Wenn kein Licht im Dunkeln ist Wenn du Liebe nur vermisst
Wenn die Angst am meisten brennt Dich von jedem Handeln hemmt
Wenn du glaubst du bist vom Ausweg weltenfern getrennt
p
e r s ö n l i c h e s .
NAME Chivan BEDEUTUNG 'das Leben' TITEL
Morgendämmerung UNTERART Mackenzie Valley Wolf
GESCHLECHT Rüde; männlich ALTER fünf Jahre
RUDEL Rudel der Sternenwinde RANG Wanderer
GLAUBENSZUGEHÖRIGKEIT zwischen Tod und ewig' Leben
a n t l i
t z .
FELLFARBE bunt - grau, weiß, beige, braun, schwarz
AUGENFARBE blasses Blau GRÖSSE zweiundneunzig
Zentimeter GEWICHT ca. fünfundsechzig Kilogramm
BESONDERES die Farbe seiner Augen
Eines ist sicher – hat man ihn einmal gesehen, einmal kennengelernt,
so würde man ihn auch noch nach Jahren in seinem einprägsamen,
einzigartigen Pelz erkennen. Es ist schwer, ihn zu beschreiben,
allein, weil sich so gut wie jede mögliche Farbe darin finden lässt
und man ihn somit in ein herbstlich buntes Fell gekleidet hat. Den
Grundton bildet dabei ein helles Beige, welches an Rücken und Brust
durch Schwarz und Grau unterbrochen wird. Daher scheint sein Pelz
trotz der hellen Grundfarbe mehr dunkel und lässt ihn so im
Zusammenspiel mit seiner Größe imposanter wirken. Doch das allein
ist es nicht, was ihm solch ein einzigartiges Aussehen verliehen
hat, immerhin wiesen auch seine Geschwister und seine Mutter diese
dunklere Färbung am Rücken auf, auch, wenn die Natur bei den anderen
mehr mit Brauntönen gespielt hatte. Tatsächlich war der Rüde in
seinem Rudel der einzige, der mit einem derart dunklen Pelz
beschenkt worden war. Doch wie schon erwähnt, ist das nicht wirklich
ein Merkmal, was man als ‚einzigartig‘ beschreiben würde. Viel mehr
meint man damit die dunkle Maske um seine Augen herum, die sich
deutlich vom helleren Grau seines Kopfes abhebt. Auch zieht sich vom
Nasenrücken her ein dunklerer Streifen bis hin zu seinen dunklen
runden Ohren. Das Zusammenspiel von Grau und Beige bewirkt, dass die
meisten wohl sagen würden, dass sich in seinem Pelz auch Braun
finden ließe, doch um mehr als ein paar braune Strähnen am Kragen
handelt es sich dabei nicht. Der Kragen insgesamt hebt sich deutlich
vom Rest des Pelzes durch eine dunklere Farbe ab, bis sein Fell
wieder fast schon abrupt in das Beige von Bauch, Läufen und Rute
übergeht. Mindestens genauso auffällig wie die dunkle Maske seines
Gesichts ist das helle Blau seiner Augen. Sie mögen zwar in einer
kühlen Farbe gehalten sein, aber dennoch strahlen sie Wärme und auch
Vertrauen aus. Manchmal scheinen seine Seelenspiegel fast grau, an
anderen Tagen wiederum kann man das Blau in ihnen deutlich erkennen
– es kommt eben ganz darauf an, wie sich das Licht der Sonne in
ihnen verliert.
Chivan ist ziemlich kräftig gebaut und auch
mit seiner Größe von zweiundneunzig Zentimetern könnte man ihn fast
schon als Hüne bezeichnen. Nichtsdestotrotz wirkt er von den
Proportionen her ausgeglichen und ‚passend‘ – eben nicht
hochgewachsen oder schmal. Auch sein Gewicht von ungefähr
Fünfundsechzig Kilogramm deutet darauf hin, dass unter seinem Pelz
eine Menge von Kraft ruht, denn dick wirkt er wirklich nicht.
c h a r a
k t e r .
STÄRKEN loyal; mutig; optimistisch; zuhörend; ruhig; neutral SCHWÄCHEN aufopfernd; distanziert; verschlossen;
unergründlich; misstrauisch; verträumt BESONDERES die
Verbundenheit mit den Göttern, die ihm eine Bestimmung zugesprochen
haben
IN ERSTER LINIE KANN MAN CHIVAN ALS FRIEDLICHEN UND VOR ALLEM
FREUNDLICHEN RÜDEN BEZEICHNEN. ER MAG VON KRÄFTIGER STATUR SEIN,
DOCH DAS HAT IHN NOCH NIE DAZU GEDRÄNGT, DIESE KRAFT AUCH BEI JEDER
GELEGENHEIT ZUR SCHAU ZU STELLEN. EIN ‚SANFTER RIESE‘ ALSO, DER SICH
LIEBER AN WORTEN PROBIERT, DENN GENAU WIE SEIN BRUDER SCHEINT AUCH
IHM DIE GABE GEGEBEN WORDEN ZU SEIN, AUSSERORDENTLICH GUT MIT WORTEN
ZU JONGLIEREN.ANDERS ALS BEI SEINEM BRUDER SEÂTAN ALLERDINGS LIEGT
SEIN ZIEL DABEI NICHT DARIN, ANDERE VON IRGENDETWAS ZU SEINEM
VORTEIL HIN ZU ÜBERZEUGEN, DENN CHIVAN IST NIEMAND, DER SEINE
MEINUNG FÜR DIE EINZIG RICHTIGE HÄLT. DAS HEISST NICHT, DASS ER SICH
NAIV VON ANDEREN ÜBERZEUGEN LÄSST, ABER ER IST KEINESWEGS EIN WOLF,
DER STURR AN SEINEN ANSICHTEN FESTHÄLT UND SICH NICHTMAL VON GUTEN
ARGUMENTEN UMSTIMMEN LÄSST. BESONDERES THEMA WAR ZWISCHEN DEN BEIDEN
BRÜDERN STETS DER GLAUBE, DER VOM EINEN ALS UNNÜTZ UND VERBLENDUNG
GESEHEN WURDE, WÄHREND DER ANDERE ALL DAS ALS BEREICHERUNG ANGESEHEN
HAT. CHIVAN SIEHT IN DEN MYTHEN UND LEGENDEN MEHR ETWAS LEHRENDES,
ETWAS, WAS EINEM HOFFNUNG UND KRAFT GIBT, DURCHZUHALTEN. DER BUNTE
SIEHT NICHT NUR MIT DEN AUGEN, NEIN, AUCH SEIN HERZ SIEHT FÜR IHN
MIT UND SOMIT IST ES FÜR IHN IRRELEVANT, OB DAS, WORAN ER GLAUBT,
WIRKLICH AUS FLEISCH UND BLUT IST, ODER DOCH ÜBER DIE ANDEREN SINNE
ZU IHM SPRICHT. VIELLEICHT MÖGEN IHN MANCHE ALS TRÄUMER BEZEICHNEN,
DOCH DARÜBER LÄSST SICH STREITEN. ES MAG SEIN, DASS SEINE ANSICHTEN
NICHT MIT ALLER MACHT AN DAS SICHTBARE UND BEWEISBARE GEKETTET IST,
DOCH IST DAS WIRKLICH EIN GRUND, DAVON AUSZUGEHEN, DASS ES NICHT
EXISTIERT? MAN SIEHT NUR MIT DEM HERZEN GUT, DENN DAS WESENTLICHE
BLEIBT FÜR DIE AUGEN VERBORGEN – EINE WELT BESTEHT NICHT NUR AUS
DINGEN, DIE MAN SEHEN KANN, DAVON IST ER FEST ÜBERZEUGT. DOCH UM DAS
WESENTLICHE ZU SEHEN, MUSS MAN DAFÜR OFFEN SEIN UND DEN DINGEN DIE
CHANCE GEBEN, EINEN ZU ERREICHEN. WENN MAN VON ANFANG AN EINE LÜGE
DARIN SIEHT – WIE SOLL ES EINEN DANN SCHON BERÜHREN?
» solang' ich am leben bin « solange dein glauben nicht zerbricht
werde ich stolz an deiner seite stehen » denn ich lebe nur für
dich «
DENNOCH BEZIEHT SICH DER BUNTE BESONDERS,
WENN ES UM SEINE GEFÜHLE GEHT, MEHR AUF SEINEN VERSTAND UND BEMÜHT
SICH, ALLES AUS EINER GEWISSEN DISTANZ HERAUS ZU SEHEN. ER URTEILT
NICHT UND VERSUCHT AUCH DIE ZU VERSTEHEN, DIE IM ERSTEN AUGENBLICK
UNERGRÜNDLICH UND UNSYMPATHISCH SCHEINEN. ER IST NIEMAND, DER
WIRKLICH OFFEN ZEIGT, WENN ER ANTISYMPATHIE GEGENÜBER EINEM ANDEREN
HEGT UND BIETET AUCH DIESEN WÖLFEN STETS SEINE HILFE AN. SEINE
BEMÜHTE NEUTRALITÄT MACHT IHN ZU EINEM GUTEN BERATER UND ZUHÖRER, DA
ER OBJEKTIV AN DINGE HERANGEHT UND AUCH DIE MEINUNGEN MIT
EINBEZIEHT, DIE SICH NICHT MIT SEINER EIGENEN DECKEN. MEISTENS SOGAR
FORMULIERT ER DABEI SO OFFEN, DASS MAN GEZIELT DANACH FRAGEN MUSS,
WAS ER DENKT UND NICHT, WAS SEINE VERNUNFT IHM SAGT. DURCH DIESE
DISTANZ ERLAUBT ER AUCH NICHT JEDEM DIREKT EINEN EINBLICK IN SEINEN
CHARAKTER. OHNEHIN STEHT ER DEN MEISTEN ZUMINDEST INNERLICH ANFANGS
MEHR MIT GESUNDEM MISSTRAUEN GEGENÜBER, AUCH WENN ER NACH AUSSEN HIN
ZIEMLICH OFFEN WIRKT. ER BEWAHRT STETS DEN ABSTAND UND ANSTAND, DEN
ER SICH SELBST WÜNSCHT UND ERFRAGT NUR SELTEN PERSÖNLICHE DINGE
ANDERER. ES IST MEHR SEINE ART, SICH OFFEN ALS ZUHÖRER ANZUBIETEN
UND DEM GEGENÜBER SOMIT SELBST DIE ENTSCHEIDUNG ZU GEBEN, IHM ETWAS
ANZUVERTRAUEN, OHNE IHN DABEI MIT DER DIREKTEN FRAGE DANACH IN DIE
ENGE ZU TREIBEN.
» solang' ich am leben bin «
solange dein herz noch für mich schlägt werde ich für uns beide
kämpfen » weil es meinen namen trägt «
SO GERN ER
SICH AUCH ALS ZUHÖRER UND HELFENDE PFOTE ANBIETET – MANCHMAL BRAUCHT
AUCH ER MOMENTE, IN DENEN ER SICH EINFACH SCHWEIGEND SEINEN GEDANKEN
HINGEBEN KANN. IM HINTERKOPF RUHEN STETS DIE GESICHTER DERER, DIE ER
BEREITS AUF DER SUCHE NACH SEINER AUFGABE VERLOREN HAT UND ALS
‚EINFACH‘ WÜRDE WOHL NIEMAND DIESE ERLEBNISSE BESCHREIBEN.
NICHTSDESTOTROTZ HAT DAS NICHTS AN SEINEM HÖFLICHEN UND
OPTIMISTISCHEN CHARAKTER GEÄNDERT. ER VERLIERT DABEI DIE REALITÄT
NIE AUS DEN AUGEN, DOCH EIN SCHWARZMALER IST ER GEWISS NICHT. ER
VERLIERT NIE DIE HOFFNUNG UND IST IMMER BEMÜHT, SIE AUCH DEN WÖLFEN
IN SEINER UMGEBUNG (ZURÜCK) ZU GEBEN. JA, TATSÄCHLICH IST ER EIN
LOYALER UND TREUER FREUND, WENN ER EINEN ERSTEINMAL IN SEINER
DIREKTEN, SEELISCHEN NÄHE DULDET UND BEGRÜSST, DER SICH ZURÜCKSTELLT
UND STETS EIN OFFENES OHR HAT. UND HAT MAN IN IHM ERSTEINMAL EINEN
FREUND GEFUNDEN, SO KANN MAN SICH GEWISS SEIN, DASS ER EINEN AUCH
MIT DEM LEBEN BESCHÜTZEN WÜRDE, WÜRDE ES SOWEIT KOMMEN. DABEI SIND
AUCH STREITEREIEN ODER ANDERE UNSTIMMIGKEITEN SCHNELL VERGESSEN.
CHIVAN MAG VIELLEICHT ETWAS NACHTRAGEND SEIN, DOCH AUCH DA STEHT
WIEDER HERZ GEGEN VERNUNFT. PROVOKATIONEN NIMMT ER MIT EINEM KÜHLEN
KOPF ENTGEGEN UND AUCH SONST BLEIBT ER MEIST RUHIG, OBSCHON ER AUCH
EINE LEIDENSCHAFTLICHE UND KINDLICHE SEITE HAT, DIE ALLERDINGS
WIRKLICH NUR DIE ENGSTEN FREUNDE VON IHM ZU GESICHT BEKOMMEN.
f a m i l
i ä r e s .
GEBURTSRUDEL wölfe des morgens EHEMALIGES RUDEL
schicksalsträumer RANG mitglied
» ELTERN
Chayenne & unbekannt
Wir waren der erste Wurf meiner Mutter und obgleich wir unseren
Vater nie zu Gesicht bekamen - er fehlte auch nicht wirklich.
Ich muss gestehen, dass ich mir seinen Namen nie gemerkt habe.
Er war nicht wichtig und das Rudel ersetzte ihn in seiner
Aufgabe perfekt. Wir brauchten keinen Vater – unsere Familie war
auch so vollkommen komplett. Unsere Mutter ist eine herzensgute
Wölfin, die uns so viele Freiheiten wie möglich ließ, allerdings
auch nicht davor zurückschreckte, uns zurechtzuweisen, wenn wir
unsere Grenzen überschritten. Diese Strenge hielt meist aber
nicht lang, was nichts daran änderte, dass der Tadel uns meist
doch im Gedächtnis blieb und wir daraus lernten.
» WURFGESCHWISTER Seâtan (x) & Maekyth (x)
Wir drei waren wie zwei Ufer eines Sees – Maekyth und ich waren
uns gar nicht mal so unähnlich. Wir lernten früh, Verantwortung
zu übernehmen und nahmen die Regeln ernst, die man uns
vorsetzte. Wir gaben uns Mühe, zu verstehen und richteten uns
nach den Legenden der Götter, die man uns erzählte – ja, man
könnte sogar sagen, dass wir davon fasziniert waren und keinen
Moment daran gezweifelt hatten. Damals schon ahnte ich, dass ich
nicht wie sie war – oder dass wir alle drei nicht wie die
anderen Wölfe waren und mehr damit zutun hatten. Ich spürte es
tief in mir drin, aber Maekyth habe ich trotz unserer engen
Vertrautheit nie davon erzählt. Nicht, weil ich fürchtete, sie
würde mich für verrückt halten, sondern mehr, weil ich glaubte,
dass es einfach nicht ausgesprochen werden wollte. Sie hätte
mich verstanden, oh ja – wenn mich einer verstanden hätte, dann
wäre sie es gewesen. Sie starb an meiner Seite, als wir die
anderen Wölfe in Sicherheit bringen wollten.
Seâtan
hingegen war ein Gegenstück zu uns beiden. Er distanzierte sich
früh von uns und höhnte über die Geschichten, die meine
Schwester und ich so spannend fanden. Er höhnte über den Glauben
und spottete über die Götter und ließ sich keine Gelegenheit
nehmen, seinen Unmut auszudrücken. Wir gaben uns Mühe, mit ihm
zurecht zu kommen, doch all das schien ihn nur noch mehr zu
amüsieren. Ich bin ehrlich – ich mochte ihn nie. Er war
abgehoben, unfreundlich und egozentrisch. Ein Wolf, der
eigentlich niemals dazu fähig gewesen wäre, sich in einem Rudel
zurechtzufinden, wenn er nicht irgendetwas gehabt hätte, was die
Wölfe überzeugte. Er war wahrlich ein guter Redner und der erste
von uns, der das Rudel verließ, um seinen eigenen Weg fernab von
uns ‚Geblendeten‘ zu gehen. Doch später trafen wir wieder
aufeinander – der Gute unausstehlicher denn je. Doch dieses Mal
sollte es nicht lange währen. Auch er starb an der Seite seiner
Geschwister. Unsere Leben schienen dichter verbunden, als er
wahrhaben wollte.
» GESCHWISTER Mhaira & Mekur & Neyra
Als das Frühjahr heranrückte, bekamen wir erneut Zuwachs im
Rudel. Unsere Mutter brachte einen weiteren Wurf zur Welt und
Maekyth und ich unterstützten sie mit dem Rest des Rudels, so
gut wir konnten. Es waren zwei Fähen und ein Rüde, die nicht
minder begeistert von den Geschichten waren, die uns in unserer
Welpenzeit erzählt worden waren. Auch sie entwickelten also zu
Wölfen, die den Sinn für Fantasie und Mythen nicht aus den Augen
verloren und dennoch mit allen vier Läufen im wahren Leben
standen. Sie glaubten die Geschichten und ließen sich davon auch
nicht von Seâtans höhnischen Bemerkungen abbringen. Ich glaube,
für sie war er ungefähr genauso rätselhaft und unsympathisch wie
für Maekyth und mich und sie gaben sich weniger Mühe, dies zu
verbergen. Vielleicht hat auch das in den Wahnsinn meines
Bruders und seine arrogante Art mit hineingespielt. Doch er war
wie er war und auch im Nachhinein hätte ich nichts an seinem
verkorksten Charakter ändern wollen. Mhaira, Mekur und Neyra
sahen das vielleicht anders, doch wäre er anders gewesen, wären
wir alle sicher nicht die, zu denen wir uns entwickelt haben. Es
sollte so sein.
» ERSTER WURF mit Bakura // Aveny
Tawaan & Ronen Taweel
Ich würde niemals behaupten, sie sei meine Gefährtin gewesen und
dennoch hat sie mich irgendwie fasziniert. Freundschaft auf den
ersten Blick – so konnte man es vielleicht beschreiben. Wir
schienen uns zu verstehen, ohne, dass viele Worte nötig waren.
Bakura begleitete unser Rudel nur kurze Zeit, doch das reichte
für unsere Freundschaft. Sie ist niemand, den man einfach
vergisst. Sie mochte ein wenig launisch gewesen sein, doch das
musste nicht zwangsläufig eine Schwäche bedeuten. Manchmal war
es schwer, an sie heranzukommen, zu verstehen, wie sie reagierte
oder insgesamt, sie einzuschätzen, doch darüber setzte ich mich
einfach hinweg. Es brauchte nicht lange zu lernen, wie man sie
lesen konnte – nicht für mich und vielleicht ist das auch der
Grund, weshalb diese Freundschaft auf ewig etwas Besonderes
bleiben wird. Nichts ist von Dauer und auch, wenn ich sie
seitdem Tag vor einigen Jahren nicht mehr gesehen habe, weiß
ich, dass ich mich noch immer auf sie verlassen könnte.
Sie war eine Reisende, die bei unserem Rudel auf ihrem Weg
rastete. Seâtan war zu dieser Zeit bereits auf seinen eigenen
Wegen und somit kann man sich vorstellen, dass es ruhiger,
friedlicher und angenehmer in unserer Gruppe geworden war.
Dennoch wollte sie nicht bleiben und ihren Weg weiter bestreiten
– zu dieser Zeit hatte ich öfter das Gefühl gehabt, dass es auch
mich wegzog in fremde Weiten. Etwas schien mein Herz zu rufen.
Es war, als wolle mein Schicksal nun endlich, dass ich den Ort
aufsuche, an dem es für mich meine Rolle zu erfüllen gab. Ich
begleitete die goldene Fähe also zurück zu ihrem eigenen Rudel.
Der Weg schweißte uns zusammen und somit wurde auch daraus eine
Freundschaft, die ich niemals vergessen werde. Ich trauerte
meinem Rudel nicht nach. Natürlich, ich vermisste sie, doch es
fühlte sich richtig an und der Gedanke, zurückzukehren, kam
keinen Moment auf. Bei ihrem Rudel angekommen, stellte sich
heraus, dass sie aus einer grausamen, ungerechten Linie stammte,
aus einem Rudel, welches ein gesunder Wolf im Grunde direkt
wieder verlassen musste. Doch sie gehörte dorthin und auch, wenn
es mehr einer wirklichen Herrschaft ähnelte als einem Rudel, so
wollte sie bei ihrer Familie bleiben. Ich bat sie darum, mich zu
begleiten und weiter durch das Land zu streifen, denn mein
Gefühl wollte mir keine Pause gönnen – davon abgesehen, dass das
wirklich kein Ort war, an dem man an eine Rast dachte – und so
ließ ich sie zurück, um weiter meinem Herz und dem Ruf der
Götter zu folgen. Später allerdings trafen wir erneut
aufeinander – in dem Rudel, welches mir zu dieser Zeit eine
Heimat bot, meine Rastlosigkeit kurze Zeit beendete und auch ihr
ein Leben fernab von dieser Herrschaft ermöglichte. Ob sie die
Lawine überlebt hat, die einen großen Teil des Rudels unter sich
begrub, weiß ich nicht.
» ZIEHSOHN Kishou (?)
Er war noch ein Welpe, als ich ihn fand – einsam und allein am
Rande des Reviers der Wölfe, die uns beide kurz darauf in ihren
Reihen aufnahmen. Ich weiß nicht – auch nach der Zeit nicht, die
wir gemeinsam verbracht haben – wieso er vollkommen allein an
diesem Ort gewesen war. Es war keine Frage, dass ich ihn von
diesem Moment an ohne zu zögern unter meine Fittiche nahm und
ihn aufzog. Ich zeigte ihm, wie man jagte, wie man überlebte. Er
war wie ein richtiger Sohn für mich ich hätte ohne zu zögern
mein Leben für ihn gegeben. Es spielte keine Rolle, dass nicht
das gleiche Blut durch unsere Adern floss. Auch sein Leben war
es, welches ich an jenem Tag in Sicherheit bringen wollte. Ich
bin mir nicht sicher, doch er müsste die Lawine überlebt haben.
Ich hoffe es zumindest und ich hoffe, dass es ihm gut geht; dass
er sich zurechtfand und ihn das Rudel aufgefangen hat, als ich
nicht mehr für ihn da sein konnte.
» GEFÄHRTIN keine
Ein rastloses Herz kann sich nicht binden, nicht, wenn es von
einer unsichtbaren Macht immer weitergezogen wird. Ja,
vielleicht gab es mal eine Zeit, in der ich glaubte, am Ziel zu
sein, doch ich wurde eines besseren belehrt. Meine Aufgabe ist
noch lange nicht erfüllt, noch nicht einmal angefangen und dies
steht in erster Linie für mich im Vordergrund. Danach mag es mir
vielleicht gegönnt sein, zu lieben, doch davor muss ich das
Schicksal erfüllen, welches mir die Götter gegeben haben. Ich
mag es noch nicht wissen, doch ich weiß – wenn ich meinem Herz
folge, so wird es mich früher oder später ans Ziel führen und
mir wird klar werden, was meine eigentliche Rolle ist. Doch dazu
muss es frei sein, frei und unbeirrt.
<» SEELENVERWANDTE Zurückgelassen
Eine Wölfin, die einem wie eine weitere Schwester ist, die man
ohne Worte versteht und auf die man sich blind verlassen würde –
bei solch einer Wölfin kann man gewiss von einer
Seelenverwandten sprechen. Vyaali war stets für mich da,
unterstützte mich und war mir eine Freundin, wie es kein anderer
Wolf war. Sie war tatsächlich wie eine zweite Schwester für mich
und die Tatsache, dass sich Maekyth und sie auch blendend
verstanden, ließ dieses Bild manches Mal tatsächlich
verschwimmen. Sie blieb mit ihr im Rudel zurück, als ich mit
Sathriella meine Reise begann. Auch sie traf ich aber später bei
diesem Rudel wieder, bei welchem auch Sathriella und ich
Unterschlupf fanden. Sie waren gemeinsam losgezogen, hatten
meine Spur verfolgt und mich schließlich eingeholt. Ich hätte
nie zu träumen gewagt, dass wir jemals wieder zusammen sein
würden, doch wieder hatte mich der Götterwille eines besseren
belehrt. Aber auch sie verlor ich bei der Lawine an meiner
Seite. Sie war eine von denen, die wir nicht retten konnten.
Die andere Fähe, die ich als Seelenverwandte bezeichnet
hätte – sie übernahm die Rolle der Ziehmutter bei Kishou und
auch so hatte sie für mich von Anfang an etwas Faszinierendes.
Sie war die Alpha des Rudels, welches mich aufnahm, leitete es
gemeinsam mit ihrem Bruder und hieß uns mit ihrem großen Herz
willkommen. Sie war einzigartig und ich glaube, dass sie mir mit
der Zeit so nah hätte kommen können, wie es Vyaali seit meiner
Welpenzeit war. Doch dazu fehlte uns die Zeit, die Möglichkeit –
Isaky muss die Lawinie überlebt haben. Ich hoffe es…
Irgendjemand musste doch für Kishou und das Rudel sorgen. Und
wenn nicht sie – wer dann?
a u s s e
r h a l b .
WEITERGABE keine weitergabe.
ERSTCHARAKTER isaí caiyé SCHRIFTFARBE
#772200
Lass die Wolfheit sehen aus deiner Sicht Was dich jeden Tag
zerbricht Blicke auf , verdränge den Schmerz in dir Lass dich
nicht von Zweifeln mehr berühren