24.12.2009, 19:46
Der Winter hatte sich endgültig zurückgezogen, jede Kälte und jede Schneeflocke war verschwunden, alle Wolken vom Himmel gewaschen, rein und im leuchtenden Frühlingsschimmer stand die Sonne am Firmament. Es war ungewöhnlich warm für den Frühling, wie schon der nicht sehr kalte Winter erahnen hatte lassen. Die Bäume standen in voller Blüte, überall roch es süßlich nach Freude ... kurz, die Welt und das ganze Tal freute sich über die Sonne und tauchte alles in einen rosa-roten Blütenschimmer. Passend dazu waren die Welpen geboren worden, einen Monat war das nun her, schon aus der Höhle gekrochen halten sie das Rudel auf Trab und tragen ihren Teil zum Glück bei. Das Rudel hatte sich am Rudelplatz zusammengefunden, teilweise im Schatten der Bäume dösend oder auch im See planschend. Eine friedliche Atmosphäre umgibt das ganze, die Welt scheint in Ordnung.
Banshees Augen lagen ruhig auf ihrem Rudel. Das Gras um sie herum spielte sanft mit ihrem weißen Fell, der Wind trug ihr den süßlichen Duft der Blumen und all die bekannten Gerüche der anderen Wölfe zu. Sie sah aus, als würde sie dösen, war aber hellwach. Jede Sekunde konnten sich die Welpen regen und schon würde sie auf allen Vieren stehen, bereit sie von Dummheiten abzuhalten. Es waren Fünf ... eines war bei der Geburt gestorben. Es hatte geschmerzt, aber sie hatte es akzeptiert wie sie jeden Tod zu akzeptieren hatte. Ihre tote Tochter hatte der Fluss mitgenommen, sie in die ewigen Hallen getragen, wo sie auf sie alle warten würde. Banshee hatte kaum Gedanken an jene Tochter verschwended, die Lebenden mussten beschützt, geliebt, umsorgt und verhätschelt werden und wie schon im letzten Jahr widmete sie sich dieser Aufgabe voller Hingabe. Jetzt war sie ein wenig erfahrener, bei ihrem ersten Wurf war sie oft zu nächlässig gewesen. Alle sechs lebten aber noch, eine äußerst ungewöhnliche Bilanz, und waren nun stolze Jungwölfe. Ein seltsames Gefühl seine kleinen Welpen so loslassen zu müssen, möglicherweise würden einige bald fortziehen und sie hatte es zuzulassen. Dabei hatten sie schon Hanako, Hidoi und einige ihrer Welpen verlassen ... es war nicht schön gewesen, besonders in Hanako hatte sie eine Freundin gefunden, aber wie immer hatte sie sich schweigend ihrem Schicksal ergeben.
Ruckartig setzte sie sich auf, sie war wieder zu gedankenverloren, würde möglicherweise jetzt noch beginnen, sich selbst leid zu tun. Mit langsam Schritten tappte sie auf eine Ansammlung von Wölfen zu und lächelte ihnen zu.
"Guten Morgen, meine Lieben."
Ihr Blick lag ruhig auf ihren Welpen, noch immer war sie bereit, auf jede ihrer Bewegungen zu reagieren, auch wenn sie äußerlich so ruhig wirkte. Es war anstregend Mutter zu sein, aber sie liebte es.
Die weiße Betafähe ließ mit halb geschlossenen Augen die Sonne auf ihr Haupt scheinen. Das kühlende Gras unter ihrem Bauch kitzelte sie leicht und ließ sie noch etwas freudiger aussehen. Völlig im Reinen mit sich und der Welt blickte Ayala auf die Wollknäuel, die vor ihr über den Waldboden purzelten. Wobei man wirklich zugeben musste, dass sie inzwischen erstaunlich gewachsen waren … Die Weiße dachte zurück an die Geburt. Diesmal hatte es keine großen Komplikationen gegeben und sie war dabei gewesen. Von Anfang an hatte sie sich mit diesem Wurf irgendwie verbundener gefühlt als mit dem letzten. Sie schaute wieder zu den Kleinen, warm lächelnd, und hob den Blick zu ihrer Blutsschwester, als diese gerade ansetzte zu grüßen.
„Guten Morgen, Banshee.“
Ein viel sagender Blick ging von Ayala aus, sie erhob sich kurz, als einer der Welpen auf sie zugepurzelt kam, um ihn sanft mit der Schnauze anzustupsen und in die Richtung der anderen zu lenken. Er fühlte sich angenehm weich und flauschig an, sein Fell wirkte zerzaust und stand in alle Richtungen ab. Nochmals breitete sich auf Ayalas Gesicht ein Lächeln aus.
Dann legte sie sich wieder nieder und ließ ihren Blick über die anderen Wölfe gleiten, bis sie Leyla sah, die unweit von ihr ebenfalls im Gras lag. Die Fähe wägte kurz ab, was sie am besten tat. Ohne jedoch wirklich auf eine Lösung gekommen zu sein, drehte sie ihren Kopf leicht nach rechts, sodass Leyla sie gut hören konnte.
„Na, Leyla, was meinst du? Wer ist der Goldigste?“
Mit diesen Worten schaute sie wieder auf die Welpen und dachte selbst über eine angemessene Entscheidung nach – es war wirklich schwierig … an jedem war etwas, das sie auf eine Art und Weise unvergleichlich schön fand und jeder besaß zugleich etwas herrlich Naives.
Daylight steckte witternd das kleine Schnäuzchen ins Gras, ein Schmetterling hatte ihre Interresse geweckt. Sie drückte den Bauch ins nach Blumen duftende Gras und schlich auf das kleine Geschöpf zu, dessen samtene Flügel das Sonnenlicht einfingen und wunderbar funkelten, genau wie Daylights Fell, das im warmen Licht rotgolden schimmerte. Der Schmetteling bewegte die Flügel und die Welpin schnellte hervor, nicht wissend, dass das sonderbare Wesen tatsächlich fliegen konnte. Als sie das Insekt gerade erhaschen wollte erhob es sich flatternd in die Luft und sirrte in Richtung des azurblauen Himmels davon.
Daylight schaute ihm verblüfft nach, in ihren goldenen Augen erschien ein ungläubiger Ausdruck. Einen Moment blieb sie reglos, dann jagte sie dem Geschöpf mit tollpatschigen Sprüngen nach, wobei sie immerwieder das Gleichgewicht verlor und durch das Gras kullerte, bis sie schließlich einsah, dass sie es mit einem geflügelten Wesen nicht aufnehmen konnte.
Entäuscht kehrte sie zu ihrer Mutter zurück:
"Du, Mama? Wieso kann dieses komische Wesen in der Luft laufen? Wieso können wir das nicht?
Ich möchte auch dort oben die Luft erkunden und schauen was über den Wolken ist!"
Ihre Stimme klang unternehmungslustig und neugierig. Einen kurzen Augenblick glitt ihr Blick zum wolkenlosen Himmel, dann schaute sie wieder ihre Mutter an, gespannt auf die Antwort, die sie für die wissbegierige Welpin bereit haben würde.
Parveen lag auf dem Platz und betrachtete ihre Geschwister mit wachsamen und ruhigen Augen. Jetzt, wo sie alles viel mehr verstand und wo sie doch so gut heran gewachsen war, da machte es sie glücklich zu sehen, dass sie auch einmal so klein gewesen war. Sie war auch neugierig gewesen, hatte vieles vielleicht nicht verstanden, Parveen konnte heute nur darüber Grinsen. Nun war es an der Zeit, diese kleinen Wesen zu schützen und ihnen bei der Aufzucht zu helfen. Parveen beobachtete den im Moment so ruhigen Wurf eingehend, sie wollte ihrer Mutter gerne eine Hilfe sein, auch wenn dies vielleicht nicht immer zu ihr passte. Ja – ein Jahr war vergangen und Parveen hatte ihren Weg gefunden. Sie wollte ihre Mutter nicht verlassen, sie mochte das Rudel, ihre Familie, die nun so groß war, aber sie ging eben ihren Weg, sie war ein wenig von der Einsamkeit gefangen genommen worden, aber sie mochte es. Die Momente, in denen sie allein war, waren ruhig, sie wollte sich umwogen von Flammen der Lust, der Freude…viele Emotionen mischten sich im Herzen dieser kleinen Fähe. Sie war nun ein Jahr alt, nun begann sie ihr Leben richtig zu leben. Ihre Mutter bewegte sich – dennoch immer aufmerksam – auf eine Ansammlung von Wölfen zu, das schwarze Fell der Jungwölfin wiegte sich kurz in einer sanften Brise, dann erhob sie sich auch und tapste seelenruhig auf ihre Mutter zu, der gerade von Ayala geantwortet wurde.
„Guten Morgen Mutter, Guten Morgen Ayala.“
Parveen lächelte, sie war erwachsen geworden, vielleicht konnten es die einen oder anderen noch nicht fassen, so naiv, wie sie doch gewesen war, aber das war Vergangenheit.
„Der Tag ist wundervoll…“
Lächelte sie, ihre Leftzen bildeten ein Lächeln. Parveen beobachtete eine Weile Ayala, wie sie den Welpen hütete, auch bei dieser Fähe konnte sie sich vorstellen, dass sie eine gute Mutter sein würde, aber Parveen dachte an vieles, jetzt, wo sie endlich dazu bereit war. Als die kleine Daylight zu Banshee tapste, sah Parveen freudig zu ihrer Mutter auf. Daylight war so klein, so niedlich, wie alle anderen auch.
„Unglaublich…ich war auch mal so klein…“
Kicherte Parveen dann zu ihrer Mutter, stupste sie glücklich an und lächelte sie stolz an. Ihre Mutter war eine tolle Mutter - die tollste Mutter, die ein Welpe haben konnte.
Banshees Blick wanderte langsam zu Ayala, als die ihren Kopf hob und aus der Ansammlung von Wölfen mit einem ihrer vielsagenden Blicke hervortrat. Die weiße Leitwölfin erwiderte das Lächeln ihrer Schwester und ließ dann ihre Augen auf die weiße Fähe neben Ayala gleiten. Leyla … die Weiße war noch immer seltsam, anders als die anderen Fähen im Rudel, aber immerhin kümmerte sich Ayala um sie, was Banshee ihr sehr dankte. Sie selbst hatte auf die Welpen zu achten, sie würde sich nicht auch noch um die zurückhaltende Leyla kümmern können. Ayala jedoch schien gut mit ihr zu Recht zu kommen, ihre arglose Frage war zwar nicht weiter wichtig aber sie würde Leyla sicher immer mehr helfen, sich zugehörig zu fühlen. Bevor noch weitere Worte fallen konnten, purzelte einer der Welpen hervor und jagte einem Schmetterling hinterher. Daylight war eine aufgedrehte kleine Fähe, Kisha war ihr sehr ähnlich. Mit einem Lächeln zu Ayala wandte sich Banshee wieder ab und trat inter Daylight her, die jedoch schon wieder angesprungen kam. Ihre Frage weckte in Banshee ein tiefes Glücksgefühl, es gab so viel ernstes auf dieser Welt und in letzter Zeit war sie so oft damit konfrontiert worden … diese Sorglosigkeit und die einfachen, naiven Fragen ihrer Welpen machten sie glücklicher als alles andere. Ihre weiße Schnauze senkte sich langsam zu dem braunen Fell ihrer Tochter und fuhr einmal sanft über den noch so zerbrechlichen Rücken.
“Das war ein Schmetterling und alle Schmetterlinge können fliegen. Sie haben Flügel, winzig kleine, aber sie tragen sie in der Luft. Wir dagegen haben dafür vier Läufe, mit denen wir so schnell rennen können, dass es sich anfühlen kann, als würden wir fliegen.“
Ihre Nase berührte die winzige Stirn der Welpin, dann wies sie mit der Schnauze in die Ferne, auf das gegenüberliegende Seeufer, hinter dem sich groß und mächtig das Gebirge des Sternensees erhob.
“Vielleicht gehen wir irgendwann mal auf die Berge dort, die man im Dunst erkennen kann. Von dort aus kannst du über die Wolken blicken und höher in den Himmel blicken, als irgendwo sonst.“
Sie selbst war nicht oft dort oben gewesen, es war ein nicht gefahrloser Ort, besonders unbekannt und für Wölfe eher ein Risiko. Dennoch hatte er Acollon und ihr in einer regnerischen Nacht Zuflucht geboten und eines Tages mit ihrer Tochter dorthin zu gehen, stellte sie sich schön vor. Parveen war neben ihr aufgetaucht und Banshees Blick wanderte ebenso warm wie er zuvor auf Daylight gelegen hatte, zu ihrer älteren Tochter. Sie war zu einer Jungwölfin herangewachsen, noch immer wunderschön und mit dem kleinen Stern auf der Stirn, es kam ihr fast so vor, als wäre sie noch immer der hilflose Welpe. Aber natürlich war sie das nicht, ihr Körper reifte immer mehr heran, Banshee war stolz auf sie.
“Ja, die Zeit vergeht … Daylight, das ist deine große Schwester Parveen.“
Mit einem sanften Stupser lenkte sie die Aufmerksamkeit ihrer kleinen Tochter auf Parveen, Banshee hatte noch nie zuvor ihre beiden Würfe miteinander konfrontiert, sie wusste nicht, ob es zwischen Geschwistern, zwischen denen ein Jahr lag, Eifersucht oder ähnliches gab, aber sie wünschte sich von Herzen, dass alle ihre Welpen sich gut verstehen würden.
Tyraleens Atem ging gleichmäßig, bis vor kurzem hatte sie geschlafen, bis eben etwas Bewegung in die Wölfe um sie herum gekommen war und die ersten Unterhaltungen begonnen hatten. Jetzt waren ihre kleinen, noch schwarzen Augen noch immer geschlossen, stumm lauschte sie der Frage der weißen Wölfin Ayala, die ihrer Mutter sehr nahe stand und dann der hohen Stimme ihrer Schwester Daylight. Sie mochte es, einfach da zu liegen und zuzuhören, dennoch floss auch in ihr das Welpenblut, das zumindest teilweise bewirkte, dass sie nicht die ganze Zeit still da liegen konnte. Schon schlug sie ihre kleinen Knopfaugen auf und sah sich um. Ihre Mutter, Daylight und ihre ältere Schwester, deren Namen sie sich nicht merken konnte, standen beieinander, Ayala und eine andere weiße Fähe beobachteten ihre Geschwister. Sie mochte das Rudelleben und doch wollte sie nicht einfach zu ihrer Mutter gehen. Sie war schön, sie war groß, sie war stark und sie war so sanft und wissend, aber trotzdem konnte Tyraleen es nicht ertragen, von ihr berührt zu werden, ihrer Stimme zu lauschen, ihren Atem zu spüren. Sie liebte ihre Mutter, natürlich tat sie das … aber gleichzeitig wünschte sie sich doch, eine andere Mutter zu haben, jemand nicht so wie sie.
Sachte pustete sie den Grashalm vor sich an und hob dann den Kopf, Stillliegen war nicht mehr möglich. Auf unsicheren Welpenbeinen tat sie ein paar Schritte und sah sich dann erneut um, sie wusste schon, zu wem sie wollte, auch wenn sie ihn noch nicht entdeckt hatte. Face Taihéiyo … ihre Mutter hatte gesagt, er würde mit ihr zusammen auf sie aufpassen und er hatte ihr ihren Namen gegeben … Sie hatte ihn angesehen und das erste, was sie gedacht hatte, war … Er ist anders. Er sah schon so anders aus als sie oder ihre Mutter. Tief schwarzes Fell und blaue Augen und dann war er auch so anders. Tyraleen hatte fast ein wenig Angst vor ihm, gleichzeitig zog es sie zu ihm hin, er war ja auch ihr Pate, sie durfte doch zu ihm gehen … oder? Endlich hatte sie ihn entdeckt, er lag abseits, nicht so wie ihre Geschwister oder ihre Mutter … nein, er war alleine. Sie wollte mit sicheren Schritten zu ihm gehen, tapste dann aber doch ein wenig schwankend zu ihm hin, dabei wollte sie das gar nicht. Sie ging ganz nahe zu ihm, wollte ihr richtig erkennen, blieb erst stehen, als seine schwarzen Pfoten ihre weißen Pfötchen berührten …
“Face Taihéiyo …“
Sie sah ihn interessiert, aber nicht mit dieser welpischen Neugierde an, erstaunt über sich selbst, wie gut sie seinen Namen behalten hatte und aussprechen konnte. Es war fast eine Frage gewesen, vielleicht auch eine Aufforderung, trotz ihres, für einen Welpen, sicheren Auftretens, wusste sie nicht, was sie zu ihm sagen sollte. Er war erwachsen, die Großen wussten immer etwas zu sagen. Und sie wollte so gerne, dass er etwas sagte, mit ihr sprach. Er war doch ihr Pate … was auch immer das hieß.
Er war ein Idiot. Kurz und knapp gedacht, aber es war so. Worauf hatte er sich da nur eingelassen? Was hatte ihn nur vor den paar Tagen dazu gebracht, einer Patenschaft zu zustimmen?! Er! Ein Toter! Daran war ganz allein Cloud schuld ... dieser miese, kleine Indianerjunge!
Face Taihéiyo lag wie eh und je abseits von den anderen Wölfen, warum er überhaupt noch hier war, hatte er in seinen Gedanken ja bereits geklärt. Der Tod war hier Zuhause. Trotzdem befand er sich für seine Verhältnisse noch recht na an dem Rudel, auch wenn das nur gezwungener Maßen war. Der Tiefschwarze erinnerte sich noch genau, wie er vor ein paar Monaten Hiryoga aus dem Loch befreite und ihm zu seiner Mutter zurück brachte. Dann hatte er sich wieder eine Weile in der Nähe des Wolfpacks aufgehalten und als die Welpen geboren wurden hatte er eigentlich wieder flüchten wollen. Doch Banshee, die Leitwölfin, hatte ihn dann tatsächlich gefragt, ob er die Patenschaft eines Welpen übernehmen wollte! In diesem Moment hatte er daran gezweifelt, ob sie wirklich schon eine Ahnung hatte, was mit ihm los war. Jemand lebloses sollte einem Welpen Liebe, Wärme und Geborgenheit schenken? Diese Worte hatten so geschmerzt, so verdammt geschmerzt, selbst als Lebender hatte er sowas nicht gekannt. Wie sollte er also solch fremdartigen Gefühle abgeben? Hätte er gekonnt, hätte Face wohl jetzt die Lefzen zu einer verzerrten Grimasse gezogen. Auch damals hatte er sich nicht geregt und die Weiße bloß eine Weile stumm angeschaut. Um ihn herum war immer nur Clouds Gesicht gewesen, dass hämisch lachte und seine Stimme die immer wieder sagte:
( „Du musst nein sagen, das kannst du nicht! Das kannst du alles nicht! Du bist tot, vergiss das nicht! Du bist tot, tot, tot!“ )
In diesem wahnsinnigen Affekt hatte er dann einfach ja gesagt. Und nun bereute er es. Für so eine Aufgabe war er weder geeignet, noch in irgend einer Weise geschaffen ... Jetzt ließ es sich leider nicht mehr rückgängig machen und gesagt hatte er auch nichts mehr. Nun war die kleine, schneeweiße Tyraleen sein Patenkind und allein dieses Wort ließ seine Seele krampfen. Diese Welpin konnte einem echt Leid tun ... am Besten, sie kam gar nicht erst zu ihm, doch sie schien wohl ganz genau zu wissen, wer er war.
Die saphirblauen Augen des Tiefschwarzen verfolgten leer und ausdruckslos, wie die Kleine zu ihm herüber getapst kam. Jeder normale Wolf hätte das nun bestimmt sehr süß gefunden, sich gefreut und wäre womöglich vor Entzückung dahin geschmolzen, aber Face verspürte rein gar nichts. Wie auch? Außerdem schien bei ihm dieses „ich-liebe-alle-Welpen“-Syndrom nicht angeboren zu sein, wie bei den anderen. Eigentlich war es ein normaler Instinkt, dass ältere Wölfe fürsorglich mit Welpen umgingen, aber der Tiefschwarze hatte nie in seinem ganzen Leben viel mit Welpen zutun gehabt. Um genau zu sein, bevor er in dieses Tal gekommen war und noch gelebt hatte, waren die einzigen Welpen, die er kannte seine 2 Brüder gewesen. Und damals war er selbst noch ein junges Tier gewesen. So alt, wie die Welpen des ersten Wurfes jetzt.
Doch jetzt hatte er nun mal die Aufgabe sich um Tyraleen zu kümmern. Wenn er die anderen Welpen so anschaute, war er recht froh die Kleine abbekommen zu haben. Sie war weder überängstlich, noch so hyperaktiv wie dieser eine Welpe aus dem letzten Wurf. Also hoffentlich leicht zu handhaben. Aber was sagte er nun? Schön, die Weiße hatte seinen Namen genannt und? Er war kein weiser Wolf, der nun anfing irgendwelche Geschichten und Weisheiten herunter zu beten, dem Rüden fehlten wie immer die Worte. Warum konnte man nicht durch Stille miteinander kommunizieren? Flammentänzer ... stiller Ozean ... Stille, endlose Leere – das Nichts. Das alles war er. Aber nichts weiteres. Das waren bloß Titel, Eigenschaften, irgendwas halt.
Ein „Guten Morgen“, wie es die anderen Wölfe von sich gaben war Face Taihéiyo auch zu dämlich. Wunderbar fand er den Tag auch nicht. Und Tyraleen sagen wie goldig sie doch wäre, würde er Hundertprozentig auch nicht tun! Nachdem er sie also gedankenverloren, aber äußerlich vollkommen ausdruckslos mit glatter, leerer Mimik, angestarrt hatte, senkte er den Kopf etwas.
„Tyraleen?“
Das selbe zu erwidern wie sie, war nun wirklich keine Glanzleistung aber so sehr er auch überlegte ... was sollte er schon sagen? Was konnte man einem Welpen erzählen, wenn man doch nichts so machte wie die Anderen?
Daylight blickte ihre Mutter mit großen Augen, ein ungläubiger Ausdruck lag in ihnen, doch dann stahl sich ein Lächeln übe ihre Lefzen und ihr Blick huschte zum Berg hinüber, auf den Banshee gedeutet hatte, dort oben sollte man die Wolken sehen können, oh wie sehr sie sich darauf freute diesen Berg zu erklimmen, ihre Rute wedelte vor Aufregung schnell hin und her und fegte über den Boden.
"Oh Mama... das wäre wundervoll, dort oben."
Der ungläubige Ausdruck wich einem träumerischen, ihre Augen leuchten und funkelten vor abenteuerlust.
Als sie ihre große Schwester neben ihrer Mutter sah, musterte ihr Blick sie einen Moment, dann stürzte sie fröhlich wuffend auf sie zu und sprang freudig an ihr empor.
"Große Schwester Paveen?"
Es war keine wirklich Frage, eher eine Aufforderung, doch wofür wusste Daylight selbst nicht. Sie freute sich einfach nur Parveen zu sehen. Dann huschte ihr Blick zu dem Stern auf der Stirn der Schwarzen und sie hielt inne.
"Parveen?"
Diesmal war es eindeutig fragend, ihr Blick ruhte dennoch auf der seltsamen Fellzeichnung.
"Parveen, warum ist dieser... dieser Stern auf deiner Stirn?"
Es klang als suche sie das richtige Wort, obwohl sie es genau kannte, es war eher Unsicherheit und das Gefühl, das diese Familie in der sie lebte etwas magisches hatte, jetzt wo sie mit diesen Dingen konfrontiert wurde. Ihr Rudel, das ihrer Mutter war eindeutig anders, obwohl sie nicht wusste wie andere Rudel waren, empfand sie so. Es war komisch das Gefühl, es war einfach so ein Instinkt, das etwas anders war, sie konnte es sich selbst nicht erklären.
Parveen erwiderte den warmen Blick ihrer Mutter mit Freude, sie war einfach nur glücklich. Ihre Familie war groß, niemand wurde ausgeschlossen, alle waren füreinander da, was wollte man als Wolf denn noch mehr? Sie lebten zusammen mit vielen anderen Wölfen, bildeten ein Rudel und es ging niemanden schlecht. Die Verhältnisse waren perfekt. Parveen freute es, nun lebte sie ihr Leben allein und lernte dazu und wenn sie Fragen hatte, waren alle da: Ihre Mutter, ihr Vater – beide hatten ihr schon geholfen, als es ihr schlecht ging – ihre Geschwister, Falk und seine Gefährtin, die vielen anderen Wölfe…alle waren da.
Als Banshee der kleinen Welpin Daylight Parveen vorstellte, freute sich die schwarze Fähe und senkte etwas die Schnauze, damit sie die kleine Welpin erreichen konnte. Banshee hatte Recht, die Zeit war schnell vergangen, fast unglaublich, dass sie auch einmal so klein gewesen war. Parveen erfreute es, als Daylight dann so fröhlich um sie herum sprang.
„Hallo Daylight, na du bist ja ein wilder Fang.“
Sie stupste die Kleine an und wollte gerade anfangen, mit ihr zu spielen, als die Frage auf ihren Stern zurückkam. Parveen legte den Kopf etwas schief, sie hatte nicht vergessen, dass er da war, aber schon lange hatte sie ihn nicht mehr gespürt und das lag daran, dass sie nun glücklich war. Parveen lächelte, als es ihr schlecht ergangen war, hatte der Stern geschmerzt, all ihre Emotionen waren in ihm verkörpert gewesen, nun war alles in Ordnung. Die Zukunft zählte.
„Die Frage hab ich mir selbst nie so genau gestellt…ich denke, dass es darauf zurück zu führen ist, dass ich – genau wie du und all unsere Geschwister – ein Kind der Sternenwinde bin, ein Kind vom Leben und vom Tod. Eigentlich ist er doch gar nicht so besonders, wie er aussieht…“
Parveen kicherte leise und warf die kleine Welpin mit ihrer Schnauze um, sie lag nun auf dem Rücken und Parveen wuschelte durch das Bauchfell ihrer kleinen Schwester.
„Du hast bestimmt irgendein anderes tolles Merkmal, was kein anderer hat und wahrscheinlich weißt du genauso wenig wie ich, warum das so ist…“
Parveen legte sich auf den Boden, damit sie nicht zu riesig wirkte, auch wenn sie selbst noch klein war.
„Das ist eben der Wille der Natur und unserer Götter.“
Parveen legte den Kopf auf ihre Vorderpfoten und beobachtete Daylight, die sehr aktiv und zufrieden schien.
Ruhig und zufrieden lag Neyla auf dem Rudelplatz, dicht bei ihr Zack, ihr geliebter Rüde, denn sie wieder gefunden hatte. Das emotionale Wiedersehen hatte in ihnen Beiden wieder alte Gefühle geweckt, niemand hatte bisher danach gefragt, was wirklich geschehen war und Neyla wollte es auch vergessen. Spielte es denn eine Rolle? Nein, eigentlich nicht. Sie hatten sich zurück und liebten sich. Noch dazu war sie Patin von einem Welpen der Alphafähe geworden, Neyla nahm sich diese Aufgabe sehr zu Herzen, sie wollte Banshee nicht enttäuschen. Sie war neu hier und hatte – in ihren Augen – eine riesige Chance bekommen, die sie auch nutzen musste. Hier an Zacks weichen und wunderschönen Fell zu liegen und diese Chance zu haben waren genug für Neyla, um zu leben. Noch immer war sie recht mager und zierlich, aber sie hatte versprochen, wieder stark zu werden.
„Zack, bist du wach?“
Fragte sie leise zu ihrem Rüden, biss ihm dabei zärtlich ins Ohr und stupste ihn an, sie vermisste seine zärtliche Stimme, die Worte, die ihr das Gefühl gaben, hier richtig zu sein. Ihr Kopf drückte sich an seine starke Schulter, die von dem glänzenden Fell bedeckt war.
„Sollen wir gleich meine kleine Patin besuchen?“
Neyla wusste nicht, wie Zack dachte, aber je mehr sie daran dachte, dass die Zukunft mit ihm weitergehen würde, umso mehr freundete sie sich mit den Gedanken an, vielleicht bald eigene Welpen zu bekommen von Zack. Sie lächelte leicht, Welpen schienen etwas ganz besonderes zu sein, diesen kleinen Lebewesen würde sie immer helfen, denn sie selbst wusste, wie es sein konnte, wenn einem niemanden half.
„Du Schlafmütze…“
Kicherte Neyla und stupste ihren Rüden wieder an, wenn es Zack gut ging, dann konnte er auch ruhen, so war er eben. Und sie freute sich darüber, er sollte genießen, was er hatte.
Die langen, schmalen Läufe eingezogen, zu einer Pelzkugel zusammen gerollt lag die kleine schwarze Fähe an ihre Geschwister gekuschelt und schlief. Die klaren blauen Augen huschten unter den Liedern hin und her, manchmal zuckte eine Pfote; sie träumte. Amáya schwamm in klarem Wasser, wurde sacht hin und her geschaukelt wie in einer Wiege. Neben sich konnte sie einen Herzschlag hören, ein vertrauter Herzschlag, dem ihren recht ähnlich. Ganz leise im Hintergrund hörte sie noch weitere Herzen schlagen, ihre Brüder und Schwestern. Sie fühlte sich wohl und in der Wärme und Liebe geborgen. Sie spürte neben sich ihr zweites Ich, die Kehrseite der Medaille. Ein lautes Brummen verdrängte den Herzschlag, ein schwarzes Ohr zuckte. Eine fette Hummel brummte um die Kleine herum, die nun ins Sonnenlicht blinzelte. Es war ein Traum.... Bloß ein Traum. Amáya streckte sich ein wenig, schüttelte den glatten Pelz aus und ließ den blauen Blick schweifen. Suchend glitten die Augen umher, es fehlte doch jemand... Ein stechender Schmerz zuckte durch das empfindliche Welpenherz. Ihr fehlte ihre zweite Hälfte. Ihre Zwillingsschwester hatte doch gerade eben noch neben ihr geschlafen? Sie verstand das nicht...Ein Traum... Traurig ließ sie den schmalen Kopf sinken. Sie kümmerte sich nicht um ihre Geschwister oder ihre Mutter, das Rudel. Sie wollte zu ihr, wo auch immer sie auch war. Unsicher erhob sie sich. Die schmalen Läufe trugen den zierlichen Körper von den anderen weg, ohne das sie es ihr bewusst war. Dazu war sie zu sehr in Gedanken versunken. Es war schon einen Mondzyklus her, sie hatte ihn zum ersten Mal in voller Blüte gesehen, das ihre Schwester neben ihr geschlafen hatte. Sie konnte sich kaum noch daran erinnern, eigentlich so gut wie gar nicht, aber sie war sich ganz sicher, das es da noch jemanden gegeben hatte. Egal was die anderen behaupten würden, es war da Jemand gewesen, der jetzt nicht mehr da war, aus welchem Grund auch immer. Hasste ihre Schwester denn so sehr? Hatte sie das Rudel verlassen? Das sie eine Totgeburt war, konnte die Schwarze nicht wissen. Das Gras kitzelte an ihren Flanken, bis ihre kleinen Pfötchen kühles Wasser berührten. Sie hatte das Seeufer erreicht und blickte nun auf die glatte Oberfläche. Wie sie wohl ausgesehen hatte? Es bestand kein Zweifel, das es ihre Zwillingsschwester gegeben hatte. Aber wie sie wohl ausgesehen hatte? Genau wie sie selber oder vielleicht genau ihr Gegenstück? Sehnsucht machte sich in ihr breit. Sie kannte dieses Gefühl noch nicht, trotzdem schlug ihr Herz schneller, wenn sie daran dachte, das sie ihre Schwester doch wieder sehen konnte, oder etwa nicht? Wie in Trance näherte sich die Schnauze ihrem leicht wabernden Spiegelbild. Nein, so musste sie aussehen, das musste sie sein, aber warum steckte sie im Wasser fest? Sie verstand das nicht. Wollte sie spielen? Prustend sprang Amáya zurück und stand nun am Ufer wie ein begossener Wolf. In Gedanken versunken und voller Faszination war sie immer weiter ins Wasser gewatet, bis ihr Körper umspült worden war. Zudem hatte sie die Schnauze gesenkt, ohne zu wissen, das sie nicht unter Wasser atmen konnte. Verwirrt stand sie nun da und starrte traurig auf ihr Spiegelbild, was es ihr gleich tat. Seltsam. Diese Welt war ihr ein Rätsel...
Daylight rollte sich auf die Seite, die langen Läufe von sich gestreckt um ihre Schwester besser betrachten zu können. Sie war so groß und sie selbst war noch so winzig, so unbedeutend, würde sie jemals jemandem etwas bedeuten? Bestimmt!
Sie sah das optimistisch, die ganze große Welt lag vor ihr, was sie noch alles erkunden konnte. Viele neue Dinge, die sie nicht kannte. Dann schweiften ihre Gedanken zu Parveens Antwort:
"Du meinst jeder von uns hat etwas besonderes, etwas was einen ausmacht? Auch ich, auch meine Geschwister? Wirklich jeder? Sogar der Schme-Schme..."
Sie hielt einen Moment inne, hatte das Wort vergessen, irh Kopf sank auf den Boden, dann hob sie ihn und lächelte.
"Das Schmetterding, oder wie es heißt. Das Wesen mit den Flügelchen, zart, wie das Netz einer Spinne, auch diesen winzige Wesen ist etwas besonderes und hat etwas, etwas was kein anderer hat, denkst du das, Parveen?"
Ihre Stimme klang warm und in ihren Augen schimmerte die Sanftmut, sie leckte ihrer großen Schwester über die Schnauze und schwieg eine Weile, ließ die Sonne auf ihren Pelz scheinen und ihre Deckhaare rotgolden schimmern. Genoss die Wärme, die Geborgenheit, die sie hier bei all den anderen spürte. Sie schloss entspannt die Augen, ließ sie einen Moment geschlossen, ehe sie weitersprach.
"Du bist sehr glücklich im Moment, nicht war?"
Es war als spürte sie die Gefühle ihrer Schwester, die Augen immernoch geschlossen, doch ihre Stimme klang seltsam, nicht mehr, wie die eines Welpen.
Doch schon öffnete sie die Augen und sprang mit einem Satz auf. Sie Wildheit ihrer Kindheit wieder aufegblüht, sprang sie auf und sprang auf Parveen schwarzen Rücken, kletterte zu ihrem Kopf hinauf, legte die winzigen Vorderpfoten auf den Kopf ihrer großen Schwester und biss zärtlich in dessen Ohr.
"Wir sind also Kinder der Sternenwinde... Parveen... weißt du warum unser Tal Sternenwindtal heíßt?"
Dann hielt sie inne und ihr Blick glitt über das Tal, von ihrem erhöten Standort konnte sie mehr sehen, als wenn sie auf dem Boden stände.
"Du Parveen, ich hab dich sehr lieb und ich habe auch Banshee sehr lieb. Ich habe euch alle sehr lieb. Meinst du die anderen haben mich auch lieb? Und du- hast du mich lieb?"
Ihre Stimme klang fröhlich als zweifle sie nicht an der Liebe der anderen zu ihr, als wäre Liebe etwas alltägliches.
Tyraleen sah standhaft zu dem großen schwarzen Rüden vor ihr auf. Sein Blick verunsicherte sie, normalerweise bekam jeder Erwachsene so ein Schimmern in den Augen, kaum kam sie oder einer ihrer Geschwister zu ihm, Face Taihéiyo dagegen sah sie so ausdruckslos an, als würde er sie nicht mal wahrnehmen. Das rief in ihr jedoch eine andere Reaktion hervor, als erwartet … innerlich spürte sie so etwas wie Bewunderung aber auch das Verlangen danach, von ihm gemocht zu werden, ihm, der immer alleine war. Sie wollte von ihrem Paten nicht verhätschelt werden, naive Fragen beantwortet bekommen oder belehrt werden … sie wollte jemanden, der zwar auf sie aufpasste und sie liebte, dabei aber auch schweigend mit ihr im Gras liegen, ohne Berührungen ihr Vertrauen, Trost und Liebe schenken. All das, was ihr sonst niemand gab, nicht mal verstehen zu schien, dass sie das wollte. Während sie ihn noch immer anstarrte, fragte sie sich, ob ihr Face Taihéiyo das geben konnte … er schien so … kalt, so leer. Aber gleichzeitig schien er ihr der Einzige zu sein, der vielleicht genau das konnte, was sie sich so sehr wünschte. Trotzdem begann sie unter seinem Blick einzusacken, ihr linker Hinterlauf begann ein wenig zu zittern und unbewusst knickten ihre Ohren ein. Als er ihren Namen sagte, ganz so wie sie vorher den seinen, wurde sie nur noch unsicher. Auch hier war er anders … Große hatten immer etwas zu sagen … Face Taihéiyo nicht. Aber was sollte sie denn jetzt machen? Welpen konnten nur dumme Sachen sagen, Dinge, über die Große lachen mussten. Aber Tyraleen wollte nichts Dummes sagen. Voller Unsicherheit und schon fast ein wenig verstört setzte sie sich hin, um wenig irgendetwas gemacht zu haben. Dann hielt sie auch seinem Blick nicht mehr stand und drehte den Kopf weg. Klein und dumm saß sie jetzt da, fühlte sich seltsam. Bis ihr etwas einfiel … nein, eher auffiel. Eine Frage, etwas zu sagen … nicht mal dumm. Ja, sie fand es nicht dumm, vielleicht fand es ja Face Taihéiyo dumm, aber immerhin war es keine dumme Welpenfrage.
“Wo bist du?“
Ihr kleiner Kopf war noch immer weggedreht, leicht seitlich und zur Erde gerichtet, dennoch hatte sie laut genug gesprochen, sodass es der Schwarze hatte verstehen müssen. Jetzt, da sie es ausgesprochen hatte, fragte sie sich, was sie damit meinte. Er war doch da, vor ihr, seine Pfoten berührten fast ihre … wo war er?
Parveens Seele schien ruhig und zufrieden, ein Lächeln zierte ihre Leftzen und würde es erst einmal auch nicht mehr verlassen, es hatte sich vieles zum Guten gewandt, sie fühlte sich wohl und der kleine Rabauke hier bei ihr gehörte zur Familie und erfüllte sie mit Wärme. Es war wundervoll. So neugierig, viel am Reden, interessiert an Allem – Daylight hatte ein wildes, aber liebes Gemüt, eine perfekte Abstimmung für eine so junge Welpin, fast schon unnormal. Sie nickte auf die Antwort von Daylight und sah mit einem liebevollen Blick zu ihr.
„Genau, jeder hat etwas Besonderes. Du, deine Geschwister, jedes Lebewesen, Süße.“
Parveen kicherte, als Daylight versuchte, sich an den Schmetterling zu erinnern, aber sie war erfreut, dass die Kleine so schnell dazu lernte.
„Der Schmetterling, ja, Richtig. Er ist besonders, denn er ist so winzig, so leicht, er flattert durch die Welt, fröhlich und hat keine Feinde. Wir Wölfe können nicht fliegen, aber wir können schnell laufen und knurren, was der Schmetterling z.B. nicht kann. Oder eine Spinne…sie kann ihr Netz spinnen, dort wohnt sie, wir müssen Höhlen suchen. Es gibt so vieles…und jeder hat seine Kennzeichen. Jeder unterscheidet sich. Der eine Schmetterling ist bunt, der andere einfarbig. Ich habe diesen Stern, du vielleicht irgendwelche Fellmerkmale, einen anders farbigen Flecken, vielleicht auch zwei unterschiedlich große Ohren. Alles ist möglich und es macht dich wunderhübsch und zu etwas Besonderen, denn nur du hast es und es spricht von großen Taten!“
Parveen leckte ihrer Schwester ebenfalls vorsichtig und sanft über den kleinen Kopf, aber die Frage überraschte sie. Daylight hatte Recht, warum stutzte sie?
„Ja, du hast Recht, wie hast du das nur gespürt?“
Parveen lächelte, Daylight schien wirklich etwas ganz Besonderes zu sein. Wie alle anderen auch, das bestätigte doch nur ihre Worte. Dann wurde der Spieltrieb der kleinen Welpin geweckt und so schnell, wie Parveen es noch wahr nehmen konnte, kletterte Daylight auf ihren Rücken und Parveen spürte die kleinen Pfoten, die auf ihrem Kopf lagen. Der zärtliche und leichte Biss in ihre Ohren war schon zu spüren, aber keines Wegs schmerzhaft. Parveen grinste und schnippte mit dem Ohr, ehe sie die Worte ihrer kleinen Schwester vernahm.
„Ja, das sind wir, dass hast du gut erfasst. Aber warum das Tal so heißt…weiß ich leider auch nicht so genau, lass uns Mama doch gleich mal fragen, sie kann uns das bestimmt erzählen!“
Parveen fiel es erst jetzt auf, dass sie selbst nie danach gefragt hatte. Als sie gerade darüber nachdenken wollte, erreichten sie die Worte von Daylight und Parveen stutzte, die Kleine schien sich auch Gedanken zu machen über Dinge, die vielleicht sogar selbstverständlich waren. Aber es entzückte der Schwarzen ein Lächeln.
„Natürlich, die anderen haben dich auch alle sehr lieb. Unser Vater, unsere Geschwister, jeder, wie könnte man jemanden wie dich auch nicht lieb haben?“
Parveen kicherte.
„Und ja…ich hab dich auch sehr lieb…ganz doll.“
Parveen lächelte glücklich, was verlangte sie mehr? Sie hatte einen Halt, eine wundervolle Familie.
Face Taihéiyo beobachtete die Kleine, konnte praktisch jede Regung in ihrem noch so winzigen Körper sehen, auch wenn er das gar nicht gewollt hätte. Sie stand nun einmal so nah vor ihm und allein das grenzte schon an ein Wunder. Seine Seele drängte sich zurück, war es nicht gewohnt so nah bei einer anderen zu sein. Äußerlich bewegte sich der Tiefschwarze jedoch keinen Millimeter. Auch nicht durch den Atemzyklus, der normalerweise bei jedem Säugetier statt fand. Er ... bekam keine Luft mehr, hatte es schon längst aufgegeben darüber nachzudenken, wie oft er nun schon erstickt war.
Tyraleen schien unsicher, außerdem hatten sich ihre Ohren zurück gedreht. Und obwohl sie seinem Blick zuerst sonderbar gut stand hielt, wandte sie ihren nun ab. Aber was hatte er auch anderes erwartet? Es war nicht schön in die leeren, gebrochenen Augen eines Toten blicken zu müssen. Das wusste er. Auf’s Stichwort hörte er auch schon wieder eine Stimme an seinem Ohr, einen leichten Hauch der seine Seele erschaudern ließ.
( „Sie nur was du ihr antust ... die Kleine ist schon ganz verstört.“ )
Er wischte sie mit einem unfreundlichen Gedanken davon und schloss einen winzigen Moment die Augen. Eigentlich brachte ihm das nichts mehr, keine Ruhe oder Entspannung, doch so verlor er die Weiße wenigstens für einen Augenblick aus den Augen. Bei ihrer nächsten Frage, schlug Face die saphirblauen Seelentore jedoch wieder auf und sah Tyraleen wieder direkt an. Wo bist du?
.oO°( Wo bin ich? )
Eine seltsame Frage. Eine Frage, für die es eigentlich gar keine logische Erklärung gab. Sie war aus dem Nichts gekommen und grundlos in die Luft geschleudert worden. Aber, was war überhaupt noch logisch auf dieser verdammten Welt? Sie war grundlos aber berechtigt. Das Leben war ein vertracktes Spiel und auch diese Redensart war es! Schließlich war er ja tot ... damit bestätigte sich wohl sein Gedanke. Es gab keine Logik mehr, falls es je welche gegeben hatte. Wozu man sie überhaupt bräuchte konnte man sich gleich auch noch fragen, aber dieses Gedankenspiel war ein Teufelskreis auf jede Frage stellte man sich eine Neue. Trotzdem, zurück zu der ihrer. Wo war er? Hier oder? Naja, irgendwie auch nicht. Seine Seele war hier, sein Körper war tot und dürfte eigentlich nur noch schwarze Asche sein. Seine Gedanken stolperten in schwarzer Leere herum, es gab keinen Ort an dem er war.
„Nirgendwo ...“
Er drehte den Kopf weg und die Welpin tat ihm irgendwie Leid. Das sie aber auch grade ihn als Paten bekommen hatte! Und nun dachte er auch schon in der „Er“-Form von sich. Der Tiefschwarze hätte geseufzt, wenn es irgend etwas gegeben hätte, was seine Lungen auffüllen würde. Sie würde bestimmt schon bald an ihm verzweifeln und einerseits hätte er dann zwar seine Ruhe aber anderer Seits, waren Welpen doch für ihre naive Hartnäckigkeit bekannt. Außerdem wollte er nun wirklich niemandem auf irgend eine Weise schaden ... es reichte schon wenn er sich selbst schadete mit seinen verfluchten Gedanken. Am Besten bemühte er sich einfach und versuchte auf irgend eine Weise Interesse dar zustellen. Seine Antwort würde eine neue Frage hervor bringen und mit Bestimmtheit die geliebte „Warum?“-Frage. Die wollte er jetzt aber nicht hören! Face Taihéiyo wandte Tyraleen den Kopf wieder zu und überlegte kurz.
„... und hier vor dir.“
Hoffentlich verwirrte er sie nicht zu sehr. Aber wenn er das nun nicht täte, hörte die Welpin ihm entweder nicht zu oder war kein normaler Welpe. Was war schon normal?
Kühl vor sich hinstarrend saß Averic etwas abseits von dem Rudel. Groß war er geworden, seinem Vater immer ähnlicher. Das dicke, pechschwarze Fell stand zu allen Seiten ab, was teils auch daran lag, dass es etwas nass war. Im Morgengrauen war der junge Rüde am See gewesen. Jetzt waren auch die anderen da, diese nervigen Welpen wach und um jeglichen Kontakt zu vermeiden hatte er einfach schon etwas getrunken, als der Rest noch schlief. Leise aufgrollend schleckte Averic sich über die dunklen Lefzen. Er hasste sie, diese kleinen, nervigen Geschwister. Ein Haufen naiver, erbärmlicher Fellkugeln. Jetzt könnte man sagen, dass er ja auch mal so klein gewesen war und dies stimmte ja auch, nur ... so?! Nein, der typische, blöde und kleine Welpe war er nie gewesen! Er war nämlich dazu bestimmt Acollon nachzueifern! Die anderen ... wohl eher nicht. Nein, überhaupt nicht. Allein die Vorstellung war lächerlich. Und sollte es doch einer versuchen, wäre er automatisch sein Feind, sein Rivale. Averic schnaubte leise. Auch wenn seine Denkweise schon an Arroganz heran reichte, war der Pechschwarze selbstbewusst genug um zu sagen, dass keiner von seinen Geschwistern ihm das Wasser reichen konnte. Ja, der Jungwolf war schier besessen! Und es kotzte ihn einfach an, was für ein Tralala um diese Viecher gemacht wurde! Der Pechschwarze konnte sich nicht daran erinnern, ob dies bei seinem Wurf auch je so gewesen war. Wie dämlich waren die eigentlich? Vollidioten! Sobald diese Plüschwolfis größer geworden waren, würde man auch das Interesse an ihnen verlieren, was für ein soziales Rudel das doch war!
Im Moment war er wieder so stark von seinem Hass eingenommen, dass er nicht einmal nach seinem kleinen Träumer Ausschau hielt. Sein eiskalter Blick war auf die jüngeren Geschwister gerichtet in einer Mischung aus Verachtung, Hass und Anwiderung. Am liebsten würde er ihre nervigen Stimmen zum Schweigen bringen, ihrem bescheuerten Rumgehoppse ein Ende machen. Wieder verließ ein Knurren seine Kehle, als er den Blick abwandte. Auch ein Grund für sein Fernhalten von den Wölfen war eben diese Wut. Sonst sprang er den Welpen irgendwann noch wirklich an die Kehle. Seine tiefblauen Augen suchten nun irgendwen. Cylin oder Acollon, den geliebten Bruder, oder den Vater, der Schuld an allem war!
Banshee hatte sich entspannt hingesetzt, als Daylight und Parveen angefangen hatten zu spielen. Ihr Blick lag warm und zufrieden auf ihren beiden Welpen, es war schön zu sehen, wie sie sich verstanden. Von Parveen die Sorge um die Welpen etwas abgenommen zu bekommen, erleichterte sie, gleichzeitig war es auch seltsam, noch vor einem Jahr hatte sie so auf Parveen aufpassen müssen. Ihr Blick glitt von den beiden ab, wanderte wieder zu Ayala und Leyla und den anderen Welpen, dort schien alles ruhig zu sein. Sie überlegte, ob sie sich nicht noch einmal hinlegen sollte, die Kleinen würden bald aktiver werden und dann würde sie nicht mehr so entspannt sein können, dann fielen ihr aber zwei Dinge gleichzeitig auf. Zum einen Averic, der abseits lag und verbissen aussah, er hatte sich sehr verändert; zum anderen Tyraleen und Face. Auch wenn ihr Averics Entwicklung nicht gefiel, wurde ihre ganze Aufmerksamkeit von ihrer ältesten Tochter gefordert. Sie stand vor Face, ihrem Paten, verängstigt, unsicher und fast schon verstört. Was war da los? Schon nach wenigen Herzschlägen war ihr klar, dass Face sich nicht mal ansatzweise verändert hatte. Selbst von hier aus, relativ weit entfernt, spürte sie seine Kälte und dieses Nichts, das sein Dasein auslöste. Fast so etwas wie Trauer schlich sich in ihren Blick, sie hatte ganz bewusst ihn als Paten gewählt, wollte ihn zum Leben zurückführen, ihn aus dieser Leere hinauslocken, die sie nicht mal verstand. Aber jetzt, da sie Tyraleen so vor ihm sah, wurde ihr klar, dass sie eine falsche Entscheidung getroffen hatte. Sie hatte ihre Tochter für diese Pläne geopfert, dabei war es gerade Tyraleen, die sich am meisten von ihr fernhielt. Sie waren sich so ähnlich, das Fell, die Augen, das Lächeln, der Ausdruck und auch vom Charakter waren sie so gleich … ja, Banshee vermutete mehr, als nur einen normalen Welpen hinter Tyraleen und vielleicht vertrieb gerade das die Kleine. Es schmerzte Banshee, gleichzeitig hatte sie es schon bei der Geburt der Kleinen gewusst und schon da akzeptiert … Engaya hatte erneut ihre Pfote geöffnet und Banshee würde sich fügen, zu schön war es doch, dass sie den Welpen Engayas in sich hatte tragen dürfen und ihre Tochter nennen durfte … wenn ihre Vermutung denn stimmte. Hin oder her, genau diese Tatsachen machten es aber noch schlimmer, dass sie Tyraleen für ihre Pläne benutzt hatte, auch wenn diese einzig darauf ausgerichtet waren, Face ein schöneres Leben zu schenken. Banshee blinzelte ein paar Mal, dann erhob sie sich, sie konnte es nicht zulassen, ihr tat es im Herzen weh, ihre Tochter so zu sehen.
“Parveen, passt du auf Daylight auf?“
Sie wartete die Antwort ihrer Tochter nicht ab, trat schon von ihnen fort, zuerst direkt auf Tyraleen und Face zu, dann einen leichten Hacken schlagend und auf Averic zu steuernd. Sie ging nur an ihm vorbei, berührte dabei aber ganz leicht seine Stirn, schenkte ihm einen Blick, aus dem er lesen konnte, was er wollte, dann war sie schon vorbei, jetzt wieder auf die Leere und ihre hilflose Tochter zu haltend. Bei ihnen angekommen stellte sie sich neben Tyraleen, die kleine Pfote ihrer Tochter lag neben ihrer eigenen, ebenso blütenweiß und zart. Sie hätte gerne Tyraleen über den Kopf gestrichen, dieses verstörten Ausdruck konnte sie nicht ertragen, gleichzeitig spürte sie, dass ihre Tochter das nicht wollte, dass sie sich wieder nu sträuben würde.
“Face Taihéiyo … würdest du mir folgen? Ich würde gerne mit dir reden.“
Auch hier wartete sie auf keine Antwort, es war ein Befehl, wenn auch sanft und nicht aufdringlich … dennoch war es eindeutig, dass der Schwarze gehorchen sollte. Jetzt musste sie ihre Tochter doch an der Stirn berühren, drehte sich dann aber schnell um und ging voraus, weg vom Rudelplatz, wartete, bis Face neben ihr war und lief dann langsam fort von den anderen.
Tyraleen spürte weiterhin den leeren Blick Face Taihéiyos auf sich, obwohl sie den Kopf längst abgewandt hatte. Einmal war ihr, als hätte er ihn von ihr genommen, dann, nach dem sie diese seltsame Frage gestellt hatte, bohrte er sich wieder in sie und brach jede mühsam erbaute Mauer des Mutes nieder. Er antwortete lange nichts und in dieser Zeit fragte sich die kleine Fähe immer mehr, woher diese Frage gekommen war. Hatte sie sie gestellt? Oder hatte irgendwer ihr diese Worte auf die Zunge gelegt, ohne dass sie sie selbst verstand. Natürlich spürte sie, dass Face Taihéiyo kein normaler Wolf war. Sie kannte nicht viele ihrer Artgenossen, aber in dem Schwarzen war eine Leere, ein Nichts, etwas fehlte, das jeder andere hatte. Aber sie konnte mit diesen Empfindungen noch nichts verbinden, spürte nur und war hilflos damit alleine. Als seine Antwort endlich kam, geteilt und irgednwie wieder anders gesprochen, spitzten sich nur leicht ihre Ohren. Jede andere Reaktion spielte sich nur in ihrem Kopf ab, sie verstand seine antwort nicht, aber sie zeigt ihr, dass da wirklich irgendetwas war, dass nicht stimmte. Von sich selbst sagen, man sei nirgendwo … was war man dann? Ihre Gedanken weiter spinnen wollend wurde sie abgelenkt. Ein sanfter Geruch wehte zu ihr herbei, sachte tauchten zwei schneeweiße Pfoten auf, hielten direkt neben ihr an. Banshee. Tyraleen blieb erst ganz still sitzen, was wollte ihre Mutter hier? Sie war doch bei Daylight und bei ihrer älteren Schwester gewesen, warum ließ sie sie sich nicht alleine mit Face Taihéiyo, ihrem Paten, unterhalten? Ihr Gesichtsausdruck wurde trotzig, sie hob den Blick und sah zu ihrer Mutter auf, aber die blickte zu Face. Tyraleen wollte irgendetwas sagen, mit dem sie ihre Mutter wieder vertreiben konnte, aber Banshee kam ihr zu vor. Schon hallte ihre sanfte Stimme durch die Luft und schien Tyraleen dabei ins Gesicht zu schlagen. Face Taihéiyo, würdest du mir folgen? Warum tat sie das? Sie, Tyraleen, hatte sich gerade mit ihrem Paten unterhalten und jetzt nahm ihre Mutter ihr ihn einfach weg, befahl ihm ihr zu folgen und selbst Tyraleen war klar, dass sie dabei nicht erwünscht war. Die Berührung an der Stirn war wie ein weiterer Schlag, dann waren die weißen Pfoten wieder verschwunden und mit ihnen zogen sich auch die Schwarzen an ihren eigenen zurück. Mit einem bitteren Geschmack auf der Zunge sah die kleine Fähe ihrer Mutter und ihrem Paten nach, wie sie schweigend verschwanden. Tyraleen spürte plötzlich etwas gemeines, etwas, dass sie nicht spüren sollte, aber in einem kurzen, unvorstellbar kurz, Moment, hatte sie sich gewünscht, ihre Mutter wäre weg, krank, oder irgend so etwas in der Art. Wie sie verschwand, nur ihre langen Läufe und die weiche Rute zu sehen, war es fast, als wäre es Tyraleen selbst, nur älter … wäre sie nur schon älter, dann hätte sie sich ihrer Mutter in den Weg stellen können, sauer auf sie sein, weil sie über sie hinweg handelte. Aber so … so konnte sie nur hier sitzen und traurig sein und niemanden haben. Ihr Blick wanderte zu Daylight und Parveen, aber sie wollte nicht zu den beiden gehen. Und dann lag da noch dieser schwarze Wolf, der auch ihr Bruder sein sollte. Aber er sah so böse aus, dass sich Tyraleen lieber nicht bewegte.
Leé lag etwas abseits des Rudels, den Kopf schräg auf die Pfoten gelegt. Ihre Augen sahen sehr müge aus. Ihre Augenlieder hingen tief und ihre Augen schienen matt und ziellos. Wie nach einem langen Tag des umherwandern. Doch sie war nur von der Grenze bis hierhergelaufen und wäre noch lange nicht an ihre Grenzen gekommen. Der Weg war nicht sehr Weit und durch das lange Nachdenken erschien er ihr noch kürzer. Sachte bewegte sich ihr Bauch im Einklang mit ihren Atemzügen. Ihre Augen ruhten in der Ferne, auf einem unbekannten Punkt. Sie dachte nach... Oftmals lag sie einfach nur da, alleine und grübelte über ihr Leben nach. Sie war nicht traurig. Doch sie wusste nicht, was sie tun sollte. Niemand stand ihr nahe und obwohl so viele Wölfe um sie herum waren, fühlte sie sich alleine. Der Frühling machte sich bemerkbar, denn es war warm und erschien behaglich. Der Schnee war geschmolzen und es blühlte aus allen Ecken. Leichte Glücksgefühle hielten sich trotz dem Alleinsein nicht in Grenzen. Ihr Herz sehnte sich nach Bastar, der seine Eigenen Wege gegangen war. Und obwohl er ohne Worte fortging, spührte sie nicht die geringste Wut auf ihn. Vielleicht wurde Leé schon zuviel verlassen und ihre natürliche Lebensfreude bildete ein Schutzschild gegen die Trauer und gegen die Verzweiflung, die tief in ihrem Herzen schlummerte. Irgendwann wird es aus ihr herausbrechen, doch das konnte sie nicht erahnen.
Viele Gründe hausten in ihrem Kopf und in verschlossen sich in ihrem Herzen, warum sie nun traurig sein könnte. Zuerst verlor sie ihre Familie, dann suchte sie als Welpe einen Weg alleine durch den Wald und fand nach langem umherirren die Sternenwinde. Jorun nahm sie auf, fast wie ihr Kind. Doch auch diese ging ihre eigenen Wege. Ein Rüde in den sie sich verliebte, dessen Name ihr dennoch entfalle war, tauchte auf und verschwand ebenso wieder. Es kam Hanako, welche sie aufnahm, wie die eigene Mutter. Leé verbrachte die restliche Kindheit geschützt und glücklich. Wo Hanako jetzt war, wusste Leé nicht. Sie hatte sich von Hanako entfremdet. Eine tiefeKluft entstand zwischen ihnen und nun war sie Weg. Ein kleiner Stich durchfuhr sie. Diesmal packte sie doch etwas trauer. An Bastar würde sie sich noch lange erinnern. Eine kurze Zeit lang hatte sie geglaubt, sie würden auf Ewig aneinander gebunden sein. Für Leé ein grund zu Leben. Lange dachte sie darüber nach, wie der Rüde hiess, in den sie sich damals verliebte.
.oO(Irgendetwas mit S...)
Kurz ertappte sie sich selber, wie sie ihre Augenlieder herunterfallen liess. Auf einmal fühlte sie sich so schrecklich müde. Am liebsten wäre sie eingeschlummert und für lange Zeit im Land der Träume geblieben. Einbfach nur eingeschlafen, eingeschlafen... Sie blinzelte.
.oO(Jetzt nur nicht einschlafen....Nicht einschlafen Leé!)
sagte sie sich selber und musste dabei schmunzeln. Wie lächerlich das doch erschien, mit sich selber zu sprechen. Langsam hob sie den Kopf. Es musste doch jemanden geben, dem sie nahe stand. Sie blickte sich fast schüchtern um.
Die Kleine hatte nichts mehr gesagt, was auch kein Wunder war. Sie tat ihm Leid ... Cloud hatte recht ... warum hatte dieser Mistkerl eigentlich immer Recht? Face Taihéiyo wollte grade stumm den Kopf auf seine Pfoten nieder legen, als Banshee auf ihn und Tyraleen zukam. Was sie wohl wollte? War es wegen ihrer Tochter? Er war einfach kein guter Pate, am Besten sie sagte ihm das einfach gleich und suchte sich einen Neuen aus, oder so. Aber nein, die Leitwölfin wollte ihn dazu auch noch von den Anderen entfernen. Dennoch ohne Widerworte – eher sogar ohne ein einziges Wort – erhob sich der Tiefschwarze wieder und folgte der Weißen langsamen Schrittes.
Er spekulierte gedanklich erst gar nicht darüber, was Banshee mit ihm besprechen wollte. Es konnte eigentlich nur wegen Tyraleen sein, oder ... vielleicht auch wegen ihm selbst? Einerseits hing das ja zusammen, Andererseits interessierte das doch eh keinen. Ein halbes Jahr musste wohl inzwischen schon vergangen sein, trotzdem war der Flammentänzer immer noch ein Fremder in der Fremde. Der endlose Ozean seines Inneren war glatt und still geworden, bedrohlich und tief wie das Nichts. Wie er. In diesem Ozean musste dann wohl auch die grenzenlose Leere herrschen, in der er wieder und wieder ertrank. Die Trauerflammen tanzten nicht mehr, sondern glommen nur noch schwach einfach so vor sich hin, schienen vom Wasser bald erstickt zu werden. So war das also, als ein Gestorbener, der nicht tot sein durfte. Monatelang spürte man, wie man immer wieder verreckte, ob nun gehängt, erstickt, verhungert, verdurstet, ertrunken, oder Sonstiges, allein diese Schmerzen brachten einen gleich noch mal um. Langsam ertaubte dann alles, die Seele wollte sich nicht mehr wehren und gab sich ihrem Leid dahin, ließ teilnahmslos nur noch einfach alles zu. In der leeren Hülle ging auch der letzte Wille verloren. Er war müde, sein Kopf schon lange leer. So wollte er nur noch schlafen, selbst die Gedanken fielen ihm schwer. Viel zu viel erlebt, wäre er am liebsten einfach da liegen geblieben und hätte gewartet wie die Zeit vergeht. Traumlos träumend, wenigstens irgendwie in ungestörter Ruhe. Aber die, würde ihm wohl niemals vergönnt werden. Verstand ihn denn keiner? Wollte ihn keiner verstehen? Was hatte er denn getan, dass er so leiden musste!? Das Leben hatte ihn gestraft und der Tod tat es auch ... warum? Warum? Faces toter Blick bohrte sich in Banshees Rücken, warum war ausgerechnet er das Spielzeug, dem man Arme und Beine ausreißen durfte?
„Jeder stellt immerzu Fragen ... ich habe auch Eine, aber nie will sie mir jemand beantworten.“
Seine Stimme war kalt, ohne Nachklang und völlig ausdruckslos. Wie immer eigentlich, dennoch verspürte seine Seele im Moment wieder einmal tiefe Verbitterung. Warum durfte er nicht wie die anderen sein? Wieso war es ihm so verboten auch mal Glück zu finden? Was dies anbelangte war er ja eh blind geboren. Wie ein armes Wesen von Geburt an ohne Augenlicht war er eine erbärmliche Kreatur von Anfang an ohne Glück. Man schenkte ihm einen Fluch, man schenkte ihm Hass. Man schenkte ihm ein Leben, man schenkte ihm sein Leid. Man schenkte ihm das Nichts und endlose Leere, aber keine Ruhe, keinen Frieden, die zweite Seite der Medallie wurde ihm verwährt. So war sein Leben ein Anfang ohne Ende. Sein Tod war ein Anfang ohne Ende. Sein Leid war ein Anfang ohne Ende. Das Nichts war ein Anfang ohne Ende ...
Der Nachtschwarze saß still da, gab keinen Laut von sich und selbst sein Herz schlug so langsam, kontrolliert, das man sogar die minimale Bewegung, die vom Puls aus ging, kaum wahr nahm. Die mitternachtsblauen Augen blickten teilnahmslos in den eintönigen Himmel. Was machte er hier eigentlich? Das war ein Revier, wie viele andere auch. Es war nicht das erste, das er sah. Kurz schnippte sein rechtes Ohr, als er leise Stimmen vernahm. Er war unauffällig und schweigsam dem grauem Rüden gefolgt, doch hatte er sich nicht die Mühe gemacht, den Anschluss zu behalten oder neben ihm her zu gehen. Denn mit jedem Schritt den er tat, wurde ihm immer mehr bewusst, das er nicht hier hin gehörte. Doch wohin denn dann?
.oO( In die Hölle?)Oo.
Wer wusste das schon? Kurz schlossen sich die Augen und wieder tauchte das Bild vor ihm auf. Schwarz weiß, eine triste Landschaft, verdorrte Bäume und ein steiniger Weg, der mitten durch führte. Umsichtig setzte er eine Pfote vor die andere, doch hatte er das Gefühl, das Gleichgewicht zu verlieren und zu fallen...Schon wieder fallen... Er kippte zur Seite um, als hätte man ihm die Läufe weg gezogen und stand nun auf dem Nichts. Er hing in einem luftleeren Raum, schwebte im Vakuum. Überall herrschte gähnende Leere, alles war dunkel, vom dichten Nebel überall mal abgesehen. War das seine Seele, wie es in ihm aussah? Etwas zog ihn weiter, er konnte nicht da stehen bleiben. Also hob er wieder seine Pfoten an, durch die plötzlich ein stechender Schmerz zuckte. Blut tröpfelte aus den empfindlichen Ballen, die vom Wandern wohl hart, aber brüchig geworden waren. Der mitternachtsblaue Blick wanderte nach unten und es drehte ihm den Magen um. Er befand sich noch immer in de luftleeren Raum, doch seine Pfoten traten auf Scherben, die wie ein gläserner Weg durch die Dunkelheit verliefen und sich im Nebel verloren. Vorsichtig hob der Nachtsohn eine Pfote an, aus der sich eine Blut besudelte Scherbe zog. Den Schmerz nahm er kaum war, eher schockierte ihn, was er dort sah. Das war er selber. Er sah sich. Wie konnte das bloß möglich sein? Sein Herz und sein Magen zogen sich krampfhaft zusammen. War dies sein Leben, ein einziger Scherbenhaufen? Er wollte das nicht sehen, er musste weg, so schnell er konnte. Ohne weiter nach zu denken stieß er sich mit den Pfoten ab und rannte was das Zeug hielt. Wieder hörte er die Raben singen, wie schon an jenem Tag, als ihn der Tod in den Schlaf wiegen sollte, es aber doch nicht tat.
Solltest du einen törichten Gedanken daran verschwenden leben zu wollen, dann lauf um dein Leben!
If you want to get out alive - run for your life!
Die Stimmen verschmolzen zu einem grausamen Kanon, einem Chor wie aus der Hölle. Und er rannte. Der Wind brauste in seinen Ohren, zerrte an dem mitternachtsschwarzen Pelz. Erst als er nicht mehr weiter konnte, dachte, jeder weitere Schritt würde seine Lunge sprengen, blieb er stehen. Wozu eigentlich? Hoffte er nicht insgeheim darauf, einfach im Lauf zu sterben? Wofür sollte er diesen holen Körper weiter schleppen? Dazu gab es doch keinen Grund. Blinzelnd öffnete Midnight die Augen. Erstaunlich das er nicht gegen etwas gerannt war. Immerhin war er mit geschlossenen Augen losgestürmt und seine Seele hatte es ihm auf den Scherben gleich getan. Aber einen Weg nach draußen gab es nicht. Kein Weg... Nichts. Ausdruckslos starrten die Augen zu den Bergen, vor denen er nun stand. Da er diesen Lauf unversehrt überlebt hatte, jetzt wo er drüber nachdachte war dies nur logisch, wer wollte schon sein Spielzeug verlieren?, sollte er vielleicht die Berge hinauf klettern. Die Chance auf einen Herzinfarkt standen gut, immerhin fühlte es sich trotz der Leere so an, als würde es jedem Moment zerbersten. Und sollte er das auch nicht fertig bringen, wie immer, konnte er ja noch immer springen. Wahrscheinlich war dies damals sein Fehler gewesen...? Er war unbewusst gefallen, zumindest glaubte er das. Wenn er jetzt mit Absicht sich in die Tiefen stürzen würde, wäre dann Schluss? Stumm machte er sich an den Anstieg, hinauf, das Lied noch immer in den Ohren. Es dröhnte, schallte in seinem Kopf wieder. Es zerriss ihn, zerstörte ihn, fraß ihn auf. Schritt für Schritt kam er vorwärts. Sein Herz, ohne Gefühle, schlug ihm bis zur Kehle. Es schmerzte, auch wenn es das eigentlich immer tat. Trotzdem hört es nicht auf zu schlagen. Im Nebel verlaufen, die Gedanken immer wieder kreisend, wie ein Adler, den man gefangen hielt. Ein ewiger Tanz um eine Mitte. Erst als seine Krallen den Abgrund spürten, über den Fels kratzten, blieb er stehen. Ein Schritt, ein lächerlicher Schritt. Kam dann die Erlösung?
Das Licht am Ende des Tunnels ist...eine Gestalt?!
"Kein Ausgang!"
Kein Ausagang? Nur für ihn nicht? Wollte das Leben ihn nicht gehen lassen oder wollte der Tod ihn nur nicht? Musste er dann den ganzen Weg wieder zurück? Aber wo sollte er hin? Er wollte sein Leben nicht weiter leben, es nicht erneut leben.
Leise schnaufend erhob Zack seinen wohlgeformten Kopf. Viel war in letzter Zeit geschehen, nun waren sie wieder etwas länger zusammen. Welpen waren geboren worden.
Er hatte Neyla zugehört. Gewiss er hatte ein wenig vor sich hingedöst, doch war er sich die ganze Zeit der wunderschönen Fähe neben sich bewusst gewesen. Seine große Liebe Neyla. Schlafmütze. Das würde sie büßen müssen. Seufzend drehte er seinen Kopf zu ihr, sah sie erst unglaublich ernst an, ehe seine Augen vor Schalk und Freude aufleuchteten und er sie leicht ins Ohr kniff und sie umschmuste.
„Ich und eine Schlafmütze!? Das sollte ich wohl lieber überhören.“
Grinsend kuschelte er sich liebevoll an Neyla.
„Ich liebe dich mein Engel."
Abermals seufzte er und schaute sie dann lange an. Er nahm ihr Aussehen in sich auf, ihren Geruch. Vielleicht würden auch sie beide irgendwann Welpen haben. Kleine tollpatschige und neugierige Kinderchen, die um sie herum hüpfen würden und ihr neues Leben erkunden würden.
„Wenn du magst gehen wir sie suchen. Sollen wir etwas mit ihr unternehmen, ihr die Umgebung zeigen?“
Er hatte das Bedürfnis sich zu bewegen. Stand langsam auf und streckte sich, eher er seine Augen, gefüllt mit seiner Zuneigung und Liebe zu Neyla auf sie richtete und sie sanft anstupste um ihr zu sagen, dass sie losgehen konnten.
„Ich bin wach. Du bist doch hier die Schlafmütze."
Neckte er sie leicht, eher er seine Schnauze zart an ihre drückte.
24.12.2009, 19:49
Der Wind raschelte leicht durch die Bäume. Die erste Unterhaltung mit Banshee lag schon weit zurück. Die Welpen waren geboren, es duftete nach Blumen und warmem Sommerwind, der die Hitzewellen immer näher trieb und den Frühling vertreiben wollte. Doch dazu war es noch zu früh. Thylia fand es nun an der Zeit sich dem Rudel zu zeigen. Länger schon verweilte sie hier in diesem Rudel, am Rande, um niemanden zu erschrecken. Ihre Kräfte hatten sich erholt, sie war stark wie früher. Nein stärker und fühlte sich gewachsen auf den Rudelplatz zu treten. Trotz der Figur einer Fähe würden alle wissen, dass sie kein richtiger Wolf war, aber es gab ja schon einen Werwolf hier im Rudel. Sie würden sie schon annehmen, zumindest akzeptieren. Sie hob die Schnauze in den Himmel. Wo der Rudelplatz lag wusste sie ganz genau. Banshee hatte es ihr erklärt und viele Gerüche gingen von dort auf, scheinbar hielt sich dort das ganze oder fast das ganze Rudel auf. Doch dies ließ sie kalt. Langsam setzte sie eine Pfote vor die nächste, ehe sie anfing zu rennen. Kein Keuchen verließ ihre Lefzen und schnell erreichte sie den Platz. Kurz davor bremste sie ihr Tempo, wollte sie die Wölfe doch nicht verschrecken. In angemessenem Tempo betrat sie den Platz. Blieb kurz stehen und ortete die Wölfe. Dort entdeckte sie einige Welpen und viele andere Wölfe unter ihnen auch ein paar derjenigen, welche sie an ihrem ersten Tag in Menschengestalt getroffen hatte. Dort auch, Zack war sein Name so erinnerte sie sich, derjenige welcher sie angreifen wollte. Ihre Schnauze bebte kurz, ehe sie einige Schritte weiter auf den Platz tat.
„Seid gegrüßt Wölfe des Sternenwind Rudels. Ein wunderschöner Tag heute. Mein Name ist Thylia“
Soweit sollte es reichen. Lächelnd blickte sie um sich. Glücklich darüber hier sein zu dürfen. Banshee entdeckte sie vorerst nicht, aber diese würde sie sicher noch später treffen. Seufzend blickte sie zu einer Fähe mit einem Stern auf der Stirn. War dies wohl eine Tochter der Alphafähe? Eine Tochter aus dem letzten Jahr? Gewisse Ähnlichkeiten waren festzustellen. Also tappte Thylia einfach auf sie zu.
„Entschuldigt mich. Seid ihr eine Tochter Banshees?“
Fragend ruhte ihr Blick auf der Fähe, welche sich mit einem Welpen zu beschäftigen schien. Eine wahrhaftige Schönheit. Beide. Und die Zeichnung. Einfach wunderbar.
Banshee drehte ihren Kopf kurz bevor sie ganz im Wald verschwand noch einmal zu ihrer Tochter, Tyraleen sah weg, wirkte aber noch trauriger, als zuvor. Wenn es doch nur irgendwen gäbe, der ihr das geben konnte, was sie sich wünschte. Vielleicht war es ja Face, höchst wahrscheinlich sogar, aber nicht in diesem Zustand, nicht so leer und kalt. Die Weiße wusste nicht, wie sie Face „heilen“ konnte, aber sie war überzeugt davon, dass es gehen würde. Engaya würde ihre Pfoten lenken. Banshee vertraute ihr.
.oO(Tyraleen, könntest du mich nur verstehen …)
Sie drehte ihren Kopf wieder nach vorne, sie durfte sich jetzt nicht auf ihren Schmerz konzentrieren, sondern darauf, Face irgendwie zu helfen. Ihre Pfoten steuerten schon ganz automatisch auf eine Lichtung im Norden zu, was auch immer dort geschehen würde, alles in ihr hoffte, dass er anders werden würde. Es war nicht sehr weit, aber schon auf dem Weg dorthin, sollte sie mehr über ihn erfahren … über seinen … Zustand. Sie versuchte schon die erste Frage zu formulieren, im Dunkeln tappend, ohne einen wirklichen Anhaltspunkt, als ihr Face zuvorkam. Er erhob tatsächlich das Wort, es erstaunte Banshee so sehr, dass sie zunächst seinen Wortlaut gar nicht richtig aufnahm. So wenig sie von dem Schwarzen auch wusste, sicher war, dass er selten sprach und noch seltener unaufgefordert sprach … eigentlich nie. Erst langsam wurden ihr auch die Worte klar und ein kaum zu erkennendes Lächeln schlich sich auf ihre Züge. Vielleicht spürte auch der Schwarze intuitiv, dass Banshee ihm helfen konnte … oder zumindest Engaya. Und was diese Frage auch war, selbst wenn die Weiße keine Antwort darauf hatte … Engaya würde eine haben.
“Ich bin zu dir gekommen, um sie dir zu beantworten. Stelle sie, und ich verspreche dir, dass du eine Antwort erhältst.“
Es erfüllte sie mit Erleichterung, dass Face sich nicht sträubte, dass er auf sie zuging. Sie wusste nicht, ob er ihre Hilfe wollte, auch wenn einiges dafür sprach, aber vielleicht sehnte er sich aus diesem Zustand hinaus, weg von Leere und Nichts, zum Leben und zu der Liebe. Sie müsste sogar nur das Leben übernehmen, Tyraleen liebte Face oder zumindest würde sie es bald tun, davon war Banshee überzeugt. Er war anders und genau danach sehnte sich ihre kleine Tochter. Die Leitwölfin konnte nur hoffen, dass Face das verstehen würde und Tyraleen auch das gab, was sie brauchte. Banshees Blick lag fast vertrauensvoll auf dem schwarzen Rüden.
Daylight tapste mit einer kleinen Pfote nach dem Ohr ihrer Schwester, dann blickte sie auf, ihr Blick fiel auf Face Taihéiyo, einen Moment bleib ihr Blick an ihm hängen und sie spürte die Kälte, die von ihm ausging, es war anders als bei Parveen oder ihrer Mutter, bei der sie nur die Wärme und die Geborgenheit spürten, die von ihnen aus ging. Doch da war noch etwas, diese Leere, als sei der Schwarze nur eine leere Hülle seiner selbst, bei ihm spürte sie keine Gefühle, das verwirrte sie zutiefst. Dann sah sie wie ihre Mutter aufstand und zu ihm lief, sie wollte das nicht, doch sie schwieg.
.oO(Nein, sie kann nicht zu ihm gehen nicht Mama, nein, er wird ihr etwas antun. Er, er ist gefährlich, ich weiß es!)
Die kleine Wölfin machte schon anstalten ihr nachzulaufen und wenn nötig ihre Mutter aufzuhalten, doch dann überlegte sie es sich anders, es war so ein Gefühl, das Banshee schon allein zurecht kommen würde, Face würde es nicht wagen ihr etwas anzutun. Da war ja schließlich auch noch Acollon, er wüde bestimmt auf sie acht geben, da war sich Daylight sicher. Doch sie wollte nocheinmal sicher gehen und Parveen danach fragen:
"Parveeen? Meinst du er wird ihr etwas antun? Ich spüre es, er-er ist nicht normal, er hat keine Gefühle, so wie du, so wie Mama, so wie die anderen, er ist anders, er ist wie tot."
Die junge Fähe hatte sehr schnell gesprochen und hielt ersteinmal inne, atmete tief durch und legte den Kopf auf die Vorderpfoten. Sie blickte den beiden nach, dem Schwarzen und der Weißen, bis der Wald sie verschluckte.
"Parveen? Wer ist er?"
Parveen war froh, ihre kleine Schwester bei sich zu haben, so lange der kleine Wirbelwind ruhig war, sah sich die Jungwölfin um und musterte die einzelnen Wölfe. Unter ihnen waren noch einige dabei, die sie bereits als Welpin wahrgenommen hatte, aber auch viele Neue, die sie jetzt erst richtig in Augenschein nahm. Sie wollte neue Wölfe kennen lernen, ganz bald, wenn sie etwas Ruhe für sich hatte, würde sie mal jemanden ansprechen. Zum Beispiel diese braune Wölfin (Leé), sie wirkte etwas traurig und verlassen. Da Parveen es sich angewöhnt hatte, jeden glücklich zu sehen, wollte sie auch diese Fähe glücklich machen. Ihr fiel ebenfalls entfernt auf, wie ihre Mutter mit dem schwarzen Rüden Face fortzog, wohlmöglich zu einem Gespräch. Auch sie war nie ganz schlau geworden aus dem schwarzen Rüden, aber sie hatte nichts gegen ihn. Erst einmal kannte sie ihn gar nicht richtig und sie wollte sowieso nicht über jemanden urteilen, der ihr fremd war. Der Schwarze wirkte anders, aber dass störte sie nicht und Parveen hatte nicht das Gefühl, dass von ihm Gefahr ausging. Vielleicht schätzte sie alles wieder zu sanft ein, aber es sorgte sie nicht. Erst, als ihre kleine Schwester sich wieder zu Wort meldete und besorgt nach dem Schwarzen fragte, schielte Parveen nach oben und seufzte.
„Ganz genau kenne ich ihn auch nicht, meine Kleine. Er heißt Face – Face Taihéiyo. Ich habe ihn nie kennen gelernt. Du hast schon Recht, er wirkt kälter als wir und er drückt alles anders aus. Aber ich denke nicht, dass von ihm Gefahr ausgeht. Das er wie tot wirkt…ja…manchmal, wenn ich ihn ansehen, denke ich auch an eine Hülle ohne Herz, aber…auch er wird eines haben, es nur nicht zu lassen, Gefühle zu zeigen.“
Parveen lächelte und nickte, das würde ihrer Schwester schon helfen. Plötzlich, als ihr Blick sich wieder von dem Rüden und ihrer Mutter löste, entdeckte sie eine weiße Fähe, die anders wirkte. Anders nicht im Falle ihres Charakter, sie strahlte nichts gefährliches aus im ersten Moment, aber irgendein Gefühl in Parveen wurde geweckt, ein Gefühl, welches ihr Unklar war, aber sie nicht weiter störte. Genau diese Wölfin sprach sie nur wenige Sekunden später an und Parveen lächelte.
„Seid gegrüßt. Ja, ich bin eine Tochter der Alphafähe, aus dem Wurf des letzten Jahres. Mein Name ist Parveen. Wie heißt ihr denn?“
Parveens Augen leuchteten froh, sie hatte ein Lächeln auf ihren Leftzen, wie immer wirkte sie höflich und zuvorkommend, auch ihr Blick lag ruhig auf der weißen und großen Fähe. Ihr Wesen erinnerte sie an jemanden hier aus dem Rudel. War es nicht wie bei ihrem Paten? Nein…oder doch? Parveen war verwirrt, schüttelte den Wolfskopf und nickte freundlich zu Thylia.
Neyla kicherte, als Zack sie ins Ohr kniff, er war so verschmust, ebenso wie sie. Es hatte sich wirklich nichts verändert. Im Gegenteil, die Trennung hatte sie noch mehr zusammen geschweißt. Sein Blick war am Anfang immer noch so ungläubig, auch sie konnte ihr Glück noch gar nicht richtig fassen, sie war ein neuer Wolf geworden. Als Zack sich zu dem Wort Schlafmütze äußerte, grinste Neyla nur wieder, kicherte leise und kuschelte sich ebenfalls an ihn.
„Nagut, dann überhör es.“
Flüsterte Neyla in sein Ohr und sah ihn glücklich. Sie hatte noch nie so sehr gestrahlt. Als sie Zack verlassen musste und gewandert war, hatte es ihr wehgetan, sie war depressiv geworden, hatte alles nur gespielt was glücklich wirken sollte, doch nun war es ihr ganzer Ernst. Sie war stolz auf sich selbst, sie konnte doch noch lieben, alles war in Ordnung. Zacks Liebeserklärung war für sie der Himmel auf Erden, die Wörter, die ihr immer wieder fehlten, diese Wärme und Emotionen, die er damit ausdrückte.
„Ich liebe dich auch, mein Held.“
Sie drückte ihre Schnauze in sein wundervolles Fell, dieser hübsche Rüde gehörte nur ihr und sie brauchte nun keine Angst mehr um ihn haben. Zack war schließlich auch dafür, nach ihrer kleinen Patin Ausschau zu halten und er stand schneller auf den Beiden als er die Augen geöffnet hatte. Neyla nickte zu seinen Worten, nahm seinen wundervollen Blick auf und erwiderte ihn mit Liebe und Wärme. Als er sie anstupste und nun sie als Schlafmütze bezeichnete, grinste sie nur, erhob sich und stupste Zack ebenfalls an. Wie gemein er doch war. Dann sah sie sich um, wo war die Kleine denn wohl? Neyla schnüffelte am Boden und versuchte ihren Geruch aufzunehmen, was nicht ganz leicht war unter den vielen Gerüchen im Rudel. Je mehr sie vom Rudelplatz entfernt tapste, umso mehr nahm sie den Geruch auf.
„Sie scheint entfernt von hier zu sein, wir sollten mal nachsehen, Banshee wirkt beschäftigt und Acollon habe ich noch nicht entdeckt, also ist es auch unsere Aufgabe, nach der kleinen Welpin zu gucken.“
oO(Amáya…du machst mir Sorgen.)Oo
Neyla sah Zack liebevoll an, mit ihm zusammen würde ihr die Suche leicht fallen. Und auch das Treffen mit ihrer Patin, sie wirkte noch scheu und ängstlich…
Lachend tappte er seiner Gefährtin nach, welche ihre Nase gen Boden senkte und angestrengt schnüffelte. Auch er nahm die vielen verschiedenen Gerüche war. Ihre Patin hatte er noch nicht wirklich zu Gesicht bekommen. Doch soviel er wusste war es eine etwas ängstliche und scheue Fähe, doch so wie er Neyla kannte würde sie auch bald Amáyas Herz erobert haben. Nicht so wie sie seines erobert hatte, nein auf eine andere Weise. Er lächelte sie warm an, auch wenn sie es nicht sehen konnte fand er es wichtig ihr immer zu zeigen wie sehr er sie liebte. Das erste Mal seit langer Zeit hatte er keine Depressionen mehr, fühlte sich frei und glücklich. Ganz so wie früher. Nein besser. Diese Zeit in der sie nichts voneinander gehört hatten, hatte ihm erst gezeigt wie sehr er sie liebte. Wie sehr er sie immer lieben würde und er hatte das Gefühl, als ob diese Trennung die beiden noch enger zusammen gebracht hätte. Seufzend dachte er zurück an den Tag, als er sie gesehen hatte. Als sie in dieses rudel gekommen war, in welchem er schon etwas länger verweilte. Er hatte sich stark verändert, aber da die Wölfe des Rudels ihn davor gar nicht richtig wahrgenommen haben, sollte dies niemandem aufgefallen sein. Eine leichte Frühlingsbriese streichelte sein Fell und er sog tief die frische Luft in seine Lungen. Es fühlte sich neu an. So als ob er dies all die Jahre nie bemerkt hätte, als ob er jetzt seit langem wieder richtig leben würde. Genau so fühlte er sich und er konnte immer noch nicht richtig begreifen, dass sie wieder da war, hoffte jedoch, dass dies noch lange anhalten würde. Ihre Liebe.
„Sorgst du dich um Amáya meine Liebste? Meinst du ihr ist irgendetwas zugestoßen?“
Besorgt blickte er Neyla an, strich ihr sanft mit seiner Schnauze über den Rücken, machte dann einen großen Schritt und tappte direkt neben ihr über den trockenen, leicht federnden Nadelboden. Er spürte die Kühle unter seinen Pfoten und wie sie leicht einsanken. Dies alles versetzte ihn in Hochstimmung, zu schlimm wäre es, wenn Amáya nun etwas zugestoßen wäre. Aber es würde schon alles gut sein, gewiss, musste einfach.
Die tiefschwarzen Pfoten des großen Wolfes strichen lautlos über den laubigen Boden, schienen ihn gar nicht zu berühren. Face Taihéiyo sah die Weiße nicht an, aber er hörte ihre Worte und irgendwie machten sie ihn wütend. Sie wollte ihm also die Frage beantworten? Als ob sie das konnte! Seine Frage brauchte man erst gar nicht stellen, es war unmöglich sie zu beantworte! Allerdings, sie war anders als die anderen, normalen Wölfe. Das hatte der Dunkle natürlich bemerkt, schon damals. Er wandte die saphirblauen Augen zu Banshee herum. Na gut, sie bekam die Frage!
„Warum ...? Warum hasst mich das Leben so sehr, dass es mich verdammt hat ... und warum hasst mich auch der Tod so sehr, dass ich nicht mal richtig sterben durfte?“
Für seine Verhältnisse waren das sehr viele Worte gewesen, dennoch blieb seine Stimme leer, ausdruckslos, leise. Manche seiner Erinnerungen waren schwach und blass geworden, die Zeit als Lebender rückte immer weiter von ihm weg. Irgendwann wäre auch seine Seele leer und er nur noch eine leblose Hülle, welche Ruhelos umher streifen musste. So sah das Nichts aus. Er war das Nichts, hier neben dem Leben das ...
Seine Seele zog sich krampfhaft zusammen und fast hätte er sich umgedreht, doch der Tiefschwarze wusste ja gleich, wer das nur verursacht haben konnte. Also regte er sich kein Stück und starrte wieder grade aus. Cloud hatte den Ellenbogen auf sein Kopf abgestützt und sah gelangweilt zwischen Face und Banshee hin und her. Der Indianerjunge hatte er sich auf dem Rücken des Rabenschwarzen ‚bequem’ gemacht. Face Taihéiyo spürte wie der seltene Zorn in ihm noch weiter anstieg, doch ausdrücken konnte er diesen ja nicht. Nur in seinen Gedanken und die hörte nur Cloud, wenn sie für ihn bestimmt waren.
.oO°( Disappear finally! ),
zischte er ihm gedanklich zu, ohne die Mimik zu regen. Cloud nahm den Blick von der Weißen und senkte ihn zu seinen Augen herab. Ein fieses Grinsen stahl sich wieder einmal auf seine Lippen.
( „Oh no, Face. I’ll never go away! And yes … that should be a threat.” )
Der Flammentänzer musste sich richtig zügeln, am Liebsten hätte er dieses Arschloch von seinem Rücken geworfen und hätte ihm die Kehle aufgerissen. Aber was brachte das schon bei einer Kreatur, oder eher einem Dämonen, der selbst schon tot war? Die Kunst des Ignorierens war gefragt und dennoch erschwert durch die Tatsache, dass Clouds Stimme direkt neben seinem Ohr war, dass der Junge sogar auf seinem Rücken saß! Seine Seele hatte sich so stark verkrampft und zusammen gezogen, dass es schmerzte. So, wie wenn sich bei einem Lebenden die Muskeln vor Anspannung verspannten. Der Tiefschwarze zwang sich also lieber wieder auf Banshees Antwort zu warten, schaute sie dabei wieder stumm an. Ob sie wohl Clouds Anwesenheit wahrnahm? Wahrscheinlich nicht, oder? Was war er eigentlich?
Ihre Lefzen verzogen sich zu einem Lächeln. Da hatte sie ja Glück gehabt und richtig geschätzt.
„Hallo Parveen. Mein Name ist Thylia, vielleicht hat Banshee dir schon von mir erzählt. Du brauchst keine Angst vor mir haben, auch wenn ich eine etwas andere Ausstrahlung habe. Ich hoffe zumindest, dass ich keinen der Wölfe hier erschrecke, jedoch meinte Banshee es gibt hier noch so einen Wolf wie mich. Ich glaube sein Name war Falk. Kennst du ihn? Kannst du mir sagen wo er ist? Oder ist er nicht mehr in diesem Rudel? Ich spüre ihn nämlich nicht. Doch schon wieder so viele Fragen auf einmal. Wer ist das dort? Deine Schwester?“
Den Kopf etwas schief gelegt wartete Thylia auf die Antworten Parveen´s. Sie musterte die anderen Wölfe hier auf dem Platz. Der graue verließ diesen grade. Später würde sie sich bei ihm entschuldigen wollen, doch nun war er weg und sie war nicht wild darauf ihm hinterher zu laufen. Außerdem hatte er eine Fähe dabei. Vielleicht seine Geliebte. (Neyla) Auch Ayala und Leyla sah sie dort drüben liegen. Eben fast das ganze Rudel. Banshee witterte sie auf dem Weg nach Norden mit einem anderen Wolf, welcher ebenfalls keine ganz normale Ausstrahlung hatte. Er fühlte sich, kalt an. Jedoch nicht so kalt wie sie. Eine andere Kälte war es bei ihm und dies brachte sie zum nachdenken, doch wollte sie es nicht weiter verfolgen. Irgendwann würde sie es bestimmt erfahren. Sie sah eine graue Fähe am Rand des Teiches stehen. Überall waren Wölfe und sie war nun auch bei ihnen. War in einem Rudel. Freude glänzte in ihren Augen.
„Du hast wirklich eine tolle und bemerkenswerte Mutter und Alphafähe, Parveen!“
Daylight blickte zu Thylia, sie riss sie aus ihren düsteren Gedanken und die Welpin war froh darüber. Die Fähe meinte sie wäre wie Falk? Das konnte nicht sein, wenn Parveen doch so eben gesagt hatte jeder wäre einzigartig, oder nicht? Sie schaute die Weiße abschätzig an und legte dann ihren kleinen Kopf auf den ihrer Schwester und sagte leise:
"Du kannst nicht sein wie Falk!"
Sie hielt inne und musterte die Fähe, ja auch sie war anders, aber nicht so wie Face. Sie war noch anders und sah auch nicht sonderlich gefährlich aus, Daylight fürchtete sich nicht vor, vor allem auch deshalb, weil diese selbst gesagt hat, das sie keine Angst vor ihr haben zu brauchten. Dann fuhr sie fort:
"Denn Parveen hat gesagt, jeder wäre einzigartig, also kannst du nicht sein, wie Falk."
Sie legte den Kopf den schräg und blinzelte. Außerdem hätte sie diese Fähe auch direkt ansprechen, als wenn sie noch zu klein wäre um zu antworten.
"Ja Parveen ist meine große Schwester, aber meine Wurfgeschwister sind Amáya, Tyraleen und Sheba."
Ihr Blick suchte die drei und blieb an jedem kurz hengen, dann schaute sie Thylia direkt in die Augen.
Und wartete auf ihre Antwort, das Gedächnis eines Welpens war kurz und so hatte sie Banshee und Face rasch wieder vergessen und dacht nicht länger daran, außerdem hatte Parveen schließlich gesagt er wäre ungefährlich, also wozu sich unnötige Sorgen machen?
Parveen lächelte die weiße Fähe vor ihr weiterhin, sie glaubte nicht, dass von ihr Gefahr ausging, man spürte das bei Wölfen, es gab da diesen Instinkt, den Parveen mittlerweile auch entwickelt hatte und er meldete sich hier nicht. Thylia freute sich darüber, den richtigen Riecher gehabt zu haben, ja, man erkannte es eben. Sie beteuerte es noch einmal, dass niemand hier Angst vor ihr haben musste und Parveen nickte dazu, sie hatte keine Angst, warum auch. Als Thylia aber erwähnte, dass Banshee von einem Wolf wie sie geredet hatte, dachte Parveen kurz nach, als aber die weiße Fähe den Namen schon erwähnte, der ihr dann auch auf der Zunge lag. Falk, ihr Patenonkel.
„Falk? Ja, klar kenne ich ihn, er ist mein Patenonkel.“
Lächelte Parveen zu Thylia und nickte dann.
„Er ist auf jeden Fall noch in diesem Rudel, ja. Allerdings kann ich dir auch nicht sagen, wo er sich im Moment befindet, ich habe ihn noch nicht gesehen. Er treibt sich sicherlich irgendwo rum, so ist er eben.“
Parveen bemerkte noch die letzte Frage von Thylia, die auf ihre kleine Schwester Daylight wies und Parveen wollte gerade antworten, als aber Daylight wieder aktiv wurde und auf die vielen Fragen der weißen Fähe einging, nicht unbedingt sehr freundlich, aber sie war eben eine Welpin, sie hatte eine große Klappe und das merkte man jetzt erst Recht. Sie seufzte über die Worte, sie hatte der Kleinen etwas beigebracht, was diese aber sehr verallgemeinerte. Parveen sah freundlich zu Thylia.
„Ja, dass ist meine kleine Schwester. Nun, ich habe ihr beigebracht, dass jeder Wolf etwas sehr Besonderes ist, einzigartig mit einem Kennzeichen, was niemand anderes hat. Ich hätte ihr vielleicht noch mehr dazu sagen sollen.“
Parveen wandte ihre Stimme zu ihrer kleinen Schwester.
„Doch Daylight, das geht schon. Du bist ja auch wie ich. Es gibt da noch diesen Unterschied der Rassen und nach den Rassen her sind wir alle gleich. Die beiden sind eine spezielle Art von Wölfen und das macht sie gleich, aber trotzdem haben beide etwas einzigartiges an sich, z.B. vielleicht vom Charakter oder das Thylia uns anders erscheint als Falk es tut, obwohl sie dieselbe Rasse haben. Verstehst du das?“
Parveen seufzte, es war doch kompliziert, aber sie musste es der Kleinen beibringen, irgendwie würde das schon klappen. Das Lob über ihre Mutter hörte Parveen aber gerne.
„Danke Thylia, das stimmt. Banshee ist eine einzigartige Fähe. Aber ich könnte nicht so sein wie meine Mutter. Dazu bin ich nicht reif genug.“
Grinsten Parveen, oh nein, sie würde keine Alphafähe sein können, dazu war sie lieber zu gern allein.
Mit verzogener Mimik musterte die Schwarze einen Schmetterling, der genau auf ihrer Nase Platz genommen hatte. Da lag man ein paar Minuten reglos in der Sonne und hatte dann ein flatterndes Etwas auf der Nase. Leicht zuckte Kisha zusammen, als dieser die Flügel zusammen klappte und sie sofort wieder öffnete.
“Ksch! Verschwinde!“
Laut zischte die Jungwölfin diese Worte in die Richtung des buntes Insektes, pustete etwas Luft nach oben, um das Vieh zu verjagen. Sinnlos, nichts half, der Schmetterling blieb sitzen, als wäre nichts gewesen. Protestierend sprang die Schwarze auf, rannte ein paar Meter. Doch noch immer machte das bunte Etwas keine Anstalten, sich auch nur etwas zu bewegen. Was für ein stures Ding! Ohne zu zögern ließ sich Kisha fallen, strif mit der Schnauze über den harten Boden. So musste es klappen! Mit einem Satz stand sie wieder auf den Pfoten, schaute sich nur kurz um. Triumphierend und stolz hob sie den Kopf, als ihre Nase von dem Schmetterling befreit war, schüttelte kräftig das schwarze Fell ehe sie sich abwandte und neugierig den Blick wandern ließ. Mit einem freudigen Ausdruck in den braunen Augen rannte sie los, als sie fand, was sie suchte. Mit schnellen schritten näherte sie sich ihren beiden Schwestern, Parveen und Daylight. Ein leises Wuffen entfloh ihrer Kehle, als sie den beiden näher kam. Mit großen Sätzen flog die Schwarze förmlich auf die beiden zu, achtete anfangs nicht auf die Weiße Fähe, die bei ihnen stand.
“Hey ho Parveen! Wie geht’s wie stehts?“
Mit einem letzten Satz sprang sie auf ihre Schwester zu und legte die Pfoten auf ihren Rücken, während sie nach ihrem Ohr schnappte. Begeistert schaute sie zu Daylight, die in der Nähe stand.
“Du bist also auch hier, schön dich zu sehen!“
Leicht schüttelte sie den Kopf, noch immer Parveen’s Ohr in der Schnauze. Noch immer störte sie sich nicht an der Weißen, warum auch? Sie hatte nichts von dem Gespräch der drei mit bekommen, also warum darauf achten? Grinsend wandte sie den Blick von Parveen zu Daylight und zurück.
“Ihr solltet aufpassen! Die Schmetterlinge fliegen heute tief!“
Mit jedem Schritt den er tat, so schien es Hiryoga, wurde er leiser und vorsichtiger, seine Pfoten berührten den Boden nur so kurz, dass er es so gut wie nie zu einem Geräusch kommen ließ, er wollte kein Geräusch von sich geben, weil er nicht entdeckt werden wollte. Auch wenn er wusste, hier würde sich niemand aufhalten, so ging er doch vorsichtig, noch war er nicht bereit irgendwem gegenüber zustehen. Und der Gedanke daran, dass er seiner Mutter nach vier Monaten gegenüber stehen sollte, jagte ihm immer wieder kalte Schauer über den Rücken. Er hatte sich damals verabschiedet, mit dem Gedanken nie wieder zukommen, doch war er zurückgekehrt. Wieso? Sein Blick huschte zu der weißen Jungwölfin, die ungefähr auf Schulterhöhe mit ihm lief. Shani. Er hatte in ihr eine Freundin gefunden, die ihm in den fast vier Monaten, in denen er sie nun schon kannte, so sehr ans Herz gewachsen war, das er wohl nicht ohne sie gehen würde, egal wohin. Wegen ihr waren sie nun in diesem Wald, hatten die Reviergrenze überschritten und befanden sich in seinem (alten) Zuhause. Das Nackenfell des Braunen sträubte sich, das letzte Mal war er hier als noch Welpe vorbei gelaufen, fast denselben Weg hatte er genommen, um aus diesem Revier zu verschwinden. Irgendwann würden sie das Erdloch passieren, in das er damals hineingefallen war, wovon er immer noch eine Narbe trug, die nur keiner sah. Wenn zu viel Last auf seinen Schultern lag, wenn man seinen Hals zu fest griff, dann reagierte er extrem, es schien ihm fast so, als ob seine Lungen durchbrechen würden, wenn er zu viel lief, so spürte er ein ständiges Drücken gegen seinen Hals, er hasste es, denn es fühlte sich so an, als ob er langsam ersticken würde, doch mit der Zeit hatte er sich daran gewöhnt. Warum konnte sie ihn immer wieder umstimmen? Leicht verengte der Jungwolf die smaragdfarbenen Augen und blickte direkt geradeaus, er hatte nicht zurückgewollt, sein Leben außerhalb des Reviers mit Shani hatte ihm mehr als nur gefallen, er hatte es geliebt, frei und glücklich, aber diese Bedrücktheit hatte ihn nicht verlassen.
Die Schritte des Rüden wurden immer langsamer, unruhig zuckten die großen Ohren auf dem Kopf, bis sein Körper zum Stillstand kam, wie sein Atem und die Ohren. Sein Blick war immer noch gerade ausgerichtet, was nun? Er hatte noch die Chance einfach umzukehren, niemals würde jemand von seiner Anwesenheit hier erfahren, sie würden ihn alle bald vergessen haben, seine Mutter, sein Vater, seine Geschwister, mit denen er nie viel zu tun hatte und seine Patin. Das restliche Rudel würde eh nicht an ihn denken und vermissen würde ihn keiner, warum sollte er dann wieder zurückkehren? Langsam wandte er den Kopf zu Shani um, Unentschlossenheit und Unsicherheit waren zu deutlich in seinem Blick zu lesen, er war einfach verschwunden, warum? Er war jung und dumm gewesen und hatte immer noch nichts daraus gelernt, er konnte einfach nicht aufhören sich immer weiter mit diesen Fragen, mit diesen Feststellungen zu quälen. Hiryoga legte die Ohren nach hinten, sein ganzer Körper war angespannt, er hatte sie alle verlassen, er hatte sie im Stich gelassen, einfach so, konnte er jetzt einfach zurückkehren? Würden…würden sie ihn noch wollen? Leise rauschte das grüne Blätterdach über den beiden Jungwölfen, der süßliche Geruch des Frühlings lag in der Luft, doch war der Braune nicht sehr davon angetan, er mochte den Frühling nicht, denn es lag noch etwas anderes in der Luft, seine Mutter würde neue Welpen bereits haben, warum sollte er noch zurückkehren? Sie hatte nun eine neue Aufgabe, neue Welpen, da waren die Alten unwichtig, es gab keinen Grund mehr für ihn nach Hause zu gehen.
Daylight wedelte freudig mit dem Schweif als sie Kisha kommen sah und schaute wuffend von Parveens Kopf hinab. Sie drehte sich nocheinmal zu Parveen und Thylia um und erklärte:
"Ja, Schwesterchen, ich glaub ich habe das jetzt verstanden, du meinst, das man zwar etwas gemeinsam haben kann, aber deshalb trotzdem anders ist, nicht wahr und jetzt entschuldigt mich, ihr beiden, ich werde meiner Patentante ein wenig gesellschaft leisten."
Sagte sie von oben herab, mit einem amüsierten Grinsen auf den Lefzen. Sie balancierte auf Parveens Rücken herum und warf noch einen Blick über die Schulter zu Thylia:
"Ach und was hast du denn gedacht, natürlich sind Banshee und Acollon einmal gute Rudelführer, die besten die es je geben wird, schließlich sind sie meine Eltern."
Sie lächelte der Fremden zu und wandte sich zu Kisha um sie freudig zu begrüßen:
"Oh hey Kisha, schön dich zu sehen."
Sie näherte sich ihr vorsichtig von Parveens Rücken aus und sprang ab um auf den Rücken ihrer Petentante zu gelangen und ihr gelang das kleine Kunststück und sie kullere auf Kishas Rücken herum, fand halt und kletterte auf ihren Kopf, die Pfoten zwischen den Ohren der Schwarzen.
Seufzend wendete Kaede ihren Kopf. Sie war so einsam geworden. Doch dies konnte sie nun nicht mehr ändern, viele Wölfe hatten sie verlassen, als letzter vor einigen Monaten ihr Pate, Hiryoga. Doch das Leben ging weiter. Sie roch den Frühlingswind, malte sich all die prächtigen Farben vor ihren Augen aus. Die Bäume fingen an zu grünen, das Wasser des Sees leuchtete wieder heller, weniger bedrohlich. Der Wind wurde sanfter, wärmer. Die Sonne schien länger auf ihren Pelz und erwärtme ihn. Der Boden unter ihren Pfoten wurde wieder weicher, trockener. Überdeckt von dem Laub und den Nadeln des vergangenen Jahres. Neue Welpen waren geboren worden. Hüpften über den Rudelplatz, von dem sie eben erst hinunter gegangen war. Sie wollte ein wenig den Frühling genießen. Alleine, fern ab von den anderen. Dort fühlte sie sich zu beobachtet, als ob alle sie angucken würden und sie konnte es nicht sehen. die Vögel zwitscherten über ihrem Kopf und Schmetterlinge landeten sanft auf ihrem Fell, nur um schnell wieder hoch in die Wolken zu fliegen. Kaede hatte es verpasst, noch rechtzeitig zum Meer zu kommen. Ihre Krankheit war zu schnell gekommen, die Reise hätte sie nicht mehr geschafft und doch wünschte sie sich nichts sehnlicher, als zum Meer zu kommen, die salzige Luft einzuatmen und das rauschen der Wellen zu hören. doch sollte sie sich lieber nicht weiter damit beschäftigen, das bekam ihr nicht gut. Sie tappte weiter, vorsichtig und sich auf ihren Instinkt verlassend. Warum war Hiryoga damals von ihr gegangen? Er hätte hier ein so schönes LEben führen können, doch er war jung, ihm standen noch alle Möglichkeiten offen. Sein ganzes Leben stand ihm bevor. Jedoch war er nach der Jagd sowieso komisch gewesen. Er hatte sie verlassen, noch bevor er das ganze Rudel verlassen hatte. Hatte sie al Patin versagt? fragen über Fragen stürzten über sie ein, doch nicht depressiv werden ermahnte sie sich selbst und schnupperte kurz, bevor sie ein wenig nach links schwenkte und so einem Baum auswich.
Banshee bemerkte den Zweifel Faces durchaus, lächelte dazu aber nur leicht, seine Frage schien eine schwierige zu sein, aber da die Weiße davon überzeugt war, dass der Schwarze sie weder dem Tod noch dem Leben je gestellt hatte, war sie zuversichtlich, dass es eine Antwort geben würde. Als er sie dann stellte, zuckte ihre Schnauze ganz leicht. Sie war sich zuvor nie sicher gewesen, was mit diesem Rüden los war, jetzt war es ihr klar, auch wenn sie leises Erstaunen empfand. Es war also möglich … warum? Es war eine berechtigte Frage und für eine kurze Zeit, fragte sich Banshee das Gleiche, dann aber spürte sie die Antwort in ihrem Herzen. Es war im Prinzip doch die gleiche alte Frage, die schon tausende vor Face gestellt hatten.
“Ich kann nur für das Leben sprechen, aber meine ich auch die Antwort für den Tod zu kennen, es hängt alles zusammen. Face, weder das Leben noch der Tod hasst dich, einzig derjenige, der dich zu dem gemacht hat, das du jetzt bist, hasst dich. Engaya liebt dich wie jeden anderen Wolf, aber es ist die reife Liebe einer Mutter. Ich bin selbst Mutter geworden und ich habe gelernt, dass ich meinen Welpen Freiheit lassen muss, dass ich sie nicht einzwängen darf. Und ebenso tut es auch Engaya, derjenige, der dich in diesen Zustand befördert hat, wird von ihr geliebt und sie hat ihn nicht daran gehindert, weil auch er lernen muss und du ebenfalls, denn etwas gelernt hast du, da bin ich mir sicher. Dein Peiniger wird irgendwann dafür bestraft werden, wenn er es nicht schon wurde und du wirst bereits belohnt. Oder warum glaubst du, hat Engaya deine Pfade hier her geführt? Warum hat sie mich zu dir gelenkt, damit ich jetzt mit dir spreche um dir das zurück zu geben, was du dir zumindest zu einem Teil in deiner Seele ersehnst? Das Leben liebt dich und ich bitte dich, nimm diese Liebe an.“
Als sie schließlich verstummte, kräuselte sie leicht ihre Nase und blinzelte dann zu Face. Sie hatte viel gesagt, war sich aber trotzdem nicht sicher, ob sie Face damit hatte überzeugen können. Er hatte schon immer misstrauisch und zweifelnd auf sie gewirkt, ob er an Engaya glaubte, konnte sie nicht sagen, aber sie hätte nicht darauf gewettet. Trotzdem hoffte sie, dass er ihre Worte annahm, sich helfen lies. Sie hätte ihn so gerne auf die Seite des Lebens gezogen, hätte Tyraleen so gerne einen liebenden Paten gespendet. Etwas in Faces Blick lenkte sie von ihren Gedanken ab. Der Schwarze schien mit einem Mal anders, wütender, als hätte sich irgendetwas verändert. Banshees Blick glitt einmal rasch über die Umgebung, konnte aber nichts entdecken. Vielleicht war es nur Einbildung, höchstwahrscheinlich sogar, aber jetzt spürte auch sie, dass irgendetwas anders war. Ihr Blick lag wieder fragend und etwas skeptisch auf Face.
Shanis Schritte hatten sich mühelos den Hiryogas angepasst, jede Schwankung, ein plötzliches schneller oder langsamer Werden, ahmte sie nah, sodass sie stets neben einander liefen und sich ihre Flanken bei jedem Schritt leicht berührten. Die weiße Fähe spürte die Anspannung ihres Freundes, sie kamen zu seiner Familie zurück. Es war ihre Idee und sie war froh darüber, ihn überzeugt zu haben, auch wenn er jetzt noch sehr unsicher war, bald würde er glücklich im Kreis des Rudels leben. Und sie wohl mit ihm … wieder in einem Rudel zu leben, verwirrte sie ein wenig, aber es würde mit Sicherheit schöner sein, als allein herum zu ziehen. Seit sie Hiryoga getroffen hatte war das etwas anderes, aber auch mit ihm, waren sie doch nur zwei und das konnte die Gemeinschaft eines Rudels nicht ersetzen. Jedenfalls stellte sie sich das so vor, es war schon so lange her, dass sie diese Geborgenheit hatte fühlen dürfen, dass diese ihr wie etwas göttlich Schönes erschien. Hiryoga wurde etwas langsamer, sie bemerkte, dass sich sein Fell gesträubt hatte und wie selbstverständlich legte sie ihre weiße Schnauze in seinen dunklen Nackenpelz, strich damit leicht durch sein Fell und hoffte, er würde sich etwas entspannen. Doch schließlich blieb er ganz stehen, wandte ihr den Kopf zu und so viel Unsicherheit stand darin, dass Shani selbst ganz hilflos wurde. Mit tänzelnden Schritten löste sie sich von ihrem Freund, blieb frontal vor ihm stehen, spreizte leicht die Vorderläufe und sah ihn mit geducktem Oberkörper und schief gelegtem Kopf schweifwedelnd von unten an.
“Hiryoga, du brauchst keine Angst zu haben. Sie werden so froh sein, dich wieder zu sehen, deine Mutter muss sich furchtbare Sorgen gemacht haben. Und wittere nur in die Luft, ist das nicht deine Patin? Ich meine mich an diesen Duft an dir zu erinnern. Sie freut sich sicher furchtbar, dass du wieder da bist.“
Sie lächelte ihm zu, schwenkte die Rute und lud ihn mit ihrer ganzen Körperhaltung ein, zu ihr zu kommen, weiter zu gehen. Er würde dort doch wieder fröhlich werden, er brauchte doch seine Familie, so wie sie ihre brauchte. Und er konnte immerhin zu ihr gehen, Shani würde nicht zulassen, dass er diese Chance nicht nutzte. Ihre Augen funkelten auffordernd.
Seine eigentlich so ziemlich grenzenlose Geduld wurde immer mehr auf die Probe gestellt, während Face Taihéiyo auf Banshees Antwort wartete. Cloud schien es wohl richtig Spaß zu machen den tiefschwarzen Wolf zu reizen. Erst textete er ihn murmelnd noch mit irgendetwas zu, was der Rüde gar nicht wahr nahm, dann stand der Junge plötzlich vor ihm und drehte sich grinsend der Weißen zu. Face musste seinen Blick ablenken lassen und fuhr Cloud in Gedanken aggressiv an, als er sich auf Banshee zu bewegte.
.oO°( Go away! )
Als sich Cloud bloß lässig an Banshees Schulter lehnte und abschätzend zu ihm herüber sah, fragte sich der Tiefschwarze ernsthaft, ob der Junge nun ganz den Verstand verloren hatte. Was zum Teufel sollte das?! Der war nicht ganz bei Sinnen! Da die Weiße nun aber zu einer Antwort ansetzte, musste Face sich wieder auf sie konzentrieren. Nach und nach nahm er ihre Worte auf und es dauerte etwas, bis sie von ihm ganz verstanden wurden. Dafür hatte sie jetzt seine ganze Aufmerksamkeit. Das Leben liebte ihn also? Und das sollte er ihr nun ernsthaft glauben? Wäre die Luft dazu da gewesen, hätte er wohl leise gegrollt, aber wenn ihn nicht das Leben verflucht hatte, dann konnte es nur das Gegenstück gewesen sein. Ja, es war verantwortlich für alles und Banshee bestätigte es ihm unbewusst auch noch. Der Tod hatte ihn zu dem gemacht, was er nun war. Er hatte ihm jedes Mal wieder Die genommen, die ihm etwas bedeutet hatten, egal wie vorsichtig er sich jemandem genähert hatte, wie langsam er Vertrauen gesucht hatte, die Zeit hatte nie ausgereicht und schon waren sie tot, ermordet und das nicht von der Zeit. Und in der Stunde seines Todes hatte er ihn ebenso verstoßen. Wäre alles nicht so gekommen und würden all Jene noch leben, nichts wäre dann so ... wie jetzt.
„Kann man den Tod für seine Taten bestrafen? Nein ... das Leben liebt den Tod.“
Face senkte die Augen, ließ den starren Blick jedoch auf Banshee liegen, fast schon durchdringen. Ja ... das Leben liebte den Tod, hier hatte er doch das beste Beispiel. Doch kaum waren seine Worte verklungen, ließ der Indianerjunge von der Wölfin ab und kam wieder zu ihm hinüber. Er stellte sich genau vor ihn und beugte sich etwas hinunter, sodass er mit dem großen Wolf auf Augenhöhe war.
( „Niemand wird bestraft, Face ... wer würde sich schon die Mühe machen dir etwas Gutes zu tun? Dein Leben war doch eh sinnlos ...“ )
Einen atemlosen Moment starrte Face Taihéiyo den Jungen einfach nur an, nahm nichts außer ihm mehr wahr. Dieser ... dieser ...! Eine angestaute Welle aus Zorn und Verzweifelung löste sich in seiner Seele und ein Ruck ging durch seinen Körper. Die aufwallende Wut trieb ihn zu einem Direktangriff auf den Jungen an. Scheinbar hatte dieser bloß auf diese Reaktion gewartet, denn er wich aus und zog blitzschnell ein Messer aus seinem Gürtel. Face hörte seine Stimme, wie er ihm ein „Let’s fight!“ entgegen schleuderte, alles ließ seine Seele toben und ihn blind werden.
Der Tiefschwarze wirbelte herum und versuchte den Jungen zu packen, war sich nicht mehr im Klaren darüber, dass Banshee immer noch dabei stand. Jetzt hatte der Wolf auch vergessen, dass sie sich eigentlich beide nicht mehr schaden konnten. Trotzdem duckte er sich, wenn Cloud nach ihm stich und er wandte ihm den Rücken zu, wenn Face nach der Kehle schnappte. Ewig hätte dieses „Spiel“ so weiterlaufen können, wenn der Rabenschwarze nicht in einer einzigen Sekunde seine Taktik fallen gelassen hätte.
Sie standen sich direkt gegenüber ... bloß einen Atemhauch lang ... Dann stich Cloud zu. Im selben Moment schoss Face Taihéiyo nach vorne.
Seine Reißzähne umschlossen die Kehle des alten Freundes.
Sein Messer bohrte sich in die Brust des tiefschwarzen Wolfes. Die Welt schien still zu stehen, Blicke trafen sich. Der Junge wurde realer denn je, er fühlte ihn genau und etwas wie Gift ging an durch seinen Körper zu kriechen, ganz langsam bis jede Faser des eh toten Körpers betäubt war. Ganz langsam tropfte etwas Blut das Messer entlang, etwas Blut sein Maul herab. Sein ganzer Körper wurde schwer ... sie ließen los. Seltsam ... Face spürte seine Glieder, wie sie immer schwerer wurden, der Orientierungssinn funktionierte nicht mehr länger und schaltete sich ab. Langsam sackte er zusammen und ebenso ging Cloud in die Knie, sein Kopf landete auf der Schulter des tiefschwarzen Wolfes. Die saphirblauen Augen wanderten ziellos über die Umgebung, blieben an Banshee hängen, langsam verschwamm alles. Face fühlte sich gedankenleer, vergiftet, wie ins Koma versetzt. Noch immer die Weiße ansehend wurde dann alles schwarz, die Lider schlossen sich.
Er sank tiefer, immer tiefer in das Nichts, alles war dumpf und ein seltsamer Druck lastete auf ihm. Der tiefe Ozean nahm ihn ein und Stille empfing ihn. Face konnte nichts sehen, obwohl er die Augen offen hielt. Er lief los, rannte wie durch Wasser, durch Vakuum und in Zeitlupe kam die Gestalt eines Jungen näher, tauchte in der Schwärze auf. Abrupt blieb der ebenso Schwarze stehen, legte die Ohren zurück.
.oO°( Jetzt bist du auch hier gelandet ... )
Der Kleine kam ihm entgegen, durch die Dunkelheit konnte er seine kastanienbraunen Augen sehen. Erst direkt vor ihm blieb er stehen und streckte dann, in die Hocke gehend, seinen Arm nach ihm aus. Cloud erfasste seine Kette und zog sie langsam aus dem dichten, seidigen Pelz hervor.
( „Wir sind halt auf ewig miteinander verbunden.“ ),
hörte Face Clouds Stimme in seinem Kopf und senkte die Schnauze etwas.
( „Je länger du tot warst, desto stärker wurde unser Band. Du musstest mich hassen um aus deiner Pein zu entkommen, wir mussten uns umbringen, damit wir beide frei seien können.“ )
Das Denken fiel hier so unendlich schwer, wo immer sie sich auch befanden, die Gedanken waren vernebelt und trotzdem verstand der Tiefschwarze seine Worte, erkannte den Sinn. Die müden, tiefblauen Augen betrachteten den alten Freund, der grade seine eigenen Hände besah. Die blassen Erinnerungen nahmen wieder Farben an, wie er damals als Jungwolf in einem Käfig gehockt hatte, verstört und verwirrt. Doch ein kleiner Junge hatte neben dem Käfig gesessen und ihm zugeredet. Damals hatte er noch kein Wort verstanden, dennoch waren sie beruhigend gewesen. Jeden Tag war er gekommen, hatte mit ihm geredet, irgendwas und ihm manchmal etwas Essbares abgegeben, wenn das, was er von den anderen Indianern bekommen hatte mal wieder nicht ausreichend gewesen war. Der Vater des Indianerjungen hatte den Jungwolf nach und nach zu einem perfekten Jäger ausgebildet, irgendwie war der Kleine selbst immer dabei gewesen. Er war auch der Einzige, den er je ganz nah an sich heran gelassen hatte. Ein schwarzhaariger Junge mit einem Band um den Kopf, an dem munter zwei Adlerfedern baumelten. Er hatte auch sowas gehabt. Ein Lederband mit Federn dran, gemocht hatte er es jedoch nicht. Es hatte bedeutet, dass man ihn festbinden konnte, seine Freiheit einschränken. Er hasste den Käfig, seine Gitterstäbe, die Enge. So war er froh, als man ihn nicht mehr dort hinein steckte und er dem Jungen auf Schritt und Tritt folgen konnte. Irgendwann hatte dieser ihm ja noch etwas umgebunden, ein dünnes Band mit eben jenem Saphir und den Rabenfedern. Von da an, hatte er jedes Wort des Jungen verstehen können. Die Verbindung war gesetzt.
Auch die Erinnerungen an den Überfall wurden wieder deutlicher, überall waren Schüsse in der Luft gewesen, hellhäutige Menschen auf gezähmten Pferden mit ihren tödlichen Waffen. Und weil der junge Wolf nicht schnell genug gewesen war, hatten sie Cloud erwischt. Er hatte bei ihm geruht, bis es vorbei war. In Faces Ohren hallte das Geräusch wider, das ertönt war, als der Indianerjunge das dicke Lederband von seinem Hals gelöst hatte. Es wurde wieder dunkel um ihn herum und er konnte nur noch seinen Freund sehen.
( „Er hat mich jetzt frei gelassen und ich darf gehen, aber du musst dich nun entscheiden.“ )
Cloud fuhr mit einem Finger über Faces Saphir und hob den Blick als sich der junge Mann erhob. Ein mattes Lächeln legte sich auf die Lippen des Indianerjungen und einmal mehr streckte er die Hand nach seinem großen Freund aus.
( „Ich bitte um Verzeihung für all das, was ich dir angetan habe ... Es war nicht mein Wille.“ )
Stumm blickte der Wolf in Menschengestalt den Kleinen an, schien zu überlegen, aber er hatte verstanden. Manchmal übernahmen andere Mächte die eigenen Handlungen, dafür gab es wohl keine direkte Erklärung. Aber irgendwo gab es immer jemanden, der von Besessenheit erfasst wurde. Aber irgendwie hatte Diese ihnen ja geholfen, oder? Noch ein letztes Mal ergriff Face Clouds Hand, hielt sie fest, bis vor seinen Augen alles schwarz wurde ...
.oO°( Es ist zu spät für Hoffnungen, die Zeit hat mich müde gemacht. Was auch immer nun geschehen wird, ich kann nichts daran ändern, ich konnte meine Wege noch nie ändern. Sie waren immer so, wie sie halt geworden sind und so wird das wohl weiter gehen, bis zur Endstation. Jetzt lasse ich mich einfach fallen ...)
Banshees Blick wurde noch etwas fragender, als Faces Blick wieder wanderte, scheinbar ziellos vor sich im Wald herum, dann hielt er knapp über ihr an. Sie wusste, dass es da nichts Interessantes zu sehen gab, was zum Teufel passierte hier? Wurde Face verrückt? Aber nein, dann wäre sie ebenfalls davon betroffen, denn weiterhin spürte sie irgendeine seltsame Anwesenheit von irgendwem oder irgendetwas. Face bemerkte entweder nicht, dass sie verstand, oder er wollte ihr keine Antwort geben. Das alles, was sie eben gerade noch gesagt hatte, schien ihr nun nicht mehr so wichtig, hier geschah etwas Höheres und es schien kurz vor der Explosion zu stehen. Face hatte seinen Blick wieder auf sie gerichtet, aber es schien ihr weiterhin so, als würde er nicht nur sie sehen … seine Antwort holte sie allerdings wieder ein wenig auf den Boden zurück, ihre Augen verengten sich ein wenig. Es schien ihr wie ein Vorwurf an sie zu sein, gleichzeitig war sie weiterhin der Meinung, dass der Tod nichts getan hatte. Sie kannte die Umstände nicht, in denen dieses Leid Face zugefügt worden war, aber irgendjemand muss dies getan haben und genau der sollte bestraft werden … wenn überhaupt. Auch er wurde nur von anderen beeinflusst, es war doch der ewige Kreis, den man nur mit Liebe durchbrechen konnte. Und genau das hatte sie nun auch vor. Sie würde keine Diskussion vom Stapel brechen, sie würde darauf gar keine Antwort geben, sie war das Leben, es gab bessere Methoden. Aber bevor sie auch nur eine mögliche Tat überdenken konnte, passierte alles auf einmal. Face sah wieder ins Nichts vor sich, jetzt knurrte er, unwillkürlich trat die Weiße einen Schritt zurück. Dann sprang der Rüde los, zähnefletschend und wie zu einem Frontalangriff ansetzend ins Nichts … bis dort kein Nichts mehr war. Dort, wo eben noch eine von Blütenduft und Sonnenwärme getränkte Luft träge zwischen den Bäumen gehangen war, stand jetzt ein … ein Mensch. Banshee erkannte ihn nur, weil sie vor einigen Monaten Thylia gesehen hatte. Er war ebenso klein, hatte aber einen anderen Körperbau, Banshees Intuition verriet ihr, dass es ein Rüde sein musste. Und dieser seltsame Mensch begann mit Face zu kämpfen. Banshee hatte sich längst aus der Reichweite der beiden befördert, stand stumm und mit weit aufgerissenen Augen zwischen zwei vermoderten Bäumen. Es war wie ein Werwolf, aus einem Mensch wird ein Wolf … aber das war nun Luft, die zum Wolf wurde. Wurde sie verrückt? Waren Face und sie in einen seltsamen Strudel hinab gezogen worden, spielte Fenris mit ihnen? Aber es sah so real aus, der Kampf der zwei Gestalten, immer wieder verschwammen sie miteinander, sie waren Eins, dann wieder getrennt, nur manchmal durchdrang ein Knurren oder ein wildes Keuchen die Stille. Hätte Banshee sich fassen können, es hinnehmen, was sie dort sah oder das Übernatürliche akzeptieren, das schließlich hier überall herrschte, hätte sie Face geholfen, so aber hatte sie erst wieder Macht über ihren Körper, als Faces Kiefer den Hals des Jungen umschlossen und ein spitzer Gegenstand in die Brust des Schwarzen gestoßen wurde. Die beiden Wesen sackten zusammen, Face schlug als erster auf dem Boden auf, ein kleines Rinnsal tiefroten Blutes floss ins feuchte Gras, dann fiel der Mensch auf ihn, den seltsamen Kopf auf die Schulter Faces gestützt. Eine Ruhe kehrte ein, die Banshee noch mehr Schauer über den Rücken jagte als zuvor das Erscheinen des Menschen. Sie roch den Tod, er stand so deutlich zwischen den Bäumen, dass auch ihre Läufe drohten schwach zu werden und sah die beiden leblosen Gestalten im Gras liegen, alles wie in einem schlimmen Traum. Tausende Gedanken schalteten sich ein, war Face tot, hatte sie ihn getötet, was hatte sie dort gesehen, woher war der Mensch gekommen, war das Fenris’ Werk, wo war Engaya … träumte sie? Ihre Läufe begannen sich endlich zu bewegen, wie schwebend glitt sie auf den Menschen und Face zu, hielt neben dem gebrochenen Körper des Jungen an, musste nur einmal die Schnauze zu ihm senken, um festzustellen, dass er tot war. Ein Schauer durchlief ihren Körper, der Tod war so gegenwärtig, so nahe bei ihr, dass sich alles zu drehen begann … wo war das Leben, wo ihre Stärke? Weiter ging es, zu Face. Ohne Hoffnung senkte sie ihre Nase zu seiner Schnauze, roch Kälte und Tod, wollte den Kopf wegdrehen, als sie meinte einen Atem zu spüren. Ihr blick wurde wacher, sie verharrte atemlos … ja, da war wieder ein leichter Hauch. Eilig glitt ihre Nase über seinen Körper, er war warm, das Blut, das ihre Pfoten benetzte war nur wenig … er lebte. Sie hob den Kopf, fasste sich kurz, auch wenn sie nicht verstand, was geschehen war, sie musste Face retten. Schon allein für Tyraleen. Sie schloss kurz die Augen, konzentrierte sich, flehte zu Engaya ihr zu helfen und spürte die Stärke, die wieder zu ihr zurückkam. Fenris hatte keine Macht über sie, er würde Face nicht bekommen. Ihr leichter Körper sank zu Boden, das Rot des Blutes tränkte nun auch ihr Brustfell, dennoch drückte sie ihren Körper an den des Schwarzen. Ihre Schnauze wanderte zu einem der reglosen Ohren, sie begann zu reden, so leise, dass sie sich manchmal nicht mal selbst verstand.
“Face, du bist an der Abzweigung angekommen, du hast die Chance bekommen, die dir versprochen wurde. Einen der beiden Pfade musst du wählen, du kannst sterben, all das hinter dir lassen, ohne je richtig gelebt zu haben. Oder du kannst leben, auf der Erde bleiben, wieder fühlen, Glück spenden … du kannst bei Tyraleen bleiben, meine Tochter braucht dich. Oh, ich flehe dich an, Face, nimm meine Pfote, lass dich von mir den Pfad des Lebens entlangführen, schenke Tyraleen, was sie sich so sehr wünscht, sterben kannst du, wenn dein Körper dazu bereit ist. Dann wirst du den leuchtenden Himmelspfad betreten können, der jetzt noch verschlossen ist. Warte, bis er sich öffnet, beschütze meine Tochter, ich bitte dich mit meinem ganzen Herzen.“
Sie war sich sicher, dass Face sie hörte, er lag nicht im Fieberschlaf, er wurde nicht getötet, nicht mal wahrhaft verwundet, er war nur den Abgrund hinuntergestürzt, den er gesucht hatte. Jetzt konnte er unten bleiben oder hinauf klettern, darüber schweben würde er niemals mehr. Banshees Atem ging stoßweise, sie wollte nicht, dass Face starb, flehte um sein Leben, zu ihm, zu Engaya, sie hatte ihn hier her geführt, sie wollte ihn lebend zurückführen. Er musste leben.
Shit trieb sich einsam in den Wäldern herum, oder in den Bergen, Tage, Wochen, er hatte jedes Zeitgefühl verloren. Inzwischen waren die Welpen geboren worden, das wusste er, aber er hatte sich nicht mehr blicken lassen. Im Revier waren hin und wieder seine Fährten zu finden gewesen und es war auch nicht so, dass er sich versteckt hätte, aber irgendwas schien ihn in die Einsamkeit zu treiben. Sie war ihm vertrauter, als das Leben in einem Rudel, mochte sein das es daran lag. Er beschäftigte sich alleine, so wie er es meistens tat. Zwei Jahre, ein so junger Rüde, der Körper überzogen mit Narben, die preisgegeben werden würden, mit jedem Tag, den der Sommer näher kam. Wertlose Erinnerungen an längst vergangene Zeiten.
„Shit, Banshee wird bald deine Hilfe brauchen, es wird früher oder später Zeit werden, zum Rudel zurückzukehren. Aber bis Morgen können sie alle sicher noch warten, heute ist ein so wunderschöner Tag, um einsam zu sein.“
Vergnügt beschleunigte er sein gemütliches Wandertempo, rannte los, als wäre der Teufel hinter ihm her. Aber dieser war es nicht, es war der Wind, mit dem er um die Wette lief. Die Freiheit pulsierte in seinem Blut, trieb ihn zu immer höheren Geschwindigkeiten an. Shit hatte seinen Spaß, freute sich seines Lebens.
Seine Pfoten trieben ihn in die Berge, er liebte die Aussicht dort oben und war so oft schon hinauf geeilt, um dann völlig erschöpft zu Boden zufallen und die Nacht dort zu verbringen. Die Sterne waren hier sowieso schöner, als überall sonst, wo er bisher gewesen war und der Nachthimmel schien zu strahlen. Es hatte zwar selten einen Ort gegeben, den er nicht mochte, aber hier gefiel es ihm doch besser als überall sonst. Ein Grund zu bleiben, wie er fand. Heimat. Vielleicht würde das Revier dies eines Tages werden.
„Shit, dir hängt die Zunge aus dem Hals, als wärst du nicht zwei Jahre, sondern schon acht.“
Verspielt machte er ein paar Sprünge, die ungeschickt ausgeführt, wie von einem Welpen aussahen und scheinbar seine Jugendlichkeit unterstreichen sollten, dann rannte er weiter. Er verließ die bekannten Pfade, schlug neue Wege ein. Als er besonders gute Aussicht hatte, drehte er sich um und betrachtete glücklich, was er an Strecke bereits zurück gelassen hatte.
„Welch ein Spaß.“
Etwas ruhiger schritt er weiter, atmete seiner Hetzjagd entsprechend schnell. Die Zunge hing ihm aus dem Maul, seine Muskeln zitterten leicht, als die Anspannung von ihnen abfiel. Sein Atem wurde wieder ruhig und gleichmäßig, der Herzschlag langsamer. Genießerisch setzte er eine Pfote vor die Andere, folgte weiter dem Weg, den er eingeschlagen hatte. Früher oder später musste er den Gipfel eines Berges erreichen, aber noch war er weit entfernt.
In seinem Blickfeld tauchte ein Wolf auf, dessen Witterung Shit bekannt vorkam. Der seltsame Fremde, der dann plötzlich einfach wieder verschwunden war? Schien so. Der grauweiße Rüde lief auf ihn zu, betrachtete besorgt den Abgrund, der sich direkt vor den schwarzen Pfoten des Rüden ausbreitete.
„Hey schwarzer Freund, pass auf dass der Boden unter deinen Pfoten nicht nachgibt.“
Er näherte sich noch ein Stück und blieb dann stehen. Kurz überlegte er, ob er die Haltung eines Alphas einnehmen sollte, aber dann war Shit nicht sicher, ob dieser Schwarze nicht schon vor Banshee und Acollon vorgesprochen hatte.
„Was treibt dich in die Berge, verlässt du uns schon wieder? Warst du überhaupt je da?“
Still stand der Schwarze da, der Verdammte. Es war hier oben so angenehm still. Er musste dieses sadistische, gehässige Lied nicht mehr hören, er war blind gerannt, immer weiter, so weit, wie er konnte. Nein, noch war er nicht an seine Grenzen gestoßen, er wusste gar nicht, ob er welche besaß. Zu lange hoffte er schon, einfach auf dem Weg zu sterben, doch seit wann wurden seine Wünsche erhört? Er würde niemals auf der Strecke bleiben, warum wusste er nicht. Weswegen konnte er nicht sterben? Wo war da das Problem? Die mitternachtsblauen Augen starrten regungslos in die Tiefe. Ein Schritt... Warum tat er es nicht einfach? Er konnte es nicht. Dabei war er doch schon ein Mal gefallen, schien in endlose Leere zu versinken, ins Koma, aus dem er nicht mehr heraus kam. Irgendwann war er unten angekommen, seine Rabenschwingen hatten ihn nicht auffangen können, also musste es ein Dornbusch tun. Aber hier...hier ging es in gähnende Leere, so tief hinab, das er den Boden nicht mehr sehen konnte. Aber zurück zu seinem Schritt, den Schritt, den letzten, den er tun musste. Nur warum? Es hielt ihn doch auf der anderen Seite nichts mehr, es war keiner da, es würde ihn auch keiner vermissen. Er kannte keinen, ihn kannte keiner, er kannte sich ja noch nicht einmal selber. Es wäre so schnell vorbei, er könnte ganz neu beginnen, davon träumte er doch. Trotzdem stand er dort wie angewurzelt.
.oO(Ich weiß nicht, woher ich komme,
Nicht was später einmal wird.
Erstickte Blindheit und ich schwimme,
In Dunkelheit, habe mich verirrt.
Fauler Geschmack auf meinen Lippen,
Weil mich die Dunkelheit ernährt.
Und mich in irgendwas verwandelt,
Das sich bald ins Licht gebärt.)Oo.
Wie sehr wünschte er sich, das sanfte Licht um sich herum, das ihn nicht blendete, aber die Dunkelheit von ihm nahm, das den Nebel in seinem Kopf verscheuchte, das ihn leben ließ. Allerdings sah die Realität anders aus. Er war so finster, so schwarz, das selbst das licht nichts gegen ihn ausrichten konnte, oder warum hatte es ihn damals nicht mitgenommen? Es war die ideale Gelegenheit gewesen, er hätte sterben können, bei den Verletzungen, die er hätte erleiden müssen, wäre dieser verflixte Busch nicht gewesen, der den Aufprall gedämmt hatte.
.o(Das Licht verschluckt, nur schwarz.)Oo.
Nun war das Licht wieder weg, die Hoffnung verloren, auch wenn er noch immer gehen konnte. Hier stand er nun, wieder ein Mal mehr bereit, alles zu beenden. Sicher hätten die schwarz gefiederten Sänger es lustig gefunden, ich hier so zu sehen, auf dem schmalen Rand zwischen Leben und Tod . sie hätten sicher wieder gelacht und ihm zugerufen, das er doch endlich springen sollte. Es war so einfach, jeder Depp konnte das. Also, warum er nicht? Er konnte nicht leben und nicht sterben. Was denn sonst? Konnte er denn nicht einfach frei sein?
.oO(Töte mich, lass mich frei.
Komm zu mir, wundervoller Tod.
Töte mich und lass mich gehen.
Fühle das Vergnügen mich zu töten.)Oo.
Der Blick glitt in den Himmel zurück, betrachtete ihn nachdenklich. Ob er mit geschlossenen Augen springen sollte oder mit dem Blick in den Himmel? Es wirkte alles so friedlich, doch in dem Rüden tobte ein Kampf. Ein so erbarmungsloser Kampf, gegen eine Stimme, die er nicht erkannte und doch kam sie ihm so vertraut vor, als hätte er sie schon ein Mal gehört. Ja, diese sanfte weibliche Stimme war ihm vertraut, ließ ihn kalt und wohlig warm zugleich erschaudern.
.oO(- Bitte, spring nicht. Ich weiß nicht, wie lange ich dich halten kann...Ich kann dich nicht zwingen, aber ich bitte dich: Spring nicht!)Oo.
Ein Feuer hatte sich entfacht, brannte in ihm, seine Läufe begannen leicht zu zittern. Er konnte nicht mehr. Es verwirrte ihn so sehr. Woher kannte er diese Stimme, sie schien genau zu wissen, was er dachte, was er fühlte. Woher wusste sie das? Er kannte sie doch nicht oder? Seine Seele rannte aufgewühlt hin und her, drehte sich im Kreis, wandte sich wieder um, stob zurück. Nur Nebel, dieser dichte Nebel, der ihn am denken hinderte, der alles blockierte, er hatte vergessen. Er hatte alles vergessen. Alles krampfte sich in dem Nachtsohn zusammen, er sank müde zu Boden, den schlanken Kopf hochgerissen.
.oO(Wer... bin ich? Was...bin ich?! Hilf mir!)Oo.
Eine Berührung ließ ihn zusammen zucken, ehe er seinen Kopf herumwirbeln ließ, sich erhob und nervös ins Nichts starrte. Denn...außer ihm war keiner da. Trotzdem spürte er eine warme Hand auf seinem Rücken. Wieder drehte er sich im Kreis, versuchte das, was auch immer es war, ab zu schütteln. Wurde er jetzt gänzlich verrückt. Hatte man ihn so weit, das er geisteskrank wurde? Doch die Stimme erklang wieder.
.oO(- Komm, nimm meine Hand, wir fangen noch ein Mal von vorne an. Ich weiß, das in deinen Augen alles sinnlos erscheint, doch auch für dich gibt es Hoffnung. Vertrau mir...)Oo.
Wie konnte er das? Wenn er vertraute, nein, das ging nicht gut. Man wollte ihn nur wieder reinlegen, ihn zertrümmern, die Scherben noch weiter zerschlagen.
.oO(Lass...mich!)Oo.
Sein Herz raste, die Ohren hatten sich unsicher nach hinten angelegt und immer wieder tänzelte er im Kreis. Wieder antwortetet ihm die Stimme, die nun einen traurigen Klang annahm.
.oO(- Du bist verloren gegangen, aber versuch es doch, zusammen mit mir. Erinnere dich, an dich und an mich. Ich lass dich nicht im Stich...)Oo.
Seine Gedanken rasten, um diese Stimme, die ihn verwirrte und um den Tod, der so nah war, das er ihn praktisch schon spüren konnte. Er hatte doch gelernt, sein Leben in keine fremden Hände zu geben, es würde ihm bloß weggenommen...Woher er diese Erkenntnis hatte, wusste er nicht, aber er spürte es, auch wenn die stimme noch sanft und freundlich wirkte, ihre Worte verlockend waren. Er konnte nicht vertrauen. Langsam öffneten sich die Augen, er starrte zurück in die Tiefe.
.oO(Wenn ich jetzt gehe, kann ich bloß noch als letztes Hoffen, das ich wirklich auf die andere Seite gelange...)Oo.
Tief Luft holend wollte er sich gerade fallen lassen, alles beenden, als neben ihm eine Stimme erklang. Der Nachtschwarze zuckte wieder zusammen, allerdings kaum merklich, denn im nächsten Augenblick sprang er nach hinten, starrte auf den Rüden, der da stand. Hatte er..? Nein, diese Stimme eben war eindeutig eine weibliche Stimme gewesen. Wohl nicht so lieblich und eher hoch, als es bei weiblichen Geschöpfen üblich war, aber sie hatte ruhig und sanft geklungen, Vertrauens erweckend, auch wenn er nicht vertraute. Nachdenklich, aber mit einem ruhigen Ausdruck betrachtete Midnight den Rüden. Einen Moment brauchte er um die Worte zu verstehen und noch einen, in denen er nach dachte, was er antworten sollte. Mit seinem Fall hatte es sich im Augenblick erledigt, er wollte ihm den Anblick ersparen, zudem war es ganz alleine seine Sache.
"Ob ich je da war? Gute Frage, ich weiß es selber nicht. Aber was verschlägt dich hierher?"
24.12.2009, 19:50
Er fiel ... und er fiel ... immer weiter. Aber es war kein Fall, der ihm das Herz bis in den Kopf schleuderte, er war ruhig und besänftigend, wie das langsame versinken im Ozean. Sanfte Wellen umspülten seinen Körper, der schwer und leicht zugleich war. Schwerelos. Würde er so für immer fallen können? Ohne irgend ein Gefühl, ohne irgendwelche störenden Gedanken? Die saphirblauen Augen waren leicht geöffnet, wie im Halbschlaf sah er müde grade aus, bewegte sich sonst aber nicht weiter, sah auch nichts. Der Tiefschwarze fühlte sich fast schon ... frei. Doch plötzlich drang ein Wispern durch die Stille des Ozeans, kroch ganz langsam an sein Ohr heran. Die Worte klangen fern und zuerst konnte er sie kaum verstehen, doch dann wurden sie lauter, klarer und schließlich durchdringender. Wer sprach da? Die Stimme kam ihm bekannt vor ... Es gab einen Pfad? Wo war ein Pfad? Face Taihéiyo öffnete die Augen einen Spalt weiter. Er konnte sterben? War er nicht schon tot? Er konnte Leben? War das nicht schon vorbei? Wie konnte er Glück spenden ohne zu wissen, wie sich das anfühlte? Wer sprach da? Wer war Tyraleen? Tyraleen ... Moment, da war ein bekanntes Bild. Leider konnte er nur schemenhafte Umrisse erkennen, oh er fühlte sich so betäubt ... Halt, jetzt fiel es ihm wieder ein. Tyraleen, sie ... sie war sein Patenkind. Eine kleine, schneeweiße Welpin. Da war ein verstörtes, hilfloses Gesicht ... Wer sprach noch mal mit ihm? Es fühlte sich warm an, die Stimme war warm und irgendwie auch flehend ... Jemand flehte ihn an? Warum denn? Seine Lider öffneten sich weiter, bis die tiefblauen Augen komplett aufgeschlagen waren. Banshee. Da war das Leben, da war ein Licht ... Tyraleen, nein die Kleine sollte nicht alleine sein. Er war doch schuld, dass sie so traurig gewirkt hatte. Dafür musste er sich noch entschuldigen. Er sollte sie beschützen? Okay ... Die Stimme wurde wieder leiser, verstummte, dafür wurde ein anderes Geräusch immer lauter, ein pochen, ein pulsieren, ein ... Herzschlag. War das seiner? Wie ging das? Er war doch tot? Halt, da war etwas. Eine Linie und er stand mitten drauf. Eine Linie zwischen Schwarz und Weiß. Das Schwarz schien immer noch so einladend und beruhigend, er kannte diese Schwärze und die damit verbundene Stille. War es nicht das, was er sich immer gewünscht hatte? Aber dafür strahlte das Weiß eine so unbekannte Wärme aus, etwas fremdes, dass trotzdem irgendwie schön war. Trotzdem war es hell und grell ... welche Richtung sollte er wählen? Von wo kam die Stimme? Wo war sie her gekommen? Ganz langsam setzte er eine Pfote voran .. eine tiefschwarze Pfote aus der Schwärze heraus ins Licht.
Die Ohren des tiefschwarzen Wolfes zuckten leicht, nur ganz leicht, aber es war eine Regung vorhanden. Ganz langsam hoben sich die Lider und gaben zwei saphirblaue Augen preis. Er sah nichts, trotzdem war es nicht schwarz. Vor ihm lag alles verschwommen und nur langsam löste sich das betäubende Gift aus seinem Körper heraus, ließ die Zellen wieder atmen und Gefühl zurück kehren. Sein Körper fühlte sich seltsam an, so wie er sich schon lange nicht mehr gefühlt hatte. Da war etwas weiches unter seinen Pfoten, Gras. Aber da war noch etwas nasses und etwas an seiner Seite. An seiner Seite? Face fühlte warmes Fell, aber es war nicht das Eigene. Nur langsam konnte der Tiefschwarze seinen Blick zur Seite wenden, musste noch kurze Momente warten, bis das Bild seine Schärfe zurück erlangte. Als er nun die weiße Wölfin so dicht neben sich erkannte, erschreckte er sich unweigerlich und zuckte leicht zusammen. Am Liebsten wäre er in diesem Moment wohl auch schon aufgesprungen, aber er hatte noch kein Gefühl in den Läufen. Seinen Kopf konnte er auch kaum heben, er fühlte sich so schwer an. In seinem Kopf klang als einziges Geräusch noch immer sein eigener Herzschlag, etwas, das er schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr gehört hatte. Face drehte die Ohren leicht zurück, seine Körpersprache funktionierte wieder. Die Leere war ein Teil seiner Augen, aber der Tod war verschwunden und etwas Gefühl wieder zurück gekehrt, Emotionen waren wieder im Gange, wenn auch nur tief drinnen. Seine Seelentore waren wie eh und je fast vollkommen verschlossen. Da er im Moment jedoch kaum Macht über sich hatte, konnte er sie nicht ganz zu machen und der Spalt stand offen. Sein Kopf schwankte als der Tiefschwarze ihn anhob und sich etwas zur anderen Seite, halb auf die Seite drückte. Jetzt wurde ihm auch klar, in was er lag. Blut? Moment, da war noch etwas bei ihm, er konnte sich nicht zur Seite drehen, etwas versperrte den Weg. Mit Müh und Not wandte er den Kopf zur anderen Seite und sein trüber Blick führte direkt in das Gesicht eines schlafenden Jungen. Einen Jungen, der in ewigen Schlaf gefallen war.
Mit einem Rück strömten alle Erinnerungen in seinen Geist und seinen Kopf zurück, die Seele füllte sich wieder mit altbekannten Gefühlen und das dumpfe Gefühl von Hilflosigkeit verschwand. Cloud ... Nun regte er sich nicht mehr. Nun sprach er auch nicht mehr. Er schien seinen Frieden gefunden zu haben, oder? Der Indianerjunge hatte doch gesagt, dass er nun frei war. Stumm ließ er den Blick eine Weile auf ihm ruhen, dann drehte er sich wieder zu Banshee herum. Sie wollte ihm seine Fragen beantworten, da konnte er doch noch eine winzig Kleine stellen, nicht wahr?
„Hat ... hat er jetzt seinen Frieden gefunden? Lässt man ihn jetzt in Ruhe...?“
Seine Stimme war leise und schwach, etwas fragendes schwang darin mit. Sie war tief und klar wie eh und je, doch nicht mehr so gefühllos wie zuvor. So, wie es die anderen wohl noch nicht kannten. Face musste sein Haupt wieder zurück auf die Pfoten sinken, er war so schwer, dass es fast schon schmerzte. Sein Blick wich dennoch nicht von den bernsteinfarbenen Augen der Fähe.
Shit betrachtete mit wedelnder Rute den schwarzen Rüden, von dem er nicht einmal den Namen kannte. Seine Augen wirkten wie die eines Welpen, einer, der nie etwas Schlechtes gesehen oder erlebt hatte. Amüsiert strahlte er den etwas älteren Wolf an.
„Doch, du warst da, Shit hat dich gesehen, damals, als er dich und die Wölfin zu Banshee bringen sollte! Bist du dann gleich wieder weiter gezogen?“
Er legte nachdenklich den Kopf schief, es war seltsam lange her, seit diesem Tag war er nicht mehr beim Rudel gewesen. Wie viele volle Monde waren es gewesen? Drei an der Zahl, oder doch erst zwei? Shit wartete nicht auf eine Antwort, immerhin hatte der Schwarze ihm eine Frage gestellt. Er war ein toller, lieber Wolf, er interessierte sich für ihn. Na zumindest hatte er wissen wollen, was der grauweiße Rüde hier tat, also bekam er eine Antwort, er hatte ja gefragt.
„Shit geniest die Einsamkeit fernab des Reviers und ist gerade auf dem Weg nach oben, an einen Ort, wo man alles überblicken kann. Schwarzer Freund, wie ist denn dein Name? Willst du dich Shit vorstellen? Wirst du gehen, wirst du bleiben, kommst du mit zum Rudel?“
Treuherzig ruhten seine Augen auf dem Wanderer, der hier in den Abgrund gestarrt hatte und in den Himmel. Zwei Dinge die wohl irgendwie weit auseinander lagen, die man aber von hier aus beide sehen konnte.
„Shit war auch schon lange nicht mehr bei den anderen Wölfen, seit jenem Tag schwarzer Freund, als du im Revier auftauchtest. Shit ist nicht so wirklich an die Gesellschaft von Anderen gewöhnt, weißt du? Er war eigentlich immer allein, aber hier sind alle Wölfe so lieb. Du auch und dann natürlich noch Banshee, die Alphawölfin. Shit kennt, wenn er ehrlich ist nicht viel mehr Wölfe, aber eigentlich sind sie alle sehr lieb.“
Nachdenklich wandte er den Blick ab, sah zurück auf das Revier des Rudels, das ihn aufgenommen hatte. Er grinste keck, während seine Rute nonstop hin und her schwang. Heute, oder spätestens Morgen musste er zurück gehen, nicht das sie ihn noch vergaßen. Er hatte sie doch alle kennenlernen wollen, außerdem hatte Banshee Welpen bekommen, er musste ihr noch gratulieren, auch dem Vater, Acollon, der schwarze Alpha. So schwarz wie der fremde Wanderer vor ihm. Ein lieber Wolf, er beleidigte Shit gar nicht, noch nicht.
„Soll Shit dich zu Banshee führen? Sie ist vor einem vollen Mond Mama geworden und Shit hat die Welpen noch nicht einmal begrüßt, das muss er nachholen.“
Freudig tänzelte er ein paar Schritte auf den Schwarzen zu, tappte von einer Pfote auf die Andere, verspielt, vergnügt, lebensfroh, wie er eben war.
Ayala hatte einige Zeit auf eine Regung Leylas gewartet, doch jene war offensichtlich in Gedanken vertieft, hatte sich ganz in ihre eigene Welt zurückgezogen. Inzwischen schaute die Weiße wieder mit einem Gefühl der inneren Freude von einem zum anderen. Aus den Augenwinkeln konnte sie erkennen, wie sich Banshee und Face entfernten – und wie Tyraleen etwas enttäuscht drein guckend zurückgelassen worden war und sich nun schüchtern umsah. Ohne lange zu überlegen stand Ayala auf und ging auf die Kleine zu. Als sie so weit vor ihr stand, dass sie sie kurz mit der Schnauze berühren konnte, wurde ihr bewusst, wie ähnlich dieser schneeweiße Welpe Banshee war. Ein sanftes Lächeln umspielte Ayalas Lefzen, als sie sich neben Tyraleen setzte.
„Hallo Tyraleen.“
Mit ihren grünen Augen ruhte Ayala auf der kleinen Fähe, wobei sie sie jedoch nicht fixierte, sondern viel eher ermunternd ansah und gleichzeitig bewundernd das weißliche Strahlen, das von ihrem Fell ausging, anblickte. Sie war ganz und gar ihre Mutter. Zumindest äußerlich …
„Du siehst so traurig aus … ist alles in Ordnung mit dir?“
Die Weiße stupste Tyraleen nochmals sanft an und hob dann ihren Kopf, um auf eine Antwort zu warten, ohne die Kleine zu drängen. In dem Grün der Büsche erfassten ihre Sinneszellen plötzlich eine Gestalt, die einer alten Freundin glich … jemanden, den Ayala sehr vermisst hatte und der ebenso braunes Fell besaß. Die Fähe blinzelte und schaute erneut auf die ferne Gestalt … das musste einfach Leé sein! Von einem plötzlichen Gefühl der Euphorie überflutet, wollte Ayala aufspringen, als ihr die kleine Tyraleen, die neben ihr saß, ins Bewusstsein gerufen wurde. Sie würde ihr zuhören, wie versprochen. Doch Leé musste sie nun gesehen haben, hoffentlich kam sie zu ihr, Ayalas Blick hatte darum gefleht.
Eine Zeit der Blüte war angebrochen, die Zeit neuen Lebens. Besser gesagt, das Leben war schon voll im Gange. Die Welpen dieses Rudels waren schon kleine Jungwölfe und hatten schon die allerersten Erfahrungen im Leben machen müssen. Was aus ihnen wohl mal werden sollte? Was sie wohl ein Mal erleben sollten? Welches Schicksal war ihnen bestimmt. Gab es vielleicht einen jenen unter ihnen, der das gleiche Schicksal erleben mußte, wie sie es hatte tun müssen? Gab es vielleicht einen, der auch solch schlimme Erfahrungen machen mußte? Warum dachte Leyla darüber nach? Wünschte sie sich das sogar, um nicht allein mit ihrem Schicksal zu sein? Um besser verstanden werden zu können? Oder gab es solche Wölfe schon? Hatte Alienna nicht ähnliche Schmerzen gehabt? Nun war es schon so viele Monde her..und sie hatte sie nicht vergessen können. Noch immer träumte sie von der Zeit mit ihr und noch immer tat es weh. Leyla wußte nicht, ob und wie sie der weißen Wölfin auf ihre Frage antworten sollte. Was war das nur für ein dummes Gefühl. Fast wie Selbstmitleid. Natürlich wünschte sie anderen, jungen Wölfen ein besseres Schicksal. Und doch war sie niemand, der sich blind für jemanden anderen dahingeben konnte, obwohl es nicht nur die Angst vorm Sterben war. Sie beschnupperte einen der Kleinen und sah in die kleinen Augen. Der Frühlingsduft ging durch ihre Nasen. Frühling..was war das für eine Zeit. Eine, in der sich Leyla gar nicht geborgen fühlte. Sicher schön, de Blumen blühten wieder auf und die Bäume trugen wieder Blätter, die Tiere bekamen ihre Jungen und es wurde wieder wärmer und die Sonne schien deutlich länger und heller. Doch sie war nach wie vor starr. Weiß wie der eisige Schnee ihr Fell und grau und betrübt wie ein winterlicher Himmel ihr seelischer Zustand. Was hatte sich für sie schon geändert? Eigentlich nichts. Sie fühlte sich einsam, wobei es doch eine nette Geste war, wurde sie doch gleich so lieb in dem Rudel aufgenommen und durfte die Jungen begutachten, das Wertvollste und die blühende Mitte aller im Rudel. Als sie die kurze Schnauze des Welpen sah, die kleinen Stummelbeinchen und der noch viel zu kurze, dünne Schwanz, musste sie doch ein wenig grinsen. Kaum zu glauben, dass das ein Mal große, hübsche Wölfe werden konnten. Ehrfürchtig sah sie hinüber zur Alpha. Wie es wohl war, Mutter zu sein?
Die braune Fähe legte den Kopf auf die Pfoten und versuchte zu schlafen. Sie schluckte mehrmals. Da war so ein seltsamer Kloss in ihrem Hals. Im Augenwinkel sah sie Bewegungen. Da Stimmen und Gerüche. Zum ersten Mal seit langem hob sie den Kopf und spitzte die Ohren. Kurz wedelte sie. Dreimal pendelte die Rute hin und her. Ein leises, fast vom Schlucken verschwunden gegangenes Wuffen entfuhr ihr. Sie wartete einen kurzen Moment und überlegte. Schliesslich stand sie auf und trabte langsam hinüber.
"Hallo Ayala!"
sagte sie leicht grinsend. Sie freute sich, die Weisse zu sehen. Endlich jemand, den sie etwas kannte. Warum hatte sie nicht an sie gedacht? Kurz fühlte sie sich schuldig.
Neyla fragte sich, was die kleine Welpin wohl tat, warum war sie wohl so weit entfernt vom Rudel und dann noch mit einem so schwachen Charakter wie Amáya ihn hatte? Neyla wusste, wie es war, wenn man selbst keine Stütze mehr für sich selbst sein konnte, wenn man jemanden brauchte aber doch niemand da war. Ein leises und besorgtes Seufzen entfuhr ihren Leftzen, als sie die Frage ihres Geliebten vernahm. Zack erkannte jedes Problem, er war wie dafür Geboren und ohne ihn hätte sie schon einiges nicht überlebt. Wäre dieser wundervolle Rüde nicht an ihrer Seite, dann hätte sie niemals gelernt zu lieben, wo doch eigentlich alles so perfekt erschien. Aber wohl nur am Anfang, als es noch so frisch und jung war.
„Ja, irgendwie schon. Sie scheint abseits des Rudels zu sein, sehr weit weg und wohl auch allein. Hoffentlich ist ihr nichts zugestoßen, das würde ich mir nicht verzeihen können.“
Neyla genoss jede Berührung, die Zack ihr gab, denn es beruhigte sie und machte ihr klar, dass alles in Ordnung war. Es gab doch keinen Grund zur Sorge. Zack aber war entschlossen, sie spürte es und er würde ihr bei der Suche helfen. Neyla machte es glücklich, dass ihr Rüde sie so sehr darin unterstützte, die kleine Welpin aufzuziehen, wo sie doch eigentlich „nur“ die Patentante war und dennoch eine Verantwortung trug. Es hätte genauso gut sein können, dass Zack es nicht als nötig empfand, einem Welpen zu helfen, aber sein großes Herz, sein Instinkt und sein treuer Charakter ließen sofort vermuten, dass er so etwas niemals denken würde. Nein, sie vertraute ihm in jeder Lebensweise. Fast konnte man sagen, dass Neyla ihr Leben in seine Pfoten legte und ihm damit etwas schenkte, was niemand anderes verdient hatte. Und das war zum einem auch ihr Herz.
„Lass uns beim See nachsehen, Liebster.“
Flüsterte Neyla, schleckte Zack sanft über die Schnauze und tänzelte los, vollkommen frei und leicht, von einem Glück erfüllt, welches sie niemals zuvor gespürt hatte. Er war bei ihr, sie hatte ihn, sie liebte ihn und er liebte sie. Ihre Herzen waren für immer durch ein Band verbunden, welches ruhig jeder sehen und spüren durfte. Alle sollten wissen, dass es ihr wieder gut ging. Ihr – der traurigen und emotionalen Fähe, die so oft geweint hatte, die nicht wusste, welcher Weg ihr Weg ist. Wie oft hatte sie sich einsam gefühlt, sich zurückgezogen und an ihrem Leben gezweifelt? Viel zu oft, doch jetzt war alles anders, ihr ganzes Leben schien sich vom Negativen zum Positiven gedreht zu haben und vorher hatte sie keinen Stopp gemacht. Wozu auch? Neyla hatte gefunden, was sie gesucht hatte und der Weg war nun leichter. Jeder Felsen und alle anderen Hindernisse waren aus dem Weg geräumt worden, sie konnte stolz und zufrieden vorwärts gehen, sich sicher fühlen und sie wusste, dass sie nicht alleine war. Jeder Dornen, der an ihren Seiten lauerte und sie stechen wollte, ihr neue Narben schenken wollte war verschwunden. Und die alten Narben? Waren sie nicht geheilt? Natürlich waren sie das, sie wollte kein Blut mehr schmecken, sie schrie nicht mehr nach dem Tod und dass sie jemanden etwas vorspielte schien ebenfalls Vergangenheit zu sein. Sie, die Schauspielerin, hatte aufgehört ihr Spiel zu spielen. Denn Neyla hatte sich in diesem Spiel nur selber betrogen, am Ende doch noch mehr gelitten. Es gab einen neuen Weg, die Probleme zu klären und wenn sie dennoch etwas verdrängen wollte, so würde es nicht klappen. Zack, der Rüde, den sie unsterblich und für ihr Leben liebte, wusste, wenn es ihr nicht gut ging und er würde es immer sehen. Und wenn Zack es nicht sah, dann spürte er es irgendwie, denn sein Herz hatte schon lange ihre Depressionen erreicht und durchbrochen. Sie war eine neue Fähe geworden, was sie niemals auch nur von sich gedacht hätte.
„Der Weg ist nicht weit, wir werden sie finden.“
Flüsterte Neyla zufrieden, ging weiter voraus, immer auf der Spur zum See, auf den Weg zu der kleinen Welpin, die ihre Patin war. Neyla fühlte sich immer noch etwas geehrt deswegen. Sie, diese zerbrechliche Fähe, war noch gar nicht so lange im Rudel gewesen, aber dennoch hatte die Alphafähe ihr anvertraut, sich um Amáya zu kümmern, ihr beizustehen, in jeder Lebensweise. Ihr Dinge zu erklären, wenn sie Fragen hatte, sie einfach im Leben zu begleiten und Neyla nahm sich diese Aufgabe wirklich sehr zu Herzen. Gab es denn irgendetwas Wichtigeres als diese Welpin? Ja, Zack, aber dennoch zählte die Kleine, denn sie war ein junges Geschöpf, ein Wolf, der einen Weg vor sich hatte und den richtigen finden musste. So wie sie es nun getan hatte. Vielleicht war es aber auch kein Zufall gewesen, dass Banshee sie als Patentante ausgewählt hatte. Denn Neyla selbst hatte erst diesen zerbrechlichen und scheuen Charakter getragen, da war die Kleine zur Welt gekommen und wirkte fast wie sie. Sie hatten Ähnlichkeiten, wo sie sich doch aber in wesentlichen Punkten unterschieden. Neyla blickte zu ihrem geliebten Rüden, lächelte ihn herzlich und mit all der Wärme, die sie in sich trug an und freute sich, in seiner Nähe zu sein. Wenn sie Zack nicht hätte, dann hätte sie auch sicherlich nicht überlebt, sie wäre gestorben, zerbrochen an ihren Gefühlen. Neyla hatte sich selbst eingeengt und spürte erst jetzt richtig, wie es war, frei zu sein. Und diese Freiheit würde sie so schnell nicht mehr los lassen, es gab auch keinen Grund dazu. Denn sie hatte alles, was sie brauchte. Und bald würden sie am See angekommen und die kleine Welpin heil vorfinden. Es waren nur noch wenige Meter.
„Ich liebe dich, mein Rüde.“
Neyla blieb stehen und lehnte sich an die starke Schulter von Zack. Sie verbrachten jede Minute zusammen, selbst wenn sie nicht einander sehen konnten, waren sie füreinander da. Und umso wichtiger war es ihr, die Zeit, die sie hatten, zu nutzen um ihm zu zeigen, was sie fühlte. Sie strich ihren Kopf an seinem Hals entlang und vergrub ihre Schnauze dann in seinem dichten Fell. Sie sog seinen Duft ein und schloss die Augen. Die Welt war schon fast zu perfekt fand Neyla, alles war in Ordnung. Alles war gut. Konnten überhaupt noch schlechte Zeiten eintreffen?
Unruhig war der Blick des jungen Rüden umher geschweift, bis er eine warme Berührung in seinem Nacken spürte, eine Berührung die in zusammenzucken ließ, eine Berührung die seinen Atem schnell gingen ließ, sein Herz rasen ließ. Die großen Ohren, flach an den Kopf gelegt, wandte er den Blick zu der Weißen, betrachtete ihre tänzelnden Schritte und lauschte ihren Worten aufmerksam. Woher konnte sie sich so sicher sein, wieso konnte sie es ihm einfach so ins Gesicht sagen, sie…sie…sie…! Und Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen, sie hatte ihm nie gesagt, wieso sie alleine war, er hatte auch nie wirklich gefragt, ein oder zweimal hatte er versucht sie darauf anzusprechen, doch sie schien nicht darüber reden zu wollen und er wollte nicht weiter nachfragen. Er wusste nicht, wieso sie alleine in den Wäldern gewesen war, was mit ihrer Familie passiert war oder mit ihr, dass sie alleine war…aber es war Vergangenheit und jetzt war die Gegenwart, er war die Gegenwart und er war bei ihr und würde sie nicht alleine lassen und seine Familie sicherlich auch nicht!... Sie hatte recht, Banshee würde nicht sauer sein, sie würde ihm verzeihen, mit der edlen Güte die sie auszeichnete, mit der Güte die eine Mutter und Leitwölfin besaß und die Weiße in großen Maßen. Vielleicht hatte sie ihn ja wirklich vermisst, vielleicht auch nicht. Aber seine Mutter machte sich doch so viele Sorgen, sie hatte wahrscheinlich hin und wieder einen Gedanken an ihn verschwendet, ob dies nun positiv oder negativ war, das wusste er nicht. Ohne es zu realisieren, verbesserte sich seine Laune Stückchen für Stückchen und seine Unsicherheit schien vom Mut abgelöst zu werden. Hiryoga machte einige Schritte auf die Weiße zu, bis er neben ihr stand, er wollte sie kurz berühren, ihr danken, für ihre Worte, doch konnte er es einfach nicht und dieser Augenblick geriet sofort in Vergessenheit, als sie seine Patin erwähnte. Sein Körper schien zu erstarren, nur ein kalter Schauer jagte den nächsten seinen Rücken hinab. Shani hatte recht, Kaede kam auf sie zu, ihr Geruch lag plötzlich so intensiv in der Luft, ein Luftzug hatte sie mehr oder weniger angekündigt. Und wieder war es so ein Moment, in dem er sich winzig, hilflos und ängstlich fühlte, und wieder übermannte ihn diese Unsicherheit, denn es war sein Gewissen gewesen, das ihn wochenlang hatte gequält, dafür das er einfach weggegangen war, nur mit einer kurzen Verabschiedung, es war noch nicht mal eine richtige Verabschiedung gewesen, ein Nicken, eine kurze Berührung und dann war er gegangen.
"Ich weiß nicht…ob dies das richtige ist …einfach zurückkommen…ich weiß nicht ob ich das schaffe…"
Den Blick hatte er während er sprach zu Boden gerichtet, die smaragdfarbenen Augen schienen zu zittern und wirkten glasig, er wollte wirklich nicht zurück, er wollte sich nicht stellen.
Er war so dumm, so einfältig, was würde Shani nun von ihm denken, warum dachte er nicht auch einmal an sie? Vielleicht wollte sie wieder ein Rudel haben, vielleicht wollte sie wieder in einer Gemeinschaft leben? Wenn das ihr Wunsch war, so würde er ihr folgen, aber wenn sie das nicht wollte, dann konnten sie sich doch einfach umdrehen und davon laufen, es war schön gewesen zu zweit, warum dieses Glück durch ein Rudel zerstören? Und wieder spielte sich alles nur in Gedanken ab, er musste es aussprechen, er musste endlich einmal etwas sagen, einmal handeln.
"Shani…wenn du willst…dann…dann müssen wir nicht dort hingehen, dann können wir auch wieder zurückgehen, dort wo wir waren oder wir gehen woanders hin…"
Unsicher huschte der Blick des Rüden kurz zu der Weißen, bevor er ihn wieder senkte, im Grunde sprach er über sich, dass er dort nicht hinwollte, nicht sie, aber er wusste nicht mehr was er sagen sollte.
Banshee hatte, nachdem sie verstummt war, still dagelegen, den Blick in die Weite des Waldes, stumm lauschend, ob Face eine Regung von sich gab, die Nase nahe genug um einen weiteren Atemzug zu spüren. Lange kam nichts, ihr Blick wurde stumpfer mit jeder Sekunde, die verging, ihr schien es, als würde der Körper neben ihr kälter werden, kalt und leer wie jeder Tote. Doch dann war er wieder da, der ganz schwache Atem, ihr Blick huschte zurück zu dem schwarzen Wolf, die Augen wieder aufmerksam schimmernd. Flatterte das Lid Faces? Zuckten seine Ohren nicht ganz leicht? Oder spielten der Wind und ihr verkrampftes Herz ihr einen Streich? Wieder regte sich nichts mehr, doch der Atem blieb, er wurde sogar stärker, lies das Gras vor sich leicht erzittern.
“Face … Face, Face!“
Sie begann ihn zu rufen, wieder nur sehr leise, aber Face musste es hören, der Atem wurde noch starker, sie spürte einen leichten Herzschlag, tiefe Erleichterung umspülte ihren angespannten Körper. Und dann schlug der Schwarze die Augen auf. Zunächst ins Leere, dann zu ihr wandernd und sich wieder verschließend. Es war, als wäre es nur eine Einbildung gewesen, es war wie eine bewegungslose Bewegung gewesen … doch schon wieder rührte er sich, schien sich zur Seite drücken zu wollen, wurde aber von dem Körper des Menschen daran gehindert. Seine Augen bewegten sich zu dem Toten, wieder so starr und kalt. Ihr war es von ihrem Standort nicht mehr möglich zu sehen, was in Faces Augen vorging, aber ein erneutes Zucken und der plötzlich schnellere Herzschlag bestätigte ihr, dass sich wieder etwas verändert hatte. Als der Schwarze ihr den Blick wieder zuwandte, stand plötzlich soviel darin, er nahm sie wahr, er verarbeitet das Geschehen und … er war nicht mehr leer. Er hatte sich entschieden. Ein Lächeln begann auf den Lefzen der Weißen zu tanzen, sie erhob sich, wohl wissend, dass sie Face möglicherweise zu nahe rückte und da er nun dort war, wo er sein sollte, brauchte er ihre Nähe nicht mehr. Als er schließlich etwas sagte, klang seine Stimme noch sehr kraftlos und leise, dennoch hatte auch sie ihre Schwingung geändert.
“Ich glaube schon. Du hast ihm den Frieden geschenkt, er wartet auf der anderen Seite, bis ihr euch wieder sehen könnt.“
Ihr Blick blieb einige Herzschläge lang warm auf dem Schwarzen liegen, dann wanderte er zu dem Menschen. Sie hatte noch viele Fragen an Face, auch wenn der wohl selbst nicht genau wusste, was geschehen war. Zunächst aber mussten sie den Toten zu Fenris geleiten und seine Seele in Engayas Pfoten legen. Er war kein Wolf und normalerweise galt dieser Ritus nur Wölfen, aber Banshee hatte das unbestimmte Gefühl, dass er für Face weitaus mehr als ein Mensch war. Und er hatte den Schwarzen indirekt erlöst, ebenso anders rum, er verband sie etwas, er sollte einen würdigen Abschied bekommen. Ihre bernsteinernen Augen sahen wieder zu Face, er schien noch schwach, aber der Fluss war nicht weit, von hier aus konnte man ihn schon rauschen hören.
“Ich weiß nicht, wer er ist, aber er hat dich geliebt und du hast ihn geliebt. Ihr habt euch gegenseitig die Erlösung geschenkt, lass uns ihn zum Fluss bringen, dort wird er von den Wellen zu den Göttern getragen.“
Noch löste sie sich nicht von ihrem Platz, wollte Face die Chance geben, Kraft zu tanken, es würde sicher noch länger dauern, aber der Mensch schien nicht sehr schwer zu sein, zusammen würde es nicht viel Stärke brauchen, ihn die wenigen Wolfslängen zu tragen.
Shanis leicht schräg gestellten mandelförmigen Augen funkelten in ihren warmen Grün zu Hiryoga, neckten ihn und waren so unwiderstehlich fröhlich, dass er schon nach kurzer Zeit ihrer Aufforderung nach kam und zu ihr kam, sich neben sie stellte und sich sein Gesicht zu mindest teilweise aufhellte. Wieder drehte sie sich leicht, ihr Weg sollte sie schließlich ins Revier hinein führen, drückte ihren Kopf sachte an seine Flanke, spürte in diesem Moment aber plötzlich, wie er sich anspannte, wie erstarrt wirkte. Ihre Ohren klappten nach vorne, leicht drehte sich ihr Kopf zur Seite … lag es an seiner Patin? Was verband er mit dieser Fähe, die ihn doch seine ganze Welpenzeit begleitet hatte? Als er sprach, wirkte seine Stimme noch zittriger als zuvor, er senkte den Blick, alles an ihm schien verzweifelt. Die Weiße tänzelte wieder etwas näher, legte den Kopf auf seinen Rücken, wollte ihm damit Trost und Stärke spenden.
“Hiryoga, ich will, dass wir das gemeinsam schaffen. Ich bin für dich da und … und wenn du es nicht aushälst, dann gehen wir einfach wieder, aber du musst es zumindest versuchen!“
Ihre Stimme klang erstaunlich fest, sie wunderte sich selbst schon darüber. Die Schnauze noch immer in seinem kurzen Rückenfell, wollte sie sich schon wieder lösen und ihren ursprünglichen Kurs einschlagen, als sie eine Bewegung im Wald erstarren ließ. Zuerst konnte sie schemenhaft nur einen Schatten erkennen, dann kam zwischen den Bäumen ein tiefschwarzer Wolf hervor, seine Bewegungen waren bedächtig, aber zielstrebig, seine gelb funkelnden Augen schienen sie zu durchbohren. Einige Wolfslängen zwischen zwei verkrüppelten Bäumen blieb er stehen, sah sie nur an und lächelte. Eiskalte Schauer rannen ihr über den schmalen Rücken, ihre Lefzen zitterten leicht. Fast hastig nahm sie die Schnauze von Hiryogas Rücken, drehte den Kopf weg und lief stumm einige Schritte voraus, drehte sich zu Hiryoga, wollte den Blick bei ihm behalten aber schaffte es nicht. Schon huschte er zurück zu dem Schwarzen, noch immer stand er zwischen den beiden Bäumen, witterte jetzt aber in der Luft, den Blick nicht von ihr nehmend und entblößte dann sein mächtiges Gebiss. Ihr Atem stockte, sie blinzelte heftig, dann sagte Hiryoga etwas, was hatte er gesagt? Woanders hingehen? Wenn sie wollte? Sie schüttelte den Kopf, wollte sich auf ihre Antwort konzentrieren, sah aber doch wieder zu dem Wolf.
“Nein … nein, ich … ich will zum … zum Rudel.“
Der Schwarze bewegte sich wieder, trat einen Schritt nach hinten und dann an dem Baum vorbei, schwenkte nach links und tauchte wieder in den Schatten des Blätterdachs ab. Wieder drehte er sich um, selbst so sah man das funkelnde Gelb noch, dann verschwand er ganz. Er war nicht da, er war nicht real, sie wusste es ganz genau. Dort war nur der Wald und Hiryoga, kein schwarzer Wolf war in ihrer Nähe und doch hatte sie ihn so klar vor sich gesehen. Die Angst vor dieser Einbildung hatte sie nicht einmal merken lassen, wie gepresst ihre Stimme geklungen hatte, jetzt, da der Wolf verschwunden war, besann sie sich einigermaßen.
“Hiryoga, jetzt komm schon!“
Sie klang wieder fröhlicher, fast überzeugend, leichtfüßg drehte sie sich einmal um sich selbst und sprang dann weiter voraus, vor ihren Augen den alles durchdringenden, jede Sicherheit zerschlagenden gelb funkelnden Blick aus den Augen des Schwarzen.
Parveen sah freundlich zu der weißen Fähe, als sie auf einmal aus der Ferne ein Wuffen wahr nahm und sich zu diesem Geräusch wandte. Ehe sie es aber identifizieren konnte und sehen konnte, wer dort angerannt kam, war der große schwarze Schatten auch schon so gut wie bei ihr. Jemand stellte die Pfoten auf ihrem Rücken ab und packte nach ihrem Ohr, vorher konnte sie noch gerade so die schnell gesprudelten Worte von ihrer Lieblingsschwester Kisha aufnehmen. Mit einem Grinsen kicherte Parveen, denn am Ohr war sie kitzelig und ziemlich empfindlich, außerdem hockte Daylight noch halb auf ihrem Kopf. Aber sie liebte ihre Familie und fand es deswegen total angenehm.
„Alles Bestens und bei dir, Schwesterherz?“
Parveen grinste, als Kisha auch noch ihre kleine Schwester begrüßte, allerdings Thylia gar nicht wahrnahm. Na ja, es war nicht ihre Sache, dass mussten die selber regeln, sie gab sich alle Mühe. Sie versuchte, allen Wölfen zu geben, was sie wollten und das war manchmal doch sehr anstrengend, aber sie wusste, dass ihre Mutter es schwerer hatte. Als Welpen der Alphawölfe war man eben gefragt und die Kleinen wie Daylight z.B. würden das auch noch alles erfahren. Wieder fiel ihr Blick auf die braune Fähe, zu der sich nun aber in die Nähe zwei gesellt hatten. Dennoch wollte Parveen sie mal kennen lernen.
Doch die Warnung ihrer Schwester mit den Schmetterlingen ließ Parveen mit den Ohren zucken und sie sah mit schief gelegtem Kopf – aber nur leicht aufgrund von Daylight – zu Kisha. Parveen hielt nicht viel von den kleinen Wesen mit ihren Flügeln, ab und an nervten sie diese Schmetterlinge sogar, denn sie schwirrten einen immer um die Nase herum. Und auch Kisha schien diese Erfahrung gemacht zu haben.
„Ich werde deine Warnung ernst nehmen.“
Grinste Parveen, ihre kleine Schwester Daylight war bereits mit einem kleinen Abschied auf den Rücken von Kisha gesprungen. Parveen deutete zu der Braunen (Leé) und sah zu Kisha.
„Kennst du die Fähe?“
Fragte sie leise, Parveen wollte eben informiert sein. So war sie halt.
Tyraleen musste wieder still sitzen, sie hatte sich entschlossen, auf Face zu warten, er würde sicher nicht lange mit ihrer Mutter wegbleiben. Vielleicht würde sie ihn auch suchen gehen, schließlich waren sowohl die Augen ihrer Mutter als auch die ihres Paten nicht mehr auf sie gerichtet … sie könnte einfach in den Wald hinein gehen … gerade wollten ihre kleinen Läufe losstürmen, als sie jemand von der Seite anstupste. Sie war nicht darauf vorbereitet, sodass sie zusammenzuckte und einen Schritt zur Seite stolperte. Als sie ihre kleinen Augen den schneeweißen Körper hinaufwandern ließ und bei dem Kopf Ayalas anhielten, kräuselte sich leicht ihr kleine Nase. Ayala … sie war wie ihre Mutter. Sie war die Beta und Banshee so schrecklich ähnlich. Es war, als gäbe es schon drei von ihnen und Tyraleen rückte noch ein wenig zurück. Ayala fragte sie freundlich, aber die Kleine wollte nicht antworten. Sie wollte nicht, dass sie sie noch mal berührte, aber schon stupste Ayala sie noch einmal an, was Tyraleen erneut leicht zusammenzucken ließ. Den kleinen Kopf weggedreht, saß sie da, als würde ihr eine Strafpredigt gehalten werden. Wieder kamen vier Pfoten herbei, von einer Fähe, deren Namen sie vergessen hatte, es gab so viele und ihr Gedächtnis war noch so schlecht. Gab es jetzt eine Versammlung um sie herum? Erneut kräuselte sich ihre Nase, dann stand sie auf, wollte weggehen. Beim ersten Schritt hielt sie inne, sie konnte doch nicht einfach ohne etwas zu sagen weggehen … schließlich war sie die Tochter der Alpha.
“Mir geht es gut.“
Ihr Blick war wieder in Ayalas Augen gerichtete, dann ging sie zwei weitere Schritte davon, hielt aber wieder inne. Was sollte sie denn jetzt schon tun? In den Wald rennen ging nicht mehr und Face war aber genau dort. Zu ihren Geschwistern wollte sie nicht … ihr Blick fiel auf die weiße Fähe, die schon zuvor bei Ayala gewesen war. Auch ihren Namen wusste sie nicht mehr … ihr Fell war wieder ebenso weiß, aber sie sah ängstlicher aus, war nicht so schrecklich weise und erhaben. Ihr Kopf drehte sich wieder zu Ayala.
“Wer ist das?“
Sie klang schon wieder sicherer und selbstbewusster, ihre Mutter würde ihr nichts vorwerfen können. Gleichzeitig spürte sie dieses Kribbeln in ihren Läufen, das jeder Welpe verspürte, wenn er zu lange nicht mehr herumgetollt war. Aber sie hatte ja niemanden …
Noch immer zupfte die Schwarze an dem Ohr ihrer Schwester, ließ erst von diesem ab, als erneut ein Schmetterling an ihr vorbei flatterte. Neugierig wie ein junger Welpe zuckte sie mit den Ohren, ließ leicht die schwarze Rute hin und her pendeln. Leicht blinzelte sie mit den braunen Augen in Daylight’s Richtung, als diese ihre Worte an sie richtete. Vorsichtig neigte sie den Kopf zur Seite, grinste frech in die Richtung ihrer braunen Schwester. Als diese ziemlich dreist auf sie drauf kletterte verfolgte Kisha diese mit einem Blick. Als diese dann noch auf ihren Kopf kletterte verstärkte sich Kisha’s Grinsen nur noch mehr.
"Ich kann mich nicht beklagen!“
Mit einem vorsichtigen Rucken nahm sie die Pfoten von Parveen’s Rücken, schüttelte alles bis auf den Kopf, um Daylight nicht von ihrem Kopf zu werfen. Einen kurzen Blick warf sie zu der Weißen, eigentlich interessierte sie es nicht, wer diese Fähe war, deswegen schenkte sie ihr auch nicht wirklich Aufmerksamkeit, sondern wandte sich schnell wieder Parveen zu. Diese stellte eine Frage, die Kisha den Blick wieder zur Seite drehen ließ. Leicht drehte die Schwarze die Ohren nach Hinten. Ob sie die Braune kannte? Überlegend musterte sie die Fähe, ehe sie sich wieder ihrer Schwester zuwandte.
“Nö, warum? Ist die wichtig?“
Spierisch stubste die Schwarze Parveen an, sprang einen Meter zurück, noch immer darauf achtend, das Daylight guten Halt hatte. Entweder würde heute wieder so ein langweiliger Tag werden oder noch langweiliger als sonst.
Die weiße Fähe namens Nightwish, war keuchend stehn geblieben. Sie war fertich, es war schwere ein Rudel zu finden als sie dachte. In ihr Leben ging alles schief, ihr Magen knurrte bitterlich laut, doch sie lief weiter. Ihre Schritte waren ungleichmaßig und wackelig, sie keuchte vor sich hin. Ihre Augen zeigten müdigkeit, und verwirrung. Sie ließ sich zu Boden fallen, und versuchte nach Luft zu schnappen. Es war unglaublich wie lange sie lief, wie lange sie durch halten konnte ohne Essen oder Trinken. Sie wusste nicht mal wo sie war, ob es gut oder schlecht war das sie weiter weg von ihrem Zuhause ist, sie hatt ihre kleine Schwester verloren. Sie versuchte ihren Herzschlag zu ruhen, es dauerte und es kamm ihr vor als wurde die Zeit einfach an ihr vorbei gehen. Sie sah kaum richtig, doch lächelte sie, als wäre sie glücklich doch im Inneren ging es ihr schlecht und mies. Sie stand wieder auf, ihre Zuge baumelte aus ihrem Mund.
Sie legte ihre feuchte Nase, und sie lief weiter. Sie murmelte ließe vor sich hin das kaum versteh bar war, doch sagte sie.
"Ich schaff‘ es schon, ich werde schon meine Ruhe finden"
Ihr Margen gab ein lauten hunger Schrei vom sich, und Nightwish legte sich hin, und schloß die Augen. Ihr kamm ein Land uberdeckt mit Schnee und ein kleiner Rudel, das dort Lebte. Sie sah ihre Familie ihre Eltern und geschwister alle da, doch wo war sie? Nightwish war da und rief zu ihm, doch keiner schien sie zu bemerken noch nicht mal ihre Schwester, sie rief nochmals zu ihm, doch sie waren glucklich merkten nichts und gingen ihren Lebenslauf weiter. Was war denn los, als were ihr Familie ohne sie glucklich. Ihre Eltern hatten so viel spaß sie waren so glucklich. Die Menchen waren weg gezogen und alles war gut, sie hatten Essen. Es war ein Alptraum denn sie treumte. Bevor sie zu sich kamm hohrte sie ihre Mutter sagen.
"Bin ich froh das sie nicht mehr bei uns ist"
Was meinte sie denn damit, vielleicht Nightwish, die Worte summte in ihrem Kopf und Nightwish stand erschrocken auf. Sie konnte es nicht fassen, war das war, das sie glucklich ohne sie lebten? Nightwish saß im Schatten eines Baumes, und schaute zum Boden. Doch sie trauerte nicht,
"das Leben geht doch weiter das war doch nur ein Traum mein Vater wahr doch tot, das wahr nur ein Traum... lachte sie fasst. /font>
Langsam ging Kaede weiter, bemerkte wie der Wind drehte und ihr den Geruch von, konnte das wirklich sein? Hiryoga zubrachte. Bei ihm, eine ihr fremde Fähe oder bildete sie sich dies alles nur ein? Ihre Ohren stellten sich aufmerksam auf. Sie sog die Luft durch ihre Schnauze, wunderbarer Geruch eines ihr bekannten Wolfes. Aber vielleicht wollte er sie nicht sehen, seine Verabschiedung war schließlich nicht sehr aufschlussreich gewesen, vielleicht hatte sie ihn früher nicht genügend unterstützt und deshalb war er gegangen. An sich selbst zweifelnd blieb Kaede stehen. Doch dann spürte sie wieder den warmen Frühlingswind und all die Farben erschienen vor ihren Augen. Nein, keine Zeit zum Trübsal blasen, dass konnte sie immer noch machen, es war schönes Wetter, ein toller Tag und vielleicht war Hiryoga ja gar nicht sauer auf sie. Sie lächelte wieder. wie sie sich in letzter Zeit verändert hatte, das war wirklich ein Wunder. Sie schüttelte sich kurz und tappte dann weiter. Nicht direkt in die Richtung Hiryogas,sie wollte ihn nicht überfallen, wenn er wollte konnte er zu ihr kommen und sonst nicht. Sie tappte nur noch einige Schritte, bis sie die kleine Lichtung inmitten des Waldes erreichte. Sie war winzig klein, eigentlich gar keine richtige Lichtung sondern eher ein Stückchen Wald ohne Bäume. Zwei hätten gereicht um diese Fläche in ein Schattenmeer zu tauchen durchlöchert von kleinen sonnenstrahlen, welche durch die Äste und Blätter gebrochen werden würden. Doch so kam die Sonne fast ganz auf den Boden und so ließ Kaede sich seufzend in die Sonne fallen. Hier war ein schöner Ort, oft hielt sie sich hier auf. Die Wärme beschien ihren Pelz und ließ es mollig warm werden. auch wenn der Boden noch etwas kühl war, gleichte ihr Winterfell welches sie teilweise noch besaß dies gut aus. Sie leckte sich die Schnauze witterte kurz und ertastete so ein Kleintier nicht unweit von ihr, schleichend erhob sie sich und tappte an das kleine Kaninchen heran. Ein satz noch und die blinde Fähe hatte es in den Fängen, es wand sich ein wenig, doch Kaede fand schnell die Richtige Stelle um es zu töten. Glücklich über diese Beute und dass das alles so gut geklappt hatte, kehrte sie zurück und legte sich hin, um dann ihre Mahlzeit in Ruhe zu sich zu nehmen. Selten gelang es ihr etwas so schmackhaftes wie ein Kaninchen zu fangen, meist waren es irgendwelche Mäsue, welche kaum ihren Hunger stillten, doch jagen war schwer, wenn man nichts mehr sehen konnte. Insgeheim hoffte sie wohl, dass hiryoga zu ihr kommen würde, doch wollte sie es ihm und seiner Begleiterin überlassen, so aß sie nur genüsslich ihr Kaninchen und schleckte sich immer wieder über ihre Schnauze, während über ihr die Vögel sangen.
Stumm stand der Nachtsohn da, vor sich einen Rüden, der wie ein aufgeweckter und unbekümmerter Welpe wirkte. Und was jetzt? Er konnte sich doch vor seinen Augen nicht Mal eben die Klippe runter stürzen, oder? Warum eigentlich nicht? Es war doch dann nicht mehr sein Problem, was mit dem grauen passierte, der wohl Shit hieß. Warum sprach er eigentlich in der dritten Person von sich? Und warum dachte er eigentlich über so unwichtige Sachen nach? Er war doch eigentlich bloß hier, um endlich alles zu beenden. Aber jetzt wo er schon Mal hier war, sein Ende erreicht hatte, da konnte er sich doch wohl zeit nehmen, oder? Warum denn eigentlich nicht? Er hatte doch die Klippe gesehen. Da ging es so tief runter, das er noch nicht mal mehr den Boden gesehen hatte. Wenn er dort runter sprang, musste es doch zu Ende sein, nicht wahr? Kurz schlossen sich die Augen, verdrängten den zweifelnden Schimmer. Er wollte doch nicht mehr. Mit was hatte er es verdient, das er in der letzten Stunde jemanden haben sollte, der ihn zuquatschte und ihn am sofortigen Tod abhielt? Aber er hatte doch Zeit? So lange hatte man mit ihm gespielt, es reichte jetzt. Trotzdem konnte der Kleine da nichts für seine Situation. Und er versuchte bloß nett zu ihm zu sein, auch wenn sich dies nun nicht mehr lohnte. Langsam öffneten sich die klaren mitternachtsblauen Augen wieder.
"Du...musst mich verwechseln..."
Die Stimme des Nachtschwarzen war leise und verhalten. Er konnte sich nicht erinnern, schon mal hier gewesen zu sein. Er konnte sich sowieso bloß nur noch an den Fall erinnern, der ihm nicht die Erlösung gebracht hatte. Wieder verfiel er ihn Schweigen, während Shit ihn zutextete, mit Sachen, die er entweder nicht wusste oder die er nicht wissen wollte. Er musste doch jetzt gehen. Es war zu spät. Er versuchte sich wieder zu entspannen. Diese seltsame Stimme war verschwunden, auch wenn sie ihm nicht aus dem Kopf ging. Wer das bloß gewesen war? Aber was spielte das jetzt noch für eine Rolle?
"Ich...gehe nirgendwo hin und gehöre nirgendwo hin..."
Kalte Nässe umspülte die schwarzen Pfoten, die nun nicht mehr auf harten Scherben standen. Die blauen Augen starrten auch nicht mehr ins Vakuum hinein. Alles war von nebligem Dunst umgeben und dennoch waren die Bäume um ihn herum schemenhaft zu erkennen. Eine düstere Moorlandschaft. Es roch nach Wasser und Lehm, leicht modrig und doch so dick, das man kaum atmen konnte. Die schwarzen Ohren zuckten nach hinten, ehe sich der Blick wieder zu den Pfoten wandte. Er stand nun schon knöcheltief im Wasser. Wenn er stehen blieb, würde er qualvoll ertrinken. Mühsam hob er die Läufe an, zog und zerrte, bis er sich aus dem Morast befreit hatte und einen sicheren Platz auf einer Baumwurzel hatte.
Kalte Ketten schlangen sich um den schlanken, doch kräftigen Körper, zurrten etwas fest, so das dieser ein ganzes Stück in die Knie gezwungen wurde. Von seinem Rücken gingen die Ketten um seine Läufe, so das er nicht die völlige Bewegungsfreiheit hatte. Unter dem Gewicht wurde auch sein Kopf etwas zu Boden gedrückt und er konnte sich bloß mit Mühe aufrecht halten. Was sollte das alles? Er stand jetzt auch nicht mehr auf halbwegs sicherem Boden sondern wieder auf unsicherem Gelände. Der Boden unter ihm konnte jeder Zeit nach geben und das Gewicht auf seinem Rücken würde ihn noch mehr runter ziehen. Nicht nur das, es drückte ihn jetzt schon runter, so das er in dem Schlamm einsank und große Mühe hatte, die Läufe zu heben, um weiter zu gehen. Und sollten seine Kräfte nach lassen, so würde er sich noch nicht mal befreien können, sondern würde jämmerlich ertrinken. Ein Rascheln hinter ihm erklang. Wer oder was war da? In dem dichten Nebel konnte er nichts erkennen, nur die stechenden Augen, die plötzlich überall aufglommen. Er sollte weiter gehen! Seinen letzten Weg. Also kämpfte sich Midnight vergebens vorwärts, mühte sich ab, bis er einfach nicht mehr konnte. Der schwarze Körper fiel zu Boden, Schlamm und Wasser spritzte auf, verfing sich in dem Pelz des Nachtsohns, der schwer atmend am Boden lag. Ein Rascheln hinter ihm ließ ihn den versuch starten, krampfhaft auf zu stehen, um dann erneut in den Dreck zu fallen. Er konnte nicht mehr! Er wollte nicht mehr. Sollten sie ihn doch kriegen, ihn holen und zur Hölle fahren lassen, es war ihm egal. Er spürte nichts mehr, er wollte nichts mehr spüren. Er wollte doch bloß seinen Frieden haben! Dennoch schaffte er es irgendwie wieder auf die Beine zu kommen, hievte sich hoch , so das der Leidensweg erneut begann. Immer wieder taumelte Midnight, stolperte, versank im Wasser. Aber er schaffte es weiter zu gehen. Seine Gedanken waren wie betäubt, konnte nichts denken, wollte nicht denken. Wollte weder sein noch hier sein. Er wollte bloß schlafen. Ein hässliches Lachen erklang, dröhnte in seinen Ohren, seinem Kopf wieder.
"Wir werden dich von deinem Leid erlösen. Geh nur weiter...Immer weiter..."
Die Bäume lichteten sich ein kleines Stück und eine große Wasserfläche, mit einem Waldsee vergleichbar, wurde sichtbar, auf die Midnight nun zu ging. Das Wasser stieg ihm immer höher und höher, reichte schon über seinen Rücken. Im Hintergrund hörte er leise Worte, ein Gebet? Immer weiter ging er, der Boden gab unter seinen Pfoten nach und das Gewicht auf seinem Rücken tat den Rest. Der Nachtsohn wurde unter Wasser gedrückt und nur noch Luftblasen zeugten davon, das vor wenigen Sekunden noch ein Lebewesen gestanden hatte.
Die leeren Augen lagen auf Shit. Keiner wusste, was sich in seiner Seele abgespielt hatte. Eine Maske lag auf dem schwarzen Gesicht. So undurchdringlich, aus Stille und Verschlossenheit.
"Du brauchst mich nicht zu Banshee zu bringen. Geh du nur die Welpen begrüßen. Ich werde den Tod begrüßen gehen. "
.oO( Verzeih mir, Kleiner...)Oo.
Nightwish sah ein andern Wolf, sie schüttelte ihren Kopf. Sie sah eine graue Fähe, sie das sie sich an ein Hase ran machte. Sie legte ihre Lippen. Es sah köstlich aus. Sie schaute zu, aber bewegte keine Muskel. Sie lächelte und schaute ob es andere Hasen gab, sie sah keine. So dumm sind Hasen ja nicht wen ein Hase tot ist. Sie Bellte zu der Fähe und hoffte sie wurde sie hohren. Da der Ruf schwach war doch freundlich. Sie spitzte ihr Ohren und richte es in der Fähe ihre Richtung. Sie beobachte immer noch denn Hase.
Ihr kammen neue Gerüche auf die von der Fähe und von dem toten Hase. Ihr kamm auch denn Geruch des Fruhlings in die Nase. Ihr Magen knurrte wieder, sie ignorierte es, und versuchte gerade zu sitzen und zu denken. Es wahr schwer ohne was im Magen zu haben dann wahr vor ihre Nase ein leckeres Häschen.
"Das sieht lecker aus"
Sagte sie was halb yur der Fähe gerichtet war. Ihre Augen zeigten wie hungrig sie wahr doch bemergte Nightwish nicht das die Fähe blind ist. Sie Blinzelte und sah wie ein Frosch vor bei Hupfte. Es wahr ein helles Grun, und bemerkte noch nicht mal die Wölfe. Es sah ganz witzich aus, sie musste kichern. Ihr weißes Fell wahr dreckich aber nur ihr Bauch und Schwanz. Es wahr ein leichtes Braun. Sie schutelte ihr Fell und staub kam raus. Es war deutlich in der Luf zu sehn doch dann verschwant es. Sie war immer noch am lächeln.
"Entschuldigung gibts hier mehr Essen?"
fragte sie freundlich, und schaute zu der Fähe, freundlich. Ihr Beine waren noch wackelig.
Shit betrachtete den Wolf vor sich, musterte ihn mit einem amüsierten Grinsen auf den Lefzen.
„Verwechseln? Na dann.“
Weiter ging er nicht darauf ein, es spielte ohnehin keine Rolle. Es mischte sich fast etwas wie Nachdenklichkeit in seinen Blick, als der Rüde davon sprach, er würde nirgendwo hin gehen und gehörte auch nirgendwo hin.
„Shit gehörte auch nirgendwo hin und nun hat er hier ein zuhause gefunden. Dir wird es auch so gehen, bestimmt!“
Wedelnd und erwartungsvoll stand er vor dem schwarzen Rüden, der ihm seinen Namen doch nicht verraten hatte, obwohl er zweimal gefragt hatte. Vielleicht wollte er ihn nicht sagen? Shit verriet auch niemandem seinen wirklichen Namen.
„Weißt du was? Shit gehört jetzt an deine Seite, aber dazu musst du bei ihm bleiben.“
Er grübelte, schaute so, als fragte er sich selbst, ob ein Anflug von Logik in diesen Worten lag. War auch nicht so wichtig, der schwarze Fremde sah sowieso so aus, als wäre er gerade wo ganz anders. Musternd lag Shits Blick auf ihm, die Ohren zuckten leicht verunsichert. Führten sie noch ein Gespräch? Was war es, das in den Augen des Rüden zu sehen war? Der Braune fand kein passendes Wort. Vielleicht Leere? Konnte man so was sagen? Bestimmt. Shit sah inzwischen fast fragend drein, ließ den Schwarzen nicht mehr aus den Augen.
„Aber schwarzer Freund, der Tod ist noch nichts für dich, deine Zeit ist noch nicht gekommen.“
Sagte er mit einem so naiven Ton, dass fragwürdig blieb, ob er wirklich schon zwei Jahre alt war. Er machte zwei Schritte auf den Rüden zu, streckte die Nase ein wenig nach vorne, so dass sie die von Midnight berührte. Seine Augen lagen immer noch auf dem dunklen Blau des Nachtschwarzen.
„Wieso willst du denn schon sterben? Du bist doch nur einen Frühling älter als Shit?“
Behauptete er einfach, weil vier Jahre zu alt und zwei Jahre zu jung schienen.
„Das macht Shit traurig, da ist es unmöglich dass er einfach zu den Welpen geht, dann kann er gar nichts für den Schwarzen tun. Du wirst jetzt bestimmt sagen, das Shit das ohnehin nicht kann, aber wenn er jetzt geht, trägt er die Schuld, verstehst du?“
Mit einem Nicken seinerseits bestätigte er die eigenen Worte. Ohne Scheu trat er noch näher an den Schwarzen heran, stupste ihn sacht gegen die Schnauze. Seine Rute pendelte leicht hin und her, während die Augen, riesig, als wären sie die eines Welpen, auf Midnight ruhten. Erwartungsvoll, als hätte er ihm gerade ein wundervolles Geschenk gemacht. Das Lächeln auf seinen Lefzen war nur noch leicht zu sehen, aber warm wie eh und je.
Face Taihéiyo zog vorsichtig eine Pfote nach vorne. Es war seltsam die Erde unter seinen Pfoten wieder genau zu spüren. Auch, dass sich eines seiner Ohren nach hinten drehte war merkwürdig, wenn auch ein ganz normaler Reflex. Er konnte wieder Atmen, frische und klare Luft füllte seine Lungen auf, die so lange schon in ihrem Vakuum ausharren mussten. Die Leitwölfin war aufgestanden und die Wärme neben ihm verschwunden. Der Tiefschwarze hob den Kopf etwas und blinzelte leicht. Es war schwer den Gleichgewichtssinn wieder zu finden, dieses dumme Schwanken war immer noch da. Die zweite Pfote schob er auch noch nach vorne und hob sich dann mit einem Ruck wieder auf die Läufe. Einen kurzen Moment taumelte Face zur Seite, versuchte seine Sinne wieder ganz unter Kontrolle zu bringen und sah Banshee dann mit leicht gesenktem Kopf an. Er soll Cloud geliebt haben? Er wusste doch gar nicht wie das ging ... aber der Tiefschwarze hoffte ganz bei sich, dass er wirklich den Frieden bekommen hatte, den der Kleine verdiente.
„Ich hoffe es sehr für ihn ...“,
sagte der große Wolf leise und ließ den saphirblauen Blick zum Indianerjungen wandern. Er schlief ganz ruhig und regungslos, fast schon zufrieden sahen seine Züge aus. Banshee wollte ihn zum Fluss bringen und den Wellen überlassen, ja ... vielleicht war dies das Beste. Liegen bleiben konnte er hier in keinem Fall. Face wollte keine Fragen beantworten, wenn ihn jemand sah und ganz klar seinen Geruch an ihm erkannte. Es reichte wenn die Weiße gleich Fragen stellen würde, mit denen er ganz sicher rechnete. Allwissend konnte schließlich niemand sein.
„Okay ..“
Der Tiefschwarze seufzte leise und noch immer leicht schwankend beugte er sich zu Cloud hinab. Noch einen kleinen Augenblick sein Gesicht betrachtend, schnappte er vorsichtig nach Clouds Ärmel. Es würde schon irgendwie gehen, er war ja nicht schwer. Dennoch machte es ihn traurig und schlug ihn innerlich schmerzhaft nieder. Wie er so dalag, alles schien wie damals. Damals, als man ihn erschossen hatte und der Indianerjunge ebenfalls langsam vor ihm eingeschlafen war. Schluss mit diesen Erinnerungen! Wie oft wollten sie ihn noch einholen? Face löste seinen starrenden Blick aus dem Nichts, sah zu Banshee hinüber und lief – Cloud mit sich schleifend – ein paar Schritte näher zu ihr.
Ayala verspürte eine innere Ratlosigkeit, als sie sich Tyraleens Reaktion bewusst wurde. Die kleine Fähe hatte sehr bestimmt und deutlich reagiert, doch wenigstens wusste sie, was sie wollte. Unwillkürlich umspielte ein erkennendes Lächeln Ayalas Lefzen; jene war nicht nur vom Äußeren her ganz ihre Mutter.
Dennoch war die Betafähe überrascht gewesen, dass Tyraleen reagiert hatte, indem sie zur Seite gewichen war, Distanz geschaffen hatte. Momentan war Ayalas Fürsorglichkeit wohl etwas zu überschwänglich … ein kurzer Blick wanderte zu Leyla, in der Hoffnung, sie würde bald nachkommen.
In genau diesem Moment hörte Ayala die wohl bekannte Stimme Leés neben sich. Ayala sprang auf und begrüßte ihre alte Freundin Schwanz wedelnd. Gerne hätte sie ein paar Fragen gestellt, nachdem Leé so lange Zeit fort gewesen war – doch es war noch nicht der ricvhtige Augenblick dazu. Daher schmiegte sich Ayala einmal mehr an die Braune und realisierte erst da, wie sehr sie jene vermisst hatte. Sie löste sich wieder von der anderen Fähe, als sie Tyraleens helle Stimme vernahm. Ayala sah die Kleine mit freudig blickenden Augen an, sie hatte inzwischen gar keine Antwort mehr erwartet, doch es machte sie glücklich, nun doch wenigstens ein kleines Maß von Angenommenheit zu verspüren. Wobei man natürlich nicht von einer sonderlich ehrlichen, auf Vertrauen aufbauenden Antwort ausgehen konnte, wenn man Tyraleen in ihrer vorherigen Verfassung gesehen hatte. Und schon wollte sie sich wieder aus dem Staub machen, erwachsen und niemanden um sich herum brauchend. Mit Sicherheit musste ihr unglaublich langweilig zumute sein …
Doch, siehe da, Tyraleen drehte sich nochmals um und hob erneut zum Sprechen an. Ayala verharrte noch immer zwischen ihr und Leé und wusste zuerst nicht, wen Tyraleen tatsächlich meinte. Als sie dem Blick der Kleinen folgte, wurde ihr allerdings klar, welcher Name gesucht war.
„Sie heißt Leyla. Ich glaube sie ist ziemlich einsam, in ihrer Vergangenheit muss etwas passiert sein, dass sie noch heute sehr traurig macht.“
Ayala hatte keine Absichten, sie erzählte nur etwas über Leyla, weil sie sich an ihre eigene Neugierde zu Welpenzeiten noch sehr gut erinnern konnte – wobei es Leyla vielleicht gar nicht schlecht bekommen würde, mehr Kontakt mit den Welpen zu haben. Nochmals glitt ein einladender Blick in ihre Richtung.
Sie hatte gar nicht so recht mitbekommen, dass Ayala ein Stück fortgegangen war. Sie war viel zu sehr in Gedanken versunken und hatte den Welpen begutachtet. Leyla stand auf und sah in den Himmel, wie die Wolken vorüberzogen und eine leichte Briese durch die Baumkronen wehte und die Blätter tanzen ließ. Mit sachtem Schritt ging sie ihr nach. Sie fühlte sich etwas überflüssig. Alle waren nun bei den Welpen, was auch gut und richtig war, das ist nichts Besonderes in einem Rudel und war schon zu ihrer Zeit in ihrem Rudel nicht anders, doch jetzt erst spürte sie so recht, wie es war, wenn man niemanden hatte. Sie lief zu Ayala. Sie schien sich mit zwei anderen Wölfen zu beschäftigen. Sie konnte nicht verstehen, was sie sagten. Der Platz war so voller Leben. Alle waren aufgeregt, wegen den Welpen, weil sich einige wiedersahen, die sich länger nicht gesehen hatten und überhaupt..weil einfach Frühling war. Leyla versuchte ein künstliches Lächeln zu zeugen um nicht durch Bemitleidung Aufmerksamkeit auf sich zu erregen. Wie schön wäre es doch, ein Vogel zu sein. Dann hätte sie nun dort oben in den Baumwipfeln sitzen können und mit den anderen im Chor zwitschern können und allen verkünden können, dass Frühling war und dass die Tiere ihre Jungen bekamen. Doch wäre das so anders gewesen? Die anderen hätten sie vielleicht übertönt und sie wäre gar nicht zu hören gewesen. Nun hätte sie fortfliegen können und die Freiheit in der Luft genießen können. Doch was war schon frei? Freier als jetzt auch nicht. Gefangener des eigenen Schicksals wäre sie gewesen, so wie jetzt. Ihr Erinnerungsvermögen ließ sie nicht vergessen und der Schatten ihrer Vergangenheit holte sie immer wieder ein und nahm ihr das Sonnenlicht des ach so schönen Frühlings doch wieder wie eine düstere Gewitterwolke. Sie setzte sich zu der kleinen Gruppe um Ayala und sah zu Boden als wolle sie dem Gras beim Wachsen zusehen. Immerhin, dieses wuchs wenigstens. Sie fühlte sich, als würde sie jeden Tag kleiner werden. Sie saß so schlaff dort, als hätte sie gar keine Knochen. Zusammengesackt, als ob sie es gerade vermasselt hätte, jemandem das Leben zu retten, saß sie da und fing hin und wieder ein paar Worte auf, von dem, was um Ayala herum gesagt wurde oder was sie selber sagte, blieb aber nicht in ihrem Geiste hängen. Innerlich war sie abwesend. Ja, sie hatte es vermasselt. Sie war ebenso abwesend als Alienna ging. Sie schämte sich..
Tyraleens Blick glitt eilig wieder zu Ayala als die ihr schon eine Antwort gab. Sie war ihr also nicht böse und das erleichterte Tyraleen, gleichzeitig war es aber diese … diese Güte, die sie so wahnsinnig machte. Aber sie war doch auch ein Welpe, jeder Welpe wurde so behandelt. Ihr kleiner weißer Kopf nickte leicht, Leyla, mit einer schlimmen Vergangenheit. Ob wohl wirklich etwas so schlimmes erlebt hatte, oder wollte sie es nur als so schlimm ansehen? Könnte sie nicht genauso glücklich sein wie Banshee und Ayala und all die anderen? Oder … war sie, Tyraleen, denn nicht auch unglücklich? Warum war sie unglücklich? Diese Frage konnte sie sich nicht genau beantworten, aber vielleicht war Leyla genau deshalb ebenfalls unglücklich. Fühlte sie sich nicht angenommen? Unverstanden? Ihre tapsigen Pfoten wollten näher an die Weiße gehen, als die sich schon erhob und zu Ayala trat, scheinbar hatte sie die kleine Welpin nicht mal bemerkt. Tyraleen zögerte, durfte sie einfach zu ihr gehen? Oder war sie die Traurige, die man nicht berühren und ansprechen durfte? Die mit der schlimmen Vergangenheit. Die Ohren der Kleinen zuckten ein wenig, es kribbelte alles so sehr, sie wollte ein wenig herumspringen, still sitzen oder stehen, das machte man als Welpe nicht. Ihre kleinen Läufe begann zu laufen, tapsig sprang sie den Abstand, den sie sich von Ayala entfernt hatte wieder zurück, blieb vor ihr stehen und wandte sich dann aber an Leyla.
“Du bist Leyla?“
Sie trat noch einen Schritt näher und streckte ihre Nase zum Hals der weißen Fähe, schnüffelte an dem Fell und ließ sich wieder fallen. Sie hätte sie gerne gefragt, was mit ihrer schlimmen Vergangenheit war, aber das konnte sie wohl nicht vor den anderen Wölfen hier. Ihre Knopfaugen huschten zu Ayala und zu der anderen Fähe, an die sich die Weiße gedrückt hatte. Sie war wohl bekannt, Leyla dagegen musste unbekannter sein. Sie starrte auf das Gras als wäre sie verlegen … wurde sie nicht angenommen? Wurde sie nicht verstanden? Die Neugierde Tyraleens war geweckt, es war kein kindisch naives Interesse, sie wollte nicht alles wissen und es dann wieder vergessen oder jemand anderem erzählen … es war eher das Suchen nach jemandem wie sie selbst … vielleicht hatte Leyla ja gar keine schlimme Vergangenheit … oder vielleicht schien die Vergangenheit auch schlimmer, als sie war.
Es tat weh. Es schmerzte ihn so sehr. Dabei hatte er doch gedacht, alles wäre verschwunden. Falsch gedacht, was? Der Schmerz würde wohl für immer bleiben, es macht doch Spaß einen einsamen Rüden zu quälen, der noch nicht ein Mal wusste, wer er selber war. Es war so einfach und war so unterhaltsam, oder nicht? Klar, sonst würde man ihn doch in Ruhe lassen. Die mitternachtsblauen Augen schlossen sich wieder. Er wurde aufgewühlt, ein reines Gefühlschaos. Alleine auf seinem Weg durch Rabenschwärze. Still wanderte er über den kalten, sandigen Weg, den Kopf teilnahmslos gesenkt. Es gab nichts mehr, was er sehen wolle. Er wollte nur noch finden: Seine Ruhe im ewigen Schlaf. Dennoch ließ ihn etwas den Kopf heben. Da waren Wölfe, wirkten so real und auch wieder nicht. Es war so verwirrend, vor allem weil sie ihm so vertraut vorkamen. Oder täuschte er sich da schon wieder, man spielte ein billiges Spielchen mit ihm. Wie so oft. Ausdruckslos beobachtete er die Wölfe auf dem Weg vor ihm. Sie sprangen ausgelassen umeinander, mit wedelnden Ruten und freudigen Gesichtern. Einer von ihnen war ein nachtschwarzer Rüde mit nachtblauen Augen, klar und freundlich. Voller Lebensfreude. Davor stand der selbe Rüde seiner Erinnerung gegenüber, das krasse Gegenteil, nicht Mal mehr ein Schatten. Den Blick abwendend lauschte Midnight stumm, was der Kleine ihm zu sagen hatte, der anscheinend selber nicht wusste, was er da sagte. Er selber sagte nichts, er regte sich auch nicht weiter. Der Nachtsohn stand nur still da, verzweifelt und am Ende. Er konnte nicht mehr. Sah das denn keiner? Warum ließ man ihn nicht einfach ziehen, seinen letzten Weg gehen? Es war nur dieser eine Schritt?! Sein Leben drehte sich doch immer wieder im Kreis, ein Kreis der Ewigkeit, aus dem er nur mit einem Schritt heraus kam. Hatte er sich ausgesucht auf diesem Pfad zu taumeln, weder ein noch aus zu wissen? Nein, niemals hatte er das gewollt, wie so vieles nicht. Doch was wusste er schon? Er wusste noch nicht einmal, wer er selber war und der Graue? Auch der hatte keine Ahnung, wer wollte es schon sehen, wer wollte schon auf den Grund blicken?
"Glaub mir. Wärst du bloß ein bisschen wie ich, dann würdest du längst nicht mehr hier stehen. Aber es ist besser so, das du nicht bist wie ich, so kannst du nun endlich zu den Welpen gehen. Lass mich nur alleine..."
.oO(Wie alle anderen doch auch.)Oo.
Er war so dumm, so dämlich und naiv. Einen kurzen Augenblick hatte er doch wirklich das licht der Hoffnung gesehen, das alles anders werden würde. Aber warum sollte es denn? Es war vorbei! Hoffnungslos. Er hatte vergessen, wie spät es war: für ihn zu spät. Was hatte er bloß falsch gemacht? Ganz klar. Seine Geburt war sein Fehler. Es ist kein Ende in Sicht, egal wohin er auch rannte. Warum konnte es nicht einfach aufhören? Die Hoffnung zog an ihm vorbei du auch das Leben übersieht ihn.
"Alles endet hier...Ich hoffe, du verstehst das."
Nein, dieser Wolf schien von einer besonders hartnäckigen Sorte zu sein, denn er schien nicht aufgeben zu wollen, egal was er sagte und verstehen würde er wohl auch nicht. Der Kleine kam immer näher, während der Schwarze innerlich weit zurück wich. Was sollte denn das werden? Verwundert und verwirrt, aber doch mit ausdruckslosen Augen blickte Midnight in die welpenhaften Augen, deren Besitzer gerade seine Nase berührte. Dieser Berührung und war es noch eine leichte warf ihn noch mehr aus der Bahn, als er eh schon war. Was sollte das? Was wollte Shit von ihm? Langsam nahm er die Kontrolle über seine Läufe wieder auf und trat einen Schritt nach hinten, als der Kleine noch näher kam und ihn wieder berührte, wich er noch ein Stück nach hinten zurück. Was tat er da? Ein Kloß steckte in der Kehle Midnight’s, er schluckte, kämpfte gegen dieses seltsame Gefühl. Kurz zuckten die schwarzen Ohren nach hinten, legten sich eine Sekunde lang unsicher an, bevor sie wieder nach vorne schnippten.
"Du...Du weißt doch gar nicht, was du da tust und was du sagst. Du willst an meine Seite gehören? An die Seite eines Todgeweihten, der sich nichts sehnlicher als Erlösung wünscht? Vergiss es! Es ist hoffnungslos. "
Die Welle der Gefühle schleuderte ihn erbarmungslos hin und her. Er konnte es nicht verantworten, das Shit sein Ende mit ansah, auf das er nun eigentlich lange genug gewartet hatte und wusste, dass er diesen traurig machte. Auf der anderen Seite berührte dieser Rüde sein verlorenes Herz. Er machte sich Sorgen, wollte, das auch der Nachtschwarze glücklich war, was ihm das Gefühl gab, das nicht alle an seinem Leben vorbei zogen. Doch es war zu spät. Er war verloren und hatte es selbst so gewählt. Verzweifelt ließ er einen Augenblick den Kopf hängen. Es zerschlug ihn, bekümmerte ihn. So viel Ehrlichkeit und auch Aufrichtigkeit. Und Naivität eines Welpen. Sacht schüttelte Midnight den Kopf Sein Leben war vorbei, ehe es richtig begonnen hatte, doch das des Grauen nicht.
"Geh bitte... "
Daylight schaute einen Moment verträumt dem Schmetterling nach, ehe sie sich wieder ihren Geschwistern zuwandte. Ihre Ohren zuckten als Parveen auf die neue Braune hindeutete udn ihr Blick musterte die Fremde argewöhnisch, doch auch irgendwie erfreut. So viele Fremde Wölfe! Und sie waren alle gekommen um sie zu besuchen. Zumindest dachte Daylight so und sie liebte es im Mittelpunkt zu stehen.
"Oh wie wunderbar, dass ihr mich alle besuchen kommt! Ihc freu mich immer über besuch... aber so viele von euch, langsam wird es etwas eng."
Sagte sie und kräuselte ihre Lefzen zu einem leuicht spöttischem Lächeln. Dann wandte sie sich mit gespielter Interesse Kishas hin und her schnackenden Ohren zu, um mit der Pfote nach ihnen zu tapsen. Da kam ihr plötzlich ein Gedanke. Bis jetzt waren sie recht verschwänderisch mit der Liebe umgegangen, doch jetzt wollte sie es wissen, was war das eigentlich wirklich; Liebe? Ihr Blick huschte über ihre Geschwister und die zwei Fremden, sie musterte jeden von ihnen kurz dann blieb ihr Blick an Parveen hängen, denn sie glaubte, das diese ihre Frage am besten beantworten konnte.
"Du Parveen?"
Fragte sie und ihre goldenen Augen ruhten ruhig udn mit wissbegierigen Ausdruck auf ihrer Schwester.
"Erkläre mir... was ist Liebe eigentlich? Was bedeut es wirklich? Wir..."
Sie machte eine unbestimmte Pfotenbewegung in die Richtung der anderen Wölfe.
"Sagen ja sehr oft soetwas, wie ich hab dich sehr lieb und so, aber was bedeutet das wirklich?"
Kaede hatte bereits den halben Hasen verspeist, als sie ein leises Bellen hörte. aufmerksam richteten sich ihre Ohren auf. Nein Hiryoga war es nicht und auch seine Gefährtin war noch zu weit weg, weit weg bei ihm, also musste es irgendein anderes ihr nicht bekannter Wolf sein. Sie hob ihren Kopf in die Richtung aus der sie das Bellen vernommen hatte. Hörte ein leises kichern und musste selber grinsen auch wenn sie nicht wusste was so lustig war.
"Kommt nur her Unbekannte. Seid ihr neu hier im Rudel?"
Sie lächelte, spürte dass diese Fähe ihr nichts böses wollte.
"Natürlich`gibt es hier noch mehr zu Essen, doch wenn ihr kein Problem damit habt könnt ihr auch meinen halben Hasen essen, da ich keinen Hunger mehr habe. Er ist noch nicht alt, noch schön frisch und warm."
Kaede lächelte, wusste sie doch das Wölfe nicht gerne etwas bereits totes nahmen, doch hatte sie das Gefühl als ob diese Fähe dort nicht mehr in der Lage war zu jagen, vorallem als sie ihr leises Magengrummeln hörte meinte sie abermals.
"Greift ruhig zu, scheut euch nicht! Ich bin Kaede, es tut mir Leid das ich euch nicht eher bemerkt habe, doch wie ihr vielleicht seht bin ich blind. Wart ihr schon bei Banshee unserer Leitwölfin? Wahrscheinlich nicht, da diese vor kurzem in die Berge gegangen ist. Keine Sorge ihr könnt euch vorerst an mir halten und dann stelle ich euch später Banshee vor, wenn es dies ist was ihr wünscht!"
Langsam stand die Fähe auf und streckte sich, schob den Hasen weiter in die Richtung in der sie den Wolf vermutete.
"Wie ist dein Name? Und wenn du so freundlich wärst, vielleicht beschreibst du dich kurz, damit ich mir etwas vorstellen kann"
Verlegen blickte Kaede weiterhin auf die Fähe, legte den Kopf leicht schräg so wie früher, mit dem einzigen unterschied dass sie nun nichts mehr sah.
Nightwish, war echt froh das diese fähe so net war. Sie lächelt, sie hatte mitleid mit ihr weil sie ja Blind war, jetzt sah sie es bei denn Blick ihre Augen. Mann konnte es nicht ubersehn, keine Augen farbe ist so. Sie lächelte glucklich als sie die Uberreste des Hasen angeboten wurde. Es war vielicht nicht viel aber mann soll nehmen was mann kriegt und Nightwish wurde gerade alles Essen.
"danke, echt nett von dir! ahm Ich bin Nightwish, echt nett dich kennen zu lernen, Ja ich bin neu hier und kenne leider noch keine Banshee"
sagte sie, sie stand auf und nahm denn Hasen, der Hase und Kaede kammen in letzter Not, sie wusste nicht wie sie ohne das Essen zurecht kommen solte. Doch wahr sie jetzt glucklich. Nightwish stobte als sie fasst mit denn Essen fertich war, sie solte sich ja noch selbst beschreiben sie lächelte und Antworte als sie ein Fleish Stuck runter schluckte.
"Naja, ich habe weißes Fell, und mein linkes hinterbein hat Schwartze Punkte und streifen finde ich ganz witzich!"
sie lachte kurtz, und setzte dann fort.
"Ich habe Rote Augen, ahm ja bin ziemlich duhn aber mein Fell ist so flaushich das ich normal ausseh"
Sie hoffte das wurde furs erste reichen, sie nahm die restlichen Stucke vom Hassen im Mund und kaute gierich trann. Es verschwand schnell im Magen. Sie leckte ihre Lippen.
Toll, das ich bei dir sein kann! Ich finde es immer toll Wolfe um sich zu haben da fuhl ich mich immer wohl!
sagte sie glücklich, und ihr Magen war nun still, und sie fuhlte sich auch schon besser. Sie konnte wieder gut denken und musst lächeln uber die schönheit die denn fruhling brach.
24.12.2009, 19:51
Zack freute sich über die gute Laune seiner Geliebten. Über die übermütigen Schritte, welche sie gewiss schon lange nicht mehr gemacht hatte. Er fragte sich was er getan hatte um sie zu verlieren und was sich verändert hatte, sodass er sie wiederbekommen hatte, doch hatte er keine Lösung. Erst wird ihm seine Liebe brutal genommen und dann findet er sie wieder. Welch großes Geschenk. Diese Liebe welche er für sie empfand, er konnte sich nicht vorstellen wie er ohne sie überlebt hatte. Vielleicht hatte er gewusst, dass er sie wieder finden würden, tief in seinem inneren musste es eine Ahnung gegeben haben. Einerseits gefiel es ihm, dass er schon wusste was passieren würde, andererseits war ihm unwohl dabei. Würde irgendwann etwas passieren, hieße dies ja dass er es schon hätte wissen müssen. Oder etwa nicht? Er fragte sich, ob er seine eigenen Welpen, sollte er irgendwann einmal welche haben wohl genauso lieben würde wie er Neyla liebte, doch konnte er sich dies nicht vorstellen. Diese Liebe welche in ihm brannte, es schien als ob sie immer neu entflammen. Kein unangenehmes Feuer welches ihn auffraß, nein eine wunderschöne kleine Flamme die sein Herz und ihn wärmte. Tag von Tag aufs Neue, die ihm die Hitze in den Kopf steigen ließ und die Liebe hinausschickte in die Welt, hinaus zu Neyla, welche sie freudestrahlend empfing. Neyla, welche auch diese Liebe zu ihm schickte. Er hatte kaum auf ihre Worte geachtet, nur ihre Bewegungen studiert und über ihre Liebe nachgedacht, als sie ihm sagte wie sehr sie ihn liebte. Freudestrahlend sprang er auf sie zu, beknabberte sie und schmuste sich an sie. Oh ja, diese Fähe war ein Geschenk Engayas. So etwas konnte es nicht noch einmal geben. Diese Liebe, einzig artig. Mit Freudentränen leckte er ihr sanft die Schnauze.
„Ich liebe dich auch so sehr Neyla.“
Er seufzte, wollten sie doch zu ihrem Paten. Hoffentlich war ihr nichts zugestoßen, es würde die ganze Atmosphäre zerstören und außerdem würde sich Neyla große Vorwürfe machen. Und nicht nur sie, er ebenso, denn er war ihr Rüde, ihr Geliebter und er fühlte sich genauso Pflichtbewusst wie Neyla sich fühlte. Und auch wenn er noch keine große Beziehung zu der Welpin hatte, liebte er sie doch und er hoffte sie würde ihn nicht abweisen, denn das würde hart werden. Doch wie alles würde er es schaffen. Zufrieden strahlte er Neyla an. Seufzte und tappte weiter.
„Komm meine Hübsche, gleich dort vorne sollte deine kleine sein!“
Lächelnd wand er sich zu ihr, wartete auf sie damit sie gemeinsam zu Amáya gehen konnten.
Erfreut lächelnd lauschte Kaede den Worten der Fähe. Nightwish war ein hübscher Name. Sie konnte sich vorstellen, wie gierig sie die restlichen Stücke des Hasens verspeiste, denn sie hörte nur immer wieder ein leises schmatzen.
„Freut mich wirklich dich zu treffen Nightwish! Banshee ist die Alphafähe dieses Rudels ich werde sie dir später vorstellen, keine Angst sie hat nichts dagegen wenn du hier bist, ich durfte schon öfter Neuere empfangen und sie hatte kein Problem damit, also ist das okay!“
Kaede ließ sich nun wieder auf den Boden sinkend und lauschte sitzend weiter Nightwihs Worten. Laut ihrer Beschreibung war sie ein recht hübscher Wolf und Kaede musste lachen als sie die Streifen und Punkte erwähnte und dabei selber lachte.
„Stimmt, das muss recht interessant aussehen, so ein leicht gestreifter und gepunkteter Wolf!“
Lächelnd überlegte sie kurz, als sie hörte das Nightwish es schön fand hier zu sein.
„Hier ist auch ein ganz tolles und besonderes Tal. Wir haben selten irgendwie Streit mit anderen Wölfe, alle sind hier sehr freundlich und dieses Tal ist einfach wunderschön. Leider bin ich früh erblindet, sonst könnte ich dich jetzt herum führen, so kenne ich nur einige schöne Plätze und Wege, aber das kannst du sonst später auch noch erkunden. Hast du die beiden Wölfe hier in der Nähe bemerkt. Einer davon heißt Hiryoga. Er ist mein Pate, war aber lange Zeit verschwunden“
Seufzend blickte Kaede in die Richtung.
„Ich werde sie zu uns rufen, ich denke die andere ist seine Gefährtin und ich möchte sie beide Willkommen heißen. Ich hoffe nur Hiryoga kommt auch . . .“
Sie hob ihre Schnauze etwas an und heulte.
„Hiryoga. Fremde. Ich bin hier, nicht weit von euch entfernt mit Nightwish auf einer kleinen Lichtung, kommt doch bitte zu mir“
Das heulen endete mit einem kleinen bellen.
„Ich freue mich, euch hier im Sternenwind Tal begrüßen zu dürfen!“
Lächelnd senkte sie ihr Haupt wieder und blickte zu Nightwish.
„Und? Wie bist du hierher gekommen? Warst du vorher in einem anderen Rudel? Wurdest du vertrieben oder wolltest du einfach ein Neues Rudel kennen lernen?“
Fragend wartete sie einerseits auf die Antwort Nightwishs ab, andererseits gespannt darauf, ob Hiryoga zu ihr kommen würde.
Nightwish, musste lächeln es hohrte sich so toll hier an, das alle friedlich mit einander lebten und Kaede war so nett.
"Tut mir leid das du nicht mehr sehn kannst, aber ich werde schon irrgentwie diesen Ort erkunden. Das find ich toll, es hohrt sich an als wer Banshee eine nette leitfähe!
sagte sie, als sie ruber schaute zu denn zwei wolfen, es ist doch immer schön neue Wolfe kennen zu lernen, dann wurde sich Nightwish nicht mehr so fremt fuhlen. Als Kaede wissen wolte wo Nightwish herkam, blieb sie vor ein moment still, were dooch ihre Schwester hier, und konnte sich mit freuen wie schön es hier ist, es wurde ihr so viel besser gehn. Nightwish antwortete doch mit ein frohlichen Klang.
"Naja, ich war mal in ein Rudel in der Antarcic doch wurden wir von denn Menchen auf gebrochen. Ich hatte eine kleine Schwester um die ich mich kummert doch sie ist nicht mehr hier.. leider sie ist nicht mit mir gekommen...
sagte sie, sie schaute zu Kaede, all die Zeit die sie mit ihre Schwester verbrachte kammen auf, in ein Bltz und, es schmertze innerlich doch druckte sie es zuruck und dachte wie schön es hier ist.
"Ist es schlumm nicht mehr sehn zu konnen?"
sie musste es mal fragen, es hohrte sich an als wurde es schrecklich sein Blind zu sein, aber es schien wohl nicht so schlimm zu sein. Aber sie wusste nicht was sie machen wurde wer sie Blind.
Thilas Pfoten verharrten augenblicklich.
oO(Bis hier her und nicht weiter!)Oo
Unsicher blieb sie stehen, eine Reviergrenze war deutlich zu riechen und zu spüren. Thilas Ohren zuckten nervös, wann immer sie eine Bewehgung oder ein Geräusch vernahm. Sie hob die Schnauze in den Wind, sie witterte ein paar andere Wölfe, nicht viele. Sollte sie den Schritt wagen und sich bemerkbar machen? Oder sich lieber umdrehen und sich leise aus dem Staub machen? Nachdenklich setzte sich Thila nieder, ihre blauen Augen bohrten sich geradezu in den Waldboden.
oO(Ein Rudel könnte mir Sicherheit bieten und Schutz vor ...)Oo
Sie wagte es nicht weiter daran zu denken. Sie wollte es endlich vergessen. Die Graue schüttelte den Kopf, um die lästigen Gedanken zu vertreiben, doch sie blieben in ihrem Kopf haften wie Kletten. Mit leerem Blick schaute sie in den Wald hinein, der sich vor ihr verschreckte. Nervös leckte sie sich mit der Zunge über den Nasenrücken. Dann erhob sie sich und jauelte eine Botschaft, nicht allzu laut, gerade laut genug, dass die Wölfe in ihrer Nähe sie hören könnten. Sicherlich konnten diese sie zum Alpha-Wolf bringen ... Aber wollte sie das überhaupt?
"Ihr Wölfe dieses Reviers. Mein Name ist Thila Reycou und ich suche den Alpha dieses Rudels. Ich versichere euch, ich hege keine bösen Absichten, ich suche nur einen Ort an dem ich bleiben kann. "
oO(An dem ich vergessen kann!)Oo
Fügte Thila in Gedanken hinzu. Gespannt wartete sie ab, ihre Muskeln spannten sich , ihr Körper wollte fort rennen, doch ihr Kopf ließ ihn nicht gehen. Ihre Sinne nahmen all das war, was sie umgab, alles zuckte nervös an ihr, doch sie blieb. Was würde sie nun erwarten? Doch schlimmer als das, was sie bereits erlebt hatte konnte es sicherlich nicht mehr sein.
Ayala konnte die Geschehnisse, die um sie herum plötzlich ihren Lauf nahmen, kaum ordnen. Hatte sie doch eben noch Tyraleen vertrauenswürdige Worte über Leyla wissen lassen, stand einen Moment später genau diese schon neben ihr, während die kleine Fähe sich entschied, zurückzukommen und dann ihre Stimme in Richtung Leyla erhob. Irgendwie hatte sie als zentrale Vermittlungsstelle fungiert und irgendwie stand sie jetzt inmitten des Wirrwarrs und alle waren versorgt und sie selbst etwas ratlos.
Jedoch verspürte sie eine angenehme innere Freude, sowohl Leé, als auch Leyla und Tyraleen waren zurück gekommen; ein gewisser Stolz umhüllte die Weiße, sie hatte andere zumindest anfänglich vielleicht in die Richtung ihres Glücks gelenkt, wer konnte das wissen …
Ayala wollte die Fähen gerne untereinander vorstellen, schließlich waren weder Leyla noch Leé bei Tyraleen bekannt gewesen, doch sie befürchtete, die Unterhaltung von Banshees Tochter und ihrer Gesprächspartnerin zu stören – falls eins zustande kommen sollte. Verschmitzt sah Ayala zu Leyla ... Tyraleen war schon etwas Besonderes, um nicht zu sagen vom Himmel geschickt. Offenbar hatte sie einen Narren an Leyla gefressen, was auch immer sie an ihr faszinierte. Doch die Betafähe meinte zu spüren, dass es eine Art Verbundenheit zwischen den beiden existierte – allerdings war es viel zu früh, so etwas zu sagen. Die beiden sollten Zeit bekommen, sich kennen zu lernen. Ayala würde nun einfach auf die Reaktion der anderen Weißen warten und dann entscheiden, ob es angebracht war, mit Leé ein Weilchen zu den anderen zu gehen Während sie dies dachte, sah sie ihre alte Freundin nochmals an. In ihrem Blick lag Dankbarkeit; hatte sie doch etwas gefunden, was sie schon fast verloren geglaubt hatte.
Die junge Wölfin rief in Leyla ein ganz eigenartiges Gefühl hervor. Es fiel ihr schwer zu akzeptieren, daß sie nun neue Bekanntschaften machen mußte und die alten nicht mehr wieder sah. Daß das Leben eine neue Epoche eröffnete und sie einfach mitgeschliffen wurde, ohne so wirklich abgeschlossen zu haben mit all dem, ihrer Vergangenheit, Alienna und den vielen Erlebnissen, die sie schon in ihrem noch recht jungen Leben hatte. Die Kleine war noch so voller Fragen und voller Neugier und Leyla kam es so vor, als gäbe es nichts Neues mehr zu erleben oder zu entdecken. Dabei tat sie es ganz unbewußt, jeden Tag.
Wie sollte sie darauf reagieren? Was erwartete man von ihr? Sie mußte innerhalb so kurzer Zeit ein neues Gesprächsniveau aufziehen und noch ein Mal ganz von vorn anfangen. Noch ein Mal alles erzählen, versuchen den anderen zu erklären, wie, weshalb, warum.. Und dann konnte sie sich noch nicht ein Mal sicher sein, ob sie es verstehen würden. Das war immer die Gefahr dabei. Sie mißverstanden sie mitunter. Leyla war keine gute Lügnerin, obwohl sie mit Lügnern und Ausbeutern aufgewachsen ist. Niemand konnte wissen, ob es reine Verstellung war oder bitterer Schmerz, der sie zu so einem Wesen machte. Sie sah der Kleinen in ihre Knopfaugen und versuchte mit Blicken zu sprechen. Nur würde sie es nicht verstehen. Leyla hatte auch immer nicht verstanden, warum es heißt „du verletzt mich“, wenn der eine den anderen kränkt. Er war doch nicht verletzt, kein Blut, keine Wunde. Erst mit der Zeit, als sie eigene, seelische Verletzungen immer häufiger zu spüren bekam, verstand sie, wie die Erwachsenen dies meinten. Ja, ihre Jungwolfzeit war noch nicht zu lange her, als daß sie sich nicht mehr daran erinnern könnte. Schön war sie nicht und doch um eine Enormes einfacher als die Zeit danach. Als erwachsener Wolf wird man nicht mehr so sehr geschützt und ist auf sich allein gestellt, andere stellen enorm viele Erwartungen und sind schneller enttäuscht, wenn es dann nicht so klappt. Nun hilft ein einfacher, lieber Blick nicht mehr, um um Verzeihung zu bitten. Dumme Fragen stellen wird als Kränkung angesehen, nicht mehr als niedliches Wesen. Sie kann es der Kleinen also nicht übelnehmen. Aber antworten, wie sie es von den älteren Wölfen bisher gewohnt war, auch nicht. Sie ist nicht ihre Mutter oder Tante. Es ist der erste Schritt für sie, verstehen zu lernen, daß es diese Charaktere unter den Wölfen gibt und jene. Ein langwieriger Prozeß aber er ist nötig. Denn auch aus ihr würde sich ein ganz individuelles Wesen entwickeln. Der Beginn ist nun schon das, doch er wird sich weiter prägen. Nun konnte Leyla doch ein Mal lächeln, dieses Mal war es echt. Sie nickte leicht und gab zu verstehen- ja, sie war Leyla. In ihren Augen standen Warmherzigkeit und Verständnis, für dieses junge Leben.
Banshee betrachtete Face ruhig und schweigend, ihre bernsteinernen Augen glitzerten jedoch aufmerksam und wieder mit diesem kleinen Hauch von Wissen und leiser Zufriedenheit. Wie der schwarze versuchte sich aufzurichten, schob sich ihre Pfote leicht nach vorne, als würde sie ihm zur Hilfe eilen wollen, ließ ihn dann aber doch mühsam seinen Körper aus dem Gras heben. Es schien für ihn alles so ungewohnt, als sei er ein kleiner Welpe, der zum ersten Mal aus der Höhle ins Freie kommt. Nur seine Augen waren ganz anders, in ihnen stand all die Erfahrung, die Schmerzen und ... auch das Glück. Mit allem was die Weiße sagte, schien er derweil auch nicht ganz einverstanden zu sein, doch seine leisen Worte und der Ausdruck in seinem Gesicht, als er zu dem Menschen trat, zeigte ihr viel mehr. Natürlich wusste sie nichts von den beiden Lebewesen vor ihr, aber das unsichtbare Band, das sie zusammen geknüpft hatten und sie so fest verband, dass es auch über den Tod hinweg reichte, konnte sie fast sehen. Es waren die Fäden des Vertrauens, die sie gewoben hatten und wohl auch nur deshalb stand Face jetzt so neben dem Menschen. Lautlos glitt die Weiße neben den Rüden, er hatte den Stoff gepackt, der sich an den Körper des Menschen schmiegte, sie hatten kein Fell, so mussten sie sich wohl Ersatz dafür erstellen. Mit einer zögernden Bewegung schnappte sie nach dem anderen Stofflauf und half dem Schwarzen. Es war nicht sehr schwer, der Mensch wog kaum etwas, war sicher noch nicht ausgewachsen und ließ sich mühelos durch das weiche Gras ziehen. Schweigend traten die beiden Wölfe so neben einander, abgesehen davon, dass es schwierig gewesen wäre, zu reden, gab es auch noch nichts zu sagen. Face wusste, dass Banshee Fragen hatte und Banshee würde Face zuerst ein wenig Zeit geben. Und zudem galt es zuerst den Jungen zu geleiten, er hatte Vorrang. Es dauerte nicht lange bis sie am Flussufer ankamen, es war eine ungewöhnlich ruhige Stelle, erst einige Meter flussabwärts kam wieder einer der vielen kleinen Wasserfälle, die Strömung war dort wieder viel stärker und kurz danach gab es einen weiteren Wasserfall … eine gute Stelle. Ohne zu zögern tauchte die Weiße ihre Pfoten in das kühle Nass, der Fluss war hier so ruhig, dass sie von der Strömung nicht mitgerissen werden würden. Ganz in die Mitte wagte sie sich nicht, es gab viele trügerische Stellen, aber auch am Rand würde der Körper des Menschen fort getragen werden, in die Pfoten Engayas. Nach einem kurzen Moment, den die Face noch schenken wollte, ließ sie den Stoff los. Auch Face hielt ihn nicht mehr fest und schon nahm das Wasser den Jungen auf. Zuerst noch langsam, dann vom Sog mitgerissen, tauchte er kurz unter, tauchte wieder auf, trieb auf den Wasserfall zu, stürzte, dabei noch immer friedlich schlafend, und verschwand aus dem Blickfeld der Wölfe, musste wohl von der Strömung zu Boden gerissen worden sein … er hatte seinen letzten Weg angetreten. Banshee spürte großen Frieden.
Einige Zeit verharrte sie so, gab Face wieder Zeit, es war schmerzhaft für ihn, da war sie sich sicher … schließlich watete sie aber aus dem Wasser hinaus, schüttelte am Ufer kurz ihren Pelz und richtete den sanften Blick auf Face.
“Kannst du mir erklären, was geschehen ist?“
Es war keine Forderung, es war gut möglich, dass Face ebenso wenig verstanden hatte wie sie selbst. Aber zumindest das Rätsel um den Jungen würde er lösen können.
Erschrocken bemerkte Kaede wie sich Nightwishs Stimme ein wenig veränderte als sie von früher sprach. Also würde sie nicht weiter nachfragen, es war ja nicht nötig alte Wunden aufzureißen. Freundlich nickte sie als nur mit dem Kopf. Nightwish fragte sie, ob es nicht schlimm wäre blind zu sein. Ein lächeln überzog ihre Lefzen. Nein gewiss, schlimm war es nicht doch. . .
„Nein. Es ist nicht so schlimm wie du es dir wahrscheinlich vorstellst Nightwish. Natürlich ist es nicht gerade angenehm, aber ich habe viele Bilder gespeichert, ich war nicht mein ganzes Leben lang blind, diese Krankheit schlich sich nur immer mehr in meinen Körper, so bis ich völlig erblindet war. Am Anfang war es grausam für mich, ich wünschte damals dass ich einfach sterben würde weißt du. Ich hatte einfach nichts lohnenswertes mehr wofür ich hätte Leben können. Hiryoga war fort, zwei andere sehr gute Freunde von mir ebenfalls und dann fühlte ich mich einfach allein. Konnte nichts mit der Dunkelheit um mich herum anfangen. Es war wirklich schrecklich. Dann bei einer Jagd passierte vieles.“
Nachdenklich verstummte die Fähe kurz, nur um dann hastig weiter zu reden. Wollte sie doch nicht an die Jagd denken.
„Nach der Jagd veränderte sich Hiryoga und dann verschwand er, die anderen waren schon vorher gegangen. Bei der Jagd wäre ich fast gestorben, doch plötzlich merkte ich wie dass das Leben doch schön sein kann, auch wenn ich alles verloren hatte. Ich spürte wie sehr ich an meinem Leben hing, denn gewiss würde es sich alles wieder zum besseren wenden und so kämpfte ich. Kämpfte ich um mein Überleben und ich habe gesiegt. Die Bilder werden für immer in meinem Kopf bleiben. Bilder aller Jahreszeiten. Der Duft trägt sie zu mir, frischt sie in mir auf und immer wenn ich sie sehen möchte sind sie da, warten auf mich und ich kann mich an ihnen erfreuen. Mit der Zeit bin ich doch wieder eine recht lebensfrohe Wölfin geworden“
Schmunzelnd endete Kaede und schleckte sich über die Schnauze. Gerade wollte sie sich beschweren, dass Hiryoga einfach nicht kam, da hörte sie ein Heulen, welches um Einlass bat, welches bat zur Alphafähe vorgelassen zu werden. Kaede wusste, dass Banshee beschäftigt war und da sie doch gerade sowieso an der Reviersgrenze war, konnte sie ebenso gut noch jemand neuen empfangen.
„Komm nightwish. Wir machen uns auf den Weg und empfangen Thila Reycou. Da Banshee noch immer nicht fertig sein wird, werden wir uns dann gemeinsam auf den Weg zum Rudelplatz machen, dann können wir dort weitersehen und euch mit den anderen Wölfen bekannt machen. Hiryoga scheint nicht kommen zu wollen.“
Enttäuscht schüttelte sie sich kurz, ehe sie sich reckte und aufstand. Sie hoffte, das Nightwish ihr folgen würde und so tappte sie in den Wald hinein, orientierte sich an dem heulen, welches eben erklungen war und tappte so einer Neuen entgegen. Langsam um diese nicht zu erschrecken trat Kaede aus den Büschen.
„Sei gegrüßt im Tal der Sternenwinde Thila Reycou! Ich heiße dich hier herzlich willkommen. Mein Name ist Kaede und ich bin Fähe dieses Rudels. Unsere Alphafähe ist gerade beschäftigt und so habe ich mich beschlossen dich zu empfangen. Habt keine Angst, niemand in diesem Rudel wird euch etwas tun. Gleich müsste noch eine Neue kommen, Nightwish, ich habe sie eben begrüßt.“
Lächelnd musterte Kaede die Fähe vor ihr, sie schien etwas nervös und ängstlich. So war sie auch gewesen, erinnerte sie sich, als sie in dieses Rudel gekommen war. Mehr als ängstlich, eher schon panisch.
„Magst du erzählen, was dich hierher verschlagen hat, oder wollen wir gleich hinein auf den Rudelplatz?“>
Kaede ließ der Fähe die Wahl, sie wollte sie zu nichts drängen.
Parveen lächelte leicht, Kisha war immer noch so jung und verspielt. Sie interessierte sich nur für ihre Familie und ihre Freunde, setzte sich für diese auch ein und war deswegen manchmal gegenüber den Anderen etwas desinteressiert. Aber jeder hatte eben etwas Besonderes, so war das. Also nickte die Jungwölfin nur auf die Worte ihrer Schwester hin und sah sich wieder die Gegend an, und war einfach nur gespannt, was der Tag denn noch bringen würde. Sie lächelte leicht, eine Wölfin, die dennoch irgendwie glücklich war, das war sie geworden und das gefiel ihr ziemlich gut. Sie brauchte sich keine Gedanken mehr machen, denn wozu auch? Ihre Eltern waren die Alphawölfe des Rudels, stolz auf das Rudel und die Welpen und Parveen wusste, dass sie auch auf alle hier stolz sein konnte. So viele Dinge, die geschehen waren. Und in der schwierigen Welpenzeit, die sie gehabt hatte, waren Kisha und sie mehr und mehr zusammen gewachsen. Die Schwarze sah wieder zu ihrer geliebten Schwester, Kisha hatte ihr immer geholfen und sie zum Lachen gebracht, egal, wie dreckig es ihr ging. Sie war dankbar für diese wundervolle Familie.
„Nicht unbedingt wichtig, ich würde sie nur gerne kennen lernen.“
Lächelte Parveen dann doch als Antwort zu Kisha, sie wollte die Sache nicht ganz offen im Raum stehen lassen. Dann blickte sie zu Daylight, dieser Wirbelwind war irgendwie wie Kisha, nur noch jünger und wirkte manchmal sogar etwas frecher. Man wusste es nie genau, aber die Beiden ähnelten sich sehr. Zufälle gab es. Als die Stimme ihrer kleinen Schwester nach ihr rief, sah Parveen wieder aufmerksam zu Daylight.
„Ja, Süße?“
Sie lauschte ihrer Frage und musterte den wissbegierigen Blick in ihren goldenen Augen. Parveen lächelte, schmunzelte dann aber über die Frage. Die Kleine machte sich früh über diese Dinge Gedanken und Parveen fragte sich, wie es wirklich war, wenn man einen Rüden liebte, sie war noch jung, vielleicht würde sie dies auch irgendwann einmal tun?
„Nun ja, Liebe ist ein weit dehnbarer Begriff. Es gibt die Liebe in einer Familie. Man hängt sehr an den Wölfen, man liebt sie vom Herzen, denn wir sind von einem Blut. Wir gehören einfach zusammen. Natürlich kann es sein, dass sich auch eine Familie irgendwann einmal nicht mehr liebt, aber in der Regel ist das so. Zum Beispiel wir drei hier, wir haben uns alle sehr lieb, wir sind zusammen geschweißt und wir brauchen den anderen. Es würde dir doch schlecht gehen, wenn Kisha und ich nicht mehr wären. Wir lieben uns als Familie, als Schwestern und diese Worte verbindet uns und unsere Herzen.“
Sie leckte sich kurz über die Leftzen, fuhr dann fort.
„Auch zwei Wölfe, die befreundet miteinander sind, spüren untereinander so etwas wie Liebe. Freundschaftliche Liebe schweißt sie zusammen, sie wissen alles voneinander, vertrauen dem anderen blind, sind aber kein Paar und bekommen keine Welpen. Sie mögen sich einfach ganz doll und würden den anderen vermissen. Wenn man so eine enge Freundschaft mit einem Wolf hat, kann man da wirklich sehr stolz darauf sein. Manchmal werden solche Wölfe auch Geschwister im Geiste, um ihre Verbundenheit zu beweisen. Sie fühlen sich wie Geschwister, obwohl sie gar keine sind.“
Parveen blickte um sich, ihre Eltern waren Gefährten und es gab noch viele andere Paare hier, an denen Daylight das Letzte verstehen konnte.
„Nun und es gibt die Liebe zwischen zwei Wölfen, seien es zwei Rüden, zwei Fähen oder in den meisten Fällen ein Rüde und eine Fähe. Ihre Herzen schlagen schnell und warm, wenn sie sich sehen und zusammen sind, dass ist eine ganz besondere und große Liebe. Sie mögen sich so sehr, dass sie ihr Leben für immer miteinander teilen wollen, dass sie auch zusammen Welpen haben möchte. Hier gibt es ganz viele von solchen Paaren. Mama und Papa sind auch so ein Paar, welches sich mehr als alles andere liebt. Frag Mama doch mal, wie es sich anfühlt, ich weiß das leider nicht, ich habe noch nie einen Rüden geliebt.“
Mit einem Lächeln schloss Parveen ihre Erklärung und sah Daylight unsicher an. Hatte die Kleine das verstanden?
Nightwish, nicked, und lachelte. Sie hohrte aufmerksam, als Kaede die Geschichte erzehlte, das muss wohl eine schreckliche Zeit fur sie gewesen sein. Aber jetzt geht es ihr wohl echt gut, da freute sich Nightwish naturlich. Sie hatt auch das Heulen bemerkt.
((O toll, noch ein Wolf, da bin ich ja nicht mehr die einzige die neu ist!))
Sie stand auf und schutelte das Dreck vom ihr Fell. Ihr stand war schon stabieler, die Pause hatt echt gut getann. Sie folgte Kaede. Es war nicht weit, sie sah dann balt eine Fähe. Als Kaede sich begrußte kamm auch Nightwish raus und war sichtbar zu der Fähe.
"Hallo, Ich bin Nightwish, nett dich kennen zu lernen Thila Reycou!"
sagte sie hoflich und freuntlich. Sie freute sich, schon die anderen Wolfe kennen zu lernen, und dann auch vielicht Banshee die Alphafähe. Aber gerade war sie mit Kaede, und das fannt schön. Sie lächelte zu Thila, sie wunderte sich wo sie herkamm, sie konnte ja von uberal herkommen, es ist ja immer schön auch geschichten zu zuhohren. Sie dachte wieder nach uber was sie geschbrochen haben. Dann wurde es ja nicht so schlimm sein blind zu sein, wenn mann ja immer Bilder hatt wie ein Photoalbum.
Stumm lief der Tiefschwarze neben der Weißen, die lederne Jacke des Jungen dabei fest im Maul. Es tat weh ihn so herum schleifen zu müssen, als sei er ein Ding, dass man beseitigen müsste. Face Taihéiyo hatte ihn geliebt und gehasst, jedoch nie verloren, auch wenn er sich das manchmal gewünscht hatte. Und jetzt? War er jetzt für immer fort? Der große Rüde, immer noch recht wackelig auf den Beinen, wollte jedoch keine Fragen mehr laut aussprechen. Auf Manches brauchte, oder wollte man eben keine Antwort. Vielleicht würde sie schmerzen. Mit trübem und starrem Blick sah er voran, auch wenn das Leben in ihnen deutlich zu lesen war. Die Leere, der andere Teil. Etwas davon würde immer da bleiben, sie gehörte zu ihm, war ein Teil des Rüden. Das Nichts, denn etwas würde immer fehlen. Stumm folgte er Banshee ins Wasser, wollte Cloud erst nicht loslassen, doch dann schien er einfach zu schwer zu werden und matt ließ er einfach los. Face konnte ihm nicht lange nachblicken, dann musste er den Kopf abwenden. Seine Gedanken und sein Geist begleiteten den Freund aber noch ein Stück auf seiner letzten Reise. Es war vorbei und die Wunden, in denen der Indianerjunge immer wieder herum gestochert hatte, bekamen ihre Chance zu Narben zu werden. Heilen …. Würden sie nie. Und auch die aufgewühlten Erinnerungen konnten etwas zur Ruhe kommen. Innerlich seufzend schloss Face kurz die saphirblauen Augen und er senkte betreten den Kopf.
.oO°(Bis zum nächsten Wiedersehen, Kleiner. Ich wünsch’ dir viel Glück auf deiner Reise in’s Licht …)
Dann wandte sich der Rabenschwarze ab und watete wortlos ans Ufer zurück. Wieder aus dem Wasser hinaus musste Face sich erst einmal setzen, dass alles war doch noch ziemlich anstrengend und ungewohnt für ihn. Bei Gott, was war nur aus ihm, dem tiefschwarzen Wanderer, Flüchtling oder wie auch immer man ihn bezeichnen wollte, geworden? Hoffentlich war diese Ohnmacht bald ganz vorbei, er fühlte sich unwohl in ihr.
Auch dass die Ohren zuckten und sich eines Banshee zudrehte, als sie sprach war noch seltsam. Dieses Gefühl, unfähig wie ein Welpe, gefiel ihm ganz und gar nicht. Aber Face wandte ihr den stillen Blick zu.
„Wer er war, oder meinst du das eben?“,
fragte er dumpf, mit regungslosem Blick. Dennoch ließ sich der Schmerz nicht verbergen. Nicht im Moment.
Thila hörte das leise Rascheln, als wenn Pfoten über den Waldboden schlichen und zuckte zusammen.
oO(Jetzt wird es wohl ernst.)Oo
Die Fähe versuchte Ruhe zu bewahren und nicht augenblicklich davon zu rennen. Ihre Augen huschten umher, um den Wolf möglichst schnell zu entdecken.
Geräuschvoll dehnten sich die Äste des vor ihr liegenden Gebüsches zur Seite und eine graue Fähe erschien. Ihre Augen schienen trüb, doch darauf achtete Thila nicht wirklich. Nun hieß die Fähe sie herzlich willkommen, was Thilas Nevosität etwas dämpfte. Plötzlich raschelte es wieder, erschrocken machte Thila einen Schritt rückwärts. Eine weitere Fähe erschien, reinweiß, die sie ebenfalls freundlich begrüßte. Trotz der Höflichkeit der beiden breitete sich Unbehagen in Thilas Innerstem aus.
Zögernd begann sie zu sprechen.
"Danke für eure nette Begrüßung, ich fühle mich geehrt ..."
Sie lächelte kurz, aber unsicher.
"Ich würde gerne möglichst bald zu eurem Rudel stoßen, daher würde ich gern gleich losgehen ... Ich erzähle euch später meine Geschichte ..."
oO(Oder auch nicht.)Oo
Das war also die erste Kontaktaufname mit anderen Wölfen seit gut einem Jahr. Thila war sich nicht ganz sicher, ob sie es schlimm fand, doch es gab eigentlich nichts auszusetzen. Das Revier ihrer Entführer war weit, weit weg, sie waren ihr sicher nicht gefolgt, nein. Zu unwahrscheinlich. Zögernd machte Thila ein paar Schritte auf die Fähen zu. Sie versuchte nicht daran zu denken, wie es wäre, wenn sie der Alpha dieses Rudels gegenüberstehen musste, doch sie hatte ja immer noch Kaede, die ihr auf Anhieb sympatisch war.
Mit einem freudeigen Wedeln empfing Leé Ayala und war erst etwas erschrocken als diese sich an sie schmiegte. Jetzt erst wurde ihr klar, dass wie dumm sie doch war. Diese lange Zeit alleine musste sie wohl verwirrt und einsam gemacht haben...Das Fell schimmerte braunrötlich in der Sonne und ein treuherziges Leuchten machte sich auf ihrem Gesicht breit. Ayala...Wie konnte sie die Weisse nur vergessen. Sie war nun die Einzige im Rudel, der sie nahe stand. Blinzelnd versuchte sie den blendenden Sonnenstrahlen zu entgehen, um die zwei Fähen bei Ayala zu mustern. Vom Sehen her kannte sie sie, doch die Namen waren ihr unbekannt. So ganz traute sie sich nicht, etwas zu sagen. Am liebsten hätte sie auch Ayala erzählt vo der Zeit, als sie weg war, doch schmerzlich stach es in ihr, weil sie wusste, das es nichts zu erzählen gab. Wie schon so oft war sie durch die Wälder gestrieft, um nachzudenken. Über Bastar, der seine eigenen Wege gegangen war, über Hanako und Hidoi die weg waren, über ihre Vergangenheit und über sich selbst. So viele Gedanken und so wenig Erkenntnis darüber, was sie suchte, was sie war. Viele Fragen schwirrten herum und ewig versuchte sie sie zu ordnen. Doch nun hatte sie zumindest eine Antwort gefunden.
Tyraleens schimmernde Augen waren noch immer auf die weiße Fähe vor ihr gerichtet, aber diese sagte kein Wort. Es war keine schwierige Frage gewesen, eigentlich hatte sie sie nur gestellt, damit die Weiße wusste, dass sie sie nun kannte … aber Leyla schien darauf nicht eingehen zu wollen. … Leyla, mit einer schlimmen Vergangenheit … Jetzt wagte sie den Blick wieder in die Augen der Weißen zu richten. Doch darin stand keine Abweisung oder Schmerz oder etwas von einer schlimmen Vergangenheit … sie strahlten Wärme und Verständnis aus. Die kleinen Ohren der Welpin zuckten ein wenig zurück. Verständnis? In ihrem noch so kleinen Kopf überschlugen sich die Gedanken. Leyla war seltsam … unverstanden? Nicht aufgenommen? Tyraleen trat einen Schritt nach hinten, wirkte dabei aber nicht ängstlich.
“Du bist wie ich?“
Es war eine Feststellung, dabei gleichzeitig auch eine Frage, auf die aber keine Antwort erwartet wurde. Ältere Wölfe hätten es wohl als Anregung zum Denken gesagt, aber Tyraleen war es einfach so über die Zunge gekommen … erst nach den ersten Wörtern hatte sie es zu einer Frage werden lassen. Mit einer raschen aber nicht hastigen Bewegung drehte sie sich um und sprang die kaum vorhandenen Schritte zu den anderen beiden Fähen zurück. Sie wusste wieder nichts mit sich anzufangen, drei große Fähen um sie herum aber niemand, in dessen Fell sie sich drücken wollte. Niemand, mit dem sie herum tollen wollte. Sie setzte sich vor Ayala und starrte ein wenig ihre schlanken Läufe an, schließlich viel ihr eine Frage ein und ihr Blick hob sich, zuerst zu Ayala, dann zu der Fähe neben ihr.
“Wo sind Banshee und Face Taihéiyo hingegangen?“
Sie klang recht ernst, man merkte, dass sie die Frage beschäftigte. Vielleicht wusste ja einer der Beiden, was ihre Mutter und ihr Pate machten, vielleicht würde sie das Handeln Banshees dann besser verstehen.
Stumm hatte er den Worten der Fähe gelauscht, hatte ihre Berührungen ‚ertragen’, wohl eher mehr genossen und gespürt, wie eine mollige Wärme sich durch seinen Körper zog, sie hatte ja recht. Sie waren hier, also würden sie auch zum Rudel gehen, er stand es ja nicht alleine durch, sondern sie war an seiner Seite, wäre sie nicht, wäre er nicht zurückgekommen. Ein leises Seufzen verließ seine Kehle, sollten sie nun zu Kaede? Sein ganzer Körper zog sich zusammen, als er die Einladung seiner Patin vernahm. Und nun? Unsicher zuckten seine Ohren immer wieder hoch, prüfend reckte er die Nase leicht in den Wind, eine Fremde war bei der Grauen. Wollte er ihr unter die Augen treten und einem möglichen Gespräch entgegen treten, wenn eine Fremde bei ihr war? Seine Gedanken wurden wieder unterbrochen, als er das Heulen einer weiteren Fremden außerhalb des Reviers hörte. Jetzt würde er ganz sicherlich nicht zu seiner Patin gehen, er kannte sie, die Fremde war nicht weit von ihnen entfernt, die Graue wollte immer allen helfen und nahm sich manchmal einfach zu viel vor, sodass sie sicherlich dort gleich hingehen würde. Aber man konnte sagen, dass dies eine ihrer besten Eigenschaften war, diese grenzenlose Freundlichkeit und ihre Offenheit. Ja, genau deswegen mochte er sie auch so, sie scheute sich nicht, irgendwelchen Fremden direkt freundlich überhaupt nicht misstrauisch gegenüber zutreten, sie schien immer zu wissen was sie tat. Aber genug davon. Der Braune schüttelte nur den Kopf und richtete den Blick wieder zu seiner weißen Begleiterin. Ihre plötzliche Veränderung war ihm aufgefallen, doch war es schon einige Male so gewesen, doch sie schien nie darüber reden zu wollen, auch nicht darauf eingehen zu wollen und so würde er sie auch nicht darauf ansprechen. Gut, irgendwo interessierte es ihn schon, was sie immer wieder hatte, aber Shani schien es verheimlichen zu wollen, sodass es wahrscheinlicher besser wäre, nichts zu sagen. Mit einigen Schritten war er an ihre Seite getreten, fuhr sanft mit der Schnauze durch ihr Fell am Hals und blickte sie mit einem leicht unsicheren Lächeln an.
"Lass uns gehen…es ist noch ein größeres Stück bis zum Rudelplatz. Ich will jetzt nicht mit Kaede sprechen, es scheint so, als ob zwei Fremde bei ihr sind, sie hat schon genug zu tun, ich rede nachher mit ihr."
Einmal noch stupste er die Weiße aufmunternd an, spielte mit den Ohren und machte dann einen Satz nach vorne, drehte sich um und blickte sie erwartend an.
"Wir sind so weit gekommen, da können wir auch noch bis ans Ziel gehen, stimmt’s?"
Im Gegensatz zu vorhin, schien seine Stimme plötzlich so fest und überzeugend, ja jetzt sollte er lieber auf Shani aufpassen und sich nicht so zieren, zu viel Egoismus würde ihm nicht gut tun, außerdem war es immer besser direkt weiterzugehen, wenn sie plötzlich diesen Ausdruck in den Augen bekam, den er sich nicht erklären konnte. Er warf ihr ein Lächeln zu, bevor er den Kopf nach vorne drehte und einige Schritte machte, bis er wieder stehen blieb.
"Ist…ist alles in Ordnung?"
Wieder drehte er ihr den Kopf zu und sah sie einen Augenblick lang unsicher fragend an. Er hatte sie eigentlich nicht fragen wollen und dennoch kamen die Worte aus seinem Maul, hauptsache es ging ihr gut und alles war in Ordnung.
Merawin trat aus dem Schatten und gähnte hingebungsvoll. Verträumt ließ er das kühle Gras über seine Füße streichen, ein Gefühl, das, obgleich seine Geburt nun schon gut einen Mond zurücklag, noch immer eine nachhaltige Faszination auf ihn auswirkte. Es war wie... wie... nun, er konnte bislang keinen Vergleich finden. Allein die Wärme des mütterleichen Leibes und die Geborgenheit, die ihr weiches Fell zu verleihen vermochte, konnte dieses Gefühl an Intensität übertreffen. Dieser Gedanke weckte Merawin aus seiner kaum angebrochenen Sinnesreise in die Geheimnisse des duftenden Grases. Scheinbar hatte er eine Weile zu lang abseits gedöst, denn niemand war mehr um ihn. Es behagte ihm nicht recht an Aufmerksamkeit der Anderen einzubüßen, das hatte er bereits gemerkt, als seine Mutter sich um eins der Geschwister kümmerte.
Merawin verwarf die Erinnerung, viel wichtiger erschien es ihm, wieder die Nähe der anderen zu suchen. Angestrengt versuchte er zu lauschen. Für einen Wolf war sein Gehör bei weitem nicht gut, aber trotzdem hörte er raschelndes Gras jenseits eines kleinen Hügels. Er konzentrierte seine akkustische Aufmerksamkeit in diese Richtung und meinte, ein dumpfes Knurren zu vernehmen. Ohne seine Bemühungen unnötig in die Länge zu ziehen, ging der Welpe den Hang hinauf und genoss noch immer in an Ekstase grenzendem Zustand das liebliche Gras, das seine Pfoten liebkoste.
Er erreichte den höchsten Punkt und sah hinab. Tatsächlich, dort waren einige Wölfe. Merawin erkannte sie weder mit den Augen nocht konnte er ihren Duft genau differenzieren, dennoch roch er vertraute Noten in der Sinfonie des Geruchs...
Mit kindischer Verspieltheit ließ er sich die Böschung hinabrollen, kam wieder auf die Beine, nahm wieder Anlauf und kullerte so mehr oder minder stetig und höchst unästhetisch hinab zu den anderen. Mit einem freudigen Fiepen blieb er schließlich am Fuß des Hügels liegen und ließ die Sonne seinen Pelz verwöhnen.
Doch als ein Schatten ihm das Licht raubte, öffnete er verwirrt die Augen. Das Gesicht war ihm bekannt, und die Duftnote war ebenfalls unverkennbar: Seine Patin Ayala hatte sich über ihn gebeugt und schenkte ihm ein warmes Lächeln.
Merawin rappelte sich etwas ungeschickt auf und kläffte fröhlich.
Er hatte also zurückgefunden...
Ayala fühlte sich zunehmend freudiger, ob nun die Luft und die beschwingte, nach Freiheit duftende Frühlingsstimmung etwas in ihr wach riefen, oder ob es doch nur ihre soziale Ader war, die sich langsam mit wonnigem Lebensstrom füllen konnte. Sie blickte sich zufrieden um. Neben ihr stand Leé, ebenfalls fröhlich wirkend, wieder zurück zu sein. Noch einmal schenkte sie ihrer Freundin einen willkommen heißenden Blick, der etwas mehr, nämlich etwas, das man Verbundenheit nennen konnte, ausdrückte. Dann blickte sie zu der Weißen, die offenbar kaum eine Regung von sich gab und zu guter Letzt Tyraleen doch zulächelte. Ayala kam dies bekannt vor, zugleich jedoch lag in Leylas Gesicht etwas, das die Betafähe noch nicht kannte. Etwas, das die harte Schale von Schmerz und Verbitterung aufzubrechen schien … ja, etwas Warmes, Scheinendes, Lebendes.
Noch mehr ins Staunen kam Ayala allerdings, als Tyraleen plötzlich etwas von sich gab, das wohl keiner in dieser Runde erwartet hatte. Diese Kleine war unglaublich reif für ihr Alter. Sie erkannte weitaus mehr in ihrer Umgebung, als andere Welpen, die schon Schwierigkeiten hatten, ein Auge für Offensichtliches zu haben. Unleugbar war auch ihre direkte Art – Ayala war gespannt auf Leylas Reaktion. Doch schon wandte sich Tyraleen wieder ihr selbst zu und fragte sie etwas, auf das Ayala selbst gerne eine Antwort gehabt hätte. Die Weiße spürte schon längere Zeit, das es da etwas gab, das Außergewöhnlich sein musste … irgendetwas verband Face und Banshee – doch was?
„Tyraleen, das ist eine gute Frage.“
Ayala lächelte leicht. Der kleinen Fähe konnte man wohl am besten mit Ehrlichkeit begegnen.
„Sie sind wohl in den Wald gegangen. Vielleicht gehen sie ein paar Neuankömmlinge begrüßen. Wie wäre es, du fragst deine Mutter einfach, wenn sie wieder kommt? Du hast vorhin mit Face geredet, oder? Hat er nicht gesagt, warum sie weg gehen?“
Ayala sah Tyraleen ebenso ernst an, wie jene zurückblickte. Ihr Blickkontakt wurde jedoch just von einem Fiepen in der Nähe unterbrochen, welches Ayala in seinen Bann zog. Dieser welpenhafte, schutzlose Laut ließ sie jedes Mal aufhorchen und weckte in ihr Mutterinstinkte, die sie noch nie wirklich hatte ausleben dürfen. Die Weiße entschuldigte sich mit einem Nicken von Tyraleen, sie würden ihr Gespräch sicher gleich fort führen. Dann beugte sie sich hinab zu dem kleinen, ihr wohlbekannten Fellknäuel und stupste Merawin liebevoll an. Nun war der perfekte Zeitpunkt gekommen, um alle einander vorzustellen.
„Merawin?“
Ayala wartete ab, bis sie sich sicher sein konnte, dass er aufmerksam lauschte, zugleich wandte sie sich auch an Tyraleen.
„Die braune Fähe hier neben mir ist meine Freundin Lée. Sie hatte sich für einige Zeit zurück gezogen, daher freue ich mich umso mehr, dass sie wieder hierher zurückgekehrt ist zu uns ins Tal der Sternenwinde. Die weiße Fähe daneben ist unsere liebe Leyla. Sie ist vor kurzem zu uns gestoßen und ich freue mich auch sehr darüber, sie hier bei uns zu haben. Tyraleen und Merawin, ihr werdet euch beide doch hoffentlich gegenseitig kennen.“
Die Weiße lächelte die beiden freundlich an und wartete auf eine Reaktion ihrerseits – Welpen lieferten schließlich immer Fragen.
Noch immer hüpfte sie bald wie eine Fee durch das Tal, die magere weiße Fähe, von der so viele dachten, dass sie zusammenbrechen würde, aber sie hatte überlebt. Bis hierhin hatte sie es geschafft, sie hatte Zack gefunden und diesen Rüden würde sie nie wieder verlieren wollen. Und sie würde es auch nicht zulassen, ewig würde sie an seiner Seite verweilen, bis das der Tod sie trennen würde. Mit einem sanften Spiel um die Leftzen blieb sie weiterhin bei Zack stehen, ein Schleier lag um sie beide und schützte sie, wärmte sie und hielt sie zusammen. Dieser Schleier reichte Meilen, egal wie weit entfernt sie sein würden, er würde sie wieder zusammen finden lassen und dieser Schleier hatte schon lange vor ihrem Wiedersehen existiert. Sie war dem silbernen Faden gefolgt, jeder Pfotenschritt hatte sie hierhin näher gebracht, ihr Herz wieder zum Leben gebracht und nun hatte sie ihr Ziel erreicht. Zack kam auf sie zu, beknabberte sie und Neyla kicherte leise, er war so niedlich. Diesen Rüden musste man einfach lieben, wie froh sie war, dass er nur für sie da war, dass er keine andere Fähe geliebt hatte, sicherlich hätte er dies tun können. Aber sein Herz gehörte ihr und sie würde es hüten wie ihr eigenes Leben. Zack schmuste sich an sie und Neyla schloss die Augen, sie hätte geschnurrt wie eine Katze, wäre dies möglich gewesen, aber jetzt rieb sie ihren Kopf an seinem wundervollen Fell entlang, genoss seine Berührung und sog seinen Duft für eine Ewigkeit ein. Er war einzigartig, seine Liebe war einzigartig und Neyla wusste es zu schätzen. Er erwiderte ihre Liebe mit seinen Worten, schleckte um ihre Schnauze und Neyla hätte geweint, wenn ihr Herz nicht so glücklich wäre. Würde er gehen, würde er sterben – sie würde es nicht aushalten können, sie würde mit ihm gehen, egal wohin. Freudig blickte sie in seine wundervollen Augen, jeder Winkel in seinen Augen verriet Kleinigkeiten, die sie wissen musste, die sie so lange vermisst hatte. Zack tapste vorwärts und forderte auch sie liebevoll zum Gehen auf, sie wollten immerhin noch heute ihre Patin erreichen, die kleine Welpin Amáya.
„Natürlich, mein Prinz.“
Sie flüsterte diese Worte fast, aber das sehr süßlich und mit heller Stimme. Sie würden Zack erreichen und darüber war sie sich sicher, er war eben ihr Rüde und wusste, wie es war, den richtigen Weg zu finden und zu gehen. Neyla trat an seine Seite und gemeinsam gingen sie weiter, voraus an den See, an dem sie die kleine Welpin erwartete. Es waren nur noch wenige Schritte, als Neyla die Welpin entdecken konnte. Sie schnippte kurz mit den Ohren, dann sah sie zu Zack und nickte – es war richtig, sie mussten es tun. Neyla ging unsicher und vorsichtig mit ihren grauweißen Pfoten auf Amáya zu und blieb neben ihr stehen. Die kleine war scheu und wirkte zerbrechlich wie Neyla, deshalb wollte sie die Kleine nicht direkt anstupsen, solange sie in ihren Gedanken versunken schien.
„Amáya? Geht es dir Gut, meine Kleine?“
Fragte Neyla vorsichtig, aber liebevoll, sie wollte der Kleinen keine Angst einjagen, sie war ja doch nur die Patentante, hatte aber eine große Aufgabe damit übernommen, die sie zu schätzen wusste. Sie kümmerte sich gerne um die Kleine. Neyla wandte ihren Kopf zurück zu Zack, er sollte herkommen, sie stützen, denn Neyla fühlte sich etwas unsicher in der Nähe von Amáya. Sie wollte der Kleinen keinen Mist erzählen, sie nicht verunsichern, sondern ihr helfen, aber wie konnte man das, wenn man selbst vor einiger Zeit noch aus Scherben bestanden hatte?
Bestimmt hatte die Kleine mehr erwartet. Aber mehr konnte sie einfach nicht von sich geben. Eine weitere Frage verließ ihren neugierigen Geist. Ob Leyla wie sie war. Woher sollte sie das wissen? Sie kannte die Kleine doch gar nicht. Nein, sie war nicht wie sie. Denn die kleine Welpin konnte nicht wie Leyla sein. Dafür war ihre Welt noch zu heil, ihr Schicksal noch ein unbeschriebenes Blatt, der Baum noch so schön grün. Manchmal sehnte sie sich nach einem unbeschwerten Welpenleben. Oder war es besser, gar nicht zu leben? Nie geboren zu sein? Hoffentlich stellte sie nicht noch weitere, bohrende Fragen, auf die Leyla auch keine Antwort geben konnte. Vielleicht enttäuschte sie die Kleine, weil sie so etwas gar nicht kannte. Sie war es nicht gewohnt, mit solch schwierigen Erwachsenen umgehen zu müssen. Ihr Leen war noch so unbeschwert und sollte nicht von derartigen Problemen überschattet werden. Leyla wollte ihre Depressivität nicht teilen, waren die anderen doch alle so gut bei Laune und voller Tatendrang. In Leyla zog sich alles zusammen. So allein fühlte sie sich wie nackt, keine schützende Seele, die sich um ihren kalten Verstand legte und ihr Wärme schenkte. Wie lange wollte sie noch daran denken? Konnte sie mit dem Kapitel Alienna nicht einfach abschließen? War es denn so schwer oder bildete sie sich das ein? Redete sie sich das nicht vielleicht auch ein Stück weit ein, daß es ohne Alienna nicht ging? Verbaute sie sich damit nicht selbst die Zukunft? Leise brachte sie ein.
„Hmm..“
aus sich heraus und gab zu verstehen, daß sie nachdenklich war. Doch die Kleine war schon wieder fort. Ihre zappeligen Beine wollten nicht zu lang an einer Stelle stehen, ihre Geduld reichte noch nicht aus um sich ihre lange Leidensgeschichte anzuhören. Was erwartete Leyla auch? Sie war noch ein Welpe, keine Wölfin wie Alienna, die einem zuhörte und das verstehen konnte, zumindest ansatzweise. Leyla wußte gar nicht, mit wem sie darüber noch reden wollte. Am besten gar nicht. Schwieg sie es in sich hinein und erstickte die Erinnerungen im Staub der Zeit. So viele Wölfe waren hier in ihrer Umgebung aber sie war dennoch einsam, kannte die Gesichter nicht. Sie hatten noch keine Bedeutung für sie. Nun war sie frei, frei von der Tyrannei ihres Vaters und frei von den ewigen Schuldgefühlen, alles falsch zu machen. Eigentlich hatte sie gute Chancen alles neu aufzubauen und einen Neuanfang zu wagen. Doch sie mochte noch nicht so recht. Die Angst, daß alles wieder einstürzte und von heut auf morgen zu einer Trümmerlandschaft des Lebens wurde, war zu groß.
Alienna hatte ihr so vieles mit auf den Weg gegeben aber was sie noch miteinander unternehmen wollten war mehr als die Hälfte des Erlebten. Ein endloser Tag ohne Sonnenuntergang. Woher nur hatte sie immer diesen Mut zum Weiterleben genommen? Warum konnte Leyla das nicht? Warum reichte das leichte Anstoßen nicht um nun ein völlig neues Leben zu beginnen? Was fehlte ihr noch dazu? Ging das wirklich nur mit Alienna? Sie schwenkte den Blick leicht in die Runde. Ein trister Blick kennzeichnete ihre Gesichtszüge und sank dann wieder herab auf ihre Pfoten.
Besorgt hatte Kaede zugeschaut, wie die Fremde Fähe einen Schritt nach hinten machte, als Nightwish hinaustrat, doch lag dies sicher nur an ihrer Unsicherheit. Damit sie nicht noch weiter Angst bekam lächelte Kaede ihr aufmunternd zu. Dann würden sie sofort zum Rudel gehen, hatte sie auch nichts gegen. Schwach nahm sie Hiryoga wahr, welcher sich weiter von ihr entfernte. Dann wollte er sie also vorerst nicht sehen, vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass er bemerkt hatte, dass sie zwei Neue bei sich hatte redete sie sich ein, es hatte sicher nichts mit ihr zu tun. Mit einem nicken holte sie sich in die Wirklichkeit zurück.
"Gut, dann gehen wir jetzt auf den Rudelplatz, dort sind mehrere andere Wölfe, keine Angst ihr beiden, sie tuen euch nichts, es sind alles liebe Wölfe hier. Viele sind ebenfalls ängstlich, so wie du Thila Reycou."
Aufmunternd lächelte Kaede ihr ein weiteres Mal zu.
"Komm Nightwish!"
Dann tappte sie langsam und vorsichtig los, hier hinten kannte sie sich nicht so gut aus, doch war der Geruch der anderen Wölfe deutlich wahrzunehmen und so fand sie den Weg relativ sicher. Sie hoffte, dass Thila neben sie kommen würde, und hoffte dass sie nicht zu viel Angst haben würde.
"Keine Sorge Thila, wenn was ist kannst du dich immer an mich wenden! Ich bin eine der letzten vor denen du dich fürchten musst."
Breit lächelte Kaede. Wa sollte sie auch tun, sie würde eher gegen einen Baum rennen, als jemanden anzugreifen, vor allem weil sie ihn bestimmt gar nicht treffen würde durch ihre verlangsamten Reaktionen.
"Guck Nightwish. Durch unser kleines Gespräch eben, kannst du dir bestimmt besser vorstellen wie es ist blind zu sein oder? Wenn ihr euch das überhaupt vorstellen könnt, ehrlich gesagt konnte ich es mir früher nicht vorstellen weil, es ist einfach unmöglich zu denken man sieht nichts aber irgendwie ist es ja doch möglich"
Ein wenig verwirrt von ihren Worten blinzelte Kaede. Möglich, unmöglich. Lachend blickte sie wieder nach vorne, hoffte die Wölfe würden ihr folgen, Kaede ging nicht schnell, jeder konnte mit ihr mithalten, doch hatte sie auch gar nicht das Bedürfnis schnell zu laufen. Sie wusste nicht wie lange Banshee brauchen würde und so konnte Thila sich schonmal an sie beide gewöhnen. Ein bisschen zumindest. Und die beiden konnten sich den Weg einprägen, auch wenn Kaede hoffte, dass keiner von beiden ihn sobald einschlagen würde um das Rudel zu verlassen. Besonders Thila hatte etwas an sich, was sie sofort sympathisch gefunden hatte. Diese Ängstlichkeit und Unsicherheit erinnerte sie an sich selbt. Freude breitete sich in ihr aus, als sie wieder bemekrte was für große Fortschritte sie in dem Jahr was sie hier verbracht hatte, gemacht hat.
Besorgt hatte Kaede zugeschaut, wie die Fremde Fähe einen Schritt nach hinten machte, als Nightwish hinaustrat, doch lag dies sicher nur an ihrer Unsicherheit. Damit sie nicht noch weiter Angst bekam lächelte Kaede ihr aufmunternd zu. Dann würden sie sofort zum Rudel gehen, hatte sie auch nichts gegen. Schwach nahm sie Hiryoga wahr, welcher sich weiter von ihr entfernte. Dann wollte er sie also vorerst nicht sehen, vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass er bemerkt hatte, dass sie zwei Neue bei sich hatte redete sie sich ein, es hatte sicher nichts mit ihr zu tun. Mit einem nicken holte sie sich in die Wirklichkeit zurück.
"Gut, dann gehen wir jetzt auf den Rudelplatz, dort sind mehrere andere Wölfe, keine Angst ihr beiden, sie tuen euch nichts, es sind alles liebe Wölfe hier. Viele sind ebenfalls ängstlich, so wie du Thila Reycou."
Aufmunternd lächelte Kaede ihr ein weiteres Mal zu.
"Komm Nightwish!"
Dann tappte sie langsam und vorsichtig los, hier hinten kannte sie sich nicht so gut aus, doch war der Geruch der anderen Wölfe deutlich wahrzunehmen und so fand sie den Weg relativ sicher. Sie hoffte, dass Thila neben sie kommen würde, und hoffte dass sie nicht zu viel Angst haben würde.
"Keine Sorge Thila, wenn was ist kannst du dich immer an mich wenden! Ich bin eine der letzten vor denen du dich fürchten musst."
Breit lächelte Kaede. Wa sollte sie auch tun, sie würde eher gegen einen Baum rennen, als jemanden anzugreifen, vor allem weil sie ihn bestimmt gar nicht treffen würde durch ihre verlangsamten Reaktionen.
"Guck Nightwish. Durch unser kleines Gespräch eben, kannst du dir bestimmt besser vorstellen wie es ist blind zu sein oder? Wenn ihr euch das überhaupt vorstellen könnt, ehrlich gesagt konnte ich es mir früher nicht vorstellen weil, es ist einfach unmöglich zu denken man sieht nichts aber irgendwie ist es ja doch möglich"
Ein wenig verwirrt von ihren Worten blinzelte Kaede. Möglich, unmöglich. Lachend blickte sie wieder nach vorne, hoffte die Wölfe würden ihr folgen, Kaede ging nicht schnell, jeder konnte mit ihr mithalten, doch hatte sie auch gar nicht das Bedürfnis schnell zu laufen. Sie wusste nicht wie lange Banshee brauchen würde und so konnte Thila sich schonmal an sie beide gewöhnen. Ein bisschen zumindest. Und die beiden konnten sich den Weg einprägen, auch wenn Kaede hoffte, dass keiner von beiden ihn sobald einschlagen würde um das Rudel zu verlassen. Besonders Thila hatte etwas an sich, was sie sofort sympathisch gefunden hatte. Diese Ängstlichkeit und Unsicherheit erinnerte sie an sich selbt. Freude breitete sich in ihr aus, als sie wieder bemekrte was für große Fortschritte sie in dem Jahr was sie hier verbracht hatte, gemacht hat.
Shit legte den Kopf schief, als sein Gegenüber erneut das Wort erhob, dachte über diese lebensmüde Einstellung nach, sah in ihr eine riesige Schwäche, ohne das er dies je hätte ausgesprochen. Es war gegen die Natur, gegen jedes ihrer Gesetze.
„Shit ist nicht wie du, Shit ist wie niemand sonst auf der Welt.“
Er nickte, grinste. Zu den Welpen sollte er gehen? Nein, sie hatten bestimmt genug Wölfe, die sie kennen lernen wollten, Shit fand sich an jenem Ort, an dem er sich befand viel richtiger. Nicht das der Schwarze noch in den Abgrund sprang, dafür war nichts Grund genug.
„Nichts endet hier! Und allein lässt Shit dich auch nicht. Hier ist nicht das Ende, sondern der Anfang. Shit weiß nicht genau von was, aber überall ist immer der Anfang von etwas.“
.oO(Shit sollte aufhören so verwirrendes Zeug zu reden, der arme, schwarze Wolf wird ihn noch für völlig verrückt halten. Wobei Shit natürlich völlig verrückt ist, in der Tat.)
Verwirrt zog er eine Augenbraue hoch, tappte von einer auf die andere Pfote. Wieso sagte sein Gegenüber denn nicht endlich, wie es hieß? Shit hatte sich doch auch vorgestellt. Sollte er noch einmal fragen? Nein, wenn er nicht wollte, würde sich der braune Rüde früher oder später einen Namen für ihn ausdenken. Aber niemand wollte von Shit getauft werden, niemand. Immerhin hatte er für sich selbst doch auch den bescheuertsten Namen ausgewählt.
„Shit weiß schon was er sagt, man versteht ihn nur oft nicht. Ja, er will an deine Seite gehören und das wird er auch. Du bist nicht Todgeweiht, du wärst es nur gerne, schwarzer Freund. Nichts ist hoffnungslos und vergessen wird Shit schon gar nicht.“
Er lächelte übermütig und sprang direkt neben den schwarzen Rüden. Er drückte sich an ihn, kuschelte sich in dessen Pelz. Gehen? Sicher nicht. Midnight hatte das Pech, dass Shit ihn gerade zu seinem Herr und Meister erklärt hatte, zu seinem besten Freund und dem Mittelpunkt seines Lebens.
„Shit mag aber nicht gehen, er mag bei dir sein!“
Thila lächelte zaghaft. Sie wusste nun nicht mehr so recht, ob es gut war, auf ein neues Rudel zu treffen.
oO(i>Sicher ist das ein gute Entscheidung gewesen. Ich werde endlich vergessen können ...)Oo
Kaede schien eine freundliche Fähe zu sein, Thila spürte ihr Verständnis für ihre Ängstlichkeit und Nervosität. Nach kurzem Zögern folgte sie der grauen vorsichtig, ihr Herz schlug wild bei dem Gedanken an die anderen Wölfe, von denen Kaede erzählte. Mit einem Seitenblick auf Nightwish versicherte sich Thila nochmals, dass von ihr keine Gefahr ausging. Die anderen beiden schienen überhaupt bester Laune, sie lachten oft und Thila zwang sich mitzulachen, doch eigentlich war dem nicht so, denn die Angst, tiefschwarze Angst war Herrscher in ihrem Herzen.
Aufmerksam spizte Thila die Ohren, als Kaede von ihrer Behinderung sprach.
oO(Deshalb wirken ihre Augen so trüb!)Oo
Eine Weile dachte Thila darüber nach, doch an Kaedes Art merkte sie, dass es ihr nicht viel ausmachte, oder nicht mehr viel ausmachte.
Neben Kaede und Nightwish herlaufend entdeckte Thila plötzlich ein ganz neues Gefühl in ihrem Herzen, eines, was schon lange nicht mehr da war, das es sich an fühlte, wie ein fremdes Tier. Geborgenheit. Die Wärme, die von dort ausging siegte einen Moment über die Angst, doch verlosch gleich mit dem ersten Moment an ihr altes Leben wieder.
oO(Vielleicht werde ich mich irgendwann öfter so fühlen? Das wäre den langen Kampf allemahl wert!)Oo
Nightwish, lächelte auch, als Kaede sagte das sie zum Rudelplatz leifen nickte sie und folgte ihr, sie schaute mit ein aufmuntern Gesicht zu Thila. Sie hohrte Kaede aufmerksam zu.
"Ich kann mir vorstellen das es beschtimmt nicht so schlimm fur dich ist, ich hatte aber glaub ich probleme, das du noch so ruhig bleibst, und du weisst wo alles ist finde ich toll!"
sagte sie freundlich, sie fannt das richtig toll, weil sie konnte es ihr auch schlecht vorstellen ohne zu sehn das mann immer noch weiß wo mann hinleuft. Sie fannt es richtig toll, mit Kaede und Thila zu reden, sie fuhlte sich viel besser, duch vergaß sie nicht das ihre Schwester weg war, aber sie wusste momentan nicht was sie tun konnte.
"Ach Thila, ich hab eigentlich schon Kaede erzehlt aber, ich komme von der Antarctis, da ist mein Heim Rudel."
sagte sie freuntlich zu Thila, sie wolte ja das auch Thila weiß wo sie herkamm, sie vergass all die schlimmen Zeiten fur ein augenblick und hohrte einfach zu was die Fähen zu sagen haben, damit sie mit lachen und reden kann.
Daylight blickte Parveen nicht an, ihr Blick galt einzig und allein dem Himmel und der Sonne. Es gab fast nichts, was sie so sher liebte und nach dem sie sich glaichzeitig so sehr sehnte wie ihn. Sie wünschte sich plötzlich mehr als alles andere fliegen zu können, fliegen, wie der Schmetterling. Einen Moment verharrte sie, verträumt gen Himmel blickend, dann wandte sie sich doch ihrer großen Schwetsre zu, die Pfoten nochimmer zwischen Kishas Ohren.
"Ja Parveen."
Beantwortete sie die ungestellte Frage der Fähe neben ihr und ihre Stimme klang seltsam, als wäre sie in den paar Minuten der Erklärung um einiges älter geworden. Aber dann fuhr sie schließlich mit normaler Stimme fort, die Stimme die wieder nach der kleinen, frechen Wölfin klang:
"Ja Parveen, ich denke ich habe es verstanden... aber ich glaube ich muss es selbst herausfinden, um es wirklich zu wissen, ist es das was du sagen willst?
Sie erhob sich Schwanzwedelnd und tapte auf Kishas Rücken herum. Ohne die Augen von Parveen zu wenden. Ihrer großen Schwester.
"Ja."
Sagte sie wieder und musterte mit zusammengekniffenen Augen ihre Schwester.
"Ich würde sehr traurig sein, wenn wir uns nicht mehr hätten."
Ein fröhliches Lächeln huschte über ihr Gesicht und sie schnappte Spielerisch nach Kishas Ohr.
"Lasst uns etwas zusammen unternehmen! Ich möchte Abenteuer erleben und ich möchte alles sehen, was es auf der Welt gibt - Alles! Und ich möchte in den Himmel hinauf, ich will wissen, was über den Wolken liegt!!!"
Daylight kläffte fröhlich während sie das sagte. Dies würde bestimmt kein langweiliger Frühling werden... Nein, dies würde der erste Frühling ihres Lebens sein und ganz glaich was geschehen würde, war er etwas ganz besonderes. Ihre Augen leuchteten und sie blickte wieder zu den Bergen hinüber, Sehnsucht erfüllte sie, Sehnsucht die sie nie zuvor erspürt hatte. Sehnsucht nach der Weite des Himmels - Unendlichkeit, Freiheit. Sie wollte laufen und laufen und niemals wollte sie an irgendeine Grenze stoßen, sie wollte die friedliche Welt sehen, eine noch unbekannte Welt. Sie wollte Wiesen, Wälder, Seen und Flüsse sehen und mehr als alles andere wollte sie die Spitze dieser Berge erreichen, um endlich szu sehen, was es über den Wolken gab. In die unendlichkeit des Himmels hinauf wollte sie und wusste, dass ihre Wünsche vielleicht irgendwann wahr werden würden.
Parveen lächelte ihre kleine Schwester an, die nach und nach zu verstehen schien, worum es bei der Liebe ging. Sie nickte auf die Frage von Daylight, die Kleine hatte Recht, wenn sie es wissen wollte, dann musste sie es selber herausfinden. Dann blickte Parveen wieder zu der braunen Fähe, Ayala, ihrer kleinen Schwester Tyraleen, ihrem kleinen Bruder Merawin und einer fremden Fähe, die sie noch nicht kannte, sie würde dort mal vorbeischauen, Kisha hatte ja nun Beschäftigung gefunden, der Wirbelwind würde sie schon auf Trab halten. Als Daylight erwähnte, dass sie traurig sein würde ohne ihre Schwestern, lächelte Parveen leicht und lieblich.
„Ich würde auch sehr traurig sein, meine Kleine. Meine Familie ist mir sehr wichtig, wie auch meine Freunde.“
Mit einem kurzen Seufzen senkte Parveen kurz den Kopf, dann gähnte sie herzhaft und blickte wieder zu der kleinen Ansammlung der Wölfe dort. Daylight war ein einziger Wirbelwind, was Parveen wieder dann merkte, als sie ihren Plan mitteilte, was zu tun war. Die schwarze Fähe sah zu Kisha, dann wieder zu der kleinen Welpin auf ihrem Kopf, sie hatte viel vor, aber nicht jetzt, zumindest nicht mit Parveen, die Jungwölfin wollte nun die anderen Wölfe kennen lernen und neue Freundschaften knüpfen, es gehörte doch dazu.
„Oh Daylight, du hast ja einiges vor. Aber ich werd euch nun erstmal mit deinem kleinen Abenteuer alleine lassen. Die Welt zu entdecken würde sehr lange dauern, aber wir können ja später noch zusammen durch das Revier gehen. Und was über den Wolken liegt…das würden wir wohl alle gerne wissen…“
Kurz blickte Parveen sehnsüchtig in den Himmel, dann knuffte sie ihre beiden Schwester kurz, ehe sie sich abwandte und auf die Ansammlung der Wölfe dort zulief. Lächelnd blieb sie neben Ayala stehen, vielleicht hatte diese ja eine Ahnung, wo sich eigentlich ihr Patenonkel befand?
„Hallo Ayala.“
Lächelte Parveen, senkte dann den Kopf zu ihren Geschwistern.
„Na ihr zwei? Schön euch mal wieder zu sehen!“
Parveen blickte wieder auf, sah die weiße Fähe und die Braune an und lächelte. Sie würde sich vorstellen müssen, ansonsten würde es lange ungeklärt bleiben, wer die Beiden Fähen denn überhaupt waren.
„Hey. Ich bin Parveen, eine Tochter aus Banshees erstem Wurf. Und ihr zwei?“
Fragte sie freundlich, sie blieb neben Ayala stehen und sah ihren beiden kleinen Geschwistern zu. Ja, so klein war auch sie einmal gewesen, nur selbst viel zu traurig und zurückgezogen gewesen, es hatte sich ja alles geändert. Nun konnte sie der Welt entgegen lächeln und sich auf die Zukunft freuen, die hoffentlich etwas Gutes mit sich bringen würde.
24.12.2009, 19:52
Gebrochen starrten die blauen Augen des Nachtsohnes auf die felsige, steinige Umgebung. Eigentlich nicht der natürliche Lebensraum, also ein Grund mehr, hier den Tod zu finden. Vor allen Dingen unbemerkt. Warum war dann Shit hier? Nun gut, er hatte sich erklärt und Midnight glaubte ihm. Wäre er gläubig gewesen oder so etwas, hätte er wohl gesagt, das ein verrückter, womöglich auch noch schizophrener Gott sein teuflisches Spielchen mit ihm spielte und ihm diesen unschuldigen Wolf an die Seite stellte. Aber der Mitternachtswolf glaubte nicht. An wen denn? Vielleicht hoffte er. Darauf, das der Richter ihn bald zu sich holen würde. Und sollte der Tod ihm seine Hand reichen, er würde sie gerne annehmen. Aber dazu musste er erst mal den Kleinen hier los werden, auch wenn es noch so unschön für sie beide war und um so schwieriger, je mehr der Graue sprach und je mehr es ihn verwirrte. Weshalb? Er suchte die Ruhe und Stille, am Besten für immer und was gab man ihm? Einen Wolf, der ihn zutextete, der aufdringlich war und ihm wohl nicht so schnell von der Seite weichen würde, wie jener gerade bekräftigte. Wahrlich, die beiden Rüden waren so unterschiedlich, wie sie nur hätten sein können. Aber warum jetzt? Gerade jetzt? Vielleicht war es auch bloß nur eine Probe seiner Geduld? Wenn dem so war..
"Ich bin niemandes Freund, weil ich kein guter Freund bin. Also hör bitte auf, mich deinen Freund zu nennen. Ich kenne dich nicht und du kennst mich nicht. Aber du kannst mich von mir aus Midnight nennen."
.oO(Ich kenne mich ja selber noch nicht einmal...)Oo.
Stumm lauschte er den folgenden Worten und ihm wurde immer klarer, das diese Wolf verrückt war. Ganz eindeutig. Und wenn er es bisher noch gut abtun konnte, seinen Verdacht untergraben hatte, so konnte er es nun jetzt nicht mehr. Sachte schüttelte der Nachtschwarze den Kopf. Verrückt. Und für ihn absolut nicht nachvollziehbar. Warum ließ man ihn in diesem einen Augenblick nicht in Ruhe? Warum durfte er dann nicht in den Tod springen? Nun, er durfte schon, wollte allerdings nicht in der Anwesenheit des Grauen, der ihm gerade versuchte weis zu machen, das nichts hoffnungslos war. War er denn nicht das Nichts? Ein Niemand? Hatte er nicht vergessen wer er war? Hatte er nicht seine Erinnerung verloren und war nun...leer? Ohne alles? Wenn es stimmte, dann war er hoffnungslos. Eine wahre Tatsache, die Midnight nicht abstritt. Gerade dachte er über die Worte Shits nach, als dieser munter an seine Seite sprang. Er hatte keine Gelegenheit, ihn fragend und verwirrt an zu sehen, als er auch schon das weiche Fell des Grauen an seinem nachtschwarzen spürte.
"Was...Was soll denn das?"
Mit einem Schlag, in diesem Fall wohl eher Sprung, machte das Herz des Mitternachtswolfs einen Sprung und schlug ihm nun irgendwo in der Kehlgegend. Was zum Henker tat Shit denn da? Das musste doch ein Irrtum, ein übler Scherz sein. Schnell zuckten die Ohren nach hinten, legten sich unsicher an den Kopf an.
"Lass...lass das. Bitte..."
.oO(Leide ich jetzt schon unter Berührungsängsten oder warum schlägt mein Herz so schnell?)Oo.
Unsicher und mit noch immer pochendem Herzen macht der Nachtschwarze einen Schritt nach vorne, versuchte sich von Shit zu lösen. Das war ein Fehler. Etwas lief hier gewaltig falsch! Irgendwie hatte der Graue es geschafft, das Ruder in die Pfote zu bekommen und steuerte nun kräftig gegen ihn. Was sollte das alles? Erneut schüttelte er den Kopf, die blauen Augen ungläubig auf Shit gerichtet. Er wusste, das er vor dem Jüngeren ein klägliches Bild abgab, doch es war ja eh zu spät für ihn. Er wollte es doch beenden. Es tat weh, es schmerzte ihn so sehr, das er schlucken musste. Was war schlimmer für ihn? Diese Einsamkeit und das Gefühl zu haben, nicht erlöst zu werden oder diese sanfte Berührung, in der so viel Freundschaft, vielleicht sogar Liebe steckte, wie er sie nicht kannte. Er zuckte auch noch innerlich zusammen, als er jene Hand wieder auf dem Rücken spürte. Sein Geist krampfte sich zusammen, versuchte diese seltsame Wärme los zu werden, als auch noch diese Stimme wieder erklang.
.oO(- Lass dir von ihm helfen. Wenn es einer kann, dann er. Wunden heilen nicht, wenn du sie nicht heilen lässt.)Oo.
Was jetzt? Hatten sie ihn jetzt so weit? Wollten sie ihn nach und nach zermürben, seine Psycho zerstören, bis er als Wrack in der Ecke landete und sinnloses Zeug von ihm gab? Er verstand es nicht, er verstand es einfach nicht. Was sollte dieses ganze Theater? Ws wollte Shit wirklich von ihm? Was oder noch besser: Wer im alles in der Welt war diese Person, die immer wieder seine Seele berührte? Verunsichert blieb Midnight stehen, den Blick der mitternachtsblauen Augen auf seinen Gegenübergerichtet, fragend, verwirrt und verletzt. Ja, es verletzte den Rüden, das es da jemand gab, den es nicht geben dürfte, der zu spät war. Es verletzte ihn, das er so schwach war, so töricht und noch immer nicht am Ende genug war, einfach diesen einen Schritt zu wagen. Es verletzte ihn, das Shit wohl an ihm hing und ihm seine Zuneigung zeigte, die er aber wohl niemals wirklich erwidern konnte. Es zerbrach, nein, es zerfetzt ihn schon. Jedoch stand der stille Wolf noch immer da, mit so vielen Fragen, von denen er ja doch keine stellte.
Langsam tappte Kaede weiter. Ja, dort wo sie sich auskannte fühlte sie sich auch wohl und da sie ja wohl nicht vertrieben werden würde, konnte sie allem freundlich ins Auge blicken. Sie hörte ihre Pfoten sanft auf den Boden tappen, nickte kaum merklich beim gehen mit ihrem Kopf. Sie hatte ein vages Gefühl, wie Thila sich fühlte. Erinnerte sich an die alten Zeiten, doch energisch vertrieb sie diese wieder.
"Thila, vielleicht finden wir zwei mal Zeit zum reden. Natürlich nur wenn es dir angenehm ist!"
Sie lächelte, nickte Nightwish zu.
"Dort wo du herkommst muss es schön sein, so wie du es aussprichst. . . Ihr müsst wissen, ich liebe das Wasser, das große weite Meer."
seufzend erinnerte sie sich an die Zeit, welche sie dort verbracht hatte. Unheimlich schöne Stunden. Nun wollte sie ihre Erinnerungen teilen, sie so auffrischen.
"Vielleicht war einer von euch schonmal am Meer. Ich liebe es dort einfach, du hörst die Wellen rauschen, Möwen kreisen über dir und kreischen, das Wasser spritzt hoch, wenn Wellen an die Böschung klatschen. Lauwarm im Sommer, doch immer ein kühler und erfrischender Wind. Und der salzige Geruch. Es ist einfach unbeschreiblich. Weicher Sandboden oder karges Grasland. Und meilenweit niemand zu sehen, einöde würde man es fast nennen und doch ist es einfach wunderbar dort."
In Erinnerungen versunken blieb Kaede unbewusst stehen.
oO(Die Wellen, mein Gott das war eine schöne Zeit. Und immer habe ich gedacht ich könnte dort einmal hin. Mit jemanden, doch nun bin ich alleine. hier)Oo
Schwermütig stand sie nun da, Lebensfreude war aus ihr gewichen, doch sie wollte nicht aufgeben nicht jetzt wo sie so weit gekommen war und doch fühlte sie sich tief in sich traurig. Traurig und ängstlich, so wie sie in diesem Rudel angekommen war. Auf ihrer Flucht. Dann zwang sie sich zu einem lächeln, wollte die beiden nicht verunsichern und drehte sich zu ihnen.
"Alles okay?"
Zack seufzte leise und trat hinter Neyla aus dem Gebüsch um ihr den Vortritt zu Amáya zu lassen. Er blickte zu ihr, hörte ihre Worte und tappte dann langsam neben sie.
„Hallo Amáya. Wenn du mich noch nicht kennst, ich bin Zack, Neylas Gefährte!“
Er lächelte der kleinen vorsichtig zu, spürte wie unsicher Neyla sich fühlte und versuchte seine Ruhe auf sie zu übertragen, indem er sich leicht an sie drückte. Sein Atem ging ruhig, doch auch er fühlte sich etwas unsicher. Unsicher was er tun sollte. Seine Augen ruhten auf der kleinen Welpin. Er wollte nichts falsches machen oder sagen und so schwieg er lieber und lächelte beruhigend. Für sich selbst, für Amáya und für Neyla. Er schaute auf das Wasser, die leichte Uferböschung und verfolgte die kleinen Kringel welche sich auf dem Wasser ausbreiteten. Was die Zukunft wohl bringen würde? Er wedelte leicht mit der Rute. Hoffentlich nur gutes. Doch vorerst waren sie hier, bei Neylas Patin, welche immer noch stumm vor ihnen stand, fast abwesend sah sie aus und es überkamen ihn Zweifel ob er hier richtig war. Ob er hier sein sollte, was wenn sie Angst bekommen würde? Sie kannte ihn nicht, schien sie doch zart und ängstlich. Leise seufzend und unsicher blickte er zu Neyla, wirkte er doch immer so gesammelt, konnte sie nun etwas seine Unsicherheit in seinen Augen bemerken. Er stupste Neyla vorsichtig an. Was tun? Er wendete leicht den Kopf, war da nicht ein Geräusch in dem Busch gewesen? Doch wer sollte schon noch hier sein. Sie waren doch alleine oder? Er witterte, vernahm er doch den leichten Geruch von einer anderen Fähe, jünger noch, vielleicht aus dem letzten Wurf? Doch von Banshee? Die ihren waren ihm eigentlich bekannt, doch dieser Geruch war ihm eher unbekannt. Leicht hatte er ihn schon auf dem Rudelplatz wahrgenommen, immer mal wieder im Revier bemerkt, doch konnte er keinen Wolf zuordnen. Fragend wand er seinen Blick Neyla zu.
„Wer ist dort?“
Banshees Blick lag ruhig auf dem Schwarzen, wie er dort im Gras saß, der leicht nasse Fang, die Tropfen, die man für Thränen halten könnte, die Stille und sein Blick. Er war wie ein offenes Buch, so lange fest verschlossen und nun plötzlich drückte jede Faser seines Körpers, jeder Muskel unter seinem dicken Pelz etwas aus, sprach von dem, was in ihm vorging. Sie wollte ihn noch immer nicht mit Fragen durchlöchern, aber einiges brannte ihr auf der Zunge. Seine Gegenfrage klang dumpf und irgendwie leer. Banshee schoss wieder das Bild Tyraleens durch den Kopf und die Frage, ob Face Tyraleen genauso sehr brauchen könnte wie sie ihn. Es war Zeit, zum Rudel zurück zu kehren. Die Gerüche der fremden Wölfe waren ihr durchaus aufgefallen, dennoch hatte sie sie bis jetzt konsequent zur Seite geschoben, es hatte wichtigeres geben, worauf sie sich hatte konzentrieren müssen.
Mit einer fließenden Bewegung erhob sie sich, trat neben Face, berührte ihn ganz sachte an der Stirn und deutete dann in den Wald.
“Lass uns zum Rudel zurückkehren. Meine Tochter wartet auf dich.“
Ruhig setzte sie Pfote vor Pfote, es eilte nichts, wartete, bis Face an ihrer Seite war und lief dann langsam und mit so bedächtigem Schritt durch den dichten Wald, als wären sie noch immer in einer Art Zeremonie. Sie ließ sich Zeit, Faces Gegenfrage zu beantworten, aus vielen tausend Gründen und ganz besonders, weil der Duft des blühenden Waldes ihren Brustkorb erfüllte und sie das Gefühl hatte, zu schweben. Nach scheinbar tausend Schritten schlug sie die Augen wieder auf und richtete den bersteinfarbenen Blick auf den Schwarzen neben ihr.
“Wer er war … woher er kam … warum das geschehen ist. Aber das werden wohl nur die Götter wissen.“
Sie richtete den Blick für einige Herzschläge auf das dichte Blätterdach über ihr, dankte im Stillen Engaya, denn warum auch immer all das Geschehen geschehen war … sie hatte es gewollt und dank ihr lief nun ein Wolf neben ihr, der nicht mehr der Face von vorher war. Und dank ihr würde auch Tyraleen ein glücklicherer Welpe werden. Dank ihr schlug ihr Herz und dank ihr, blühte der Wald um sie herum. Selten hatte sich Banshee so im Einklang mit sich, der Natur und Engaya gefühlt.
Nightwish hohrte zu, wie sie es immer tat. Doch als sie Kaede hohrte wie sie uber das Meer sprah muss es ein wundervoller Platz gewesen sein. Sie stoppte kurtz, sie hatte ein andern Blink, sie kamm schnell wieder neber denn beiden.
"Nein, ich glaube dein Platz ist viel schoener, und es hohrt sich mehr so an als werst du lieber jetzt dort... Ich mag mein Ort zwar nur wegem Wetter sonst nicht"
sagte sie, aber laechelte glucklich als were nichts los, doch murmelte in ihr, wie es Kaede ging es hohrte sich deutlich an das Kaede die zeitem am Meer vermisste.
"Gibt es hier denn ein Meer wenn ja musst du ihn mir mal umbedinkt zeigen Kaede! Da kannst du auch vielicht in ruhr mit Thila reden!"
sagte sie und wolte aufmuntert sein obwohl, ihr inneres wusste das sie es nicht so gut kann. Sie musste doch immer lachen als hatte sie kein mittleid mit ein Wolf.
Thila blickte verwirrt zu Kaede hinüber. Warum wollte sie mit ihr reden? Verstand sie ihr Verhalten etwa? War Kaede, die jetzt ihr so ein freudiges Bild übermittelte, einmal ähnlich wie Thila gewesen. Gab es also eine Möglichkeit, seine Vergangenheit zu vergessen und in neues Leben zu beginnen?
"Ich ..."
Thila brach ab. Sie hatte keine Ahnung, was sie sagen sollte. Doch sie konnte sich vorstellen in Kaede eine Freundin zu finden, sie hatte sicherlich schon selbst viel durchmachen müssen, allein schon wegen ihrer Bildheit.
"Ich war einmal am Meer ... Es war wunderschön ... Ganz kurz nur, aber ... es reichte ... Kaede, ich kann dir nachempfinden."
Zum Ende ihres Satzes hin, den sie immer wieder stockend unterbrochen hatte, war Thila immer leiser geworden, bis nur noch ein Flüstern aus ihrer Kehle drang. Es war schwer für sie etwas von ihr zu berichten, doch sie wollte nicht unhöflich erscheinen und sich gar nicht an dem Gespräch beteiligen.
Im Moment gab sie sich ganz ihrem Gefühl hin, das ihr leise eine bessere Zukunft versprach. Sie wusste nicht, ob es tatsächlich irgendwann mal eintreffen würde, doch allein der Gedanke erfüllte sie mit Freude. Doch ganz los kommen würde sie von ihren Erinnerungen nie, das stand für Thila fest. Auch wenn sie all dies einmal in Luft auflösen sollte, ein kleiner Hauch würde immer noch in ihere Seele hängen bleiben und sie erinnern, dass sie, Thila Reycou, einmal ein Teil der Shadow Moons gewesen war, ob nun freiwillig, oder nicht. Ihr Magen verkrampfte sich schlagartig bei dem bloßen Gedankenfetzen, der in ihrem Kopf umher geisterte.
Sie versuchte sie abzulenken, indem sie den sanften Stimmen ihrer beiden Begleiterinnen lauschte. Welche Geschichte stand wohl hinter ihnen. Was steckte hinter íhnen? Doch das konnte wohl niemand beantworten, nichtmal man selbst.
Nachdenklich blickte Kaede Nightwish an. Würde sie lieber am Meer sein? Nein, eigentlich nicht, auch wenn es dort wunderschön war, war sie doch froh dieses Rudel gefunden zu haben.
"Ich denke, auch wenn es dort toll ist, freue ich mich hier zu sein dürfen. Einst hatte ich hier in diesem Rudel gute Freunde"
Wehmütig blickte sie in die Ferne.
"Und ein Meer kann keine schönen Stunden mit Freunden toppen, egal wo man mit ihnen ist!!"
Ihr Kopf ging zu Thila, als sie ihre leise Stimme hörte. Gebrochen und immer leiser werdent. Die letzten Worte waren fast nur noch ein flüstern gewesen. Kaum hörbar.
"Ja, es freut mich dass du es ebenso empfindest wie ich. Nein, leider ist hier kein Meer in der Nähe und ich denke es ist zu anstrengend den weiten Weg dorthin zu gehen, doch der See hier ist auch wunderschön vor allem wenn man abends hineinblickt und die Sterne sich spiegeln. Ein wunderbarer Anblick!"
Strahlend richtete Kaede ihren Bick in die Ferne, so als ob sie die Sterne sehen würde. Und sie sah sie, nicht so wie alle anderen, doch die Bilder vor ihren Augen ließen sie erfreut die Lefzen heben und ein lächeln huschte über ihr Gesicht. Strahlen wendete sie sich den beiden zu. Erfreut über Thilas Worte blickte sie diese lange an, ehe sie ihen Kopf zu Nightwish wendete.
"Ich freue mich so, dass ich euch empfanen durfte und euch kennen lernen durfte"
seufzte sie glücklich. Sie weldelte leicht mit der Rute.
"Ich möchte mich eben ein wenig ausruhen ist das in Ordnung?"
Ihre Wunden von der Jagd schmerzten ihr ab und zu immer noch ein wenig auch wenn diese schon lange zurücklag fühlte sie sich manchmal zurückversetzt in die Lage wie sie damals war. Das Tier auf ihr, sie hatte gedacht sie würde sterben. Seufzend setzte sie sich und versuchte die Schmerzen in ihrer Brust zu unterdrücken. Hektisch senkte sich nun ihr Brustkörper als ob sie zu wenig luft bekommen würde und so fühlte sie sich auch, obwohl sie genügend Luft bekam. Einbildung sagte sie sich immer selber. Alles nur Einbildung welche sie nicht losließ.
Verwirrt stand Amáya am See. Die Stimmen der anderen aus dem Rudel nahm sie schon gar nicht mehr wahr. Ihr Blick lag noch immer auf der ruhigen Oberfläche des Sees. Und was jetzt? Langsam ließ sich die Fähe auf die Hinterläufe sinken. Was sollte sie jetzt machen? Langsam drehten sich die Ohren der Welpin hin und her, ohne wirklich auf Geräusche zu achten. Sie fühlte sich einsam und unvollständig. Etwas fehlte ihr. Ruckartig zuckten ihre Ohren nach hinten, als ihre Patentante und ihren Gefährten auf sich zukommen sah. Sie war richtig erschrocken, als Neyla sie angesprochen hatte. Langsam wich sie nach hinten zurück, Stück für Stück. Ganz unauffällig. Sie mochte eigentlich die Graue, sie war immer lieb zu ihr. Dennoch war ihr diese Nähe schon unheimlich. Ihr Herz schlug schneller, dennoch versuchte sie sich gezwungen ruhig zu geben. Sie nickte nur kurz, während sie noch ein Stück weiter zurück wich. Die Schwarze schluckte krampfartig, ehe sich ihre Augen auf Neylas Gefährten richteten. Dieser war so groß. Sie beide waren für sie so groß und kamen ihr immer näher, während sie immer weiter zurück wich. Ihr Innerstes zog sich ganz weit zurück, in ihr keimte der Drang zum fortlaufen auf. Was war das nur? Sie fürchtete sich nicht vor den beiden, sie wusste, das man ihr keinen Schaden zufügen würde. Was war es also dann? Unruhig spielte sie mit den Ohren, die sich nie ganz nach vorne drehten, sondern immer zur Seite gedreht blieben, um sich dann wieder an zu legen.
"Ja...Ja, ich denke schon."
Das war natürlich gelogen, auch wenn sie es sich nicht wirklich eingestand. Dazu wurde sie von diesen seltsamen Gefühlen zu sehr überrannt. Was jetzt? Sollte sie vielleicht einfach davon laufen? Nein, das wollte sie auch nicht. Sie mochte Neyla doch. Und auch Zack war ganz lieb. Nur was war es dann? Verunsichert blickte sie einfach wieder auf den See hinaus.
Nightwish, lief neber Kaede und hohrte ihr zu, lange sagte sie nichts und hohrte auch Thila zu. Sie vergass beiner das sie Reden konnte, da sie so mit demm zuhohren bescheftigt war. Sie schaute zu Kaede.
"Ich kann mir vorstellen das du hier glucklich bist, du redest so viel schönes über das Rudel, ich hoffe das ich vielicht auch rein passen werde."
Sie wolte ein neues Yuhause haben, aber sie wusste nicht ob sie so Leben kann wie die andern. Sie dachte vielicht ist sie nicht fur diesem Rudel geschaffen, doch sagte Kaede so tolles uber dem Rudel das Nightwish schon im Rudel Leben kann,e sist was ganz anderes als von wo sei herkamm, es hohrte sich viel besser an, bei ihrem alten Rudel, war alles nur schrecklich, und es waren harte Zeiten.
"Ja das ist nicht schlimm wenn du dich ausruhn wilst"
sagte sie freuntlich, sie schaute zu Kaede, es sah aus als hatte Kaede ein schwere Zeit zu atmen.
"Bist du ok?"
sagte Nightwish und setzte sich hin, sie schaute zu Thila, dann zu Kaede. Sie wusste nicht ganz was sie machen solte, doch solte sich ja Kaede ausruhn, also kann sie auch warten. Immer noch lachelnt, sah sie zu denn beiden.
Verwundert schüttelte Thylia ihren Kopf, war sie doch tief in Gedanken versunken gewesen. Sie bemerkte, dass die 3 Fähen mit welchen sie vorher gesprochen hatte etwas weiter weg von ihr waren, so vermutete sie, dass sie ihnen etwas seltsam vorkam, war sie doch eindeutig längere Zeit abwesend gewesen. Nun setzte die Fähe sich gemütlich hin und ließ ihren Blick über den Platz schweifen. Einige Wölfe waren verschwunden und befanden sich nun sicher irgendwo innerhalb des Reviers, doch nahm sie auch einige ihr unbekannte Wölfe war. Wölfe, von welchen sie auch noch nie nur einen schwachen Duft wahrgenommen hatte. Sie schleckte sich über die Schnauze, ehe sie bemerkte, dass sie Durst hatte, so stand sie auf und tappte zum Ufer des Sternenwind Sees. Dort angekommen senkte sie ihre Schnauze in das kühle Wasser und begann mit tiefen Zügen zu trinken. Das Wasser tropfte aus ihrem Maul heraus, als sie den Kopf hob. Kleine Kringel bildeten sich auf dem Wasser, als die Tropfen die Wasseroberfläche erreichten und fasziniert beobachtete Thylia wie sich diese immer weiter ausbreiteten und inneinander übergingen. Schon wieder fing sie an zu träumen, dachte an ihre Zeit bei den "Menschen" Froh dieses Rudel gefunden zu haben drehte sie sich um und musterte die Wölfe abermals. Würde wohl einer von ihnen ihr Freund werden? Oder ihre Freundin? Würde sie eine Vertraute finden? Oder hätte sie doch bei ihrer alten Familie bleiben sollen? Fragen schossen durch ihren Kopf und doch kam sie zu dem Entschluss, dass diese Entscheidung die richtige gewesen war. Sicher würde alles schön und gut in diesem Rudel werden. Doch irgendetwas plagte sie immer noch, genau wusste sie nicht was es war, ehrlich gesagt hatte sie noch nicht einmal einen blassen Schimmer und doch schien es ihr so als ob irgendetwas die Zukunft in Dunkelheit verschleierte, doch darum sollte sie sich jetzt lieber keinen Kopf machen sonst würde sie die nächsten Stunden nachdenkend verbringen und doch zu keinem Ergebnis kommen.
Tyraleen blinzelte leicht, Ayala ließ keine große Regung auf ihrem Gesicht zu, vielleicht aber waren die Augen der Kleinen aber auch noch zu unruhig, zumindest schien die Weiße ebenfalls nicht zu wissen, was Banshee und Face Taihéiyo machten. Ihre Antwort viel dementsprechend aus, ein paar Neuankömmlinge begrüßen? Tyraleen hatte noch lange nicht verstanden, was in den Köpfen von Erwachsenen vorging, aber dass Ayala wirklich glaubte, dass die beiden Fremde begrüßen waren, konnte Tyraleen wiederum nicht glauben. Und dass sie sie fragen konnte, war ihr auch klar, aber sie wollte nicht. Wenn sie jemanden fragen würde, dann wäre das Face Taihéiyo aber das alles verstand Ayala ja sowieso nicht. Mit kindlicher Überzeugung, dass Ayala sie sowieso überhaupt nicht verstand, hervorgerufen durch die Antwort Ayalas, die in Tyraleen ihren welpischen Stolz hervorrief, nickte sie nur, warf Ayala einen teils aufsässigen, teils scheuen Blick zu und tappte dann ein paar Schritte zur Seite, erneut unentschlossen, wohin. Ihr Blick eilte zu Leyla, die einzige Antwort, die sie gegeben hatte, war ein leises Brummen. Vielleicht verstand sie das ja auch noch nicht, aber Tyraleen kam es so vor, als hätte Leyla etwas genauso welpisches und kindliches an sich wie sie selbst … nicht dieses Nicht-still-halten-Können und auch nicht das überschwängliche Geben und Entziehen von Liebe … aber diese Gedanken, die sie hegte, ohne zu wissen, dass diese wirklich welpisch waren. Sowieso, all die Gedanken, die sie gar nicht verstand, und die sie nicht mal denken wollte, sie wollte doch lieber genauso wie ihre Geschwister sein. Wie auf ein Zeichen kam Merawin, ihr Bruder, Ayala kümmerte sich sofort um ihn und Tryaleen war das nur Recht. Sie schwenkte einmal die Rute, überlegte, ob sie zu Leyla gehen konnte und so etwas wie Zuneigung, die sie doch so gerne hätte, verlangen konnte, aber die Weiße wirkte nicht so und irgendwie wollte Tyraleen vor ihr auch nicht so sein … dabei war sie doch nur ein Welpe. Gerade richtig, tauchte da ihre Schwester auf, schon vorher war sie bei Banshee und Daylight gewesen, Tyraleen hatte sie gesehen, aber ihr Name war ihr noch immer nicht eingefallen. Glücklicherweise stellte sie sich vor, Parveen … auch eine Tochter Banshees, sah aber ganz anders aus. Das gefiel Tyraleen, sie war nicht so wie sie. Auf wackeligen Läufen tappte sie zu ihrer großen Schwester, stellte sich auf die Hinterpfoten und blieb so, die Vorderpfoten an der Schulter der Jungwölfin abgestützt stehen.
“Ich bin Tyraleen.“
Es war das erste Mal, dass sie sich selbst vorstellte, als Face Taihéiyo ihren Namen gesagt hatte, hatte es schöner geklungen, aber auch jetzt, wenn sie sich es genau überlegte, mochte sie ihren Namen. Er klang so stark. Sie schnupperte mit ihre kleinen Nase an der Halskrause der Schwester, drückte ihre Stirn dann ins ihr Fell und verharrte so, sie wollte doch so gerne geliebt werden, aber so stürmisch wie Daylight zum Beispiel wollte sie nicht nach Zärtlichkeit verlangen …
Shani hatte sich wieder gefangen, mit schwingender Rute und ihren mandelförmigen Augen, die funkelnd auf Hiryoga gerichtet waren, wartete sie, bis er ihrer Aufforderung nach kam, die zwar nicht mehr ganz überzeugend geklungen hatte, mittlerweile aber wieder normal und auf ein paar lockende Worte eingestellt war. Aber die brauchte sie gar nicht, nachdem seine Patin und eine fremde Fähe geheult hatten, schien so etwas wie eine Verwandlung mit ihm zu passieren, als hätte das Heulen ihm neue Kraft gegeben. Als er dann zu ihr kam, sie sanft berührte, sie damit erst bemerken ließ, wie verkrampft sie noch immer war, und sie leise aufklärte, musste sie leicht lächeln. Es war wohl doch die Erleichterung gewesen, nicht sofort zu seiner Patin zu müssen … und damit bestätigte sich wie zuvor angenommen, die Vermutung, dass Hiryoga die meisten Probleme mit jener Kaede hatte, viel weniger mit seiner Mutter oder dem Rest des Rudels. Aber sei es drum, er war wieder besser gelaunt und das machte auch Shani glücklich. Dies konnte zwar nicht verhindern, dass ihre Augen noch einmal zu der Stelle wanderten, an der der schwarze Wolf verschwunden war, dafür aber wurde sie sogleich erneut von Hiryoga abgelenkt, er stupste sie wieder an, was dazu führte, dass sich ihre Anspannung ganz löste und tänzelte dann schon fast voraus, seine Stimme klang mit einem Mal fest und seine Augen funkelten ihr auffordernd entgegen, ganz so wie sie es immer machte. Sie lächelte wieder, jetzt ohne falsche Freude, die zuvor noch von dem Schwarzen getrübt worden war, und sprang ihm entgegen, bis ihr der besorgte Ausdruck in seinen Augen auffiel und seine Frage sie schmerzhaft traf wie all diese Fragen zuvor. Neben ihm herlaufend fragte sie sich wie immer einen Herzschlag lang wie es wäre, würde sie ihm alles erzählen, verwarf den Gedanken aber schon beim nächsten Schlag und fuhr dem Braunen mit einem ungezwungenen Lächeln an den Lefzen entlang.
“Natürlich … ich freue mich so, dass wir zu deiner Familie kommen und du dich nun mit mir freust. Glück muss geteilt werden und ich bin noch glücklicher, wenn ich daran denke, dass ich es mit dir teilen darf.“
Sie dachte schon gar nicht mehr an den schwarzen Wolf, er spuckte in ihrem Hinterkopf herum, wie immer, aber, ebenfalls wie immer, steckte sie sich mit ihrer eigenen, zunächst vorgetäuschten, Fröhlichkeit an, die dann schnell zu echter Freude wurde. Es gab jetzt ja auch keinen Grund, ängstlich und traurig zu sein, schließlich kamen sie in ein Rudel und ab da würde für sie alles anders werden. Oh, sie freute sich so darauf! Vielleicht würde sie endlich wieder wirklich, von Grund auf glücklich sein können … und das alles mit Hiryoga an ihrer Seite … ah, sie musste dumm gewesen sein, sich selbst zu bemitleiden, sie hatte schließlich den Braunen, er wog doch all das Leid auf. Zumindest in Glücksmomenten.
Shit drückte sich nur noch mehr in das Fell des Schwarzen und kuschelte sich an ihn, wie ein Welpe, der Schutz suchte und seine Streicheleinheiten brauchte. Freundlich sah er Midnight an.
„Shit kennt dich kaum, dass ist wahr, aber das ändern wir ganz schnell, schwarzer Freund.“
Er grinste, lauschte den Worten, dass er das mit dem Kuscheln lassen sollte. Aber warum? Für ihn ergab diese Anweisung keinen Sinn, also kam er ihr auch nicht nach. Seine Rute wedelte hin und her, während er seinen neuen Freund noch einmal in Augenschein nahm.
„Midnight, was machen wir denn jetzt? Shit kann dich nun wirklich zu Banshee bringen, du bleibst einfach hier bei diesem Rudel und dann lernst du mal, wie schön das Leben sein kann. Mit Verlaub, Shit ist dafür der beste Lehrer!“
Er grinste breit, stupste den schwarzen Rüden an.
„Seit einigen Mondwenden ist Shit schon hier. Was ist dir so in deinem Leben widerfahren, dass du lieber mit dem Tod als mit dem Leben in Kontakt treten möchtest?“
Gab es eine Frage, die er niemals stellen würde? Vermutlich nicht. Er wollte seinen Freund besser kennenlernen und stellte schonungslos Fragen, die ihn interessieren. Shit eben. Ob er glaubte, darauf eine Antwort zu bekommen, ließ sich kaum ergründen, aber redete er nicht um den heißen Brei herum. Es gab auch kein Einverständnis von Seiten Midnights aus, aber das spielte keine Rolle. Nie würde er zulassen, dass sich sein Freund in diesen Abgrund warf, sollte er das vorhaben, so genau wusste Shit das ja nicht. Aber sterben wollte er, das hatte er gesagt.
„Du brauchst keine Angst haben, ein schlechter Freund zu sein, Shit zu enttäuschen ist fast unmöglich, er stellt nämlich keine Erwartungen. Shit glaubt aber, das du sehr wohl ein guter Freund sein wirst, weil du dich fürchtest, Shit zu enttäuschen.“
Mit schiefgelegtem Kopf sah er Midnight an.
„Solltest du irgendwelche Fragen haben, stell sie einfach an Shit, nur keine falsche Scheu.“
Die schwarzen Ohren zuckten unruhig hin und her, drehten sich zur Seite um sich dann wieder halbwegs an zu legen. Unverständnis lag in dem Blick des Mitternachtswolfes. Er verstand wirklich die Welt nicht mehr. Was geschah hier eigentlich? War das wieder bloß ein neues Spiel, das man an ihm ausprobierte? Er war doch kein Versuchskaninchen. Aber irgendwer schien das absolut anders zu sehen, wer auch immer das war. Mittlerweile interessierte er sich nicht mehr so brennend dafür wer das war, sonder was derjenige vor hatte. Mit ihm und dem Grauen. Wer lenkte ihn, wer zog die Fäden? In seinen Fragen unterbrochen wurde er von eben jenem Wolf bei ihm. Dieser schien noch anhänglicher als eine Klette zu sein. Stopp. Nicht er schien, er war anhänglicher als eine Klette. So etwas war ihm noch nie unter gekommen. Nicht das er wüsste. Nun gut, er wusste eh so gut wie nichts. Leicht tänzelte der Rüde zur Seite, als sich Shit erneut an ihn presste, sich in das nachtschwarze Fell kuschelte. War er jetzt sein Vaterersatz? Das würde ihm noch fehlen. Ein verrückter Wolf, kaum einen Winter jünger, dafür aber völlig abgedreht, der in ihm, einem Todgeweihten den Vater suchte. Na klasse. Womit hatte er sich den denn eingefangen? Trotzdem. Je länger die nachtblauen Augen auf Shit ruhten, desto mehr keimte der Wunsch in ihm auf, anders zu sein. Irgendwie. Anders, jemand anderes, wer auch immer. Aber nicht so, wie er war. So wie der Rüde es in seinen Vorstellungen gewesen war. Freundlich und aufgeschlossen. Gerne hätte er seinen Kopf in den Nacken des Grauen gelegt, die Augen geschlossen und vergessen was Trauer und Leid war. Warum also konnte er es nicht? Krampfhaft schluckte er, schloss die Augen, ohne sich jedoch von der Stelle zu rühren. Stumm lauschte er den Worten Shits, der ihn noch immer zur Alpha bringen wollte. Dies jedoch war in seinen Augen mehr als unnötig. Und selbst wenn es was gebracht hätte oder an der Tatsache geändert hätte, so hätte er vermutlich so oder so verneint. Ihm lagen keine Ansammlungen von einem ganzen Pack. Nein, das ließ er mal schön bleiben. Dafür sollte, oder eher wollte, der Graue sein Lehrer sein. Das Leben sollte schön sein. Wenn er es so empfand.
"Du brauchst mich nicht zur Alpha zu bringen, ich werde eh nicht mehr so lange bleiben..."
Seine Augen huschten einen Moment zur Klippe, ehe er sie wieder auf seinen Gegenüber richtete.
"Wenn du das Leben als schön empfindest, freut mich das für dich. Ich jedoch empfinde es als schön trostlos. Und diese Trostlosigkeit macht mich kaputt, das ist der Grund warum..."
Wieder glitt sein mitternachtsblauer Blick zum Abgrund hin. Die folgenden Worte nahm er kaum wahr. Er hatte doch keine Ahnung, was er da sagte. So viel stand für den Rüden fest. Er würde gehen und zwar jetzt gleich.
"Verzeih mir, doch ich muss jetzt gehen..."
Seine Stimme war leise, in seinem Kopf verscheuchte er die warme, traurige Stimme, die vergeblich versuchte, ihn ab zu halten, genau wie der Graue. Er wollte nicht mehr. Er wollte nicht mehr ein Spielzeug sein und er wollte sich nicht mehr im Kreise drehen. Und den Kreis durchbrechen konnte man nur, wenn er jetzt den einen Schritt wagen würde.
Stumm wandte Face Taihéiyo Banshee den Kopf zu und schloss kurz die Augen, als sie ihn auf der Stirn berührte. Eine automatische Bewegung, wie als würde er fürchten gleich geschlagen zu werden, auch die Ohren drehten sich zurück und ein kurzes Zucken ging durch seinen Körper. Er .. er war es einfach überhaupt nicht gewöhnt berührt zu werden. Selbst bei einer so kurzen Geste. Der Tiefschwarze sah die Weiße wieder an und nickte. Ob die Kleine wohl wirklich auf ihn wartete? Das jemand auf ihn wartete, war ebenso ein neuer und seltsamer Gedanke. Im Moment fühlte er sich wieder wie ein scheuer Jungwolf, der mit einer neuen Situation klarkommen musste, so wie damals, als man ihn zum ersten Mal aus dem engen Käfig heraus ließ und etwas weiter vorne der kleine Junge hockte und mit ausgestreckten Händen nach ihm rief.
Zögernd setzte Face die Pfoten voran und lief hinter Banshee her, bis sie wartete und er an ihre Seite gelangte. Mit einem respektvollen Abstand blieb er neben ihr und lauschte der Frage, jedoch ohne sie anzusehen. Die leeren, saphirblauen Augen waren weiter starr nach vorne gerichtet. Leicht drehten sich die abgerundeten Ohren zurück. Er war niemand, der gerne etwas von sich preis gab, schon gar nicht solche Dinge, die so tief in ihm Wunden und Splitter hinterlassen hatten. Allerdings war der stille Ozean ihr wirklich eine Erklärung schuldig. Trotzdem war es ja noch seine Sache, was er alles erzählte. Es würde nicht viel sein und trotzdem reichen müssen.
„... Sein Name war Cloud. Er kam aus einem Indianerdorf, irgendwo in den Weiten einer Steppe, in dessen Nähe auch ich geboren wurde. Menschen kamen vor 2 ... nein halt, 3 Jahren in das Dorf und töteten alles ... einfach alles was sich bewegte. Auch ihn, nur ich Feigling bin abgehauen.“
Sein Blick kühlte ab in Gedanken daran. Ja, er war so ein Feigling gewesen. Die weißen Menschen mit ihren Feuerstöcken hatten ihn verunsichert und vertrieben, erst als es schon zu spät gewesen war, hatte er Cloud wieder erreicht. Er konnte einfach nicht aufhören in diesen Erinnerungen zu kramen und jetzt wurde er ja sogar schon darum gebeten sie hervor zu holen. Face senkte den Kopf und sah während des Laufens von unten zu Banshee hinauf.
„Warum das geschehen ist weiß ich nicht genau. Der Tod wollte mich damals wohl einfach nicht haben und noch etwas leiden lassen.“
Ihm kam das warme Feuer wieder in den Sinn, die Hitze die jede Sicht verschwimmen ließ und der Rauch mit seinen abstrakten Formen und Gestalten. Er mitten drin, der Flammentänzer, in einem Ozean aus Feuer untergegangen. Jetzt lief er wieder hier und lebte. Stellte sich nur noch die Frage ... wofür das Ganze? An sich dachte er dabei nicht. So oft wie man ihn allein gelassen hatte, wollte er selbst das nicht einem Anderen antun. Also würde er da bleiben, bei Tyraleen und dem Rudel. Die Kleine schützen, bis auch sie ihn wahrscheinlich irgendwann alleine lassen würde. So spielte das Leben halt mit ihm. Face wandte den Kopf wieder nach vorne, lauschte den verzerrten, dumpfen Stimmen des Rudels, die langsam näher kamen.
Thila stoppte ihren federnden Gang, als Kaede um eine Pause bat. Hatte sie Schmerzen? Wölfe waren zum Laufen gemacht, zum Rennen und Jagen. Was also hatte Kaede, wenn sie schon nach jetzt überanstrengt war? Thila spukte diese Frage im Kopf herum, wagte aber nicht zu fragen.
Stattdessen fixierte sie nun ihre Umgebung. Bäume weit und breit, der Schutz bot, vor Blicken und Beobachtern, die ...
oO(Hör auf!)Oo
Thila ermahnte sich selbst, doch wiedereinmal ließen die Bilder ihrer Erinnerung sie nicht in Ruhe. Seufzend ließ sie sich nach einer Weile neben Kaede sinken. Nachdenklich schaute sie ihre Weggefährtin an.
Irgendwann konnte sie nicht mehr weglaufen, irgendwann würde sie kämpfen, gegen all das, was hinter ihr lag.
oO(Schau endlich nach vorn!)Oo
Sie dachte diesen Satz immer und immer wieder, doch sie wusste genau, dass sie das nicht konnte und nie können würde. Wer holte sie endlich aus diesem lebenden Albtraum?
oO(Niemand. Du hast alles verlohren. Alles, was du liebtest. Weg. Verschwunden. Tod.)Oo
Die silberne Fähe schloss die Augen, doch statt einen Moment zu entspannen wurde sie unwillkürlich in die Vergangenheit zurück gezerrt. Bildabfolgen flogen rasch an ihrem geistigen Auge vorbei. Sie sah ihre Mutter, wie sie neben ihr lag, sie beschützte, als sie noch klein war. Und sie sah die Fremden kommen, langsam und bedrohlich aus den Schatten der Bäume trehten und dann sah sie Blut, leblose Körper und hilflose Schreie, die die Nacht zerschmetterten. Entsetzt riss sie die Augen wieder auf. Ein kühler Wind fuhr ihr durch das Fell und ließ sie begreifen, dass dies die Wirklichkeit war.
Keuchend holte Kaede immer wieder Luft, bis sie das Gefühl hatte wieder genügend Sauerstoff in ihrr Lunge zu haben.
"Entschuldigt diese kleine Unterbrechung bitte! JA Nightwish ich bin okay, das habe ich nur manchmal."
Verkrampft lächelte die blinde Fähe die anderen beiden an.
"Natürlich passt du in dieses Rudel Nightwish, ebenso wie Thila reinpassen wird. Und so wie ich nun hineinpasse! Alles im Leben braucht ein bisschen Zeit, in ein neues Rudel einzutreten erfordert viel Mut, doch wenn man es geschafft hat seine Angst zu überwinden wird man belohnt. Belohnt mit einem Leben mit vielen anderen wölfen, innerhalb des Rudels meist ruhig, auch von außen her eigentlich nicht viel los, zumindest in diesem Rudel. Schöne Täler, Gewässer und genügend Nahrung für alle. Und das wichtigste man kann Freunde, gute Freunde finden."
Seufzend hörte sie auf zu sprechen. Ja man konnte Freunde finden, doch man konnte sie auch wieder verlieren. Doch daran wollte sie jetzt nicht denken, alles blos nicht die Vergangenheit. Nach vorne schauen musste sie doch. Tief Luftholend stand sie auf und schüttelte sich kurz, wobei ihr der Schmerz durch die Seite zuckte und müde ließ sie ihren Kopf sinken.
"Wir können weiter wenn ihr wollt."
Leicht scharrte sie mit der Pfote im Kühlen Waldboden bis die Schmerzen in ihrer Seite nachließen und trat einen Schritt nach vorne und wartete auf die Antwort der Zwei.
"Natürlich können wir auch noch weiter hier verweilen wenn ihr wollt, oder an einer anderen Stelle des Waldes, es ist mir egal, irgendwann sollten wir nur zum Rudelplatz spätestens wenn Banshee wieder dort ist, damit ihr, ihr hallo sagen könnt!"
Aufmunternd lächelnd blickte sie die beiden Wölfe mit ihren trüben Augen an.
Nightiwsh hohrte zu und dachte nach wie ihr Leben war, es war alles schrecklich und es war als wurde es nie aufhohren. Nightiwsh kummerte sich nur um ihre Schwester keiner kummerte sich um Nightiwsh, doch schon sie bekamm Futter doch gab sie es ihre Schwester damit sie stark wurd. Doch dann verlohr sie ihre Schwester, Nightwish gab sich selbst die Schuld, doch wahr sie vom aussern doch so glücklich.
"Nur wenn du wilst, wenn du dich noch ausruhn wilst ist das ok!"
sagte Nightiwsh freuntlich und stand auch auf. Sie stregte sich und schutelte sich. Sie schaute zu Thila was sie wohl dachte, sie sah sehr in gedanken hingerisen zu sein. Sie lächelte zu Kaede.
"Wir können doch erst los wenn du wilst, du kannst dich noch ausruhn."
sagte Nightwish nochmal, mit ein freuntliches lächeln und ein kichern. Sie freute sich so ein nette Fähe wie Kaede zu treffen, Thila wahr auch ganz nett, doch redete sie garnicht so viel, doch tut Nightiwsh nie ein Wolf falch ein schetzen. Beschtimmt wenn sie am Rudel angekommen sind wurd alles besser.
Parveen lächelte fröhlich in die Runde, allerdings schienen die Zeitgenossen eher ruhig zu sein und die schwarze Tochter Banshees legte etwas den Kopf schief. War sie im falschen Moment zu der Gruppe gestoßen? Es war ein seltsames Gefühl, sie wusste nicht so richtig, wie sie nun handeln sollte, aber in dem Moment unterbrach ihre kleine Schwester die liebliche Stille. Parveen lächelte glücklich zu ihr hinunter, als sie auf sie zukam, die Kleine stützte sich schnell bei Parveen ab. Parveen lächelte süßlich, als Tyraleen sich vorstellte.
„Aber das weiß ich doch, Süße. Immerhin sind wir Schwestern.“
Parveen senkte vorsichtig ihren Kopf und berührte Tyraleen sanft an der Stirn, es hätte sie nicht gewundert, wenn die Kleine auch so einen Stern auf der Stirn gehabt hätte, denn sie war eine ganz besondere Tochter aus dem Wurf. Irgendetwas Besonderes trug Tyraleen mit sich, etwas liebliches, was Parveen schon von der ersten Sekunde an begeistert hatte. Sie war stolz auf den Wurf ihrer Mutter, allesamt waren die Welpen etwas Einzigartiges. Allein an Daylight hatte sie dies schon bemerkt. Tyraleen vergrub ihre Schnauze in ihrem Fell, Parveen genoss es, denn die kleine Welpin zeigte ein gewisses Gefühl von Wärme und Liebe. Die schwarze Fähe legte vorsichtig ihren Kopf an den weißen Körper, um ihr ebenfalls diese Geborgenheit zu geben, Tyraleen war gegenüber Daylight sehr ruhig und nicht so stürmisch, jeder Moment war immer etwas anderes und man konnte ihn auf eine gewisse Art und Weise auch verschieden genießen.
„Wie geht es dir denn so, Kleines?“
Fragte Parveen leise, damit sich Tyraleen nicht erschreckte, würde ihr die Welpin wohl eine Antwort schenken? Es war schwer zu beurteilen, sie kannte Tyraleen nicht so gut, aber sie mochte an der kleinen Welpin dennoch viele Dinge, Kleinigkeiten, die sie bemerkt hatte als Persönlichkeit und die sie sehr schätzte.
Banshees Blick richtete sich erst wieder auf Face, als der zum reden ansetzte. Er lies ungewöhnlich viel Abstand zwischen ihnen, vielleicht aus Respekt, vielleicht aus dem scheuen Verlangen nicht zu viel Leben zu fühlen … es musste alles so neu für ihn sein. Seine Ohren lagen am Kopf an, sein Gesichtsausdruck war seltsam undeutbar. Er schien über ihre Frage nicht sehr glücklich zu sein … auch wenn sich viel geändert hatte, schweigsam würde er wohl immer bleiben. Seine Antwort war recht leise und auch sie gab nicht viel Preis. Sie wusste nicht, was ein Indianerdorf war, offensichtlich lebten dort aber Menschen … und es waren andere Menschen gekommen, die das Rudel von Cloud getötet hatten … warum? Hatten sie das Revier von Cloud erobern wollen? Aber warum war Cloud dann nicht geflohen? Oder hatten sie um Nahrung gekämpft? Banshee verstand nicht, aber das musste daran liegen, dass sie erst vor wenigen Monaten zum ersten Mal von Menschen gehört hatte … für Face schien das ganze selbstverständlich. Aber auch so, ihre Fragen schienen nicht wichtig zu sein, es kam darauf an, dass Cloud schon damals getötet worden war … und Face war davon gelaufen. Banshee hätte auch dazu gerne mehr Fragen gestellt, aber sie spürte so deutlich, dass der Schwarze nicht gerne darüber sprach, dass Banshee sich nur eine Frage zu stellen traute.
“Aber wenn Cloud schon tot war … warum hast du ihm jetzt seinen Frieden geschenkt? Wie konnte er wieder lebendig vor dir stehen?“
Zu seiner zweiten, wieder so verbittert klingenden Antwort sagte sie nichts … er war lebendig, es gab keinen Grund wieder über den Tod zu diskutieren. Wenn er irgendwann sterben würde, würde er alles merken, bis dahin gab es wichtigeres, als sich darüber Gedanken zu machen. Er hob den gesenkten Kopf wieder und auch Banshee hörte die näher kommenden Stimmen des Rudels. Stumm lief sie, bis man zwischen den Bäumen den Rudelplatz erkennen konnte. Tyraleen stand bei Parveen, um sie herum Leyla, Ayala, Leé und Merawin … sie konnte ihr Gespräch noch zu Ende führen. Die Weiße drehte sich langsam zu Face, sie war stehen geblieben und legte nun den Kopf ganz leicht schräg, wieder mit diesem sanften Lächeln auf den Lefzen.
“Noch diese eine Frage, dann treten wir zu den anderen.“
Sie wollte Face nicht drängen, wahrscheinlich wusste er es selbst nicht mal und selbst wenn … Banshee war sich mittlerweile nicht einmal so sicher, ob er es ihr dann verraten würde … oder die Teile, die das Geschehene erklären konnten, auch wenn es an sich dafür keine Erklärung gab. Die Leitwölfin hatte akzeptiert, dass Face anders war und auch immer bleiben würde und sie wollte es auch nicht ändern.
Shit bekam langsam Zweifel, ob dem Rüden hier noch zu helfen war, aber er gehörte nicht zu der Sorte Wolf, die deshalb aufgegeben hätten. Bis zum Äußersten würde er gehen, soviel stand fest. Ob er sich damit Ärger einhandelte? Vielleicht würde er dem Schwarzen irgendwann zu sehr auf die Nerven gehen? Machte nichts, das war seine Absicht, so mehr oder weniger.
„Sei doch nicht so stur, gib deinem Leben doch wenigstens noch eine Chance!“
Fragte sich, wer von ihnen beiden sturer war. Er, mit seiner ewigen Lebenslust, oder Midnight, mit seinem Wunsch zu sterben. Es war doch offensichtlich, was besser war. Der Tod brachte doch nichts, außer das man tot war und wer konnte schon wissen, was dann passierte, immerhin stand kein Wolf wieder auf.
„Wenn du es so trostlos findest, fang doch mal an nicht nur das Schlechte zu sehen, sondern das Gute! Nehmen wir zum Beispiel diesen wunderschönen Tag. Bedeutet er nichts? Die Berge, die Aussicht, alles was du sehen und fühlen kannst? Ist das alles so wenig wert? Das gibt’s nur im Leben. Stellst du so hohe Ansprüche, dass die Kleinigkeiten, die alles ausmachen ihren Wert verlieren?“
Naiv, verträumt und optimistisch gab er zum Besten, was ihm gerade in den Kopf kam. Es gab wohl eher kein Rezept, wie man einen Wolf dazu brachte, das Leben nicht mehr so sehr zu verfluchen, das musste erst einmal gefunden werden. Shit grübelte und fragte sich, was er gefunden hatte, dass ihn so durch die Welt gehen ließ. Er konnte sich diese Frage nicht beantworten, vielleicht war er einfach nur leidenschaftlich gerne stur und verrückt.
„Nichts musst du, schwarzer Freund und gehen schon gar nicht. Willst du Shit etwa gleich wieder allein lassen?“
Vorwurfsvoll blickte er ihn an, ohne dass seine Mimik an der ewigen Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit irgendetwas änderte. Er drückte sich wieder in das Fell seines Freundes und schleckte ihm über die Schnauze, zutraulich wie immer. So ein trostloser Geselle.
„Weißt du was alles toll ist, im Leben? Rennen mit dem Wind, frei. Einen Wolf an der Seite haben, dem man vertrauen kann. Mit offenen Augen durch die Welt wandern und ihre Schönheit sehen, in jeder Sekunde. Stark sein, in Momenten die schwer sind und sich fallen lassen, wenn man jemanden gefunden hat, der einen auffängt.“
Gut das Midnight nicht wusste, das er so etwas selbst nicht hatte. Mit dem Wind um die Wette laufen konnte er, die Schönheit der Welt sehen auch, aber alles, wozu es zwei brauchte, hatte ihm sein Leben bisher immer verwehrt. Was bedeuteten Stunden im Gegensatz zu Monaten? Kurze Zweisamkeit, wenn lange Einsamkeit folgte? Nichts, nur das es danach weiter ging und man in Erinnerung behalten konnte, dass es etwas Gutes gibt. All dem nachheulen, wie ein Welpe? Shit doch nicht, er liebte es, sich zu erinnern, er liebte es zu leben und darauf zu warten, das wieder etwas schönes geschah. Beispielsweise einen schwarzen Rüden zu treffen, der zu seinem Freund erklärt wurde, Widerspruch hin oder her.
Tyraleens Ohren zuckten leicht zurück, Parveen war nett, vielleicht etwas zu nett, aber die Weiße hatte mittlerweile verstanden, dass eigentlich jeder zu denken schien, dass man zu Welpen übernett sein musste. Es war nicht so, dass Tyraleen gerne Ärger bekam, eigentlich wusste sie nicht mal, wie das war, aber glaubten die Großen, dass man gleich zutiefst verletzt weggehen würde, wenn man einmal nicht so nett war oder gar ganz normal? Aber nein, Tyraleen hatte sich damit abgefunden und deswegen war sie auch nicht zurückgezuckt ... es waren die Worte ihrer Schwester gewesen. Wenn man Geschwister war, kannte man die Namen des anderen ... sie senkte die runde Schnauze ein wenig, sie kannte die Namen ihrer älteren Geschwister nicht. Vielleicht, eigentlich sicher, wurden sie ihr mal gesagt, aber sie vergaß alles so schnell wieder ... Cylin, einzig diesen Namen hatte sie sich gemerkt, weil der Rüde so klein und so verschreckt ausgesehen hatte, fast so wie sie sich selbst gefühlt hatte, als sie zum ersten mal aus der Höhle kam. Naja, und jetzt kannte sie noch Parveen, sie würde sie auch nicht mehr vergessen, aber der Rest ... der schwarze Wolf am Rande des Rudelplatzes, das war auch ihr Bruder, aber seinen Namen wusste sie nicht und er sah so finster aus, dass sie nicht wagte, zu ihm zu gehen.
"Parveen, meinst du, es ist schlimm, dass ich die Namen von meinen großen Geschwistern nicht kenne?"
Sie hatte die Stimme gesenkt, ihre Fragen, die sonst so gar nicht nach Welpe klangen, konnten schnell kindlich und unsicher werden, kaum fühlte sie sich, als hätte sie etwas falsch gemacht. Sie mochte das nicht, etwas falsch machen ... wenn man groß war, machte man nichts mehr falsch, und wenn, dann konnten das alle Großen so gut verbergen, dass es niemandem auffiel. Aber Banshee machte sich nichts falsch. Als Parveen sie an der Stirn berührte, fiepte sie leise, sie mochte diese Berührung, stupsen war immer so ein wenig herumschubsen, aber eine warme Schnauze auf der Stirn zu spüren, ließ sie sich ein wenig geborgen fühlen. Als dann der Kopf ihrer Schwester, er war so groß, fast so groß wie Tyraleens ganzer Körper, sich sanft an ihre Schulter legte, hatte sie endgültig das Gefühl sicher und geborgen zu sein. Sie drückte sich an die Schulter Parveens, ließ sich dann aber herab rutschen weil aufrecht stehen so schrecklich viel Kraft kostete. An den schlanken Lauf der Schwester gedrückt sah sie nach oben und lächelte.
"Mir geht es gut ... und wie geht es dir?"
Es klang ein wenig steif, aber in Wirklichkeit wusste sie nur nicht so genau, was sie sagen sollte. Sie fühlte sich wohl bei der Schwarzen, zumindest vom Aussehen her erinnerte sie sie auch an Face. Zwischen ihren Pfoten konnte ihr nichts passieren und Parveen war so lieb, dass sie sich hoffentlich nicht bedrängt fühlte.
Rhythmisch waren die Schritte seiner Großmutter, die ihn weiter durch das Gebüsch schleppte. Reglos, beinahe leblos gar, hing der kleine, schwarze Leib Talvi's zwischen ihren Fängen, die dunklen Augen beinahe vollends geschlossen, nur ein schmaler, kleiner Strich vermochte noch die Umgebung wahr zu nehmen. Die braunen Augen der Fähe huschten hin und her, ihr Atem ging schnell und schwer, die langen Beine stolperten schon viel zu oft, als dass man noch hätte meinen können, sie hätte noch viel Kraft im Körper. Ein Ast brach unter ihren Schritten, sie hielt an.
Keuchend setzte sie den kleinen Rüden ab, welcher erschöpft einfach am Boden liegen blieb und erst einige Atemzüge nahm, bis er seinen Kopf etwas in die Höhe reckte, zu seiner Großmutter blickte. Ein erbärmlich klingendes Winseln kam schwach über seine Leftzen, doch die Fähe spähte starr durch den Wald, zog intensiv den Geruch ein. Ihr ausgemergelter Körper bebte, während sich die Augen mit Traurigkeit und Wehmut füllten und sie nur langsam ihren Blick hinab zum Welpen richtete.
“Talvi… ich muss gehen.“
Unverständlich klangen die Worte seiner Großmutter für ihn, nein, er verstand überhaupt nicht, was sie damit sagen wollte. Sein junges Alter lies kaum zu, dass er verstand, dass sie nun wirklich gehen, ihn allein lassen würde. Die kleine Schnauze öffnete sich ein wenig, doch kein Laut entkam der Kehle, nur ein leichtes Gähnen. Die blauen Augen blickten nurnoch für einen kurzen Moment in die braunen, ehe die Fähe ihren Kopf in den Nacken schlug. Fragend lag der Blick des kleinen Rüden auf der Gestalt seiner Großmutter, er verstand die Welt nicht mehr. Das kleine Herz pochte schnell und hart in seinem Leib, während seine Großmutter flehentlich ihre Stimme anhob und einen Ruf über das Revier sandte.
“Wölfe, zu welchem Rudel ihr auch gehört… folgt meinem Rufe, ich bitte euch! Rettet sein Leben, passt auf ihn auf… werdet ihm eine Familie.“
Winselnd lauschte er den Worten, was, um Himmels Willen, hatte sie vor? Doch bevor er auch nur eine Frage stellen konnte, fühlte er ihre Schnauze an seinem Körper, fuhr ihre Zunge noch einmal durch das schwarze, weiche Fell. Die Fähe zuckte zurück, ein schwaches Lächeln zeigte sich auf den erschöpften Zügen, ehe sie sich abwandte, noch einen Moment lang zögerte. Die Fähe senkte den Kopf, schaute jedoch nicht zurück zu ihrem Enkel, der sich dort nun langsam aufrichtete, wackelig auf seinen viel zu großen Pfoten stand und Anstalten machte, ihr zu folgen. Die Wölfin schüttelte leicht den Kopf, erneuert erbebte der Leib, dann setzte sie zum ersten Sprung an, weit, nur fort. Es dauerte keinen Augenblick, bis die Fähe verschwunden und der Welpe verlassen war.
Überfordert blickte der kleine Rüde seiner Großmutter hinterher, unkontrolliert drangen fiepende und winselnde Laute aus der kleinen Kehle, trat er auf der Stelle, nicht wissend, ob vor oder zurück. Der Wald schien ihn erdrücken zu wollen, seine Rufe nach seiner Großmutter, nach seiner Familie zu verschlucken.
Still schweigend lief Face Taihéiyo neben Banshee her, es war klar gewesen dass sie noch eine Frage stellte, nur wie er diese beantworten sollte, wusste er nicht genau. Warum konnte Cloud leibhaftig vor ihm stehen, wenn er bereits 3 Jahre tot war? Woher sollte er das wissen? Er hatte doch gar nichts gewusst ...
Die abgerundeten Ohren des Tiefschwarzen drehten sich in Richtung des Rudelplatzes, dann folgte auch der Blick. Das gesamte Rudel versammelt, immer noch. Und immer noch viel zu Viele für seinen Geschmack. Aber so war das eben, man wurde halt nicht danach gefragt, was man mochte. Vielleicht manchmal, aber deshalb richtete sich trotzdem niemand danach. Wenigstens konnte er Tyraleen dort erkennen.
Trotzdem stand noch immer eine Frage offen, auf die ihn die Weiße grade noch einmal aufmerksam machte. Die saphirblauen, leeren Augen richteten sich wieder auf Banshee, während er kurz nachdachte.
„Ich weiß es nicht ... Ich habe es mich immer und immer wieder gefragt, aber scheinbar gibt es keine Antwort. Er war zwar mein engster Vertrauter, aber ... ich bin froh das er nun da ist, wo er hingehört.“
Den letzten Satz sprach er ein wenig leiser und betrachtete für einen Moment den Himmel.
.oO°(Das letzte Jahr habe ich dich dafür gehasst, dass du da warst ... Es tut mir Leid.)
Er wusste nicht wieso, aber im Nachhinein fühlte sich dieser verklingende Hass nicht gut an. Dabei war er vielleicht sogar berechtigt gewesen, sogar benötigt?
„Nun ich bin keine Asche mehr ...“
Mit diesem leisen Murmeln nickte er Banshee zu. Face hatte den Ruf eines fremden Wolfes vernommen und die Weiße hatte mit Sicherheit Wichtigeres zutun, als sich um ihn zu kümmern. Mit langsamen Schritten, lief er in Richtung Waldende, dort wo sich eine kleine Gruppe von Wölfen um seine kleine Patin kümmerten. Die Ohren waren leicht zurück gedreht, eigentlich wollte er nicht in diese Gruppe hinein platzen, aber immerhin hatte der Rabenschwarze ihrer Mutter versprochen gut auf sie Acht zu geben. Und wenn er etwas nicht war, dann jemand, der nicht einhielt, was er sagte. Der kalte, saphirblaue Blick kurz über die Anwesenden schweifen lassend, blieb er dann auf Tyraleen hängen. Ein stummer Seufzer entfloh seiner Kehle, während er den Wölfen näher kam.
Müde lagen die mitternachtsblauen Augen auf dem Abgrund. Der Tod rief nach ihm, lockte ihn und gerne wäre er dem Verlangen nach gegangen, hätte sich für immer schlafen gelegt. Aber wie das eben so war, kam es natürlich anders. Resigniert schloss er die Augen. Er war so verdammt müde. Aber keine Müdigkeit, die man kurieren konnte. Midnight hatte die Nase voll, sich immer nur um die eigene Achse zu drehen, immer im Kreis zu laufen, im Nebel zu wandern und kein Stück vorwärts noch rückwärts zu kommen. Wie auch, wenn er nichts hatte? Gerade wollte er gehen, ob der Graue nun da war oder nicht, doch dieser klebte jetzt regelrecht an ihm. Keine Sekunde Ruhe hatte er, dabei war die Stille sein ständiger Begleiter gewesen, bevor er diese Reviergrenze überschritten hatte und Shit getroffen hatte. Ein Ohr schnippte unruhig, als er das graue Fell an seinem spürte. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Die ganze zeit war er alleine gewesen, taumelte nun noch nicht Mal mehr auf einem Pfad zwischen Leben und Tod, sondern sein Weg ging über einen Scherbenhaufen, der ihm stetig in die Pfoten schnitt. Versunken in Verzweiflung und Bitterkeit und jetzt, gerade jetzt wo er alle Brücken und Wege abbrechen wollte, war da jemand, der ihn so durcheinender brachte. Zumal er einfach nichts in den Worten des Rüden zu finden schien, das ihn sicherte, das ihn fest hielt. Einen Augenblick, ja, einen winzigen Augenblick hatte er schwach werden können, hatte gehofft, das Shit recht hatte, das es so einfach war. Doch dies war es nicht, nicht für ihn. Ohne jegliche Ausdrücke in den blauen Augen sah er in die Augen seines Gegenübers. Er sollte seinem Leben eine Chance geben? Wozu? Er hatte keine Perspektive. Gar nichts. Und davon hatte er jede Menge. Stumm folgte er den Aufführungen, sah sich um. Der klare Blick glitt über die Umgebung, er trat sogar langsam über die Art Plattform, auf der sie sich befanden, zum Rand, wo sie beide hoch gekommen waren. Sich den Wind durch den Pelz wehen lassend sah er sich um. Es war eindeutig ein wunder schönes Tal, zumindest was er von hier oben erkennen konnte. Langsam drehten sich die Ohren wieder nach vorne, die Muskulatur entspannte sich. Nun strahlte er schlicht nur noch die Stille und Ruhe der Nacht aus. Der Nachtsohn stand eine ganze Weile so da, blickte hinab, ehe er den Fang öffnete.
"Was ich sehen und fühlen kann sagtest du... Sehen kann ich eine Menge, aber fühlen tu ich nichts."
Leise waren seine Worte, ehe er allem den Rücken zuwandte und Shit wieder an sah, der ihn gerade fragte, was er für Ansprüche hätte. Hatte er Ansprüche? Nein.
"Sollte ich denn Ansprüche haben? Ich habe nur einen Wunsch, der wurde mir schon ein Mal nicht erfüllt. Ansonsten habe ich keine Ansprüche oder jegliche Ziele. Ich weiß j noch nicht ein Mal, ob ich jemals ein Ziel gehabt habe. Ich...Ich weiß gar nichts...!"
Verzweifelt schloss er die Augen. Er wollte nichts mehr sehen, nicht mehr hören und jetzt noch weniger als vorher. Warum musste es ausgerechnet so kommen. Schnell hielt er inne. Er wollte eigentlich niemanden mit seinen kranken Gedanken belästigen, erstrecht nicht so einen lebensfrohen, jungen Wolf, der eindeutig sein Leben genoss und unbeschwingt leben konnte. Frei. Etwas, was er noch nie gefühlt hatte. Er steckte in seinem Körper, in seinen Gedanken fest, ein unsichtbares Gefängnis, aus dem es wohl kein Entkommen gab. Und genau darauf kam auch Shit gerade zu sprechen. Mit einem schlichten Kopfschütteln tat er diese Worte ab. Wie konnte er jemals frei sein, wenn er an sich selber gekettet war, wenn er an der Last erstickte? Sie zerrte ihn runter, so das er ertrank. Und Vertrauen? Was war das schon? Auf seiner schier endlosen Wanderung hatte er nie so etwas auch nur Annähernd erlebt. Teilnahmslos starrte Midnight Shit an. Er erwartete nichts weiteres mehr, auch wenn er sich denken konnte, das der Naive wohl noch nicht aufgeben würde. Aber so langsam verging ihm die Lust an allem.
Merawin lächelte aufgeregt in die Runde. Obwohl ihm einige Gesichter bekannt vorkamen, ja, eine gewisse Wärme einflößten, konnte er ihnen keine Namen zuordnen. Auch die Gerüche hatte er schon hier und dort zaghaft geschnuppert, sich jedoch nicht eingeprägt, geschweige denn sie mit Namen in Verbindung gebracht. Aber wozu - so fragte er sich in seinem jungen, stürmischen Wolfsgeist - waren denn überhaupt Namen nötig? Genügte es nicht, diesen herrlichen Duft der Vertrautheit zu riechen?
Obgleich ihm diese Überlegung verlockend erschien, wusste Merawin, dass man von einem kleinen Welpen nur erwartete, dass er sich in die hierarchische Ordnung mit ihren Bräuchen, Sitten und - komplizierterweise - auch Namen eingliederte.
Zudem, dachte Merawin weiter, war es doch nur gut, einen so schölnen Namen wie den Seinen in die Welt hinauszutragen. Wozu hatte man ihm ihn denn sonst gegeben, wenn nicht zur Verbreitung. Ein Wolf konnte einen Duft über große Distanzen hinweg wittern, doch einen Namen, der in jedem Grashalm widerhallte und auf jeder Zunge zur Melodie wurde, das war nicht jedem Wolf zuteil geworden.
Und dieses Privileg galt es zu erlangen.
Ja, Merawin sollte der Name heißen, der in allen Wiesen der Welt zur Ehrfurcht gereichte, der dereinst die Meere überreisen würde, der in der Höhe wie Tiefe Begeisterung hervorrief. Merawin, Name der Namen. So sollte es sein! Doch alles musste im Kleinen beginnen.
"Hallo, ich bin Merawin."
Seine Stimme klang etwas dumpf, fast so sehr, dass es ihn selbst verwunderte. Nun hatte er sich vorgestellt. Es hatte sich gut angefühlt, den eigenen Namen zu sagen. Dennoch, irgendetwas fehlte an dieser Vorstellung noch. Eine Frage, die aus den Tiefen seines Instinkts zu stammen schienen und die zu ihrer Aussprache drängte. Noch einmal öffnete Merawin den Mund und stellte die seiner Ansicht nach etwas unsinnige Frage:
"Will jemand mit mir spielen?"
In einem farbenprächtigen und wild lodernden Inferno senkte sich die Sonne im Westen langsam ihrem Horizont zu. Das in tausend Farbtönen flammende Rot verschluckte die endlosen Wälder, die über die Hügel rollten und vermischte sich mit den dunkelroten Farben der Blätter der Laubbäume. Noch einmal schickte sie ihre wärmenden Sonnenstrahlen über das Tal und ließ noch keine Sterne aus ihrem dunklen Versteck auch wenn im Osten bereits die Dunkelheit über die Berge kroch.
Banshee beobachtete Faces Reaktion auf die versammelten Wölfe, sein Blick war und blieb undeutbar, es war wohl das erste und das letzte Mal in ihrem Leben, dass sie alles was in Face vorgegangen war in seinem Blick hatte lesen können … als er aus seinem langen Schlaf erwacht war. Aber auch jetzt meinte sie zu sehen, dass Face nach Tyraleen suchte und als er sie gefunden hatte, zufrieden damit war, abgesehen natürlich von den vielen Wölfen, dessen Gemeinschaft er immer gemieden hatte und wohl auch weiterhin meiden würde. Sie hatte an diese Tag mehr über den Schwarzen gelernt als in all der Zeit, die er schon bei ihnen verbracht hatte. Wenn sie genau darüber nachdachte, war das eine sehr lange Zeit … im Sommer letzten Jahres, fast Ende Frühling … ein Jahr war es her. Ein Jahr, ohne dass sie wirklich mit diesem Wolf gesprochen hatte, ohne dass irgendjemand, der jetzt noch im Rudel war, wirklich mit ihm gesprochen hatte. Vielleicht würde sich ja jetzt endlich alles ändern. Seine Worte holten sie wieder in die Gegenwart, aber sie waren nur das, was sie sowieso erwartet hatte. Er wusste es nicht, niemand wusste es, aber vielleicht würde es Engaya oder Fenris irgendwann verraten … vielleicht ja, wenn sie beide einmal in die ewigen Hallen gehen würden.
“Dann werden wir es als Lebende wohl nie erfahren, aber solang es gut ist wie es ist, sollten wir auch keine Gedanken daran verschwenden. Das, was gerade geschehen ist, muss niemand aus diesem Rudel erfahren.“
Sie sprach eindringlich, ihre Stimme hatte ein wenig an Sanftheit verloren, es war ihr ernst damit. Menschen, die plötzlich auftauchten, Face der diese tötete, Wandeln zwischen Leben und Tod … all das würde nur die Ruhe und die momentane Zufriedenheit zerstören, es gab keinen Grund, warum es das Rudel hätte erfahren sollen. Sollte Acollon jemals danach fragen, wie auch immer er es erfahren würde, aber denkbar war es durchaus, würde sie ihm davon erzählen, der Rest konnte in Frieden weiter leben. Es würde einmalig bleiben, da war sich Banshee sicher und somit ging auch keine Gefahr davon aus. Face leise gehauchten Worte ließen fast so etwas wie Stolz aufkommen, sie hatten es gemeinsam geschafft, dem Schwarzen aus seinem Taumel zu helfen … sie erwiderte sein leichtes Nicken und sah ihm dann hinterher wie er auf die Gruppe von Wölfen zusteuerte. Sie würden zu recht kommen, den Ruf einer Wölfin hatte auch sie vernommen, es schien eine ernste Lage zu sein. Auf irgendwen sollten sie Acht geben, die Stimme hatte zitternd und schwach geklungen, verzweifelt. Banshee schloss die Augen und sog die Luft ein, die Stimme war von Westen gekommen, der Wind wehte zwar schwach, aber sie konnte den leisen Geruch einer Fähe wittern. Ihre Augen huschten noch einmal zu Face, Tyraleen und den anderen fünf auf dem Rudelplatz, dann drehte sie sich entschieden um. Es lagen viele Gerüche in der Luft, mehrere Fremde, Heulen war schon vorher erklungen, auch Kaedes Stimme, das Leben war dahingeeilt, während sie bei Face gewesen war, irgendwo zwischen Zeit und Raum. Sie sollte wieder Kontrolle gewinnen, aber zunächst musste sie dem Hilferuf folgen, worauf auch immer er sich bezog. Die westliche Reviergrenze war am nächsten, dennoch musste sie einige Zeit laufen, etwa auf der Hälfte der Strecke witterte sie endlich mehr, als den schwindenden Duft der Fähe. Da war ein Rüde, noch ein Welpe, er war noch immer im Revier, entfernte sich nicht … hatte sich darum der Schrei nach Hilfe gedreht? Hatte jemand einen Welpen in ihrem Revier zurückgelassen? Konnte eine Mutter ihrem Sohn das antun? Banshees Ohren legten sich leicht zurück, sie beschleunigte ihren Schritt, Welpen waren heilig, sie waren die Zukunft, von ihnen hing alles ab … das Leben eines Welpen zu gefährden galt als unverzeihbar … und nun wurde ein kleiner Sohn von seiner Mutter zurückgelassen? Sie eilte weiter, jetzt war sie nahe genug, um die Angst des Kleinen zu riechen, auch seine Schreie waren vernehmbar … er war wirklich alleine. Endlich sah sie den Kleinen, einsam zwischen den Bäumen stehend, er klang so hilflos. Sein schwarzes Fell glänzte im Licht der untergehenden Sonne, seine kleinen, tiefblauen Augen schimmerten ängstlich … er war wie ein kleiner Acollon, ein kleiner Averic. Sie wurde langsamer, gab einen sanften, kehligen Laut von sich und trat in das Blickfeld des Welpen. Jetzt setzte sie ganz vorsichtig Pfote vor Pfote und näherte sich dem Welpen nur sacht, sie wollte ihn nicht erschrecken.
“Kleiner Wolf, ich bin Banshee. Wer bist du und warum stehst du hier ganz alleine im Wald?“
Ihre Stimme war sanft und nicht aufdringlich, ihre Augen schimmerten liebevoll und besorgt, wie immer wenn sie sich um Welpen kümmerte. Der Kleine war im Alter ihrer eigenen Welpen, irgendwo unter der sanften Besorgtheit brodelte der Zorn über die Mutter. Oder die Trauer, wie jemand seinem eigenen Sohn so etwas antun konnte. Ob der Kleine ihr ihre Fragen beantworten konnte war auch nicht klar, sie sah bei ihren eigenen Welpen, dass sie soviel noch nicht verstanden. Ihn zu berühren wagte sie noch nicht, nach zwei eigenen Würfen hatte sie gelernt, dass manche Welpen sich vor Berührungen ängstigten, gerade bei Fremden. Vorsichtig schob sie ihre Schnauze vor, hielt nur eine Pfotenlänge vor dem Welpen an und schnupperte sachte, gab ihm die Chance, sie einzuordnen.
Immer wieder tappte Talvi von einem Bein auf das andere, den Blick unstet hin und her gewandt, er meinte fast, dass sich der Wald um ihn drehen würde, kurz davor war, ihn auf zu fressen, als wäre er der Wolf und Talvi nur eine Maus. Wimmernd drangen einige Laute aus seiner Kehle, wo waren alle auf einmal hin, warum war seine Mutter nicht da, und wo der geliebte Vater? Die kleine Schnauze öffnete sich abermals, klägliche Rufe nach Hilfe sandte er aus, doch wer vermochte schon das leise Klagen eines Welpen zu vernehmen, in einem Wald, der größer war, als ein Welpe es sich vorstellen kann? ...Eine Mutter, die selbst die geschärften Sinne besitzt um ihre eigenen Welpen zu schützen. Die Geräusche kamen bedrohlich näher, als Talvi sie mit seinen unausgeprägten Sinnen endlich wahrnehmen konnte. Ängstlich wandte er sich in jene Richtung, trat wackelig ein paar Schritte zurück, ein leises Kläffen entfuhr seiner Kehle. Dann sah er sie endlich... Wie ein Engel stand sie da, der einzige helle Fleck in dem für ihn dunklen Wald, wo war die strahlende Frühlingssonne hin? Der kleine Rüde konnte sie noch genau spüren, auf seinem Fell, doch das Licht war so anders, nicht mehr klar und rein... Rote Farbtöne legten sich in das helle Fell der Wölfin, als sei sie selbst nur eine Lichtgestalt, kurz davor zu schwinden und von der Nacht verjagt zu werden.
Er konnte kaum glauben, dass sich diese Fähe nun auf ihn zubewegte, ohne Regung stand er da, blickte einfach nur voller Angst zu ihr hinauf... ihre Worte klangen in seinen kleinen Ohren nur dumpf, als sei er oder sie gar nicht wirklich anwesend. Viel zu viele Gedanken jagten durch den kleinen Kopf, der sich nun langsam wieder senkte, doch die blauen Augen wandten sich nicht von der Lichtgestalt ab... Die kleine Schnauze öffnete sich im ersten Moment nur um sich im nächsten wieder zu schließen, ein paar Augenblicke verstrichen, bis Talvi in der Lage war bruchstückhaft zu antworten.
"Talvi... ich bin Talvi..."
Ein Ruck durchfuhr den kleinen Körper, als er sich der Frage bewusst geworden war, warum er hier allein wäre. Winselnd drückte sich der kleine Körper auf den Waldboden, als sei die Erinnerung daran zu schmerzlich... oder doch zu schön? Oder wusste er einfach keine Antwort, ja, woher soll denn ein kleiner Welpe wissen, warum man ihn einfach zu allein ließ...
Nichts weiter als ein leises Fiepen dringt aus der Kehle, keine Antwort...Dann erst bemerkte er, dass die Lichtgestalt ihm näher gekommen war, er blinzelte misstrauisch beäugte er die Nase, die sich dicht vor ihm befand... er legte den kleinen Kopf leicht schief, wuffte leicht... und tatzte mit einer der übergroßen Pfoten nach der Schnauze, verspielt gar, auch wenn es überhaupt nicht zur Situation passte.
24.12.2009, 19:55
Daylight blickte sich um, einen Moment schaute sie zu den anderen. Vielleicht würde einer von ihnen sich mit ihr beschäftigen? Dann würde sie sich nicht mehr langweilen. Mit einem welpenhaften Satz sprang sie von Kishas Rücken hinab, vielleich hatte ihr Bruder Lust mit ihr zu spielen? Schweifwedelnd tapste sie auf die Gruppe der Wölfe zu, die ihr seit ihrer Geburt vertraut waren und die sie liebte. Ihre Pfoten flogen fast über das weiche Gras, jetzt wusste sie was Banshee gemeint hatte, dass es manchmal war als flogen die Wölfe, wenn sie sehr schnell liefen. Zwar nicht wie der Schmetterling, doch es war schön so schnell laufen zu können. Laut kläffend stürmte sie auf die anderen zu.
"Merawin! Tyraleen!"
Ihre Worte hallten fröhlich über die Wiese untermalt von einen freudigen Kläffen und aufgeregtem Schweifwedeln. Sie umtanzte ihre zwei Geschwister fröhlich und legte die Pfoten auf Merawins Rücken.
"Hey Merawin? Spieltst du mit mir?"
Sie knurrte ihn spielerisch an und biss ihm geschwisterlich ins Ohr. Um schließlich mit der Pfote nach ihm zu tappen, denn sie hatte seine Frage nicht gehört.
"Komm Bruderherz!"
Sie wuffte auffordernd und sprang wending zurück, sollte er doch einmal sehen, ob er sie fangen konnte. Sie hüpfte im Kreis immer wieder auffordernd bellend.
Dann näherte die kleine Fähe sich ihrem Bruder wieder, tappte frech nach ihm und schnappte spielerisch nach ihm.
"Fang mich!"
Sie sprang erneut zurück und lief einige Meter davon, um schließlich erneut zu ihm zurückzulaufen und wieder Abstand zu halten. Erneut lief Daylight einige Meter davon, drehte den Kopf dann in Richtung ihres Bruders.
"Nun komm schon, den letzten beißen die Mäuse."
Sie grinste breit und wuffte nocheinmal auffordernd.
Verdutzt setzte sich Thila zu Kaede.
Wunden der Vergangenheit ...
Sie überlegte einen Moment, was Kaede diese Schmerzen bereiten konnte und was ihr wohl wiederfahren war. Sie wagte aber nicht zu fragen.
Erleichtert seufzte sie auf, als Kaede vorschlug sich wieder auf den Weg zu machen. Jedes Mal, wenn Thila irgendwo anhielt raste ihr Herz, denn sie wollte laufen, davonlaufen und fliehen vor der Welt und ihren Gefahren. Früher hatte sie nie rasten können, keine einzige Sekunde, sie war immer auf der Flucht gewesen.
"Ich denke ..."
Sie holte tief Luft und nahm ihren ganzen Mut zusammen. Ewige Zeit hatte sie mit niemandem mehr gesprochen und sie musste erst wieder nach den Worten tasten, als wären sie verstaubt mit alle der Zeit.
"Ich denke wir können weiter gehen, nicht Nightwish?"
Und etwas zaghafter fügte sie noch etwas hinzu.
"Ich möchte so schnell wie es nur möglich ist zum Rudel stoßen ... Wisst ihr, mit der Zeit meine ich das Unglück zu riechen. Und hier ..."
Demonstrativ hob sie die schmale Schnauze in die Lust.
"Hier rieche ich es ..."
Nach diesen Worten senkte sie ihren Blick. Hatte sie zu viel gesagt? Hatte sie damit nicht das Tal ins Unglück gezogen, war Kaede jetzt verärgert.
Ich mache mir zu viele Sorgen. Thila, schau, Kaede ist doch nett und Nightwish ebenfalls. Niemand wird dich dort verurteilen, oder gar verjagen. Vertrau auf dein Gefühl, auf dein Herz, auf deinen Instinkt ...
Abwesend nickte Thila sich selbst zu.
Dein Herz, dein Gefühl, dein Instinkt ...
Diese drei Worte schossen ihr unablässlich immer und immer wieder durch den Kopf. Sie blickte Kaede mit ihren grau blauen Augen an und hoffte, dass es bald weiter gehen würde. Auf dem Weg zum Rudel konnte sie sich vielleicht schon Mal mit dem Gedanken anfreunden, bald einem Alpha gegenüberstehen zu müssen.
Banshees Blick lag warm auf dem kleinen Welpen, ihr Auftreten schien ihn noch mehr verschreckt zu haben, er starrte sie ohne eine Regung an, in seinen Augen stand zu viel, als dass sie etwas direkt herauslesen hätte können … aber er hatte Angst, das spürte sie mit all ihren Sinnen. Jetzt senkte sich sein Kopf, die tief blauen Augen, die Averics und Acollons Augen so ähnlich sahen, blieben aber weiter an ihr hängen, sein Fang öffnete sich und schloss sich wieder, mehr als alles andere wünschte sie sich, sie würde seine Gedanken lesen können. Endlich sprach er, stockend und langsam, als müsse er erst seine Worte entdecken … Talvi. Dann schien er auch seine Muskeln wieder bewegen zu können, er winselte, drückte sich auf den kälter werdenden Waldboden und sah mit einem Mal so hilflos aus, dass sich das Zeihen in Banshees Herz einstellte, welches immer kam, wenn ein Welpe so deutlich ihrer Hilfe bedurfte. Jetzt fiepte der Kleine noch, bis er sich ihrer Schnauze bewusst geworden zu sein schien und sich sein Fiepen in ein leises Wuffen verwandelte. Seine eben noch so hilflose Körperhaltung wurde neugierig, den Kopf leicht schräg gelegt tappte er nach ihrer Nase, als wäre sie eine Fliege, die ihn so eben aus einem behüteten Schlaf geweckt hatte. Kurz rührte sich Banshee nicht, verarbeitete noch die zahlreichen Gesten des Welpen, dann wanderte ihre Schnauze ganz leicht nach rechts, wich dem spielerischen Pfotenhieb aus und öffnete sich sachte, fast wie ein Schnappen, aber ganz langsam und zärtlich, das Maul nur Millimeter geöffnet. Dann zog sie ihre Schnauze zurück und ließ sich vorsichtig auf den Boden gleiten, ihr ganzer Körper nun auf Augenhöhe mit dem Welpen.
“Talvi, du brauchst keine Angst vor mir zu haben. Ich bin gekommen, dir zu helfen. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber bei mir wirst du sicher sein, das verspreche ich dir.“
Die Pfoten ruhig vor sich gebettet machte sie einen harmlosen Eindruck, sie wirkte fast einladend, behütend, als würde sie all die Dunkelheit, die jetzt aus den Schatten der Bäume kroch, vertreiben können. Sie war froh, über ihr leuchtend weißes Fell, jetzt schimmerte es noch nicht, aber bald würde die dünne Mondsichel am Himmel auftauchen und es würde sich in tausend schillernden Kaskaden gleißenden Lichts in die Schwärze ergießen.
“Willst du mit mir zu meinem Rudel gehen, Talvi? Die Nacht kommt und mit ihr scheint deine Mutter gegangen zu sein.“
Sie wusste nicht, ob der Kleine verstanden hatte, was seine Mutter gerufen hatte, dass Talvi hier bleiben sollte, dass sie auf ihn aufpassen sollten. Wenn nicht, würde er möglicherweise auf sie warten wollen … dann wusste Banshee nicht, was sie tun sollte, wie sie ihm sagen sollte, dass es so aussah, als würde seine Mutter nie wieder kommen.
Ayala genoss den Trubel, der sich in ihrer Gruppe inzwischen gebildet hatte. Immer wieder stießen Neue hinzu, Gespräche konnten sich langsam aufbauen und es entwickelte sich ein Gefühl des Zusammenhaltes und einer zerbrechlichen, erst beginnenden Vertrautheit. Lächelnd sah sie von einem Welpen zum anderen, freudig über deren kindliche Unbeschwertheit … wobei Tyraleen etwas ernsthafter wirkte, so, als würden sich viel tiefere Klüfte auftun, wenn sie Fragen stellte.
Ayala nickte sowohl Parveen, als auch Face Taihéiyo lächelnd zu und sah dann zu der kleinen Tochter ihrer Alpha, um ihr die Ankunft ihres Paten mitzuteilen. War es nicht so gewesen, dass sie die ganze Zeit Face sehnsüchtig erwartete? So galt es nun also noch Merawin welpengerecht zu beschäftigen, der zum selben Zeitpunkt zum Spiel aufforderte. Ayala wollte sich gerade mit aller Macht mental in die Lage eines spielenden Jungwolfes versetzen und musste sich dabei eingestehen, dass sie zum Spielen wohl weniger geeignet war und eher unbeholfen wirken würde, als zu ihrer Erleichterung Daylight herbeigestürmt kam. Wie ihr Name schon erahnen ließ, besaß sie eine auffallend positive Ausstrahlung und animierte Merawin nahezu zusätzlich zu einem Spielchen.
Es schien doch alles so perfekt … und im Grund genommen war es das auch. Dennoch fehlte Ayala etwas zu ihrem Glück – Falk von Scharfenberg. Schon wieder waren sie so lange getrennt, schon wieder schien jede Nach ohne ihn länger anzudauern als 2 Tage. Ihr fehlte seine gesamte Art – seine besondere Art von Humor, sein schnelles Beleidigtsein, seine Eifersucht, seine Stimme … seine Berührungen. Wann kam er endlich wieder? Sie würde auf ihn warten, doch wie lange würde sie diesen inneren Zwiespalt durchhalten? Sie gehörte zu diesem Rudel, hier war ihre Heimat – doch sie wollte nicht länger dort sein, wenn Falk nicht auch dort war. Wenn er nicht bald kam, würde sie sich entscheiden müssen, sodass es sie nicht länger zerriss, sondern eine Seite sterben ließ. Ein Seufzen entrann Ayalas Kehle und sie sah wieder auf zu den anderen, mit einem dünnen Lächeln auf den Lefzen.
Nightwish, schaute zu Thila und nickte. Es ware für Nightwish ok, zu gehn aber auch nur wenn jeder will. Thila shien ja wirklich zum RUdel zu kommen, Nightwish entgegen fuhlte sich nicht so sicher, aber immer noch mit ein gluckliches Lächeln und Lachen. Nightwish schaute aber zu Kaede.
"Du siehst aber aus als breuchtes du ruhr, aber vielicht so schneller wir am RUdel angekommen sind so schneller kannst du dir ruhr hollen!"
schlug Nightwish vor, und hohrte auf Kaede's Worter. Dann sprach Thila nochmal.
"Ja ich kann verstehn das du das Rudel sehn wilst ich ja auch!"
sagte Nightwish mit ein kichern und lief ein paar runden um die beiden. Jetzt hing alles an Kaede ab, ob sie denn beiden weiter zeigen wil oder noch weiter ein bisschen verschnaufen. Kaede sah aber garnicht gut aus, ihr macht was sehr zu schaffen. Das konnte Nightwish ausnamsweise verstehn, aber denn eindruck machte sie nicht.
"Ich weis wie man sich fuhlen kann wenn man sich so fuhlt wie Kaede. Aber jetzt will ich neu anfangen, aber das schwerste wurd wohl sein meine Schwester zu vergessen."
dachte Nightwish, eigentlich solte sie traurig wirken aber sie war immer noch die gleiche ohne ein trummes Gesicht wartete sie.
Ein leichtes Lächeln brachte Kaede zu stande und blickte so kurz zu Thila. Die Fähe wollte weiter, selbst diese wenigen Worte waren genug um Kaede vorwärts zu treiben. Sie fing wieder an auszuschreiten, zwar etwas langsamer als zuvor, jedoch immer noch fleißig und so, dass sie flott voran kamen. Kaede hoffte, dass Banshee auf dem Rudelplatz war, jedoch rechnete sie nicht unbedingt damit.
"Es ist okay, wenn wir dort sind kann ich mich bestimmt ausruhen und außerdem geht es mir schon wieder besser."
Eigentlich hasste Kaede es andere anzulügen, doch dies war eine Notlüge, sie spürte wie gerne die beiden zum Rudelplatz wollten, zwar aus verschiedenen Gründen aber das störte sie nicht und schließlich konnte sie sich dort ja wirklich ausruhen, sie hatten keinen Grund mehr sich hier weiter aufzuhalten. Ihre kleinen Ohren drehend lauschte sie den Vögeln, welche nun ihr Abendlied anstimmten, sie spürte wie die warme Sonne langsam unterging. Vor ihren Augen traten viele verschiedene Rottöne auf, ein prächtiger Sonnenuntergang vor dem Wasser, die Sonne gespiegelt im Meer, verzerrt durch die Wellen und der Himmel feuerrot, orange und die unterschiedlichsten Schattierungen. Kaede freute sich, denn dieses Bild hatte sie lange nicht sehen können, doch nun erinnerte sie sich so daran, als ob sie direkt am Meer stünde und die Sonne sehen könnte. Sie spürte die Wölfe auf dem Rudelplatz, doch war Banshee nicht unter ihnen.
"Die Alphafähe ist noch nicht hier, wenn ihr wollt legen wir uns an den Rand des Rudelplatzes und warten dort auf sie, natürlich können wir auch an den Rand des Sees gehen, mir ist es egal ganz wie es euch beliebt. Selbstverständlich könnt ihr euch auch alleine zurück ziehen, jedoch solltet ihr nicht zu weit laufen, damit ihr bemerkt wenn Banshee erscheint. Ihr werdet sie erkennen, außerdem werde ich sie zu mir rufen und euch vorstellen!"
Leicht hustete Kaede nun, ehe sie durch die Büsche auf den Rudelplatz trat.
"Nun sind wir also hier, was wollt ihr machen?"
Sie drehte sich zu den zwei Fähen um und wartete auf ihre Antwort.
Schmerzen in mir drin, seelische und körperliche. Zerissenheit. Fühlt sich so der langsame Tod an? Ungewissheit, irgendetwas liegt in der Luft.
Parveen lächelte ihre kleine Schwester auf Wolfsart an und wartete einfach einige Sekunden ab, ehe sie ihren Blick teilweise über die anderen Wölfe gleiten ließ. Dann aber brach Tyraleen die Stille mit einer Frage, über die Parveen ernsthaft erst einmal nachdenken musste. Sie seufzte leise. Es war schwer zu beurteilen.
„Nun ja, meine Kleine. Ich denke nicht, dass das sehr schlimm ist. Schau, du bist noch jung, du musst die Welt und das Rudel erst einmal kennen lernen und deine Familie ist nun einmal sehr groß. Du wirst sie alle mit der Zeit kennen lernen, glaub mir. Nach und nach, dann wird der Zeitpunkt kommen, an dem sie sich dir vorstellen und für dich etwas ganz besonderes darstellen werden. Und dann wirst du auch ihre Namen kennen. Wenn du größer bist, wirst du vielleicht einmal ihre Hilfe brauchen, da ist es doch wichtig, seine Geschwister zu kennen. Mich kennst du doch nun auch, Tyraleen.“
Parveen hatte leise gesprochen, um die Kleine nicht zu erschrecken, die Worte sollten verständlich für sie klingen und nicht zu kompliziert und alt. Tyraleen würde noch reifer und erwachsener werden als sie es nun schon war und dann würde sie die Dinge mehr und mehr verstehen. Die Kleine drückte sich mehr an den schwarzen Körper, rutschte dann aber etwas hinunter und Parveen lächelte. Sie würde bald auch viel stärker werden. Das seelige Lächeln von ihrer kleinen Schwester mochte Parveen sehr.
„Mir geht es auch gut, Tyraleen. Das Wetter ist doch schön heute.“
Parveen blickte fröhlich in den Himmel, dann aber schenkte sie ihre Aufmerksamkeit wieder ihrer Schwester, die sie gerne bei sich hatte. Dann blickte sie in die Runde der Wölfe. Sie sah einen tiefschwarzen Wolf mit saphirblauen Augen auf die Gruppe zukommen. Wer war das? Er war doch der Rüde gewesen, der vorhin mit Banshee fort gegangen war, zumindest glaubte sie das. Dennoch lag ein Lächeln auf ihren Leftzen, sie würde jeden Wolf fröhlich empfangen, das war gar keine Frage. Zusätzlich vernahm sie noch die Schwester ihres kleinen Bruder und sie grinste leicht, auch er war ein Goldstück dieser Familie und verlangte, dass man mit ihm spielte. Parveen hob den Kopf an und sah sich um, aus einem entfernten Winkel kam Daylight angeschossen und erwiderte diesen Spieltrieb. Diese Familie hielt einen wirklich dauernd auf Trab, aber das war gerade das Schöne daran.
Während sich die Dunkelheit über das Land zog, achtete Parveen achtvoll auf ihre Geschwister, sie wollte ein gutes Vorbild sein, sie wollte auch einmal Welpen haben, vielleicht würde sie ja einen Rüden dafür finden. Aber war sie dazu wirklich bereit? Parveen sah sich in der Runde rum, die so groß und fröhlich schien, voller Zusammenhalt, aber irgendwie gab es dort dieses Gefühl, dass doch etwas fehlte.
Es war Anspannung die auf dem Braunen lag, als die Weiße plötzlich neben ihm her trabte und nicht auf seine Frage antwortete. Wie dumm konnte er nur sein und sie so etwas gerade jetzt fragen? Er biss sich auf die Lefzen und ließ die Ohren sinken, den Blick richtete er zu Boden, er wusste doch ungefähr, wie sie darauf reagieren würde und dann war er so töricht und stellte ihr solch eine Frage. Im Umgang mit Shani hatte er noch einiges zu lernen, wenn er sie nicht eines Tages verlieren wollte, doch war ihm das Glück nie wirklich gesinnt gewesen...aber er durfte sie nicht verlieren, nicht sie.... Als er ihre Antwort vernahm, spitzte er die großen Ohren, wandte seinen Blick zu ihr und drückte während des Laufens seinen Kopf an ihren und irgendwie schien seine gute Laune weg, er wirkte wieder so nachdenklich und irgendwo ernst, wie immer hatte der Hellbraune extreme Stimmungsschwankungen. Als er sich von ihr löste, schenkte er ihr ein gequält aufgesetztes Lächeln und wandte den Blick wieder nach vorne. Ob es nur seine Dummheit war, die ihn gerade so betrübt hatte, oder die Gedanken daran, dass sie gleich den Rudelplatz erreichen würden, wusste er nicht. Das Nackenfell des jungen Rüden stellte sich auf, die smaragdfarbenen Augen verengte er zu Schlitzen, er sah ihn schon vor sich, den großen Platz, und dort würde sie stehen, die weiße Fähe, die er so lange Zeit Mutter genannt hatte und nun? Sollte er Banshee oder seiner Mutter gegenübertreten? War er Hiryoga, ihr Sohn, oder war er ein Fremder, der verlorene Sohn? Bei jedem Schritt bohrte er unbemerkt die Krallen in den Boden und auch sein Tempo verlangsamte sich. Neben der Alphafähe würde er auch seiner Patin gegenüber treten müssen und es war wohl das, was mehr an ihm nagte und ihn irgendwie erdrückte, er hatte sie alle einfach zurückgelassen, sich nur kurz verabschiedet und war verschwunden.
Und dann trat er am letzten Bäumen vorbei, freies Blickfeld auf den Rudelplatz, der recht belebt war, wie er es nicht anders hätte erwarten können. Es war alles noch wie in seiner Erinnerung und doch wirkte es fremd, so als ob er nie hier gewesen wäre, als ob das alles nur ein Traum gewesen wäre, sein Leben hier. Während der wachsame Blick umherstreifte, erkannte er auch einige bekannte Gesichter, der tiefschwarze Face darunter, die weiße Betha Ayala, seine Patin Kaede und die zwei Fremden Fähen. Doch was ihn am meisten schmerzte, was ihn innerlich zerriss, war der Anblick der jungen Welpen, sie waren eindeutig die Welpen seiner Eltern, da war er sich sicher. Selbst der Gedanke an seine Patin schien uninteressant, nur diese Welpen betrachtete er und irgendwo in ihm erlosch die freundliche Seite für diese kleinen Geschöpfe und Hass erglimmte in seinem Herzen und gewann die Oberhand. Der Hellbraune war stehen geblieben, und was nicht zu erwarten und sonst nie zu sehen war, war Verachtung die sich in seinen Blick schlich. Wieder war diese extreme Anspannung da und er konnte nicht verbergen, was sich da in ihm breit machte. Der Rüde wollte es nicht unterdrücken, er wollte es nicht aufgeben, denn ein Instinkt sagte ihm, sie waren seine Rivalen, sie würden ihm seine Mutter nehmen, auf die er kein Anrecht hatte und die er schon längst verloren hatte. Im nächsten Augenblick war die Verachtung gewichen und der recht hilflose Ausdruck den man von ihm kannte, war ihm ins Gesicht geschrieben. Was tat er hier eigentlich? Er konnte seine Geschwister nicht hassen, oder?
Neyla spürte die Ruhe, die Zack ihr geben wollte und schloss einen Moment die Augen, ihn so dicht an ihrem Körper zu haben gab ihr Ruhe und Geborgenheit, alles, was dieser jungen Welpin doch irgendwo zu fehlen schien. Warum war ihr Wesen nur so zerbrechlich? Würde sie da auch wieder heraus kommen? Neyla wusste, wie schwer es war, sie wollte ihr helfen, aber ob Amáya diese Hilfe annehmen würde, war eine andere Frage. Als diese aber plötzlich aufschreckte und vollkommen ängstlich und verunsichert wirkte, machte Neyla sich doch wieder Sorgen. Was bedrückte die Kleine denn nur? Sie wich zurück, Neyla wusste nicht, ob es an ihrer und Zacks Größe lag oder an anderen Dingen, aber um Amáya entgegen zu kommen, legte Neyla sich auf den Boden, fast platt, damit sie auf Augenhöhe mit der Kleinen war und zeigte ihr damit, dass sie keine Gefahr darstellen wollte. Die Antwort der Kleinen wirkte sehr unglaubwürdig, aber vielleicht war sie auch nur zittrig aufgrund der Angst, Neyla wollte es nicht beurteilen.
„Möchtest du nicht irgendetwas mit uns machen? Oder sollen wir dich zurück zu deinen Geschwistern begleiten, ich bin mir sicher, dass sie dich gerne wieder sehen würden…“
Neylas Stimme war lieblich, sie wollte ihr zeigen, dass sie für Amáya da war und ihr auch in jeder Situation helfen würde. Dann blickte sie zu Zack, etwas unsicher, ob es auch wirklich richtig war, was sie hier tat, aber er würde sie immer unterstützen. Sein Blick galt allerdings dem Busch und er sprach auch in diese Richtung. War dort jemand? Sie seufzte leise, aber ihre Aufmerksamkeit schenkte sie dann wieder der kleinen Schwarzen. Nach und nach verließ sie der wundervolle Himmel, es tauchte ein abendliches rot auf, welches mit der Zeit dunkler wurde, der Abend kam. Die Welpin sollte besser nicht alleine hier am See sein, wenn es stockduster war und das würde bald sicherlich eintreffen. Neyla fühlte sich verantwortlich für die kleine Schwarze mit den ängstlichen Augen. Sie seufzte leise.
„Fürchtest du dich, Amáya?“
Fragte sie leise, vielleicht war es der Kleinen unangenehm und Neyla konnte es verstehen, es würde ihr wahrscheinlich genauso gehen. Aber manchmal war es gut, die Probleme direkt anzusprechen. Sie drehte ihren Kopf leicht zu Zacks Pfote und leckte ihn darüber.
„Du brauchst vor uns keine Angst zu haben. Ich möchte dir helfen, Amáya.“
Sie sah auf und ihre tiefen blauen Augen blickten Zack an.
„Und Zack auch.“
Sie sah wieder Amáya an, bat die Kleine mit warmen Augen, dass sie zu ihr kommen sollte. Neyla würde sie zwischen ihren Pfoten beschützen und wärmen, dass versprach sie dieser Welt und Banshee, denn sie wollte eine gute Patin sein.
Verschreckt duckte sich Sheena in den Busch. Hatte der Rüde sie etwas gewittert? Panisch überlegte sie was sie tun sollte. Weglaufen? Hinauskommen oder einfach sitzen bleiben? Sie zitterte sosehr, dass sie das Gefühl hatte der Busch würde alle seine Blätter verlieren und doch konnte sie nichts dagegen tun. Ohnmächtige vor Angst blieb sie erst kurz sitzen. Sie sah zu, wie die weiße Fähe sich auf den Boden legte und mit der kleinen sprach, welche ebenfalls ängstlich wirkte. Da wurde Sheena plötzlich besorgt. Wovor konnte die Kleine wohl Angst haben? Ihre eigene Angst fast vergessen setzte sie vorsichtig eine Pfote aus dem Busch und zitternd folgte der Rest des mageren Körpers durch die Äste des Busches. Es raschelte nur wenig und dann schnellten die Äste zurück. Nun stand sie in dem Blickfeld des Rüdens, welcher sie verwundert anschien. Die fähe lag noch immer flach am Boden. Hatte sie, sie nicht bemerkt? Und was war mit der Kleinen? Fragend blickten ihre leeren Augen die drei Wölfe an. Lange hatte sie keine Wölfe mehr in ihrer Nähe gehabt. Lange hatte sie sowieso nichts gemacht. Sich nicht bewegt, nicht gegessen. Nun spürte sie, dass sie ein enig wackelig auf den Beinen war und spürte ihr kleines Herz hektisch gegen die Rippen klopfen. Ihre Knochen wurden kaum von dem strubbigen Fell verdeckt und stachen so stark hervor. Sie war gewiss kein schöner Anblick, doch dessen war sie sich nicht bewusst. sie blickte in den Himmel, welcher sich blutrot verfärbte, während die sonne langsam unterging. Noch einen Schritt auf diese drei dort zu.
"Was ist los? Habe ich euch erschreckt? Wenn ja dann tut es mir Leid!"
Sie blieb stocksteif stehen. Bilder ihrer Mutter erschienen ihr vor Augen. Erschrocken riss sie diese weiter auf.
"Mama?"
wimmerte die junge Fähe, ehe sie erschrocken einen Satz zurück machte. Ihre Familie lief weg, lief weg vor ihr, ihr überlebender Bruder und ihre Eltern. Ihr toter Bruder kam von hinten, schien sie vertreiben zu wollen, schien ihr Vorwürfe zu machen. Wimmernd stand Sheena da, ehe sie sich dem Publikum bewusst wurde und schlagartig aufhörte. Panisch irrten ihre Augen nun wieder umher. Dann ließ sie los.
"Tut mir Leid. Hast du Angst kleine? Ich tue dir nichts."
murmelte sie, blickte zu Boden und sah, dass ihre Pfoten klobig wirkten zu ihrem Körper, merkte wie ihre Kraft nachließ und das dies genau der falsche Zeitpunkt war. Sie war immer zur falschen Zeit am falschen Ort. So war es doch oder? Erst jetzt kam ihr die Idee, dass sie die drei gestört hatte.
"Ähm, störe ich euch?"
Ängstlich wartete sie auf die Antwort und vermied den Blick zu dem Rüden, welcher sie noch immer erstaunt anschaute.
Der Blick der nachtregenblauen Augen lag noch immer auf dem See, auf dessen Oberfläche sich ein atemberaubendes Farbenspiel abspielte. So viele verschiedene Farben faszinierten die kleine Schwarze, die sich mühsam versuchte ab zu lenken. Zumindest von diesen seltsamen Gefühlen. Was war bloß mit ihr los? Sie hatte Neyla, ihre Patin recht gerne und auch Zack tat ihr nichts. Sie wusste es, denn immerhin hatte ihre Mutter Neyla als Patin ausgesucht. Und sie hätte wohl kaum jemanden für sie erwählt, der ihr schaden würde. Und dennoch wurde sie den Drang nicht los, weg zu laufen. Ihr innerstes verkrampfte sich und sie schluckte erneut. Sie kam damit einfach nicht klar. Auch die leisen, ruhigen Worte Neylas konnten ihr nicht wirklich helfen. Zumal sie im Augenblick nicht zu ihren Geschwistern wollte. Sie wollte einfach nur ein bisschen alleine sein, vielleicht würde sie heraus finden, warum ihre Schwester im See fest steckte. Oder wollte sie bloß nicht heraus? Traurig legten sich die Ohren an.
"Sag Neyla, warum versteckt sich meine Schwester vor mir? Warum kommt sich nicht heraus?"
, murmelte sie leise, ehe sie wieder ins Wasser sah. Amáya war sich ganz sicher, das sie noch eine Schwester gehabt haben musste. Ihr fehlte etwas entscheidendes, ihre zweite Hälfte. Auf die anderen Worte Neylas antwortete sie nicht. Sie hatte Angst, aber wer gestand sich dies schon freiwillig ein? Zumal es so seltsam, verwirrend und neu für die Kleine war. Das war keine herkömmliche Angst, die man vor neuen Dingen verspürte oder die plötzlich auftauchten. Das war etwas ganz anderes. Trotzdem wandte Amáya den Blick von dem Wasser ab und sah nun in die klaren Augen Neylas, die sich nieder gelegt hatte, um mit ihr auf einer Höhe zu sein. Trotzdem behielt die Welpin besser Abstand. Gerade wollte die Nachtschwarze etwas sagen, als sie aufgescheucht herum wirbelte. Die Ohren an den Hinterkopf gepresst stolperte Amáya ein Stück nach hinten, plumpste auf ihr Hinterteil und blinzelte in das magere Gesicht einer Fähe, etwa im Alter ihrer älteren Geschwister. Sacht legte sie den Kopf schief, doch war sie recht dankbar für die kleine Ablenkung und Unterbrechung. So musste sie nicht auf die Frage Neylas Antworten.
"Du scheinst mir aber auch nicht die Mutigste zu sein."
, bemerkte sie, während sich die Ohren wieder zum Teil aufstellten. Ein paar Mal hatte sie tief durch geatmet und sich wieder gefangen. Sie war viel zu empfindlich. Sie musste sich mal zusammen reißen, so wurde sie wieder ein wenig kühl und verschloss die blauen Seelentore mit einem kühlen Regen. Eine leichte Schutzreaktion, um ihr wahres Gesicht zu schützen und ihre Eltern stolz zu machen.
Neyla lächelte die kleine Welpin weiterhin an, um ihr keine Furcht zu schenken, aber die Kleine schien von irgendetwas fasziniert zu sein. Ihr starrer Blick auf der Wasseroberfläche ließ Neyla verwirrt zu ihr schauen, was bannte sie so sehr daran? Es war seltsam. Aber die Kleine schien ihr dies ganz schnell klar zu machen und die Frage ließ Neyla betroffen auf die Wasseroberfläche starren. Natürlich, Amáya war eine Welpin, sie hatte dies noch gar nicht verstanden. Sie war noch jung und klein und sah das Leben als ein Abenteuer, es würde noch eine Zeit dauern, bis sie das Leben und den Tod voneinander unterscheiden konnte. Aber wie erklärte man so etwas einer kleinen Welpin? Neyla sah verloren zu Zack hinauf, aber diese wollte sich um die junge Wölfin kümmern, die aus dem Gebüsch gekommen war. Sie schien so alt wie Amáyas große Geschwister zu sein, aber sie gehörte nicht zu Banshees Familie. Zu welcher denn? War sie familienlos? Neyla atmete durch und blickte wieder zu Amáya, deren tiefen farbigen Augen die weiße Fähe eine Weile faszinierte.
„Amáya. Deine Schwester…sie…wird nicht mehr wieder kommen, sie wird leider niemals an die Wasseroberfläche kommen. Niemals mit dir spielen, mit dir lachen, mit dir weinen oder mit dir reden. Ich weiß nicht, ob du das verstehst, aber deine Schwester lebt nicht mehr. Sie ist unter uns, aber nicht mehr als lebendiger Wolf. Sie ist in deinem Geist, in deinem Herzen und in deinen Erinnerungen. Aber sie wird niemals mehr zu sehen sein.“
Neyla fiel es schwer, einer jungen Welpin wie Amáya es war, dies zu erklären, aber sie musste früh damit in Kontakt treten, sonst würde sie es nie verstehen und später Vorwürfe bringen, weil man sie nicht informiert hatte. Neyla seufzte und lächelte etwas gequält zu Amáya, es würde sie treffen, sie schien sehr an ihrer Schwester gehangen zu haben, obwohl sie diese doch kaum gekannt haben konnte. Der weiße Kopf der Fähe sah dann aber doch zu der Jungwölfin, was trieb sie hierher? Gehörte sie eigentlich zum Rudel? Neyla wusste es nicht wirklich, aber diese Fragen würden sich schon noch klären. Amáya hatte sich allerdings sehr über die Ankunft erschrocken und war zurück geplumpst. Neyla lächelte sanft, sie brauchte sich nicht fürchten.
„Nein, du hast uns nicht erschreckt. Aber ich bin nicht deine Mutter…was ist denn los? Wo sind denn deine Eltern?“
Fragte Neyla leise auf die Worte der jungen Fähe hin. Hatte sie ihre Familie also verloren oder war sie gegangen? Waren die Eltern tot oder was war das Problem? Vielleicht würde das junge Tier ihnen diese vielen Fragen beantworten, man musste ihr die Zeit geben. Allerdings wirkte sie dennoch unsicher, wandte sich kurz an Amáya und diese erwiderte den Blick. Neyla sah zu Zack und lächelte unsicher.
„Es ist doch richtig…oder Liebster?“
Fragte Neyla leise zu Zack und schnippte mit den Ohren, dann aber ertönte eine erneute Frage von der Kleinen und Neyla erhob sich aus ihrer liegenden Position.
„Nein, du störst nicht.“
Flüsterte Neyla, schmiegte sich an Zack und atmete durch. Was nun? War alles richtig gelaufen? Wie würde Amáya nur über die Sache mit ihrer Schwester denken und was hatte es mit der jungen Fähe hier auf sich? Neyla seufzte und atmete durch, die Fragen hämmerten in ihrem Kopf und machten es ihr zunehmend schwerer, die Dinge zu ordnen. Gott sei Dank war Zack bei ihr, was hätte sie ohne ihn auch nur getan? Ihr Leben hätte ohne diese wichtige Liebe einfach keinen Sinn mehr gehabt…
Zacks Blick schwenkte zu Neyla, welche Amáya gerade erklärt hatte, dass ihre Schwester nie mehr kommen würde. Seufzend nickte er der Kleinen zu. Ein schweres Trauma schon in diesen jungen Jahren. Er spürte wie Neyla sich eng an ihn schmiegte und erwiderte diese Zärtlichkeit. Er lauschet auch ihren Worten zu der neuen Fähe hin. Diese hatte ihn mehr erschrocken, als er sich anmerken ließ. Sie schien so dünn, mager. Ihre Knochen ragten aus dem struppigen Fell und doch wusste er, dass sie zum Rudel gehörte, der Duft kam ihm doch bekannt vor, doch war er häufig nur abseits im Revier gewesen. Ein Welpe Banshees kam nicht in Frage.
„Meine Geliebte, ich weiß es nicht. Ich bin mir nicht sicher was wir für sie tun können.“
Verwirrt brach er ab, solche Worte hatten noch nie seine Kehle verlassen, er der sonst immer so hilfsbereit gewesen war. Doch diese Fähe schockierte ihn, wie es noch keine andere getan hatte. Er blinzelte zu Amáya. Vielleicht war dies eine Chance der Kleinen mehr Selbstvertrauen zu schenken? Der Schlag mit ihrer verlorenen Schwester würde sie hart treffen, aber vielleicht freundete sie sich ja auch mit noch anderen an, welche die nicht ihre Geschwister waren?
„Wie ist dein Name?“
Seine Stimme kam sanft und der Blick war wieder auf die weiße Fähe gerichtet welche so verstockt vor ihnen stand und so unsicher war. Neyla die Mutter? Sie schien stark verwirrt zu sein, er trat einen kleinen Schritt nach vorne, ging aber wieder zurück, schmiegte sich an Neyla und blickte zu Amáya.
„Mein Name ist Zack und dies ist meine Geliebte Neyla. Die Welpin hier ist Amáya, eine Tochter Banshees. Du kennst Banshee doch oder?“
Zweifelnd blickte er sie nun an, natürlich, ihm war erst jetzt eingefallen, dass sie auch hier herumstreunen konnte, ohne dass sie hier sein durfte. Ein Blick auf Amáya ließ ihn aufmerken. Er blickte sie kurz an und verstand. Die Fähe hatte sich wieder verschlossen, war bereit sich nichts anmerken zu lassen sodass ihre Eltern stolz auf sie sein konnte.
„Amáya? Du weißt doch, dass man alles offen zeigen darf, seine Gefühle und sonstiges. Niemand wird dich irgendwie auslachen oder sagen, dass du schlechter bist nur weil es dir nicht so gut geht!“
Er war sich nicht sicher, ob er wirklich die richtigen Worte getroffen hatte, er vermutete eher nicht, doch nun waren sie gesagt.
Shit wich natürlich nicht von der Seite des großen, schwarzen Wolfes. Sein neuer Freund, den er wohl immer noch nicht davon überzeugt hatte, dass der Tod keine Bereicherung bringt. Nur ein Ende, das man wahrscheinlich dann nicht mehr haben will, wenn man es hat. Es war seltsam, mit einem solchen Wolf zu reden. Shit fand, seine ganze heitere Art habe keinen Effekt und die Worte kamen ebenso wenig an. Es war einfach seltsam. Er lauschte mit großer Aufmerksamkeit auf das, was Midnight sagte. Denn es war wichtig, immerhin musste er es kontern, um ihm das Leben zu retten. Eine undankbare Handlung, da der Rüde ja sterben wollte. Aber vielleicht würde er irgendwann sagen, dass es gut so war. Und im nächsten Moment, wo er dann wieder etwas unglücklicher war, da würde er dann Shit die Schuld geben, dass er eben nur Unsinn von sich gab. So ungefähr erfasste der braune, naive Rüde diese Situation. Midnight konnte also sehen, aber nichts fühlen? Das war doch quatsch, oder? Shit schleckte dem Schwarzen über die Schnauze. Sanft und liebevoll. Dann berührte er die Nase seines Freundes, mit der Eigenen.
„Fühlst du gar nichts? Bist du da so sicher?“
Er legte fragend den Kopf schief und betrachtete die blauen Augen des hoffnungslosen Wolfs. Ob sich dieser überhaupt überzeugen lassen würde? Vielleicht hatten seine Worte einfach keinen Sinn und alles war vergebliche Mühe. Vielleicht war Midnight einfach zu sehr in den Tod verliebt, ließ sich nicht mehr umstimmen, bis er hatte, was er wollte. Sein einziger Wunsch war es, zu sterben? Grausam. Wie konnte man sich so etwas nur wünschen. Wie kaputt musste da ein Leben gewesen sein?
„Warum glaubst du, nichts zu wissen?“
Fragte er dann naiv. Er hätte wieder irgendeinen Vortrag von der schönen Welt bringen können, aber nun waren sogar ihm die Ideen ausgegangen. Vielleicht, weil für ihn das Schöne am Sein so offensichtlich war. Möglicherweise eine Stärke, an einem Wolf mit vielen Schwächen. Aber so waren sie doch alle, die Charakter jedes Wesens. Stärken und Schwächen, Hälfte, Hälfte. Das galt für alle und die ganze Welt.
„Midnight, schwarzer Freund, willst du nicht einfach einen Neuanfang machen und Shit zur Alphawölfin folgen? Was hast du schon zu verlieren? Du bist so jung, du hast dein ganzes Leben noch vor dir und auch wenn du die Jahre, die da noch folgen können verfluchst, vielleicht wirst du irgendwann dankbar für nur wenige Sekunden sein? Wahrscheinlich dann, wenn du es nicht mehr willst, wirst du sterben und es schade finden, dass du jetzt so viel Zeit damit verbracht hast, dich an den Tod zu klammern, als könnte er dir irgendetwas geben, was dir das Leben vorenthält. Aber das kann er bestimmt nicht. Du findest alles, was du willst, in dieser Welt, sogar den Tod, der kommt nämlich, früher oder später holt er sich die Starken und die Schwachen, die Glücklichen und die Unglücklichen, die Guten, wie die Bösen.“
Als er den Mund wieder schloss, wunderte er sich über sich selbst. Eigentlich hatte er nicht wirklich etwas sagen wollen und nun war es doch wieder ein ganzer Vortrag. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, Stück für Stück etwas davon zu lehren, so gingen die Worte doch nur zum einen Ohr rein und zum anderen raus. Zu spät, er hatte wieder einmal einfach drauf los geredet. Das war etwas, was er wirklich gut konnte.
Verwundert und verwirrt starrte Sheena die anderen an. Sie störte nicht, und das sollte sie glauben? Verzagt erhob sie wieder die Stimme.
„Doch ich bin mutig.“
Bei diesen Worten zitterte sie so stark, dass ihre Stimme brüchig und hohl klang. Vorsichtig ließ sie sich zu Boden sinken, sodass sie saß um ihre schwachen Läufe zu entlasten, jedoch rechtzeitig aufspringen konnte, sollte irgendetwas sie bedrohen oder ihr Angst machen. Seufzend richtete sie ihren Blick in die Ferne bis die Worte der weißen Fähe zu ihr durchdrangen, da hatte auch schon ihr Gefährte Zack geredet und sich und die anderen vorgestellt.
„Hallo Zack, Neyla und Amáya. Es ist lieb, dass . . . Ich nicht störe . . . Meine Familie ist. . . Irgendwo?!?“
Fragend blickte sie die drei hoffnungsvoll an. Vielleicht wussten diese Wölfe etwas von ihrer Familie. Aber woher schon? Ihre Familie war für immer fort, fort und für sie verloren und unerreichbar. Zitternd schloss die Fähe die Augen, ehe sie aufsprang und erschrocken hinter sich schaute. War da etwas? Nein, sicher nicht oder doch da. Ihr Bruder. Erschrocken stolperte die Fähe einen Schritt zurück, taumelnd drehte sie sich und stand zwar nun mit dem Rücken zu den anderen, doch das war ihr im Moment egal.
~Was hast du mir angetan, du kleine miese. Du hättest mich sicher retten können! Und nun sind die anderen auch fort~
Erschrocken fuhr Sheena wieder zu den anderen.
„Er spricht!“
Quietschend rannte sie zu den ihr doch fremden Wölfen, an ihnen vorbei und erst hinter ihnen blieb sie zitternd stehen. Dann verließen sie ihre Kräfte und sie sankt langsam zu Boden. Murmelte dabei noch einige verwirrte und kraftlose Worte.
„Oh Engaya, bitte beschütze mich und lass mir nichts passieren.“
Seufzend lag die kleine Wölfin nun auf der Erde, bei Bewusstsein zwar, doch zu schwach um aufzustehen.
Neugierig, die kleinen Ohren zuckend regend, beobachtete der Welpe die Lichtgestalt, hielt den Kopf weiterhin ein wenig zur Seite geneigt. Die kleinen, tiefblauen Augen betrachteten das saubere, weiche und weiße Fell der Wölfin, ganz anders als das seiner Mutter, die in ein graues, struppiges Grau gekleidet war. Die warmen Worte der Wölfin drangen in die kleinen Ohren, Talvi blinzelte leicht, als hätten sie ihn aus einem Traum geholt, die kleine Schnauze kräuselte sich für einen kurzen Moment, als wüsste er nicht, was wahr, und was nicht. Die kleinen Pfoten tappten auf der Stelle – wie so oft, als würden sie nichts lieber tun, als einfach irgendwo hin zu rennen. Die Frage der Fähe hallte in seinem Kopf wieder… den Satz über die Nacht und seine Mutter ging beinahe unter.
Der kleine schwarze Kopf senkte sich ein wenig gen Boden, angestrengt überlegte er, blinzelte dabei immer noch die engelhafte Weiße an, er hatte sogar das Gefühl, das ihre Körperwärme trotz der Entfernung zu ihm drang, ihn umschließen wollte. Zögern trat er ein wenig auf Banshee zu, er wusste nicht was, doch irgendetwas zog ihn zu ihr, sodass er bald schon nah bei ihrer Pfote stand und mit seiner kleinen Schnauze sacht gegen sie tippte. Auch er bekam mit, dass die Nacht sich immer deutlicher ausbreitete, es wurde immer stiller im Wald.
Er war gewillt, mit ihr zu gehen… seine Familie war fort, er begriff es noch nicht wirklich, doch alleine wollte er auch keinen Fall bleiben. Mit einem leisen Fiepen, von welchem er hoffte, dass die Fähe es als eine Zustimmung verstand, ließ nun auch er sich nieder, bettete seinen kleinen Kopf auf die großen Pfoten und lag nun so knapp neben denen von Banshee, dass das Fell ihm beinahe die kühle Nase kitzelte.
Tyraleens Stirn lag sachte an den Lauf ihrer größeren Schwester angelehnt, sie sah aus, als müsste sie über ein wichtiges Problem nachdenken und wäre davon schon unglaublich erschöpft. Ihr kleinen Augen leuchteten aber aufmerksam und hellwach, ebenso die winzigen Pfoten, die immer wieder nach einem kleinen Käfer tappten, der sich mühsam von Grashalm zu Grashalm schleppte, vorbei an Parveens Pfote und immer wieder von Tyraleen zurückgeholt. Währenddessen konzentrierte sie sich aber auch auf die Worte der Schwarzen, was dazu führte, dass der Käfer sich irgendwann tot stellte und die Weiße ihren Kopf mit leicht geöffnetem Maul nach hinten legte und zu den Augen ihrer Schwester aufsah.
“Ich freue mich darauf, wenn ich sie irgendwann alle kenne. Es sind so viele … aber auch das Rudel ist so groß, so viele Wölfe, die alle hier leben.“
Tyraleen klang wirklich beeindruckt und auch ein wenig eingeschüchtert. Sie war froh darüber, dass Parveen meinte, es würde alles seine Zeit dauern, genauso wollte sie das auch, alles hier war noch so unbekannt und erschreckend, wenn sie jetzt alle ihre Geschwister kennen sollte, hätte sie sich überfordert gefühlt. Auch so war das schon genug, so viele Wölfe um sie herum, Leyla, die Schweigsame, die noch viel mehr war und Ayala, die Beta und Leé und dann ihre Wurfgeschwister … Merawin, er wollte spielen. Unsicher beäugte Tyraleen ihren Bruder, sie war keine Spielkatze, aber das Angebot war irgendwie verlockend. Mit einem liebevollen Tapser und einem in ihr Brustfell gekuschelten Köpfeln verabschiedete sich die Weiße gerade von ihrer Schwester, als plötzlich Daylight heran geschossen kam. Einige Male umsprang sie sie, dann forderte sie ihren Bruder noch ungestümer zum Spiel auf. Tyraleen zog sich wieder zwischen die Pfoten ihrer Schwester zurück, das war nicht ihre Art, sie fühlte sich unwohl.
“Ja, das Wetter ist schön … aber jetzt wird es dunkel.“
Sie sprach leise, unter Parveen klang es ein wenig dumpf, dabei wirkte sie auch fast so, als wäre das das erste Mal für sie, dass die Dunkelheit übers Land kroch. Sie hatte das Bedürfnis danach, sich zu verkriechen, fühlte sich aber gleichzeitig dabei feige. Dann spürte sie einen Blick auf sich, so klein sie auch war, dieses Feingefühl hatte sie jetzt schon. Als sie ihren kleinen Kopf zur Seite drehte, machte ihr Herz einen Hüpfer … Face Taihéiyo war zurückgekommen. Von ihrer Mutter keine Spur. Aber das war ja eigentlich auch egal. Erneut tappte sie nach Parveen und wisperte dann leise:
“Du bist eine tolle Schwester.“
Sie hatte zwar noch nicht viele kennengelernt, aber davon war sie überzeugt. Mit einem freudigen Fiepen verabschiedete sie sich von der Schwarzen und tappte wieder auf wackeligen Läufen Face entgegen. Sie sprang die letzten paar Schritte und blieb dann wieder recht nahe vor ihm stehen, den leuchtenden Blick strahlend auf ihn gerichtet. Sie war sich nicht sicher, ob sie danach fragen durfte, warum er weggegangen war und fing ein wenig zaghaft an.
“Face Taihéiyo …“
Dann reichte der Mut nicht mehr und es klang wieder wie kurz zuvor, als sie zum ersten Mal zu ihrem Paten gekommen war.
Die kleine Schwarze achtete nicht mehr weiter auf die Worte ihrer Patin. Sie hatte doch gar keine Ahnung. Immerhin hatte Amáya ihre Schwester gesehen, sie neben sich gespürt, ihren Herzschlag gehört. Das war kein Traum gewesen. Niemals! Sie wusste es sicher – sie hatte eine zweite Hälfte gehabt, sie war jetzt unvollkommen, unvollständig. Ihre Zwillingsschwester hätte das Bild ergänzt. Sie fehlte ihr so. Es kam einem Traum gleich. Sie schwebte in blauem Wasser, neben ihr schlief ihr Zwilling, um sie herum ihre anderen Geschwister. Dann war sie aufgewacht, aber die andere war nicht da. Trotzdem war sich das Regenkind sicher, das sie irgendwo zu finden war. Leicht legten sich die Ohren zur Seite. Sie wollte diese hohlen Worte nicht länger hören. Sie beharrte auf ihre Meinung, auch wenn sie noch klein, jung und unerfahren war. Es konnte doch nicht alles ein Hirngespinst gewesen sein. Zumal sie die abgemagerte Jungfähe vor ihr etwas interessanter fand. Die nun wieder kühlen blauen Augen lagen auf der Weißen, die so verunsichert schien, so wie sie selber es häufig war. Allerdings ließ sich die Welpin nun nicht mehr anmerken, was in ihr vor ging. Zumindest versuchte sie es. Sie hatten doch alle keine Ahnung. In ihren Augen war sie bloß ein dummer, kleiner Welpe. Aber sie war nicht naiv, wie die meisten. Sie...sie wollte doch nur so sein, das ihre Eltern stolz auf sie waren. Leicht drehten sich die Ohren zur Seite, musterten die Weiße. Was hatte diese denn geritten? Sie verhielt sich fast so, als wäre der Teufel hinter ihr her. Mit einem verwirrten Gesichtsausdruck musterten die kühlen blauen Augen Sheena.
"Soso. Und deswegen vermutest du den Teufel hinter dir?"
Ihre Stimme glich schon fast einem leisen Flüstern, während sie noch immer die magere Fähe fixierte, die gerade aufsprang und um Schutz betete. Leicht schüttelte Amáya den Kopf. Was war denn das nun wieder? Ein wenig perplex blickte das Regenkind Sheena hinterher, erhob sich dann und kehrte einfach allen den Rücken. Was für ein Haufen. Die regenblauen Augen hefteten sich auf einen schwarzen Rüden, ihr großer Bruder Averic. Er saß wie immer mürrisch abseits des Rudels. Scheinbar hatte er keine Lust auf das rege Treiben. Ihr war es auch so langsam zu viel geworden. Alle behandelten sie wie ein rohes Ei. Aber so konnte sie niemals stärker werden. Neyla und Zack hatten es gut gemeint, doch sollten sie sich wohl besser erst Mal um die schwache Fähe, die eher einem klapprigen Gestell glich, kümmern. Den festen Blick auf ihren großen Bruder gerichtete näherte sie sich ihm, allerdings mit einer ausreichenden Distanz.
"Magst du auch keine Ansammlungen?"
Die vielen verschiedenen Farben der untergehenden Sonne spiegelten sich in den mitternachtsblauen Augen wieder, die sich wieder auf die Umgebung gerichtet hatten. Gedankenverloren war der Blick aus den Seelentoren, die weg blickten, um sich ab zu lenken. Es war so friedlich, so angenehm still. Der Rüde lauschte dem abendlichen Gesang der Vögel, die sich in den Ästen hin und her schaukeln ließen. Er spürte die sanfte Berührung des Grauen auf seiner Schnauze und hörte dessen Worte, dennoch schwieg er. Er seufzte nur leise und schloss schließlich die Augen., ließ sich auf die Hinterläufe sinken. Ein wenig unsicher drehten sich die Ohren nach hinten, drehten sich aber schon bald wieder zurück. Schließlich bedachte Midnight Shit mit einem langen Blick. Wie er es sich gedacht hatte, gab der Jüngere nicht auf. Wie er dem gegenübertreten sollte, wusste er allerdings nicht. Sollte er froh darüber sein oder diese Tatsache verfluchen? Er war sich nicht sicher. Auch seiner Aussage war sich nicht mehr ganz sicher. Er hatte die sanfte Berührung gespürt aber wurde auch sein Inneres berührt? Auf eine Art und Weise schon, denn sonst wäre er nicht so verwirrt und am zweifeln, oder? Was sollte er bloß tun? Selten war er sich so unsicher gewesen. In der ganzen zeit, in der er schon rastlos durch die Lande zog, ohne alles durch den Nebel des Vergessens wanderte, war er nie so hin und her gerissen gewesen. Er war es bis vor kurzem ja auch gar nicht gewesen und wäre es schon längst nicht mehr, wenn Shit nicht aufgekreuzt wäre. Sollte er seinem Leben eine Chance geben? Andere hätten den Verlust ihrer Persönlichkeit wohl als einen Neuanfang gesehen. In der ersten zeit, nachdem ihm klar geworden war, das er sich selber und somit das Wichtigste verloren hatte, hatte er alles erdenkliche versucht, es als eine zweite Chance an zusehen – vergeblich. Es war zum verzweifeln. Er drehte sich immer nur im Kreis herum, es gab kein entkommen. Wer sich seiner eigenen Hilflosigkeit bewusst wurde, es sich bewusste machte, wer sich in Verzweiflung ertränkte, der würde eines Tages an dieser Last ersticken. Langsam wandte er sich an den Grauen zurück.
"Ich...Ich bin mir nicht sicher."
Schnell wandte er wieder den Blick ab, blickte nun zu Boden. Was gab er bloß für ein Armutszeugnis ab?
.oO(Ich kann deine Nähe spüren und auch deine Hoffnung, mich zu retten, den Mut zum Leben, den du mir zurück geben willst. Aber das ist etwas anderes. Mein Herz bleibt wohl leer, wenn ich denn eines besitze.)Oo.
Bei den nächsten Worten Shits verkrampfte sich sein Innerstes, so leer und ausgehöhlt auch sein mochte. Verspannt biss er den Kiefer aufeinander. Warum fragte er solche Sache? Warum ließ er ihn nicht einfach in Ruhe?
"Du kennst doch bestimmt noch andere Wölfe, auch aus dem Rudel hier, denen du deine Lebensphilosophie lehren kannst, die nicht so verloren sind. Versuch bei denen dein Glück."
Midnight überging schlichtweg den Vortrag und auch die Frage davor überging er einfach. Er hatte doch keine Ahnung. Shit konnte sich einfach nicht vorstellen, wie es war, sich selber zu verlieren. Der Nachtsohn nahm es ihm nicht übel, er wusste, das Shit zu naiv und zu gutgläubig war, als das er sich etwas vorstellen konnte.
Hin und wieder entglitt Averics Kehle mit dem Ausatmen ein gereiztes Grollen. Stetig und stetig. Es war ja so furchtbar widerwärtig, wie sie alle so tralala herumsprangen, lachten und scheinbar fanden, sie wären im schönsten Paradies, dass die Erde zu bieten hatte. Als seine Mutter jedoch an ihm vorbei schritt und seine Stirn berührte, kniff er sofort die Schnauze fest zusammen und legte die Ohren an. Seine Mutter knurrte er nicht an. Im Normalfall nicht. Aber ihr Blick passte ihm trotzdem nicht. Fast noch mehr gereizt als vorher, wandte der Pechschwarze den Blick von allem ab, wandte ihn zur Seite, irgendwo hin, wo er keinen Wolf traf und geistig zerriss. Averic fühlte sich wie kurz vor einer Explosion, all das Glück, welches hier verstreut wurde, machte ihn so rasend. Es wirkte alles so, als gab es nur noch diese kleinen Biester, die auch noch Geschwister waren. Von den Älteren beteiligte sich nur noch Parveen an Hätschelei und ihr schien das auch noch zu gefallen, das war ja so grässlich. Ein verachtendes Schnauben wich aus seinem Fang, während sich sein Fell schon wieder vor Hass sträubte. Alles war so schrecklich anders, seit diese kleinen Monster da waren. So anders, dass er sie gleich wieder dahin wünschte, wo sie hergekommen waren. Cylin hatten sie scheinbar auch vertrieben, zumindest konnte die pechschwarze Verdammnis ihn nicht sehen. Das wiederum machte ihn auch so wütend! Wo war er? Warum war er nicht bei ihm!? Sein Vater hatte sich ja auch ganz geschickt aus der Affäre gezogen und war einfach mal so abwesend. Jetzt würde es wahrscheinlich wieder Monate dauern, bis der mal wieder aufkreuzte. Sollte der doch bleiben, wo der Pfeffer wuchs!
Averic riss den Kopf herum und sah in die andere Richtung. Auch kein Cylin ... Scheiße! Aber dafür sah er jetzt was anderes und deshalb wurde ihm grade ziemlich übel. Eines dieser Viecher wagte es doch tatsächlich in seine Nähe? Und dann auch noch das Teil, das eine fast schon ähnliche Augenfarbe wie er hatte. Als sie näher kam, hob er eine Pfote und zog sie nah an seinen Körper, als wäre da an der Stelle, wo sein Lauf eben noch ruhte, Dreck sein. Oh man, was wollte die denn? Smalltalk mit dem großen Bruder, der ihr am liebsten die kleinen Äuglein auskratzen würde? Averic senkte mit verächtlichem Blick den Kopf, ließ die Schnauze dennoch gehoben.
„Ja. Und deshalb ... verzieh’ dich!“,
grollte er bösartig und fletschte drohend die Zähne. Natürlich wusste er, dass er eine Menge Probleme bekommen würde, wenn er einem der Welpen was antat. Aber sie ein wenig zu schocken war ja nicht schlimm, so ließen sie ihn vielleicht in Ruhe. Schon schade, dass er seine blutigen Gedanken nicht ausleben durfte – er war ja so krank. Die Besessenheit hatte ihn inzwischen so eingenommen, dass er sie gar nicht mehr bemerkte, dass sie zu einem festen Teil von ihm geworden war. Seine Augen blitzten hier und da mal irre und mordlustig auf, dennoch war bisher noch nichts passiert. Eigentlich eher zu seinem Bedauern.
Nightwish kamm entlich auf demm Rudelplatz mit Kaede und Thila an. Das sie sich freute war wohl jeden klar, zu erst schaute sie sich die umgebung um, und es schien in ihren Augen alles schön und friedlich zu sein. Da Nightwish zum erstmal ein Phote in denn Rudel trat, wusste sie nicht wie die Wolfe lebten. Da sie sich immer noch gedanken machte ob sie gut hier rein passt und hier immer leben konnte. Sie dachte auch über ihre Schewster nach, wie sie wünchte sie wäre hier, doch das war nun mal vorbei. Nightwish wusste noch nicht mal ob sie noch lebt. Da sie kein eindruck machte das sie trauert, doch sah mann das sie in ihre Welt saß. Dieser Rudel war wirklich das totalle Gegenteil von ihren Rudel. Im Frühling gab es schon Sonne doch gab es keine Beume oder Grass, nur Schnee. Sie fragte sich auch was es noch so für Essen hier gab, oder wie das Wasser ist, von einmal gab es so viele Fragen die Nightwish fragen wolte. Erstmal richtete sie ihre Augen auf Kaede, sie solte ihr dankbar sein das Kaede sie denn Weg hier her gezeigt hatt.
"Das ist echt schön hier, wir konnen ja auf den Alpha warten. Danke das du uns hier her gebracht hast."
Sagte Nightwish mit ein strahlendes lacheln über ihre Lippen. Sie schaute zu Thila ob sie auch so begeistert von dewmm Rudel Platz war, sie gab ein freundlichen blick zu der Fähe und schaute sich ein bisschen um. Sie nahm ein paar Schritte vor, sie wurde so gerne nun hier herrum tollen wie ein Welpe. Es war schön unter Wolfen zu sein, so lange gab es nie so ein schönen Tag. Es war Fruhling und Nightiwsh dachte daran was für besser Tage es geben wurde. Das sie so fruhlich denkt brach sie zum Lachen und schnupperte die frische Luft. Es war neu und unbekannt für die Fähe, aber wenn sie hier leben darf dann wurd das gewohnheit. Sie wollte alles genau sehn und druckte auch ihre Nase in denn Dreck, nur um alles gut zu erkennen. Als sie ein Blick zu Kaede und Thila warf, war ein stuck ihre Nase Braun. Sie schutelte ihren Kopf und der Dreck flog weg.
"Du soltest dich wirklich aussruhn Kaede, du siehst nicht so gut aus."
sagte Nightwish wieder, aber ihre Schtimme hatte nicht so ein besorgness wie in ihren innerin. Nightwish war nun mal so, ihre Stimme klang immer fruhlich, doch wurde ihr Inneris und ihr äuserlich nicht mit einander Hamonieren. Nightwish merkte so was nicht, Aussehrlich war sie so glucklich innerlich waren ihre wirklichen Gefuhnle die sie Ausserhlich nicht zeigte. Sie sagt ob sie sich sorgen macht, aber ihr erscheinen harmonierte nicht damit. Doch Nightwish mergte das nicht und lange lebte sie so, ihre kleine Schwester kannte sie am besten. Nightwish lachelte immer es gab nie ein Tag wo sie weint. Naturlich ist das normal für ein Tier schmertz zu fuhlen, Nightwish zeigt es nun mal nicht. Sie lann ihre Gefuhle gut verbergen, und sagt es nur mit Wortern, mannche glaubten ihr nicht. Nightwish nimmt das zu Herzen, doch denken alle sie hätte es vergessen. Nightwish machte sich wirklich sorgen um die Fähe, Kaede, dashalb wolte sie das Kaede sich aussruhnm aber ein dazu zwingen will sie auch nicht. Sie wartete ab und vielicht wurde sie auch ein Peusen machen, doch darran dachte Nightwish gerade nicht.
Seinen eigenen Atem hörend setzte Face Taihéiyo langsam eine Pfote vor die andere, hatte es nicht eilig in das Gewirr aus Worten zu kommen. Er mochte es nicht, er mochte keine lauten Töne, hektische und unruhige Bewegungen, wie die der zappeligen Welpen. Es war überwältigend auf eine negative Art, wenn sie um einen herum sprangen und man ihnen kaum folgen konnte. Ihr lautes Jebbeln tat in den Ohren weh und am liebsten wäre der Tiefschwarze auch schon wieder verschwunden. Zu nah kam Face ihnen dann auch nicht, sondern behielt einen gebührenden Abstand. Tyraleen würde ihn schon sehen und dann konnte der große Rüde nur hoffen, dass sie zu ihm kommen wollte. Langsam schlichen sich die altbekannten Fragen wieder in seinen Kopf, die beklemmende Routine wollte ihn wieder einholen. Wozu das Ganze? Ja, nun lebte er wieder, aber was war anders? Gab es überhaupt einen Unterschied zu seinem alten Leben, oder seinem Dasein als Toter? Körperlich gab es natürlich Hunderte, aber ... was das Leben betraf? Face hatte noch immer nicht wirklich das Gefühl in eine Gemeinschaft hinein zu passen.
Er würde sich wohl auch weiterhin immer wieder ausgrenzen, wenn einfach alles zuviel wurde. Und das war bisher häufig der Fall gewesen. Enorme Lautstärken ... dichte Nähe vieler Wölfe, die ihn in geistig in Bedrängnis führten, zu viel Gerede, all das waren solche Fälle. Deshalb fühlte er ziemliche Erleichterung, als sich die kleine Welpin aus der Gruppe löste und auf ihn zusprang. Ruhig ließ er sich auf die Hinterläufe sinken und sah Tyraleen entgegen, ein Ohr zuckte leicht und drehte sich dann nach Außen. War er wirklich für eine solche Aufgabe geschaffen? Naja, er hatte ein Versprechen gegeben und Banshee hatte sich sicher etwas dabei gedacht, als sie ihn damals zum Paten machte. Ja, Face konnte sich auch schon in etwa denken was. Für ihn war das wohl auch nicht allzu schwer zu erraten.
Als sie vor dem rabenschwarzen Rüden stehen blieb, senkte er den Kopf zu ihr herab, damit die Kleine ihn besser anschauen konnte. Wieder begann sie wie bei ihrer ersten Begegnung und dennoch ... Face konnte sich fast nicht mehr daran erinnern, wann er das letzte Mal jemanden so strahlen gesehen hatte, nur weil er da war. Wahrscheinlich war Cloud auch der Einzige gewesen, der sich früher manchmal so gefreut hatte.
„Tyraleen?“
Auch Face antwortete genau so wie beim letzten Mal. Trotzdem war jetzt etwas anders – er bemühte sich sehr um einen freundlichen, nicht zu leeren Ton und der Tiefschwarze wollte aufmerksam klingen. Vielleicht war das noch nicht perfekt, er war halt kein guter Redner, aber wenigstens versuchte er es und meinte es auch ehrlich. Nicht weil er musste, sondern weil er wollte. Er wollte der kleinen Tyraleen ein guter Pate sein, oder zumindest es versuchen.
Merawin war nicht sehr geschult in Fangespielen und derlei Dingen. Im Gegenteil, das war das erste Mal, dass ein Artgenosse ihn aufforderte, ihm nachzujagen. Er hatte seine Kräfte natürlich schon erprobt, an ein paar Mäusen, die vor ihm durchs Gras wuselten, aber als er hineinbiss, nachdem er sie erwischte, war ihm der Spaß daran vergangen. Mäuse waren definitiv nicht zur Ernährung von Wölfen gedacht. Nun aber war seine Schwester keine Maus, sondern ein Wolf, ähnlich kräftig wie er, ähnlich flink. Er musterte sie, wie sie vor ihm herhüpfte. Sie sah schnell aus, wendig... Wie sollte er das nun angehen?
Auf jeden Fall sollte er beweisen, dass er die Herausforderung annahm. Als seine Schwester ihn zum dritten mal zu drängen versuchte und davonstürmte, setzte auch ihr sich in Bewegung und kläffte ihr in ebenso frechem Tonfall hinterher:
"Pass lieber auf, dass ich dich nicht beiße!"
Er beschleunigte seinen Schritt und hielt hinter seiner Schwester her. Auf gar keinen Fall durfte er sie gewinnen lassen - das wäre ja erniedrigend! Mit schnellen Sätzen preschte er über die Wiese und vergaß dabei mehr und mehr seine Umgebung im Laufwind. Kein Wolf konnte ihm entrinnen. Er war Merawin!
Mit einem letzten, theatralischen Aufflammen verschwand der rote Feuerball hinter den Hügeln und sog ihre leuchtenden Strahlen mit unerbittlicher Kontinuität aus dem Tal. Schließlich hüllte sich der Wald in Dunkelheit, nur noch einzelne Sterne blinkten am Himmel, der Mond würde erst später hinter der Bergkette hervorkommen. Solange würden die Schatten in das Tal kriechen und jedes Licht verschlucken. Die Nacht war so klar, dass schon der erste Sternenwind aufflammte, seinen Weg über das tiefe Schwarz zog und verglomm. Bis zum Mondaufgang würden noch viele von ihnen übers Himmelszelt ziehen.
Banshee beobachtete Talvi ruhig, ließ ihn ihre Worte verarbeiten, es war unglaublich viel für so einen kleinen Welpen. Der trat jetzt auf der Stelle, als wäre er nervös, oder so wie ihre Welpen, hyperaktiv, nach Bewegung verlangend. Ein ganz normaler Welpe. Mit einem ganz unnormalen Schicksal. Dann kam er mit leicht gesenktem Kopf auf sie zu, er schien noch nachzudenken, also schwieg sie weiterhin, verfolgte nur jede seiner Bewegungen mit warmem Blick. Seine kleinen Pfoten führten ihn zu ihrer eigenen Pfote, die fast so groß wie sein ganzer Kopf war, er stupste sie an, ob das nun eine Bestätigung oder nur ein Feststellen ob sie auch wirklich echt war, war sie sich nicht sicher. Dann aber fiepte er leise, legte seinen Kopf auf ihre Pfote und sah sie an. Ein Lächeln begann auf ihren Lefzen zu tanzen, sie verstand es als Zustimmung und die vetrauensvolle Berührung fast wie ein ’sich ihr überlassen’. Jetzt berührte sie den Welpen erstmals von ihr aus, sanft fuhr sie mit der Zunge über sein wolliges Fell, schenkte ihm ein wenig Wärme und berührte ihn dann mit der Nase auf der Stirn, wie eine Segnung, die auch schon jeder ihrer eigenen Welpen erhalten hatte.
“Dann komm Talvi, gehen wir gemeinsam zu meinem Rudel. Wenn du nicht mehr laufen kannst, kann ich dich auch tragen.“
Vorsichtig schob sie ihre Schnauze unter seinen Kopf, zog die Pfote darunter hervor und bettete ihn dann wieder im Gras. Langsam erhob sie sich, wandte sich in die Richtung des Rudelplatzes und wippte dann auffordernd mit der Rute. Geduldig blieb sie neben ihm stehen und wartete, bis er bereit war. Es war kein kurzer Weg, früher oder später würde sie ihn wohl tragen müssen, aber noch erschien ihr das zu grob, als würde sie ihn damit endgültig von seinen Wurzeln fortreißen. Ihr Blick glitt in den Wald, sie hatte das Gefühl, als müsse sie sich beeilen. Die Neuen im Revier waren auf dem Rudelplatz, sie witterte sie nicht nur, sie spürte es auch. Gefahr schien keine zu warten, dennoch wollte sie sich selbst überzeugen. Nach Außen hin blieb sie weiterhin ganz ruhig, sah wieder zu Talvi und machte keine Anzeichen der Eile.
Die kleine Wölfin umtanzte ihren Bruder, spielerisch nach ihm schnappend. Ihre Pfoten flogen nur so über das weiche Gras, sie bermerkte erst gar nicht, wie sich der Tag dem Ende zuneigte. So verbissen war sie in das Spiel mit ihrem Bruder, doch wahr es viel mehr als ein Spiel, es war die Verbundenheit zwischen Bruder und Schwester, viel mehr, es war ein Tanz. Und so tnazte sie davon, mit einem abenteuerlustigen Funkeln in den Augen jagte sie vor Merwin davon, während sich die Schatten über das Tal zogen und alles Licht verschluckten.
Einen kurzen Augenblick schaute Daylight zurück, die Lefzen zu einem frechen Grinsen verzogen:
"Na los Brüderchen, fang mich doch!"
Schnell und mühelos glitt die Kleine über das Gras, welches ihre Pfoten sanft schmeichelte, eine sanfte, jedoch kühle Brise ließ Daylight leicht erschaudern, doch trug diese sie auch weit fort, nicht länger lief sie auf dem weichen, duftenem Gras, unter dem sternfunkelnden Nachthimmel. In ihren Gedanken sprossen fedriege Flügel aus ihren Schultern, schneeweiß und matt glänzend im Licht der Sterne. Nun schmeichelte nicht mehr das Gras ihre Pfoten, es waren die Wolken auf denen sie lief, nichts war mehr wichtig nur das Laufen in der Unendlichkeit des Wolkenland. Doch da rissen die Worte Merawins sie aus ihren Träumen, sie sog die Luft ein, merkte, wie dicht ihr Bruder schon hinter ihr war und beschleunigte ihren Lauf. Sie würde nicht verlieren, nicht gegen ihren Bruder. Und weiter ging der Tanz, Tanz von Schwester und Bruder, ihr erstes Spiel in ihrem Tal unter einem tiefschwarzen Himmel, an dem nur winzige kleine Lichter blinkte. Und Daylight genoss es, jeden Atemzug und aus irgendeinem Grund wusste die noch so junge Fähe diesen Augenblick zu schätzen, hier in dem Tal der Geburt, zusammen mit ihrem Bruder, wobei sie dessen Gefühle mit ihm teilte, was ihrer sonderbaren Gabe zuzuteilen war, die Gefühle der anderen zu spüren. Sie spürte seinen Übermut und den Willen zu gewinnen und schneller flogen ihre Pfoten, wieder dachte sie an den Schmetterling und sie wusste:
oO{Ich kann auch fliegen!}Oo
Und sie war glücklich.
24.12.2009, 19:55
Die klaren blauen Augen hatte die kleine, zierliche Fähe fest auf den schwarzen Jungwolf gerichtet. Stück für Stück musterte sie den kräftigen, wendigen Körper ihres älteren Bruders. Alleine schon sein Anblick sprach von Kraft und Mut. Dazu musste sie nicht mal in die abweisenden blauen Augen blicken. Amáya hatte ihren Vater noch nie bewusst erlebt, doch sie konnte spüren, das Averic ganz ihr Vater war. Zumindest vom optischen her konnte sie sich dies ganz gut vorstellen. Auch die kühle, ernste Art. Alles Dinge, die Banshee nicht besaß. Die schneidenden Worte passten zu dem Schwarzen, verlangten ihr aber weder ein Zucken ihrer Ohren, noch ein ausweichendes Blinzeln ab. Dies kam bestimmt auch nicht alle Tage vor, das ein Welpe auf solche Worte mit absolutem Desinteresse reagierte. Die anderen hätten sich womöglich schnellstens aus dem Staub gemacht. Hätte das Regenkind unter anderen Umständen vielleicht auch, aber so nicht. Ausdruckslos und ruhig lagen die regenblauen Augen auf den dunkelblauen ihres Gegenübers, in denen sie versuchte etwas anderes als Abneigung zu lesen.
"Und was wenn nicht?"
Trotzig verzog Amáya das Gesicht. Sie sah gar nicht ein warum sie eingeschüchtert verschwinden sollte, nur weil ihr Bruder die ganze Bagage von seinen jüngeren Geschwistern nicht leiden konnte. War weder ihre Schuld, noch ihr Problem. Sie konnte auch nichts für ihre Existenz. Und da ihre Zwillingsschwester, von der sie noch immer überzeugt war, nicht leben konnte, musste sie es halt für sie beide tun. Den mordlustigen Glanz in den Augen ihres Bruders ließ sie unbeeindruckt, genau wie seine Worte und die Drohgebärde. Vollkommen ruhig blieb sie sitzen und blickte nur trotzig drein. Wenn sie weniger schreckhaft und empfindlich werden wollte, musste sie sich stellen, egal was käme.
Ein guter Traum, wenn es einer war, so ganz klar war es dem kleinen träumer dann doch nicht. Die Pfoten zum Himmel gestreckt lag er da, auf dem Rücken, vollkommen entspannt und die nächtlichen Lichter beobachtend. Er hatte sich fern von allen niedergelassen, irgendwo fern im Wald, wo er nicht so schnell gefunden werden konnte. Von hier aus konnte er zwischen den dichten Kronen der Bäume hindurch die Lichter beobachten. Sie gefielen ihm, die Sternenwinde, wie sie genannt wurden und er mochte es sie immer und immer wieder zu beobachten. Wahrlich wurde der kleine Schwarze diesem nie müde. Kleiner Schwarze, konnte man ihn eigentlich überhaupt noch so nennen? Eigentlich wohl eher nicht, denn der junge Rüde war in der Zeit nun schon um einiges gewachsen, er war zu einem stattlichen Jungwolf heran gewachsen. Mit der rechten Pfote fuhr er sich nun leicht über den Kopf, versuchte die Haare dort etwas nieder zu drücken, die immer wieder aufs Neue wild empor standen und ihm den frechen Ausdruck eines Unruhestifters gaben. Wer den Träumer kannte, wusste ja, dass dies in gar keinem Fall zu traf, doch von erstem Eindruc aus, konnte man es wirklich so denken. Und nun, wie er so dalag, wirkte er wohl auch nicht so normal, man bedenke, welcher Wolf legte sich abseits seines Rudels auf den Rücken und beobachtete die Sterne? Das schaffte doch echt nur er, er Cylin, der eine Träumer, der schwarze Rüde aus dem ersten Wurf Banshees, großer Bruder sowie kleiner Bruder, Träumer und vollständiges Rudelmitlied der Sternenwinde. Klang gut in seinen Ohren, ja, wirklich. Für einen kurzen Moment lang öffnete der Rüde den Fang und stieß ein langes Gähnen aus. Wie lange lag er nun eigentlich schon hier? Lange, denn inzwischen war die Sonne untergegangen und die Dunkelheit hüllte das Teil, einzig von den blinkenden Sternen unterbrochen. Schön war es und doch kam er fast jeden Abend hierher, nur um diesen Anblick in Ruhe mit anzusehn. Er wusste, dass er dies auch beim Rudel tun könnte, doch dort wärew es wahrscheinlich nur halb zu schlimm, inzwischen tobten dort die Welpen herum, somit gab es dort nicht diese vollkommende Ruhe und auch wenn er der große Bruder war und sich sicherlich mühelos seine Ruhe verschaffen konnte, zog es ihn lieber hierher, fern von den Wölfen, in einen Teil seiner eigenen Realität.
Einen Augenblick lang streckte sich der Schwarze, ehe er sich zur Seite rollte und schlussendlich auf den Bauch und somit auf die Pfoten. Sich kurz schütteln und somit Erde und vertrocknete Restblätter aus seinem Fell schütteln, erhob sich der Jüngling und setzte sich in Bewegung, in einem gemütlichen, ruhigem Trott, weder gehetzt, noch andersweitig schnell. Er war sich recht sicher, dass er eher weniger vermisst wurde, inzwischen müssten die Wölfe sowieso sein abendlichen Verschwinden bemerkt haben, nunja, was sollte es, nun trat er den Rückweg an. Der Waldrand war gar nicht mal so weit entfernt, wie es eigentlich schien, es war eine kurze Strecke, aber einfach für jemanden, der sie jeden Tag lief und eigentlich nur noch seinem eigener Spur folgte und somit auch einfach zu finden für jeden, der es wollte.
,oO"Ich hoffe es kommen nicht alzu viele auf die Idee mich zu suchen..."Oo.
dachte sich der junge Rüde einen Moment lang, ehe er wie gehabt weiter lief. Wenn ihn doch zu viele finden würden, würde er sich eben einen anderen Platz für seine abendlichen Sternstunden suchten müssen, naja, was sollte es, der Wald war groß genug. Während er sich unaufhaltsam dem Waldrand näherte, überlegte der Schwarze bereits, was er sagen konnte, falls er gefragt wurde, wo er gewesen war. Sollte er die Wahrheit sagen und eingehen das er morgen vielleicht Anhänger haben würde, oder sollte er besser nicht die ganze Wahrheit sagen und einfach meinen er wäre spazieren gewesen oder etwas Ähnliches? Nunja, irgendwas würde es schon werden, erst mal sehn.
Es war fast schon ein krasser Zufall, dass er am Waldrand genau jenen Wolf entdeckte, den er jetzt am meisten sollte. Averic, seinen Bruder, sein fast schon ein und alles. Zielstrebig trabte er auf den ebenso Schwarzen zu und nahm dabei auch noch die schwarze Welpin wahr, die er sofort als die kleine Amáya identifizierte. Jedoch machte der Rüde sich nicht viel aus dem Welpen, er gab sich ihnen Neutral gegenüber, halt wie ein großer Bruder, nicht distanziert, aber auch nicht überaus freundlich, wieso auch? Vorsichtig stupste er seinen Bruder an der Schnauze an, er merkte sofort das mit ihm etwas nicht in ordnung war, doch er wusste das Averic ihm nie etwas tun würde, er war sein Bruder, sie waren fast schon seelisch miteinander verbunden.
"Hey Averic... hey Amáya"
nüchternde Aussage, doch da er noch nicht wusste was los war, hatte er jawohl auch kaum das Recht sich groß einzumischen. So blieb er erst einmal stumm neben seinem Bruder und seiner kleinen Schwester stehen, den Blick von einem zum Anderen wandernd.
Tyraleens kleine Rute wippte von einer Seite auf die andere, wenn man ihren etwas verunsicherten Gesichtsausdruck und den verschüchterten Blick nicht sah, könnte man meinen, ihr ganzer Körper sprudelte über vor Freude. Als Face seinen Kopf zu ihr senkte, hatte sie das Bedürfnis wie bei Parveen ihren Kopf an seine Schnauze zu schmiegen, aber irgendwie erschien ihr das falsch, ihr Pate war nicht ihre Schwester und Face Taihéiyo war nicht Parveen … Face Taihéyio war jemand besonderes. Also berührte sie nur scheu seine Nase mit ihrer eigenen, so viel kleineren, aber selbst dieser kurze Kontakt schien ihr Trost zu spenden, für was sie den jetzt auch immer brauchte. Er reagierte genauso wie beim ersten Mal, als würde er das Spiel aufnehmen, klang aber jetzt anders. Sie wusste nicht, was anders war und warum sie seine Stimme jetzt noch mehr mochte, aber ihr gefiel es. Sie musste leicht lächeln, wieder schüchtern, weil doch alles wie vor seinem Gang in den Wald war und doch so seltsam anders. Sie rückte ein bisschen näher zu ihm, saß jetzt neben seinem Kopf und knapp vor seinem Lauf, als wolle sie noch weiter weg von den anderen Wölfen. Ihr Blick suchte scheu den von ihrem Paten, dann drückte sie ihren Bauch in das noch warme Gras und nahm all ihren Mut zusammen.
“Wohin bist du mit Banshee gegangen?“
Ihre Ohren klappten ein wenig zurück, sie sah wieder auf den Boden, auf ihre kleinen Pfoten, die im dunklen Schatten der Nacht nicht mehr weiß sondern stumpf grau erschienen. Dann kam ihr die Idee, dass ihre Frage eigentlich nicht sonderlich intelligent war. Face Taihéiyo war mit Banshee in den Wald gegangen. Aber warum? Darauf kam es an … Tyraleens junge Gedanken hatten noch keine Begründung, seien sie auch noch so unwahrscheinlich, für diesen Vorgang, sie konnte sich absolut gar nichts vorstellen und das machte ihr noch ein wenig mehr Angst.
“Also … was …“
Versuchte sie ihre Frage zu verbessern, fand aber dann keine richtigen Worte mehr. Sie verstand gar nicht, warum sie so ängstlich war, es war ja nichts Schlimmes passiert … ihr Pate wirkte nur ein wenig anders. Aber das schön, er sah sie nicht mehr so kalt und verschlossen an und trotzdem noch immer ganz anders als alle anderen Wölfe im Rudel. Eigentlich war doch alles gut. Fast trostsuchend schob sie ihre kleine Pfote an seine so große, ließ sie dort liegen und genoss schon nur diesen kleinen Kontakt.
Ein weiterer Tag neigte sich dem Ende entgegen und die Abendsonne leuchtete so stark, daß Leylas Fell in einem rötlichen Ton erschien. Es sah ganz ungewöhnlich aus. Obwohl nun so viele Monde schon vergangen waren, seitdem sie mit Alienna keinen Kontakt mehr hatte, war es doch kein einziger. Kein einziger, an dem sich etwas Neues ergeben hatte oder sich andeutete, daß etwas Neues auf sie zukam. Das ganze Leben war zu einer Endlosschleife geworden und sie trieb wie ein Ast im langsamen Wasser, wurde unweigerlich mitgetrieben, stieß nicht an Ufer oder andere, im Wasser schwimmende Gegenstände. Sie stand allein auf einer kleinen Erhöhung, vor den niedergleitenden Gräsern und Gesteinen des Tals, nur ihr Blick verlief sich ungehindert über Hügel, Stock und Stein, ging scheinbar bis in die Unendlichkeit, kamen aber auch nie mehr zurück. Sie übermittelten ihrem Geist nichts, es kam nicht an, was dort hinten war. Nicht in ihrem Kopf. Geistlos strich ihr Blick über das Land, fing starr und gehorsam alles ein, was sich bewegte oder für immer schwieg. Bald schon kam sie sich selbst wie ein Stein in der Landschaft vor. Kalt, trostlos, allem ausgesetzt, was um sie herum geschah aber von niemandem als Lebewesen wahrgenommen. Was war, wenn Steine auch Lebewesen waren und sie fühlten, mitbekamen, was um sie herum und mit ihnen geschah, wenn man über sie sprach oder sie bewegte? Waren sie alle nur versteinerte Seelen im Strudel der Unendlichkeit? So langsam verstand Leyla Welten, die sie vorher noch nicht ein Mal gekannt hatte. Oder sie bildete sich einfach nur ein, sie zu verstehen. Oder sie bildetete sich sogar ein, daß es sie gab. So lange schon stand sie jetzt unverändert auf diesem Fleckchen Erde. Die wenigen Pfotengrößen, die sie beanspruchte, gehörten ihr. Wenigstens für einen Moment, danach waren es wieder welche an einem anderen Ort. Sie hatte das Nachdenken aufgegeben. Das Hoffen, das Bangen. Was nutzte es, sich Sorgen um Zukunft oder Gedanken um die Vergangenheit zu machen, wenn doch eh alles kam und wieder ging? Sie konnte es weder aufhalten und sich dagegen stämmen noch festhalten oder mit ihr gehen. Doch obwohl- mit ihr gehen konnte sie vielleicht. Allerdings mußte sie sich in diesem Fall entschieden. Wollte sie in der Vergangenheit bleiben, so gab es keine Möglichkeit, ihr wieder zu entfliehen. Wie tot, völlig vereinsamt, vergessen, unbeachtet. Saß ihr Leben ab und wartete auf die nimmer von ihr weichende Schwärze..
Shanis ruhiger gewordenen Schritte wurden ein wenig schneller, als sich Hiryoga wieder anspannte und die Luft ihnen ganz deutlich zutrug, dass sie unmittelbar vor dem Rudelplatz waren. Ihr Herz klopfte wieder eiliger, gleichzeitig war sie froh, dass der Braune schwieg und sie sich ganz darauf konzentrieren konnte, was nun passierte. Ihr wurde fast schwindelig … ein Rudel. Viele Wölfe … Dinge, die so selbstverständlich und doch so neu und aufregend waren. Und dann hörte sie Stimmen … es war das übermütige Gekläff von Welpen, fröhlich und ausgelassen und auch die ruhigeren Stimmen Erwachsener … zusammen mit der versunkenen Sonne und der Dunkelheit, die sie einzuhüllen begann, wurde für Shani eine fast mystische Stimmung erschaffen, als wäre das wirklich ein ganz besonderer Moment. Als es dann aber so weit war, als sie gemeinsam aus dem Wald kamen und auf dem Rudelplatz zu stehen kamen, war gar nichts so unnormal. Kein Wolf schien sie richtig zu beachten … eine große Gruppe stand beieinander, zwei Welpen dabei, abseits ein Wolf und ein Welpe … und noch mal einige kleine Grüppchen. Shanis leuchtende, aber angespannte Augen huschten von einem zum anderen, sie war wie ein kleiner Welpe, der zum ersten Mal sein großes Rudel erblickte. Hiryoga neben ihr spannte sich genauso an, aber sie war selbst viel zu aufgeregt, um nach einer genaueren Ursache dafür zu forschen, als die offensichtlichste … er war wieder bei seiner Familie. Erst nach einiger Zeit bemerkte Shani, dass sie den Atem angehalten hatte. Sie ließ fast erleichtert die Luft aus ihren Lungen und linste dann zu ihrem Freund. Mit einem Lächeln wisperte sie.
“Deine Familie ist … nett.“
Sie schenkte ihm ein Strahlen, bemerkte die Hilflosigkeit in seinen Augen und stupste ihn sachte an. Dafür, dass sie unglaublich aufgeregt war, sprudelte doch noch genug Neugierde in ihrem Körper, als dass sie nicht einfach hier rum stehen konnte. Ihre Augen huschten wieder hin und her und blieben dann an einer Fähe hängen, deren Geruch sie meinte, einordnen zu können. Kaede. Zwei weitere Fähen waren bei ihr, wahrscheinlich die, die sie abgeholt hatte. Sanft nahm sie ein Ohr von ihm in ihren Fang und zog daran, nur leicht und dirigierte ihn dabei ebenso sanft in Kaedes Richtung. Auf unsicheren Läufen aber mit einem großen Strahle-Lächeln auf den Lefzen und einem optimistischen Ruteschlenker trat sie auf Kaede zu.
“Kaede?“
Sie stelle die Frage doch ein wenig unsicherer, als beabsichtigt, aber ganz sicher war sie sich auch nicht. Den beiden Fähen neben der fast Blinden, wie sie jetzt feststellte, schenkte sie ebenfalls ein Lächeln, Hiryoga dabei zu sich zwingend.
Merawin spurtete noch immer in äußerster Verzückung hinter seiner Schwester her. Als Welpe war ihm natürlich wenig von den Grenzen seines Körpers bekannt, dennoch spürte er mit der Zeit, dass sein Wille wie auch seine Fähigkeit zu laufen ein wenig nachließen.
Doch sei's drum! Er lag noch immer zurück, und das, obwohl sie nun schon eine ganze Weile so gehetzt waren. Er musste sich irgendwie beschleunigen... oder sie verlangsamen? Mit einem argwöhnischen Blick betrachtete er die vor ihm über den Boden huschenden Pfoten. Wenn er sie zum Stolpern bringen könnte... Nein, nein, dazu müsste er sie erst erreichen, und wenn er erst einmal aufgeschlossen hatte, würde er gewiss auch so den Sieg einheimsen. Gewiss.
Es gab sicher noch eine andere Möglichkeit. Vielleicht, wenn er den Weg im Auge behielt. Im Grunde hetzten sie auf der Wiese umher, seine Schwester schlug elegante Haken, während er ihr folgte als habe sie Befehlsgewalt über ihn. Bei dem Gedanken durchfuhr ihn ein seltsames Gefühl. Ein kurzes Schauern, als verbrenne sein Fell auf einer steifgefrorenen Haut.
Niemand hatte Befehlsgewalt über ihn, keine Schwester, kein anderer Wolf, kein Lebewesen. Er war Merawin.
"Merawin. Merawin."
Wieder und wieder hechelte er sich diesen Namen vor, ohne dass jemand ihn hören konnte.
Seine Augen brannten vor Ehrgeiz, und sein Schritt beschleunigte sich. Wenn er doch nur voraussehen konnte, wann seine Schwester diese tückischen Haken schlug...
Dankbar seufzend ließ Kaede sich auf dem Boden nieder. Sie schenkte Nightwish und Thila noch ein Lächeln, ehe sie den Kopf auf die Pfoten sinken ließ. Ja genau dies hatte sie gebraucht. Ihre Schmerzen würden so abklingen können. Hoffte sie zumindest. Die Sonne war nun endgültig untergegangen und gähnen öffnete Kaede ihr Maul.
„Ich denke ich werde hier warten, bis Banshee wieder kommt, ihr beide jedoch könnt euch gerne umsehen. Wie gesagt ich werde euch Bescheid sagen, wenn sie angekommen ist. Natürlich könnt ihr auch hier bei mir ruhen, macht wie es euch gefällt.“
Blinzelnd versuchte sie sich die Bilder des Platzes in ihr Gedächtnis zu rufen, doch wollte es ihr nicht so ganz gelingen. Seufzend klappte sie die Ohren ab, als sie eine Stimme hörte, welche ihren Namen zu rufen schien. Der Geruch der Fähe kam ihr bekannt vor, es musste diejenige sein, welche mit Hiryoga unterwegs gewesen war und ja genau, dort war auch sein duft, eigentlich unverkennbar in der Luft. Die Ohren schnippten nach vorne und angestrengt hob sie ihren Kopf.
„Ja? Wer ruft mich da? Die Begleiterin von Hiryoga wenn ich mich nicht täusche, oder? Er hat dir anscheinend schon von mir erzählt. . . Es freut mich dich kennen zu lernen. Magst du mir deinen Namen sagen?“
Freundlich blickte Kaede mit aufmerksamer Miene zu der Fähe welche auf sie zugekommen war. Mit einem Ruck stand sie auf und schüttelte sich um den Dreck aus ihrem Fell loszuwerden, ehe sie einen tappenden Schritt auf die Fähe zuging und erneut nach ihrem Duft schnupperte. Doch sie war sich sicher, dass es die Fähe von Hiryoga war. Sie war sich nicht sicher, wie sie sich ihm gegenüber verhalten sollte, schließlich war er es gewesen, der gegangen war. Ob er auch noch solche Schmerzen hatte? Sie hätte besser auf ihn aufpassen müssen! Vorwurfsvoll ertönten die Stimmen in ihr, doch hartnäckig bemühte sie sich das Lächeln festzuhalten.
„Es freut mich, dass ihr zwei den Weg in das Rudel gefunden habt. Die eine den Neuen Weg, der andere einen Alt bekannten.“
Sie nickte Hiryoga zu. Sollte sie wohl zu ihm hingehen? Aber anscheinend war ihm nicht danach mit ihr zu sprechen, das musste sie wohl oder übel akzeptieren, so blieb sie dort stehen wo sie war und blickte nur weiterhin freundlich zu der ihr noch fremden Fähe.
Leicht zuckten die Ohren des tiefschwarzen Rüden zurück, als Tyraleens kleine Schnauze die Seine berührte. Dieser nahe Kontakt mit Wölfen war ungewohnt, auch wenn sie noch eine Welpin war. Er fand die Familienverhältnisse dieses Rudel eh immer noch sonderbar, schließlich kannte er nur die raue Gruppe, die seine ‚Familie’ gebildet hatte. Welpen waren irgendwelche Dinger gewesen, nur die Stärksten überlebten und die Schwachen starben entweder, oder wurden nicht beachtet. Das beste Beispiel war seine große Schwester gewesen. Irgendwann war sie ja verschwunden und damals hatte er sich sogar ab und zu gefragt, ob man sie vielleicht auch hatte ... verschwinden lassen? Schließlich war sie eine Last für die Familie gewesen, hatte nichts gebracht, nur Nahrung verschwendet. Auch ihn, einen verwirrten, tiefschwarzen Welpen, hatten sie ja gleich loswerden wollen, aus Gründen, die er nicht kannte und nie erfahren würde. Face Taihéiyo war nicht schwach gewesen, nein, wäre er es, würde er jetzt nicht hier sein. Er hatte nur nicht das tun wollen, was man ihm befahl. Und das hatte natürlich diesen unerklärbaren Hass noch enger geschürt, so eng, dass er praktisch Heute noch fühlen konnte, wie sich immer wieder die harten Zähne in seinen Körper rammten.
Die Krallen des Rabenschwarzen drückten sich ein wenig fester ins Erdreich, während er kurz den Boden in einem Anflug aus Verbitterung betrachtete. Auf Diese folgte gleich wieder diese Gefühlsleere, er wusste nichts mehr damit anzufangen. Es war vorbei, nur die Schmerzen waren immer noch da. Tief in seinem Inneren zurück gelassen. Eine geschändete und zerrissene Seele.
Der saphirblaue Blick verfolgte nun wieder Tyraleen, die noch näher an ihn heran rückte und er ließ sie einfach gewähren. Sie war ein kleiner Welpe, unschuldig. Und hatte sich nicht auch er damals nach Nähe gesehnt? Ihm war sie jedoch verboten worden, ihr nicht. Sie durfte einfach nur eine kleine Welpin sein, das war fast schon beneidenswert. Die eigene Kindheit hatte es nie gegeben. Nun fragte die Weiße, wohin er mit ihrer Mutter gegangen war, die sie seltsamer Weise nicht mal so bezeichnete. Kurz stellte sich Verwirrung ein, normalerweise nannte ein Welpe seine Mutter doch auch so? Mama, oder Mutter, wie auch immer, aber beim Namen? Ja, sogar er hatte zu Dusken, diesem verhassten Rüden „Vater“ gesagt. Vater, ein Wort, dass für ihn immer noch verächtlich klang. Aber, hier war eh alles anders und trotzdem hatte es irgendwo seine Richtigkeit. Nachdenklich sah Face kurz in den Wald hinein, überlegte. Wie sollte er ihr antworten? Die Wahrheit konnte und durfte er nicht sagen, zumal sie diese eh nicht verstehen würde. Niemand würde das verstehen können. Erst recht kein Welpe. Sein tiefblauer Blick wandte sich Tyraleen wieder ruhig zu.
„Wir sind nur im Wald spazieren gegangen, haben ein wenig geredet.“
Jeder andere hätte jetzt ein bekräftigendes Lächeln dazu aufgesetzt, er konnte es nicht. Der Tiefschwarze konnte nicht lächeln, vielleicht konnte er es nie wieder, er hatte es verlernt. Und eine unechte Grimasse wollte er nicht ziehen, er wollte sich keine heuchlerische Maske auflegen.
Face fühlte plötzlich eine kleine Berührung an seiner Pfote und schaute leicht hinab. Sie hatte ihre so winzige Pfote gegen seine große, schwarze Wandererpfote gelegt und das Weiß bildete einen seltsamen Kontrast. Einen Moment fing ihn dieser Anblick, wie anders dieser Ort doch war und welche Gefühle er hervor rufen konnte, all das merkte der Flammentänzer erst jetzt. Erst jetzt, wo man ihn wieder aus dem stillen Ozean gezogen hatte, trotz seines Widerwillen. Es machte ihn fast ein wenig traurig. Ja, es machte ihn traurig zu wissen, wie schnell so etwas zerstört werden konnte. Immer wieder hatte er es miterleben müssen, so oft, dass er nun an ein Anhalten nicht mehr glaubte. Nie wieder.
Daylight warf kurz einen Blick über die Schulter zu ihrem Bruder, er hatte sie bald eingeholt. Ihre Ohren zuckten, sie hörte wie er immer wieder seinen Namen vor sich hin murmelte, immer wieder. Sie legte den Kopf schief und musterte ihn einen Moment lang, sie wusste doch, dass er Merawin hieß, also wieso wiederholte er immer wieder seinen Namen? Sie runzelte die Stirn, da fiel ihr wieder ein, dass sie ja eigentlich vor ihm davon lief, es war ein Spiel, ein Tanz. Da kam ihr plötzlich eine Idee, ihre Augen musterten das hohe Gras, in dem sie fast gänzlich versank, sie lief wieder los, jetzt wo ihr Bruder sie schon fast erreicht hatte, schlug einen eleganten Haken und ließ sich hechelnd ins Gras sinken. Von dort aus schielte sie durch die Grashalme zu ihrem Bruder, beobachtete jeden seiner Schritte. Gleich würde sie herausspringen und ihn erschrecken, der letzte Takt des Tanzes von Bruder und Schwester. Ihre Lefzen verzogen sich zu einem Grinsen und sie stellte sich bereits vor, wie es sein würde, sie würde die Siegerin sein. Ihr Blick huschte wieder zu den anderen Wölfen, die in kleinen Grüppchen verteilt in der Nähe des Rudelplatzes waren, so wie sie selbst. Da kam ihr eine weitere Idee, gerade jetzt achtete niemand auf die beiden Geschwister, sollten sie?
Schon immer hatte die kleine Wölfin wissen wollen, was dort im Wald lag und dahinter. Geduckt schlich sie auf ihren Bruder zu und zischte leise:
"Hey Merawin, komm mal kurz her, ich hab eine Idee! Schau mal, was hälst du davon, wenn wir mal kurz einen Absteher in den Wald machen, jetzt wo niemand auf uns acht gibt?"
Sie lächelte ihm verschwörerisch zu, würde ihr Bruder mit ihr kommen, oder würde er sie verraten, oder sie allein gehen lassen? Gespannt wartete sie auf Merawins Antwort, ihn neugierig musternd. Ihre hellen Augen funkelten abenteuerlustig, schon lief sie durch den Wald, das Laub raschelte leise unter ihren Pfoten, sie würde andere Gegenden anschauen gehen, oh das wäre toll! Jetzt hing alles nur noch von Merawin ab.
Nightwish, nickte es war schön zu sehn das auch Kaede glücklich war, es gab Nightiwsh immer ein gutes Gefuhl wenn ein Wolf glücklich ist. Nighwish lachelte dankbar, sie schaute zu der Parnerin von Hiryoga. Sie lachelte zu ihr freundlich dann wanderte sich noch zu Kaede.
"Ich bleib hier, ich weiß nicht, ob ich ein Wolf finde mit dem ich ein Gesprech anfangen kann. Oder.... ich probiers mal!"
sagte Nightiwish.
"Ich finde vielicht ein Wolf mit demm ich reden kann, wass meinst du Kaede?"
fragte sie, sie setzte sich hin, ihre Beine taten ein bisschen weh, von der ganzen wanderei, sie hatte nie die Zeit zum ausruhn wirklich. Sie hebte ihre Pfote, und ließ es in der Luft ausruhn, doch wartete ja Nightwish was Kaede meinte, ob sie vielicht ein neuen Wolf kennen lernen kann, so lange streckte sich Nightwish und bewegte sich langsam biss sie sich hin gelegt hatt. Nun lag sie und gehnte, sie legte ihre Forder Pfoten unter ihren Bauch, es tat gut, ihre Hinterbeine lagen links von ihren Bauch, so rasteten sie auch. Ihr rücken warleicht zur Seite gelehnt, ihr Kopf blieb aber gerade, so schaute sie auch zur kaede und denn andern. Sie schaute auch sich nochmal die andere Umgebung an, sie wusste nicht wie viele mal sie noch über das Rudel gucken wurde, aber sie gehnte noch mal, und lachte dann plotzlich ganz laut. Sie rollte auf demm Boden, und kuhlerte herrum, biss sie sich auf fing und wieder am gleichen Punkt war wie sie vorhin war, lachent schnappte sie nach Luft.
"Dar war ein Käfer auf meiner Nase!"
sagte Nightwish lachent, aber nun war der Käfer weg, als Nightwish so herrum kuhlerte, und Nightiwsh kratzte ihre Nase mit ihren Pfoten.
Ein erfreutes Quietschen drang aus der kleinen Kehle, als die Zunge Banshees über sein Fell fuhr, als sie ihn berührte, so wie seine Mutter es damals getan hatte. Als die Fähe erneuert zu sprechen begann, drehten sich die kleinen Ohren wieder aufmerksam in ihre Richtung, lauschte und blinzelte sie von unten her aufgeweckt an. Erstaunlich, fehlten ihm doch sämtliche Kräfte. Um so schöner nur, dass sie dann von tragen sprach. Die kleine Rute pendelte ruhig umher, ein kleines Wuffen entfuhr ihm als Zeichen der Zustimmung. Schon im nächsten Moment wurde seine Schnauze sanft von der Pfote geschoben, ein wenig überfordert zappelte er ein wenig und richtete sich auf. Seine kleine schwarze Schnauze kräuselte sich für einen kurzen Moment, nachdenklich spähte er in den dunklen Wald, ehe er wieder zu Banshee sah und sie eindringlich betrachtete, als hätte er schon wieder vergessen, was sie vorhatten. Er selbst spürte nichts davon, was Banshee durchfuhr, er war nur besorgt darum, dass man ihn erneuert allein lassen würde. So tappten seine großen Pfoten für einen Moment auf der Stelle, ehe er einen kleinen hüpferähnlichen Satz machte und weiter neben die Fähe sprang. Seine Bewegungen waren noch ein wenig unstet, wackelig gar, doch die kleine Rute pendelte frohen Mutes umher, nein, noch einmal war er nicht gewillt, jemanden gehen zu lassen. Aus den Augenwinkeln betrachtete er Banshee, nachdenklich. Sie kannten sich noch nicht einmal einen Tag lang, doch die Relationen von Zeit vermochte der kleine noch gar nicht zu wissen. Nein, niemals würde Talvi zulassen, dass er noch einmal allein gelassen wird…
Schnell flogen die Pfoten der jungen Fähe über den Boden. Wobei der rechte Vorderlauf bei jeder Berührung mit dem Boden einen hellen Schmerz durch den ganzen Körper der Wölfin jagte. Sie wusste selber nicht mehr wie lange sie nun eigentlich schon lief und ebenso wenig wusste sie, wie lange es her war das sie in diese verdammte Falle getreten war. Zum Glück war nicht allzu viel passiert, da irgendetwas die Falle dazu gebracht hatte nicht ganz zuzuschnappen. Und trotzdem hatte sie eine ziemlich tiefe wunde im Fleisch hinterlassen. Tyel froh darüber, sie hatte schon andere Tiere in den Fallen gesehen, sie waren schon immer tückisch…diese Fallen, waren dazu gedacht den Tieren die Knochen zu brechen und nicht nur um Wunden zuzufügen. Ein kurzes leises Knurren entstieg ihrer Kehle sie konnte es einfach nicht verstehen warum Menschen so etwas taten…Sie unterdrückte die Gedanken an die Menschen und versuchte nun sich etwas zu überlegen um sich auszuruhen. Sie wusste das sie es dringend benötigte, doch wenn sie jetzt einfach anhielt und sich ausruhte würden die Menschen sie finden ganz sicher, sie brauchten nur der langen Blutspur von der Falle zu folgen und schon hätten sie die Fähe gefunden. Wieder knurrte die Wölfin ihre Wut aus sich heraus.
.oO“ was mache ich hier eigentlich? “Oo.
Mit einer energischen Bewegung schüttelte sie den Kopf sie merkte das ihre Kräfte nun fast endgültig am ende waren, doch lief sie weiter. Man könnte sie als verrückt bezeichnen, auch Tyel selbst tat das. Doch eigentlich liebte sie nur das gleichmäßige Geräusch, dass ihre Pfoten verursachten, wen sie wieder den Boden berührten. Einen kurzen Moment schloss sie die gelben Augen und als sie sie wieder öffnete lag ein fremder Geruch in der Luft. Waren das Wölfe? Andere Wölfe? Tyel konnte es nicht richtig zuordnen sie hatte diesen Geruch so lange nicht mehr in der Nase gehabt. Verunsichert ließ sie den Lauf etwas langsamer werden. Was sollte sie nun tun sie konnte nicht einfach zu den Fremden Tieren gehen. Tyels Ohren zuckten während sie nachdachte. Schließlich änderte sie die Richtung ein wenig damit sie einen großen Bogen um die Wölfe schlagen konnte, vielleicht war es eine nicht so gute Endscheidung. Und wenn doch, dann währe es ihre erste gute Endscheidung. Sie wusste, dass der Wind für sie günstig kam, die anderen Wölfe konnten sie nicht bemerken, dazu müsste schon der Wind drehen. Die Wölfin seufzte leise und beschleunigte ihren Lauf dann wieder. In den letzten Monaten hatte sie viel abgenommen, doch sie hatte auch viele Muskeln bekommen. Manchmal fragte sie sich wie lange sie noch laufen wollte, doch letztendlich hatte sie sich noch nie eine Antwort darauf geben können.
Mit einem Knacken und einem leisen Rumsen landete der Körper der Fähe auf dem Boden. Es war wohl eindeutig. Die ganze Anstrengung und vor allem der Blutverlust hatten ihr die letzten Kräfte geraubt. Sie hatte einfach keine Kraft mehr ihren Körper auf den sonst starken Läufen zu halten. Sie nahm noch einmal alle Kraft zusammen und versuchte aufzustehen. Es war dumm das wusste sie selber nur zu genau und doch konnte sie nicht anders sie war vielleicht einfach zu stur oder zu stolz. Beides traf wohl zu. Wie erwartet stand sie nur sehr kurz, dann strauchelte sie jedoch und landete, wieder begleitet von einem Knacken und einem leisen Rumsen, auf dem Waldboden. Nun jedoch blieb sie einfach liegen ihr war es nun auch egal.
Die Fähe spielte auch jetzt noch mit den rundlichen Braunen Ohren und achtete so auf jedes noch so kleine Geräusch. Nicht nur auf das Rauschen der Blätter über ihr oder auf die Laute der vielen Insekten, nein da waren auch noch die Geräusche der Wölfe die zu ihr herüber getragen wurden. Tyel streckte die Schnauze ein wenig vor und schloss dann wieder die Augen um sich besser auf die Geräusche konzentrieren zu können…
Shit lauschte auf die Antwort, die Midnight ihm gab. Jedes einzelne Wort wurde abgespeichert und fand einen Platz in seinem Bewusstsein. So schnell vergaß er nicht. Ein Lächeln zierte seine Lefzen:
„Wenn du nicht mit Sicherheit sagen kannst, dass du nichts spürst, spürst du etwas.“
Erklärte er dem Rüden dann, um das Ganze einfacher zu gestalten. Die nächsten Worte kommentierte er, kaum das sie erklangen, mit einem Kopfschütteln.
„Halte Shit nicht für eine Art dieser Wölfe, die krampfhaft versuchen, das Leben anderer Wölfe zu beeinflussen. So ist das nicht. Für Shit bist du, mein schwarzer Freund, einzigartig. Es gibt keine Möglichkeit, dich jetzt wieder im Stich zu lassen. Shit wird dich mit zu Banshee nehmen, dich ihr vorstellen und dann versuchen, eines Tages wieder ein Lächeln auf deine Lefzen zu zaubern.“
Ob Midnight dies wohl richtig verstand? Verstand sich Shit überhaupt selbst richtig? Irritiert, dennoch amüsiert grinsend, überlegte er eine Weile.
„Denk nicht, damit wäre es dann getan. Shit ist nur ein Wolf wie jeder andere, aber vielleicht kann er dir helfen, wieder ins Leben, ins Licht zurück zu finden, um eines Tages von dir zu hören, dass du nicht bereust, ein bisschen tapferer gewesen zu sein und nicht in den Abgrund gesprungen zu sein.“
Er nickte, als wollte er damit seine Worte bestätigen.
„Es ist ein Versuch. Jetzt ist es noch nicht zu spät und Shit und du, wir könnten doch Freunde sein, oder? Möchtest du einen Freund haben? Willst du der Einsamkeit nicht vielleicht für ein Weilchen den Rücken kehren? Du hast doch noch dein ganzes, restliches Leben Zeit, um zu sterben, versuch es doch vorher noch einmal, mit dem Gegenteil davon. Okay? Shit ist dir vielleicht nicht sonderlich ähnlich, aber das spielt doch keine Rolle, oder? Freunde müssen nicht gleich sein, sie müssen sich nur etwas zu geben haben.“
Er kuschelte sich wieder in das Fell des schwarzen Rüden. Dieses Mal war es anders. Nicht diese anhängliche Art, dieses plötzliche schmusen, bei dem er vor niemandem zurück schrecken würde. Es war vielmehr eine Geste der Zuneigung, die einzig Midnight gebührte. Seinem Freund.
„Komm, großer, schwarzer Wolf, folge dem seltsamen braunen Rüden und lass dich vom Leben überraschen.“
Er grinste und sprang auf die Pfoten. Ein Stück rannte er davon, kam dann wieder zurück, um Midnight zu umrunden und wieder nach vorne zu rennen. Er blieb stehen und wartete dann, dass der Schwarze ihm folgte.
Der aggressive Blick des Jungwolfes harrte nach wie vor starr auf seiner kleinen Schwester. Dieses kleine Biest! Ein typischer Welpe, große Klappe ... wollte nicht hören, aber sobald man ihnen Dampf machen wollte, rannten sie schreiend davon. Averic kratzte mit den scharfen Krallen an seinen großen Pfoten ein wenig die Erde auf, blickte von oben herab auf die dumme, kleine Fähe. Eigentlich ... war doch niemand Wichtiges in der Nähe, oder? Kein Rüde, der ihm irgendwie das Wasser reichen konnte – vielleicht der Rabenschwarze, aber der würde sich sicherlich nicht einmischen. Mutter weg, Vater weg, andere starke Rüden, wie Falk und Hidoi, alle weg. Von denen würde wahrscheinlich auch nur seine Mutter wieder herkommen. Da lag das Problem, sie würde wiederkommen. Mord an einem Welpen ließ sich nicht so leicht vertuschen, oder auf wen anders schieben, wenn das Blut noch an den eigenen Fängen klebte. Vielleicht konnte man sie im See ertränken, aber es gab hier einfach zu viele Zeugen. Innerlich seufzte die Verdammnis auf, traurig. Jetzt konnte er diesem dummen Welpen nicht mal eine Lektion fürs Leben erteilen. Langsam und bedrohlich senkte er den großen Kopf wieder zu seiner Schwester hinab, blickte starr und hasserfüllt in ihre unschuldigen, vor Naivität triefenden Augen.
„Das wüsstest du wohl gerne, was? ... Willst du das wirklich wissen?“
Ein kehliges Knurren rollte unterstreichend durch seinen Rachen, aber da signalisierten ihm die spitzen Ohren auch schon, dass wieder jemand herkam. Blitzschnell hob er den Kopf und sah mit gesträubtem Fell, wie sich ein schwarzer Wolf näherte. Da war das Ganze auch schon vorbei. Das dicke Fell schmiegte sich wieder dicht an seinen Körper, dem verachtendem Blick wich ein Desinteressierter. Es war bloß Cylin, sein kleiner, geliebter Bruder. Vor ihm hatte er nichts zu befürchten, nie im Leben. Averic hob den Kopf wieder, die Welpin war Luft. Die tiefblauen Augen wandten sich dem Bruder zu, während sich seine Rute ruhig um die Hinterläufe legte.
„Cylin ... auch wieder da?“
Seine Stimme klang nach wie vor kühl und abweisend, nur sein Bruder würde wohl den Unterton erkennen, den er nur ihm schenkte. Das freundliche Funkeln in den sonst so eiskalten Augen, das galt nur ihm, niemand anderem.
In seinem Kopf herrschte plötzlich eine nie gekannte Stille, die einzig von dem Rauschen des Blutes unterbrochen wurde. Er hörte, wie sich das Blut in seinen Ohren bewegte, wie sein Herz unnatürlich schnell schlug, seine Atemzüge unruhig gingen und die Stille in seinem Kopf immer lauter zu werden schien. Hiryoga verstand nicht, was gerade in ihm vorging, er spürte nur, wie Shani ihn in Richtung Kaede schob, sein Blick traf die fast blinde Fähe. Sie redeten miteinander, der Hellbraune sah wie sich ihre Lefzen bewegten, doch er verstand nichts, er konnte nichts hören und seine Stimme versagte ihm. Erst als seine Patin ihn angesprochen hatte, schreckte er auf. Alt bekannten...was? Es dauerte einen Augenblick bis er seine Gedanken ordnen konnte und den Zusammenhang des Satzes verstand. Ein alt bekannter Weg war es gewesen, nur ein anderer Wolf hatte ihn bestritten, er hatte sich verändert, sodass es nicht mehr der alt bekannte Weg war, sondern ein neuer Weg, ein Weg der ihn viel Kraft und Überwindung gekostet hatte. Die Ohren des Jungwolfes hatten sich leicht schräg nach hinten an den Kopf gelegt, seine Rute war leicht an die Hinterläufe gezogen und spiegelte seine Unsicherheit nur zu gut wieder. Shani kam so freundlich und selbstbewusst wie immer rüber, so wie er sie in den letzten Wochen eben kennen gelernt hatte, er dagegen verfiel seiner alten Persönlichkeit, der, vor der er geflohen war und der er immer noch nicht entronnen war. Selbst das bekam der Rüde nicht hin, sich zu verändern, seine alte Persönlichkeit abzulegen, wie sollte er mit anderen klar kommen, wenn er mit sich selbst nicht klar kommen konnte?
Sein Blick huschte zu Kaede, sie war im Grunde nun ganz blind, sah nichts mehr, aber sie würde wahrscheinlich seine Unsicherheit spüren, in dieser Hinsicht konnte sie ihn durchleuchten, wie kaum jemand.
"Es freut mich, dich wieder zusehen. Ich hoffe doch, es geht dir gut, es ist einige Zeit vergangen..."
Wie man es von ihm gewohnt war, ertönte seine Stimme nur leise und zaghaft, zitternd, unsicher und ängstlich. Es schmerzte zu sehr, sie anzusehen und ihr diese Worte zu sagen, daher entschied er sich fürs erste, nicht an sie heran zu treten. Der Braune fürchtete sich vor ihrer Berührung, der Schmerz und die Erinnerungen, die damit verbunden waren, das wäre wohl zu viel gewesen für ihn, in diesem Augenblick. Hiryoga's Blick flüchtete zu Shani, sie hatte ihn hier her geschleppt, nun sollte sie auch etwas tun, er war mit dieser Situation überfordert.
Der Nachtsohn hüllte sich wieder in Schweigen, versuchte das innerliche Chaos und die Wunden zu ignorieren, die er nie hatte heilen lassen. Bilder tauchten vor seinem geistigen Auge auf. Bilder mit glücklichen Gesichtern, Bilder von Fremden, die er nie zuvor gesehen hatte, die aber doch vertraut waren. Sachte schüttelte er mit dem Kopf, versuchte diese Bilder los zu werden. Wer das war, darüber wollte er nicht nach denken. Er wusste ja noch nicht ein Mal, wer er selber war. Er kannte seinen Namen und was noch? Nur den verzweifelten Wunsch, allem hier zu entfliehen. Er war feige, er rannte vor allem davon. Er war feige und zudem auch noch egoistisch. Schön. War das alles, was ihn aus machte oder war da noch mehr? Resigniert lauschte er Shits Worten.
.oO(Ich spüre etwas in mir. Diese Leere, der Nebel, der alles verschlingt. Mehr ist mir nicht geblieben. Selbst das Lächeln hat man mir genommen, so habe ich längst vergessen, wie das geht. Tapfer? Ich bin weder tapfer, noch sonderlich mutig. Ich renne davon und auch vor dir würde ich reiß aus nehmen, wenn ich es denn könnte. Ich fliehe mich in den Tod, da hast du vollkommen recht. Ich leugne meine Feigheit nicht, auch nicht, das ich vielleicht ein Tor bin. Ein verlorener Narr, der die Erlösung sucht. Es ist zu spät. Wie lange weiß ich nicht, aber seit mein Herz auf hörte zu schlagen, seit es keine Gefühle mehr wahr nimmt, ist es zu spät. Ich hatte nie einen Freund, nie hat jemand mein Freund sein wollen. Wie kommt es, das du mir gleich deine Freundschaft schenken möchtest?)Oo.
Fragen über Fragen und keine Antworten. Nachdenklich musterte der Rüde den Boden. Die Krallen gruben sich ein Stück weit hinein, als versuche er Halt zu suchen. Halt. Er brauchte etwas, woran er glauben konnte. Konnte er an die Worte Shits glauben?
"Warum willst du unbedingt mein Freund sein? Es spielt wohl tatsächlich keine Rolle, denke ich, ob man sich nun ähnlich ist oder nicht. Aber was habe ich groß zu bieten? Nichts."
.oO(Und davon jede Menge.)Oo.
, dachte er bitter. Wieder schlossen sich die blauen Augen von der Farbe wie der Nachthimmel über ihren Köpfen. Kaum hatte der Nachtsohn seine Augen geschlossen, als er wieder ein Mal mehr die sanfte Geste des Grauen spürte. Etwas Beklemmendes schlang sich um seine Brust. Er hatte das Verlangen auf der Stelle los zu preschen, kopflos irgendwohin zu laufen, wo ihn niemand mehr so durcheinander brachte, auf der anderen Seite war da die leise Stimme, die ihm gut zu rief. Sollte er über seinen Schatten springen und die Pfote Shits annehmen, die er ihm nun mehrfach gereicht hatte. Ein Seufzen entfloh ihm, als er den Kopf einen Augenblick auf das graue Fell bettete, die Augen nach wie vor locker geschlossen. Vielleicht konnte er ihn wirklich lehren, was es hieß zu leben. Nur einen kurzen Augenblick verharrte er so, als sich sein selbsternannter Freund von ihm löste und den Bergweg hinunter rannte. Midnight hatte sich noch nicht weiter bewegt. Zu sehr erstaunte ihn seine eigene Reaktion, doch rückgängig machen konnte er sie nicht. Es war verrückt. Er war verrückt. Eindeutig, wenn er Shit jetzt nun wirklich folgte. Einen einzigen Blick schenkte er noch dem Abgrund, ehe er bedächtig, fast schon feierlich eine schwarze Wanderpfote anhob, sie wieder absetzte, das mit den restliche drei auch tat und Shit schließlich folgte.
Shit wartete auf Midnight, lauschte allem, was er noch sagte. Als er ihm dann folgte, peitschte die Rute urplötzlich in riesigem Tempo hin und her. Sein Strahlen verriet wohl allzu deutlich, wie sehr er sich freute, das sein schwarzer, neugewonnener Freund sich nun entschieden hatte, mit ihm zum Rudel zukommen.
„Weißt du… Liebe ist nicht der Wunsch etwas zu bekommen, sondern etwas zu schenken. So ist es mit Freundschaft doch auch, oder? Denkt Shit jedenfalls mal, wird schon irgendwie stimmen.“
Hatte diese Aussage nun Hand und Fuß? Shit schüttelte irritiert seinen Kopf, um diesen wieder frei zu bekommen und ein lästiges Kitzeln am Ohr loszuwerden. Seine hellen Augen ruhten auf Midnight, der sich, sollten ihn seine Sinne nicht trügen, ein wenig auf ihn eingelassen hatte. Nicht nur, dass er ihm folgte, nein, er hatte die Berührung gespürt, die ausnahmsweise nicht von Shit ausgegangen war.
„Es freut Shit ja so, dass du dich entschlossen hast, mit zum Rudel zukommen, Midnight, schwarzer Freund. Mal sehen, wie Shit dir helfen kann, wenn du Fragen hast, frag nur und wenn du irgendetwas brauchst, sag es einfach. Wir können uns doch immerhin verständigen, um uns verständlich zu machen und nicht um aus uns ein Geheimnis zu machen, dass andere versuchen können, zu lüften, ohne das man beabsichtigt, wirklich etwas über sich preis zugeben. Es macht nichts, ehrlich zu sein. Wenn wir zu dem stehen, was wir sind, wissen andere auch, um wen es sich bei uns handelt. Auf diese Weise finden wir besser zu uns selbst.“
Was redete er da eigentlich schon wieder? Gute Frage, allerdings hatte er schon mehr oder weniger wieder vergessen, was er gesagt hatte und lief nur strahlend neben Midnight her, Pfote vor Pfote setzend.
„Shit hat schon erwähnt, dass er auch noch nicht allzu lange bei diesem Rudel verweilt, oder? Er hatte sogar eine kurze Zeit lang eine Freundin. Aber die ist ihm dann irgendwie davon gelaufen. Shit war wohl wieder einmal zu verrückt.“
Mit seinem heiteren Gemüt war sein Laufen eher ein Tanz der Freude. Verspielt und lebhaft, wie es seine Art war, führte er Midnight zum Rudelplatz. Nicht ganz, denn ehe sie diesen erreichten, stieg ihm die Witterung von Banshee in die Nase. Sie war irgendwo anders. Also folgte er dem bekannten Geruch. Ob sie sich noch an ihn erinnerte? Bestimmt, sie war doch eine liebe Wölfin.
„Kennst du die Regeln eines Rudels? Also Shit kennt sie, falls du was wissen willst, er hält sich nur nicht sonderlich häufig daran. Also eigentlich ein schlechter Lehrer, oder?“
Er grinste und lief so dicht bei Midnight, dass sich hin und wieder die Schulterblätter der beiden großen Rüden berührten. Die Aufmerksamkeit eines graubraunen Wolfes hatte sich nun auf einen Freund konzentriert. Es war nicht so, dass Shit viele Freunde hatte, eigentlich war der Schwarze der einzige. Ein Grund mehr, alle Sinnesorgane auf ihn auszurichten. Für den jung wirkenden Verrückten würde es in der nächsten Zeit wohl nur einen Lebensinhalt geben. Schonenderweise verschwieg er Midnight dies vorsichtshalber, damit er sich nicht doch um entschied und zum Abgrund zurück lief.
Schweigend setzte der Schwarze eine Pfote vor die andere, hielt ein gleich bleibendes Tempo. Die Schultern bewegten sich rhythmisch vor und zurück, stießen hin und wieder gegen die Schulter von Shit, was diesen allerdings, im Gegensatz zum Nachtsohn, nicht zu stören schien. Ihm jedoch stach immer wieder etwas in seinem Körper, was er nicht so recht deuten konnte. Die Ohren waren nach vorne gehüllt und fast währe er wieder in seine Gedanken abgedriftet, der Graue wusste dies allerdings gut zu verhindern. Er redete auf ihn ein und so langsam keimte die Frage in ihm auf, ob der Rüde an einem Stück ohne zu atmen reden konnte und wie lange er dies durch hielt. Aber er sagte nichts dazu. Auch zu seinem erheblichen Wortschwall sagte er nichts. Liebe...Was war denn schon Liebe? Und Freundschaft? Konnte er darauf bauen? Er würde sehen. Nachdenklich betrachtete Midnight Shit von der Seite. Wer ehrlich war, konnte besser zu sich selber finden. Doch er bezweifelte stark, das er zu sich finden konnte, auch wenn er noch so ehrlich war. Wo nichts war, konnte er auch nichts finden, oder? Dabei konnte ihm keiner helfen, auch kein redseliger Grauer neben ihm.
"Doch, das hast du erwähnt, denke ich. Allerdings spielt es keine Rolle, wie lange man sich irgendwo aufhält."
Seine Gedanken glitten wieder zu der Eiswüste zurück, aus der er praktisch gerade kam. Seine Heimat der letzten Monate. Ein hartes Leben, in dieser unheilvollen Todeszone und dennoch... Er hatte die Abgeschiedenheit gesucht und sie dort auch gefunden. Ob er sie noch mehr vermissen würde, sollte er sich jetzt zu dem Rudel begeben? Eigentlich mochte er keine großen Ansammlungen und er hatte bisher auch noch keinen Schimmer, was er sagen sollte. Er hatte nur ein Mal für ganz kurze Zeit den Weg mit einem Wanderrudel geteilt. Aber das war schon so lange her, das auch diese Erinnerung fast verblichen war. Shit hatte eine Freundin? Das war ja...ungewöhnlich nicht, aber seltsam, das sie wieder gegangen war. Ein plötzlicher aufkeimender, vertrauter Schmerz in seiner Brust ließ ihn für einen Moment nach Luft schnappen. Was war denn jetzt? Wieder flammte ein Bild vor seinen Augen auf: Zwei schwarze Wölfe, mit friedlichen, glücklichen Gesichtern. Doch so schnell es gekommen war, war es auch schon wieder verschwunden. Schnell lief er ein paar Schritte schneller, denn er war diesen Augenblick stehen geblieben und wollte nun zurück bleiben. Vielleicht hatte Shit, trotz seiner Naivität und seines eigenwilligen Verhaltens, doch Recht und er konnte ein neues Leben anfangen. Ob er es wollte und würde annehmen können, würde sich zeigen.
"Ich war nie wirklich bei einem Rudel, weil ich nie wirklich irgendwohin gehört habe."
Seine Stimme war leise und doch, wie ein kühler Nachthauch es war, angenehm und klar vernehmbar. Freiheraus sah Midnight in die hellen Augen seines Begleiters.
"Aber ich werde schon klar kommen, denke ich. Trotzdem danke."
, fügte er schnell hinzu. Das er nun alle Regeln und dies und das erklärt bekam,in aller Länge und Breite, wollte er versuchen zu vermeiden oder zumindest eine kürzere Version erhalten. Zumal er sich auch mit dem Gedanken anfreunden konnte, von den Alphas vertrieben zu werden. Dann musste und würde er gehen, zurück in die Eiswüste, seinem gefrorenen Herzen.
Shit strahlte heller als die Sonne. Er und sein neuer Freund, zusammen auf dem Weg zu ihrem Rudel, zu den Wölfen, die ihre Pfade immer wieder kreuzen würden. Der braune Rüde setzte seinen Tanz fort und fegte durch den Wald, natürlich nicht vergessend, Midnight immer anzulächeln und von Zeit zu Zeit anzustupsen.
„Natürlich spielt es eine Rolle, wie lange man sich irgendwo aufhält. Daraus schreibt sich unser Leben, unser Charakter. Jeder Schritt den du tust beeinflusst dein Leben. Jeder Schritt kann alles verändern.“
Erklärte er dann, mit verheißungsvollem Blick. Er sah aus, wie ein Wolf, der gerade an einer Verschwörung arbeitete, nur eben viel welpischer und deswegen wohl auch nicht sonderlich beängstigend.
„Man nehme nur einen Abgrund. Einmal die Pfoten nach vorne und schon ist alles vorbei. Das ist ein kleiner Einschnitt, im Vergleich zu dem, wie wir, während unseres Lebens, die Welt verändern. Wenn wir uns nie begegnet wären, weil Shit nie los gelaufen wäre, in die Berge, dann hätte sich vielleicht alles verändert. Wer weiß was du in Zukunft noch tun wirst, das wird die Welt beeinflussen.“
Mit breitem Grinsen sah er ihn an, wie ein nichtiger Zwerg einen Helden. Er hatte sich schon gedacht, dass Midnight nie wirklich in einem Rudel gelebt hatte. Dummerweise konnte Shit ihm da auch nicht weiterhelfen, dieser war schließlich erstmals in seinem Leben an einem Ort willkommen. Eine große Ähnlichkeit, irgendwie. Jedenfalls versuchte der Graubraune sich das einzureden.
„Ist ja auch nicht so wichtig. Wie Shit schon sagte ist Banshee eine wirklich liebe Wölfin, sie wird dir nicht böse sein, wenn du die Regeln nicht kennst.“
Seine Rute pendelte hin und her, im gleichen Takt wie sein Herz schlug. Er lief inzwischen ruhiger und gemütlicher, sah sehr verträumt aus. Er hatte ein sanftes, liebes Welpenlächeln auf den Lefzen und betrachtete den Wald, durch den er streifte. Inzwischen kannte er das Revier gut. Schon einmal war er hier in der Nähe gewesen.
„Midnight, erzähl Shit noch mehr über dich.“
Wer hätte es geglaubt, nach dieser Bitte schwieg Shit. Er war ganz still und sah immer wieder abwartend zu seinem Freund. Die Ohren waren aufmerksam aufgestellt und er versuchte abzuschätzen, ob Midnight nun etwas erzählen würde oder es mit einem ‚Da gibt’s nichts zusagen’ abtat.
Anders als Shit, der herum tänzelnd mal voraus lief um dann wieder zu dem Nachtschwarzen zurück zu kehren, setzte Midnight praktisch Pfote vor Pfote. Fast bedächtig lief er zwischen den Bäumen hindurch und verschmolz vollkommen mit der Dunkelheit. Das nachtschwarze Fell, das jetzt seinen leichten Glanz zeigte, passte sich perfekt an die Umgebung an. Für einen kurzen Augenblick lief dem Rüden ein kühler Schauer über den Rücken, als würde kalter Regen seine Gliedmaßen herab tröpfeln und die dichte Nackenkrause stellte sich ein Stück weit auf. Aufmerksam aber ruhig lagen die blauen Augen, die aus der Dunkelheit trotz ihres matten Glanzes, aus dem schwarzen Gesicht heraus stachen, auf seinem Begleiter. Fast zögerlich legte sich die Nackenkrause wieder dicht und seidig an. Für einen Augenblick blieb der Nachtsohn stehen und sah sich um. Seine Augen wanderten die Bäume hinauf, bis er zwischen den Wipfeln den Himmel erkennen konnte. Die Sterne funkelten ihm entgegen, spiegelten sich schon fast in dem mitternachtsblau seiner Augen. Ein einsames Funkeln.
.oO(Aber…ich bin doch jetzt nicht mehr einsam, oder?)Oo.
"Ob ich jetzt wohl…leben kann?"
Nur leise waren die Worte aus seiner Kehle gekommen, er hatte gar nicht bemerkt, dass er seine Gedanken laut ausgesprochen hatte. Ob Shit sie gehört hatte? Noch ein paar Minuten blieb der Schwarze still stehen, ehe er den Kopf senkte und seinen Weg fortsetzte. Dieser hatte ihn nach langer Zeit der Abgeschiedenheit hier in dieses Tal verschlagen und ihm einen Begleiter geschenkt. War es nun vorüber? War es vorbei? Würde man ihn jetzt in Ruhe lassen? Vielleicht ließ man ihn zumindest leben. Das wäre schon Mal ein Fortschritt. Sein ruhiger Blick heftete sich auf die hellen Augen.
"Ich denke, dass es nicht darauf an kommt, wie lange man an einem Ort ist, sondern mit wem man dort ist und ob man sich mit dem Ort verbunden fühlt. "
Nach den nächsten Worten des Grauen hätten andere womöglich laut los gelacht. Vielleicht hätte auch er gelacht, wenn er ein anderer wäre, aber so lachte er nicht. Es war nicht in seiner Natur jemanden aus zu lachen. Zumal er dazu kein Recht hatte. Shit war gerade mal einen Winter jünger als er. Sie beide waren weit herum gekommen, jeder auf seine Weise. Und jeder hatte auf seiner Reise seine Weisheiten und Erfahrungen gesammelt.
"Die Welt verändern sagst du. Glaubst du wirklich, dass wir jetzt die Welt verändern? Vielleicht ändern wir unsere Zukunft und die des Rudels, trotzdem ist das nicht die ganze Welt. Und wärst du nicht los gelaufen und mich gefunden, hätten wir uns niemals kennen gelernt, dann wäre ich tot und du bei den Welpen. Mich würde keiner vermissen, da mich keiner gekannt hat und keiner kennt. "
Seine Gedanken wurden durch Shits Worte wieder auf das Rudel gelenkt. Schon mal gut, das er den Namen der Alpha kannte. Und womöglich der Wölfin, die ihn von hier fort jagen würde. Welch Ironie. Aber er würde sehen. Noch waren sie nicht angekommen. Doch auch von diesem Gedanken wurde er abgelenkt, denn ein ungeheurer Druck breitete sich rasend schnell in seinem Magen aus, stieg hoch in seine Kehle, bildete dort einen Kloß, erfüllte seinen Körper und machte diesen ganz schwer. Er sollte etwas über sich erzählen. Was sollte er denn sagen? Es gab nichts, wovon er berichten konnte.
"Wer niemals gelebt hat, der hat nichts zu erzählen. Ich könnte dir höchstens von meinem Aufenthalt in der Eiswüste erzählen. Aber das wird dich eher langweilen als begeistern. "
Mit neutraler Mine musterte er den begeisterten Blick des Grauen, ehe er wieder nach vorne sah. Er hatte eigentlich schon viel für seine Verhältnisse gesagt und er würde sich hüten zu viel zu sagen.
Die Worte von Hiryoga trafen sie stärker als sie es vermutet hatte. Seine Stimme war wie früher zittrig und leise, er traute sich nichts zu, sie spürte das er überfordert mit der Situation war. Sie wiederzusehen, das war eine Sache vor der er Angst hatte, panische Angst würde sie behaupten. Sie spürte auch dass sie ihm nicht zu nahe kommen durfte, seine ganzen Schwingungen drückten Unsicherheit, Unbehagen aus und das machte Kaede traurig.
"Es würde mich freuen wenn deine Worte ernst gemeint sind, jedoch kann ich dir das nicht richtig abnehmen! Ich spüre keinerlei Freude von deiner Seite aus. Und ja es geht mir den Umständen entsprechend gut. . ."
Ein beharrliches Schweigen legte sich über Kaede, Traurigkeit umspülte sie und sie seufzte leise, kaum hörbar.
"Bitte entschuldigt mich, ich glaube ihr solltet euch erst eingewöhnen. Banshee kommt hoffentlich auch bald!"
Damit drehte sich Kaede um, denn genauso wie sie Hiryogas Gefühle spüren konnte, konnte er von ihrer Miene ablesen und auch wenn diese eher Maskenhaft war müsste er ebenfalls ein wenig spüren können wie es ihr ging und das wollte die Fähe nicht.
Schwer fühlten sich ihre Pfoten an, als sie sich wendete und langsam einige Schritte davon tappte. Immer schwerer und immer langsamer kam es ihr vor, wie sie die Pfoten hob und sich entfernte. Ihr Körper schrie auf vor Schmerzen, doch ließ sie sich nichts anmerken, schleppte sich also mühsam zu einem Baum im Schatten und ließ sich dort wohl eher plump auf den Boden fallen. Dort schloss sie angestrengt die Augen und ließ den Kopf auf den Boden sinken. Ihr Herz schien zerbersten zu wollen vor Traurigkeit, welche sie immer noch überflutete. Sie wusste nicht ob sie das richtige getan hatte, aber sie konnte nicht anders. Sie hoffte nur es würde sich nach der Zeit wieder alles einspielen. Und die Schmerzen sollten aufhören.