre Schnauze an seiner spürte und ein leichter Schauer rann über seinen Rücken. Averic regte sich nicht, damit der Moment nicht zerbrach. War es wirklich kein Traum? Und nach all den Worten, die noch so präsent waren, sagte sie ihm jetzt, dass sie sich nichts mehr wünschte, als ihn wieder an ihrer Seite zu haben? Als Tyraleen sich dann wieder von ihm löste, spürte er das äußerst seltene, eigentlich nie vorhandene Gefühl von Verunsicherung und er hob nur langsam den Kopf wieder.
Tyraleen wagte es plötzlich nicht mehr, den Blick zu heben und Averic anzuschauen. Jetzt standen sie hier, irgendwo bei ihren Eltern und Tyraleen hatte mehr als je zuvor das Gefühl, Banshees Blick auf sich zu spüren. Ob sie glücklich war? Dann schoss ihr ein anderer Gedanke durch den Kopf. Schon wieder standen sie sich gegenüber, ohne Worte zu finden. Langsam begann es zu ihnen zu gehören. Sie kratzte ein Lächeln zusammen und schenkte es Averic.
Averic fühlte leichtes Unbehagen, über die nun wieder etwas seltsame Situation. Nicht, dass sie nicht schon die ganze Zeit seltsam gewesen wäre. Aber jetzt war da ein etwas peinliches Schweigen, von dem er nicht wusste, wie er es durchbrechen sollte. Eher hatte er das Gefühl, sich auf unglaublich dünnem Eis zu bewegen. Ihr Lächeln half ein bisschen, immerhin. Der Pechschwarze erwiderte es leicht und fügte dann schließlich hinzu: "Wenn du es wünscht, dann bin ich an deiner Seite."
Tyraleen freute sich über das Lächeln Averics, aber vor seinen Worten schrack sie innerlich zurück. Eben gerade war alles noch richtig und wahr gewesen. Jetzt fürchtete sie sich vor den Konsequenzen, ihm ihren Wunsch zu bestätigen. Langsam nickte sie, ohne etwas zu sagen und damit zu klären, ob sie nur bestätigte, seine Aussage verstanden zu haben, oder ihren Wunsch bekräftigte. "Lass uns zu den anderen zurückgehen." Der Moment von eben wirkte irrealer, als jeder Traum.
Das Gefühl auf dünnem Eis zu stehen verschwand nicht, trotz des Nickens. Eher schien der vergangene Moment nun wie etwas, dass sie beide geträumt hatten und nun wachten sie wieder auf. Nun war Averic es, der nickte und dann neben ihr zurück zum Rudel lief. Und doch blieb nun wieder ein gewisser Abstand zwischen ihnen.