Chanuka
08.01.2011, 23:02

Mit neuem Mut und allen guten Tipps, die ihm Malakím gegeben hatte, marschierte Chanuka an diesem Morgen der Spur nach, die seine Mutter kürzlich hinterlassen hatte. Er hatte sich in seiner Haltung ein wenig aufgerichtet, wahrscheinlich um sich selbst davon zu überzeugen, dass er konnte, was er nun vorhatte. Er hatte Tyraleen seit Tascurios Tod nicht gesprochen und entschieden, sich nicht länger drücken zu wollen. Außerdem hatte er mit Caylee den Packt geschlossen, als gutes Beispiel voran zugehen. Und das wollte er. Das würde er.
Er merkte nicht, wie er mit jedem Schritt kleiner wurde, den er näher kam. Gedanklich versuchte er sich auf das Gespräch vorzubereiten und überlegte hin und her, wie er am besten ausdrücken sollte, was er dachte und fühlte. Er wollte niemanden verärgern. Aber es ging hier auch nicht nur um ihn. Es ging um seine ganze Familie. Und er durfte keine Fehler machen. Es waren schon genug Fehler gemacht worden.
Es war nicht einfach. Schon gar nicht für ihn, auch wenn er das Gefühl hatte, dass er die Sache nicht so sehen durfte. Niemand aus seiner Familie hatte ihn je abgelehnt, nachdem er sich ihnen genähert hatte und auch wenn er immer um das dünne Band fürchtete, so vertraute er gleichzeitig darauf, dass es nicht so leicht reißen konnte.
Vorsichtig lugte er an einem Baum vorbei, in der Erwartung, seine Mutter dahinter vielleicht zu entdecken. Als er sie dann sah, zuckte er zusammen, als wäre er auf diese Begegnung nicht vorbereitet gewesen. Tief durchatmend, trat er an dem Baum vorbei auf Tyraleen zu.

Tyraleen
08.01.2011, 23:23

Der Weg vom Himmelsfelsen zurück zum See kam Tyraleen länger vor, als sonst. Sie hatte nicht vor den Rudelplatz aufzusuchen und fühlte sich doch mit jedem Schritt näher zu ihm immer unwillkommener. Irgendwann würde sie sich allem stellen müssen, aber noch nicht jetzt. Nicht heute. Irgendwann merkte sie, dass ihr jemand folgte, nicht weil der Wind ihr den Geruch zutrug – er kam aus der falschen Richtung – sondern aus reinem Instinkt. Erst wurden ihre Schritte langsamer, dann blieb sie ganz stehen und wandte sich um. Es dauerte nicht lang, da konnte sie den Verfolger wittern, er musste ihr mittlerweile sehr nahe sein. Es war Chanuka. Unsicher drehten sich ihre Ohren zunächst nach hinten, dann nach vorne und blieben schließlich leicht angewinkelt stehen um nach kurzem Nachdenken wieder nach vorne zu schnippen. Was auch immer sie nun erwarten würde, sie war froh, dass ihr Sohn zu ihr kam. Schon im nächsten Moment tauchte sein dunkles Gesicht hinter einem Baum auf und zuckte leicht zusammen, als wäre er nicht darauf vorbereitet gewesen, sie zu sehen. Trotzdem kam er gleich darauf hervor und trat auf sie zu, erinnerte dabei an Atalya, wie sie unsicher zu ihr gekommen war. Tyraleen versuchte sich an einem Lächeln.

“Hallo Chanuka.“

Chanuka
08.01.2011, 23:34

Chanuka trat an dem Baum vorbei und direkt auf seine Mutter zu, die stehen geblieben war. Sie grüßte ihn und er spürte die Anspannung zwischen ihnen. Sie lächelte und er wollte so gerne wissen, wie es ihr ergangen war. Sie wusste, dass er und Turién sie gesehen hatten, oder? Er wusste plötzlich wieder zu genau, wieso er nicht wütend sein konnte. Es tat weh, sich in sie hineinzuversetzen. Sie hatte das schließlich nicht so gewollt. Aber sie hatte es getan.

„Hallo Tyraleen.“

Antwortete er kleinlaut. Sein Blick wanderte auf seine Pfoten, auf der Suche nach dem Mut, der ein paar Schritte zuvor noch dafür gesorgt hatte, dass er sich groß fühlte und ein bisschen erwachsener als sonst. Jetzt war er wieder ein kleiner, hilfloser Welpe, der überhaupt keine Ahnung hatte, wie er das Gespräch anfangen sollte. Also machte er es sich ganz einfach. Er schwieg.
Mit gezielten, wenigen Schritten war er direkt bei seiner Mutter und drückte sich in ihren Pelz, einfach weil ihm danach war und weil er sich das Recht herausnahm, sich diese Zeit nehmen zu dürfen. Die Worte würden schon kommen.

Tyraleen
09.01.2011, 00:03

Tyraleen wusste nicht, wie sie den Gesichtsausdruck ihres Sohnes deuten sollte. Er wirkte angespannt, aber auch Fragen lagen in seinem Blick und seine Stimme war unsicher, beinahe verschüchtert. Er schien keine Worte zu finden, vielleicht wollte er auch einfach, dass sie begann. Aber auch sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie hatte keine Ahnung, was in seinem Kopf vorging und was er nun von ihr dachte.
Einige Momente standen sie sich so schweigend gegenüber, Chanukas Blick war zu Boden gerichtet, ihrer lag unsicher auf ihm. Dann bewegte sich der Schwarze plötzlich sehr präzise, war an ihrer Seite bevor sie mit den Gedanken hinterher gekommen war und schmiegte sich in ihren Pelz. Zunächst stand sie stocksteif da, vollkommen verblüfft. Mit einer so unmissverständlichen Zuneigung hätte sie nicht gerechnet, war viel eher von kühle Distanziertheit ausgegangen, wenn nicht sogar schlimmer. Sicher, Chanuka war kein Wolf, der schnell verurteilte, er machte sich viel eher über alles hundert Mal Gedanken um dann noch immer nur zu wissen, ob er richtig lag - aber er hatte es doch gesehen. Er war doch dabei gewesen, er hatte doch … Die Starre löste sich, sie erwiderte den zärtlichen Druck und legte dann sanft ihren Kopf auf die Schultern ihres Sohnes. Auch wenn sie nun in einer gänzlich anderen Situation, als vor wenigen Momenten war, fielen ihr noch immer keine Worte ein. Jetzt noch weniger, als zuvor. Er würde auch so ihre Erleichterung spüren und wissen, dass er sich alle Zeit der Welt für seine Worte nehmen konnte. Die Nase leicht im schwarzen Fell vergraben schloss sie die Augen und genoss stumm den innigen Moment, beinahe ängstlich dass er nach einem Gespräch gänzlich verfolgen sein könnte.

Chanuka
01.02.2011, 16:06

Chanuka saß eine Weile an der Seite seiner Mutter und ließ seinen Kopf an ihren Hals gelehnt. Ihm fehlte jeglicher Ansatz für ein Gespräch und obwohl er sich soviel zu Recht gelegt hatte, wusste er plötzlich nicht mehr, was er hätte sagen können.

"Warum warst du so sicher, ihn töten zu müssen?"

Er sah zu ihr hinauf. Ihm war absolut nicht danach, mit ihr über die Moral dieser ganzen Sache zu reden. Er wollte es verstehen, aber er fürchtete sich so sehr vor der Antwort, dass er die Frage kaum über die Lefzen gebracht hatte.

"... was wird nun aus uns... und unserer Familie?"

Natürlich wusste er, dass sie das auch nicht wirklich sagen konnte. Aber er wollte auch eher wissen, wie wütend sie noch war und wie sehr sie das Verhalten der anderen verletzt hatte. Es kam ihm vor als wisse er nichts mehr über sie, als kenne er sie nicht mehr. Das Band zwischen ihnen war sowieso viel zu dünn, dafür dass sie eigentlich seine Mutter war.

"Du wirst nicht weggehen, oder?"

Tyraleen
25.02.2011, 15:31

Natürlich kam irgendwann der Moment, in dem die Stille und der innige Moment vorbei waren und sie das Gespräch, das ihnen beiden nicht leicht fallen würde, führen mussten. Chanuka begann es mit einer Frage, auf die Tyraleen kaum antworten konnte. War sie sich denn sicher gewesen? Es war alles so schnell gegangen … hauptsächlich konnte sie sich an grenzenloses Entsetzen erinnern, kaum an Gewissheit.

“Ich war mir nicht sicher. Ich war nur so erschrocken, so entsetzt und ich habe mit jeder Faser meines Körpers gewusst, dass ich Averic nicht verlieren wollte.“

Ironischerweise war natürlich genau das passiert. Wie sollte es auch anders sein, wenn Fenris seine Pfoten im Spiel hatte? Sie war dumm gewesen, so dumm. Enttäuscht, vor allem über sich selbst, erwiderte sie den unsicheren Blick ihres Sohnes.

“Wir bleiben eine Familie. Nur weil deine Eltern sich nicht mehr lieben, lieben sie dich und deine Geschwister nicht plötzlich weniger.“

Seine nächste Frage erstaunte sie. Darüber hatte sie nie auch nur eine Sekunde nachgedacht. Weggehen … das kam nicht in Frage. Hier war ihr Leben und nirgendwo anders.

“Nein, das kann ich nicht. Ich habe deiner Großmutter versprochen, ihr Rudel zu führen.“

Chanuka
03.05.2011, 15:50

Chanuka betrachtete seine Mutter und nickte zu ihren Worten. Er konnte es verstehen, obwohl er es Tascurio gegenüber ungerecht fand. Sein weißer Bruder hatte es einfach nicht verdient gehabt. Andererseits war er unschlüssig, ob er nicht vielleicht nur so dachte, weil er mehr wusste, als alle Anderen. Es gab überhaupt kein richtig und falsch in dieser Frage. Aber außer ihm würden das wohl die wenigsten je verstehen. So gesehen konnte er nur hoffen, dass ihre Wut abkühlte und irgendwann verebbte.

"Aber es ist ja nicht einmal nur, dass sich meine Eltern nicht mehr lieben... sie sind auch noch so schrecklich wütend auf einander und können sich nicht verzeihen! Was soll da aus der Familie werden?!"

Er tat seinen Unmut kund, ohne ihr einen direkten Vorwurf machen zu wollen. Für ihn war es, wenn er genau darüber nachdachte schlimmer, dass sich seine Eltern nie mehr vertragen konnten, als hinzunehmen, dass sie sich nicht mehr liebten.

"Unsere Familie war doch irgendwie ein Kreis, ohne Lücke, meine ich... aber jetzt ist es so, als wären Averic und du irgendwo außerhalb und wir anderen schweben haltlos zwischen euch."

Ungekonnt versuchte er ihr zu schildern, wie er fühlte und was er dachte, während sie ihm schließlich die Sorge nahm, dass sie gehen würde. Das würde sie nicht. Er war froh und besorgt zu gleich, was dies zu bedeuten hatte. Niemand wusste es und er fürchtete sich vor dieser Ungewissheit. Nie hatte es ihm mehr Angst gemacht, etwas nicht herausfinden zu können, egal wie sehr er darüber nachdachte.

"Und wie geht es nun weiter?"

Tyraleen
07.06.2011, 10:38

Warum Chanuka als einer der wenigen so ruhig und verständnisvoll war, konnte sich Tyraleen nur schwer erklären. Sicher hing es auch mit seinem besonnenen Charakter zusammen, doch er schien ihre Erklärung tatsächlich anstandslos hinzunehmen – ohne wenn und aber. Das hätte sie von einem Jungwolf nicht erwartet, immerhin ging es hier um seinen Bruder. Aber die Weiße fragte nicht nach, war nur stumm beinahe stolz auf ihren Sohn, der sich nicht von dem wütenden Gefauche der anderen anstecken ließ. Und der sie verstand, zumindest hoffte sie das.

“Niemand sagt, dass wir uns nie verzeihen werden. Ich bin Engaya verschrieben, ich werde verzeihen. Aber das braucht Zeit. Noch sind die Ereignisse so nahe und die Enttäuschung und Wut steckt sowohl in Averic als auch in mir noch tief drinnen. Wenn wir es schaffen, sie hinter uns zu lassen – und das wird sicher irgendwann geschehen – können wir uns auch verzeihen.“

Tyraleen wusste, dass es so kommen würde – es musste so kommen – doch in diesem Moment schien es ihr selbst beinahe unmöglich. Averic verzeihen; dem Averic, der sie so sehr enttäuscht hatte. Es würde tatsächlich Zeit brauchen, bis sie dazu fähig war.

“Eigentlich waren wir nie ein Kreis ohne Lücke. Amúr zum Beispiel ist fortgewandert um die Welt zu entdecken. Hinterließ sie keine Lücke? Natürlich fühlen wir uns jetzt erst einmal alle verloren – haltlos. Aber es wird sich normalisieren, wir werden auf einem neuen Boden landen. Ein anderer Boden, aber anders ist nicht gleich schlechter.“

Die Angst in seiner Stimme verstörte die Weiße, kein Wolf sollte die Zukunft fürchten. Auch wenn sie momentan so düster aussah.

“So wie immer. Wir leben gemeinsam in diesem Tal und wenn der erste Schock Vergangenheit ist, wird auch der Streit vergehen.“

Hoffentlich.


((Wenn du magst, kannst du noch einen Abschlusspost schreiben und dann verschiebe ich das? Oder hast du noch ein Thema, über das Chan sprechen will?))

Chanuka
07.06.2011, 13:00

Chanuka durchdachte die Worte eine Weile, die seine Mutter an ihn gerichtet hatte. Sie war bereits sicher, Averic irgendwann zu verzeihen. Es schien für sie völlig außer Frage zu stehen, dass die Wut einst abgekühlt sein würde. Aber wenn sie das so genau wusste, wieso musste dann erst Zeit ins Land ziehen?
Er fragte nicht danach. Jedenfalls heute würde er sich nicht mehr danach erkundigen. Erst einmal, wollte er genauer darüber nachdenken, was das bedeutete. Und er fragte sich, wie sein Vater zu dieser Sache stand. Sah er all dies ebenso optimistisch.

„Das ist etwas anderes. Sie wird ihr Glück machen… sie ist zwar fort, aber irgendwie doch da. Und sogar Tascurio, der nicht mehr ist, lässt einen Platz, aber einen, um den man sich schließen kann.“

Aufmerksam sah er Tyraleen an. War sie so zuversichtlich, weil sie glaubte, ihm gegenüber so sein zu müssen? Als Mutter und Ältere? Er wusste es nicht, aber er nickte zustimmend, als teilte er die Hoffnung mit derselben Selbstverständlichkeit.


((so, Abschluss :) ))