Nihilus
07.06.2011, 18:47

[quote]Original von Kisha
Sie hätte ihre eigenen Worte wohl ein wenig verwirrend gefunden, wenn sie es nicht selbst so erlebt hätte. Desto mehr stellte sich ihr die Frage, ob der helle Rüde nun etwas mit ihren Worten anfangen konnte. Sie lief still neben ihm durch den Schnee, sah ihn an und beobachtete die Regungen in seinem Gesicht. Als er dann eine Frage stellte, atmete die dunkle Wölfin einmal tief durch, setzte dann erneut zu einer Antwort an.

Ich denke schon. So viele Wölfe in diesem Rudel haben mir bestätigt, dass ich hierher komme. Dass hier meine Heimat ist, und hier meine Familie lebt. Ich wüßte keinen Grund, wieso sie mich anlügen sollten. Auch wenn ich Anfangs Zweifel hatte. Dabei wußte ich auch nicht, wieso mich das andere Rudel belogen haben sollte. Es war einfach ein wenig zu viel in dieser Zeit, mit dem ich zu kämpfen hatte. Inzwischen regelt sich alles ein wenig... aber an machen Tagen ist es noch immer komisch, wenn ich in diese Gesichter blicke und mich manchmal frage, ob diese Wölfe mir wirklich die Wahrheit erzählt haben. Aber mein herz führte mich hierher... ich kann mich nur darauf verlassen oder in ewigen Zweifeln leben.“

Nun beobachtete sie Nihilus Nicken, betrachtete den Weißen aber weiterhin, darauf achtend, nicht im Schnee zu stolpern. Und dann stellte er schon eine nächste Frage, die erneut ein leichtes, wenn auch müdes, Schmunzeln auf ihre Lefzen schleichen ließ. Für diese Frage gab es nur eine, klare Antwort. Nie wieder wollte sie sich so allein fühlen, wie in der vergangenen Zeit. Nie wieder.

Nein, in keiner Minute. Natürlich ist es bei diesen vielen Wölfen, diesen oft fremden Gesichtern, die hierher kommen, schön, Mal einen Moment für sich zu haben. Aber ich glaube, ich gehöre einfach in ein Rudel mit vielen Mitgliedern. Wenn dies hier meine Familie ist, bin ich mit vielen Verwandten aufgewachsen. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht so gern allein bin. Mir würde etwas fehlen, ohne diese Hektik, die manchmal herrscht.“

Mit einem kurzen Lächeln in seine Richtung wandte Kisha den Blick leicht ab, ließ ihn über das Rudel schweifen, betrachtete die Gesichter in der Nähe.

Und du? Ich weiß kaum etwas über dich. Magst du mir etwas von dir erzählen?“


[Rudelplatz – Nihilus][/quote]



Mit einer undefinierbaren Lust zog der Rüde kurzer Hand die Schnauze durch den schneebedeckten Boden, um seine Gedanken zu klären und alle Aufmerksamkeit auf Kishas Worte zu richten. Es war schwierig alle Probleme einfach so auszublenden, jedoch bannte die Schwarze (!!) ihn bald mit ihrer wahrlich seltsamen Geschichte. Alles zu vergessen – welch Vorstellung!

„So viel Vertrauen aufzubringen für dir beinahe unbekannte Artgenossen…“ , er zögerte, versuchte sich vorzustellen wie es sein könnte, „das erfordert wahnsinnig viel Mut.“

Er glaubte kaum, dass er selbst es geschafft hätte sich in die Gemeinschaft ein weiteres Mal einzufügen. Hier, wo alle wussten was die Fähe war, wer sie war – alle, nur sie nicht. Die Ohren zur Seite geneigt, doch keines Falls abweisend, schnaubte er einmal, um den geschmolzenen Schnee aus den Nasenlöchern zu pusten, bevor er sich Kisha abermals zuwandte. Und er hatte gedacht, dass hier geborene Mitglieder nicht viel erlebt hatten! Tja, niemand lernte jemals aus.
Bei den darauf folgenden Worten starrte er wie gebannt nach vorne, auf einen unbestimmten Punkt, darauf hoffend das richtige hören zu dürfen und nicht enttäuscht zu werden – Und tatsächlich! ‚Natürlich ist es bei diesen vielen Wölfen, diesen oft fremden Gesichtern, die hierher kommen, schön, Mal einen Moment für sich zu haben.’ Ja! Genau das hatte er hören wollen. Das Verlangen nach Ruhe, auch wenn es nur ab und an war, schien normal zu sein… alltäglich, in jedem Wolf verankert. Das war schön. Eine weitere Bestätigung dafür, dass er hier her gehörte, trotz kleinerer Unterschiede, auch wenn er sich diese höchst wahrscheinlich nur selbst einbildete.

„Das ist… gut zu wissen.“ Er sah sie beinahe dankend an. „Wirklich.“

Beinahe beflügelt wurde der Gang des Weißen leichter, auch wenn der Schnee die Höhe behielt. So einfach war es das Gemüt Nihilus’ aufzubessern. Ein Satz, ein Wort. Zack. Da war er, der ewig zufriedene Rüde, selbst wenn die Zufriedenheit nicht ihm selbst gehörte.

„Über mich gibt es nicht so schöne Dinge zu erzählen wie über dich,“ versuchte er an ihre Frage anzudocken. „Familie und Vergangenheit verloren, doch beides in gewisser Weise widergefunden. Wie ein Märchen.“

Die Lefzen beinahe zu einem Lächeln verzogen, schnaubte er einmal anerkennend. So viel Glück konnte nicht jeder haben.

„Nagut, meine Geschichte ließe sich auch beinahe als Märchen abstempeln. Ungläubig, unbewiesen. Also, wenn ich nicht als Beweis anerkannt werde. Erinnerst du dich noch an das Nichts, oder war es gerade die Zeit in der du fort warst?“

Die Rute leicht pendelnd, wurde sein Blick fraglich. Als junger Welpe war er völlig überfordert gewesen mit all den neuen Gesichtern, hoffentlich nahm sie es ihm daher nicht übel, dass sie wahrscheinlich an einander vorbei geschrabt waren, ohne auch nur ein Wort zu wechseln.

Kisha
09.07.2011, 16:54

Sie seufzte leise, wandte den Blick in diesem Moment jedoch nicht herum. Um den Weißen anzublicken. Es erforderte Mut, jemandem so ein Vertrauen entgegen zu bringen? Kurz neigte sich Kishas Ihr zurück, und sie atmete tief durch.

Danke, aber... Nunja... was blieb mir anderes übrig? Ich war es Leid, umher zu irren, nicht zu wissen, wer ich wirklich bin, wohin ich gehöre. Zuerst wollte ich das alles selbst nicht glauben. Aber... die Wölfin, die zu dieser Zeit Alphafähe war, Banshee, falls du sie kennst... sie hatte etwas an sich, was mich ihr nicht misstrauen ließ. Sie sagte, sie sei meine Mutter, dies sei mein Geburtsort. Seit diesem Moment scheinen immer mehr Erinnerungen zurück zu kommen, manche verschwommenen Bilder und Gerüche nehmen Form an und werden klarer. Vielleicht erinnere ich mich bald wieder an jedes Detail.“

Ihre eigenen Worte ließen ein Lächeln auf ihre Lefzen zurück kehren. Es wäre zu schön, wenn sie sich wieder an alles erinnern könnte. Als der Weiße sich bedankte, neigte die dunkle Wölfin nur leicht den Kopf zur Seite, nickte Nihilus ruhig zu. Auch er würde es sicher kennen lernen, dass es wunderbar war, mit so vielen Wölfen zusammen zu leben. So groß der Wunsch nach Ruhe auch manchmal sein mochte, so war Kisha sich doch sicher, dass jeder von ihnen auch Gesellschaft brauchte. Niemand konnte allein überleben, das lag nicht in ihrer Natur. Und der junge Wolf schien wirklich glücklich mit ihren Worten, als hätte sie ihn von einer Last befreit, die er seit langem mit sich herum trug. Und so wartete sie ruhig, bis auch er zu einer Antwort auf ihre Frage ansetzte. Nach seinen ersten Worten neigten sich ihre Ohren wieder nach hinten, glaubte sie schon, nun würde er nicht weiter sprechen. Zu ihrer Überraschung sprach er dann doch weiter, brachte sie mit den Worten „Wie ein Märchen“ dann wieder zum Schmunzeln. Ja, so in Etwa konnte man ihre Geschichte beschreiben. Auch wenn diese noch nicht zu Ende geschrieben war. Glücklich darüber, dass auch der Helle wieder lächelte, wartete sie ab, ob er nun weiter reden würde, und wenige Momente später öffnete sich wieder sein Fang.

Das Nichts tauchte kurz nach meiner Rückkehr auf, ich erinnere mich.“

Sie schauderte bei dem Gedanken an diese Zeit. Sie wollte nicht daran zurück denken.

Was ist an deiner Geschichte so... unglaublich und unbewiesen?“

Nihilus
23.07.2011, 18:22

Als Kisha über Vertrauen sprach, musste Nihilus lächeln. Sie hatte also einer für sie wildfremden Fähe vertrauen können – nein, sie musste es vielleicht sogar, um etwas über ihre Vergangenheit zu erfahren. Die Augen verengt warf der Helle seinem Mitläufer einen Blick zu, bewundernd, wie sie einfach blind alles hatte glauben können. Im Nachhinein eine fragwürdige Entscheidung: was wäre gewesen, wenn die ehemalige Leitwölfin die Dunkle angelogen hätte, Geschichten hervor gerufen hätte? Dann würde Kisha jetzt gerade eine Lüge leben. Eine Lüge, die wahrscheinlich alle Rudelmitglieder die zu dieser Zeit bereits hier lebten mitgesponnen hatten.

„Hast du niemals in Betracht gezogen, dass es nicht wahr sein könnte, was sie dir erzählt hatte?“ , er zögerte einen Moment, bevor er hinzusetze: „Ich möchte nicht an Banshee zweifeln, dafür habe ich zu viel Gutes von ihr gehört. Aber ein gewisses Maß an Unglaube ist doch immer vorhanden, zumindest vor deinen zurückkehrenden Erinnerungen, oder nicht?“

Er meinte nicht das Misstrauen gegenüber einem Freund, wenn dessen Mimik für etwas anderes sprach als die Wahrheit, sondern das unwohle Gefühl einem Fremden gegenüber, dass dieser vielleicht niemals, oder zumindest nicht in dem Moment des Gesprächs, der jenige war für den er sich ausgab. Vorsichtig versuchte er zu der Fähe hinüber zu schielen, um sie zu beobachten. Nein, an ihren Worte n zweifelte er auf keinen Fall, dafür waren sie zu unwirklich und ihr Lächeln, das sich grade jetzt wieder zeigte, zu echt. Er glaubte ihr und hoffte, dass auch sie mit etwas Fantasie mit offenen Ohren seiner Geschichte Wahrheit zumessen konnte. Nachdem sie sich ein wenig Zeit genommen hatte, Nihilus vermutete, dass sie über das Geschehene der Vergangenheit sinnte, begann sie auf seine Frage hin zu antworten: ja, das Nichts war ihr bekannt. Und wie es schien, stimmte ihre Reaktion mit so vielen Mitgliedern überein: am Liebsten hätten sie diese Erfahrung gemieden. Welch Ironie, dass grade er, eine Persönlichkeit die es allen recht machen wollte, über diese Zeit genau anders dachte: sie war das Beste gewesen das ihm hätte passieren können.

„So schlimm diese Zeit für euch alle gewesen sein muss, so sehr mag ich behaupten, dass es das Beste für mich gewesen war, dass das Nichts genau auf euer Rudel getroffen war.“ Vorsichtig versuchte er ihre Reaktion auf diese Worte abzuschätzen, hoffte, dass sie es ihm nicht übel nehmen würde. „Meine Mutter wurde bei, oder besser gesagt kurz nach, meiner Geburt von dem Nichts verschluckt. Ich habe sie kennen gelernt, denn im Gegensatz zu ihr, die in den grauen Tiefen verschwand, fand ich in der Leere meine Heimat.“

Es war eindeutig die falsche Erklärung, doch wie sollte er seine Theorie der Dunklen mitteilen? Wie sollte er versuchen es zu veranschaulichen? Nihilu wusste selbst nicht genau was passiert war. Er konnte sich nicht erinnern, weil es ihn zu dieser Zeit noch nicht wirklich gegeben hatte. Existent, ja, das war er gewesen. Aber lebendig? Nein. Er hatte weder atmen, noch Nahrung oder Wasser zu sich nehmen müssen. Alles was er bekam waren die ganzen Legenden. Die Geschichten über die Wölfe, über die Götter. Die Urgeschichte, wie alles begann.

„Sind dir die ganzen Legenden und Geschichten über Engaya und Fenris bekannt?“ , fragte er zuerst noch ein Mal nach, nur um sich selbst davon zu überzeugen, dass sie nicht ganz des Glaubens abgeneigt war. „Denn die Legende über die Taubheit, in der die Wölfe vor sehr sehr langer Zeit lebten, ist so ähnlich wie der Beginn meines Seins.“

Kisha
27.08.2011, 12:16

Kisha erwiderte das Lächeln, mit dem Nihil sie anblickte. Die Zweifel, die in seinen Worten lagen, konnte die dunkle Fähe nur zu gut verstehen. Sie selbst hatte sich damit Tag für Tag auseinander gesetzt. Und so nickte sie leicht, atmete einmal tief durch und blickte dann wieder nach.

Ich verstehe, was du meinst. Aber ich kann dir nur Recht geben. Es war leichtsinnig, einfach so zu glauben, was man mir sagte. Ich habe so oft darüber nachgedacht, habe versucht, Gründe dafür zu finden, wieso sie mich anlügen könnten. Wieso ein ganzes Rudel mir etwas aufzwingen könnte, was ich nicht bin. Immerhin hatte ich in meinem Kopf noch immer die Gedanken an das Rudel, welches ich kurze Zeit zuvor verlassen hatte. Ich stand zwischen zwei Welten, die, die hinter mir lag, und die, die mich hier erwartete. Ich war furchtbar zerrissen, wußte nicht, damit umzugehen. Ich selbst habe an Banshees Worten gezweifelt, aber...“ Einen Moment schwieg die dunkle Wölfin, überlegte, wie sie es dem jungen Wolf am besten erklären sollte. „Hast du Banshee kennen gelernt? Sie war eine wunderbare Wölfin. Seit dem ersten Moment, in dem ich ihr gegenüberstand, hatte sie eine Art, die mich einfach in ihren Bann zog. Sie stand vor mir, betitelte mich als Kisha, ihre Tochter. Ich konnte nur an ihr zweifeln, weil ich es auch wollte. Ich zwang mich förmlich dazu, ihr nicht zu vertrauen. Aber ihre Art, ihr Lächeln. Schließlich konnte ich ihr nur glauben. Leider... viel zu spät. Ich konnte sie erst als das ansehen, was sie war, als ich das letzte Mal bei ihr stand, als das Rudel, ihre Familie sich von ihr verabschiedete. Ich wünsche mir oft, dass ich noch mehr Zeit mit ihr hätte verbringen können. Ich hätte so viele Fragen, so viel ungeklärtes. Ich kann nur auf den Tag warten, an dem wir wieder eine Ewigkeit zusammen haben werden.“

Unsicher neigten sich die Ohren der Schwarzen ein wenig zurück. Nun war sie gespannt, was der junge Rüde ihr über das Nichts erzählen würde, was es mit seiner Geschichte zu tun hatte. Als der Weiße zu sprechen begann, wandte Kisha den Kopf wieder herum, sah ihn direkt an. Verwirrung legte sich in ihren Blick während seiner Worte. Für ihn war es das Beste, dass das Nichts auf das Rudel gestoßen war? Kisha konnte diese Worte nicht deuten, wollte den jungen Wolf jedoch nicht unterbrechen, also schwieg sie, lauschte seinen weiteren Worten. Als er geendet hatte, neigte sich ihr Kopf erneut zur Seite und skeptisch betrachtete sie den weißen Rüden.

Du... hast im Nichts gelebt? Wie... wie ist das möglich?“

Sie erinnerte sich zurück, Hiryoga war ins Nichts gefallen. Ihr Bruder. Nun war er fort, aber Nihil stand vor ihr. Lebendig, sie konnte ihn berühren. Als der Rüde sich nach ihrem Wissen über die Götter und deren Legende erkundigte, nickte die dunkle Wölfin etwas unsicher. Sie kannte vielleicht nicht jedes Detail, nicht jedes Wort. Aber die Grundzüge der Legenden waren ihr bekannt. Als nun das letzte Wort von Nihils Lefzen gesprochen war, schüttelte die Schwarze leicht den Kopf.

Ich gebe dir Recht... das klingt alles unwirklich. So viele Wölfe sind dem Nichts zum Opfer gefallen. Und nun sagst du, es war... deine Heimat. Wie konntest du dort überleben, wo wir Mitglieder des Rudels, Familienmitglieder, verloren haben? Ich... kann mir das alles nicht vorstellen.“

Nihilus
29.08.2011, 01:14

Auch wenn die Gesichte Kishas etwas trauriges an sich zu haben schien, konnte Nihilus nicht anders als die Lefzen zu einem sanften Lefzen zu verziehen und ihren Worten mit wohlwollendem Gefühl zu lauschen. In gewisser Weise konnte er sie verstehen: war es nicht auch so, dass Wolf sich eine Familie, Freunde und ein Rudel wünschte? Warum hätte sie dann eben diese drei Dinge ablehnen sollen, wenn sie ihr quasi auf dem Silbertablett vor die Nase geschoben wurden, als die – damals wahrscheinlich noch sehr junge – Fähe nichts mehr im Leben besaß als ihren eigenen Pelz? Vorsichtig hauchte der Nichtswolf der Dunklen in den Kragen, als diese den Blick abwandte. Er wollte ihr beistehen, auch wenn es jetzt wahrscheinlich schon zu spät war. Die Geschichte hatte eine gute Wendung gezeigt und das sollte sie beide aufheitern.

„Jeder Wolf in diesem Rudel der die ehemalige Leitwölfin kannte spricht von ihrer Güte und ihrer Liebe.“, antwortete er zuerst an ihrer Frage vorbei, um ihr in gewisser Weise zuzustimmen. „Ich habe sie leider niemals persönlich kennen gelernt.“, setzte er mit echten Bedauern hinterher. Ja, zu gerne hätte er die Wölfin, die sich so sehr mit den Legenden auskannte, ein Mal seine Theorie nahe gelegt um ihren Rat und ihre Meinung dazu zu vernehmen. Vielleicht hätte sie ein Urteil über seinen Verrat sprechen können. „Sie wird sicher von irgendwo dort oben auf ihre Kinder hinunter sehen. Stolz auf jeden Einzelnen von euch. Vielleicht spürt sie dort oben noch intensiver deine Zuneigung als es auf Erden möglich gewesen wäre.“

In der zusprechenden Stimme lag ein gewisser Hauch Hoffnung, der an Kisha gerichtet war, aber zugleich auch an die seine eigene Mutter, deren Gesicht er niemals vor Augen bekommen hatte. Wusste diese, dass sie einen Platz im Herzen des Nichtswolfs besaß? Es gab keine eindeutige Antwort und dennoch musste Nihilus den Blick für den Moment gen Himmel richten um sich zu vergewissern, das dort nirgendwo eine unbekannte Schnauze zu sehen war.

„Das Paradies soll schließlich alles ermöglichen.“, sprach er leise zu sich selbst und richtete dabei den offenen Blick zurück auf die Schwarze vor sich. Die Rute leicht pendelnd, versuchte er ihr die ehrlich gemeinten Worte näher zu legen, bevor er auf ihre nächsten Fragen den Blick wieder beschämt abwenden musste. Er mochte dieser Verwirrung in ihrem Gesicht nicht sehen. Vor allem nicht wenn er wusste, dass das Nichts beinahe das gesamte Tal ausgelöscht hätte. Engaya sei Dank nur beinahe, ansonsten dürfte er sich mit seinem Titel als „Nichtswolf“ hier nicht mehr blicken lassen!
„Ja, ich glaube schon. Also irgendwie ist das die einzige Lösung.“, ziemlich bekümmert ließ Nihilus den Blick über den Schnee wandern ohne etwas interessantes zu finden, das er hätte mustern können, um Kisha nicht ansehen zu müssen. Also hob er doch den Blick auf ihr Gesicht.
„Ich habe noch mit niemanden wirklich darüber geredet woher ich komme, also kann ich nur meine eigenen Theorien aufstellen.“ Nagut. Die Theorien waren praktisch durch die Götten des Lebens persönlich signiert, aber das wäre ja noch dämlicher zu behaupten!
„Meine Mutter gebar mich wohl kurz bevor das Nichts sie in sich – und auch mich - verschluckte. Im Gegensatz zu ihr schien ich allerdings stecken geblieben zu sein. Irgendwo im Grau.“ Das klang irgendwie kalt. Sehr kalt. Vorsichtig winkelten sich die Ohren an. Konnte ihm die Fähe überhaupt folgen, oder klangen seine Worte nur im eigenen Kopf so wirsch? „Ich kann mich an nichts erinnern, außer an ein helles Licht und eine Stimme die mir immer wieder die zahlreichen Legenden eures Tales erzählte.“ Fragend blickte er zu der Schwarzen auf, als warte er Kritik oder Ungläubigkeit von ihre Zügen ablesen zu können.

Kisha
29.08.2011, 17:29

Kishas Ohren zuckten leicht durch die kühle Luft, als der junge Wolf sie anpustete. Einen Moment verwirrt wandte die Schwarze den Kopf herum, blickte ihm kurz in die hellen Augen, dann zog sich wieder ein Lächeln auf Kishas Lefzen. Seinen Worten lauschend nickte die Wölfin dann, als er geendet hatte, überlegte selbst einen Moment, ehe sie eine erneute Antwort auf seine Worte von sich gab.

Sie war etwas ganz Besonderes. Von allen Wölfen, an die ich mich erinnere, war sie die, die mich am meisten fasziniert hat. Aber ja, ich bin mir ganz sicher, dass sie auf uns alle aufpasst und immer ein Auge auf das hat, was wir tun. Manchmal kann ich sie spüren, als wenn sie wärmend bei mir stehen würde. Es fühlt sich immer so an, als könne ich nie wieder traurig sein. Ich würde ihr das alles nur zu gern persönlich sagen.“

Die dunkle Wölfin schloß die Augen, atmete tief durch, als erhoffte sie sich Beistand in dieser Zeit von ihrer Mutter, die so fern war, und vielleicht doch näher als jeder andere. Das Lächeln auf Kishas Lefzen war nun ein wenig trauriger geworden, aber sie bemühte sich darum, es wieder heller wirken zu lassen. Jetzt war nicht der Zeitpunkt, um Erinnerungen und Wünschen hinterher zu hängen. Also richtete sie den braunen Blick wieder auf Nihilus, die Worte, die er über das Paradies sprachen, ließen ihr Herz einen kleinen Hüpfer vollführen. Für jeden Wolf war das Paradies etwas anderes, aber sie war sich sicher, dass ihre Familie sie in ihrem eigenen Paradies erwartete. Ein Ort, an dem sie nie wieder getrennt sein würden.
In diesem Moment wandte Nihilus den Blick ab, und Kishas Fang öffnete sich leicht, die Ohren neigten sich zurück. Hatte sie etwas Falsches gesagt? Sie hatte den jungen Wolf nicht verletzen wollen, und doch machte es nun diesen Anschein. Sie folgte seinem suchenden Blick, während sie über seine Worte nachdachte. Egal, wie sehr sie es drehte und wendete, sie kam zu keiner Lösung. Sie hatte selbst erlebt, wie zerstörerisch das Nichts war. Und nun sollte es Leben hervor gebracht haben? Als der Weiße den Blick wieder auf sie richtete, bemühte sich die Schwarze um ein sanftes Lächeln, als wolle sie sich entschuldigen, dass sie ein wenig vorschnell geurteilt hatte. Seine Worte verwirrten Kisha, und es war ihr wohl auch deutlich anzusehen. Aber wie sollte sie sonst reagieren, auf eine Geschichte, die vollkommen unwirklich klang? Aber was sollte der Weiße für einen Grund haben, sich solch eine Geschichte auszudenken? Noch bevor sich sein Blick wieder auf sie legte, richtete nun Kisha selbst den Blick nach vorn. Sie versuchte seine Worte in ihrem Kopf zu ordnen, versuchte sie so zu stellen, dass sie Sinn ergaben.

Und... wie bist du dem Nichts entkommen? Es ist verschwunden, durch die guten Gedanken des Rudels. Wie konntest du überleben, wenn das Nichts dein zu Hause war? Wölfe des Rudels verschwanden, als sie ins Nichts fielen... aber du bist hier, lebendig. Ich kann dich doch berühren.“

Als wolle sie ihre Worte verdeutlichen neigte sie kurz die Nase zum Fell des Weißen, berührte ihn an der Schulte und hob den Kopf dann wieder zurück.

Wie wäre es, wenn du Tyraleen aufsuchst? Vielleicht weiß sie eine Erklärung, hört sich deine Theorien an? Vielleicht weiß Engaya, Banshee, eine Lösung?“

Sanft richtete sie nun den Blick wieder auf die hellen Seelenspiegel des jungen Wolfes.

Nihilus
30.08.2011, 13:32

Wie gerne hätte Nihilus diese seltsame Wölfin kennen gelernt. Kisha war nun schon das zweite, oder sogar dritte Rudelmitglied dessen Stimme bei diesem Thema weich wie Samt wurde. Voller Wärme, als würden sie sich an eine schöne Zeit erinnern, nicht nur an einen verstorbenen Wolf. Die Ohren angelegt, widerrief der Helle jedoch sogleich wieder seine Gedanken: jemandem dem so viele liebe Worte selbst in den Tod hinterher geworfen wurden, musste zu lebendigen Zeiten viel Anklang gefunden haben, Auch wenn es – hoffentlich – jedem Leittier so ging. Die Lefzen zuckend, bemerkte er Kishas Stimme und versuchte diese mit den Worten in Einklang zu bringen.

„Vielleicht hört sie dir ja in diesem Moment zu.“

Bedeutungsschwer hob er die Schnauze zu dem wolkenverhangendem Himmel empor, musste jedoch sogleich schnauben. Na, so war das aber nicht gedacht gewesen! Belustigt schüttelte Nihilus den Pelz, als könne er dem Schnee so Herr werden. Die Vorstellung jetzt grade von unzähligen Geistern beobachtet zu werden war in gewisser Weise ziemlich einschüchternd, zugleich jedoch auch sehr beruhigend; zumindest würde es genügend Zeugen geben, falls ihnen beiden etwas geschah. Also alleine wären sie dann wohl niemals. Die Schnauze kraus gezogen, wollte er seinem Mitläufer grade über diesen Gedanken aufklären, als die Dunkle zu seiner Geschichte überging und dies mit einem verwirrten Blick veranschaulichte – na toll, dann dürfte er sich wohl bald verteidigen müssen. Anstatt zu verstehen, dass sie nur mehr erfahren wollte, interpretierte der Helle eine Abneigung gegen das schreckliche Grau das vor wenigen Jahreszeiten das Tal überflutete in ihren Blick.
Als sie ihn jedoch berührte, verschwand das missmutige Gefühl jedoch schnell wieder. Er war schließlich nicht für das Chaos verantwortlich gewesen, das hier zu dieser Zeit geherrscht hatte.

„Ich weiß es nicht genau. Als das Nichts sich ausbreitete und wuchs, sah ich irgendwann euer Rudel, oder zumindest ein paar wenige Wölfe die vorbei liefen.“ Nihilus stockte für den Moment. Es war solch eins seltsames Gefühl gewesen Gestalten außerhalb sehne zu können, dort draußen im Grünen. Farbenfroh, auch wenn ihre Gesichter weniger Zeugen der Freude, als die der Trauer waren. „Ein Welpe, Krolock, sah mich ebenfalls. Irgendwie gelang es uns miteinander zu sprechen… so erfuhr ich, dass ihr die Wölfe seit die leben. Richtig leben.“ Prüfend wandte er die Schnauze zu der Dunklen, verstand sie ihn? Er hätte es damals nicht begriffen. „Dann geschah irgendetwas. Er..“ , abrupt hielt der Helle inne. Nein. Er durfte nicht sagen, dass Krolock gesprungen war. Das hatte er versprochen und ein Versprechen unter Freunden brach Wolf nicht. „berührte das Nichts und es wich irgendwie zurück, genau so wie vor euch. Ich allerdings durfte bleiben.“

Kopfschüttelnd verengten sich die grauen Augen. Durfte bleiben – Nihilus war einfach geblieben. Obwohl es wahrscheinlich niemals in Engayas Plan vorgekommen war, dass ihr Geschenk des Lebens mal eben selbstständig wurde. Anstatt sich zu bedanken war er voller Dreistigkeit mal eben auf eigener Pfote gelandet – das konnte wohl kaum richtig sein! Obwohl… hieß es nicht immer, dass die gütige Göttin ihre Kinder glücklich sehen wollte? Leise schnaubend sank die Rute ein wenig tiefer. Dann hätte er doch zumindest fragen sollen!

„Ehrlich gesagt… trau ich mich nicht zu ihr zu gehen.“

Ein wenig beschämt neigte der Kopf sich von der Dunklen fort. Nihilus war viel zu dankbar hier im Rudel aufgenommen zu sein und leben zu dürfen, dass er sich nicht in den Mittelpunkt drängen oder gar die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollte. Würde er sich mit seiner Irritation an jemanden wenden würde das nur unnötige Arbeit hervorrufen, oder etwa nicht?

„Ich möchte niemanden stören, verstehst du?“

Kisha
15.09.2011, 14:18

((Is‘ ja schon wieder zwei Wochen her x.x‘‘ Maaah. Ich dachte, es wären ein paar Tage xD‘))

Auf die Worte des weißen Wolfes hin neigte Kisha leicht den Kopf zum Himmel, schloß einen Moment die Augen und atmete ruhig ein und aus. Vielleicht hörte sie ihr zu, vielleicht hörte sie alles, was sie sagten. Nur zu gern hätte die Dunkle Gewissheit gehabt, ob ihre Mutter zu ihnen sah. Wie es ihr dort ging, wo sie nun war. Aber... sie war sich sicher, wenn ihre Zeit gekommen war, und Banshee und sie den Rest der Ewigkeit zusammen hatten, würden sie viel nachholen können. Sie liebte ihr Leben, aber sie konnte es kaum erwarten, wieder die Wärme ihrer Mutter zu spüren. Wenn auch vielleicht nicht auf die Weise, wie es zu Lebzeiten möglich war. Aus den Augenwinkeln erkannte Kisha, dass auch Nihil seinen Kopf zum Himmel gewandt hatte. Sie nickte dem Weißen nur ruhig zu, als sie beide wieder den Kopf gesenkt hatten. Viel mehr kreisten ihre Gedanken nun um die Geschichte des Wolfes bei ihr. So faszinierend es auch klingen mochte – so unglaubwürdig schien es auch zu sein. Aber sie hatte das Nichts selbst gesehen, hatte gesehen, wie sich dieses Tal unter ihren Pfoten neu entwickelt hatte. Wieso sollte es nicht möglich sein, dass Nihils Geschichte wahr war?
Als der weiße Rüde dann erneut zu erzählen begann, neigte die Schwarze den Blick zu ihm herum, lauschte ruhig den Worten des jungen Wolfes. Krolock hatte das Nichts berührt, und es war zurück gewichen. Natürlich... sie alle hatten damals zusammen das Nichts betreten, diese, ihre neue Welt erschaffen. Wieso sollten ihre guten Gedanken nicht auch diesen Wolf vor ihr ins Leben geholt haben?

Ich weiß nicht, wie weit du über dieses Tal Bescheid weißt. Das Nichts zerstörte den Großteil unserer Heimat, und als es verschwunden war, als wir zusammen das Nichts besiegt haben, entstand dieses Tal neu. Durch unser aller Gedanken schufen wir unsere neue Heimat... Engaya kehrte in dieses Tal zurück. Sicher war sie es, die dich in dieses Leben holte.“

Ihre Ohren zuckten leicht durch die frische Luft, und als der Weiße weiter gesprochen hatte, seufzte sie leise. Dann zog sich ein aufmunterndes Lächeln auf Kishas Lefzen, als sie den Blick kurz umher schweifen ließ.

Da brauchst du dir keine Gedanken zu machen. Sie ist Leitwölfin, zudem eine Priesterin Engayas. Wenn du ihr zu ihr gehst, und sie fragst, wird sie dir schon sagen, solltest du stören. Ansonsten wird sie sich sicher Zeit für dich nehmen.“

Kurz zögerte die Schwarze, berührte dann noch einmal das helle Fell des Wolfes mit ihrer Nase.

Wenn du möchtest, kann ich dich auf dem Weg zu ihr begleiten.“

Nihilus
24.09.2011, 16:27

Auch wenn die Gedanken des Hellen um die eigenen Sorgen kreisten, blieb der Blick auf die Fähe vor sich gerichtet, die ebenfalls die Schnauze erhob. Sie schien den Verlust der Mutter zu bedauern, jedoch nicht die Augen von der Zukunft abwandte. Das gefiel Nihilus, der die Ohren bedauernd anwinkelte. Würde er mit der vergehenden Zeit und den aufmunternden Worten Kishas auch sein Problem in den Hintergrund schieben können? Wobei es wohl weniger ein Problem, als die eigenen Selbstvorwürfe waren. Beinahe ablenkend schüttelte sich der Kopf. Hoffentlich, das wäre schön. Die Rute begann sogar sanft zu pendeln, als die Dunkle ihre Zustimmungen fortzusetzen begann.

„Ich habe davon gehört, aber nicht wirklich viel verstanden. Ihr seid einfach so auf das Nichts zugestürmt und es ist vor euch zurück gewichen? Das klingt so unwirklich, nicht vorstellbar.“

Er seufzte leise, um sich ihre Worte noch ein Mal durch den Kopf gehen zu lassen. Der viel zu frühe Winter in dem sie sich derzeit befanden zeugte von der hier herrschenden Magie, oder besser gesagt der Abhängigkeit von den beiden Göttern. Aber besaßen sie, die Wölfe, denn überhaupt keine Macht? Skeptisch schwang der Blick von seinem Gegenüber auf die schneebedeckte Landschaft, während die Gedanken begannen zu kreisen. Waren sie alle in Wirklichkeit nur Spielfiguren?

„Warum verlässt Engaya denn überhaupt ihre Kinder? Warum lässt sie so etwas geschehen?“

Deutlich war heraus zu hören, dass Nihilus sich für seine Skepsis beinahe schämte. Er wollte die Götter nicht anzweifeln, keines Falls. Allerdings wollte er verstehen. Alles verstehen, nicht nur immer das Unfassbare einem Anderen zuschreiben. Und anscheinend wollte sein Geselle ihm helfen dies zu tun, zumindest klang der letzte Satz Kishas danach und veranlasste den Hellen die Ohren neugierig zu spitzen. So selbstverständlich wie sie seine Selbstvorwürfe aussprach klang dies alles so simpel. Fragend, als brauchte er Bestätigung, legten sich die grauen Spiegel wieder auf den dunklen Pelz der Wölfin.

„Hoffentlich war es ihr guter Geist, der mich hier her holte. Es wäre schrecklich sie verärgert zu haben, obwohl ich ihr danken müsste.“ Eine kurze Pause legte sich ein, bevor Nihilus auf den Rat Kishas einging. „Tyraleen kann sich nicht für jedes kleine Problem Zeit nehmen. Und wie es scheint heitert es schon auf mit dir darüber zu sprechen.“

Die Schnauze von seiner Begleitung abwendend, nahm er den langsamen Gang durch den weißen Untergrund wieder auf. Er wagte es nicht sich der Priesterin zu offenbaren, es kostete schon genug Mühe darüber mit Kisha zu sprechen, die ihm wirklich gut zuredete. Mit einem Naserümpfen schlossen sich für den Moment die Augen, bevor der Helle sich wieder zu der kontrastfarbenen Fähe wandte, ein vorsichtiges Lächeln auf den Zügen.

„Danke, dass du dir die Mühe machst mir zuzuhören.“

Kisha
24.10.2011, 14:56

((Oh mein Gott x____X *schweigt lieber* Schlag mich einfach xD’ Ich habe… oh Gott. Dein Post ist so lange her… *schlägt sich selbst schon Mal provisorisch* ^^’’’ … Ich glaube, wir können jetzt auch zum Ende kommen, oder? =) ))

Die braunen Augen blickten Nihilus ruhig an, aus den Augenwinkeln konnte die Schwarze erkennen, wie seine Rute kurz pendelte, dann konzentrierte sie sich wieder auf seine Worte, die sich wieder um das Nichts drehten. Kurz zögerte Kisha, ehe sie vorsichtig nickte. Sie hätte es nicht besser ausdrücken können.

In dem Moment, indem wir gemeinsam das Nichts betraten, entstand diese neue Welt. Das Tal sah vorher ganz anders aus, wir haben es also… mit unseren Gedanken neu gestaltet.“

Sie lächelte, überlegte einen Moment, ehe sie noch Worte hinzufügte.

So unwirklich wie deine Geschichte klingt.“

Nun folgte sie kurz dem Blick des weißen Jungwolfes, ließ ihn kurz über den Schnee schweifen, der sie umgab. Auch bei den Worten Nihilus’ wandte sie den Kopf nicht wieder ihm zu, dachte erst einige Momente über seine Frage nach. Wie konnte sie es ihm am besten erklären? Ihre Ohren schnippten kurz durch die kühle Luft, ehe sich die braunen Augen wieder auf das Gesicht des weißen Wolfes richteten. Sie wartete noch kurz seine nächsten Worte ab, ehe sie dann zu einer Antwort ansetzte.

Ich selbst kann es mir nur so erklären, dass so etwas geschieht, was nicht so sein soll. Wenn jemand Entscheidendes einen Fehler macht, wenn das Gleichgewicht gestört ist. So wie… Tascurios Tod. Das hätte nicht passieren dürfen, und dieser Fehler hat Engaya geschwächt, sie ein wenig von diesem Tal entfernt. Und… du hast Engaya sicher nicht verärgert, sie ist die Göttin des Lebens. Wer hätte dir Leben schenken können, wenn nicht sie? Und danken kannst du ihr, indem du dein Leben lebst, und an sie denkst. Ich bin mir sicher, dass ist ihr Dank genug.“

Sie lächelte, setzt einen Moment aus, ehe sie auf die Worte des Weißen einging, die Tyraleen betrafen. Kurz schüttelte sie den Kopf.

Das höre ich gern. Aber… wenn du noch Zweifel hast, solltest du vielleicht wirklich mit ihr reden. Du kannst ja in Ruhe darüber nachdenken, und einen Moment wählen, indem du dir sicher bist, dass du bereit für dieses Gespräch bist.“

Sie folgte dem weißen Wolf mit den Augen, setzte sich dann auch leicht in Bewegung, erwiderte jedoch den Blick des jungen Wolfes.

Wir sind ein Rudel, eine Familie. Für mich ist es selbstverständlich, die beizustehen. Wenn du wieder reden möchtest, kannst du gern jeder Zeit zu mir kommen.“

Bei ihm angekommen berührte die Schwarze noch einmal seinen Pelz mit der Nase, lächelte ihn still an. Es tat gut, wenn jemand sich einem so anvertraute. Ein wunderbares Gefühl.

Nihilus
26.10.2011, 15:58

Hatten sich die grauen Spiele noch vor kurzem in der weißen, schieren Unendlichkeit des Rudelplatzes verloren, schwankten sie langsam zurück auf Kisha, die zu einer weiteren Erklärung auf seine Frage ansetzte und ihn damit wortwörtlich umwarf: die Ohren nach vorne gespitzt, musste sich der Hell erstmal gleich auf die Hinterhand nieder lassen, um über das Beispiel der Dunklen nachzudenken. Engaya verlor an Kraft, wenn etwas aus dem Gleichgewicht geriet? Es klang logisch, auch wenn es alles andere als ein greifbarer Fakt war. Der Winter war eingesetzt nachdem Tyraleen ihren Sohn… verloren hatte – Nihilus meidete das Wort „getötet“ – und schien auch jetzt keine Anzeichen zu geben, dass die Sonne bald wiederkommen sollte.

„Dann ist die Welt im Moment auf der schlechten Seite? Etwas so Gutes – oder Schlechtes – um die Götter zu schwächen oder zu stärken… das scheint unmöglich.“

Fragte er vorsichtig nach, ohne wirklich seine eigenen Worte begreifen zu können. Aber könnten sie denn das Gleichgewicht wieder zurück bringen? Mussten sie Fenris ebenfalls schwächen, oder Engaya einfach mehr Kraft geben? Ein leises Seufzen verließ den jungen Fang. Sie waren nur Wölfe. Ein kleiner Teil des Ganzen. Sie konnten nicht viel ändern, zumindest dachte Nihilus das, auch wenn er ansonsten recht optimistisch war.
Nagut, heute war er sowieso ziemlich durch den Wind, schließlich belästigte der Nichtwolf seine Begleitung schon den ganzen Tag mit seinen Fragen und Befürchtungen, ohne sich wirklich ihr anzunehmen – auch wenn ihre Geschichte ihn wahrlich interessiert und verblüfft hatte – oder daran zu denken, dass sie etwas bessere vorhaben könnte. Daher schmunzelte er dankend, als Kisha ihm abermals gut zusprach und versicherte, dass er keine Schuldgefühle tragen musste. Verlegen zuckten die Lauscher nach hinten, den Blick zur Seite gewandt.

„Ich möchte deinen letzten Worten nur zu gerne Glauben schenken, danke.“

Murmelte er zur Seite hinweg. Natürlich blieben die Zweifel in seinem Inneren bestehen, aber dennoch legte sich ein seltsam beruhigendes Gefühl in der jungen Brust nieder, als wäre ihm ein schwerer Stein genommen worden. Hach, herrlich war das, wirklich. Ein vorsichtiges Lächeln galt der Dunklen, bevor Nihilus demonstrativ den Pelz schüttelte und seine Begleitung in die Seite knuffte, auch wenn ihm kaum danach zu Mute war, sich zu bewegen. Die Rute etwas zu heftig, als wäre es aus tiefsten Herzen, schwenkend, trabte er ein paar Schritte voraus und tunkte die Schnauze in den weißen Untergrund, bevor er einige Flocken zu Kisha warf, als wollte er sie auffordern die schweren Gedanken bei Seite zu schieben.

„Dann lass uns versuchen glücklich zu sein, Spaß zu haben und Engaya damit eine Freude bereiten. Vielleicht sitzt sie ja irgendwo da oben und lacht über uns.“ Beschwörerisch flog der Blick ein Mal zum Wolken verhangenden Himmel. „Und was gibt es schon stärkeres als ein ehrliches Lachen?“, fragte er ohne eine Antwort zu erwarten.

Kisha hatte ihm heute so viel Last von den Schultern genommen, da wollte er sich auf irgendeine Weise bei ihr bedanken, und wenn es nur ein amüsanter Nachmittag wäre, der sie von der allgegenwärtigen Schwäche der Wölfe – zumindest von einigen – ablenkte.



(Ende? x3)